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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band - -Author: Rudolph Rittmeyer - -Release Date: November 22, 2020 [EBook #63853] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, ERSTER BAND *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - - - - - - - - - -[Illustration: Michael de Ruyter.] - - * * * * * - - - - - Seekriege - und Seekriegswesen - - in ihrer - - weltgeschichtlichen Entwicklung - - Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege - des XVII. und XVIII. Jahrhunderts - - von - - Rudolph Rittmeyer - - Kontre-Admiral z. D. - - [Illustration] - - Erster Band - - Von den Anfängen bis 1740 - - Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen - - - Berlin 1907 - Ernst Siegfried Mittler und Sohn - Königliche Hofbuchhandlung - - - Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 - sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten. - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Vorwort. - - -Die Literatur über Seekriegsgeschichte ist in deutscher Sprache sehr -gering. In fremden Sprachen ist sie reichhaltiger und besonders in den -letzten Jahren angewachsen. Aber auch hier gibt es kaum ein Werk, das die -gesamte Seekriegsgeschichte behandelt. Es sind Geschichten der einzelnen -Marinen, Lebensbeschreibungen berühmter Seeleute, Bearbeitungen einzelner -Kriege, Betrachtungen über das Wesen und die Bedeutung des Seekrieges an -der Hand einzelner Kriege oder kriegerischer Ereignisse; Arbeiten der -letzten Art finden wir jetzt auch häufiger in Deutschland. - -Als Sammelwerk besteht nur das des französischen Autors du Sein: -»Histoire de la marine de tous les peuples«, in dem zwar alle Kriege und -ihre wichtigsten Ereignisse aufgenommen sind, jedoch mehr aufzählend, nur -selten genau beschreibend. Ein ähnliches Werk, Randaccio: »Storia navale -universale antica e moderna« ist noch kürzer gefaßt. - -Ein vollständigeres derartiges Werk habe ich besonders während meiner -Tätigkeit als Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marine-Akademie sehr -vermißt. Auch sonst ist der Mangel empfunden worden. So griff ich gern -die mir im Jahre 1898 von seiten der Inspektion des Bildungswesens der -Marine zu teil gewordene Anregung auf, eine allgemeine Geschichte der -Seekriege zu verfassen. Um so mehr wuchs mir die Arbeit ans Herz, als der -Herr Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts, Admiral v. =Tirpitz=, der -Verwirklichung des Planes, von seiner Nützlichkeit überzeugt, lebhaftes -Interesse und wertvolle Förderung schenkte. - -Eine Seekriegsgeschichte aller Völker und aller Zeiten würde eine Arbeit -erfordert haben, die nur in langen Jahren von =einer= Person zu -bewältigen gewesen sein würde. Deshalb habe ich mir in dem vorliegenden -Buche engere Grenzen gesteckt und die =Hauptaufgabe= gestellt, =die -großen Kriege der Segelschiffszeit= von der Mitte des 17. bis zum Beginn -des 19. Jahrhunderts genauer zu schildern, die von den seemächtigen -Staaten dieser Zeiten um die Herrschaft auf dem Meere geführt sind: von -Holland, England und Frankreich. Diese Kriege haben eine große Rolle in -der Weltgeschichte gespielt und den größten Einfluß auf das -Seekriegswesen geübt, denn ihnen verdanken die modernen stehenden Marinen -ihren Ursprung und zugleich den Antrieb zu ihrer Entwicklung auf allen -Gebieten: im Schiffbau, in der Bewaffnung, dem Personal und der Taktik. -Die Kenntnis dieser Kriege ist mithin am notwendigsten, ihre Betrachtung -am lehrreichsten. - -Um den Leser in den Stand zu setzen, zu jeder Zeit die Kriegsmittel, ihre -Gefechtskraft und (auf Grund dessen) die Kriegstaten beurteilen zu -können, schicke ich jedem Abschnitt eine =Betrachtung des Standes des -Seekriegswesens= und jedem Kriege eine Schilderung des jeweiligen -Zustandes der beteiligten Marinen voraus. - -Bei dem großen Mangel in unserer Literatur erschien es jedoch -wünschenswert, sowohl auf die früheren Zeiten zurückzugreifen als auch -die kleineren Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts in die Darstellung mit -hineinzuziehen, ja die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von -1588 (der Zug der »Armada«) bis 1648 schon genauer zu behandeln, weil in -ihnen eine neue Kriegführung zur See auftritt und durch diese Kriege die -bisherige Seeherrschaft Spanien-Portugals gebrochen wird. So wird das -Buch doch gewissermaßen eine Gesamt-Seekriegsgeschichte und vermag -Anregung und Fingerzeige zu Sonderstudien über andere Kriege oder Fragen -des Seekriegswesens zu bieten. Zu diesem Zweck füge ich ein Verzeichnis -aller mir bekannten wichtigeren Quellen bei. - -In den Auslassungen über die Entwicklung des Seekriegswesens mußte auf -Kürzung und Zusammenfassung besonderes Gewicht gelegt werden, so daß -Unvollständigkeiten sich hier nicht vermeiden ließen. Auch ist der Anlage -des Buches entsprechend die Entwicklung der Marinen nur für die drei -großen Seemächte genauer durchgeführt, über die der anderen Staaten sind -nur die notwendigsten Angaben gebracht. - -Um noch größere Nachsicht muß ich in Betreff der Betrachtungen bitten, -die sich auf die politischen Verhältnisse beziehen. Dem Einfluß, den die -Seekriege auf die Geschichte gehabt haben, wird in den allgemeinen -Geschichtswerken kaum je genügend Rechnung getragen, anderseits sind in -den Werken über Seekriegsgeschichte die politischen Verhältnisse meist -völlig übergangen; erst in neuerer Zeit ist jene Wirkung der Seekriege -zum Gegenstand eingehender Forschung geworden, wie vor allem die -bekannten Werke des Captain Mahan über den »Einfluß der Seemacht auf die -Geschichte« bezeugen. Seinem Beispiel folgend habe ich versucht, die -politischen Verhältnisse, unter denen die Seekriege geführt sind, und -ihre Folgen klarzulegen; wohl wissend, daß meine Kenntnisse nicht -hinreichen, hierin Vollkommenes oder auch nur Neues zu bieten. - -Bei der Bearbeitung der Kriege war ich bestrebt, die Quellenwerke -- -englische, französische und auch holländische -- die häufig national -gefärbt erscheinen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um ein -unparteiisches Urteil zu gewinnen; waren Auslassungen oder Angaben in -zwei sonst schätzbaren Werken nicht in Einklang zu bringen, so gebe ich -sie aus beiden. Außergewöhnlich hohe Angaben über Stärke und Verluste der -Streitkräfte, wie sie besonders in den ersten großen Kriegen von einigen -Autoren der gegnerischen Seite gemacht werden, schließe ich von der -Wiedergabe ganz aus. - -Den zweiten Band, der die Zeit von 1740-1815 umfassen wird, hoffe ich in -nicht zu langer Frist folgen lassen zu können. - -Wenn auch der Inhalt des Werkes in erster Linie allen denen, die in enger -Beziehung zu maritimen Berufen stehen, Interesse bieten dürfte, so geht -mein Wunsch doch auch dahin, daß es gleichfalls im Laienpublikum, dessen -Verständnis für alle maritimen Fragen in erfreulichem Wachsen begriffen -ist, Aufnahme finden und Belehrung und Aufklärung ermöglichen möchte. - - =Hannover=, Herbst 1906. - Rittmeyer - Kontre-Admiral z. D. - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - Vorwort III - - Wichtigste Quellen-Literatur XVIII - - Verzeichnis der Abbildungen XXIX - - - Erster Abschnitt. - - Altertum und Mittelalter. - - - $Erstes Kapitel: Das Seewesen Im Altertum$ 1-25 - - Einleitung S. 3. -- Ausdehnung der Schiffahrt. Nautik S. 4-6. - -- Schiffe im allgemeinen S. 7-9. -- Kriegsschiffe der - Phönizier und Griechen S. 9-13. -- Zur römischen Zeit S. - 13-17. -- Die Seekriege S. 17-21. -- Kampfweise und Taktik S. - 21-24. -- Schlußbemerkung S. 25. - - - $Zweites Kapitel: Das Seewesen im Mittelalter$ 26-52 - - Ausdehnung der Schiffahrt. Die ersten Entdeckungsfahrten der - Portugiesen. Nautik (Kompaß, Karten, Instrumente) S. 26-31. - -- Die Schiffe: im Mittelmeer S. 32-34; im Norden bis 1300 S. - 34-35. -- Entwicklung der Segelschiffe 1300-1500. Werften S. - 36-40. -- Waffen (Auftreten der Pulverwaffen) S. 40-42. -- - Die Seekriege: im Mittelmeer, der Hansa S. 42-43. -- - Englisch-französische Kriege S. 44-47. -- Kampfweise und - Taktik S. 47-49. -- Stärke und Zusammensetzung der Flotten S. - 50-51. -- Bemannung. Admirale S. 51-52. - - - Zweiter Abschnitt. - - Die Zeit von 1492-1648. - - - $Erstes Kapitel: Einleitung. Die großen Entdeckungen. Das - Heraustreten der Engländer und Holländer (Franzosen) in die - Ozeane. Die Unsicherheit auf den Meeren$ 55-95 - - Einleitung S. 55. -- =Die großen Entdeckungen=: Stand der - Geographie um 1492 S. 57-58. -- Der Weg der Portugiesen nach - Südosten. Teilung der Welt; Vertrag von Tordesillas. Vasco de - Gamas erste Reise S. 59-60. -- Das Festsetzen der Portugiesen - im Osten. Ausdehnung ihrer Macht bis 1540. Ihr Rückgang S. - 61-64. -- Der Weg der Spanier nach Westen. Die Reisen des - Kolumbus S. 65-68. -- Spanische Entdeckungen und Kolonien in - Westindien und Südamerika; ihre Verwaltung S. 69-70. -- Der - Südwestweg nach Indien. Magalhaes' Weltumsegelung S. 71-73. - -- Kolonien der Portugiesen in Brasilien, der Spanier in den - La Plata-Staaten, auf den Molukken und Philippinen S. 74-75. - -- Der Nordwest- und der Nordostweg, Entdeckungen und - Niederlassungen in Nordamerika, Weißen Meer, Spitzbergen - (Fischerei) S. 76-77. - - =Das Heraustreten der Engländer und Holländer (Franzosen) in - die Ozeane.= Niedergang der Hansa. Engländer und Holländer - gehen nach dem Süden S. 78-79. -- Fahrten und Freibeuterei - der Engländer (Francis Drake); ihre Niederlassungen in Indien - (ostindische Kompagnie), Nordamerika und Westindien S. 80-85. - -- Die Holländer in Indien (ostindische Kompagnie); in - Afrika, Nordamerika, Westindien und Südamerika (westindische - Kompagnie) S. 85-88. -- Die Franzosen in Brasilien, - Nordamerika, Westindien und Afrika. Dänen und Schweden - S. 89-90. - - =Die Unsicherheit auf den Meeren=: Seeraub, Korsaren der - Barbareskenstaaten, Flibustier S. 91-92. -- Freibeuter und - Kaper; das Convoiwesen. Einfluß der Unsicherheit auf Schiffe - und Seeleute S. 93-95. - - - $Zweites Kapitel: Schiffe, Waffen, Nautik$ 96-106 - - =Die Schiffe von 1492-1648.= Weiterentwicklung an Größe und - Gefechtskraft (Beispiele »Regent« und »Great Harry«) S. - 96-97. -- Schiffsbestand Englands 1522, 1548, 1603, 1649 - (die ersten Zwei- und Dreidecker »Royal Prince« und »Royal - Sovereign«) S. 98-101. -- Galeren und Galeassen S. 102. -- - Staatswerften S. 103. - - =Die Waffen.= Vermehrung der schwereren Artillerie (die - Kaliber Englands 1580). Handwaffen S. 104-105. - - Fortschritte der =Nautik= im 16. Jahrh. (Karten, Instrumente - usw.) S. 106. - - - $Drittes Kapitel: Die Seekriege, Kampfweise und Taktik, die - wichtigsten Kriegsmarinen 1492-1648$ 107-154 - - =Die Seekriege von 1492-1648.= Was muß man unter einem - Seekriege verstehen? (Kennzeichnung der älteren - Kriegführung) S. 107. -- Kriege im Mittelmeer: Türkei, - Venedig, Frankreich, Spanien S. 108-109. -- Kriege in der - Ostsee: Hansa, Schweden, Dänemark S. 109-111. -- Kriege - Englands und Frankreichs S. 111-112. -- Kriege Englands und - Hollands gegen Spanien. Aufstand der Niederlande S. 113. -- - Vorgeschichte der Armada (Drake gegen Cadiz) S. 114-116. -- - Die Instruktion für die Armada S. 117 bis 118. -- Stärke und - Zusammensetzung der Armada, Hollands und Englands Rüstungen - (die englische Flotte) S. 119-122. -- Abwägung der Kräfte - der Gegner S. 123-124. -- Die Armada-Woche: Beabsichtigte - Strategie und Taktik der Gegner S. 124. -- Fahrt der Armada - zum Kanal S. 125. -- Gefechte bei Plymouth (21. Juli 1588), - bei Portland (23. Juli) S. 126 bis 127. -- Gefecht bei Wight - (25. Juli), Armada ankert vor Calais (27. Juli), wird von - dort durch Branderangriff vertrieben (28. Juli) S. 128-130. - -- Niederlage der Armada bei Gravelines (29. Juli) S. 130. - -- Rückfahrt der Armada, ihre Verluste S. 131-132. -- Gründe - des Mißerfolges der Armada S. 132. - - Die Kriegführung Englands nach Abwehr der Armada: England in - den spanischen Gewässern; Belagerung von Lissabon; Cliffords - Züge; die Cadiz-Expedition; Frieden mit Spanien 1604 S. - 133-137. -- Hugenottenkriege; zweite Expedition gegen Cadiz; - die englische Marine bei Ausbruch der Revolution 1649 S. - 138-139. -- Die Kriegführung Hollands nach Abwehr der - Armada: Expeditionen gegen Spanien; Waffenstillstand - 1609-1621 S. 139. -- Blutiger Krieg mit Dünkirchen von 1621 - ab (Streitkräfte Dünkirchens); Sieg über die Spanier auf der - Schelde (1631) und in den Downs (Tromp über d'Oquendo 1639, - eine zweite Armada-Affäre) S. 140-141. -- Unterstützung - Portugals 1641; Holland in der Ostsee S. 142. -- - Schlußbetrachtung über die Seekriege 1492-1648: Anfang einer - neuen Seekriegführung S. 143. - - =Kampfweise und Taktik 1492-1648=: Ruderschiffe; die - Schlachten bei Lepanto (1571) und Genua (1638) S. 144-145. - -- Segelschiffe: der Kampf in der Querabrichtung, die - Kiellinie, Gefechtsgruppen S. 146. - - =Die wichtigsten Kriegsmarinen 1492-1648.= Portugal-Spanien, - Schweden, Dänemark S. 147-148. -- Holland S. 149-150. -- - England S. 151-152. -- Frankreich S. 153. -- - Kriegsschiffspersonal dieser Zeit S. 154. - - - Dritter Abschnitt. - - Die Zeit von 1648-1739. - - - $Erstes Kapitel: Geschichtlicher Überblick über den - Abschnitt$ 157-159 - - =Bedeutung des Abschnittes für die Entwicklung des - Seekriegswesens= S. 160. - - - $Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seekriegswesens$ 161-188 - - =Weiterentwicklung der Schiffe von 1648-1739=: Zunahme und - Vervollkommnung des Kriegsschiffbaues (»Constant Warwick«, - »Speaker«, »Royal Louis«). Beiboote. Wichtige Verbesserungen - (Zwischendeck, Schiffsbodenschutz, Ruderrad). Nautische - Hilfsmittel S. 161-167. - - =Waffen=: Geschützarten. Geschosse. Handwaffen. Aufstellung - und Verteilung der Geschütze an Bord S. 168-170. -- - Planmäßige Armierung der Schiffe S. 171-172. -- Brander und - Mörserboote S. 173-174. - - =Schiffsklassen=: Ihre Entwicklung, Schiffsbestände der - englischen Marine nach solchen um 1624, 1653, 1688, 1727. - Das Linienschiff und Schiffe zu besonderen Zwecken (Kreuzer) - S. 174-179. - - =Das Personal=: Entstehung des Seeoffizier-, Deckoffizier- - und Unteroffizier-Korps; letztere beide für die - verschiedenen Dienstzweige. Die Mannschaft (Werben, Pressen, - Seesoldaten) S. 180-182. -- Geist des Personals S. 183. - - =Kampfweise und Taktik.= Weiterentwicklung: Kampf in der - Querabrichtung, Luvstellung, Flottenkiellinie aus Gruppen, - Einteilung einer Flotte, Gruppentaktik. Kiellinie aus - Einzelschiffen, Einteilung einer Flotte, Kiellinie beim - Winde S. 184-187. -- Das Gefecht nimmt einen andern Verlauf. - Wert der Brander S. 188. - - - $Drittes Kapitel: Der erste englisch-holländische Krieg - 1652-1654$ 189-235 - - =Die Kriegsgründe= (Navigationsakte, Flaggengruß, der erste - Zusammenstoß) S. 189-191. - - =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der holländischen - und englischen Marine). Holland: Die ersten Rüstungen, - Schiffsbestand, Neubauten, Personal S. 192-194. England: - Vergleichende Angaben. Abwägung S. 195-197. -- Verwendung - der Flotten Englands und Hollands 1648-1652 S. 198. - - =Der Verlauf des Krieges.= Mängel in den Quellen über die - Kriege S. 199. -- Das Gefecht bei Dover 29. Mai 1652 (Tromp - gegen Blake) S. 200-203. -- Ereignisse vor der - Kriegserklärung S. 204. -- Das Gefecht bei Plymouth 26. - August 1652 (Ruyter gegen Ayscue) S. 205-207. -- Blake - vernichtet ein französisches Geschwader 7. September 1652 S. - 208. -- Der Krieg im Mittelmeer. Gefecht bei Elba 6. - September 1652 (van Galen gegen Badiley). »Phönix« vor - Livorno durch Boote genommen S. 208-209. -- Die Schlacht bei - Kentish Knock 8. Oktober 1652 (Witte de Witt gegen Blake) S. - 210-211. -- Niederlage der Engländer bei Dungeness 10. - Dezember 1652 (Tromp gegen Blake) S. 212-213. -- England - räumt das Mittelmeer. Gefecht vor Livorno 14. März 1653 (van - Galen gegen Appleton) S. 214. -- Die Schlacht bei Portland - 28. Februar 1653 (Tromp gegen Blake), die Engländer - verfolgen Tromp mit seinem Convoi S. 215-218. -- Rüstungen - und Unternehmungen im Frühjahr 1653 S. 219-220. -- - Zusammensetzung der engl. Flotte im Juni 1653 (als Beispiel - einer großen Flotte jener Zeit) S. 220-221. -- Die Schlacht - bei Northforeland-Nieuport 12./13. Juni 1653 (Tromp gegen - Monck), die erste Schlacht mit taktischen Bewegungen S. - 222-224. -- Die Gegner suchen den Entscheidungskampf, - Gefecht bei Kattwijk 8. August und Schlacht bei Scheveningen - 10. August 1653 (Tromp gegen Monck). Tromps Tod S. 225-227. - -- Folgen der Schlacht. Frieden von Westminster 1654 S. - 228-229. - - =Bemerkenswertes= im ersten Kriege, Umschwung in der - Kriegführung S. 229-231. -- Über =Strategie=, Rückblick auf - den Krieg. Schlußfolgerung S. 232-235. - - - $Viertes Kapitel: Nebenkriege 1654-1665$ 236-247 - - =England: Krieg mit Spanien 1654-1659.= Penn erobert Jamaica - (1655) S. 236. -- Blake vernichtet eine tunesische Flotte - (1655) und die Silberflotte vor Teneriffa (1657), beide im - Schutz von Befestigungen S. 237-238. -- England bei - Dünkirchen, in der Ostsee, in Tanger S. 238. - - =Holland: Krieg mit Portugal 1656-1661= S. 239. - - =Der schwedisch-polnische (-brandenburg-dänische) Krieg - 1655-1660.= Allgemeiner Verlauf des Krieges. (Das - Haager-Koncert. Frieden von Roeskild 1658. Frieden von - Kopenhagen 1660) S. 240. -- Beteiligung Hollands: Entsatz - Danzigs 1656. Die Schlacht im Sunde 8. November 1658 - (Wassenaer gegen Wrangel). England in der Ostsee S. 241-244. - -- Eroberung Fünens, Beschießung Nyborgs (Ruyter) 1659 S. - 245. - - =Holland im Mittelmeer 1661-1664= S. 246. - - =Krieg Frankreichs gegen Spanien 1635-1659.= Dünkirchen in - spanischem, englischem, dann französischem Besitz. Der - Pyrenäische Frieden S. 246-247. - - =Venedig und die Türken 1645-1669= S. 247. - - - $Fünftes Kapitel: Der zweite englisch-holländische Krieg - 1665-1667$ 248-306 - - =Die politische Lage= um 1662. Kriegsgründe S. 248-250. -- - Die äußeren Anlässe zum Kriege. Gegenseitige Angriffe in den - Kolonien (Holmes und Ruyter in Westafrika und Nordamerika - 1663-1665) S. 251-253. -- England greift den Smyrna-Convoi - an 1664. Die Kriegserklärung S. 254. - - =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der holländischen - und englischen Marine). Holland: Neubauten von 1654-1666; - Verbesserung der Armierung; Personal (Vermehrung der - Admirale) S. 255-257. -- England: Schiffsbestand 1654, 1665, - 1666. Vergleich der Armierungs- und Bemannungsstärke. - Werften S. 258-260. -- Stand der Taktik - (Gefechtsinstruktionen) S. 260-261. -- Abwägende Beurteilung - des Personals S. 262. -- Hinweis auf die Marine Frankreichs - S. 263. - - =Der Verlauf des Krieges.= Die ersten Bewegungen S. 263-265. - -- Die Schlacht bei Lowestoft 13. Juni 1665 (Herzog von York - gegen Wassenaer), die erste Schlacht mit Kiellinien beim - Winde, Schilderung und Beurteilung S. 266-268. -- Weitere - Ereignisse 1665. (Verdienste Jan de Witts; Ruyter - Oberbefehlshaber) S. 269-270. -- Englischer Angriff auf - Kauffahrer in Bergen 12. August 1665 S. 271. -- Verhalten - Frankreichs und Dänemarks S. 272. -- Stärke der Flotten 1666 - S. 273. -- Die Viertage-Schlacht 11. bis 14. Juni 1666 - (Ruyter gegen Prinz Rupert und Monck): Strategischer Fehler - der Engländer, Schilderung der Schlacht (Moncks berühmter - Angriff am 11., Tromps Fehler am 12., Verfolgungsgefecht am - 13., Niederlage der Engländer am 14. S. 273-282. -- Die - zweite Schlacht bei Northforeland 4. bis 5. August 1666 - (Schlacht vor der Themse; St. James Fight. Die gleichen - Führer wie vorher): Ruyter erkundet die Themse; Niederlage - der Holländer am 4., Ruyters Rückzug am 5. S. 283-286. -- - Weitere Ereignisse 1666: Die Engländer im Vlie-Strome 19. - August; Ruyters Versuch, sich mit den Franzosen zu - vereinigen; erfolglose Friedensverhandlungen S. 287-289. -- - Das Jahr 1667. England beabsichtigt, nur Kreuzerkrieg zu - führen, Holland die Themse anzugreifen S. 289-291. -- - Ruyters Angriff auf Themse und Medway 17./23. Juni (Order, - Disposition und Ausführung) S. 292-294. -- Blockade der - Themse und Beunruhigung der englischen Küsten, Sommer 1667 - S. 295 bis 296. -- Frieden zu Breda 21. Juli 1667. S. 296. - - =Bemerkenswertes= beim zweiten Kriege: Unterlegenheit - Hollands in Material und Personal. Fortschritte in der - Taktik (die Kiellinie beim Winde) S. 297-299. -- Über - =Strategie= in diesem Kriege, Rückblick S. 300-304. -- - Militärischer Wert des Kreuzerkrieges S. 305. -- Über die - Angriffe auf das feindliche Land S. 305. - - =Vergleich= des ersten und zweiten Krieges S. 305. - - - $Sechstes Kapitel: Der dritte englisch-holländische Krieg - 1672-1674$ 307-361 - - =Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege=: Ludwigs XIV. - Devolutionskrieg, Dreibund gegen ihn, seine strategische - Politik zu dessen Lösung und zur Isolierung Hollands. - (Leibniz' Concilium Aegyptiacum.) Kriegserklärung Englands - und Frankreichs gegen Holland S. 307 bis 312. - - =Die Streitmittel der Gegner= (Entwicklung der englischen, - holländischen und französischen Marine). Holland und - England: Bestand der Flotten 1666 und 1672; - Organisationsänderungen; Disziplin und Geist S. 312 bis 314. - -- Die französische Marine: Schnelle Entwicklung unter - Colbert (Colberts Wohlfahrtspolitik); Schiffsbestand 1640, - 1666, 1669; Schiffe, Armierung, Bemannung; das Kontingent - zum Kriege 1672; Kennzeichnung des Offizierkorps S. 315-319. - -- Verwendung der drei Marinen 1667-1672 S. 319. - - =Der Verlauf des Krieges.= Kriegspläne der Verbündeten - (Landung). Holland in Not S. 320. -- England greift vor - Kriegserklärung den Smyrna-Convoi an 23. März 1672 S. 321. - -- Hollands Pläne und Unternehmungen im Frühjahr 1672 S. - 322-324. -- Die Schlacht bei Solebay 7. Juni 1672 (Ruyter - gegen York und d'Estrées) verhindert Landungsversuch S. - 325-328. -- Verlauf des Landkrieges 1672 (neuer - Landungsversuch). Innere Zustände Hollands (Volkserhebung, - Ermordung de Witts, Deiche durchstochen) S. 329-332. -- - Wendepunkt im Landkriege, Holland erhält Hilfe S. 333. -- - Das Jahr 1673. Neue Bedrängnis Hollands. Ruyter versucht, - die Themse zu sperren, nimmt dann eine offensive Defensive - auf S. 334-335. -- Erste Schlacht bei Schooneveld 7. Juni - 1673 (Ruyter gegen Prinz Rupert und d'Estrées) S. 336-338. - -- Zweite Schlacht bei Schooneveld 14. Juni; beide - Schlachten strategische Erfolge Ruyters S. 339-341. -- Die - Schlacht bei Texel 21. August 1673; Ruyter vor der Themse, - dann wieder in Defensivstellung, Verbündete haben Landung - vorbereitet; werden bei Texel geschlagen (Ruyters überlegene - Taktik) S. 342-348. -- Verhalten der Franzosen (d'Estrées) - S. 349. -- Die Schlacht führt zum Frieden S. 350. -- Der - kleine Krieg S. 350. -- Verlauf des See- und Landkrieges - 1673-1674. Der Frieden von Westminster Februar 1674 S. - 351-352. - - =Bemerkenswertes= im dritten Kriege in Hinsicht auf Material - und Taktik (Ruyters Verdienste) S. 353-355. -- Verhalten der - Franzosen. Schwächen von Bündnissen S. 356. -- Über - =Strategie=: Wie die Gegner ihre Aufgaben lösten (ihre - Kriegführung; Ruyters Strategie) S. 357-360. -- - Zusammenstellung der Hauptereignisse des Krieges S. 361. - - - $Siebentes Kapitel: Nebenkriege 1674-1688$ 362-409 - - Verlauf des zweiten Eroberungskrieges Ludwigs XIV. von 1674 - bis zu dem Frieden von Nymwegen 1678 und Fontainebleau 1679; - er bringt zwei große Nebenkriege S. 362-363. - - =Der französisch-holländische (spanische) Krieg 1674-1678= - (die Fortsetzung des Krieges 1672-1674 seitens Frankreichs - und Hollands). Tromp an der französischen Küste und im - Mittelmeer 1674 S. 364-367. -- Ruyter in Westindien 1674 - (Martinique) S. 368-369. -- Westindien 1676-1677. Der Kampf - um Tabago. Angriffe auf die Insel (Binckes gegen d'Estrées) - S. 370-371. -- Der Krieg im Mittelmeer 1675-1678. Kampf der - Franzosen und Spanier um Sicilien (Gefecht bei Stromboli - 1675) S. 372 bis 373. -- Holland (Ruyter) unterstützt - Spanien. Die Schlacht bei Stromboli 8. Januar 1676 (Ruyter - gegen du Quesne, Vorteile der Leestellung) S. 374 bis 380. - -- Der Kampf um Messina. Schlacht bei Agosta 22. April 1676 - (Ruyter gegen du Quesne. Ruyters Tod. Angaben über Ruyter) - S. 381-384. -- Die Schlacht bei Palermo 2. Juni 1676 (den - Haen und d'Ybarra gegen Graf v. Vivonne. Größter Erfolg der - Brander) S. 385-386. -- Die weiteren Ereignisse 1676-1678 - (der Seekrieg lau) S. 387. -- Frankreich räumt Sicilien S. - 388. -- Der kleine Krieg gegen den Handel (Dünkirchen) S. - 389. -- Rückblick auf den Krieg 1674-1678: Über die - Kriegführung der Gegner. Mittelbare Folgen des Krieges für - England, Holland, Frankreich S. 390-393. - - =Der schwedisch-dänische (holländisch-brandenburgische - Krieg) 1675-1679.= Stand der dänischen, schwedischen und - brandenburgischen Marine; Stärke der holländischen - Hilfsgeschwader (Tromp in dänischen Diensten) S. 394-395. -- - Die Schlacht bei Bornholm 5. Juni 1676 (de Almonde und Niels - Juel gegen Creutz und Ugla) S. 396. -- Schlacht bei Ertholm - 11. Juni (Tromp gegen Creutz). Dänische Landung in Schonen - S. 397. -- Dänische Siege unter Niels Juel bei Gjedser und - in der Kjögebucht 1677 S. 398. -- Tromp und Niels Juel - greifen Kalmar an. Verwüstung der Küsten 1677. Dänemark - beherrscht die Ostsee S. 399. -- Der Krieg in Pommern - 1677-1678: Erste Eroberung Rügens unter Christian V. und - Tromp. Tätigkeit der brandenburgischen Flottille 1676-1677. - Holland tritt zurück, Tromp entlassen S. 400. -- Die zweite - Eroberung Rügens 1678 (der Große Kurfürst, Derfflinger, - Tromp, Niels Juel) und seine Folgen. Friedensschluß S. 401. - -- Weitere Geschichte der brandenburgischen Marine S. 402. - - =Kämpfe gegen die Barbaresken 1674-1688.= Vorgehen Englands - (gibt Tanger auf) und Hollands S. 402-403. -- Unternehmungen - der Franzosen: du Quesne vernichtet Schiffe in Chios 1681; - bombardiert Algier 1682 und 1683 (neue Mörserboote von - Renau-d'Eliçagarey) S. 403-407. -- d'Estrées gegen Tunis, - Tripolis und Algier 1685-1688 S. 408. - - =Angriff der Franzosen auf Genua 1684= S. 408. - - =Venetianisch-türkischer Krieg 1684-1699.= S. 409. - - - $Achtes Kapitel: Der französisch-englisch-holländische Krieg - 1688-1697$ d. i. die Kriegführung zur See im Pfälzischen - Erbschaftskriege 410-485 - - =Die politischen Verhältnisse, die den Krieg herbeiführten.= - Ludwigs XIV. Reunionen und Ansprüche auf die Pfalz; der - Augsburger Bund 1686; Wilhelm von Oranien König von England; - die Wiener Allianz 1689 S. 410-412. -- Fehler der Könige - Ludwig und Jakob S. 413. -- Allgemeiner Verlauf des - Pfälzischen Erbschaftskrieges, Frieden von Ryswijk (Gründe - der Erschöpfung Frankreichs). Die Verwendung der Flotten S. - 413-417. - - =Die Streitmittel= (Entwicklung der englischen, - holländischen und französischen Marine). England: Mißstände - in der Verwaltung; Stellung der Marine zur Revolution; - Schiffsbestand 1688 und 1692 S. 417-419. - - Holland: Neubauten unter Wilhelm von Oranien; Bestand 1692; - Armierung; Indienststellungen während des Krieges; über den - Vorwurf, Oranien habe die Marine vernachlässigt S. 419-422. - - Frankreich: Fortschritte unter Colbert, Bestand 1681; Beginn - des Verfalls nach 1683; die Amtstätigkeit der Minister de - Seignelay und de Pontchartrin; Schiffsbestände bis 1696 S. - 422-425. - - =Der Verlauf des Seekrieges.= Wilhelm von Oraniens Übergang - nach England 1688 S. 425-427. -- Jakobs II. Einfall in - Irland und die Operationen 1689 S. 428-429. -- Gefecht bei - Bantrybay am 11. Mai 1689 (Herbert gegen Château-Renault). - Rooke in der Irischen See. Laue Tätigkeit der Gegner im - Kampfe um Irland S. 430-431. -- Das Jahr 1690: Rüstungen der - Gegner; Admiral Killigrew versucht vergeblich das - Toulongeschwader festzuhalten; Wilhelm III. landet in Irland - (Sorglosigkeit beider Gegner in Hinsicht auf Verbindung mit - Irland) S. 432-434. -- Tourville sucht die Flotte der - Verbündeten, Herbert weicht aus, bis er Befehl zum Schlagen - erhält (seine Einwendungen) S. 435-436. -- Die Schlacht bei - Beachy Head 10. Juli 1690 (Tourville gegen Herbert); Gründe - der Niederlage der Verbündeten; Tourville nutzt seinen Sieg - nicht aus S. 437-439. -- Folgen der Schlacht; weitere - Ereignisse 1690 S. 440. -- Das Jahr 1691: Tourvilles - Hochsee-Kreuztour und ihre Folgen. Frankreich im Mittelmeer - S. 441-444. -- Ludwig XIV. plant Einfall in England 1692, - Vorbereitungen und Befehle an Tourville; Rüstungen der - Verbündeten S. 445-446. -- Die Schlacht bei Cap Barfleur 29. - Mai 1692 (Tourville gegen Russell). Gegenbefehle erreichen - Tourville nicht; Stärke der Gegner; Tourvilles Gründe zum - Angriff; Beschreibung der Schlacht. Rückzug der Franzosen S. - 447-453. -- Vernichtung vieler französischer Schiffe bei La - Hogue und Cherbourg 1.-3. Juni 1692 S. 454-455. -- Die - Ereignisse der Jahre 1693-1697 -- Art der Kriegführung. - Vertrag der Verbündeten mit Spanien S. 456. -- 1693: - Rüstungen; Tourville vernichtet den Smyrna-Convoi bei Lagos; - die Engländer vor St. Malo (Infernals) S. 457-460. -- 1694: - Die Verbündeten im Mittelmeer und vor französischen Häfen - (Brest, Dieppe, Dünkirchen, Calais) S. 461-462. -- 1695: - Ähnliche Unternehmen (St. Malo, Dünkirchen [Rauchschiffe und - Infernals] Calais) S. 463-464. -- 1696: Die Verbündeten - geben das Mittelmeer auf. Ludwig XIV. plant Landung in - England. Die Verbündeten greifen Frankreichs Westküste an S. - 465-466. -- 1697: Friedensunterhandlungen. Frankreichs - Erfolge in Spanien und Westindien (de Pointis vor Cartagena) - S. 466 bis 467. - - =Der kleine Krieg=: Dünkirchen; Eigenart des französischen - Kreuzerkrieges (Taten Jean Barts) S. 467-470. -- Über das - Wesen des Kreuzerkrieges S. 471-472. -- Die Zusammenstöße in - den =Kolonien= (Westindien, Nordamerika) S. 472-473. - - =Bemerkenswertes= in diesem Kriege (Material und Taktik S. - 474.) - - Über =Strategie=: Rückblick auf die Kriegführung zur See - (Herberts Verhalten bei Beachy Head), Schlußbetrachtungen S. - 475-485. - - - $Neuntes Kapitel: Der Spanische Erbfolgekrieg 1702-1713$ 486-576 - - =Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege=: Verhandlungen - über die Thronfolge in Spanien; Philipp von Anjou König von - Spanien; Bund der Seemächte und des Kaisers gegen Ludwig - XIV., Kriegsplan; Karl von Österreich als Gegenkönig - aufgestellt, Änderung im Kriegsplan; Stellung Portugals - (Methuen-Vertrag) und Savoyens S. 486-491. -- Der allgemeine - Verlauf des Krieges und die Tätigkeit der Seestreitkräfte in - ihm S. 491-496. -- Die Bedingungen des Friedens von Utrecht - S. 497. - - =Die Streitmittel= (innere Geschichte der drei großen - Marinen bis 1739). - - Die holländische Marine: Beginn des Verfalls; - Indienststellungen während des Krieges; Verfall nach - Utrecht; Schiffsbestand 1740; über Personal S. 498-501. -- - Die französische Marine: Amtstätigkeit Jerôme de - Pontchartrins von 1699; Tätigkeit der Flotte während des - Krieges; Entwertung des Personals; Schiffsbestand 1712. - Weiterer Rückgang während der Regentschaft (1715-1723; - Schiffsbestand 1729) und unter Minister Maurepas (1723 bis - 1742); Stärke 1742 S. 502-504. -- Die englische Marine: - Schiffsbestände 1688, 1702, 1727, 1740. Personal - (Kennzeichnung der Seeoffiziere des 18. Jahrh.) S. 505-507. - - =Der Verlauf des Seekrieges.= 1701: Rüstungen, Absichten und - Bewegungen der Gegner S. 507-509. -- Das Jahr 1702: Der - Angriff auf Cadiz, Vorgeschichte S. 509-510. -- Rüstungen - der Verbündeten (lau; Hinhalten der Unternehmungen durch - Rooke), Rüstungen der Franzosen S. 511-512. -- Erfolgloser - Angriff der Verbündeten auf Cadiz (unter Rooke); Rooke - beschließt Heimkehr; Befehle für ihn S. 513-515. -- - Vernichtung der Silberflotte in Vigo 23. Oktober 1702. - Wirkung dieses Erfolges S. 516-518. -- Die Jahre 1703-1704: - Plan der Verbündeten für 1703, laue Tätigkeit und geringe - Erfolge, Verluste durch Sturm S. 519-521. -- 1704: Vertrag - der Seemächte mit Portugal; Karl III. nach Portugal; - Rüstungen und Pläne der Gegner (letzte große Rüstung - Frankreichs) S. 522-523. -- Angriff der Verbündeten auf - Barcelona; Graf Toulouse vereinigt die Brest- und - Toulon-Flotte S. 524-525. -- Rooke erobert Gibraltar 3. - August 1704. Beurteilung Rookes S. 526-528. -- Graf Toulouse - naht zur Wiedernahme, Rooke deckt Gibraltar S. 529-530. -- - Die Schlacht bei Malaga 24. August 1704 (Rooke gegen - Toulouse): Stärke der Flotten; Bedeutung der Schlacht für - die Taktik (Corbett über den Stand der Taktik); die Schlacht - und ihre Folgen S. 530-536. -- Gibraltar belagert, durch - Leake 1704 verstärkt und 1705 entsetzt (de Pointis - vernichtet) S. 536-539. -- Die Jahre 1705-1706: Barcelona - durch Prinz von Hessen, Peterborough und Shovel erobert 1705 - S. 540-541. -- Die Stadt von Marschall Tessé und Toulouse - belagert, durch Leake entsetzt 1706. Eine Landung in - Rochefort geplant S. 541-544. -- 1706: Erfolge der - Verbündeten im Mittelmeer S. 545. -- Die Jahre 1707-1708: - Angriff auf Toulon (Shovel und Prinz Eugen); Gefecht am Var; - Erfolglose Belagerung Toulons (Shovels Unglück bei den - Scillys) 1707 S. 546-549. -- Die Verbündeten besetzen - Sardinien und erobern Port Mahon (Leake und Stanhope) 1708 - S. 550-552. -- Einfallsversuch der Franzosen in Schottland - (Forbin) 1708 S. 552. -- Die letzten Kriegsjahre 1709-1712: - Stilles Wirken der Seestreitkräfte; Mißerfolge der Franzosen - gegen Sardinien, der Verbündeten gegen Cette 1710 -- Ende - des Seekrieges im Mittelmeer 1712 S. 553-555. -- - Französische Expedition gegen Rio (Trouin) 1712 S. 556. -- - Der Verlust an Schiffen im Kriege S. 557. - - =Der kleine Krieg=: Tätigkeit, Verluste und Erfolge der - Gegner; Taten berühmter französischer Freibeuter (Saint Pol; - Forbin; Trouin; du Casse; Cassard) S. 558-562. -- Die - Zusammenstöße in den =Kolonien=: Westindien (Gefecht vor - Cartagena: Benbow gegen du Casse 29. August bis 3. September - 1702), Nordamerika (Walkers Angriff auf Quebec 1711) S. - 562-566. - - =Schlußbetrachtungen=: Unzulänglichkeit der Streitmittel für - die Aufgaben; Englands Klage über Hollands geringe Leistung; - Stand der Taktik S. 566-567. -- Über =Strategie=: die - Aufgaben der Marinen und wie sie diese lösten (Rückblick auf - den Krieg), Frankreichs Kriegführung S. 568-570. -- Die - Kriegführung der Verbündeten S. 570-574. - - Die =Ergebnisse= des Krieges für die Teilnehmer S. 575-576. - - - $Zehntes Kapitel: Nebenkriege 1689-1739$ 577-593 - - =Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens - von Utrecht 1718-1720=: Spanien (Kardinal Alberoni) will - die verlorenen Provinzen wiedergewinnen, besetzt Sardinien; - Bund Englands, Frankreichs, Hollands und des Kaisers S. - 577-578. -- Spanien besetzt Sicilien; Admiral Byng - vernichtet die spanische Flotte bei Cap Passaro 11. August - 1718. Spanien aus Sicilien vertrieben; spanische Unternehmen - gegen englische und französische Küsten, Einfälle dieser - Staaten in Spanien; der Haager Frieden 1720 S. 581-582. - - =Der Nordische Krieg 1700-1721=: Die dänische und - schwedische Marine S. 582-583. -- Gründung der russischen - Marine (Peter der Große) S. 583-585. -- Der Verlauf des - Krieges 1700: Rußland, Polen, Dänemark bedrohen Schweden; - Karl XII. wirft Dänemark mit Hilfe einer - englisch-holländischen Flotte nieder (Belagerung - Kopenhagens, Frieden von Travendal) S. 585-586. -- Karls - XII. Landkrieg 1700-1709 (sein Aufenthalt in der Türkei) S. - 587. -- Erfolge der Gegner Karls 1709-1715 (Beteiligung der - Seestreitkräfte in diesen Jahren; Schweden verliert seinen - festländischen Besitz) S. 588-589. -- Karls XII. Feldzüge - gegen Norwegen 1716-1718 (Karls Tod; Tordenskiold) S. 589. - -- Rußlands Einfälle in Schweden 1719 bis 1721 S. 589. -- - Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege. - Tätigkeit ihrer Flotten 1715-1721 S. 590-591. - - =Venedig und die Türken=: Kriege 1645-1669 um Kreta, - 1684-1699 und 1714-1718 um Morea. Venedig auf das - Adriatische Meer beschränkt S. 591-592. - - =Die Barbaresken-Staaten 1715-1740=: Hollands, Englands und - Frankreichs Maßnahmen gegen den Seeraub S. 592. - - =Hinweis auf=: Angriff Spaniens auf Gibraltar (1727) und - Polnischer Erbfolgekrieg (1733-1735) S. 593. - - - $Elftes Kapitel: Die Zeit von 1721-1739.$ (Übergang zum - Abschnitt IV, Band II) 594-598 - - =Die politischen Verhältnisse bleiben gespannt=: Gründe - (Pragmatische Sanktion); Friedenspolitik Fleurys und - Walpoles (Wirken Laws in Frankreich) S. 594-595. - - =Bedrohung des Friedens 1725=: Bund Österreich-Spanien gegen - Frankreich-England-Holland-Preußen; wirkungsvolles Auftreten - Englands zur See (spanischer Angriff auf Gibraltar 1727) S. - 596. - - =Der Polnische Thronfolgekrieg= und seine Folgen S. 597. - - =Der Bourbonische Familienvertrag= und die Spannung Spaniens - und Englands in Westindien führen zum nächsten großen - Seekriege 1739 S. 598. - - - $Zwölftes Kapitel: Geschichte der Kolonien von 1648-1740$ 599-622 - - =Mittel- und Südamerika, Westindien.= Die spanischen - Kolonien: Schlechte Verwaltung; Belästigung durch die - Kriege; Flibustier; englischer Schmuggelhandel; Stärke der - Bevölkerung; der spanische Besitz um 1740 S. 599-601. -- Die - englischen Kolonien: Angaben über ihre Entwicklung, - Einwohnerzahl und Handel S. 602. -- Die französischen - Kolonien: desgleichen S. 603-604. -- Holland, Dänemark, - Portugal S. 604-605. - - =Nordamerika.= Die englischen Kolonien: Innere Entwicklung; - Ausbreitung; Stärke der Bevölkerung zu den Zeiten der Kriege - mit Frankreich S. 605-607. -- Die französischen Kolonien in - Kanada und Louisiana: desgleichen S. 608-611. - - =Ostindien.= Niedergang der Macht Portugals, Wachsen der - Hollands (holländisch-ostindische Kompagnie) S. 611-614. -- - Kurze Geschichte der englisch-ostindischen Kompagnie S. - 614-616. -- Die Ostender Kompagnie des deutschen Kaisers S. - 616. -- Frankreichs Kolonien in Indien S. 617-618. -- - Spanien auf den Philippinen S. 618. - - =Afrika.= Verlust der Portugiesen an Kolonien S. 619. -- - Besitzungen Hollands (Kapland) S. 619-620. -- - Niederlassungen Englands (westafrikanische Kompagnien) S. - 620. -- Besitzungen Frankreichs (Senegambien; Mißerfolg in - Madagaskar; Bourbon und Isle de France) S. 621-622. - - - Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten 623 - - Sach- und Namensverzeichnis 627 - - Berichtigungen 642 - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Wichtigste Quellen-Literatur. - - A. Werke allgemeinen Inhalts. - - - Abkürzung, - im Text - gebraucht: - - [1]=A. du Sein=, Professeur de l'école navale: Histoire de du Sein. - la Marine de tous les peuples depuis les temps les plus - reculés jusqu'à nos jours. Paris 1879. 2 Bde. - - Nach Völkern geordnet; Aufzählung sämtlicher Operationen, - Beschreibung einiger Schlachten usw.; die - Unterabteilungen der Geschichte einer jeden Marine durch - kurzen Überblick der politischen Verhältnisse - eingeleitet. Im ersten Kapitel »du Navire« Angaben über - die Schiffe des Altertums und Mittelalters, besonders - die verschiedenen Ansichten über Einrichtungen der - mehrreihigen Ruderschiffe betreffend, mit Abbildungen. - Geeignet für allgemeinen Überblick; nicht immer - zuverlässig. - - =C. Randaccio=: Storia navale universale antica e moderna. - Roma 1891. - - Übersicht aller Seekriege, der Zeit nach durchlaufend - geordnet. Kürzer als du Sein, Aktionen nicht - beschrieben. - - [1]=L. v. Henk=, Vizeadmiral z. D.: Die Kriegführung zur v. Henk. - See in ihren wichtigsten Epochen. Berlin 1881. - - Nach Zeitaltern und Völkern geordnet, eine kurze - Schilderung der Tätigkeit aller Marinen; Hauptschlachten - beschrieben. - - [1]=W. Laird Clowes=; The Royal Navy. A history from the Clowes. - earliest times to the present. London 1897/1901. 6 Bde. - Nach Zeitabschnitten geordnet: Bd. I 60 v. Chr. bis - 1603; Bd. II 1604-1714; Bd. III 1715-1783. - - Neueste, genaueste und unparteiischste Geschichte der - englischen Marine; die Unterabschnitte -- Military - History, Voyages and Discoveries, Civil History -- jedes - Zeitraumes schildern die Tätigkeit der Marine an der - Hand der englischen Geschichte, mit Benutzung früher - nicht zugänglicher amtlicher Urkunden, sowie ihre innere - Entwicklung und damit die des Seewesens überhaupt; - reiche Quellenangabe besonders über das Material - (Schiffe, Artillerie usw.). - - [1]=P. H. Colomb=, Rearadmiral: Naval Warfare. Its ruling Colomb. - principles and practice historically treated. - London 1891. - - Abhandlungen über die Kriegführung zur See. Die Kapitel - I-IV, »Struggle for the command of the sea,« und VI-IX, - »Attempts to gain command of the sea with definite - ulterior purpose«, beschreiben die großen Seekriege oder - besondere Lagen in diesen. Die Kapitel X-XV, »The - conditions under which attacks on territory from the sea - succeed or fall,« geben die Schilderung des Armadazuges - sowie vieler Unternehmungen gegen feindliches Land im - 17. und 18. Jahrh. Im Kapitel V, »The differentiation of - naval force«, die Entwicklung der Schiffsklassen für die - verschiedenen Kriegszwecke. - - =Julian S. Corbett=: England in the Mediterranean, a study Corbett - of the rise and influence of British power within the »Mediterra- - streets. London 1904. nean«. - - Die Betrachtungen umfassen die Zeit von 1603-1713, - zeigen das Bestreben Englands, im Mittelmeer festen Fuß - zu fassen; lesenswert und wichtig für die Kriege des 17. - Jahrh., aber besonders für den Spanischen Erbfolgekrieg - 1702-1713. (Nach früher nicht zugänglichen Urkunden in - englischen Archiven.) - - [1]=J. C. de Jonge=: Geschiedenis van het Nederlandsche de Jonge. - Zeewezen. Haarlem 1858. 10 Bde. - - Wohl das bedeutendste Werk über die holländische Marine, - beginnend im Mittelalter, genau von 1665 (zweiter - englisch-holländischer Krieg) an. Kriege unparteiisch - behandelt; innere Geschichte der Marine (Material und - Personal) sehr eingehend und lehrreich; reiche - Quellenangabe. Für Deutsche nach einiger Übung leicht zu - lesen. - - =Comte de Lapeyrouse Bonfils=: Histoire de la Marine Bonfils. - Française. Paris 1845. 3 Bde. - - Genaue Geschichte von 1643 an. - - =C. Chabaud-Arnault=, Capitaine de Frégate: Histoire des Chab.- - flottes militaires. Paris et Nancy 1889. Arnault. - - Kurze (500 Seiten) aber sehr übersichtliche Geschichte - der wichtigsten Marinen, ihre Entwicklung und - Verwendung; gut für Überblick, genauer und sehr - lesenswert in Hinsicht auf die französische Marine. - - [1]=O. Troude= (publié par =P. Levot=): Batailles navales Troude. - de la France. Paris 1867-1868. 4 Bde. - - Seeschlachten vom Jahre 520 an; in der Einführung - Angaben über Artillerie und Schiffsklassen der - französischen Marine zu verschiedenen Zeiten. - - =A. T. Mahan=, Captain U. S. Navy: Der Einfluß der Mahan. - Seemacht auf die Geschichte. Erster Band 1660-1783. 2. - Aufl. Übersetzung Berlin 1898. - - Lehrreich in Hinsicht auf die politischen Verhältnisse - vor, während und nach den großen Seekriegen sowie auf - die Strategie in diesen; die Kriege werden mehr in - großen Zügen behandelt, jedoch auch verschiedene - Schlachten beschrieben. - - =P. Hoste=, Kaplan des französischen Admirals Tourville: Hoste. - L'art des armées navales, ou traité des évolutions - navales. Lyon 1697. - - Dieses erste Werk über Seetaktik, nach Anweisung - Tourvilles geschrieben, gibt den Stand der Taktik um - 1700 nach den Erfahrungen der großen Kriege des 17. - Jahrh. Es enthält Regeln über: Marsch- und - Gefechtsordnungen, Übergänge; Manövrieren um die - Luvstellung; Kampf vermeiden, den Gegner zum Kampf - zwingen; Dublieren und dieses hindern; Durchbrechen usw. - (ein Flotten-Exerzier-Reglement). Zur Erläuterung der - Lehren sowie zum Beweise aufgestellter Grundsätze sind - verschiedene Schlachten beschrieben. - - =Julian S. Corbett=: Fighting Instructions 1530-1816. - Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. - London 1905. - - Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der - englischen Marine. - - =E. K. Rawson=: Twenty famous naval battles, Salamis to - Santiago. London 1900. - - Für den ersten Band: Salamis; Aktium; Lepanto; - Gravelines (Armada); Dungeness; Kap Barfleur-La Hogue. - - [1]=Francis Steinitz:= The Ship, its origin and progress. »The Ship«. - Being a general history from its first invention to the - latest improvements; forming a complete account of the - naval events of the ancients, the middle ages and the - modern epochs, to the close of 1848. London 1898. - - Bemerkenswert durch zahlreiche Abbildungen von - Fahrzeugen aller Zeiten, durch einen Anhang mit - Erklärung der Namen vieler Schiffsarten aller Völker. In - Hinsicht auf die »naval events« nur genauer für die - englische Marine und für die Kriege Venedigs mit den - Türken, die sonst selten zu finden sind. - - =J. Campbell= und seine Fortsetzer: Lives of the British - admirals and naval history of Great-Britain from the - day's of Caesar to the present time. London 1873. - - Von neueren Schriftstellern oft angezogenes Werk schon - frühen Ursprungs, mehrfach neu herausgegeben. (In der - Bibliothek der Marineakademie eine deutsche Übersetzung - von 1755, Leipzig, und eine englische Ausgabe von 1813.) - - =R. Southey=: Lives of the British admirals with an - introductory view of the naval history of England. - London 1833-1840. (5 Bände.) - - =Isaac Schomberg=[2], Captain R. N.: Naval chronology; or - an historical summary of naval and maritime events, from - the time of the Romans to the treaty of peace 1802. - London 1802. 5 Bde. - - =Joseph Allen=[2], R. N.: Battles of the British navy. Allen. - London 1852. Von 1200 an. - - =C. D. Yonge=[2]: The history of the British Navy from the Yonge. - earliest period (700) to the present time. 2. ed. London - 1866. - - [1]=Ch. de la Roncière=: Histoire de la Marine française. Roncière. - Paris. Teil I 1899, Teil II 1900. - - Teil I, »Les Origines,« umfaßt die Zeit vom Altertum - (römische Zeit) bis 1360; Teil II, »La guerre de cent - ans,« die Zeit bis 1483 und »Révolution maritime,« d. i. - die Veränderungen im Seewesen, durch die großen - Entdeckungen und die Einführung der Artillerie - hervorgerufen. Verspricht bei Fortsetzung das genaueste - Werk über die französische Marine zu werden. - - [1] Die auf diese Weise gekennzeichneten Werke seekriegsgeschichtlichen - Inhalts enthalten auch bemerkenswerte Angaben über das - Seekriegswesen. - - [2] Diese älteren englischen Werke sind wohl von Laird Clowes überholt, - der z. B. Schomberg den Vorwurf großer Ungenauigkeit macht, aber - immerhin noch bemerkenswert. - - =E. Chevalier=: Histoire de la marine française depuis les - débuts de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. - Paris 1902. - - Nur 405 Seiten. - - =Eugène Sue=: Histoire de la marine française. Paris Sue. - 1835-1837. Fünf Teile. - - Von neueren, besonders französischen, Schriftstellern - oft angezogen, aber auch mehrfach als ungenau in - einzelnen Angaben (romantisch) bezeichnet. - - =L. Guérin=: Histoire maritime de France. Paris 1851. - 6 Bde. - - Wird oft angezogen, besonders z. B. von de Jonge[3]. - - [3] Von anderen Schriftstellern werden ferner noch folgende - französische Werke angezogen: de Boismélé: histoire générale de la - marine; Poncet de la Grave: précise histoire de la milice - française; Daniel: histoire de la milice française. - - =Prince de Joinville=: Histoire générale de la marine, - comprenant les naufrages célèbres, les voyages autour du - monde, les découvertes et colonisations, l'histoire des - pirates et corsaires; exploits des marins illustres, - guerres et batailles navales jusqu'au bombardement de - Tanger et la prise de Mogador. Paris. 4 Teile in 2 Bdn. - - Das Werk gibt die Geschichte der Schiffahrt aller - Völker, die der Marinen unter Hauptberücksichtigung der - französischen. - - =A. Barbou=: Les Grands Marins de France. Histoire - populaire de la marine française depuis les temps - anciens jusqu'à nos jours. Paris 1885. - - Kurz gefaßt (377 Seiten), gut illustriert. - - =F. C. Duro=: Armada Española desde la unión de los reinós - de Castilla y de Léon et Aragon. Madrid 1895-1903. 9 - Bde. - - Genaueste Geschichte der spanischen Marine. - - =C. A. Gyllengranat=: Sveriges sjökrigs-historia i Gyllen- - sammandrag. Carlskrona 1840. 2 Bde. granat. - - =H. G. Garde=: Den Danske og Norske Sömagts historie 1535 Garde. - bis 1814. Kjöbenhavn 1852-1861. 2 Bde. - - =J. G. Tuxen=: Den Danske og Norske Sömagt fra de aeldste Tuxen. - Tider indtil vose Dage. laere Skildringer. Kjöbenhavn - 1875. - - =Nauticus=: Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. Nauticus. - Berlin. - - Aufsätze im Jahrgang 1900: Entwicklung der englischen - Seemacht; Blüte und Verfall der holländischen Seemacht; - die skandinavischen Völker als Seemächte; aus der - Geschichte Venedigs. Jahrgang 1901: Frankreichs - Blütezeit als See- und Kolonialmacht; Blüte und Verfall - der spanischen Seemacht. Jahrgang 1902: Blütezeit der - dänischen Seemacht; Seemacht Rußlands unter Peter dem - Großen. - - =Carl Rodenberg=, Professor der Geschichte an der - Universität Kiel: Seemacht in der Geschichte. Stuttgart - 1900. - - Bespricht kurz (33 Seiten), aber fesselnd den Einfluß - des Besitzes der Seemacht durch eine starke Marine auf - die Geschichte von der Zeit der Hansa an; die hohe - Bedeutung der großen Seekriege wird veranschaulicht. - - Dr. =A. Zimmermann=: Die Europäischen Kolonien. Zimmermann. - Schilderung ihrer Entstehung, Entwicklung, Erfolge und - Aussichten. Band I: Portugal und Spanien. Band II und - III: England. Band IV: Frankreich. Band V: Holland. - Berlin 1896 (I), 1898/9 (II, III), 1902 (IV), 1903 (V). - - Bemerkenswert für die zunehmende Ausdehnung der - Schiffahrt und für die Kämpfe um die Kolonien. - - =L. Arenhold=, Marinemaler und Kapitänleutnant der Arenhold. - Reserve: Die historische Entwicklung der Schiffstypen - vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und - Leipzig 1891. - - 30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen - die Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der - Armierung. - - =J. Charnock=: A History of marine architecture, including - an enlarged and progressive view of the nautical - regulations and naval history, both civil and military, - of all nations, especially of Great-Britain. London - 1800-1802. 3 Bde. - - In den besten Werken über Seekriegsgeschichte als Quelle - für Entwicklung des Seewesens vielfach benutzt. - - =A. Jal=: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde. - - - B. Werke besonderen Inhalts. - - 1. Altertum und Mittelalter. - - Abkürzung, - im Text - gebraucht: - - =Adolf Ermann=: Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum. - Tübingen 1885. - - In den Kapiteln XIX und XX bemerkenswerte Angaben über - das Seewesen der alten Ägypter. - - Dr. =F. C. Movers=: Die Phönizier. Berlin 1856. Movers. - - Band II, Teil III, Kapitel VIII: Seehandel, Seewesen und - Schifffahrt der Phönizier. - - =Otto Meltzer=: Geschichte der Karthager. Berlin 1896. Meltzer. - 2 Bde. - - Band II, Kapitel VII: Angaben über die Kriegsflotte der - Karthager. - Dr. =Iwan von Müller=: Handbuch der klassischen - Altertums-Wissenschaft. München 1893. - - Band IV, Abteilung I, Hälfte II: Seite 330 ff. Angaben - über die Flotte Spartas und seiner Bundesgenossen - (Korinth). Seite 359 ff. sehr genau über die Flotte - Athens, Organisation, Taktik, Schiffbau (ähnlich wie in - du Sein eine Zusammenstellung aller Ansichten über die - Rudereinrichtung auf mehrreihigen Schiffen). Seite 417 - die Flotte Siciliens (Syrakus). Seite 440 die Marine zur - Zeit Alexanders des Großen und Seite 458 zur Zeit seiner - Nachfolger (größere Schiffe als Penteren). Band IV, - Abteilung II: Seite 425 Angaben über die römische - Flotte. - - =A. Cartault=: La trière athénienne. Paris 1881. - - Dr. =A. Breusing=: Die Nautik der Alten. Bremen 1866. Breusing, - Nautik. - Schiffahrt, Steuermannskunst, Bau und Takelung, die - Reise des Paulus (als Schilderung einer Seereise, aus - der man Schlüsse über Handhabung der Schiffe ziehen - kann). - - Dr. =A. Breusing=: Die Lösung des Trierenrätsels. Bremen Breusing, - 1889. Triere. - - Berichtigungen zu vorstehendem Werke, Ansicht des - Verfassers (sehr bemerkenswert) über die - Rudereinrichtung der Trieren. - - =R. Haak=: In Zeitschrift des Vereins deutscher R. Haak. - Ingenieure, Jahrgang 1895: Über attische Trieren. - - Seite 165-174 die Rudereinrichtung eingehend besprochen. - - =Serre=, Kontreadmiral: Les marines de guerre de Serre. - l'antiquité et moyen age. 2 Bde. Paris 1885, 1891. - - Teil I: Die verschiedenen Ruderschiffstypen des - Altertums (seine Ansicht über Rudereinrichtung); Galeren - des Mittelalters (mit einem Auszug aus Fincati). Teil - II: Eingehender über dasselbe Thema; Angaben über - Takelung und Ausrüstung. - - =Fincati=, Kontreadmiral: Triremi Veneziani. Roma 1881. Fincati. - - Schiffe des späteren Mittelalters; über Rudereinrichtung - im Altertum (hiervon ein Auszug in Serre). - - Dr. =E. Heyk=: Genua und seine Marine im Zeitalter der - Kreuzzüge. Innsbruck 1886. - - Über die Schiffe zur Zeit der Kreuzzüge, ihre Besatzung - und Kampfweise. - - [1]=Jurien de la Gravière=: La marine des anciens, la - bataille de Salamine et l'expédition de Sicile. Paris - 1886/87. - - Die Hauptschlachten der griechischen Zeit (auch z. B. - karthagische Expeditionen nach Sicilien) mit - vergleichenden Schlüssen zu späteren Zeiten. - - [1]=Derselbe=: La marine des Ptolémées et des Romains. - Paris 1885. 2 Bde. - - Die römische Marine und ihre Haupttaten vom Punischen - Kriege bis Aktium; einiges über die Kaiserzeit und die - gotischen Flotten. - - [1]=C. Manfroni=: Storia della Marina Italiana dalle - invasioni barbariche al trattato di Ninfeo. Livorno - 1899. - - Die maritimen Verhältnisse im Mittelmeer 400-1261; - Begebenheiten bei der Völkerwanderung, zwischen den - neuen Reichen, Araber und Normannen, Aufblühen der - Städte und ihre Kämpfe, Kreuzzüge; über Schiffe, - Personal, Nautik, Taktik usw. - - =G. de Veer=: Prinz Heinrich der Seefahrer und seine Zeit. - Danzig 1864. - - Kurz die Unternehmungen und Kriege Portugals zur See von - 1100 an; die Entdeckungen unter Prinz H. 1420-1460. - - =Th. Lindner=: Die deutsche Hansa. Leipzig 1899. Lindner. - - Ihre Geschichte und Bedeutung; kurz ihre Kriege gegen - Dänemark und Schweden. - - Dr. =A. Schaefer=: Die Hansa und die Norddeutsche Marine. Schaefer. - Bonn 1869. - - Gründung, Stellung und Kriege der Hansa. Von demselben - Autor auch spätere Werke über die Hansa. - - - 2. Neuere Zeit bis 1740. - - =Dassié=: L'Architecture navale, contenant la manière de - construire des navires, galères et chaloupes et la - definition de plusieurs autre espèces de vaisseaux. - Paris 1677. - - Mit Plänen und Bildern; Erklärung technischer Ausdrücke; - alte Segelanweisungen. - - =Jos. Furttenbach=: Architectura navalis. Ulm 1629. - - Über Galea, Bergantino, Fregatta, nave usw., alte - Schiffstypen. - - [1]=Jurien de la Gravière=: Les marins du XV^e et du XVI^e Jurien: - siècle. Paris 1879. 2 Bde. Les marins - du XV. - Ausdehnung der Schiffahrt im 15. und 16. Jahrh. Angaben - über Schiffbau, Nautik, Personal verschiedener Marinen; - »Die Grundlegung zu den modernen Marinen.« - - [1]=C. Manfroni=: Storia della marina italiana dalla - caduta di Constantinopoli alla battaglia di Lepanto. - Roma 1897. - - Kurzer Rückblick auf das 13. Jahrh., dann Fortsetzung - des vorigen Werkes (siehe Seite XXIV), Kriege der Städte - untereinander und gegen die Türken im 15. und 16. - Jahrh.; Angaben über das Seekriegswesen. - - =Jurien de la Gravière=: Doria et Barberousse. Paris 1886. - - Teil I: Ereignisse im Mittelmeer 1250-1500: Kampf der - Städte, Vordringen der Türken. Teil II: Franzosen und - Spanier in Italien, Türken in Afrika (Kampf um die - Herrschaft im Mittelmeer), repräsentiert durch Doria - (Genua) und Barberousse (Herrscher in den Raubstaaten - und türkischer Großadmiral). - - =Derselbe=: Les corsaires barbaresques et la marine de Jurien: - Soliman le Grand. Paris 1887. Türken. - - Blicke auf die Ereignisse im Mittelmeer um die Mitte des - 16. Jahrh. - - =Derselbe=: Les chevaliers de Malte et la marine de Jurien: - Philipp II. Paris 1887. Malta. - - Ebenso, besonders die Belagerung Maltas durch die - Türken. - - =Derselbe=: La guerre de Chypre et la bataille de Lepante. Jurien: - Paris 1888. Lepanto. - - Ebenso, besonders die Schlacht bei Lepanto 1571. - - =M. Richer=: Vie d'Andrée Doria, Général des Armées de - François I ensuite de l'Empéreur Charles-Quint. Paris - 1789. - - =J. Mitchell=: The history of the maritime wars of the - Turks. Translated from the Turkish. London 1831. - - =J. P. Contarino=, verdeutscht von =G. v. Bartfeld=. - Historie von dem Krieg, welchen der türkische Kaiser - Selim II. wider die Venediger erzeugt hat. Basel 1623. - - Lepanto 1571 usw. - - =Jurien de la Gravière=: Les Anglais et les Hollandais - dans les mers polaires et dans la mer des Indes. Paris - 1890. 2 Bde. - - Rivalität beider Völker auf dem Nordwege nach Indien, - 16. und 17. Jahrh. und in Ostindien. - - =Derselbe=: Les gueux de mer. Paris 1893. 2. Ed. Jurien: - Geusen. - Abfall der Niederlande bis 1573. - - =Derselbe=: Le siège de la Rochelle. Paris 1891. Jurien: - Rochelle. - Hugenottenkrieg 1628. - - =W. Stebbing=: Sir Walter Raleigh, a biography. Oxford - 1891. - - Die Zeit 1552-1618. - - =C. F. Duro=: La Armada invencible. Madrid 1884/85. - - Genaue Schilderung der Armada-Expedition, der Laird - Clowes viele Briefe und Berichte wörtlich entnommen hat. - - =Sheltema=: De uitrusting en ondergang der - onoverwinnelijke vloot. - - Eine Schilderung der Armada-Expedition, die de Jonge oft - anzieht. - - =Julian S. Corbett=: Drake and the Tudor navy. With a - History of the Rise of England as a maritime power. - London 1898. 2 Bde. - - =Derselbe=: The successors of Drake. London 1900. - - =Robert Southey=: English Seamen. London 1904. - - Teil I: Howard, Clifford, Hawkins, Drake, Cavendish. - Teil II: Hawkins, Greenville, Devereux, Raleigh. - - =J. W. v. Archenholz=: Die Geschichte der Flibustier. - Tübingen 1803. - - Veranlassung des Entstehens der Republik der Flibustier - im 17. Jahrh.; ihr Wesen usw. - - =H. Pyle=: The buccaneers and marooners of America. London - 1892. - - Taten berühmter Flibustier. - - =J. Bourney=: History of the buccaneers of America. London - 1891. - =Les Flibustiers= au XVII siècle. Limoges 1884. - - Dr. =E. Baasch=: Hamburgs Konvoyschiffahrt und - Konvoywesen. Ein Beitrag zur Geschichte der Schiffahrt - im XVII. und XVIII. Jahrhundert. Hamburg 1896. - - =G. Brandt=[4]: Leben und Thaten des fürtrefflichen und »Leben - sonderbahren Seehelden Michael de Ruyter. Amsterdam Ruyters.« - 1687. - - Ursprünglich in holländischer Sprache geschrieben, von - den Söhnen des Verfassers ins Deutsche (und ins - Französische) übersetzt, gibt nicht nur die Biographie - Ruyters sondern auch eine genaue Beschreibung der Kriege - Hollands von 1652-1676 (Seitenangaben im Text beziehen - sich auf diese deutsche Ausgabe). - - =La vie de Corneille Tromp=[4] (Verfasser nicht genannt). »Vie de - Haag 1694. Tromp.« - - Auch ursprünglich in holländischer Sprache, ins - Französische (darauf beziehen sich die im Text - angezogenen Seitenzahlen) und auch ins Englische - übersetzt. Neben der Biographie eine genaue Schilderung - der holländischen Kriege von 1652-1692. - - [4] »Leben Ruyters« und »Vie de Tromp« sind die wichtigsten alten - Quellen über die drei großen englisch-holländischen Kriege. Aus - ihnen haben die meisten späteren Schriftsteller geschöpft; - insbesondere soll »Vie de Tromp« einem wichtigen alten englischen - Werke, »Columna rostrata by Samuel Colliber, London 1783,« als - Hauptquelle gedient haben, das wiederum für spätere englische - Autoren die Grundlage gewesen ist. In beiden Werken finden wir auch - die Beteiligung Hollands am schwedisch-polnischen Kriege 1655-1660 - und im »Vie de Tromp« am schwedisch-dänisch (brandenburgischen) - Kriege 1675-1679. - - Dr. =O. Klopp=: Leben und Taten des Admirals de Ruiter. - Hannover 1852. - - Von Laird Clowes öfters angezogen. - - =H. Dixon=: Robert Blake, Admiral and General at sea. - London 1852. - - Führer der englischen Flotte 1649-1657 (erster - englisch-holländ. Krieg). - - =G. Penn=: Memorials of the professional life and times of - Sir William Penn. London 1833. 2 Bde. - - Englischer Admiral 1650-1670 (erster und zweiter - englisch-holländischer Krieg). - - =S. R. Gardiner=: Letters and papers relating to the First - Dutch War (1652-1654). London 1899/1900. 2 Bde. - - =Chabaud-Arnault=, Revue maritime et coloniale, Jahrgang Revue - 1885. maritime - 85. - Im Teil II, Seite 497, und Teil III, Seite 74, Aufsätze: - Les batailles navales au milieu du XVII. siècle; Die - Schlachten der drei englisch-holländischen Kriege, - kritisch bearbeitet nach den hier angeführten Quellen, - aber auch nach alten, erst kürzlich aufgefundenen - Urkunden. - - =A. Jal=: Abraham du Quesne et la marine de son temps. Jal: - Paris 1873. »du Quesne.« - - Leben des Admirals und die Kriegsereignisse 1630-1688; - Aktenauszüge, Privatbriefe und Notizen über Leben und - Laufbahn anderer französischer Seeoffiziere gewähren - Einblicke in die Verhältnisse der Marine. - - =J. Delarbre=: Tourville et la marine de son temps; notes, Delarbre: - lettres et documents 1642-1701. Paris 1889. Tourville«. - - Auch hierin lesenswerte Einblicke in die Verhältnisse - der Marine, besonders wichtig für den Krieg 1688-1697. - - =A. Badin=: Jean Bart. Paris 1887. - - Zeit 1672-1679. - - =Mémoires= de monsieur =Duguay Trouin= (1672-1736), - lieutenant général des armées navales de France. - Amsterdam 1740. - - Enthält u. a. ein kurzes Verzeichnis technischer - Ausdrücke und Angaben über Anzahl der Offiziere und der - verschiedenen Besatzungsteile auf den damaligen - Schiffen. - - =Le Baron R. du Casse=: L'Admiral du Casse 1646-1715. - Etude sur la France maritime et coloniale. Paris 1876. - - =Burchett=: Mémoires de tout ce, qui s'est passé sur mer, - durant la guerre avec la France 1688-1697. Amsterdam - 1704. - - Aus dem Englischen übersetzt. - - =H. C. Garde=: Niels Juel. Kjöbenhavn 1842. - - =J. C. Tuxen=: Niels Juel og Tordenskjold. Kjöbenhavn - 1875. - =Leben= des berühmten königl. dänischen Vizeadmirals Herrn - =Just v. Juels=, nebst einer Nachricht von dem - Bombardement dreyer feindlicher Flotten gegen die - dänische Flotte Anno 1700. Kopenhagen und Leipzig 1756. - - =A. Petersen=: Om Orlogsskibet Dannebrogs. Deeltagelse i - Kampen i Kjöge Bugt den 4. October 1710. Kjöbenhavn - 1867. - - =C. A. G. Bridge=: History of the Russian Fleet during the Bridge. - reign of Peter the Great by a contemporary Englishman - (1724). London 1899. - - =Sir G. S. Clarke=: Russia's Sea-Power past and present or - the Rise of the Russian navy. London 1898. - - Zählt kurz Rußlands Engagements zur See auf. - - =O. Wesselajo=: Kurze Geschichte der russischen Flotte. - St. Petersburg 1893/95. - - Zwei Bände in russischer Sprache. - - Dr. =P. F. Stuhr=: Die Geschichte der See- und - Kolonialmacht des Großen Kurfürsten. Berlin 1839. - - =B. E. K.=: Die Marine des Großen Kurfürsten Friedrich - Wilhelm von Brandenburg und die erste deutsche - Expedition nach Westafrika. Leipzig 1895. - - =Graf von Borcke=: Die brandenburg-preußische Marine und - die Africanische Compagnie. Köln 1864. - - =Roeßel=, Generalleutnant a. D.: Die erste - brandenburgische Flotte im schwedisch-polnischen Kriege - 1658-1660. Berlin 1903. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Verzeichnis der Abbildungen. - - Bildnisse. - - Seite - =Michael de Ruyter.= Nach G. Brandt, Leben und Taten des - fürtrefflichen und sonderbaren Seehelden Michael de Ruyter - (Holl.) Amsterdam 1687 Titelbild - - =Prinz Heinrich der Seefahrer.= Nach dem Miniaturgemälde in der - 1448-1453 entstandenen Handschrift »Chronica do descobrimento e - conquista de Guiné etc.« in der National-Bibliothek zu Paris. - Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. Berlin - 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung 28 - - =Vasco de Gama.= Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der - Entdeckungen. Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung 59 - - =Christofel Colonus= (Christoph Columbus). Nach einem Stich in - einer alten Porträtsammlung der Königl. Bibliothek zu Hannover 65 - - =Ferdinand Magellanus.= Ebendaher 71 - - =Francis Drake.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history - from the earliest times to the present. Bd. I. London 1897. - Sampson, Low, Marston & Co. 80 - - =Lord Howard of Effingham.= Nach J. Campbell, Life of the British - admirals and naval history of Great-Britain from the days of - Casear to the present time. London 1873 121 - - =Robert Blake.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history - from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. - Sampson, Low, Marston & Co. 200 - - =Martin Tromp, der Ältere.= Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van - het Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858 201 - - =Jacob van Wassenaer.= Ebendaher, Teil II 241 - - =Herzog von York.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A - history from the earliest times to the present. Bd. II. London - 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 264 - - =Herzog von Albemarle= (=Monck=). Nach J. Campbell, Life of the - British admirals and naval history of Great-Britain from the - days of Caesar to the present time. London 1873 274 - - =Prinz Rupert= (Ruprecht von der Pfalz). Nach Wm. Laird Clowes, - The Royal Navy. A history from the earliest times to the - present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 337 - - =Cornelis Tromp.= Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het - Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858 365 - - =Abraham du Quesne.= Nach Girard Edelinck gezeichnet von Th. Gide. - Nach A. Jal, Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris - 1873, Henry Plon 377 - - =Niels Juel.= Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from - the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, - Low, Marston & Co. 398 - - =Marschall de Tourville.= Nach Delarbre, Tourville et la marine de - son temps; notes, lettres et documents 1642-1701. Paris 1889 432 - - =Edward Russell= (Earl of Oxford, Viscount Barfleur). Nach Wm. - Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times - to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 447 - - =Jean Bart.= Nach L. Guérin, Histoire maritime de France. - Teil III. Paris 1858. Dufour, Mulat et Boulanger 470 - - =John Leake.= Nach Fabers Mezzotinto-Bildnis nach dem Porträt von - G. Kneller (1712) in Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history - from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. - Sampson, Low, Marston & Co. 549 - - =George Byng= (Viscount Forrington). Ebendaher Bd. III. 580 - - - Abbildungen von Schiffen. - - =Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde.= Nach D. A. - Breusing, Die Nautik der Alten. Bremen 1886. Verlag von Carl - Schünemann 8 - - =Triere. Längsschnitt, Teil des Längsschnittes, Teil des - Querschnittes.= Nach der Zeitschrift des Vereins deutscher - Ingenieure, Berlin 1895. Selbstverlag des Vereins deutscher - Ingenieure 11 - - =Kleines römisches Kriegsschiff um etwa= 50 v. Chr. Nach L. - Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom - römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. - Lipsius und Tischer 16 - - =Galere des= XVI. =Jahrhunderts=. Nach Jurien de la Gravière, Les - Marins du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie. 33 - - =Wikingerschiff etwa= 1000 n. Chr. Nach L. Arenhold, Die - historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen - Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius - und Tischer 34 - - =Englisches Fahrzeug um etwa= 1190 (=Kreuzfahrer=). Ebendaher. 36 - - =Hansa-Kogge um etwa= 1380. Ebendaher 37 - - =Holländische Kogge des= XV. =Jahrhunderts=. Ebendaher 38 - - =Karavelle des= XV. =Jahrhunderts=. Nach Jurien de la Gravière, - Les Marins du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie. 39 - - =Galeon des= XV. =Jahrhunderts=. Ebendaher 39 - - =Englisches Kriegsschiff= »=Henry Grace à Dieu=«. Nach Wm. Laird - Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the - present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 97 - - =Englisches Kriegsschiff= »=The Royal Prince=«. Nach J. Charnock, - A history of marine architecture. London 1800-1802 100 - - =Englisches Kriegsschiff= »=The Sovereign of the Seas=«. Nach W. - van der Velde. Ebendaher 101 - - =Englisches Schlachtschiff= »=The Speaker=«. Nach Wm. Laird - Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the - present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 164 - - =Französisches Linienschiff= »=Royal Louis=«. Nach Arenhold, Die - historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen - Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius - und Tischer 166 - - =Geschützaufstellung bei Drei- und Zweideckern.= Nach einer Skizze - des Verfassers 169 - - =Englischer Dreidecker= »=Royal Charles=«. Nach Wm. Laird Clowes, - The Royal Navy. A history from the earliest times to the - present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co. 172 - - =Französischer Dreidecker= »=Le Soleil Royal=«. Ebendaher 172 - - - Schlachtpläne und Übersichtsskizzen. - (Nach Skizzen des Verfassers.) - - =Hafen von Cadiz= 1596 136 - - =Gefecht bei Dover=, 29. Mai 1652 202 - - =Schlacht bei Kentish Knock=, 8. Oktober 1652 210 - - =Schlacht bei Portland=, 28. Februar 1653. Erster Zusammenstoß 215 - - =Schlacht bei Portland=, 28. Februar 1653. Hauptmoment 217 - - =Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges= 1652-1654 233 - - =Der= 11. =Juni der Viertageschlacht= 1666 275 - - =Der= 12. =Juni der Viertageschlacht= 1666 278 - - =Der= 14. =Juni der Viertageschlacht= 1666 281 - - =Ruyter im Medway=, 20.-23. Juni 1667 293 - - =Schauplatz des zweiten und dritten englisch-holländischen - Krieges= 301 - - =Schlacht bei Solebay=, 7. Juni 1672 326 - - =Schlacht bei Texel=, 21. August 1673 346 - - =Angriff auf Tabago=, 3. März 1677 371 - - =Schlacht bei Stromboli=, 8. Januar 1676 378 - - =Bombardement von Algier=, 1683 b 405 - - =Schlacht bei Beachy Head=, 10. Juli 1690 437 - - =Schlacht bei Kap Barfleur=, 29. Mai 1692 451 - - =Vigo=, 23. Oktober 1702 517 - - =Bai von Gibraltar= 526 - - * * * * * - - - - - Erster Abschnitt. - - Altertum und Mittelalter. - - -[Illustration] - - Erstes Kapitel. - - Das Seewesen im Altertum. - - Einleitung. - -Im $Altertum$ hat sich das Seewesen zu einer hohen Blüte entwickelt. Der -Seehandel verband alle Völker am Mittelmeer auf das engste, die -Herrschaft auf ihm spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der -Staaten, und infolgedessen wurden auch Seekriege geführt, die von großer -Bedeutung waren. Der Bau von Kriegsschiffen -- Ruderschiffen -- erreichte -eine bemerkenswerte Höhe, stehende Marinen wurden geschaffen, in denen -die Ausbildung des Personals und die Taktik eine gewisse Vollendung -erlangten. - -Im $Mittelalter$ tritt das Seekriegswesen gegen das Altertum zurück. Es -stand im allgemeinen nicht auf gleicher Höhe, Seekriege von solcher -Bedeutung wie dort sind im Mittelalter nicht geführt worden. - -Zwischen dem Altertum und dem Mittelalter wurde die Entwicklung des -Seewesens durch die Völkerwanderung gewaltsam unterbrochen; es mußte sich -fast ganz von neuem ausbilden. Von dort an aber geht die Entwicklung -ununterbrochen weiter bis zur Gegenwart, und es tritt, besonders auch für -die Kriegsschiffe, die Segelschiffahrt nach und nach in den Vordergrund. - -In den letzten Jahrhunderten (dem 14. und 15.) dieses Zeitabschnittes -bereitet sich die Ausdehnung der Schiffahrt auf die Ozeane vor. Es -erscheinen die Völker auf dem Meere, die seit der neueren Zeit als -Seemächte eine Rolle spielen; es wird schließlich gegen das Ende des -Mittelalters die Hauptwaffe der Gegenwart, die Artillerie, in größerem -Maße an Bord der Schiffe eingeführt. So wird der Abschluß des -Mittelalters auch in Hinsicht auf das Seewesen ein Zeitpunkt von höchster -Bedeutung. - -$Die Ausdehnung der Schiffahrt.$ Schon in der frühesten Zeit haben die -=Phönizier= den Grund zu einer umfangreichen Schiffahrt gelegt. Von etwa -1500 bis 1100 v. Chr. blühte ihr Handel unter der Führung der Stadt Sidon -im Ostmittelmeer, sie waren aber auch schon ins Westmittelmeer -vorgedrungen; von 1100 bis 800, zur Zeit der Vorherrschaft der Stadt -Tyros, beherrschten sie die Seefahrt im Westmittelmeer durch harte -Maßregeln. Von etwa 1100 an wurden sie im Osten nach und nach von den -=Griechen= überflügelt, und als sie sich von 800 an, geschwächt durch -beständige Kriege im Heimatlande, im Westmittelmeer nicht mehr halten -konnten, traten dort ihre Pflanzstädte, besonders =Karthago=, an ihre -Stelle. -- Aber auch über das Mittelmeer hinaus erstreckte sich die -Seefahrt. Die Phönizier schon und später ihre sowie griechische -Pflanzstädte im Westen befuhren die Küsten des Atlantik, nach Süden bis -zum Senegal und Gambia, wobei auch die Kanarischen Inseln entdeckt wurden -(Karthago), nach Norden bis zum Englischen Kanal. Im weiteren Verlauf -ging die Schiffahrt bis zum Norden Englands und in die Nordsee (der -Massilier Pytheas umsegelte bereits um die Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. -Großbritannien). - -Im Osten besuchten die =Ägypter= schon um 2100 v. Chr. die Küsten Afrikas -südlich vom Roten Meere; dieser Verkehr, durch Verfall des Reichs -unterbrochen, wurde in der 18. Dynastie, etwa 1600 v. Chr., wieder -aufgenommen und später durch Phönizier unter dem Schutz arabischer und -ägyptischer Herrscher nach Osten bis Indien ausgedehnt; zur Ptolemäerzeit -betrieben die griechischen Kaufleute Ägyptens regelmäßigen Seehandel nach -Indien, sie sind wahrscheinlich sogar im 1. Jahrh. n. Chr. bis zur -Mündung des Jangtsekjang vorgedrungen. Dieser Seeverkehr mit den Küsten -Asiens -- dem »Indien« des Altertums und Mittelalters -- ist bis in die -byzantinische Zeit aufrecht erhalten, der von den Ptolemäern vollendete -Kanal zwischen dem Mittelmeere und dem Roten Meere war mindestens bis ins -6. Jahrh. n. Chr. in brauchbarem Zustande; erst die Eroberung Ägyptens -durch die Araber 640 n. Chr. brach die unmittelbare Seeverbindung der -Byzantiner und damit auch des Abendlandes mit Indien ab. - - Beim Ausgang des Altertums war den Kulturvölkern durch diesen - Seeverkehr nach Norden und Osten, durch die Eroberungszüge Alexanders - und der Römer und durch den uralten Landhandel über Persien usw. in das - Innere Asiens ein großer Teil der Alten Welt bekannt; freilich hatte - man infolge der mangelhaften Ortsbestimmungen von vielen Ländern und - Küsten, besonders im Osten, nur unklare geographische Vorstellungen. - -$Die Nautik im Altertum.$[5] Die Schiffahrt war zunächst reine -Küstenfahrt, nur tiefe Buchten kürzte man ab und wagte Überfahrten nur, -wo eine Insel in absehbarer Ferne lag. Diese Küstenfahrt erforderte -umsichtige und tüchtige Seeleute, um den Gefahren der Untiefen und des -Wetters beim Fahren auf Legerwall (d. h. Land gefahrdrohend in Lee)[6] -zu begegnen. Zeitig kam der Gebrauch des Lotes auf, das Bezeichnen von -Untiefen durch eingerammte Pfähle in eigenen oder oft besuchten und die -Verwendung von Eingeborenen als Lotsen in fremden Gewässern, ferner die -Benutzung von Landmarken, deren auch künstliche, z. B. Türme, auch -Leuchttürme vor den Häfen, errichtet wurden. Frühzeitig auch gab es -Segelanweisungen, welche die Entfernungen von Ort zu Ort, Beschreibungen -der Küste, Angaben über Häfen, Rheden, Strandverhältnisse, Ankerplätze, -Ankergrund, Wasserversorgung u. dgl. enthielten. - - [5] Hauptquelle: Breusing, Nautik. - - [6] Lee (leewärts): die Seite, wohin der Wind bläst, im Gegensatz von - Luv (zu Luward), woher der Wind kommt. - -Zum Landen lief man anfangs, auch wohl später noch häufig, auf den Strand -und schleppte bei längerem Aufenthalt die Fahrzeuge auf; wenn die Größe -und Belastung der Schiffe oder sonstige Verhältnisse, z. B. -Beschaffenheit des Strandes, Verhalten der Einwohner usw., solches -verboten, wurde geankert; zweifellos hat es in einzelnen Häfen bald -Bollwerke zum Festmachen gegeben; später wurden, besonders für -Kriegszwecke, künstlich geschützte Häfen mit eingeteilten Bassins -(Docks), Magazinen, Arsenalen und Einrichtungen zum Trockenlegen der -Fahrzeuge gebaut. - -Als man das ganze Mittelmeer kannte, sich vom Lande freizumachen verstand -und kürzende weitere Überfahrten wagte, bei denen das Land aus Sicht kam, -bestimmte man den Kurs nach dem Stand der Sonne und der Gestirne. Schon -die Phönizier benutzten den Polarstern und schätzten die Fahrt nach dem -Bugwasser und nach der Schnelligkeit des am Schiff vorbeifließenden -Wassers, wie man es bei der Küstenfahrt zu beurteilen gelernt hatte. Da -keine genauen Stundenmesser vorhanden, wurde die Fahrt für Tage -angegeben; um einen Begriff von der Leistungsfähigkeit der Schiffe zu -erhalten, sei erwähnt, daß das Etmal (d. h. der Weg in 24 Stunden) im -Durchschnitt bei guten Schiffen zu 120 Seemeilen (1200 Stadien) angegeben -ist, es entspricht dies einer Fahrt von 5 Knoten für die Stunde, auch -solche zu 7 Knoten werden aufgeführt, doch der allgemeine Durchschnitt -ist nur 2 bis 3 Knoten. Diese Art der Besteckführung war natürlich sehr -ungenau und versagte ganz bei anhaltend trübem oder stürmischem Wetter, -deshalb wurde die Schiffahrt im allgemeinen während der Wintermonate -geschlossen. Zur Unterstützung dieser ungenauen Besteckführung sammelte -man jedoch auch Erfahrungen, man nahm Tieflotungen mit Grundproben vor -wie jetzt, man beobachtete die Wasserfarbe bei Annäherung an die Küste -namentlich vor großen Strömen usw. Durch die Fahrten im Atlantik lernte -man Ebbe und Flut und durch die nach Indien die Monsune kennen; die -Schiffe nach Indien fuhren im Sommer mit N.W.-Monsun vom Roten Meere ab -und kehrten, auch wenn sie dort im ersten Winter ihre Geschäfte erledigt -hatten, erst im nächsten Herbst mit S.O.-Monsun von Indien zurück. - -Die wissenschaftliche Nautik konnte aber erst größere Fortschritte -machen, als ihre Hilfswissenschaften, die messende Erd- und -Himmelskunde, zu einer gewissen Reife gelangt waren; auch hierzu ist im -Altertum der Grund gelegt. Thales (600 v. Chr.), Pythagoras (550), -Aristoteles (350) entwickelten die Theorie von der Kugelgestalt der Erde; -Eratosthenes (Alexandria 250), Posidonius (Rhodus 100) berechneten den -Erdumfang und Hipparch (Alexandria 150) überzog die Erdoberfläche mit dem -Gradnetze von Meridianen und Breitenparallelen, dessen wir uns noch jetzt -bedienen. Letzterer drang darauf, die Lage der Orte nach Länge und Breite -festzustellen, bestimmte selbst mehrere Polhöhen und empfahl zur -Längenbestimmung die genaue Beobachtung der Sonnen- und Mondfinsternisse. -Wenn es bis dahin nur möglich war, rohe Darstellungen der -Ländergestaltung und der Lage bekannter Orte nach ihrer ungefähren -Richtung und Entfernung voneinander herzustellen, so konnten jetzt -einigermaßen richtige Karten angefertigt werden. - -Aber erst Marinus (Tyrus 100 n. Chr.) entwarf Karten nach -wissenschaftlichen Grundsätzen und einer ihm eigentümlichen Projektion. -Er zog Breitenparallele und Meridiane als gerade Linien aus, die sich -rechtwinklig schnitten. Der Kugelgestalt der Erde trug er dadurch -Rechnung, daß er den Abstand der Meridiane voneinander so ordnete, wie es -dem Breitenparallel von 36° N. -- im Altertum als die Mittelbreite der -bewohnten Welt angesehen -- entsprach, und sammelte sorgfältig aus den -Tagebüchern der Reisenden Angaben zur Berechnung der Länge und Breite -vieler Orte. Er ist also der Schöpfer der platten Karte. - -Ptolemäus (Alexandria 150 n. Chr.) berichtigte und erweiterte diese -Arbeit; an 8000 Orte sind in seinem geographischen Buche mit Länge und -Breite verzeichnet, und 27 Karten sind ihm beigegeben; bei den -Spezialkarten hat er als Mittelbreite die des betreffenden Landes -angenommen; es sind dies die einzigen uns überlieferten Karten des -Altertums. Mit Ptolemäus erreichte die messende Erd- und Himmelskunde für -lange Zeit ihren Höhepunkt. Sein geographisches Werk hat leider während -des ganzen Mittelalters in Vergessenheit geruht; sein zweites, -astronomisches Werk (Almagest) aber, in dem er das nach ihm benannte -astronomische System, das erst nach anderthalb Jahrtausenden vom -Kopernikanischen verdrängt wurde, niederlegte, hat beim Wiederaufleben -der Wissenschaft im Mittelalter der Erdkunde die größten Dienste -geleistet. - -Die praktische Navigation konnte jedoch im Altertum aus allen diesen -wissenschaftlichen Fortschritten noch keinen Nutzen ziehen, solange wegen -mangelnder Instrumente keine astronomischen Beobachtungen auf See (an -Land wurden die Breitenbestimmungen mit dem Gnomon, dem Schattenzeiger, -angestellt) gemacht werden konnten und man kein Mittel hatte, den Kurs -jederzeit mit Sicherheit zu bestimmen -- nämlich ohne Kompaß; man blieb -auf ein nur ungenau geschätztes Besteck und somit auf Küstenfahrt -angewiesen. - - Es sei hier vorgreifend noch erwähnt, daß im Altertum die Ausdehnung - der Alten Welt von West nach Ost auf den bekannten Breiten -- also von - Spanien bis China -- viel zu groß angenommen wurde infolge der - ungenauen Längenbestimmungen namentlich in Asien. Marinus nahm sie zu - 225°, Ptolemäus zu 180° an gegen etwa 130° in Wirklichkeit; die erstere - Zahl hat wesentlich dazu beigetragen, Kolumbus zu seinem Plane zu - ermutigen, die Ostküste Asiens auf dem Wege nach West zu erreichen. - - * * * * * - -$Die Schiffe im allgemeinen und die Handelsschiffe.$[7] Wie die -=Phönizier= das erste Volk gewesen sind, das seine Seefahrt über das -ganze Mittelmeer ausdehnte, so waren sie auch grundlegend für die -Entwicklung des Seewesens aller Völker am Mittelmeer; auch die Ägypter, -die schon früh das Rote Meer usw. befuhren, bildeten ihr Seewesen nicht -weiter aus, sondern bedienten sich später ebenfalls in diesen Gewässern -der Phönizier und dann der Griechen. Wenn auch wohl naturgemäß die -anderen Küstenvölker, ehe sie mit den Phöniziern in Berührung kamen, aufs -Wasser gegangen sind, so haben doch zweifellos die frühzeitiger technisch -entwickelten Fahrzeuge der letzten überall zur Ausbildung des Schiffbaues -den Anstoß gegeben. - - [7] Hauptquellen: Breusing, Nautik; Movers. - -Die =Griechen= haben sodann allerdings viel zur Entwicklung, besonders -der Kriegsschiffe, beigetragen, aber alle griechischen Schriftsteller von -Homer bis auf die spätesten stellen die Phönizier als Vorbild hin, was -deren Schiffe, seemännische Umsicht, Genauigkeit und Erfahrung sowie ihre -nautischen Kenntnisse anbetrifft; noch Xenophon lobt die praktische -Einrichtung, die musterhafte Ordnung und Disziplin, die er auf -phönizischen Schiffen -- und zwar Handelsschiffen -- gesehen hat. Im -Westmittelmeer haben dann später auch die phönizischen Pflanzstädte -(Karthago) im Verein mit den Griechen Siciliens die Entwicklung des -Seewesens beeinflußt. - -Die ersten Fortschritte im Schiffbau betrafen die =Handelsschiffe=. Aus -den einfachen offenen Booten zum Rudern und Segeln, mit denen die -Phönizier die ersten Fahrten an naher Küste und im Ägäischen Meer -unternommen hatten, entwickelten sich gedeckte, größere Seeschiffe, -namentlich als man die Fahrten nach Spanien aufnahm. (Die Tharsisfahrten, -daher ist »Tharsisschiffe« bald die Bezeichnung für alle größeren -Seeschiffe.) - -Diese Schiffe wurden tiefergehend, voller und somit seefähiger, -hochbordiger, breiter und seefester gebaut, sogenannte »runde Schiffe« im -Gegensatz zu den später ausgebildeten »langen« Kriegsschiffen; bei ihnen -wurde die Menschenkraft an den Riemen (Rudern) als Hauptmotor zu teuer -und nahm zu viel Platz fort; so waren die größeren in erster Linie zum -Segeln bestimmt und besaßen nur einige Riemen, hauptsächlich zum Ein- und -Auslaufen beim Besuch der Häfen; kleinere Handelsschiffe für kurze -Küstenfahrt blieben wohl mehr Ruderfahrzeuge. - -Die Takelage der Segelschiffe war während des ganzen Altertums sehr -einfach. Die Schiffe hatten anfangs und lange Zeit nur einen Mast mit -einem breiten, viereckigen Raasegel,[8] später trat bei den größeren -Schiffen ein zweiter Mast hinzu, ganz vorn im Schiff, stark -vornübergeneigt, mit losem (gewissermaßen breitfockähnlich) Raasegel; -erst in der römischen Kaiserzeit ist noch eine Art dreieckigen Toppsegels -über dem Raasegel des Hauptmastes hinzugekommen. Gesteuert wurden die -Segelschiffe wie auch die Ruderschiffe mit zwei Riemen am Heck. - - [8] Die sogenannten »lateinischen« Segel des Mittelmeeres stammen erst - aus dem Mittelalter. - -Verbesserungen kleinerer Art werden nach und nach in der Takelage und im -Schiffbau stattgefunden haben, immerhin aber haben die Segelschiffe sich -wenig entwickelt und gestatteten, unvollkommen in Bau, Takelage und -Steuervorrichtung, keine gründliche Ausnutzung des Windes; man nimmt an, -daß sie höchstens 8 Strich beim Winde (also mit halbem Winde) steuern -konnten, auch müssen Steuervorrichtung und Takelage bei stürmischem -Wetter bald versagt haben. - -[Illustration: Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde.] - -Der Grund dieser geringen Entwicklung des Segelschiffbaues und der -Segelkunst ist wohl in den besonderen Verhältnissen des Mittelmeeres zu -suchen. Bei dem niedrigen Stande der Nautik mußte die Schiffahrt mehr -oder weniger Küstenfahrt bleiben, und die begrenzten Gewässer des -Mittelmeeres mit ihren vielen Inseln und langvorgestreckten Halbinseln -erlaubten dies; die vielen Zufluchtsorte, die die Küsten boten, sowie die -im größten Teile des Jahres günstigen Wetter- und Seeverhältnisse zwangen -nicht so dringend zur Erfindung von Verbesserungen, durch die langwierige -und beschwerliche Seereisen leichter zu überwinden gewesen wären; in der -schlechten Jahreszeit legte man die Schiffe ja schon aus navigatorischen -Gründen auf. - -Was die Größe der Handelsschiffe anbetrifft, so kann man nach der Größe -der Kriegsschiffe, die uns besser bekannt ist, nach den Angaben über -Ladung, Passagiere und Truppentransporte wohl annehmen, daß solche von -100 bis 600 tons =Deplacement= gebräuchlich waren; man findet aber auch -in späterer Zeit Angaben, die auf gelegentliche Verwendung (regelmäßige -Getreide- und Passagier-Fahrten, Transporter) weit größerer Schiffe, ja -bis zu 2000 tons, schließen lassen. - -Um endlich noch einen Begriff von der Stärke alter Handelsflotten zu -geben, seien die Mitteilungen Herodots über den Zug des Xerxes gegen -Griechenland erwähnt. Die Kriegsflotte bestand aus 1200 Trieren und 3000 -kleineren Kriegsfahrzeugen, die meisten waren gerade für diese Expedition -außergewöhnlich stark bemannt. Da nun =Herodot= für die begleitende -Transportflotte »mindestens« die gleiche Besatzung wie für die -Kriegsschiffe annimmt, und da das einzelne Handelsschiff doch schwächer -bemannt gewesen sein wird als das einzelne Kriegsschiff, muß die Zahl der -Handelsschiffe eine ungeheuere gewesen sein; nach dem Verhältnis der -Trieren, von 1200 waren 300 phönizische, fällt mindestens ein Viertel der -Transporter allein auf die phönizischen Städte des Mutterlandes. - - * * * * * - -$Die Kriegsschiffe der Phönizier und Griechen.$ Die Kriegsschiffe der -Alten waren Ruderschiffe, deren Bau eine hohe Blüte erlangte. Ihr Typ hat -zu verschiedenen Malen große grundsätzliche Änderungen erfahren. - -Die =Phönizier= besaßen anfangs keine eigentliche Kriegsflotte, da sie in -den ersten Zeiten ihrer Macht nicht mit seetüchtigen Gegnern zu rechnen -hatten; die größeren Handelsschiffe waren zu ihrem Schutz gegen Seeräuber -und sich feindlich stellende Einwohner der besuchten Küsten genügend -bemannt und armiert. Sie hatten aber auch in ihrer Begleitung große -flache Ruderboote, denn sie selbst waren wegen ihres Tiefgangs nicht -überall zur Küstenfahrt und zum Löschen und Laden der Waren geeignet; -diese stärker bemannten Ruderfahrzeuge dienten gleichzeitig zur Bedeckung -und zur Ausführung von Gewaltstreichen: See- und Küstenraub. Ähnliche -Ruderschiffe waren auch wohl an den eigenen Küsten vorhanden, um die -Städte gegen Seeräuber zu schützen. - -Als nun aber die phönizischen Städte vom 9. Jahrh. an in die -assyrisch-babylonischen und ägyptischen Kriege verwickelt wurden und von -diesen Völkern, die sich selbst eine Seemacht zu gründen bestrebt waren, -mittels der Ionier, Karier und schon unterworfenen Phönizier auch zur See -bedroht wurden, bedurften beide Parteien einer wirklichen Kriegsflotte, -und jetzt machte bei ihnen, im Verein mit den zu derselben Zeit -aufblühenden Seestaaten der Griechen, besonders den asiatischen Kolonien, -der =Kriegsschiffbau= schnelle Fortschritte. - -Die erwähnten Ruderboote wurden im Vergleich zu den Kauffahrteischiffen -weniger tiefgehend, länger, leichter, schlanker mit immer schöneren -Wasserlinien gebaut; während die Frachtschiffe dreimal so lang als breit -waren, wird bei den Kriegsschiffen das Verhältnis mindestens das Doppelte -gewesen sein, wie man aus den Maßen der griechischen Schiffsschuppen -schließen kann; mit diesen »Langschiffen« erreichte man unter Riemen eine -große Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit. Zunächst waren es offene, -niederbordige, leicht zu rudernde und leicht aufzuschleppende Fahrzeuge, -also große Boote, aber schon mit einem Deck vorn und hinten, zum Kampf -und zur Unterkunft, versehen. Sie hatten eine Reihe Riemen auf jeder -Seite und wurden benannt nach der Anzahl der Rudermannschaften: -Eikosoren, Triakontoren, Pentekontoren. Die =Pentekontore=, den -Fünfzigruderer, nimmt Kontre-Admiral Serre an als ein Fahrzeug von 18 m -Länge, 22 tons Deplacement, 13 Ruderbänken = 26 Riemen, an jedem Riemen 2 -Mann (am Bugriemen nur 1 Mann), also: (24 × 2) + (2 × 1) = 50 -Ruderer.[9] Sie führte am Bug einen Sporn über Wasser. Diese -Einreihenschiffe, besonders die Pentekontoren, die zuerst von den -Phokäern erbaut sein sollen, blieben auch bei späterer Vergrößerung der -Schlachtschiffe stets als Schiffe für Aufklärungs- und Nachrichtendienst -im Gebrauch. - - [9] Andere Forscher nehmen an: 25 Ruderbänke und nur 1 Mann am Riemen; - die Fahrzeuge müßten dann wohl länger gewesen sein. - -Mit zunehmender Größe der Fahrzeuge fügte man die Einrichtung für eine -zweite und später für eine dritte Riemenreihe hinzu, so entstanden die -Dieren und Trieren. Letztere sollen zuerst um 700 v. Chr. von den -Korinthern erbaut sein, doch schreiben einige Forscher die Erfindung -sowohl der Trieren wie auch der Pentekontoren den Phöniziern zu. Die -Triere war in den Perserkriegen und im Peloponnesischen Kriege das -Hauptschlachtschiff und erreichte im letzteren durch die Athener ihre -höchste Vollendung, was Leichtigkeit, Formenschönheit und somit -Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit anbelangt. - -Die =Trieren= waren anfangs auch nur vorn und hinten, später jedoch ganz -gedeckt; die Takelage, sonst wie bei den Handelsschiffen der -entsprechenden Zeit, war nur eine Hilfstakelage für den Marsch, zum -Gefecht wurde sie niedergelegt,[10] auch oft von Bord gegeben; die -Schiffe konnten leicht aufgeschleppt werden, häufig sind sie sogar kurze -Strecken über Land transportiert oder auch zur Herstellung befestigter -Stellungen am Lande (Lager) benutzt. - - [10] Der kleinere vordere Mast blieb stehen, um von ihm schwere - Gewichte (Delphine) auf das Deck des Feindes fallen zu lassen, - auch diente sein leicht zu setzendes Segel zur Unterstützung der - Ruderer besonders bei der Verfolgung oder der Flucht. - -Nach Serre war die gebräuchlichste attische Triere im 5. Jahrh. ein -Fahrzeug von 40 m Länge über Deck, 4,4 m größter Breite und 1,1 m -Tiefgang, 130 tons mit 200 Mann Besatzung. Sie hatte an jeder Seite und -in jeder Reihe 24 Riemen, also = 144 Riemen und ebensoviel Ruderer. -Andere Quellen geben die Triere etwas größer an bis zu 230 tons, 150 -Ruderer, ganze Besatzung 220 Mann; doch hat es wohl auch größere und -kleinere gegeben, besonders in anderen Staaten. Der geringe Rest der -Besatzung nach Abzug der Ruderer enthielt die Offiziere, Matrosen und -Soldaten (Hopliten). Zur Zeit des Peloponnesischen Krieges war eben das -Schiff selbst, die schnelle und manövrierfähige Triere, die Hauptwaffe; -der Sporn befand sich eine Zeitlang unter Wasser, wurde aber später aus -seemännischen Gründen wieder über Wasser gelegt. - -[Illustration: Triere, Teil des Längsschnittes.] - -[Illustration: Triere. Teil des Querschnittes. Zeichnung der -Rudereinrichtung nach R. Haack.] - -[Illustration: Triere, Längsschnitt.] - - Die Bedeutung der Namen der Vielreiher, Trieren, Penteren usw. richtig - zu lösen, hat seit langem die Forscher beschäftigt. Die Schwierigkeit, - festzustellen, wie die Ruderer, namentlich bei den Fünf- und noch - höheren Ruder-Reihern, übereinandergesessen haben, hat zu der Annahme - anderer Anordnung der Riemen als gerade in parallelen Reihen - übereinander geführt, um den betreffenden Namen zu erklären: Eine der - Namenszahl entsprechende Anzahl von Gruppen der Riemen an verschiedenen - Stellen des Schiffes in gleicher Höhenlage, in verschiedener Höhenlage, - aber nicht übereinander, und Kombinationen davon mit teilweiser Lage - von Reihen übereinander. Seemännisch erfahrene Forscher heben aber - außerdem die Schwierigkeit, ja teilweise Unmöglichkeit, mit verschieden - langen Riemen übereinander in gleichem Takt zu rudern und ihre Kraft - gleichmäßig auszunutzen, hervor. - - Es darf wohl als bewiesen angesehen werden, daß die Vielreiher mehrere - Einrichtungen zum Gebrauch der Riemen übereinander gehabt haben, aber - nicht mit dem Zweck, sie gleichzeitig zu benützen; man wollte sich - vielmehr mit ihnen verschiedenen Verhältnissen anpassen können. - - Nach Breusing hatte die Triere für einen jeden Riemen jeder der drei - Reihen einen Ruderer, es wurde aber stets nur eine Reihe bemannt, den - Verhältnissen entsprechend, d. h. je nach dem Seegang, oder der - Geschwindigkeit, die man erzielen wollte: bei ganz glattem Wasser oder - bei wenig Eile die unterste Reihe mit den kurzen, leicht zu bedienenden - Riemen; bei etwas Seegang, wenn die Riemen und vor allem auch die - Öffnungen für sie in der Schiffsseite zu nahe über Wasser kamen, die - höher liegende zweite Reihe; bei viel Seegang oder wenn die höchste - Fahrt erwünscht war, also stets im Gefecht, die oberste Reihe mit den - längsten Riemen. Bei den Penteren glaubte man sich durch Einführung von - noch mehr Reihen den Verhältnissen noch besser anschließen zu können. - - Serre's Ansicht ist fast dieselbe, doch läßt er die unterste - Riemenreihe von einem, die zweite von zwei und die oberste von drei - Mann an jedem Riemen bedient werden. Bei den Penteren nimmt er auch nur - drei Riemenreihen an und bezieht den Namen darauf, daß zur Bedienung - der obersten Reihe fünf Mann am Riemen verwendet seien; ebenso bei noch - höheren Riemenreihen, hier gibt er aber zu, daß mehrere Reihen - gleichzeitig benutzt seien, da es infolge der Größe der Schiffe möglich - gewesen sei, aber nie über drei Reihen. - - Die Hypothesen Breusings und Serres sind auch insofern bemerkenswert, - als durch sie andere, sonst zweifelhafte Punkte befriedigende Antwort - erhalten. So ist bei ihnen eine regelmäßige Ablösung der Ruderer auf - längeren Fahrten möglich, die sonst bei gleichzeitigem Gebrauch aller - Riemen ausgeschlossen wäre, und es ist zu erklären, namentlich nach - Breusing, daß Staaten imstande waren, so viele Trieren zu bemannen, wie - es in einzelnen Fällen angegeben wird; wenn man in der Nähe der eigenen - Küste focht, konnte man von Ablösung ganz oder teilweise absehen und - brauchte nicht den vollen Etat der Ruderer einzuschiffen. Alte Reliefs - zeigen zwar Schiffe mit drei Ruderreihen im Gebrauch, es ist aber - möglich, daß man diese hierdurch nur als Dreireiher kennzeichnen - wollte, oder daß »zur Parade« alle Riemen ausgelegt wurden.[11] - - [11] Hauptquellen: Breusing, Trierenrätsel; Serre mit dem Auszuge - Fincatis, der annimmt, daß die Vielreiher des Altertums vielleicht - die gleiche Rudereinrichtung gehabt haben wie die späteren Galeren - à zenzile (vgl. Mittelalter Seite 32); Arenhold, der sich Breusing - anschließt; L. Müller; du Sein, Teil 1, Kapitel 1. Die beiden - letztgenannten Verfasser geben eine Zusammenstellung der - verschiedenen sonstigen Annahmen über die Rudereinrichtung der - Trieren sowie vieler Quellen darüber. Die vielen verschiedenen - Ansichten zeigen, wie wenig wir von den Schiffen des Altertums - wissen; vollständige Beschreibungen sind nicht überliefert, und - den künstlerischen Darstellungen ist nicht unbedingt zu trauen. - -Mit Beginn des 4. Jahrh. fing man an, die Schiffsseiten gegen den -Rammstoß zu verstärken, ferner führte man die nach dem Peloponnesischen -Kriege erfundenen Wurfmaschinen (Katapulte: große Bogen, die Lanzen, -Pfeilbündel, Balken schossen; Ballisten: Vorrichtungen, die mit -Hebelkraft schwere Gewichte warfen) auch nach und nach an Bord ein, es -mußten jetzt die Decks sowohl behufs deren Aufstellung als auch zum -Schutz gegen ihre Projektile verstärkt werden. Die Schiffe wurden größer -und schwerer; man schritt zum Bau von Tetreren und =Penteren=; letztere -ist wahrscheinlich zuerst in Syrakus, wo auch die Konstruktion der -Wurfmaschinen besonders ausgebildet wurde, etwas nach 400 v. Chr. erbaut; -jetzt wird die Pentere das Hauptschlachtschiff. - -Nach Serre war die Pentere ein Schiff von 300 tons, 50 m Länge, 6,2 m -Breite, 1,5 m Tiefgang mit 400 bis 500 Mann Besatzung, darunter 300 -Ruderer für 60 Riemen in jeder Reihe. Andere Angaben sagen 550 tons, 168' -lang. 26' breit 13 bis 14' tiefgehend; sie mögen auch später größer -geworden bzw. verschieden groß gewesen sein; auch die Besatzungsangaben -schwanken, doch mehr was die Nichtruderer anbetrifft, die Anzahl der -einzuschiffenden Soldaten war aber wohl überhaupt nicht unbedingt -festgestellt. Die Pentere war nicht so handlich und schnell wie die -attische Triere, so bleibt denn auch, abgesehen von der Einführung der -Wurfmaschinen, der Sporn nicht mehr allein Hauptwaffe wie bei dieser, und -wir sehen die Zahl der Kämpfer an Bord bedeutend gewachsen. - -Zu noch höheren Ruderreihern sind die Griechen wahrscheinlich nicht -gegangen; in Ägypten aber, wo unter den Ptolemäern das Seewesen sehr -gepflegt wurde, sind im 3. Jahrh. Vielreiher bis zu Okteren und Dekeren -(nach Serre 800 tons, 840 Mann, 560 Ruderer bzw. 1000 tons, 1080 Mann, -worunter 800 Ruderer) gebaut; noch größere Schiffe, die erwähnt werden, -waren wohl nur unpraktische Luxusbauten, auch die Okteren verschwanden -wieder. - -Die größeren Schiffe waren aber sehr unbeholfen, weil sie allmählich mit -Schutz- und Trutzwaffen überlastet wurden; denn die Wurfmaschinen und -ihre Projektile, die man anfangs nur gegen Menschen verwendete, wurden -immer schwerer, weil sie später auch zum Durchschlagen der Decks und -Schiffswandungen bestimmt waren. Bei ihrem verstärkten Bau reichten auch -Menschen als Triebkraft nicht mehr aus, den Gegner mit dem Sporn zu -durchstoßen. So waren aus der Triere mit höchstem Offensivzweck Schiffe -mehr defensiven Charakters geworden. - -$Die Kriegsschiffe zur römischen Zeit.$[12] Phönizier und Griechen sind -auch auf die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im Westmittelmeer von -Einfluß gewesen. Die =Karthager= und sonstigen phönizischen Pflanzstädte -haben die Errungenschaften des Seewesens von Phönizien mitgebracht, und -bei ihrer ständigen Verbindung mit dem Mutterlande und mit den -griechischen Städten Siciliens und Unteritaliens sind sie natürlich auch -in betreff der späteren Vervollkommnungen und Veränderungen auf diesem -Gebiet im Ostmittelmeer auf dem laufenden geblieben, ebenso die -ebenerwähnten griechischen Kolonien; beide haben die Wandlungen -mitgemacht, wenn auch vielleicht mit kleinen Abweichungen, wie auch in -Griechenland die Schiffstypen, Trieren z. B., nicht immer in allen -Staaten ganz gleich gewesen sind. Es ist wahrscheinlich, daß die -Karthager ihre Trieren nicht so schnell, so formvollendet gebaut haben -wie die Griechen im Laufe des 5. Jahrh., sondern mehr auf größere -Seetüchtigkeit und größeres Fassungsvermögen Gewicht gelegt haben. Zur -Zeit des höchsten Standes der attischen Triere wurde den Karthagern die -Seeherrschaft in ihrem Bereich von keinem ebenbürtigen Nebenbuhler -streitig gemacht, seefähigere Fahrzeuge waren dort aber erwünschter, -namentlich bei den Expeditionen außerhalb des Mittelmeeres. - - [12] Die Angaben über Karthager nach Meltzer; im übrigen die auf S. 12 - angegebenen Quellen. - -Von Syrakus nahmen die Punier frühzeitig die Penteren an, einen -Schiffstyp, den der Tyrann dieser Stadt (Dionysius I.) gerade gegen sie -selbst um 400 zuerst erbaut hatte. Auch bei ihnen wird die Pentere im 4. -und 3. Jahrh. das Hauptschlachtschiff, wie aus den Angaben über die -Zusammensetzung karthagischer Flotten hervorgeht. Zum Bau noch höherer -Reihenschiffe zu schreiten, hat auch sie ihr seemännisch-praktischer Sinn -gehindert; das Flaggschiff bei Mylae, eine Heptere, wird ausdrücklich als -vorher dem König Pyrrhus abgenommen erwähnt. Die Karthager widmeten ihrer -Flotte große Sorgfalt, die Bemannung scheint sich im Gegensatz zum -Landheere stets der Hauptsache nach aus Stadt-Karthagern ergänzt zu -haben, namentlich die Chargen und die Kämpfer. - -Die =Römer= hatten während der ersten Jahrhunderte ihres Bestehens keine -nennenswerte Kriegsflotte, sondern nur kleinere Fahrzeuge für den -Küstendienst; die Unterwerfung Italiens vollzog sich ganz durch -Landkriege. Als der Zusammenstoß mit Karthago sie zwang, eine Flotte zu -schaffen, standen ihnen der Hauptsache nach nur die Schiffe der -süditalienischen Bundesgenossen zur Verfügung, auch nur solche bis zur -Größe der Trieren. Sie bauten deshalb nach dem Muster einer gestrandeten -punischen Pentere die ersten Schiffe dieser Art. Daß sie diesen Typ nicht -von ihren Bundesgenossen, den Syrakusern, entlehnten, muß politische -Gründe gehabt haben, vielleicht wichen auch die punischen[13] Penteren -etwas von den griechischen ab, und man wollte dem Feinde mit gleichen -Waffen entgegentreten. - - [13] Serre nimmt die punische Quinquereme zur Zeit des ersten Punischen - Krieges als einen rein karthagischen Typ an: zu 50 tons, 70 Mann, - 40 Ruderern, also Fahrzeuge von sehr geringen Abmessungen. Es - widerspricht dies allen anderen Angaben. Außerdem sagen die - Verfasser von Spezialgeschichtswerken unabhängig voneinander, daß - die Pentere von Syrakus nach Griechenland und von Syrakus nach - Karthago zur Vergrößerung des bis dahin dort üblichen Schiffstyps - gekommen sei, was doch auf gleiche Penteren und auf gleiche - vorherige kleinere Schiffe im Ost- und Westmittelmeer schließen - läßt. - -Aber unerfahren auf dem neuen Gebiet, war man dem Feinde in der Führung -der Schiffe nicht gewachsen und unterlag der Taktik des seegewandten -Gegners, nämlich der Ausnutzung des Manövrierens zum Riemenzerbrechen -und Rammen. Um diese Schwäche auszugleichen, erfanden die Römer die -Enterbrücke (manus genannt, vulg. corvus). Es war dies eine im Bug -aufgestellte, drehbare Fallbrücke, die nach vorn und den Seiten fallen -gelassen werden konnte, mit einem schweren, eisernen Haken in das Deck -des sich nähernden feindlichen Schiffes einschlug und dies festhielt; -über die Brücke hin stürmten die Legionäre. Wenn die Pentere (Quinquereme -der Römer) bis dahin ungefähr dieselbe Besatzung gehabt hatte wie bei den -Griechen, so erhöhten die Römer zu dieser neuen Kampfweise die Zahl der -Soldaten bedeutend, nämlich auf 120 Mann Schwerbewaffnete. Diesem Vorgang -wurde auch dort gefolgt, wo man die Enterbrücke nicht einführte; somit -trat der Enterkampf in den Vordergrund. - -Mit der weiteren Ausbreitung der Weltherrschaft der Römer ist dann wohl -die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im ganzen Mittelmeer dieselbe -gewesen. Wie schon (Seite 12) gesagt, bildeten sich die Schiffe im -allgemeinen in der Hinsicht weiter aus, daß Schutz- und Ferntrutzwaffen -stetig verstärkt wurden. Der Fernkampf gewinnt an Bedeutung. - - Der Schutz der Schiffsseiten wurde immer mächtiger, die Schiffe wurden - behufs Überhöhung und Erschwerung des Enterns hochbordiger. Man - schützte die Kämpfer und die Wurfmaschinen durch Brustwehren und Türme, - vorn und hinten sowie an den Seiten auf Deck erbaut. Die Wurfmaschinen - wurden vergrößert und vermehrt, neben Pfeilen und Lanzen gegen Leute - sowie Balken und schweren Gewichten zum Durchschlagen der Schiffsseiten - und Decks auch Brandprojektile eingeführt. Zum Heranholen des - feindlichen Schiffes schleuderte man auch Enterdraggen, mit Leinen - versehen, aus den Maschinen (harpax).[14] - - [14] Draggen, ein kleiner Anker mit 3 oder 4 Armen zum Greifen. - -Ganz stetig war diese Richtung in ihrer Entwicklung jedoch nicht. Als die -Römer nach dem Falle Karthagos (146 v. Chr.) die Seeherrschaft -unbestritten errungen hatten, vernachlässigten sie die Marine. Bei der -durch Pompejus (67 v. Chr.) zur Ausrottung der Seeräuber neu ausgebauten -Flotte wurde dem Zweck entsprechend wieder mehr auf Schnelligkeit der -Schiffe gegeben; sie waren kleiner. - - Auch Cäsar baute gegen die Veneter in der Bretagne eine besondere Art - von Schiffen. Wenn sie auch kleine Türme hatten, so scheinen sie doch - ähnlich den alten Pentekontoren gewesen zu sein; niedrig über Wasser, - die Schiffe der Veneter überhöhten sie. Sie können nur klein gewesen - sein, denn bei der Landung in Britannien liefen sie auf den Strand, um - mit ihren Wurfmaschinen die Ausschiffung zu decken. - -Gegen diese Flotte, die später der pompejanischen Partei diente, baute -Oktavian sehr schwere Schiffe, solche, wie sie vorhin in ihrer höchsten -Vollendung geschildert sind; diese wurden dann auch im Osten der -Haupttyp. Wahrscheinlich waren es Penteren, jedoch baute Kleopatra auch -wieder Okteren und Dekeren. Aber schon wenige Jahre später ist Agrippa -(der Feldherr Oktavians) im Besitz ganz anderer Schiffe, der =Liburnen=, -die er bei einem Seeräubervolk an der illyrischen Küste kennen gelernt -hatte. Es waren leichtere, kleinere, sehr bewegliche Schiffe -- nicht so -schnell wie die attische Triere, aber segel- und seefähiger als diese -- -mit starker Besatzung und namentlich mit Brandprojektilen ausgerüstet; -mit ihnen schlägt Agrippa bei Aktium (31 v. Chr.) die Kolosse des -Antonius. - - Die Liburnen waren nach einigen Ansichten Zwei- höchstens Dreireiher, - nach anderen sogar nur Einreiher mit einem Mann am Riemen. Nach - letzterer Annahme (Admiral Fincati) haben sich aus ihnen schon im - Altertum die Ruderboote à zenzile entwickelt, die wir im Mittelalter - bei den italienischen Staaten wiederfinden; bei solchen wurden bei - schräg eingebauten Ruderbänken mehrere Riemen von einer Bank aus - bedient. Serre rekonstruiert danach die Liburnen der späteren - Kaiserzeit: Länge 31 m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,3 m; Deplacement 80 - tons; Besatzung 120 Mann; 84 Ruderer auf 14 Ruderbänken, 42 Riemen an - jeder Seite. - -[Illustration: Kleines römisches Kriegsschiff um etwa 50 v. Chr.] - -Nach Aktium verschwinden die großen Schiffe. Zur römischen Kaiserzeit -bestand die Flotte nur aus Trieren und Liburnen, da der Marine nur noch -Nebenaufgaben zufielen (vgl. Seite 21), besonders die Liburnen waren zur -Ausübung der Seepolizei geeignet; bis zum Untergange des weströmischen -Reiches ist sonst keine wichtige Änderung im Schiffbau zu verzeichnen. - -Erwähnt sei noch, daß bei den Römern der Dienst in der Flotte nie dem im -Heere an Ansehen gleichgestellt war. Die =Mannschaft=, seit dem zweiten -Punischen Kriege besondere Seesoldaten, war stets die schlechtest -besoldete und wenigst geachtete; bis zur späteren Kaiserzeit gab es keine -eigene Laufbahn für die höheren Offizierstellen, erst Claudius hat die -Marine militärisch organisiert. - - Vorstehender kurzer Abriß gibt die Erklärung für den häufigen - auffallenden Wechsel der Schiffstypen bei den Römern. Bis zur - Kaiserzeit bauten sie, im allgemeinen dem Seewesen fremd - gegenüberstehend, ihre Flotte immer nur aus, wenn sie ihrer bedurften, - und dann dem augenblicklichen Zwecke entsprechend. - -$Die Seekriege des Altertums.$[15] Entsprechend der Lage der Völker am -Mittelmeer zueinander spielte bei ihren Kriegen auch die Kriegführung zur -See eine große Rolle. - - [15] Es ist eine reiche Literatur über die Seekriege im Altertum - vorhanden vom Vater der Geschichte Herodot (Perserkrieg) an über - Tukydides (Peloponnesischer Krieg) bis in die neueste Zeit. Von - neueren Schriftstellern seien hervorgehoben: Jurien de la Gravière - mit verschiedenen Werken (vgl. Quellenverzeichnis), und du Sein, - die eine reiche Quellenangabe der klassischen Autoren enthalten; - v. Henk gibt die Beschreibung der Hauptereignisse. Über Karthago - auch Meltzer. - -Die =Phönizier= haben zwar eigentlich als selbständiges Volk militärisch -nie die See beherrscht. Als ihr Handel und ihre Gründung von -Niederlassungen in der Hauptblüte standen, hatten sie keine Nebenbuhler -zur See; im Osten sind sie dann von den Griechen hauptsächlich durch -friedlichen Wettbewerb verdrängt; im Westen nahmen in ähnlicher Weise die -eigenen Pflanzstädte (Karthago) ihre Stelle ein, als das Mutterland -infolge innerer Wirren und äußerer Kriege diese nicht mehr halten konnte. -So fallen in die ältesten Zeiten nur Raubzüge zur See und -Völkerbewegungen, die auch zur See unterstützt wurden. - -Aber mit den assyrisch-babylonisch-ägyptischen Kriegen, deren Kampfobjekt -nicht zum geringsten Teil gerade Phönizien war, indem alle aufblühenden -Staaten des Orients dieses reiche und seemächtige Land in ihre Gewalt zu -bekommen und sich mit ihm und den sonstigen kleinasiatischen -Küstenländern, Karien und Ionien, selbst eine Seemacht zu gründen -strebten, beginnt die regelrechte Kriegführung zur See. Jetzt beginnt die -Entwicklung des Seekriegswesens. Flotten beteiligen sich in den genannten -Kriegen an den Heereszügen längs der Küste besonders zur Eroberung von -Küstenstädten und Inseln und spielen auch gleichzeitig eine Rolle in den -Fehden der griechischen Staaten und Kolonien. Hier sei nur auf die -wichtigsten Kriege und Schlachten hingewiesen. - -Bei den Ereignissen, die uns genauer überliefert sind, treten -Seestreitkräfte zum ersten Male mit besonderer Wichtigkeit hervor, als -die Flotte der ionischen Städte der gescheiterten Expedition des =Darius -gegen die Skythen= (513 v. Chr.) den Rückzug über die untere Donau -sichert; als die erste, in ihren Einzelheiten bekannte Seeschlacht gilt -die Schlacht bei der Insel =Lade= (vor Milet, 494 v. Chr.), in der die -phönizische Flotte im Dienst der Perser die der ionischen Städte schlägt. -Durch sie wird die völlige Unterwerfung der Städte nach ihrem Aufstande -gegen die persische Oberherrschaft besiegelt. Diese Schlacht ist noch -insofern bemerkenswert, als hier zum ersten Male von der damals üblichen -Kampfweise und Taktik berichtet sowie hervorgehoben wird, daß ein -genialer Führer es versucht, die schwächere ionische Flotte durch Übungen -dem überlegenen Feinde gewachsen zu machen. - -Bekannt ist die Mitwirkung und Wichtigkeit der Flotten in den -=Perserkriegen=. Wenn der erste Zug der Perser unter =Mardonius= (493 v. -Chr.) an den Grenzen Griechenlands zum Stillstande kam, so hat der -Verlust eines großen Teils der Flotte durch höhere Gewalt nicht wenig -dazu beigetragen; das Landheer war in hohem Maße auf die Unterstützung -der Flotte angewiesen, auch besonders was Zufuhren anbetraf. Der zweite -Zug des Darius unter =Datis= und =Artaphernes= (490 v. Chr.) war ganz auf -die Flotte gegründet. Daß es den Persern gelang, völlig unbehindert bis -Euböa zu kommen und dort zu landen, ist nur der Uneinigkeit der Griechen, -ihrer Schwäche zur See und vielleicht noch mehr ihrem Mangel an Vertrauen -auf ihre schwachen Seestreitkräfte gegenüber dem übermächtigen Feinde -zuzuschreiben; dieser teilweise Erfolg der Perser gab aber den Anlaß zur -Verstärkung und Vervollkommnung der griechischen Flotten namentlich in -Athen. - -Der große Heereszug des =Xerxes= (480 v. Chr.), zwar für den Marsch des -Landheeres durch Anlage fester Stützpunkte und Verpflegungsstationen gut -vorbereitet, war wieder auf die Mitwirkung einer großen Flotte aufgebaut, -indem diese die rückwärtigen Verbindungen aufrecht erhalten und die -Offensive unterstützen sollte. Bei energischerer und richtigerer -Verwendung der Flotte hätte der Kriegszug wohl einen günstigeren Verlauf -genommen. Mit ganzer Kraft hatten die Perser schon bei Artemisium die -Vernichtung der griechischen Flotte anstreben und später durch Einmarsch -in den Peloponnes die Griechen aus der günstigen Stellung bei Salamis -herausziehen und zur Schlacht im offenen Wasser zwingen müssen. Die -Gefechte bei =Artemisium= und die Schlacht bei =Salamis=, jene die -Feuertaufe der griechischen Flotten, diese die den Krieg entscheidende -Schlacht, sind außerdem von hoher Bedeutung, da sie die Überlegenheit -schnellerer und beweglicherer Schiffe und den Wert genialer Führer durch -Wahl geeigneter taktischer Formationen und günstiger Aufstellung einem -sonst überlegenen Feinde gegenüber zeigen. - -Die weiteren Perserkriege (479 bis 449 v. Chr.), in denen die Griechen -angriffsweise vorgehen und ihre Stammesgenossen auf den Inseln und an den -Gestaden Asiens von der Oberhoheit Persiens befreien, wurden naturgemäß -auf See und über See geführt. In diesen und den sie unterbrechenden -Fehden der griechischen Staaten untereinander gewann =Athen= als Vorort -des Seebundes der meisten Küsten- und Inselstädte des Ägäischen Meeres -die Hegemonie zur See in Griechenland und überhaupt eine außerordentliche -Macht im Verhältnis zu der Größe des Landes. Die Entwicklung Athens in -dieser Hinsicht ist sehr lehrreich. Der Schöpfer der athenischen Flotte, -der weitsehende =Themistokles=, hatte trotz der Erfolge der Perser unter -Datis und Artaphernes schwer zu kämpfen, seine Pläne zu verwirklichen, da -sonst einsichtige Männer das Heil des Landes nur in den Lanzen der -Hopliten sahen, die bis dahin und so auch bei Marathon alles entschieden -hatten; auch war es anfangs schwer, das Volk zu einer Weltpolitik zu -begeistern. Als Athen sich nachher überall Stützpunkte für maritime -Unternehmungen und für den Handel errungen hatte, war sein Einfluß auf -die Politik aller Staaten des Ostmittelmeeres ein ungeheuerer; wir haben -für alle diese Verhältnisse Analogien in der Jetztzeit. - -Von höchster Bedeutung für die Seekriegsgeschichte ist aber die größte -innere Fehde der Griechen, der Kampf Athens und Spartas um die Hegemonie, -in den die gesamte griechische Welt verwickelt war, der =Peloponnesische -Krieg= (431 bis 404 v. Chr.). In diesem Kriege fällt die Entscheidung in -erster Linie dem Seekriege zu, man kann wohl sagen, daß in ihm -Seekriegswesen und Seekriegführung ihren höchsten Stand im Altertum -erreichen. Mit Hilfe der Flotten, großer Expeditionen (z. B. Athens -Unternehmung gegen Syrakus 415 bis 413 v. Chr.) wird der Krieg auf -verschiedenen weit auseinanderliegenden Kriegstheatern geführt; viele -Gefechte zeigen den Wert einer ausgebildeten Taktik der Flotten und der -Güte und Schulung des Einzelschiffs. (Das Schiff selbst ist Hauptwaffe.) - -In den weiteren inneren und äußeren Kriegen der Griechen während des 4. -Jahrh. und der makedonischen Zeit bis zur Herrschaft der Römer über die -griechische Welt wird die erreichte Höhe nicht gehalten, wenn auch die -Flotten immer eine wichtige Rolle spielen und einzelne größere -Unternehmungen vorkommen. - -Im =Westmittelmeer= beginnen die Seekriege für genaue Betrachtung gerade -zu der Zeit wertvoll zu werden, zu welcher sie im Ostmittelmeer hierfür -an Interesse verlieren, etwa von 400 v. Chr. an. - -Zwar wird die =karthagische Flotte= von der Zeit an, in der Karthago im -Westen an die Stelle des Mutterlandes trat und die phönizischen Kolonien -zusammenfaßte (etwa 600 v. Chr.), schon eine Rolle gespielt haben zur -Erringung und Erhaltung der Handelsherrschaft, zur Bekämpfung -griechischer Pflanzstädte im Westen und vor allem in den Kämpfen gegen -das Vordringen der Griechen auf Sicilien; aber genauere Aufzeichnungen -über Stärke und Verwendung der karthagischen Flotten finden wir erst für -die Kämpfe mit Syrakus (480, 405, 310 v. Chr.) und mit dem, von dieser -Stadt zur Hilfe gerufenen König Pyrrhus von Epirus (278 v. Chr.). (Aus -den Kriegen mit Syrakus um 400 v. Chr. stammen die Penteren in der -punischen Flotte.) - -Beim Zusammenstoß der Karthager mit den Römern tritt die bemerkenswerte -Erscheinung auf, daß eine Landmacht, eigentlich dem Seewesen abgeneigt, -gezwungen wird, zur Seemacht zu werden. Als =Rom= eine gebietende Macht -in Italien geworden war, mußte es in Nebenbuhlerschaft mit der -herrschenden Seemacht des Westens treten; wenn man die Karthager nicht in -Sicilien angriff, mußte man gewärtig sein, sich ihrer in Italien zu -erwehren, jedenfalls aber seine Interessensphäre in jeder Hinsicht auf -Italien beschränkt zu sehen. - -Rom schafft sich eine Flotte, und schon der =erste Punische Krieg= (264 -bis 241 v. Chr.) wird der Hauptsache nach zur See entschieden; in ihm -brechen die Römer, wenn auch mit ungeheuren Verlusten infolge ihrer -seemännischen und militärisch-seemännischen Ungeübtheit, eigentlich schon -die Seemacht Karthagos und eröffnen sich damit den Eintritt in die -damalige Welt. - -Auch hier kostete es der Partei, die den weitersehenden Standpunkt -vertrat, große Mühe, durchzudringen und eine zur Ausführung ihrer Pläne -nötige Flotte zu beschaffen; eine am Alten hängende Partei warnte -nachdrücklich vor dem Hinaustreten in nicht ganz klar und nahe vor ihr -liegende Verhältnisse. Ja, als die Flotte geschaffen war, aber nach -anfangs großen militärischen Erfolgen bei der Unerfahrenheit auf dem -neuen Gebiet ungeheure Verluste, besonders durch höhere Gewalt, erlitten -hatte, wurde ihre Unterhaltung sogar wieder aufgegeben; sechs Jahre -ungünstigster Kriegführung waren die Folge, bis eine Anzahl reicher -Privatleute aus eigenen Mitteln eine Flotte baute, die die Entscheidung -brachte und den ersten Grund zur Beherrschung des Mittelmeeres durch Rom -legte. - -Im ersten Punischen Kriege werden große Seeschlachten mit wechselndem -Erfolge geschlagen, darunter =Eknomos=, die größte Schlacht des Altertums -nach Salamis, zugunsten der Römer infolge der Einführung einer neuen -Kampfweise: des Enterkampfes mittels der Enterbrücke an Stelle des -Kampfes mit dem Sporn als Hauptwaffe. - -In den späteren Punischen Kriegen, in den makedonischen und den sonst zur -Erringung der Weltherrschaft von den Römern geführten Kriegen werden -Seeschlachten von solcher Bedeutung wie im ersten Punischen Kriege nicht -geschlagen, da so starke Gegner zur See nicht wieder gegenüberstanden; -immerhin waren diese Unternehmungen solche über See zum Teil mit -Landungen in größtem Maßstabe und erforderten die Beihilfe einer starken -Flotte. - - Der =zweite Punische Krieg= gibt aber auch ein Beispiel für die - strategische Wichtigkeit der Herrschaft über die See. Captain Mahan - führt in seinem Werke »Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte« (S. - IV und 14 ff.) eingehend und sehr einleuchtend aus, welche Rolle jene - in genanntem Kriege gespielt hat. Er beweist, daß die römische Flotte - die Meere nördlich einer Linie beherrscht hat, die man von Tarragona in - Spanien nach Lilibaeum auf Sicilien, von da um die Nordseite der Insel - herum bis Syrakus und endlich bis Brindisi ziehen kann. Er schließt - dann, daß möglicherweise Hannibal dadurch gezwungen worden sei, seinen - verlustreichen Zug durch Gallien und über die Alpen zu machen, daß - jedenfalls die Römer infolge dieser Seeherrschaft imstande waren, den - Krieg mit wichtigem Erfolge nach Spanien zu tragen, während es Karthago - nur gelegentlich glückte, Hannibal in Italien kleinere Verstärkungen - über See zuzuführen. - -Zum zweiten Male aber tritt die Kriegführung zur See wieder besonders -hervor zur Zeit der =inneren Bürgerkriege= unmittelbar vor der Schaffung -des Kaiserreiches. Nach der Zerstörung Karthagos (146 v. Chr.) war die -Flotte vernachlässigt, und ein Seeräuberunwesen herrschte im ganzen -Mittelmeer. Es war im 3. Jahrh. an der Küste Ciliciens aufgetaucht und -erstreckte sich anfangs auf das Ostmittelmeer, dehnte sich aber dann, -besonders nach dem Niederwerfen der anderen Seemächte im Westen wie im -Osten durch die Römer, noch auf das Westmittelmeer aus. Die Seeräuber -hatten große Flotten, Heere, Städte, Arsenale und legten schließlich den -ganzen Seehandel lahm. Im Jahre 87/86 v. Chr. schritten die Römer zum -ersten Male gegen sie ein, erzielten jedoch trotz großer Opfer nur -Teilerfolge. Als aber sogar der Stadt Rom die nötigen Zufuhren -abgeschnitten wurden, reorganisierte =Pompejus= die Flotte (leichte -Schiffe) und säuberte in kurzer Zeit (67 v. Chr.) durch eine sehr -geschickte Verwendung seiner, wenn auch noch immer an Zahl den -Seeräuberschiffen nicht gleichkommenden, Seestreitkräfte das ganze -Mittelmeer. Auf diese Flotte stützte sich später die pompejanische Partei -in den Kämpfen gegen Caesar, und =Sextus Pompejus= gründete mit ihr eine -Seemacht von Sicilien aus gegen Oktavian. - -Diese Macht wird durch =Agrippa=, den auch zur See tüchtigen Feldherrn -Oktavians, in der Schlacht bei =Mylae= (Naulochus 36 v. Chr.) vernichtet, -und derselbe Führer bringt durch den Sieg bei =Aktium= (31 v. Chr.) über -=Antonius= und =Kleopatra= die Bürgerkriege zum Abschluß. Lehrreich ist, -daß Agrippa bei diesen beiden Vorgängen ganz verschiedene Schiffstypen -benutzte (vergl. S. 15). Der Entwicklung des Schiffbaus entsprechend hat -nach dem ersten Punischen Kriege nach und nach der Fernkampf mit -Wurfmaschinen an Bedeutung gewonnen und tritt in diesen letzten -Schlachten sogar in den Vordergrund. - -Während der =Kaiserzeit= wurden zwar stehende und jetzt in jeder Hinsicht -wohl organisierte Flotten unterhalten, aber ihre Verwendung war nur -untergeordneter Natur; von zwei Hauptstationen aus, Neapel und Ravenna, -üben Geschwader und Flottillen in allen Meeren und Flüssen die Seepolizei -aus, sichern den Handel durch Konvoiieren und unterstützen die Heere -durch Transporte und Verbindungen. Infolgedessen fehlt von dieser Zeit an -eine weitere Entwicklung des Schiffbaus und der Kampfweise. - -$Kampfweise und Taktik.$ Die ursprünglichste Kampfweise war wohl der -Kampf der starken Besatzungen mit Bogen, Speer und Schwert Bord an Bord, -die Ruderer beteiligten sich nach dem Zusammenstoß am Kampf, wie dies -auch später beim wiedereingeführten Enterkampfe teilweise gebräuchlich -war; die Schiffe bildeten also nur den Kampfplatz. Schon frühzeitig wurde -aber auch versucht, gelegentlich zu rammen, die Buge der Fahrzeuge waren -stets zum Schutz beim Aufschleppen verstärkt gebaut bezw. auch mit Metall -beschlagen; bald trat der Sporn hinzu. Diese Kampfweise mit dem Sporn -bildeten die Griechen aus; schon bei Artemisium wird die Aufstellung mit -besonderer Rücksicht darauf genommen, mit dem Sporn anzugreifen, denn -schon um die Zeit der Perserkriege waren die neuen griechischen Schiffe -den kleinasiatischen und phönizischen Schiffen an Manövrierfähigkeit -überlegen. Im Peloponnesischen Kriege steht das Schiff selbst, die ganz -auf Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit gebaute Triere, als Hauptwaffe -da; man strebt zunächst nur dahin, das feindliche Schiff zu rammen oder -ihm die Riemen zu zerbrechen und das dann unbewegliche mit dem Sporn zu -vernichten; die Zahl der Kämpfer an Bord ist bedeutend geringer geworden. -Bug und Heck sind offensiv und defensiv wesentlich stärker als die -Seiten; sie sind stärker gebaut und hier ist der Platz für die Kämpfer, -am Bug auch noch der Sporn. Die Seiten sind schwächer gehalten, um ein -leichtes Schiff zu haben, an ihnen liegt der leicht verletzliche Motor; -der Angegriffene versucht deshalb, den Stoß durch Ausweichen oder -Entgegendrehen des eigenen Buges zu parieren. Die Kampfrichtung liegt -also in der Kielrichtung. Gerammte Schiffe sanken oder fielen den Siegern -in die Hände, da sie ohne Riemen und voll Wasser oder genötigt, auf den -Strand zu laufen, leicht genommen werden konnten. - -Mit der Verstärkung der Seiten, mit der Vergrößerung der Schiffe, mit der -Aufstellung von Wurfgeschützen nimmt die Wirkung des Spornes ab; die -Schiffe werden widerstandsfähiger gegen ihn und ungeeigneter zu seiner -Verwendung. Im Westmittelmeer trat noch ein anderer Umstand hinzu, der in -derselben Hinsicht wirkte. Die geübten karthagischen Seeleute gebrauchten -den Sporn mit großem Erfolge, wenn auch ihre Schiffe wohl nicht von der -Güte der attischen Trieren waren. Die seemännisch unerfahrenen Römer -erfanden dagegen die Enterbrücke; wenn das feindliche Schiff zum Stoß -herankam, fiel sie, hielt den Feind fest, Pilum und Schwert der Legionäre -entschieden. Die Römer verpflanzten die Landkampfweise auf die Schiffe; -die kämpfende Besatzung wurde naturgemäß nun auf beiden Seiten wieder -wesentlich vermehrt. - -Auch hier im Westen wurden die Schiffe mächtiger; Wurfgeschütze aller -Art, auch auf weitere Entfernungen leistungsfähig, wurden eingeführt, die -Vorrichtungen zur Ermöglichung des Enterkampfes vermehrt. (Enterhaken zum -Festhalten, Wurfenterdraggen zum Heranholen des Feindes.) Gleiche Schiffe -dieser Art fochten also auf weitere Entfernung mit Fernwaffen und -versuchten die Entscheidung dann durch Entern herbeizuführen, vom Sporn -nur mehr gelegentlich Gebrauch machend. - -Mit solchen Schiffen besiegt Agrippa bei =Naulochus= die kleineren -Schiffe des S. Pompejus; seine Schiffe sind defensiv stärker, mit -Gürtelpanzer, hohem Bord und hohen Türmen, sie eröffnen das Gefecht mit -Wurfgeschossen auf weitere Entfernungen, holen die feindlichen Schiffe -heran und entern sie. Derselbe Führer erringt aber wenige Jahre später -bei Aktium mit einem ganz anderen Typ den Sieg. Hier hat Antonius in -seiner ägyptischen Flotte die schweren Schiffe und Agrippa in den -Liburnen leichte, manövrierfähige und schnelle Fahrzeuge, allerdings auch -stark bemannt. Diese, an Zahl überlegen, umschwärmen die schwerfälligen -Kolosse, zerbrechen ihre Riemen und bekämpfen sie mit Wurfgeschossen, -besonders Brandprojektilen. Zum Entern kam es weniger, da die großen -Schiffe zu hochbordig waren, auch weniger zum Rammen, weil sie zu -schwerfällig dazu waren und die Liburnen nicht schwer genug, um einen -Erfolg gegen die massiven Kolosse zu versprechen. In beiden Schlachten -haben wohl die Fähigkeit des Führers, die Güte und Schulung der -Besatzungen das meiste zum Siege beigetragen, aber man muß doch annehmen, -daß der einsichtige =Agrippa= den Vorteil von wieder zur Offensive -geeigneten Schiffen erkannt hatte. - -So haben wir von den Trieren bis zu den Liburnen gewissermaßen einen -Kreislauf; die Triere führte den offensiven Nahkampf, dann folgen Schiffe -mit zunehmend defensivem Charakter, die Liburne ist für den offensiven -Fernkampf, Sporn und Entern gelegentlich benutzend. Stets aber blieben -Bug und Heck defensiv und offensiv stärker, die Seiten schwächer, -hauptsächlich wegen der Lage des Motors hier, und dementsprechend mußte -der Taktik des Einzelschiffes und der Verbände von Schiffen der -Hauptsache nach stets der Kampf in der Kielrichtung zu Grunde liegen. - -Die =Gefechtsformation der Schiffsverbände= war deshalb bei den -Ruderschiffen des Altertums grundsätzlich eine breite, die »Dwarslinie« -oder mehrere solcher hintereinander, in der alle Schiffe dem Feinde den -Bug zukehrten und sich gegenseitig die Seiten deckten. Tiefe -Aufstellungen würden ein Umfassen seitens des Feindes leichter möglich -gemacht und mehr schwache Schiffsseiten dem Angriff ausgesetzt haben. Bei -numerischer Überzahl wurden häufig die Flügel vorgezogen, um den Feind zu -umfassen (die Sichelformation [symbol]); der Schwächere versuchte sich -dadurch zu schützen, daß er die Flügel zurückzog (die Halbmond- oder -Kreisformation [symbol], welche die Deckung des einzelnen Schiffes -durch seinen Hintermann erleichtert). Die Taktik bestand im übrigen -darin, daß die Flotte auf Signal zugleich angriff, die feindliche Linie -durchbrach, zurückwendete und wieder durchbrach; die Schiffe benutzten -beim Passieren jede Gelegenheit zum Rammen, Riemenzerbrechen und in -späteren Zeiten zum Bekämpfen mit Wurfgeschossen. Diese Kampfart mußte -stets bald zur Mêlée führen, d. h. zu Einzel- oder Gruppenkämpfen mit -allen Kampfweisen, bei denen jede Gefechtsleitung aufhörte. Zum Marsch -wurden eine oder mehrere Kolonnen in Kiellinie formiert, da man aus -dieser Aufstellung durch Wendung um 90° sofort die breite -Gefechtsformation herstellen konnte. - -An dieser Taktik ist im allgemeinen während des Altertums (und auch noch -im Mittelalter) starr festgehalten, doch wichen auch geniale Führer davon -ab in dem Bestreben, eigene Schwächen (Minderzahl, Deckung von -Transportern u. s. w.) aufzuheben, eigene Stärken zur Geltung zu bringen -(gute Schulung ihrer Schiffe), oder um das Gefecht möglichst lange nach -bestimmtem Plane durchzuführen, indem sie ihre Kräfte länger in der Hand -behielten oder einzelnen Unterverbänden besondere Aufgaben zuteilten. -Solche Ausnahmen finden wir in den Gefechten bei =Artemisium= (480 v. -Chr.), in den Gefechten bei =Rhium= (429 v. Chr.), in der Schlacht bei -=Eknomos= (256 v. Chr.). Bemerkenswert, aber nicht zu verwundern, ist, -daß Befehlshaber der Völker, die weniger seetüchtig und mehr Landkrieger -sind, häufig defensiv stärkere Formationen einnehmen; aus Mangel an -seemännischer Erfahrung solche, bei denen sie eine Hauptkraft aller -Seestreitkräfte -- die Bewegung -- aus der Hand geben, oder solche, die -sich infolge von Wind- oder Seegangseinflüssen nicht halten lassen; sie -übertragen die Gefechtsweise des Landkrieges -- damals auch vorzugsweise -defensiven Charakters -- auf die Seeschlacht. Zuweilen geschieht dies mit -Erfolg (z. B. der Spartaner =Eurybiades= bei Artemisium), meist zum -Nachteil (z. B. der Spartaner =Brasidas= im ersten Gefecht bei Rhium; die -Römer bei Eknomos). - -Die Schiffe des Altertums waren als Ruderschiffe nicht imstande, Proviant -und Wasser etc. in genügender Menge an Bord zu nehmen, die Einrichtung -zum Rudern und die große Zahl der Ruderer beanspruchten im Verhältnis zur -Größe des Fahrzeuges zu viel Platz. Sie konnten deshalb größere -Expeditionen nicht ohne Transporter oder Anlaufen von Ausrüstungspunkten -ausführen, mußten überhaupt öfters ankern oder anlegen schon zur Erholung -der Besatzungen namentlich der Ruderer; deshalb sind die meisten -Seeschlachten in der Nähe der Küsten geschlagen. - -Auch dieser Umstand wird von befähigten Führern verschieden verwertet. -Bei Salamis wählt =Themistokles= das enge Gewässer zur Schlacht, um die -Kenntnis der Örtlichkeiten, der Strömungen, der Windverhältnisse -auszunutzen und um den übermächtigen Feind an der Entfaltung seiner -Kräfte zu hindern, obgleich er die beweglicheren und besser geschulten -Schiffe hat. In beiden Gefechten bei Rhium sucht =Phormio= den Kampf im -freien Wasser herbeizuführen, um die Tüchtigkeit seiner Schiffe zu -verwerten, obgleich er weit in der Minderzahl ist. Er erläßt folgenden -Befehl an seine Kommandanten, um seine Kräfte in der Hand zu behalten: -»Weil ich an Zahl stärkere, aber wenig geübte Gegner habe, werde ich -nicht in engen Gewässern fechten, in welchen ich nicht manövrieren kann. -Dort kommt es bald zum ungeordneten Kampf und die Überzahl siegt. Ich -fechte im freien Wasser; an euch ist es, euere Plätze zu halten und auf -Befehle zu achten. Ordnung und Ruhe ist stets die Losung im Kriege, ganz -besonders in der Seeschlacht.« Im zweiten Gefecht bei Rhium erringt sein -Gegner =Brasidas= anfangs Erfolge dadurch, daß er durch Manövrieren einen -Teil der athenischen Schiffe auf den nahen Strand drängt. =Agrippa= lockt -bei Aktium den Feind aus der durch Land geschützten Stellung, um die -größere Zahl und größere Beweglichkeit seiner kleineren Schiffe -auszunutzen. - -Die Transporter folgten den Kriegsschiffen, wenn angängig, unter Segel, -bei ungünstigem Winde griffen sie zu den Riemen; da sie damit aber weit -langsamer waren, mußten sie oft von den Kriegsschiffen in Schlepp -genommen werden. Sie waren also eine große Last für die Flotte, ihre -Begleitung und die Notwendigkeit, sie zu schützen, hat oft die -betreffende Flotte beim Angriff des Feindes in ungünstige Lage gebracht; -hiermit zusammenhängend sei noch darauf hingewiesen, daß sich schon im -Altertum mehrfach zeigt, wie schwierig es ist, größere Expeditionen über -See zu unternehmen, solange aktionsfähige feindliche Streitkräfte, wenn -auch sonst schwächer als die eigenen, auf dem Meere vorhanden sind. - - Die Seekriegsgeschichte des Altertums birgt wertvolles Material für ein - eingehenderes Studium. Auch bieten die Verhältnisse in ihr manche - Vergleichspunkte mit denen der Dampfschiffszeit. Die Führer der - Ruderschiffe und -Flotten waren weit mehr Herr über die Bewegungen - ihrer Streitkräfte auf dem Marsch und im Gefecht, als zur Zeit der - Segelschiffahrt, da sie wie bei den Dampfschiffen unabhängiger vom - Winde waren. Anderseits waren die Ruderschiffe abhängig von - Transportern, Stützpunkten und Ausrüstungsstellen zur Auffüllung von - Proviant, Wasser und zur Erholung der Besatzungen, wie es jetzt die - Dampfschiffe zur Ergänzung von Kohlen und Maschinenmaterial sind; die - Segelschiffe späterer Zeiten konnten weit leichter für längere Dauer - mit allen Vorräten versehen werden und unabhängig von Transportern und - Stützpunkten ihre Aufgaben durchführen. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zweites Kapitel. - - Das Seewesen im Mittelalter. - -$Ausdehnung der Schiffahrt.$[16] Das im Altertum zu hoher Blüte -entwickelte Seewesen wurde durch die Völkerwanderung größtenteils -vernichtet. Die weströmische Kriegsflotte war verschwunden, die -germanischen Staaten in Italien, Spanien und Afrika haben wohl Flotten -besessen, doch sind sie bei der kurzen Lebensdauer der Reiche kaum zu -hohem Stande gelangt, wenigstens wissen wir nicht viel davon. Schiffbau -und Nautik waren im Westen verlernt; wenn diese Wissenschaften sich auch -bei den Byzantinern erhalten hatten, so wachte man hier eifersüchtig -darüber, sie nicht zu verbreiten, um sich die Herrschaft über das Meer zu -bewahren. Ihre Kriegsflotten spielten weiter eine Rolle in dem Kampfe -gegen die germanischen Staaten und später gegen mohammedanische Feinde, -aber Seekriege von solcher Bedeutung für die Seekriegsgeschichte, wie sie -von der griechischen Zeit bis Aktium geführt waren, kamen nicht vor, es -handelte sich nur um Expeditionen über See und Abwehr solcher. Auch der -Seehandel, der im Altertum alle Länder am Mittelmeer eng verknüpfte, war -wesentlich zurückgegangen. Die Verbindung des Westens mit dem Osten war -nur noch schwach, die Fahrten außerhalb des Mittelmeeres durch die Straße -von Gibraltar hatten ganz aufgehört, der von den Byzantinern noch länger -aufrecht erhaltene Handel nach Indien brach mit der Besetzung Ägyptens -durch die Araber um 640 ab. Die Araber übernahmen zwar den Seehandel mit -Indien bis China und längs der afrikanischen Ostküste von Ägypten und -Persien aus, sie entlehnten manche nautischen Verbesserungen -- so den -Gebrauch der Magnetnadel -- von China, aber es hatte dies vorläufig -keinen Einfluß auf die Verhältnisse und geographischen Kenntnisse des -Abendlandes. - - [16] Besonders benutzte Quellen: Oncken, Bd. IX. Zeitalter der - Entdeckungen; Zimmermann, Bd. I; Nauticus, 1900 und 1901: Clowes, - Tl. I. - -Die Schiffahrt im Mittelmeer wurde wieder belebt mit dem Auftreten der -italienischen Handelsstädte: =Amalfi=, =Pisa=, =Genua=, =Venedig= etwa im -9. und 10. Jahrh., sowie durch die Araber in Spanien, als im 10. Jahrh. -das =Kalifat von Cordova= mächtig dastand, hier trat später dann noch -=Aragonien= (Barcelona) hinzu. Auch im Norden fing um diese Zeit das -Seewesen an sich zu regen, beginnend mit den Raub- und Eroberungszügen -der Normannen, die um das Jahr 1000 schon in Italien erscheinen. Vor -allem nehmen die italienischen Städte während der Kreuzzüge die -Verbindung mit dem Osten auf, und die Kriegszüge der nordischen Nationen -zum heiligen Lande, auch zur See ausgeführt, bringen den Norden und das -Mittelmeer einander näher, was gewiß durch Austausch der Erfahrungen dem -Seewesen auf beiden Seiten von großem Nutzen wurde; ebenso werden Nord- -und Ostsee, besonders in der Hand der =Hansa=, bald Wege für den -Seehandel. - -Aber immer noch blieb die Seefahrt der Hauptsache nach auf die -Binnenmeere beschränkt. Zwar hatten Streifzüge der =Normannen= um das -Nordkap geführt, die Faröer, Island und Grönland entdeckt, selbst Amerika -(an der Küste von Massachusetts) berührt; der Atlantische Ozean belebte -sich in Anlehnung an Legenden des Altertums mit phantastischen -Inselgebilden; es mögen auch Fahrten, wie die der Normannen im hohen -Norden, ins Ungewisse nach solchen »ins Dunkelmeer hinein« unternommen -worden sein; greifbare Ergebnisse mußten jedoch ausbleiben, solange man -eines sicheren Führers im freien Meer entbehrte: war doch selbst der -Verkehr am Rande des Ozeans nur ein gefährliches Tasten die Küsten -entlang. - -Erst als die polare Richtkraft des Magneten erkannt war und gegen das -Ende des 13. Jahrh. als Magnetnadel allgemeiner verwendet wurde, konnte -sich der Seemann freier bewegen. =So ist um= 1300 =ein wichtiger -Ausgangspunkt für die Entwicklung des Seewesens= zu datieren. Denn nun -erwacht allmählich der Verkehr auf dem Ozean, die Völker des Nordens -treten mit denen des Mittelmeeres auf dem Seewege in engere Verbindung, -überall hebt sich der Seehandel, man beginnt neue Länder zu suchen; alles -dieses ist wiederum von großem Einfluß auf die Ausbildung der -Segelschiffahrt. - -Zunächst eröffnen um diese Zeit die italienischen Städte den -unmittelbaren Seeweg nach den Niederlanden, sie berühren dabei Portugal, -Frankreich und England, ihr Beispiel spornt hier zur Nacheiferung an. Die -Kanaren, Madeira und die Azoren werden gefunden, zuerst von verschlagenen -Schiffen durch Zufall entdeckt, dann planmäßig wieder aufgesucht; die -italienischen Städte Genua und Venedig dringen von Konstantinopel aus ins -Schwarze Meer ein; von hier und von Syrien aus ziehen Missions- und -Handels-Reisen in das Innere Asiens. Die berühmteste ist die 25 jährige -Handelsreise des Venetianers =Marco Polo= 1271-1295 nach China, Japan und -Indien. Sie bringen die verloren gegangene Kenntnis vom südlichen und -östlichen Asien wieder, so daß man um 1350 den Stand der Kenntnis der -Alten Welt, wie er im Altertum vorhanden gewesen war, wieder erreicht -hatte. - -Im weiteren Verlauf des Mittelalters nimmt nun der Seeverkehr in den -bekannten Gewässern zu. In Nord- und Ostsee betreiben vor allem die -Hansastädte mit ihren Kontoren an allen wichtigen Hafenstädten des -Auslandes die Seefahrt, aber auch Engländer, Holländer und Dänen -befahren schon eifrig diese Meere. Alle diese Völker liegen in großem -Maßstabe der Seefischerei in den nordischen Gewässern bis nach Island hin -ob. Wie die italienischen Städte zum Norden, so gehen auch die nordischen -Nationen nach Portugal und selbst ins Mittelmeer -- 1413 das erste -englische Schiff nach Marokko, 1458 nach der Levante --, ihre Schiffe, -besonders die Hansen, versorgten ganz Europa mit getrockneten Fischen und -brachten vom Süden die Waren des Orients heim; schon im 14. Jahrh. sollen -in Lissabon 400-500 Schiffe der verschiedenen Nationen des Nordens und -Südens im Jahre verkehrt haben. - -Der Hauptseehandel mit dem Orient im Mittelmeer lag in den Händen Genuas -über Konstantinopel und Kleinasien und Venedigs über Ägypten und brachte -diesen Städten großen Gewinn, bis die Eroberung Konstantinopels 1453 und -Ägyptens 1517 durch die Türken den Verkehr mit dem Innern Asiens und -Afrikas sehr erschwerten, wenn auch Venedig mit seinen Besitzungen im -Ostmittelmeer noch längere Zeit großen Nutzen aus dem Orienthandel zog. -Indien und Ostafrika waren durch weitere Missions- und Handelsreisen -bekannter geworden, letzteres bis Sansibar, vielleicht bis zu den Komoren -hin, wodurch später die Hoffnung, Afrika umschiffen zu können, wesentlich -bestärkt wurde. - -[Illustration: Prinz Heinrich, der Seefahrer.] - -Denn auch mit der planmäßigen Aufsuchung neuer reicher Länder wurde schon -im Mittelalter begonnen und zwar war es Portugal, das den Drang dazu -erweckte. Die ersten Unternehmungen gingen hier nicht von Kaufleuten aus, -sondern von einem einzelnen, weitblickenden Manne, dem Infanten Dom -Enrique. =Prinz Heinrich, der Seefahrer=, 1394 als fünftes Kind des -Königs João I. geboren, beschäftigte sich eingehend mit mathematischen -und geographischen Studien, er zog alle erreichbaren Nachrichten alter -und neuerer Zeit ein und faßte den Plan, das goldreiche Guinea, das -allerdings nur durch dunkle Gerüchte bekannt war, zu erreichen; -politische und religiöse Erwägungen bestärkten ihn hierin. Er fand -zunächst wenig Beifall. Den Seeleuten schienen die Gefahren an der -Nordwestküste Afrikas zu groß -- Portugals Schiffahrt war erst im -Entstehen --, die Kaufleute versprachen sich nichts von Entdeckungen -weiter im Süden, da nach den Überlieferungen des Altertums (Aristoteles, -Ptolemäus) angenommen wurde, daß der heiße Erdgürtel unbewohnbar sei. -Die ersten Fahrten schienen diese Einwürfe zu bestätigen: Mangel an -Häfen, unsichtige Atmosphäre (Dunkelmeer), trauriges, dürres Aussehen des -Landes, je weiter man nach Süden kam. Man hielt es für unmöglich, das Kap -Bojador zu umschiffen. - -Aber der Prinz ließ sich nicht abschrecken; seine Mittel als Großmeister -des Christusordens setzten ihn in den Stand, immer neue Expeditionen -auszurüsten, wenn auch die ersten wenig Erfolg brachten. Seine Ausdauer -wurde belohnt: 1434 wurde Kap Bojador umschifft, 1441 Kap Branco -erreicht, 1443 brachte man aus der Bucht von Arguin reiche Produkte und -auch Goldstaub heim. Nun schlug die Stimmung um, und schon 1444 wurde -eine Handelsgesellschaft für Westafrika gegründet. 1445 =erreichte man -Kap Verde=, und die tropische Pracht, die man hier vorfand, stieß die -alte Theorie von der Unwirtlichkeit der Tropenländer um, die Entdeckungen -wurden nun eifrig weiter gefördert. Die Tatsache, daß sich die Küste vom -genannten Vorgebirge nach Südosten zieht, scheint nun auch dem Prinzen -Heinrich die Überzeugung gegeben zu haben, daß es möglich sei, auf diesem -Wege Indien zu erreichen; ob ihn dieser Gedanke schon vorher geleitet, -ist fraglich. Der Prinz starb 1460, er hatte seine Mittel völlig -erschöpft, aber wahrlich nicht vergeudet: Portugal war zu einer leitenden -Seemacht geworden, und schon João II. (1481-1495) bezog ansehnliche -Einkünfte aus Afrika. - -Päpstliche Bullen von 1441, 1454 und 1481 sprachen alle Entdeckungen -zwischen Kap Bojador und Indien den Portugiesen zu, diese bauten an -geeigneten Stellen Forts und errichteten Steinkreuze als Zeichen ihrer -Hoheit, so 1484 am Kongo und bei Kap Croß; an dieser Reise nahm der -deutsche Kosmograph =Martin Behaim= teil, man kam bis zu 22° Süd-Breite. -1486/87 passierte =Bartolomeu Dias= mit zwei kleinen Karavellen von 50 -tons, von der St. Helenabucht weiter segelnd, =das Kap der Guten -Hoffnung=, ohne es zu sichten. In einem Sturm südlich vertrieben, suchte -er bei besserem Wetter die Küste mit Ostkurs wieder zu treffen, da er sie -nicht fand, steuerte er nördlich und erreichte so die Fleshbay. Dann -segelte er östlich weiter, errichtete auf der Insel St. Cruz in der -Algoabay den letzten Wappenpfeiler und gelangte noch bis zum -Greatfishfluß. Hier mußte er wegen Mangel an Proviant und wegen -Unzufriedenheit seiner Mannschaft infolge der schweren Stürme bei -Umsegelung des Kaps umkehren, bei der Rückfahrt sichtete er dieses und -taufte es Cabo tormentoso. Aber der König änderte den Namen in Cabo da -boa esperanza, denn der Umstand, daß sich die Küste vom Greatfishfluß -nach Norden zog, gab ihm die feste Überzeugung, daß der Weg nach Indien --- zu den Gold- und Gewürzländern -- nun offen stehe; bald darauf -eingehende Berichte von Portugiesen, die im Auftrage des Königs von Aden -aus auf arabischen Schiffen Indien und die Ostküste Afrikas bis Sofala -hin besucht hatten, bestätigten dies. - -»=Indien=« war im Altertum und Mittelalter ein sehr weiter und -unbestimmter Begriff, er umfaßte eigentlich alle Länder am Indischen -Ozean bis nach China hin, die Ostküste Afrikas eingerechnet; der -Hauptwunsch aller Entdeckungsfahrten war, die »Gewürzinseln« zu -erreichen. Neuen Anstoß, auf dem beschrittenen Wege fortzuschreiten, -gaben für Portugal die ersten Entdeckungen Spaniens im Westen, es galt -nun, diesem in Indien zuvorzukommen. Mit den Fahrten der Spanier und den -nun weiter folgenden der Portugiesen treten wir in die eigentliche Epoche -der großen Entdeckungen; die Seefahrt der westlichen Völker Europas -verläßt die Küsten und durchquert die Ozeane, eines der Kennzeichen des -nächsten Zeitabschnittes. - -$Die Nautik.$ Mit der Vernichtung des Seewesens im Westen des -Mittelmeeres war auch die bisher erreichte Kenntnis der Nautik und ihrer -Hilfswissenschaften verloren gegangen. Die Byzantiner, bei denen sie -erhalten blieb, hielten sie geheim, und die Fortschritte der Araber in -dieser Wissenschaft waren zunächst den Völkern am Mittelmeer noch nicht -zugänglich. So stand die Nautik derjenigen Nationen, die erst mit der -Seefahrt begannen, wohl lange auf der niedrigsten Stufe und entwickelte -sich nur langsam aufs neue wie im Altertum, bis die Völker des Ostens, -des Westens und des Nordens mehr miteinander in Verbindung traten und -ihre Erfahrungen austauschten. Hierzu kam dann bald die Entdeckung der -=Richtkraft des Magneten=. - - Sicher dürfte sein, daß die Chinesen diese Kraft seit langer Zeit - kannten und benutzten, und daß die Araber von ihnen am Indischen Ozean - frühzeitig, vielleicht schon im 8. Jahrh., den Gebrauch übernahmen. - Aber nicht sicher ist, ob diese Kenntnis dem Abendlande durch die - Araber überkommen ist. Denn zum ersten Male wird ihrer in Frankreich um - 1200 Erwähnung getan. Möglich ist also, daß die Entdeckung - selbstständig auch im Westen der Alten Welt gemacht ist, wo um diese - Zeit mit der Aufnahme des Studiums der Schriften des Aristoteles den - Naturwissenschaften wieder Aufmerksamkeit zugewandt wurde. Die - Verwendung des Magneten als Nadel mit Windrose findet sich zuerst Ende - des 13. Jahrh. und um die Mitte des 14. ist der Kompaß, zunächst mit - dem holländischen Ausdruck »Bussole« bezeichnet, auf großen Schiffen - vielfach im Gebrauch. Um diese Zeit scheint =Flavio Gioja= aus Amalfi - irgend eine wesentliche Verbesserung, wohl zum praktischen Gebrauch an - Bord, eingeführt zu haben, und deshalb wurde er lange als Erfinder des - Kompasses genannt. Daß aber die Magnetnadel schon vor seiner Zeit - benutzt ist, geht aus genauen Karten des Mittelmeeres, von 1320 - überliefert, hervor; sie können nur mit diesem Hilfsmittel in längerer - Zeitdauer aufgenommen sein. - -Der Kompaß war ein großer Gewinn für die Navigation, aber auch in anderen -Hinsichten machte diese große Fortschritte. Das Studium der Alten, -besonders des Ptolemäus (vergl. S. 6) brachte die Erdkunde und die -Astronomie wieder auf den Standpunkt des Altertums und bildete die -Grundlage zur weiteren Entwicklung, auch der Nautik; durch diese -Wissenschaften im Verein mit dem Kompaß wurde die =Kartographie= -wesentlich gefördert, besonders zunächst bei den Portugiesen. - -Bereits im 13. Jahrh. war man nach den Schwankungen im früheren -Mittelalter wieder allgemein zur Annahme der Kugelgestalt der Erde -zurückgekehrt. Von den Arabern hatte man den Gebrauch des Astrolabs -- -zur Messung von Höhen der Gestirne, schon von Hipparch erfunden -- kennen -gelernt; =Regiomontanus= verbesserte dieses Instrument und berechnete -Ephemeriden für die Sonnendeklination von 1473-1505, ebenso wurden in -Portugal um diese Zeit Hilfstabellen zur Berechnung der Breite nach -Polarsternhöhen und, als die Portugiesen weiter nach dem Süden -vordrangen, auch Deklinationstabellen für südliche Breiten ausgearbeitet. -Gute Breitenbestimmungen am Lande und der Kompaß ermöglichten die -Herstellung immer besserer Seekarten, bei denen wieder die Marinische -Projektion (durch die Portugiesen im 15. Jahrh.) benutzt wurde. Bei -diesen »platten Karten« wählten die Portugiesen den Äquator als -Mittelbreite, da sich ihre Reisen etwa gerade soweit südlich wie nördlich -von ihm erstreckten. Für Spezialkarten nahm man die entsprechende -Mittelbreite als solche, für Karten der gesamten europäischen Gewässer -behielt man nach Marinus den 36. Breitengrad bei, wohl weil das -Verhältnis des Breiten- zum Längengrade, 4:5, am einfachsten war. - - Die Ausrüstung der Schiffe mit Seekarten wurde mehr und mehr - gebräuchlich. Zuerst erwähnt werden sie bei Mittelmeerschiffen um die - Mitte des 12. Jahrh.; in Spanien sollte um 1359 jedes Kriegsschiff - solche besitzen; von 1448 sind uns die älteste englische Karte von den - britischen Inseln bis zu den Kapverden sowie Segelanweisungen für die - Küsten von Schottland bis Gibraltar erhalten. - -Bei Fahrten über die hohe See wurde aber noch länger dem Globus der -Vorzug gegeben wegen der durch die Fehler der platten Karte -hervorgerufenen Gefahren, bis diese durch Einführung der -Mercator-Projektion (1537) gehoben wurden; auch ist erwähnenswert, daß -die Hanseaten ihre Fahrten in den nordischen Gewässern scheinbar nur nach -Segelanweisungen und Küstenbeschreibungen vornahmen. Seit etwa 1480 wurde -das Astrolab, zu diesem Zwecke von =Behaim= verbessert, auch an Bord -verwendet, und bald darauf konstruierte derselbe Gelehrte den Jakobsstab -(croßstaff; auch schon von Regiomantanus erfunden) als ein für den -Bordgebrauch einfacheres und geeigneteres Instrument für Höhenmessungen. - -Mit allen diesen Hilfsmitteln wurde die Seefahrt frei von der Küste und -konnte ins Weltmeer hinausgehen. Größere Sicherheit gewann sie allerdings -erst durch Verbesserung der Karten und Instrumente im nächsten -Zeitabschnitt; zeigten doch die Breitenbestimmungen auf See immer noch -unvermeidliche Fehler bis zu 3 Graden. - -$Die Schiffe.$[17] Der Mangel an zuverlässigen Überlieferungen läßt uns -die Entwicklung des Schiffbaues, besonders der Segelschiffe, erst etwa -vom Jahre 1000 an verfolgen, genauere Angaben erst von weit späterer Zeit -machen; erschwert wird die Aufgabe dadurch, daß bei den verschiedenen -Völkern und zu verschiedenen Zeiten die Namen für ähnliche Schiffstypen -verschieden sind oder umgekehrt die gleiche Bezeichnung für verschiedene -Typen gebraucht wird. Es soll hier deshalb nur soweit darauf eingegangen -werden, wie nötig ist, um den Wert der in den Kriegen zu den -verschiedenen Zeiten gebräuchlichsten größeren Schiffe beurteilen und -außerdem verfolgen zu können, wie sich aus den Haupttypen des -Mittelalters nach und nach das spätere Segelkriegsschiff herausgebildet -hat. - - [17] Hauptquellen: Arenhold; du Sein; Serre; Jurien; Clowes Tl. I; The - ship. In allen Angaben von mehr technischen Quellen, aus denen sie - geschöpft haben, so besonders Clowes. -- Bei Clowes und in The - Ship finden sich Angaben über die vielen Schiffstypen der - verschiedenen Völker, die hier nicht erwähnt werden. - -$Im Mittelmeer$ war, wie erwähnt, das Seewesen nach der Völkerwanderung -nur im Osten auf dem Standpunkt des Altertums stehen geblieben, im Westen -war es vernichtet, die Kunst des Schiffbaues verlernt. Der Haupttyp der -Kriegsschiffe im Osten (Byzanz) wurde die =Dromone=. Sie ist scheinbar -ein Mittelding zwischen dem griechischen Vielreiher und der römischen -Liburne gewesen, in der Größe mehr der letzteren entsprechend: Länge 36 -m; Breite 4,4 m; Tiefgang 1,1 m Deplacement 100 tons. Zwei Ruderreihen zu -25 Riemen an jeder Seite, also in Summa 100 Ruderer, die obersten Ruderer -waren nicht gedeckt; Gesamtbesatzung 130-150 Mann. Die Dromone war noch -im Gebrauch bis ins 10. Jahrh., dann wurde sie verdrängt durch die Galere -des Westmittelmeers, ein Erzeugnis des hier bei den italienischen Städten -wieder gehobenen Seewesens. - -Die =Galere= wird uns bekannt als das Kriegsfahrzeug dieser Städte, -zunächst Venedigs, etwa seit dem Jahre 1000. Auch sie ist als eine -Tochter der römischen Liburne anzusehen. Sie verdankt vielleicht ihren -Ursprung den Überlieferungen aus altrömischer Zeit, es haben ja auch zur -Zeit der Völkerwanderung in den germanischen Staaten am Mittelmeer -Flotten bestanden, aber zu größerer Ausbildung ist der Schiffbau wohl -nicht gekommen. Gerade das Seewesen braucht geordnete Verhältnisse, um zu -gedeihen, und so blieb der Bau tüchtiger Kriegsschiffe erst wieder den -aufblühenden Städten vorbehalten. Die Galere war ein Ruderfahrzeug mit -einer Reihe Riemen. Zur Blütezeit Venedigs im 13. und 14. Jahrh. hatte -sie sich dort zur =Galere à zenzile= ausgebildet (vergl. Liburnen und -Anm. dazu S. 15), d. h. von jeder der schräg zur Kielrichtung eingebauten -Ruderbänke wurden mehrere Riemen von verschiedener Länge bedient. Die -gebräuchlichste Galere dieser Art war, nach Serre, 41 m lang, 5 m breit, -180-200 tons, 25 Ruderbänke mit je einer Gruppe von 3 Riemen, für -letztere je ein Ruderer. Da auf jeder Seite eine Gruppe ausfiel -- an B. -B. zur Unterbringung des Beibootes, an St. B. zur Aufstellung der Kombüse ---, hatte man 48 Gruppen, also 144 Ruderer; Gesamtbesatzung etatsmäßig -220, jedoch wurden häufig mehr Soldaten eingeschifft. - -Die an anderen Orten gebräuchliche, =gewöhnliche Galere= war im -allgemeinen von denselben Größenverhältnissen. Sie führte auf jeder Bank -nur einen langen Riemen, Summa 50 bezw. 48, der von 3 Mann bedient wurde. -Sie war leichter durch weniger geübte Mannschaften oder angekettete -Sklaven zu rudern, deshalb kehrten auch die Venetianer notgedrungen zu -ihr zurück, als sie im 16. Jahrh. Mietlinge an Stelle der Bürger als -Ruderer verwenden mußten. Die Galere à zenzile verschwand ganz im 17. -Jahrh. Alle Ruderer der Galere waren von oben unbeschützt, nur seitlich -durch eine leichte Brustwehr gedeckt; zum Schutz gegen das Wetter wurde -bei Ruhe ein Zelt ausgespannt. Vorn und hinten hatten die Fahrzeuge eine -Plattform für die Kämpfer und die Wurfmaschinen, später die Kanonen; wie -im Altertum waren sie mit einem Sporn, später mit einem weit -vorspringenden Gallion versehen, das als Enterbrücke, aber auch wohl -weiter zum Rammen diente. Die Takelage bestand aus zwei Masten mit großem -Lateinsegel, später trat ein kleiner dritter hinzu (mezzana, daher wohl -der englische mizzen-mast); die Fahrzeuge waren sehr wenig stabil. Gegen -Ende des Mittelalters, namentlich auch infolge der Einführung der -Artillerie, wurden auch vereinzelt größere Galeren gebaut, bei denen die -Riemen von 5 Mann, ja sogar bis zu 8, bedient wurden, auch à zenzile mit -4 Riemen kamen vor; sie hatten 500-600 Mann Besatzung, führten etwa 3 -schwere Geschütze (36- und 24-Pfünder) und 4 leichte (6-Pfünder) auf den -Plattformen, besonders nach vorn, und nach und nach auch eine große Zahl -leichter Geschütze an den Seiten, die zwischen den Riemen durch Pforten -feuerten. Ihre Takelage ist nur als Hilfsmotor anzusehen. Die Galeren -waren wie die Kriegsschiffe im Altertum vorwiegend Ruderschiffe; unter -Riemen liefen sie 3-4 Seemeilen, sie sollen aber 10-12 Stunden haben -rudern können, ja bis zu 20 Stunden wird angegeben (ohne Ablösung? oder -wurden dann die Riemen nicht voll besetzt?). - -[Illustration: Galere des XVI. Jahrhunderts.] - - Die Galeren blieben im Mittelmeer noch lange Zeit im Gebrauch, sie - spielen aber auch in den Kämpfen der ersten Periode der neueren Zeit - eine Rolle im Atlantik und Kanal, obgleich sie sich stets in der Nähe - der Küste halten mußten. Hier waren es zunächst von den italienischen - Städten gemietete, aber auch die Franzosen und selbst die Engländer - bauten sie nach. Erstere hatten vom Ende des 15. Jahrh. bis 1749 im - Mittelmeer eine Galerenflotte mit eigener Organisation, Etat und - Offizierskorps. Die erwähnten, vollständiger armierten Galeren gehören - diesen späteren Zeiten[18] an, die Armierung im Mittelalter entsprach - natürlich der der anderen Schiffe dieser Zeit. Die =Galeasse=, die sich - aus der Galere entwickelte, behandle ich im nächsten Abschnitt. - - [18] Genauere Angaben über die Galeren des 16. und 17. Jahrh., auch - über den Dienst an Bord derselben u. s. w. in Jurien: »Les derniers - jours«. - -Über den Stand der $Segelschiffe$, Kauffahrer, $im Mittelmeer$ Anfang des -Mittelalters sind Angaben nicht vorhanden. Da Byzanz während der -Völkerwanderung den Seehandel aufrecht erhielt, ist anzunehmen, daß das -über die Segelschiffe im Altertum Gesagte auch für diese Zeit zunächst -noch Gültigkeit hat. Verbesserungen mögen eingetreten sein, so die -Einführung der lateinischen Segel. Wesentliche Fortschritte scheinen erst -gemacht zu sein, als man mit dem Norden mehr in Verbindung trat. -Jedenfalls haben die Nordvölker einen großen Einfluß auf die Entwicklung -der Segelschiffahrt gehabt, waren sie doch durch Wetter- und -Seeverhältnisse ihrer Gewässer mehr auf diese hingewiesen; bei ihnen ist -eine vorwiegende Ruderschiffsperiode nur sehr kurz gewesen. Die -Segelschiffe von 1300 an sollen deshalb später gemeinschaftlich -betrachtet werden. - -[Illustration: Wikingerschiff etwa 1000 n. Chr.] - -$Die Schiffe im Norden bis 1300.$ Von den ältesten Fahrzeugen des Nordens -haben wir durch Ausgrabungen einige Originale erhalten, so das 1863 in -Nydam ausgegrabene Boot, das sich im Vaterländischen Museum zu Kiel -befindet (Abbildung in Arenhold). Es wird als aus dem 3. Jahrh. n. Chr. -stammend angenommen, ist 22,5 m lang, 3,2 m breit, 1,2 m hoch und führt -30 Riemen. Fast dieselben Größenverhältnisse hat ein am Sandfjord -gefundenes Boot aus der Zeit etwa 900 n. Chr. stammend (Abbildung in -Clowes I). Jenes hat sehr elegante Formen und ist nicht zum Segeln -eingerichtet, dieses ist merklich breiter und hat einen Mast mit -Raasegel. Übereinstimmend mit anderen Überlieferungen geben uns diese -Boote einen Begriff von den Fahrzeugen, auf denen die Normannen -(=Wikinger=) ihre Raub- und Eroberungszüge bis zum 11. Jahrh. unternommen -haben. Sie benutzten die Riemen zum Ein- und Auslaufen sowie im Kampf, -der Mast wurde dann niedergelegt. Die Fahrzeuge waren ungedeckt, hatten -aber vorn und hinten ein Halbdeck für Aufstellung der Krieger im Gefecht, -die Reeling wurde durch die dort aufgehängten Schilde erhöht und -verstärkt. Ihre Besatzung betrug 50-100 Mann; größer waren sie nicht, ein -Beweis dafür dürfte sein, daß Wilhelm der Eroberer 60000 Mann auf -700-1400 Fahrzeugen -- soweit schwanken die Angaben -- nach England -hinüberführte. - -Ähnlich bleiben die =Schiffe des= 12. =und= 13. =Jahrh.= Durch ihren -spitzen Bau vorn und hinten zeigen sie immer noch ihren Ursprung aus -Ruderbooten an, noch sind sie auf den Gebrauch von Riemen angewiesen, -sobald es auf sicheres Manövrieren ankommt. Jedoch werden auch schon -größere Schiffe gebaut, plumper und nun wohl schon ganz gedeckt und, wenn -sie vorzugsweise zum Kampf bestimmt sind, mit Plattformen auf Pfählen für -Kämpfer und Wurfmaschinen versehen; diese Gerüste wurden um 1300 zu -festen Kastellen, die gleichzeitig der Besatzung als Unterkunftsräume -dienten. - - Dieser Art waren die 9 »größeren Schiffe«, die neben etwa 200 anderen - in Richard Löwenherz' Kreuzfahrerflotte genannt werden. Sie hatten eine - Besatzung von 1 Kapitän, 14 Seeleuten, 40 Rittern mit ihren Pferden, 14 - Dienern, 40 Fußknechten und konnten für längere Zeit Proviant nehmen. - -Auch die Takelage wurde verstärkt, der Mast war nicht mehr zum -Niederlegen, sondern trug feste Mastkörbe zur Aufnahme von Schützen; die -Zahl der Riemen wurde nicht vermehrt. Im Norden blieb noch länger nur ein -Mast mit einem oder mehreren viereckigen Segeln in Gebrauch, während im -Mittelmeer um diese Zeit schon zwei Masten mit lateinischen Segeln -vorkommen, von denen der vordere sehr weit vorn stand und starken Fall -nach vorn hatte. - -Diese größeren Schiffe, wie sie der auf Seite 36 abgebildete Kreuzfahrer -zeigt, müssen wir wohl als den Typ der Hochseeschiffe betrachten, auf dem -sich die Entwicklung des Segelschiffes im Norden weiter aufbaut; ihre -Größe war um die Mitte des 13. Jahrh. auf 80 tons, gegen das Ende -vereinzelt schon bis zu 200 tons gewachsen. Neben diesem Typ gab es -verschiedene andere für kleinere Fahrzeuge der Küstenfahrt und Fischerei -u. s. w., und muß besonders erwähnt werden, daß auch im Norden die -wenigen Schiffe, die die Staaten ausschließlich für ihre Zwecke -- -Kriegsdienst, vor allem aber Zolldienst, Seepolizei, Hafenverteidigung -- -bauten und hielten, vorwiegend noch Ruderfahrzeuge waren. Dementsprechend -waren sie länger im Verhältnis zur Breite als die großen Segelschiffe und -stärker bemannt; auch Richards Kreuzfahrerflotte enthielt 50 solcher -galleys (Galeren?). - - $Die Entwicklung der Segelschiffe von 1300-1500.$ Eine Trennung der - Schiffe in Kriegs- und Handelsschiffe erscheint in dieser Zeit nicht - mehr am Platze. Die Staaten des Altertums, die Städte und Staaten des - Mittelalters am Mittelmeer unterhielten große stehende Flotten von - Ruderkriegsschiffen. Größere stehende Flotten von Segelkriegsschiffen - werden in den jetzt aufblühenden Staaten des Westens und Nordens erst - langsam im Laufe der nächsten Periode geschaffen. Zu Kriegszwecken - griff man hier hauptsächlich auf Kauffahrer zurück, die man aushob, - kaufte oder mietete. Wenn nötig, wurden sie dazu hergerichtet, indem - man sie verstärkte, Kastelle aufbaute, sie stärker armierte. Der eigens - für den Krieg gebauten Segelschiffe waren nur wenige und sie - unterschieden sich zunächst kaum von den Handelsschiffen, da auch - diese, wenigstens die größeren, zum eigenen Schutz stets armiert waren. - Die Schiffe des Staates für sonstige Hoheitszwecke waren auch nach 1300 - noch lange vorwiegend Ruderfahrzeuge. Zeitweilig wächst die Zahl der - Kriegsschiffe in einzelnen Staaten, aber immer geht sie bald wieder - zurück. So ist denn vorläufig die Entwicklung der Segelkriegsschiffe - die gleiche wie die der Kauffahrteischiffe, erst im Laufe der nächsten - Periode geht sie einen andern Weg. - -[Illustration: Englisches Fahrzeug um etwa 1190 (Kreuzfahrer).] - -Bedeutendere Fortschritte machte der Segelschiffbau von 1300 an aus den -S. 27 u. 34 angeführten Gründen. Eine große Errungenschaft war zunächst -die Erfindung des festen Ruders mit der Pinne am Achtersteven etwa um -1300. Mit den alten Steuerriemen an der Seite des Schiffes hinten war -das Steuern eines von den Segeln gepreßten Schiffes bei einigermaßen -bewegter See nicht möglich, erst mit dem neuen Ruder konnte an eine -Vergrößerung der Takelage gegangen werden. Die neue Rudereinrichtung hat -sich sehr schnell allgemein eingeführt, schon um 1356 war sie auf allen -größeren englischen Schiffen im Gebrauch. Nun werden zwei Masten mit -viereckigen Raasegeln und einem Toppsegel gebräuchlich; bald schon kommen -drei Masten vor, am hintersten Mast ein lateinisches Segel, um das Schiff -besser am Winde zu halten. Es ist dies der Vorläufer des Besan; das -Bugspriet führt noch keine Segel, es dient nur zur Stütze des weit nach -vorn stehenden Fockmastes. Die Schiffe werden höher und seefähiger, die -Kastelle wachsen; die Mitte des Schiffes blieb niedrig, solange man noch -nicht ganz vom Gebrauch der Riemen absehen konnte. Auf den Kastellen -standen kleine Wurfmaschinen, mittschiffs schwerere. Das gebräuchlichste -Hochseeschiff im Norden war die =Kogge=, als Beispiel ist eine -Hansa-Kogge von 1380 hier abgebildet: ca. 250 tons, 50 Seeleute, 100 -Bewaffnete, 20 Pferde. - -[Illustration: Hansa-Kogge um etwa 1380.] - -Um die Mitte des 14. Jahrh. werden im Mittelmeer die ersten leichten -Geschütze an Bord eingeführt. Ende des Jahrhunderts auch im Norden. Im -15. Jahrh. nimmt mit ihrer Vervollkommnung die Verwendung der Artillerie -zu, allerdings zunächst hauptsächlich nur an Anzahl der leichten -Geschütze. Die Schiffe werden nun größer und tragfähiger, sie werden vorn -und hinten rund. Die Kastelle, bisher turmähnlich, werden länger und -reichen vom Heck bis zum Großmast, vom Bug bis zum Fockmast, das vordere -ragt weit über den Vorsteven hinaus, sie erhalten Etagen mit -Geschützpforten: alles, um die Artillerie vermehren zu können, besonders -in der Breitseite. - -[Illustration: Holländische Kogge, 15. Jahrh., 600 tons, 300 Mann.] - -Die Takelage wird weiter vervollständigt durch Stängen mit kleinen -Marssegeln, der dritte Mast wird allgemeiner. Aber der Ausbau der -Kastelle, ihre Höhe besonders, beeinträchtigte sehr die Segel- und -Seefähigkeit; die Schiffe trieben stark vor ihnen. Wegen des -hervorragenden Vorderkastells und des so weit vorn stehenden Fockmastes -waren sie schlecht am Winde zu halten, man findet deshalb nun oft 4 -Masten, an den beiden letzten Lateinsegel. 400-700 tons dürfte die Größe -der großen Schiffe Ende des 15. Jahrh. gewesen sein. Die Namen dieses -Typs der großen Seeschiffe waren, allgemein gesagt: im Norden »Kogge« -(engl. Cog), später bald »Schiff« (Ship), in Spanien und Portugal -»Galeon« (auch Gallion), in Venedig und Genua »Karrak«. Vereinzelt kommen -schon Fahrzeuge bis zu 1000 tons vor; Spanien (vorläufig Kastilien) und -Portugal gingen hierin voran, doch müssen wir solche besser zur nächsten -Periode rechnen. - -[Illustration: Karavelle des 15. Jahrhunderts.] - - Segel- und Seefähigkeit der größeren, stark armierten Schiffe war sehr - gering. Portugiesen und Spanier benutzten zu ihren ersten - Entdeckungsreisen nicht einmal Fahrzeuge der sonst schon allgemeiner - gebräuchlichen Größen sondern kleinere. Die »=Karavellen=« des Kolumbus - waren Fahrzeuge von 120-130 tons, 80-90' lang, 50 Mann, 3 oder 4 - Masten, nur der Fockmast mit Raaen. - - Kolumbus rühmt sie als gute Segler, auch beim Winde, als handliche und - bequeme Seeschiffe. - -[Illustration: Galeon des 15. Jahrhunderts.] - -=Die= vorzugsweise leichten =Geschütze= -- noch 1514 führte der »Great -Harry«, wenn man von den schweren Geschützen seiner zweiten Batterie -absieht, nur 8 Geschütze über 3-Pfünder bei einer ungeheueren Zahl -leichterer -- waren also mit ihrer Vermehrung auf dem Deck, besonders -aber in den Etagen der verlängerten Kastelle aufgestellt und zwar so, daß -man nach vorn, nach hinten, nach den Seiten und gegen Entern über das -Mittschiffsdeck feuern konnte; diese Verteilung ist gut zu ersehen aus -der auf Seite 97 wiedergegebenen Abbildung des ebengenannten Schiffes. -Noch im Mittelalter begann man aber, die Schiffe mit schwereren -Geschützen zu armieren, scheinbar besonders in den südlichen Ländern. -Diese fanden jetzt Aufstellung auf dem Hauptdeck des Schiffes, zuerst -vorn und hinten, dann nach den Seiten, ja bald brachte man sie auch im -Schiffsrumpf unter und feuerte durch Pforten in der Schiffswand. Wie -durch die Verlängerung der Kastelle, so wird auch hierdurch die Kraft der -Artillerie immer mehr in die Breitseiten verlegt, die neue Waffe wird -durch ihre Vermehrung und Verstärkung mehr und mehr zur Hauptwaffe: zwei -Punkte, die für den nächsten Zeitabschnitt kennzeichnend sind. Schiffe -der neueren Art waren im Mittelalter noch sehr selten, im Norden kamen -sie kaum vor; der Beginn der Fortbildung in dieser Hinsicht (vergl. -Abschnitt II »Schiffe«) fällt aber schon an das Ende des 15. Jahrh. Die -Abbildung auf S. 39 zeigt eine Galeon um die Wende des Jahrhunderts. - - Wie auf die Belebung der Seefahrt überhaupt, so haben die italienischen - Städte auch großen Einfluß auf die Entwicklung des Schiffbaues gehabt. - Schon die christlichen Königreiche Spaniens zogen Genuesen und - Venetianer zur Anlage von Werften heran, als sie im 12. Jahrh. - anfingen, Schiffe für den Seehandel und seinen Schutz zu bauen, ebenso - waren solche die Lehrmeister der Portugiesen, als diese im 14. Jahrh. - zur See gingen. Die Schiffe der italienischen Städte werden auch als - Muster zur Vervollkommnung der größeren Seeschiffe im Norden gedient - haben, als sie von 1300 an häufiger in diesen Gewässern erschienen. - Lange noch galten ihre Schiffe als besonders gut und wurden häufig nach - dem Norden vermietet oder verkauft. Zu Ende des Mittelalters hatten die - Niederländer im Norden einen hohen Ruf im Schiffbau errungen, ihre - Schiffe und ihr Schiffbaupersonal waren jetzt gesucht, besonders in - Schweden und Frankreich in der nächsten Periode, als in diesen Ländern - das Seewesen staatlich begünstigt wurde. - -Von =staatlichen Werften= hören wir im Mittelalter wenig; dies erklärt -sich daher, daß keine Kriegsmarinen von Bedeutung bestanden. Wo größere -stehende Ruderschiffsflotten vorhanden waren, also in erster Linie wieder -in den italienischen Städten, hatte man natürlich auch Werftanlagen für -diese, wie wir sie für das Altertum erwähnten: künstliche Häfen mit -eingeteilten Liegebassins (nasse Docks), Vorrichtungen zum Trockenlegen -der Schiffe, Arsenale für die Ausrüstung. Ähnliches wird auch in den -anderen Staaten für die wenigen Regierungsschiffe vorhanden gewesen sein. -So wissen wir von England, daß hier schon etwa um 1300 nasse Docks, -schützende Schuppen und Ausrüstungshäuser für die königlichen Galleys in -Portsmouth, Rye, Winchelsea, Storeham bestanden. Von eigentlichen -Kriegswerften ist aber auch mit dem zunehmenden Gebrauch größerer -Segelschiffe noch nicht die Rede, der Bau der staatlichen Schiffe blieb -wohl fast ganz in Privathänden; überall werden nur Arsenale für -Geschütze, Ausrüstungs- und Kriegsmaterial erwähnt, so in Portugal das -Arsenal Heinrich des Seefahrers in Sagres, in England seit Heinrich VIII. -die Arsenale in Woolwich und Deptford an der Themse, in Portsmouth, in -Frankreich dort, wo die Küstenadmirale ihren Sitz hatten, und ähnlich in -Holland; Kriegswerften erscheinen erst im nächsten Zeitabschnitt. - -$Waffen.$ Im Mittelalter finden wir, auch im Norden, sobald hier die -erste Zeit des Kampfes nur mit Handwaffen überstanden war, überall die -Waffen des Altertums wieder. Kleinere und größere Wurfmaschinen, größere -Armbrüste, die sämtlich brennende Pfeile, Lanzen, Steine, -eisenbeschlagene Pfähle und Wurfdraggen schleudern, sind auf den -Kastellen, die schwereren Maschinen bei Segelschiffen auch mittschiffs, -aufgestellt; Stinktöpfe und Gefäße mit ungelöschtem Kalk werden, -besonders aus den Mastkörben, auf das feindliche Deck geworfen. Manche -der Wurfmaschinen scheinen durch die Kreuzzüge nach dem Norden gekommen -zu sein, wie denn auch erwähnt wird, daß die Schiffe von Richard -Löwenherz das berühmte griechische Feuer[19] verwendet hätten. Die -Bewaffnung der Kriegsleute war wie am Lande. Ritter und Knappen, durch -Helm, Harnisch und Schild geschützt, führten Schwerter, Lanzen und Äxte, -die Leichtbewaffneten Armbrüste, Hand- und Fußbogen. Berühmt waren die -venetianischen und genuesischen Armbrustschützen, oft von anderen Ländern -(Frankreich) gemietet, sowie die englischen Bogenschützen, die jenen noch -überlegen gewesen sein sollen. - - [19] »Griechisches Feuer«: wahrscheinlich eine flüssige Masse aus - Schwefel, Salpeter, Naphtha, Pech gemischt, entzündlich durch - Zutritt von Luft; durch Wasser nicht zu löschen, nur durch Essig - oder Erde. Verwendet: Aus Spritzen; mittels umwickelter Pfeile; in - Gefäßen als Handgranaten oder mit Wurfmaschinen geworfen. - -Die seit etwa 1325 im Landkriege verwendeten =Pulvergeschütze= wurden -auch bald auf den Schiffen in Gebrauch genommen. Sie finden zuerst -Erwähnung im Westmittelmeer, 1333 in einem Gefechte des Bey von Tunis -gegen spanische Mauren, und bei den italienischen Städten, bald darauf -auch bei den Hanseaten. Für England sind 1338 einige wenige Schiffe mit 2 -bis 3 Geschützen, für Holland die ersten um 1396 angeführt. Die ersten -schwereren Geschütze am Lande waren Mörser, dann etwas verlängert -Bombarden, die mit geringer Ladung Steinkugeln bis zu 100 Pfund warfen. -Lange Feuerwaffen waren zunächst nur kleineren Kalibers, eigentlich -unbehilfliche Handfeuerwaffen von 1-2 Mann zu bedienen. Beide Arten -wurden anfangs aus der Länge nach zusammengeschweißten und dann umringten -Eisenstäben hergestellt, sie wurden von hinten geladen und durch Keile -oder eine Ladebüchse, ein besonderes Verschlußstück, geschlossen. Um 1400 -kam der Guß der Rohre aus Bronze auf, und die Stabeisengeschütze wichen -mehr und mehr den später auch aus Eisen gegossenen. Nun konnte man den -hinteren Abschluß des Rohres mit dem vorderen Teil in einem Gusse -herstellen, infolgedessen die Ladung verstärken, und es entwickelten sich -die längeren Geschütze auch schwereren Kalibers, die Kanonen. Bei -leichteren Geschützen blieb die Hinterladung noch länger im Gebrauch, oft -waren dann zur schnelleren Bedienung zwei Bodenverschlußstücke mit -Ladekammer vorhanden. - -Während des 14. Jahrh. machte die Einführung der Artillerie an Bord nur -sehr geringe Fortschritte; 1421 hatten englische Schiffe von 400 bis 700 -tons nur 3-6, kleinere nur 2 Geschütze, und wenn auch von der Mitte des -15. Jahrh. an überall häufiger solche -- von Bronze und Eisen, mit Stein, -Blei- und Eisengeschossen -- erwähnt werden, sowie auch Handfeuerwaffen, -so hatten doch die neuen Waffen die alten noch nicht verdrängt. -Pulvergeschütze und Wurfmaschinen stehen nebeneinander auf den Schiffen, -Handfeuerwaffen und Bogen werden gleichmäßig gebraucht. Die alten Waffen -waren noch lange, bis ins 16. Jahrh. hinein, an Schußweite und -Treffähigkeit überlegen; Geschütze, Lafetten und Pulver waren noch -mangelhaft. - - Wie gering die Bedeutung der Artillerie noch im Anfange des 15. Jahrh. - war, kann man daraus ersehen, daß um diese Zeit zuweilen besonders - hervorgehoben wird, es seien in einem Gefecht auch Kanonen verwendet; - sowie auch daraus, daß bei der Schlacht von Harfleur 1416 alle Waffen - erwähnt werden, nur diese nicht, obgleich einige englische Schiffe - dabei sicher Geschütze führten und vor allem die beteiligten - genuesischen Karraks; von diesen wird nur gesagt, daß sie durch ihre - Höhe im Gefecht Bord an Bord im Vorteil gewesen seien. - -Immerhin aber nahm die Verwendung der Artillerie in der zweiten Hälfte -des 15. Jahrh. bedeutend zu; wir haben gehört, daß zu Ende des -Mittelalters erbaute Schiffe eine große Zahl leichter Geschütze führten, -und daß auch schon schwerere an Bord genommen wurden. Da aber die -Artillerie eigentlich erst eine Waffe des nächsten Zeitabschnittes ist, -so soll erst von dort ab näher auf sie eingegangen werden. - -Ebenso verhält es sich mit einer Spezialwaffe, den =Brandern=. Auch diese -werden schon im Mittelalter vereinzelt verwendet, so z. B. 1304 in einem -Gefecht zwischen Franzosen und Flamändern gegen festgelaufene Schiffe, -doch scheinen sie noch wenig Erfolg gehabt zu haben; ihre Blüte fällt gar -erst in die Zeit unseres Abschnitts III. - -$Die Seekriege.$[20] Daß im Mittelalter keine Seekriege von großer -Bedeutung vorkommen, ist erklärlich. Das Seewesen im Mittelmeer war durch -die Völkerwanderung größtenteils vernichtet, es konnte sich erst wieder -heben, als die Völker zur Ruhe und wieder zu einer gewissen Kultur kamen; -im Norden Europas wurde es jetzt erst geboren. Seemächte im eigentlichen -Sinne gab es nicht. Die Kriegführung zur See beschränkte sich auf -allerdings oft ganz bedeutende Eroberungszüge über See, sowie auf -Raubzüge; später, als der Handel wieder eine größere Rolle spielte, wurde -sie auch ein Mittel, um durch Störung der Schiffahrt und durch -Brandschatzung von Küstenstädten dem Feinde Abbruch zu tun oder um für -erlittene Unbill Repressalien zu nehmen. Auch hierbei kam es zu Kämpfen -zur See, ja großen Seeschlachten, aber über ihren Verlauf bieten die -Quellen selten genaueres. - - [20] Quellen: Das Sammelwerk du Seins gibt den besten Überblick aller - wichtigen Ereignisse; Henk führt die Hauptereignisse auf. - -$Im Mittelmeer$[21] fand die =oströmische Flotte=, die die -Völkerwanderung überdauert hatte, im 5. und 6. Jahrh. Verwendung bei den -großen Expeditionen gegen Vandalen und Goten in Italien und Afrika, die -zu ihren Eroberungen ebenfalls Flotten geschaffen hatten; sie wirkte mit -zur Abwehr der Barbaren im Osten und vor allem später gegen Araber und -Türken, als diese auf den Inseln und längs der Küste sich ausbreiteten; -sie mußte endlich auch den nach Osten vordringenden Normannen und den -aufblühenden Seemächten Venedig und Genua entgegentreten. Während der -Kreuzzüge und der Kämpfe der Türken gegen das oströmische Reich hatte -sich Venedig eines großen Teils Griechenlands und der griechischen Inseln -bemächtigt. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1452 ging -das oströmische Reich zu Ende. - - [21] Hauptquellen: Jurien, »gotische Flottillen«, »Doria«; Manfroni, I - und II, über Zeit der Völkerwanderung, neue Reiche, Kreuzzüge, - italienische Städte; The Ship über Venedig; de Veer über Portugal; - Nauticus 1900 und 1901 über Venedig und die spanischen - Königreiche; Clowes I, England in den Kreuzzügen; in Roncière über - die Franzosen im Mittelmeer. - -Seestreitkräfte, besonders Fahrzeuge der italienischen Städte, aber auch -französische und selbst nordische -- englische und hanseatische -- -spielten eine Rolle während der =Kreuzzüge= durch Überführung der Heere, -durch Unterstützung der Belagerungen von Küstenstädten und durch Abwehr -sarazenischer Flotten. - -Als die wichtigsten Seekriege im Mittelmeer sind die =Kämpfe der -italienischen Städte= unter sich -- besonders Genuas gegen Pisa; Venedigs -gegen Genua -- im 12., 13. und 14. Jahrh. anzusehen, weil sie vorwiegend -zur See und um die Vormacht auf der See ausgefochten wurden; sodann -später die Kämpfe Venedigs mit den Türken um ihre Besitzungen im Osten, -die noch in dem nächsten Zeitabschnitt, in den die Glanzzeit der -türkischen Seemacht fällt, weitergeführt werden, ferner Kriege Genuas -gegen die Mauren in Spanien, gegen die Raubstaaten in Afrika und gegen -Aragonien. - -Schließlich sind noch die =Staaten auf der Pyrenäischen Halbinsel= zu -erwähnen. Als sich im 10. Jahrh. der Seehandel des Kalifats von Cordova -entwickelte, wurde dort eine Kriegsflotte nötig, um ihn gegen die -Seeräuber, die das Mittelmeer von Sardinien, Sizilien und der Nordküste -Afrikas aus unsicher machten, zu schützen. Etwa zwei Jahrhunderte später -entstanden aus demselben Grunde Flotten in den christlichen Reichen -Kastilien und Aragonien, die Verwendung fanden in den Kämpfen der -christlichen Staaten untereinander und mit den Mauren, bei der Eroberung -der Balearen, Sardiniens und Siziliens durch das Königreich Aragonien, in -Fehden mit den italienischen Städten und mit den Franzosen, von Kastilien -aus sogar im Atlantik im Kampfe mit England als Nachbar der englischen -Besitzungen in Frankreich. Auch Portugal bedurfte der Seestreitkräfte -gegen die Ungläubigen. - -Alle Kriegsschiffe im Mittelmeer waren Ruderschiffe, nur Portugal und die -baskischen Provinzen Kastiliens verwandten, weil am Ozean gelegen, schon -einige Segelschiffe; größere stehende Kriegsflotten besaßen eigentlich -nur die Genuesen und Venetianer. - -=Im Norden Europas= kann zunächst von einer Kriegführung zur See nicht -die Rede sein. In die frühesten Zeiten vom 9. bis 11. Jahrh. fallen die -Raub- und Eroberungszüge der =Skandinavier=, besonders von Dänemark und -Norwegen ausgehend, nach allen Küsten der Ost- und Nordsee, nach England -und Frankreich, nach Spanien und Portugal und bis ins Mittelmeer. Diese -Volksflotten fanden im Norden nirgends nennenswerte gegnerische -Seestreitkräfte vor, bis die Hansa sich des Handels im Norden -bemächtigte, und in ihr ihnen ein überlegener Gegner erwuchs. Erst mit -dem allmählichen Erstarken der nordischen Reiche war die =Hansa= -gezwungen, um ihre wirtschaftliche Herrschaft zu kämpfen. Nur durch -blutige Fehden zur See und über See, besonders gegen Dänemark, konnte sie -diese behaupten; durch geschickte Einmischung in die inneren Kämpfe der -Völker, hauptsächlich durch Unterstützung Schwedens gegen den Plan einer -skandinavischen Union unter Dänemarks Führung, errang sie sogar eine -politisch leitende bedeutende Stellung im Norden; diese Zeit der -aufreibenden Kämpfe der beiden nordischen Nationen um die -Aufrechterhaltung der Union, an denen sich auch schon niederländische -Städte, anfangs auf seiten der Hansen, später auf der der nordischen -Herrscher beteiligten, war die Periode der höchsten Blüte der Hansa. Über -stehende Flotten geboten aber weder die nordischen Reiche noch die Hansa. -Für besondere Gelegenheiten wurden die Streitkräfte erst aufgebracht, und -so haben auch diese Kriege mehr den Charakter von Expeditionen, -Überrumpelungen, Brandschatzungen und Repressalien.[22] - - [22] Quellen: Über die Hansa: Schäfer, Lindner. Über die - skandinavischen Völker: Tuxen (dänische), Gyllengranat - (schwedische Flotte); über beide: Nauticus 1900. - -In der Geschichte =Englands und Frankreichs= wird der Seekrieg von -Bedeutung in den Kriegen zwischen beiden Nationen um die Besitzungen -Englands auf dem Festlande während des 13., 14. und 15. Jahrh. Die -dänische Invasion vorher, der Alfred der Große durch eine bedeutende, -aber bald wieder =verfallende= Flotte ein Ende machte, und die Eroberung -Englands durch die Normannen sind gleichfalls unter die Eroberungszüge -der Skandinavier zu rechnen. In diesen Kriegen, mit kürzeren oder -längeren Pausen und wechselnden Erfolgen fast drei Jahrhunderte hindurch -geführt, finden wir eine fortlaufende Reihe von Expeditionen über See. In -erster Linie gehen diese natürlich von England aus, aber auch die -Franzosen unternehmen oft größere Einfälle an der englischen Küste; der -kleine Krieg, Brandschatzungen an den Küsten und Wegnahme von Schiffen, -läuft durch die ganze Zeit; von 1243 an sind auch die ersten Freibriefe -an einzelne Schiffe zur Schädigung des Feindes zu Wasser und zu Lande -bekannt. Die Kriegsführung zur See ist des öfteren von großem Einfluß auf -den Verlauf der Kriege. Es zeigt sich hier schon früh, =daß große Ziele -über See nur erreicht werden können, wenn man die See beherrscht=, die -feindlichen Seestreitkräfte vernichtet oder völlig lahm gelegt hat: -französische Expeditionen scheitern oder werden im Keime erstickt, wenn -englische Flotten, oft nur verhältnismäßig kleine, ihnen entgegentreten; -der englische Krieg auf dem Festlande erlahmt infolge unsicherer -Verbindung mit der Heimat, sobald die französischen Seestreitkräfte die -mächtigeren sind. - -Einige =hervorragende Beispiele=[23] =aus dem= 13. =Jahrh.= seien -angeführt: 1212 sammelte =Philipp= II. in der Seine eine große Flotte von -1700 Segeln und führte sie nach =Damme= in Flandern, um von dort eine -Exekutionsarmee gegen den vom Papst in den Bann getanen =Johann= nach -England überzusetzen. Eine englische Flotte von nur 500 Segeln -überraschte sie im Hafen und auf der Rhede, zum Teil von Mannschaften -entblößt, vor Anker liegend und tat ihr solchen Abbruch, daß Philipp II. -sein Unternehmen aufgeben mußte. 1216 dagegen, als Johann, mit seinen -großen Vasallen im Streit, über keine Schiffe gebot, gelingt es den -Franzosen, mit 700 Fahrzeugen ein Heer zur Unterstützung der Empörer und -zur Einsetzung des von ihnen herbeigerufenen Prinzen Louis von Frankreich -überzuführen; wiederum aber wird 1217 ein Transport von 180 Schiffen, der -nach einer Niederlage der Barone und der Franzosen (bei Lincoln, nach -Johanns Tode) Verstärkungen nach England bringen soll, von nur 40 -englischen Schiffen unter =Hubert de Burgh= bei =South-Foreland= -vollständig vernichtet. Dieses erste große Gefecht auf offener See, auch -sonst in Hinsicht auf Taktik und Kampfweise bemerkenswert, zwang den -Prinzen Louis zum Rückzug aus England und führte zu einem für England -günstigen Frieden. - - [23] In Clowes I sind die kriegerischen Ereignisse der englischen - Marine im Mittelalter sämtlich behandelt. Gerade vom Beginn des - 13. Jahrh. an werden die Quellen für diese Marine reichhaltiger. - In Clowes auch die Verwendung der Seestreitkräfte in den Kämpfen - mit Schottland und zur Eroberung Irlands. Französischerseits für - die Geschichte der Marine im Mittelalter Roncière I und II sehr - eingehend. - - In den weiteren Kriegen Heinrichs III. und Eduards I. 1217-1307 gegen - Frankreich finden wir keine so wichtigen Ereignisse. Die - Seestreitkräfte wurden nur in dem allgemein gekennzeichneten Sinne - verwendet; gegen Ende genannter Zeit und unter Eduard II. war England - vorwiegend mit Schottland und Irland beschäftigt. Einige Begebenheiten - seien aber angeführt, da sie einen Blick in die eigentümlichen - damaligen Verhältnisse auf der See geben. Die Cinque-Ports Englands, - der Hauptrückhalt der Krone in Beziehung auf Seestreitkräfte, trieben - zur Zeit der Kämpfe der Barone gegen den König offene Piraterie und - führten Privatkriege in Handelsinteressen gegen andere Nationen, auch - wenn sonst Friede war; im Jahre 1275 herrschte sogar ein - Freibeuterkrieg zwischen ihnen und den Bayonnesen, obgleich diese auch - Untertanen Englands waren. Infolge eines Privatstreites englischer - Seeleute in einem Hafen der Normandie wurde im Jahre 1293 in der Mitte - des Kanals eine Seeschlacht geschlagen, in der 60 englische Schiffe -- - teilweise in Holland und Irland geworben -- unter dem Gouverneur von - Nottingham-Castle 240 normannische, französische, flämische und - genuesische Schiffe unter dem Grafen von Valois, Bruder des Königs von - Frankreich, völlig besiegten und reiche Beute machten. Die Folgen - dieses Ereignisses, Verhandlungen und Repressalien, führten zu einem - neuen Kriege. - - =Seeraub= und völlige Nichtachtung fremden Eigentums auf See war - überhaupt bei fast allen Küstenvölkern gebräuchlich; man liest von - Seeräubern der Schotten und Iren, der Niederlande, der Bretagne, der - Normandie und der Basken. Unterdrückung des Seeraubes war die - Hauptaufgabe der wenigen Kriegsschiffe. - -In den englisch-französischen Kriegen des 14. =und= 15. =Jahrh.= -- =dem -sog. Hundertjährigen Kriege= -- zeigt sich aufs neue der Einfluß der -jeweilig überlegenen Seemacht. In der ersten Zeit seiner Regierung führte -=Eduard= III., selbst ein Seemann, den Seekrieg energisch. Während vor -und zu Beginn des Krieges (1339) die Franzosen zur See stark gewesen zu -sein und den Engländern viel Schaden getan zu haben scheinen, hob Eduard -1340 eine große Flotte aus und versetzte den Feinden einen schweren -Schlag. Frankreich hatte im Hafen von =Sluys=, jetzt einer holländischen -Binnenstadt, nach den niedrigsten Angaben eine Macht von 190 Segeln, -deren Kern eine größere Abteilung genuesischer Galeren bildete, und 35 -000 Mann versammelt. Der Platz war als geeignet gewählt, um dem in -Flandern stehenden englischen Heere die rückwärtigen Verbindungen -abzuschneiden und auch um einen Einfall nach England zu unternehmen. -Eduard griff diese Flotte mit 250 Fahrzeugen aller Größen am 24. Juni -1340 an und vernichtete sie. Ein kurzer Friede war die unmittelbare -Folge, aber wichtiger noch war das durch den Sieg gewonnene Übergewicht -zur See. Nun gelang es den Engländern, 1347 =Calais= zu erobern und sich -hierdurch, sowie durch einen neuen Sieg im Kanal 1350 über die 40 große -und reichbeladene Schiffe starke Flotte des kastilischen Freibeuters =Don -Carlos de la Cerda= die Seeherrschaft wieder dauernd zu sichern. Ihr -Besitz, das Zusammenwirken von See- und Landstreitkräften hat viel zu dem -günstigen Verlauf des Krieges in Frankreich bis zum Jahre 1360 -beigetragen. - -Lehrreich ist, daß Eduard -- ähnlich wie wir es im Altertum in Athen und -in Rom fanden -- erst den Widerstand des Parlaments überwinden muß, als -er die Flotte zu großen Offensivunternehmungen, dem Angriff auf Calais, -heranziehen will; das Parlament ist anfangs noch der Ansicht, diese sei -nur zur Verteidigung der Küsten da. - -Nach diesen Erfolgen vernachlässigte aber Eduard III. die Kriegführung -zur See, und die Folge davon war, daß sich schon 1360 die Franzosen -wieder regten und die englische Küste brandschatzten. - - Laird Clowes sagt darüber, dem Sinne nach: der Krieg von 1359-1360 zu - Lande war nur eine Reihe von bei der Erschöpfung Frankreichs leicht - errungenen Triumphen. Dies entsprach dem hitzigen Charakter Eduards - mehr, als durch eine langsame, systematische Kriegführung auf dem - Wasser, ohne große ruhmreiche Ereignisse, den Feind zur See weiter bis - zur völligen Vernichtung niederzuwerfen. Trotz der Erkenntnis der - Wichtigkeit der Seeherrschaft für England vernachlässigte er den - Seekrieg und die Seestreitkräfte. - -In den letzten Kriegen Eduards III. von 1369 an, wo Frankreich in -Kastilien einen trefflichen Bundesgenossen zur See hat, zeigen sich dann -weiter die Folgen dieses schweren Fehlers. Eine englische Flotte, die -1372 das belagerte La Rochelle entsetzen soll, wird dort von einer 40 -Schiffe starken kastilischen Flotte vernichtet, und die Blockade der -Stadt durch den inzwischen um 8 Galeren verstärkten Sieger beschleunigt -ihren Fall. 1374 durfte eine nach Guyenne bestimmte Armee es nicht wagen, -dorthin zu segeln, sondern war gezwungen, in Calais zu landen und einen -verlustreichen Marsch durch Frankreich zu machen; so gingen denn auch bis -1374 fast alle englischen Besitzungen in Südfrankreich, außer Bordeaux -und Bayonne, verloren. - -Seit 1374 baute nun Frankreich auf Anregung =Jeans de Vienne= sogar zum -ersten Male selbst eigens für den Krieg bestimmte Schiffe und erhielt -dadurch ein Übergewicht, das sich während der lässig und ergebnislos -geführten Kriege Richards II. besonders im kleinen Kriege im Kanal -zeigte, wo Franzosen und Spanier die bei weitem größeren Erfolge -aufzuweisen haben. Sie beherrschen soweit die See, daß es den Engländern -oft nicht mehr möglich ist, Verstärkungen nur über den Kanal zu werfen. -Während der Friedenszeit unter =Heinrich= IV. muß sogar die Verfügung -erlassen werden, daß englische Schiffe nach Bordeaux nur in größeren -Konvois segeln dürfen. - -Noch einmal endlich spielt die englische Flotte unter dem tatkräftigen -=Heinrich= V. (1413-1422) eine Rolle. Er geht im August 1415 mit 1400 -Fahrzeugen aller Größen nach Harfleur, belagert und nimmt es im -September, wobei die gefechtsfähigen Schiffe durch Blockade und -Aufrechterhaltung der Verbindung mit England mitwirken -- am 25. Oktober -wird die Schlacht von =Agincourt= geschlagen. Als die Franzosen 1416 -ihrerseits Harfleur belagern, wird ihre Blockade-Flotte vor dem Hafen -durch die englische vernichtet. - -Von besonderem Interesse ist eine =Expedition Heinrichs= V. =im Jahre= -1417. Eine Transportflotte von 230 Schiffen war in Southampton -versammelt, aber vor dem Absegeln sendet der König erst ein Geschwader -aus, um ein auf See befindliches feindliches zu suchen und zu schlagen. -Die Schlacht fand am 25. Juli statt (Ort des Zusammentreffens und Stärke -der Gegner ist unbekannt). Die Engländer siegten, und sofort nach -Eintreffen der Nachricht geht die Transportflotte am 29. Juli in See und -landet wohlbehalten in Frankreich. Heinrich zeigt hierbei volles -Verständnis für die Wichtigkeit der Seeherrschaft und für die -Schwierigkeit eines größeren Einfalles in Feindesland, solange eine -feindliche Flotte die See halten kann. Um sich nicht mit dem Transport -einer Schlacht auszusetzen, in der dieser gefährdet und seine -Streitkräfte behindert gewesen wären, läßt er sich vorher den Weg -freimachen; Clowes bezeichnet (Tl. I, S. 380) diese Expedition als das -erste derartige Unternehmen, das auf wissenschaftlichen Grundsätzen -beruhe. Mit der neu errungenen Seeherrschaft stellten sich auch die -Erfolge am Lande wieder ein. - -Nach des Königs frühem Tode 1422 trat völliger Verfall der Seemacht -Englands ein, 1423 wurden sogar alle königlichen Schiffe bis auf zwei -verkauft. Die englischen Besitzungen in Frankreich gingen bis 1456 mit -Ausnahme von =Calais= sämtlich verloren. Die Bürgerkriege der beiden -Rosen taten das übrige; England war ohnmächtig zur See, Einfälle von -allen Seiten gelangen. 1472 plünderte auch eine hanseatische Flotte die -Küsten und erzwang den Städten weitgehende neue Vergünstigungen. Erst -unter den Tudors sollte sich die englische Seemacht wieder heben. - -$Kampfweise und Taktik.$ Die Kampfweise der =Ruderschiffe im Mittelmeer= -war naturgemäß dieselbe wie im Altertum. Mit dem Motor an den Seiten, den -Kämpfern und Wurfmaschinen hauptsächlich auf Bug und Heck, der Bug selbst -durch Sporn oder langes Entergallion armiert -- also die Seiten offensiv -und defensiv schwach, die Schiffsenden stark --, lag die Kampfrichtung in -der Kielrichtung. Da die Fahrzeuge nicht auf der Höhe der attischen -Triere standen und auch sonst mit ihrer Armierung und starken Besatzung -mehr den Schiffen des Altertums zur römischen Zeit entsprachen, so war -ihre Kampfweise mehr dieser gleich: Eröffnungsgefecht mit Fernwaffen; -Versuch, beim Anlauf die feindlichen Riemen zu zerbrechen, baldiges -Entern, Verwendung des Rammstoßes, wenn die Gelegenheit günstig. Auch die -Einführung der Artillerie, während des Mittelalters ja nur in geringem -Maße, änderte nichts an der Kampfweise; die wenigen Geschütze waren -gleichfalls im Bug und Heck aufgestellt. - -Eine Taktik für Schiffsverbände gab es nach Ansicht aller Schriftsteller -noch nicht. Wir finden die vom Altertum überlieferten breiten -Gefechtsformationen -- Dwarslinie, Sichel, Halbmond -- formal angewendet -mit dem Bestreben, möglichst bald ins Gefecht und zur Mêlée zu kommen. -Von Beispielen angewandter Taktik, wie sie das Altertum zeigt, eine -vorzügliche Ausbildung der Schiffe zu benutzen, um an einer Stelle das -Übergewicht zu erringen, oder im Gefecht eigene eigentümliche Waffen (z. -B. besondere Schiffstypen) mit Vorteil zu verwenden, wird nirgends -berichtet. Alte Erfahrungen scheinen verloren zu sein, der Sinn für -Taktik geschlummert zu haben. Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, -daß den jeweilig starken Seemächten, erst den oströmischen Flotten, -später denen der italienischen Städte, keine ebenbürtigen Gegner -gegenüberstanden, oder auch darin, daß sich die Kriegführung mehr auf -Expeditionen über See als auf Schlagen auf See erstreckte. - -Im =Norden= standen Kampfweise und Taktik am niedrigsten; die Flotten des -Mittelmeeres waren wenigstens stehende Marinen mit größerer Erfahrung der -Führer und mit beweglicheren Schiffen. Noch lange brauchten die Schiffe -des Nordens auch im Gefechte die Riemen, ohne aber den Galeren als -Ruderschiffe gleichzukommen; die =ersten Segelschiffe= aber waren für -eine entsprechende Kampfweise und Taktik noch zu unbeholfen und -unhandlich. Ihre Kraft lag allein in ihrer Größe, ihrer Höhe -- je höher, -desto günstiger für den Enterkampf, offensiv wie defensiv --, ihrer -starken Besatzung. Auch ihre Kampfrichtung lag in der Kielrichtung; man -trachtete danach, so schnell wie möglich den Nahkampf mit Rammen, -Indengrundsegeln und vor allem Entern herbeizuführen. - -Die Flottentaktik bestand auch nur darin, die Streitkräfte, in drei oder -vier Geschwader geteilt, nach Möglichkeit geordnet an den Feind zu -bringen; das vierte diente als Reserve und Verstärkung. Dann suchte sich -jedes Schiff seinen Gegner, gebrauchte Enterdraggen und Enterhaken, und -das blutige Handgemenge, bei dem kein Pardon gegeben wurde, begann. Es -ist also derselbe Gefechtsverlauf wie bei den Ruderschiffen, ja bei den -unhandlicheren Fahrzeugen wird von einer Verwendung der Schiffe selbst -als Waffe noch mehr abgesehen, sie bilden eigentlich nur den Kampfplatz. - - De Jonge gibt (I, S. 17) nach dem Bericht eines Zeitgenossen über den - Verlauf =einer Schlacht auf der Maas im Jahre= 1351 etwa folgende - Schilderung: »Das Anstimmen des Kriegsgeschreis -- bei den Holländern: - Holland! Holland! -- gab das Zeichen zum Beginn des Kampfes. Unter dem - Kampfruf, dem Schmettern der Trompeten und dem Schall der Posaunen - gingen die Schiffe aufeinander los. Nach Abschießen der Wurfmaschinen - sucht jedes Schiff einen Gegner; die Armbrüste und Bogen spielen, - Draggen und Enterhaken werden geworfen und so der Feind festgehalten. - Von diesem Augenblick an hörte sozusagen der Kampf auf ein Schiffskampf - zu sein; nun mußte Zahl und Tapferkeit der Besatzung im Kampfe Mann - gegen Mann entscheiden. Das Schwirren der Armbrüste, das Klirren der - Schwerter, das Aneinanderschlagen der Schilde, das Brechen der Lanzen, - das Krachen der geschleuderten Steine und das Kriegsgeschrei der - Streitenden war schrecklich.« -- Da kein Pardon gegeben wurde, so war - der Verlust in den Schlachten weit größer als in den späteren Zeiten. - -Aber =einige lehrreiche Ereignisse= überliefert uns die Geschichte doch. -Zunächst eins, das den wichtigsten Einfluß der Segel auf die Kampfweise -zur See zeigt, nämlich den Vorteil des Gegners, der »zu Luward« steht -- -d. h. »über dem Winde«, der den Wind zuerst empfängt. Dieser hat Beginn -und Entfernung des Gefechtes in der Hand, ein Vorteil, der bald erkannt -werden mußte. Daß ein Flottenführer auf das Gewinnen der Luvstellung vor -dem Gefechte manövriert, wird uns zum ersten Male bei der =Schlacht von -Southforeland= 1217 berichtet. In dieser ersten Schlacht, die England auf -offener See ausfocht, steuerte Hubert de Bourgh so, daß die Franzosen -glaubten, er wolle den Kampf vermeiden. Als er aber den Wind gewonnen -hatte, hielt er ab und griff mit seinen Ruder- und Segelschiffen vor -raumem Winde zunächst die feindliche Nachhut an, wobei mehrere feindliche -Schiffe gerammt und übersegelt wurden. Er benutzte also die Luvstellung -zur Verstärkung seines Stoßes und zur Wahl des Angriffspunktes in der -feindlichen Aufstellung. - -In der großen =Schlacht bei Sluys= 1340 ereignete sich ähnliches. Die -französische Flotte, die in und vor dem Hafen gelegen hatte, lichtete bei -Annäherung der Engländer Anker und ging in See. Sie war in vier -Geschwader formiert, die einzelnen Schiffe der Geschwader waren -miteinander durch Ketten und Kabel verbunden, um nicht durchbrochen zu -werden -- ein Beweis, wie sehr die Schiffe als Kampfplatz und nicht als -Waffe angesehen wurden. Als Eduard III. auf das Gewinnen der Luvstellung -manövrierte, nahmen die Franzosen auch hier wieder an, er wolle das -Gefecht vermeiden, warfen die Ketten los und folgten. - -Eduard wirft sich nun von Luward aus auf die Vorhut des Feindes, die aus -den stärksten Schiffen besteht, und vernichtet diese; auch das zweite und -dritte Geschwader, die anstatt einzugreifen entmutigt fliehen, werden -einzeln geschlagen, nur das Geschwader der genuesischen Galeren entkommt. -Bemerkenswert ist bei dieser Schlacht eine zweite taktische Maßnahme -Eduards. Er hatte in seine erste Schlachtlinie die schwersten Schiffe -gestellt, abwechselnd bemannt mit einer großen Zahl Bogenschützen und mit -Schwerbewaffneten; jene erschütterten den Feind durch ihr Feuer, diese -schritten dann zum Entern. Die leichteren Schiffe mit Bogenschützen -standen in einer zweiten Linie als Reserve und griffen ein, sobald der -erste Anprall erfolgt war. Endlich sollen auch bei dieser Schlacht zum -ersten Male im Norden Wurfgeschütze in großem Maßstabe verwendet sein, -dagegen keine Ruderschiffe mit Sporn. - -Der Angriff von Luward in derselben Weise, d. h. zum Stoß, wird von jetzt -an öfter erwähnt. Es fehlen aber alle Andeutungen, daß der Wind sonst zu -taktischen Zwecken ausgenützt sei oder daß die aufkommende Artillerie -Einfluß auf Kampfweise und Taktik gehabt habe. Wie gering die Bedeutung -dieser noch im 15. Jahrh. war, ist schon früher (S. 42, Bemerkung über -die Schlacht bei Harfleur) gekennzeichnet; Artillerie und Segelmanöver -gewannen erst Einfluß, als die Geschütze in den Breitseiten aufgestellt -waren und die Schiffe größere Segel- und Manövrierfähigkeit besaßen. - -$Stärke, Zusammensetzung$ und $Bemannung der Flotten$. Es ist -verschiedentlich hervorgehoben, daß es im Mittelalter stehende Flotten -nur in den italienischen Städten und vielleicht in einzelnen anderen -Staaten am Mittelmeer gab. - -Diese Städte, insbesondere Genua und Venedig, bedurften solcher, da ihre -Interessen vorwiegend und andauernd auf der See lagen. Sie hielten -ständig eine Flotte von Galeren im Dienst. Um 1472, die Zeit der höchsten -Blüte, besaß =Venedig= einen festen Bestand von 45 Galeren mit 11000 Mann -(daneben 3300 Kauffahrer mit 25000 Matrosen), doch haben sowohl Venedig -wie Genua zu großen Unternehmungen 100, ja bis zu 200 Galeren -aufgestellt. Auch die wohl nur kleinen Flotten Aragoniens und Kastiliens -im Mittelmeer setzten sich, was die wirklichen Kriegsschiffe anbetrifft, -aus Galeren und einigen kleineren Schnellseglern zusammen. - -Bei den Völkern des Westens und Nordens kann vorläufig von stehenden -Marinen nicht die Rede sein. Die =Hansa=, die einzige Macht mit großem -Interesse auf See, gebot über keine feste einheitliche Marine, sie konnte -selbst ihren Städten rechtlich nicht die Gestellung von Seestreitkräften -auferlegen; freiwillige Bündnisse scharten die zum Kampf geeigneten -Schiffe der einzelnen Gemeinwesen im Bedarfsfalle zusammen. In den -anderen Staaten verfügte man über einzelne staatliche Schiffe für gewisse -Zwecke -- Hafenschutz, Zoll- und Polizeidienst --, kaum aber in erster -Linie für den Krieg. Zunächst waren es meist Ruderschiffe, aber auch als -sich später die Segelschiffahrt von 1300 an mehr entwickelte, sind -Kriegsschiffe nur in geringer Zahl vorhanden gewesen. - -So hören wir in =England= zwar frühzeitig von »Kings«-Schiffen, zuerst -galleys, die indessen auch an Private vermietet wurden, selbst »the Kings -great ship«. Viele können es nicht gewesen sein, denn anderseits wurden -wieder von den Städten Schiffe für den königlichen Dienst ausgehoben, und -nicht nur für den Kriegsdienst, sondern auch für den Transport von -Passagieren und Gütern. Für den Kriegsdienst war man nahezu ganz auf die -Einstellung von Kauffahrern angewiesen; selbst schon zum Küstenschutz und -gegen Seeraub brauchte man ihre Unterstützung. In erster Linie lag ihre -Gestellung bei den =Cinque Ports=, den wichtigsten Häfen: Dover, -Sandwich, Hythe, Romney, Hastings (später traten noch andere hinzu), die -seit Wilhelm dem Eroberer gegen Bewilligung verschiedener Vorrechte -verpflichtet waren, eine bestimmte Anzahl von Schiffen zu stellen (einige -fünfzig). Bei Mehrbedarf wurden noch andere Fahrzeuge geheuert oder man -legte Beschlag auf alle in den Häfen befindlichen, selbst fremde. - - Die ungeheure Zahl von Fahrzeugen, aus denen die Flotten in den - englisch-französischen Kriegen bisweilen bestanden, darf uns nicht - verwundern. Wenn es sich um eine Expedition mit einer Armee über den - Kanal oder um Abwehr eines solchen Einfalls handelte, wurden die - Fahrzeuge bis zu 50 tons, ja selbst bis zu 20 tons hinunter, - ausgehoben. Handelte es sich um eine Flotte zum Schlagen, so finden wir - weit kleinere Zahlen (z. B. Engländer bei Southforeland 1217 und - Kastilier bei La Rochelle 1372 nur 40 Schiffe); zu solchem Zweck waren - eben nur größere Schiffe zu gebrauchen. Gewaltige Flotten größerer - Schiffe, aber immerhin doch weit kleiner als die erwähnten - Expeditionsflotten, treten erst im 17. Jahrh. auf, als die Schiffahrt - und damit der Bestand größerer Kauffahrer ungemein zugenommen hatte. - -Wie gering die Zahl der königlichen Kriegsschiffe war, zeigt der kleine -Bestand um 1421 (vergl. Clowes I., S. 347), als Heinrich V. großen Wert -auf die Kriegführung zur See legte, nämlich: 17 ships, darunter nur 6 von -400-1000 tons; 7 Karraks von 500-600, Schiffe südlichen Ursprungs, dem -Feinde abgenommen; 14 kleinere Fahrzeuge von 50-120 tons. Die 1416 vor -Harfleur genommenen Karraks sollen als Muster beim Bau größerer Schiffe -in England gedient haben. 1417 war nur etwa die Hälfte dieser Schiffe -vorhanden gewesen und 1423 wurden nach Heinrichs Tode wieder alle bis auf -zwei verkauft, so daß unter Heinrich VI. selbst die Aufrechterhaltung der -Sicherheit an den Küsten und in den Küstengewässern kontraktlich an -Private vergeben und dann wieder die Städte zu ihrer Unterstützung -herangezogen werden mußten. Möglich, daß im 14. Jahrh. schon mehr -Kriegsschiffe vorhanden gewesen waren, das Haus Lancaster hat im -allgemeinen Seefahrt und Handel vernachlässigt. Erst unter den Yorks -baute man wieder Kriegsschiffe, bis 1485 werden nach und nach 11 -aufgeführt. Heinrich VII. übernahm (1485) 7 »große«Schiffe und baute -selbst das erste epochemachende Schiff des Nordens »Regent« (vergl. S. -97). - -In =Frankreich= hört man bis 1374 gar nichts von königlichen -Kriegsschiffen. Das Land war ja auch häufig ganz oder doch fast ganz von -den Küsten abgeschnitten, so daß selbst die Aufstellung von Flotten aus -Kauffahrern schwierig und beschränkt war. Zur Verstärkung mußte man -Schiffe in Holland und Flandern heuern, und eine Hauptkraft bildeten -vielfach genuesische Kriegsgaleren, im 15. Jahrh. auch Karraks. 1374 -begann der Admiral Jean de Vienne in Rouen die ersten Kriegsschiffe zu -bauen und trat schon 1377 mit 35 für damalige Zeit großen und wohl -armierten auf. Diese erste königliche Marine hat jedoch keine Dauer -gehabt, erst unter Richelieu wurde eine neue geschaffen. - -Auch =Portugal und Kastilien= scheinen keine nennenswerte Zahl von -Segelkriegsschiffen besessen zu haben. Die Schiffe Prinz Heinrichs des -Seefahrers trieben, wie wir sahen, bei ihren Entdeckungsreisen Handel; -die von den Engländern 1350 geschlagene Flotte de la Cerdas befand sich -»reich beladen« auf der Rückreise von Flandern; die vor La Rochelle 1372 -mit Erfolg tätige kastilische Flotte war (vergl. du Sein II, S. 450) mit -französischer Besatzung bemannt. Alle diese Schiffe waren also wohl -geheuerte Kauffahrer. - -Über die =Bemannung= der Schiffe im Mittelalter haben wir wenig genaue -Angaben, einige sind bei der Besprechung der Schiffe angeführt. Wie es -keine stehenden Marinen gab, so gab es auch kein Marinepersonal im Sinne -der späteren Zeit. Die seemännische Führung und die Bedienung der -Fahrzeuge lagen in der Hand des kleinen seemännischen Personals, das wohl -meist mit den Schiffen geheuert oder ausgehoben wurde. Zum Kampf -schifften sich Kriegsleute -- Ritter, sonstige Schwerbewaffnete und -Leichtbewaffnete, besonders Bogenschützen -- ein. Die Seeleute -beteiligten sich wohl am Kampf, doch war es eben nicht ihre Hauptaufgabe. -Nach Quellen aus verschiedenen Nationen dürften im Durchschnitt geführt -haben: - - Schiffe von 120 tons: 25 Seeleute, gesamt 75 Mann - " " 200 " 50 " " 150 " - " " 250 " 60 " " 200 " - " " 300 " 80 " " 250 " - - In den Seeleuten waren inbegriffen: Der Schiffer, ein oder zwei - Steuerleute und Zimmerleute, Matrosen und Schiffsjungen; Kriegsleute - waren etwa doppelt so viel vorhanden. Mit dem Größerwerden der Schiffe - wuchs die Besatzung nicht in demselben Verhältnis wie in vorstehender - Tabelle weiter; ein Schiff von 600 tons hatte am Ende der Periode nur - etwa 300 Mann. Wir werden sehen, daß die Besatzung relativ immer - geringer wird, daß dagegen die Zahl der Seeleute mit Zunahme der - Armierung mit Geschützen, und wohl auch infolge der Entwicklung der - Takelage, absolut und im Verhältnis zur Gesamtbesatzung wächst. - -Eingeschiffte Landungstruppen nahmen natürlich bei einem Zusammenstoß auf -See am Kampfe teil, aber auch sonst findet man öfters eine beträchtliche -Vermehrung der Kriegsleute an Bord, wenn eine Flotte zu einem Schlage auf -See entsendet wird, wie z. B. auf der englischen, die 1416 zur -Vernichtung der französischen Blockadeflotte vor Harfleur in See ging. -Die Soldaten wurden wie zu den Landheeren ausgehoben oder geworben. Es -ist anzunehmen, daß, da auch die Kauffahrer dieser Zeit zum eigenen -Schutz meist mit Kriegern besetzt waren, sich unter den Soldaten der -Schiffsbesatzung viele befanden, die gewerbsmäßig vorwiegend zur See -dienten. - -Die Schiffe standen unter dem militärischen Kommandanten, dem Kapitän; -dem Schiffer fiel nur die seemännische Leitung zu. Den Befehl über -mehrere Schiffe führten =Admirale=. Dieser Titel, aus dem Mittelmeer -schon seit den Kreuzzügen übernommen und vom arabischen Amir oder Emir -stammend, bezeichnet zunächst nur die Tätigkeit für bestimmte -Gelegenheiten; auch Kauffahrteischiffe waren, wenn sie im Konvoi -segelten, einem der Schiffsführer als Admiral unterstellt. - - In England standen die Küsten und der Küstenschutz unter einem Admiral - des Nordens und einem des Westens (seit 1300 mit diesem Titel, die - Einrichtung ist älter; vorher werden derartige Stellungen Captain of - the kings sailors oder keeper of the sea coast genannt), die Grenze der - Machtbefugnisse beider war die Themse. Sie mobilisierten die Flotte - ihres Bereichs und führten sie; doch wurden für besondere Zwecke auch - andere Admirale bestellt, und zeitweise stand über ihnen ein Admiral - von England. Seit 1406 war ein solcher stets vorhanden und wurde später - Lordhighadmiral benannt, ihm unterstanden das ganze Seewesen und alle - sonst zeitweis bestellten Admirale; die festen Küstenadmirale fielen - weg. Auch in Frankreich finden wir stets einen Admiral von Frankreich - und unter ihm solche für die verschiedenen Küstenbezirke. - - Die Admiralstellungen bekleideten wie die Feldherrnstellungen der - Landheere im Mittelalter im allgemeinen hochgestellte Edelleute. Es - finden sich bei großen Flotten, entsprechend der Einteilung in - Geschwader, schon die Funktionen der Vize- und Kontre-Admirale als - Führer der Vorhut (rechter Flügel) und der Nachhut (linker Flügel); - diese Stellungen wurden durch den Flottenchef mit den geeignetsten - Kommandanten besetzt. Die Kommandanten der größeren Kriegsschiffe waren - aber gleichfalls selten Seeleute von Beruf. - - - - - Zweiter Abschnitt. - - Die Zeit von 1492-1648. - - Kennzeichen des Abschnittes. - - -Die großen Entdeckungen erschließen die Erde, Seefahrt und Seehandel -treten in die Weltmeere. Die Völker Westeuropas werden die Träger der -Schiffahrt; wesentliche Vervollkommnung der Segelschiffe; die -Ruderschiffe verschwinden auch als Kriegsschiffe. Die Artillerie wird, -auch als schwere in den Breitseiten aufgestellt, die Hauptwaffe der -Schiffe. Der Seehandel auf den Weltmeeren und die fernen Kolonien werden -Angriffsobjekte des Seekrieges. - - -[Illustration] - - Erstes Kapitel. - -Einleitung. Die großen Entdeckungen. Das Heraustreten der Engländer und -Holländer (Franzosen) in die Ozeane. Die Unsicherheit auf den Meeren. - - - Einleitung. - -Der Anfang der »=Neueren Zeit=« ist auch ein =Wendepunkt von höchster -Bedeutung für die Entwicklung des Seewesens=. Mit dem Beginn der großen -Entdeckungen gegen Ablauf des 15. Jahrh. tritt die Seefahrt, die bis -dahin in ihrer Allgemeinheit nur in »Küstenfahrt« und in »kleiner Fahrt« -innerhalb begrenzter Gewässer bestanden hatte, ins offene Weltmeer -hinaus. Die großen Entdeckungen gehen aus von den Völkern an der -Westküste Europas, deren Staaten gerade um diese Zeit genügend in sich -entwickelt und gefestigt sind; diese Völker werden nun die Hauptträger -der Schiffahrt, die des Mittelalters, die Städte Italiens und der Hansa, -verlieren an Bedeutung. Die Segelschiffahrt, die sich, solange es sich um -Fahrten in den begrenzten Gewässern des Mittelmeeres, der Ost- und -Nordsee oder um Küstenfahrten an den Ostgestaden des Atlantik handelte, -nur in geringem Maße im Vergleich zu ihrem Stand im Altertum eigentlich -erst seit dem 13. Jahrh. entwickelt hatte, tritt im 16. Jahrh. aus den -Kinderschuhen. Das Hinausgehen auf den Ozean stellte andere Anforderungen -an das Material und zeitigte eine schnelle Vervollkommnung des -Schiffbaues und der Takelung; see- und segeltüchtigere Schiffe werden -geschaffen und in der Nautik, Geographie, Kartographie und ähnlichen -Hilfswissenschaften bedeutsame Fortschritte gemacht. - -Auf dem Ozean unbrauchbar, verschwinden mit der Vervollkommnung der -Segelschiffe die Ruderkriegsschiffe bei den jetzt führenden Staaten -allmählich, nur im Mittelmeer bleiben sie neben Segelschiffen noch weiter -im Gebrauch. Die Artillerie, die allerdings schon vom 14. Jahrh. an mehr -und mehr an Bord verwendet wurde, wird Hauptwaffe und erhält infolge -ihrer Vermehrung und Freiwerdens der Schiffsseiten durch Wegfall der -Riemen eine andere Aufstellung: Die Breitseitaufstellung an Stelle der -Bug- und Heckaufstellung auf den Ruder- und unvollkommneren -Segelschiffen. Hierdurch ändert sich die ganze Kampfweise und Taktik zur -See. - -Die Gründung von Kolonien und die Ausbreitung des Seehandels über die -ganze Erde tragen zur schnellen Weiterentwicklung der dabei beteiligten -Staaten bei, sie führen aber auch zu großen Kämpfen zwischen den -Nebenbuhlern. Diese Kriege werden in erster Linie, ja fast -ausschließlich, zur See ausgefochten; der Sieger erreicht das Ziel des -Krieges -- dem Feinde seinen Willen aufzuzwingen -- durch die Folgen -seiner Übermacht zur See, Momente, die wir in den älteren Zeiten, -namentlich im Mittelalter, nur in beschränktem Maße vorfanden. Seekriege, -Beschützung des Seehandels und der Kolonien rufen endlich große, -wohlorganisierte Kriegsflotten ins Leben; in ihnen findet die -Weiterausbildung des Seewesens ihre Hauptpflege. - -Vom Beginn der neueren Zeit an spielt das Seewesen eine hervorragende -Rolle in der Geschichte und hat sich von hier ab bis zur Gegenwart -ununterbrochen weiterentwickelt, zunächst in der Segelschiffahrt und -durch diese. In dem =Zeitabschnitt von= 1492 bis 1648 entstehen -allmählich die politischen Verhältnisse, die später zu den großen -Seekriegen des 17. und 18. Jahrh. führten. An größeren kriegerischen -Unternehmungen zur See ist er arm, da Angriffsobjekte und Waffen noch -fehlen, ebenso wie das Verständnis für Anlage und Durchführung eines -Seekrieges, das sich erst während der nächsten Periode ausbildet. Wir -werden sehen, wie zunächst die Seefahrt in die Ozeane hinaustritt, welche -Ergebnisse und Folgen dies hat und wie sich die Seestreitkräfte der -beteiligten Völker vervollkommnen. Die kriegerischen Ereignisse der -ersten Hälfte sollen, weil weniger wichtig, nur kurz behandelt werden; -erst auf die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von der »Armada« -an muß näher eingegangen werden, weil sich in ihnen der Übergang zu einer -neuen Kriegführung zeigt. - -=Das Heraustreten der Seefahrt auf die Ozeane= und die =Zunahme der -Seefahrt überhaupt= läßt sich in drei Phasen zerlegen. - -In die erste fallen die großen Entdeckungen der Portugiesen und Spanier. -Beide Nationen werden durch die Ausbeutung dieser, durch Handel oder -Kolonialgründung, reich und zu ansehnlichen Seemächten; Spanien im -besonderen gewinnt die Mittel, seine europäische Großmachtspolitik zu -treiben. Aber auch Hollands und Englands Handel nimmt zu; diese Völker, -zumal Holland, dehnen ihn auf Kosten der Hansa in der Nord- und Ostsee -aus, doch fühlen sie sich im allgemeinen noch nicht stark genug, den -beiden südlichen Nationen das beanspruchte Monopol in deren Gewässern -streitig zu machen, und versuchen deshalb, auf eigenen Wegen Indien, d. -h. reiche Länder in Asien, zu erreichen. Auch Frankreich beteiligt sich -zeitweise an solchen Bestrebungen. - -In der zweiten Phase erscheinen aber auch diese Völker häufiger in den -südlichen Gewässern, um ihren Anteil an Handel und Besitz dort zu -nehmen: der heftige Widerstand, der ihnen überall entgegengesetzt wird, -führt zu blutigen Zusammenstößen. Besonders die Engländer schlagen sich -in Westindien mit den Spaniern (die Franzosen in Brasilien mit den -Portugiesen) herum und greifen ihren Handel im Atlantik an, ohne daß -erklärter Krieg herrscht. Die Holländer führen um diese Zeit zunächst -ihren Unabhängigkeitskrieg an der eigenen Küste. Nachdem aber 1585 der -offene Krieg zwischen Spanien und England ausgebrochen war -- schon lange -hatte er gedroht, da England unter Elisabeth überall in der äußeren -Politik als protestantische Macht der katholischen Vormacht Spanien -entgegentrat, so auch zugunsten der Niederlande -- und nachdem in diesem -Kriege die spanisch-portugiesische Seemacht -- beide Länder seit 1580 -vereinigt -- durch die Vernichtung der Armada an Macht und Schrecken -verloren hatte, wird das Übergreifen der Engländer in die feindlichen -Gewässer planmäßiger und kräftiger betrieben, und auch die Holländer -suchen ihre Unterdrücker auf dem Ozean auf. - -In der dritten Phase endlich, der ersten Hälfte des 17. Jahrh., führen in -erster Linie die Holländer den offenen Krieg auf den Weltmeeren weiter, -England tritt nach dem Frieden 1604 und dem Tode Elisabeths, der eifrigen -Förderin des Seewesens, unter den Stuarts mehr zurück. Macht und Ansehen -der südlichen Völker auf dem Meere sind aber schon gebrochen, so daß es -den anderen Nationen gelingt, in den fernen Ländern jener festen Fuß zu -fassen und den eigenen Welthandel auszudehnen. Holland legt in dieser -Zeit Portugal in Ostindien sogar schon lahm, und England gründet seine -Kolonien in Amerika. - - - Die großen Entdeckungen. - -Gegen das Ende des 15. Jahrh. war die Geographie soweit vorgeschritten, -daß der Wunsch, mit Indien -- d. h. zunächst den Gewürzinseln, aber auch -dem Festland Indiens, mit China und Japan -- über See in Verbindung zu -treten, wohl erfüllbar erschien. Karten und Globen (Behaim 1492) -berühmter Gelehrter zeigten die Erde als eine Kugel, auf der die Alte -Welt, roh der Wirklichkeit entsprechend, von einem großen Weltmeer -umflutet dargestellt war. Da Nautik und Seemannschaft ebenfalls derartige -Fortschritte gemacht hatten, daß der Seemann es wagen konnte, die Küsten -zu verlassen und ins offene Meer zu steuern, mußten Pläne auftauchen, nun -auch von der Westküste Europas quer über diesen Ozean hin nach West -segelnd Indien zu erreichen und nicht nur wie die Portugiesen bisher, -nach mittelalterlicher Weise in langer Küstenfahrt um Afrika herum, den -Weg zu suchen. Diesem neuen Wege wendete man jetzt um so größere -Aufmerksamkeit zu, als man die Ausdehnung der Alten Welt nach Osten hin -weit größer als in Wirklichkeit annahm. Auf dem Globus von Behaim liegt -Japan auf der Länge von Mexiko; man hätte demnach also von den Azoren und -Kapverden dahin nur etwa 60 Längengrade zu segeln gehabt; alte, unter -Seeleuten und Gelehrten laufende Gerüchte erzählten von gar nicht fern im -Westen liegenden Inseln, so z. B. von einer großen Insel »Antilia«, die -auf genanntem Globus in etwa 60° W. Greenwich unter dem Wendekreis des -Krebses eingezeichnet war. Es war auch wohl anzunehmen, daß Portugal, das -auf dem betretenen Wege weiter ging und sich auf diesem alle Rechte durch -päpstliche Bullen hatte sichern lassen, hier keine Mitbewerber dulden -würde. - -Wieder haben die Italiener großen Einfluß auf den Aufschwung der Nautik -und Seefahrt geübt. Italiener wurden als theoretische und praktische -Lehrmeister herangezogen, als Portugal zur See ging, in anderen Staaten -gleichfalls; ein Italiener, der Gelehrte =Toscanelli= in Florenz, gab den -Hauptanstoß zu der Westfahrt nach Indien. Er unterbreitete schon etwa um -1474 dem König von Portugal einen Plan dafür nebst einer Weltkarte, die -auch wahrscheinlich Behaim bei seinem Globus vielfach benutzt hat; Plan -und Karte übersandte er später dem Kolumbus auf seine Bitte. Dieser, -wiederum ein Italiener, führte das kühne Unternehmen im Dienste Spaniens -aus. Italiener wurden die Leiter der ersten Unternehmungen Englands und -Frankreichs nach Nordwesten. Aber außer den Fahrten in den Ozean nach dem -Kanal und nach den Kapverden im 14. Jahrh. haben die italienischen -Seestädte selbst keine Rolle mehr bei dem Eröffnen der Meere gespielt, es -blieb dies den Völkern am Atlantik vorbehalten. Wie nun diese in einer -verhältnismäßig kurzen Zeit durch kühne Seefahrten fast die ganze Erde -erschlossen, den Welthandel schufen und sich in den fernen Ländern -festsetzten, soll nur soweit geschildert werden, als nötig ist, um die -großen seemännischen Leistungen, die erreichte Ausdehnung der Schiffahrt, -die Macht der europäischen Staaten in fernen Ländern und Gewässern sowie -die ersten Reibungen und Zusammenstöße dort kennen zu lernen.[24] - - [24] Besonders benutzte Quellen: Oncken Teil IX; Zimmermann. - -Da diese Unternehmungen überall zuerst nur von dem Gedanken, Indien zu -finden, geleitet wurden, sollen sie an der Hand der Wege betrachtet -werden, auf denen die verschiedenen Völker das Ziel zu erreichen -strebten. Wenn nun auch der Zeit nach die Spanier auf dem Wege nach -Westen zuerst und vor Fortsetzung der bisherigen portugiesischen -Entdeckungen einen großen Erfolg durch die Auffindung Amerikas erzielten, -so beginnen wir doch mit den Portugiesen, da wir ihren Weg nach Südosten -schon bis zum Eintritt in den Indischen Ozean verfolgt haben und sie auch -tatsächlich »Indien« als erste erreichten. Ihnen war also der Plan -Toscanellis vorgelegt worden, und auch Kolumbus hat ihnen seine Dienste -angeboten. Daß sie beides ablehnten, ist ihnen vorgeworfen worden; man -muß aber bedenken, daß sie schon viel zur See erreicht hatten, aus ihrem -Handel mit Guinea bereits Vorteil zogen, daß ihr Weg ihnen begründete -Aussicht auf Erfolg bot, und daß sie endlich schon zu sehr in Anspruch -genommen waren, um sich auf weitere, vorläufig noch unsichere und -kostspielige Unternehmungen einlassen zu können. - -$Der Weg der Portugiesen nach Südosten.$ Der Erfolg des Kolumbus spornte -Portugal an, nach einer Pause von einigen Jahren die Entdeckungsfahrten -wieder aufzunehmen, jedoch der Tod des Königs =Joao= II. verzögerte sie -noch einige Zeit. Dagegen war es diesem noch gelungen, eine vorläufige -Einigung mit Spanien über die beiderseitigen Rechte auf die zu -entdeckenden Länder -- die =Teilung der Welt zwischen Portugal und -Spanien= -- herbeizuführen. Spanien hatte sich gleich nach der Rückkehr -des Kolumbus von seiner ersten Reise 1493 vom Papste die gefundenen und -noch zu findenden transatlantischen Gebiete zusprechen lassen. Da man -aber allgemein die Entdeckungen des Kolumbus für »Indien« hielt, so -verstieß dies gegen die Rechte Portugals nach den älteren Bullen (Seite -29), und Portugal ging deshalb sogar damit um, weitere Fahrten Spaniens -durch seine Seestreitkräfte zu verhindern. Nach längeren Verhandlungen, -in denen Portugal seine Forderungen mehr und mehr abschwächte, kam 1494 -der =Vertrag von Tordesillas= zustande, wonach Spanien die Länder -westlich von etwa 48-1/2° W. Greenwich erhielt; diese Grenzlinie -überlieferte, wie sich später zeigen sollte, auf der noch unbekannten -Erdhälfte durchgeführt, den Portugiesen ganz Indien und den indischen -Archipel, führte aber bei den noch lange unsicheren Längenbestimmungen zu -manchen Verwicklungen. - -[Illustration: Vasco de Gama.] - -Im Jahre 1497, unter der Regierung =Dom Manoels=, gingen dann 3 Schiffe -je von 100-120 tons mit 150-170 Mann Gesamtbesatzung, und ein -Proviantschiff unter dem Kommando =Vasco de Gamas= aufs neue in See. Nach -vier- oder gar sechsmonatiger, beschwerlicher Fahrt wurde im November das -Kap der Guten Hoffnung passiert; das schon geleerte Proviantschiff hatte -man an der Westküste Afrikas, wahrscheinlich in der St. Helenabay, wo man -zu Breitenbestimmungen gelandet war, als seeuntüchtig verbrannt. Ende -Januar 1498 erreichte man den Sambesi, wo ein längerer Aufenthalt zur -Ausbesserung der Schiffe und Erholung der Mannschaft genommen wurde, am -1. März Mozambique und Ende April Mombas. Vom Sambesi an war man in den -Bereich des arabischen Handels getreten, in beiden Städten traf man auf -arabische Niederlassungen und fühlte hier schon, daß die Araber einen -Handelswettbewerb nicht ohne Kampf zulassen würden. Es kam auch zu -Zusammenstößen, und der in Mozambique aufgenommene arabische Lotse -versuchte mehrfach, die Schiffe auflaufen zu lassen. Erst in Melinde, -einer damals reichen Stadt, fand Vasco de Gama freundliche Aufnahme. Er -traf hier auch die ersten Schiffe aus Indien und erhielt genaue -Nachrichten über dieses Land; von hier erreichte er nach Verlassen der -Küste unter Führung eines zuverlässigen Lotsen nach einer Fahrt von 25 -Tagen am 20. Mai =Kalikut=, die wichtigste Handelsstadt Indiens. - - Indien zerfiel damals in eine größere Zahl selbständiger - mohammedanischer oder Hindu-Reiche. Eines davon war =Malabar=, der - Küstenstrich vom Südkap Vorderindiens bis zum Mount Dellij auf 8° N. - Breite; es bestand aus verschiedenen kleineren Herrschaften unter - Radschahs, über die der Samorin (Herr der See) von Kalikut die - Oberhoheit besaß. Das Übergewicht dieser Stadt lag in ihrem Handel nach - Ägypten und Persien. Ihn vermittelten in der Hauptsache arabische - Kaufleute und Schiffer, doch auch Mauren aus Tunis und Algier sowie - Juden des Mittelmeeres waren daran beteiligt. Im Mittelmeer aber - standen sich Christen und Mohammedaner feindlich gegenüber, und die - Verdrängung dieser von der Pyrenäischen Halbinsel hatte die ganze - mohammedanische Welt bis nach Indien hin erregt. - -Da die Portugiesen hier in den Mohammedanern Erbfeinde vorfanden, war es -begreiflich, daß diese überall ihr bisheriges Handelsmonopol gegen die -christlichen Eindringlinge verteidigten. Die Fremdlinge wurden beim -Samorin, der ihnen zuerst günstig gesinnt war und die Erlaubnis zum -Handel gegeben hatte, und bei den Indern überhaupt als Seeräuber und -Kundschafter für spätere Eroberungen verdächtigt. Die Lage der -Portugiesen wurde hierdurch in Kalikut bald unhaltbar; nicht nur der -Handel mußte wieder abgebrochen werden, sondern man ging auch gewalttätig -gegen sie vor, und Vasco selbst wurde hier kurze Zeit gefangen gehalten. -Man verließ deshalb den Hafen, besuchte noch die Stadt Kananor, deren -Herrscher, auch ein Vasall des Samorin, die Fremden gut aufnahm, und -rüstete dann auf den Anjediven-Inseln die Schiffe zur Rückreise aus. Auch -hier wurde vom benachbarten Goa, dem Haupthafen des Reiches Bidschapur, -ein durch Wachsamkeit jedoch glücklich vereitelter Überfall auf sie -versucht. Im Dezember 1498 wurde mit dem Einsetzen des NO.-Monsune die -Rückreise über Mogdischuh, Melinde, Sansibar angetreten und im Hochsommer -1499 Lissabon erreicht. - -Der Jubel in Portugal war groß. Der Weg nach Indien war gefunden, und die -mitgebrachten Waren versprachen reichen Handelsgewinn; man sah aber auch, -daß der Handel wegen der Mohammedaner nur mit den Waffen in der Hand und -mit Rüstungen für ernste Kriegsfälle betrieben werden könne. -Dementsprechend wurden die nächsten Expeditionen ins Werk gesetzt.[25] - - [25] Genaueres über diese Expeditionen, über Ausbreitung der - portugiesischen Macht und die damit verbundenen Kämpfe in - Zimmermann. Band 1. - -Schon am 9. März 1500 lief ein Geschwader von 13 Schiffen unter =Pedro -Alvarez Cabral= aus. Nach Anweisung Vascos beabsichtigte Cabral, von der -Guineaküste direkt südlich bis zur Breite des Kaps zu steuern und dieses -dann mit den Westwinden zu umsegeln. Durch den Äquatorialstrom und -östliche Winde stark nach Westen versetzt, sichtete er im April unter 14° -S. Breite die Küste =Brasiliens=; er nahm das Land in Besitz und sandte -ein Schiff mit der Meldung heim, worauf auch schon 1501 eine Expedition -zur näheren Erforschung dahin abging. Auf dem Wege zum Kap kenterten in -einem Sturme 4 Schiffe, 2 wurden versprengt, und nur mit 6 Schiffen -langte man Ende August in Kalikut an. Hier spielte sich derselbe Vorgang -wie bei der ersten Fahrt ab; zuerst wurde man gut aufgenommen, dann aber -führten die Umtriebe der Araber wieder zu Feindseligkeiten, die -schließlich die Zerstörung von 13 großen arabischen Schiffen, das -Bombardement der Stadt und den Abbruch aller Verhandlungen zur Folge -hatten. Aber verschiedene Fürsten der Malabarküste, Vasallen vom Samorin -und eifersüchtig auf ihren Oberherrn, erlaubten nun gerade den Handel in -ihren Städten, ja sogar die Anlage von Faktoreien, so in =Kananor= und -=Cochin=. Mit reichen Gewürzladungen trafen die Schiffe am 31. Juli 1501 -in der Heimat ein, so daß die Reise trotz der großen Verluste -- auf der -Rückreise blieb noch ein Schiff -- ungeheuren Gewinn abwarf. Einem -kleinen, auch im ganzen erfolgreichen Geschwader von 4 Schiffen, das -bereits im März 1501 abgegangen war und auf seiner Fahrt Ascension und -die wichtige Trinkwasserstation St. Helena entdeckt hatte, folgte nun im -Frühjahr 1502 eine mächtige Flotte von 20 wirklichen Kriegsschiffen mit -800 Soldaten unter =Vasco de Gama=, um in Indien dauernd festen Fuß zu -fassen. Auf der Hinreise wurden Faktoreien an der Ostküste Afrikas in -=Sofala=, =Mozambique= und =Kilwa= gegründet, in Indien wurden die -erlittenen Schädigungen an Kalikut und Goa gerächt, die portugiesische -Stellung in Kananor und Cochin gestärkt, der arabische Handel nach -Möglichkeit geschädigt und bei der Rückkehr 1503 zu diesem Zwecke und zum -Schutz der Faktoreien zum ersten Male eine Flottenabteilung als ständige -Macht in den indischen Gewässern zurückgelassen. Die Unternehmungen der -nächsten Jahre brachten die Erbauung von steinernen Forts in den -genannten Städten Ostafrikas, die Besetzung der Insel =Socotora= (jetzt -Sokotra) am Eingang des Roten Meeres, Festungsbauten auch in Kananor, -Cochin, Kollum, deren Radschahs sich von Kalikut losgesagt und sich zu -Vasallen Portugals erklärt hatten, sowie die Inbesitznahme der -=Anjediven-Inseln=, die einen besonders günstigen Platz als Treff- und -Sammelpunkt der Schiffe bildeten; damit waren auch Stützpunkte für den -Handel und die weitere Ausdehnung der Macht geschaffen, und in derselben -Weise schritt man nun durch Anlage neuer Stützpunkte über Malabar hinaus -nach Norden und nach Osten in den indischen Archipel hinein fort. - -Eine Gründung eigentlicher Kolonien, d. h. die Inbesitznahme weiter -Ländereien, ist fast nirgend erfolgt, es blieb nur das Bestreben -maßgebend, den Gewürzhandel ganz in die Hand zu bekommen. Dazu war es -vorteilhaft, mit den einheimischen Fürsten nach Möglichkeit in Frieden zu -leben, aber notwendig, die Araber zu verdrängen. Diejenigen indischen -Herrscher, die die Errichtung von Forts in ihren Städten zuließen oder -sich doch den Anordnungen Portugals fügten und die Anlage von Faktoreien -erlaubten, traten in das Verhältnis der Bundesgenossenschaft, die anderen -waren beständigen Belästigungen und Angriffen ausgesetzt. In den von -Portugal beherrschten Häfen wurden Handelsvorschriften erlassen, Maße, -Gewichte und Preise für die Waren festgesetzt und die Araber vom Geschäft -ausgeschlossen. Man hob den Handel dieser Plätze dadurch, daß man ihre -Schiffahrt schützte, die Schiffe aller indischen Städte zuließ, ja sie -sogar, wenn sie auch für andere Häfen bestimmt waren, zum Anlaufen zwang, -während man den Handel der Orte, die sich widerspenstig zeigten und wo -die Araber noch Zutritt hatten, schädigte. - -Der ausgedehnte Sicherheitsdienst zum Schutz des eigenen Handels und des -der begünstigten Städte in den indischen Gewässern, die Vernichtung des -arabischen Handels und die Unternehmungen zur Gründung neuer Stützpunkte -zur Erweiterung und Erhaltung der Macht erforderten ständige -Seestreitkräfte; die Besetzung der Forts und die Kämpfe am Lande machten -die Einrichtung von Garnisonen und die Aufspeicherung von Kriegsmaterial -notwendig. Die Mittel zu allem diesem zu liefern, war die Aufgabe der -Flotten, die mit immer größeren Schiffen nun ununterbrochen nach Indien -ausliefen und die Waren des Ostens heimbrachten. - -Verhältnismäßig schnell, in etwa 40 Jahren, aber in ununterbrochenen -Kämpfen mit bedeutenden Streitmitteln auf beiden Seiten, erweiterte sich -die portugiesische Macht bis zur höchsten Blüte. Flotten von 30-40 -Kriegsschiffen wurden zur Eroberung großer Städte, wie z. B. =Goas=, -=Malakkas=, zusammengezogen; gegen das Reich Kambaya, nördlich vom Reiche -Bidschapur, wurde im Jahre 1529 eine Expedition von 400 Fahrzeugen -aufgeboten. Einheimische Fürsten stellten ähnliche Flotten und Heere bis -zu 40000 Mann, einmal sogar 90000, zur Vertreibung der Portugiesen auf. -Außer den Eingeborenen zeigte sich auch ein anderer mächtiger Feind, die -=Ägypter=. Nach der Festsetzung der Portugiesen in Malabar konnten die -arabischen und persischen Händler die Gewürze nur auf dem viel weiteren -Wege aus Malakka und Sumatra beziehen, jedoch auch am Eingang zu diesen -Gewässern, vor den =Malediven= und =Ceylon=, erschienen schon 1505 die -Eindringlinge; den Eingang zum Roten Meere hatten sie besetzt und 1507 -den ersten Versuch gemacht, sich der Stadt =Ormuz= am Eingang des -persischen Golfes zu bemächtigen. Da wandten sich die Herrscher von -Kalikut, Kambaya, Ormuz und Aden um Beistand an Ägypten und fanden hier, -unterstützt durch die Genueser und Venetianer, volles Entgegenkommen, -denn Ägypten, Venedig und Genua litten gleichfalls unter dem Abschneiden -des alten Verkehrsweges mit Indien. Der Sultan Ägyptens führte -infolgedessen beim Papst Klage über »Verfolgung des Mohammedanismus durch -die Portugiesen« unter Androhung von Gewaltmaßregeln in Palästina. Der -Papst schickte den Brief nach Lissabon, aber Portugal antwortete, es sei -Ägypten lediglich um seinen Handel zu tun, und im übrigen sei es nur -Christenpflicht, den Ungläubigen alle früheren Greueltaten zu vergelten. -Da sandte 1508 Ägypten eine Flotte von 12 Schiffen nach Indien; sie wurde -jedoch, trotz Vereinigung mit der Flotte vom Kambaya und nach einem -ersten Erfolge einer schwächeren portugiesischen gegenüber, im Februar -1509 bei Diu durch 19 portugiesische Schiffe vollständig vernichtet. Auch -spätere Unterstützungen von ägyptischer Seite in den Jahren 1510 und 1515 -(27 Schiffe) und 1538 eine Expedition -- nunmehr türkische, da die Türken -inzwischen Ägypten unterworfen hatten -- von 70 Segeln mit 7000 Mann -konnten die Fortschritte Portugals nicht aufhalten. Zwar blieben -Rückschläge infolge von Empörungen und mißglückte Unternehmungen nicht -aus: in Malabar selbst mußte bis 1540 immer wieder mit dem Samorin -gekämpft werden; manche Niederlassungen in Vorder- wie Hinterindien und -im Archipel gingen zeitweise wieder verloren; die endgültige Festsetzung -im Reiche Kambaya erforderte andauernde Kämpfe, bis sie schließlich auf -friedlichem Wege durch Unterstützung des Landes gegen das sich im Norden -ausbreitende Reich der Mongolen (des Großmoguls in Delhi), gelang -- um -das Jahr 1540 konnte sich Portugal aber doch als Herr des Handels im -Indischen Ozean ansehen. - -Seit 1505 waren Vizekönige von Indien bestellt; von ihnen haben am -meisten zur Gründung der Macht beigetragen: =Almeida= 1505-1509, =Alfonso -d'Albuquerque= (»der Große« genannt) 1509-1515 und =Nuño da Cunha= -1529-1539. Bei dem Tode des letztgenannten lag der Mittelpunkt der -=portugiesischen Macht im Osten= auf der Westküste Vorderindiens, wo -starke Festungen in Kananor (1504), Cochin (1504), Kalikut (1514), Goa -(1511), Bassein und Diu (1534) erbaut waren und alle Küstenstaaten die -Oberherrschaft anerkannt hatten. - - Bassein, mit der Insel Salsette und Goa waren sogar abgetretener - Landbesitz. Goa war eine nach allen Regeln der Kunst befestigte Stadt - mit Magazinen und Werften und die Hauptstation der Seestreitkräfte für - den Spezialdienst in den indischen Gewässern. Man hielt zu diesem Zweck - eine beträchtliche Kriegsflotte, schon 1515 war sie 50 Segel stark von - teilweise für die damaligen Zeiten großen Schiffe; englische und - holländische Quellen sagen wenigstens, als ihre indischen Kompagnien - dort im Anfange des 17. Jahrh. mit Schiffen von 500-800 tons - aufgetreten seien, hätten die Portugiesen weit größere gehabt. Es ist - allerdings dabei zu bemerken, daß die portugiesisch-spanischen - Kriegsschiffe an Gefechtskraft den englischen und holländischen, auch - den Schiffen der großen Kompagnien, dem Größenverhältnis entsprechend - nicht gleichwertig waren, wie wir auch später sehen werden. Außerdem - besaßen die Portugiesen eine große Zahl großer, offener - Ruderschaluppen, Fregatten genannt, mit starker Bemannung von - Eingeborenen; wenn auch ohne Geschütze, konnten diese Fahrzeuge bei - Windstille dem Feinde sehr gefährlich werden. - -Der Indische Ozean wurde im Westen beherrscht durch den Besitz von Ormuz -(1516 erobert), durch die Stützpunkte in Kilwa, Mozambique, Sofala (1504) -und auf der Insel Sokotora (1506); auch der Emir von Aden hatte (1530) -die Oberherrschaft anerkannt. Im Osten und im indischen Archipel stützte -sich die Macht Portugals auf den Besitz von =Malakka= (1511 erobert), von -festen Plätzen auf Ceylon (z. B. Kolombo 1513), Sumatra, Java und auf den -eigentlichen Gewürzinseln, den Sundainseln und Molukken (erste -Niederlassung auf Ternate 1522). - - =Die Molukken= waren von den Portugiesen 1513 zuerst erreicht worden, - aber bald darauf (1521) auch von den Spaniern durch Magalhaes' - Expedition. Beide Nationen betrachteten sie als in ihrem Machtbereich - liegend und versuchten, sich festzusetzen, bis durch Vertrag von 1529 - die Inseln gegen eine Abschlagssumme an Portugal fielen (vergl. Seite - 77). - -Den damaligen Machtbereich Portugals zeigen ferner seine Faktoreien an -der Westküste Afrikas, an den Küsten Guineas, der Goldküste, Benins, -Kongos, Anguelas und Benguelas -- das Kapland war nicht besiedelt --, -und auch Brasilien war vom Amazonenstrom bis zum La Plata in Besitz -genommen. - - Auch Siam, China und Japan besuchten die Portugiesen. Mit Chinesen war - man in Malakka zusammengetroffen, China selbst wurde 1515 zuerst - erreicht, doch hatten die Versuche, einen regeren Verkehr mit China und - Japan anzuknüpfen, keinen Bestand, weil diese Länder ihnen immer wieder - verschlossen wurden; nur in Macao hielt sich eine Niederlassung. Auch - die durch Zufall herbeigeführte Entdeckung Neu-Guineas, das man für die - Nordküste eines großen Südpolkontinents hielt, hatte für den Handel - keine weiteren Folgen. - - Auf dem Südostwege waren also die Küsten und Gewässer Afrikas und - Asiens bis nach China hin bekannt geworden; die Spanier hatten schon - auf dem Südwestwege die Philippinen erreicht sowie einen Teil der - Südseeinseln entdeckt, und der Schleier des fernsten Ostens war - gelüftet. Von diesem, von China und Japan bis zu den Kurilen hinauf und - von Australien der Welt nähere Kenntnis zu geben, blieb den Holländern - im 17. Jahrh. beschieden. - -Die Blüte der =Macht Portugals in Indien= war von keiner langen Dauer, -schon von der Mitte des 16. Jahrh. an kann man den =Rückgang= erkennen. - - Seine Ursachen sind zurückzuführen auf die Mißwirtschaft in der - Verwaltung infolge zu häufigen Wechsels der Vizekönige und der Beamten, - auf die Besetzung dieser Stellen mit unfähigen und unredlichen - Günstlingen; ferner auf eine falsche, engherzige Handelspolitik, die - nur auf Ausbeutung der Kolonien im Interesse der Regierung -- und der - Beamten! -- bedacht war. Einfuhr und Ausfuhr hatte die Regierung zu - ihrem Monopol gemacht und betrieb sie nur mit verhältnismäßig wenigen - großen Schiffen, auch der Handel der Eingeborenen war stark - eingeschränkt, was neben anderen Übergriffen ihren Haß erregen mußte. - Mit der inneren Schwächung der Verwaltung nahmen deshalb auch die - Empörungen, die Versuche zur Vertreibung der Bedrücker, zu. Schon in - den Jahren 1570/71 stellte ein Aufstand in fast allen Besitzungen die - ganze Herrschaft in Frage und wurde nur mühsam niedergeworfen. Im - Norden wurde das Reich des Großmoguls immer mächtiger, die Türken - entsandten wieder Flotten nach Indien und drangen gegen die Besitzungen - in Ostafrika vor; ein Seeräuberunwesen nahm überhand. Auch das Glück - verließ die Portugiesen; in den Jahren 1579-1591 gingen 22 Schiffe von - bis dahin unerhörter Größe auf den Fahrten nach Indien unter. Alle - diese Mißstände, verbunden mit kostspieligen Kriegen in der Heimat - gegen Marokko, erschöpften das kleine Mutterland. - -Von 1580 an war Portugal mit Spanien vereinigt; wenn ihm nun auch die -Verwaltung seiner Kolonien und selbst das Handelsmonopol mit diesen -belassen wurde, so mußte es doch die Folgen der spanischen Politik mit -tragen. Es erschienen die Engländer und Holländer in seinen Gewässern, -anfangs als Freibeuter, später, im Anfang des 17. Jahrh., mit ihren -großen indischen Kompagnien als Nebenbuhler im Handel und als Eroberer. -Nun hatten sich die Portugiesen auch dieser zu erwehren, und dies ging -vollends über ihre Kräfte. Der Geldmangel wurde immer größer, Schiffe und -Festungen konnten nicht mehr im Stande gehalten werden, oft fehlten -selbst die Mittel, Waren aufzukaufen. Von 1640 vermochte der Vizekönig -wegen Mangels an Geld und Schiffen keine Frachtenflotte mehr nach Hause -zu senden, und am Ende unseres Zeitabschnittes hatten die genannten -Nationen den Handel der Portugiesen in Indien völlig lahmgelegt, von den -Holländern war ihnen sogar schon ein großer Teil der Besitzungen -abgenommen (vgl. Seite 82 und Seite 86). - -$Der Weg der Spanier nach Westen.$ Während man in Portugal seit der Zeit -Prinz Heinrichs des Seefahrers schon planmäßig mit Erweiterung des -Handels und der Schiffahrt, mit dem Suchen nach fernen Ländern -vorgegangen war, wo man Gold, Edelsteine und kostbare Gewürze zu finden -hoffte, dachte man in Spanien zu Ende des 15. Jahrh. noch nicht an große -überseeische Unternehmungen. Das Land war schwach bevölkert, Industrie -und Handel waren wenig vorhanden, und der Ackerbau deckte kaum den -eigenen Bedarf. Es ist wohl unbedingt dem Auftreten und Drängen des -=Kolumbus= zuzuschreiben, daß =Ferdinand= und =Isabella= sich unter -diesen Umständen plötzlich und frühzeitig auf ein so weit aussehendes -Unternehmen, den Seeweg nach Indien auf dem Westwege zu suchen, -eingelassen haben, in der Hoffnung, dieselben Vorteile über See -einzuheimsen wie Portugal. - -[Illustration] - - Die Überlieferung erzählt, daß Kolumbus, ein tüchtiger und befahrener - Seemann, mit besonderer Vorliebe allen Sagen und Gerüchten über im - Westen liegende Inseln gelauscht, mit Eifer die geographischen Werke - seiner Zeit studiert habe und den Fortschritten der Portugiesen mit - Aufmerksamkeit gefolgt sei. Toscanellis Plan[26] scheint ihn zuletzt, - vor allem von einer verhältnismäßig leichten Ausführung seines - Vorhabens, überzeugt zu haben. Von verschiedenen Staaten, - wahrscheinlich von Genua, Venedig, England, Frankreich, sicher von - Portugal abgewiesen, gelang es ihm, aber erst nach längerer Zeit, die - Herrscher Spaniens für sich zu gewinnen; die hohen Forderungen, die er - für seine Person im Falle des Gelingens stellte, haben ihm wohl überall - geschadet. - - [26] Näheres über diesen Plan, teils wörtlich, in Oncken Bd. IX. - -Im Jahre 1492 erhielt Kolumbus 3 kleine Karavellen von je 120-130 tons -mit insgesamt 120 Mann Besatzung und ging am 3. August von Palos aus in -See. Zunächst steuerte er die Kanaren an, um dann auf der Breite dieser -Inseln über die sagenhafte Insel Antilia und über Cipangu (Japan) Indien -zu erreichen. Bei den Kanaren mußte man wegen Ruderausbesserung des einen -Fahrzeuges vier Wochen liegen und konnte erst am 6. September, nun aber -bald im günstigen Nordost-Passat, die Reise fortsetzen. Vom 9. September -an gab der Admiral in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal die an -einem Tage abgelaufene Meilenzahl um ein Viertel geringer an, als er sie -in der Tat schätzte, um die Besatzungen nicht durch die Größe der -Entfernung von Europa zu erschrecken. Schon vom 16. September an, als die -Schiffe ins Sargassomeer eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe -eines Landes zu bemerken, wie im Journal verzeichnet ist: dunkler -Horizont, ohne Wind eintretender Nebel, selbst die schwimmenden -Tangmassen wurden als Anzeichen dafür gehalten; man glaubte sogar einmal, -Antilia gesehen zu haben, und hielt einen Tag daraufhin ab. Es unterliegt -keinem Zweifel, daß, je länger die Fahrt dauerte, die Mannschaft um so -lauter ihre Besorgnisse äußerte; gerade der günstige Wind ließ eine -Rückkehr schwierig, wo nicht unmöglich, erscheinen. Es mögen auch -Drohungen laut geworden sein, aber die Erzählung von dem Vertrage des -Admirals mit der Mannschaft, nach drei Tagen umzukehren, falls das -gesuchte Land nicht gesichtet sei, ist doch wohl später erfunden. Durch -den Zug zahlreicher Vögel bewogen, steuerte er vom 7. Oktober an -südwestlich, weil er wußte, daß die Portugiesen diesem Umstande häufig -die Entdeckung von Inseln verdankt hatten. Am 9. Oktober glaubte man den -Duft von Blütenbäumen in der Luft zu spüren, am 11. fischte man einen -frischgrünen Zweig, einen weiteren mit Beeren und einen mit Feuer -bearbeiteten Stab auf; am Abend desselben Tages sah man einen Lichtschein -und einige Stunden später, am 12. Oktober 2 Uhr morgens, im Mondschein -einen flachen sandigen Strand, dem man sich schon bis auf 2 Seemeilen -genähert hatte. Es war eine der Bahama-Inseln, von den Eingeborenen -=Guanahani= genannt, von Kolumbus S. Salvador getauft, wahrscheinlich das -jetzige Watlings-Island. Die Insel bot nichts, aber aus den Gebärden der -harmlosen Einwohner, von denen man kärgliche Goldschmuckstücke -erhandelte, schloß Kolumbus auf die Nachbarschaft größerer goldreicher -Inseln im Südwesten. So fuhr er am 14. weiter und fand verschiedene -andere Eilande mit üppiger Vegetation; jedoch nirgends zeigten sich -Spuren der erwarteten indischen Kultur, auch nicht, als er am 28. Oktober -Cuba und am 4. Dezember Haiti erreichte. Aber immer noch waren Kolumbus -und auch seine Kapitäne der Ansicht, in den indischen Gewässern zu sein; -verschiedene falsch gedeutete Namen bestärkten diese Annahme. An der -Küste von =Haiti=, von Kolumbus Hispaniola getauft, lief das Flaggschiff -am 24. Dezember auf und mußte verlassen werden, jedoch wurden Mannschaft -und Ladung an Land geborgen. Da man auf dieser Insel größere Mengen Gold -bei den Indianern fand, die Bewohner sehr gutmütig erschienen und der -Boden des Küstenlandes üppige Fruchtbarkeit zeigte, beschloß der Admiral, -hier eine Niederlassung zu gründen, zumal da er nicht alle Leute an Bord -seines letzten Schiffes nehmen konnte. Das dritte Fahrzeug hatte sich -nämlich einige Zeit zuvor heimlich entfernt, um auf eigene Hand das -Goldland zu suchen, doch wurde es am dritten Tage der Rückreise wieder -angetroffen; auch dieses hatte viel Gold auf Haiti eingetauscht. - -Es wurde eine kleine Befestigung, Navidad genannt, erbaut und mit 40 -Freiwilligen besetzt. Kolumbus selbst trat am 4. Januar 1493 die -Rückreise nach Europa an, auf der er noch bis zum 16. längs der Küste -Haitis weitere Forschungen anstellte. Nach einem mehrtägigen schweren -Sturme dicht vor den Azoren wurde am 18. Februar Santa Maria erreicht, wo -der portugiesische Gouverneur an Land gesandte Leute verhaften ließ und -erst nach einigen Tagen freigab; am 4. März zwang ein neuer Sturm, -Lissabon anzulaufen, und am 15. März ankerte man im Ausgangshafen Palos. -Kolumbus begab sich zum Hoflager in Barcelona; seine Reise durch Spanien -glich einem Triumphzuge. Nach seinen glänzenden Schilderungen der Neuen -Welt blieb man überall mit ihm überzeugt, daß der Weg nach Indien -gefunden sei, wenn auch die mitgebrachten Gegenstände -- nur zweifelhafte -Gewürze und auch nicht allzuviel Gold -- noch nicht den gehegten -Erwartungen entsprachen und auch die gesuchten Kulturländer noch nicht -angetroffen waren. Während noch die Verhandlungen (Seite 59) mit Portugal -über die »Teilung der Welt« schwebten, wurde sofort eine neue Expedition -ausgerüstet, um auf dem betretenen Wege schleunigst Fortschritte zu -machen und die entdeckten Länder in Besitz zu nehmen.[27] - - [27] Genaueres über die weiteren Expeditionen, die Gründung und - Entwicklung der spanischen Kolonien in Zimmermann, Band 1. - -Es sei hier gleich auf einen großen Unterschied zwischen dem Vorgehen -Spaniens und Portugals hingewiesen. Während Portugal eigentlich nur -Stützpunkte für den Handel und die Beherrschung des Meeres schuf, -gründete Spanien wirkliche Kolonien. Die spanische Rasse nahm die -entdeckten und mit Waffengewalt eroberten Länder völlig in Besitz und in -Kultur; sie wurde dort zur Hauptbevölkerung, indem sie die Eingeborenen -entweder durch Kriege und schlechte Behandlung vernichtete oder sich zum -Teil mit ihnen vermischte; sind doch aus den ehemaligen spanischen -Kolonien die jetzigen süd- und mittelamerikanischen Staaten mit -spanischer Bevölkerung hervorgegangen. - -Schon die zweite Expedition des Kolumbus, die im Herbst 1493 Spanien -verließ, führte auf 14 Karavellen und 3 großen Lastschiffen außer den -Matrosen und Soldaten 1500 Auswanderer -- Ackerbauer mit Sämereien, -Weinreben, Zuchtvieh -- mit sich. Auf Haiti, wo die zurückgelassenen -Kolonisten der ersten Reise infolge ihrer Ausschreitungen gegen die -Eingeborenen ermordet waren, wurde aufs neue fester Fuß gefaßt, indem man -eine größere Niederlassung, Isabella, gründete. Als sich der Ort später -gesundheitlich ungeeignet erwies, verlegte man den Sitz der Regierung -nach St. =Domingo=. Die Insel Haiti wurde nun gewaltsam in Besitz -genommen und hier zuerst eine Kolonie, die eigene Einkünfte brachte, -geschaffen. - - Ein jeder Eingeborene Haitis wurde verpflichtet, vierteljährlich eine - gewisse Menge Goldstaub (in den Minenbezirken) oder Baumwolle (in den - anderen Bezirken) abzuliefern; Saumselige oder Empörer wurden zur - Zwangsarbeit auf den von Spaniern in Besitz genommenen Ländereien - verurteilt oder als Sklaven nach Spanien gesandt. -- System der - Repartimientos. -- Als bei dem Wachsen der spanischen Einwanderung und - der Urbarmachung des Landes Arbeitskräfte mangelten, wurde einfach ein - Teil der Indianer als Sklaven an die weißen Besitzer verteilt -- System - der Encomiendas --, obgleich von Spanien aus der Befehl gegeben war, - die Eingeborenen als Freie zu behandeln, sie zur Arbeit nur durch ihre - Kaziken anhalten zu lassen und sie zu löhnen. Ähnlich ist später bei - der Inbesitznahme der anderen Inseln und der Länder des Festlandes - verfahren worden. Mit unerbittlicher Härte wurden die beiden Systeme - nebeneinander durchgeführt, wenn auch weiterhin die Regierung im - Mutterlande häufig auf den Rat und die Vorstellung einsichtiger und - menschlich fühlender Männer Gesetze und Bestimmungen erließ, um das Los - der Indianer zu mildern. Diese Härte und die Grausamkeit, mit der - Empörungen niedergeschlagen wurden, haben die Abnahme der eingeborenen - Bevölkerung, auf den westindischen Inseln sogar ihre völlige - Vernichtung, zur Folge gehabt. Der Mangel an Arbeitern veranlaßte dann - die Einführung von Negersklaven, schon von 1501 an für die - Goldwäschereien auf Haiti, die bekanntlich später nach allen Kolonien - in großem Maßstabe betrieben wurde. - -Kolumbus kehrte im Herbst 1496 von seiner zweiten Reise, auf der er noch -Cuba genauer erforscht und Guadeloupe, Puerto Rico, Jamaica gefunden -hatte, nach Spanien zurück. Für kurze Zeit erlahmte hier das Interesse an -der Sache, da ein Teil der Auswanderer unbefriedigt mit ihm -zurückgekommen war. Sie hatten sich in ihrer Erwartung, schnell -ungeheuren Reichtum zu erlangen, getäuscht gesehen: Nur Ackerbauer fanden -ihre Rechnung, nicht aber Goldsucher; die Einwanderer litten, besonders -an der Küste, unter dem Klima; die Verhältnisse der neuen Kolonie -entwickelten sich nur langsam infolge der häufigen Empörungen der -Eingeborenen, der Unbotmäßigkeit der Kolonisten selbst und der Intriguen -der Beamten gegeneinander. So konnte Kolumbus für seine dritte -Expedition, auf der er bei der Ausreise Trinidad entdeckte, nur wenig -Kolonisten gewinnen, obgleich die Auswanderung allen Spaniern erlaubt und -denjenigen sogar ein Jahr Verpflegung zugesichert war, die sich zur -Abgabe von 2/8 des zu findenden Goldes und 1/10 der sonstigen Produkte -verpflichteten. - -Nun wurde aber, gegen das dem Kolumbus versprochene Recht, von 1499 an -auch anderen Männern die Erlaubnis zu Entdeckungen erteilt, sowie der -Handel nach den Kolonien unter Aufsicht der Regierung und gegen Abgaben -vom Gewinn überhaupt freigegeben. =Alonso de Hojeda=, begleitet vom -Italiener =Amerigo Vespucci=, erreichte 1499 =Südamerika= beim -Amazonenstrom und erforschte von dort die Küste bis Venezuela; =Pedro -Niño= brachte bald darauf von hier eine reiche Perlenladung heim; -=Rodrigo de Bastidas= entdeckte den Spuren Hojedas folgend den Golf von -Darien und kehrte mit Gold, Brasilholz und Sklaven zurück. Da um dieselbe -Zeit auch in Haiti reichere Goldlager gefunden wurden, stieg der -Unternehmungsgeist wieder, und es begann jetzt eine Periode von -Entdeckungsfahrten, Auswanderungszügen und Kolonisierungen, unternommen -von Abenteurern, oft auch Verbrechern, aber auch besseren Elementen mit -Familie, in der sich in verhältnismäßig kurzer Zeit die Macht Spaniens -ungemein ausdehnte. Kolumbus selbst besuchte auf seiner vierten und -letzten Reise 1502 Yucatan, Honduras und die Bai von Chiriqui, wo er von -neuen Goldländern und zuerst vom Stillen Ozean hörte; er war überzeugt, -hier in der Nähe einer Wasserstraße nach Westen zu sein, wie er denn -überhaupt bis zu seinem Tode glaubte, Ostasien gefunden zu haben. - -Bald wurden auf vielen westindischen Inseln, besonders den Großen -Antillen, an den Küsten Süd- und Mittelamerikas Niederlassungen -gegründet; von einer dieser erreichte =Balbao= am 25. September 1513 den -Stillen Ozean beim Golf von St. Miguel und erhielt hier genauere Kunde -über das Goldland =Peru=. - -Seit 1511 war die Kolonisation =Kubas= energisch in die Hand genommen und -brachte reichen Gewinn, aber nirgends war man mit dem Ertrage zufrieden, -sondern suchte neue Goldländer. Von Kuba aus wurden die Küsten von -Florida und =Mexiko= erforscht und dieses 1519-1521 durch =Cortez= -erobert. An der Westküste Mittelamerikas wurden Schiffe erbaut, mit denen -man weiter vordrang, bald auch über den Stillen Ozean, was später bei -Schilderung des Südwestweges mit betrachtet werden soll. Von Mexiko aus -wurde Kalifornien aufgesucht, von Panama aus, wohin Kolonisten vom Golf -von Darien hinübergegangen waren, strebte man nach Peru. =Pizarro= -erforschte 1524 die Küste Kolumbiens, erreichte 1526 die Bucht von -Guayaquil und eroberte 1531-1536 das langersehnte =Peru=; von hier aus -wurde =Chile= in Besitz genommen. - -So sehen wir um die Mitte des 16. Jahrh. Westindien, Mittelamerika, die -nördlichen und westlichen Küstenländer Südamerikas bis Patagonien -hinunter in den Händen der Spanier. Waren die Eroberungen der wichtigen -Reiche des Festlandes auch nur mit geringen Streitmitteln ausgeführt, -so folgten doch bald Ströme von Einwanderern. Ein wahres -Auswanderungsfieber, das das Mutterland zu entvölkern drohte, hatte -Spanien ergriffen, und die Forschung und die Kolonisation drangen schnell -von den Küsten ins Innere vor. Schon 1541 wurde der Amazonenstrom zum -ersten Male von Peru aus bis zur Mündung befahren und von Chile aus stieß -man bald auf die von dem La Plata ausgehenden Kolonisten (vgl. Seite 74). - -Anfangs war Haiti der Haupt- und Mittelpunkt der =Verwaltung der -Kolonien= gewesen; später stellte man die einzelnen selbständigen -Verwaltungsbezirke unter Vizekönige (Gouverneure, Generalkapitäne), die -unmittelbar unter dem »=Amt (Rat) von Indien=« in Sevilla standen. - - Die Spanier haben durch ihre verkehrte Kolonialpolitik während der - ersten Jahrhunderte die reichen überseeischen Besitzungen lange nicht - zu einer ihren Anlagen entsprechenden Blüte gebracht. Für sie war nur - die dauernd sichere Ausbeutung der Metallschätze im Interesse der Krone - die Hauptsache, eine planmäßige Entwicklung der Kolonien war weder - beabsichtigt noch erwünscht. Bald schon wurde die Auswanderung nicht - mehr begünstigt, sondern sehr erschwert, und der Handel der Kolonien - mit Spanien und unter sich durch allerhand Maßnahmen eingeschränkt: - Durch hohe Ein- und Ausfuhrzölle hüben und drüben, durch eine lästige - Kontrolle der Regierung und durch Ausschluß aller fremden Schiffe vom - Handel, die bis zur Mitte des 17. Jahrh. ohne weiteres als feindlich - behandelt wurden; gestrandete Seeleute tötete man sogar oder sandte sie - in die Bergwerke. - - Trotzdem ist diese Kolonialpolitik nicht ausschließlich auf Unfähigkeit - oder Kurzsichtigkeit zurückzuführen, sie dürfte den Verhältnissen und - Bedürfnissen des Mutterlandes lange Zeit entsprochen haben. Spanien - war durch die reichen Erwerbungen eine Großmacht geworden und hatte - eine Weltpolitik begonnen, die nur weiter durchgeführt werden konnte, - wenn die Geldquellen in gleicher Stärke weiter flossen; im übrigen - besaß das Land weder eine Überproduktion an Waren noch an Menschen, - brauchte also keine großen Absatzmärkte und Auswanderungsgebiete, ja - durfte diese nicht einmal voll ausnutzen. Es kam wie gesagt nur darauf - an, möglichst große Einkünfte für die Krone aus dem Minenbetrieb und - dem Handel zu ziehen, sowie dafür zu sorgen, daß die Länder dem - Mutterlande erhalten blieben. Eine Folge dieser Politik war zunächst, - daß die westindischen Kolonien und auch die an der Nordküste - Südamerikas, die in ihren Erträgen nicht mit Mexiko, Peru usw. zu - vergleichen waren, für lange Zeit vernachlässigt wurden und - zurückgingen. Viele der Weißen zogen nach dem Festlande, Arbeitermangel - trat mit Ausrottung der Indianer ein, und Neger wurden nicht genug - eingeführt. Die westindischen Gewässer wurden der Tummelplatz von - Schmugglern, Seeräuber machten Meer und Küsten unsicher, und andere - Nationen setzten sich ungehindert in Besitz von noch nicht oder nur - schwach besiedelten Inseln. Für die reichen Festlandsbesitzungen lag - aber die Gefahr nahe, daß sich hier bei zu großer selbständiger innerer - Entwicklung Unabhängigkeitsgelüste regen könnten: deshalb griff man zur - Beschränkung der Einwanderung. Aus demselben Grunde wurden die Klassen - der Kreolen (d. h. Eingeborene von spanischen Eltern stammend) und der - Mischbevölkerung, die ständig zunahmen und zum Teil über große Vermögen - verfügten, soweit möglich in Unbildung erhalten, der Gegensatz und die - Eifersucht zwischen den verschiedenen Klassen (Spanier, Kreolen, - Mischlinge der verschiedenen Grade) genährt und die amtlichen - Stellungen, besonders die höheren Posten, fast nur mit Spaniern - besetzt. Die Ansiedelung Fremder wurde tunlichst erschwert, wo sie - nicht zu vermeiden war, wurde ihnen durch die Inquisition das Leben - verbittert. -- Alles Maßnahmen, um Intelligenz, Einigkeit und - Selbstbewußtsein von der Bevölkerung fern zu halten; die Regierung der - Länder lag in den Händen der wenigen Spanier. - - Über die Durchführung dieser Politik wachte der »Rat von Indien« mit - unnachsichtlicher Strenge, in seiner Hand lag die oberste - Gerichtsbarkeit und die ganze Verwaltung der Kolonien; selbst die - Inquisition wirkte in seinem Dienste, wie denn wie überall unter - spanischem Zepter auch in den Kolonien die Kirche eine übergroße Macht - darstellte und ungeheure Reichtümer erwarb. Die Stellung der Vizekönige - war zwar mit großen Ehren und reichen Einkünften bedacht, aber ihre - Machtbefugnisse waren sehr durch die ihnen beigegebenen Gerichts- und - Verwaltungshöfe beschnitten. Wie die Vizekönige, so wechselten auch die - Mitglieder dieser Höfe häufig; waren für jene Bestimmungen erlassen, - daß sie nicht zu populär wurden, so durften auch diese keine - Familienbeziehungen und keinen Grundbesitz in den Kolonien haben. Alle - Einrichtungen zielten darauf hin, die Beamten nicht selbständig walten - und auch nicht zu festen Fuß fassen zu lassen. Diese Bevormundung - führte zur Verknöcherung der Verwaltung und hinderte doch nicht, daß - bei den Beamten Willkür und Unredlichkeit einrissen. Die Kolonien haben - aber lange Zeit ihren Zweck erfüllt; allein die Gewinnung von Gold und - Silber soll von 1493-1600 einen Wert von 4027 Millionen Mark gehabt - haben. - -Von der 2. Hälfte des 16. Jahrh. an wurden auch die spanischen Kolonien -und der Handel mit ihnen, wie die der Portugiesen in Indien, durch die -Angriffe der Engländer und Holländer schwer geschädigt. Die Absperrung -und die feindliche Behandlung der Fremden führten diese zu Versuchen, den -Verkehr durch Gewaltmaßregeln zu erzwingen, was sich zunächst und -hauptsächlich durch Überfälle und Wegnahme der mit den Schätzen Amerikas -heimkehrenden Schiffe zeigte. Der Verkehr Spaniens mit Amerika durch nur -einmal jährlich ausgesandte Flotten hatte bei der Unsicherheit der Meere -eine gewisse Berechtigung. Aber gerade die Regelmäßigkeit dieser Fahrten -gab den Feinden die Möglichkeit, große Operationen zum Abfangen dieser -Flotten vorzubereiten und durchzuführen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt im -Jahre versammelten sich in Sevilla zwei starke Geschwader, aus den -größten Schiffen der Zeit bestehend, zur Verschiffung von Waren nach -Amerika. Die eine (Galeonenflotte) ging mit Ausfuhrartikeln für Mexiko -und Mittelamerika nach Veracruz, die andere (=Silberflotte=) mit Waren -für Peru und Chile, die auf Maultieren über den Isthmus nach Panama -geschafft wurden, nach Portobello (oder Nombre de Dios). Am -Bestimmungsort hielten beide Flotten große Messen ab, nahmen die dort -aufgespeicherten Naturerzeugnisse und Metallschätze als Rückfracht ein -und vereinigten sich in Havanna, von wo aus sie als =Silberflotte= -gemeinsam die Rückreise antraten. - -[Illustration: FERDINAND MAGELLANUS.] - -$Der Südwestweg nach Indien.$ Auf der zweiten portugiesischen Reise nach -Indien (Cabral 1500; vgl. Seite 60) war Brasilien entdeckt und in Besitz -genommen. In Lissabon erkannte man sofort, daß dieses Land als Station -für die Reisen nach Indien von großem Vorteil sein würde, und sandte 1501 -eine Expedition, für die =Vespucci= als Teilnehmer gewonnen war, zur -näheren Erforschung aus. Aus einer Küstenfahrt vom Kap S. Roque bis zu -32° S. Breite und der der Spanier vom Amazonenstrom bis zum Golf von -Darien (Seite 68) gewann man die Überzeugung, daß man einen großen -Kontinent vor sich habe, und Vespucci wies zuerst auf die Möglichkeit -hin, durch seine Umsegelung Indien zu erreichen. Er unternahm selbst in -portugiesischem Dienst 1503 eine Reise zu diesem Zweck, kam jedoch nur -bis zur Bai von Bahia, veranlaßte aber 1508, als Reichspilot in -spanischen Dienst zurückgetreten, ein gleiches Unternehmen von dort aus. -Ungünstige Umstände, besonders Unfähigkeit und Uneinigkeit der Führer, -vereitelten den Erfolg; man kam nicht viel weiter als früher. Es war aber -doch festgestellt worden, daß die Küste Südamerikas bis 40° S. -südwestlich lief. Dies und die Entdeckung des Stillen Ozeans durch Balbao -1513 ließ den Plan Vespuccis durchführbar erscheinen und ermutigte den -Spanier Dias de Solis zu einem neuen Versuch; er kam indes nur bis zum La -Plata, wo er von Eingeborenen getötet wurde. Ihm folgte =Fernao de -Magalhaes=. - - Magalhaes, ein Portugiese, hatte mehrfach Fahrten nach Indien - ausgeführt und als Offizier in Marokko gefochten; in Ungnade gefallen, - trat er aus dem Dienste und beschäftigte sich mit Kosmographie und - Nautik. Er verfolgte mit Aufmerksamkeit die ebengenannten Expeditionen - sowie die Fahrten der Portugiesen in Indien nach Osten, auf denen diese - die Molukken erreicht hatten. Da die portugiesischen Seeleute aus - Ruhmredigkeit die Entfernung von Malakka nach den Molukken sehr - übertrieben, kam Magalhaes auf den Gedanken, daß die allseitig - ersehnten Inseln schon in spanischem Machtbereich lägen, und erbot - sich, sie für Spanien auf dem Südwestwege aufzusuchen. - -Am 20. September 1519 trat Magalhaes mit 5 Schiffen -- 2 zu 130 tons, 2 -zu 90 tons, 1 zu 60 tons -- die Reise an. Er verfolgte die brasilianische -Küste vom Kap Augustin ab südlich und erforschte sie genauer -- besonders -die Bucht von Rio de Janeiro und die La Platamündung --, in der Hoffnung, -eine Straße nach dem von Balbao gefundenen Westmeere anzutreffen. Vom 31. -März bis 24. August 1520 überwinterte er im St. Julian-Hafen (49° 15' -S.). Wie alle seine Vorgänger auf ihren ersten großen Entdeckungsfahrten -hatte auch er mit der Zaghaftigkeit seiner Besatzungen zu kämpfen; -während des Winterquartiers kam es sogar zur offenen Meuterei eines -Teiles. Am 21. Oktober erreichte er nach Verlust eines Schiffes durch -Strandung das Kap Virgines und damit den Eingang der nach ihm benannten -Straße, deren Tiefenverhältnisse es bald nach dem Einsegeln -wahrscheinlich erscheinen ließen, daß man es diesesmal nicht mit einer -Bucht, sondern mit einer Durchfahrt zu tun habe. Wiederum verlangte jetzt -ein Teil seiner Untergebenen umzukehren und die weitere Lösung der -Aufgabe einer neu und besser ausgerüsteten Expedition zu überlassen, aber -Magalhaes blieb fest und setzte die Reise fort. Eines seiner besten -Schiffe, das er zur Untersuchung eines Nebenkanals entsendet hatte, -verließ ihn hier und kehrte nach Spanien zurück, während der Admiral -schon nach zwölf Tagen -- den Zeitverbrauch durch Untersuchung der -verschiedenen Wasserstraßen und Wiedersammeln der Flottille abgerechnet ---, am 28. November, bei Kap Pillar den =Stillen Ozean= erreichte. - -Vom Kap Pillar aus richtete Magalhaes seinen Kurs gerade nach Norden, -behielt bis zu 47° S. Breite die Küste in Sicht und setzte erst auf 37° -S. seinen Kurs nach Nordwesten. Die westliche Begrenzung des -südamerikanischen Festlandes war hierdurch erkannt. - -Bei schönem Wetter und günstigem Winde, deshalb »Stiller Ozean« benannt, -aber unter harten Entbehrungen wurde das große Weltmeer durchfahren. -Wasser und Proviant wurden knapp und kaum noch genießbar; Ratten und -selbst das zum Schutz in der Takelage angebrachte Schamfielingsleder -wurden gegessen, Skorbut trat infolgedessen auf und forderte Opfer. Der -Kurs führte zwischen den Paumotu- und Markesas-Inseln hindurch; von den -ersten wurde am 24. Januar 1521 ein unbewohntes Eiland (Puka-Puka?) -besucht und am 4. Februar auf einem zweiten (Flint?) eine zweitägige Rast -zum Fischen gemacht. Dann wurde die Reise zwischen den Gilbert- und -Marschall-Inseln und zwischen diesen und den Karolinen hindurch -fortgesetzt und nun der Kurs wieder nach Westen aufgenommen, bis man am -6. März auf die Ladronen (Guam und St. Rosa) stieß. Wohl wußte Magalhaes, -daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Äquator lag, aber er zog es vor, -sich zunächst an Orten zu verproviantieren, die Schiffe auszubessern und -auszuruhen, wo er voraussichtlich noch nicht die Portugiesen antraf. Er -behielt deshalb den Westkurs bei und gelangte nach Ansegelung einiger -kleinen Inseln zu den =Philippinen= (Zebu). Die Kaufleute dort waren -bereits mit Portugiesen zusammengekommen, und man fand auch schon -arabische Händler vor. Obgleich von den Arabern als Portugiese -verdächtigt, wurde der Admiral doch von dem malaiischen Häuptling gut -aufgenommen, fiel aber beim Versuche, hier festen Fuß zu fassen und den -Häuptling als Vasallen Spaniens zum Oberherrscher der benachbarten Inseln -zu machen, in einem Kampfe auf der kleinen Insel Mactun. - - Wenn Magalhaes auch sein Ziel nicht mehr erreicht hat, so ist seine - Expedition doch wohl =die größte nautische Tat jener Zeit=. Vasco da - Gamas Reise bildete nur den Abschluß einer Reihe von Unternehmungen, - die ihm schon tüchtig vorgearbeitet hatten, und die einzige große Fahrt - über See unternahm er mit Hilfe geübter Lotsen. Kolumbus fuhr zwar - wagemutig ins offene Meer, aber mit frischen Kräften und von Anfang bis - zu Ende unter günstigen Wind- und Wetterverhältnissen. Magalhaes - dagegen trat seine Reise in ein unbekanntes Weltmeer mit Schiffen an, - die schon eine für damalige Zeit ungeheuere Leistung hinter sich - hatten. So steht er von den drei kühnen Seeleuten wohl am höchsten da, - und er fand auch, während die Fahrten der beiden anderen sofort und - dann ununterbrochen wiederholt wurden, erst 50 Jahre später einen - Nachfolger in Drake durch dessen Weltumsegelung. - -Nach des Admirals Tode verließ das Glück die Expedition, deren Führung -=Sebastian de Elcano= übernommen hatte. Infolge Verrates mußten die -Schiffe nach großem Verluste Zebu verlassen; das seeuntüchtigste Schiff -wurde wegen Mannschaftsmangels verbrannt, die beiden letzten Fahrzeuge -erreichten unter Führung Eingeborener Borneo (Stadt Brunei). Trotz guter -Aufnahme zuerst mußten sie auch von hier mit Zurücklassung einiger -Gefangener fliehen, segelten östlich um die Insel und kamen am 8. -November 1521 bei den =Molukken= (Insel Tidor) an. Hier stießen sie mit -den Portugiesen, die um diese Zeit auf der benachbarten Insel Ternate Fuß -faßten, zusammen, doch setzte man sich vorläufig friedlich auseinander, -und die beiden Schiffe nahmen reiche Ladung an Bord. Als man Mitte -Dezember die Weiterfahrt antrat, mußte ein Schiff wegen Seeuntüchtigkeit -zurückbleiben. Das letzte, die »Viktoria«, segelte am 21. Dezember mit -einer Besatzung von 47 Spaniern und 13 Indiern ab, erreichte über Timor -und Neu-Amsterdam die afrikanische Küste, umschiffte am 18. und 19. Mai -1522 das Kap und traf, nach den größten Strapazen und Entbehrungen, -Verlusten an Toten durch Krankheit und an Gefangenen (zuletzt noch beim -Besuch der Kapverden von den Portugiesen gemacht), am 6. September in -Spanien ein. Die erste Erdumsegelung war vollführt, nur 18 Europäer -hatten die nahezu drei Jahre dauernde Reise überstanden, jedoch soll die -Fracht an Gewürznelken des einen Schiffes die Kosten der ganzen -Expedition gedeckt haben. - - Das auf Tidor zurückgebliebene Schiff verließ die Insel am 6. April - 1522 mit einer Besatzung von 50 Spaniern. Man beabsichtigte, durch den - Stillen Ozean zurückzukehren, und steuerte nach Nordosten. Nach - monatelangem Umherirren war man aber genötigt, zu den Molukken - zurückzugehen und sich in den Schutz der Portugiesen zu begeben. Das - Schiff war wrack und nur noch 17 Spanier lebten. Sie und 12 Mann, die - als Ansiedler auf Tidor zurückgelassen und bei der endgültigen - Inbesitznahme Ternates durch die Portugiesen gefangen genommen waren, - wurden absichtlich in ungesunden Orten festgehalten und erst nach - langer Zeit nach Europa befördert. Nur drei Mann erreichten nach - mehreren Jahren Spanien. - -Die =Kolonisation der auf dem Südwestwege entdeckten Länder= war zunächst -ziemlich bedeutungslos. =Brasilien= wurde von den =Portugiesen= im -wesentlichen nur als eine Station für ihre indischen Flotten geschätzt. -Der Handel dorthin war nur gering und wurde mehr von Franzosen betrieben, -die sogar um 1516 auf kurze Zeit festen Fuß gefaßt hatten. Erst als 1530 -die Spanier am La Plata reiche Minen entdeckten, wuchs in Portugal das -Interesse für Brasilien. Man trat schärfer gegen fremden Handel auf und -gründete planmäßig Niederlassungen, indem man große Lehen (capitanias) an -Private gegen entsprechende Abgaben überließ. Jetzt begann die Kolonie -sich zu entwickeln. Das Land wurde in Kultur genommen; die Eingeborenen -behandelte man dabei ähnlich, wie die Spanier in ihren Besitzungen es -taten, auch führte man wie diese Neger ein. Städte wurden gebaut, und -nach und nach bildete sich ein lebhafter Handel mit dem Mutterlande aus. -Auch diese Kolonie hatte von der Mitte des 16. Jahrh. an unter Angriffen -der Engländer, Holländer und Franzosen zu leiden und Versuche der beiden -letzten, sich festzusetzen, abzuwehren. - -Im Südosten Amerikas nahmen die =Spanier= vom =La Plata= aus die Länder -in Besitz. Die Kolonisierung begann mit der Gründung von Buenos-Ayres -(1534) und Asuncion (1537) und machte rasche Fortschritte, so daß bald -die Verbindung mit Peru und Chile hergestellt war und die Besiedelung der -La Plata-Staaten teilweise auch von dort geschah. - -Der »Stille Ozean« gehörte zweifellos in den Machtbereich Spaniens, auf -die =Molukken= aber machten =beide= Nationen Anspruch. Eine 1524 zur -Regelung dieser Frage eingesetzte Kommission kam zu keinem Ergebnis, da -beide Parteien bei ihrer Ansicht über die Lage der Inseln zur -Demarkationslinie blieben und keine die Mittel besaß, der anderen ihre -Fehler zu beweisen; die Differenz der Ansichten betrug 46 -Längengrade.[28] - - [28] Die Insel Tidor liegt tatsächlich auf 127-1/2° O. Greenwich; die - Demarkationslinie war 131-1/2° O. Greenwich; Spanien nahm für - Tidor 158°, Portugal 112° O. Greenwich an. - -Die Portugiesen hatten sich schon auf Ternate festgesetzt, die Spanier -beabsichtigten ein gleiches auf Tidor. In Mittelamerika wurde eifrig nach -einer Durchfahrt geforscht, um den weiten Weg abzukürzen, aber auch eine -Expedition zur Besitzergreifung wurde 1525 von Spanien durch die -Magalhaesstraße gesandt. Von sieben Schiffen gelangte jedoch nur eins, an -Mannschaft geschwächt und völlig seeuntüchtig, am 1. Januar 1527 nach -Tidor; die übrigen waren verloren oder versprengt; eins war nach Mexiko -gekommen, gewissermaßen auch ein Erfolg, weil hierdurch die westliche -Begrenzung Südamerikas mehr bekannt wurde. Die schwache Besatzung des -wohlbehalten eingetroffenen Schiffes befestigte sich auf Tidor und hielt -sich auch einige Zeit, da sie von Mexiko aus Unterstützung bekam; aber -von den drei dazu entsandten Schiffen war ebenfalls nur eins angekommen, -und sein Versuch, dann noch weitere Unterstützungen heranzuholen, -mißlang. Mehrfach versuchte es, nach Osten zurückzusegeln, immer mußte es -widriger Winde wegen umkehren und fiel schließlich den Portugiesen in die -Hände. Der Rest der Spanier, 16 Mann, wurde von Tidor nach Hamalhera -vertrieben und behauptete sich hier bis zum Abschluß eines Vertrages. -1529 verzichtete nämlich Spanien gegen eine Summe von 350000 Dukaten auf -die Inseln, die Demarkationslinie wurde auf 17 Längengrade östlich davon -angenommen. So war Portugal im alleinigen Besitz des Gewürzhandels und -blieb es bis zu seiner Verdrängung durch die Holländer. Die bedeutende -von Portugal gezahlte Abfindungssumme muß man aber wohl als einen Erfolg -der ersten Erdumsegelung für Spanien ansehen. - -Die =Philippinen= hätten nach dem letzten Vertrage zur Erdhälfte -Portugals gehört, dennoch fielen sie =Spanien= zu. Von Mexiko aus wurden -von 1536 an Expeditionen dorthin entsendet, die auch verschiedene neue -Inselgruppen der Südsee und sogar (1545) Neuguinea berührten. Diese -Entdeckungen hatten aber weiter keine Folgen, und auch auf den -Philippinen wurde zunächst nichts erreicht. Den sich feindlich stellenden -Eingeborenen gegenüber waren die Unternehmungen zu schwach; man war stets -zur Proviantierung auf die Molukken und somit auf die Güte der -Portugiesen angewiesen, und die Schiffe fielen schließlich immer diesen -in die Hände, weil alle Versuche, nach Mexiko zurückzukehren, wie früher -an den widrigen Winden scheiterten; durch den Indischen Ozean aber nach -Europa zu segeln, verbot der Vertrag. Erst 1565 gelang es einer größeren -Flotte, auf Zebu festen Fuß zu fassen, und gleichzeitig ward der Rückweg -gefunden. Ein versprengtes Schiff entdeckte nämlich durch Zufall nördlich -von 40° N. Breite den günstigen Wind nach Mexiko; der Führer der Flotte -hatte diesen Weg gesucht in der Überzeugung, wie beim Atlantik nördlich -vom Passat westliche Winde anzutreffen. Damit war die Verbindung zwischen -Mexiko und den Philippinen hin und zurück gesichert; bald wurden alle -Inseln unterworfen, 1570 Luzon erobert und Manila gegründet; Portugal -fürchtete man auch nicht mehr, denn um diese Zeit war das kleine -Nachbarland erschöpft und seine Macht in Indien schon im Rückgange. - - Für den Südwestweg nach Indien sind noch einige Punkte von nur - =geographischer Bedeutung= zu erwähnen. Die Berührung Neuguineas regte - an, den vermuteten =großen Südkontinent= zu suchen, als dessen - Nordküste man Neuguinea ansah. Am Ende des 16. und zu Anfang des 17. - Jahrh. entdeckten zu diesem Zweck von Peru ausgesandte Expeditionen - neue Inselgruppen der Südsee und auch die Torresstraße, doch sollten - erst spätere Zeiten diese Entdeckung wiederholen und verwerten; die - Kunde über die Torresstraße blieb sogar überhaupt ein in den Archiven - Manilas begrabenes Geheimnis (Cook entdeckte die Straße 1770 neu). 1616 - umsegelten die Holländer zuerst das =Kap Hoorn= und fanden damit einen - günstigeren Weg zur Umschiffung Amerikas von Osten als die - Magalhaesstraße mit ihren beständigen Westwinden; 1642 umsegelte der - Holländer Abel Tasman von Mauritius aus =Australien= (und Tasmanien) - und stellte damit fest, daß dieser Kontinent, Neuholland getauft, - nicht mit dem großen Südpolkontinent zusammenhinge; das gleichfalls - gesichtete =Neuseeland= wurde nun lange Zeit (bis zu Cook 1770) für den - Ausläufer eines solchen gehalten. - -$Der Nordwest- und der Nordost-Weg nach Indien.$ Der Gedanke, Indien auf -$nordwestlicher Bahn$ zu finden, wurde zuerst in England gefördert, aber -die Anregung hierzu gab wieder ein Italiener. =Giovanni Cabotto= (=John -Cabot=), Genueser von Geburt, später venetianischer Bürger, ließ sich -1490 in Bristol nieder. Bristol war durch seinen Stockfischhandel nach -Südeuropa schon ein berühmter Hafen geworden. Englische und dänische -Fischer besuchten seit Anfang des 15. Jahrh. bereits regelmäßig Island, -und aus Island stammten Überlieferungen von den alten Normannenfahrten -nach Ländern im Westen des Atlantischen Ozeans. Schon von 1491 an -unternahmen Bristoler Kaufleute auf Anregung Cabots Entdeckungsfahrten -nach dem Westen, 1496 erhielt er auch vom König Unterstützung und ein -Patent, das ihn gegen eine Abgabe ermächtigte, unter königlicher Flagge -zu fahren, zu entdeckende Länder in Besitz zu nehmen und sie im Namen des -Königs zu regieren. Im Mai 1497 trat er die Reise an und erreichte -Amerika am Johannistage wahrscheinlich beim Kap Bonavista; er segelte -dann die Küste von =Labrador= entlang, bis ihn Treibeis zur Umkehr zwang. -Schon Anfang August traf er wieder in Bristol ein. 1498 folgte eine -zweite Fahrt mit 5 Schiffen, doch ist von ihrem Ergebnis nichts Sicheres -bekannt, ebensowenig von einer späteren seines Sohnes Sebastian, der -nachher für lange Jahre in spanische Dienste trat. In den nächsten Jahren -folgten andere Schiffe, auch französische und portugiesische, den Spuren -Cabots nach =Neuschottland=, =Neufundland= und Labrador. Man lernte den -Fischreichtum dieser Küsten kennen, und Fischer der genannten Nationen -begannen dort ihre Tätigkeit. Zur eigentlichen Besiedlung erschien das -Land aber zu rauh und zu arm. Größere Unternehmungen ruhten etwa 20 -Jahre, bis die Erfolge Magalhaes' wieder den Wunsch nach einer nördlichen -Durchfahrt bei den Völkern wachriefen, die sich noch nicht recht in den -Machtbereich der Spanier und Portugiesen wagten. Wir finden dann neue -Versuche Frankreichs (z. B. 1524 der Florentiner Verrazano in -französischem Dienste) und Englands (von 1527 an) zur Erforschung der -Küste; alle erreichten nur etwa 53° N. Breite, jedoch wurde die Küste von -hier bis zu 34° N. Breite (besonders durch den Franzosen =Cartier= 1534) -genauer bekannt. - -So war man bis an die Entdeckungen der Spanier im Süden herangekommen; -die =Ostküste Nordamerikas= war festgelegt und sollte bald das Ziel der -Kolonisation von Frankreich, England und Holland werden. Neue Versuche, -den Weg nach Indien zu finden, wurden dagegen erst wieder nach einer -Pause von 50 Jahren gemacht: die früh angetroffenen Eismassen hatten -abgeschreckt. Die Engländer unter Elisabeth nahmen sie erst wieder auf, -doch wurde in dem Zeitabschnitt von 1576-1632 das Ziel ebensowenig -erreicht; durch die verschiedenen Entdeckungsfahrten hatte man aber von -den polaren Küstensäumen Amerikas ein wesentlich klareres Bild gewonnen. -Die Namen der großen Seeleute, die diese Unternehmungen leiteten, sind in -der Karte verewigt: =Frobisher= (1576-1578), =Davis= (1585-1587), -=Hudson= (1609-1611), =Baffin= (1614-1616), =Fox= und =James= (1631 bis -1632).[29] Dann trat gar eine Pause von nahezu 200 Jahren (bis 1818) ein, -und erst 1850 (Mac Clure) wurde das Vorhandensein eines Wasserweges von -der Baffinsbai bis zur Beringsstraße festgestellt. - - [29] Genaueres über diese Expeditionen siehe Clowes, Teil 1 und 2 in - den Kapiteln Voyages and Discoveries. - -Unternehmungen, Indien auf einem $Nordostwege$ zu erreichen, begannen -erst um 1553. Es könnte dies befremden, aber man nahm bis dahin im Westen -und Süden Europas an, daß das Festland Europas mit Grönland -zusammenhinge. Vom Bestehen einer Küstenschiffahrt von der Nordwestküste -Norwegens bis zum Weißen Meere und vom Weißen Meere bis zum Karischen -Meerbusen erfuhr man erst um 1549 durch das Werk eines deutschen -Gesandten in Moskau. Wahrscheinlich hierdurch angeregt, rief =Sebastian -Cabot= bei seiner Rückkehr nach England eine Gesellschaft englischer -Kaufleute -- später die moskowitische Handelsgesellschaft genannt -- ins -Leben mit dem Zweck, auf dem nordöstlichen Wege Länder dem Handel zu -öffnen, zu denen der Einfluß der Hansa nicht reichte, und womöglich um -den Norden Europas herum nach Indien zu gelangen. Die Holländer folgten -bald nach. Das Hauptziel ist bekanntlich auch hier nicht erreicht und -Kolonien sind nicht gegründet worden; auch der Handel wurde nie -bedeutend. - -Eine erste englische Fahrt 1553 unter Sir Hugh Willoughby kam bis zum -=Weißen Meere=, von wo aus man mit Moskau in Verbindung trat, eine zweite -bis Nowaja Semlja, eine dritte 1580 bis zum =Karischen Meer=; weiter -kamen auch die Holländer bei verschiedenen Expeditionen 1566-1599 nicht. -Beide Nationen trieben aber regelmäßigen Handel mit und an den -neuentdeckten Gestaden und gründeten dort Agenturen, die bedeutendsten -seit 1584 in =Archangel=. - -Die Versuche, Indien zu erreichen, wurden im Anfange des 17. Jahrh., als -die holländisch-ostindische Kompagnie gegründet war und den Handel mit -Indien auf dem Südost- und Südwestwege allein in der Hand hatte, von -holländischen Kaufleuten, die dieser Kompagnie nicht angehörten, -erneuert, später von der Kompagnie selbst und von der englischen -moskowitischen Gesellschaft fortgesetzt. Aber man kam nicht weiter als -früher, auch Versuche, von Nowaja Semlja aus oder längs der Ostküste -Grönlands über den Nordpol zu steuern, scheiterten an den -unüberwindlichen Eismassen, und so wurde im Nordosten wie im Nordwesten -der Plan für lange Zeit, für 250 Jahre (Nordenskiöld und Palander, -1878-1879), aufgegeben. - -Die Versuche, den Nordostweg zu finden, brachten aber ein sehr wichtiges, -praktisches Ergebnis. Es wurde =Spitzbergen= entdeckt und der Reichtum -seiner Gewässer an Walen und Robben erkannt. - - Schon von 1597 an sandten die Engländer vereinzelte Schiffe zum Fang - nach dem hohen Norden, wobei ihnen Basken -- erfahren in Fang des - damals noch vorhandenen Biskaya-Wals -- als Lehrmeister dienten. Von - 1608 an wurde die =Fischerei= in größerem Maßstabe betrieben, und 1611 - erhielt die moskowitische Gesellschaft das alleinige Recht dazu sowohl - englischen als fremden Fischern gegenüber. Trotzdem erschienen 1612 - auch die Holländer, neben ihnen Basken und Franzosen dort, und es - entspann sich hier nun ein jahrelanger regelrechter Kampf, bis im Jahre - 1627 ein Vertrag den Engländern den Südwesten, den Holländern den - Nordwesten der Inseln als Fischereibezirk zusprach. - - - Das Heraustreten der Engländer und Holländer (Franzosen) in die - Ozeane.[30] - -Um die Mitte des 16. Jahrh. waren die Ozeane mit Ausnahme der -nördlichsten und südlichsten Gewässer befahren und die Entdecker auf den -verschiedenen Wegen nach Indien überall zusammengestoßen; unbekannt waren -nur noch die arktischen Regionen, die Westküste Nordamerikas, die -Nordküste Asiens und Australien. Spanien und Portugal, die -Hauptentdecker, hatten sich in der Beherrschung der ergiebigsten Gebiete -der neuerschlossenen Erde geteilt und zogen reichen Gewinn aus den -überseeischen Besitzungen oder aus dem Monopol des Seehandels nach den -neuen Ländern. Sie sollten sich aber nicht lange ungestört dieser -Vorteile erfreuen; bald erwuchsen ihnen gefährliche Mitbewerber in den -=neu aufblühenden Seemächten England, Holland= und bis zu einem gewissen -Grade auch Frankreich. Holland und England waren seit Ende des 15. Jahrh. -als Nebenbuhler der =Hansa= in den nordischen Gewässern aufgetreten, die -bekanntlich im Laufe des 16. Jahrh. ihre Bedeutung und Macht verlor. An -ihrem Rückgange waren nicht vorwiegend, wie oft gesagt, die Umwälzungen -im Welthandel durch die Entdeckungen schuld. Diese sind in der 1. Hälfte -des 16. Jahrh. noch nicht tiefgreifend genug gewesen; Spanier und -Portugiesen, die Völker der Entdeckungen, sind nie nach dem Norden -gekommen; nicht diese, sondern Holländer und Engländer wurden die Erben -der Hansen. An der ersten Folge der Entdeckungen, nämlich der zunehmenden -Schiffahrt vom Norden nach der Pyrenäischen Halbinsel, beteiligte sich -die Hansa in demselben Maße wie England und Holland. Sie sank, als die -skandinavischen Reiche sowie England erstarkten und die hansische -Handelsherrschaft abschüttelten, gleichzeitig wuchs die Macht des -deutschen Fürstentums und strebte erfolgreich danach, die verlorene -Herrschaft über die deutschen Städte im allgemeinen wiederzugewinnen. Die -Aufgabe des hansischen Städtebundes, seine Herrschaft auf der See zu -verteidigen und seine politische Unabhängigkeit zu wahren, wurde zu groß -für die immer kleiner werdende Zahl der Städte; unglückliche Seekriege -offenbarten die innere Schwäche des Bundes und untergruben die Achtung -vor seiner Macht. Die nordischen Staaten begünstigten die neuen Händler, -Holländer und Engländer, und beschnitten die der Hansa gewährten Rechte, -wie es auch Elisabeth in England tat. Wenn die Hansen zu Anfang des 16. -Jahrh. die Ostsee als ihr Meer ansehen konnten, so waren sie an seinem -Ende dort nur noch geduldet. - - [30] Hauptquellen: Zimmermann, Band 1-5; Clowes, Teil 1 und 2, Kapitel - Military History and Voyages; de Jonge, Teil 1; Nauticus 1900 und - 1901; Rodenberg. - - Um diese Zeit erlitten die Hansen nun noch zwei schwere Einbußen: die - Heringszüge wandten sich nach der Nordsee und wurden die Beute der - englischen und noch mehr der holländischen Fischer; diese betrieben den - =Heringsfang= 1634 mit 2500 bis 3000 Fahrzeugen, selbst an den Küsten - Schottlands, und erzielten daraus einen jährlichen Gewinn von 20 - Millionen Mark. Ferner zog sich ein großer Teil des russischen Handels - infolge der nordischen Kriege in der Ostsee nach den von den Engländern - und Holländern gegründeten Agenturen in Archangel. - -Mit dem Niedergange der Hansa wuchs die Schiffahrt Englands und Hollands -seit der Mitte des 16. Jahrh. ganz bedeutend. Während im Jahre 1531 nur -310 holländische Schiffe nach der Ostsee gefahren waren, liefen im April -1587 gegen 800 dahin aus, und 1640 sollen gar 1600 den Sund passiert -haben; der englische Handel erreichte hier um diese Zeit bei weitem nicht -denselben Umfang, den 1600 holländischen Schiffen stehen nur 430 -englische gegenüber. - -Auch der Verkehr beider Nationen nach dem Süden und dem Mittelmeer wuchs -an, wiederum besonders der der Holländer. Diese hatten bald den -Zwischenhandel zwischen der Pyrenäischen Halbinsel und dem Norden in die -Hand genommen und trotz ihres Krieges mit Spanien erweitert; als ihnen im -Verlauf des Krieges die Häfen der Halbinsel geschlossen wurden, setzten -sie den Handel mittels Schmuggel fort, der Ausschluß von Spanien führte -auch ihre Schiffe mehr ins Mittelmeer. Von dem Bestreben der beiden -jungen Seemächte und Frankreichs, im Norden Wege nach Indien zu finden, -hörten wir bereits, auch wie dieses die Entwicklung einer blühenden -Hochseefischerei an verschiedenen Stellen mit sich brachte. - -Die Tätigkeit auf allen diesen Gebieten in den nordischen Gewässern mit -ihren Beschwerden und Gefahren war für die Holländer und Engländer eine -gute Schule zur Ausbildung ungemein tüchtiger Seeleute, die sich bald -stark genug fühlten, die Macht und die auf päpstlichen Bullen fußenden -Rechte der Spanier und Portugiesen nicht mehr zu achten. Ihre Schiffe -erscheinen in den südlichen Meeren; zunächst sind es bewaffnete -Kauffahrer der Engländer, von den Spaniern Piraten genannt, die einzeln -und in Geschwadern -- in Kriegszeiten mit Kaperbriefen versehen und von -der Regierung unterstützt -- die mit Edelmetallen und Tropenerzeugnissen -heimkehrenden Schiffe und die Kolonien bedrohen, später treten bewaffnete -kaufmännische Expeditionen beider Völker zur Gründung von Niederlassungen -und Anknüpfung von Handelsverbindungen hinzu; eine endlose Reihe von -kleinen und großen Zusammenstößen in allen Teilen der Welt ist die Folge. -Dieser Kampf gegen die Spanier und Portugiesen wird geschürt durch -Glaubenshaß, die große Frage des Zeitalters, und ist bei den Holländern -gleichzeitig der auf das Meer übertragene Streit gegen ihre Unterdrücker, -in dem England ihnen als Bundesgenosse zur Seite steht. - -[Illustration: Francis Drake.] - -Von $England$ aus unternahm schon zwischen 1530 und 1540 William Hawkins -mit einem Schiff von 250 tons drei erfolgreiche Reisen nach Guinea und -Brasilien und brachte Gold, Elfenbein und wertvolle Naturerzeugnisse -heim. Seinem Beispiele folgten andere; lange Fahrten, schlechte -Verpflegung, Skorbut, außer den Gefahren zur See Zusammenstöße mit den -Portugiesen machten auch diese Reisen zu einer Schule für die englischen -Seeleute, besonders für die Kapitäne. Die Unternehmungen mehrten sich -unter Elisabeth, die ja auch die Entdeckungen im Norden und die -Hochseefischerei förderte, und wurden bald in kleinen Geschwadern und mit -größeren Schiffen ausgeführt. Sie erzielten besonders großen Gewinn, als -mit ihnen der Negerhandel von Afrika nach Westindien verbunden wurde. -1562 brachte John Hawkins, Sohn des eben Genannten, mit 3 Schiffen zu 120 -und 100 tons die ersten Sklaven hinüber, 1565 mit 4 Schiffen, worunter -schon eins von 700 tons war. Auf einer dritten Reise 1568 hören wir, daß -sich die Engländer zum ersten Male die Erlaubnis zum Handel in Rio de la -Hacha und Cartagena mit Waffengewalt erzwingen und infolgedessen in San -Juan de Ulloa, Mexiko, von den Spaniern überfallen und teilweise -vernichtet werden. Damit beginnt die =englische Freibeuterei=[31] in -größerem Maßstabe. Einer ihrer berühmtesten Führer, =Francis Drake=, war -Kapitän eines der Schiffe Hawkins' gewesen; er soll den Spaniern Rache -geschworen haben für die grausame Behandlung seiner Kameraden, die der -Inquisition in die Hände gefallen waren. Es heißt in England: »Ob Krieg -ob Friede zwischen England und Spanien, Krieg zwischen Drake und den -Landsleuten der Inquisition war stets hinfort.« - - [31] Besonders in Clowes, Teil I, viel über die Freibeuterzüge. - -Im Jahre 1572 erschien er mit drei kleinen Schiffen -- zu 70, 25 tons und -einem noch kleineren -- sowie drei auseinanderzunehmenden Pinassen, wozu -noch ein einzelner Freibeuter stieß, am Isthmus von Panama und griff -Nombre de Dios an, von wo aus die Reichtümer Perus nach Europa verschifft -wurden. Abgeschlagen gelang es ihm dennoch, mit Hilfe von entlaufenen -Sklaven (Indianern), auf dem Isthmus den Silbertransport abzufangen. Bei -dieser Gelegenheit sah er den Stillen Ozean und betete zu Gott, »to give -him life and leave, once to sail an english ship on that sea.« - - Als ein Beispiel der Kühnheit englischer Freibeuter dieser Zeit - folgender Vorfall: Drake kehrte nach England als reicher Mann zurück - und tat einige Jahre in Irland Dienst. In dieser Zeit rüstete sein - Leutnant =John Oxenham= ein Schiff von 140 tons aus, um das eben - gelungene Wagnis zu wiederholen. Da er hörte, daß die Transporte jetzt - stets von starker Bedeckung begleitet würden, beschloß er, sich der - Schätze Perus schon auf dem Wege nach Panama zu bemächtigen. Er - marschierte über den Isthmus, baute an der Westküste eine Pinasse und - fing wirklich im Stillen Ozean, den er also als erster Engländer - befuhr, zwei reichbeladene Schiffe. Da er aber die Besatzung entkommen - ließ, wurde er vor seinem Rückmarsch über den Isthmus überfallen, ein - Teil seiner Leute blieb im heftigen Kampf, er selbst mit dem Rest wurde - in die Bergwerke von Lima geschickt. - -Im Jahre 1577 erhielt Drake die Mittel, seine Hoffnung zu erfüllen. Er -segelte am 13. Dezember mit fünf Schiffen -- sein Flaggschiff »Pelican«, -auf der Reise »Golden Hind« umgetauft, zu 100 tons, ferner je eins zu 80, -30, 50, und 15 tons --, aber ein Sturm nach Passieren der Magalhaesstraße -zerstreute das Geschwader; zwei Schiffe gingen verloren, zwei kehrten -nach England zurück, und nur mit dem Flaggschiff erreichte Drake Callao. -Während seiner weiteren Fahrt nahm er zwei reiche Kauffahrer weg und -suchte die Küste bis 48° N. Breite, weiter als die Spanier bisher -gekommen waren, nach einer Durchfahrt ab; dann segelte er als =erster -englischer Weltumfahrer= durch den Stillen und den Indischen Ozean heim. -Am 26. September 1580 traf er in Plymouth ein; die Königin Elisabeth -speiste bei ihm an Bord des »Golden Hind« und schlug ihn zum Ritter. - -Dieses erste Erscheinen der =Engländer im Stillen Ozean= erregte -natürlich in Spanien und seinen Kolonien Furcht und Zorn, doch -beantwortete Elisabeth einen Protest dagegen mit der Erklärung, sie -erkenne die durch Bullen verliehenen Rechte nicht an und würde nur -wirklich besetztes Land als spanisches Eigentum achten. Spanien machte -infolgedessen Versuche, die östliche Einsegelung in die Magalhaesstraße -durch befestigte Niederlassungen zu sperren und spätere Expeditionen -schon im Atlantik abzufangen. Solche Expeditionen folgten bald. - - 1582: 1 Schiff zu 400, 1 zu 300, 1 zu 40 tons, eine Pinasse; doch mußte - man nach Zusammenstoß mit den Spaniern schon in Brasilien umkehren; - 1586: 1 zu 120, 1 zu 60, 1 zu 40 tons; man kam bis Mexiko, plünderte - Städte, zerstörte Schiffe, nahm ein Silberschiff zu 700 tons, umsegelte - ebenfalls die Erde und kehrte 1588 nach Verlust der beiden kleineren - Fahrzeuge zurück (Thomas Cavendish); 1589, außer der Brandschatzung von - Bahia ein Mißerfolg; 1593 ging wieder ein Hawkins, Richard, in der - dritten Generation, mit einem Schiff von 350 tons zur Westküste - Amerikas, plünderte zahlreiche Warenhäuser und machte reiche Prisen, - erlag aber schließlich der spanischen Übermacht. - -Weit gefährlicher aber als dieses Erscheinen vereinzelter Schiffe an der -Westküste Amerikas wurde den Spaniern das Auftreten der =Engländer in -Westindien= und im =Atlantik=. Der Ausschluß vom Handel in Westindien und -die verlockende Nähe der reichen spanischen Besitzungen reizten die -englischen Seefahrer, sich für die ihnen entgehenden Vorteile auf -unrechtmäßigem Wege durch Wegnahme spanischer Schiffe und Plünderungszüge -zu entschädigen. Den ersten Zügen Hawkins' und Drakes folgten andere, -Drake selbst brandschatzte 1585 nochmals St. Domingo, Cartagena und die -Niederlassungen in Florida. Von diesem Jahre an, in dem sich Elisabeth -offen auf die Seite der in Aufstand getretenen Niederlande stellte, war -außerdem offener Kriegszustand zwischen den beiden Nationen; man kann nun -die englischen Raubzüge nicht gut mehr Piraterie nennen, denn die Schiffe -waren mit königlichen Patenten zur Schädigung des Feindes versehen. Drake -erhielt als erster ein solches, und Privatpersonen wurden sogar -königliche Schiffe zu Kaperzwecken zur Verfügung gestellt. Ganz besonders -mehrten sich diese Unternehmungen, als Macht und Ansehen der -spanisch-portugiesischen Seemacht infolge der Armadakatastrophe gesunken -war und England energisch den Krieg auf dem Meere gegen Spanien führte. -Private Züge mit königlichen Patenten und Unternehmungen der Kriegsmarine -lassen sich jetzt kaum auseinanderhalten: in den Geschwadern der ersteren -werden Kriegsschiffe als Kern verwendet und die königlichen Flotten -enthalten wiederum viele, oft sogar in der Mehrzahl, geheuerte Kauffahrer -(vgl. S. 133 »England nach Abwehr der Armada«). Auch Englands -Ansiedelungsversuche in Nordamerika und Westindien gingen nicht ohne -Gewalttätigkeiten ab, so daß um das Ende des 16. Jahrh. Spaniens Seefahrt -und seine Kolonien ununterbrochen den Angriffen englischer Einzelschiffe -und Geschwader ausgesetzt waren, bis endlich mit dem Friedensschluß 1604 -und dem Verbot Jacobs I., spanische Schiffe aufzubringen, wenigstens die -größeren Züge dieser Art aufhörten. - -In der ersten Hälfte des 17. Jahrh. beginnen dann aber =kaufmännische und -kolonisatorische Unternehmungen= in Asien und Amerika; so erfolgte $das -Auftreten der Engländer in Indien$ und führte trotz des Friedens in -Europa zu weiteren Kämpfen mit Portugal. - - 1587 hatte Drake bei den Azoren einen großen portugiesischen - Ostindienfahrer »San Felipe« aufgebracht, der eine Ladung von 2 - Millionen Mark an Wert führte. Aber wichtiger war, daß auf ihm Papiere - gefunden wurden, die genauen Aufschluß über die Art des Betriebes des - ostindischen Handels sowie über den enormen Gewinn, den er abwarf, - gaben; diese Umstände waren ebenso wie Karten und Segelanweisungen der - indischen Gewässer von den Portugiesen stets geheim gehalten. Es soll - dieser Fund viel dazu beigetragen haben, die Engländer nach Indien zu - führen. - -Schon im Jahre 1591 segelte eine erste Expedition von 3 größeren Schiffen -unter =James Lancaster= nach Indien. Zwar gingen sämtliche Fahrzeuge nach -vielen Abenteuern verloren, aber man hatte doch das Ziel erreicht, -verschiedene reiche portugiesische Schiffe genommen und war mit dem -Sultan von Atchin, dem größten Feinde Portugals, in Verbindung getreten; -Lancaster selbst kam wohlbehalten zurück. Eine zweite Expedition 1596 -hatte keinen Erfolg. Am 31. Dezember 1600 (nach Clowes 1599) erhielt eine -Gesellschaft von Kaufleuten als =ostindische Kompagnie=[32] den -königlichen Freibrief mit verschiedenen Rechten zum Handel nach Indien. -Im Februar 1601 (nach Clowes 1600) verließ ihr erstes Geschwader -- 1 -Schiff zu 600 tons, 1 zu 260, 1 zu 240 nebst 2 oder 3 Proviantschiffen -- -unter Lancaster mit Briefen der Königin an die indischen Fürsten, -besonders an den Sultan von Atchin, England, schloß Handelsverbindungen, -gründete Faktoreien in =Atchin= und =Bantam= und kehrte September 1603 -(1602) zurück. Eine zweite Reise derselben Schiffe (März 1604) verlief -ebenso günstig, beide warfen einen Gewinn von 95% ab; auf Fahrten 1606, -1607 und 1608 wurde ein noch höherer erzielt. Einige Mißerfolge -abgerechnet, wuchs die Macht der Kompagnie schnell, besonders als man -sich nach dem Festlande, zunächst der Westküste Vorderindiens, wandte, wo -man von den bald auch in Indien erschienenen Holländern weniger gestört -wurde; überall machte man sich die Unzufriedenheit der Eingeborenen mit -den Portugiesen geschickt zunutze. 1612 wurde eine Faktorei in =Surat= -errichtet, Kompagnie und Regierung traten mit dem Großmogul in -freundschaftliche Verbindung. Jahr für Jahr folgten sich die Reisen; 1618 -betrug die Zahl der Schiffe der Kompagnie schon 36. Ihre Größe war -200-600 tons, besonders beliebt scheinen solche zu 500 tons, 20-30 -Geschütze mittleren Kalibers, 200 Mann, ähnlich den Kriegsschiffen der -Zeit, gewesen zu sein. Zusammenstöße mit den Portugiesen in wirklichen -Seegefechten von Geschwadern zu 4-8 Schiffen fielen meist zugunsten der -Engländer aus; wenn auch die Portugiesen an Zahl und Größe der Fahrzeuge -häufig überlegen waren und noch über die erwähnten (Seite 63) großen -offenen Boote verfügten, so waren ihre Schiffe doch nicht so -gefechtskräftig und wurden auch wohl weniger geschickt geführt und -bedient. - - [32] Näheres in Clowes I und II, Kapitel »Voyages«; Zimmermann II, auch - besonders über die kriegerischen Ereignisse; die Gefechte selbst - in Clowes II, >Military history<. - -Gefährlicher wurden der Kompagnie die Holländer, die den Engländern nach -Indien gefolgt und dort bald weit mächtiger geworden waren. Beide -Nationen taten sich gegenseitig sowohl mit Gewalt wie durch Beeinflussung -der einheimischen Fürsten möglichst viel Abbruch. Von 1619 an gingen sie -zu beiderseitigem Vorteil auf kurze Zeit zusammen gegen Portugal vor: Sie -setzten eine gemeinsame Behörde, "Council of defence", ein, organisierten -eine Flotte von 20 gemeinschaftlich gestellten Kriegsschiffen und teilten -sich die Kosten der Garnisonen an Plätzen, wo sie beide interessiert -waren; sie einigten sich über Handelsgebiete und verabredeten, den Handel -nach China, Japan und den Philippinen -- der übrigens von den Engländern -bald für längere Zeit wieder aufgegeben wurde -- gemeinsam zu betreiben. - -Wie viel mächtiger Holland war, kann man daraus ersehen, daß im Jahre -1622 28 englischen Schiffen 83 holländische Fahrzeuge gleichzeitig auf -der Station gegenüberstanden. So beanspruchten die Holländer denn auch, -aus dem Vertrage den größeren Vorteil zu ziehen. Schon 1623 war die -feindselige Stimmung schlimmer als je zuvor; im Februar dieses Jahres -wurden im holländischen Amboina 10 dort angesessene Engländer mit ihren -Dienern unter der Anschuldigung, sich mit den Eingeborenen gegen die -Holländer verschworen zu haben, von diesen gefoltert und hingerichtet. -Diese »=Amboina-Affäre=« führte zu Vergeltungsmaßregeln seitens Englands -selbst in den europäischen Gewässern und sollte später einer der Gründe -des ersten holländisch-englischen Krieges werden. - -In den nächsten Jahren erzielte die englisch-ostindische Kompagnie -eigentlich nur Erfolge den Portugiesen gegenüber. Ihnen wurde ein -Handelsgebiet nach dem andern, besonders auf dem Festlande, -abgenommen.[33] Der schwerste Verlust wurde ihnen aber dadurch zugefügt, -daß man 1622 die Perser bei der Eroberung des wichtigen Platzes =Ormuz= -unterstützte. Reibungen mit Holland vermied man nach Möglichkeit, indem -man seinem Hauptgebiet, der Inselwelt, fernblieb und dort schon Besetztes -größtenteils wieder aufgab. - - [33] Es wurden z. B. Faktoreien an der =Koromandelküste= und in - =Bengalen= gegründet. - -Im Vergleich mit Holland war zu Ende des geschilderten Zeitabschnittes -der Einfluß Englands in Indien noch gering; außer einigen Faktoreien mit -schwachen Forts besaß die Kompagnie kein Eigentum. Von 1636 an hatte sie -auch unter dem Wettbewerb einer zweiten Gesellschaft, der Courtenschen, -zu leiden, die gleichfalls Rechte erhalten hatte und Faktoreien anlegte, -bis sie 1649 mit der ostindischen Kompagnie verbunden wurde. In arge -Bedrängnis versetzten endlich die Kompagnie, die auf eine Unterstützung -aus der Heimat nicht rechnen konnte, die überlegenen Holländer während -des ersten englisch-holländischen Krieges. Bis zu ihrer Erstarkung und -Blüte verging noch manches Jahr. - -$Das Festsetzen der Engländer in Nordamerika$ begann mit der gewaltsamen -Inbesitznahme der Fischerei auf den Neufundlandbänken. Diese hatte sich -so entwickelt, daß 1578 dort etwa 50 englische, 100 spanische, 30 -baskische, 100 portugiesische und 150 bretagnische Fahrzeuge fischten. -Königin Elisabeth unterstützte die Hochseefischerei in jeder Hinsicht, -sie hatte sogar 1563 angeordnet, daß jeder Engländer Mittwochs und -Sonnabends Fisch essen solle, wie die Akte besagt, »zur Förderung der -Fischer und Seeleute, der Häfen und der Schiffahrt«. 1583 wurde nun von -=Neufundland= (St. Johns), wo schon eine Fischerkolonie bestand, -feierlich Besitz genommen, bei Ausbruch des Krieges mit Spanien 1585 -legte man auf alle spanischen und portugiesischen Fischerfahrzeuge -Beschlag und nahm die Besatzungen gefangen; damit waren diese Nationen -vom Fischereibetrieb ausgeschlossen. - -1584 erhielt =Walter Raleigh= ein Patent zur Besitzergreifung aller zu -entdeckenden Länder in Amerika, die noch nicht im Besitz christlicher -Fürsten seien. Seine ersten Niederlassungen in Nordcarolina (Roanoke) -hatten aber keinen dauernden Bestand; erst als 1606 zwei Kompagnien, die -von Plymouth und die von London, das Besiedlungsrecht für Nordamerika -erhielten -- die eine von 42°-45° N., die andere von 34°-38°, die -dazwischen liegende Küste war beiden zugestanden --, kam die Kolonisation -vorwärts, wenn auch anfangs nur langsam infolge gegenseitiger Eifersucht -und Kämpfe mit Indianern und mit benachbarten Niederlassungen der -Holländer und Franzosen. Die ersten Ansiedelungen wurden an der -Chesapeake-Bai (Virginia) und am Kennebec-Flusse (Maine) gegründet; -andere Gesellschaften folgten, so daß bis 1635 =die ganze Küste von -Virginia bis Maine= von Engländern besiedelt war, geteilt in eine Anzahl -Kolonien, fast genau den jetzigen Küstenstaaten der Union entsprechend, -mit getrennter, sogar bald dem Mutterlande gegenüber ziemlich -selbständiger Verwaltung. Nur am Delaware und am Hudson bestanden um -diese Zeit noch einige holländische und eine schwedische Niederlassung, -die erst um 1664 an England fielen. Im Norden der englischen Kolonien -waren Acadia (Neubraunschweig und Neuschottland) und Kanada in -französischem Besitz, und auch Neufundland war nicht allein von -Engländern, sondern auch von Franzosen besiedelt, so daß es trotz -formeller Besitzergreifung zu dieser Zeit noch nicht als englische -Kolonie angesehen werden kann. Carolina, zum spanischen Florida gehörig -und von französischen Hugenotten aufgesucht, wurde zwar bald auch von -Engländern, hauptsächlich von Virginien aus, bevölkert, kann aber erst -vom Ende des 17. Jahrh. an als englische Besitzung betrachtet werden. -Virginia und die sogenannten Neuenglandstaaten (New Hampshire, -Massachusetts, Connecticut, Rhode Island) entwickelten sich mehr und -mehr; Virginia besonders nach Einführung des Tabakbaues mit Hilfe von -Negersklaven, von den Neuenglandstaaten vorzüglich die, wohin sich aus -England ausgewiesene Puritaner wandten, wie z. B. Massachusetts. - -Versuche Raleighs, 1594-1617 in =Südamerika= (Guayana) Niederlassungen zu -gründen, und spätere hatten keinen dauernden Erfolg; erst 1652 gelang es, -hier festen Fuß zu fassen. Dagegen nahm England in der ersten Hälfte des -17. Jahrh. noch von einigen $westindischen Inseln$ Besitz. In den Jahren -1605-1630 wurden St. Lucia, St. Christopher (dieses mit Franzosen -gemeinschaftlich), Barbados, Tabago, St. Martin, Nevis, Tortuga, Antigua -besiedelt. Einige dieser Kolonien hatten anfangs viel von spanischen -Angriffen zu leiden und gingen zeitweise wieder verloren, andere blühten -schnell auf, so besonders =Barbados=. Die für die Zukunft wichtigste -Besitzung in Westindien erlangte England 1655 durch Eroberung der -langbegehrten Insel =Jamaica=. Auf dem Wege nach Amerika ist auch 1612 -die erste Kolonie auf den =Bermudas= gegründet, die sich ungestört -schnell entwickelte und schon 1619 ihr Parlament hatte. Von hier wandte -man sich 1646 nach den Bahamas, wurde von dort aber später von den -Spaniern wieder vertrieben. - -$Holland$ ging, obgleich es in den europäischen Gewässern die Engländer -überholt hatte, doch erst später als diese auf die Ozeane hinaus. Zwar -soll schon 1585 dafür Stimmung gemacht worden sein, Spanien in seinen -Kolonien anzugreifen, aber man getraute es sich noch nicht. Als aber nach -der Armada-Katastrophe der eigentliche, bisher nur in den Küstengewässern -geführte Krieg auf die offene See überging, ja sogar im Verein mit -England an die feindlichen Küsten getragen wurde, wuchs die Zuversicht -und Unternehmungslust. Die Erfolge der englischen Freibeuter und die -Beeinträchtigung des Zwischenhandels durch Schließen der -spanisch-portugiesischen Häfen veranlaßte auch die Holländer, dem -Beispiel der Engländer zu folgen, den feindlichen Handel auf dem Ozean zu -stören, in den fernen Weltteilen Handelsverbindungen selbst zu suchen und -Kolonien zu gründen. - -Die Haupterfolge errang man in $Indien$, wo England bald überflügelt -wurde. 1595 unternahm =Cornelis Houtman= im Auftrage einer -Handelsgesellschaft mit 4 Schiffen die erste Reise nach Indien, besuchte -Java und Sumatra und kehrte 1597 mit 3 Schiffen zurück; andere folgten. -1602 wurden die verschiedenen Gesellschaften zu einer, =der ostindischen -Kompagnie=,[34] vereinigt, die das Recht erhielt, vom Kap bis zur -Magalhaesstraße Handel zu treiben, im Namen der Generalstaaten Bündnisse -und Verträge abzuschließen, Festungen zu bauen, Militär zu halten und -Beamte anzustellen. Nun folgten sich die Expeditionen Jahr für Jahr, und -der Machtbereich der Kompagnie wuchs ungemein schnell. - - [34] Näheres in Zimmermann, Band V. - -Unter schweren Kämpfen mit den Portugiesen, die im Anfang an Zahl und -Größe der Schiffe überlegen waren und ihnen bereits Errungenes zeitweise -wieder entrissen, setzten die Holländer sich zunächst auf den =Molukken= -fest: 1603-1610 erwarben sie Amboina, Banda, Tidor, Ternate; 1619 wurde -=Batavia= gegründet und bald der Mittelpunkt der sich immer weiter auf -der Inselwelt ausbreitenden Besitzungen. Aber auch an der Süd- und -Ostküste Hinterindiens gründeten sie Faktoreien und wurden 1641 durch die -Eroberung =Malakkas= nun Herren der Gewässer des Malaiischen Archipels -und des Handels dort. Sie folgten den Engländern nach Vorderindien -(Surat) und nach =Bengalen= und bedrohten dort die letzten bedeutenden -portugiesischen Besitzungen; später (1656) gelangten sie in den Besitz -Ceylons und einiger wichtiger Punkte der Malabarküste (Cochin 1663). - - =Ihre Handelsreisen= dehnten die Holländer aus nach Formosa, den - Philippinen, China und Japan; die englischen Versuche, in den letzten - beiden Ländern Verbindungen anzuknüpfen, wurden bald wieder aufgegeben; - die Holländer allein haben während zweier Jahrhunderte Zutritt auf - einer kleinen japanischen Insel bei Nagasaki gehabt. Wenn sie auch in - China jetzt noch keinen Einlaß fanden -- hier hat nur Portugal für - lange Zeit in Macao eine Niederlassung besessen --, so wurden doch - durch sie die östlichen Umrisse Asiens bis zu den =Kurilen= (1634 - entdeckt) bekannt. Vom Malaiischen Archipel aus berührten sie - gelegentlich die Küste Neuguineas, auf ihren Reisen nach Indien die - Westküste Australiens, und 1642 umsegelten sie Australien und - Tasmanien. Es ist aber auch dies nur von =geographischem Interesse=. - Neuguinea und Australien reizten nicht zu weiteren Unternehmungen, - weshalb die Kenntnis von diesen Ländern wie von Neuseeland bis 1770 - (Cook) unvermehrt blieb; erst 1786 begann die Besiedlung Australiens - von England aus. - -Das Verhältnis der holländisch-indischen Kompagnie zur englisch-indischen -wurde bereits geschildert. Wenn sie nach dem Vorfall in Amboina zuweilen -zusammengingen, wo es beiden Nutzen versprach, und ihre Seestreitkräfte -sich mehrfach zum Angriff auf die Portugiesen vereinigten, so wurden -anderseits die Kriege der beiden Nationen in Europa auch in Indien -zwischen den Kompagnien ausgefochten. - - Die ungeheuere =Macht der ostindischen Kompagnie=[35] und ihr Wachsen - in kurzer Zeit kann man aus dem Bestande ihrer Schiffe ersehen. In den - ersten fünf Jahren des Bestehens der Kompagnie gingen 40 Schiffe nach - dem Osten ab; 1616 besaß sie 45 größere Schiffe und viele kleinere; - 1622 waren in Indien 83 Fahrzeuge, und zwar 52 Schiffe, 18 Jachten, 13 - Fregatten (Ruderboote wie die der Portugiesen, Seite 63), - folgendermaßen verteilt: 16 vor Batavia; 8 nach den Molukken; 5 Küste - Goa bis Surat; 2 in Bantam; 4 nach Sumatra; 3 in Surat; 16 nach China; - 4 in Patang; 1 in Mokka; 1 in Japan; 7 Koromandel; 10 Malakkagewässer; - 5 nach Manila; -- 12 Schiffe wurden von Holland erwartet. Die Schiffe - hatten eine Größe von 300-900 tons, 20-30 Kanonen, die Jachten 100-200 - tons. Die kleineren Schiffe und Fahrzeuge waren mehr für den - Zwischenverkehr in Indien bestimmt, die größeren fuhren von und nach - der Heimat und zeigten die Flagge von den arabischen und persischen - Gewässern bis Japan. - - [35] de Jonge, Teil I Seite 213 ff., sowie Beilage 37 gibt nähere - Angaben: über den Schiffbestand zu verschiedenen Zeiten; über oft - bedeutende Gefechte mit den Portugiesen in Indien sowie auch auf - den Reisen nach Indien mit den Spaniern im Atlantik und an der - Westküste Amerikas, wo die Holländer jetzt der Schrecken der - spanischen Kolonien geworden waren. - -Seit 1595 hatten auch Fahrten der Holländer nach $Westafrika$ begonnen, -und man hatte trotz des Widerstandes der Portugiesen befestigte -Faktoreien an der Goldküste angelegt und bald den Handel dort fast ganz -in die Hand bekommen. Diese Forts wurden 1631 der westindischen Kompagnie -übergeben, die schließlich die letzten Punkte der Portugiesen an der -Goldküste und auch die Insel St. Thomé sowie St. Paolo de Loanda einnahm. -Die beiden letzten Eroberungen mußten jedoch 1648 zurückgegeben werden, -Holland hielt sich aber schadlos, indem es 1652 das =Kapland=, das zwar -von Portugal beansprucht, aber nie besiedelt war, als einen wichtigen -Stützpunkt für die Fahrten nach Indien besetzte. - -Auch in =Ostafrika= beunruhigte man die portugiesischen Kolonien, die so -schon im Anfang des 17. Jahrh. viel von Türken und Eingeborenen zu leiden -hatten; ein Versuch 1607, sich in Mozambique gewaltsam festzusetzen, -gelang jedoch nicht. - -Nach $Nordamerika$ wandte sich Holland 1609. =Hudson= machte seine erste -Reise zur Erforschung eines Nordwestweges im Dienst der -holländisch-ostindischen Kompagnie und erforschte dabei besonders die -Küste beim Delaware- und Hudson-Flusse. An beiden Flüssen gründeten bald -darauf, trotz englischen Einspruchs, Amsterdamer Kaufleute -Niederlassungen mit Forts -- der Ursprung der jetzigen Staaten New Jersey -und New York --, der ganze Küstenstrich wurde Neu-Niederland genannt. -Diese Kolonie wurde der holländisch-westindischen Kompagnie unterstellt -und war ein wichtiger Stützpunkt für die Kreuzer gegen den spanischen -Handel. Anfangs wuchs sie nur langsam und konnte selbst ein Niederlassen -der Schweden 1635 an der Mündung des Delaware nicht hindern. Infolge der -Erlaubnis der Einwanderung von Kolonisten aller Völker hob sie sich dann -und vertrieb 1655 die Schweden, fiel aber doch schon 1664 den Engländern -zu. - -Von weit größerer Bedeutung aber und den Spaniern sowie Portugiesen -gefährlicher war das Auftreten der Holländer in $Südamerika$, -$Westindien$ und sonst im $Atlantik$, als man den Krieg auf das offene -Meer übertrug und den spanischen Handel angriff. Schon von 1604 an, also -gerade als die größeren englischen Raubzüge aufhörten, suchten -holländische Geschwader besonders die brasilianische Küste auf. Um 1621 -wurde die holländische =westindische Kompagnie= gegründet mit demselben -Zweck wie die ostindische, hauptsächlich aber, um in organisiertem -Seeraub mit starken Geschwadern den Verkehr des Feindes mit seinen -Kolonien zu stören und zu unterbinden. Da der Reichtum Hollands in den -letzten Jahren sehr zugenommen hatte, wuchs sie noch schneller als ihre -ältere Schwester in Ostindien.[36] - - [36] de Jonge I Seite 217 ff., Beilage II. Nähere Angabe über Größe, - Armierung, Bemannung der Schiffe, über Zusammensetzung der Flotten - und einige ihrer Haupttaten. - - Schon in den Jahren 1624 und 1625 war sie imstande, vier Flotten in See - zu schicken, die zusammen aus 72 Schiffen mit 1200-1300 Geschützen und - 9000 Seeleuten und Soldaten bestanden. In den Jahren 1623-1636 hat sie - mehr als 800 Schiffe mit 62000 Mann teils für Handelszwecke, teils -- - die größeren -- nur für Kriegszwecke auslaufen lassen; der Bestand an - Mannschaften war oft für längere Zeit 24000 Mann. Welchen Schaden diese - Kräfte dem feindlichen Handel zufügten, ersieht man daraus, daß während - dieser 13 Jahre mehr als 600 feindliche Kriegs- und Handelsschiffe - genommen wurden, darunter z. B. 1623 30 Brasilienfahrer und 1628 die - ganze Silberflotte, die dem Admiral =Pitt Heyn= vor Havanna in die - Hände fiel. - - Auch die Schiffe der westindischen Kompagnie waren, ähnlich der - ostindischen, aber teilweise schwerer armiert, Fahrzeuge von 200-1000 - tons, 10-44 Geschützen, 60-250 Mann; die Hauptkraft bestand aus solchen - von 500-700 tons, 30-40 Geschützen, 200 Mann. Die Schiffe der - Kompagnien waren zum großen Teil größer als die damaligen holländischen - Kriegsschiffe. - -Einige der =Antillen= wurden 1625, und 1634 =Curaçao= besetzt, auch in -$Brasilien$ wurde ein größeres =Kolonialreich= geplant. Eine der -erwähnten 4 Flotten -- 23 Segel, 500 Geschütze, 1600 Mann -- -hatte 1624 Bahia erobert; 1625 wurde diese Stadt zwar durch eine -spanisch-portugiesische Flotte von 67 Segeln mit 12000 Mann -zurückgewonnen, aber 1630 faßte eine neue holländische Expedition[37] in -=Pernambuco= (Olinda, Recife) wieder Fuß. Von hier aus wurde in den -nächsten Jahren ein großer Teil der Küsten Brasiliens erobert und eine -Kolonie, Neu-Holland mit der Hauptstadt =Recife=, gegründet, die aber -infolge des schwachen Zuzugs von holländischen Kolonisten nicht lange -bestand. Als 1640 Portugal wieder frei von Spanien und damit ein -Verbündeter Hollands wurde, begann man, die militärischen Ausgaben für -die Kolonie einzuschränken. Die von England geschürte Gärung unter den -nie bezwungenen Urkolonisten nahm zu und offene Empörung brach aus. In -jahrelangen Kämpfen vertrieben die Empörer, von Portugal heimlich -unterstützt, nach und nach die Holländer, bis diese, auch noch durch den -ersten englisch-holländischen Krieg behindert und geschwächt, im Januar -1654 die letzten Posten an Portugal zurückgaben. - - [37] Ihre Ausrüstungskosten wurden durch einen Teil der Schätze der - erbeuteten Silberflotte bestritten. - -Auch an der Nordküste Südamerikas, in =Guayana=, wurden in der ersten -Hälfte des 17. Jahrh. einige Niederlassungen gegründet; die wichtigsten -lagen am Essequibo und Berbice, also im jetzigen Britisch-Guayana, -während die ersten englischen Niederlassungen im jetzigen -niederländischen Surinam entstanden. Die Besitzverhältnisse in Guayana -haben sich in den nächsten 200 Jahren infolge der vielen Kriege zwischen -Holländern, Engländern und Franzosen beständig verschoben. - -Auch $Frankreich$ hatte mit überseeischen Unternehmungen begonnen, wenn -auch nicht in demselben Umfange wie die Holländer. Franzosen waren schon -im Mittelalter an den Fahrten nach den wiederaufgefundenen Kanarischen -Inseln beteiligt. 1402 gründete ein Hofbeamter Karls VI. dort ein kleines -Staatswesen; französische Seeleute aus Dieppe und Rouen haben um die -Mitte des 14. Jahrh. die Westküste Afrikas besucht und Faktoreien -angelegt, aber innere und äußere Kriege ließen alles wieder verfallen. -Nach, allerdings nicht beglaubigten, Überlieferungen sollen die Franzosen -vor den Portugiesen und Engländern Brasilien und Neufundland entdeckt -haben; sicher ist, daß sie seit Anfang des 16. Jahrh. beide Länder -besuchten. In =Brasilien= wurden bei Bahia Ansiedelungen gegründet, aber -1516 von den Portugiesen zerstört; der schon lebhafte Handel ging jedoch, -wenn auch unter Kämpfen mit den Portugiesen, weiter. Ebenso scheiterten -die ersten Versuche des Entdeckers =Cartier= 1535 und 1541, in Kanada -(Quebec) Fuß zu fassen; eine 1555 auf Admiral Colignys Anregung -gegründete Kolonie in Rio hielt sich nur bis 1566 und eine solche an der -Küste von Florida (1562) wurde bald (1565) von den Spaniern zerstört. Die -Grausamkeit, die die beiden südlichen Nationen bei diesen Gelegenheiten, -wie beim Vorgehen gegen den französischen Handel überhaupt, zeigten, -hatte zur Folge, daß die französischen Seeleute der Bretagne (vorzüglich -Dieppes) und der Gascogne auf spanische und portugiesische Schiffe Jagd -machten, wo sie nur immer konnten; aus ihnen vor allem entstanden die -=Flibustier=. - -Größere überseeische Unternehmungen ruhten während des Religionskrieges -in Frankreich, und auch der Seehandel ging zurück, nur die Korsaren und -die Hochseefischer an der Küste Amerikas setzten ihre Gewerbe fort. Unter -=Heinrich= IV. wurden neue Versuche mit einigem Erfolge gemacht, indem -1605 die erste Niederlassung von dauerndem Bestande in Kanada (Quebec) -und in Neu-Schottland (Port Royal an der Fundybay, jetzt Annapolis -genannt) gegründet wurden, aber erst unter =Richelieu= nahmen diese -Unternehmungen größeren Umfang an. Die Ansiedelungen in Neu-Schottland -und Neu-Braunschweig, zusammen $Acadia$ genannt, und in $Kanada$ mehrten -sich, und man erforschte das Gebiet um und südlich von den kanadischen -Seen. Zu einer rechten Blüte kamen diese Kolonien immer noch nicht, zum -erfolgreichen Kampf mit den Indianern und den benachbarten Engländern -wurden sie zu schwach besiedelt. - -Die Gesellschaften, von denen die Kolonisation betrieben werden sollte, -gaben der damaligen Volksneigung entsprechend mehr auf den Pelzhandel, -als auf Anlage fester Siedelungen. Erst unter =Colbert=, in der zweiten -Hälfte des 17. Jahrh., bevölkerten sich diese und gewannen an Bedeutung; -nun begannen die langdauernden Kriege mit den englischen Nachbarkolonien. - -Richelieu hat aber sein Augenmerk auch wieder auf die südlichen Meere -gerichtet, und hier hatte Frankreich schon zu seiner Zeit größeren -Erfolg, nämlich in $Westindien$. Schon 1625 setzten sich Franzosen auf -St. Christopher fest und vertrugen sich dort mit den Engländern, auch -kehrten beide zusammen zurück, als sie 1629 von den Spaniern vertrieben -waren. Nach verschiedenen anderen Gesellschaften trat 1635 die -=westindische Kompagnie= (Compagnie des Iles de l'Amérique) ins Leben, -und dieser gelang es bald, =Martinique= und =Guadeloupe= zu besetzen. -Eine andere Gesellschaft hatte in Guayana, 1626 am Sinnamuri, 1634 in -Cayenne Fuß gefaßt, und von hier aus wurde die Kolonisation Surinams -begonnen. Zu den schon erwähnten Antillen traten von 1643-1651 noch die -Inseln St. Lucie, Marie Galante, St. Barthélémy, Grenada und andere; um -1683 zählte man 40000 Weiße im französischen Westindien. Französische -Abenteurer ließen sich auf der Nordküste Domingos und der benachbarten -Insel La Tortue als Boucaniers oder Flibustier nieder. - -In $Afrika$ war 1626 eine Faktorei am Senegal errichtet, etwas später -bildeten sich Handelsgesellschaften nach Sierra Leone und Guinea, alle -diese Unternehmungen betrieben in erster Linie Sklavenhandel. Endlich -wurden auch die ersten Beziehungen mit $Indien$ angeknüpft. Schon 1529 -war eine Reise nach den Molukken gemacht worden; seit 1604 folgten -nacheinander Handelsunternehmungen verschiedener Gesellschaften nach -Indien. 1642 begünstigte Richelieu die Bildung einer Kompagnie; ihr -Versuch, sich auf Madagaskar niederzulassen, wurde jedoch bald für fast -ein Jahrhundert wieder aufgegeben (Fort Dauphin bis 1672). Auch die -Versuche Colberts, unter dem die ersten Faktoreien und Niederlassungen in -Surat, Pondichéry, Tonkin, Ceylon und auf der Insel Bourbon angelegt -wurden, hatten noch keinen großen Erfolg und schufen nur den Grund für -den späteren Kolonialbesitz im fernen Osten. - -Die Versuche $anderer kleiner Staaten$, überseeisch aufzutreten, sind von -keiner Bedeutung für unsere Betrachtungen geworden, da ihnen die -Unterstützung einer ausreichenden Seemacht fehlte. Von =Dänemark= aus -wurde eine Niederlassung an der Koromandelküste (Trankebar 1620) -gegründet, =Schweden=, schon am Delaware erwähnt, besaß kurze Zeit eine -Faktorei an der Goldküste und unterhielt auch eine Zeitlang direkte -Verbindung mit China. Beide Nationen gingen nach den Antillen; Dänemark -nahm einige der Jungfern-Inseln (St. Thomas) in Besitz, aber im -allgemeinen blieben sie doch darauf angewiesen, ihre Kolonialwaren durch -England und Holland zu beziehen, und auch ihr Handel im Mittelmeer, der -aufzublühen begonnen hatte, ging unter dem Wettbewerb genannter Nationen -bald zurück. Die Bestrebungen des weitsichtigen Großen Kurfürsten, auch -=Brandenburg= Kolonialbesitz zu sichern, fallen erst in den nächsten -Zeitabschnitt. - - - Die Unsicherheit auf den Meeren.[38] - -Zum Verständnis mancher Verhältnisse und Vorfälle, die uns später -begegnen werden, müssen wir einige Punkte berühren, die auch von Einfluß -auf Schiffe und Seeleute in diesem Zeitabschnitt gewesen sind: der -Seeraub, die Freibeuterei und das Konvoiwesen. - - [38] Quellen: Clowes, an verschiedenen Orten unter: pirates, privateers - u. dgl.; ferner siehe im Quellenverzeichnis die Werke über - »Barbareskenstaaten«, »Flibustier«, »Bucanier«, »Konvoiwesen«. In - Perels: »Internationales Seerecht«, wird Seeraub, Kaperei usw. - juristisch behandelt. - -Von alters her gab es dort, wo die Seefahrt blühte, =Seeräuber=; schon im -Altertum wurde das Beispiel aufgeführt, daß Rom (67 v. Chr. unter -Pompejus) eine ungeheuere Flotte aufstellte, um dem Treiben der -cilicischen Seeräuber, die den Handel im Mittelmeer völlig lahmlegten, -ein Ende zu machen, und bei der Besprechung der kriegerischen Ereignisse -im Mittelalter ist auf das Unwesen des Seeraubes an allen Küsten und in -allen Meeren Europas hingewiesen. Mit der Zunahme der Schiffahrt trat der -Seeraub auch auf die Ozeane hinaus. In diesem Zeitabschnitt war eine -Hauptaufgabe der Flotten aller Staaten, ihn zu unterdrücken, zunächst -wenigstens in den eigenen Gewässern. Die Geschichte der englischen Marine -zeigt, wie die Regierung schon vom Mittelalter an bestrebt ist, durch -Gesetze und mit Hilfe der kleinen Seekriegsmacht, die jährlich mit Beginn -der Seefahrt aufgestellt wurde, Sicherheit in ihren Meeren zu schaffen. -Sie hatte es dabei nicht nur mit Seeräubern fremder Völker -- -französischen, flämischen, holländischen, schottischen -- zu tun, sondern -auch mit eigenen Untertanen; es gab in allen Ländern zahlreiche -Individuen, die auf See und an den Küsten das Eigentum anderer, selbst -eigener Landsleute, nicht achteten; ja, es herrschte dieses Unwesen fast -allgemein. - -Wenn nun auch dieser mittelalterlich-barbarische Zustand und damit der -Seeraub im allgemeinen in den Küstengewässern nach und nach eingeschränkt -wurde -- es wird übrigens noch zu Anfang des 17. Jahrh. über englische -und schottische Seeräuber an den eigenen Küsten geklagt, denen -Fischerboote und kleinere Fahrzeuge zum Opfer fielen --, so blieb doch -das Unwesen auf offenem Meere bestehen. Bei dem Mangel an großen -stehenden Marinen war hier die Durchführung einer Seepolizei noch nicht -möglich. Der Seeraub wurde nicht nur von einzelnen Schiffen, sondern auch -von Gemeinwesen betrieben, sogar von solchen, die sich eigens zu diesem -Zweck bildeten. - -Das Mittelmeer und der Ost-Atlantik waren der Schauplatz der Schiffe und -Flotten der =Barbaresken-Staaten=, »=Korsaren=« genannt. Stets, -vorzüglich aber seitdem sich die Osmanen der Länder Marokko, Tunis, -Algier und Tripolis bemächtigt hatten, wurde von hier aus der Seeraub, -verbunden mit der Jagd nach Christensklaven, organisiert betrieben. Die -Korsaren bedrohten Meere und Küsten bis zum Kanal. - - 1609-1616 wurden 466 englische Schiffe von ihnen genommen, 1625 allein - in 10 Tagen 25 nach Plymouth bestimmte Fahrzeuge. Sie landeten an - englischen Küsten, brandschatzten und schleppten Menschen als Sklaven - weg; eine englische Kompagnie erlitt in wenigen Jahren durch sie eine - Einbuße von 40000 Lstrl.; der holländische Handel verlor von 1641-1650 - jährlich eine Million Gulden allein für die Schiffahrt nach dem - Mittelmeer, allerdings einschließlich des Schadens durch französische - Freibeuter im Kanal; 1627 kreuzte eine Barbareskenflotte von 30 Segeln - im Atlantik, und 1640 erschienen gar 60 Schiffe an der Südküste - Englands. - -Ihre Schiffe waren leicht und schnell segelnd, schwach armiert, aber für -den Enterkampf stark bemannt; viele ihrer Prisen stellten sie ein, indem -sie diese durch Rasieren des oberen Decks und Herausnehmen mancher -Verstärkungen und Verbände leichter machten. - -Schon im Mittelalter unternahmen die italienischen Städte große -Kriegszüge gegen die Raubstaaten; die Reiche der Pyrenäischen Halbinsel, -Franzosen, Engländer und Holländer folgten hierin, aber lange Zeit -hindurch ohne andauernde Erfolge. Erst als während der Seekriege zu Ende -des 18. Jahrh. stets große Kriegsflotten im Mittelmeere tätig waren, -wurde dem Unwesen ein Ende gemacht, aber selbst noch im 19. Jahrh. war -ein Einschreiten europäischer Flotten nötig. Die Türken verwendeten die -Flotten der Raubstaaten und deren Führer in ihren älteren Kriegen. - -Der aufblühende Handel nach und in den amerikanischen Gewässern verlockte -auch hier zum Seeraub. Wir haben schon erwähnt, daß namentlich Seeleute -der Bretagne und Gascogne, erbittert über das grausame Auftreten der -Spanier gegen französische Kolonisationsversuche, spanische Schiffe -aufbrachten, wo sie konnten. Solche französischen Abenteurer ließen sich -im Anfang des 17. Jahrh. auf der Insel St. Christophe in Westindien -nieder, gingen aber schon 1630 wieder nach der Nordküste von Domingo und -der benachbarten kleinen Insel Tortue. Von hier aus betrieben sie den -Seeraub im großen. Sie sind bekannt unter dem Namen =Flibustier= -- -wahrscheinlich nach ihren schnellen Schiffen: fly-boats; flibots -- oder -=Bukanier= -- da sie anfangs auf Domingo verwildertes Rindvieh jagten, -das Fleisch dörrten (bukanierten) und mit den Fellen Handel trieben. Bald -erhielten sie Zuzug durch Seeräuber anderer Nationen -- Engländer und -Holländer --, die während der andauernden Kriege dieser Länder mit -Spanien auftraten und einen Vereinigungspunkt suchten. So entstand eine -Seeraub-Republik, in der sich die Tapfersten zu Anführern emporschwangen. -Von Frankreich und auch oft von England unterstützt, um sie in eigenem -Interesse zu verwenden, wurde sie eine den Spaniern furchtbare Macht, die -Handel und Küstenstädte auf das schwerste schädigte. Als die Flibustier -in den englisch-französischen Kriegen auf seiten Frankreichs den -Engländern unbequem wurden, verfolgten auch diese sie, und es ging mit -ihnen abwärts, bis sie, später von allen Seemächten unterdrückt, mit dem -Wachsen der stehenden Marinen im Anfange des 18. Jahrh. ganz -verschwanden. - - Wie groß das Seeräuberunwesen in Westindien gewesen ist, ergibt sich - daraus, daß die Spanier, als sie 1630 einmal mit einer Flotte von 20 - großen Kriegsschiffen gründlich aufräumten, in kurzer Zeit gegen 2300 - Gefangene, englischer, französischer und holländischer Abkunft, - machten; 573 Kanonen und eine Beute von 20 Millionen Mark an Wert - fielen ihnen dabei in die Hände. - -In den =asiatischen Gewässern= hausten Malaien des Archipels und -Chinesen; die Portugiesen und ihre Nachfolger mußten ihretwegen -Flottenstationen halten; ihre völlige Unterdrückung ist ja bis in die -neueste Zeit nicht gelungen. - -Aber nicht allein die Seeräuber machten die Seefahrt unsicher, auch die -=Kriegführung dieser Zeiten= auf der See trug dazu bei. Bereits ehe sich -die Kriegsoperationen ganz besonders gegen den Handel des Gegners -richteten, war es der Brauch, in Kriegszeiten den eigenen Schiffen die -feindliche Schiffahrt preiszugeben; schon Reibungen zwischen zwei -Seestaaten führen stets gleich zur Wegnahme der feindlichen -Handelsschiffe als =Vergeltungsmaßregeln= für erlittene oder vermeintlich -erlittene Unbill. - -Bei der Schwäche der Kriegsflotten wurden auch Kauffahrer hierzu -berechtigt, in den älteren Zeiten wohl alle ohne Auswahl, oder sie -beteiligten sich dem Zeitgeiste entsprechend alle von selbst an dem -kleinen Kriege. Da sie die =Freibeuterei= ohne feste Normen und ohne jede -Aufsicht betrieben, so war dies nichts anderes als Seeraub. - -Erst nach und nach bei Ausbildung eines wenigstens durch den Brauch -verbindlichen Seerechtes und bei einer größeren Überwachung durch -reguläre stehende Marinen entwickelte sich die =gesetzmäßige Kaperei=. -Von Kaperschiffen[39] dieser späteren Zeit verlangte man, daß sie einen -Freibrief, auf die Person und auf ganz bestimmte Zeit lautend, führten, -sich an genaue Instruktionen und streng an Kriegsgesetze und Kriegsbrauch -hielten; die genommenen Prisen wurden prisengerichtlich behandelt. Diese -Kaper gehörten, wie Freikorps im Landkriege, zur Kriegsmacht. - - [39] Der Name soll von holländischen Ostindienfahrern, die zum Kap - gingen, um feindliche Indienfahrer abzufangen, stammen, - französisch corsaires, englisch privateers genannt. - -Aber lange Zeit ist doch die =Kaperei= nicht viel verschieden von der -Freibeuterei gewesen und bildete eine große Gefahr für die Schiffahrt; -die mit Kaperbriefen für besondere Gelegenheiten und gegen bestimmte -Feinde ausgerüsteten Schiffe nahmen es nicht so genau mit der -Nationalität ihrer Angriffsobjekte, und manche setzten ihr Geschäft auch -nach dem Friedensschluß fort und vermehrten so die Zahl der Seeräuber. - -Außer den berühmten Beutezügen der englischen Privateers und denen der -holländisch-westindischen Kompagnie spielen in der Geschichte der -=Freibeuterei= des 16. und 17. Jahrh. einige französische Städte am -Kanal, besonders Dünkirchen, eine Rolle. Von Dünkirchen wurde in diesem -Zeitabschnitt während des Unabhängigkeitskrieges der Holländer auf -spanischer Seite durch Freibeuter ein Krieg in solchem Umfange geführt, -daß er die Tätigkeit der holländischen Kriegsmarine fast ganz in Anspruch -nahm und Private (»neue Geusen«) besondere Schiffe gegen sie ausrüsteten; -auch später in den Kriegen Louis' XIV. machten die in dieser jetzt -französischen Stadt ausgerüsteten Kaper eine Beute von 22 Millionen -Franken. - -Gegen die Unsicherheit auf den Meeren schützte sich nun die Seefahrt -durch =das Konvoi-Wesen=. Die Gefahr vor Seeräubern hat schon im Altertum -dazu geführt, daß die Handelsschiffe sich bewaffneten und in größerer -Zahl zusammensegelten. Die Erkenntnis, daß auch das Gemeinwesen unter den -Verlusten der Schiffahrt mitlitt, brachte sogar die Regierungen -frühzeitig dahin, wenigstens in Kriegszeiten das Zusammensegeln -anzuordnen, das Alleinsegeln zu verbieten -- den Konvoi-Zwang. Derartige -Bestimmungen findet man in Genua, den Hansastädten, England und Holland -schon im 15. Jahrhundert. Die vielen Kriege machten diese Maßregel immer -notwendiger und führten in einigen Staaten, so in Holland, zu -Bestimmungen über die Mindest-Größe und -Armierung der Handelsschiffe für -gewisse Fahrten; die Regierung verstärkte die Besatzungen durch -Kriegsleute, so z. B. bei den Hansen, und gab besondere Konvoi-Schiffe -oder richtige Kriegsschiffe als Bedeckung mit. Erleichtert und begünstigt -wurde das Zusammensegeln dadurch, daß man nach entfernteren Zielen nur zu -bestimmten Jahreszeiten segelte, namentlich im Norden Europas. Bei der -lange noch mangelhaften Seetüchtigkeit der Schiffe wurden diese hier im -Winter aufgelegt, erst bei günstiger Jahreszeit fuhr man ab. Da war es -denn natürlich, daß -- um ein infolge der Lage des Landes besonders -kennzeichnendes Beispiel herauszugreifen -- von Holland aus im Frühjahr -die Schiffe gemeinsam, zuweilen 800-900 Kauffahrer mit bis zu 50 -Kriegsschiffen Bedeckung, nach der Ostsee aufbrachen und im Herbst -zurückkehrten; die Schiffe, die in die Ozeane sollten, wurden gemeinsam -durch den Kanal geführt und steuerten dann in Gruppen ihren verschiedenen -Zielen zu; von den fernen Ländern Heimgekehrte sammelten sich wiederum, -ehe sie in die engen Gewässer einliefen, gewöhnlich bei der Insel Rhé in -der Biscaya, und segelten unter Bedeckung von Kriegsschiffen -- meist der -Flotte, die die Auslaufenden bedeckt hatte -- heim. Ähnlich war es bei -dem Betriebe der Hochseefischerei, auf deren Fischgründen außerdem -ständig Kriegsschiffe weilten. - -Das Konvoi-Wesen verlor an Wert, als die Schiffe nicht mehr an die -Jahreszeit gebunden waren und die Gefahr vor eigentlichen Seeräubern in -den meisten Gewässern wegfiel. Es hatte ja auch große Nachteile. Der -Handel ertrug nur ungern den Befehl, auf das Zusammenkommen eines Konvois -mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu warten; das Zeit in Anspruch -nehmende Sammeln der Schiffe und die bestimmten Termine der Abfahrten -erleichterten dem Feinde das Abfangen. Zu Ende des 18. Jahrh. hören die -Konvoi-Fahrten auf. - -Die Unsicherheit der Meere zwang also zunächst zur =Bewaffnung= der -=Handelsschiffe=, es kam aber noch ein Grund hinzu. Wir haben gesehen, -daß sich der Handel jenseits der Ozeane nur durch Gewaltmaßregeln -ausbreitete. Die Portugiesen mußten die arabischen Händler vertreiben und -ihren Handel den indischen Eingeborenen aufzwingen, die Spanier mußten -Länder erobern; da beide dann in ihrem Bereich die Alleinherrschaft im -Handel beanspruchten, traten die nachkommenden Nationen dort auch wieder -mit Gewalt auf und befehdeten sich untereinander. Es war dabei -gleichgültig, ob die betreffenden Völker in Europa im Frieden oder im -Kriege lebten. Den Wahlspruch Drakes (Seite 80) erweiternd, sagte man in -England: »Kein Friede gilt unter der Linie« (no peace beyond the line), -d. h. in außereuropäischen Gewässern, und diesem Grundsatze huldigten -auch die andern Völker. Die Seefahrt wurde mithin aus offensiven und -defensiven Gründen bewaffnet getrieben; die =Seefahrer= mußten auch -=Krieger= sein. Die charakteristischsten Figuren sind wohl die englischen -Abenteurer dieser Zeit; sie betrieben Krieg, Raub, Geschäft, Entdeckung -und Kolonisation nebeneinander. - -Dieses Leben erzog wagemutige tüchtige, aber auch rauhe Männer. Wenn die -Seeräuber die Besatzungen genommener Schiffe als Sklaven verkauften oder -über die Klinge springen ließen, so haben es die Spanier in den Gewässern -ihrer Kolonien nicht besser gemacht; kein Wunder, wenn es die Freibeuter -der nordischen Völker mit Gleichem vergalten. Die Achtung von Eigentum -auf See war von alters her gering; von einzelnen der berühmten -Freibeuter, z. B. Drake, wird deshalb besonders hervorgehoben, daß sie -Privateigentum geschont hätten. - -Die Kauffahrteischiffe waren brauchbar auch zu Kriegszwecken, die wenigen -Kriegsschiffe unterschieden sich anfangs kaum von ihnen; auch als diese -häufiger gebaut wurden, ließen sich die Kauffahrteischiffe lange noch -leicht für den Kriegsdienst verbessern. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zweites Kapitel. - - Schiffe, Waffen, Nautik. - -$Die Schiffe von 1492-1648.$[40] In diesem Zeitabschnitt schreitet der -Schiffbau ungemein schnell vorwärts. Das Herausgehen der Seefahrt auf die -Ozeane verlangt größere, see- und segelfähigere Schiffe, die Artillerie, -die von nun ab schnell zur Hauptwaffe wird, führt zu wesentlichen -Änderungen. - - [40] Hauptquellen: Arenhold; Clowes, Teil I; Jurien: »Les marins du XV - siècle«; de Jonge, Teil I; Troude, Teil I; in ihnen, besonders den - beiden ersten, wieder Angaben weiterer, rein technischer Quellen. - - Was hier über die Segelschiffe gesagt wird, gilt für Kriegs- und - Handelsschiffe. Zwar werden in den Staaten des Westens und Nordens - jetzt stehende Kriegsflotten von Segelschiffen gegründet, aber immer - noch greift man im größten Maßstabe auf Kauffahrer zurück, um größere - Flotten im Bedarfsfalle aufzustellen. Man konnte dies auch: Die - Kriegführung bestand meist in einzelnen Schlägen, dann wurden die - aufgebotenen Streitkräfte wieder aufgelöst. Die Handelsschiffe, - besonders die größeren, unterschieden sich immer noch nur wenig von den - meisten Kriegsschiffen. Die Schiffe für große Fahrt mußten, wie wir - sahen (Seite 94, 95), armiert und stark bemannt sein. Um die Armierung - tragen zu können und um im Kampfe widerstandsfähig zu sein, baute man - sie stärker, als rein seemännische Ansprüche erforderten. Leicht waren - sie zum wirklichen Kriegsdienst noch mehr zu verstärken und - einzurichten. Der größte Teil der Kriegsschiffe war nicht größer, nicht - stärker gebaut und nicht wesentlich stärker armiert, viele waren - überhaupt angekaufte Kauffahrer; besonders die Schiffe der großen - Handelskompagnien in der zweiten Hälfte der Periode standen den - Kriegsschiffen kaum nach, trieben diese Institute doch, gestützt auf - ihre Schiffe, gewissermaßen eigene Politik im fernen Auslande. - -Wir sahen, daß zu Ende des Mittelalters die Schiffe mit einer großen Zahl -kleinerer Geschütze armiert waren, die auf dem Deck und in den Kastellen, -bei größeren Fahrzeugen in mehreren Stockwerken, untergebracht waren, daß -man aber auch schon begann, schwerere Kaliber einzuführen. Man stellte -diese folgerichtig auf dem stärkeren, eigentlichen Schiffsdeck auf. Die -so entstehende durchlaufende Batterie wurde durch die darüberliegenden -langen Kastelle fast ganz eingedeckt; sie bildet später den Maßstab für -die Einteilung der Schiffe nach Batterien. Die leichteren Decks der -Kastelle verschwinden wieder bis auf eins und zählen dabei nicht mit. - -Das Bestreben, noch mehr schwere Geschütze an Bord zu haben, besonders -auch für die Breitseiten, führte zu ihrer Aufstellung an verschiedenen -Stellen im Schiffe selbst, wo sie durch in die Schiffswände -eingeschnittene Pforten feuerten (vgl. Skizze Seite 39). Der Einbau eines -zweiten, starken durchlaufenden Deckes war die Folge. Dieses (lowerdeck) -wurde anfangs der Stabilität wegen sehr tief gelegt, um so mehr da man -hier die schwersten Kaliber unterbrachte; es hatte dies den Nachteil, daß -die Geschütze dieser Batterie bei Seegang oder überliegendem Schiff -häufig nicht gebraucht werden konnten, weil die Pforten geschlossen -gehalten werden mußten. - -[Illustration: Englisches Kriegsschiff »Henry Grace à Dieu«.] - -Wir haben Angaben über einige sehr große Kriegsschiffe der Periode, -woraus wir die allmähliche Vermehrung der Artillerie an Zahl und -Kaliberstärke gut ersehen und auch entnehmen können, in welchem Maße die -Gefechtskraft in den Breitseiten wächst. Der englische »=Regent=«, 1489 -vom Stapel, angeblich nach einem französischen Muster, »Colombe«, 600 -tons, gebaut, führte 225 ganz leichte Geschütze -- serpentines, Kaliber -1,5", Geschoßgewicht 1/2 Pfund -- auf dem Hauptdeck und in den Kastellen. -Als Ersatz desselben, er verbrannte 1512 in einem Gefecht bei Brest, -wurde der »=Henry Grace à Dieu=« (im Volksmund »=Great Harry=«) erbaut, -1514 vom Stapel. Seine Armierung bestand aus 13 schwereren Geschützen -(18-Pfünder bis 42-Pfünder) auf einem zweiten, tiefer liegenden Deck und -8 Geschützen (3-Pfünder bis 9-Pfünder) sowie einer sehr großen Anzahl -kleinerer auf dem Hauptdeck und in den Kastellen; Besatzungsstärke 700 -Mann. - - Da dieses Schiff als ein epochemachendes gilt, ähnliche Schiffe aber - auch in anderen Ländern gebaut wurden, z. B. in Frankreich »La - Cordillère«, sei die Armierung näher aufgeführt: 4 bastard cannons - (etwa 42-Pfünder), 3 demi cannons (32-Pfünder), 2 cannons Petro - (24-Pfünder), 4 culverins (18-Pfünder) auf dem zweiten tieferen Deck; 2 - demi culverins (9-Pfünder), 4 sakers (6-Pfünder), 2 falcons (3-Pfünder) - als »schwerere« Geschütze auf dem Hauptdeck -- alles Bronzegeschütze -- - und ferner auf Hauptdeck und in den Kastellen 14 portpieces, 4 slings, - 2 demislings, 8 fowlers, 60 bassils, 2 toppieces, 40 hailshotpieces, - 100 handguns; über das Wesen dieser kleinen Feuerwaffen vgl. Seite 104. - Die Besatzung setzte sich zusammen aus 301 mariners, 50 gunners, 349 - soldiers. - -Auch der Fortschritt der Takelage ist an diesen Schiffen zu erkennen. -Beim »Regent« wird zum ersten Male ein Bramsegel im Großmast erwähnt; wie -die Abbildung auf Seite 97 zeigt, hatte »Great Harry« vier Masten mit -Stängen und Bramstängen, Fock und Großmast mit Mars- und Bramsegeln, 2 -Besahnsmasten mit mehreren Lateinsegeln übereinander. Der Fockmast steht -noch ganz vorn, das Bugspriet führt noch keine klüverartigen Vorsegel, -jedoch ist unter ihm ein großes viereckiges Raasegel hinzugekommen, und -zu seiner Bedienung oder vielleicht noch mehr in Anlehnung an die Form -der Galeren ein weitvorragendes Gallion (siehe auch Bild S. 101) -erschienen. Der zweite Besahnsmast steht ganz hinten, um beim Segeln die -ungünstige Wirkung des großen Gallions sowie des vorstehenden Vorkastells -auszugleichen. - -Kriegsschiffe in dieser Größe gab es aber nur wenige. Die englische -Marine zählte 1522 nur 5 Schiffe über 500 tons -- 550, 600, 650, 800, -1000 --; im Jahre 1548 nur 6 über 500 tons und, einschließlich dieser, -etwa 10 über 400 tons (nach ihrer Größe mit 10-21 schwereren und 40-100 -leichteren Geschützen armiert) in einer Gesamtzahl von etwa 54 -Kriegsschiffen. Die Besatzung betrug bei 1000 tons = 700 Mann, 700 tons = -400, 500-600 tons = 300, 400 tons = 250 Mann. - -Die großen Kriegsschiffe dieser Zeit mit ihrer Anhäufung von Geschützen -in den Kastellen besaßen, wie schon mehrfach angedeutet, nur geringe -Segel- und Seefähigkeit. Ihrer geringen Stabilität wegen konnte die -ohnehin noch unvollkommene Takelage nur niedrig sein; infolge ihrer hohen -und vorragenden Kastelle oben und ihrer plumpen Formen unter Wasser -trieben sie stark und konnten nicht aufkreuzen. So waren sie bei -stürmischem Wetter in besetzten Gewässern sehr gefährdet, im Kanal und -der Nordsee zur Winterzeit bei den langen dunklen Nächten kaum brauchbar. - - Die Segelschiffe überhaupt waren noch so unvollkommen, daß man im - Norden im Winter die Schiffahrt einstellte, daß bis ins 17. Jahrh. - Flotten häufig die Ausführung wichtiger Aufgaben wegen widrigen Windes - oder stürmischen Wetters aufschoben oder fallen ließen, weil sie - gezwungen waren, im Hafen zu bleiben oder dahin zurückzukehren. Die - großen Kriegsschiffe standen in dieser Hinsicht den Kauffahrern und - einfacheren kleineren Kriegsschiffen sogar nach, denn diese -- und zwar - wohl alle unter 700-800 tons -- besaßen nur eine Batterie auf dem - Hauptdeck und niedrigere Aufbauten, hatten somit den Vorteil einer - günstigeren Takelage. Jurien nennt, nach dem Ausspruch eines Autors von - 1643, die größten Schiffe »Schreckgebilde« (épouvantail, Vogelscheuche) - für den Feind, aber selbst sehr gefährdet. - -Die Zahl der großen Kriegsschiffe wächst denn auch aus diesem Grunde im -Norden zunächst sehr langsam, trotz der ungeheueren Zunahme der Seefahrt. -In Spanien und Portugal baute man schon früher weit mehr große Schiffe. -Bei der Armada 1588 befanden sich unter 128 Fahrzeugen, von denen etwa -100 als Kriegsschiffe anzusehen sind, 40 Schiffe über 600 tons gegen 8 -englische unter 34 Kriegsschiffen. Die spanische Seefahrt wurde aber auch -im allgemeinen unter günstigeren Wind- und Wetterverhältnissen, zu -günstiger Jahreszeit nach und von Westindien, betrieben und ihre Schiffe -waren nach Ausspruch von Zeitgenossen mehr für Handels- als Kriegszwecke -geeignet, d. h. schwächer und leichter armiert; allerdings hatten gerade -sie sehr hohe Aufbauten. - -Die englische Marine besaß zu Ende der Regierung Elisabeths 1603 aber -doch schon 2 Schiffe zu 1000 tons und 500 Mann, 3 zu 900 tons und 400 bis -500 Mann, 3 zu 800 tons und 400 Mann, 2 zu 700 tons und 300-350 Mann mit -34-38 schweren Geschützen -- »schwere« immer noch vom 3-Pfünder an -gerechnet -- und bis zu 30 leichten, ferner 8 Schiffe zu 500-600 tons und -250 Mann mit 26-36 schweren und bis zu 24 leichten Geschützen in einer -Gesamtzahl von 42 Kriegsschiffen. Die Fahrzeuge werden von 700 tons -aufwärts zwei Batterien gehabt haben. - -Während der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wurden Verbesserungen -eingeführt, welche die Segel- und Seefähigkeit erhöhten. Die Takelage -wurde wesentlich verbessert: Mars- und Bramsegel wurden größer, die -Stängen zum Streichen eingerichtet; Leesegel traten auf, und auf der -Spitze des Bugspriets erschien ein kleiner Mast mit Raasegel; der -Besahnsmast erhielt Raasegel über dem untersten großen Lateinsegel; der -vierte Mast fiel auch auf den größten Schiffen weg, da er infolge -Änderung des Schiffskörpers entbehrlich geworden war. - -Mit der zunehmenden Verwendung schwererer Geschütze nahm die Zahl der -leichteren ab, wie aus den Angaben für 1603 zu ersehen ist; die -schwereren wurden immer mehr im Schiffsrumpf aufgestellt. Es verschwinden -die mehretagigen und vorspringenden Kastelle, sie gehen als Back -(Vordeck, fore castle) und Halbdeck (Achterdeck, quarterdeck) in den -Schiffskörper über. Vordeck und Halbdeck bleiben armiert und überdecken, -wie es früher die Kastelle taten, die Batterie des Hauptdecks bis auf den -Teil zwischen Fock- und Großmast. Das Heck bleibt noch hoch, da achtern -auf dem Halbdeck meistens eine Kampagne zu Unterkunftszwecken erbaut -wird; nur auf deren Deck und zuweilen auf einem schwachen über der Back -führt man noch ganz leichte Geschütze. Später werden dann oft Vordeck und -Halbdeck an den Schiffsseiten miteinander verbunden, um den Verkehr von -vorn nach hinten sowie die Bedienung der Takelage zu erleichtern. So -entsteht ein volles neues Deck, das Oberdeck (upperdeck) und deckt die -Batterie des Hauptdeckes völlig ein; auf ihm lagern vor dem Großmaste -mittschiffs die großen Boote und die Reserverundhölzer. Das bisher tief -liegende zweite Batteriedeck wird höher gelegt, und gegen das Ende des -Zeitabschnittes erscheint bei den größten Schiffen ein drittes -Batteriedeck (lower deck), das zweite wird dadurch zum Mitteldecke -(middle deck).[41] - - [41] Die Anordnung der verschiedenen Decke zeigt die schematische - Skizze Seite 169. - -Als Beispiele für diese Entwicklung dienen wieder zwei hervorragende -Bauten: »=Royal Prince=« 1610 vom Stapel und »=Royal Sovereign=« 1637; in -ihnen sehen wir die nahezu fertigen Typen der sogenannten =Zweidecker und -Dreidecker=, die fast zwei Jahrhunderte hindurch die Schlachtschiffe -- -Linienschiffe -- bildeten. - - »Royal Prince«: 1187 tons, Kiellänge 115', Breite 43', Tiefe 16', 500 - Mann, 55 Geschütze in zwei gedeckten Batterien und auf dem Halbdeck. - - »Royal Sovereign« (eigentlich »Sovereign of the Seas«); 1683 tons, Kiel - 167', Länge über alles 167-3/4', Breite 48-1/3', Tiefe 19-1/3', 600 - Mann, nominell 100 Geschütze folgendermaßen aufgestellt: - - Unterste Batterie - Breitseite 20 cannons - Bug 4 demi cannons - Heck 4 " " - - Mittel-Batterie - Breitseite 24 culverins - Bug 2 " - Heck 4 " - - Oberste Batterie - Breitseite 24 demi culverins - Bug 2 " " - Heck 2 " " - - Oberdecks-Batterie - Vordeck 10 demi culverins - Halbdeck 8 " " - - Das Schiff wurde 1652 zum Zweidecker rasiert, da es zu rank war. - -Man sieht, daß die kleinen Geschütze -- selbst die kleineren Kaliber, die -früher zu den schwereren gerechnet wurden, 3-6-Pfünder -- verschwunden -sind, jedenfalls sind solche Geschütze bei der Gesamtangabe der Armierung -nicht mehr mitgezählt, in den Quellen wird ihre Zahl gar nicht erwähnt. - -[Illustration: Englisches Kriegsschiff »The Royal Prince«.] - -Im Jahre 1649 besaß die englische Marine: die beiden eben behandelten -Schiffe über 1000 tons; 10 von 800-900 tons, 40-44 Kanonen; 5 von 700 bis -800 tons, 40-50 Kanonen; 10 von 500-700 tons, 30-38 Kanonen, insgesamt 70 -Kriegsschiffe. Die Zahl der großen Schiffe hat also gegen 1603 -zugenommen, aber ihr Verhältnis zur Gesamtzahl ist nahezu dasselbe -geblieben. Die zwei größten Schiffe, zwar sehr viel größer geworden gegen -die 1000 tons-Schiffe von 1603, stehen wieder vereinzelt da; die -Seeeigenschaften sehr großer Schiffe ließen eben immer noch zu wünschen -übrig. Auch die Armierung ist durchweg stärker geworden -- die Kanonen -werden nur noch wie beim »Royal Sovereign« gezählt -- und die vorstehend -aufgeführten Schiffe, also alle über 30 Kanonen, werden Zweidecker -gewesen sein, wenigstens soweit sie in den letzten Jahren erbaut gewesen -sind, was bei den meisten der Fall war. In England wird dies mit dem -zunehmenden Bau von Kriegsschiffen für die Schlachtschiffe Regel. - -[Illustration: Englisches Kriegsschiff »The Sovereign of the Seas«.] - - Im Anfang des nächsten Zeitabschnittes baute man in England noch - kleinere Schiffe, bis zu 20 Kanonen hinunter, als Zweidecker. In - Holland scheint man mit dem Bau von Zweideckern, wie überhaupt mit dem - größerer Kriegsschiffe erst später vorgegangen zu sein, nämlich während - des ersten englisch-holländischen Krieges. 1639 befand sich in Tromps - Flotte nur ein Zweidecker, ebenso wahrscheinlich noch 1652. - - Schiffe mit 30-40 Kanonen hatten bei ihnen nur eine Batterie und das - armierte Oberdeck; dasselbe müssen wir von den größeren Kauffahrern - annehmen, die von beiden Nationen in ihre Flotten eingestellt wurden. - -=So trennt sich der Bau der Kriegsschiffe wesentlich von dem der -Kauffahrer=, indem das Innere des Schiffes zur Aufstellung der Hauptwaffe -in Anspruch genommen wird und für Ladung verloren geht. - -Gleichzeitig begann sich auch ein System auszubilden, das nach der Größe -des Schiffes (Kanonenzahl) für jedes Deck Anzahl und Kaliber, dieses -gleichmäßig in jeder Batterie, festsetzte. Damit war für jedes Schiff der -Gefechtswert gegeben; man begann hiernach die Schiffe in Klassen -einzuteilen und zu erbauen. - - Während man in älteren Zeiten die Kriegsschiffe nach der Schiffsart - bezeichnete -- eine Einteilung von 1576 führt z. B. in England ships, - galeasses, pynasses, roobarges auf --, findet man eine Einteilung nach - der Kraft der Schiffe zuerst in =England= um 1618. Man beschloß in - diesem Jahre, eine Flotte zu halten von: - - 4 Ships Royal zu 800-1200 tons - 12 Great ships " 600- 800 " - 6 Middling ships " 450 " - 2 Small Ships " 350 " - 4 Pinnaces " 80- 250 " - - Der Bestand um 1624 entsprach auch ungefähr diesem Beschlusse, wenn - auch die Klassengrenzen, wohl infolge alter Bestände, nicht genau - innegehalten waren und auch bei Neubauten vorläufig nicht genau - innegehalten wurden. - - Auch für =Frankreich= kennen wir aus dieser Zeit eine Einteilung der - Schiffe nach Klassen; sie ist sogar schon genauer. Hier sind jetzt - schon Anleitungen für Anzahl und Kaliber der Geschütze auf den - verschiedenen Schiffsklassen vorhanden (Troude, Teil I, Introduction). - - =Pinassen= waren große Segelboote, den Küstenfahrzeugen der Zeit - entsprechend; wir werden sie in diesem Zeitabschnitt oft als - Depeschen-, Aufklärungs-Fahrzeuge u. dgl. finden. - -$Galeren und Galeassen.$ Im ersten Abschnitt ist erwähnt, daß die Galere -des Mittelmeeres auch nach 1500 noch selbst im Norden häufiger zur -Verwendung kommt; ihre Entwicklung ist dort bereits abgeschlossen. Aus -der Galere hatte sich, wohl schon gegen Ende des Mittelalters, die -=Galeasse= herausgebildet in dem Bestreben, zahlreichere und schwerere -Artillerie aufstellen zu können. Galerenähnlich, Verhältnis der Breite -zur Länge wie 1: 6, mit 30-50 Riemen je durch 5-8 Mann bedient, mit -200-300 Seeleuten und Soldaten, 600-1000 tons groß, waren die Galeassen -tiefergehend, langsamer und schwerfälliger unter Riemen als die Galeren, -aber weit stärker armiert; man rechnete eine Galeasse als gleichwertig -mit 5 Galeren. Die Geschützaufstellung war dieselbe wie bei den späteren -Galeren: schwere Geschütze besonders vorn und achtern in Kastellen, -leichte auf diesen und zwischen den Riemen. Sie hatten drei Masten mit -Lateinsegeln; zwar sehr rank, segelten sie doch weit besser als die -Galeren und gebrauchten die Riemen vorzugsweise nur im Gefecht; sie -bildeten also gewissermaßen auch einen Übergang zum Segelschiff. Im -Mittelmeer waren sie die Hauptkraft der Flotten. - - Die Galeassen spielen eine wichtige Rolle bei Lepanto. Auch in der - spanischen Armada befanden sich vier Galeassen von Neapel; sie sollen - die weitstärksten Schiffe dieser Flotte gewesen sein. Ihr Flaggschiff - »San Lorenzo« führte 4 Sechzig-Pfünder, 8 Dreißig-Pfünder, 6 - Achtzehn-Pfünder, 6 Neun-Pfünder, 10 Sechs-Pfünder und 16 kleinere - Geschütze, so daß das Gewicht der Chargierung (in späteren Zeiten - Breitseite, broadside, genannt und häufig als Maß der Gefechtskraft - benutzt) 370 Pfund gegen 195 Pfund des größten Segelschiffes des - andalusischen Geschwaders betrug. San Lorenzo hatte eine Besatzung von - 124 Seeleuten, 262 Soldaten und etwa 300 Ruderern. - -Mit der Grundlegung für stehende Marinen[42] beginnt nun auch in den -Ländern, die mit der Vervollkommnung der Segelschiffahrt in den -Vordergrund treten, die Anlage von $staatlichen Werften$. - - [42] Vgl. die späteren Angaben über »Die wichtigsten Marinen«. - -In =Schweden= eilte man in dieser Hinsicht den übrigen Ländern des -Nordens voraus. Schon Gustav Wasa hatte eine Werft in Westerwik -gegründet, bald folgten solche in Stockholm, Kalmar, Helsingfors usw. -Schweden baute im Anfang des 17. Jahrh. vorzügliche große Kriegsschiffe; -es zeichnete sich besonders durch Gießen von eisernen Geschützen aus und -lieferte diese -- wie auch Schiffe -- nach anderen Ländern. - -In =England= wurden auch an den Plätzen, wo wir Ausrüstungsarsenale -kennen gelernt haben, Portsmouth, Woolwich, Deptford, Trockendocks gebaut --- das erste war schon 1496 in Portsmouth fertiggestellt --, aber erst um -die Mitte des 17. Jahrh. waren solche an all diesen Orten vorhanden, -teilweise nun schon mehrere, sowie Plymouth und Chatam hinzugetreten. -Auch sonstige Einrichtungen waren getroffen, so daß die Kriegsmarine -jetzt imstande war, ihre Schiffe in größerem Maßstabe selbst auszurüsten -und zu erbauen. - -In =Holland= beschränkte man sich noch länger auf Ausrüstungsarsenale, -vorzugsweise auf Waffendepots; man hatte hier, was Schiffbau und alle -sonstigen Bedürfnisse anbetraf, genügenden Rückhalt an der -Privatindustrie. Erst zu Ende des 16. Jahrh. machte sich mit dem -gewaltigen Wachsen der Marine und dem zunehmenden Bau größerer Schiffe -das Bedürfnis nach eigenen Schiffbauwerften geltend, und man gründete sie -in den Hauptstädten aller Seeprovinzen. - -In =Frankreich=, wo die Kriegsmarine die geringste Pflege fand und -langehin die größeren Schiffe fast nur aus dem Auslande bezogen wurden, -legte erst Richelieu Schiffbauwerften in Marseille, Brest, Brouage, Havre -und Calais an. - -$Die Waffen.$[43] Die Zeit von 1492-1648 ist auch eine Übergangsperiode -von den alten Waffen zu den neuen. - - [43] Hauptquelle: Clowes, Teil I, für englische Verhältnisse. Angaben - in Troude, Teil I, »Introduction« Seite 62 und in de Jonge, Teil - I, Seite 279 über französische und holländische Verhältnisse - bestätigen die nachstehenden Auslassungen als allgemein - zutreffend. - -Als zu Ende des Mittelalters infolge Erhöhung der Kastelle und der -Anbringung von Etagen und Pforten in diesen mehr Geschütze aufgestellt -werden konnten, waren es zunächst nur kleinere: Der große und starke -»=Regent=«, gebaut 1489, führte zwar 225 Geschütze, aber nur -Feldschlangen (serpentines) von 1,5" Kaliber = 1/2-Pfünder. Mit -Verlängerung der Kastelle, Einführung eines zweiten Decks und von Pforten -im Schiffsrumpf selbst tritt allmählich die Verwendung schwerer Geschütze -auf: der »=Great Harry=«, gebaut 1514, führt 21 schwerere Kanonen, zu -denen allerdings noch alle über 2-1/2" Kaliber = 3-Pfünder, gerechnet -werden, und daneben 130 leichtere. - -Noch immer werden vielfach die alten Wurfgeschütze, Bogen und Armbrüste, -neben den Feuerwaffen verwendet; in der Ausrüstung des »Great Harry« sind -z. B. 500 Bogen mit Zubehör und Reserveteilen aufgeführt. Trefffähigkeit -und Bedienung der Pulvergeschütze ließ noch viel zu wünschen übrig, -besonders die Bedienung. Unvollkommene Lafettierung -- Lagerung in -Blocklafetten und noch ursprünglicherer Art -- machte das Richten -schwierig und ungenau; die Rohre, namentlich die leichteren, waren sehr -lang; ein Grund, weshalb man an Bord der bequemeren Bedienung -wegen länger als am Lande die aus zwei Stücken bestehenden -Hinterlade-Kammergeschütze verwendete. - - Einen Beweis für die schwierige Bedienung der Geschütze sowie für die - geringe Rolle, die die Artillerie noch in der ersten Hälfte des 16. - Jahrh. spielte, liefert die Äußerung eines militärischen Zeitgenossen. - Er hebt hervor, daß in einem Gefecht zwischen Engländern und Franzosen - 1545, wobei 200 Schiffe engagiert waren, »innerhalb zweier Stunden - nicht weniger als 300 Schuß von beiden Flotten abgegeben seien.« Es - würde dies, selbst wenn man es nur auf die damals schwereren Geschütze - bezieht, höchstens 2-3 Schuß für das Geschütz ergeben. - -Diese erste Zeit der Artillerie weist, wie aus der Armierung des »Great -Harry« zu ersehen ist (Seite 97), eine große Zahl verschiedener -Geschützarten auf. Es war auch noch nicht gebräuchlich, diese nach -einheitlichem System zu benennen; die später übliche, nach dem -Geschoßgewicht, konnte noch nicht benutzt werden, da man verschiedenes -Geschoßmaterial hatte: Stein, Eisen, Blei. Die beim »Great Harry« -aufgeführten schwereren Kaliber finden wir auch später noch vor. Von den -leichteren bedeuten: fowlers und portpieces = kurze leichte Waffen mit -Kammer; slings, demislings und toppieces = ganz leichte auf Pivots -aufgestellte; hailshotpieces feuerten Ladungen von kleinen Würfeln; -handguns waren Handwaffen mit Pivot oder Gabel. - -Von der Mitte des 16. Jahrh. an nimmt die Verwendung der schwereren -Geschütze zu, und die alten Wurfmaschinen verschwinden. Die Kammern waren -wegen ungenügenden Verschlusses schon bei den stärkeren Kalibern, die -meist aus Bronze gegossen wurden, weggefallen, jetzt gab man sie auch bei -den leichteren, vorwiegend eisernen Kanonen auf; auch der Gebrauch von -Steingeschossen verschwindet. Die Rohre werden im allgemeinen kürzer, die -Bedienung wird auch sonst erleichtert durch Einführung von Radlafetten -und Kartuschbeuteln aus Zeug oder Papier. Die verschiedenen Arten der -Geschütze, an Zahl weit geringer geworden, erhalten Namen, die bei allen -Nationen ziemlich gleich lauten. - - Um 1580 waren die gebräuchlichsten Geschütze in England folgende - (Clowes, Teil I, Seite 411): - - =====================+===========+================+================== - | | Geschoßgewicht | - =Name= |(In Zollen)| also annähernd | Mehlpulverladung - | Kaliber | Pfünder | - =====================+===========+================+================== - Cannon Royal[44] | 8-1/2 | 66 | 30 - Cannon[44] | 8 | 60 | 27 - Cannon Serpentine[44]| 7-1/2 | 53-1/3 | 25 - Bastard Cannon | 7 | 41-1/4 | 20 - Demi Cannon | 6-1/2 | 30-1/4 | 18 - Cannon Pedro[45] | 6 | 24-1/4 | 14 - Culverin | 5-1/2 | 17-1/3 | 12 - Basiliko | 5 | 15-1/4 | 10 - Demi Culverin | 4-1/2 | 9-1/3 | 8 - Bastard Culverin | 4 | 7 | 6-1/4 - Saket | 3-1/2 | 5-1/3 | 5-1/3 - Minion | 3-1/4 | 4 | 4 - Falcon[46] | 2-1/3 | 3 | 3 - Falconet | 2 | 1-1/4 | 1-1/4 - Serpentine | 1-1/2 | 1/3 | 1/3 - Robinet | 1 | 1/2 | 1/2 - =====================+===========+================+================== - - [44] Die drei ersten Arten scheinen an Bord nicht verwendet zu sein. - - [45] Der Name ist verdorben aus Cannon pierrier, d. h. ursprünglich für - Steingeschosse bestimmt. - - [46] Bis zum Falcon einschließlich werden die Geschütze noch bis gegen - Ende dieses Zeitabschnittes zu den schwereren gerechnet. - - Französische Angaben stimmen hiermit nahezu überein; nach holländischen - Angaben führten holländische Schiffe um 1587 nur Geschütze bis zum - 13-Pfünder, wahrscheinlich Basiliko, und erst um 1616 sehr vereinzelt - 36-Pfünder, einige 24-Pfünder, viele 18-Pfünder, meist jedoch - 12-Pfünder und 8-Pfünder; auch im nächsten Abschnitt steht Holland in - der Kaliberstärke zurück. - -Diese Arten der Geschütze bleiben lange bestehen, aber sehr verschiebt -sich bei ihrer Verwendung an Bord das Verhältnis der schwereren Kaliber -zu den leichteren. Die über die größeren englischen Schiffe um 1548 -gemachte Angabe zeigt noch ein Verhältnis der schwereren zu den -leichteren Geschützen von 1: 5, ähnlich wie beim »Great Harry«, bei den -kleineren Schiffen stellt es sich noch ungünstiger. In der Angabe für -1603 überwiegen schon die schwereren, aber zu ihnen sind noch immer alle -vom 3-Pfünder (falcon) aufwärts gerechnet. Beim »Royal Sovereign«, gebaut -1637, sind unter den 104 Geschützen nur solche von der Demi culverin -(8-Pfünder oder 9-Pfünder) aufwärts verstanden und dahin sind auch die -Geschützangaben über die englischen Schiffe um 1649 zu verstehen. Die -Artillerie, und zwar die mittlere und schwere, ist Hauptwaffe geworden; -es ist auch schon, wie das angezogene Beispiel zeigte, ein gewisses -System in der Aufstellung der verschiedenen Kaliber an den verschiedenen -Stellen im Schiff vorhanden, in Frankreich waren sogar um diese Zeit -schon Bestimmungen für die verschiedenen Schiffsgrößen erlassen (vgl. -Troude, Teil I, Introduction). - -Auch die verbesserten und leichter gewordenen =Handfeuerwaffen=, Musketen -und Haken, hatten die Bogen, deren größere englische Schiffe zur Zeit der -Armada (1588) noch 300 führten, verdrängt; die an Bord die freie Bewegung -hindernden Schutzwaffen, Helme, Harnische und Schilde, waren weggefallen. - -Die im Mittelalter schon erwähnten =Brander=, Schiffe mit leicht -brennbaren Stoffen gefüllt, erscheinen in diesem Zeitabschnitt häufiger -und werden auch zuweilen mit Erfolg verwendet (z. B. in der -Armada-Campagne); wir gehen im nächsten Abschnitt, ihrer -Hauptverwendungszeit, näher auf sie ein. - -$Die Nautik.$ Im 16. und im Anfang des 17. Jahrh. werden endlich -wesentliche Fortschritte in der Nautik gemacht. Um 1537 entwarf Gerhard -Kremer (=Mercator=) die erste Karte nach der nach ihm benannten -Projektion und ließ 1569 eine Weltkarte in dieser folgen. Vom Ende des -Jahrhunderts an wurden die =runden Seekarten= an Bord der Schiffe an -Stelle der platten allgemein, auch erscheinen in ihnen die Kompaßrosen -zum leichteren Absetzen; 1573 werden zuerst =Log und Logglas= zum Messen -der Fahrt erwähnt. - -Zahlreiche =Lehr- und Handbücher= sowie Hilfstabellen für die praktische -Navigation erscheinen, Clowes, Teil I, Seite 402, führt eine große Anzahl -davon an; seit Anfang des 17. Jahrh. führt man bei nautischen -Berechnungen die Anwendung der Logarithmen ein. Astrolab und Jakobsstab -werden weiter verbessert. 1594 erfand John Davis den =Davisquadranten= -(backstaff), der schnell die beiden älteren Instrumente verdrängte, -wenigstens auf größeren Schiffen, und bis zur Erfindung des ersten -Spiegelinstrumentes (Hadleys Spiegeloktant 1731) im allgemeinen Gebrauch -verblieb. 1590 wurde das =Fernrohr= erfunden und schnell auf den Schiffen -eingeführt. Die =Mißweisung= der Magnetnadel war schon von Kolumbus -beobachtet, doch maß man ihr lange Zeit keine Bedeutung bei, was -natürlich sehr nachteilig für die Besteckführung war. - -Völlig im argen lag aber noch die =Längenbestimmung= auf See. Der schon -um 1530 von einem Gelehrten gemachte Vorschlag, durch Vergleich der -beobachteten Ortszeit mit einer vom Lande mitgenommenen die Länge -festzustellen, war wegen Ungenauigkeiten der Uhren noch lange nicht -ausführbar. Für Beobachtungen von Monddistanzen, auch schon um 1500 von -Werner von Nürnberg vorgeschlagen, waren die Winkelinstrumente vorläufig -noch nicht genau genug. Diese einigermaßen sichere Methode brach sich -erst nach und nach Bahn. Die erste Längenbestimmung auf See nach -Monddistanzen soll 1580 von einem Spanier, die zweite 1615 von W. Baffin, -dem Lotsen und Beschreiber einer Reise der »Discovery« nach der -Hudsonstraße, gemacht sein. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Drittes Kapitel. - - Die Seekriege von 1492-1648. Kampfweise und Taktik. Die wichtigsten - Kriegsmarinen. - - Die Seekriege von 1492-1648. - -Dieser Zeitabschnitt ist ganz besonders in Hinsicht auf die Kriegführung -zur See eine Übergangsperiode zu nennen. - -=Was muß man unter einem Seekriege= -- unter wissenschaftlich betriebener -Kriegführung zur See -- =verstehen=? Einen Krieg, der ganz oder doch -wesentlich durch Erfolge zur See entschieden wird. - -Es kann dieser Fall nur eintreten, wenn große Interessen der Gegner auf -der See liegen. Diese Interessen können darin bestehen, daß das Meer -notwendig ist als Marschstraße, um den Krieg in des Feindes Land zu -tragen, später um die Verbindung mit dem eigenen Lande aufrecht zu -erhalten, also zur Unterstützung des Landkrieges, oder darin, daß für -einen oder beide Gegner von der freien Benutzung des Meeres der Wohlstand -des Landes, vielleicht gar seine Lebensfähigkeit oder doch die -Möglichkeit zur weiteren Durchführung des Krieges abhängt. Im ersten -Falle gleicht das Meer also den Marschstraßen und den rückwärtigen -Verbindungen des Landkrieges, im zweiten ist es ein Angriffsfeld mit den -auf ihm schwimmenden Gütern als Angriffsobjekten. - -Eine wissenschaftliche Kriegführung zur See muß sich nun, um -durchschlagende Erfolge -- sei es im ersten, sei es im zweiten Falle -- -zu erzielen, in der Offensive die Aufgabe stellen, planmäßig die -=Herrschaft auf dem Meere= zu erringen und, zeitlich wie örtlich, voll zu -behaupten, in der Defensive, letzteres wenigstens zu vereiteln. Eine -solche Kriegführung kann nur eintreten, wenn die dazu geeigneten -Streitmittel vorhanden sind; sie wird, was die Bedrohung des Wohlstandes -des Gegners anbetrifft, nur gewählt werden, wenn die Bedingungen dazu -gegeben sind. Damit finden wir die Erklärung, weshalb bislang von keinen -großen Seekriegen im angedeuteten Sinne oder doch nur von Ausnahmen in -beschränktem Maße die Rede sein konnte. - -Als solche Ausnahmen kann man mehrere Kriege im Altertum und auch -einzelne im Mittelalter (die der italienischen Städte) ansehen; ihre -Beschränkung liegt darin, daß wir in ihnen wenig von »planmäßiger -Unterbindung« des feindlichen Handels hören, vorzüglich aber darin, daß -die Ruderkriegsschiffe dieser Zeiten nicht imstande waren, längere Zeit -die See zu halten, und somit eine errungene Seeherrschaft nicht dauernd -behaupten und ausnutzen konnten. Auch die Segelschiffe des Mittelalters -waren hierzu noch nicht fähig, und bei den Völkern des Nordens und des -Westens kam der Kampf um freie Benutzung des Meeres zu Handelszwecken -noch nicht in Frage, denn die Schiffahrt war noch an und für sich gering -und für den Handel und damit für die Förderung des Wohlstandes der Länder -noch keine Lebensfrage; Brandschatzungen an der Küste schädigten den -Feind mehr und brachten reichere Beute als das Aufbringen von -Handelsschiffen. So zeigte uns denn die bisherige Kriegführung vorwiegend -Expeditionen über See zwecks Eroberungen oder Brandschatzungen, denen mit -wenig Ausnahmen weder von seiten des Angreifers eine Sicherung der -Herrschaft über das Meer vorhergeht, noch von seiten des Angegriffenen -ein planmäßiger Widerstand entgegengesetzt wird. Von Ausnutzung größerer -Erfolge, insbesondere zur Behauptung einer für den Augenblick errungenen -Seeherrschaft, ist fast nie die Rede; im Gegenteil sehen wir meist ein -geglücktes Unternehmen sofort von gegnerischer Seite ebenso glücklich -erwidert. Auch die Unternehmungen gegen den feindlichen Handel sind mehr -nebensächlich, häufig privater Natur mit dem Charakter der Freibeuterei. -Kaum anders spielen sich die Kriege der ersten Hälfte dieses -Zeitabschnittes ab, in der zweiten aber bereitet sich ein Umschwung vor, -als der Seehandel überall bedeutend zugenommen hatte, der Handel auf den -Ozeanen hinzugetreten und auch die Leistungsfähigkeit der Segelschiffe -gesteigert war.[47] - - [47] Vgl. Colomb, Kapitel I und II, deren Inhalt später genauer - angegeben wird. Colomb nennt die ältere Kriegführung bezeichnend - »Crossraiding«. - -$Kriege im Ostmittelmeer.$[48] Die =Türken= sind zwar keine seefahrende -Nation, aber unter kräftigen Herrschern haben auch ihre Seestreitkräfte -viel geleistet. Ende des Mittelalters, nach der Eroberung von -Konstantinopel, schufen sie eine Flotte und begannen die Bekämpfung der -Abendländer im Ostmittelmeer. Schon bis 1500 verlor Venedig eine Anzahl -wichtiger Positionen dort (1479 Argos, Negroponte, Lemnos; 1500 Modon und -Koron). 1522 vertrieb =Soliman= II. (1520-1566) den Johanniterorden von -Rhodus. Unter diesem größten Sultan war die türkische Marine auf ihrer -höchsten Macht, ihre Kriegs- und Raubzüge dehnten sich bis zu den Küsten -Italiens und Spaniens aus, sie unterwarf die Barbareskenstaaten, ja sie -focht auf seiten Franz' I. gegen Karl V., und auch in Indien haben wir -sie als Gegnerin der Portugiesen getroffen (Seite 64). Venedig verlor in -späteren Kriegen, 1540 verbündet mit Karl V., noch weitere wichtige -Punkte. - - [48] Quellen für Kriege im Mittelmeer: du Sein; The Ship; Jurien: - »Doria«, »Lepanto«, »Chevaliers de Malte« (darin die Belagerung - der Stadt durch die Türken); Manfroni; Roncière, sobald - fortgesetzt. -- Genaue Angaben über Gefechte usw. dieser Zeit sind - sehr spärlich. - -Wenn auch Malta, 1565 durch den Großmeister =La Valette= glorreich -verteidigt, dem türkischen Ansturm widerstand, ebenso wie das -venetianische Korfu, und die türkische Flotte 1571 bei =Lepanto= (siehe -Seite 144) durch die vereinten Streitkräfte Karls V., des Papstes und -Venedigs völlig geschlagen wurde, so blieb sie doch noch lange eine -furchtbare Macht, bis sie allmählich mit dem Rückgang des osmanischen -Reiches verfiel. Trotz des großen, aber nicht ausgenutzten Sieges bei -Lepanto verlor =Venedig= noch 1573 Cypern und trat von nun an politisch -zurück, auswärtige gefährliche Unternehmungen und Verwicklungen -vermeidend; erst um die Mitte des 17. Jahrh. entspann sich ein neuer -Krieg mit den Türken um Kreta. - -$An sonstigen Kriegen im Mittelmeer$ sind zu nennen zahlreiche Kämpfe -Frankreichs, Spaniens und der deutschen Kaiser, diese letzten beiden -Mächte unter Karl V. vereint, um Interessen in Italien: die Feldzüge -Karls VIII. und Louis' XII. von Frankreich nach Neapel, die Kriege Karls -V. und Philipps II. gegen Franz I. und Heinrich II., in denen -französische, spanische Flotten, solche der italienischen Städte, auch -türkische als Verbündete der Franzosen Verwendung fanden. Unternehmungen -aller genannten Staaten gegen die Barbaresken traten hinzu. Als berühmte -Flottenführer der ersten Hälfte des 16. Jahrh. sind =Andreas Doria= auf -kaiserlicher Seite, =Barbarossa= (eigentlich Horuk) sowie sein Bruder -Cheir-Eddin -- die ersten türkischen Herrscher von Algier und Tunis und -berüchtigte Seeräuber -- auf türkischer Seite anzuführen. Größere -Ereignisse fallen dann erst wieder in das Ende dieses Zeitabschnittes, -als Frankreich unter =Richelieu= 1635 in den Dreißigjährigen Krieg -eingriff und damit auch den Krieg gegen Spanien eröffnete, der noch nach -dem Westfälischen Frieden bis zum Pyrenäischen Frieden 1659 fortdauerte. -(Siehe Abschnitt III, Nebenkriege 1654-1665.) - -In allen diesen Kriegen spielen aber die Flotten nur eine untergeordnete -Rolle, und die Seegefechte usw. bieten nichts Besonderes. Nicht zu -unterschätzen ist der andauernde Kampf gegen die Raubstaaten, den auch -England und Holland bald aufnahmen; er war eine Schule für die Seeleute -aller Völker. - -$In der Ostsee$[49] wurde eine Reihe von Kriegen geführt, deren Studium -lohnend sein dürfte; wenn in ihnen auch noch nicht planmäßig um die -Beherrschung der See in erster Linie gekämpft wird, so hatte doch mit die -Frage um die Vorherrschaft in diesem Binnenmeere den Anlaß dazu gegeben. -Die Blütezeit der =Hansa= war, wie schon im Abschnitt Mittelalter -erwähnt, die Zeit der Kämpfe der nordischen Staaten, die durch das -Bestreben Dänemarks, diese unter seiner Führung zu vereinigen -(Kalmarische Union), hervorgerufen wurden. Diesem Bestreben stand die -Hansa im eigenen Interesse entgegen, sie unterstützte daher Schweden und -mischte sich in die inneren Wirren Dänemarks, wo es ihr Vorteil -versprach. Ihr politischer Höhepunkt war erreicht, als 1524 der -Bürgermeister von Lübeck, =Thomas von Wickede=, gewissermaßen die Kronen -des Nordens an Friedrich von Holstein und Gustav Wasa austeilte, wodurch -er der Kalmarischen Union ein Ende machte und von beiden Fürsten die -weitestgehenden Handelsvorrechte erhielt. Nun aber machte die innere -Entwicklung der nordischen Staaten große Fortschritte, ihr Seewesen lebte -wieder auf, und es begann ein Kampf um die Vorherrschaft in der Ostsee, -zunächst zum Nachteil der Hansa. Schon 1534, als Lübeck unter -Bürgermeister Wullenweber wiederum Partei in einem Thronfolgestreit -Dänemarks, der =Dreigrafenfehde=, genommen hatte, standen ihm Dänemark -mit Schleswig-Holstein und Schweden gegenüber, während es selbst nur von -wenigen Städten unterstützt war. Die lübische Flotte wurde 1535 an der -fünenschen Küste vernichtet. Die Städte mußten froh sein, einen Teil der -früheren Zugeständnisse zu behalten; von hier datiert, in Verein mit den -früher angezogenen Gründen (vgl. Seite 78), der Niedergang der Hansa. - - [49] Quellen: Wie beim Mittelalter (Seite 44); es tritt hinzu für die - dänische Marine: Garde und Nauticus 1902. - -Es folgen die Kämpfe =Dänemarks= und =Schwedens= um die Herrschaft in der -Ostsee, um die noch zu Dänemark gehörenden Provinzen Schwedens, um das -Erbe des gegen Ende der fünfziger Jahre zusammenbrechenden preußischen -Ordensstaates, das die Nordstaaten sowie Polen und Rußland an sich reißen -wollten. Schweden war glücklich in seinen Kriegen gegen Rußland und -Polen, befestigte seine festländischen Besitzungen in Finnland und -erweiterte sie durch Esthland, aber zur See war Dänemark die stärkere -Macht. Hier hatte man zuerst Wert auf eine Marine gelegt. In dem ersten -Kriege zwischen beiden Ländern, dem =Dreikronenkrieg= 1563-1570, nahm -zwar auch die schwedische Marine unter Erich XIV. einen Aufschwung und -leistete wichtige Dienste; sie verfiel aber noch während des Krieges -unter Erichs Nachfolger, obgleich sie doch jetzt gerade zur Verbindung -mit den festländischen Besitzungen notwendig war, und Dänemark blieb 1570 -im Besitz der schwedischen Südprovinzen sowie der wichtigen Inseln Ösel -und Gotland. Damit beherrschte es die Ostsee und den Eingang in diese; -der ganze Seeverkehr Schwedens ging durch dänische Gewässer. Die -Überlegenheit der dänischen Flotte, unter Christian IV., war weiter -entscheidend durch Unterstützung des Landkrieges in dem =zweiten Kriege= -1611-1613 um die strittigen Provinzen; teuer mußte Schweden den Frieden -erkaufen, und die eben erst gegen Dänemarks Sundherrschaft erbaute -Festung Göteborg ward zerstört. - -Die Seeherrschaft Dänemarks, das um 1630 eine der größten stehenden -Flotten Europas besaß, dauerte bis 1645. Sie hatte sich auch im -Dreißigjährigen Kriege (Niedersächsisch-dänischer Krieg 1625-1630) dem -Kaiser (Wallenstein) gegenüber geltend gemacht. Inzwischen hatte Gustav -Adolph während seiner glücklichen Kriege gegen Rußland, durch die er -dieses Land für lange Zeit von der See abschnitt (Eroberung von -Ingermanland usw.), und gegen Polen (Eroberung von Livland) die -schwedische Flotte nach dem Vorbild der dänischen ausgebaut. Wenn sie -auch während dieser Kriege und im Dreißigjährigen Kriege nur für -Erhaltung der rückwärtigen Verbindungen von Bedeutung war, so stellte sie -nunmehr doch im Vereine mit den schwedischen Eroberungen an den Ost- und -Südküsten (hier in Pommern usw.) der Ostsee die Seeherrschaft Dänemarks -in Frage; ein =neuer schwedisch-dänischer Krieg= 1643 war die Folge. In -diesem wurde Dänemark, vom Kaiser unterstützt, zu Lande geschlagen -(Gallas, Torstenson). Die schwedische Flotte, verstärkt durch eine -holländische, schützte das wiederum angegriffene Göteborg und führte der -dänischen schwere Verluste zu, wenn diese auch heldenmütig widerstand und -auf den dänischen Inseln geplante Landungen abwehrte (Sieg auf der -Colberger Heide 1644). - - Bezeichnend für die Verhältnisse der Zeit ist, daß die 20-30 Segel - starke holländische Hilfsflotte nur ein staatlich konzessioniertes - Privatunternehmen war; als Staat wollte Holland gegen das bisher zur - Unterdrückung der Hansa mit ihnen meist verbündet gewesene Dänemark - nicht auftreten. - -Im Frieden von Brömsebro 1645 trat Dänemark Ösel und Gotland ab, mußte -den Zoll bei Rügen und in der Elbe aufgeben und den Schweden die -Befreiung vom Sundzoll zugestehen. Als der Westfälische Friede an -Schweden nun Bremen und Verden außerhalb der Ostsee überwies, ihm Wismar -und Pommern sicherte, war die Herrschaft Dänemarks über die Ostsee -gebrochen. - -Wie die Kämpfe mit den Raubstaaten im Süden, so bezeichnet Jurien de la -Gravière diese großen Seekriege in der Ostsee als eine Schule für die -Seeleute der Zeit, was um so zutreffender ist, als sie mit großen, -wirklichen Kriegsschiffen ausgefochten wurden (vgl. Seite 148 »Angaben -über die wichtigsten Marinen«). - -$Englands und Frankreichs Kriege$[50] können wir kurz betrachten. Die bei -den Kriegen im Mittelmeer angeführten politischen Verwicklungen waren -auch im Norden von Einfluß. Mehrfach sehen wir England auf der Seite der -Gegner Frankreichs, zuweilen mit spanisch-niederländischen -Seestreitkräften vereint, so 1512 auf seiten der ersten heiligen Liga, -1522-1525 und 1544-1546 auf seiten Karls V., 1556-1559 mit Philipp II. -(St. Quentin). - - [50] Quellen: du Sein, Clowes und andere Spezialwerke der beiden - Marinen. - -Es folgen die Kriege Englands mit Schottland um Thronfolgefragen, die -sich durch das ganze 16. Jahrh. hinziehen und worin Frankreich die -katholische Partei in Schottland unter der Hand oder in erklärtem Kriege -unterstützt. Von 1562-1628 treten die Hugenottenkriege in Frankreich -hinzu, worin umgekehrt England auf seiten der Protestanten erscheint, -namentlich bei den letzten Kämpfen um La Rochelle. Alle diese Kriege -zeigen uns eine fast ununterbrochene Tätigkeit von Seestreitkräften aber -nur im alten Sinne: Truppenüberführungen, Belagerungen und Blockierungen, -Brandschatzung von Küstenstrichen, gelegentliche Seegefechte. Bald ist -die eine, bald die andere Partei kurze Zeit Herrin der See, aber -glückliche Unternehmungen der einen werden fast immer von der anderen -prompt erwidert. - - =Als wichtigere Ereignisse= seien aufgeführt: 1513 eine größere - englische Expedition gegen Brest, wobei die französische Flotte vor dem - Hafen geschlagen wird; auf beiden Seiten werden Galeren verwendet, zum - ersten Male waren solche der französischen Mittelmeer-Galerenflotte - nach dem Atlantik gezogen. 1522 wurde bei Brandschatzungszügen die - englische Flotte durch kaiserliche, niederländische, Schiffe - unterstützt. 1544 nahm England Boulogne mit Hilfe der Flotte. 1545 - sandte Frankreich als Erwiderung eine Flotte von 150-200 Segeln, - darunter 25 Mittelmeergaleren, gegen Portsmouth. Die dort befindliche - englische Flotte von 60 Schiffen wurde kurze Zeit blockiert, Wight und - die Küste bis Dover gebrandschatzt, worauf man zur Belagerung von - Boulogne zurückging. Vier Wochen später folgt die jetzt 100 Segel - starke englische Flotte; bei Wight kommt es am 15. August zum Gefecht, - worin die Franzosen siegen, obgleich sich die Galeren bei Wind und - Seegang nicht bewähren. Trotz dieses Sieges unternimmt die englische - Flotte am 2. September einen erfolgreichen Einfall an der Küste der - Normandie. 1547 wirft eine französische Flotte 6000 Mann nach - Schottland und holt die junge Königin Maria Stuart nach Frankreich zur - Erziehung und (1558) Vermählung mit dem Dauphin. 1549 wird noch auf See - um Boulogne gefochten, 1550 die Stadt an Frankreich zurückgegeben. - - 1554 kam Philipp II. nach England, um die Königin zu heiraten. Es ist - schon damals kennzeichnend für die Ansprüche Englands auf Oberhoheit in - seinen Gewässern, daß der zur Einholung entgegengesandte Lord - Highadmiral den König durch einen scharfen Schuß zwang, den geforderten - Flaggengruß zu geben. - - 1558 geht =Calais=, der letzte Platz Englands auf dem Festlande, durch - einen Handstreich des Herzogs von Guise verloren. - - Die Ereignisse der =Hugenottenkriege= im 16. Jahrh. sind von wenig - Bedeutung, mehr die späteren, in denen die seemächtige Stadt =La - Rochelle= das Hauptbollwerk der Hugenotten ist. 1622 fand eine Schlacht - vor der Stadt, bei St. Martin de Ré, zwischen einer königlich - französischen und einer Hugenottenflotte statt; 1627-1628 wurde die - Stadt unter persönlicher Leitung Richelieus belagert. Drei große - Entsatz-Expeditionen Englands wurden abgeschlagen; La Rochelle, und - damit die Sache der Hugenotten, fällt durch Abschneiden von der See - mittels Blockade und Aufschüttung eines Deiches. - - Aus der Geschichte der =französischen Marine= sei noch ihre erste - größere Seeschlacht auf dem Ozean erwähnt. Als sich Spanien 1580 - Portugals bemächtigt hatte, sandte Frankreich eine Flotte von 60 - Schiffen unter Admiral Strozzi nach den =Azoren= zur Unterstützung des - dorthin geflohenen portugiesischen Kronprätendenten Dom Antonio, - vielleicht wohl auch, um nach englischem Beispiel die Silberflotte - abzufangen. Hier wurde diese von 50 spanischen Schiffen und 12 Galeren - völlig geschlagen und verlor 8 Schiffe und viele Leute; die Spanier - ließen alle Gefangenen als Piraten über die Klinge springen. Die - Franzosen schreiben die Niederlage der schwereren Armierung der - Spanier, der Ungeschicklichkeit und der Indisziplin der eigenen - Seeleute, namentlich nach dem Tode des Admirals, zu. - -Eingehender müssen wir die $Kriege Englands und Hollands gegen Spanien$ -behandeln, denn gerade sie geben diesem Zeitabschnitt den Charakter der -Übergangsperiode zu einer neuen Kriegführung zur See. - -Beim Ausbruch des =Aufstandes der Niederlande=[51] (1566) hatten sich -seebefahrene Bewohner Nordhollands und Seelands auf die See geworfen -(=die Wassergeusen=), um Spanien durch Aufbringen seiner Handelsschiffe -Abbruch zu tun. Sie waren mit Kaperbriefen =Wilhelms von Oranien= -versehen und verkauften die Prisen im Auslande, namentlich in England, -waren aber nach Sitte der Zeit nicht sehr wählerisch und arteten ohne -Ordnung und Kriegszucht zu Piraten aus, so daß ihnen bald die -ausländischen Häfen geschlossen wurden. Notgedrungen scharten sie sich -nun unter einem Oberbefehlshaber, =Graf Wilhelm von der Mark=, zusammen -und suchten einen Stützpunkt an der niederländischen Küste; 1572 nahmen -die niederländischen Seeleute =Briel= an der Maasmündung und legten -hiermit den Grundstein zur Befreiung ihres Vaterlandes. - - [51] Hauptquelle: de Jonge, Teil I, S. 121 ff. mit Angabe weiterer - holländischer Spezialquellen. - -Während des weiteren Verlaufes des Befreiungskrieges waren die immer mehr -wachsenden Seestreitkräfte der Niederlande von größtem Nutzen. Sie -schädigten den feindlichen Handel und trugen dadurch gleichzeitig zur -Beschaffung der Geldmittel für den Krieg bei, sie unterstützten -Belagerungen und Verteidigungen von Städten am Meer oder an Flüssen; -berühmt ist der =Entsatz Leydens= durch die Fahrzeuge der Geusen, nachdem -man die Deiche durchstochen hatte, um bis zur belagerten Stadt zu kommen. -Sie schlugen selbst mächtige spanische Flotten in den Küstengewässern -- -schon in den ersten zwei Jahren drei bis zu 50 großen Seeschiffen starke --- und gewannen damit die Herrschaft in diesen Gewässern; auch später -entsandte spanische Geschwader wurden besiegt. Die Flotte der -Aufständischen wuchs schnell an Zahl, doch waren die Schiffe nur 50-250 -tons groß. Es war dies aber ein Vorteil den großen Fahrzeugen des Feindes -gegenüber, denn in den ersten Jahrzehnten (bis zur Armada 1588) wurde der -Krieg zu Wasser nur auf den Flüssen, den Meerbusen und zwischen den der -Küste vorgelagerten Bänken geführt. - -Ungefähr seit Beginn des niederländischen Aufstandes bereitete sich auch -der =Zusammenstoß Englands und Spaniens= vor. Gründe für ihn waren seit -der Thronbesteigung Elisabeths genügend vorhanden, obwohl um 1558 noch -beide Nationen vereint gegen Frankreich (z. B. bei St. Quentin) fochten. -Schon der Versuch Englands, seit den sechziger Jahren, in den auswärtigen -Gewässern und Kolonien Spaniens Fuß zu fassen, die dadurch -hervorgerufenen Gewalttaten gegen den spanischen Handel und die -Niederlassungen, mußten auf der geschädigten Seite Empörung erregen. -Wichtiger noch war die schroffe Stellung der beiden Staatshäupter -zueinander in der großen Weltfrage der Zeit: Philipp II. als fanatischer -Führer der Gegenreformation, Elisabeth als Schützerin der Protestanten -stießen überall zusammen. =Elisabeth= unterstützte ebenso wie die -Hugenotten in Frankreich und die protestantische Partei in Schottland -auch die aufständischen Niederländer, wenn auch vorläufig nur unter der -Hand, besonders durch bereitwillige Aufnahme von Landesflüchtigen. -=Philipp= trat für Maria Stuarts Partei ein und begünstigte 1580 einen -Aufstand in Irland. Dieses Verhältnis spitzte sich immer mehr zu, und -1585 trat Elisabeth durch einen Vertrag offen auf die Seite der -Niederländer. Nach diesem sollte England eine Unterstützung an Truppen -und Kriegsmaterial liefern, deren Kosten nach glücklich beendetem Kriege -zurückzuerstatten seien (die Nichterfüllung dieser Bedingung wurde 1652 -als einer der Kriegsgründe von seiten Englands aufgestellt); Holland -verpflichtete sich, auf Forderung Englands zu gelegener Zeit Schiffe zur -englischen Flotte stoßen zu lassen. Tatsächlich führte 1586 Graf -Leicester ein Hilfskorps nach Holland, und die Niederländer bestimmten -1588 ein Geschwader zur Unterstützung der Engländer gegen die Armada. - -Der Abschluß des Vertrages würde vielleicht schon gleich zu einem von -Philipp längst beabsichtigten großen Schlage gegen England geführt haben, -wenn die schwer bewegliche Macht Spaniens fertig gewesen wäre, immerhin -rief er die Beschlagnahme der englischen, holländischen und deutschen -Schiffe in den Häfen Spaniens und Portugals und die Wegnahme englischer -Schiffe im Mittelmeer hervor. Diese Schiffe sollten außerdem dem -geplanten großen Unternehmen gegen England dienen. England antwortete mit -den Vergeltungsmaßregeln in großem Maßstabe, die wir schon erwähnt haben: -Unterdrückung der spanischen Hochseefischerei bei Neufundland und Ausgabe -von Kaperbriefen und Patenten zur Schädigung des spanischen Handels und -der Kolonien. Bevor wir uns jedoch mit dieser Art Kriegführung -beschäftigen, ist eines Ereignisses zu gedenken, das ebenso bemerkenswert -in strategischer und taktischer Beziehung wie entscheidend für den -weiteren Verlauf der Geschichte war: der Armada Entstehung und Ende. - -$Die Geschichte der Armada.$[52] Lange vor der Entsendung der berühmten -Armada ging =Philipp= II. mit dem Gedanken einer Invasion in größtem -Maßstabe gegen England um. Schon =Alba= hatte 1569 einen Plan dafür -entworfen, die Kriege Spaniens mit den Türken, Frankreich und Portugal -neben dem Kampfe gegen die aufrührerischen Niederlande standen jedoch der -Ausführung noch entgegen. Als 1580 Portugal erobert und auch seine -Seemacht nun zur Verfügung war, nahm man den Gedanken lebhafter auf. -Besonders trat der Admiral =Marquis de Santa Cruz=, der 1580 die -Franzosen bei den Azoren geschlagen hatte, dafür ein: er stellte 1583 das -Unternehmen als den notwendigsten Schritt zur endlichen Unterdrückung der -Niederländer hin. Der Gouverneur der Niederlande, =Herzog von Parma=, -unterstützte ihn und erklärte auch, die englischen Soldaten seien den -spanischen Veteranen nicht gewachsen. Santa Cruz verlangte zur Ausführung -die ungeheure Macht von 556 Schiffen -- darunter 150 große Kriegsschiffe, -2 Galeassen und 40 Galeren -- von zusammen 77250 tons mit 94000 Mann. -Philipp war wohl dazu geneigt, beschloß aber, um die Expedition nicht -schon von Spanien aus in dieser Stärke entsenden zu brauchen, die in den -Niederlanden stehende Armee mitzuverwenden. Die Rüstungen in Spanien -begannen, und Parma erhielt den Befehl, in den Niederlanden eine große -Zahl flachgehender Transportfahrzeuge fertigzustellen. Wenn die Rüstungen -anfangs nicht so eifrig betrieben wurden, so mag dies seinen Grund in dem -Schwanken Philipps gehabt haben, ob der Erfolg einer so kostspieligen -Expedition voll seinen Interessen entsprechen würde. Zwar war er stets -für Maria Stuart eingetreten; wenn er ihr aber zur Herrschaft in England -verhalf, so hatte bei ihrer Hinneigung zu Frankreich vielleicht dieses -Land den Hauptnutzen davon. Der Tod Marias im Februar 1587 hob dieses -Bedenken auf, ihr Sohn Jakob war Frankreich nicht so zugeneigt. Es war -eher anzunehmen, daß dieser auf dem englischen Throne zu Spanien halten -würde. Tatsächlich hat er, nachdem er schon 1586 gegen Zusicherung der -englischen Thronfolge die Sache seiner gefangenen Mutter preisgegeben -hatte, den Angriff der Armada nicht ausgenutzt, sondern war sogar bereit, -ihre Abwehr zu unterstützen. Nach dem Tode der Maria nun, auch wohl aus -Empörung über die Todesart, betrieb Philipp die Rüstungen mit größter -Kraft. Alles was in Spanien und seinen Besitzungen, in Portugal, in -Italien, an Schiffen, Kriegsmaterial und Personal aufzubringen war, wurde -aufgeboten und in verschiedenen Häfen, besonders in Lissabon und Cadiz, -gesammelt. - - [52] Hauptquellen: Clowes, Teil I; Colomb. - -Diese Rüstungen blieben in England nicht unbekannt, hatte man doch selbst -Kenntnis davon, daß Philipp geheim um den Segen des Papstes für das -Unternehmen gebeten hatte. Man beschloß, sie zu stören, und =Sir Francis -Drake= ward ausgewählt, den Vorstoß zu leiten. Ein Geschwader von 24-40 -Schiffen, so schwanken die Angaben, wurde zusammengezogen. Größtenteils -waren es armierte Kauffahrer, wahrscheinlich haben nur 6 königliche -Kriegsschiffe -- 1 zu 600 tons, 47 Geschütze, 250 Mann; 2 zu 500 tons, 54 -und 38 Geschütze, 250 Mann; 1 zu 400 tons, 32 Geschütze, 190 Mann, und 2 -Pinassen -- den Kern der Flotte gebildet. Für wie kühn der Zug gehalten -wurde,[53] geht daraus hervor, daß eines der 500 tons-Schiffe auf der -Reise umkehrte, ausgesprochenermaßen aus Furcht, und daß Elisabeth die -Segelorder widerrief, aber zu spät. Drakes Order war, die Vereinigung der -spanischen Geschwader zu hindern und möglichst viel Schiffe und -Kriegsmaterial zu zerstören. Er segelte Anfang April 1587 und steuerte, -als er von Kauffahrern hörte, daß in =Cadiz= große Materialmengen zum -Transport nach Lissabon bereit seien, diesen Hafen an. Hier traf er am -19. April ein, trieb 6 Galeren unter den Schutz der Batterien, lief mit -Handlot an beiden Seiten in den inneren Hafen ein und zerstörte dort über -100 beladene Schiffe fast ohne eigenen Verlust. Am 21. April verließ er -Cadiz und beunruhigte die Küste bis Lissabon, wobei er selbst die Fischer -nicht schonte. Er forderte auch Santa Cruz, der in dem Hafen lag, formell -zum Kampfe heraus, doch nahm dieser weder die Forderung an, noch hinderte -er weitere Unternehmungen an der Küste. Da diese jedoch keine -nennenswerte Beute brachten, ging Drake nach den Azoren, und dort fiel -ihm der wertvolle und wichtige Ostindienfahrer »St. Felipe« (Seite 82) in -die Hände. Trotzdem daß die Aufgabe des Admirals rein militärischer Natur -war, wurde die weitere Fahrt wieder ein Fall des alten Freibeuterkrieges. -Man sagt, vielleicht mit vollem Recht, Drake habe den geheuerten -Kauffahrern zuliebe so gehandelt, die sich der Expedition nicht -angeschlossen hätten, nur um Pulvermagazine zu sprengen und -Kriegsmaterial zu vernichten, sondern um auch klingenden Lohn zu finden. - - [53] In der englischen Seekriegsgeschichte wird der Zug anerkennend als - »Singeing the king of Spain's beard« bezeichnet. - -Ob diese kühne Tat die Abfahrt der Armada um ein Jahr verzögert hat, ist -fraglich, sie war wohl auch so noch nicht bereit; jedenfalls wurden die -spanischen Rüstungen sehr verteuert und abgeschwächt, und der Schaden war -nicht so schnell zu ersetzen. Noch einen anderen Verlust erlitt Spanien: -im Februar 1588 starb Santa Cruz, ein erfahrener Seemann, an seiner -Stelle erhielt der =Herzog von Medina-Sidonia= den Befehl über die -nunmehr fast segelfertige Flotte. Medina war, selbst nach Auslaß eines -spanischen Autors, nur so oft zur See gewesen, um zu erkennen, daß er -leicht seekrank würde. Im übrigen war er ein Mann von Fähigkeit und -Bildung, dabei von sanftem Charakter, weshalb man ihn vielleicht gerade -für die Stellung, die ihm Parma gegenüber zugedacht war, gewählt hatte. -Seiner Kriegsunerfahrenheit sich bewußt, versuchte er zuerst auch, das -Kommando abzulehnen. Am 22. März[54] erhielt er seine Instruktionen über -den Kriegsplan; die Abfahrt sollte beschleunigt werden, damit England -möglichst ungerüstet angetroffen würde. - - [54] Alten Stils, in England damals noch gebräuchlich. Neuer Stil, in - Spanien schon eingeführt, würde der 1. April sein. Im weiteren - Verlauf der Armada-Affäre wird stets alter Stil benutzt werden. - -Am 20. Mai verließ Medina Lissabon und traf am 9. Juni in Coruña, dem -Sammelplatz, ein; ein schwerer Sturm an der Küste hatte viele Schiffe -versprengt, die sich erst nach und nach, teilweise schwer beschädigt, -wieder einfanden. Schon dies entmutigte den Admiral, und da er auch sah, -daß die Schiffe teilweise schlecht und ungenügend ausgerüstet waren, da -er viele Kranke hatte und manche der Offiziere und Mannschaften für -ungeeignet hielt, riet er dem König zum Frieden; wohl ein Zeichen, mit -wie wenig Vertrauen er das Kommando führte. Trotzdem behielt er es und -Philipp sprach die Erwartung aus, daß die Flotte nach Wiedersammeln aller -schweren Schiffe spätestens am 2. Juli in See gehen werde. Die Schiffe -wurden neu ausgerüstet und am 12. Juli verließ die Armada -- die -offizielle Bezeichnung der Flotte war »La felicissima Armada« -- Coruña. - -Die Expedition war als »Kreuzzug« erklärt und dementsprechend wurden -verschiedene Anordnungen getroffen: Beichte und Abendmahl sämtlicher -Teilnehmer vor der Abfahrt; Verbot von Hazardspielen und Zweikämpfen -während der Reise; leichtfertige Weiber wurden an Bord nicht geduldet, -katholisch-symbolische Flaggen geführt u. dergl. - -$Die Instruktion$, die Philipp seinem Admiral gab, befahl: »Er solle mit -der ganzen Armada direkt zum englischen Kanal gehen, diesen bis zur -Themsemündung (Margate) hinauflaufen, von dort mit Parma in Verbindung -treten und dessen Überfahrt nach England sichern.« Weitere Ausführungen -besagten: »Die Küsten Frankreichs und Flanderns seien wegen ihrer -Untiefen zu vermeiden; die Küste Englands sei deshalb zu halten und die -Reise trotz etwaiger Diversionen englischer Streitkräfte fortzusetzen; -Zusammenstöße seien nicht zu suchen, um die eigenen Kräfte möglichst zu -schonen, da die Flotte zu der Landung 6000 Mann an Parma abzugeben habe; -gefochten solle nur werden, wenn ohne Kampf die Überfahrt der -Invasionsarmee nicht zu erreichen wäre«. Im Widerspruch hiermit wird aber -doch erwähnt, daß Drake, falls er am Eingang des Kanals gesichtet würde -oder im Kanal hart nachdränge, angegriffen werden solle. Philipp scheint -angenommen zu haben, daß nur Drake mit einem Teile der englischen Flotte -im Westen stehen würde, auch scheint er diesen, als Person, besonders -gefürchtet zu haben. Es wird ferner gesagt, die Armada würde auch stark -genug sein, die gesammelte englische Flotte, falls man noch vor Margate -auf sie stieße, zu schlagen. Wie die Überfahrt Parmas zu sichern sei, -sagte die Instruktion nicht; der Admiral sollte wohl nach Umständen -handeln. War die englische Flotte vernichtet, so konnte die Überfahrt -ohne Hilfe vor sich gehen, waren die feindlichen Seestreitkräfte noch -ganz oder teilweise schlagfertig, so mußte Medina begleiten. Daß die -Unterstützung Parmas von der englischen Küste ausgehen sollte, war -beschlossen, da hier sicherere Ankerplätze für die schweren Schiffe -vorhanden waren als an der flandrischen. Nach geglückter Landung und -Abgabe der 6000 Mann sollte die Armada in der Themse stationiert werden, -das Heer unterstützen und die Verbindung mit Flandern aufrecht erhalten. -Wenn Parmas Überfahrt durch irgendwelche Umstände verhindert würde, -sollte Medina die Insel Wight als Basis für spätere Unternehmungen -besetzen. - -Aus der ganzen Order muß man entnehmen, daß der König -- schlecht beraten -oder, wenn besser beraten, hartnäckig auf seiner Ansicht bestehend -- -entweder die Schwierigkeit der Überführung einer großen Armee über den -Kanal mit damaligen Mitteln, Ruder- und Segelfahrzeugen, unterschätzte -und vor allem die Wichtigkeit, hierzu vorher den Weg freizumachen, nicht -erkannte, oder daß er die Armada für fraglos stark genug hielt, allen -Widerstand in dieser Hinsicht mit Leichtigkeit zu überwinden. Dabei muß -noch in Betracht gezogen werden, daß es sich nicht nur um die englischen -Seestreitkräfte handelte, sondern daß auch die niederländische Flotte -Parmas Transportflotte und seine geringen Seestreitkräfte blockierte, und -zwar, wie die Zukunft zeigte, mit Erfolg. - -Der Armada ist nach dem Kriegsplane nur eine zweite Rolle zugeteilt: Die -Unterstützung der Expedition durch Sicherung der Überfahrt, Verstärkung -des Landungskorps, Aufrechterhaltung der Verbindungen. Unabhängig war sie -nur, »falls« eine Seeschlacht notwendig würde -- allerdings wird diese, -wieder im Widerspruch mit dem sonstigen Tenor der Order, darin -gelegentlich als »eine Hauptsache« erwähnt; vielleicht war dies nur eine -tröstende Schmeichelei für die Zuteilung der untergeordneten Rolle. Die -Erwägung, daß der Kampf mit den feindlichen Seestreitkräften -voraussichtlich die Hauptsache werden würde, daß man deshalb den -strategischen Plan und selbst die Ordre de Bataille der Armada darauf -richten müsse, zuerst mit den gefechtskräftigsten Schiffen die -Seeherrschaft im Kanal zu erringen und dann erst zur Ausführung der -Landung zu schreiten, scheint dem Könige[55] und anfangs auch den Führern -nicht gekommen zu sein. - - [55] In betreff dieses Punktes verweise ich aber noch auf den - Schlußsatz der gesamten Betrachtungen über die Armada. - -In der Zeit zwischen der Ausgabe der Instruktion im März und der Abfahrt -im Juli scheint aber seitens der spanischen Führer den feindlichen -Flotten mehr Beachtung geschenkt zu sein. Im Mai erklärt Medina, er -hielte es für gefährlich, Truppen abzugeben, ehe der Feind zur See -unschädlich gemacht worden sei, und rät, nach der Vereinigung mit Parma -den Feind auf See zu suchen und zu schlagen und dann erst zu landen. Die -Vereinigung wird zwar immer noch an der englischen Küste und vor der -Vernichtung des Feindes gedacht, die Aufgabe der Flotte tritt doch jetzt -aber stärker hervor, um so mehr als nach diesem Vorschlage Parma -scheinbar an der Seeschlacht nicht teilnehmen sollte; seine -Seestreitkräfte konnten auch die Armada nicht wesentlich verstärken. -Trotzdem muß es aber bei dem Hauptplan geblieben sein, denn Medina -schreibt bei Antritt der Reise immer noch an Parma: Er sei in See, habe -nur den Befehl, den Weg freizuhalten und nur zu fechten, wenn er -belästigt würde. Er bitte auch Parma, in See zu gehen und Nachricht zu -senden, wo und wann die Vereinigung stattfinden solle. - -Danach wünschte Medina sie also vor dem Eintreffen in Margate, falls der -Platz überhaupt zu dieser Zeit noch als Treffpunkt galt, was nämlich -fraglich ist. - -Nach einem Berichte des Vizeadmirals Recalde, des zweitältesten -Seeoffiziers, könnte man annehmen, daß schon bei Abfahrt der Armada die -Vereinigung an der Südküste des Kanals gedacht war. Recalde nennt als -Platz dafür »Las Dunas«, was ebensogut die »Dünen« an der flämischen -Küste wie »the Downs« an der englischen bezeichnen kann. - - Dieser Bericht an den König enthält noch einige bemerkenswerte Punkte. - Recalde leitet seine Auslassungen darüber, wie er die befohlene Aufgabe - der Flotte auffaßt, damit ein: »Soviel mir davon bekannt ist«; - scheinbar sind also die höchsten Führer nur unvollkommen unterrichtet - gewesen. -- Er schreibt ferner, daß er einen Kampf mit der englischen - Flotte für unumgänglich hielte und sogar überzeugt sei, daß diese auch - nach einer Niederlage bald wieder gefechtsbereit erscheinen würde, also - weiter mit ihr gerechnet werden müsse. Endlich ist er der Ansicht, daß - die Überführung der Armee Parmas mehrere Fahrten der Transportflotte - erfordern würde. Da scheint es doch, als ob die spanischen Seeoffiziere - bei Aufstellung des Kriegsplanes nicht genügend zu Rate gezogen sind - oder erst später die Schwierigkeit der Ausführung erkannt haben. - -Während der Fahrt ist der ursprüngliche Plan in dieser Hinsicht -jedenfalls geändert. Beim Eintreffen vor dem Kanal (20. Juli) hatte -Medina beschlossen, bei Wight zu warten, bis Parma bereit sei, -auszulaufen, und ihn dann in der Nähe von Dünkirchen zu treffen. Parma -wurde gebeten, die Armada an der gefährlichen Küste keinen Augenblick -warten zu lassen; am 26. Juli wurde Dünkirchen fest als Treffpunkt -bestimmt. Als die Flotte sich später Calais näherte und die Lotsen ein -weiteres Folgen der Küste über diesen Ort hinaus für gefährlich -erklärten, verlangte Medina sogar, Parma solle ihm bis hierher -entgegenkommen, auch scheint nun nicht mehr die Themsemündung, sondern -Wight zur Landung ausersehen zu sein. - -Von Anfang an herrschte Unklarheit über die wichtigsten Maßnahmen zur -Durchführung der Generalidee, nämlich über die Vereinigung und über die -Überführung der Armee. Es ist nicht zu verwundern, daß diese Unklarheit -immer schlimmer wird, je mehr die Angriffe der Engländer die Folgen des -größten Fehlers des Planes -- die Unterschätzung der feindlichen -Seestreitkräfte -- zeitigten. - -Gänzlich unverständlich ist, daß von Anfang bis zu Ende die blockierende -holländische Flotte außer Berechnung gelassen wird; ohne Hilfe der Armada -konnte Parma überhaupt nicht aufbrechen. Nach der ersten Idee war eine -solche Hilfe von Margate aus ja möglich. Der Treffpunkt wird aber immer -weiter ab verlegt und damit verlangt, daß Parma ohne Unterstützung mit -seiner Transportflotte in See gehen solle. Man mußte doch mit der Zeit -die Kraft der Blockade kennen gelernt haben, denn die beiden spanischen -Führer standen in Verbindung. Ebenso unbegreiflich ist, daß trotz der -langen Vorbereitungen Parma nicht fertig war. Hatte man davon in Spanien -keine Kenntnis, oder legte man keinen großen Wert darauf? - -Die $Zusammensetzung der Armada$ am 12. Juli war folgende:[56] - - ===========+====================================================+ - | Schiffe von | - +------------+---------+--------+---------+----------+ - Geschwader | Tonnen- | 1000 und| | | | - von | gehalt | darüber |800-1000| 600-800 | 500-600 | - | Geschütze | 48-50 | 22-50 | 16-34 | 12-24 | - | Mann |ca. 4-500| 300-500|250-400 | 180-300 | - ===========+============+=========+========+=========+==========+ - Portugal | 2 | 3 | 2 | 1 | - (Adm. Medina-Sidonia) | | | | | - | | | | | - Biscaya | 1 | -- | 4 | 2 | - (Adm. de Recalde) | | | | | - | | | | | - Castilien | -- | 2 |4(1 = 36 |7 (sämtl. | - | | (24 | 3 = 24 | 530 tons | - (Adm. Flores de Valdes) | | Gesch.)| Gesch.) |24 Gesch.)| - | | | | | - Andalusien | 1 | 5 | 3 | 1 | - (Adm. Pedro de Valdes) | | | | | - | | | | | - Guipuscoa | 1 | 2 | 2 | 3 | - (Adm. Miquel de Oquendo)| | | | | - | | | | | - Levante | 2 | 5 | 3 | -- | - (Adm. M. de Bertendona) | | | | | - ========================+=========+========+=========+==========+ - $Gesamt$ | 7 1) | 17 | 18 | 14 | - - ===========+==================================================== - | Schiffe von | Gesamtzahl - +------------+---------+--------- + der - Geschwader | Tonnen- | | | Schiffe - von | gehalt | 200-500 |kleinere | und - | Geschütze | 12-20 | 6-14 |Mannschaften 2) - | Mann | 140-220 | 40-120 | - ===========+============+=========+==========+================== - Portugal | 2 | 2 | 12 = 4623 - (Adm. Medina-Sidonia) | | | - | | | - Biscaya | 3 | 4 | 14 = 2692 - (Adm. de Recalde) | | | - | | | - Castilien | 1 | 2 | 16 = 4177 - | | | - (Adm. Flores de Valdes) | | | - | | | - Andalusien | -- | 1 | 11 = 3105 - (Adm. Pedro de Valdes) | | | - | | | - Guipuscoa | 2 | 2 | 12 = 2600 - (Adm. Miquel de Oquendo)| | | - | | | - Levante | -- | -- | 10 = 3637 - (Adm. M. de Bertendona) | | | - ========================+=========+==========+================== - $Gesamt$ | 8 | 11 | $75$ 3) $= 20834$ - - 1) Darunter nach spanischem Brauch nur 1/5 bis 1/3 Seeleute. Im - Geschwader von Kastilien aber über 1/2; dieses Geschwader scheint - auch sonst nach seiner gleichmäßigen Zusammensetzung und Armierung - aus zeitgemäßen Kriegsschiffen bestanden zu haben. Im Geschwader - von Portugal betrug der Bestand an Seeleuten 1/3, die Schiffe waren - am stärksten armiert; englische Quellen bezeichnen es als das - Crack-squadron. - - 2) 1 zu 1000, 1 zu 1050, 1 zu 1100, 1 zu 1150, 1 zu 1160 mit nur 30 - Geschützen, 1 zu 1200, 1 zu 1250 tons. - - 3) Im übrigen darf man diese 75 Kriegsschiffe nicht alle für »als - Kriegsschiffe erbaut« ansehen, es waren manche Kauffahrer darunter, - von einigen weiß man es sicher. - - [56] Zusammengestellt nach den Listen in Clowes, Teil I, Seite 598 ff., - in denen auch die Schiffsnamen und die Einzelheiten in Hinsicht - auf Tonnengehalt, Geschützzahl, Besatzungen, Seeleute und Soldaten - gegeben werden. - -Der Bestand war also $75$ =Kriegsschiffe=, darunter $42$ über 600 tons -und $56$ über 500 tons. =Dazu kamen=: - - Spaltenüberschriften: A = Tonnengehalt - B = Geschütze - C = Soldaten - D = Seeleute - E = Ruderer - F = Gesamtbesatzung des Geschwaders - - A B C D E F - Galeassen von Neapel 4 ? je 50 170-260 112-124 300 2541 - Galere von Portugal 4 ? je 4 -- 106 222 1250 - Leichtes Geschwader 22 50-300 4-12 20-100 5-50 -- 1168 - Hulks (Transporter) 23 200-700 4-38 vorwiegend Soldaten 3729 - -=Der Gesamtbestand der Armada= war 128 Fahrzeuge mit etwa 2430 Geschützen -und 29422 Mann (darunter etwa 8000 Seeleute und 2088 Ruderer), außerdem -hatte sich eine große Anzahl Edelleute mit ihren Dienern als Freiwillige -und gegen 300 Priester eingeschifft. Die ganze Ausrüstung soll an 180 -Millionen Mark gekostet haben. Von den Schiffen sind allerdings einige -auf der Reise von der Flotte abgekommen, es sollen aber beim Einlaufen in -den Kanal immerhin von den Schiffen über 500 tons, den Galeassen und -Galeren, also den =Gefechtsschiffen=, 59 zur Stelle gewesen sein. - -In den Niederlanden stand unter =Parma= ein starkes Heer von 30000 bis -40000 Mann, wie die meisten Quellen sagen. Da einige Autoren nur von über -20000 Mann sprechen, ist anzunehmen, daß nicht die ganze Armee zur -Invasion in England bestimmt war; man konnte doch auch die Niederlande -nicht ganz entblößen. In Dünkirchen, Sluys und Nieuweport waren -Transportfahrzeuge gesammelt, auch gebot Parma hier sowie im Norden, wo -Verduga in Gröningen befehligte, über die Seestreitkräfte, die im Kriege -gegen die aufrührerischen Provinzen verwendet wurden. - -Aber auch die $Niederländer$ hatten gegen die Armada zur See ansehnlich -gerüstet. Laut Vertrag waren sie verpflichtet, ein Kontingent zur -englischen Flotte stoßen zu lassen. Hierzu war ein Geschwader von 27 -Fahrzeugen unter Kapitän van Roozendal bestimmt; es scheint die Straße -Dover-Calais bewacht zu haben. Ein zweites beobachtete die Schiffe -Verdugas und die Hauptmacht unter dem Leutnant-Admiral Justin von Nassau, -den Vizeadmiralen van Wassenaer, van der Doos und de Moor blockierte die -Häfen der flämischen Küste. Vorgreifend sei bemerkt, daß das Geschwader -Roozendals in den englischen und spanischen Berichten über die Gefechte -keine Erwähnung findet, während in holländischen Quellen die Mitwirkung -ihrer Flotte zur Vernichtung der Armada[57] hervorgehoben wird. - - [57] Erwähnung der Beteiligung der Holländer in de Jonge, Teil I, Seite - 136, aber ohne nähere Angabe, und verwiesen auf Scheltema: de - uitrusting en ondergang der Onoverwinnelijke vloot. - -Nassaus Geschwader hat jedenfalls mit Erfolg blockiert und holländische -Schiffe, von Nassau oder von Roozendal, haben nach der Schlacht von -Gravelines versprengte und gestrandete Spanier genommen. - -$Englands Rüstungen$ waren anfangs sehr vernachlässigt. Bei ihrer Neigung -zur Sparsamkeit gab sich =Elisabeth= leicht und gern der Hoffnung hin, -daß der Krieg in der bisherigen Weise, also fern von Englands Küsten, -weitergeführt werden würde, außerdem schwebten fortlaufend -Friedensverhandlungen; jedenfalls dachte sie nach den Erfolgen Drakes -1587 wohl nicht an eine baldige Ausführung der großen spanischen -Expedition. Die tüchtigsten Seeoffiziere aber ließen die Vorgänge in -Spanien und in den Niederlanden nicht aus den Augen, und auf ihr Drängen -begann man ausgangs des Winters 1588 ernstlicher zu rüsten. Mehr konnten -sie nicht erreichen; der Vorschlag des Lordhighadmiral =Lord Howard of -Effingham=, ein Geschwader von 6 großen und 6 kleinen Schiffen mit -regelmäßiger Ablösung zur Beobachtung und zum Angriff auslaufender Gegner -stets an der spanischen Küste zu halten, sowie die noch offensivere -Absicht Drakes, mit dem größten Teil der königlichen Schiffe und den -Fahrzeugen, die die Stadt London ausrüsten ließ, den Feind wie im Jahre -vorher in seinen eigenen Häfen anzugreifen, fanden keine Genehmigung. -Nach dem ersten mißglückten Auslaufen der Armada befahl die Königin sogar -die Abrüstung der schwersten Kriegsschiffe, aber Howard hielt die -Ausführung der Order durch Vorstellungen hin, und infolge der -Nachrichten, daß die Expedition nicht aufgegeben sei, bot nun die Königin -auf, was das Land an See- und Landstreitkräften stellen konnte: An den -Südküsten wurden Truppen zusammengezogen und Signalstationen errichtet; -die königlichen Schiffe wurden sämtlich in Dienst gestellt und Kauffahrer -geheuert; die Seestädte bereiteten Fahrzeuge für den Küstenschutz vor; -Private stellten Schiffe, wohl oft bisherige Freibeuter, zur Verfügung. -In dieser Weise wuchsen die englischen Seestreitkräfte beständig, auch -noch während des späteren Feldzugs. - -[Illustration: Lord Howard of Effingham.] - -Den Oberbefehl auf See hatte der Lordhighadmiral Howard erhalten. Er -befehligte die Hauptflotte im Westen des Kanals, unter ihm dienten Drake, -der ein Geschwader von armierten Kauffahrern führte, Frobisher, Hawkins, -Fenner und andere schon berühmte Seeleute; weitere Geschwader, besonders -die Schiffe Londons, standen unter Seymour und Winter im Osten zur -Deckung der Themse und zur Beobachtung der flandrischen Küste. - -=Howard= hatte nie den Plan aufgegeben, dem Feinde bis zur spanischen -Küste entgegen zu gehen, es fehlten jedoch Ausrüstungsgegenstände, vor -allem Proviant, die vom Osten erwartet wurden. Als er auf die Nachricht -vom ersten Inseegehen der Armada Ende Mai trotzdem segeln wollte, -obgleich er z. B. nur für etwa 14 Tage Proviant hatte, erhielt er den -Befehl, nur am Eingange des Kanals zu kreuzen. Vergeblich stellte er vor, -daß er von dort bei den vorherrschenden Westwinden nicht im stande sei, -dem Feinde gleichzeitig den Weg nach Irland und durch den Kanal zur -verlegen, beide Ziele aber könne dieser haben; es sei richtiger, sich -schon an der spanischen Küste an ihn zu hängen. Noch bis zum 22. Juni -klagt er über das Ausbleiben der Transporter und wird um so besorgter, da -schon am 13. Juni spanische Schiffe zwischen Ouessant und den Scillys -gesehen wurden; es waren Fahrzeuge, die der Sturm bei dem ersten -Auslaufen bis hierher vertrieben hatte. Als am 23. endlich der Proviant -eingetroffen war, ging der Admiral am 24. in See und kreuzte am Eingange -des Kanals. Er hatte die Flotte in drei Teile geteilt: die Hauptmacht -stand in der Mitte des Kanals, der Vizeadmiral der Flotte Drake lag nach -Ouessant, der Kontreadmiral Hawkins nach den Scillys zu; stete Verbindung -wurde zwischen den drei Geschwadern aufrecht erhalten. Vom 8. bis 10. -Juli ging er südlicher, da er aber fürchtete, der Feind habe schon -ungesichtet passiert, kehrte er am 12. Juli, also gerade am Tage der -endgültigen Abfahrt der Armada, nach Plymouth zurück, um Wasser -aufzufüllen; er ließ jedoch einige leichte Fahrzeuge als -Beobachtungsposten draußen. Bemerkenswert, weil von Einfluß auf das -Schicksal der spanischen Flotte, ist, daß -- wie sowohl Howard als -Seymour am 12. und 13. Juli berichten -- das Wetter in diesem Sommer ganz -außergewöhnlich schlecht und stürmisch war und sie einen großen -Krankenbestand hatten; wie mußte diese Witterung auf die Seeleute und gar -erst die Soldaten des Südens wirken! - -Die =gesamten englischen Seestreitkräfte=, die der Armada nach und nach -entgegentraten, zeigt die Zusammenstellung[58] auf der nächsten Seite. - - [58] Zusammengestellt nach den Tabellen Clowes, Teil I, Seite 588 ff., - in denen die Schiffe mit Namen und Tonnengehalt, die Kriegsschiffe - auch mit Namen der Offiziere, ihr Mannschaftsbestand getrennt nach - Seeleuten, Artilleristen, Soldaten und ihre Armierung mit Zahl und - Kaliber der Geschütze angegeben sind. - - * * * * * - -Der Bestand war also $34$ =Kriegsschiffe=, darunter $8$ über 600 tons und -$14$ über 500 tons. Diese waren größtenteils als Hauptmacht unter Howard -vereinigt, einige der größeren dienten aber auch als Flaggschiffe Drakes, -Winters, Seymours oder befanden sich bei den Geschwadern der beiden -letzten Admirale als deren Kern (Gruppenführer). - -Der =Gesamtbestand der englischen Flotte= war 182 Segel mit 14520 Mann, -wozu noch 15 Transporter mit 810 Mann traten. - -Bei der $Abwägung der Kräfte$ der beiden Gegner hat sich das Urteil im -Laufe der Zeit mehrfach geändert. In den früheren Jahren wurden die Zahl -und die Größe der Schiffe auf seiten der Spanier ungebührend -hervorgehoben. Die späteren genaueren Forschungen haben dagegen zunächst -ihre Gefechtskraft zu sehr unterschätzt, namentlich wenn in bezug auf die -Bestückung gesagt wurde, sie habe fast nur aus 4-9 Pfündern bestanden; -gegenwärtig dürfte nachfolgende Beurteilung die verbreitetste und -wahrscheinlichste sein. - - ========+================+=======================================+ - | | Schiffe von | - --------+----------------+-------+---------+---------+-----------+ - | Tonnengehalt |1000 u.| 800-1000| 600-800 | 500-600 | - Verband | | darüb.| | | | - | Geschütze | 40-42 | 42-55 | 36-48 | 30-54 | - | Mann | 500 | 430-490 | 250 | 250 | - ========+================+=======+=========+=========+===========+ - | 1000 | | | | - Königliche Marine | 2 und | 3 | 3 | 6 | - | 1100 | | | | - {Unter Drake | A {| 4 zu 3-400 tons, 120-160 Mann | - { im Westen | r {|10 zu 200-250, 70-110 | - { | m {| 6 zu 150-200, 70-80; Rest 30 =| - Armierte { | i {|bis 80, 30-50 | - Kauffahrer {Unter Howard | e {| | - { im Westen | r {| 11 zu 100-220 ton, 50-90 Mann | - { | u {| 7 zu 20-80, 10-30 =| - { Der Stadt | n {| | - { London im | g {|10 zu 2-300 tons, 90-120 Mann | - { Osten | {|20 zu 60-180, 30-80 =| - { | u {| | - {Unter Howard | n {|zu 40-180 tons, 20-70 Mann =| - { im Westen | b {| | - Küsten- { | e {| | - Fahrzeuge {Unter Seymour| k {| | - { und Winter | a {|zu 35-160 tons, 20-100 Mann =| - { im Osten | n {| | - | n {|2 zu 250-300 tons, 100-108 Mann| - Freiwillige Schiffe 3) | t 2){|Rest zu 30-140, 20-65 =| - +-------+---------+---------+-----------+ - Gesamt | 2 | 3 | 3 | 6 | - - ========+================+===================+============= - | | Schiffe von | - --------+----------------+---------+---------+ Gesamtzahl - | Tonnengehalt | 200-500 | kleinere| der Schiffe - Verband | | | | und - | Geschütze | 18-38 | 3-21 | Mannschaften - | Mann | 100-180 | 20-100 | - ========+================+=========+=========+============= - | | | - Königliche Marine | 8 | 12 | 34 = 6289 1) - | | | - {Unter Drake | | | - { im Westen | | | - { | 14 | 20 | 34 = 2394 - Armierte { | | | - Kauffahrer {Unter Howard | | | - { im Westen | | | - { | | | 18 = 530 - { Der Stadt | | | - { London im | | | - { Osten | 10 | 20 | 30 = 2180 - Küsten- { | | | - Fahrzeuge { | | | - {Unter Howard | | | - { im Westen | | 20 | 20 = 993 - {Unter Seymour| | | - { und Winter | | 23 | 23 = 1090 - { im Osten | | | - Freiwillige Schiffe 3) | | | - | | 21 | 23 = 1044 - +---------+---------+-------------- - Gesamt | 34 | 134 |$182 = 14520$ - - 1) Auf den Kriegsschiffen befanden sich etwa 2/3 bis 3/4 Seeleute, auf - den kleineren sogar noch mehr. Hierüber einige Beispiele: - - »Ark«, Flaggschiff Howards 800 tons 270 Seeleute - »Triumph«, " Frobishers 1100 " 300 " - »Vanguard«, " Winters 500 " 150 " - »Tiger« 200 " 80 " - - »Ark«, Flaggschiff 34 Gunner 126 Soldaten = 430 - »Triumph«, " 40 " 160 " = 500 - »Vanguard«, " 24 " 76 " = 250 - »Tiger« 12 " 8 " = 100 - - 2) Die Armierung der Kauffahrer und Küstenfahrzeuge war wohl etwas - schwächer als die der Kriegsschiffe gleicher Größe. Bei den größeren - war der Unterschied vielleicht nicht sehr bedeutend, da es ja - gebräuchlich war, solche für den Kriegsdienst gebrauchsfähig zu - machen und manche auch wohl als Freibeuter benutzt waren. - - 3) Die freiwilligen Schiffe, Eigentum von Privatpersonen, stießen nach - und nach zur Flotte, als die Armada an der Küste war. Sie und alle - armierten Kauffahrer wurden während der Campagne vom Staate erhalten - und gelöhnt, mit Ausnahme der Schiffe der Stadt London und der - Küstenfahrzeuge im Osten, welche die Cinqueports gestellt hatten. - -An Zahl der größeren Kriegsschiffe war die Armada absolut weit überlegen -mit 56 Fahrzeugen über 500 tons -- dazu noch 4 Galeassen, mächtige -Gefechtsschiffe, und 4 Galeren -- gegen nur 14 auf englischer Seite. -Wesentlich anders stellt sich dieser Vergleich aber schon, wenn wir auf -englischer Seite die Schiffe zwischen 200 und 500 tons, 8 königliche und -26 Kauffahrer, dazu rechnen; nach ihrer Armierung ist man dazu -berechtigt, da sie hierin den spanischen Schiffen von 500-600, ja auch -vielen von 600-800 tons, gleichstanden. - -In der Größe der Schiffe war die Überlegenheit ebenfalls auf spanischer -Seite, wenn man die Zahl der Schiffe in den einzelnen Klassen nach -Tonnengehalt gegenüberstellt. Für die Beurteilung der Gefechtskraft ist -dieser Umstand jedoch nicht durchschlagend, weil die englischen Schiffe -alle weit schwerer armiert waren als die spanischen gleichen -Tonnengehalts. Auch boten die großen spanischen Fahrzeuge, die weit höher -über Wasser waren als die englischen gleichen Tonnengehalts, im -Feuergefecht ein gutes Ziel, ein Nachteil, der durch den Vorteil beim -Enterkampf nicht aufgewogen wurde. Das auf Bildern jener Zeit zum -Ausdruck gebrachte übermächtige Aussehen der Spanier hat gerade früher -zur Überschätzung der Armada geführt. - -Zu dieser relativen Überlegenheit der englischen Artillerie an Zahl der -Geschütze trat auch noch die ganz unzweifelhafte an Kaliberstärke,[59] d. -h. es befanden sich auf der englischen Flotte relativ sicher, vielleicht -sogar absolut, mehr Geschütze schwereren Kalibers als auf der spanischen, -wenn auch die Schwäche der Spanier in dieser Beziehung nicht so bedeutend -war, wie längere Zeit angenommen ist. Vor allem aber war die Bedienung -dieser Waffe bei den Engländern weit besser. Die Spanier hielten -- nach -Ausspruch eines spanischen Autors -- das Geschütz für eine unedle Waffe, -gut genug zur Einleitung des Gefechts bis zum baldigen Kampfe Mann gegen -Mann. Die Pforten waren bei ihnen der Sicherheit gegen Gewehrfeuer wegen -so klein, daß die Geschütze nur schlecht gerichtet, namentlich nicht -genügend inkliniert, werden konnten, bei Feuergefecht auf kurze -Entfernung für die hohen Schiffe den niedrigeren gegenüber ein großer -Nachteil. Die Schiffe führten nur wenig Munition. Die Bedienung war -instruiert, auf die Takelage zu schießen, um den Feind manövrierunfähig -zu machen und dadurch zum Enterkampf zu kommen; die Feuergeschwindigkeit -war gering. Bei den Engländern war die Artillerie schon zu einer -geachteten Waffe geworden, die Geschütze waren besser lafettiert und -wurden besser und schneller bedient. Man kannte diesen Umstand in Spanien -wohl; Philipp befahl in seiner Instruktion, bei einem Gefecht solle man -den Enterkampf erzwingen, der Feind würde versuchen, ein Feuergefecht zu -führen. - - [59] Clowes, Teil I, Seite 561. Colomb, Seite 236 ff. sind diese Punkte - näher ausgeführt. - -Ebenso wichtig aber wie die Überlegenheit im Gebrauch der Artillerie war -die der Engländer in der Bedienung der Schiffe. Hingewiesen ist auf den -großen Unterschied in der Bemannung mit Seeleuten, und sowohl als -Mannschaft wie als Führer waren die Engländer tüchtiger. Bei den Spaniern -überwogen die Soldaten so sehr, daß die Bedienung des Schiffes im Gefecht -in Frage gestellt war, Soldaten kommandierten teilweise die Schiffe. Die -spanischen Fahrzeuge manövrierten infolge ihrer Höhe über Wasser und -ihrer hohen Kastelle an und für sich schon schlechter. - -Aus allem geht hervor, daß die Überlegenheit der Armada keineswegs so -bedeutend war, als sie auf den ersten Blick erscheint und lange -angenommen ist. Wenn man dies anerkennt, so tritt man dem Verdienst der -englischen Seeleute nicht zu nahe, die Abwehr der Armada bleibt immer -eine glorreiche Tat; die tüchtigsten Führer der Engländer waren sich auch -der Stärke auf ihrer Seite wohl bewußt und haben dies vor dem -Zusammenstoß ausgesprochen. - -$Am 12. Juli hatte die Armada Coruña verlassen.$ Am 17. Juli wehte ein -schwerer Sturm, in dem etwa 40 Schiffe versprengt wurden. Der Admiral -sandte am nächsten Tage leichte Fahrzeuge auf dem Kurse nach Lizard -voraus, um nach nördlich stehenden Schiffen auszusehen; es gelang auch -bis zum 20. Juli die Flotte wieder zu sammeln, nur etwa 9 Segel fehlten. - -Am 19. 4^h pm.[60] kam die englische Küste in Sicht. Medina heißte eine -Flagge mit Kruzifix, den Bildern der Heiligen Jungfrau und Maria -Magdalenas und ordnete ein allgemeines Gebet an. Nachts sah man die Küste -mit Signalfeuern bedeckt. Die versprengten Schiffe waren nämlich von -Kapitän =Flemyng=, Geschwader Drake, gesichtet; dieser hatte es am 19. in -Plymouth gemeldet. Auf der Armada war Lizard für Ramhead gehalten, man -glaubte sich also sehr nahe bei Plymouth, lag deshalb während der Nacht -von der Küste ab und hielt am 20. einen Kriegsrat, in dem der Beschluß -gefaßt wurde, die Engländer im Hafen anzugreifen. Hätte man Lizard -richtig erkannt und den Kurs während der Nacht mit vollen Segeln -fortgesetzt, so würde man bei dem herrschenden Winde voraussichtlich -imstande gewesen sein, den Feind am 20. während des Auslaufens zu -überraschen und zum Enterkampf zu zwingen. Howard hatte zwar sofort nach -dem Eintreffen Flemyngs mit dem Inseegehen begonnen, da aber infolge -starken Gegenwindes die Schiffe gezwungen waren, sich aus dem Hafen zu -warpen, kamen im Laufe des 19. und in der Nacht nur 40-50 Fahrzeuge -heraus, weitere erst während des folgenden Tages. Die Spanier hatten die -Nacht vom 19. auf 20. und einen Teil des Tages verloren, auch am Abend -des 20. drehten sie wieder bei, um die Küste zu erkunden. So kam es, daß -die Armada am 21. Juli morgens, einige Seemeilen westlich von Eddystone -stehend, etwa 60 englische Segel zu Luward sichtete -- es wehte WNW. -- -und einige zehn weiter östlich unter Land, die bestrebt waren, sich mit -der Hauptmacht zu vereinigen, was ihnen auch gelang. - - [60] h = Uhrzeit, am. (Vormittag), pm. (Nachmittag) = Tageszeit. - -=Die Armada= segelte in einem großen Halbmonde: das Gros unter Medina in -der Mitte, auf dem zurückgezogenen linken Flügel die Vorhut unter de -Leyva, auf dem rechten die Nachhut unter Recalde; die Spitzen des -Halbmondes sollen 6-7 Seemeilen voneinander entfernt gewesen sein. - - In den Schiffslisten (Clowes) wird de Leyva nicht angeführt. Er muß - älter gewesen sein als Recalde, da sein Flottenteil Vorhut genannt wird - (obgleich er auf dem linken Flügel segelt), und da er später einige - Tage Recalde unter seinem Kommando hat. - -Eine wörtliche Wiedergabe der genaueren Quellen über den Verlauf der -spanischen Expedition würde zu weit führen; ich beschränke mich darauf, -die $Ereignisse der »Armadawoche«$[61] kurz so zu schildern, daß die in -taktischer und strategischer Hinsicht wichtigsten Punkte hervortreten: - -=Medina-Sidonias= leitender Gedanke war, die Vereinigung mit Parma so -schnell und so ungeschwächt wie möglich herbeizuführen und nur gezwungen -zu fechten; war ein Zusammenstoß nicht zu vermeiden, den Enterkampf zu -suchen. =Howard= beabsichtigte vorläufig nur, eine Landung des Feindes zu -hindern und ihm möglichst Abbruch zu tun, sich aber sonst nicht früher -ernstlich zu engagieren, ehe er nicht die ganze Streitkraft Englands, -durch Heranziehung der noch überall in der Ausrüstung befindlichen -Schiffe und vor allem der Geschwader Winters und Seymours, vereinigt -habe. Wie die Spanier mit den englischen Stärken und Schwächen bekannt -waren, so war dies auch umgekehrt bei den Engländern der Fall; für sie -war also die gegebene Taktik, im Feuergefecht auf wirksamster Distanz, -also bei dem damaligen Stande der Artillerie ziemlich nahe, jedoch unter -Vermeidung des Enterkampfes, den Feind an schwachen Stellen seiner -Formation anzugreifen, sich aber den Abbruch des Gefechtes stets sicher -zu halten. - - [61] In Clowes, Teil I, Kapitel 15, findet man wohl die eingehendste - Schilderung der Ereignisse an der Hand von wörtlichen Auszügen aus - »A Relation of Proceedings«, geschrieben nach den Direktiven - Howards und aus der spanischen Quelle: Duro, »La Armada - invencible«, Madrid 1884/85, worin Berichte Medinas enthalten - sind. - - Diese von beiden Seiten verfaßten Berichte gewähren nebeneinander - gestellt und sich so ergänzend ein ziemlich klares Bild. Einen - genauen Verlauf der Aktionen geben sie freilich nicht, das ist für - diese frühe Zeit der Seekriegsgeschichte und noch länger hin auch - nicht möglich, da in den Seegefechten die Ordnung noch nicht - aufrecht erhalten wurde. Das Schlachtfeld größerer Flotten bot - sofort ein großes wechselndes Bild verschiedener Gruppenkämpfe, - und wissenschaftliche Zusammenstellungen auf Grund genauer - Einzelberichte wurden noch nicht gemacht. - -Dementsprechend erfolgte der erste $Angriff Howards Sonntag den 21. Juli -bei Plymouth$. - - Sonntag, 21. Juli 1588. -- Die englische Flotte steht etwa 70 Segel - stark zu Luward. Um 9^h am. eröffnet Howard die Feindseligkeiten - dadurch, daß er von einem kleinen Schiff einige Schüsse als - »Herausforderung« auf den Feind abgeben läßt, dann greift er mit der - Flotte an. Er wechselt mit dem feindlichen linken Flügel nur einige - Schüsse auf weitere Entfernungen und segelt quer hinter dem Halbmond - durch. Drake (»Revenge«, 43 Kanonen) und Frobisher (»Triumph«, 42 - Kanonen) greifen mit der Vorhut den rechten Flügel, Recalde (»St. - Anna«, 30 Kanonen), an. Recalde und einige seiner Schiffe nehmen das - Gefecht auf, andere aber drängen zum Gros. Engländer führen - Feuergefecht auf nahe Distanz, weichen aber Entern aus; Spanier müssen - zurück, da im Nachteil. Medina selbst (» St. Martin«, 48 Kanonen) dreht - mit einigen Schiffen bei, um Recalde aufzunehmen, kommt dadurch ins - Gefecht mit Howard (»Ark«, 55 Kanonen); als Medina mehr Beistand - erhält, bricht Howard das ganze Gefecht ab; die Spanier rangieren und - setzen die Reise fort. Dabei erleidet ein großes Schiff »N. S. del - Rosario« (46 Kanonen, Flaggschiff von Andalusien) so schwere Havarie, - daß es in der Nacht zurückgelassen werden muß. Ein zweites Schiff »S. - Salvador« (25 Kanonen, zweites Flaggschiff von Guipuscoa) wird durch - Explosion (Unglück oder Rachetat eines flämischen Geschützmeisters) so - beschädigt, daß es am 22. verlassen werden muß. Beide Schiffe fallen - den Engländern in die Hände. - -In dem etwa achtstündigen Gefecht errang Howard einen kleinen Erfolg; die -spanischen Schiffe hatten mehr gelitten, zwei Flaggschiffe waren gar -verloren. Wichtiger aber war der moralische Erfolg. Die Engländer sahen -ihre Annahmen praktisch bestätigt: ihre Schiffe waren handlicher, -ihre Artillerie besser. Die Spanier hatten bei der geringen -Inklinationsfähigkeit ihrer Geschütze meist zu hoch geschossen und -nirgend den Enterkampf erzwingen können, die Engländer hatten die hohen -Ziele getroffen. Wie beabsichtigt, war Howard, der zur Zeit noch nicht -einmal alle Schiffe aus Plymouth bei sich hatte, imstande gewesen, -abzubrechen und ein allgemeines Gefecht zu vermeiden. Der Mißerfolg -wirkte auf die Armada niederdrückend. Wenn auch offizielle Berichte -darüber schweigen, so geht es doch aus dem Benehmen einzelner Schiffe -Recaldes hervor und tritt auch schon in Privataufzeichnungen zu Tage; auf -englischer Seite hob der Erfolg die Stimmung. - -Die Armada setzte ihren Kurs fort, die Engländer folgten. Da sie aber in -der Nacht die Fühlung unter sich und mit dem Feinde verloren, kam es am -$Montag den 22. Juli$ zu keinem Zusammenstoß. - - Drake hatte Befehl, während der Nacht am Feinde zu bleiben. - Irregeleitet durch einige deutsche Kauffahrer, die er für Spanier - hielt, verliert er die Fühlung und dadurch ein großer Teil der übrigen - Flotte ebenfalls. Nur Howard selbst bleibt mit einer Gruppe am Feinde; - erst am Abend des 22. ist die Flotte wieder vereint. Drake nimmt aber - mit einer Gruppe seiner Kauffahrer an diesem Tage die erwähnte - »Rosario«, und die »S. Salvador« wird verlassen aufgefunden; beide - werden nach England eingebracht. - -Medina ändert an diesem Tage seine Formation. Er bildet aus Vorhut und -Nachhut eine stärkere Nachhut unter de Leyvas Befehl, 43 der besten -Schiffe, darunter die 4 Galeassen, um so jeden Angriff besser abschlagen -und mit dem Gros den Marsch unbehindert fortsetzen zu können. Außerdem -befiehlt er allen Kommandanten bei Strafe des Hängens, die befohlenen -Posten zu halten. Er sendet Nachricht an Parma über die Position der -Armada. - -In der Nacht vom 22./23. Juli wurde es fast windstill. Die 4 Galeassen -erhielten Befehl, dies zu einem Vorstoß gegen einige von der englischen -Flotte getrennte Schiffe zu benutzen. Sie erreichten jedoch nichts, -wahrscheinlich aus Mangel an Schneid. - -Nach der flauen Nacht sprang der Wind $Dienstag den 23. Juli$ auf NO., -als sich die Flotten auf der Höhe von $Portland$ befanden. Nun stand die -Armada zu Luward, und Medina hoffte, den Enterkampf erzwingen und dem -Feinde einen empfindlichen Schlag zufügen zu können. Während die -Engländer manövrierten, um die Luvstellung wieder zu gewinnen, griff er -an. - - Dienstag den 23. Juli. -- Wind NO. Beide Flotten liegen über B. B. Bug. - Die Engländer wenden, die Spanier halten zum Angriff ab. Es entspinnen - sich verschiedene Gruppenkämpfe. Eine englische Gruppe unter Frobisher - (»Triumph« und Kauffahrer), etwas getrennt in Lee stehend, wird hart - bedrängt durch die Galeassen, andere englische Gruppen eilen zur - Unterstützung herbei, aber auch von spanischer Seite kommt Hilfe. Der - wieder auf SO. und dann SW. drehende Wind bringt die Engländer in die - Luvstellung, so daß es Howard möglich ist, eine Gruppe der besten - Kriegsschiffe in guter Ordnung auf diesen wichtigen Kampfplatz zu - führen, und die Spanier müssen, obgleich auch Medina mit einer Anzahl - der besten Schiffe seines Geschwaders (Portugal) hier eintrifft, nach - mehrstündigem, heftigem Kampfe abhalten. Die Engländer hatten wieder - den Enterkampf vermeiden können, aber auch sie hatten diesmal schwer - gelitten und waren knapp an Munition geworden. Nach dem spanischen - Berichte waren sie es, die das Gefecht abbrachen. - -Das Gefecht bei Portland brachte keiner Partei einen taktischen oder -strategischen Erfolg; bemerkenswert ist es aber, daß Medina es jetzt doch -für nötig gehalten hat, die englische Flotte bei günstiger Gelegenheit -schon vor der Vereinigung mit Parma zu schlagen, und seinerseits angriff. - -Nach dem Gefechte, das vom Morgen bis zum Abend gedauert hatte, setzte -die Armada in guter Ordnung die Reise fort; die Engländer folgten scharf, -aber sie unternahmen $Mittwoch den 24. Juli$, wohl wegen -Munitionsmangels, nichts von Bedeutung. Howard teilte an diesem Tage -seine Flotte, jetzt wohl 120 Segel stark, in vier Geschwader, unter -seinem, Drakes, Frobishers und Hawkins Befehl stehend; auch sandte er -kleinere Fahrzeuge und Boote an Land, um von den Küstenkastellen -Munition, sowie Leute und Proviant zu holen. Die spanische Nachhut wurde -wieder in die ursprünglichen Geschwader Leyvas und Recaldes geteilt. Am -$Donnerstag den 25. Juli$ war es fast still, die Flotten standen auf der -Höhe der $Insel Wight$. Um das zurückgebliebene Schiff des Admirals -Recalde entspann sich an diesem Tage ein Gefecht, woran sich nach und -nach eine große Zahl der größten Schiffe von beiden Seiten beteiligte, so -daß es der blutigste der bisherigen Zusammenstöße gewesen zu sein -scheint. Dabei waren bei der zeitweilig völligen Stille verschiedene -Schiffe genötigt, sich ins Gefecht oder in günstige Windposition durch -ihre Boote schleppen zu lassen. Wiederum brachen die Spanier das Gefecht -ab, als zunehmende Brise die Aussichten der Engländer erhöhte; auch -Howard stand von weiterem Kampfe ab, im Hinblick auf seinen -Munitionsmangel und in der Aussicht auf die nun bald bevorstehende -Vereinigung mit den östlichen Streitkräften. - -An diesem Tage sandte Medina einen Boten an Parma mit der Bitte, sich so -bereit zu halten, daß die Vereinigung später ohne jeden Verzug vor sich -gehen könne. - - Donnerstag den 25. Juli. -- »St. Anna« und eine große portugiesische - Galeon waren infolge früher erlittener Gefechtshavarien - zurückgeblieben. Frobisher läßt sich mit einer Gruppe durch Boote an - diese Schiffe bis auf Musketenschußweite heranschleppen. Geschleppt - oder mit eigenen Riemen kommen de Leyva und die Galeassen - spanischerseits, Howard mit einer Gruppe Kriegsschiffen anderseits - heran. Heftiges Gefecht auf nahe Entfernung; nach spanischen Angaben - braucht Howard zum ersten Male seine unterste Batterie, wahrscheinlich - war dieses vielen Schiffen, auch spanischen, bisher wegen Wind und See - nicht möglich gewesen. Als etwas Wind aufkommt, greift eine größere - Anzahl großer Spanier ein und befreit ihre Landsleute, ja Howard selbst - wird hart bedrängt. Schon hoffen die Spanier dieses Mal zum Enterkampf - zu kommen, aber der Wind frischt zugunsten der Engländer auf. An - anderen Stellen sind die Flotten gleichfalls aneinander gestoßen; - Frobisher und einige andere Kriegsschiffe können sich einer ungünstigen - Leestellung auch nur durch Tauenlassen entziehen. - -Das Gefecht bei Wight brachte wieder keine Entscheidung, aber die -Engländer hatten doch neue Erfolge zu verzeichnen: das Schiff Recaldes -war genötigt, nachdem der Admiral von Bord gegangen, die Armada zu -verlassen, es strandete später an der französischen Küste; auch sonst -hatten die Spanier mehr gelitten. Sie setzten aber doch ihre Fahrt in -guter Ordnung fort und wurden $Freitag den 26. Juli$ nicht angegriffen. -Howard erhielt an diesem Tage Munition und Mannschaften, auch neue -Schiffe stießen zu ihm. Medina sandte wieder einen Boten an Parma und bat -um Munition und um 40 leichte Segler, um die beweglicheren Feinde -leichter festhalten zu können; vor allem forderte er, Parma möge beim -Erscheinen der Armada vor Dünkirchen sofort herauskommen. - - Howard rief am Freitag fünf seiner Führer an Bord und schlug sie zum - Ritter, unter ihnen Frobisher und Hawkins. - - Plymouth, Portland und Wight waren die Orte, wo man in England - besonders Landungen gefürchtet hatte, und doch ist es wohl Zufall, daß - gerade hier die drei großen Gefechte stattfanden. Medina dachte an - keine Landung und Howard verfolgte bis hierher nur dieselbe Taktik, - zurückgebliebene oder ungünstig stehende Feinde mit Übermacht - anzugreifen. Er hatte Erfolg damit; wenn dem Gegner auch keine großen - Verluste beigebracht waren, so wurde er doch mürbe gemacht. Jetzt - fehlten schon 4 große Schiffe (eigener Ausspruch Howards: we pluck - their feathers little by little), während die englische Macht ständig - wuchs. - - Wenn Medina bei Wight ein größeres Gefecht annahm, so hatte dies darin - seinen Grund, daß er hoffte, zum Enterkampf zu kommen, und er wurde - vielleicht auch dadurch in seinem Entschluß bestärkt, daß es der Tag - St. Dominiks, seines Schutzpatrons, war; die Absicht, bei Wight liegen - zu bleiben, bis Parma fertig sei, hatte er jetzt schon aufgegeben. - -Auch $Sonnabend den 27. Juli$ griffen die Engländer nicht an. Um 4^h pm. -bekam die Armada die französische Küste bei Boulogne in Sicht und hielt -auf Calais zu. Medinas Lage war bedenklich. Noch immer war keine Antwort -von Parma eingetroffen und die Lotsen erklärten, man würde bei -Fortsetzung des Kurses durch die Strömung bei Dünkirchen vorbei in die -Nordsee getrieben werden. Der Admiral ankerte deshalb am Abend zwischen -$Calais$ und den vorliegenden Bänken und sandte als letzten Boten seinen -Sekretär an Parma mit der dringenden Aufforderung, sofort zu kommen, bei -längerer Zögerung sei die Vereinigung, ja selbst die ganze Flotte aufs -äußerste gefährdet. Der französische Gouverneur von Calais, mit dem -Medina in Verbindung getreten war, um sein Erscheinen an der Küste zu -rechtfertigen, ließ nämlich sagen, der Ankerplatz sei sehr unsicher und -gefährlich. Die Engländer hatten auf Kanonenschußweite geankert und -erhielten am Abend die Verstärkung durch die Geschwader Winters und -Seymours, etwa 36 Schiffe, worunter 5 große Kriegsschiffe, so daß sie -jetzt zwischen 140 und 200 Segel stark waren. Die Entscheidung mußte -fallen, denn auch für Howard war es jetzt die höchste Zeit, der -spanischen Vereinigung entgegenzutreten, und sie fiel. - -Zunächst wurde die Armada in der Nacht vom $Sonntag den 28. Juli$ auf -Montag durch einen Angriff mit Brandern von ihrem Ankerplatz vertrieben. - - Schon am 27. hatte Howard nach Besprechung mit Winter beschlossen, den - Feind zu Anker mit Brandern anzugreifen. Da Brander aus Dover, nach - denen man sofort gesandt hatte, doch wohl zu spät angekommen wären, - ließ er am 28. acht seiner schlechtesten Schiffe zu diesem Zweck - herrichten. Medina hatte einen solchen Angriff vorausgesehen und - angeordnet, Schiffe und Boote zum Abschlagen bereit zu halten. Um - Mitternacht des 28. griffen die Brander an und hatten vollen Erfolg. - Medina gab Befehl, Anker zu lichten, auszuweichen und wieder zu ankern. - Ihm und einigen anderen Schiffen gelang dieses Manöver, sonst aber trat - Verwirrung mit vielen Kollisionen ein. Zwei Schiffe verbrannten, eine - Galeasse kam havariert auf Grund, der größte Teil der Flotte trieb mit - dem Strom die Küste entlang nach Gravelines zu, so daß der Admiral bei - Tagesanbruch mit dem Reste folgen mußte. - -Am 28. waren nun auch, morgens und abends, Nachrichten der zwei letzten -Boten eingetroffen, die aussagten: Parma selbst sei nicht in Dünkirchen, -noch sei nichts eingeschifft, an ein Auslaufen des Transports sei vor -vierzehn Tagen nicht zu denken, da die Transportfahrzeuge leck und auch -sonst die Vorbereitungen nicht fertig seien. Andere Unterstützung, die -gewünschten leichten Schiffe, war infolge der Blockade durch die -Holländer auch nicht zu erwarten. - -$Montag den 29. Juli$ sah sich Medina auf der Höhe von $Gravelines$ -genötigt, die =entscheidende Schlacht= anzunehmen. Als er Calais verließ, -hatte sich =Howard= zwar zuerst, der alten Taktik folgend, mit dem -Versuch aufgehalten, die gestrandete Galeasse durch Boote zu nehmen. -=Drake= aber hatte sofort erkannt, daß es jetzt, so dicht vor Dünkirchen -und den andern Häfen Parmas, nötig sei, den entscheidenden Schlag zu -führen. Er folgte der Armada mit vollen Segeln und die anderen Geschwader -schlossen sich an. Es wehte stark aus NW., nahezu auflandig, ein -Ausweichen vor dem Kampfe mit raumem Winde würde die Armada auf die -Untiefen vor Dünkirchen geführt haben. =Medina=, der die -Halbmond-Formation leidlich gut hergestellt hatte, gab deshalb den -Befehl, so hoch wie möglich an den Wind zu gehen; damit mußte er sich dem -Feinde stellen. Um 9^h am. begann die Schlacht auf der ganzen Linie. -Drake, Frobisher und Hawkins greifen mit ihren Geschwadern den -feindlichen linken Flügel, Winter und Seymour den rechten und Howard bald -darauf die Mitte an. Die feindlichen Flügel werden auf die Mitte -gedrängt, durch Manöver auf beiden Seiten zur Unterstützung besonders -bedrohter Schiffe geht bald jede Ordnung verloren. Auf Pistolenschußweite -wird gefochten; die Spanier, besonders die großen Schiffe, kämpfen -tapfer, sie werden aber furchtbar zerschossen und können teilweise bald -wegen Munitionsmangels nur noch mit Kleingewehrfeuer antworten; -Enterversuche gelingen nicht. - -Um 6^h pm., nunmehr frei von den nächsten Untiefen, hielt Medina nach -schweren Verlusten ab. Die Engländer hatten kein Schiff verloren, aber -auch sie, ermüdet und teilweise ohne Munition, brachen den Kampf ab; von -der Größe des Erfolges, von der jetzt auf der Armada herrschenden -Niedergeschlagenheit, von dem Umfange des Munitionsmangels beim Gegner -hatten sie zunächst noch nicht volle Kenntnis. - - Howards Boote hatten die gestrandete Galeasse (»S. Lorenzo«) geentert - und ausgeplündert; Versuche sie flott zu machen und in Besitz zu - nehmen, hinderten die Franzosen, weil sie in ihrem Hoheitsgebiet lag. - In der Schlacht und am folgenden Tage sollen die Spanier etwa 16 - Schiffe mit 4000-5000 Mann verloren haben; 2 große Galeonen (»S. - Felipe«, 40 Kanonen und »S. Marteo«, 34, Geschwader Portugal) fielen - havariert den =Holländern= in die Hände, die sich nach oder schon - während der Schlacht an der Vernichtung der Spanier beteiligten. - -Nach spanischem Bericht soll =Medina= $Dienstag den 30. Juli$ -beabsichtigt haben, nochmals an den Feind zu gehen, um im Kanal bleiben -oder doch den Rückweg durch ihn einschlagen zu können, aber die Lotsen -hätten erklärt, es sei nicht möglich, es müsse alles getan werden, um die -Flotte frei von der Küste Seelands zu halten. Aus demselben Grunde hätten -auch die Engländer an diesem Tage von einem Angriff abgesehen; es ist ja -auch auffallend, daß sie ihre Erfolge nicht sofort weiter ausnützten. -Medina ließ so hoch wie möglich am Winde (NW.) steuern, bis ein Drehen -des Windes auf SW. gestattete, abzuhalten; beschädigte Schiffe -mitzunehmen, war nicht möglich. - -Ein Kriegsrat am 30. Juli entschied: daß -- mit Rücksicht auf die -erlittenen Beschädigungen und Verluste, sowie den Munitionsmangel -- bei -der Verzögerung Parmas die Landung in England aufgegeben werden müsse, -daß ein Zurückgehen in den Kanal nur bei Eintritt günstigen Windes -möglich sei, andernfalls müsse man die Armada durch die Nordsee nach -Spanien führen. =Die Aufgabe der Armada hatte man also fallen lassen, und -war nur noch auf ihre Rettung bedacht=; da der südliche Wind auffrischte, -steuerte Medina zunächst in die Nordsee. - -Zu Gefechten kam es nun nicht mehr. =Howard= folgte, entließ aber am 31. -Juli die Geschwader Winters und Seymours, um die Bewachung der Themse und -der Doverstraße wieder zu übernehmen. Der spanische Bericht sagt, die -Armada habe gute Ordnung gehalten; die Engländer hätten am 31. Juli, am -1. und 2. August Versuche, die Nachhut anzugreifen, aufgegeben, sobald -das Gros Miene gemacht habe, das Gefecht aufzunehmen; am 2. August habe -der Gegner die Verfolgung abgebrochen. Howard ging tatsächlich an diesem -Tage, auf 55° N. stehend, nach den Downs, Harwich und Yarmouth zurück, -nur einige Pinassen bis zu den schottischen Inseln am Feinde lassend. Er -war der Überzeugung geworden, daß die Armada keine Unternehmungen in -Schottland im Auge habe, und daß ihre Kraft gebrochen sei. Medina hat -noch bis zum 10. August die Absicht gehabt, bei günstigem Winde den -Rückweg durch den Kanal zu nehmen. Als er aber erst am 11., an der -Nordspitze Schottlands angelangt, Nordostwind bekam, beschloß er, um -Schottland und Irland zu segeln; er hoffte auch wohl, an diesen Küsten -seine notleidenden Schiffe mit Wasser und Proviant versehen zu können. - -Diese $Rückfahrt$ -- durch unbekannte Gewässer ohne gute Karten und -Lotsen, mit schwer beschädigten Schiffen, ungenügender seemännischer -Besatzung, vielen Verwundeten und Kranken -- brachte der Armada weitere -schwere Verluste durch höhere Gewalt. Nach englischer Angabe soll während -der Fahrt stets schlechtes Wetter geherrscht haben und es sollen zwei, -für die Jahreszeit ungewöhnlich starke, Stürme aufgekommen sein. Mit kaum -der Hälfte seiner Schiffe lief Medina-Sidonia Ende September in spanische -Häfen ein. - - Eine große Zahl der Schiffe strandete an den Küsten und den - vorliegenden Klippen, namentlich in Irland. Von vielen größeren weiß - man die Strandungsstelle (vgl. Clowes, Teil I). Der Gouverneur von - Connaught meldete am 1. Oktober nach London, in seinem Bezirke seien - mindestens 16 Schiffe mit 6000-7000 Mann untergegangen, 1000 Mann, die - sich an Land gerettet, seien getötet. Ein Mann vom »S. Juan« (50 - Kanonen, Flaggschiff Recaldes seit dem 24. Juli), der bei einem - Versuche, mit Gewalt Wasser zu nehmen, gefangen war, sagte aus, auf - seinem Schiff, einem der bestausgerüsteten, seien täglich 3-4 Mann an - Hunger und Durst, andere an Krankheit gestorben, bis zu seiner - Gefangennahme im ganzen 200. Admiral de Leyva strandete nacheinander - mit 3 Schiffen, beim dritten Male ertrank er. - -Nach den spanischen Angaben $hat die Armada$ von 128-130 Segeln 63 -$verloren$, nämlich: 26 Galeonen oder Schiffe, 3 Galeassen, 1 Galere, 13 -große Transporter, 20 leichte Schiffe. Davon sind 2 dem Feinde -überlassen; 3 bei Calais, 2 an der Küste Hollands, 2 bei Gravelines, 19 -auf der Rückfahrt gestrandet; 35 verschollen. Mit diesen Schiffen und -sonst im Gefecht oder an Krankheiten sind an 20000 Mann umgekommen. Die -Engländer verloren einige Hundert Mann, aber kein Schiff und keinen -Gefangenen. - -Jahrelang war die Armada vorbereitet worden, in einer Woche des Kampfes -war sie aus dem Felde geschlagen, in drei Monaten nahezu vernichtet und -mit ihr das Prestige Spanien-Portugals zur See. - -$Gründe des Mißerfolges der Armada.$ Am 11. August sandte =Medina= einen -Bericht an Philipp II., worin er das Aufgeben der Expedition meldete: -»Seine Flotte sei zum größten Teile versprengt, die Schiffe seien ohne -Munition, die Besatzungen ohne Vertrauen.« Er fügt hinzu, »die englische -Flotte habe mit ihrer eigentümlichen Kampfweise ihre Überlegenheit -bewiesen, ihre Stärke läge in Seemannschaft und Artillerie; die spanische -Stärke, der Enterkampf mit Handwaffen, hätte nicht zur Geltung gebracht -werden können.« Wenn wir noch die bessere Kenntnis der Gewässer und -Strömungen seitens der Engländer hinzufügen, so sind damit die taktischen -Gründe der spanischen Niederlage erschöpft. - -Die strategischen Gründe des Fehlschlagens der Expedition sind bei der -Besprechung des spanischen Kriegsplanes hervorgehoben (S. 116 ff.). Zu -ihnen muß man auch -- er ist gewissermaßen auch taktischer Natur -- den -Umstand rechnen, daß Medina nicht ernstlich versucht hat, die anfangs -noch schwachen englischen Streitkräfte durch eigenen Angriff oder -wenigstens durch energische Durchführung der ihm aufgedrungenen Gefechte -zu vernichten; dieser Fehler entsprang den falschen strategischen -Dispositionen. In dieser Hinsicht möchte ich aber einen Punkt berühren, -der meines Erachtens nach in keiner Quelle genügende Beachtung gefunden -hat, nur von Colomb[62] wird er angedeutet. Verboten war Medina ein -solches Vorgehen nicht, ja es war sogar darauf hingewiesen, allerdings -vielleicht wegen Unterschätzung des Gegners und Überschätzung der Armada -nur sehr oberflächlich. Hat Medina nicht die allgemein und unbestimmt -gehaltenen Dispositionen und Orders falsch ausgelegt oder sich zu sehr an -den Buchstaben gehalten? Ist nicht gerade ihm der Vorwurf zu machen, daß -er selbst stets die Überführung des Transportes in Gegenwart der intakten -feindlichen Flotte für möglich hielt? Es sollen zwar noch weitere -Instruktionen von Philipp an Medina und Parma erlassen sein, die verloren -gegangen sind. Aber es ist doch wohl anzunehmen, daß diese sich auf -andere Sachen bezogen haben, oder daß in ihnen auf untergeordnete Punkte -des Hauptplanes näher eingegangen ist, nicht aber daß sie die Hauptsachen -geändert haben, denn Medinas Handeln entspricht doch zu genau der -bekannten Instruktion. Aber selbst wenn in ihnen das Vermeiden des -Kampfes noch schärfer hervorgehoben sein sollte, hätte doch Medina nach -seinen Erfahrungen auf der Reise die Notwendigkeit des energischen -Niederkämpfens der englischen Seestreitkräfte einsehen und anstreben -müssen. - - [62] Auch Colomb gibt eine kurze Schilderung der Armada-Affäre, - besonders aber, dem Hauptzwecke seines Werkes entsprechend, - kritische Betrachtungen in Hinsicht auf Vergleichung der - Streitkräfte, auf Taktik und Strategie. - - * * * * * - -$Nach der Abwehr der Armada$ brach sich in $England$ der von den -tüchtigsten Seeleuten längst vertretene Gedanke Bahn, den Krieg mit aller -Kraft in die feindlichen Gewässer zu verlegen und damit alle weiteren -Unternehmungen des Feindes im Keime zu ersticken. Es beginnt die Reihe -von staatlichen und privaten Kriegszügen, oft kaum auseinander zu halten, -gegen Spanien, auf die wir früher (Seite 82) hingewiesen haben. Schon im -April 1589 verließ eine Flotte von 80 Segeln -- nach anderen Quellen 146 --- unter =Drake= mit 11000 Mann Landungstruppen unter =Sir John Norreys= -den Hafen von Plymouth. Die Expedition war nur zum kleinsten Teil (6 -Kriegsschiffe) von der Königin ausgerüstet, sonst von Privatpersonen. Sie -wandte sich $gegen Portugal$, da man dort am wahrscheinlichsten die -Aufstellung einer neuen Armada erwarten mußte; auch sollte sie den nach -England geflüchteten Kronprätendenten Dom Antonio als König einsetzen. -Die Armee wurde gelandet, man plünderte Coruña und Peniche und -marschierte nach Lissabon. Nach vergeblicher Belagerung dieser Stadt -schiffte man das Landungskorps in Cascais an der Mündung des Tajo, wohin -die Flotte gesegelt war, wieder ein und kehrte nach England zurück. -Wesentliches, besonders in der Sache Dom Antonios, wurde nicht erreicht; -Landungskorps und Schiffe waren zu schwach und nicht genügend ausgerüstet -gewesen, um das wohlbefestigte Lissabon zu nehmen. Der dem Feinde -zugefügte Schaden dagegen war beträchtlich; in Cascais und auf der -Rückfahrt wurden viele Schiffe genommen, darunter 15 mit Mannschaften und -60 hanseatische mit Proviant und Kriegsmaterial; alles war für -Aufstellung einer neuen starken spanischen Flotte bestimmt. - -In demselben Jahre begannen die $Privatunternehmungen gegen den Handel$ -und die Kolonien Spaniens in großem Maßstabe. Die berühmtesten sind die -des Abenteurers =George Clifford, Earl of Cumberland=. Schon vor der -Armada hatte er zwei solcher Züge unternommen, jetzt folgte im Juni 1589 -ein dritter mit 7 Segeln, darunter ein von der Königin geliehenes -Kriegsschiff. Er brachte Schiffe an der Küste Portugals und bei den -Azoren auf, nahm sogar die Stadt St. Michael und plünderte sie. - -Fast jährlich folgen sich nun die Unternehmungen, teils mit, teils ohne -Unterstützung der Krone: 1591 führte Cumberland 8 Schiffe hinaus; 1592 = -5; 1593 = 8; 1594 = 5 usw., bis er im Jahre 1598 seinen elften und -letzten Zug mit 20, nur eigenen, Schiffen bis nach Westindien ausdehnte -und dadurch in diesem Jahre sowohl die Ausfahrt wie die Heimfahrt der -Silberflotten verhinderte; ein Ausfall, der in Spanien stets auf das -schwerste empfunden wurde. Viele andere Männer, teilweise berühmte Namen -der königlichen Marine, wie Raleigh und Frobisher, taten gleiches.[63] -Unternehmungen gegen die Schätze der Spanier und Portugiesen mit -Geschwadern oder einzelnen Schiffen waren bis zum Friedensschluß 1604 ein -Hauptreiz für abenteuerlustige englische Seeleute. Nicht nur auf den -Nordatlantik beschränkten sie sich, in Brasilien wurden Bahia (1586), -Santos (1591), Recife (1595) geplündert; auch die erwähnten Entdeckungs- -und Kolonisationsreisen waren mit Angriffen auf feindliches Eigentum -verbunden. Welch eine Schädigung des Feindes und welch eine Bereicherung -des eigenen Landes mußte dieser jahrelange kleine Krieg herbeiführen; -fiel doch z. B. 1590 englischen Kreuzern ein spanisches Schiff von drei -Millionen Mark Wert in die Hände! - - [63] Clowes, Teil I, und Zimmermann (Teile: England und Spanien) - schildern diese Züge, ebendort Genaueres über die gleich zu - besprechenden Züge mehr militärischer Natur. - -Auch der $große Krieg$ wurde jetzt $in den feindlichen Gewässern$ -geführt. 1590 wurden zwei Geschwader von zusammen 10 Kriegsschiffen unter -=Lord Thomas Howard= und =Sir Martin Frobisher= entsandt. Sie machten -zwar keine reiche Beute, aber ihr Erfolg lag darin, daß auch in diesem -Jahre die Silberflotte in Westindien zurückgehalten werden mußte. Die -Geschwader kreuzten 7 Monate ununterbrochen im Atlantik, ein erster -Beweis für die zunehmende Leistungsfähigkeit der Kriegsschiffe. Ein im -Jahre 1591 unternommener Versuch, mit 7 Schiffen die Silberflotte -abzufangen, mißlang infolge rechtzeitigen Eintreffens einer -entgegengeschickten spanischen Flotte, doch zeigte der Zusammenstoß mit -dieser weit stärkeren aufs neue die überlegene Tüchtigkeit der englischen -Seeleute. - -Noch erfolgloser, ja unglücklich, war eine größere Expedition 1595. 26 -Schiffe mit Landtruppen -- teils auf Kosten der Krone, teils von -Kaufleuten ausgerüstet; nur 6 Kriegsschiffe waren darunter, da man wegen -Anwesenheit spanischer Schiffe in Brest nicht mehr missen konnte -- unter -=Drake= und =Hawkins= segelten nach Westindien. Man hatte die Absicht, -Nombre de Dios zu nehmen, über den Isthmus von Panama zu marschieren und -sich an der Westküste der dort zur Heimsendung gesammelten Schätze zu -bemächtigen. Verzögerungen der Abfahrt und auf der Reise ließen das -Unternehmen scheitern. Die Spanier waren überall benachrichtigt und -vorbereitet, der dem Feinde durch Brandschatzung und Zerstörung einiger -Städte zugefügte Schaden wog die Kosten nicht auf und vor allem nicht den -Verlust der beiden bewährten Führer, die an Krankheit starben. Die Flotte -mußte nach einem heißen, unentschiedenen Gefecht mit starken spanischen -Streitkräften bei Kuba nach England zurückkehren. - -Trotz dieser Mißerfolge und obgleich der Krieg der Staatskasse große -Summen kostete -- schon bis 1592 hatten die Kosten 1 200 000 Lstrl. -betragen --, blieb Elisabeth in der Offensive. Spaniens Seemacht hatte -sich nach und nach wieder erholt und England befürchtete neuen Versuch -einer Invasion (in Irland?) um so mehr, da 1596 Calais in die Hände der -Spanier[64] gefallen war. - - [64] Im Kriege Spaniens gegen Frankreich, als jenes bei der - Thronbesteigung Heinrichs IV. die Gegenpartei unterstützte; Calais - fiel beim Friedensschluß wieder an Frankreich. - -Um eine solche im Keime zu ersticken, wurde 1596 eine Flotte unter -»gemeinsamer« Führung des Lordhighadmirals =Charles Howard of Effingham= -und des =Grafen Essex= ausgerüstet; beide Führer waren als -»Jointadmirals« koordiniert, wie es später bei der Marine der Republik -gebräuchlich wurde; als Vizeadmiral fungierte Thomas Howard, als -Kontreadmiral Raleigh. Den Kern der Flotte bildeten 17 englische -Kriegsschiffe -- darunter 1 zu 700 tons, 50 Kanonen; 2 zu 600 tons, 39 -und 29 Kanonen; 4 zu 500 tons, 30-60 Kanonen; 2 zu 400 tons, 41 Kanonen ---, hinzu traten 24 holländische Schiffe -- darunter 18 von 2-400 tons, -16-24 Kanonen -- unter Admiral van Duijvenvoorde und viele armierte -Kauffahrer; einschließlich der Transporter war die Flotte 150 Segel mit -6772 Seeleuten und 7360 Soldaten stark. Den Oberbefehl hatten die -englischen Führer. Ihre Instruktion lautete: die Stärke der feindlichen -Rüstungen erkunden; Schiffe und Material für diese zerstören; -unbefestigte Städte, in denen Beute zu machen wäre, nehmen; heimkehrende -reiche Schiffe aufbringen -- alles dieses, ohne zu viel aufs Spiel zu -setzen. - -Der erste Schlag der $Cadiz-Expedition$, wie sie später genannt wurde, -glückte. Sie segelte am 1. Juni 1596; eine Vorpostenkette, die alle -gesichteten Schiffe nahm, bewirkte, daß sie, ohne gemeldet zu sein, am -20. Juni Cadiz erreichte. Die Stadt wurde genommen, viele Schiffe wurden -im Hafen zerstört, eine Kontribution erhoben und auch sonst reiche Beute -gemacht. Der Schaden der Spanier soll 2 Millionen Dukaten betragen haben. - - Es war beabsichtigt, auf der westlichen Spitze der Insel Leon, auf der - die Stadt liegt, zu landen. Auflandiger Wind, hohe See sowie einige - starke, unter dem Schutz der Batterien dort liegende Galeren machten es - unmöglich. Nun wurde am 21. Juni die Hafeneinfahrt forciert trotz des - heftigen Feuers genannter Galeren, anderer weiter binnenliegender sowie - der Forts und Batterien. Die Engländer trieben die Masse der sonstigen - feindlichen Schiffe in den inneren Hafen, schossen sie in Grund oder - verbrannten sie; andere wurden von den Spaniern selbst verbrannt. Die - Holländer bombardierten und nahmen das die Einfahrt deckende Fort - Puntal. =Essex= landete, zerstörte die Zuazo-Brücke, die einzige - Verbindung mit dem Festlande, und stürmte dann die Stadt. Nur wenige - Schiffe konnten sich durch den Kanal, der östlich von der Insel Leon - ins offene Meer führt und nur durch ein englisches Schiff bewacht - wurde, retten. Zwei große Schiffe wurden genommen, die als »St. - Matthew« und »St. Andrew« noch lange zu den größten der englischen - Marine zählten. - -[Illustration: Der Hafen von Cadiz 1596.] - -Weitere Erfolge wurden aber nicht erzielt, man kehrte nach England -zurück. =Essex= und =Duijvenvoorde= wollten Cadiz besetzen und halten, um -von dort weiteres an der Küste zu unternehmen oder doch bei den Azoren -die Silberflotte abzufangen; sie wurden jedoch von den anderen Führern -überstimmt. - -So war denn auch der Erfolg der Expedition kein dauernder. Schon im -Frühjahr 1597 lief eine spanische Flotte mit Truppen für Irland bestimmt -aus, und zwar so geheim und schnell ausgerüstet, daß sie wahrscheinlich -ihr Ziel erreicht haben würde, wenn sie nicht durch schwere Stürme zur -Rückkehr gezwungen wäre. Um neue Rüstungen zu verhindern, stellte England -eine neue Flotte auf -- Admiral =Graf Essex=, Vizeadmiral Thomas Howard, -Kontreadmiral Raleigh --, ähnlich zusammengesetzt wie 1596, auch 10 -Holländer unter Duijvenvoorde befanden sich wieder dabei. Sie sollte die -Sammelplätze Coruña und Ferrol angreifen und sich dann einer der Azoren -als Stützpunkt zeitweise zum Abfangen der Silberflotte bemächtigen. Aber -auch sie wurde nach ihrem Auslaufen im Juli 1597 durch Sturm -zurückgetrieben, erst am 17. August ging sie aufs neue in See. Da sie -jedoch zu nahe an der Küste segelte und gesichtet wurde, war ein -überraschendes Auftreten ausgeschlossen. Sie ging deshalb gleich nach den -Azoren und ließ so den spanischen Streitkräften die englischen Gewässer -in ihrem Rücken frei. Diese benutzten auch die Gelegenheit, auszulaufen -mit der Absicht, sich eines westlichen englischen Hafens zu bemächtigen, -um ihrerseits einen Stützpunkt für Operationen in Irland sowie gegen die -englische Expedition auf ihrer Rückkehr zu gewinnen, aber wiederum -zerstreute sie ein Sturm. Diese drei Fehlschläge von Flotten in einem -Jahre zeigen wieder die Unzulänglichkeit des damaligen Schiffsmaterials -und, daß man im allgemeinen doch noch kein rechtes Vertrauen zu ihm -besaß. - -=Essex plünderte einige der Azoren=, hielt sie zeitweise besetzt, und -Teile seiner Flotte kreuzten in der Nähe der Inselgruppe; infolge -glücklicher Umstände gelang es aber der 40 Segel starken Silberflotte, -unbemerkt in den wohlbefestigten Hafen von Angra auf Terreira -einzulaufen. Ein Versuch, sich ihrer dort zu bemächtigen, mißlang, nur -einige versprengte Schiffe fielen den Engländern in die Hände, und diese -kehrten im Oktober in die Heimat zurück. 1598 wurde nichts von Bedeutung -unternommen, wir haben aber gesehen, daß Cumberland in diesem Jahre den -Verkehr Spaniens mit Amerika unterband. - -1599 rüstete Spanien aufs neue und zog Galeren und Hochseeschiffe -zusammen. Wenn auch diese Kräfte später anders verwendet wurden -- die -Galeren gingen nach den Niederlanden, die Hochseeflotte folgte einer -großen holländischen Expedition nach Westindien --, so war man doch in -England nicht müßig gewesen, um so mehr, da man auch gegen Essex in -Irland den Verdacht verräterischer Umtriebe hatte. Es wurde eine Flotte -von 19 Kriegsschiffen in Dienst gestellt, in ihrer Zusammensetzung wohl -die mächtigste dieser Zeit, nämlich: 2 Schiffe zu 900-1000 tons; 4 zu -700-800 tons; 7 zu 500-600 tons; 6 zu 200-400 tons. Sie kam nicht zur -Verwendung, aber es ist bemerkenswert, daß ihre Mobilmachung bis zum -Seeklarsein nur 12 Tage in Anspruch nahm, eine bisher noch nirgend -erreichte Leistung. - -In den Jahren 1600 und 1601 wurde nichts Größeres unternommen, es -schwebten Friedensunterhandlungen, doch befand sich =ein englisches -Beobachtungsgeschwader an der spanischen Küste= und mehrere große -Privatexpeditionen waren unterwegs. Zu Ende 1601 gelang es einer -spanischen Flotte von 40 Segeln, trotz des Beobachtungsgeschwaders ein -Landungskorps nach Irland zur Unterstützung der Rebellen (=Earl of -Tyrone=) zu werfen; die Truppen richteten aber nichts aus und wurden -durch das englische Geschwader blockiert und zur Kapitulation genötigt. - -1602 führte man die Beobachtung der feindlichen Küsten schärfer und -länger im Jahre durch (auch Holland entsandte 1602 dazu ein Geschwader), -machte in diesem Jahre reiche Beute auf dem Wasser und an der Küste und -vernichtete verschiedene nach Flandern bestimmte Galeren. Für das Jahr -1603 waren sogar 2 Geschwader vorgesehen, die sich in dem -Überwachungsdienste ablösen sollten. Sie segelten aber nicht mehr, da man -nach dem schon zu erwartenden Tode Elisabeths Thronfolgestreitigkeiten -und möglicherweise Einmischungen von außen fürchtete. - -=Jakob= I. schloß 1604 $Frieden mit Spanien$ und verbot auch die -Freibeuterei gegen den spanischen Handel. - -Die Abwehr der Armada und der weitere Krieg hatten Englands Überlegenheit -zur See gezeigt. Die Seemacht Spaniens war schwer erschüttert, ihr -Prestige verloren, aber sie war doch nicht gänzlich niedergeworfen; noch -mehrfach wurden Versuche gemacht, sich wieder aufzuraffen, wie wir auch -besonders noch bei der Geschichte Hollands sehen werden. Als =Jakob= I. -Frieden schloß, war dies nicht im Sinne der für die Seemachtspolitik -Englands begeisterten Männer. Aber unter den Stuarts wurde der Flotte -nicht mehr die Pflege zu teil wie bisher, wenigstens nicht unter Jakob, -und die Seekriege wurden nicht mit der Energie der Zeit unter Elisabeth -geführt; erst Cromwell sollte das Werk Elisabeths fortsetzen. - -Wir können deshalb die $letzten Kriege Englands in diesem -Zeitabschnitt$[65] ganz kurz fassen. Das Bedeutendste sind die Kämpfe der -ostindischen Kompagnie mit Portugal in Indien, die trotz des Friedens -ausgefochten wurden. Wir kennen den Grundsatz der Zeit: »Kein Frieden hat -Gültigkeit unter der Linie.« So wurden denn auch die gegenseitigen -Handelsstörungen im Atlantik fortgesetzt und zwar allem Anschein nach -jetzt besonders von seiten Spaniens. Die englische Marine war unter Jakob -fast untätig, so daß auch die Barbaresken ihre Raubzüge mit Geschwadern -bis in den Kanal ausdehnten. Eine 1620 gegen Algier gesandte Expedition --- 6 königliche Schiffe und 12 Kauffahrer -- richtete nicht viel aus. - - [65] Eingehender vgl. Clowes, Teil II. Zeit 1603-1649. - -Die Kriege Englands gegen Frankreich in dieser Zeit (Hugenottenkriege) -sind bereits, da unwesentlich nur kurz, erwähnt. Als =Buckinghams= von -persönlichen Motiven geleitete Politik =Karl= I. bald nach seiner -Thronbesteigung zunächst auf seiten Frankreichs gegen Spanien führte, so -daß sogar englische Schiffe gegen die Hugenotten in La Rochelle verwendet -wurden, entsandte man 1625 nochmals eine $große Expedition$ -- 9 -Kriegsschiffe, 90 Transporter mit Landtruppen, dazu 16 Holländer -- -$gegen Spanien$ mit ähnlichen Orders wie 1587 und 1596. Es war aber nur -eine traurige Nachahmung dieser Unternehmungen und endete als ein Schlag -ins Wasser ohne jeden Erfolg. - - Die Expedition war mangelhaft ausgerüstet und wurde ebenso geführt. Die - zahlreichen Kauffahrer waren nur mit 8-12 Kanonen armiert und standen - ganz unter dem Befehl ihrer früheren Kapitäne. Den Oberbefehl führte - =Viscount Wimbledon=, ein Landoffizier, der nicht einmal als solcher - ein höheres Kommando innegehabt hatte. Nach verschiedenen Plänen, die - als unausführbar aufgegeben wurden, segelte man nach =Cadiz=, wo - wiederum eine große Anzahl feindlicher Schiffe (95) lag. Der - Vizeadmiral der Flotte, =Graf Essex=, griff an und trieb sie in den - Binnenhafen, wurde aber sofort zurückgerufen; der Flottenchef fürchtete - den großen Tiefgang seiner Schiffe, ohne zu bedenken, daß Drake 1587 - mit Benutzung des Handlots den Hafen forciert hatte, daß Howard und - Essex (Vater) 1596 dasselbe mit ebenso großen Schiffen getan hatten, - nur die Schiffe von 800 tons waren damals draußen geblieben. Die Flotte - ankerte bei Puerto de S. Maria (Skizze Seite 136); etliche Holländer - erhielten wie 1596 den Befehl, gemeinsam mit einigen Kauffahrern Fort - Puntal zu beschießen, dann ging der Flottenchef zu Bett. Die Holländer - erlitten nur Verluste, da die Kauffahrer, unbemerkt und unbestraft, - fernblieben. Am andern Tage wurde gelandet und das Fort angegriffen, es - ergab sich sofort; glücklicherweise, denn man hatte die Sturmleitern - und den Proviant vergessen. Anstatt nun die Schiffe im Hafen zu - vernichten, die Stellung durch Zerstörung der Zuazo-Brücke zu sichern - und dann weiteren Nutzen aus der Landung zu ziehen, fielen die Truppen - auf der Suche nach Proviant über das große Weinlager der westindischen - Flotten her und betranken sich so, daß alles aufgegeben und wieder - eingeschifft werden mußte. Der Versuch, jetzt die Silberflotte - abzufangen, mißlang; diese lief in Cadiz zwei Tage nach Abgang der - englischen Flotte von dort ein. - -Die nächsten Jahre brachten nichts weiter gegen Spanien, da der Krieg mit -Frankreich (um La Rochelle; vgl. Seite 112) entbrannte; 1629 und 1630 -schloß England mit beiden Ländern Frieden. - -Mit dem $Beginn der ernstlichen Mißstimmung zwischen dem Könige von -England und dem Parlament$ 1642 erhob sich auch der Streit über die -Verfügung über die Flotte; mehrfach besetzten König und Parlament die -Hauptkommandostellen mit verschiedenen Personen. Im allgemeinen war die -Stimmung in der Marine lange für den König. Als aber die Endkatastrophe -hereinbrach, gelang es 1649 doch nur einem Admiral, Sir William Batton, -11 Schiffe nach Holland dem Prinzen von Wales zuzuführen, die übrigen -Geschwader hielten zum Parlament, wohl infolge der Gesinnung ihrer -Admirale. Vier dieser Schiffe kehrten bald nach England zurück, der Rest -operierte mit einigen anderen Schiffen der königlichen Partei, die schon -in Holland gewesen waren, in den nächsten Jahren unter =Prinz Ruprecht -von der Pfalz= gegen die Republik. - -Auch von seiten $Hollands$[66] wurde der Krieg gegen Spanien $nach Abwehr -der Armada$ in anderer Weise geführt. Die Beteiligung an den englischen -Expeditionen 1596 und 1597 ist erwähnt; ermutigt durch den Erfolg, -rüstete man 1599 eine eigene Flotte zu gleichem Zweck aus. Wenn man -infolge des Vertrages bisher bereitwillig seine Kräfte unter englischen -Oberbefehl gestellt hatte, so war dies mit Rücksicht darauf geschehen, -daß die englische Marine stärker an großen Kriegsschiffen war, und weil -man der Königin Elisabeth für ihre Unterstützung Dank schuldete; jetzt -strebte man aber danach, selbst eine gebietende Seemacht zu werden. Man -hatte auch nach dem Untergang der Armada begonnen, größere Kriegsschiffe -für die offene See zu bauen. Die Flotte, unter =van Doos=, war 73 Segel -stark und mit Landungstruppen versehen. Sie lief am 15. Mai 1599 aus, -fand aber die Spanier in Coruña und auch sonst an der Küste -benachrichtigt, segelte deshalb nach den Kanaren und brandschatzte diese. -Von hier wurde eine Hälfte nach Haus gesandt, die andere ging nach -Westindien; sie hatte jedoch keinen Erfolg, da der Ausbruch einer Seuche, -der auch der Führer erlag, und das Nahen einer spanischen Flotte (Seite -137) zur Rückkehr zwang. 1606 wurden zwei Geschwader nach der spanischen -Küste gesandt; eines machte reiche Beute, das andere wurde durch -überlegene Kräfte geschlagen. 1607 dagegen vernichtete eine 26 Segel -starke Macht unter =Jakob van Heemskerk= eine gleichstarke, aber aus -größeren Schiffen bestehende spanische Flotte, die auf der Rhede von -=Gibraltar= zu Anker lag. Diese Tat trug nicht nur zur Hebung des -Ansehens der holländischen Seemacht bei -- selbst den Türken gegenüber, -der holländische Handel im Mittelmeer hob sich infolge dessen -wesentlich --, sie beschleunigte auch wohl die schon begonnenen -Waffenstillstandsunterhandlungen. - - [66] Hauptquelle: de Jonge, Teil I. - -In den heimischen Gewässern war der Krieg in Verbindung mit dem -Landkriege fortgesetzt, und es waren hier für die Holländer schwierigere -Verhältnisse entstanden. Der spanische Statthalter =Parma= hatte schon -1583 in =Dünkirchen= (dazu Nieuweport und Sluys) =eine Admiralität= -gegründet, um mit dort gebauten Kriegsschiffen, besonders aber mit dort -ausgerüsteten Kapern (Seite 93) den Handel und die Fischerei Hollands zu -unterbinden. Der Platz war vorzüglich dazu geeignet, in unmittelbarer -Nachbarschaft der holländischen Einfahrten an Kanal und Nordsee gelegen, -geschützt durch vorliegende Bänke; die Bevölkerung lieferte eine -ausgezeichnete Besatzung der Schiffe. Holland mußte einen blutigen und -kostspieligen Kampf gegen diese Macht führen. - -1609 wurde ein zwölfjähriger Waffenstillstand mit Spanien geschlossen. In -dieser Zeit blühte der Handel Hollands mächtig auf; es fallen in sie die -großen Fortschritte in Indien; im Mittelmeer bekämpfte man die Piraten -durch besonders dazu entsendete Expeditionen. - -Mit dem Wiederbeginn des Krieges 1621 trat als Aufgabe an die Marine vor -allem heran $die Bekämpfung der Dünkirchener Seemacht$. Der Krieg auf den -Ozeanen lag fast allein in den Händen der großen Kompagnien. 1621 wurde -allerdings noch eine große Expedition der Kriegsmarine gegen die -spanische Küste unternommen, aber mit ungünstigem Ausfall: die Flotte -wurde vor Gibraltar von den Spaniern geschlagen; auch war Holland 1625 an -der englischen Expedition gegen Cadiz beteiligt. Im allgemeinen aber -hatte die Kriegsmarine neben der Unterstützung des Landkrieges in den -Binnengewässern mit dem Schutz von Handel und Fischerei im Kanal, der -Nordsee und Mittelmeer genug zu tun. - -=Dünkirchen= hatte sich durch das Aufbringen von Schiffen so bereichert --- in den ersten dreizehn Monaten nach dem Waffenstillstand wurden 143 -Prisen gemacht --, daß es immer mehr und immer größere Schiffe in Dienst -stellen konnte; ein Kaufmann z. B. stellte allein dem König 12 -Kriegsfahrzeuge auf, nur um den Orden von St. Jakob zu erhalten. In -Dünkirchen waren im Dienst: 1634: königliche Schiffe: 3 zu 30-40 Kanonen; -14 zu 24-26 Kanonen; 2 zu 18-22 Kanonen; 2 zu 6-14 Kanonen; -Privatschiffe: 11 zu 4-12 Kanonen. 1642: königliche Schiffe: 7 zu 34-44 -Kanonen; 9 zu 26-30 Kanonen; 7 zu 18-24 Kanonen; Privatschiffe: 4 zu -24-28 Kanonen; 9 zu 18-22 Kanonen; 15 zu 6-15 Kanonen. - -Es war dies mithin eine gefährliche Macht der holländischen Marine -gegenüber, die z. B. 1642 auch nur 11 Schiffe über 30 Kanonen und etwa 90 -über 20 Kanonen im Dienst hatte, dabei aber ständige Geschwader auf den -Fischgründen und zur Begleitung der Konvois in Ostsee und Mittelmeer -stellen mußte. - -Die Hauptkraft der Flotte mußte Holland demnach notwendigerweise zur -Bewachung Dünkirchens bereit halten. 1634 bestand das Blockadegeschwader -aus 13 großen Schiffen -- 1 zu 54 Kanonen; 4 zu 38-44 Kanonen; 8 zu 30-34 -Kanonen -- und 5 kleineren. Und lange Zeit war es doch unmöglich, den -Handel wirksam zu schützen; trotz der Blockade liefen die Dünkirchener -in dunklen Nächten und an stürmischen Tagen aus und noch in den dreißiger -Jahren errangen sie innerhalb dreier Jahre eine Beute von 12 Millionen -Gulden an Wert. Aber Holland machte immer größere Anstrengungen; Private -rüsteten Kreuzer aus, =neue Wassergeusen= genannt, das Blockadegeschwader -wurde immer mehr verstärkt, zeitweise bis zu 25 Segeln. Blutige Gefechte -wurden geliefert, in denen sich später berühmte Führer -- =Martin Tromp= -und =Witte de Witt= -- auszeichneten; diese schlugen z. B. 1639 ein -starkes Dünkirchener Geschwader. Endlich wurde die gefährliche Stadt 1646 -von den Franzosen, durch eine holländische Flotte unter Tromp -unterstützt, erobert. - -Die holländische Marine errang aber auch in dem zweiten Teile des -Unabhängigkeitskrieges $zwei große Siege über die Spanier$. Im Jahre 1631 -wurde eine spanische Flotte von 90 Segeln, die in Antwerpen ausgerüstet -war, um den Krieg in die Nordprovinzen zu tragen, $auf der Schelde$ -vernichtet; nur 9 Schiffe entkamen, an 4000 Gefangene wurden gemacht. Es -ist bemerkenswert, daß jetzt im Gegensatz zum ersten Teile des Krieges -die Spanier die kleineren, aber schwer armierten Fahrzeuge hatten und -damit in den engen Gewässern im Vorteil waren. Die größeren holländischen -Schiffe konnten ihnen nicht wirksam entgegentreten, und der große Erfolg -wurde nur durch einen nächtlichen Überfall erreicht. 1639 vernichtete -dann =Tromp= im Kanal eine mächtige spanische Hochseeflotte. - -Dieses Kriegsereignis,[67] gipfelnd in der $Schlacht in den Downs$, ist -wenig bekannt, obgleich es nach seiner Größe und nach seinen Folgen fast -der Armada-Campagne zur Seite gestellt werden kann; hierdurch erst ist -der spanischen Marine der Todesstoß gegeben, eine Hochseeflotte stellte -sie nun für lange Zeit nicht wieder auf. - - [67] Geschildert nach de Jonge, Teil I, Seite 352; dort Angabe weiterer - Quellen. - - In den Niederlanden hatte man erfahren, daß Spanien eine große Flotte - mit Landungstruppen ausrüste; wieder war die Kraft aller spanischen - Länder aufgeboten, sogar Dünkirchener Schiffe waren herangezogen. Zwar - war weder der Zweck noch der Abgangstermin genau bekannt, aber man - mußte sich gefaßt machen, daß sie für Flandern bestimmt war. Es wurden - zwei Beobachtungsgeschwader unter =Tromp= (13 Schiffe) und =de Witt= (5 - Schiffe) im Kanal stationiert, während ein drittes unter =Banckers= (12 - Schiffe) Dünkirchen beobachtete. Am 15. September sichtete Tromp den - Feind, der mit günstigem Winde kanalaufwärts segelte. - - =Die spanische Flotte= unter =d'Oquendo= bestand aus 69 Segeln mit - 24000 Seeleuten und Soldaten: - - 1 Schiff von 2400 tons, 68 Kanonen, Admiral von Portugal, - 2 Schiffe " 1200 und 1600 tons, 66 Kanonen, Admiral von Neapel und - Flottenchef, - 1 Schiff " 1200 tons, 54 Kanonen, Admiral von Kastilien, - 24 Schiffe " 400-1200 tons, 30-44 Kanonen, } Öfters ist erwähnt, daß - 26 " " ? 10-28 Kanonen, } die Spanier leichtere - 16 " kleinere. } Kaliber führten als - } Engländer und Holländer, - } was auch wohl hier noch - } zutrifft. - Tromp hielt sich am Feinde und benachrichtigte die beiden andern - Geschwader. Schon am 17. stieß de Witt zu ihm und man engagierte den - Gegner in laufenden Gefechten, so geschickt geführt, daß er sich nach - der englischen Küste hinüberzog. Am folgenden Tage vereinigte sich auch - Banckers mit der Flotte; die Spanier erlitten schwere Verluste und - ankerten unter dem Schutz der englischen Kastelle in neutralem Wasser - =in den Downs=. Hier blockierte sie Tromp, nur 12 Dünkirchener - Schiffen, stark mit Soldaten bemannt, gelang es, durch die Nordpassage - nach ihren eigenen Häfen zu entkommen. Vizeadmiral de Witt, dessen - Schiff in den Gefechten stark beschädigt war, segelte zur Reparatur - nach Holland und meldete hier die Sachlage. Sofort rüsteten die - Admiralitäten, die großen Kompagnien und Private mit äußerster - Anstrengung, und in kaum vier Wochen war =Tromps Flotte= auf 105 Segel - mit 5968 Seeleuten und 1866 Soldaten gebracht. Die Flotte setzte sich - zusammen aus: 41 Kriegsschiffen, 36 Schiffen der Kompagnien, 18 anderen - Kauffahrern und 11 Brandern. Die Größe der Schiffe kann man nach den - Angaben über die Schiffe der Kompagnien (Seite 87/88) und den Bestand - der Kriegsmarine um 1642 (vgl. S. 151) ungefähr schätzen. - - =England= hatte sein Kanalgeschwader (19 Schiffe) zur Aufrechterhaltung - der Neutralität herangezogen und erklärt, es würde die Partei - angreifen, die den ersten Schuß feuere. - - Nach Clowes (Teil II, Seite 76) würden die englischen Besatzungen kaum - für Spanien gefochten haben; anderseits soll der König seine - Unterstützung gegen eine Zahlung von 150000 Lstrl. zugesagt haben. Daß - d'Oquendo Hoffnung auf englische Hilfe hegte, ist anzunehmen; er hätte - doch sonst wohl nicht wochenlang der steten Stärkung des Feindes - untätig zugesehen. Tromp hatte den Befehl, den Feind ohne jede - Rücksicht auf andere Nationen anzugreifen. - - Am 21. Oktober war =Tromp= stark genug und auch der Wind zum Angriff - günstig. Die Spanier, vom Angriff überrascht, gerieten beim - Ankerlichten in Verwirrung und wurden nahezu vernichtet. Das größte - Schiff wurde durch Brander aufgesprengt, das Flaggschiff von Kastilien - lief mit 22 anderen auf den Strand, von den Schiffen, die die offene - See erreichten, wurden noch 14 genommen, nur etwa 12 kamen nach - Dünkirchen. Der Gesamtverlust der Spanier betrug über 40 Schiffe und - 7000 Mann, die Holländer verloren nur ein Schiff und etwa 100 Mann. Die - englische Flotte hatte nicht eingegriffen, nach Clowes, weil d'Oquendo - beim Angriff den ersten Schuß gefeuert habe. - -Wie der Sieg über die Armada für die englische Marine, so wirkte dieser -Erfolg für die holländische; ihre Achtung stieg im Auslande, ihr -Selbstbewußtsein wuchs. Der Krieg gegen Dünkirchen wurde, wie erwähnt, -immer energischer und bald zu einem guten Ende geführt. Spanien hatte -wiederum eine mächtige kostspielige Flotte verloren; der Verlust machte -sich wohl noch fühlbarer als der der Armada, da die Finanzlage des -Staates jetzt schon weit schlechter war; im nächsten Jahre wurde Portugal -selbständig und damit fiel dessen Flottenkontingent weg. - -So mußte Spanien die Angriffe auf die Niederlande von der See her, mit -Ausnahme von Dünkirchen aus, aufgeben und damit auch dem Friedensschlusse -geneigter werden. - -Bis zum =Westfälischen Frieden= kommen nun größere Ereignisse zur See -nicht mehr vor. $Als Portugal 1640 aufstand$, entsandten die Niederlande -1641 eine Flotte von 9 Schiffen zu 30-38 Kanonen, 8 von 20-28 Kanonen und -einigen kleineren, um mit der portugiesischen und einer französischen -gemeinsam zu operieren und um die Silberflotte abzufangen. Zu der -geplanten Vereinigung kam es nicht, da die Portugiesen untätig im Hafen -blieben und die Franzosen auch nicht erschienen. Die holländischen -Schiffe kreuzten an der spanischen Küste und trafen nach einigen Wochen -mit einem feindlichen Geschwader -- 9 großen Spaniern, 10 guten -Dünkirchenern und einigen kleineren Fahrzeugen -- zusammen, das -ausgesandt war, um der Silberflotte den Weg freizuhalten. In einem -heftigen Gefechte zogen die Holländer den kürzeren, reparierten in -Lissabon und gingen in die Heimat zurück; bemerkenswert ist, daß sich in -diesem Gefecht der Kapitän =de Ruyter= zum ersten Male als Flaggoffizier -auszeichnete; er war der Kontreadmiral des Geschwaders. - - Über Holland ist in diesem Zeitabschnitt noch zu erwähnen, daß in den - Jahren 1644 und 64 eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen, etwa 40 - Segel unter de Witt, die großen jährlichen Konvois von 800-900 - Kauffahrern nach der $Ostsee$ durch den Sund geleitete. Es scheint dies - eine Demonstration gegen Dänemark gewesen zu sein, um Schwierigkeiten - abzustellen, die dieser Staat dem holländischen Handel machte; von der - Unterstützung Schwedens durch eine aus Privatmitteln aufgestellte - holländische Flotte haben wir schon bei den skandinavischen Kriegen - gehört (Seite 111). - - * * * * * - -Die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien geben uns den $Anfang -einer neuen Kriegführung$, wie sie eingangs dieses Kapitels -gekennzeichnet ist. - -Während die Spanier mit der Armadaexpedition noch ein großes, ja das -größte Beispiel der alten Kriegführung liefern, ein fremdes Land über See -anzugreifen, ohne planmäßig vorher um die See zu kämpfen, gewinnt das -Vorgehen der Engländer und Holländer einen anderen Charakter. Sie warten -nicht mehr ab, daß der Feind sie im eigenen Lande, in den eigenen -Gewässern bedroht; ihre Unternehmungen zielen immer häufiger darauf hin, -solche Vorhaben im Keime zu ersticken, schon das Ausrüsten und Auslaufen -zu verhindern. England war zu Ende seines Krieges soweit gekommen, stets -Geschwader an der feindlichen Küste zu haben, man versuchte also, sich -der See in weitem Sinne bemächtigt zu halten; schon der Empfang der -Armada zeigt eine wohlangelegte Bewachung des Eingangs zu den eigenen -Gewässern. - -Ferner hat sich der Kampf der beiden nördlichen Staaten gegen den -spanisch-portugiesischen Handel aus vereinzelten Raubzügen zu dem -Bestreben entwickelt, diesen Handel, der für die Länder schon Lebensfrage -geworden war, ganz zu unterbinden; Portugal war schließlich nicht mehr -imstande, Flotten von Indien zu senden, Spanien mußte öfters das Segeln -seiner Silberflotte verbieten. - - Daß sich das Verständnis für die energische Führung eines - ausgesprochenen Krieges »auf See« jetzt ausbildet, geht aus den - Auslassungen bewährter englischer Seeleute dieser Zeit hervor. Ähnlich - wie Howard und Drake sprachen sich später Admiral =Monson= und - =Raleigh= -- beide waren Unterführer in den Expeditions- oder - Beobachtungsflotten der Jahre 1590-1602 -- in Abhandlungen über die der - englischen Marine nötigen Pflege dahin aus, daß nur ein offensiv auf - der See -- und zwar in den feindlichen Gewässern -- geführter Krieg - England vor Invasionen schützen könne. Bemerkenswert ist es, daß - Raleigh für seine Arbeiten die griechischen und römischen Seekriege - studiert hat. Die Erkenntnis der Wichtigkeit der Herrschaft auf dem - Meere für den Handel zeigt folgender Ausspruch Raleighs: »Whosoever - commands the sea, commands the trade; whosoever commands the trade of - the world, commands the riches of the world and consequently the world - itself.« - -Eine ganz stetige Durchführung der neuen Kriegführung finden wir noch -nicht, auch England fällt öfters in die alte Art zurück; errungene -Erfolge werden nicht genügend ausgenützt, höhere Zwecke der -Brandschatzung hintangesetzt, z. B. bei den Expeditionen gegen Cadiz -1587 und 1596. Die neue Idee war noch nicht durchgedrungen, sie war auch -ohne eine große stehende Marine mit seefähigen Schiffen nicht voll -durchzuführen. Beides geschieht erst im nächsten Zeitabschnitt, womit man -dann auch bald zu der Erkenntnis gelangt, daß zur Erreichung aller großen -Ziele auf See zunächst die Niederkämpfung der feindlichen Seestreitkräfte -nötig ist. - - - Kampfweise und Taktik. - -Bei den $Ruderschiffen$, die ja im Mittelmeer die Kriegsschiffe blieben, -trat im Bau und in der =Kampfweise des Einzelschiffes= keine Änderung -gegen das Mittelalter (Seite 47) ein. Die neue Waffe der Artillerie hatte -keinen Einfluß, ihre Hauptkraft lag ebenfalls nur im Bug und Heck; die -Schiffsenden blieben also offensiv und defensiv stark, die Seiten schwach -wegen der Rudereinrichtung; die Seiten wurden auch mit Einführung der -Breitseitartillerie nicht nennenswert stärker. Hier standen nur ganz -leichte, wenig richtungsfähige Geschütze zwischen den Riemen; manövriert -wurde auf ihren Gebrauch nicht. Die Galeassen, eigentlich doch nur -schwere Galeren, hatten dieselben Eigenschaften. - -In der =Taktik für Schiffsverbände= änderte sich infolgedessen auch -nichts. Wenn beim Mittelalter gesagt ist, daß sie nicht auf der Höhe des -Altertums stand, so trifft dies jetzt noch zu. Von den wenigen genauer -überlieferten Beschreibungen zeigen die der größten Schlacht von -Ruderschiffen (Lepanto 1571) und die der letzten, worin ausschließlich -solche Fahrzeuge zur Verwendung gekommen sein sollen (Genua, 1. September -1638), ein starres Festhalten am Althergebrachten wie im Mittelalter. - - $Lepanto.$[68] Die verbündeten Mächte -- Spanien, Venedig und der Papst - -- hatten 1571 eine Flotte von etwa 300 Fahrzeugen -- 6 Galeassen, an - 200 Galeren, der Rest Fahrzeuge aller Größen wohl meist Transporter -- - mit 50000 Mann Fußvolk und 4500 Reitern in Messina versammelt, um einen - großen Schlag gegen die Türken in Griechenland zu führen. =Don Juan - d'Austria= befehligte die Expedition. Er verließ am 25. September den - Hafen, landete in Griechenland fast an derselben Stelle, wo Octavian - vor Actium gelandet hatte, und erfuhr hier, daß die türkische Flotte im - Golf von Korinth sei. Am 6. Oktober ging er dorthin ab. Die Türken - lagen in Lepanto -- dem alten Naupactus, ihrer Flottenstation --, auch - etwa 300 Segel stark und kamen den Christen entgegen. So trafen sich - die beiden Flotten am 7. Oktober am Nordwesteingang des Golfes von - Korinth bei den Kurtsolarischen Inseln (alt: Echinaden), die Christen 6 - Galeassen, 200 Galeren, die Türken etwa 250 Galeren an Schlachtschiffen - stark. Wenn auch an Zahl unterlegen, so waren doch die Schiffe der - Verbündeten stärker armiert und besser bemannt; die Besatzungen waren - zum Schutz und Trutz stärker bewaffnet und enthielten die Blüte der - Ritterschaft ihrer Länder. Die Türken hatten keine Galeassen. - - [68] Vgl. Jurien, »Lepanto«. - - Beide Flotten waren in vier Geschwader geteilt, drei davon in der - Sichel formiert, das vierte stand als Reserve hinter dem Zentrum. Auf - seiten der Verbündeten waren die Galeassen in Dwarslinie vor die Mitte - gezogen; beide türkische Flügel und der linke christliche lehnten sich - an Untiefen an. Die Türken versuchten den Gegner zu überflügeln, was - auch besonders mit ihrem rechten Flügel gelang, der mit Hilfe von - Lotsen die Untiefen vermieden hatte. Bei der geringeren Anzahl ihrer - Schiffe war für die Verbündeten die Wahl der Formation falsch, sie - hätten die Flügel zurückziehen müssen (Halbmond); die Türken nutzten - aber ihren Vorteil nicht energisch genug aus. Im Zentrum eröffneten die - schweren Galeassen frühzeitig das Feuer und erschütterten den Feind, - dann griff Don Juan mit voller Fahrt an, gab persönlich das beste - Beispiel, indem er der Erste an Bord des türkischen Flaggschiffes war, - und in der Melee errangen hier die Christen nach blutigem Kampfe einen - vollständigen Sieg. Auch ihr linker Flügel gewann bald wieder die - Oberhand, obgleich sein Admiral Barbarigo gefallen war; der türkische - linke war weniger zum Kampf gekommen. Die Türken verloren 200 Schiffe - und mindestens 20000 Mann. 15000 Christensklaven sollen befreit sein. - Der Verlust der Christen betrug 15 Galeren und 8000 Mann, darunter - allerdings viele Führer und angesehene Ritter. - -[Illustration] - - * * * * * - -Bei =Lepanto= kann von einer angewandten Taktik nicht die Rede sein: die -Verbündeten wählen die für sie falsche der gebräuchlichen -Gefechtsformationen, die Türken nutzen weder diesen Fehler noch ihre -Überzahl aus; nur das Einleitungsgefecht mit Feuerwaffen hat mit deren -Vervollkommnung an Bedeutung gewonnen, sonst geben bessere Bewaffnung, -Körperkraft, Mut sowie das Beispiel der Führer im Handgemenge den -Ausschlag. - -In der Schlacht vor =Genua= 1638 zwischen Franzosen und Spaniern bestand -jede der Flotten aus etwa 30 Galeren, rangiert in Dwarslinie. Es kam zum -sofortigen Enterkampf, weil der französische Admiral den Befehl gegeben -hatte, wie er das feindliche Flaggschiff, so habe eine jede Galere beim -ersten Anlauf das ihr in der Linie des Gegners gegenüberstehende Fahrzeug -mit voller Ruderkraft anzugreifen. Hier ist also von jedem Gedanken, sich -einen taktischen Vorteil zu sichern, abgesehen. Es ist nur bemerkenswert, -daß beide Gegner vor dem Gefecht versuchen, die Luvstellung zu gewinnen, -um durch den Angriff vor dem Winde ihre Stoßkraft zu vermehren. - -Für die $Segelschiffe$, deren Kampfweise und Taktik im Mittelalter kaum -von der der Ruderschiffe abwich, ja nicht einmal auf ihrer Höhe stand, -änderten sich in diesem Zeitabschnitte die Verhältnisse wesentlich. Als -die Kanonen in der Breitseite aufgestellt und zur Hauptwaffe wurden, -mußte =an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der in der -Querabrichtung treten=. - -Bei Segelschiffen mit Breitseitarmierung waren im Gegensatz zu den -Ruderschiffen die Seiten offensiv und defensiv stark, Bug und Heck -dagegen schwach. Den Seiten war die Hauptschwäche, die Rudereinrichtung, -genommen, die Schiffswände wurden stärker gebaut, die Hauptwaffe stand -dort. Bug und Heck konnte man bei zunehmender Leistung der Artillerie -wegen der verheerenden Wirkung eines Enfilierfeuers dem Feinde nur mit -großer Gefahr zuwenden. Den Bug zum Rammstoß zu gebrauchen, war vom Winde -abhängigen Schiffen nur gelegentlich möglich; die feindlichen Riemen -waren als Angriffsobjekt weggefallen. Als der Artilleriekampf mit -Breitseitgeschützen in den Vordergrund trat, wurde dies auch von Einfluß -auf die =Angriffsformation einer Flotte=; um die Artillerie vor der Melee -ergiebig verwenden zu können, mußte man eine tiefe Formation an Stelle -einer breiten haben: =die Kiellinie an Stelle der Dwarslinie=. - -Der Einfluß machte sich natürlich nur allmählich bemerkbar. Wir wissen, -daß die Spanier zur Zeit der Armada die Artillerie noch nicht als -Hauptwaffe betrachteten. Zahl, Kaliber, Montierung der Geschütze, -Ausbildung der Mannschaft an ihnen einerseits, die überwiegende Bemannung -mit Soldaten anderseits machen ihre Schiffe nur geeignet für den -Enterkampf; seine Herbeiführung war auch ausdrücklich angeordnet. Bei den -Engländern dagegen war die Artillerie schon Hauptwaffe geworden, ihre -beweglicheren Schiffe waren stark bestückt, bemannt mit guten -Artilleristen und vielen Matrosen; sie führen schon ein Feuergefecht. So -finden wir auch als Flottenformation bei der Armada noch den -althergebrachten Halbmond; selbst auf dem Marsche wird er meistens -gehalten, wohl um jederzeit zum Schlagen bereit zu sein und um die -schwächeren Schiffe zwischen dem aus starken Kriegsschiffen bestehenden -Zentrum und den Flügeln besser schützen zu können. Über die Formation der -Engländer haben wir keine Angaben. Bei ihrer während der ganzen Fahrt der -Armada durch den Kanal beobachteten Taktik -- die Luvstellung zu halten -und den Gegner an den zurückgezogenen Flügeln anzugreifen, vor allem aber -sich auf in ungünstiger Windposition zurückgebliebene Feinde zu stürzen --- ist anzunehmen, daß sie keine starre Formation hielten. Die Führer der -Geschwader oder selbst die einzelner großer Kriegsschiffe nahmen -selbständig jede günstige Angriffsgelegenheit wahr. Nur bei Gravelines, -der einzigen rangierten Schlacht, wird der Feind auf der ganzen Linie -zugleich angegriffen, aber auch hier haben die einzelnen Geschwaderchefs, -durch die Verhältnisse geleitet, selbständig gehandelt. Man kann in dem -Verhalten der Engländer vielleicht schon den Anfang der späteren -Gruppentaktik erkennen, jedenfalls aber den Hauptgrund, der zu ihrer -Einführung beigetragen hat: die Verschiedenheit der Schiffe. In der -englischen Flotte befanden sich nur wenige große Kriegsschiffe, die für -sich im Gefecht bestehen konnten; die weit größere Zahl der schwächeren -Fahrzeuge schloß sich diesen an, zugeteilt oder aus eigenem Antriebe, um -ihren Teil am Gefecht nehmen zu können; =so bildeten sich -Gefechtsgruppen=. - -Wenn nun auch die Angaben über den Verlauf späterer Seegefechte, nach der -Fahrt der Armada, nur spärlich sind, so kann man doch aus ihnen -entnehmen, daß der Geschützkampf allgemein mehr in die erste Linie tritt. -Es wird diese Tatsache häufig hervorgehoben und gleichfalls bemerkt, daß -von den Flotten immer mehr Gewicht darauf gelegt wird, vor dem Gefecht -die Luvstellung zu gewinnen; oft wird tagelang daraufhin manövriert. - - Auch die Angaben über »Schiffe« und »Waffen« zeigen die zunehmende - Wichtigkeit der Artillerie; zu Ende dieses Zeitabschnittes war der Typ - des Segelbreitseitschiffes fast endgültig festgestellt. Die geringer - werdende Bedeutung des Enterkampfes kann man ferner daraus erkennen, - daß die Besatzung gleich großer Schiffe bei starker Zunahme der - Geschütze an Kopfzahl während des Zeitabschnittes wesentlich - hinuntergeht, z. B. hatte ein englisches 1000 tons-Schiff 1548 eine - Besatzung von 700 Mann, 1603 von nur 500, und um 1637 war ein Schiff - von 1680 tons nur mit 600 bemannt. - -Da zeigt sich denn auch zu Ende des Zeitabschnittes schon deutlicher der -Einfluß der neuen Kampfweise auf die Taktik. Der holländische Admiral -=Tromp= soll seine Streitkräfte in Kiellinie ins Gefecht geführt haben -und auch die Gruppeneinteilung hat er planmäßig verwendet; die -holländische Kriegsmarine besaß damals gleichfalls nur wenige schwere -Schiffe. Er teilte um 1639 seine Flotte in 3-5 Geschwader und ein jedes -dieser wieder in 3-5 Unterabteilungen, die dann im Gefecht auch bei der -Melee als taktische Einheit zusammenhalten sollten; aus ihnen formierte -er die Linie. Von dieser Zeit an kann man von einer =Entwicklung der -Taktik für Segelschiffe= sprechen und sie verfolgen; sie ist daher ein -Kennzeichen des nächsten Abschnittes. - -Die Waffe der $Brander$, deren Wirkung wir bei der Armada kennen gelernt -haben, wurde auch sonst noch verschiedentlich mit Erfolg verwendet; aber -ihre Glanzzeit und damit ihr Einfluß auf die Taktik fällt ebenfalls in -den nächsten Zeitabschnitt. - - - Die wichtigsten Kriegsmarinen. - -Die ersten großen Marinen sind in $Portugal$ und $Spanien$ als Folge der -großen Entdeckungen geschaffen, sie erreichten sogar in diesem -Zeitabschnitt ihre höchste Blüte, traten aber auch an seinem Ende fast -ganz vom Schauplatz wieder ab und spielten im nächsten nur eine sehr -unbedeutende Rolle. Portugal brauchte eine bewaffnete Macht zum Erringen -seiner Handelsherrschaft im fernen Osten, Spanien zur sicheren -Überführung der in Amerika gewonnenen Schätze; seit 1580 waren beide -Mächte vereint. Die Stärke ihrer Marinen kann man nach den Angaben -beurteilen, die bei der Besprechung der Armada gemacht sind (Seite 119, -120). Hier hatte Philipp II. alles an Streitkräften vereinigt, was -Spanien mit seinen Nebenländern in europäischen Gewässern aufbieten -konnte, eine ungeheure Zahl von teilweise sehr großen Schiffen. - -Es erscheint aber zweifelhaft, ob man diese Marine als eine vollwertige -stehende Kriegsmarine ansehen darf. Sir W. Raleighs Worte, »die -portugiesisch-spanischen Schiffe sind zwar groß, aber mehr geeignet für -den Handel als für den Krieg«, sprechen dagegen und wohl mit Recht. Die -Schiffe sollten als Transporter dienen und waren, wenigstens bis zur -Armada, nur dazu gebaut, daß sie Piraten abschlagen oder gegen indische -Fürsten auftreten konnten, nicht aber ausschließlich für den Kampf. Seine -Kriege im Mittelmeer focht Spanien in erster Linie mit Galeren (Anfang -des 17. Jahrh. 40-50 vorhanden) aus. Bestätigt wird dieser Zustand -dadurch, daß die spanisch-portugiesischen Schiffe nur schwach armiert und -mit weit mehr Soldaten als Kriegsschiffseeleuten bemannt waren. - -Durch die Vernichtung der Armada erhielt die spanische Marine einen -schweren Stoß. Die meist geäußerte Behauptung aber, ihre Macht sei -dadurch völlig gebrochen, ist nicht ganz zutreffend. Ich wählte deshalb -den Ausdruck, das Prestige der Spanier und Portugiesen zur See sei -verloren gegangen. Zwar wird der Seekrieg gegen Holland hauptsächlich mit -Dünkirchener Streitkräften geführt (Seite 140), aber doch auch im -Mutterlande werden noch starke Flotten aufgestellt. Wir sahen -holländische und englische Expeditionen nach Westindien und Brasilien -scheitern infolge des Eintreffens starker spanischer Flotten, die Spanier -(1601) gar in Irland einfallen und 1639 die gewaltige Flotte d'Oquendos -im Kanal erscheinen. Erst die Vernichtung dieser hat wohl der alten -spanischen Marine von Hochseeschiffen den Todesstoß gegeben; Spanien -schuf dann erst im 18. Jahrhundert eine neue. - -Im Norden entwickelten sich die Kriegsmarinen $Dänemarks$ und $Schwedens$ -früher als in den westlichen Staaten zu einer ansehnlichen Stärke. Schon -im Dreikronenkriege (1563) erscheinen auf beiden Seiten Flotten bis zu 70 -Segeln, worunter etwa ein Drittel größere Kriegsschiffe; zur Zeit -Christians IV. und Gustav Adolfs enthielten beide Marinen etwa 30 -Schlachtschiffe von über 40 Kanonen, ein hoher Bestand verglichen mit den -Angaben für Holland und England zu dieser Zeit. Dieser Bestand ist in der -Zukunft nur eine kurze Zeit um 1700 überschritten, um dann wieder -zurückzugehen; die Schlachtschiffe wurden allerdings wie überall auch -hier mächtiger. Die Überlegenheit der Marine lag zeitweise bei Schweden, -zeitweise bei Dänemark, wie wir schon in den Kriegen[69] sahen. Die -dänische Marine erreichte ihren höchsten Stand zuerst unter Christian IV. -(1588-1648), die schwedische bald darauf unter Gustav Adolf. Christian -verfügte (1611) nicht nur über 50-60 Kriegsschiffe, er hatte auch in den -»Defensionsschiffen« eine starke Unterstützung seiner Flotte geschaffen. -Es waren dies Fahrzeuge der großen Rhedereien, denen Zoll- und -Verkehrserleichterungen zugesichert waren, wenn sie als mittelstarke -Kriegsschiffe geeignet gebaut und im Kriege dem Staate zur Verfügung -gestellt wurden. Die dänische Marine ging aber noch unter Christian IV. -infolge des unglücklichen Krieges von 1643-1645 zurück; die schwedische -war 1655-1660 die stärkere, und erst unter Christian V. (1675) stand die -dänische wieder an der ersten Stelle. Es darf nicht unerwähnt bleiben, -daß die skandinavischen Seeleute schon zu dieser Zeit wegen ihrer -Tüchtigkeit berühmt und daß die nordischen Kriege, an denen ja auch die -Holländer teilnahmen, lehrreich für die Seeleute aller Nationen waren. - - [69] Vgl. Seite 109 ff. Dort auch Angabe von Quellen. - -Die an Zahl der Schiffe größte Marine entstand in $Holland$[70] während -des Unabhängigkeitskrieges. Vorher werden nur sehr wenige staatliche -Schiffe erwähnt: z. B. um 1557 nur 2 zu 400 tons, 1 zu 300, 1 zu 200 und -eine größere Zahl von Ruderfahrzeugen, wie überall zu Zolldienst usw. Zu -Kriegszügen ergingen Aufgebote an die Seeprovinzen; Karl V. und Philipp -II. haben öfters bei ihren Kriegen im Norden und Süden davon Gebrauch -gemacht. Der achtzigjährige Krieg aber zwang die Niederlande bald zur -Beschaffung staatlicher Schiffe. Man nahm sie zwar zunächst wieder aus -der Kauffahrteimarine und änderte sie nur um, baute aber bald wirkliche -Kriegsschiffe. Jetzt war man auch genötigt, gute und feste Einrichtungen -für Aufstellung und Erhaltung der Seestreitkräfte zu treffen. - - [70] de Jonge gibt die Entwicklung der niederländischen Marine sehr - genau. - -In jeder Seeprovinz wurde hierzu eine =Admiralität= eingesetzt, eine -Kommission von sieben Personen. Nach verschiedenen unwesentlichen -Verschiebungen bestanden, von Ost nach West aufgezählt, folgende: -Friesland, Sitz in Harlingen; Norderquartier, oder auch Westfriesland -genannt, in Hoorn; Amsterdam; Maas, in Rotterdam; Seeland, in Middelburg. -Jede Admiralität besaß ihre eignen Kriegsschiffe, mobilisierte sie und -verstärkte ihre Flotte im Bedarfsfalle durch geheuerte Handelsschiffe. An -der Spitze der Seemacht stand der Generaladmiral, die Person des -Statthalters; in den ersten Zeiten führte er -- oder in der Praxis sein -Stellvertreter, der Admiralleutnant, ernannt von der Provinz Seeland -- -nur den militärischen Oberbefehl über die Streitkräfte; 1597 wurden ihm -auch die Admiralitäten unterstellt, doch blieben sie in vielen -Angelegenheiten direkt von den Generalstaaten abhängig. Die Eifersucht -der beiden wichtigsten Seeprovinzen -- Seeland und Holland, dieses die -drei Admiralitäten Amsterdam, Maas, Westfriesland umfassend -- führte -schon im Anfang des Aufstandes zur Bestellung von zwei Admiralleutnants, -je eines für Seeland und Holland. Solange der Krieg in den -Binnengewässern geführt wurde, war dies von Nutzen, da zwei -Kriegstheater, Maas-Schelde-Mündung und Zuidersee, vorhanden waren. Als -es sich später um Aufstellung von größeren Seeflotten handelte, führte es -zu Reibungen zwischen den Befehlshabern selbst und zwischen den Staaten; -von 1627 an wurde deshalb für längere Zeit -- bis 1665, wo sogar jede -Admiralität die Ernennung eines Admiralleutnants für sich durchsetzte -- -der Posten wieder von einer Person bekleidet, dem Titel nach zugunsten -Hollands; er hieß »Leutnant-Admiral von Holland und Westfriesland« und -wurde auch der Admiralität Rotterdam entnommen. Außerdem hatte man zwei -Vizeadmirale, wieder je einen für Holland und Seeland. Die Geschäfte der -Kontre-Admirale[71] bei zusammengetretenen Flotten wurden anfangs von dem -ältesten Kommandanten wahrgenommen, doch wurde später auch dieser -Dienstgrad, zunächst wieder für Holland und Seeland, eingeführt. - - [71] In Holland »Schout (Schouwt) by Nacht« genannt, da ihm als Führer - der Nachhut die Pflicht zufiel, bei Nacht die Flotte zu schließen - und »nachzusehen«, ob kein Schiff zurückblieb. Noch zutreffender - ist vielleicht die Bezeichnung, die man in der deutschen - Übersetzung des Lebens Ruyters von G. Brandt, durch die Söhne des - Verfassers übersetzt, findet: »Schulze (also Aufsichtsorgan) bei - Nacht«. - -Den Anfang der Einrichtung eines =festen Offizierkorps= findet man um -1626. Im Kriege gegen Dünkirchen zeigte sich, daß tüchtige Kapitäne -fehlten, da diese den gewinnreicheren Dienst als Freibeuter vorzogen, -häufig sogar auf seiten der Gegner. Nun wurde es Brauch, bei den -Admiralitäten einen Stamm von alten, befahrenen Kapitänen zu halten, in -den Provinzen von Holland z. B. 60, und sie auch bei Nichtverwendung zu -besolden. Diese, ordinaris kapiteinen genannt, sollten in erster Linie -den Befehl über die Kriegsschiffe der Schlachtflotte führen; die -ältesten, als Führer von Unterabteilungen verwendet, hießen Kommandeure. -Für andere Zwecke, z. B. Kommandanten der Konvoi-Begleitschiffe, wurden -nach Bedarf und nur auf Zeit extraordinaris kapiteinen angestellt. Das -sämtliche übrige Personal wurde erst bei den Indienststellungen -angeworben. - -Das =Schiffsmaterial= bestand anfangs nur aus wenigen, aber bald aus -einer sehr großen Zahl von kleinen Fahrzeugen. Schon 1575 stellte Seeland -etwa 140 Schiffe, 40-140 tons mit 1 Mann pro Tonne Besatzung und 8-20 -leichten (3-9-Pfünder) Geschützen, größtenteils nur für Flüsse und -Flußmündungen brauchbar. Holland besaß weniger, aber größere, bis zu 250 -tons mit 32 Kanonen. Bis zur Zeit der Armada wächst zwar die Zahl, nicht -aber die Größe der Schiffe, da man bei der Art der Kriegführung große -Schiffe nicht unbedingt nötig hatte und auch die Geldmittel für deren Bau -nicht reichten. Als aber dann der Krieg auf die offene See hinaustrat, -und mit dem Freiwerden der See der Wohlstand wuchs, wurden auch die -Schiffe größer. Bei dem Zug gegen Cadiz 1597 findet man schon 18 zu 200 -bis 400 tons mit 16-24 Geschützen und 100-130 Mann; 13 davon sind -allerdings noch geheuerte Handelsschiffe. Größere Kriegsschiffe sind also -noch nicht genügend gebaut, aber auch dieses geschieht. Die Angabe der -Streitkräfte, die gegen Dünkirchen im Anfang des 17. Jahrh. verwendet -wurden (vgl. Seite 140), zeigt schon die Vermehrung der größeren -Kriegsschiffe, und der Stand der Marine um 1642 ist nach folgender -Tabelle der um diese Zeit »in Dienst befindlichen Schiffe« zu beurteilen: - - Admiralität: Rotterdam Amsterdam Seeland Norderquartier Vriesland - Schiffszahl: 45 39 35 20 4 - =Summa=: 143 Segel =und zwar= - - Admiralität: Rotterdam Amsterdam Seeland Norderquartier Vriesland - Schiffszahl: 1 1) 1 9 49 36 47 - Tonnen ca. 600 2) 500 2) 4-500 2-400 unter 200 - Kanonen 57 46 32-36 24-30 20-23 2-20 - Seeleute 200 140 110 100 ? - Soldaten 40 30 30 20 ? - - 1) Nur dieses Schiff war Zweidecker. - - 2) Wahrscheinlich noch etwas größer. - -Es war mithin, was Material anbetrifft, eine ansehnliche Marine. -Allerdings lag ihre Kraft in mittleren, ja kleinen Schiffen, die -keineswegs immer im Dienst waren; wenn die Schiffahrt im Herbst aufhörte -oder sonst kein Anlaß vorlag, wurde ein Teil aufgelegt. Auf dieser Höhe -blieb die Marine auch nur während des Kriegszustandes; nach dem -Westfälischen Frieden wurde sie sofort auf 40 Schiffe verringert. Die -übrigen wurden verkauft oder vernachlässigt, so daß wir die Niederländer -mit einer weit geringeren Anzahl wirklicher Kriegsschiffe in den ersten -englisch-holländischen Krieg werden eintreten sehen. - -Einen großen Rückhalt hatte die Kriegsmarine an den beiden indischen -Kompagnien, deren Schiffsbestand schon angeführt ist (Seite 87, 88). -Diese Schiffe, an Größe im Durchschnitt den Kriegsschiffen überlegen, -allerdings verhältnismäßig schwächer armiert, waren die geeignetsten -Kauffahrer für die Verstärkung der Kriegsflotte; sie waren fast -vollwertige Kriegsschiffe und werden deshalb bei Angaben über -Zusammensetzung von Flotten auch immer getrennt von den anderen -Handelsschiffen aufgeführt. Sie bildeten ferner eine Schule für Offiziere -und Mannschaften zum späteren Dienst auf Kriegsschiffen; viele der -berühmten Flaggoffiziere in den Kriegen des 17. Jahrh. haben auf ihnen -ihre seemännische und militärische Ausbildung erhalten. Hierzu traten die -Seeleute, die die harte Schule der Hochseefischerei durchgemacht hatten, -als vorzügliches Personal. - -Die Marine $Englands$,[72] deren Anfänge wir schon betrachtet haben -(Seite 50), wuchs unter Heinrich VIII. besonders in Hinsicht auf die -Größe der Schiffe. Ihr Bestand zu verschiedenen Zeiten des hier -geschilderten Abschnittes (1522, 1548) ist angegeben (Seite 98 ff.), um -als Beispiel für die Entwicklung des Schiffbaues zu dienen. Während -Heinrichs VIII. Regierung waren 23 Schiffe als Kriegsschiffe neu erbaut -und 15 geeignete Handelsschiffe angekauft. 1548 stellte die Gesamtzahl -von 53 Schiffen einen Tonnengehalt von 11268 tons dar. Unter Eduard VI. -und Mary ging der Bestand aber wieder so herunter, daß 1558 nur 26 mit -7110 tons vorhanden waren. Auch die ersten Regierungsjahre Elisabeths -(seit 1558) brachten hierin keine wesentliche Änderung: 1565 finden wir -29 Schiffe, 1575 gar nur 24 mit 10470 tons. - - [72] Clowes, Teil I und II, die Kapitel »Civil history«. - -Von jetzt wuchs die Zahl wieder. Gegen die Armada fochten 34 königliche -Schiffe, nahezu der Gesamtbestand, und um 1603 werden 42 aufgezählt, und -zwar: - - Schiffszahl 2 6 10 12 12 - Tonnengehalt 1000 800-900 500-700 200-400 unter 200 - schwere Geschütze 48-38 38-30 38-26 30-15 21-3 - leichte Geschütze 0-30 2-18 0-24 0-12 3-21 - Seeleute 340 270-340 150-230 70-130 ? - Gunner 40 32-40 30 12-20 ? - Soldaten 120 100-120 70-90 20-50 ? - -Daß die Flotte Elisabeths trotz der vielen Unternehmungen in ihrer Zeit -so gering war, ist dadurch zu erklären, daß bei den Expeditionen zur -Störung des feindlichen Handels wie gegen die Küsten die Kriegsschiffe -meist nur den Kern der Flotten, Flaggschiffe und Gruppenführer, bildeten; -als solche wurden sie auch zu den Privatzügen gestellt. Dagegen ist -hervorzuheben, daß das Material auf der Höhe der Zeit gestanden haben -muß. Elisabeth hat viele neue Schiffe erbaut. Schon 1587 waren fast alle -Fahrzeuge zwischen 500 und 800 tons neu; im ganzen sind während ihrer -Regierung 55 erbaut, davon 38 nach 1586. - -Unter Jakob I. wurden die Schiffe vernachlässigt, wenn auch ihre Zahl -sich nicht verringerte, unter Karl I. trat dagegen wieder ein Zuwachs -ein. 1649 war der Bestand: - - Schiffszahl 1 1 10 5 10 ca. 24 ca. 20 - Tonnengehalt 1683 1187 8-900 7-800 5-700 2-400 kleinere - Kanonen 100 64 40-44 40-50 30-38 30-38 - - Die Geschütze unter =3-Pfund-Kaliber= werden jetzt nicht mehr - mitgezählt; die Schiffe, namentlich die kleineren, sind oft - überarmiert. - -Wieder waren es zeitgemäße Schiffe, darunter jetzt schon viele -Zweidecker; 30-40 sind während Karls Regierung erbaut. Auffallend ist der -Bestand an größeren Schiffen gegenüber den Angaben für die holländische -Marine um 1642, sowohl was die absolute Größe einzelner Schiffe wie auch -das Verhältnis zur Gesamtzahl anbetrifft. - -An der Spitze der Marine stand, wie schon im Mittelalter, der -=Lordhighadmiral=, die Verwaltung leitete ein Clerk of the ships. Die -Entwicklung machte jedoch bald die Einrichtung größerer Behörden nötig, -und 1546 wurde ein Navy-board für Verwaltungsangelegenheiten -- Bau, -Reparatur, Ausrüstung und Armierung der Schiffe -- und ein -Admiralty-board zur Unterstützung des Admirals in Kommandosachen -gegründet. Schon einmal von 1628-1638 ist das Amt des Lordhighadmirals -von einer Kommission wahrgenommen, wie es in späteren Zeiten (Admiralität -mit erstem Lord) die Regel ward. - -Fest angestellte =Offiziere= waren sonst nicht vorhanden, nicht einmal, -wie in Holland, ein Stamm von Kapitänen; die ganze Besatzung wurde bei -der Indienststellung angeworben. Auch in England hatte man ein -vorzügliches Personal an den Offizieren und Mannschaften, die auf den -Schiffen der Freibeuter, der Entdeckungsreisen und der Hochseefischerei -gedient hatten. Unter den Führern und Kapitänen im spanischen Kriege -finden wir die Namen der großen Entdecker und Freibeuter. Daß die -Kapitäne, die militärischen Kommandanten, Seeleute von Beruf waren, war -seit Beginn des Zeitabschnittes die Regel geworden. - -In $Frankreich$[73] hatten die Versuche um 1374 (Seite 51) und später -unter Franz I. und Heinrich IV., eine Marine zu gründen, keinen -nachhaltigen Erfolg; um 1626 werden nur 20 königliche Schiffe erwähnt. An -der Spitze des Seewesens stand ein Admiral von Frankreich -- meist nur -ein Ehrenposten für einen Prinzen von Geblüt oder Granden --, unter ihm -Admirale -- chefs d'escadre -- für die Küstenprovinzen Guyenne, Bretagne, -Normandie, Provence. Diese heuerten oder kauften im Kriegsfalle geeignete -Schiffe, oft in Holland und selbst in Schweden, und warben Kapitäne und -Mannschaften. Das Personal bestand besonders aus Seeleuten der Städte am -Kanal, die Freibeuterei betrieben, aber auch aus Reisläufern aller -Länder. - - [73] Quellen: Roncière; Chab-Arnault; Nauticus 1901. - -Erst Richelieu, der den Mangel einer stärkeren Marine in den Kriegen -gegen La Rochelle gefühlt hatte und auch einsah, daß sie zur Durchführung -seiner Politik gegen Spanien-Österreich sowie für seine Handels- und -Kolonialpläne nötig sei, versuchte eine solche zu gründen. Er errichtete -Werften in den Haupthäfen, setzte Kommissionen zur Beaufsichtigung des -Schiffbaues ein und vermehrte den Stab der Küstenadmirale für -militärische und Verwaltungszwecke. Ferner versuchte er, ein -Offizierkorps zu schaffen, indem er tüchtige Kapitäne fest anstellte und -zwar mit dem Hauptzweck, durch sie junge Edelleute zu Seeoffizieren zu -erziehen. Auch sonst erließ er wichtige organisatorische Bestimmungen; er -schuf z. B. eine Truppe (200 Mann) seemännischer Kanoniere in der Art der -Gunner in England. Richelieu führte eine Zeitlang selbst die Oberleitung -des Seewesens (als Admiral von Frankreich und Grand maître de la marine -et du commerce). Um 1644 besaß die königliche Marine 30 größere -Kriegsschiffe, 27 kleinere und 13 Brander. Daß die Schiffe auf der Höhe -der Zeit standen, beweist der Umstand, daß die »Couronne« dem »Royal -Sovereign« ebenbürtig genannt wird -- sie war 1636 gebaut, 1800 tons -groß; ihre Segeleigenschaften wurden gerühmt -- und daß 1635 das -Flaggschiff eines Geschwaders von 39 Schiffen, allerdings meist -Kauffahrer, im Kriege gegen Spanien 1000 tons groß war mit 52 Kanonen. - -Aber auch diese Marine verfiel wieder unter Mazarin. Der Versuch, -ein besseres Offizierkorps zu gründen, scheint sogar zum -Nachteil ausgeschlagen zu sein. Es wurde üblich, Kapitäns- und -Leutnants-Stellungen nach Gunst zu vergeben, so daß diese Chargen -bekleidet wurden von Leuten ohne seemännische Erziehung, die in der -Führung des Schiffes völlig abhängig vom seemännischen Personal waren. -Erst Colbert rief etwa um 1660 eine neue Marine ins Leben, die in der -Organisation auf den Bestimmungen Richelieus aufgebaut war. - - =Eine= Schöpfung in Frankreich hatte Bestand: die $Galerenflotte im - Mittelmeer$ (Marseille). Sie war in den neunziger Jahren des 15. Jahrh. - für die Kriege gegen Spanien und die italienischen Städte gegründet - worden und war eine stehende Marine wie die der Gegner. Sie stand unter - dem =Général des galères=, hatte ein festes Offizierkorps, feste - Verwaltung und Budget; die Ruderer waren Sträflinge. Diese Galeren - fanden nicht nur Verwendung im Mittelmeer, sie erscheinen bis zu 25 - Fahrzeugen stark auch im Atlantik (unter Franz I. 1544). Bei weiten - Unternehmungen begleiteten sie eigene Transporter. Sie blieb lange - völlig selbständig, bis sie 1748 mit der Hochseemarine vereinigt - wurde.[74] - - [74] Näheres über die Galerenflotte: du Sein, Teil I, Seite 264; - Jurien, »Derniers jours«. - -Vorstehende Angaben zeigen uns, daß den neu entstandenen -Segelschiffsmarinen doch noch zu viel fehlt, um sie voll als stehende -Marinen bezeichnen zu können. In dem Schiffsbestande ist keine -Stetigkeit, er schwankt unter dem Einflusse der inneren und äußeren -politischen Verhältnisse der Länder; die absolute Größe der Kriegsmarinen -ist meist so gering, daß die Schiffe eigentlich nur den Kern der zur -Verwendung kommenden Flotten bilden können. Holland macht in dieser -Beziehung zwar eine Ausnahme, aber gerade hier tritt der erste Mangel -hervor: nach Beendigung der Krieges wird der Bestand auf ein Drittel -verringert und kommt nun wieder dem der anderen Marinen gleich. - -Von einem organisierten oder nur festen Bestande beim =Personal= ist -überhaupt nicht die Rede. In der Praxis wird es wohl anders gewesen sein. -Fassen wir z. B. England und Holland ins Auge. Die kriegerischen -Ereignisse folgten sich nahezu ununterbrochen mit nur kurzen Pausen; -beide Länder mußten ferner jährlich mit Beginn der Schiffahrt fast alle -vorhandenen Kriegsschiffe zum Schutze ihres Handels in Dienst stellen. Es -bot sich mithin stets Gelegenheit für den Kriegsdienst zur See. -- Die -Besatzungsfrage war aber bei zunehmender Vervollkommnung der Schiffe in -seemännischer und artilleristischer Hinsicht immer wichtiger geworden; es -genügte nicht mehr, eine kleine Zahl von Seeleuten zur Bedienung der -Schiffe und eine größere von Soldaten zum Kampf an Bord zu nehmen. Die -Bedienung erforderte ein stärkeres seemännisches Personal und dieses -übernahm bei der Herabsetzung der Zahl der Kriegsleute die Bedienung der -Artillerie mit, als seegewohnt hierzu geeigneter als die Soldaten. Zwar -wurden noch besondere Kanoniere (z. B. in England die Gunner) -eingeschifft, die Zahlenangaben zeigen aber, daß sie nur für die -Hauptgeschütznummern oder für Unteroffiziersdienste bestimmt gewesen sein -können. Während im Mittelalter die Besatzung zu zwei Dritteln aus -Soldaten bestand, enthält sie am Ende des hier geschilderten -Zeitabschnittes etwa drei Viertel Seeleute. Vor allem aber hatte man -Kapitäne und Dienstgrade -- Ober- und Unteroffiziere -- nötig, die im -Kriegsschiffsdienste erfahren waren. - -Auch die geheuerten Kauffahrer scheinen meistens mit kriegserfahrenen -Kapitänen besetzt gewesen zu sein. Zuweilen werden nämlich Mißerfolge -damit begründet, daß solche Schiffe durch ihre früheren Kapitäne geführt -gewesen seien; in England wird dies deshalb bald grundsätzlich verboten. -Da ist denn wohl anzunehmen, daß sich bei den Indienststellungen in -erster Linie Personen meldeten, die schon auf Kriegsschiffen gedient -hatten, namentlich was die Dienstgrade anbetrifft; in Holland mußten sich -die Bewerber um wichtigere Stellen seit 1618 einer Befähigungsprüfung -unterziehen. In England und in Frankreich wurden auch schon die ersten -Versuche gemacht, durch Einstellung von Aspiranten Seeoffiziere -heranzubilden. Es war also doch gewissermaßen schon ein -Kriegsschiffspersonal vorhanden, auf dessen Eigenart und weitere -Entwicklung wir im nächsten Abschnitt näher eingehen werden. - -[Illustration] - - * * * * * - - - - -Dritter Abschnitt. - -Die Zeit von 1648-1739. - -Kennzeichen des Abschnittes. - - Entwicklung größerer stehender Kriegsmarinen. Auftreten von Schiffen - bestimmter Klassen nach Größe und Armierung und zu besonderen Zwecken. - Entstehen einer Taktik für Segelschiffs-Flotten, die aber nur - schematisch durchgeführt wird. Beginn einer Kriegführung zur See, die - eine dauernde Beherrschung des Meeres zum Ziele hat; das Niederkämpfen - der feindlichen Seestreitkräfte tritt in den Vordergrund. - - -[Illustration] - - - Erstes Kapitel. - - Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt. - - Seine Bedeutung für die Entwicklung des Seekriegswesens. - - Einleitung. - -Infolge des Dreißigjährigen Krieges waren Frankreich und Schweden zu -besonderem Ansehen bei den europäischen Staaten gelangt; Deutschland lag -schwer danieder und war durch die Selbständigkeit der vielen kleinen -Staaten nach außen ohnmächtig. Portugal war 1640 wieder unabhängig von -Spanien geworden, die Niederlande wurden im Westfälischen Frieden als -selbständige Republik anerkannt und damit waren ihre Freiheitskriege -gegen Spanien erfolgreich beendet. Spanien war hierdurch und auch sonst -durch die Opfer, die seine katholische Weltmachtpolitik erfordert hatte, -erschöpft und trat allmählich in die zweite Linie der Staaten zurück. -England (Großbritannien) nimmt nach Vertreibung des Hauses Stuart als -Republik unter Cromwell einen neuen Aufschwung und gewinnt an Ansehen und -Macht. - -Im Verlauf der ersten Hälfte des 17. Jahrh. (vgl. Seite 78-88) waren -Holländer und Engländer als Nebenbuhler der Portugiesen und Spanier auf -den Ozeanen mächtig geworden, ja sie hatten diese Staaten schon überholt; -in den indischen Gewässern war Holland bereits als herrschende Nation an -die Stelle Portugals getreten. Die Holländer waren wiederum den -Engländern unter den Stuarts weit vorausgeeilt und konnten um 1650 das -Meer als ihr Eigentum ansehen. - - 1648 hatte Cromwell seine Gegner aus dem Parlament verjagt; das neue - Parlament (Rump-Parlament) ließ 1649 Karl I. hinrichten. Nach dem Tode - Elisabeths (1603) war auch gegen Holland ein Stocken in den - überseeischen Unternehmungen eingetreten. Der Handel Hollands überwog - auf den Ozeanen und in den europäischen Gewässern -- Mittelmeer und - besonders Ostsee -- den Englands ganz bedeutend; noch Colbert nahm an, - daß die holländische Kauffahrteiflotte 4/5 der gesamten europäischen - ausmache. - -Als sich nun England unter =Cromwell= zu neuem Streben erhob und dieser -große Staatsmann sein Augenmerk auch besonders auf die Verdrängung -Hollands aus der ersten Stelle als Seemacht richtete, erfolgte der -Zusammenstoß der beiden Staaten.[75] Wenn sie auch als protestantische -Mächte natürliche und aufeinander angewiesene Verbündete waren, so führte -doch ihr Wettbewerb im Welthandel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. zu -den blutigsten Kriegen miteinander. - - [75] Ich weise bei diesen Betrachtungen auf Rodenberg, »Seemacht in der - Geschichte«, hin, dessen kurz und klar gefaßte Auslassungen hier - vielfach benutzt sind. - -Die Engländer waren die Angriffslustigen und Angreifenden, teils durch -die günstige Lage ihres Landes auf dem Kriegstheater dazu bewogen, teils -in der richtigen, sich immer mehr bahnbrechenden Erkenntnis, daß die -Macht auf dem Meere das sicherste Mittel sei, um den Handel auf ihm zu -beherrschen (Raleighs Ausspruch, Seite 143). Wenn diese Kriege nun auch -noch keine endgültige Entscheidung zwischen beiden Staaten brachten, so -entwickelte sich doch in ihnen England zu einer Holland ebenbürtigen -Seemacht und arbeitete von nun an zielbewußt und beharrlich daran, sich -die alleinige Herrschaft auf allen Meeren zu erringen und zu sichern. Die -erbitterten Kämpfe um die Vorherrschaft auf dem Meere hatten -natürlicherweise die größte Pflege der Kriegsflotten zur Folge; besonders -in England verlor man dieses wichtige Erfordernis nie mehr, auch nicht in -Friedenszeiten, aus dem Auge, während man in Holland häufig nur Notlagen -Rechnung trug. - -Zur Zeit dieser englisch-holländischen Kriege erschien aber auch -Frankreich als Macht auf dem Meere. Auf dem Festlande an die Stelle -Spaniens getreten, strebte es nach höchster Geltung in der Welt und -konnte einer Marine nicht entbehren. Schon =Richelieu= und dann =Colbert= -schufen eine solche zugleich mit der Absicht, dadurch Seehandel und -Kolonisation, für deren Wert beide Männer volles Verständnis hatten, zu -heben und zu schützen. Da aber die Neigung der Franzosen zu derartigen -Unternehmungen schwächer als die der germanischen Staaten war und die -Regierung erst dazu anleiten mußte, so blieben die Ergebnisse hierin -zunächst gering. Frankreichs Politik war außerdem in der Hauptsache auf -kontinentale Ausbreitung nach Osten hin gerichtet, wo die beiden -innerlich zersplitterten Staaten Deutschland und Italien stets Aussicht -auf Machterweiterung boten. So ist für =Ludwig= XIV. die Flotte mehr eine -Waffe zweiter Ordnung zur Unterstützung des Landkrieges gewesen; größere, -zur See allein erreichbare Ziele wurden der Flotte nur vorübergehend -gesteckt; die Macht zur See wurde nur für bestimmte Zwecke angestrebt, -nicht aber als Selbstzweck dauernd im Auge behalten, ähnlich der -Seekriegführung der früheren Zeiten. Diese Umstände lähmten die -Entwicklung Frankreichs als Seemacht, seine Flotte erreichte nicht die -Leistungen der holländischen und englischen. Sie war aber immerhin durch -militärischen Geist ausgezeichnet und wurde, da ihr die Mittel eines -absoluten Staates zur Verfügung standen, eine achtbare Waffe, die schon -beim zweiten englisch-holländischen Kriege auf der Seite Hollands, im -dritten auf der Englands erscheint und um die Mitte dieses Abschnittes -(1689-1697) bei den Versuchen Ludwigs XIV., den aus England durch -Wilhelm von Oranien (Wilhelm III., 1688) vertriebenen Jakob II. wieder -einzusetzen, eine große Rolle spielt. - -Spanien tritt in den Kriegen zur See dieser Zeit wenig hervor, meist nur -als Bundesgenosse. Wenn es auch trotz sonstiger Erschlaffung seiner -Flotte immer noch Fürsorge zu teil werden ließ, weil es ihrer zur -Heimführung der ihm unentbehrlichen Einkünfte (Edelmetalle) aus den -Kolonien bedurfte, so stand seine Flotte doch nicht mehr auf der Höhe der -Zeit und folgte auch der Entwicklung der jetzt aufstrebenden Marinen -nicht genügend. Portugals Macht war nach kurzer Blüte unter den ersten -Königen des Hauses Braganza infolge schlechter Verwaltung aufs neue -gesunken und geriet mehr und mehr als Englands Schützling in dessen -Abhängigkeit. Seine Flotte war schon mit dem stetig fortschreitenden -Verlust der Kolonien verringert worden und wurde immer mehr -vernachlässigt. - -Die militärisch-maritime Bedeutung Schwedens und Dänemarks, deren Flotten -in diesem Zeitabschnitt schon wohlorganisiert waren -- ja sogar früher -als die Englands und Hollands --, trat nicht aus der Ostsee heraus; -Rußland gründete erst unter Peter dem Großen eine Marine, die dann Anfang -des 18. Jahrh. ihre Feuertaufe erhielt. Im Mittelmeer ist für diesen -Abschnitt, abgesehen von den Kämpfen, welche die neuen drei großen -Seemächte dort ausfochten, nur das Ende des Ringens Venedigs mit den -Türken um Besitzungen und Seemacht, besonders im Ostbecken, von -einigermaßen seekriegsgeschichtlicher Bedeutung. - -Die Entscheidung zwischen den drei großen Seemächten fiel am Ende dieses -Abschnittes im Spanischen Erbfolgekriege 1701-1714. Frankreich unterlag -darin England und Holland zur See und ihren festländischen Verbündeten zu -Lande; seine Flotte verschwand nahezu wieder vom Meere. -- Den Gewinn auf -dem Meere zogen jedoch nur die Engländer. Holland hatte, da ihm von der -französischen Flotte keine Gefahr drohte und es im Landkriege von -Frankreich fast erdrückt war, seine Bundespflichten zur See nur lau -erfüllt, England dagegen gern und wohlüberlegt die ganze Last des -Seekrieges auf sich genommen. Beim Friedensschluß stand England als -unwiderstehliche Seemacht da und konnte durchsetzen, was es wollte. Es -verstärkte seine Stellung am Atlantischen Ozean (durch Erwerbung von -Neufundland, Neuschottland, Gibraltar, im Mittelmeer Minorca) derart, daß -es diesen und damit den ganzen überseeischen Handel Europas beherrschte, -es war wiederum einen Schritt weiter auf dem Wege gekommen, sich zum -Gebieter auf allen Meeren zu machen. Holland fand nie wieder die Kraft, -nach höchster Macht auf dem Meere die Hand auszustrecken, es trat damit -wie Spanien in die Reihe der Staaten zweiten Ranges zurück; der Verlust -der Seemacht hatte auch den allmählichen Rückgang des Seehandels zur -Folge, allerdings nicht sofort, denn dazu war die im Lande während seiner -großen Zeit angehäufte Summe an Geld und Tatkraft noch zu bedeutend. - -$Bedeutung des Abschnittes für die Entwicklung des Seekriegswesens.$ Die -wichtigsten Seekriege fechten also zunächst England und Holland, dann -England und Frankreich aus. Diese Kriege zeitigen eine Entwicklung des -Seekriegswesens in allen den Punkten, die als Kennzeichen des Abschnittes -angegeben sind. An Stelle einer »Kriegführung =über= See«, bestehend in -gegenseitigen Brandschatzungen und Einfällen, tritt die »Kriegführung -=auf= See«. Es werden große Seekriege um Ziele geführt, die nur durch die -dauernde Herrschaft über das Meer erreicht werden können. Die ersten -Anfänge hierzu zeigen sich schon in der zweiten Hälfte des vorigen -Abschnittes (Seite 143), aber erst in den jetzt folgenden Kriegen tritt -der Umschwung deutlich hervor. - -An die Marine stellte man nunmehr weit höhere Anforderungen und widmete -ihr deshalb auch eine sorgfältigere Pflege als früher. Eine nur zu einem -bestimmten Zwecke aufgebotene Flotte konnte nicht mehr genügen, mächtige -stehende Flotten wurden notwendig. - -Wenn auch zu Anfang noch vielfach Kauffahrteischiffe zur Kriegführung mit -herangezogen werden, so wächst doch in allen Marinen die Zahl und die -Güte der eigentlichen Kriegsschiffe, nach und nach verschwinden die -Kauffahrer in den Flotten. Auch beginnt man, die Kriegsschiffe nach ihrem -Gefechtswert und für verschiedene Zwecke, taktischen und strategischen -Erwägungen folgend, in bestimmte Klassen einzuteilen. Dieser Prozeß kommt -im Verlauf des vorliegenden Abschnittes eigentlich schon zum Abschluß, in -der weiteren Zeit der Segelschiffe treten in dieser Hinsicht nur noch -Verschiebungen und Vervollkommnungen ein. Auch in Bau und Einrichtung des -einzelnen Schiffes erscheinen nach der Mitte des 18. Jahrh. im -wesentlichen nur noch Verbesserungen, während der Schiffstyp ebenfalls -schon in der jetzt zu besprechenden Zeit festgelegt war. - -Mit der inneren Durchbildung und Festigung der stehenden Flotten, mit der -Heranbildung von Berufs-Seeoffizieren tritt nach und nach eine Taktik für -die Führung von Segelflotten auf, deren Grundsätze schon in Instruktionen -niedergelegt wurden; um die Mitte des Abschnittes erscheint sogar bereits -die erste wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet von Kaplan Hoste, -siehe Quellenverzeichnis. Diese Taktik wird aber dann bald nur -schematisch durchgeführt, und die in genannter Schrift enthaltenen -wertvollen Hinweise zu sinngemäßer Anwendung und Erweiterung der Regeln -werden nicht benützt; es bleibt dies dem nächsten Zeitabschnitt -überlassen. - -Endlich sind die zu besprechenden Kriege lehrreich in strategischer -Hinsicht. Da in ihnen zuerst eine Kriegführung auftritt, die an Stelle -örtlicher und zeitlicher Erfolge die Erringung und Erhaltung der -Herrschaft über das Meer zum Ziele hat, so kann man auch erst von jetzt -ab von einer Strategie zur See sprechen. =Ihre Entwicklung lehrte, daß -alle großen Ziele im Seekriege nur durch das Niederkämpfen der -feindlichen Streitkräfte erreicht werden können.= - -In dem vorigen Zeitabschnitt war der feindliche Handel ein -Hauptangriffsziel geworden. Er wird es zunächst noch immer mehr, aber -bald tritt der Kampf der Seestreitkräfte gegeneinander in den -Vordergrund. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zweites Kapitel. - - Die Entwicklung des Seekriegswesens. - - Schiffe, Waffen, Schiffsklassen, Personal, Kampfweise und Taktik. - - In diesem Kapitel sind in erster Linie die einschlägigen englischen - Verhältnisse betrachtet, da über diese die besten und neuesten Quellen - zur Verfügung stehen; sie bieten uns auch genügend Anhaltspunkte zur - Beurteilung der Verhältnisse der anderen Marinen. Jurien sagt: »Die - englisch-holländischen Kriege gebaren die modernen Marinen." England - begann während und nach diesen Kriegen seiner Marine die Pflege - zuzuwenden, die sie nach und nach zu der mächtigsten gemacht hat. Seine - Marine stand schon zu Ende dieses Zeitabschnittes fast auf dieser - Stelle, und so kann ihre Entwicklung wohl als maßgebend für die - allgemeine Fortbildung des Seekriegswesens angesehen werden. - - - Die Schiffe.[76] - -Wir haben die Entwicklung des Kriegsschiffbaues bis etwa 1648 verfolgt; -die Artillerie war Hauptwaffe geworden und in den Breitseiten -aufgestellt. Es sind Beispiele der größten englischen Kriegsschiffe -gegeben, die zu Ende des vorigen Abschnittes erbaut wurden -- der erste -Zweidecker und der erste Dreidecker (vgl. Seite 100 u. 101). - - [76] Hauptsächlich benützte Quellen: Clowes, Teil I, II, III; Troude, - Teil I; Jurien: Les marins du XV siècle; Arenhold; de Jonge; alle, - besonders Clowes, geben an, aus welchen technischen Quellen sie - ihrerseits geschöpft haben. - -Diese großen Kriegsschiffe waren aber nur wenige, um 1648 zählte die -englische Marine in einem Gesamtbestande von etwa 75 wirklichen -Kriegsschiffen nur 2 Schiffe über 1000 tons, eben die besonders -beschriebenen, und etwa 8 zwischen 800 und 900 tons, während in dem Reste -eine sehr große Zahl ganz kleiner, unter 400 tons, enthalten war. Bei der -überhaupt geringen Zahl von Kriegsschiffen werden zunächst auch noch -weiter in großem Maßstabe Kauffahrer herangezogen, wenn es sich um -Aufstellung mächtiger Flotten handelt, ganz besonders in Holland. In -England beginnt man aber jetzt damit, wirkliche Kriegsschiffe in größerer -Zahl zu erbauen. - - In den elf Jahren der Republik wurden etwa 86 Schiffe neu erbaut, davon - allein 59 in den Jahren 1649-1654, also dicht vor, während und dicht - nach dem ersten Kriege.[77] Zu diesen Schiffen treten als Vermehrung - des Bestandes noch etwa 12 »Gekaufte«, wohl als Freibeuter gebaute - Kauffahrer, und eine sehr große Zahl, über 100, »vom Feinde Genommene«; - diese werden gleichfalls meistens Kauffahrer gewesen sein, weil sie - nach dem ersten Kriege größtenteils wieder verkauft worden sind. - - [77] Clowes gibt, Teil II, Seite 107 ein Verzeichnis dieser Schiffe. - -Diesem Beispiele müssen dann die anderen Nationen folgen. Wenn auch noch -zu Beginn des Zeitabschnittes die größeren Kauffahrer vielen kleineren -Kriegsschiffen an Gefechtskraft nicht sehr nachstanden, so macht sich -doch nun bald ein Unterschied bemerkbar. Die neuen Kriegsschiffe werden -nicht nur geeigneter für den Kampf, sondern auch überhaupt sorgfältiger, -widerstandsfähiger gebaut und immer stärker armiert; die Kauffahrer -werden damit minderwertig, selbst die großen Schiffe der Kompagnien -genügen nicht mehr, waren doch mit wenigen Ausnahmen sogar bei der -holländisch-westindischen Kompagnie 30 Kanonen ihre stärkste Armierung. -Auch die Kriegführung wird eine andere. Auf längere Zeitdauer werden -große Flotten beansprucht, denn es handelt sich nicht mehr um einzelne -Schläge, nach deren Ausführung die Streitkräfte wieder entlassen werden. - -Die zu lange Inanspruchnahme der Handelsschiffe für den Kriegsdienst -hatte bereits häufig in England Mißstimmung, ja Widersetzlichkeit -hervorgerufen. So verschwinden denn nach und nach die armierten -Kauffahrer aus den Kriegsflotten; es verschwinden auch die bisher immer -noch zu gewissen Zwecken benutzten Kriegsruderschiffe und ebenso hört der -gelegentliche Gebrauch von Riemen auf größeren Segelschiffen auf. - -Da in den Kriegen von jetzt an weit höhere Anforderungen an die -Kriegsschiffe gestellt wurden als bisher, so führte -- vor anderen -Nationen zuerst wieder in England -- die Zunahme des Baues auch zu -weiteren Verbesserungen. - -Hervorzuheben ist, daß die Engländer zunächst den Bau kleinerer, -höchstens mittelgroßer Schiffe bevorzugten, scheinbar ein Rückschritt -gegen die bisherige Entwicklung. Wir kennen den Bestand um 1649 (Seite -152); die Zahl der Schiffe I. Klasse über 800 tons wuchs jetzt ganz -unverhältnismäßig weniger als die der übrigen. - -Von den etwa 100 während der Republik beschafften Schiffen -- 86 gebaute, -12 gekaufte -- waren: 4 über 800 tons (alle 1000 und darüber), 60-80 -Kanonen; 20 von 600-800 tons, 48-52 Kanonen; 25 von 400-600 tons, 36-40 -Kanonen; 25 von 200-400 tons, 20-34 Kanonen; 25 noch kleinere. - - Sämtliche Schiffe über 20 Kanonen, wenigstens die Neubauten, führten - ihre schwereren Geschütze auf zwei Hauptdecken und darüber leichtere - auf Vor- und Quarterdeck; sie waren also Zweidecker, wenn auch die - obere Hauptbatterie nicht immer ganz eingedeckt war (vgl. Seite 169, - Skizze über Aufstellung der Geschütze). - - Die vier Schiffe der ersten Klasse und viele der zweiten sind erst nach - dem Kriege gebaut. - -Die großen Schiffe waren immer noch zu unhandlich und zu wenig seefähig, -zu gefährdet an den Küsten und in schlechtem Wetter, auch der Umstand, -daß man im ersten englisch-holländischen Kriege den Hauptwert auf das -Bedrohen des feindlichen Handels durch Aufbringen von Kauffahrern legte, -ließ die mittleren Schiffe geeigneter erscheinen; sie konnten überdies -schneller und billiger beschafft werden. - -In Hinsicht auf die Taktik machte sich vorerst auch kein großes Bedürfnis -nach mächtigen Schiffen geltend; der Bedarf daran als Flagg- oder -Gruppenführer-Schiffe war vorhanden. Mit der neuen Kriegführung, die sich -in erster Linie gegen die feindlichen Streitkräfte richtete, und mit der -langsam fortschreitenden Verbesserung der Schiffe ändert sich dies. Nicht -nur größere Fahrzeuge, als bisher, und in größerer Anzahl werden wieder -gebaut, sondern die Schiffe mit einer bestimmten Kanonenzahl wachsen auch -immer weiter an Tonnengehalt. Noch durch das ganze 18. Jahrh. hält sich -dieses Bestreben, so wird z. B. das 80 Kanonen-Schiff im nächsten -Zeitabschnitte vom Dreidecker zum Zweidecker, weil es derartige -Größenverhältnisse erhalten hat, daß die Kanonen auf zwei Decken -aufgestellt werden können. - -Bei Besprechung der Schiffsklassen später wird man das mächtige Wachsen -des einzelnen Schiffes in jeder Klasse ersehen. - -Die Engländer begannen ferner die Schiffe länger im Verhältnis zur Breite -zu bauen -- früher 3: 1, jetzt 3-1/2: 1, Ende des 17. Jahrh. 4: 1 --, -niedriger über Wasser, mit kleineren Aufbauten und mit besseren Linien -unter Wasser, um schnellere Schiffe und stabilere Geschützstände zu -erhalten; »Ils les frégatèrent«, sagt darüber ein alter französischer -Autor (Seignelay). - -Als einer der ersten dieser moderneren Bauten ist wohl der »=Constant -Warwick=« anzusehen, 1646 als Freibeuter gebaut und 1649 von der Marine -angekauft, 379 tons, 90' lang, 28' breit, 30 Kanonen. Diesem Schiffe -folgten ähnliche; als ein Muster weit größerer Schiffe derselben Art -zeigen die englischen Quellen den »=Speaker=,« gebaut 1649, 778 tons, -34-3/4' breit, 116' lang, 64 Kanonen. Es war dies ein schweres -Schlachtschiff (Zweidecker) der damaligen Zeit und erscheint noch 1660 -unter dem Namen »Mary« als Schlachtschiff III. Klasse. Die Abbildung -zeigt im Vergleich mit den Schiffen des vorigen Abschnittes den -Fortschritt in den Formen des Schiffsrumpfes. - - Der »=Constant Warwick=« wird gemeiniglich als »=erste Fregatte=« - bezeichnet. Das Fahrzeug war aber keine Fregatte im späteren Sinne. d. - h. ein Schiff nicht für die Schlachtlinie, sondern für alle Dienste, - die Schnelligkeit und doch eine gewisse Gefechtskraft erforderten, mit - nur einer Hauptbatterie. Da nun bei der Schilderung der kriegerischen - Ereignisse nach den Quellen oft der Ausdruck »Fregatte« gebraucht - werden wird, seien hierüber einige Worte gesagt. Schon zur Zeit der - Ruderschiffe hatte man leichte und schnelle Galeren für Nachrichten- - usw. Dienst »Fregatten« benannt und behielt diese Bezeichnung in der - ersten Zeit der Segel-Kriegsschiffe bei. Galeon bedeutete - Gefechtskraft, Fregatte Schnelligkeit. Daher der Ausspruch »ils les - frégatèrent«, als England die Schiffe im allgemeinen auf größere - Schnelligkeit baute, daher auch wohl die Bezeichnung »Fregatte« für den - »C. Warwick« und für bald darauf ähnlich gebaute Fahrzeuge, die - sämtlich zur Schlachtflotte zählten. Nach Angaben über Aufstellung der - Geschütze auf Schiffen seiner Größe muß man annehmen, daß »Constant - Warwick« ein Zweidecker war, womit auch die äußere Ähnlichkeit mit der - späteren Fregatte fällt. Im ersten Kriege bauen auch die Holländer eine - große Zahl neuer Kriegsschiffe, die als »Fregatten« erwähnt werden. Da - in Holland aber gerade wirkliche Kriegsschiffe als Schlachtschiffe - fehlten und wir wissen[78], daß sie sämtlich über 40 Kanonen führten - und die stärksten Schiffe Hollands waren, ist wohl anzunehmen, daß man - sie nur im eben ausgeführten Sinne »Fregatten« nannte. Die eigentliche - Fregatte bildet sich erst im nächsten Zeitabschnitt aus, ihre Blütezeit - erreicht sie Ende des 18. Jahrh. Ihren Dienst nehmen bis dahin, wenn - auch Gefechtskraft verlangt wird, die kleineren Zweidecker wahr, wenn - es nur auf Schnelligkeit ankommt, die noch kleineren Fahrzeuge. Diese - sind meistens gemeint, wenn in der Folge von Fregatten die Rede ist; - zuweilen scheint man aber, dem Vorstehenden entsprechend, mittelgroße - neue Fahrzeuge damit zu bezeichnen, wo man ihre besonders gute - Segelfähigkeit hervorheben will. - - [78] Clowes, Teil II, Seite 150. - -Im allgemeinen muß man aber sagen, daß sich die Vervollkommnung der -Kriegsschiffe zunächst mehr auf Verbesserung der Armierung und auf die -Ausbildung bestimmter Schiffsklassen erstreckte. Vom rein seemännischen -Standpunkte aus geht die Entwicklung der Schiffe in diesem Abschnitt -langsamer vorwärts, als man bei dem gewaltigen Aufschwung der Kriegs- und -Handelsmarinen erwarten sollte. Noch lange blieben See- und -Segeleigenschaften der schweren Schiffe mäßig, sie wurden nur sehr -langsam besser. Infolge der anfangs immer noch recht plumpen Formen über -und unter Wasser, mittschiffs mit fast ganz plattem Boden, waren die -Schiffe wenig stabil und rollten stark, auch ihre Segeleigenschaften -wurden hierdurch noch immer beeinträchtigt; der neue »fregattenähnliche« -Bau scheint erst nach und nach auf die schweren Zwei- und die Dreidecker -ausgedehnt zu sein. - -[Illustration: Englisches Schlachtschiff »The Speaker«.] - - Noch 1740 klagen englische Seeoffiziere darüber, daß sie bei schwerem - Wetter die unterste Batterie, in der doch das stärkste Kaliber stand, - nicht gebrauchen könnten. Wenn, auch nach französischen Angaben, die - Engländer mit der Verbesserung des Schiffbaues begannen, so wurden sie - doch frühzeitig von den Franzosen überholt. Bei Zusammentreffen mit der - französischen Flotte als Freund oder Feind loben die englischen - Seeleute bald den Bau der fremden Schiffe, und England nimmt sie, - zuweilen als eroberte, in diesem und dem nächsten Abschnitt oft zum - Vorbild. 1663 z. B. sah man, daß die Franzosen auf ihren - Hauptschlachtschiffen (70 Kanonen) die Pforten der untersten Batterie - 4' über Wasser hatten und 3 Monat Proviant stauen konnten, gegen 3' und - gegen 10 Wochen auf den eigenen; man wählte nun 4-1/2' und 6 Monat. - Auch 1673 nahm man wieder französische Pläne zum Vorbilde, um im - Seegang gefechtsfähigere Schiffe zu erhalten. - -Bis 1700 stellte man im Norden im allgemeinen die Seefahrt während des -Winters ein; die Stürme und die langen, dunkeln Nächte waren besonders -für größere Schiffe, die kaum aufkreuzen konnten und stark trieben, in -den beschränkten Gewässern zu gefährlich. Denn auch die Betakelung ließ -viel zu wünschen übrig. Noch lange glaubte man, die Segel recht bauchig -schneiden zu müssen, sie waren deshalb höher als die Masten und Stängen; -noch lange blieben die Untersegel die Hauptsegel. Bei zunehmendem Winde -barg man zuerst Bram- und Marssegel, dann wurde das Untersegel geführt -und gereeft, noch bis 1720 machte man es auf Deck fest. - -Doch wird im Laufe des Zeitabschnittes das Marssegel das Hauptsegel; -gegen Ende des Abschnittes erscheinen Stagsegel zwischen den Masten und -die Vorsegel. Diese verdrängen den kleinen Mast auf dem Bugspriet; dann -tritt der Klüverbaum[79] auf, und das große Lateinsegel am letzten Mast -wird zum Besan[80], indem der unterste Teil der langen Raa wegfällt und -das Segel dort am Mast befestigt wird, zunächst noch ohne Besansbaum. -Auch die Schiffsformen unter und über Wasser werden nach und nach -günstiger. Der Fortschritt in allem wird um so stetiger, seit man um die -Mitte dieses Zeitabschnittes beginnt, den Schiffbau nach bestimmten -Regeln zu betreiben. Nach den gewonnenen Erfahrungen wird das Verhältnis -der Hauptmaße zueinander für Schiffskörper und Takelage festgesetzt, -sowohl für das einzelne Schiff einer gegebenen Größe, wie auch für die -verschiedenen Größenklassen. Gegen Ende des Abschnittes sind See- und -Segeleigenschaften erreicht, die zum Segeln beim Winde, zum Aufkreuzen -und zum Freihalten von Leeküsten einigermaßen genügen. Nur die größeren -Dreidecker blieben immer noch unhandlich und rank, weshalb man diese -weiter bis zur Mitte des 18. Jahrh. unter gewöhnlichen Umständen im -Winter aufzulegen pflegte. - - [79] Nach Jurien Teil II, Seite 158, erst 1760 bezw. 1770 - -Wie schon angedeutet, zeichneten sich besonders die Franzosen bald im -Schiffbau aus; anfangs des nächsten Abschnittes (um 1760) verfügten sie -über Schiffstypen, die eigentlich allen Anforderungen genügten. Als ein -um die Mitte des vorliegenden Zeitabschnittes (1692 während des -englisch-französischen Krieges) auf der Höhe der Zeit stehendes Schiff I. -Klasse sei der französische »=Royal Louis=« erwähnt und dargestellt -(Seite 166): 186' lang, 51' breit, 108 Kanonen, 900 Mann. Der Vergleich -mit der Abbildung des »Royal Sovereign« (Seite 101) zeigt die günstigeren -Formen über Wasser, kleineres Gallion, niedrigeres Heck; die Takelage -jedoch ist in der langen Zeit nur wenig verbessert. Weitere Fortschritte -sollen erst im nächsten Abschnitt zur Anschauung gebracht werden, da -Schiffe dieser Art in den großen Kriegen des vorliegenden, die mit 1714 -abschließen, noch keine Verwendung finden. - -Die $Beiboote$ wurden zwischen Fock und Großmast mit Takeln eingesetzt. -Die feste Reeling war dort häufig unterbrochen, wie früher zum Gebrauch -der Hilfsriemen. Davits wurden erst viel später eingeführt; zu Anfang der -Periode scheinen die Schiffe nur 2-3 Boote gehabt zu haben. - -[Illustration: Französisches Linienschiff »Royal Louis«.] - - Nach Clowes, Teil II, Seite 113 hatten die größeren englischen Schiffe - z. Zt. des ersten Krieges eine Pinnace von max. 29' Länge, ein Skiff - max. 20', ein Longboat max. 35'. Das Longboat wurde nie eingesetzt, - sondern achteraus geschleppt. Im Gefecht war es, vielleicht auch die - anderen, bemannt, um Brander abzuwehren oder abzuschleppen. Die Boote - wurden auch häufig während des Gefechts wegen des mangelhaften - Signalsystems zum Überbringen von Befehlen und Meldungen, sowie - gelegentlich zum Tauen des Schiffes ins Gefecht benutzt. - -Noch einige $wichtige Verbesserungen$ zur Erhaltung und Führung der -Schiffe seien angeführt. - -In die Mitte des 17. Jahrh. fällt =die Einführung des Zwischendecks=. Bis -dahin waren nur die schweren Decke zur Aufstellung der Geschütze -vorhanden, bei Schüssen in der Nähe der Wasserlinie konnte man nur mit -Leitern zum Leck gelangen. Die Engländer zuerst legten längs der Bordwand -unterhalb der Wasserlinie ein leichtes Deck, einen Umlauf, für den -Verkehr der Zimmerleute während des Gefechts. Aus diesem entstand das -Zwischendeck, das die Schiffe auch wesentlich wohnlicher gestaltete. -Verschiedene Versuche wurden gemacht, um den =Schiffsboden= vor dem -Bohrwurm =zu schützen= und auch um eine glatte Oberfläche zur Erhöhung -der Fahrt zu erhalten. Das Belegen mit Bleiplatten, in Spanien und auch -in der englischen Kauffahrteimarine seit dem 16. Jahrh. viel im Gebrauch, -war in der englischen Kriegsmarine wegen des dadurch hervorgerufenen -galvanischen Stromes, der wichtige Eisenteile zerstörte (Nägel der -Beplankung, Ruderfingerlinge), nicht beliebt und ist nur zeitweise -versucht. Mehr verbreitet war ein Belag von doppelten dünnen Planken mit -einer Zwischenlage von geteertem Tierhaar. Auch Farbenkompositionen -wurden versucht, doch kam die Lösung dieser wichtigen Frage durch -Bekupferung erst in der nächsten Periode. - -Am Ende des 17. Jahrh. wurde das =Ruderrad= an Stelle des direkten -Steuerns mit der Ruderpinne gebräuchlich. - -Für die =Nautik=, ist zu erwähnen: Der Kompaß wurde technisch verbessert, -und man begann der Mißweisung Aufmerksamkeit zu schenken. Schon 1699-1700 -wurde ein englisches Kriegsschiff eigens zu ihrer Bestimmung in den -Südatlantik gesandt; das Fahrzeug führte auch viele Längenbestimmungen -aus. 1731 konstruierte Hadley den Reflexions-Quadranten (Spiegel-Oktant), -der weit genauere Beobachtungen gestattete als der bisher allein -vorhandene Davis-Quadrant (verbesserter Jakobsstab); besonders wichtig -war dies für die Beobachtung der Monddistanzen, der einzigen Methode zur -Bestimmung der Länge auf See. - - Bereits 1598 hatten Spanien und bald darauf Holland Preise ausgesetzt - für die Erfindung einer sicheren Längenbestimmung an Bord, England - folgte 1714. Wie ungenau diese bisher war, kann man aus der geringen - Anforderung bei dieser Ausschreibung ersehen. Es sollte gezahlt werden: - 10000 Lstrl. für die Genauigkeit der Bestimmung auf 1° Länge, 15000 - Lstrl. auf 2/3°, 20000 auf 1/2°. Da wurde denn schon früh der Versuch - gemacht, die Länge mittels Uhren zu bestimmen, aber erst 1761 erreichte - man gute Ergebnisse. Ein Chronometer von Harrison verlor auf einer - Reise nach Westindien und zurück während vier Monaten trotz schlechtem - Wetter nur 1 m 54,5 s. - -Die nautischen Hilfstabellen für astronomische Beobachtungen wurden -verbessert; das 1675 gegründete Observatorium zu Greenwich sollte sich -besonders dieser Aufgabe widmen. Genaue Journal- (Logbuch) Führung wurde -den Schiffen vorgeschrieben. Vermessungen wurden, namentlich von England, -vorgenommen und viel Sorgfalt auf Herstellung der Seekarten verwandt, -vorzugsweise allerdings zunächst für die heimischen Gewässer und -allenfalls den Atlantik, andere blieben noch lange unvollständig. -Betonnung, Bebakung und Beleuchtung der Küsten wurden gepflegt (der -berühmte Leuchtturm von Eddystone zeigte sein Licht zuerst im Oktober -1698). - -In allen Ländern erweiterte man die =staatlichen Werften=; sie beginnen -sich zu solchen Einrichtungen auszubilden, wie man sie heute unter -Kriegswerften versteht, so daß die Marinen immer freier von der -Privatindustrie wurden. - - - Waffen.[80] - -Die Fortschritte der Artillerie in Hinsicht auf das $Geschützmaterial$ -selbst lagen in diesem Zeitabschnitt nicht in grundsätzlichen -Vervollkommnungen oder in neuen Konstruktionen, dagegen wurden die -Anfertigung des Materials genauer und die Einrichtungen für die Bedienung -verbessert. Man legte z. B. die Geschützpforten höher über Wasser und -weiter voneinander, letzteres damit die Nachbargeschütze sich nicht -hinderten oder gar gefährdeten; man machte sie zum besseren Richten -größer. Der Spielraum der Geschosse wurde geringer, besseres Pulver wurde -eingeführt; es ist dies aus den kleiner werdenden Ladungen zu entnehmen. -In England, wo frühzeitig der Ausbildung der Geschützmannschaften -besondere Pflege zuteil wurde, setzte man 1670 ihre Kopfstärke für jedes -Kaliber fest. - - [80] Hauptquelle: Clowes, Teil II und III, die Kapitel »Civil history« - der Zeiten 1603 bis 1649, 1649-1714, 1714-1763; darin reiche - Angabe von technischen Quellen, sowie Abbildungen von Schiffen I. - und II. Klasse um 1670-1740. - -Die vielen kleinen Geschützarten waren größtenteils weggefallen, als -schwerere Geschütze blieben ungefähr dieselben Kaliber im Gebrauch, die -wir zu Ende des vorigen Zeitabschnittes (Seite 105) kennen gelernt haben; -von etwa 1700 an wurden sie allgemein nach dem Gewicht ihrer -Eisenvollkugeln benannt. Um diese Zeit führte man in England die -nachstehenden Kaliber; ein Vergleich mit den früheren Angaben zeigt, daß -sie nach Seelendurchmesser und Geschoßgewicht den alten Arten -entsprechen, daß aber die Pulverladung schwächer geworden ist. - - 42-Pfdr. früher cannon serpentine - oder bastard 7"03 Kaliber 17 Pfd.-Lad. - 32 " " demicannon 6"43 " 14 " - 24 " " cannon Pedro 5"84 " 11 " - 18 " " culverin 5"3 " 9 " - 12 " " basilisko 4"64 " 6 " - 9 " " demiculverin 4"22 " 4-2/3 " - 6 " " saker 3"67 " 3 " - 4 " " minion 3"22 " 2 " - 3 " " falcon 2"91 " 1-2/3 " - 1/2 " " falconet 1"69 " 1/3 " - -Falconets waren Reelingsgeschütze auf Pivots. Wie aus der folgenden -Tabelle zu ersehen ist, sind der 24-Pfünder, der 9-Pfünder und der -4-Pfünder erst später hinzugekommen, 1652 waren sie noch nicht verwendet. -Der 24-Pfünder wurde später in Unterklassen nach Gewicht und Länge des -Rohres eingeteilt. - - In =Frankreich=, Spanien, Schweden, Dänemark und Holland hatte man - entsprechend 48-Pfünder, 36-Pfünder, 24-Pfünder, 18-Pfünder, 6-Pfünder, - 4-Pfünder, doch fehlte in Holland der 48-Pfünder. - - Es ist wahrscheinlich, daß sich die französischen 48-Pfünder und - 36-Pfünder kaum von den englischen 42-Pfündern und 32-Pfündern - unterschieden; in Frankreich legte man der Benennung das theoretische - Geschoßgewicht für den Seelendurchmesser zu Grunde, ohne den Spielraum - zu berücksichtigen.[81] Auch in Holland soll der 38-Pfünder annähernd - dem englischen 42-Pfünder gleich gewesen sein, da das holländische - Pfund schwerer war als das englische.[81] - - [81] Vgl. Troude, Teil I, Seite 29 und de Jonge, Teil I, Seite 265. - -An $Geschossen$ kamen bei den Schiffsgeschützen zur Verwendung: -Vollkugeln; Stangen- und Kettenkugeln, Halbkugeln durch Stangen oder -Ketten verbunden und besonders gegen die Takelage bestimmt; eine Art -Kartätschen, paquets de fer, aus eisernen Würfeln zusammengesetzt. Über -Hohl- und Brandgeschosse wird bei den Mörserbooten gesprochen werden. - -An $Handwaffen$ waren im Gebrauch: Musketen, Pistolen, Bajonette, -Enterbeile, Entermesser -- cutlasses, kurze schwere Seitengewehre zum -Hieb --; Enterpiken, zur Verteidigung der Pforten beim Enterabschlagen. - -[Illustration: $Geschützaufstellung bei Drei- und Zweideckern.$ -(Abweichungen häufig.)] - - 1. Unterstes Batteriedeck (lowerdeck), 2. Mittleres (middledeck), 3. - Oberstes (maindeck), 4. Quarter- oder Halbdeck, 5. Vor- oder Backsdeck - (fore castle), 6. Deck der Kampagne, 7. Deck über der Back. - - ...... Oberkante der Reeling (Schanzkleid. Brüstung). - - -- -- -- -- -- Decke, die nicht immer vorhanden sind; wenn sie fehlen, - dort Oberkante der Reeling. - - Zu 1. Die unterste Batterie fehlt beim Zweidecker, die mittlere wird - also zur untersten. - - Zu 3. Die oberste Batterie ist zwischen Groß- und Fockmast nicht immer - eingedeckt; bei kleineren Schiffen dieser Art fehlen dann oft hier die - Geschütze der obersten Batterie. Ist sie aber ganz eingedeckt, ist also - Halbdeck (4) und Vordeck (5) verbunden, so entsteht das volle Oberdeck - (upperdeck; vgl. S. 99). - - 8. Fast platte Bugform, so daß Geschütze gut nach vorn feuern können. - 9. Bugspriet. 10 Gallion. - - × × × Ganz kleine Geschütze auf der Kampagne. - - Die Abbildung des »Royal Charles« --englisch, 1673, 100 Kanonen, 130' - lang, 46' breit, 20' Tiefgang, 1531 tons, 780 Mann -- zeigt im - Gegensatz zu »Le Soleil Royal« kein volles Oberdeck, auch fehlen die - Kanonen auf dem Backsdeck. Bilder auf Seite 172. - -=Verteilung der Geschütze nach Anzahl und Kaliber= -(Pfünder=Geschoßgewicht) =an Bord der englischen Schiffe=. - - =====+=======+===========+===========+===========+===========+======== - Im |Schiffe| | | | Auf | - Jahre| mit | Unterste | Mittlere | Oberste | Back- und | Be- - |Kanonen|-----------+-----------+-----------|Quarterdeck|satzung - | | Batterie | | - =====+=======+===========+===========+===========+===========+======== - 1652 | {|26-42-Pfdr.|28-18-Pfdr.|28- 6-Pfdr.|14- 5 Pfdr.| 815 - | {| | | | 4-18 " | - 1677 | 100 {|26-42 " | 28-24 " |28- 9 " |16-16 " | 815 - | {| | | | 4- 3 " | - 1719 | {|28-42 " | 28-24 " |28-12 " |16- 6 " | 780 - 1652 | {|26-42 " | 26-18 " |26- 6 " |10- 5 " | 730 - | {| | | | 2-18 " | - 1677 | 90 {|26-32 " | 26-24 " |26- 9 " |16- 6 " | 600 - | {| | | | 2- 3 " | - 1719 | {|26-32 " | 26-18 " |26- 6 " |12- 6 " | 680 - 1652 | (82) {|24-42 " | 24-18 " |24- 6 " | 8- 5 " | 560 - | {| | | | 2-18 " | - 1677 |80(82){|24-32 " | 24-18 " |24- 6 " | 2- 3 " | 520 - | {| | | | 8- 6 " | - 1719 | {|26-32 " | 26-12 " |24- 6 " | 4- 6 " | 520 - 1652 | (74) {|26-32 " | -- |26- 6 " |18- 5 " | 460 - | {| | | | 4- 3 " | - 1677 | 70 {|26-32 " | -- |26-12 " |16- 6 " | 460 - | {| | | | 4- 3 " | - 1719 | {|26-24 " | -- |26-12 " |18- 6 " | 480 - 1652 | (58) {|24-32 " | -- |22- 6 " |10- 5 " | 280 - | {| | | | 2- 3 " | - 1677 | 60 {|24-24 " | -- |24-12 " |10- 6 " | 340 - | {| | | | 2- 3 " | - 1719 | {|24-24 " | -- |26- 9 " |10- 6 " | 365 - 1652 | {|20-32 " | -- |18- 6 " |10- 5 " | 180 - | {| | | | 2- 3 " | - 1677 | 50 {|22-18 " | -- |22- 6 " | 6- 6 " | 240 - 1719 | {|22-18 " | -- |22- 9 " | 6- 6 " | 280 - 1652 | {| -- | -- | -- | -- | -- - 1677 |40(42){|20- 9 " | -- |18- 9 " | 4- 3 " | 180 - 1719 | {|20-12 " | -- |20- 6 " | -- | 190 - 1652 | (34) {|18-32 " | -- |10- 5 " | 4- 5 " | 135 - | {| | | | 2- 3 " | - 1677 | 30 {|18- 9 " | -- | 8- 6 " | 4- 3 " | 130 - 1719 | {|8-9 " | -- |20- 6 " | 2- 4 " | 135 - 1652 | {|16-32 " | -- | -- | 4- 5 " | 50 - 1677 | 20 {|16-6 " | -- | -- | 2- 4 " | 85 - | {| | | | 2- 3 " | - 1719 | {|20- 6 " | -- | -- | -- | 115 - - =Verteilung an Bord französischer Schiffe um 1683.= - - | 110 {|30-48-Pfdr.|32-18-Pfdr.|28-12-Pfdr.|20- 6-Pfdr.|1050 - | 100 {|28-36 " | 28-18 " | 28- 8 " |16- 6 " | 800 - | 88 {|28-36 " | 28-18 " | 26- 8 " | 6- 6 " | 700 - | 84 {|26-36 " | 26-18 " | 24- 8 " | 8- 6 " | 640 - 1683 | 70 {|26-24 " | -- | 28-18 " |16- 6 " | 450 - | 60 {|24-24 | | | | - | {|od. 18 " | -- | 26-12 " |10- 6 " | 360 - | 50 {|24 od. | -- | 22- 8 " | | - | {|22-18 " | | 24- 8 " | 4- 6 " | 320 - | 40 {|20-12 | | | | - | {|od. 8 " | -- | 20- 6 " | -- | 220 - | 30 {|16- 8 " | -- | 14- 6 " | -- | 150 - »Frégates« mit 10-22 Kanonen, 4-8-Pfdrn., 40-120 Mann. - -$Der Hauptfortschritt der Schiffsartillerie$ lag in der Entwicklung einer -=planmäßigen Armierung=. Mit der Einteilung der Schiffe in Klassen wurden -für jede Schiffsgröße Anzahl und Kaliberstärken der Geschütze festgesetzt -und hierbei jede Batterie mit gleichem Kaliber bestückt. Diese Anordnung -änderte man an der Hand der Erfahrung mehrfach, besonders was die -Verwendung der Kaliber anbetrifft. Aus der nebenstehenden Tabelle ist der -Verlauf der Entwicklung in der englischen Marine zu ersehen; man kann -ferner aus ihr entnehmen, welche Gefechtskraft ein Schiff, dessen -Gesamtkanonenzahl angeführt wird, zu den verschiedenen Zeiten des -Abschnittes hat. Zum Vergleich folgt eine Angabe der französischen -Armierungen um 1683. - - Die Tabelle ist zusammengestellt nach Angaben im Clowes, Teil III, - Seite 7-11 und im Troude, Teil I, Seite 19-30; dort finden sich noch - weitere Aufzeichnungen, da man auch Schiffe mit anderer - Gesamtgeschützzahl hatte, als die hier herausgezogenen. Für 1652 und - 1677 (1683) sind zum leichteren Vergleich die Geschütze schon als - »Pfünder« angegeben, obgleich noch die alte Bezeichnung üblich war. - - Die Angaben für 1652 können keinen Anspruch auf Genauigkeit machen; sie - sind wahrscheinlich, besonders die für die großen Schiffe, auf mehr - theoretischem Wege gewonnen. Erstens waren damals weder die - Schiffsklassen schon scharf begrenzt noch die Armierung planmäßig - festgelegt und zweitens gab es nur wenige größere Schiffe; in der - Schlacht von Northforeland (1653) werden in der großen englischen - Flotte von 105 Kriegsschiffen nur 1 zu 88 Kanonen, 1 zu 66 und 10 zu - 50-60 angeführt, und dabei waren die Schiffe bei dieser Gelegenheit - außergewöhnlich überarmiert. - -Wenn man nun den 42-Pfünder und 32-Pfünder (48-Pfünder und 36-Pfünder) -als schwere, die 24-Pfünder bis 9-Pfünder als mittlere und die geringeren -Geschütze als leichte Artillerie bezeichnet, so ersieht man aus den -Tabellen folgendes. Die Armierung mit schwerer Artillerie fällt auf den -kleinen Schiffen (20-40 Kanonen) weg, sobald diese, nach den -englisch-holländischen Kriegen (vgl. »Schiffsklassen« Seite 176), nicht -mehr zu den Schlachtschiffen rechnen, und man geht bei ihnen selbst -gleich bis zu den leichtesten Kalibern der Mittelartillerie hinab. Aber -auch sonst werden die untersten Batterien leichter bestückt, der -42-Pfünder bleibt nur bei den wenigen Schiffen von und über 100 Kanonen, -der 32-Pfünder weicht bei den 60-70 Kanonenschiffen immer mehr dem -24-Pfünder, bei den 50 Kanonenschiffen gar dem 18-Pfünder. Die zweiten -und dritten Batterien dagegen werden im allgemeinen mit stärkeren -Kalibern versehen und ebenso wachsen die Kaliber der leichten Artillerie, -teilweise in die der mittleren übergehend. Die Mittelartillerie wächst -also auf Kosten der anderen, namentlich der schweren. Diese, auch in den -anderen Staaten vorhandene Tendenz bleibt weiter bestehen; im nächsten -Abschnitt verschwindet in Frankreich der 48-Pfünder ganz, dagegen tritt, -mit zeitlichen Schwankungen, dort und in England oft der 24-Pfünder an -Stelle des 18-Pfünders, der 18-Pfünder an Stelle des 12-Pfünders usw. - -Man ersieht ferner, daß sehr schwache Schiffe, hinunter bis zu solchen -von 20 und 30 Kanonen, noch zwei Batterien haben, doch ändert sich dies -gegen Ende des Zeitabschnittes; im Anfang des nächsten gab es Zweidecker -zu 40 Kanonen und darunter nicht mehr. Das 50-Kanonenschiff rechnete noch -bis etwa 1750 zu den Schlachtschiffen, dann scheidet es aus der Linie -aus; 44- und 50-Kanonenschiffe als Zweidecker werden aber zu besonderen -Zwecken noch beibehalten. - -[Illustration: Englischer Dreidecker »Royal Charles«.] - -$Brander$, schon früher gelegentlich ausgerüstet, spielen in diesem -Zeitabschnitt eine hervorragende Rolle. Sie haben große Erfolge zu -verzeichnen, häufig sogar nur durch ihre moralische Einwirkung: bei ihrer -Annäherung setzen sich Schiffe auf den Strand, andere werden von ihren -Besatzungen in wilder Flucht verlassen. Ihnen ist auch ein nicht -unbedeutender Einfluß auf die Entwicklung der Taktik und dadurch des -Systems der Schiffsklassen zuzuschreiben. - -[Illustration: Französischer Dreidecker »Le Soleil Royal«.] - -Brander waren mit leicht entzündlichen und lebhaft brennenden Stoffen -- -Pech, Teer, Öl, Holz alter Fässer dieser Materialien, daher mit ihnen -getränkt, Schwefel, Kampfer und dgl. -- gefüllte Fahrzeuge. Sie segelten -an feindliche Schiffe heran oder ließen sich herantreiben, befestigten -sich mit Enterdraggen sowie an den Raaen angebrachten Haken und -vernichteten den Feind, indem sie sich selbst in Brand setzten; ihre -Besatzung barg sich in Booten. Um Bootsangriffe der bedrohten Feinde -abzuwehren und um bis zu ihrer eigentlichen Verwendung ins Gefecht -eingreifen zu können, waren die Brander auch mit Geschützen armiert. - -Anfangs nur aus wenigen und kleineren Fahrzeugen bestehend, wuchs die -Waffe an Zahl und Größe, wie einzelne herausgegriffene Angaben zeigen. - - =========+======================+=========+================== - Im Jahre | kamen auf | Brander | in der Schlacht - | Kriegsschiffe | | - =========+======================+=========+================== - 1653 | englisch: 100 | 5 | Northforeland - | holländisch: 98 | 6 | - 1660 | holländisch: 75 | 36 | vor der Themse - | holländisch: 75 | 36 | - 1672 | engl-französisch: 98 | 30 | Solebay - -Später nimmt die Bedeutung der Waffe wieder ab, da sie sich infolge der -Änderung der Taktik und Kampfweise überlebt hat.[82] Man kann dies -deutlich aus den Beständen in der englischen Marine ersehen. - - [82] =Colomb=, Seite 91, geht genauer auf diesen Punkt -- Wachsen und - Abnahme der Zahl -- ein. - - 1688 kamen auf 52 in Dienst gestellte Schiffe 26 Brander[83] - 1702 " " 123 Schlachtschiffe im Gesamtbestande 87 " [84] - 1714 " " 125 " " " 50 " - 1741 " " 129 " im Dienst 17 " - 1783 " " 273 Schiffe überhaupt im Dienst 7 " - - [83] Eine Liste dieser 26 Brander, Clowes, Teil II, Seite 246, - verzeichnet Fahrzeuge von 70-320 tons, 6-12 Kanonen, 20-50 Mann. - - [84] Zur Zeit dieses Maximums war die Bedeutung der Brander schon - gering, es ist mehr nur noch eine Folge ihrer Tradition. - -Im Anfang des 18. Jahrh. verschwinden sie ganz. - -Kurze Zeit, 1693-1695, wurde in England eine Art Vervollkommnung der -Brander versucht -- =machines= oder =infernals=. Diese sollten, mit einer -großen Pulvermenge an Bord, durch Explosion wirken. Man kam aber davon -ab, da sie sich nicht bewährten. Wieviel von ihnen erwartet wurde, ist z. -B. daraus zu entnehmen, daß man ein solches Fahrzeug 1693 gegen die -Befestigungen von St. Malo vorschickte; es flog aber wirkungslos auf, -weil es zu früh festkam (vgl. Krieg 1688-1697: St. Malo 1693; Dieppe -1694). - -Endlich ist noch eine Waffe zu erwähnen -- die $Mörserboote$ (bombketches -oder bombs; galiotes à bombes oder bombardes). Mörser für Spreng- und -Brandgeschosse (shells und carcasses[85] wurden vielfach in den -Küstenbefestigungen verwendet; von 1660 an findet man aber auch -Mörserboote bei den englischen Flotten, von 1674 bei den Holländern und -von 1681 auch bei Franzosen. Es waren Fahrzeuge von 80-200 tons, mit 1 -oder 2 Masten, 35-70 Mann, 8 kleineren Geschützen auf Achterdeck. Sie -führten auf einer Plattform vor dem Großmast 2 Mörser; nach einer Angabe -hatte einer dieser beiden in Frankreich 12" Kaliber, 140 Pfd. -Geschoßgewicht. Der Bestand an Mörserbooten in den Marinen war nicht -groß, in England hatte er zu Anfang des nächsten Zeitabschnittes mit 14 -Fahrzeugen seinen Höhepunkt erreicht; bei den Flotten werden höchstens 6, -meistens weniger, aufgeführt. Sie fanden ihre Hauptverwendung oft mit -Erfolg gegen Küstenbefestigungen, Städte und im Hafen liegende Schiffe; -ausnahmsweise greifen sie auch in Seegefechte ein. Auf den sonstigen -Kriegsschiffen wurden Mörser im allgemeinen nicht verwendet, doch scheint -man gelegentlich Versuche damit gemacht zu haben. 1748 wird erwähnt, daß -ein englisches 80-Kanonenschiff »ausnahmsweise« 8 cohorns (kleine Mörser, -am Ende des 17. Jahrh. von dem holländischen Genieoffizier Cohorn -konstruiert) geführt und sich ihrer in einem Seegefechte mit großem -Erfolge bedient habe. Vielfach ließ wohl das Funktionieren der -Hohlgeschosse zu wünschen übrig; bei dem eben erwähnten Angriff der -Engländer auf St. Malo wurden nach einem Bombardement aus Mörserbooten -230 Bomben gefunden, die nicht krepiert waren. Erfolgreicher war die -Verwendung der Mörserboote in großem Maßstabe seitens der Franzosen gegen -Algier (1682-1683, vgl. dort) gewesen; gerade die Erfahrungen dieser -Ereignisse haben wohl zu einer größeren Beachtung der Waffe geführt. - - [85] Brandgeschosse einfachster Art: Eiserne Gerippe mit Zeug bezogen - und mit einem Brandsatz gefüllt, der schon im Rohr Feuer fing. - - - Schiffsklassen. - -Im vorliegenden Zeitabschnitt bildete sich ein System der Einteilung der -Schiffe in Klassen aus -- englisch: rates; französisch: rangs -- nach der -Gefechtskraft oder nach sonstigen Eigenschaften; es hing dies eng mit dem -Wachsen der stehenden Marinen und mit der Entwicklung einer eigentlichen -Kriegführung zur See in Hinsicht auf Taktik und Strategie zusammen. Man -wurde sich darüber immer mehr klar, welche Kräfte man zu den -verschiedenen Zwecken nötig habe, und die Kriegsschiffe wurden -dementsprechend gebaut. Die Fortschritte in der Taktik, in der Strategie -und im Schiffbau bewirkten fortlaufend Änderungen in dem System. - - Die Hauptquelle für diese Betrachtungen, »Colomb«, behandelt im Kapitel - V »The differentiation of naval force« die Entwicklung der englischen - Marine in dieser Hinsicht eingehend bis =1813= an der Hand folgender - Disposition (frei übersetzt): »Die ungeordnete Kampfweise in den - älteren Seekriegen brachte eine Einführung besonderer Schiffsklassen - nicht mit sich. Erst das Auftreten der Schlachtlinie bewirkte den Bau - größerer und untereinander gleichwertiger Schiffe für die Linie. Zu - gleicher Zeit verlangten Angriff und Verteidigung des Handels leichtere - Schiffe und eine dritte Gattung von Fahrzeugen wurde für den - Sicherheits- und Meldedienst der Flotten nötig.« - - Wir folgen im nachstehenden dem Wege Colombs und werden dabei das - Wachsen des Einzelschiffes an Größe und Gefechtskraft, die Ausbildung - des Klassensystems in England sowie die Schiffsbestände hier zu - verschiedenen Zeiten und damit das Wachsen der stehenden Marine kennen - lernen. Der jeweilige Bestand der anderen Marinen soll vor jedem Kriege - unter »Streitmittel der Gegner« angeführt werden. - -Solange der eigentlichen Kriegsschiffe nur wenige waren, die -Seestreitkräfte im Kriegsfalle hauptsächlich durch Ankauf, Miete oder -Aufgebot von Kauffahrteischiffen aufgestellt wurden, bildeten die -Flotten ein Gemisch von Fahrzeugen jeder Größe. Eine solche Flotte wurde -in Unterabteilungen geteilt -- diese Unterabteilungen waren vielleicht -ursprünglich schon durch das Zusammenhalten der Aufgebote der -verschiedenen Städte oder Grafschaften usw. gegeben --, die Befehlshaber -der Unterabteilungen befanden sich auf dem stärksten Schiffe, wohl -meistens einem Kriegsschiffe; um diese Führerschiffe scharten sich die -unterstellten Fahrzeuge jeder Größe, bis hinab zum allerkleinsten, auch -im Gefecht. Von einer Taktik im Gefecht war noch keine Rede; wenn die -Flotten aneinander geführt waren, suchte jedes Fahrzeug selbständig sein -Bestes zu leisten, indem es sich, allein oder vereint mit andern, den -Gegner wählte, dem gegenüber Erfolg zu erwarten war; das starke -Führerschiff war für jede Gruppe der Rückhalt. - -Wie Kauffahrer jeder Größe eingestellt wurden, so weist auch der geringe -Bestand der Kriegsmarinen dieser Zeit fast gleichmäßig Schiffe jeder -Größe auf, als ob für jedes Schiff gleich gute Verwendung vorhanden -gewesen sei. - -Der =Bestand der englischen Marine= um 1624 war: - - I. Klasse: 4 Schiffe -- 800-1187 tons -- 44-55 Kanonen - II. " 14 " -- 600-922 " -- 29-42 " - III. " 9 " -- 343-683 " -- 26-34 " - IV. " 4 " -- 80-250 " -- 6-20 " - ------------------------ - Gesamt: 31 Segel. - -So stand es auch noch um 1651, von welchem Jahr eine neue Einteilung -vorliegt, nur daß die Armierung im allgemeinen stärker geworden ist: I. -Kl. = 80 Kanonen und mehr; II. Kl. = 52-80 K.; III. Kl. = 44-60 K.; IV. -Kl. = 32-50 K.; V. Kl. = 12-32 K.; VI. Kl. kleinere Fahrzeuge. Man sieht, -daß die Grenzen noch nicht genau gezogen sind und in jeder Klasse ein -großer Spielraum gelassen ist. - -Um diese Zeit begann die große Vermehrung der Kriegsschiffe. Da aber im -ersten englisch-holländischen Kriege Taktik und Kampfweise im großen und -ganzen noch die alte blieb, wird auch die Klasseneinteilung zunächst kaum -geändert. Der Einfluß des Krieges macht sich aber doch bemerkbar. Aus den -früher angeführten Gründen -- nur geringes Vertrauen zu den großen -Schiffen; Hauptziel Angriff des feindlichen Handels; schnellerer und -billigerer Bau -- wird die Zahl der mittelstarken Schiffe in weit -größerem Maße vermehrt als die der schweren; diese Mittelschiffe sollten -wohl in erster Linie die bisher eingestellten Kauffahrer ersetzen; -Flaggschiffe und Gruppenführerschiffe waren fast genügend vorhanden. Auch -läßt die nächste Einteilung, namentlich was Tonnengehalt anbetrifft, den -Klassen noch einen weiten Spielraum und sie greifen noch ineinander. Alle -diese ersten Klasseneinteilungen scheinen mehr auf einem administrativen -Bedürfnis beruht zu haben; den verschiedenen Klassen entsprechend -erhielten z. B. die Besatzungen vom Kapitän bis zum letzten Mann -verschiedenen Sold, ein Brauch, der noch länger bestand. Am Ende des -ersten Krieges, =Dezember= 1653, waren Einteilung und =Bestand= der -englischen Marine: - - Klasse Schiffe Tons Kanonen Mann - I 3 891-1556 64-104 350-700 - II 11 721- 875 54- 66 260-400 - III 11 532- 800 44- 60 200-300 - IV 63 301- 700 28- 50 100-220 - V 35 105- 500 12- 36 30-200 - VI 9 55- 255 6- 36 25-130 - ------------------------ - Gesamt: 132 Segel. - - Zu der stärkeren Bestückung ist zu erwähnen, daß die Schiffe z. Zt. des - ersten Krieges fast durchgängig überarmiert waren. - - Wenn Angaben über Gesamtbestand dieser frühen Zeiten, bei verschiedenen - Gelegenheiten verschiedenen Quellen entnommen, nicht immer genau - übereinstimmen, wie z. B. diese mit der Seite 162 über die Vermehrung - während der Republik angegebenen, so liegt dies daran, daß eine Quelle - Schiffe »nur für den Krieg eingestellt« mitzählt, eine andere nicht. - Die vorstehenden Angaben sind aus Colomb, Seite 86, entnommen. - -In derselben Weise wird bis 1660 weiter gebaut, während der späteren -englisch-holländischen Kriege aber ändert sich die Taktik. Das Bestreben, -die Flotte besser geordnet an den Feind zu führen und diese Ordnung im -Gefecht länger zu bewahren, kurz die Schiffe besser in der Hand zu -behalten, führt immer weiter in der Durchbildung der Linienformation; -auch der Wunsch, die Erfolge der Brander einzuschränken, sprach sehr für -die Linie. In dieser war ein jedes Schiff an seine Stelle gebunden und -konnte sich nicht mehr seinen Gegner wählen; es mußte eine gewisse -Gefechtskraft besitzen, damit die Linie nicht schwache Punkte bot. -Nachstehender Auszug aus einer Schiffsliste der englischen Marine um -1688, 15 Jahre nach Beendigung der englisch-holländischen und unmittelbar -vor Beginn der englisch-französischen Kriege, zeigt denn auch wesentliche -Unterschiede gegen früher: Die Gesamtzahl der Kriegsschiffe ist nicht -gewachsen, eher zurückgegangen, aber die Schlachtschiffe sind sehr viel -größer geworden und die Klassengrenzen haben sich dementsprechend -verschoben; die Klassen sind schärfer begrenzt, namentlich was die -Armierung anbetrifft; von einem Schiffe wird eine gewisse Größe und -Geschützzahl, mindestens 40-50 Kanonen, verlangt, um es als -Schlachtschiff geeignet erscheinen zu lassen. - - Das =Linienschiff= ist entstanden. Der Ausdruck, eigentlich »Line of - battle ship«, bezeichnet eben ein Schiff, das fähig ist, seinen Posten - in der Schlachtlinie auszufüllen; »fit for the line« oder »for lying in - the line« sagen die alten englischen Autoren. - -Es ist ferner bemerkenswert, daß in der Liste nur noch sehr wenig Schiffe -als »angekauft«, daß dagegen die meisten angeführten als »nach der Mitte -der siebziger Jahre erbaut« bezeichnet sind; es trifft dies besonders für -die Schiffe der I. und II. Klasse zu, weshalb bei diesen auch schon eine -größere Gleichmäßigkeit in Kanonenzahl und Tonnengehalt herrscht. - -=Schiffsbestand= der englischen Marine, =Dezember= 1688.[86] - - ======+========+================+=====================+ - Klasse|Anzahl | Geschütze | Tonnengehalt | - ======+========+================+=====================+ - I | 9 |96-100 | 1100-1739 | - II | 11 |82-90 |90 1) | 1029-1546|1400 1) | - III | 39 |60-74 |70 1) | 700-1174|1100 1) | - IV | 40 |42-54 |üb. 46 1)| 349-680 |üb. 500 1)| - ---------------------------------- - 99 Schlachtschiffe - - V | 2 2) |28-32 | 229-333 | - VI | 6 |16-20 | 150-200 | - --------------------------- - Ges. 107 Segel - - ======+=======+======+=================== - Klasse| Länge |Breite| Besatzung - ======+=======+======+=================== - I |125-146| 40-47|730-815 - II |121-143| 41-45|530-660 |660 1) - III |108-140| 33-41|350-470 |460 1) - IV | 88-110| 27-35|180-280 |üb. 230 1) - - V | 75-86 | 24-27|105-133 - VI | 74-85 | 18-22| 65-85 - - - 1) Diese Zahlen gelten für den größeren Teil der Schiffe der - betreffenden Klasse. - - 2) Colomb führt für Klasse V 12 an. - - Im Bestande waren ferner: 3 Mörserboote, 26 Brander sowie einige - Jachten und sonstige kleinere Fahrzeuge zu besonderen Zwecken. - - [86] Nach Clowes, Teil II, Seite 243. - -Daß die Kraftvermehrung der Marine zunächst nur durch Zunahme der -Gefechtskraft der einzelnen Schlachtschiffe, nicht durch eine größere -Anzahl bewirkt wurde, hängt auch mit der Änderung der Taktik zusammen. -Die Linie schloß nicht nur die kleineren Fahrzeuge aus, sie durfte auch -nicht zu lang werden; sie wäre sonst unhandlich und, besonders bei -Windänderungen, zu schwer aufrecht zu erhalten gewesen. Auf eine größere -Zahl von Schiffen kam es also weniger an und schließlich spielte auch -wohl Material- und Personal-Beschaffung bei den jetzt größeren Schiffen -eine Rolle. - - =Troude=, Teil I, Seite 16-19 gibt die Klasseneinteilung der - =französischen Marine= für 1661 zu 4 rangs, für 1670 zu 6, für 1683 zu - 6 an; diese gleichen den angeführten englischen der entsprechenden - Zeiten nahezu, doch scheint die Einteilung in Frankreich schon früh - strenger durchgeführt zu sein. In der für 1683 sind die englischen - Klassen I und II zusammengefaßt, die IV. Klasse ist jedoch geteilt: I. - rang = 76-110 Kanonen; II. rang = 64-74; III. = 50-60; IV. = 40-46; V. - = 30-36; frégates = 10-22 Kanonen. - - De Jonge, Teil III, Seite 158 gibt die Klasseneinteilung der - =holländischen Linienschiffe= für 1683 folgendermaßen: I. Klasse = - 80-96 Kanonen; II. = 70-74; III. = 60-68; IV. = 50-54. - -Die späteren Kriege wirken zur Entwicklung in derselben Weise weiter, es -kommt immer mehr System in die Klasseneinteilung. Vom Beginn des 18. -Jahrh. an werden Bestimmungen über Maße des Schiffskörpers und Stärke der -Armierung für die Klassen erlassen; es wird immer mehr auf größere -Gleichheit in ihnen hingestrebt, indem man Unterstufen in der Armierung -möglichst fallen läßt. Der Inhalt einer dieser Bestimmungen, der von -1719, ist aus nachfolgender Zusammenstellung über den =Bestand um= 1727 -zu ersehen. - - ============+======+=========+============+=======+========+========= - Klasse |Anzahl|Geschütze|Tonnengehalt| Länge | Breite |Besatzung - ============+======+=========+============+=======+========+========= - I Drei- {| 7 | 100 | 1869 | 174' | 50' | 780 - II decker {|13 |90 u. 98 | 1566 | 164' | 47' | 680 - III {|40 {| 80 | 1350 | 158' | 44-1/2'| 520 - | {| 70 | 1128 | 151' | 41-1/2'| 440 - IV |64 {| 60 | 951 | 144' | 39' | 365 - | {| 53 | 755 | 134' | 36' | 280 - ------------------------------------------- - 124 Schlacht-(Linien-)Schiffe. - - V | 24 | 40 | 594 | 124' | 33' | 190 - VI | 29 | 20 | 374 | 106' | 28' | 130 - Sloops | 13 | 4-10 | | | | - ------------------------------------------- - Gesamt: 190 Segel, dazu Spezialschiffe. - - Nach Angaben im »Clowes«, Teil III, Seite 7, 9, 11 zusammengestellt - (vgl. auch Colomb, Seite 97); in beiden Quellen noch andere Maße, sowie - sonst bemerkenswerte Daten. - - Die Bestimmung von 1719 ist hier hervorgehoben, da nach ihr viel gebaut - ist, während früher oder später erlassene nicht so strenge befolgt - sind. Der Schiffsbestand um 1727 ist gewählt, da um diese Zeit die - genannte Bestimmung einige Jahre in Kraft gewesen war. Nicht alle in - diesem Jahre vorhandenen Schiffe entsprachen der Bestimmung, da ältere - darunter; diese sind in vorstehender Zusammenstellung denen mit der - nächstliegenden Geschützzahl zugerechnet. - -Auch aus dieser Zusammenstellung ersieht man, daß die Zahl der -Schlachtschiffe nicht in demselben Verhältnis gewachsen ist wie die der -Kriegsschiffe überhaupt. Dagegen sind die Schiffe wieder mächtiger -geworden, die Klassen haben sich weiter dementsprechend verschoben, und -die untere Grenze der Schlachtschiffe (seit die Linie allgemein als -Gefechtsformation angenommen, =Linienschiffe= genannt) ist auf 50 Kanonen -heraufgerückt. - -Ferner ist es auffallend, daß die Zahl der Schiffe I. und II. Klasse, -über 80 Kanonen, gar nicht zugenommen hat, der ganze Zuwachs der -Schlachtschiffe liegt in der nunmehrigen IV. Klasse von 50-60 Kanonen. -Gegen die ganz großen Schiffe sprach der Kostenpunkt sowie der Gedanke, -nicht zu viel auf eine Karte zu setzen. Man hielt mittelschwere Schiffe --- hierzu wurden die 50-60-Kanonenschiffe zu dieser Zeit noch gezählt -- -als am geeignetsten für die Schlachtlinie. - - In Frankreich scheint die Klasseneinteilung von 1683 lange Zeit - bestanden zu haben, Troude führt die nächste erst für 1758 an. - - In späterer Zeit rechnet man das Linienschiff nur bis zu 60 Kanonen, in - Frankreich 56. Die IV. Klasse scheidet nach und nach aus der Linie aus - und das Schiff der III. Klasse wird das bevorzugte Schlachtschiff. 1790 - bildet in England die III. Klasse 5/6 der ganzen Schlachtflotte und - besteht selber zu 2/3 aus 74-Kanonenschiffen. Die Schiffe der I. und - II. Klasse sind nur beliebt als Flaggschiffe, da sie geeignet sind, die - Stäbe usw. unterzubringen. - -Neben der IV. Klasse ist auch der Bestand der kleineren Klassen sehr -gewachsen; sie sind eigentlich erst entstanden und zwar als die Folge -einer neuen Strategie, die in erster Linie nicht mehr die Bedrohung des -Handels, sondern das Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte ins -Auge faßte. Diese Kriegführung erforderte starke Schlachtschiffe, die -sich dann nach taktischen Rücksichten herausbildeten. Es wurden nun aber -auch noch andere Fahrzeuge nötig. Eine nach neuer Art zusammengesetzte -Flotte brauchte besondere =Schiffe für den Sicherheits=- und -=Nachrichtendienst=, leichter als die Schlachtschiffe, aber von größerer -Schnelligkeit, teils mit, teils ohne eine gewisse Gefechtskraft. -Anderseits verlangte auch die Strategie Fahrzeuge =für den Handelskrieg= -(modern Kreuzerkrieg) -- Schutz des eigenen, Bedrohung des feindlichen -Handels --, gleichfalls verschiedener Größe gegen feindliche Kreuzer oder -gegen Freibeuter, sowie endlich Schiffe zur Besetzung fester Stationen im -Auslande, die für alle Staaten an Wichtigkeit gewonnen hatten. Es waren -also aus taktischen wie aus strategischen Gründen =schwere und leichte -Kreuzer=, nach moderner Bezeichnung, notwendig. - -Die kleineren Schiffe der IV. Klasse, 50 Kanonen, nehmen zunächst neben -ihrer Verwendung als Schlachtschiffe von diesen Aufgaben diejenigen wahr, -die Gefechtskraft verlangten; zu ihnen traten für denselben Zweck die -größeren der V. Klasse, 40, später vorzugsweise 44-Kanonen-Zweidecker. -Für die anderen Aufgaben dienten die kleinen Schiffe; daher die -bedeutende Vermehrung der IV.-VI. Klasse. Wenn es auffällt, daß 1688 so -wenige derartige Schiffe, besonders leichtere Kreuzer, vorhanden sind, -obgleich man doch den Kreuzerkrieg auch in den englisch-holländischen -Kriegen führte, so ist dies dadurch zu erklären, daß diese Aufgabe damals -noch zum größten Teil von Privatschiffen (Kapern) wahrgenommen wurde; die -wachsenden Marinen machten sich später von diesen mehr und mehr frei. - -Die 40-60-Kanonen-Zweidecker, nach und nach aus der Linie entfernt, -zeigen sich aber im Laufe der Zeit für eigentlichen Kreuzerdienst auch -nicht geeignet, weil sie zu schwer und zu unhandlich sind. Sie werden als -Kreuzer mit der Entwicklung der schnelleren, kleineren Schiffe -(Fregatten, Korvetten usw.) durch die schweren Fregatten (schon 1780 zu -38 Kanonen gebaut) verdrängt. Doch behielt man einige ihrer Stufen, -besonders 50- und 44-Kanonen-Zweidecker, noch bis Anfang des 19. Jahrh. -bei, da sie geeignet als Flaggschiffe für weniger wichtige Stationen und -für kleinere Detachierungen sowie bequem zu Friedenszeiten waren. - - Mit diesen letzten Betrachtungen ist etwas vorgegriffen. Es sollte aber - damit, wie auch durch die Hinweise auf die spätere Entwicklung der - Schlachtschiffe, gezeigt werden, daß sich in den nächsten - Zeitabschnitten das System der Klasseneinteilungen auf dem begonnenen - Wege weiter ausbildet, so daß man wohl sagen kann, zu Ende des - vorliegenden Abschnittes war in dieser Hinsicht ein gewisser Abschluß - erreicht; die folgenden Zeiten der Segelschiffahrt bringen eigentlich - nur noch Verschiebungen und Vervollkommnungen. - - - Das Personal. - -Mit der Vervollkommnung der Schiffe in seemännischer und -artilleristischer Hinsicht hatte das seemännische Personal immer mehr an -Wichtigkeit gewonnen (vgl. Seite 52 und 154). Führung, Bedienung und -Erhaltung des Schiffes verlangten mehr Kräfte und mehr Fachkenntnisse; -auch die neue Hauptwaffe, die Artillerie, brauchte seegewohntes Personal, -sie war nach und nach ganz in die Hände des seemännischen übergegangen. -Wenn man die Schiffskanoniere, die noch längere Zeit als -Hauptgeschütznummern und als Ausbildungspersonal eingeschifft wurden, mit -zum seemännischen Personal zählt, wozu man sicher berechtigt ist, so -bestand bei Beginn dieses Zeitabschnittes die Schiffsbesatzung -größtenteils aus Seeleuten. Soldaten zog man eigentlich nur noch bei -Mangel an Seeleuten heran, erst später wurde wieder eine besondere -Seesoldatentruppe gegründet. Der Seemann war auch vollwertiger Krieger an -Bord geworden; =der Kriegsschiffmatrose war erstanden=.[87] - - [87] Besonders benutzte Quellen: Clowes, Teil I, II, III, die Kapitel - »Civil history«; de Jonge, I; Jurien: Les marins du XV siècle; - Chab.-Arnault. - -Den technischen Anforderungen entsprechend, hatten sich $Chargen$ für die -Leitung des Dienstes in den $verschiedenen Zweigen$ herausgebildet: - -Für Handhabung des Schiffes: der Schiffer (englisch master; französisch -maître; holländisch stuurman); für Navigation: der Lotse (pilot; pilote; -shipper); für Bedienung und Verwaltung der Artillerie der Konstabel -(constable, später gunner; maître cannonier; constabel); für Erhaltung -der Takelage und Bedienung des Ankergeschirrs der Bootsmann (boatswain; -esquiman; hoogbootsman); für Erhaltung des Schiffskörpers und der -Rundhölzer der Zimmermann (carpenter; charpentier; timmermann). Mehr -untergeordneter Natur (Unteroffiziersrang): für Verwaltung des Proviants -der Bottelier; für Strafvollstreckung der Profoß; für Handwaffendienst -der Korporal; der Segelmacher; mehrere Quartiermeister (quartermaster; -quartiermaître; kwartiermeester) besonders zur Beaufsichtigung des -Steuerns auf den Wachen; endlich traten hinzu der Chirurg und der -Zahlmeister für die Verwaltung (clerk, später purser; écrivain; -skrijver). - - Das Zusammenfassen der Verhältnisse bei verschiedenen Nationen und zu - verschieden Zeiten führt bei diesen sowie den späteren Angaben über - Personal zu kleineren Ungenauigkeiten; so rangierte z. B. in Holland - später der Shipper vor dem Stuurman. - - Angaben über den Sold um die Mitte des 17. Jahrh.[88] stellen den - Master usw. weit über die anderen Chargen; er ist in allen - seemännischen Fragen die rechte Hand des Kommandanten. - - [88] Clowes, Teil II, Seite 13, Seite 100; de Jonge, I, Seite 321. - - Der Lotse dieser Zeiten ist nicht der im jetzigen Sinne, der - Küstenlotse. In Frankreich hieß dieser schon damals pilote côtier, - jener pilote hauturier. Der Lotse damaliger Zeit war eben der - Navigateur für große Fahrt. - - Gunner bezeichnete in England anfangs alle Schiffskanoniere. Diese - wurden in England zuerst wieder abgeschafft und die Bezeichnung wurde - dort der Titel für den Constable. - -Die oberen Chargen, besonders die drei erstgenannten, hatten eine weit -größere Bedeutung, als ihre Titel nach jetzigem Brauch andeuten. Der -Kommandant (Kapitän), in erster Linie stets militärischer Befehlshaber -des Schiffes, war sehr von ihnen abhängig, weil der eine den andern -nicht ersetzen konnte und er selbst oft nicht jeden Dienstzweig -beherrschte -- ebensowenig sein Stellvertreter, der Leutnant. In -Frankreich waren längere Zeit der Kapitän und der Leutnant meist keine -Seeleute von Jugend auf, auch in England scheint zuweilen noch der -Kapitänsersatz gleich als Leutnant zur Ausbildung zum Kapitän eingetreten -zu sein; in Holland rangierte der Steuermann anfangs vor dem Leutnant, -was auf ähnliche Verhältnisse schließen läßt, aber bald wird hier -hervorgehoben, daß alle Kapitäne und Flaggoffiziere vom Schiffsjungen auf -gedient hätten. Im allgemeinen jedoch sind bald wohl überall Kapitän und -Leutnant aus einem der höheren Zweige, im Kriegs- oder Handelsdienst -aufgewachsen, hervorgegangen. - -Die Flottenführer waren noch häufiger und noch längerhin nicht immer -Seeleute von Beruf, sondern infolge ihrer Geburt oder hervorragenden -Stellung auf ihren Posten berufen; diese bestimmten dann zu Unterführen -tüchtige und zuverlässige Kapitäne. Vizeadmiral und Kontreadmiral waren -anfangs Funktionen in der gerade aufgestellten Flotte, keine festen -Dienstgrade. - -Mit der Zunahme der Größe und Armierung der Schiffe erhielten die Leiter -der Dienstzweige Gehilfen: master-mates, contre-maîtres, 2. und 3. -stuurman; boatswains-mates, quartermaster-mates usw. - -Von einem $Seeoffizierkorps$ im jetzigen Sinne war also vorläufig keine -Rede; ein fester Bestand an Chargen war überhaupt nicht vorhanden, -ausgenommen der erwähnte Stamm von Kapitänen in Holland; das Personal -wurde im Bedarfsfalle angeworben, kam aus dem Handelsdienst und trat nach -seiner Entlassung in diesen zurück. - -Mit dem Wachsen der stehenden Marinen in unserem Zeitabschnitt wurde aber -der Dienst in ihnen ein Lebensberuf, sowohl in den höheren wie in den -niedrigen Zweigen, und es widmeten sich immer mehr Söhne der besseren -Stände dem Seemannsleben. Welchen Fortschritt und Vorteil dies für die -Marine bedeutete, wurde bald erkannt, und die Regierungen förderten gern -das Interesse für die seemännische Laufbahn. Während bisher der Kapitän -und der Leutnant »vor dem Maste« aufgewachsen oder nicht von Jugend auf -als Seeleute erzogen waren, stellten jetzt die Marinen dieses bessere -Material als Offiziersaspiranten ein (midshipman, aspirant, adelborst); -Anfänge hiervon finden sich schon im Anfang des 17. Jahrh., im größeren -Maßstabe begann man damit nach dem ersten englisch-holländischen Kriege. -Um dieselbe Zeit vermehrte man auch, im Interesse der Disziplin und der -militärischen Leitung im Gefecht, die Zahl der Leutnants an Bord auf 2 -und bald auf 3; der erste Leutnant war der Vertreter des Kommandanten. -Immer mehr ergänzen sich nun die Leutnants aus den Offiziersaspiranten -und damit nach und nach auch die Kapitäne, die Flaggoffiziere und endlich -die Flottenführer. - -Später übernahmen dann die Leutnants teilweise den Dienst der höheren -Zweige -- Navigation; Handhabung des Schiffes (als Wachoffiziere) und der -Artillerie (als Batteriekommandeure) --, die früheren Leiter -verschwinden oder treten, nur noch zur Unterstützung der Offiziere -bestimmt, in die Reihen der Leiter der niederen Zweige zurück. So haben -wir etwa von 1700 ab den Ursprung eines organisierten Marinepersonals, -des jetzigen Seeoffizierkorps, des den Marinen eigentümlichen -Deckoffizierkorps -- der Steuermann, Feuerwerker, Bootsmann, Zimmermann --- und des Unteroffizierkorps, die Maate der Deckoffiziere. - - Gegen Ende des 17. Jahrh. bestand der obere Stab eines englischen - Kriegsschiffes 1. Klasse aus: dem Kapitän, 3 Leutnants, 1 Master, 1 - Pilot, 3 Mastersmaaten, 3 Pilotmaaten, 8 Midshipmen, 1 Zahlmeister, 1 - Arzt und einem oder mehreren Seesoldaten-Offizieren. - - Master und Pilot verschmelzen später zum Master, dem die Navigation - obliegt, doch behielt er die Handhabung des Schiffes bei besonderen - Gelegenheiten, z. B. im Gefecht. Er war, obwohl besser besoldet als die - Leutnants, wie die Deckoffiziere nur warrantofficer, d. h. bestallter - im Gegensatz zum patentierten Offizier, und wurde erst in viel späterer - Zeit als navigating lieutenant diesen sozial gleichgestellt. In England - blieb die Navigation bis vor wenig Jahrzehnten ein Spezialzweig, was - besonders für die Aufnahme der Seekarten aller Meere von günstigem - Einfluß gewesen ist. - -$Die Mannschaft$ wurde im allgemeinen angeworben. In Holland geschah es -durchweg, in England griff man bei Mangel zur gewaltsamen Aushebung, dem -Pressen von Seeleuten. Auch in Frankreich wurde das Pressen bis zu -Colberts Zeit angewandt; dieser führte neben der Anwerbung eine Art -gesetzlicher Dienstpflicht der seemännischen Bevölkerung ein. Als aber -nach seinem Tode die hierfür festgesetzten Vorteile wegfielen, mußte -wieder zum Pressen gegriffen werden. - -Teils noch von älterer Zeit stammend, besonders aber wegen Mangels an -Seeleuten schiffte man zu Anfang des Zeitabschnittes noch =Landsoldaten= -ein, aber nur mit Unteroffizieren; in Holland geschah es stets, in -England nur im Notfalle. In Holland bewährten sich diese Soldaten weder -in Disziplin noch Leistung, da sie erst unmittelbar vor dem Inseegehen an -Bord gesandt wurden und in ganz ungewohnte Verhältnisse kamen. In England -dagegen zeichneten sie sich in jeder Beziehung aus, wohl eine Folge des -guten Geistes in der Revolutionsarmee und der strengen puritanischen -Zucht, die in einem großen Teile des englischen Volkes herrschte. Diese -so entgegengesetzten Erfahrungen führten in beiden Staaten um 1664 zur -Gründung von =Seesoldaten=-Regimentern, von denen Abteilungen unter -eigenen Offizieren zur Auffüllung der Besatzungen, zum Gebrauch der -Handwaffen und als Kern der Enterdivisionen und der Landungskorps an Bord -der Schiffe kommandiert wurden. Die neue Truppe zeichnete sich hier wie -dort nicht nur durch ihre eigene Disziplin aus, wohl eine Folge der rein -militärischen Ausbildung gegenüber den ungebundeneren Dienstverrichtungen -der Seeleute, sie war auch von gutem Einfluß in dieser Hinsicht auf die -ganze Besatzung. - -Der =Geist des Personals=. Die Art und Weise, in der im 16. und 17. -Jahrh. die Seefahrt betrieben wurde, mit ihrer gesetzlosen -Gewalttätigkeit, erzog zwar ein tüchtiges, tapferes und wagemutiges, aber -auch rauhes, ja rohes Personal. Die langen Ozeanfahrten, die Seefahrt in -den nordischen Gewässern auf noch schlechten Schiffen, der schwere -Dienst der Hochseefischerei bildete harte, erfahrene und ausdauernde -Seeleute heran; die fast ununterbrochenen Kriege und der notwendige -Selbstschutz des Handels auf See und an fernen Küsten machte sie auch zu -tüchtigen Kriegsleuten. Der Ausdauer, Härte und Tapferkeit des Personals -ist wohl die einzig dastehende, blutige und hartnäckige Durchführung der -englisch-holländischen Kriege zuzuschreiben. Aber dieses Leben trug gewiß -nicht dazu bei, Sitte sowie Gefühl für Ehre und Pflicht im Seemannsstande -zu heben, besonders nicht die Freibeuterei, doch gerade diese lieferte -den Kriegsmarinen den geeignetsten Ersatz an Mannschaft und an -Offizieren. Der militärische Geist und die Disziplin konnten deshalb auch -auf keiner hohen Stufe stehen und auch die Behandlung des Personals war -nicht geeignet, hier bessernd einzuwirken. Die Soldzahlung war -unpünktlich, die Verpflegung schlecht, die Fürsorge für Kranke, -Verwundete und Invalide mangelhaft; trotz harter Strafen waren deshalb -grobe Insubordination und Meutereien häufig. - -Mit der inneren Entwicklung stehender Marinen und eines Seeoffizierkorps, -in dem sich infolge des besseren Ersatzes ein Standesbewußtsein und eine -Standesehre ausbildeten, wurden diese Verhältnisse nach und nach besser. -Im Laufe der Zeit erlassen alle Staaten immer genauere und bessere -Vorschriften über Ersatz und Heranbildung der Offiziere und über die -Fürsorge für das gesamte Personal; über Verpflegung, ärztliche -Behandlung, Gottesdienst und Pensionen. Es erscheinen zeitgemäß -gemilderte Kriegsartikel sowie Instruktionen für den Dienstbetrieb: -Routinen, die ersten wichtigsten Rollen, wie Gefechts- und Feuerrolle, -Speiserollen usw. Die Entwicklung der stehenden Marinen in allen diesen -Dingen kann man besonders von 1660 an rechnen; der erste -englisch-holländische Krieg, der als erster großer Seekrieg überhaupt in -so vielen Hinsichten durchgreifenden Einfluß auf das Seewesen gehabt hat, -ist auch hierin epochemachend gewesen. - - Erwähnenswert dürfte noch sein, daß =Uniformen= für Offiziere und - Mannschaften erst sehr spät eingeführt sind. In England wenigstens - erscheinen die ersten Bestimmungen über Offiziersuniformen erst 1748 - (vgl. Clowes Teil III, Seite 20). Den Mannschaften war schon früher - Gelegenheit gegeben, Kleider vom Staate nach bestimmtem Schnitt und - Preise an Bord zu kaufen; es war aber nicht obligatorisch. - - - Kampfweise und Taktik. - -Zu Ende des vorigen Zeitabschnittes war für die Segelschiffe mit -Breitseitarmierung an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der -alleinige =Kampf der Artillerie in der Querabrichtung= getreten (Seite -145); wegen der geringen Treffähigkeit der Geschütze wurde er auf nahe -Entfernung -- Musketen- und Pistolenschußweite -- geführt. Vom -Manövrieren während des Gefechts war bei den noch unhandlichen Schiffen -wenig die Rede, man focht unter kleinen Segeln oder backgebraßt -- ein -großer Gegensatz gegen die Ruderschiffe, bei denen man gerade die -Bewegung ausnutzte. Wie der Rammstoß nur noch gelegentlich, wenn günstige -Umstände dazu lockten, ausgeführt wurde, so trat auch das Entern -zunächst zurück. Fast nur bewegungslose Schiffe werden auf diese Weise -genommen; erst später, als die Fahrzeuge sehr viel besser waren, tritt es -wieder als Ziel des Einzelschiffskampfes auf. Mit zunehmender Segel- und -Manövrierfähigkeit der Schiffe, aber auch in artilleristischer Beziehung, -gewann die =Luvstellung= im Gefecht an Bedeutung. Dem Gegner zu Luward -boten sich viele Vorteile: Er konnte Beginn und Entfernung des Kampfes -bestimmen, jederzeit zum Entern oder Rammstoß übergehen, der Pulverrauch -störte ihn weniger, brennende Rückstände aus den Geschützen gefährdeten -die eigene Takelage nicht. Ein Nachteil war, daß in der Luvstellung -zuweilen die Geschütze der untersten Batterie, also gerade die -schwersten, nicht zu gebrauchen waren, da man ihre damals sehr dicht über -Wasser liegenden Pforten bei starkem Winde oder Seegang in Lee -geschlossen halten mußte. - -Auch Flotten mußten jetzt in einer Lage an den Feind geführt werden, in -der sie diesem nicht den Bug sondern die Breitseiten darboten; an die -Stelle der breiten Formationen, Sichel oder Halbmond, war eine tiefe -getreten, =die Kiellinie=. Sie erleichterte das Manövrieren um die -Luvstellung, und diese bot für Flotten dieselben Vorteile wie für die -Einzelschiffe; dazu kam noch, daß die Luvflotte günstigere Gelegenheit -für die Verwendung der Brander hatte. Die Vorteile, die eine Leestellung -für Flotten bietet, wurden erst später taktisch verwertet. - -Vorläufig darf man aber hier nicht an die Kiellinie aus Einzelschiffen -denken. Die Gründe, weshalb sie zunächst nicht aus den einzelnen Schiffen -formiert wurde, wie es doch bei der Dwarslinie der Ruderschiffe geschehen -war, sind seemännischer und militärischer Natur. Die Ruderflotten waren -aus an Größe, Geschwindigkeit, Manövrierfähigkeit fast gleichartigen -Fahrzeugen zusammengesetzt und mit geschultem Personal bemannt; mit -solchen konnte man gutausgerichtete Linien formieren und aufrecht -erhalten; die Art des Motors begünstigte dies ebenfalls. Auch die -Gefechtskraft der einzelnen Schiffe war ziemlich dieselbe, eine aus ihnen -gebildete Linie war also auf allen Stellen gleich stark. »Das -Einzelschiff bildete in ihr die taktische Einheit.« Für die ersten -neueren Segelschiffsflotten -- von der Zeit der Armada bis zum ersten -englisch-holländischen Kriege einschließlich -- hatten sich die -Verhältnisse völlig geändert. Die Flotten bestanden aus nur wenigen -Kriegsschiffen mit geschultem Personal und einer großen Zahl erst für den -Krieg eingestellter Fahrzeuge. Die Segel- und Manövrierfähigkeit war zu -dieser Zeit im allgemeinen noch gering, und bei den an Größe und Güte so -ungleichen Schiffen sehr verschieden. Mit einer derart zusammengesetzten -Flotte war es nicht möglich, gut rangierte Formationen zu halten. Noch -mehr verschieden aber war die Gefechtskraft der Schiffe -- starke -Kriegsschiffe gab es nur wenige --, und man konnte nicht daran denken, -eine Schlachtlinie aus den einzelnen Fahrzeugen zu bilden; sie würde zu -viele schwache Punkte geboten haben. Bei der ungeheuren Zahl der Schiffe, -aus denen die Flotten in diesen Zeiten bestanden, wäre endlich eine Linie -aus Einzelschiffen außerordentlich lang und völlig unlenkbar geworden. -Somit war es geboten, aus den schwächeren Kriegsschiffen und den -Kauffahrern Gruppen zu bilden, die von den stärkeren Kriegsschiffen -geführt wurden (Seite 175). »=Die Gruppen waren jetzt die taktischen -Einheiten=«, aus ihnen wurde die Schlachtlinie der Flotte formiert. - -Von den Ruderschiffen war die =Einteilung einer Flotte= in drei -Geschwader übernommen: Mitte (der Höchstkommandierende), rechter Flügel -(der 2. Befehlshaber), linker Flügel (der drittälteste Admiral); zuweilen -trat ein viertes Geschwader als Reserve hinzu. Als die Kiellinie -allgemein geworden, wurden sie Mitte (centre; corps de bataille), Vorhut -(van; avantgarde) und Nachhut (rear; arrièregarde) benannt. Die -Geschwader waren aus Unterabteilungen, den Gruppen zusammengesetzt, in -denen die Schiffe aller Größen ohne besondere Formation um ihr -Führerschiff zu gemeinsamem Wirken geschart segelten. Holland teilte um -die Mitte des 17. Jahrh. sehr große Flotten in 5, ja 7 Geschwader; -wahrscheinlich war dies von Tromp eingeführt und wurde erst von Ruyter -(1666) geändert. - - Die $Linie aus Gruppen$ eingeführt zu haben, wird den Holländern - zugeschrieben. Englische Quellen[89] erwähnen ausdrücklich, daß sie - erst während des ersten Krieges englischerseits von jenen übernommen - sei. Der Ursprung der Gruppen an und für sich dürfte älter sein. Wir - haben sie ja schon bei der Armada auf englischer Seite gesehen, wo sie - infolge der verschiedenen Gefechtskraft der Schiffe gebildet worden - waren. Aber vielleicht auch die Art der Aufbietung von Flotten zu - damaliger Zeit brachte sie mit sich: Die spanische Armada zeigt die - Einteilung der Geschwader nach Provinzen; französische Flotten älterer - Zeit werden geteilt in die Geschwader der Bretagne, Guyenne, Provence; - holländische in Geschwader der fünf Seeprovinzen; in England stellten - die Grafschaften und Städte ihre Kontingente, die wohl unter sich unter - Führung von Kriegsschiffen zusammenhielten. Die Einteilung in »Vorhut, - Mitte und Nachhut der Flotte« wurde, wie man verschiedentlich sehen - kann, außer dieser Einteilung nach Provinz- usw. Abteilungen - vorgenommen; diese bildeten also Gruppen in jenen. Vorstehende - Behauptung bezieht sich wohl nur auf die Einführung der »Flottenlinie - aus Gruppen« durch die Holländer. Diese »Flottenformation« wurde zur - Zeit der Armada von den Engländern noch nicht verwendet; ihre - Geschwader und Gruppen arbeiten selbständig mit nur lockerer Fühlung - untereinander; von der Armada bis zum ersten holländischen Kriege hat - England dann keine großen Schlachten auf See geschlagen. Die - Erfahrungen, insbesondere die Erfolge gegen die Armada, scheinen die - Engländer sogar einer geschlossenen Flottenordnung abgeneigt gemacht zu - haben. =Sir William Monson= schreibt 1635:[90] »Eine starre - Aufrechterhaltung der Flottenformation (Sichel und Halbmond sind - gemeint) hatte Zweck, so lange man nur vor dem Winde segelte. Seit man - näher am Winde segeln kann, nämlich seit Einführung der Bulin[91], kann - man jederzeit an einer Stelle angegriffen und damit in Unordnung - gebracht werden; eine solche Formation ist bei der ungleichen - Segelfähigkeit der Schiffe an und für sich schwer aufrecht zu erhalten. - Ein Flottenchef soll den Wind gewinnen; im übrigen hat er die - Unterführer nur zu instruieren, sich mit ihren geschlossenen - Geschwadern oder Gruppen die günstigste Angriffsstelle auszusuchen, - wobei sie sich gegenseitig Raum lassen müssen und nur zur Unterstützung - bei dringender Gefahr aneinander herankommen dürfen.« Im Anfang des - ersten englisch-holländischen Krieges wurde dann vom Admiral Penn der - Vorteil der Holländer, in Flottenkiellinie ins Gefecht zu treten, - erkannt und ihr Verfahren nachgeahmt. - - [89] Clowes, Teil II, Seite 151, 189; Colomb, Seite 88. Beide führen - alte Autoren an. - - [90] Vgl. Colomb, Seite 87. - - [91] Bulin ist ein Tau, das ein Segel straffer spannt. - -Man kann wohl sagen, daß um 1648 das Ziel einer guten Taktik darin -bestand, die Luvstellung zu gewinnen und von dieser aus die Flotte in -möglichst wohlrangierter $Flottenkiellinie aus Gruppen$ mit halbem Winde, -mehr leisteten die Schiffe im Durchschnitt kaum, an den Feind zu führen; -die Brander standen, auf die Geschwader und Gruppen verteilt, in -Feuerlee, d. h. auf der dem Feinde abgewendeten Seite. -- Mit dem -Zusammenstoße aber hörte jede Oberleitung auf und auch die bisherige -Ordnung ging bald verloren. Taktische Regeln, um an einer Stelle mit -Übermacht aufzutreten, gab es noch nicht, dazu fehlten den Führern die -Erfahrungen; zu geschickten taktischen Bewegungen wären auch die Schiffe -damals kaum geeignet gewesen. Die Flotten waren endlich zu groß zum -gemeinsamen Handeln, und das Signalsystem war zu wenig ausgebildet, um -einzelne Teile zu leiten. - - Nur mit sehr einfachen =Signalen= -- Kanonenschüsse; einzelne Flaggen - an verschiedenen Stellen geheißt; Manövern mit Segeln u. dgl. -- konnte - man die notwendigsten Befehle geben; längere und wichtige Anordnungen - wurden, sogar im Gefecht, durch Boote überbracht. Die Signale setzte - anfangs jedesmal beim Zusammentritt einer Flotte der Kommandierende - fest; später entstand daraus ein festes Signalsystem, das sich aber nur - langsam ausbildete, erst um 1691 scheint man in England soweit gewesen - zu sein, daß Flottenbewegungen damit geleitet werden konnten.[92] - - [92] Clowes, Teil II, Seite 225 ff. - -An den Feind geführt, griff mit seinem Chef an der Spitze jedes der -Geschwader, die meist nicht einmal eng aufeinander geschlossen waren und -Nachzügler zurückgelassen hatten, für sich an; jede Gruppe, ja wohl jedes -Schiff suchte sich seinen Gegner. Diese Art des Angriffs sowie das -Bestreben der einzelnen Gruppen oder Schiffe, sich zu unterstützen oder -feindliche Gruppen oder Schiffe zu dublieren[93], führte zum baldigen -Einbruch in die feindliche Linie. Es mußte infolgedessen noch früher als -bei den bewegungsfähigeren Ruderschiffen die Melee eintreten, und um so -mehr, als die Fahrzeuge, unter kleinen Segeln nur wenig Fahrt laufend, -bei dem dichten Pulverdampf durcheinander trieben. Abbildungen von -Schlachten zeigen uns örtlich oft weit getrennte Gruppenkämpfe und -Schiffsduelle; Beschreibungen erzählen fast nur von geschickten Vorstößen -einzelner Gruppenführer und von besonderen Taten einzelner Kommandanten. - - [93] Zwischen zwei Feuer nehmen. - -=Es ist die Zeit der Gruppentaktik.= Auf den verschiedenen Stellen wird -der Kampf fast ohne Bewegung ausgefochten, Lagen werden auf -Pistolenschußweite gewechselt, Brander greifen an, bis derjenige Teil, -der durch Artilleriefeuer, Brand und Explosionen die meisten Leute und -Schiffe verloren hat, oder dem die Munition knapp wird, Segel setzt und -das Feld räumt. Infolge der langsam und unsicher schießenden Artillerie -dauert der Kampf stundenlang und es tritt oft Munitionsmangel ein; -Explosionen sind wegen der ungenügenden Sicherung der Munitionsräume -häufig; es ist dagegen auffallend, wie wenig Schiffe in den großen -Schlachten durch Entern genommen werden. - -Ebensowenig, wie von planmäßigen taktischen Bewegungen während des -Gefechts die Rede ist, tritt nach der Entscheidung eine taktisch -angelegte =Verfolgung= ein, weil auch die Schiffe des Siegers zu sehr -gelitten haben und die Oberleitung ganz verloren gegangen ist. - -Wenn nun den Holländern zugeschrieben wird, die Linie aus Gruppen -eingeführt zu haben, so stammt von den Engländern ein weiterer wichtiger -Fortschritt in der Taktik. Während die Holländer noch länger im -allgemeinen gleich nach dem Zusammenstoß althergebrachterweise durch -rücksichtsloses Draufgehn und Einbrechen in die feindliche Linie die -Entscheidung suchen (1653, Schlacht bei Scheveningen), wodurch sie den -Feind zwar oft verblüffen, aber doch nur Teilerfolge erzielen, fangen die -Engländer schon im ersten Kriege an, Wert auf längere Ausnutzung des -Artilleriefeuers in geschlossener Ordnung zu legen und den Feind zu -erschüttern, ehe sie in die Melee eintreten (ebendort und schon in der -Schlacht bei Northforeland-Nieuport). Es ist diese wichtige Erkenntnis -unzweifelhaft dem Umstande zuzuschreiben, daß sich in England die -stehende Marine und damit das Verständnis für militärische Gesichtspunkte -früher entwickelte, wie auch der Ausbildung der Schiffsartillerie dort -früher große Aufmerksamkeit zugewendet wurde. - -In den schnell aufeinander folgenden Kriegen des Zeitabschnittes erkannte -man bald die Nachteile der Gruppenformation und ihrer Kampfweise. Neben -der Unmöglichkeit der Übersicht, Leitung und Innehaltung der Ordnung gab -sie bei Windveränderungen und außergewöhnlichen Vorfällen Anlaß zu -Kollisionen und Havarien, die Schiffe hinderten sich gegenseitig an der -Verwendung ihrer Artillerie, den Brandern bot sich in den fast ohne -Bewegung zusammenliegenden Haufen von Schiffen ausgezeichnete Gelegenheit -zum Angriff. Alles wies auf Verwendung dünnerer Linien im Gefecht hin. - -Es führte dies, wie uns bekannt, zum Bau besonderer, starker und -gleichwertiger Schlachtschiffe, die ihren Platz in der Linie ausfüllen -konnten. Jetzt bildete man die $Kiellinie aus den einzelnen Schiffen$; -diese wurden wieder an Stelle der Gruppen die Gefechtseinheiten. Mit dem -Ausscheiden der kleinen Schiffe wurden die Flotten kleiner, so daß -Übersicht, Leitung und Aufrechterhaltung der Formation leichter war. - -Die =Einteilung einer Flotte= in Vorhut, Mitte und Nachhut blieb -bestehen; jedes dieser Geschwader wurde bei großer Schiffszahl in drei -Divisionen geteilt; die Flaggoffiziere segelten gewöhnlich in der Mitte -ihrer Division. - - Eine derartige Einteilung ist gut aus den späteren Angaben über die - englische Flotte in der Schlacht von Northforeland, 12. Juni 1653, zu - ersehen. Dort wird auch darauf hingewiesen, wie aus dieser Einteilung - die englischen Flaggoffizierchargen, die Admirale der verschiedenen - Flaggen, hervorgegangen sind. - -Mit zunehmender Segelfähigkeit der Schiffe wurde die $Kiellinie beim -Winde$ die Gefechtsformation, denn sie entsprach am besten allen -Anforderungen: Möglichkeit der Übersicht und Aufrechterhaltung und größte -Freiheit zu weiteren Manövern; sie war auch nötig zum Gewinnen und -Erhalten der vorläufig allgemein angestrebten Luvstellung. Sie bleibt die -Normalformation während der ganzen Segelschiffszeit. Zunehmende -Kriegserfahrung führt zur Aufstellung von Regeln für Angriff und -Durchführung des Kampfes unter verschiedenen Umständen und für die -erforderlichen Bewegungen, um an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten. -So bildet sich eine Taktik aus, die zu Ende des Zeitabschnittes einen -gewissen Abschluß erreicht hat. - -=Das Gefecht nimmt einen anderen Verlauf.= Der Artilleriekampf wird immer -länger von den geschlossenen, parallel zueinander liegenden Flottenlinien -geführt, die Melee wird nicht mehr gesucht; an ihre Stelle treten -Bewegungen zum Abschneiden und Dublieren einzelner Teile des Feindes, um -sie zu vernichten, ehe sie Unterstützung erhalten; die Brander verlieren -ihre Bedeutung. - - Mit der besseren Ordnung in der Schlacht fiel die $Bedeutung der - Brander$ zunächst noch nicht. In den wirren Kämpfen des ersten - englisch-holländischen Krieges bot sich ihnen zwar manche günstige - Gelegenheit zum Angriff, aber sie mußten auf eigene Faust handeln, - wurden von den eigenen Schiffen nur schlecht beschützt und konnten sich - leicht in Freund und Feind irren. Als die Ordnung besser aufrecht - erhalten wurde, konnten sie von den eigenen Schiffen bis zum Angriff - gedeckt und beim Angriff unterstützt werden; sie waren auch im stande, - ihr Opfer besser zu wählen und im Auge zu behalten, da auch dieses - jetzt an seine Stelle gebunden war. So werden die Erfolge der Brander - im zweiten Kriege größer. Im weiteren Verlaufe aber wurden sie dadurch - entwertet, daß die Kriegsschiffe infolge besserer Manövrierfähigkeit - und schneller sowie sicherer feuernder Artillerie ihnen leichter - ausweichen und erfolgreicher begegnen konnten, um so mehr, als sich nun - auch der Artilleriekampf der Flottenlinien auf größeren Entfernungen - abspielte. Ihre Verwendung wurde immer seltener möglich, und so wurden - sie den besser segelnden Kriegsschiffen schließlich ein lähmender - Ballast. - - Mahan (Seite 102, 105) führt die Ähnlichkeit des Wesens der Brander mit - dem der Torpedofahrzeuge an, deren Entwicklung durch ähnliche Gründe - beeinflußt ist. - -Die eben beschriebene Entwicklung vollzog sich natürlich nach und nach. -Die Anweisungen englischer Admirale[94] für das Verhalten im Gefecht, -besonders beim Angriff, zeigen, wie zunächst gegen die Halbmond- und für -die Gruppenformation und ihre Gefechtsweise gesprochen, wie dann aber -immer mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Ordnung in der ganzen Flotte -und auch schon auf taktische Bewegungen gelegt wird. Aus der Beschreibung -der Schlachten werden wir ersehen, daß, allgemein gesagt, im ersten -englisch-holländischen Kriege die Kiellinie aus Gruppen und der -Gruppenkampf vorherrscht, daß im zweiten Kriege die Kiellinie beim Winde -Regel geworden ist und die Bildung der Linie aus Einzelschiffen -angestrebt wurde, und im dritten diese durchgeführt war. - - [94] Colomb, Seite 87 ff: Auszüge aus den »fighting instructions« von - 1635, 1655, 1665. - -In vorstehendem ist die $Entwicklung des Seekriegswesens$ während des -Zeitabschnittes im allgemeinen besprochen, unter Zugrundelegung der -englischen Verhältnisse. Vor jedem Kriege sollen später »die Streitmittel -der Gegner« betrachtet werden; es veranschaulicht dies gleichzeitig die -Entwicklung der verschiedenen Marinen. Auf die Ausbildung der Taktik wird -an gleicher Stelle, sowie bei der Schilderung der Schlachten und in den -Schlußbemerkungen zu den Kriegen näher eingegangen werden. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Drittes Kapitel. - - Der erste englisch-holländische Krieg 1652-1654. - - Die Kriegsgründe. - -Holland und England waren zwar natürliche Verbündete gegen die -katholische Weltpolitik Spaniens gewesen, als aber diese ihr Ende -gefunden hatte, führte Eifersucht zum Zusammenstoß zwischen den beiden -Seemächten; Gründe waren auf allen Meeren vorhanden. - -Beide Völker strebten danach, den Spaniern und Portugiesen den Handel auf -den Weltmeeren zu entreißen, beide traten ihrem Anspruch, allein Kolonien -zu gründen, entgegen; sobald sie darin Erfolge erzielt hatten, blieben -Reibungen nicht aus. Beide hatten ferner ihr Augenmerk darauf gerichtet, -nach dem Niedergang der Hansa den Seeverkehr in den nordischen Gewässern -in die Hand zu bekommen, und endlich bestanden von altersher -Zwistigkeiten über die Ausübung der Fischerei in der Nordsee. Schon seit -langer Zeit beanspruchte England die Oberherrschaft in den britischen -Gewässern, deren Begriff es sehr weit ausdehnte. Nun war der Heringsfang -in der Nordsee fast ganz in den Händen der Holländer, sogar nahe an der -englischen Küste; an 3000 Fischerfahrzeuge waren dort beschäftigt, die -jährlich gegen eine Million Lstrl. verdienten. Karl I. hatte 1636 diese -Fischerflotte verjagt und erreicht, daß Holland nur gegen eine hohe -Entschädigung die Nordseefischerei betreiben durfte. Während der -Revolution hatte England notgedrungen diesen Anspruch fallen lassen, -jedoch keineswegs aufgegeben. Im Seehandel hatten die Holländer schon -unter der spanischen Herrschaft und auch weiter trotz ihrer schweren -Kämpfe gegen diese bis zur Mitte des 17. Jahrh. den Engländern überall -den Rang abgelaufen; ein zeitweiser Aufschwung der Engländer war immer -wieder durch innere Wirren oder durch Wechsel in den Grundsätzen der -Regierung gehemmt worden. - - Die bedeutendste Reibung in fernen Gewässern war die sog. - =Amboina-Angelegenheit= (Seite 83). Die andauernde Entrüstung in - England über diesen Vorfall, der nicht gesühnt wurde, trug nicht wenig - zur Schürung des Hasses gegen Holland bei. - - Die Grenzen der =britischen Gewässer= oder der four seas, über die - England die Herrschaft verlangte, waren: Im Norden der 63. Breitengrad - von der Küste Norwegens bis 23° W. Länge Greenwich und im Süden die - Breite von Kap Finisterre bis zu genanntem Längengrade. Das Gebiet - umfaßte also etwa 20 Längengrade im Atlantik, die Biscaya, den Kanal - und die ganze Nordsee; hiermit hing die Forderung an Holland, für die - Fischerei in der Nordsee eine Abgabe zu zahlen, zusammen. - - Für die =Größe des holländischen Handels= dienen folgende Angaben: 1640 - standen im Verkehr durch den Sund 1600 holländischen Schiffen nur 430 - englische gegenüber; 1650 verhielt sich der Gesamthandel Hollands zu - dem Englands wie 5: 1; Colbert nahm sogar an, daß die holländische - Handelsmarine 4/5 der gesamten europäischen betrüge. - -Als sich nun unter der tatkräftigen Regierung =Cromwells= ein neuer -Aufschwung Englands in maritimer Hinsicht vorbereitete, wurde die -Eifersucht auf beiden Seiten in größerem Maße entfacht, namentlich auch -in Holland. Die der Entwicklung der Seemacht Englands ungünstigen inneren -Wirren während der Revolution waren den Holländern sehr gelegen gekommen. -Sie veranlaßten sie sogar, obgleich selber Republik, der Sympathie für -das vertriebene Königshaus Stuart Ausdruck zu geben. Dies führte zwar -nicht zu tätiger Unterstützung, offenbarte sich aber in verschiedener -Weise; so wurde Cromwells Gesandter im Haag ermordet. Auch wurden -Vorschläge Englands zu einer engeren Verbindung beider Republiken nach -dem Siege der Generalstaaten-Partei über die oranische und nach -Abschaffung der erblichen Statthalterwürde in Holland zurückgewiesen; die -Bedingungen, unter denen diese Verbindung erfolgen sollte, waren -allerdings zu sehr zum Vorteil Englands. Alle diese Umstände trugen -wiederum dazu bei, in England den Haß gegen den Nebenbuhler zu vermehren. - -Schon im Frühjahr 1651 machte es sich bemerklich, daß beide Nationen sich -auf einen Zusammenstoß vorbereiteten, wenn auch beide andere Gründe für -ihre Rüstungen angaben; das gegenseitige Mißtrauen wuchs und führte im -Juni zur Abberufung der Gesandten. Der letzte, entscheidende Anstoß zum -Kriege ging endlich von England aus, als am 9. Oktober 1651 Cromwell die -berühmte $Navigationsakte$ erließ, die zum Schutz und zur Hebung der -englischen Schiffahrt allen Zwischenhandel verbot. Sie richtete ihre -Spitze besonders gegen Holland, in dessen Hand sich eben der -Zwischenhandel in erster Linie befand. - - Aus dieser Akte ist hervorzuheben[95]: »Von außereuropäischen Plätzen - dürfen Waren aller Art nach England und nach allen englischen - Besitzungen nur auf Schiffen, englischer Nationalität, deren Kapitäne - und 3/4 der Besatzung Engländer sind, verladen werden -- bei Strafe der - Konfiskation von Schiff und Ladung. Europäische Waren dürfen, unter - demselben Präjudiz im Falle des Zuwiderhandelns, nach England und nach - allen englischen Besitzungen nur gebracht werden von englischen - Schiffen oder von Schiffen des Landes, von dem sie stammen oder zuerst - verschifft werden können. Seefische und sonstige Produkte des - Fischfanges dürfen nach England nur von Schiffen des Landes gebracht - werden, dessen Untertanen sie gefangen oder bereitet haben; von - englischen Fischern gefangen usw. dürfen sie nur auf englischen - Schiffen exportiert werden.« Ferner: Erhöhte Einfuhrzölle für die an - Bord fremder Schiffe nach England eingeführten Waren, Erneuerung des - schon von der Königin Elisabeth erlassenen Verbots des Küstenhandels - für Fremde. - - [95] Nach Perels, »Das internationale Seerecht.« Seite 16 und Seite 18 - Anm. - - Diese Akte wurde nach dem zweiten englisch-holländischen Kriege - zugunsten Hollands etwas eingeschränkt, im Laufe der Zeiten durch - Handels- und Schiffahrtsverträge auch anderen Nationen gegenüber etwas - gemildert, aber erst 1854 ganz aufgehoben. - - Die Navigationsakte erforderte zunächst auch von England große Opfer. - Teuer mußte man selber vieles produzieren, was man bisher billig vom - Auslande bezogen; selbst die Schiffahrt, die doch gerade gehoben werden - sollte, mußte Opfer bringen, der Schiffbau wurde um 30 Prozent teurer, - die Matrosenlöhnung stieg wesentlich. Aber doch wurde durch sie die - maritime Entwicklung angebahnt, die England die Beherrschung aller - Meere verschaffen sollte. Cromwell hat das »Britannia rules the waves« - zur Geltung gebracht, wie er auch kategorisch erklärte: England dürfe - nicht dulden, daß ohne seine Genehmigung eine andere Flagge als die - englische auf den Ozeanen wehe. Anderseits kann man von Holland sagen, - daß es den Gedanken der Freiheit des Meeres -- zuerst gelehrt von - Grotius, 1609, als Nachweis der Berechtigung Hollands zum Handel nach - Indien gegen die auf die päpstlichen Bullen von 1493 gestützten - Bestrebungen Portugals -- zuerst mit Waffengewalt vertrat, allerdings - im eigensten Interesse. - -Holland erhob sogleich Einspruch gegen die Navigationsakte, jedoch ohne -Erfolg. Es wurden ihm vielmehr englischerseits eine große Zahl -Klagepunkte entgegengehalten, worunter die noch nicht gesühnte -Amboina-Angelegenheit, die Unterstützung Karls II., die Ermordung des -Gesandten, verschiedene Schädigungen des englischen Handels und die -Ausstände staatlicher Geldunterstützungen von der Zeit Elisabeths her -(vgl. Seite 113) die hauptsächlichsten waren. Eine Einigung wurde nicht -erzielt, vielleicht auch beiderseits kaum beabsichtigt oder erwartet. - -$Der Kriegszustand begann$ mit der an englische Private erteilten -Erlaubnis, für vermeintliche Schädigungen Vergeltungsmaßregeln durch -Aufbringen holländischer Schiffe zu treffen, und mit der Beschlagnahme -holländischer Schiffe auf Grund der Navigationsakte sowohl in englischen -Häfen wie in den Kolonien. Die Holländer antworteten mit Gewaltmaßregeln -ihrerseits und mit verschiedenen Verstößen gegen das alte, von England -beanspruchte Flaggenrecht. Im Verein mit dem Anspruch auf die Oberhoheit -in den »britischen Gewässern« verlangte nämlich England in ihnen den -=Flaggengruß= für seine Kriegsschiffe von allen fremden Fahrzeugen, sowie -das Recht, diese zu untersuchen; dieses Recht gewann durch die -Navigationsakte noch an Bedeutung. Beide Forderungen waren um so lästiger -für Holland, weil alle seine Handelswege durch die britischen Gewässer -führten, ein Umstand, der auch sonst England zu einem besonders -gefährlichen Nebenbuhler zur See machte. - -Schon seit 1202 gab es ein englisches Edikt, nach dem jeder Kommandant -eines königlichen Schiffes jedes fremde, selbst befreundete, Fahrzeug -nehmen sollte, das vor ihm nicht die Flagge dippte und gewisse Segel -striche; Cromwell, erneuerte diese Bestimmung. Am 28. Mai 1652 zwangen 3 -englische Kriegsschiffe 3 holländische, die einen Konvoi Kauffahrer -begleiteten, nach kurzem Gefecht zur Befolgung dieser Forderung und -wenige Tage später schon führte dieselbe Frage zu einer Seeschlacht -(Dover), ohne daß der Krieg erklärt war. - - In seinen Kolonien konnte England die Navigationsakte zunächst nicht - streng durchführen, weil man nicht über genügende Schiffe verfügte und - in vielen die Royalisten die Übermacht hatten. Mehrere Kolonien - hielten sogar den Handel mit Holland während des Krieges aufrecht. - - - Die Streitmittel der Gegner.[96] - -$Holland$ glaubte nach dem Westfälischen Frieden, nunmehr mit allen -Nachbarn im Frieden und zur See die mächtigste Nation, die ungeheueren -Ausgaben, die bisher Heer und Marine gefordert hatten, einschränken zu -können; es rüstete in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit in jeder Beziehung -ab. In Frankreich erwuchs ihm an Stelle Spaniens ein gefährlicher Gegner -zu Lande; trotzdem ließ man die Festungsbarriere, die das Bollwerk gegen -Spanien gewesen war, verfallen. Englands wetteifernde Bestrebungen zur -See erhielten gerade jetzt einen neuen Anstoß und man wußte um die -Pflege, die dort dem Seewesen zugewendet wurde; trotzdem löste man die -Marine, den Grundpfeiler des Seehandels und der Macht, nahezu auf. - - [96] Anschließend an Kapitel II »Die Entwicklung des Seekriegswesens«, - sowie an »Die wichtigsten Kriegsmarinen« (Seite 148-151). - Hauptquellen: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil I. - -Von den 130-150 Kriegsschiffen, die um 1648 den Bestand bildeten, wurden -40 für den Schutz des Handels, der Fischerei und der Häfen als genügend -erachtet, die übrigen wurden verkauft oder aufgelegt; die letzten -verdarben schnell, da die Hilfsmittel zur Erhaltung zu jenen Zeiten -überhaupt noch im argen lagen und die Provinzen kein Geld hierfür -auswerfen wollten. Die in Dienst bleibenden Schiffe erhielten nur die -geringst zulässige Bemannung; die überzähligen Offiziere und -Mannschaften, ein kostbares und bewährtes Material, wurden abgedankt und -gingen in den Kauffahrteidienst, viele auch in fremden Staatsdienst über. - -Von schwerwiegender Bedeutung war ferner der Umstand, daß mit der -Abschaffung der Statthalterwürde (1650) zugleich die Stellung des -Generaladmirals fiel. Die Admiralitäten der Provinzen traten nun ohne -Mittelpunkt und ohne gemeinsame Vertretung in allen Dingen wieder -unmittelbar unter die Generalstaaten, was bei der häufigen Eifersucht der -Provinzen vom größten Nachteil für die Einheitlichkeit im Seewesen wurde. -Den militärischen Oberbefehl erhielt bei Zusammentritt größerer Flotten -weiter der Admiralleutnant von Holland und Westfriesland, aber das -Vorhandensein von zwei Vizeadmiralen (des von Holland und des von -Seeland) führte, trotz erlassener Bestimmungen über deren Anciennität, zu -Reibungen zwischen ihnen und den Provinzkontingenten, besonders wenn es -sich um Vertretung des Admiralleutnants handelte. - -Als sich im Jahre 1651 das Verhältnis mit England so verschärfte, daß man -auf einen Zusammenstoß ernstlich gefaßt sein mußte, wurde zunächst der -Befehl gegeben und auch schnell ausgeführt, weitere 36 Schiffe in Dienst -zu stellen, und im März 1652 beschloß man, noch 150 auszurüsten. Von -diesen sollten die Provinzen sofort 50 zwangsweise durch Heuern -aufbringen, und zwar Fahrzeuge nicht unter 28 Kanonen, 85 Seeleute und -25 Soldaten, den Rest aber sobald als möglich. Doch kaum die -erstgenannten wurden zur beabsichtigten Zeit fertig, die Zahl der -letzteren ist während der ganzen Dauer des Krieges nicht erreicht worden; -es fehlte an geeigneten, d. h. genügend starken Kauffahrern, an -Mannschaft und an Geld. - -Vor und während des Krieges schwankte die Volksstimmung zwischen -Begeisterung für energische Durchführung der Rüstungen und Hoffnung auf -Erhaltung oder Wiederherstellung des Friedens und dementsprechend die -Opferwilligkeit; ein planmäßiger Ausbau der Flotte wurde unmöglich, da -keine kräftige einheitliche Oberleitung vorhanden war; den Admiralitäten -waren oft die Hände durch Geldmangel gebunden. Geldforderungen der -Generalstaaten bei den Provinzen führten zunächst meist zu endlosen -Schreibereien. Die Geldmittel spielten aber in diesem Kriege gegen das -erstarkende England eine größere Rolle als in den Kriegsläuften der -letzten Jahre gegen das ermattende Spanien oder gegen die einzelne Stadt -Dünkirchen. - -Beim Ausbruch des Krieges war, den Verhältnissen der Zeit entsprechend, -ein Teil der Flotte zum Schutz des Handels und der Fischerei gegen -Seeraub und Freibeuterei abgezweigt. Besonders das Mittelmeer, in dem die -Barbaresken den Handel aller Nationen und die Franzosen den der Holländer -im besonderen störten, war stark besetzt; wir werden sehen, daß Holland -infolgedessen dort beim Ausbruch des Krieges England gegenüber sehr -günstig stand. So war die schlagfertige Flotte, die im Mai 1652 unter -Admiralleutnant Tromp auslief, nur einige fünfzig Schiffe stark. - -=Im Juli= 1652 war sie durch die neuen Rüstungen auf 92 Segel -angewachsen, sie enthielt aber nur ein Schiff mit 56 Kanonen -- das -Flaggschiff »Brederode«, den einzigen Zweidecker Hollands --, 19 Schiffe -mit 30 bis 40 Kanonen, 12 kleinere Kriegsschiffe mit 8-10 Kanonen, 6 -Brander; den Rest von 52 bildeten die von den Handelskompagnien -gestellten und die sonst geheuerten Kauffahrer, deren Kanonenzahl man im -allgemeinen nur zwischen 20 und 30 annehmen kann. - -=Im März d=es Jahres 1653 setzte sich der $Gesamtbestand$ zusammen: - - Kanonenzahl 56 40-46 30-38 22-28 14-18 - Kriegsschiffe 1 13 24 25 3 = 66 - Eingestellte -- 1 18 67 2 = 88 - ------------------------------------------------- - Summe: 1 14 42 92 5 = 154 Segel - - =Beim Friedensschluß= 1654 waren $an Kriegsschiffen$ vorhanden: - - Kanonenzahl 66 50-58 40-48 30-38 20-28 8-18 - Zahl der Schiffe 1 9 27 33 16 15 = 101 - -Man ersieht, daß während des Krieges viele Schiffe hinzugekommen sind und -zwar meist neu als Kriegsschiffe erbaut. Es waren beim Friedensschlusse -noch über 30 Schiffe im Bau; auch manche, namentlich größere, der -angeführten haben im Kriege keine Verwendung mehr gefunden, da die letzte -Zeit keine große Unternehmung brachte. - - Vorstehende Angaben sind entnommen aus de Jonge, Teil I, Beilage XXII - und XXIII. Wenn Clowes, Teil II, Seite 150, für März 1654: 112 Schiffe - von 24-48 Kanonen gegen obige 86 von 20-48 Kanonen angibt, so ist - anzunehmen, daß er die Schiffe in Bau -- etwa 30, wovon die Hälfte über - 40 Kanonen -- mitzählt; er spricht selber von vielen neuen Schiffen, - die bei längerer Dauer des Krieges die holländische Flotte um die - Hälfte stärker hingestellt haben würden. - -Dieser $Neubau von wirklichen Kriegsschiffen$ und auch besonders von -solchen höherer Klassen war die Folge des gleichen Vorgehens in England, -wo man schon von vornherein über Fahrzeuge mit größerer Gefechtskraft -verfügte. Aber nicht allein in der schwächeren Bestückung lag die -Schwäche der älteren holländischen Schiffe; sie waren auch leichter -gebaut, aus Fichtenholz mit Holznägeln, so daß sie keine lange -Lebensdauer und wenig Widerstandsfähigkeit gegen Geschützfeuer hatten. -Auf diese letzte Eigenschaft hatte man bisher, sparsamkeitshalber und -noch an die ältere Kampfweise Draufgehn und Entern gewöhnt, kein Gewicht -gelegt. Endlich hatten die holländischen Schiffe, entsprechend den -flachen Küstengewässern und Häfen, wenig Tiefgang, flache Böden und waren -dafür breiter; infolgedessen segelten sie schlecht beim Winde und waren -rank. Die neuen Kriegsschiffe baute man nach Vorbild der Engländer -widerstandsfähiger, besser segelnd, größer und stärker armiert; alle -Schlachtschiffe waren jetzt Zweidecker. Die alten Fahrzeuge hatten nur -den Vorteil gehabt, daß sie sich gebotenenfalls bei ihrem geringen -Tiefgang hinter Untiefen an der Küste zurückziehen konnten, wovon des -öfteren Gebrauch gemacht ist. - -In der =Verwendung schwerer Kaliber= stand Holland noch weiter hinter -England zurück (vgl. Seite 105). Noch 1654, als in dieser Hinsicht schon -wesentliche Verbesserungen eingetreten waren, führte nur das Flaggschiff -36-Pfünder und zwar nur 4, von den Schiffen über 50 Kanonen hatten nur -einige 10-12 Stück 24-Pfünder, die übrigen 2-4 Stück; Schiffe von 40-50 -und von 30-40 Geschützen führten durchweg nur 2-4 Stück 24-Pfünder, die -übrige Mittelartillerie bestand bei allen aus 18- und 12-Pfündern oder -nur aus 12-Pfündern.[97] Es kommt hinzu, daß Schiffe gleicher Größe von -den verschiedenen Provinzen nicht gleichmäßig in den Kalibern armiert -wurden und daß die eingestellten Kauffahrer noch weit schwächer bestückt -waren: Fahrzeuge von 28-32 Kanonen führten als schwerste Geschütze nur -6-10 Stück 12-Pfünder, solche von 22-24 oft nur 8-Pfünder. - - [97] Angaben nach de Jonge, Teil I, Beilage XXIV. - -Auch die $Bemannung der Flotte$ machte Schwierigkeit. Man war ganz auf -Freiwillige angewiesen, weil Gesetze und Volkswille das Pressen -ausschlossen. Da das Hauptbestreben Hollands während des ersten Krieges -dahin ging, Handel und Fischerei im vollsten Maße weiter zu betreiben, so -meldeten sich nicht genügend Freiwillige, wenn auch der Dienst auf -fremden Schiffen verboten war. - -Die Schiffe waren infolgedessen oft ungenügend bemannt, und es mußten, -besonders auf den eingestellten Handelsschiffen, auch minderwertige Leute -angeworben werden, wodurch dann die Disziplin litt. So stand in Holland, -obgleich doch sonst wahrlich im Lande kein Mangel am vorzüglichsten -Material war, die Bemannung der Flotte nicht auf der Höhe, die man hätte -erwarten können; man besaß allerdings in der eigentlichen Kriegsmarine -eine große Zahl tüchtiger Führer sowie Ober- und Unteroffiziere. - -In $England$ lagen die Verhältnisse in jeder Hinsicht weit günstiger. Wir -wissen (Seite 161 ff.), daß die Republik sogleich in großem Maßstabe mit -dem Bau von Kriegsschiffen vorgegangen war -- 60 wurden während des -Krieges gebaut -- und daß man die Fahrzeuge leistungsfähiger, -»fregattenähnlich«, konstruierte. - -Man war sich klar, daß der Strauß mit Holland zu seiner Durchführung eine -große Macht verlangen würde. Infolge des stets wachsenden Einflusses -Cromwells war kein Mangel an Mitteln; Einheit des Willens begünstigte -einen planmäßigen Ausbau der Flotte. - -Mit dem Königtum war die Stelle des Lordhighadmirals gefallen. Eine -Behörde von »=Kommissären der Admiralität und Marine=« übte das Amt aus, -nach und nach immer abhängiger vom Parlament oder eigentlich von -Cromwell, dessen Machtwort entschied. Das Kommando über die mobilen -Streitkräfte lag in der Hand einer Kommission von 3-5 »=Generalen zur -See=«, was jedoch hier nicht zu Reibungen führte. - -$Der Schiffsbestand$ der englischen Marine war im März 1651 noch schwach: -3 Schiffe über 60 Kanonen; 10 mit 50-54; 12 mit 40-46; 24 mit 30-34 und -kleinere. Da auch hier Schiffe im Auslande waren, mußte ebenfalls auf -Kauffahrer zurückgegriffen werden. In wie viel geringerem Maße dies -jedoch in England geschah, wird aus einigen Angaben zu ersehen sein. -Obige Geschützzahlen zeigen im Vergleich mit den Angaben über Holland für -Mai und Juli 1652 die weit stärkere Armierung auf englischer Seite, und -dementsprechend enthält auch die sonst nur schwache englische Flotte beim -ersten Zusammenstoß am 29. Mai 1652 unter 21 Segeln: 8 Schiffe über 40 -Kanonen; 7 über 30, dazu 3 kleinere Kriegsschiffe und 3 Kauffahrer. Noch -weit ungünstiger für Holland stehen die Verhältnisse im Jahre 1653. -Vergleichen wir die Angaben über Holland für März 1653 mit der Flotte -Moncks in der Schlacht von Northforeland am 12. Juni 1653. Beide Flotten -bildeten in der Schlacht nicht den Gesamtbestand der Marinen, denn zur -englischen stießen am nächsten Tage noch 18 Schiffe und vom -Gesamtbestande der holländischen Marine nahmen nur 98 teil, man kann aber -die ungeheure Überlegenheit der Engländer, was die Stärke der Schiffe an -Geschützzahl anbetrifft, dennoch beurteilen. - -Die englische Flotte bestand in der Schlacht aus 100 Schiffen, der -holländische Gesamtbestand war 154 (wovon 98 anwesend); nun hatte: - - England in der Schlacht Holland im Gesamtbestande - Schiffe 12 zu 50-88 Kanonen 1 zu 56 Kanonen - 25 zu 40-46 " 14 zu 40-46 " - 55 zu 30-40 " 42 zu 30-40 " - -Da bleibt für England in der Schlacht nur ein Rest von 8 Schiffen unter -30 Geschützen, für Holland aber gegen den Gesamtbestand ein solcher von -92, und für die Schlacht mindestens von 40; wahrscheinlich aber waren es -noch weit mehr, denn man kann nicht annehmen, daß in der Schlacht nur -schwächere Schiffe vom Gesamtbestande fehlten, es werden auch stärkere -Kriegsschiffe detachiert oder in Ausbesserung gewesen sein. Bei der -englischen Flotte in der Schlacht kamen ferner auf 60 Kriegsschiffe nur -29 Kauffahrer gegen 88 Kauffahrer auf 66 Kriegsschiffe im holländischen -Gesamtbestande. Endlich seien noch die Angaben über die holländische -Marine gegen Ende des Krieges (1654, Juli) und über die englische im -Dezember 1653 (vgl. Seite 176; dort nach Klassen, hier nach Kanonenzahl -aufgeführt), gegenübergestellt: - -Es besaß danach an wirklichen Kriegsschiffen: - - Kanonenzahl 100 88 60-66 50-58 40-46 30-39 20-29 6-10 - - England (Dez. 1653) 1 1 8 16 32 43 16 14 - Holland (Juli 1654) -- -- 1 9 27 33 16 15 - -Welch eine Übermacht auf englischer Seite, besonders an schweren Schiffen -über 50 Kanonen! - -Es müssen aber auch die in beiden Marinen =verwendeten Kaliber= -verglichen werden, wobei wir nur die schwere Artillerie berücksichtigen -wollen. Nach den Aufzeichnungen für England von 1652 (vgl. Seite 170, -Tabelle) und nach denjenigen für Holland von 1654 führten bei einer: - - Gesamtzahl Kanonen 80-100 60-66 50-58 30-46 unter 30 - Englische Schiffe min. 24-42- min. 24-32- 20-32- 18-32- 16-32-Pfdr. - Holländische " -- 4-36- max. 12-24- max. 4-24-Pfdr. -- - -Das Übergewicht der englischen Artillerie an Zahl und Kaliber der -Geschütze wurde endlich noch verstärkt durch die =bessere Ausbildung der -Besatzung=. Diese wird den ganzen Zeitabschnitt hindurch von dem Gegner -anerkannt; unter anderen wird gesagt, daß ein englisches Geschütz in -derselben Zeit 5 gegen 4 Schüsse bei Holländern und Franzosen abgegeben -habe, und es wird hervorgehoben, daß auf den englischen Schiffen -sämtliche Matrosen durch nur wenige Spezialisten am Geschütz ausgebildet -seien, so daß somit die Hauptwaffe durch Verluste nie lahmgelegt werden -konnte. Wir hörten schon, daß die Schiffskanoniere zuerst in England -(hier »gunner«) abgeschafft wurden oder im seemännischen Personal -aufgingen. Zu bemerken ist ferner, daß sich schon im ersten -englisch-holländischen Kriege das englische Feuer hauptsächlich gegen die -feindliche Besatzung, das holländische gegen die Takelage richtet. Bis in -die späteste Zeit der Segelschiffe hat sich die englische Flotte, meist -zu ihrem Vorteil, hierin von ihren Gegnern unterschieden; -Mannschaftsverluste auf der einen Seite, Beschädigungen der Takelage auf -der anderen bestätigen dies. Holländische Quellen heben im ersten Kriege -»einmal« besonders hervor, daß die Engländer auf die Takelage geschossen -hätten. Es war dies bei einem Verfolgungsgefecht nach der Schlacht bei -Portland und somit richtig, denn hier wollte man einzelne Feinde -verkrüppeln und die dann Zurückgebliebenen nehmen. - -Abgesehen von der Artillerie war das englische =Schiffsmaterial= auch -sonst besser. Größtenteils neu und nur zum Kriegszweck gebaut, waren die -Schiffe größer, fester, stabiler, besser segelnd und manövrierend; die -Holländer sagen, ihre Gegner hätten in den neuen fregattenähnlich -gebauten Fahrzeugen ein Material gehabt, geeignet, Gruppen ihrer Flotte -auszumanövrieren und abzuschneiden. Selbst in Hinsicht auf die -eingestellten Kauffahrer war England besser daran. Von den 29 -Handelsschiffen in der Schlacht von Northforeland führten 26 eine Zahl -von 30-46 Kanonen, von den 88 des holländischen Gesamtbestandes hatten -nur 19 dieselbe Zahl, der Rest von 69 aber unter 30. Holland verwendete -also nicht nur weit mehr Kauffahrer, sondern diese waren auch -größtenteils minderwertiger; es scheinen demnach auch die englischen -Handelsschiffe dieser Zeit, zwar an Zahl weit geringer, den holländischen -überlegen gewesen zu sein, die der beiden großen Kompagnien ausgenommen. -Ein Nachteil der englischen Schiffe war vielleicht, daß man gerade in -dieser Zeit im Gegensatz zu Holland dazu neigte, sie zu stark zu -armieren. Es wird berichtet, daß englische Kriegsschiffe öfters genötigt -waren, auf größeren Reisen einen Teil ihrer Geschütze zum Ballast zu -verstauen. Da aber der Krieg in den heimischen Gewässern ausgefochten -wurde, kam nur der Nutzen der Überarmierung zur Geltung. - -Zeitweise auftretende Schwierigkeiten, die =Flotten zu bemannen=, wurden -in England durch das Pressen leichter gehoben; es scheint wenigstens, als -ob die Schiffe stets genügend besetzt gewesen sind. Allerdings zog man -auch Landsoldaten heran, die sich aber, wie bereits erwähnt, besser -bewährten als in Holland. - -Aus allem kann man =den Schluß ziehen=, daß die Streitkräfte Hollands bei -annähernd gleicher Schiffszahl denen Englands unterlegen waren. Das -Schiffsmaterial war es entschieden. Mit Recht beklagen sich die -holländischen Admirale dauernd darüber; sie führen öfters an, der Feind -stelle ihnen 20 Schiffe gegenüber stärker als ihr mächtigstes. Dieser -Umstand trug zuweilen dazu bei, die Zuversicht auf holländischer Seite zu -erschüttern, und ist wohl der Grund gewesen, wenn mehrmals eine größere -Zahl von Schiffen dem Kampfe auswich. - -Beiden Nationen stand ein vorzügliches Personal zur Verfügung, in -gleicher Weise aufgewachsen und wohl gleich in den Vorzügen und Fehlern -der Seeleute damaliger Zeit; aber in Holland machte die Einstellung mehr -Schwierigkeit, in England waren dagegen Ausbildung und Disziplin besser. -An erfahrenen Flottenführern und höheren Offizieren war Holland anfangs -überlegen, galt doch der Admiralleutnant Tromp als der tüchtigste -Admiral seiner Zeit. In England dagegen lag die Führung in der Hand von -3-5 Generalen zur See, von denen die meisten nicht Seeleute, sondern -Landoffiziere waren, und gerade solche führten im ersten Kriege den -Oberbefehl. - - Diese Generale waren: Popham (Seemann), ernannt 1649; Dean, 1649, fiel - 1653; Blake, 1649; Monck, 1652; Penn (Seemann), 1654; Montagu, 1654. -- - Blake und Monck zeichneten sich als Höchstkommandierende aus. - -Gewiß zogen diese ihre erfahrenen Unterführer und Kapitäne, Seeleute von -Beruf, zu Rate; es war jedoch nicht immer möglich, namentlich nicht in -den Gefechten, und so mögen manche Fehler diesem Umstande zuzuschreiben -sein. Aber die Generale, mit einer trefflichen Schule aus den -Revolutionskriegen, lernten schnell; anderseits trugen sie als Männer von -besserer Erziehung und Bildung als die Seeleute, dazu bei, den Geist in -der Flotte, besonders im Offizierkorps, zu heben. Als erfahrene Militärs -und Leute von weiterem Blick verbesserten sie die Disziplin und haben -großen Einfluß auf die Strategie, auf die Änderung der Kriegführung, -gehabt. - - $Die Verwendung der Flotten Englands und Hollands von 1648-1652$[98] - sei kurz angeführt. - - [98] Anschließend an Seite 139 und 143. Näheres über England siehe - Clowes, Teil II, Seite 118; über Holland in Indien und Brasilien, - Zimmermann, Band I und V. - - In =England= war die Flotte der Republik von hervorragendem Nutzen zur - Vereitlung der Versuche der königlichen Partei, das Königtum wieder - aufzurichten. Sie eroberte die Inseln des Kanals, auf denen sich die - Royalisten länger hielten und von denen aus sie Freibeuterei trieben; - es waren dies unter =Blakes= Führung die ersten größeren Unternehmungen - von Seestreitkräften gegen Landbefestigungen. Die Flotte unterwarf die - Kolonien Amerikas und Westindiens mit royalistischen Gesinnungen. Ein - Teil der ehemaligen Flotte war dem Königtum treu geblieben (vgl. Seite - 139) und wurde vom =Prinz Rupert= geführt. Anfangs im Kanal und später - im Mittelmeer, von Portugal aus, wo sie Unterstützung fanden, - operierten diese Streitkräfte gegen England und gegen den englischen - Handel. Der Kampf gegen sie war eine Schule für die Flotte der Republik - und für manche der späteren Führer, insbesondere Blake; aus dieser Zeit - stammt auch die erste englische Flottenstation im Mittelmeer (aber noch - keine dauernde). - - Die =holländische Flotte= fand in diesen Jahren mannigfache Verwendung - in außerheimischen Gewässern, hauptsächlich aber die Schiffe der beiden - großen Kompagnien. Im Mittelmeer hatte sie den Handel nicht nur gegen - die Barbaresken, sondern auch gegen französische Freibeuter zu - schützen. - - Obschon in Europa mit Portugal Frieden herrschte, wurden doch die - Kämpfe in den fernen Kolonien, die im Unabhängigkeitskriege mit Spanien - begonnen hatten und fortgesetzt wurden, als Portugal wieder selbständig - geworden, nur selten auf kurze Zeit unterbrochen. In =Indien= wuchs die - holländische Macht weiter auf Kosten Portugals, und in Afrika besetzte - Holland 1652 das von Portugal als Eigentum angesehene, wenn auch nicht - besiedelte =Kapland=. Weniger glücklich war Holland in =Brasilien=. - Hier empörte sich ihre von der westindischen Kompagnie gegründete, aber - fast nur von portugiesischen Urkolonisten bewohnte Kolonie (vgl. Seite - 88). - - Größere Flotten wurden dahin entsandt; sie richteten aber wenig aus, - und von Beginn des englischen Krieges an konnte man nichts mehr für die - Kolonie tun. Auch in Portugal war 1649 eine - portugiesisch-brasilianische Kompagnie gegründet worden. Unterstützt - durch deren Schiffe, wurde 1653 Recife von den Aufständischen genommen, - und die Holländer zogen sich Ende Januar 1654 ganz aus Brasilien - zurück. - - - Der Verlauf des Krieges.[99] - - Ehe wir in die Beschreibung des ersten großen Krieges eintreten, ist es - nötig, einige Worte über $Mängel in den Quellen$ zu sagen. - - [99] Hauptquellen: Clowes, Teil II; »Vie de Tromp«; »Leben Ruyters«. - Zum Vergleich auch Schomberg, Teil I; Allen, Teil I; Yonge, - Teil I. - - Die besten alten Werke über die englisch-holländischen Kriege stammen - aus Holland vom Ende des 17. Jahrh., ihre Angaben machen den Eindruck - der Treue. Spätere englische Bücher, die meist auf diesen begründet - scheinen, machen einen weit parteiischeren Eindruck, so z. B. in den - Angaben über Zahl der Schiffe und über Verluste in den Gefechten; diese - werden für die holländischen Streitkräfte meist sehr hoch, für die - Engländer möglichst niedrig angegeben. Erst das neueste Buch, Laird - Clowes, läßt dem Gegner mehr Gerechtigkeit widerfahren; er vermeidet - stets übertriebene Zahlenangaben. Wir folgen seinem Beispiel. - - Die sichersten alten Überlieferungen sind die Berichte und Briefe der - Admirale usw. Man kann aber daraus den Verlauf der Schlachten und - Gefechte nicht übersehen, weil sie meist nur Angaben enthalten über: - das Sichten; die Windrichtung, aber nicht immer die Kurse; die Lage der - Gegner zueinander in Beziehung auf den Wind (d. h. wer zu Luward - stand); die Einteilung der Flotten in Geschwader, aber nicht immer, wie - die Unterabteilungen zueinander standen (also nicht die - Flottenformation). Dann folgen Aufzählungen hervorragender Taten - einzelner Admirale und Kommandanten und Schilderungen von geschickten - und mutigen Angriffen oder heldenmütigem Widerstand. Taktische - Bewegungen während des Gefechtes werden selten erwähnt und dann auch - nur in angedeutetem Sinne, wenn es z. B. einem Geschwader- oder - Gruppen-Führer gelingt, sich in eine günstige Position zu setzen. Eine - chronologisch fortlaufende Erzählung fehlt fast immer. Der Grund - hierfür ist wohl darin zu suchen, daß zu dieser Zeit noch das Gefecht - nach dem Zusammenstoß meist gleich zur Melee, zu Einzelkämpfen der - Gruppen oder gar der Schiffe wurde; die Oberleitung und damit auch der - Überblick ging verloren, man erfuhr später nur, was eine jede - Gefechtseinheit für sich erlebt hatte. Diese Angaben stehen nun häufig - nach den verschiedenen Quellen, ja selbst nach ein und derselben, in - scharfem Widerspruch. Wo es möglich war, sie einigermaßen in Einklang - zu bringen, habe ich versucht, den Verlauf der Schlachten darzustellen, - wobei ich mich oft an Clowes anlehne, sonst mußte ich mich auf - vermutende Andeutungen und auf Hervorheben wichtiger Einzelheiten - beschränken. Dieser Mangel tritt besonders zur Zeit des ersten Krieges - auf und verliert sich erst später allmählich. - - Die Angabe der Daten weicht in den verschiedenen Quellen oft um zehn - Tage voneinander ab, je nachdem die Autoren den alten oder neuen - Kalender berücksichtigt haben; der Gregorianische Kalender ist in den - katholischen Ländern schon Ende des 16., in den protestantischen erst - im Laufe des 18. Jahrh. eingeführt. Ich gebe nach bestem Wissen die - Daten nach dem neuen Stil. Ferner kommen noch Unterschiede von einem - Tage vor; wahrscheinlich sind diese dadurch hervorgerufen, daß aus den - Berichten und namentlich aus den Logbüchern das astronomische anstatt - des bürgerlichen Datums entnommen ist. - -$Das Gefecht bei Dover am 29. Mai 1652.$ Die englische Flotte im Kanal -zur Zeit des Beginns der Feindseligkeiten kommandierte =Blake=. Er hatte -mit ihr 1651 die von Royalisten besetzt gehaltenen Kanalinseln zur -Übergabe gezwungen, dann war Admiral =Ayscue= mit einigen Schiffen der -Flotte nach Westindien gesandt, um die dortigen Kolonien dem Parlamente -zu unterwerfen. Am 28. Mai 1652 lag ein Teil der Kanalflotte unter -=Bourne= in den Downs (Rhede von Deal, geschützt durch die davorliegenden -Goodwin-Sände, dem üblichen Ankerplatz für Schiffe, um die Themsemündung -zu sichern), Blake selbst lag auf der Rhede von Rye. - - =Robert Blake=, 1599 in Bridgewater als Sohn eines wohlhabenden - Kaufmanns geboren, übernahm nach kurzem Studium mit 26 Jahren das - väterliche Geschäft, führte als Oberst in der republikanischen Armee - mit Erfolg die Truppe seiner Heimat und wurde 1649 von Cromwell zum - »General at Sea« (mit Dean und Popham) ernannt. Verfolgt 1650 Prinz - Ruperts königliche Schiffe bis ins Mittelmeer, zwingt 1651 die - Kanalinseln (die Scillys und Jersey) zur Übergabe, kommandiert 1652-54 - gegen Holland, bekämpft 1655 die Seeräuberstaaten Tunis und Algier, - nimmt 1657 die spanische Silberflotte in Teneriffa unter den Kanonen - von St. Cruz. Er stirbt auf der Rückreise 1657 und wird in Westminster - begraben. Obgleich bis 1649 dem Seewesen fremd, wurde er einer der - größten Seehelden Englands, fast immer siegreich auch den berühmtesten - Admiralen gegenüber. Seine Angriffe auf die Küstenwerke -- Kanalinseln, - Tunis, Teneriffa -- waren die ersten dieser Art, und die Flotten - begannen nach seinen Erfolgen solche Befestigungen gering zu schätzen. - Blake tat auch viel für die Vermehrung und die Organisation der Marine. - Er war ein ernster, pflichttreuer Puritaner, nicht ehrgeizig, - wohlwollend und fürsorglich für seine Untergebenen, ein beliebter - Vorgesetzter. - -[Illustration: Robert Blake.] - -Bourne hatte 9 Schiffe, 7 Kriegsschiffe von 32-52 Kanonen und 2 kleinere -Kauffahrer; Blakes Geschwader war 8 Kriegsschiffe von 36-64 Kanonen, 3 -kleinere und einen Kauffahrer stark. Am 29. Mai sichtete =Bourne= eine -holländische Flotte von 42 Fahrzeugen, die von der flandrischen Küste -herüberkam. Zwei von ihr detachierte Schiffe kamen auf die Rhede, -salutierten die englische Flagge und überbrachten vom holländischen -Admiral =Tromp= die Nachricht, daß er nur durch das Wetter gezwungen sei, -zur englischen Küste zu kommen, er habe nicht länger vor Dünkirchen -liegen können. Bourne gab zur Antwort, Tromp könne die Harmlosigkeit -seiner Absichten am besten durch schleunige Entfernung beweisen; gleich -beim Sichten der Holländer hatte er »Klar zum Gefecht« machen lassen und -die Nachricht an Blake gesandt, daß er einen Angriff befürchte; nachts -ließ er den Feind durch leichte Schiffe beobachten. Mittlerweile hatte -Tromp vor Dover geankert, aber die Aufforderung (durch Schüsse) der -Befestigung dort, die Flagge zu streichen, unberücksichtigt gelassen. - - =Martin Tromp, der Ältere=, Sohn eines Seeoffiziers, 1597 in Brielle an - der Maasmündung geboren, ging mit 9 Jahren zur See und wurde mit 11 - Jahren von einem englischen Kaper gefangen, auf dem er 2-1/2 Jahre - dienen mußte. Er wurde mit 21 Jahren Offizier, mit 23 Jahren Kapitän, - 40 Jahre alt Admiralleutnant. Tüchtiger Seemann, unerschrockener - Führer, vom Feinde gefürchtet, von den Untergebenen geliebt. Fällt am - 10. August 1653 durch eine Gewehrkugel in der Schlacht bei - Scheveningen. Er soll in 32 Schlachten und Gefechten siegreich gewesen - sein; die wichtigste Tat war die Vernichtung der letzten spanischen - Hochseeflotte unter d'Oquendo in den Downs 1639 (Seite 141). In der - Biographie seines Sohnes Cornelis »Vie de Tromp« auch Näheres über ihn - z. B. Seite 155. - -Da der Wind NO. war, so erhielt =Blake= die Meldung bald. Er lichtete -sofort Anker und kreuzte nach Osten auf, gleichzeitig sandte er Befehl an -Bourne, ihm entgegenzukommen, woraufhin dieser am 29. Mai gegen Mittag -ankerauf ging. Zu derselben Zeit verließ =Tromp=, als er Blake sichtete, -seinen Ankerplatz und steuerte nach Calais hinüber; nachdem er jedoch mit -einem von Westen kommenden holländischen Schiffe gesprochen, halste er -plötzlich und hielt auf Blakes Geschwader ab. - -[Illustration: Martin Tromp, der Ältere.] - -Als sich die beiden Flaggschiffe, englisch »James« (48 Kanonen), -holländisch »Brederode« (56 Kanonen) etwa querab von Folkestone einander -näherten, feuerte Blake als Aufforderung, die Flagge zu streichen, -nacheinander drei Schuß, aber ohne Erfolg. Im Gegenteil, auf den dritten -Schuß antwortete Tromp mit einer Breitseite, die vom »James« prompt -erwidert wurde. In das so entstandene Gefecht griffen die nächsten -Schiffe sofort ein; es war aber ein Kampf ohne jede taktische Anlage. Als -Tromp seinen Kurs auf die englische Flotte nahm, hatte er sich mitten -durch seine Schiffe fahrend an die Spitze gesetzt, ohne Innehaltung einer -Ordnung folgten die Seinigen; von der englischen Flotte anderseits waren -verschiedene Schiffe weit in Lee und kamen erst nach und nach auf. Die -Spitzen stießen aufeinander; die Holländer würden mit ihrer Überzahl die -Schiffe der englischen Spitze erdrückt haben, wenn nicht fast -gleichzeitig =Bournes= Geschwader herangekommen wäre und den wirren -Haufen der holländischen Schiffe seitlich hinten angegriffen hätte. Heiß -wurde gefochten, englische Küstenfischer gingen während des Gefechts an -Bord der Schiffe und halfen bei der Bedienung der Geschütze; erst die -hereinbrechende Dunkelheit trennte die Gegner. Die Engländer sammelten -sich vor Hythe, besserten ihre Beschädigungen aus und segelten dann nach -den Downs, Tromp steuerte am anderen Morgen zur französischen Küste -hinüber. - -[Illustration: Gefecht bei Dover, 29. Mai 1652.] - -Die englischen Schiffe haben bei diesem Gefecht schwerere Beschädigungen, -besonders auch in der Takelage, davongetragen (namentlich das -Flaggschiff), dagegen nahm Bourne zwei holländische Schiffe; es scheinen -auch die Verluste an Mannschaft auf holländischer Seite größer gewesen zu -sein, so daß man im ganzen wohl den Engländern den Erfolg zusprechen muß. - -Wenn $das Gefecht$ auch taktisch wenig bietet, so ist es doch $in -verschiedener Hinsicht bemerkenswert$. Es war das erste größere -Zusammentreffen der beiden Nationen und zeigt schon die Hartnäckigkeit im -Kampf, die die drei großen englisch-holländischen Kriege kennzeichnet und -ihre Schlachten so blutig macht. Die Holländer waren an Zahl der Schiffe -doppelt so stark und siegten nicht, ein Beweis für die Überlegenheit der -englischen Schiffe (Größe, Armierung, Segelfähigkeit, Stärke und -Ausbildung der Besatzungen) im allgemeinen und auch wohl die der -Kriegsschiffe über eingestellte Kauffahrer. Bei den Engländern kamen hier -auf 15 Kriegsschiffe nur drei Kauffahrer, in der großen Zahl der -Holländer werden weit mehr gewesen sein; man kann dies mit Sicherheit -nach der Zusammensetzung der Flotte annehmen, mit der Tromp einen Monat -später auftritt. - -Das Fehlen jeglicher Taktik mag seinen Grund darin haben, daß Blake noch -wenig seemännische Erfahrung hatte, der sonst erfahrene, bisher stets -siegreiche Tromp aber auf die Überzahl rechnete, und daß der Vorfall -durch die stürmische Natur des Angriffs den Charakter eines zufälligen -Zusammenstoßes erhielt. - -Endlich ist zu fragen, weshalb es zum Gefecht kam. Der Krieg war zur Zeit -noch nicht erklärt, es waren sogar durch einen außerordentlichen -Gesandten Hollands in London neue Unterhandlungen im Gange, die eine -friedliche Beilegung in Aussicht stellten. Tromps Order lautete deshalb, -den Handel im Kanal zu schützen, der englischen Küste aber fern zu -bleiben und Reibungen zu vermeiden. In betreff des Flaggengrußes war ihm -überlassen, nach eigenem Ermessen zu handeln, nachdem er auf eine Frage -hierüber seiner Regierung geantwortet hatte, der Flaggengruß sei zur Zeit -des englischen Königtums wohl üblich gewesen, besonders wenn beim -Begegnen die holländische Macht die schwächere war. Da der Krieg noch -nicht erklärt war und beide Teile die Schuld des Zusammenstoßes dem -Gegner zuschrieben -- auf holländischer Seite wird behauptet, Blake habe -zuerst eine Breitseite abgegeben --, wurden beide Befehlshaber zur -Verantwortung[100] gezogen. Tromp gab an, zu keiner Zeit feindliche -Absichten gehabt zu haben, andernfalls würde er schon am 28. den -schwächeren Bourne in den Downs haben vernichten können, er sei sogar, um -Reibungen zu vermeiden, nicht einmal auf die dortige Rhede gegangen; am -29. sei der Kampf durch Blakes Breitseite hervorgerufen, die dieser -abgegeben habe, obgleich er, Tromp, durch Wegführen der Segel und Dippen -der Flagge gegrüßt habe. Beides ist mit Vorsicht aufzunehmen; der Angriff -auf Bourne wäre nicht so einfach gewesen, da die Holländer gegen Wind und -Strom unter dem englischen Feuer hätten aufkreuzen müssen, und bei der -Untersuchung des Falles englischerseits bezeugten auch die gefangenen -holländischen Kapitäne, daß Tromp zuerst eine Breitseite gefeuert habe. -Tromp führte endlich an, er habe am 29. aufs neue den Kurs zur englischen -Küste genommen, weil er von dem ihm begegnenden holländischen Schiffe -erfahren hätte, daß von Westen eine Anzahl reich beladener Kauffahrer -käme, die durch englische Schiffe gefährdet werden könnte. - - [100] »Vie de Tromp«: Berichte beider Führer Seite 15 u. ff., ebendort - Briefwechsel zwischen ihnen und Vorstellungen der holländischen - Gesandten den Fall betreffend. =Clowes=, Teil II, Seite 148. - -So ist denn anzunehmen, daß Tromp am 28. an der englischen Küste -erschien, um Stand und Stärke der englischen Flotte zu erkunden, am 29. -wollte er wohl zum Schutz der Kauffahrer seine gewaltige Macht zeigen, -dabei darauf vertrauend, daß angesichts seiner Stärke die Engländer den -Flaggengruß nicht fordern würden. Als dies doch geschah, kam es zum -Zusammenstoß, was bei dem herrschenden Haß auf beiden Seiten und bei der -damaligen allgemeinen Neigung zu gesetzlosem, gewalttätigem Vorgehen auf -See nicht sehr zu verwundern ist. - -$Weitere Ereignisse bis zur Kriegserklärung.$ Der Zusammenstoß bei Dover -erregte in England große Entrüstung, das Haus des holländischen -Botschafters mußte vor dem Pöbel geschützt werden, und die neuen -Unterhandlungen[101] zerschlugen sich. Auch die Engländer zogen jetzt -Kauffahrer in großer Zahl zum Kriegsdienste ein und preßten in den -südöstlichen Grafschaften alle Seeleute zwischen 15 und 50 Jahren. -Außerdem traf Anfang Juni =Ayscue= auf seiner Rückkehr von Westindien in -Plymouth ein; er führte 36 auf Grund der Navigationsakte genommene Prisen -und zwar hauptsächlich Holländer mit sich. - - [101] Über diese Verhandlungen, in denen England seine Forderungen - verschärfte, näheres in »Vie de Tromp«, Seite 27 ff. - -=Blake=, dessen Flotte jetzt stark vermehrt und von ihm in den Downs -sorgfältig organisiert war, erhielt Befehl auszulaufen, um die -holländische Heringsfischerei an der Nordostküste Schottlands zu -zerstören und feindliche Handelsschiffe auf ihrem Wege von der Ostsee -oder bei den Shetlands abzufangen. Viele aus dem Atlantik kommende -holländische Schiffe wählten zu dieser Zeit den Kurs nördlich um -Großbritannien, um die Scherereien und Gefahren -- Visitation und etwaige -Beschlagnahme durch die Engländer -- im Kanal zu vermeiden. - -=Ayscue= erhielt Befehl, damit die Themsemündung nicht ganz unbeschützt -bliebe, =nach den Downs= zu gehen, wo er am 30. Juni eintraf; vorher nahm -er noch die Gelegenheit wahr, am 22. Juni bei Lizard ein Konvoi -holländischer Portugalfahrer anzugreifen, von denen er einige nach -heftigem Kampf mit den begleitenden Kriegsschiffen nahm. - -=Blake= segelte am 7. Juli nach Norden mit nunmehr 39 Kriegsschiffen, 2 -Brandern, 2 Schaluppen und 18 armierten Kauffahrern; Ayscue blieb mit nur -14 Schiffen, wovon die Hälfte Kauffahrer, in den Downs zurück; die -Absicht, ihn von der Themse aus zu verstärken, mußte aufgegeben werden, -da Tromp an der Küste erschien. - -=Tromp=, der jetzt auch den Befehl erhalten hatte, den Feind nach -Möglichkeit zu schädigen, wurde von dem aus London zurückkehrenden -Gesandten über Ayscues Schwäche unterrichtet und beschloß, diesen -anzugreifen. Tromps Flotte war 92 Segel stark: 20 Kriegsschiffe (30-40 -Kanonen), 12 kleinere (Fregatten, 8-10 Kanonen), 6 Brander und 54 -armierte Kauffahrer. Sein Angriff, von Norden bei günstigem Winde -angesetzt, mißlang jedoch, da Ayscue dicht unter Land, geschützt durch -das Kastell von Deal und verschiedene behelfsmäßige Batterien unmittelbar -am Strande, lag und der Wind sich zu seinen Gunsten änderte. Tromp folgte -nun Blake, kam aber auch hier zu spät; bereits war die holländische -Fischerflotte vor dem Firth of Moray in alle Winde zersprengt, die 13 -schützenden kleinen Kriegsschiffe (Fregatten) waren bis auf eins genommen -und ebenso etwa 100 Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann; diese wurden jedoch -von Blake wieder freigegeben, um seine Flotte nicht zu schwächen, als er -weiter bis zu den Shetlands segelte. Hier fand ihn Tromp am 5. August, es -kam aber nicht zum Gefecht, weil ein schwerer NW.-Sturm einsetzte. Die -englische Flotte fand Schutz unter Land, die holländische litt schwer. -Nur mit 39 Schiffen kehrte Tromp nach Holland zurück; von den übrigen war -ein Teil gesunken, der Rest stark beschädigt und zerstreut, und die -Heimkehr der letzten Schiffe zog sich bis in den September hinein. - -Der Vergleich der beiden Flotten hier zeigt deutlich die mehrfach -erwähnte Schwäche Hollands. Bei Blake kamen auf 41 Kriegsschiffe 18 -Kauffahrer, bei Tromp auf 32 aber 54. - -=Blake= folgte zwar der holländischen Flotte, aber er verfolgte sie -nicht. =Tromp= wurde nach seiner Rückkehr vom Kommando entsetzt: er hatte -den endgültigen Bruch herbeigeführt, den Handel nicht schützen können, -gegen die feindliche Flotte nichts erreicht und endlich die halbe Flotte -verloren; außerdem war er als Anhänger der Oranier der Regierung -unbequem. An seine Stelle trat =Witte de Witt= als Oberbefehlshaber und -unter ihm Ruyter. - -$Die Kriegserklärung. Gefecht bei Plymouth am 26. August 1652.$ Erst am -28. Juli war der Krieg erklärt. Das Bisherige war eigentlich nur ein -Vorspiel gewesen; auch der kleine Krieg, das Aufbringen von -Handelsschiffen durch Kreuzer und Kaper, hatte lange schon vor der -Kriegserklärung begonnen. Auch hierin war England durch seine größeren -Schiffe im Vorteil; eine holländische Verfügung, die verbot, Kaperbriefe -an Schiffe unter 200 tons und unter 20 Geschütze zur eigenen Sicherheit -dieser auszugeben, mußte wegen Mangels an besserem Material zurückgezogen -werden. Die kriegerischen Unternehmungen nach der Kriegserklärung trugen -zunächst denselben Charakter wie die des Vorspiels, nämlich: Schutz des -eigenen Handels, Bedrohung des feindlichen. Auf englischer Seite wurde -=Ayscue= zu diesem Zweck nach dem Westen des Kanals gesandt, =Blake= -stand mit der Hauptmacht im Osten. Von beiden Nationen kreuzten -zahlreiche einzelne Schiffe zum Aufbringen feindlicher Kauffahrer und zur -Warnung der eigenen. - -Auf holländischer Seite erhielt =Ruyter= den Befehl, mit einem -Geschwader, das während Tromps letzter Fahrt ausgerüstet war, 50-60 nach -auswärts bestimmte Handelsschiffe durch den Kanal zu geleiten. - - =Michael de Ruyter=,[102] 1607 zu Vlissingen in dürftigen Verhältnissen - geboren, ging mit 11 Jahren als Kauffahrtei-Schiffsjunge zur See, kurze - Zeit diente er auch im Heere und 1637 führte er einen Kaper gegen - Frankreich. 1640 trat er in den Staatsdienst und wurde der - hervorragendste Admiral der Niederlande. Er war unerschrocken, - beharrlich, umsichtig, pflichttreu und ein vorzüglicher Seemann; - politisch gemäßigter Republikaner. Sein liebenswürdiger, einfacher und - doch vornehmer Charakter erwarb ihm die Hochachtung seiner Gegner, die - Liebe seiner Untergebenen. Er fiel 1676 als Leutnant-Admiral-General - bei Agosta und wurde in Holland mit fürstlichen Ehren unter Teilnahme - aller Schichten der Bevölkerung begraben.[103] - - [102] Siehe das Titelbild. - - [103] Bei »Agosta« später noch einige Angaben über Ruyter. Beste - Biographie: »Leben Ruyters«, vgl. Quellenverzeichnis. - - Ruyter übernahm das Kommando nur ungern;[104] 1652 zum dritten Male - verehelicht, hatte er sich vom Seefahren zurückziehen wollen. Auch - scheinen ihm der schlechte Zustand der Flotte sowie das Parteiwesen, - das in ihr wie im Lande herrschte, Bedenken gemacht zu haben; nur durch - Anruf seiner Vaterlandsliebe ward er gewonnen. - - [104] »Leben Ruyters«, Seite 19. - -Als =Ruyter= das Kommando am 10. August übernahm, bestand die Flotte nur -aus 15 Schiffen. Er erklärte verschiedentlich, mit so wenigen und -außerdem den Schiffen der Feinde an Stärke nachstehenden Fahrzeugen die -Aufgabe nicht ausführen zu können; er hatte nämlich Angaben über die -Stärke Ayscues, die allerdings hinsichtlich der Größe der Schiffe -übertrieben waren. Während er bis zum 21. August auf die zu begleitenden -Kauffahrer wartete, wurde seine Flotte durch zwei Nachschübe verstärkt. -Am genannten Tage segelte er von Gravelines mit großer Vorsicht und mit -Verwendung zahlreicher Aufklärungsschiffe den Kanal hinab. Am 26. August -traf er südlich von =Plymouth= in der Mitte des Kanals auf =Ayscue= und -beide Teile gingen sofort zum Angriff über. - -=Ruyters Flotte bestand= aus 30 Kriegsschiffen:[105] 16 zu 28-26 Kanonen -mit 120-180 Mann (nur das Flaggschiff »Neptun« hatte bei 28 Kanonen 134 -Mann); 4 zu 24 Kanonen, 70-100 Mann; 2 unbekannter Größe; 6 zu 30 -Kanonen, 100-110 Mann; 2 zu 40 Kanonen, 200 Mann. Die beiden zu 40 -Kanonen waren Schiffe der ostindischen Kompagnie; aber auch sonst werden -Kauffahrer darunter gewesen sein, so z. B. die 30 Kanonenschiffe, die -eine so geringe Zahl an Mannschaften im Verhältnis zur Kanonenzahl haben. -Ein Vergleich der genauen Liste aller Schiffe Ruyters mit englischen -Listen, z. B. für Dover oder später Northforeland, zeigt, wieviel -schwächer die Holländer armiert und bemannt waren. Ein englisches Schiff -von 36 Kanonen (allerdings überarmiert) entsprach an Größe vielleicht -einem holländischen von 28 Kanonen; jenes hatte 120-160 Mann, dieses nur -80-120 Besatzung. Hinzu traten noch 3 Gallioten und 6 Brander. Von den -Schiffen seines Konvois wählte Ruyter ferner etwa 20 verhältnismäßig -stark armierte aus und stellte sie in die Gefechtsformation, die üblichen -drei Geschwadergruppen, ein; den Rest sandte er nach Lee. Die Brander -wurden zu je 2 auf die Geschwader verteilt mit dem Befehl, die größten -Schiffe des Feindes anzugreifen; die Gallioten waren beauftragt, -brennenden oder sinkenden Schiffen Hilfe zu leisten. - - [105] »Leben Ruyters«, Seite 22. - -=Ayscue= war etwa 40 größere Kriegsschiffe (darunter 2 zu 60 Kanonen, 8 -zu 36-40 Kanonen), 8 kleinere und 4 Brander =stark=, also an Zahl und -Stärke der Kriegsschiffe, wie die Engländer selbst zugeben, überlegen; da -aber, wie anderseits die Holländer zugestehen, die eingestellten Schiffe -des Konvois zum großen Teil voll ihre Pflicht taten, kann man wohl die -Kräfte als gleich ansehen. - -Der Wind war NO., die Engländer standen beim gegenseitigen Sichten zu -Luward. Über den taktischen =Verlauf des Gefechts= ist sonst nichts -bekannt, die Überlieferungen rühmen nur die Taten einzelner -Kommandanten; es scheint sofort die Melee eingetreten zu sein. Vom -frühen Nachmittag bis zur Dunkelheit wurde heiß gekämpft, wieder scheinen -die Holländer den größeren Verlust an Leuten, die Engländer die größeren -Beschädigungen an den Schiffen, besonders in der Takelage erlitten zu -haben. Beide Teile behaupten, zwei oder drei Gegner vernichtet, selbst -aber kein Fahrzeug verloren zu haben. Beide schreiben sich den Sieg zu, -da aber Ayscue am andern Tage zum Ausbessern nach Plymouth ging, Ruyter -dagegen seinen Konvoi sammelt und mit nur zwei Kriegsschiffen aus seinem -Schutze entläßt, weil er keine ernstliche Belästigung für ihn mehr -befürchtet, ist wohl den Holländern der Erfolg zuzuschreiben; daß Ayscue -trotz seines bisherigen guten Rufes nicht mehr aktiv verwendet wird, -zeugt von dieser Auffassung auch englischerseits.[106] - - [106] Clowes, Teil II, Seite 157, nimmt an, daß beide Gegner kein - Schiff verloren hätten. »Vie de Tromp«, Seite 67, und »Leben - Ruyters«, Seite 23, sagen, die Engländer würden vernichtet sein, - wenn es Ruyter gelungen wäre, die Luvstellung zu gewinnen und von - dort aus seine Brander zu verwenden. - -=Ruyter= teilte sogar am 28. August seinen Kommandanten mit, daß er -beabsichtige, den Feind in Plymouth aufzusuchen;[107] dieser Angriff -sollte am 30. stattfinden, aber ein in der Nacht vorher einsetzender -südlicher Sturm zwang die Holländer, den Plan aufzugeben und von der -Leeküste frei zu segeln. Ruyter kreuzte noch bis Ende September im Westen -des Kanals, dann kehrte er nach Holland zurück, da er die Nachricht -erhalten hatte, daß Blake mit der feindlichen Hauptmacht in See sei, um -ihn abzufangen; auch hatte seine Flotte in einem dreitägigen schweren -Sturme sehr gelitten und verschiedene Kommandanten zeigten sich -unbotmäßig[108] oder ungeschickt[108] in der Führung ihrer Schiffe. Auf -der Rückreise sichtete er einen Teil der Flotte Blakes (unter Penn), er -wich jedoch einem Gefechte aus, wohl mit Rücksicht auf seine durch die -Schlacht und die Stürme geschwächten Schiffe und weil er den anderen Teil -der englischen Macht in der Nähe wußte. Am 2. Oktober trat er bei -=Dünkirchen= unter den Befehl =Witte de Witts=, der die Flotte Tromps -übernommen hatte. Diese war aber, wie uns bekannt, eben erst wieder -völlig versammelt und bedurfte der Ausbesserung; so hatte Blake schon im -Rücken Ruyters mit seinen unversehrten Schiffen den Kanal beherrscht, -viele Prisen aufgebracht und war dann westlich gesegelt, um Ayscues -ausbesserungsbedürftiges Geschwader dort zu ersetzen. Nach Ruyters -Rückkehr war der ganze Kanal in den Händen Englands. - - [107] In »Vie de Tromp«, Seite 69, und »Leben Ruyters«, Seite 26, - wörtliche Wiedergabe seiner Ansprache. Er spricht darin die - Hoffnung aus, den Feind zu überraschen, indem viele Offiziere und - Leute am Lande sein würden, und daß diejenigen seiner - Kommandanten, die sich in der Schlacht weniger gut benommen, dies - wieder gutmachen könnten. Über seine Kapitäne klagte er später - noch einmal, als beim Kreuzen häufig Schiffe zu weit abkommen; er - spricht dabei von »mutwilligen und dummen« Kommandanten. - (»Leben Ruyters«, Seite 28.) Unbotmäßigkeit, Lauheit und - Ungeschick wird im ersten holländisch-englischen Kriege den - Kommandanten öfters vorgeworfen, wohl eine Folge der politischen - Parteien im Lande und mißverstandener republikanischer Ansichten - oder auch des Mangels an eigentlichen Marineoffizieren. - -$Blake vernichtet am 7. September 1652 ein französisches -Geschwader.$[108] Dieser Vorfall kennzeichnet wiederum die Kriegführung -zur See und das Verhältnis der Völker auf dem Meere zueinander in dieser -Zeit. England war zwar im Frieden mit Frankreich, aber auf der See waren -Reibungen an der Tagesordnung. Belästigung des englischen Handels durch -französische Freibeuter, die Unterstützung, die den Royalisten in -Frankreich zu teil geworden war, die Nichtanerkennung der Republik und -endlich Streitigkeiten über die Fischerei auf den Neufundlandbänken -hatten seit 1650 zu Gewaltmaßregeln und Aufbringen von Schiffen -englischerseits geführt. Es bestand jetzt zur See eine Art Kriegszustand, -der Zusammenstöße einzelner Kriegsschiffe, im Mittelmeer gar kleinerer -Geschwader, zur Folge hatte. Nun war Frankreich mit Spanien im Kriege -(1635-1659, vgl. S. 109). =Dünkirchen=, seit 1646 von Frankreich besetzt, -wurde von den Spaniern belagert. Ein französisches Geschwader unter dem -=Herzog von Vendôme= sollte Truppen, Munition und Vorräte in die in -höchster Bedrängnis befindliche Stadt werfen; =Blake= stieß am 7. -September 1652 auf dieses Geschwader, griff sofort an und schlug es in -einem laufenden Gefechte. Er nahm oder zerstörte 7 von den 8 begleitenden -Kriegsschiffen und zerstreute die Transporter; Dünkirchen fiel -infolgedessen wenige Tage später. - - [108] Clowes, Teil II, Seite 159; du Sein, Teil II, Seite 572; Troude, - Teil I, Seite 104. - -Diese Tat war denn doch ein Kriegsakt, der selbst über die Grenzen der -damals üblichen Gewaltmaßregeln hinausging, dennoch erfolgte seitens -Frankreichs nichts als diplomatische Vorstellungen; Spanien dagegen -sprach dem englischen Parlamente seinen Dank aus. Diesen Staat sich -geneigt zu erhalten, war auch wohl der Grund zu der unerhörten Tat -gewesen; im Mittelmeer nämlich lagen die Verhältnisse nicht zu Englands -Gunsten. - -=Der Krieg im Mittelmeer.= Im Mittelmeer war der englische Handel, einige -gelegentliche Expeditionen gegen afrikanische Piraten abgerechnet, bis -zum Jahre 1650 unbeschützt gewesen; im genannten Jahre verfolgte, wie -schon früher erwähnt, Blake (später Penn) den Prinzen Rupert bis dorthin, -und von dieser Zeit an wurde ein ständiges Mittelmeergeschwader gehalten, -das neben dem Schutz des Handels auch dort Zwangsmaßregeln gegen -Frankreich ausübte. Bei Ausbruch des Krieges mit Holland aber war dieses -Geschwader recht schwach, nur 6 Kriegsschiffe (30-42 Kanonen) und 2 -armierte Kauffahrer, während die Holländer gegen 30 Schiffe an -verschiedenen Stellen des Westmittelmeeres hatten; von ihnen war die -Station kurz vor Kriegsbeginn wesentlich verstärkt worden. Das englische -Geschwader war sogar noch in zwei Teile geteilt, der eine Teil unter -=Appleton= lag in =Livorno= und wurde nach der Kriegserklärung sofort -durch 14 oder 18 Holländer unter =van Galen= blockiert, nur die -freundliche Haltung des Großherzogs von Toskana schützte ihn vor -Wegnahme. Der andere Teil, 4 Kriegsschiffe unter =Badiley=, begleitete -einen Konvoi vom Orient her. Badiley, vom Kriegszustand unterrichtet, -versuchte nun ebenfalls nach Livorno zu kommen, wurde jedoch am 6. -September 1652 von van Galen, der nur einige Schiffe vor Livorno -zurückgelassen hatte, mit großer Übermacht bei =Elba= angegriffen und -nach mehrstündigem harten Kampf gezwungen, in =Porto Longone= -einzulaufen, wohin er seinen Konvoi bei Beginn des Gefechts vorausgesandt -hatte; hier schützte ihn gleichfalls der Gouverneur Elbas. - -Ein Schiff (»Phönix«) war bei dem Gefecht in die Hände der Holländer -gefallen, wurde aber bald darauf, nachdem es in das holländische -Geschwader eingestellt war, auf der Außenrhede von =Livorno= (am 30. -September 1652) =durch Boote= des englischen Geschwaders wieder -=genommen=. Es ist dies das erste genauer bekannte Beispiel jener kühnen -Unternehmungen dieser Art, in denen die Engländer sich später so -auszeichneten. - - =Kapitän Cox= führte die Expedition; er armierte 3 Boote mit je 30 - Mann, nur mit Äxten und Entermessern bewaffnet sowie versehen mit - Mehlsäcken, um die Gegner zu blenden. In dunkler Nacht fuhr man ab und - erreichte, zweimal durch die Dunkelheit getrennt, beim dritten Male das - Schiff, auf dem infolge eines vorangegangenen Festes schlechte Wache - gehalten wurde. Verabredungsgemäß hatte die Besatzung des einen Bootes - die Ankertaue zu kappen, die des zweiten aufzuentern und Segel zu - setzen, die des dritten Bootes alle Luken zu schließen und den Feind - niederzuhalten. Es gelang vollkommen, fast ohne Widerstand; der in - seiner Kajüte überraschte Kommandant, =Cornelius Tromp= (der Sohn - Martins), sprang aus dem Kajütenfenster und erreichte schwimmend oder - mit Hilfe des Bootes am Heck ein anderes holländisches Schiff. Kapitän - Cox segelte mit dem wiedergenommenen Schiff nach Porto Longone zu - dessen altem Geschwader. - -Man hatte keine Feuerwaffen gebraucht, um »die Neutralität des Hafens -nicht zu verletzen«, ein Grundsatz, den der ältere Tromp selbst -aufgestellt haben soll. Der =Großherzog von Toskana= beschwerte sich aber -bitter darüber und war von nun ab den Engländern weniger günstig gesinnt, -was üble Folgen haben sollte. Vorläufig blieben beide englische -Geschwader in Livorno und Porto Longone von den holländischen -Streitkräften, die sich durch Zuzug aus dem Westmittelmeer verstärkten, -blockiert und zur Untätigkeit gezwungen; man versuchte nun sich durch -Armieren von Kauffahrern gleichfalls zu verstärken, was auch in geringem -Maße gelang. - -$Die Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.$ =Witte de Witt=[109], -der neue holländische Oberbefehlshaber, zeigte sich am 21. September -zuerst im Kanal. =Blake= wurde sofort davon benachrichtigt, aber es -gelang ihm bekanntlich nicht, =Ruyter= vor seiner Vereinigung mit der -holländischen Hauptmacht abzufangen; die beiden holländischen Führer -trafen sich am 2. Oktober zwischen Dünkirchen und Nieuport. Sie -unterzogen ihre Schiffe zunächst einer genauen Besichtigung und sandten -alle nicht völlig gefechtsfähigen (10 Schiffe und 5 Brander) zur -Ausbesserung in die Häfen. Es blieben ihnen etwa 64 Fahrzeuge, während -Blake etwa 68 im Osten des Kanals zusammenzog. Obgleich die Unterführer -der Holländer, besonders de Ruyter, darauf hinwiesen, daß man dem Feinde -namentlich in der Güte und Gefechtskraft der Schiffe unterlegen sei, -beschloß de Witt doch, den Feind aufzusuchen. Er glaubte wohl, weil er an -Tromps Stelle gesetzt war, unter allen Umständen dessen Mißerfolge -ausgleichen und durch einen entscheidenden Schlag, dieses Mal unmittelbar -auf die feindlichen Hauptstreitkräfte gerichtet, dem Handel im Kanal Luft -schaffen zu müssen. Er beabsichtigte, den Feind auf seinem Sammelpunkte, -den Downs, anzugreifen, aber =Blake= war gleichfalls fertig und suchte -auch den Kampf. - - [109] Witte Cornelius de Witt, 1599 in Brielle geboren, ging mit 17 - Jahren zur See und stieg bis zum Admiralleutnant; tüchtig, - kampflustig aber hartnäckig, schroff und unbeliebt. Vom - Oberkommando entsetzt, diente er später weiter auch unter - früheren Untergebenen. Er fiel 1658 in der »Schlacht im Sunde«. - -[Illustration: Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.] - -Blake hatte am 8. Oktober morgens bei frischem Westwinde seinen -Ankerplatz verlassen und sichtete den Feind gegen Mittag nordöstlich von -Northforeland. =De Witt= lag hart beim Winde über St. B. Bug hinter der -Bank von =Kentish Knock=, damit beschäftigt, seine Flotte zu rangieren. -Es hatte Tags zuvor schwer geweht, und wie gewöhnlich waren verschiedene -Schiffe versprengt. De Witt wurde gewissermaßen überrascht und konnte nur -durch schnelle Fahrzeuge noch Befehle zur Herstellung der Ordnung -ausgeben. Seine Flotte war in 4 Geschwader geteilt: de Ruyter, de Witt, -de Wildt; das vierte unter Evertsen bildete eine Reserve mit dem Befehl, -an der bedrängtesten Stelle einzugreifen. Der Wind war südwestlich und -flauer geworden. Blake führte seine Flotte in drei Geschwadern (Blake, -Penn, Bourne) heran und schob sich mit den beiden ersten zu Luward -zwischen den Feind und die Untiefen; Bourne stand etwas zurück. Das -Gefecht wurde an der Spitze sofort sehr scharf, zwei Holländer waren -gleich entmastet, aber verschiedene englische Schiffe, besonders von -Penns Geschwader einschließlich des Flaggschiffes, kamen auf der Bank -fest oder stießen wenigstens auf sie. De Witt wendete mit allen Schiffen -zugleich, wahrscheinlich um die schwersten Schiffe Blakes zu vermeiden -und um sich auf das Geschwader Bourne zu werfen; als er aber mit Bourne -zusammenstieß, wurde er auch von =Penn= angegriffen. Während nämlich -Blakes Schiffe durch ihren Kurs fast vor dem Winde zunächst nach Lee -geführt waren, hatte sich das Geschwader Penn, um von der Bank frei zu -liegen oder wieder freizukommen, genötigt gesehen, über B. B. Bug an den -Wind zu gehen, und war nun in günstiger Lage zum Eingreifen. Penn selbst -schreibt: »Der Umstand des Unklarkommens von der Bank, der so -verhängnisvoll hätte werden können, trug zum glücklichen Entscheide bei.« - -Der Kampf wütete etwa von 3 Uhr nachmittags bis zum Eintritt der -Dunkelheit, die Verluste waren schwer auf beiden Seiten, doch waren die -Holländer in jeder Hinsicht im Nachteil. Nach englischen Angaben wurden 2 -Holländer genommen, 1 verbrannt, dagegen kein englisches Schiff verloren; -holländische Quellen geben 600 Tote und Verwundete, sowie schwere -Beschädigungen an Schiffen und Takelage zu, behaupten aber, der englische -Mannschaftsverlust sei größer gewesen. De Witt wollte am nächsten Tage, -hartnäckig und für seine Stellung besorgt, den Kampf wieder aufnehmen, -aber im Kriegsrat stimmten seine Admirale entschieden dagegen unter -Hinweis auf die erlittenen Verluste und Beschädigungen, auf die -minderwertigen und unvollständig bemannten Schiffe sowie darauf, daß die -holländischen Schiffe nicht beisammen seien, die Engländer aber -Verstärkung erhalten hätten. - - Am 9. morgens standen etwa 20 Schiffe weit in Lee und kamen auch nicht - heran. Ähnlich hatten schon einige der Versprengten am 8. gehandelt, - andere hatten sich im Gefecht lau erwiesen; die bekannte Unbotmäßigkeit - und Unfähigkeit einzelner Kommandanten. De Witts Beschwerde später - fruchtete nichts; ihre große Zahl und ihre politischen Freunde - schützten die Beschuldigten. - - Nach »Vie de Tromp« und »Leben Ruyters« stieß in der Nacht eine - Verstärkung von 16 Segeln zu Blake, wahrscheinlich die ausgebesserten - Schiffe Ayscues. - -=De Witt= mußte sich fügen und segelte mittags der heimischen Küste zu. -Die Engländer wurden vormittags durch den flauen Wind verhindert, den -Feind ernstlich zu engagieren; später folgten sie, brachen dann aber am -Abend die Verfolgung ab, um die Gefahren der holländischen Küste zu -vermeiden. Sie gingen nach den Downs zur Auffüllung von Vorräten und zur -Ausbesserung. - -Der Versuch de Witts, den Handel durch Angriff auf die feindlichen -Seestreitkräfte frei zu machen, war gescheitert. Der Erfolg der Engländer -befestigte ihre Herrschaft über den Kanal noch mehr; ihre kleinen Kreuzer -machten reiche Beute. - -$Niederlage der Engländer bei Dungeness, 10. Dezember 1652.$ Nach dem -letzten Erfolge hoffte man in England, Holland würde geneigt zum Frieden -sein, wenigstens erwartete man bei der vorgerückten Jahreszeit zunächst -von dort keine größeren Unternehmungen mehr. Die Flotte Blakes wurde -deshalb ohne Bedenken sehr geschwächt. Man sandte ein Geschwader von 18 -Schiffen in den Sund, da Reibungen mit Dänemark[110] entstanden waren, -und 12 Schiffe wieder nach dem Westen des Kanals; Penn begleitete mit 20 -Schiffen Kauffahrer und mehrere Schiffe gingen in die Themse, um -ausgebessert zu werden; sogar die behelfsmäßigen Batterien bei Deal, die -Ayscue in den Downs so gut geschützt hatten, wurden als unnötig -eingezogen. In Holland dagegen rüstete man trotz des herannahenden -Winters mit aller Kraft, um durch Einstellung von Begleitschiffen den -völlig brachliegenden Handel zu schützen. Schon vor der letzten Schlacht -war es nötig gewesen, das Auslaufen von Kauffahrern ohne Schutz von -Kriegsschiffen zu verbieten; so hatten sich jetzt an 300 nach auswärts -bestimmte Schiffe angehäuft, die ihre Reise vor dem Winter antreten -mußten, und bei der Insel Ré vor La Rochelle sammelten sich zahlreiche -Heimkommende, um durch den Kanal geleitet zu werden, denn auch an diesem -üblichen Sammelpunkt war das Verbot des Alleinsegelns bekannt gemacht -worden. - - [110] Dänemark hielt zu Holland, indem es mit vertragsmäßig dazu - bestimmten Kriegsschiffen holländische Kauffahrer schützte, ja - sogar konvoiierte, englische Fahrzeuge dagegen aufbrachte. Das - erwähnte englische Geschwader wurde durch Sturm verhindert, etwas - zu leisten. - -Anfang Dezember war eine Flotte von 73 Schiffen mit kleineren Fahrzeugen -und Brandern seeklar.[111] Der Oberbefehl war wieder an =Tromp= gegeben, -unter ihm standen Ruyter, Jan Evertsen und Floriszoon; de Witt war -erkrankt. =Blake= verfügte in den Downs nur über 37 Schiffe nebst einigen -kleineren Fahrzeugen. Wahrscheinlich hatte =Tromp= Kenntnis von Blakes -Schwäche. Er ließ den Konvoi, die 300 nach auswärts bestimmten -Kauffahrer, an der flämischen Küste und erschien am 9. Dezember in der -Frühe mit seiner ganzen Flotte hinter Goodwin-Sands; Blake lichtete nach -kurzem Kriegsrat Anker. Beide Flotten steuerten südlich. - - [111] Im »Leben Ruyters«, Seite 30, wird gerade bei dieser Gelegenheit - hervorgehoben, daß sich in der Flotte sehr viel eingestellte - Kauffahrer befanden, und daß um diese Zeit zuerst dringende - Anträge für den Bau von Kriegsschiffen gestellt seien. - -Verschiedentlich ist darüber geschrieben, weshalb der sonst so wohl -überlegende =Blake= bei seiner Schwäche diesen Schritt tat. Das -Wahrscheinlichste dürfte sein, daß er seinen Ankerplatz nicht für sicher -hielt, namentlich da die schützenden Batterien am Lande eingegangen -waren; er dachte wohl daran, daß Tromp 1639 hier den Spanier d'Ocquendo -wie in einer Falle gefangen hatte. Auch ist es möglich, daß er an dem -trüben Wintermorgen die Stärke des Feindes nicht erkannte; später konnte -er nicht zurück, da der anfänglich südwestliche Wind nach NW. drehte und -stark auffrischte. - -Am 9. Dezember verhinderte der starke Wind einen Kampf, Blake ankerte am -Abend vor Dover, Tromp einige Seemeilen leewärts von ihm. Am 10. Dezember -morgens lichteten beide Flotten Anker und steuerten auf Parallelkursen, -über B. B. Bug beim Winde, der Küste entlang, doch konnten die Holländer -den Feind erst erreichen, als etwa um 1 Uhr der Lauf der Küste (vgl. -Skizze: Dover, Seite 202) die Spitze der Engländer bei =Dungeness= -zwang, sich ihnen zu nähern. Es kam zu einem heftigen Kampfe der auf -beiden Seiten führenden und schwersten Schiffe, in dem die Holländer an -Zahl weit überlegen waren. Die Überlieferungen melden blutige -Schiffsduelle;[112] besonders die Admiralschiffe sind beteiligt; erst -werden Breitseiten gewechselt, dann wird zum Entern längsseit gegangen; -mehrfach liegen 3 auch 4 Schiffe nebeneinander. Wie gewöhnlich trennt -erst die Dunkelheit die Gegner. Der Erfolg war auf seiten der Holländer; -Blake verlor 5 Schiffe (2 genommen, 3 gesunken), von den Holländern war -nur ein Schiff durch einen Zufall aufgeflogen. =Blake= war genötigt, das -Feld zu räumen, er ankerte auf Dover Rhede und ging später nach den Downs -zurück. =Tromp= machte keinen Versuch, den Sieg bis zur Vernichtung des -Feindes auszunützen, sei es, daß er doch auch stark gelitten, sei es, daß -für eine derartig energische Kriegführung eben noch kein Verständnis war; -man dachte nur an den Konvoi und war mit dem Teilerfolge zufrieden. Er -lag einige Tage zur Ausbesserung bei Dungeness und hatte Gelegenheit, -einige ostwärts segelnde Engländer abzufangen; er ließ sogar landen, um -Vieh zu rauben; dieses Unternehmen brachte jedoch nur Verluste. Dann -führte er seinen Konvoi bis zur Insel Ré, von wo aus er die Biscaya -beherrschte, während heimwärts bestimmte Fahrzeuge sich dort weiter -sammelten.[113] - - [112] Unter den sich besonders auszuzeichnenden Schiffen findet man - Namen, die seitdem in der englischen Flotte stets wieder - erscheinen: »Victory«, »Vanguard«, »Triumph« (Blakes - Flaggschiff). - - [113] Bei diesen Fahrten soll Tromp einen Besen im Topp geführt haben, - als Zeichen, daß er den Kanal reingefegt habe. Nach Clowes, Teil - II, Seite 174, ist dies eine Sage: Ein Besen im Topp sei damals - das Zeichen gewesen, daß das betreffende Schiff zum Verkauf - stehe. So sei die Erzählung wohl ein Witzwort von jemandem, der - Tromp in St. Martin auf Ré seine Prisen habe verkaufen sehen. - Aber auch dann bezeugt der lange Glaube an die Erzählung, daß die - Holländer nach Dungeness einige Zeit die Herrschaft im Kanal - hatten. - -Wahrscheinlich sind bei Dungeness nicht alle Holländer im Gefecht -gewesen, da die schlechteren Segler beim Beginn zu weit in Lee waren; -erwiesen ist, daß verschiedene englische Kommandanten sich absichtlich -ferngehalten haben, nicht nur solche von armierten Kauffahrern, sondern -auch solche von Kriegsschiffen und mit sonst gutem Ruf. Blake bat, -bedrückt durch die Niederlage, um Entsetzung von seinem Kommando und -forderte eine Untersuchung gegen die Pflichtvergessenen. Sein erster -Wunsch wurde nicht erfüllt, es wurde ihm im Gegenteil ein Vertrauensvotum -zuteil. Die Untersuchung[114] aber wurde sofort eingeleitet und hatte -wichtige Folgen: die Entlassung und Bestrafung mehrerer Kapitäne; die -Verordnung, daß Kauffahrteischiffer in Zukunft ihre Schiffe nicht mehr im -Gefecht führen sollten; den Neubau zahlreicher Kriegsschiffe, unter -anderen von 30 Fregatten (d. h. gut segelnden Schiffen, vgl. Seite 164). - - [114] Die Untersuchungsakten liegen nicht mehr vor, so daß der Grund - für das Verhalten der Kriegsschiffkommandanten unbekannt ist. Man - glaubt, es Einflüssen der royalistischen Partei zuschreiben zu - müssen. - -$England gibt das Mittelmeer auf.$ Die Schlacht bei Dungeness hatte auch -üble Folgen für die Engländer im Mittelmeer; dies sei, zeitlich etwas -vorgreifend, hier kurz geschildert. Zunächst war es nicht möglich, eine -Verstärkung, wie beabsichtigt, dorthin zu senden, ferner aber wurde die -Haltung des =Großherzogs von Toskana= ernster. Holland hatte ihm -Vorstellungen über den Neutralitätsbruch durch Wiedernahme des »Phönix« -gemacht, und jetzt, wo die Holländer im Norden im Vorteil waren, wollte -sich der Großherzog nicht mehr mit Entschuldigungen und Desavouierung der -Offiziere englischerseits begnügen, sondern forderte Wiederherausgabe des -Schiffes oder Verlassen des Hafens seitens des englischen Geschwaders; -die Holländer blockierten deshalb mit ihrer ganzen Macht Livorno. -=Badiley= versuchte nun verabredungsgemäß, am 14. März 1653, durch sein -Erscheinen vor dem Hafen den Feind abzulenken, um =Appleton= den Weg zu -beiderseitiger Vereinigung freizumachen. Die Holländer gingen auch -scheinbar zum Angriff auf Badiley vor, als aber =Appleton= nunmehr bei -ablandigem Winde zu früh den Hafen verließ, wandten sie sich sofort gegen -diesen und vernichteten ihn, ehe Badiley zur Unterstützung herankommen -konnte. Appletons Flaggschiff »Leopard«, das einzige Kriegsschiff, und 4 -armierte Kauffahrer wurden genommen, ein Schiff flog auf, nur einem -gelang es, Badiley zu erreichen. Wie heiß das Gefecht[115] war, kann man -daraus ersehen, daß »Leopard« von 200 Mann Besatzung 150 Tote und -Verwundete verlor. =Badiley= wurde nicht weiter verfolgt, da seine 4 -Kriegsschiffe und 2 armierten Kauffahrer an Größe allen Holländern -überlegen waren. Er ging zunächst nach Elba zurück, später nach Messina -und endlich im Mai nach England in der richtigen Erkenntnis, daß er, ohne -Unterstützung, im Mittelmeer ohne jeden Nutzen sei. Tatsächlich war seine -Rückberufungsorder auch schon unterwegs; England hatte sich genötigt -gesehen, die Mittelmeerstation vorläufig aufzugeben. - - [115] Über das Gefecht etwas genauer: Clowes, Teil II, Seite 176; - Allen, Teil I, Seite 44; »Vie de Tromp«, Seite 105. Im letzten - Angaben über die Schicksale der einzelnen Schiffe und über den - Gesamt-Mannschaftsverlust: Engländer 286 Tote, 293 Verwundete; - Holländer 123 Tote, etwa ebensoviel Verwundete. Der holländische - Admiral van Galen wurde tödlich verwundet. - -$Die Schlacht bei Portland am 28. Februar 1653.$ Wenn auch nach der -Schlacht bei Dungeness für einige Wochen der Kanal in den Händen der -Holländer war und zahlreiche holländische Schiffe dort mit Erfolg -kreuzten, so müssen doch neue Rüstungen und Maßregeln in England bald -wieder einen Umschlag herbeigeführt haben; es ist z. B. bekannt, daß -schon im Januar 1653 Genua die englische Regierung um einen Freipaß durch -den Kanal zur Überführung zweier in Holland erbauter Kriegsschiffe bat. - -Mitte Februar 1653 war eine englische Flotte von etwa 70 Schiffen -seeklar, darunter viele der neuerbauten schnellen Schiffe -(fregattenähnliche!), die sich gut bewähren sollten. Zur Bemannung der -Schiffe hatte man stark auf die Armee zurückgreifen müssen. Die Flotte -stand unter den Generalen zur See =Blake=, =Deane= und =Monck=. Blake -führte das Zentrumgeschwader (rote Flagge), Monck die Vorhut (weiße -Flagge), und =Penn= die Nachhut (blaue Flagge); Deane blieb bei Blake an -Bord. Jedes Geschwader war wieder in drei Divisionen geteilt, die unter -dem betreffenden Geschwaderchef sowie einem Vizeadmiral und einem -Kontreadmiral standen. - - =Monck= und =Deane= waren wie Blake aus der Armee hervorgegangen; Deane - fiel schon 1653 in der Schlacht bei Northforeland-Nieuport. =Monck=, - geboren 1608, zeichnete sich als Feldherr bereits unter Karl I. aus, - wurde dann aber ein besonderer Vertrauter Cromwells. Nach dessen Tode - und seines Sohnes Sturz trat er für Karl II. und Wiedereinsetzung des - Königtumes auf; der neue König erhob ihn zum =Herzog von Albemarle=. Er - führte im ersten und zweiten Kriege mehrfach den Oberbefehl zur See mit - Ruhm, doch erreichte er Blake nicht; er starb 1670. - - =William Penn=, geboren 1621, war Berufsseemann; er wurde 1644 Kapitän, - 1648 Kontreadmiral, 1650 Vizeadmiral und 1653, nach Deanes Tode, - General zur See; er zeichnete sich gerade als »Seemann« aus. Clowes - schreibt hierüber z. B.: »Es war (bei Portland) ein Glück für England, - daß Deane von seinem Rechte keinen Gebrauch machte, sondern Penn die - Führung des blauen Geschwaders überließ; so blieb wenigstens dieses in - den Händen eines Seemannes.« Penn starb 1670. Ebenso war =Lawson=, der - Vizeadmiral des roten Geschwaders, Seemann von Beruf; auch er zeichnete - sich hier, sowie später noch in den höchsten Stellungen aus. Er fiel - 1665. - -[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653. - -Erster Zusammenstoß.] - -Die nächste Aufgabe der englischen Flotte war, die holländische auf ihrer -Rückkehr von Ré abzufangen. =Tromp= war an Zahl der Schiffe, etwa 80, -wohl etwas überlegen, doch waren diese wie bisher minderwertig und durch -den Konvoi von etwa 250 Handelsfahrzeugen sehr behindert. Am 28. Februar -1653 sichteten sich die Gegner in der Mitte des Kanals auf der Höhe von -=Portland=. Tromp geht sofort zum Angriff über, da er die Engländer in -einer Lage sieht, die ihm Erfolg verspricht.[116] Die Überlieferungen -sind sehr lückenhaft, sie lassen aber doch den Verlauf ungefähr -verfolgen; besonders aber kann man erkennen, welchen Einfluß ein -selbständiges Handeln befähigter Unterführer, hier Penns und Lawsons, -hat. Es ist das erste Mal, daß derartige Fälle genauer bekannt sind. - - [116] Schilderung der Schlacht nach Clowes, Teil II, Seite 168; »Vie de - Tromp« und »Leben Ruyters« geben nur Taten holländischer Schiffe; - die wenigen Andeutungen anderer Art weichen oft von Clowes ab. - -=Tromp= kam mit frischem Westnordwestwinde den Kanal hinauf, die -englische Flotte steuerte südwestlich, wahrscheinlich in breiter -Formation mit halbem Winde. =Monck= war während der Nacht mit seinem -Geschwader einige Seemeilen nach Lee geraten, =Penn= stand zwar in Blakes -Nähe, aber auch bei diesen beiden Geschwadern waren die Divisionen -getrennt und Nachzügler zurückgeblieben, die besseren Schiffe hatten die -schlechteren ausgesegelt; bei =Blake= waren nur 10 oder 12 Schiffe in -unmittelbarer Nähe. Somit war Tromp die Gelegenheit gegeben, den Feind -auf schwachen Punkten mit Übermacht anzugreifen. Er befahl seinem Konvoi, -zu Luvard außerhalb des Feuerbereichs zu bleiben, und hielt in -Flottendwarslinie aus Geschwadergruppen (vielleicht auch eine Art -Halbmondformation) auf den Feind ab, wobei er selbst mit dem Zentrum auf -Blake zusteuerte. - -Wohl hätte =Blake= dem Angriff ausweichen und sich auf Moncks Geschwader -einheitlich zum Gefecht formieren können, aber er verschmähte dies, ging -an den Wind und nahm den Kampf an. So kamen seine wenigen Schiffe -zunächst mit Tromps ganzem Geschwader ins Gefecht, wurden gleich darauf -von =Ruyters= Geschwader seitlich angegriffen und =Evertsens= Schiffe -drohten die völlige Umschließung zu vollenden. - -Der letzteren Gefahr begegnete =Penn=. Auch er war sofort an den Wind -gegangen und kam gegen Evertsen mit den St. B. Seiten zum Gefecht, um -aber nicht von Blake getrennt zu werden und um Evertsen von diesem -abzuhalten, wendete er, segelte durch den Gegner durch und griff in -Blakes Kampf ein; Evertsen behielt seinen Kurs bei und griff Monck an. -Eine zweite Unterstützung erhielt Blake durch richtiges Manövrieren -seines Vizeadmirals =Lawson=. Dieser stand mit seiner Division etwas -zurück und wäre, wenn auch er gleich an den Wind gegangen, durch Ruyter -von Blake getrennt gewesen. Er lief deshalb zunächst weiter, bis er -imstande war, über St. B. Bug auf Tromp zuzuliegen, dann erst wendete er -und verstärkte so den Stoß Penns kurze Zeit nachher. - -Auf diesem Hauptkampfplatze wurde mit der Hartnäckigkeit, wie sie eben -die Kämpfe dieser Zeit kennzeichnet, in der Melee gefochten; furchtbares -Feuergefecht in nächster Nähe, Schiffe werden geentert und -wiedergenommen. Als immer mehr Engländer herankommen, die noch fehlenden -Divisionen und die Nachzügler des roten und blauen Geschwaders, bricht -Tromp gegen 4 Uhr nachmittags das Gefecht ab. Er fühlte sich wohl diesen -frischen Kräften nicht mehr gewachsen und fürchtete, daß sich ein Teil -gegen den Konvoi wenden würde; er sagt später in seinem Bericht, um 4^h -pm habe der Gegner eine Gruppe schneller Schiffe zu diesem Zwecke -abgesandt. Verfolgt wurde er nicht, wohl da die stärksten Schiffe der -Engländer in dem für sie so harten ersten Zusammenstoß sehr gelitten -hatten; es waren auch Blake und Bourne schwer verwundet. Bei dem weißen -Geschwader wurde der Kampf bis zur Dunkelheit fortgesetzt, scheinbar -jedoch ohne große Erfolge. - -[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653. - -Hauptmoment.] - -Die Verluste waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer verloren nach -eigenen Angaben an Schiffen: 1 genommen, 1 aufgeflogen, 3 gesunken, doch -sollen noch einige verbrannt sein; von den Engländern ist 1 gesunken, -mehrere, darunter 3-4 größere, mußten sofort nach Portsmouth zur -Ausbesserung gesandt werden. Der Mannschaftsverlust war beiderseitig auf -einzelnen Schiffen ungeheuer groß. - -Während der Nacht bessern beide Flotten aus. Aus =Tromps= Berichte kann -man entnehmen, daß er nach einem Kriegsrat beschloß, von weiteren -Angriffen abzusehen und nur seine Aufgabe, den Schutz des Konvois, zu -verfolgen. Er konnte diesen nicht entlassen, weil er fürchtete, daß die -Engländer noch weitere Streitkräfte im Osten hätten, und er war nicht -stark genug, eine Bedeckung für ihn abzuzweigen; außerdem wurde auf -vielen seiner Schiffe die Munition knapp, so daß er sogar den Befehl zu -sparsamer Verwendung geben mußte. Er segelte deshalb am 1. März weiter -und hielt sich mit der Flotte in Halbmondformation zwischen dem Konvoi -und dem Feinde, um jedem ernstlichen Nachdrängen entgegentreten zu -können. Die Engländer folgten mit der Absicht, möglichst viele Schiffe -abzufangen; sie schießen deshalb bei Zusammenstößen gegen ihren -sonstigen Brauch auf die Takelage,[117] um die Schiffe zu lähmen (vgl. -Seite 197). - - [117] »Vie de Tromp«, Seite 95. - -Am 1. März kommt es auf der =Höhe von Wight= zwischen Teilen zu einem -schweren Gefecht, in dem besonders =Ruyter= den Feind mehrfach -zurückwirft; sein Schiff wird dabei so zerschossen, daß es am Abend in -Schlepp genommen werden muß. Dagegen gelingt es =Lawson= mit einigen -»Fregatten« -- neuere gute Segler sind gemeint -- 2 Kriegsschiffe und 10 -oder 12 Handelsschiffe vom rechten Flügel abzuschneiden und zu nehmen. -Viele Schiffe des Konvois verlieren das Zutrauen auf ihren Schutz und -brechen aus, um die französische Küste zu erreichen; manche von ihnen -werden genommen. Auch am dritten Tage (2. März) greifen die Engländer -mehrfach an; die Zahl der holländischen Kriegsschiffe wird immer kleiner, -denn viele derjenigen, die die Munition verschossen hatten, suchen ihr -Heil auf eigene Faust. Am Abend dieses Tages standen die beiden Flotten -unter Land südwestlich von =Kap Grisnez=. Die Engländer ankern, da nach -Ansicht ihrer Lotsen dem Feinde während der Ebbe in der Nacht ein -Dublieren des Kaps unmöglich sein mußte; der Wind war schon am 2. März -flau und östlich geworden. Am Morgen des 3. März aber sind alle Holländer -außer Sicht, die Engländer gehen deshalb nach ihrer Küste zurück. - -Der größere =Verlust in dieser dreitägigen Aktion= war sicher auf seiten -der Holländer, die mindestens 12 Kriegsschiffe gegen nur eins der -Engländer verloren. Beide Führer schrieben sich in ihren Berichten,[118] -die unmittelbar nach den Begebenheiten und vor Eingang genauer Meldungen -abgesandt sind, den Sieg zu. =Tromp= hatte ja auch seine Aufgabe, den -Konvoi heimzubringen, gelöst, aber er hatte außer den Kriegsschiffen -wenigstens 30 seiner Schutzbefohlenen verloren. - - [118] »Vie de Tromp«, Seite 99 und 101, wörtliche Wiedergabe der - Berichte Tromps und Blakes. - - Tromp gibt den Mannschaftsverlust der Engländer auf 2000 Tote und - Verwundete gegen 600 Tote und etwas mehr Verwundete der Holländer an; - es ist dies gewiß überschätzt, vielleicht unter dem Eindruck der - Verluste der Engländer am 28. Februar an der Stelle, wo Tromp selbst - focht. Der große Verlust der Holländer an Schiffen ist damit leicht zu - erklären, daß das fechtende Material der Engländer weit besser war, - mehr und auch neuere Kriegsschiffe, und daß die Holländer sich - zurückzogen, wobei verkrüppelte und versprengte Fahrzeuge dem Verfolger - leicht in die Hände fallen mußten. - -$Neue Rüstungen.$ In beiden Ländern wurden die größten Anstrengungen -gemacht, ihre Flotten baldigst wieder schlagfertig herzustellen. -=England= verfügte noch über mehr Schiffe, als bei Portland gefochten -hatten, aber die Bemannung machte Schwierigkeit. Die Löhnung war gering -und wurde unregelmäßig gezahlt, die Folge davon war Unzufriedenheit, ja -Meuterei auf den Schiffen; viele Engländer dienten sogar in Holland, -wobei sie, wie Schotten und Iren im gleichen Falle, ihr Gewissen damit -entlasteten, daß sie für die Sache ihres rechtmäßigen Königs kämpften. -Man mußte wiederum in großem Maßstabe auf das Heer zurückgreifen; -übrigens hatten die eingeschifften Soldaten bei Portland durch ihr -Gewehrfeuer sehr gute Dienste geleistet. Auch in =Holland= machte die -Bemannung zunächst Schwierigkeit, die aber bald durch Lohnerhöhung -gehoben wurde; man hatte ferner die Walfischfahrt nach Grönland verboten, -um mehr Leute für die Flotte zu erhalten und auch um die Grönlandsfahrer -dem Angriff der Engländer zu entziehen. Im Schiffsmaterial blieb Holland -weiter im Nachteil. Auf die beständigen Klagen der Admirale hin hatte man -zwar eine große Zahl wirklicher Kriegsschiffe auf Stapel gelegt, diese -Schiffe waren aber noch nicht fertig. Die Admirale klagten sogar darüber, -daß die Ausbesserung der in den Schlachten beschädigten Schiffe -vernachlässigt[119] würde. - - [119] Nach »Vie de Tromp« war der Bau von 30 Schiffen, nach »Leben - Ruyters« Seite 40, sogar der von 60, in zwei Raten, angeordnet; - sie werden dort »Fregatten« genannt (vgl. Seite 164.) - -Da eigentlich in beiden Ländern in einem großen Teil der Bevölkerung -Neigung zum Frieden war, knüpfte Holland neue Verhandlungen an, auf deren -Erfolg man namentlich rechnete, als Cromwell im April 1653 das »lange -Parlament« aufgelöst und sich der Alleinherrschaft bemächtigt hatte, aber -sie zerschlugen sich, weil Cromwell von seinen 1651 aufgestellten -Forderungen nicht abging. Bald wurden nun die Feindseligkeiten wieder -aufgenommen. =Tromp= erhielt den Befehl, Mitte Mai einen Konvoi von 200 -Schiffen, von den verschiedenen Häfen Hollands nach Frankreich und -Spanien bestimmt, bis zum Norden Schottlands zu geleiten und in den -dortigen Gewässern angesammelte Fahrzeuge heimzubringen. Die englische -Flotte unter =Monck= und =Deane=[120] hatte Kenntnis davon erhalten und -ging zur holländischen Küste, um womöglich schon das Sammeln der -Handelsschiffe und ihre Vereinigung mit der Flotte, sonst aber den Marsch -des Feindes zum Angriff zu benutzen. - - [120] Blake war zur Zeit der Parlamentsauflösung an der Ostküste - Englands stationiert, wie man sagt, da Cromwell seiner Zustimmung - zu erwähntem Staatsstreiche nicht sicher war. Yonge, Teil I, - Seite 72. - -Zur Störung des Sammelns kam man zu spät, auch zu einem Zusammenstoße kam -es nicht, da man sich nicht sichtete, obgleich die Flotten am 15. Mai nur -wenige Meilen voneinander entfernt waren. =Tromp= führte den Konvoi -wohlbehalten nach Norden; wenn er auch den Rückkonvoi verfehlte, so kam -er doch mit der Flotte und ebenso der Konvoi Ende Mai ungehindert nach -Holland zurück. Die englische Flotte hatte nach seiner Abfahrt die -holländische Küstenschiffahrt und Fischerei gestört, einen erfolglosen -Versuch gemacht, Schiffe in dem Vlie zu nehmen und die ganze feindliche -Küste alarmiert. - -Nach der Rückkehr, Ende Mai, erfuhr =Tromp=, daß in den Downs ein -kleines englisches Geschwader läge -- es war =Badiley= mit dem -Mittelmeergeschwader und einem kleinen Konvoi von 18 Schiffen, kurz -vorher aus dem Mittelmeer eingetroffen -- und ging mit der ganzen Flotte -hinüber, mit der Absicht, den Feind von beiden Seiten anzugreifen und zu -erdrücken. Aber Badiley war gewarnt und in die Themse eingelaufen. Die -zuerst ankommenden holländischen Geschwader unter =Ruyter= konnten nur -noch einige der Kauffahrer, die nahe am Lande bei Dover und Deal lagen, -unter heftigem Feuer der dortigen Befestigungen erbeuten (4. Juni). -Inzwischen war auch =Monck= in See gewesen, um Tromp zu suchen. Als -dieser erfuhr, daß die englische Flotte am 3. und 4. Juni bei Nieuport an -der flandrischen Küste, und am 8. Juni vor Walcheren gesehen und nach -Norden gesegelt sei, folgte er. Am 11. Juni lag die englische Flotte auf -der Rhede von Yarmouth, die holländische etwa 12 Seemeilen nordöstlich -von Northforeland; beide hatten Kenntnis voneinander und beabsichtigten -den Kampf, Tromp wollte sich zwischen den Feind und die Themsemündung -schieben. Monck ging noch an demselben Tage Anker auf und ankerte wieder -außerhalb des Gabart-Sandes etwa 15 Seemeilen südöstlich von Orfordness. -Zum ersten Male standen sich jetzt fast die vollen Streitkräfte der -beiden Staaten gegenüber, die Holländer dieses Mal nicht, wie bisher in -allen großen Schlachten, durch einen Konvoi behindert. Es schien die den -Krieg entscheidende Schlacht bevorzustehen. - - $Die englische Flotte bei Northforeland am 12. Juni 1653.$ - - I. =(rotes) Geschwader: Die Generale Monck und Deane - (Admirale der Flotte).= - - +================================+ - | I. Division: Die Generale | - | | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»Resolution«)| 88 | 550 | - |1 | 50 | 220 | - |4 | 40-42 |160-180| - |1 | 38 | 140 | - |1 | 26 | 100 | - |1 | 14 | 90 | - |3 Brander | 10 | 30 | - |4 arm. Kauff. | 36-44 |140-180| - +---------------| | | - |16 Segel | | | - +================================+ - | II. Division: Peacock | - | (Vizeadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1 (»Triumph«) | 62 | 350 | - |4 | 40-48 |160-200| - |4 | 33-37 |120-150| - |3 arm. Kauff. | 34-44 |120-180| - |---------------| | | - |12 Segel | | | - +================================+ - | III. Division: Howett | - | (Kontreadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»Speaker«) | 56 | 300 | - |1 | 46 | 180 | - |3 | 40-50 |170-180| - |3 | 30-38 |120-160| - |1 | 26 | 100 | - |2 arm. Kauff. | 30-34 |110-120| - |---------------| | | - |11 Segel | | | - +===============+========+=======+ - - II. =(weißes) Geschwader: Admiral Penn (Vizeadmiral der Flotte).= - - +================================+ - | I. Division: Penn (Admiral) | - | | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»James«) | 88 | 550 | - |1 | 50 | 220 | - |3 | 40-42 | 180 | - |2 | 32-38 |100-170| - |1 | 12 | 90 | - |1 Brander | 10 | 30 | - |5 arm. Kauff. | 30-46 |100-180| - +---------------| | | - |14 Segel | | | - +===============+========+=======+ - | II. Division: Lane | - | (Vizeadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1 (»Victory«) | 60 | 300 | - |1 | 42 | 200 | - |5 | 30-38 |110-140| - |3 arm. Kauff. | 28-34 |100-125| - |---------------| | | - |10 Segel | | | - +================================+ - | III. Division: Graves | - | (Kontreadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»Andrew«) | 56 | 360 | - |1 | 40 | 160 | - |4 | 30-38 |120-170| - |2 | 24-26 | 90-100| - |1 arm. Kauff. | 30 | 100 | - |---------------| | | - |9 Segel | | | - +===============+========+=======+ - - =III. (blaues) Geschwader: Admiral Lawson (Kontreadmiral der Flotte).= - - +================================+ - | I. Division: Lawson (Admiral) | - | | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»George«) | 58 | 350 | - |1 | 50 | 180 | - |3 | 40 |170-200| - |2 | 30-38 |120-150| - |1 Brander | 10 | 30 | - |4 arm. Kauff. | 30-38 |100-160| - +---------------| | | - |12 Segel | | | - +===============+========+=======+ - | II. Division: Jordan | - | (Vizeadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1 (»Vanguard«) | 56 | 390 | - |1 | 43 | 200 | - |5 | 30-38 |120-160| - |1 | 30 | 100 | - |3 arm. Kauff. | 30-36 |110-140| - |---------------| | | - |11 Segel | | | - +================================+ - | III. Division: Goodsonn | - | (Kontreadmiral) | - +---------------+----------------+ - | Anzahl | mit | - | der Schiffe | Kanonen| Mann | - | | pro Schiff | - +===============+========+=======+ - |1(»Rainbow««) | 58 | 300 | - |1 | 44 | 210 | - |4 | 30-36 |120-150| - |1 | 12 | 40 | - |4 arm. Kauff. | 30-36 |110-120| - |---------------| | | - |11 Segel | | | - +===============+========+=======+ - - $Insgesamt$: 105 Segel; darunter 5 Brander und 29 armierte Kauffahrer - (englisch genannt: hired merchantmen) mit 16459 Mann und 3840 - Geschützen. - - $Die Tabelle$ ist ein Auszug der im Clowes, Teil II, Seite 187, - gegebenen, in der die Schiffe einzeln mit Namen, Namen der - Kommandanten, Stärke der Armierung und Besatzung aufgeführt sind. - - Clowes hebt hervor, daß die Schiffe »sogar für die damalige Richtung in - der englischen Marine außergewöhnlich« überarmiert gewesen seien. - - In der Tabelle ist das »rote« Geschwader als »Erstes« vorangestellt, - während es doch wahrscheinlich »die Mitte« der Flottenformation bildete - (vgl. Seite 215); ebenso sind die Divisionen, die von den - Geschwaderchefs geführt wurden, als »Erste« bezeichnet, obgleich sie - doch in der Mitte ihrer Geschwader segelten. Wenigstens war es in - beiden Fällen später stets so. - - Aus dieser Einteilung einer großen Flotte und aus der Verteilung der - Flaggoffiziere ihrem Alter nach kann man die $englischen - Admiralschargen der verschiedenen Flaggen$ herleiten. Wir haben die - »Funktionen«: Admiral, Vizeadmiral und Kontreadmiral »der Flotte« - (Mitte; Vorhut; Nachhut) und dann dieselben in jedem Geschwader. Daher - kommen die Admirale der roten, weißen und blauen Flagge als Chefs der - Geschwader und die Vize- sowie Kontreadmirale der verschiedenen Flaggen - als Chefs der entsprechenden Divisionen. Hierbei ist an die - Gesamtflotte Englands oder doch an eine ungeheuer große Flotte, wie z. - B. bei Northforeland, gedacht. Da die Flotten später kleiner wurden und - kaum je nur eine aufgestellt wurde, entsprachen in der Praxis durchaus - nicht immer die Chargen der zu einer Flotte kommandierten - Flaggoffiziere ihren Funktionen in dieser. - -Die vorstehende Tabelle gibt die $Zusammensetzung der englischen Flotte$. -Sie ist so eingehend gehalten, da sie gleichzeitig die Zusammensetzung -und Einteilung einer der ungeheuer starken Flotten damaliger Zeit -veranschaulichen soll. Die englische Marine teilte jetzt schon fast stets -die Flotten in 3 Geschwader und 9 Divisionen (vgl. Seite 187), während -die Holländer noch bis 1666, in welchem Jahre Ruyter den Oberbefehl -übernahm, häufig mehr Geschwader bildeten (vgl. Seite 147, Tromp). - -$Die holländische Flotte$ bestand am 12. Juni, nach Tromps Bericht, aus -98 Schiffen und 6 Brandern. Sie war in 5 Geschwader unter Tromp, de -Ruyter, de Witt, Jan Evertsen und Floriszoon geteilt; jedes Geschwader -zerfiel in 3 Divisionen.[121] Wir müssen uns wieder vergegenwärtigen, daß -die holländischen Schiffe kleiner, schwächer armiert und bemannt waren -und daß sich weit mehr eingestellte Kauffahrer in der Flotte befanden. - - [121] Genauer »Vie de Tromp«, Seite 118. - -Die englische Flotte stellt nahezu den ganzen Schiffsbestand ihrer Marine -dar. Holland hätte wohl mehr aufstellen können, wenn die Neubauten, -besonders aber auch die Ausrüstungen und Ausbesserung der vorhandenen -Kräfte eifriger betrieben wären. Die Admirale hatten aus Mißmut über die -geringe Berücksichtigung ihrer ständigen Klagen nur ungern ihr Kommando -angetreten. - -$Die Schlacht[122] bei Northforeland-Nieuport, 12. und 13. Juni 1653.$ Am -12. Juni mit Tagesanbruch lichten beide Flotten bei leichtem Nordostwinde -Anker; die Engländer halten mit achterlichem Winde auf den Feind zu, die -Holländer erwarten sie über St. B. Bug hart am Winde liegend, wohl mit -dem Bestreben, womöglich gleich die Luvstellung zu gewinnen. =Monck= -scheint zuerst die Absicht gehabt zu haben, in breiter Halbmondformation -anzugreifen, er hatte dazu seine Geschwader auseinandergezogen; als er -aber den Feind eng geschlossen sah, zog auch er seine Kräfte wieder -zusammen, was vielleicht bei dem flauen Winde zunächst nicht ganz -gelungen ist. - - [122] Diese zweitägige Schlacht ist sehr verschieden benannt: - Lowestoft; Nieuport; Dünkirchen. Nach dem Ort, an welchem sie - begann, scheint mir die Bezeichnung nach Clowes: »Northforeland« - die beste; für den zweiten Tag kann man dann wohl »Nieuport« - annehmen. - -Von dem Versuch, eine Schilderung des Verlaufes der Schlacht zu geben, -muß abgesehen werden, da die Überlieferungen sehr lückenhaft und voll von -unverständlichen und unlöslichen Widersprüchen sind. Es ist dies sehr zu -bedauern, da anderseits in den Überlieferungen hervorgehoben wird, daß in -dieser Schlacht auf beiden Seiten verschiedentlich dahin gestrebt sei, -durch taktische Bewegungen Vorteile zu erringen; sie wird deshalb ein -Markstein[123] in der Geschichte der Seetaktik genannt. So soll mehrfach -um die Luvstellung manövriert sein. Hierin scheint zuerst die -holländische Flotte Erfolg gehabt zu haben, wenigstens Ruyters Geschwader -Lawson gegenüber. Dieser Vorteil geht aber infolge »Verwirrung« in der -holländischen Flotte wieder verloren, und die ganze englische Flotte -gewinnt die Luvstellung. Es wird ferner erwähnt, daß =Lawson= zum ersten -Male mit einigen »Fregatten«, also gut segelnden Fahrzeugen, das -Durchbrechen der feindlichen Linie, dieses im folgenden Jahrhundert so -wichtige taktische Manöver, mit Erfolg ausgeführt habe. Es wird endlich -und vor allem hervorgehoben, daß englischerseits länger als in früheren -Aktionen die Ordnung aufrecht erhalten und zum Nahkampf (Melee) erst -übergegangen wäre, als der Feind in »Verwirrung« geraten sei. Dies ist -wohl so zu verstehen, daß die Engländer, sobald sie die Luvstellung -hatten, in Kiellinie aus den Schiffsgruppen gebildet, solange ein -Feuergefecht führten, bis der Gegner infolge ihrer stärkeren und besser -bedienten Artillerie genügend erschüttert war; der flaue Wind an diesem -Tage begünstigte die volle Ausnützung der Überarmierung. Aber es ist, wie -gesagt, nicht möglich, die einzelnen Abschnitte des Gefechtes -festzulegen. Bei dem ersten Zusammenstoß Ruyters und Lawsons etwa um 11 -Uhr werden zwar beide unterstützt durch Tromp und Monck, doch scheinen -sonst die anderen Geschwader infolge des flauen Windes nicht voll mit -eingegriffen zu haben; später, als die Engländer die Luvstellung hatten, -entbrannte der Kampf auf der ganzen Linie, und es wurde hartnäckig -gefochten. Ein Beispiel möge dies veranschaulichen: Tromp entert Penn, -wird aber zurückgeschlagen und selbst geentert; da klart er sein Schiff -durch Aufsprengen des Oberdecks von den Feinden.[124] Erst die Dunkelheit -trennt die Gegner; beide bessern während der Nacht notdürftig die Schiffe -aus. Zur englischen Flotte stieß in der Nacht Blake mit 18 Schiffen. - - [123] Nach Yonge, Teil I, Seite 73, schon in früheren Zeiten in der - englischen Marine so bezeichnet. - - [124] Nach »Vie de Tromp«, Seite 123 und Allen, Seite 95, trug sich - dies erst am 13. zu. - -Am 13. Juni steuert =Tromp= der holländischen Küste zu, da in seiner -Flotte, besonders in den Geschwadern Ruyters und de Witts, die Munition -knapp geworden war. Wenn einzelne Quellen sagen, ein Kriegsrat früh -morgens habe beschlossen, noch eine Schlacht zu schlagen, so ist dies -wohl nur dahin zu verstehen, daß Tromp beabsichtigte,[125] wenn nötig und -unter günstigen Umständen, noch einmal kräftig vorzustoßen, um sich dann -in einem Rückzugsgefechte möglichst unbelästigt zwischen die Untiefen -unter Land zurückziehen und dort Munition auffüllen zu können. Der Wind -war südwestlich geworden. Die Engländer trachteten, möglichst Luv zu -gewinnen, um sich dann zwischen den Feind und die Küste schieben zu -können; schon um 8 Uhr beginnt teilweise ein Feuergefecht auf weitere -Entfernungen. Gegen Mittag war Tromp fast imstande, sich hinter die der -Küste zwischen Ostende und Sluys vorgelagerten Sände (die =Wielings=) -zurückzuziehen, da wurde es ganz flau. Er liegt hilflos in Lee des -Feindes und es gelingt ihm eben noch, seine zerstreuten Schiffe in -leidlicher Ordnung zu sammeln, ehe er angegriffen wird. Wieder eröffnen -die Engländer in guter Ordnung ein wirksames Feuergefecht und gehen dann -mit auffrischendem Winde zum Nahkampf über. - - [125] »Vie de Tromp«, Seite 128, Tromps Bericht. - -Sie haben vollen Erfolg, bei den Holländern ist die größte -Verwirrung[126] und teilweise Panik eingerissen. Die Schiffe sind unklar -voneinander gekommen, Führer von Brandern versenken oder verbrennen ihre -eigenen Fahrzeuge und retten sich in Booten; viele holländische Schiffe -fliehen, obgleich Tromp auf sie feuert. Die Engländer würden vielleicht -den größten Teil der Flotte vernichtet haben, wenn sie nicht wegen der -anbrechenden Dunkelheit und wegen der Nähe der Sände, besonders mit -Rücksicht auf ihre großen Schiffe, gezwungen gewesen wären, den Kampf -abzubrechen und zu ankern. So gelingt es der holländischen Flotte am -nächsten Morgen mit Tagesgrauen, sich zwischen den Untiefen zu bergen und -dann die Häfen zu erreichen. - - [126] Auch Tromp nennt in seinem Bericht die Verwirrung eine Folge der - »Unwissenheit und Unerfahrenheit vieler Kommandanten«. - -=Verluste=: Die Engländer haben in den zwei Tagen 11 Schiffe mit 1350 -Gefangenen genommen, 6 versenkt, 2 verbrannt; sie selbst haben kein -Schiff verloren, auch nur wenige müssen zur Ausbesserung in die Heimat -gesandt werden. Ihr Mannschaftsverlust war nicht unbedeutend: 120 Tote, -darunter =Deane=, der am ersten Tage durch eine Kettenkugel (in dieser -Schlacht zum ersten Male von den Holländern mit besonderem Erfolg gegen -die Takelage verwendet) getötet wurde, und 236 Verwundete. Der -Menschenverlust auf holländischer Seite ist nicht bekannt. - -Die Niederlage der Holländer war zwar nicht so, daß der Krieg dadurch -entschieden würde, aber die =Nachwirkung der Schlacht= war doch -bedeutend. Die englische Flotte blieb bei der günstigen Jahreszeit an der -holländischen Küste und hielt diese unter strenger Blockade; sie wurde -zum ersten Male an einer feindlichen Küste neu ausgerüstet und mit -Munition und Vorräten versehen. =De Witt=, der erneute Klagen Tromps und -seiner Admirale der Regierung überbrachte, erklärte in der Versammlung -der Generalstaaten nachdrücklich, »=die Engländer seien -jetzt unbestritten die Herren der See=«. Wieder angeknüpfte -Friedensunterhandlungen kamen nicht vorwärts, da Cromwell nach diesem -Erfolge seine Bedingungen noch verschärfte. - - Die Klagen der Admirale gipfelten zunächst wieder in der - Unzulänglichkeit der Schiffe: die Engländer hätten 50 Schiffe, die dem - besten der ihrigen überlegen seien, in ihrer Flotte dagegen fänden sich - an 30 völlig unbrauchbare, deshalb seien schwerere Schiffe, besser - armiert und bemannt, nötig. Ferner wurden bessere Löhnungsverhältnisse, - Mitgabe von Munitions- und Proviant-Fahrzeugen verlangt (»Leben - Ruyters«, Seite 43). - - Wenn unter den früheren Verhandlungspunkten sich nur die Forderung - einer »more intimate alliance« zwischen den beiden Staaten fand, so - wurde jetzt eine »complete coalition« verlangt; »eine völlige - Vereinigung unter einer Regierung«, aber mit einem solchen Übergewicht - auf englischer Seite, daß Holland aufgehört haben würde, ein - selbständiger Staat zu sein (Clowes, Teil II, Seite 193). - -$Gefecht bei Kattwijk und Schlacht bei Scheveningen, 8. und 10. August -1653.$ Der geschilderte Zustand war für Holland unerträglich. Der Handel -und die für den Nationalwohlstand fast ebenso wichtige Heringsfischerei -waren jetzt völlig lahmgelegt. Die Engländer brachten viele sehr reiche -Prisen auf; man mußte sogar auf feindliche Expeditionen in die inneren -Gewässer und auf Landungen gefaßt sein und sah sich genötigt, Truppen an -die Küste und auf die Inseln bei der Texelmündung zu werfen. Außerdem -gärte es in verschiedenen Orten an der Küste, ein großer Teil der -Bevölkerung schob die Schuld des unglücklichen Krieges der Regierung zu -und verlangte wieder einen Statthalter.[127] Die Regierung arbeitete -deshalb mit äußerster Anstrengung an der Wiederbereitstellung der Flotte, -um den Feind von der Küste zu vertreiben; auch wurden Verfügungen[128] -erlassen, die besondere Belohnungen für kriegerische Leistungen und hohe -Entschädigungen für schwere Verwundungen versprachen. - - [127] »Vie de Tromp«, Seite 133; »Leben Ruyters«, Seite 44, geben - Näheres. - - [128] Diese Verfügungen ebendort, Seite 136 bezw. Seite 44. - -Die Aufstellung der neuen Flotte erfolgte unter =Tromp= in der Maas und -unter =de Witt= in der Texelmündung; die nächste Aufgabe der beiden -Führer war, sich zu vereinigen. Am 3. August ging =Tromp= mit 80-90 -Schiffen und 5 Brandern in See, er hielt sich mehrere Tage vor der -Maasmündung und segelte dann an der Küste entlang, die Engländer zu -suchen. Diese hatten, vor Texel liegend, am 5. August bemerkt, daß =de -Witt= seine Kräfte, 27 Schiffe nebst 4 Brandern, bei Helder dicht an der -Mündung zusammengezogen hatte, um jede günstige Gelegenheit (z. B. Nebel) -zum Auslaufen benutzen zu können. =Moncks=[129] Kriegsrat beschloß -deshalb am 7. August, mit der ganzen Flotte Tromp entgegenzusegeln und -seine Vereinigung mit de Witt zu hindern. Man ging am Abend Anker auf und -sichtete am 8. August vormittags Tromps Flotte auf der Höhe von Egmond, -etwa 20 Seemeilen südlich von Texel. Die englische Flotte war durch -Nachschub an Stelle der ausbesserungsbedürftigen Schiffe etwa gerade so -stark wie bei Northforeland, also rund 100 Segel, nach Tromps Bericht vom -8.: 90 größere, 26 kleinere Fahrzeuge. - - [129] Monck führte jetzt allein den Oberbefehl, da Deane gefallen, - Blake schwer erkrankt nach England gesandt, ein neuer General zur - See noch nicht ernannt war; im Dezember 1653 erfolgte Penns - Ernennung nebst der eines dritten, der jedoch nie zur See diente. - (Clowes, Teil II, Seite 192.) - -Tromp steuerte nördlich bei Westsüdwestwind, er würde also die -Luvstellung gehabt haben; zunächst lief er auch noch etwas weiter, als -aber der Wind nach Nordwesten drehte, wendete er und steuerte an der -Küste entlang südlich, denn seine Absicht war, den Feind von der -Texelmündung abzuziehen, um de Witts Auslaufen zu erleichtern, und -deshalb vorläufig ein Gefecht zu vermeiden. Die Engländer folgten scharf -und griffen um 5 Uhr mit ihren schnellsten Schiffen (den neuen Fregatten) -die letzten holländischen, schlechte Segler,[130] =auf der Höhe von -Kattwijk= an. Von englischer Seite kamen nach und nach an 30 Schiffe -heran, die Holländer unterstützten ihrerseits die angegriffenen Kameraden -nach Kräften. So nahm das Gefecht weit größere Ausdehnung an, als Tromp -beabsichtigt hatte; alle Flaggschiffe waren beteiligt und erlitten -schwere Verluste. Wie gewöhnlich trennte erst die Dunkelheit die Gegner. -Es war =Tromp= nicht gelungen, ein Gefecht ganz zu vermeiden und seine -Flotte unversehrt zu erhalten, doch war es nicht zu einer entscheidenden -Schlacht gekommen, und =de Witt= war entsetzt; dieser war in der letzten -Nacht in See gegangen, nachdem er das Fahrwasser durch Boote mit Laternen -und Fackeln ausgebojt hatte. - - [130] »Vie de Tromp«, Seite 139; Tromps Bericht; »Leben Ruyters«, Seite - 45. - -Am 9. August wehte es hart aus Nordwesten, beide Flotten hatten genug zu -tun, sich von der Leeküste freizuhalten. So kam es zu keinem ernsten -Schlage; ein großer Vorteil für die Holländer, da de Witt Zeit gewann, -heranzukommen. Tromp näherte sich zwar morgens mit einigen Schiffen und -wechselte Schüsse, er ging aber wieder auf seine Flotte zurück, als der -Feind Miene machte, das Gefecht ernstlich aufzunehmen. Um 5 Uhr -nachmittags stieß de Witt zu ihm. Die Gegner blieben die Nacht über in -größter Nähe. Am 10. August hatte der Wind abgeflaut und war nach Süd -gegangen. Die Flotten lagen bei =Scheveningen=, beide gingen um 7 Uhr zum -Angriff vor; =die Schlacht= wurde gleich allgemein und sollte =die letzte -und blutigste= des ersten Krieges werden. - - Leider sind auch über diese Schlacht die Schilderungen - widersprechend[131] und nicht in Einklang zu bringen. Es ist dies - wiederum zu bedauern, weil man aus den Andeutungen schließen kann, daß - auf beiden Seiten eine gut rangierte Formation eingenommen war, daß - diese englischerseits gut aufrecht erhalten wurde, und daß auch - mehrfach wohldurchdachte taktische Manöver ausgeführt sind. Es sei über - den Verlauf nachstehendes als wahrscheinlich erwähnt. - - [131] Vgl. Clowes, Teil II, Seite 195; Allen, Teil I, Seite 48; »Vie de - Tromp«, Seite 140. - -Beide Gegner waren in Flottenkiellinie aus Schiffsgruppen formiert, auf -holländischer Seite führte =Tromp= an der Spitze. Vor dem Zusammenstoß -gelingt es ihm mit den meisten Schiffen, nur einige Nachzügler -abgerechnet, die Luvstellung zu gewinnen. Er hält jedoch diese Stellung -nicht durch, sondern bricht in die feindliche Linie ein. Es war aber -nicht das Durchbrechen, um einen Teil des Feindes abzuschneiden, sondern -nach altem Brauch ein Einbrechen, Zurücksegeln und Wiedereinbrechen. Die -holländischen Quellen der Zeit heben ausdrücklich hervor, daß viele -Schiffe »3 bis 4 mal wie bei den Ruderschiffen« die feindliche Linie -durchbrochen hätten. Sein Flaggschiff »Brederode« wird dabei schlecht -unterstützt und leidet schwer unter konzentriertem Feuer. Als sich der -dichte Pulverdampf einen Augenblick lichtet, weht an Bord die Flagge für -Kriegsrat. Die holländischen Flaggoffiziere, die in der Nähe sind, eilen -an Bord und finden =Tromp= durch eine Musketenkugel =getötet=. Es wird -beschlossen, seine Flagge wehen zu lassen, um die Holländer nicht zu -entmutigen, die Engländer dagegen anzuspornen. =Jan Evertsen= übernimmt -den Oberbefehl. - -Der Kampf wird mit äußerster Erbitterung fortgesetzt. Bis gegen 1 Uhr -mittags stehen die Chancen gleich; die Holländer sind mit den meisten -Schiffen immer noch zu Luward und verwenden von hier aus ihre Brander mit -Geschick und Erfolg besonders gegen die feindlichen Flaggschiffe. 2 -englische Schiffe werden verbrannt, 2 Admiralschiffe leiden schwer durch -Feuer; Admiral Graves verbrennt, Peacock stirbt später an den -Brandwunden. Aber auch die Holländer haben starke Verluste, Ruyters und -Evertsens Schiffe müssen entmastet nach der Maasmündung geschleppt -werden. Gegen 1 Uhr gewinnen die Engländer, scheinbar noch wohl geordnet, -die Luvstellung, die holländischen Nachzügler in Lee kommen dadurch noch -weiter ab und halten sich dann absichtlich fern. Die Hauptmacht, jetzt -unter =de Witts= Oberbefehl, versucht wieder nach Luward zu gelangen; da -dies nicht gelingt, hält es de Witt für richtiger, nur hinhaltend zu -fechten, um die Schlacht abzubrechen; bald aber kann er nur noch mit -einigen dreißig wacker fechtenden Schiffen die Flucht der anderen -decken. Er feuert auf die Fliehenden und ruft aus: »Hätte man die -Kommandanten gehängt, als sie es früher getan, so könnten sie es jetzt -nicht wieder tun!« Mit Munitionsmangel konnte sich dieses Mal niemand -entschuldigen, auf Drängen der Admirale waren der Flotte Munitionsschiffe -mitgegeben worden. Um 8 Uhr abends wird die Flucht allgemein; die Schiffe -setzen Untersegel und was sie sonst tragen können und steuern der -Texelmündung zu. Die Engländer verfolgen bei hellem Mondschein bis -Mitternacht aber doch nur lau, auch sie müssen zunächst ihre schwer -beschädigten Schiffe von der Küste freisegeln. Am 11. August melden die -englischen Aufklärungsschiffe das Einlaufen des Feindes in den Texel, und -=Monck= führt seine Flotte nach Yarmouth, da sie nicht imstande ist, -länger die See zu halten. - -=Die Verluste= waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer haben nach -eigenen (de Witts) Angaben 14 Schiffe verloren (wahrscheinlich sind darin -5 eingerechnet, die nur sehr schwer havariert waren), 500 Tote, 700 -Verwundete, 700 Gefangene; die englischen Angaben über den Verlust des -Gegners gehen sogar bis zu 26 Schiffen, 4000 Toten und Verwundeten (8 -Kommandanten) und 1300 Gefangenen (1 Admiral und 4 Kommandanten). - -Die Engländer verloren nach den eigenen Angaben wenigstens 250 (nach -»Penn«) oder 400 Tote (2 Admirale, 5 Kommandanten), 700 Verwundete und 2 -Schiffe; holländischerseits werden als englischer Verlust 8-11 Schiffe, -worin wohl auch die halbverbrannten oder sonst schwerbeschädigten -eingerechnet sind, und bis zu 3000 Tote und Verwundete angegeben. Aber -kein holländisches Schiff war genommen und auch die englische Flotte war -genötigt, die Häfen aufzusuchen. - - Wie schwer die Verluste der holländischen Schiffe waren, die wacker - durchgehalten hatten, zeigt Ruyters Flaggschiff: 43 Tote, 53 Verwundete - von 150 Mann Besatzung; Groß- und Fockmast über Bord. - - Die holländischen Gefangenen waren sämtlich von den sinkenden Schiffen - aufgefischt. Es ist behauptet, Monck habe befohlen, keine Prisen zu - machen und keinen Pardon zu geben. Dies ist nicht erwiesen; - wahrscheinlich ist, daß er erklärt hat, es sei richtiger, die - feindliche Flotte zu vernichten, als durch Besetzen von Schiffen Kraft - und Ordnung der eigenen Flotte zu gefährden.[132] - - [132] Clowes, Teil II, Seite 196. - -$Die Folgen der Schlacht bei Scheveningen und der Friedensschluß.$ Bis zu -einem gewissen Grade war die Schlacht trotz der Niederlage ein -strategischer Erfolg der Holländer. Die englische Flotte war nicht -imstande, die Blockade weiter durchzuführen; sie hat sie auch im weiteren -Verlaufe des Krieges nicht wieder ernstlich aufgenommen. Schon im -September geleitete =de Witt= mit 40 weniger beschädigten Schiffen einen -starken Konvoi durch die Nordsee, übernahm bei Skagen von dänischen -Kriegsschiffen eine große Zahl Ostseefahrer und holte dann heimkehrende -Atlantikfahrer ab, die sich in den norwegischen Häfen angesammelt hatten. -Seine Flotte war nach und nach bis an 70 Schiffe verstärkt; mit ihr -brachte er im Anfang November den bis gegen 400 Fahrzeuge angewachsenen -Heimkonvoi unbelästigt nach Holland zurück, obgleich die Engländer ihre -wieder instandgesetzte Flotte, allerdings nur 40-50 Segel stark, an der -holländischen Küste zeigten. Aber doch war die den Krieg entscheidende -Schlacht geschlagen; es war den Holländern nicht mehr möglich, sich noch -einmal zum Widerstande in großem Maßstabe aufzuraffen; um so weniger, als -de Witts Flotte bald nach seiner Rückkehr durch einen dreitägigen Sturm, -vor der Texelmündung liegend, fast zur Hälfte kampfunfähig gemacht wurde. -Derselbe Sturm nötigte auch die Engländer, in die Häfen zu gehen; es -wurde dann ein großer Teil ihrer Schiffe für den Winter aufgelegt. - - Da England die Blockade aufgeben mußte, sah die Regierung in Holland - die Schlacht bei Scheveningen nicht als Niederlage[133] an und wollte - durch die Entsendung de Witts sowie dadurch, daß man die Flotte noch im - November draußen ließ, der ganzen Welt zeigen, daß Holland nicht - unterlegen sei; auch wurde Tromp als Nationalheld mit großen Ehren - begraben. Das Abweichen von dem alten Brauch, die Flotte im Spätherbst - in die Häfen zu nehmen, wurde anderseits von der Volksmeinung der - Regierung zum Vorwurf gemacht.[134] - - [133] »Vie de Tromp«, Seite 147; ebendort das Begräbnis Tromps. - - [134] »Leben Ruyters«, Seite 52. - -Im Winter 1653-54 begannen neue Friedensunterhandlungen und beide Gegner -beschränkten sich bis zum Friedensschluß auf den kleinen Krieg: Entsenden -von Kreuzern gegen die feindlichen Handelsschiffe und Kreuzer. Die -holländische Regierung mußte unter allen Umständen Frieden schließen, -auch aus Gründen der inneren Politik. Die aufrührerischen Bewegungen -mehrten sich, das Verlangen nach einem Statthalter trat schärfer hervor. -Die Folgen des Krieges lasteten zu schwer auf dem Lande und der Handel -lag hoffnungslos danieder. In dem kleinen Kriege jetzt mußte Holland -weiter im Nachteil bleiben, denn sein Handel war der größere und führte -überall durch englische Gewässer. - - Der Krieg hat neben den unmittelbaren Kosten für die Rüstungen dem - Lande ungeheuere Verluste gebracht. Man nimmt an, daß die Engländer im - Laufe der zwei Kriegsjahre 1700 Prisen im Werte von 6 Millionen Lstrl. - aufgebracht haben, während sie kaum den vierten Teil verloren. Nur in - den außerheimischen Gewässern war der englische Handel der - gefährdetere. Wir sahen, daß England das Mittelmeer aufgab, ebensowenig - hatte seine Kraft hingereicht, den Handel in Ostindien zu schützen und - die Navigationsakte in den amerikanischen Kolonien durchzuführen. - -Auch =Cromwell= war jetzt dem Frieden geneigter. Seine neue Stellung als -Alleinherrscher wurde durch einen ruhmreichen Abschluß des blutigen -Krieges befestigt; es lag ihm ferner jetzt daran, sich mit Holland, das -bisher Sympathie für die Stuarts gezeigt, gut zu stellen -- der -Friedensschluß war somit ein schwerer Schlag für die Royalisten. Er ließ -sehr in seinen Forderungen nach und sah ab von den Bedingungen, freien -Handel in der Schelde zu geben;[135] die Kriegsflotte zu vermindern; die -Fischereiabgabe aufs neue zu zahlen und dem beanspruchten Rechte, die -holländischen Schiffe in englischen Gewässern auf ihre Ladung zu -untersuchen. Vor allem wurde der Gedanke, beide Republiken zu vereinigen, -fallen gelassen. - - [135] Das Abschließen des spanischen Antwerpens von der Schiffahrt -- - die Sperrung der Schelde -- war eine wichtige Errungenschaft - Hollands im Westfälischen Frieden gewesen. - -Am 15. April 1654 wurde der $Frieden von Westminster$ geschlossen. Hart -waren die Bedingungen immer noch; von den 32 Punkten sind folgende für -uns die wichtigsten: Holland mußte die Navigationsakte anerkennen, den -Gruß der englischen Flagge in englischen Gewässern »durch Dippen der -Flagge, Wegführen der Marssegel und Abgabe von Salutschüssen« zugestehen -und sehr bedeutende Entschädigungen zahlen. Diese setzten sich zusammen -aus den alten Forderungen, die schon als Gründe des Krieges erwähnt sind -(Seite 191), und neu hinzutretenden: Entschädigung an die -englisch-ostindische Kompagnie für Verluste während des Krieges und an -die Erben der in Amboina 1623 ermordeten Engländer sowie Ersatz für den -Schaden, den der englische Ostseehandel während des Krieges durch die -Dänen erlitten hatte.[136] Außerdem verpflichteten sich die -Generalstaaten durch eine anfangs geheimgehaltene Klausel, die -Angehörigen des Hauses Oranien von allen hohen Staatsämtern und -militärischen Kommandos auszuschließen. - - [136] Zimmermann, Band II, Seite 142, nennt 85 000 Lstrl. (und - Herausgabe der Banda-Insel Palaroon) an die ostindische Kompagnie - und 3600 Lstrl. an die Erben der Amboinakaufleute. Clowes, Teil - II, Seite 200, spricht von 140 000 Lstrl. für den Schaden des - Ostseehandels und von 900 000 Lstrl. als Gesamtbetrag aller - Forderungen. - -In diesen Frieden wurde =Dänemark= eingeschlossen. Auch =Portugal= hielt -es nach den Erfolgen Englands für nötig, sich mit diesem gut zu stellen; -es ersetzte die Schäden, die dem englischen Handel durch Prinz Rupert von -portugiesischen Häfen aus zugefügt waren. Selbst =Frankreich= nötigte -Cromwell zu Gefallen Karl II., Paris zu verlassen und sich nach Köln zu -begeben. Die Reibungen zur See zwischen Frankreich und England nahmen -ihren Fortgang, bis 1655 ein Handelsvertrag abgeschlossen wurde, nachdem -Blake und Penn mit großem Erfolge gegen die französischen Freibeuter -vorgegangen waren. - -$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ Der erste englisch-holländische Krieg -ist für die Seekriegsgeschichte in verschiedener Hinsicht von großer -Bedeutung, vor allem durch den Umschwung in der Kriegführung. Bei der -Wichtigkeit dieses Umstandes sei das an verschiedenen Stellen schon -Gesagte (Seite 107, 143, 160) nochmals kurz zusammengefaßt. - -In den Kriegen der älteren Zeiten war das Meer mit wenigen Ausnahmen nur -eine Marschstraße für die Heere, um den Krieg zu Eroberungen oder -Brandschatzungen in Feindesland zu tragen; daneben schädigte man den -Feind durch Wegnahme seiner Handelsschiffe. Von einer planmäßigen Anlage -und Durchführung dieser Kriegsart war jedoch keine Rede, weder von einer -völligen Inbesitznahme und dauernden Behauptung dieser Marschstraße, noch -von einer gänzlichen Unterbindung des feindlichen Seehandels. Beides -erlaubten die unzulänglichen Streitmittel nicht. Weder die Ruderschiffe -noch die älteren Segelschiffe waren imstande, längere Zeit die See zu -halten und so auf dem Meere errungene Erfolge zu behaupten und -auszunutzen. Den feindlichen Seehandel zu einem Hauptangriffsziel zu -wählen, hatte keinen Zweck, so lange er nicht so beträchtlich war, daß -man in ihm die Lebensbedingungen des feindlichen Landes ernstlich -bedrohen konnte.[137] - - [137] Colomb, Kap. I. »The nature of naval warfare« mit folgender - Disposition: Ein wirklicher Seekrieg ist erst möglich, wenn im - Seehandel ein großer Teil des Reichtums eines Landes ruht und - wenn Schiffe vorhanden sind, die die See halten können. Er war - mithin vor der Zeit Elisabeths ausgeschlossen. Erst im Spanischen - Kriege wurden diese Voraussetzungen erkannt, besonders von den - Admiralen Raleigh und Monson, Das erste Ziel des Seekrieges ist - also die Beherrschung der See. - -Zu Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. wurden die Schiffe -seefähiger und der Handel nahm wesentlich zu; infolgedessen sehen wir -auch die Kriegführung in ein neues Stadium treten. Es ist aber erst eine -Übergangsperiode. Die Unternehmungen gegen den Handel bleiben im -allgemeinen noch örtlicher und gelegentlicher Natur, oft mit dem -ausgesprochenen Charakter der Freibeuterei; die sonstigen militärischen -Unternehmungen sind meist noch Expeditionen gegen das feindliche Land im -alten Sinne -- das hervorragendste Beispiel, der Zug der Armada -- oder -vereinzelte Vorstöße zu ihrer Verhinderung. Selbst die Engländer, sonst -auf dem neuen Wege am weitesten fortgeschritten, fallen oft in die alte -Kriegführung -- Brandschatzung als Hauptzweck -- zurück. Es wird noch -nicht genügend darauf Bedacht genommen, durch eine planmäßige und -andauernde Durchführung des Seekrieges, durch Aus- und Abschließen des -Feindes vom Meere, den Krieg möglichst schnell zu beendigen; es gibt noch -keine Strategie, die Erringung und Erhaltung der Seeherrschaft zum Ziele -hat. - -=Der erste englisch-holländische Krieg aber ist nur zur See geführt= und -warf doch Holland so nieder, wie es ein siegreicher Landkrieg mit -Invasion nicht ärger hätte bewirken können, ohne dem Sieger die Opfer an -Menschen und Vermögen aufzuerlegen, die ein Landkrieg gefordert hätte; -der Wert der von England gemachten Prisen entsprach allein dem vierfachen -Betrage des damaligen jährlichen Staatseinkommens Englands. Die -Bedingungen für eine erfolgreiche Kriegführung zur See im neueren Sinne -waren hier gegeben; beide Staaten boten dem Gegner einen großen Seehandel -als Angriffsziel dar, Schiffe einigermaßen fähig, die See andauernd zu -halten, waren vorhanden; der Schiffbau hatte in dieser Hinsicht schon -genügende Fortschritte gemacht, wenigstens ausreichend für den -beschränkten Kriegsschauplatz. Dieser Krieg war der erste, der andauernd -hohe Anforderungen an die Seestreitkräfte stellte und der zahlreiche -Erfahrungen sammeln ließ; er gab den Anstoß zur größeren Pflege der -stehenden Marinen und dadurch zu der Vervollkommnung des ganzen -Seekriegswesens -- des Schiffbaues, des Personals, der Taktik --, wie wir -sie im vorigen Kapitel kennen gelernt haben. Die erste Entwicklung einer -Strategie zur See während dieses Krieges wird auf Seite 231 betrachtet -werden. - -Es ist ferner bei diesem Kriege bemerkenswert die Ausdauer und -Hartnäckigkeit, mit der man ihn auf beiden Seiten führte und die -Rüstungen betrieb. Bei der wichtigen Rolle, die das Material auf See -spielt, liegt es in der Natur der Seekriege, daß nach ernsten -Zusammenstößen der Hauptstreitkräfte eine längere Pause in größeren -Unternehmungen eintritt, die nötig ist, um das Material wieder -instandzusetzen. Hier aber werden in einem Zeitraum von 13 Monaten -- von -der Kriegserklärung bis Scheveningen -- 6 große Schlachten geschlagen, -von denen einige mehrere Tage dauern. Hervorragende Führer, seemännisch -tüchtige und tapfere Besatzungen waren auf beiden Seiten vorhanden; -gerade auch in Holland wurde stets wieder mit äußerster Anspannung -gerüstet. Wenn dieses schließlich doch unterlag, so war es eine Folge -seiner schon mehrfach erwähnten Schwächen: der minderwertigen Schiffe, -des weniger geschulten und weniger disziplinierten[138] Personals -(namentlich auch vieler Kommandanten), kurz, der mangelhafteren -eigentlichen Kriegsmarine, sowie des Umstandes, daß Holland in seiner -größeren Handelsflotte einen günstigeren Angriffspunkt bot und schwerer -geschädigt werden konnte. Dieser Umstand war weit wichtiger als die -anderen Schwächen. Die Beschützung des Handels, der während des Krieges -nicht, wie es später geschah, aufgegeben wurde, hinderte die holländische -Leitung strategisch und oft auch taktisch; der unmittelbare Verlust an -Vermögen und die Unterbindung der Lebensbedingungen zwangen Holland zum -Frieden. - - [138] Als ein krasses Beispiel der Unbotmäßigkeit in der holländischen - Marine sei noch erzählt, daß, als 1652 der beliebte Admiral Tromp - durch den unbeliebten de Witt im Oberbefehl ersetzt wurde, das - bisherige Flaggschiff »Brederode« sich weigerte, de Witt an Bord - zu nehmen; er war genötigt, seine Flagge auf einem anderen - Schiffe zu heißen. - -Eine $Strategie$[139], die eine dauernde Beherrschung des -Kriegsschauplatzes zum Ziele hat, finden wir zunächst auch in diesem -Kriege noch nicht. Im ersten Jahre geschehen auf beiden Seiten nur und -unter Hintansetzung aller anderen Rücksichten große Unternehmungen, um -den feindlichen Handel zu schädigen oder den eigenen zu schützen, und -auch dieses nur, wenn eine besondere Gelegenheit, wie die Fahrt eines -großen Konvois, dazu herausfordert; nebenher schwärmen zahlreiche Kreuzer -und Kaper im kleinen Kriege gegen vereinzelte Handelsfahrzeuge. Es werden -denn auch von den ersten vier Schlachten drei durch den Angriff -englischerseits auf einen Konvoi hervorgerufen, den Holland schützt und -verteidigt (Plymouth; Dungeness; Portland); ähnliche Zusammenstöße -hindert nur der Zufall (Shetlands, August 1652; holländische Küste, Mai -1653). - - [139] Colomb, Kap. II, »The struggle for the command of the sea« - bespricht die Strategie im ersten Kriege nach folgender - Disposition: »Ein wirklicher Seekrieg kann geführt werden, wenn - genügend Eigentum auf dem Meere liegt, um dem Verluste eine - ernste Bedeutung zu geben, und wenn seefähige Schiffe zum Angriff - vorhanden sind. -- Der Seehandel kann unmittelbar angegriffen und - verteidigt werden, wie im ersten Abschnitt dieses Krieges; er - kann vernichtet werden, nachdem zunächst die Seeherrschaft durch - Niederkämpfung der feindlichen Flotte errungen ist, wie im - späteren Abschnitt. -- Mit einzelnen Siegen aber wird die - Seeherrschaft nicht dauernd errungen, wenn die besiegte Macht - nicht auch vernichtet ist. Die Siege, die von beiden Parteien - errungen sind, waren nur Schritte auf dem Wege zur Seeherrschaft; - der Kampf um diese war beim Friedensschlusse noch nicht beendet.« - - Wir folgen im großen ganzen dieser Disposition. - -Die Flotten beider Staaten waren ungefähr gleich stark. Da jedoch der -holländische Handel größer und infolge seiner Wege mehr gefährdet war, -brauchte er die Seestreitkräfte Hollands ganz zu seinem Schutze; England -mit seinem kleineren und infolge seiner geographischen Lage vom Feinde -weniger bedrohten Handel konnte freier über seine Flotte verfügen. So -wurden die Engländer im allgemeinen die Angreifenden, die Holländer sahen -sich in die Defensive gedrängt. Aber zunächst beschränkten sich die -Engländer darauf, den feindlichen Handelsschiffen in den englischen -Gewässern, die sie passieren mußten, aufzulauern; es werden deshalb alle -Schlachten dieses Abschnittes an der englischen Küste geschlagen, selbst -wo die Holländer ohne Konvoi den Feind suchen, um den Weg frei zu machen -(Kentish Knock). - -Wir finden auch in dieser ersten Zeit des Krieges nie die strategische -Ausnutzung eines Sieges; stets begnügt man sich auf beiden Seiten mit dem -augenblicklichen Erfolge und erhält sich damit eine ständig drohende -Gefahr vor Rückschlägen, die auch oft genug eintreten. Der Gedanke, -zunächst die feindliche Kriegsflotte vom Meere zu vertreiben, dadurch den -eigenen Handel frei zu machen und den feindlichen völlig lahm zu legen, -bricht sich aber im Verlaufe des Krieges Bahn; es wird damit dann die -Kriegführung kräftiger offensiv. So suchen sich die Gesamtstreitkräfte -beider Staaten im Juni 1653 zur Entscheidungsschlacht (Northforeland) auf -und England trägt, als es im allgemeinen das Übergewicht gewonnen hat, -überhaupt den Krieg an die feindlichen Küsten. Nachstehendes möge dies -veranschaulichen. - -=Rückblick auf den Krieg.= Die erste Maßregel Englands war die Entsendung -Blakes mit der Hauptmacht gegen die holländische Fischerei und Schiffahrt -in der Nordsee, Ayscue wird nur mit schwachen Kräften berufen, die -Sicherung der Themse zu übernehmen. Der Gefahr durch die ganze feindliche -Flotte, der dadurch Ayscue und die Holland naheliegenden englischen -Küsten ausgesetzt wurden, scheint man sich gar nicht bewußt gewesen zu -sein. Tromp macht aber auch nur einen schwachen Versuch, Ayscue zu -vernichten; als ihm dies nicht leicht gelingt -- allerdings überschätzte -man damals noch den Wert von Landbefestigungen Schiffen gegenüber sehr ---, gibt er den Plan auf und folgt Blake bis zu den Shetlands, in erster -Linie doch nur, um holländisches Eigentum zu verteidigen. Ungünstiges -Wetter verhindert den Zusammenstoß. Nach Blakes Rückkehr sendet man -Ayscue wieder nach dem Westen des Kanals, anstatt mit beiden Flotten -gemeinsam die Holländer anzugreifen, wozu sich eine so günstige -Gelegenheit bot, da Tromps Flotte schwer gelitten hatte. So gelingt es -Ruyter, einen Konvoi wohlbehalten durch den Kanal zu führen, den nur etwa -gleichstarken Ayscue bei Plymouth mit Erfolg abzuwehren und den heimwärts -bestimmten Konvoi zurück zu geleiten. - -[Illustration: Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges -1652-1654.] - -De Witt, an Tromps Stelle zum Oberkommando berufen, macht nun zum ersten -Male den Versuch, eine größere Entscheidung durch einen Angriff auf die -Hauptmacht des Feindes herbeizuführen; Kentish Knock wird geschlagen, -ohne daß es sich um einen Konvoi handelt. Die Nebenumstände lassen aber -vermuten, daß de Witt mehr unter dem Antriebe, etwas Bedeutendes zu -leisten, gehandelt hat, als infolge strategischer Einsicht. Die -holländische Regierung verfolgte diese Art der Kriegführung jedenfalls -nicht weiter, sondern ordnete auch fernerhin wieder nur die Begleitung -großer Konvois durch die Kriegsflotte an. Aber auch die Engländer nützen -ihren Sieg nur in altem Sinne aus durch Aufbringen feindlicher -Kauffahrer. Wenn auch der hereinbrechende Winter ihren Schiffen den -Aufenthalt an der feindlichen Küste unmöglich machte, man sich wenigstens -noch nicht zu bleiben getraute, und wenn man auch vom Feinde bei der -vorgerückten Jahreszeit nichts Ernstliches mehr erwartete, so durfte doch -die englische Flotte nicht zersplittert werden, wie es geschehen ist. Man -überschätzte den Erfolg einer einzelnen siegreichen Schlacht, die -allerdings für den Augenblick die Herrschaft über die See gebracht hatte. -Diese Kurzsichtigkeit führte zur Niederlage Englands bei Dungeness. - -Tromp verfällt nach dieser Schlacht derselben irrigen Auffassung. Schon -sein Angriff entsprang nur der Absicht, seinen Konvoi sicher weiter zu -führen und die sich bietende günstige Gelegenheit einem schwächeren -Feinde gegenüber zu benutzen. Anstatt nach dem Siege dahin zu streben, -den geschlagenen Feind gänzlich zu vernichten -- die Position in den -Downs war nach Abbruch der behelfsmäßigen Batterien nicht mehr so stark ---, überhaupt die Offensive den getrennten englischen Geschwadern im -Kanal gegenüber aufrecht zu erhalten, beschränkt er sich auf die -defensive Aufgabe, seinen Konvoi nach Ré zu geleiten und einen -heimkehrenden zurückzuführen. Während seiner Abwesenheit geht die -holländische Herrschaft über den Kanal schnell wieder verloren, England -hat Zeit, seine Kräfte zu sammeln und ihm bei seiner Rückkehr (bei -Portland) entgegenzutreten. Den Zusammenstoß bei Portland hätte Tromp mit -dem günstigen Winde vielleicht vermeiden können; er tat es wohl nicht, -weil er der Beständigkeit des Windes sowie der Segelfähigkeit vieler -seiner Kauffahrer nicht vertraute und daher fürchtete, von den Engländern -auf dem Marsche eingeholt und angegriffen zu werden, wie sie es ja auch -bei der Verfolgung nach der Schlacht mit großem Erfolge taten. Eine -weitere Ausnutzung des Sieges wagen aber die Engländer wiederum mit -Rücksicht auf die Jahreszeit nicht. - -Im letzten Abschnitt des Krieges wird nun Tromp noch einmal beordert, -Kauffahrer auswärts und heimwärts zu geleiten (Mai 1653). Jetzt aber -erwarten die Engländer den Feind nicht mehr in ihren eigenen Gewässern, -sondern versuchen, schon die Sammlung der Kriegs- und Handelsschiffe an -der holländischen Küste zu verhindern. Sie kommen zwar zu diesem Zwecke -zu spät und begnügen sich mit Aufbringen von Küstenfahrern und -Alarmierung der Küsten, immerhin war es eine bedeutsame Erweiterung der -Offensive. Überhaupt zeigen sich die Engländer von jetzt an mehrfach -unmittelbar vor den feindlichen Häfen (Ende Mai, Anfang Juni 1653) und -halten in den eigenen Gewässern ihre Flotte der feindlichen Küste näher -(Yarmouth, Juni). Als nun auch Tromp nach seiner Rückkehr zur Offensive -übergeht, indem er zunächst den Vorstoß gegen die Downs macht und dann -die englische Hauptmacht sucht, kommt es am 12.-13. Juni 1653 zur -Schlacht bei Northforeland-Nieuport, zum Kampf der Gesamtkräfte beider -Staaten, ohne daß ein Konvoi den Anlaß gegeben hat. Nach dieser Schlacht -nutzen die Engländer den Sieg aus, indem sie den Feind bis vor seine -Häfen verfolgen und dann die feindliche Küste unter Blockade halten; ja, -zu diesem Zwecke bessern und rüsten sie zum ersten Male dort ihre Flotte -aus und kehren dazu nicht wie bisher nach jeder größeren Schlacht in die -heimischen Häfen zurück. Der Ausfall Tromps, um die Blockade aufzuheben, -führt zur Schlacht bei Scheveningen dicht an der holländischen Küste (10. -August). Trotz ihres taktischen Sieges hier mußten die Engländer die -Blockade aufgeben, da auch sie zu sehr geschwächt waren. Daß sie dann -später den Krieg nicht wieder tatkräftig aufnahmen, ja, sogar mit -geringeren Streitkräften als die Holländer auftraten, wird auf Cromwells -Neigung zum Frieden zurückzuführen sein. - -Beim Friedensschluß war der Kampf um die Seeherrschaft noch nicht -entschieden, die holländische Flotte war keineswegs niedergekämpft; nicht -sowohl militärische Gründe als die allgemeine Erschöpfung und die -Volksstimmung zwangen Holland, Frieden zu schließen. Daß aber die -Kriegführung im allgemeinen energischer geworden ist, beweist wohl auch -die Tatsache, daß beide Nationen, abweichend vom bisherigen Brauch, -versuchen, im Herbst 1653 eine Flotte bis in den Winter hinein ständig -auf See zu halten; der erste schwere Wintersturm zeigt dann allerdings, -daß die damaligen Schiffe dem noch nicht gewachsen waren. - -Der Verlauf dieses Krieges lehrt, daß zur Erreichung großer Ziele auf -oder über See -- hier die völlige Lahmlegung des feindlichen Handels, der -Schutz des eigenen -- die =unbestrittene Beherrschung der See durch -Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte= nötig ist. Die Engländer, -von Anfang an mehr auf die Offensive hingewiesen und weniger an ihrer -Durchführung behindert, tragen zuerst diesem Grundsatz Rechnung. Während -sie in der ersten Hälfte des Krieges nur auf möglichst starke Schädigung -des Handels, nicht auf schleunigere Beendigung des Krieges hinzielen, -richten sie in der zweiten Hälfte ihre Stöße mehr gegen die Streitkräfte -des Feindes. Aber auch die Holländer versuchen gegen das Ende, zunächst -die feindliche Kriegsflotte aus dem Felde zu schlagen. Sie geben dann in -den späteren Kriegen ihren Handel ganz auf, weil sie eingesehen haben, -daß ihre Kräfte nicht ausreichen, gleichzeitig diesen zu schützen und um -die Seeherrschaft zu ringen. »Der Kampf der Seestreitkräfte miteinander -tritt in den Vordergrund.« - - * * * * * - -[Illustration] - - - Viertes Kapitel. - - Nebenkriege 1654-1665. - - $England-Spanien 1654-1659. Holland-Portugal 1656-1661.$ - - $Schweden-Dänemark 1655-1660. Frankreich-Spanien 1635-1659.$ - -Vor der Schilderung des nächsten großen Seekrieges zwischen England und -Holland müssen wir uns mit einigen Nebenkriegen beschäftigen, in denen -die Flotten dieser Staaten eine Rolle spielen. - -$England$[140] befand sich nach dem Frieden von Westminster und nach dem -Abschluß des französischen Handelsvertrages mit allen Völkern im Frieden, -es hatte überall seinen Willen erreicht (Seite 229). =Cromwell= jedoch -wünschte einen auswärtigen Krieg, um die Aufmerksamkeit des Volkes von -der inneren Politik -- der gegen ihn gerichteten Bestrebungen der -strengen Republikaner und der Royalisten -- abzulenken; er brach einen -$Krieg mit Spanien$ vom Zaune. Reibungen mit diesem Staate hatten in -Westindien nie aufgehört, da England hier seinen Einfluß und seine -Besitzungen zu erweitern fortfuhr und Spanien dies mit den alten -grausamen Mitteln zu vereiteln suchte. So war gerade dieser Krieg von -religiösem und kommerziellem Standpunkte aus volkstümlich; er versprach -außerdem reiche Beute. - - [140] Näheres Clowes, Teil II, Seite 201; Zimmermann, Band II, - Seite 136. - -Schon im Sommer 1654 wurde die Ausrüstung zweier Flotten betrieben; ihr -Zweck ward streng geheim gehalten, so daß man sowohl in Frankreich wie in -Spanien in Erwartung eines gegen sich gerichteten Unternehmens stand. - -=Penn= erhielt den Befehl über eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe -- 1 -zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen --, 20 -Transporter. Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren -vorzugsweise mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter -General =Venables= eingeschifft waren. Die Expedition segelte am -Weihnachtstage 1654 nach Westindien, ihr Erfolg war die $Eroberung -Jamaicas$. - - Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Stärke der - Landtruppen nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter - dem Vizeadmiral der Flotte formiert. Am 31. März 1655 verließ die - Expedition Barbados und landete am 13. und 14. April 7000 Mann auf - Haiti in der Nähe der Stadt Domingo unter Venables Befehl, Penn mit - der Flotte als Rückhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps mit - einem Verlust von 1700 Mann völlig geschlagen, die gänzliche - Vernichtung soll nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die - Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen hier auf, weil sie ihren - Truppen, Strafgefangenen und unzuverlässigen königlichen Soldaten, - nichts zutrauten. - - Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach - =Jamaica= und eroberte in wenig Tagen, 10.-17. Mai, die schwach - kolonisierte und nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von - jetzt an in englischem Besitz, wenn auch Spanien verschiedene - Wiedereroberungsversuche machte und die in die Berge geflüchteten - spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen - Guerillakrieg gegen die Engländer führten. - - Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen - Station, behufs Schädigung der Spanier, zurücklassend, kehrte Penn nach - England heim; er wie Venables kamen wegen des Mißerfolges auf Haiti - trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas auf kurze Zeit in den Tower. - -Die zweite Flotte unter =Blake= segelte am 29. September 1654 nach dem -=Mittelmeer=. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, 1 zu -46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen und 5 -kleineren. - -Blake hatte den Befehl, vorläufig nichts gegen Spanien zu unternehmen. -Der Krieg war ja noch nicht erklärt und man wollte die Abfahrt der -spanischen Silberflotte nicht stören, um sie womöglich in die Hände Penns -fallen zu lassen -- Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten -Grundsatz: »Kein Frieden gilt unter der Linie«, d.h. in außereuropäischen -Gewässern --, im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die -Flotte Blakes nur zum Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die -Barbaresken vorging. Ihre erste Tat war auch die in ihrer Art berühmte -$Vernichtung einer tunesischen Flotte unter den Befestigungen von Tunis$. - - =Blake= machte zunächst eine Demonstration gegen den Papst und gegen - den Herzog von Livorno wegen ihrer Unterstützungen des Prinzen Ruprecht - nach der Revolution und der Holländer im ersten Kriege. Später ging er - nach Tunis, wo eine Flotte für den Sultan ausgerüstet wurde. Am 4. - April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte aber armierte Schiffe, - unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die =erste große Tat - dieser Art=, wie er uns schon als erster Angreifer von - Landbefestigungen aus den Operationen gegen die königstreuen - Kanalinseln bekannt ist (Seite 198). Er teilte seine Flotte in zwei - Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen - Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen - trotz des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Plätze ein und - kämpften vermöge ihrer guten artilleristischen Ausbildung die Forts - nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe durch die armierten Boote - genommen. - -Mittlerweile war =Penns= Auftreten in Spanien bekannt geworden, und nun -erhielt =Blake= den Befehl, die spanischen Küsten zu blockieren, um die -Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstärkungen nach -Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene -Gesundheit zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurückzukehren. - -Dem Abschluß des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich 1655 -ließ England bald ein Bündnis mit diesem Staate, der im Kriege mit -Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklärt; -er sollte die letzte große Tat Blakes, die $Vernichtung der Silberflotte -vor Teneriffa, 1656$, bringen. - - Im Frühjahr 1656 führte =Blake= eine große Flotte an die spanische - Küste und hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die - Blockade aufrecht. Einige seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der - spanisch-westindischen Flotte auf, so reich beladen, daß der Transport - der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth nach London 38 - Wagen erforderte. Im Frühjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht von der - Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in - =Sta. Cruz auf Teneriffa=. Die Spanier waren auf den Angriff - vorbereitet, hatten die Schätze gelandet, die Befestigungen verstärkt - und die Schiffe zur Rückfahrt nach Westindien klargemacht. Zur eigenen - und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis längs der - Bucht nördlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen - dagegen vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie - maskierten das Feuer der anderen 10 Schiffe. - - Die Windverhältnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter - Segel sehr ungünstig. Entweder weht ein unbeständiger Landwind, der - angreifende Schiffe der Gefahr aussetzt, bekalmt[141] zu werden, oder - eine gleichmäßige frische Seebrise, die wieder ein Abbrechen des - Gefechts schwierig, für beschädigte Schiffe fast unmöglich macht. Um so - kühner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe - zu zerstören und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen. - Er gelang. Der Admiral selber beschäftigte die Befestigungen nördlich - und südlich von der feindlichen Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab - der Galeonen, setzte diese außer Gefecht und enterte sie. Als nun die - Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, ließ Blake diese und auch die - kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glück begünstigte das - Unternehmen. Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige - Landbrise auf und führte die englischen Schiffe sicher von der Rhede; - sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete gehabt, waren aber doch - stark beschädigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden konnte, so war - doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte groß. - - [141] Durch die Nähe des Landes in Windstille zu geraten. - -Blake hatte hier wiederum gezeigt, daß Schiffe mit Erfolg -Küstenbefestigungen bekämpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit -bezeichnen ihn als den ersten Führer, der solches gewagt habe. Er starb, -nachdem er noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Küsten -geleitet hatte, auf der Rückreise nach England am 7. August 1657 -unmittelbar vor dem Einlaufen in Plymouth. - -Die $Geschichte Englands$ bietet nun $bis 1665$ besonderes nicht mehr. -Die spanischen Küsten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte -unterstützte durch Blockade die Wegnahme =Dünkirchens= durch die -Franzosen 1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenäischen Frieden 1659 laut -Vertrag an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein -ungeheurer Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Stützpunkt für die -Franzosen, besonders später für den Freibeuterkrieg gegen England. - -Die Jahre 1658 und 1659 brachten =Flottendemonstrationen nach der -Ostsee=, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, weder -Dänemarks noch Schwedens Macht zu groß werden zu lassen, sich aber auch -gegenseitig eifersüchtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). Im -Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen die -=Barbaresken= sowie zur Einsetzung der englischen Macht in =Tanger=, das -als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay) -gefallen war, übernommen. 1660 führte ein Geschwader unter Montagu den -König =Karl= II. von Holland nach =England= hinüber; in der Marine waren -Montagu, Lawson und Penn die Hauptförderer der königlichen Sache gewesen. - -$Holland.$[142] Nachdem im ersten englisch-holländischen Kriege die -Engländer das Mittelmeer geräumt hatten, waren auch die holländischen -Seestreitkräfte dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub -durch die =Barbareskenstaaten= wieder überhand; kleinere Flotten -derselben schlossen fast die Straße von Gibraltar und dehnten ihre Züge -bis zur portugiesischen Küste aus. Nach dem Friedensschluß wandte sich -auch Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und =Ruyter= führte in -den Jahren 1654-1657 mit Erfolg drei Züge dorthin. - - [142] Hauptquellen: De Jonge, Teil I; »Vie de Tromp«; »Leben Ruyters«, - in beiden letzten genaue Beschreibung der Züge nach Mittelmeer, - Portugal und Ostsee. - -$1656 erklärte Holland den Krieg an Portugal$, nachdem es vergeblich die -Rückgabe seiner früheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie -eine große Geldentschädigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre -wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral =Wassenaer= zur feindlichen -Küste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoßen war, -aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die -Küsten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus -Brasilien, auf; 1658 führte =Ruyter= 22 Schiffe, alle von der Admiralität -Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie, -da die portugiesische Flotte die Häfen nicht verließ. -- Dieser Krieg -konnte jedoch überhaupt nicht mit voller Energie fortgeführt werden, da -man bald die Seestreitkräfte im Norden nötiger brauchte; weitere -Feindseligkeiten spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden -geschlossen wurde, in dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen -Gulden und freien Handel in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien -und die strittigen Punkte in Westafrika verzichtete. - -Im Norden spielte sich seit 1655 der -$schwedisch-polnisch-brandenburg-dänische Krieg 1655-1660$ ab, in den -Holland tätig eingriff, weil es die Erfolge Schwedens mit Besorgnis für -seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. Wie immer ein Freund der -schwächeren Macht in der Ostsee -- wir sahen es auf seiten Dänemarks -gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen Dänemark --, trat -Holland jetzt auf seiten Dänemarks. - - $Der schwedisch-polnische Krieg$:[143] Die Kämpfe um die Herrschaft in - der Ostsee, das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648 - verfolgt (Seite 110). 1655 griff =Karl X. Gustav= von Schweden den - König =Johann Kasimir= von Polen, der Ansprüche auf die Thronfolge in - Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus an. Da ein Teil der Polen - zu ihm überging, hatte er zunächst großen Erfolg; nach kurzer Zeit war - fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfürst von Brandenburg zur - Neutralität gezwungen. 1656 wurde auch Westpreußen bis auf die Stadt - =Danzig=, die von einer holländischen Flotte geschützt wurde, erobert. - Durch Wiederabfall der Polen gefährdet, gewann der Schwedenkönig sich - den Beistand Brandenburgs und erfocht mit ihm den glänzenden =Sieg bei - Warschau= 28./30. Juli 1656. - - [143] Genaueres über die Tätigkeit der nordischen Flotten in den auf - Seite 44 u. 109 gegebenen Quellen. Über ihre Stärke um 1655 - vergl. Seite 148. - - Nun aber trat ihm eine Liga von Rußland, dem Kaiser und Dänemark - entgegen, der sich später auch Brandenburg anschloß. Dänemark glaubte, - diese Gelegenheit benutzen zu können, um die Verluste des Friedens von - Bromsebrö 1645 wieder gut zu machen. - - Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dänemark. Seine Flotte wurde - zwar zunächst von der dänischen in Schach gehalten, aber mit der Armee - eroberte er über Pommern, Mecklenburg, Holstein, schließlich im Januar - 1658 über die gefrorenen Belte vordringend, Fünen, Langeland, Laaland, - Moen, ging nach Seeland über und belagerte, nun auch von der Flotte - unterstützt, Kopenhagen. - - So erzwang er den $Frieden von Roeskild$, 26. Februar 1658, worin - Dänemark die Provinzen Bleckingen, Schonen, Halland, Bohuslän, - Drontheim, sowie die Insel Bornholm abtrat und dem Vorschlage - beistimmte, gemeinsam mit Schweden den Sund für fremde Kriegsschiffe zu - schließen. Schweden war zum Frieden geneigt geworden, weil ein - polnisch-brandenburg-kaiserliches Heer Dänemark zu unterstützen drohte. - - Die Sperrung des Sundes durchzuführen, zeigte sich aber Dänemark nicht - gewillt, wozu es wohl durch Holland und England in deren eigenem - Interesse bewogen oder gar genötigt wurde. Da griff =Karl Gustav= im - August 1658 unversehens aufs neue an. Nach den schnellen Erfolgen des - vorigen Feldzuges hoffte er wohl durch völlige Niederwerfung Dänemarks - den alten Gedanken der Kalmarischen Union jetzt verwirklichen zu - können. Er bemächtigte sich Korsörs und belagerte wiederum - =Kopenhagen=, von den anderen Inseln waren seine Truppen noch gar nicht - zurückgezogen. Die Stadt verteidigte sich tapfer und wurde durch die - blutige =Schlacht im Sunde= von einer holländischen Flotte wenigstens - auf der Seeseite entsetzt; die Belagerung zu Lande dauerte fast bis zum - Friedensschlusse. - - Im weiteren Verlaufe des Krieges (1659) eroberten die festländischen - Verbündeten Dänemarks: Pommern, Schleswig-Holstein, Jütland, Alsen, - Fünen (Nyborg 14. November); an dieser letzten Waffentat nahm wiederum - eine holländische Flotte großen Anteil. - - =Holland=, =England= und =Frankreich=, die keine der beiden Mächte in - der Ostsee zu stark werden lassen wollten, hatten sich im =Haager - Konzert=, Mai 1659, vereinigt, um Frieden zu vermitteln. England und - Frankreich war der von Holland im Norden erlangte Einfluß zu bedeutend - geworden, und so mischten auch sie sich kräftiger ein, sobald die - Aussicht auf Frieden mit Spanien ihnen freiere Hand ließ. Die - Vermittlung blieb bei der Hartnäckigkeit des Schwedenkönigs längere - Zeit ohne Erfolg und eine schnellere kriegerische Entscheidung durch - die holländische Flotte auf seiten Dänemarks wurde wieder durch die - Anwesenheit einer englischen Beobachtungsflotte und durch die - diplomatische Vertretung Frankreichs gehindert. Erst nach dem Tode - Karls X. Gustavs, im Februar 1660, kam es im Juni 1660 zum $Frieden von - Kopenhagen$ zwischen Dänemark und Schweden (im Mai schon zu Oliva - zwischen Schweden und Brandenburg-Polen). Die Bedingungen für das - geschlagene Schweden waren sehr günstig: dieselben, die das siegreiche - im Frieden von Roeskild errungen hatte; nur blieben jetzt Bornholm und - Drontheim bei Dänemark und, das Wichtige für die Vermittler, die - geplante Sundsperre fiel weg. - - =Schweden= hatte seine Grenzen endgültig an den Sund und an das - Kattegat gerückt, hatte die Mitherrschaft über die Einfahrt in die - Ostsee errungen, ja, war die =erste Macht in der Ostsee= geworden. - -Die $Beteiligung der holländischen Marine$ an diesem Kriege ist sehr -bedeutend, während die zur Ostsee entsandten englischen Flotten nirgends -tätlich eingriffen. In der ersten Zeit des schwedisch-polnischen Krieges -verstärkte Holland nur den Schutz seiner Handelsschiffe in der Ostsee, -als aber Karl X. Gustav 1656 =Danzig= bedrohte und man fürchtete, daß -diese Kornkammer geschlossen, sowie Ein- und Ausfuhr im Osten zu sehr von -den Schweden abhängig werden könnte, beschloß man einzugreifen, um wie -elf Jahre vorher zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Ostsee -beizutragen. Der Leutnantadmiral =Wassenaer=,[144] unter ihm Ruyter als -Vizeadmiral, führte eine große Flotte nach Danzig, deren Erscheinen im -Juli 1656 die Stadt vor der Übergabe rettete und die holländischen -Handelsverhältnisse vorläufig sicherstellte, bis Dänemark im -unglücklichen Frieden von Roeskild gezwungen wurde, dem Vorschlage -Schwedens, für fremde Kriegsschiffe den Sund zu sperren, beizustimmen. - - [144] Nach dem Tode Tromps in der Schlacht von Scheveningen wurde - =Jakob van Wassenaer=, Heer van Opdam, ein Kavallerieoffizier von - hoher Geburt, zum Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland - ernannt. Die drei Provinzen von Holland wagten nicht, ihren - nächstältesten Vizeadmiral Witte de Witt dazu zu befördern, da er - zu unbeliebt bei seinen Untergebenen war. Um alle Unzufriedenheit - durch ein Übergehen zu vermeiden, wählten sie diesen Mann von - hoher Geburt. Aus denselben Gründen den Admiralen Seelands - gegenüber bestätigten die Generalstaaten Wassenaer auch in der - Stellung als Oberbefehlshaber der Gesamtstreitkräfte, er trat - aber als solcher während des ersten Krieges nicht mehr in - Tätigkeit. Die Ernennung erregte böses Blut bei allen - Seeoffizieren. W. selbst versuchte den Posten abzulehnen; später - wurde ihm, wie wir sehen werden, oft der Vorwurf gemacht, seine - Stellung nicht richtig ausgefüllt zu haben. - -[Illustration: Jakob van Wassenaer.] - -Zunächst griff Holland hierauf jedoch noch nicht wieder ein, hoffend, daß -diese Bedingung bei Dänemarks Abneigung dagegen nicht durchgeführt werden -würde. Als aber nach dem neuen Angriff Schwedens 1658 die Kriegslage -sofort für Dänemark so ungünstig stand und Karl Gustav Kopenhagen zu -Wasser und zu Lande hart bedrängte, ergriff man die =Offensive=. Wieder -führte =Wassenaer= eine Flotte von 35 Kriegsschiffen nach dem Sunde mit -dem Befehle: Truppen zur Unterstützung Kopenhagens zu landen, -beschlagnahmte Kauffahrer zu befreien und die schwedische Flotte bei -günstiger Gelegenheit zu schlagen; sollten Kopenhagen und Kronenburg -schon genommen sein, sei der Sache Dänemarks nach eigenem Ermessen bis -zum Eintreffen weiterer Befehle zu nützen. - - Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1 - zu 50 -- die drei Flaggschiffe --; 10 zu 40-42; 12 zu 30-38; 8 zu - 26-28; 2 zu 22-23 Kanonen. Hierzu traten 6 Transporter zu 16-24 Kanonen - mit 2000 Soldaten, 28 Transporter mit Proviant usw. für die Flotte und - für Kopenhagen. Die Vorhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- führte - Admiralleutnant de Witt; das Zentrum -- 13 Schiffe, 2 Brander -- der - Flottenchef, die Nachhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- Vizeadmiral - Floriszoon. - -Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mußte hier wegen -widriger Winde zu Anker gehen. =Kronenburg= war bereits gefallen und der -Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die schwedische Flotte -gesperrt. Diese unter dem Admiral =Karl Gustav Wrangel= war in vier -gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus 38 (44?) Kriegsschiffen, -die den holländischen mindestens gewachsen waren, wahrscheinlich waren -sogar mehr schwerere darunter; ein großer Teil der Schiffsbesatzungen -bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele der Schweden hatten -in Holland gedient. - -Am 8. November kam frischer Nordwind auf, =Wassenaer= lichtete mit -Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, wider -Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die Mitte -des Fahrwassers nicht erreichten -- =Karl Gustav= befand sich auf -Kronenburg und soll eigenhändig das erste Geschütz abgefeuert haben. -Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stieß die holländische Flotte auf die -schwedische. Der Verlauf der $Schlacht im Sunde$ ist aus den sonst -ausführlichen Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie üblich nur die -Erlebnisse einzelner Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik). - - Anzunehmen ist, daß beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden - »beim Winde« den Feind erwartend, und daß die Holländer durch - Einbrechen in die feindliche Linie sofort die Melee herbeiführten, wie - wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen scheinen dies zu - bestätigen: de Witt läuft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr - Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an. - Gleich darauf erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt - finden wir im Kampf mit dem feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden - Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt wird von einer Anzahl - Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und fällt - mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel außer Gefecht - (Ruderhavarie), der sich unter Kronenburg zurückziehen muß, wird aber - selbst hart bedrängt und erhält erst später Entsatz. Besonders - hervorgehoben wird, daß überall die holländischen Flaggschiffe am - kräftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist längere - Zeit in großer Gefahr, er selber fällt. Es scheint also, als ob die - Schweden ihre Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser - zusammengehalten haben, vielleicht unterstützt durch Kenntnis des - Fahrwassers und der Stromverhältnisse. Schließlich muß aber doch die - größere Kriegstüchtigkeit der Holländer den Ausschlag zu ihren Gunsten - gegeben haben. - -Der Kampf endete mit dem Siege der Holländer. Der Verlust der Schweden -war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; die -Holländer verloren nur das Schiff de Witts (die alte berühmte -»Brederode«; sie wurde geentert, sank aber später), 400 Tote, 3 Brander. -Obgleich die Schweden nach etwa 5-6 Stunden zu Luward standen und die -Holländer mit Wind und Strom südlich getrieben waren, brechen jene das -Gefecht ab und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den -holländischen Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern -den Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der -Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem König -an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch -unbelästigt durch die holländische oder dänische Flotte. - -=Wassenaer= war nach der Schlacht sundaufwärts gegangen, traf bei der -Insel Hven einen Teil der dänischen Flotte unter Admiral =Bielke=, der -durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war, -und ankerte an der Küste Seelands nördlich von Kopenhagen; verschiedene -Schiffe mußten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch -die Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die -Verteidigung der Stadt wesentlich unterstützt wurde. - -An einem der nächsten Tage ging =Bielke= mit seinen und einigen -holländischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen -oder doch in =Landskrona= durch Versenken von Fahrzeugen einzuschließen. -Zum Abfangen kam man aber zu spät und das Einschließen wurde auch nur -unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen. - - =Wassenaer= führte in seinem =Berichte= an, viele der Kommandanten - hätten nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens - nicht genügend unterstützt -- eine Klage, die wir bereits aus dem - ersten großen Kriege kennen. Es erregte diese Äußerung Ärgernis in den - Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da doch bei etwa - gleichen Kräften ein großer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb - nach seiner Rückkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er - habe vor der Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder üblich, keinen - Kriegsrat gehalten; seine Unterführer hätten keine Instruktionen - gehabt, andernfalls würden seine Schiffe nicht so bald nach dem - Zusammenstoß über den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die - Niederlage der Feinde wäre eine noch weit größere geworden. - - Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht genügende Ausnützung - des Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem - Feinde den Weg nach Landskrona verlegen müssen; wenigstens habe er - später die Operationen gegen genannten Hafen energischer betreiben und - selbst leiten müssen, anstatt sogar holländische Schiffe einem - dänischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief im Sande, - vielleicht durch den Einfluß der Generalstaaten, aber auch die - Untersuchung gegen die angeklagten Kapitäne wurde niedergeschlagen. - -Man muß wohl zugeben, daß die holländische Flotte mehr hätte leisten -können. =Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten=? Der Wunsch, -Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt sich während des ganzen -Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dänemark sollte nicht zu mächtig -werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man in der Ostsee haben. So -erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen Kriegsschiffe an -Dänemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer aber an Schweden -zurückzugeben, falls von dort das Gleiche geschähe. Im Sinne dieser -Politik war es auch, daß man nach der Schlacht den Beschluß faßte, zwar -noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach Kopenhagen -zu werfen, den größten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgründen -zurückzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da auch -England die Entsendung einer =großen Flotte= vorbereitete. Der Transport -erschien hierdurch gefährdet, die weitere Anwesenheit starker Kräfte -anderseits nötig. England war, wie auch Frankreich, argwöhnisch auf den -in der Ostsee erlangten Einfluß Hollands geworden; schon 1658 hatte sich -dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum -eine starke Flotte (42 Segel) unter =Montagu= dahin ab, die wohl in -erster Linie die Aufgabe hatte, die Holländer zu beobachten und -gegebenenfalls in Schach zu halten. - -So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden -Mannschaftsmangels -- die Hochseefischerei mußte teilweise eingestellt -werden -- eine zweite starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit -1743 Geschützen und 7700 Mann unter =Ruyter=, der eben aus dem Mittelmeer -zurückgekehrt war, zur Verstärkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen -Transportern meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur -Verstärkung Kopenhagens bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schloß sich -an. Als Ruyter im Juni 1659 zu Wassenaer gestoßen war, zählte die -Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe mit 12 900 Mann, ausschließlich der -erwähnten 4000 Soldaten; sie war stark genug, wenn erforderlich, der -eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. Vorläufig sollte jedoch -die Flotte nicht eingreifen und auch die Truppen durften nicht -ausgeschifft werden. Im Haager Konzert war unmittelbar nach Ruyters -Abfahrt vereinbart, daß zunächst nichts unternommen, sondern nur durch -die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden -- mit den Bedingungen von -Roeskild, aber ohne die Sundsperre -- hingewirkt werden solle. Die Frist -der Waffenruhe für die holländischen Streitkräfte wurde in der Folge -immer weiter verlängert, und es ist interessant, ihre Bewegungen[145] -unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die französischen -Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen kamen -aber nicht vorwärts. Vor allem wollte Karl Gustav die Sundschließung -nicht aufgeben, obgleich der holländische Gesandte auf die Nutzlosigkeit -dieser Maßnahme hinwies, indem er sagte: »Ich habe die Schlüssel zum -Sunde (die holländischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam liegen -sehen.« - - [145] Sehr genau im »Leben Ruyters«; dort auch die Orders der - Generalstaaten, der Verlauf der Friedensverhandlungen usw. - -Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach der -Heimat abging -- unter dem Vorwande, neu ausrüsten zu müssen, in Wahrheit -aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu unterstützen --, kam die -holländische Flotte wieder in Tätigkeit. Es folgen nun Operationen an der -Küste Schwedens und der Teile Dänemarks, die noch in schwedischem Besitze -waren. Sie werden größtenteils geleitet von =Ruyter=, unter ihm Cornelis -Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der Engländer -gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurückgezogen war, wie denn auch ein -weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde. - -Die erste und Hauptaktion war die Unterstützung des Angriffs der -festländischen Verbündeten Dänemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg -die $Eroberung Fünens mit der Stadt Nyborg 1659$. - - =Ruyter= führte auf seinen und den dänischen Schiffen ein dänisches - Heer von 5200 Reitern und 4600 Mann Fußvolk unter General Schack von - Kiel nach dem stark besetzten Fünen. Ein Teil seiner Schiffe war nach - dem kleinen Belt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit der Schweden - dorthin zu ziehen und um den Übergang eines - brandenburgisch-kaiserlich-polnischen Heeres -- General von Eberstein - mit 4000 Reitern und wenig Fußvolk[146] -- nach Fünen bei Middelfart zu - unterstützen. - - [146] Ich erinnere daran, daß seit der letzten Zeit des Dreißigjährigen - Krieges eine Zeitlang die Kavallerie in den Heeren häufig - überwog, daß aber ein Teil davon, die Dragoner, vorzugsweise zu - Fuß focht. - - Auf Fünen standen etwas über 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter - dem General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack - versuchten am 8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu - erzwingen, aber am 10. gelang es unter Ruyters persönlicher Führung, - bei =Kerteminde= trotz schwedischer Schützengräben Fuß zu fassen und in - zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am 14. war Eberstein - nach Fünen hinübergegangen, und beide Heere vereinigten sich am 19. bei - =Odense=. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrängt und am 22. unter - schweren Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt - in diese hineingeworfen; bei dem Treffen sollen sich besonders die - Holländer ausgezeichnet haben. Bei der nun folgenden =Belagerung - Nyborgs= bringt die holländische Flotte die, Stadt und Hafeneinfahrt, - deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren Hafen - und bombardiert, so daß die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade - übergeben werden muß und die Insel für die Schweden verloren ist. Die - Schweden verloren 2000 Tote und 5000 Gefangene, die Verbündeten nur 500 - Tote. - -Ruyter ging dann zum Ausrüsten nach Lübeck und von dort nach Kopenhagen. -Die naheliegende weitere Unterstützung, die Truppen nach Seeland zum -Entsatze der Hauptstadt überzuführen, scheint wiederum unterblieben zu -sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich -nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerückte Jahreszeit angegeben -wurde. - -=Im Winter= 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun -unterstützte =Ruyter= die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch -seine Flotte arg gefährdet gewesen wäre; er sandte Soldaten und Matrosen -in die Werke und ließ die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern -schützen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur -noch kleinere Bewegungen zur Überwachung der schwedischen Flotte, da sich -mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort günstiger -stellten. - -Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der holländischen Marine, -der durch den unglücklichen englisch-holländischen Krieg gelitten hatte, -wieder hergestellt. - -In den Jahren 1661-1663 und auch 1664 wurde =Ruyter=, einmal auch Tromp -jun., ins $Mittelmeer$ gesandt. Während Holland im Norden beschäftigt -war, hatten die Seeräubereien der Barbaresken aufs neue überhand -genommen. Verschiedentlich wurden zwar Verträge abgeschlossen oder -Verträge erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken -gebrochen. Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl, -Spaniens Silberflotten zu schützen, als England und Portugal mit Spanien -im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen -damaliger Verhältnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden -geschlossen. Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und -gegenseitige Schädigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaßregeln -hörten selbst dann noch nicht auf. In den späteren Jahren kam es in den -spanischen Gewässern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die -Barbaresken, schon zu Reibungen mit England, oft nur wegen -Etikettenfragen. 1664 erfolgte ein Zusammenstoß ernsterer Art an der -Westküste Afrikas, der mit Anlaß zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite -252). - -Wir müssen auch $Frankreich$[147] kurz berühren. Der =Krieg mit Spanien=, -der 1635 ausgebrochen war, als Richelieu auf seiten Schwedens in den -Dreißigjährigen Krieg eintrat (Seite 109), wurde nach dem Westfälischen -Frieden fortgeführt. Er spielte sich zu Lande in den spanischen -Niederlanden, an der spanischen Grenze aber auch in den spanischen -Besitzungen Italiens und in den nördlichen Provinzen Spaniens ab, da -Frankreich verschiedene Aufstände in Katalonien, Aragonien, dem -Königreich beider Sizilien sowie auch den Abfall Portugals für seine -Zwecke ausnutzte. Die von =Richelieu= neu gegründete Flotte nahm daran -lebhaften Anteil durch Unterstützung der Landheere, durch Angriffe auf -Küstenstädte und auf die feindliche Flotte, um die Verbindung Spaniens -mit seinen Nebenländern abzuschneiden. So kam es zu verschiedenen -Gefechten nicht unbedeutender Flotten -- Kampf um die Lerinischen Inseln, -Schlachten bei Guetaria und bei Genua, Cadiz, Tarragona -- besonders -solange die französische Marine die unter Richelieu ([+] 1642) -erlangte Stärke hatte. Bei den Kämpfen im Mittelmeer spielten zwar die -Galerenflotten die Hauptrolle; beide Nationen waren etwa gleich stark in -dieser Waffe. Es treten aber auch Flotten von Segelkriegsschiffen oder -armierten Kauffahrern auf, sowohl in der Biscaya wie im Mittelmeer; in -der Schlacht bei Cadiz 1640 soll der französische Admiral =de Brézê=, zu -Luward stehend, sogar schon das Manöver gemacht haben, durch einige -seiner Schiffe den Feind dublieren zu lassen. Doch bieten im allgemeinen -die Ereignisse nichts derart Wichtiges, um hier näher darauf einzugehen. - - [147] Du Sein, Teil II, zählt die Gefechte auf; Chab.-Arnault etwas - genauer. - -=Der Bürgerkrieg der Fronde= lähmte den Krieg gegen Spanien sehr, -besonders auch zur See, da =Mazarin= nicht mehr die nötigen Mittel für -die Marine flüssig machen konnte, und 1652 traf diese der schwere Verlust -des Geschwaders unter Vendôme durch Blake (Seite 208), wodurch auch -Dünkirchen in die Hände der Spanier fiel. Anderseits wirkte die Flotte -mit zur Unterwerfung der Fronde in Bordeaux (1649 und 1653), bei einem -letzten Aufstande in Neapel (1653) und schlug die spanische bei Barcelona -(1655). Die Macht der spanischen Marine erlahmte immer mehr, weil dieser -Staat seit 1654 mit England im Kriege war und seine Küsten blockiert -wurden. Nachdem 1657 das Bündnis mit England abgeschlossen war, wurde, -wie schon erwähnt, 1658 =Dünkirchen= mit Unterstützung der englischen -Flotte zurückerobert (durch Turenne), zunächst laut Vertrag an England -abgetreten, aber 1662 von diesem gekauft. Louis XIV. schuf hier durch -Ausbau und Befestigung des schon von den Spaniern gegründeten -Kriegshafens einen mächtigen Stützpunkt für seine Seestreitkräfte. 1659 -war Spanien gezwungen, Frieden zu schließen -- den $Pyrenäischen -Frieden$, ratifiziert 1661. Es verlor die Provinzen nördlich von den -Pyrenäen, sowie Teile und verschiedene wichtige Plätze seiner -Niederlande; hierdurch näherte sich das immer mächtiger werdende -Frankreich den Grenzen Hollands. Der Krieg hatte die Wichtigkeit einer -starken Marine für Frankreich gezeigt und Louis XIV. (Colbert) wandte ihr -von jetzt ab, allerdings auch für kolonialpolitische Ziele, die größte -Sorgfalt zu. In Hinsicht auf diese Punkte hat der französisch-spanische -Krieg wohl Interesse für uns. Verwicklungen mit Holland sollten bald -eintreten und die neue französische Marine kam zur Geltung; vor ihrem -Auftreten im Norden erhielt sie ihre Feuertaufe in Kämpfen gegen die -=Barbaresken= 1664 und 1665. - -Auf einen =venetianisch-türkischen Krieg= 1645-1669, in dem Frankreich -auftrat, soll bei späteren Kriegen zwischen diesen Staaten am Ende des -Abschnittes näher eingegangen werden. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Fünftes Kapitel. - - Der zweite englisch-holländische Krieg 1665-1667. - -$Die politische Lage um 1662. Gründe des Krieges.$ Die Betrachtung der -»Nebenkriege« hat uns bis in den Anfang der sechziger Jahre geführt und -gezeigt, daß um diese Zeit in den europäischen Gewässern überall Frieden -war. Aber der zweite englisch-holländische Krieg lag in der Luft, und in -diesem trat Frankreich (sowie auch Dänemark) auf die Seite Hollands. - -In $England$ war 1660 das Königtum wieder eingesetzt. =Karl= II. stellte -die alte Regierung wieder her, Ober- und Unterhaus sowie die bischöfliche -Kirche, und erstrebte den Ausgleich zwischen den Bischöflichen, den -Presbyterianern und den Katholiken. Ohne feste Grundsätze jedoch, ließ er -sich in seiner inneren wie äußeren Politik vornehmlich durch die -Geldbedürfnisse für seine üppige Hofhaltung leiten. So war seine äußere -Politik schwankend. Obgleich er von Frankreich, noch unter Mazarin, auf -Cromwells Forderung ausgewiesen war, verkaufte er doch 1662 das für -England so wichtige Dünkirchen an Frankreich und neigte immer mehr zu -Louis XIV. hin, da dieser ihn auch sonst mit Geld unterstützte und -dadurch teilweise vom Parlament unabhängig machte. - -Wenn Karl II. aber auch in erster Linie mehr auf seinen als auf Englands -Vorteil bedacht war, so gab er doch, sobald die Lage bedenklich wurde, -der Volkstimmung nach, um nicht dem Schicksal seines Vaters zu verfallen, -auch führte ihn sein Haß gegen Holland mit der öffentlichen Meinung -zusammen. Ihm war ein Krieg mit Holland erwünscht. Er haßte das Land als -Republik, er haßte die augenblickliche Regierung dort, da sie ihn auf -Cromwells Forderung ausgewiesen hatte und auch seinen Verwandten, dem -Hause Oranien, feindlich gegenüberstand. Es wird ihm aber auch -nachgesagt, er habe den Krieg gewünscht, um dafür bewilligte Gelder für -sich zu verwenden. - -Die Stimmung des Volkes, wenigstens eines wichtigen Teiles, war feindlich -gegen Holland. Der erste Krieg hatte den Kampf der beiden Länder nicht -zum Austrage gebracht. Besonders auf englischer Seite blieb die -Eifersucht auf den immer noch weit größeren und trotz der Navigationsakte -weiter zunehmenden holländischen Handel bestehen; die wichtige und -erfolgreiche Rolle, die Holland in der Ostsee gespielt hatte, konnte -England nicht vergessen. Als sich nach der Thronbesteigung Karls II. im -Innern Ruhe eingestellt hatte, trat die Neigung zur Fortführung des -Kampfes um die erste Stelle auf den Meeren wieder kräftig hervor; an -äußeren Anlässen, diese kriegerische Stimmung zu schüren, fehlte es -nicht. - -$Holland$ hatte sich von den Folgen des ersten Krieges erholt. Sein -Besitz in Indien war weiter gewachsen; der Handel blühte auf allen Meeren -wie nie zuvor; seine Finanzen waren geordnet. Letzteres war vornehmlich -das Verdienst =Jan de Witts=, der seit dem Tode Wilhelms II. von Oranien -während der sogenannten ersten statthalterlosen Zeit (1650-1672) -Ratspensionär (erster Beamter) der Provinz Holland, aber in Wirklichkeit -durch den Einfluß seiner bedeutenden Gaben der oberste Leiter der ganzen -Republik war. Das erfolgreiche Auftreten in der Ostsee, die neu bewiesene -Tüchtigkeit der Flotte, die Geschicklichkeit und Festigkeit seiner -Diplomatie -- wieder de Witts Verdienst -- hatten Holland überall neues -Ansehen verschafft. - -Dennoch war es in einer mißlichen Lage. Solange Spaniens Macht groß -dastand, hatte es im Interesse Englands und Frankreichs gelegen, die -Republik stark und unabhängig zu sehen, als aber Spanien nicht mehr zu -fürchten war, drohten Holland gerade von diesen Mächten Gefahren. England -gelüstete nach Hollands Handels- und Seeherrschaft, Frankreich wollte die -spanischen Niederlande haben. Der Verlust der Handels- und Seeherrschaft -mußte der Ruin Hollands werden; das erstarkte Frankreich an Stelle des -geschwächten Spaniens als unmittelbaren Nachbar zu erhalten, war -militärisch und auch für den Handel nicht unbedenklich, selbst wenn die -spanischen Niederlande geteilt wurden, wie es Frankreich zunächst -vorschlug. Kam Antwerpen in französischen Besitz, so hatte die Schließung -der freien Schiffahrt dorthin wohl ein Ende; aber auch in holländischem -Besitz mußte Amsterdam, der Hauptsitz der regierenden Partei, den -Wettbewerb dieser in früheren Zeiten so bedeutenden Handelsstadt -fürchten. Diesen Gefahren gegenüber hatte es der Leiter der Politik nicht -leicht. Im Volke bestanden zwei Parteien: die eine war für das Haus -Oranien, die andere für die republikanische Verfassung, wie sie -augenblicklich bestand; jene neigte zu England und wünschte eine starke -Armee, diese war für Frankreich und eine starke Marine; sie bestand aus -den Kaufleuten in den Seeprovinzen und hier vornehmlich in Holland mit -Amsterdam und Rotterdam, welche Provinz mehr als die Hälfte der Ausgaben -des ganzen, lose geknüpften Staatenbundes trug. Da nun diese Partei, also -die Handelsaristokratie, die herrschende war, so konnte die Regierung ihr -Hauptaugenmerk auf die Flotte richten und die englische Gefahr war ja -auch die ernstere und nächste; es wurde ihr jedoch nicht leicht, schon im -Frieden genügend Mittel für die Wehrkraft aufzubringen, da selbst ihre -Anhänger nur in der Not zu größeren Opfern bereit waren. Wie es bei einem -reinen Handelsvolke ganz natürlich ist, war man in Holland überhaupt -einem neuen Kampfe abgeneigt, wenn auch gerade die herrschenden Kreise -infolge des demütigenden Friedens und der großen Verluste im ersten -Kriege England grollten; man wollte doch die Früchte des Verkehrs im -Frieden einheimsen. Die Regierung hatte denn auch Karl II. den Hof -gemacht, sobald seine Aussichten auf den Thron stiegen, aber vergeblich, -sein Haß überwog. Während die Verhältnisse sich zuspitzten, versuchte man -immer noch, durch Unterhandlungen dem Kriege vorzubeugen. Man nahm auch -die Vermittlung des scheinbar wohlgesinnten Frankreichs in Anspruch; -alles blieb fruchtlos, weil England den Krieg durchaus wollte. - -So brach infolge der Handelseifersucht ein zweiter blutiger Krieg aus -zwischen den beiden Völkern, die als protestantische und parlamentarische -Staaten gegen das katholische und absolute Frankreich hätten -zusammengehen sollen; erst die allgemeiner werdende Erkenntnis der Pläne -Louis' XIV. führte sie nach dem Kriege für kurze Zeit zusammen, dauernd -und ernstlich erst nach der Vertreibung Jakobs II. aus England (1688). - -In $Frankreich$ hatte =Louis= XIV. nach dem Tode Mazarins 1661, also bald -nach dem Pyrenäischen Frieden, die Regierung allein ergriffen und seinen -Ministern erklärt, er werde fortan sein eigener Premierminister sein. Von -diesem Zeitpunkte an begann er die Pläne Richelieus und Mazarins mit -aller Kraft zu verfolgen: Frankreich an Stelle Österreich-Spaniens zur -ersten Macht Europas zu machen und sie auf Kosten dieser Länder -auszudehnen. Die absolute königliche Herrschaft besaß er nach Beendigung -der letzten inneren Wirren -- durch die Unterdrückung der Fronde --; -tüchtige Minister (Louvois, Colbert) schmiedeten ihm die Waffen zu seinen -nun bald folgenden Eroberungskriegen. - -Zunächst faßte er die Erwerbung der spanischen Niederlande ins Auge; -seine Ansprüche leitete er von seiner Gemahlin Maria Theresia, der -ältesten Tochter des Königs Philipp IV. von Spanien, her. Zwar hatte -diese allen Erbansprüchen entsagen müssen, aber diese Entsagung erklärte -Louis XIV. aus verschiedenen Gründen für nichtig und hielt den -Erbanspruch auf die Niederlande auch aufrecht, als dem König Philipp -später noch ein Sohn geboren wurde. Er stützte sich hierbei auf die -eigenwillige Auslegung eines alten Lehnsbrauches in diesen Provinzen, -wonach die Tochter erster Ehe vor einem Sohne zweiter Ehe erbte, das »jus -devolutionis«, und griff später Spanien in seinen Niederlanden an (1667 -der Devolutionskrieg). Noch bei Lebzeiten Philipps ([+] Sept. -1665) begann er diesen Eroberungskrieg politisch vorzubereiten. Von -England fürchtete er bei dem Charakter seines Königs keinen Widerstand, -wichtiger war das Verhalten des geld- und seemächtigen Hollands. Um sich -die dort regierende Partei günstig zu stimmen, schloß er 1662 ein -Defensivbündnis mit der Republik. Auf einen Offensivvertrag ließ sich de -Witt nicht ein, um nicht gezwungen zu sein, zu der sehr unerwünschten -Eroberung selbst mitzuwirken. So aber gewann er die Unterstützung -Frankreichs gegen England und behielt doch freie Hand, sich der -Vereinigung Belgiens mit Frankreich zu widersetzen. Vor Ausbruch des -Krieges übernahm nun Louis XIV. die Vermittlung und trat später (1666) -sogar offen auf Hollands Seite. - -Es ist aber sehr fraglich, ob seine Vermittlung ernstlich gemeint war und -so durchgeführt ist. Es konnte ja nur in seinem Vorteil liegen, wenn die -beiden Gegner sich schwächten; jedenfalls hat seine Flotte nicht in den -Krieg eingegriffen, als er später als Verbündeter auftrat. Louis wollte -wohl diese eben von Colbert geschaffene und in der Entwicklung begriffene -Waffe noch nicht aufs Spiel setzen, sondern sie für später bewahren. Je -geschwächter Holland aus dem Streite hervorging, um so leichter mußte es -der von Louis zunächst vorgeschlagenen Teilung Belgiens geneigt werden. -Sein zweideutiges Spiel geht nicht nur aus dieser lauen Haltung Holland -gegenüber hervor, sondern auch daraus, daß er, wie schon angedeutet und -wie wir noch weiter sehen werden, während der ganzen Zeit mit Karl II. in -Verbindung stand. Und wie er die Zwietracht zwischen den beiden Gegnern -nährte, so schürte er auch den Hader der Parteien in Holland. - - - Die äußeren Anlässe zum Kriege. Die Kriegserklärung. - -Es fehlte nicht an Anlässen, die kriegerische Stimmung zu steigern, -besonders in England. Die Handelskompagnien der beiden Länder stießen -überall in den außereuropäischen Gewässern zusammen und bei der -Überlegenheit der holländischen meistens zum Nachteil der englischen. -Diese erhoben denn auch zuerst Klagen und brachten es dahin, daß England -in einer Weise auftrat, die wiederum Holland zwang, scharfe -Gegenmaßregeln zu ergreifen. Die Schilderung der Ereignisse[148] wird -zeigen, daß sich die Völker schon vor der Kriegserklärung im -Kriegszustande befanden. - - [148] »Leben Ruyters« (besonders die Ereignisse), »Vie de Tromp« - (besonders die Verhandlungen der Staaten), kürzer: de Jonge, Teil - I, und Clowes, Teil II, Seite 254 und 422. - - Den englischen Handelskompagnien wurde es in allen Meeren schwer, neben - den schon weit mächtigeren holländischen festen Fuß zu fassen; sie - wandten sich oft Hilfe heischend an das Parlament. Solche Forderungen - traten besonders 1663 auf. -- Die englisch-ostindische Kompagnie - beschwerte sich, daß die Holländer noch immer die laut Friedensschluß - von 1654 abzutretende Bandainsel Polaroon in Besitz hätten, daß sie - feindlich gegen die indischen Fürsten und Städte aufträten, die ihr die - Anlage von Faktoreien gestattet hätten, daß sie in jeder Hinsicht - selbst mit Waffengewalt den englischen Handel hinderten. Großer Schaden - sei der Kompagnie, mittelbar und unmittelbar, schon zugefügt; ungeheure - Summen wurden dafür vorgerechnet. Man war außerdem in England der - Ansicht, daß der berüchtigte Vorfall in Amboina noch nicht genügend - gesühnt sei. Ähnliche Klagen liefen gleichzeitig beim Parlament ein von - der nach dem Mittelmeer fahrenden türkischen Kompagnie und von der 1662 - gegründeten afrikanischen Kompagnie; auch bei dieser handelte es sich - um Zurückgabe einiger Plätze, die -- früher in englischem Besitz, dann - aufgegeben -- von Holland eingenommen waren, so z. B. Capecoastcastle. - -Unberechtigt sind die Klagen wohl nicht gewesen. Wir haben den Verkehr -auf dem Weltmeer genügend kennen gelernt, um zu wissen, wie gewalttätig -der schon Mächtigere draußen dem Nachkommenden entgegentrat; jedoch ließ -auch England nicht ruhig alles über sich ergehen, sondern antwortete, wo -es ging, mit Vergeltungsmaßregeln, zu welchem Zweck z. B. 1661 ein -kleines Geschwader an die Westküste Afrikas gesandt wurde. Zur -Herbeiführung des Krieges waren diese Zusammenstöße aber nur ein Vorwand. -Die öffentliche Meinung in England und damit der wirkliche Kriegsgrund -finden deutlich ihren Ausdruck in den Monck zugeschriebenen Worten: »Was -kommt es auf diesen oder jenen Kriegsgrund an? Was wir brauchen, ist ein -Stück mehr von dem Handel, den die Holländer jetzt haben!« -Dementsprechend begann man in England zu rüsten -- außergewöhnlich -zahlreiche Indienststellungen, lebhafte Tätigkeit auf den Werften, Füllen -der Magazine -- und unternahm 1663-1664 eine größere $Expedition gegen -holländische Kolonien In Westafrika und Nordamerika$, durch die die -befestigte Insel Gorée am Kapverde, Capecoastcastle sowie einige andere -Plätze an der Goldküste und vor allem Neuamsterdam (New York) den -Holländern abgenommen wurden. - - Die Expedition zählte 22 Segel, teils Schiffe der afrikanischen - Kompagnie, teils königliche; letztere hatte der =Herzog von York= - gestellt, der gleichzeitig Protektor der Kompagnie und Lordhighadmiral - war. Sie segelte 1663 unter =Admiral Holmes=, der schon den Zug 1661 - befehligt hatte. Holmes machte vom Januar 1664 an die aufgeführten - Eroberungen in Afrika und brachte dort viele Schiffe auf. Dann ging er - nach Nordamerika und nahm im August mit Hilfe der benachbarten - englischen Kolonien Neu-Niederland in Besitz; dem Entsender der - Expedition zu Ehren nannte Holmes Neu-Amsterdam jetzt Neu York. - -Hollands Vorstellungen wegen der Gewalttat in Afrika fruchteten nichts. -Die englische Regierung betrachtete den Zug als eine Privatangelegenheit, -versprach Untersuchung, setzte aber ihre Rüstungen fort. Auch in Holland -hatte man im Mai 1664 eine größere Flotte als sonst im Frühjahr unter -Wassenaer zusammengezogen; wie man sagte, gegen die Barbaresken und -spanischen Freibeuter. Sie wurde beständig verstärkt, und bald -verlautete, daß sie Befehl habe, an der holländischen Küste zu bleiben, -zu üben und durch leichte Schiffe die englische Flotte zu beobachten. Man -fürchtete nämlich, diese würde gegen die heimkehrenden Ostindienfahrer -vorgehen, die wie stets im Frühjahr von der Biscaya abgeholt wurden; -übrigens hatte man die entgegengesandte Bedeckung auch wesentlich -verstärkt und befohlen, um Schottland zurückzusegeln. Als nun Holmes' Zug -bekannt geworden war, beschloß man zuerst, mit den Frühjahrsschiffen der -westindischen Kompagnie eine Verstärkung der Kriegsschiffe nach Afrika zu -senden. Da dies aber zu lange gedauert haben würde und auch nicht geheim -gehalten werden konnte, gab man gleich darauf Befehl an =Ruyter= im -Mittelmeer, nach Guinea zu gehen, die verlorenen Plätze wiederzunehmen -und den englischen Handel »in außereuropäischen Gewässern« zu schädigen. -Dieser Befehl war streng geheim, damit man in England nicht aufmerksam -würde und damit das englische Mittelmeergeschwader unter Lawson nicht -folge. Die Geheimhaltung ging so weit, daß selbst einige Mitglieder des -Rates, die den Befehl unterschrieben, ihn nicht kannten; er war ihnen -nach einer sehr arbeitsreichen Sitzung zur Unterschrift mit -untergeschoben worden.[149] - - [149] »Leben Ruyters«, Seite 222. - -=Ruyter= gelang es, die afrikanischen Besitzungen zurückzuerobern und -auch sonst den Engländern in Westindien und im Atlantik großen Schaden -zuzufügen. - - $Ruyters Zug 1664-1665 nach Westafrika und Amerika$ ist bemerkenswert, - weil er die schwierige Aufgabe mit großem Geschick löste.[150] Ruyter - war im Mittelmeer gegen die Barbaresken stationiert, englischerseits - befand sich Admiral Lawson zu gleichem Zwecke dort. Als Ruyter den - Befehl erhalten hatte, nahm er unter allerlei Vorwänden an der - spanischen Küste Proviant für ein Jahr. Es gelang ihm, Lawson über - seine Bestimmungen zu täuschen, und so erschien er ungehindert und - unerwartet Ende Oktober an der =westafrikanischen Küste=. Hier eroberte - er zunächst Gorée zurück, dann, auf die holländische Station Elmina - gestützt, die an der Goldküste verlorenen Punkte und auch das englische - Cormantyne; Capecoastcastle widerstand mit Erfolg. Im Februar 1665 ging - er, 12 Schiffe und 1 Brander stark, nach =Westindien=. Nach einem - vergeblichen Angriff (29. April) auf eine große Zahl englischer - Kauffahrer unter dem Schutz der Batterien auf Barbados verproviantierte - er sich auf holländischen und französischen Inseln und ging dann nach - =Neufundland=. Vor Guinea, in Westindien und in den nördlichen - Gewässern brachte er viele Schiffe auf, die teils verkauft, teils - heimgesandt wurden, so daß der Zug reiche Beute eintrug. Ende Juni trat - er die Rückreise nach Holland an. - - [150] Näheres »Leben Ruyters« und in »Vie de Tromp«. - - Schon in Westindien hatte er vom Ausbruch des Krieges gehört; er - beabsichtigte deshalb, durch die Nordsee zu segeln und gab als - Treffpunkt die Faröer Inseln und dann die Küste Norwegens (Stadtland) - an. Wohlbehalten hier angekommen, erhielt er die Nachricht von der - unglücklichen Schlacht bei Lowestoft (14. Juni). Da er nun die - Engländer in der Nordsee vermutete, um ihn abzufangen -- dies war in - der Tat der Fall --, steuerte er mit allen Vorsichtsmaßregeln längs den - Küsten der deutschen Bucht und lief am 6. August 1665 in die Westerems - ein. - -Sobald man in England das Auftreten Ruyters in Afrika erfuhr, ließ man -die Maske fallen. Die in den englischen Häfen liegenden holländischen -Schiffe wurden mit Beschlag belegt, englische Kriegsschiffe und -Freibeuter brachten in kurzer Zeit an 130 feindliche Schiffe auf. - -Holland antwortete mit Beschlagnahme von Fahrzeugen, ließ aber den -Befehl, feindliche Schiffe auf See aufzubringen, noch nicht in Kraft -treten. Immer noch hoffte man, den Frieden erhalten zu können, wobei man -besonders auf die Vermittlung Frankreichs rechnete. Die Rüstungen wurden -aber ununterbrochen fortgesetzt. Anfangs hatten die Generalstaaten den -Provinzen hierfür noch andere Gründe angeben müssen, um sie geneigt zu -machen: es würde nötig sein, die Konvois -- z. B. den schon erwähnten -nach Guinea -- mit starken Flotten durch den Kanal zu führen; bald aber -wurde doch von allen Stellen der Krieg selbst ins Auge gefaßt -- der -Konvoi nach Guinea segelte tatsächlich nur mit gewöhnlicher Bedeckung, -weil eine Verstärkung der westafrikanischen Station nach Ruyters Erfolg -nicht mehr nötig war --, und nun rüsteten alle Admiralitäten mit einer -seltenen Einmütigkeit und unter Aufbietung aller Mittel. Es wurde -beschlossen, 24 Kriegsschiffe erster Klasse zu bauen, für das kommende -Jahr (1665) die Indienststellung aller Schiffe vorzubereiten und dazu die -Mannschaften der Flotte von 1664 im Dienst zu behalten. Wassenaers Flotte -hatte man auf Wunsch Louis' XIV. während der Verhandlungen wie -alljährlich mit Beginn des Winters zurückgezogen, es war jedoch ein -größerer Teil der Schiffe als sonst im Winter in Dienst belassen. Am 23. -Dezember 1664 wurde ferner sämtlichen Kauffahrern und Fischern das -Auslaufen verboten, um sie nicht der Gefahr aufgebracht zu werden, -auszusetzen und um die Leute für die Bemannung der Flotte zu haben. - -Auch Karl II. zögerte noch mit der Kriegserklärung, wohl der vorgerückten -Jahreszeit wegen und um die Rüstungen zu vollenden, zu denen das -Parlament noch mehr Mittel bewilligen sollte. Da aber schlug eine letzte -Gewalttat Englands dem Faß den Boden aus. Am 29. Dezember 1664 $griff der -Admiral Allin$ in der Straße von Gibraltar $den heimkehrenden -holländischen Smyrna-Convoi an$. - - Der Konvoi bestand aus 30 Kauffahrern mit nur 3 Kriegsschiffen - Bedeckung. Allin überfiel ihn mit 7 Kriegsschiffen. Als der - holländische Admiral =van Brakel= längsseit kam, um zu salutieren, - wurde er mit einer scharfen Breitseite empfangen und dann der Konvoi - angegriffen. Dank der tapferen Gegenwehr, auch der Handelsfahrzeuge, - fielen nur 3 Schiffe in die Hände der Engländer -- eines war im Kampf - vernichtet; zwei versprengte, die ohne Befehl vorausgesegelt waren, - wurden abgeschnitten --, die übrigen retteten sich in spanische Häfen, - van Brakel fiel. - -Nach diesem Gewaltakt »in europäischen Gewässern« beschloß Holland den -Krieg. Es erließ nun auch den Befehl, alle feindlichen Kriegs- und -Handelsschiffe in europäischen Gewässern anzugreifen (24. Januar 1665) -und brach die diplomatischen Beziehungen ab; =der Krieg war erklärt=. Die -englische Kriegserklärung erfolgte im Februar; beide Staaten -wetteiferten, ihre Schlachtflotten aufzustellen. -- $Frankreich$ trat -erst im Januar 1666 durch förmliche Kriegserklärung auf die Seite -Hollands, ebenso Dänemark. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß die -französische Flotte keinen tätigen Anteil an den Kriegsoperationen nahm; -du Sein erwähnt in der Geschichte der französischen Marine diesen Krieg -überhaupt nicht. - -Auch $Dänemark$ kam mit England nur zu kleinen Zusammenstößen in der -Ostsee. - - Holland sandte die englische Kriegserklärung an alle seefahrenden - Mächte mit dem Hinweis darauf, daß auch deren Seehandel durch den von - England heraufbeschworenen Krieg schwer leiden würde. - - - Die Streitmittel der Gegner.[151] - -In $Holland$ war es dem Wirken des Ratspensionärs de Witt zu danken, daß -nach dem Frieden 1654 die Marine nicht wieder wie um 1648 in Verfall -geriet. Er verstand es, in allen Provinzen seinen Einfluß geltend zu -machen und die Bewilligung der nötigen Mittel zu erreichen. Die -Unternehmungen in der Ostsee und im Süden hielten die Flotte in Übung. - - [151] Anschließend an Seite 195 (Holland) und Seite 197 (England) gibt - die Betrachtung gleichzeitig ein Bild der Fortentwicklung der - Marinen. Quellen: de Jonge, Teil I, und Clowes, Teil II, Kapitel - XXII; erstere gibt für diese Zeit genauere Angaben über die - englische Marine als letztere. - -Das =Schiffsmaterial= wurde wesentlich besser. Wir wissen, daß beim -Friedensschluß 1654 70 Kriegsschiffe zu über 30 Kanonen vorhanden waren: -1 zu 60, 9 zu 50-58, 27 zu 40-48, 33 zu 30-38 Kanonen. Es wurden nun die -während des ersten Krieges begonnenen (30) und zu bauen beschlossenen -(30) Schiffe fertiggestellt; unmittelbar vor und dann während des zweiten -Krieges ordnete man weitere Neubauten an: 1664 von 24, Juni 1665 von -nochmals 24 und 1666 von 12 Schiffen. Anfangs wurden zwar nur wenige -Fahrzeuge über 50 Kanonen gebaut, erst 1664 ging man an solche von 60 bis -80 Kanonen; in der 1665 aufgestellten Flotte waren nur 2 zu 70-80 und 5 -zu 60-70 Kanonen, so daß man noch Schiffe dieser Größe von der -ostindischen Kompagnie einstellen mußte, aber 1666 konnten schon 2 -Schiffe über 80, 11 zu 70-78, 21 zu 60-68 Kanonen verwendet werden. Der -Bestand war also an Zahl und Stärke der Schiffe wesentlich gewachsen; -1665 brauchte man nur auf etwa 20 Kauffahrer zurückzugreifen, 1666 war -man ganz frei von ihnen. Eine Angabe über den Gesamtbestand zu irgend -einem Zeitpunkt fehlt in den Quellen; zum Vergleich mit den englischen -Streitkräften ist Seite 258 die Zahl der Schiffe aufgeführt, die an den -Hauptschlachten der beiden ersten Kriegsjahre teilnahmen. Es hatten beide -Gegner ihre Gesamtkraft aufgestellt, nur wenige Schiffe fehlten, die in -fernen Gewässern sich aufhielten oder nicht gefechtsfähig waren. Die -Angaben bieten also einen Anhalt über die Stärke der beiden Marinen -überhaupt. - -Die neueren Kriegsschiffe waren besser gebaut als im ersten Kriege; alle -Schlachtschiffe (über 40 Kanonen) waren jetzt auch hier Zweidecker, -Dreidecker besaß man jedoch noch nicht. Es ist ferner sehr bemerkenswert, -daß man in Holland, wenn auch den Verbesserungen im Schiffbau -- so auch -in den Schiffsformen -- im allgemeinen Rechnung getragen wurde, doch -nicht zum »fregattenähnlichen« Bau in demselben Maße übergegangen war wie -in England. Man zog immer noch weniger tiefgehende, breitere und weniger -scharfe Schlachtschiffe vor, teils der Hafenverhältnisse wegen, teils -weil man annahm, so stabilere Geschützstände zu haben, wenn auch die -Fahrzeuge weniger schnell waren. Dagegen baute man jetzt -»fregattenähnlich« eine größere Zahl von Schiffen zu 20-40 Kanonen, meist -26-36 Kanonen. Die Engländer hatten ja ihre größere Segelfähigkeit -- -fregattenähnlicher Bau selbst bis zu den mittleren Schlachtschiffen -- -des öfteren benutzt, um Schiffe abzuschneiden. Da man nun in Holland den -Bau der Schlachtschiffe nicht dahin ändern wollte, sollten diese -»Fregatten« dem Übelstande bis zu einem gewissen Grade abhelfen. Sie -sollten in gefährdeter Lage befindlichen Schiffen zu Hilfe kommen und zum -Abfangen von Kauffahrern geeignet sein. Sie hatten (wahrscheinlich?) nur -eine gedeckte Batterie, näherten sich also schon dem Begriff der späteren -Fregatte. Der Schiffsbestand wurde endlich auch vervollständigt durch den -Bau besonderer kleiner Fahrzeuge für Melde- und Aufklärungsdienst -(Advijsjagten) und einiger Ruderfahrzeuge zu ähnlichen Zwecken -(Roeijagten und Galeijen) sowie von Transportern für Proviant und -Munition, Postschiffen für die Flotten und zahlreichen Brandern. - -Man baute aber nicht nur Schiffe mit größerer Kanonenzahl, auch die -=Armierung= wurde noch in den Jahren vor und während des zweiten Krieges -durch die zunehmende Verwendung schwererer Kaliber verstärkt; die schwere -Artillerie (32-Pfünder) und die höheren Kaliber der Mittelartillerie (24- -und 18-Pfünder) wurden fast verdoppelt. Auch strebte man dahin, auf -gleich großen Schiffen dieselbe Armierung und in den einzelnen Batterien -Geschütze gleichen Kalibers einzuführen; besonders seit 1666. 1665 -standen auf den Schiffen einzelner Admiralitäten noch 3-4 Kaliber in -einer Batterie. Die Admiralität von Amsterdam, die überhaupt den dritten -Teil der Gesamtflotte stellte, ging hierin wie in allen Verbesserungen -voran; ihre neueren Schlachtschiffe von 48-58 Kanonen waren schon nach -englischem Vorbilde in dieser Beziehung armiert. Im allgemeinen ließ -alles dies aber noch zu wünschen übrig, vor allem fehlte Gleichheit -zwischen den Schiffen der verschiedenen Admiralitäten, und wie sehr die -Stärke der Armierung der der englischen Flotte noch immer nachstand, -werden die vergleichenden Angaben später zeigen. - -Auch in der =Bemannungsfrage= hatten sich im zweiten Kriege die -Verhältnisse für Holland weit günstiger gestaltet. Im Frieden war stets -genügend Personal für die Flotte vorhanden gewesen; nach Beendigung der -Kriege in der Ostsee fanden sich viele kriegserfahrene Seeleute in -Holland ein: Holländer, die dort gedient, und auch Fremde, denn der -Dienst in der Marine war im Lande sehr beliebt geworden. Da bei Ausbruch -des Krieges Seefahrt und Hochseefischerei untersagt wurden, war reichlich -Personal vorhanden. Nach der großen Niederlage im ersten Jahre schwand -allerdings die Neigung zum Dienst, diesem Übelstande wurde aber durch -höheren Sold, Aussetzung hoher Belohnungen für besondere Auszeichnungen -und hoher Pensionen für Invalide usw. abgeholfen. Als endlich durch das -Freigeben eines Teiles der Schiffahrt zu Ende des Jahres 1666 wieder die -Gefahr des Mannschaftsmangels eintrat, wurde sie durch die Bestimmung -abgewendet, daß jedes in See gehende Schiff ein Viertel seiner Besatzung -zur Marine abgeben oder daß die Rhederei Mannschaften in dieser Höhe -stellen mußte. Ferner wurde 1664 eine Seesoldatentruppe gegründet und -bald stark vermehrt. So trat ein Mannschaftsmangel in diesem Kriege nicht -ein, nötigenfalls wurden weiter Landsoldaten eingeschifft. Die Schiffe -waren auch stärker bemannt als früher; daß aber auch hierin England noch -immer besser stand, werden wir sehen, und auch in der Kopfzahl der -Besatzungen herrschte keine Gleichmäßigkeit bei den Admiralitäten. - -Endlich hatten sich auch die Verhältnisse bei den =Kommandanten und -Chargen= gebessert. Die Maßregel der Admiralität Amsterdam (Seite 149), -sich einen Stamm von Kapitänen zu halten, war dadurch erweitert, daß man -noch eine zweite Art Kapitäne schuf. Diese wurden zwar nicht im Dienst -behalten, durften sich aber nur mit Erlaubnis der Admiralität auf -Seereisen begeben und erhielten für diese Verpflichtung ebenfalls ein -Jahrgeld. Dieselbe Behörde hatte ferner erlaubt, daß sich nach dem ersten -Kriege andere obere Dienstgrade, die nicht verwendet werden konnten, -überetatsmäßig auf indienstgestellten Fahrzeugen einschifften. Die -Admiralität der Maas übernahm teilweise diese nützlichen Bestimmungen; so -trat bei Ausbruch des Krieges kein Mangel an Kommandanten usw. ein, es -war sogar eine Reserve vorhanden. - -Eine große organisatorische Veränderung vollzog sich bei den -=Flaggoffizieren=. Bis gegen das Ende des ersten Krieges hatten die -Niederlande nur einen Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland, der -beim Zusammentreten der Gesamtstreitkräfte der Republik den Oberbefehl -führte, und je einen Vizeadmiral sowie je einen Kontreadmiral von Holland -und von Seeland. Dann setzten die Staaten von Holland, deren Seemacht -außerordentlich gewachsen war, durch, daß ein Vize- und ein Kontreadmiral -für jede ihrer drei Admiralitäten (Maas, Amsterdam, Norderquartier -[Westfriesland]) ernannt wurde; es gab also jetzt 1 Leutnantadmiral, 4 -Vize- und 4 Kontreadmirale. Vor Ausbruch des zweiten Krieges (Dezember -1664) nahm Seeland sein altes Recht wieder auf und ernannte einen -Leutnantadmiral von Seeland; sofort verlangte und erreichte Holland -dasselbe für jede seiner Admiralitäten; Friesland, dessen früher sehr -unbedeutende Kräfte auch gewachsen waren, folgte bald. So hatten die -Niederlande 1665: 1 Admiralleutnant von Holland und Westfriesland, 5 -Leutnantadmirale, 5 Vize-, 5 Kontreadmirale für die 5 Admiralitäten. Bei -der Eifersucht der Provinzen sollte dies zu manchen Reibungen führen; -auch sonst war die Anwesenheit so vieler Flaggoffiziere, teilweise vom -höchsten Range, bei der Flotte öfters von großem Nachteil. - - Die Entwicklung dieser Verhältnisse findet man in de Jonge, Teil I, - Seite 527; 687. Für die Generalstaaten war es schwer, die Anciennität - festzusetzen; es führte zu scheinbar verwickelten Bestimmungen. Den - Oberbefehl über die vereinigten Kontingente führte weiter der - Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Die zweite Stimme im - Kriegsrat stand dem Leutnantadmiral von Seeland zu, die Vertretung des - Oberbefehlshabers im Kommando übernahm aber der Leutnantadmiral der - Maas. Seeland war die älteste Admiralität, sein ältester Admiral führte - stets die aus Seelandschiffen bestehende Vorhut; er war also der - zweitälteste Offizier der Gesamtflotte. Den Höchstkommandierenden - stellte aber seit langer Zeit (Seite 149) die Admiralität der Maas; - daraus wurde gefolgert, daß sie auch den Stellvertreter stellen müsse. - - Der Streit über Anciennität der Flaggoffiziere führte zu Verwirrung in - Schlachten; er ging soweit, daß Seeland einmal erklärte, sein - Kontingent nicht eher auslaufen zu lassen, bis eine Frage zugunsten - seines Chefs entschieden sei. - -In $England$ hatte man unter =Cromwell= auch nach dem ersten Kriege -weiter gebaut, zu seiner Zeit wurde mehr als die Hälfte des -Staatseinkommens auf die Marine verwendet. Die Republik fand England -schwach zur See vor und übertraf es schon als die stärkste Seemacht, was -das Material anbetrifft. Auch =Karl= II. hatte Interesse für die Marine, -besonders aber sein Bruder, der =Herzog von York=, der von Jugend auf für -sie bestimmt war. So stand auch die englische Flotte bei Beginn des -zweiten Krieges weit mächtiger da als zu Ende des ersten. Leider fehlt -auch hier eine Bestandsliste[152] für diese Jahre, und man muß deshalb -wie bei Holland als Anhalt die Stärke der zu den Schlachten -zusammengezogenen Flotten nehmen; ich führe also die Angaben für Holland -zum Vergleich hier mit auf: - -1654 hatte England (Holland vergl. S. 255) Schiffe zu - - Kanonen: 100 86-90 70-80 60-70 50-60 40-50 30-40 20-30 6-16 - Zahl der Schiffe: 1 1 -- 8 16 32 43 16 14 - -1665 in der Schlacht am 13. Juni setzten sich die Flotten zusammen: - - England[153] -- 4 3 4 23 30 16 15 6 - Holland[154] -- -- 6 5 26 36 24 6 7 - -1666 vor der Viertageschlacht: - - England[155] 1 3 7 14 25 22 8 ? ? - Holland -- 2 11 21 18 19 13 1 8 - - [152] Auch de Jonge z. B. klagt über den Mangel. Clowes gibt die - nächste erst für 1688, und da sind es fast nur Schiffe, die nach - dem dritten Kriege gebaut sind. Die hier gemachten Angaben sind - entnommen: de Jonge, Teil I, Beilagen XXVIII, XXX, XXXII, XXXIV; - in XXXa. Namen der holländischen Schiffe und Kommandanten, - Kanonenzahl, genaue Einteilung in Geschwader für 1665. - - [153] Dazu 8 Kauffahrer unbekannter Armierung, scheinbar größere, denn 1 - zu 60 und 1 zu 44 Kanonen werden erwähnt. - - [154] Darin enthalten 10 Kauffahrer der ostindischen Kompagnie: 4 zu - 70-80, 5 zu 50-60, 1 zu 41 Kanonen. -- 9 Kriegsschiffe und 7 - Ostindienfahrer waren außerdem noch in der Ausrüstung. - - [155] In der Schlacht fehlte etwa ein Drittel dieser Zahl, als unter - Prinz Ruprecht detachiert; als er am dritten Tage wieder zur - Flotte stieß, brachte er noch 10 weitere Schiffe mittlerer Größe - mit. - -Wir sehen also ein starkes Wachsen in beiden Marinen, was die Zahl der -Schiffe über 50 Kanonen und besonders die ganz schweren Schiffe -anbetrifft. Namentlich die holländische Marine hat ungeheure Fortschritte -gemacht und fährt weiter darin fort: 1667 befinden sich in Ruyters Flotte -schon 6 Schiffe zu 80-90 Kanonen. Sie ist 1666 mit Schiffen über 60 -Kanonen sogar der englischen überlegen. Die englischen 50-60 -Kanonen-Schiffe waren jedoch mit ihren schwereren Kalibern den -holländischen Schiffen mit 60-70 Kanonen überlegen; Holland hatte eben in -der Verwendung schwererer Geschütze England noch nicht erreicht. - -Stellen wir zum Vergleich die =Armierung= der holländischen Schiffe um -1666 der der englischen um 1677 gegenüber. - -Es führten an schwerer und mittlerer Artillerie Schiffe mit =Kanonen=: - - 100 90 80 70 60 50 40 30 - {26-42 26-32 24-32 26-32 24-24 22-18 38-9 18-9-Pfdr. - England {28-24-18 26-24 24-18 26-12 24-12 -- -- -- " - { 28-9 26-9 -- -- -- -- -- -- " - - 100 90 80 70 60 50 40 30 - { -- -- 12-36 6-24 22-18 8-18 4-18 4-18-Pfdr. - Holland { -- -- 16-24 20-18 22- 8 12-12 14-12 12-12 " - { -- -- 14-18 26-12 -- 20- 8 -- -- " - { -- -- 12-12 -- -- -- -- -- " - - Die Angaben über Holland 1666 aus de Jonge, Teil I, Beilage XXXIII. Bei - der Ungleichheit in den verschiedenen Admiralitäten habe ich die - stärksten Armierungen ausgezogen. - - Die Angaben für England 1677 nach der Tabelle Seite 170 (auch de Jonge, - Beilage XXXI). Die Angaben für 1677 sollen auch für den zweiten und - dritten englisch-holländischen Krieg schon beinahe zutreffen. Aber wenn - wir selbst die Angaben für 1652 der Tabelle nehmen, stellt sich der - Vergleich für Holland kaum günstiger. Nur das eine der holländischen 80 - Kanonen-Schiffe 1666 führte 36-Pfünder. - -Es zeigt sich mithin bei den Schlachtschiffen eine große Überlegenheit -auf englischer Seite, nur die Nichtschlachtschiffe zwischen 30 und 40 -Kanonen stehen in Holland sehr viel besser da; es sind dies wohl die -erwähnten »Fregatten«. - - Nach oberflächlicher Berechnung führten die für das Jahr 1666 - angeführten Schiffe über 60 Kanonen in Summe: - - 42-Pfdr. 32-Pfdr. 24-Pfdr. 18-Pfdr. 12-Pfdr. - Auf 25 englischen - Schiffen 26 256 372 48 518 - - Auf 34 holländischen - Schiffen -- 12 (36-Pfdr.) 276 586 354 - - Die Hauptkraft lag bei den Engländern also in 42-Pfündern -- deren - wahrscheinlich noch 56 mehr vorhanden waren, die dann von den - 32-Pfündern abgehen --, in 32-Pfündern und 24-Pfündern, bei den - Holländern in 18-Pfündern; dem englischen 12-Pfünder steht dann wieder - an Zahl der holländische 8-Pfünder etwa gleich. Die holländische - Schwäche wird dadurch ein wenig verringert, daß die englischen - Kaliberangaben den holländischen gegenüber etwas zu verkleinern sind, - weil das englische Pfund leichter war: der 42-Pfünder würde ein - 38-Pfünder, der 24- ein 22-Pfünder usw. werden (vgl. de Jonge, Teil I, - Seite 626). - -Auch die bessere Bedienung der englischen Artillerie wird weiter gerühmt, -und es kommt hinzu, daß die englischen Schiffe stärker bemannt waren. -1666 hatten Schiffe genannter Größen eine =Besatzung von Köpfen=: - - England 700 600 520-650 450 320 200-250 150 130 - Holland -- -- 470 330 260 200-250 200 120-200 - -Es konnten also die englischen Geschütze, namentlich bei gleichzeitigen -Schiffsmanövern, besser bedient werden und die Schiffe waren beim -Enterkampf überlegen; nur die holländischen »Fregatten« stehen in dieser -Hinsicht besser da, sie waren ja auch gleichzeitig zum Manövrieren und -Fechten gebaut. Wie im ersten Kriege, so scheint auch im zweiten in -England im allgemeinen kein Mangel an Personal eingetreten zu sein; auch -hier waren jetzt Seesoldaten vorhanden, von einem Auffüllen mit -Landsoldaten verlautet nichts mehr. - -Die bessere =Segel- und Manövrierfähigkeit= der englischen -Schlachtschiffe infolge schärferer Formen, vielleicht mit Ausnahme der -schwersten, ist uns schon bekannt; der nach holländischer Ansicht damit -verbundene Nachteil, daß man bei Wind und Seegang die untersten Batterien -nicht gebrauchen konnte, tritt allerdings in diesem Kriege mehrfach -hervor. - -Von sonstigen Einrichtungen in der englischen Marine ist noch -hervorzuheben, daß Karl II. die Stelle des =Lordhighadmiral= wieder -besetzte, und zwar mit seinem Bruder, dem Herzog von York. Dieser soll -manche Verbesserungen in der Verwaltung bewirkt haben. Er kommandierte -1665; 1666 wurde das Kommando über die mobile Flotte wieder in die Hände -zweier Admirale -- Prinz Ruprecht von der Pfalz und Herzog von Albemarle -(Monck) -- gelegt. - -In =beiden Marinen= begann in der Zeit zwischen dem ersten und dem -zweiten Kriege (vgl. Seite 181) die Entwicklung eines =ständigen -Kriegsschiffpersonals=. Es fällt in diese Zeit die Vermehrung der -Dienstgrade für die verschiedenen Dienstzweige und auch schon die erste -Vermehrung der Leutnants sowie der Beginn des besseren Ersatzes dieser -eigentlichen Offiziere. Die Anstellung von Offiziersaspiranten wird -allgemeiner; gerade in Holland treten Personen aus den höchsten Ständen -ein, einige von ihnen tun schon im zweiten Kriege als zweite selbst als -erste Leutnants Dienst. Die Bauten -- =Werften= und =Magazine= -- wurden -wesentlich verbessert; York verwandte in England Sorgfalt darauf, in -Holland wurden -- besonders wieder in Amsterdam -- die Einrichtungen zum -Selbstbau und zum Docken weit größerer Kriegsschiffe als bisher -getroffen. - -Wichtig vor allem ist das wachsende Verständnis für die Führung der -Flotten, die =Taktik=. =In England= erließ der =Herzog von York= 1665 -eingehende Instruktionen über das Segeln und das Fechten im -Flottenverbande, Verbesserungen der Instruktion von 1655, durch die -besonders Aufrechterhaltung der Ordnung im Gefecht -- enggeschlossene -Kiellinie beim Winde -- angestrebt wird. Im allgemeinen wird -beabsichtigt, den eignen Angriff stets gleichzeitig auf die ganze Linie -des Feindes zu richten, doch ist auch schon ein Fall vorgesehen, die -feindliche Linie zu durchbrechen und an einer Stelle dann mit Übermacht -aufzutreten. - - Colomb, Seite 89-90, gibt wörtlich die Artikel dieser »instructions for - the better ordering of the fleet in sailing and in fighting«, die sich - auf die verschiedenen Gefechtslagen beim Zusammenstoß beziehen; sie - folgen hier im Auszuge: - - Ist die eigene Flotte zu Luward und der Feind erwartet den Angriff über - denselben Bug liegend, soll die Flotte so an den Feind geführt werden, - daß Schiff gegen Schiff steht. Liegt der Feind über den andern Bug, so - soll die Flotte (außer Schußweite) bis etwa querab der feindlichen - geführt, dann »zugleich« gewendet und zum Gefecht herangegangen werden, - so daß also wieder Schiff gegen Schiff steht. In beiden Fällen soll - während des Kampfes die Luvstellung gehalten werden; zu diesem Zwecke - müssen etwaige Manöver des Feindes -- Wenden im Kontremarsch,[156] - Wenden zugleich oder Wenden einzelner Geschwader -- in derselben Weise - ausgeführt werden. - - [156] Das heißt: Wenden der Schiffe einer Kiellinie nacheinander auf - derselben Stelle, auf der das erste Schiff gewendet hat. - - Steht der Feind zu Luward und greift an, so soll er in guter, - enggeschlossener Linie erwartet werden. Greift die eigene Flotte von - Lee aus an, was ja bei besseren Segeleigenschaften oder infolge - leichter Windänderungen möglich ist, so soll die Vorhut versuchen, die - feindliche Linie zu durchbrechen und dann die abgeschnittenen hinteren - Schiffe des Feindes von Luward aus angreifen; Mitte und Nachhut sollen - das Manöver durch Dublieren der abgeschnittenen Schiffe von Lee her - unterstützen, dabei aber die Bewegungen der vorderen Schiffe des - Feindes im Auge behalten. - -Hervorzuheben ist, daß in der neuen englischen Instruktion im Gefecht -stets von der ganzen Flotte die Rede ist, während in der alten von dem -Verhalten der Geschwader gesprochen wurde. Es ist ferner bemerkenswert, -daß den Schiffen befohlen wird, »Linie« mit ihrem Geschwaderchef zu -halten, falls ein Geschwaderchef ausgefallen ist, mit dem -Oberbefehlshaber oder mit dem vorn segelnden Flaggoffizier. - -Auch in =Holland= ist der Fortschritt in der =Taktik= zu bemerken. Gleich -nach der unglücklichen Schlacht 1665 wurden auch hier Bestimmungen über -das Segeln in der Flotte, besonders bei Annäherung an den Feind, -erlassen.[157] - - [157] Durch Bevollmächtigte der Generalstaaten, wie denn überhaupt, bis - Ruyter 1665 den Oberbefehl übernahm, dem Flottenchef die - genauesten Vorschriften selbst über den inneren Dienstbetrieb - gemacht wurden. - -Vor der genannten Schlacht war die Flotte in 7 Geschwader geteilt, ein -jedes mit 3 Flaggoffizieren; der Grund soll die Anwesenheit so vieler -Admirale gewesen sein. Es ist wohl möglich, da man Unzufriedenheit bei -ihnen vermeiden wollte, sollte es aber nicht auch eine Folge der älteren -Gruppentaktik sein? Tromp der Ältere teilte auch in so viele Abteilungen, -und damals lag der andere Grund nicht vor. Nach der Schlacht teilte man -die Flotten nun stets wie in England in 3 Geschwader (selten 4) und diese -wieder bei großer Schiffszahl in 3 Divisionen. Jetzt befanden sich bei -jedem Geschwader viele Flaggoffiziere und zwar bis zu je 2 -Leutnantadmiralen, Vize- und Kontreadmiralen. =Ruyter= vervollständigte -diese Instruktionen, sie enthielten in der Hauptsache aber eigentlich nur -Bestimmungen, die auf die Ordnung beim Marsch und beim Eintritt ins -Gefecht hinzielten. - - Im »Leben Ruyters«, Seite 305, 315, 361 und auch »Vie de Tromp«, findet - man genaue Vorschriften über die Positionen der Geschwader und - Divisionen in der Flotte, auch auf dem Marsche strenge innezuhalten; - Befehle an die Geschwaderchefs, den Brandern und Fregatten ihre Posten - für das Gefecht genau anzuweisen; das strenge Verbot von Manövern oder - Angriffen ohne Befehl, dagegen Signale, auf die die einzelnen - Geschwader, oder das Ganze, anzugreifen hätten. Es wird ferner - befohlen, daß jedes Geschwader täglich einige Fregatten zum Erkunden - des Feindes auszusenden hätte; im Gefecht sollten diese Fahrzeuge so - postiert werden, daß sie beschädigten oder bedrohten Schiffen Hilfe - leisten und die Branderangriffe unterstützen könnten. - -Es fehlten jedoch, wie es scheint, eigentliche Dispositionen für die -verschiedenen Gefechtslagen. Der Chef will zwar die Teile seiner Flotte -in der Hand behalten, die Angriffe scheinen jedoch noch immer -vorzugsweise geschwaderweise und mit Einbrechen in den Feind gedacht zu -sein. Es ist ferner auffallend, daß in den Instruktionen nie das Wort -»Linie« vorkommt. Die Einzelschiffe werden nur angewiesen, »sich bei -ihrem Divisionschef zu halten, sich nicht gegenseitig in den Weg zu -kommen oder im Feuer zu hindern.« Ein Ausrichten auf den Flottenchef wie -in England wird nicht erwähnt.[158] - - [158] Bemerkenswert ist es, daß Ruyter Gelegenheit nahm, seine Flotte - zu exerzieren; er ließ taktische Bewegungen machen (»Leben - Ruyters«, Seite 325: rechts um, links um, öffnen, Schließen »wie - bei Landsoldaten!«) und ordnete Gefechtsübungen an. - -In beiden Ländern führte der Fortschritt in der Taktik begreiflicherweise -zur Vervollständigung des Signalsystems. - -So hatten sich beide Marinen weiter zu stehenden im modernen Sinne -entwickelt, besonders die holländische, die im ersten Kriege darin sehr -zurückgestanden hatte. Beide Länder hatten auf das nachdrücklichste für -den bevorstehenden Kampf gerüstet, nicht nur durch Aufstellen von -Streitmitteln, sondern auch durch Füllen der Magazine usw., denn man war -auf beiden Seiten noch sehr abhängig vom Auslande, besonders von -Deutschland und Schweden. Daß Holland in vielem England noch nicht -erreicht hatte, haben wir gesehen, und hierbei müssen wir noch einer -Frage näher treten: =der abwägenden Beurteilung des Personals=. - -In den Geschichtswerken beider Nationen wird behauptet, das eigene -Personal sei im zweiten Kriege das in Seemannschaft überlegene gewesen; -ich glaube, beide Teile haben in ihrem Sinne recht. Was die rein -seemännische Ausbildung anbetrifft, so ist es wohl möglich, daß das -holländische Personal überlegen war, daß Holland wenigstens über eine -größere Zahl tüchtiger Seeleute -- Vorgesetzte wie Mannschaften -- -verfügte; war doch sein Seehandel noch bei weitem größer. Zwar sagt ein -englischer Schriftsteller dieser Zeit, der größere Teil der holländischen -Kommandanten seien Söhne angesehener Leute, »Bürgermeistersöhne« gewesen, -die ihre Stellung nur aus politischen Rücksichten erhalten hätten, doch -ist nach allen anderen Quellen im Gegenteil anzunehmen, daß die bei -weitem größere Zahl aus dem Kauffahrteidienst herstammte und aus solchem -eine reiche seemännische Erfahrung hatte; ebenso die übrige Besatzung. -Aber diesem Ersatze, besonders den Kommandanten und Dienstgraden, -mangelten noch die militärischen Haupttugenden: Subordination und -militärische Treue im Beruf, Berufsbildung und Berufsstolz. Der Umstand, -daß die niederländische Marine keine einheitliche, sondern ein loser -Flottenbund war, daß die republikanischen Verhältnisse überhaupt nicht -geeignet waren, diese Übelstände zu beseitigen und außerdem, wie erwähnt, -zu Eifersüchteleien zwischen den Führern und den Kontingenten führten, -alles dies lähmte das militärische Zusammenwirken. Von einer -eigentlichen, Berufsbildung ist zu dieser Zeit in England zwar auch noch -nicht die Rede. Hier aber war noch viel von der militärischen Zucht -Cromwells erhalten geblieben, viele der höheren Führer, vor allem Monck, -stammten noch aus der älteren Zeit; in dem monarchischen Lande -entwickelte sich leichter unter den Offizieren der Kastengeist, der das -militärische Element hob und die mangelnde Berufsbildung teilweise -ersetzte; die Marine war endlich aus einem Guß. So war die englische -Flotte militärisch-seemännisch die leistungsfähigere. - -Wenn Holland vielleicht die besseren, wenigstens zahlreicheren, Seeleute, -»Teerjacken«, hatte -- soll doch der Herzog von York 1667 bei Ausführung -eines schwierigen Manövers verschiedener holländischer Schiffe ausgerufen -haben: »that never was or would have been undertaken by ourselves!« --, -so besaß England die besseren »Seeoffiziere«; ein Vorteil, der im -Gefecht, besonders aber im Gefecht größerer Verbände, hervortrat. Was die -holländische Marine im zweiten Kriege leistete, ist wohl in erster Linie -dem Genie Ruyters zuzuschreiben; im dritten Kriege hatte sich manches -zugunsten Hollands und zuungunsten Englands geändert. Wenn auch noch -nicht in der Flotte selbst, so trat doch, wie wir sehen werden, an -anderen Stellen ein für sie höchst nachteiliges Nachlassen der alten -Pflichttreue und Ordnung in England schon während dieses Krieges ein. - - $Frankreich$ tritt zwar in diesem Kriege als Verbündeter Hollands auf. - Da jedoch seine Flotte erst im dritten Kriege an den Kämpfen teilnimmt, - so soll über die Entwicklung und den Stand der französischen Marine - erst im nächsten Kapitel gesprochen werden. Um jedoch zu zeigen, von - welchem Werte eine wirkliche Unterstützung für Holland gewesen sein - würde, ist vor dem Jahre 1666 die Stärke des für den Krieg scheinbar - bestimmten Geschwaders angegeben. - - - Der Verlauf des Krieges.[159] - -$Die Schlacht bei Lowestoft, 18. Juni 1665.$ Nach der Kriegserklärung -begannen die Operationen der Flotten nicht sogleich. Es war Winter und -demzufolge der größere Teil der Schiffe außer Dienst gestellt; beide -Nationen wetteiferten aber in der Ausrüstung aller zur Verfügung -stehenden Fahrzeuge, um im Frühjahr gleich zu großen Schlägen bereit zu -sein. Wie es in England schon vor der Kriegserklärung geschehen war, so -gaben jetzt auch die Holländer Kaperbriefe aus, und bald erschienen ihre -Freibeuter im Kanal und in der Nordsee; besonders in Seeland regte sich -das alte Wassergeusenblut, es bildeten sich Gesellschaften zu diesem -Zweck, deren eine allein 25 Segel stellte, Schiffe von 20-36 Kanonen. - - [159] Hauptquellen: Clowes, Teil II; »Leben Ruyters«; »Vie de Tromp«; - de Jonge, Teil II; Mahan. Teil I. Über Mängel der Quellen vgl. - Seite 199. - -Erst im Mai rührten sich die $Kriegsflotten$, deren genaue -Zusammensetzung schon genannt ist (Seite 258); insgesamt betrugen die -$Stärken$ unter dem Lordhighadmiral =Herzog von York= und Leutnantadmiral -=Wassenaer=: - -=England=: 80 Schlachtschiffe über 30 Kanonen, 29 kleinere, 21 Brander, -mit 21000 Mann und 4192 Geschützen. - -=Holland=: 97 Schlachtschiffe und Fregatten über 30 Kanonen, 13 kleinere -Segel, 12 Ruderfahrzeuge -- mit 21631 Mann und 4869 Geschützen. - - Die englische Flotte war in 3 Geschwader geteilt: Vorhut Admiral Prinz - Ruprecht, Mitte Herzog von York mit Admiral Sir William Penn als - captain of the fleet, Nachhut Admiral Montagu, Earl of Sandwich; hierzu - traten die 3 Vizeadmirale, unter ihnen Lawson beim Zentrum, und die 3 - Kontreadmirale der Geschwader. - - Die holländische Flotte war in 7 Geschwader geteilt, geführt von: - Wassenaer, den Leutnantadmiralen Johann Evertsen (Seeland), Cortenaer - (Maas), Stellingwerff (Friesland) und den Vizeadmiralen Tromp, Cornelis - Evertsen jun., Schram; hierzu traten weitere 10 Flaggoffiziere und 4 - als solche diensttuende als Vize- und Kontreadmirale der Geschwader. - (Die Leutnantadmirale Ruyter (Amsterdam) und Meppel (Norderquartier) - waren zurzeit zusammen abwesend auf dem Zuge nach Afrika und - Westindien.) -- Es wehten mithin in der ersten Schlacht 9 englische und - 21 holländische Admiralsflaggen. - -[Illustration: Herzog von York.] - - Der =Herzog von York=, 1633 als zweiter Sohn Karls I. geboren, war von - Jugend auf als Seemann erzogen. Er floh 1648 nach den Niederlanden und - nach seines Vaters Hinrichtung nach Frankreich. 1660 wurde er von Karl - II. zum Lordhighadmiral ernannt, mußte aber als Katholik 1673 das Amt - niederlegen. 1685 bestieg er als Jakob II. den Thron. Als Großadmiral - und als König tat er viel für die Marine. - - Prinz =Ruprecht von der Pfalz= (engl. Prince Rupert), 1619 als Sohn des - Kurfürsten Friedrich V. (des Winterkönigs) geboren, focht im - Dreißigjährigen Kriege auf protestantischer Seite. Im englischen - Revolutionskriege diente er als Reiterführer und später zur See als - Parteigänger der Royalisten. 1666 führte er mit Monck die englische - Flotte, 1673 war er erster Lord der Admiralität, er starb 1682. Er war - ein tüchtiger Seeoffizier, aber doch nicht von der peinlichen - Pflichttreue wie die Generale der Cromwellschen Schule; zu sehr - Kavalier. - - =Cornelis Tromp=, 1629 als Sohn Martin Tromps geboren, wurde bald nach - der Schlacht bei Lowestoft an Stelle des gefallenen Cortenaer - Leutnantadmiral. 1675 wurde er von Karl II. zum Baronet und 1676 vom - König von Dänemark zum Grafen erhoben; 1677 folgte er Ruyter in der - Stellung als Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Er - zeichnete sich in den Kriegen gegen England und Frankreich sowie im - dänisch-schwedischen Kriege 1675-1679 in dänischem Dienste aus. Mutiger - und tüchtiger Seeoffizier und beliebt bei den Untergebenen, jedoch - unvorsichtig, eigenmächtig und ehrgeizig. Biographie: »Vie de Tromp«. - -Die englische Flotte ging am 1. Mai zuerst in See, infolge alarmierender -Gerüchte über die Bewegungen des Feindes, obgleich sie noch nicht -vollzählig bemannt und auch nur notdürftig mit Proviant usw. ausgerüstet -war. =York= beabsichtigte, den Feind in dessen eigenen Gewässern zum -Kampf zu stellen, vor allem die Vereinigung der Flottenabteilungen, die -in der Maas-Scheldemündung zusammentraten, mit den bei Texel versammelten -zu verhindern; außerdem hoffte er, heimkehrende Kauffahrer und das -zurückerwartete Geschwader Ruyters abfangen zu können. Er blockierte etwa -14 Tage lang die feindlichen Küsten, wurde dann aber durch -Proviantmangel und durch einen schweren Sturm, in dem die Schiffe sehr -litten, gezwungen, am 19. Mai nach England zurückzugehen. - -Gleich darauf, am 22. Mai, führte Leutnantadmiral Evertsen die westlichen -Flottenabteilungen nach Texel, und =Wassenaer= ging an den beiden -nächsten Tagen mit der Gesamtflotte in See. Er hielt sich zunächst -mehrere Tage an der Küste. Einige Quellen sagen, er sei durch flaue -Gegenwinde festgehalten, andere geben an, er habe es bei der ihm -wohlbekannten Neigung zur Indisziplin und Eifersucht im Personal nach so -kurzem Zusammensein der Flotte noch nicht für ratsam erachtet, schon -Größeres zu unternehmen. Jedenfalls wurde ihm dieses Zögern sehr verdacht --- er wäre ja auch unter Umständen der schwachbemannten, von Vorräten -entblößten und durch den Sturm beschädigten englischen Flotte sehr -gefährlich geworden --, und er erhielt von den Generalstaaten ein -Mißtrauensvotum sowie den ausdrücklichen Befehl, sobald wie möglich -anzugreifen. Man glaubte die feindliche Flotte sehr geschwächt und ihre -weitere Bemannung und Ausrüstung sehr in Frage gestellt, weil gerade -jetzt in London die Pest ausgebrochen war. Durch die Vorwürfe erbittert, -soll Wassenaer nun den Entschluß gefaßt haben, gegen seine sonstige -Ansicht den Feind zu suchen und unter allen Umständen zu fechten; nach -erhaltenem Befehl ging er zur englischen Küste hinüber. Inzwischen war es -ihm am 30. Mai gelungen, eine größere Anzahl Hamburger Kauffahrer mit -Material für die englische Marine nebst dem sie deckenden Kriegsschiffe -wegzunehmen. - -Die englische Flotte lag noch in der Ausrüstung begriffen bei Harwich. -Auch sie erhielt auf die Nachricht des höchst unangenehmen Verlustes des -Konvois Befehl, wieder auszulaufen; außerdem glaubte =York=, sich auf dem -augenblicklichen Ankerplatze keinem Angriffe aussetzen zu dürfen, um -nicht zwischen den Bänken gefangen zu werden. Er ging deshalb mit seinen -Proviantschiffen nach der =Solebay= (Southwoldbay, damals vermutlich eine -größere Bucht als jetzt und deshalb ein beliebter Flottenankerplatz). -Hier ankerte er am 11. Juni und hatte das Glück, sofort Fahrzeuge mit -Auffüllungsmannschaften anzutreffen, denn schon an demselben Tage wurden -die Holländer etwa 18 Seemeilen ab in Ostsüdost gesichtet, bei östlichem -Winde zu Luward stehend; York sandte die Transporter nach Harwich zurück -und ging weiter in See hinaus. =Wassenaer= war am 11. durch Flaute -gehindert anzugreifen, und so fand der Morgen des 12. Juni beide Flotten -etwa 8 Seemeilen Südost von =Lowestoft=, die Holländer etwa 5 Seemeilen -Südost von den Engländern stehend. Aber auch an diesem Tage kam es nicht -zum Gefecht, es war weiter flau; Wassenaer hätte wahrscheinlich angreifen -können, er zog es aber vor, weiter vom Lande abzuliegen, um seine infolge -des flauen Windes auseinander gekommene Flotte zu sammeln; erst abends -näherten sich die Gegner. In der Nacht ging der Wind durch Süd auf -Südwest und am 13. Juni 2-1/2 Uhr morgens standen die Flotten etwa 18 -Seemeilen Nordnordost von Lowestoft, nun aber die englische zu Luward. -=York= ging zum Angriff über, aber auch =Wassenaer= wollte jetzt trotz -der ungünstigen Windstellung und der noch immer geringen Ordnung seiner -Flotte fechten, und so begann am $13. Juni 1665$ um 3-1/2 Uhr früh die -$Schlacht von Lowestoft$. - -Die Überlieferungen sind nur dürftig und widersprechend. Wir folgen im -allgemeinen den Schilderungen Clowes' und de Jonges. Aus ihnen ist, -übereinstimmend mit anderen Quellen, zu entnehmen, daß die Engländer in -guter Ordnung waren und diese längere Zeit aufrecht erhielten, daß aber -schließlich wieder die Melee eintrat, namentlich, weil die Ordnung der -Holländer aus verschiedenen Gründen immer mehr verloren ging. - - Als die Flotten ins Gefecht eintraten, war die holländische Flotte - keinesfalls in guter Ordnung. Spätere kriegsgerichtliche Feststellungen - erklären: »Verschiedene Flaggoffiziere befanden sich nicht bei ihren - Verbänden, sondern segelten zusammen; viele Schiffe, selbst Verbände, - waren nicht auf ihren Posten, der Befehl zum Angriff kam unerwartet. - Ein Zeuge sagt sogar: Es war eine Lust, die englische, aber ein Jammer, - die holländische Formation zu sehen.« Also Ordnung und Aufsicht waren - mangelhaft. Dies gab verschiedenen Schiffen die Möglichkeit, sich nur - flau am Gefecht zu beteiligen. Sie hielten sich in Lee außerhalb der - Gefahr; mehrere Fahrzeuge blieben völlig unbeschädigt, ja, einige - sollen nicht einmal die Mundpfropfen aus den Geschützen genommen haben. - - Die beiden Flotten passierten sich zuerst um 3-1/2 Uhr unter lebhaftem - Feuer, in »Kiellinie beim Winde« über verschiedene Buge liegend. - Hierbei war die Entfernung ziemlich groß, doch litten die Holländer - mehr durch die schwerere, weitertragende Artillerie des Gegners. Sie - hatten nur den Erfolg, ein zu weit nach Lee gekommenes englisches - Schiff zu nehmen; es sollte ihre einzige Trophäe bleiben. Nach dem - Passieren wendeten beide; die Holländer im Kontremarsch, die Engländer - zugleich, so daß bei diesen die Nachhut (Sandwich) an die Spitze kam. - =Wassenaer= strebte danach, die Luvstellung zu gewinnen. Bei der - geringeren Segelfähigkeit seiner Schiffe gelang dies nicht, dagegen - führte es dahin, daß die höherliegenden und schnelleren Schiffe - vorliefen, andere zurückblieben oder mehr nach Lee kamen. So wurde die - Ordnung weiter gestört, wozu auch noch das Bestreben der tüchtigsten - Kommandanten, so auch Wassenaers und der übrigen Admirale, schneller - und näher an den Feind zu kommen, beitrug. Wassenaer und Tromp sollen - bald das Schiff des vor ihnen segelnden Cortenaer (Vorhut) erreicht - haben; da ihre besten Schiffe ihnen gefolgt waren, befanden sich nun 3 - Geschwader untereinander gemischt. - - Es ist nicht klar aus den Quellen zu entnehmen, ob es sich jetzt weiter - um ein oder um mehrere Passiergefechte gehandelt und ob vor- und - nachstehendes sich demgemäß zur Zeit des zweiten Passierens oder bei - späterem ereignet hat. Schon um 5 Uhr fiel =Cortenaer=, der an Stelle - des Oberbefehlshabers den Befehl hätte übernehmen müssen. Sein - Flaggschiff floh mit wehender Admiralsflagge, etwa 10 Schiffe dieses - Geschwaders folgten, so daß eine Lücke entstand. Gegen Mittag brach - =Sandwich= durch eine Lücke in der Nähe des Zentrums, vielleicht die - eben erwähnte, und teilte damit die feindliche Flotte. Es ist fraglich, - ob er dieses Manöver mit Absicht oder durch Zufall -- vielleicht - infolge des Pulverdampfes, die Flotten waren sich an dieser Stelle sehr - nahe gekommen -- ausgeführt hat. Jedenfalls hatte es den - nachdrücklichsten Erfolg, die Verwirrung der Holländer wurde immer - größer. Die Engländer greifen nunmehr die standhaftesten Feinde, - insbesondere die Admirale, an; die Melee ist da. - - Als =Wassenaer= (»Eendracht«, 70 Kanonen) sah, daß das Kriegsglück sich - gegen ihn wandte, scheint er von Verzweiflung erfaßt zu sein. Er - versucht York (»Royal Charles«, 80 Kanonen) zu entern, wird - abgeschlagen, kämpft aber mit Erfolg weiter -- York selbst wird leicht - verwundet, neben ihm fallen 3 Kriegsfreiwillige hoher Geburt, sein - Schiff wird arg zerschossen --, bis die »Eendracht« um 2 Uhr - nachmittags auffliegt. Die Explosion ist wahrscheinlich durch - Entzündung von Kartuschen erfolgt, doch sagt das Gerücht, sie sei durch - einen Negerdiener des Admirals aus Rache veranlaßt worden. Durch diesen - Vorfall entmutigt, halten wieder einige Schiffe ab; andere folgen, weil - sie glauben, der Befehl zum Rückzug sei gegeben. Einzelne Verbände und - Einzelschiffe halten aber noch wacker stand trotz weiterer Verluste: an - einer Stelle werden 4 zusammengetriebene Fahrzeuge durch einen Brander - vernichtet, an einer anderen trifft 3 oder 4 vereinzelt dasselbe Los. - - Leutnantadmiral =Evertsen= übernahm nach Wassenaers Tode den - Oberbefehl. Aber auch =Tromp=, der den Tod Cortenaers und - Stellingwerffs erfahren hatte, setzte die Admiralsflagge und übernahm - das Kommando über die Schiffe in seiner Nähe; er behauptete später, - nicht gewußt zu haben, was aus Evertsen geworden sei. Es würde dies - bezeichnend für die Verwirrung sein; vielfach glaubte man jedoch, er - habe nur nicht unter einem seeländischen Admiral stehen wollen, denn - ähnlicher Eigenmächtigkeiten machte er sich in der Zukunft mehrfach - schuldig. Der Versuch dieser beiden Führer und anderer besonnener - Männer, das Gefecht in Ordnung abzubrechen, war vergeblich; der Rückzug - artete in Flucht aus, die um 7 Uhr abends allgemein wird. - - =Evertsen= steuert mit 17 Schiffen, wohl hauptsächlich vom Seeländer - Kontingent, nach der Maasmündung, dem nächsten Schutzplatz, der - außerdem bei dem Stand der Gezeiten ein sofortiges Einlaufen gestattete - und auch als Sammelpunkt ausgegeben war. =Tromp= ging mit dem größeren - Teil der Flotte nach Texel und dem Vlie, wo erst mit wechselndem Strom - nach einer gefahrvollen Nacht das Einlaufen möglich war. Er wählte, wie - er sagte, diesen Kurs, um die vorher dorthin geflohenen Schiffe zu - decken; tatsächlich hat er auch mit einigen seiner besten Fahrzeuge den - Rückzug der dorthin Segelnden und gewissermaßen den der ganzen Flotte - geschützt. - - =Die Verluste= der Holländer betrugen nach englischen Angaben: 14 - Schiffe vernichtet, 18 genommen -- die Holländer gaben nur 16-20 - insgesamt zu --; 4000 Tote, darunter 3 Leutnantadmirale; 2000 - Gefangene. Die Engländer verloren: 2 Schiffe; 600 Tote und Verwundete, - unter den Toten Vizeadmiral Lawson und 1 Kontreadmiral, und einige - Hundert Gefangene. - -=Die Schlacht bei Lowestoft ist bemerkenswert= als die erste, in der -beide Flotten in »Kiellinie beim Winde« ins Gefecht eintreten und sich in -dieser Formation mehrfach passieren, ehe die Melee beginnt; die Engländer -haben dabei scheinbar die Linie in guter Ordnung aus Einzelschiffen -gebildet. Die Schlacht war eine völlige Niederlage für die Holländer; -ihre Flotte hatte stark gelitten und war versprengt in ihre Häfen -zurückgetrieben; bei energischer Verfolgung wäre ihr Verlust wohl noch -weit größer geworden. - -=Die Engländer verfolgten= zwar, doch wurde die Verfolgung während der -Nacht lau. Als Grund wird angegeben, der stark auffrischende und -auflandige Wind habe es verboten, sich den flachen Gewässern zu nähern, -auch seien alle Brander verbraucht gewesen. - - Eine mysteriöse Geschichte spielt mit (Clowes, Teil II, Seite 265). Im - Kriegsrat nach der Schlacht soll =Penn= geäußert haben, man müsse sich - noch auf ernstes Werk gefaßt machen, die Holländer seien nie tapferer - als in der Verzweiflung. Daraufhin habe die persönliche Umgebung Yorks - gesagt, es sei auch Ehre genug errungen. Als sich der Herzog in die - Kajüte zurückgezogen hatte, überbrachte ein Offizier seiner Begleitung - den Befehl an Penn, die Flotte solle Segel mindern. Es geschah. Später - wunderte sich der Herzog über den ausgeführten Befehl und behauptete, - ihn nicht gegeben zu haben, doch nun war es zu spät. Untersucht ist die - Sache nicht; Penn blieb in Yorks Gunst, der Überbringer des Befehls - wurde entlassen. Man sagt, die Umgebung des Herzogs habe von seiner - Gemahlin und auch vom König den Auftrag gehabt, dafür zu sorgen, daß - sich York nicht zu sehr gefährde; er war ja der voraussichtliche - Thronerbe. - -Wie von einer taktischen Verfolgung, so wurde auch von sonstiger -strategischer Ausnutzung des Sieges abgesehen; als Tromp bei Texel -eingelaufen war, ging York am 14. Juni nach England zurück. - -=In Holland=, wo man die eigene Flotte der feindlichen überlegen geglaubt -hatte, erregte die Niederlage im Volke große Entrüstung. Diese ging -soweit, daß =Evertsen= in Brielle vom Pöbel angegriffen, durch die -Straßen geschleift und ins Wasser geworfen wurde, nur knapp entging er -dem Tode. Von den Kommandanten, die sich im Kampf feige benommen hatten, -wurden verschiedene mit Gefängnis bestraft, andere infam kassiert, einige -erschossen. - -Auch dem gefallenen =Wassenaer= -- dem man zwar später in der großen -Kirche im Haag ein prachtvolles Denkmal errichtete -- wurde =die Schuld= -an der Niederlage =zugeschoben=: Er habe unter ungeeigneten Umständen -gefochten; ihm habe die Umsicht gefehlt, er habe die Leitung aus der Hand -gegeben und nur mit dem eigenen Schiff den Kampf gesucht. Man vergaß, -welchen strikten Befehl man ihm zum Fechten gegeben, daß man ihn, einen -Reiterführer, trotz seiner Einwendungen zum kommandierenden Admiral -gemacht hatte. Wie nach der Schlacht im Sunde (1658) wurde ihm -vorgeworfen, er habe vor der Schlacht keinen Kriegsrat gehalten, -infolgedessen seien die Admirale und Kommandanten nicht über seine -Absichten unterrichtet gewesen. Man vergaß, daß er nach dem -Zusammenziehen der Flotte gern etwas Zeit gehabt hätte, um ein gewisses -Zusammenschmelzen der verschiedenen Verbände zu erzielen. Liegen nicht -auch andere Gründe für die Niederlage ebenso nahe, ja noch näher? Die -Unordnung schon bei Beginn des Gefechts darf man doch Wassenaer nicht -allein zum Vorwurf machen; es waren noch 20 Flaggoffiziere da, die auf -dem Marsch für Ordnung sorgen konnten. Diese große Zahl von Unterführern -war anderseits wohl mit schuld, daß Ordnung und Leitung während des -Gefechts immer mehr verloren gingen. So viele Unterabteilungen, zunächst -schon die 7 Geschwader, von einer Stelle zu leiten, war unmöglich, -besonders bei dem damaligen Stande des Signalsystems. Die Einteilung -mußte zum selbständigen Auftreten der Abteilungen führen, was ja auch der -Kampfweise der bisherigen Gruppentaktik entsprach. Dies konnte aber einem -einheitlicheren Wirken gegenüber, wie es der englischen Flotte ihre -Instruktion jetzt schon vorschrieb, nur bei großer militärischer Einsicht -und Schulung aller Führer und Kommandanten von Erfolg sein. Solche fehlte -jedoch gerade dem größten Teile des Personals, daneben vor allem der Sinn -für militärische Ordnung, Treue und Disziplin. Dieser Mangel, der schon -Bilden und Halten einer Formation außerhalb eines Gefechtes schwierig -machte, ist wohl in erster Stelle an der Niederlage schuld. - -$Weitere Ereignisse der Jahre 1665 und 1666 bis zur Viertage-Schlacht.$ -Ebensowenig wie unmittelbar nach der Schlacht wurde auch später die -errungene Seeherrschaft englischerseits energisch ausgenutzt. Der =Herzog -von York= hatte den Oberbefehl abgegeben, auch Prinz Ruprecht hatte seine -Flagge niedergeholt. =Montagu, Earl of Sandwich=, kommandierte jetzt die -Flotte und ging am 15. Juli hinüber zur holländischen Küste wieder mit -der Absicht, Ruyter und zahlreich erwartete Ostindien- und -Mittelmeerfahrer abzufangen. Er führte aber eine Blockade nicht durch, -obgleich sie doch für seinen Zweck und zur Verhinderung der -Wiedervereinigung des Gegners der sicherste Weg gewesen wäre. Ob man das -Schiffsmaterial nicht für geeignet hielt, eine längere Blockade -durchzuführen und dann noch der neuausgerüsteten feindlichen Flotte -gegenüberzutreten, oder ob der aus der Armee stammende Kommandierende den -Wert der Schließung der feindlichen Häfen verkannte, ist nicht -festzustellen. Da man inzwischen erfahren hatte, daß die zurückerwarteten -Kauffahrer sich in =Bergen= sammelten, schickte Montagu den Kontreadmiral -=Tyddiman= mit 14 Kriegsschiffen und 3 Brandern dorthin zum Angriff, -während er sich selbst mit dem größeren Teil der Flotte bis zu den -Shetlands hinauf auf die Lauer legte. Daß =Ruyter= unbemerkt Holland -erreichte, haben wir schon gehört, auch die Expedition gegen Bergen -sollte fehlschlagen, wie wir sehen werden. - -In =Holland= hatte man nach der großen Niederlage sofort begonnen, aufs -neue zu rüsten. Besonders =Jan de Witt= bemühte sich, dies zu fördern und -auch den Geist in der Marine wieder zu heben. Lebhaft unterstützt wurde -er durch =Tromp=, obgleich dieser anfangs erklärt hatte, mit -Kommandanten, wie sie sich in der Schlacht gezeigt hätten, könne er nicht -fechten. Er war sogar gegen den Befehl der Generalstaaten, mit seinen -Schiffen bei Texel liegen zu bleiben, in die Häfen eingelaufen. Schon 10 -Tage nach der Schlacht lief ein Geschwader von 17 Schiffen unter -Kontreadmiral =Bankers= aus, um etwa heimkehrende Kauffahrer aufzunehmen. -Den Oberbefehl über die neuaufzustellende Flotte erhielt vorläufig -=Tromp= -- er war an Stelle Cortenaers zum Leutnantadmiral der Maas -ernannt und wurde später in gleicher Eigenschaft auf seinen Wunsch nach -Amsterdam versetzt --, doch wurde ihm eine Kommission von drei -Deputierten der Generalstaaten, darunter de Witt, zur Seite gestellt. - - Diese echt republikanische Maßnahme, einem Oberbefehlshaber - =Deputierte= zur Seite zu stellen, war schon in den Dünkirchener - Kriegen Brauch gewesen. Bei Tromp dem Älteren hatte man im ersten - Kriege davon abgesehen, obgleich er selbst darum bat, um sich - gegebenenfalls der Volksmeinung gegenüber besser rechtfertigen zu - können; es war dies ein Zeichen großen Vertrauens. Wassenaer hatte sich - gesträubt, Deputierte zuzulassen. - - Tromp der Jüngere aber hatte sehr viele Gegner in den leitenden - Kreisen. Zwar waren sein Mut, seine Tüchtigkeit und seine Beliebtheit - bei den Mannschaften allgemein bekannt, jedoch man fürchtete seine - Unvorsichtigkeit, seine Eigenmächtigkeit, und er war Oranier. Gern - hatte man ihm das Kommando überhaupt nicht gegeben, aber er war der - einzige Leutnantadmiral der Provinzen von Holland, da Ruyter und Meppel - noch abwesend waren. Ein neuer Leutnantadmiral von Holland und - Westfriesland war noch nicht ernannt und nach altem Brauch trat ja der - Leutnantadmiral der Maas als Vertreter ein. Der viel ältere Cornelis - Evertsen sen. (Seeland), der an die Stelle seines Bruders Jan getreten - war, stellte sich rühmenswerterweise bereitwillig unter Tromp; Jan - Evertsen hatte infolge der schmählichen Behandlung in Brielle den - Dienst quittiert. - -Man beeilte die Rüstungen, um den wertvollen Konvoi in Bergen sichern zu -können; als die Flotte seeklar war, hieß es zwar, sie könne widriger -Winde wegen nicht auslaufen, doch auch hier zeigte sich die Tatkraft des -=Ratspensionärs de Witt=. - - Althergebrachte Ansicht der Lotsen war, daß man mit schweren Schiffen - die Rhede von Texel bei allen westlichen Winden durch die üblichen - Fahrwasser, Landstief und Schlänge nicht verlassen und ein drittes, das - spanische Gat, überhaupt nicht benutzen könne. De Witt bewies die - Unhaltbarkeit dieser Behauptungen, insbesondere der letzten, indem er - das Fahrwasser unter eigener Leitung ausloten ließ und es dann mit dem - schwersten Schiffe passierte; es wurde von nun an das Jan de Witt-Tief - genannt. - -Seinem Einschreiten war es zu danken, daß die Schiffe vom 14. bis 16. -August in See gingen und die Flotte nun segelfertig lag. Am 6. August war -=Ruyter= in der Ems angekommen; er wurde sofort zum Leutnantadmiral von -Holland und Westfriesland ernannt, welche Stelle man für ihn freigehalten -hatte, und übernahm am 18. =den Oberbefehl=. Tromp weigerte sich anfangs, -in die zweite Stelle zurückzutreten, nachdem er die Flotte organisiert -hätte, er fügte sich aber doch. Die Flotte[160] bestand aus 93 -Kriegsschiffen, 11 Brandern, 20 Jachten usw. mit 4337 Kanonen, 15051 -Seeleuten, 1283 Seesoldaten und 3300 Landsoldaten; sie war in 4 -Geschwader geteilt, von denen das eine (Ruyter selbst) als Reserve dienen -sollte. Ihre Segelorder war: die Kauffahrer von Bergen abzuholen und den -englischen Streitkräften möglichst Abbruch zu tun; schon am 17. waren -leichte Schiffe in die Nordsee gesandt, um alle heimkehrenden -Handelsschiffe nach Bergen zu leiten. =Ruyter= ging längs der englischen -Ostküste bis zu 58° Nordbreite hinauf und hörte hier am 25. August, daß -Montagu an der Küste Norwegens gesehen sei; er habe dort einen Teil -seiner Flotte zurückgelassen (=Tyddiman=) und sei mit dem Rest nach -Westen gesegelt. Am demselben Tage sichtete man auch ein englisches -Schiff; die beiden Flotten müssen dicht beieinander gewesen sein, ohne -sich sonst zu sehen. Jetzt steuerte der Admiral nach Norwegen hinüber. - - [160] »Leben Ruyters«, Seite 309, Namentliche Aufführung der Schiffe - mit Angaben über ihre Stärke. - -Die $Kauffahrer in Bergen$ -- 10 große Ostindienfahrer von ungeheurem -Wert und etwa 60 andere, besonders Levantefahrer -- waren aber schon der -Gefahr entzogen; sie $hatten den Angriff$ Tyddimans glänzend -$abgeschlagen$; es war nur noch nötig, sie sicher in die Heimat zu -führen. - - Die Gesandten König Karls hatten vom König Friedrich III. von Dänemark - die Zusicherung erhalten, dänischerseits solle ein Wegnehmen der - holländischen Schiffe in Bergen nicht gehindert werden. Beide Könige - wollten dann die Beute teilen; Friedrich beabsichtigte, sich Holland - gegenüber damit zu entschuldigen, daß man ein Bombardement Bergens - durch die englische Flotte habe fürchten müssen. -- - - Die Kauffahrer waren aber auf den Angriff vorbereitet. Sie hatten die - Ostindienfahrer und die schwersten sonstigen Schiffe in - Halbmondformation vermoort, möglichst viele Geschütze auf den dem - Angriff ausgesetzten Seiten aufgestellt, am Lande flankierende - Geschützstände errichtet und auch Leute zur Verstärkung der dänischen - Befestigungen gelandet.[161] Der dänische Befehlshaber, General =von - Alefeld=, gestattete alles dieses und beteiligte sich auch an der - Abwehr; er soll zwar von der Abmachung seines Königs schon gewußt, aber - noch keinen Befehl erhalten haben; so handelte er, wie es ihm - Völkerrecht und Kriegsbrauch vorschrieben. Am 12. August (10.? 13.?) - griff =Tyddiman= an. Er hatte sich mit Alefeld noch nicht in Verbindung - gesetzt, entweder in der Annahme, daß dieser auch ohne Befehl den - Absichten seines Königs folgen werde, oder gar in der Erwartung, daß er - unter diesen Umständen dann auch die Beute nicht zu teilen brauche. Die - Verhältnisse waren dem Angriff sehr ungünstig. Der aus dem Hafen - stehende Wind erschwerte das Herankommen und hinderte die Verwendung - der Brander, der auf den Schiffen lagernde Pulverdampf beeinträchtigte - ihr Feuer. Nach einem Gefechte von etwa vier Stunden mußte das - englische Geschwader die Anker kappen und sich mit schwerbeschädigten - Schiffen und großem Mannschaftsverluste zurückziehen. General von - Alefeld forderte nun allerdings von den holländischen Schiffen 100000 - Taler für den gewährten und noch weiter zu gewährenden Schutz. Er - erhielt auch vorläufig 3000, und man war dabei, noch mehr auf den - Schiffen aufzubringen, als die Flotte unter =Ruyter= erschien. Jetzt - mußten sich die Dänen mit dem feierlichen Dank der Staatendeputierten - begnügen; sie hielten aber wenigstens die gelandeten 41 Geschütze - zurück: »sie müßten diese zur eigenen Sicherheit behalten, da ihnen im - Gefecht sehr viele eigene gesprungen oder zerschossen wären.« (»Leben - Ruyters«, Seite 318.) - - [161] Vermooren heißt: Ein Schiff mit Bug- und Heckanker verankern, um - ein Drehen bei Wind- oder Stromwechsel zu verhindern. - -Auf der Rückfahrt wurden =Flotte und Konvoi= durch einen mehrtägigen -Nordweststurm =zersprengt=, nur mit 36 Kriegsschiffen stand Ruyter am 13. -September südlich von der Doggerbank. Weiter auf den Schutz der -zerstreuten Kauffahrer bedacht, kreuzte er noch einige Tage. Von wieder -zu ihm stoßenden Kriegsschiffen erfuhr er, daß die englische Flotte in -der Nähe sei. =Montagu= war zu rechter Zeit vom Norden zurückgekehrt, um -aus der Zerstreuung der Holländer Nutzen ziehen zu können; 8 -Kriegsschiffe, 2 Brander, 2 Ostindienfahrer und mehrere andere Schiffe -wurden aufgebracht. Weiteres konnte er nicht unternehmen, da auch seine -Flotte infolge des Absuchens des Sturmfeldes, vielleicht schon durch den -Sturm selbst, zerstreut war. Beide Flotten sammelten sich nach und nach -in ihren Häfen. - -$Das Jahr 1665$ bringt um nichts mehr von Bedeutung. In =England= scheint -infolge der Pest, die in London und einigen anderen Städten wütete, -nichts geschehen zu sein, um die Flotte wieder schlagfertig aufzustellen; -in kleinen Gruppen lagen die Schiffe auf den verschiedenen Ankerplätzen -an der Küste und in den Häfen, ohne ihre Neuausrüstung zu betreiben. -Ruyter lief Mitte Oktober zur englischen Küste hinüber, um die -vereinzelten Teile des Feindes zu vernichten. Er erschien vor Harwich, -Yarmouth, Lowestoft, vor der Solebay und den Downs, wo seine -Aufklärungsschiffe Feinde gesehen hatten. Aber überall kam er zu spät, -sie hatten sich jetzt in sichere Häfen, meist in die Themse, -zurückgezogen; so wurden nur die Küsten alarmiert. Schließlich ging -Ruyter vor die Themse in der Erwartung, die englische Flotte -herauszulocken, doch vergeblich. Er blockierte die Flußmündung einige -Tage und nahm auch Lotungen vor. Da aber jetzt der Winter nahte und auf -der Flotte binnen kurzer Zeit der Krankenbestand bedenklich stark zunahm --- in wenig Tagen ein Krankenzugang von über 1000 Mann und 140 Todesfälle ---, beschloß der Kriegsrat in Übereinstimmung mit den Deputierten, am 1. -November nach Holland zurückzukehren und die Kontingente zu entlassen. -Nur ein Geschwader von 18 Schiffen, deren Gesundheitszustand gut war, -wurde südlich von der Doggerbank stationiert, um feindliche Hamburg- und -Ostseefahrer abzufangen und eigene aufzunehmen; bald wurde es zu einer -Winterflotte auf 34 Segel verstärkt und hielt sich bis in den Februar in -der Nordsee und an der flämischen Küste. Sonst war der Feldzug für 1665 -beendet und die Flotte wurde aufgelegt. Das Jahr hatte eigentlich nur die -eine große Schlacht von Bedeutung gebracht, trotz der großen Flotten, die -aufgestellt und von Holland bis zu Ende erhalten wurden; für Holland war -es in der Hauptsache unglücklich verlaufen. - -Auf die gegenseitigen =Handelsschädigungen= und die kleineren, wenn auch -oft blutigen Zusammenstöße dabei in Kanal, Nordsee und Mittelmeer näher -einzugehen, würde zu weit führen; man findet Ausführlicheres in den -Geschichten der beiden Marinen. - -Sofort nach dem Auflegen der Flotte beschloß man in $Holland$ die -Indienststellung einer ebenso starken Flotte wie im Vorjahre für das -Frühjahr $1666$. Man zog jetzt keine Schiffe der ostindischen Kompagnie -mehr heran; diese zahlte statt dessen eine besondere Kriegssteuer. -Infolge der Neubauten waren genügend Kriegsschiffe, besonders auch der -schwersten Art, vorhanden. Die Fertigstellung der Fahrzeuge wurde den -Winter über auf das eifrigste betrieben, und Hollands Aussichten schienen -sich wesentlich günstiger gestalten zu wollen, da $Frankreich und -Dänemark$ ein Offensivbündnis mit ihm schlossen und den Krieg an England -erklärten. Die drei verbündeten Mächte waren imstande, eine ungeheure -Seemacht aufzustellen; wie bereits angedeutet ist, griffen aber weder -Franzosen noch Dänen ernstlich in den Krieg ein. - - Nach dem Vertrage mit =Dänemark= sollte dieses den Sund und die Belte - für die Engländer schließen und eine Flotte von 40 Schiffen aufstellen. - Die Flotte wurde zwar in Dienst gestellt, unternahm aber nichts von - Belang. - - =Frankreich= sammelte eine Flotte von 40 Schiffen: 11 zu 50-80 Kanonen, - 29 zu 30-40 Kanonen, einige kleinere und 15 Brander[162] -- unter dem - Befehl des =Herzogs von Beaufort=, dem berühmte Seeleute, wie Chevalier - =St. Paul=, =Abraham du Quesne= und =Château-Renault= unterstellt - waren. Die Flotte lief schon im Januar 1666 von Toulon aus, erreichte - aber erst Ende August La Rochelle, kam nie weiter als bis nach Dieppe, - im September, und ging dann nach Brest zurück. Obgleich während der - ganzen Zeit Unterhandlungen mit Holland über das Zusammentreffen der - beiderseitigen Flotten geführt waren, kam es zu keiner Vereinigung. - - [162] Clowes, Teil II, Seite 286, gibt ein Verzeichnis der Schiffe mit - Namen, Kanonen- und Mannschaftszahl, als »bemerkenswert«, da es - die erste größere Flotte Frankreichs in den nördlichen Gewässern - sei; andere Quellen weichen unbedeutend davon ab. - -$England$, von einer so mächtigen Liga bedroht, machte gleichfalls mit -größter Anspannung mobil und nahm dafür eine bedeutende Anleihe zu hohem -Zinsfuße auf. - -Die $Flotten der beiden Hauptgegner$ waren zu gleicher Zeit, Ende Mai -$1666$, seeklar. Ihre Stärken sind bereits früher (Seite 258) genauer -angegeben: - - über 40 K. 30-40K. Kleinere Brander - England 72 8 unbekannt = 4460 K.; 21085 Mann - Holland 71 13 9 9 = 4615 K.; 21909 Mann - -Die englische wurde kommandiert von den Joint-Admiralen =Prinz Ruprecht= -und =Herzog von Albemarle= (Monck); diese führten die Mitte, die Admirale -Ayscue und Allen Vorhut und Nachhut. Jedes Geschwader war in 3 Divisionen -geteilt. Die holländische Flotte war jetzt auch in 3 Geschwader geteilt; -ihre Mitte führte =Ruyter=, die Vorhut Cornelis Evertsen der Ältere, die -Nachhut Tromp. Bei jedem Geschwader befand sich noch ein Admiralleutnant, -bei der Mitte noch ein Vize- und ein Kontreadmiral, bei Vorhut und -Nachhut je zwei Offiziere dieses Dienstgrades. - - Im »Leben Ruyters«, Seite 362, ist die Order des Flottenchefs - wiedergegeben, die die Folge enthält, in der die Flaggoffiziere vor und - hinter ihm zu segeln haben. Ich möchte sie als Beispiel anführen - - { 1 Vizeadmiral } Aus dieser Segelfolge geht - { =Evertsen= 1 Kontreadmiral } die Einteilung in 3 - Vorhut { 1 Vizeadmiral } Geschwader klar hervor, - { 1 Admiralleutnant } die Einteilung in 3 - { 1 Kontreadmiral } Divisionen aber doch nur bei - der Mitte. Bei Vorhut und - { 1 Admiralleutnant Nachhut sollte man eher eine - Mitte { =Ruyter= und 1 Kontreadmiral Einteilung in 2 Divisionen, - { 1 Vizeadmiral die dann wieder in je 3 - 1 Vizeadmiral } Unterabteilungen geteilt - { =Tromp= } sind, annehmen; also für - Nachhut { 1 Kontreadmiral } jedes dieser Geschwader hier - { 1 Vizeadmiral } wieder 6 Gruppen. Jedoch - { 1 Admiralleutnant } sprechen die Quellen - { 1 Kontreadmiral } ausdrücklich von der - Einteilung in 3 Geschwader zu 3 Divisionen. Ruyters Anordnungen für das - Gefecht beziehen sich nur auf die Verwendung der 3 Geschwader. - - Um Irrtümern vorzubeugen, sei erwähnt, daß der Leutnantadmiral und der - Kontreadmiral der Mitte den Namen van Nes führten. - - - Die Viertage-Schlacht am 11. bis 14. Juni 1666. - - =Diese Schlacht gilt mit Recht als eine der berühmtesten.= Auf beiden - Seiten ist eine ungeheure Zahl schwerer Schiffe vorhanden; an vier - aufeinander folgenden Tagen wird heiß gerungen; die beiden Flottenchefs - waren die berühmtesten Seebefehlshaber ihrer Länder. Monck hat für - England vielleicht nicht dieselbe Bedeutung wie Blake, Ruyter aber - nimmt nicht nur in der holländischen Marine, sondern auch unter allen - Seeoffizieren jener Zeit zweifellos den ersten Platz ein. Gerade über - diese Schlacht geben auch die alten Quellen genauere und - zusammenhängendere Schilderungen als sonst, und sie ist deshalb auch in - neuerer Zeit oft bearbeitet worden. Ich folge bei der Beschreibung in - der Hauptsache Mahan, einer neueren Bearbeitung; Clowes gibt fast die - gleiche Schilderung. Mahan hat einen Aufsatz der »Revue maritime et - coloniale«[163] zugrunde gelegt, in dem der erst neuerdings - aufgefundene Brief eines Holländers, Kriegsfreiwilligen bei Ruyter an - Bord, über die Viertageschlacht veröffentlicht ist. Diese Schilderung - ist noch klarer und zusammenhängender als die anderer alten Quellen, - die aber zum Teil in den Hauptzügen die Richtigkeit bestätigen, so daß - es einigermaßen möglich ist, die vielen Widersprüche, die sich in den - alten Berichten finden, zu klären.[164] - - [163] Siehe Chabaud-Arnault im Quellenverzeichnis. - - [164] Clowes, Teil II, Seite 276, führt die Hauptwerke über die - Schlacht auf, etwa 20. Mir haben von diesen vorgelegen: de Jonge, - Teil II, darin eine neuere Schilderung; »Leben Ruyters«, genaue - Beschreibung einzelner Episoden; »Vie de Tromp« mit Berichten - Tromps und Ruyters, einigen Briefen sowie einer amtlichen - holländischen »Relation«, etwa 14 Tage nach der Schlacht - geschrieben. Nach jedem Schlachttage werde ich etwaige wichtigere - Abweichungen dieser Werke gegen Mahan kurz anführen. - -Die holländische Flotte war am 3. Juni in den Wielingen, Bänken vor -Ostende, zusammengetreten und am 5. vollzählig versammelt.[165] Sie wurde -jedoch durch flaue auflandige Winde einige Tage an der Küste -festgehalten, erst nach und nach gelang es durch Segeln bei Ebbe und -Ankern bei Flut vom Lande abzukommen. Am 10. Juni setzte =Ruyter= bei -nordöstlichem Winde seinen Kurs auf Northforeland, um die seit dem 8. in -den Downs liegende englische Flotte aufzusuchen. - - [165] Als bemerkenswert für uns Deutsche sei erwähnt, daß das - Kontingent Amsterdam vor dem Auslaufen am 16. Mai vom Großen - Kurfürsten und dem Prinzen von Oranien besucht wurde. Die Schiffe - lagen in Flaggengala, der hohe Besuch speiste bei Ruyter, - besichtigte verschiedene Schiffe sowie eine Gefechtsübung zweier - Fregatten u. a. »Leben Ruyters«, Seite 359. - -[Illustration: Herzog von Albemarle (Monck).] - -Die Flotten der Gegner waren nahezu gleichwertig; wenn die Holländer -etwas an Zahl überlegen waren, so wurde dies durch die bessere Armierung -der Engländer reichlich ausgeglichen. =Englischerseits= wurde jetzt aber -vor dem Zusammenstoß ein großer =strategischer Fehler= gemacht. =König -Karl II.= hatte die, wie sich später herausstellte, falsche Nachricht -erhalten, die französische Flotte nähere sich schon dem Eingange des -Kanals behufs Vereinigung mit der holländischen. Er gab deshalb von -London aus den Befehl, =Prinz Ruprecht= solle mit dem weißen Geschwader -(Vorhut) nach dem Westen gehen, wahrscheinlich bis Wight, hier noch etwa -10 Schiffe aus Plymouth an sich ziehen und den Franzosen entgegentreten. -Diese Order erreichte die Flotte bei ihrem Eintreffen in den Downs; der -Prinz ging sofort (8. oder 10. Juni) mit etwa 20 Schiffen der Vorhut, die -Flaggschiffe jedoch bei der Flotte lassend, nach dem Westen ab, -=Albemarle= (am 10.) aber Ruyter entgegen. Ruprecht war den Franzosen -gerade gewachsen, Albemarle jedoch mit jetzt nur 58 Schiffen über 30 -Kanonen wesentlich schwächer als die Holländer. - -=Ruyter= war, da der Wind bei dickem Wetter auf Südwest herumging und -auffrischte, in der Nacht vom 10. auf 11. ungefähr in der Mitte zwischen -Dünkirchen und den Downs zu Anker gegangen, Albemarle ebenso einige -Meilen zu Luward von ihm; beide Flotten sichteten sich am $11. Juni$ um 9 -Uhr $vormittags$. =Albemarle= lichtete sofort Anker, um anzugreifen, -obgleich er schwächer war. Bei seiner Luvstellung rechnete er mit dem -Vorteil, die Wahl des Angriffspunktes sowie Umfang und Dauer des Gefechts -in der Hand zu haben. Seine Seeoffiziere waren gerade wegen der -Luvstellung gegen den Angriff, da sie richtig voraussahen, daß man bei -dem starken Winde und der bewegten See die untersten Batterien nicht -würde gebrauchen können. Die Holländer erwarteten aus denselben Gründen -auch keinen Angriff und lichteten zunächst nicht Anker, so daß sie später -größtenteils kappen mußten; sie strebten auch während der Schlacht nicht -danach, die Luvseite zu gewinnen. - -[Illustration: Der 11. Juni der Viertage-Schlacht 1666.] - -Die holländische Flotte lag mit dem Bug nach Südsüdwest, die Nachhut -(Tromp) zu Luward, Mitte und Vorhut staffelförmig mehr und mehr in Lee. -Albemarle führte seine Flotte über Backbord-Bug an dem Gegner entlang, -ließ aber dessen Mitte und Vorhut außer Schußweite und näherte sich erst, -als er querab der Nachhut war. Die Holländer gingen nun über denselben -Bug auch unter Segel, aber das Gefecht entbrannte zunächst nur, gegen -Mittag, zwischen der englischen Flotte und =Tromp=. Wenn auch bei der -langen Linie Albemarle nur etwa 35 Schiffe gut aufgeschlossen bei sich -sah, weil seine Nachhut etwas zurückgeblieben war und ihre Linie sich -geöffnet hatte, so war er doch in den ersten Stunden des laufenden -Gefechts der Überlegene (Skizze S. 275: Position 1). - -Die holländische Mitte konnte erst allmählich herankommen und in das -Gefecht eingreifen, die Vorhut erst gegen Ende der Schlacht. Tromps -Schiffe litten schwer; der Admiral selbst mußte noch in der Schlacht auf -ein anderes Schiff übergehen, ein (oder gar zwei) Fahrzeuge verbrannten, -ein Kontreadmiral fiel. Nach etwa 4 Stunden halste die englische Flotte, -alle Schiffe zugleich, da man fürchtete, den Bänken vor Dünkirchen zu -nahe zu kommen; Tromp folgte diesem Beispiel. Die fechtenden Schiffe -beider Gegner waren etwas nach Lee getrieben, dadurch war es =Ruyter= -leichter möglich geworden, heranzukommen (Position 2). Während nun die -Engländer über Steuerbord-Bug nach Westen zogen, stieß ihre jetzt -schließende Vorhut scharf mit Ruyter zusammen; ihre Schiffe hatten wohl -am meisten gelitten und auch die Fühlung verloren, sie wurden nun übel -zugerichtet (Position 3), verschiedene Schiffe wurden hier abgeschnitten -und außer Gefecht gesetzt; der Vizeadmiral =Berkeley= fiel. Hier konnten -jetzt auch schon die ersten Schiffe der holländischen Vorhut eingreifen; -ihr Chef, Leutnantadmiral =Evertsen=, wurde dabei getötet (Position 4). - - Einige Einzelheiten mögen folgen, um die Kampfweise zu - veranschaulichen: Eins der abgeschnittenen Schiffe »Swiftsure«, - Flaggschiff des Vizeadmirals Berkeley, wurde umringt und von - verschiedenen Seiten geentert. Der Admiral focht schließlich fast - allein auf dem Quarterdeck, weil alles um ihn gefallen war, bis ihn - eine Pistolenkugel durch die Gurgel traf. Darauf zog er sich in die - Kajüte zurück und wurde hier auf dem Kajütstisch ausgestreckt tot - aufgefunden. -- An dem bewegungslosen Schiff des Kontreadmirals Harman - machte sich ein Brander fest. Dem ersten Leutnant gelang es aber mitten - in den Flammen die Fangeisen zu lösen und sich unbeschädigt aufs eigene - Schiff zurückzuschwingen. Ein zweiter Brander setzte die Segel in - Brand, fast 50 Mann sprangen im Schreck über Bord. Der Admiral selbst - trieb mit gezogenem Säbel die Besatzung zum Löschen an; es gelang, aber - eine herabfallende Marsraa zerbrach dem Admiral ein Bein. Ein dritter - Brander wurde in den Grund geschossen. Jetzt naht Evertsen und fordert - zur Übergabe auf. Harman antwortet: »Soweit sind wir noch nicht«, gibt - eine Breitseite ab, wodurch Evertsen getötet wird, bringt dann sein - Schiff aus dem Gefecht nach Harwich und sucht nach nur eintägiger - Ausbesserung und trotz seines gebrochenen Beines die Flotte wieder auf; - er kommt aber zum Kampfe zu spät. Ähnliche Beispiele hartnäckiger - Ausdauer und unbeugsamen Mutes finden wir auch auf holländischer Seite - im »Leben Ruyters«. - -Erst die Nacht trennte die Gegner, doch scheint es sich zuletzt nur noch -um den Kampf in der Melee einiger Schiffe Ruyters und Evertsens mit den -Schlußschiffen der Engländer gehandelt zu haben. Das englische Gros zog -Nordwest steuernd ungehindert an dem Evertsenschen Geschwader, das zum -größten Teil nicht ins Gefecht gekommen war, vorüber und die Holländer -machten sich daran, ihre Beschädigungen auszubessern, darunter Ruyters -übel zugerichtetes Schiff. - - Mahan sagt zu diesem Tage: »Der Angriff Albemarles war ein taktisches - Meisterstück, ähnlich dem Nelsons bei Abukir. Mit schnellem Blick hatte - er einen schwachen Punkt des Feindes erkannt und eine beträchtlich - stärkere Streitmacht so angegriffen, daß nur ein Teil dieser ins - Gefecht kam. Wenn auch die Engländer die größeren Verluste erlitten, so - nahmen sie doch das Bewußtsein einer glänzenden Waffentat mit sich, - während bei den Holländern Ärger und Niedergeschlagenheit herrschen - mußte.« - - Er fügt ferner hinzu: »Der (schon erwähnte) Augenzeuge sagt, das - Mißgeschick der Engländer habe seinen Grund darin gehabt, daß ihre - Linie zu lang gewesen sei; wenn Monck aufgeschlossener gefahren wäre, - so hätten die Holländer nicht einige Schiffe abschneiden können.« Die - Bemerkung ist richtig, die Kritik kaum. Das Auseinanderkommen war bei - soviel Segelschiffen unvermeidlich und eine der Zufälligkeiten, mit - denen Monck rechnen mußte. - - Ich möchte in dieser Beziehung darauf hinweisen, daß der Stoß auf Tromp - allerdings noch wuchtiger gewesen sein würde, wenn beim Angriff Moncks - Flotte völlig aufgeschlossen gewesen wäre; dies war durch das zu - schnelle Heranführen einer langen Linie von Segelschiffen verhindert. - Abgeschnitten wurden nachher aber nur Schiffe, die geschlossen ins - Gefecht geführt waren und beschädigt zurückblieben, als Monck der Sände - wegen halsen mußte. Hierin kann man also keinen Fehler erblicken. - -Beide Flotten benutzten die Nacht, um Beschädigungen auszubessern, -Kartuschen zu füllen, kurz, sich auf einen neuen Kampf vorzubereiten; -dieser folgte bereits am nächsten Tage. - -Die Engländer hatten die Nacht über nach der englischen Küste zu gelegen -und kehrten am Morgen zurück; die Holländer waren nach Abbruch des -Gefechts zunächst südöstlich gesteuert und standen dann wieder nach -Westen hin. Beim $Zusammenstoß am 12. Juni$ lagen die Engländer über -Backbord-Bug, die Holländer über Steuerbord; die Engländer standen bei -leichtem Südwestwinde zu Luward. Die holländische Linie war weit länger, -mindestens 75 Schiffe standen 44 gegenüber, aber sie war nicht gut -geordnet, einzelne Fahrzeuge maskierten das Feuer anderer. - -[Illustration: Der 12. Juni der Viertage-Schlacht 1666.] - -=Tromp= sah dies und ging, um den Nachteil auszugleichen, mit der Nachhut -auf die Luvseite der Engländer hinüber, als die Spitzen der beiden -Flotten querab voneinander waren; er konnte dieses Manöver ausführen, -weil die Engländer nicht beim Winde lagen, um die feindliche Linie auf -Parallelkurs zu passieren. Er scheint sogar einen kurzen Schlag über -Backbord-Bug gemacht zu haben (Skizze S. 278: Position 1). Sein Benehmen -mußte Ruyter irremachen; es kam hinzu, daß gleich darauf zwei -Flaggschiffe der Vorhut hart abhielten, als sie etwa querab vom -feindlichen Zentrum waren; um seine Flotte einigermaßen beieinander zu -halten, mußte auch er abhalten (Position 2). So kam Tromp durch die in -guter Ordnung weiter segelnden Engländer in große Gefahr; einer seiner -Vizeadmirale fiel, er selbst mußte wiederum sein Flaggschiff wechseln. -Vielleicht wäre er vernichtet worden, wenn nicht =Albemarle= die -Ausnutzung seiner günstigen Lage hätte aufgeben müssen, da =Ruyter= die -wiedergesammelten Teile seiner Flotte über Backbord-Bug heranführte und -die Luvstellung zu gewinnen drohte (Position 3). Wie schmerzlich Ruyter -das Benehmen seiner Unterführer empfand, kam zum Ausdruck, als Tromp in -einer Pause nach diesem Gefecht zu ihm an Bord kam: die Matrosen -jubelten ihm zu, Ruyter aber sagte: »Es ist jetzt keine Zeit zu -Freudenbezeugungen, eher für Tränen.« Die Lage war auch weiter noch -höchst ungünstig. Die Ordnung der Holländer war gänzlich zerstört, eine -Linie gab es nicht, die Schiffe lagen »wie eine Herde Schafe« zusammen. -Die Engländer hätten bei rechtzeitiger Rückkehr den unbehilflichen Haufen -umzingeln und zusammenschießen können; Albemarle scheint jedoch noch -längere Zeit über Backbord-Bug weiter gelegen und dann wieder passiert zu -haben, ohne ernstlich anzugreifen (Position 4). Wahrscheinlich fühlte er -sich bei der geringen Zahl seiner Schiffe, die wohl auch vielfach durch -Beschädigungen in der Takelage im Manövrieren gehindert waren, nicht -stark genug, auf eine solche Weise die Entscheidung herbeizuführen. - -Ruyter gewann also Zeit, seine Linie wieder herzustellen, bis Albemarle -zum zweiten Male zurückkam. Bei diesem dritten Passieren verlor Ruyters -Schiff Großraa und Großstänge, so daß bei einem vierten =van Nes= die -Flotte führen mußte; dieser befand sich bei der Mitte und war als -Leutnantadmiral der Maas stellvertretender Chef. Nach dem letzten -Zusammentreffen brach =Albemarle= ab und zog sich nach Westen zurück. -=Der Verlust= an Schiffen scheint am zweiten Tage annähernd gleich -gewesen zu sein, 3 oder 4 auf jeder Seite gesunken oder verbrannt. In -ihrer Gesamtheit hatten die englischen Schiffe wohl mehr gelitten. Der -Rückzug Albemarles war jedoch, auch nach den holländischen Aussagen, ein -ehrenvoller, in vollster Ordnung ausgeführt. Mit einer Dwarslinie seiner -am wenigsten beschädigten Schiffe (16 oder 28) deckte er die schwerer -beschädigten; drei davon verbrannte er, damit sie nicht hinderten und -auch nicht dem Feinde in die Hände fielen (Position 5). - - Für diesen zweiten Tag sind die =Abweichungen= in den älteren Quellen - und Werken nicht unwesentlich. Zunächst sprechen diese von ein oder - zwei Passiergefechten, ehe vorstehende Beschreibung einsetzt; dann habe - Windstille den Kampf bis gegen Mittag unterbrochen. Dies ist nicht so - wichtig, weil hierbei keine ausschlaggebenden Ereignisse vorgekommen - sind; wichtiger aber ist, daß bei der Wiederaufnahme des Kampfes, der - dann im allgemeinen wie geschildert verläuft, nach einigen Quellen beim - ersten Passieren (Position 1) die Holländer zu Luward gestanden haben - sollen (so nach der »Relation« und nach »Leben Ruyters«; de Jonge und - »Ruyters Bericht« heben es nicht hervor); nur Tromp sei in Lee gewesen, - entweder weil er eigenmächtig den Feind durchbrochen habe oder weil er - die Luvstellung nicht mit habe gewinnen können, Ruyter habe ihm durch - Einbrechen in die feindliche Linie zu Hilfe kommen wollen. Die - Verwirrung in der holländischen Flotte sei nach einigen Quellen dann - herbeigeführt, weil zu wenig Schiffe Ruyter gefolgt seien, nach andern, - weil Ruyter seine Absicht wieder habe aufgeben müssen, da die Engländer - Miene machten, ihn von dem Rest der Flotte zu trennen. Von der Position - 4 einschließlich an stimmen die Angaben dann überein. Die Verwirrung in - der Flotte, die schlimme Lage bei Position 4, ist in holländischen - Quellen nur zwischen den Zeilen zu lesen. Die Eigenmächtigkeit Tromps - wird nur von de Jonge angedeutet, Ruyter selbst erwähnt sie in seinem - Bericht nicht, was wohl mit seinem vornehmen Charakter zu erklären - wäre, um so mehr, falls Tromp nur in bester Absicht so gehandelt hatte. - -$Am 13. Juni$ setzten die Engländer in derselben Weise (Position 5) bei -östlichem Winde den Rückzug fort. =Albemarle= wollte ein Gefecht -vermeiden, bis er durch das Geschwader des Prinzen Ruprecht verstärkt -wäre. Diesem war sofort beim Erscheinen der holländischen Flotte von -London aus der Befehl zur Rückkehr nachgesandt, aber, wie man sagt, aus -Unachtsamkeit nicht durch Kuriere und Eilschiffe, sondern mit der -»gewöhnlichen Post« nach Plymouth. Die Holländer setzten alle Segel zur -Verfolgung bei, verloren aber in dem Bestreben, am Feinde zu bleiben, -infolge ihrer im allgemeinen geringeren Segelfähigkeit jede Ordnung. Es -kam am 13. zu keinem Zusammenstoß, nur auf weitere Entfernungen wurden -einige Schüsse gewechselt. Am Nachmittag kam im Westen ein Geschwader von -etwa 25 Segeln in Sicht; zum Glück für die Engländer war es =Ruprecht= -und nicht die Franzosen. - - Einen Erfolg brachte dieser Tag doch für Holland. Am Nachmittag lief - das Schiff des Admiral Ayscue (Vorhut) bei Galloper auf und wurde von - Tromp, unterstützt von 2 Brandern, zum Streichen der Flagge gezwungen - (Position 5); von seinen Kameraden konnte es nicht unterstützt werden, - ohne den ganzen Rückzug zu gefährden. Gern hätte Tromp sein Opfer -- - den »Royal Prince«, das stolzeste Schiff Englands -- als Beute - heimgeführt, aber Ruyter befahl die Verbrennung. Anhänger Tromps legten - dies als eine Mißgunst des Flottenchefs aus, was aber bei Ruyters - Charakter höchst unwahrscheinlich ist, und der Vorfall erhöhte die - Spannung zwischen den beiden Admiralen. Ruyter war jedoch im Recht; er - gab den Befehl, weil er im Hinblick auf das gesichtete Geschwader einen - Verlust der Beute fürchten mußte. - -Beim Einbruch der Nacht vereinigten sich die beiden englischen Führer und -beschlossen, am andern Tage wieder anzugreifen. Die Entscheidung stand -bevor, auch Ruyter wollte sie herbeiführen, obgleich die Verhältnisse -jetzt nicht mehr so günstig für ihn lagen. An Zahl der Schiffe waren die -Gegner zwar nahezu gleich, es standen sich etwa 64 Holländer und 60 -Engländer gegenüber -- außer den vernichteten waren viele beschädigte von -den Flotten abgekommen --, aber die Engländer verfügten über gut 20 -unversehrte Schlachtschiffe mit frischen Besatzungen; schon in der -Minderzahl hatten sie sich infolge ihrer besseren Flottendisziplin fast -gleichwertig gezeigt. Ruyter steuerte die Nacht über östlich, um freieres -Wasser zu erreichen, rief am Morgen seine Kommandanten an Bord, ermahnte -sie »noch einen Tag auszuhalten« und suchte dann auch den Feind auf. - -$Am 14. Juni$ wehte es frisch aus Südsüdwest, die Holländer waren zu -Luward, beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug. Die Engländer machen -keinen Versuch, die Luvstellung zu gewinnen; beide Führer manövrieren -nicht darauf hin, ein Passiergefecht herbeizuführen, sondern benutzen -einerseits die Luvstellung, anderseits die bessere Segelfähigkeit dazu, -ihre Flotte zum Angriff genau querab vom Feinde zu führen. So entbrennt -ein laufendes Gefecht der ganzen Linien unter kleinen Segeln und auf -nächste Entfernungen; teilweise berühren sich die Raaen (Skizze: Position -1). - -Infolge des Pulverrauchs und der Beschädigungen geht bald die Ordnung -verloren, besonders gewinnen viele englische Schiffe die Luvstellung -einigen Holländern gegenüber, da sie ja höher beim Winde liegen konnten. -So kommt =Tromp= mit 6-8 wahrscheinlich beschädigten Schiffen der Nachhut -nach Lee und ist längere Zeit nicht imstande, sich am Gefecht zu -beteiligen. Eine zweite Gruppe holländischer Schiffe (14?) unter dem -Kontreadmiral =van Nes= kommt dadurch von der Flotte ab, daß sie unter -vermehrten Segeln eine, sehr nach Luward aufgesteuerte, englische Gruppe -(4? Schiffe) von ihrer Hauptmacht abschneidet, verjagt und verfolgt. Der -Rest der holländischen Flotte war so einem überlegenen Feinde -gegenübergeblieben. Glücklicherweise hatte =Ruyter= immer noch gegen 35 -Schiffe der verschiedenen Geschwader bei sich und stand mit seiner -Hauptmacht zu Luward der feindlichen (Position 2); immerhin war es -längere Zeit eine schwere Lage für ihn. Hart am Winde, vielleicht auch -aufkreuzend, steuerte unter heißem Kampf und teilweise in der Melee diese -Hauptschlacht nach Luward auf. - -Inzwischen hatte Tromp seine Schiffe in stand gesetzt. Um wieder auf den -Kampfplatz zu kommen, preßte er Segel, lief in Lee der kämpfenden Flotten -vorbei und riet auch van Nes von der Verfolgung ab. Beide wendeten. Zwar -konnten sie die Luvstellung nicht gewinnen, aber sie erschienen doch fast -gleichzeitig in Lee der Hauptflotten, so daß die Engländer dubliert waren -(Position 3). Als Ruyter dies sah, gab er das Signal zum allgemeinen -Angriff, Einbruch in den Feind, wodurch die englische Ordnung völlig -zerstört wurde (Position 4). Noch eine kurze Zeit wurde heiß gefochten; -nach und nach gelang es aber den englischen Schiffen, sich aus der nun -allgemeinen Melee nach Luward in eine gewisse Sicherheit zu ziehen und -sich gegen 7 Uhr abends wieder zu sammeln. Einige 20 Segel kamen so -zusammen; an 10 bis 12 Schiffe waren an diesem Tage verloren gegangen, -viele andere von der Flotte abgekommen. Es wehte jetzt sehr schwer, so -daß auch die ermatteten Holländer mit ihren beschädigten Schiffen nicht -mehr an eine Erneuerung des Kampfes dachten. - -[Illustration: Der 14. Juni der Viertage-Schlacht 1666.] - - Die =älteren Schilderungen= weichen nur unwesentlich ab: der Wind wird - auf Südsüdost angegeben. Dann sagen diese, Ruyter habe gleich bei - Beginn des Gefechts den Befehl gegeben, in die feindliche Ordnung - einzubrechen; dies sei von den drei Geschwadern an drei verschiedenen - Stellen geschehen. Die englische Ordnung sei hierdurch gestört, aber - gleich wieder hergestellt worden. Das Manöver sei dann wiederholt - worden, aber nicht allen Schiffen gelungen, und Tromp habe sich mit - einigen Schiffen aus dem Gefecht zurückziehen müssen. So kommen wir auf - diese Weise zu Position 2, von der an dann, einschließlich des - Vorfalles van Nes, die Beschreibung die gleiche bleibt. -- Wenn Mahans - Augenzeuge[166] sagt, van Nes habe das Manöver mit der Vorhut - ausgeführt, so dürfte dies ein Irrtum sein. Nach der Ordre de bataille - standen beide van Nes bei der Mitte; da der Leutnantadmiral die erste - Division dieses Geschwaders führte, hat vielleicht eine Verwechslung - der Personen zu dem Irrtum Veranlassung gegeben. - - [166] Mahan, Teil I., Seite 118, dagegen »Leben Ruyters« Seite 362 - und 374. - -Abends war Nebel aufgekommen, die Holländer fürchteten die englischen -Bänke, und so verloren sich die Gegner während der Nacht aus Sicht. Als -man am 15. Juni morgens auch von den Toppen kein feindliches Segel mehr -sah, führte =Ruyter= seine Flotte nach den Wielingen zurück; sie war -nicht mehr imstande, ohne gründliche Ausbesserungen längere Zeit die See -an feindlicher Küste zu halten. Es mangelte auch an Munition, doch diese -hätte man kommen lassen können. Munitionsschiffe waren vorhanden. - -=Die Viertageschlacht war eine große Niederlage der Eng1änder.= Sie -selbst geben zu, daß ihr =Verlust= 17-19 Schiffe (die Holländer sagen 32) --- darunter 6 in Feindeshand gefallen --, 5000 Tote und Verwundete, 3000 -Gefangene betragen habe und daß die übrigen Schiffe ganz außerordentlich -gelitten hätten. Die Holländer verloren 4-7 Schiffe (sie selbst sagen nur -4) und 2-3000 Mann. - -Der den Engländern zugefügte Verlust war aber auch der einzige Erfolg der -Holländer. Die eigene Flotte war nicht imstande, den Sieg auszunützen, -und vernichtet war die feindliche Seestreitkraft nicht, wie sich bald -zeigen sollte. Ruyter hatte sich als großer Führer gezeigt, die meisten -Holländer hatten wie stets brav gefochten, aber Mangel an Einsicht und -Disziplin war doch wieder zutage getreten, während sich die englische -Flottendisziplin auch in ungünstigen Lagen glänzend bewährt hatte. - - - Die zweite Schlacht bei Northforeland am 4./5. August 1666 - - (Schlacht vor der Themse; St. James' Fight) - - und die weiteren Ereignisse des Jahres 1666. - -In =Holland= ging man mit großem Eifer an die Wiederherstellung der -beschädigten Schiffe oder ihren Ersatz. Schon am 4. Juli waren 59 -Kriegsschiffe und 1 Brander, am 6. gar 75 und 7, segelfertig; nach dem -Auslaufen traten noch weitere Fahrzeuge, besonders Brander, hinzu. -=Ruyter= hatte den Befehl, so schnell wie möglich zur englischen Küste zu -gehen, um die Wiederaufstellung der englischen Flotte und die Vereinigung -ihrer verschiedenen Teile zu hindern. Zu diesem Zweck waren Vorstöße -gegen die Ausrüstungshäfen und Ankerplätze ins Auge gefaßt; man dachte -sogar im Haag an eine Landung bei Northforeland unter der Anleitung eines -Engländers[167], der als geflohener Republikaner in Holland lebte, und -schiffte hierzu 6000-7000 Landsoldaten auf Transportern ein. Für den -weiteren Feldzug hoffte man nun fest auf die Unterstützung der Franzosen. -Vom 4. Juli an bestand die Absicht, in See zu gehen, aber wiederum -erschwerten flaue und auflandige Winde das Auslaufen aus den Wielingen -und hielten die Flotte an der Küste fest; erst am 13. erschien Ruyter vor -der Themse. Jedoch man hatte den letzten Erfolg überschätzt. Auch -=England= hatte seine Schiffe wieder hergestellt und sie infolge des -verzögerten Auslaufens des Gegners in der Themse und in Harwich -zusammenziehen können, so daß sie an anderen Orten keine Angriffspunkte -mehr boten. - - [167] »Leben Ruyters«, Seite 383: Samuel Raven in Rotterdam »glaubte - dort Freunde zu finden, mit deren Hilfe er einen Aufstand erregen - könnte«. - -Die Schiffe in Harwich, etwa 20, anzugreifen, wagte =Ruyter= nicht, da -die enge Hafeneinfahrt stark befestigt war. In die Themse sandte er am -13. ein Geschwader von 7 Schlachtschiffen und 10 Gallioten. Diese -=Erkundungsabteilung= drang auslotend bis in die Höhe des Mittelgrundes -vor, englische Vorposten zogen sich auf ihre Flotte bei Sheerness zurück. -Man fand alle Seezeichen aufgenommen und alle vielleicht zu einer Landung -geeigneten Plätze stark besetzt; ebenso hatte sich die beabsichtigte -Landung bei Northforeland als undurchführbar gezeigt. Eine weitere -Forcierung der Themse schien bei dem unbekannten Fahrwasser, besonders -für schwere Schiffe und mit dem Feinde in Harwich in der Flanke, -unmöglich. Der Landungsplan wurde aufgegeben und die Transporter mit -Soldaten zurückgesandt, wie man auch ein um diese Zeit ergangenes -Anerbieten Ludwigs XIV., in Dünkirchen 2000 Mann zur Einschiffung zu -stellen, ablehnte. =Ruyter= blockierte nun den Fluß und beschloß, das -Herauskommen des Gegners abzuwarten. Er gab für diesen Fall den Befehl -für alle Schiffe aus, sich dann aus der Themsemündung zurückzuziehen, um -dem Feinde frei von den Sänden im offenen Wasser entgegenzutreten. -Dementsprechend wurde verfahren, als man die Engländer am 1. August mit -der Ebbe den Fluß herabkommen sah. Beide Flotten ankerten am Abend dieses -Tages, die Engländer noch im Flußrevier. Am 2. kamen diese in See, flaue -Winde hinderten jedoch eine gegenseitige Näherung. In der folgenden Nacht -setzten schwere Gewitterböen ein, die auf beiden Seiten Beschädigungen -verursachten; Ruyter war froh, seine Flotte gerade vorher noch frei von -den Gallopersänden geführt zu haben. Am 3. wurde bei umspringenden Winden -um die Luvstellung manövriert, auch strebte Ruyter weiter dahin, von den -Sänden abzukommen; Abends ankerten beide Flotten wiederum, wahrscheinlich -ostnordöstlich von $Northforeland$ in freiem Wasser. Die =englische -Flotte= war 89 Schiffe, 20 Brander (nach Clowes 81 und 18) stark; sie -stand unter dem gemeinsamen Befehle von =Albemarle= und =Prinz Ruprecht= -(beide auf »Royal Charles« 90 K.), die Vorhut führte Admiral Allen, die -Nachhut Admiral Smith. Die =holländische Flotte= zählte 72 -Schlachtschiffe zu 37-80 Kanonen, 16 Fregatten zu 26-30 Kanonen, 10 -Advisjachten und 20 Brander; =Ruyter= (»7 Provinzen« 80 Kanonen) -kommandierte die Mitte, Jan Evertsen die Vorhut, Tromp die Nachhut. - - Es waren also ähnliche Flotten wie vor der Viertageschlacht, - englischerseits 4460 Geschütze, holländischerseits 4704. Über die - englischen Schiffe sind genauere Angaben nicht vorhanden. Die - holländischen findet man nach Kanonenzahlgruppen näher aufgeführt in de - Jonge, Teil I, Beilage XXXV. In »Leben Ruyters« Seite 378 steht die - holländische Ordre de Bataille, die aber belanglos ist. - - =Jan Evertsen= hatte sich trotz seiner Mißhandlung wieder zum Kommando - gemeldet: »um wie sein Vater, einer seiner Söhne und seine vier Brüder, - wenn nötig, für das Vaterland zu sterben;« er fand auch seinen Tod in - dieser Schlacht. - -Am frühen $Morgen des 4. August$[168] lichteten beide Flotten Anker. Es -war flau mit häufig eintretenden Stillen. Der Wind scheint zwischen -Nordost und Nordwest gespielt zu haben, nur so sind die Widersprüche in -den Quellen bei den Windangaben zu verschiedenen Zeiten und an den -verschiedenen Orten des Gefechtes zu erklären. Nach den älteren -holländischen Angaben haben die Engländer nordöstlich der Holländer zu -Anker gelegen und nachher die Luvstellung gehabt; nach Clowes ist der -Wind bei Eröffnung des Gefechts Nordwest gewesen und die Holländer haben -zu Luward gestanden, aber auch hier wird bald von nördlichem und -nordöstlichem Winde gesprochen. Die im übrigen ziemlich gleiche -Beschreibung der Schlacht läßt die Luvstellung der Engländer -wahrscheinlicher erscheinen. Die englische Flotte war in gut rangierter -Kiellinie. Die Ordnung der Holländer ließ viel zu wünschen übrig. Infolge -des Ankerlichtens bei flauem Winde mit Stillen und scheinbar erst -ausgeführt, als der Feind schon unter Segel gesichtet, waren Vorhut und -Mitte zwar aufeinander aufgeschlossen, hatten aber verschiedene Schiffe -in Lee stehen; die Nachhut unter Tromp war weiter zurückgeblieben. - - [168] Quellen wie bei der »Viertage-Schlacht«, nur Mahan beschreibt sie - nicht. Die in England auch gebräuchliche Bezeichnung »St. James' - fight« rührt daher, daß sie am St. James-Tage geschlagen wurde. - -Mehrere Stunden vergingen, bis die Gegner zusammentrafen, erst zwischen -10 und 11 Uhr begann das Gefecht. Beide Flotten lagen über -Steuerbord-Bug, die Engländer wie gesagt wahrscheinlich zu Luward. Zuerst -stießen die =Vorhuten= zusammen, dann die =Mitten= und zwischen diesen -Flottenteilen entbrannte ein sofort heftiger Kampf; der leichte Wind -erlaubte dieses Mal die vollste Ausnützung der schwereren Artillerie -seitens der Engländer. Besonders die holländische Vorhut leidet schwer -und mit verhängnisvollen Zufällen: Der Chef, =Jan Evertsen=, und ein -Vizeadmiral fallen, der zweite Leutnantadmiral =de Vries= wird tödlich -verwundet, das Flaggschiff des zweiten Vizeadmirals muß verlassen werden -und sinkt dann. Die Folge ist, daß die Vorhut gegen 1 Uhr zu weichen -beginnt; sie ist durch Signale Ruyters nicht zu halten, sondern mehrt -Segel, hält ab und flieht. Die Mitte hält sich besser, der Flottenchef -selbst kämpft hartnäckig gegen die beiden schwersten englischen Schiffe -(»Royal Charles« 90 und »Royal Sovereign« 100 Kanonen). Als er aber in -einer kurzen Gefechtspause die allgemeine Flucht der Vorhut bemerkt, -seine Nachhut nur in weiter Ferne sieht, beschließt er, das Gefecht -abzubrechen. Er war um so mehr dazu genötigt, als der Angriff auf seine -Mitte noch stärker zu werden drohte. Die englische Vorhut verfolgte -nämlich nicht ihren fliehenden Gegner, sondern wandte sich richtigerweise -auch gegen Ruyters Geschwader, worauf auch von diesem einzelne Schiffe -weichen. Mit etwa 20 Schiffen tritt =Ruyter= unter kleinen Segeln in -bester Ordnung den Rückzug an. Er beabsichtigte so, die Fliehenden zu -decken, und hoffte sich mit diesen und während der Nacht auch mit Tromp -wieder zu vereinigen und dann am nächsten Tage dem Feinde aufs neue -entgegentreten zu können. - -=Tromp= war, wie erwähnt, weiter zurückgeblieben. In die so entstandene -Lücke der holländischen Linie brach nun die englische Nachhut (Smyth) ein --- so sagt Ruyter in seinem Bericht; er wirft auch Tromp vor, das -Zurückbleiben selbst verschuldet zu haben -- oder Tromp manövrierte -daraufhin, seinen Gegner von dessen Hauptmacht abzuschneiden, oder wie am -zweiten Tage der Viertageschlacht zu Luward von diesem und überhaupt -schneller an den Feind zu kommen -- so sagt Tromp in seinem -Rechtfertigungsbericht. Jedenfalls entspann sich zwischen den =beiden -Nachhuten= ein besonderes Gefecht, das sich zunächst über Backbord-Bug -mehr und mehr vom Hauptschlachtfelde fortzog. =Smyth= soll dies mit -Absicht herbeigeführt haben, da sein Geschwader das schwächste der -englischen Flotte, dagegen das Tromps (das Amsterdam-Kontingent) das -mächtigste der holländischen war. Tromp war auch im Vorteil, ein großes -englisches Schiff ("Resolution« 62) wurde verbrannt. Er ließ sich immer -mehr verlocken, verfolgte den Gegner immer weiter, scheinbar später mit -westlichem Winde, nach Nordosten hin, so daß die Hauptflotten schließlich -aus Sicht kamen. Erst am anderen Morgen brach er das Gefecht in der Nähe -von Galloper ab und suchte seine Flotte wieder auf; den nun seinerseits -hart folgenden Smyth hinter sich, entging er nur durch Zufall der Gefahr, -von diesem und der englischen Hauptflotte in die Mitte genommen zu -werden. - -$Am Morgen des 5. August$ sah sich =Ruyter= mit nur 7 oder 8 Schiffen von -den Engländern mit einigen zwanzig Segeln zu Luward, in Lee und achtern -im Halbmond umgeben und wieder angegriffen; vor ihm liefen seine übrigen -Schiffe und die der Vorhut auf die Wielinge zu und waren durch kein -Signal zum Stehen zu bringen. Tapfer fechtend deckte er das Einlaufen der -Fliehenden zwischen die Bänke; der Angriff richtete sich besonders auf -sein eigenes Schiff, ein Brander konnte nur durch seine und der nächsten -Fahrzeuge Boote abgeschlagen werden. Als auch er eingelaufen war, sandte -er sofort ein kleineres Geschwader wieder in See, um Versprengte -aufzunehmen. Tromp traf erst am 6. auf der Rhede ein; sein Einlaufen -wurde nicht gehindert, da die Engländer zu weit in Lee standen. - -=Die Schlacht war eine völlige Niederlage der Holländer.= Doch scheint -ihr =Verlust= nicht so bedeutend gewesen zu sein. Englische Quellen geben -ihn zwar auf 20 Schiffe (genommene werden aber nicht erwähnt) und 7000 -Tote und Verwundete an, aber die Holländer selbst sprechen nur von 2 -Schiffen und z. B. bei der Mitte nur von 518 Mann. Die eigenen Verluste -beziffern die Engländer auf ein Schiff und 300 Mann. Die =Gründe der -holländischen Niederlage= waren: Die mangelnde Ordnung -- in diesem Falle -allerdings wohl den ungünstigen Windverhältnissen beim Ankerlichten -zuzuschreiben --, die nach dem Fall der Führer eingerissene Mutlosigkeit -in der Vorhut -- der alte Mangel an militärischer Einsicht und Gefühl, -sowie die mangelnde Erziehung zu einer Flottendisziplin -- endlich das -Verhalten Tromps. - -Es wurde denn auch gegen mehrere Kommandanten der Vorhut die Untersuchung -eingeleitet, jedoch nicht ernstlich durchgeführt. Tromp wurde -verabschiedet, allerdings auf sein Gesuch. Man war sich doch klar -geworden, daß der im übrigen so tüchtige Mann mit Ruyter nicht -zusammenwirken könne. Da er sich auch sonst oft eigensinnig gezeigt hatte -und weil er Oranier war, bedauerte die Regierung seinen Verlust nicht -allzusehr. Ruyters Verdienst, die Rettung der Flotte vor gänzlicher -Vernichtung durch seine Rückzugsgefechte an beiden Tagen, wurde dagegen -allgemein anerkannt; sogar Ludwig XIV. verlieh ihm einen hohen -militärischen Orden. - - =Ruyter beschuldigte Tromp=, dem er die Hauptschuld der Niederlage - zuschrieb, schwer. Wie mißlich er die Lage der Flotte angesehen, geht - daraus hervor, daß er im Gefecht am zweiten Tage ausrief: »Will denn - keine der tausend Kugeln mich treffen.« Auf den Vorschlag seines - Schwiegersohnes aber, dem Feinde entgegenzugehen und einen ehrenvollen - Tod zu suchen, antwortete er, es sei seine erste Pflicht, die - Fliehenden zu decken und auch die Schiffe bei ihm dem Vaterlande zu - erhalten. Ferner sagt er in seinem Berichte, am zweiten Tage habe er - die völlige Vernichtung der Flotte vor Augen gesehen, nur die lauer - werdende Verfolgung -- wohl die Besorgnis der Engländer vor den nahen - Sänden -- habe eine solche verhindert. - - Er warf nun Tromp vor, durch eigene Schuld sein Zurückbleiben veranlaßt - zu haben; auch später habe dieser immer noch das Gefecht rechtzeitig - abbrechen und leicht, da er zu Luward stand, mit seinem so starken - Geschwader zur Unterstützung herankommen können. Es wurden in Holland - selbst Stimmen laut, Tromp habe böswillig aus Eifersucht und Haß gegen - Ruyter, ja sogar aus politischen Gründen so gehandelt, da er Oranier, - Ruyter dagegen eifriger Anhänger de Witts war. Es ist aber anzunehmen, - und so auch aus Tromps Rechtfertigungsbericht zu lesen, daß es wieder - ein Ausfluß seines Ehrgeizes und seines hitzigen Temperamentes gewesen - ist: Durch die Umstände zuerst zurückgehalten -- Windstille beim - Ankerlichten, während die beiden andern Geschwader leichten Wind hatten - und absegelten --, versucht er dann ohne Rücksicht auf die Flotte, - möglichst schnell an den Feind zu kommen. Durch den ersten Erfolg - berauscht, beißt er sich fest, in der Hoffnung, die englische Nachhut - gänzlich zu vernichten. Er hielt Ruyter für genügend stark an sich - (eigener Ausspruch); auch seine Unterführer haben später ausgesagt, mit - dem Vorgehen ihres Chefs ganz einverstanden gewesen zu sein. Sein - Hauptfehler war, daß er ohne Befehl und Wissen Ruyters gehandelt und - daß er nicht rechtzeitig abgebrochen hat. - - Zwar war er ein Gegner Ruyters und Oranier, aber es ist kein Beweis - vorhanden, daß es ihm an Vaterlandsliebe selbst bei einer ihm - unsympathischen Regierung mangelte. Als er nach seiner Verabschiedung - ein sehr vorteilhaftes Anerbieten erhielt, in französische Dienste zu - treten, lehnte er es ab und zog sich vorläufig ins Privatleben zurück. - -=Die Engländer waren nach der Schlacht die Herren der See= und benutzten -dies zu einem Unternehmen gegen die Küste. Nachdem sie einige Tage bei -Schooneveld-Bank, einem beliebten Ankerplatz der Holländer, zu Anker -gelegen und von hier aus die feindliche Flotte in den Wielingen -beobachtet hatten, gingen sie nördlich, brachten Kauffahrer auf und -alarmierten die Küste. Auf dem Wege erfuhren sie von einem kassierten -früheren holländischen Kapitän, daß in dem =Vlie-Strome=, zwischen -Vlieland und Terschelling, eine große Zahl reichbeladener Kauffahrer von -nur zwei Kriegsschiffen gedeckt läge und daß wertvolle Magazine des -Staates und der ostindischen Kompagnie auf genannten beiden Inseln leicht -zu zerstören seien. Kontreadmiral =Holmes=, uns schon von Westafrika her -bekannt, wurde am 18. August mit 9 kleineren Kriegsschiffen, 7 leichten -Fahrzeugen und 5 Brandern zu einem Angriff auf diese Objekte abgeschickt. -Holmes legte die beiden schwersten Schiffe vor die Einfahrt, um jedes -Entweichen nach See zu verhindern, ließ durch ein leichtes Schiff -Fahrwasser und Lage der Dinge erkunden und ging dann am 19. trotz -Gegenwindes und schwieriger Navigation auf die Rhede von Terschelling. -Hier setzte er mittels der Brander die Kriegsschiffe und schwersten -Kauffahrer, durch seine Boote die übrigen Fahrzeuge -- in Summe etwa 150 -Segel -- in Brand. Am nächsten Tage landete er auf Terschelling und legte -eine größere Stadt mit Magazinen sowie verschiedene Ortschaften am -Strande in Asche; von einem Unternehmen gegen Vlieland mußte des Wetters -wegen abgesehen werden. Da man zu einem zweiten Versuch oder sonstigen -weiteren Unternehmungen der Gezeiten wegen länger hätte warten müssen und -eine dem Auslaufen ungünstige Windänderung fürchtete, ging Holmes zu -seiner Flotte zurück. - - Es war eine seemännisch geschickt ausgeführte Tat, die mit nur einem - Verluste von 20 Mann und den verbrauchten Brandern dem Feinde einen - Schaden von 12 Millionen Gulden zufügte, nach damaligen Verhältnissen - einen außerordentlich großen; daß man auch die armen Fischerdörfer - verbrannte, war grausam aber wohl der Kriegführung der Zeit - entsprechend. Aus Rache verbrannten holländische Kriegsschiffe einige - Tage später verschiedene englische Kauffahrer bei Glückstadt an der - Elbe. - -Es ist unverständlich, daß die Holländer nicht wenigstens dem Verluste -der Schiffe vorgebeugt haben. Wenn sie wirklich die wenigen -Kriegsschiffe, die zu sicherem Schutz nötig gewesen wären, nicht zur -Stelle hatten, so hätten sich doch die Kauffahrer zurückziehen können. -Der Befehl dazu war gegeben, aber nicht auf die Ausführung gedrungen. -Hatte die Regierung nicht die Macht dazu, oder unterschätzte man die -Gefahr, obgleich man doch selbst solche Anschläge plante? - -Die englische Flotte kehrte nach diesem Unternehmen in ihre Häfen zurück, -um auszubessern, auch weil eine ansteckende Krankheit an Bord ausbrach. - -$Das Jahr 1666$ sollte nichts von Bedeutung mehr bringen, wir können die -$weiteren Ereignisse$ kurz zusammenfassen.[169] Die Holländer hatten zwar -ihre Flotte schleunigst wieder instandgesetzt, doch war der -Gesundheitszustand auf der Flotte schlecht. Am 5. September bereits ging -=Ruyter= mit 79 Schiffen und 27 Brandern in See. Seine Aufgabe war: für -heimkehrende Fahrzeuge die Küsten freizuhalten, sobald der Zeitpunkt -günstig, den Feind anzugreifen, vor allem aber sich mit =Beaufort= zu -vereinigen. - - [169] Näheres in den angezogenen Quellen, insbesondere den - holländischen. - -Die Ankunft der französischen Flotte war gerade jetzt als nahe bevor -stehend in Aussicht gestellt, freilich schwebten immer noch endlose -Verhandlungen, u. a. auch über Etikettenfragen bei und nach der -Vereinigung. So richtete Ruyter seinen Kurs nach dem Westen. Die -Engländer folgten ihm von Harwich und Solebay aus; sie waren ebenfalls -etwa 100 Segel stark, sollen jedoch in nicht besonders gutem Zustande -gewesen sein, vor allem fehlten Brander. Der holländische Admiral hielt -sich an der französischen Küste, teils um Beaufort um so sicherer zu -treffen, teils um nicht gezwungen zu werden, an der englischen zu -fechten. Auf seinem Wege nach Dünkirchen sichten sich am 10. September -die Flotten, es kommt aber nicht zum Zusammenstoß. Beiderseits scheint -man ihn vermieden zu haben: Ruyter wollte wohl versuchen, erst die -Vereinigung mit den Franzosen herbeizuführen, die Engländer manövrierten -daraufhin, den Feind von der Küste abzuziehen; außerdem war es stürmisch. -=Monck= und =Ruprecht= wollten auch wohl ein Gefecht vermeiden mit -Hinblick auf den schlechten Zustand ihrer Flotte sowie auf das doch -mögliche plötzliche Erscheinen der Franzosen, sie hielten vielleicht -anderseits ihre bloße Nähe für genügend, eine Vereinigung zu verhindern, -worin ihnen der weitere Verlauf rechtgab. Am 10. und 11. manövrieren die -Flotten in Sicht voneinander; einige Schüsse werden gewechselt, ein durch -Sturm beschädigtes Schiff fällt den Holländern in die Hände. Am 11. -September abends ankerte Ruyter vor Boulogne, die Engländer gingen zu -ihren Küsten zurück, wenigstens kamen sie aus Sicht. Ruyter lag mehrere -Tage vor Boulogne. Er erfuhr hier, daß Beaufort am 13. La Rochelle -verlassen habe, um nach Brest zu gehen. Den französischerseits geäußerten -Wunsch, ihm weiter entgegenzugehen, lehnte Ruyter ab, er versprach -jedoch, noch 4 Tage vor Dünkirchen zu warten, und ging am 18. dorthin. -Während eines dreitägigen schweren Sturmes hier erhielt er Befehl, nach -Holland zurückzukehren. Der Grund hierfür war wohl der schlechte -Gesundheitszustand, auch hatte man vielleicht an maßgebender Stelle die -Hoffnung auf die Unterstützung der Franzosen aufgegeben. - -Diese Order wurde aber gleich darauf widerrufen infolge des großen -Brandes in London; vom 12.-16. September war fast die ganze City -niedergebrannt. - -Neigung zum Frieden hatte sich schon in England bemerklich gemacht; in -Holland hoffte man, daß dieses Nationalunglück sie bestärken würde, und -beschloß deshalb, die Flotte weiter in See zu halten, um durch drohende -Unternehmungen noch mehr Druck auszuüben. Ehe aber etwas Derartiges -unternommen wurde, ging =Ruyter= nochmals westwärts. Er hatte am 26. -gehört, es habe ein Zusammenstoß zwischen den Engländern und Franzosen -stattgefunden. Tatsächlich hatte ein Teil der englischen Flotte nach dem -letzten Sturm einige Nachzügler Beauforts überrascht und mehrere Schiffe -vernichtet. Aber schon am 28., bei stürmischem Wetter westwärts -aufkreuzend, erhielt Ruyter vom französischen Admiral die Nachricht, er -sei bei Dieppe gewesen, habe 24 Stunden gewartet, könne wegen der Nähe -der Engländer nicht weitergehen und kehre nach Brest zurück. Nun gingen -die Holländer wieder ostwärts; die Krankheiten hatten sehr zugenommen und -der Admiral selbst mußte sich (3. Oktober) ausschiffen. =Van Nes= führte -die Flotte nochmals zur englischen Küste hinüber, am 5. Oktober wurden -etwa 60 feindliche Segel gesichtet, aber ein Sturm trennte während der -Nacht die Gegner. Die Flotten gingen in ihre Häfen. Auf beiden Seiten -begnügte man sich damit, den Winterdienst einzurichten, d. h. die Schiffe -im allgemeinen aufzulegen und nur kleinere Geschwader zur Sicherheit der -Küsten, zum Decken eigener sowie zum gelegentlichen Abfangen feindlicher -Kauffahrer in Dienst zu behalten. In Holland wurde der Winterdienst in -diesem Jahre in größerem Maßstabe als sonst üblich angesetzt; es war hier -jetzt die große Schiffahrt freigegeben. Um die Mitte des Oktober begannen -$Friedensunterhandlungen$. Beide Nationen waren des Krieges müde, da er -ihren Handel und ihre Flotten zugunsten der mächtig aufstrebenden -Franzosen schädigte. - - Der Anstoß zu den Friedensunterhandlungen scheint von England - ausgegangen zu sein. Als von Holland aus ein ritterliches Anerbieten - erging, die Leiche des gefallenen Vizeadmirals Berkeley feierlich zu - bestatten oder nach England überzuführen, erfolgte ein Dankschreiben, - das Neigung zum Frieden zeigte. Gerade in England hatte das Volk neben - den Kriegsfolgen auch schwer unter der Pest und durch den Brand in - London gelitten. Der König unterschlug ferner einen Teil der für den - Krieg bestimmten Gelder, so daß selbst der Sold der Flottenmannschaften - unregelmäßig gezahlt wurde. In Holland ging man gern auf Verhandlungen - ein, wenn auch hier die Verhältnisse günstiger lagen. Bei dem Zutrauen - auf die Zuverlässigkeit der Regierung und der Kaufleute fanden bisher - beide genug Geld; die eine zu Rüstungen, die anderen zum Überstehen der - schweren Zeit. - -$Das Jahr 1667. Ruyter in der Themse. Friedensschluß.$ Die -Friedensunterhandlungen kamen nicht weiter, obgleich Schweden die -Vermittlung übernahm und zum Mai 1667 Gesandte Englands, Hollands, -Frankreichs, Dänemarks und Schwedens zu einem =Friedenskongreß in Breda= -zusammenberufen wurden. =Karl= II. stellte zu hohe Anforderungen, weil er -ganz bei denen blieb, durch die er den Krieg heraufbeschworen hatte. Er -haßte Holland zu sehr und hoffte, daß die immer mehr hervortretenden -Absichten Ludwigs XIV. bald zu einem Bruche zwischen Frankreich und -Holland führen würden und er dann seine Forderungen durchdrücken könne. -=Ludwig= XIV. wirkte auch gegen den Frieden. Er hatte tatsächlich für den -Sommer dieses Jahres den Angriff auf die spanischen Niederlande geplant, -und deshalb mußte es ihm willkommen sein, wenn Holland weiter anderwärts -beschäftigt blieb. - - Er eröffnete im Mai 1667 den sogenannten =Devolutionskrieg= (vgl. Seite - 250) durch den Einbruch eines Heeres von 50000 Mann unter Turenne in - Flandern und den Hennegau. Obgleich er in einem neuen Vertrage mit - Holland wieder versprach, ihm seine Flotte zu stellen, bot er doch - schon am folgenden Tage Karl II. Geld und Truppen zum Umsturz der - englischen Verfassung -- Abschaffung des Parlaments -- an, wenn sich - dieser verpflichtete, der Einverleibung der spanischen Niederlande - nichts in den Weg zu legen. - -Er riet deshalb de Witt, noch einen kräftigen Stoß gegen England zu -unternehmen, und versprach aufs neue die Mitwirkung seiner ganzen Flotte. -Der Ratspensionär de Witt ging darauf ein, da die Verhandlungen doch -nicht weiter kamen. Dieser kluge und stets gut unterrichtete Staatsmann -wußte, daß England schwächer sein würde als bisher, weil Karl II. in noch -größerem Maße als früher die für den Krieg bewilligten Gelder für seine -Zwecke verwendete. Somit hielt er es für möglich, nötigenfalls auch ohne -französische Hilfe, durch einen großen plötzlichen Erfolg günstigere -Friedensbedingungen zu erreichen. - -=Der kleine Krieg= war fortgeführt worden. Während des Winters hatten -Zusammenstöße kleinerer Flottenabteilungen im Kanal und der Nordsee -stattgefunden. In Westindien hatten die Holländer sogar größere Erfolge -errungen; sie hatten den Engländern die Niederlassung in =Surinam= -abgenommen und auch sonst sie empfindlich geschädigt. In jenen Gewässern -waren sie gemeinsam mit den Franzosen vorgegangen, die sich auch in -Besitz verschiedener englischer Inseln gesetzt hatten. Als nun am 5. Mai -ein neuer Vertrag mit Frankreich abgeschlossen war, beschloß man in -Holland ein Unternehmen gegen die Themse. Ein am 4. Juni auf dem Kongreß -zu Breda seitens Englands geforderter Waffenstillstand wurde abgelehnt -und $Ruyters Angriff auf die Themse$ ins Werk gesetzt. Die Verhältnisse -lagen für Holland sehr günstig. Man hatte hier den Winter über die -Rüstungen trotz der Friedensunterhandlungen, ja gerade um diese zu -fördern, mit großem Eifer betrieben. Für das Jahr 1667 war die -Aufstellung einer noch größeren Flotte als in den Vorjahren beschlossen. -Es sollten 88 Kriegsschiffe -- darunter wieder 16 auf Kosten der -ostindischen Kompagnie --, 12 Fregatten, 24 Brander und zahlreiche -kleinere Fahrzeuge in Dienst gestellt und 18 Kriegsschiffe für Ausfälle -nach Gefechten bereit gehalten werden; die Mannschaften des Jahres 1666 -waren in Dienst behalten. - -In =England= dagegen war die Lage anders; de Witt war richtig -unterrichtet gewesen. Wenn =Karl= II. im Gegensatz zu seinem Volke nicht -ernstlich an Frieden dachte oder doch seine Forderungen durchsetzen -wollte, so hätte gerade er die Flotte auf der Höhe ihrer -Leistungsfähigkeit halten müssen. Statt dessen hatte er sich einen Plan -zurechtgelegt, der ihm zu seinem beständigen Geldmangel paßte: Er wollte -nur einen =Kreuzerkrieg= führen, und von einer Verwendung der -Schlachtflotte ganz absehen. - - Der =Standpunkt des Königs= -- vom Lordkanzler und Lordschatzmeister - unterstützt, dagegen von York und wohl auch von Monck hart angegriffen - -- war: da der Handel eine Lebensbedingung Hollands sei, da die - Versorgung seiner Marine von diesem Handel abhinge und da, wie die - Erfahrung gelehrt, nichts das Volk mehr erbittert hätte, als die - Schädigung des Handels, so würde man sich englischerseits auf den - Kreuzerkrieg beschränken können. Die Holländer würden durch diesen - wirksam genug gedemütigt werden, während England nicht wie bisher durch - die Ausrüstung großer Flotten erschöpft würde. Da der Gedanke, nur - einen Kreuzerzug zu führen, zu allen Zeiten seine Vertreter gefunden - hat, werde ich bei den strategischen Betrachtungen am Schluß des - Krieges darauf zurückkommen, nachdem wir die Folgen der Maßnahmen - Englands kennen gelernt haben. - -Infolge dieses Beschlusses blieben nun auch mit dem Eintritt des -Frühjahrs die meisten Schiffe und darunter gerade die schwersten -aufgelegt, und es wurden für den Sommerdienst nur schwache Geschwader -kleinerer Schlachtschiffe und leichterer Fahrzeuge in Dienst gestellt. -Sonst waren natürlich Hollands Rüstungen in England wohl bekannt sowie -auch, daß man dort etwas gegen einen der größeren Häfen plane. Es wurde -deshalb schon im März der Befehl gegeben, die Befestigungen von -Portsmouth und Harwich, namentlich aber die an den wichtigsten Stellen -der Themse, zu verstärken, hier die außer Dienst gestellten Schiffe -soweit wie möglich den Fluß hinaufzuführen, Vorbereitungen zum Sperren -des Fahrwassers zu treffen und genügend Brander bereit zu halten. Der -König und der Herzog von York hatten die notwendigen Maßregeln in der -Themse persönlich an Ort und Stelle angeordnet. Zu allen diesen Arbeiten -war Zeit genug. Zwar scheint de Witts Plan schon viel früher fertig -gewesen zu sein, der Vertrag mit Ludwig XIV. sich schon im besonderen auf -einen Angriff der Themse bezogen zu haben, aber man war noch nicht -bereit. Ein lang andauernder, im Mai noch einmal einsetzender harter -Winter hatte die Mobilmachung verzögert. Obgleich also der Angriff nicht -unerwartet kam, waren doch die Vorbereitungen zur Verteidigung in England -arg vernachlässigt. Albemarle, der bei Chatham kommandierte, als der -Angriff erfolgte, beklagte sich später bitter darüber, daß die -Anordnungen durchgängig nur lässig oder gar nicht ausgeführt seien. - - Nach englischen Quellen sollen zu dieser Vernachlässigung besonders - zwei Umstände Anlaß gegeben haben: die Holländer hätten in den - Friedensverhandlungen erklärt, sie rüsteten schon ab, und die - Aufmerksamkeit der Engländer sei durch eine andere Diversion von der - größeren Expedition abgezogen. Im April unternahm nämlich der - Leutnantadmiral =van Ghent=, von der Begleitung eines Konvois bis zum - Norden Schottlands zurückkehrend, einen =Vorstoß gegen Leith=, um die - dort liegenden Schiffe, besonders Freibeuter, zu zerstören; es wurden - dabei nur einige wertlose Prisen gemacht und Burntisland ohne größeren - Erfolg bombardiert. - - Diese Gründe können jedoch eine derartige Sorglosigkeit nicht - entschuldigen, man wird sowohl gewußt haben, daß Holland weiter - rüstete, als auch daß Ghents Geschwader keineswegs die ganze - Streitmacht des Feindes war. Die Nachlässigkeit ist wohl der seit Karls - Thronbesteigung einreißenden Oberflächlichkeit im Dienstbetriebe - zuzuschreiben; selbst der Herzog von York, der sonst Interesse und - Verständnis für Marinefragen hatte, soll seinen Dienst etwas - oberflächlich getan haben. - -=De Witt= war auch hierüber wieder gut unterrichtet und beeilte mit -Ruyters Unterstützung die Abfahrt der Expedition, obgleich die ganze -Streitmacht der Niederlande noch nicht versammelt war. Das ganze -bedeutende Kontingent Seelands und auch der größere Teil von dem -Frieslands fehlte, sie waren noch nicht fertig. Uneinigkeiten zwischen -den Provinzen, das Parteiwesen in der Republik, Trotz gegen de Witts -Machtstellung, waren daran schuld. Seeland war wie die Landprovinzen des -Seekrieges müde; als Gründe wurden angegeben: Mangel an Geld und Leuten, -die Gefahr des Vordringens der Franzosen usw. - -So bestand =Ruyters Flotte= nur aus 64 Kriegsschiffen zu 32-84 Kanonen, -20 kleineren Fahrzeugen, 15 Brandern mit 3330 Kanonen und 17416 -Mann,[170] hinzutraten einige Transporter mit Landsoldaten; Vor- und -Nachhut führten die Leutnantadmirale van Ghent (Amsterdam), van Nes -(Maas). Für Einschiffung zahlreicher Lotsen, die die Themse kannten, war -gesorgt, 2 oder 3 Engländer befanden sich darunter; bei den -Unternehmungen gegen die Themse in den beiden Vorjahren waren Lotungen -vorgenommen und auch sonst hatte man sich nach Möglichkeit Kenntnis des -Fahrwassers verschafft. - - [170] Nähere Angaben de Jonge, Teil I, Beilage XXXVI und »Leben - Ruyters« Seite 423. - -=Ruyters Order= war: Soweit wie möglich die Themse hinaufzugehen; -Schiffe, Magazine, Befestigungen zu zerstören und dem Feinde in jeder -Beziehung Abbruch zu tun; die Art der Ausführung war dem eigenen Ermessen -anheimgestellt. Als Deputierter der Generalstaaten befand sich nur -=Cornelis de Witt=, Bruder des Ratspensionärs, für die Provinz Holland an -Bord; Friesland und Seeland hatten keinen Vertreter gestellt, scheinbar -zur größten Zufriedenheit des leitenden Staatsmannes. Die Flotte ging am -13. Juni von Schooneveld, wo sie noch einige Tage auf das Kontingent -Seelands gewartet hatte, in See, ritt am 15. vor der Themse einen -Südwest-Sturm ab und lief am 17. in den Kings-channel ein. - -Am 18. Juni gab =Ruyter= die hier kurz mitgeteilte =Disposition= aus: -»Die Hauptflotte bleibt vor der Themsemündung als Rückhalt liegen. Eine -Flottenabteilung geht den Fluß hinauf und vernichtet die bei Gravesend -und Tilbury (the Hope) liegenden Schiffe -- etwa 20 Westindienfahrer -unter Bedeckung von 10-12 Kriegsschiffen zu 30-40 Kanonen --. Dann kommt -sie zurück, geht in den Medway, nimmt Sheerness und zerstört die Schiffe -und Arsenale in diesem Nebenfluß.« Die zu detachierende =Abteilung= wurde -=van Ghent=, unter ihm Vizeadmiral de Liefde, unterstellt und bestand -aus: 2 Schiffen zu 60, 6 zu 50, 4 zu 40-45, 5 zu 32-36 Kanonen; 5 -Advisjachten sowie fast allen kleinen Fahrzeugen und Brandern. Die -Landungstruppen wurden auf die Kriegsschiffe verteilt, leider waren -mehrere Transporter während des Sturmes von der Flotte abgekommen; C. de -Witt schloß sich der Expedition an. Der erste Teil der Aufgabe gelang -infolge ungünstiger Windverhältnisse nicht, der zweite und Hauptteil -aber, die $Forcierung des Medway$, wurde ein großer Erfolg.[171] - - [171] Wir besitzen zahlreiche Beschreibungen dieses Unternehmens in den - älteren Quellen und neueren Werken, die in Clowes, Teil II, Seite - 293, aufgeführt sind. Ich habe von diesen bei meiner Schilderung - dieselben wie zu den vorhergehenden Schlachten benutzt. Man - findet wieder in Clowes, de Jonge und »Ruyters Leben« eine genaue - Schilderung, im »Vie de Tromp« die Berichte usw. - - =Früh morgens am 19. Juni= ging =Ghent= mit der Flut stromauf, kam - jedoch wegen ungünstigen und dabei flauen Windes und wegen der später - einsetzenden Ebbe nur bis etwa zwischen Leigh und Gravesend und mußte - hier ankern; die englischen Schiffe gewannen hierdurch Zeit, sich noch - weiter stromaufwärts in Sicherheit zu bringen. =Ruyter= war mit der - Flotte bis zum Mittelgrunde gegangen; er detachierte Schiffe in alle - Fahrwasser und bestimmte noch 10 größere Schiffe zur Unterstützung für - das Unternehmen gegen den Medway. - - Am 20. morgens kam Ghent von dem verfehlten Unternehmen zurück und - wandte sich gegen =Sheerness=. Drei Schiffe bombardierten das Fort, 800 - Mann unter Oberst =Dollman=, einem englischen Republikaner, landeten. - Ein ernster Widerstand wurde bei dem schlechten Zustande der - Befestigung nicht geleistet, die Besatzung zog ab und besetzte später - eine Schanze bei Gillingham; auch ein kleines Kriegsschiff und 2 - Brander, die bei Sheerness gelegen, hatten Anker gekappt und waren den - Medway hinaufgegangen. Die Holländer machten die Geschütze und die - Befestigung unbrauchbar und räumten oder zerstörten die Magazine; sie - glaubten aber die Stellung mit ihrer geringen Zahl Soldaten nicht - halten zu können. An demselben Tage wurde auch noch das Fahrwasser des - Medway durch leichte Schiffe ausgelotet. - - Das Erscheinen der Holländer in der Themse und die Einnahme von - Sheerness hatten London natürlich in größte Aufregung versetzt. =Monck= - eilte mit Truppen nach =Chatham=, wo er, wie schon gesagt, wenig - gemacht fand. Er tat nun sein möglichstes, eine feste Stellung zu - schaffen, obgleich er kaum Arbeitskräfte bekam, die halbe Bevölkerung, - selbst ein Teil der Arsenalbeamten, war geflohen. Er ließ eine schon - längst vorbereitete, aber nicht in Gebrauch genommene Sperrkette - oberhalb Gillingham ziehen, deckte sie durch zwei kleine Batterien und - legte ein Kriegsschiff, die »Unity«, davor. Sodann verstärkte er die - Befestigungen von Upnor-Castle und verankerte die vorhandenen schweren - Schiffe, etwa 17, oberhalb der Kette auf dem ganzen Revier in - Verteidigungsstellung; auch ordnete er das Versenken von Schiffen an, - was aber in der Eile weder durchweg noch richtig ausgeführt wurde, wie - es auch nicht mehr möglich war, frühere Unterlassungssünden noch gut zu - machen, z. B. die Verstärkung der ungenügenden Armierung der Batterien. - -[Illustration: Ruyter im Medway, 20.-23. Juni 1667.] - - Am 21. Juni unternahmen die Holländer noch nichts. Der Grund hierfür - ist nirgend zu ersehen. Vielleicht geschah es, um Ruyter abzuwarten, - der auf ausdrücklichen Wunsch C. de Witts weiter stromauf segelte und - schließlich mit einigen seiner Schiffe bis Queenborough kam. Am 22. - Juni 7 Uhr segelte =Ghent= den =Medway= hinauf. Die Spitze der Vorhut, - geführt vom Kapitän Tobias, begann ein Feuergefecht mit der befestigten - Stellung an der Kette, das jedoch nicht recht vorwärts kommen wollte. - Da erbot sich Kapitän =van Brakel=, mit dem Schiff »Vrede« und 2 - Brandern vorzugehen. Er enterte die »Unity«, und der eine Brander - sprengte die Kette. Verschiedene kleine Schiffe und Brander segelten - nun durch; Brakel bestieg ein kleineres Fahrzeug, enterte das nächste - große englische Schiff und brachte dann, auf sein Schiff zurückgekehrt, - die kleinen Kettenbatterien zum Schweigen. - - Mittlerweile kommen immer mehr Holländer unter Ghents und Liefdes - persönlicher Führung heran. Mit Schiffen und Fahrzeugen, mit - ausgesetzten Booten wird die erste englische Stellung genommen; die - Batterien am Lande werden durch Landungsabteilungen zerstört, von 5 - großen hier postierten Schlachtschiffen werden 4 verbrannt, der »Royal - Charles« (100 Kanonen) wird genommen. Dieses stolze englische Schiff - wurde als Trophäe nach Holland geführt; Monck hatte angeordnet, es - weiter stromauf zu bringen, aus Nachlässigkeit oder Mangel an - Hilfsmitteln war dies aber nicht geschehen. Der Kampf, zu dessen - Ausläufern auch Ruyter auf einem kleinen Fahrzeuge herangekommen war, - wurde abends abgebrochen, weil bei fallendem Wasser viele Holländer - festkamen. Die Szene auf dem Kampfplatz wird als furchtbar geschildert: - »Der Fluß voll von fahrenden Schiffen, Booten und brennenden Trümmern; - ununterbrochenes Geschütz- und Gewehrfeuer, und doch übertönt vom - Klagen der Verwundeten; Trompetengeschmetter, Trommelschlag und - Hurraruf der Holländer nach jedem Erfolge; über allem dunkler - Pulverrauch und erleuchtet von den Flammen und dem Blitzen der - Feuerwaffen.« Am 23. Juni wurde das Vernichtungswerk fortgesetzt. Mit 4 - Schlachtschiffen, einigen Jachten und den Brandern wurden die drei bei - Upnor liegenden Engländer angegriffen. Die Befestigungen hier unter - Major =Scott= und die gegenüberliegenden unter Vizeadmiral =Spragge=, - der in Sheerness kommandiert hatte, kämpften tapfer, konnten aber das - Verbrennen der Schiffe durch Brander und Boote nicht hindern; Ruyter - und die anderen Admirale leiteten von Booten aus das Gefecht, an dem - sich in dem engen Gewässer von größeren Schiffen ja nur wenige - beteiligen konnten. - - Mit diesem =Erfolge= begnügten sich die Holländer, sie hielten es nicht - für ratsam, den Fluß noch weiter hinaufzugehen. Das Fahrwasser wurde - immer enger und schwieriger, Schiffe waren versenkt und der Fluß an - beiden Seiten mit Batterien und Truppen besetzt, die Brander bis auf - zwei verbraucht. So waren die übrigen englischen Schiffe und die - Arsenale bei Chatham gerettet. - - Immerhin hatte man 2 Schiffe genommen und 6 oder 7 verbrannt, fast alle - diese waren bisherige Admiralschiffe; die Engländer selbst hatten - außerdem einige versenkt. Erinnert muß daran werden, daß die Schiffe im - Medway nur halb armiert und bemannt, einige sogar ganz aufgelegt waren; - man hatte diese mit Soldaten besetzt. Auch der Mannschaftsverlust der - Engländer muß bedeutend gewesen sein, während die Holländer nur etwa - 150 Tote und Verwundete hatten. - - Am 24. Juni ging die holländische Flotte in die Themse zurück. - -Als die holländische Flotte nach der Durchführung dieses Unternehmens am -24. Juni wieder auf der Themse selbst und in der Mündung des Medway lag, -wurde sie verstärkt durch einige friesische Schiffe und durch einen Teil -des seeländer Kontingents unter Leutnantadmiral Bankers, so daß sie nun -gegen 80 Kriegsschiffe stark und auch wieder im Besitz einiger Brander -war. Hiervon wurde gleich ein Geschwader unter Ghent nach dem Norden -Schottlands detachiert, um heimkehrende Indienfahrer zu begleiten. -=Ruyter= blieb mit dem Gros noch einige Tage liegen, ging dann aber auch -stromabwärts, um sich nicht Branderangriffen in dem engen Revier -auszusetzen, und übernahm eine strenge =Blockade der Themse=. Er selbst -lag vor dem Fluß, ein Geschwader kreuzte zwischen Harwich und den -Hoofden, ein anderes zwischen Harwich und der Themse. - -Das Erscheinen in der Themse und die Waffentat im Medway waren von der -größten moralischen Wirkung in England, selbst aus London waren Einwohner -geflohen; von dieser Zeit soll sich die zuweilen übertrieben auftretende -Furcht eines Angriffs auf London herschreiben. Die zunehmende Neigung zum -Frieden zeigte sich sofort in den Verhandlungen zu Breda, die Blockade -der Themse trug weiter dazu bei. Diese war so wirkungsvoll, daß die -Preise von Kohlen und anderen Materialien in London bis auf das Zehnfache -des sonst üblichen Satzes stiegen. Die Generalstaaten begnügten sich -jedoch damit nicht, sondern ordneten weitere Unternehmungen an, um immer -mehr Druck zur Beschleunigung der Friedensunterhandlungen auszuüben. -Vielleicht hoffte man auch immer noch auf eine wirkliche Unterstützung -durch die Franzosen; wäre sie erfolgt, so würde England wohl aufs tiefste -gedemütigt worden sein. Aber die französische Flotte lag ruhig in Brest -und die jetzt noch bis zum Friedensschluß von den Holländern ins Werk -gesetzten $weiteren Unternehmungen$ hatten keine anderen Erfolge als die -fortgesetzte Blockade der Themse und die Alarmierung der englischen -Küste; sie seien deshalb nur kurz erwähnt. =Ruyter= erhielt den Befehl, -=nochmals in die Themse= einzudringen. Er verfuhr ähnlich wie früher und -kam mit einem Geschwader leichter Schiffe an der Spitze am 6. Juli bis -unterhalb Gravesend. Hier hörte er von auslaufenden flämischen Schiffen, -daß in Woolwich eine größere Zahl Kriegsschiffe und 15 Brander bereit -lägen, daß das Fahrwasser bis auf eine schmale Rinne gesperrt sei -- für -größere Schiffe nur im Schlepp zu passieren -- und daß die Ufer bei -Gravesend mit starken Batterien und zahlreichen Truppen besetzt wären. - - Bemerkenswert ist, daß diese flämischen Schiffe Truppen abgeholt - hatten, die für Spanien geworben waren, obgleich sich England in einer - so traurigen Lage befand und obgleich Karl II. doch, wie wir erwähnt, - mit Ludwig XIV. in Unterhandlung zuungunsten Spaniens stand. - -Der Admiral gab deshalb diesen Plan auf und ging wieder vor die Themse -zurück. Er beabsichtigte nun, =Harwich= und die dort liegenden Schiffe zu -Wasser und zu Lande =anzugreifen=; seit kurzem hatte er eine Verstärkung -von 8 Kompagnien zu Landungsunternehmungen erhalten. Aber auch dieser -Anschlag am 12. =Juli= mißglückte. Eine Flottenabteilung war bestimmt, -das die Stadt deckende Fort zu bombardieren, eine zweite, in den Hafen -einzudringen; beide erreichten ihren Zweck nicht. Infolge ungünstiger -Windverhältnisse und ungenügender Kenntnis des außerdem gesperrten -Fahrwassers konnte die eine nicht nahe genug heran, die andere nicht -hinein. Da so der Landangriff nicht von der Flotte unterstützt werden -konnte, wurde er zweimal abgeschlagen und die gelandeten Truppen, gegen -2000 Mann, wurden dann von englischen Entsatztruppen zur Einschiffung -gezwungen; alles ging nicht ohne beträchtliche Verluste ab. - -=Ruyter= teilte nun auf Befehl seine Flotte. =Ein Geschwader unter van -Nes= setzte die Blockade der Themse fort. Auch dieses unternahm nochmals -einen =Vorstoß in die Themse=. Am 2. August ging van Nes wieder bis -Gravesend und fand dort Schiffe unter =Spragge= vor. Beim Angriff wichen -sie zurück; es wurde ein Hauptkampf nur von Brandern ausgefochten, deren -die Engländer 11, die Holländer 6 oder 7 verloren; die Befestigungen -setzten dann dem Vordringen ein Ziel. Die Holländer gingen bis zum Nore -zurück und nahmen hier eine Kampfaufstellung zu Anker ein; Spragge -folgte, ohne sich in ein ernstliches Gefecht einzulassen. Der -holländische Admiral hielt es aber doch für geboten, die Themse ganz zu -verlassen, als am 5. August etwa 20 Schiffe von Harwich aus zu Spragge -stießen und er ernstlich angegriffen wurde; das holländische Geschwader -würde an diesem Tage in großer Gefahr gewesen sein, wenn die -verschiedenen englischen Abteilungen von der Themse, Harwich und dem -Medway aus einmütiger operiert und wenn besonders die Brander ihre -Pflicht besser getan hätten. Van Nes vollführte seinen Rückzug durch das -enge Fahrwasser militärisch und namentlich seemännisch bei Gegenwind -musterhaft; es ist dieses jener Fall, der früher bereits als ein -Meisterstück holländischer Seemannschaft erwähnt wurde (vgl. Seite 263). -Die Blockade der Themse blieb dann ohne weitere Zwischenfälle bis zur -Ratifizierung des Friedens in Kraft. - -=Ruyter führte den Rest der Flotte.= Seine Aufgabe war, durch -=Beunruhigung der feindlichen Küste= einen Druck auszuüben und zu -versuchen, verschiedene starke Konvois abzufangen, deren Rückkehr man -erfahren hatte. Er kreuzte ständig im Kanal, namentlich im Westen und bei -den Scillys. Erkundungsfahrten wurden bis dicht vor die Häfen von -Portsmouth, Dartmouth, Torbay, Plymouth und Foway (Cornwall) vorgenommen; -auf einer der Scillys wurde gelandet, aber nur um Vieh wegzunehmen. Nach -den alten Quellen scheinen diese Erkundungen nur den Zweck gehabt zu -haben, eine Vereinigung der englischen Seestreitkräfte zu hindern und die -Konvois zu suchen; von diesen hörte man immer wieder, ohne sie jedoch auf -See anzutreffen. Am 8. August erfuhr Ruyter vor Plymouth durch einen -Parlamentär den Friedensschluß, am 13. erhielt er dienstlich die -Bestätigung und am 31. die Nachricht von der Ratifizierung. Da jedoch -nach den Bedingungen der Frieden erst am 5. September in Nordsee und -Kanal, im Atlantik bis zum Kap Vincent gar erst am 5. Oktober (von dort -bis zur Linie am 2. November, auf der ganzen Erde am 24. April 1668) in -Kraft trat, hatte er Befehl, bis zu diesem letzten Termin am Eingange des -Kanals zu kreuzen. Wegen schlechten Wetters und Krankheit an Bord hielt -er sich aber bald den heimischen Häfen näher und lief am 10. Oktober ein. - -Der $Frieden zu Breda$, 21. Juli 1667 geschlossen und am 24. August -ratifiziert, ist für das siegreiche Holland kaum ein günstiger zu nennen: -England behielt die genommene Kolonie Neuniederland (Neuyork), Holland -bekam das englische Surinam, obgleich es kurze Zeit nach der -holländischen Besetzung durch englische Schiffe zurückerobert war. -Holland mußte aber das »Flaggenrecht« weiter anerkennen (vgl. Seite 229 -und Seite 189, 191). Nur mit Beziehung auf die Navigationsakte erlangte -Holland einen wesentlichen Vorteil: das Verbot, mit seinen Schiffen keine -außerholländischen Waren einzuführen, sollte nicht mehr für deutsche -Produkte gelten, die Holland auf der Achse oder auf dem Rhein bezogen -hatte. Dieser materielle Vorteil tröstete wohl manche in dem ideellen -Schmerz über das Flaggenrecht. In dem Frieden mit Frankreich gab dieses -an England die genommenen westindischen Inseln zurück, dagegen wurde -seine Oberhoheit in Acadia (vgl. Seite 85 und Seite 89) anerkannt. - -$Bemerkenswertes beim zweiten Kriege.$ Bei der Betrachtung der -=Streitmittel= ist gezeigt worden (Seite 254 ff.), daß die Marinen der -Gegner große Fortschritte seit dem ersten Kriege gemacht hatten. -Kauffahrer wurden nur noch in ganz geringem Maße verwendet, die Schiffe -waren leistungsfähiger und gleichmäßiger und das Personal besser -geworden. Besonders hatte Holland in diesen Hinsichten Fortschritte -gemacht, ohne indes England zu erreichen. - -Beim Manövrieren vor und während der Schlachten um die Luvstellung, -besonders aber wenn sie nach günstig verlaufenen Gefechten verfolgen -wollen, sind die Holländer im Nachteil; auch der oft hervortretende -Mangel an Ordnung in ihrer Flotte ist zum Teil eine Folge der -schlechteren Schiffe. Die Überlegenheit der englischen Artillerie tritt -weniger zutage; öfters können die Engländer ihre schwerste Batterie nicht -gebrauchen, da deren Pforten noch zu nahe über Wasser liegen; einige Male -jedoch leiden die Holländer mehr durch die weitertragenden und stärkeren -Kaliber des Feindes. Eine weit größere Rolle spielt die Schwäche des -holländischen =Personals=. Der Mangel an Subordination, an militärischer -Treue, Einsicht und Erziehung bei den Kommandanten und Dienstgraden -zeitigt die schlimmsten Folgen: In bedrängter Lage, bei außergewöhnlichen -Vorfällen verlieren selbst Führer von Flaggschiffen den Kopf, manövrieren -falsch, ja fliehen sogar; die sonst mutigen Taten Tromps sind doch auch -Zeichen fehlender Disziplin. Die Unordnung in den Gefechtslinien ist vor -allem der mangelnden Einsicht, zuweilen sogar dem bösen Willen der -Schiffsführer zuzuschreiben. - - Wie weit diese Vorwürfe auch die Mannschaft treffen, ist nicht sicher - festzustellen. Doch erzählt z. B. eine Quelle (»Leben Ruyters«, Seite - 394): Als Ruyter nach der Schlacht von Northforeland und den beiden - heftigen Rückzugsgefechten auf seinem Schiffe die Verluste feststellte, - fand man nur 38 Tote und 30 Schwerverwundete bei rund 500 Mann - Besatzung. Während des Gefechts waren ihm weit größere Verluste - gemeldet, weil »in der Hitze des Kampfes und während der größten Not - viele sich hier und da verstecket und aus großer Angst weggekrochen - waren, die nun, durch den Hunger getrieben, wieder hervorkamen«. Und - dies war Ruyters Schiff! - -Wo =Ruyter= in Person war, war das Verhalten des Personals schon besser -und wenn es sich später weiter hob, so ist dies seinem Einflusse zu -verdanken. Es wird mehrfach hervorgehoben, daß er jede Gelegenheit -benutzte, belehrend und ermahnend auf seine Untergebenen einzuwirken. In -den englischen Flotten kommen Verstöße ähnlicher Art um diese Zeit noch -nicht vor. Daß in England unter der neuen Regierung die Cromwellsche -Zucht und Pflichttreue schwindet, bemerken wir zuerst bei den Behörden am -Lande: die Ausrüstung der Flotten läßt mehrfach zu wünschen übrig; im -Jahre 1667 sind die Befehle zur Sicherung der Küsten nur nachlässig -ausgeführt worden. Bei beiden spielte allerdings wohl auch der Geldmangel -mit. - -Bei der Besprechung der Streitmittel ist ferner auf den Fortschritt in -der =Taktik= hingewiesen; die Schlachten zeigen dies deutlich. Die -»Kiellinie beim Winde« ist die Normalgefechtsformation geworden; wir -finden sie in allen Gefechten auf beiden Seiten. Zwar gilt noch immer die -Luvstellung als die unbedingt vorteilhaftere, aber es wird doch fast -ebensoviel Wert darauf gelegt, in guter, enggeschlossener Linie an den -Feind zu kommen und diese dauernd zu erhalten; beide Flotten sehen -gelegentlich ganz davon ab, die Luvstellung zu gewinnen. - -Besonders bei den Engländern wird auf die Erhaltung der Formation -gesehen, ihre Gefechtsinstruktionen zielen gerade hierauf hin. Ihre -Kiellinie scheint auch schon gut aus Einzelschiffen gebildet zu sein. -Wenn bei ihnen am ersten Tage der Viertageschlacht die Schiffe der -Nachhut nicht so eng auf- und in sich geschlossen waren, so war dies bei -der großen Zahl der Schiffe erklärlich. Das Verbessern der Entfernungen -der Fahrzeuge voneinander muß bei einer so langen Linie von Segelschiffen -leicht zum Lockern in der Nachhut führen, ganz abgesehen davon, daß um -diese Zeit das Schiffsmaterial nicht so gleichmäßig war wie später. - -Das vorzügliche Festhalten der Ordnung hat sicher zu den Erfolgen der -Engländer -- sei es zum Siege, sei es zu nachhaltendem Widerstande gegen -Übermacht -- in erster Linie beigetragen. Die Holländer waren auch hierin -noch nicht so weit; oft standen Schiffe in Lee der Gefechtslinie oder -segelten in mehreren Linien nebeneinander und hinderten sich so -gegenseitig im Feuer oder trieben auch im Gefecht zusammen. - -Zwei Erklärungen für die oftmalige mangelhafte Ordnung sind bereits -gegeben worden: die mindere Güte der Schiffe, die Schwächen der -Schiffsführer. Die holländische Flotte wurde aber auch weniger daraufhin -angeleitet. Die englische Gefechtsinstruktion verlangte von den Schiffen -»Liniehalten mit dem Flottenchef« und hatte stets die »Verwendung der -ganzen Flotte« im Auge. Die holländischen Vorschriften weisen mehr auf -das »Zusammenhalten der Unterabteilungen unter sich« hin und sehen noch -die »Verwendung der einzelnen Geschwader« im Gefecht vor. Die -holländischen Schiffe hielten sich unter diesen Umständen zu ihrem -nächsten Vorgesetzten, und dies führte -- besonders bei der Anwesenheit -so vieler Flaggoffiziere -- unwillkürlich zur Bildung von Gruppen wie -früher; in diesen war man geneigt, die Richtung in der ganzen Flotte -außer acht zu lassen, im Gefecht eigenmächtiger zu handeln, ja sogar bei -Ausfall des Gruppenführers den Kampf ganz zu verlassen. Der Gruppenkampf -lag den Holländern scheinbar noch näher. Wir finden in den Schlachten -einige kennzeichnende Fälle für die verschiedene Auffassung der Pflichten -der Unterabteilungen gegenüber der Flottenleitung: Am 4. August 1666 -schlägt die englische Vorhut die holländische aus dem Felde, folgt ihr -aber nicht, sondern bleibt beim Flottenchef und greift in dessen Kampf -ein. Demgegenüber steht das eigenmächtige Verhalten Tromps an demselben -Tage und am 12. Juni 1666 und ebenso auch der Fall des Admirals van Nes -am 14. Juni 1666, wo er mit 14 Schiffen 4 englische Fahrzeuge abdrängt -und verfolgt und so seine Hauptflotte sehr schwächt. - - Die vorzügliche Ordnung der Engländer bei Lowestoft habe ich schon - erwähnt. Der Franzose de Guiche, Kriegsfreiwilliger bei Ruyter an Bord, - sagt über die Viertageschlacht: »Man konnte nichts Schöneres sehen, als - die prachtvolle Ordnung der Engländer auf See. Niemals gab es eine - geradere Linie, als die von ihren Schiffen gebildete. So vereinigen sie - ihr gesamtes Feuer auf jeden, der sich ihnen nähert. Sie fechten wie - eine Linie Kavallerie, die von einer bestimmten Regel geleitet wird und - nur darauf bedacht ist, den Feind zurückzuwerfen; die Holländer dagegen - gehen wie eine Kavallerie vor, deren einzelne Abteilungen ihren Platz - verlassen und getrennt zum Angriff kommen.« - -Immerhin war aber auch in der holländischen Flotte schon mehr Ordnung als -früher, besonders seit Ruyter führte. Und auch sonst sehen wir -Fortschritte in der Taktik: Versuche, ungünstige Lagen und Fehler des -Feindes auszunutzen. Hierher gehört vor allem der Angriff =Moncks= am -ersten Tage der Viertageschlacht, durch den er einen Teil des Feindes -anfangs allein engagiert und fast außer Gefecht setzt; doch in jeder -Schlacht finden wir planmäßig angelegte Manöver, um an einer Stelle mit -Übermacht aufzutreten, auch Tromps Eigenmächtigkeiten hatten nur diesen -Zweck. Das stete Bestreben =Ruyters=, die Gefechte entfernt von Sänden in -zum Manövrieren freiem Wasser zu führen, muß man auch als taktische -Maßregel ansehen. Durch derartige Manöver und das Bestreben, die -Formation zu erhalten, ist der Charakter der Schlacht ein anderer -geworden; die Taktik ist nicht mehr damit erschöpft, die Flotten -aneinanderzuführen und dann den Kampf in der Melee entscheiden zu lassen. -Gerade die »Viertageschlacht« wird von einzelnen Schriftstellern als der -=Übergang von älteren Methoden zu einer neuen Taktik= angesehen. - - Mit Beziehung hierauf sagt Chaband-Arnault (Revue maritime usw. 1885; - hier kürzer zusammengefaßt): »Mehr wie irgend eine andere Schlacht - bezeichnet gerade diese einen Übergang. Zum ersten Male sehen wir - bestimmte Pläne und können die Hauptbewegungen der kämpfenden Flotten - danach verfolgen. Wir fühlen, daß jeder General nur sein Geschwader in - der Hand hat und daß auch der Oberbefehlshaber über die - Unterabteilungen nach seinem Belieben verfügt. (Wir sagen wohl besser: - wenigstens dahin strebt.) Der Admiral hält die Luvseite noch für einen - Vorteil, aber sie ist nicht mehr die Hauptsache -- das einzige --, - womit er sich beschäftigt. Er trachtet vor allem danach, seine Flotte - in guter Ordnung und geschlossen zu halten, um während der Schlacht - nach einheitlichem Plane zu leiten.... Als bei Northforeland später - große Zwischenräume zwischen den Geschwadern sich bildeten und sich die - Nachhut sogar ganz von der Mitte trennte, beklagte Ruyter diesen Fehler - als die Hauptursache der Niederlage.« - -Infolge des besseren Zusammenhaltens der Streitkräfte während der -Schlacht tritt nun auch die taktische Ausnutzung des Sieges mehr hervor; -wir finden schärfere Verfolgungen als früher und dadurch hervorgerufene -Rückzugsgefechte. - -Endlich muß in taktischer Beziehung noch auf die Verwendung der -Spezialwaffen hingewiesen werden. Der zweite englisch-holländische Krieg -ist die Blütezeit der =Brander=; gerade die zunehmende Ordnung war ihrer -Verwendung zunächst günstig (vgl. Seite 188). Sie spielen in den -Schlachten und bei den Unternehmungen in feindlichen Gewässern eine große -Rolle; Schlachten werden vermieden, Unternehmungen abgebrochen wegen -Mangels an Brandern oder wegen Stärke des Gegners in dieser Waffe. Auch -bei den anderen Schiffen beginnt eine Trennung sich zu vollziehen, nicht -mehr sind wie zur Zeit der ausgesprochenen Gruppentaktik alle Schiffe -gleich gut im Kampfe zu verwerten. Das Schlachtschiff geht zwar im -allgemeinen noch hinunter bis zu 40 Kanonen, aber kleinere und doch immer -noch mit einer gewissen Gefechtskraft, 26-36 Kanonen, werden jetzt mehr -zu besonderen Zwecken gebraucht: Zur Bedeckung von Brandern im Gefecht -und bei Angriffen feindlicher Schiffe in Häfen usw., zu regelrecht -angesetztem Erkundungsdienst, zur Unterstützung beschädigter -Schlachtschiffe. Auf solche =Spezialschiffe= haben besonders die -Holländer Wert gelegt; sie sind mit ihren zu diesem Zweck gebauten -»Fregatten« hierin überlegen; bei ihnen wenigstens stehen Schiffe dieser -Größe nicht mehr in der Schlachtlinie. - -$Über Strategie.$[172] Auch dieser zweite Krieg war ein reiner Seekrieg. -Zwar war es Karl II. gelungen, in dem Bischof von Münster einen -Bundesgenossen zu Lande zu finden, doch wurde dessen Angriff von Holland -schnell abgeschlagen. - - [172] Colombs Disposition für Kapitel III, in dem dieser Krieg - besprochen wird: Der schwächere Gegner hat die Unmöglichkeit - erkannt, gleichzeitig den Handel zu schützen und um die - Seeherrschaft zu kämpfen; er verbietet das Auslaufen der - Handelsschiffe. Von beiden Seiten richtet man den Angriff auf die - See streitkräfte. Wenn die Seeherrschaft errungen ist, erfolgen - Angriffe auf die Schiffe in den Häfen, auch Landungstruppen - werden eingeschifft. -- Wir folgen wieder dieser Disposition. - - =Der Bischof von Münster= -- ein ehrgeiziger, unruhiger und - ausschweifender Prälat -- stellte für Hilfsgelder, die England ihm bot, - in Eile ein Heer von 20000 Mann auf und fiel in Holland ein. Da die - regierende Partei hier das Landheer vernachlässigt hatte, konnte selbst - diesem Gesindel kaum Widerstand geleistet werden. Die Verheerungen des - Feindes erregten besonders in den Landprovinzen großen Schrecken und - Zorn gegen die Regierung und stärkten so die Partei der Oranier. Da - aber gerade dies Ludwig XIV. nicht genehm war, stellte er ein - Hilfskorps von 6000 Mann; zu diesem nahm man 12000 Mann von - Braunschweig-Lüneburg in Sold. Dem Bischof, der nach der ersten Zahlung - von Karl II. kein Geld mehr erhielt, liefen viele Soldaten davon, um so - mehr da es sich jetzt nicht mehr um Plündern, sondern um Fechten - handelte. Er wurde nun ohne Mühe zurückgetrieben und schloß, auch von - Brandenburg bedroht, April 1666 gern Frieden. - -[Illustration: Schauplatz des zweiten und dritten englisch-holländischen -Krieges.] - -Dieser Krieg unterscheidet sich aber wesentlich von dem ersten. Die -Holländer hatten eingesehen, daß sie nicht gleichzeitig ihren Handel -schützen und um die Herrschaft auf dem Meere kämpfen konnten. Bei einem -Kampf um Durchführung des Handels waren sie im Nachteil, da der ihrige -immer noch weit größer und wegen seiner Straßen leichter anzugreifen war. -Sie verboten deshalb Handel und Fischerei (bis gegen Ende 1666) und -trugen den dadurch hervorgerufenen Schaden freiwillig, um einem -größeren Verlust und der damit noch verbundenen Bereicherung des Gegners -vorzubeugen; außerdem stand nun das ganze seemännische Personal des -Landes der Kriegsflotte zur Verfügung. So wurde im zweiten Kriege von -beiden Seiten um die Seeherrschaft gekämpft, bis England im dritten Jahre -zu seinem Verderben davon abging. Während im ersten Kriege vier große -Schlachten um Konvois geschlagen wurden, finden wir im zweiten den Kampf -um den Handel nur als kleinen Krieg nebenherlaufend; die Schlachtflotten -beteiligten sich daran nur, wenn sich eine besonders günstige Gelegenheit -bot, den feindlichen Handel empfindlich zu schädigen. Von Anfang an -werden von beiden Seiten mächtige Stöße auf die feindlichen -Seestreitkräfte geführt. Erst wenn eine der Parteien die Seeherrschaft -errungen hat, geht sie zu größeren Unternehmungen gegen den feindlichen -Handel oder gegen das feindliche Land vor; Holland versucht das letztere -mit Erfolg, als England freiwillig auf die Seeherrschaft verzichtet hat. - -In beiden Staaten ist das Bestreben, dem Feinde mit dem ersten Schlage -zuvorzukommen, so groß, daß ihre Flotten, ohne genügend schlagfertig zu -sein, zum Angriff vorgehen. Die Engländer gehen $1665$ zuerst in See, um, -wie in dem letzten Abschnitte des ersten Krieges, den jetzt beginnenden -gleich an die feindliche Küste zu tragen und schon die Vereinigung der -feindlichen Flotte zu hindern. Die noch unvollständig ausgerüsteten -Schiffe sind aber unter ungünstigen Wetterverhältnissen nicht imstande, -eine längere Blockade durchzuführen, und müssen, bald durch Sturm -beschädigt, zur Ausbesserung nach einem Heimathafen zurückkehren. Wohl -wäre dies ein günstiger Zeitpunkt zum Vorgehen der nun vereinigten -holländischen Streitkräfte gewesen, aber der Chef der Flotte hielt auch -diese für noch nicht genügend bereit. Trotzdem wird er von seiner -Regierung gedrängt und geht in See. Zwar wirft ihm der Zufall eine reiche -Beute -- den für den Gegner wertvollen Hamburger Konvoi mit -Kriegsmaterial -- in den Weg, als er aber, durch das ihm ausgesprochene -Mißtrauensvotum gekränkt, unter ungünstigen Verhältnissen die erste -Schlacht annimmt, um unter allen Umständen zu fechten, erleidet er die -schwere Niederlage (Lowestoft, 13. Juni), die die See den Engländern -völlig preisgab. - - Mahan (Teil I, Seite 101) sagt hierzu: »Es scheint, daß Wassenaer sehr - bestimmten Befehl hatte, zu fechten; die einem Höchstkommandierenden - zustehende Vollmacht, nach eigenem Ermessen zu handeln, war ihm nicht - erteilt. Diese Art, sich in die Befugnisse des Kommandierenden im Felde - oder zur See einzumischen, ist eine der gewöhnlichsten Versuchungen, - denen Regierungen unterliegen; sie ist immer verhängnisvoll.« Mahan - führt noch zwei bedeutsame Beispiele dieser Art aus der späteren - Seekriegsgeschichte an. - -Die Engländer versuchen nun, ihren Erfolg strategisch auszunutzen, aber -nicht in der richtigen Weise. Abgesehen von dem Nutzen einer Blockade -überhaupt war es möglich, das zurückkehrende Geschwader Ruyters und den -großen Konvoi abzufangen. Anstatt hierzu die Gesamtkräfte an der -feindlichen Küste zu halten, werden sie zersplittert. Die feindliche -Flotte vereinigt sich wieder, und beide Objekte entgehen den Engländern; -durch Zufall aber erbeuten sie trotzdem einige Schiffe. Im weiteren -Verlauf muß England sogar infolge der Pest dem Gegner das Meer -überlassen, aber auch dieser wird durch Krankheit auf der Flotte -verhindert, größeren Nutzen daraus zu ziehen. Bemerkenswert ist, daß -Ruyter (d. h. wohl auf Anregung des Staatsmannes de Witt) schon jetzt ein -großes Unternehmen gegen die Themse ins Auge gefaßt zu haben scheint. Der -Winter bringt die übliche Pause im Kriege, doch rüsten beide Staaten für -das nächste Jahr; England namentlich, nachdem ihm auch von Frankreich und -Dänemark der Krieg erklärt ist. - -$Im Jahre 1666$ sind es die Holländer, die zuerst den Feind suchen; -England macht vor dem Zusammenstoß den großen Fehler der Detachierung -Ruprechts. Die englische Flotte war der holländischen etwa gleich, sie -befand sich ihr und dem auch nicht zu unterschätzenden französischen -Geschwader gegenüber in einer inneren Stellung. Es wäre also das einzig -Richtige gewesen, sich auf die Holländer zu werfen, ehe deren Verbündete -eintreffen konnten; unter Umständen auch mit der ganzen Macht den -Franzosen entgegenzugehen. Es ist aber nicht zu entschuldigen, die an -sich schon schwächere Kraft zu teilen und so zu teilen, daß man dem -nächsten und stärksten Feinde bedeutend unterlegen gegenüberstand. Es ist -dies immer falsch, besonders zur See, wo höhere Gewalten -- wie Nebel -oder Sturm -- leichter als zu Lande das Herankommen des zweiten Feindes -aufhalten können. - - Mahan (Teil I, Seite 110) sagt hierzu: »Eine Lage wie die der - englischen Flotte, in der sie von zwei Seiten bedroht war, bietet eine - große Versuchung für den Befehlshaber. Man ist sehr leicht geneigt, - seine Kräfte zu teilen und beiden Feinden entgegenzugehen, wie Karl es - tat. Wenn man jedoch nicht eine erdrückende Übermacht hat, ist dies - stets ein Fehler, da man beide Teile der Gefahr aussetzt, getrennt - geschlagen, zu werden. Dies trifft auch hier zu. Die beiden ersten Tage - der Viertageschlacht waren verhängnisvoll für die größere englische - Division unter Monck, die gezwungen wurde, sich auf Ruprecht - zurückzuziehen; wahrscheinlich rettete nur seine sehr gelegen kommende - Rückkehr die englische Flotte vor schweren Verlusten oder zum mindesten - vor der Einschließung in ihre Häfen. Einen ähnlichen Fehler des - englischen Admirals Cornwallis vor Trafalgar bezeichnete Napoleon als - ein hervorragendes Beispiel von Dummheit! Die Lehre bleibt zu allen - Zeiten gleich richtig.« - -Die Folge dieses Fehlers war denn auch die Niederlage in der -Viertageschlacht. Monck mußte sich dann auf Ruprecht zurückziehen, und -daß die Verluste nicht noch weit größer wurden, ist wohl nur dem -rechtzeitigen Wiedererscheinen Ruprechts und der überlegenen Taktik der -Engländer zu verdanken. Was wäre aber geschehen, wenn Ruprecht -gleichzeitig in ähnlicher Weise durch die Franzosen auf Monck -zurückgeworfen wäre? - -Holland beeilt sich, seinen Sieg zu verfolgen, und plant wieder einen -Stoß in das Herz des Feindes, ein Eindringen in die Themse. Aber man hat -Hilfsquellen und Energie des Gegners unterschätzt; als die holländische -Flotte bereit ist und zunächst noch durch ungünstige Winde etwas -aufgehalten, vor der Themse erscheint, tritt ihr auch die englische -wieder schlagfertig entgegen. Die Schlacht von Northforeland wird infolge -der alten Schwächen der Holländer eine völlige Niederlage dieser. Die -Engländer benützen jetzt die augenblickliche Seeherrschaft dazu, dem -Feinde in dem Vlie großen Schaden zuzufügen. Es ist nicht klar, weshalb -sich die Engländer hiermit begnügten; Andeutungen in alten Quellen lassen -annehmen, daß die immer weiter zunehmende Nachlässigkeit im -Verwaltungsbetriebe die nach jeder Schlacht notwendige Instandsetzung der -Flotte und ihre Erhaltung in gutem Zustande hinderte. - -Die Kriegführung wird jetzt überhaupt auf beiden Seiten lau. Als Ruyter -am 5. September wieder ausläuft und die englische Flotte ihm folgt, kommt -es zu keinem Zusammenstoß. Jeder der Gegner behauptet, der andere Teil -habe ein Gefecht vermieden und Wetterverhältnisse seien hindernd gewesen, -aber keiner hat einen Kampf ernstlich gesucht. Der Wunsch, sich vor einer -Schlacht erst mit den Franzosen zu vereinigen, auf der einen Seite und -das Gefühl der Schwäche (Mangel an Brandern und »other deficiencies«[173] -auf der anderen sind mutmaßlich die wahren Gründe gewesen; vielleicht -haben auch schon Friedensaussichten sowie der auf beiden Flotten -herrschende schlechte Gesundheitszustand dazu beigetragen. Die Franzosen -hielt Zaghaftigkeit oder böser Wille zurück. Die Engländer gingen zuerst -in ihre Gewässer, die Holländer hielten noch einige Zeit die See, um -Druck auf den Fortgang der Friedensverhandlungen auszuüben, aber schon -Anfang Oktober trat die Winterruhe ein. - - [173] Colomb, Seite 58. - -$Das Jahr 1667$ bietet ein ganz neues Bild. Wir haben gehört, daß und -weshalb Karl II. den Kampf mit Flotten völlig aufgab. Die damit -verbundene Freigabe der See ermöglicht nun de Witt und Ruyter, ihren -Lieblingsplan, einen Stoß in das Herz des Feindes, auszuführen; die -Unvollkommenheit der Maßnahmen zur Abwehr ist ihnen bekannt, das -Fahrwasser ist nach Möglichkeit genau erforscht. Das mit Tatkraft -durchgeführte Unternehmen in Themse und Medway und gegen die ganze Küste -überhaupt hätte bei Verwendung stärkerer Mittel noch weit -verhängnisvoller für England werden können. Immerhin war der dem Feinde -zugefügte Schaden groß und vor allem bewirkte der moralische Eindruck der -Waffentat, daß England nun ernstlich den Frieden suchte; die weitere -Blockade der Themse, die beständige Bedrohung der Küsten beschleunigten -die Verhandlungen. Auch diese späteren Unternehmungen waren für Holland -nur möglich, weil keine große schlagfertige englische Flotte vorhanden -war. Sie wurden wohl nicht schärfer durchgeführt, um nicht zu viel mehr -aufs Spiel zu setzen; man hatte seinen Zweck erreicht. - -=Der Besitz der Seeherrschaft hat den Krieg entschieden.= Der Kampf um -diese ist nicht bis zu Ende geführt worden; so lange darum gefochten -wurde, standen die Aussichten ziemlich gleich, der Erfolg war bis dahin -bald auf der einen, bald auf der andern Seite. Entscheidend zuungunsten -Englands war der falsche Gedanke Karls II., die Niederwerfung des Gegners -allein im =Kreuzerkriege= erreichen zu können. - - Mahan läßt sich (Teil I, Seite 126-132) über den $militärischen Wert - des Kreuzerkrieges$ folgendermaßen aus (im Auszuge wiedergegeben): »Der - Kreuzerkrieg -- commerce destroying; guerre de course -- hat stets - Verlockendes, wenn Sparsamkeit beobachtet werden soll. Er braucht nur - schnelle Kreuzer und man kann auch darin noch durch Ausgabe von - Kaperbriefen dem Staate weitere Erleichterung schaffen. Trotzdem kann - man durch ihn dem Gegner großen Schaden zufügen, der fremden Regierung - bedeutende Verlegenheiten bereiten, ihre Bevölkerung ins Elend bringen. - - Aber der Kreuzerkrieg bedarf Stützpunkte: Heimatshäfen, Häfen in - entfernten Besitzungen oder eine mächtige Kriegsflotte. Besitzt er nur - Stützpunkte in Häfen, so kann er sich nur auf kurze Entfernungen - herauswagen. Auch so kann diese Kriegführung zwar vielen Schaden tun, - aber sie verwundet nur, sie tötet nicht; ja man darf wohl sagen, sie - veranlaßt nur unnütze Leiden. Es leiden nur gewisse Klassen der - Bevölkerung: Nicht die Wegnahme einzelner Schiffe oder Convois, seien - es wenige oder viele, bringt die Zahlungsfähigkeit einer Nation in - Gefahr, sondern der Besitz der Macht, die die feindliche Flotte (besser - wohl »Flagge«) von der See verjagt und dem feindlichen Handel die - Küsten schließt; dann erst leiden die Regierung und die Nation im - ganzen. Führt der eine Gegner den Kreuzerkrieg ohne, der andere aber - mit Unterstützung einer starken Flotte, so kann dieser weit mehr - erreichen, selbst wenn er genötigt ist, auf den Schutz seines Handels - zu verzichten«. - - Zur Bekräftigung dieser Sätze führt Mahan kurz die Kriege an, in denen - der Kreuzerkrieg eine hervorragende Rolle gespielt hat. Über die Kriege - unseres Abschnittes sagt er in dieser Hinsicht: »Nicht die englische - Politik von 1667, sondern die mächtigen Flotten Cromwells im ersten - Kriege, durch die die Holländer in ihre Häfen eingeschlossen wurden, - ließen Gras in den Straßen Amsterdams wachsen und führten den Frieden - herbei. Wenn auch sein Handel durch Unterbrechung und Preisgabe schwer - litt, so war Holland im zweiten Kriege doch imstande, mächtige Flotten - zu halten, und zwang mit ihnen endlich den Gegner zum Frieden, als - dieser nur Kreuzerkrieg führte. Auch den dritten Krieg konnte Holland - trotz Verlust im Handel gegen England und Frankreich ausfechten. In dem - Kriege 1689-1697 litt England unter dem Kreuzerkriege ganz ungemein, - weil Frankreich auch große Kriegsflotten in See hatte. Als 1702-1712 - Louis XIV. sich wegen Geldmangels auf den Kreuzerkrieg beschränken - mußte, wurden zwar ungeheuer viele englische Schiffe genommen, aber das - Land und auch besonders die handeltreibenden Kreise gediehen trotzdem - weiter; die englischen Flotten hatten zwar den Handel preisgegeben, - nahmen aber Gibraltar und Minorca und wirkten auch sonst weit - wesentlicher auf den Verlauf des Krieges ein.« -- Die Beispiele werden - bis in die neueste Zeit (Sezessionskrieg) fortgesetzt. - -Blicken wir nun nochmals auf die =Angriffe gegen das feindliche Land= -zurück. Sie werden strategisch richtig nur ins Werk gesetzt, wenn man die -Seeherrschaft besitzt. Sie werden taktisch wohl überlegt ausgeführt: das -Gros der Flotte liegt in freierem Wasser als Stützpunkt und um den Rücken -freizuhalten, ein Geschwader aus leichteren Schiffen wird mit Brandern -vorgeschickt. Der erste Angriff gilt der Zerstörung feindlicher Schiffe, -dann folgt die Landung. Das erste wird also für das Wichtigere und auch -das zweite nur als ein Mittel zu weiterer Zerstörung feindlichen -Eigentums betrachtet; ein Festsetzen in Feindesland für größere -Unternehmungen scheint nie beabsichtigt zu sein. - -Genau wie oben angedeutet, verläuft die einzige derartige englische -Expedition im Vlie, zu der Landung stehen nur ganz geringe Kräfte zur -Verfügung; nahezu so spielt sich die Holländische in Themse und Medway -ab. Hier mißlingt der erste Angriff auf die Schiffe in der Themse, dann -wird Sheerness genommen, da man sonst an die Fahrzeuge im Medway nicht -herankommen konnte. Zu einem dauernden Festsetzen würden die Truppen -auch hier nicht genügt haben, selbst wenn alle dafür bestimmten zur -Stelle gewesen wären; höchstens hätte man dann wahrscheinlich Chatham und -die dort liegenden Schiffe auch vom Lande her angreifen und so einen -größeren Erfolg erzielen können. Die früheren und späteren Versuche gegen -die Themse waren nicht zu einer größeren Invasion ausgerüstet, und -endlich wurde auch, wie die geringe Zahl der Landungstruppen zeigt, der -Landangriff auf Harwich nur unternommen, um leichter und sicherer die -Schiffe im Hafen zu vernichten. Wie gesagt, handelte es sich in diesem -Kriege bei derartigen Unternehmungen nur darum, den Feind durch einen -kurzen Schlag zu schädigen, nicht den Krieg in sein Land zu tragen; -wollte man eine Invasion größeren Umfanges ausführen, so hätte dazu ein -starkes Heer vorher eingeschifft oder zur Einschiffung bereit sein -müssen, um nach der Besetzung eines festen Stützpunktes auf dem Lande -sofort folgen zu können. Den Holländern wäre dies bei der Schwäche ihres -Landheeres nur mit einer starken Unterstützung von seiten Frankreichs -möglich gewesen. Es ist kaum anzunehmen, daß man darauf gehofft hat, wenn -auch gerade Ludwig XIV. scheinbar für das Eindringen in die Themse -sprach. Nur im Juli 1666 hat man möglicherweise eine größere Landung mit -Unterstützung der Franzosen im Auge gehabt. Im nächsten Kriege werden wir -aber auf englischer Seite die Absicht finden, durch eine Landung in den -Landkrieg einzugreifen. - -Zum Schluß möchte ich noch einen =Vergleich zwischen dem ersten und dem -zweiten Kriege= ziehen. Beim ersten ist hervorgehoben, mit welcher -Energie er durchgeführt wurde: die sechs großen Schlachten folgen schnell -aufeinander; im letzten Abschnitt versuchen beide Gegner, zum ersten Male -in jenen Zeiten, den Krieg sogar im Winter fortzuführen. Im zweiten -Kriege wird zwar in den Schlachten selbst mit gleicher Hartnäckigkeit -gefochten, aber wir finden nur drei große Schlachten und die Winterpausen -dauern sehr lange, wohl eine Folge der veränderten inneren Verhältnisse -beider Länder. Durchweg volkstümlich war der Krieg weder hier noch dort: -In England waren nur gewisse Kreise, die großen Kompagnien besonders, -interessiert und das Verhältnis zwischen König und Volk war nicht das -beste; in Holland waren ebenfalls die Landprovinzen überdrüssig, die -Lasten eines Krieges zu tragen, der scheinbar nur den Seeprovinzen -- und -hier besonders Holland -- von Nutzen war. In beiden Nationen gelangte man -zur Erkenntnis, daß Frankreich bei dem Streite im trüben fische und am -meisten gewinne. - -Französische Schriftsteller versuchten es stets und versuchen es noch, -nachzuweisen, daß von einem absichtlichen Zurückhalten der französischen -Flotte keine Rede gewesen sein könne; ein Unparteiischer muß dies jedoch -nach allen Quellen annehmen, es paßte ja auch ganz in Ludwigs XIV. -Politik, wenn die beiden Gegner sich schwächten und er unberührt blieb. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Sechstes Kapitel. - - Der dritte englisch-holländische Krieg. 1672-1674. - - Die politischen Verhältnisse, die diesen Krieg herbeiführten. - -Wie wir sahen, trug zur Beendigung des zweiten englisch-holländischen -Krieges der Umstand wesentlich bei, daß beide Nationen die zunehmende -Macht Frankreichs mit Mißtrauen betrachteten; die Erfolge Ludwigs XIV. im -Devolutionskriege führten bald (1668) nach dem Friedensschluß sogar zu -einem Zusammengehen Hollands und Englands, aber nur für kurze Zeit. Schon -1672 standen sich die alten Gegner aufs neue in einem Seekriege -gegenüber, in dem Frankreich jetzt auf Englands Seite erschien. Es war -Ludwig gelungen, Karl II. gegen die Neigung des englischen Volkes zur -Durchführung seiner Politik zu gewinnen, Holland zu isolieren und ihm -außer England auch noch andere Gegner zu schaffen. Um diese politische -Strategie Ludwigs XIV. zu veranschaulichen, ist es nötig, die -=Entwicklung der politischen Verhältnisse bis zum Kriege= kurz zu -betrachten. - -Der =Devolutionskrieg= (vgl. Seite 289) -- der erste Eroberungskrieg -Ludwigs XIV. --, der Einfall in die spanischen Niederlande Ende Mai 1667, -verlief ungemein schnell zugunsten Frankreichs. =Turenne= -- der König -führte zwar scheinbar selbst den Oberbefehl -- nahm bis Ende Oktober ohne -großen Widerstand eine Reihe der wichtigsten Städte: z. B. Charleroi, -Tournay, Douay, Oudenaarde, Lille; Brüssel und Dendermonde hielten sich. -Die Staatsschrift, in der Ludwig seine Ansprüche auf die fraglichen -Landstriche darlegte, zeigte unverhüllt den ehrgeizigen Charakter des -jungen Königs und versetzte ganz Europa in Besorgnis. Besonders Holland -mußte sich arg bedroht fühlen; aus Gründen, die wir schon erwähnt haben -(Seite 249), war Frankreich wohl gut als Freund, aber nicht als Nachbar. -Auch in England fürchtete man, daß Frankreich nach Erlangung des -Übergewichtes auf dem Kontinente, nach Eroberung der spanischen -Niederlande oder gar Hollands ein gefährlicherer Nebenbuhler um die -Seeherrschaft werden könnte als Holland. Zwei große Staatsmänner der -bisher feindlichen Nationen verbanden sich deshalb im geheimen, um den -französischen Eroberungen Schranken zu setzen. Der Ratspensionär =de -Witt= und der englische Gesandte in Holland, =Sir William Temple=. De -Witt überwand dabei seinen alten Haß gegen England, die französische -Gefahr war ja auch jetzt die größere; er wagte viel bei den geheimen -Unterhandlungen, da nach den Gesetzen ein jedes Bündnis von den -Magistraten aller Städte beraten werden mußte. Temple, ein Mann voll -inniger Vaterlandsliebe, aber auch auf das Wohl aller Staaten bedacht, -beachtete nicht die Hinneigung seines Königs zu Frankreich. In kurzer -Zeit brachten diese beiden Männer einen Vertrag zustande (23. Januar -1668), dem dann der Gesandte Schwedens beitrat. Diese =Tripelallianz= -forderte von Ludwig, daß er von weiteren Eroberungen absähe, und von -Spanien die Abtretung der bereits genommenen Gebiete an Frankreich. Die -Bundesgenossen verpflichteten sich, den König zu Wasser und zu Lande zu -bekriegen, falls er auf die Forderung nicht einginge, und dann Frankreich -auf den Stand des Pyrenäischen Friedens zurückzubringen. - -Das schwache Spanien stellte sich zwar empört, daß man so über sein -Eigentum verfüge, sah aber die Unmöglichkeit ein, dieses selbst zu -schützen. Auch Ludwig wagte nicht, der Allianz zu trotzen, ging auf die -Verhandlungen ein und bot auf Verlangen der Verbündeten dem spanischen -Gouverneur der Niederlande einen Waffenstillstand an, aber zunächst nur -bis Ende März. Dieser lehnte ihn jedoch ab mit dem Bemerken, es sei ein -Hohn, eine Waffenruhe anzubieten, die der Winter den Franzosen von selbst -auferlege. Um zu zeigen, daß er trotz der ungünstigen Jahreszeit seine -Eroberungen fortsetzen könne, ließ nun Ludwig die Grafschaft Burgund -(Franche-Comté?), die, wenn auch nur dem Namen nach, noch zu Spanien -gehörte, im Februar durch den Prinzen Condé besetzen; es geschah fast -ohne Schwertstreich. Nach diesem so leichten Erfolge machte der König -Miene, die Verhandlungen wieder abzubrechen, aber das energische -Auftreten der Allianz und ihre Drohung, alle Staaten Europas seien -bereit, sich gegen Frankreich zu waffnen, bewogen ihn doch zum Nachgeben; -noch hatte er sich nicht an den Gedanken gewöhnt, ganz Europa zu trotzen. -Im =Frieden zu Aachen=, 2. Mai 1668, gab Frankreich die Franche-Comté -zurück und behielt die zwölf genommenen Städte Belgiens. Diese wurden -sofort durch =Vauban= zu wichtigen Stützpunkten für weitere Eroberungen -ausgebaut; besonders galt Lille als eine Musterfestung nach dem System -des berühmten Ingenieurs. - -=Ludwig= XIV. war erbittert über die Störung seines Planes. Sein Haß -richtete sich besonders gegen Holland, in dem er mit Recht die Seele des -Dreibundes und wegen dessen geographischer Lage das Haupthindernis seiner -Absichten sah; auch erschien es ihm als ein unerträglicher Schimpf, daß -eine »Republik von Krämern und Schiffern, die ihm und seinen Vorfahren so -viel zu verdanken habe«, den »größten König Europas« in seinem Siegeszuge -hemme; Arger über in Holland erschienene Spottbilder und -schriften usw. -trat hinzu. - -Er beschloß, vorerst Holland zu züchtigen und zu unterwerfen, und dann -Belgien; mit allen Mitteln zielte seine =politische Strategie= darauf -hin, Holland nicht nur zu isolieren, sondern ihm auch Feinde zu schaffen; -dazu brauchte er vor allem die =Auflösung des Dreibundes=. Er versuchte, -die alte Verbindung Frankreichs mit Schweden zu erneuern. Zwar war hier -im Reichsrate, der für den minderjährigen Karl XI. regierte, anfangs -wenig Neigung vorhanden, sich dem unruhigen und kriegslustigen Ludwig -anzuschließen, aber nach und nach gewann eine andere Stimmung die -Oberhand, wohl infolge Bestechung gewisser Kreise; im April 1672, als -auch Ludwigs sonstige Ränke zum Ziel geführt hatten, schloß Schweden mit -ihm den Vertrag, gegen Zahlung von Subsidien das Deutsche Reich an einer -Unterstützung Hollands zu hindern und hierzu 16000 Mann in Schweden und -Pommern bereit zu halten. Ebenso leichtes Spiel hatte Ludwig in England. -Karl II. hatte hier 1669 die Minister entlassen und neue genommen, die -seinen Plänen gegen Verfassung und Religion des Landes willfährig waren --- deshalb das Kabalministerium genannt --: das Parlament sollte -abgeschafft, das Königtum absolut gemacht und die Nation zur katholischen -Religion gezwungen werden. Zu diesem Plane paßte die Vernichtung des -republikanischen und evangelischen Hollands, infolgedessen gelang es -Ludwig XIV., den englischen König am 11. Juni 1670 zu einem Vertrage für -die Ausführung der beiderseitigen Absichten zu gewinnen: Gemeinschaftlich -erst Holland zu erobern, dann England politisch und kirchlich zu -knechten. Auch wurde Karl überzeugt, daß diese beiden Aufgaben gerade in -dieser Reihenfolge leichter und sicherer auszuführen seien, da dann das -englische Volk keine Unterstützung an dem holländischen finden könne. Von -den Niederlanden sollte Seeland, also insbesondere die wichtigen -Flußmündungen der Schelde und Maas, an England fallen, die Provinz -Holland wollte man dem Prinzen von Oranien als souveränes Fürstentum -geben; alle übrigen Provinzen sollten französisch werden. Für den Krieg -wollte Frankreich an England 200000 Lstrl. zu Rüstungen und jährlich -350000 Lstrl. Subsidien zahlen, gegen Holland seine Flotte mit der -englischen -- unter englischem Oberbefehl -- vereinigen und zur -Unterdrückung Englands später Truppen stellen. - - Der Abschluß der schon länger laufenden Verhandlungen und besonders die - Abmachung, Holland zuerst anzugreifen, war das Werk der Herzogin von - Orleans, Schwägerin Ludwigs und Schwester Karls. Wesentlich unterstützt - soll diese sein durch das ihr zu diesem Zweck mitgegebene schöne - Fräulein de Kerhouent, das die Lieblingsmaitresse Karls wurde. - - Der französische Geschichtschreiber Martin (Histoire de France) sagt zu - dem Vertrage: »Diese Verhandlungen sind falsch beurteilt. Man hat - gesagt, Karl habe England an Frankreich verkauft. Dies ist nur für die - innere Politik richtig, er plante mit Hilfe Frankreichs England zu - knechten. Die Interessen des Landes nach außen verkaufte er indessen - durchaus nicht (d. h. dieses Mal nicht, beim Verkauf Dünkirchens tat er - es), da der größere Gewinn bei Niederwerfung Hollands von England - eingeheimst sein würde.« Man darf wohl sagen, daß der Vertrag ein - größerer politischer Fehler Frankreichs als Englands war. England - bekämpfte doch immer seinen derzeit bedeutendsten Nebenbuhler zur See, - der ihm sogar im Handel noch überlegen war, wenn ihm dadurch auch ein - neuer in Frankreich zu erwachsen drohte. Frankreich aber hatte, durch - seine Festlandpolitik in Anspruch genommen, wenig Aussicht, ohne einen - Verbündeten dem vom Festland unabhängigen England gegenüber eine - Seemacht zu werden, wonach Colbert gerade jetzt strebte. Ein solcher - Verbündeter war in Holland gegeben, mit ihm hätte man das Wachstum der - englischen Seemacht vielleicht unterbinden können, und dieser - Verbündete sollte jetzt vernichtet und sogar seine für die Seemacht - wichtigste Provinz an England abgetreten werden. Richelieu hatte aus - diesem Grunde Freundschaft mit Holland gesucht, auch, um dort - technische Unterstützung zur Schaffung einer Marine zu finden. - -Dieser englisch-französische Vertrag wurde streng geheim gehalten. Als de -Witt, der doch von Verhandlungen gehört hatte, in London um Auskunft -ersuchte, äußerte sich Karl dem holländischen Gesandten gegenüber: Er -halte fest an der Tripelallianz; diese sei so heilsam, daß sie -geschlossen werden müsse, wenn es nicht schon geschehen wäre. Ähnliche -Versicherungen wurden auch in der Folge noch gegeben, und ihre -Aufrichtigkeit schien dadurch Bestätigung zu finden, daß Karl Ende 1670 -vom Parlament bedeutende Mittel für die Flotte in diesem Sinne forderte. -Er sagte: da die französische Flotte in den letzten Jahren verdreifacht -sei, verlangten die Verpflichtungen, die die Tripelallianz England -auferlege, auch eine große Schlagfertigkeit seiner Flotte für das nächste -Jahr. In England hatten die Zunahme des Seehandels und die -Kolonialbestrebungen Frankreichs Eifersucht erregt, die Tripelallianz -besaß die allgemeine Sympathie, und so bewilligte das Parlament die -geforderten Gelder. Das englische Volk und de Witt waren getäuscht. - -Wenn nun =de Witt= noch längere Zeit auf den Bestand des Dreibundes und -besonders auf Unterstützung durch England rechnete, so versuchte er doch -rechtzeitig, sich daneben in Deutschland Bundesgenossen gegen Frankreich -zu sichern; aber auch hier trat ihm Ludwig entgegen. Der Herzog von -Lothringen, die Kurfürsten von Mainz und Trier fanden sich anfangs -bereit, Truppen für Holland aufzustellen. Ehe jedoch die Werbungen -begannen, fiel Ludwig (August 1670) in Lothringen ein und besetzte das -Land; trotz Einspruch des Kaisers blieb es damals schon 27 Jahre in -französischem Besitz. Die Kurfürsten wagten jetzt nicht, zu rüsten und -auch nicht auf dem Reichstage für die bedrohten Niederlande aufzutreten; -sie würden fast allein dagestanden haben. Die übrigen Fürsten im Westen -Deutschlands fürchteten Ludwig oder waren ihm verpflichtet. Auch am -kaiserlichen Hofe legte der französische Gesandte »goldene Ketten« -(Ausdruck Ludwigs) an; die Minister, vor allen der Premier Fürst -Lobkowitz, überredeten den Kaiser zu einem Vertrage mit Frankreich -(November 1671), wonach keine der beiden Mächte einen Gegner der anderen -unterstützen sollte; der Kaiser wollte sich besonders nicht in einen -Krieg mischen, der über den Frieden von Aachen etwa entstehe. - -Endlich gewann =Ludwig= XIV. sogar offene =Verbündete in Deutschland= in -dem Erzbischof von Köln und dem Bischof von Münster. Da er beim Angriff -auf Holland die spanischen Niederlande nicht betreten wollte, um sich -selbst in dem schwachen Spanien keinen Gegner zu schaffen, sollte sein -Heer den Weg durch das Kölner Land nehmen. Die beiden Prälaten -verpflichteten sich aber auch (Anfang 1672), 30000 Mann zu stellen, wofür -ihnen bedeutende Gelder und Teile Hollands zugesagt wurden. -- Nur an -der Einsicht und der deutschen Gesinnung des =Großen Kurfürsten= -scheiterten Ludwigs Künste. Dieser wies den Antrag eines Bündnisses, für -das man ihm das Herzogtum Geldern bot, mit Verachtung zurück; er warnte -Holland und war entschlossen, für die Rettung der Republik und zur -Sicherung Deutschlands zu tun, was in seinen Kräften stand. - -So hatte Ludwig XIV. im Frühjahr 1672 =Holland völlig isoliert= und ihm -außer England noch zwei festländische Gegner geschaffen; das der Republik -wohlgesinnte Brandenburg hoffte er durch Schweden in Schach zu halten. - - Als bemerkenswert vom Standpunkt der Seekriegsgeschichte sei hier eines - von =Leibniz= dem König von Frankreich unterbreiteten =Planes= gedacht. - Dieser deutsche Gelehrte weilte 1672 in Paris, als sich schon erkennen - ließ, daß die Pläne Ludwigs auch Deutschland bedrohen würden. Er wollte - deshalb den Ehrgeiz des Königs in andere Bahnen leiten, von einer - Ausdehnung seiner Macht in Europa zu Lande ablenken und auf Erweiterung - der überseeischen und des Seehandels, kurz auf die Erringung der - Seeherrschaft, hinführen. Zur Erreichung dieses Zieles sollte - Frankreich Ägypten nehmen und mit diesem Lande als Basis die Vormacht - im Mittelmeer, in der Levante sowie im fernen Osten gewinnen; Holland - würde damit auch am leichtesten und sichersten vernichtet. Der Plan - weist also auf eine ähnliche Entwicklung Frankreichs hin, wie sie bald - England nahm. Nach Eroberung Ägyptens wäre Frankreich zur Schaffung - einer großen Seemacht und zur Besitzergreifung vieler überseeischer - strategischer Punkte gezwungen worden, wie es England durch den Besitz - Indiens wurde. - - (Einen genaueren Auszug aus dieser Denkschrift -- Concilium Aegyptiacum - --, insbesondere auf die Gründe mehr eingehend, durch die Leibniz vor - 200 Jahren den ehrgeizigen König für den Gedanken gewinnen wollte, gibt - Mahan, Teil I, Seite 135.) - -Nachdem der Krieg so vorbereitet war, wurden =Gründe zur Kriegserklärung= -seitens der beiden Könige leicht gefunden; man kann wohl sagen, an den -Haaren herbeigezogen. =Ludwig= XIV. hatte schon vor der Tripelallianz -1667 den Einfuhrzoll für holländische Waren erhöht. Als nun Holland 1671 -eine Zollerhöhung seinerseits vornahm, verlangte der König im Tone des -Zorns Zurücknahme und Genugtuung. Obgleich Holland um diese Zeit noch auf -England rechnete, war man doch zu billigem Ausgleich bereit, aber Ludwig, -der gerade damals sein politisches Werk bei den deutschen Fürsten zu Ende -gebracht, antwortete: »Im nächsten Frühjahr werde ich tun, was mir für -meinen Ruhm und für den Vorteil meines Staates angemessen erscheint.« -(Januar 1672.) - -Am 7. =April= 1672 erklärte er den Krieg nur mit dem Bemerken: das -Betragen der Republik sei den großen Wohltaten nicht angemessen, mit -denen er und seine Vorfahren diese überhäuft hätten. Der =Bischof von -Münster= kündigte Krieg an, weil sich vier holländische Staatsbeamte -gegen sein Leben verschworen hätten. =Karl= II. hatte schon im August -1671 einen Streit wegen des Flaggenrechts herbeigeführt. Eine kleine -königliche Jacht, die die Gemahlin des englischen Gesandten Temple vom -Haag abholte, erhielt den Befehl, in offenkundiger Absicht durch die -holländische Flotte zu fahren und zu feuern, wenn die Flagge nicht vor -ihr gedippt würde. Die Jacht lief durch die vor der Maasmündung liegende -Flotte und salutierte die Flagge Ruyters. Der Admiral konnte nicht gleich -danken, da sein Schiff gekrängt[174] war, doch Leutnantadmiral Ghent -beantwortete den Salut und auch Ruyter folgte hierin, sobald sein Schiff -wieder auf ebenem Kiel lag. Dennoch schoß der Engländer scharf auf Ghent. -Dieser sandte seinen Flaggkapitän ab, um Aufklärung zu fordern, ging -sogar dann selbst, da er gleichzeitig die ihm bekannte Dame begrüßen -wollte. Der englische Kommandant erklärte, er habe scharf geschossen, -weil Ghent die Flagge nicht gestrichen, worauf dieser antwortete, das -könne doch von einem großen Geschwader einer einzigen kleinen Jacht -gegenüber nicht verlangt werden. Diesen, noch durch die Erdichtung dabei -gefallener unehrerbietiger Äußerungen Ghents aufgebauschten Vorfall nahm -Karl wahr, um Genugtuung zu verlangen, obwohl weder der bisherige Brauch -noch der Wortlaut des Vertrages eine so demütigende Auslegung des -Flaggenrechtes rechtfertigten; der Vorfall hatte sich ja außerdem in -holländischen Küstengewässern abgespielt. Einige andere nichtige -Beschwerden Karls traten hinzu, z. B. Klagen über Medaillen, Bilder, -Gedichte, die in Holland zu Ehren des letzten Krieges angefertigt waren. - - [174] »Krängen« bedeutet, ein Schiff auf die Seite legen, um den - Schiffsboden zu reinigen oder auszubessern. - -Holland war bereit, in allem nachzugeben; so sollten in Zukunft auch -Flotten die Flagge streichen »als Zeichen der Ehre für einen -Bundesgenossen und großen Monarchen«. Als aber die Regierung ihre -Vorschläge dem englischen Gesandten unterbreitete, erklärte dieser, es -sei zu spät, und reiste ab (Januar 1672). Weitere demütige Schritte in -London nützten nichts; im =März= 1672 griff =England= einen holländischen -Convoi an und =erklärte= am 29. desselben Monats =den Krieg= für den 7. -April, denselben Tag, an dem die französische Kriegserklärung erging. Der -Vorfall mit der englischen Jacht im August 1671 hatte Holland schon -veranlaßt, die englische Freundschaft mit Argwohn zu betrachten; in den -Januar-Verhandlungen war die Maske Karls gefallen. - -Bei der $Betrachtung der Streitmittel Englands und Hollands$ in diesem -Kriege können wir uns kürzer fassen als bisher (Seite 254 ff.), weil die -wenigen Friedensjahre keine wesentlichen Veränderungen in beiden Marinen -gebracht haben, wenn diese sich auch in der allgemein besprochenen Weise -(Seite 161 ff.) fortentwickelten. - -Was das $Material$ anbetrifft, so wurden in =Holland= größere -Schlachtschiffe nicht neu erbaut. Man glaubte, an den während des letzten -Krieges so zahlreich gebauten genug zu haben. Es mangelte auch an Geld, -obgleich der Handel bald wieder in vollster Blüte stand; die Staaten -hatten noch Schulden abzuzahlen, einige Admiralitäten waren gar mit -Rechnungen, Arbeitslöhnen und Gehältern im Rückstande. In =England= aber -sorgte man hauptsächlich für den Ersatz der vielen verlorenen großen -Schlachtschiffe. Angaben über den Gesamtbestand fehlen wieder für beide -Marinen; nach der Stärke der im dritten Kriege aufgestellten Flotten -dürfte die Gesamtzahl auf beiden Seiten annähernd gleich geblieben sein. -Zum Beweise hierfür und zum Vergleich sei eine ähnliche -Zusammenstellung[175] wie früher gegeben. - - [175] Die Angaben für 1672 entnommen aus de Jonge, Teil II, Beilage II - und IV; die kleineren englischen Schiffe sind aus diesen Angaben - nach Schätzung gruppiert. Beilagen V-VII geben die Flotten für - die späteren Schlachten 1672-1674. - -Vor der Viertageschlacht 1666 setzte sich zusammen: - - Schiffe von Kanonen über 90 80-90 70-80 60-70 50-60 - Die englische Flotte 2 2 7 14 25 - Die holländische Flotte -- 2 11 21 18 - - Schiffe von Kanonen 40-50 30-40 20-30 kleinere Brander - Die englische Flotte 22 8 ? ? ? - Die holländische Flotte 19 13 1 8 9 - -In der Schlacht bei Solebay 1672: - - Schiffe von Kanonen über 90 80-90 70-80 60-70 50-60 - England 6 2 3 8 21 - Holland -- 3 14 26 12 - - Schiffe von Kanonen 40-50 30-40 20-30 kleinere Brander - England 5 8 4 30 16 - Holland 6 6 8 22 36 - -=Schlachtschiffe= müssen wir von jetzt ab allgemein über 40 Kanonen stark -rechnen, dann zählte die holländische Flotte bei Solebay an solchen -»Linienschiffen« 61, die englische 45. -- Die Holländer hatten -beabsichtigt, noch 18 Linienschiffe (meist kleinere?) in Dienst zu -stellen, damit kommen wir als Gesamtbestand auf etwa 80, was der Stärke -im zweiten Kriege entspricht; auch die Größe der Schiffe ist ziemlich -dieselbe. Bei den Engländern sind mehrere ganz neue Schiffe der -schwersten Klasse hinzugetreten, dagegen fehlt gegen 1666 eine große Zahl -mittlerer und kleiner Schlachtschiffe, die jedoch sicher vorhanden waren. - - Vermutlich war man infolge der schlechter gewordenen Verwaltung nicht - imstande, seine ganze Kraft zu entfalten; man rechnete auf die - Franzosen, die gerade Schiffe dieser Größen stellten. Einige solcher - Fahrzeuge waren auch in den Häfen, besonders der Themse, stationiert. - Daß die Zahl der 40-50 Kanonenschiffe so heruntergegangen, hatte wohl - auch seinen Grund darin, daß man sie nicht mehr als vollwertige - Schlachtschiffe ansah; wir finden dasselbe bei Holland. - -Ungefähr dieselbe Stärke zeigen die Flotten bei den späteren Aktionen -dieses Krieges, doch erscheinen dann die Holländer mit 5-7 Schiffen zu -80-90 Kanonen. Bemerkenswert ist die große Zunahme an »kleinen -Fahrzeugen« in den Flotten für den Melde- und Sicherheitsdienst. - -Über die =Armierung= ist schon gesagt, daß die Angaben und Auslassungen -für die Zeit des zweiten Krieges auch jetzt noch zutreffen; zu beachten -ist aber, daß mit der Vermehrung der Schiffe über 90 Kanonen das -Übergewicht der Engländer an »schwerstem« Kaliber noch gewachsen ist. Auf -beiden Seiten sehen wir in noch größerem Maße als zu Ende des zweiten -Krieges eine Zunahme der =Brander=. - -$Das Personal.$ Der Verlauf des Krieges wird zeigen, wie schwierig es -dieses Mal infolge des gleichzeitigen Landkrieges den =Holländern= wurde, -große Flotten aufzustellen und sie zu bemannen. Um so bewundernswerter -ist es, daß die Republik dem vereinigten England und Frankreich doch zur -See mit Erfolg gegenüberstand. Es ist ferner fraglos, daß die -holländische Marine in militärischer Beziehung große Fortschritte gemacht -hatte. Alle Quellen bezeugen die größere Disziplin in ihren Flotten im -dritten Kriege. Wenn auch Reibungen zwischen den höheren Befehlshabern -vorkommen, so hört man doch nichts mehr von groben Verstößen gegen -Disziplin und Taktik von den Kommandanten und von Unzuverlässigkeit der -Mannschaften; die Leistung ihrer Artillerie ist besser als die der -Engländer. Dies alles und die Fortschritte in der Taktik sind zweifellos -das =Verdienst Ruyters=, der dabei von hervorragenden Flaggoffizieren, -wie z. B. Ghent, den beiden van Nes, Bankers, Liefde u. a. m., -unterstützt wurde. Auch eine wichtige Organisationsänderung trug dazu -bei. Im Jahre 1672 übernahm der Prinz von Oranien durch seine Einsetzung -als Statthalter auch wieder die Würde des =Generaladmirals= mit den alten -Befugnissen (Seite 149), er entfernte mit Ruyters Hilfe ungeeignete -Kapitäne und hob die Stellung des tatsächlichen Oberbefehlshabers, durch -Ernennung Ruyters zum =Leutnantadmiralgeneral=, den anderen -Leutnantadmiralen gegenüber. - -Auch in =England= vollzog sich während des Krieges eine wichtige -organisatorische Änderung. Als 1673 die »Testakte« im Parlament durchging --- wonach kein Katholik ein Staatsamt bekleiden durfte --, mußte der -Herzog von York seine Stellung als =Lordhighadmiral= niederlegen. Karl -II. besetzte die Stellung nicht wieder. Er ernannte den Prinzen Rupert -zum Oberbefehlshaber der Flotte, gab ihm zwar manche der Befugnisse, die -später dem ersten Lord der Admiralität zufielen, behielt sich aber selbst -den größten Einfluß im Marinedepartement vor. Diese Teilung soll nach -englischen Quellen ungünstig für den Dienst, besonders für die Verwaltung -(Ausrüstung der Flotten!) gewesen sein. Das Personal hatte hier an Güte -eingebüßt. Die geringere Sorgfalt und Zuverlässigkeit in der Verwaltung -haben wir schon im zweiten Kriege kennen gelernt. Jetzt zeigte sich der -verderbliche Einfluß eines ausschweifenden Hofes mit Günstlingswirtschaft -und des Parteiwesens im Lande auch beim Offizierkorps. Die Cromwellsche -Zucht läßt immer mehr nach; die sonst tüchtigen Führer, die Kavaliere -York und Rupert, ersetzen doch nicht den alten Soldaten Monck -([+] 1670) in der Aufrechterhaltung der Disziplin. Alles wird -schlimmer, je mehr sich das Verhältnis zwischen Volk und König zuspitzt. -Als Rupert den Befehl übernahm, erhielt der tüchtige Admiral Holmes, -obgleich Rupert selbst es wünschte, keine Stelle in der Flotte, weil er -ein Liebling Yorks gewesen war. Anderseits machten jetzt Offiziere der -Hofpartei dem protestantischen Prinzen Opposition, und es ereignen sich -ähnliche Fälle von Eigenmächtigkeit wie früher bei den Holländern. Die -Mannschaft endlich war nicht mehr so gut wie ehemals. Bei der -Unpopularität des Krieges mußte der Bedarf größtenteils durch Pressen -gedeckt werden. Diese Maßnahme lieferte aber weder genügend noch gutes -Material; Auffüllen mit Soldaten war nötig, denn gute kriegserfahrene -Seeleute fehlten sehr. - -Zum ersten Male müssen wir die $französische Marine$, ihre =Entwicklung -und Bestand=[176] um diese Zeit in den Kreis unserer Betrachtungen -ziehen. - - [176] Quellen: Chab.-Arnault, besonders Colberts Wirken; de Jonge, Teil - II, Schiffsbestände, Seite 290 ff.; Mahan, Teil I, über - Offizierkorps, siehe dort Sachregister »Marine«; Troude, Teil I, - und sonst im »Quellenverzeichnis« die französischen. - -Wir haben gesehen (Seite 152), daß in Frankreich verschiedene Versuche, -eine Marine zu gründen, ohne dauernden Erfolg blieben. Die letzte und -größte Schöpfung dieser Art, die Richelieus, verfiel schon unter Mazarin -wegen Geldmangels, besonders während der Fronde; =Colbert= belebte sie -wieder nach dem Pyrenäischen Frieden (1659). Wenn Richelieu, als -eigentlicher Regent Frankreichs, die Marine mehr als Werkzeug der äußeren -Politik begünstigt hatte, wandte Colbert ihr seine Sorgfalt besonders als -Handelsminister zu. Es ist bekannt, daß Colbert an der Spitze der -Verwaltung dahin strebte, Frankreich aus finanzieller Zerrüttung -herauszubringen und seine Wirtschaft auf der festen Grundlage nationalen -Wohlstandes sicherzustellen. Zu diesem Zweck wollte er sein Vaterland -auch zu einer Seehandelsmacht ersten Ranges machen und hierzu bedurfte er -einer starken Marine. - - Es liegt natürlich außerhalb unserer Aufgabe, auf die =Tätigkeit - Colberts= näher einzugehen, es seien aber doch einige Worte über seine - Maßnahmen zur Förderung des arbeitenden Volkes, zur Durchführung seiner - Wohlfahrtspolitik gesagt: - - Eine gleichmäßigere Besteuerung und eine gerechtere Erhebung der - Steuern wurde eingeführt; das Heer der Beamten und Pensionäre - beschränkt. Um die Produktion des so reichen Landes zu heben, wurden - Landwirtschaft und besonders Industrie unterstützt, zu letzterem Zweck - wurden Manufakturen unter staatlicher Aufsicht gegründet und durch - Schutzzölle gesichert. - - Zugleich wurden Handels- und Verkehrswesen nach allen Seiten, im Innern - und nach außen, gefördert durch: Handelsgesetze, Assekuranzkammern, - Schiffahrts- und Zollordnungen, die das Speditionsgeschäft in - französische Hände bringen und so den Schiffbau heben sollten, durch - den dann wieder die einheimischen und die Kolonialerzeugnisse befördert - werden sollten, denn den Kolonien wurde gleiche Pflege zuteil; günstige - Handels- und Zollverträge; Gründung großer Handelskompagnien nach Ost- - und Westindien, Levante; Prämien für im Lande erbaute Schiffe; Gründung - von Freihafengebieten, um Frankreich an Hollands Platz als großes - Lagerhaus Europas zu setzen, wozu es durch seine geographische Lage - hervorragend geeignet erschien; Verordnungen für die Kolonien, die den - französischen Schiffen den Alleinhandel von und nach ihnen sicherten; - endlich Gründung einer starken Kriegsmarine zur Beherrschung der Meere. - - Colbert verfolgte sein Ziel in durchaus französischem Geiste; alles war - organisiert, alles ging von dem Kabinett des Ministers aus. »Eine - mächtige Armee von Kaufleuten und Fabrikanten zu organisieren, die - einer tätigen und einsichtigen Leitung unterstellt war, um so durch - Ordnung und Vereinigung der Kräfte einen industriellen Sieg zu - gewährleisten und die besten Erzeugnisse dadurch zu erhalten, daß alle - Arbeiter zu dem Verfahren angehalten wurden, welches von den - erfahrensten Männern als das beste anerkannt war...« und - »Seebevölkerung und Seehandel ebenso wie Industrie und Binnenhandel zu - organisieren, sowie der Handelsmacht Frankreichs als Stütze eine Marine - auf fester und bisher ungeahnt breiter Grundlage zu geben, waren - Colberts Ziele.« (Mahan, Teil I, Seite 65/66.) - - Da alles von einem Manne, gewissermaßen als Ausführung eines logischen - Gedankenganges, ausging, und dieser Mann eine absolute Macht hinter - sich hatte, entwickelte es sich sehr schnell. Bald trug es Früchte, der - allgemeine Wohlstand wuchs; insbesondere blühte die Handelsschiffahrt - schnell auf, Frankreich begann ein gefährlicher Konkurrent Hollands und - Englands als Seehandels- und Seekriegsmacht zu werden. - - Aber das Wachstum war auch künstlich und hing von der absoluten Macht - ab, die es bewachte. Colbert war nicht König und seine Macht zu Ende, - als ihm der König seinen Rückhalt entzog; hiermit wurde auch sein Werk - erschüttert und brach mit seinem Tode (1683) zusammen. - -Bei der Gründung der Marine hatte =Colbert= die bereits vorgeschrittene -Entwicklung der holländischen und englischen als Beispiel; wie bei allen -seinen Organisationen ging er folgerichtig, geschickt und sorgfältig vor, -eine absolute Regierung stand ihm mit ihrer ungehemmten Kraft zur -Verfügung; so =erreichte= er =in kurzer Zeit kaum Glaubliches=. Anfangs -wurden seine Reformpläne vielfach durch den Admiral von Frankreich, -derzeit Herzog von Beaufort, (uns bekannt als Herzog von Vendôme, Seite -208) behindert. Nach dessen Tode 1669 wurde dieser Posten auf Colberts -Veranlassung mit einem vierjährigen Kinde -- Graf von Vermandois, Sohn -der Lavallière -- besetzt, während Colbert selbst Marineminister wurde. -Von nun an hatte er, wie einst Richelieu, freie Hand für seine Pläne und -baute auf dem Grunde, den dieser gelegt, weiter. - -Zunächst wandte er seine Sorgfalt den alten =Kriegshäfen= zu, wo alles -gewissermaßen in Ruinen lag. Befestigungen, Hafenanlagen, Werften und -Arsenale wurden ausgebaut: in Brest und Toulon als den Hauptkriegshäfen -im Norden und Süden, daneben in Havre und Dünkirchen -- diese beiden -waren leider für schwere Schiffe nicht zugänglich, so daß sich in den -kommenden Kriegen öfters der Mangel eines Rückzugshafens am Kanal fühlbar -machte; für das versandete Brouage wurde La Rochelle an der Biskaya -gegründet; die Station der Galerenflotte verlegte man von Toulon nach -Marseille, um Reibungen mit der Hochseeflotte zu vermeiden. Ebenso -wichtig war die Neueinrichtung der Verwaltung der Anlagen der Marine, wo -Trägheit, Schlendrian, selbst Untreue eingerissen waren. Hierbei wich -Colbert von Richelieu ab: Bislang stand die Verwaltung unter der -militärischen Behörde, dem Chef d'Escadre der Provinz; jetzt wurden alle -technischen und Verwaltungsgeschäfte einem Intendanten in jedem -Kriegshafen übertragen, die Stationschefs behielten nur die rein -militärischen Angelegenheiten. Dies führte zwar oft zu Verdrießlichkeiten -und Streit zwischen beiden Behörden, war aber bei der damaligen -Beschaffenheit des Offizierskorps nötig; die Leistungen der französischen -Werften sollen infolge der herrschenden neuen Ordnung bald die der -englischen übertroffen haben. - -Bei der schnellen Vermehrung des =Schiffsbestandes= war es anfangs -notwendig, die Fahrzeuge wie früher im Auslande, besonders in Holland, -bauen zu lassen, aber bald waren die eigenen Werften dazu imstande und -die Vermehrung ging nun noch schneller vor sich. Zur Zeit Richelieus, -etwa 1640, besaß man 30 größere und 27 kleinere Kriegsschiffe; 1661 waren -nur 30 Fahrzeuge überhaupt, darunter nur 3 über 60 Kanonen, vorhanden. -Aber nun begann der Bau, und der Bestand an Schiffen war: - - Kanonenzahl über 100 80-90 70-80 60-70 50-60 - 1666 -- 4 -- 6 3 - 1669 5 5 2 23 13 - - Kanonenzahl 30-40 20-30 kleinere Brander - 1666 17 3 ? ? - -------------+-------------- - | - 1669 44 20 - - Da sich Ludwig XIV. die Schaffung einer Marine ersten Ranges als Ziel - gesetzt hatte, ging der Bau in derselben Weise fort. Das Ziel war etwa - 1681 erreicht, man zählte in diesem Jahre 170 Segel, darunter 70 - Linienschiffe über 50 Kanonen. - -=Das Jahr= 1669 zeigt also schon einen dem englischen und dem -holländischen Bestande völlig ebenbürtigen. Die Schiffe waren neu und -gut; es ist schon darauf hingewiesen, daß sich die Engländer diese neuen -Schiffe als Muster zu Verbesserungen nahmen, was See- und -Segeleigenschaften sowie Höhe der Pforten über Wasser anbetraf; die -französischen Schiffe waren von größerem Deplacement im Verhältnis zur -Kanonenzahl. Ein Vergleich der früher (Seite 168 ff., Seite 259) über die -Armierung gemachten Angaben ergibt, daß die Franzosen in Verwendung -schwererer Kaliber zwischen den Holländern und Engländern standen. Die -=Bemannung= war bei den Franzosen stärker als bei den beiden anderen -Nationen, besonders auf den ganz schweren Schiffen, obgleich auch die -Engländer bei diesen den Etat erhöht hatten. Es waren eingeschifft auf: - - Schiffen über 90 über 70 über 50 Kanonen - - Holland -- 400-500 200-400 Mann - England 600- 850 500-600 280-400 " - Frankreich 700-1200 600-700 300-500 " - -Dieselbe Sorgfalt wie dem Material wandte Colbert der Organisation des -=Personals= zu. Es ist schon angedeutet, daß unter ihm versucht wurde, -eine regelrechte Rekrutierung für die Marine aus der Bevölkerung der -Küstenbezirke sicherzustellen (mit Vorteilen: Halbsold, Witwen- und -Waisenpensionen u. dgl.); Colbert strebte sogar an, daß die -Eingeschriebenen stets auf demselben Schiffe dienen sollten. Aber -obgleich in den Listen 1672 schon 60000 Mann geführt wurden, war die -Sache doch noch so wenig durchgebildet, daß bei der Mobilmachung zum -Pressen zurückgegriffen werden mußte. Colbert gründete auch -Seesoldatenkompagnien, doch mußte er diese bald wieder dem eifersüchtigen -Kriegsminister (Louvois) abtreten, und die Soldaten an Bord -- etwa ein -Drittel der Besatzung -- wurden wieder vom Kommandanten angeworben. Der -Minister sorgte auch, wie schon Richelieu es getan, für Ausbildung -tüchtiger Schiffskanoniere auf Schulen mit mehrmonatigen -Unterrichtskursen. Endlich stellte er eine regelmäßige Löhnungszahlung -sowie eine bessere Verpflegung sicher und erließ mehr zeitgemäße -Kriegsartikel. - -Die Bildung eines Unteroffizier-, Deckoffizier- und =Seeoffizierkorps= -vollzog sich hier in Frankreich jetzt leichter als in den beiden anderen -großen Marinen, da die Organisation sich nicht wie dort langsam aus sich -entwickelte, sondern eben die Erfahrungen dieser Marinen schon vorlagen. -1660 bestand das höhere Offizierkorps aus 1 Admiral von Frankreich, 2 -Vizeadmiralen -- alle drei, namentlich aber der erste, Herren von hoher -Geburt, selten seeerfahren --, 3 Generalleutnants und den 4 Chefs -d'Escadre, d. h. Stationschefs der Seedistrikte. Diesen unterstanden die -Hauptkriegshäfen und die Unterhaltung sowie Mobilisierung der -Streitkräfte ihres Distriktes, sie führten dann auch das betreffende -Geschwader; zur Unterstützung hatten sie einen Kapitän und einige -Leutnants des Hafens. Das Offizierkorps für die mobilen Schiffe: -Kapitäne, Leutnants, Enseignes (Unterleutnants) und Aspiranten (auch -schon von Richelieu eingeführt) war nur spärlich. Colbert trennte also -die Administration vom Offizierkorps und vermehrte dieses sehr,[177] wozu -er namentlich auch Elemente der höheren Stände heranzog. Er gründete ein -Aspirantenkorps, gardes de marine, von 200 Köpfen, davon drei Viertel -Edelleute, auch zog er Offiziere der Armee in die Marine. Eine -Marineschule mit Prüfungen wurde geschaffen; Schulschiffe zur Ausbildung -der Offiziere wurden in Dienst gestellt und genaue Bestimmung über den -Dienst an Bord erlassen: Alles mit dem ausgesprochenen Zweck, in den -Offizieren Seeleute und Soldaten, also »Seeoffiziere« zu erziehen. - - [177] Die beiden Vizeadmirale -- der des Ponant (Atlantische Küsten) - und der der Levante (Mittelmeer) -- waren Oberbefehlshaber der - Seestreitkräfte in ihren Gewässern; sie führten auch die großen - Flotten dort. Doch war dies nicht immer der Fall; wie in England - waren die »Funktionen in den Flotten« durchaus nicht an die - Dienstgrade gebunden. Generalleutnants führten oft als »Admiral« - die Flotte, meist als »Vizeadmiral« die Vorhut, aber auch als - »Kontreadmiral« die Nachhut. Die Chefs d'Escadre -- wohl dem - jetzigen Dienstgrade des Kontreadmirals entsprechend -- nahmen in - den Flotten oft die Geschäfte des Kontreadmirals wahr, meist die - Stellungen der Divisionschefs. - -Natürlich ließ sich ein größeres Korps nicht so schnell schaffen. 1672 -war man genötigt, viele Offizierstellen mit Personal aus der -Handelsmarine zu besetzen, obgleich nur ein Teil der Schiffe zum Kriege -in Dienst gestellt wurde. Auch ließen sich die guten Grundsätze für einen -strengen Dienstbetrieb nicht immer durchführen. Gerade mit dem Adel -traten auch Elemente ein, die, gestützt auf ihre hohen Verbindungen, den -Dienst leicht nahmen; die Bevorzugung des Adels erregte anderseits -Unzufriedenheit bei den andern Offizieren. So stand die französische -Marine 1672 im Material wohl stark da, aber der Personalmangel -- -vorzüglich an Offizieren und Chargen -- verbot noch die volle Verwendung. -Das für den Krieg gestellte Kontingent betrug bei Solebay 1672[178] nur: - - Schiffe zu Kanonen 78 70 60-68 54-58 50 38-46 12-14 Brander - Anzahl 1 7 3 2 10 7 5 8 - -von den schon vorhandenen 10 ganz schweren Schiffen ist keines vertreten. - - [178] Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 64 bringt die Schiffsnamen - dieses Kontingents mit Kanonenzahl und Namen der Kommandanten der - Schiffe; Seite 98 für das Jahr 1673. - -Ferner mangelte der französischen Flotte die Kriegserfahrung; ihre -Führer, auch die tüchtigen älteren Seeleute, hatten keine Übung in der -anderen Flottentaktik; die französischen Quellen heben diesen Umstand -ganz besonders hervor, die Flotte hatte nur gegen die Barbaresken -gefochten. Es ist dies wohl mit ein Grund der auffallenden Führung der -französischen Seestreitkräfte: der ängstlichen Vorsicht im zweiten -englisch-holländischen Kriege; der Lauheit und der Fehler im dritten, in -dem sogar ein erst kürzlich zur Marine übergetretener Landoffizier das -Geschwader führte. Wie beim zweiten, so drängt sich aber auch beim -dritten Kriege der Verdacht auf, daß Ludwig XIV. seine neue, noch -unsichere Waffe schonen wollte; vielleicht stellte er auch deshalb kein -stärkeres Kontingent, um so weniger, da er doch die ganze Last des -Landkrieges allein trug. - - Es ist beachtenswert, daß sich in der französischen Marine das - =eigentliche Seeoffizierkorps= -- die Verschmelzung von Soldat und - Seemann -- frühzeitig stärker ausbildet als anderswo. Schon zu - Richelieus Zeiten hatten die Schiffe 1 Kapitän, 1 Leutnant, 1 - Unterleutnant, und 1672 findet man auf einem 60-Kanonenschiff schon 1 - Kapitän, 1 zweiten Kapitän, 2 Leutnants, 2 Unterleutnants; die - Offiziere scheinen um diese Zeit den Dienst der Maîtres, die - seemännische Führung des Schiffes, schon völlig übernommen zu haben. - Diesem frühzeitig erstarkten Seeoffizierkorps gab nun die Art seines - Ersatzes -- hauptsächlich aus dem Adel, einer damals gerade in - Frankreich hervorragend militärischen Kaste stammend --, die hier - sorgfältigere Erziehung für den Seekriegsdienst und auch wohl die - Eigentümlichkeiten des Volkes den Charakter, den es stets beibehalten - hat. Es überwiegt beim französischen Seeoffizier der Soldat gegenüber - dem Seemann. In England gewann bei der Verschmelzung der Seemann die - Überhand; der englische Seeoffizier des nächsten Jahrhunderts suchte - seinen Stolz mehr in geschickten Segelmanövern als in der Entwicklung - der militärischen Leistungsfähigkeit seines Schiffes. Dieser Umstand - sollte besonders die Leistungen der französischen Flotten in taktischen - Beziehungen eine Zeitlang -- in den Kriegen des nächsten Abschnittes -- - sehr begünstigen. - -$Die Verwendung der drei Marinen von 1867-1672.$ Die Seestreitkräfte -=Hollands= und =Englands= fanden in den wenigen Friedensjahren zwischen -dem zweiten und dem dritten Kriege im wesentlichen nur Verwendung im -Mittelmeer gegen die Seeräubereien der Raubstaaten. In derselben Weise, -wie wir es früher gesehen, besonders nach dem ersten Kriege, hielten -beide Nationen ständige Geschwader an der nordafrikanischen Küste. Man -war zeitweise gezwungen, diese bis zu einer Stärke von 18 Schiffen zu -30-60 Kanonen aufzustellen, da auch die Afrikaner mit Geschwadern von -Schiffen gleicher Größe auftraten; es kam zu richtigen Seegefechten, zu -gemeinsamen größeren Operationen, die dann für einige Zeit wenigstens dem -Unwesen ein Ende machten.[179] - - [179] Näheres darüber. De Jonge, Teil II; Clowes, Teil II: minor - operations 1660-1714. - -Auch die aufstrebende =französische Marine=[180] fand ihre erste -Verwendung im Kampf mit den Barbaresken. Eine =erste größere Expedition= -brachte das Jahr 1669. Ludwig XIV. sandte unter dem =Herzog von -Beaufort= eine Flotte von 20 Schiffen -- 1 zu 94, 3 zu 72, 12 zu 36-60, 4 -zu 20 Kanonen -- und 12 Galeren mit einer Armee von 7000 Mann -- gute -Regimenter -- =nach Kreta= zur Unterstützung der Venetianer. Die Flotte -als solche fand hierbei keine Gelegenheit zur Aktion; auch die Landung -wurde, zwar anfangs glücklich, schließlich zu einem Fehlschlage; der -Herzog von Beaufort fiel (vgl. »Nebenkriege«, Kapitel X, unter -»Venedig«). - - [180] Quellen wie Seite 246 angeführt. -- Bonfils, Teil I, genaue - Angaben über die Flotte usw. der Kreta-Expedition. - - - Der Verlauf des Krieges.[181] - -Der dritte englisch-holländische Krieg war nicht wie die beiden -vorhergegangenen ein reiner Seekrieg, sondern für Holland auch ein -Landkrieg; wir müssen deshalb bei der Beschreibung auch die Ereignisse am -Lande fortlaufend kurz berühren. Nach den $Kriegsplänen der Verbündeten$ -sollte die Republik von drei Seiten angegriffen werden: Durch Frankreich -im Südosten, durch Münster und Köln im Osten und durch eine Landung der -englisch-französischen Flotte im Norden. - - [181] Hauptquellen wie Seite 263. Hierzu Jal: »du Quesne«; Bonfils. - -=Holland war in einer schwierigen Lage= (»Holland in Not!«). Wir wissen -bereits, daß die regierende Partei das Heer sehr vernachlässigt hatte, -und auch die Flotte, die es nun mit zwei mächtigen Gegnern aufnehmen -mußte, konnte, wie die Verhältnisse im Innern jetzt lagen, nicht mit -gleicher Kraft auftreten wie bisher. Die Uneinigkeiten zwischen den -Provinzen waren gewachsen, die Parteien stießen immer schroffer -aufeinander. De Witts Einfluß schwand mehr und mehr, die oranische Partei -wurde mächtiger; diese setzte sogar am 24. Februar 1672 die Ernennung des -Prinzen =Wilhelm von Oranien= zum Generalkapitän der Armee für den -bevorstehenden Feldzug durch, wie die Folge zeigen sollte, zum Heile des -Landes. Man zankte sich über diese Ernennung, über abzuschließende -Bündnisse, über die nötigen Rüstungen zu Wasser und zu Lande. -Insbesondere wollten die Landprovinzen ihre Mittel für die -Landbefestigungen behalten, aber selbst Seeland zeigte sich wenig geneigt -zu Rüstungen auf dem Wasser, nur Holland tat wie bisher seine Pflicht. -Auf diese Weise wurden die Rüstungen und im besonderen die Aufstellung -einer starken Flotte sehr erschwert. - -1668 hatte man nach dem Vertrage der Tripelallianz eine Flotte von 40 -Kriegsschiffen im Dienst gehalten, aber nach dem Aachener Frieden wurde -sie verringert. Im Jahre 1670 seitens der Provinzen von Holland -eingebrachte Anträge, sich gegen Frankreich durch Aufstellung größerer -Seestreitkräfte zu sichern, fanden keine Zustimmung, und erst 1671, als -man auch England zu mißtrauen begann, wurde eine Flotte von 36 -Kriegsschiffen mit den nötigen Fregatten und Brandern in Dienst gestellt; -dies war die Flotte Ruyters, von der die englische Jacht im August 1671 -den Flaggengruß forderte. Infolge dieses Falles verlangte die Provinz -Holland sofort wiederum umfangreiche Rüstungen -- 72 Schlachtschiffe, 24 -Fregatten, 24 Brander --, aber nicht vor dem Februar 1672, als man an -dem Ausbruch eines Krieges mit Frankreich nicht mehr zweifeln konnte, -ging der Beschluß durch, 40 Schlachtschiffe -- darunter 36 über 60 -Kanonen -- und 24 Brander in Dienst zu stellen, -- nur eine kleine -Flotte, obgleich der Verlauf der Januar-Verhandlungen mit England auf das -Ärgste von dieser Seite schließen ließ; erst ein $Gewaltakt Englands$ -- -ganz wie beim zweiten Kriege der Angriff eines Convois $vor der -Kriegserklärung$ -- war nötig, um eine Verstärkung der Rüstungen zur See -herbeizuführen. - - Ein =Convoi Smyrnafahrer=,72 Segel gedeckt durch nur 5 Kriegsschiffe - von 38-50 Kanonen und eine leichte Fregatte, wurde während des Monats - März im Kanal erwartet. Der König von England hatte den Befehl - erlassen, ihn zu überfallen; 32 Schiffe unter =Admiral Holmes= waren - dazu bestimmt. Infolge nachlässig betriebener Ausrüstung waren jedoch - bei weitem nicht alle bereit, als Holmes Mitte des Monats bei Wight - liegend von dem aus dem Mittelmeer zurückkehrenden Admiral Spragge - hörte, daß der Convoi ihm auf dem Fuße folge. Anstatt nun Spragge seine - Order mitzuteilen und sich mit ihm zu verbinden, ließ er ihn - weitersegeln, um allein den Ruhm zu ernten. Er hatte nur 8 - Schlachtschiffe, unter denen sich aber mindestens 3 zu 70-90 Kanonen - befanden, und 3 kleinere Segel. Der Convoi war beim Eingange des Kanals - durch leichte Segler von der Heimat her auf die gespannten Verhältnisse - mit England aufmerksam gemacht worden und nicht unvorbereitet. Von den - Kauffahrern waren 24 armiert; der Führer des Convois, =den Haen=, traf - die nötigen Maßnahmen, um mit jenen und seinen Kriegsschiffen einem - Angriff entgegentreten zu können. - - Die Gegner trafen sich am 23. März auf der Höhe von Wight. Holmes rief - den Haen zu sich an Bord, doch dieser sandte nur einen Offizier; der - nächsthöhere englische Kommandant verlangte dasselbe vom Führer der - holländischen Vorhut, ebenfalls ohne Erfolg. Nun griffen die beiden - englischen Flaggschiffe die holländischen an und der Kampf wurde sofort - allgemein, dauerte als laufendes Gefecht bis zur Nacht und wurde am - nächsten Tage fortgesetzt. Trotz der Behinderung durch die nicht - armierten Kauffahrer, trotz des Todes den Haens am ersten, der schweren - Verwundung des Vorhutführers und des Todes des Nachhutführers am - zweiten Tage und endlich trotzdem, daß Holmes am zweiten Tage noch eine - Verstärkung von 4 Schlachtschiffen und einigen kleineren erhielt, - gelang es den Engländern nur, ein Kriegsschiff und 3 Kauffahrer zu - nehmen. Die Holländer setzten ihren Kurs in bester Ordnung fort -- der - erste Offizier den Haens hatte dessen Flagge wehen lassen, um - Verwirrung zu vermeiden -- und erreichten durch Nebel begünstigt am - dritten Tage Holland. Die englischen Schiffe waren teilweise sehr - beschädigt, einige mußten schon während des Gefechtes heimgesandt - werden. Das genommene Kriegsschiff sank gleich nach dem Entern; die - Beute hätte eine ungeheuere sein können, schon so betrug sie gegen - 60000 Lstrl. - - Bemerkenswert für die Stimmung in England, vielleicht auch das - zunehmende Verständnis für Völkerrecht kennzeichnend, ist, daß dieser - Angriff vor der Kriegserklärung selbst hier stark verurteilt wurde. - König Karl versuchte abzuleugnen, daß er den Befehl dazu gegeben, der - Zusammenstoß sei die Folge der Widerspenstigkeit der holländischen - Führer gewesen; Holmes selbst soll dem aber seines eigenen Rufes wegen - widersprochen haben. - -Nun wurde in Holland eine Vermehrung der Flotte auf 48 Schiffe zu 60-80 -Kanonen, 24 kleinere, 24 Fregatten und 24 Brander beschlossen; diese -Stärke ist auch nach und nach erreicht worden. Eine im April auf de Witts -und Ruyters Antrag beschlossene weitere Verstärkung um 18 Schlachtschiffe -konnte nicht mehr durchgeführt werden; der Verlauf des Landkrieges zwang -später, noch im Jahre 1672, sogar zu einer wesentlichen Verminderung der -Flotte. Gleichzeitig ward die Schiffahrt teilweise -- nach Ostsee, -Norwegen, England, Frankreich und durch den Kanal --, sowie die Ausfuhr -von Kriegsmaterial und das Dienen der Untertanen in fremden Ländern -verboten. Als bald darauf die =Kriegserklärungen= erfolgten (7. April), -die Gegner zu Lande ihre Truppen an den Grenzen zusammenzogen und die -Ausrüstung ihrer Flotten betrieben, ergriff man weitere Maßnahmen: die -großen Kompagnien wurden ermächtigt, im Auslande die Schiffe und -Besitzungen der Feinde anzugreifen; die Kaperei in europäischen -Gewässern, besonders von den Seeländern gern betrieben, wurde jedoch -untersagt und mit Gewalt unterdrückt (bis Ende 1672), um der Flotte Leute -und Kriegsmaterial zu erhalten. Baken und Tonnen wurden eingezogen, für -Bewachung der Einfahrten und der Küstenplätze mit Magazinen durch -Fregatten, durch zahlreich aufgebotene kleinere Fahrzeuge sowie durch -Sperren gesorgt. Durch Agenten und kleinere Schiffe ließ man den -Fortschritt der feindlichen Rüstungen und die Schiffsbewegungen -beobachten. Vor allem aber drängte de Witt auf Fertigstellung der Flotte. -Bei der Schwäche der Republik zu Lande war es durchaus nötig, die -Seeseite vor einer Landung zu schützen, und äußerst erwünscht, wenigstens -zur See gleich einen großen Erfolg zu erringen. Nach =de Witts Plan= -sollte die holländische Flotte den Gegnern zuvorkommen, womöglich nach -dem Vorbilde des Jahres 1667 in die Themse und andere englische Häfen -eindringen und die Schiffe dort vernichten oder der englischen Flotte, -falls diese schon ausgelaufen wäre, folgen und sie schlagen, ehe eine -Vereinigung mit den Franzosen stattgefunden habe; er scheint auch unter -Umständen, z. B. bei hierfür günstigeren Windverhältnissen, einen -ähnlichen Schlag gegen Frankreich (Brest) ins Auge gefaßt zu haben. Wenn -nun auch der Rückstand in den Rüstungen die Durchführung dieses -strategisch so wichtigen Planes vereitelte, so sollte doch Ruyter die -Aufgabe, eine Landung zu hindern, glänzend lösen. Er leistete damit bei -dem Verlaufe des Landkrieges seinem Vaterlande einen großen Dienst. - -Die Bewegungen der Flotten begannen früher als der Einbruch der Feinde -vom Lande her, wenden wir uns deshalb zunächst jenen zu. - -$Die Schlacht bei Solebay, 7. Juni 1672.$ Der Plan de Witts hatte -verlangt, daß die holländische Flotte früher bereit war als die -feindlichen. Wir sahen aber, daß überhaupt schon spät der Beschluß gefaßt -war, eine große Flotte in Dienst zu stellen; nun traten noch -Verzögerungen beim Ausrüsten und Auslaufen ein. Nur die Schiffe der -Provinzen Hollands waren Ende April seeklar; in Friesland und Seeland -fehlte Geld und es mangelte an Leuten; es stellten sich nicht genügend -Matrosen, und die Soldaten waren zur Landverteidigung nötig -- in Seeland -soll die seemännische Bevölkerung über das Verbot der Freibeuterei -erbittert gewesen sein. Die Regierung von Seeland machte auch -Schwierigkeiten beim Auslaufen der fertigen Schiffe: Man wolle die -eigenen Küsten nicht entblößen und die Schiffe nicht der Übermacht des -Feindes aussetzen. Endlich erschwerten ungünstige Wasserverhältnisse das -Auslaufen der in dem Vlie versammelten Schiffe Amsterdams und der schon -am 3. Mai in Texel eingetroffenen Fahrzeuge der Maas. So kam es, daß -=Ruyter=, trotz eifriger Unterstützung seitens de Witts und der -Deputierten auf der Flotte, erst am 10. Mai imstande war, den allgemeinen -Sammelplatz Texel mit 35 Schlachtschiffen (nur 1 von Friesland) zu -verlassen; zwei Tage mußte er dann vor Seeland auf das Kontingent von -dort, vorläufig nur 6 Schiffe, warten und wurde endlich weitere zwei Tage -durch Nebel und Stille an der Küste festgehalten. Da inzwischen -Aufklärungsfahrzeuge gemeldet hatten, daß die in der Themse ausgerüsteten -Engländer den Fluß bereits am 12. verlassen hätten, ging Ruyter am 15. -Mai nach den Downs hinüber. Er fand hier keine Feinde, erfuhr dagegen, -daß bereits am 14. die Vereinigung der englischen und französischen -Flotte bei Wight stattgefunden habe. =Ruyters Order= enthielt die -Ausführung der erwähnten Absichten de Witts für die Verwendung der Flotte -zu einem Schlage gegen England oder seine Streitkräfte =vor= einer -Vereinigung der Gegner. Sollte diese aber schon stattgefunden haben, so -sei eine Schlacht zu vermeiden, falls nicht die Umstände einen günstigen -Ausgang sicher voraussehen ließen. - -Der Admiral war am 15. vor Dover zu Anker gegangen, stürmisches Wetter -hinderte bis zum 17. den Zusammentritt des Kriegsrates. In diesem wurde -dann der Order entsprechend beschlossen, die Flotte zwischen den -Wielingen und der Maasmündung, 5-6 sm von Land, zu halten und von dort je -nach den Umständen zu operieren, bei der Übermacht des Feindes möglichst -nur an der eigenen Küste zu fechten, um in den Gefechten beschädigte -Schiffe leichter bergen zu können. Es beginnt damit die =strategische= -und =taktische Führung des Krieges holländischerseits=, wie sie für den -dritten Krieg kennzeichnend ist: Die flacheren Wassertiefen und die Sände -der eigenen Küste als Ausgangspunkt einer Defensive mit kräftigen -Offensivstößen zu machen. Gleichzeitig war es so leichter möglich, die -noch in der Ausrüstung befindlichen Schiffe heranzuziehen; es sei -vorausgeschickt, daß während der Bewegungen der Flotte vom 17. Mai bis 5. -Juni der Bestand nach und nach auf die bei Solebay vorhandene Stärke -gebracht wurde. Der größere Teil der neu hinzutretenden Schlachtschiffe -wurde wieder von den Admiralitäten Amsterdams und der Maas gestellt. -Obgleich nun Cornelis de Witt, der wieder einer der Deputierten war, -seinem Bruder gemeldet hatte, daß die englische Flotte die Themse bis auf -wenige Schiffe verlassen hätte und diese sich bei einem Angriff hinter -die seit 1667 wesentlich verstärkte Stellung von Gravesend zurückziehen -würden, kam der Ratspensionär doch immer wieder auf einen Vorstoß in die -Themse zurück; er rechnete mit der moralischen Einwirkung auf die -Bevölkerung Londons, wie sie das Vorgehen gegen die Schiffe und Arsenale -im Medway 1667 hervorgerufen hatte. Um diesem Wunsche Rechnung zu tragen, -beschloß der Kriegsrat am 20. Mai, wenigstens ein kleines Geschwader in -die Themse zu senden. Ruyter ging zur englischen Küste hinüber, ankerte -am 23. vor der Themsemündung beim Königstief und sandte am 24. =van -Ghent= mit 15 leichteren Kriegsschiffen und Fregatten, 8 Brandern und 16 -Avisojachten das Revier hinauf, während er das Gros bereit hielt, den -feindlichen Flotten entgegenzutreten. Wie in der Flotte vorausgesehen, -blieb das Unternehmen gänzlich ohne Erfolg; van Ghent sah sich noch an -demselben Tage genötigt, es aufzugeben, auch stieß er infolge ungünstiger -Umstände erst am 26. wieder zum Gros. - - Die englischen Fahrzeuge, 6 kleinere Kriegsschiffe und 5 Brander, - hatten sich hinter Sheerness zurückgezogen, und die Befestigungen - erwiesen sich derartig verstärkt, daß nichts zu machen war. Der Rückzug - wurde durch Gegenwind sehr erschwert, zumal da die Schwierigkeit des - Fahrwassers infolge Verlegung der Seezeichen noch gewachsen war. -- Die - Expedition scheint wirklich nur, um dem Wunsche de Witts nachzukommen, - unternommen zu sein, ohne große Hoffnung auf einen Erfolg zu setzen. - Noch am 19. Mai hatte C. de Witt seinem Bruder geschrieben: »Wenn wir - unbestrittene Herren der See wären, würde ich den Plan gutheißen, aber - den Fluß hinaufzugehen mit einem so mächtigen Feinde im Rücken, halte - ich für sehr gefährlich.« Die ganze Flotte setzte man zwar nicht ein, - aber leicht konnte van Ghents Geschwader als Opfer fallen. - -Am 27. meldete eine Fregatte, sie habe tags zuvor die feindliche Flotte -südlich von Godwinsand gesichtet. Da =Ruyter= plangemäß nur unter -günstigen Umständen von der eigenen Küste aus fechten wollte, keineswegs -aber auf Legerwall[182] der feindlichen, so führte er seine Flotte -östlich bis zum Galloper und dann südlich zur holländischen Küste -hinüber; hier hielt er sich, bei westlichem Winde an- und abstehend, -zwischen Ostende und Walcheren. Schon am 29. kam die feindliche Flotte zu -Luward in Sicht und blieb es fast ständig bis zum 31. Sie benützte aber -die günstige Stellung nicht, folgte auf Parallelkursen außer Schußweite -den Bewegungen Ruyters und kam am 31. aus Sicht. - - [182] Ein Schiff ist auf Legerwall, wenn es durch die Nähe der Küste in - Lee in seinen Bewegungen behindert, bei Sturm sehr gefährdet ist. - -Es ist aus den Quellen nirgend zu ersehen, weshalb der =Herzog von York= --- Oberbefehlshaber der seit dem 14. Mai vereinigten Flotten -- nicht -angegriffen hat. Man muß annehmen, daß er während der Bewegungen der -Holländer gegen die englische Küste durch die damals herrschenden -östlichen Winde bei Wight festgehalten ist und daß er später durch seine -Manöver den Gegner von der holländischen Küste hat abziehen wollen; auch -soll er die Hoffnung gehabt haben, einen durch die Nordsee -zurückerwarteten Convoi Ostindienfahrer abzufangen. Am 31. ging er in die -Nordsee (bis zur Doggerbank?) und dann =nach der Solebay= (3. Juni), um -Wasser und Proviant aufzufüllen. Ruyter hatte Gruppen von Fregatten zum -Suchen des Feindes entsandt, war selbst mit der Flotte am 2./3. Juni bis -Northforeland gesegelt und erhielt hier am 6. früh die Meldung, daß York -in schlechter Ordnung und ungünstig auf Legerwall in Solebay läge. Sofort -sah der Kriegsrat hierin eine der in der Order ausdrücklich erlaubten -günstigen Gelegenheiten, den Feind anzugreifen -- selbst an seiner Küste ---, die eigene Flotte war ja wesentlich stärker geworden. Gleich nach -diesem Beschluß brach Ruyter auf; östlicher Wind begünstigte die Fahrt -und ließ erwarten, daß man den Feind auf Legerwall überraschen würde. - -Die =Zusammensetzung der Flotten= ist bereits genauer gegeben (Seite 313, -318); danach bestand: - - Über über kleinere Brander Besatzung - 40 K. 20 K. u. = Kanonen - Transporter - Die englische: 45 12 30 16 = 3376 22442 - Die französische: 26 4 5 8 = 1724 10744 - -------------------------------------------------- - Verbündeten = 71 16 35 24 = 5100 33186 - Die holländische = 61 14 22 36(44?) = 4484 20738 - - -In Dünkirchen standen 2000 Franzosen zur Einschiffung bereit, um nach -gelungener Landung übergeführt zu werden; für England wird diese Maßregel -nicht erwähnt, ist jedoch wahrscheinlich: 1673 werden 6000 Mann angeführt -und auch 1672 hatten die Franzosen Orders über »Zusammenwirken mit den -englischen Landungstruppen«; jedenfalls befanden sich auf den englischen -Transportern reichlich Soldaten. -- Beide Flotten waren in 3 Geschwader -zu je 3 Divisionen geteilt. Bei den Verbündeten führte der =Herzog von -York= den Oberbefehl und die Mitte (»Royal Prince« 120 Kanonen), die -Nachhut Montagu, Earl of Sandwich (»Royal James« 100 Kanonen); das -französische Kontingent bildete unter dem Vizeadmiral =Comte d'Estrées= -(»St. Philippe«, 78 Kanonen) die Vorhut, der zweite im Kommando war -Generalleutnant =Abraham du Quesne=[183] (»Le Terrible«, 70 Kanonen). Bei -den Holländern hatte =Ruyter= Oberbefehl und Mitte (»7 Provinzen« 82 -Kanonen), Leutnantadmirale Bankers Vorhut, van Ghent Nachhut, hinzutraten -Leutnantadmiral von Nes, 5 Vize- und 5 Kontreadmirale. Die Geschwader -waren auf beiden Seiten etwa gleich stark; Ruyter hatte aber eine -besondere Anordnung getroffen, wohl in der Hoffnung, den Feind zu Anker -oder doch in Unordnung zu überraschen. Von jeder der 9 Divisionen waren 2 -Kriegsschiffe und 2 Brander abgesondert; diese bildeten eine besondere -Gefechtslinie, um einen Branderangriff in großem Maßstabe auszuführen, -unter dessen Wirkung dann die Flotte angreifen sollte. - - [183] Über d'Estrées und du Quesne finden sich Angaben gelegentlich der - Schlachten von Texel und Stromboli, Seite 349, 367. - -$Der Verlauf der Schlacht$: Die Küste bei Southwold läuft annähernd -Nordsüd; die englisch-französische Flotte lag ihr parallel, die Vorhut am -südlichsten. Noch am 6. Juni soll Montagu den Herzog von York auf die bei -dem herrschenden Winde, frischer Ostnordost, gefährliche Lage aufmerksam -gemacht haben, aber mit einer kränkenden Bemerkung, »übergroße Vorsicht«, -abgewiesen sein. Auch sonst war man sorglos; am 5. war die Meldung -eingegangen, Ruyter sei zur holländischen Küste zurückgekehrt, am 7. war -ein Teil der Besatzungen mit Booten an Land, um Wasser zu holen. Da lief -früh morgens eine französische Vorpostenfregatte mit vollen Segeln vor -dem Winde ein; sie meldete durch Kanonenschüsse und Signale das Nahen des -Feindes. =Ruyter= kam mit achterlichem Winde heran in zwei Dwarslinien, -die erste durch die Branderdivision gebildet. (Skizze Lage 1); die -Verbündeten mußten in größter Eile unter Segel gehen. - -[Illustration: Schlacht bei Solebay. 7. Juni 1672.] - -Der Wind stand recht auf den Strand; dieser war so nah, daß es nicht -möglich war, abzuhalten, um eine gute Linie zu bilden. Zum Glück war es -flau oder flaute ab, so daß der holländische Angriff wenigstens nicht -während des Ankerlichtens und Segelsetzens erfolgte; der so gut -vorbereitete Branderangriff hätte sonst verhängnisvoll werden können. Der -=Herzog von York= hatte Befehl gegeben, oder gab ihn jetzt durch Signal, -über Backbord-Bug nach Norden zu liegen; Nachhut und Mitte verfuhren -dementsprechend, die Vorhut (d'Estrées) dagegen ging über Steuerbord-Bug -nach Südosten und trennte sich so von der Flotte. Ruyters Angriff war, -wie üblich, so angesetzt, daß Geschwader auf Geschwader stieß, so griff -Ruyter York und Ghent Montagu an; Bankers wandte sich gegen d'Estrées -(Lage 2). Es wird gewöhnlich angenommen, daß Ruyter die englischen -Geschwader mit Übermacht angegriffen habe; ich habe aber nirgend -ausgesprochen gefunden, daß er zu diesem Zweck eine andere Einteilung -seiner ursprünglich gleichstarken Geschwader vorgenommen habe. Es ist -jedoch wahrscheinlich, daß die ganze erste holländische Dwarslinie, in -der auch 6 Schlachtschiffe und 6 Brander der Vorhut standen, ihren -Angriff auf die englischen Geschwader richtete, als das französische sich -von seiner Flotte entfernte. Um diese Zahl war dann Bankers schwächer, -Ruyter stärker und somit seinem Gegner gleich oder gar etwas überlegen, -wenn auch seine Gesamtflotte schwächer als die des Feindes war. - -Der =Hauptkampf zwischen den Holländern und Engländern= begann zwischen 7 -und 8 Uhr morgens und wurde ein äußerst blutiger; Ruyter erklärte ihn -später für den erbittertsten und hartnäckigsten seines Lebens. Wieder -einmal ist leider der Verlauf nicht genau zu verfolgen, da die alten -Quellen mehr die Schilderungen einzelner Vorfälle geben, er dürfte -ungefähr folgender gewesen sein:[184] Die englische Nachhut (Montagu) -hatte ziemlich gleichmäßig Anker gekappt, Segel gesetzt und so den Stoß -des Feindes in guter Ordnung aufgenommen. Die englische Mitte, die -zunächst in Verwirrung war, fand auch noch Gelegenheit, die Ordnung -einigermaßen herzustellen -- teilweise wurden die Schiffe durch Boote auf -ihre Posten geschleppt --, da der Angriff Ruyters sich infolge der Flaute -verzögerte. Bei dem Angriff stießen die entsprechenden Geschwader und -Divisionen, Flaggschiffe gegen Flaggschiffe, ziemlich genau aufeinander, -und es entspann sich ein laufendes Gefecht in größter Nähe, bei dem aber -die Schiffe bald durcheinander trieben. - - [184] Hauptquellen für die nachstehende Schilderung: »Leben Ruyters«; - de Jonge, Teil II; Jal: »du Quesne«; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil - I; Clowes, Teil II. - -In dem Kampf der Vorhuten gewannen die Engländer die Oberhand; =Ghent= -fiel und nun wurde, obgleich auch =Montagu= beim Verlassen seines -brennenden Flaggschiffes ertrank, von verschiedenen Schiffen der -holländischen Nachhut flauer gefochten, so daß eine größere Zahl der -englischen Nachhutschiffe in den Kampf der Mitten eingreifen konnte. -Hierdurch kam =Ruyter= in bedrängte Lage, bis der Vertreter Ghents dessen -Geschwader aufs neue gesammelt heranführte und das Gleichgewicht -herstellte. Nach einigen Stunden waren die kämpfenden Geschwader dem -Strande immer näher gekommen und, mit den Sänden bei Lowestoft voraus, -genötigt zu wenden. Der Wind frischte nachmittags etwas auf; dieser -Umstand sowie das freiere Wasser gaben Gelegenheit, die Ordnung wieder -besser herzustellen. Es geht aus der Beschreibung einzelner Kämpfe -hervor, daß beide Gegner davon Gebrauch machten: bedrängte Schiffe oder -Gruppen werden herausgehauen und zur Gefechtslinie zurückgeführt; es wird -also darauf hingewirkt, eine entstandene Melee wieder zu entwirren. Das -allgemeine Gefecht entbrannte dann wieder auf das heftigste, sich nun -nach Süden hinziehend. Ruyter und wohl auch York strebten danach, sich -den fechtenden Vorhuten zu nähern. - -Der =Kampf der beiden Vorhuten= war ein Ferngefecht geblieben. Es ist -nicht aufgeklärt, weshalb d'=Estrées= den Kurs nach Südosten gewählt hat. -In England und Holland tauchte (wie gegen Beaufort 1666) der Verdacht -auf, er habe geheime Instruktion gehabt, seine Flotte zu schonen; dieser -Verdacht wird sogar von einzelnen französischen Autoren geteilt (Sue). -D'Estrées selbst hat berichtet, er habe wohl überlegt so gehandelt, weil -sein Gegner über Steuerbord-Bug herangekommen sei; er habe diesen -angreifen, durchbrechen und sich mit York vereinigen wollen. Andere -Berichterstatter (Augenzeugen) sagen, es sei für die französischen -Schiffe, als am weitesten nach Lee liegend, zu schwer, wenn nicht -unmöglich gewesen, den Kurs parallel mit dem nahen Strande durchzuhalten. -Dieser Grund erscheint stichhaltig, ja, für die ganze Flotte wäre der St. -B. Bug der richtigere gewesen, da er frei von der Küste führte und so -auch Raum zum Manövrieren gegeben hätte. =Bankers= folgte den Franzosen -auf Parallelkurs, führte aber ein Feuergefecht auf halbe -Kanonenschußweite, scheinbar, um sie nur zu beschäftigen und von einer -Wiedervereinigung mit York abzuhalten. - - Dieses Verfahren entsprach wahrscheinlich einer Anordnung Ruyters, denn - Bankers und seine Seeländer waren kampflustige Männer. Ruyter achtete - wohl die Franzosen gering oder rechnete mit der erwähnten geheimen - Instruktion. In Holland selbst wurde auch gesagt, Ruyter habe Anweisung - gehabt, die Franzosen zu schonen, um Ludwig XIV. nicht zu erbittern und - dadurch Verhandlungen zu erschweren. In diesem Falle war es aber nicht - richtig, den Franzosen die Seeländer gegenüber zu stellen, weil diese - vorwiegend oranisch und somit antifranzösisch gesinnt waren. - -Diese Absicht gelang. D'Estrées war nicht imstande, ein Nahgefecht -herbeizuführen oder gar die Luvstellung zu gewinnen. In seinem Bericht -machte er =du Quesne= -- seinem tüchtigsten Flaggoffizier, der die Spitze -führte -- den Vorwurf, ihn in seinen Absichten nicht unterstützt, nicht -hoch genug gesteuert zu haben; du Quesne wurde auch im nächsten Jahre -nicht verwendet, blieb aber in Colberts Gunst. Der französische Admiral -mag ein entscheidenderes Gefecht gesucht haben, denn auch er war ein -tapferer Mann, aber ihm und seiner Flotte fehlte die nötige Schulung; ein -Versuch des Durchbruchs würde den kriegstüchtigen Holländern gegenüber -auch wohl sehr ungünstig ausgefallen sein.[185] Gegen Abend brach Bankers -das Gefecht ab, steuerte seiner Flotte zu und vereinigte sich bald mit -dieser. - - [185] Mahan, Teil I, Seite 142, verweist auf einen gleichartigen - Versuch der Spanier bei St. Vincent 1797, der verhängnisvoll - wurde. - -Die Nacht trennte auch die Hauptgegner in der Schlacht zwischen 8 und 9 -Uhr abends; beide Teile behaupten, der andere habe abgebrochen. Bei den -beiderseitigen Verlusten, Beschädigungen, der Erschöpfung, dem -Munitionsmangel und der Dunkelheit war dazu Grund vorhanden. Außerdem war -besonders Ruyters Flaggschiff stark beschädigt und anderseits scheint -d'Estrées nicht so früh zur verbündeten Flotte gestoßen zu sein als -Bankers zur holländischen. - - Ruyter setzte beim Angriff seinen Kurs auf York mit den Worten: - »Steuermann, das ist unser Mann«; dieser antwortete: »Mein Herr, Ihr - sollt ihn haben.« Die »7 Provinzen« wurden auf Pistolenschußweite an - den »Royal Prince« herangeführt und beide Schiffe begrüßten sich mit - einer Breitseite. Zwei Stunden wurden weitere Breitseiten gewechselt -- - Ruyters Schiff soll an dem Tage 3500 Kugeln verschossen haben --, dann - mußte Yorks Schiff schwer beschädigt weichen und er seine Flagge auf - »St. Michael« setzen; abends war er genötigt, auf »London« überzugehen. - -- Van Nes, Vizeadmiral der Mitte, nahm das Schiff des Vizeadmirals - der feindlichen Mitte (»Royal Catherine« 80), doch wurde es bald - zurückerobert. Van Brackel, uns schon vom Medway her rühmlichst - bekannt, griff mit der »Hollandia« (60 Kanonen), einem der Schiffe der - Branderlinie, und ihrem Brander den weit stärkeren und höheren »Royal - James« (100 Kanonen, Flaggschiff Montagus) an. Lange währte der - ungleiche Kampf, bis van Ghent und 2 Brander der »Hollandia« zu Hilfe - kamen. Auch jetzt noch wehrte sich Montagu tapfer, schoß 2 Brander in - den Grund und löste die Enterhaken der »Hollandia«; van Ghent fiel. Der - dritte Brander aber setzte den »Royal James« in Flammen, und Montagu - ertrank, wie bereits erwähnt, beim Verlassen des Schiffes. Der - gerettete Kommandant klagte später, der Vizeadmiral der Nachhut habe - seinen Chef in der höchsten Not zu Luward mit einigen Schiffen - passiert, ohne Hilfe zu bringen; der Angeklagte ist einigermaßen zu - entschuldigen, er war es, der einen Teil der Nachhut mit richtigem - Blick zur Verstärkung Yorks heranführte.[186] - - [186] Weitere lesenswerte Schilderungen im »Leben Ruyters«. - -Am 8. Juni manövrierten die Flotten in Sicht voneinander, beide wollen -vergeblich die Erneuerung des Kampfes gesucht haben; am 9. ging =Ruyter -zur holländischen Küste zurück=, ohne daß die Feinde ihm folgten. - -Der =Verlust= der Engländer betrug 4 Schiffe und etwa 2500 Mann an Toten -und Verwundeten, der der Holländer 2 Schiffe und weniger Leute; der -Verlust der Franzosen war unwesentlich. Auf beiden Seiten waren viele -Schiffe schwer beschädigt, daß aber nach einem so heftigen Kampfe der -Verlust an Schiffen so viel geringer ist, als in den beiden ersten -Kriegen, kann doch wohl als ein Beweis des Fortschrittes im Schiffbau -gegen den der Artillerie angesehen werden. - -=Beide Teile schrieben sich den Sieg zu=! Die Verbündeten behaupteten -gewissermaßen das Feld; Ruyter ging zurück, da er durchaus ausbessern und -ausrüsten mußte. Er hat aber seine strategische Aufgabe gelöst, denn auch -der Feind war für längere Zeit außerstandgesetzt, sein Hauptziel, die -Unterstützung des Landkrieges durch eine Landung, zu verfolgen; dies war -gerade zu dieser Zeit eine Lebensfrage für Holland. - -$Die weiteren Ereignisse des Jahres 1672.$ Der =Landkrieg= hatte sofort -beim Beginn einen Verlauf genommen, der verhängnisvoll für die -Niederlande zu werden drohte. Ende Mai und Anfang Juni eröffneten die -feindlichen Armeen -- 120000 Franzosen, 30000 Mann von Münster und Köln --- den Feldzug. Die Hauptmacht der Franzosen unter =Turenne= und =Condé= -erschien vom Kurfürstentum Köln aus vor den Festungen der Südostgrenze, -z. B. Wesel; die spanischen Niederlande wurden vermieden und nur ein -Beobachtungskorps gegen sie aufgestellt. Die bischöflichen Truppen -griffen die Provinz Gröningen an; ein französisches Korps unter dem -Marschall von =Luxembourg= operierte zwischen beiden. In den Niederlanden -war während der 21 jährigen statthalterlosen Zeit die Armee arg -zurückgegangen: die Offizierstellen waren nach Gunst aus den regierenden -Familien besetzt, die Soldaten meist Fremde, sonst minderwertiges und -nicht geachtetes Material; die Festungen und ihre Armierung waren -vernachlässigt. Der neuernannte Generalkapitän, =Wilhelm von Oranien=, -zählte erst 21 Jahre, seine Befugnisse waren beschränkt; er fand nur ein -Heer von etwa 70000 Mann vor, von dem die Hälfte auf die vielen Festungen -verteilt war, ohne aber diesen damit eine genügende Besatzung zu geben. -So fielen denn auch in wenigen Tagen den Franzosen fast alle -Grenzfestungen in die Hände und die Bischöflichen bemächtigten sich -verschiedener Grenzstädte Gröningens. Die feindlichen Armeen drangen dann -in die Landprovinzen ein. Im Laufe des Juni besetzten die Franzosen ganz -Geldern und Utrecht, ließen vor einigen sich haltenden Festungen -Beobachtungskorps zurück und standen somit an der Grenze der Provinz -Holland. Die Bischöflichen, denen sich die Provinz Oberyssel ergeben -hatte, belagerten Gröningen, die einzige Festung der Provinz gleichen -Namens und Frieslands. Prinz Wilhelm hatte sich mit nur etwa 9000 Mann -nach Holland zurückziehen müssen, nachdem die Besatzung der sich -haltenden Städte verstärkt worden war. - -Infolge dieser schweren Schläge verbreiteten sich in den 14 Tagen nach -der Schlacht bei Solebay Schrecken und Verwirrung in den Niederlanden, -und der innere Hader wuchs. Die Partei der Regierung, namentlich in -Holland mächtig, war für schleunigen Friedensschluß und knüpfte schon -Mitte Juni Verhandlungen mit England und Frankreich an; ihre Anhänger -waren zu den größten Demütigungen bereit, um sich vor den unmittelbaren -Folgen einer Invasion und dem Emporkommen der Gegenpartei auf ihre Kosten -zu bewahren. Die oranische Partei aber wollte sich den schroffen -Forderungen der Feinde nicht unterwerfen. - - De Witts Partei war zu folgenden =Friedensbedingungen= bereit: - Abtretung aller Landstriche außerhalb der 7 Provinzen in Deutschland, - Flandern, Brabant, und Limburg; dies anzunehmen soll Turenne Ludwig - XIV. geraten haben. Ludwig XIV. verlangte aber auf Louvois' Antrieb - noch: Abtretung eines Teiles von Geldern mit wichtigen Festungen, - Zollfreiheit für französische Waren, große Vorteile für die Katholiken - in den Niederlanden, 16 Millionen Gulden Kriegskosten, eine jährliche - Deputation demütigender Art und endlich die Erfüllung der Forderungen - Englands. Diese nun bestanden in: 1 Million Lstrl. Kriegskosten, - jährlich 10000 Lstrl. für die Heringsfischerei, die Erhebung Oraniens - zum Souverän und als Pfand für die Erfüllung dieser Bedingungen die - Abtretung dreier großer Inseln an der Maas- und Scheldemündung. Trotz - der ihm zugedachten Erhebung zum Souverän war es gerade Wilhelm von - Oranien, der zur Ablehnung der Vorschläge und zum äußersten Widerstande - ermahnte. - -Von der oranischen Partei wurde der schlechte Zustand der -Landesverteidigung, wohl mit Recht, der Hinneigung der Gegenpartei zu -Frankreich zugeschrieben, der Fall der Festungen sogar dem Verrat. Der -Haupthaß fiel auf de Witt, schon am 22. Juni erfolgte ein Attentat auf -diesen, die Partei gewann immer mehr an Macht, und nun sollte gerade von -Amsterdam -- dem Hauptsitz der Gegenpartei bisher -- der Anstoß zu einer -Verteidigung des Vaterlandes auf Leben und Tod ausgehen: Muyden am -Zuidersee -- der Schlüssel zum Hafen der Stadt und wichtig für die -Beherrschung der Hauptdeiche -- war durch ein feindliches Streifkorps -genommen, der Magistrat war geneigt, zu kapitulieren, da zwang man ihn zu -energischen Verteidigungsmaßregeln und stellte 60 Bürgerkompagnien auf; -Muyden wurde wiedergenommen, die Deiche wurden durchstochen. Diesem -Beispiele folgten sämtliche Städte Hollands, und Wilhelm von Oranien -besetzte die schmalen Wege, die aus Geldern und Utrecht zwischen den -Gewässern nach Holland hineinführten, mit hinreichender Mannschaft. - -Es war der =Wendepunkt des Landkrieges=, der Invasion war eine Schranke -gesetzt. Was wäre aber die Folge gewesen, wenn in diesem Monat der Not -und Uneinigkeit die verbündete Flotte einen Angriff auf die Küsten -gemacht hätte? Hiervon blieb man durch die Schlacht bei Solebay bewahrt. - -Sonst aber hatte $die holländische Marine im Jahre 1672$ keine -Gelegenheit mehr, sich auf ihrem eigentlichen Felde hervorzutun, wenn -auch nochmals eine Landung drohte. Das Zurückgehen der Flotte nach der -Schlacht von Solebay wurde von den Gegnern der Gebrüder de Witt wieder -als eine Art von Verrat ausgelegt: man habe die Franzosen schonen wollen. -Gewiß wäre es richtig gewesen, dem Feinde zur See weiter Abbruch zu tun, -aber es war unmöglich; die Flotte bedurfte dringend der Ausbesserung und -Neuausrüstung. Nach dem Einlaufen wurde sofort hiermit begonnen, jedoch -die Ereignisse am Lande griffen hindernd ein. Man brauchte in den -Festungen die vorhandene Munition und auch Mannschaften; auch hoffte man -auf Frieden mit England, und die Franzosen allein fürchtete man zur See -nicht. So wurde am 24. Juni beschlossen, die Flotte auf 48 -Schlachtschiffe und 18 Fregatten herabzusetzen und die Besatzungen der in -Dienst bleibenden Schiffe zu vermindern. Die so frei gewordenen -Mannschaften stießen in besonderen Verbänden unter ihren bisherigen -Führern -- See- und Seesoldaten-Offizieren -- zur Armee oder bildeten die -Besatzungen kleinerer Fahrzeuge auf den Flüssen und Binnengewässern. -Schon bei Ausbruch des Krieges hatte man diese Schiffe zur Unterstützung -des Heeres in Dienst gestellt (auf Maas, Rhein und Yssel); jetzt wurde -die Zahl vermehrt, namentlich auf dem Zuidersee (auch im Dollart), weil -der Feind dessen östlichen Strand im Besitz hatte. Zu Lande und auf den -Flottillen haben die Marinemannschaften während des weiteren Krieges -wesentliche Dienste geleistet. - -=Ruyters Flotte= -- 47 Schlachtschiffe, 12 Fregatten, 20 Brander, schwach -an Munition und Besatzung -- konnte nicht daran denken, sich weit von den -Küsten zu entfernen. Der Admiral, dem von dem Prinzen völlig freie Hand -gelassen wurde, hielt sich zwischen den Sänden vor der Maasmündung (auf -der Goede-Rhede oder der Schooneveld-Rhede), die Seegatten bei Texel und -Vlieland wurden durch Fregatten und leichte Fahrzeuge gedeckt; was man an -Truppen erübrigen konnte, es war wenig, hatte man nach Texel und -Hellevoetsluis geworfen. Die =verbündete Flotte= erschien Anfang Juli, 90 -Schlachtschiffe und Fregatten stark und mit einer großen Zahl -Landungstruppen an Bord, versuchte zunächst, Ruyter herauszulocken und -zeigte sich dann vor Texel. Am 13. und vom 18-20. Juli erschienen -kleinere Fahrzeuge, das Fahrwasser untersuchend. Die Holländer mußten -hier, wo sie so schwach waren, eine Landung erwarten; Ruyter hatte -Anweisung, seine Flotte erst einzusetzen, wenn der Feind wirklich lande. -Weshalb dieser zwischen dem 13. und 20. nicht ernstlich vorging, läßt -sich nicht erkennen. Vielleicht waren die Windverhältnisse ungünstig, es -wehten scheinbar meist frische ablandige Winde; wahrscheinlicher ist es, -daß man die segelfertige Flotte Ruyters in der Flanke fürchtete und -hoffte, sie durch Scheinbewegungen zunächst herauslocken und dann -schlagen zu können. Die Überlieferung schreibt die Abwendung der Gefahr -der Vorsehung zu: Als die Verbündeten an dem zur Landung bestimmten Tage -auf die Flut warteten, habe die Ebbe 12 Stunden gelaufen. Neuere Quellen -verweisen diese Erzählung in den Bereich der Sage. Tatsächlich trat die -Vorsehung später für Holland ein. Am 21. Juli begann ein schwerer -Südweststurm, der drei Tage mit äußerster Kraft wehte und dann noch fast -drei Wochen mit nur kurzen Unterbrechungen anhielt. Die feindliche Flotte -wurde durch diesen Sturm nach Norden vertrieben und so zugerichtet, daß -sie »wie nach einem scharfen Gefecht« in englische Häfen zurückkehren -mußte. - -Das Jahr 1672 brachte weitere wichtige Ereignisse zur See nicht mehr. -Ruyter blieb in seiner Defensivstellung[187] und seitens der Verbündeten -war der Plan zu einer Landung, aus nicht bekannten Gründen, für dieses -Jahr aufgegeben. Die Franzosen gingen am 28. September von der Themse -nach Frankreich ab. Karl II. wollte sie gern in England behalten; es -wurde abgelehnt, da die Ausbesserungen dort teurer als in den heimischen -Häfen kommen würden.[188] Ein Teil der englischen Flotte machte noch den -Versuch, den lang erwarteten Convoi Ostindienfahrer auf der Doggerbank -abzufangen, man verfehlte ihn aber; Ruyter, der die Küste entlang ihm -entgegengegangen war, führte die Schiffe glücklich heim. Ende September -wurde in Holland der Winterdienst zur Bedeckung der Seegatten -eingerichtet und die Flotte sonst aufgelegt; man gab aber jetzt die -Kaperei frei. Ein geplantes Unternehmen, mit einem kleinen Geschwader -französische Häfen anzugreifen, kam nicht zur Ausführung. - - [187] Die Bewegungen Ruyters von nun an und auch schon früher in seiner - Defensivstellung fast tageweise im »Leben Ruyters«. - - [188] Nach Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 91, nur ein Vorwand. - -Wir müssen uns nun nochmals den $inneren Verhältnissen Hollands$ und dem -$Landkriege$ zuwenden. Die schimpflichen Friedensbedingungen, die die -Gegner stellten, und auch der Schaden, den die Überschwemmung hervorrief, -hatten das niederländische Volk aufs höchste erbittert. Es war -entschlossen, das, was der Feind und das Wasser noch vom Lande übrig -gelassen, aufs äußerste zu verteidigen, ja, wenn dies nicht mehr zu -halten sei, auszuwandern und in Ostindien ein neues Holland zu gründen. -Die oranische Partei gewann ganz die Herrschaft; Anfang Juli wurde -=Wilhelm von Oranien= -- zuerst in Seeland, dann in Holland, schließlich -von den Generalstaaten -- zum =Statthalter=, Generalkapitän und -Generaladmiral auf Lebenszeit ernannt. - - Der Parteihaß führte aber zu blutigen Taten. =Cornelis de Witt= wurde - eines Attentatsversuchs gegen den Statthalter angeklagt, gefoltert und - zur Verbannung verurteilt; als sein Bruder, =der Ratspensionär=, ihn im - Gefängnis besuchte, wurden beide (19. August) auf abscheuliche Weise - =ermordet=. Selbst auf Ruyter fiel der Haß eines Teiles des Volkes als - einen Freund der Brüder, obgleich er das volle Vertrauen des - Statthalters besaß. Der Pöbel wollte im September sein Haus stürmen, - nur ein in der Nähe liegendes Kriegsschiff konnte es hindern, im - Oktober versuchte sogar ein Mann, ihn zu ermorden. - -Die Friedensverhandlungen hatte man vorsichtigerweise noch längere Zeit -fortgeführt, um die nur langsam zunehmende Überschwemmung erst wirksam -werden zu lassen. Während dieser Zeit hatten sich auch sonst die -Verhältnisse im Landkriege bedeutend günstiger gestellt. Der =Große -Kurfürst= hatte schon am 6. Mai einen Vertrag mit der Republik -geschlossen, wonach er sie mit 20000 Mann unterstützen wollte. Er bewog -auch den =Kaiser= zu einem Bündnis (25. Juni) behufs Aufrechterhaltung -des Besitzstandes in Europa, wie dieser im Westfälischen, Pyrenäischen -und Aachener Frieden festgesetzt war. Im Juli rückten die -brandenburgischen und die österreichischen Truppen heran, so daß sich -=Ludwig= XIV. genötigt sah, den Prinzen von Condé mit 18000 Mann den -Österreichern im Elsaß und Turenne mit 20000 den Brandenburgern in -Westfalen entgegenzustellen. Nach dem Plane Friedrich Wilhelms sollten -sich die Brandenburger und Österreicher in Hessen-Kassel vereinigen, über -den Rhein gehen und so den Franzosen in den Rücken fallen. Aber durch den -bestochenen Minister Lobkowitz zurückgehalten, kamen die Österreicher -unter Montecuculi nur langsam heran; der Große Kurfürst allein war zu -schwach; so bezog man ohne vorherige Waffentaten später überall -Winterquartiere. - -Immerhin waren die Niederlande entlastet. Wenn auch die übrigen Franzosen -unter Luxembourg in Utrecht und Geldern zurückgeblieben waren, so kam -doch ihr Vordringen zum Stehen, ja =Oranien= konnte sich einiger Städte -wieder bemächtigen. Auch der Angriff der bischöflichen Truppen scheiterte -an dem hartnäckigen Widerstande der Festung Gröningen; mit großem Verlust -zogen sie nach 40tägiger Belagerung ab; die Provinzen Gröningen und -Friesland waren gerettet. Im Dezember 1672 machte Oranien sogar mit 30000 -Mann einen allerdings erfolglosen Vorstoß gegen die wichtige französische -Festung Charleroi. Mittlerweile hatte starker Frost die Gewässer der -Überschwemmungen mit Eisbrücken belegt. =Luxembourg= wollte diesen -Umstand und die Abwesenheit Oraniens zur Eroberung Leydens und des Haags -benützen, um sich so im Herzen der Provinz Holland festzusetzen. -Plötzlich einsetzendes Tauwetter zwang ihn aber zu eiligem Rückzuge auf -den Dämmen und nur die Feigheit eines holländischen Oberst entzog die -11000 Franzosen der völligen Vernichtung. Damit waren auch hier die -Feindseligkeiten für den Winter vorbei. - -Die Lage der Niederlande war zu Ende des Jahres weit günstiger, als man -bei Beginn des Krieges hätte erwarten können. Unter der kräftigen -Führung Wilhelms von Oranien verweigerte jetzt die Republik die Annahme -der Friedensbedingungen, $die sie selbst früher angeboten$ hatte. - - - Die Schlachten bei Schooneveld am 7. und 14. Juni 1673. - -Das Jahr 1673 brachte jedoch wieder einen Umschlag zuungunsten der -Niederlande. Die =Kriegsereignisse am Lande= begannen in Westfalen. Der -Große Kurfürst war nicht imstande, von hier aus der Republik Hilfe zu -bringen, da ihn die Österreicher ohne Unterstützung ließen und die -Niederlande die versprochenen Gelder nicht zahlten; die Macht Frankreichs -und der Bischöfe war ihm überlegen, sein Land wurde verwüstet. Er schloß -am 6. Juni mit den Franzosen einen Neutralitätsvertrag, wonach diese -seine Lande räumten und 800000 Lire zahlten, um den geschädigten -Provinzen wieder aufzuhelfen. Die Untätigkeit der Österreicher im Elsaß -hatte auch hier die Franzosen frei gemacht und Condés Armee konnte -gleichfalls zur Unterstützung Luxembourgs herangezogen werden. Die -vereinigten Streitkräfte sollten nun die Provinz Holland angreifen und -die Seestreitkräfte wiederum gleichzeitig eine Landung in dieser Provinz -oder in Seeland bewerkstelligen. Zum Angriff der Provinz Holland von -Utrecht und Geldern aus war auch eine große Zahl flachgehender, platter -Fahrzeuge auf dem Zuidersee hergestellt -- diese zeigten sich später -völlig unbrauchbar --, Oranien sah sich deshalb genötigt, mit seinem -Heere auch die ganze Ostgrenze der Provinz Holland zu besetzen und die -Abwehr einer Landung wieder nur den Seestreitkräften zu überlassen. Auch -die in Holland wohl noch gehegte Hoffnung, wenigstens mit England zum -Frieden zu kommen, erfüllte sich nicht; der englische Kanzler erklärte im -Parlament am 14. Februar mit Beziehung auf Holland: »Delenda est -Carthago.« -- - -So wurde denn am 10. März die Indienststellung von 48 tüchtigen -Kriegsschiffen, worunter 36 zu 60-80 Kanonen, 12 Fregatten und 24 -Brandern beschlossen; ein Geheimbeschluß von demselben Tage -- nach de -Jonge geheim, um auch den Feind zu einer weniger starken Rüstung zu -verleiten -- fügte noch 24 Schiffe und 12 Fregatten hinzu. - -Wieder beteiligten sich nur Holland und Seeland an dieser Rüstung; -Friesland und Gröningen waren durch den Landkrieg zu sehr mitgenommen und -noch immer vom Lande her arg bedrängt; erst vor der letzten Schlacht -dieses Krieges stellten sie einige wenige Schiffe. - -Die Indienststellung wurde möglichst beeilt, die Kaperei und die -Schiffahrt in den europäischen Gewässern aufs neue eingestellt, und -Anfang Mai waren 31 Kriegsschiffe -- darunter 4 zu 80 Kanonen, 3 zu -70-76, 9 zu 60-68 -- 12 Fregatten, 18 Brander unter Ruyters Kommando -segelfertig. Die Flotte bestand zunächst nur aus Schiffen der -holländischen Kontingente, Seeland war infolge Geldmangels noch nicht -bereit. Die =Absicht= war, wie im Vorjahre dem Auslaufen der englischen -Flotte zuvorzukommen, und im besondern =englische Häfen= durch Versenken -von großen, schwerbelasteten Fahrzeugen =zu sperren=. - -Schon am 10. Mai erschien =Ruyter= vor der Themse und sandte sofort die -Kontreadmirale van Nes und Vlugh mit 2 Schlachtschiffen, 6 Fregatten, 6 -Brandern, sowie einigen kleineren Segeln stromauf, um 8 solcher -Senkschiffe an zwei wichtigen Stellen des Fahrwassers zu versenken. -Nebeliges Wetter hinderte das Vordringen, und am 13. zeigten sich -beträchtliche englische Streitkräfte: nach Meldung hiervon zogen sich die -detachierten Admirale auf Befehl zur Flotte zurück. - -Ruyter und der Kriegsrat hatten beschlossen, das Versenken der Schiffe -aufzugeben, weil es sich angesichts des Feindes nicht mit der nötigen -Sorgfalt ausführen ließe, und mit der Flotte zur eigenen Küste -zurückzukehren, da überraschende Unternehmungen überhaupt nicht mehr -möglich erschienen. Man hatte erfahren, daß die Ausrüstung der Engländer -in der Themse und in Portsmouth zu weit vorgeschritten und dem bisherigen -Mannschaftsmangel abgeholfen sei; auch das Eintreffen der Franzosen mußte -man erwarten. - - Wohl ist es auffallend, daß die Flotte der Verbündeten nicht früher - bereit gewesen ist, um gegen die holländische Küste zur Blockade und - Landung vorzugehen, obgleich schon im Februar vom englischen Parlament - die Mittel zur Ausrüstung bewilligt waren. Die Verzögerung scheint der - Verwaltung zur Last zu fallen, die nach dem Ausscheiden des Herzogs von - York als Lordhighadmiral nicht mehr besonders sorgfältig arbeitete. Die - Franzosen sollen nicht geneigt gewesen sein, Brest zu verlassen, ehe - die englische Flotte in See wäre. Nur der Energie des neuen englischen - Oberbefehlshabers, =Prinz Rupert=, gelang es, durch Zusammenraffen - aller fertigen Streitkräfte auf der Themse wenigstens den Vorstoß - Ruyters abzuwehren. Auch hatte es der englischen Flotte an Seeleuten - gefehlt; unmittelbar vor dem Erscheinen der Holländer waren aber - verschiedene große Convois vor London eingetroffen, deren Besatzungen - nun gepreßt wurden; die bevorstehende Ankunft dieser Convois war Ruyter - unbekannt oder er hat sie verfehlt. - -Wenn die Verbündeten eine Landung unternehmen oder der Republik ihre -Hilfsquellen zur See völlig abschneiden wollten, so mußte ihre erste -Aufgabe sein, =Ruyters= Flotte zu schlagen. Dieser wußte sich, wie im -Vorjahre nach Verminderung der Flotte, zu schwach, die beiden Gegner auf -offener See zu erwarten, zumal da er sich zwischen beiden befand. In -Übereinstimmung mit dem Kriegsrat, dem Statthalter und den Generalstaaten -beschloß er wiederum, eine Defensivstellung (bei Schooneveld oder etwas -südlicher bei Ostende) einzunehmen, von hier aus den Feind zu beobachten, -Landungsversuchen entgegenzutreten und nur unter günstigen Verhältnissen -zu fechten. Er ging am 14. Mai nach =Schooneveld= zurück und führte in -der Folge diese =offensive Defensive= (vgl. Seite 323) meisterhaft durch. - -Die nach und nach verstärkte =holländische Flotte=[189] =bestand= am 7. -Juni aus: - - 52 5 9 20 8 10 - Schlacht- zu 80-82 K. 70-78 K. 60-68 K. 50-58 K. 42-48 K. - schiffen: 340-530Mann 320-420Mann 240-400Mann 230-280Mann 170-225Mann - - 12 22-36 K. 14 4-12 K. 25 2-4 K. - Fregatten: 90-160 Mann Avisojachten: 25-34 Mann Brander: 12-45 Mann - -mit im ganzen 3600 Kanonen, 18000 Mann. - - [189] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, übereinstimmend mit anderen - Quellen. - - Während der Ausrüstung erklärten sich die Admiralitäten von Holland - bereit, mehr Schiffe zu stellen als ihnen zufiel, jedoch dann schwächer - bemannt; bemerkenswerterweise lehnte Ruyter es ab und riet, - überflüssige Mannschaft an Seeland abzugeben, wo Mangel herrschte: »Er - wolle lieber weniger, aber in jeder Hinsicht tadellos ausgerüstete - Schiffe führen.« - -Die Flotte war in 3 fast gleichstarke Geschwader zu je 3 Divisionen -geteilt[190]: Vorhut Leutnantadmiral =Bankers=, Vizeadmirale Evertsen und -Star; Mitte =Ruyter= (»7 Provinzen« 82 Kanonen), Leutnantadmiral van Nes -und Vizeadmiral de Liefde: Nachhut Leutnantadmiral =Tromp= »Gouden Leeuw« -80 Kanonen), Vizeadmirale Sweers und Schram, Sweers war aber zur Zeit der -ersten Schlacht noch nicht eingetroffen; zur 3. (Nachhut-) Division eines -jeden Geschwaders trat noch ein Kontreadmiral. - - [190] Einteilung nach »Leben Ruyters« und »Vie de Tromp«. In ersterem - auch die Instruktion Ruyters über die Segelordnung bei - verschiedener Lage zum Feinde: in Luv oder Lee, über St. B. oder - B. B. Bug. -- De Jonge und (danach?) englische Quellen geben - Tromp die Vorhut; nach genannter Order war dies aber nur in - gewissen Lagen der Fall, wie denn stets der Leutnantadmiral von - Seeland, also hier Bankers, den rechten Flügel oder die - eigentliche Vorhut führte. - - =Tromp= war am 30. April wieder als Leutnantadmiral von Amsterdam - angestellt. Wilhelm von Oranien hielt viel von ihm als treuem Anhänger - seiner Partei, wie es schon sein Vater gewesen. Der Prinz hatte jedoch - vorher dringend eine Versöhnung mit Ruyter verlangt und diese in seiner - Gegenwart herbeigeführt. Die Ernennung Ruyters zum - Leutnantadmiralgeneral war wohl gerade auch deshalb mit erfolgt, um - ferneren Streitigkeiten mit Tromp vorzubeugen. Die beiden tüchtigen - Admirale haben sich auch in Zukunft vertragen. - -Die =Flotte der Verbündeten= hatte sich Ende Mai bei Wight vereinigt; am -29. Mai wurde sie von Karl II. und York besucht. - -Sie bestand aus etwa[191] 81 Schlachtschiffen, 11 Fregatten und 34 (42?) -Brandern. - - [191] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, und Clowes, Teil II, Seite - 310. Genaue Angaben über England sind nicht vorhanden; die - französischen Schiffe mit Namen, Kommandanten und Kanonen in Jal: - »du Quesne«, Teil II, Seite 48, dort auch die »Namen« der - englischen Schiffe. - - =England= stellte 54(?) Schlachtschiffe, darunter 3 mit über 100 - Kanonen, 4 mit 90, 16 mit 60-80, 9(?) mit 50-58 Kanonen; 8 Fregatten; - 24 Brander. - - =Das französische Geschwader= zählte 27 Schlachtschiffe, eins mit 100 - die übrigen mit 50-70 Kanonen, 3 Fregatten und 10 (18?) Brander. - -Die englischen Schiffe führten eine große Zahl Soldaten für die Landung -an Bord, 6000 Mann standen in Yarmouth zum Einschiffen bereit. Die -Gesamtflotte war eingeteilt: Vorhut =Prinz Rupert=[192] (»Royal Charles« -100 Kanonen), Vizeadmiral Harman, Kontreadmiral Chichely; Mitte =Comte -d'Estrées= (»Reine« 104 Kanonen), Vizeadmiral des Ardens (»Terrible« 70 -Kanonen), Kontreadmiral de Grancey (»Orgueilleux« 70 Kanonen), (Ardens -und Grancey waren dem Range nach Chefs d'Escadre); Nachhut =Admiral -Spragge=, Vizeadmiral Kempthorne, Kontreadmiral Butler. - - [192] Angaben über Prinz Rupert Seite 264. - - Obgleich Rupert den Oberbefehl hatte -- sein Geschwader führte auch die - rote Flagge -- nahm er doch die Vorhut und ließ d'Estrées -- Geschwader - mit der weißen Flagge --, die Mitte. Nach den englischen und den - holländischen Quellen soll es geschehen sein, um die Franzosen zwischen - den beiden englischen Geschwadern zu haben, da man ihnen nach den - Erfahrungen im Vorjahre nicht traute. Die neuesten englischen Autoren, - wie z. B. Clowes, nehmen sogar als feststehend an, daß in der Schlacht - am 7. Juni die Division des Ardens in das rote, die Division de Grancey - in das blaue Geschwader und dafür englische Divisionen in die Mitte - eingestellt seien; Angaben im »Leben Ruyters« scheinen dies zu - bestätigen. Die französischen Quellen aber wissen hiervon nichts; daß - die Franzosen in die Mitte genommen wurden, geben sie zu; einige von - ihnen führen auch als Grund das Mißtrauen der Engländer an. - -Die $erste Schlacht bei Schooneveld$, 7. Juni 1673. Am 1. Juni hatte -=Ruyter= zur Übung mit seiner Flotte taktische Bewegungen gemacht und war -mittags außerhalb der Sände zu Anker gegangen; abends meldeten die -Vorposten das Nahen der Verbündeten. Auch diese ankerten, weil es schon -zu spät war, um etwas zu unternehmen. Am folgenden Tage gingen zwar beide -Flotten unter Segel, es kam aber wegen flauen Windes nicht zur -Annäherung, und vom 3. bis zum 6. hinderte stürmisches Wetter weitere -Unternehmungen; den 6. benützten beide Flotten, ihre Ankerordnung wieder -herzustellen, weil viele Schiffe vertrieben waren. Am =7. Juni= lichteten -die Verbündeten vormittags Anker und kamen in Halbmondform (Dwarslinie?) -heran. Ruyter hatte den Angriff für diesen Tag erwartet und »kurz Stag« -hieven lassen,[193] um zum Gegenstoß im geeigneten Augenblick bereit zu -sein. - - [193] Die Ankerkette so weit einwinden, daß der Anker nur eben noch - hält. - -[Illustration: Prinz Rupert.] - -Die Nachrichten über diese Schlacht -- geschlagen an einem holländischen -Bußtage und am Jahrestage von Solebay -- sind mangelhaft; ihr -wahrscheinlicher Verlauf sei kurz geschildert.[194] - - [194] Die beste ältere Beschreibung im »Leben Ruyters«, die beste - neuere bei de Jonge, Teil II. - - Die Küste erstreckt sich Nordost-Südwest; der Wind war westlich, also - günstig zum An- und Abstehen. =Rupert= rechnete, entweder den Feind zum - Fechten von der Küste abzulocken, oder ihn zum Rückzug zwischen die - Sände bewegen und dabei dann mit Brandern angreifen zu können. Zu - diesen Zwecken zweigte er von allen Geschwadern 35 kleinere - Schlachtschiffe und Fregatten mit 10 Brandern ab, die vor seiner - Schlachtlinie auf den Feind zuliefen und auf große Entfernung das Feuer - eröffneten (dies erinnert sehr an Ruyter bei Solebay). - Auffallenderweise waren diese vorausgesandten Schiffe keinem - gemeinsamen Oberbefehl unterstellt; sie kamen in Unordnung heran und - gingen in noch größerer auf ihre Flotte -- jedes Schiff nach dem ihm - zunächst befindlichen Geschwader -- zurück, als =Ruyter= ihnen in - voller Ordnung entgegentrat. Infolgedessen und auch wohl infolge - längerer Fahrt in schwer zu haltender Dwarslinie war die englische - Flotte nicht gut ausgerichtet, als gegen 1 Uhr mittags der holländische - Angriff erfolgte. =Tromp= auf dem rechten, nördlichen Flügel stieß - zuerst mit Rupert zusammen; beide Gegner gingen über Steuerbord-Bug an - den Wind und es entspann sich ein heftiges Gefecht dieser Geschwader. - Auch Ruyter ging mit Mitte und Nachhut (jetzt =Bankers=) an den Wind, - um mit Tromp aufgeschlossen zu bleiben; das Gefecht wurde allgemein. Um - 2 Uhr gab Ruyter durch Signal den Befehl zum Wenden, er wollte seinem - Hauptplane entsprechend den Kampf in der Nähe der Küste halten. - - =Tromp= wendete nicht, obgleich er den Befehl sogar noch durch eine - Jacht erhielt. Er hatte sich wohl wieder festgebissen, bei seinem - ehrgeizigen Charakter diesmal um so erklärlicher, da sein Gegner das - englische Geschwader unter Rupert war. In dem Kampf der Hauptflotte - durchbrachen Ruyter und Bankers die feindliche Linie; Ruyter brachte - dadurch große Verwirrung in das Geschwader d'=Estrées=', Bankers jedoch - war dem englischen Geschwader gegenüber weniger glücklich, sein - Flaggschiff ward schwer beschädigt und seine Ordnung ging verloren. - Ruyter nutzte deshalb seinen Erfolg nicht aus, sondern entsetzte - Bankers und stellte zunächst die Ordnung wieder her. Auch dann nutzte - er hier die günstige Lage des Gefechts nicht aus -- verschiedene - feindliche Schiffe waren abgeschnitten, der größere Teil der Feinde - stand in Lee -- sondern er führte die wiedervereinigte Mitte und - Nachhut Tromp zu Hilfe (etwa 6 Uhr). Er sagte: »Das Wichtigste zuerst; - es ist besser, dem Freunde zu helfen, als dem Feinde zu schaden.« - Tromps Geschwader war arg mitgenommen. Der Admiral selbst hatte zweimal - sein Flaggschiff wechseln müssen, nach der Schlacht mußte er nochmals - auf ein anderes übergehen; sein Vizeadmiral Schramm war gefallen. - Gerade zu rechter Zeit kam Ruyter heran, so daß Tromp ausrief: »Kinder, - da kommt unser Großvater (so wurde Ruyter von den Leuten genannt), uns - zu helfen! Ich werde ihn auch nie verlassen, so lange ich lebe!« - - Nach der Vereinigung mit Tromp wendete Ruyter mit der ganzen Flotte - wieder nach Südwesten. Die Verbündeten folgten; sie scheinen aber, - obgleich zu Luward stehend, den Nahkampf nicht mehr gesucht zu haben; - die Dunkelheit trennte gegen 10 Uhr die Gegner. Ruyter ankerte etwa auf - der Stelle, wo der Kampf begonnen hatte, die Verbündeten standen einige - Seemeilen nach Norden hin von der Küste ab und gingen dann auch zu - Anker. - -Die =Schlacht= wurde bis in die neueste Zeit meist »=unentschieden=« -genannt, beide Teile schrieben sich den Sieg zu. An Schiffen haben, außer -Brandern, scheinbar nur die Franzosen 2, die Holländer 1 (nach der -Schlacht gesunken) verloren; die Beschädigungen waren etwa gleich; -genommen wurde kein Schiff. Der Mannschaftsverlust ist unbekannt, der -englische soll infolge der Überbemannung mit Landsoldaten der weit -größere gewesen sein. Die Verbündeten rühmten sich, den Feind zum -Rückzuge gezwungen zu haben, aber die neueren Autoren auch dieser Länder -erkennen den =Erfolg Ruyters= an: Er hat einen überlegenen Feind -angegriffen und ihm gleiche Verluste zugefügt; er hat für den Augenblick -den Hauptzweck des Gegners vereitelt. Auch hat er sich keineswegs zu -seinem Schutz zwischen die Sände zurückgezogen, sondern ist kampfbereit -in See geblieben; daß er wieder auf seinem alten Platze ankerte, aber -doch einige Seemeilen weiter seewärts, lag in seinem Hauptplane. Die -Verbündeten haben seinen »Rückzug« nicht gehindert und auch in den -nächsten Tagen nichts unternommen. - - Das Benehmen der Franzosen in dieser Schlacht wurde von den Engländern - als vorwurfsfrei anerkannt. Nur die Verwendung der Brander ihrerseits - tadelte man; Sie hätten zu früh mit mehr Mut als Überlegung - angegriffen, ehe feindliche Schiffe genügend niedergekämpft oder doch - bewegungslos gemacht seien. - -$Die zweite Schlacht bei Schooneveld, 14. Juni 1673.$ Beide Gegner -besserten auf ihren Ankerplätzen aus. Die Holländer waren dabei im -Vorteil; sie konnten Material vom Lande beziehen, die Verwundeten von -Bord geben, Munition und Mannschaften ergänzen. Auch stießen an Stelle -des verlorenen und zweier sehr beschädigten Schiffe (zu 60, 50 und 40 -Kanonen) zwei Schlachtschiffe 1. Klasse (zu 84 und 82 Kanonen, eins davon -mit Admiral Sweers, Geschwader Tromp), einige Fregatten und Brander zur -Flotte, so daß diese fast genau die alte Stärke wieder hatte. Durch -beständig am Feinde gehaltene Aufklärer erfuhr Ruyter, daß dem Gegner -etwa 30 Segel fehlten, meist kleinere Kriegsschiffe und Brander, die zur -Ausbesserung nach Haus gesandt oder verbraucht waren. Ferner waren die -Holländer, dicht unter der Küste, kaum einem Angriff ausgesetzt und -konnten mit Ruhe arbeiten und sich erholen, während die Verbündeten Tag -und Nacht auf einen Angriff gefaßt sein mußten. Die Aussichten der -Holländer standen also jetzt in allem günstiger als bei der ersten -Schlacht und =Ruyter= beschloß, je eher je besser anzugreifen. Der 14. -Juni wurde dazu angesetzt, falls die Windverhältnisse günstig; die Flotte -war schon am 12. bereit, man mußte aber die Zustimmung angekündigter -Staatendeputierter haben. Diese trafen rechtzeitig ein, und am -festgesetzten Tage um 11 Uhr vorm. ging Ruyter bei frischem östlichen -Winde unter Segel. Die Berichte über =diese Schlacht= sind nicht nur -mangelhaft, sondern auch widersprechend; am wahrscheinlichsten scheint -mir folgender =Verlauf=:[195] - - [195] Schilderung nach Vergleich von: »Leben Ruyters«; de Jonge, - Teil I; Clowes, Teil II; Jal: »du Quesne«. - - Die Verbündeten wurden teilweise durch den Angriff überrascht. Rupert - war zwar auf ihn gefaßt; da der Wind am 13. abends östlich geworden - war, hatte er Vorbereitungen zum schnellen Untersegelgehen getroffen - und war selbst die Nacht über aufgeblieben. Admiral Spragge war - lässiger und begab sich sogar am 14. früh mit seinem Kontreadmiral an - Bord des Flottenflaggschiffes; hier verweilte er zu lange oder konnte - nicht schnell genug zurückkommen, als die Holländer erschienen. - - Die Küste läuft Nordost-Südwest; der Wind war steif aus Ost, später - Nordost; die Verbündeten lagen in Nordwesten der Holländer, das blaue - Geschwader (Spragge) am meisten zu Luward. Rupert hatte jetzt mit dem - roten Geschwader die Mitte übernommen; ob dieses Mal Engländer und - Franzosen in den Geschwadern gemischt waren, ist unsicher. Die - holländische Flotte kam in guter Ordnung heran, Tromps Geschwader - führte. =Rupert= gab Befehl, Anker zu lichten und über Backbord-Bug die - Linie zu bilden. Das rote und das weiße Geschwader führten den Befehl - schnell aus; das blaue, das auf seine Flaggoffiziere wartete, - verzögerte sich. Die Holländer sagen, die Gegner schienen zuerst den - Kampf haben aufnehmen zu wollen, dann aber hätten sie nach Nordwesten - abgehalten. Es ist also anzunehmen, daß Rupert zuerst über Backbord - beim Winde steuerte, entweder, um die Luvstellung zu gewinnen - (holländische Quellen) oder um das noch ungeordnete blaue Geschwader zu - decken (französische Quellen). Das erstere mißlang, da Tromp sofort - auch hoch beim Winde steuerte, die Deckung wurde unnötig, weil Spragge - sich noch rechtzeitig -- wenn auch in Unordnung, es sollen Teile des - blauen Geschwaders in die beiden anderen versprengt sein (französische - Quellen) -- auf seinen Platz vor dem roten Geschwader begab. Nun hielt - Rupert ab, um den Feind von der Küste abzuziehen (englische Quellen). - - Die Holländer folgten, das Feuer wurde auf weite Entfernungen eröffnet, - aber erst zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kam es zum ernsteren Kampf; - sei es, daß Rupert sich jetzt weit genug von der Küste glaubte, sei es, - daß Tromp das blaue Geschwader eingeholt hatte und Rupert nun genötigt - war, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. Es ist klar, daß Tromp - dem Gegner am nächsten sein mußte, und Spragge stand wohl auch noch - immer etwas zurück. Jedenfalls kam um diese Zeit die Spitze Tromps mit - Spragge ins Gefecht; aufeinanderfolgend griff Tromp selbst ein, Ruyter - stieß mit Rupert und Bankers mit d'Estrées zusammen. - - Vizeadmiral Sweers, der Führer der ersten Division Tromps, war mit - seinem Flaggschiff (»Weißer Elephant«, 82 Kanonen) und 3 Fregatten - vorgelaufen. Er kam zuerst an den Feind und wurde so zugerichtet, daß - er bald darauf das Gefecht verlassen mußte. Tromp legte dies als Mangel - an Tapferkeit aus, eine Untersuchung ergab aber die schweren Verluste - und Beschädigungen des »Elephant« und Oranien legte den Streit bei. - - Es entspann sich nun ein laufendes Gefecht über Backbord-Bug, das - jedoch nur auf mittlere Entfernungen geführt wurde, so daß die wirksame - Verwendung der Brander ausgeschlossen war; auch der schon begonnene - Nahkampf der Vorhuten wurde infolge schwerer Beschädigungen der - Takelage auf Tromps Flaggschiff wieder getrennt. Schon der englischen - Küste nahe, wendete Ruyter nach sechsstündigem Feuergefecht bei - Eintritt der Dunkelheit (10 Uhr) mit seiner ganzen Flotte und ging - unter kleinen Segeln auf seinen Ankerplatz zurück, den er am nächsten - Nachmittage unbelästigt erreichte. - -Auch diese =Schlacht= galt als =unentschieden=. Auf keiner Seite war ein -Schiff verloren. Der Mannschaftsverlust war nicht so schwer als in der -ersten und scheint bei den Gegnern etwa gleich gewesen zu sein; bei den -Holländern betrug er nur 216 Tote und 285 Verwundete.[196] Zum Nahgefecht -war es im allgemeinen nicht gekommen. Die Holländer wollen stets den -Nahkampf erstrebt und insbesondere soll Ruyter versucht haben, in das -rote Geschwader einzubrechen. Die Gegner jedoch sollen jeden Versuch -durch Abhalten vereitelt haben; als die Gelegenheit sich endlich bot, -wäre es zu dunkel gewesen. Nach französischen Angaben habe Ruyter -überhaupt nur die Absicht gehabt, den Feind für längere Zeit aus dem -Felde zu schlagen und ihn zu nötigen, infolge Munitionsverbrauchs und -Beschädigungen seiner Schiffe die eigenen Häfen aufzusuchen, ohne dabei -im Gefecht die holländische Flotte großen Verlusten auszusetzen. -Allerdings scheint Rupert dem Nahkampf ausgewichen zu sein, obgleich er -den Vorteil hatte, daß die Holländer vielfach ihre untersten Batterien -nicht gebrauchen konnten. Der schlechte Zustand seiner Schiffe, die -vielen Verwundeten von der ersten Schlacht an Bord und das Bestreben, den -Feind von der Küste abzuziehen, erklären dies wohl. Es wird aber auch -auf den Geist in seiner Flotte geschoben, nämlich: Mißstimmung zwischen -Engländern und Franzosen -- vom Lobe der Franzosen englischerseits hört -man dieses Mal nichts; d'Estrées klagt über Mangel an Unterstützung und -mißbilligt in der Folge verschiedene Maßnahmen Ruperts -- sowie -Opposition mancher englischen Offiziere, die der katholischen Hofpartei -angehörten, gegen Rupert; schon vor dieser zweiten Schlacht waren Stimmen -laut geworden, zur Ausbesserung und Ausrüstung nach England zu gehen; am -15., als der Prinz nochmals fechten wollte, drang diese Ansicht im -Kriegsrate durch. - - [196] Nach holländischen Angaben betrug in =beiden Schlachten= der - =Verlust= der Engländer 3000 Tote und Verwundete, bei den - Holländern kaum die Hälfte, bei den Franzosen (französische - Angabe) 500 Mann. - -Ruyter brach das Gefecht ab und ging auf den alten Ankerplatz, die -Verbündeten liefen in die Themse ein. Wiederum behaupten diese, den -Gegner zum Rückzug gezwungen zu haben, aber =der Erfolg spricht= dieses -Mal doch noch mehr =für Ruyter=. Von einem gezwungenen Rückzuge kann -nicht die Rede sein. Er brach ab, weil es Nacht wurde und sich der Kampf -zu weit von seinem Stützpunkte entfernt hatte. Er ging mit »kleinen -Segeln« zurück, zur Fortsetzung des Kampfes am nächsten Tage bereit, und -ist nicht verfolgt worden. Zwar scheinen die Verbündeten »nach einigen -Stunden« auch gewendet zu haben, sie gingen aber am nächsten Tage nach -England, ohne etwas zu unternehmen; am 15. sind sie von den Holländern -nicht mehr gesichtet worden. Seinen strategischen Zweck hatte Ruyter in -noch höherem Maße als in der ersten Schlacht erreicht; wir werden gleich -sehen, daß die Verbündeten für sechs Wochen die See ganz frei gaben, -während die Holländer bald wieder weitere Unternehmungen ins Auge fassen -konnten. - - De Jonge führt an, nach Privatbriefen (z. B. Tromps) sei die - holländische Flotte nach der Schlacht wegen Mangels an Munition auch - nicht schlagfertig gewesen. Dieser Zustand sei aber von den Behörden - geheim gehalten worden; ihm wurde auch nach Möglichkeit schnell - abgeholfen. - -$Die Schlacht bei Texel. 21. August 1673.$ (In Holland auch Schlacht bei -Kijkduin genannt.) Während Ruyter bei Schooneveld ausbesserte, ergänzte -und nach und nach nicht unwesentlich durch neue Schiffe verstärkt wurde, -hielt er beständig leichte Schiffe an der englischen Küste; am 19. Juni -sandte er sogar ein Geschwader von 12 Kriegsschiffen und Fregatten, 2 -Brandern und 4 Jachten unter Kontreadmiral den Haen zu einer, wenn nötig -gewaltsamen, Erkundung ab. Den Haen trieb feindliche Vorposten in die -Themse zurück und meldete am 25., daß die verbündeten Flotten eifrig -ausrüstend zwischen Queensborough und Gravesend lägen, und daß große -Truppenkörper zur Einschiffung zusammengezogen würden. - - Clowes sagt, die Franzosen seien im Juni nach Brest gegangen und hätten - sich erst Mitte Juli wieder mit den Engländern vereinigt. Alle anderen - Quellen erwähnen dies nicht, so auch nicht die sonst so genauen alten - Holländer, die stets nur von »den königlichen Flotten« in der Themse - sprechen. Ein Gegenbeweis dürfte auch zu finden sein in Jal: »du - Quesne«, wo vermerkt ist, daß Generalleutnant Martel -- vom Mittelmeer - gekommen -- am 18. Juni Brest verläßt, um mit einigen Schiffen zu - d'Estrées zu stoßen, am 25. an die englische Küste kommt, Dover anläuft - und endlich bei beständigem Gegenwinde die »vereinigte« Flotte in der - Themse trifft. Auch die Operationen der holländischen Flotte lassen - vermuten, daß die Franzosen in England geblieben sind. - -=Ruyter= glaubte nicht, daß der Feind schon bald wieder bereit würde, die -Zukunft sollte ihm recht geben. Seine Flotte war Ende Juni seeklar, und -Kriegsrat wie Deputierte beschlossen, an die englische Küste zu gehen, um -dort möglichst viel Schaden anzurichten, vor allem aber um dem Feinde und -ganz Europa zu zeigen, daß man nicht in die Häfen oder zwischen die -Sandbänke getrieben sei -- wie die Verbündeten ausgesprengt hatten --, -sondern die See beherrsche. Es wurde sogar in Erwägung gezogen, sich -eines französischen Hafens zu bemächtigen, um die Franzosen vom -Landkriege abzuziehen, besonders von der Belagerung Maastrichts, doch kam -die Sache vorläufig nicht zum Beschluß und auch nicht wieder zur Sprache; -Maastricht fiel am 10. Juli. Am 3. Juli ging Ruyter in See, kreuzte etwa -10 Tage vor der Themse, trieb feindliche Vorposten den Fluß hinauf, -kehrte aber dann nach der eigenen Küste zurück, weil sich eine -ansteckende Krankheit schnell auf seinen Schiffen verbreitete; sie war -zuerst unter den Leuten ausgebrochen, die im vorhergegangenen Winter zum -Dienst am Lande und auf den Binnengewässern herangezogen und schweren -Strapazen ausgesetzt gewesen waren. Er schiffte die Kranken aus, ersetzte -sie nach Möglichkeit und hielt sich wieder in der Nähe Walcherens, um -leichte Verbindung mit dem Lande zu haben und um bei den vorherrschend -westlichen Winden zu Luward der ganzen holländischen Küste und der -Themsemündung zu stehen, weil er die Nachricht erhalten hatte, die -Verbündeten würden etwa am 24. Juli seeklar sein; am 28. meldeten dann -auch Aufklärer, daß sie am Tage zuvor das Auslaufen beobachtet und bis -zum Abend etwa 130 Segel gezählt hätten. - -So lange hatte man gebraucht, die englische Flotte schlagfertig zu -machen. Wiederum soll der Grund in dem mangelhaften Arbeiten der -Verwaltung gelegen haben; es machte aber auch besondere Schwierigkeit, -Mannschaften zu erlangen, die Volksstimmung wurde mehr und mehr einem -Kriege gegen Holland und dem Bündnisse mit Frankreich abgeneigt; das -Pressen brachte minderwertiges Personal, nur wenige gute und -kriegserfahrene Seeleute. - -=Die Flotten der Gegner= waren stärker als bei den vorhergegangenen -Schlachten des Jahres 1673, sie bestanden aus:[197] - - England: 60-62 Schlachtschiffen und Fregatten } - Frankreich: 28-30 " " " } 28 Brandern - ----------------------------------------- - Verbündete: 90 " " " 28 " - 20-25 Transportern und kleineren Fahrzeugen - - Holland: 75 " " " 22 " 18 Jachten. - - [197] Nach de Jonge, Teil II, Beilage VII. - -Die Klassen entsprachen dabei den früheren Verhältnissen, es waren aber -jetzt 6 englische Schiffe über 90 Kanonen und 6 holländische über 80 -Kanonen darunter. - -Wieder waren auf der englischen Flotte etwa 7000 Mann Landungstruppen -eingeschifft und trotz der schlechten Erfahrung im Juni auch wieder auf -den Schlachtschiffen. 30000 Mann standen in England, besonders an der -Themse, zum Einschiffen bereit und in Frankreich war gleichfalls ein -Landungskorps aufgestellt. Die Geschwader und Divisionen wurden von -denselben Flaggoffizieren wie im Juni geführt, nur war auf holländischer -Seite Kontreadmiral den Haen an Stelle des gefallenen Vizeadmirals -Schramm getreten und eine Division des französischen Geschwaders hatte -der Generalleutnant de Martel übernommen -- wie du Quesne ein alter, sehr -tüchtiger Seeoffizier -- die dritte behielt der Chef d'Escadre des -Ardens. Das französische Geschwader bildete die Vorhut der Verbündeten, -auf ausdrückliches Verlangen Ludwigs XIV. wie man sagt, auch focht es -dieses Mal jedenfalls »unvermischt«. - -Das nächste Zusammentreffen der Gegner sollte entscheidend für den Krieg -werden, aber drei Wochen vergingen, ehe es stattfand. Ruyter ging am 29. -Juli unter Segel, hielt sich in der Nähe der Küste und bekam den Feind am -30. abends in Sicht. Am 31. Juli und 1. August manövrierten die Flotten -in Sicht voneinander, die Verbündeten waren bestrebt, den Gegner von der -Küste abzuziehen. =Ruyter= aber hatte neue Nachrichten erhalten, daß in -der Themse Kauffahrteischiffe zusammengezogen würden, und nahm an, daß -Rupert ihn verlocken wolle, in den Kanal hinein zu folgen, damit dann in -seiner Abwesenheit die Truppen von der Themse aus nach Holland -hinübergeworfen werden könnten; er ging deshalb getreu seinem alten Plan -=nach Schooneveld= zurück und der Feind kam am 1. August abends aus -Sicht. - -=Die verbündete Flotte= zeigte sich nun am 2. vor der Maasmündung, am 3. -vor Scheveningen, am 4. vor Egmond, Helder und Texel, zuweilen leichte -Schiffe nahe unter Land sendend. Die ganze Küste war alarmiert. Der -Strand wurde durch Bürgerkompagnien der naheliegenden Städte besetzt, -aber auch reguläre Truppen und Geschütze wurden herangezogen; ein -berittener Meldedienst und ein Signalsystem wurden längs der Küste -organisiert, um die ernste Bedrohung eines bestimmten Punktes -weitermelden zu können. Am 4. August erschien der Prinz von Oranien von -der Feldarmee selbst im Haag. Auch die Flotte wurde näher herangezogen; -sie ankerte am 8. bei Scheveningen, und hier bat Ruyter um nähere Order. -Seine bisherige, »den Feind anzugreifen, falls es zum Vorteil des Landes -wäre,« erschien ihm zu unbestimmt, der Übermacht des Feindes gegenüber -war ihm die Verantwortung zu groß. Schon die Nähe seiner Flotte hatte ja -bisher ernste Unternehmungen des Feindes gehindert; die Gefahr einer -Landung war wesentlich abgeschwächt, weil man Zeit gehabt hatte, die -bedrohten Punkte zu besetzen. Ruyter lag mithin wohl der Gedanke am -nächsten, weiter in seiner abwartenden Stellung zu bleiben und seine -Flotte nur im dringendsten Falle einzusetzen. - -Aber Holland drohte noch eine andere Gefahr. Man erwartete die Heimkehr -des großen ostindischen Convois durch die Nordsee zu jeder Stunde, und -der Feind stand zwischen der eigenen Flotte und den dem Convoi -nächstliegenden Häfen; das glückliche Einlaufen der Handelsschiffe sollte -neue Mittel zur Weiterführung des Krieges liefern. Der Kriegsrat der -Flotte sah wohl ein, daß dieser Umstand dafür spräche, alles zu -versuchen, um den Feind von der Küste zu vertreiben. Die Generalstaaten -traten gleichfalls hierfür bei dem Prinzen ein und ersuchten ihn, die -schwachen Besatzungen der Schiffe durch ein Regiment Seesoldaten, das am -Lande wohl für kurze Zeit zu einem entscheidenden Schlage auf See zu -entbehren sei, zu verstärken. - -Beratungen am Lande und auf der Flotte[198] -- Oranien begab sich selbst -am 12. August, stürmisch begrüßt, auf Ruyters Flaggschiff -- führten -endlich zu dem Beschluß, den Feind zur See je eher je besser anzugreifen, -um die Küste freizumachen. Wieder sah das ganze niederländische Volk auf -die Flotte als letzte Rettung; in allen Städten wurden tägliche -Betstunden für den glücklichen Ausgang der bevorstehenden Seeschlacht -abgehalten und man ordnete an, zum allgemeinen Gottesdienst zu läuten, -sobald der Donner der Kanonen den Kampf der Flotte verkünde. - - [198] Die schriftlichen und mündlichen Verhandlungen, Erlasse und - Ansprachen an die Flotte sowie die Bewegungen dieser bis zur - Schlacht genau im »Leben Ruyters«. - -Am 13. August ging =Ruyter= unter Segel, um den Feind zu suchen, der -unter Texel oder Vlieland liegen sollte. Die Windverhältnisse -- sowohl -Stille wie Sturm und im allgemeinen stets Gegenwinde -- ließen nur -geringen Fortschritt machen, da Ruyter sehr vorsichtig segelte: er war -stets bestrebt, nahe der Küste zu bleiben, Beschädigungen zu vermeiden -und seine Flotte gut beieinander und in Formation zu halten; mußte er -doch bei dem für den Feind günstigen Winde jederzeit auf einen Angriff -gefaßt sein. - -Erst am 18. ankerte der Admiral wegen frischen Gegenwindes etwa 15 sm. -südlich von Helder, zwischen Petten und Camperduin, und blieb hier, -besseres Wetter abwartend, am 19. liegen; seine Vorposten hatten den -Feind nördlich von Texel, gleichfalls vor Anker liegend, gesichtet. In -diesen Tagen fingen die Franzosen einen Ostindienfahrer ab, der dem -Convoi vorgelaufen war. - -$Der Verlauf der Schlacht.$[199] Am 20. August lichtete =Ruyter= Anker -und steuerte bei flauem östlichen Winde Nordnordost. Um 10 Uhr vormittags -kam der Feind nördlich voraus in Sicht und hielt mit Kurs Südsüdost auf -die Holländer zu, bestrebt, die Luvstellung zu halten oder zu gewinnen. -Die Angaben über die Windverhältnisse dieses Tages sind nicht sicher; die -alten und neuen Holländer sprechen nur von östlichem Winde, die neueren -Engländer und Franzosen sagen, der Wind sei im Laufe des Tages nach -Nordwest gegangen. Es ist dies ohne Bedeutung, der Wind scheint sehr flau -gewesen zu sein, da die Schiffe zuweilen nur mit dem Strom trieben; nur -bei flauem Winde auch konnte Ruyter so manövrieren, wie er tat. - - [199] Schilderung nach Vergleich der Quellen Seite 339; besonders Jal: - »du Quesne«, hinzu tritt Mahan, Teil I. - -Es kam an diesem Tage noch nicht zur Schlacht: Ruyter hielt zurück, weil -einige Schiffe nicht auf Position waren; die Verbündeten, die nach -übereinstimmenden Aussagen zwar den ganzen Tag die Luvstellung hatten, -griffen nicht an, weil sich der Gegner stets nahe unter der Küste hielt. -Ruyter wendete am Nachmittag wieder nach Süden, führte unter sorgfältigem -Loten seine Flotte bis ganz dicht an den Strand heran und hielt dann nach -Mitternacht wieder ab. Die Gegner folgten allen Bewegungen, aber stets in -vorsichtig bemessener Entfernung von der Küste. =Ruyters= Manöver nun, -gestützt auf seine Kenntnis des Fahrwassers und den geringeren Tiefgang -seiner Schiffe sowie auf richtige Beurteilung der Wind- und -Stromverhältnisse, hatten den Erfolg, daß er am Morgen des 21., als der -Wind aus Ostsüdost auffrischte, zu Luward des Gegners stand -- nur 2 -Seemeilen von Land (zwischen Petten und Camperduin), so daß der Seeraum -des Feindes nach Luward hin beschränkt war; er =hatte seinen Gegner= in -der Dunkelheit =ausmanövriert=. - -Als die Holländer jetzt mit vollen Segeln zum Angriff herankamen, -wendeten die Verbündeten und erwarteten sie über Steuerbord-Bug beim -Winde. Ruyter steuerte zunächst etwas nach Norden, wendete dann -geschwaderweise, hielt kühn auf den Feind ab und legte sich ihm querab -über St. B. Bug. Geschwader stand gegen Geschwader: Bankers gegen -d'Estrées, Ruyter gegen Rupert, Tromp gegen Spragge; die Mitten und die -Nachhuten der Gegner waren sich ziemlich gleich, Bankers jedoch war -wesentlich schwächer als d'Estrées. - - Die allgemeinere Annahme geht nämlich dahin, daß an diesem Tage auf - Anordnung Ruyters das Geschwader Bankers nur aus 10 oder 12 Schiffen - bestand, die beiden andern holländischen aus je 32 oder 33. Auf diese - Weise war die Übermacht der Verbündeten bei Mitte und Nachhut - ausgeglichen, während den 30 Franzosen eben nur 10 oder 12 Schiffe - gegenüberstanden; Ruyter soll die Absicht gehabt haben, diesen Gegner - nur zu beschäftigen. Nehmen wir dies vorläufig als zutreffend an. - -Infolge der verschiedenen Art, mit der die Geschwaderchefs der -Verbündeten den Angriff aufnahmen, entwickelten sich in dem =ersten -Abschnitt der Schlacht drei getrennte Gefechte=: - -D'=Estrées= steuerte hoch am Winde, um die Luvstellung zu gewinnen oder -doch die Spitze des Feindes von Luward her zu dublieren -- wie er später -sagt, auf Anordnung Ruperts; =Rupert= hielt während des Gefechtes -beständig ab, um den Feind von der Küste abzuziehen, damit dieser sich -bei etwa umspringendem Winde nicht wieder ihres Schutzes bedienen könne; -=Spragge= drehte bei, um möglichst schnell zum Kampf auf nächste -Entfernungen zu kommen -- er soll aus irgend einem Grunde persönlichen -Haß auf Tromp gehabt haben und hatte seinem König versprochen, jenen tot -oder lebendig zurückzubringen oder das eigene Leben zu lassen. Diese -Gegner trieben natürlich schnell nach Lee (Lage 1 der Skizze). So mußten -sich die Einzelgefechte der Geschwader bald voneinander örtlich trennen -(Lage 2). - -Bei dem =Kampf der Vorhuten= gelang es wirklich dem Führer der ersten -französischen Division (Martel) vorzulaufen, zu wenden und die Holländer -von Luward aus zu dublieren. =Bankers= aber erkannte die Gefahr. Er hielt -sofort ab -- scheinbar ehe =Martel= von Luv aus angriff, da dessen -Schiffe infolge etwas umspringenden Windes lange in der Wendung liegen -geblieben sein sollen --, lief mit seinen 12 Schiffen durch die in Lee -gebliebenen 20 Franzosen, die in sich schlecht aufgeschlossen waren, -hindurch und steuerte nach dem Gefechtsfelde der Mitten zur Unterstützung -Ruyters. Das kurze Gefecht hier war sehr heftig gewesen, Bankers selbst -entging nur knapp der Vernichtung durch einen mit hervorragendem Schneid -geführten Brander, aber d'=Estrées= folgte nicht. Die Franzosen brauchten -lange Zeit, »die Ordnung herzustellen und auszubessern«; tatsächlich -hörte ihre Teilnahme an der Schlacht auf, obgleich Rupert versuchte, sie -durch Signal heranzuziehen. - -[Illustration: Schlacht bei Texel, 21. August 1673.] - - Von dieser Darstellung weichen die holländischen Angaben -- alte wie - neue -- wesentlich ab. Sie erwähnen nicht, daß Bankers' Geschwader - schwächer gewesen sei. Sie sagen sonst: Anfangs nahmen die Franzosen - den Kampf mit Mut auf, dann zog sich d'Estrées nach einem - Branderangriff zurück und mit ihm die meisten Schiffe, endlich auch - Martel; die Franzosen brachen das Gefecht ab; Bankers ließ 8 Schiffe zu - ihrer Beobachtung zurück und segelte mit den übrigen zu Ruyter. - - Für diese Auffassung dürfte sprechen, daß Ruyter vor der Aktion kaum - genau wissen konnte, welches Geschwader den Franzosen gegenüberstehen - würde. Ursprünglich waren die Geschwader gleich stark, Ruyter hätte die - Änderung also erst am Morgen vornehmen müssen, und es ist auffallend, - daß die sonst gerade in solchen Angelegenheiten so genaue alte Quelle - (»Leben Ruyters«) nichts davon erwähnt. Gegen diese Auffassung spricht, - daß die englischen und französischen Quellen ausdrücklich so erzählen, - wie vorstehend geschildert, auch die alten, z. B. ein Bericht Colberts - an seinen König. In einem Bericht des Intendanten von Brest -- - beauftragt mit Untersuchung eines Streites zwischen d'Estrées und - Martel, von dem später noch die Rede sein wird -- heißt es sogar: »Man - konnte glauben, daß sich in allen diesen Schlachten Ruyter niemals die - Mühe gab das französische Geschwader anzugreifen, so hatte er in der - letzten Schlacht (also hier) nur 10 Schiffe des seeländischen - Geschwaders geschickt, um d'Estrées zu beschäftigen.« In diesem Falle - fiele also das Verdienst der so erfolgreichen taktischen Maßregel - Ruyter zu; Bankers zeigte dann im Gefecht durch sein Verfahren große - Umsicht. Nach der holländischen Erzählung stände Bankers in erster - Linie das Verdienst zu. Aber sein Verhalten ist auch dann eine Frucht - der Erziehung Ruyters; hatte doch dieser dazu das Beispiel am 7. Juni - gegeben und immer wieder, so noch einige Tage vor der letzten Schlacht, - darauf hingewiesen, den Zusammenhang der ganzen Flotte zu wahren und - darauf zu achten, wo gegenseitige Unterstützung nötig sei. - -=Der Kampf der Nachhuten= wurde während dieser Zeit auf nächste -Entfernungen mit größter Hartnäckigkeit von beiden Seiten durchgefochten, -auch =Tromp= hatte beigedreht. Die beiden Geschwaderchefs waren ähnliche -Charaktere, wie denn =Spragges= fehlerhaftes Vorgehen hier ganz dem -Tromps bei früheren Gelegenheiten gleicht. Sie lagen 3-1/2 Stunden mit -ihren Flaggschiffen backgebraßt nebeneinander. Hierbei soll Tromp während -der ersten drei Stunden gar keine Verluste gehabt haben -- auch der -Verlust einiger anderer Schiffe, z. B. Ruyters, in dieser Schlacht war -gering --, was nicht für die bisher so berühmte englische Artillerie -spricht; es war wohl eine Folge des erwähnten schlechten Ersatzes. Die -beiden Geschwader kämpften in voller Melee; beide Chefs mußten ihre -Flaggschiffe wechseln und stürzten dann wieder aufeinander ein; bei einem -abermaligen Verlassen seines Schiffes ertrank Spragge, aber auch auf -holländischer Seite fiel Vizeadmiral Sweers. Die Engländer hatten im -allgemeinen die größeren Verluste und Beschädigungen. - -=Im Gefecht der Mitten= scheinen die Aussichten zuerst gleichgestanden zu -haben, infolge des beständigen Ausweichens Ruperts kam es nicht zu so -nahem Kampfe wie bei der Nachhut; doch wird die gute Ordnung in Ruyters -Geschwader hervorgehoben, nur einige Schiffe der Division van Nes waren -lau. Als aber Bankers herankam, änderte sich die Lage, nun standen 42 -Holländer gegen 30 Engländer. Dabei behielt Ruyter seine Kräfte in der -Hand, schnitt durch Abzweigung von 8 Schiffen die Division Chicheley ab -und dublierte so die beiden anderen des Feindes. Es spricht für die -Engländer, daß diese Divisionen nicht vernichtet wurden, sondern sich -sogar nach und nach, allerdings unter schweren Verlusten, der Lage wieder -entzogen (Lage 3). - -Beide Flottenchefs waren in Unsicherheit und in Besorgnis über das -Schicksal ihrer Nachhut, und so steuerten beide nach dem Gefechtsfelde -dieser hin; auf Parallelkursen in Schußweite aber wie in -stillschweigender Übereinkunft ohne zu feuern. Beide sparten wohl -Munition; die Schlacht hatte um 8 Uhr morgens begonnen und die -Wiedervereinigung der Mitten mit den Nachhuten fand etwa um 4 Uhr nachm. -statt. Wahrscheinlich war es die höchste Zeit für das blaue Geschwader, -daß Rupert eintraf. Tromp löste seine Melee, beide Flotten ordneten sich -und um 5 Uhr begann ein =neues Gefecht=, von dem die Quellen nur melden, -daß es bis 7 Uhr sehr blutig gewesen sei. - -=Ruyter= scheint um diese Zeit den Rückzug eingeleitet zu haben, -wahrscheinlich weil nun endlich die Franzosen herankamen und weil es -dunkel wurde, aber auch die Engländer brachen ab. Die holländische Flotte -kreuzte am 22. August vor Texel und ankerte am 23. in See zwischen Texel -und Vlieland, um von hier aus die Einfahrten für den erwarteten Convoi zu -decken. Ein sofort eingerichteter und ununterbrochen durchgeführter -Aufklärungsdienst ergab während der nächsten Tage, daß vom Feinde in -gefahrdrohender Nähe nichts zu sehen sei. =Die Verbündeten= hatten gleich -nach der Schlacht zur englischen Küste hinübergehalten, um ihre -schwerbeschädigten Schiffe in Sicherheit zu bringen. In dieser Schlacht -verlor keine Partei Schiffe, außer verbrauchten Brandern; die -Beschädigungen scheinen auf englischer Seite größer gewesen zu sein -- -nach holländischen Angaben waren hier 12 Schiffe entmastet, während nur 2 -holländische gezwungen waren, einzulaufen. Die Holländer verloren die -Admirale Liefde und Sweers sowie 6 Kommandanten, die Engländer den -Admiral Spragge und 7 Kommandanten; der Offizier- und Mannschaftsverlust -war sonst auf englischer Seite wieder weit stärker (nach holländischen -Angaben etwa 2000 Tote und Verwundete); wiederum sprach wohl die -Überfüllung der Schiffe mit Landsoldaten hierbei mit. - -Der =Sieg der Holländer=, so glaube ich das Ergebnis dieser Schlacht -bezeichnen zu können, ist in erster Linie der Umsicht Ruyters und Bankers -einerseits, der schlechten Führung auf seiten der Gegner anderseits -zuzuschreiben. Wie allgemein üblich, hatte Ruyter den Angriff so -angesetzt, daß Geschwader auf Geschwader stieß; wenn nun Bankers und -Tromp zunächst von ihrer Mitte abkamen, so war das dieses Mal natürlich, -es war hervorgerufen durch die Manöver ihrer Gegner. Bankers erfüllte -damit auch zugleich seinen Zweck, die Franzosen zu beschäftigen; mit -Umsicht und zum allgemeinen Besten wußte er aber abzubrechen und zur -Mitte zurückzukehren, als seine Lage gefährlich wurde. Ruyter verstand es -dann, die erlangte Übermacht auszunutzen. Auch Tromp ist dieses Mal wohl -zu entschuldigen, wenn er den angebotenen Nahkampf annahm; als er dies -tat, konnte er wohl kaum übersehen, daß er sich dadurch dauernd von -Ruyter trennen würde, später war er zu heiß engagiert, um abzubrechen. - -Auf seiten der Verbündeten liegt die Sache ganz anders. Spragge ließ -seinen Flottenchef weiter segeln, um, wie bereits gesagt, persönlichen -Haß oder Ehrgeiz zu befriedigen. Rupert beschwerte sich bitter über ihn -und ebenso über die Handlungsweise d'Estrées'. Dieser warf dagegen Rupert -vor, durch sein Abhalten die Trennung herbeigeführt zu haben. Es ist ja -auch richtig: Beabsichtigte der Flottenführer, durch solche Manöver den -Feind von der Küste abzuziehen, so hätte er es vorher den Geschwaderchefs -bekannt geben müssen. - -D'=Estrées' Verhalten= gab Anlaß zu vielen Berichten, Verhandlungen und -Untersuchungen,[200] deren Ergebnis ungefähr folgendes ist: Warum -trennte sich d'Estrées? Er habe Anweisung gehabt, die Luvstellung zu -gewinnen; dies habe er mit seiner Spitzendivision erreicht. Der Führer -dieser aber, Martel, habe zu spät gewendet, zu spät von Luward -angegriffen und dadurch Bankers Durchbruch möglich gemacht. Hiergegen -wendet sich Martel schroff, da er seine Aufgabe ausgeführt und den Gegner -zu dem verzweifelten Manöver gezwungen habe, d'Estrées' Aufgabe wäre nun -gewesen, jenen dabei zu vernichten; ja, d'Estrées habe von Anfang an die -Schwäche des Feindes übersehen müssen, ihn (Martel) allein demselben -gegenüberstellen und sich zu Rupert begeben können -- dies ein Vorwurf, -den auch Prinz Rupert erhob. Warum kam d'Estrées später nicht heran? Er -habe geglaubt, gut zu tun, wenn er sich die Luvstellung für einen -späteren Kampf (am nächsten Tage?) möglichst sichere; das Signal Ruperts, -das ihn heranrief, habe er nicht verstanden. Er sagt, es sei -signalisiert: »venir mouiller (ankern) dans les eaux de l'amiral«; Rupert -sagt, das Signal habe bedeutet »venir dans les eaux de l'amiral. Möglich, -daß das Signal das erste bedeutete, daß bei der Unvollkommenheit des -Signalsystems Rupert es zum Heranruf benutzte, und er hat wohl recht mit -der Behauptung, es wäre nicht mißzuverstehen gewesen; d'Estrées kam ja -aber auch nicht zum »Ankern« heran! Im übrigen behauptet dieser, er habe -nur etwa eine Stunde ausgebessert, dann aber Rupert erst am Abend -erreichen können, da dieser immer abgehalten habe; Bankers hat doch aber -die Mitten bald erreicht, und außerdem sagen die meisten Quellen (auch -französische), das französische Geschwader habe mehrere Stunden rangiert. -Es liegen doch wohl grobe Fehler d'Estrées' vor; Martels Ausfälle gegen -ihn waren derart, daß dieser wegen derselben in die Bastille kam. - - [200] Sehr genau in Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 115. - -Wiederum ging das Gerücht, der französische Chef habe geheimen Befehl -gehabt, seine Flotte zu schonen, worauf wir später zurückkommen werden; -anderseits geben =Personalnotizen über d'Estrées= vielleicht auch einige -Aufklärung: - - D'Estrées war einer jener von der Armee übernommenen Offiziere, bis - 1668 Generalleutnant und gleich als Vizeadmiral angestellt, tüchtig und - tapfer, aber ohne jede seemännische Erfahrung. Von den alten - Seeoffizieren, vor denen er einrangiert, wurde er natürlich scheel - angesehen, und dabei stieß er sie durch hochmütiges Wesen vor den Kopf. - So hatte ihm 1672 du Quesne weichen müssen, Martel hatte er gleich bei - dessen Eintreffen im Juli 1673 durch Unterlassung zustehender - Ehrenbezeugungen und später durch den Tenor in schriftlichen Befehlen - beleidigt. Er war ferner in übergroßem Selbstbewußtsein unzugänglich - für Ratschläge erfahrener Seeleute und mischte sich doch in technische - Einzelheiten. Ein schlagendes Beispiel der Art sei gegeben, das auch - ein Bild der Seegebräuche dieser Zeit zeigt, ehe sich ein - Seeoffizierkorps voll ausgebildet hat: 1678 strandete d'Estrées mit - allen 8 Schiffen seines Geschwaders in Westindien. Sein Flaggkapitän - erzählt darüber: »Mittags hatte der Admiral mit den Steuerleuten das - Besteck in die Karte eingetragen. Als ich in die Kajüte treten wollte, - traf ich auf den weinend herauskommenden dritten Steuermann. Er sagte - mir, er sei vom Admiral beschimpft, weil er mehr Abtrift angenommen - habe als die anderen. Mir sagte dann der Admiral: der Lump läßt mich - einen Kurs laufen, der Teufel weiß wohin.« Naiv fügt der Flaggkapitän - hinzu: »Da ich nicht wußte, wer recht habe, sagte ich nichts, um nicht - einen gleichen Sturm auf mich zu laden.« -- Einige Stunden später ging - das Geschwader auf einer Reihe von Felsen, den Avesinseln, verloren. - -Einen =Sieg der Holländer= können wir also die Schlacht nennen. Alle die -Umstände, die nach den beiden Schlachten von Schooneveld zugunsten der -Holländer sprachen, treten hier in =taktischer und strategischer -Beziehung= noch weit schärfer hervor: Die Verbündeten haben dieses Mal -das Feld geradezu geräumt, weder in der Nähe des Schlachtfeldes geankert, -noch eine Verfolgung auch nur scheinbar versucht; sie sind sofort nach -der englischen Küste gegangen, um ihre vielen beschädigten Schiffe in -Sicherheit zu bringen; ihr Mannschaftsverlust war wieder größer. Der -strategische Erfolg der Schlacht war noch bedeutender. Nicht nur war -wiederum die augenblickliche Gefahr einer Landung abgewendet, die -Verbündeten gaben vielmehr den Plan, von der Küste aus in den Landkrieg -einzugreifen, jetzt ganz auf. Wie wir gleich sehen werden, zeigten sich -ihre Flotten nicht mehr auf dem Meere, so waren auch die niederländischen -Häfen dem Handel wieder geöffnet; der ostindische Convoi kam glücklich -ein, einige Schiffe waren den Engländern im Atlantik (bei St. Helena) in -die Hände gefallen. Der moralische Einfluß des endgültigen Abschlagens -der verbündeten Flotten ging noch weiter, er führte zum Frieden mit -England; König Karl konnte das schon lange unpopuläre Bündnis mit den -Franzosen nicht länger aufrecht erhalten, nachdem diese sich in den Augen -seines Volkes als ungenügende, unzuverlässige, wenn nicht sogar -verräterische Verbündete gezeigt hatten. - - Die große Bedeutung, die diese letzte Schlacht haben würde, war in - Holland allgemein erkannt. Wie angeordnet, strömte das Volk in den - Kirchen zusammen, als der Donner der Kanonen in Amsterdam und ganz - Nordholland den Zusammenstoß der Flotten meldete, und wohl aus vollem - Herzen stieg das Gebet »um den Sieg des Vaterlandes und der gerechten - Sache« zum Himmel auf. Den Eindruck auf das englische Volk hatte - Oranien vorausgesehen; als er am 12. August die Flotte besuchte, wies - er die höheren Offiziere und die Besatzung des Flaggschiffes darauf - hin, daß noch ein Erfolg zur See den Frieden mit England und damit eine - wichtige Wandlung im Kriege bringen würde. - -$Der kleine Krieg gegen den Handel und in den Kolonien$ war gleichfalls -zugunsten der Holländer ausgefallen. Wir wissen, daß sie den eigenen -Handel in den nördlichen Gewässern verboten hatten; es wird ausdrücklich -gesagt »im Kanal und Nordsee«, die fernen Meere werden dieses Mal nicht -erwähnt. Die anfänglich untersagte =Kaperei= wurde im Herbst 1672 -freigegeben und sofort lebhaft aufgenommen. Allein von Seeland, das wie -stets darin voranging, liefen gegen 100 Fahrzeuge aus; sie machten reiche -Beute, hatte sich doch der englische Handel in den letzten Jahren sehr -gehoben. Während der Indiensthaltung der großen Flotte im Sommer 1673 -aufs neue verboten, wurde das Auslaufen der Kaper im Herbst auch wieder -erlaubt. - -In =Indien= gelang es den Holländern, den Fortschritten der Franzosen -wirksam entgegenzutreten. In =Westindien= griff 1673 ein kleines -Geschwader, freilich ohne dauernden Erfolg, englische und französische -Niederlassungen an. =New York= wurde den Engländern entrissen, diese -nahmen die damals noch unwichtige Insel Tabago; die beiden Eroberungen -wurden beim Friedensschluß zurückgegeben. Dagegen behielten die -Engländer =St. Helena= als wichtigen Stützpunkt gegen die holländische -Kapkolonie und für den Weg nach Indien. Die Insel war ursprünglich von -Holland besetzt, fiel 1657 an England, wurde 1672 von Holland, aber schon -1673 wieder von England erobert (vgl. über Kolonien auch Kapitel XII). - -$Der weitere Verlauf des Krieges bis zum Frieden mit England$ -(Westminster 19. Februar 1674) bringt keine wichtigen Ereignisse zur See -mehr. Die holländische Flotte wurde schleunigst wieder schlagfertig -gemacht und während dieser Zeit der Feind stets beobachtet. Erkundungen -und Nachrichten von Kauffahrern ergaben, daß die verbündete Flotte -infolge stürmischen Wetters und Gegenwindes erst Anfang September in die -Themse eingelaufen sei, später, daß die englische Flotte abrüste und die -französische nach ihren Häfen abgegangen wäre. In Holland beabsichtigte -man zuerst, sobald als möglich in See zu gehen und den Convoi auf der -Doggerbank zu erwarten; als man dann aber vermutete, dieser sei mehr oder -weniger versprengt, wurde beschlossen, die Flotte vor die Themse zu -senden, um so die einzeln zurückkehrenden Indienfahrer besser schützen zu -können und zugleich dem Gegner und Europa zu zeigen, daß man schlagfertig -geblieben sei. - -Ruyter ging am 12. September in See, aber beständig stürmisches Wetter -hinderte die Ausführung des Planes; die Flotte wurde mehrmals versprengt. -Am 22. September wurde sie aufgelöst und der Winterdienst eingesetzt, -dagegen gab man jetzt die Kaperei frei. Die einlaufenden Kriegsschiffe -wurden mit Jubel und Ehren begrüßt; Ruyter und verschiedene Admirale -erhielten Dotationen. Die Marine hatte aber auch ihre Pflicht getan; der -=Landkrieg= mit Frankreich nahm jetzt eine andere Wendung, da die Truppen -von der Küste und auch Mannschaften von der Flotte frei wurden. Wenn er -auch noch vier Jahre dauern sollte, so waren doch die Niederlande bald -nicht mehr der Schauplatz. - - =Oranien eroberte= Naarden am Zuidersee (12. September); wie Muyden - wichtig war zum Halten der durch die Überschwemmung geschaffenen - Defensivstellung, so war es Naarden zu Offensivunternehmungen, die - jetzt von hier aus ins Werk gesetzt wurden. Die Franzosen hielten nicht - lange mehr stand, sie waren auch sonst bedroht. Infolge ihres - Auftretens im Deutschen Reich, Verletzung der Neutralität in - verschiedenen Gebieten, mußte der Kaiser endlich Ernst machen und auch - Spanien raffte sich auf; um noch rechtzeitig seine Niederlande vor der - Eroberungspolitik Ludwigs XIV. zu sichern. Der =Kaiser= und =Spanien= - schlossen am 30. August 1673 ein =Bündnis mit Holland=. - - Ludwig versuchte jetzt unter milderen Bedingungen mit der Republik - Frieden zu schließen und gab seine Pläne hier vorläufig auf, um den - Krieg mit dem Hause Österreich in Deutschland und Spanien durchführen - zu können; Holland weigerte sich. - - Montecuculi kam den Rhein herab, um Oranien die Hand zu reichen; dieser - drang nach Belgien ein und vereinigte sich, durch ein spanisches Korps - verstärkt, bei Andernach mit den Österreichern. Gemeinschaftlich - eroberten sie Bonn (12. November) und mehrere Festungen am Unterrhein; - sie drohten so, den Franzosen den Rückzug abzuschneiden. Ludwig XIV. - gab deshalb auf Rat Turennes die gefährliche vorgeschobene Stellung in - den Niederlanden auf, seine Truppen räumten schleunigst die Provinzen - Utrecht und Geldern -- nicht ohne diese noch gründlich zu - brandschatzen; Marschall Luxembourg brachte nur mit Mühe seine Armee - an Montecuculi und Oranien vorbei in Sicherheit. Auch die Bischöfe - räumten Oberyssel; =das Gebiet der Niederlande war frei vom Feinde=. - -Der =Krieg mit England=, und damit der eigentliche Seekrieg, kam bald =zu -Ende=. Von Holland angeknüpfte Verhandlungen wurden von Spanien -unterstützt. Dieses drohte bei weiterem Kriege sein friedliches -Verhältnis mit England abzubrechen; wenn man nun hier auch diesen Gegner -nicht hoch einschätzte, so fürchtete man doch, daß dadurch dann der -eigene blühende Handel mit Spanien den Niederlanden zufallen würde. Aber -auch sonst war schon länger, wie bereits angedeutet, die Volksstimmung -für die Holländer und gegen die Franzosen. Jene hatten sich als brave und -tüchtige Gegner die Sympathie erworben, diese waren mindestens -unzuverlässige Verbündete gewesen; außerdem regte sich immer mehr der -protestantische Geist und das Mißtrauen gegen den König und seine Partei -mit ihren Plänen hinsichtlich der inneren Politik. Endlich fürchtete man -einen neuen Wettbewerb des Seehandels Frankreichs, dessen Aufblühen durch -zu großes Schwächen der Republik begünstigt werden würde, mehr als den -alten mit Holland. Als Karl II. im Januar 1674 neue Mittel für Rüstungen -verlangte: »nur um dadurch den Frieden schneller herbeizuführen«, -erwiderte das Haus der Gemeinen einstimmig, es würde nur dann Gelder -bewilligen, wenn Holland billige Friedensbedingungen ausschlüge. In -Holland hatte man zwar für das Jahr 1674 die Ausrüstung einer sehr -starken Flotte -- 84 Schlachtschiffe über 40 Kanonen usw. -- beschlossen, -was wohl auch einen Druck auf Beschleunigung der Verhandlungen ausüben -sollte und auch ausübte, man war aber doch sehr zum Nachgeben bereit. So -mußte auch Karl sich fügen und am 19. Februar 1674 wurde der =Frieden in -Westminster= geschlossen. - -Wie viel Holland am Frieden lag, zeigen die =Bedingungen=, die immer noch -sehr günstig für England waren, wenn sie auch bei weitem nicht den von -Karl früher geforderten entsprachen: Holland mußte auf für England -vorteilhafte Vereinbarungen über den Handel in Ostindien eingehen und die -während des Krieges wiedergenommene Kolonie New York (von nun ab für -immer) zurückgeben; 2 Millionen Gulden an Karl zahlen und vor allem das -Flaggenrecht in ausgedehntem Maße anerkennen. Sogar die in England -geworbenen Regimenter blieben beim französischen Heere; sie wurden nur -auf den Aussterbe-Etat gesetzt, ihre Mannschaft durfte nicht weiter -ergänzt werden. - - =Das Flaggenrecht= wurde strenger und genauer festgesetzt. Der - Flaggengruß (Seite 229) wurde jetzt von allen holländischen - Kauffahrern, Kriegsschiffen und Flotten jedem englischen - Kriegsfahrzeuge gegenüber in den englischen Gewässern verlangt. Da der - Umfang dieses Machtbereichs in den früheren Verträgen unerörtert - geblieben war, wurde er jetzt auf das uns bekannte weite Gebiet (Seite - 189) festgesetzt. Auch wurde jetzt besonders betont, daß Holland damit - Englands Vorherrschaft zur See anerkenne, während nach dem zweiten - Kriege gesagt war, der Gruß gelte der »Majestät« des Königs. - -So endete der für lange Zeit letzte Krieg zwischen England und Holland. -Die Beziehungen der beiden hartnäckigen Gegner wurden bald noch inniger -durch Abschluß eines Handelsvertrages (Dezember 1674) und durch die -Verheiratung =Wilhelms von Oranien= mit =Maria= von York, der ältesten -Tochter des späteren Königs Jakob II. Infolge dieser Heirat wurde -Oranien, schon durch seine Mutter ein Enkel Karls II., neben Maria König -von England (1688). - - Mit dem Frieden zwischen England und Holland hört der weitere Krieg - Frankreichs und Hollands auf, ein großer Seekrieg zu sein. Diese beiden - Länder führten jetzt vorwiegend einen Landkrieg. Zusammenstöße zur See - fanden fast nur in fernen Gewässern statt; sie sollen unter »Kolonien« - (Kapitel XII) oder unter »Nebenkriegen« (im nächsten Kapitel; - insbesondere Ruyters letztes Auftreten bei Stromboli und Agosta) - angeführt werden. Der weitere Krieg brachte aber England noch - unmittelbar große Vorteile, da ihm während seiner Dauer der europäische - Zwischenhandel Hollands größtenteils zufiel. - -$Bemerkenswertes im dritten Kriege.$[201] Beim =Material= ist zwar keine -große Änderung in der Anzahl der Schiffe eingetreten, aber es sind doch -Fortschritte zu verzeichnen. Auf beiden Seiten hat sich die =Vertretung -der Klassen= in der Gesamtzahl der Schiffe nicht unbedeutend verschoben. -Die Hauptkraft der Engländer liegt jetzt in Schiffen von 50-60 Kanonen -und in den ganz schweren über 80 Kanonen. Die alte Überlegenheit der -englischen Flotte in ihrer Bestückung ist durch die Vermehrung dieser -schwersten Schiffe noch gewachsen, da diese auch das schwerste Kaliber -führen, das Holland gar nicht besitzt. Die Hauptkraft der Holländer liegt -in Schiffen von 60-70 Kanonen, die aber, wie wir wissen, artilleristisch -nicht viel mächtiger als englische 50-60 Kanonen-Schiffe sind; die -Franzosen haben bei der Gründung ihrer Marine besonders 60-70 -Kanonen-Schiffe und solche über 80 Kanonen gebaut -- diese letzteren -treten allerdings nicht auf. Wir rechnen zwar zu den Schlachtschiffen -noch immer alle Schiffe über 40 Kanonen, aber die zu 40-50 Kanonen haben -bei Engländern und Holländern in den Flotten sehr abgenommen, bei den -Franzosen sind sie überhaupt nicht vorhanden. Dagegen ist die Zahl der -Schiffe mit 20-40 Kanonen -- bei den Holländern und Franzosen schon -ausdrücklich »Fregatten« genannt -- nicht zurückgegangen, die der noch -kleineren (in Holland Advisjachten genannt; von 1674 an werden statt -ihrer meist »Snauwen« erwähnt: Fahrzeuge mit 8 Kanonen, 36 Mann, -Kuttertakelage) ist sogar wesentlich gestiegen. Man ersieht daraus, das -einerseits von dem Schlachtschiff (Linienschiff) immer mehr Gefechtskraft -verlangt wird -- die Linie wird dadurch mächtiger und auch schon etwas -kürzer --, daß anderseits dem Aufklärungs- und Meldedienst mehr Wert -beigelegt wird. - - [201] Jurien de la Gravière sagt in einem seiner Werke: in den - holländisch-englischen Kriegen werden die stehenden Marinen - geboren; Colomb führt aus, daß erst in diesen Kriegen eine - Kriegführung um die Beherrschung der See auftritt. In unseren - Betrachtungen über die Entwicklung der Seestreitkräfte und in den - Schlußbetrachtungen zu den ersten beiden Kriegen haben wir - gesehen, wie zutreffend diese Aussprüche sind; der dritte und - letzte englisch-holländische Krieg zeigt gleichfalls große - Fortschritte im Seekriegswesen. - -Wir haben früher gesagt (Seite 168 u. 171), der Fortschritt in der -=Artillerie= läge in der Zeit des dritten Abschnittes mehr in der -planmäßigen Bestückung der Schiffe als in der Verbesserung der Waffe -selbst. Im dritten Kriege haben wir nun die auffallende Erscheinung, daß -trotz schärfster Aktionen in nächster Nähe der Verlust an Schiffen weit -geringer ist als in den beiden ersten Kriegen; die Artillerie muß also -mit dem Fortschritt im =Schiffbau= nicht Schritt gehalten haben. Ein -Hauptfortschritt im Schiffbau ist in diesem Zeitabschnitt ja ebenfalls -die Durchführung einer Klasseneinteilung, aber die Schiffe selbst wurden -doch auch besser gebaut. Die Möglichkeit, taktische Manöver besser -durchzuführen, spricht ferner für größere Segelfähigkeit der Schiffe; -endlich ist es nicht unwahrscheinlich, daß, wenn die Winterruhen noch -immer lange innegehalten werden, dieses mehr eine Folge alten Brauches -als der ungenügenden Seefähigkeit der Schiffe ist. - -Sehr bedeutend ist die Zahl der =Brander= gewachsen. Es werden größere -Angriffe mit dieser Waffe geplant (Solebay; erste Schlacht bei -Schooneveld), deren Erfolge allerdings durch die Umstände vereitelt -werden. Es ist überhaupt bemerkenswert, daß ihre Leistungen gegen den -zweiten Krieg zurücktreten; es ist den Schlachtschiffen leichter -geworden, ihnen auszuweichen und sie abzuschlagen (Seite 188). - -Über die Bewertung des =Personals= zur Zeit dieses Krieges ist bereits -bei Betrachtung der Streitmittel (Seite 313 u. 317) gesprochen; das -Wichtigste wird in nachstehendem nochmals mit hervorgehoben werden. - -Was nach dem zweiten Kriege über den Fortschritt in der =Taktik= gesagt -ist, trifft in erhöhtem Maße für den dritten zu: das Bestreben, die -Kiellinie beim Winde aus Einzelschiffen zu bilden, diese Linie gut -geordnet und eng aufgeschlossen zu erhalten, die Geschwader zusammen zu -behalten und die ganze Flotte einheitlich zu leiten; die Melee wird -vermieden oder doch, wenn schon eingetreten, wieder entwirrt und die -Ordnung hergestellt, um dann zu neuem Kampfe überzugehen. Die Holländer -sind jetzt in der Durchführung dieser Grundsätze, in der -Gefechtsdisziplin überhaupt, den Engländern gleichwertig, ja überlegen; -wenn in den Schlachten getrennte Geschwaderkämpfe eintreten, so ist es -bis auf einen Fall (Tromp, 7. Juni 1673) die Schuld der Geschwaderchefs -der Verbündeten (Solebay, Texel). Dieser Fortschritt auf seiten der -Holländer ist unbedingt das =Verdienst Ruyters=; er gebot ja auch von -allen Führern dieser Zeit über die größte Erfahrung. Von Jugend auf als -Seemann erzogen und durch alle Dienstgrade gelaufen, war er stets im -Kriegsdienste tätig gewesen und hatte die ganze Entwicklung der bis jetzt -geschaffenen Taktik in den letzten Kriegen als Divisions-, Geschwader- -und Flottenchef durchgemacht. So ist denn =Ruyters Taktik= als der -höchste Stand der Taktik jener Zeit anzusehen, und es ist wohl wert, ihre -Hauptgrundsätze nochmals hervorzuheben. Ruyter bringt seine Flotte nicht -mehr ungestüm nur zum Schlagen an den Feind; er bereitet seine Schlachten -bedächtig vor und führt sie dann planmäßig und doch energisch durch; der -Überfall bei Solebay und die drei rangierten Schlachten des Jahres 1673 -liefern gleichmäßig die Beweise hiervon. - - Der Überfall bei Solebay glückte infolge guter Beobachtung des Feindes - und vorzüglicher taktischer Navigierung, er würde unter günstigeren - Windverhältnissen noch weit verhängnisvoller für den Feind geworden - sein; dadurch, daß Ruyter die Franzosen nur beschäftigte, war er - imstande, dem gefährlicheren Gegner kräftig entgegenzutreten. - - In der ersten Schlacht bei Schooneveld wartet Ruyter kampfbereit den - Angriff ab und benutzt dann einen günstigen Augenblick zum - energischsten Gegenstoß auf den weit überlegenen Feind. Mit seinem - eigenen Geschwader den Franzosen gegenüber erfolgreich, nützt er dies - nicht aus, sondern entsetzt nacheinander seine beiden weniger - glücklichen Geschwader, ordnet die Flotte wieder, bricht ab, als er - seinen Zweck erreicht hat und -- seinem strategischen Plane - entsprechend -- nichts mehr aufs Spiel setzen will. In der zweiten - Schlacht bei Schooneveld greift er unter den günstigeren Verhältnissen - und überraschend an. Die Art, wie der Feind den Angriff aufnimmt -- - unter beständigem Ausweichen -- würde in früheren Zeiten sicher zu - einer Lockerung der holländischen Ordnung geführt haben. Ruyter aber - hält jetzt die Flotte zusammen, bricht wieder ab, als es ihm passend - erscheint, bleibt aber völlig kampfbereit. Möglich sogar, daß er - überhaupt nicht entscheidend kämpfen wollte, um seine Flotte unversehrt - zu erhalten; er erreichte dennoch seinen strategischen Zweck. - - Die Schlacht bei Texel ist sein Meisterstück zu nennen. Hier benützt er - seine Stellung unter der eigenen Küste nicht nur, wie vor dem Eintreten - in die vorhergegangenen Schlachten, zum Schutz, sondern auch dazu, den - Feind auszumanövrieren und dann aus günstiger Windstellung anzugreifen. - Wieder beschäftigt er nur durch Bankers die Franzosen, erringt selbst - durch Abschneiden eines feindlichen Teiles großen Erfolg und bricht - endlich wiederum in vollster Ordnung ab, als er seinen Zweck erreicht - hat. - - Gleich hier sei hingewiesen auf Ruyters letztes Auftreten im - Mittelmeer. Dort liefert er uns noch ein für die Geschichte der - Seetaktik höchst bemerkenswertes Beispiel (vgl. Seite 378/79). - -Unterstützt wurde Ruyter bei der Durchführung seiner Taktik dadurch, daß -die Unterführer und Kommandanten in diesem Kriege seinen Befehlen und -Absichten folgten. Aber auch dies ist ein Verdienst seiner Erziehung und -seines Vorbildes; er hatte für Stärkung der Disziplin und Einbürgerung -eines gesunden militärischen Geistes in der holländischen Marine gesorgt. -Sein vorgeschrittener militärischer Standpunkt ist schließlich noch -daraus zu erkennen, daß er bei der Indienststellung 1673 »lieber weniger, -aber gute Schiffe« haben wollte. - -Begünstigt wurden seine Erfolge allerdings durch die =Fehler der -feindlichen Führer= und durch den schlechteren Zustand der verbündeten -Flotten in mancher Hinsicht; diese Fehler und Mängel, sowie ihre -wahrscheinlichen Ursachen haben wir bei den Schilderungen bereits -genügend hervorgehoben. Gefochten haben die Engländer mit ihrer alten -Bravour, wie die Holländer es früher getan, als sie im inneren Wert und -in der Taktik unterlegen waren. Die Gegner hatten eben die Rollen -gewechselt; York und Rupert, sonst schneidige Männer und tüchtige -Seeleute, waren keine Blakes, Moncks und Ruyters, der innere Wert der -englischen Marine war gesunken, der der holländischen gestiegen -- diese -stand 1673 auf ihrem Höhepunkt. - -Es führt uns dies nochmals auf das =Verhalten der Franzosen=, auf den -allgemein verbreiteten Verdacht, daß d'Estrées seine Flotte auf Befehl -geschont habe. Beweise dafür sind nicht vorhanden. Etwaige Befehle -müßten streng geheim gewesen und vernichtet sein; die vorhandenen weisen -im Gegenteil alle auf tapferes Fechten hin. - - Es ist ja möglich, daß Ludwig XIV. im Jahre 1673 dem Bündnis mit - England nicht mehr recht traute; von verschiedenen Seiten ging ihm die - Warnung zu, daß in England nur noch der König und sein Hof daran - hingen. Aber immer bleibt es schwer, anzunehmen, daß ein Kriegsherr - seinem Admiral und seiner Flotte zumuten könnte, eine solche Rolle zu - spielen. Jedoch sagt selbst ein französischer Autor (Troude), in der - Untersuchung des Streites d'Estrées' gegen Martel habe jener zu - verstehen gegeben, daß der König gewünscht habe, »seine Flotte erhalten - zu sehen und den Engländern nicht zu sehr zu trauen.« Wie volkstümlich - diese Ansicht war, zeigt ein Gespräch holländischer Matrosen. Als - einige dieser bei Texel ihre Verwunderung aussprachen, daß die - Franzosen den Engländern nicht zu Hilfe kamen, sagt ein anderer: »Ihr - Narren! Sie haben die Engländer geheuert, für sie zu fechten; ihr - ganzes Geschäft hier ist, zu sehen, daß sie auf ihre Kosten kommen.« - -Die französischen Schriftsteller, die die Ausgabe solcher Geheimbefehle -bestreiten, schieben das eigentümliche Verhalten ihrer Flotte in beiden -Jahren auf die mangelnde Erfahrung ihrer Offiziere im Flotten- und -Geschwaderkampf, insbesondere auf die Unfähigkeit d'Estrées' in dieser -Hinsicht und auf seine Unzugänglichkeit für Ratschläge erfahrenerer -Untergebener. Dem sei nun wie ihm wolle, immerhin werden wir auf zwei -wichtige Punkte hingewiesen; zunächst auf ein =neues Verdienst Ruyters=. -Im Bericht über die mehrfach erwähnte Untersuchung gegen Martel sagt der -Intendant von Brest: »Man konnte glauben, daß Ruyter sich in allen diesen -Schlachten nie die Mühe gab, das französische Geschwader anzugreifen, und -daß er bei Texel 10 Schiffe lediglich zu dessen Beschäftigung abgeschickt -habe.« Ruyter hat dann also diesen Gegner richtig eingeschätzt, dessen -Untüchtigkeit oder Unzuverlässigkeit erkannt und seinen Nutzen daraus -gezogen; eine wichtige Eigenschaft für einen höheren Führer. - -Das Benehmen der Franzosen deckt ferner eine $Schwäche der Bündnisse$ -auf. Augenblickliche politische Interessen können zwei Staaten zu -Verbündeten in einem Kriege machen. Dabei kann aber bei ihnen eine für -die Waffenbrüderschaft gefährliche Abneigung gegeneinander bestehen, und -es kann politische Eifersucht dahin führen, daß einer von ihnen die -völlige Niederwerfung des gemeinschaftlichen Gegners sowie zu große -Erfolge seines Verbündeten gar nicht wünscht. Man ist also nicht sicher, -ob und wie weit der Bundesgenosse dasselbe Ziel -- in der Schlacht wie im -Kriege überhaupt -- verfolgt, ob er bereit ist, das Gleiche einzusetzen. -Es ist dieses in erster Linie ein Punkt politischer, also gewissermaßen -strategischer Natur und den Bündnissen für Land- wie für Seekriege in -gleicher Weise eigentümlich. - -Den =Bündnissen zur See= haftet aber noch eine andere Schwäche in -taktischer Beziehung an. Wenn in einer Landschlacht verbündete -Streitkräfte auftreten, so spielen die Verschiedenheit und ein ungleicher -Grad der Ausbildung, die Schwierigkeit gegenseitiger Verständigung keine -so große Rolle wie zur See; den verschiedenen Truppenkörpern können -verschiedene Aufgaben, wenn auch unter gemeinschaftlichem Oberbefehl und -aneinander anlehnend, gestellt werden; sie schlagen dann bis zu einem -gewissen Grade getrennte Schlachten. Anders zur See; strategisch können -natürlich verbündete Flotten auch hier miteinander arbeiten, taktisch -kaum. Hier ist, bei der Schlacht im offenen Meere wenigstens, nur ein -Schlachtfeld; die ganze Streitmacht muß in einer Hand bleiben, kann -taktisch nur gemeinsam verwendet werden. Da werden sich Verschiedenheit -in Art und Stand der Ausbildung und in formaler Taktik, die Schwierigkeit -der Befehlsübermittlung durch ein bisher nicht gemeinschaftliches -Signalsystem, der Mangel am gemeinsamen Üben taktischer Bewegungen sehr -fühlbar machen; die vorhin angeführten gefährlichen Einflüsse moralischer -oder politischer Natur werden gleichfalls schwerer wiegend einwirken. -- -Der zweite und der dritte englisch-holländische Krieg lassen die Schwäche -von Bündnissen zur See in allen diesen Hinsichten klar erkennen. - -$Über Strategie.$[202] Im ersten holländisch-englischen Kriege griffen -die Engländer den holländischen Handel an; zunächst, indem sie den -Convois auflauerten, später als der Gegner erlahmte, indem sie schon -seine Küsten blockierten; die Schlachten entspannen sich um Convois oder -bei den Versuchen, für diese den Weg freizumachen. Im zweiten Kriege -hatten die Holländer den Handel gänzlich eingestellt, da sie die -Unmöglichkeit, ihn genügend zu schützen, erkannt hatten. Das Bestreben -beider Parteien ging dahin, die Seeherrschaft zu erringen; erst wenn dies -gelungen -- sei es durch siegreiche Schlachten, sei es durch freiwillige -Aufgabe seitens des Gegners --, suchte man den Feind durch größere -Angriffe auf Handel oder Küstenplätze und durch Blockaden zu schädigen. -Im dritten Kriege aber beabsichtigten die Verbündeten, den Feind, der zu -Lande von allen Seiten bedroht war, auch von seiner Küste her mit großer -Truppenmacht anzugreifen. Die Durchführung dieser Absicht war einerseits -für die Angreifer viel schwieriger, der Angegriffene anderseits sah sich -in weit größerem Maße bedroht als in den früheren Kriegen; der Kampf um -die Herrschaft auf den trennenden Gewässern war deshalb noch wichtiger -als bisher. Die Seestreitkräfte der Verbündeten hatten den Weg über See -zur sicheren Überführung und ungestörten Landung der Invasionsarmee -völlig und dauernd freizumachen; die Holländer, infolge ihrer schwächeren -Flotte in die Defensive gedrängt, mußten dahin streben, bei aller Energie -im Kampfe um die Seeherrschaft doch ihre Seestreitkräfte möglichst -unversehrt zu erhalten, um sie stets im äußersten Falle -- bei der -Landung -- noch mit Erfolg einsetzen zu können. - - [202] Anschließend an Seite 231 und Seite 300. Plan des - Kriegsschauplatzes Seite 301. -- Colomb bespricht (Kapitel IV) - den Krieg nach folgender Disposition: die Erfahrung hat gelehrt, - daß der größere Handel von einer dem Gegner nur gleichen Flotte - nicht geschützt werden kann; Holland verbietet wieder den Handel, - bis eine größere Stärke erreicht ist. Der unmittelbare Kampf um - die Seeherrschaft wird bei Solebay wieder aufgenommen. Es ist - unnütz, Landungen vorzubereiten, ehe die feindliche Flotte - vertrieben ist; das Einschiffen von Truppen seitens der - Verbündeten war nutzlos. - -Der Strategie auf beiden Seiten war also eine bedeutende Aufgabe -gestellt. Diese wurde von der holländischen Marine trotz der sonstigen -Schwierigkeiten, mit der sie zu kämpfen hatte, glänzend gelöst, wie denn -die holländische Kriegführung überhaupt die einsichtsvollere war. Um eine -größere Armee sicher an der feindlichen Küste zu landen, war es für die -Angreifer nötig, die feindliche Flotte unschädlich zu machen; es war dies -möglich: durch Abziehen derselben von der Küste; durch Festhalten an -einem Punkte; durch Vernichtung. Es ist nichts davon gelungen. Der Feind -ließ sich nicht weglocken, obgleich der Versuch dazu in beiden -Kriegsjahren gemacht wurde; er ließ sich auch nicht verleiten, unter -ungünstigen Umständen zu fechten; ihn trotzdem zu vernichten, war die -Kriegführung der Angreifer nicht energisch genug, und, ihn an einem Orte -dauernd festzuhalten, waren sie nicht stark genug. Diese beiden letzten -Punkte sind die wichtigen bei Beurteilung der =Kriegführung seitens der -Verbündeten=, denn sie lagen in ihrer Hand; sie hängen außerdem eng -miteinander zusammen. - -Von den vereinigten Mächten muß man annehmen, daß sie imstande gewesen, -bedeutend stärkere Seestreitkräfte aufzustellen. Die englische Flotte -allein hätte der Hollands überlegen sein können; aber sie war -vernachlässigt, und man benutzte hier die Bundesgenossenschaft -Frankreichs nicht zur Erlangung einer wuchtigen Übermacht, sondern zum -Sparen an Rüstungen. Auch Frankreich besaß schon im Material eine gleich -starke Marine, aber sie war entweder noch nicht schlagfertig, oder man -hatte »andere Gründe«, ihre Kraft nicht voll zu entfalten; vielleicht -sprach beides zusammen. - - Ich verweise hierbei auf das, was Seite 356 über die =Schwäche von - Bündnissen= gesagt ist. Ein Beweis, daß England (der König) die - Bundesgenossenschaft Frankreichs zum Sparen an den eigenen Rüstungen - benutzte, dürfte darin zu finden sein, daß Holland mit diesem Umstande - rechnete: Es faßte den Beschluß zu größeren Rüstungen 1673 »geheim«, um - England zu verleiten, auch weniger zu rüsten. England überschätzte dann - den Wert des Bündnisses, anstatt sich auf eigene Kraft zu verlassen. - - Die »anderen Gründe«, weshalb Frankreich nicht stärker zur See auftrat, - sind dagegen Beispiele zu der Behauptung von der Schwäche der Bündnisse - in politischer und strategischer Hinsicht; man wollte die eigene Flotte - schonen, die beiden Nebenbuhler um die Seeherrschaft im großen Sinne - sich gegenseitig schwächen lassen. - -Wenn nun von Seiten der Verbündeten die Rüstungen nicht bis zum höchsten -Maße betrieben wurden, so läßt dies darauf schließen, daß man den Feind -oder die Schwierigkeit der Aufgabe unterschätzte. Mit einer gemeinsamen -Flotte noch einmal so stark als die holländische hätte man versuchen -können, den Feind festzuhalten und dennoch gleichzeitig die Truppen unter -genügender Bedeckung hinüberzuführen und zu landen; nach der -notgedrungenen Herabsetzung der holländischen Flotte im Juli 1672 wären -die Verbündeten aber imstande gewesen, mit einer noch weit bedeutenderen -Übermacht aufzutreten. Infolge der ungenügenden Rüstungen aber war es -notwendig, als ein Ablocken von der Küste nicht gelang, sogar das -Blockieren der feindlichen Flotte aufzugeben, um sie durch -Demonstrationen an anderen Orten wenigstens zum Verlassen ihrer sicheren -Stellung und zum Folgen längs der Küste zu zwingen (1673). - - Eine Unterschätzung der Schwierigkeit der Aufgabe ist auch darin zu - erkennen, daß man Juni 1673 und, trotz übler Erfahrung, auch im Juli - die Flotte selbst mit Anbordnahme von Landungstruppen belästigte. Es - erinnert dies an die alte Kriegführung -- handstreichartige Einfälle in - Feindesland ohne höheren Zweck als Brandschatzung --, während Holland - schon bei seinem Zuge 1667 gegen Themse und Medway die zur Landung - bestimmten Truppen nur auf besonderen Fahrzeugen einschiffte. - -Tatkraft vermißt man aber auch bei der Kriegführung selbst. In beiden -Jahren zeigt sich, daß man mit Recht eine Landung für untunlich hielt, -solange die feindliche Flotte unversehrt an der Küste stand. Dachte man -nun ernstlich an eine Landung, so mußte auch schärfer vorgegangen werden, -sobald sich gezeigt hatte, daß sich der Feind nicht zum Schlagen von der -Küste abziehen ließ. Aber nur einmal (Schooneveld, 7. Juni 1673) ist der -Versuch gemacht, diesen in seiner geschützten Stellung anzugreifen; nach -dem Fehlschlagen wird der Versuch nicht etwa gleich wiederholt, man läßt -sich sogar selbst überraschen (Schooneveld, 14. Juni). Mangel an Energie -zeigt sich endlich darin, daß die verbündeten Flotten in beiden Jahren -erst spät auftraten und nach Mißerfolgen stets längere Zeit, endlich -sogar ganz, von der See verschwanden; die wahrscheinlichen Gründe hierfür -sind im Laufe der Schilderung des Krieges angeführt. - -=Die Kriegführung der Holländer= zeigt sich in einem ganz anderen Lichte; -sie ist weit tatkräftiger und dabei planmäßig während des ganzen Krieges. -Durch alle Verhältnisse zur Defensive gezwungen, verlieren doch die -Leiter -- de Witt und Ruyter; Oranien und Ruyter -- nicht aus dem Auge, -welche Vorteile zuvorkommende Offensivstöße haben können. - -Im Jahre 1672 wird versucht, die Ausrüstung der Engländer in ihren Häfen -zu stören oder sie wenigstens vor ihrer Vereinigung mit den Franzosen zu -schlagen, später beabsichtigt man, ähnlich wie im letzten Kriege gegen -die Themse vorzugehen; 1673 will man die Themse durch versenkte Schiffe -sperren. Alle diese, strategisch so richtigen Pläne konnten leider nicht -durchgeführt werden, da die Flotte nicht rechtzeitig fertig wurde; auch -den größten Bemühungen der leitenden Personen war es nicht gelungen, die -Schwierigkeiten zu überwinden, die sich infolge des Mangels an -Zentralisation in der Marineverwaltung und des Streites der Parteien im -Lande einer schnelleren Ausrüstung entgegenstellten. - - Ein glücklicher Schlag 1672 gegen die englische Flotte in ihren - Gewässern vor Ankunft der Franzosen würde wahrscheinlich den Verlauf - des ganzen Krieges wesentlich beeinflußt haben, wenn man nach seiner - späteren Geschichte urteilen darf: England wäre wohl frühzeitig zum - Frieden geneigt gewesen; Frankreich hätte dann allein zur See kaum - etwas unternommen, wie wir es nach 1674 sehen werden; Holland hätte - alle Mittel für den Landkrieg frei, die Küsten und damit seine - Lebenskraftquelle offen gehabt. - -Aber der Wachsamkeit, der Umsicht und der Tatkraft Ruyters gelingt es -doch, im Jahre 1672 den Feind bei Solebay zu überraschen und dadurch -Holland zur Zeit der höchsten Not von der Gefahr einer Landung zu -befreien. - -Nach den Offensivstößen führt dann in beiden Jahren Ruyter meisterhaft -eine offensive Küstenverteidigung durch. Den Feind scharf beobachtend, -liegt er an seiner Küste auf Wassertiefen, in denen dieser ihn nicht -anzugreifen wagt; er läßt sich nicht herauslocken, bricht aber hervor, -sobald die Umstände günstig sind. Im Jahre 1672 genügt seine -Anwesenheit, den Feind von ernsten Unternehmungen gegen die Küste -abzuhalten, obgleich Holland genötigt war, seine Flotte zu vermindern, um -Mannschaften und Kriegsmaterial für den Landkrieg freizumachen. -Frühzeitig gehen die Verbündeten in englische Häfen zurück und Ruyter -gelingt es, einen Convoi Ostindienfahrer aus der Nordsee heimzuholen. Im -Jahre 1673 vertreibt er, rechtzeitig von seinem Stützpunkte aus -vorbrechend, durch die Schlachten bei Schooneveld den Feind von den -Küsten; er folgt aber nie weiter, als sein Plan, die flacheren Gewässer -taktisch und strategisch auszunutzen, erlaubt. - - Daß er diesen Plan für den einzig richtigen hielt, zeigt sich auch - sonst bei verschiedenen Gelegenheiten: Nur auf Drängen de Witts - unternimmt er 1672 noch nach der Vereinigung der feindlichen Flotten - den Vorstoß in die Themse; er setzt dabei aber nicht die ganze Flotte, - sondern nur ein kleines Geschwader unter Ghent ein. Ebenso fanden auch - die Vorschläge -- November 1672 und Ende Juni 1673; wahrscheinlich von - Befehlshabern der Armee ausgegangen --, gegen einen französischen Hafen - zu operieren, nicht seine Zustimmung. - -Stets geht Ruyters Bestreben dahin, die Flotte zum unmittelbaren Schutz -der Küste unversehrt zu halten. Selbst als im Juli 1673 die Gefahr einer -Landung sehr ernst wird -- eine »Armee« steht in England bereit -- will -er nur schlagen, wenn diese wirklich ausgeführt werden sollte; sein -schlagfertiges Bereitliegen läßt Zeit gewinnen, die Küsten in -Verteidigungszustand zu setzen. Erst als es sich gleichzeitig darum -handelt, die Küste für das Einlaufen des großen Convois -- wichtig für -die Weiterführung des Krieges -- freizumachen, ist er bereit, die Flotte -einzusetzen. Er führt diese nun mit größter Vorsicht heran, benutzt -meisterhaft die taktischen Vorteile, die ihm seine Stellung unter der -Küste bietet, und vertreibt durch die Schlacht bei Texel den Feind -endgültig von der See. - -Einen weiteren Fortschritt in der Kriegführung der Holländer, der -wesentlich zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie beitrug, zeigt -der =vervollkommnete Aufklärungsdienst= (übrigens auch von den Engländern -mehr als bisher gepflegt). Durch Agenten und Erkundungen ist man über den -Stand der feindlichen Rüstungen unterrichtet; während des ganzen Krieges, -besonders auch gleich nach jeder Schlacht, sind Aufklärungsschiffe oder -kleinere Geschwader am Feinde, um seine Bewegungen zu beobachten. Die -Holländer waren so vor Überraschungen sicher, konnten selbst überraschend -auftreten (Schooneveld II; Solebay) und waren imstande, Demonstrationen -an der feindlichen Küste zu unternehmen, wenn der Gegner die See geräumt -hatte. Diese Beunruhigungen sowie der Beschluß zur Ausrüstung einer sehr -starken Flotte für 1674, obgleich schon Friedensunterhandlungen mit -England schwebten, zeigen auch die energischere Kriegführung des -schwächeren Hollands und haben zur Beschleunigung des Friedensschlusses -beigetragen. - -Auch =im kleinen Kriege= war Holland im Vorteil. Sein Handel war in -Gewässern, in denen er gefährdet war, eingestellt; seine Kaper machten -reiche Beute. Daß in beiden Jahren die wertvollen Ostindienconvois nach -siegreichen Schlachten glücklich einkamen, ist ein lehrreicher Beitrag -zur Beurteilung des Kreuzerkrieges (vgl. Seite 305). - -$Eine Zusammenstellung der Hauptereignisse$ möge vorstehende -Betrachtungen belegen und nochmals veranschaulichen, in welcher -ruhmreichen und wirkungsvollen Weise die holländische Marine unter -schwierigen Verhältnissen in den Krieg eingegriffen hat: - - Frühjahr $1672$ Krieg mit Frankreich und England unvermeidlich, dennoch - nur die Indienststellung von 40 Schiffen beschlossen. 23. März greifen - die Engländer den Smyrnaconvoi an; nun Ausrüstung von 96 Schiffen - angeordnet, aber die Ausführung, außer in der Provinz Holland, - saumselig; 7. April Kriegserklärung. - - 15. Mai Ruyter an der englischen Küste; zurück, da die feindlichen - Flotten schon vereinigt; 23. Mai Ruyter vor der Themse; nach Ghents - Vorstoß, auf Wunsch de Witts unternommen, zurück. 29.-31. Mai - vergebliche Versuche der Verbündeten, die holländische Flotte von ihren - Küsten abzuziehen. - - 7. Juni überrascht Ruyter (75 Schiffe) den Feind (87 Schiffe) bei - Solebay und geht unverfolgt zurück: hierdurch die Gefahr einer Landung - in Holland zur Zeit der höchsten Not abgewehrt. Die Flotte, auf 59 - Segel herabgesetzt, wird an der Küste gehalten; die Verbündeten, - 13.-20. Juli in Sicht, wagen keine Landung, werden durch Sturm - zerstreut und räumen für dieses Jahr die See. Ruyter holt den - Indienconvoi ein; Kaper in Tätigkeit. - - Zu Lande im Juli die Deiche durchstochen, um die Provinz Holland zu - halten. Brandenburg und Österreich schreiten ein und die Niederlande - erhalten Luft; Luxembourgs Einfall im Dezember schlägt fehl. - - $1673$ Brandenburg und Österreich treten zurück, die Niederlande aufs - neue arg bedrängt; wiederum droht eine Landung. 10. Mai versucht - Ruyter, die Themse zu sperren; durch Prinz Ruperts Tatkraft vereitelt. - 29. Mai verbündete Flotten vereinigt, haben Truppen an Bord und weitere - stehen bereit; sie erscheinen 1. Juli an der holländischen Küste (91 - Schiffe). Am 7. Juli ihr Angriff mit Brandern bei Schooneveld (erste - Schlacht) durch Ruyter (64 Schiffe) abgeschlagen; 14. Juni greift - Ruyter überraschend an (zweite Schlacht), die Verbündeten laufen in die - Themse ein. - - 3.-13. Juli Ruyter vor der Themse, dann in seiner Defensivstellung. Die - Verbündeten erscheinen Ende Juli: Truppen an Bord, eine »Armee« zur - Überführung bereit; sie versuchen am 31. August und 1. September - vergeblich, die holländische Flotte in den Kanal zu ziehen und bedrohen - dann die Küsten (90 Schiffe). Ruyter (75 Schiffe) geht zum Angriff vor, - um dem Indienconvoi die Einfahrt frei zu machen. 21. August sein Sieg - bei Texel: Verbündete zur Themse, Franzosen bald nach Brest; sie geben - den Landungsplan endgültig auf. Ruyter zu Demonstrationen in See, der - Convoi läuft glücklich ein. - - 19. Februar 1674 Frieden mit England. - - Holland ist zur See frei und kann mit Spanien und Österreich zur - Offensive übergehen; der weitere Landkrieg wird außerhalb der - Niederlande geführt. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Siebentes Kapitel. - - Nebenkriege 1674-1688. - - $Der französisch-holländische Krieg 1674-1678. Der schwedisch-dänische - Krieg 1675-1679. Kämpfe gegen die Barbaresken. Die Franzosen vor Genua - 1684.$ - -Nach dem Frieden von Westminster setzte Holland mit Spanien und -Österreich verbündet den Kampf mit Frankreich fort. Durch die Parteinahme -anderer Mächte -- das Reich, Brandenburg, Schweden, Dänemark -- wird der -Krieg fast zu einem europäischen und bringt uns, wenn auch die -Kriegführung zur See nicht mehr die Rolle wie bisher spielt, zwei -wichtige Nebenkriege. - - Der weitere Verlauf dieses Krieges -- $der zweite Eroberungskrieg - Ludwigs XIV$. $1672-1678$ --, von uns bis Ende 1673 (zuletzt Seite 351) - verfolgt, sei hier zusammengefaßt. Zunächst schloß sich (1674) der - =Große Kurfürst= wieder dem Kaiser an, als Österreich wirklich Ernst - machte, und auch das Reich erklärte den Krieg, nachdem Ludwig XIV. das - Bistum Trier überfallen hatte; die Bischöfe von Münster und Köln, vom - Reiche und Österreich bedroht, schlossen Frieden mit Holland und traten - zu den Gegnern Frankreichs. - - Nun stellte =Ludwig= 4 Armeen auf: die erste unter =Condé= gegen - Holland und die spanischen Niederlande; die zweite unter =Turenne= - gegen Österreich und Brandenburg am Oberrhein; mit der dritten - bemächtigte er selbst sich der Franche-Comté; die vierte unter - =Schomberg= schützte die Provinz Roussillon gegen Spanien. Auf den - verschiedenen Kriegsschauplätzen wurde mit wechselndem Glück gefochten. - Im allgemeinen lag der Erfolg auf seiten Frankreichs -- jetzt schon - unter schrecklicher Verwüstung der deutschen Lande --, besonders als - der Große Kurfürst (1675) durch den Einfall der Schweden gezwungen - wurde, vom Rhein nach der Mark zurückzukehren (Fehrbellin). - - =Schweden= hatte sich mit Frankreich verbündet, in der Hoffnung, so den - verlorenen Einfluß in Deutschland wieder zu gewinnen; nun aber trat - =Dänemark= auf die Seite Brandenburgs, um womöglich seine an Schweden - verlorenen Provinzen (Seite 240) zurückzuerhalten. Der Krieg zwischen - Schweden und Dänemark -- dieses durch eine holländische Flotte - unterstützt -- wurde auch wesentlich zur See ausgefochten. - - Wenn nun auch Dänemark und Brandenburg Erfolge Schweden gegenüber - erzielten (Eroberung Pommerns; Einfall in Schonen; Niederbruch der - schwedischen Flotte), so blieben doch Österreich und das Reich am Rhein - im Nachteil, Oranien konnte nur eben Holland verteidigen und Spanien - war zu schwach, Frankreich ernstlich anzugreifen oder selbst nur seine - Niederlande zu schützen. =Spanien= mußte gleichzeitig gegen einen - =Aufstand in Sicilien= kämpfen, der von Frankreich durch die Flotte und - Landtruppen unterstützt wurde, hier traten holländische Seestreitkräfte - für Spanien ein; dem Kaiser hatte Ludwig einen neuen Feind in den - Türken geschaffen, die in Ungarn angriffen. Schließlich kam hinzu, daß - der Kaiser eifersüchtig und argwöhnisch auf den Erfolg Brandenburgs - sah. Anstatt im engsten Bunde mit ihm ganz Deutschland in den Kampf zu - rufen, um Franzosen, Schweden und Türken zurückzuschlagen, schloß er - den Frieden von Nymwegen (1678). Holland trat diesem bei, da ihm - Frankreich günstige Bedingungen stellte; es war durch den langen Krieg - erschöpft. Ludwig XIV. war ebenfalls zum Frieden geneigt; auch sein - Land hatte schwer gelitten, und seit Anfang 1678 drohte =England=, sich - zu den Gegnern zu gesellen. Karl II. hatte auf Drängen des Parlaments - ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis mit Holland schließen und seine - Regimenter vom französischen Heere zurückziehen müssen; er rüstete nun - sogar gegen Frankreich. Die englische Nation sah, neben anderen - Eifersuchtsgründen, daß die französische Marine der eigenen überlegen - geworden war. Ludwig fürchtete nun zwar die Engländer zu Lande nicht, - aber zur See fühlte er sich doch den vereinigten Seemächten nicht - gewachsen. Er räumte deshalb Sicilien, verdoppelte aber seine Angriffe - gegen die spanischen Niederlande. Bisher hatte er diese wegen der - englischen Empfindlichkeit in Hinsicht auf die belgische Küste - geschont; jetzt brauchte er hierauf keine Rücksicht mehr zu nehmen und - bedrohte nun Holland dort, wo es ihn am meisten fürchtete; auch dies - bestärkte Hollands Neigung zum Frieden. - - Der =Frieden von Nymwegen= (11. August 1678) bezeichnet die Höhe von - Ludwigs Macht. Die Hauptzeche mußten Spanien und das Reich zahlen. - Spanien verlor die Franche-Comté und weitere zwölf Städte seiner - Niederlande; der Kaiser gab die elsässischen Reichsstädte (Straßburg - ausgenommen) auf und trat Freiburg ab, welcher strategische Punkt - sofort durch Vauban stark befestigt wurde, ebenso blieb Lothringen - tatsächlich in Frankreichs Hand. Auch Brandenburg und Dänemark büßten - in dem von Ludwig diktierten Frieden (St. Germain und Fontainebleau - 1679) mit Schweden die Früchte ihrer Erfolge wieder ein. Holland verlor - nur einige unwichtigere Kolonien, aber auf dem Festlande nichts; daß - jedoch dieser weitere Krieg nach 1674 ihm mittelbar großen Schaden - brachte, werden wir später sehen. Ludwig XIV. nutzte nun noch in den - nächsten Jahren die Schwäche des Reiches und Spaniens aus, indem er -- - auf Grund der Rechtssprüche der berüchtigten =Reunionskammern= -- - seinen Besitz im Elsaß, der Pfalz und den spanischen Niederlanden - erweiterte und befestigte, er nahm sogar mitten im Frieden Straßburg - weg. - - - Der französisch-holländische (-spanische) Krieg 1674-1678. - -Nach dem Rücktritte Englands zog =Frankreich= seine Flotte vom Ozean -zurück; Ludwig hielt sie mit Recht noch nicht für leistungsfähig genug, -allein den Holländern gegenüberzutreten, und er faßte den Entschluß, -diesen die Herrschaft im Kanal und Atlantik zu überlassen. Hier wurde nur -ein geringer Teil der Seestreitkräfte zur Unterstützung der Verteidigung -wichtiger Küstenplätze bestimmt, die Hauptmacht zog man =im Mittelmeer= -zusammen, um den Landkrieg gegen Spanien zu unterstützen. Auch während -der folgenden Kriegsjahre stellten die Häfen am Atlantik weiter -Verstärkungen für das Mittelmeer, sonst nur kleinere Geschwader für -Westindien. =Holland= verminderte seine Rüstungen zur See, als man sich -jetzt dort nicht mehr unmittelbar bedroht sah. Wie wir wissen, war vor -dem Frieden mit England beschlossen, für 1674 eine besonders starke -Flotte -- 84 Linienschiffe -- in Dienst zu stellen; dieser Etat wurde im -April auf 54 Linienschiffe, 12 Fregatten und 18 Brander herabgesetzt. Die -dadurch gemachten Ersparnisse sollten verwendet werden, 10 Regimenter -(10700 Mann) zur Einschiffung für Expeditionen aufzustellen. - - Nach de Jonge, Teil II, Beilage IX, sind tatsächlich ausgelaufen: 3 - Schiffe zu 80 Kanonen; 6 zu 70; 14 zu 60-70; 26 zu 40-56, 10 Fregatten - zu 28-36 Kanonen; 15 Brander; 12 Bombenfahrzeuge und 66 kleinere - Fahrzeuge, Jachten und Transporter. Frieslands Kontingent fehlte wieder - wegen Geldmangels, auch waren in der Eile nur 6000-7000 Soldaten zu - beschaffen. - -Man =beabsichtigte= nämlich, gleichzeitig unter Ruyter -- mit oder ohne -die hierzu zugesagte Unterstützung Spaniens --, Frankreich in seinen -aufblühenden Besitzungen Westindiens und seinem zunehmenden Handel dort -anzugreifen und unter Tromp gegen die französischen Küsten vorzugehen, -sich hier festzusetzen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diese -Pläne wurden sorgsam geheim gehalten; sie kamen aber dennoch zur Kenntnis -Ludwigs, da dieser für Spione und Verräter nie Geld sparte. Die -Gesamtflotte sammelte sich schon nach vier Wochen in den Wielingen, ging -am 24. Mai in See und ankerte am 8. Juni vor Torbay. Hier nahm Ruyter die -Teilung für die beiden Expeditionen vor und trat dann selbst mit dem -kleineren Teile schon an dem gleichen Tage die Reise nach Westindien an. -Da diese Expedition mit anderen Ereignissen in den Kolonien zusammen -besprochen werden soll, wenden wir uns zuerst Tromp zu. - -$Tromp an der französischen Küste und im Mittelmeer[203] 1674.$ Tromps -Flotte setzte sich zusammen aus: 36 Linienschiffen und Fregatten (es -traten später noch einige hinzu), 9 Brandern, 12 Mörserbooten (hier für -Holland zum ersten Male erwähnt), zahlreichen kleinen Segeln und -Transportern; unter ihm kommandierten 3 Leutnant-, 3 Vize-, 3 -Kontreadmirale; die Vorhut führte Leutnantadmiral Bankers, die Nachhut -Leutnantadmiral van Nes; 3000-4000 Soldaten unter dem Artilleriegeneral -Graf van Hoorn waren eingeschifft. Die Franzosen hatten für den Atlantik -nur 14 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der Vizeadmiral des Atlantik -d'=Estrées= führte den Oberbefehl, er befand sich in Brest, die Schiffe -lagen aber getrennt in Brest, La Rochelle und Rochefort; sie haben sich -auch nicht vereinigt, sie hatten eben den Befehl, im Verein mit den -Landstreitkräften die Küste ihres Bezirkes zu verteidigen; später wurden -sie zu Angriffen auf den holländischen Handel verwendet. - - [203] Hauptquellen: de Jonge, Teil II; »Vie de Tromp«. -- Bonfils; Jal: - »du Quesne«. - -=Tromp= verließ erst am 18. Juni Torbay; 10 Tage hatte er auf Transporter -warten müssen, die Feldgeschütze und Kriegsmaterial brachten; ein übler -Vorgang für überraschendes Auftreten. Der Admiral hielt deshalb auch -Brest für in zu guten Verteidigungszustand gesetzt, um etwas gegen die -Stadt oder auch nur gegen die im Hafen liegenden Schiffe zu unternehmen. -So erschien er am 23. =vor der Insel Belle-Isle=; es wurde auf Vorschlag -Hoorns hier eine Landung beschlossen und, durch steife östliche Winde -verzögert, am 27. ins Werk gesetzt. Unter dem Feuer von 4 Fregatten gegen -einige Schanzen, die der Feind am günstigsten Landungsplatze aufgeworfen -hatte, wurde gelandet, der Gegner aus den Befestigungen vertrieben und -auf ein festes Schloß zurückgeworfen. Dieses aber war gut armiert (200 -Kanonen?), hoch und so gelegen, daß die Schiffe es nicht unter Feuer -nehmen konnten, sowie durch reguläre Truppen nebst dem Aufgebot von Adel- -und Bauernmiliz der Küste stark besetzt. Die Stellung erwies sich als zu -fest; die Holländer schifften sich nach zwei Tagen wieder ein, nachdem -sie die ganze Insel durchstreift und viel Vieh für die Flotte -weggetrieben hatten. - -[Illustration: Cornelis Tromp.] - -Am 30. Juni ging Tromp wieder unter Segel, um die Küste zu beunruhigen -und einen geeigneteren Landungsplatz zu suchen. Als solcher wurde -=Noiremoutiers= ausersehen, eine Insel vor dem Loir, nur durch einen bei -Ebbe trockenfallenden Meeresarm vom Festlande getrennt. Auch hier wurde -die Landung trotz mancherlei Schwierigkeiten -- Schanzen am Strande; ein -Teil der Boote verfehlte den durch Bankers ausgesuchten Landungsplatz und -traf auf beschwerlichen steinigen Grund, Gewehre und Munition wurden -dabei naß -- und tapferer Gegenwehr ausgeführt; die schwache feindliche -Streitmacht räumte das Kastell (nur 17 Kanonen) und die Insel. Die -Holländer schufen sich hier eine Stellung, fest genug, um einem Angriff -vom Festlande her zu widerstehen; Abteilungen der Flotte erkundeten und -beunruhigten von hier aus die Küste, sie brachten auch manche Kauffahrer -und Fischer auf. Das war aber auch alles. Französischerseits war hier -gleichfalls überall die Bevölkerung unter Führung ihrer Edelleute -zu den Waffen gerufen und die Küstenplätze hatte man in guten -Verteidigungszustand gesetzt; die Holländer waren weder an -Seestreitkräften noch an Truppen stark genug, um etwas gegen die -Seestädte zu unternehmen oder um von Noiremoutiers aus den Krieg nach dem -Festlande hinüberzutragen. Nach drei Wochen (am 26. Juli) gab man den -gewonnenen Stützpunkt als unnütz wieder auf und =die Flotte segelte nach= -St. Sebastian (=Spanien=). - -Hier wurden Tromp und Hoorn von der spanischen Regierung aufgefordert, -=ins Mittelmeer= zu gehen, um den Krieg in den Grenzprovinzen durch -Vertreibung der französischen Seestreitkräfte zu unterstützen. Im -Mittelmeer standen im August etwa 18 spanische Kriegsschiffe und 22 -Galeren -- vermutlich nicht in bester Verfassung -- 22 Linienschiffen, 24 -Galeren und 8 Brandern Frankreichs gegenüber; die französische Flotte war -nicht nur dem Landkriege schon von wesentlichem Nutzen gewesen, sie -bedrohte auch die spanischen Silberflotten und den Handel Hollands. Da -nun die Instruktion den holländischen Führern die Erlaubnis gab, mit -ihrer ganzen Flotte oder einem Teile ins Mittelmeer zu gehen, »falls es -sehr vorteilhaft erschiene«, so faßten sie einen dementsprechenden -Entschluß. Ein Geschwader von 15 Kriegsschiffen, 3 Brandern und 35 -anderen Segeln wurde unter =van Nes im Atlantik= belassen, um weiter den -französischen Handel zu schädigen und die Küsten zu beunruhigen; auch die -Mörserboote ließ man zurück, sie hielten die Flotte auf und waren nur für -etwaige größere Bombardements mitgenommen. =Tromp= segelte mit 24 -Kriegsschiffen, 5 Brandern und 14 der bessern anderen Fahrzeuge, auf -denen sich der größere Teil der Landungstruppen befand, am 9. August über -Cadiz =nach Barcelona=. - - =Van Nes= blieb bis Anfang Oktober an der französischen Küste und ging - dann heim; besondere Ereignisse fanden in dieser Zeit nicht statt. - -Die Franzosen blockierten diese Stadt und hatten Werke zur Belagerung -aufgeworfen; bei der Annäherung der Holländer wurden Blockade und -Belagerung schleunigst aufgegeben. Tromp segelte weiter nach der Bay von -=Rosas=. Hier hielten die Franzosen (jetzt scheinbar 28 Linienschiffe) -die Hauptflotte der Spanier fest, die bestimmt war, 7000 Mann zur -Unterdrückung des Aufstandes nach Sicilien überzuführen. Tromp hoffte -hier, vereinigt mit den Spaniern dem in Madrid gemeinsam gefaßten Plane -gemäß, zum Schlagen zu kommen (Ankunft 2. Oktober), aber auch diese -Blockade war von den Franzosen aufgegeben; die Spanier hatten sofort -Nutzen daraus gezogen und waren nach Sicilien abgegangen. Dieses -Imstichlassen seitens der Spanier empörte Tromp und Hoorn; ihre -Entrüstung wuchs, als die spanische Regierung nun das Ansinnen an sie -stellte, mit ihrer Flotte nach Sicilien zu gehen und bei der Wiedernahme -des empörten Messinas mitzuwirken. - - Schon mit der Fahrt nach dem Mittelmeer überhaupt hatten die - holländischen Chefs eine große Verantwortung übernommen, und - tatsächlich wurde Tromp später von der Admiralität Amsterdam -- da der - Zug nur so wenig Erfolg gehabt -- wegen der dadurch veranlaßten - längeren Indienststellung der Schiffe zur Verantwortung (pekuniären) - gezogen; Oranien glich die Sache aus. - -Trotzdem erklärten sie sich bereit, 1500 Mann zum Entsatz der belagerten -Stadt Rosas zu landen und einige Schiffe zu ihrer späteren -Rückbeförderung zurückzulassen. Die Flotte selbst ging =nach Holland= und -traf dort am 3. Dezember ein; die zurückgelassenen Schiffe folgten bald, -da die Franzosen gleich nach der Landung der Truppen die Belagerung der -Stadt abgebrochen hatten. - -=Die Expedition Tromps hat also wenig Erfolg gehabt=; Die französische -Küste ist beunruhigt worden, aber nichts deutet darauf hin, daß hierdurch -französische Truppen von den östlichen Kriegsschauplätzen abgezogen -wurden; das verbündete Spanien ist aus einigen Verlegenheiten befreit; -das wichtigste Ergebnis war vielleicht, daß man Europa zeigte, wie trotz -des vorhergegangenen schweren Krieges die holländische Marine noch immer -der französischen gegenüber überlegen auftreten konnte. Aber entsprach -dieser Erfolg den Erwartungen, die man auf dies kostspielige Unternehmen -gesetzt hatte? Anstatt wie man geplant und gehofft, einen wichtigen -französischen Hafenplatz zu nehmen und zu halten oder doch die Schiffe -und Anlagen dort zu zerstören, mußte man sich mit der zeitweisen -Besetzung einiger unwichtiger Inseln begnügen. »Warum das eine und nicht -das andere geschah, ist dunkel,« sagt de Jonge. Als wahrscheinliche -Gründe führt derselbe Autor an: »Infolge des längeren Winters« -- diesen -Grund haben wir nun schon recht oft gehört -- »war die Flotte zu spät -fertig; trotz aller Geheimhaltung hatte Ludwig Kenntnis erhalten und -konnte Gegenmaßregeln treffen; man hatte auf eine Erhebung in der -Normandie und Bretagne gerechnet, die die eine oder die andere Stadt den -Holländern ausliefern sollte -- dies wurde rechtzeitig entdeckt und -unterdrückt. Daran endlich, daß nicht wenigstens der französischen -Seemacht im Mittelmeer ein schwerer Schlag zugefügt werden konnte, war -das Verhalten der Spanier schuld.« Alles dieses trifft wohl zu, man muß -aber doch sagen, daß das Hauptunternehmen gegen die französische Küste -mit weit stärkeren Mitteln hätte ins Werk gesetzt werden müssen; so hatte -es mehr den Charakter der Brandschatzungseinfälle in Feindesland älterer -Zeiten. - -$Der Krieg in den Kolonien$ (Ruyter vor Martinique 1674; Kampf um -Guayana, Tabago und Westafrika 1676 und 77). =Ruyter=[204] war von Torbay -gleich nach der Teilung der Flotte am 8. Juni $1674$ in See gegangen, um -keine Zeit zu verlieren. Im Frieden von Westminster hatte Holland -Neu-Niederland (New York) an England abtreten müssen. Man betrachtete -dies mit Recht als einen großen Verlust für die Ausbreitung des Handels -und wünschte, durch Erweiterung der Kolonien in Westindien diesen Schaden -wieder wett zu machen. Die Eroberung französischer Besitzungen dort, -insbesondere =Martiniques=, schien dazu sehr geeignet; Ruyter selbst soll -gerade auf diese Insel hingewiesen haben. - - [204] Hauptquellen: de Jonge, Teil II, und »Leben Ruyters«, in - letzterem der Bericht Ruyters über die Expedition mit genauen - Dispositionen für die Landung auf Martinique. - -Das für Westindien bestimmte Geschwader bestand aus 18 Linienschiffen und -Fregatten, 6 kleineren Segeln, 6 Brandern und 24 Transportern mit -zusammen 1100 Kanonen, 4000 Matrosen, 3380 See- und Landsoldaten. Der -Admiral beschleunigte seine Reise in jeder Beziehung; so sandte er -einige der schnellsten Schiffe nach Teneriffa voraus, um dort alles zu -schneller Proviant- und Wasserergänzung vorzubereiten, auch ließ er durch -vier andere gute Segler langsame Fahrzeuge in Schlepp nehmen. In -Teneriffa verweilte er nur einen Tag (25. Juni) und traf am 19. Juli vor -Martinique ein. Es war einem vorausgesandten Schiffe gelungen, einige -Einwohner beim Fischen abzufangen; von ihnen erfuhr man, daß seit etwa -vier Wochen auf allen französischen Inseln Ankunft, Stärke und Absicht -der Holländer bekannt sei; die Besatzungen seien überall verstärkt, die -Schiffe (Kriegs- und Handelsfahrzeuge) unter den Schutz der Batterien -gebracht. Man beschloß im Kriegsrat, =Fort de France= als den wichtigsten -der drei Häfen der Insel anzugreifen. Sein Besitz war nötig, wenn man die -Insel dauernd halten wollte, seine Eroberung vom Lande her, falls man -zuerst einen andern Platz genommen, schwierig; hier lagen ferner die -wertvolleren Schiffe und hier waren am leichtesten Wasser und Brennholz -für die Flotte zu erhalten, endlich wußte man, daß die Befestigungen -dieses Punktes noch nicht ganz fertig waren. Am 20. schritt man zur -Landung und hatte anfangs Erfolg. - - Ruyter hatte geplant, in den Hafen einzulaufen, doch zeigte sich die - Einfahrt für schwere Schiffe zu seicht, durch zwei versenkte Fahrzeuge - teilweise gesperrt und durch das Fort (20 Kanonen) sowie durch ein - Kriegs- und ein armiertes Kauffahrteischiff zu gut geschützt. Man mußte - deshalb in einer benachbarten Bucht, die aber auch durch das Fort und - die genannten Schiffe bestrichen werden konnte, landen und das Fort vom - Lande her angreifen. Nach einem schon auf der Reise ausgearbeiteten - Plane wurde unter dem deckenden Feuer der Schiffe mit allen Booten in - breiter Formation eine Brigade von 1000 Soldaten an Land geworfen; es - kostete schwere Verluste -- der Feind war 5 Kompagnien stark, der - Strand war steil, schlüpfrig und schmal -- aber es gelang, den Feind in - den Busch zu treiben, festen Fuß zu fassen und das Landen zweier - gleichstarker Abteilungen zu decken. Verstärkungen von Matrosen wurden - sofort nachgesandt und der Feind auch aus dem mit Verhauen gesperrten - Busch vertrieben. Die Stellung des Gegners beim Fort war jedoch stark, - begünstigt durch eine mit Infanterie besetzte Anhöhe; mehrere Stürme - wurden abgeschlagen, eine Umgehung, um das Fort in der Kehle - anzugreifen, wurde durch das Feuer der feindlichen Schiffe vereitelt. - In den Kämpfen fielen der Chef des Landungskorps, zwei Brigadeführer - und mehrere andere höhere Offiziere oder wurden verwundet: ein Teil der - Truppen ging fluchtartig nach den Booten zurück. Französische Berichte - sagen, viele Holländer hätten sich in Wein- und Branntweinmagazinen am - Strande betrunken. - -Infolge großer Verluste aber, besonders an höheren Dienstgraden der -Soldaten, hielt Ruyter am Abend die Eroberung des Forts für unmöglich, ja -sogar das Landungskorps für gefährdet; er befahl deshalb die -Wiedereinschiffung, die dann während der Nacht in voller Ordnung vor sich -ging. - -Nach diesem mißlungenen Versuch segelte der Admiral nach =Domingo=, um -Wasser aufzufüllen. Die Überzeugung, daß auch die andern Inseln zu gut -vorbereitet wären, das Vorhandensein der vielen Verwundeten an Bord, der -Mangel an Führern für das Landungskorps und endlich das Herannahen der -Orkanzeit bestimmten ihn, =nach Holland zurückzukehren=; er ließ 5 -Schiffe in den westindischen Gewässern. Seine Reise nach Holland (Ankunft -30. September) wurde durch Stillen und Stürme verzögert; die Rationen -mußten herabgesetzt werden und die Flotte litt sehr unter Ruhr und -Skorbut. - -Das =Mißlingen dieser Expedition= wird wiederum der zu späten -Seebereitschaft der Schiffe und dem Umstande zugeschrieben, daß der Feind -rechtzeitig Kenntnis erhielt. Dies braucht nicht allein eine Folge von -Verrat gewesen zu sein, die Ausrüstung der Flotte konnte kein Geheimnis -bleiben. Daß sich die Franzosen nicht nur auf einen Vorstoß gegen ihre -Küsten, sondern auch gegen ihre auswärtigen Besitzungen gefaßt machten, -ist nicht wunderbar, hatte doch gerade Ruyter im Jahre 1664 einen -ähnlichen Zug erfolgreich gegen englische Kolonien unternommen und die -alten Expeditionen der Engländer sowie eigene der Art gegen Spanien und -Portugal, seitdem die Kolonien eine Rolle spielten, waren wohl -unvergessen. Wäre es aber für Holland nicht richtiger gewesen, seine -Kräfte 1674 nicht zu zersplittern, die Expedition Ruyters stärker zu -machen oder die ganze Flotte gegen die französische Küste oder noch -besser gegen die feindlichen Seestreitkräfte im Mittelmeer zu verwenden? -Wir kommen darauf zurück. - - Das Mißlingen der Unternehmung gegen Martinique im besonderen wird dem - Mangel an Kenntnis der Örtlichkeit zugeschrieben. Ein französischer - Edelmann, der auf der Insel gewohnt hatte, soll den Zug begleitet - haben, um Rat zu geben. Dieser äußerte sich später, man habe nicht auf - ihn gehört und einen sehr ungünstigen Landungsplatz gewählt. - -Die $Pläne, Frankreich in Westindien zu schädigen$[205] und die eigene -Macht dort zu erweitern, wurden keineswegs aufgegeben; die Provinzen von -Holland, besonders Amsterdam, legten großen Wert darauf. $1676$ gründete -eine von Amsterdam ausgerüstete Expedition in =Guyana= am Cyapoco eine -Niederlassung (Oranje), doch wurde diese bereits nach 9 Monaten eine -Beute der Franzosen in Cayenne. In demselben Jahre wurde aber noch ein -zweites Unternehmen gegen französische Besitzungen ins Werk gesetzt. -Unter =Jacob Binckes= eroberte ein Geschwader von 3 Linienschiffen, 3 -Fregatten und 3 Jachten -- ausgerüstet unter dem Vorwande, den Handel im -Mittelmeer zu schützen -- nebst einem Transporter mit 700 Soldaten das -=Fort Cayenne= (Mai 1676); diese Kolonie wurde mit 200 Soldaten besetzt. -Auch die Insel Marie Galante wurde genommen, man brandschatzte sie aber -nur und führte alle brauchbaren Sachen, sogar die Sklaven hinweg, um sie -zur Besiedlung von =Tabago= zu verwenden. Ein Anschlag auf Guadeloupe -mißlang infolge Herankommens einiger starker Linienschiffe von Martinique --- 1675 war ein kleines Geschwader unter de Grancey von La Rochelle nach -den Antillen gesandt --, mit denen man ein scharfes Gefecht zu bestehen -hatte. Endlich brandschatzte Binckes noch St. Martin und nahm einige -bewaffnete Kauffahrer an der Nordküste von Domingo. Dann führte er seine -Hauptaufgabe aus, die Inbesitznahme Tabagos. Hier hatte schon 1655 eine -aufblühende holländische Kolonie bestanden, sie war aber, im vorletzten -Kriege verschiedentlich den Herrn wechselnd, verwüstet und fast ganz -wieder verlassen. Binckes brachte nun holländische Pflanzer anderer -Inseln dorthin, landete seine Truppen und setzte die alten Befestigungen -wieder instand; es sollte auch sofort der Kampf um die Insel beginnen. - - [205] Hauptquellen: de Jonge, Teil II, dort auch genauere Angaben über - die beiderseitigen Streitkräfte; Chab.-Arnault; Bonfils. - -Ludwig XIV. sandte schon im Oktober 1676 ein Geschwader aus, um Cayenne -zurückzuerobern, Tabago zu nehmen und auch sonst Beute zu machen. Admiral -=d'Estrées=, eifersüchtig auf die von du Quesne im Mittelmeer errungenen -Lorbeeren, hatte den Anstoß dazu gegeben und selbst einen Teil der Kosten -beigetragen; er führte den Oberbefehl. Ende Dezember nahm er leicht -Cayenne und Oranje, er erschien dann am 20. Februar 1677 =vor Tabago=. -Binckes hatte seine Ankunft in Westindien erfahren, war aber zu schwach, -ihm auf See entgegenzutreten. D'Estrées' Geschwader bestand aus 7 -Linienschiffen, 3 Fregatten, 3 Jachten und 1 Brander, auch waren die -französischen Linienschiffe weit mächtiger, alle Schiffe weit stärker -bemannt und auf ihnen 450 Soldaten sowie 400 Freiwillige von den -französischen Inseln eingeschifft. Als eins der ersten Beispiele -derartiger Kämpfe um Kolonien, von dem genauere Angaben vorliegen, sei -etwas näher auf diese Aktion eingegangen; sie wird außerdem in der -Geschichte der holländischen Marine mit Recht als eine hervorragende -Waffentat angesehen. - - =Binckes= hatte wegen Mangels an Material und wegen der - vorhergegangenen Regenzeit das Fort noch nicht völlig herstellen - können. Die Lage war aber günstig, an Busch und Morast gelehnt; zur - Bestreichung der Bucht war noch eine behelfsmäßige Batterie vor dem - Fort gebaut. Da die Besatzung ungenügend erschien -- die Zahl der - Soldaten war durch Abgabe der Cayenne-Garnison sowie durch Verluste und - Kranke sehr vermindert --, verstärkte der Admiral sie von den Schiffen. - Er hielt die Stellung am Lande für die wichtigere; die Schiffe konnten - die Insel nicht halten und waren mit dem Verlust der Befestigungen - selbst verloren. Dementsprechend erwartete er auch den Hauptangriff am - Lande, um so mehr da für einen Angriff das Segeln auf die Rhede zwar - leicht, das Wiederabsegeln aber sehr schwer, oft nur vermittels - Warpen[206] möglich war. Binckes übernahm selbst auch das Kommando am - Lande. Die Schiffe waren im Grunde der Bucht in Linie verankert: eng - geschlossen, mit den Breitseiten nach See zu vermoort, die Flügel der - Linie an den Strand und an eine Bank mit Klippen gelehnt. - - [206] Ein Schiff fortbewegen, indem man mit Booten leichte Anker - auslegt und sich an diese heranholt. - - Am 21. landete =d'Estrées= etwa 1000 Mann, stellte Geschütze auf einem - Hügel auf und beschoß, allerdings ohne großen Erfolg, Fort und Schanze; - das Geschwader blockierte die Bucht und lotete das Fahrwasser aus. Nach - Ansicht Binckes' würden die Franzosen Erfolg gehabt haben, wenn sie den - Hauptwert auf die Eroberung des Forts gelegt, dazu das Landungskorps - durch Ausschiffen nach Möglichkeit verstärkt und die holländischen - Schiffe nur beschäftigt hätten. So aber ordnete d'Estrées, wieder - seemännischem Rate unzugänglich, für den 3. März einen gleichzeitigen - Angriff zu Lande und zu Wasser an. Der Angriff wurde mit großem Mute - durchgeführt, erreichte aber den Zweck nicht. Am Lande können die - Franzosen kaum die nötige Übermacht gehabt haben, um eine feste - Stellung zu nehmen. Außerdem griffen sie -- gegen den Befehl -- zu früh - und an einer anstatt an mehreren Stellen an. Ein dreimaliger Sturm - wurde mit großen Verlusten (200 Tote, viele Verwundete), darunter der - Führer und fast alle Offiziere, abgeschlagen. Das Landungskorps mußte - sich während der Nacht zurückziehen und wurde später in einer - benachbarten Bucht wieder eingeschifft. - - Die französischen Schiffe segelten in zwei Kolonnen auf die Rhede und - legten sich längsseit der Holländer, teilweise Bord an Bord. In einem - hartnäckigen Kampfe verbrannten sämtliche holländischen Schiffe bis auf - 2 Linienschiffe und 1 Fregatte, die sich aber entmastet und leck auf - den Strand setzen mußten. Jedoch auch auf französischer Seite flog das - Flaggschiff mit seinem Gegner zugleich auf, ein zweites Linienschiff - verbrannte, zwei andere und der Brander gerieten auf Strand, die - übrigen wurden schwer beschädigt, 3 Kommandanten fielen. Gegen Abend - zog d'Estrées die Schiffe aus dem Feuerbereich der Befestigungen; zwei - größere Linienschiffe wurden noch 2 Tage durch den Gegenwind in - Tragweite der feindlichen Geschütze zurückgehalten und wechselten - Schüsse mit diesen. Auch dieser Angriff war mit Bravour ausgeführt, - aber es wird darüber geklagt, daß die Offiziere die brennenden Schiffe - zuerst verlassen hätten. In den nächsten Tagen zerstörten die Holländer - die französischen Schanzen und nahmen die gestrandeten und verlassenen - Schiffe in Besitz; ein Versuch d'Estrées', diese Fahrzeuge und den Rest - der holländischen durch einen neuhergerichteten Brander zu zerstören, - mißlang (11. März); er verließ Tabago. - - Der Gesamtverlust der Franzosen betrug über 1500 Mann, der der - Holländer 350 Tote und Verwundete; trotzdem wurde in Paris eine - Siegesdenkmünze geprägt. - -[Illustration: Der Angriff auf Tabago, 3. März 1677.] - -Der Angriff war also abgeschlagen; infolge großer Verluste und der -schweren Beschädigungen seiner Schiffe mußte d'Estrées nach Frankreich -zurückgehen, ohne weiteres in Westindien zu unternehmen. In Holland -beschloß man, sofort Verstärkungen nach Tabago zu senden. Geldmangel -verzögerte die Ausrüstung, obgleich man hörte, daß auch Frankreich eine -neue Expedition für Westindien rüste, der Winter kam dazwischen; als ein -kleines Geschwader endlich die Antillen erreichte, war die Insel -gefallen. - -Schon im Oktober $1677$ war d'=Estrées= mit 13 Linienschiffen und -Fregatten wieder ausgelaufen. Er bemächtigte sich zunächst der -holländischen Besitzungen in =Senegambien= (Gorée, Pertudal, Joal u. a.) -und segelte dann nach den Antillen, wo er durch 12 Flibustier verstärkt -wurde. Am 6. Dezember erschien er =vor Tabago=, wo nur 2 holländische -Kriegsschiffe lagen; diese wurden blockiert und 1500 Mann gelandet. -=Binckes= verfügte nur über 350 gesunde Soldaten und mußte sich ganz auf -die Verteidigung des Forts beschränken. Am 11. eröffneten die Franzosen -aus Belagerungsbatterien das Feuer, schon die dritte Bombe sprengte das -Pulvermagazin auf, wobei Binckes und mehrere Offiziere umkamen. Das Fort -wurde erstürmt, die Niederlassung verwüstet, die Schiffe verbrannt. -Weiter aber erreichte d'Estrées nichts. Als er nach einigen Monaten Ruhe -in Martinique im Frühjahr 1678 aufbrach, um =Curaçao= anzugreifen, -erfolgte die schon erwähnte Strandung seines Geschwaders auf den -=Aves-Inseln= (Seite 349). Auch bei dieser Gelegenheit verließen (nach -französischen Angaben) Admiral, Kommandanten und Offiziere die -gefährdeten Schiffe und gaben die Mannschaften dem Untergange preis. -D'Estrées kam (französische Angabe) der französischen Marine teuer zu -stehen, wurde aber trotzdem wegen der »Eroberung von Tabago« zum -Marschall ernannt. - -$Der Krieg im Mittelmeer 1675-1678$[207] (Stromboli, Agosta, Palermo). -=Ludwig= XIV. hatte also nach dem Austritt Englands aus dem Bündnis den -Entschluß gefaßt, seine Seestreitkräfte hauptsächlich im Mittelmeer zu -verwenden; dementsprechend wurde im $Frühjahr 1674$ von den Häfen am -Ozean ein Geschwader von 10 Schiffen unter dem Chef d'Escadre Valbelle -nach dem Mittelmeer gezogen. In Toulon waren die Galeren und eine -Hochseeflotte -- vorläufig 8 Linienschiffe, 2 Fregatten, 4 Brander, aber -nach und nach beträchtlich vermehrt -- in Dienst gestellt. Den Oberbefehl -führte =Graf de Vivonne= (Bruder der Montespan), General der Galeren -- -der Posten des Vizeadmirals der Levante war nicht besetzt; unter ihm -befehligten auf der Hochseeflotte Generalleutnant du Quesne als -Vizeadmiral und Chef d'Escadre de Preuilly als Kontreadmiral. Die -Hochseeflotte und das Geschwader vom Atlantik trafen sich (Anfang Sommer) -in Tanger, um den Hafen von =Cadiz= zu forcieren und die dort liegenden -spanischen Kriegsschiffe zu zerstören, wie es früher die Engländer und -Holländer auch getan hatten. Dieser Plan wurde jedoch aufgegeben, »weil -die Spanier davon Kenntnis erhalten« -- du Quesne und Valbelle sollen den -Angriff bei den gegen früher sehr verstärkten Befestigungen für untunlich -erachtet haben. Vivonne ging nach Toulon zurück und von dort an die -Küsten von Rousillon und Catalonien zur Unterstützung des Landkrieges -- -Schutz französischer (z. B. Collioure), Angriff spanischer Seestädte; -Festhalten der spanischen Seestreitkräfte --, wir haben die Flotte oder -Teile davon bei Tromps Operationen vor Barcelona und Rosas gesehen. - - [207] Hauptquellen: de Jonge, Teil II; »Ruyters Leben«; Jal: »du - Quesne«, sehr genau; Bonfils. - -Ihre Hauptverwendung sollte die französische Flotte aber in dem =Kampf um -Sicilien= finden. Die Stadt =Messina=, damals etwa 80-100000 Einwohner, -hatte sich gegen Spanien erhoben, den Vizekönig verjagt und bat nun -Ludwig um Unterstützung. Dieser ging gern darauf ein: Der Aufstand auf -der Insel zog Spanien vom Kriege gegen ihn ab; Frankreich gewann, wenn es -in Sicilien Fuß faßte, einen wichtigen Stützpunkt für Unternehmungen -gegen Italien und für die Herrschaft im Mittelmeer überhaupt. -Infolgedessen sahen wir im September 1674 französische Seestreitkräfte -eine spanische Flotte vor Rosas festhalten, die die Truppen nach Sicilien -überführen sollte. Vor allem aber war es wichtig, dem schwerbedrängten -Messina Lebensmittel zuzuführen. =Valbelle= brachte Ende September mit 6 -Kriegsschiffen und 3 Brandern ein großes Getreideschiff unbehindert -hinüber. Das Erscheinen der Holländer unter Tromp hatte inzwischen die -spanische Flotte freigemacht, sie gelangte wohlbehalten nach Messina, und -die Belagerung ward mit aller Kraft aufgenommen. Valbelle ward deshalb -aufs neue hinübergesandt; er führte nur außer Getreideschiffen 500 -Soldaten zur Verstärkung der Stadtbesatzung mit sich. Dieses Mal fand er -hinter der Straße von Messina (am 30. Dezember) die spanische Flotte, -Hochseeschiffe und Galeren. Er wartete günstige Wind- und -Stromverhältnisse ab und lief am 3. Januar $1675$ durch die Straße und in -den Hafen ein, ohne daß die Spanier ihm entgegentraten; kleine Batterien, -die Straße und Einfahrt bestrichen, waren leicht zum Schweigen gebracht -worden. Es war die höchste Zeit für Ankunft dieser Unterstützung, die -Stadt war fast ausgehungert; die Verteidigung erhielt nun neues Leben, -die Belagerung ward lauer; die spanische Flotte machte nur einen -erfolglosen Nachtangriff mit Brandern und Booten auf die französischen -Schiffe. - -Messina stellte sich jetzt unter den Schutz Frankreichs, und im Februar -führte =Vivonne=, zum =Vizekönig von Sicilien= ernannt, eine mächtigere -Unterstützung heran. Mit 9 Linienschiffen, 1 Fregatte und 3 Brandern -begleitete er -- unter ihm du Quesne und de Preuilly -- 8 Transporter mit -Lebensmitteln und Truppen. Ihm endlich trat die spanische Flotte -- 16 -oder 17 Hochseeschiffe unter =de la Cueva= (ein Landoffizier) und 14 -Galeren unter =del Viso= (Generalkapitän der Galeren und -Oberbefehlshaber) -- entgegen, aber ohne Erfolg. - - Am 11. Februar kommt es zu einem wenig Bemerkenswertes bietenden - $Gefecht zwischen Stromboli und Lipari$. östlicher Wind, die Spanier zu - Luward. Nur 6 französische Linienschiffe sind in Linie, die Nachhut ist - mit dem Convoi weiter in Lee. Die Spanier umzingeln in Gruppen. Die - Franzosen wenden, vereinigen sich mit der Nachhut und bilden eine neue - Linie. Während des neuen Gefechts kommt Valbelle mit seinem Geschwader - von Messina und greift die Spanier von Luward her an. Die Galeren - ziehen sich zuerst mit Hilfe der Riemen nach Luward aus dem Gefecht; - auch die Schiffe brechen ab und lassen ein 40-Kanonenschiff zurück, das - von du Quesne mit Booten genommen wird; die Spanier gehen nach Neapel - (Verlust 4 Schiffe?), die Franzosen laufen in Messina ein. Wieder war - es die höchste Zeit, die Stadt stand auf dem Punkte, zu kapitulieren. - -Weitere Verstärkungen folgten nach; auch neue Kriegsschiffe stießen zur -Flotte, geführt von Leutnantgeneral d'Alméras, der jetzt das Amt des -Kontreadmirals übernahm (eines der Schiffe führte der bald berühmte de -Tourville). - -=Die französische Flotte beherrschte die See=, führte Lebensmittel für -die Stadt heran und hinderte die Zufuhren der Spanier. Vivonne eroberte -dann am 17. August fast ohne Schwertstreich =Agosta= durch eine Landung -unter dem Schutz der Seestreitkräfte, jedoch warf man ihm vor, daß er -nichts gegen die spanische Flotte in Neapel unternommen habe; er -verfügte im August über 29 Schiffe, 24 Galeren, 12 Brander. Das -eigentliche Kommando über die Flotte hatte er, »durch seine Geschäfte an -Messina gebunden«, übrigens bald an =du Quesne= abgegeben; französische -Quellen sagen aber »wegen seiner Neigung zu Ruhe und Vergnügungen«. sein -Beiname war »le gros crevé« (Dickwanst). Auch den Landkrieg führte -Vivonne lau, die Stadt blieb belagert. Weitere Unterstützungen an -Lebensmitteln und Truppen waren nötig; auch die Flotte mußte -instandgesetzt werden, weil man erfuhr, daß Holland den Spaniern Hilfe -zur See unter Ruyters Kommando zugesagt hatte. Am 16. September wurde -deshalb du Quesne mit zwei Dritteln der Flotte nach Toulon gesandt, um -seine Schiffe zu überholen, die Unterstützungen zu beschleunigen und sie -sicher heranzuführen. Verwaltung, Werften und Arsenale arbeiteten aber -noch nicht zuverlässig, und so konnte der Admiral erst am 16. Dezember -mit 20 Kriegsschiffen, 6 Brandern und verschiedenen Transportern Toulon -wieder verlassen. Ruyter war schon Ende September in Cadiz angekommen, so -daß die Absendung du Quesnes mit dem größten Teile der Flotte recht -gewagt war; zu Vivonnes Glück wurde Ruyter lange aufgehalten. - -Wenden wir uns nun zu diesem Eingreifen Hollands. Spanien hatte =Holland= -um =Unterstützung in Sicilien= gebeten. Wir wissen, daß schon Tromp im -Herbst 1674 ersucht worden war, nach Messina zu gehen; nach Einmischung -der Franzosen und besonders nach dem Siege Vivonnes (Februar 1875) wurden -die Bitten um Unterstützung durch eine holländische Flotte immer -dringender, ja man bat direkt um =Ruyter=. Die meisten niederländischen -Provinzen waren nicht geneigt, hierfür Mittel zu bewilligen; die -Generalstaaten aber und auch wohl die Provinzen von Holland, besonders -Amsterdam, fürchteten mit Recht, daß ein Festsetzen der Franzosen in -Sicilien ihre Seeherrschaft im Mittelmeer sehr stärken und den -holländischen Handel mit Italien und der Levante sehr gefährden würde. -Außerdem sah man die alte Gefahr heraufziehen, Frankreich als -unmittelbaren Nachbar zu erhalten: es verlautete nämlich, Spanien würde -unter Umständen selbst seine Niederlande opfern, um Sicilien zu retten. - -Die Verhandlungen im Lande führten zu der außergewöhnlichen Maßregel, daß -nur eine Admiralität die erbetene Hilfsflotte stellte: Amsterdam erklärte -sich bereit, die Schiffe zu liefern; von den 1-1/2 Millionen Gulden -Kosten sollte Spanien die Hälfte zahlen, 450000 wollte Amsterdam auf sich -nehmen, so daß für die übrigen Provinzen nur 300000 blieben; die -Admiralität der Maas wollte das Flottenflaggschiff stellen, aber nur um -ihr altes Recht darauf zu wahren. Genannte Summe reichte nur zu der -Indienststellung von 18 Kriegsschiffen, 4 Brandern, 6 kleinen Segeln und -2 Transportern; Spanien verpflichtete sich, 22-24 Kriegsschiffe und seine -Galeren zu stellen. - -Ruyter hielt die holländische Flotte für zu klein. Ihm war wohl bekannt, -daß die französische Marine in jeder Hinsicht Fortschritte gemacht hatte; -er achtete du Quesne hoch; er wußte, was von den Spaniern zu erwarten -war. Die Generalstaaten aber hatten keine Aussicht, mehr Mittel zu -erhalten, und beurteilten auch wohl den Verbündeten und den Gegner -anders. Ruyter mußte sogar kränkende Äußerungen hören; er beantwortete -sie mit der ihm eigenen einfachen Würde, und die Zukunft sollte zeigen, -wie richtig sein Urteil gewesen war. - -Schon die Ausrüstung und die Ausreise der Expedition verlief ungünstig -und langsam, dann waren die Spanier nicht fertig. - - Kurz diese Ereignisse: Die Verhandlungen begannen im Frühjahr 1675 und - waren im Juni zum Beschlusse gediehen, trotzdem konnte Ruyter erst am - 29. August in See gehen. Als Vizeadmiral der Flotte war Jan den Haen - kommandiert, ein tüchtiger Offizier, aber mit Ruyter nicht recht im - Einverständnis; Kapitän Verschoor, selbst in seinem Dienstgrade noch - jung, erhielt durch Gunst das Amt als Kontreadmiral. Ruyter war - kränklich, erklärte aber auf abratende Vorstellungen seiner Verwandten, - die Pflicht rufe, und er würde den Zug mitmachen, wenn er auch an Bord - getragen werden müsse; ebenso hatte er auf die kränkenden Äußerungen - geantwortet, er ginge, ohne Rücksicht auf sein Schicksal, wohin man ihn - kommandiere, aber er wundere sich, »daß man die Ehre der holländischen - Flagge so leichtsinnig aufs Spiel setze.« Als böses Omen könnte man - fast ansehen, daß sein altes ruhmreiches Flaggschiff (»7 Provinzen«) - nicht seetüchtig war; er ging an Bord der »Eendragt« (76 Kanonen). - - Sturm und widrige Winde verzögerten die Reise. Erst am 26. September - kam er in Cadiz an und mußte hier 11 Tage ausbessern; die Ausrüstung - der Schiffe war schlecht, wie sich während der weiteren Indiensthaltung - immer mehr herausstellte. In Cadiz erhielt er Befehl, von der - Ebromündung 7 spanische Linienschiffe abzuholen, den für Sicilien als - Vizekönig bestimmten Don Juan d'Austria an Bord zu nehmen und sich in - Palermo mit der spanischen Hauptflotte zu vereinigen. Die Reise wurde - zu einer Argonautenfahrt, auf die wir nicht genauer eingehen - wollen[208]: Sturm und Gegenwinde; den Haen mit 7 Schiffen im Sturm - abgesprengt; keine spanischen Schiffe an der Ebromündung, auch nicht in - Barcelona (14. November); hier 14 Tage durch Befehle und Gegenbefehle - aufgehalten; d'Austria kommt nicht »wegen Krankheit«, in Wahrheit, weil - er in Ränke gegen die Königin-Regentin verwickelt war. Am 4. Dezember - ist Ruyter in Cagliari, den Haen in Neapel; am 20. Ruyter in Melazzo - (Nordküste Siciliens), hört hier, daß die Spanier in Palermo noch nicht - schlagfertig sind und daß sie es auch wegen Uneinigkeit zwischen - Vizekönig und Admiral, wegen Lauheit der Behörden und Materialmangels - sobald nicht sein würden; selbst den Haen wurde dort festgehalten. - Endlich gegen Ende Dezember treffen den Haen und mit diesem 9 spanische - Galeren sowie ein Kriegsschiff bei ihm ein; er kann am 31. in See - gehen, um vor der Straße von Messina zu kreuzen und der Stadt die - Zufuhren von Norden abzuschneiden; die spanische Hochseeflotte soll - folgen, sobald sie bereit ist. - - [208] Sehr genau in de Jonge und im »Leben Ruyters«, hier auch die - genaue Instruktion, die der Admiral erhalten. - -=Anfang Januar= 1676 endlich vor der Straße von Messina angekommen, -erfährt =Ruyter= (über Neapel), daß =du Quesne= von Toulon aufgebrochen -und schon an der Küste Sardiniens gesehen sei; er beschloß, ihm -entgegenzutreten. Da der Wind verhinderte, die Straße zu passieren, und -den Feind hinter dieser zu erwarten, so suchte er ihn auf. Am 6. befand -er sich dicht unter der Insel Lipari und hörte von Küstenschiffern, man -könne die Franzosen von den Bergen aus in Nordwest sehen; ein auf die -Insel Salina gesandter Offizier bestätigte dies. An demselben Tage erfuhr -der Admiral auch, daß die Spanier von Palermo ausgelaufen seien. Am 7. -früh sichtete man die Franzosen im Norden Salinas, bei Südsüdwest-Wind -über Steuerbord-Bug liegend und aufkreuzend. Ruyter hielt mit vollen -Segeln auf sie zu, drehte aber um 3 Uhr nachm. außer Kanonenschußweite -bei und bildete die Gefechtslinie gleichfalls über Steuerbord. Dann rief -er die Kommandanten an Bord und gab Anweisungen und Ermahnungen für die -bevorstehende Schlacht; den Erschienenen soll sein sehr ernstes, ja -gedrücktes Wesen aufgefallen sein. - -Trotz der Luvstellung griff er an diesem Tage nicht an, sondern hielt -sich auf Parallelkurse mit dem Feinde. Ein leichtes Schiff war während -der Nacht nah am Gegner stationiert, um dessen Bewegungen zu -signalisieren. Um Mitternacht sprang der Wind auf Westsüdwest und -frischte so auf, daß die spanischen Galeren unter Lipari Schutz suchen -mußten. Gegen Morgen wendeten beide Flotten, die Franzosen zuerst. Durch -das Umspringen war der Wind für die Franzosen zur Fortsetzung der Reise -günstig geworden, und sie standen jetzt zu Luward; du Quesne sandte seine -Transporter voraus mit Kurs nach Messina, bildete mit der Flotte die -Schlachtlinie und näherte sich den Holländern. - -Jetzt erst konnte Ruyter die Stärke des Feindes genau feststellen, -bisherige Nachrichten hatten von nur 12 Linienschiffen gesprochen. - -=Die Flotten setzten sich zusammen=: - - Über 80 K. 70-74 60-64 50 36 Kleinere Brander - Franzosen; Schiffe 7 1) 6 4 3 -- ? 6 - Holländer; " -- 4 2) 2 9 3) 4 6 4) - - Galeren Transporter - Franzosen; Schiffe 4(?) - Holländer; " 9 -- - - 1) Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert; - 2) darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen; 3) darunter 1 zu 47 - Kanonen und 1 spanisches; 4) »Snauwen« zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit - 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge. - -Die Franzosen waren also an Größe der Schiffe und damit in der Armierung -wesentlich überlegen; daß die französische Armierung auch in der -Kaliberverwendung stärker war, ist uns bekannt. Die Besatzungsstärke -- -d. h. die gleicher Schiffsgrößen -- war diesmal annähernd gleich. Die -Flotten, in 3 Geschwader geteilt, wurden geführt auf holländischer Seite: -Vorhut Verschoor; Mitte =Ruyter=; Nachhut den Haen; auf französischer -Seite: Vorhut de Preuilly; Mitte =du Quesne=; Nachhut de Gabaret -- d. h. -so war die Rangierung in der Schlacht, da beide Flotten in »Kehrt« -standen.[209] - - [209] Nach de Jonge, Teil II, Beilagen X und XI; Jal: »du Quesne« und - Bonfils geben die Namen der französischen Schiffe. - - »Abraham du Quesne«, 1610 in Dieppe geboren, Sohn eines Seemannes, der - zur See gefallen war, diente in der königlichen Marine und auch mehrere - Jahre zu Kriegszeiten in der schwedischen. Nach Frankreich - zurückgekehrt, zog er die Freibeuterei dem Dienst in der verfallenen - Marine vor; erst unter Colbert trat er wieder ein. 1672 bis 1674 der - befähigtste Admiral der Flotte im Kanal; 1674-1678 hervorragend im - Mittelmeer, zeichnete sich auch später noch gegen die Barbaresken aus. - Nur weil er Protestant war, wurde er nicht zum Vizeadmiral der Levante - ernannt, obgleich er diesen Posten ausfüllte -- dieser Posten blieb so - lange unbesetzt; er erhielt auch nicht den Marschallsstab trotz seiner - Taten. Von Charakter fest und gerecht, war er ein vorzüglicher - Vorgesetzter und Organisator der jungen Marine, aber kein bequemer - Untergebener, besonders nicht den durch Hofgunst Bevorzugten gegenüber. - Er starb 1688. -- Daß Ruyter ihn als tüchtigen Gegner anerkannte, zeigt - dessen Antwort auf die Frage eines englischen Kapitäns, was Ruyter vor - Messina mache: »Ich erwarte den tapfern du Quesne.« - -Trotz der Stellung in Lee und trotz der Übermacht des Feindes nahm Ruyter -den Kampf zwischen den Inseln Stromboli und Panaria an. Die $Schlacht bei -Stromboli am 8. Januar 1676$[210] ist besonders bemerkenswert wegen -Ruyters Verhalten. - - [210] Schilderung nach »Ruyters Leben«; de Jonge, Teil II; Jal: »du - Quesne«: Bericht desselben, viele Privatbriefe, Aktenauszüge über - diese Aktion; Bonfils. -- Vgl. auch Mahan, Teil I, Seite 155, - hier besonders der Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit, daß Ruyter - mit Absicht die Defensive wählte. - -Warum benutzte er die günstige Windstellung am 7. nicht zum Angriff? -Warum nahm er am folgenden Tage den Kampf unter scheinbar ungünstigen -Umständen an? Zwar haben wir ihn im letzten Kriege seine Schlachten -behutsam vorbereiten aber dann doch -- selbst gegen Übermacht -- mit -äußerster Energie, ja Tollkühnheit durchführen sehen, wenn ein Schlagen -nötig war. Daß er auch hier unbedingt dem Feinde den Weg nach Messina -verlegen wollte, wird durch sein Bleiben am Feind und sein Schlagen am -anderen Tage bewiesen. - -[Illustration: Abraham du Quesne.] - -Die holländischen Quellen sagen nun: Am 7. habe Ruyter zunächst beidrehen -müssen, um Nachzügler zu erwarten, später sei der Tag zu weit -vorgeschritten gewesen; als er am 8. die Stärke des Feindes genau -erkannt, sei ein Rückzug zu gefährlich gewesen. Beides erscheint nicht -unbedingt zutreffend: Ruyter mußte am 7. damit rechnen, daß der Wind sich -bis zum nächsten Tage zu seinen Ungunsten ändern könne; sein »gedrücktes« -Wesen läßt darauf schließen, daß er auch an diesem Tage schon die Stärke -des Gegners erkannt hatte und deshalb vom Angriff absah. Ich möchte -andere Beweggründe für wahrscheinlicher halten. Ruyter brauchte nicht -durchaus anzugreifen, um seinen strategischen Zweck zu erreichen. Du -Quesne mußte es, wenn er seine Reise fortsetzen wollte; zögerte dieser -mit dem Angriff, so konnte jeden Augenblick die spanische Flotte zur -Verstärkung der holländischen eintreffen. Hierin ein Grund für Ruyters -Verhalten am 7. Januar. - -Hierzu kommt nun, daß ein so erfahrener Seemann wie Ruyter vielleicht -schon die Vorteile der Defensive -- auch in der Leestellung --, die in -der bisher üblichen Taktik noch nicht gewürdigt wurden, erkannt hatte; -Vorteile, die besonders ins Gewicht fielen, wo es sich darum handelte, -mit schwächeren Kräften einem Gegner von feurigem Mut, aber mangelnder -Seemannschaft entgegenzutreten. Dies kann den Admiral des weiteren -bestimmt haben, dem Feinde am 7. den Angriff zu überlassen und am 8. den -Kampf in einer scheinbar ungünstigen Stellung -- der Leestellung -- -anzunehmen. - -Die =Schilderung der Schlacht= wird zeigen, daß die Holländer tatsächlich -infolge der Vorteile einer Defensive in der Leestellung imstande waren, -dem starken Angriffe zu widerstehen; die Schlacht bei Stromboli gibt -teilweise ein Bild der Defensivtaktik, die die Franzosen in der zweiten -Hälfte des 18. Jahrh. den Engländern gegenüber oft mit großem Erfolge -durchführten. - -[Illustration: Die Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.] - - Die beiden Flotten lagen über Backbord-Bug in Kiellinie beim Winde. - Gegen 9 Uhr vorm. hielt =du Quesne= ab und lief mit der ganzen Linie - schräg auf die Holländer zu; ein Manöver, das schwer mit Genauigkeit - auszuführen ist und den Angreifer in ungünstiger Lage dem - Breitseitfeuer aussetzt, weil dieser selbst wenig Geschütze verwendbar - hat und den Bug dem Enfilierfeuer darbietet; die bisher vorzügliche - Ordnung ging denn auch verloren. Das französische Spitzenschiff stürzte - sich (gegen 10 Uhr) tollkühn auf die Mitte der feindlichen Vorhut, - erlitt sofort schwere Beschädigungen in der Takelage und war genötigt, - aus der Linie zu holen; nicht besser erging es dem zweiten Schiffe, - beide waren wohl etwas voraus. Der dann folgende Admiral Preuilly hatte - beim Abhalten zu wenig Raum gelassen, seine nachfolgenden Schiffe waren - infolgedessen zu nahe aufgeschlossen, als sie querab vom Feinde wieder - an den Wind gingen; sie schoben sich zum Teil nebeneinander und - hinderten sich gegenseitig im Feuer (Lage 1). Außerdem kamen die - französischen Schiffe nacheinander ins Gefecht; es ist dies eine fast - unvermeidliche Folge der gewählten Angriffsart. Der Angriff du Quesne's - auf die holländische Mitte verlief deshalb ähnlich, auch hier wurden - die beiden ersten Schiffe durch überlegenes Feuer sehr - zusammengeschossen. Sonst scheint die französische Mitte mit mehr - Ordnung wieder an den Wind gegangen zu sein; auch bei der Vorhut wurde - die Ordnung bald wiederhergestellt. Die Holländer leisteten überall - kräftigen Widerstand und »keines ihrer Schiffe sah man, das nicht einen - Gegner dicht an der Seite hatte«. - - =Ruyter= soll nun aber doch mit seinen beiden vorderen Geschwadern - fortwährend Raum gegeben haben. Es ist nicht ersichtlich, ob dies ein - Geständnis der Schwäche oder ein taktisches Manöver war, um den Gegner - aufs neue zum Herangehen in ungünstiger Lage zu verleiten. - - (In späteren Zeiten verfuhren nämlich die Franzosen so, allerdings mit - mehr Methode: Eine Gruppe von 2-3 Schiffen hielt ab, gedeckt durch - Pulverrauch und das Feuer der übrigen. Nach und nach bildete sich so - eine neue Linie, die dann die letzten Schiffe der ursprünglichen Linie - bei ihrem Abhalten durch Feuer deckte und aufnahm.) - - Das Gefecht währte hier bis gegen 4-1/2 Uhr nachm.; drei französische - Brander, zwei davon auf Ruyters Schiff angesetzt, wurden zwischen den - kämpfenden Linien entmastet und verbrannten nutzlos. Das Ende des - Kampfes ist nicht genau aus den Überlieferungen zu erkennen; Ruyter - brach ab, die Franzosen verfolgten nicht. Wahrscheinlich waren sie zu - sehr beschädigt, wenigstens bedauerten sie den Mangel an Galeren zur - Verfolgung. Die nachgekommenen spanischen Galeren schleppten stark - beschädigte Holländer aus dem feindlichen Feuer, sonst hatten sie sich - nur durch Abgabe einiger Schüsse aus den Buggeschützen auf weite - Entfernung am Gefecht beteiligt. - - Auch über den Kampf der Nachhuten sind die Angaben ungenügend; er - trennte sich frühzeitig von dem der anderen Geschwader. Infolge der - Angriffsart mußte er natürlich zuletzt beginnen, die Trennung scheint - aber auch noch andere Gründe gehabt zu haben. Du Quesne warf Gabaret - vor, den Anschluß an die Mitte verloren und nicht mit derselben Energie - angegriffen zu haben; Gabaret entschuldigte sich mit der Lauheit - einiger seiner Schiffe und deren ungeschickten Manövern. - - Es gab dies und ein anderer Vorfall -- einige Tage später auf dem - Marsche beschädigten zwei Schiffe der Nachhut einander so, daß sie fast - entmastet wurden -- du Quesne Anlaß, dem Könige zu berichten, daß - manche Kommandanten aus Mangel an Übung, aber auch infolge nicht - genügender Beachtung der Instruktionen durch nachlässige Führung ihrer - Schiffe die Aufrechterhaltung der Schlachtlinie gefährdeten. Mit - ziemlich deutlichen Worten bittet er, Maßregeln zur Abstellung dieses - Übelstandes zu ergreifen.[211] - - [211] Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 205. - - Auf holländischer Seite scheint aber der Führer der Nachhut auch an der - Trennung schuld gewesen zu sein. Anstatt auf seine Mitte aufgeschlossen - zu bleiben und das Manöver des Abhaltens dann mitzumachen, scheint er - seinen Gegner erwartet zu haben; ein Fehler, dem wir schon öfters als - Grund der Trennung eines Geschwaders von der Flotte begegnet sind. Er - hätte dadurch in eine gefährliche Lage kommen können, denn du Quesne - sandte gegen Ende des Kampfes den Kapitän Tourville (Kommandant von Nr. - 5 der Mitte) mit 3 oder 4 Schiffen ab, um ihn von Lee aus anzugreifen - und ganz von seiner Flotte zu trennen. Zu den Haens Glück gelangte - infolge abflauenden Windes nur ein französisches Schiff (Nr. 7 der - Mitte) zum Angriff; dieses kam nun selbst in schwierige Lage, entzog - sich ihr jedoch durch geschickte Manöver und vereinigte sich mit der - Nachhut (Lage 2). Hier brach das Gefecht mit Eintritt der Dunkelheit - ab; beide Nachhuten stießen wieder zu ihren Flotten. - - =Die Verluste= sind nicht ganz sicher bekannt. Die geringsten Angaben - sprechen von 400 Toten und Verwundeten bei den Franzosen und von 250 - bei den Holländern; hier fiel Verschoor, dort waren du Quesne - verwundet und zwei Kommandanten getötet. Ein holländisches Linienschiff - sank, während es schwer beschädigt nach Palermo geschleppt wurde; die - Franzosen behaupten, nur ihre drei Brander eingebüßt zu haben. Gerüchte - von einem größeren Verluste sollen durch den vorhin erwähnten - Zusammenstoß auf der Weiterreise entstanden sein. Beide Parteien rühmen - den Mut und die Geschicklichkeit des Gegners in der Schlacht; auf - französischer Seite zeichnete sich besonders =Tourville= aus, und du - Quesne schlug ihn zur baldigen Beförderung (Chef d'Escadre) vor; wie - wir sehen werden, lohnte Tourville seinem Chef diese Anerkennung später - schlecht. - - Für die =Geschichte der Seetaktik= ist die Schlacht bemerkenswert. Sie - zeigt die =Vorteile der Leestellung= bei einem Angriff, wie die - Franzosen ihn ansetzten, mit ihren Folgen für den Angreifer: Unordnung - in der Linie; die Vorhut zuerst der ganzen Heftigkeit des feindlichen - Feuers ausgesetzt, die Schiffe nacheinander ins Gefecht eintretend; - lahmgeschossene Schiffe vorn, die die folgenden in Verwirrung bringen. - Hier fielen sofort zwei französische Schiffe aus, zwei wurden schwer - beschädigt, wodurch die Überlegenheit der Zahl nahezu aufgehoben war. - -=Ruyter= hatte durch die Schlacht den Feind wohl aufgehalten, die -Fortsetzung seiner Reise konnte er jedoch nicht hindern. Am 9. besserten -beide Flotten aus, vormittags noch in Sicht voneinander. Gegen Abend -stießen 9 Spanier zu den Holländern, allerdings fast nur Fregatten; man -beschloß, dem Feinde weiter den Weg zu verlegen. Schon am Abend des 10. -sichtete man die Lichter der Franzosen, aber am anderen Morgen sah man, -daß auch diese Verstärkung erhalten hatten; es war der in Messina bei du -Quesne's Abgang im September zurückgebliebene Teil der Flotte: 10 -Linienschiffe, 1 Fregatte, 3 Brander unter Generalleutnant d'Alméras, die -am 10. abends herangekommen waren. Ruyter fühlte sich nun nicht stark -genug, anzugreifen; er ging nach Melazzo zurück, um weitere Spanier -heranzuziehen. =Du Quesne= erreichte wohlbehalten Messina aber erst am -22. Januar. Er hatte es doch vorgezogen, den Weg westlich um Sicilien zu -nehmen: »günstigerer Windverhältnisse wegen«? Es ist dies ebenso -auffallend, wie, daß er »nach dem Siege am 8.« trotz der erhaltenen -Verstärkung den Feind nicht aufsuchte. Er hat den weiteren Weg doch wohl -gewählt, weil er nicht wagte, mit dem Feinde in der Flanke durch die -Straße zu gehen. Nun ließen ihn allerdings »günstige Windverhältnisse« in -verhältnismäßig kurzer Zeit die wieder in großer Bedrängnis befindliche -Stadt erreichen; andernfalls wäre vielleicht Messina gefallen. Es war -also ein Zufall, daß die Schlacht nicht ein strategischer Erfolg Ruyters -wurde. - -Nach der Schlacht von Stromboli trat im Seekrieg eine längere Pause ein. -Wie schon erwähnt, wurde der Landkrieg lau geführt. Die Franzosen hatten -nur in Messina und in Agosta festen Fuß gefaßt; Messina wurde weiter -belagert und bedurfte stets der Zufuhren, die die französische Flotte -ermöglichen mußte. Sonst aber unternahm diese nichts von Bedeutung, und -auch Ruyter war längere Zeit untätig an der italienischen Küste. - - Da die vertragsmäßige Zeit für die Gestellung der holländischen Flotte - abgelaufen war, rüstete Ruyter zur Rückreise, um nicht wie Tromp 1674 - die Frist der Indiensthaltung zu überschreiten. Aus verschiedenen - Gründen -- behufs besserer Ausrüstung; um gegebenenfalls einen Convoi - mit Schiffen zu verstärken, den sein Sohn in Livorno sammelte; um - schneller Nachrichten aus Holland zu erhalten -- ging er zur - italienischen Küste; hier erhielt er Befehl, noch länger bei den - Spaniern zu bleiben. Aufs neue hatte er sich bitter über diese beklagt: - Über ihre schwache Beteiligung und darüber, daß sie weder für die - Ausrüstung der eigenen Schiffe, noch für die der holländischen genügend - sorgten. - - Holland drängte Spanien, mehr zu tun; es erbot sich auch, neue Schiffe - gegen Erstattung eines Teiles der Kosten hinaus zu senden, stieß aber - auf passiven Widerstand. - -Am 23. Februar 1676 kehrte =Ruyter= nach Palermo zurück und trieb zu -=neuen Operationen= an. Man wußte einerseits, daß Frankreich den Abgang -großer, für Messina sehr notwendiger Unterstützungen in Toulon -vorbereite, anderseits, daß jetzt viele Einwohner Messinas mit der -Herrschaft Frankreichs unzufrieden waren. Der Zeitpunkt erschien günstig, -einen kräftigen Angriff zu =Lande und zu Wasser= gegen die Stadt zu -unternehmen. In Melazzo, wo sich der spanische Vizekönig mit dem -Hauptquartier der Landarmee befand, wurde am 24. März der Entschluß -hierzu gefaßt. Die Flotte der Verbündeten ging am nächsten Tage in See, -passierte am 26. ungehindert die Straße und legte sich der Stadt -gegenüber an die Küste Kalabriens, aus seemännischen Gründen einige Tage -später an die Siciliens südlich von Messina, um den Landangriff -abzuwarten. Die Operationen zu Lande hatten jedoch keinen Erfolg, und -Ruyter sah ein, daß von See her überhaupt nichts zu machen sei, weil die -starke feindliche Flotte in und vor dem Hafen lag; er ging deshalb in -See, um die von Süden her erwarteten Convois abzufangen. - -Es ist nicht zu ersehen, warum die französische Flotte untätig blieb; -französische Quellen sagen, sie sei durch Windverhältnisse bis zum 29. -festgehalten. An diesem Tage ging Vivonne an Bord, um selbst den Feind -aufzusuchen; er ließ sich aber -- scheinbar sehr gern -- durch die -Vertreter der französischen Partei in der Stadt zurückhalten und übergab -wiederum das Kommando der Flotte an du Quesne. Dann herrschte längere -Zeit sehr stürmisches Wetter, das auch für Ruyter sehr beschwerlich war -und ihn hinderte, einen inzwischen ins Auge gefaßten Angriff auf =Agosta= -auszuführen. Als er endlich am 20. April vor dieser Stadt erschien, -erfuhr er, daß sie jetzt zu gut vorbereitet sei, daß die spanischen -Landtruppen auch hier zu schwach zur Unterstützung seien und daß die -französische Flotte herankomme. Diese war am 19. und 20. endlich -ausgelaufen; Ruyter ging ihr am 21. abends entgegen, obgleich sie ihm -wesentlich überlegen war. - -Zusammensetzung der Flotten[212] in der $Schlacht von Agosta$[213] 22. -April 1676: - - Schiffe über 80 K. 70-80 50-70 30-40 kleinere Brander Galeren - - Franzosen: 1) 9 10 10 2 2 8 (9?) - - Holländer: 2) -- 3 10 4 6 4 -- - -----+----- - | - Spanier: 3) -- 1 3 5 1 9 - - 1) Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen - sagen; sie kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes - nach Messina. - - 2) Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens - 50-Kanonen-Schiffe. - - 3) Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer - armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie - sehr schwache Kaliber -- nur sechs 32-Pfünder in Summa --, waren - sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition etc. versehen. den - Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt, - daß die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials - verkauft hätten. - - [212] Nach de Jonge, Teil II, Beilage XII, nahezu übereinstimmend mit - den anderen Hauptquellen; A. Jal gibt in »du Quesne«, Teil II, - Namen der französischen und spanischen Schiffe und Kommandanten, - für letztere die Armierung nach offiziellen spanischen Angaben. - - [213] Schilderung der Schlacht nach de Jonge, Teil II; »Leben Ruyters«; - Jal: »du Quesne«; Bon fils. Diese Quellen weichen etwas - voneinander ab, aber kaum wesentlich für die Beurteilung der - Schlacht. - -Auf seiten der Verbündeten bildeten die Holländer Vor- und Nachhut unter -=Ruyter= und den Haen, die Spanier die Mitte (von den Holländern ihnen -»aus Ehrerbietung für den König« überlassen) unter =de la Cerda=; die -Galeren standen unter de Bayona. Bei den Franzosen befanden sich als -Flaggoffiziere: Vorhut Generalleutnant d'Alméras; Mitte =du Quesne=; -Nachhut de Gabaret; hinzutraten als Divisionsführer die Chefs d'Escadre -de Valbelle, de Tourville, de Preuilly. - -Am 22. April morgens sichteten sich die Gegner; die Franzosen standen -etwa 18 Seemeilen nördlich von Agosta bei flauem Nordwestwinde zu Luward; -du Quesne bildete die Gefechtslinie und steuerte heran, Ruyter hielt -zunächst von der Küste ab. Gegen Mittag wurde es still, dann kam leichter -Südwind auf; jetzt stand Ruyter zu Luward und näherte sich seinerseits -zum Gefecht. Bei der Flaute gebrauchte er längere Zeit, um Mitte und -Nachhut zur Bildung der Gefechtslinie heran kommen zu lassen; um 3 Uhr -Nachmittags hielt er dann zum Angriff ab. - - $Der Verlauf der Schlacht.$ =Ruyter= führte sein Geschwader auf die - Vorhut des Feindes. Sein Stoß (4 Uhr) war sehr erfolgreich. Bald fällt - d'Alméras, 2 Kommandanten werden schwer verwundet und einige Schiffe - zeitweise außer Gefecht gesetzt; das französische Geschwader gerät - infolgedessen in Unordnung. Ruyter soll beabsichtigt haben, die - feindliche Vorhut zu durchbrechen und von ihrer Mitte abzuschneiden; - dies gelang nicht und hätte auch nicht dazu geführt, die feindliche - Mitte mit Übermacht anzugreifen. Die Spanier nämlich folgten nicht eng - aufgeschlossen der Vorhut, hielten nicht zum Nahkampf ab, sondern - führten ein Feuergefecht auf weite Entfernung. So kam auch =den Haen=, - der seinerseits auf die Spanier aufgeschlossen fuhr, zunächst nicht ins - Gefecht. Aufgebracht hierüber und ungeduldig setzte er sich an die - Spitze seines Geschwaders (gegen 5 Uhr) und suchte den Nahkampf, - gleichzeitig mit dem Bestreben, sich an Ruyter anzuschließen; um dieses - Manöver zu unterstützen, braßte Ruyter back.[214] Auch auf - französischer Seite strebte =du Quesne=, von den Spaniern nicht - angegriffen, nach vorn seiner bedrängten Vorhut zu; so hatte Ruyter das - Feuer der an ihm vorüberziehenden feindlichen Mitte auszuhalten. Der - zweite und Hauptmoment der Schlacht scheint dann ein Kampf zwischen den - beiden holländischen Geschwadern und der französischen Mitte und - Nachhut gewesen zu sein; längere Zeit lagen sich Ruyter, unterstützt - von einem Schiff unter Graf Styrum, und du Quesne, unterstützt von - Tourville und Preuilly, gegenüber. - - [214] Backbrassen heißt, das Schiff durch Stellen der Segel eines - Mastes gegen den Wind zum Stillstand bringen. - - »Eine halbe Stunde etwa, nachdem der Kampf heftig geworden war,« also - dicht vor oder dicht nach dem Backbrassen, =fiel Ruyter=; ihm war der - linke Fuß und der rechte Unterschenkel zerschmettert, die erste - Verwundung in seinem Leben. Sein Flaggkapitän, =Callenburgh=, führte - das Geschwader mit Umsicht weiter, aber auch der Admiral gab noch - Anordnungen, wie er auch später noch den Bericht über die Schlacht - aufsetzte. - - Die Dunkelheit trennte die Gegner; wie gewöhnlich behaupten beide, der - Feind habe abgebrochen. Die spanischen Galeren schleppten während des - Gefechts beschädigte Schiffe der Vorhut mit Mut und Tapferkeit aus dem - Feuer; von den Hochseeschiffen der Mitte haben sich einige - flämisch-spanische bei dem Kampfe Ruyters mit der feindlichen Mitte - wacker beteiligt, nachdem Callenburgh den spanischen Admiral dringend - um Herankommen ersucht hatte. Das laue Verhalten der Spanier im - allgemeinen wurde von den Holländern hart verurteilt, jedoch später - etwas mit der Schwäche und dem schlechten Zustande ihrer Schiffe - entschuldigt; aber selbst der Vizekönig berichtete dem Könige, daß - seine Flotte nicht ihre Schuldigkeit getan habe -- im damaligen Spanien - eine seltene und gewagte Aufrichtigkeit. - -=Die Schlacht muß man als »unentschieden« bezeichnen=; beide Gegner -wollen das Schlachtfeld behauptet haben, was zutrifft. Die verbündete -Flotte blieb die Nacht in der Nähe, beigedreht und ausbessernd, und ging -am andern Morgen nach Syrakus, teilweise im Schlepp der Galeren. Die -Franzosen sah man von den Toppen aus unter kleinen Segeln ebenfalls -ausbessernd; beide Parteien waren eben nicht imstande, etwas zu -unternehmen. Du Quesne zeigte sich zwar einige Tage später vor Syrakus, -ging dann aber nach Messina (Ankunft 1. Mai). - -Man muß wohl fragen, was Ruyter bewogen hat, bei der eigenen Schwäche und -der Stärke des Gegners diese Operation gegen Messina zu unternehmen. -Hoffte er auf einen erfolgreichen Landangriff, wollte er dabei die -französische Flotte nur beschäftigen und rechnete er hierbei dann wieder -auf einen großen Nutzen der Galeren? Vertraute er später bei einem Kampfe -in offener See auf seine und der Seinigen größere Seemannschaft; dieses -vielleicht gerade nach den Erfahrungen bei Stromboli? Man sagt, er habe -gewünscht, bei einer Seeschlacht die spanischen Schiffe zwischen die -holländischen zu verteilen; jedenfalls befahl er später noch, die -holländischen Geschwader nie wieder zu trennen. - - $Ruyters Tod.$ Die Verwundung gab anfangs noch Hoffnung auf Heilung. - Bald aber verschlimmerte sich der Zustand, er konnte den Bericht über - die Schlacht nicht mehr unterschreiben und starb am 29. April abends. - Er war 69 Jahre alt, hatte 58 Jahre zur See gedient, über 40 Gefechte - mitgemacht -- darunter 15 große -- und in 7 Schlachten kommandiert. - Zunächst in Syrakus begraben, wurde die Leiche Ende 1676 von der - heimkehrenden Flotte nach der Heimat übergeführt und am 16. März 1677 - in Amsterdam mit großer Feierlichkeit beigesetzt (Denkmal in der »Neuen - Kirche«). Auch außerhalb Hollands wurden Ruyters Verdienste anerkannt; - alle Verbündeten sandten Beileidschreiben an die Regierung und an die - Witwe.[215] Der König von Spanien hatte ihn nach der Schlacht von - Stromboli zum Herzog ernannt und ihm eine jährliche Pension ausgesetzt; - beides ging auf den Sohn über, der Titel wurde auf dessen Wunsch in - Baron geändert. Selbst Ludwig XIV. gab den Befestigungen Befehl, das - Schiff mit der Leiche zu salutieren, falls es nahe genug passiere und - angekündigt sei. - - [215] Wörtlich im »Leben Ruyters«, darunter auch die Schreiben des - Großen Kurfürsten. - - Das Interesse, das wohl jeder Leser für den großen und sympathischen - Seehelden gewonnen hat, läßt es angebracht erscheinen, hier am Schluß - seiner Laufbahn noch einige Urteile über ihn hinzuzufügen. (Personalien - vgl. Seite 205.) =Mahan= sagt (Seemacht, Teil I, Seite 142): »In der - Schlacht bei Solebay bewies Ruyter einen Grad der Geschicklichkeit und - Tatkraft, wie man sie nach ihm bis zu den Zeiten Nelsons und Suffrens - zur See nicht wieder zu sehen bekam. Seine Schlachten 1672-1674 waren - keine »behutsame Unternehmungen«, wenn sie auch behutsam ins Werk - gesetzt wurden; sein Ziel war stets die vollste Niederwerfung des - Feindes, indem er taktische Geschicklichkeit mit ungestümem Draufgehn - vereinigte. Bei Solebay war er etwas schwächer als sein Feind, später - war er es immer in viel höherem Grade.« Derselbe Verfasser nach der - Schlacht bei Texel (Seite 152 abgekürzt): »Texel schließt die lange - Reihe der Kriege ab, in denen England und Holland um die Seeherrschaft - kämpften; die holländische Marine stand auf ihrem höchsten Punkt und - ihre größte Zierde, Ruyter, auf dem Gipfel seines Ruhmes, das Alter von - 66 Jahren hatte ihm nichts von seinem kriegerischen Feuer geraubt; sein - Angriff war noch ebenso ungestüm wie vor acht Jahren, aber Erfahrung - hatte sein Urteil gereift, wie die größere Klarheit seiner Pläne und - sein scharfer militärischer Blick erkennen lassen. Er unternahm, um das - Vaterland zu retten, den Kampf gegen einen überlegenen Gegner mit einer - Marine, die ihm ihre Tüchtigkeit verdankte; er vollbrachte die Aufgabe - nicht durch Mut allein, sondern durch Mut, Voraussicht und - Geschicklichkeit. Der Angriff bei Texel war in den allgemeinen Zügen - derselbe wie bei Trafalgar: Vernachlässigung der Vorhut des Feindes, - Angriff mit ganzer Macht auf Mitte und Nachhut; sein Erfolg war - geringer als der Nelsons, da sein Gegner ihm in größerem Maße überlegen - war als diesem.« Ebendort: »Noch einmal wird uns dieser einfache und - heldenhafte Mann begegnen und, wenn auch unter traurig veränderten - Verhältnissen (Mittelmeer 1676), in seinem Wesen immer derselbe.« -- - Dieser hohen Anerkennung seiner Fähigkeiten aus maßgebender Feder mögen - einige Angaben folgen, die =Ruyters Charakter= kennzeichnen. Der schon - früher angezogene Graf von =Guiche=, Kriegsfreiwilliger im zweiten - Kriege, schreibt nach der Viertageschlacht: »Ich sah ihn niemals anders - als ruhig und gleichmäßig; wenn der Sieg gesichert war, so sagte er - stets, der liebe Gott hätte ihn uns geschenkt. Als die Flotte in - Unordnung war und beim Anblick der Verluste schien ihn nur der Gedanke - an das Unglück seines Landes zu bewegen; aber stets unterwarf er sich - dem Willen Gottes. Es möge noch erwähnt sein, daß er etwas von der - Einfachheit unserer Patriarchen hatte. Einen Tag nach dem Siege traf - ich ihn, wie er sein Zimmer ausfegte und seine Küken fütterte.« - - =Brand= (»Leben Ruyters«, Teil II, Seite 165) führt -- als er davon - gesprochen, daß sonst unverzagte Kriegsleute sich auch einmal weniger - tapfer zeigen könnten -- eine Erzählung Ruyters an, die er »aus des - Admirals eigenem Munde« habe. Kurz gefaßt ist sie folgende: Vor einem - größeren Treffen fühlte sich Ruyter gegen alle Gewohnheit kleinmütig - und zögerte, die letzten Befehle zu geben. Er begab sich deshalb allein - in seine Kajüte, fiel auf die Knie und bat Gott in kurzem, aber - andächtigem Gebet, ihn in dieser Stunde nicht zu verlassen, sondern ihm - zum Besten seines Vaterlandes beizustehen. Nach diesem Gebet verließ - ihn »alle Bangigkeit, und die gewöhnliche Ruhe und Freudigkeit seines - Geistes bekam wieder die Oberhand«. Er gab seine Befehle mit - standhaftem Mut und führte die Aktion glücklich durch, den Erfolg - nachher Gottes Beistand zuschreibend. - - Ergreifend ist endlich die Schilderung seiner letzten Tage: wie er noch - während der Schlacht für seine Flotte betet, später die Schmerzen mit - Geduld erträgt und mit Ergebung dem Tode entgegensieht. - -=Die verbündete Flotte= ging am 6. Mai südlich um Sicilien =nach -Palermo=; es spricht nicht für die französische Leitung, daß dies nicht -verhindert wurde, obgleich am 21. April sogar noch 25 Galeren in Messina -eingetroffen waren. Erst Ende Mai beschloß =Vivonne= in Person, den Feind -in Palermo anzugreifen -- nach französischen Quellen endlich angetrieben -durch Eifersucht auf du Quesnes Erfolge und auf die Nachricht, daß man in -Paris damit umginge, ihn durch einen schneidigeren Mann ablösen zu -lassen; er schiffte sich auf dem Flaggschiffe Tourvilles ein, um dessen -Rat zur Hand zu haben. Die ganze Flotte der Hochseeschiffe -- 29 -Kriegsschiffe, 9 Brander -- sowie 25 Galeren liefen am 28. Mai aus; die -Nachricht hiervon traf am 30. in Palermo ein. Auf Antreiben =den Haens=, -auf den der Befehl über die Holländer übergegangen war, nahmen die -Verbündeten eine Verteidigungsstellung ein, die Holländer sofort, die -Spanier nach und nach bis zum 1. Juni: Die Schiffe -- 27 aller Größen -- -wurden in der Bucht im Halbmond verankert, durch Warpanker mit den -Breitseiten nach See zu gehalten; den rechten Flügel bildeten nur -spanische Schiffe, die Mitte und den linken Flügel hauptsächlich -holländische, aber einige Spanier darunter; die Flügel lehnten sich an -Batterien auf der Mole und an kleinere Befestigungen, die Mitte wurde -durch das Hauptfort des Hafens verstärkt; die Galeren waren auf die -Flügel und zwischen den Schiffen verteilt, um Brander abzuwehren. - -Die $Schlacht vor Palermo[216] am 2. Juni 1676$ sollte eine der größten -Erfolge dieser Waffe werden, die allerdings unter sehr günstigen -Umständen verwendet wurde. - - [216] Quellen wie bei »Agosta«. - - Die Verbündeten hatten beschlossen, vor Anker zu fechten, weil - verschiedene Schiffe infolge von Mangel an Material noch nicht wieder - seeklar waren; das holländische und das spanische Flaggschiff (jetzt - Admiral d'Ybarra) wechselten Masten. Ruyter würde wahrscheinlich mit - den segelfertigen Schiffen in See gegangen sein; noch vor Agosta hatte - er erklärt, unter keinen Umständen ein Gefecht vor Anker zu liefern, - selbst nicht den Feind in einer Bucht zu erwarten; die Folgen - bestätigten die Richtigkeit seiner Ansicht. Die Holländer hatten aber - wohl zu wenig Vertrauen auf die Spanier, waren selbst niedergedrückt - durch Ruyters Tod und rechneten mit einem kräftigen Rückhalt an den - Befestigungen. - - Vivonne ließ am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen - Fahrzeuge, gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden - und griff am Morgen des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6 - Brandern ging unter Preuilly gegen den rechten Flügel vor und legte - sich ebenfalls auf Spring[217] den Schiffen auf Kabellänge querab; die - Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt der - spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die - meisten seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2 - Galeren werden vernichtet. Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen - Mitte und linken Flügel ebenso vorgegangen. Es findet zwar kräftigeren - Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flügels wirkt entmutigend, - um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein holländisches - Flaggschiff fängt Feuer, treibt und entzündet 2 andere Schiffe, alle 3 - fliegen auf; das spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlägt zwar 2 - Brander ab, 2 andere aber kommen heran, die ganze Besatzung springt - über Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger weiter an - Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht - auch hier Panik; 4 Holländer kappen und treiben an Land, die meisten - Spanier und alle Galeren flüchten in den inneren Hafen; auch Teile der - Stadt werden in Brand geschossen und eine Batterie wird aufgesprengt. - Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh (linker - Flügel) kämpften tapfer weiter; den Haen fiel. - - [217] Um ein Schiff vor Anker in jeder beliebigen Lage zum Winde - festlegen zu können, wird vom Heck aus eine Trosse außenbords - herum nach vorn genommen, auf die Ankerkette gesteckt und nach - Bedarf eingeholt. - - Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander sämtlich verbraucht - waren. Der Verlust der Verbündeten wäre wohl noch bedeutender gewesen, - wenn dem Feinde mehr Brander zu Gebote gestanden hätten; der Angriff - auf das spanische Flaggschiff war schlecht ausgeführt, er kostete - allein 4 Brander. Die Holländer schreiben die Hauptschuld an der - Katastrophe der mangelhaften Unterstützung seitens der Befestigungen - und der Galeren zu; diese hätten die Brander unschädlich machen können. - Die Franzosen haben das Manöver des Längsseitgehens und Ankerns trotz - heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem Flaggschiff der - Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzüglich - ausgeführt. - - =Die Verluste der Verbündeten waren ungeheuer.= Die Holländer verloren - 2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3 - Linienschiffe; die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann, - mindestens 4 Linienschiffe, 2 Galeren und verschiedene kleinere - Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war unbedeutend, an Fahrzeugen nur - 1 Schiff und die Brander. - -Wiederum ist es auffallend, daß die Franzosen den Kampf nicht bis aufs -äußerste durchführten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach -Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhöhen; er konnte -- wie ihm -vorgeschlagen wurde -- an einem der nächsten Tage mit neuhergestellten -Brandern die Zerstörung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina -zurück, und wiederum schreiben dies französische Angaben seiner -Lässigkeit (insouciance) zu; nach seiner Äußerung »hatte er genug getan«, -es zog ihn nach seiner Residenz zurück. Immerhin war mit dieser -Niederlage der Verbündeten die Kriegführung zur See um Sicilien zu Ende. -Die Franzosen beherrschten die See, eine ebenbürtige Flotte stand ihnen -nicht mehr gegenüber. Holland wollte, nach all den Opfern und von Spanien -nicht unterstützt, seine Schiffe nicht mehr einsetzen, die Spanier waren -weder imstande, ihre Seestreitkräfte zu verstärken, noch mit den -vorhandenen ohne die Holländer etwas zu unternehmen; sie verblieben in -dem möglichst verstärkten Palermo. - - Auch für den =Landkrieg auf Sicilien= hätte diese Schlacht entscheidend - werden müssen. Die französische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfüllt, - sie beherrschte die See und hinderte jede Unterstützung der spanischen - Armee auf der Insel, falls man überhaupt zu einer solchen imstande - gewesen. Frankreich brauchte nur genügend Truppen und einen tüchtigeren - General hinüberzusenden. Vivonne aber führte den Krieg in der - bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorstöße, um die Lage Messinas zu - verbessern; Angriffe auf andere Küstenstädte, um dort Fuß zu fassen; - alles jedoch ohne Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen - waren. Man darf ihm aber die Schuld nicht allein zuschieben. Er - verfügte zwar zunächst noch über eine starke Flotte, seine Landmacht - dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt - er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und - minderwertig; seine Klagen hierüber -- selbst bei Frau von Montespan, - seiner Schwester -- blieben erfolglos. Der König und Louvois -- dieser - eifersüchtig auf Colbert -- betrachteten die Operationen in Sicilien - immer mehr nur als eine Diversion für ihren Krieg mit Spanien an den - Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg - eigentlich nur einigen Ruhm für die junge Marine gebracht. - - Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in - Verhandlungen über eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte - eintrat, zog man die Truppen aus Messina zurück und überließ die Stadt - den Spaniern. - -$Die weiteren Ereignisse zur See$[218] seien nur kurz erwähnt. Nach dem -Kampfe bei Palermo befahl die holländische Regierung ihrer Flotte, nach -Neapel zu gehen, um hier auszurüsten und um einen neuen Admiral -(Kontreadmiral van Almonde, über Land kommend) zu erwarten. Der -interimistische Chef, Kapitän =Callenburgh=, führte den Befehl Anfang -August aus; er stieß dabei auf die mächtige französische Flotte unter du -Quesne, entzog sich aber ihr sehr geschickt. - - [218] Genauer in de Jonge, Teil II, und »du Quesne«, Teil II. - - Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24 - Kriegsschiffe mit einem Convoi. Tagsüber manövrierte er, als ob er die - günstige Windstellung für ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts - aber änderte er nach und nach den Kurs nach Westen, kam so dem Feinde - aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der Küste und erreichte - dann wohlbehalten Neapel am 20. August. - -Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien über -Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwärts kamen und -auch die Gelder für die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief man -=Almonde= zurück. Dieser verließ am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit -in Cadiz -- falls Spanien sich noch besinnen sollte --, mußte wegen Sturm -und Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland -an. - -Auf französischer Seite wurde =du Quesne= wenige Tage nach der Schlacht -von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr -an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit -24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren -Truppen folgten bald) zurück und traf, wie erwähnt, auf Callenburgh, ohne -daß es zum Zusammenstoß kam. - - Wohl hatte er die Absicht, die Holländer anzugreifen. Als diese sich - ihm aber entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mußte zunächst die - sehnlichst erwarteten Zufuhren abliefern, außerdem drohte der Flotte - durch den schlechten Gesundheitszustand der eingeschifften Truppen - Gefahr. - -Von jetzt ab treten in dem Kriege keine größeren französischen Flotten -mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der -spanischen und holländischen Seestreitkräfte zu vernichten. Nur kleinere -Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Städte --- z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche -Versuche gegen Syrakus --, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von -Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden -auch wieder kleinere Geschwader zur Unterstützung des Landkrieges an der -spanischen Grenze verwendet. Größere Aktionen zur See kamen auch hier -nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Holländer hier erschienen, -wie wir gleich hören werden. Es hat den Anschein, als ob die französische -Flotte infolge von Reibungen zwischen den militärischen und den -administrativen Behörden in Toulon weniger leistungsfähig geworden war. - -Im Februar 1678 ging ein größeres Geschwader nach Messina unter dem -Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablösen sollte; man wollte diesem -die Demütigung ersparen, Sicilien zu räumen. Um Unruhen in der Stadt -vorzubeugen, ordnete der neue Vizekönig zunächst Maßregeln an, die auf -eine energischere Kriegführung hinzudeuten schienen. Als aber unter -diesem Vorwande alles zur Einschiffung bereit war, erklärte er auf einem -Gastmahle mit den Behörden plötzlich, daß sein König die Truppen -zurückzöge. Der Abzug aus den verschiedenen besetzten Plätzen begann -Mitte März, am 1. April verließen die letzten Franzosen die Insel. - -$Die Räumung Siciliens$ war, wie wir wissen, beschlossen, da man das -Erscheinen einer englisch-holländischen Flotte im Mittelmeer befürchten -mußte; sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, daß ein =holländisches -Geschwader= schon ausgerüstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch -wenig Gelegenheit zu nützen, doch führte seine Reise zu einem =letzten -Zusammenstoß mit den Franzosen=. - - Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Königin-Mutter die - Regierung für den unmündigen König übernommen; er bat im Jahre 1677 - Holland wieder um Unterstützung unter den früheren Bedingungen und - zahlte auch einen Teil der rückständigen Gelder ab. Holland war aber - vorsichtig geworden, die Unterhandlungen zogen sich hin und die - Rüstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. So war - die Flotte -- 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander -- erst im - Februar 1678 fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis - festgehalten. Dennoch erhielt der Führer, Vizeadmiral =Cornelis - Evertsen= (genannt »der Jüngste« als der dritte dieses Namens, Sohn des - Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5 - Brandern auszulaufen; der Rest sollte baldmöglichst folgen. Es geschah - wohl, um Frankreich zu zeigen, daß man Ernst mache, und um England - anzufeuern. Mit der Entsendung einer so kleinen Macht verscherzte man - die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe zuzufügen, und setzte sie - selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England aufgehalten, - traf am 17. März, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef - d'Escadre =Chateau-Renault= mit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses - Geschwader war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Räumung - mitzuwirken, und gleichfalls durch verzögerte Ausrüstung verspätet. Die - Franzosen griffen an. Infolge schweren Seeganges, der das Öffnen der - untersten Pforten verbot, blieb das etwa sechsstündige Gefecht ohne - große Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht trennte die Gegner und - Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurückgelassenen Schiffe - schon antraf. - -Die holländische Flotte traf erst am 26. März 1678 in Cadiz ein. Sie war -also für Sicilien nicht mehr nötig und kam auch zu spät, um gegen den -Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort -weiterging. Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde -Unterstützung, durch Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten. -Erst Ende Mai führte sie Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei -Wochen an der Küste, ohne mit dem Feinde zusammenzustoßen, und wurde dann -nach Holland zurückgerufen, weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen -nicht nachkam. - -=So endeten die holländischen Unternehmungen im Mittelmeer.= Sie hatten -große Summen gekostet, große Verluste -- besonders den Ruyters -- -gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch die verhältnismäßig -schwachen, zu schwachen Kräfte ihre Pflicht getan und die Ehre ihrer -Flagge hoch gehalten hatten. Die größere Schuld an dem Mißerfolge trifft -wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit ihnen fühlte -Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur dürftig ab. Noch 1684 bestand -eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 von 4 -Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der holländischen -Admiralitäten waren aufs neue vermehrt worden, was von größtem Nachteil -für das Seewesen der Republik wurde. - -Ehe wir die Schilderung dieses französisch-holländischen Krieges -schließen, müssen über den $kleinen Krieg[219] gegen den Handel$ wenige -Worte gesagt werden. Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673 -die Freibeuterei stets frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten -aufhörten. Die Freibeuterei richtete sich von 1674 natürlich gegen die -Franzosen und wurde wie immer hauptsächlich von den Seeländern betrieben; -vom Mittelmeer bis zum Kanal schwärmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen -Geschwadern. Sie haben auch dem Gegner großen Schaden getan; so wurden z. -B. allein im Jahre 1676 in spanischen Städten 71 von seeländischen -Freibeutern aufgebrachte französische Handelsschiffe verkauft. Aber auch -die Niederlande erlitten im kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr -Handel unverhältnismäßig größer war. Wenn man auch stets Geschwader am -Eingange des Mittelmeeres hielt, um die Levantefahrer zu sichern -- die -schon der Barbaresken wegen stets unter Bedeckung segeln mußten -- und -ferner die Handelsschiffe durch den Kanal begleiten ließ, so wurden doch -viele von ihnen durch Freibeuter der französischen Küste oder durch -kleine Kriegschiffsgeschwader von St. Malo und Brest abgefangen. - - [219] Näheres de Jonge, Teil II, Seite 653 mit Schilderung kleiner - Gefechte zwischen Kriegs- und Freibeuter-Geschwadern beider - Seiten, besonders auch der Operationen gegen die Freibeuterei - Dünkirchens; auch Bonfils, Teil I, Seite 223, hier erstes - Auftreten Jean Barts. - -Der größte Feind des niederländischen Handels wurde seit 1674 wieder -=Dünkirchen=, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war. -Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren -gewechselt und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll -absichtlich ihren Hafen haben verfallen lassen, so daß ihn nur kleine -Fahrzeuge benutzen konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick -auf die wichtige Lage, diesen Übelstand wieder ab. Solange der Krieg -zwischen England und Holland währte, konnten die Dünkirchener ihr -Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, die Holländer hatten meistens ihre -Schiffahrt eingestellt und auch zu starke Kriegsflotten in See; sobald -aber der holländische Handel nach dem Frieden von Westminster wieder -kräftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter der Stadt in -großer und immer größer werdender Zahl von schnellsegelnden Jachten und -Fregatten mit 2-24 Kanonen, oft in Geschwadern. Jetzt schon tat sich der -später berühmte =Jean Bart= hervor. Holland sah sich bald genötigt, wie -in den älteren Zeiten einen förmlichen Krieg gegen dieses Gemeinwesen zu -führen. Anfangs sandte man einige leichte Schiffe gegen die Freibeuter -aus, später war man gezwungen, ständige Geschwader aufzustellen, deren -Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der Krieg wurde wie vor 30 Jahren -geführt: Mit vorzüglichem Personal aller Nationen bemannt, holten die -Dünkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederländischen Seegatten heraus, -griffen große Convois an, ja planten 1676 sogar, sich Briels oder -Hellevoetsluis' zu bemächtigen; die holländischen Geschwader mußten immer -stärker gemacht werden, um Dünkirchen zu blockieren, die eigenen Küsten -reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu geleiten und -die Fischereigründe zu überwachen. Trotz alledem fügten die verwegenen -Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade liefen sie -nachts und im Sturm ein und aus. - -$Rückblick auf die Kriegführung zur See von 1674-1678.$ In seiner -Geschichte des niederländischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen -den Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, daß nach dem Frieden von -Westminster in dem holländischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen -und von seinen Seestreitkräften nicht viel mehr geleistet sei. Er -erinnert an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die -Beteiligung am schwedisch-dänischen Kriege tritt. Er weist dann darauf -hin, welche Anstrengungen besonders von der Admiralität Amsterdam gemacht -seien, indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der -größte Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dünkirchen, zum Schutz der -Convois sowie für die Expeditionen nach Westindien gestellt wäre; dieser -Admiralität seien solche Leistungen möglich gewesen, da man hier die -nötigen Mittel habe aufbringen können. Als Gründe hierfür führt de Jonge -an, daß die Provinzen von Holland stets die für das Seewesen bestimmten -Gelder zahlten. Dies kam nun den Admiralitäten von Amsterdam, Maas und -Norderquartier zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich -an den Rüstungen zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein -Handel bei weitem der einträglichste war. Der Zuschuß der Landprovinzen -fehlte allen Admiralitäten, und da die beiden anderen Seeprovinzen auch -schon seit Jahren unregelmäßig und ungenügend zahlten, so waren ihre -Admiralitäten, Seeland und Friesland, derart in Schulden geraten, daß -ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; ihre immer schwächer -werdende Beteiligung haben wir schon im 2. und 3. englisch-holländischen -Kriege gesehen. Soweit de Jonge. - -Alles dieses bestätigt doch aber nur, daß die Rüstungen zur See im -allgemeinen zurückgegangen sind, auch die Angaben über die -Indienststellungen beweisen dies: Schon 1674 zählten die Flotten Ruyters -und Tromps zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; für 1676 gibt die -Zusammenzählung der Kräfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen -Dünkirchen kaum eine größere Zahl. Im Kriege 1672-1674 aber waren Flotten -von 64-75 Schiffen aufgestellt. - -Der Hauptgrund für diese Herabsetzung war wohl die Erschöpfung des -Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England für -eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mögen aber doch auch die -Verhältnisse eingewirkt haben, die schon in den früheren Kriegen oft -dahin führten, daß die äußersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn -das Feuer auf den Nägeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung -- -den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien --, in einer Republik von -Kaufleuten, in der stets eine große friedliebende Partei vorhanden sein -wird, schwer, Beschlüsse durchzubringen, die die Entfaltung einer großen -Macht und damit die Durchführung größerer strategischer Pläne -ermöglichten; der Mangel an Zentralisation in der Marineverwaltung -erschwerte dies noch mehr, es hatten eben in allen Dingen zu viele -mitzusprechen. - - Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rüstungen beteiligte, so ist dies - nicht allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch - dem Umstande, daß hier das größere Verständnis für die Wichtigkeit der - Kriegführung zur See vorhanden war. Es zeigte sich dies schon in den - früheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674-1678 gehen die - Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von - Holland aus; de Jonge sagt: »Hier war der Geist de Witts noch nicht - ganz verschwunden.« - -Daß im übrigen die Republik erschöpft war, kann nicht wundernehmen. Die -Hälfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und doch -hatte sie den größten Teil der Kosten eines fast europäischen Krieges -getragen. Sie mußte mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbündeten -wesentlich unterstützen und viele stets geldbedürftige deutsche Fürsten -dem Bunde gegen Frankreich treu erhalten; daß dies überhaupt möglich war, -ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer -freigemacht hat. - -Kommen wir nun zu den =Leistungen der holländischen Marine=, so drängt -sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen schwächer -gewordenen Kräfte hätten größer sein können. Bei allen Operationen wird, -auch von holländischer Seite, der Vorwurf erhoben, sie seien mit zu -schwachen Kräften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, daß der Handel -so sehr durch französische Freibeuter geschädigt wäre. Würde es nicht -richtiger gewesen sein, die Kräfte nicht zu zersplittern? - -Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf des -Krieges einwirken -- noch weniger die späteren kleinen Expeditionen --, -mit den hierfür verwendeten Kräften wäre wohl besser das Unternehmen -Tromps verstärkt und dem sich wieder regenden Dünkirchen, sowie der -feindlichen Freibeuterei überhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten. -Wenn sich auch dann herausgestellt hätte, daß Tromp nichts von Bedeutung -gegen die Küsten ausrichten konnte, hätte man der französischen Flotte im -Mittelmeer ernstlich zu Leibe gehen müssen. Dasselbe ist von den späteren -Jahren zu sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel für -die vorhandenen Kräfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung -der Seestreitkräfte, um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer -folgte man mehr augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von -interessierten Kreisen ausgingen. Die Zersplitterung führte nur zu -Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht einmal immer dem Einsatz -entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten (Mittelmeer, Westindien) -und daneben konnte man den Handel nicht genügend schützen, was doch -wichtig für die Fortsetzung des Krieges war. - -Über =die Kriegführung der Franzosen= ist folgendes zu bemerken. Wohl war -es richtig, daß sie sich im Atlantik auf die Defensive beschränkten -- -ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr den Charakter der -Privatzüge älterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt hätten, daß sie hier -den Seekrieg ernstlich zu führen beabsichtigten, so würde Holland ihnen -seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht -gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Höhe der -holländischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl -aufstellen, weil das Personal fehlte; wir zählen in den Kriegsjahren -1674/78 kaum mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im -Mittelmeer und Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in -den Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die französische Flotte -mächtig und stets ihren Gegnern an Stärke und Zahl der Schiffe überlegen, -so besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, daß -man von dieser Übermacht keinen tatkräftigeren Gebrauch gemacht hat. - -Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen. -Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum -zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht -bedeutende Verstärkung erhielt; in noch höherem Maße erscheint es -auffallend, daß er im nächsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit -schwächeren Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen -beiden Fällen wenigstens annehmen, er habe zunächst den wichtigen -Zufuhrtransport sicher nach Messina führen wollen. Aber auch sonst -vermißt man fast durchgehend eine energische Offensive, meist liegt die -französische Flotte ohne größere Aufgabe tatenlos vor der belagerten -Stadt. Als Ruyter an der italienischen Küste war, hätte sie gegen die -getrennten Gegner vorgehen können; die Spanier wenigstens wären ihnen -gewiß leicht zum Opfer gefallen. Nach Agosta machen die Franzosen eine -lange Pause, ehe sie den Schlag gegen Palermo führen, obgleich sie auch -nach dieser Schlacht wiederum durch ihre Galerenflotte verstärkt waren. -Der Sieg wird dann nicht völlig ausgenützt, und es wird später nicht -daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten feindlichen Flotten -gänzlich zu vernichten. - -Du Quesne war ein tüchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht -- -Tourville äußert sich später bei der Expedition gegen Algier über du -Quesne derart, als ob dieser größere eigene Verantwortung gescheut habe; -ein Vorwurf übrigens, der gegen ihn selbst im nächsten großen Kriege auch -erhoben wurde -- oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den -Oberbefehl auch über die Flotte führte, nicht zu energischen Taten -bewegen? Spielte Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert -hierbei mit? Wenn die französische Flotte endlich in den letzten -Kriegsjahren an der spanischen Küste so wenig hervortrat, so scheint -dies allerdings seinen Grund in ihrem weniger schlagfertigen Zustande -gehabt zu haben; daß es aber dahin gekommen war, macht ebenso wie ihr -Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als ob man die neue Waffe doch noch -nicht zu schätzen verstanden habe. - -Über =Spanien= ist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem -Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war. - -$Der Frieden von Nymwegen$ schloß diesen Krieg ab. Seine Bedingungen -kennen wir bereits (Seite 363). Es ist aber gerade für unseren Standpunkt -wichtig, die =mittelbaren Folgen dieses Krieges= für Holland, Frankreich -und auch England zu betrachten. - -Scheinbar war der Friedensschluß für =Holland= unerwartet günstig; es -verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen. -Aber sein Schaden während dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England -war doch sehr groß. In dieser Zeit ging ein großer Teil seines -europäischen Zwischenhandels in englische Hände über; die holländische -Schiffahrt war zu gefährdet und Frankreich begünstigte in jeder Weise die -Englands, um Holland zu schädigen und England neutral zu erhalten. -=England= machte dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten -Hollands; Holland begann, von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges -abzutreten, und als im nächsten Kriege die beiden Nationen vereint -gekämpft hatten, sicherte sich England als der nun stärkere Verbündete -wiederum den größeren Gewinn zur See. - -Aber auch =Frankreich= zog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen, -wenigstens nicht für sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts -gehemmt. Dieser wollte bekanntlich durch Begünstigung der Produktion und -durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und -Kriegsmarine den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war -alles gut gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit -Erfolg Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich -mächtig. - -Ludwigs Politik gegen Holland stärkte aber, wie eben gesagt, den -Seehandel Englands schon während des Krieges. Die Friedensbedingungen -waren dann zwar sehr vorteilhaft für Landzuwachs und militärische -Machtstellung -- Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem -Festlande --, sie waren es aber nicht für Industrie und Handel des -Landes, weil die Schutzzölle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt -wurden. Dies traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die -Kriegsmarine war, ohne Rückhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein -Baum ohne Wurzeln. Zwar wuchs sie in den nächsten Jahren noch sehr und -wurde selbst für kurze Zeit der englischen überlegen; sie schwand aber in -dem nächsten großen Kriege schnell dahin. Das Scheitern des Planes -Colberts, Frankreich zu einer großen Handelsmacht zu machen, ist auch von -Einfluß gewesen auf den finanziellen Ruin des Landes im nächsten -Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen Kriege Ludwigs -eingeleitet wurde. - - - $Der schwedisch-dänische$[220] (-holländisch-brandenburgische) $Krieg - 1675-1679$. - -Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. trat =Schweden= auf die Seite -Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an; =Dänemark= unterstützte diesen -Staat. Da es sich hierbei für Dänemark darum handelte, dem Großen -Kurfürsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden die -rückwärtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch die -im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. »Schonen«; -deshalb auch der »schonische Krieg« genannt) und die Vorherrschaft in der -Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine große Rolle. - - [220] Die früheren Kriege Dänemarks und Schwedens und ihre Marinen vgl. - Seite 44, 109, 148, 239. Die Quellen dort auch hier gültig. Über - die Beteiligung der Holländer siehe de Jonge, Teil II, Seite 153, - und »Vie de Tromp«. - -$Die dänische Marine$ war im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr -Land vor Invasion zu schützen; Christian V. aber (1670-1699) brachte sie -hoch, ja er führte sie zu ihrem höchsten Glanze. Schon 1675 besaß -Dänemark an Kriegsschiffen: 2 zu 80-90 Kanonen; 11 zu 58-78; 7 zu 36-54; -6 zu 24-32; 4 zu 8-20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der großen -Rhedereien (darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen -Verbindung mit Holland, der Unterstützung durch seine Flotten, hatten -holländisches Wesen und holländische Seeleute in großem Maße Eingang in -die dänische Marine gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde -sogar 1676 =Cornelis Tromp= als Oberbefehlshaber berufen, nachdem der -bisherige -- der tüchtige Admiral Adolar, auch im holländischen Seedienst -erzogen -- gestorben war. - - Nach de Jonge waren die neueren dänischen Schiffe nach holländischem - Muster und teilweise von holländischen Schiffbauern gebaut; fast alles - Kriegsmaterial ward aus den Niederlanden bezogen. In der dänischen - Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 waren der Vizeadmiral, der - Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Holländer; 1676 hatte man - 3000, 1677 gar über 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. Kein - Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ältere gestützt, sagt: Es hätten - die Schweden in diesem Kriege eigentlich nur gegen Holländer gefochten; - es hätten die dänischen Seeleute von diesen gelernt -- auch Juel von - Tromp --; selbst die von den dänischen Schiffen allein erreichten - Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder doch deren - Unterweisung zuzuschreiben. - -Gegen diesen holländischen Einfluß, gefördert durch Admiral Adolar, trat -von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang -nach und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr Haupt -=Niels Juel= übernahm die Oberleitung und sorgte für die Schaffung eines -tüchtigen nationalen Offizierkorps. - -$Die schwedische Marine$ war 1675 der dänischen noch an Zahl und Größe -ihrer Schiffe überlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der -vormundschaftlichen Regierung für Karl XI. (seit 1660) wurden die -Offiziersstellen, namentlich die höheren, vielfach nach Gunst an -Angehörige der regierenden Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft -nicht einmal Soldaten waren. Es sollte sich bald zeigen, daß die dänische -Flotte auch ohne Unterstützung durch die holländische, die dänischen -Führer auch ohne Tromp, den Schweden überlegen waren. - -$Holland$ griff in den Krieg ein, »um seinem treuen Verbündeten, dem -Großen Kurfürsten, zu helfen«; es geschah aber auch wohl, damit Schweden -nicht wieder zu mächtig an der Ostsee werde. In allen früheren Kriegen -war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu lassen, -sei es Hansa, Dänemark oder Schweden. Gerade von Holland aus erging an -Dänemark die Anregung zum Kriege, Subsidien für die dänische Flotte -wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten in -den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch in den -Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um mit den -Dänen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch nicht groß -und erreichten in keinem Jahre die Stärke, die ursprünglich beschlossen -war. Die Gründe hierfür -- sowohl für die nur gering bemessenen wie auch -für die dann nur teilweise durchgeführten Rüstungen -- waren dieselben, -die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt haben: -Geteilte Meinungen in den Provinzen über fernerliegende Unternehmungen; -Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitäten. Die spanische Unterstützung -blieb natürlich auch hier aus. - -So betrug die =Stärke der Geschwader= nur: - - 1675 Schiffe: 3 zu 70 K.; 2 zu 50-60; 2 zu 40; - 1676 " 3 " 70 " ; 6 " 60-64; 6 " 40-44; - 1677 " 1 " 76 " ; 5 " 60-70; 4 " 40-50; - - 1675 Schiffe: 6 kleinere; 2 Brander; Admiral Binckes - 1676 " 6 " ; 3 " ; " C. Evertsen - 1677 " 3 " ; 3 " ; " Scheppers. - -Schließlich müssen wir auch noch die $Seestreitkräfte Brandenburgs$ -erwähnen. 1675 erteilte der Große Kurfürst dem Holländer =Benjamin Raule= -(in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat bald -- -deshalb der Seeräuberei angeklagt und landesflüchtig -- als -Marinedirektor in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schloß nun der -Kurfürst in den Kriegsjahren stets für einige Monate die Gestellung von -Kriegsschiffen ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Größen -zwischen 16-20 und 18-24 Kanonen schwankend, sowie einige (3-10) kleinere -Fahrzeuge zu 4-10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von -40-44 Kanonen für fünf Monate hinzu, die von der Admiralität Amsterdam -geheuert waren. - -$Der Verlauf des Krieges$ brachte im Jahre $1675$ zur See nichts von -Bedeutung. Das holländische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein, -aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dänen unter -Adolar, aus. Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rügen und fing -auch einige schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte -sich zunächst nicht. Sie ging erst am 19. Oktober in See -- 44 -Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen für Pommern oder für einen Einfall -in Seeland --, kehrte aber bald um infolge stürmischen Wetters, in dem -einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer erschreckend -zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; der Untergang der -Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben. Die Holländer -gingen dann in die Heimat zurück und begleiteten dabei eine große Zahl -ihrer Ostseefahrer. - - =Zu Lande= wurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28. - Juni) und in Pommern von Brandenburg und Dänemark angegriffen. Der - Große Kurfürst nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin - sowie Peenemünde und Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen - Flottille; die Dänen eroberten Wismar und Damgarten. - -$Im Jahre 1676$ trafen die Holländer schon im Mai in Dänemark ein. Es -waren aber zunächst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands -unter Kontreadmiral =Almonde=, das Kontingent Seelands war wieder einmal -noch nicht seeklar; mit ihnen kam =Tromp= als Passagier. Er wurde mit -großen Ehren[221] empfangen, übernahm den Oberbefehl über die dänische -Flotte und schiffte sich auf »Christian V.« (86 Kanonen) ein, dessen -erster und zweiter Kapitän Holländer waren; das Geschwader brachte auch -Matrosen für die dänischen Schiffe mit. Während Tromp vorläufig die -Ausrüstung weiterer Schiffe überwachte, stieß Almonde zu =Niels Juel=, -der schon am 29. April =Wisby= zur Übergabe gezwungen hatte. Die so -vereinigte Flotte zählte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und -einige Jachten; sie begegnete am 4. Juni abends bei $Bornholm$ den -Schweden, diese 25 Linienschiffe, 10 Brander und Jachten stark unter den -Admiralen =Creutz= und =Ugla=. Am 4. wurden nur einige Schüsse auf -weitere Entfernung gewechselt, es scheint flau gewesen zu sein; $am 5. -Juni$ 6 Uhr früh kam es zu einem wirklichen Gefecht, das aber auch ohne -größere Folgen und ohne Entscheidung blieb. - - [221] Schon jetzt erhielt er den Elefantenorden. Als er dafür aber an - Gebühren 2000 Taler zahlen mußte, soll er, sparsam veranlagt, - gesagt haben: »Maar duivel! het beestje komt mij een beetje duur - te staan.« (De Jonge.) - - Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern - steuerten hoch am Winde. Die Holländer, die Vorhut der Verbündeten, - versuchten, nahe an den Feind heranzukommen; sie waren gezwungen, unter - seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden und dann wieder an der feindlichen - Linie entlang zu segeln. Diesem Manöver sollen nun nur 2 Dänen, von - Holländern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren - Entfernungen gehalten haben: Das holländische Flaggschiff wurde sehr - beschädigt und Almonde sah sich genötigt, das Nahgefecht abzubrechen; - Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. zurück, Almonde will diesen Rückzug - gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht auf Fortsetzung des - Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie häufig - beschwert sich ein Verbündeter über den andern: Die dänische - Überlieferung rühmt Niels Juel, daß er den überlegenen Angriff mit - Erfolg abgewiesen habe, und erwähnt nichts von hervorragendem Auftreten - der Holländer. Neuere holländische Quellen geben zu, daß der dänische - Admiral den Befehl gehabt haben könne, gegen überlegene Kräfte und vor - Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierüber sagt aber schon Almonde - sehr richtig, dann hätte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden müssen; - es muß dann auch auffallend erscheinen, daß der dänische Admiral solche - Absicht dem holländischen nicht bekannt gegeben. - -Die Schweden segelten nach dem Gefecht nördlich, die Verbündeten -westlich. Zu diesen stieß am 7. bei Falsterbo =Tromp=, der auf die -Nachricht von dem Gefecht sofort mit 4 schweren dänischen und 3 -neuangekommenen holländischen Linienschiffen in See gegangen war. Tromp -sucht jetzt mit der so verstärkten Flotte den Feind, sichtet ihn am 9. -unter der schwedischen Küste und verfolgt ihn. In der Nacht aus Sicht -gekommen, wird er am 10. mittags durch die Fregatten wiedergefunden, am -11. vormittags endlich erreicht und zwischen Bornholm und Öland bei -günstigem Winde (Westnordwest) angegriffen. - - In dieser $Schlacht bei Ertholm$ (Christiansö) $oder Öland$ wurde nicht - lange rangiert gefochten. Die Verbündeten griffen von Luward an; Tromp - selbst (»Christian V.« 86 Kanonen) engagierte das schwedische - Flottenflaggschiff »3 Kronen« (120 Kanonen; 800 Mann, wohl mit das - mächtigste Schiff damaliger Zeit). Dieses wollte nach Abgabe der ersten - Breitseite wenden, um die andere Lage zu feuern; die Luvgeschütze - wurden bei Bemannung der anderen Seite zu früh verlassen und nicht - festgesetzt, sie gingen über und das Schiff lag zum Kentern; die - brennenden Lunten fielen dabei zwischen aufgehäufte Kartuschen und das - Schiff flog auf. Der Unfall rief Schrecken und Unordnung in der Flotte - hervor, verschiedene Schiffe hielten ab. Der Vizeadmiral Ugla, einer - der wenigen Seeleute in höheren Stellen, leistete mit einigen Schiffen - kräftigen Widerstand, aber auch sein Schiff (86 Kanonen) flog in die - Luft. Es hatte im Kampfe mit Tromp so schwer gelitten, daß es die - Flagge strich. Als schon ein Boot unterwegs war, um es in Besitz zu - nehmen, wurde es durch einen holländischen Brander ohne Befehl in Brand - gesetzt (Tromp äußert sich empört über diesen Verstoß gegen - Kriegsbrauch). Nun erfolgte regellose Flucht der Schweden; jedes Schiff - trachtete nur danach, sich dem Kampfe zu entziehen und irgend einen - Hafen zu erreichen; dabei wurden 2 Linienschiffe und 2 kleinere - eingeholt und genommen. Die Verbündeten verfolgten 2 Tage, sie sahen 4 - Schiffe an der Küste stranden; zwei davon gingen verloren, darunter das - dritte Flaggschiff. Die Holländer und Dänen hatten keine nennenswerten - Verluste und Beschädigungen. - -Mit Verlust von 8 Linienschiffen, darunter die 3 Flaggschiffe der -Geschwader, wurden die Schweden in voller Auflösung und schwer beschädigt -in ihre Häfen gejagt; Tromp ging dann in die Kjögebucht, um weitere -Befehle einzuholen. Der Sieg wurde auch sofort strategisch ausgenutzt. -Die Schweden zeigten sich in diesem Jahre nicht mehr außerhalb der Häfen, -und so konnte eine schon vorbereitete =Landung in Schonen= ausgeführt -werden. Tromp ging mit einem Teil der Flotte nach Ystadt, warf 4000 -Soldaten und Matrosen an Land und nahm die Stadt; dann landete der König -selbst unter dem Schutz von 11 Kriegsschiffen auf 600 Fahrzeugen 16000 -Mann zwischen Helsingborg und Landskrona und eroberte auch diese Städte -sowie später Christianstadt leicht. Von See aus wurden durch die Flotte -noch Karlshamn und Christianopolis genommen. - - Zur Zeit der Landung in Schonen war auch Evertsen mit dem Rest der - holländischen Hilfsflotte in Kopenhagen eingetroffen. Er war durch - Mannschaftsmangel (häufig in Seeland; infolge des - Freibeutereidienstes?) so lange aufgehalten, dann hatte er im Verein - mit dem Geschwader für Schutz der Fischerei in der Nordsee vergeblich - ein schwedisches Geschwader vor der Elbe und an der Küste Norwegens - gesucht. Er übernahm nun den Oberbefehl über die Holländer; Almonde - ging, wie uns bekannt, nach dem Mittelmeer, um hier den Oberbefehl zu - führen. - -Hiermit fanden für 1676 die wichtigen Ereignisse zur See ein Ende. -Holländer und Dänen kreuzten noch bis zum Herbst an den pommerschen und -schwedischen Küsten, dann gingen jene heim und diese legten auf. Es trat -die übliche Winterruhe ein, die Holländer waren auch wohl der Ansicht, -Schweden für ihre Zwecke vorläufig genügend geschwächt zu haben. - - =Im Landkriege= war jedoch das Glück den Dänen nicht beständig, ihr - Fortschritt in Schonen kam zum Stehen. Ein Versuch, sich Gothenburgs - und der dort liegenden Schiffe zu bemächtigen, schlug fehl; - Christianopolis, Karlshamn und Helsingborg gingen wieder verloren. - -$Im Jahre 1677$ betrieb Schweden eifrigst mit französischem Gelde die -Rüstung seiner Flotte; Dänemark erbat und erhielt wiederum Unterstützung -von Holland. Tromp war in Person zu diesem Zweck und um weitere Leute -anzuwerben nach Holland gegangen; er selbst, seit Ruyters Tod zum -Generalleutnantadmiral befördert, erhielt ein weiteres Jahr Urlaub. Das -neue holländische Geschwader, mit Tromp und 1500 Matrosen für Dänemark an -Bord, traf am 11. Juli bei Kronenburg ein. - -[Illustration: Niels Juel.] - -Schon vorher hatte =Niels Juel= mit seinen Dänen =große Erfolge= -errungen. Er verlegte einem schwedischen Geschwader von 17 Segeln, -worunter 8 Linienschiffe, das sich von Gothenburg durch den Belt nach -Osten begeben und mit der Hauptflotte vereinigen wollte, auf der Linie -=Warnemünde= -- =Gjedser= den Weg (11. Juni) und nahm in zweistündigem -Kampfe 5 Linienschiffe sowie 2 kleinere. Am 11. Juli erschien die -Hauptflotte der Schweden -- 37 Linienschiffe, 10 Fregatten, 2 Brander -unter =Admiral Horn= -- bei Falsterbo und griff bei günstigem Winde die -ihm in der $Kjögebucht$ entgegentretenden Dänen -- 25 Linienschiffe, 5 -kleinere, 3 Brander unter Niels Juel -- an. Der Angriff dieser -überlegenen Macht wurde mit Tapferkeit ausgeführt, aber mit wenig -Ordnung; es zeigte sich dann die größere Kriegsfertigkeit der Dänen. Juel -hielt, obgleich man gerade besonders ihn angriff und er dreimal sein -Flaggschiff wechseln mußte, stets die Ordnung aufrecht, gewann den Wind, -schnitt einen Teil des Feindes ab und dublierte diesen. Die Schweden -wurden vollständig geschlagen -- mindestens 4 Linienschiffe wurden -genommen, 4 vernichtet -- und zogen sich größtenteils schwer beschädigt -fluchtartig in ihre Häfen zurück. Bastiansze =Scheppers=, der mit seinen -Holländern gerade den Sund heraufkam, erfuhr, daß 3 Schweden der -geschlagenen Flotte auf dem Wege nach Gothenburg in =Malmö= eingelaufen -seien. Er teilte sein Geschwader, besetzte das Fahrwasser bei Kronenburg -und bei den Drogden, der Rest suchte die genannten Schiffe. Man traf sie -noch in Malmö an, nahm eins und vernichtete die andern durch Brander. - -Dieser große Seesieg war von bedeutendem Nutzen für den =Landkrieg=. Auch -1677 war das dänische Heer nicht erfolgreich. Ein Versuch nach dem Siege -bei Warnemünde, sich Malmös zu bemächtigen, mißlang, und am 24. Juli -griffen die Schweden die Hauptstellung vor Landskrona an. Nach blutiger -Schlacht, an der beide Könige teilnahmen, behaupteten sie das -Schlachtfeld; die Dänen mußten sich auf die Stadt zurückziehen. Die -völlige Niederlage der schwedischen Flotte erlaubte nun aber eine -Diversion mit der eigenen; diese erhielt den Befehl, die $schwedische -Küste$ im Rücken der feindlichen Armee zu beunruhigen und $zu -brandschatzen$, insbesondere $Kalmar anzugreifen$. - - Der Stoß wurde gegen die Küste von Smaland und gegen die Insel Öland - geführt. Der größere Teil der dänischen Flotte unter Juel traf am 11. - August in diesen Gewässern ein, die Holländer folgten erst später und - ebenso Tromp mit dem Rest der Dänen. (Der Grund der Verzögerung lag - wohl in Reibungen, die gerade nach dem Erfolge der Dänen entstanden zu - sein scheinen: Scheppers wollte nicht unter dänischem Oberbefehl stehen - und Tromp begann zu fühlen, daß man ihm nicht mehr die bisherige - Hochachtung zollte.) Nun begann ein barbarisches Werk der Zerstörung, - das man nur mit dem alten Haß zwischen den Dänen und Schweden erklären - und in etwas damit entschuldigen kann, daß auch auf den genommenen - schwedischen Schiffen die Order vorgefunden war, »im Falle des Sieges - die dänischen Lande mit Feuer und Schwert zu verwüsten.« - - Die dänische Flotte hatte schon vor Tromps Ankunft verschiedene Dörfer, - Schlösser und die kleine Stadt Münsteräs an der Küste Smalands - verbrannt. Nun versuchten die Dänen von Norden, die Holländer von Süden - in den Kalmarsund vorzudringen, um die dort liegenden Kriegsschiffe - (etwa 12) zu zerstören; es war jedoch nicht möglich, weil die Schweden - im Fahrwasser die Seezeichen entfernt und Schiffe versenkt hatten. Auch - ein Versuch, durch eine Landung von 2000 Mann sich der Stadt Kalmar zu - bemächtigen, schlug fehl, man konnte nur die Vorstadt verbrennen und - die Umgegend verwüsten. Endlich wurde (28. August) im Norden und Süden - auf Öland gelandet; ein Festsetzen, um von hier aus gegen Kalmar - vorzugehen, war jedoch wieder nicht möglich, da man die Feste der Insel - nicht zu nehmen vermochte. So verbrannte man sämtliche Häuser auf der - Insel, die Kirchen ausgenommen, trieb alles Vieh, an 2000 Kühe und - Schafe, weg und schiffte sich wieder ein. - -Nach Verwüstung der Umgegend Kalmars und der Insel Öland wurde Tromp mit -einem Teil der dänischen Flotte und der gesamten holländischen nach -Kopenhagen zurückgerufen (Anfang September); =Niels Juel= verblieb an der -Küste Smalands. Er brandschatzte hier weiter in der Nähe Westerviks, -erzwang sich am 11. September mit kleineren Kriegsschiffen Eingang in den -befestigten Hafen und verbrannte den Ort sowie die dort liegenden Kriegs- -und Kauffahrteischiffe; dann lag er bis zum Winter zur Beobachtung des -Feindes bei Gothland. - -Damit enden in diesem Kriege die wichtigeren Unternehmungen zur See, die -von seiten Dänemarks und Hollands gegen Schweden unmittelbar gerichtet -waren. Die schwedische Flotte verließ $1678$ ihre Häfen nicht. Sie hatte -genug mit der Ausbesserung der wenigen noch kampffähigen Schiffe zu tun; -die Nation hatte das Vertrauen auf ihre Marine verloren, es war nicht -möglich, brauchbaren Personalersatz zu erhalten. Auch als sie sich 1679 -wieder zeigen wollte, wurde sie von Juel im Schach gehalten. =Dänemark -beherrschte= bis zum Schluß des Krieges =die Ostsee=, so daß Schweden -auch nicht imstande war, nach Pommern die so nötige Unterstützung zu -senden. - -$Der Krieg In Pommern$ dagegen bringt in den Jahren 1677 und 1678 noch -einige erwähnenswerte Ereignisse. Die im September $1677$ von Smaland -zurückgezogenen dänisch-holländischen Seestreitkräfte wurden bestimmt, -$Rügen zu erobern$. Sie erschienen unter dem König und =Tromp= am 17. -September 1677 zwischen Wittow und Jasmund und landeten 4000 Mann; nur -etwas Kavallerie, bald durch das Feuer der Schiffe vertrieben, versuchte -vergeblich die Landung zu hindern. Verstärkungen trafen von Dänemark und -auch vom Großen Kurfürsten ein -- dieser belagerte seit Juli Stettin, -Tromp stellte sich ihm Ende September dort vor -- und so wurde die Insel -leicht erobert; die Schweden unter Graf =Königsmark= mußten sich auf -Stralsund zurückziehen. Von hier aus aber eroberten sie Ende 1677 die -Insel wieder, wobei die dänischen Truppen fast sämtlich gefangen genommen -wurden. Die dänischen Schiffe kreuzten im übrigen bis zum Winter vor der -pommerschen Küste; die Holländer gingen im Herbst, wiederum einen großen -Convoi geleitend, heim. - -Die kleinen =brandenburgischen Flottillen= fanden 1676 und 1677 -Verwendung zur Blockade der Häfen von Stralsund, Greifswald und Stettin. -Im Juni 1676 hatten sie das Glück, eine schwedische Fregatte und einen -Brander zu nehmen, die nach einem der Gefechte von ihrer Flotte -abgekommen waren; diese wurden als die ersten »kurfürstlichen« Schiffe in -Dienst gestellt. - - Für das Jahr 1678 gelang es Dänemark nicht, die Unterstützung durch - eine holländische Flotte zu erhalten, nur neue Werbungen in den - Niederlanden wurden gestattet; Holland stand schon in - Friedensunterhandlungen mit Frankreich. Infolgedessen setzte nun die - nationale Partei der dänischen Marine die Abdankung Tromps durch. - Dieser war über den Undank sehr empört, trotzdem bewog er den größten - Teil der holländischen Offiziere und Mannschaften, die in dänischem - Dienste standen, zu bleiben; über die Entlassung ihres Admirals - gleichfalls entrüstet, hatten auch sie den Abschied verlangt; es war - fast zu Meuterei gekommen. Nach Holland zurückgekehrt, trat =Tromp= - nicht mehr auf, er zog sich bald ins Privatleben zurück. 1691 wurde er - zwar als Oberbefehlshaber der vereinigten englisch-holländischen Flotte - in Aussicht genommen, er war jedoch krank und starb am 29. Mai dieses - Jahres. Vor dem Verlassen der Ostsee sollte er aber das letzte größere - Unternehmen zur See hier noch mitmachen. - -Im Januar $1678$ war Stettin nach langer Belagerung gefallen, die -Schweden verloren immer mehr Boden in Pommern und die Verbündeten planten -$aufs neue die Eroberung Rügens$; der =Große Kurfürst= hatte hierzu Tromp -zu sich berufen. - - Zu dieser Expedition hatte der Kurfürst in Peenemünde 350 Fahrzeuge für - den Transport von 4000 Mann unter =Derfflinger= gesammelt; die - Flottille -- 7 Segel mit 107 Kanonen -- sollte Überfahrt und Landung - decken. Tromp befand sich als Kriegsfreiwilliger an Bord des - Flaggschiffes, Dänemark stellte ein kleineres Geschwader -- 7 - Linienschiffe und einige kleinere -- unter Niels Juel. Am 22. September - wurde aufgebrochen, jedoch segelten die Dänen (schon am 21.?!) nach - Wittow, der Kurfürst nach Palmerort. Er wollte hier einen Scheinangriff - machen, die Truppen aber bei Putbus landen. Die Landung konnte an - diesem Tage nicht ausgeführt werden; Flaute zwang zum Ankern und hielt - sogar die Flottille eine Zeitlang im Feuer von am Lande aufgefahrenen - Geschützen fest, doch taten diese kaum Schaden. Den Dänen dagegen war - es am 22. gelungen, ohne wesentlichen Widerstand auf Wittow Fuß zu - fassen und Juel meldete dies in Person am 23. dem Kurfürsten. Hierauf - ging auch dieser mit seiner ganzen Macht dorthin, die Kriegsschiffe - wurden zeitweise wegen neuer Flaute durch Boote getaut. Dann wurde die - Landung ausgeführt, obgleich die Schweden Kavallerie bereit hielten und - auch Geschütze auffuhren: Die Boote und kleinen Fahrzeuge gingen in - bester Ordnung -- wo nötig mit Weiterstaken -- so nah wie angängig - heran, die Truppen wateten oder schwammen an Land und formierten sich - schnell; alles ohne Verlust, weil die Schweden keinen ernstlichen - Widerstand leisteten, auch Kavallerie kam bald an Land. Der Feind wich - und räumte schon am 24. die Insel, nachdem er in einem kurzen aber - heftigen Gefechte um die Stellung, die den Übergang nach Stralsund - deckte, geschlagen war. - -Nach der Eroberung Rügens wurde der Dänholm genommen; nun =kapitulierte= -Ende Oktober =Stralsund=, von der Land- und Wasserseite eingeschlossen, -und im November nach zweistündiger Beschießung mit glühenden Kugeln auch -=Greifswald=; ganz Schwedisch-Pommern war erobert. 1679 ward nur noch in -Ostpreußen gefochten -- Friedrich Wilhelms Zug über das Kurische Haff. - -=Schweden büßte in diesem Kriege schwer die Vernachlässigung seiner -Marine.= Wäre seine an Material so mächtige Flotte schlagfertig gewesen, -so dürfte den Gegnern der Krieg in Pommern weit schwerer geworden sein -und an Stelle eines dänischen Einfalls in Schonen hätte die Geschichte -vielleicht einen schwedischen in Seeland gesehen. Die innerlich -tüchtigere und besser geführte dänische Flotte, noch während des Krieges -weiter gepflegt, führte schließlich den Sieg ihres Staates trotz der -eigentlich nur geringen Erfolge des Landheeres herbei. - -Es ist bereits erwähnt, daß in den =Frieden von Fontainebleau= (oder -Lund, September 1679) und =St. Germain= (Juni 1679) sowohl Dänemark wie -Brandenburg ihre Eroberungen zurückgeben mußten; von den übrigen -Verbündeten -- Holland; Kaiser; Reich -- verlassen, hatten sie sich den -Forderungen Ludwigs XIV. zu fügen. - -Es sei an dieser Stelle noch die =weitere Geschichte der -brandenburgischen Marine=[222] kurz geschildert, wenn sie auch an keinem -Seekriege mehr teilnimmt. - - [222] Näheres z. B. von Borke, »Die brandenburg-preußische Marine und - die afrikanische Kompagnie.« - - Da im Frieden von St. Germain Stettin und Stralsund an Schweden - zurückfielen, blieben dem Großen Kurfürsten nur Pillau und Königsberg - zu Hafen- und Werftanlagen für handelspolitische und kriegsmaritime - Zwecke; hier wurden dann auch Warenhäuser und Arsenale errichtet; 1682 - gründete Friedrich Wilhelm eine afrikanische Handelsgesellschaft. Um - auch einen Hafen an der Nordsee zu haben, legte er 1683 Besatzungen - nach Emden und Gretsiel; er benutzte dazu Zwistigkeiten zwischen den - Fürsten und den Ständen von Ostfriesland und folgte einem Wunsche der - letztgenannten. Emden wurde nun der Sitz der Kompagnie, die Ostfriesen - erhielten dafür das Recht, unter dem Schutz der brandenburgischen - Flagge zu fahren. - - 1684 wurde die bisher gemeinschaftliche Verwaltung der eigentlichen - Kriegsmarine und der Handelskompagnie getrennt; die Marine zählte dann - bald 10 Segel: 2 zu 50 Kanonen; 1 zu 40; 1 zu 36; 1 zu 20; 1 zu 40; 1 - zu 10; 2 zu 6 Kanonen. Der größte Teil dieses Bestandes gehörte zur - Station der Nordsee; der höchste Bestand war 1688 erreicht: 35 Schiffe - mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Kanonen. Nach dem Tode des - Großen Kurfürsten 1688 ging die Marine schnell zurück, da Friedrich - III. keinen Wert auf Entwicklung des Seehandels legte; die Hauptstütze - ihres Gründers, Raule, starb 1707; als 1708 noch Soldaten nach Afrika - gesandt wurden, mußten sie unter holländischer Flagge fahren. Friedrich - Wilhelm I. sah sich genötigt, den Schutz des Seehandels ganz aufzugeben - und die Kolonien an Holland abzutreten; damit verschwindet die - brandenburgisch-preußische Marine bis zu einem schwachen Versuch 1756. - - Von der Verwendung der brandenburgischen Marine nach dem Frieden sei - noch folgendes erwähnt: 1680 kreuzte ein Geschwader -- 5 Schiffe zu - 16-40 Kanonen; 1 Brander; 515 Matrosen, meist Holländer; 180 Soldaten - -- gegen Spanien im Kanal, um auf diese Weise die nicht gezahlten - Subsidien für den letzten Krieg einzutreiben, und nahm ein Schiff zu 50 - Kanonen; später segelte das Geschwader nach Westindien und brachte - verschiedene Kauffahrer auf. 1682 gingen 2 Fregatten nach der Westküste - Afrikas und gründeten dort die Niederlassung Groß-Friedrichsburg (am - Kap der drei Spitzen), andere Faktoreien folgten hier. Versuche, auch - in Westindien Fuß zu fassen -- auf St. Thomas wurde eine Faktorei - angelegt --, scheiterten an der Eifersucht Hollands und Frankreichs. - - - $Kämpfe gegen die Barbaresken 1674-1688 und die Franzosen vor Genua - 1684$ (Bombardements von Algier und Genua). - -Wir wissen, daß jedesmal nach größeren Kriegen an die westeuropäischen -Marinen die Aufgabe herantrat, kräftiger gegen die Raubstaaten Afrikas -vorzugehen; wenn man sich während der Kriege mit der notwendigsten -Sicherung der Kauffahrer gegen Seeraub begnügen mußte, nahm dieses -Räuberunwesen stets zu. - -Von 1675 an hielten $die Engländer$[223] ein stärkeres Geschwader an der -Nordküste Afrikas, unter dessen Druck Verhandlungen mit Algier, Tunis und -Tripolis geführt wurden. Blockade der Häfen, Wegnahme einzelner Schiffe, -Gefechte mit Seeräubergeschwadern, auch Bedrohung oder gar Bombardement -der Hauptstädte (z. B. 1677 der Stadt Tripolis durch Admiral Narbrough) -führten dann zur Befriedigung der englischen Forderungen: Rückgabe von -Gefangenen, Zahlung von Entschädigungen, Abschluß von Verträgen; doch -wurden seitens der Barbaresken stets die Verträge gebrochen und die -Raubzüge wieder aufgenommen. Im Jahre 1681 hören diese größeren -Unternehmungen auf, wohl weil die Franzosen von jetzt an sehr energisch -vorgingen. - - [223] Clowes, Teil II, Seite 450, gibt die Operationen und manche recht - interessante Gefechte genau. Es findet sich dort auch die - Bemerkung, daß England 1674-78 sehr von französischen Freibeutern - im Kanal zu leiden hatte. Diese, gegen Holland bestimmt, nahmen - es wie üblich mit ihren Angriffsobjekten nicht so genau. Der - König beschränkte sich auf erfolglose Vorstellungen in Paris. Das - Volk mußte den Schaden tragen, merkte es sich aber. -- Ebendort - auch Angaben über Gefechte mit Piraten in Ost- und Westindien. - -Das englische Geschwader wirkte auch mit zur Verteidigung von =Tanger=, -welche Besitzung öfters von Marokko angegriffen wurde. 1683 räumte -England Tanger, weil die Kosten der Erhaltung und Verteidigung seinem -Werte nicht zu entsprechen schienen. Man gab es auch nicht an Portugal, -den früheren Besitzer, zurück, sondern schleifte die Hauptwerke; die -Mauren befestigten es aber sofort wieder. Dieses Aufgeben eines -strategisch wichtigen Punktes ist selten in der englischen Marinepolitik -und wurde auch später bedauert; selbst wenn die Stellung wenigstens von -den Portugiesen gehalten wäre, würde es von Nutzen gewesen sein, da diese -vom nächsten Jahrhundert an ganz von England abhängig wurden. - -Unwesentlicher waren die $Operationen der Holländer$.[224] In den ersten -Jahren nach dem Frieden 1678 mußte man sich wegen Geldmangels und -Schulden der Admiralitäten wie während des Krieges auf den -allernotwendigsten Schutz der Kauffahrer beschränken. Von 1686 an wurden -zwar größere Geschwader entsendet; erwähnenswerte Ereignisse fanden -jedoch auch dann nicht statt. - - [224] Nähere Angaben in de Jonge, Teil III. - -Weit bedeutender aber sind die $Unternehmungen der Franzosen$.[225] Sie -sind besonders bemerkenswert, da bei ihnen zum ersten Male im Seekriege -die »Bombe« eine wichtige Rolle spielt; ferner zeigen gerade sie, mit -welcher Hartnäckigkeit und auch Kraft die Barbaresken auftraten, wie -schwer es den europäischen Mächten wurde, diese niederzuhalten. - - [225] Geschildert nach du Sein, Bonfils und Jal: »du Quesne«, hier - besonders die Expeditionen sehr genau, die dieser Admiral führte. - -Auch die Franzosen hielten seit dem Frieden 1678 Geschwader an der -afrikanischen Küste, die ihre Fahrten zum Schutz des Handels bis zur -Levante ausdehnten. So zerstörte =du Quesne= 1681 im Hafen von $Chios$ -eine Anzahl Schiffe von Tripolis, ohne sich um die Türken zu kümmern; die -türkischen Batterien, die eingriffen, wurden zum Schweigen gebracht. Zwar -entstand darob großer Zorn in Konstantinopel, aber der Sultan, mit -Österreich im Kampfe, wünschte keine Zerwürfnisse mit Frankreich; du -Quesne drückte sogar mit seiner Flotte weiter darauf, daß der Sultan -Tripolis zum Frieden bewöge. Auch die Freibeuter des Kanals, jetzt -unbeschäftigt, wurden gegen die Barbaresken verwendet; =Jean Bart=, schon -seit 1679 in der königlichen Marine angestellt, tat hier 1681 den ersten -Dienst als Führer kleiner Geschwader solcher Schiffe, die teils von -Unternehmern, teils von der Krone unterhalten wurden. Die Erfolge waren -aber wie bei den Engländern immer nur von kurzer Dauer; besonders Algier -war schwer zu bändigen, der Dey erklärte sogar im Oktober 1681 förmlich -den Krieg an Frankreich. - -Man erwog nun den Plan zu einem großen Schlage gegen die Stadt Algier; -der später an du Quesne gegebene Befehl lautete: »Diese anzuzünden und -von Grund aus zu zerstören.« Gut befestigt wie die Stadt war, glaubte man -nicht, ihn mit der Flotte allein ausführen zu können, und faßte schon -einen größeren Einfall in das Land ins Auge, um sie dann regelrecht zu -belagern. Um diese Zeit aber hatte ein junger Edelmann, =Renau -d'Eliçagarey=, der sich mit Schiffbaufragen beschäftigte, einen Plan für -verbesserte Mörserboote vorgelegt. - - Wir haben gehört (Seite 173), daß man um diese Zeit wohl schon in allen - Marinen Mörserboote kannte. Sie waren aber nicht genügend segel- und - seefähig, um Flotten auf weite Entfernungen begleiten zu können, auch - erlaubten Lafettierung und Aufstellung bei schwereren Mörsern wegen des - Rückstoßes keine hohen Elevationen. In diesen Hinsichten machte Renau - nun Verbesserungen, besonders durch die Konstruktion einer schrägen (um - 45° geneigten) und gut federnden Bettung. Die Boote waren etwa 23 m - lang und 8 m breit, hatten etwas vor der Mitte zwei Bettungen für je - einen Mörser mit der Feuerrichtung nach vorn; sie führten daneben 4 - leichte Kanonen und waren mit einer Takelage versehen, die im Gefecht - (vor Anker) teilweise niedergelegt werden konnte. Nach den ersten - Erfahrungen 1682 wurden sie verbessert; so erhielten sie eine Brustwehr - von Netzen mit altem Tauwerk gefüllt, wie man später auf den Schiffen - die Hängematten und Kleidersäcke als Schutz verwandte, das - Ankergeschirr wurde sehr vermehrt, um die Boote gut festlegen zu - können. (Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 414 ff.) - -Fünf solcher =Galiotes à bombes à la Renau= wurden 1681/82 in Havre und -Dünkirchen gebaut; sie bewährten sich bei den Proben. Man beschloß nun, -zu versuchen, mit ihnen Algier durch ein großes Bombardement -niederzuzwingen oder zu vernichten, und zog sie 1682 ins Mittelmeer. Wir -werden sehen, daß auch ihr Erfolg den Erwartungen nicht völlig entsprach: -Geschütze und Munition waren noch zu unvollkommen; immerhin ist es die -erste große Verwendung von Sprenggeschossen im Seekriege. Ehe wir zur -Besprechung der verschiedenen Unternehmungen gegen Algier (und auch gegen -Tunis und Tripolis) schreiten, sei die =taktische Verwendung dieser -Mörserboote= geschildert, wie sie du Quesne 1682 und 1683 anordnete. - - Ich wähle zu dieser Schilderung die Anordnung des Bombardements im - Jahre 1683, da diese nach den Erfahrungen des Vorjahres sehr verbessert - war (Plan vergl. Seite 405). - - Die Mörserboote (1683 waren es 7) sollten ein konzentrisches Feuer auf - die Befestigung der Mole (150 Kanonen?), auf die dahinter liegenden - Schiffe und auf die Stadt selbst richten: die Beschießung sollte nur - während der Nächte vor sich gehen, tagsüber wollte man die Boote dem - feindlichen Feuer entzogen halten. Auf die Liegeplätze der Galioten -- - etwa 1100 m von der Mole -- wurden durch Schiffsboote schwere Anker - gelegt und von diesen Leinen -- mehrere aufeinandergesteckt -- zu 7 - Linienschiffen geführt, die radial hinter der Galiotenposition, - außerhalb Schußweite der Befestigungen, verankert waren. Mit diesen - Leinen, über ihr Deck genommen, verholten sich die Fahrzeuge; sie waren - somit imstande, ohne fremde Hilfe leicht und sicher erst kurz vor dem - Gefecht ihre Posten einzunehmen und sich nach Schluß in den Schutz - eines starken Schiffes zurückzuziehen; auch konnten sie während des - Kampfes ihre Lage ändern, falls das feindliche Feuer es wünschenswert - machte. Zur Sicherung gegen einen Angriff mit Booten oder Galeren - wurden jeder Galiote 2 armierte Schiffsboote oder schwere Schaluppen, - die zu diesem Zweck besonders mitgenommen waren, zugeteilt. - - Die ganze Stellung ward noch dadurch verstärkt und bewacht, daß auf - jedem Flügel ein Linienschiff ankerte; auch für diese waren Anker - ausgelegt und auch sie lagen nur nachts dort. Vor den Linienschiffen - endlich lagen Boote auf Vorposten, und zwischen den Galioten und der - Mole gingen 4 schwere Schaluppen vor, die mit Geschützen für - Brandgeschosse armiert waren. - -Am 23. Juli $1682$ traf $du Quesne$ zum $ersten Angriff$ vor $Algier$ -ein; mit den Schiffen, die bereits die Stadt blockierten, zählte seine -Flotte 11 Linienschiffe, 2 Brander, 5 Mörserboote und 15 Galeren. Durch -Erkundungen und ungünstiges Wetter hingehalten, konnte er erst am 13. -August zum Angriff übergehen. Dieser war folgendermaßen angesetzt: Zwei -Gruppen -- je 2 Linienschiffe im Schlepp von Galeren -- sollten die -detachierten Forts im Norden und Süden der Stadt beschäftigen, die -übrigen Linienschiffe mit den Galioten, diese zu beiden Seiten des -Admirals, sollten von Galeren auf Ankerplätze in Front der Mole -geschleppt werden; als aber eben die ersten Schiffe zu Anker gehen -wollten, mußte das ganze Unternehmen aufgegeben werden, da plötzlich sehr -starker ablandiger Wind aufkam. Am 15. meldete der Chef der Galeren, auf -seinen Fahrzeugen ginge das Wasser zu Ende. Du Quesne, der diese Art -Schiffe überhaupt wegen mangelnder Seefähigkeit, häufigen Mangels an -Wasser und Proviant für hemmender als nützlich bei einer Flotte hielt, -sandte sie nach Frankreich zurück und entschied sich nun für eine -Verwendung der Mörserboote, wie sie oben beschrieben ist. - -[Illustration: Bombardement von Algier, 1683.] - -Am 18. August wurden 5 Anker ausgelegt, am 20. abends nahmen die Galioten -zum ersten Male ihre Position ein und eröffneten das Feuer. Die -Beschießung dauerte bis zum 12. September, allerdings öfters -unterbrochen. Anfangs mußten die Anker umgelegt werden, sie lagen -einander zu nahe und zu weit von der Stadt; mehrfach traten -Wetterverhältnisse hindernd auf, einmal mußte ein nächtlicher -Bootsangriff abgeschlagen werden; auch Verhandlungen mit dem Dey wurden -dazwischen geführt. Immerhin wurden einige hundert Bomben geworfen, aber -der Erfolg war nicht bedeutend. Viele Geschosse erreichten das Ziel -nicht, einige krepierten nicht und eine nicht geringe Zahl krepierte bald -nach dem Verlassen des Rohres. Eins setzte sogar sein Boot in Brand; -dieses wurde nur durch die Kaltblütigkeit des Kommandanten gerettet, -während der größte Teil der Besatzung über Bord sprang. Am 13. September -verließ du Quesne der vorgerückten Jahreszeit wegen, besonders mit -Rücksicht auf die Mörserboote, Algier. Auch mit den Verhandlungen hatte -er nichts erreicht, doch ließ er einige Schiffe zur Blockade zurück. - -Auf Befehl des Königs berichtete =du Quesne= jetzt, welche Kräfte er für -einen $zweiten Angriff 1683$ für notwendig erachte. - - =Jal= gibt im »Abraham du Quesne« einen ziemlich genauen Auszug aus - dieser Denkschrift; sie ist bemerkenswert, weil man daraus die Umsicht - des erfahrenen Admirals ersehen kann. Er verlangte, kurz gefaßt, - folgendes: 15 Linienschiffe, 2 Fregatten, 2 Brander außer den - Mörserbooten; einen Stützpunkt auf den Balearen als ständigen - Sammelplatz und hier: 3 Schiffe mit Proviant usw., ein Zeltlager für - Kranke, Vorrat an frischem Proviant, Ausbesserungsgegenstände; ein - Lazarettschiff zum Verkehr der Flotte mit dem Stützpunkte; nur etwa 6 - Galeren für Polizei- und Wachdienst, dafür aber 6 schwere Schaluppen -- - gleich geeignet zum Rudern und Segeln -- zum Bugsieren der Galioten und - zu ihrer Verteidigung; bessere Munition für die Mörser, reichlicheres - Ankergeschirr für die Fahrzeuge behufs sicheren Festlegens; 5 mit - Steinen gefüllte Schiffe, um die Einfahrt zu sperren (mit der Absicht, - den Hafen unbrauchbar zu machen, selbst wenn die Vernichtung der Stadt - geglückt wäre); diese sollten auch mit Sprengstoffen gefüllt sein, um - die Hafensperre und die Befestigungen auf der Mole zu zerstören. Auch - ersuchte er, nicht zu viel Gardes de la marine (Offiziersaspiranten) - und keine Kriegsfreiwilligen einzuschiffen, »diese nähmen nur Platz - fort und brauchten zu viel Erfrischungen und Wasser, weil sie so oft - seekrank wären.« - - Er erhielt nahezu alles, was er verlangt hatte. An Mörserbooten waren - jetzt 7 vorhanden; die Senkschiffe fehlten -- es sind 2 vorbereitet, - doch werden sie später nicht mehr erwähnt --, dagegen erhielt er 2 - »Kupferminen« -- sehr schwere Gefäße mit Pulver, Projektilen und - Feuerwerkskörpern gefüllt, sonst Konstruktion unbekannt --, die in - Fahrzeugen gegen die Hafensperre herangeführt werden sollten. Auch 16 - Galeren stießen zur Flotte; sie waren jedoch bei Beginn der Operationen - noch nicht zur Stelle, wurden später wiederum zur Auffüllung von Wasser - und Proviant zurückgesandt und kamen nicht wieder (Grund: zu - vorgerückte Jahreszeit oder die bekannte Spannung zwischen der Galeren- - und Hochseeflotte). Der Stützpunkt auf den Balearen scheint nicht - eingerichtet zu sein. Trotz des Admirals Bitte wurden aber mehrere - überzählige Kapitäne und eine große Zahl Gardes de la marine zur - Belehrung auf die Flotte kommandiert und zwar besonders an Bord der - Schiffe, auf die sich die Mörserboote stützen sollten. Legendenhaft -- - auch nach Jal -- ist endlich die Mitgabe von 2 »großen Bomben«; - mitgegeben sind sie, aber es ist nicht zu sagen zu welchem Zweck; ein - besonderer Mörser war nicht vorhanden, vielleicht war ihre Verwendung - ähnlich gedacht wie die der Kupferminen, oder es sind diese. - -Die Ausrüstung der neuen Flotte wurde mit Eifer betrieben; der Sekretär -des Marineministeriums, =de Seignelay= (Sohn Colberts), erschien selbst -in Toulon, aber infolge von Verzögerungen und widrigen Winden traf =du -Quesne= erst am 18. Juni 1683 vor Algier ein. - -Am 23. waren unter =Tourvilles= Leitung alle Vorbereitungen für die -Bombardementsstellung getroffen, jetzt genau in der Seite 404 -beschriebenen Weise; starker ablandiger Wind und Seegang hinderten jedoch -bis zum 26. abends das Vorschicken der Mörserboote. Dann wurden, wieder -unter Tourvilles Leitung, in dieser und der nächsten Nacht 200 Bomben -geworfen. Der Feind antwortete lebhaft aber mit wenig Erfolg, die -Franzosen dagegen hatten bessere Ergebnisse als im Vorjahre; die Munition -war besser, nur etwa 25 Bomben krepierten zu früh, und die Elevation war -richtiger bemessen. Obgleich am 28. früh Wind und See so zunahmen, daß -verschiedene Mörserboote vertrieben und beim Verlassen der Stellung -mehrere der Verholleinen brachen, sandte der Feind doch Parlamentäre. Du -Quesne weigerte sich, auf Verhandlungen einzugehen, ehe nicht sämtliche -Sklaven französischer Nation freigelassen seien, worauf während der -nächsten Tage gegen 600 auf der Flotte abgeliefert wurden; die -Verhandlungen zogen sich aber trotzdem hin. Nach den mitgegebenen und -weiter eingehenden Instruktionen sollte der Admiral nicht nur die -Herausgabe der Sklaven und die Zahlung von einer Million Franken für -französischen Untertanen zugefügten Schaden verlangen, sondern auch, daß -der Dey demütig Abbitte tue für die Unverschämtheit (insolence), -überhaupt gegen den König Krieg geführt zu haben; endlich war du Quesne -streng untersagt, die Auslieferung mohammedanischer Sklaven auf -französischen Galeren zu versprechen. Gerade dieser letzte Punkt scheint -die herrschenden Elemente in Algier, die Janitscharen, empört zu haben; -am 23. Juli brach eine Militärrevolution aus, der Dey wurde ermordet und -der Führer der Empörung brach die Verhandlungen ab. - -Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens eröffnete du Quesne die -Beschießung von neuem. Der Kampf wurde jetzt von den Barbaresken auf das -energischste und grausamste geführt: das Feuer wurde noch heftiger und -nun auch mit mehr Erfolg erwidert; ein nächtlicher Ausfall wurde gemacht -und hierbei ein Wachtboot genommen; französische Sklaven und Gefangene, -darunter der Konsul, wurden vor die Mündungen der Kanonen gebunden. Bis -zum 18. August warfen die Franzosen über 1000 Bomben -- dann wurde die -Munition knapp --, die Stadt lag halb in Trümmern, aber sie ergab sich -nicht. Da auch die Batterien noch nicht zum Schweigen gebracht waren, -hielt du Quesne eine Forcierung des Hafens nicht für ratsam. - - Für ein Forcieren war der Admiral nie gewesen, wenn nicht die - Befestigungen vorher niedergekämpft seien. Ludwig XIV. war empört, daß - die Stadt nicht schneller bezwungen wurde; er machte (Ende Juli) du - Quesne die schwersten Vorwürfe und schrieb dabei: er müsse annehmen, - daß dieser nicht forcieren wolle, weil er stets dagegen gewesen; er - beföhle es nunmehr. Wenige Tage später schrieb de Seignelay, im Namen - des Königs, etwas milder, wies aber auch auf gewaltsamen Angriff hin - und sandte gleichzeitig an Tourville unmittelbar den Befehl, einen - solchen auszuführen: mit Hilfe der beiden Minen die Hafensperre (Kette - und Pfahlwerk) zu sprengen, die Schiffe im Hafen und die Stadt - anzuzünden; Galeren und Schiffsboote seien ihm dazu unterstellt. Es - unterliegt keinem Zweifel, daß Tourville -- jetzt auch Generalleutnant - und Zweiter im Kommando --, der sich hier sonst sehr auszeichnete, - gegen du Quesne intriguierte. In Briefen an den Marinestaatssekretär - und an den Hof warf er dem Oberbefehlshaber Fehler und Lauheit (z. B. - die lange Pause) beim Bombardement vor, auch erklärte er, daß ein - Forcieren wohl möglich sei. Das erste war ungerecht, du Quesnes Aufgabe - war gewesen, einen Frieden herbeizuführen, und er stand ja in - Unterhandlungen; das letzte war mindestens fraglich. Ein gewaltsamer - Angriff würde jedenfalls viel französisches Blut gekostet haben, so - betrug der Verlust in der Hauptzeit der Beschießung, nämlich bis zum - 29. Juli, nur 20 Tote und 78 Verwundete; darunter allerdings 13 - Offiziere der Mörserboote und Schaluppen. - - Auch nach Eingang dieser ausdrücklichen Befehle geschah nichts. Du - Quesne war beleidigt, und die Forcierung ging ihn nach der Order an - Tourville nichts mehr an. Tourville selbst erklärte jetzt aber auch die - Sache für nicht ausführbar: Es fehlten die Galeren (die, wie wir - wissen, nicht wiedergekommen waren); die Minen seien unbrauchbar, da - nach Aussage der damit vertrauten Offiziere keine Fahrzeuge für deren - Verwendung vorbereitet seien. Hiermit wurde ein neuer Vorwurf gegen du - Quesne verbunden: Diese Offiziere hätten ausgesagt, der Admiral habe - trotz ihrer Vorstellung die Herrichtung geeigneter Fahrzeuge in Toulon - nicht abwarten wollen. - -Im September erhielt du Quesne Befehl, beim Eintritt der ungünstigen -Jahreszeit die Belagerung aufzugeben; Anfang Oktober ging er deshalb nach -Toulon, Tourville mit 7 der bestsegelnden Linienschiffe zur Blockade -zurücklassend. So endete auch dieser Angriff ohne Erfolg; Algier -unterwarf sich den Friedensbedingungen erst infolge der beständigen -Blockaden im Frühjahr 1684. Die Machthaber der Stadt sollen stets gesagt -haben, ein Bombardement schade ihnen nichts, die Stadt sei reich genug -und mache so gute Beute, daß sie sich nach einer Beschießung besser als -vorher wieder aufbauen könne; auch gab Ludwig etwas nach, da er gerade -andere Pläne im Mittelmeer hatte (Angriff auf Genua 1684). $Die weiteren -französischen Operationen gegen die Barbaresken$ seien hier noch kurz -geschildert. - -Tourville hatte im Frühjahr 1684 einen hundertjährigen (!) Frieden mit -dem Dey geschlossen, aber schon $1685$ nahmen die Räubereien, zuerst von -=Tunis= und =Tripolis= aus, wieder überhand. Im Juni dieses Jahres -erschien deshalb d'=Estrées= mit einem Geschwader vor beiden Städten und -zwang sie durch Beschießung zur Zahlung großer Entschädigungssummen. -$1688$ griff er auch =Algier= an; vom 1.-14. Juli wurden aus 10 -Mörserbooten gegen 10000 Bomben geworfen. Da sich aber die Boote in -schlechtem Zustande befanden und auch sonst die Beschießung weniger -sorgfältig vorbereitet war, erreichte man noch weniger als früher du -Quesne. Die Stadt weigerte sich zu unterhandeln und gab erst im nächsten -Jahre aus anderen Gründen nach. - - Diese Züge kommandierte d'Estrées, obgleich er Vizeadmiral des Atlantik - war, da sich du Quesne 1684 vor Genua mit de Seignelay überworfen - hatte. De Seignelay hatte sich hier zu sehr in die Befehlsbefugnisse du - Quesnes gemengt, so daß dieser zeitweise seine Kajüte nicht verließ. - Der Staatssekretär hatte nach den leichten Erfolgen 1685 an d'Estrées - geschrieben, wenn er 1682 und 1683 kommandiert hätte, würde die Sache - wohl besser verlaufen sein; der Mißerfolg des Jahres 1688 war also eine - große Genugtuung für du Quesne. - -$1684 griff Ludwig XIV. Genua an.$ Die Stadt hielt zu Österreich und -Spanien, baute um diese Zeit Galeren für letztgenannten Staat und hatte -auch Kriegsmaterial an die Barbaresken verkauft. Ludwig verbot die -Lieferung der Galeren unter Androhung schwerster Züchtigung. Genua lehnte -ab, stand aber ohne jede Unterstützung da, als Spanien 1684 (Regensburg) -mit Frankreich einen Waffenstillstand abgeschlossen hatte. - -Nun wurde =du Quesne= mit einer Flotte -- 13 Linienschiffe, 2 Brander, 20 -Galeren, 10 Mörserboote -- gegen die Stadt gesandt; =de Seignelay= -schiffte sich selbst mit ein. Die Flotte erschien am 17. Mai vor Genua -und begann am 18. die Beschießung, nachdem die harten und demütigenden -Friedensbedingungen abgelehnt waren; die Stellung der Mörserboote war -dieselbe wie vor Algier. Vom 18.-22. und am 24. warf man 4000 Bomben; am -letzten Tage wurde eine Scheinlandung im Osten, eine ernsthafte (2500 -Mann) im Westen der Stadt unternommen und die Vorstadt San Pier d'Arena -verbrannt. Die Stadt hatte durch das Bombardement schwer gelitten, doch -waren die Franzosen nicht imstande, sie einzunehmen. Infolge Androhung -einer neuen Beschießung unterwarf sich Genua aber doch 1685 den durch -Vermittlung des Papstes etwas gemilderten Friedensbedingungen: man -lieferte die streitigen Galeren an Frankreich aus und der Doge mußte mit -einer Abordnung der edelsten Geschlechter in Paris um Verzeihung bitten. - - Es war dies die letzte größere Tätigkeit =du Quesnes=; er zog sich bald - ins Privatleben zurück und starb 1688. Als Höchstkommandierender im - Mittelmeer folgte ihm Tourville, der sich auch vor Genua wieder - ausgezeichnet hatte. Dieser wurde 1689 zum Vizeadmiral der Levante - ernannt, welchen Dienstgrad du Quesne wegen seiner Religion nie erlangt - hatte. - -Ein $venetianisch-türkischer Krieg 1684-1699$ soll im Kapitel X -besprochen werden (vergl. Seite 297). - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Achtes Kapitel. - - Der französisch-englisch-holländische Krieg von 1688-1697. - -$Die politischen Verhältnisse, die den Krieg herbeiführten.$ Der jetzt zu -besprechende Seekrieg ist der Anteil, den die Kriegführung zur See an dem -großen europäischen Kriege 1688-1697 -- dem =Pfälzischen -Erbschaftskriege=, auch la guerre de la Ligue d'Augsbourg oder der -Orleanssche Krieg genannt -- genommen hat. Die Kriegführung zur See in -diesem spielt scheinbar eine untergeordnete Rolle. Wenig große -Seeschlachten werden geschlagen, nur bei den Versuchen Ludwigs XIV., in -England die Stuarts wieder einzusetzen. Der Einfluß der Kriegführung zur -See war aber tatsächlich für den Verlauf des ganzen Krieges doch so -bedeutend, daß wir ihn wohl zu den großen Seekriegen rechnen können; die -eben hochgekommene französische Marine verschwindet in Folge dieses -Krieges wieder auf ein halbes Jahrhundert fast ganz von dem Meere. - -Mit dem Frieden von Nymwegen (1678) stand =Ludwig= XIV. auf der Höhe -seiner Macht und nutzte sie aus. Durch die berüchtigten Reunionskammern --- 1678 und 1679 von ihm in Metz, Breisach, Besançon und Tournay -eingesetzt -- ließ er sich alle Gebiete zusprechen, die vormals -irgendwann und irgendwo mit den durch den Westfälischen oder Nymweger -Frieden von Frankreich neuerworbenen Ländern zusammengehangen hatten -(deshalb eben: »Wiedervereinigungs«-Kammern). Auf Grund dieser Ansprüche -nahm er dann an 600 Herrschaften, Städte und Orte in Deutschland und in -den spanischen Niederlanden (hier auch Luxemburg) in Besitz. Das Deutsche -Reich konnte nur Einspruch dagegen erheben; hierauf antwortete Ludwig gar -mit der Besetzung Straßburgs am 30. September 1681. Österreich war seit -1678 durch Empörungen in Ungarn bedrängt. Hier hatte man die Türken zu -Hilfe gerufen, die bis Wien kamen (entsetzt durch Sobieski 1683); auch -der Große Kurfürst ließ den Kaiser im Stich, aus Verdruß über das ihm -widerfahrene Unrecht. So sah sich der Kaiser, und mit ihm Spanien und -Holland, sogar gezwungen, 1684 mit Frankreich einen Waffenstillstand -(Regensburg) abzuschließen, in dem die Ansprüche auf die Reunionen -anerkannt wurden. Ludwig behielt auch Straßburg, Luxemburg und das 1681 -vom Herzog von Mantua gekaufte Casala: drei wichtige strategische Punkte -für Unternehmungen nach Norden, Osten und Süden; von seiner gewalttätigen -Züchtigung der kaiserlich und spanisch gesinnten Stadt Genua (1684) haben -wir gehört. - -Ludwig hatte sich aber durch sein Vorgehen neue Feinde geschaffen und -alte Freunde entfremdet; alles sah sich geschädigt -- selbst der König -von Schweden im Herzogtum Zweibrücken und der Papst durch die Gründung -der selbständigen französischen Kirche -- oder doch bedroht. Auch seine -innere Politik sollte dazu beitragen, die Machtstellung Frankreichs zu -gefährden; auf diesen Punkt wird später näher eingegangen werden. -Trotzdem trat er mit einer neuen Forderung hervor. Als 1685 der Kurfürst -Karl Ludwig von der Pfalz starb, beanspruchte Ludwig die Allodialgüter -der ausgestorbenen Linie; er erhob diesen Anspruch, bald auf die ganze -Pfalz ausgedehnt, im Namen seiner Schwägerin Elisabeth Charlotte -(Schwester des verstorbenen Kurfürsten und Gemahlin des Herzogs von -Orleans). - -Wenn nun aber auch die Erbitterung in allen Staaten Europas tief und -allgemein war, so fehlte ihr zur Betätigung doch noch die Organisation -und Leitung; auch durfte Ludwig immerhin mit einem Rückhalt an den -Stuarts in England rechnen. Die Veränderung der Verhältnisse hier -- die -Revolution, die Wilhelm von Oraniens Thronbesteigung zur Folge hatte -- -sollte das Vorgehen Gesamteuropas gegen Frankreich nun beschleunigen. - - Karl II. hatte immer noch genügend monarchische Gewalt gehabt, die - politische und religiöse Feindschaft des englischen Volkes gegen - Frankreich einzudämmen. Er starb 1685. Sein Nachfolger Jakob II. schloß - sich nun noch enger an Ludwig an und ließ sich durch seinen - katholischen Glaubenseifer zu Handlungen hinreißen, die das Volk dahin - brachten, des Königs protestantische Tochter Maria (Gemahlin Wilhelms - von Oranien; dieser selbst Enkel Karls I. von mütterlicher Seite) für - den Thron ins Auge zu fassen. - -=Wilhelm von Oranien= war von seinem ersten Auftreten an vor die Aufgabe -gestellt, den Eroberungsplänen Ludwigs entgegenzutreten; er blieb ihr bis -zu seinem Tode treu. Von einer Besteigung des englischen Thrones erhoffte -er nicht nur eine Erhöhung seiner Stellung, sondern auch die Erfüllung -seines glühendsten politischen Wunsches, die Macht des französischen -Königs zu brechen. Er wurde die Seele der gärenden Bewegung in Europa. -Zunächst versöhnte er Brandenburg mit dem Kaiser und mit Schweden, -Holland mit Spanien und brachte ein Bündnis dieser Staaten zustande, dem -die meisten deutschen Fürsten beitraten (den =Augsburger Bund=, Juli -1686). - - Während dieser diplomatischen Schachzüge fand von seiten Hollands und - Frankreichs eine Flottendemonstration statt. Ludwig versuchte Dänemark - an sich zu ziehen, den einzigen Staat, der von ihm nicht geschädigt - war. Dadurch entstand (1683) eine Spannung zwischen Dänemark und - Schweden; jenes rüstete zu Lande und zu Wasser mit französischer - Unterstützung und näherte sich Brandenburg, das noch nicht mit dem - Kaiser versöhnt war. Nun beschloß Holland die Sendung einer Flotte von - 24 Linienschiffen nach der Ostsee zum Schutze seines Handels, aber auch - gegebenen Falles zur Unterstützung Schwedens, oder gar um Truppen nach - Deutschland zu führen. Frankreich kam ihm zuvor, Juni 1683 traf ein - Geschwader von 13 Linienschiffen zum Schutze Dänemarks in Kopenhagen - ein. Die holländische Flotte ging im August in See, kreuzte in der - Nordsee und erreichte erst Ende Oktober Gothenburg; die öffentliche - Meinung in Holland billigte aus Furcht vor Frankreich den Schritt - nicht. Da sich die Verhältnisse zwischen Dänemark und Schweden - friedlicher gestaltet hatten, ging das französische Geschwader schon im - September in die Heimat zurück; auf die Kunde hiervon kehrten auch die - Holländer heim. - -Vorläufig war es nur ein Defensivbündnis und noch nicht stark genug zum -Handeln. Noch war Österreich nicht frei im Osten, wenn es auch 1683 die -Türken in Ungarn in die Defensive gedrängt und immer weitere Erfolge -gehabt hatte (Ofen erobert, September 1686). Noch fehlte es an Geld, die -Niederlande waren trotz Oraniens Wunsch nicht willens, wieder den Bankier -für einen Staatenbund abzugeben; sie waren auch noch nicht geneigt, -Oraniens Absichten auf England mit Schiffen und Geld zu unterstützen, -weil sie wußten, daß dies sofort einen Krieg mit Frankreich herbeiführen -würde; Oranien selbst war auch wohl seiner Sache dort noch nicht sicher -genug. Neue Ereignisse brachten die Angelegenheit in Gang. - -Im November 1687 nahm Ludwig die Handelszugeständnisse zurück, die er im -Frieden von Nymwegen den Holländern gemacht hatte, und drohte dadurch -ihren Handel schwer zu schädigen. - -Nun schlug die Stimmung in den Niederlanden um; es gelang Oranien mit -Hilfe einiger vertrauter Staatsmänner, sich die Bereitschaft von -Kriegsschiffen für das kommende Jahr zu sichern sowie Gelder zum Mieten -von Truppen und Transportern zu verschaffen; beides geheim und unter -anderen Vorwänden. - -Im Juni 1688 wurde in England ein Thronfolger geboren. Die Furcht, das -katholische Königstum auch nach Jakob II. fortgesetzt zu sehen, brachte -die englische Nation fast allgemein dazu, jetzt Maria und Wilhelm -wirklich herbeizurufen. In Köln starb 1688 der Kurfürst. Die französische -Partei wählte den französisch gesinnten Wilhelm von Fürstenberg; Kaiser -und Reich (auch der Papst) erkannten ihn nicht an, französische Truppen -setzten ihn ein und beschützten ihn in Bonn, während Köln ihm die Tore -verschloß und mit Hilfe Brandenburgs entgegentrat. So war ein erster -Zusammenstoß da und Ludwig erachtete überhaupt die Zeit für den Angriff -seinerseits gekommen, ehe der Augsburger Bund völlig kampfbereit sein -würde und einen tatkräftigen Führer erhielte. Österreich hatte 1687 neue -Erfolge gegen die Türken errungen (Sieg bei Mohacs) und Ungarn wieder -ganz unterworfen, konnte also bald seine volle Kraft nach Westen -verwenden; anderseits wußte Ludwig Oranien zur Zeit in erster Linie mit -seinen englischen Plänen beschäftigt. - -=Ludwig erklärte= deshalb am 24. September 1688 =den Krieg an -Deutschland= und fiel sofort in die Rheinlande ein. Diese Gelegenheit -benutzte wieder =Oranien=, seinen =Übergang nach England= auszuführen; -die Vorbereitungen waren nahezu vollendet, die Niederlande stimmten jetzt -auch offiziell zu, die Ausführung wurde allerdings durch -Wetterverhältnisse verzögert. Er landete am 15. November bei Torbay und -trat dann, sobald er schnell und unblutig festen Fuß gefaßt hatte (18. -Februar 1689 wurden Wilhelm III. und Maria zu gleichem Recht auf den für -erledigt erklärten Thron erhoben; Jakob floh nach Frankreich), auch für -England dem Augsburger Bunde bei; an Holland hatte Ludwig den Krieg -erklärt, als er von dem Zuge Oraniens Kenntnis erhielt. Durch Englands -und endlich Savoyens Beitritt wurde der Bund zur =großen Wiener Allianz -von= 1689 erweitert. - - Ein französischer Autor sagt zutreffend: »Die Revolution in England - führte den Krieg von 1688 herbei und dieser Krieg ermöglichte wiederum - die englische Revolution.« - -So mußte Frankreich gegen ganz Europa einen Krieg ohne einen einzigen -Bundesgenossen führen, und es war eingetreten, was seine Politik sonst -stets gefürchtet und deshalb bisher verhütet hatte: die Seemächte England -und Holland waren verbündet. Sie waren sogar unter demselben Herrscher -vereinigt. - - Diese letzte Tatsache war die Folge kaum begreiflicher =Fehler der - Könige Ludwig und Jakob=: Ludwig hatte Jakob unablässig und dringend - vor den Plänen Oraniens gewarnt und ihm Unterstützung durch Truppen, - Geld und Schiffe angeboten. Der englische König schlug alles ab, - entweder weil er seiner Flotte unbedingt traute (hiervon später) oder - weil er fürchtete, daß bei der Stimmung des englischen Volkes das - Eingreifen der Franzosen eine Katastrophe beschleunigen würde. - Vielleicht trat eine Unterschätzung der Gefahr hinzu, um so mehr, da - ein früherer Versuch gegen seinen Thron leicht niedergeschlagen worden - war. - - (1685 hatten der Herzog von Monmouth und der Graf von Argyll einen - Versuch gemacht, Aufstände in England und Schottland zu erregen. Sie - landeten von Holland aus mit einigen wenigen Schiffen und Truppen in - Dorsetshire und an der Westküste Schottlands, wurden jedoch beide bald - überwältigt und hingerichtet.) - - Aber auch Ludwig scheint bei der Hartnäckigkeit, mit der er seine Ziele - auf dem Festlande im Auge hatte, diesen Umstand nicht genügend - gewürdigt zu haben. Er begann einen schweren Krieg im Osten und - bedachte dabei nicht, daß die im Herzen feindliche englische Nation in - seiner Flanke darauf brannte, in den Kampf gegen ihn einzutreten, und - hierzu nur eines Führers bedurfte. Wenn er Holland zu Lande angriff und - seine Flotte -- zu dieser Zeit selbst der vereinten englischen und - holländischen überlegen -- in den Kanal schickte, so konnte er Oranien - in den Niederlanden festhalten; wenn dies rechtzeitig geschah, so wäre - auch vielleicht das Verhalten der englischen Flotte ein anderes - gewesen. Während der Vorbereitungen zu Oraniens Expedition und während - der späteren Verzögerung ihres Abganges bestürmten der französische - Gesandte im Haag und der Marineminister Seignelay den König, die Flotte - auslaufen zu lassen, aber vergeblich. (Des Kriegsministers Louvois - Einfluß gegenüber dem Seignelays'?) - -$Allgemeiner Verlauf des Pfälzischen Erbschaftskrieges und Kennzeichnung -der Kriegführung zur See in diesem.$ Wenn der Kampf zur See scheinbar nur -eine untergeordnete Rolle spielt und ihm deshalb auch in den meisten -Geschichtswerken (selbst seekriegsgeschichtlichen) nur eine -dementsprechende Beachtung geschenkt wird, so hat dies seinen -Grund darin, weil nur wenige große Seeschlachten auf einem -Nebenkriegsschauplatze geschlagen werden. Der Landkrieg und der Seekrieg -stehen nur wenig im Zusammenhange, besonders nicht in den Jahren, in -denen der Landkrieg am erbittertsten geführt wurde; nur im Kampfe um -Irland und gegen Ende um Katalonien greifen sie ineinander ein. So genügt -es denn, von dem =Verlaufe des großen europäischen Landkrieges= hier -nachstehende kurze Zusammenfassung zu geben und auch später nur andeutend -auf ihn zurückzukommen. - - Die Schauplätze des Landkrieges waren die spanischen Niederlande, der - Unterrhein, die Pfalz, Savoyen (Piemont) und Spanien (bes. Katalonien); - Irland trat durch den Einfall Jakobs II. dort hinzu. Wie im vorigen - Kriege waren die Waffen Frankreichs im allgemeinen glücklich: Ludwig - gebot über tüchtige, von Condé und Turenne erzogene Generale, über eine - gute und einheitliche Armee von 150000 Mann; Vauban hatte Frankreich -- - in dessen Besitz überall wichtige Stützpunkte und Waffenplätze - übergegangen waren -- zu einem verschanzten Lager gemacht. - - Am Oberrhein erfolgte die furchtbare =Verwüstung der Pfalz= im Herbst - 1688 und Frühjahr 1689 =unter Melac=, wobei Speier, Worms, Heidelberg, - Mannheim und Hunderte von kleinen Orten verbrannt wurden. Ein ernster - Widerstand war nicht möglich: Bayern zeigte sich lässig; der größere - Teil der österreichischen Macht war noch in Ungarn beschäftigt; den - Verbündeten mangelte das Zusammenwirken, da der österreichische Führer - (Caprara) mit dem brandenburgischen (Schöning) stets im Streite lag und - der holländische (Waldeck) sich unfähig erwies. 1689 gelang es nur, - Mainz wieder zu erobern (Sachsen und Bayern) und die Franzosen mit dem - von ihnen eingesetzten Kurfürsten aus dem Kölnischen zu vertreiben. - Sonst drangen die Franzosen weiter vor bis Frankfurt, Rothenburg, - Göppingen und Ulm, welche Plätze sich hielten; selbst von Bamberg, - Nürnberg und Würzburg wurde mit Erfolg Kontribution gefordert, und in - Stuttgart ließ die Regierung den Feind hinein; Melac wollte auch diese - Stadt verbrennen, wurde aber durch Karl von Baden mit schwäbischen - Kreistruppen und aufgestandenen Bauern aus Schwaben vertrieben. 1690 - wurde auch Waldeck (Holländer, Spanier, Reichstruppen) bei =Fleurus= - vom Marschall =Luxembourg= geschlagen und die Franzosen errangen - Erfolge in Piemont und an der spanischen Grenze. - - Die Seele des Bundes, =Oranien=, war bisher noch in England - =unabkömmlich= gewesen. Jakob II. war im März 1689 in Irland gelandet, - von Frankreich unterstützt und gedeckt durch eine französische Flotte - (Seegefecht vor Bantrybay). Mit Ausnahme des vorwiegend - protestantischen Ulster fiel ihm ganz Irland zu. Oranien aber gelang - es, trotz der französischen Flotte Truppen hinüberzuschaffen und im - Juni 1690 selbst hinüberzugehen, Jakob schließlich in der =Schlacht am - Boyne= (11. Juli 1690) völlig zu schlagen und aufs neue zur Flucht nach - Frankreich zu zwingen; Oraniens Herrschaft war von diesem Zeitpunkt an - als gesichert anzusehen. Selbst der Seesieg der Franzosen bei - Beachyhead (10. Juli 1690), in dem die vereinigte englisch-holländische - Flotte für dieses Jahr vollständig außer Gefecht gesetzt wurde, konnte - Jakobs Sache nicht mehr retten; schwache Versuche der französischen - Flotte, nach ihrem Siege an der englischen Küste aufzutreten, blieben - erfolglos. - - =Das Jahr= 1691 brachte auf dem Festland einen Stillstand der - französischen Erfolge, auch ein Zurückgehen der Franzosen am Oberrhein. - =Oranien erschien= eben nun mit einem Hilfskorps =in Holland= und, was - vielleicht noch mehr Einfluß hatte, Louvois starb. Dieser Stillstand - war aber nur von kurzer Dauer; Oranien mußte bald nach England zurück - und sofort errang =Luxembourg= Vorteile über Waldeck (z. B. =Sieg bei - Leuze= im Hennegau, September 1691) und =im Jahre= 1692 eröffnete - Ludwig den Feldzug wieder mit äußerster Energie. - - Es wurde eine große Landung in England geplant -- ein letzter mächtiger - Versuch im Interesse Jakobs -- und zugleich auf dem Festlande überall - kräftig vorgestoßen. Gegen Holland zog der König selbst, unter ihm - Vauban und Luxembourg; hierher war Oranien Anfang des Jahres mit neuen - Truppen zurückgekehrt, er war jedoch nicht glücklich im Felde. Namur - wurde genommen (Vauban gegen Coehoorn, die beiden berühmten - Ingenieure), =Oranien= selbst mit einem 75000 Mann starken - spanisch-holländisch-deutschen Heere =bei Steenkirchen= von Luxembourg, - wenn nicht geschlagen, so doch unter starkem Verluste aufgehalten. - Catinat drang siegreich in Piemont (Schlacht bei Marsaille in der Nähe - Turins), Noailles in Spanien (Schlacht am Terr) vor; auf beiden Flügeln - so im Vorteil, brachen die Franzosen in der Mitte wieder in Deutschland - den Neckar entlang ein. Auch 1693 konnten die Franzosen noch Erfolge - verzeichnen: Im Juli siegte =Luxembourg= nochmals =bei Neerwinden= über - Oranien, dieser jedoch behauptete stets mit Hartnäckigkeit und Ausdauer - das Feld; am Oberrhein erfolgten neue Raubzüge, ungestraft wegen - Uneinigkeit der gegnerischen Führer; aber auch hier setzte Ludwig von - Baden, als kaiserlicher Feldherr jetzt, in einer Verteidigungsstellung - bei Heilbronn dem Vordringen eine Grenze. - - Dagegen hatte der Plan einer Invasion in England mit einer völligen - Niederlage der Franzosen (Seeschlacht bei Barfleur und La Hogue, 29. - Mai 1692, und die nächsten Tage) geendet. Der Seekrieg hatte bis dahin - mit dem Landkriege auf dem Festland in keinem Zusammenhang gestanden. - Die französische Flotte war verwendet zur Unterstützung des Aufruhrs in - Irland und zu Versuchen, England anzugreifen; die Seestreitkräfte der - Verbündeten zur Abwehr. Jetzt verschwand die französische Flotte als - solche vom Meere. Man focht auf dem Meere in erster Linie um den - Handel, und die Verbündeten versuchten daneben, von See her in den - Landkrieg einzugreifen: Durch Bedrohung der französischen Küsten und - durch Unterstützung der Spanier in Katalonien. Das letztere setzte den - Erfolgen der Franzosen ein Ziel, als Ludwig =im Jahre= 1694 hier noch - einmal kräftig vorstieß. Der Kampf um den Seehandel war aber von noch - bedeutenderem Einfluß; besonders von Frankreich mit großem Erfolge - geführt, schädigte er England und Holland sehr. Von 1694 an wurde der - Krieg von beiden Seiten lauer geführt, außer der Rückeroberung Namurs - 1695 durch Oranien treten keine Ereignisse von Bedeutung mehr ein; auf - beiden Seiten wünschte man den Frieden. Ludwig gelang es schon 1696, - Savoyen durch Rückgabe seines ganzen Gebietes zu befriedigen und so den - Bund zu schwächen. Spanien zeigte sich am hartnäckigsten, wurde aber - dadurch zum Nachgeben gezwungen, daß Ludwig 1697 noch einmal ihm - gegenüber Vorteile errang. Von den englisch-holländischen - Seestreitkräften nicht mehr unterstützt, wurde es in die Enge getrieben - (Barcelona fiel), gleichzeitig bedrohte ein französisches Geschwader - seine westindischen Kolonien (Cartagena). Durch Schwedens Bemühungen - trat im Mai 1697 ein erfolgreicher Friedenskongreß in Ryswijk zusammen. - -Der Krieg endete mit dem $Frieden von Ryswijk$ (20. September 1697, -Spanien, Holland, England; 30. Oktober Kaiser und Reich), da beide -Parteien erschöpft und des Kampfes müde waren. - -In Deutschland war der gute Wille, sich der Franzosen zu erwehren, durch -Neid unter den Fürsten und durch französische Umtriebe immer mehr -erlahmt. England und Holland, die auf seiten der Verbündeten allein die -Kosten getragen hatten, waren durch den Kreuzerkrieg schwer geschädigt -worden. Sie waren unter diesen Umständen (in Holland brach 1695 gar ein -Volksauflauf wegen der hohen Kriegssteuern aus) zum Frieden geneigt und -rechneten wohl damit, besonders England, auch jetzt schon genügende -Vorteile zu erringen. Frankreich war trotz des Reichtums, den das Land -barg, erschöpft durch den Riesenkampf gegen ganz Europa, verbunden mit -dem Rückgange der wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande. - - Diese =Erschöpfung Frankreichs=, unter der besonders auch seine Marine - litt -- der tatsächliche Verlust an Schiffen war keineswegs der Grund - ihres schon während des Krieges eintretenden Verfalls; diese - Materialeinbuße wäre leicht zu verschmerzen gewesen --, war eine - natürliche Folge der Politik Ludwigs, seiner inneren wie seiner - äußeren. Selbst die ungeheuern Opfer, die der Riesenkampf forderte, - hätte das an sich sehr reiche Land wohl tragen können, wenn Colberts - Pläne voll verwirklicht wären und Zeit gehabt hätten, genügend zu - wirken. Colberts Reformen (vgl. Seite 315 »Colberts Tätigkeit«) hatten - bis zum Jahre 1672 schon großen Erfolg gehabt. Die Produktion auf - landwirtschaftlichem und industriellem Gebiet hatte zugenommen, die - westindischen Kolonien blühten auf, der Seehandel hatte sich - verdoppelt; der allgemeine Wohlstand war gewachsen. Frankreich, das bei - Ludwigs Thronbesteigung unter Schulden und Unordnung seiner Finanzen - litt, erfreute sich bei Ausbruch des Krieges 1672 gerade geordneter - Verhältnisse. - - Der sechs Jahre dauernde Krieg untergrub aber schon die von Colbert - geschaffene Grundlage: Die ackerbauende Bevölkerung, die Industrie, - Handel und Kolonien wurden durch ihn zu lange lahm gelegt; die - ungeheuren Kosten erschütterten die Ordnung in den Staatsfinanzen, nur - mühsam konnte Colbert diese von nun an noch aufrecht erhalten. Beim - Frieden von Nymwegen wäre es wohl noch wieder gut zu machen gewesen, - aber wie erwähnt, wurden nur Bedingungen durchgesetzt, die zwar - vorteilhaft für Landzuwachs, aber nicht für Hebung der Produktion und - des Handels waren. Nach Colberts Tode wurden seine Wege ganz verlassen - und an die Stelle der produktiven Wohlfahrtspolitik trat immer mehr ein - nur nach Steuerkraft ringendes Verfahren. Auch durch sein Vorgehen - gegen die Hugenotten (Dragonaden 1683; Aufhebung des Edikts von Nantes - 1685) hatte Ludwig die Produktionskraft des Landes geschädigt, indem er - ein Element geistiger und wirtschaftlicher Kraft zerstörte. - - Die Feindschaft mit ganz Europa schloß nun von 1688 an auf lange Jahre - Frankreich zu Lande und zu Wasser von dem Verkehr mit allen anderen - Völkern ab und kein Land kann sich auf die Dauer aus sich allein heraus - gedeihlich erhalten; nicht ohne Grund hatten Richelieu und Colbert eine - eigene Macht zur See und ein freundschaftliches Verhältnis mit Holland - angestrebt. Ludwig verwarf dieses mächtige Hilfsmittel im stolzen - Vertrauen auf seine Stärke und auf seine unumschränkte Herrschaft im - Lande. - - In diesem Kriege rechtfertigte Frankreich noch dieses Vertrauen durch - seine, im ganzen genommen, standhafte Haltung ganz Europa gegenüber. Es - machte im Felde zwar keine dauernden Fortschritte, wich aber auch nicht - zurück; die Friedensbedingungen fielen aber doch schon recht nachteilig - aus. Im bald folgenden nächsten Kriege aber war wohl noch dieselbe - Tatkraft, jedoch nicht mehr die nötige Lebenskraft vorhanden; - Frankreich wurde überall zurückgeschlagen und an den Rand des - Verderbens gebracht. - -=Die Bedingungen des Friedens= -- zum ersten Male in französischer, nicht -wie bisher in lateinischer Sprache abgeschlossen -- waren für Ludwig XIV. -ungünstig: Frankreich verlor fast alles, was es im Frieden von Nymwegen -gewonnen, was es in den Friedensjahren sich angeeignet oder in den -Kriegsjahren erobert hatte; nur die Reunionen im Elsaß sowie Straßburg -blieben in seiner Hand. Es erkannte Oranien als König von England an und -gewährte den beiden Seenationen Handelsvorteile, die dem Gedeihen der -eignen Seemacht höchst nachteilig waren. - -Vergegenwärtigen wir uns nun nach der kurzen Zusammenfassung des -Gesamtkrieges die Beteiligung der Seestreitkräfte an ihm und damit den -=Einfluß der Seemacht=[226], um an der Hand dieser Betrachtung später die -kriegerischen Ereignisse zur See der Zeit nach zu besprechen. - - [226] Vgl. Mahan, Teil I (Seite 168 ff.), von mir bei Vorstehendem zu - Rate gezogen und auch stellenweise angeführt. - -Zuerst fanden die Flotten Verwendung in den Kämpfen, die die englische -Revolution hervorrief: Mit Hilfe der holländischen Flotte ging Oranien -nach England hinüber, unterstützt durch die französische Marine fiel -Jakob in Irland ein; die Flotten beider Parteien mußten dann ihre Armeen -auf dieser Insel unterstützen. 1690 versucht die französische Flotte, dem -bis dahin erfolgreichen Unternehmen Jakobs in Irland durch einen -mächtigen Schlag gegen die Hauptmacht der englisch-französischen -Seestreitkräfte auch in England eine günstige Wendung zu geben, jedoch -ohne Erfolg; der ähnliche Versuch 1692 -- eine Landung in England -- -endet mit der Niederlage der französischen Flotte. - -Nach dieser Niederlage gibt Frankreich den Seekrieg mit Flotten ganz auf -und verlegt sich auf den Kreuzerkrieg in großem Maßstabe, den es schon -1691, noch auf die Flotte gestützt, begonnen hatte. Es fügt dem Handel -der Gegner andauernd solchen Schaden zu, daß diese zum Frieden geneigt -werden. Anderseits schließen aber auch die Verbündeten die Franzosen vom -Seehandel ab und greifen mit starken Flotten in den Landkrieg ein; in -Spanien mit Erfolg. Endlich gegen Ende des Krieges trägt das Auftreten -französischer Seestreitkräfte gegen Spanien zur Beschleunigung des -Friedensschlusses bei. - -Die Kriegführung zur See zeigt sich also in diesem Kriege doch recht -einflußreich, ja, sogar mitentscheidend. Die Beschreibung des Seekrieges -und die sich daranschließenden Betrachtungen werden lehren, daß dieser -Einfluß noch weit bedeutender hätte sein können, wenn nicht auf beiden -Seiten Fehler in der Verwendung der Seestreitkräfte gemacht wären und -wenn nicht diese selbst, ebenfalls auf beiden Seiten, in ihrer -Leistungsfähigkeit zu wünschen übrig gelassen hätten. Ganz besonders -lehrreich ist aber dieser Krieg auch durch die Folgerungen, die man aus -ihm über den Kreuzerkrieg ziehen kann. - -$Über die Streitmittel$ (anschließend an Seite 312 ff.). - -In $England$ hatte der König Karl II. 1678 die Verwaltung der Marine in -die Hand einer Kommission gelegt (an ihrer Spitze stand Prinz Rupert), -deren Macht jedoch sehr durch den Einfluß des Königs eingeschränkt war; -die schon erwähnten Mißstände -- Lockerung der Disziplin, Verminderung -und Verwahrlosung des Materials -- erreichten eine solche Höhe in den -nächsten 5 Jahren, daß ein englischer Autor (Campbell) sagt: »Wenn diese -Zustände noch weitere 5 Jahre gedauert hätten, so würde die Marine so -weit heruntergebracht sein, daß weitere Fehler in ihrer Verwaltung nicht -mehr begangen werden konnten.« Dies sah schon Karl II. 1684 und griff -bessernd ein; nach seinem Tode (1685) setzte Jakob II. das Werk fort. -Selbst hervorragender Seemann, war dieser sein eigener Marineminister; er -erreichte, daß bei Ausbruch des Krieges 1688 wenigstens reichliches -Material vorhanden war. Er sollte aber für seine Person keinen Nutzen -daraus ziehen, da die Flotte ihn verließ. Mitte Dezember 1688 stand die -ganze Marine Wilhelm von Oranien zur Verfügung. - - Clowes sagt: »Jakob II. war gegen Ende seiner Regierung als tüchtiger - Seemann wohl noch populär in der Marine, erfreute sich aber als König - nur geringer Loyalität. Die Marine als Ganzes war sehr antikatholisch - und nun machte der König, als Oraniens Einfall drohte, im Juni 1688 - einen Katholiken -- Sir Roger Strickland -- zum Befehlshaber der - Flotte; er sandte auch Priester an Bord, um Messe lesen zu lassen; - diese entgingen nur mit knapper Not körperlichen Mißhandlungen. Es war - kein Ersatz an Mannschaften zu erhalten, da niemand für die katholische - Sache fechten wollte. Im September wurde ein anderer Chef ernannt -- - der Earl of Dartmouth; es war zu spät, das Mißtrauen war zu weit - eingerissen, der Einfluß der mit der Revolution einverstandenen - Offiziere war zu groß geworden: »Cabals in every fore-castle; political - meetings in every cabin.« Es ist fraglich, ob auch nur ein Drittel der - Besatzungen, wenn vor die Frage gestellt, gefochten haben würde.« - - Admiral Herbert (später Earl of Torrington) und Kapitän Russell (später - Admiral Earl of Oxford) gehörten zu den Hauptparteigängern Oraniens; - dieser war unter den Abgeordneten, die Oranien herbeiriefen, jener - befehligte zu Wasser dessen Expedition. - -Der =Schiffsbestand=[227] war (vgl. genauer Seite 177): - - Schiffe: Klasse I. II. III. IV. V. - Kanonen: 96-100 80-90 60-74 40-54 28-32 - Anzahl: 9 11 39 40 2(12?) - - Schiffe: Klasse VI. Brander Mörserboote - Kanonen: - Anzahl: 6 26 3 - - [227] Clowes, Teil II, Seite 244. Er gibt hier zum letzten Male eine - genaue Gesamtliste, später nur noch Veränderungen. - -Es würden dies also etwa 100 Schlachtschiffe (über 40 Kanonen) sein. In -den während des Krieges aufgestellten Schlachtflotten werden wir aber -keine Schiffe unter 50 Kanonen finden, auch bei den Holländern nur -wenige; das Linienschiff rechnet also tatsächlich von 50 Kanonen ab. -Selbst die Schiffe von 50-60 Kanonen sind schwach vertreten, sie -erscheinen ebenso spärlich wie im vorigen Kriege die 40-50 -Kanonenschiffe. Die Hauptkraft der Flotten liegt in 70 Kanonenschiffen -und auch die noch schwereren sind vermehrt. Vergleichen wir z. B. den -Bestand von Solebay 1672 = 8 zu 80 Kanonen und darüber, 11 zu 60-80 -Kanonen und den von Barfleur 1692 = 19 zu 80 Kanonen und darüber, 31 zu -60-80 Kanonen. - -Aus der letzten Angabe sehen wir auch, daß 1692 fast alle Linienschiffe -über 60 Kanonen bei der Hauptflotte waren, und so war es in den meisten -Kriegsjahren der Fall. Auch von den kleineren Linienschiffen (40-60 -Kanonen) und von den anderen Fahrzeugen war wohl der größte Teil im -Dienst; man hatte stets kleine Geschwader in Westindien und den -amerikanischen Gewässern, mit den Holländern vereint ein Geschwader vor -Dünkirchen, Kreuzer im Kanal und Nordsee und endlich auch Begleitschiffe -für Convois (hiervon wohl eine große Zahl, wie genauere Angaben bei den -Holländern zeigen werden). Die =Armierung= der Schiffe ist früher -(Tabelle Seite 170) für 1677 gegeben, vielleicht ist bei der jetzt -gebräuchlichsten Schiffsklasse die für 1719 mitgeteilte schon mehr -entsprechend. Die =Mörserboote= wurden stark vermehrt, gerade in diesem -Kriege spielten sie eine große Rolle. - -Wilhelm III. übergab die Verwaltung und Leitung der Marine -- die -Geschäfte des Lordhighadmiral -- wieder einer Kommission, wie es schon -sehr früh 1638, dann unter der Republik und endlich, eben gesagt, unter -Jakob II. geschehen war. So entstand =die Admiralität= mit dem »Ersten -Lord« an der Spitze (der Marineminister) und diese hat seitdem -- mit -kurzer Unterbrechung unter Königin Anna -- fortbestanden. (Von 1696 an -erscheint auch fortdauernd der Admiral of the Fleet.) Die Mißstände in -der Verwaltung dauerten aber noch länger fort, gerade in diesem Kriege -werden wir oft von verzögerter und mangelhafter Ausrüstung der Schiffe -hören. Auch in einer anderen Hinsicht lagen die Verhältnisse ungünstig. -Wohl weil die innere politische Lage im Lande noch nicht geklärt war, die -neue Regierung noch keineswegs feststand, scheint vielfach Mißtrauen in -Hinsicht auf Zuverlässigkeit und guten Willen mancher höheren Offiziere -geherrscht zu haben. Wir werden sehen, daß Frankreich mit solcher -Unzuverlässigkeit rechnete, daß von holländischer Seite die Schuld an -Verzögerungen militärischer Operationen dem Einfluß englischer Führer -zugeschoben wird; auffallend ist es jedenfalls, wie häufig man einen -Wechsel im Oberkommando eintreten ließ -- zweimal wird es sogar wieder in -die Hände dreier Admirale gleichzeitig gelegt --, wie sehr der jeweilige -Chef abhängig von Befehlen der Admiralität war und scheinbar nicht wagte, -nach eigener Ansicht zu handeln: Mißerfolge konnten ihn verdächtig -machen. - -Es ist nicht zu verwundern, daß unter der Einwirkung dieser Umstände die -englische Marine in diesem Kriege nicht das leistete, was man bei ihrer -Stärke hätte erwarten müssen. - -Man liest wohl, daß die $holländische Marine$[228] von Wilhelm von -Oranien vernachlässigt sei, namentlich nachdem dieser den englischen -Thron bestiegen habe; es wird sogar angedeutet, daß dies nicht nur -geschehen, weil er mehr Interesse für den Landkrieg und somit für das -Heer gehabt habe, sondern auch -- eben später als König von England -- um -diesen Nebenbuhler der englischen Marine zu schwächen; man kann aber -diese Behauptung nicht anerkennen. In Holland wurden während des jetzt zu -besprechenden Krieges recht bedeutende Anstrengungen gemacht, die -Seestreitkräfte mächtig zu erhalten, und diese sind sämtlich der Anregung -und Einwirkung Oraniens zuzuschreiben. In den ersten Jahren nach dem -Frieden von Nymwegen wurde allerdings wenig getan, die Schiffe, -namentlich die schweren, in gutem Zustande zu erhalten oder für Ersatz zu -sorgen; doch haben wir stets gesehen, daß man in dieser Hinsicht nicht -sehr vorsorglich war, wenn die Gefahr vorüber; bei der Erschöpfung des -Landes und den Schulden der Admiralitäten nach dem letzten Kriege kann es -besonders dieses Mal nicht wundernehmen. Aber schon von 1680 an setzte -Oranien seinen Einfluß ein, um die Flotte wieder herzustellen; vielleicht -bewogen ihn gerade seine Pläne auf England hierzu. - - [228] Hauptquelle: de Jonge, Teil III. - -1682 brachte er den Beschluß durch, 36 Linienschiffe in zwei Raten zu -bauen, von denen auch sofort die erste Hälfte auf Stapel gelegt wurde -(die zweite Rate folgte erst 1688), und 1685 brachte auf sein Drängen -eine Kommission von Abgeordneten der Generalstaaten und der -Admiralitäten den Antrag ein, den =Gesamtbestand= auf 96 Linienschiffe -- -20 I. Klasse (80-96 Kanonen), 28 II. Klasse (70-74 Kanonen), 24 III. -Klasse (60-68 Kanonen), 24 IV. Klasse (50-54 Kanonen) -- und 90 Fregatten -usw. (14 bis 44 Kanonen) zu bringen und zu erhalten; hiervon waren zur -Zeit nur 50 und 32 vorhanden. Wenn dieser Antrag auch nicht durchging, so -wurden doch bis 1692 41 Linienschiffe (über 50 Kanonen), darunter -besonders zunächst viele der schwereren, und 31 Fregatten usw. gebaut, so -daß in diesem Jahre die geplante Stärke fast erreicht war, obgleich -inzwischen schon Verluste eingetreten waren; während der weiteren -Kriegsjahre kamen noch gegen 20 Linienschiffe zum Bau.[229] - - [229] De Jonge, Teil III, Beilage VII und VIII. - - Im ganzen sind unter Oranien von 1683-1701 93 Linienschiffe (I. Klasse - = 15 zu 90-96 Kanonen; 2 zu 80-86 Kanonen; 21 II. Klasse; 29 III. - Klasse; 26 IV. Klasse und hiervon 40 allein in Amsterdam, in Friesland - nur 4, in den 3 anderen Admiralitäten je 14-18) und 65 leichtere - Schiffe (meist zu 30-46 Kanonen) fertiggestellt -- diese mit den - gewöhnlichen Mitteln der Admiralitäten, für die Linienschiffe hatte - Oranien außergewöhnliche Gelder beschafft -- und zwar besonders seit - 1688, also während des langdauernden kostspieligen Krieges. - - Es ist anzumerken: =Der holländische Schiffbau=, der in früheren Zeiten - als Muster für die übrigen Nationen dastand, hatte sich nur wenig - weiter entwickelt. In England und namentlich in Frankreich wurde dieser - mehr und mehr als Kunst, auf Erfahrung und Theorie gestützt, betrieben, - in Holland baute man handwerksmäßig nach altem Brauche weiter; die - Schiffe besaßen infolgedessen weniger gute See- und Segeleigenschaften, - was sich z. B. besonders den Dünkirchenern gegenüber zeigte. Beweise - hierfür findet man: in den Berichten der Admirale; in dem Umstande, daß - erwogen wurde, aus England einen Chef des Schiffbauwesens kommen zu - lassen (der Vorschlag scheiterte am holländischen Nationalstolz); in - dem späteren Ausspruch Peters des Großen, daß er Holland verlassen - habe, da hier der Schiffbau nicht auf der Höhe stehe. Im übrigen wurden - unter Oranien sonst Hafen- und Werftanlagen erweitert und verbessert. - -In betreff der =Armierung= der Schiffe ist schon öfters erwähnt, daß sie -in den Kalibern hinter England und auch Frankreich zurückstand; für die -Zeit von 1690-1697 liegen Angaben vor, die dies im Vergleich mit -genannten Marinen (Tabelle Seite 170) auffallend zeigen. - - De Jonge, Teil III, Beilage X (dort genauer): Es führten - - Ein Seeländer 94 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; 30:18-Pfdr.; 6:12-Pfdr.; - 22:8-Pfdr.; 8:6-Pfdr. Ein Maas 90 K.-Schiff = 12:36-Pfdr.; 18:24-Pfdr.; - 30:18-Pfdr.; 24:6-Pfdr.; 4:4-Pfdr. Ein Maas 84 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; - 28:18-Pfdr.; 22:6-Pfdr.; 6:4-Pfdr. Ein -- 74 K.-Schiff = 14:24-Pfdr.; - 12:18-Pfdr.; 26:12-Pfdr.; 10:6-Pfdr.; 10:4-Pfdr. - - 36-Pfdr. scheinen nur die Schiffe der Maas gehabt zu haben, bei - Amsterdam wahrscheinlich nicht, bei den anderen Admiralitäten sicher - nicht; bei letzteren führten die 80 Kanonen-Schiffe an Stelle der - 24-Pfdr. nur 18-Pfdr. - -Im Jahre 1695 wurden auch in Holland die neuaufgekommenen seefähigen -Mörserboote gebaut (10 oder 12). - -Holland hat in diesem Kriege auch noch stets zu der -englisch-holländischen Hauptflotte sein vertragsmäßiges Kontingent -gestellt (etwa 30 Linienschiffe = 3/8:5/8) und dazu traten stets ein -Geschwader vor Dünkirchen, Kreuzer im Kanal und Nordsee (alles -Linienschiffe von 40-50 Kanonen, einige von 50-60 Kanonen) sowie 30-35 -Convoi-Begleitschiffe (20-50 Kanonen, meist 30-40 Kanonen). - - 1690 fehlten bei der Hauptflotte in der Schlacht bei Beachyhead etwa 10 - Linienschiffe -- sie waren, wie auch in England, nicht fertig und - traten erst später hinzu --, es waren aber 10 im Mittelmeer. 1692: bei - La Hogue waren 29 Linienschiffe, darunter 8 über 80 Kanonen. 1693: 29 - Linienschiffe bei der Flotte, 9 über 80 Kanonen; 6 im Mittelmeer; 14 - vor Dünkirchen usw. 1694: Gesamt 49, 11 über 80 Kanonen; 1695: 43; - 1696: 40 Linienschiffe. Also waren meistens 45-50 Linienschiffe über 50 - Kanonen im Jahre im Dienst. - -Es muß schließlich erwähnt werden, daß in diesem Kriege zwar wiederum in -einzelnen Jahren Verzögerungen bei der Ausrüstung der Schiffe eintraten -(Geldmangel bei den Admiralitäten), daß aber über die Ausführung nicht -geklagt wird wie zu Ende des vorigen Krieges; wenn die verbündete Flotte -durch mangelhaften Zustand der Schiffe gelähmt wurde, scheint es stets an -den englischen gelegen zu haben; auch waren die Holländer in der -Innehaltung des Termins für die Aufstellung der Jahresflotte pünktlicher. - -Was das =Personal= anbetrifft, so verfügte die holländische Marine über -tüchtige Admirale aus der Schule Ruyters, wie z. B. Almonde, Callenburgh, -Evertsen (der »Jüngste«); sie traten nicht so hervor, da die Holländer -dem Vertrage gemäß stets unter englischem Oberbefehl fochten. In der -inneren Organisation waren durch Oraniens Einfluß verschiedene -Einrichtungen verbessert und erweitert, die den Geist des Personals heben -sollten: Vermehrung der Kapitäne und Offiziere auf Halbsold, um immer -unabhängiger von Aushilfskräften zu werden; überetatsmäßige Kommandierung -dieser an Bord, um sie in Übung zu erhalten; Instruktionen für -Dienstbetrieb und Disziplin, für Verpflegung und Gesundheitspflege. Die -Bemannungsfrage war wieder schwierig: der Krieg war nicht so volkstümlich -wie der gegen England; Seefahrt und Fischerei wurden im allgemeinen nicht -eingestellt, man wollte die Einkünfte daraus nicht verlieren und -fürchtete bei der langen Dauer des Krieges, der Handel würde in andere -Hände übergehen; die Freibeuterei lockte mehr durch freieres Leben und -größeren Gewinn; der Zudrang aus Schweden und Dänemark fiel aus, da auch -hier infolge eines drohenden Zusammenstoßes größere Flotten in Dienst -gehalten wurden, Fremde kamen nur noch zahlreich von Bremen und Hamburg. -Ähnliche Maßnahmen wie früher wurden ergriffen: Zeitweises Verbot der -Schiffahrt, wenn die Flotte in Dienst gestellt wurde, oder Verpflichtung -der Rhedereien, Leute zu stellen. Der Versuch, ein festes Matrosenkorps -zu gründen (1688 etwa 7000 Mann), scheiterte an der Abneigung der -seemännischen Bevölkerung, doch gelang es meist, schon im Winter, wenn -die Schiffahrt daniederlag -- und die Matrosen der Kauffahrer oder der -vorjährigen Flotte ihr Erspartes nach Seemannsart bald verjubelt hatten ---, eine Reserve von etwa 9000 Mann für das nächste Frühjahr anzuwerben. -So wurde der Bedarf, 16-18000 Mann in einigen Jahren 20000, stets -gedeckt, man findet keine Klagen hierüber und das holländische Personal -errang in diesem Kriege mehrfach das Lob Oraniens. - - Das in den beiden letzten Kriegen vorhandene Seesoldatenkorps war - wieder aufgelöst, obgleich es sich so gut bewährt hatte. Da die - Seeoffiziere besonders den Verlust des gut geschulten Gewehrfeuers - bedauerten, sicherte sich die Admiralität von Amsterdam einige - Kompagnien der Landtruppen dieser Provinz zur Einschiffung. - -So kann man wohl nicht sagen, daß die holländische Marine schon unter -Oranien vernachlässigt sei, um so weniger, wenn man die doch schon -beginnende Erschöpfung des Landes in Betracht zieht. Auch wenn der König -in England war, verhandelte er eifrig -- auch mündlich -- mit den -Vertrauten, die jetzt die Seele des Seewesens in Holland waren: Der -Ratspensionär von Holland, Heinsius (vor ihm Fagel, der unmittelbare -Nachfolger de Witts), und der Sekretär der Admiralität Amsterdam, de -Wildt; dieser war Vertreter des Statthalters im Seewesen, ein -Generalleutnantadmiral wurde nach Tromps Tode nicht wieder ernannt. - - Daß die Ansicht (sogar durch holländische Schriftsteller) später - ausgesprochen ist, Oranien habe die Marine verfallen lassen, erklärt de - Jonge mit folgenden Umständen: Mit Ruyters Tode habe Brand, dem die - besten Überlieferungen der früheren Kriege zu danken (»Leben Ruyters«), - aufgehört zu schreiben, Archive usw. seien früher schwer zugänglich - gewesen und so hätten genaue Angaben über den Umfang der - Indienststellungen und über die Leistungen der Marine gefehlt. Große - Ereignisse und Erfolge seien in diesem Kriege selten gewesen; England - sei mehr hervorgetreten, da es die größere Zahl der Schiffe und die - Oberbefehlshaber gestellt habe. - - Wenn Oranien damit einverstanden war, daß Holland so eine zweite Rolle - spielte, so braucht man darin allerdings noch keine böse Absicht zu - erkennen. Es ist nicht auffallend, daß die Republik mehr zu dem - Landkriege, der ihre Grenzen berührte, herangezogen wurde als England; - hiermit aber war die jetzt einflußreiche Partei, die aristokratische, - wohl sehr einverstanden; wir wissen, daß sie stets das Landheer vor der - Marine begünstigte. - - De Jonge hebt dann ausdrücklich hervor: Was in Marinesachen geleistet, - sei nur Oranien zu verdanken, er habe stets auf noch mehr hingestrebt; - wenn dieses nicht erreicht sei, so seien andere Gründe schuld gewesen. - (Es sind die uns bekannten: Parteiwesen, Uneinigkeit der Provinzen, - Vielköpfigkeit der Regierung; eine äußerste Anstrengung war nur zu - erreichen, wenn der Republik das Feuer auf den Nägeln brannte.) Der - Verfall der Marine sei erst nach Oraniens Tode eingetreten. - -Wir haben die Entwicklung der $französischen Marine$[230] bis zum Beginn -des dritten englisch-holländischen Krieges verfolgt und gesehen, wie -Colbert in wenigen Jahren die Seestreitkräfte Frankreichs auf fast -gleiche Höhe mit denen Englands oder Hollands brachte, wenigstens was das -Material anbetrifft. In derselben Weise arbeitete er weiter. - - [230] Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre: - »Tourville«. - -Für das Jahr 1681 wird der =Schiffsbestand= auf 70 Linienschiffe über 50 -Kanonen und auf 170 Segel insgesamt angegeben; unter Colbert wurden die -verbesserten Mörserboote gebaut, die dann auch die anderen Marinen -einführten. Mit du Quesne wirkte er für die Ausbildung und -Disziplinierung des =Personals=, besonders der Offiziere; der Krieg mit -Holland im Mittelmeer (1674-78), der Kampf mit den Barbaresken später -gaben Gelegenheit zum Sammeln von Erfahrungen, und seit dem Frieden von -Nymwegen wurden stets große Übungsgeschwader im Dienst gehalten; in -Kriegs- und Friedenszeiten waren nichtbeschäftigte Offiziere, auch -Kommandanten, überetatsmäßig an Bord kommandiert. Wie früher Artillerie- -und Navigationsschulen, so wurde 1680 eine Schiffbauschule gegründet; mit -Bau der Mörserboote errichtete man besondere Bombardierkompagnien. So -schritt die Entwicklung der Marine unter Colbert stetig fort, trotzdem -daß er in seinen letzten Jahren schon mit Finanzschwierigkeiten im Lande -zu kämpfen hatte; wenn wir sahen, daß schon 1678 die Ausrüstung der -Flotte zu wünschen übrig ließ, so scheint dies mehr an Reibungen zwischen -den Verwaltungs- und Kommandobehörden gelegen zu haben, denn die -französischen Quellen heben ausdrücklich hervor, daß Colbert noch -leistungsfähige Werften und wohlgefüllte Magazine hinterlassen habe. - -Nach Colberts Tode aber (1683) ging mit dem Verfall seiner anderen -Schöpfungen auch die Marine bald zurück. Ludwig hatte kein Interesse für -das Seewesen; er wünschte zwar eine Kriegsmarine für seine Kriege, aber -er konnte oder wollte nicht einsehen, daß die Kriegsmarine wenig Zweck -und keine Lebensfähigkeit habe, wenn Industrie, Handel und friedliche -Schiffahrt zugrunde gingen. Es kam hinzu, daß die Nachfolger Colberts als -Marineminister wie Ludwig dachten oder gar die Flotte selbst als Waffe -gering achteten. - -Der Marquis =de Seignelay= (1683-1690; Sohn Colberts und schon seit 1672 -unter seinem Vater im Marineministerium tätig) strebte zwar auch noch -eine Vergrößerung der Marine an, aber nicht im Interesse des Handels -sondern wie Ludwig, »um mit ihr als Waffe seinen Ehrgeiz zu befriedigen«; -wir sahen ihn schon vor Genua selbst an Bord auftreten. Colbert hatte -versucht, der seemännischen Bevölkerung für ihren Dienst Vorteile -zuzuwenden -- Halbsold, Witwen- und Waisenpensionen usw. --, unter -Seignelay fielen diese weg, er nutzte die Menschen nur aus. - -Der =Schiffsbestand= war hoch; 1690 sehen wir in der Schlacht bei Beachy -Head: 12 Schiffe von 80 bis über 100 Kanonen, 48 von 60-80 Kanonen und 17 -von 50-60 Kanonen. Aber die Werften und Arsenale waren schon um 1688 -nicht mehr voll und pünktlich leistungsfähig (Unordnung und Verschwendung -riß ein), und um die Schiffe zu bemannen, mußte wieder zum Pressen -gegriffen werden (vergl. Seite 182). Dies wurde selbst in Friedenszeiten -mit solcher Härte durchgeführt, daß Empörungen vorkamen; das System der -Rekrutierung bestand nur noch auf dem Papier. Zur teilweisen Abhilfe des -Mannschaftsmangels gründete Seignelay 80 ständige Freikompagnien von -Soldaten, je 100 Mann unter Führung eines Seeoffiziers, die als Ersatz -für Matrosen gute Dienste leisteten. Nur eins wird ihm nachgerühmt, »daß -er durch Sammlung und Vervollständigung der Reglements seines Vaters ein -Mittel hinterließ, mit dem sich viel später -- unter Choiseul 1760 -- die -Marine aus dem von ihm durch Vergeudung des vorgefundenen Materials und -Personals vorbereiteten Niedergang wieder erheben konnte.« Er starb, erst -39 Jahre alt, am 6. September 1690. - - Chabaud-Arnault sagt von Seignelay: Seignelay besaß einen festen - Willen, große Intelligenz und Arbeitskraft, aber unleidlichen Stolz, - Härte und Vergnügungssucht. Colbert war selten zufrieden, tadelte - stets, aber strafte ungern; Seignelay tadelte beleidigend und strafte - hart. Eins war gut bei ihm: er wußte die Disziplin, namentlich im - höheren Offizierkorps, aufrecht zu erhalten, die einzuführen Colbert - und du Quesne so viele Mühe gemacht hatte. - -In den Krieg 1688 trat nach Vorstehendem die französische Marine also -noch als eine mächtige ein. Sie besaß genügendes und gutes -Schiffsmaterial wie Personal, insbesondere waren die Flaggoffiziere und -Kommandanten in Führung der Geschwader und Schiffe auf der Höhe. Die -Marine war den Feinden gewachsen, wenn nicht überlegen, aber ihr Rückgang -war schon im Entstehen. - - Admiral von Frankreich war dem Namen nach bis 1683 =Vermandois= (Sohn - der Lavallière). Als dieser, 16 Jahre alt, starb, folgte der - fünfjährige =Comte de Toulouse= (Sohn der Montespan). Dieser sprach - vorläufig also auch noch nicht mit, sollte aber später ein ganz - tüchtiger Seeoffizier werden. - - Was Ludwig von seiner Seemacht hielt, geht daraus hervor, daß er - ähnlich wie England verlangte, alle Nationen (ausschließlich England) - sollten auf See die Lilienflagge salutieren; 1688 zwang Tourville, von - der Barbareskenküste zurückkehrend, ein spanisches Geschwader mit - Waffengewalt hierzu. - -Auf Seignelay folgte =Louis de Pontchartrin= 1690-1699 und unter ihm -schritt der Verfall der Marine fort. - - Chabaud-Arnault sagt: Auf einen Minister jung, kriegerisch, - ruhmsüchtig, zwar verschwenderisch aber doch wohl bekannt mit der - Organisation der Verwaltung und der Flotte folgte ein älterer Mann (47 - Jahre) kalt, berechnend, sparsam, friedlich gesinnt und völlig dem - Kriegswesen, insbesondere dem Seewesen, fremd. Obgleich wohlwollend und - gutem Rate zugänglich, wurde er durch die Umstände gezwungen, mehrfach - und ungerecht gegen die tüchtigsten Führer aufzutreten und bei der - Verwendung der für die Marine bestimmten Mittel teils unangebrachte - Knauserei, teils zwecklose Verschwendung zu zeigen. - -Pontchartrin hatte ganz andere Ansichten über die Verwendung der Marine -als seine beiden Vorgänger; zum Heben des eigenen Handels konnte er bei -den herrschenden Verhältnissen nichts tun, von einer Kriegführung zur See -in großem Maßstabe hielt er nichts -- vielleicht unter Louvois' Einfluß -stehend --; er glaubte die Marine am besten zum Angriff auf den -feindlichen Handel zu verwerten und dadurch die öffentlichen und privaten -Kassen zu bereichern. Anfang 1691 schlugen Louvois und Pontchartrin gar -dem Könige vor: »Die Marine, die so teuer käme und doch nur die Küsten -schütze, durch 25000 Mann Infanterie und 4000 Reiter zu diesem Zwecke zu -ersetzen!«[231] - - [231] Delarbre »Tourville«, Seite 194. - -Die Schiffszahl wurde zwar, um Ludwigs Wünschen zu genügen, noch -erhalten, auch wurden zunächst noch große Flotten in Dienst gestellt. Der -=Bestand= wird für 1692 auf 120 Linienschiffe über 40 Kanonen angegeben. -In diesem Jahre verlor Frankreich bei La Hogue 15 Linienschiffe. Oft ist -gesagt, hier sei die französische Marine vernichtet! Der Verlust wäre -doch wohl zu verschmerzen gewesen, auch waren andere Schiffe im Bau; -schon 1693 finden wir 70 Linienschiffe im Atlantik und gegen 17 im -Mittelmeer im Dienst, weitere waren noch auf den Werften und für 1696, -also gegen Ende des Krieges, wird der Bestand sogar auf 135 Linienschiffe -über 40 Kanonen und auf 20 Fahrzeuge von 24-36 Kanonen angegeben; es ist -dies der höchste Stand, der erreicht worden ist. Von einer Vernichtung -bei La Hogue kann man also nicht sprechen, aber nach dieser Schlacht -brach die Ansicht Pontchartrins immer mehr durch; die große Flotte 1693 -wurde nur zu einem Schlage gegen den feindlichen Handel (Angriff auf den -Smyrna-Convoi) verwendet, und von da an stellte man jährlich nur noch -verschiedene kleinere Divisionen auf. Die große Schiffszahl stand bald -sozusagen nur noch auf dem Papier; auch wurden die Schiffe -vernachlässigt, da Werften und Arsenale sich immer weniger leistungsfähig -zeigten. Unter einem in den Seesachen gänzlich unerfahrenen Minister trat -zu der schon unter Seignelay eingerissenen Verschwendung in der -Verwaltung auch wieder Nachlässigkeit und selbst Untreue wie vor Colberts -Zeiten; auch nahm der Hader zwischen den Verwaltungs- und -Kommandobehörden zu. Ebenso ging =das Personal= nach und nach zurück. Der -reine Kreuzerkrieg mit kleinen Divisionen und einzelnen Schiffen, -besonders wenn er mit Königlichen Schiffen, Offizieren und Mannschaften -geführt wurde, die an Private vermietet waren (vgl. später -»Kreuzerkrieg«), mußte schädigend auf Disziplin und Geist einwirken; bei -vielen wurde doch wohl mehr Lust nach Beute als Ehre und Vaterlandsliebe -die Triebfeder. Im Offizierkorps gingen ferner Übung und Erfahrung in -Exerzitien und Taktik verloren -- nur eine kleine Elite bewahrte das -Interesse daran und damit die Überlieferung für die späteren Zeiten -Choiseuls. Zwar warf Pontchartrin als gleichzeitiger Generalkontrolleur -der Finanzen noch ein großes Budget für die Marine aus, aber die -schlechte Verwaltung verschlang noch mehr und die zunehmende Zerrüttung -der Geldwirtschaft im Lande machte es oft unmöglich, die nötigen Mittel -zu beschaffen. Da konnten denn auch unter ihm der seemännischen -Bevölkerung die von Colbert eingeführten Vergünstigungen nicht zu teil -werden, selbst die Löhnungszahlung wurde wieder unregelmäßig; die Folge -war, daß der Dienst immer unbeliebter wurde, das Pressen immer härter -durchgeführt werden mußte; die Fahnenflucht wurde eine Plage, die mit den -schärfsten Mitteln nicht zu steuern war. - - - Der Verlauf des Seekrieges. - -$Wilhelm von Oraniens Übergang nach England[232] 1688.$ Es ist erwähnt, -daß Oranien frühzeitig dafür sorgte, im gegebenen Augenblick über die -erforderlichen Kräfte zur Besitzergreifung des englischen Thrones -verfügen zu können. An die Generalstaaten konnte er sich nicht wenden, -weil die Angelegenheit möglichst geheim gehalten werden mußte und die -Nation vorläufig nicht geneigt war, sich durch Unterstützung seiner Pläne -mit Frankreich zu verfeinden. Er gewann aber einflußreiche Vertraute in -dem Ratspensionär von Holland, Fagel, in den drei Bürgermeistern von -Amsterdam, in Mitgliedern der Admiralitäten usw. Mit ihrer Hilfe gingen -schon Ende 1687 Beschlüsse durch, im nächsten Jahre eine stärkere Flotte -in Dienst zu stellen als in den letzten Jahren, sowie Gelder zu -bewilligen, um die Festungen in Stand zu setzen. Die stärkere -Indienststellung wurde für den Handelsschutz, besonders gegen Piraten der -Raubstaaten, die sich wieder bis in den Kanal zeigten, verlangt; zu -diesem Zweck war ein Beschluß der Generalstaaten nicht nötig, solange es -die Admiralitäten aus ihren eigenen Mitteln bestreiten konnten. Die -Gelder für die Festungen verwandte Oranien zum Mieten von Truppen bei -fremden Fürsten und zum Heuern von Transportern. Die Vertrauten, die -Einfluß in den Admiralitäten besaßen, sorgten ferner dafür, daß auch die -nicht in Dienst zu stellenden Schiffe bereit gehalten wurden und daß man -im Laufe des Sommers 1688, nachdem der Prinz im Juli die Adresse aus -England erhalten hatte, die bewilligte Flotte nach und nach noch weiter -verstärkte. - - [232] Nach de Jonge, Teil III, und Clowes, Teil II, worin die - Ereignisse für die betreffende Nation genannt; in ersterem auch - besonders über die Vorbereitungen, z. B. Geheimhaltung und - Beschaffung der Mittel, sowie in Beilage I, Aufzählung der - holländischen Schiffe für die Expedition, genaue Angabe der - Truppen, Instruktionen für Herbert und Evertsen. - -=Mitte Oktober= 1688 lag in Hellevoetsluis eine Flotte von 13 Schiffen zu -60-68 Kanonen, von 7 zu 50-56, 11 zu 40-48, 16 zu 32-36, 10 Brandern und -in verschiedenen benachbarten Häfen waren gegen 340 Transporter zur -Überführung der Truppen sowie 60-70 kleine Fahrzeuge für die Landung -selbst bereit. Die Befehlshaber -- Leutnantadmiral Cornelis Evertsen und -Vizeadmiral Almonde -- erfuhren erst jetzt den wahren Zweck der Flotte -sowie, daß der nach Holland geflüchtete englische Admiral Herbert (später -Earl of Torrington) als Leutnantadmiralgeneral mit dem Tage der Abfahrt -den Oberbefehl übernehmen solle, wie es auch am 27. Oktober geschah. Die -Order für die Flotte war: Die Überfahrt der Transporter und die Landung -zu decken und dann Diversionen an der Westküste Englands und in -Schottland zugunsten Oraniens zu machen. - - =Tromp= war nach Ruyters Tode Leutnantgeneraladmiral geworden. Wenn ihm - nicht der Oberbefehl über die immer mehr anwachsende Flotte übergeben - wurde, so hatte dies gleichfalls seinen Grund darin, daß man kein - Aufsehen erregen wollte; es war ja kein Krieg -- auch soll er nicht - mehr gut mit Oranien gestanden haben. Der englische Oberbefehlshaber - war lediglich aus politischen Gründen gewählt worden; bis zum Tage der - Abfahrt befehligte Herbert nur ein Geschwader. - -Ende Oktober war alles bereit; die Truppen wurden eiligst und heimlich -zusammengezogen und eingeschifft (11090 Mann und 4092 Pferde); Oranien -ging am 27. mit Leutnantadmiral Scheppers und Marschall Schomberg auf die -ganz neue Fregatte »den Briel« (30 Kanonen). Bezeichnend für den -politisch-religiös gemischten Charakter der Expedition ist, daß, wie -Wilhelms Oberbefehlshaber am Lande, eben der frühere französische -Marschall Schomberg, so auch ein großer Teil der Armeeoffiziere -Hugenotten waren. - - Erst unmittelbar vorher hatte Oranien den Generalstaaten seine Pläne - eröffnet und nun auch ihre Zustimmung gefunden. Bis dahin soll diesen - und auch England gegenüber alles geheim gehalten sein, was jedoch kaum - glaublich ist; weiß man doch, daß der französische Gesandte schon - länger darüber an Ludwig berichtet hatte; der englische Gesandte soll - allerdings sehr »harmlos« gewesen sein. - -Die Flotte setzte bei Südwestwind den Kurs nach Norden, weil die Ostküste -Englands (Humber?) zur Landung in Aussicht genommen war, aber schon in -der nächsten Nacht zersprengte sie ein schwerer Südweststurm; man mußte -zum Wiedersammeln nach Hellevoetsluis zurückkehren. Große Freude war in -England und Frankreich, wo übertriebene Berichte über Verluste einliefen; -der französische Gesandte im Haag schrieb: »Enfin la flotte du Prince -d'Orange est au diable«; diese Gerüchte wurden von holländischen -Zeitungen absichtlich genährt, um die Feinde einzuschläfern. Tatsächlich -hatte wohl ein schrecklicher Zustand auf den überfüllten Schiffen -geherrscht, die Beschädigungen aber waren nur gering und Verluste fast -gar nicht zu beklagen; 500? oder 900? Pferde sollen über Bord geworfen -sein. Schnell wurde allem abgeholfen. - -=Am= 10. =und= 11. =November= ging man wiederum in See mit demselben -Ziele; wegen schweren östlichen Windes aber wurde bald beschlossen, in -den Kanal zu steuern und bei Torbay und Dartmouth zu landen. Am 13. -wurden die Hoofden passiert, die Nachzügler gesammelt und dann mit -Trompetenschall und Geschützsalut längs der englischen Küste kanalabwärts -gesteuert; voran die Transporter von 4 Fregatten gedeckt, die Flotte zum -Schutz gegen die englische hinterher. »Den Briel« führte im Großtopp eine -Flagge mit der Inschrift: »Für den protestantischen Gottesdienst und -Englands Freiheit«; darunter Oraniens Devise: »Je maintiendrai«. Der -Prinz hatte beabsichtigt, schon am 14. November, seinem 38. Geburtstage, -zu landen; die ihn begleitenden Engländer beredeten ihn zur Wahl des 15., -des Jahrestages der Pulververschwörung. In der Nacht vom 14. auf 15. -überlief die Flotte Dartmouth infolge Unachtsamkeit der englischen Lotsen -(die Engländer sagen, Fehler der holländischen Navigateure). Dies konnte -bei dem steifen Ostwinde sehr nachteilig werden, weil man fürchten mußte, -an anderen Landungspunkten mehr westlich Widerstand von englischen See- -und Landstreitkräften zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe; der Wind sprang -auf Süd um, man erreichte Torbay und konnte noch am 15. den größten Teil -der Truppen ausschiffen; Oranien wurde am Lande mit Jubel begrüßt. Am 16. -wurde der Rest gelandet, nach einem Feldgottesdienst der Marsch auf -Exeter angetreten und diese Stadt noch am Abend besetzt. Gleich nach -beendeter Ausschiffung der Truppen kam Sturm auf, so daß die Landung der -Geschütze und des Kriegsmaterials verhindert wurde. - -=Wo waren die Engländer=? Jakob II. hatte eine ansehnliche Flotte im -Dienst. Diese hatte den Sommer über unter dem katholischen Admiral -Strickland vor Dover gelegen mit Vorposten im Kanal und vor der Themse; -später aber war sie unter dem protestantischen Admiral Earl of Dartmouth -in die Themse zurückgezogen; die holländische Expedition hatte sie beim -Steuern in den Kanal fast in Sicht passiert. Der Wind soll an diesem -Tage ein Ankerlichten verhindert haben; erst am 15. konnte sie dem Feinde -folgen, wurde dann aber, gegen den Sturm aufkreuzend, festgehalten, bis -es zu spät war. Es ist wohl anzunehmen, daß weder vom König strikte -Befehle eingegangen, weil dieser der Marine nicht mehr traute (auf den -Werften usw. hatten schon ungünstige Kundgebungen stattgefunden), noch in -der Flotte ernstliche Absichten, einzugreifen, vorhanden waren. Bald nach -den geschilderten Ereignissen wurden infolge eines Kriegsrates die -katholischen Kommandanten an Land gesetzt und eine Adresse an Oranien -gesandt; Mitte Dezember stellte sich die Flotte diesem völlig zur -Verfügung. - -Oranien marschierte auf London; Truppen, die bei Salisbury standen, -gingen zu ihm über. =Jakob= verkündigte eine Amnestie und versprach, -allen Beschwerden abzuhelfen; zu spät, alles verließ ihn, er mußte nach -Frankreich fliehen. Am 18. Dezember zog =Oranien= in London ein und wurde -am 18. Februar 1689 =als König anerkannt=. - -Die holländische Flotte kehrte in zwei Abteilungen im Januar und März -1689 nach Holland zurück. - -$Jakobs II. Einfall in Irland und die Operationen 1689.$ Ludwig XIV. -hatte nach Oraniens Übergang an Holland den Krieg erklärt, aber nicht an -England, weil er Oranien nur als einen Eindringling betrachtete, der -keineswegs das ganze englische Volk hinter sich habe, jedoch war er -bereit, Jakob in seinem Versuche, sein Königreich wiederzugewinnen, zu -unterstützen. Tatsächlich besaß Jakob in England noch viele Anhänger; die -besten Aussichten hatte er aber in den schottischen Hochlanden und vor -allein in Irland; von hier aus wollte er versuchen, seine verlorene Macht -wiederzugewinnen. Es wäre nun die beste Gelegenheit gewesen, den Fehler -von 1688 -- daß man Oranien überhaupt hinübergelassen hatte -- wieder gut -zu machen, indem man die Überlegenheit der französischen Flotte jetzt -noch voll ausnutzte, zunächst den Seekrieg gegen England und Holland -führte und damit eine große Invasion in Irland, Schottland oder gar -England selbst ermöglichte; dies geschah aber nicht. - -=Im März= 1689 brachte ein kleineres französisches Geschwader -- Chef -d'Escadre de Gabaret -- =Jakob= mit 8000 Mann =in Cork= an Land (22. bis -24. März). Er wurde mit Jubel begrüßt, zog in Dublin ein, nur in -einzelnen Städten hielten sich die englischen Besatzungen; gleichzeitig -erhoben sich unter Viscount Dundee die Hochländer in Schottland. Jakob -verstand es aber nicht, seine Sache richtig zu führen -- er lebte mehr -der Entgegennahme von Huldigungen usw. -- und wurde auch in der Folge -nicht richtig von der französischen Flotte unterstützt, sonst hätte er -mit Hilfe Irlands und Schottlands Wilhelms III. Stellung sehr erschüttern -können. Sein Einfall war ohne jeden Widerstand seitens der -englisch-holländischen Seestreitkräfte ausgeführt, da diese nicht fertig -waren. - - =England und Holland= hatten allerdings schon im Beginn des Jahres - einen =Vertrag= über Ausrüstung einer gemeinsamen Flotte von 80 - Linienschiffen, 24 Fregatten, 12 Brandern geschlossen; 50 Schiffe waren - für den Kanal, 30 für das Mittelmeer bestimmt. Wie schon im Jahre 1668 - (Tripelallianz, Seite 308) wurde dabei auch jetzt und auch später immer - das Verhältnis auf 5/8 (England) und 3/8 (Holland) festgesetzt; England - sollte 50 Linienschiffe, 15 Fregatten, 8 Brander stellen, Holland 30 - Linienschiffe, 9 Fregatten und 4 Brander. Wie 1668 so war auch jetzt - als Grund des schwächeren Kontingents Hollands angenommen, daß dieser - Staat mehr durch den Landkrieg in Anspruch genommen werden würde, und - dementsprechend wurden die aufzustellenden Armeen auf 100000 Holländer - gegen 40000 Engländer normiert. Man braucht darin also, wie schon - erwähnt, noch keinen Beweis des Rückganges der holländischen Marine zu - sehen, aber es kennzeichnet doch wohl schon ein Zurücktreten der - Seemacht Hollands hinter die Englands, und ganz besonders tun dies die - sonstigen Bestimmungen des Vertrages. Nach diesen nämlich sollten nicht - nur die Hauptflotte der Verbündeten, sondern auch alle selbständigen - Geschwader oder sonstige detachierte Kräfte stets unter dem Oberbefehl - eines englischen Offiziers stehen; ja, bei gemeinschaftlichem Kriegsrat - hatten die englischen Flaggoffiziere und Kommandanten am »oberen Ende« - des Tisches zu sitzen (diese Bestimmungen entschuldigt de Jonge mit der - »damaligen höheren Auffassung« der Würde des Königtums). - - Aber erst nach und nach sammelten sich die Schiffe der beiden Staaten. - Die ersten Holländer trafen im Juni bei Wight ein. Die Schiffe, die - 1688 im Dienst gewesen, waren erst im Januar und März zurückgekehrt und - bedurften der Überholung; die kleineren Admiralitäten hatten überhaupt - nicht genügend Kriegsschiffe und mußten Kauffahrer umbauen; den - größeren mangelte Geld, bis die ostindische Kompagnie aushalf. In - England hatten wohl die noch unsicheren inneren Verhältnisse eine - rechtzeitige Indienststellung verhindert. - -Erst als Jakobs Landung bekannt geworden, erhielt =Admiral Herbert= in -Portsmouth den Befehl, mit den segelfertigen englischen Schiffen =nach -Irland= zu gehen. Er erschien Mitte April vor Cork mit nur 12 -Linienschiffen, hörte hier, daß das französische Geschwader bereits -zurückgesegelt sei, kreuzte dann im Kanaleingang an der französischen -Küste und hielt endlich wieder nach Cork hinüber, da er durch -Aufklärungsschiffe erfahren hatte, daß eine neue französische Flotte -unterwegs sei; am 9. Mai kam auch für kurze Zeit eine größere Zahl von -Schiffen in Sicht. - -Es war dies eine =zweite französische Expedition=, die am 6. Mai wiederum -mit Truppen (5000?, 6000?, 7000? Mann, Munition und Kriegsmaterial) Brest -verlassen hatte. Diese ihrerseits erfuhr am 9. vor Cork, daß Herbert in -der Nahe sei; da man bei dem herrschenden Ostwinde auf den Ankerplatz -hätte aufkreuzen müssen, steuerte der Chef Generalleutnant -=Château-Renault= nach West und ankerte am 10. Mai 2 Uhr nachm. in der -=Bantrybay=. Herbert war am 9., den Feind suchend, auch nach Westen -gesegelt und sichtete die Franzosen am Abend des 10. in genannter Bucht. -Château-Renault hatte sofort mit dem Ausschiffen begonnen, und als um 6 -Uhr abends seine Vorposten das Herankommen der Engländer meldeten, waren -fast alle Truppen schon am Lande. Er warf den Rest, der sich noch auf den -Linienschiffen befand, auf die Transporter, lichtete Anker und hielt sich -mit kleinen Schlägen gefechtsbereit im Eingang der Bucht, um das weitere -Landen des Kriegsmaterials von den Transportern und Brandern zu decken. -Die Nacht verbot auf beiden Seiten weitere Operationen; am 11. kam es zum -Gefecht. =Stärke der Gegner=: - - Engländer = 3 Schiffe zu 70 Kanonen; 5: 60-68; 5: 50-54; 5: 46-48; - 1: 36; 1 Brander; 2 Mörserboote. - - Franzosen = 4: 60-66; 12: 50-60; 8: 40-48; 2 Fregatten, 10 Brander. - - Das $Gefecht vor Bantrybay$[233] 11. Mai 1689: Herbert beginnt morgens - in die Bucht hinein aufzukreuzen. Als er aber die Stärke des Feindes - genau erkennt, hält er es für ungeeignet, in der Leestellung und im - beschränkten Wasser zu fechten. Er hält unter kleinen Segeln wieder in - See, dabei bestrebt, seine noch nicht tadellose Linie zu verbessern und - die Luvstellung zu gewinnen; das erste gelingt, das zweite jedoch nicht - infolge Gegenmanöver der vordersten Franzosen. Château-Renault hatte - bis 11 Uhr gewartet und ging dann erst an den Feind heran; auch seine - Linie scheint nicht besonders gut gewesen zu sein infolge des - Manövrierens in der Bucht. - - [233] Nach Clowes, Teil II, Bonfils, Teil I, Troude, Teil I; sie - stimmen nicht ganz überein, selbst nicht die französischen - Quellen unter sich. Doch ist dies von wenig Belang, da das - Gefecht ohne taktisches Interesse. - - Um 11-1/2 Uhr vorm. begann das Gefecht. Es wurde auf französischer - Seite nur von der Mitte mit Nachdruck geführt, während Vorhut -- Chef - d'Escadre de Gabaret -- und Nachhut -- Chef d'E. de Forant -- sich lau - zeigten. (Französische Quellen sagen wegen Eifersucht der Unterführer - gegen den Geschwaderchef -- alte Seeleute gegen einen Protegierten; - nach Troude berichtete Château-Renault, Gabaret habe die Befehle zum - Angriff nicht sofort befolgt, so daß er selbst mit der Mitte die Spitze - habe nehmen müssen, und Forant sei nicht im Kielwasser geblieben; beide - hatten Entschuldigungen für ihr Benehmen. Chabaud-Arnault sagt: - »Gabaret und Forant gaben an, Renault habe das Gefecht schlecht - geleitet, die nötigen Orders nicht zu geeigneter Zeit gegeben, dann war - es aber Pflicht der Offiziere mit mehr Erfahrung, ihren Chef zu - unterstützen. Herbert dagegen verstand es nicht, aus dem Fehler der - Franzosen Nutzen zu ziehen«.) Herbert versuchte nun, den Feind von der - Küste abzulocken; Ch. Renault jedoch brach um 5-1/2 Uhr nachm. 21 sm. - von der Küste das Gefecht ab, um seine Transporter nicht allein zu - lassen. Das Gefecht war ziemlich scharf gewesen: ein französisches - Schiff (54 Kanonen) war durch eine Explosion angehäufter Kartuschen - fast ganz zerstört, auch die Engländer verloren ein Schiff sowie 100 - Tote und 300 Verwundete. Für diese war es von großem Vorteil gewesen, - daß die französischen Brander nicht zur Stelle waren, da sie noch - Munition für die gelandeten Truppen löschten. - -Das Gefecht war kein voller Sieg der Franzosen, aber auch keine besondere -Leistung der Engländer, soviel schwächer waren diese nicht; dennoch wurde -aus politischen Gründen Herbert zum Earl of Torrington ernannt und an -zwei Kommandanten die Ritterwürde verliehen. - -Auf beiden Seiten hatten viele Schiffe so gelitten, daß nichts weiter -unternommen wurde: Herbert segelte nach Plymouth; Renault, der eigentlich -nach beendeter Landung an der Küste bleiben und die englischen -Seestreitkräfte verjagen sollte, ging nach Brest zurück (16. Mai dort). -Er hatte zwar die erste Aufgabe trotz feindlichen Eingreifens in nur 10 -Tagen gelöst, ein Verbleiben in den irischen Gewässern wäre aber von -großer Wichtigkeit gewesen. Herbert schickte nämlich bei seiner Abfahrt -ein =kleines Geschwader= in die =irische See=, nur zwei Schiffe (54 und -48 Kanonen) =unter Kapitän Rooke=, um dort einige kleinere Fahrzeuge an -sich zu ziehen und sich dann dem Landkriege zur Verfügung zu stellen. -Diese kleine Flottille leistete nun Wesentliches ohne Störung durch -französische Seestreitkräfte; sie unterbrach die Verbindung zwischen -Irland und Schottland für die Jakobiten und hielt eine solche zwischen -Irland und England für Wilhelm III. offen, auch griff sie in den Kampf um -Küstenplätze ein. - - =Londonderry= -- im Norden Irlands am Lough Foyle -- wurde von den - Jakobiten belagert und hart bedrängt; General Kirke stand in England - mit Truppen zur Verstärkung; Rooke ankert am 10. Mai im Clyde (genauer - unter der Halbinsel Cantine) und bestellt hierher die Transporter - Kirkes vom Solway. Zunächst stoßen einige kleinere Fahrzeuge zu ihm, - dann kommt am 8. Juni der Transport, gedeckt durch drei - 48-Kanonenschiffe und ein 36-Kanonenschiff. Rooke geht nun nach dem - Lough Foyle, trifft Mitte Juni dort ein; Kirke (früher Seesoldat) - versucht nach Londonderry hinaufzukommen, findet aber das Fahrwasser - durch Ketten und Sperren mit flankierenden Batterien gesperrt. Rooke - läuft in den Lough Swilly ein und belästigt von dort den Feind (läßt - nebenbei an der Küste auf kleinere französische Kriegsfahrzeuge - kreuzen); Kirke forciert infolge eines antreibenden Befehles vom - Marschall Schomberg am 28. Juni die Sperre mit einem Kriegsschiff und - zwei Transportern. Es gelingt, die Verstärkungen in die Stadt zu werfen - und die Jakobiten geben am 31. Juli die Belagerung auf. - - =Rooke= kreuzt weiter zwischen der Nordspitze Irlands und der Insel Man - im Nordkanal und =führt= den Transport mit =Schombergs Hauptheer= zur - Niederwerfung Irlands nach Belfast Lough =über=. Nach und nach - verstärkt, teilt er seine Flottille und beherrscht auch die irische See - sowie den St. Georgskanal; am 18. September nimmt er sogar die - wichtigste Insel im Hafen von Cork; erst im Oktober geht er nach den - Downs, da seine Schiffe der Ausbesserung und Ausrüstung bedürfen. - -Diese Erfolge der kleinen Flottille sind um so bemerkenswerter, als sonst -die =Beteiligung der Seestreitkräfte= beider Gegner im Kampfe um Irland -1689 =unbegreiflich gering= ist. Die Franzosen hätten das Hinübergehen -englischer Truppen hindern müssen, wahrscheinlich wäre dann im Sommer -1689 ganz Irland für Jakob gewonnen worden; die Verbündeten taten nach -Bantrybay wenig, um sich die Herrschaft im Kanal zu sichern. Die -Untätigkeit beider Gegner ist um so unverständlicher, als sie nach und -nach über nicht unbedeutende Flotten verfügten; diese müssen wohl nicht -recht kriegsbereit gewesen sein. - -Zu =Herbert= stießen im Laufe des Juni bei Wight die Holländer, und die -vereinigte Flotte war nun 61 Kriegsschiffe (34-92 Kanonen) und 17 Brander -stark; die festgesetzte Stärke von allein 80 Linienschiffen war also bei -weitem nicht erreicht, und von einer Entsendung nach dem Mittelmeer mußte -abgesehen werden, dazu war man nicht stark genug. Die Flotte ging in See, -um die französische Küste zu beunruhigen und um ein in Brest von Toulon -erwartetes Geschwader -- 20 Linienschiffe unter Tourville; am 9. Juni -abgegangen -- abzufangen; sie kehrte bald nach Torbay zurück, »da sie -schlecht ausgerüstet war.« Unmittelbar darauf (31. Juli) traf =Tourville= -in Brest ein und übernahm den Oberbefehl über 70 Schiffe über 40 Kanonen. - - Nach Delarbre waren die Verbündeten noch bei Cap Ouessant, als - Tourville herankam; in größerer Nähe Brest zu blockieren, erschien - ihnen zu gefährlich. Durch Aufklärung gut über den Feind unterrichtet, - hielt sich Tourville bei nördlichem Winde 5 Tage lang in der Nähe, aber - aus Sicht der Gegner, wartete, bis Südwestwind aufkam und lief dann in - Sicht des Feindes in die Bucht (Iroise) ein. - -Im August liefen die Verbündeten nochmals aus und Tourville trat ihnen -bei den Scillys entgegen (Mitte des Monats); der Minister Seignelay -befand sich an Bord. Die Verbündeten standen zu Luward, vermieden aber -das »von den Franzosen gesuchte« Gefecht. Es kam nur zum Zusammenstoß je -eines vorgeschickten Linienschiffes in Sicht der Flotten. - - Nach holländischen Angaben wollten sie sich wegen ihrer Minderzahl - durchaus defensiv verhalten; nach französischen Quellen schonten sie - sich, um einen erwarteten Smyrnaconvoi beider Nationen decken zu - können. Dieser Convoi lief auch später unbelästigt in den Kanal ein. - Beide Erklärungen stimmen also gut überein. Nach einer anderen - französischen Angabe endlich waren auch die Franzosen nicht geneigt, in - einer großen Schlacht zuviel aufs Spiel zu setzen. - -Dann trennten sich die Gegner, gingen nach einigen Tagen in ihre Häfen -und rüsteten bis auf kleine Wintergeschwader ab. - -$Das Jahr 1690. Die Schlacht bei Beachy Head$ (oder Béveziers). Für 1690 -rüstete Frankreich gewaltig zur See mit der Absicht, die -englisch-holländischen Streitkräfte zu vernichten -- womöglich einzeln -vor ihrer Vereinigung; die Engländer überraschend in ihren Häfen --, die -Seeherrschaft völlig zu erringen und dann in England einzufallen. In -Rochefort wurden innerhalb dreier Monate 15 Galeren zur Unterstützung der -Segelflotte gebaut und Truppen an den Küsten zusammengezogen; es waren -zwar nur 8000 Mann, man rechnete aber mit Erhebung der Jakobiten in -England und hielt für diese Waffen zur Überführung bereit. In Brest lagen -über 60 Linienschiffe unter =Tourville=, eine Verstärkung aus Toulon -wurde erwartet; infolge Mangels an Personal und an Material in den -Arsenalen war aber die Flotte (70 Linienschiffe) nicht vor Ende Juni -fertig. - -[Illustration: Tourville.] - - Tourville (nach Chabaud-Arnault) geboren 1637; in der harten Schule der - Malteser-Ritter erzogen, besonders zum tüchtigen Seemann; 1666 Kapitän - in der französischen Marine, trat früh hervor; im Frieden mehrfach - Kommandant von Schulschiffen für Seeoffiziere; zeichnete sich aus im - Kriege 1674-1678 im Mittelmeer, später vor Algier und Genua. -- - Kräftige, schöne Erscheinung und aristokratisches Auftreten; ehrenhaft, - vielleicht nicht ganz aufrichtig (siehe sein Benehmen gegen du Quesne); - gehorsam, scheute sich aber nicht, seine Ansicht auszusprechen; - persönlich mutig bis zur Tollkühnheit; klug und geschickt bei Entwerfen - von Operationen; ließ sich nicht beeinflussen beim Fassen von - Entschlüssen und scheute sich nicht vor Verantwortung; in allen Zweigen - des Dienstes erfahren, aber kein Organisator wie du Quesne. - - Wir finden aber auch andere Urteile: Seignelay, dessen Befehle vom - grünen Tisch er nicht immer ausführte, sagte von ihm »brave de coeur, - mais poltron de tête«, wogegen Sue wohl richtiger sagt »brave de sa - personne et poltron pour ses matelôts«. - - 1689 wurde er Vizeadmiral der Levante und nach d'Estrées' sen. Abgang - als ältester Vizeadmiral Chef der großen Flotten, 1693 Marschall, - gestorben 1701. -- Biographie von Delarbre. - -Die Verbündeten hatten die Indienststellung einer gleich starken Flotte -wie im Vorjahre (80 Linienschiffe) beschlossen; hier blieb man noch mehr -im Rückstande. Am 1. Juli lagen nur etwa 50 Linienschiffe -- darunter nur -erst 18 Holländer -- unter =Herbert= bei Wight; allerdings waren ein -größeres und ein kleineres Geschwader detachiert und einige Schiffe in -Plymouth bereit, zur Flotte zu stoßen. Weitere holländische Schiffe, -deren Ausrüstung wieder wegen Geldmangels nicht rechtzeitig fertig wurde, -kamen erst im Laufe des Juli nach und nach hinzu. Auch in England war die -Rüstung mit einer unverständlichen Lauheit betrieben worden, scheinbar -ein Fehler der Regierung. Admiral Herbert hatte während des ganzen -Winters vergeblich auf rechtzeitige Ausführung gedrungen; der -Premierminister =Nottingham= nahm in Unterschätzung der Franzosen die -Sache leicht (vgl. z. B. Colomb, Seite 110: Herberts Verteidigung in -seinem späteren Prozeß); auch in Holland scheint der Feind unterschätzt -worden zu sein. - -Das =größere= der genannten =Geschwader= war =an der spanischen Küste=. -Schon bei der Abrüstung 1689 war es im Dienst behalten, 16 englische und -9 holländische Linienschiffe stark. Es sollte Anfang 1690 nach dem -Mittelmeer gehen, um einen großen gemeinsamen Convoi dahin zu geleiten -und dann die französischen Streitkräfte von Toulon dort festzuhalten. -Verschiedene Umstände -- Ausrüstung; Wetter; Erwarten der Braut des -Königs von Spanien (Maria Anna, Tochter des Kurfürsten von der Pfalz), -die nach Coruña gebracht werden sollte; Sammeln des Convois --, in der -Hauptsache aber scheinbar Unschlüssigkeit in England (die Holländer -klagen darüber), verzögerten die Abfahrt; erst Mitte März ging man mit -einem großen Convoi in See. An der spanischen Küste wurden Schiffe -abgezweigt, um die Prinzessin zu geleiten, andere zur weiteren Begleitung -der Kauffahrer; ein Sturm trennte die übrigen Schiffe und brachte -Verluste, so daß erst am 18. April etwa 15 Linienschiffe -- die Engländer -unter Admiral =Killigrew=, die Holländer unter =Almonde= -- zur Erfüllung -der Hauptaufgabe, Abfangen des Toulon-Kontingents, wieder vereint in -Cadiz lagen. Während man hier ausrüstete und ausbesserte, wurde am 19. -Mai die Ankunft des französischen Geschwaders -- 14 Segel, darunter 6(?) -Linienschiffe -- unter =Château-Renault= gemeldet. Killigrew ging am -nächsten Tage in See und sichtete die Franzosen am 22. Mai zwischen -Gibraltar und Ceuta. Château-Renault, der schwächer war und seine -Vereinigung mit der Flotte in Brest im Auge hatte, entzog sich -richtigerweise einem Gefecht; er konnte es, weil seine Schiffe bodenrein -waren, die der Gegner (besonders der Engländer) jedoch in schlechtem -Stande. Killigrew hatte den Befehl, ihm zu folgen, und tat dies auch, -aber nicht im Sinne der Order. Er kehrte zunächst nach Cadiz zurück, -besserte aus, sammelte einen Convoi von 150-200 Schiffen und segelte dann -am 19. Juni. Die Folge war, daß Renault seine Verstärkung wohlbehalten -und rechtzeitig zur Vereinigung nach Brest führen konnte, während -Killigrew erst am 23. Juli in Plymouth eintraf, als die Schlacht bei -Beachy Head geschlagen war. - -Das =kleinere Geschwader=, 6 Kriegsschiffe unter Admiral =Shovel=, war -für die =irischen Gewässer= abgezweigt und sollte wie im Vorjahre sehr -nützlich werden. Es kam allerdings zu spät, oder war nicht stark genug, -um einen ersten Erfolg der Franzosen zu hindern. Im Anfang März schon -brachte der Chef d'Escadre d'=Amfreville= mit 30 Linienschiffen, die auch -zu diesem Zweck von 1689 im Dienst belassen waren, unbehindert einen -Transport von 7000 Mann sowie Kriegsmaterial nach Cork. Er ging dann aber -nach Frankreich zurück, und in der Zukunft zeigten sich keine Franzosen -mehr hier, um den Engländern die Verbindung mit Irland zu unterbrechen. -So wurde es =Wilhelm= III. möglich, unter Shovels Bedeckung auf 288 -Fahrzeugen seine Armee im Juni von Chester nach Irland hinüberzuführen; -er landete am 24. Juni in =Carrikfergus=. Shovel wurde am 28. Juni zur -Hauptflotte entlassen, erreichte diese aber auch erst nach Beachy Head. - - =Mahan= sagt zu vorstehenden Ereignissen: »Während des ganzen - Kriegsabschnittes, in dem es sich um den Besitz von Irland handelt, ist - nichts auffallender als die von beiden Seiten an den Tag gelegte - Sorglosigkeit in bezug auf die Verbindung des Gegners mit der Insel. - Besonders merkwürdig erscheint dies bei den Franzosen, die die - stärkeren Seestreitkräfte hatten und von denen man annehmen muß, daß - sie durch die Unzufriedenen in England genau über alle Vorgänge - unterrichtet waren. Es scheint, daß ein Geschwader von 25 Fregatten - nebst einigen Linienschiffen für den Dienst im St. Georgs-Kanal - bestimmt war; aber nur 10 Fregatten kamen nach Kingsale und auch dies - erst, als durch die Schlacht am Boyne alles für Jakob verloren war.« - Wir kommen auf diesen Umstand noch zurück. - -Die Verzögerung des Seeklarwerdens hatte die Franzosen gehindert, ihrer -Absicht gemäß vor Vereinigung der Gegner aufzutreten; =Tourville= erhielt -nun =Befehl=, trotzdem auszulaufen und den Feind aufzusuchen. Ein großer -Schlag zur See versprach die größten Erfolge: Die Lage in England war -bedenklich. Irland war über ein Jahr in erfolgreichem Aufstande, und es -war den Franzosen geglückt, eine neue Truppenmacht auf die Insel zu -werfen; Wilhelm III. war mit dem größten und besten Teile seiner Truppen -dort; die Anhänger Jakobs traten in England, wo die Königin die Regierung -führte, mit ihren Kundgebungen mehr und mehr hervor. Die Vernichtung der -verbündeten Flotte und darauf ein Festhalten des Königs in Irland, sowie -eine Landung in England mußten voraussichtlich für Oraniens Stellung -verhängnisvoll werden. Die französische Flotte war hierzu der feindlichen -ungemein überlegen -- die stolzeste, die Frankreich je ins Gefecht -geführt hat. - -Am 23. Juni lief =Tourville= von Brest aus; starke Gegenwinde im Kanal -hielten ihn auf, auch waren die Galeren genötigt, unter der Küste der -Bretagne Schutz zu suchen. Am 3. Juli morgens sichteten seine -Aufklärungsschiffe die feindliche Flotte zu Anker bei St. Helens -(Wight). =Herbert= war so wenig kriegsbereit und unterrichtet, daß er -nicht einmal Vorposten im Westen hatte. Erst am 2. Juli hatte er -Nachricht erhalten, daß die Franzosen in See gegangen seien; jetzt waren -sie wenige Seemeilen von ihm. - - Er sagte später aus: Da alle unsere Schiffe noch mit Ausrüsten (z. B. - auch mit Einschiffen eines Regimentes) beschäftigt waren, hatte ich die - Holländer mit dem Sicherheitsdienst betraut (wohl am 2. Juli); die von - diesen dazu befehligten Schiffe scheinen aber auch durch Ergänzen von - Bedürfnissen festgehalten zu sein. »Sicher ist, daß ich erst durch das - Sichten der feindlichen Vorposten von dem Erscheinen der französischen - Flotte Kenntnis erhielt. Auch ihre Stärke war mir unbekannt; daß - Château-Renault mit dem Toulon-Geschwader dabei war, zeigte mir erst - seine Flagge.« (Z. B. Colomb, Seite 113.) - -Herbert lichtete sofort Anker, mußte aber bald wieder bei Dunose -(Südostspitze Wights) ankern, da der leichte Nordostwind ganz einschlief; -hier stießen am 4. Juli noch einige englische und holländische Schiffe zu -ihm, ebenso während der nächsten Tage. Am 5. Juli 9 Uhr vormittags -meldete eine Fregatte das Nahen des Feindes. Herbert ging Anker auf und -formierte bei leichtem südlichem Winde die Gefechtslinie über -Backbord-Bug; bald sichteten sich die Flotten. Als nun aber die Stärke -der Franzosen erkannt war, beschloß der Kriegsrat der Verbündeten, einem -Gefecht auszuweichen, um die Flotte für eine Defensive unversehrt zu -erhalten. Dementsprechend wurde an die Königin in London berichtet und -nach Osten gesteuert; die Franzosen folgten. - - Herbert berichtete[234] (kurz gefaßt): Er habe zuerst beabsichtigt, ein - Gefecht anzunehmen, die Franzosen hätten jedoch nicht angegriffen, - obgleich sie zu Luward standen. (Vielleicht hielten sie zurück, weil - sie infolge des flauen Windes nicht in guter Ordnung waren, vielleicht - um auch erst die Stärke des Feindes kennen zu lernen; sie hatten - nämlich am 4. das Salutieren der zu Herbert gestoßenen Schiffe gehört.) - Als die Stärke des Gegners erkannt war, sei vorstehender Beschluß - gefaßt worden. Man habe dabei in Erwägung gezogen, daß man in einer - Schlacht die ganze Flotte und damit die Seeherrschaft aufs Spiel setze. - Es sei für richtiger erkannt worden, auszuweichen und bei günstiger - Gelegenheit zu versuchen, nach West zu steuern, um sich mit Killigrew, - Shovel sowie den Schiffen in Plymouth zu vereinigen und so dem Feinde - eher gewachsen zu sein, oder sich nach Osten, wenn nötig bis zur Themse - hinter die Gunfleet[235], zurückzuziehen, um von dort aus mit der - unversehrten Flotte den Feind im Schach zu halten und erst geeigneten - oder notwendigen Falles hervorzubrechen; auch hier könnten die - Streitkräfte im Westen über die Bänke trotz der Franzosen zur Flotte - stoßen. - - [234] Diese und noch folgende Auszüge aus Berichten Herberts und - Befehlen von London vgl. z. B. Colomb, Seite 115. - - [235] Gunfleet: Bänke östlich von der Themse von Foulness bis Harwich; - ein geeigneter, sicherer Ankerplatz für große Flotten. - - Herbert weist jetzt noch einmal auf seine im Winter vergeblich - geäußerten Bedenken und Ermahnungen hin; er bittet um Verstärkungen und - entsprechende Orders an die Schiffe im Westen. - -Flaue Winde hinderten an den nächsten Tagen ein Näherkommen der -verfolgenden Franzosen, um so mehr als die Engländer die -Stromverhältnisse besser kannten; beide Flotten mußten häufig ankern. Da -traf am 9. Juli abends ein =Befehl der Königin= ein, der Herbert =zum -Fechten= nötigte; in London war man über die Lage -- über die zu -wählende Strategie -- anderer Ansicht und man unterschätzte den Feind. - - Nottingham schrieb: Die Franzosen hätten nach sicherer Nachricht nur 60 - Linienschiffe, diese seien schlecht bemannt. Shovel und die Schiffe von - Plymouth seien bereits unterwegs; Killigrews Ankunft stände ganz nahe - bevor. Alle diese aber -- und mit ihnen Killigrews großer Convoi -- - seien sehr in Gefahr, wenn sich die Flotte nach Osten zurückzöge; die - Franzosen würden dadurch ferner imstande sein, ganz oder teilweise nach - Schottland zu gehen, wo dann ein großer Aufstand erfolgen könne. - - Die angeschlossene Order der Königin besagte, daß sie die Absicht, sich - bis zur Themse zurückzuziehen, durchaus mißbillige. Ein nach Westen - Gehen verbiete sie nicht, wenn es sich mit folgendem vereinigen ließe. - Vor allem sei nämlich die französische Flotte »nie« aus Sicht zu - lassen, damit sie nicht etwas gegen die Küsten oder gegen die Themse - unternehmen oder »überhaupt ohne Gefecht absegeln« könne (wohin? nach - Schottland oder nach Hause?), eher sei unter günstigen - Windverhältnissen (d. h. in der Luvstellung) zu schlagen. In welcher - Eile diese Befehle verfaßt wurden, zeigt die Tatsache, daß Nottingham - sich nicht einmal Zeit nahm, Konzepte oder Abschriften anzufertigen. - - Herbert antwortete sofort: Die Ansicht in London über Stärke und - Bemannung des Feindes sei nach seiner Beobachtung und seinen - Nachrichten falsch. Er hielte die Schiffe im Westen und die Küsten für - nicht gefährdet; er beabsichtige ja gerade, alle Unternehmungen des - Feindes zu hindern (durch seine »fleet in being«; dieser jetzt so oft - gebrauchte Ausdruck stammt von Herbert); wenn er aber geschlagen würde, - dann sei alles bedroht; im übrigen werde die Flotte auf den Befehl hin - ihre Pflicht tun. - -=Am 10. Juli= morgens bildete Herbert bei frischem Nordostwind etwa 10-12 -sm. südlich von =Beachy Head= die Schlachtlinie über Backbord-Bug und -hielt dann auf die in Lee stehenden Franzosen ab, die ihn über denselben -Bug backgebraßt erwarteten. - -=Stärke und Einteilung der Flotten= - - 100 K. 80-92 70-80 60-70 50-60 40-50 Brander - =Verbündete= 1) Vorhut 3) -- 2 4 8 7 1 4? - Mitte 1 4 10 4 2 1 4? - Nachhut 3) 1 2 7 1 2 -- 3? - ------------------------------------------------------- - Gesamt 2 8 21 13 11 2 11? 2) - - 57 Schiffe; 11 Brander; 3842 Kanonen; 23157 Mann - - =Franzosen= 1) 104-110 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 40-50 Brander - Vorhut 1 3 2 10 6 -- 6 - Mitte 1 4 1 14 5 -- 6 - Nachhut -- 5 3 8 6 1 6 - ----------------------------------------------------------- - Gesamt 2 12 6 32 17 1 18 - - 70 Schiffe; 18 Brander; 4624 Kanonen, 27-28000 Mann - - 1) Die verschiedenen Quellen weichen ab. Ich gebe hier die Verbündeten - nach de Jonge, Teil III, Beilage XI, ziemlich übereinstimmend mit - den englischen Quellen, die Franzosen nach Bonfils, Teil I. De Jonge - gibt für diese 6 Schiffe mehr an, Colomb 5 weniger: de Jonge, weil - er mehr 40-50 Kanonenschiffe zur Linie rechnet, Colomb - wahrscheinlich, weil Tourville sogar einige 50-60 Kanonenschiffe als - »zu schwach gebaut« nicht in die Linie nahm; Angaben über die - Schiffe außerhalb der Linie sind sonst nirgend vorhanden. - - 2) Die Brander der Verbündeten gibt Clowes als 4 + 8 + 8 = 20. - - 3) Die Vorhut der Verbündeten bestand aus Holländern; die Nachhut - geben französische Quellen als von beiden Nationen gemischt an, - Clowes und de Jonge erwähnen es nicht, nach den Namen der Schiffe - scheint es nicht der Fall. (Namen der Schiffe und Kommandanten im - Clowes für alle 3 Nationen; in Bonfils und Delarbre für die - Franzosen.) - -[Illustration: Schlacht bei Beachy Head, 10. Juli 1690.] - - =Die Flaggoffiziere nach Segelorder= der Geschwader und Divisionen. - - =Verbündete.= Vorhut: Vizeadmiral von Callenburgh, Leutnantadmiral - Cornelis Evertsen, Vizeadmiral v. d. Putte (zu jeder Division ein - Konteradmiral). - - Mitte: Vizeadmiral Sir John Ashby, =Admiral Herbert, Earl of - Torrington=, Kontreadmiral Rooke. - - Nachhut: Vizeadmiral Sir Ralph Delaval (Divisionschefs nicht - angegeben). - - =Franzosen.= Vorhut: Generalleutnant de Villette, Generalleutnant - Château-Renault, Chef d'Escadre de Langeron. - - Mitte: Chef d'E. de Nesmond, =Vizeadmiral der Levante Tourville= und 2 - Chefs d'E. als Vorder- und Hintermann, Generalleutnant d'Amfreville. - - Nachhut: Chef d'E. de Flacourt, Vizeadmiral des Atlantik d'Estrées - (seinem Vater im Dienstgrade gefolgt), Leutnantgeneral de Gabaret und 1 - Chef d'Escadre als Schlußschiff. - -$Die Schilderung der Schlacht bei Beachy Head$ ist in allen Quellen[236] -ziemlich klar, nahezu übereinstimmend, und kann sehr kurz gegeben werden. - - [236] Hier benutzt: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III, am - ausführlichsten, was die Holländer betrifft; Delarbre; Bonfils, - Teil I; Mahan, Teil I. - - Die verbündete Flotte hielt zugleich auf den Feind ab, Geschwader gegen - Geschwader. Die Vorhut, Evertsen, ging dicht heran, holte an den Wind - (9 Uhr vormittags), und es entspann sich ein blutiges Gefecht auf nahe - Entfernung mit wenig Fahrt (unter »Backen und Füllen«). Genau so - verfuhr die Nachhut, Delaval; sie stieß 9^{30} Uhr vorm. mit ihrem - Gegner zusammen. Herbert mit der Mitte steuerte nicht genau Schiff auf - Schiff auf den Feind, sondern zuerst etwas südlicher; dadurch entstand - eine Lücke zwischen ihm und seiner Vorhut. Die erste Division der - Mitte, Ashby, sah diese Lücke zu groß werden und versuchte sich der - Vorhut zu nähern, ihm folgten dann auch Herbert und Rooke. Die drei - Divisionen der Mitte sind infolge dieses Manövers, wenn auch in sich - gut geschlossen etwas voneinander getrennt; auch halten sie sich auf - weitere Entfernung vom Feinde, bis sie um 10 Uhr vormittags ins Gefecht - eingreifen. - - Im Kampfe der Nachhuten blieben sich die Aussichten etwa gleich; da - bald nach dem Zusammenstoß einige Schiffe der Franzosen aus dem Gefecht - holen mußten, wurde ihre Überlegenheit ziemlich ausgeglichen. - - Die Holländer aber kamen in eine üble Lage. Beim Heransegeln hatten - sie, wie gewöhnlich, mehr gelitten als ihre Gegner (vielleicht hatten - sie auch nicht genau Spitze auf Spitze getroffen); Château-Renault sah - dies, ließ seine erste Division (de Villette) vorsegeln, wenden und die - Holländer von Luward aus dublieren (1 Uhr nachmittags). Von der - französischen Mitte, die durch Herbert ja nicht scharf engagiert war - und die den Angriff Ashbys abgeschlagen hatte, kam die erste Division - (de Nesmond) von hinten auf und dublierte gleichfalls; so war die - Vorhut der Verbündeten fast ganz in die Mitte genommen und litt schwer. - Bald darauf versuchte dann auch Tourville selbst, mit seiner Division - hier einzugreifen; Herbert, der jetzt näher herankommen wollte, war - hierzu bei dem flauer gewordenen Winde zu weit ab. - - Die Holländer würden völlig vernichtet sein, wenn nicht der Zufall und - Evertsens Geschicklichkeit ihnen zu Hilfe gekommen wären. Um 3 Uhr - nachmittags wurde es nämlich still, Tourville mußte sich mit Booten - tauen; Evertsen aber benutzte die Stille, um sich aus der bedrängten - Lage zu befreien, er gab Befehl, mit stehenden Segeln zu ankern, als um - 5 Uhr nachmittags die Ebbe stark lief. Die ganze Flotte folgte dann - diesem Beispiel; die Franzosen bemerkten oder verstanden dieses Manöver - nicht sogleich. Als auch hier der Befehl zum Ankern gegeben wurde, - waren sie schon durch den Strom nach Lee (Südwest) aus Schußweite - getrieben; damit endete der Kampf. - - Die Franzosen geben ihren =Verlust= auf 500 Tote und Verwundete an. Der - der Verbündeten wird größer gewesen sein, besonders aber hatten die - Schiffe der Vorhut und Nachhut sehr gelitten; verschiedene der - Holländer waren ganz oder teilweise entmastet, andere mit allen Pumpen - kaum noch über Wasser zu halten, zwei holländische Kontreadmirale waren - gefallen. Zwar war nur ein holländisches Schiff, das nicht geankert - hatte und mit forttrieb, genommen worden (es sank später), aber der - Zustand der Schiffe -- nach de Jonge waren nur noch drei völlig - gefechtsfähig; »noch nie sei eine Flotte im ganzen so zugerichtet« -- - sollte in der Folge die Schlacht zu einer völligen Niederlage machen. - - Die =Gründe der Niederlage= liegen auf der Hand. Wie stets bei dieser - Art des Angriffs kam die Vorhut zuerst und allein ins Gefecht, hatte - die heftigste Wirkung des feindlichen Feuers auszuhalten und wurde - nicht rechtzeitig entlastet. Was bewog Herbert, der Vorhut nicht zu - folgen? Nach Hoste (»tactique navale«) hat Herbert die Absicht gehabt, - besonders die französische Nachhut anzugreifen und sie zu dublieren - (die französische Mitte soll zufällig oder mit Absicht etwas nach Lee - eingebogen zur Vorhut und Nachhut gestanden haben; dies soll dem - englischen Admiral den Gedanken eingegeben haben). Dann aber war es - falsch, zu diesem Zweck zwischen sich und seiner Vorhut eine Lücke - entstehen zu lassen und der Vorhut zu erlauben, auf ein ernstes - Nahgefecht einzugehen. Er hätte wie Ruyter bei Texel soviel Schiffe des - Feindes, von hinten gerechnet, angreifen müssen, wie er niederkämpfen - zu können glaubte. Die Vorhut mußte den Befehl haben, die vorderen - Feinde nur zu beschäftigen; die geringere Zahl ihrer Schiffe mußte - hierzu durch größere Abstände zwischen ihnen, nicht aber durch Lücken - zwischen den Geschwadern ausgeglichen werden. Wenn Herbert diese - Absicht gehabt hat, so muß er sie doch gleich wieder aufgegeben haben, - wohl weil er erkannte, daß Tourville imstande war, die englische - Nachhut zu dublieren; um dies stets hindern zu können, hielt er dann - vielleicht seine Mitte überhaupt zurück. Zu diesem Verfahren kann und - wird ihn aber auch -- trotz des Befehls der Königin -- seine uns - bekannte Ansicht über die Wichtigkeit der Erhaltung der Flotte bewogen - haben; wir kommen hierauf bei den Betrachtungen über Strategie (am - Schluß des Kapitels) nochmals zurück. - - Die Leistungen der Holländer in der Schlacht wurden von den Franzosen - und Engländern, von Wilhelm III. und der Königin besonders, anerkannt; - Herbert wurde in Haft genommen, zwar kriegsgerichtlich freigesprochen - aber nicht wieder verwendet. - -Die Schilderung zeigt uns die Niederlage der Verbündeten, der -=Hauptverlust= trat erst =nach der Schlacht= ein. Ein zusammengerufener -Kriegsrat sah ein, daß ein zweites Gefecht unmöglich sei, ja daß man -selbst nicht um zurückbleibende Schiffe kämpfen könne, sondern diese -zerstören müsse. Abends 9 Uhr mit Einsetzen der Flut trat man den Rückzug -nach Osten an, die schwerstbeschädigten Schiffe im Tau von Fregatten. Der -flaue Gegenwind zwang häufig während der Ebbe zu ankern, aber mit der -besseren Kenntnis der Stromverhältnisse entzog man sich immer mehr den -folgenden Franzosen. Tourville hatte zur Verfolgung erst etwas später -Anker gelichtet und segelte stets in Formation, anstatt eine allgemeine -Jagd anzuordnen; immerhin fiel ihm ein großer Teil der beschädigten -Schiffe zum Opfer. - - Im Laufe der nächsten Tage mußten zwei mastenlose Holländer verbrannt - werden; eins sank vor Anker. Vier setzten sich bei Rye auf den Strand: - drei verbrannten sich, nur eins wurde durch Geschicklichkeit und - Umsicht seines Kommandanten gerettet. Er ließ sein Schiff halb voll - laufen, brachte Kanonen am Lande in Stellung und schlug verschiedene - Branderangriffe ab. Auch ein englisches Schiff ging verloren. - -Sicher würde der Verlust größer gewesen sein, wenn Tourville seine -Galeren zur Stelle gehabt, und vor allem auch, wenn er anders verfahren -hätte. Einen geschlagenen und in voller Flucht zurückgehenden Feind soll -man mit Ungestüm verfolgen, auf die eigene Ordnung nur soweit Rücksicht -nehmen, als nötig ist, um den verfolgenden Schiffen die gegenseitige -Unterstützung zu sichern. - -=Warum nutzte Tourville die Verfolgung nicht besser aus=? Mahan sagt -(gekürzt): »Die Vorsicht bei der Verfolgung entsprang demselben -Charakterzuge Tourvilles, der ihn zwei Jahre später bei La Hogue seine -Flotte der fast sicheren Vernichtung entgegenführen ließ, bloß weil er -den Befehl seines Königs in der Tasche hatte, so verschieden auch beide -Handlungen zu sein scheinen. Er war tapfer genug, um alles zu tun, aber -nicht stark genug, um die schwersten Lasten zu tragen.« (Man denke an -Seignelays Ausspruch: »Poltron de tête, mais brave de coeur«.) »Er war -nach Beachy Head mit seinen Leistungen in der Schlacht zufrieden, aber -kein Nelson, der sagte: Wenn wir von elf Schiffen zehn genommen und das -elfte hätten entwischen lassen, während wir es nehmen konnten, so würde -ich dies niemals für ein gutes Tagewerk halten. Tourville war der -Vorgänger der geschickten aber vorsichtigen Taktiker der kommenden Zeit, -allerdings noch voll jener Lust zum Draufgehen, die für die Flottenführer -des 17. Jahrh. so bezeichnend ist.« - -Am 18. Juli gaben die Franzosen die Verfolgung ganz auf; die Verbündeten -ankerten am 20. bei Sheerness. Tourville ging, da auch viele seiner -Schiffe schwer beschädigt und knapp an Munition[237] waren, nach Havre; -es erregte dies das Mißfallen Seignelays, aber der Admiral war der -Ansicht, hier die Flotte schneller wieder gefechtsfähig machen zu können. -Nach erfolgter Wiederausrüstung unternahm =Tourville= nichts von -Bedeutung mehr, obgleich man wußte, daß die Verbündeten vor dem 10. -September nicht auslaufen würden. Auf Drängen Seignelays, der mit der -Leistung der Flotte nach dem großen Siege durchaus nicht zufrieden war, -ging er schon am 29. Juli, jetzt mit den Galeren, =wieder in See=, -richtete aber nichts aus. Er erschien vor Torbay, landete (5. August) -eine kleine Abteilung, verbrannte einige Häuser und kleine Fahrzeuge in -Teignmouth, wurde jedoch durch die aufgebotene Miliz bald zum -Wiedereinschiffen gezwungen, anstatt die gehoffte Unterstützung im Lande -zu finden. Er zeigte sich auch vor Plymouth, wo Killigrew mit seinem -Geschwader und dem Convoi (150-200 Schiffe) lag, hielt es aber nicht für -angebracht, den Hafen zu forcieren wie ihm befohlen; nach de Jonge hatten -sich dort die Kriegsschiffe in guter Verteidigungsstellung vermoort, -Forts und Batterien waren durch die Mannschaften der Kauffahrer -verstärkt. Ende August kehrte Tourville =nach Brest zurück=. - - [237] Munitionsmangel herrschte bei allen drei Nationen und wird - überall der schlechten Ausrüstung, nicht der Dauer der Aktion - zugeschrieben. - -So war die Schlacht bei =Beachy Head= zwar ein =großer Sieg= gewesen -- -der hervorragendste Einzelerfolg, den die Franzosen je über die Engländer -errungen --, =aber kein entscheidender= geworden, weil er weder taktisch -noch strategisch genügend ausgenutzt wurde. Die Flotte der Verbündeten -war zunächst völlig außer Gefecht gesetzt. Die Schiffe beider Nationen -besserten in England aus und erst am 26. September lag wieder eine -aktionsfähige Macht -- jetzt unter dem Befehl von =drei Joint-Admirals=: -Haddock, Killigrew, Ashby -- in Spithead; sie zählte gegen 50 -Linienschiffe, weil das Mittelmeergeschwader hinzugestoßen war. Also zehn -Wochen lang hatten die Franzosen unbestritten die Herrschaft im Kanal -- -auch in Holland fürchtete man eine Landung und bot die Bürgerwehren auf, -um die wichtigsten Küstenplätze zu besetzen --; sie nutzte ihnen nur -dadurch, daß ihre Freibeuter unbehindert den feindlichen Handel -schädigten. - -Für den =Landkrieg in Irland= war der Seesieg ohne jede Folge, hier war -fast an demselben Tage am Boyne die Lage zugunsten Wilhelms schon -entschieden. - - Jakob II. hatte sich unnütz mit der Belagerung von Städten (z. B. - Londonderry) aufgehalten. Nach Wilhelms Landung in Irland hatte ihm - Ludwig (dessen Flotte besser die Landung gehindert hätte) geraten, eine - entscheidende Schlacht zu vermeiden und sich an den Shannon, in einen - ihm völlig ergebenen Teil des Landes, vorläufig zurückzuziehen. Aber - =Jakob= wollte Dublin nicht aufgeben, um seiner Sache nicht moralisch - zu schaden; er nahm zur Deckung seiner Hauptstadt eine Stellung am - =Boyne= ein. Hier wurde er am 11. Juli =vollständig geschlagen= und - schiffte sich in Kingsale auf der erwähnten Flottille französischer - Fregatten, die eigentlich den St. Georgs-Kanal hätten bewachen sollen, - nach Frankreich ein. Er bestürmte nun den König, den Sieg von Beachy - Head zu benutzen und ihn mit einer größeren Armee in England landen zu - lassen. Ludwig aber, ungehalten über ihn, schlug dies ab und befahl - sogar, die französischen Truppen aus Irland zurückzuziehen. - -Inwieweit die Rücksicht auf die Trümmer der verbündeten Flotte als immer -noch einer »fleet in being« Tourvilles Lauheit im August hervorgerufen -hat, entzieht sich der Beurteilung; Herbert legte in seinem Prozeß großen -Wert auf diesen Umstand. Für die frühe Heimkehr der französischen Flotte -im August wurden als Gründe »der Zustand der Schiffe« und »die -herannahende schlechte Jahreszeit« angegeben; vielleicht hat auch die -augenblickliche Verstimmung Ludwigs gegen Jakob dazu beigetragen. Ende -September ging nur noch ein Teil der Flotte unter d'Amfreville nach -Irland hinüber und holte die französischen Truppen zurück. Die Flotte der -Verbündeten war noch nicht imstande, dies zu hindern. Am 30. September -erschien dann ein Teil mit 7000-8000 Mann unter Marlborough vor Cork. -Unter Mitwirkung leichter Schiffe ward diese Stadt genommen, 300 -Offiziere und 5000 Mann Jakobs wurden zur Kapitulation gezwungen, bald -darauf fiel auch Kingsale und damit die letzte Stadt Jakobs im Süden -Irlands. Ein anderer Teil der Flotte hatte den Handelsschutz gegen die -Freibeuter Dünkirchens übernommen; die unbedingte Seeherrschaft -Frankreichs war also zu Ende. - -Im Oktober legte man, wie üblich, mit Ausnahme der Wintergeschwader auf, -einige englische Schiffe blieben ferner in den irischen Gewässern. - -$Das Jahr 1691. Tourvilles Hochsee-Kreuztour.$ Für das Jahr 1691 rüsteten -beide Gegner mit Macht. Die Franzosen zogen wieder fast alle Streitkräfte -in Brest zusammen. Hier lag unter Tourville im Juni eine Flotte von 120 -Segeln, darunter wie im Vorjahre 70 Linienschiffe; im Mittelmeer fanden -nur etwa 12 Linienschiffe zur Unterstützung des Krieges gegen Spanien -Verwendung. Die Verbündeten entwickelten jetzt trotz oder gerade infolge -der Niederlage und der Verluste bei Beachy Head eine weit bedeutendere -Kraft als im Vorjahre; es kennzeichnet dies wohl im Gegensatz zu -Frankreich später den Unterschied zweier Marinen, von denen die eine eine -rein militärische Einrichtung ist, während die andere ihre Grundlage in -dem Charakter und der Beschäftigung des Volkes hat. Die Flotte der -Verbündeten bestand aus etwa 100 Linienschiffen mit Zubehör, darunter 39 -Holländer; daneben waren ein gemeinsames Geschwader von 11 Linienschiffen -nebst reichlich Fregatten gegen die Freibeuter Dünkirchens sowie -zahlreiche Convoischiffe (Holländer 20 zu 20-50 Kanonen) in Dienst -gestellt. Aber obgleich die Rüstungen frühzeitig beschlossen und eifrig -betrieben wurden, um den Franzosen zuvorzukommen, war die Flotte doch -erst wieder Anfang Juni in den Downs seeklar. - - In den Niederlanden war der Anstoß zu starker Rüstung wie stets von der - Provinz Holland ausgegangen. Die Gründe der Verzögerung waren die - alten: Geldmangel infolge des daniederliegenden Handels und Lässigkeit - der Landprovinzen; Personalmangel infolge der eigenen Freibeuterei, - besonders in Seeland. In England war immer noch der mangelhafte Zustand - der Verwaltung ein Hemmnis. - - So ist es in den Quellen zu lesen! Wenn man aber immer wieder bei - neueren Schriftstellern aller Völker die Klage über »verspätete« - Operationsbereitschaft liest, so drängt sich doch die Frage auf, ob - wirklich immer unbeabsichtigte »Verzögerungen« die Schuld trugen. Auch - in den Landkriegen begannen in jenen Zeiten die Operationen häufig erst - im späten Frühjahr, selbst noch im Siebenjährigen Kriege. - -Die Flotte stand unter dem Befehl des Admiral of the Fleet =Russell=, das -holländische Kontingent unter =de Almonde=; Tromp war zum Chef bestimmt, -starb aber am 29. Mai. Gegenwinde und »andere Umstände« -- wohl -hauptsächlich diese, d. h. Nichtbereitschaft -- hinderten das Auslaufen -bis zum 20. Juni, auch dann brauchte man zehn Tage, um bis Torbay -zukommen. - -So waren die =Franzosen zuerst in See=, aber mit ganz anderen Orders als -im Vorjahre. Der feurige und ehrgeizige Marineminister Seignelay, der -stets die schärfste Offensive gegen die feindlichen Seestreitkräfte im -Auge gehabt hatte, war gestorben; sein Nachfolger =Pontchartrin= war -anderer Ansicht. Er bestimmte die Flotte für den Schutz der eigenen -Küsten und für die Vernichtung des feindlichen Handels; demgemäß war der -Befehl, daß hauptsächlich ein im Juni im Kanal erwarteter großer Convoi -englischer und holländischer Levantefahrer abgefangen werden sollte. - - =Der Befehl=[238] =lautete= (gekürzt): Der englisch-holländische - Smyrnaconvoi, auf 30 Millionen Lire Wert geschätzt, am 7. Mai bei - Alicante gemeldet und Anfang Juni im Eingange des Kanals erwartet, ist - erstes Angriffsobjekt. »Der Fang dieses reichen Convois ist für den - König nützlicher als ein zweiter großer Seesieg. Auch andere Convois - können der Flotte in die Hände fallen, ohne etwas aufs Spiel zu - setzen.« - - [238] In Delarbre »Tourville«, Seite 349 ff., findet man den Befehl - (vom 20. Mai) sowie Berichte Tourvilles mit Vorstellungen - dagegen; aus diesem Schriftwechsel ist das geringe seemännische - Verständnis des Ministers zu ersehen. - - Die feindliche Kriegsflotte wird an Zahl stärker sein, aber der König - hält die seinige in jeder Hinsicht für besser. Dennoch ist der Feind - nicht zu suchen, sondern zu vermeiden. Zu schlagen ist nur, wenn man - auf wesentlich schwächere Kräfte trifft oder wenn der Feind gegen die - französischen Küsten operiert. Dieses letzte aber auch nur, wenn - westlich von La Hogue; wenn der Feind östlich im Kanal operiert, sind - erst Befehle einzuholen (vielleicht, weil dort keine Zufluchtshäfen - waren?). - - Wenn bis August nichts vorgefallen ist, wird der Feind viele Kranke - haben, dann soll offensiv vorgegangen werden; deshalb größte Sorgfalt - für Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes auf der eigenen Flotte. - Jedenfalls soll die Flotte bis zum 1. September in See bleiben und darf - bis dahin nur einige (angeführte) »Rheden« anlaufen, keinenfalls den - Hafen von Brest, falls nicht die Folgen einer Schlacht dies verlangen. - (Ist der letzte Teil des Befehls nicht ein Mißtrauensvotum für - Tourville?) - -=Tourville= wandte verschiedenes gegen den Befehl ein, so vor allem, daß -das Abfangen des Smyrnaconvois ein Kreuzen bei den Scillys verlange, die -Aufgabe, die Küsten unter allen Umständen zu sichern, aber ein Verlassen -der Küsten nicht erlaube. Er erhielt nur ausweichende Antworten und -scheint dann stets die zweite Aufgabe als die wichtigere angesehen zu -haben. Dementsprechend operierte er auf seiner sogenannten -»=Hochseekreuztour=«, durch die er den Feind fünfzig Tage lang -beschäftigte; diese »=Campagne du large=« lebt noch heute als eine der -glänzendsten strategischen und taktischen Leistungen in der französischen -Marine. - - =Tourville= lief am 25. Juni von Brest aus und kreuzte etwa 20-40 - Seemeilen westlich vor der Mitte der Linie Scillys-Ouessant; er - richtete einen vorzüglichen Aufklärungsdienst nach allen Seiten ein, - um sowohl nach dem erwarteten Convoi wie nach der feindlichen Flotte zu - spähen. =Russell= erfuhr dies Anfang Juli in Torbay und beeilte sich - auch, nach dem Eingang des Kanals zu kommen, um den Convoi aufzunehmen; - er kreuzte auf der genannten Linie, ohne vom Feinde Kundschaft zu - erhalten. - - Tourville bekam am 16. Juli (oder kurz vorher) Meldung, daß der Convoi - am 8. südlich von der französischen Flotte gestanden habe. Da aber seit - dem Tage südwestliche Winde mit unsichtigem Wetter geweht hatten und er - auch von der Anwesenheit Russells rechtzeitig unterrichtet war, nahm er - an, daß der Convoi bereits Irland erreicht habe und unter dem Schutz - der feindlichen Flotte stehe; er sah deshalb von einer ernstlichen - Verfolgung ab, zumal da er auch durch Stillen und Nebel behindert war. - Seine Annahme war richtig; der Convoi war am 16. in Kingsale - eingetroffen; Russell, der um diese Zeit gerade sein erfolgloses Suchen - eingestellt hatte und unter die irische Küste gegangen war, traf auf - ihn und führte ihn zunächst etwas den Kanal hinauf. - - Dagegen erfuhr Tourville von einem aufgegriffenen Kauffahrer, daß ein - englischer Transport von zwölf Schiffen nahe, mit Munition und andern - Bedarfsartikeln für Westindien, nur gedeckt durch zwei Kriegsschiffe; - oder es war ein etwa gleichstarker Convoi von Jamaica; die Quellen - weichen ab, doch ist dies wohl ohne Belang. Es gelang ihm während - Russells Abwesenheit, die zwei Kriegsschiffe und einige der Transporter - zu fangen; dann hielt er sich südlicher, zu Luward von Brest, etwa auf - dem 48. Breitengrade. Auch Russell kehrte auf seine alte - Beobachtungslinie zurück und suchte den Feind. Es begann nun ein Spiel, - das von dem französischen Admiral vorzüglich durchgeführt wurde. Die - Kreuzer Russells scheinen stets durch geschickte Manöver getäuscht zu - sein; nie wußte man genau, wo Tourville stand. Dieser jedoch war stets - unterrichtet, und so gelang es ihm, den Feind die ganze zweite Hälfte - des Juli und die erste Hälfte des August hinter sich herzuziehen -- auf - einem Seeraum vom 49. Breitengrade bis zu dem von Lorient und nach - Westen bis auf 120 sm. von Ouessant --, sich dabei stets die - Luvstellung und eine Entfernung von 15-30 sm. zwischen den beiden - Flotten wahrend. Am 14. August lief Tourville wieder in Brest ein, um - neu auszurüsten, und auch Russell ging auf die Kunde hiervon zu - gleichem Zweck nach Torbay. - -Es war also Tourville nicht gelungen, den reichen Smyrnaconvoi -wegzunehmen; nur ein Teil des englischen Transports nach Westindien und -einige wenige andere Kauffahrer fielen ihm in die Hände. Er hat aber -erreicht, daß die Verbündeten den ganzen Sommer über von ihrer Übermacht -keinen Gebrauch machen konnten. Auch zwang er sie, ihre Streitkräfte -zusammenzuhalten, und die französischen Freibeuter fanden so die See -frei. Wie stets zeichnete sich =Dünkirchen= im kleinen Kriege aus; das -gegen diesen Hafen aufgestellte Geschwader der Verbündeten war nicht -imstande, ein Auslaufen völlig zu hindern. Allerdings war der Verlust des -englischen Handels nicht so bedeutend, wie er in den nächsten Jahren -werden sollte, aber der holländische Nordseehandel litt schwer (auf den -kleinen Krieg und besonders auch diesen Umstand kommen wir noch zurück). -Endlich war der Verkehr zwischen Frankreich und Irland frei; verschiedene -Transporte gingen hinüber. - - Ludwig XIV. war von seinem in der ersten Verstimmung über Jakobs - Ungeschicklichkeit gefaßtem Beschlusse zurückgekommen und sandte 1691 - doch wieder Unterstützung nach Irland. Die vermehrten Anforderungen des - Festlandskrieges gestatteten ihm jedoch nicht, dies in ausreichendem - Maße zu tun. Im Laufe des Jahres =unterwarf Wilhelm III. die - ganze Insel= und im Anfang Oktober ergab sich der Rest der - irisch-französischen Truppen bei Limerik unter der Bedingung freien - Abzuges nach Frankreich. - -Die englisch-holländische Flotte ging am 7. September nochmals nach dem -Eingange des Kanals. Am 9. aber setzte ein schwerer Sturm ein und -versprengte sie völlig; 3 englische Linienschiffe gingen verloren, die -Mehrzahl der Schiffe erlitt schwere Beschädigungen und erst nach und nach -sammelte man sich wieder in Spithead. Bald darauf wurde mit der Abrüstung -begonnen, zunächst durch Außerdienststellung der schweren Schiffe. Ein -Geschwader von 24 Linienschiffen wurde für das Mittelmeer bestimmt, -jedoch vor Abgang festgehalten; ein anderes gleich starkes blieb bis Ende -November an der irischen Küste, ein Teil davon brachte dann einen Convoi -nach Gibraltar und führte Ostindienfahrer zurück. Im Dezember wurde sonst -bis auf ein kleines gemischtes Wintergeschwader allgemein aufgelegt. - -=Weshalb Tourville nicht wieder in See ging=, ist aus den Quellen nicht -recht zu ersehen. Allerdings war nach Auffüllung der Vorräte und nach -Ausführung der nötigen Ausbesserungen wohl fast der 1. September -herangekommen, der in seiner ersten Order als Schluß der Operationen -vorläufig angesetzt war; er erhielt jedoch keine neuen Befehle. Wir -wissen, daß 1691 auch der Landkrieg im allgemeinen lauer geführt wurde, -und französischerseits scheinen die Sommerfeldzüge zur See stets noch -kürzer, als so schon üblich, bemessen zu sein. Wiederum mußte er sich -darüber verantworten, daß er nicht genug getan habe, und er hatte doch -seinem Befehle entsprochen; freilich war ihm der Smyrnaconvoi entgangen --- aber doch hauptsächlich, weil dieser vom Wetter begünstigt -- und an -leitender Stelle hatte man gerade gehofft, hierdurch dem Gegner einen -schweren Schlag zu versetzen und die eigenen Kassen zu füllen. Sein -Einlaufen in Brest vor dem erlaubten Zeitpunkt begründete Tourville -damit, daß er dort die Flotte hätte schneller und sicherer wieder -schlagfertig machen können als auf Rhede. - -Von der französischen Atlantikflotte ging 1691 nur noch ein Geschwader im -November nach Irland, um die Trümmer der Armee, gemäß den -Kapitulationsbedingungen, und einige Tausend auswandernder Irländer nach -Frankreich zu holen. - -$Im Mittelmeer$[239] beteiligte sich während des Sommers $1691$ ein -Geschwader von 12 Linienschiffen, einigen Fregatten und Mörserbooten -sowie 26 Galeren unter d'=Estrées= an Catinats Belagerung von Villafranca -und bombardierte Oneglia; dann unternahm man Demonstrationen mit -Beschießungen gegen einige andere spanische Küstenstädte (Alicante und -Barcelona). Bei der letzteren Gelegenheit wurden die französischen -Seestreitkräfte durch ein überlegenes spanisches Geschwader -- 17 -Linienschiffe -- vertrieben, als Barcelona fast zur Zahlung einer -bedeutenden Kontribution gezwungen war; zum Zusammenstoß auf See kam es -jedoch hierbei nicht. - - [239] Etwas Genaueres hierüber in Troude, Teil I. - -$Das Jahr 1692. Schlacht bei Cap Barfleur-La Hogue.$ Im Frühjahr 1692 -wurde der Krieg, wie bereits erwähnt, überall wieder besonders heftig -aufgenommen. Wilhelm III. war in Holland eingetroffen und belebte die -Kriegführung auf seiten des Bundes; Ludwig griff energisch auf allen -Kriegstheatern des Kontinents an und plante daneben eine Invasion in -England -- einen letzten großen Versuch zugunsten Jakobs, der -gleichzeitig Wilhelm und dessen Truppen vom Festlande abziehen sollte. - -=Zum Einfall in England= wurde eine Armee von 20000 Mann -- nach den -neuesten französischen Quellen gar 30000 -- unter =König Jakob= und dem -=Marschall de Belfonds=, denen in der Person des Generalintendanten der -Justiz und Finanzen der Marine de Bonrepaus (ursprünglich Seeoffizier) -ein seemännisch-technischer Beirat gegeben war, an den Küsten des Kanals -zusammengezogen -- die Infanterie in der Nachbarschaft der Rhede von La -Hogue, in Caën und Cherbourg; die Kavallerie, die Munition usw. der -leichteren Einschiffung wegen in Havre -- und eine Transportflotte von -300 (neuere Angabe 500) Fahrzeugen gesammelt. Eine Flotte von 70 -Linienschiffen, in Brest, Rochefort und Toulon in Dienst gestellt, sollte -unter =Tourville= die Überführung der Truppen nach England gegen Ende -April sichern. - -=Ludwig rechnete= für den Erfolg der Expedition =mit folgenden -Umständen=: Daß seine Flotte der feindlichen an Kraft und Leistung -überlegen wäre; daß sie vor der Vereinigung der Seestreitkräfte Englands -und Hollands auftreten würde; daß man in England eine wesentliche -Unterstützung durch einen großen Aufstand der Jakobiten fände und daß im -besonderen ein großer Teil der englischen Flotte -- etwa die Hälfte -- -nicht gegen ihn fechten würde. In allen diesen Vermutungen täuschte er -sich; zunächst wurden seine =Rüstungen nicht rechtzeitig fertig= und der -Beginn der Operationen mußte verschoben werden. - - Die Befehle für die Rüstungen waren am 20. Februar erlassen, am 25. - April sollte die Flotte von Brest in See gehen und den Armeetransport - von La Hogue abholen; man hatte also nur zwei Monate ungünstiger - Jahreszeit, um die Flotte in Dienst zu stellen, in Brest zu vereinigen, - die Truppen und Transporter zu versammeln. - - Bei dem mangelhaften Zustande in der Verwaltung der Werften wurden die - Schiffe nicht rechtzeitig fertig. In Rochefort und Toulon waren sie - erst Anfang Mai seeklar; auch in Brest konnte eine größere Zahl der - Schiffe wegen Personalmangels nur nach und nach bemannt werden. Am 23. - April erging deshalb der Befehl an Tourville, die Abfahrt wenigstens - bis zum Eintreffen der Rochefort-Schiffe aufzuschieben. - -=Tourville lag Anfang Mai= mit nur erst 39 Linienschiffen segelfertig vor -Brest, die Ankunft von 5 Schiffen aus Rochefort stand bevor und von Brest -hoffte man noch Verstärkungen zu erhalten; so ging er am 12. in See. An -leitender Stelle glaubte man, daß die Gegner auch noch nicht fertig seien -und schätzte diese, selbst wenn vereinigt, nur auf 60 Schlachtschiffe; -man rechnete immer noch mit der Unzuverlässigkeit vieler englischer -Offiziere, mit der Spannung zwischen Engländern und Holländern, mit der -Überlegenheit der eigenen Flotte an Zahl und Güte der Schiffe. - - Wie sehr der König auf die Überlegenheit seiner Flotte baute, geht aus - dem Tenor seiner =Instruktion an Tourville=[240] vom 16. März hervor: - Der Admiral soll am 25. April mit den Schiffen, die bereit sind, in - See gehen; soll durch ein vorauszuschickendes Detachement gut segelnder - Schiffe die Transporter mit der Kavallerie nach La Hogue holen lassen; - er selbst soll auf dieser Rhede die Infanterie -- auch auf den - Kriegsschiffen -- einschiffen; soll nach England gehen, Ort der Landung - nach Angabe Jakobs, Bellefonds' und Bonrepaus'; soll nach der Landung - die Transporter zurücksenden und selbst zur Verfügung der Armee im - Kanal bleiben; soll die Seeherrschaft wahren. - - [240] Nach Delarbre »Tourville« im Auszuge; dieses Werk ist hier - besonders benutzt, vergleichend mit anderen französischen - Quellen, aber auch mit Clowes, Mahan, de Jonge. - - Er soll »unbedingt« am 25. April auslaufen, auch wenn er gehört, daß - der Feind stärker als er selbst in See sei, in diesem Falle nur nichts - detachieren. Trifft er den Gegner unterwegs, so soll er ihn »unter - allen Umständen« angreifen und vernichten oder in seine Häfen treiben; - liegt der Feind bei Wight, so soll er zu demselben Zweck dorthin gehen; - in beiden Fällen die Armee dann überführen. - - Kommt der Feind, wenn der Transport unterwegs oder schon in der Landung - begriffen ist, soll angegriffen und so hartnäckig gefochten werden, daß - die Landung doch ausgeführt werden kann, »es koste was es wolle.« - - Nur wenn der Gegner nach vollendeter Landung erschiene, darf der - Admiral einem Gefechte ausweichen, »falls der Feind mehr als 10 - Linienschiffe stärker sei«; hiervon habe er sich aber »persönlich, - nicht nur durch Aufklärungsschiffe«, zu vergewissern. - - Dieser Befehl ward noch verschärft durch den handschriftlichen Zusatz - des Königs: »Ich füge eigenhändig hinzu, daß dies mein strikt zu - befolgender Wille ist.« - -Aber auch =die Verbündeten= hatten =stark gerüstet= und waren infolge der -Verzögerung auf französischer Seite noch rechtzeitig fertig geworden. -Wilhelm III. war gleichfalls mit dem Gedanken einer Landung in Frankreich -umgegangen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diesem Plane waren -die Niederlande nicht geneigt, da sie fürchteten, daß dann englische -Truppen vom Festlande zurückgezogen würden; anderseits sahen sie ein, daß -eine England drohende Landung dieselbe Maßnahme nach sich ziehen müsse. -Sie waren deshalb bereit, ein starkes Kontingent zur gemeinsamen Flotte -zu stellen und beschlossen die frühzeitige Indienststellung von 48 -Linienschiffen mit reichlichem Zubehör. Die alten Gründe verzögerten -wieder die Ausrüstung; erst Anfang Mai gingen die ersten Schiffe nach dem -Sammelpunkt bei Rye, nach und nach folgten weitere, doch fehlten bei -Beginn der Operationen noch etwa 20 Linienschiffe, die erst nach der -großen Schlacht zur Flotte stießen. In England hatte man bei Portsmouth -zusammengezogen, was an Truppen aufzustellen war, und die Königin drückte -persönlich auf Beschleunigung der Indienststellung einer großen Zahl von -Schiffen. Auch hier hinderten die Verhältnisse wie im Vorjahre die -Ausrüstung; erst am 18. Mai trafen etwa 30 Linienschiffe bei Rye ein. So -kam es wohl, daß die Franzosen noch Mitte Mai immer nur mit 50-60 -Schiffen der Gegner rechneten; es waren aber noch zwei englische -Geschwader im Dienst und nahe bei der Hand. - - Diese kreuzten schon seit April unter Delaval und Carteret im Kanal zur - Beobachtung der französischen Küste bis La Hogue; eins war mit Convoi - aus dem Mittelmeer zurückgekehrt, das andere eigens zu diesem Zweck aus - den zuerst fertigen Schiffen zusammengestellt. - -Diese vereinigten sich am 23. Mai auf der Rhede von St. Helens mit der -Hauptflotte unter =Russell=, die dadurch 88 Linienschiffe über 50 Kanonen -stark wurde. Da man Tourvilles Auslaufen erfahren hatte, wurden sofort -Fregatten vorgeschickt und die Hauptflotte =ging= am 28. mittags =zur -französischen Küste hinüber=. Die Holländer sagen, Russell habe hierzu -erst Befehl von London einholen wollen, der holländische Chef =Almonde= -aber im Kriegsrate auf sofortigem Segeln bestanden; wenn dies richtig, so -ist es der Sache sehr dienlich gewesen. - -Die Franzosen traten somit weder überlegen noch überraschend auf. -=Tourville= war nach dem Inseegehen noch durch Westwinde unter der Küste -festgehalten, dann mußte er im Eingang des Kanals gegen steifen Nordost -aufkreuzen. Während dieser Zeit stießen zwar die 5 Schiffe von Rochefort -zu ihm, aber weitere Verstärkungen aus Brest und vor allem die Schiffe -aus Toulon kamen nicht. - -[Illustration: Edward Russell.] - - Von Toulon waren Anfang Mai 13 Linienschiffe unter d'Estrées - ausgelaufen. In der Straße von Gibraltar traf sie am 18. Mai ein - schwerer Sturm; 2 Schiffe strandeten bei Ceuta, die übrigen wurden - schwer beschädigt: erst im Juli erreichte das Geschwader Brest. - -Am 27. Mai endlich wurde der Wind günstig und =Tourville steuerte -kanalaufwärts=. Es war =zu seinem Verderben=; länger festgehalten, würde -ihn voraussichtlich noch rechtzeitig der Befehl erreicht haben, weiter -vor Brest zu kreuzen, bis d'Estrées und andere Verstärkungen eingetroffen -seien. (Dasselbe wäre möglicherweise der Fall gewesen, wenn die -Verbündeten gegen Almondes Rat nicht sofort gesegelt wären.) Ludwig, der -bei der Belagerung von Namur anwesend war, hatte sich Anfang Mai doch -überzeugt, daß alle seine Voraussetzungen für einen Erfolg in die Brüche -gegangen seien. Seine Flotte hatte nicht die beabsichtigte Stärke -erreicht; die Vereinigung der Gegner stand bevor; die Hoffnung auf den -Abfall englischer Offiziere war erschüttert. Infolgedessen wurden bald -Befehle gegeben, die den veränderten Verhältnissen Rechnung trugen (nach -Delarbre datiert vom 9. und 12. Mai). Sie erreichten Tourville nicht und -ebensowenig ein letzter, der ihm Kenntnis von Änderungen im -Operationsplan sowie von der nun schon erfolgten Vereinigung der Gegner -geben sollte und den Befehl des Zurückgehens wiederholte. Dieser letzte -Befehl wurde am 27. Mai durch 10 Schnellsegler von verschiedenen -Kanalhäfen aus abgesandt; die Fahrzeuge stießen, teilweise durch Nebel -behindert, nicht auf die Flotte. - - In England waren allerdings die Jakobiten eifrig am Werke gewesen. Es - sollen die Aufstellung verschiedener Regimenter für Jakob völlig - vorbereitet gewesen und hohe Personen, die bisher zu Oranien hielten, - für ersteren gewonnen oder doch unsicher gemacht sein. (Marlborough! - Russell!?) Ludwig war über alles dieses gut unterrichtet; freilich wird - gesagt, daß derartige Gerüchte teilweise auch von Gutgesinnten - ausgesprengt seien, um Ludwig zu täuschen. Doch selbst die Königin - hegte Befürchtungen; sie schrieb diese an Russell mit dem Hinzufügen, - sie könne sich nicht denken, daß die Flotte ihre Pflicht vergäße. - Daraufhin aber traten am 25. Mai die Flagg- und Stabsoffiziere zusammen - und unterzeichneten eine Ergebenheitsadresse (Russell war abwesend - durch Zufall oder mit Absicht? Seine politische Zuverlässigkeit wird - von mehreren Autoren angezweifelt). Auch dies kam sofort zu Ludwigs - Kenntnis. Schon früher war das Triumvirat der Führer in La Hogue durch - die Verzögerung der Expedition unsicher geworden und hatte den - Operationsplan geändert; wir brauchen nicht darauf einzugehen, da die - Beschlüsse nie zur Ausführung kamen (Näheres vgl. Delarbre). - Bemerkenswert ist nur, daß auch in diesen, vom König genehmigten - Beschlüssen immer noch eine Unterschätzung des Feindes (65 Schiffe) und - eine Überschätzung der eigenen Kraft (augenblicklich 52, nach Ankommen - der Verstärkungen 70 Schiffe) zu ersehen ist. - -Am 29. Mai, zwischen 3 und 4 Uhr morgens, =sichteten sich die Gegner= -einige Seemeilen =nördlich vom Cap Barfleur=; es wehte leichter Südost -und war diesig; die Franzosen standen zu Luward. Beide Flotten formierten -die Gefechtslinie über Backbord-Bug und Tourville führte dann die seinige -zum Angriff heran, Geschwader gegen Geschwader und Flaggschiff gegen -Flaggschiff. - -Die Stärke der Flotten.[241] - - Schiffe von 90-b. üb. 100 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 26-46 4) - - {Vorhut 1)) 5 3 5 8 5 8 - Verbündete {Mitte 8 2) 2 11 3 6 6 - {Nachhut 8 3) 1 13 4 6 - --------------------------------------- - 21 6 29 15 17 20 - - - Schiffe kleinere Brander - - {Vorhut 1)) 10 7 - Verbündete {Mitte ? 12 - {Nachhut ? 11 - ----------------- - ? 30 - - 88 Linienschiffe über 50 K.; 30 Brander; 6756 Geschütze; 38-39000 Mann. - - Schiffe von 90-b. üb. 100 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 26-46 4) - - {Vorhut 2 1 2 10 -- - Franzosen {Mitte 3 3 2 4 - {Nachhut 1 1 4 5 3 - -------------------------------------------- - 6(9) 5)) 5(6) 8(8) 19(16) 7(5) - - Schiffe kleinere Brander - - {Vorhut } - Franzosen {Mitte ? } 13 - {Nachhut } - ----------------- - 13 - - 45(44) Linienschiffe über 50 K.; 13 Brander; 3083(3248) Geschütze; - (21400) Mann. - - 1) Vorhut der Verbündeten das holländische Kontingent. - - 2) Darunter 5 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen. - - 3) Darunter 1 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen. - - Es ist bemerkenswert, daß in allen Quellen die englischen Schiffe - gleichstark armiert angegeben werden: zu 100, 90, 80, 70 usw. Kanonen; - also scheinbar sehr gleichmäßig. - - 4) Nicht in der Linie; vielleicht nur bei den Holländern einige über - 40 Kanonen. - - 5) Die eingeklammerten Zahlen nach de Jonge; die Hauptzahlen nach - Troude. - - [241] Nach de Jonge, Teil III, Beilage XV; Clowes, Teil II; Troude, - Teil I; Bonfils, Teil I; Delarbre. Mit Ausnahme de Jonges geben - diese Quellen die Namen der Schiffe und der Kommandanten. - - =Die Flaggoffiziere=: - - =Verbündete= I. Division II. Division III. Division - - Vorhut: V.-Adm. Callenburgh Lt.-Adm. v. Almonde V.-Adm. - v. d. Putte - (1. Kontreadm.) (1. Kontreadm.) (1. Kontreadm.) - Mitte: V.-Adm. Sir R. Delaval =Adm. Russell= K.-Adm. - Sir C. Shovel - Nachhut: V.-Adm. Rooke Adm. Sir J. Ashby K.-Adm. Carteret - - =Franzosen= - Vorhut: Chef d'Esc. de Nesmond Lt.-Gen. d'Amfreville Chef d'Esc. - de Relingue - - Mitte: Lt.-Gen. de Villette V.-Adm. =Tourville= " - de Langeron - - Nachhut: Chef d'Esc. de Coëtlogon Lt.-Gen. de Gabaret " - Pannetier - -Die Verbündeten waren also mindestens doppelt so stark als die Franzosen. -Sie waren erstaunt über den Angriff; viele Offiziere, namentlich -holländische, sollen in dem Augenblick der Ansicht gewesen sein, -Tourville müsse begründete Überzeugung haben, daß ein Teil der englischen -Schiffe zu ihm übergehen würde. Nach Bonfils fragte Almonde bei Delaval -an, ob er sich auf die Engländer verlassen könne; dieser antwortete: »Ich -weiß nicht, worauf sich der Verdacht gründet, kann aber für mich -einstehen.« - -Es ist von älteren und neueren Autoren viel darüber geschrieben =weshalb -Tourville= unter solchen Umständen =den Kampf suchte=, den er doch bei -seiner Luvstellung vermeiden konnte. Alle Auslassungen hierüber abwägend, -muß ich mich der Ansicht anschließen, die immer die meistverbreitete -gewesen ist: Tourville hat blindlings nach der ersten, der einzigen ihm -zugegangenen, Instruktion gehandelt, und zwar nach folgendem Satze in -dieser[242]: »En cas qu'il (der Admiral) les (die Feinde) rencontre à la -Hogue (auf dem Wege, den Transport abzuholen), Sa Majesté veut, qu'il les -combatte en quelque nombre qu'ils soient, qu'il les poursuive jusque dans -leurs ports usw.« - - [242] Delarbre »Tourville«, Seite 197. - -Er wurde darin bestärkt dadurch, daß er die Zahl der Feinde -unterschätzte, daß er glaubte, nur auf die englische oder nur auf die -holländische Flotte gestoßen zu sein -- er konnte die Stärke bis dicht -vor dem Zusammenstoß nicht feststellen, da es neblig war -- und daß er -mit der Unzuverlässigkeit eines Teils der Engländer rechnete. Von allen -Veränderungen in der Lage der Dinge hatte er ja keine Nachricht; dagegen -zog er aber auch nicht in Erwägung, daß der ihm gegebene Befehl mit 70, -ja selbst ohne das Mittelmeergeschwader doch mit nahe an 60 französischen -Linienschiffen gerechnet hatte. Er fürchtete vielleicht auch, daß ein -Ausweichen niederdrückend für den Geist auf der eigenen, aufmunternd für -den auf der anderen Seite sein würde. Als sicher aber kann man annehmen, -daß seine eigene Gemütsverfassung eine große Rolle bei dem Entschlusse -gespielt hat: Sein vorsichtiges Verhalten 1690 und 1691 war von leitender -Stelle herb beurteilt. Als er in diesem Jahre Bedenken in Hinsicht auf -seine Instruktion geäußert hatte, da die Zeit unbenutzt verfloß und seine -Flotte so schwach blieb, ergingen ähnliche kränkende Antworten; so -schrieb Pontchartrin[243] z. B.: »Es ist Ihre Pflicht zu gehorchen, -nicht die Befehle zu diskutieren, sonst wird man einen gehorsameren und -»weniger behutsamen(!)« Mann finden.« Er wußte, daß man dem König nahe -gelegt hatte, ihm (Tourville) fehle der Mut -- man denke an den -eigenhändigen Zusatz des Königs unter der Instruktion --; so glaubte er, -es seiner Ehre schuldig zu sein, dem Befehle dem Wortlaute gemäß und ohne -weitere Überlegung nachzukommen. Persönlich mutig war er, doch hatte ja -schon Seignelay von ihm gesagt, er wage nicht, große Verantwortung zu -übernehmen (Poltron de tête); eine solche Verantwortung war hier, von dem -Buchstaben des Befehls abzuweichen. - - [243] Chab.-Arnault, Seite 94. - - Im Mahan, Teil I, Seite 184 steht -- allerdings nur in einer Anmerkung - --, daß nach einem neueren französischen Schriftsteller de Crisenoy die - Instruktion, wenn auch für gewisse Verhältnisse bindend, Tourville doch - nicht gezwungen hätte, unter solchen Umständen wie am 29. Mai zu - fechten (Clowes deutet Ähnliches an). Meines Wissens ist die Schrift - Crisenoys nicht neuer als die Biographie Tourvilles von Delarbre, und - dieser gibt nur die früher im Auszuge gebrachte Instruktion, nach der - ein Ausweichen allein »unter bestimmten Umständen nach erfolgreicher - Landung« erlaubt war. - - In Betreff eines anderen Punktes scheint Crisenoy recht zu haben. Die - meisten bisherigen Schilderungen sagen nämlich, vor der Schlacht habe - Tourville seine Admirale zusammengerufen und gefragt, ob man fechten - dürfe. Als alle dieses verneinten, habe er die Order des Königs gezeigt - und nun hätten alle mit »Vive le roi« (die Szene wird sehr dramatisch - geschildert) dem Entschlusse Tourvilles zugestimmt. Crisenoy verweist - diesen ganzen Kriegsrat in das Gebiet der Fabel und auch Delarbre sagt - nach den Memoiren Bonrepaus': Tourville griff an wie ein Rasender, - »ohne einen Kriegsrat zu versammeln, wie es doch bei solchen - Gelegenheiten der Brauch ist.« - -In der $Schilderung der Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692$, weichen -die Quellen sehr voneinander ab. Englische geben meist nur den Anfang, -später einige Momente; sie sagen, ein Festlegen des Verlaufes sonst sei -schon zu jenen Zeiten des diesigen Wetters, zuweilen völligen Nebels -wegen nicht möglich gewesen; es wird dies seine Richtigkeit haben. Die -genaueste Schilderung fand ich im Delarbre (nach »Sue«); ich gebe -diese,[244] da sich die Angaben der anderen im allgemeinen damit wohl in -Übereinstimmung bringen lassen. Sues Schilderung mag gefärbt sein, aber -auch aus den übrigen ist zu ersehen, daß sich die Franzosen ausgezeichnet -geschlagen haben und von allen ihren Führern gut geleitet sind; sie -hätten sich sonst auch nicht so aus ihrer verzweifelten Lage ziehen -können, wie sie es taten. - - [244] Zusätze nach anderen Quellen gebe ich in [--], besonders nach - Clowes und de Jonge, weitere Hauptquellen sind Bonfils; Troude. - Kurz in Mahan, Teil I. - - [Russell lag die Nacht vom 28. auf 29. Mai über Backbord-Bug, Kurs - Südsüdost, nach der französischen Küste zu; Wind Südwest, nebelig. Um 3 - Uhr früh hörte man Schüsse der Vorposten im Westen, bald meldeten zwei - das Nahen des Feindes.] Mit Sonnenaufgang sichteten sich die Gegner auf - etwa 21 Seemeilen. Tourville konnte die Zahl der Feinde nicht genau - feststellen, setzte seinen Kurs mit raumen Winde fort und entschloß - sich, auch als er den Feind zählen konnte, doch zum Angriff. Russell - erwartete ihn beigedreht. Da es flau war, ging die Annäherung nur - langsam vor sich; beide Gegner benutzten die Zeit zum Ausrichten, so - daß vor dem Zusammenstoß die Gefechtslinien recht gut formiert waren, - soweit es auf französischer Seite der Angriff und auf - englisch-holländischer Seite der flaue Wind gestatteten. - - Der Angriff war im allgemeinen, wie üblich, Geschwader auf Geschwader - angesetzt, wurde aber nicht genau so durchgeführt. Tourville steuerte - direkt auf Russell zu und somit Mitte auf Mitte beider Gefechtslinien. - Die erste Division der Vorhut (Nesmond) aber segelte auf die vordersten - Schiffe der feindlichen Vorhut (Callenburgh) zu, um zu verhindern, daß - diese bei der bedeutend längeren Linie der Verbündeten ohne Gegner - blieben und imstande wären, die französische Spitze zu dublieren. [In - der Tat hatten die Holländer den Befehl, dieses sofort anzustreben.] - Dadurch entstand eine Lücke zwischen der I. Division (Nesmond) und der - II. (d'Amfreville), namentlich aber auch eine solche zwischen der III. - der Vorhut (Relingue) und der I. der Mitte (de Villette), und es war - die Gefahr vorhanden, daß die III. Division der Holländer (v. d. Putte) - bei näherem Herangehen ohne Gegner bleiben, durch diese Lücke - durchbrechen und die französische Vorhut von achtern oder die - französische Mitte von vorn dublieren würde; standen in den - Gesamtvorhuten doch nur 15 (14?) Schiffe der Franzosen, 26 der - Holländer gegenüber. D'Amfreville hielt sich deshalb sehr richtig mit - seiner II. und III. Division weiter ab, um einem solchen Manöver stets - von Luward her entgegentreten zu können. [Er erweiterte auch die - Abstände zwischen den einzelnen Schiffen, um seine Linie zu - verlängern.] Von der französischen Nachhut war die III. Division - (Pannetier) -- wie so oft bei dieser Art Angriff, der ja stets etwas - schräg angesetzt werden muß -- zurückgeblieben und konnte dies trotz - Segelpressen nicht mehr ausgleichen. Die I. (Coëtlogon) und II. - (Gabaret) ihrer Divisionen hielten sich aber aufgeschlossen hinter der - III. Division der Mitte; so kam es, daß der größere Teil der - englisch-holländischen Nachhut keine Gegner erhielt -- standen doch - auch in den Mitten nur 16 Franzosen 30 Engländern gegenüber. - -[Illustration: Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692.] - - Ungefähr um 10^{30} Uhr vormittags gingen die I. Division der Vorhut, - die Mitte und die I. und II. der Nachhut quer ab vom Feinde an den - Wind; kein Schuß war bisher gefallen, jetzt schoß ein Holländer, und - sofort entbrannte der allgemeine Kampf. - - Die französische Vorhut löste ihre Aufgabe vollkommen, allerdings auch - durch die Windverhältnisse begünstigt. Sie hinderte sowohl das - Dublieren von vorn wie das Durchbrechen vor der Mitte. Ihre I. Division - hielt die feindliche Spitze im Schach; die übrigen Holländer versuchten - zwar näher an ihre sich hoch am Winde haltenden Gegner heranzukommen, - wurden aber durch die Flaute daran gehindert. [So kam nur ihre I. - Division in heftiges Feuer, die II. (Almonde) nur auf weitere - Entfernung, die III. (v. d. Putte) soll keinen Schuß abgegeben oder - erhalten haben.] - - Tourville war mit seinen drei Divisionen der Mitte auf 3/4 - Musketenschußweite (Pistolenschuß) herangegangen. [Die beiden ersten - Divisionen der Nachhut scheinen sich auch ähnlich wie d'Amfreville - richtigerweise etwas weiter abgehalten zu haben, um ein Dubliertwerden - von achtern zu erschweren.] Der Kampf der Mitten war der heftigste, - standen doch fast jedem Franzosen zwei Gegner gegenüber; Tourville - (»Soleil Royal« 104) focht mit Russell (»Britannia« 100) und dessen - Vorder- und Hintermann (je 100). Es scheint hier jetzt schon die Melee - teilweise eingetreten zu sein, da es ganz still wurde und die Gegner - durcheinander trieben. [Nach etwa zwei Stunden versucht »Soleil Royal« - sich durch Boote nach Westen abschleppen zu lassen, Russell folgt; - »Soleil Royal« findet Unterstützung durch Schiffe Coëtlogons.] - - Um 2 Uhr nachmittags kam etwas Nordwestwind auf. Diesen benutzten die - nicht angegriffenen Schiffe der englischen Nachhut -- etwa 25 --, die - bisher infolge der Stille auch ihrerseits nicht imstande gewesen waren, - einzugreifen, um hinter der II. Division der französischen Nachhut - vorzubrechen. Sie gingen aber nicht zu Luward der kämpfenden Linie, um - die Franzosen von achtern zu dublieren, was ihnen möglich gewesen wäre, - sondern sie versuchten, an die noch immer zurückstehende Division - Pannetier heranzukommen. Es gelang nicht, da Pannetier geschickt - steuerte; er zog sie absichtlich hinter sich her, so daß diese 25 - Schiffe bis 7 Uhr nachmittags weiter nutzlos blieben. - - In der Schilderung tritt nun eine Pause ein. [Um 3 Uhr nachmittags - dichter Nebel und wieder still; allgemeine Unordnung, nur durch Zufall - treffen sich die durcheinander treibenden Schiffe; um 5 Uhr nachmittags - wird es klarer und etwas Wind aus Ost; man sieht die Franzosen westlich - steuern, teilweise durch Boote geschleppt. Russell gibt Signal zum - Folgen, kurze Zeit neuer Kampf.] Auch die Zeitangaben schwanken; - Delarbre fährt erst mit 7 Uhr nachmittags fort. Um diese Zeit - erscheinen einige der englischen Schiffe, die Pannetier gefolgt waren, - zu Luward der Franzosen und ankern hier. Tourville in großer Bedrängnis - wird wieder von Coëtlogon unterstützt, auch Gabaret kommt heran; also - völlige Melee der Mitten und der Nachhuten. Jetzt etwa setzte die Flut - ein; Tourville ließ ankern, wie es die zu Luward angekommenen Engländer - getan hatten. Auch die französische Vorhut ankerte; sie hatte bis dahin - ihre Stellung gegen die Holländer gehalten und hielt sie so weiter, - jedoch jetzt ohne Kampf. Die englischen Schiffe in Lee der Franzosen - (Russell usw.) ankerten zu spät, so daß sie außer Schußweite trieben. - Dennoch kam Tourville nochmals in arge Bedrängnis, als es um 8.^{30} - Uhr abends wieder aufklärte und der Kampf -- zu Anker und durcheinander - treibend -- nochmals bei Mondschein entbrannte. Auch Shovel war es - geglückt, mit einigen seiner Schiffe zu Luward zu kommen. Er schickte - fünf Brander gegen Tourville, die nur mit Mühe abgeschlagen wurden - (zwei durch Boote; einmal kappte Tourville). Sonst aber waren die zu - Luward stehenden Engländer jetzt im Nachteil, da der Feind in Lee nicht - mehr bedrängt wurde; aus Furcht, bei aufkommendem Winde gefährdet zu - sein, kappten sie und ließen sich durch die Feinde zur eigenen Flotte - treiben, wobei sie enfilierend arg beschossen wurden. Zwischen 9 und 10 - Uhr abends wurde es wieder ganz dick und die Schacht war beendet. - [Englische und holländische Quellen erwähnen ein Ankern während des - Kampfes nicht; sie sagen, beide Flotten ankerten bei dem letzten Nebel - und die Schiffe zu Luward ließen sich dann durchtreiben; doch heben - alle französischen Berichte, die unmittelbar nach der Schlacht - aufgesetzt sind, gerade das Ankern hervor.] - -In dem zehnstündigen Kampfe gegen die ungeheure Übermacht verloren die -Franzosen kein Schiff, keines war völlig außer Gefecht gesetzt; die -Verbündeten sollen, nach Aussage französischer Offiziere, zwei Schiffe -verloren haben, jedenfalls verbrauchten sie mehrere Brander ohne Erfolg. -Keiner der französischen Führer hat einen wesentlichen Fehler gemacht, -tüchtig haben sie sich gegenseitig unterstützt; die richtige Verwendung -der Vorhut hinderte ein Dublieren von vorn; auf seiten der Verbündeten -muß man doch wohl das Verfolgen Pannetiers als Fehler bezeichnen. - - Clowes, also ein englisches Urteil, sagt: »Russell verdient Anerkennung - für das rechtzeitige Zusammenziehen der Flotte; in der Schlacht und in - der Verfolgung konnte er kaum weniger leisten. Er gewann einen - wichtigen aber keinen glorreichen Sieg. Tourville verlor nur wenig von - seinem Ruf; Russell gewann nicht mehr.« - - Auch Ludwig erkannte Tourvilles Verdienst an, indem er sagte: »Ein - Glück, daß Tourville gerettet ist; Schiffe lassen sich wieder bauen.« - Er ernannte ihn zehn Monate nach der Schlacht zum Marschall; wohl ein - Beweis, daß der Admiral nach seinem Sinne gehandelt hatte. - -Die Schlacht bleibt eine glorreiche Tat für Tourville und die -französische Marine, wenn auch ihre unmittelbaren Folgen verhängnisvoll -wurden. - -$Die Vernichtung vieler Schiffe bei La Hogue und Cherbourg.$ Am 30. Mai 1 -Uhr vormittags kam leichter Ostnordost auf. =Tourville= gab Befehl zum -Ankerlichten und die Schiffe sammelten sich bei dem nächsten -Geschwaderchef: bei Tourville 8, bei Villette 15, bei d'Amfreville 12. Um -7 Uhr nachmittags vereinigten sich die Admirale, nun also 35 -Linienschiffe stark; von den fehlenden 9 waren 6 unter Nesmond nach La -Hogue und 3 unter Gabaret nach der Küste Englands gegangen; diese drei -erreichten wohlbehalten Brest. - -=Russell= hatte mit Einsetzen der Ebbe gleichfalls Anker gelichtet und -allgemeine Verfolgung befohlen. Am 30. Mai blieben sich die Flotten in -Sicht -- ankerten während der Flut --, kamen aber nicht auf -Gefechtsdistanz, sondern blieben etwa 3 Seemeilen auseinander. -=Tourville= bemerkte jedoch, daß die Verbündeten nach und nach aufkamen, -er beschloß deshalb, von dem Rückzuge nach Brest zunächst abzusehen und -die bessere Kenntnis der Strom- und Küstenverhältnisse zu benutzen, um -sich dem Gegner zu entziehen. Er wollte =durch den Blanchard-Kanal= -- -zwischen dem Festlande und den Inseln d'Aurigny (Aldernay) und Jersey -- -unter die Küste der Normandie laufen und nahm an, daß die Verbündeten die -schwierige Passage scheuen würden, der starke Strom, der in diesem Kanal -läuft, würde ihm dann schnell einen großen Vorsprung gegeben haben. Aber -er beging einen großen Fehler dabei. Sein Flaggschiff »Soleil Royal«, das -er für seine Person verlassen hatte, und zwei andere große Schiffe waren -schwer beschädigt; sie hielten die Flotte auf und der Admiral wagte -nicht, die Verantwortung zu übernehmen, jene allein einen Zufluchtsort -aufsuchen zu lassen. Infolge des Wartens auf sie stimmten beim Einlaufen -in den Kanal (31. Mai, morgens) die Stromverhältnisse nicht mehr; zwar -gelang es 12 Schiffen noch mit der Ebbe den Kanal zu passieren, aber 13 --- unter ihnen der »l'Ambitieux«, auf dem sich Tourville jetzt befand -- -waren genötigt, beim Einsetzen der Flut im Kanal zu ankern. Die Lotsen -wählten einen ungünstigen Platz; die Anker hielten nicht oder die Taue -brachen; da im Gefecht verschiedentlich gekappt war, besaßen manche -Schiffe nur noch ungenügendes Ankergeschirr. Der Admiral mußte mit den 13 -Schiffen zurückgehen und beschloß nun, auf der Rhede von La Hogue, wo -einige Batterien aufgeworfen waren, möglichst dicht unter Land Schutz zu -suchen; auf dem Wege dahin schickte er jetzt die 3 beschädigten Schiffe -in den Hafen von Cherbourg, den sie auch erreichten. Er ankerte am 31. -abends auf der Rhede und fand hier 2 Schiffe de Nesmonds vor; die 4 -anderen Schiffe dieses Admirals waren soeben kanalaufwärts gesegelt und -gelangten um Schottland herum glücklich nach Brest. - -=Russell= war tatsächlich vor dem Blanchard-Kanal geblieben. Er sandte -nun Ashby mit der Nachhut und einigen Holländern westlich um die -Kanalinseln herum zur Verfolgung der Schiffe, denen die Durchfahrt -geglückt war, doch entkamen sie unbelästigt nach St. Malo; er selbst -folgte Tourville, schickte Delaval nach Cherbourg, und es gelang, die 12 -Schiffe vor La Hogue (unter den Augen Jakobs) und die 3 in Cherbourg zu -vernichten.[245] - - [245] In Delarbre »Tourville« findet man die genauen englischen, - holländischen und französischen Berichte. - - =Delaval= griff am 31. die 3 Schiffe vor =Cherbourg=, damals noch ohne - Wellenbrecher und ohne Hafen, mit kleineren Linienschiffen und Brandern - an, wurde aber durch heftiges Feuer abgeschlagen. Am 1. Juni gelang es, - gedeckt durch Feuer der Linienschiffe mit Booten 2 Brander - heranzubringen; ein dritter wurde durch das feindliche Feuer zu früh - entzündet, doch steckten die begleitenden Boote auch das dritte Schiff - in Brand. - - =Tourville= war auf der Rhede von =La Hogue= mit Jakob und den Führern - des Heeres in Verbindung getreten; man hatte beschlossen, die - Kriegsschiffe auf das äußerste zu verteidigen, sowie möglichst - Mannschaften, Material und Munition zu retten. Die Schiffe wurden bei - Flut mit Leinen von Land in der Nähe zweier Forts möglichst hoch auf - den Strand geholt und man begann mit Löschen von Material usw. Um sie - gegen Brander- und Bootsangriffe besser schützen zu können, wurden alle - ihre Boote sowie Fahrzeuge von Land mit Matrosen besetzt, am Lande - Batterien gebaut und die Truppen zusammengezogen. Aber die Zeit war nur - kurz, große Unordnung herrschte, einheitliche Leitung fehlte; nach - einem hochgestellten Augenzeugen soll Tourville den Kopf verloren - haben. Russell beauftragte =Rooke= mit dem Angriff. Am 2. Juni - versuchte dieser auch hier, mit leichteren Linienschiffen Brander an - eine Gruppe von 6 Schiffen heranzuführen; es mißlang, da das Wasser zu - flach war; auch ein Versuch, die Brander mit Booten heranzuschleppen, - blieb fruchtlos. Darauf wurden bei Eintritt der Nacht gegen 200 Boote - armiert, die feindlichen Boote zurückgeschlagen, die Schiffe geentert - und angezündet; in den Bootskampf auf seichtem Wasser sollen selbst - französische Reiter eingegriffen haben. Am 3. vormittags wurde, - wiederum mit Booten, die andere Gruppe von Schiffen unter dem zweiten - Fort vernichtet, auch einige Transporter fielen zum Opfer. Noch im - Jahre 1833 waren die Spanten der vernichteten Schiffe zu sehen; bei - niedrigem Wasser sind damals verschiedene Überreste geborgen und ins - Pariser Marinemuseum geschafft worden. - -Der Verlust dieser 15 Linienschiffe, worunter viele der stärksten, war -aber kaum die wichtigste Folge der Schlacht: er wäre bei der großen Zahl -der vorhandenen Schiffe zu ertragen gewesen und wurde auch zum großen -Teil durch Neubau ersetzt. Der Eindruck, den die Niederlage auf die an -Ludwigs Erfolge gewöhnte öffentliche Meinung und auch an leitender Stelle -hervorbrachte, war bedeutsamer. Eine volkstümliche Waffe war die Marine -in Frankreich noch nicht geworden, und wir haben schon gehört, daß -Pontchartrin und andere nicht viel von ihr hielten. Jetzt drang die -Ansicht dieser Personen, den Krieg zur See nur gegen den feindlichen -Handel zu führen, mehr durch und der Marine wurde immer weniger Sorge -zugewendet; =die französische Flotte trat den feindlichen nicht mehr -entgegen=. Zunächst hören wir in diesem Jahre gar nichts mehr von ihr; -vielen Mannschaften wurde erlaubt, auf Freibeutern zu dienen, die -gesammelten Transporter wurden teilweise als solche verwendet und der -kleine Krieg blühte. - -Aber auch die =Verbündeten= blieben untätig. Nach den letzten Vorfällen -ging das Gros ihrer Flotte zum Instandsetzen nach Wight. Ein kleineres -gemischtes Geschwader unter Ashby und Callenburgh kreuzte noch an der -Küste, um etwa versprengte Franzosen oder die nach St. Malo geretteten -auf ihrem Wege nach Brest abzufangen; es ging auch nach Havre, wo man die -Schiffe Nesmonds vermutete, fand diese jedoch -- wie wir wissen -- nicht -und wagte auch nicht, etwas gegen die Transporter dort zu unternehmen; -dann vereinigte es sich wieder mit dem Gros. Dieses lief am 28. Juni -wieder aus, teilte sich in zwei Teile, von denen der eine westlich im -Kanal gegen die St. Malo-Schiffe kreuzte, der andere östlich, um die -Verbindung zwischen England und Holland zu sichern. - - Nach Colomb (Seite 268) waren die englischen Seeoffiziere der Ansicht, - ohne einen gleichzeitigen Landangriff nichts gegen die in St. Malo - geborgenen französischen Schiffe unternehmen zu können; es gelang - diesen, später unbewacht, nach Brest durchzukommen. - -Die englisch-holländische Flotte beherrschte also den Kanal und es wurde -auch wieder der Plan einer Landung in Frankreich ins Auge gefaßt. Truppen -wurden bei Portsmouth versammelt und Anfang August mit der Einschiffung -auf der dort wieder vereinigten Flotte begonnen. Der Plan kam aber -nicht zur Ausführung: Befehle und Gegenbefehle von London, -Kriegsratsversammlungen der Armee und Marine verzögerten die Maßnahmen; -endlich erachtete man die Jahreszeit für die schweren Schiffe zu weit -vorgeschritten; holländische Quellen deuten wieder an, daß Russell an der -Verzögerung schuld gewesen sei. (Er habe zu denen gehört, die es durch -Entfaltung zu großen Eifers nicht ganz mit Jakob verderben wollten.) Das -Ergebnis war die Überführung einiger englischer Truppen nach Holland. -Gegen die immer zahlreicher auftretenden Freibeuter des Feindes hatte man -auch keine ernste Maßregeln ergreifen können, da man die Flotte -- -schließlich unnütz -- stets zusammengehalten hatte. - -Im September wurden die schweren Schiffe abgerüstet, andere kreuzten noch -im Kanal, bis endlich die Flotte auf die kleinen Wintergeschwader -vermindert wurde. - -$Die Ereignisse der Jahre 1693-1697.$ Während der weiteren Kriegsjahre -führten =die Franzosen=, wie schon mehrfach erwähnt, den Krieg in der -Hauptsache nur gegen den feindlichen Handel, besonders in den nördlichen -Gewässern. Wenn auch zuweilen noch größere Flotten zusammengezogen wurden --- im Jahre 1693 sogar noch eine solche von 70 Linienschiffen, aber auch -nur um einen großen Schlag gegen den feindlichen Handel in führen --, so -versuchten diese doch nicht mehr, dem Feinde die Seeherrschaft streitig -zu machen. Im Mittelmeer wurden wie bisher stets noch etwas stärkere -Geschwader im Dienst gehalten, um an den Küsten im Landkriege zu wirken; -im Atlantik waren die Streitkräfte meistens in kleineren Divisionen auf -die verschiedenen Häfen verteilt, um diese zu schützen und von ihnen aus -gegen die feindlichen Handelsfahrzeuge zu kreuzen. Der Kreuzerkrieg wurde -dabei durch die vom Staate in jeder Hinsicht unterstützte Freibeuterei -ungemein verstärkt; je weniger Pflege der Marine im Laufe der kommenden -Jahre zuteil wurde -- wegen Geldmangels, und wegen fehlenden Interesses -an maßgebender Stelle --, um so mehr entwickelte sich die Freibeuterei. - -Die Tätigkeit der =englisch-holländischen Flotten= äußerte sich nach drei -Richtungen: Unternehmungen gegen französische Küstenstädte, um hierdurch -auf den Landkrieg einzuwirken; Unterstützung des Landkrieges in Spanien; -Schutz des eigenen Handels. Mit den Angriffen auf die Küstenstädte -beabsichtigte man in den meisten Fällen und hauptsächlich, den -Kreuzerkrieg des Gegners in seinen Stützpunkten anzugreifen. Um die -Gesamtrüstungen der Verbündeten in diesen Jahren richtig beurteilen zu -können, sei vorausgeschickt, daß neben den Hauptflotten, deren Tätigkeit -uns zunächst beschäftigt, stets ein starkes Geschwader -- bis zu 20 -Linienschiffen -- gegen Dünkirchen aufgestellt war. - -$Das Jahr 1693$ zeigt uns die =Kriegführung der Verbündeten= in einem -sehr trüben Lichte. Unentschlossenheit an leitender Stelle in England -- -schon Ende 1692 bemerkbar --, der Zustand der Verwaltung in der Marine -hier und Uneinigkeit in der Führung der Flotte ließen es nicht nur zu -keinerlei Erfolg kommen, sondern führten sogar einen großen Verlust -herbei. - -Im Oktober 1692 war von England und Holland =mit Spanien ein Vertrag= -abgeschlossen, wonach die schwachen spanischen Seestreitkräfte durch -englisch-holländische verstärkt werden sollten, um den Angriffen der -Franzosen auf die spanischen Küsten sowie der Bedrohung der Silberflotten -entgegenzutreten; England und Holland gedachten dadurch auch ihren -Mittelmeerhandel zu sichern und einer Vereinigung der Flotten von Brest -und Toulon stets vorzubeugen. - - Nach dem Vertrage sollte Spanien 16 Linienschiffe und 25 Galeren - stellen, England und Holland je die gleiche Zahl Schlachtschiffe; - Spanien sollte in einem seiner Häfen Magazine einräumen, damit die - Verbündeten sich einen Stützpunkt schaffen könnten. Dieser Vertrag - blieb grundlegend für spätere während des ganzen Krieges, doch wurde - Spanien bald lau in der Erfüllung seiner Pflicht. - -Das schwache Spanien kam zunächst seiner Pflicht nach, die Verbündeten -nicht. Zwar wurden schon im März Schiffe zu diesem Zwecke bestimmt -- 4 -Holländer, 11 Engländer --, aber sie kamen nicht fort. Befehle wechselten -mit Gegenbefehlen. Erst sollte das Geschwader auf Kauffahrer warten, dann -hielt man es für nicht stark genug den Franzosen in Toulon gegenüber und -endlich wollten die Rhedereien ihm ihre Schiffe nicht anvertrauen. - -Außer diesem Mittelmeergeschwader war die Indienststellung einer ebenso -großen Hauptflotte wie im Jahre 1692 beschlossen, weil man wußte, daß -auch die Franzosen stark rüsteten. Von Mitte April an sammelte sich -diese Flotte bei Wight und bestand bald aus 76 Linienschiffen (46 -Engländer, 30 Holländer). Russell war seines Postens enthoben worden -(Differenzen wegen La Hogue), das Kommando führten 3 =Jointadmirals= -- -Killigrew, Shovel, Delaval -- =auf einem Flaggschiff=, das holländische -Kontingent kommandierte =Almonde=; aus den angedeuteten Gründen lag die -Flotte wochenlang untätig und auch wohl teilweise unfertig auf der Rhede -von St. Helens. - -In =Frankreich= hatte man tatsächlich stark gerüstet, und zwar dem neuen -Plane gemäß, den Kampf nur gegen den Handel zu führen, zu -einem besonderen Zwecke: dem Abfangen des jährlichen großen -englisch-holländischen Levanteconvois bei seiner Ausreise, der ja auch -1691 auf seiner Heimreise Tourville als Hauptangriffsobjekt bezeichnet -war. Wieder unter =Tourville= waren in Brest 71 Linienschiffe -zusammengezogen; in Toulon wurden etwa 20 Linienschiffe unter d'Estrées -gegen Spanien in Dienst gestellt. - -Wie stets bisher, war man in Frankreich durch Spione und Parteigänger -Jakobs über alle Vorgänge in England gut unterrichtet. So erhielt man -auch jetzt rechtzeitig Nachricht, als die Abfahrt des Convois bevorstand, -und Tourville wurde sofort in See gesandt, obgleich die Flotte noch -unvollkommen ausgerüstet war, um ihn in der Straße von Gibraltar zu -erwarten. In England hatte man sich endlich entschlossen, den Convoi mit -dem für das Mittelmeer bestimmten Geschwader segeln zu lassen, da man -aber die Stärke der Franzosen in Brest kannte, wurde bestimmt, daß die -Hauptflotte bis in den Atlantik mitgehen solle; zu einem rechtzeitigen -Festhalten Tourvilles in Brest war sie nicht fertig geworden. - -Am 9. Juni verließ alles Wight; der Convoi war an 400 Segel stark. Am 14. -Juni, etwa 36 Seemeilen südwestlich von Ouessant, wurden die für -Westindien und andere transatlantische Gewässer bestimmten Schiffe mit -den üblichen kleinen Bedeckungen entlassen, die Hauptflotte kehrte in den -Kanal zurück; =das Mittelmeergeschwader= unter =Admiral Rooke= (Holländer -unter van der Goes) setzte mit den Kauffahrern für Portugal, Spanien und -Mittelmeer die Reise fort. - -Auf der Hauptflotte wußte man nichts von dem vierzehn Tage vorher -erfolgten Auslaufen Tourvilles. Dieser kaum zu verstehende Fehler wird -mit einer Nachlässigkeit im englischen Ministerium erklärt: »Nottingham -hatte vor Abgang der Flotte einen Brief erhalten, der Tourvilles -Auslaufen meldete; er sandte die der Nachricht angeschlossene Liste der -französischen Schiffe an die drei Admirale, der Brief selbst aber wurde -vergessen beizulegen.« Der Führung der Flotte ist aber doch wohl -vorzuwerfen, daß sie nicht erkunden ließ, ob Tourville noch in Brest sei. -Hätte man gewußt, daß die Franzosen in See waren, so würde doch die -Hauptflotte bis zum Mittelmeer mitgegangen sein; so wurde der $Angriff -Tourvilles auf den Smyrnaconvoi vor Lagos$ am 27. Juni 1693 ein großer -Erfolg. - - =Rooke= entließ an der portugiesischen Küste die nach Lissabon - bestimmten Kauffahrer mit einigen Kriegsschiffen, die später wieder zu - ihm stoßen sollten; er war so nur 15 Linienschiffe über 50 Kanonen, - etwa 10 leichtere Schiffe, 4 Brander und 2 Mörserboote stark, der - Convoi zählte noch 130-140 Segel. Anstatt nun gleich in Portugal - Nachrichten einzuziehen, steuerte er zunächst von der Küste ab und - machte erst am 26. Juni Land bei St. Vincent. (Nur ein leichtes - Fahrzeug hatte er nach Lagos vorausgesandt; es kam nicht zurück, da es - unter der Küste bekalmt wurde.) Jetzt meldeten seine Vorposten einige - französische Schiffe im Süden -- es waren die Vorposten Tourvilles --; - da diese sich aber zurückzogen und der nördliche Wind günstig war, - wurde die Fahrt fortgesetzt. Mit Tagesgrauen am 27. bekam man 10 - Linienschiffe und einige kleinere Segel in Sicht; auf einen Angriff - gingen auch diese zurück; ein kleines Fahrzeug wurde genommen und sagte - aus, Tourville sei allerdings unter der spanischen Küste, aber nur mit - 15 Linienschiffen, einen Transport nach Toulon geleitend. Um 10 Uhr - vormittags aber sichtete man den Feind überall: voraus 18 - Kriegsschiffe, zu Luward 16 (Gabaret) und weiter ab in Lee 40 - (Tourville selbst), die ganze Flotte von Brest. - - =Tourville= war am 27. Mai mit 71 Linienschiffen, 4 kleineren - Fahrzeugen und 35 Brandern in See und geradeswegs nach Lagos gegangen. - (Hier soll er nach Bericht des holländischen Gesandten in Lissabon - unter englischen und holländischen Flaggen gelegen haben.) Von hier - hatte er sofort zwei starke Geschwader der besten Segler -- eben die - genannten 18 und 16 Linienschiffe -- zum Kreuzen bei Kap St. Vincent - entsandt. Er =hatte den Befehl=: den Convoi abzufangen, aber ein - Gefecht zu vermeiden, wenn der Feind viel stärker wäre; an der - spanisch-portugiesischen Küste bis Anfang September zu bleiben, aber - auch Unternehmungen gegen die französische Küste entgegenzutreten (vgl. - seinen Auftrag 1691; der jetzige war wohl noch schwieriger). Als nun - Rooke am 27. in Sicht kam, hielt sich Tourville zunächst zurück, um - ausweichen zu können, falls es die Hauptflotte der Verbündeten wäre; - sobald er aber erfahren hatte, daß es der verhältnismäßig nur schwach - bedeckte Convoi war, gab er den Befehl zum Angriff, vor allem dem am - günstigsten stehenden Geschwader Gabaret. - - =Rooke= war seit dem Sichten der feindlichen Vorposten am Morgen mit - dem Geschwader, in dessen Linie einige der stärksten Kauffahrer - eingestellt waren, vor dem Convoi gesegelt. Als er sah, daß bei der - Stärke des Feinden ein Widerstand unmöglich war, formierte er die - Gefechtslinie hoch am Winde mit einem Kurse nach See zu und gab an die - Schiffe des Convois den Befehl, sich auf eigene Faust namentlich unter - dem Schutze der Nacht zu bergen; den Schiffen unter Land wurde geraten, - spanische Häfen aufzusuchen, den weiter in See befindlichen gewährte - das Geschwader vorläufig eine Deckung. Das vorderste französische - Geschwader Gabaret, das aus den bestsegelnden Schiffen bestand, kam - gegen Abend (6 Uhr nachmittags) an Rooke heran. Zwei holländische - Schiffe opferten sich, indem sie das Gefecht aufnahmen, nach Land zu - wendeten und einen Teil der Feinde auf sich zogen; sie wurden nach - hartnäckigem Widerstande genommen; das übrige Geschwader entzog sich - während der Nacht dem Feinde. Am andern Morgen sah Rooke nur noch - wenige Gegner, die bald von der Verfolgung abstanden; er erreichte mit - dem Geschwader und etwa 50 Kauffahrern wohlbehalten Madeira. - - Es wird =Gabaret= der Vorwurf gemacht, daß er das Geschwader - angegriffen und dazu sogar seine vordersten Schiffe zurückgerufen habe, - um erst die Gefechtslinie zu formieren, anstatt gleich an die - Verfolgung und Vernichtung der verstreuten Kauffahrer zu gehen oder - wenigstens durch die vordersten Schiffe das feindliche Geschwader - rechtzeitig festhalten zu lassen. - - Einem zweiten Teile der französischen Flotte (wohl dem - 18-Schiffe-Geschwader) gelang es während der Nacht die unter Land - segelnden Fahrzeuge des Convois zu umzingeln und am nächsten Tage zu - nehmen oder zu zerstören; viele wurden durch die eigene Besatzung auf - Strand gesetzt und versenkt oder verbrannt. An dieser Vernichtung - beteiligten sich wahrscheinlich auch Schiffe des erst später - herangekommenen Gros. So gingen gegen 70 (90?) englisch-holländische - Kauffahrer -- mit einem Werte von einer Million Lstrl. -- verloren; - einige wenige erreichten spanische Häfen. Der Verlust würde - voraussichtlich noch weit bedeutender gewesen sein, wenn Tourville - nicht -- allerdings seiner Instruktion entsprechend -- das Gros seiner - Flotte anfangs so vorsichtig zurückgehalten hätte. - -=Die Hauptflotte der Verbündeten= war nach der Trennung von dem Convoi -einige Tage vor dem Kanal geblieben, um Tourville in Brest zu beobachten, -bis man über England von dessen Auslaufen Nachricht erhielt; nun ging sie -nach Torbay zurück (2. Juli dort), um »Vorräte zu ergänzen« und »Befehle -einzuholen« -- bezeichnend für die Art der Ausrüstung der (englischen) -Schiffe und für die Leitung. Der hier zusammentretende Kriegsrat sah wohl -ein, daß sofortiges Abgehen nach der spanischen Küste das richtigste sei, -um Tourville vor oder nach seinem Anschlage gegenüberzutreten, aber erst -am 21. Juli war man seeklar und konnte wegen Gegenwindes gar erst am 27. -endgültig unter Segel gehen, nachdem nunmehr auch die Sprengung des -Convois bekannt geworden war. Die Flotte kreuzte wiederum vor Brest, »die -Rückkehr Tourvilles erwartend,« dann mußte auch die Absicht aufgegeben -werden, weil die dorthin bestellten englischen Proviantschiffe -ausblieben. Die Flotte kehrte am 26. August nach Torbay, am 8. September -nach St. Helens zurück und wurde bald bis auf das Wintergeschwader -- in -diesem Jahre ziemlich stark, z. B. 18 holländische Linienschiffe, aber -wie üblich keine schweren -- aufgelegt. - - Die Untätigkeit der Flotte, insbesondere das Schicksal des Convois, - legte die englische Nation (Haus der Gemeinen) den drei - Oberbefehlshabern zur Last; in einer Untersuchung wurden sie aber - freigesprochen, die Hauptschuld traf auch wohl die Leitung von London - und die Verwaltung. Jointadmirale ernannte man aber nicht wieder, oder - doch nur einmal unter ganz anderen Umständen (einen Oberbefehlshaber - für die See- und einen für die Landoperationen einer Expedition). - -=Tourville= war nach der Vernichtung des Convois =ins Mittelmeer= -eingelaufen und hatte sich am 18. Juli vor Malaga mit dem -Toulon-Geschwader vereinigt. Er mußte annehmen, im Atlantik jetzt der -weit stärkeren Hauptflotte des Feindes zu begegnen; er bedurfte der -Ausrüstung, da er ja Brest sehr eilig verlassen hatte, auch war so die -französische Seeherrschaft im Mittelmeer unbedingt gesichert. Die -spanische Küste entlang laufend, gelang es ihm noch, in Gibraltar (durch -Brander) und in Malaga (durch armierte Boote) einige englische und -holländische Schiffe zu zerstören. Dann aber blieb die ganze, jetzt 94 -Linienschiffe (190 Segel) starke Flotte untätig in Toulon liegen; Mitte -September kehrte der Admiral mit den Atlantik-Schiffen ungehindert nach -Brest zurück. - -Von dem Jahre 1693 ist nur noch das $Bombardement von St. Malo$ zu -erwähnen. Von dieser Stadt aus wurde die Freibeuterei jetzt ebenso -erfolgreich betrieben wie von Dünkirchen. Ende November erschien hier ein -englisches Geschwader von Linienschiffen IV. Klasse, kleineren -Fahrzeugen, Brandern und Mörserbooten; ein besonders konstruierter -Brander war beigegeben. - - Dieser Brander -- =Machine oder Infernal= genannt; in England durch - einen holländischen Ingenieur Meesters konstruiert -- war ein altes - Hafenfahrzeug von 350 tons mit ausgemauertem Boden, gefüllt mit losem - Pulver und solchem in Fässern, darüber eine dicke Schicht von Pech, - Harz, Werg und dgl. Alles war so gestaut, daß eine Entzündung schnell - um sich greifen mußte; auf der deckenden Schicht lagen Brandgeschosse, - Kugeln und Ketten. - - Stadt und Hafen von St. Malo waren gedeckt durch einige Forts auf - kleinen Inseln. Das Geschwader ankerte am 26. November bei Cap Fréhel, - sandte schon nachmittags einige Mörserboote gegen das äußerste Fort, - vertrieb die Franzosen hier und errichtete eine Batterie. Am 27. wurden - dann die übrigen Befestigungen von hier aus und durch die Mörserboote - beschossen; der Erfolg war jedoch gering infolge schlechter Munition - (vgl. Seite 174), das Feuer wurde kräftig erwidert, die Mörserboote und - die sie deckenden Schiffe mußten zurückgehen. In der Nacht vom 30. - November bis 1. Dezember wurde der Infernal losgelassen. Bei glatter - See und auflandigem Winde kam er bis auf 50 Schritt an die Stadtmauer - heran, wurde nun aber durch eine Windveränderung auf einen Felsen - geworfen und leck gestoßen; entzündet, zerstörte er dennoch gegen 300 - Häuser. - -Es ist dies der erste Fall der Unternehmungen gegen französische Städte. -Da sie keinen Einfluß auf den Krieg hatten und nur die friedlichen -Einwohner schädigten, werden sie -- auch von englischen Autoren -- als -nutzlos und barbarisch bezeichnet. Man muß doch aber wohl die von den -englischen Quellen angeführte Entschuldigung gelten lassen, daß Ludwig -XIV. durch das Bombardement von Genua 1684 das Beispiel zu solchen -Unternehmungen gegeben habe, auch daran denken, daß man in ihnen ein -wirksames Mittel gegen die sonst nicht niederzuhaltende Freibeuterei zu -finden hoffte. - -Wenn wir im Jahre 1693 noch einmal eine große französische Flotte sehen -und infolgedessen auch ein Zusammenhalten der Streitkräfte Englands und -Hollands, so treten jetzt von $1694$ an die Verhältnisse in der -Kriegführung, wie sie vorhin angedeutet sind, völlig ein. =Die Franzosen= -stellten im Atlantik etwa 50 Linienschiffe in Dienst, von denen einige -ins Mittelmeer gesandt, die anderen in kleinen Divisionen auf die Häfen -am Kanal und Atlantik verteilt wurden. Im Mittelmeer verfügte Tourville -so über eine Flotte von etwa 20 Linienschiffen und die Galeren; er griff -von Anfang Mai an in den spanischen Landkrieg ein -- Eroberung von -Palamos; Belagerung von Barcelona --, in dem bekanntlich Ludwig in diesem -Jahre wieder kräftig und, eben durch Unterstützung der Flotte, anfangs -auch erfolgreich vorging. Die Divisionen in den nördlichen Gewässern -sollten nur zum Schutz der Küste und zum Kreuzerkriege dienen; jetzt -begann Frankreich, den feindlichen Handel ganz besonders heftig mit -kleinen Divisionen von Kriegsschiffen oder von Freibeutern anzugreifen. -Die =Verbündeten= hatten auch für dieses Jahr stark gerüstet und waren -jetzt in der Lage, ihre Streitkräfte für die verschiedenen Aufgaben zu -teilen und den Spaniern die vertragsmäßige Hilfe zu bringen. Kurz seien -$die Operationen des Jahres 1694$[246] aufgeführt. - - [246] Die (ungefähren) Angaben über die Anzahl der Linienschiffe bei - diesen sind aus de Jonge, Teil III, entnommen. - - Am 6. Januar ging ein gemeinsames =Geschwader= von 25 Linienschiffen - unter Vizeadmiral =Wheeler= (die Holländer unter Callenburgh) mit einem - Convoi =nach dem Mittelmeer=. Es hatte den Befehl, die Levantefahrer - des Convois bis Malta zu führen, dann von Cadiz aus die Silberflotten - zu sichern und später zurückkehrende Levantefahrer heimzugeleiten. Am - 28. Februar verlor dieses Geschwader in einem schweren Sturm nahe bei - Gibraltar 4 Linienschiffe, darunter das Flaggschiff mit dem Admiral; - unter Callenburgh kehrte es nach Cadiz zurück, weil es ein - Zusammentreffen mit der Toulonflotte fürchtete, und war nicht einmal - imstande, die von Brest abgegangenen französischen Schiffe (am 14. Mai - bei Gibraltar) an ihrer Vereinigung mit Tourville zu hindern. - - Die =Hauptflotte der Verbündeten= unter =Russell= (Holländer unter - =Almonde=) begann sich im April zu sammeln. Im Mai wurde der Versuch - gemacht, die von Brest nach Toulon bestimmten Schiffe festzuhalten; man - kam zu spät, vernichtete aber einen feindlichen Convoi. Im Juni waren - gegen 80 Linienschiffe bei St Helens vereinigt; es wurden jetzt (15. - Juni) zwei Flotten formiert. =Russell selbst= ging mit 44 - Linienschiffen =zum Mittelmeer=, vereinigte sich am 11. Juli mit dem - dort befindlichen Geschwader und war jetzt, da auch 10 Spanier - hinzustießen, 75 Linienschiffe und 15 Brander stark. Er ging nach - Barcelona, traf hier am 8. August ein und hob die Belagerung auf; - Tourville hatte sich schon bei seiner Annäherung auf Toulon - zurückgezogen. Die Flotte blieb dann bis Mitte Oktober an der Ostküste - Spaniens und zeigte sich auch an der französischen. Zwar wurde nichts - gegen die Küstenstädte Kataloniens, die in französischen Händen waren, - unternommen, weil sich die spanische Landmacht unzureichend erwies, - aber man hielt doch Tourville in Toulon fest, hinderte das Zurückgehen - der Brest-Schiffe für den Winter und sicherte den Handel im Mittelmeer. - Die Flotte überwinterte in Cadiz, um im nächsten Jahre früh bereit zu - sein. - - =Dies ist bemerkenswert.= Es geschah zum ersten Male; man kann von hier - an die dauernde Stationierung einer englischen Flotte im Mittelmeer - rechnen. Es war so neu, daß es anfänglich den Widerpruch Russells (und - auch wohl anderer Offiziere) hervorrief; anderseits sah England den - Fehler ein, den es mit der Aufgabe von Tanger gemacht hatte, und sorgte - nun bald für Gewinnung eines Stützpunktes im Mittelmeer (zunächst Port - Mahon). - - =Der zweite Teil der Hauptflotte= -- 36 Linienschiffe (16 Holländer) - mit Fregatten, Brandern und einer größeren Zahl von Mörserbooten -- - wurde unter Admiral =Lord Berkeley= of Stratton zu Unternehmungen - =gegen die französische Küste=[247] bestimmt. Insbesondere - beabsichtigte man =Brest= anzugreifen, zu welchem Zweck 6000-7000 Mann - unter General Talmash eingeschifft wurden. Diese sollten die Forts - nehmen, die die Einfahrt verteidigten, damit die Schiffe auf die - Binnenrhede einlaufen könnten. Aber die Franzosen waren vorbereitet; - die Unternehmung war durch hochgestellte Personen in England, die sich - für alle Fälle bei Jakob gut stellen wollten, verraten. =Vauban= selbst - hatte die Verstärkung der Befestigungen geleitet; insbesondere waren am - Strande der Außenrheden (Bucht von Camaret und von Bertheaume) - zahlreiche neue Batterien aufgeworfen, von denen die Verbündeten nichts - wußten, und Truppen in Verschanzungen aufgestellt worden. Am 17. Juni - ankerte Berkeley in der Camaret-Bucht -- südlich vom Goulet de Brest, - der Einfahrt zur Binnenrhede -- außerhalb Schußweite und nach einer - Erkundung wurde auf Talmash' Drängen die Landung in dieser Bucht - beschlossen. Am 18. wurde sie, gedeckt durch das Feuer von 3 - Linienschiffen und 6 Fregatten, mit Bravour ausgeführt, aber - zurückgeschlagen. Von den Gelandeten (1200? 600? Mann) kamen nur wenige - (100?) zurück, weil die Boote trocken gefallen[248] waren, Talmash - selbst wurde schwer verwundet. Auch die deckenden Schiffe litten, ein - Holländer geriet auf Strand und ging verloren. Da die Mörserboote wegen - der Außenforts nicht nahe genug herangehen konnten, um die Stadt oder - die Binnenrhede mit Erfolg zu beschießen, segelte die Flotte nach St. - Helens zurück (25. Juni dort). - - [247] Die Bombardements der französischen Küstenstädte in diesen Jahren - etwas genauer in Bonfils, Teil I, und in de Jonge, Teil III. - - [248] D. h. sie lagen nach Zurückweichen des Wasser bei Ebbe auf dem - Strande. - - Es kam jetzt der Befehl, andere Städte zu bombardieren oder mit - Infernals anzugreifen. (Es sei erwähnt, daß in den Jahren 1694/95 gegen - 30 solcher Fahrzeuge erbaut wurden, aber schon 1695 gab man diese Waffe - wieder auf.) Die Truppen wurden ausgeschifft, von Landungen also - abgesehen. Am 18. Juli erschien =Berkeley vor Dieppe=, warf am 23. aus - den Mörserbooten gegen 1100 Bomben und Brandgeschosse in die Stadt, - wodurch diese auf lange Jahre hinaus fast ganz zerstört wurde; der - Angriff mit einem Infernal mißlang, weil dieser wegen einer Sperre zu - weit abblieb. Am 26. wurde =Havre= bombardiert. Der Erfolg war hier - aber unbedeutend, da Seegang ein gutes Zielen unmöglich machte; dagegen - flog ein Mörserboot im feindlichen Feuer auf. Die Flotte ging dann nach - England zurück und die großen Schiffe wurden aufgelegt. - - Im September wurde nochmals ein =Geschwader unter Shovel gegen - Dünkirchen= gesandt. Die Seeoffiziere erachteten zwar die Jahreszeit - für nicht mehr dazu geeignet, gerade gegen diese Stadt zu operieren; - sie erhielten aber Befehl zum Angriff, weil von hier aus in letzter - Zeit die Freibeuter bedeutende Erfolge erzielt hatten und über - Dünkirchen große Kornladungen (durch Jean Bart) aus der Ostsee nach - Frankreich eingeführt waren. Das Geschwader war sehr stark (18 - Linienschiffe), besonders an Infernals (17) und vereinigte sich noch - mit der ständig gegen Dünkirchen aufgestellten Flottille; Es wurde - nichts erreicht. Die Franzosen waren wieder von dem Plane unterrichtet - und hatten die in den letzten Jahren verstärkten Befestigungen gut im - Stande gehalten. Mehrere Forts deckten die Stadt und 2 Forts auf den - langen Molen den Hafeneingang, der außerdem gesperrt war. Zwar wurde - durch Ausloten des wenig bekannten Wassers trotz heftigen Feuers (am - 22. September) festgestellt, daß ein Beschießen der Stadt von der - Westseite möglich sei, aber die Mörserboote waren noch nicht - eingetroffen. Man schickte vorläufig 2 Infernals gegen die Molenforts; - der eine wurde vom Feinde in Brand geschossen, der andere durch Boote - abgeschleppt. Ehe die Mörserboote zum Geschwader stießen, wurde dieses - durch ungünstiges Wetter zum Verlassen der Rhede gezwungen. Am 26. - September beschoß man noch =Calais=, ebenfalls erfolglos, weil Wind und - Seegang die Mörserboote zwang, unter Segel zu operieren. Am 29. traf - das Geschwader in den Downs ein; die Unternehmungen fanden für 1694 ihr - Ende. - -Aus vorstehendem ist zu ersehen, wie bedeutend die Rüstungen der -Verbündeten[249] für dieses Jahr gewesen waren, und daß sie als -unmittelbaren Erfolg nur die Zerstörung von Dieppe, den Entsatz von -Barcelona und die Sicherung ihres Handels im Mittelmeer zu verzeichnen -hatten; ihre Seeherrschaft im Kanal und in der Nordsee war keineswegs -eine unbestrittene gewesen, wie wir bei Betrachtung des Kreuzerkrieges -sehen werden. - - [249] De Jonge, Teil III führt in Beilage XVII 49 Linienschiffe, - darunter 9 über 90 Kanonen, im Kanal, Mittelmeer und gegen - Dünkirchen allein für Holland auf. - -$Die Operationen des Jahres 1695$ waren derselben Art. =Russell im -Mittelmeer= war von gleicher Stärke wie im Vorjahre, weil man die -Schiffe, die zu Ausbesserungen heim mußten, sofort durch andere ersetzte. -Die Flotte blieb in Cadiz, bis einige Mörserboote und 3000 Soldaten -(General Stewart) eintrafen; bis dahin hielt sie nur die Straße von -Gibraltar besetzt, um den Verkehr zwischen Brest und Toulon zu hindern. -Am 9. Mai ging sie die spanische Küste hinauf, hielt sich einige Zeit vor -Toulon und erschien dann =vor Palamos=; man beabsichtigte, im Verein mit -spanischen Truppen diese Stadt zu nehmen. Die Soldaten und auch eine -Anzahl Seeleute wurden gelandet (16. August) und die Stadt von den -Mörserbooten beschossen. Es gelang, ein kleines französisches Heer, das -in der Nähe stand, zu vertreiben; die Stadt würde auch gefallen sein, -wenn die spanischen Truppen stärker gewesen wären und die Verbündeten -ausgehalten hätten. Aber bald (27. August) ging Russell wieder nach -Toulon, weil er von gefangenen französischen Fischern gehört hatte, daß -die französische Flotte auslaufen wolle. Sofort kehrten die Franzosen am -Lande zurück und der spanische General mußte die Belagerung aufgeben. Die -Nachricht war (absichtlich) falsch gewesen, die französische Flotte war -keineswegs seeklar. Bis Ende September kreuzte Russell bei Sardinien und -den Balearen; das ganze Ergebnis war also wieder, daß der Handel -geschützt und die Franzosen in Toulon festgehalten wurden. - -Am 27. September traf die Flotte in Cadiz ein und fand von England und -Holland den Befehl vor, heimzukehren. Etwa 20 Linienschiffe blieben unter -=Rooke=, der mit einigen neuen Schiffen herausgekommen war, als -=Winterflotte in Cadiz=. - -Auch im =Kanal= war wiederum eine große Flotte unter =Berkeley= -zusammengezogen worden -- daneben die übliche Flottille gegen Dünkirchen -und zum Schutz des Nordseehandels --, etwa ebenso stark, wie im Vorjahre -bei der Trennung dort. Es ist aber bemerkenswert, daß jetzt die meisten -Schiffe über 80 Kanonen fehlten, weil man erkannt hatte, daß diese bei -den Unternehmungen gegen die Küste nutzlos waren; die Holländer stellten -gar keine solcher schweren Schiffe in Dienst, dafür aber in diesem Jahre -auch Mörserboote (6). -- Wieder hatte man =Angriffe auf Küstenstädte= ins -Auge gefaßt, aber wie am Lande und im Mittelmeer kann man auch hier -sehen, daß die Kriegführung lauer wurde. Erst Ende Juni war die Flotte -operationsfähig; es wurde aber nicht mehr geleistet als im Jahre 1694; -die französischen Häfen waren natürlich in immer besseren -Verteidigungszustand gesetzt. - - Am 14. und 15. Juli ward =St. Malo= von der ganzen Flotte angegriffen. - Es gelang zwar, einen Brander an eines der beiden auf Felsen gelegenen - Hauptforts so nahe heranzuführen, daß dieses infolge des Rauches - längere Zeit nicht feuern konnte, aber niederzukämpfen waren die - massiven Befestigungen nicht, obgleich die Mörserboote ziemlich nahe - herangingen; nachdem etwa 900 Bomben geworfen und einige Häuser der - Stadt in Flammen aufgegangen waren, wurde abgebrochen. Am 18. Juli - beschossen einige Schiffe die offene Stadt =Granville=, die teilweise - verbrannte. Nach einem Aufenthalt in St. Helens und den Downs, um - Munition zu ergänzen und Infernals -- eine größere Zahl unter dem - Kommando des Erfinders Meesters -- heranzuziehen, erschien, verzögert - durch Gegenwind, die Flotte am 11. August vor =Dünkirchen=. Da dieser - Angriff gut vorbereitet war und energisch durchgeführt wurde, sei etwas - näher darauf eingegangen. - - Wieder hatten die Franzosen Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Bei - Erwähnung des Unternehmens der Verbündeten 1694 wurde gesagt, daß die - Wasserverhältnisse westlich von der Einfahrt für einen Angreifer zum - Bombardement der Stadt und des Hafens die günstigsten sind; deshalb war - schon früher westlich von der Stadt ein starkes Fort erbaut worden. - Dieses war jetzt verstärkt durch eine neue Batterie am Strande und - durch Stationierung von 9 schweren Kanonenschaluppen längs des Strandes - zwischen dem Fort auf der Westmole (in ihm kommandierte Jean Bart) und - dienen Befestigungen. Eine gleiche Zahl Schaluppen legte man in die - Hafeneinfahrt, um sie zu sperren und um Branderangriffe auf die beiden - hölzernen Molenforts abzuweisen; die ganze Stellung war endlich durch - Verankerung von abgetakelten, schwer armierten Schiffen, deren Feuer - sich mit dem der Forts kreuzte, verstärkt. - - Die Verbündeten konnten ihre schwereren Schiffe des Tiefgangs wegen - nicht verwerten; das Gros der Flotte ankerte deshalb bei Gravelines und - detachierte (11. August) 18 Mörserfahrzeuge, viele armierte Boote und - einige Brander unter dem Schutz von 16 Fregatten sowie anderen - kleineren Segeln. Die Mörserboote legten sich -- zuerst etwas zu weit, - dann aber näher -- in Halbmondform um die Molenforts sowie das große - Westfort und bombardierten von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags; der - Erfolg war gering, der Feind antwortete kräftig und Seegang - beeinträchtigte das Schießen. Inzwischen wurde ein Angriff von 4 - Infernals vorbereitet, von dem man sich gerade den Holzforts gegenüber - großen Erfolg versprach. Ein neuer Gedanke des Erfinders sollte hierbei - verwertet werden, nämlich den Angriff durch Vorausschicken von - =Rauchschiffen= (eine Art Brander, die angezündet hauptsächlich Rauch - erzeugten) zu maskieren; diese sollten einerseits das Feuer des Feindes - auf sich ablenken, anderseits eben die Infernals verbergen. Auch diese - Gruppe wurde durch einige Fregatten gedeckt, die voraussegelten und - zuerst das Feuer auf sich zogen. Aber durch irgend welche Umstände - verzögert, blieben Rauchschiffe und Infernals zu weit achteraus; die - Fregatten mußten zurück und auch die armierten Boote, die gegen die - feindlichen Schaluppen zwischen den Forts vorgegangen, wurden - abgeschlagen. Als endlich der Angriff der Infernals erfolgte, hatte er - das ganze Feuer auszuhalten; die Fahrzeuge wurden zu früh entzündet, - verlassen und dann von französischen Booten aus gefahrdrohender Nähe - geschleppt. Um 5 Uhr nachmittags gab Berkeley Befehl zum Rückzug. Da - der Wind auflandig war und die Ebbe noch nicht eingesetzt hatte, wurde - es den Mörserbooten und den deckenden Schiffen schwer, sich aus dem - Feuer zu ziehen, sie litten sehr; mehrere kamen auf Strand und konnten - erst bei der nächsten Flut wieder abgebracht werden, eine holländische - Fregatte wurde genommen. Man hatte nichts erreicht, obgleich 1200 - Bomben und 2000 Kugeln verschossen waren. (Dieser Vorfall gab Anlaß zu - einer Abhandlung über die Schwierigkeit einer Beschießung von See aus - im Vergleich zu einer solchen vom Lande: Man müsse sie ohne jede - Deckung ausführen; sei abhängig von Wind und Strom; könne seine - Stellung nicht so genau wählen; der Geschützstand sei zu bewegt.) Das - Unternehmen wurde aufgegeben; man erachtete die Westseite für zu stark, - weil man mit den schweren Schiffen nicht nahe genug kommen konnte, - gegen die weniger starke Ostseite wagten die Lotsen nicht einmal - kleinere Fahrzeuge heranzuführen. - - Ein hierauf beschlossener =Angriff auf Calais= wurde durch ungünstige - Wetterverhältnisse und dadurch verzögert, daß die Infernals nicht zur - Stelle waren; man sagt, Meesters habe sich absichtlich mit ihnen - ferngehalten, weil man ihm allein die Schuld des Mißerfolges gegen - Dünkirchen zugeschoben hatte. Es wurde jetzt ein Versuch mit einem - improvisierten Brander, gedeckt durch schwere Schiffsboote, gegen ein - Fort gemacht, aber abgeschlagen; auch eine Beschießung durch - Mörserboote hatte nur geringen Erfolg. Am 28. ging die Flotte nach - England zurück und die Holländer trennten sich von ihr, weil Berkeley - das Kommando an einen jüngeren Flaggoffizier abgab, unter dem Almonde - nicht dienen wollte. Sie kreuzten noch einige Zeit im Kanal, dann - wurden die Wintergeschwader gebildet. - -=Im Jahre 1696= gaben die Verbündeten die Operationen =im Mittelmeer= -auf. Anstatt das dort belassene Wintergeschwader wieder zu einer -mächtigen Flotte zu verstärken, erhielt es den Befehl zur Heimkehr. Man -scheint es müde geworden zu sein, Spanien zu unterstützen, weil dieses -seinerseits den Krieg nur lau führte; es hatte nach dem ersten Jahre nie -wieder zur Verstärkung der Seestreitkräfte beigetragen und trat auch am -Lande stets ungenügend auf. Man glaubte auch wohl bei der eigenen -fortschreitenden Erschöpfung alles, was man aufstellen konnte, in den -nördlichen Gewässern nötiger zu haben; das Geschwader unverstärkt im -Mittelmeer zu lassen, erschien nicht ratsam, weil Frankreich in Toulon -stark rüstete. So verließ Rooke Anfang April Cadiz -- infolge stürmischer -Witterung etwa 14 Tage verzögert -- und führte einen Convoi von 130 -Levantefahrern heim. Es war unter diesen Umständen auch hohe Zeit, denn -schon im März war Château Renault mit 47 Kriegsschiffen von Toulon in See -gegangen und auch nur durch Sturm aufgehalten worden. - -Als man im Winter den Beschluß faßte, das Mittelmeer aufzugeben, war -allerdings im Kanal eine gewisse Gefahr aufgetaucht: Frankreich zog in -Calais Truppen und in Dünkirchen Transporter zusammen. In den -Niederlanden wurde zunächst ein Angriff auf Seeland von See her -gefürchtet und in Eile dagegen gerüstet, so gut es der Winter erlaubte; -da alle schweren Schiffe auflagen und ausgebessert wurden, stellte man -hauptsächlich Schiffe der Kompagnie, Freibeuter und Fahrzeuge sonst nur -zum Convoieren bestimmt, in Dienst und zog Truppen an der Küste zusammen. -Bald aber erfuhr man, daß es dem =Versuch einer überraschenden Landung in -England= gelte. Noch einmal wollte Ludwig für Jakob eintreten; die -Gelegenheit schien günstig, da die Königin Maria von England gestorben -war und die Jakobiten sich aufs neue rührten. =Jean Bart= mit den in -Dünkirchen vorhandenen Kriegsschiffen und =de Nesmond= mit einer Division -von Brest sollten etwa 20000 Mann auf 300 Transportern hinüberführen; -Jakob selbst begab sich nach Calais. Nun brachten die Holländer unter dem -Schutz der eben in Dienst gestellten Schiffe einige tausend Mann in die -Themse (im März) und die Engländer schickten gleichzeitig die -Winterseestreitkräfte beider Länder, nach Möglichkeit noch verstärkt, in -den Kanal. =Russell= erschien mit diesen an der französischen Küste bei -Gravelines; er ging zwar bald zurück, ließ aber am 13. April durch ein -Geschwader unter Shovel =Calais= beschießen, wohin sich die Transporter -schon begeben hatten. Die Beschießung hatte zwar wenig Erfolg, aber -Ludwig gab doch seinen Plan auf, weil er ein überraschendes Auftreten -ausgeschlossen sah. Die Vorbereitungen waren nicht schnell und -rechtzeitig genug fertig geworden; französische Quellen sagen: Jakob, -leicht erkrankt, sei schuld an der Verzögerung gewesen. Jakobs Schicksal -war hiermit endgültig entschieden. - -Infolge dieses Vorganges trat auch die =Sommerflotte der Verbündeten= in -diesem Jahre früher zusammen als in den Vorjahren, schon im April gingen -die ersten Holländer nach England. Diese Flotte wird die übliche Stärke -gehabt haben; das holländische Kontingent betrug 37 Linienschiffe, -darunter 8 über 90 Kanonen. - -Anfang Mai ging =Rooke=, der den Oberbefehl übernommen hatte, mit den zur -Zeit fertigen Schiffen kanalabwärts, um der in Brest erwarteten -Toulonflotte entgegenzutreten; er kam zu spät, sie traf am 15. in Brest -ein. (Ebensowenig gelang es einer Flottille, die unter Bembow Dünkirchen -bewachte, zu hindern, daß Jean Bart mit seiner Division am 17. Mai -auslief, wovon später.) - -Die Flotte lag dann vom 3. Juni an untätig vor Torbay -- die Holländer -sagen, »Befehle aus London erwartend«; sie klagen, daß auf diese Weise in -den letzten Jahren öfters die Operationen aufgehalten seien --, erst nach -drei Wochen ging sie, nun unter =Berkeley= nach Brest, um den Feind -herauszulocken. Ihr Erscheinen zwang die Division de Nesmond, die zum -Kreuzerkrieg an die spanische Küste gehen wollte, zurückzulaufen. Man -erfuhr dann, daß ein großer Teil der aus Toulon gekommenen Schiffe -abrüste, daß also der Gegner nichts Größeres beabsichtige. =Die -verbündete Flotte= wandte sich deshalb =wieder gegen die Küsten=. Mit den -Operationen gegen die Städte am Kanal hatte man nichts erreicht, so -sollte nun versucht werden, den Gegner an der Westküste mehr zu -schädigen; der Erfolg war noch geringer. - - Die Flotte segelte nach =Belleisle=, wo Tromp vor 22 Jahren gelandet - war. Da jedoch hier die Befestigungen zu stark erschienen, begnügte man - sich damit, die =Inseln Houat und Haedik= zu verwüsten, und eine - Abteilung von 8 Linienschiffen mit sämtlichen Mörserbooten südlicher zu - senden. Dieses Detachement schoß am 15. Juli =St. Martin= auf der Insel - Ré und am 17. die kleine Stadt =Les Sables d'Olonne= auf dem Festlande - in Brand (2000 Bomben, die ganze Munition, verbraucht) und vereinigte - sich wieder mit der Flotte. - -Am 30. Juli wurde die Rückfahrt nach Torbay angetreten, um Vorräte zu -ergänzen, und die Operationen hatten ein Ende. Vom holländischen -Kontingent wurden gleich verschiedene Divisionen abberufen -- zum -besseren Schutz des Handels in der Nordsee und zur Deckung der erwarteten -Ostindienfahrer -- und im September verminderte man die Streitkräfte -überhaupt auf eine gemeinsame Winterflotte. Diese übernahm in kleinen -Divisionen den Handelsschutz. Eine solche Division führte einen Convoi -nach dem Mittelmeer; die holländischen Schiffe dieser geleiteten im März -1697 wieder Kauffahrer heim; die englischen gingen unter Vizeadmiral -=Neville= nach Westindien, wo wir sie wieder treffen werden. - -$Vom Jahre 1697$, in dem die Friedensverhandlungen begannen, sind keine -größeren Ereignisse in europäischen Gewässern mehr zu melden. Die -Sommerflotte unter Rooke wurde weit schwächer bemessen -- die Holländer -z. B. nur 22 Linienschiffe --; vereint oder in mehrere Teile geteilt, -hielt sie im Kanal und in der Biscaya die kleinen französischen -Divisionen, deren Zahl und Stärke immer geringer geworden war, im Schach. - -$Spanien$ wurde weiter seinem Schicksal überlassen und, wie schon erwähnt -(Seite 415), dadurch zum Frieden gezwungen. Die französischen Truppen, -unterstützt durch ein Toulongeschwader unter d'Estrées, machten rasche -Fortschritte; =Barcelona= fiel jetzt. Von Einfluß war auch ein =Vorstoß -der Franzosen in Westindien gegen Cartagena=, dem seit alten Zeiten als -Sammelplatz der Reichtümer von Peru stets beliebten Angriffsobjekt der -Feinde Spaniens. - - Im Januar 1697 verließ der Chef d'Escadre =de Pointis= mit 6 - Linienschiffen, 5 Fregatten, einigen Mörserbooten und kleinen - Fahrzeugen sowie Transportern mit 6000 Mann Frankreich, um die - spanischen Kolonien und die Silberflotten zu bedrohen; in Westindien - durch 12 Flibustier verstärkt, erreichte er am 12. April Cartagena. - Nach regelrechter Belagerung zu Wasser und zu Lande wurden bis zum 30. - nacheinander die 3 schützenden Forts erstürmt und am 4. Mai ergab sich - die Stadt; sie mußte eine Kontribution von 10 Millionen zahlen, reiche - Beute fiel den Siegern in die Hände; die Befestigungen wurden - geschleift, da man den Platz nicht halten konnte und ihm überdies Hilfe - nahte. - - Als man nämlich in England die Abfahrt de Pointis' erfahren hatte, - wurde der Vizeadmiral =Neville= mit den englischen Schiffen an der - spanischen Küste, in Madeira noch durch holländische der Kanalflotte - auf 27 Kriegsschiffe verstärkt, hinterher gesandt. Pointis erfuhr - Nevilles Eintreffen in Barbados, verließ deshalb Anfang Juni Cartagena - und wählte den Weg durch die Floridastraße anstatt durch die - Windward-Passage, um dem Feinde zu entgehen; er war nicht nur zu - schwach, sondern auch durch Prisen behindert, ferner waren seine - Schiffe überladen und Krankheit herrschte auf ihnen. Durch die Wahl des - Weges stieß er aber gerade auf den Feind, der von Jamaica nach - Cartagena unterwegs war. Fünf Tage lang verfolgte Neville die Franzosen - zeitweise auf Schußweite, es gelang aber nur, ihnen eine Prise wieder - abzunehmen. Pointis erreichte mit dem größeren Teile seines Geschwaders - über Neufundland, wo er zum Wassernehmen anlief und fast einem dortigen - englischen Geschwader in die Hände gefallen wäre, im August glücklich - Brest; hier traf er den Rest seiner Schiffe schon an, bei Ouessant - hatte er noch den Angriff einer englischen Division abzuschlagen - gehabt. Auch auf Nevilles Geschwader war eine Epidemie ausgebrochen, - die schwere Opfer (etwa 1/3 der Besatzungen) kostete: Die Engländer - verloren daran 2 Flaggoffiziere, 7 Kommandanten, 1500 Mann; die - Holländer 1 Admiral, 3 Kommandanten, 400 Mann. Die Spanier in Havanna - verweigerten aus Furcht vor Ansteckung das Auffüllen von Wasser und - Proviant, ja lehnten sogar die angebotene Begleitung der dort - bereitliegenden Silberflotte ab. Der Rest der Besatzungen konnte wegen - Entkräftung auf der Heimreise kaum die Schiffe bedienen. - -Am 20. September 1697 wurde der =Frieden von Ryswijk= geschlossen, dessen -Bedingungen wir schon kennen (vergl. Seite 416.) - -$Der kleine Krieg; der Kreuzerkrieg der Franzosen.$[250] Wie in den -früheren Kriegen so wurde auch in diesem die =Freibeuterei= von beiden -Parteien von Anfang an lebhaft betrieben. Auf seiten der Verbündeten -zeichneten sich hierin die Seeländer aus, die bekanntlich von alters her -diesem Gewerbe (der »freien Nahrung«) sehr zugetan waren; wie früher -bildeten sich hier, besonders in Vlissingen und Middelburg, -Gesellschaften zu diesem Zwecke. Von Frankreich aus machten die -Freibeuter der Städte Dünkirchen, St. Malo, Dieppe, Havre, Bayonne die -Meere unsicher. - - [250] Hauptquellen: Chabaud-Arnault, Seite 99; Bonfils, Teil I, Seite - 352, 357; Mahan, Teil I, Seite 188; de Jonge, Teil III, an - verschiedenen Stellen. - -Die Franzosen waren dabei wohl stets im Vorteil. Einerseits war ihr -Handel weit geringer, anderseits stand ihnen dazu mehr Material zur -Verfügung; ihre Schiffahrt war schon vor dem Kriege (seit Colberts Tode) -zurückgegangen, es ist verständlich, daß die Rhederei die vorhandenen -Schiffe und Seeleute in dieser Weise zu verwenden suchte. Infolge ihrer -Lage schädigten besonders Dünkirchen und St. Malo den Feind; St. Malo -machte jetzt Dünkirchen fast den Rang streitig. - -Da =Dünkirchen= den wichtigen Handel nach der Ostsee durch die Nordsee, -sowie den Fischfang in diesem Meere, in hohem Maße gefährdete, sahen -sich die Holländer von Anfang an genötigt, wie in früheren Kriegen eine -Flottille zur ständigen Beobachtung der gefährlichen Stadt aufzustellen. -Von 1691 an wurde diese stehende Flottille zu einem gemeinsamen -englisch-holländischen Geschwader, von Jahr zu Jahr verstärkt, weil die -Gefahr immer zunahm. - - Die Holländer stellten als =Dünkirchen-Geschwader=: - - 1690 = 2 kleine Linienschiffe (50 Kanonen), 6 Fregatten. - 1691-1693 = 5 " " 11 " - 1694-1696 = 9-11 Linienschiffe (bis zu 60 und 70 Kanonen) und gegen 12 - Fregatten. Von England trat seit 1691 stets etwa die gleiche Zahl, - besonders an Linienschiffen, hinzu. - -Dieses Geschwader war nur dazu bestimmt, den Hafen zu blockieren und den -östlichen Eingang in den Kanal reinzuhalten, Abgang und Ankunft größerer -Convois im Osten zu decken, wie wir es von Geschwadern der Hauptflotte -oder von dieser selbst im Westen für Convois von und nach dem Atlantik -sowie Mittelmeer gesehen haben. Auf ihren weiteren Reisen wurden die -Convois in allen Meeren durch besondere Schiffe in kleinerer Zahl -begleitet; Holland hatte zu diesem Zweck jährlich gegen 30-40 sogenannte -=Convoijers= -- Fahrzeuge von 16-50 Kanonen; meist 24-40 -- im Dienst. - -Wir wissen schon, daß in diesem Kriege der Handel nicht nur durch -Freibeuter, oder auch Kriegsschiffe, und durch vereinzelte Operationen -der Hauptstreitkräfte (Geschwader; selbst Flotten) gegen größere Convois -bei günstiger Gelegenheit neben anderen Aufgaben angegriffen wurde, -sondern daß =Frankreich= bald fast seine ganze Kriegführung zur See -darauf richtete. So wurde denn auch der eigentliche =Kreuzerkrieg= von -ihm zu Ende dieses Zeitabschnittes (auch im nächsten und letzten Kriege --- dem Spanischen Erbfolgekriege -- bleiben die Franzosen dabei) in einem -Grade geführt, der weder vorher noch nachher erreicht ist; er ist deshalb -wohl geeignet zur Beurteilung des Wesens und des Wertes eines solchen -Krieges. - -Was führte nun Frankreich auf diesen Weg? Es ist schon darauf hingewiesen -(Seite 424), daß der Marineminister Pontchartrin nicht viel von einer -Marine hielt, und es ist mehrfach angedeutet, daß Ludwig selbst die -Wichtigkeit der Erringung der Seeherrschaft nicht genügend erkannte. So -kam es, daß nach der Niederlage von La Hogue die Ansicht des Ministers, -den Krieg nur gegen den Handel der Verbündeten zu führen, bei der -entscheidenden Stelle immer mehr Anklang fand. (Im conseil d'Etat -- die -Vertrauensmänner des Königs --, der über alle wichtigen Sachen -entschied.) - -Schon der Zug Tourvilles, die campagne au large, 1691 sollte in der -Hauptsache diesem Zweck dienen (der Versuch, den Smyrnaconvoi -abzufangen); 1692 nach La Hogue wurden die gesammelten Transporter zur -Freibeuterei benutzt, mit großem Erfolge, da die Verbündeten ihre Flotte -fälschlich zusammenhielten; die letzte große Flotte, die Frankreich 1693 -aufstellte, war nur für einen Schlag gegen den feindlichen Handel -bestimmt (Tourvilles Vernichtung des Smyrnaconvois). Von Ende 1693 an -verschwinden die großen Flotten; es war dies allerdings nicht nur eine -Folge der neuen Ansicht über die geeignetste Art der Kriegführung, -sondern auch des Verfalls der Marine, hervorgerufen durch ihre mangelnde -Pflege sowie durch die Erschöpfung des Landes. Nun wurde =der Krieg gegen -den Handel= zum reinen Kreuzerkriege und =erhielt einen eigentümlichen -Charakter=, ähnlich dem englischen zur Zeit der Königin Elisabeth gegen -Spanien: er wurde teils von der Regierung, teils von Privaten, Hand in -Hand, geführt. - - Wir wissen, daß die Franzosen von 1694 an in den Häfen des Kanals und - des Atlantik nur kleine Divisionen für den Küstenschutz aufstellten; - diese nahmen auch an dem Kreuzerkriege teil. Vor allem aber erreichte - die Freibeuterei einen großen Umfang. Die französische Schiffahrt hatte - nach und nach fast ganz aufgehört, weil das Land vom Meere fast völlig - abgeschnitten war und auch im Innern Handel und Wandel stockten. Die - Freibeuterei wurde so immer mehr die einzige Möglichkeit, Schiffe und - Seeleute zu verwerten. Jetzt traten noch die auf der Flotte - entbehrlichen Mannschaften hinzu, und die Regierung begünstigte den - Kreuzerkrieg in jeder Weise. Schiffe und Offiziere der Marine wurden - Firmen und Gesellschaften, die Freibeuterei betreiben wollten, zur - Verfügung gestellt, als Gegenleistung erhielt der König einen Anteil - vom Gewinn; Minister und andere hochgestellte Personen nahmen - Anteilscheine von solchen Unternehmungen, ja mußten es tun, um dem - Könige zu gefallen. - - Meist kreuzten die Freibeuterkapitäne mit ihren Schiffen allein, da - Männer dieses Gewerbes ungern abhängig waren. Auf den Schiffen folgte - man einer eigentümlichen Sitte: Vor dem Auslaufen wurde über den - Operationsplan vom Kapitän, den Offizieren und den Mannschaften in - freimütiger Besprechung der Beschluß gefaßt; einmal unterwegs herrschte - strengste Disziplin. Häufig aber auch operierten diese Fahrzeuge in - kleinen Divisionen von 3-6 Schiffen unter besonders tüchtigen Männern, - wie Jean Bart, Forbin, Duguay-Trouin u. a., die in der Freibeuterei - groß geworden waren, später einen Rang in der königlichen Marine - erhalten hatten und auch zeitweise in dieser beschäftigt wurden; von - den eigentlichen Seeoffizieren, die königliche oder - Freibeuter-Divisionen führten, haben sich Coëtlogon, de Nesmond, Renau - (der Erfinder der Mörserboote), du Casse u. a. ausgezeichnet. - - Diese Verwendung der königlichen Offiziere und Schiffe hatte zwar sehr - verderbliche Folgen für die Marine, wie schon erwähnt -- Rückgang der - Güte des Offizierkorps; Verlust vieler guter Schiffe --, verlieh aber - dem Freibeutertum einen Geist und eine Tatkraft, die ihm sonst kaum - innewohnen; man muß auch zugestehen, daß die Besatzungen unter den - erwähnten hervorragenden Führern wohl lieber fochten als plünderten. - -Der Handel der Engländer und Holländer litt außerordentlichen Schaden. -Verschiedene Autoren geben die Zahl der 1691-1697 von den Franzosen -genommenen Kauffahrer auf mehr als 4000 an; die Unternehmer gewannen -Reichtümer und auch in die erschöpfte französische Staatskasse flossen -bedeutende Summen. Zwar wollen auch die Gegner viele Schiffe aufgebracht -haben -- englische Quellen sprechen von über 2000 --, doch war der eigene -Verlust der größere und trug schließlich viel mit zum Friedensschluß bei. - -Der kleine Krieg führte zu ungezählten Gefechten zwischen einzelnen -Schiffen und zwischen kleinen Divisionen, zu Angriffen und Verteidigungen -von Convois in allen Meeren, besonders von der Küste Spaniens bis in die -Nordsee. Die Geschichten der Marinen[251] erzählen manche davon; mit -besonderer Liebe, da sich gerade in ihnen seemännisches Geschick und Mut -zeigen; die französischen Freibeuter, vor allen Jean Bart, manövrierten -meist auf sofortiges Entern. - - [251] Z. B. in den soeben angeführten Quellen; für die englische Marine - im Clowes, Teil II, Kap. »minor operations«. - - Als Beispiel sollen hier nur =die Haupttaten Jean Barts=, des - berühmtesten Freibeuters dieses Krieges, gegeben werden: Als Sohn eines - Fischers 1650 in Dünkirchen geboren und selbst Fischer, diente Jean - Bart während des zweiten Krieges mit Auszeichnung in der holländischen - Marine, ging aber bei Ausbruch des dritten Krieges nach Frankreich, - obgleich ihm in Holland ein Schiff angeboten war. Er zog bald als - Freibeuter die Aufmerksamkeit Colberts auf sich, erhielt 1679 ein - Leutnantspatent in der königlichen Marine und wurde 1689 Kapitän. Als - solcher führte er ein Schiff bei Beachyhead; meist jedoch fuhr er auch - während dieser Jahre als Freibeuter, er wurde dabei 1689 nebst Trouin - von den Engländern gefangen, entfloh aber bald mit diesem. - - Von 1692 an jedoch kommandierte er eine Division für den Kreuzerkrieg, - die »=Escadre du Nord=« oder »=de Dunkerque=« genannt. Bei seinem - ersten Auftreten in dieser Stellung gelang es ihm trotz des - englisch-holländischen Blockadegeschwaders auszulaufen, 3 feindliche - Kriegsschiffe und etwa 20 Kauffahrer zu nehmen, 80 Fischerfahrzeuge zu - vernichten und den Hafen wohlbehalten wieder zu erreichen. 1693 führte - er in dem Gefecht bei Lagos (Vernichtung des Smyrnaconvois) ein Schiff - mit Auszeichnung. Er übernahm dann wieder seine Division und leistete - 1694 seinem Lande einen großen Dienst. Wegen Mißernten war Frankreich - in diesem Jahre auf Kornzufuhren aus der Ostsee angewiesen, 120 - Fahrzeuge mit Getreide wurden von dort erwartet. Schon im Februar lief - Jean Bart aus und brachte einige 20 Segel glücklich ein, obgleich - englische und holländische Geschwader in der Nordsee waren. Im Juni - ging er mit 5 Schiffen (40-52 Kanonen) dem Rest entgegen, der durch - Eisverhältnisse aufgehalten war; er traf ihn in der Nordsee schon von 8 - holländischen Kriegsschiffen (38-58 Kanonen) umringt, befreite ihn nach - heftigem Kampfe (280 gegen 390 Kanonen), in dem 3 Holländer genommen - wurden; darunter das Flaggschiff, nach de Jonge das erste holländische, - das in Feindeshand blieb (früher genommene sind stets gesunken). Für - diese Tat wurde er geadelt. 1695 zeichnete er sich bei der Verteidigung - seiner Vaterstadt als Kommandant des Westmolenforts aus. 1696 bricht er - wieder die Blockade mit 7 Segeln (300 Kanonen), um einen Convoi - rückkehrender holländischer Ostseefahrer abzufangen. Er trifft ihn - nördlich von Texel, nimmt sämtliche begleitende Kriegsschiffe (5 mit - 200 Kanonen) und etwa 30 Kauffahrer. Er verbrennt diese, weil das - holländische Dünkirchengeschwader (14 Segel) erscheint, das gerade - einen ausgehenden Convoi Ostseefahrer geleitet, entzieht sich aber - selbst dem Angriff. - -[Illustration: Jean Bart] - - Im Jahre 1697 führte Jean Bart trotz feindlicher Geschwader den Prinzen - von Conti, Prätendenten für die Krone Polens, nach Danzig. Dies war - seine letzte Tat. Er starb, 52 Jahre alt, im April 1702, als der - Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges ihm neue Lorbeeren in Aussicht - stellte, aber er hinterließ tüchtige Schüler. - - Seine Tätigkeit von Dünkirchen aus soll die üblichen drei bis vier - englisch-holländischen Convois im Jahre nach der Ostsee oft auf einen - beschränkt haben; kein Wunder, daß die Gegner ihr Geschwader vor dieser - Stadt immer mehr verstärkten und verschiedene Versuche machten, sie zu - zerstören. - -Die ungeheueren Verluste, die die Verbündeten erlitten, beweisen, daß -ihre Marinen die Aufgabe, den Seehandel zu schützen, nicht gelöst haben. -Es führt uns dieser Umstand zu einer theoretischen $Betrachtung über das -Wesen des Kreuzerkrieges$.[252] - - [252] Vgl. Mahan, Teil I, Seite 188 und Seite 126-132. Von Mahans - Auslassungen ist bereits früher (Seite 305) ein Auszug gegeben, - an den gewissermaßen hier angeschlossen wird. - -Es gilt jetzt wohl allgemein als Grundsatz, daß der Kreuzerkrieg nur von -großem Einfluß sein kann, wenn er sich auf eine starke Flotte stützt. -Mahan sagt hierzu: »Um wirksam zu sein, muß der Kreuzerkrieg durch eine -Geschwaderkriegführung oder durch Abteilungen von Linienschiffen -unterstützt werden. Indem diese den Feind zwingen, seine Streitkräfte -zusammenzuhalten, geben sie den Kreuzern die Möglichkeit der -erfolgreichen Zerstörung des feindlichen Handels; ohne eine solche -Rückendeckung wird das Ergebnis die Wegnahme der Kreuzer sein.« Unser -Krieg scheint nun dagegen zu sprechen; der Handel der Verbündeten litt -nämlich am meisten, als nach La Hogue 1692 die französische Flotte vom -Meere verschwunden war -- wie man gemeiniglich sagt. - - Angaben einiger Schriftsteller hierfür. Macaulay sagt: Während vieler - Monate im Jahre 1693 war der englische Handel nach dem Mittelmeer - beinahe gänzlich unterbrochen. Es war nicht möglich, nach der Straße - von Gibraltar zu gelangen, ohne von einem französischen Kreuzer - angegriffen zu werden; ein Schutz dagegen war aber nicht leicht zu - erhalten. -- Martin (Geschichte Frankreichs) sagt von den späteren - Jahren des Krieges bezüglich Englands: Der Zustand der Finanzen war - kläglich, die Seeversicherung betrug 30%; die Navigationsakte war - tatsächlich außer Kraft gesetzt und die englischen Schiffe waren - genötigt, unter schwedischer oder dänischer Flagge zu fahren. Campbell - (Live of the Admirals) sagt von dieser Zeit: In dem Jahre, in dem die - Franzosen Herren der See waren (also nach Beachyhead 1690), hatte unser - Handel weit weniger gelitten. - - Bonfils endlich tut den obenerwähnten Ausspruch, daß statt drei bis - vier Convois jährlich nur einer nach der Ostsee abging. - -Die Verhältnisse liegen aber bei näherer Betrachtung doch anders. Zwar -gab die französische Flotte tatsächlich die aktive Kriegführung auf, aber -die Verbündeten glaubten zu verschiedenen Zeiten doch noch mit ihr -rechnen zu müssen -- um so mehr, als der Eindruck des Sieges bei -Beachyhead und des tapfern Verhaltens der Franzosen bei La Hogue noch -einige Zeit bei ihnen nachwirkte --, oder wenn dies nicht der Fall war, -versäumten sie eben, die richtigen Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg zu -ergreifen. Bis zu den allerletzten Jahren hielten sie ihre -Hauptstreitkräfte zusammen, anstatt sie zur Verfolgung der feindlichen -Kreuzer aufzulösen und die feindlichen Kreuzerhäfen schärfer zu -blockieren; nur gelegentlich (wenn Convois erwartet) detachierten sie -Teile. - - Ein kurzer Rückblick möge dies veranschaulichen. 1692 nach La Hogue war - die französische Flotte wirklich brach gelegt. Die Seestreitkräfte der - Verbündeten wurden aber bis zum Winter bei Spithead zusammengehalten, - um Truppen für eine Landung in Frankreich aufzunehmen; die Franzosen - hingegen armierten mit den Leuten der Flotte und den gesammelten - Transportern eine außergewöhnliche Zahl von Freibeutern, so daß die - Kaperei gerade in diesem Jahre besonders stark betrieben werden konnte - und in den betroffenen englischen Kreisen die größte Entrüstung - hervorrief. - - 1693 wurde die Flotte der Verbündeten zusammengehalten, weil Frankreich - die seinige in Brest zusammenzog. Ungenügendes Unterrichtetsein, sowie - Mangel an Entschluß und Disposition an den leitenden Stellen, - schlechter Zustand des Materials führte dann doch den Verlust des - Smyrnaconvois durch die französische Flotte, die man im Schach halten - wollte, herbei; auch nachher geschah nichts zum Schutz des Handels. - - 1694 und 1695 war die eine Hälfte der Streitkräfte im Mittelmeer, die - andere blieb in den nördlichen Gewässern zu den fruchtlosen - Unternehmungen gegen die feindlichen Küsten vereint; wie viel besser - wäre sie gegen das Freibeuterwesen verwendet worden! - - 1696 vergingen das Frühjahr und der Sommer bis zum August mit dem - Bereithalten gegen eine Landung der Franzosen, mit dem vergeblichen - Versuch, die Vereinigung der Toulon- und Brestflotte zu hindern und - dann wieder mit den Unternehmungen gegen die atlantische Küste des - Gegners. - - Erst im August 1696 und im Jahre 1697 wurden die Seestreitkräfte mehr - zur Bekämpfung des Kreuzerkrieges verwendet, und jetzt auch mit Erfolg. - -Als dies endlich, vom Herbst 1696 an, mehr geschah, wurde die Tätigkeit -der französischen Freibeuter auch wesentlich eingeschränkt; viele wurden -weggefangen, die Kreuzerdivisionen in den Häfen festgehalten. -- Die -Ereignisse dieses Krieges entkräften also obigen Satz nicht. Im nächsten -Kriege, als die französische Marine völlig ohnmächtig war, wird sich die -geringe Wirksamkeit eines Kreuzerkrieges, der nicht auf Flotten gestützt -ist, noch deutlicher zeigen. Dabei muß man noch im Auge behalten, daß die -Lage der französischen Häfen ungemein günstig zur Bedrohung der -englisch-holländischen Handelswege war. - -$Die Zusammenstöße in den Kolonien$[253] während dieses Krieges können -wir auch zu dem kleinen Kriege rechnen, weil sie ohne großen Erfolg und -Einfluß waren; es handelte sich neben dem Aufbringen von Kauffahrern fast -nur um Brandschatzungen feindlicher Niederlassungen, weil der -Angreifende, wenn er eine solche wirklich genommen hatte, doch nie lange -in ihrem Besitz blieb. - - [253] Etwas genauer geschildert in Colomb, Kapitel XI, XII; in Bonfils, - Teil I; in Clowes, Teil II, »minor operations«. In Zimmermann - »Europäische Kolonien«, Band II und IV ist näher auf die Kriege - Englands und Frankreichs um Kanada usw. eingegangen. - -In den =westindischen Gewässern= befanden sich stets einige Kriegsschiffe -beider Gegner, Kauffahrer wurden dort armiert oder Flibustier in Sold -genommen. England sandte fast in jedem Jahre ein kleines Geschwader, oft -mit Truppen, hinaus, Frankreich seltener. So hatten die Engländer -häufiger die Seeherrschaft und traten im ganzen genommen offensiver auf; -da aber die französischen Kolonien schon stärker bevölkert waren, konnten -sie meist Widerstand leisten und zeitweise, wenn ihre Streitkräfte -überwogen, bedrohten die Franzosen die feindlichen Niederlassungen. Die -französischen Kolonien waren auch reicher, führten den Krieg gegen den -Handel mit Flibustiern und hatten hierin wohl den größeren Erfolg, -besonders natürlich, wenn die Engländer nicht ausgesprochen die See -beherrschten. - -Die Franzosen nahmen gleich zu Beginn des Krieges (1688) den Holländern -St. Eustache ab, verdrängten (1689) die Engländer aus dem -gemeinschaftlich besetzten St. Kitts und plünderten durch Flibustier -spanische Niederlassungen. Aber schon 1690 setzten sich die Engländer -wieder in den alleinigen Besitz von St. Kitts, eroberten Marie Galante, -landeten auf Guadeloupe und belagerten die Garnison in Basse-Terre. Beide -Inseln mußten sie 1691 wieder aufgeben, als ein größeres französisches -Geschwader auf der Station erschien. 1692 kam es zu einem Gefecht auf -offener See bei Désirade, in dem die Engländer einen Convoi gegen den -Angriff einer überlegenen Kraft deckten. 1693 machten die Engländer einen -vergeblichen Angriff auf Martinique; 1694 fielen die Franzosen in Jamaica -und 1695 die Engländer und Spanier in den französischen Teil Haitis ein. -Aber alle diese Expeditionen hatten eben keinen dauernden Erfolg. - -Das größte Unternehmen Frankreichs -- der Zug de Pointis' gegen -Cartagena, 1697 -- haben wir als militärisch-seemännisch wie politisch -bemerkenswert näher berührt (Seite 466). - -=In Nordamerika= hatten schon vor dem Kriege Feindseligkeiten an den -Grenzen begonnen; hier waren zwar die englischen Kolonien den -französischen an Bevölkerung weit überlegen, aber Frankreich strebte sehr -nach Erweiterung seiner Macht und scheint vor und während des Krieges -stets die stärkeren regulären Landstreitkräfte -- allerdings auch nur -sehr geringe -- gehabt zu haben. - -Schon 1686 nahmen sie einige englische Besitzungen an der Hudsonbai weg -und bekriegten englisch gesinnte Indianerstämme; es lag in der Absicht, -New York zu nehmen, um einen eisfreien Hafen für Kanada zu erhalten. 1689 -sollte hierzu zu Wasser und zu Lande vorgegangen werden, aber die von -Frankreich erwarteten Schiffe kamen zu spät und mußten dann gleich -zurück, da sie infolge langer Überfahrt ihre Vorräte aufgebraucht hatten; -zu Lande unternahm man noch im Winter (Februar 1690) Einfälle an den -Grenzen, durch Indianerhorden mit großer Grausamkeit ausgeführt. Nun aber -rüsteten die englischen Kolonien mit aller Kraft. Ein englisches -Geschwader -- Admiral Phips mit 8 Linienschiffen -- traf ein und nahm im -April 1690 die festen Plätze von Akadia (Neuschottland); dann wurde ein -Angriff auf Quebec ins Werk gesetzt. Phips führte Mitte August die -Kriegsschiffe und 32 Transporter -- mit Milizen von Massachusetts, etwa -2000 Mann -- den Lorenzstrom hinauf, landete unweit Quebec -- ungünstiger -Winde auf See und schwieriger Navigation im Flußrevier wegen erst Mitte -Oktober -- und versuchte die Stadt zu nehmen; einige Schiffe beschossen -diese. Aber die Artillerie der Stadt war der der Schiffe gewachsen, die -Garnison dem durch Krankheit geschwächten Landungskorps überlegen; das -Unternehmen mußte mit bedeutendem Verlust aufgegeben werden. Ein -gleichzeitiger Vormarsch zu Lande von Albany auf Mont Real -- 3000 -Milizen der Kolonien -- war auch infolge Uneinigkeit zwischen den -Kontingenten nicht vorwärts gekommen. -- Während der folgenden Jahre -beschränkte sich die Kriegführung auf Grenzstreifzüge; beide Parteien -wurden von Europa nicht unterstützt. Die Franzosen bemächtigten sich nach -und nach Akadiens wieder und besetzten weitere Plätze an der Hudsonbai -sowie in Neufundland. Ein zweiter Plan gegen New York und Boston 1696 kam -wieder nicht zur Ausführung, da das dafür bestimmte Geschwader -- 15 -Kriegsschiffe unter de Nesmond -- abermals zu spät (1697) und von allem -entblößt eintraf. Im ganzen hatte aber doch Frankreich die meisten -Vorteile errungen; beim Frieden gab England die Hudsonbai und -Neuschottland auf und auch von Neufundland behielt Frankreich den festen -Platz Placentia sowie die Niederlassungen an der Westküste. - -$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ -- $Über Strategie.$ In Hinsicht auf -das =Kriegsmaterial= ist bei diesem Kriege wenig zu sagen. Das -=Schlachtschiff= wächst weiter (vgl. Seite 353 u. 418); trotz der nur -kurzen Zeit seit dem letzten englisch-holländischen Kriege hat dieser -Prozeß wieder einen Schritt vorwärts gemacht: das 40-50 Kanonenschiff ist -ganz aus der Linie verschwunden, die 50-60 Kanonenschiffe erscheinen so -selten wie im vorigen Kriege die 40-50er; die Zahl der Schiffe über 80 -Kanonen hat zwar auch zugenommen, aber die Hauptkraft der Flotten liegt -in den 60-70 Kanonenschiffen. - - Es ist also der angedeutete (Seite 178/179) Abschluß des Abschnittes - fast erreicht. Dort wurde gesagt, daß man im nächsten Zeitabschnitt, - nach 1740, in England das 74 Kanonenschiff als das geeignetste - Schlachtschiff ansah. (So sehr, daß man, wenn das Auftreten der - Seemacht überhaupt bezeichnet werden sollte, nur von »unseren 74ern« - sprach, schon in diesem Kriege lag die Hauptkraft der Engländer in 70 - Kanonenschiffen. - -Von den Spezialwaffen sind =die Brander=, die im letzten Kriege, was die -Zahl anbetrifft, auf ihrem Höhepunkte waren, nicht mehr so stark bei den -Flotten vertreten; ihre Leistungen sind noch geringer geworden. Infolge -der vielen Unternehmungen gegen Küstenstädte treten die =Mörserboote=, -bisher nur von den Franzosen im Mittelmeer verwendet, auch bei den -Engländern und Holländern auf; ihre Wirkung läßt aber zu wünschen übrig. -Völlig versagten die von England gegen Küstenbefestigungen und -Hafenanlagen gebauten =Infernals=. - -In bezug auf die =Taktik= bringen die wenigen großen Aktionen nichts -Neues. Sie zeigen eigentlich nur, inwieweit das Personal -- und zwar die -höheren Offiziere -- der verschiedenen Marinen seinen Aufgaben gewachsen -war. Bei der eingehenden Schilderung der Schlachten sind die vorzüglichen -Leistungen und die Fehler hervorgehoben. - -Es genügt hier, darauf hinzuweisen, daß die Franzosen in diesem Kriege -auf der Höhe standen; sie wandten die Taktik, die sich nach und nach -entwickelt hatte, richtig an. Sie zeigen dies sowohl bei Stärke wie bei -Schwäche auf ihrer Seite: bei Beachy Head durch Ausnutzung der eigenen -Überlegenheit und der Fehler des Gegners; bei Barfleur, indem sie durch -geeignete Manöver und durch gegenseitige Unterstützung die Überlegenheit -des Feindes nach Möglichkeit aufhoben. Größere taktische Fehler machten -eigentlich nur der sonst so hervorragende Führer Tourville als Verfolger -in der ersten, als Verfolgter in der zweiten Aktion und de Nesmond bei -Lagos. Auch Holland gebot über tüchtige Admirale, Schüler Ruyters, doch -kamen sie nicht genügend zur Geltung; das einzige Mal, wo es der Fall -war, bewährten sie sich -- Evertsen bei Beachy Head. - -Taktische Fehler in den Schlachten sind nur englischen Führern -vorzuwerfen: das Verhalten der Nachhut bei Barfleur, als sie sich von der -Hauptschlacht abziehen ließ, und Herberts schwache Beteiligung mit seiner -Mitte bei Beachy Head. Das Verhalten Herberts bei dieser Gelegenheit soll -jedoch weiter unten nochmals besprochen, werden, da es höchst -wahrscheinlich strategischen Erwägungen entsprang. - -Wenden wir uns nun eingehender den =Betrachtungen über Strategie= zu. Es -ist eingangs dieses Kapitels gesagt, daß der Pfälzische Erbschaftskrieg -zwar in der Hauptsache ein Landkrieg war, daß aber doch die Kriegführung -zur See von großem Einfluß gewesen ist; es ist ferner darauf hingewiesen, -daß dieser Einfluß bei richtigerer Verwendung der Seestreitkräfte und bei -größerer Leistungsfähigkeit dieser -- beides auf beiden Seiten -- wohl -noch weit bedeutender hätte sein können. Nachstehender =Rückblick auf den -Verlauf des Krieges= soll diese Behauptungen bekräftigen. - -Ludwig XIV. hatte es dahin gebracht, daß sämtliche Staaten des Festlandes -gegen ihn die Waffen zu erheben drohten; vertrauend auf seine Macht griff -er 1688 selbst Deutschland an. Er beging aber sofort einen großen Fehler -dadurch, daß er Wilhelm von Oranien -- die Seele des gegen ihn -gerichteten Bundes -- den Thron von England besteigen ließ. Infolgedessen -trat auch dieser Staat zu seinen Feinden, ja, England und Holland kamen -unter eine Leitung und diese beiden Seenationen waren seine -gefährlichsten Gegner, da sie mit ihrem Reichtum dem Gesamtbunde die -Mittel zum Kriege liefern mußten. - -Ludwig hätte es hindern können, wenn er, anstatt hauptsächlich gegen -Deutschland vorzugehen, dessen schwache Kräfte vorläufig nur im Schach -gehalten und mit großer Macht, zu Lande wie auch gerade zu Wasser mit -seiner mächtigen Marine, Holland angegriffen hätte; Seignelay riet hierzu -auf das dringendste. Nach Oraniens Thronbesteigung ermöglichte und -unterstützte Ludwig die Erhebung Jakobs in Irland und der erste Fehler -hätte wieder gut gemacht werden können, wenn Ludwig noch jetzt seine -Hauptanstrengungen gegen die Seemächte richtete -- gegen Oraniens -Stellung in England und gegen die englisch-holländische Verbindung; noch -war er, selbst beiden Mächten vereint, zu Wasser überlegen. - - Irland war der schwächste Punkt in Oraniens Stellung, hier war der - vertriebene König mit Begeisterung aufgenommen. Aber auch in England - hatte er viele Parteigänger, und Oranien wurde sogar von denen, die ihn - gerufen hatten, in seiner königlichen Macht durch eifersüchtige - Einschränkungen geschädigt. Ludwig hätte nun mit aller Energie die - Stuarts unterstützen und England selbst angreifen müssen -- Irland dem - Könige Jakob erhalten, in England einfallen --; dies war nur möglich - durch einen tatkräftig geführten Seekrieg. Mit der Wiederentthronung - Oraniens würde dem Bunde der Gegner die Spitze abgebrochen sein. - -Wiederum vertrat Seignelay diese Ansicht, aber der Einfluß Louvois' -- -eifersüchtig auf die Seestreitkräfte und scheinbar die Wirkung eines -Seekrieges sowie die Lage überhaupt verkennend -- überwog; Ludwig blieb -bei der Teilung seiner Kräfte. Die Folge war, daß Irland fiel, Oranien in -seiner Stellung gesichert und damit in den Stand gesetzt wurde, den Krieg -auf dem Festlande zu unterstützen, ja sogar persönlich zu leiten. Dieses -Beharren in dem großen politischen und strategischen Fehler bei Beginn -des Krieges ist wohl als entscheidend für den Ausgang anzusehen; alle -Erfolge auf dem Festlande konnten nicht hindern, daß sich der Kampf in -die Länge zog und erst wegen allgemeiner Erschöpfung endete. Die Gegner -hatten aber den Krieg nur mit den Mitteln der Seenationen durchführen -können und die Erschöpfung Frankreichs war nicht zum wenigsten durch den -stillen aber anhaltenden Druck der Seestreitkräfte Englands und Hollands -herbeigeführt; ihre Marinen waren, weil auf gesunderer Grundlage ruhend, -bald der französischen überlegen geworden. - -Gehen wir nun zu der =Kriegführung zur See= im besonderen über. Wir -können sie in zwei Abschnitte teilen: in dem ersten ist die französische -Flotte die angreifende 1689-1692; in dem zweiten tritt die Flotte der -Verbündeten in die Offensive durch Angriffe auf die feindliche Küste und -durch Eingreifen in den spanischen Landkrieg, die französische beschränkt -sich auf die Defensive und auf den Kampf gegen den Handel 1694-1697; das -Jahr 1693 bildet gewissermaßen den Übergang zwischen beiden. - -=Das Jahr= 1689 zeigt den besprochenen Fehler Ludwigs: Er greift zwar -Holland zu Lande an, tut aber zur See nichts gegen England und Holland, -obgleich deren Flotten anfangs nicht bereit sind; auch sein Eingreifen in -Irland ist nur schwächlich. Im März wird Jakob ungehindert mit Truppen -übergeführt und im Mai gelingt es, trotz des feindlichen Angriffs -(Bantrybay) Verstärkungen nachzusenden. Aber die mächtige französische -Flotte zeigt sich nicht rechtzeitig, und die Geschwader, die die -Überführungen bewerkstelligten, kehren stets sofort zurück; so gelingt es -einer ganz schwachen englischen Flottille (Rooke), im irischen Kanal die -Verbindung Jakobs mit seinen Anhängern in Schottland zu unterbrechen, die -Belagerung der Stadt Londonderry aufzuheben und den Marschall Schomberg -mit einer Angriffsarmee in Irland zu landen. - -Im Juli verfügen die Verbündeten über 60 Kriegsschiffe. Sie zeigen sich -an der französischen Küste, hindern aber nicht, daß sich das französische -Mittelmeergeschwader mit den Kräften des Atlantik vereinigt; hierdurch -wird die französische Flotte gegen 70 Schiffe stark. Im August -erscheinen die Verbündeten wiederum vor Brest und Tourville tritt ihnen -entgegen. Es kommt aber zu keinem Zusammenstoß, die Verbündeten schützen -nur das Einlaufen eines Mittelmeerconvois. Die Kriegführung war also sehr -lau auf beiden Seiten. - - =Die wahrscheinlichen Gründe hierfür=: England war durch den Einfall in - Irland überrascht, aber auch im weiteren Verlauf waren die Verbündeten - nicht fertig. In England mögen dies die noch unsicheren politischen - Verhältnisse hervorgerufen haben, in Holland die uns bekannten - Umstände, die stets das Auftreten lähmten, wenn dem Volke das Feuer - nicht auf den Nägeln brannte. So fühlte sich die Führung der Flotte - nicht sicher genug -- holländische Quellen sprechen dies unumwunden aus - -- und vermied ein ernstes Zusammentreffen. - - In Frankreich war die Lauheit doch wohl ein Zeichen des geringen - Verständnisses der einflußreichsten Kreise für die Wichtigkeit der - Kriegführung zur See. Warum war die Flotte nicht rechtzeitig bereit? - Französische Quellen schieben es auf die schon eingerissene Unordnung - in der Organisation; aber dies ist doch nicht durchaus stichhaltig, - auch als sie fertig war, tat sie nichts. Man wollte nicht zuviel aufs - Spiel setzen (auch nach französischen Angaben). - -=Im Jahre= 1690 plante Ludwig, energisch vorzugehen. Wenn es auch England -gelungen war, Truppen nach Irland zu werfen, so stand Jakobs Sache dort -noch nicht schlecht, falls ihn Frankreich ernstlich unterstützte, -besonders mit der Flotte. Diese konnte nun entweder in erster Linie ganz -in den Dienst des irischen Landkrieges gestellt oder dazu bestimmt -werden, zunächst die feindliche Flotte zu vernichten und dadurch einen -Einfall in England zu ermöglichen. Ludwig entschied sich für den zweiten -Weg. Dies war zweifellos richtig; noch konnte er sich zur See als -überlegen betrachten, aber er durfte dabei nicht die Unterbrechung der -Verbindung seines Gegners mit Irland ganz vernachlässigen, doch dies -geschah wie im Vorjahre. Im März führte ein französisches Geschwader -Truppen und Kriegsmaterial nach Irland, ungehindert obgleich die -Engländer Schiffe im Kanal hatten. - - So z. B. das für das Mittelmeer bereitliegende Geschwader unter - Killigrew. Die kleine Flottille unter Shovel, die für die irischen - Gewässer in Dienst gestellt wurde, kam zu spät. Diese scheint nur zur - Deckung des eigenen, bald folgenden Überganges bestimmt gewesen zu - sein, ging sie doch auch nach Erfüllung dieser Aufgabe zur großen - Flotte zurück. - -Wie im Vorjahre kehrte dieses aber sofort nach Frankreich zurück, und -weitere Seestreitkräfte von Belang waren später nicht in den irischen -Gewässern. So konnte Wilhelm III. im Juni mit großer Macht in eigener -Person nach Irland hinübergehen. Es ist wohl möglich, daß dieser Fehler -französischerseits begangen ist, weil man annahm, der Expedition nach -Irland bald den geplanten großen Angriff mit der Hauptflotte folgen -lassen zu können. Auffallend bleibt es doch und läßt auf mangelndes -Verständnis in dieser Hinsicht schließen, wie völlig »beide Parteien« die -Unterbrechung der Verbindung des Gegners mit der Insel während der ganzen -Dauer des Kampfes um diese vernachlässigen. - -Die mächtige französische Flotte, für den Angriff auf England bestimmt, -70 Linienschiffe unter Tourville war erst Ende Juni in Brest bereit; zu -spät, um, wie beabsichtigt, die Verbündeten vor ihrer Vereinigung zu -schlagen. Als sie auftrat, entschied sich gerade Jakobs Schicksal durch -die Schlacht am Boyne (11. Juli). Trotz dieser Verzögerung -- dieses Mal -wirklich wohl allein hervorgerufen durch die seit Colberts Tode -eingerissenen Übelstände -- war Tourville den Verbündeten -- 57 -Linienschiffe unter Herbert -- weit überlegen und er schlug sie fast -vernichtend bei Beachy Head (10. Juli). Daß er so überlegen auftreten und -hiervon Gebrauch machen konnte, war die Folge einer Summe von Fehlern der -Gegner: Ungenügende und verspätete Rüstung, Zersplitterung der Kräfte, -falsche Führung. - - Das schon im Winter bereite Geschwader unter Killigrew, das im Frühjahr - Kauffahrer ins Mittelmeer geleiten und die Toulonschiffe dort - festhalten sollte, segelte infolge von Unschlüssigkeit in London zu - spät. Als es doch noch auf das Toulon-Geschwader traf, vermied dieses - (Château-Renault) richtigerweise das Gefecht und vereinigte sich - rechtzeitig mit seiner Hauptflotte. Killigrew dagegen folgte nicht - sofort und traf erst nach der großen Schlacht in England ein. - - Die Ausrüstung der Hauptflotte hatten die Verbündeten so lässig - betrieben, daß sie am 1. Juli nur 50, kaum voll gefechtsbereite - Linienschiffe zählte. In beiden Ländern war man schlecht über die - Rüstungen des Gegners unterrichtet und unterschätzte ihn vielleicht - infolge seines schwächlichen Auftretens im Vorjahre. Als man die Gefahr - erkannte, gab man Herbert den Befehl, unter allen Umständen zu - schlagen, und nun war auch sein Verhalten beim Zusammenstoß nicht - einwandfrei. - - Es sei hier nochmals etwas näher darauf eingegangen, was aus der - Untersuchung in dieser Sache zu entnehmen ist und wie =Herberts - Verhalten bei Beachy Head= von verschiedenen Seiten beurteilt wird. Auf - seine Vorstellungen im Winter, die Rüstungen zu verstärken und zu - beschleunigen, erhielt Herbert die Antwort des Ministers Nottingham: - »Sie werden stark genug gegen die Franzosen sein;« Herbert antwortete: - »Mein Lord, ich kenne mein Geschäft und werde mein Bestes tun. Aber ich - bitte sich später zu erinnern, daß es nicht meine Schuld gewesen ist, - wenn die Flotte nicht stärker ist. Ich bin jetzt in Sorge, wo die - Gefahr noch abzuwenden ist; Sie werden es im Sommer sein, wenn es zu - spät ist.« Er erhielt auch den Befehl, sich einzuschiffen, erst Ende - Mai, und vorher waren von höherer Stelle keine Anordnungen getroffen, - um die Franzosen zu beobachten. Man schätzte sie nur auf 66 - Linienschiffe, schlecht bemannt und somit der eigenen Macht nicht - überlegen. - - Aus dem bereits teilweise wiedergegebenen Briefwechsel (S. 435 ff.) - zwischen Herbert und Nottingham geht hervor, daß Herbert keine Schlacht - schlagen wollte, nachdem er sich durch Augenschein von der - Überlegenheit des Gegners überzeugt hatte. Sein Plan war, nach Westen - zu gehen, um die dort stehenden Teile der Seestreitkräfte an sich zu - ziehen, oder falls dies nicht möglich wäre, von einer sicheren Stellung - im Osten aus mit seiner unversehrten Flotte den Gegner im Schach zu - halten. Dies entsprach also dem Verhalten Ruyters im dritten - englisch-holländischen Kriege. Nottingham billigte den Plan nicht und - erwirkte, immer noch mit falscher Einschätzung der Stärke des Feindes, - den Befehl der Königin, der zur Schlacht führen mußte. - - Colomb hält Herberts Standpunkt für den einzig richtigen; Clowes stimmt - nicht völlig bei: »Es sei doch nicht sicher, daß Herbert unbedingt - imstande gewesen sein würde, die sich gestellte Aufgabe zu lösen; Wind- - und Wetterverhältnisse hätten ihn hindern können.« Dieser Einwand ist - nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Lage ist z. B. nicht durchaus - mit der Ruyters zu vergleichen: Ruyter hatte eine weit kürzere - Küstenstrecke zu schützen und stand im Westen (westliche Winde - vorherrschend) der bedrohten Punkte; Herbert wollte von der Themse aus - den ganzen Kanal bewachen. Mit beiden Kritikern muß man aber den - Umstand verurteilen, daß Herbert von London aus so bindende Befehle - erhielt; =soweit darf der Einfluß auf den Chef einer Streitmacht nicht - gehen=, wie es hier geschah. - - (Clowes führt hier den Ausspruch eines Admirals der Neuzeit, =Sir G. - Th. Hornbys=, an. Als man in England gelegentlich von Differenzen mit - einer fremden Macht erwog, ein Kabel zur Flotte zu legen, wenn diese an - der feindlichen Küste sei, um stets von Whitehall mit ihr in Verbindung - zu bleiben, äußerte genannter Admiral: »Wenn ich der Chef der Flotte - wäre, würde man -- so fürchte ich -- bald hören, daß das Kabel - gebrochen sei.«) - - Kommen wir nun zu Herberts Verhalten bei dem Zusammenstoß. Er kannte - die Überlegenheit des Feindes, griff trotzdem an, führte aber den Kampf - nicht mit äußerster Energie durch. Clowes sagt hierzu: »Drei Wege - standen ihm nach Eingang des Befehls offen: - - 1. Direkter Ungehorsam und Handeln nach seiner Überzeugung; das tun nur - sehr bedeutende Männer: Napoleon, als General, und Nelson haben es - getan. - - 2. Nachdem er die Schlacht beschlossen hatte, fechten, solange er eine - Planke unter den Füßen hatte; Nelson würde dies getan haben. - - 3. Ein Kompromiß: Gehorsam gegen den Buchstaben, aber nicht den Sinn - des Befehles; diesen Weg wählte er.« - - Herbert selbst sagte in der Untersuchung aus, er habe nicht annehmen - können, daß die Königin die Order unterzeichnet haben würde, wenn sie - die Überlegenheit des Gegners voll gekannt hätte. So habe er nun die - Flotte nicht ganz opfern und damit das Land völlig dem Feinde - preisgeben wollen; »die Folgen hätten ihm Recht gegeben.« (Ferner: »Ich - war stets der Ansicht -- und so kam es --, daß der Feind nichts - unternehmen würde, whilst we had a =fleet in being=.«) - - Auch dies erkennt Colomb als richtig an, aber es ist doch wohl auch - nicht ganz zutreffend: Denn wenn Tourville seinen Sieg -- zunächst - schon taktisch durch schärfere Verfolgung, vielleicht gar Nachdringen - in die Themse -- mehr ausgenutzt hätte, wäre Herbert wahrscheinlich - auch bei dem gewählten Verfahren vollständig vernichtet worden. Clowes - dagegen sagt: »Wenn Herbert anders gefochten, so hätte er - möglicherweise einen glorreichen Sieg erkämpft, jedenfalls aber den - Gegner bedeutend mehr geschädigt, und dieser würde um so weniger etwas - unternommen haben; keinenfalls würden die Franzosen so unbedingte - Herren der See geworden sein, wie sie es für einige Zeit wurden.« Auch - diese Ansicht kann man angreifen, aber man muß doch wohl sagen: Wählte - Herbert die Schlacht, von der er wußte, daß sie entscheidend werden - würde, so mußte er auch alles tun, was er vermochte; =Kompromisse= sind - =in großen Sachen wohl stets das Ungeeignetste und Unsicherste=. - -Die Franzosen nutzten ihren Sieg weder taktisch noch strategisch aus. -Eine schärfere Verfolgung würde den Verlust der Verbündeten weit größer, -vielleicht entscheidend für den Krieg mit England gemacht haben; die für -fast drei Monate errungene Seeherrschaft wurde nur zu unbedeutenden -Unternehmungen gegen die feindliche Küste und zum Abholen der -französischen Truppen von Irland benutzt, als Ludwig die Sache Jakobs -vorläufig aufgab. - - Diese letzte Tatsache zeigt nochmals, wie wenig auf Unterbrechung der - Verbindung des Gegners mit der Insel auch von England gegeben wurde. - Tourville war Ende August nach Brest gegangen, Killigrew's und Shovel's - Geschwader waren nicht im Gefecht gewesen und doch geschah nichts, um - das Abholen zu hindern! - - Die von den Franzosen angegebenen Gründe für ihre Lauheit nach Beachy - Head sind: Nach der Schlacht Munitionsmangel, dann schlechter Zustand - der Schiffe, endlich Herannahen der schlechten Jahreszeit. Seignelay - verlangte mehr von der Flotte, vor allem den Versuch, in die Themse - einzudringen, wie es Ruyter einst getan habe. Dies oder ähnliches hätte - die Hauptflotte unternehmen müssen, während leichte Schiffe Irland - abschlossen, wo sich Wilhelm III. in Person befand. Möglich, daß die - Reste der Flotte der Verbündeten immer noch als eine »fleet in being« - ernstliche Unternehmungen gegen die Küste verhindert haben; zulässig - auch erscheint mir, die nach der Schlacht am Boyne eingetretene - Mißstimmung Ludwigs gegen Jakob und seine Sache als Grund der Lauheit - anzunehmen; geschah doch auch nichts von französischer Seite, als Ende - September endlich ein Teil der Flotte der Verbündeten die letzte Stadt - Irlands im Süden nahm. - -Der strategische Plan Ludwigs im Jahre 1690 war gewiß richtig, genügende -Kraft dafür bestimmt und die Gelegenheit zur Ausführung günstig, weil die -französische Flotte noch überlegen auftreten konnte; er scheiterte an -ungenügender Vorbereitung und am Nichtausnutzen der errungenen Erfolge. -Sollte eine Invasion gelingen, so mußte die geschlagene feindliche Flotte -vernichtet werden. - -=Das Jahr= 1691 bringt nur die strategisch und auch taktisch glänzende -Leistung Tourvilles, seine Hochseekreuztour. Die Franzosen hatten -wiederum 70 Linienschiffe aufgestellt, auch die Verbündeten spannten -endlich ihre Kräfte an und brachten jetzt gegen 100 Linienschiffe unter -Russell zusammen. Aber die Franzosen waren zuerst seeklar und nur bei -ihnen kann man einen strategischen Plan wahrnehmen. Dieser war jedoch, -nach Seignelays Tode, ein ganz anderer als im Vorjahre: anstatt einer -Offensive gegen die feindlichen Streitkräfte oder gar Küsten nur Schutz -der eigenen Küste und Angriff des feindlichen Handels, insbesondere des -großen Levanteconvois. Ohne Antwort auf seinen Einwurf, daß diese -Aufgaben sich kaum vereinigen ließen, tat Tourville sein Bestes, doch sah -er im Gegensatz zu seiner Regierung den Schutz der Küste als die -wichtigere an. Als der Convoi ihm, durch Wetterverhältnisse begünstigt, -entgangen war, verstand er es, den Feind wochenlang hinter sich -herzuziehen, ohne ihm Gelegenheit zum Schlagen zu geben. Damit hinderte -er die Gegner, von ihrer starken Rüstung irgendwelchen Gebrauch zu -machen, und hielt den Kanal für die französischen Freibeuter sowie für -die wiederaufgenommene Verbindung mit Irland frei. - -Das Verhalten der Verbündeten war so schwächlich wie in den Vorjahren. -Wieder waren sie durch verzögerte und mangelhafte Ausrüstung gelähmt, -aber auch Tatkraft in der Führung fehlte. Man muß annehmen, daß sie noch -unter dem Eindruck der Niederlage von Beachy Head standen (Herberts -abschreckendes Schicksal), daß sie deshalb trotz der übermacht ihre -Kräfte so ängstlich zusammenhielten, alles andere preisgaben und doch -nichts wagten. - -Zu erwähnen ist noch, daß in diesem Jahre die französischen Streitkräfte -im Mittelmeer zu den Erfolgen gegen Savoyen und Spanien am Lande -beitrugen; die schwache spanische Marine konnte ihnen nicht -entgegentreten. - -Wie Ludwig XIV. =im Jahre= 1692 den Landkrieg aufs neue mit aller Kraft -begann, so nahm er auch seinen Plan von 1690 wieder auf: Frühzeitiges -Zusammenziehen der gesamten Seestreitkräfte, um die Flotten der -Verbündeten vor der Vereinigung zu vernichten und dann in England -einzufallen. Wieder rechnete er mit einem allgemeinen Aufstande der -Jakobiten, hatte aber dieses Mal richtigerweise -- im Sinne des -verstorbenen Seignelay -- trotzdem eine große Invasionsarmee aufgestellt. -1689 und 1690 lagen die Aussichten für einen solchen Plan günstig; jetzt -war es zu spät. Bei der eigenen Marine waren die Schäden in der -Organisation fortgeschritten, auch machte sich infolge des langen Krieges -schon Geldmangel bemerkbar; die Feinde dagegen waren imstande, ihre -natürlichen Hilfsmittel auszunutzen. Eine Überlegenheit zur See war nicht -mehr vorhanden, selbst nicht wenn sämtliche Schiffe Frankreichs -rechtzeitig fertig und vereint gewesen wären; doch auch dies war nicht -der Fall. Zu dem für Beginn der Operationen festgesetzten Zeitpunkt (Ende -April) verfügte Tourville nur über 39 Schiffe; die Verbündeten aber waren -in diesem Jahre früher als bisher mit ihrer ganzen Macht bereit (am 19. -Mai 88 Linienschiffe). Ludwig glaubte trotzdem an die Überlegenheit -seiner Flotte und gab den Befehl zum Auslaufen, als diese 45 Schiffe -stark war. - - Er hielt die Gegner für nicht bereit oder doch, wenn dies der Fall und - selbst wenn vereinigt, seiner Flotte kaum gewachsen und er rechnete mit - der Unzuverlässigkeit eines großen Teiles der englischen Flotte. So - sagen die Quellen! Diese Unkenntnis ist aber auffallend, weil man in - Frankreich bisher und auch später wieder stets rechtzeitig und genau - von den feindlichen Rüstungen und Plänen unterrichtet war. Man muß fast - annehmen, daß Ludwig durch Hochmut und Ungeduld fortgerissen worden - ist. - -Zu spät kam Ludwig Nachricht und Einsicht, daß alle seine Voraussetzungen -falsch seien, daß er vorläufig von dem Unternehmen absehen müsse; -Tourville war ausgelaufen, die Gegenbefehle und die Benachrichtigung, daß -die Gegner vereint seien, erreichten ihn nicht. Er stieß unvermutet bei -Cap Barfleur (29. Mai) auf den Feind und griff seinem Befehle gemäß an, -obgleich er dessen Überlegenheit erkannte. Was Tourville zu diesem -Schritte bewogen hat, wissen wir; strategische Überlegungen leiteten ihn -nicht. Er stand ganz unter dem Einfluß persönlicher Gefühle, und die -Schuld an der Katastrophe trifft in erster Linie den König, der die -berechtigten Einwendungen seines Admirals unbeachtet gelassen und ihm so -bindende Befehle gegeben hatte. Es erfolgte die Niederlage in der -Schlacht und die Vernichtung so vieler Schiffe nach dieser bei La Hogue. -Wichtiger für den Verlauf des Krieges als der Verlust an Material war -aber, daß Frankreich die Offensive zur See von jetzt an aufgab. - -Der Erfolg der Verbündeten ist nur dem Umstande zuzuschreiben, daß sie -ihre Rüstung beeilt hatten, große Tatkraft und strategische Kunst haben -sie auch in diesem Jahre nicht entfaltet. Sie wären sogar noch überrascht -worden, wenn Tourville für seinen Marsch günstigen Wind gehabt hätte. Bis -zum 18. Mai lagen sie getrennt bei Rye und in den Downs, zwei Geschwader -kreuzten im Kanal; es war wohl ein Fehler, daß man diese anstatt leichter -Schiffe zum Erkunden entsendet hatte. Wie sich die Sache entwickelte, -schlug die Verzögerung der Ausrüstung und Vereinigung ihrer Flotte zum -Vorteil der Verbündeten aus, denn hierdurch wurde Ludwig im Festhalten -an seinem Plane bestärkt. - - Es ist nicht sicher, ob die Verbündeten genau über die Absichten der - Franzosen unterrichtet waren. Holländische Quellen behaupten es, - englische zweifeln daran. So sagt Colomb, man habe bis zum letzten - Augenblick selbst ein Unternehmen gegen St. Malo im Auge gehabt und - hierzu seien die Truppen in Portsmouth zusammengezogen gewesen. Das - Zusammentreffen bei Barfleur scheint jedenfalls auch ihnen unerwartet - gekommen zu sein. - -In der Schlacht waren die Verbündeten von erdrückender übermacht, und -doch brachte diese den Franzosen den größeren Ruhm. Die Verfolgung -kostete ihnen infolge der Rücksichtnahme auf die beschädigten Schiffe -zwar schwere Opfer, aber die Verbündeten hätten den Sieg mehr ausbeuten -müssen, die nach der Schlacht entkommenen Schiffe durften ihnen nicht -entgehen. - -Haben sie endlich die errungene Seeherrschaft ausgenutzt? Die -französische Flotte legte auf und die Transporter wurden mit -Marinemannschaften in den Dienst der Freibeuterei gestellt, die gerade -noch in diesem Jahre den Handel der Verbündeten auf das empfindlichste -schädigte, weit mehr als im Jahre 1690, in dem die Franzosen die See -beherrschten. Die Flotte der Verbündeten wurde zwei Monate hindurch -behufs Vorbereitungen zu einem Unternehmen auf dem Festlande, zu dem es -schließlich nicht kam, untätig zusammengehalten. - -=Das Jahr= 1693 zeigt den Übergang in den zweiten Abschnitt der -Kriegführung: die Franzosen richten ihren Angriff nur gegen den Handel, -aber noch mit einer großen Hauptflotte; die Verbündeten halten weiter -ihre Kräfte zusammen, können sich aber noch nicht zur Offensive -entschließen. Ihre Leistung ist auch in diesem Jahre recht mäßig und -zeigt eine Reihe von Fehlern und Mißständen. - -Die Verbündeten beabsichtigten, ein Geschwader zur Unterstützung Spaniens -ins Mittelmeer zu senden und mit der Hauptflotte in den nördlichen -Gewässern zu operieren. Das Geschwader sollte ferner auf der Ausreise den -Frühjahrsconvoi Levantefahrer geleiten und gerade diesem galt der -französische Angriff. Infolge des schlechten Unterrichtetseins und der -Unentschlossenheit auf seiten der Verbündeten sowie der Fehler des -Kommandos der Hauptflotte und des Convoiführers gelang es Tourville, den -Convoi großenteils zu vernichten. - - Die Abfahrt des Convois war zu lange verzögert. Frankreich, gut - unterrichtet, sandte Tourville in See, als die Abfahrt bevorstand. Die - Hauptflotte der Verbündeten war nicht rechtzeitig bereit, um die - französische in Brest festzuhalten. Als sie dann das Geschwader nebst - Convoi durch den Kanal geleitete, wußte sie nichts vom Auslaufen - Tourvilles, und die »drei Admirale auf einem Schiff« versäumten es, - sich hierüber zu vergewissern. Sie entließen ihre Schutzbefohlenen zu - früh und diese fielen infolge der Unvorsichtigkeit des Geschwaderchefs - dem Feinde in die Hände. Die Flotte blieb vor Brest und erfuhr erst - über London die Abfahrt Tourvilles; sie ging dann nach England, um »neu - auszurüsten« und »Befehle einzuholen«, anstatt dem Feinde zu folgen. - -Dieselben Mißstände und dieselbe Unentschlossenheit zeigen sich weiter. -Wohl sah man ein, daß es richtig sei, Tourville zu folgen, um ihn an -seinem Vorhaben zu hindern oder, als es hierzu zu spät war, ihn -wenigstens zur Schlacht zu zwingen. Es kam nicht dazu; die Flotte war -ungenügend ausgerüstet und wurde schließlich frühzeitig aufgelöst. -Tourville kehrte im Herbst unbehelligt zurück, nachdem er den Sommer über -zum Schaden des feindlichen Handels die See im Mittelmeer beherrscht -hatte. - -Im Herbst 1693 setzte der Kreuzerkrieg der Franzosen mit dem ihm -eigentümlichen Charakter ein. Auch hier traten die Verbündeten nicht mit -der nötigen Kraft auf; im November machten sie den ersten Versuch gegen -einen der Hauptstützpunkte der Freibeuterei (St. Malo). So beginnt Ende -1693 die Kriegführung, die wir in den letzten Jahren des Krieges durchweg -finden. - -=In den Jahren= 1694-1697 beschränkten sich die Franzosen in den -nördlichen Gewässern auf Küstenschutz und Kreuzerkrieg; im Mittelmeer -unterstützten sie den Angriff auf Spanien. Die Verbündeten stellten ihren -Seestreitkräften drei Aufgaben: Unterstützung Spaniens, Angriff auf -französische Küsten, Handelsschutz. - -Im spanischen Landkriege hatten die Franzosen 1694 Erfolge durch -Unterstützung der Flotte, bis Russell im August mit der Hälfte der -verbündeten Flotte erschien. Dann ging Tourville nach Toulon und wurde -hier, auch das Jahr 1695 über, festgehalten. Russell beherrschte die See, -aber Erfolge für den Landkrieg errang er nicht, da die Spanier am Lande -zu schwach waren. Als er 1695 imstande war, diese durch ein Landungskorps -zu unterstützen, brach er schon günstig liegende Unternehmungen ab, -sobald er das Auftreten der französischen Flotte fürchten mußte. 1696 -zogen sich die Verbündeten aus dem Mittelmeer zurück und die Franzosen -hatten 1697 Erfolge in Spanien, die wichtig für den Verlauf des Krieges -waren. Wir sehen also auf beiden Seiten die Flotten nur dann größere -Aufgaben an der Küste durchführen, wenn die Seeherrschaft gesichert ist. - -Die Angriffe der Verbündeten auf die französischen Küsten begannen 1694 -mit dem größeren Unternehmen gegen Brest, das völlig scheiterte, weil man -den Gegner gut vorbereitet fand. Es folgt dann die Reihe von -Beschießungen der Küstenstädte, die den Gegner wenig schädigten und ihren -einen Hauptzweck, nennenswerte Truppen von seiner Feldarmee abzuziehen, -nicht erreichten. Ein englischer Schriftsteller sagt: »Sie kosteten -England mehr, als sie nutzten.« Den zweiten Hauptzweck, die Freibeuterei -lahmzulegen, würde man durch eine andere Verwendung der Seestreitkräfte -besser erreicht haben. - -In Hinsicht auf die dritte Aufgabe, den Schutz des Handels, versagten die -Flotten der Verbündeten überhaupt, wenigstens bis auf die allerletzte -Zeit, weil man die Kräfte aus Vorsicht oder eben zu unfruchtbaren -Unternehmungen zusammenhielt. Anderseits zeigt der Kreuzerkrieg der -Franzosen, wenn er auch erfolgreich war, doch, daß ein solcher nur -gestützt auf eine Flotte lebensfähig ist. - -Die koloniale und überseeische Kriegführung ist auch in diesem Kriege -noch unbedeutend; nur der Zug de Pointis' gegen Cartagena (1697) war von -Einfluß auf den Verlauf. Im nächsten Kriege spielt sie eine etwas größere -Rolle, von wirklicher Bedeutung wird sie erst in den Kriegen des -folgenden Zeitabschnittes. - -=Colomb= (Naval warfare) =zieht auch aus den Ereignissen dieses Krieges -bemerkenswerte Schlüsse=. In den Kapiteln VI und VII: »Versuche, zu einem -bestimmten Zwecke die Seeherrschaft zu erringen« -- nämlich einer -Invasion -- wird gesagt: Die Ereignisse des Jahres 1690 zeigen, daß eine -teilweise Beherrschung der See (Tourville nach Beachy Head) noch keine -Invasion erlaubt, daß selbst noch mit einer teilweise geschlagenen Flotte -gerechnet werden muß. Das Jahr 1692 zeigt die Schwierigkeit, eine -»zeitliche« Seeherrschaft zu gewinnen, sowie die damit verbundene große -Gefahr, wenn man eine solche unter allen Umständen erzwingen will. - - Colomb sagt: »1690 wurde der französische Versuch vereitelt durch - Herberts gesunde Politik, geleitet durch die Überzeugung, daß er die - größte Gefahr heraufbeschwöre, wenn seine Flotte infolge eines anderen - Verhaltens vernichtet würde.« (Wir wissen, daß Colomb die Ansicht - Herberts billigt.) »Man kann sagen, daß die Franzosen 1692 gerade - entgegengesetzt handelten, indem sie ihre Flotte auf einen Wurf - einsetzten, um die Invasion zu ermöglichen.« - -Weiter wird darauf hingewiesen, daß der Plan einer Invasion 1696 sofort -aufgegeben wurde, als man sah, daß die verbündete Flotte fertig und somit -eine Überraschung ausgeschlossen sei. - -Im Kapitel XII: »Die Bedingungen, unter denen Angriffe von See her -gelingen oder scheitern«, nimmt Colomb die Ereignisse an der spanischen -Küste als Beispiele dafür, daß auch zu solchen Unternehmungen die -unbedingte Seeherrschaft notwendig ist. Beide Parteien geben Belagerungen -von See aus auf, sobald sich der Feind nähert, ja nur seeklar gemeldet -wird; in den nördlichen Gewässern beginnen die Verbündeten mit den -Angriffen auf die Küste erst Ende 1693, als sie unbestritten die See -beherrschen. In Hinsicht auf die Durchführung solcher Angriffe bespricht -Colomb den größeren auf Brest 1694. Er sagt: die Seeherrschaft war hier -vorhanden, aber die Expedition war nicht stark genug und wurde fehlerhaft -geleitet. - - »There was no heart in it« (dies sagt er mit Beziehung auf alle - derartigen Unternehmungen dieser Jahre) und die Landtruppen waren nicht - annähernd genügend stark. Man durfte auch nicht in einer der Buchten - bei der Einfahrt landen, deren Strand ganz in eine befestigte Stellung - verwandelt war. Man hätte eine stärkere Macht z. B. in der - Douarnenez-Bucht außer Bereich der feindlichen Stellung ausschiffen - müssen. - -Colomb schließt das Kapitel XII: »Wenn man die Stärke der Befestigungen -genau kennt, genügend Truppen verwendet, diese außer Bereich der -Befestigungen landet, durch die Flotte schlagfertig hält und unterstützt, -so ist kein Grund, daran zu zweifeln, daß jeder Platz fällt, -vorausgesetzt, daß kein Entsatz über See kommt«. - -Unsere Betrachtungen über Strategie dürften zeigen, daß der =Einfluß der -Kriegführung zur See= weit größer hätte sein können. Ludwig XIV. -versäumte es, von der zu Anfang vorhandenen Überlegenheit seiner Marine -Gebrauch zu machen. Die Seemacht der Verbündeten gewann Zeit, ihre Kraft -zur Entfaltung zu bringen, hätte dann aber weit mehr leisten müssen. -Sogar Clowes schreibt: »Wenn auch der Frieden günstig war, so kann man -doch nicht sagen, daß die Marine in dem achtjährigen Kriege viel zur -Hebung des Rufes beigetragen hat, den sie unter Cromwell und auch noch -unter Karl II. errungen hatte.« Die Gründe sind jedoch teilweise durch -die Verhältnisse zu entschuldigen. - - Grobe Fehler wurden allerdings von der höchsten Leitung (Whitehall) - gemacht: Hier war man stets vom Feinde ungenügend unterrichtet; es - mangelte an Einsicht und Entschlossenheit, und dabei beanspruchte man - die Leitung bis ins kleinste. - - Aber auch die Verwaltung war infolge der früheren Mißregierung - schlecht: Die Schiffe waren, wenn am meisten nötig, schlecht im Stande, - schlecht bemannt und schlecht ausgerüstet. Endlich fehlte die Tatkraft - in der Führung, doch ist dies wieder größtenteils eine Folge der - politischen Verhältnisse. Die Führer wagten zwar einesteils wegen des - mangelhaften Zustandes der Flotte nichts, anderseits aber scheuten sie - sich vor Verantwortung. Jakob glaubte an eine besondere Anhänglichkeit - der Seeoffiziere an seine Person; auch die unter Wilhelm III. leitenden - Kreise hatten diesen Verdacht, sie zweifelten daher an der Treue und - Zuverlässigkeit vieler Offiziere. Mißtrauen herrschten im Kabinett und - in der Hauptstadt, Parteiwesen und Unentschlossenheit im Offizierkorps. - Ein Mann, der sich im Gefecht unglücklich oder unfähig zeigte, mußte - gewärtig sein, abgesetzt und zur Verantwortung gezogen, gar des Verrats - angeschuldigt zu werden. Da ferner gerade manche der erfahrenen Männer - in Verdacht standen, der Regierung feindlich zu sein, so wurden diese - nicht ihren Fähigkeiten entsprechend verwendet. Die öffentliche Meinung - klagte, daß man ungeeignete Personen bei Besetzung der Stellen - bevorzugte, in deren Händen die Leitung der Seemacht lag. Eine weitere - Folge dieser Verhältnisse war der beständige Wechsel im Oberkommando - der Flotte, zweimal sogar ernannte man Joint-Admirals. Ein solches - Unding war nur ohne Schaden möglich gewesen zu Zeiten eines Blake oder - Monck, neben denen die Kollegen keine Rolle spielten. - -Die holländische Marine war in diesem Kriege in jeder Hinsicht besser als -die englische. Sie kam aber nicht zur Geltung, weil sie in der -gemeinsamen Flotte wesentlich schwächer vertreten war und stets unter -englischem Oberbefehl stand. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Neuntes Kapitel. - - Der Spanische Erbfolgekrieg 1702-1713. - -$Die politischen Verhältnisse und Verhandlungen vor Ausbruch des -Krieges.$[254] Auch dieser Krieg erscheint in der Hauptsache nur als ein -großer europäischer Festlandskrieg, ist aber doch von der größten -Bedeutung für die Seekriegsgeschichte. Er wird schon ebensosehr durch die -Eifersucht der Staaten in maritimen Interessen wie durch Streit um -Länderbesitz hervorgerufen; in Beziehung auf maritime Interessen sind -seine Folgen von großer Wirkung. In ihm entscheidet sich der Kampf der -drei großen Seemächte um die Herrschaft auf dem Meere. England erringt -den von jetzt an kaum noch bestrittenen ersten Platz. Große Aktionen zur -See bringt dieser Krieg noch weniger als der Pfälzische Erbschaftskrieg. -Der Einfluß der Seestreitkräfte auf den Verlauf ist zwar besonders auf -seiten der Gegner Frankreichs groß, aber er besteht, ähnlich wie in dem -vorigen Kriege von 1694 an und noch mehr, fast nur in dem geräuschlosen -andauernden Drucke, mit dem die Seemacht arbeiten kann, indem sie dem -Feinde die Hilfsquellen abdämmt, während sie die eigenen offen hält. Aus -diesen Gründen wird sich schon die Schilderung des Spanischen -Erbfolgekrieges ebensosehr mit genauer Auslassung über die vorstehenden -Punkte -- Ursachen und Folgen des Krieges in maritimer Hinsicht; Einfluß -der Seemacht -- wie mit der Beschreibung kriegerischer Ereignisse zu -beschäftigen haben. - - [254] Diese Betrachtungen bedürfen der Nachsicht. Die Verhältnisse und - diplomatischen Verhandlungen sind sehr verwickelt, und bei der - gebotenen Kürzung waren Unvollständigkeiten, selbst - Ungenauigkeiten, nicht zu vermeiden; es dürfte dies jedoch ohne - Einfluß auf die Beurteilung der Sachlage sein. - -Wie der Name sagt, gab =die Thronfolge in Spanien= -- beim Aussterben des -habsburgischen Zweiges -- den Anlaß zum Kriege; schon vor dem Tode des -letzten Königs, Karls II., beschäftigte diese Frage die Kabinette. Es -handelte sich darum, ob der Nachfolger aus dem Hause Bourbon oder aus dem -habsburgischen Zweige, der in Österreich regierte, hervorgehen sollte. -Diese Häuser waren erbberechtigt: In erster Linie durch die beiden -Schwestern Karls II., von denen Maria Theresia mit Ludwig XIV. und -Margarete Theresia mit Kaiser Leopold I. verheiratet gewesen waren; in -zweiter Linie auch schon durch die beiden Schwestern König Philipps IV., -von denen Anna die Gemahlin Ludwigs XIII. und Maria Anna die Kaiser -Ferdinands III. gewesen waren (die Mütter Ludwigs XIV. und Leopolds I.). - -Ludwig XIV. und Leopold sahen wohl ein, daß die übrigen Staaten nicht -zulassen würden, Spanien mit ihren Ländern zu vereinigen, sie traten -deshalb für ihre Person und ihre Thronfolger zurück. Ludwig verlangte den -spanischen Thron für seinen Enkel Philipp von Anjou (einen »jüngeren« -Bruder), Leopold für seinen zweiten Sohn (aus dritter Ehe). - - Maria Theresia hatte bei ihrer Verheiratung auf die Erbfolge - verzichtet; das einzige Kind Margarete Theresias verzichtete zugunsten - ihres Vaters auf die Thronfolge in Spanien, als sie sich mit Max - Emanuel von Bayern verband, doch erkannten weder Ludwig XIV. noch der - Kurfürst diese Verzichte an. Erbberechtigt erschienen so: Der Dauphin - von Frankreich, der Kurprinz von Bayern und der älteste Sohn Leopolds; - der Dauphin und Leopolds Sohn auch schon von den Schwestern Philipps - IV. her. - -Man mußte sich also vereinbaren und legte Wert auf die letzte -Willensmeinung des Königs von Spanien. Dieser war seinen deutschen -Verwandten zugeneigt, aber die Partei der Königin arbeitete, von -Frankreich beeinflußt, für das Haus Bourbon. Für die anderen Staaten -handelte es sich aber im Hinblick auf =das politische Gleichgewicht= -nicht nur darum, an welches der beiden Häuser Spanien fallen, sondern -wohl noch mehr darum, ob es in seinem ganzen ungeheuren Umfange bestehen -bleiben sollte. Dies war besonders wichtig für die Seenationen, weil bei -ihrer Auffassung des Gleichgewichts der Einfluß der neuen politischen -Gestaltung auf Handel und Schiffahrt, auf die Beherrschung des Ozeans und -des Mittelmeeres schwer ins Gewicht fiel. - - Zu Spanien gehörten: Neben Mailand und anderen Provinzen in Norditalien - der Süden dieser Halbinsel, Sicilien, Sardinien, die Balearen; die - spanischen Niederlande; auf der westlichen Halbkugel Kuba, Portorico - und die großen Staaten Südamerikas, deren Bedeutung für den Handel man - gerade zu erkennen begann; endlich große Besitzungen in Indien. Solange - Spanien wie in den letzten Jahrzehnten ohnmächtig war, hatten die - Seenationen gleichgültig auf diese große Ausdehnung, gerade in - maritimer Hinsicht, geblickt. Anders wurde die Sachlage für sie, wenn - eine stärkere Regierung in Spanien das Ruder führte, die vielleicht gar - einen Rückhalt an einer anderen Großmacht hatte; wir werden sehen, daß - während aller Verhandlungen, später während des Krieges und endlich - beim Friedensschluß diese maritimen Interessen von größtem Einfluß - waren. - - Wegen der Wichtigkeit in maritimer Hinsicht -- aber auch wegen des - Charakters Ludwigs XIV. -- mußte ein Erfolg Frankreichs bei der Lösung - der Frage des Seenationen bedenklicher erscheinen als der der - Gegenpartei; die Verhandlungen der Kabinette näherten sich - infolgedessen immer mehr einer neuen Allianz gegen Frankreich, und - wieder wurde Wilhelm III. von England die Seele dieser Bewegung. - England und Holland fürchteten ganz besonders, wenn ein Bourbon den - Thron Spaniens bestieg, den Einfluß Frankreichs in den spanischen - Niederlanden, ein französisches Handelsmonopol im spanischen Amerika - und die Beherrschung der Straße von Gibraltar zugunsten Frankreichs; - dieses erschien ihnen sowohl im Hinblick auf den Handel wie vom - militärischen Standpunkte aus gefährlich; hatte ihnen doch im letzten - Kriege Cadiz als Stützpunkt gegen die Verbindung der französischen - Streitkräfte von Toulon und Brest gedient. - -Die Seenationen machten nun zunächst einen =Vermittlungsvorschlag= (im -Haag 1688): Joseph, der Kurprinz von Bayern, sollte Spanien, Indien und -die Niederlande erben; an Karl, des Kaisers Sohn, sollten Mailand und an -einen Sohn Ludwigs Neapel und Sicilien fallen. So waren alle -Erbberechtigten bedacht, und auch sie erreichten ihren Zweck; Frankreich -erhielt zwar eine stärkere Stellung im Mittelmeer, aber dieser glaubten -die Regierungen der Seestaaten gewachsen zu sein. Ludwig ging auf diesen -Vorschlag ein, vielleicht nur um im Bunde mit England und Holland den -Kaiser zu schrecken oder um für seine Umtriebe in Madrid Zeit zu -gewinnen. Der Kaiser jedoch widersetzte sich, da er seiner Familie gerade -die Mittelmeerstellung erhalten wollte, und alles flog in die Luft, als -der Kurprinz 1699 plötzlich (an Gift?) starb. - -In Spanien war die öffentliche Meinung gegen jede Lösung der Frage, die -das Reich zersplitterte, und der Partei der Königin gelang es, den König -zu bestimmen, in seinem Testament (Oktober 1700) =Philipp von Anjou= als -Thronfolger einzusetzen; der König starb am 1. November 1700. Ludwig XIV. -erkannte das Testament an, ohne auf seine Verhandlungen mit den -Seemächten Rücksicht zu nehmen; er ließ seinen Enkel zum König ausrufen -und sandte ihn im Januar 1701 nach Spanien. Anjou fand dort keinen -Widerstand, er zog im April als König Philipp V. feierlich in Madrid ein; -auch in Mailand und Neapel wurde er anerkannt, ebenso vom Papst und von -Mantua. Er war aber ganz auf Frankreichs Unterstützung angewiesen, da in -Spanien Heer und Flotte gänzlich verfallen waren. - - Bei seiner Abreise sagte ihm Ludwig: »Sei ein guter Spanier, das ist - deine erste Pflicht, aber vergiß auch nicht, daß du ein geborener - Franzose bist, um stets die Verbindung zwischen beiden Ländern und - damit den Frieden Europas aufrecht zu erhalten.« Ludwig frohlockte auch - schon mit dem Ausspruch: »Es gibt keine Pyrenäen mehr!« Sein Triumph - war berechtigt: die Vereinigung der Länder beim Hause Bourbon versprach - große Vorteile für Frankreich, schon weil dieses dadurch einen alten - Feind im Rücken verlor, der trotz seiner Schwäche oft die - Erweiterungspläne nach Osten behindert hatte. Tatsächlich haben ja auch - die beiden Königreiche dann lange Zeit, mit nur kurzer Unterbrechung, - in einem auf Familienbeziehungen beruhenden Bündnisse gelebt, das nur - wegen Spaniens Ohnmacht nicht gefährlich für das übrige Europa wurde. - -=Nun drohte der Krieg=; die Bevölkerung der Seestaaten wollte aber nach -den Leiden des letzten Kampfes noch Ruhe haben. Man versuchte deshalb, -Ludwig zu einigem Nachgeben zu bewegen, und machte einen neuen -Vermittlungsvorschlag, nach dem Anjou Spanien behalten sollte, aber -Frankreich keine Handelsbevorzugung in den Kolonien gewähren dürfe; die -italienischen Provinzen sollten sämtlich an Karl fallen, wodurch dem -vorhin erwähnten Anspruch des Kaisers genügt wäre. Den Seemächten -erschien es für ihre maritimen Interessen weit unbedenklicher, Süditalien -in habsburgischen Händen zu sehen als in bourbonischen; es ist -bemerkenswert, daß diese Lösung der Frage annähernd schließlich das -Ergebnis des zehnjährigen Krieges wurde. - -=Ludwig= XIV. war aber inzwischen schon weiter gegangen, indem er im -Februar, im Einverständnis mit dem spanischen Statthalter, aus den -Festungen der spanischen Niederlande die holländischen Besatzungen -vertrieben hatte, die dort nach altem Vertrage zum Schutze dieser Provinz -und somit Hollands selbst lagen. Nun begann Holland zu rüsten und auch -der Kaiser sammelte Truppen (Prinz Eugen), um sich die Lombardei zu -sichern. Ludwig sandte sofort ein Heer (Catinat) nach Oberitalien, um den -Österreichern den Weg zu verlegen; hier begann der Krieg schon im Mai -1701. - - Der Kaiser war zunächst noch in bedrängter Lage. Infolge der - Türkenkriege war der Schatz erschöpft und in Ungarn erforderten neue - Unruhen ein Heer; Ludwig hatte Savoyen sowie die Kurfürsten von Bayern - und Köln für sich gewonnen, auch ganz Italien stand gegen den Kaiser; - mit ihm gingen allerdings die meisten anderen deutschen Fürsten, - besonders Preußen und Hannover, die er sich durch Gewährung der Königs- - und Kurfürstenwürde verpflichtet hatte. - -Die neuen Versuche der Seemächte, auf friedlichem Wege ihren Zweck zu -erreichen, hatten auch keinen Erfolg. Ludwig gab nicht nach, und wie -Holland genötigt war, zu seinem eigenen Schutze zu rüsten, so wurde auch -in England die Stimmung feindlicher. Schon der erste Teilungsvorschlag -war hier dem Volke nicht genehm gewesen, weil durch ihn Neapel und -Sicilien unter französischen Einfluß gekommen wären; jetzt sprach sich -das Parlament offen gegen jede Lösung der Frage aus, die Frankreichs -Herrschaft im Mittelmeer stärke, und gab dem Könige freie Hand, eine neue -große Allianz gegen Ludwig XIV. herbeizuführen. Im September 1701 -schlossen =die Seemächte= einen geheimen Vertrag mit dem =Kaiser=, in dem -folgende =Grundzüge für einen bevorstehenden Krieg= niedergelegt wurden: -Besetzung der spanischen Niederlande zum Schutze Hollands; Eroberung der -italienischen Provinzen für den Kaiser; Berechtigung der Seemächte, -außereuropäische spanische Besitzungen für sich zu erobern. Keiner der -Verbündeten solle allein mit Frankreich in Unterhandlung treten und ohne -sicherzustellen, daß niemals Frankreich Spanisch-Indien erhielte oder -dort Handelsbeziehungen anknüpfe, endlich daß England und Holland die -Handelsvorrechte behielten, die sie unter dem verstorbenen Könige -besessen hatten. Diese Bedingungen entsprachen also dem letzten -Teilungsvorschlage: Anjou wurde als König anerkannt, aber die Seenationen -sicherten sich große maritime Vorteile und berücksichtigten doch die -Ansprüche des Kaisers -- deutsche Truppen mußten ja in erster Linie den -Landkrieg führen. - -Zum Ausbruch des allgemeinen Krieges kam es aber noch immer nicht. -Holland wollte nicht ohne England losschlagen, und hier konnten sich die -Handelskreise noch nicht entschließen, noch nicht von dem Eindruck der -Verluste im letzten Kriege freimachen. In diesem kritischen Augenblicke -starb Jakob II. (16. Dezember 1701) und Ludwig ließ sich bewegen, trotz -der Bedingung im Frieden von Ryswijk dessen Sohn als König Jakob III. von -England anzuerkennen. Dies faßte das englische Volk als Drohung und -Beleidigung auf, und das Parlament bewilligte jetzt alle verlangten -Mittel zum Kriege sowie Subsidien für Deutschland. Wilhelm III. starb -zwar am 8. März 1702, doch die Königin Anna blieb seiner Politik treu; -der Herzog von Marlborough wurde nicht nur in England, sondern für die -Verbündeten überhaupt, die in diesem Kriege treibende Persönlichkeit, wie -es früher Wilhelm von Oranien gewesen war. In den Niederlanden, wo kein -neuer Statthalter gewählt wurde, gelang es dem Ratspensionär der Staaten -von Holland, Heinsius, die Politik im Sinne Wilhelms fortzuführen. =Im -Mai 1702 wurde der Krieg erklärt.= - - =Die Kriegserklärung= erging: von Holland an die Könige von Frankreich - und Spanien; von England an den König von Frankreich und an Spanien, da - Anna nach der Proklamation Jakobs zum Könige von England Philipp nicht - mehr als Herrscher anerkannte; vom Kaiser an den König von Frankreich - und an Philipp von Anjou, da er Spanien als Eigentum seines Hauses - ansah. - -In dem Kriegsplane der Verbündeten trat bald eine, für uns besonders -wichtige, Veränderung ein. Im Jahre 1703 wurde von allen Verbündeten -=Karl von Österreich= als Karl III. zum Könige von Spanien ausgerufen. -=Portugal= trat dem Bunde bei und Karl sollte mit Unterstützung dieses -Landes sowie der Seemächte sein Reich erobern. In Spanien hatte er -besonders in Katalonien und Aragonien Anhänger, während die südlichen -Provinzen und besonders Kastilien auf seiten Philipps standen. - - Der König von Portugal, =Dom Pedro= II., hatte aus Furcht vor - Frankreich Anjou anerkannt, obgleich er im Herzen sein Gegner war; auch - er fürchtete für die Zukunft den wachsenden Einfluß Frankreichs in - Spanien. Österreich versprach ihm nun Abtretung spanischen Gebietes, - England Geldhilfe. Er wollte sich aber nicht erklären, ehe nicht Karl - in Lissabon gelandet und damit den Verbündeten die Verpflichtung - erwachsen sei, auch auf der Pyrenäischen Halbinsel in einen Landkrieg - einzutreten. - - Gleichzeitig schlossen Portugal und England den =Methuen-Vertrag= -- - benannt nach dem die Verhandlungen führenden englischen Gesandten --, - des Inhalts, daß England sich verpflichtete, die Einfuhr der Weine - Portugals, Portugal die der englischen Fabrikate zu begünstigen. Wenn - der Vertrag auch scheinbar beiden Teilen gleich günstig war, so brachte - er doch tatsächlich den Handel Portugals ganz in Englands Hände und - führte das Gold Brasiliens über Lissabon nach England; ein Vorteil, der - schon in diesem Kriege von Nutzen und von Wichtigkeit wurde. - - Von dieser Zeit an blieb Portugal notgedrungen, weil es von England - mehr zu hoffen und mehr zu fürchten hatte als von irgend einer anderen - Macht, ein treuer Bundesgenosse Englands, mit dessen Häfen als - Stützpunkten die englische Seemacht rechnen konnte. - -Damit wurden die Seemächte in einen großen Landkrieg auf der Pyrenäischen -Halbinsel verwickelt und mußten ihre Seestreitkräfte vornehmlich dafür -verwenden, während sich bei der einfachen Durchführung des Vertrages vom -September 1701 die Kriegführung zur See wohl neben dem Mittelmeer in -großem Maße auf die überseeischen Gewässer und die Kolonien erstreckt -haben würde. Wenn bisher mehrfach gesagt ist, in diesem Falle würden die -Seestreitkräfte im Mittelmeer nicht nötig gewesen sein, so ist dies nicht -richtig. Auch nach dem ersten Kriegsplane lagen wichtige Aufgaben für die -Flotten im Mittelmeer, und es dürfte jetzt kein Zweifel mehr sein,[255] -daß Wilhelm III. und nach ihm Marlborough vom Beginn des Krieges an und -während seines ganzen Verlaufes eine Stärkung der Macht Englands im -Mittelmeer im Auge hatten, insbesondere die Beherrschung der Straße von -Gibraltar; schon bei den Verhandlungen über die Teilung Spaniens -verlangte Wilhelm, daß England einen Hafen an der Straße (Ceuta oder -Oran) sowie einen oder zwei innerhalb dieser (z. B. Port Mahon) erhalten -müsse, wenn ein französischer Prinz den Thron Spaniens bestiege. - - [255] Corbett »Mediterranean«. - -Auch der =Herzog von Savoyen=, der anfangs auf französischer Seite stand, -trat 1703 der großen Allianz bei; aus dem hochmütigen Auftreten Philipps -V., seines Schwiegersohnes, ihm gegenüber schloß er, daß er sich auf -Versprechungen Ludwigs doch nicht verlassen könne. - -$Der allgemeine Verlauf des Krieges.$ Der Landkrieg spielte sich in den -Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien ab. Nur auf den beiden -letztgenannten Kriegsschauplätzen griffen die Seestreitkräfte in den -Kampf ein, es ist aber doch nötig, einen Überblick über den Gesamtkrieg -zu geben -- in dem so viele berühmte Generale fochten --, um den Einfluß -des Seekrieges zu verstehen und zu würdigen. - -$Im Jahre 1701$ besetzte Ludwig XIV. die spanischen Niederlande und -sandte ein Heer unter Marschall =Catinat= nach Italien, um den -Österreichern unter Prinz Eugen bei der Veroneser Klause den Weg nach der -Lombardei zu verlegen; =Prinz Eugen= aber gelang es, über die Gebirge den -Feind zu umgehen und im Mai bei Verona in seinem Rücken zu erscheinen. -Obgleich weit schwächer, brachte er dann durch den Überfall bei Carpi (9. -Juli) seinem Gegner eine Schlappe bei und schlug, als Catinat -infolgedessen abberufen war, den weit weniger fähigen Marschall Villeroi -bei Chiari (1. September), ja nahm ihn sogar durch Überfall bei Cremona -(2. Februar 1702) gefangen. - -Auch das ganze $Jahr 1702$ hindurch hielt sich Eugen gegen den Marschall -=Vendôme=; 1703 wurde der Prinz als Präsident des Hofkriegsrates nach -Wien berufen und bald darauf zur Niederwerfung des Aufstandes nach Ungarn -gesandt. - -Im Frühjahr 1702 begann der Krieg in den Niederlanden und in Deutschland. -Der Herzog von =Marlborough= sollte mit einem englisch-holländischen -Heere die spanischen Niederlande erobern und =Ludwig von Baden= -gleichzeitig ein Reichsheer gegen Frankreich führen. Marlborough, durch -Brandenburg von Cleve her unterstützt, fiel ins Kölnische ein und nahm -Bonn; in den Niederlanden wurde er durch die vielen Festungen aufgehalten -und konnte nicht vordringen, um Baden zu unterstützen. Dieser eroberte -zwar Landau und schlug die Franzosen, die ihn umgehen wollten, zurück; er -konnte aber nicht hindern, daß der Kurfürst =Max Emanuel= mit den Bayern -ihn im Rücken bedrohte und die feste Reichsstadt Ulm besetzte. - -=Die Flotte der Verbündeten= unternahm 1702 einen fruchtlosen Angriff auf -Cadiz (August-September) und vernichtete die Silberflotte in Vigo (23. -Oktober). Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, Portugal auf seiten -der Gegner Frankreichs zu bringen; er zeigte ihm, daß eine die See -beherrschende Macht (England) mehr Einfluß auf sein Schicksal habe als -die Nachbarlandmacht (Spanien). - -$1703$ vereinigte Marschall =Villars= die französische Rheinarmee mit der -bayerischen an der oberen Donau; Ludwig von Baden würde den Gegnern -erlegen sein, wenn diese einig gewesen wären. Aber der Kurfürst trennte -sich von Villars und wandte sich nach Tirol, um sich mit Vendôme in -Italien zu vereinigen. Er kam in dem von Truppen entblößten Lande bis zum -Brenner, wurde dann durch das aufgestandene Volk unter schweren Verlusten -(z. B. die Steinüberschüttung an der Pontlatzer Brücke) wieder verjagt. -=Vendôme=, der von Italien aus in Tirol eindringen wollte, war vom Grafen -Starhemberg, Eugens Nachfolger, weiter festgehalten. Auf diesem -Kriegsschauplatze fanden die Österreicher jetzt Unterstützung an Savoyen, -wenn auch dessen Herzog (sein Land von den Franzosen besetzt, Turin -belagert, das Heer entwaffnet) sich zunächst auf den kleinen Krieg im -Rücken der Franzosen beschränkt sah. - -$1704$ machte Ludwig XIV. die größten Anstrengungen, eine baldige -Entscheidung herbeizuführen, waren doch Portugal und Savoyen zu den -Gegnern getreten; die Seemächte bereiteten einen Angriff von Portugal aus -auf Spanien vor, mit Savoyen hatte er seine Rückendeckung in Italien -verloren. =Vendôme= stand in Italien mit 60000 Mann, =Villeroi= in -gleicher Stärke in den Niederlanden, der Hauptschlag sollte in -Deutschland geführt werden. Hierzu waren 100000 Mann aufgeboten; sie -standen zum Teil, mit den Bayern vereint, unter =Marzin= bei Augsburg, -zum Teil unter =Tallard=, der Marzin verstärken sollte, endlich unter -=Coigny= an der Mosel den Brandenburgern im Clevischen gegenüber. =Baden= -stand mit nur 30000 Mann zwischen Marzin und Tallard in den -Stollhofer-Linien. Zwar rückte =Prinz Eugen= heran, um ihm Luft zu -machen, aber nur mit 20000 Mann. Aus dieser schwierigen Lage wurden die -Verbündeten durch das selbständige Eingreifen ihrer beiden größten -Feldherren, =Eugen und Marlborough=, die sich behufs Vereinigung in -Einverständnis gesetzt hatten, befreit; der englische General war bereit, -auf der gefährdeten Stelle zu erscheinen. Es war schwierig, denn in -England durfte es nicht bekannt werden, weil Ludwig XIV. sonst sofort -Kenntnis davon erhalten hätte, und die Generalstaaten wollten das Heer in -den Niederlanden nicht geschwächt haben. Aber mit dem Ratspensionär -Heinsius im Einverständnis ließ Marlborough nur die Holländer Villeroi -gegenüberstehen und marschierte (im Mai) mit den englischen und den von -Holland besoldeten deutschen Truppen nach dem Neckar. Wenn nun auch -Villeroi zu Tallard eilte und Tallard Verstärkungen für Marzin absandte, -so wurde dieser doch abgehalten, weiter auf Wien zu marschieren; er -wandte sich nach Ulm, um Tallard zu erwarten. - -Eugen, Marlborough und Baden vereinigten sich bei =Groß-Heppach= im -Remstal. Baden, der gegen eine entscheidende Schlacht war, beanspruchte -anfangs den Oberbefehl, doch einigte man sich darüber, diesen abwechselnd -zu führen. Man rückte gegen Donauwörth vor, und als Marlborough am 2. -Juli kommandierte, schlug er die Bayern am Schellenberge; Baden ward dann -veranlaßt, Ingolstadt zu belagern. =Eugen und Marlborough= schlugen =bei -Höchstädt= (Blindheim; englisch Blenheim) am 13. August mit 52000 Mann -das feindliche Heer, 58000 Mann, unter Max Emanuel, Marzin und Tallard, -ehe der schon in der Nähe befindliche Villeroi herankam. Tallard wurde -mit 12000 Mann gefangen genommen; der Kurfürst und Marzin flohen auf -Villeroi zurück; Ulm wurde den Bayern, Landau den Franzosen abgenommen. -Die Sieger waren aber nicht stark genug, ihren Erfolg auszunutzen, doch -wurde mit Höchstädt Deutschland von den Franzosen gesäubert und blieb in -der Folge nur noch ein untergeordneter Kriegsschauplatz; Max Emanuel -wurde geächtet -- er führte später französische Heere in den Niederlanden --- und Bayern trat von der französischen Verbindung zurück. - -=Die Tätigkeit der verbündeten Seestreitkräfte= bestand im Jahre 1703 der -Hauptsache nach nur darin, die französische Flotte in Toulon -festzuhalten, im Jahre 1704 aber war sie von großer Bedeutung. Eine -Flotte brachte Karl III. nach Lissabon, eroberte =Gibraltar= und trieb -die französische, die diese Stadt decken oder wiedernehmen sollte, durch -die =Schlacht bei Malaga= -- die einzige Seeschlacht dieses Krieges -- -zurück; damit war die Erringung einer dauernden Seeherrschaft im -Mittelmeer eingeleitet. Der Landkrieg in Spanien wurde in diesem Jahre -nur erst schwach an der portugiesischen Grenze geführt. - -$Im Jahre 1705$ sollte =Marlborough= die spanischen Niederlande, =Eugen= -Italien von den Franzosen säubern, es gelang aber nicht; der Tod des -Kaisers Leopold (11. Januar) trat verzögernd dazwischen, die Holländer -zeigten sich lau, Eugen war nicht stark genug. Besser stand es auf der -Pyrenäischen Halbinsel. Hier wurde die Wiedereroberung Gibraltars, schon -seit dem Winter 1904 durch ein spanisches Heer unter dem französischen -Marschall Tessé belagert, durch das Wintergeschwader der Verbündeten -vereitelt und Spanien von zwei Seiten angegriffen. Das Vordringen von -Portugal aus gegen Tessé kam zwar nicht vorwärts, aber mit Hilfe einer -großen Flotte wurde Barcelona genommen (3. Oktober) und von hier aus -Katalonien, Aragonien und Valencia erobert. Zwar sandte Ludwig XIV. früh -$im Jahre 1706$ ein Heer unter =Noailles= nach Spanien, das von Norden -her gegen Katalonien vorging, während =Tessé= von Westen herankam, und -König Karl wurde auf Barcelona zurückgeworfen und dort mit Unterstützung -einer französischen Flotte belagert. Aber auch diese Stadt entsetzte die -verbündete Flotte (10. Mai), die französische Armee ging nach Frankreich -zurück, die Verbündeten drangen von Portugal aus vor und zogen in Madrid -ein (26. Juni); König Philipp floh nach Frankreich. In diesem Jahre -wurden auch sonst Erfolge errungen. =Marlborough= schlug Villeroi bei -=Ramillies= (23. Mai); =Prinz Eugen=, durch Brandenburger unter =Leopold -von Dessau= verstärkt, drängte die Franzosen unter dem Herzog von Orleans -(Nachfolger Vendômes) zurück und warf sie durch die =Schlacht vor Turin= -(7. September) ganz aus Norditalien hinaus. Nur am Rhein konnte Ludwig -von Baden kaum seine Stellung Villars gegenüber behaupten, da die -Reichsstände ihre Kontingente nur unvollständig stellten. - -=Das Eingreifen der Flotte= war in diesen beiden Jahren von großer -Bedeutung: Entsatz von Gibraltar; Überführung des Heeres nach Katalonien; -Eroberung Barcelonas und anderer Küstenstädte, sowie Mallorcas; Entsatz -Barcelonas. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß die Erfolge -stets im Winter wieder auf dem Spiele standen, wenn sich die Flotte -zurückzog, weil man nicht wagte, sie im Mittelmeer überwintern zu lassen. - -$1707$ stand Frankreich also sehr ungünstig da und wäre vielleicht -niedergezwungen, wenn ein =Plan Marlboroughs= durchgeführt wäre. Dieser -geniale Feldherr und Staatsmann versuchte schon seit Beginn des Jahres -1706, die verbündeten Regierungen zu einem Hauptangriff auf die Provence -zu bewegen, um die lange französische Stellung von den Niederlanden bis -Spanien in der Mitte zu durchbrechen und Frankreich auch im Mittelmeer -von allen Zufuhren abzuschneiden, wie es an den anderen Küsten schon -nahezu geschehen war. Prinz Eugen sollte mit dem Herzog von Savoyen, -verstärkt durch englisch-holländische Truppen und unterstützt von der -Flotte, den Stoß ausführen, gleichzeitig sollte ein kräftiger Vorstoß in -den Niederlanden erfolgen und der Krieg in Spanien möglichst gefördert -werden; auch mit einer stark wieder auflodernden Erhebung der -Protestanten in den Cevennen, die 1703 entstanden und eben erst in der -Hauptsache unterdrückt war, wurde gerechnet. Der Plan kam nicht zur -vollen Durchführung: Der Vorstoß in den Niederlanden unterblieb; Eugen -wurde nach seinen Erfolgen 1706 nicht nur nicht verstärkt, sondern sogar -durch Abgabe von Truppen zur Eroberung Neapels für Karl III. (1707) -geschwächt. Eugen drang zwar in die Provence ein und belagerte Toulon, -beides unterstützt durch die Flotte, mußte aber nach Italien zurückgehen -(Juli-August). Marlborough machte in den Niederlanden 1707 noch einige -Fortschritte, am Rhein dagegen drangen die Franzosen nach Ludwigs von -Baden Tode (Januar 1707) vor und wurden nur dadurch gehemmt, daß sie -Truppen nach Toulon senden mußten. Der Vorstoß in die Provence hatte -sonst nur den einzigen unmittelbaren Erfolg, daß die Franzosen eine große -Zahl ihrer Linienschiffe in Toulon, die sie versenkt hatten, verloren. - -Auch in Spanien hatte sich das Blatt schon im Herbst 1706 gewandt. Die -Verbündeten konnten sich in Kastilien nicht halten, da sich das Volk -erhob und ein neues französisches Heer erschien. Sie zogen nach -Katalonien ab und Philipp V. traf wieder in Madrid ein (Oktober 1706). -Bei dem Versuch 1707, unter dem Earl of Galway wieder gegen Madrid -vorzudringen, wurden sie bei Almansa (25. April) geschlagen und ganz -Spanien fiel bis auf Katalonien an Philipp zurück. - -Schon 1707 war Ludwig XIV. zum Frieden geneigt; er unterhandelte, geheim -und getrennt, mit dem Kaiser und mit England. Jener sah sich ungenügend -vom Reiche unterstützt und hatte Aussicht, wenigstens Italien zu -erhalten; in England war man gleichfalls wegen der Rückschläge in Spanien -und wegen des Fehlschlages auf Toulon teilweise geneigt, doch Marlborough -arbeitete dagegen und es wurden dann auch dem Kaiser neue Versprechungen -gemacht. Marlborough hatte für England recht, das Ausharren sollte im -nächsten Jahre belohnt werden. - -$Im Jahre 1708$ schlugen =Marlborough und Eugen= den Marschall Vendôme -bei =Oudenaarde= (11. Juli), viele Festungen fielen in ihre Hand und die -Franzosen wurden aus Flandern sowie Brabant vertrieben. In Spanien -machten die Franzosen kaum noch Fortschritte, dagegen wurde Sardinien und -Minorca für König Karl erobert. - -=Die Tätigkeit der Seestreitkräfte= war 1707 und 1708 zuerst eng an den -Landkrieg geknüpft. Sie führten Verstärkungen von England und Holland -nach Spanien, begleiteten längs der Küste den Vor- und Rückmarsch Eugens -und wirkten bei der Belagerung Toulons mit; später sicherten sie die -Überführungen deutscher Truppen von Italien nach Katalonien. Dann aber -brachte die Flotte die Insel Sardinien unter Karls Oberhoheit (August -1708) und unterstützte die von Katalonien ausgehende (General Stanhope, -September) Einnahme Minorcas. England sicherte sich wie bei Gibraltar -durch alleinige Besetzung =Port Mahon= als Stützpunkt. - -Zu Ende des Jahres 1708 war Ludwig in größter Bedrängnis: Italien und die -Niederlande verloren; Spanien nur eben zu halten; das Heer geschwächt -und das Land erschöpft. Er entschloß sich zu demütigenden -Friedensverhandlungen; er wollte für Philipp nur Neapel behalten, das -Elsaß, Straßburg, Lille, Tournay zurückgeben. Als ihm aber zugemutet -wurde, selbst seinen Enkel mit französischen Truppen aus Spanien zu -vertreiben, setzte er den Krieg fort; es sollte jetzt auch ein Umschlag -eintreten. - -$1709$ errangen zwar Eugen und Marlborough nochmals einen großen Sieg bei -=Malplaquet= über Villars (11. September). Ludwig mußte seine Truppen aus -Spanien zurückziehen, Karl III. drang wieder vor, siegte später (20. -August 1710) bei Saragossa und zog jetzt endlich in Madrid ein. Philipp -mußte aufs neue fliehen und auch Ludwig riet ihm nun, Spanien aufzugeben -und sich mit Sicilien und Sardinien zu begnügen. Aber Philipp blieb im -Vertrauen auf die Kastilier standhaft und auch Vendôme zog wieder zu -Felde. Die Lage war günstiger geworden. $Im Jahre 1710$ begann der Bund -gegen Frankreich zu verfallen. In England kam die Gegenpartei -Marlboroughs ans Ruder, sie war gegen die Fortsetzung des Krieges. Auch -im Volke war man zum Frieden geneigt; man war überzeugt, schon jetzt für -sich so günstige Bedingungen zu erreichen, daß ein Mehr den weiteren -Opfern nicht entsprechen würde. So begannen Unterhandlungen zwischen -England und Frankreich, die eifriger betrieben wurden, als Kaiser Joseph -(17. April 1711) starb. Karl III. kam dadurch auf den österreichischen -Thron und auch seine Wahl zum Kaiser war vorauszusehen; England konnte -aber nicht zulassen, daß jetzt Spanien mit Österreich vereinigt würde. - -Dementsprechend gab England $1711$ die Sache Karls in Spanien auf; diese -war schon dadurch fast unhaltbar geworden, daß Vendôme im Dezember 1710 -den österreichischen General Starhemberg bei Villa Viciosa völlig -geschlagen und bald darauf den Engländer Stanhope mit seinen Truppen -gefangen genommen hatte. Karl III. verließ Ende September 1711 Spanien -und wurde am 12. Oktober als Karl VI. zum Kaiser gewählt. Schon am 8. -Oktober ward zwischen England und Frankreich im geheimen ein -gegenhabsburgischer Vertrag geschlossen und bald darauf eröffnete man die -Friedensverhandlungen. Vergebens ging $1712$ (Januar) =Prinz Eugen= nach -England, um für seinen Freund Marlborough und für die gemeinschaftliche -Sache einzutreten. Marlborough fiel völlig in Ungnade und wurde vom -Kommando abberufen; sein Nachfolger unterstützte Eugen und die Holländer -nicht mehr, sie wurden von Villars geschlagen (27. Juli bei Denain) und -zurückgedrängt, Als dann Philipp V. auf die Thronfolge in Frankreich -verzichtete und Ludwig XIV. diesem Verzicht staatsrechtliche Gültigkeit -verlieh, wurde zwischen England (nebst Portugal) und Frankreich (nebst -Spanien) Waffenstillstand geschlossen; der Friedenskongreß in Utrecht -wurde eröffnet, dem Holland notgedrungen beitrat. - -=Der Flotte der Verbündeten= fielen in den letzten Jahren des Krieges nur -wenig in die Augen springende Aufgaben zu: Deckung von Truppen- und -Zufuhr-Transporten von Italien nach Spanien; Hinderung der Verbindung -Frankreichs über See mit Spanien, Afrika und der Levante; Druck auf die -bourbonisch gesinnten Staaten Italiens. Diese Aufgaben ließen sich jetzt -von Port Mahon, wo die Flotte ausrüsten und überwintern konnte, weit -besser und vor allem ständig durchführen. - -Wir haben die erfolgreiche Mitwirkung der Seestreitkräfte der Verbündeten -während der ganzen Dauer des Krieges angedeutet. Daß =die französische -Marine= ihnen nicht wirksamer entgegentrat, lag vornehmlich an ihrem -Verfall infolge Geldmangels (vgl. Seite 425). In der ersten Hälfte des -Krieges wurden ihr noch einige Male (1701, 1704, 1706) Aufgaben von -Wichtigkeit gestellt. Sie konnte diese in ihrer Schwäche nicht lösen; das -Vertrauen zu ihr sank und mit zunehmender Vernachlässigung schritt der -Verfall fort. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges wurde nur -Tatkraft im kleinen Kriege, besonders in den nördlichen Gewässern, -entfaltet und auch dem Handel der Seenationen schwerer Schaden zugefügt. -Hiergegen und gegen den französischen Handel operierten die Teile der -englischen und holländischen Marinen, die im Mittelmeer nicht nötig -waren; es geschah dies mit immer mehr Erfolg, weil auch hierin die Kraft -der Franzosen nachließ und in den letzten Jahren die Flotte im Mittelmeer -vermindert werden konnte. - -Am 13. April 1713 wurde der $Frieden von Utrecht$ geschlossen. =Die -Bedingungen= waren ganz besonders günstig für England. Ludwig XIV. mußte -die von England in Aussicht genommene Thronfolge des Hauses Hannover -anerkennen, wodurch die protestantische Regierung in England gesichert -war, und den Prätendenten Jakob ausweisen. England erhielt Gibraltar und -Minorca -- Stützpunkte für seine Seemacht im Mittelmeer, zu denen bei der -engen Verbindung mit Portugal auch noch die Häfen dieses Landes traten -- -sowie in Amerika Neufundland, Akadia (die Kap Bretoninsel, der Schlüssel -zum Lorenz-Golf verblieb noch bei Frankreich) und die französischen -Besitzungen an der Hudsonbai -- der erste Schritt zum Gewinn Kanadas. Von -Frankreich und von Spanien erhielt England endlich sehr günstige -Handelsverträge bewilligt. Der wichtigste dieser war der -Assiento-Vertrag, durch den England allein von Spanien die Einfuhr von -Negersklaven in Spanisch-Amerika gestattet wurde; schon an sich lohnend, -wurde dieser Sklavenhandel noch wertvoller als Grundlage eines ungeheuren -Schmuggelhandels. Von Frankreich an Portugal gemachte Zugeständnisse in -Südamerika kamen ebenfalls England zugute. - -Philipp von Anjou behielt den spanischen Thron und Spanien seine -außereuropäischen Besitzungen; von den spanischen Niederlanden fielen -Geldern an Preußen, dessen Königtum gleichzeitig anerkannt wurde, die -übrigen Provinzen (Belgien) an den Kaiser, der auch Mailand, Neapel und -Sardinien erhielt; an den Herzog von Savoyen, dem man gleichfalls den -Königstitel zugestand, wurde Sicilien abgetreten. - -Holland erhielt das Besatzungsrecht einiger Städte Belgiens -- die -»Barrierenstädte«, teils allein, teils im Verein mit Österreich --; die -Sperrung der Schelde im Interesse der holländischen Häfen blieb auch für -den Handel der jetzt österreichischen Niederlande bestehen; der -Handelsvertrag mit Frankreich gab Holland dieselben Vorrechte wie -England. - -Das Deutsche Reich kam am schlechtesten weg. Die ungünstigen Bedingungen -des Friedens von Ryswijk wurden bestätigt, nur seinen rechtsrheinischen -Gewinn gab Frankreich zurück; die Kurfürsten von Bayern und Köln wurden -aus der Reichsacht gelöst und erhielten ihre Länder wieder. - - Die Bedingungen, die Österreich und das Deutsche Reich betreffen, - wurden im Frieden von Utrecht nur vorgeschlagen und erst in späteren - Sonderfrieden bestätigt. Der Kaiser setzte den Krieg fort; ohne die - Subsidien der Seestaaten und von den Reichsfürsten nur mangelhaft - unterstützt -- die östlichen und nördlichen Staaten des Reiches waren - in den nordischen Krieg (1700-1721; vgl. Kapitel X) verwickelt -- - konnte er aber dem Andringen Frankreichs (Villars gegen Eugen) nicht - mehr widerstehen. Es schloß am 7. März 1714 den Frieden von Rastatt für - Österreich und am 7. September den von Baden für das Reich mit - Frankreich. Mit Spanien wurde von Österreich der Frieden noch nicht - geschlossen (erst 1720); Karl verzichtete also noch nicht auf den - spanischen Thron. - -»Der Frieden von Utrecht ist ein Markstein in der Geschichte.« Von ihm -datiert Englands Vormachtstellung zur See; die von England gestellten -Forderungen zeigten, daß es in vollstem Maße eine Seemacht geworden und -sich dessen bewußt war. Wir kommen hierauf in den Schlußbemerkungen zu -diesem Kriege zurück. - - - $Über die Streitmittel$ (anschließend an Seite 417 ff.). - -Da der Spanische Erbfolgekrieg der letzte große Seekrieg unseres dritten -Abschnittes ist, soll die innere Geschichte der drei großen Marinen hier -gleich bis zum Jahre 1739 fortgeführt werden. Wir haben sie kennen -gelernt bis 1697; Als genannter Krieg 1702 ausbrach, hatte sich kaum -etwas geändert; große Wandlungen aber sollten während des Krieges und in -der Zeit bis zum Beginn des nächsten Zeitabschnittes in den Marinen vor -sich gehen: die alte, stolze Marine Hollands verschwand nahezu ganz; die -französische sank tiefer und tiefer; die englische schritt fort auf ihrem -Wege zur Beherrschung der Meere. - -In $Holland$ beginnt mit dem Spanischen Erbfolgekriege der Verfall der -Marine.[256] Wir haben gesehen, daß sie im vorigen Kriege noch mächtig -dastand; Wilhelm von Oranien war bestrebt, sie auch nach dem Frieden von -Ryswijk so zu erhalten, da er voraussah, daß der Friede nicht lange -dauern würde. Es handelte sich zunächst darum, die nötigen Mittel zu -beschaffen, da die Admiralitäten stark verschuldet waren, besonders die -von Seeland, Amsterdam und der Maas, die fast allein die Schiffe gestellt -und während des Krieges kaum von den eigenen Provinzen, geschweige denn -von den Landprovinzen, die zustehenden Gelder empfangen hatten. - - [256] De Jonge, Teil III, Seite 542, 568, Teil IV, Seite 94, 231, - bespricht -- blutenden Herzens -- genauer diesen Verfall mit - seinen Gründen. - - Die Admiralität Amsterdam z. B. hatte von der Provinz Holland 4840000 - Gulden und von den andern 1900000 Gulden zu fordern; man war hier sogar - den meisten Kapitänen einen 8-17 monatliches Gehalt schuldig. - -Es gelang Wilhelm, die Generalstaaten zur Aufnahme einer Anleihe von 12 -Millionen zu bewegen; die Admiralitäten wurden dadurch in den Stand -gesetzt, die Schiffe auszubessern, die Magazine zu füllen und ihren -Kredit wieder herzustellen. Man setzte den Bau der 18 Linienschiffe, die -schon vor dem Frieden bewilligt waren, fort und beschloß 1701 weitere 12 -(II. und III. Klasse) auf Stapel zu legen. Wilhelm brachte ferner die -Formierung von drei Regimentern Seesoldaten durch, die sich, wie die der -englischen Marine; im kommenden Kriege nicht nur an Bord, sondern auch am -Lande in Spanien sehr gut bewährten. - -Der =Schiffsbestand= hatte im vorigen Kriege meist gegen 90 Linienschiffe -betragen. Um 1700 waren infolge der Verluste und Ausrangierungen nur noch -74 -- darunter 15 I. Klasse, 80-96 Kanonen; 16 II. Klasse, 70 bis 74 -Kanonen; 24 III. Klasse, 60-68 Kanonen -- vorhanden, doch war durch die -Neubauten für baldigen Ersatz gesorgt. Die Marine hätte somit im -Spanischen Erbfolgekriege ebenso mächtig auftreten können wie im -Pfälzischen Erbschaftskriege, aber der Tod Wilhelms trat hindernd -dazwischen. Da kein neuer Statthalter gewählt wurde, zeigten sich die -Übelstände der früheren statthalterlosen Zeit aufs neue; der -Ratspensionär von Holland war zwar bestrebt, die Marine weiter zu -pflegen, er besaß aber nicht den Einfluß, den Oranien und auch de Witt -besessen hatten. Mit der Statthalterwürde fiel auch die Stelle des -Admiralgenerals weg, dessen Befugnisse wieder geteilt an die -Generalstaaten, an die Regierungen der Provinzen und an die Admiralitäten -übergingen; dem Seewesen fehlte der Mittelpunkt und die treibende Kraft. -Die Landprovinzen hatten wie früher kein Interesse oder kein Verständnis -für den Seekrieg, der fern im Mittelmeer geführt wurde, aber auch die -Seeprovinzen ließen sich öfters mehr von Privatinteressen -- Schutz des -Handels -- leiten. Den Admiralitäten wurden außergewöhnliche Mittel, wie -sie zum Bau und zur Indiensthaltung größerer Schlachtschiffe nötig waren, -nicht mehr bewilligt; die gewöhnlichen Mittel, die nur für die Erhaltung -der Schiffe zum Handelsschutz bemessen waren, gingen bald wieder -unregelmäßig und unvollständig, von den Landprovinzen häufig gar nicht -ein; durch die Indienststellungen für den Krieg gerieten die -Admiralitäten bald wieder in Schulden. So kam es, daß von 1701-1713 nur -21 Linienschiffe, nicht einmal die Zahl der 1697 und 1701 bewilligten, -gebaut wurden, obgleich Heinsius 1703, 1706, 1710 Neubauten beantragt -hatte. - -Der Verfall der Marine trat schon bei den Rüstungen während des Krieges -zutage. Die Beratungen über die jährlichen Indienststellungen wurden spät -begonnen und träge geführt, das dann Beschlossene entsprach nicht der -Größe der Marine; die Ausführung wurde infolge Geldmangels verzögert, ja -blieb häufig hinter dem Beschlusse zurück. Die Engländer erhoben gegen -Ende des Krieges die Klage, Holland habe es anfangs an der Hälfte und von -1707 ab an 2/3 der nach der Abmachung zu stellenden Streitkräfte (England -5/8, Holland 3/8 der gemeinsamen Flotte) fehlen lassen. - - Wenn de Jonge, wie wir gehört haben, nachdrücklich Wilhelm von Oranien - gegen den Vorwurf in Schutz nimmt (vgl. Seite 419, 422), den Verfall - der Marine verschuldet zu haben, so sagt er doch von diesem und von - Heinsius später, daß sie beim Eingehen der Verbindlichkeiten für einen - großen Land- und Seekrieg gleichzeitig die Kraft der Niederlande - überschätzt hätten. Der Landkrieg nahm die Mittel sehr in Anspruch, für - ihn stellte Holland ein weit größeres Kontingent als England. Der - holländische Seehandel litt nicht allein durch den eigenen Krieg, - sondern auch durch ungünstige Handelsverhältnisse in der Ostsee - (nordischer Krieg; Epidemien an einzelnen Küsten dort), so daß auch die - reichen Seeprovinzen die großen Opfer nicht mehr aufbringen konnten. - - Es sind während des Krieges in Dienst gestellt, Linienschiffe: - - 1702: 20 } 15 } 1707 16 } 16 } - 1703: 12 } Mittel- 22 } nördliche 1708 14 } Mittel- 17 } nördliche - 1704: 18 } meer- 17 } Gewässer 1709 14 } meer- 16 } Gewässer - 1705: 20 } flotte 15 } 1710 14 } flotte 7 } - 1706: 18 } 12 } 1711 13 } -- } - - Ferner: 8 Fregatten bei der Mittelmeerflotte und 30-40 Convoi- - Begleitschiffe jährlich. - - Der Frage, wie weit hiernach die englische Klage berechtigt erscheint, - werden wir bei den Schlußbetrachtungen über den Krieg näher treten. - - Kennzeichnend für die ungünstigen Verhältnisse aber ist, daß von 1707 - an auf die Flotte im Mittelmeer aus Sparsamkeit nur ein Admiral - kommandiert wurde; man erinnere sich an die übergroße Zahl der - Flaggoffiziere auf den Flotten früherer Zeiten. - -So hatte der Ruf der holländischen Marine schon während des Spanischen -Erbfolgekrieges sehr gelitten, und es kann nicht wundernehmen, wenn die -Engländer sie nicht mehr für voll ansahen, wenn bei gemeinschaftlichen -Unternehmungen die englischen Befehlshaber auf die holländischen, wie -diese häufig klagen, immer weniger Rücksicht nahmen. - -Immerhin hat die holländische Marine in diesem Kriege noch eine Rolle -gespielt, dann aber wurde ihr Verfall in wenigen Jahren ein vollkommener. -De Jonge sagt: »Der Frieden von Utrecht ist ein Wendepunkt in der -Geschichte der Niederlande im allgemeinen und in der der Marine im -besondern. Bis zu diesem Zeitpunkt sprach die Republik, gestützt auf ihre -Seemacht, in allen großen politischen Angelegenheiten, in allen Kriegen -und bei allen Friedensschlüssen ein gewichtiges Wort mit. Von jetzt an -aber hält sie sich zurück, vermeidet den Krieg mit Ängstlichkeit, -schließt Verträge über Verträge selbst mit Gefährdung der Ehre des -Staates, um den Frieden zu erhalten, und verwahrlost ihre Land- und -Seestreitkräfte.« Wir werden der Marine der Niederlande von jetzt an nur -noch als einer sehr untergeordneten begegnen, sie war nicht mehr -imstande, den an sie herantretenden Anforderungen zu genügen. - - Nach Utrecht blieb die Lage der Admiralitäten in dem traurigen - Zustande, wie er nach dem Tode Oraniens eingetreten war. - Außergewöhnliche Mittel wurden nicht mehr bewilligt, die Landprovinzen - zahlten Jahre hindurch nicht einmal die gewöhnlichen Beiträge. Mühsam - gelang es den Seeprovinzen, innerhalb der nächsten zehn Jahre die - Schulden ihrer Admiralitäten zu decken, darunter jahrelang rückständige - Gehälter der Offiziere sowie Pensionen für Witwen und Waisen. - - Von 1715 an erforderte der nordische Krieg eine Machtentfaltung - Hollands (und Englands) in der Ostsee zum Schutze des Handels. In - diesem Jahre gelang es noch, 12 Linienschiffe zu entsenden; 1716 waren - es nur 2 Linienschiffe und 4 Fregatten, 1717 kein Segel. Die Folge war, - daß in diesem Jahre nur 200 Kauffahrer zur Ostsee gingen gegen sonst - 500. 1718 beabsichtigten die Generalstaaten deshalb, 30 Kriegsschiffe - auszurüsten, aber nur 12 waren aufzubringen. Ähnlich war es im - Mittelmeer, wo seit 1716 die Belästigung des Handels durch die - Raubstaaten wieder zunahm. Erst 1721 konnte man 4 kleine Linienschiffe - und 4 Fregatten dagegen aufstellen, später bis 1740 nur noch kleine - Divisionen von Fregatten. 1727 und 1729 entsandte man allerdings 5 und - 9 Linienschiffe. Diese waren aber ursprünglich in Dienst gestellt, da - man eine Störung des europäischen Friedens befürchtete; welch - unbedeutende Macht für einen solchen Fall! Gegen die Seeräuber mußte - man Kaperbriefe ausgeben und die alte Bestimmung, nach der die - Levantefahrer zum Selbstschutz stark armiert und bemannt sein sollten, - wieder streng durchführen. - -Man war nicht imstande, das Material in seiner Stärke zu erhalten; die -Schiffe verrotteten auf den vernachlässigten Werften und der Ersatzbau -war ganz unbedeutend. Bis 1723 wurden nur in Amsterdam 9 Schiffe gebaut, -dann bis 1740 bei allen Admiralitäten etwa 50, unter allen diesen nur 30 -Linienschiffe. Um 1740, bei Beginn des nächsten Abschnitts, war der -=Schiffsbestand=: 1 zu 90 Kanonen, 1699 erbaut und in Seeland wohl nur -deshalb erhalten, weil diese Provinz das Flottenflaggschiff zu stellen -hatte; 5 zu 72 Kanonen, darunter 3 von 1715-1719 erbaut; 8 zu 64 Kanonen, -15 zu 52 bis 58 Kanonen. Insgesamt waren 29 Linienschiffe und 22 kleinere -Fahrzeuge vorhanden, von denen 14 und 17 zu Amsterdam gehörten. - -In gleicher Weise ging das =Personal= zurück. Bei den geringen -Indienststellungen verließen in den Jahren nach dem Kriege viele -Offiziere, Deck- und Unteroffiziere, den Dienst, um zu den großen -Kompagnien oder ins Ausland zu gehen; der Dienst wurde nicht mehr -gesucht. Die im Dienst bleibenden Offiziere wurden alt in ihrem Range und -hatten keine Aussicht auf Beförderung, denn freiwerdende höhere Stellen -blieben unbesetzt. Der Ersatz wurde infolgedessen ungenügend und, da die -Stellen (auch in der Verwaltung) oft nach Gunst vergeben wurden, -minderwertig. Auch für die Deck- und Unteroffiziere fand sich nur -spärlicher und schlechter Ersatz; ebensowenig waren gute seeerfahrene -Matrosen zum Eintritt zu bewegen. Selbst bei den wenigen -Indienststellungen machte die Bemannungsfrage die größten -Schwierigkeiten; Disziplin und Kriegsfertigkeit litten natürlich unter -solchen Umständen. Zu Beginn des nächsten Abschnittes war Holland nicht -imstande, auch nur ein größeres Geschwader schlagfertig in Dienst zu -stellen; erst ein neuer Statthalter, Wilhelm IV. 1747, versuchte, die -Marine wieder zu heben. - - Als die Republik in den Österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen - war, verpflichtete sie sich (April 1744), zu einer gemeinsamen Flotte - mit England 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten zu stellen. Wer - sollte dieses Kontingent kommandieren? In Seeland waren vorhanden: ein - Leutnantadmiral, zu alt und zu gebrechlich, um an Bord zu gehen; ein - Kontreadmiral, völlig taub; ein Vizeadmiral. Nach altem Brauch mußte - aber der Leutnantadmiral von Holland führen und die Admiralitäten von - Amsterdam und der Maas verfügten nur noch über einen Kontreadmiral von - 72 Jahren. Dieser (Grove) wurde deshalb sofort zum Leutnantadmiral der - Maas ernannt, drei schon bejahrte Kapitäne zum Leutnantadmiral von - Amsterdam, zum Vize- und zum Kontreadmiral; außer Grove, der die - Streitkräfte 1717/1718 in der Ostsee kommandiert, hatte keiner der - neuen Flaggoffiziere je einen größeren Verband von Schiffen geführt. - Von den zu stellenden Schiffen stießen zunächst nur 8 Linienschiffe und - erst im August zu den Engländern -- die Fregatten waren zur Aufnahme - des ostindischen Convois entsandt -- und als die vereinigte Flotte kaum - vier Wochen in See war, mußten drei Schiffe wegen Krankheit an Bord - einen Nothafen aufsuchen; weitere 8 Linienschiffe stießen erst im - Winter zur Flotte. Um dieses Geschwader zu bemannen, hatte man - Werbeoffiziere nach Hamburg, Bremen und Kopenhagen gesandt, aber dort - nur wenig befahrene Matrosen erhalten; man mußte noch mit Sträflingen - aus den Gefängnissen auffüllen. Brauchbare Unteroffiziere fehlten, - Feuerwerkerpersonal mußte z. B. in Dänemark angeworben werden. Viele - der Offiziere waren minderwertig, sie und auch die Kommandanten hatten - keine Übung im Geschwaderfahren. Der tüchtigste der Admirale - (Schrijver, mit 58 Jahren noch verhältnismäßig jung) erwähnte dies - später in einer Denkschrift für den neuen Statthalter und fügte hinzu: - »und der Geschwaderchef konnte sie nicht belehren, da er es selber - nicht verstand. Wenn die Flotte mit einem gleichstarken Feinde, der - Ordnung gehalten hätte, zusammengekommen wäre, so würde das - holländische Kontingent durch Unordnung wohl eine Niederlage - herbeigeführt haben.« - -$In Frankreich$[257] war, wie wir gehört haben (Seite 422 ff.), die -Marine seit Colberts Tode zurückgegangen, besonders unter dem -Marineminister Louis de Pontchartrin; und es ging weiter mit ihr bergab. -1699 übernahm =Jerôme de Pontchartrin=, der Sohn von Louis, der schon -mehrere Jahre unter seinem Vater gearbeitet hatte, das Ministerium. Er -gilt gemeiniglich als ein schlechter Marineminister, doch ist das Urteil -über ihn wohl durch seine vielen Feinde getrübt. Er war 39 Jahre alt, -klug, unterrichtet und von festem Willen, aber auch tyrannisch, hart, -ehrgeizig und eifersüchtig in Hinsicht auf seine Autorität. Zweifellos -ehrlich bestrebt, den schnellen Verfall der Marine aufzuhalten, -beschleunigte er ihn durch seine Fehler, aber ihm allein darf man doch -die Schuld nicht aufbürden. Der Hauptgrund war der Mangel an Geld. Jerôme -war nicht, wie sein Vater, gleichzeitig Finanzminister, konnte also die -Mittel nicht selbst bestimmen. Schon sein Vater hatte nach dem Frieden -1697 das Budget der Marine von 25 Millionen auf 18 herabgesetzt; Jerôme -forderte später ununterbrochen genügende Mittel und sagte die traurigen -Folgen falscher Sparsamkeit voraus. - - [257] Hauptquelle: Chab.-Arnault, dem hier besonders die Kennzeichnung - der leitenden Männer entnommen ist. Die Angaben über - Schiffsbestände nach Bonfils, Teil II, Seite 177. - -Und noch ein zweiter Umstand trat ihm hindernd entgegen. Wir wissen, daß -seit Colbert die Verwaltungsbehörden in der Marine eine größere Macht -besaßen als die militärischen, daß die Seeoffiziere stets bestrebt waren, -diese Macht zu brechen und daß infolgedessen für den Dienst höchst -nachteilige Reibungen zwischen den »officiers de plume« und den -»officiers d'épée« auftraten. Als Jerôme sein Amt übernahm, war der -Admiral von Frankreich, =Graf von Toulouse= (Sohn der Montespan), kein -Kind mehr, und durch ihn wurde der Widerstand der Seeoffiziere wesentlich -gestärkt. Dies mußte die Tätigkeit des Ministers lähmen; anderseits wird -ihm aber vorgeworfen, er habe aus Eifersucht die Rüstungen und die -Operationen der Flotte, die Toulouse kommandierte, gehemmt. Unter ihm -blieb allerdings, wie unter seinem Vater, während des größten Teiles des -Krieges die Tätigkeit der Seestreitkräfte auf den kleinen Krieg -beschränkt, aber es ist doch die Frage, ob er es wie dieser aus Mangel an -Verständnis für die Kriegführung zur See, oder gar aus Eifersucht getan -hat, oder ob er nicht durch die Schwächen der Marine dazu gezwungen war. -Gleich bei Beginn des Krieges 1701 entsandte er eine größere Flotte, 1705 -eine solche von 50 Linienschiffen und 1706 eine von 30, sie waren nie -stark genug oder zu spät bereit, um Erfolge zu erzielen; auch in den -Zwischenjahren wurde gerüstet, man zog aber die Kräfte nicht zusammen, -und von 1707 ab fanden keine bedeutenden Indienststellungen mehr statt. -Stets litt die Marine unter Geldmangel und unter dem schon eingerissenen -innern Verfall; sie konnte ihre Kraft nicht entfalten, verlor dadurch an -Bedeutung in den Augen des Königs, seiner Räte und sogar des Volkes, was -wieder noch geringere Fürsorge für sie zur Folge hatte. - -Der Geldmangel führte weitere schlimme Zustände herbei; die Verwaltung -geriet in Schulden. Die Lieferanten konnten nicht bezahlt, das technische -Personal und die Arbeiter auf den Werften nicht gelöhnt werden; die -besten verließen den Dienst und, um den Rest zu behalten, mußten häufig -die Vorräte in den Arsenalen usw. zu Schleuderpreisen verkauft werden. -Das Einreißen von Unehrlichkeit im Personal der Verwaltung, für das der -Finanzminister 1702 gegen 100 neue Stellen geschaffen und an -»Meistbietende« verkauft hatte, war eine Folge dieser Mißwirtschaft. - -Auch auf das =Personal= der Flotte wirkte sie demoralisierend, der -Kreuzerkrieg half dabei. Viele der unregelmäßig besoldeten Offiziere -nahmen Dienst auf den von Privaten ausgerüsteten Schiffen und auch auf -den vom Staate armierten waren sie auf ihren Vorteil bedacht; im -Offizierkorps gingen Disziplin und das Gefühl für Ehre und Pflicht -verloren. Ebenso stand es mit der Mannschaft. Da sich bei der -Bestechlichkeit der Beamten die Inskribierten, die über einige Mittel -verfügten, vom Dienste freimachen konnten, war selbst bei den geringen -Indienststellungen der Bedarf nur durch Pressen zu decken; mit Härte -mußte diese Maßregel durchgeführt werden, wie Verbrecher wurden die Leute -ihren Schiffen zugeführt. - -Was aus dem =Schiffsmaterial= unter solchen Verhältnissen wurde, ist -klar; die Schiffe verwahrlosten auf den Werften, an Ersatz verlorener -oder verbrauchter wurde nicht gedacht. 1696 besaß die Marine 135 Schiffe -über 40 Kanonen und 20 von 34-36 Kanonen; 1712 nur 85 Linienschiffe und -10 von 10-44 Kanonen, sämtlich in schlechtem Zustande. - - Chabaud-Arnault sagt (Seite 112): »Dahin war es mit der Marine unter - Jerômes de P. Amtstätigkeit gekommen, gewiß teilweise durch seine - Schuld, aber mehr noch infolge der Verhältnisse und durch die Schuld - der anderen Minister und Ludwigs XIV. selber, der der Größe seiner - Marine nicht mehr die Wichtigkeit beilegte wie ehemals.« - -=Während der Regentschaft= 1715-1723 sank die Marine noch tiefer; -Kardinal Dubois wagte nichts zu ihrer Hebung zu tun, um nicht Englands -Eifersucht zu erregen. An Stelle des Marineministers trat unter dem -Admiral von Frankreich (Toulouse) eine Kommission, bestehend aus einem -Präsidenten, Marschall Victor d'Estrées, 3 Seeoffizieren und 3 -Verwaltungs-Beamten. Toulouse und d'Estrées hatten wohl den guten Willen, -Ordnung in der Verwaltung herbeizuführen, die Schiffe zu erhalten, -Disziplin und Geist der Offiziere zu heben; aber auch sie scheiterten am -Geldmangel: die guten Kräfte der Werften verließen weiter den Dienst; die -Bleibenden und so auch viele Offiziere lebten im Elend; die Seestädte -entvölkerten sich. Für 1729 wird der =Schiffsbestand= nur noch auf 45 -Linienschiffe, 10 Fregatten und 10 Transporter angegeben. - -Mit der Mündigkeit =Ludwigs= XV. wurde wieder ein Marineminister ernannt: -der =Graf de Maurepas=, der Sohn Jerômes de Pontchartrin; er blieb es 26 -Jahre hindurch. Er war klug, tätig und von bestem Willen beseelt, aber -auch er kämpfte vergebens. Wieder fürchtete der jetzige Leiter -Frankreichs, Kardinal Fleury (Premierminister 1723-1743), die Eifersucht -Englands, und das Marinebudget betrug nur 8 Millionen; unter Ludwig XIV. -war es selbst in Friedenszeiten nie unter 18 Millionen gesunken und das -Geld war jetzt weit weniger wert. Trotzdem verlor Maurepas den Mut nicht; -er strebte an, ein wenn auch geringes so doch gutes Schiffsmaterial zu -beschaffen. Doch der Geldmangel erschwerte dies ungemein, die -Ersatzbauten wurden in grünem Holz ausgeführt und hatten keine lange -Lebensdauer, der Zustand der Werften blieb schlecht. - -Ebensowenig Erfolg hatten seine Bestrebungen, das =Personal= zu heben. -Aber wie konnte er Lust und Liebe zum Dienst in einem Offizierkorps -erwecken, in dem seit 20 Jahren jede Beförderung stockte; der Etat war -auf die Hälfte herabgesetzt, es gab gardes de la marine von 40 Jahren. -Die Reibungen zwischen den Offizieren und den Beamten nahmen immer mehr -zu. Die Schiffskommandos weigerten sich häufig, den Anweisungen der -Verwaltung zu folgen, die gelieferten Vorräte und Ausrüstungsgegenstände -anzunehmen, Abrechnungen einzureichen, ja sogar das Personal in den -Stellungen zu verwenden, für die es überwiesen war; man gab ihnen aber -auch erbärmliche Mannschaft, unbrauchbare Bordbeamte, die Ausrüstung -wurde ohne Verständnis und von schlechter Beschaffenheit geliefert. - -Die Disziplin der Mannschaft -- gepreßt, widerrechtlich festgehalten, -unregelmäßig gelöhnt, schlecht gekleidet und verpflegt -- sank soweit, -daß man bei Außerdienststellungen Zivilarbeiter heranziehen mußte, da die -Besatzung im Hafen nicht arbeiten wollte; selbst auf Rhede gingen die -Leute fast nach Belieben an Land, man mußte zufrieden sein, wenn sie beim -Auslaufen zur Stelle waren. - -Maurepas gelang es immerhin, einiges Gute zu schaffen. Nach und nach -führte er eine mildere Behandlung der Dienstpflichtigen ein und die -vielfach fortgezogene Küstenbevölkerung mehrte sich wieder, das Wachsen -der Kauffahrteimarine sowie das Aufblühen der Kolonien unter Fleury -wirkte mit; in das System der Einschreibung für den Seedienst kam wieder -Ordnung. Er vervollkommnete den wissenschaftlichen Unterricht der -Offiziere, stellte Schul- und Übungsschiffe in Dienst und entsandte in -alle Meere Fahrzeuge zu geographischen und hydrographischen Arbeiten; er -gründete Schulen für Marineärzte. So wird von ihm wohl mit Recht gesagt, -daß er dem späteren Aufschwung der Marine vorgearbeitet habe. - -Am Schluß des Abschnittes stand die Marine aber noch traurig da. =Der -Schiffsbestand= 1742 war nur 48 Linienschiffe, 15 Fregatten, 14 -Transporter[258]; die Fahrzeuge waren in mangelhaftem Zustande, die -Werften ohne fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine leer. Das -Offizierkorps war von 1140 im Jahre 1696 (1040 um 1701) auf 660 Köpfe -gesunken. Früher hatte man in Kriegszeiten auch noch eine große -Unterstützung durch tüchtige Kräfte der Handelsmarine gehabt (Jean Bart, -Trouin usw. stammten daher), die besonders auf kleineren Fahrzeugen, -Transportern, Kapern verwendet wurden; die guten Elemente dieses Ersatzes -zogen sich, von den aktiven Offizieren immer hochmütiger behandelt, nach -und nach ganz zurück. Bei Ausbruch des Krieges 1744 machte nur die -Bemannung mit Matrosen weniger Schwierigkeit als früher. - - [258] Mahan, Teil I, Seite 249, gibt nach Campbell 45 Linienschiffe und - 67 Fregatten, womit wohl überhaupt kleinere Schiffe gemeint sind, - an. - - Chabaud-Arnault sagt (Seite 133): »Die französische Marine hat von - 1713-1744 keine Geschichte, sie wurde durch die leitenden Staatsmänner - zur Untätigkeit, ja zu beispielloser Demütigung verdammt, um nicht - Eifersucht und Mißtrauen bei den Engländern zu erregen. In zwei - Kriegen, in denen die Flotte eine wichtige Rolle hätte spielen können - (1719 Quadrupelallianz gegen Spanien; 1733 Polnischer Erbfolgekrieg), - blieb sie in den Häfen, nur mit einigen Schiffen wurden unbedeutende - Demonstrationen gemacht; im ersten Kriege wurden sogar französische - Truppen auf englischen Schiffen an die feindlichen Küsten geworfen.« - -In $England$[259] schritt die Entwicklung der Marine stetig fort. =Der -Schiffsbestand= betrug: - - Schiffe: I. Klasse II. III. IV. - (96-100 K.) (80-90 K.) (60-74 K.) (40-54 K.) - 1688 9 11 39 40 - 1702 8 12 45 44 - - { (100 K.) (90 u. 98) (80 u. 70) (60 u. 50) - 1727 { - { 7 13 16, 24 24, 40 - --------------+------------ - | - Dreidecker. - - Schiffe: V. VI. Gesamt - (28-32 K.) (16-20 K.) - 1688 12 6 117 - 1702 28 16 153 - - { (40) (20) (und 14 - 1727 { Sloops - { 24 29 177 4-10K.) - - - [259] Hauptquellen wie früher: Clowes, Teil II und III; Colomb. - -Die Gesamtzahl von 1727 war schon um 1714 erreicht. Auch später wuchs der -Bestand weiter, besonders in der III., V. und VI. Klasse. Nach einigen -Quellen (z. B. Campbell) soll er in den dreißiger Jahren auf 70 -Linienschiffe und 19 Schiffe von 50 Kanonen gefallen sein. (dagegen sagt -Clowes, die Marine sei seit 1727 ständig gewachsen), doch waren nach -derselben Angabe um 1744 wieder 90 Linienschiffe über 64 Kanonen und 84 -Fregatten (wohl Klasse IV-VI) vorhanden. - - Die Tabelle zeigt, wie die Entwicklung stetig in der früher - geschilderten Weise (Seite 174 ff.) fortschreitet. Schon 1702 sehen wir - einen geringen Zuwachs in der III. und IV. Klasse, einen bedeutenden in - der V. und VI. 1727 haben sich die Grenzen der Klassen sehr verschoben, - in allen ist die Armierung weit stärker geworden und auch der - Tonnengehalt gewachsen.[260] Die Zahl der Schiffe von 60 Kanonen - aufwärts ist sehr gewachsen, die der I. und II. Klasse jedoch nicht - mit. Auch später nimmt der Bestand der III., V., VI. Klasse weiter zu. - Die Schiffe der III. Klasse, bald nun 64-84 Kanonen, werden als die - geeignetsten Schlachtschiffe erkannt, die der V., nun 30-40 Kanonen, - und der VI., nun 20-30 Kanonen, als die geeignetsten Fahrzeuge gegen - Kreuzer und Handelsschiffe; die Schiffe der IV. Klasse, nun 50-60 - Kanonen, sind für die Linie zu leicht, für letzteren Zweck zu schwer; - sie werden im Kolonialdienst verwendet. - - [260] Über Armierung nach Kalibern vgl. für 1719 die Tabelle Seite 170; - über Tonnengehalt für 1688 und 1727 vgl. Seite 177/178. - -In Hinsicht auf die Machtentfaltung der englischen Marine in dem jetzt zu -besprechenden Kriege sind leider keine Angaben über die jährlichen -Gesamtindienststellungen vorhanden; die Schilderung der Ereignisse sowie -die späteren Schlußbetrachtungen werden zeigen, daß man sie auf 70-80 -Linienschiffe und alle vorhandenen kleineren Fahrzeuge annehmen kann. - -Dem =Personal= ward weiter Fürsorge zuteil. Wir wissen, daß nach dem -ersten englisch-holländischen Kriege der Seeoffizierstand anfing, ein -Lebensberuf zu werden, daß man anstrebte, Personen der besseren Stände -heranzuziehen; schon 1676 waren Bestimmungen erlassen, die dies -begünstigen sollten. Um 1700 wurde der Halbsold eingeführt, auf den alle -Kommandanten, erste Offiziere und Master, wenn sie ein Jahr als solche -gedient, ein Anrecht hatten. 1728 wurde in Portsmouth eine Marineschule -(naval academy) mit Schlußprüfung als Vorbildungsschule gegründet. Jedoch -nicht alle Offiziere besuchten diese; lange Jahre noch bis 1794 soll es -(nach Clowes) vorteilhafter gewesen sein, als Page eines Admirals oder -Kapitäns (Junker?) einzutreten. Seit 1688 gab es eine Rangliste, von 1700 -an erschien sie von Zeit zu Zeit im Druck. Es entwickelte sich also immer -mehr ein festes Seeoffizierkorps und dieses blieb in Übung, da die -englische Marine auch nach dem Frieden von Utrecht mehrfach gezwungen -war, große Flotten aufzustellen (Nordischer Krieg 1714 bis 1721; -Quadrupelallianz gegen Spanien 1718-1720; 1733 eine aufs neue drohende -Verwicklung mit Spanien; stets gegen die Barbaresken) und stets eine -große Anzahl von Schiffen zur Wahrung der maritimen Interessen im Dienst -halten mußte; auch wurden überzählige Offiziere zur Handelsmarine -beurlaubt. - - In diese Jahre fällt wohl die Ausbildung des dem englischen - Seeoffizierkorps des 18. Jahrh. eigentümlichen Charakters im Gegensatz - zu dem des französischen (vgl. Seite 319); bei der Verschmelzung des - Soldaten und des Seemanns gewann der Seemann die Überhand. Macaulay - sagt: »In der Marine Karls II. gab es Sailors und Gentlemen, aber die - Seeleute waren keine Gentlemen und diese keine Sailors.« Man muß dabei - beachten, daß die Gentlemen eben das militärische Element darstellten. - Als nun die Offiziere im allgemeinen den seemännischen Dienst - übernahmen, verdrängte der Seemann allmählich den Gentleman und mit ihm - den militärischen Ton und Geist. »Selbst Männer aus guter Familie, wie - die Admirale Wilhelms III., Herbert und Russell, die wirklich Seeleute - waren, konnten nur als solche gelten, indem sie die derben Manieren der - Teerjacken annahmen.« Zwischen dem Spanischen Erbfolgekrieg und den - großen Seekriegen des nächsten Abschnittes liegen nun 30 Jahre, in - denen die englischen Offiziere viel zur See fuhren, aber nie - beachtenswerten Gegnern entgegenzutreten hatten. Da wuchs wohl ihre - Lust und ihr Interesse am rein seemännischen Dienste immer mehr, und so - ist es gekommen, daß sie später -- im Gegensatz zu den Franzosen und - längere Zeit zu ihrem Nachteile -- mehr ihren Ruhm in geschickten - Segelmanövern als in der Entwicklung der militärischen - Leistungsfähigkeit ihrer Schiffe suchten, daß sogar der Taktik für - Verbände zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. - -Auch für die Mannschaft wurde von 1700 ab manches getan. Es wurden die -Zahlung eines Handgeldes beim Eintritt, Zulagen für gute Führung sowie -Pensionen für Witwen und Waisen der Gefallenen eingeführt; das Hospital -in Greenwich für Invalide wurde gegründet. Eine wichtige Änderung betraf -die Seetruppen. Man hatte bei diesen -- seit 1664 bestehend, jedoch -zeitweise und so auch 1699 aufgelöst -- bisher nicht nur den -Zweck im Auge gehabt, auf den Schiffen gute Gewehrschützen und -Landungsmannschaften zu haben, sondern sie dienten auch zur Auffüllung -der Besatzungen. Am Lande wurden sie auf den Werften beschäftigt; Leute, -die hier und an Bord einige seemännische Erfahrung gewonnen hatten, -wurden dann gern als Matrosen eingestellt. 1702 wurden nun 6 neue -Regimenter gegründet, aber nicht mehr als Schule und Ersatz für Matrosen; -eine Versetzung zu diesen wurde verboten. Sie waren so eine rein -militärische Truppe, stets zur Verfügung der Admiralität für überseeische -Expeditionen; als eine stehende Truppe im Gegensatz zu den Matrosen -trugen sie jetzt noch mehr als schon bisher zur Hebung der Disziplin und -des militärischen Geistes an Bord bei. Es war dies wichtig, denn immer -noch mußte bei Einstellung der Matrosen zum Pressen, wobei man in der -Wahl der Personen wenig wählerisch war, gegriffen werden; der ungemein -stark zunehmende Seehandel schuf zwar zahlreiche und vorzügliche -Seeleute, aber diese waren bei Ausbruch eines Krieges über die ganze Erde -zerstreut. - - Corbett sagt: »Einer der Hauptbeweggründe Wilhelms III. zur Errichtung - der Seeregimenter 1702 ist gewesen, eine stehende Truppe für - Expeditionen in dem bevorstehenden Kriege zu haben. Gegen ein stehendes - Heer hatte sich das Parlament 1699 energisch gewehrt, da waren auch die - bisherigen Seetruppen weggefallen; als ein Teil der geliebten Marine - wurden sie wieder bewilligt. Daß sie 1704 bereit waren, hat die - Erwerbung von Gibraltar und Port Mahon für England sehr begünstigt; - 1702 wurde die Entsendung der Flotte ins Mittelmeer durch Mangel an - Soldaten sehr verzögert.« - -England übernahm im Spanischen Erbfolgekriege wie im vorigen Kriege die -Hauptleistung zur See, es verpflichtete sich, 5/8 der gemeinsamen -Seestreitkräfte zu stellen; mit dem Nachlassen Hollands mußte es seine -Kräfte noch mehr anspannen. Beim Frieden von Utrecht stand die englische -Marine allein noch groß da und wurde in der Zukunft so erhalten. - - - Der Verlauf des Seekrieges.[261] - -Schon $im Jahre 1701$ begannen England und Holland zu rüsten. Eine starke -gemeinsame Flotte wurde im April in Portsmouth unter =Admiral Sir George -Rooke= zusammengezogen, um beim Ausbruch des Krieges bereit zu sein. - - [261] Hauptquellen: de Jonge, Teil III und IV; Clowes, Teil II; - Bonfils, Teil II; Chab.-Arnault; Mahan, Teil I; Troude, Teil I; - Colomb; Corbett »Mediterranean«, Teil II. Besonders genau sind de - Jonge und Corbett. Corbett ist sehr eingehend in strategischen - Betrachtungen, doch erscheinen diese seinem Zwecke zuliebe (vgl. - den genauen Titel des Werkes) etwas gefärbt. -- Wenn eine Quelle - Angaben macht, die andere Quellen nicht oder sehr abweichend - bringen, wird sie besonders gekennzeichnet werden (z. B. nach - Corbett). - - Holland hatte 24 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der größere Teil - davon befand sich unter Leutnantadmiral Almonde bei der gemeinsamen - Flotte; da sich aber Holland nach Besetzung der Grenzbefestigungen in - den spanischen Niederlanden durch die Franzosen auch zu Lande bedroht - sah, blieb der Rest der Linienschiffe bei Schooneveld, und zur - Beschützung der Seegatten war eine große Zahl von Fregatten, Convoijers - und flachgehenden Fahrzeugen in Dienst gestellt, Truppen waren mobil - gemacht und Marlborough stand mit 10000 Engländern in Holland. - -Die Flotte blieb lange untätig. Es lag wahrscheinlich (nach Corbett) in -der Absicht Wilhelms III., als er sich im Sommer 1701 im Haag befand, -um die Verhandlungen mit Frankreich auf Grund der letzten -Vermittlungsvorschläge zu leiten, sie nach der spanischen Küste zu -senden, um einen Druck auf den Gang der Unterhandlungen auszuüben oder um -bei Ausbruch des Krieges sofort einen Angriff auf Cadiz zu unternehmen. -Hierdurch wäre nicht nur der spanische Handel arg bedroht gewesen, -sondern man hätte auch die Straße von Gibraltar beherrscht und die -Verbindung der französischen Seestreitkräfte des Mittelmeeres und des -Atlantik unterbrochen. Man mußte sogar darauf gefaßt sein, daß Frankreich -sich dieses Stützpunktes bemächtigen würde. Ludwig XIV. hatte gezeigt, -daß er mit einem Kampfe um die Seeherrschaft im Mittelmeer rechnete; -unmittelbar nach Anerkennung des Testamentes Karls II. von Spanien hatte -er die Regentschaftsjunta gebeten, die Befestigungen der spanischen -Häfen, insbesondere die von Cadiz, Gibraltar und Port Mahon zu -verstärken, und ihr zu diesem Zwecke Offiziere zur Verfügung gestellt. -Rooke soll gegen diesen Plan gewesen sein, weil er sich wie die meisten -Admirale jener Zeit scheute, so spät im Jahre nach dem Süden zu gehen, -daß er gezwungen sein würde, im Herbst mit schweren Schiffen nach dem -Kanal zurückzukehren. Wir wissen, daß auch im vorigen Kriege die -Seeoffiziere sich sträubten, bis zum Herbst an der spanischen Küste zu -bleiben, und damals standen ihnen die spanischen und portugiesischen -Häfen zur Verfügung. - -Als aber die Verhandlungen nicht fortschritten und man erfuhr, daß ein -kleines französisches Geschwader unter Coëtlogon Anfang August mit -Truppen und Kriegsmaterial von Brest nach Westindien auslaufen und ein -zweites größeres (etwa 10 Linienschiffe) unter Vizeadmiral -Château-Renault in See gehen solle, wurden die Operationen zur See -begonnen; Rooke erhielt Befehl, Château-Renault zu beobachten, oder, -falls dieser schon ausgelaufen, zum Schutz des Handels vor dem Kanal zu -kreuzen. Von der Entsendung der großen Flotte nach dem Süden war also -abgesehen, sei es, daß Rookes Einwendungen Erfolg gehabt haben, sei es, -daß man es nicht für nötig hielt, weil man erfahren hatte, daß die -übrigen französischen Schiffe in Brest erst zur Indienststellung im -nächsten Frühjahr bestimmt seien. Ein Teil der Hauptflotte sollte jedoch -nach dem Süden abgezweigt werden. Rooke ging am 25. August in See, -erreichte am 13. September Ouessant und entließ hier das erwähnte -Geschwader; er ging dann nach Brest, sah, daß Renault ausgelaufen war und -kehrte nach Portsmouth zurück. Bald darauf wurde die Flotte aufgelöst und -der Winterdienst eingerichtet. - -Der abgezweigte Teil der Flotte -- 25 englische und 10 holländische -(Kontreadmiral Wassenaer) Linienschiffe -- unter =Vizeadmiral Benbow= war -zunächst bestimmt, auf der Route der spanischen Silberflotte, die unter -französischer Bedeckung erwartet wurde, zu kreuzen. Sollte er sie auch -vor Ausbruch des Krieges aufbringen, wie man es früher mit holländischen -Convois gemacht hatte? In seiner Order war (nach Corbett) gesagt: Die -Franzosen zu hindern, sich der Silberflotte zu bemächtigen und »to take -care of it for those, who were intitled to it«. Später sollte Benbow dann -mit 10 englischen Linienschiffen nach Westindien zur Verstärkung dieser -Station gehen. Am 10. Oktober erreichte er die Azoren und hörte hier, daß -die Silberflotte schon in Cadiz eingetroffen sei; tatsächlich war sie gar -nicht gesegelt. Das französische Geschwader Coëtlogon hatte längere Zeit -auf sie gewartet und war dann allein zurückgekehrt (in Brest Februar -1702); die Galeonen waren nicht fertig gewesen oder zurückgehalten, weil -man die Bedeckung für ungenügend hielt. Der größere Teil des Geschwaders -Benbows ging nach England heim, er selber traf am 13. November in -Barbados ein; wir kommen später auf ihn zurück.[262] - - [262] Die Ereignisse in den Kolonien sowie die des kleinen Krieges - sollen wie bisher später zusammengefaßt betrachtet werden; wir - folgen zunächst nur den Operationen der größeren Flotten. - -=Château-Renault= war mit seinem Geschwader von Brest (26. August) nach -Lissabon gegangen; er sollte auf Portugal einen Druck dahin ausüben, der -Verbindung mit Frankreich treu zu bleiben. Von dort ging er nach Cadiz -(Ende Oktober). Hier traf er eine französische Flotte unter Vizeadmiral -Comte d'Estrées, der durch Aufklärungsschiffe von Benbows Expedition -unterrichtet war. Renault ging nun mit 14 Linienschiffen nach Westindien, -nahm die Silberflotte in Vera-Cruz unter seinen Schutz (März 1702) und -führte sie über Havanna nach Vigo; über seine Vernichtung dort werden wir -bald Näheres erfahren. - -=D'Estrées= hatte seit Mai an der spanischen Küste einige 20 -Linienschiffe, von Toulon aber auch aus Brest, zusammengezogen und nach -Cadiz geführt; ein weiterer Beweis, daß auch Frankreich die Wichtigkeit -dieser Position erkannt hatte. Durch Renault wäre er sehr verstärkt -gewesen, falls es nötig geworden wäre, der Flotte der Verbündeten -entgegenzutreten. Nach Renaults Abfahrt verließ auch d'Estrées Cadiz, wo -er nur einige Schiffe zurückließ. Er brachte spanische Truppen nach -Neapel und Sicilien, wo Aufstände der Kaiserlich-Gesinnten begonnen -hatten, und ging dann für den Winter nach Toulon zurück. - -Zusammenstöße auf der See hatte also das Jahr 1701 noch nicht gebracht. - -$Das Jahr 1702. Angriff auf Cadiz. Vernichtung der Silberflotte in Vigo.$ -Im September 1701 war der Vertrag zwischen den Seemächten und dem Kaiser -geschlossen, nach dem die spanischen Niederlande besetzt, die -italienischen Provinzen für den Kaiser erobert werden und die Seemächte -das Recht haben sollten, überseeische spanische Besitzungen für sich zu -erwerben. England und Holland beschlossen daraufhin, frühzeitig im Jahre -1702 wieder eine große gemeinsame Flotte aufzustellen. - -Es ist nun bisher angenommen, daß man mit dieser Flotte zunächst einen -Vorstoß gegen Cadiz, als den reichen und wichtigen Stützpunkt des -spanischen Handels nach Amerika, habe machen wollen und daß dann die -Seestreitkräfte weiter vornehmlich gegen diesen Handel und gegen die -spanischen Kolonien verwendet sein würden. Dies hätte ja auch dem zum -Vorteil der Seemächte im Vertrage aufgenommenen Satze in erster Linie -entsprochen. Corbett sagt aber, nach den neuesten Forschungen sei es -zweifellos, daß Wilhelm III. und mit ihm Marlborough die Einnahme von -Cadiz nicht hauptsächlich als einen Schlag gegen den Handel und daneben -als eine Diversion, sondern von einem höheren strategischen Standpunkte -aus ins Auge gefaßt habe. Er habe von Anfang an beabsichtigt, die -Seeherrschaft im Mittelmeer zu erringen, um die französischen -Streitkräfte zu trennen, Frankreich von den Zufuhren im Mittelmeer -abzuschneiden, in den Landkrieg in Italien einzugreifen, ja, in -Frankreich selber vom Süden her einzudringen; hierzu war es nötig, den -Verbündeten Stützpunkte zu verschaffen, die England dann wohl behalten -wollte. - - Da sich die Angaben der anderen Quellen über die Operationen wohl mit - dieser Ansicht in Einklang bringen lassen und da anderseits jene - Quellen über =die Vorgeschichte der Cadiz-Expedition= Näheres nicht - enthalten, so sei eine solche nach Corbett gegeben: - - Rooke legte im Januar 1702 dem Könige einen Plan für die Verwendung der - Flotte vor. Er rechnete mit einer gemeinsamen Flotte von 80 englischen - und 50 holländischen Linienschiffen; was sonst noch an Seestreitkräften - vorhanden war, bestimmte er für den Schutz des Handels im Kanal. Von - der großen Flotte sollten nur 30 Engländer und 20 Holländer mit 8000 - Mann Landungstruppen nach dem Süden gehen, um »irgend etwas« in Spanien - oder Portugal zu unternehmen. Über die Verwendung des größeren Restes - sagt der Plan nichts; er sollte wohl im Norden bleiben, um - französischen Unternehmungen entgegenzutreten oder die feindlichen - Küsten zu bedrohen. Es war dies also -- so sagt Corbett -- nicht viel - mehr als die unbestimmte Defensivstrategie zur Zeit Elisabeths, gegen - die schon Drake energisch gesprochen hatte. - - Während nun Holland und die deutschen Fürsten mit diesem Plane wohl - einverstanden waren, in der Hoffnung, daß dadurch französische Truppen - von ihren Grenzen abgezogen würden, hatte Wilhelm III. (und - Marlborough) eben mit den vorhin erwähnten Absichten die Inbesitznahme - von Cadiz durch die Hauptflotte im Auge und hiermit stimmten der Kaiser - und Prinz Eugen in Hinblick auf den Krieg in Norditalien und auf die - Eroberung beider Sicilien überein. Mit Beziehung hierauf sagt Corbett: - »Wenn nun bisher angenommen wurde, die Seemächte hätten anfangs den - Krieg hauptsächlich gegen Handel und Kolonien führen wollen, das - Unternehmen gegen Cadiz habe nur diesem Zwecke dienen sollen und nur - durch Zufall -- durch den Ausbruch des Landkrieges in Spanien 1704 -- - sei die Haupttätigkeit der Seestreitkräfte ins Mittelmeer verlegt, so - ist das nicht zutreffend; Wilhelm schaute weiter. Es wird dies schon - durch die erste Instruktion bewiesen, die Rooke erhielt, als der Krieg - (4. Mai) erklärt war. (Die Order war nicht mehr vom Könige - unterzeichnet, aber in seinem Sinne gehalten.) Sie besagte, Rooke solle - Cadiz oder -- falls sich herausstellte, daß dieser Platz zu stark oder - von einer zu großen Flotte gedeckt sei -- Gibraltar, Vigo, Ponta Vedra, - Coruña oder sonst einen geeigneten Hafen nehmen und den Landtruppen - dort ein genügend starkes Geschwader lassen, um ihn zu halten; dann - erst solle ein Teil der Flotte mit 2000 Mann nach Westindien abgezweigt - werden. Angriffe auf spanische Kolonien standen also nach Zeit und - Bedeutung erst in zweiter Linie, einen Stützpunkt für Operationen im - Mittelmeer zu gewinnen, war die Hauptsache. Die Befehle für die Flotte - in späteren Jahren, auch ehe Karl III. in Portugal landete, bestätigen - dies und zeigen auch, daß man schon damals daran dachte, Frankreich vom - Mittelmeer aus anzugreifen. Marlborough sagte später im Oberhause, er - habe Befehl von der Königin erhalten, mit Prinz Eugen über einen - Angriff auf Toulon zu unterhandeln, dessen Eroberung Ihre Majestät von - Beginn des Krieges an als das beste Mittel zu seiner Beendigung erkannt - habe.« - -Nach vorstehendem ist anzunehmen, daß die Operationen für das Jahr 1702 -dem Plane Wilhelms entsprechend angesetzt sind, sie wurden aber nicht mit -der nötigen Tatkraft begonnen und durchgeführt. Der König befand sich in -den Niederlanden, wurde bald schwer krank und starb vor der -Kriegserklärung. Die Königin Anna führte zwar die Politik in seinem Sinne -fort, konnte aber den Widerstand, der sich dem geplanten Vorgehen zur See -von gewisser Seite entgegenstellte, nicht überwinden; Marlborough, der -dieses mit aller Kraft weiter vertrat, befand sich bei dem Heere auf dem -Festlande. - -=Die Rüstungen der Verbündeten= hatten rechtzeitig begonnen. Holland -beschloß 48 Linienschiffe in Dienst zu stellen, England hätte demnach 80 -zur gemeinsamen Flotte liefern müssen und diese würde 128 Schlachtschiffe -stark gewesen sein; mit 130 rechnete ja auch Rooke in seinem Plane. Auf -der Flotte, die nach Spanien gehen sollte, wollte man 10000 englische und -5000 holländische Soldaten einschiffen. Es währte jedoch sehr lange, bis -eine gemeinsame Flotte operationsbereit war; die Gründe der Verzögerung -sind wohl in der Krankheit und dem Tode (8. März) Wilhelms zu suchen. - - Wenn auch die holländischen Schiffe sich schon im März in den Seegatten - sammelten, so verging doch nach dem Tode Wilhelms lange Zeit mit - Verhandlungen, inwieweit der alte Vertrag über die Aufstellung der - gemeinsamen Flotte bestehen bleiben solle (endgültig abgeschlossen erst - am 9. Juni 1703), und erst am 31. Mai kam das holländische Kontingent - in Spithead an. Hier fand es auch die englische Flotte noch nicht - bereit; es fehlte besonders an Soldaten für das Landungskorps, weil die - neuerrichteten Seeregimenter noch nicht voll aufgestellt waren, aber - auch sonst waren die Rüstungen im Rückstande. - -Erst Ende Juni lagen bei St. Helens seeklar: 30 englische und 20 -holländische Linienschiffe über 50 Kanonen, 13 Fregatten, 9 Brander, 8 -Mörserboote und zahlreiche Transporter für Soldaten, Proviant und -Kriegsmaterial sowie 6 Hospitalschiffe, insgesamt 160-200 Segel; etwa -9000 englische und 4000 holländische Soldaten, in beiden Ländern meist -den Seeregimentern entnommen, waren eingeschifft. Den Oberbefehl führte -=Admiral Rooke=, die Holländer kommandierte Leutnantadmiral =von -Almonde=; das Landungskorps stand unter den Generalen =Herzog von Ormond= -(englisch) und =de Sparre= (holländisch). - - Neben dieser Hauptflotte hatte Holland ein Geschwader von 15 - Linienschiffen unter Vizeadmiral Evertsen an der flämischen Küste gegen - Unternehmungen der Franzosen auf diese im Dienst und England eine - Flotte von 30 Schiffen (später noch verstärkt) unter =Admiral Shovel= - im Kanal, die bei Abwesenheit der Hauptflotte Brest blockieren und den - Handel schützen sollte. In beiden Staaten war also die geplante Stärke - der Gesamtindienststellung nicht erreicht. - -Aber auch jetzt begannen die Operationen noch nicht, obgleich der Krieg -am 4. Mai erklärt war. Wenn nun auch dieser weitere Verzug wohl mit eine -Folge des Personalwechsels in den höheren Stellungen der englischen -Admiralität nach dem Tode Wilhelms III. war -- Mitte Mai war der Gemahl -der Königin Anna, Prinz Georg von Dänemark, zum Lordhighadmiral ernannt; -der vorhin angeführte Befehl für die Flotte wurde erst am 7. Juni -erlassen --, so wird doch allgemein die Hauptschuld dem Admiral Rooke -zugeschrieben. Wieder äußerte dieser mit fortschreitender Jahreszeit -seine Bedenken, die großen Schiffe nach dem Süden zu führen; die Order -entsprach eben nicht seiner Ansicht. Unterstützt wurde er durch Shovel, -der erklärte, mit seinen 30 Schiffen könne er seine Aufgabe nicht lösen; -Shovel äußerte auch, wenn man dem Feinde nur gleich sei, könne man nie -auf einen entscheidenden Sieg rechnen.[263] - - [263] Näheres Corbett, Teil II, Seite 211. Corbett fügt hinzu: Zum - Glück haben englische Admirale diese Lehre öfter durch die Tat - widerlegt als befolgt. - -Die neue Admiralität bestand nun zwar noch energischer auf der -Durchführung des Planes Wilhelms -- der Bruder Marlboroughs, der in der -Admiralität angestellt war, hatte großen Einfluß auf den Prinzadmiral und -arbeitete im Sinne seines Bruders, während der vorhergehende -Lordhighadmiral Lord Pembroke die Ansicht Rookes teilte --, sie hatte -jedoch in ihrem Streben, Rooke anzutreiben, wenig Erfolg. - -Über die =Rüstungen der Franzosen= in diesem Jahre liegen nähere Angaben -nicht vor; aus den französischen Quellen kann man entnehmen, daß sowohl -in Brest wie in Toulon zahlreiche Indienststellungen stattgefunden haben, -die zusammen wohl eine Flotte gebildet hätten, mit der die Gegner rechnen -mußten. Kleinere Geschwader oder Divisionen waren wie zu Ende des vorigen -Krieges zum Schutz der Häfen, zur Bedrohung des feindlichen Handels oder -zu bestimmten Zwecken in Dienst gestellt; einige von diesen (unter -berühmten Führern, wie: du Casse, Saint-Pol; Forbin, Trouin) werden uns -bei Betrachtung des kleinen Krieges beschäftigen. - -Eine solche Abteilung sei hier erwähnt, da sie von Bedeutung für den -Landkrieg in Norditalien war. Dort war =Prinz Eugen= auf Zufuhren von -Triest über Venedig angewiesen, und im Juni 1702 erschien =Forbin= mit -einigen Fregatten im Adriatischen Meere. Es gelang ihm, die Verbindung zu -unterbrechen, doch wurde er bald abberufen, weil er zu scharf gegen die -neutrale Republik Venedig vorging; immerhin war die Folge, daß die -Befehle für die Flotte der Verbündeten später darauf hinwiesen, das -Adriatische Meer von französischen Streitkräften freizuhalten. - -Eine zweite Abteilung gab den Anlaß zu den ersten Operationen der -Hauptflotte der Verbündeten. Eine auf Erkundung im April ausgesandte -englische Fregatte meldete, daß sich in La Rochelle ein Geschwader -sammle, um Truppen von Ferrol oder Coruña nach Westindien zu bringen -sowie Galeonen dorthin zu geleiten. (Es war du Casse mit 6 Linienschiffen -und 8 Transportern.) Infolgedessen wurden im Mai 9 Linienschiffe nebst 2 -Fregatten ausgesandt, um du Casse abzufangen. Der Führer, =Sir John -Munden=, sichtete am 27. Mai 14 Franzosen bei ihrem Einlaufen in Ferrol. -Da er sie alle für Kriegsschiffe hielt und auch nach anderen Nachrichten -17 feindliche Linienschiffe in Ferrol vermutete, ging er nach England -zurück (Ende Juni dort. In kriegsgerichtlicher Untersuchung -freigesprochen, wurde Munden doch der öffentlichen Meinung zuliebe -entlassen). Nun beschloß der Kriegsrat der Flotte, zu einem See- und -Landangriff gegen Coruña vorzugehen und sich dann gegen Cadiz zu wenden; -die Admiralität stimmte bei, hielt aber auch ihre früheren Befehle -aufrecht und betonte, falls der Spätherbst vor Lösung der Aufgaben -einträte, solle Rooke die schweren Schiffe in dem von ihm genommenen -spanischen Hafen bergen; alles zur Neuausrüstung Nötige werde man -hinaussenden. - -Anfang Juli sandte =Rooke= etwa die Hälfte der Flotte -- 22 Linienschiffe -unter Admiral Fairborne -- voraus; sie sollte die Franzosen in Coruña -festhalten oder, wenn diese schon ausgelaufen wären, ihn bei Finisterre -erwarten. Er selbst verließ mit dem Rest bald darauf St. Helens, blieb -dann aber wieder »wegen Gegenwindes« in Torbay liegen; seine Bedenken -wegen der schweren Schiffe hatte er immer wieder zur Sprache gebracht. -Endlich gelang es der Admiralität, ihn dadurch in Bewegung zu setzen, daß -sie verfügte, Shovel solle ihm seine schweren Schiffe gegen leichtere -umtauschen, wodurch auch dieser seinem Wunsche gemäß verstärkt würde. -Dies paßte Rooke nicht; er verließ, ehe Shovel ihn erreichte, am 1. -August den Kanal. - -Der Admiralität erschien ein baldiges Auslaufen geboten, weil von Benbow -in Westindien die Nachricht eingegangen war (14. Juli), daß -Château-Renault im März mit der Silberflotte die Heimreise antreten -werde. Diese war, wie wir wissen, im Vorjahre zurückgehalten und Spanien -fühlte schmerzlich den Ausfall; mit ihrem Abfangen konnte ihm ein -schwerer Schlag zugefügt werden. Es wurde deshalb der Befehl erlassen, -daß Rooke die spanische Küste von Cadiz nördlich und Shovel die -französische von Brest südlich sperren solle. Im übrigen blieb die alte -Order wieder bestehen, nur wurde Gibraltar von den etwa zu nehmenden -Plätzen gestrichen und auch dem Admiral freigestellt, mit den schweren -Schiffen heimzukehren, sobald ein Hafen genommen sei; er habe dann Shovel -durch 10-12 gute Schiffe zu verstärken, falls Renault noch nicht -eingetroffen sei. Man glaubte in England und in Frankreich, Renault würde -die Silberflotte nach einem französischen Hafen führen. - -Am 10. August traf Rooke bei Finisterre ein und stellte fest, daß die -Franzosen Coruña verlassen hatten. Sie waren schon vor Fairbornes Ankunft -ausgelaufen; dieser war durch Sturm vom Rendezvousplatze vertrieben, -vereinigte sich aber am 18. August vor Lissabon mit der Hauptflotte. -Jetzt wandte sich $Rooke gegen Cadiz$. Dieses Unternehmen sollte jedoch -kläglich verlaufen, da es ohne jede Tatkraft und Umsicht ins Werk gesetzt -wurde; dies ist um so auffallender, als es doch so lange vorbereitet war -und man die Erfahrungen des glorreichen Angriffes 1596 (Howard und Essex) -sowie des Mißerfolges 1625 (Wimbledon) für sich hatte. Der diesmalige -Mißerfolg wird von den Quellen den verschiedenen Führern zugeschrieben: -die Holländer (z. B. de Jonge) klagen den General Ormond des Mangels an -Tatkraft an, hervorgerufen durch Unfähigkeit oder gar böse Absicht, weil -er ein Gegner Marlboroughs gewesen sei; englische Quellen (und zwar fast -alle) schieben die Schuld mehr auf die Lauheit Rookes und seiner -Flaggoffiziere (Fairborne ausgenommen) sowie auf Mangel an Einigkeit -zwischen den Land- und Seeoffizieren. Die Schilderung wird zeigen, daß -beide Auffassungen ihre Berechtigung haben; hinzu trat noch die -Einwirkung des =Prinzen Georg von Hessen-Darmstadt=,[264] der sich als -Repräsentant des Kaisers auf der Flotte befand. Dieser sprach gegen jedes -allzu schroffe Auftreten, in der Absicht; die Bevölkerung Südspaniens -für Habsburg zu gewinnen oder sie wenigstens nicht dagegen auf zubringen; -man muß annehmen, daß seine Bedenken dann den englischen Führern ganz -erwünscht kamen. Von Rooke sagen Zeitgenossen, er habe von dem -Unternehmen so gleichgültig gesprochen, daß man daraus hätte folgern -können, er würde dem Feinde nicht viel Schaden tun; er lag auch während -der Ausreise und während des Angriffs fast stets krank (?) im Bett. $Der -Angriff$ bietet wenig von Bedeutung. - - [264] Der Prinz von Hessen befand sich in Portugal, um den König für - das Bündnis gegen Frankreich zu gewinnen; als die Flotte - erschien, schiffte er sich ein. Die englischen Quellen nennen ihn - »den fähigsten Mann« auf der Flotte. Er war im vorigen Kriege als - Gouverneur von Katalonien die Seele des Widerstandes gegen die - Franzosen gewesen und bei den Spaniern sehr beliebt; er fiel 1705 - bei der Eroberung von Barcelona. - - Am 23. August ankerte die Flotte in der Bucht westlich von Cadiz. Hier - lagen 3 Kriegsschiffe und einige (4-6) Galeren der Franzosen, die in - den Hafen einliefen; Fairborne wollte sofort folgen, aber Rooke verbot - es. Auf der Reise war öfters Kriegsrat abgehalten, meist Land- und - Seeoffiziere getrennt, es bestand jedoch noch kein Plan über das, was - man unternehmen und wie weit man gehen wollte. Eine Aufforderung zur - Übergabe, gestellt in der Hoffnung auf habsburgische Gesinnung in der - Stadt, wurde abgelehnt; man erfuhr, daß die Befestigungen gut im Stande - seien, und daß 4000-5000 Mann in der Stadt lägen, und hielt deshalb - einen Handstreich für ausgeschlossen. Nach seiner Instruktion hätte - Rooke sich jetzt gegen einen anderen Hafen wenden können; die Order - scheint nur mit einem Handstreich gerechnet zu haben, sei es, um nicht - zu viel aufs Spiel zu setzen oder um nicht zu lange Zeit auf eine - Belagerung zu verwenden, sei es, um die Bevölkerung zu schonen, aus - demselben Grunde, den der Prinz von Hessen vertrat. Ein gemeinsamer - Kriegsrat beschloß aber den Angriff.[265] Der Generalstabschef Ormonds - schlug nach einer Erkundung vor, auf der Insel Leon, also möglichst - nahe östlich von der Stadt, zu landen; der Kriegsrat lehnte es ab, - vielleicht aus seemännischen Gründen (zu offene Küste). Die Truppen - wurden zwischen S. Catalina und Rota ausgeschifft und Rota besetzt; - beides geschah ohne nennenswerten Widerstand. Erst nach fünf Tagen - marschierte Ormond nach S. Maria, das verlassen vorgefunden wurde; auch - hier blieb man vier Tage untätig stehen, plünderte aber die Stadt, ja - selbst die Kirchen, und diese Plünderung, an der sich sogar Offiziere, - auch der höheren Dienstgrade, beteiligten, wirkte höchst nachteilig für - die habsburgische Sache. Große Weinlager waren gefunden worden und die - schlecht in Disziplin gehaltenen, meist betrunkenen Leute »behaved in a - most disgraceful and abominable manner« (nach Clowes). Inzwischen war - S. Catalina von den Mörserbooten beschossen und ergab sich sofort einem - heranrückenden kleinen Truppenteil. - - [265] Vgl. die Skizze von Cadiz, Seite 136, der nur hinzuzufügen ist, - daß an der von Puerto S. Maria nach West laufenden Küste von - genannter Stadt 5 km entfernt die kleine Festung S. Catalina, und - 15 km entfernt die offene Stadt Rota liegt. - - Bis dahin waren also Erfolge erzielt, wenn auch langsam; Almonde soll - stets versucht haben, durch General Sparre bei Ormond auf lebhafteres - Vorgehen hinzuwirken. Jetzt mußte man den Hafen und Cadiz selbst - angreifen; hierzu war die Mitwirkung der Flotte nötig. Man wollte das - Fort Matagorda nehmen, das dem Fort Puntales gegenüber gelegen die - Einfahrt von Osten her deckte, sowohl um der Flotte das Einlaufen in - den Hafen zu erleichtern, als auch um von dort die Truppen auf die - Insel Leon überzuführen. General Sparre marschierte mit 3000 Mann über - Puerto Real vor das Fort, konnte aber wegen der schlechten Wege nicht - genügend Artillerie hinschaffen. Die Flotte machte Schwierigkeiten, - Truppen usw. von S. Maria oder Rota dorthin zu bringen: die Schiffe - müßten erst Wasser nehmen und könnten auch die Boote nicht entbehren. - Geradezu ablehnend verhielt sich Rooke nicht, aber er tat auch nichts. - Schon waren Schiffe zum Forcieren bestimmt gewesen, falls Matagorda - gefallen sei, später jedoch äußerte sich der Kriegsrat der Seeoffiziere - wieder, auch dann könnten die Schiffe nicht einlaufen; er schlug vor, - zunächst die Stadt in einer »günstigen« Nacht zu beschießen. Hiergegen - sprach aber der Prinz von Hessen und auch Rooke fand nie günstiges - Wetter. Matagorda hielt sich, unterstützt durch das Feuer der Galeren, - und die Spanier versenkten Schiffe in der Einfahrt. Der Kriegsrat der - Landoffiziere erklärte, ohne Hilfe der Flotte könne das Landungskorps - das Fort nicht nehmen und nicht vor die Stadt gelangen, da es der - schlechten Wege und der vielen Wasserläufe halber von P. Reale nicht - ganz über Land bis zur Insel Leon marschieren könne; zu einer - förmlichen Belagerung fehle ihm überhaupt das nötige Material. So wurde - am 16. September allgemein beschlossen, das Unternehmen aufzugeben; - nachdem alle Magazine mit Schiffs- und Kriegsvorräten in den besetzten - Plätzen verbrannt waren, schiffte man am 25. September die Truppen ein. - -Man hatte nichts erreicht als die Vernichtung einiger Magazine, und weit -mehr hatte die Plünderung der Ortschaften der allgemeinen Sache -geschadet. - -Rooke und sein Kriegsrat beschlossen, nach England zurückzukehren, sie -hatten nur die Sicherheit der Schiffe im Auge. Es ist möglich, daß auch -die Lauheit bei dem Unternehmen teilweise dem Gedanken zuzuschreiben ist, -die Flotte unversehrt zu erhalten, falls eine französische sich zeigen -sollte. Vergeblich versuchte der Prinz von Hessen, unterstützt durch die -Generale und durch Almonde, Rooke zu bewegen, einen anderen Hafen zu -nehmen. Der Prinz wies auf die in der Instruktion genannten Städte hin, -Rooke fand bei allen seemännische Bedenken; der Prinz schlug einen Hafen -an der Ostküste vor -- z. B. Valencia, Aragonien und Katalonien würden -sich gegen Philipp V. erheben -- Rooke sagte, seine letzte Order verböte -ihm, weiter als Cadiz zu gehen. Eine Rückkehr nach England lag keineswegs -in der Absicht der englischen Regierung, wie aus späteren Befehlen zu -ersehen ist. Der Admiral hat diese wohl nicht rechtzeitig erhalten; aber -auch eine Aufforderung des englischen Gesandten (Methuen) in Portugal, -nach Lissabon zu kommen und dort zu überwintern, konnte seinen Entschluß -nicht ändern. - -Am 1. Oktober verließ die Flotte die Bucht von Cadiz, nahm vor Lagos -Wasser, zweigte hier 6 Linienschiffe mit 2000 oder 3000 Mann auf -Transportern unter Kapitän Walker nach Westindien zur Verstärkung Benbows -ab und trat dann die Reise nach England an. - - Einige Andeutungen über die ebenerwähnten späteren Befehle (genauer in - Corbett, Teil II, Seite 266): Mitte August wurde Rooke die Einnahme von - Cadiz dringender als bisher ans Herz gelegt; man wußte, daß Frankreich - wieder im Adriatischen Meere sich zeige, und glaubte, daß von Toulon - eine größere Macht dorthin abgehen solle. Mit dem Zurückbringen seiner - Schiffe im Winter brauche Rooke nicht zu rechnen; er könne in Cadiz - bleiben, weil im Frühjahr eine große Flotte im Mittelmeer auftreten - solle. (Marlboroughs Plan gegen Südfrankreich und Eroberung Neapels für - den Kaiser.) - - Ein zweiter Befehl, Mitte September, als die ungünstigen Nachrichten - von Cadiz eingetroffen, weist wiederum auf Einnahme eines anderen - Platzes hin. Man wollte Rooke an der spanischen Küste festhalten, weil - man wußte, daß die Silberflotte bald ankommen müsse und in einen - spanischen Hafen einlaufen wolle. - - Die dritte Verfügung, vom 24. September, als man annahm, die - Silberflotte müsse schon unbemerkt eingelaufen sein, fordert wieder die - Eroberung von Cadiz; jedenfalls müsse Ormond kräftig unterstützt - werden, die großen Schiffe solle Rooke, wenn durchaus nötig, nach - Lissabon schicken. Methuen teilte ihm mit, er könne dorthin kommen. Der - König schwanke schon, seitdem die Flotte an der Küste sei; käme eine - Streitmacht in den Tajo, so würde er den Verbündeten beitreten. Diese - Nachricht erhielt Rooke in Lagos. - -Stürmische Gegenwinde ließen die Reise längs der Küste nur langsam -fortschreiten und hierdurch sollte Rooke die Gelegenheit finden, einen -großen Schlag zu tun: - -$Die Vernichtung der Silberflotte in Vigo.$ =Château-Renault= hatte mit -dieser unbelästigt Westindien verlassen können; auf den Azoren hörte er, -daß Rooke mit der Hauptflotte an der spanischen Südküste sei. Seinem -Vorschlage, die Galeonen nach einem französischen Hafen zu bringen, trat -der spanische Admiral entgegen -- »spanischer Stolz« sagen die -französischen Quellen; »Mißtrauen gegen ihren Verbündeten« meinen die -englischen --, so entschloß er sich, nach Vigo zu gehen. Am 27. (21.?) -September traf er dort ein, gerade noch rechtzeitig, denn auch =Shovel= -hatte Mitte September den Befehl erhalten, von der französischen Küste -nach Finisterre zu segeln. Methuen in Lissabon scheint Renaults Ankunft -sehr spät erfahren zu haben, denn erst zehn Tage darauf kam sein Bote mit -der Nachricht in Faro an. Die Flotte hatte soeben die Reise fortgesetzt, -so daß der Konsul trotz aller Bemühungen Rooke nicht mehr erreichen -konnte. Der Bote traf aber noch einige Transporter beim Wassernehmen und -der Kommodore der begleitenden Kriegsschiffe sandte sofort eine Fregatte -(Kapitän Hardy) der Flotte nach. - - Nach einer anderen Erzählung erfuhr der Kommodore die Ankunft der - Silberflotte durch beurlaubte Offiziere -- besonders einen Prediger --, - denen gegenüber der französische Konsul damit großgetan hatte, daß - Renault den Verbündeten entwischt sei; es ist wohl eine Sage. - - Daß der Angriff auf die Silberflotte überhaupt ganz dem Zufall zu - verdanken sei, wie oft gesagt, ist nicht richtig. England hatte alle - Schritte dazu getan: Methuen gab acht, Shovel hatte entsprechenden - Befehl und auch Rooke versuchte sich zu unterrichten. Er fragte auf - seiner Reise in Faro an und schickte auch ein Schiff nach Lissabon, - doch konnte dieses wegen Sturmes nicht gleich wieder auslaufen. Von - England waren acht Fahrzeuge an Shovel und Rooke mit dem Befehle - abgesandt, Renault auf der Reise oder in Vigo anzugreifen; Shovels - Station wußte man und Rooke hatte seine Kreuzer so vor sich verteilt, - daß er voraussichtlich jede Nachricht von England erhalten mußte. - -Hardy traf die Flotte bei Finisterre (17. Oktober), Rooke rief seine -Kreuzer zurück und sandte sie gegen Vigo, um die Richtigkeit der -Nachricht zu prüfen; er selber folgte mit der Flotte. Das schlechte -Wetter hatte zwölf Stunden die Kommunikation zwischen Hardy und dem -Admiral gehindert und erst am nächsten Tage konnte ein Kriegsrat -stattfinden, zu dem auch nur die zu Luward stehenden Flaggoffiziere -erschienen. Der Angriff auf Vigo wurde beschlossen. Auf dem Wege dorthin -erfuhr Rooke, daß Shovel in der Nähe sei. Er rief ihn zur Mitwirkung -heran, wartete jedoch nicht auf seine Ankunft. Sobald die Verhältnisse in -Vigo erkundet waren, ging man zum Angriff über. - - Im Kriegsrat soll ein großer Teil der englischen Offiziere dagegen - gewesen sein, in so später Jahreszeit an der gefährlichen Küste etwas - zu unternehmen; Almonde soll energisch dafür eingetreten sein, Rooke - nur zögernd eingewilligt haben. Rooke fühlte sich auch während der - Durchführung des Angriffes zu krank, um die Kajüte zu verlassen! - - Château-Renaults Flotte bestand aus 15 (13?) französischen - Linienschiffen, darunter 11 über 70 Kanonen, 3 spanischen, einigen - kleineren Kriegsschiffen und 3 Brandern; die Silberflotte zählte 13 - Galeonen, 20-30 Kanonen, mit Edelmetallen und wertvollen Gütern - beladen. Von dem Silber war allerdings der größere Teil schon - ausgeschifft und vieles auch schon landeinwärts gebracht. Der - französische Admiral hatte sich nach Möglichkeit eine gute Stellung - geschaffen. Die meisten Schiffe und die Galeonen waren in die Bucht von - Redondela gelegt; das Fort im Süden der nur 3/4 Seemeilen breiten - Einfahrt hatte man durch eine Batterie verstärkt (zusammen 38 Kanonen) - und eine zweite Batterie im Norden gebaut (20 Kanonen). In die Einfahrt - war eine schwere Floßsperre gelegt, flankiert durch 2 der schwersten - Linienschiffe, hinter der Sperre waren 5 Linienschiffe im Halbmond - vermoort; diese lagen aber etwas zu weit von der Sperre, um die - heransegelnden Feinde gerade bei ihr mit vollem Feuer zu überschütten. - -[Illustration: Vigo 23. Oktober 1702.] - - Die Flotte der Verbündeten segelte am 22. Oktober trotz rauhen und - unsichtigen Wetters in die Bucht von Vigo ein; unbehindert, weil sich - außerhalb der Enge nur bei der Stadt einige schwache Befestigungen - befanden. Der Kriegsrat der Flaggoffiziere setzte den Angriff für den - nächsten Tag an: 15 englische und 10 holländische Linienschiffe, meist - über 70 Kanonen und mit allen Flaggoffizieren, sollten in 7 Gruppen von - 3-5 Schiffen die Sperre forcieren, unterstützt von den Mörserbooten und - Brandern; etwa 4000 Mann sollten landen und die Befestigungen des - Südstrandes nehmen. Am 23. mit Tagesanbruch wurde dem Plane gemäß - verfahren. =Vizeadmiral Hopson= führte die erste Gruppe (5 Engländer), - =Vizeadmiral van der Goes= die zweite (3 Holländer) und nur diese - beiden kamen zur Verwendung. - - Die Landung ging (2000-3000 Mann) unter dem Schutze einiger Schiffe - ohne Widerstand vor sich; spanische Milizen (8000? Mann), die dem - Feinde entgegentraten, wurden leicht in die Flucht geschlagen und - darauf die Befestigungen trotz tapferer Gegenwehr (300 bis 500 - französische Seesoldaten nebst einigen Spaniern) genommen. Das - Landungskorps besetzte Redondela und machte hier reiche Beute an schon - gelandeten Gütern; wenn sich auch zahlreiche Mannschaften der Schiffe - am Lande befanden, so war doch kein Widerstand organisiert, allgemeine - Flucht riß ein. Der Angriff zu Wasser war weniger leicht, wurde aber - mit Bravour durchgeführt. Mit der Landung hatten die Schiffe Anker - gelichtet, mußten aber wegen Windstille gleich wieder ankern. Als bald - darauf Wind aufsprang, kappte Hopson sofort sein Kabel und sprengte - unter äußerstem Segeldruck die Sperre; der Wind schlief wieder ein, so - daß seine Hinterleute nicht dicht aufgeschlossen bleiben und die Sperre - nicht beiseite drängen konnten, zwei Holländer z. B. blieben hängen und - mußten sich mit Beilen loshauen. Ein englisches Linienschiff legte sich - zwar vor die Nordbatterie und kämpfte sie nieder, aber Hopson lag - allein zu Anker hinter der Sperre in schwerem Kampf mit den - flankierenden Franzosen, bis bei wieder aufkommendem Winde nach und - nach die Schiffe der beiden Gruppen durchsegelten. - - Nun begann das Vernichtungswerk. Auf den feindlichen Schiffen herrschte - Verwirrung und Schrecken, Renault gab selber bald den Befehl, die - Schiffe anzuzünden oder auf Strand zu setzen. Der Widerstand war sehr - gering; nur Hopsons Flaggschiff wurde durch einen Brander in Flammen - gesetzt, mit Mühe wurde das Feuer gelöscht. Bis Sonnenuntergang waren 6 - französische Linienschiffe und 5 noch reich beladene Galeonen genommen, - die übrigen Schiffe verbrannt oder gesunken. Der Verlust der - Verbündeten war sehr gering, nur Hopsons Schiff hatte gegen 100 Tote, - am Lande waren etwa 40 Mann gefallen. Der Verlust der Gegner war - bedeutender, vornehmlich an Gefangenen, doch wurden diese bis auf die - Offiziere -- worunter Renault, mehrere französische Kapitäne und auch - der spanische Admiral -- freigelassen. - - Wohl mit Recht sagt Colomb, daß es von Renault richtiger gewesen sein - würde, nur die Galeonen in die innere Bucht zu legen und mit den - Kriegsschiffen den Gegner in der äußeren Bucht zu erwarten, wo er die - Breitseiten aller Schiffe hätte zur Verwendung bringen können. Er muß - seine Stellung für unbedingt sicher gehalten haben; es ist doch auch - auffallend, daß man während der drei Wochen nicht alle Schätze der - Galeonen geborgen hatte. Renault wurde zwar später Marschall, doch - nicht wieder zur See verwendet; man traute seinem Stern nicht mehr. - -Der Erfolg war groß. Frankreich verlor bei Beginn des Krieges ein -stattliches Geschwader, Spanien einen großen Teil seiner Hilfsmittel. Die -Silberflotte mit der Bergwerksausbeute von zwei Jahren soll eine der -reichsten gewesen sein, die je gefahren ist. Portugal erkannte die Macht -der Seemächte. Colomb nimmt diesen Fall als Beispiel für das Gelingen von -Unternehmungen gegen Land, wenn man die See beherrscht. Daß die -Verbündeten die See beherrschten, war eine Folge der falschen -Kriegführung der Franzosen, hervorgerufen durch falsche Sparsamkeit oder -Unverständnis. Man hätte eine Flotte zur Aufnahme Château-Renaults -zusammenziehen können; in Brest, Toulon sowie den kleineren Häfen waren -Divisionen im Dienst und an Schiffen fehlte es überhaupt noch nicht. - -Für =Rooke= war der Vorfall von großem Nutzen. In England wie in ganz -Europa war der Eindruck großartig, er verdunkelte in diesem Jahre die -Erfolge Marlboroughs und Eugens; in Holland wurden Dankgottesdienste und -Freudensalute in allen Grenzfestungen angeordnet. Der Admiral wurde -wieder beliebt, besonders im Unterhause, und die Klagen Ormonds im -Oberhause über mangelhafte Unterstützung seitens der Flotte hatten keinen -Erfolg. Rooke verteidigte sich dagegen mit der schlechten Vorbereitung -der Expedition; eine Sache, auf deren nähere Untersuchung die Minister -und die Admiralität lieber nicht eingingen. - -Seine Abneigung gegen die Pläne der Regierung zeigte Rooke nochmals -gleich nach Vigo. Einige Tage nach dem Ereignis traf Shovel ein, ihm -überließ der Chef die weiteren Maßregeln für Verladen der Beute -und Kanonen, Segelfertigmachen der Prisen, Zerstörung des -Nichtmitzunehmenden, Einschiffen der Truppen; er selbst ging mit dem -größten Teil der Flotte, darunter die ihm so sehr am Herzen liegenden -Dreidecker, nach England. Shovel folgte einige Tage später. Vergeblich -hatten wiederum der Prinz von Hessen und Ormond gebeten, auch die Stadt -Vigo zu nehmen, dem Landungskorps ein starkes Geschwader zu lassen und -so den gewünschten Stützpunkt zu schaffen. Rooke ging nicht darauf ein, -er hatte auch sofort seine Transporter mit Proviant und Material nach der -Heimat vorausgesandt. Corbett sagt: »So hat Rooke doch seinen Willen -behalten. Der Plan der Regierung war gescheitert, er aber hat »etwas an -der Küste getan« (wider Erwarten sogar einen großen Erfolg erzielt) und -seine Schiffe vor dem Winter heimgebracht.« - -Die Flotte wurde nach Rückkehr aufgelöst, die großen Operationen waren zu -Ende. - -$Die Jahre 1703 und 1704. Einnahme von Gibraltar, Schlacht bei Malaga.$ -Das Jahr 1703 bringt uns wenig Tatsachen, eigentlich nur Pläne, die erst -in späteren Jahren zur Ausführung kommen. Im Winter 1702/03 fanden in -London Beratungen über die nächsten Operationen statt, denen auch -Marlborough und de Almonde beiwohnten; es war für dieses Jahr dem Kaiser -versprochen worden, ihn bei der Eroberung beider Sicilien zu -unterstützen. Es wurde beschlossen, schon im Februar 30 englische und -12-15 holländische Linienschiffe ins Mittelmeer zu senden; da man annahm, -daß Rooke nicht damit einverstanden sein würde, sollte er »mit Rücksicht -auf seine Gesundheit« die Admiralität übernehmen. Diesen Plan ließ man -jedoch fallen, entweder weil die Schiffe wegen der späten Rückkehr im -Vorjahre nicht fertig geworden waren, oder und wahrscheinlicher weil der -Kaiser infolge der ungarischen Unruhen keine Truppen stellen konnte. Man -setzte nun eine 96 Schiffe starke Flotte im Kanal fest, von der nur 35 -Linienschiffe unter =Shovel= für das Mittelmeer abgezweigt werden -sollten. Der Befehl für diese[266] lautete: den Frühjahrs-Levanteconvoi -sicher bis Malta zu führen; die Verträge mit den Barbaresken zu erneuern -und sie womöglich zur Kriegserklärung gegen Frankreich zu bewegen; -Toskana und Venedig, die zu Frankreich neigten, zu strenger Neutralität -zu zwingen; das Adriatische Meer für Österreich freizuhalten, dieses in -Norditalien sowie die habsburgische Partei in Neapel zu unterstützen; bei -günstiger Gelegenheit Cadiz, Toulon oder andere spanische oder -französische Häfen anzugreifen; endlich im September/Oktober den -Levanteconvoi heimzuführen. (Nach Corbett war in einem Begleitschreiben -der Hauptwert auf Sicherung der Convois gelegt.) Shovel sollte frühzeitig -segeln, wurde aber sehr verzögert und dadurch gehindert, etwas von -Bedeutung auszuführen; der Rest der Seestreitkräfte war noch tatenloser, -für die Flotte im Kanal stellte Holland kein Schiff. - - [266] Genauer Corbett, Teil II, Seite 228 ff. - - Holland stellte in Dienst: 12 Linienschiffe für die Nordsee, - hauptsächlich zur Deckung der erwarteten Ostindienfahrer; 10 - Linienschiffe gegen Dünkirchen und gegen eine Division Galeren in - Ostende. Es sollte 18 Linienschiffe für das Mittelmeer stellen, brachte - es aber nur auf 12, die erst am 25. Juni in Spithead eintrafen. Außer - Amsterdam und Maas klagten die Admiralitäten über Geldmangel; Wilhelm - von Oranien fehlte eben. - -Die Hauptflotte der Engländer unter =Rooke= trat frühzeitig, aber nur -nach und nach zusammen; genaue Angaben fehlen, englische Quellen nennen -sie »vast«. Ihre Order war »so altmodisch wie möglich, ganz nach Rookes -Geschmack« (nach Corbett): Im Kanal und in der Biscaya die Küsten -bedrohen, um französische Truppen vom Landkriege abzuziehen, den Handel -zu stören und die feindlichen Divisionen in den Häfen festzuhalten. -Selbst hierin wurde nichts geleistet. Rooke blieb untätig in Spithead; -als Ende April bekannt wurde, daß ein Geschwader von Brest nach Toulon -gehen wolle, erhielt er ausdrücklichen Befehl auszulaufen; er schützte -Krankheit vor und gehorchte erst, als man mit seiner Ablösung drohte. Die -Flotte kreuzte dann den Sommer über, ohne mit dem Feinde -zusammenzustoßen, zu obengenannten Zwecken; dazu würde auch die Hälfte -der Streitkräfte genügt haben. - -Das langsame Sammeln der Hauptflotte und das späte Eintreffen der -Holländer hielten =Shovel= auf, erst am 12. Juli ging er mit 35 -Linienschiffen in See. Inzwischen waren zwei wichtige Punkte zu seinen -Aufgaben hinzugetreten. Als Portugal sich offen gegen Frankreich erklärt -hatte, rüstete Ludwig XIV. ein Geschwader in Toulon gegen dieses Land aus -und auch das erwähnte Brestgeschwader war wohl dazu bestimmt -- in diesem -Jahre die einzigen Anzeichen für ein geplantes größeres Unternehmen von -seiten Frankreichs. Ferner hatten sich in Südfrankreich die -protestantischen Bauern erhoben (die Camisarden, Cevennenkrieg) und auch -Savoyen zeigte sich den Verbündeten geneigt. Wenn man Savoyen gewann und -den Empörern die erbetene Unterstützung, von Cette her, gewährte, mußten -die Franzosen in Norditalien in sehr bedrängte Lage kommen. Hierfür -erhielt Shovel entsprechende Befehle, auf Portugal brauchte bei seiner -Abfahrt schon keine Rücksicht mehr genommen zu werden. Ludwig hatte die -Indienststellungen in Toulon aufgegeben, da er die Rüstung der -Verbündeten für das Mittelmeer überschätzte; Portugal wurde dadurch -überzeugt, daß die Seemächte es schützen könnten. Dies war aber auch der -einzige Erfolg der diesjährigen Mittelmeerexpedition, zu allem andern war -sie zu spät in See gegangen. - -Shovel erreichte erst am 5. August Lissabon. Der Vorschlag Almondes, -Cadiz anzugreifen, fand im Kriegsrat keinen Anklang; Shovel erklärte, -seine anderen Aufgaben, insbesondere die Unterstützung der Camisarden, -gingen vor. Am 9. September auf der Höhe von Cartagena angekommen, -beschloß der Kriegsrat, wegen der vorgerückten Jahreszeit nur 2 -Kriegsschiffe mit Waffen und Kriegsmaterial an die gefährliche Küste bei -Cette zu senden, mit der ganzen Flotte aber und mit den dorthin -bestimmten Kauffahrern nach Livorno zu gehen; wieder schlug Almonde vor, -gerade wegen der vorgerückten Jahreszeit die Kauffahrer nur unter einer -Bedeckung segeln zu lassen und zu versuchen, mit der Flotte doch noch -andere der gestellten Aufgaben zu lösen. Die nach Cette gesandten Schiffe -kehrten bald zurück, die verabredeten Signale waren von den -Aufständischen nicht beantwortet worden. Infolge ungünstiger Winde traf -die Flotte erst am 30. Oktober in Livorno ein, die Zeit ihrer Heimfahrt -war also schon längst gekommen. Die kurze Spanne, die allenfalls noch -geopfert werden konnte, benutzte Shovel zur Einwirkung auf Toskana. - - Großen Eindruck soll es in Livorno gemacht haben, als die Flotte auf - die Nachricht, daß Karl von Österreich zum König von Spanien ausgerufen - sei, Salut feuerte. - - In Livorno hörte man, daß zwar noch keine österreichischen Truppen in - Neapel seien, daß es aber sehr günstig gewesen wäre, wenn die Flotte - dort erschienen wäre, wie Almonde vorgeschlagen hatte. Wir wissen, daß - dieser schon im vorigen Kriege oft das Richtige geraten und auch - durchgesetzt hatte. Jetzt aber, nach Wilhelms III. Tode, war das - Verhältnis zwischen den englischen und holländischen Offizieren sehr - viel schlechter geworden; diese beklagten sich mehrfach darüber, daß - sie nicht mehr beachtet würden und natürlich gegen die überwiegende - Stimmenzahl im Kriegsrate nicht durchdringen könnten. - -Die Flotte ging dann nach England zurück, von dem holländischen -Kontingent überwinterten 6 Linienschiffe in Lissabon. Erreicht war also -nur, daß Frankreich sich im Mittelmeer nicht rührte, daß Toskana -eingeschüchtert wurde, und vielleicht hat das Erscheinen der Flotte auch -Savoyens Abfall von Frankreich beschleunigt. Eine zu den Barbaresken -gesandte Flottenabteilung hatte zwar die Verträge erneuert, aber die -Kriegserklärung gegen Frankreich nicht erreicht. - - Ein nachgesandter Befehl, ein Geschwader für das Adriatische Meer - zurückzulassen, traf Shovel nicht mehr. Er hätte ihn auch nicht - befolgen können, da die Schiffe zu schlecht ausgerüstet waren und die - Besatzungen sehr unter Krankheit litten. - - Nach dem Eintreffen in der Heimat erlitten die so wenig - widerstandsfähigen Schiffe ein großes Unglück. In einem schweren und - anhaltenden Sturme, Ende November bis Anfang Dezember, gingen in den - Downs 9 Linienschiffe und 4 andere Fahrzeuge mit 1500 Mann verloren, - die übrigen Schiffe wurden fast zu Wracks. Shovels Flaggschiff rettete - sich durch Kappen der Masten; Vizeadmiral Fairborne wurde, vor dem - Sturme lenzend, bis in die Ostsee vertrieben, und galt bis zu seiner - Rückkehr im Frühjahr für verloren; in diesem Sturme wurde auch der - Leuchtturm von Eddystone völlig weggewaschen. - -Wie $das Jahr 1704$ im Landkriege sehr bemerkenswert ist, so bringt es -auch zur See wichtige Unternehmungen sowie die einzige Seeschlacht dieses -Krieges. =Portugal= war den Gegnern Frankreichs nur unter der Bedingung -beigetreten, daß der von diesen aufgestellte König Karl III. in Lissabon -lande und von hier aus sein Reich erobere; die Seemächte sollten dazu -10000 Mann Infanterie und 2000 Kavallerie stellen sowie ständig eine -Flotte in den portugiesischen Gewässern halten. Die Verhandlungen hatten -schon im Sommer 1703 begonnen, zogen sich aber so lange hin, daß die -Rüstungen erst im November fertig wurden, und nun hinderte die -ebenerwähnte Sturmperiode, die am 21. November einsetzte und fast den -ganzen Dezember andauerte, das Zusammentreten der Expedition in -Portsmouth. - - Der größere Teil des für die Expedition bestimmten holländischen - Kontingents wurde auf der Fahrt von Texel nach der Maas in die Nordsee - vertrieben und traf erst am 3. Januar in Portsmouth ein. In der Maas - lag der Rest der Holländer sowie eine Anzahl englischer Schiffe, mit - dem König Karl, seiner Begleitung und Truppen an Bord; auch dieser Teil - der Flotte konnte erst am 3.-4. Januar nach England hinübergehen. - Sowohl in der Nordsee wie in der Maas waren die meisten Fahrzeuge -- - Kriegsschiffe, Transporter und Kauffahrer --, denn auch ein Convoi - sollte angeschlossen werden -- schwer beschädigt, so daß längere - Ausbesserungen nötig waren; die sechs Wochen in der Nordsee gewesenen - Schiffe mußten ihre Ausrüstung ergänzen. - -Erst am 16. Januar 1704 konnte die Flotte Spithead verlassen und -kanalabwärts segeln, wurde aber durch Sturm wieder nach Torbay -zurückgetrieben und dort drei Wochen festgehalten, bis sie endlich am 24. -Februar die Reise antrat. Den Oberbefehl führte =Sir George Rooke=; die -Flotte zählte 17 (18?) englische und 12 holländische (Leutnantadmiral -Callenburgh) Linienschiffe, einige Fregatten, 3 holländische Mörserboote -und Transporter mit Truppen; ein großer Convoi schloß sich an, so daß -gegen 300 Segel beisammen waren. Um König Karl möglichst bald -überzuführen, segelten 23 Linienschiffe voraus; der Rest der -Kriegsschiffe folgte mit dem Convoi später, traf aber nur wenige Tage -nach dem Könige in Lissabon ein. - - Holland hatte sich verpflichtet, 24 Linienschiffe zu stellen. 6 waren - im Vorjahre in Lissabon geblieben, 12 stießen zu Rooke, es fehlten also - 6. Zwar stellte die Republik 1704 wieder 35 in Dienst, behielt aber 17 - in den nördlichen Gewässern, geteilt in 3 Geschwader: Schutz der - Nordsee; gegen Dünkirchen und die Galeren in Ostende; zum Erwarten der - Ostindienfahrer. Zum Handelsschutz traten noch 35 Konvoijers hinzu. Man - erreichte, daß in diesem Jahre Handel und Fischerei geringere Verluste - erlitten, als je zuvor in diesem oder dem früheren Kriege; die - Franzosen wagten nur wenige Vorstöße und diese schlugen fehl. Aber - England erhob doch später die Klage, Holland habe die »gemeinsame« - Sache vernachlässigt. - - England stellte im Frühjahr unter =Shovel= noch eine zweite Flotte auf - -- das West-France-Squadron, 25 Linienschiffe, das auch bald ins - Mittelmeer ging. - -Nach der Landung des Königs und der Truppen, Mitte März, ging Rooke mit -dem größeren Teile der Flotte in See, um an der spanischen Küste gegen -den Handel zu kreuzen und um eine Vereinigung der französischen -Mittelmeerstreitkräfte mit denen des Atlantik zu hindern. - -Ludwig XIV. hatte für dieses Jahr noch einmal eine Gesamtverwendung -seiner Kräfte ins Auge gefaßt. Im Vorjahre waren die Divisionen in den -nördlichen Häfen blockiert, der Handel hatte sehr gelitten und auch die -Toulonflotte war am Auslaufen gehindert. Jetzt sollte alles -zusammengezogen werden, um, gestützt auf Toulon und die spanischen Häfen, -schon von der Straße von Gibraltar an die Seeherrschaft im Mittelmeer zu -behaupten. In allen Häfen wurde eifrig gerüstet. Es wurden auch insgesamt -etwa 55 Linienschiffe in Dienst gestellt und schließlich vereinigt -- im -Norden scheint nur in Dünkirchen eine Division von 3-5 Schiffen -zurückbehalten zu sein --, aber wegen Geldmangels blieben die Rüstungen -sehr zurück, besonders in Toulon. Die Atlantikflotte, 25 Schiffe unter -dem Admiral von Frankreich, dem jetzt 26 Jahre alten =Graf von Toulouse=, -lief am 6. Mai von Brest aus und erreichte, wie wir sehen werden, Anfang -Juni wohlbehalten Toulon; die Toulonflotte, 30 Schiffe, war aber erst -Ende Juli seeklar. Als man in England erfuhr, daß die Divisionen in den -atlantischen Häfen bereit seien, erhielt =Shovel= (Mitte April) den -Befehl, seine eben erwähnten Kräfte zusammenzuziehen und auszulaufen; er -sollte ausgehende Convois sowie die Zufuhren nach Lissabon schützen, die -Vereinigung der französischen Divisionen hindern oder, wenn diese schon -geschehen, den Gegner in Brest festhalten und, falls dieser schon nach -dem Süden ausgelaufen sei, zu Rookes Verstärkung ihm folgen. - - Corbett sagt: »Man findet hierin den von Oranien (und Marlborough) - zuerst gefaßten und seitdem fast stets durchgeführten Gedanken, daß das - Kanal- und das Mittelmeergeschwader als »eine« Flotte zu betrachten - ist, die je nach der Verteilung der feindlichen Kräfte innerhalb oder - außerhalb der Straße von Gibraltar zusammen oder geteilt verwendet - wird.« - -Shovel erhielt bei Lizard Mitte Mai die Nachricht, daß Toulouse schon in -See sei, er suchte ihn vergeblich vor dem Eingang des Kanals und ging -dann nach dem Süden. Ende Juni vereinigte er sich mit =Rooke=, dessen -Operationen wir jetzt folgen müssen, da sie allein für den Krieg von -Bedeutung sind; in wie enger Verbindung sie mit dem Landkriege standen, -zeigen die Befehle, die Rooke erhielt. Der erste Befehl hatte nur besagt, -Portugal und König Karl bei der Eroberung Spaniens zu unterstützen und -die Vereinigung der Franzosen zu hindern. Bald darauf wurde aber -hinzugefügt, der Admiral könne auch an der Küste der Provence zur -Unterstützung Savoyens auftreten, und dieser Zusatz erhielt Ende März -eine genauere Fassung. Man hatte erfahren, daß Frankreich beabsichtige, -Nizza und Villafranca zu erobern, um nach dem Abfall Savoyens eine -sichere Verbindung mit dem Heere in Italien, auch über See, zu behalten. -Rooke bekam deshalb Befehl, ins Mittelmeer zu gehen und sich so zu -halten, daß er den Städten sofort Hilfe bringen könne, wenn er gerufen -würde. Der Befehl war sonst ähnlich, wie der Shovel im Jahre 1703 -gegebene: Unterstützung des Landkrieges in Norditalien; Abschneiden der -Seeverbindung der französischen Heere, ihr Freihalten für die -Kaiserlichen; auch der Befehl, die Vereinigung der Franzosen zu hindern, -blieb bestehen. Aber der Wirkungskreis der Flotte war doch jetzt -ausdrücklich =ins= Mittelmeer verlegt, mit dem Hinzufügen, daß König Karl -auch an der Ostküste Spaniens erfolgreich unterstützt werden könne. Rooke -erhielt aber gleichzeitig (nach Corbett) geheime Instruktionen und -Marlborough stand jetzt in geheimer Beratung mit Prinz Eugen über ihr -gemeinsames Vorgehen. Auch hatte der General den Herzog von Savoyen -benachrichtigt, daß im Frühjahr 1704 eine mächtige Flotte erscheinen -werde, um ihn zu unterstützen; er selbst wolle durch einen kräftigen -Vorstoß Ludwig XIV. hindern, seine Truppen in Italien zu verstärken. -Rooke wurde nun dahin verständigt, daß der Krieg in Spanien für die -Flotte, ja für den ganzen Kriegsplan, nicht die Hauptsache sei. Mit dem -Vorstoß Marlboroughs und Eugens an der Donau -- dem linken Flügel der -langen französischen Stellung solle durch Savoyen und die Flotte ein -Angriff auf Toulon -- die Mitte dieser Stellung und den Stützpunkt der -französischen Macht am Mittelmeer -- erfolgen, die Eroberung Spaniens sei -nur als eine Diversion auf dem rechten Flügel anzusehen. Die Flotte habe -sich an den Unternehmungen in Spanien nur soweit zu beteiligen, als zur -Verbergung ihrer Hauptaufgabe nötig sei; wenn der Angriff auf Toulon -gelungen wäre, solle Rooke versuchen, Neapel und Sicilien zu gewinnen. -Dieser Plan sei streng geheim zu halten, gelte aber als Hauptrichtschnur -der Flotte, solange Savoyen mitwirken wolle; nur die Unterstützung Nizzas -und Villafrancas sowie das Festhalten der Toulonflotte gehe vor. - - Corbett fügt hinzu: Dieses Programm war für Rooke allerdings kaum - durchführbar und hing zu sehr von Savoyen ab. Und doch darf es nicht - ganz als eine Illusion verworfen werden, sondern kann als einen Hinweis - auf die große strategische Kraft betrachtet werden, die in einer - Mittelmeerflotte (einer englischen?) liegt. Bei richtiger Auffassung - der Lage und dementsprechender Verwendung seiner Streitkräfte konnte - Rooke vier französische Armeen festhalten und sie hindern, - Verstärkungen nach dem Hauptkriegsschauplatz abzugeben. - -=Rooke= erhielt die letzte Order Ende April in Lissabon, als er von -seiner Kreuzfahrt zurückkam, und machte sie im Kriegsrate bekannt, soweit -sie nicht geheim war; es wurde beschlossen, sofort ins Mittelmeer zu -gehen, um in Katalonien für König Karl zu operieren und doch für die -bedrohten Städte bei der Hand zu sein. Am 8. Mai verließ Rooke mit 33 -Linienschiffen und den 3 Mörserbooten Lissabon; bei Kap Palos wurden 6 -Franzosen, die von Toulon ausgelaufen oder in Spanien gewesen waren, ohne -Erfolg gejagt; gegen Ende des Monats traf die Flotte in =Barcelona= ein. -Der =Prinz von Hessen= war der Überzeugung, daß sich die Stadt für König -Karl erklären werde, sobald eine militärische Demonstration gegen sie -gemacht würde; es wäre dies auch vielleicht eingetroffen, wenn nicht der -Gouverneur ein tatkräftiger Mann gewesen. Am 30. Mai wurden 1600 -Seesoldaten ohne Widerstand gelandet und dem Prinzen zur Verfügung -gestellt, die Mörserboote legten sich in Schußweite bereit. Aber auf die -Aufforderung zur Übergabe eröffneten die Spanier das Feuer gegen die -Mörserboote und als diese am nächsten Tage einige Bomben geworfen hatten, -wurde bekannt, daß der Gouverneur die vornehmsten Anhänger Karls -verhaftet habe, daß andere geflohen seien und daß die Besatzung gewillt -wäre, auszuhalten. Zu einer förmlichen Belagerung war das Landungskorps -nicht stark genug, eine ernstliche Beschießung der Hauptstadt einer -vorwiegend habsburgisch gesinnten Provinz wollte man vermeiden und Rooke -mußte ja auch nach seinem Geheimbefehl alle Unternehmungen hier nur als -Diversionen betrachten, war also geneigt, sich nicht zu weit einzulassen. -Die Einschiffung der Soldaten wurde beschlossen, zu ihrer Deckung und zur -Genugtuung der herbeigeströmten karlistischen Landbevölkerung warf man -noch einige Bomben, dann ging die Flotte nach den Hyèren-Inseln in See. -Eine Division wurde zur Erkundung gegen Toulon abgezweigt, vereinigte -sich aber bald wieder mit der Hauptmacht. Bei den Hyèren erhielt Rooke -vom englischen Gesandten in Lissabon die Nachricht, daß =Graf Toulouse= -mit den Schiffen von Brest auf der Fahrt zum Mittelmeer an der -portugiesischen Küste gesehen sei. Da eine der Hauptaufgaben der -verbündeten Flotte war, eine Vereinigung der französischen Streitkräfte -zu hindern, und da die andern nur gelöst werden konnten, wenn man die See -beherrschte, beschloß der Kriegsrat (5. Juni) ganz richtig, Toulouse -entgegenzugehen, ihn anzugreifen oder, falls er gesichert in Cadiz läge, -nach Lissabon zu gehen, um Shovel, dessen Order man kannte, aufzunehmen -und dann Toulouse zu folgen. - - Corbett sagt hierzu: Auch nach seiner Geheiminstruktion mußte Rooke so - handeln, da sich die Verhältnisse geändert hatten. Als der Gesandte - Englands im April nach Turin kam, sah er, daß der Herzog dem Plane - eines Angriffs auf Toulon nicht mehr geneigt war; Holland soll, mehr - auf den Schutz seines Handels bedacht und deshalb gegen größere - Unternehmungen im Mittelmeer gestimmt, von einer so gewagten Operation - abgeraten haben. Auch wurde in England bekannt, daß Frankreich von dem - Angriff auf Nizza und Villafranca abgesehen habe, um die dafür - bestimmten Truppen zur Armee in Piemont (Belagerung Turins) stoßen zu - lassen, sowie, daß die österreichischen Truppen in Norditalien zu - schwach seien, um einen Erfolg in der Provence zu erzielen. - Infolgedessen erging ein neuer Geheimbefehl an Rooke, nach dem neben - der Beobachtung der Brestflotte der Hauptwert wieder auf den Krieg in - Spanien gelegt wurde; der Admiral habe sich zu diesem Zweck dem König - von Portugal und Karl III. zur Verfügung zu stellen. -- Diesen Befehl, - von Mitte Mai, kann Rooke allerdings bei den Hyèren nicht mehr erhalten - haben, wohl aber vom Gesandten in Turin die Nachrichten, durch die er - hervorgerufen war. - -Schon am 7. Juni bekamen die Aufklärungsschiffe und am nächsten Tage die -Flotte Toulouse in Sicht, 40-50 Segel, darunter etwa 25 Linienschiffe. -Die Franzosen standen zu Luward und bildeten die Gefechtslinie; flauer -Wind hinderte zwei Tage hindurch die Verbündeten, näher heranzukommen, -sowie auch den Versuch, den Gegner von Toulon abzuschneiden -- Clowes -sagt, mit dem Abhalten eines Kriegsrates sei Zeit verloren worden. Da -sich die Flotten immer mehr Toulon näherten und man damit rechnen mußte, -daß aus diesem Hafen Verstärkungen entgegenkommen würden, brach man die -Verfolgung ab und nahm die Reise nach Lissabon auf. Den Franzosen war die -Vereinigung geglückt. - -Rooke traf am 26. Juni in der Bucht von Lagos mit Shovel zusammen. Es war -also kein Grund mehr da, nach Lissabon zu gehen, und die Flotte, jetzt -56-58 Linienschiffe, war selbst der vereinigten französischen gewachsen. -Die Admirale, die jetzt nur noch diese im Auge hatten, wären gern ins -Mittelmeer zurückgegangen, am nächsten Tage aber erhielt Rooke den -offenen Befehl, sich ganz den beiden Königen zur Verfügung zu stellen. Er -mußte also in Lissabon anfragen, und da er wußte, daß den Königen viel an -einem Unternehmen in Andalusien, besonders gegen Cadiz, liege, erklärte -er sich bereit, auf dem Weg ins Mittelmeer diese Stadt anzugreifen, falls -genügend Landtruppen zur Verfügung ständen. Die Antwort erwartend, ging -er zum Wassernehmen nach Malaga -- er mußte sich mit Waffengewalt der -Wasserplätze bemächtigen -- und hielt dann die Straße von Gibraltar -besetzt. Erst gegen Ende Juli traf die Antwort ein; sie war zustimmend, -aber Truppen waren nicht verfügbar. Da faßte der Kriegsrat am 27., 20 -Seemeilen östlich von Tetuan, den Beschluß, von Cadiz abzusehen, aber -$Gibraltar zu erobern$. - -Auf eine Eroberung der Stadt Cadiz zu verzichten, war wohl richtig. Zwei -Jahre vorher war sie trotz der Verwendung eines großen Landungsheeres -nicht gelungen, jetzt standen nur die Besatzungen der Schiffe zur -Verfügung; man durfte auch nicht wagen, die ganze Flotte für eine nicht -absehbare Zeit festzulegen, da doch mit dem Erscheinen der französischen -Seestreitkräfte gerechnet werden mußte. Bei Gibraltar lag die Sache -anders, die Befestigungen waren unbedeutend und die Besatzung schwach; -beides war bekannt und man konnte von einem plötzlichen Angriff Erfolg -erwarten, ohne viel aufs Spiel zu setzen. Ein Handstreich erforderte -weder lange Zeit noch die Verwendung der ganzen Flotte -- sogar weit -weniger Schiffe, als tatsächlich dazu herangezogen wurden --, der -Hauptteil konnte bereitgehalten werden, den Franzosen entgegenzutreten. - -[Illustration: Bay von Gibraltar] - -Die von Natur sehr starke Lage der Festung war damals noch nicht -ausgenutzt, der Fels noch nicht befestigt Im Mittelalter war die an der -Westseite des Felsens terrassenförmig liegende Stadt nur mit Stadtmauer -und Türmen umgeben, eine Mole (die alte) bildete den Galerenhafen. Später -waren die Mauern durch modernere Umwallungen ersetzt, ein Fort im Süden -der Stadt am Strande erbaut, durch eine neue Mole ein Hafen für -Segelschiffe geschaffen und dieser durch kleine Kastelle auf dem -Molenkopfe sowie am Strande geschützt; immer blieb es nur eine -Befestigung zum Schutz gegen Überfälle der Barbaresken. Eine Citadelle -war nicht vorhanden, weil das alte maurische Schloß in der Stadt als -solche aufgegeben und ein Ersatz noch nicht geschaffen war; die bei -Beginn des Krieges von französischen Genieoffizieren geplanten -Verbesserungen hatte man noch gar nicht in Angriff genommen. Die -Besatzung betrug kaum 100 Mann regulärer Truppen, die sonst zur Verfügung -stehenden waren in den wichtigeren Häfen Andalusiens zusammengezogen; mit -der Miliz gebot der Gouverneur kaum über 500 Mann und 100 Geschütze, eine -Macht, für die selbst die vorhandenen Befestigungen noch zu ausgedehnt -waren. - -Nachdem der Angriff beschlossen war, ankerte die Flotte in der -Tangerbucht. Hier wurden die Dispositionen ausgegeben und die -Vorbereitungen getroffen. Ein kleines Geschwader wurde nach Osten -gesandt, um auf der Höhe von Malaga als Vorposten gegen die Franzosen zu -dienen, die Flotte segelte am 31. Juli zur $Ausführung des Angriffes$ -nach Gibraltar hinüber. - - Voran liefen 17 Linienschiffe nebst den 3 Mörserbooten unter - Kontreadmiral =Byng=; sie waren zum Angriff von See aus bestimmt und - ankerten am 1. August dicht unter der Stadt. Rooke mit dem Rest der - Flotte, auf dem auch die Seesoldaten der Schiffe Byngs eingeschifft - waren, legte sich auf die Westseite der Bucht von Gibraltar. Sofort - wurden 1800 Seesoldaten gelandet; sie marschierten unter Befehl des - =Prinzen von Hessen= nach der Landenge und schlossen die Stadt vom - Festlande ab; der Prinz ließ diese im Namen König Karls zur Übergabe - auffordern. Byng war von den Batterien mit Feuer empfangen, da er aber - vor der Beantwortung der Aufforderungen die Feindseligkeiten nicht - eröffnen sollte, warpte er seine Schiffe aus dem Feuerbereich. Während - der Nacht traf keine Antwort ein. Byng gab am 2. August morgens den - Befehl, die Beschießungsstellung einzunehmen. Während der Ausführung, - die den ganzen Tag bis in die Nacht hinein in Anspruch nahm, kam die - Antwort des Gouverneurs, daß er die Stadt als treuer Soldat verteidigen - werde; Rooke sandte nun noch 5 Schiffe. Die Schiffe wurden - folgendermaßen in eine Linie gelegt: 6 Holländer, 60-70 Kanonenschiffe - unter v. d. Dussen, gegenüber der alten Mole; 10 Engländer, 70 - Kanonenschiffe unter Byng, gegenüber der Stadt und dem Südfort; 6 - Engländer, unter Kapitän Hickes, gegenüber der neuen Mole. - - Der 2. August ging ohne ernstlichen Kampf hin. Die Spanier versuchten - von Zeit zu Zeit durch ihr Feuer die Manöver zu hindern; Byng ließ - während der Nacht, um den Feind zu beschäftigen, von den außer der - Linie liegenden Mörserbooten einige Bomben werfen und ein französisches - Schiff, das an der alten Mole lag, durch Boote verbrennen. Am 3. August - mit Hellwerden war die Stellung eingenommen und zwar so nahe am Lande, - daß z. B. Byng nur 1 bis 2 Fuß Wasser unter dem Kiel hatte. Die Spanier - eröffneten wieder das Feuer, dieses wurde jetzt aber von allen Schiffen - der Verbündeten breitseitweise beantwortet. Man sah noch die Einwohner, - Frauen und Kinder, aus der Stadt nach der Kirche S. Maria von Europa, - auf der Südspitze des Felsens gelegen, flüchten, dann nahm der - Pulverrauch alle Aussicht, so daß Rooke durch Boote zunächst den Befehl - geben mußte, das Feuer der oberen Batterien einzustellen, um überhaupt - ein Zielen zu ermöglichen, später das Feuer ganz abzubrechen, um den - Erfolg festzustellen. Es war gegen Mittag, der Feind hatte seit einer - Stunde nicht mehr geantwortet. Das Feuer der Verbündeten scheint nicht - viel Wirkung gehabt zu haben -- nach de Jonge; die anderen Quellen - schweigen darüber -- nur auf Hickes' Division wurde bemerkt, daß das - Fort auf der Südmole außer Gefecht gesetzt war und daß die Besatzung - floh. Hickes sandte die Meldung an Byng, daß eine Landung hier Erfolg - verspreche. Byng ließ seine sämtlichen Boote armieren und bat Rooke um - die der übrigen Schiffe; schon ehe diese kamen, ging Hickes mit seinen - Booten vor, die Byngs schlossen sich nach und nach an. Beim Nahen der - ersten Boote begannen die Flüchtlinge aus der Kirche nach der Stadt - zurückzuströmen; als das Flaggschiff dieses durch einige Schüsse - hindern wollte, hielten die andern Schiffe es für das Signal zur - Wiederaufnahme des Feuers, was für kurze Zeit geschah. - - Die Landung fand keinen Widerstand, brachte aber doch empfindliche - Verluste, da ein Pulvermagazin im Molenkastell durch Unvorsichtigkeit - der ohne Ordnung Vordringenden aufflog; mehr und mehr verstärkt setzten - sich die Gelandeten vor dem Südfort fest. Während des ganzen Tages - hatte auch der Prinz von Hessen angegriffen; die Verteidiger waren - überall hart bedrängt und die geflohenen Familien von der Stadt - abgeschnitten, da schloß denn der Gouverneur auf eine erneute - Aufforderung die Übergabe ab. Die Besatzung verließ am 4. August mit - allen militärischen Ehren die Stadt. Diese wurde im Namen Karls III. in - Besitz genommen; die Eroberung hatte den Verbündeten etwa 280 Mann - gekostet, fast das Dreifache der Besatzung an regulären Truppen. - - Rooke soll die nach der Übergabe geheißte Flagge Karls niedergeholt und - die englische geheißt haben. Corbett sagt, nach neuern Forschungen in - spanischen Quellen sei dies nicht der Fall gewesen, und die alte - Behauptung sei wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, daß die Engländer - auf den eroberten Werken zunächst ihre Flagge gesetzt hätten. - -So war Gibraltar im Namen König Karls erobert. England besetzte es aber -vorläufig und behielt es nach dem Friedensschluß; König Philipp V. mußte -damit seine Anerkennung seitens Englands bezahlen. Englische Quellen -sagen, die Stadt würde spanisch geblieben sein, wenn Karl III. den Thron -behalten hätte. Da England schon lange einen Stützpunkt im Mittelmeer, -besonders zur Beherrschung der Straße, wünschte, dürfte dies wohl nicht -so ganz ausgemacht sein. Schon in diesem Kriege wurde Gibraltar ein -beliebter Sammelpunkt für die Seestreitkräfte der Verbündeten, wenn es -auch wegen Mangel an Einrichtungen noch nicht als Stützpunkt dienen -konnte; dies blieb Lissabon bis zur Erwerbung Port Mahons. - -=Die Besitzergreifung Gibraltars hat dem Namen Rookes eine bleibende -Erinnerung gesichert=, das richtige Urteil und der Mut der Verantwortung, -die er durch diese Tat bewiesen hat, sind ihm hoch angerechnet. »Mit -Recht«, sagt hierüber z. B. noch Mahan, »denn Rookes richtigem Urteil und -seinem Mut der Verantwortung verdankt England den Schlüssel zum -Mittelmeer.« Neuere englische Autoren, Corbett und Clowes, urteilen aber -einschränkender. So führt Corbett aus, daß die Einnahme der Stadt -keineswegs eine so hervorragende militärische Leistung gewesen wäre, als -die sie so lange angesehen sei. Sie sei auch von andern Admiralen der -Flotte, z. B. Byng, für keine schwere Aufgabe gehalten worden, aber -»Rooke had always the grand manner and he approached it with all the pomp -of a great operation«. Die gegebene Beschreibung dürfte dies bestätigen: -22 Linienschiffe und 2000 Mann gegen schwache Befestigungen und kaum 100 -Soldaten. - -Ebenso spricht Corbett dem Admiral das Verdienst der Übernahme einer -großen Verantwortung ab: Rooke wußte, daß Gibraltar von Oraniens Zeit, ja -schon von Cromwells an ein Ziel der englischen Regierung war, der Platz -war ja auch in seiner Order als einer der zu nehmenden bezeichnet; er -wußte, daß die beiden Könige, denen er augenblicklich unterstellt war, es -sehr gern sahen. Rooke führte eine Proklamation Karls an »seine Stadt -Gibraltar« mit sich, und der Prinz von Hessen war gewiß mit dem Plane -einverstanden, wenn er nicht gar dessen Urheber im Kriegsrate gewesen -ist. Rookes einziges Verdienst war, daß er den Widerspruch einiger seiner -Unterführer, die mit Rücksicht auf die französische Flotte dagegen waren, -überwand. - -Corbett belegt auch (Teil II, Seite 276) mit einer Äußerung Marlboroughs, -daß dieser stets damit gerechnet hat, Gibraltar für England zu behalten. - -Am Tage der Einnahme Gibraltars traf von England und Lissabon die -Nachricht ein, daß die französische Flotte nicht wagen würde, Toulon zu -verlassen, da sie wesentlich schwächer als die der Verbündeten sei, und -Rooke wurde wieder auf Unternehmungen gegen Cadiz und Barcelona -hingewiesen. Sein Kriegsrat verwarf Barcelona unbedingt, da es zu spät in -der Jahreszeit und die Schiffe ausrüstungsbedürftig seien; er erklärte -sich aber bereit, bis Mitte September bei einer Belagerung von Cadiz -mitzuwirken, falls eine genügende Armee mit Belagerungstrain erschiene -und eine Besatzung nach Gibraltar gelegt würde. Beides war -ausgeschlossen und somit der in diesem Sinne nach Lissabon gesandte -Bericht eine Weigerung, irgend etwas zu unternehmen; man wollte nur -Gibraltar sichern. Wahrscheinlich waren die Admirale anderer Ansicht über -die Franzosen und, obgleich sie keine Nachrichten hatten, mit Recht. - -=Graf Toulouse= war am 22. Juli von Toulon nach Barcelona gegangen, wohin -man die Flotte der Verbündeten beordert glaubte; hier erhielt er die -Nachricht vom Fall Gibraltars und den Befehl König Philipps, zur -Rückeroberung der Stadt mitzuwirken -- es koste, was es wolle --, ein -Heer sei zu diesem Zwecke schon unterwegs. Toulouse war dem Gegner auch -nicht unterlegen. Er führte 51 Linienschiffe, zu denen noch französische -und spanische Galeren treten konnten, und ging sofort weiter. Rooke besaß -auch nur 51 Linienschiffe; er hatte van der Dussen mit 5 Holländern nach -Plymouth gesandt, um einen Convoi Kauffahrer sowie einen Transport mit -Kriegsmaterial für Portugal zu holen, eine andere Division war nach den -Azoren abgezweigt, um den brasilianischen Convoi heimzuführen. - -Die Antwort auf seinen Bericht nach Lissabon erwartend, ergriff =Rooke= -zunächst Maßregeln, Gibraltar zu sichern. Dem Prinzen von Hessen wurden -1800 englische Seesoldaten als Besatzung überwiesen und die 3 Mörserboote -zur Verfügung gestellt; das technische Personal dieser sollte bei der -Instandsetzung der Festung helfen. Die Flotte ging (12. August) nach -Tetuan und nahm hier geschwaderweise Wasser, um stets bereit zu sein, dem -Gegner entgegenzutreten. Am 19. August verließ Rooke den Wasserplatz und -hielt östlich von der Straße nach Europa hinüber, 12 Schiffe waren noch -beim Wassernehmen. An diesem Tage meldeten die bis Malaga vorgeschobenen -Vorposten, daß der Feind gesichtet sei, er käme heran und stehe, bei -östlichem Winde, etwa 30 Seemeilen zu Luward. Der sofort zusammengerufene -Kriegsrat konnte nicht schlüssig werden: man befürchtete das Abschneiden -der Schiffe in Tetuan; man fühlte sich nicht stark genug, ohne diese zu -fechten; einige Stimmen waren gar dafür, den Gegner in der Bucht von -Gibraltar zu erwarten, um die Festung zu decken. Noch während der -Beratung traf die Meldung ein, daß die Franzosen nach Malaga abzuhalten -schienen. Toulouse beabsichtigte, nachdem er den Feind gefunden hatte, -die dort liegenden Galeren heranzuziehen und Wasser zu nehmen, dessen er -dringend bedurfte; hätte er die augenblickliche Schwäche Rookes gekannt, -würde er sich wohl kaum die günstige Gelegenheit zum Angriff haben -entgehen lassen. Die Verbündeten beschlossen jetzt, die Hälfte der -Seesoldaten von Gibraltar holen zu lassen, die Schiffe von Tetuan -heranzuziehen und während dieser Zeit, sowie später, solange östliche -Winde wehten, gefechtsbereit in der Straße zu kreuzen, um Gibraltar zu -schützen; wenn der Wind westlich ginge, wollte man dem Feinde folgen, -aber der vorgerückten Jahreszeit wegen nicht weiter als bis Malaga. -Dementsprechend wurde verfahren. Die Flotte lag in Gefechtslinie bis zum -Morgen des 20. August nach Norden, an diesem Tage brachten die -Mörserboote und Brander die Seesoldaten; dann steuerte Rooke nach Süden -und vereinigte sich mit den schon am 19. benachrichtigten Schiffen von -Tetuan. Während der verflossenen Nacht hatte man Signalschüsse der -Franzosen gehört, die jedoch immer schwächer wurden; da am Tage nichts zu -sehen war, nahm Rooke an, daß der Gegner ihm ausweichen wolle. Er kreuzte -nun mit Segelpressen zwei Tage lang nach Osten auf. Am 23. morgens -fürchtete man, daß es Toulouse gelungen sei oder noch gelingen könne, -ungesehen nach Gibraltar zu kommen. Der Kriegsrat beschloß deshalb, nach -der Straße zurückzukehren, aber kaum war nach Rückkehr der Admirale auf -ihre Schiffe der neue Kurs aufgenommen, als die Franzosen, nordwestlich -in Lee und vor dem Winde westwärts steuernd, gesichtet wurden. - - =Graf Toulouse= hatte am 22. August vor Malaga geankert, erhielt hier - die Nachricht vom Herankommen der Verbündeten. Er ging am 23. mit - Tagesgrauen wieder unter Segel, begleitet von den Galeren; unter Land - laufend, während die Gegner auf einem Schlage nach Süden lagen, hatte - er diese passiert, ohne sie zu sichten, und so seine Luvstellung - verloren. Auf beiden Seiten mangelte es an Aufklärungsschiffen. Wie - leicht hätte Toulouse Gibraltar und die dort liegenden Vorratsschiffe - der englisch-holländischen Flotte überraschen können, er konnte aber - auch dabei, da Rooke ja rechtzeitig den Entschluß zum Umkehren gefaßt - hatte, in sehr gefährliche Lage kommen. Der Zufall hat hier beide Teile - gleich gut bedacht. - -Die Franzosen standen beim Sichten etwa 25 Seemeilen Süd von Malaga und -bildeten sofort die Schlachtlinie über Steuerbord-Bug, auch Rooke -formierte sich zum Gefecht und hielt auf den Feind ab. Der leichte und -unbeständige östliche Wind hinderte an diesem Tage das Zusammentreffen, -aber der Morgen des 24. August fand die Flotten auf etwa 12 Seemeilen -Entfernung gefechtsbereit einander gegenüber; Rooke, zu Luward, hielt zum -Angriff ab, Toulouse erwartete ihn unter kleinen Segeln (die Marssegel -auf die Kappe geführt). - -$Die Schlacht bei Malaga$, die einzige dieses Krieges und die letzte von -Bedeutung in unserem Zeitabschnitt, entbrannte. - -=Die Zusammensetzung der Flotten.= - - Schiffe: über 90 K. 80-90 70-80 60-70 50-60 - - Verbündete - Vorhut: 3 3 6 2 1 - Mitte: 2 6 11 3 2 - Nachhut: 1 -- 3 6 2 - ---------------------------------------------------- - Summe: 6 1) 9 3) 20 5) 11 7) 5 9) - 51 Schlachtschiffe mit 3626 Kanonen. - - Franzosen - Vorhut: 1 4 2 6 4 - Mitte: 3 3 2 3 6 - Nachhut: 3 2 2 3 7 - ----------------------------------------------------- - Summe: 7 2) 9 4) 6 6) 12 8) 17 10) - 51 Schlachtschiffe mit 3596 Kanonen - - 1) 3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.;} - 2) 1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.; } Franzosen sehr überlegen. - 1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.; } - 3) sämtlich zu 80 K.; } Franzosen überlegen. - 4) sämtlich zu 84-88 K.; } - -Die Verbündeten hatten 7-9 Dreidecker, die Franzosen 16. - - 5) Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.;} Verbündeten an Zahl - die Holländer zu 72 K.;} sehr überlegen. - 6) zu 70 oder 74 K.; } - 7) Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.;} - Holländer zu 64 K.;} - 8) 6 zu 60 K.; 6 zu 62-68 K.; } Franzosen an Anzahl - 9) Die englischen zu 50 K.; } und Stärke überlegen. - Holländer zu 52-54 K.;} - 10) 9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K. } - - Bemerkenswert zu unseren früheren Betrachtungen über die Schiffsklassen - ist die geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbündeten, - die große Zahl der 70 Kanonenschiffe und die Stärke der Franzosen an - Dreideckern; doch schätzte Admiral Leake die englischen Zweidecker zu - 80 den französischen Dreideckern zu 84-88 Kanonen an Gefechtskraft - gleich. - - Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausführlichen Liste in - Clowes, Teil II, Seite 399, nahezu übereinstimmend mit holländischen - und französischen Quellen. Die meisten Autoren geben für die - Verbündeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied kommt daher, daß Rooke - 2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, sondern - zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben - die Namen der Schiffe und der Kommandanten. - -Hierzu traten bei den Verbündeten 12 leichtere Schiffe (24-50 Kanonen), 7 -Brander, 2 Mörserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6-30 -Kanonen) und 9 Brander, auch verfügte Toulouse über 22 (24?) französische -und spanische Galeren, die mit ihren 500-700 Mann und 4-6 schweren -Kanonen im Bug, dabei unabhängig vom Winde und geeignet zum Rammen, wohl -eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und -standen in zweiter Linie. - -=Die Flaggoffiziere= waren auf seiten der Verbündeten: Vorhut -- Admiral -Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte -- =Rooke=, Kontreadmirale Dilkes und -Byng; Nachhut (Holländer) -- Leutnantadmiral Callenburgh, Vizeadmiral von -Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut -- Generalleutnant de Villette, -Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; Mitte -- -=Graf Toulouse= (als Vorder- und als Hintermann je ein Chef d'Escadre), -Generalleutnant de Coêtlogon, Chef d'Escadre de Pointis; Nachhut -- -Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville und de la -Harteloire. - -=Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert für die Geschichte der -Seetaktik.= Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, in dem die -Engländer immer mehr ausgesprochen eine Taktik nur schematisch -durchführen, nämlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranführen der Flotte -genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff gegen Schiff, beides -unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von jedem Versuch, -schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an einer Stelle -mit Übermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des Heranführens -der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt worden, daß die -Franzosen im nächsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart eine -Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg -ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die -reine Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus, -und man kann mit Recht sagen, daß die Seetaktik gegen die Zeiten der -geschickten Manöver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rückschritt -gemacht hatte und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer -niedrigeren Stufe stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies -wirklich allein, wie lange angenommen ist, dem Mangel an Verständnis oder -Interesse für Taktik seitens der Seeoffiziere, vornehmlich der -englischen, zuzuschreiben ist oder nicht teilweise eine natürliche Folge -der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war. - -=Corbett= sagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: »Es muß daran -erinnert werden, daß es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte -Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen -zuerst wohl bei Texel 1665, eingeführt hatte. 1697 veröffentlichte -Hoste[267] sein Werk über Seetaktik; seitdem war keine Schlacht -geschlagen, seine Ansichten können also wohl als die zu jener Zeit -allgemein anerkannten betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das -Hauptziel, einen Teil des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man -hatte es in der ersten Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der -feindlichen Linie mittels plötzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein -Schiff der Kiellinie nach dem andern, so daß die Kiellinie erhalten -bleibt, im Gegensatz zum »Wenden zugleich« vgl. Seite 260, Fußnote) -versucht, dieses Verfahren war aber wegen der damit verbundenen Gefahren -in Mißachtung gekommen. Hoste lehrte nämlich, beim Angriff dürfe ein -Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umständen angewendet werden, -z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder wenn der Feind -durch ungeschickte Manöver eine Lücke darböte; wenn der Feind gute -Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren solle -man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge größerer Schiffszahl die -feindliche überrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt -der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen während der -Schlacht solle nur ausgeführt werden, wenn man sich durch Niederkämpfen -von 2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lücke geschaffen habe. -- -Auf eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders -hervorragenden Persönlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast -naturgemäß als Rückschlag ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der -Feind sich eine Blöße gäbe oder an einer Stelle niedergekämpft werden -würde. Daraus mußte die Ansicht entstehen, daß diejenige Flotte die -größte Aussicht habe, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, die am -längsten Formation hielte. Das Bestreben, dies zu tun, mußte also für -wichtiger gehalten werden als der Versuch, schon durch Ansetzen des -Angriffes einen taktischen Erfolg zu erringen.« Diese Auslassungen -Corbetts sind gewiß beachtungswert, aber doch wohl etwas zugunsten der -Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; die größere -militärische Einsicht der französischen Offiziere wird jedenfalls durch -den Umstand gekennzeichnet, daß sie zu ihrem Vorteil mit der Taktik der -Engländer rechnen lernten, während diese zu ihrem Nachteil bis 1782 daran -festhielten. - - [267] Der Jesuitenpater Hoste war der Kaplan des Admirals Tourville. Es - ist anzunehmen, daß er das, schon Seite 160 erwähnte, Werk »L'art - des armées navales ou traité des évolutions navales« nach den - Anweisungen Tourvilles -- des neben Ruyter tüchtigsten Taktikers - des Zeitabschnittes -- geschrieben hat. Die Weiterentwicklung der - Taktik nach 1740 baut sich gewissermaßen auf Hostes Buch auf, es - soll deshalb im nächsten Bande näher darauf eingegangen werden. - Über den Inhalt des Werkes siehe Quellenverzeichnis. - -=Die Schilderung der Schlacht bei Malaga=[268] (24. August 1704) wird -zeigen, daß die Engländer dort in vollem Maße diese unvollkommene Taktik -verwenden, daß aber auch die Franzosen nur einen schwachen Versuch -machen, durch Manöver einen Vorteil zu erringen. - - [268] Hauptsächlich nach Corbett, Teil II, mit dem sich die sonst - benützten Quellen -- Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III; - Bonfils, Teil II; Troude, Teil II; Chab.-Arnault -- gut in - Einklang bringen lassen, Abweichungen dort wenigstens ohne - Einfluß auf Beurteilung. Einige der andern Quellen, so z. B. de - Jonge und die Franzosen, bringen Taten einzelner Schiffe, meist - ziemlich gefärbt zugunsten ihrer Landsleute. - - Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder - Bewegung des Feindes leichter folgen zu können, steuerte Toulouse mit - halbem Winde; nach Hostes Ansicht die gefährlichste aller Lagen, da sie - selbst einem schwächeren Gegner die Gelegenheit gäbe, die Nachhut - ungestraft zu dublieren. Die französische Mitte war etwas nach Lee - eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter - Tourville bei Beachy Head der Fall gewesen war, muß man fast eine - Absicht annehmen; die englischen Offiziere sollen darin ein vorläufiges - Zurückhalten dieses Geschwaders und damit die Vorbereitung eines - verstärkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umständen, - gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut, - er führte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie - gewöhnlich entstanden durch das lange Steuern in Dwarslinie und das - schräge Herangehen Lücken zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der - Führer der Vorhut, Shovel, drehte deshalb auf halbe Kanonenschußweite - querab vom Admiral der französischen Vorhut (Villette) bei, um Rooke - herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader lagen sich - schweigend und abwartend gegenüber. Nun stand Shovels Flaggschiff um - eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische - Linie überragte also die französische um ein Schiff. Das französische - Spitzenschiff meldete dies durch Zuruf von Schiff zu Schiff seinem - Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel folgte diesem - Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die - Gefahr lag um so näher, als die französische Vorhut zwei Schiffe mehr - als die englische zählte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel - und Rooke noch größer. Toulouse beabsichtigte jetzt, in diese Lücke - einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von Luward aus zu dublieren und - seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, die englische - Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht - eintreten könnte, und ließ Mitte und Nachhut Segel mehren. - - Rooke, der unter Segelpreß herankam, erkannte zwar nicht die wahre - Absicht Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der - ganzen feindlichen Flotte, um die englische vorn zu dublieren. Obgleich - er noch nicht so nahe am Feinde war, wie er beabsichtigt hatte, gab er - doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen und Eröffnen des - Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah - von seinem Manöver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter - Dilkes, wandten sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so - die Minderzahl der englischen Vorhut aus; Rooke befand sich querab von - Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider Flotten genau Schiff gegen - Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbündeten scheint - erst nach längerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Führer, - Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres - Geschwaders lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12 - Holländer 17 (16?) Franzosen gegenüberstanden, müssen die Franzosen - vorn um 2 oder 3 Schiffe überragt haben, doch griffen hier wohl die - hinten überschießenden Nummern Rookes ein. - - Im =Gefecht der Vorhuten= errangen die Engländer Erfolg, sie waren ja - auch etwas überlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff - Villettes am Heck infolge einer Explosion in Brand und war genötigt, - die Linie zu verlassen; ein Teil der andern Schiffe folgte, da sie das - Abhalten für ein taktisches Manöver hielten. Admiral Leake war dafür, - den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz über - den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen, - um nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wäre wohl richtig gewesen, - denn im =Gefecht der Mitten= standen die Engländer nicht gut. Rooke und - seine nächsten Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenüber - und im Zentrum der Verbündeten befanden sich außerdem mehrere Schiffe, - die bei der Beschießung Gibraltars viel Munition verbraucht hatten; - etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, die Linie zu verlassen. - Die übrigen Schiffe der Mitte waren hart bedrängt und litten schwer, so - insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in - die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lücke einzudringen, sah - Shovel vom Ausnutzen seines Sieges ab und führte die Linie seines - Geschwaders über den Hintersteven in diese Lücke. (Durch »backing - astern«; das Manöver wurde seinerzeit aufs höchste bewundert.) Er - rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe - fanden jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb - erhalten, die überschießenden Schiffe wurden weder zur Verfolgung der - weichenden Franzosen noch zum Dublieren der feindlichen Linie vorn - benutzt. - - Das =Gefecht der Nachhuten= scheint erst kurz vor diesem Ereignis - begonnen zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden - nach Lee aus, und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den - Kampf ab; die Verbündeten drängten nirgends nach. - - Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hört man fast nichts. Nach de - Jonge versuchten einige, das Schlußschiff der Holländer von achtern - anzugreifen; sie wurden aber bald abgewiesen, der holländische - Kommandant hatte Geschütze achteraus bringen lassen. Auch - Branderangriffe werden nicht erwähnt, dagegen sprechen de Jonge und - französische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch - sämtlich schon vor dem Zusammenstoß durch Geschützfeuer abgewiesen - seien. Nach französischen Angaben sollen die schweren Verluste und - Beschädigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge von Bombenfeuer der - Mörserboote und auch aus Geschützen anderer Schiffe gewesen sein. - Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschützen auf - ihren Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die holländischen - Mörserboote, daß sie, auch wenn sie noch bei der Flotte gewesen wären, - kein wirksames Feuer hätten abgeben können: die See sei so bewegt - gewesen, daß die Franzosen damit das Nichteingreifen der Galeren - entschuldigt hätten. Engländer und Holländer schreiben den großen - Verlust der französischen Schiffe deren stärkeren Besatzungen und der - besseren Artillerie der Verbündeten zu; wir wissen, daß die Engländer - von jeher besonders ihr Feuer gegen die feindlichen Besatzungen, - weniger gegen die Takelage richteten. - - Der Kampf war sehr hartnäckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke - berichtete, alle Schiffe der Verbündeten hätten ihre Pflicht getan, auf - seiten der Franzosen habe die Mitte mit großer Tapferkeit gefochten, - Vorhut und Nachhut weniger gut. Die Verbündeten verloren nach Clowes, - der die Verluste für jedes englische Schiff angibt, in der Vorhut: 215 - Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: 95 - und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500 - Tote und weit mehr Verwundete, französische Quellen führen nur 1500 - Tote und Verwundete an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen - scheinen Schiffe im Gefecht nicht vernichtet zu sein. Clowes sagt, die - Franzosen »sollen« im Gefecht eins und später noch vier verloren - haben. Das holländische Flaggschiff flog zwei Tage später auf; der - Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschädigte Fahrzeug - vorher verlassen. Im übrigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer - beschädigt, besonders die der englischen Mitte. - - Man muß wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer - anderen Art des Angriffs wäre der Ausgang vielleicht anders gewesen. - Corbett sagt hierzu: »Rooke machte keinen Versuch, den Angriff anders - anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen Charakter die neue - defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht, - daß bei gleicher Stärke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei - (vgl. Seite 511). Er suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine - Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars erblickte. Wurde er infolge eines - mit Gefahr verknüpften Manövers -- als solches sah man jede Abweichung - von der gewählten Angriffsart an -- geschlagen, so war Gibraltar sowie - die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg - gefährdet, denn von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie - durch den Feind getrennt. Fechten mußte er, aber politisch wie - seemännisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, als einen - großen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren - konnte, als er getan hat.« Es ist bemerkenswert, daß Corbett so - urteilt, da er sonst kaum je zu Rookes Gunsten spricht. - -Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert. -Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene -genannt werden kann -- keiner der Gegner hat zunächst das Feld geräumt, -die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen --, so war sie doch -strategisch ein Erfolg der Verbündeten. - -Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf seiner -Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe -ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei -der Beschießung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen -ihm und dem gefährdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Stützpunkte -Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige -seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate -überstimmt. Während der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde -westlich, so daß die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbündeten -bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschädigten -Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, daß der Gegner -weiter ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren -bedürftigen Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschloß, -unter allen Umständen nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem -entgegenstelle, sich durchzuschlagen; beschädigte oder munitionslose -Schiffe sollten ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im -äußersten Falle verbrennen. - -Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, später kam -leichter östlicher Wind auf. =Rooke= steuerte auf den Gegner zu, der in -Schlachtlinie mit nördlichem Kurse auf dem Wege der Verbündeten etwa 12 -Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, daß ein -Zusammentreffen vor der Nacht unmöglich war, drehte Rooke gegen Abend -bei, um seine beschädigten Nachzügler zu erwarten und den Durchbruch am -nächsten Tage zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht. -Der Admiral nahm nun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei -ebendorthin oder zur Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hörte aber -schon am 28. in der Straße, daß der Feind diese nicht passiert habe; noch -zwei Tage wartete Rooke unter Segel und ankerte dann am 31. vor -Gibraltar. - -=Toulouse= war mit dem größten Teile seiner Flotte über Malaga und -Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars, -ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkräften aufgegeben. So -konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als einen -Sieg ansehen. In Frankreich rühmte man sich allerdings, durch die -Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben, -trotzdem aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der -letzte ernstliche Versuch in diesem Kriege, den Verbündeten die -Seeherrschaft streitig zu machen. Ähnlich wie im vorigen Kriege hatte man -nach dem Mißerfolge Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und -ließ ihr immer weniger Pflege zuteil werden. - - Bonfils sagt: »Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen - die Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht - mehr an ihren Wert; die Armee, die mehr in unmittelbarer Berührung mit - der Nation stand, hatte deren ganze Gunst.« Bonfils führt aber auch an, - der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht die Tätigkeit - Toulouses gelähmt. - -Das Jahr $1704$ bringt zwar noch $weitere Operationen um den Besitz von -Gibraltar$, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke -war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V. -entsandten Belagerungstruppen waren schon in größter Nähe. Da der Zustand -der Flotte ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen -von Hessen sämtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von -Zimmerleuten und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen, -Munition und endlich Proviant für 6 Monate gelandet, sowie zwei -Mörserboote zurückgelassen. Es wurde ferner beschlossen, die noch -diensttauglichsten englischen Schiffe unter Vizeadmiral =Sir John Leake= -als Wintergeschwader in den südlichen Gewässern sowie einige sehr schwer -beschädigte in Lissabon zur Ausbesserung zu belassen. Darauf ging die -Hauptflotte am 5. September heim, traf am 4. Oktober im Kanal ein und -wurde dann abgerüstet. Leakes Geschwader, 10 Linienschiffe (11?) und 2 -Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt und war nach -Lissabon zum Überholen gegangen; hier wurde es am 30. Oktober durch die -holländische Division v. d. Dussen, die mit den von Plymouth abgeholten -Transportern eintraf, verstärkt; zu dieser trat bald noch ein Schiff der -ebenfalls vorhin erwähnten Azorendivision. Da die portugiesischen Werften -in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader auch erst Ende -Oktober wieder seeklar, und es war die höchste Zeit, dem bedrängten -Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den erneuten -Befehl König Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu unterstützen; -er ließ zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter dem -Chef d'Escadre =de Pointis= zurück. Dieser traf im Oktober mit 3000 Mann -und großem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen -Festung ein. Der förmliche Angriff wurde eröffnet, und man rechnete auf -den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnäckig verteidigte sich -=Hessen=, aber eines seiner Mörserboote war in Brand geschossen und die -Belagerungsarbeiten schritten vorwärts. - -In dieser höchsten Not kam, vom Zufall begünstigt, die Hilfe. De Pointis -war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen -usw. nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fünf Fregatten (20 -bis 40 Kanonen) zurücklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen -beständig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter -seine Ausrüstung beenden können; er ging am 5. November von Lissabon in -See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade für den 10. hatten -die Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der -Nacht heimlich im Süden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von -Tauen und Leitern den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie -sollten vorbrechen, wenn eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande -aus, zu der Hunderte von Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade -als die zur Landung bestimmten Mannschaften eingeschifft wurden, lief -Leake in die Bucht ein. Eine der französischen Fregatten, die auf -Vorposten war, hatte man schon auf See genommen, die andern sowie ein -Brander und ein Mörserboot mit Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf -Strand und in Brand. Die Landung mußte natürlich aufgegeben werden, die -500 Freiwilligen wurden aufgerieben. Gibraltar war zum zweiten Male -gerettet. - -Zu verstehen ist nicht, weshalb Pointis so lange in Cadiz geblieben war. -Colomb sagt: »Gedrängt, wieder auszulaufen, habe er geantwortet, bei der -Anwesenheit von 30 (!) feindlichen Schiffen in Lissabon müsse er in Cadiz -bleiben, bis er Verstärkung erhalte; von hier aus könne er wenigstens -Zufuhren nach Gibraltar hindern.« Ein Fehler war es allerdings wohl -gewesen, sein Geschwader nicht so stark zu bemessen, daß er ein -Wintergeschwader der Verbündeten unter allen Umständen von der belagerten -Stadt abhalten konnte. - -Leake unterstützte einige Zeit die Belagerten durch Beschießen der -Parallelen und durch Bootsangriffe auf das feindliche Lager bei -Algeciras. Seine Lage war nicht ungefährlich, weil die Winterstürme -einsetzten, in denen seine Schiffe viel Ankergeschirr verloren; auch -trafen ständig Nachrichten ein, daß sich Pointis zum Inseegehen -vorbereite, daß einige seiner Schiffe schon auf der Rhede von Cadiz -lägen. Leake ging erst Anfang Dezember auf die Nachricht hin in See, daß -ein neuer Transport für Gibraltar in Lissabon angekommen sei und -beabsichtige, weiterzusegeln. Obgleich schwach bemannt, ließ er einige -hundert Matrosen zurück, da der Prinz von Hessen infolge Krankheit und -Verlusten nur noch über etwa 1000 Mann verfügte. Er beabsichtigte, vor -Cadiz zu gehen und Pointis dort festzuhalten, während der Transport -vorbeisegelte. Sturm und Gegenwinde hielten ihn in der Straße fest, und -in dieser Zeit griff Pointis tatsächlich den Convoi an, aber ohne -Erfolg. - - Pointis lag unter englischen und holländischen Flaggen bei Kap Spartel; - der Convoi, 20 Transporter und 4 Kriegsschiffe, näherte sich - ahnungslos. Als aber die Franzosen zu früh eine umfassende Formation - einnahmen, schöpfte der Convoiführer Verdacht und benutzte die zufällig - eintretende Windstille, seine Schiffe durch Boote aus der Gefahr - schleppen zu lassen; nur zwei Fahrzeuge fielen dem Feinde in die Hände, - zwei andere retteten sich nach Lissabon. - -Der größere Teil des Convois erreichte Gibraltar und warf 2000 Mann und -reichliche Vorräte hinein, so daß die Festung vorläufig wieder gesichert -erschien. De Pointis kehrte nach Cadiz zurück, und auch Leake ging auf -die Nachricht, daß die Franzosen hier in den inneren Hafen eingelaufen -seien, Anfang Januar 1705 zum Ausrüsten und Bodenreinigen nach Lissabon. - -$Die Jahre 1705 und 1706. Entsatz von Gibraltar und Einnahme von -Barcelona.$ 1705 begannen die Operationen zur See um den Besitz von -Gibraltar, ehe die großen Flotten in Dienst gestellt waren. -Französisch-spanischerseits hatte man wegen der Belagerung dieser Stadt -den Krieg an der portugiesischen Grenze vernachlässigt, und doch war kein -Erfolg errungen worden. Die Festung stand eher günstiger da; denn auch im -Januar und Februar trafen, unbelästigt von Pointis, noch mehrere nur -schwach bedeckte Transporte mit Kriegsmaterial und Verstärkungen von -Lissabon dort ein. Ludwig XIV. rief jetzt den =Marschall Tessé= von der -portugiesischen Grenze ab, um die Belagerung zu leiten. Dieser faßte die -Aufgabe schärfer an und verlangte vor allem die Unterstützung durch die -Flotte, insbesondere durch =Pointis=. So schrieb er z. B. an Condé: »Die -Engländer zeigen uns, daß man zu jeder Zeit die See halten kann; sie -fahren darauf wie die Schwäne auf Euerem Flusse bei Chantilly.« Pointis -erhielt nun den schärfsten Befehl, einzugreifen, trotz seiner weiteren -Vorstellungen in Paris und Madrid, daß er besser erst Verstärkungen -erwarte. Am 16. März traf er dann mit 13 Linienschiffen vor Gibraltar ein -und wurde hier vom Marschall zu einem gemeinsamen Angriff festgehalten, -obgleich er bat, auf See gegen Zufuhren für die Stadt kreuzen zu dürfen. -Als Seemann fürchtete er, vor Anker sowohl durch die Frühjahrsstürme als -auch durch einen plötzlichen Angriff zu sehr gefährdet zu sein; beides -sollte ihn gleichzeitig treffen, ehe der gemeinsame Angriff reif war. - -In Lissabon war man in großer Sorge. Ein frühzeitiges Erscheinen der -großen Flotte war für dieses Jahr in Aussicht gestellt, sie wurde aber -nicht rechtzeitig fertig. =Leake= hatte Schwierigkeiten, seine Schiffe in -Lissabon instandzusetzen. Anfang März war er noch nicht völlig seeklar. -Da traf von England ein Transport mit Kriegsmaterial, sowie eine Division -Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes ein, so daß er um die Mitte des -Monats in See gehen konnte. Er war 19 englische (23?), 4 holländische -Linienschiffe, sowie 9 portugiesische Kriegsschiffe stark und führte 3 -Regimenter (3000? Mann) an Bord; am Abend des 20. März erschien er vor -der Bucht von Gibraltar. - -Am 18. waren 8 französische Schiffe durch einen schweren Sturm vom -Ankerplatz vertrieben und durch die Straße nach Osten gesegelt, Pointis -selber wurde mit dem Rest seines Geschwaders am Morgen des 21. durch das -Erscheinen des Feindes völlig überrascht; die Signalstationen, die sofort -nach seinem Eintreffen längs der Küste bis nach Cadiz errichtet waren, -hatten nichts gemeldet; kaum blieb ihm Zeit, Anker zu kappen und unter -Segel zu gehen. Leake befahl sogleich allgemeine Jagd ohne -Aufrechterhaltung einer Formation. Drei Franzosen wurden nach tapferer -Gegenwehr genommen; dem Flaggschiff und dem fünften Schiff gelang es -zwar, Enterangriffe abzuschlagen, sie wurden aber auf den Strand -getrieben und setzten sich dort in Brand. Die durch den Sturm -vertriebenen 8 Schiffe waren bis Malaga gelaufen; als sie das -Geschützfeuer hörten, segelten sie von dort ohne Unterbrechung nach -Toulon. Gibraltar war zum dritten Male und nunmehr in diesem Kriege -endgültig gerettet. Leake landete Mitte April die Truppen; er war bis -Malaga gegangen und auf der Rückfahrt durch stürmische Westwinde -aufgehalten worden. Tessé hob Ende des Monats die Belagerung auf und ging -zu der Armee an der portugiesischen Grenze zurück. - -Die Befreiung Gibraltars ist gewissermaßen noch ein Nachspiel des -Kriegsjahres 1704. Wenden wir uns jetzt zu dem eigentlichen =Kriegsjahre= -1705. Aus der allgemeinen Schilderung des Krieges wissen wir, daß die -Seemächte und Portugal in diesem Jahre beabsichtigten, Spanien von -Portugal und von Katalonien aus für Karl III. zu erobern; die -Hauptseestreitkräfte wurden zur Unterstützung des Angriffs von Katalonien -aus bestimmt. - - Corbett sagt hierzu: »Es war dies gegen Marlboroughs Ansicht. Dieser - hatte stets weiter im Auge, Frankreich vom Mittelmeer abzuschließen, - Toulon anzugreifen, die Seeherrschaft im Mittelmeer völlig - sicherzustellen und dazu einen Stützpunkt neben Gibraltar in diesem - Meere zu gewinnen. Die Seeoffiziere waren ohne einen solchen Stützpunkt - gegen ein Vorgehen auf Toulon, und Marlborough ordnete wie stets seine - Ansicht der der Fachleute unter; außerdem waren Savoyen und Österreich - nicht in Bewegung zu bringen, letzteres legte mehr Wert auf die - Eroberung Spaniens.« Wir wissen, daß Prinz Eugen 1705 zu schwach war, - um viel ausrichten zu können. - -Zu diesem Zwecke wurde während des Winters von England und Holland die -Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen -- 18 holländische und 30 -englische, einschließlich der schon in den südlichen Gewässern -befindlichen -- sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann -- 2500 -Holländer und 5000 Engländer -- vereinbart;[269] es traten später noch 8 -englische und 2 holländische Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen -vermehrt zu sein, denn verschiedene Quellen sprechen bei dem Auftreten an -der Ostküste Spaniens von 12000 Mann. - - [269] de Jonge, Teil III, Seite 678, und Beilage XXIV. - -England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa 12 -Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes, -ursprünglich gegen Dünkirchen bestimmt, wurde später der Mittelmeerflotte -zugeteilt. Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrängt -war; wir sahen Dilkes schon im März bei Leake eintreffen. Holland hatte -im Norden, wie 1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von -zusammen 15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und -holländische Convoijers traten wie üblich zur Begleitung der Kauffahrer -hinzu. - -Frankreich rüstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter -Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in -den nördlichen Gewässern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin) -gegen den Handel der Verbündeten auf, besonders wieder von Dünkirchen -aus, sowie zahlreiche einzelne Freibeuter. - -Die Hauptflotte der Verbündeten kam erst spät in Tätigkeit, da sich wie -gewöhnlich und aus den bekannten Gründen in beiden Ländern die -Indienststellungen verzögert hatten. Am 10. Mai ging das holländische -Kontingent unter =de Almonde= nach Wight hinüber und, da die Engländer -noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13. -Juni eintraf; acht Tage später kam der größte Teil der englischen Flotte -an. Den Oberbefehl führten der =Earl of Peterborough= und der nunmehrige -Admiral of the fleet =Sir Clowdesley Shovel=. - - Hier erscheinen zum letzten Male »Joint-Admirals«, doch war - Peterborough nicht eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der - holländischen Marine gedient, aber nie ein englisches Schiff befehligt. - Während dieses Krieges in Spanien führte er auch mehr das Kommando über - die Landtruppen. - -Im Kriegsrate wurde beschlossen, daß die Flotte, soweit sie versammelt -war, nämlich 48 Linienschiffe, in der Straße von Gibraltar gegen ein -Vereinigen der französischen Seestreitkräfte kreuzen solle. Shovel lief -am 4. Juli aus, Peterborough blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu -erwarten und um mit Portugal über dessen Beteiligung am Kriege sowie über -die Kriegführung überhaupt zu verhandeln. Am 31. Juli stieß er mit den -Transportern und dem Rest der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen König Karl -und der Prinz von Hessen, die sich von dem Angriff in Katalonien mit -Recht mehr Erfolg versprachen als von dem nur lau vorgehenden Portugal. -Nachdem der König in Gibraltar die Huldigung der Stadt entgegengenommen -hatte, trat die Flotte am 5. August -- jetzt 58 Linienschiffe, 11 -Fregatten, 9 Mörserboote und einige Brander stark -- die Reise nach -Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt in Altea (11.-16.) am 22. -August vor dieser Stadt ein. Schon am nächsten Tage wurden die Truppen -ausgeschifft, die Belagerung begann und am =3. Oktober kapitulierte -Barcelona=. - - Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4 - holländischen und 1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern - englischen Dragonern, zusammen 12000 Mann (nach Colomb), in einiger - Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede Störung vor sich und war - am 25. beendet. Da die Führer bald nach der Landung der Ansicht - geworden waren, daß ihre Kräfte gegenüber der Größe der Stadt und der - Besatzung nicht genügten, wurde der Angriff zunächst nicht ernstlich - betrieben. Zahlreiche Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlüssen zu - führen, scheinbar herrschte Uneinigkeit zwischen den Land- und - Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere der Beschluß - durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern noch - bei der Flotte die erwartete Unterstützung fände. Die Schiffe hatten - etwa 1000 Mann ihrer Besatzung für die Erdarbeiten und zur Bedienung - gleichfalls gestellter Geschütze gelandet. Auf Drängen König Karls - beschloß der Kriegsrat endlich, ernstlich vorzugehen, wenn die Flotte - weitere Geschütze und noch 1500 Mann lande; die Admirale bewilligten - dies unter der Bedingung, daß die Gelandeten stets zur - Wiedereinschiffung bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten - über die französische Flotte eintreffen. Als diese Abmachung eben - erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. Der Prinz von - Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr früherer Gouverneur genau - kannte, führte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der - übrigen Befehlshaber in der Nacht vom 14.-15. September einige - auserlesene Truppen gegen das Fort Montjuich und nahm dessen - Außenwerke. Das Fort, der stärkste Punkt der Befestigung, lag auf dem - steilen Berge südwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den - Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die - Verbindung Montjuichs mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete - die Flotte die Verstärkungen und begann (16. September) aus den - Mörserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschießung der Stadt; diese - wurde schonend durchgeführt, da die Einwohner dem König Karl - wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen - die Stadt selber, und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte, - kapitulierte der Gouverneur auf Drängen der Einwohner. - - Daß sich die Admirale mit Rücksicht auf die französische Flotte anfangs - nicht zu sehr und auch später nur bedingt engagieren wollten, ist - wahrscheinlich und war berechtigt; selbst Peterborough, der am Lande - befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates für zu weitgehend - und für bedenklich erachtet haben. Es ist möglich, daß Shovel später - die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder - fürchteten einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den - Befehl, die Befestigungen dieses Hafens zu verstärken und die Flotte - dort zurückzuhalten. - -Nach dem Falle Barcelonas erklärten sich alle Städte Kataloniens für -Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald -war der König Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten -Truppen unter Peterborough zurückblieben. Die große Flotte wurde -aufgelöst, der größere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein -Wintergeschwader -- 15 Engländer und 10 Holländer, zu denen später noch -10 und 5 treten sollten -- unter den Admiralen =Leake= und =Wassenaer= -segelte nach Lissabon. - - Gleich nach Übergabe der Stadt gingen die fünf holländischen Schiffe - der Division v. d. Dussen, die jetzt fast zwei Jahre im Dienst waren, - heim und nahmen von Lissabon einen Convoi mit. Almonde hatte die - Erlaubnis, mit den übrigen Schiffen im Mittelmeer zu überwintern, um - weiter die Seeherrschaft zu behaupten, falls die Hauptmacht der - Engländer ein Gleiches täte. Diese jedoch erklärten, es sei wegen - Mangels an Vorräten und an Material zum Instandsetzen nicht möglich. So - wurde nur ein Wintergeschwader gebildet, aber auch dieses war genötigt, - zur Wiederinstandsetzung nach Lissabon zu gehen. Leake machte infolge - ungünstiger Winde eine unglaubliche Reise: Er war von Ende Oktober bis - zum 4. Februar unterwegs, so daß beinahe Hunger- und Wassernot an Bord - entstand; das Flaggschiff »Prince George« begrub auf dieser Reise 50 - Mann. Es kennzeichnet die Verhältnisse jener Zeit, daß dieses Schiff, - das mit Shovel von England gekommen war und stets Krankheit an Bord - gehabt hatte, vom 1. April 1705 bis zum 4. Februar 1706 gegen 300 Mann - verlor. - -Wie die Erfolge in Spanien 1705 nur infolge des Ausbleibens der -französischen Flotte möglich geworden waren, so wurden sie $im Jahre -1706$ dadurch wieder in Frage gestellt, daß die Seestreitkräfte der -Verbündeten nicht rechtzeitig genügend stark auftreten konnten. Die -Franzosen gingen früh im Jahre gegen Karl III. vor. Marschall Tessé griff -Katalonien von Spanien aus an, indem er die Pässe an der portugiesischen -Grenze nur besetzt hielt; der Herzog von Noailles rückte von Roussillon -aus vor. Tessé warf den König bis nach Barcelona zurück und belagerte mit -40000 Mann die Stadt, Toulouse unterstützte Tessé dabei mit 30 -Linienschiffen, die Belagerungsmaterial sowie sonstige Vorräte brachten -und auch an der Beschießung der Stadt teilnahmen. Peterborough stand in -Valencia, zu schwach, um einzugreifen; man hatte französischerseits alles -getan, Erfolge zu erringen, ehe die Verbündeten Verstärkungen senden -konnten und die See wieder beherrschten. - -Als die französischen Vorbereitungen in England bekannt wurden, erhielt -=Leake= den Befehl, sein möglichstes zu tun, um die Pläne des Gegners zu -vereiteln. Zu ihm war eine Verstärkung von 4 holländischen -Linienschiffen, nebst einem Convoi mit Ausrüstungsmaterial, gestoßen, -aber ein großer Teil seiner alten Schiffe war noch nicht seeklar. -Trotzdem ging er am 9. März mit 18 Schiffen in See. - - Es lag in seiner Absicht, schon am 8. zu segeln, weil er erfahren - hatte, daß das Auslaufen der westindischen Galeonen aus Cadiz - bevorstehe. Als aber das Geschwader am genannten Tage den Tajo abwärts - segelte, wurde es durch scharfes Feuer der Außenforts zum Wiederankern - gezwungen. Auf die Beschwerden antwortete die portugiesische Behörde, - es sei aus Versehen geschossen; die Forts hätten Befehl gehabt, das - Auslaufen sämtlicher Kauffahrer zu hindern, damit die Abfahrt des - Geschwaders geheim gehalten würde. Nach Annahme der englischen - Offiziere aber sind die Kriegsschiffe tatsächlich absichtlich - zurückgehalten, um sie zum Schutz des erwarteten Brasilienconvois zur - Verfügung zu haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen, das die besten - Aussichten hatte, durch die Verzögerung von einem Tage vereitelt. Am - 11. abends erfuhr Leake von einem holländischen Freibeuter, daß die - Galeonen am 10. Cadiz verlassen hätten, auch fing er am 12. zwei - Schiffe, die 24 Stunden später gesegelt waren; er hätte also ohne die - Verzögerung wohl sicher seinen Zweck erreicht. Jetzt erschien ihm eine - Verfolgung aussichtslos, weil der Wind den Galeonen günstig war. - -Infolge ungünstigen Windes traf Leake erst am 10. April in Gibraltar ein. -Hier stieß am 14. der Rest seiner Flotte, 12 Linienschiffe nebst -Transportern mit zwei englischen Regimentern, zu ihm, so daß er nun 30 -Linienschiffe stark war. Auf die Nachricht vom König Karl, daß Barcelona -von Tessé und Toulouse belagert und schon sehr bedrängt sei, beschloß der -Kriegsrat, nach Altea zu segeln, um dort genaue Nachricht über die -französische Flotte einzuziehen und diese, wenn sie nicht stärker als 30 -Schiffe sei, anzugreifen; die englischen Regimenter wurden zur -Verstärkung der nur schwachen Besatzungen auf die Schiffe verteilt. Am -29. in Altea angekommen hörte der Admiral von einem holländischen -Kauffahrer, daß ihm ein Transport mit Truppen aus Holland unter Bedeckung -von 6 Linienschiffen auf dem Fuße folge; dieser traf am nächsten Tage ein -und gleichzeitig die Nachricht, daß ein englisches Geschwader von 14 -Schiffen unter =Sir George Byng= nahe. Leake wartete auch diesen ab und -ging dann, 50 Schiffe (36 englische, 14 holländische), 6 Fregatten, 2 -Brander, 2 Mörserboote stark, nach Barcelona weiter. Auf der Höhe von -Tortosa (6. Mai) kam eine neue Nachricht vom König Karl: Die Stadt könne -sich nur noch wenige Tage halten, Montjuich sei genommen, der Sturm -stünde bevor; nur sofortiges Erscheinen der Flotte könne retten, Toulouse -sei 28 Schiffe, 6 Fregatten, 10 Galeren und 5 Mörserboote stark. Leake -gab seinen Schiffen sofort den Befehl, ohne Aufrechterhaltung einer -Formation Segel zu pressen. Am Morgen des 7. Mai trafen die ersten -Schiffe vor Barcelona ein, sie fanden die Rhede leer; Toulouse war, wie -im vorigen Kriege Tourville, auf die Kunde vom Nahen des Gegners nach -Toulon aufgebrochen; nach französischen Angaben hatte er Befehl, seine -Flotte keiner ernsten Gefahr auszusetzen. - - Englische Quellen sagen, Byngs Schiffe (wohl die bodenreinsten) seien - die ersten Schiffe auf der Rhede gewesen. Nach de Jonge waren es die - besten Segler Wassenaers, der die Vorhut führte. Nach Corbett sahen die - ersten Schiffe die Nachhut Toulouses gerade noch am Horizont - verschwinden. - -Noch an demselben Tage ankerte die ganze Flotte und die Soldaten wurden -in die Stadt geworfen. $Barcelona$, und damit Katalonien, $war gerettet$. -Ja, die Belagerer, insbesondere die spanischen Truppen, scheinen durch -das so plötzliche und gerade noch rechtzeitige Erscheinen Leakes völlig -entmutigt worden zu sein. =Marschall Tessé= sah sich am 10. Mai genötigt, -die Belagerung abzubrechen; er ließ über 100 Geschütze und sogar die -Verwundeten zurück. Das französische Heer litt auf seinem Rückzuge nach -Roussillon sehr unter Angriffen der katalonischen Bergbewohner: »eine -verlorene Schlacht hätte nicht schlimmer sein können« (nach Bonfils). - - Colomb sagt (gekürzt): »Barcelona ist die Wiederholung der Geschichte - Gibraltars. Beide Plätze werden durch gemeinsame Angriffe von Land und - See genommen, bei denen die Admirale infolge der günstigen Aussicht auf - Erfolg die deckende Flotte vielleicht stärker eingesetzt haben -- bei - Gibraltar durch das Abzweigen so vieler Schiffe für die Beschießung, - bei Barcelona durch das Ausschiffen so zahlreicher Leute -- als richtig - scheint, denn nur bei vollständiger Beherrschung der See waren die - Unternehmungen möglich. Der Feind versucht dann, die Festungen während - der Abwesenheit der verbündeten Flotte durch Land- und Seestreitkräfte - wiederzunehmen, doch wurden ihre Seestreitkräfte im letzten Augenblick - vertrieben.« Man kann hier wohl sagen »ihre nicht genügend starken - Seestreitkräfte« und hinzusetzen »teilweise infolge glücklicher Zufälle - für den Gegner«. - -Die Entsetzung Barcelonas war wie die Gibraltars 1705 gewissermaßen -wieder ein Nachspiel des Vorjahres, ein Unternehmen, das den Verbündeten -durch das frühzeitige Vorgehen des Gegners im neuen Kriegsjahre -aufgezwungen und nur vom Wintergeschwader ausgeführt wurde; dieses war -allerdings durch die Verstärkungen, insbesondere durch die beschleunigte -Entsendung Byngs mit 14 Schiffen der Hauptflotte, schon zur Größe der -bisherigen Sommerflotten im Mittelmeer angewachsen. Eine andere Operation -von Bedeutung, die für dieses Jahr geplant war, eine $Landung bei -Rochefort$ unter dem Admiral of the fleet Shovel, kam wohl infolgedessen -nicht zur Ausführung. Erst im Juli konnte Shovel seine Flagge heißen; er -wartete dann vergeblich auf ein holländisches Kontingent und wurde -endlich durch Gegenwinde bis in den September bei Torbay festgehalten; -dann war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten. Dieses englische -Kanalgeschwader beteiligte sich nur im Juni an der Belagerung und -Einnahme der Stadt =Ostende= durch das Heer in Flandern. - - Zu diesem Landungsplane schreibt Corbett: »Marlborough behielt stets - als Hauptziel im Auge, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen; ihm - war auch die beschleunigte Entsendung Byngs zu verdanken. Er wollte - sogar in Person mit 20000 Mann in englischem und holländischem Solde - nach Italien gehen, um hier mit Prinz Eugen, mit dem er sich besser - verstand als mit den holländischen und deutschen Führern, vereint - aufzutreten. Vom Ratspensionär Heinsius unterstützt, hatte er die - Generalstaaten fast für diesen Plan gewonnen, als die Franzosen am - Rhein über Ludwig von Baden Vorteile errangen. Jetzt sahen die - Generalstaaten die linke Flanke der Stellung in den Niederlanden - bedroht, wollten nur noch 10000 Mann bewilligen und verlangten, daß - Marlborough selber in den Niederlanden bliebe. Er fügte sich wiederum, - betrieb aber dafür ein Unternehmen, dem er wenigstens den Wert einer - für den Krieg in Italien und Katalonien nutzbaren Diversion beilegte. - (Er selbst ging zu gleichem Zweck energisch vor, schlug die Schlacht - von Ramiliers und bedrohte die Franzosen weiter in Flandern.) Im - Frühjahr 1706 hatte ein französischer Réfugié, Comte de Guiscard, eine - Landung an der Mündung der Charente vorgeschlagen, um von dort aus den - Aufstand in den Cevennen wieder zu beleben. Die Landungskräfte sollten - vorzugsweise aus Réfugiés gebildet werden, doch wollte auch Marlborough - einige Regimenter stellen.« - - Über die Stärke der Flotte Shovels sind keine Angaben vorhanden, sie - kann nicht bedeutend gewesen sein. Die auswärtigen Stationen und der - Handelsschutz erforderten zahlreiche Schiffe; 36 Schiffe waren im - Mittelmeer, und wie im Vorjahre hatte man ein Geschwader zur - Beobachtung der französischen Küsten in Dienst gestellt; vielleicht war - dieses für die Expedition in Aussicht genommen. Von dem erwarteten - holländischen Kontingent erwähnt der sonst sehr genau berichtende de - Jonge nichts. Nach de Jonge hatte Holland 1706 im Mittelmeer 18 Schiffe - -- gemäß der Abmachung, eine Vermehrung hier war erst für das Ende des - Jahres vorgesehen -- und 12 Schiffe, in zwei Geschwader wie früher - geteilt, in den nördlichen Gewässern. Es hatte also seine - Verpflichtungen erfüllt; zwar waren 5 Linienschiffe weniger im Dienst - als im Vorjahre, doch fehlten diese im Norden: das Geschwader gegen die - Galeren in Ostende, das nach der Eroberung der Stadt nicht mehr nötig - war«. - -Wenden wir uns nun wieder zum $Mittelmeer$. Nach dem Abzuge des -französischen Heeres von Barcelona wurden auf 4 Kriegsschiffen 600 Mann -nach =Gerona= geführt, um die Stadt gegen den nach Norden abziehenden -Feind zu verstärken. In längeren Beratungen mit den Ministern und -Generalen König Karls beschloß man dann, daß die Flotte alle in -Katalonien entbehrlichen Truppen zu Peterborough bringen und mit diesen -gemeinsam gegen Alicante, das bourbonisch gesinnt und stark besetzt war, -vorgehen solle. Die Soldaten wurden in Valencia gelandet und von dort in -Marsch gesetzt. In der Zwischenzeit segelte die Flotte nach =Cartagena=, -wo die Partei Karls das Übergewicht hatte. Die Stadt war zwar nicht -gleich zur Übergabe bereit, erkannte aber doch Karl III. an, als man -Vorbereitungen traf, mit einigen Schiffen in den Hafen einzulaufen und -gleichzeitig die Landungsabteilungen der Flotte an Land zu werfen (10. -Juni). Nachdem dann in Altea Wasser genommen war, traf die Flotte am 7. -Juli vor =Alicante= ein, und auch Landtruppen erschienen am 20. vor der -Stadt; da diese aber nur 1300 Mann reguläre Soldaten, sonst bewaffnete -Landbewohner, zählten, wurden von den Schiffen 800 Seesoldaten und 800 -Matrosen nebst Geschützen gelandet. Die Belagerung wurde eröffnet, 12 -Linienschiffe begannen mit Erfolg die Beschießung, indem sie nach und -nach die Befestigungen niederkämpften und dann immer näher ankerten. Am -8. August wurden aus nächster Nähe zwei Breschen gelegt, die Stadt durch -die Truppen am Lande sowie die Landungsabteilungen gestürmt und -geplündert; die Citadelle ergab sich erst am 6. September wegen -Wassermangels. - - Vor Alicante stießen 4 dem holländischen Kontingent bisher noch - fehlende Linienschiffe zur Flotte. An diese knüpfen sich Umstände, die - das Verhältnis der englischen und holländischen Seestreitkräfte - zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral de Almonde - hatte sie hinausgeführt, er sollte dann den Oberbefehl über die - Holländer übernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurück, - da er nicht unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor - und während seiner Ausreise England ersucht, Shovel hinauszuschicken. - England aber antwortete, dieser sei zu einem anderen Unternehmen - (Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurückgerufen und Holland - hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer; - sämtliche höhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine - Verwendung mehr. Die letzten tüchtigen Schüler Ruyters verbrachten ihre - späteren Dienstjahre untätig am Lande: de Almonde, der seit 1691 die - Holländer in allen größeren Unternehmungen und Schlachten geführt; - Callenburgh, uns gleichfalls rühmlichst bekannt; zwei Evertsen, Söhne - und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben - Sparsamkeitsrücksichten mitgesprochen. - -Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nach =Ibiza= und dann -nach =Mallorca=; die erste Insel erkannte den König Karl sofort an und -auf der zweiten zwang die Bevölkerung den Gouverneur dazu, als eine -Beschießung der Stadt Palma drohte. Gern hätten Karl und Peterborough -auch die Einnahme =Minorcas= mit seinem vorzüglichen Hafen Port Mahon, -von den Engländern schon lange als Stützpunkt ins Auge gefaßt, gesehen, -aber Leake hielt die französische Besatzung dort für zu stark, um mit -seinen Landungsabteilungen allein anzugreifen. Peterborough war geneigt, -mit den nötigen Truppen »unter eigener Führung« mitzuwirken, er wurde -jedoch nach Italien gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen -über den Feldzug des nächsten Jahres zu verhandeln; als er zurückkam, war -es nach Leakes Ansicht für die Flotte zu spät in der Jahreszeit. Seiner -Instruktion gemäß trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der -Heimat an, mit ihm das ganze holländische Kontingent (Mitte November -dort); nur ein Wintergeschwader von 17 englischen Linienschiffen zweigte -sich unter =Admiral Byng= in Gibraltar ab und ging nach Lissabon. - -Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien von -Portugal aus für Karl III. eine günstige Wendung; Madrid wurde genommen, -Philipp V. war mit dem französischen Heere nach Frankreich geflohen. Karl -war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege des Prinzen -Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite 493). - -$Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port -Mahon.$ Für 1707 war von den Seemächten wiederum die Aufstellung einer -starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich -bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen, -die schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekuniäre Lage der -Admiralitäten war jedoch so schwierig, daß erst um die Wende des Jahres -10 Schiffe unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707 -folgen konnten; diese letztgenannten stießen erst vor Toulon zur Flotte. -Daneben stellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern für die -nördlichen Gewässer auf. England dagegen sandte wirklich noch im -Spätherbst 1706 den Admiral Shovel nach den spanischen Gewässern ab; die -Zahl seiner Schiffe mag etwa 16 betragen haben. - - Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach französischen Quellen - erschienen im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Holländer. - Byngs Wintergeschwader zählte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16 - neuhinzugekommene Engländer. - -=Shovel= traf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins -Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der -Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbündeten geändert. König -Karl machte die Erfahrung, daß mit dem Schlagen der spanischen Truppen -nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in -Kastilien und in den Südprovinzen erwachte der alte Haß gegen die -Portugiesen und die Ketzer, die beide ihn unterstützten. Das Volk stand -in Guerrillabanden auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter -dem Herzog von Berwigk. Die Verbündeten konnten sich in Madrid nicht -halten, sie zogen nach Osten ab, um sich Karl in Katalonien -anzuschließen. Shovel warf nun zunächst eine aus England mitgebrachte -Verstärkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, kehrte dann aber nach -Lissabon zurück, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen -instandzusetzen und auszurüsten. - - Corbett bezeichnet diese »weiteren Operationen« ausdrücklich als die - gegen Toulon geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels - beschleunigt, da ihm nach den Erfolgen Eugens in Italien sein großer - Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch dessen Durchführung - er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite 494). Wenn er um - diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen - Eugen und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt - ausdrücklich, daß das holländische Geschwader erst vor Barcelona von - dem beabsichtigten Angriff auf Toulon Kenntnis erhalten habe. - -In Lissabon fand Shovel das Wintergeschwader (Byng) und das am 10. März -eingetroffene holländische Kontingent, das auch Ersatz für die in Spanien -fechtenden holländischen Regimenter mitgebracht hatte, vor. Da die -Nachrichten vom Landkriegsschauplatze weiter ungünstig lauteten, wurde -Byng mit den segelfertigen englischen und sämtlichen holländischen -Schiffen sofort (10. April) ins Mittelmeer gesandt, um die Verstärkungen -zu landen und bis zu Shovels Ankunft an der Ostküste zu kreuzen. Byng -erfuhr in Alicante, daß die Armee der Verbündeten unter dem =Earl of -Galway=, der jetzt den Oberbefehl führte, bei dem Versuche, wieder nach -Madrid vorzudringen, bei Almansa (24. April) vernichtend geschlagen sei -und daß ihre Trümmer sich größtenteils auf Tortosa zurückgezogen hätten -(vgl. Seite 494). Der Admiral sammelte nun in den Küstenstädten die -Versprengten, Verwundeten und Kranken des Heeres, brachte diese sowie die -Ersatzmannschaften nach Tortosa und segelte dann nach Barcelona (20. -Mai). Hier traf Shovel bald darauf ein. Erkundungen ergaben, daß weder in -Toulon noch in Marseille (der Galerenstation) Ausrüstungen von -Seestreitkräften betrieben wurden; Frankreich stellte in diesem Jahre nur -zwei Divisionen unter Forbin und Trouin für die nördlichen Gewässer auf. -Am 4. Juni ging =Shovel= mit der ganzen Flotte in See, um mit =Prinz -Eugen= gegen Toulon zu operieren und um dessen Verbindung mit den -Magazinen in Livorno und Genua aufrecht zu erhalten. - - Wir wissen bereits (Seite 494), daß es Marlborough nicht gelang, seinen - großen Plan vollständig durchzuführen. Er selber war behindert, in - diesem Jahre im Norden kräftig vorzustoßen, und der Kaiser hatte, - anstatt Eugen nach seinen Erfolgen zu verstärken oder doch wenigstens - in seiner Stärke zu belassen, einen Teil des italienischen Heeres unter - Graf Daun abgezweigt, um Neapel zu erobern, obgleich ihm England - vorstellte, dies für ihn mit Leichtigkeit ausführen zu können, sobald - Toulon gefallen sei. Da Ludwig XIV. um diese Zeit zu - Friedensunterhandlungen geneigt war, wollte der Kaiser wohl vor Beginn - dieser die Lande in seinen Besitz bringen; auch wird vermutet (nach - Corbett), daß man in Österreich dem Plane Marlboroughs nicht günstig - war, man fürchtete die Übermacht Englands im Mittelmeer nach Toulons - Fall. - - Ein schleuniger Angriff auf Toulon war erwünscht. Man mußte annehmen, - daß Frankreich nach seinen Erfolgen in Spanien von dort Truppen zur - Armee in der Provence heranziehen würde, auch konnte bei der Schwäche - Eugens nur ein Handstreich gelingen. Dieser wäre fast geglückt. - Marschall Tessé, der die Armee in der Provence führte, hatte mit - unzureichenden Kräften eine lange Grenze zu decken, und Prinz Eugen - verstand es, ihn in Unsicherheit darüber zu halten, wo er vorgehen - wolle: ob ein Angriff auf die Provence oder ein Einfall in die Dauphiné - oder in die Franche-Comté, beide von Truppen entblößt, erfolgen würde. - Eugen operierte dann so schnell, daß Tessé erst klar sah, als der - Gegner fast schon die Grenze überschritten hatte. Toulon war auf der - Landseite nur schwach befestigt und ungenügend besetzt. Infolge von - Verzögerungen auf dem Marsch und bei dem Angriff der Verbündeten jedoch - gelang es, diesen Übelständen abzuhelfen. Der Gouverneur der Provence - bot die Milizen auf und Tessé warf mit Eilmärschen Truppen in die - Stadt; die Verbündeten waren nicht stark genug, dies durch völlige - Einschließung zu verhindern. Die Verzögerungen werden dem Herzog von - Savoyen zur Last gelegt. - -Die Flotte trat in Finale an der Riviera Mitte Juni mit dem Heere Eugens -und Savoyens in Verbindung. Kleinere Divisionen wurden bestimmt, Vorräte -aus den genannten Häfen zu holen, die Flotte ging nach der Bucht vom Cap -St. Hospice, um mit den die Küste entlang vorrückenden Truppen in steter -Verbindung zu bleiben, ihnen mit Geschützen und Munition auszuhelfen. Zum -tätigen Eingreifen kam sie nur am 11. Juli, als das Heer den Übergang -über den Grenzfluß Var erzwingen mußte. Hier standen 3000 Mann Fußvolk -und 500 Reiter der Franzosen, gestützt auf eine Schanze an der Mündung. 4 -Fregatten beschossen diese Stellung und Anstalten zu einer Landung in -großem Maßstabe wurden getroffen; es scheint aber nur zur Beschäftigung -des Feindes damit gedroht zu sein, denn nur einige hundert Mann wurden -wirklich an Land geworfen. Während dieser Zeit überschritten die -Landtruppen ungehindert den Fluß weiter nördlich. Den Weitermarsch -begleitete dann Admiral Byng mit 15 Schiffen, längs der Küste segelnd, -der Rest der Flotte ging geradeswegs nach den Hyèren; am 29. Juli traf -die Armee vor Toulon ein. Bei schnellerem Vormarsch und überraschend -sowie tatkräftig durchgeführtem gewaltsamen Angriff wäre die Stadt -wahrscheinlich gefallen; so aber kam es nur zu einer $erfolglosen -Belagerung Toulons$.[270] - - [270] Schilderung vornehmlich nach de Jonge, Teil IV, und Bonfils, - Teil II. - - Toulon war gedeckt durch eine Reihe von Forts nahe bei der - Stadtumwallung (etwa die jetzige zweite Verteidigungslinie): Vom Fuße - des im Norden der Stadt liegenden Mt. Faron nach Osten bis zur Küste - die Forts St. Artigues, St. Catherine und La Malgue, nach Westen St. - Antoine und Malbousquet; zur Hinderung der Einfahrt an der Küste die - Forts St. Louis am Eingang zur Innenrhede und St. Marguerite etwa 2 km - östlich von La Malgue. Bei der so plötzlich auftretenden Gefahr hatte - man die Kriegsschiffe zum großen Teil -- einige Angaben sagen die - Hälfte (gegen 20 Linienschiffe), nach andern muß man annehmen, fast - alle (gegen 50) -- versenkt, um sie dem feindlichen Feuer zu entziehen, - aber auch um die Einfahrt in die Hafenanlagen zu sperren; die - Besatzungen und auch Schiffsgeschütze wurden zur Verstärkung der - Befestigungen herangezogen. Nur 2 oder 3 schwere Linienschiffe waren, - mit altem Tauwerk gepanzert, als schwimmende Batterien so verankert, - daß sie die Umgebung der Forts Malbousquet, La Malgue und St. Catherine - bestrichen. - - Prinz Eugen nahm schon am 29. Juli trotz kräftigen Widerstandes die - Forts Artigues und St. Catherine. Er versuchte dann, nördlich um den - Mt. Faron marschierend, auf die Westseite der Stadt zu gelangen, fand - aber einen auf Hindernisse und Feldbefestigungen gestützten zu starken - Widerstand. Der Herzog von Savoyen, scheinbar zu vorsichtig, schuf sich - zunächst ein befestigtes Lager und bereitete, auf St. Catherine - gestützt, den förmlichen Angriff auf La Malgue und die Küstenforts vor. - Die Flotte, die gleichzeitig mit Eugens Angriff eine Überrumpelung der - Küstenforts vergeblich versucht hatte, schiffte Geschütze mit - Bedienungsmannschaften aus und hielt die Hafeneinfahrt blockiert. Erst - am 12. August begann man ernstlich mit der Beschießung der Küstenforts, - auch um der Flotte ein Näherkommen zu erleichtern. In der Zwischenzeit - aber hatten die Franzosen die Befestigungen verstärkt und die - Verteidigung organisiert. Tessé war mit 18 Bataillonen herangekommen, - hatte die Westseite besetzt und Verstärkungen in die Stadt geworfen; - die Milizen hielten die Verbindung nach Marseille offen. Schon am 15. - machten die Belagerten in stürmischer Nacht einen großen Ausfall und - warfen den Feind aus dem größten Teil seiner Angriffslinie. Die - Belagerer sahen ein, daß sie nichts erreichen konnten, ja, daß sie - sogar eine kräftige Offensive fürchten mußten, und beschlossen, die - Belagerung abzubrechen. Um den Abzug zu decken und um doch etwas zu - leisten, wurde ein Bombardement eingeleitet; es wurden in der Tat vom - 17.-20. die Forts St. Louis und St. Marguerite außer Gefecht gesetzt. - Am 21. gingen nun 5 Fregatten und 5 Mörserboote bis zur Höhe von St. - Louis und beschossen Hafen und Stadt, man sah einige Schiffe sowie ein - großes Magazin brennen; die Fahrzeuge mußten sich aber am 22. bei - Tagesanbruch zurückziehen, weil eine neu errichtete Batterie sie unter - wirksames Feuer nahm. Immerhin war die Armee während der Nacht - ungehindert abgezogen und kam auch, ohne verfolgt zu werden, über den - Var zurück. Die Flotte begleitete wieder diesen Rückmarsch. - - Erwähnenswert ist, daß die =Gardes-marines= (die Seekadetten) sich bei - der Verteidigung so ausgezeichnet haben, daß die Stadt Toulon ihnen von - da an, bis 1786, freies Kasernement gab, oder ihnen, wenn sie auf - Kosten des Königs untergebracht waren, für die Person und für den Monat - 9 Francs zahlte. - -So war nicht nur der große Plan, den Krieg durch Eindringen in die -Provence zu beenden, fehlgeschlagen, sondern auch der Angriff auf Toulon -unter großen Verlusten mißglückt. Dieser hatte nur den Erfolg, daß -Villars' Vordringen in Deutschland gehemmt wurde, weil dieser einen Teil -seiner Truppen nach der bedrohten Provinz senden mußte, und daß die -französische Marine auch im Mittelmeer den Kampf ganz aufgab. Trotz aller -Vorsichtsmaßregeln war ein Teil der versenkten Schiffe (etwa 15?) -unbrauchbar geworden. Frankreich stellte in den letzten Jahren des -Krieges in Toulon nicht einmal kleinere Divisionen auf, wie es im Norden -doch noch bis 1709 geschah. - -Die Operationen der großen Flotte der Verbündeten waren für dieses Jahr -zu Ende. Sie zweigte am Var 9 Schiffe ab, um Truppen von Genua nach -Spanien zu bringen, und ging dann über Barcelona, Altea und Gibraltar in -die Heimat. - - Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhältnis der - Verbündeten zueinander zutage; über »die zunehmende Mißachtung von - seiten der Engländer« klagen die Holländer. Vizeadmiral v. d. Goes war - am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf als Ersatz Vizeadmiral van - Wassenaer über Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier war aus - Sparsamkeitsgründen (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen. - Wassenaer segelte über Barcelona nach Altea und fand hier sein - Geschwader; Shovel war mit den englischen Schiffen, »ohne Kriegsrat zu - halten und ohne mit den Holländern das Wintergeschwader zu - vereinbaren,« nach Gibraltar gesegelt, nur äußernd, er müsse dort - Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf die englische Flotte am 10. - Oktober vor Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen; - hier drang er auf Abhaltung eines Kriegsrates. - -Vor Gibraltar wurde die Winterflotte entlassen, 6 holländische und 12 -englische Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. Der holländische -Chef, Vizeadmiral Wassenaer, blieb mit zwei weiteren Schiffen zum -Überwintern in Lissabon, aber getrennt von seinem Geschwader, da er nicht -unter Dilkes stehen wollte. - -Auf der Rückreise trat die Katastrophe ein, die die englischen Admirale, -so auch besonders Shovel, stets gefürchtet und vorausgesagt hatten, wenn -man die Schiffe in später Jahreszeit aus dem Mittelmeer zurückzöge. Die -Flotte verfehlte in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des -Kanals und geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren, -darunter das Flaggschiff; =Sir Clowdesley Shovel= wurde nach einigen -Angaben von einem Strandräuber wegen seiner Ringe ermordet. - -[Illustration: John Leake.] - -Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und von -dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. März in -Lissabon zur Neuausrüstung ein. - -$Das Jahr 1708$ ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkräften -Waffentaten von einiger Bedeutung ausgeführt wurden. Am 7. April traf -=Sir John Leake=, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2 -holländischen Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Holländer -folgten bald, so daß die Seestreitkräfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe -zählten. Man sieht, daß die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein -Auftreten der Franzosen war nicht zu befürchten, so konnte auch England -jetzt mehr Schiffe zum Schutze des Handels im Norden zurückbehalten. Sie -wurde auch noch geteilt: 4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Straße von -Gibraltar gegen einige französische Fregatten, die in Cadiz für den -kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; 4 andere sandte man nach den Azoren, um -portugiesische Brasilienfahrer zu holen und dann holländische und -englische in die Heimat zu führen. Die Hauptflotte, 23 Linienschiffe, -ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien nach Barcelona zu bringen. -Am 22. traf sie an der Küste von Katalonien auf einen französischen -Convoi von 100 Tartanen[271] mit Zufuhr, besonders Proviant, für das -spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die übrigen. Bei der -unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden Heere aus -Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag für die -spanischen Truppen und ein großer Gewinn für die des Königs Karl. In -Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurückgelassen, um jede Verbindung -Frankreichs mit Spanien über See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado -(26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die -Kavallerie von Genua und Livorno geholt werden mußte, dann kehrte sie mit -6000 Mann und 2300 Pferden nach Barcelona zurück; es hatte sich ferner -die Braut König Karls, Prinzeß Elisabeth Christine von Braunschweig, -eingeschifft. - - [271] Kleinere Küstenfahrzeuge. - -Dem Admiral wurde nun aufgegeben, =Sardinien= zu unterwerfen, eine Insel, -die als reiche Kornkammer für Karls Heer wichtig war; die Aufgabe wurde -schnell gelöst. Am 12. August erschien =Leake= vor Cagliari und legte -seine Mörserboote sofort zur Beschießung aus. Als auf die Aufforderung -zur Übergabe die Antwort erst für den nächsten Tag in Aussicht gestellt -und damit der Verdacht hervorgerufen wurde, daß der Gegner Zeit zu -Verteidigungsmaßnahmen gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein -Regiment Spanier sowie 1200 englische Seesoldaten und eröffnete die -Beschießung; das für Karl günstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den -Gouverneur zur Übergabe, die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der -Übergabe der Stadt nahm =Leake= bei Pula, am Eingang der Bucht von -Cagliari, Wasser, und hier erreichte ihn, auf seine Meldung von dem -Erfolge, die Bitte König Karls, ein Unternehmen des General =Stanhope=, -des jetzigen Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen in Katalonien, -$gegen Minorca$ zu unterstützen. - -Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon länger -Port Mahon als günstigsten Stützpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge -gefaßt hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevölkerung -der Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen -Punkte besetzt. Diese wurde von den Franzosen unterstützt, die im Januar -1707 eine Division Schiffe zur Unterdrückung eines Aufstandes gesandt und -dann eine Besatzung zurückgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600 -Mann, vorwiegend Engländer, in Barcelona zusammen, er fühlte sich aber -ohne eine größere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der -katalonischen Küste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen --- sie standen weder unter ihm noch unter König Karl, aber eins davon -führte sein Bruder, und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur -Teilnahme --, er bat aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei, -er sei segelfertig und auch in Mallorca ständen Truppen und Geschütze -bereit. Leake beschloß sofort, der Bitte zu willfahren. - - =Corbett= sagt hierzu: »Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings - schon von großem Werte für England, aber fast nur als eine Station zum - Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer - brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war, - ein Wintergeschwader dort zu halten und auszurüsten. Ohne einen solchen - blieb Frankreich imstande, sobald die verbündete Flotte im Herbst - heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurück mußte, seine - Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien - wieder aufzunehmen; es trat hinzu, daß eine ständige Flotte im - Mittelmeer wünschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere - bourbonisch gesinnte Fürsten Italiens zu drücken. So war die Besetzung - Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten - schon immer auf den vorzüglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und - 1705 erschien in England eine anonyme Schrift (»An inquiry into the - causes of our naval miscarriages«), die die Besetzung dieses Platzes - dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage - gegen Toulon, für Gewinnung eines Stützpunktes und wies, da Karl III. - beständig um eine Flotte auch während des Winters bat, den König und - den Kaiser nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu - nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale - erklärten den Platz für seemännisch nicht geeignet und Port Mahon - außerdem für viel günstiger gelegen, Toulon zu überwachen. Auf - Marlboroughs Drängen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem - Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande - wie üblich zu Ende ging, die Einschiffung sämtlicher in Katalonien - entbehrlichen Streitkräfte vor. Leake kannte zwar die Pläne, hatte aber - keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens - die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr nötig wären, nach Spanien - zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen - den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld - unterstützte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, für König Karl - einzutreten, dies erlaube. - - Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca - eintraf, war der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach - Civitavecchia unter Segel zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch - nicht zur Einschiffung bereit und den Holländern war verboten, sich an - der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. Der gemeinsame - Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Stützpunkt für die - Flotten völlig klar war, faßte jetzt den Beschluß, der Bitte Folge zu - geben.« - -Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port Mahon -ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: Er -sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die -Stärke des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hälfte auserlesene -französische Seesoldaten und zur Hälfte ein altes Minorca-Regiment; er -erkundete und markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen -von der Stadt entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca -und am 12. Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte -die offene Stadt, die sich wie die ganze Insel für König Karl erklärte; -die feindlichen Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen -beherrschten, zurück. Da nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen -Städte die Gesamtflotte nicht mehr nötig war, verließ Leake (18. -September) seiner Instruktion gemäß mit dem größeren Teile Port Mahon -und segelte nach der Heimat, nachdem er die entbehrlichen Vorräte des -Proviants und der Munition an Stanhope abgegeben hatte. - -Ein Wintergeschwader -- 12 englische und 3 holländische Linienschiffe, 5 -Fregatten, 3 Mörserboote -- blieb unter Kontreadmiral =Sir Edward -Whitaker= zurück und unterstützte die weiteren Unternehmungen. Einige -Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der -Nordküste vorläufig als Liegeplatz für die Transporter zu haben; andere -zwangen mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur Übergabe; -die übrigen Schiffe landeten Geschütze mit Bedienung zur förmlichen -Belagerung der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach -Breschelegung am 29. September stürmender Hand genommen. - -=Port Mahon war in englischem Besitz.= England behielt es 50 Jahre und -hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere wie -Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte es Cadiz -und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenüber; Lissabon blieb -weiter ein Stützpunkt in zweiter Linie. - - General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten - nach Barcelona zurück, sobald sie entbehrlich waren -- »er zeigte so - seinen Eifer für die Sache Karls«. Er ließ auf der Insel nur eine - englische Besatzung zurück. In seinem Bericht nach England äußerte er - auch seine »unmaßgebliche« Ansicht, daß man Port Mahon nie wieder - herausgeben dürfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer - Unterstützung in Spanien machen müsse; auch bat er um Ernennung des - augenblicklichen Befehlshabers dort zum Gouverneur. Natürlich fühlten - sich der Kaiser, König Karl und Holland sehr verletzt, aber England - ließ sich nicht irre machen. - -Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader in -Port Mahon zu überwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder -Einrichtungen noch Vorräte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker -holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach -Lissabon; schon seine Anwesenheit an der italienischen Küste nach dem -Fall von Port Mahon hatte genügt, den Papst zur Anerkennung Karls zu -bewegen. - -Im Jahre $1708$ planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den -nördlichen Gewässern noch einmal einen $Einfall in Schottland$; der -Prätendent =Jakob= III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin übergeführt -werden. Das Unternehmen, ganz gegründet auf eine kräftige Erhebung in -Schottland und auf völlige Überraschung, scheiterte kläglich, da diese -Bedingungen fehlten; der seemännische Führer der Expedition, Chef -d'Escadre =Graf Forbin=, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach -diesem Fehlschlage wurde in den nächsten Jahren in Dünkirchen keine -reguläre Division für den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder -La Rochelle. - - Die Expedition sollte früh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar - nach der Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der - französischen Marine erlaubte keine große Rüstung. Forbins Geschwader - bestand aus den wenigen Kriegsschiffen der Dünkirchen-Division und - einer größeren Zahl Freibeuter und Transporter; holländische Angaben - sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische von 8 - und 24; wenn französische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur - die Kriegsschiffe und Freibeuter gezählt. Eine Krankheit des - Prätendenten soll die Abfahrt verzögert haben. In England und Holland - hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral Byng erschien schon am 12. - März mit 35 Schiffen vor Dünkirchen. Forbin war jetzt für Aufgeben des - nach seiner Überzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob bestand - auf der Ausführung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war, - ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader für die - nördlichen Gewässer noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4 - starke Convoibegleitschiffe nach England; diese stießen am 20. zu Byng - und gleichzeitig erhielt der Admiral die Nachricht vom Auslaufen - Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die Holländer - nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die - Nachricht abzuwarten, wo diese nötig seien. Er selber folgte den - Franzosen. Forbin war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber - sogleich fest, daß England alle Maßregeln getroffen hatte, um sowohl - die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrücken; er schlug - daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt ab. - Als er das Nahen der Engländer erfuhr (23. März), ging er in See, Byng - sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin - steuerte zunächst nordöstlich, änderte nachts geschickt den Kurs und - entkam wohlbehalten nach Dünkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt - wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkühn den Kampf aufnahm, wurde - genommen. - -$Die letzten Kriegsjahre 1709-1712.$ Wir wissen, daß zu Ende des Jahres -1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schließen (vgl. Seite -495). England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl möglich, denn es besaß -ja schon, was es haben wollte. Da die Verbündeten zu viel verlangten, -nahm der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkräfte fanden zwar keine -Gelegenheit mehr zu größeren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb -von Wichtigkeit. Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung König -Karls mit Sardinien, seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen -Ländern und schnitten Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der -französischen Marine vom Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der -dortigen Flotte; dies kam dem Handelsschutz in den nördlichen Gewässern -zugute, auch konnten stärkere Unternehmungen als bisher gegen die -französischen Kolonien in Nordamerika ausgeführt werden. Es wird genügen, -die Tätigkeit der verbündeten Flotte in großen Zügen zu geben, und nur -einzelne Vorfälle näher zu schildern, ohne wie bisher auf alle -Operationen und Bewegungen näher einzugehen.[272] - - [272] Auch sonst genaue Quellen wie Clowes und de Jonge halten sich - allgemeiner; de Jonge ist noch am genauesten, soweit es das - holländische Kontingent betrifft. - -$1709$ traf Admiral =Byng= schon im Januar mit Verstärkungen bei der -Winterflotte ein, er brachte Material und Vorräte zur Schaffung eines -Stützpunktes in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe -wird etwas über 20 gewesen sein, Holland verstärkte sein Kontingent erst -im Mai auf 9. Byng kreuzte hauptsächlich an der französischen Küste; ein -Versuch, das belagerte Alicante zu entsetzen, mißlang, man konnte bei -seinem Fall nur die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit -einem Teil seiner Schiffe heim; die 3 Holländer des vorjährigen -Wintergeschwaders wurden durch 6 neue ersetzt, so daß dies Kontingent -jetzt 11 Schiffe stark war. Das Wintergeschwader unter Vizeadmiral -=Whitaker= verblieb, gesammelt oder in Divisionen geteilt, an der -spanischen und französischen Küste, nunmehr auf Port Mahon gestützt. - -Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitän =Cassard= 1709, ebenso 1710 -und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante nach -Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen; -die Zufuhren waren von großer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot -herrschte. - -$Im März 1710$ kam Admiral =Sir John Norris= in Port Mahon an. Die -Streitkräfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstärkt, doch wurde die -Hälfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante für König -Karl und zur Bewachung der Straße sowie Sardiniens und der italienischen -Küste abgezweigt. Mit der anderen Hälfte ging Norris nach Barcelona und -erfuhr hier Ende April, daß eine $französische Expedition gegen -Sardinien$ bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten -Gouverneur ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine -Sendung von Truppen (2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6-8 -Kriegsschiffen und 20 Galeren zu unterstützen. Norris gelang es, das -Unternehmen zu vereiteln. - - Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizekönig nach Cagliari, - wodurch die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war - nichts zu bemerken. Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und - wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; ein Versuch, durch eine Division - einen Convoi an der Küste der Provence abzufangen, mißlang. Auf die - Nachricht, daß die französische Expedition jetzt von Toulon und - Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht - von Terra Nova 4 französische Transporter und zwang die von diesen - gelandeten 400 Mann durch Landung seiner Soldaten zur Übergabe. Er - erfuhr, daß 10 Galeren mit Transportern bei seinem Nahen von der - Westküste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio - geflüchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach - Frankreich zurückgegangen, aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte - Kriegsmaterial der Expedition) wurden genommen; die Neutralität Genuas, - dem Corsica gehörte, beachtete Norris nicht. - -Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere -Aufgabe an sie heran, $eine Landung in der Languedoc$, um einen neuen -Aufstand der Camisards zu unterstützen. Der mit viel zu geringen Kräften -unternommene Versuch schlug vollständig fehl. - - Man beabsichtigte, in Cette festen Fuß zu fassen, um mit den - Camisarden, die etwa 12 Meilen von der Küste unter Waffen standen, in - Verbindung zu treten. Diese Stadt, die auf einer schmalen Landzunge - zwischen dem Meere und einem Küstensee fast wie auf einer Insel liegt, - hätte bei genügend starker Besetzung wohl gehalten werden können, weil - die Verbündeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli, - landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben - Tage ohne Widerstand Cette. Am nächsten Tage sicherte man sich durch - Besetzung des kleinen südwestlich liegenden Ortes Adge und einer Brücke - dort gegen einen Angriff von dieser Richtung her. Der Versuch der - Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz über den See auf die - Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber - infolge eines falschen Alarms verließ die Besatzung Adges ihre - Stellung. Da nun Marschall Noailles in Eilmärschen mit 2000 Reitern, - deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen lassen, hier herankam, - wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft - und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es überhaupt, weil man - eine Verstärkung nicht vorgesehen hatte. - -In diesem Jahre überwinterten die Engländer sämtlich im Mittelmeer, die -Holländer gingen heim. Auch für diese war der Befehl unterwegs, dort zu -bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa) -hoffte, bei kräftiger Unterstützung durch die Flotte den Krieg in Spanien -zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in -Holland sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber -man konnte nur 13 ausrüsten und auch diese trafen nur nach und nach -- -meist mit englischen Schiffsverstärkungen oder Ablösungen und stets mit -englischen Truppentransporten -- an der spanischen Küste ein, die ersten -Ende März, die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende -1712 im Mittelmeer. Die Engländer werden in den letzten Jahren des -Krieges, im Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben; -die Gesamtflotte zählte etwa 35. - -$Im Jahre 1711$ kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im -Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Küste Italiens, weil -in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein größeres -Geschwader versuchte vergeblich, an der französischen Küste einen Convoi -(Cassard) abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona -zur Verfügung König Karls bereit, dessen Erwählung zum Kaiser nach -Josephs Tode (17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen, -sobald er es wünsche. Als im Hochsommer eine größere Verstärkung zur -Flotte stieß, ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den -schwereren, nach England und gab den Oberbefehl an =Admiral Jennings= ab. -Dieser brachte mit 24 Schiffen, (6 ließ er zum Schutz der Königin in -Barcelona zurück), im Herbst (27. September) den König nach Genua (am -Tage seiner Erwählung 12. Oktober dort), führte dann Truppen nach -Katalonien zurück und nahm endlich Winterlager in Port Mahon. - -Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und -Frankreich im Gange. Wie die Engländer jetzt im niederländischen Feldzuge -$des Jahres 1712$ ihre Verbündeten nicht mehr unterstützten, so hielten -sie sich auch im Mittelmeer zurück; nur noch einmal traten sie gemeinsam -mit den Holländern auf. Im April hörte Jennings, daß ein französisches -Geschwader aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port -Mahon in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam -jedoch infolge stürmischer Winde zu spät. =Cassard= kam mit 6 -Linienschiffen und 2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert -nach Westindien und brandschatzte hier holländische und englische -Kolonien. Die Flotte segelte dann noch vereint nach Vado, hier aber -trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte nach Port Mahon zurück, -die Holländer führten allein Truppen nach Spanien und bald darauf noch -einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen und gingen am -7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne Befehl der -Bitte der Königin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben. - -=Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende= -- England und Portugal -schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. -- und die -habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich -genötigt, mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu räumen und die treue -Provinz ihrem Schicksal zu überlassen. Philipp eroberte sie mit -französischer Hilfe; 1714 wurde Barcelona erstürmt. Auch die Balearen -unterwarfen sich 1715. - -Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine -$französische Expedition gegen Rio 1712$ hervorzuheben, weil sie mit -größeren Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschluß zwischen -Portugal und Frankreich von einem ähnlichen Einfluß war, wie die -Expedition de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pfälzischen -Erbschaftskrieges. - -Schon im Jahre 1710 hatte eine französische Freibeuterflottille den -Versuch gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu -schädigen. Kapitän =Duclerc= hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen -von Rio einzulaufen. Als dies durch die Forts verhindert war, landete er -1000 Mann und drang in die Stadt ein, dann erst gelang es dem -unentschlossenen Gouverneur, und auch nur durch Beistand der Einwohner, -ihn zu überwältigen. Die Franzosen wurden fast sämtlich hingemetzelt, -Duclerc und viele andere nach der Übergabe ermordet. Im Jahre 1711 gab -der schon berühmte Kapitän =Duguay-Trouin= die Anregung zu einem zweiten -Unternehmen. Da der Marineminister mit seinen Mitteln nicht genügend -Schiffe ausrüsten konnte, bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten -teilweise übernahm. Der König stellte Schiffe und Besatzungen, hatte -Anspruch auf ein Fünftel des Reingewinns, mußte aber den etwaigen Verlust -an Schiffen tragen; die Gesellschaft verpflichtete sich, für jeden -gestorbenen, gefallenen oder fahnenflüchtigen Soldaten eine Entschädigung -von 30 Franken zu zahlen. So erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu -74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von 20-26 Kanonen, 2 Mörserboote und 2000 Mann. -Obgleich der Plan in England wie in Portugal bekannt wurde, hatte die -Expedition vollen Erfolg: Rio wurde auf längere Zeit besetzt, eine -Kontribution von etwa 1300000 Mark erhoben und reiche Beute gemacht. Die -Gesellschaft gewann 92%; der Verdienst des Königs wird nur gering gewesen -sein, weil 2 Linienschiffe auf der Rückreise verschollen. - - Trouin[273] verließ am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11. - September vor Rio ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von - der bevorstehenden Abfahrt der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese - Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug weitergesandt, Ende August in - Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungenügende Gegenmaßregeln getroffen - worden; es gelang Trouin, während der Nacht in den Hafen einzulaufen, - die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier - Batterien zu bauen. Die Behörden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe, - die im Hafen lagen, setzten sich auf Strand und in Brand; die Truppen, - 12000-13000 Mann, hielten sich in den Befestigungen und ließen die - Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 Mann mit 24 - Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschießung der - Stadt so wirksam, daß die Bürger in Masse flohen und der Gouverneur - nach Anzündung der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt, - und benützte nicht einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die - Franzosen am 21. zu einer gründlichen Plünderung in der Stadt - zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung völliger - Zerstörung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10. - Oktober, obgleich er wußte, daß Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen - heranzogen; diese trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die - Franzosen nach erfolgter Zahlung der Kontribution und Einschiffung der - Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten Expedition wurden befreit; - einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den Versuch, auch - sie zu befreien, mußte Trouin widriger Winde an der Küste halber - aufgeben; das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar - 1713 traf er in Brest ein. - - [273] Bonfils, V. II, Seite 117. Genauer Bericht Trouins. - - Es berührt eigentümlich, daß England weder das Auslaufen noch die - Durchführung der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit, - sowohl einen gewissermaßen in Schutz genommenen schwachen Verbündeten - vor großem Schaden zu bewahren als auch dem gemeinsamen Feinde einen - empfindlichen Schlag zu versetzen. - -$Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702-1713$ war sehr bedeutend. Es -verlor - - =England= Schiffe: 80 K. 70 K. 60 K. 50 K. über 30 K. kleinere - In Gefechten 2 4 1 10 9 22 - Sonst verunglückt 2 8 4 7 2 10 - ---------------------------------------------------- - Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere - - =Frankreich= - In Gefechten 6 7 15 12 10 85 - Sonst gegen 50 Segel. - -Für Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden. - - Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden - entnommen sind, glaubt, daß diese auf Grund der neuesten Untersuchungen - ziemlich genau sind. Er gibt (am Schluß des Kapitels XXIV) von den - englischen Schiffen eine namentliche Liste mit Tag und Ort des - Verlustes. - - Troude führt für beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den - Linienschiffen (über 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und - 20 französischen; es ist möglich, daß er auf englischer Seite die - großen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, 1707 bei den - Scillys 4) und auf französischer Seite die durch Versenken in Toulon - unbrauchbar gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schätzen) nicht - eingerechnet hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11 - französische; es ist dies nur so zu erklären, daß er den kleinen Krieg - nicht berücksichtigt hat, namentlich nicht die königlichen Schiffe, die - als Freibeuter im Privatdienst standen. Für Holland zählt er 3 - Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe - besonders bei den kleineren. - - Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35 - Linienschiffen, einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren - Hunderten von Freibeutern; diese Angabe stimmt mithin annähernd mit - Clowes überein, unter den Freibeutern befanden sich ja viele - Kriegsschiffe. - -Da bekanntlich in den größeren Aktionen nur Frankreich bei Vigo, -Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten -verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf -noch zurück. - - - Der kleine Krieg und die Kolonien. - -$Der Krieg gegen den Seehandel$ spielte im Spanischen Erbfolgekriege eine -ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso -eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite 467 ff.). Wir -können an die früheren Betrachtungen anknüpfen und uns auf Angaben -beschränken, die den Umfang und damit den Einfluß des kleinen Krieges -1702-1713 beurteilen lassen. - -Vom Beginn der Feindseligkeiten förderte, dem Beispiel seines Vaters -folgend, der französische Marineminister =Jerôme de Pontchartrin= den -Krieg gegen den Handel mit allen Kräften. Auch er stellte der -=Freibeuterei= Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfügung; -wiederum durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dünkirchen und St. -Malo aus, einzeln oder in kleinen Verbänden den Kanal, den Eingang zu -diesem und die Nordsee. Jerôme stellte wie sein Vater kleine Divisionen -in den nördlichen Häfen für den =Kreuzerkrieg= auf; die »Escadre du Nord« -wurde wiederum ständig in Dünkirchen gebildet, andere Divisionen traten -meist in Brest oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbände der -königlichen Marine, in ihrer Stärke zwischen 3-14 Kriegsschiffen -schwankend, aus kleineren Linienschiffen (50-60 Kanonen) oder schweren -Fregatten (40-50 Kanonen) bestehend und bisweilen durch Freibeuter -verstärkt, griffen vornehmlich größere Convois von Handelsschiffen oder -von Transportern mit Kriegsmaterial für Spanien an. Solange Ostende in -französischem Besitz war (bis 1705), wurde hier eine Division von Galeren -(6) gehalten, geeignet, die holländische Küste zu beunruhigen oder in der -Schelde in den Landkrieg einzugreifen. - -$Frankreich$ bedrohte so den englischen und holländischen Handel sehr, -aber es ist wohl zu bemerken, daß sich dieser Angriff der Hauptsache nach -auf die erwähnten Gewässer, also nahe bei den eigenen Küsten, -beschränkte; im Mittelmeer konnte sich die französische Freibeuterei -überhaupt nur wenig regen, weil hier während des größten Teiles des -Jahres die Flotten der Verbündeten die See beherrschten. Gegen Ende des -Krieges ließ die Kraft dieser Kriegführung nach, es fehlten die Mittel. -Nach 1709 wurde wegen Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr -ausgerüstet; eine große Zahl der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe, -war weggefangen worden. Die kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen, -weil sie nicht durch Convois behindert waren, fast immer Erfolg gehabt -oder sich doch dank der Geschicklichkeit ihrer Führer und der -Segeleigenschaften ihrer Schiffe größeren Verlusten entziehen können. Die -Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu verzeichnen: sie fing in -Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes holländisches -Linienschiff. - -Auf seiten der Verbündeten ging naturgemäß das Hauptbestreben dahin, -ihren weit größeren Handel zu decken. $Holland$ stellte zu diesem Zweck -in jedem Jahre 2-3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum Schutz -der Nordsee gegen Dünkirchen, wie in allen früheren Kriegen; zum Geleiten -der großen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch die -Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30-40 zu 20-50 Kanonen) traten als -ständige Begleitung der Convois hinzu. - - Die Stärke dieser Geschwader war beträchtlich; sie zählten zusammen: - - 1702 = 15 Linienschiffe, 4 Fregatten - 1703 = 22 " 3 " - 1704 = 17 " 8 " - 1705 = 15 " 6 " - 1706 = 12 " 6 " und 4 Schiffe der ostindischen - 1707 = 17 " 6 " Kompagnie - 1708 = 17 " 6 " - 1709 = 16 " 7 " und 2 Schiffe der ostindischen - 1710 = 7 " 5 " Kompagnie - - Von 1706 an war das Geschwader gegen die Galeren nicht mehr nötig; 1710 - war nur das Geschwader für die Ostindienconvois in Dienst gestellt und - 1711-1712 wurden alle ausgerüsteten Schiffe zum unmittelbaren - Convoidienst herangezogen. - -Holland übernahm also in erster Linie den Handelsschutz östlich von -Dünkirchen; hier kamen nicht nur sein Ostseehandel und seine -Nordseefischerei in Betracht, sondern auch die transatlantische -Schiffahrt wählte während des Krieges den Weg um Schottland. Die Tabelle -zeigt, daß, als der französische Kreuzerkrieg um 1709 aufhörte, Holland, -selbst erschöpft, ebenfalls nachließ. Aber auch die Freibeuterei war von -Holland lebhaft betrieben und bald besonders gegen die feindlichen Kaper -gerichtet. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges setzte die -Regierung 1702 hohe Preise für das Aufbringen solcher aus; die eigenen -Kaper hielten sich sonst wegen des höheren Gewinns lieber an das -Wegfangen von Kauffahrern, und es war doch wichtiger, den eigenen Handel -zu schützen. Wie stets waren die Seeländer die Tätigsten als Freibeuter. - - Die Prämien wurden berechnet nach der Besatzungsstärke und Armierung - (Kopfzahl und Geschoßgewicht einer Chargierung) des genommenen Schiffes - und waren höher für die in der Nordsee gemachten Prisen. Ein Schiff von - 220 Mann und 40 Kanonen brachte in der Nordsee 42900 Gulden, in andern - Gewässern zwei Drittel dieser Summe. - - In Seeland bildeten sich wieder Gesellschaften, die Freibeuter - ausrüsteten. Schon 1703 liefen von Middelburg und Vlissingen 47 - Fahrzeuge (10-40 Kanonen) aus; 25 Kauffahrer, doppelt bemannt, durften - neben dem Handel auch Kaperei treiben; viele Schiffe wurden eigens zu - diesem Zwecke neu erbaut. Die Seeländer waren nach ihrer Gewohnheit - nicht sehr wählerisch und nahmen auch Schiffe neutraler oder - verbündeter Völker; die Generalstaaten verweigerten deshalb die Ausgabe - weiterer Kaperbriefe, aber die Provinz setzte es doch durch, indem sie - behauptete, die fraglichen Schiffe hätten unter dem Schutz ihrer Flagge - mit Frankreich Handel getrieben. 1706 stellten Middelburg und - Vlissingen 74 Segel (die größere Zahl mit über 26 Kanonen und hinauf - bis zu 52) mit insgesamt 1760 Kanonen und 11750 Mann, diese Schiffe - schwärmten bis in die fernsten Meere, besonders aber in der Nordsee. - Auch in den anderen Provinzen rüsteten die Städte, sogar einzelne - Dorfgemeinden, Fahrzeuge aus; bei dem stockenden Handel wurde die - Freibeuterei eine Erwerbsquelle für die seemännische Bevölkerung. - -Nach 1708 nahm die Jagd auf feindliche Kaper ab, weil diese seltener -wurden und weil die für die Prämien ausgesetzten Mittel erschöpft waren; -auch stieg jetzt der eigene Handel wieder; seine Stockung in den ersten -Jahren hatte viele Schiffe und Seeleute in den Dienst der Freibeuterei -getrieben. - -$England$ beteiligte sich an der Bewachung Dünkirchens und an der -Sicherung der Nordsee, hat aber wohl in erster Linie den Schutz des -Kanals und die Blockierung der französischen Küste durch eine größere -Flotte, teils vereinigt, teils in Geschwader geteilt, übernommen; auch -hier wurden natürlich die Convois durch Kriegsschiffe, hinauf bis zu -selbst schwereren Linienschiffen, begleitet sowie einzelne Kreuzer -entsandt. Englischen Geschwadern glückte es, größere französische Convois -abzufangen, da diese ja in ihren Bereich kommen mußten. - - Über die Stärke der englischen Seestreitkräfte in den nördlichen - Gewässern liegen genaue Angaben nicht vor. Nach den Abmachungen über - das Verhältnis der Rüstungen zur See müssen sie weit bedeutender als - die holländischen gewesen sein. England beklagte sich später, und - selbst nach holländischen Quellen nicht ganz ohne Berechtigung, daß - Holland seiner Pflicht nicht nachgekommen sei; da dieses aber bei der - Hauptflotte im Mittelmeer annähernd geschehen ist, muß der Unterschied - in den heimischen Gewässern gelegen haben. - -Nach allen Angaben muß man annehmen, daß England im Gegensatz zu Holland -den kleinen Krieg gerade in den letzten Jahren, als die Flotte im -Mittelmeer vermindert werden konnte, mit immer wachsender Tatkraft -durchgeführt hat. - -Einen Begriff von dem Umfang des kleinen Krieges geben =die ungeheuren -Verluste auf beiden Seiten=: England hat gegen 50, Frankreich gegen 100 -Kriegsschiffe sowie zahlreiche Kaper in Gefechten[274] verloren. Über -Holland fehlen nähere Angaben. - - [274] In Hinsicht auf Beispiele für die zahlreichen Gefechte zwischen - Einzelschiffen und Verbänden im kleinen Kriege verweise ich auf - die Spezialgeschichten der einzelnen Marinen, z. B. Clowes, Teil - II, Kapitel »minor operations«; Troude, Teil I; Bonfils, Teil II; - de Jonge, Teil III und IV. Hier sollen nur (Seite 561) die Taten - der berühmtesten französischen Freibeuterführer erwähnt werden. - - Nach den früher gemachten Angaben (Seite 557) kann man mit einiger - Sicherheit annehmen, daß England 17 Linienschiffe im kleinen Kriege - verloren hat. Der Verlust der dort angeführten 7 schwereren (über 60 - Kanonen) ist durch die Schilderungen größerer Gefechte im Kreuzerkriege - festgestellt worden; die 10 50-Kanonenschiffe und die 31 Fregatten usw. - werden auch zum größten Teile als Convoischiffe und als Kreuzer - gefallen sein -- wir hörten ja von keinen bemerkenswerten Verlusten bei - der Hauptflotte. Einige der als verunglückt angeführten Schiffe sind - gleichfalls wohl Opfer des seemännisch gefährlichen Blockadedienstes - geworden. - - Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt. - Rechnen wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so - bleiben 5 für den Kreuzerkrieg; diese werden im Privatdienst gestanden - haben, denn in den Gefechten ihrer Kreuzerdivisionen sind keine - Verluste erwähnt, oder es sind die 5, von deren Verlust bei Malaga - einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angeführten 95 - kleineren Kriegsschiffe und »mehrere hundert« Kaper. - - Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100 - französischen Kriegsschiffen während des ganzen kleinen Krieges stimmt - gut überein mit den Angaben eines Kommissionsberichtes im Hause der - Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte England 1702-1707 80 - französische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und selber 30 - Kriegsschiffe verloren. - -Wenden wir uns schließlich zu den =Erfolgen des kleinen Krieges=. Angaben -über die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer sind nicht vorhanden, -einen Anhalt gibt der ebenerwähnte Kommissionsbericht im Hause der -Lords. Nach diesem hatten die Engländer in den ersten fünf Kriegsjahren -1300-1400 französische Kauffahrer genommen und 1100-1200 verloren, von -denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war in den Jahren, in denen der -französische Kreuzerkrieg blühte, und trotzdem war der Verlust der -Franzosen größer; zieht man aber in Berechnung, daß der englische Handel -ungemein überlegen war, so stellt sich der relative Verlust auf -französischer Seite noch ganz anders dar. Ähnlich wird das Verhältnis -Holland gegenüber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung geführte -Kreuzerkrieg der Franzosen -- unter besonders fähigen und tätigen -Geschwaderführern sowie Kaperkapitänen mit tüchtigstem Personal -- konnte -nicht hindern, daß der eigene Seehandel, nach französischen Angaben, -schlechter geschützt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und -daß der der Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward -Frankreichs Geldnot während des Krieges immer größer und sein Kredit -fiel. Es muß dies großenteils dem Abgeschnittensein von der See -zugeschrieben werden, denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde -betreten und seine Industrie hatte nicht unter unmittelbaren -Feindseligkeiten zu leiden; England und Holland waren dagegen imstande, -die eigenen Kriegskosten und die ihrer Verbündeten zu tragen. Das -Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich auch schwere -unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den Jahren der -Mißernte 1709-1712. - - Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr - kräftig geführt wurde, erhielten die englischen und holländischen - Geschwader hier den Befehl, jegliche Kornzufuhr aus der Ostsee nach - Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu diesem Zweck jedes - Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern - Bestimmungshäfen wurde eine Entschädigung für den Zeitverlust - zugestanden. - - Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist - das Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, daß noch 1710 - gegen 40 Freibeuter Dünkirchen verließen und eine Beute von 700 000 - Francs machten. - -So liefert auch dieser Krieg einen Beweis für die Behauptungen (vgl. -Seite 305 und 471), daß ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte -stützt, nicht dauernd durchgeführt werden kann und daß eine solche -Kriegführung allein nicht imstande ist, einen seemächtigen Gegner -niederzuwerfen. - - $Haupttaten berühmter französischer Freibeuter-Führer.$[275] Kapitän - =Saint Pol=, Chef des Dünkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters - Jean Barts Tode, nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten - mehrere Schiffe eines englischen Convois und von den 3 Schiffen der - Bedeckung 2, darunter das führende Linienschiff. Im August vernichtete - er mit einem Linienschiff, dem kürzlich eroberten, und 3 Fregatten in - der Nordsee von 4 holländischen Kriegsschiffen 3, verlor selber nur 1 - und zerstörte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht - der Orkaden geflüchtet hatten; dann nahm er 3 holländische Fregatten, - die zum Schutz einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704 - brachte er einige holländische Kauffahrer in der Nordsee auf und später - mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen Convoi von 11 - Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung - fiel er. - - [275] Quelle: Chabaud-Arnault, die nach Vergleich mit anderen Quellen - nur wenig gefärbt erscheint. Gefechte teilweise genauer - beschrieben in Bonfils, Teil II, sehr schwülstig. - - Kapitän =de Forbin=, gleichfalls ein Schüler Jean Barts, folgte im - Kommando. Nachdem er dem Handel der Gegner schon großen Schaden in der - Nordsee zugefügt hatte, schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von - 20-54 Kanonen, 6 Holländer von 46 bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im - Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von 72 Kanonen und gegen 20 - Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als seine letzte - Tat ist uns die Überführung Jakobs III. schon bekannt (Seite 552). - - Fregattenkapitän =Duguay-Trouin= nahm von Brest aus in den Jahren - 1702-1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2 - Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine große Zahl - von Kauffahrern; einmal schlug er den Angriff eines portugiesischen - Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte er als - Linienschiffskapitän die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis 74 - Kanonen) und 2 Fregatten (40-44 Kanonen). Im Oktober trat er unter - Forbins Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden - (zusammen etwa 700 Kanonen), um einen großen englischen Transport mit - Truppen und Material für Spanien anzugreifen. Am 21. trafen sie bei - Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von 5 Linienschiffen (340 - Kanonen). Forbin zögerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie bilden - wollte, und die Engländer mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die - erbetene Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern - fest, bis auch Forbin herankam. Vier der englischen Schiffe wurden - aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter fielen den Siegern in die - Hände. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von 80 Kanonen und - im nächsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach Rio ist - uns bekannt (Seite 556). - - Chef d'Escadre =du Casse= führte 1701, 1702, 1708, 1711 mit großem - Geschick die spanische Silberflotte nach Europa und leistete damit - Spanien und Frankreich ungemein wichtige Dienste. Ihm war fast - fortlaufend der Schutz der Kolonien und des Handels in Westindien - anvertraut. - - Kapitän =Cassard= führte, wie schon erwähnt, in den Jahren 1709-1711 - drei große Getreidezufuhren nach Toulon; zweimal schlug er dabei - überlegene Kräfte ab. 1712 lief er, wie auch schon angedeutet, mit 6 - Linienschiffen und 2 Fregatten von Toulon aus; er brandschatzte eine - der Kapverden (St. Jago) sowie verschiedene westindische Besitzungen - Englands und Hollands. - -$Die Zusammenstöße in den Kolonien$[276] beschränkten sich auch im -Spanischen Erbfolgekriege auf Handelsstörung und Brandschatzung der -Ansiedlungen. Die Verbündeten würden wohl mehr unternommen haben, wenn -sie nicht von 1703 ab mit ihrer Hauptkraft an den spanischen Landkrieg -gebunden gewesen wären (vergl. Seite 490). Wie im vorigen Kriege trat -vorzugsweise England jenseits des Ozeans offensiv auf, Holland entsandte -keine nennenswerten Streitkräfte; Frankreich übernahm auch für das -schwache Spanien den Schutz des Handels und der Kolonien. Die -Hauptereignisse, für die nur Westindien und Nordamerika in Betracht -kommen, seien kurz angeführt. - - [276] Die Hauptereignisse genauer in Colomb, Kapitel XIII und XIV; - Clowes, Teil II, »minor operations«; Bonfils, Teil II. - -Bei Beginn des Krieges hatte es den Anschein, als ob =Westindien= ein -Schauplatz von größerer Bedeutung werden solle. Wir hörten (Seite 508), -daß Frankreich schon 1701 eine schwache Division (Coëtlogon) entsandte, -um Truppen hinüberzubringen und die Galeonen abzuholen, England ein -stärkeres Geschwader (Benbow; 10 Linienschiffe), um mit Ausbruch des -Krieges sofort die Silberflotte und Cartagena anzugreifen, und daß nun -wieder Frankreich 10 Schiffe (Château-Renault) hinterher schickte; Benbow -erhielt im Mai 1702 noch eine Verstärkung unter Admiral Whetstone. Bei -Ausbruch des Krieges waren mithin ziemlich starke Streitkräfte beider -Parteien in Westindien. - -=Benbow= hielt sich vor Beginn des Krieges schlagfertig bei Jamaica, -möglichst unterrichtet über die Stärke der Franzosen sowie ihrer und der -Silberflotte Bewegungen; er mußte aber auch den Schutz der Kolonien im -Auge behalten, weil der Gegner überlegen war. Coëtlogon verließ -bekanntlich schon im Winter und Château-Renault im Frühjahr 1702 mit den -Galeonen (in Vigo dann vernichtet) unbehindert Westindien. Benbows -Vorsicht war berechtigt gewesen. Renault hat die Absicht gehabt, die -Antillen anzugreifen, erhielt aber den Befehl, die Silberflotte zu -begleiten. Whetstone hat wahrscheinlich an Benbow den Auftrag überbracht, -die Feindseligkeiten zu eröffnen, jedenfalls die Nachricht, daß ein neues -französisches Geschwader nahe; es war =du Casse= mit 4 Linienschiffen und -8 Transportern, eine Truppensendung für spanische Kolonien. Benbow sandte -nun einige leichtere Schiffe in die kubanischen Gewässer zum Kreuzen -gegen Kauffahrer, stationierte Whetstone mit 6 Linienschiffen an die -Südküste Haitis, um du Casse abzufangen, und ging selber mit 7 -Linienschiffen zu gleichem Zweck einige Tage später (21. Juli von -Jamaica) an die Westküste dieser Insel. Hier hörte er, daß du Casse nach -Cartagena bestimmt sei, folgte und traf ihn am 29. August bei St. Marta -(östlich von der Mündung des Magdalenenstromes). Du Casse bildete die -Gefechtslinie zwischen seinem Transport und dem überlegenen Gegner und -schlug den Angriff in einem mehrtägigen Gefechte glänzend ab. Das Gefecht -ist bemerkenswert: Die Franzosen sehen in ihm einen weiteren Beweis -(neben den vielen Erfolgen im Kreuzerkriege) dafür, daß sie in allen -Aktionen zwischen Einzelschiffen oder Divisionen den Sieg davon getragen -hätten; die Engländer bezeichnen dieses Ereignis als eins der -peinlichsten ihrer Marinegeschichte. - - $Das Gefecht zwischen Benbow und du Casse vor Cartagena.$ Schiffe mit - Angabe der Kanonenanzahl und Gefechtsordnung: - - Defiance 64 Heureux 68 (du Casse) - Pendennis 48 Agréable 50 - Windsor 60 Phénix 60 - Breda 70 (Benbow) Apollon 50 - Greenwich 54 Prince de Frise 30 - Ruby 48 1 Brander - Falmouth 48 3 kleine Fahrzeuge. - - Du Casse lag unter Marssegeln nach Westen, den Angriff erwartend, - Benbow stand zu Luward. Schon das Bilden der Gefechtslinie machte - diesem Schwierigkeit, da »Defiance« und »Windsor« dem Signale nicht - folgten und der Befehl durch Boote wiederholt werden mußte. Gegen Abend - greift Benbow an, aber nach dem Wechseln einiger Breitseiten verlassen - die genannten Schiffe mittels Anluvens die Linie und das Gefecht wird - abgebrochen. Nachts nimmt Benbow die Spitze und diese Schiffe als - unmittelbare Hinterleute, bei Tagesanbruch ist jedoch nur »Ruby« bei - ihm, die übrigen sind und bleiben den Tag über (30. August) weit - zurück; trotzdem hält sich Benbow am Feinde, die Bug- und Heckgeschütze - der Gegner feuern. Am 31. vormittags kommen »Breda« und »Ruby« zum - Nahgefecht; »Ruby« wird in der Takelage so beschädigt, daß der Admiral - beidrehen und sie mit Booten aus dem Gefecht tauen muß. »Defiance« und - »Windsor« waren zwar auch in Schußweite, feuerten aber nicht. Auch am - Nachmittage fällt die ganze Last auf »Breda«, die übrigen Schiffe - schießen nur gelegentlich. Tag und Nacht weht das Signal - »Gefechtslinie«, trotzdem ist am 1. September außer »Ruby« kein Schiff - auf Position, »Greenwich« sogar 9 Seemeilen achteraus. Infolge einer - Windänderung haben die Franzosen nachmittags die Luvstellung, aber - Benbow greift doch ihr Schlußschiff an; »Prince de Frise« muß schwer - beschädigt während der Nacht aus dem Geschwaderverbande entlassen - werden. Am 2. steht Benbow wieder zu Luward; er kommt wegen zu flauen - Windes nicht an den Feind, nimmt aber eins der kleinen Fahrzeuge. Am 3. - greifen »Breda« und »Falmouth« den »Apollon« an; dem Admiral wird ein - Bein zerschmettert, doch bleibt er in einer Hängematte an Deck. - »Apollon« wird kampfunfähig, und von beiden Seiten kommen sämtliche - Schiffe heran. Aber während die Engländer nur einmal in Lee passieren, - und eine Breitseite abgeben, decken die Franzosen ihren Kameraden und - tauen ihn in Sicherheit, nachdem sie »Breda« zum Abstehen gezwungen - haben. Als nun Benbow seine Kommandanten an Bord gerufen hat, dringt - der Kapitän der »Defiance«, von den andern unterstützt, auf Abbruch des - Kampfes; der Admiral mußte nach Jamaica zurückgehen, wo er seiner Wunde - erlag. Du Casse schrieb ihm vor der Trennung: »Gestern morgen glaubte - ich, in Ihrer Kajüte zu Abend essen zu müssen. Ihre Kommandanten, diese - Feiglinge, hängen Sie auf. Sie haben es, bei Gott, verdient.« Die - Kapitäne der »Defiance« und »Greenwich« wurden auch erschossen, zwei - starben während der Untersuchung, die der »Windsor« und »Falmouth« - wurden begnadigt; nur der der »Ruby« war nicht angeklagt worden. - -Du Casse brachte seine Truppen nach Cartagena und führte dann einige -Galeonen nach Europa, obgleich er bei Ouessant nochmals (März 1703) auf -eine englische Division stieß. - -In den Jahren 1702/03 fanden einzelne gegenseitige Überfälle statt. Die -Franzosen versuchten 1702, mit einigen Freibeutern, wahrscheinlich in -Sold genommenen Flibustiern, von Haiti aus in Jamaica einzufallen; die -Expedition wurde durch Whetstone, der beim Kreuzen gegen Kauffahrer -zufällig auf sie stieß, vernichtet. Als eine englische Verstärkung auf -der Station eintraf, die von dem Mittelmeer abgezweigten 6 Linienschiffe -und 12 Transporter mit Truppen unter Walker (vgl. Seite 515), griff man -Guadeloupe an. Es gelang, die Besatzung in die Berge zu vertreiben, die -Stadt Basseterre mit ihren Befestigungen zu zerstören und die Insel zu -plündern. Die Truppen litten aber sehr in dem Kampfe und auch durch -Krankheit und wurden wieder eingeschifft, als eine Verstärkung von -Martinique anlangte. Zwischen den englischen Land- und Seeoffizieren soll -Uneinigkeit geherrscht haben; dies mag zutreffen, denn weshalb haben -sonst die Schiffe den Nachschub nicht gehindert, da sich nennenswerte -französische Seestreitkräfte nicht in den Gewässern befanden? - -Bald darauf wurden auch die englischen Kräfte in Westindien vermindert, -und bis 1705 unternahm keine Partei etwas gegen Ansiedlungen. In diesem -Jahre brandschatzten die Franzosen von Haiti aus St. Kitts und Nevis; ein -größeres englisches Geschwader erschien und versuchte vergeblich, durch -eine Demonstration Cartagena für die Sache Karls III. zu gewinnen. In den -Jahren 1706/07 scheint der englische Handel sehr gelitten zu haben, denn -der Chef der Station wurde auf Drängen des Unterhauses abberufen und -nicht wieder verwendet. Von 1708 an haben die Engländer die -westindischen Gewässer im allgemeinen beherrscht. Sie konnten aber doch -nicht hindern, daß du Casse zweimal (1708 und 1710) die Galeonen abholte -(1708 fielen einige dem Admiral Walker in die Hände), daß 1711 von -Martinique aus Montserrat und 1712 durch Cassard, auf seinem -Freibeuterzuge, wiederum Montserrat, St. Kitts und das holländische -Surinam geplündert wurden. Die Überlieferungen über die Verhältnisse in -Westindien während dieser Jahre, auch über die Stärke der Seestreitkräfte -dort, werden selbst in englischen Quellen als ungenügend und -unzuverlässig bezeichnet. - -=In Nordamerika= wurde der Krieg fast nur mit Milizen und Fahrzeugen der -Kolonien ausgefochten; reguläre Truppen und Seestreitkräfte waren auf -beiden Seiten schwach vertreten, erstere auf englischer Seite bis 1710 -gar nicht. Die englischen Niederlassungen waren zwar weit stärker -bevölkert, aber die Franzosen verwandten mit Erfolg große Indianerhorden, -die schreckliche Verwüstungszüge unternahmen. 1704 und 1707 versuchten -die Engländer von Boston aus über See mit Schiffen der Kolonie, Port -Royal (jetzt Anapolis) in Akadia (Neu Schottland) zu nehmen, die -Franzosen schlugen alle Angriffe ab, ja sie bemächtigten sich nach und -nach fast des ganzen Neufundlands und vernichteten durch Flibustier -nahezu Handel und Fischerei des Gegners. Lange baten die erschöpften -englischen Kolonien ihr Mutterland vergeblich, genügend Schiffe zu -senden, um sich durch einen kräftigen Vorstoß gegen Kanada und Akadia -Luft zu verschaffen. Endlich erschien im Juli 1710 ein Geschwader unter -Kapitän Martin und mit seiner Hilfe wurde im Herbst Port Royal genommen, -doch blieb Akadia sonst in französischem Besitz. Als dann 1711 =Admiral -Walker= mit 11 Linienschiffen, 4 kleineren Fahrzeugen, 30 Transportern -und 5300 Soldaten in Boston ankam, hoffte man auf einen endgültigen -großen Erfolg: Man wollte =Quebec= durch die englische Macht von See her -und durch 4500 Mann vom Lande aus angreifen. Das Unternehmen unterblieb -aber, weil das Vorgehen der Flotte kläglich scheiterte. - - Walker verließ Anfang August Boston. Seine zwei 80-Kanonenschiffe legte - er vor den Eingang zum St. Lorenz-Golf, weil er sie für zu tiefgehend - hielt und weil man von der bevorstehenden Ankunft zweier französischer - Kriegsschiffe gehört hatte. Die Flotte segelte in den Golf ein, war - aber am Abend des 31. August auf der Höhe der Insel Anticosti - gezwungen, wegen Nebels bei starkem Ostwinde beizudrehen; der Admiral - ging zu Bett, obgleich die Lotsen schon Beweise ihrer mangelhaften - Kenntnisse gegeben hatten. Um 10 Uhr abends glaubte man, über - Steuerbord-Bug liegend, Land voraus zu haben, und wendete. Ein - Landoffizier sah jetzt Brandung voraus; er drang, als man seiner - Wahrnehmung nicht traute, in die Kajüte und holte den Admiral (even in - his dressing gown and slippers) an Deck. Tatsächlich hatte man Land - dicht voraus und nur durch großes seemännisches Geschick entzogen sich - die Schiffe der gefährlichen Lage, aber doch gingen 8 Transporter mit - zwei Drittel ihrer Mannschaften (gegen 900 Mann) verloren. Der Unfall - wirkte so niederdrückend, daß nicht nur der Angriff auf Quebec, sondern - auch ein nach diesem geplanter auf Placentia (Neufundland) aufgegeben - wurde. Allerdings war die Flotte auch nur noch mit Proviant auf einige - Wochen versehen; sie ging nach England zurück. - -Trotzdem wurden im Frieden von Utrecht Neufundland und Akadia von -Frankreich an England abgetreten. - -=In anderen Kolonien= waren nur der Zug Trouins gegen Rio und der -Cassards gegen die Capverden von Bedeutung. - -$Schlußbetrachtungen.$ In Hinsicht auf =die Streitmittel= sind nur zwei -Punkte noch einmal zu berühren. Colomb führt in seinen Betrachtungen »The -conditions under which attacks on territory from the sea succeed or fail« -die Ereignisse dieses Krieges als Beispiele der Notwendigkeit einer -unbedingten augenblicklichen Seeherrschaft für derartige Angriffe an, er -weist gleichfalls auf die Wichtigkeit einer dauernden für erfolgreichen -Schutz des Handels hin. Den Grund, daß im Spanischen Erbfolgekriege die -zur See stärkere Partei in beiden Hinsichten ihren Zweck nicht völlig -erreicht habe, sieht er darin, daß strikte Blockaden nie durchgeführt, -nicht einmal versucht sind; er sagt: »The practice, perhaps even the -idea, of barring the enemy in his ports, and so preserving a free sea in -rear, is not yet developed.« Dies ist wohl richtig; man dachte noch nicht -daran und war auch nicht imstande dazu. Wie zu Lande, so wurde auch zur -See der Krieg im Winter abgebrochen; es kam hinzu, daß man den Schiffen -noch nicht genügend traute, und es handelte sich ja auch um stürmische -Gewässer: Kanal, Biscaya, Golf von Lyon; aus dem Mittelmeer zog man sogar -die Schiffe so früh zurück, daß sie vor Einsetzen der schlechten -Jahreszeit in den Kanal einlaufen konnten. So wurde also im Winter die -Behauptung der See aufgegeben. Aber auch im Sommer war man häufig dazu -genötigt, sehr oft wurden Operationen (auf seiten beider Gegner) infolge -schlechter oder ungenügender Ausrüstung der Schiffe, oder Krankheit an -Bord, abgebrochen. Bei den auswärtigen Gewässern, Mittelmeer, Westindien -und Nordamerika, machte sich in dieser Hinsicht der Mangel an -Stützpunkten fühlbar; den Verbündeten standen zwar die portugiesischen -Häfen sowie später Gibraltar zur Verfügung, aber diese Plätze lagen zu -entfernt vom Wirkungsfelde der Flotte und es fehlte ihnen an -leistungsfähigen Werften usw.; sie waren deshalb nicht einmal zum -Überwintern größerer Flotten geeignet. Unter solchen Umständen waren -scharfe Blockaden ausgeschlossen. - - Es ist jetzt schwer zu beurteilen, inwieweit die Besorgnis vor - ungenügender Seefähigkeit der Schiffe berechtigt war oder nur alter - Anschauung entsprang, und inwieweit die sonstigen Mängel des Materials - in den allgemeinen Verhältnissen jener Zeit lagen oder Schuld der - Verwaltungen waren. Klagen in Quellen über alle drei Marinen lassen - mehr auf schlechte Verwaltung schließen; in Frankreich und Holland - gingen die Marinen abwärts, aber auch in England war nicht alles, wie - es sein sollte. - -Ein zweiter bemerkenswerter Punkt ist =das Verhältnis der englischen und -holländischen Marine zueinander=. Schon im vorigen Kriege klagten die -holländischen Seeoffiziere über das hochmütige und rücksichtslose -Auftreten der englischen, selbst in dienstlichen Angelegenheiten. Diese -Klagen nahmen nach dem Tode Wilhelms III. noch zu: Im Kriegsrat würde -nichts auf ihre Ansicht gegeben (Almonde 1703), von wichtigen Vorhaben -würde ihnen keine Mitteilung gemacht u. dgl.; sehr zum Nachteil der -allgemeinen Sache. Dies ist wieder ein Faktor der Schwäche von -Bündnissen, von der wir früher (Seite 356) gesprochen haben. Der Grund -lag darin, daß England die holländische Marine nicht mehr als -gleichwertig ansah. Damit kommen wir auf die von England erhobene Klage, -Holland habe seine Verpflichtungen nicht erfüllt, es habe es in den -ersten sieben Jahren an der Hälfte, später sogar an zwei Dritteln der -zugesicherten Schiffe fehlen lassen. Mit diesem Umstand begründete -England bei den Friedensverhandlungen seinen Anspruch auf Einheimsung -fast aller maritimen Vorteile. Diese Klage scheint bislang überall, außer -wohl in Holland, als berechtigt angenommen zu sein, wenigstens wird nicht -näher auf eine Prüfung eingegangen. Unparteiisch betrachtet, glaube ich, -stellt sich die Sache so, daß Holland allerdings hinter den Abmachungen -zurückgeblieben ist, jedoch nicht in dem von England behaupteten Umfange. - - Im Februar 1712 klagte das Haus der Gemeinen in einer Adresse an den - Thron: »Während des ganzen Krieges mußten jährlich große Flotten - ausgerüstet werden, um die Herrschaft im Mittelmeer aufrecht zu - erhalten und um jeder Streitmacht, die der Gegner in den nördlichen - Gewässern aufzustellen beabsichtigte, entgegentreten zu können. Holland - ist stets im Rückstande geblieben, so daß Ew. Majestät genötigt waren, - diesen Ausfall zu decken; unsere Schiffe mußten zum großen Schaden des - Materials zu ungünstigen Jahreszeiten in entfernten Gewässern - verweilen. Dies führte ferner zur Beschränkung des Convoischutzes; es - war nicht möglich, dem Feinde den Verkehr mit Westindien zu - unterbinden, von wo ihm die starke Zufuhr an Silber ermöglicht wurde, - ohne die er die Lasten des Krieges nicht hätte tragen können.« Der - Eingabe war eine Tabelle über die von Holland »zu stellenden« und - »gestellten« Schiffe beigefügt. Die Generalstaaten erhoben hiergegen - Widerspruch und führten ganz andere Zahlen auf. Stellen wir nun die - Angaben gegenüber; es handelt sich nur um Linienschiffe. - - Englische Angaben Holländ. Angabe Nach de Jonge - --------------+----------- - Es waren zu Es sind Es sind gestellt waren im Dienst - stellen gestellt - 1702 44 33 55 35 - 1703 47 22 50 34 - 1704 44 18 56 35 - 1705 47 20 56 35 - 1706 46 15 54 30 - 1707 43 27 49 32 - 1708 43 25 53 31 - 1709 42 11 50 30 - 1710 37 13 43 21 - 1711 35 12 40 13[277] - - [277] und viele Linienschiffe zur Begleitung von Convois. - - Die Generalstaaten behaupteten nun, die Zahlen in Reihe 1 seien zu - hoch; sie seien berechnet nach dem Verhältnis einer gemeinsamen Rüstung - wie 3: 5, während 1703 vereinbart sei, daß für jedes Jahr die Anzahl - festgestellt werden solle, und diese Zahlen habe man erfüllt. Die - Zahlen in Reihe 2 seien zu niedrig gegriffen, man habe die in den - nördlichen Gewässern befindlichen holländischen Schiffe nicht - mitgerechnet. - - Nun würde aber noch der große Unterschied zwischen der Angabe der - holländischen Admiralitäten (Reihe 3) und de Jonges (Reihe 4) zu - ergründen sein. De Jonge erklärt ihn damit, daß die Admiralitäten die - großen Convoijer (über 40 Kanonen) eingerechnet und allerdings auch - damit, daß sie Schiffe mitgezählt hätten, deren Indienststellung - beschlossen, aber wegen Geldmangels nicht ausgeführt sei. Vielleicht - liegt ein Unterschied auch darin, daß de Jonge (und ebenso England) die - Schiffe unter 50 Kanonen nicht als Linienschiffe berechnet hat, während - die Admiralitäten alle über 40 Kanonen als solche zählten. De Jonge - erkennt die Berechtigung der englischen Klage nur insoweit an, als sie - die Beteiligung Hollands an der Mittelmeerflotte anging; hier hätten - stets einige Schiffe gefehlt. Es ist zweifelhaft, ob man die großen - Convoijers mitzählen durfte, doch sollte man glauben, daß England in - Hinsicht auf seine Leistungen, und somit auf Berechnung des - Verhältnisses, sich gleichfalls die Linienschiffe angerechnet hat, die - im Convoidienst verwendet wurden. - - Die Zahlen der Reihe 1 sind von England als im Verhältnis 3: 5 der - englischen Indienststellungen berechnet und als solche von Holland - nicht angefochten worden. Man kann aus ihnen mithin schließen, daß - England durchschnittlich 70-80 Linienschiffe jährlich im Dienst hatte, - wie wir es bei Besprechung der Streitmittel (Seite 505) angenommen - haben. - -In Hinsicht auf die =Entwicklung der Taktik= ist nur noch einmal -hervorzuheben, daß die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges, -als die erste einer Zeit gilt, in der mehr Wert auf Aufrechterhaltung der -Gesamtformation in Linie als auf taktische Manöver gelegt wird. Zur Zeit -Tourvilles war eine Taktik ausgebildet und wurde angewandt, jetzt wird -sie besonders von den Engländern nur schematisch durchgeführt.[278] - - [278] Vgl. die Auslassungen über Taktik vor Schilderung der Schlacht - von Malaga (Seite 531/532), ferner Seite 474 sowie in der - »Einführung in den Abschnitt« (Seite 184). - -$Über die Strategie$ in diesem Kriege; die Aufgaben der Seestreitkräfte, -und wie sie diese lösten. Wenn wir auch bei der Schilderung der -Ereignisse schon näher auf diese Punkte eingegangen sind als bei den -früheren Kriegen, so ist es doch wünschenswert, durch einen Überblick -nochmals zu zeigen, welchen Einfluß die Kriegführung zur See gehabt hat -oder hätte haben können; gerade dieser Krieg ist lehrreich. - - Ein neuerer englischer Autor[279] sagt: »Für die höhere Seestrategie - ist kein Krieg lehrreicher als der Spanische Erbfolgekrieg; in vielen - Hinsichten gleichen die damaligen Verhältnisse den jetzigen. Der Krieg - wurde geführt gegen das gefahrdrohende Übergewicht eines ehrgeizigen - und mächtigen Militärstaates, es war ferner ein Krieg für die Freiheit - des Handels und England verfügte durch seine Marine über ein - Kampfmittel, das kein Festlandsstaat in gleicher Stärke besaß. Ludwig - XIV. war durch die Wiederherstellung seines Heeres nach dem letzten - Kriege so in Anspruch genommen, daß er seine Marine vernachlässigen - mußte, während sich anderseits in England die Abneigung gegen ein - stehendes Heer, die die Landmacht Wilhelms III. schwächte, nicht auf - die Marine erstreckte; diese blieb in ihrer bisherigen Kraft erhalten.« - - [279] Corbett, Teil II, Seite 200; hier frei übersetzt wiedergegeben. - -$Frankreichs Kriegführung.$ Wie im Jahre 1688, so standen auch 1702 die -beiden Seemächte verbündet Frankreich gegenüber, weit überlegen, weil sie -etwa 200 Schiffe und Frankreich nur 135 über 40 Kanonen besaßen. Die -Aufgabe der französischen Marine war aber größer als im vorigen Kriege, -sie hatte neben dem Schutz der eigenen Küsten und Kolonien, sowie des -eigenen Handels auch die Interessen Spaniens hierin wahrzunehmen, dessen -Marine gar nicht in Betracht kam. - -Im vorigen Kriege hatte Frankreich, vertrauend auf die Leistungsfähigkeit -der eigenen Flotte sowie auf eine für sich günstige Lage der Verhältnisse -in England, den Versuch gemacht, um die Seeherrschaft in großem Sinne zu -kämpfen; er war fehlgeschlagen. Jetzt war ein solcher Kampf in den -nördlichen Gewässern, in unmittelbarer Nähe der feindlichen Länder, mit -unterlegenen Streitkräften, die außerdem an innerem Wert verloren hatten -und in zwei weitgetrennte Kontingente geteilt waren, völlig aussichtslos. -Es war mithin richtig, daß Frankreich sich im Norden auf den Küstenschutz -und den kleinen Krieg beschränkte und sich die Aufgabe stellte, gestützt -auf Spanien das Mittelmeer zu halten. Dieses Meer mußte der -Hauptkriegsschauplatz zur See werden. Wir wissen, daß in den -Verwicklungen, die zum Kriege führten, für die Seemächte die Frage eine -Hauptrolle spielte, ob die Stellung des Hauses Habsburg oder Bourbon hier -an Kraft gewinne, und daß sie die italienischen Provinzen des spanischen -Erbes für Habsburg erobern wollten. Im Mittelmeer konnte also die Flotte -der Verbündeten mit mehr Aussicht auf Erfolg in den Landkrieg eingreifen -als im Norden, anderseits waren die französischen Seestreitkräfte hier -eher imstande, den feindlichen die Stirne zu bieten, weil diese keine -Stützpunkte besaßen, bei Ausbruch des Krieges nicht einmal die -portugiesischen Häfen. So strebte Frankreich danach, seine Hauptkraft im -Süden zusammenzuziehen und von den nördlichen Häfen aus neben -Küstenschutz und kleinem Kriege nur die westindischen Kolonien und den -Handel von dort, insbesondere die wichtigen Silberflotten, zu schützen. -Diese richtige Strategie wurde aber nicht stetig und nie tatkräftig genug -durchgeführt. - - Vor Ausbruch des Krieges mit den Seemächten, 1701, wurden zwei größere - Flotten ausgesandt. Die eine (Château-Renault; von Brest) ging nach - Portugal, um dieses Land Frankreich treu zu erhalten, die andere - (d'Estrées; von Toulon und von Brest verstärkt) nach Cadiz, gegen das - die Verbündeten schon rüsteten. Beide vereint waren dem Gegner - gewachsen, wenn er erschienen wäre; es war also für dieses Jahr - zweckentsprechend verfügt worden. Renault ging später nach Westindien - und führte im nächsten Jahre die Galeonen trotz der Anwesenheit zweier - feindlicher Flotten an den europäischen Küsten nach Vigo; d'Estrées - brachte spanische Truppen nach Neapel. - - Im Jahre 1702 wurde keine größere Flotte zusammengezogen, obgleich in - Brest und Toulon stark gerüstet war. Nichts geschah, als die - Verbündeten gegen Cadiz vorgingen und später die Silberflotte in Vigo - vernichteten. Die Folge dieser Untätigkeit war der Beitritt Portugals - zu den Gegnern. Nur ein Geschwader von Brest (du Casse) segelte nach - Westindien; und eine Flottille von Toulon (Forbin) bedrohte in der - Adria die rückwärtigen Verbindungen der Österreicher in Italien. Auch - 1703 verlief tatenlos. Man hatte beabsichtigt, Portugal zu züchtigen, - gab aber die Rüstung hierzu auf, als man mit Erscheinen einer - feindlichen Flotte rechnen mußte. So war eine verhältnismäßig schwache - Kraft der Verbündeten (Shovel) Herrin im Mittelmeer, und ihr Auftreten - trug zu Savoyens Abfall von Frankreich bei. - - Als mit der Aufnahme des Krieges in Spanien seitens der Seemächte die - Herrschaft im Mittelmeer 1704 noch weit wichtiger wurde, machte man - endlich größere Anstrengungen. Es gelang, die Schiffe von Brest nach - Toulon zu führen und hier eine große Flotte (Graf von Toulouse) zu - vereinigen. Sie war aber zu spät bereit, um die Einnahme Gibraltars zu - hindern, und ging nach der unentschiedenen Schlacht bei Malaga auf - Toulon zurück; ein zurückgelassener Teil (de Pointis) wurde bei dem - Versuche, Gibraltar wieder zu nehmen, vernichtet. 1705 fand trotz der - Rüstungen im Norden und Süden keine Vereinigung statt, und von Toulon - aus wurde kein Versuch gemacht, die allerdings überlegene feindliche - Flotte in ihren erfolgreichen Unternehmungen an der spanischen Küste zu - hindern. 1706 erschien Graf Toulouse vor Barcelona, zog sich aber beim - Nahen des Feindes zurück, und als 1707 Toulon angegriffen wurde, - rechnete man gar nicht mit der Flotte, sondern versenkte die Schiffe zu - ihrem eigenen Schutze. - -In den letzten Jahren des Krieges wurden keine Kräfte für den großen -Krieg mehr aufgestellt, der Kampf um die Seeherrschaft war aufgegeben -worden. - -Diese schwächliche Kriegführung ist nur mit dem Verfall der Marine, mit -dem dadurch stets weiter wachsenden Mangel an Zutrauen zu dieser Waffe -und mit dem Fehlen des Verständnisses für Art und Wichtigkeit der -Kriegführung zur See zu erklären. Man pflegte die Marine nicht mehr, man -verwandte sie auch falsch. Denn wenn auch die eingerissene Mißwirtschaft -und der Geldmangel die Rüstungen lähmten, so hätte doch mehr geleistet -werden können. - - So sagt Bonfils z. B. von dem Jahre 1702: »Der schwere Verlust, den - Frankreich und Spanien durch die Vernichtung der Silberflotte mit ihrer - Bedeckung erlitten, war eine Folge davon, daß man die vorhandenen - Kräfte nicht zu einer Flotte zusammenzog. Untätig lagen die Geschwader - in den verschiedenen Häfen und verursachten doch die gleichen Kosten.« - Dies bleibt für die ganze erste Hälfte des Krieges zutreffend. Am - unverständlichsten ist das Verhalten der Flotte 1704. Bei Malaga waren - die Franzosen dem Gegner gewachsen, die Verhältnisse lagen nach der - unentschiedenen Schlacht für sie günstiger als für die Verbündeten; - schwächlich brachen sie den Feldzug des Jahres ab. Hatten sie mehr - gelitten, als man weiß? Glaubten sie mit »dem Verjagen des Feindes aus - dem Mittelmeer (?)« (wie sie sich rühmten) ihre Pflicht getan zu haben? - Waren dem Grafen Toulouse die Hände gebunden, um nicht zu viel aufs - Spiel zu setzen, oder gar aus Gründen der Eifersucht und aus bösem - Willen Pontchartrins ihm gegenüber? - -$Die Kriegführung der Verbündeten.$ Wie schon angedeutet, waren die -Verbündeten auf eine Offensive $im Mittelmeer$ hingewiesen; im vorigen -Kriege hatten die Vorstöße gegen die französischen Küsten nicht einmal -ein Abziehen bemerkenswerter Streitkräfte von den Kriegsschauplätzen an -den Grenzen erzielt. Im Norden konnte man sich darauf beschränken, den -eigenen Handel zu schützen, Frankreich von der See abzuschließen und -seine Streitkräfte in Häfen festzuhalten. Im Süden war es möglich, in den -Landkrieg in Norditalien einzugreifen, Süditalien für den Kaiser zu -erobern, Frankreich auch hier abzuschließen und somit ganz zu vereinzeln, -sowie endlich den spanischen Handel mit Westindien und Südamerika zu -bedrohen. - -Wilhelm III. und nach ihm Marlborough sowie Heinsius strebten deshalb von -Anfang an dahin, die Haupttätigkeit der Flotte nach dem Süden zu legen -und vor allem zur leichteren Lösung der Aufgaben Stützpunkte an der -Straße und im Mittelmeer selber zu gewinnen; England hatte wohl sicher -die Absicht, diese dauernd zu behalten. Marlboroughs Partei und Heinsius -fanden aber in ihren Ländern wenig Verständnis für ihre Pläne und starken -Widerstand bei deren Durchführung. In den Niederlanden war keine Neigung -zu einem Kriege in fernen Gewässern, man wollte lieber die Streitkräfte -zum Schutz des Handels und der Küsten in der Nähe behalten, man glaubte -auch, daß dies von günstigem Einfluß auf den Landkrieg an den Grenzen -sein würde; in England huldigte eine starke Partei, darunter hohe -Seeoffiziere wie Rooke und Shovel, der alten Defensivstrategie und -scheute sich, die schweren Schiffe länger im Jahre im Süden zu belassen, -als gelegentliche Offensivstöße erforderten. Die Folge dieses, oft nur -passiven Widerstandes (z. B. von seiten Rookes) war, daß in den ersten -Jahren die Operationen meistens verzögert -- mangelhafte Zustände in den -Marinen traten hinzu -- und dann ohne die nötige Tatkraft durchgeführt -wurden. Sie hätten auch mit größeren Kräften unternommen werden müssen -und unternommen werden können, aber stets nur die Hälfte der -Seestreitkräfte wurde darangesetzt. Den Rest hielt man für die Aufgaben -im Norden zurück, ohne diese ganz zu lösen; hierzu hätten auch geringere -Kräfte genügt, ein mächtigeres Auftreten im Mittelmeer wäre aber für den -Verlauf des Krieges sicher von größerem Einfluß gewesen. - - 1701 wurde schon im April eine starke Flotte (Rooke) aufgestellt; sie - sollte nach Spanien gehen, um einen Druck auf die noch schwebenden - Verhandlungen auszuüben, oder bei Ausbruch des Krieges sofort Cadiz - anzugreifen. Erst im August ging sie in See und nur zur Beobachtung von - Brest; sie kam zu spät, um Château-Renaults Abgang nach Westindien zu - hindern, und zweigte ein Geschwader (Benbow) zur Verstärkung dieser - Station ab. - - 1702 lief im Mai ein kleines Geschwader aus, um die nach Westindien - bestimmte Division du Casse abzufangen; dies mißlang infolge der - Unentschlossenheit des Führers (Munden). Die für den Süden bestimmte - große Flotte war erst im Juni seeklar (Rooke; Landungstruppen unter - Ormond, auch ein Gegner Marlboroughs). Sie sollte einen spanischen - Hafen nehmen und als Stützpunkt festhalten. Später trat der Befehl - hinzu, der erwarteten Silberflotte (Château-Renault) die spanischen - Küsten zu sperren; der Flotte im Kanal (Shovel) war der gleiche Auftrag - hinsichtlich der französischen Küsten gegeben. Ende August wurde Cadiz - angegriffen, wegen Lauheit und Uneinigkeit der Führer ohne Erfolg. Zu - weiteren Unternehmungen war Rooke nicht zu bewegen, und auch nur - zögernd benutzte er auf der Rückreise die günstige Gelegenheit, die - Silberflotte in Vigo anzugreifen. Er hatte nun allerdings ungeheuern - Erfolg und gewann durch diesen noch Portugal mit seinen Häfen für die - Seemächte, aber er ging weder auf den Vorschlag des Prinzen von Hessen - ein, in Vigo einen Stützpunkt zu schaffen und einen Teil der Flotte zu - belassen, noch auf den des Gesandten Methuen, die schweren Schiffe in - Lissabon zu überwintern, obgleich er in beiden Fällen den Absichten - seiner Regierung entsprochen hätte. - - 1703 sollte Süditalien für den Kaiser erobert werden. Der Plan wurde - aufgegeben, weil die Schiffe im Vorjahre zu spät heimgekommen waren und - weil Österreich keine Truppen stellen konnte. Die Hauptflotte blieb - tatenlos im Kanal, nur eine kleinere (Shovel) ging erst spät im Sommer - ins Mittelmeer mit recht allgemein gehaltenen Befehlen. Diese unternahm - denn auch nichts von Bedeutung, ihr einziger Erfolg war, daß Savoyen - den Verbündeten beitrat. - -So wurde in den ersten drei Jahren in Hinsicht auf den großen Kriegsplan -nichts erreicht; die Seestreitkräfte nutzten der allgemeinen Sache nur -durch den Erfolg bei Vigo und durch den Druck auf Portugal und Savoyen, -daneben schützten sie den Handel und sorgten so dafür, daß der Strom der -Hilfsgelder, von denen der Landkrieg abhing, keine ernste Unterbrechung -erlitt. - -Im Jahre 1704 trat der Seekrieg in einen zweiten Abschnitt. Mit der -Aufnahme des Landkrieges in Spanien war man gezwungen, tatkräftiger -vorzugehen, auch schien Ludwig XIV. ernstlicher um das Mittelmeer und -schon am Eingang in dieses kämpfen zu wollen. Frankreichs Lage war -schwieriger geworden: Ein neuer Kriegsschauplatz, weit entfernt von den -anderen, war hinzugekommen; seine Stellung war durch den Abfall Savoyens -an der italienischen Grenze stark bedroht; die feindliche Seemacht hatte -hier und in Spanien noch günstigere Gelegenheit zum Eingreifen erhalten. -Diese Änderung der Lage bestärkte Marlborough in seinem stets gehegten -Plane, Frankreich zu Lande und zur See in der Provence anzugreifen und -Toulon zu nehmen, so die lange französische Linie zu durchbrechen und mit -einem Schlage die Frage der Herrschaft im Mittelmeer zu lösen. Wenn der -Plan durchgeführt wäre, so würde damit wohl der Krieg entschieden sein. -Marlborough ließ ihn nicht mehr aus dem Auge, und Prinz Eugen sowie -Heinsius -- der tüchtigste Feldherr, sowie die beiden weitestblickenden -Staatsmänner auf seiten der Verbündeten neben Marlborough -- waren seiner -Ansicht, aber es gelang nicht, die allgemeine Zustimmung in Holland und -die tatkräftige Mitwirkung Österreichs und Savoyens zu gewinnen. -Sonderinteressen trübten deren Blick; wieder ein Beweis der Schwäche von -Bündnissen. So wurde der Krieg zwar kräftiger geführt, aber man nützte -die Seestreitkräfte doch nicht voll aus und verwandte sie nicht immer -richtig. - - 1704 sollte die Mittelmeerflotte zur Eroberung Spaniens von der - Ostküste her mitwirken und sich bereithalten, Österreich und Savoyen zu - unterstützen, wenn die Franzosen einen Vorstoß gegen Nizza machen - würden. Ein geheimer Zusatz zum Befehl wies sogar schon auf ein - gemeinsames Unternehmen gegen Toulon hin und stellte diese defensiven - und offensiven Operationen an der italienischen Küste denen an der - spanischen überhaupt voran. Rooke machte im Mai den wegen Mangels an - Truppen vergeblichen Versuch, Barcelona zu nehmen; er durfte sich wegen - der Aufgaben in Italien und wegen der Möglichkeit des Erscheinens - französischer Seestreitkräfte von Toulon und Brest nicht zu sehr - engagieren. Zu einem Eingreifen in Italien kam es nicht, da einerseits - Frankreich den Angriff auf Nizza aufgegeben hatte und anderseits - Österreich und Savoyen weder stark genug noch gewillt zur Offensive - waren. Der Versuch, die französische Brestflotte (Graf Toulouse), die - das englische Kanalgeschwader (Shovel) nicht hatte festhalten können, - vor Toulon abzufangen, mißlang gleichfalls. Rooke vereinigte sich - später mit Shovel und nahm Gibraltar. Von weiteren Unternehmungen sah - er der vorgerückten Jahreszeit halber ab, er hielt sich nur bereit, - Gibraltar gegen die vereinigte französische Flotte zu decken; es kam - zur Schlacht bei Malaga. Rooke ging dann heim, jedoch blieb zum ersten - Male ein Wintergeschwader in Lissabon (Leake). Es war nur schwach, aber - doch imstande, trotz einer französischen Division (de Pointis) in - Cadiz, während des Winters das belagerte Gibraltar durch Zufuhren zu - unterstützen und, selber verstärkt, im Frühjahr die genannte Division - zu vernichten, sowie die Belagerung aufzuheben. - - 1705 griffen die Verbündeten Spanien von Portugal und von der Ostküste - (jetzt auch von hier mit einem Heere) aus an. Mit Hilfe einer starken - Flotte (Shovel) wurden Barcelona genommen und die Provinzen Katalonien, - Aragonien sowie Valencia erobert. Marlboroughs Plan gegen Toulon fand - noch keinen Anklang; die Admirale forderten dazu einen Stützpunkt im - Mittelmeer, Österreich legte größeren Wert auf den Krieg in Spanien. Da - aber während des Winters wieder nur ein schwaches Geschwader (Leake) in - Lissabon blieb, warfen die französisch-spanischen Heere den König Karl - auf Barcelona zurück, und die französische Flotte (Graf Toulouse) - unterstützte die Belagerung dieser Stadt. In der höchsten Not erschien - Leake, nach und nach zu einer starken Flotte verstärkt, zum Entsatz. - Die Flotte nahm später Ibiza und Mallorca; weshalb Port Mahon, der - günstigste Platz als Stützpunkt, nicht angegriffen wurde, ist nicht - klar zu ersehen. Als sich darauf die Kriegslage aufs neue ungünstig für - König Karl gestaltete, wurde 1707 schon im Januar die große Flotte - (Shovel) zusammengezogen, sie konnte aber nur die Trümmer des bei - Almanza geschlagenen Heeres retten. - - Trotz der üblen Lage in Spanien wurde 1707 der Plan Marlboroughs - endlich ins Werk gesetzt, aber nicht in seinem ganzen Umfange - durchgeführt: der so wichtige gleichzeitige Vorstoß in den Niederlanden - unterblieb, weil er Holland zu gewagt erschien; dem Prinzen Eugen in - Norditalien wurden Truppen entzogen, um das Königreich Neapel zu - erobern; Savoyen war lau. So schlug der Angriff auf Toulon fehl, aber - die französische Flotte konnte infolge des Versenkens der Schiffe - nichts mehr leisten und Frankreich gab das Mittelmeer auf. Selbst das - Wintergeschwader der Verbündeten beherrschte jetzt die See zugunsten - des spanischen Krieges; die Sommerflotte 1708 (Leake) konnte schwächer - sein als bisher, sie unterwarf trotzdem Sardinien und nahm jetzt - endlich auch Port Mahon. - -So wurden allerdings mit der Einnahme von Gibraltar und Barcelona, sowie -durch die Beherrschung des Mittelmeeres große Erfolge erzielt. Aber die -Seeherrschaft wurde in den ersten Jahren im Winter stets aufgegeben, und -die errungenen Vorteile im Landkriege gingen dann größtenteils wieder -verloren, weil das Meer für Frankreich wieder offen stand; man mußte, -sozusagen, im nächsten Jahre von vorn anfangen. Es wäre richtiger -gewesen, nach der Einnahme von Gibraltar zunächst selbst ohne Rücksicht -auf den Krieg in Spanien einen Stützpunkt im Mittelmeer zu gewinnen. - -Daß der große Plan Marlboroughs im allgemeinen, der Angriff auf Toulon im -besonderen scheiterte, war mehr die Folge anderer Umstände als eines -Fehlers der Strategie zur See. Wie richtig dieser Plan war, zeigt selbst -der Mißerfolg: Die französische Flotte hatte so gelitten, das Vertrauen -auf sie war so erschüttert, daß Frankreich das Mittelmeer aufgab. Nun -wurde es den Verbündeten leicht, die See auch im Winter zu beherrschen, -besonders nachdem Port Mahon genommen war. Es ist zu verwundern, daß -Marlborough nicht nachdrücklicher auf die rechtzeitige Schaffung eines -Stützpunktes vor der französischen Küste hingearbeitet hat, das -Unternehmen gegen Toulon würde dadurch gleichfalls an Kraft gewonnen -haben; er hat stets darauf hingewiesen, aber die Verwendung der -Landstreitkräfte lag ihm wohl näher, wenn er auch während des ganzen -Krieges die Macht der Seestreitkräfte hoch einschätzte. - -Im Jahre 1709 trat die Kriegführung zur See im Mittelmeer in einen -dritten Abschnitt. Die Flotte der Verbündeten hatte nur noch die Aufgabe, -Frankreich vom Meere abzuschließen und für König Karl die Verbindung mit -seinen Besitzungen in Süditalien und seinen Hilfsquellen in Norditalien -aufrecht zu erhalten. Großes wurde nicht mehr geplant, weil Marlboroughs -Einfluß schwand. Frankreich ganz abzuschließen gelang nicht, doch wurde -sein Versuch, eine Erhebung in Sardinien zu unterstützen, verhindert. Der -Seekrieg erlahmte immer mehr; Holland war erschöpft, England zum Frieden -geneigt. Als 1711 König Karl deutscher Kaiser geworden war, wurde seine -Sache in Spanien von England nicht mehr unterstützt und 1712 auch von -Holland aufgegeben. - -Die $Kriegführung der Verbündeten Im Norden$, wo in fast allen Jahren -etwa die Hälfte ihrer Seestreitkräfte tätig war, beschränkte sich -erfolgreich nur auf den kleinen Krieg. Das einzige für 1706 geplante -Unternehmen, eine Landung an Frankreichs Westküste, ließ man fallen; die -Aufgabe, die französischen Geschwader, die nach dem Mittelmeer oder nach -Westindien bestimmt waren, festzuhalten, wurde nicht gelöst. Aber selbst -im kleinen Kriege hätte man bei der Stärke der Verbündeten größere -Erfolge erzielen können. Der französische Handel wurde zwar schwer -geschädigt und nach und nach ganz lahm gelegt, doch auch der eigene -Verlust war groß. Es spricht dies für die Tatkraft und Geschicklichkeit, -mit denen die Franzosen den Kreuzer- und Freibeuterkrieg führten; man muß -dabei allerdings die günstige Lage der Ausgangshäfen -- Dünkirchen, St. -Malo, Brest -- zu den Wegen des englisch-holländischen Handels, die Größe -dieses, sowie die Schwierigkeit einer scharfen Durchführung der Blockade -seitens der Verbündeten mit derzeitigen Segelschiffen in Betracht ziehen. - - Die Maßnahmen Hollands zum Schutze des Handels sind genau bekannt: Ein - Geschwader an der flämischen Küste; ein zweites in der Nordsee; ein - drittes zum Geleiten der ostindischen Convois durch dieses Meer; eine - große Zahl Convoijers zur ständigen Begleitung der Handelsschiffe. Der - Angriff auf den französischen Handel lag hauptsächlich in den Händen - zahlreicher Freibeuter. Über die Maßnahmen Englands liegen keine - genauen Angaben vor. Aus Andeutungen ist zu entnehmen, daß man viele - Kreuzer in See hatte, daß man die Handelsconvois sowie die - Militärtransporte nach Spanien durch Kriegsschiffe deckte und zur - Blockade der feindlichen Häfen sowie zum Abfangen größerer Convois - Geschwader aufstellte oder von der Hauptflotte abzweigte. Die Bedeckung - der Convois scheint aber öfters nicht stark genug gewesen zu sein, - nicht einmal den hauptsächlich aus Freibeutern bestehenden - französischen Divisionen gewachsen; ähnlich wie im vorigen Kriege - scheint man ohne Grund die Streitkräfte zu sehr zusammengehalten zu - haben. Man hätte wohl mehr für den Handelsschutz tun können und tun - müssen; Englands Aufgabe in dieser Hinsicht war, der langen Küste - Frankreichs gegenüber, größer und schwieriger als die Hollands. - -$Die Ereignisse in den Kolonien$ zeigen immer noch den Charakter des -kleinen Krieges, wenn sie auch in diesem Kriege bedeutender als im -vorigen sind (vergl. Seite 481, unten); nur Trouins Zug gegen Rio war von -Einfluß auf den Krieg. Die Überlegenheit der Verbündeten tritt auch hier -nicht so hervor, wie man hätte erwarten können; oft schädigen die -Franzosen Handel und Niederlassungen schwer. Es wurden nicht dauernd -genügende Kräfte draußen gehalten, um die Seeherrschaft zu wahren, oft -mußten erst die geschädigten Kreise -- Kolonisten, Kaufleute, Rheder -- -den Anstoß zur Entfaltung größerer Tatkraft geben. - -Wenn man die Kriegführung zur See auf französischer Seite falsch und -schwächlich nennen kann, so muß man doch auch sagen, daß die Verbündeten -von ihrer ungeheuren Macht einen durchgreifenderen Gebrauch hätten machen -können, insbesondere die Engländer, deren Marine während des Krieges eher -stärker als schwächer wurde. So sagt auch Clowes mit Beziehung auf die -englische Marine: »Der Krieg weist keine großen oder gar glänzenden -Erfolge auf; man kann den Operationen der Flotte keine große Genialität -zusprechen, der Organisation und dem Auftreten der Seestreitkräfte kein -Lob spenden. The country merely stuck to its work and hammered away, -often blunderingly and stupidly until the end. The day of its (der -Marine) most brillant performances were still before it.« - - - Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer. - -Die Bedingungen des Friedens von Utrecht sind im allgemeinen schon -angeführt (Seite 496); es ist auch gesagt, daß England am meisten -erreichte und im gesicherten Besitz der Vormachtstellung zur See aus dem -Kriege hervorging. Eine nähere Betrachtung der Ergebnisse für die -verschiedenen Teilnehmer wird dies veranschaulichen. - -=Frankreich= hatte zwar dadurch, daß das Haus Bourbon auf Spaniens Thron -kam, an Stelle eines Feindes einen Freund im Rücken erhalten, es hatte -aber wichtige Stellungen an seiner Nordostgrenze verloren, mußte das -günstig gelegene Dünkirchen als Kriegshafen aufgeben, und mit den ersten -Abtretungen in Nordamerika war der gänzliche Verlust der Besitzungen dort -eingeleitet. Durch den Krieg waren seine Seestreitkräfte erschöpft, seine -Bevölkerung verarmt, seine Finanzen zugrunde gerichtet. - -=Spanien= verlor seine Niederlande, Mailand, Sardinien und Neapel an -Österreich, Sicilien an Savoyen, Gibraltar und Minorca an England, also -einen großen Landbesitz, der fast durchgängig wichtig in maritimer -Hinsicht war. Nur seine Kolonien blieben ihm erhalten, die nach dem -ersten Kriegsplane der Verbündeten auch in Gefahr gewesen waren, und es -war wohl ein Vorteil, daß das Land mit einem lebenskräftigen Volke wie -Frankreich in engere Verbindung gebracht wurde. - -=Österreich= hatte großen Landzuwachs erhalten, doch fehlte ihm Sicilien, -an dem ihm mehr als an Sardinien lag; bald folgten auch Verhandlungen -über einen Austausch. Immerhin erlangte es die gewünschte Stellung am -Mittelmeer und hätte sich hier zu einer Seemacht entwickeln können. - -Für =Holland= hatte es Bedeutung, daß die spanischen Niederlande vor -Frankreich gerettet und an Österreich gefallen waren; sein alter Wunsch -war erfüllt, hier sicherer vor Frankreichs Angriffen dazustehen. Aber war -dieser einzige Erfolg die Kosten wert? Der Krieg führte den Zusammenbruch -seiner Seemacht herbei! Die Marine wurde vernachlässigt, und damit ging -die wichtigste Kraftquelle des kleinen Landes, der Seehandel, zurück. -Holland wurde bald nicht mehr zu den Großmächten gezählt, seine Marine -war für die Diplomatie kein militärischer Faktor mehr. Die Schwäche der -Republik trat schon in den Friedensverhandlungen zutage; man konnte für -die maritimen Interessen nichts erreichen. England berief sich auf -Hollands ungenügende Beteiligung am Seekriege und weigerte sich -hartnäckig, Holland an den für sich geforderten Vorteilen teilnehmen zu -lassen; nur im Handelsvertrage mit Frankreich wurden auch den -Niederlanden einige Zugeständnisse gemacht. - -=England= aber gewann ungemein in maritimer Hinsicht. Durch den Besitz -von Gibraltar, Port Mahon und die in Nordamerika errungenen Kolonien -erhielt es neue Stützpunkte zur Stärkung und Erweiterung seiner -Seeherrschaft; Frankreich gab das gefährliche Dünkirchen auf; Sardinien, -Neapel und Sicilien fielen nicht an eine Seemacht, sondern an Staaten, -die bislang zur See nicht aufgetreten waren. Ferner schloß England mit -Frankreich und Spanien günstige Handelsverträge. - - Insbesondere dem Wunsche Hollands, Gibraltar und Port Mahon - gemeinschaftlich zu besetzen und an den Verträgen mit Spanien, - Westindien betreffend, teilzunehmen, trat England schroff entgegen. - Diese Verträge waren ein Hauptgewinn Englands. England versprach - Spanien seinen Beistand, um dessen Besitzungen wieder in den Zustand zu - bringen, wie er unter Karl II. gewesen war; Spanien verpflichtete sich - dagegen, keinerlei Besitz in Amerika an Frankreich oder andere Völker - abzutreten; beide Staaten sagten sich volle Meistberechtigung in ihren - Besitzungen zu. Noch wichtiger aber war der sogenannte - =Assiento-Vertrag= (El Pacto del Assiento de Negros): das von Spanien - an England erteilte alleinige Recht auf Einführung von Negersklaven in - die spanischen Kolonien (4800 Neger im Jahre). Spanien selbst führte - keine Sklaven ein; das Recht war früher schon an die Niederlande, - später an die Genuesen und 1703 von Philipp V. an die Franzosen - vergeben. Aus dem Sklavenhandel entwickelte sich jetzt aber bald ein - Schmuggelhandel in solchem Maße, daß fast die ganze Gütereinfuhr in die - spanischen Besitzungen in englische Hände kam. Die Engländer erhielten - ferner das Recht, jährlich ein Schiff mit Waren nach Mittelamerika, zum - Markte von Porto Bello, zu senden, und auch dies wurde unrechtmäßig - ausgebeutet. Das Fahrzeug diente gewissermaßen nur als Niederlage: die - Vorräte wurden beständig erneuert; auf der einen Schiffsseite gingen - die Waren von Bord, auf der anderen kamen neue an Bord. Diese Verstöße - der Engländer und die dadurch hervorgerufenen Vergeltungsmaßregeln der - Spanier gaben den Anlaß, wenigstens den äußern, zum nächsten Kriege im - Jahre 1739. - -Auch mittelbar zog England aus dem Kriege weitgehenden Nutzen. Die -Marinen Frankreichs und Hollands waren in Verfall geraten; die zweite, -die alte Nebenbuhlerin, sollte sich nicht wieder daraus erheben. Die -englische Marine aber stand nach dem Kriege mächtiger da als zuvor; -gerade durch die Schwäche der holländischen war sie zu größerer -Kraftentfaltung gezwungen worden. Ferner war ein Teil des holländischen -Handels schon während des Krieges in englische Hände übergegangen, und -dieser Vorgang setzte sich fort, da sich bei dem Verfall der -holländischen Marine die britischen Handelsfahrzeuge immer mehr den Ruf -erwarben, sicherer zu fahren. Die enge Verbindung mit Portugal, die der -Krieg gezeitigt hatte, kam auch dem englischen Handel zugute, und -außerdem war sie militärisch von Nutzen, weil die portugiesischen Häfen -den englischen Flotten fortan zur Verfügung standen. - -Vor dem Spanischen Erbfolgekriege war, durch den Pfälzischen -Erbschaftskrieg schon mächtig gefördert, =England eine der Seemächte=, -nach dem Frieden von Utrecht war es =die Seemacht=. Diese Macht erhielt -England aufrecht; es war reich genug dazu und hatte in seiner -Seeherrschaft und in seiner ausgebreiteten Schiffahrt die Quelle des -Reichtums so in der Hand, daß ihm zunächst kein Nebenbuhler erwachsen -konnte. Schon die beiden letzten größeren Nebenkriege des bisher -geschilderten Abschnittes werden seine Macht zur See zeigen. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zehntes Kapitel. - - Nebenkriege 1689-1739. - -$Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, -1718-1720.$ In Spanien wirkte seit 1714 der =Kardinal Alberoni= als -Minister, der mit der ehrgeizigen zweiten Gemahlin Philipps V., Elisabeth -Farnese von Parma, dorthin gekommen war. Er beabsichtigte, Spaniens alte -Größe wiederherzustellen; sein nächstes Ziel war, die verlorenen -italienischen Staaten zurückzugewinnen. Mit Erfolg arbeitete er an der -wirtschaftlichen Hebung des Landes, am Ausbau der Flotte und an der -Stärkung des Heeres. Auf eine Unterstützung Frankreichs konnte er aber -nicht mehr rechnen und auch der Versuch, eine Verbindung mit England -herzustellen, schlug fehl; in beiden Ländern waren Veränderungen -eingetreten, die eine Annäherung zwischen ihnen herbeigeführt hatten. - -In England war =1714 Georg= I., Kurfürst von Hannover, zur Regierung -gelangt. Seine Stellung war noch nicht unbedingt fest; noch immer bestand -eine Partei der Stuarts, und seine eigene verhielt sich ihm als Ausländer -gegenüber kühl. In Frankreich führte seit 1715 für den unmündigen und -schwächlichen König Ludwig XV. der nächste Agnat, =Philipp von Orleans=, -die Regentschaft. Dieser mußte in noch höherem Grade Nebenbuhler um seine -Stellung und etwaige Thronfolge fürchten, vor allen Philipp V. von -Spanien, gegen den er im letzten Kriege intrigiert hatte und dessen -Thronbesteigung in Frankreich gerade Alberonis letztes Ziel war. Beide -Herrscher scheuten einen neuen Krieg, der den unzufriedenen Elementen in -ihrem Lande nur gelegen gekommen wäre. Die Lage Philipps war schwieriger, -und so bot dieser auf Rat seines Ministers, des =Kardinals Dubois=, Georg -I. ein Bündnis an; zwischen Frankreich und Spanien trat dagegen eine -Entfremdung ein, die den wahren Interessen beider Staaten völlig zuwider -lief. Im Januar 1717 schlossen England und Frankreich einen Vertrag zur -Aufrechterhaltung der Bedingungen des Friedens von Utrecht (vgl. Seite -497), soweit diese im beiderseitigen Interesse lagen, und zur -gegenseitigen Gewährleistung der Thronfolge der Häuser Hannover und -Orleans; auch Holland wurde zum Beitritt gewonnen. Frankreich mußte -hierzu neue Zugeständnisse auf Kosten seines Handels und seiner Seemacht -machen: Weitere Handelsvorteile für England und Holland, sowie Aufgeben -des Baues eines Kriegshafens bei Mardyk, der als Ersatz für Dünkirchen -bereits in Angriff genommen war. - -=Alberoni= hatte gleichfalls versucht, England durch Angebot neuer -Handelsbegünstigungen zu bewegen, ihn in seinen Plänen auf Unteritalien -zu unterstützen. Georg I. verhielt sich ablehnend, da er als deutscher -Fürst für den Kaiser Partei nahm, und auch die englischen Staatsmänner -sahen diese Länder lieber im Besitz Österreichs als in den Händen -Spaniens. Nun war der Kaiser mit den Bedingungen des letzten Friedens -nicht zufrieden, er wollte Sicilien haben und hatte seinen Anspruch auf -den spanischen Thron noch nicht aufgegeben; wir wissen, daß es zwischen -ihm und Philipp V. überhaupt noch nicht zum Frieden gekommen war. Der -neue Bund beschloß deshalb, um alle diese, den allgemeinen Frieden stets -bedrohenden Fragen aus der Welt zu schaffen, den Kaiser dadurch zu -befriedigen, daß er gegen Abgabe von Sardinien an Savoyen Sicilien -erhielte. Man mußte aber mit Spanien rechnen, weil dessen militärische -Kraft schon sehr gestärkt war. Ehe aber die Verhältnisse sich friedlich -weiter entwickeln konnten, schlug Spanien los, obgleich es noch nicht -genügend gerüstet war. Ein hoher spanischer Beamter, der auf der -Rückreise von Rom durch die italienischen Provinzen des Kaisers kam, -wurde dort als aufrührerischer Untertan verhaftet; auf diese Beleidigung -sandte Spanien im August 1717 12 Kriegsschiffe mit 8600 Mann nach -Sardinien und unterwarf diese kaiserliche Insel in wenigen Monaten. - -Jetzt schloß sich der Kaiser dem Bunde -- nunmehr eine -=Quadrupel-Allianz= -- an, und die vier Mächte kamen überein, den -Austausch Sardiniens gegen Sicilien durchzuführen, wenn nötig, mit -Waffengewalt. Wie sehr man aber in England und Holland einem Kriege -abgeneigt war, zeigen die günstigen Vorschläge, die Spanien gemacht -wurden: Spanien sollte Parma und Toskana als Sekundogenitur erhalten; -Georg I. wollte Gibraltar zurückgeben; der Kaiser würde endgültig auf den -spanischen Thron verzichten. Dennoch, und obgleich England schon eine -Flotte für das Mittelmeer rüstete, blieb Alberoni eigensinnig und traf -Vorbereitungen, auch Sicilien zu erobern. Zugleich strebte er danach, -sich auf politischem Wege Rückhalt zu verschaffen. Er versuchte Rußland -und Schweden, deren Krieg (vgl. »Nordischer Krieg« S. 589) 1718 durch -Verhandlungen unterbrochen war, zu einem gemeinsamen Einfall in England -zugunsten Jakobs III. zu vereinen; er hetzte die Türken gegen den Kaiser -auf; in Frankreich wurde eine Verschwörung gegen den Regenten angezettelt -und in England die Unzufriedenheit geschürt; er versuchte den König von -Savoyen, der mit dem beabsichtigten Tausch der Inseln nicht einverstanden -war, an sich zu ziehen. Aber alle seine Pläne schlugen fehl. Die Türken -waren durch Prinz Eugen schwer geschlagen worden (1716 Peterwardein; 1717 -Belgrad), auch sollen sie die englische Flotte gefürchtet haben; in -Schweden und Rußland wurden nach dem Tode Karls XII. die Verhandlungen -abgebrochen; die Verschwörung gegen Philipp war rechtzeitig entdeckt -worden. Vor allem aber scheiterte der Angriff auf Sicilien völlig und -Spanien selbst wurde mit Erfolg angegriffen. Hieran hatte die englische -Flotte den größten Anteil, wie sie auch wohl durch ihr Auftreten in der -Ostsee den Plan Alberonis dort störte. Es wirkte überall die -augenblickliche Alleinherrschaft Englands zur See. - -$Der Verlauf des Krieges.$ Spanien besaß, dank den Bemühungen Alberonis, -1718 etwa 40 Linienschiffe, von 44 Kanonen aufwärts gezählt, und gegen 20 -waren im Bau. Offiziere und Mannschaften waren allerdings nicht genügend -vorhanden, um sämtliche Fahrzeuge in Dienst zu stellen, auch war die Güte -des Personals noch geringer als zu Ruyters Zeiten (Schlacht bei Agosta). -Wie eben gesagt, hatten die Spanier 1717 Sardinien besetzt und rüsteten -dann zur Eroberung Siciliens. England stellte 1718 eine Flotte unter =Sir -George Byng= in Dienst und sprach, auf Spaniens Anfrage, rückhaltslos -aus, diese solle den Frieden in Italien aufrechterhalten. Die Order des -Admirals (vom 24. Mai) lautete dementsprechend: Er solle im Mittelmeer -alle geeigneten Maßregeln ergreifen, um die Streitigkeiten zwischen -Spanien und Österreich beizulegen, sowie Feindseligkeiten verhindern; -wenn Spanien darauf bestände, kaiserliche Provinzen anzugreifen oder -sonst in Italien Fuß zu fassen, so solle er einschreiten, wenn nötig mit -Waffengewalt. Diese Weisungen habe er nach Eintreffen auf der Station dem -Könige von Spanien und den Gouverneuren von Mailand und Neapel -mitzuteilen. - -Byng segelte am 15. Juni und sandte am 30. auf der Höhe von Cadiz seinen -Befehl an den englischen Gesandten in Madrid. Spaniens Antwort war, er -möge tun, wie ihm befohlen; der Gesandte führte zwar die Verhandlungen -weiter, der Krieg war noch nicht erklärt, warnte aber alle englischen -Kauffahrer in spanischen Häfen vor einem plötzlichen Bruche. Der Admiral -erfuhr am 8. Juli bei Cap Espartel, daß eine spanische Flotte am 18. Juni -Barcelona verlassen habe, er nahm in Malaga Wasser, lief Port Mahon -behufs Ablösung eines Teils der Garnison an und sandte von dort seinen -Befehl nach Neapel und Mailand. Er hörte hier, daß die spanische Flotte -am 30. Juni vor Neapel erschienen sei. Diese war dann Anfang Juli mit -30000 Mann von Neapel nach Palermo gegangen. Die schwachen savoyischen -Truppen gaben ohne Widerstand die Stadt sowie fast ganz Sicilien auf und -zogen sich in die Citadelle von Messina zurück. Byng verließ am 25. Juli -Port Mahon, traf am 1. August in Neapel ein und nahm hier 2000 -Österreicher an Bord, um sie nach Messina zu bringen; der König von -Savoyen hatte sich inzwischen mit den Abmachungen der Verbündeten -einverstanden erklärt. Als der Admiral am 9. vor Messina ankam, war die -Stadt schon von den spanischen Truppen eingeschlossen, die feindliche -Flotte war jedoch nicht zu sehen. Er bot dem spanischen General einen -Waffenstillstand von zwei Monaten an, um Unterhandlungen zu führen; als -dies abgeschlagen wurde, schiffte er die Truppen in Reggio wieder aus. Er -beabsichtigte, wieder nach Messina zur Entsetzung der Citadelle -hinüberzugehen, und scheint angenommen zu haben, daß die spanische Flotte -ihm ausweichen würde. Am 10. August morgens traf aber die Nachricht ein, -daß diese von den Bergen Kalabriens aus beiliegend gesehen sei, und als -Byng unter Segel gegangen war, stieß er auf zwei feindliche Vorposten. -Als die Engländer diese jagten, wurden sie auf die spanische Flotte -geführt; sie kam gegen Mittag, die Gefechtslinie bildend und nach Süden -ausweichend, in Sicht. Durch tatkräftige Verfolgung wurde sie am nächsten -Tage erreicht und fast vollständig vernichtet; eine Schlacht ist der -Zusammenstoß kaum zu nennen. - - $Die Vernichtung der spanischen Flotte durch Admiral Byng bei Cap - Passaro, 11. August 1718.$ =Die englische Flotte= zählte 22 Schiffe -- - 1 zu 90 K.; 2 zu 80 K.; 9 zu 70 K.; 7 zu 60 K.; 2 zu 50 K.; 1 zu 44 K. - -- 2 Mörserboote und 2 Brander. - - =Die spanische Flotte= bestand aus dem Gros unter Vizeadmiral - =Casteñata=: 1 Schiff zu 74 K.; 1 zu 70 K.; 5 zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 1 - zu 44 K.; 1 zu 36 K. und 7 Galeren. Während der Affäre traten noch 2 - Schiffe (zu 60 K.) hinzu, die nach Malta abgezweigt gewesen waren. Ein - leichtes Geschwader unter Kontreadmiral =de Mari= zählte 1 Schiff zu 60 - K.; 1 zu 54 K.; 2 zu 46 K.; 3 zu 44 K.; 1 zu 36 K.; 9 zu 18-30 K.; 3 - Mörserboote; 1 Brander; 5 Tender. Die Flotte lief in Gefechtslinie nach - Süden. - - Byng sandte die vier besten Segler, 70-Kanonenschiffe, mit dem Befehle - vor, während der Nacht die Admiralslichter (drei am Heck und eins im - Großmast) zu führen; er folgte mit der Flotte unter Segelpreß. Der Wind - war leicht, die spanischen Galeren tauten die langsamsten Schiffe ihrer - Flotte. Am 11. August bei Tagesanbruch hatten die Engländer den Feind - fast erreicht. Seine leichte Division lief unter Land; Byng schickte - ihr 8 kleinere Linienschiffe unter =Kapitän Walker= nach - (Wiedervereinigungsplatz Syracus), er selbst folgte ohne jede Ordnung - der Hauptmacht. Seine vier vorgesandten Schiffe greifen die letzten - Feinde mit Erfolg an, laufen aber weiter, ihre Opfer den Nachkommenden - überlassend. Die Spanier sind bald versprengt, und in mehr oder weniger - heftigen Einzelgefechten werden 7 Schiffe genommen, nur das Flaggschiff - und 3 oder 4 andere entweichen nach Malta. Nachts erhielt Byng die - jetzt noch in der englischen Marine durch ihre Kürze berühmte Meldung - von Walker: »Sir! Wir haben alle Schiffe und Fahrzeuge an dieser Küste - genommen. Anzahl am Rande vermerkt.« Es waren 9 genommen, 5 auf den - Strand gejagt und verbrannt (4 davon durch ihre Besatzung). Im ganzen - verlor Spanien 11 Linienschiffe, 3 Fregatten und 8 Fahrzeuge. - -[Illustration: George Byng.] - - Mit dieser Schilderung nach englischem Bericht stimmen spanische - Angaben überein. Sie fügen hinzu, die spanische Flotte habe sich - zurückgezogen, um nicht Anlaß zu Feindseligkeiten zu geben. Die Schiffe - seien dann durch Übermacht einzeln überwunden; eine rangierte Schlacht - würde günstiger für sie verlaufen sein, auch hätten dann bei dem - leichten Winde die Galeren mit Vorteil eingreifen können. Dies ist - fraglich; die spanischen Schiffe waren wesentlich schwächer und ihre - Besatzungen sicher den englischen nicht gleichwertig; deshalb konnte - auch Byng ohne jede Rücksicht auf Formation angreifen. - -Wenn auch der Krieg noch nicht erklärt war, so war Admiral Byng doch wohl -zu dieser Tat berechtigt. Nachdem man am Lande seinen Vorschlag zur -Einstellung der Feindseligkeiten zurückgewiesen hatte, befand er sich im -Kriegszustande; er folgte nur seinem Befehle, von dem er Spanien Wochen -vorher Kenntnis gegeben hatte. Immerhin übernahm er mutig eine große -Verantwortung. - -Mit der Vernichtung der spanischen Flotte war der Kampf um Sicilien -entschieden. Byng ging zwar für den Winter nach Port Mahon und Messina -fiel den Spaniern in die Hände, aber im Frühjahr 1719 erschien er wieder -in Neapel und unterstützte nun die Österreicher bei der Eroberung der -Insel; der Krieg war im Dezember 1718 erklärt. Er landete Truppen in -Melazzo, die von dort gegen Messina marschierten, er unterstützte die -Belagerung dieser Stadt und schnitt Sicilien von jeder Verbindung mit -Spanien ab. Messina fiel im Oktober, dann deckte die Flotte die Einnahme -verschiedener Plätze an der Süd- und Westküste, doch räumten die Spanier -die Insel erst völlig während des Waffenstillstandes, der dem Frieden -vorherging (1720). - -Während der Belagerung Messinas lagen einige spanische Kriegsschiffe im -Hafen. Byng befürchtete, daß der Festungskommandant ihre freie Rückkehr -nach Spanien zu einer der Übergabebedingungen machen oder daß Österreich -sie beanspruchen würde. Er setzte deshalb durch, daß sie durch eine -eigens zu diesem Zweck errichtete Batterie zerstört wurden -- ihm lag im -englischen Interesse daran, jede fremde Seemacht zu schädigen. Im -gleichen Sinne handelte England auf den anderen Kriegsschauplätzen. - -=Alberoni= gab trotz der Niederlage bei Passaro und der -Aussichtslosigkeit seiner Pläne im Mittelmeer seit Erscheinen der -englischen Flotte den Kampf nicht auf. Er rüstete für 1719 in Cadiz und -Coruña zwei Geschwader aus, um Truppen an der Küste der Bretagne und in -Schottland zu landen, indem er in beiden Ländern mit Aufständen rechnete. -Auch diese Unternehmen schlugen fehl. - - Der Plan gegen Frankreich wurde nach Entdeckung der Verschwörung gegen - den Regenten aufgegeben. Die andere Expedition segelte im Februar von - Cadiz -- 40 Transporter mit 5000 Mann, und vielem Kriegsmaterial, - gedeckt durch 5 Kriegsschiffe -- unter dem geächteten James Buttler, - Herzog von Ormond, wurde aber am 28. Februar auf der Höhe von - Finisterre durch Sturm arg beschädigt und völlig zerstreut. Nur 3 - Fregatten mit 5 Transportern erreichten Ross-shire; 400 Mann wurden - gelandet und etwa 1500 schottische Jakobiten stießen zu ihnen. Die - kleine Macht wurde bald vernichtet, sowie ein Depot der Aufständischen - in Donancastle durch Kriegsschiffe genommen. England war an den Küsten - vorbereitet gewesen, wenn auch die Kanalflotte, die der Expedition - hatte entgegentreten sollen, nicht rechtzeitig seeklar war -- englische - Quellen sagen: »Wie gewöhnlich!« - -Dagegen gingen England und Frankreich jetzt angriffsweise vor. Eine -Division der englischen Kanalflotte, =Vizeadmiral Mighells=, landete im -Oktober 1719 24000 Mann bei Vigo, eroberte die Stadt, sprengte die -Befestigung, machte reiche Beute und zerstörte die Schiffe dort und in -Ponte-Vedra. Eine zweite Division unterstützte französische Truppen, die -unter dem Herzog von Berwick von Bayonne aus in Spanien eindrangen und -Fuenterrabia, St. Sebastian sowie Santona nahmen. Auch hier wurden auf -englisches Drängen überall Hafenanlagen, Werften, sowie alle -Kriegsschiffe zerstört; England tat sein möglichstes, das Neuaufblühen -der spanischen Marine im Keime zu ersticken, und Frankreich half -kurzsichtig dabei. Berwick meldete gar dem Regenten: die englische -Regierung kann dem Parlamente zeigen, daß wir alles getan haben, um die -spanische Marine zu vernichten. - -Selber tat Frankreich so gut wie gar nichts zur See, es transportierte -und unterstützte nicht einmal die eigenen Truppen. Nur 11 Linienschiffe -wurden nach dem Golf von Mexiko gesandt, um die Niederlassung in -Louisiana zu schützen; diese schlugen dort eine schwache spanische -Division zurück und eroberten den befestigten Hafen von Pensacola. -Holland regte sich gar nicht. Während des kurzen Krieges fanden natürlich -Handelsschädigungen statt; gleich nach Passaro hatte Spanien die -englischen Schiffe in seinen Häfen mit Beschlag belegt, England -antwortete mit Vergeltungsmaßregeln. - -Die ununterbrochene Reihe von Niederlagen und die Hoffnungslosigkeit, -ohne eine Marine seine Kolonien schützen zu können, brach den Widerstand -Spaniens. Alberoni wurde entlassen (5. Dezember 1719) und Philipp V. gab -im =Haager Frieden= 1720 den Forderungen der Quadrupel-Allianz nach. Der -König von Savoyen nannte sich von nun an König von Sardinien. - - - Der Nordische Krieg 1700-1721. - -Während des Spanischen Erbfolgekrieges und seiner eben besprochenen -Folgen spielte sich im Norden und Osten der große Nordische Krieg ab. Er -ist für uns bemerkenswert: Mit ihm endet das anderthalbhundertjährige -Zeitalter der Seekriege Dänemarks und Schwedens um die Herrschaft in der -Ostsee; eine neue Seemacht, Rußland, tritt hier auf. Auch auf den Verlauf -dieses Krieges haben die Seestreitkräfte wesentlichen Einfluß. Endlich -zeigt sich in ihm die Macht Englands zur See. Zunächst seien einige -Angaben über die beteiligten Marinen gemacht,[280] die deren Entwicklung -bis zum Ende unseres Abschnittes veranschaulichen. - - [280] Anschließend an »Der schwedisch-dänische Krieg 1675-1679, Seite - 394 ff.; dort auch Quellennachweis, es tritt hinzu »Bridge«. - -$Die dänische Marine$ hatte sich, wie wir wissen, unter Christian V. -kräftig entwickelt und im letzten Kriege bewährt; dieser König ließ ihr -bis zu seinem Tode (1699) die gleiche Pflege zu teil werden. 1700 war der -Schiffsbestand: 33 Linienschiffe -- 1 zu 110 Kanonen, 7 zu 80-100, 11 zu -60-78, 14 zu 48-56 --, 9 Fregatten und 33 kleinere Fahrzeuge. Auch für -die Ausbildung der Offiziere und Mannschaft wurde gesorgt. Der -Nachfolger, Friedrich IV., verstärkte die Flotte weiter, beim Ausbruch -des Krieges 1710 zählte sie 41 Linienschiffe; die nützliche Einrichtung -der Defensionsschiffe hatte der König 1701, auf Drängen Hollands, leider -aufgeben müssen. - -$Die schwedische Marine$ hatte sich unter Karl XI. von den Folgen des -Krieges erholt, sie war eigentlich durch den Grafen Wachtmeister seit -1680 neu geschaffen. Die Hauptflottenstation war nach Karlskrona verlegt, -hier hatte man große Werften eingerichtet. Von 1679-1709 wurden in -Stockholm, Kalmar, Riga und Karlskrona 37 Linienschiffe erbaut; das im -letzten Kriege sehr minderwertige Offizierkorps wurde reorganisiert. 1700 -erschienen vor Kopenhagen 36 Linienschiffe -- 1 zu 108 Kanonen, 6 zu -80-90, 29 zu 50-80; 1710 zählte die Marine 48 Linienschiffe und 7 -Fregatten. - -Der Nordische Krieg schädigte beide Marinen ungemein. 1720 war =die -dänische Flotte=, trotz Neubauten und Einstellung genommener schwedischer -Schiffe, auf 25 Linienschiffe (10 Fregatten, 31 Fahrzeuge) -zusammengeschmolzen und diese befanden sich in schlechtem Zustande. -Infolge der Erschöpfung des Landes ging der Bestand an brauchbarem -Material in den nächsten Jahren noch mehr zurück. Als sich unter -Christian VI. der Handel wieder hob, erreichte die Marine wieder den -Stand einer mittleren Marine damaliger Zeit; 1746 waren 29 Linienschiffe, -10 Fregatten und 34 kleinere Fahrzeuge vorhanden. =Die schwedische -Flotte= zählte 1720 überhaupt nur 33 Segel, die bei weitem nicht sämtlich -Linienschiffe waren, und auch hier ging der Ersatz nur langsam vor sich. -1734 besaß Schweden 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und Brigantinen, 11 -Spezialschiffe und 18 Galeren. Die Erfolge der Russen mit Ruderfahrzeugen -der letzten Art hatten gezeigt, daß eine Schärenküste nur mit -Schärenfahrzeugen verteidigt werden könne, aber erst 1756 wurden die -Mittel zum Bau einer größeren Zahl bewilligt (1788 waren 170 Galeren und -ähnliche Fahrzeuge vorhanden). - -$Die russische Marine$ wurde erst von Peter dem Großen (1689-1725) -gegründet. Von der Ostsee, nach der es stets gestrebt, seit 1617 wieder -vertrieben, stand Rußland nur durch Archangel mit Europa zur See in -Verbindung, doch lag der Seehandel hier in fremden Händen. Frühere -Versuche, eine russische Schiffahrt zu gründen, waren fehlgeschlagen, -ebenso das Bestreben, auf friedlichem Wege von Kurland einen Hafen an der -Ostsee zu erhalten. Peter betätigte nun von frühester Jugend an sein -Interesse für die Schiffahrt, zunächst richtete er sein Augenmerk neben -dem Weißen Meer auf das Schwarze. 1695 gründete er in Woronesch am Don, -in der Nachbarschaft ungeheuerer Eichenwaldungen, eine Bauwerft für -seetüchtige Fahrzeuge; 1696 baute er in dem von den Türken eroberten Asow -Hafenanlagen und Magazine, um die Schiffe hier auszurüsten und zu -stationieren. Er plante eine Flotte von 60 Linienschiffen für das -Schwarze Meer. Der Ausbruch des Krieges im Norden 1700 zwang ihn aber, -diese Unternehmung ruhen zu lassen, auch ging 1711 Asow wieder verloren. - -Bald nach Beginn des Krieges faßte er jedoch an der Newa Fuß, gründete -1703 St. Petersburg und ging, um von hier aus weiter an der Küste -vorzudringen, an die Schaffung einer $Ostseeflotte$. Anfangs zwar wurde -nur wenig Tatkraft entwickelt; noch hielt Peter wohl seine Stellung hier -nicht für sicher genug, um kostspielige Aufwendungen zu machen, aber nach -der Niederlage Karls XII. bei Pultawa (1709) nahm er den Ausbau der -Marine ernstlich in Angriff. In St. Petersburg wurde eine große Bauwerft -geschaffen; Kronstadt auf der Insel Kotlin, mächtig befestigt und noch -gesichert durch die gewaltige Bastion von Kronslot quer vor der -Einfahrt, wurde der Ausrüstungs- und Hauptkriegshafen; bald (1713) trat -Reval als zweiter Stützpunkt hinzu. Die Zahl der Schiffe wuchs schnell. -Während 1710 nur 2 Schiffe zu 50 Kanonen und 5 zu 14-32 vorhanden waren, -erscheinen: - - Schiffe zu 90 80 70 60-64 50-54 48-36 14-32 K. - -----+------ - | - 1714 bei Reval vereint -- -- 1 2 10 10 - 1718 in Tätigkeit -- -- 4 7 9 -- 7 - 1721 seefähig 4 1 4 8 7 5 eine große - 1722 " 6 1 5 8 6 6 Anzahl - - Anfangs wurden die Schiffe aus dem Auslande bezogen, bald aber auch in - Rußland gebaut und zuletzt ausschließlich; von 1710-1724 kamen auf 30 - gekaufte 41 gebaute. Ein englischer Seeoffizier, zu dieser Zeit in - russischen Diensten, lobt Bau und Ausrüstung der Schiffe, für die nur - Erzeugnisse des eigenen Landes verwendet wurden. Rußland besaß alles - nötige Rohmaterial, nur der Transport aus dem Innern war schwierig und - kostspielig. Die Kosten wurden noch ungemein erhöht, weil geschulte - Kräfte aus dem Auslande zur Bearbeitung des Rohmaterials herangezogen - werden mußten, wie denn auch Ausländer, besonders Engländer und - Holländer, die Hafen-, Werft- und Schiffsbauten leiteten. - -Noch vor dieser Hochseeflotte schuf Peter $eine Galerenflotte$ für die -Eroberung Finnlands. Die flachgehenden Ruderschiffe konnten sich über -alle Untiefen zwischen dem Gewirr von Klippen und Inseln der Schärenküste -durchwinden, wo ihnen kein Kriegsschiff zu folgen vermochte; über schmale -Landzungen konnten diese leicht aus Fichtenholz gebauten Fahrzeuge -hinweggetragen werden; nach dem offenen Meere zu wurden sie durch die -mitsegelnde Hochseeflotte gedeckt. Der Galerenflotte mehr als der -Hochseeflotte sind die Erfolge im Kriege, nämlich die Eroberung Finnlands -usw. und die Angriffe in Schweden, zuzuschreiben. - -Schwieriger als =die Beschaffung= des Materials war die =des Personals=, -das russische Volk stand der See völlig fremd und abgeneigt gegenüber. Es -war nötig, viele Ausländer anzuwerben, doch gelang es bald, die Schiffe -wenigstens überwiegend mit Eingeborenen zu bemannen. Den =Ersatz= nahm -man zunächst aus den Gebieten an der Küste, an den großen Seen und -Flüssen. Bevorzugt wurden sonst, weil bildungsfähiger, Minderjährige, -Matrosen- und Soldatenkinder, sowie junge Tataren ihrer Behendigkeit -halber. Sogenannte Navigatorenschulen wurden gegründet, deren Zöglinge -man nach der Entlassung zur weiteren Ausbildung auf Kauffahrteischiffe -schickte. Ganze Regimenter Landsoldaten wurden zu Seesoldaten befohlen; -die Bemannung der Schiffe war um 1/5-1/4 stärker als die englischer von -gleichem Range. - -=Das Offizierkorps= war noch viel stärker mit Fremden durchsetzt. 1715 -waren fast sämtliche Offiziere Ausländer und nur einige in fremdem Dienst -herangebildete Russen. Noch 1724 zeigt eine Liste der höheren Offiziere -unter 82 Namen nur 19 Russen gegen 23 Engländer, 17 Dänen, 13 Holländer -und 5 Deutsche, doch schritt auch hier die Russifizierung fort. Zur -artilleristischen Ausbildung wurde eine große Anzahl Russen nach Berlin -kommandiert, sie bildeten dann ein eigenes Korps der Bombardiere und -wurden nach Bedarf an Bord verwendet. Auch eine Seeakademie wurde -gegründet, sie zählte 1716 300 junge Edelleute als Schüler. Das -Seeoffizierkorps war, wie die Marine überhaupt, besser besoldet als das -der Armee. =Die Galerenflotte= hatte ein eigenes Offizierkorps, es war -stark mit Südländern vermischt und wurde vom Seeoffizierkorps als -minderwertig angesehen. Fremdartigkeit in Sprache und Sitten seiner -Angehörigen, unter denen halbbarbarische Elemente vertreten waren, mag -dazu beigetragen haben, aber auch die Roheit und Grausamkeit, die sie im -schwedischen Feldzuge gezeigt haben. - -Peter der Große hatte sich die Aufgabe gestellt, eine Flotte von 40 -jederzeit kampfbereiten Linienschiffen zu schaffen, mit der er der -dänischen und der schwedischen Flotte, die nur kurze Zeit im letzten -Kriege je über 30 besaßen, überlegen gewesen wäre. Er hat dieses Ziel -zwar nicht erreicht -- bei seinem Tode zählte die Marine 27 -Linienschiffe, von denen 3 unbrauchbar und 9 gebrechlich waren, sowie 6 -Neubauten --, aber er stand doch den geschwächten Nebenbuhlern gleich. -Nach Beendigung des Krieges wurde durch Friedensübungen, im einzelnen und -in Geschwadern, die Schlagfertigkeit der Flotte weiter gepflegt. Freilich -sagt der schon angezogene englische Seeoffizier von seinen russischen -Kameraden: »Fremde tuen gut, ihnen aus dem Wege zu gehen. Bei gutem -Wetter kennt ihre Überhebung keine Grenzen, wenn sie aber bei schlechtem -Wetter Dienst tun sollen, stellen sie sich krank. In der Stunde der -Gefahr versagt ihnen Mut und Tatkraft.« Wie weit dies Urteil zutreffend -war oder auf Abneigung beruhte, muß dahingestellt bleiben. - -$Der Verlauf des Krieges.$ In Schweden war 1697 König Karl XI. gestorben -und Karl XII. hatte mit nur 15 Jahren den Thron bestiegen. Die Nachbarn -hielten die Gelegenheit für günstig, sich auf Kosten Schwedens -auszubreiten: Peter der Große wollte Esthland erobern, um an die Ostsee -zu gelangen; August II., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, wollte -Livland für Polen zurückgewinnen; Friedrich IV. von Dänemark wollte den -Teil Schleswig-Holsteins, der noch im Besitz der Linie Holstein-Gottorp -war, wieder mit Dänemark vereinigen; diese Linie war aber seit langem mit -Schweden verwandt, auch der augenblickliche Herzog war ein Schwager und -Freund Karls XII. Die drei Monarchen verbanden sich 1700 zu einem -Angriffskriege und fielen in die von ihnen begehrten Länder ein, aber der -junge Schwedenkönig zeigte eine unerwartete Tatkraft. - -=Karl= XII. warf sich zunächst nur gegen Dänemark, um sich für den Kampf -im Osten den Rücken freizumachen, da die dänische Flotte seine -Verbindungen mit den anderen Kriegsschauplätzen gefährdete. Mit -Unterstützung einer englisch-holländischen Flotte bedrohte er Kopenhagen -zu Wasser wie zu Lande und zwang Friedrich IV. in wenigen Wochen zum -Frieden (Travendal, 18. August 1700). - - $England und Holland$ nahmen in Hinblick auf das Gleichgewicht in der - Ostsee wie stets bisher die Partei der gefährdeteren Seemacht, sie - waren auch die Bürgen des letzten Vergleichs zwischen Dänemark und dem - Hause Gottorp. Sie sandten Ende Mai eine gemeinsame Flotte, 11 - englische und 13 holländische Linienschiffe, einige Fregatten, 3 - Mörserboote, unter den Admiralen =Rooke= und =de Almonde= zur Ostsee. - Der Befehl lautete, den eigenen Handel zu schützen und die Interessen - des Herzogs von Holstein wahrzunehmen; es war erlaubt, zu diesem Zweck - schwedische Truppen nach Holstein zu führen, nicht aber angriffsweise - vorzugehen, sondern nur Gewalt mit Gewalt zu erwidern. Die Flotte traf - am 19. Juni vor Gothenburg ein, segelte zur Vereinigung mit den - Schweden weiter, ging dann aber vor dem Sunde zu Anker, weil die 33 - Linienschiffe starke dänische Flotte zwischen Kronburg und Hven lag. - Hier wollte man abwarten, ob die Schweden vom Süden herankämen und die - Dänen zum Rückzug auf Kopenhagen nötigten, oder ob die Vereinigung im - Großen Belt stattfinden solle. - - Am 7. Juli ging die dänische Flotte nach Kopenhagen und die Vereinigung - der Engländer und Holländer mit den Schweden fand bei Landskrona statt. - Die schwedische Flotte unter Graf Wachtmeister zählte 29 Linienschiffe, - einige Fregatten sowie ein Mörserboot; 6 schwere Schiffe hatte man - wegen ihres Tiefganges südlich von Kopenhagen gelassen. 2000 Mann waren - eingeschifft, weitere Truppen standen in Landskrona bereit. - - Man beabsichtigte, Kopenhagen von See aus einzuschließen und die - feindlichen Schiffe mit Fregatten und Brandern anzugreifen oder sie zu - beschießen, falls sie sich in den Hafen zurückgezogen hätten. Am 20. - Juli ankerte die Flotte vor der Stadt. Die Dänen hatten die meisten - Schiffe möglichst nahe unter Land gelegt, den Rest auf der inneren - Rhede durch Balkensperren gegen Brander geschützt. Diese Schiffe wurden - von den Mörserbooten während der Nacht beschossen, aber nachdem etwa - 100 Bomben und Brandgeschosse ohne Erfolg geworfen waren, zog man sich - aus dem heftigen feindlichen Feuer zurück. Man beschloß nun, die - Landungstruppen zu holen, und die Schiffe im Hafen sowie die Stadt vom - Norden der Insel Amager her zu beschießen. In der Nacht vom 26./27. - wurden etwa 150 Geschosse verfeuert, jedoch mit ebensowenig Erfolg. Es - ging damals das Gerücht, daß die Angreifer, insbesondere die Engländer - und Holländer, mehr im Auge gehabt hätten einzuschüchtern, als zu - schädigen. Dagegen trafen am 2. August, gedeckt durch schwedische - Kriegsschiffe, die Truppen von Landskrona ein und wurden nach - Vertreiben einiger dänischer Fregatten mit Hilfe der Boote der ganzen - Flotte noch am selben Tage nördlich von der Stadt gelandet; Karl XII. - führte die seinen, als erster mit dem Degen in der Faust aus dem Boote - ins seichte Wasser springend. Durch ungünstiges Wetter verzögert, - wurden die Geschütze und das Belagerungsmaterial erst einige Tage - später ausgeschifft. So von See und Land bedroht, schloß Friedrich IV. - Frieden. - - Die Regierungen Englands und Hollands waren mit dem Vorgehen ihrer - Admirale nicht einverstanden; diese hatten ja auch ihre Weisungen - überschritten. Es kam sofort der Befehl, sich künftig streng an diese - zu halten. Wie früher in ähnlichen Lagen, wünschte man keine zu großen - Erfolge Schwedens. Wilhelm III. schrieb an Heinsius: »Dieser Erfolg, - fürchte ich, wird den König von Schweden so groß machen, daß wir - genügend zu tun haben werden, ihn wieder klein zu bekommen.« Auch - fürchtete man, daß durch Einschreiten Frankreichs zugunsten Dänemarks - ein allgemeiner Krieg entstehen würde. - - Die Admirale erhielten diesen Befehl bei Hven sowie die Weisung, nach - Friedensschluß heimzukommen. Sie blieben aber länger liegen, um den - Rücktransport der schwedischen Truppen abzuwarten, weil auch die - dänische Flotte wieder in den Sund gekommen und bei dem Haß zwischen - den nordischen Völkern ein Zusammenstoß mit den Schweden nicht - ausgeschlossen war. Am 8. September ging Karl XII. mit Flotte und - Truppen nach Schweden zurück. - -Karl XII. wandte sich nun gegen seine Gegner im Osten, und es folgen -einige Jahre (bis 1709), in denen die Kriegführung zur See nicht -hervortritt; sie seien deshalb nur kurz geschildert. Karl landete mit -20000 Mann bei Pernau (Busen von Riga) und warf sich, da das -polnisch-sächsische Heer vor ihm zurückwich, zunächst auf die Russen, die -er mit 8000 Mann gegen 40000 bei Narva (20. November 1700) vernichtend -schlug. Dann trug er bei Riga (12. Juli 1701) einen Sieg über die Sachsen -und Polen davon und hätte jetzt einen günstigen Frieden erzwingen können. -Er drang jedoch weiter vor, eroberte durch verschiedene siegreiche -Schlachten ganz Polen, ließ in Warschau (2. Juli 1704) Stanislaus -Leszczynski zum König wählen und verfolgte August II. bis nach Sachsen. -Hier endlich schloß er Frieden (Altranstädt, 24. September 1706); August -verzichtete auf den polnischen Thron und entsagte jeder Verbindung mit -den Gegnern Schwedens. - -Die mißachtende Vernachlässigung der Russen nach dem glänzenden Siege bei -Narva wurde Karls Verderben; Peter nutzte diese Jahre aus. Er -reorganisierte sein Heer mit Hilfe deutscher Generale, setzte sich in -Ingermanland fest und gründete St. Petersburg; die schwachen schwedischen -Truppen in Livland konnten dies nicht hindern. So fand Karl später einen -kräftigen Gegner vor und Schweden hatte nicht mehr allein mit der -dänischen Marine sondern auch mit der russischen zu rechnen. - -Bis 1708 blieb Karl in Sachsen stehen, um sein Heer wieder schlagfertig -zu machen und zu verstärken; Peter drängte inzwischen die Schweden in -Esthland und Livland weiter zurück und verwüstete Polen, um einen -Vormarsch Karls gegen Rußland zu erschweren. Endlich brach dieser mit -40000 Mann auf, schlug hinter der Beresina einen russischen Heeresteil -(14. August) und überschritt den Dnjepr, um gegen Moskau zu ziehen; eine -Verstärkung von 12000 Mann unter Lewenhaupt wartete er nicht ab. Bei -Smolensk wandte er sich aber nach der Ukräne, wo ihm der Hetman Mazeppa -die ganze Heeresmacht der Kasaken zuzuführen verheißen hatte. Die -Aufwiegelung dieser schlug fehl und Lewenhaupt konnte dem König nur 6000 -Mann bringen, weil er auf dem Anmarsch schwer geschlagen worden war und -seine ganze Bagage verloren hatte. Die Russen wichen beständig aus, das -Heer litt ungemein unter Hunger und Kälte; Karl drang zwar bis =Pultawa= -vor und belagerte die Stadt vom Mai 1709 an, wurde dann aber am 8. Juli -durch den mit Übermacht heranrückenden Peter vernichtend geschlagen. Der -Rest der Schweden, nur 14000 Mann, mußte sich ergeben, Karl floh in die -Türkei. - - Hier reizte Karl den Sultan gegen Rußland auf, er selber wollte das - Heer führen. Aber erst 1711 erklärte der Sultan den Krieg, und wenn - auch Peter durch den Großvezier geschlagen wurde (9. August 1711), so - gelang es ihm doch, durch Bestechung und Abtretung Asows den Frieden - wieder herbeizuführen. Karl blieb bis 1714 in der Türkei; er entschloß - sich erst zur Rückkehr, als er einsah, daß er hier keine Hilfe zu - erwarten habe und als die Nachrichten aus dem Norden immer schlechter - wurden. Nach sechzehntägigem Ritt durch Österreich, Süd- und - Westdeutschland traf er mit 2 Offizieren am 22. November 1714 in - Stralsund ein. - -=Peter der Große= bemächtigte sich in den Jahren 1709 und 1710 ganz -Esthlands und Livlands und ging an den Ausbau einer Ostseeflotte. Auch -die andern Gegner Schwedens regten sich wieder. August II. vertrieb -Leszczynski, Friedrich IV. besetzte Schleswig und versuchte, in Schonen -Fuß zu fassen (vergeblich). Inzwischen verabredeten die Seemächte mit dem -Kaiser einen Waffenstillstand für die schwedisch-deutschen Lande -(Pommern, Bremen-Verden, Stade) und Dänemark, Sachsen sowie die -schwedischen Stände traten auch bei (Haager Conzert, 31. März 1710), da -aber Karl XII. Einspruch erhob und die erstgenannten Mächte nicht tätlich -eingriffen, nahm der Krieg seinen Fortgang. - -Jetzt griff die Kriegführung zur See wieder ein. Die Dänen eroberten -Stade und Verden, die Sachsen und Russen nahmen Schwedisch-Pommern außer -Stralsund und Wismar (1712). Das schon erschöpfte Schweden raffte sich -noch einmal auf. General =Stenbock= besiegte mit 12000 Mann die Dänen bei -Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin; 20. Dezember 1712) und drang in -Schleswig-Holstein ein, wurde aber bei Tönning durch die Übermacht der -Verbündeten zur Kapitulation gezwungen (Mai 1713). Schweden sah sich -genötigt, mit Preußen einen Vertrag abzuschließen, wonach dessen Truppen -Pommern von der Peene bis zur Oder in Sequestration nahmen. Peter war -bereit, dieses Land gegen eine Kriegsentschädigung zu räumen. Rußland war -1714 bis Abo vorgedrungen; Kurland hatte Peter durch Anheiratung an sein -Haus gewonnen. - -Jetzt kam =Karl= XII. zurück. Er erkannte den Vertrag mit Preußen nicht -an, forderte Pommern zurück und vertrieb die preußischen Truppen aus -Usedom und Wollin. Infolgedessen erklärte auch dieser Staat den Krieg und -verband sich mit Rußland und Sachsen; Hannover trat dem Bunde bei, um -sich die von Dänemark gekauften schwedischen Gebiete (Bremen-Verden; -Stade) zu sichern. Die vereinten Truppen belagerten unter =Leopold von -Dessau= Stralsund; Karl XII. verteidigte die Stadt mehrere Monate und -ging erst kurz vor dem Fall (23. Dezember 1715) nach Schweden; im April -1716 mußte auch Wismar kapitulieren. =Schweden hatte seinen ganzen -überseeischen Besitz verloren.= - - $Die Beteiligung der Seestreitkräfte.$ Die Aufgabe der dänischen Marine - war zunächst nicht leicht; 1710 standen ihren 41 Linienschiffen 48 - schwedische gegenüber. Sie sollte die Verbindungen Schwedens mit seinen - festländischen Besitzungen unterbinden, die Operationen der Verbündeten - unterstützen und den eigenen Handel gegen zahlreiche und kühne - schwedische Freibeuter schützen. Dennoch hat sie einige wirksame - Erfolge zu verzeichnen; es kamen ihr allerdings günstige Umstände zu - statten. Als General Stenbock 1712 mit seinem Heere auf 130 - Transportschiffen nach Rügen übergeführt wurde, geleitete ihn Graf - Wachtmeister mit der ganzen Schlachtflotte; kurz nach der Landung - vernichtete die dänische Flotte über 90 der Transporter, Wachtmeister - mußte dagegen wegen einer schweren Seuche an Bord der Schiffe - schleunigst nach Karlskrona zurückkehren und abrüsten. Als dann - Stenbock 1713 in die Enge getrieben war, konnte die dänische Flotte ihm - den Seeweg versperren. - - Von 1715 an mußte Schweden einen Teil seiner Seestreitkräfte gegen - Rußland werfen und seine Marine war durch Geld- und Mannschaftsmangel - geschwächt. Nun wuchs die Bedeutung der dänischen Flotte; in zwei - Gefechten, an der holsteinischen Küste (28. Juli) und bei Rügen (8. - August 1715), wies sie die schwedische zurück. Durch das zweite - Seegefecht hinderte sie die Aufhebung der Blockade und den Entsatz - Stralsunds. Sie ermöglichte dann durch Vernichtung der kleinen Schiffe - im Hafen den Übergang nach Rügen, wodurch die Übergabe der Festung - erzwungen wurde. 1716 trug sie mittels strenger Blockade zur Einnahme - Wismars bei. - - Ebenso unglücklich war die schwedische Flotte den Russen gegenüber. Sie - konnte die allmähliche Eroberung der Südküste Finnlands nicht hindern. - Die russische Schärenflotte zog von Distrikt zu Distrikt und die von - ihr losgelassenen Truppen verwüsteten das Land; =1713= fiel - Helsingfors. Als die Eroberung so bis zum Ausgange des finnischen - Meerbusens vorgedrungen war, stand gerade die russische Hochseeflotte - stark genug da, um die Schärenflotte zu decken und zu unterstützen. - =1715= schlug =Generaladmiral Apraxin=, unter dem Peter selber als - Kontreadmiral diente, die Schweden unter Ehrenskjöld bei =Hangö-Udd=, - wobei sich die Galeren in den engen Gewässern von größtem Nutzen - zeigten. Er bahnte sich dadurch den Weg nach Abo, den Alands-Inseln und - der Küste Finnlands am Bottnischen Busen, die Plünderungszüge dehnten - sich nun bis zu diesen aus. Von =1716= an lag die schwedische Flotte - infolge Geldmangels unausgerüstet in Karlskrona. Angstvoll war sie - eines Angriffs der Dänen gewärtig, die die Küsten Schwedens blockierten - und den Handel völlig unterbanden. - -Von 1716-1718 versuchte =Karl= XII. in drei Feldzügen Norwegen zu -erobern; ihm kam dabei zu statten, daß seine Gegner uneinig wurden. Peter -vermählte eine Nichte mit dem Herzog von Mecklenburg und ließ sein Heer -in diesem Lande stehen, dies machte die Verbündeten stutzig; auch -begannen Verhandlungen zwischen Peter und Karl behufs eines Bündnisses -auf Kosten der anderen Staaten (wir verweisen auf den Plan Alberonis S. -578), der Zar führte deshalb einen schon vorbereiteten Einfall in Schonen -nicht aus. Der hartnäckige Widerstand der norwegischen Bevölkerung, die -schwierigen Verhältnisse des Landes und des Klimas und der schlechte -Zustand des schwedischen Heeres ließen jedoch Karl keine Fortschritte -machen. Er fiel am 11. Dezember 1718 vor Friedrichshall. - - Auch in diesen Jahren war die $dänische Marine$ von Wichtigkeit. - =Tordenskiold= vernichtete mit nur wenig Schiffen im Hafen von Dynekil - (8. Juli 1716) die Transportflotte, die alles, was Schweden mit Mühe an - Truppen und Kriegsmaterial hatte aufbringen können, zur Belagerung - Friedrichshalls bringen sollte. Die schwedische Flotte wurde im - allgemeinen weiter in den Häfen festgehalten, die russische Marine - beteiligte sich jetzt an der Blockade; sie war soweit gewachsen, daß - Peter 1716 zu der erwähnten Landung in Schonen mit 17 Linienschiffen, - zahlreichen Galeren und Truppentransportschiffen in Kopenhagen - erscheinen konnte. 1719 eroberte Tordenskiold die Insel Marstrand und - vernichtete ein schwedisches Geschwader, das mit Erfolg gegen den - dänischen Handel aufgetreten war. - -=Ulrike Eleonore=, die Nachfolgerin Karls, schloß 1719 Frieden mit -Hannover, Polen und Preußen (Stockholm, 20. November) und 1720 mit -Dänemark (Friedrichsborg, 13. Juli), brach aber Verhandlungen mit Peter -ab. Jetzt griffen die Russen Schweden selber an, verwüsteten 1719-1721 -mit immer stärkeren Heeren die Küsten und erzwangen so den Frieden von -Nystadt (10. September 1721). - - 1719 führte =Apraxin= mit 130-150 Galeren sowie zahlreichen - Transportern 30000-40000 Mann an die Küste nördlich von Stockholm; 8 - Ortschaften, 141 Adelssitze, 1361 Höfe, 2 Kupferminen wurden zerstört, - Wälder verbrannt, um die darin liegenden Minen zu vernichten, 80000 - Eisenbarren ins Meer versenkt, gegen 100000 Stücke Vieh getötet. 1720 - hausten die Russen, auf Abo, Helsingfors und Wiborg gestützt, ähnlich - an der Küste von Westerbotten; ein schwedisches Geschwader wurde - zurückgeschlagen. 1721 ward Norrland verwüstet. Daß Stockholm von einem - Angriff bewahrt blieb, ist nur dem Auftreten einer englischen Flotte zu - verdanken; England schränkte überhaupt in den Jahren 1719-1721 die - Tätigkeit der russischen Hochseeflotte etwas ein und machte es so der - schwedischen möglich, sich wieder zu zeigen. - -$Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.$ Wie vor Beginn -des Spanischen Erbfolgekrieges, um 1700 beim ersten Zusammenstoß -Schwedens und Dänemarks, so wandten diese Staaten auch nach seiner -Beendigung ihr Augenmerk auf ihre Interessen in der Ostsee; besonders -England zeigte hier seine Macht auf dem Meere und trug zum Friedenschluß -bei. - -In den Jahren 1715-1718 traten sie gemeinsam zum Schutze ihres Handels -auf, weil Schweden, Dänen und Russen die Neutralität nicht unbedingt -beachteten; das Verhältnis zu Schweden wurde bald zu einer Art -Kriegszustand. Da Rußland von England und Holland Schiffe, Mannschaften -und Kriegsbedarf jeder Art bezog, griff Schweden, besonders seit 1710, -den Handel dieser Länder planmäßig mit Kriegsschiffen und Freibeutern an; -die Handelsschiffe wurden nicht nur auf Kriegskontrebande untersucht, -sondern überhaupt aufgebracht. Die Seemächte sandten deshalb in jedem -dieser Jahre eine gemeinsame Flotte in die Ostsee, die im Vereine mit den -dänischen und russischen Kräften die Schweden in ihren Häfen festhielten, -Freibeuter aufbrachten und Convois geleiteten. Der König von England war -ja als Kurfürst von Hannover mit Schweden im Kriege, doch hatte das -englische Volk hierfür zunächst kein Interesse, als aber die Umtriebe -Karls XII. zugunsten Jakobs III. bekannt wurden, gab es seine -Einwilligung zu ernsterem Vorgehen. - -Nach dem Tode Karls änderte sich die Lage gänzlich. Schweden belästigte -den Handel nicht weiter, Holland brauchte keine Schiffe mehr zu senden. -Eine englische Flotte aber trat in jedem der letzten Jahre zugunsten der -Schweden auf, indem sie die russische Hochseeflotte in Reval festhielt. -Jetzt lag es im Interesse Englands, Peters Erfolge einzuschränken und die -russische Seemacht nicht zu sehr wachsen zu lassen. - - =Die Operationen zur See=: 1715 deckte =Admiral Norris= mit 20 - englischen und 12 holländischen Linienschiffen die Hin- und Rückreise - des Ostsee-Sommerconvois. 1716 kam er mit ähnlicher Stärke, Holland - hatte wegen Geldmangels nur 6 Schiffe gestellt. Als er auf das - Verlangen einer bündigen Erklärung, ob die Schifffahrt jetzt sicher - sei, von Stockholm eine unbestimmte Antwort erhielt, gab er zu - erkennen, daß er nötigenfalls feindselig auftreten werde. Er verband - sich mit den Dänen und Russen in Kopenhagen, die dort für den Einfall - in Schonen bereit lagen. (Anderseits, so wird gesagt, wirkte England - aber auch dahin, daß Peter dieses Unternehmen aufgab.) Der Zar selber - führte die vereinigte Macht nach Bornholm. Von hier aus wurden einzelne - Schiffe gegen schwedische Kreuzer entsandt, die Kauffahrer nach ihren - Bestimmungshäfen geleitet und im Herbst wieder heimgeführt; die - schwedische Flotte konnte natürlich Karlskrona nicht verlassen. Genau - so, nur ohne die Russen, verliefen die Jahre 1717, =Admiral Byng=, und - 1718, wieder Norris. 1717 war Holland nicht imstande, Schiffe zu - stellen. Es gingen dann auch nur 300 anstatt wie sonst 500 holländische - Kauffahrer in die Ostsee, und 1718 sandte man deshalb mit Aufbietung - aller Kräfte wieder 12 Kriegsschiffe. - - =1719= vereinigte sich =Norris= im September mit den Schweden und trieb - die russische Hochseeflotte nach Reval; 1720 und 1721 hielten Norris - und Wachtmeister die Russen den ganzen Sommer über in diesem Hafen - fest. - -=England und Frankreich vermittelten den Frieden.= Beide wünschten nicht, -daß Schweden niedergeschlagen und die Ostsee ein russisches Meer würde; -es war dies besonders für England wichtig, da seine Marine auf die von -dort bezogenen Schiffsbedürfnisse angewiesen war. Die Franzosen schreiben -ihrer Diplomatie den Haupteinfluß zu; sie behaupten auch, daß England -Schweden nur schwach unterstützt habe, weil es die Ostseeprovinzen zu -Nutzen seines Handels gern in Rußlands Händen sah. Dies mag zutreffen; -die englische Flotte hinderte die Verwüstung Schwedens nicht, sie trat -nur demonstrativ auf und hat, abgesehen von dem Einschreiten gegen -Kreuzer in den ersten Jahren, bei allen Operationen kaum einen Schuß -abgegeben. Aber der Druck der englischen Seemacht hat ohne Frage -wesentlich dazu beigetragen, Rußland zum Frieden geneigt zu machen. Peter -erkannte das zielbewußte Vorgehen der Engländer, sah sie vor seiner -eigenen Tür und mußte für seine junge Flotte eine Wiederholung des -Schauspieles vom Cap Passaro fürchten. - - - Venedig und die Türken. - -Im Anfange des 18. Jahrh. fanden in einem letzten Kriege auch die langen -Kämpfe zwischen der Republik Venedig und dem osmanischen Reiche um die -Besitzungen im Ostmittelmeer ihr Ende. Im vorigen Abschnitte (Seite 109) -ist gesagt, daß Venedig mit dem Verluste von =Cypern= (1573) schon nahezu -aus dem Ostmittelmeer verdrängt war und daß es von da an langsam aber -stetig von seiner Großmachtstellung herabstieg. Es ist aber auch erwähnt -worden, daß um diese Zeit die Seemacht des osmanischen Reiches -gleichfalls ihre höchste Blüte erreicht hatte. Ihrem Vordringen im -Westmittelmeer war durch das Abschlagen der Angriffe auf Malta und Korfu -(1565) sowie durch die Schlacht bei Lepanto (1571) ein Ende gemacht -worden. Im Ostmittelmeer setzten die Türken jedoch von der Mitte des 17. -Jahrh. bis 1718 in drei Kriegen gegen Venedig ihre Eroberungen fort.[281] - - [281] Hinweis auf diese Kriege siehe Seite 247, 319, 409. Hauptquellen: - du Sein: »The Ship«. - -$1645$ warfen sie mit einer großen Flotte ein Heer nach $Kreta$, nahmen -=Canea= sowie =Retimo= und belagerten =Candia=. Das Bestreben Venedigs, -der Insel Unterstützung zu bringen, führte zu einem langen Kampfe um die -Seeherrschaft. Mit wechselndem Erfolge wurde gefochten, mehrfach -blockierten die Venetianer die Dardanellen, viele Seegefechte fanden -statt (z. B. 1656 eine große Niederlage der Türken vor den Dardanellen), -aber keine Partei gewann dauernd die Überhand. Zeitweise erhielt Venedig -Unterstützung durch Spanien, die Malteserritter, Genua oder den Papst, -und als Candia nach heldenmütiger Verteidigung zu fallen drohte, sandte -Frankreich eine Flotte mit Landungstruppen. Aber diese Expedition (ihre -Stärke vgl. Seite 319) blieb erfolglos, die Stadt fiel im September -1669. - - Die Truppen wurden unbehindert in die Stadt geworfen (Mitte Juni). In - einem bald darauf unternommenen Ausfall trieb man zuerst die Türken in - ihre Befestigungen zurück, aber dann entstand durch Explosion eines - Pulvermagazins Verwirrung unter den Franzosen, der Führer, Herzog von - Beaufort, fiel und man mußte sich zurückziehen. Nachdem um Ende Juli - die französischen Schiffe, im Verein mit venetianischen, malteser und - päpstlichen Fahrzeugen, die türkischen Batterien ohne Erfolg beschossen - hatten, wurden die Truppen wieder eingeschifft und das Unternehmen - abgebrochen. Mangel an Vorräten, Uneinigkeit mit den Venetianern und - endlich die vorgerückte Jahreszeit werden als Gründe des Mißerfolges - angegeben. - -Nach dem Falle der Hauptstadt eroberten die Türken bald die letzten -festen Plätze der Insel und behielten sie im Besitz. - -$1684-1699$ wurde $ein zweiter Krieg um Morea$ geführt. Als die Türken -vor Wien abgeschlagen waren (Sobieski 1683) und in Ungarn hart bedrängt -wurden, glaubte Venedig die Zeit zur Wiedergewinnung seiner verlorenen -Besitzungen gekommen. Unterstützt durch deutsche Truppen und -Malteserritter gelang es Morea, Ägina sowie einen Teil Dalmatiens zu -erobern; Angriffe auf Euböa und Kreta schlugen dagegen fehl. Im Frieden -von Karlowitz behielt Venedig die genommenen Länder. - - Bei der Belagerung Athens durch die venetianische Flotte sprengte eine - Bombe das Mittelteil des Parthenon, von den Türken als Pulvermagazin - benutzt, in die Luft. - -$1714$ griffen die Türken wieder an und bemächtigten sich leicht Moreas. -Zwar trat 1716 Österreich auf seiten Venedigs und errang große Erfolge -(Prinz Eugen: Peterwardein, Belgrad), aber den Venetianern gegenüber -waren die Türken im Vorteil, besonders auch zur See. Sie behielten im -Frieden von Passarowitz 1718 Morea endgültig. Der Republik Venedig -verblieben nur das tapfer verteidigte Korfu und Dalmatien; sie war somit -in ihren Besitzungen auf das Adriatische Meer beschränkt. Nach diesem -letzten Kriege zog sich die Republik ganz zurück. Sie ließ sich auch -durch den österreichisch-türkischen Krieg 1738-1740 nicht mehr aus einer -Politik der bloßen Erhaltung des Besitzes und der Beschränkung auf den -Schutz ihrer Handelsinteressen herauslocken. =Venedig zählte weder als -Großmacht noch als Seemacht weiter mit.= - -Aber $das osmanische Reich$ trat als Seemacht nicht an seine Stelle, -selbst nicht im Ostmittelmeer. Die türkische Marine, im 16. Jahrh. im -ganzen Mittelmeer gefürchtet, verlor mit dem Rückgang des Reiches stetig -an Kraft und Bedeutung. Wir haben gesehen, daß die Türken weder imstande -waren, ihren Einfluß auf die Barbareskenstaaten aufrecht zu erhalten, -noch diese gegen die Angriffe der neuentstandenen Seemächte zu schützen, -ja daß deren Flotten schon mit Erfolg im Ostmittelmeer auftraten. - - - Die Barbareskenstaaten 1715-1740. - -Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges trat an die Marinen der -Westmächte wiederum die Aufgabe heran, ihren Handel gegen die -Barbareskenstaaten zu schützen. So lange Jahr für Jahr starke -englisch-holländische Flotten im Mittelmeer waren, hatten diese die -Aufgabe mitübernommen und durch abgezweigte Geschwader gelegentlich -Verträge erzwungen. Derartige Erfolge nützten aber, wie wir wissen, -niemals auf längere Zeit, und so belästigten die Raubstaaten von 1715 an -den holländischen Handel wiederum auf das ärgste. Sie hielten sich an -einen Friedensvertrag von 1712 nicht gebunden, da $Holland$ die in diesem -vereinbarte Auslösung von Sklaven nicht durchführte.[282] Bis 1720 wurden -etwa 40 holländische Kauffahrer mit 900 Seeleuten und 6 Millionen Gulden -Ladungswert abgefangen; die Raubstaaten hatten gegen 50 Schiffe, einige -mit 40-50 Kanonen, im Dienst. Die Verhältnisse lagen in Holland so -traurig, daß man sich zunächst darauf beschränken mußte, Freibeuter -ausrüsten zu lassen und die alten, in den Kriegsjahren vernachlässigten -Bestimmungen über die Armierung der Levantefahrer zum Selbstschutz wieder -schärfer durchzuführen. Von 1718 an sandte man jährlich eine Division von -3-4 Kriegsschiffen und erst von 1722 an eine solche von 6-8, kleine -Linienschiffe und schwere Fregatten, in die bedrohten Gewässer; diese -führten denn auch 1725 einen Vertrag mit Algier und 1728 mit Tunis -herbei. Doch hatte infolge der halben Maßregeln der Handel weitere große -Verluste erlitten und Marokko war noch nicht zum Nachgeben gebracht. Dann -wurden die Geschwader wieder kleiner, ja von 1732 an betätigte sich die -Admiralität Amsterdam allein an dem Schutze gegen Marokko; dieser Staat -ging erst 1746 auf einen Vertrag ein. - - [282] So sagt de Jonge, und zwar »wegen Geldmangels« nicht durchführte. - Diese Quelle gibt (Teil IV) wie früher genauere Schilderungen - über die Kämpfe. - -Auch $Frankreich$ entsandte während der Regentschaft und in den ersten -Regierungsjahren Ludwigs XV. kleinere Geschwader, 1728 wurde Tripolis -bombardiert; sie errangen gleichfalls nur zeitliche Erfolge. - -$Englands$ Flagge scheint mehr geachtet gewesen zu sein; es waren wohl -stets genügend Kriegsschiffe auf der Station. Jedenfalls war es ein -Fehler, daß die drei Mächte, die während dieser Jahre in gutem -Einvernehmen standen, sich nicht zur Unterdrückung des Seeraubes -verbanden. Es scheint aber eher das Gegenteil der Fall gewesen zu sein, -denn bei einer besonderen Gelegenheit klagen die Holländer, daß sich ein -von ihnen verfolgtes Raubschiff in den Schutz englischer Kriegsschiffe -geflüchtet habe. - -Ein $Angriff Spaniens auf Gibraltar$ (1727) und der $Polnische -Thronfolgekrieg$ (1733-1735) sollen im nächsten Kapitel (Seite 596/597) -besprochen werden. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Elftes Kapitel. - - Die Zeit von 1721-1739. - - Übergang zum Abschnitt IV. - -Die letzten Jahre unseres Abschnittes bringen keine Kriege, in denen die -Seestreitkräfte eine Rolle spielen; in den ersten zwölf Jahren nach -Beendigung des Nordischen Krieges herrschte überhaupt Friede. Dieser war -jedoch sehr unsicher, überall lag Zündstoff für zukünftige Zusammenstöße -angehäuft. Es genügt für unsere Zwecke, als Übergang zum nächsten -Abschnitt die Hauptpunkte hervorzuheben und die geschichtlichen -Ereignisse bis 1739, dem Ausbruch des nächsten großen Krieges, kurz zu -schildern. - -Spanien mußte unzufrieden mit den Bedingungen sein, die ihm die -Quadrupel-Allianz 1720 aufgezwungen hatte. Sein Hauptkummer war, Neapel -und Sicilien an Österreich, Gibraltar und Port Mahon an England verloren -zu haben, sowie infolge des Assientovertrages durch den englischen -Schmuggelhandel in Westindien schwer benachteiligt zu werden. In all -diesem war England der Hauptfaktor, Spanien mußte in ihm seinen -Hauptfeind sehen. - -Der Kaiser Karl VI. hatte, weil ohne männliche Nachkommen, unter dem -Titel »=Pragmatische Sanktion=« ein Erbfolgegesetz erlassen, nach dem bei -Mangel an männlichen Nachkommen die zur österreichischen Monarchie -gehörigen Länder nach dem Erstgeburtsrecht auf seine Töchter und ihre -Nachkommen, oder weiter auf die Töchter Josephs I. vererbt werden -sollten; er strebte nun dahin, für dieses Gesetz die Anerkennung der -andern Staaten zu gewinnen. Bei England und Holland hatte er aber durch -die Gründung einer ostindischen Handelskompagnie in Ostende großen Anstoß -erregt. Diese Staaten waren ja stets bemüht gewesen, einen Wettbewerb der -bisher spanischen, jetzt österreichischen Niederlande im Seehandel zu -hindern; war doch z. B. in allen Friedensbedingungen die Sperrung der -Schelde für den Handel stets aufrecht erhalten. - -Endlich lag eine Gefahr für den allgemeinen Frieden in den polnischen -Verhältnissen. - -Die Interessen der einzelnen Staaten führten zu verschiedenen, mehrfach -wechselnden Gruppierungen gegeneinander, die beständig den Frieden -bedrohten. Wenn nun dieser dennoch so lange bestehen blieb, so war dies -den leitenden Staatsmännern Frankreichs und Englands zu danken. - -In =Frankreich= regierte tatsächlich seit dem Tode des Regenten und des -Kardinals Dubois (1723) der =Kardinal Fleury=, der Lehrer und seit 1726 -der Minister Ludwigs XV. Dieser wünschte den Frieden, vor allem im -westlichen Europa, zu erhalten, um seinem Lande die Gelegenheit zur -durchaus nötigen Erholung zu geben; vielleicht schreckte er auch infolge -seines hohen Alters vor einem Kriege zurück. Unter seiner -siebzehnjährigen milden Verwaltung blühte auch Frankreich wieder auf, -insbesondere nahmen der Seehandel und die Kolonien großen Aufschwung. - - Frankreichs finanzielle Lage war nach dem Frieden von Utrecht noch - bedenklicher geworden. Kurz sei auf das berüchtigte $Wirken des - Schotten Law$ hingewiesen, der sich anheischig gemacht hatte, die - Staatsfinanzen zu heben: Er gründete 1716 eine Bank auf Aktien und - knüpfte daran 1717 eine Handelskompagnie für Louisiana. Große Summen - strömten herbei, da man dem Publikum vorgespiegelt hatte, das Tal des - Mississippi berge noch größere Reichtümer als Peru. Nun wurden - bedeutende Beträge an Papiergeld ausgegeben; es war nur darauf - berechnet, den Leuten das bare Geld abzulocken, wurde doch sogar - verfügt, daß niemand mehr als 500 Lire an Bargeld besitzen dürfe. Mit - dieser Bank, seit 1718 Staatsbank unter Laws Leitung, und der neuen - Kompagnie vereinigte man 1719 die beiden alten Kompagnien für - Westafrika und Ostindien, nunmehr zusammen die »Compagnie des Indes«, - auch wurde dem Institut die Pachtung der Staatssteuern überlassen. Der - künstlich in die Höhe getriebene Wert der Aktien sank bald auf Null, - das ganze Kartenhaus brach 1720 zusammen: Frankreich war verschuldeter - als vorher. - - Immerhin nahmen infolge des wachgerufenen Spekulationsgeistes und der - augenblicklichen Fülle des Kapitals Handel und Industrie einen - schnellen Aufschwung; die Spannkraft des Volkes, das nicht mehr durch - den Krieg ausgesogen wurde und nicht mehr von der Welt abgeschnitten - war, wirkte im gleichen Sinne. Seehandel und Kolonien hoben sich: - Gegenüber 300 Handelsschiffen beim Tode Ludwigs XIV. zählte die - französische Kauffahrteimarine 20 Jahre später 1800; in Westindien - erlangte Frankreich das Übergewicht über England, französische Quellen - behaupten das gleiche vom Mittelmeerhandel; in Ostindien wuchsen die - Niederlassungen, Isle de Bourbon wurde eine reiche Ackerbaukolonie und - Isle de France ein wichtiger maritimer Stützpunkt -- ein - französisch-indisches Reich, wie jetzt das englische, schien im - Entstehen (vgl. Kapitel XII). - - Gewiß hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses - begünstigt; es ist aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne - gelegen hat, er hätte dann doch wohl die Marine nicht verfallen lassen. - Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf den Kontinent gebannt; mit - Recht sagen französische Autoren: »Die Regierung zog sich gerade in dem - Augenblicke von der See zurück, wo das Volk Anstrengung machte, diese - wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den - nächsten großen Seekriegen.« - -=In England= leitete seit 1721 =Sir Robert Walpole= die Politik; auch -sein Bestreben war, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. Ihn -bestimmte, neben der Rücksicht auf friedliches Erstarken des Handels, der -Umstand, daß die englische Thronfolge noch immer nicht endgültig geregelt -schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine -persönliche Macht zu verlieren. - - Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in - auswärtige Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover - berührten. Schwieriger war es unter dem kriegerischen Georg II., unter - dem sich Walpole überhaupt zunächst nur durch den Einfluß der Königin - halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Königs gewonnen hatte. Es - gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien - (1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen - Thronfolgekrieg fernzuhalten. Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und - er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, das nicht zögerte, jede - bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurückzuweisen. - Einen Handelsstreit mit Spanien benützten endlich auch seine Gegner, - ihn in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen - Rücktritt zur Folge hatte. - -Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik -führte er England zu glänzendem materiellen Aufschwung; diese Politik -durchzuführen, ermöglichte ihm Englands Seemacht. - -$1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf.$ Österreich und Spanien -schlossen ein Bündnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die -pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete, -die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn nötig mit -Waffengewalt, zu unterstützen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, 3. -September) England, Frankreich und Preußen (Preußen, um seine bedrohten -Erbansprüche auf Jülich und Berg sicherzustellen). Rußland zeigte -Neigung, mit Spanien-Österreich zu gehen, und auch Preußen wurde 1726 auf -diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion -an; dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Gründung -der Ostende-Kompagnie, sowie Dänemark und Schweden, beide Rußland -fürchtend, zu gewinnen. Zum erklärten Kriege kam es nicht. Spanien -versuchte, sich Gibraltars zu bemächtigen, jedoch die englische Flotte -verhinderte es und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten. - - $England entsandte 1726 drei Geschwader:$ - - 1. 9 Linienschiffe an die spanische Küste, die dort vom Juli bis zum - Herbst kreuzten - - 2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee - (April-November), um Dänemark und Schweden zu schützen; Rußland hatte - eine starke Flotte unter Generaladmiral Apraxin in Kronstadt - zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich ein dänisches Geschwader und - mit Rücksicht auf diese Macht ließ sich Rußland bewegen, wieder - abzurüsten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber - dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom - selbstmörderischen Kampfe gefolgt sein. - - 3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den - Kräften der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien - Anfang Juni bei Porto Bello. Infolgedessen löschte die schon beladene - Silberflotte wieder und die zur Begleitung bestimmten Kriegsschiffe - legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien für mehrere Jahre völlig - blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten - (Walpoles strenge Friedenspolitik). - - Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhältnisse - jener Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche - Sterblichkeit. In den ersten zwei Jahren starben die Admirale Hosier - und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate nach seinem Eintreffen, - 7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere und - Mannschaften. - - $Spanien greift 1727 Gibraltar an.$ Dieses Vorgehen in Westindien - empfand Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte - Gibraltar anzugreifen; früh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die - Belagerung. Zum Entsatz erschien im Februar Admiral Wager mit 8 - Linienschiffen, darunter 5 zu 70-80 Kanonen. Er führte viel Munition - und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon 5 - Linienschiffe sowie 2 Mörserboote an. Truppen und Vorräte wurde - gelandet, die Belagerungsarbeiten durch die Mörserboote und kleinere - Fahrzeuge unter flankierendes Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte - Wager in der Straße und vor Cadiz und brachte viele Schiffe auf. Der - Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von - Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen, - setzte Wager seine Gewaltmaßregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728 - wurde Frieden geschlossen; beschleunigt, als England eine - Verstärkungsflotte rüstete. - - $In den nördlichen Gewässern$ wurden in diesen Jahren gleichfalls - Streitkräfte für den Fall bereitgehalten, daß der Krieg mit Österreich - ausbrechen sollte, sowie überhaupt zu Demonstrationen. Hieran - beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren - beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen ließ; 1729 - vereinigten sich 8 Linienschiffe und 4 schwere Fregatten mit 21 engl. - Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner eine englische - Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Rußland in der - Ostsee. - -Diese mehrjährige Spannung endete damit, daß der spanisch-österreichische -Bund gelöst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen -Kompagnie in Ostende; Spanien ließ (Vertrag von Sevilla 1729) seine -Ansprüche auf Gibraltar und Port Mahon endgültig fallen. - -$1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus.$ Nach dem Tode Augusts II. -wurde in Polen wiederum =Stanislaus Leszczynski= zum König erwählt. -Rußland und Österreich erkannten ihn nicht an, sondern traten für -=August= III. auf, wofür dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; die -Russen rückten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis des -Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; der -gemeinsame Haß gegen Österreich führte diese natürlichen Verbündeten -jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schloß sich in der Hoffnung an, -Mailand zu gewinnen. Die Verbündeten sicherten sich Englands und Hollands -Neutralität durch das Versprechen, die österreichischen Niederlande nicht -erobern zu wollen; im Oktober erklärten sie den Krieg an Österreich und -griffen an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die -Franzosen Lothringen und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die -Lombardei bis Mantua. Der König Stanislaus konnte sich jedoch in Polen -nicht halten; =eine beabsichtigte Unterstützung seitens der Franzosen -über See= unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands fürchtete. - - =Stanislaus= wurde bald durch den russischen General Münnich in - =Danzig= eingeschlossen. =Fleury= hatte den Befehl zur Ausrüstung von - 34 Linienschiffen in Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin - übernahm den Befehl über die sich bildende Flotte. Dieser machte sich - anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches Geschwader - erschiene; ein solches war tatsächlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit - seinem Befehle nur der öffentlichen Meinung ein Zugeständnis machen - wollen; er hütete sich, England, das trotz seiner Neutralität eine - große Flotte zusammengezogen hatte, durch tatkräftiges Auftreten zur - See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division mit 1500 Soldaten und - sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese ließ sich dann - durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dänischen - Gewässern zurückhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl französischer - Edelleute erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte - blockiert, mußte nach tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der König - rettete sich durch Flucht. - -Schon 1735 wurde ein =Präliminarfrieden zu Wien= (definitiv 1738) -geschlossen: August III. wurde als König von Polen anerkannt; Stanislaus -erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen -sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige -Herzog von Lothringen erhielt Parma; Österreich mußte seine -süditalienischen Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn -des Königs von Spanien abtreten. - -$Der Bourbonische Familienvertrag.$ So hatte Walpoles Friedenspolitik -England dahin geführt, einen alten Verbündeten, Österreich, preiszugeben, -und sein Lohn war, daß der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als -=Königreich beider Sicilien=, in bourbonische Hände und damit unter den -Einfluß Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst von Fleury -verraten. In dem Vertrage zwischen den Häusern Bourbon war nämlich $eine -geheime Klausel$ folgenden Inhalts aufgenommen: »Wenn es Spanien und -Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die -Mißbräuche, die sich besonders durch die Engländer in den Handel -eingeschlichen haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem -widersetzen sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen -Auftreten mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen.« Bei dem -gespannten Verhältnis zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen -den Keim zu den baldigen großen Kriegen zwischen England und dem Hause -Bourbon in sich. - -=Die Spannung zwischen England und Spanien= blieb aber auch nach dem -Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von Reibungen in -Handelsinteressen beständig zu. So sandte z. B. England 1735 eine Flotte -nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, weil -der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der -Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige -Beschränkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen Ländern, -während das Mutterland selber nicht für ihre Bedürfnisse sorgte, mußte -zum Schmuggelhandel führen. Diesen betrieben besonders die Engländer, -indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmäßigen Handel -einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite 576 und 601). Der -Zustand war den Kolonisten günstig und wurde von ihnen, sogar von den -Gouverneuren, gefördert, aber die Regierung erlitt Verluste und fühlte -sich verletzt; sie ergriff Maßregeln zu strengerer Überwachung. Hierbei -ging sie oft zu schroff, ungesetzmäßig und grausam vor, aber auch die -englischen Seefahrer führten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer früheren -großen Freibeuter: »no peace beyond the line.« Wir werden im nächsten -Abschnitt näher hierauf eingehen; hier genüge es, zu sagen, daß gerade -Reibungen dieser Art, von den Widersachern Walpoles noch geschickt -benutzt, das englische Volk $1739$ bis zur $Kriegserklärung gegen -Spanien$ brachten. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zwölftes Kapitel. - - Die Kolonien von 1648-1740.[283] - -Wir haben die Gründung der Kolonien im Abschnitt II (Seite 57-90) bis -etwa 1648 verfolgt und im Abschnitt III bei der Schilderung der Seekriege -die Kämpfe dort soweit erwähnt, als sie taktisch und strategisch wichtig -oder auf den Verlauf des Krieges von größerem Einfluß gewesen sind; -beides war nur in geringem Maße der Fall. In den Kriegen der zweiten -Hälfte des 18. Jahrh. aber bleiben die Ereignisse in den fernen -Gewässern nicht mehr nur Ausläufer des in Europa ausgefochtenen -Entscheidungskampfes, die Kolonien hatten an Bedeutung gewonnen. Es -handelt sich jetzt um die Seeherrschaft in weiterem Sinne: um den Einfluß -auf fremde Länder, den Besitz von Kolonien und die von ihnen abhängige -Vermehrung des Nationalwohlstandes der Staaten. - - [283] Hauptquelle Zimmermann, »Europäische Kolonien«, Band I, Spanien, - Portugal; Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; - Band V, Niederlande. - -Um ihre überseeischen Verhältnisse -- nämlich Umfang, Wert und innere -Kraft ihrer Besitzungen dort -- zu Beginn des nächsten Abschnittes kennen -zu lernen, soweit dies für unsere Zwecke nötig ist, muß ein Überblick -über die Geschichte der Kolonien von 1648-1740 gegeben werden. - - - Mittel- und Südamerika. Westindien. - -$Spanien.$ Es ist früher (Seite 69 ff.) die Kolonialpolitik Spaniens in -großen Zügen gekennzeichnet und auch auf ihren ungünstigen Einfluß -hingewiesen worden; diese Verhältnisse blieben die gleichen, ja sie -gestalteten sich noch ungünstiger. - - Zimmermann (Band I, Seite 355) leitet den Abschnitt »Die Entwicklung - der spanischen Kolonien von 1600-1800« mit den Worten ein: »Die - spanische Kolonialpolitik nimmt nach Beendigung der großen Zeit der - Eroberungen von Jahr zu Jahr einen einförmigeren Charakter an, die - Verwaltung der einzelnen Kolonien verknöchert immer mehr, die - Mißbräuche nehmen ohne Unterlaß zu und Spanien erweist sich als nicht - fähig, die reichen Gebiete seines überseeischen Besitzes zu einer ihren - natürlichen Anlagen entsprechenden Entwicklung zu bringen«. - -Die Verwaltung der Länder bezweckte weiter nur,. möglichst viel Geld aus -ihnen zu ziehen, aber nie genügten die eingegangenen Beträge der -Regierung in Spanien. Dies führte zur Auspressung aller Rassen, zu -ungesetzlichem Arbeitszwang der Indianer, und hierbei arbeiteten die -Beamten auch noch in ihre eigenen Taschen; sie waren aber durch schlechte -Besoldung zu Bestechlichkeit und Veruntreuung verführt, ja gedrängt -worden. Die Erpressungen riefen Aufstände hervor, besonders der Farbigen. -Verschiedene Reformversuche durch Entsendung tüchtiger und -zuverlässigerer höherer Beamten hatten keinen, oder doch keinen dauernden -Erfolg, da die gefährdeten Beamtenkreise usw. diesen entgegenarbeiteten, -sogar innere Unruhen herbeiführten. Dies und die Beschränkung des Handels -hinderte die volle Entwicklung und lähmte die Kraft der Kolonien gegen -äußere Feinde, wenn auch die Bevölkerung zunahm. Da nun auch das -Mutterland keinen genügenden Schutz gewähren konnte, so waren Handel und -Küsten der Kolonien in der fast ununterbrochenen Kriegszeit von 1648 an -wie in dem Jahrhundert vorher den Angriffen der Feinde Spaniens -ausgesetzt; wir haben die Hauptereignisse kennen gelernt. - -Oft war dann der Verkehr mit Europa völlig unterbrochen, aber auch in -Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung möglich. Das -Seeräuberunwesen wuchs während des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680 -sollen gegen 10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt- -aber nicht alleinigen Sitz, gewohnt haben. - - Sie hausten nicht nur auf See, sondern plünderten auch die Küsten. Fast - in jedem Jahre unternahmen sie größere Züge, so z. B.: 1662, 1665, 1668 - Einfälle in Kuba; Plünderungen von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya, - Leon, Realeja 1685, von Guayaquil 1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u. - a. m. Oft wurden sie von den Engländern oder Franzosen unterstützt, von - den erstgenannten z. B. bei den Einfällen in Kuba; wir sahen sie auch - an Kriegszügen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche der - Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gänzlich zu zerstören, - hatten selten und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch - den Engländern lästig fielen, wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des - 18. Jahrh.). - -Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil -aus dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden -und der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevölkerung und -ihrer Bedürfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in -Kriegszeiten, wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und -die Überwachung nicht streng durchgeführt werden konnte. Als im -Spanischen Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen -Kolonien mitübernommen hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum -Handel mit ihnen. Nach dem Frieden von Utrecht hörten die Angriffe auf -und, da gleichzeitig auch die Seeräuber mehr im Zaum gehalten wurden, -konnten die Kolonien aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der -Beteiligung der Fremden am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt -wurde der unerlaubte Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag -(siehe Seite 576) begünstigt. - - Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages über die Negereinfuhr - nach Kuba, Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage - und Bedürfnisse der Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den - Stand, massenhaft verbotene Ware einzuführen; besonders das Recht - Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello zu senden, begünstigte - den Schleichhandel. Alle Gegenmaßregeln der spanischen Regierung - fruchteten nicht, die Beamten ließen sich bestechen und die Kolonisten - begünstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drückten gern ein Auge - zu. - -Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, so war -die Zahl der Durchschlüpfenden doch größer, und in wenigen Jahren rissen -die Engländer den ganzen Handel an sich. Für die Kolonien war dies -vorteilhaft, ihr Handel blühte auf, aber die Regierung und das Mutterland -wurden arg geschädigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelöst und -gleichzeitig dem Verkehr mehr Freiheit gewährt wurde, betrug der Umfang -des Handels zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon -entfielen 224 auf den englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also -nur 22%. Das waren die Früchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik. - -Soviel über die Verhältnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. Auf -den Inseln =Kuba=, =Haiti=, =Portorico= stand es noch ungünstiger, denn -diese waren bei weitem nicht so bevölkert als die Festlandskolonien, da -hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande -weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten -ausgesetzt. Sie wurden bald von den französischen und englischen Inseln -überholt. Um die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und -Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) 40000 Einwohner aller Farben. Kuba -exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche -hiermit die Angaben für die englischen und französischen Besitzungen. Das -doch nur schwach bevölkerte Spanisch-Haiti brachte nicht genug für den -eigenen Bedarf hervor und mußte von Mexiko unterstützt werden, während -Französisch-Haiti (nur 1/5 der Insel aber mit gegen 300000 Einwohnern, -worunter 40000 Weiße) mehr als 6 Millionen Francs abwarf. - -=Spanien besaß= 1740 =in Amerika=: Die Vizekönigreiche Mexiko und Peru, -die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), Neu-Granada (mit -Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und die Inseln Kuba, -Portorico, Haiti (4/5). =Verloren hatte es= im letzten Jahrhundert: -Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil von Haiti, 1659 -von Frankreich besetzt und 1677 als französischer Besitz anerkannt; -verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder gar nur -beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Völker übergegangen waren. -Jamaica war, als wichtiger Stützpunkt für die westindischen Gewässer und -auch gegen die Festlandsküste, ein schwerer Verlust. - -$England$ hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige -Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite 85) sowie 1655 den -Spaniern Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich -der Besitz und man kann wohl sagen, daß alle Inseln gediehen, besonders -als die früh begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. großen Umfang annahm. -Einige Angaben mögen dieses veranschaulichen. - -=Barbados=: Nach dem mißlungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die Insel in -den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre Milizen -hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen französische Besitzungen. -Zuckerindustrie und Handel blühten schnell auf; 1656 zählte man 25000 -weiße Einwohner und einen jährlichen Verkehr von 100 Schiffen; 1753 -bestand die Bevölkerung aus 20000 Weißen sowie 69000 Negern und 200000 -Ztr. Zucker wurden ausgeführt. - -=Jamaica=: Es war anfangs schwierig, festen Fuß zu fassen, da die mit -ihren Negern in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten die -Ansiedlungen bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche -abgeschlagen werden mußten; erst im Jahre 1660 räumten die letzten -Spanier die Insel; mit den Negern in den Bergen (»Maroons« genannt), die -stets weiter durch entlaufene Sklaven verstärkt wurden, mußte noch 150 -Jahre gekämpft werden. Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner -Anhänger ein; es wurde besonders Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber -auch Seeraub, betrieben. Ein berühmter Flibustier, Morgan, führte sogar -eine Zeitlang die Geschäfte des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn -teilgenommen haben. 1673 zählte man 8500 Weiße und 9500 Neger, der -Zuckerrohrbau erreichte hier die höchste Blüte. 1694 wurde die Insel von -den Franzosen geplündert. Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs -die Negereinfuhr sehr; von 1709-1775 sind 472700 Sklaven eingeführt -worden. 1744 betrug der Wert der Einfuhr von England 150000 Lstrl., der -der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man -vergleiche dies mit den Angaben über Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren -12700 Weiße, 4000 freie Neger und 19200 Sklaven auf der Insel. - -=St. Christopher= (St. Kitts), 1625 von Engländern und Franzosen -gemeinsam besiedelt, hatte während der Kriege viel zu leiden, da die -beiden Völker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten; -erst 1713 ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands über und -blühte nun schnell auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weiße und -10000 Neger vorhanden. Von hier aus hatten die Engländer noch im 17. -Jahrh. verschiedene der Leewardinseln in Besitz genommen: =Nevis=, -=Antigua=, =Montserrat=. Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen -3500 Weiße, 27000 Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die -Virgin-Inseln besiedelt. Wie St. Christopher, so hatten auch die andern -Leewardinseln während der Kriege unter dem wechselnden Waffenglück zu -leiden. - -Die =Bermudas=, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie -zählten 1750 gegen 6400 Weiße und 5000 Neger. Auf den =Bahamas= ließen -sich die Engländer 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die -Spanier, 1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwüstet, -blieben die Inseln lange ein Sitz von Seeräubern und entwickelten sich -erst langsam nach einer Strafexpedition 1717. - -=Auf dem Festlande= war der englische Besitz nur gering. Versuche, sich -an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang es, -eine Ansiedelung in =Belize= zu gründen, die von Jamaica aus geschützt -und 1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte -König der Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige -=Britisch-Honduras=). Die Niederlassungen in =Guayana= -- 1652 gegründet, -1654 durch Eroberung von französischem und 1665 von holländischem Besitz -dort erweitert -- waren 1664 und 1667 wieder geräumt worden. - -$Frankreich$ hatte unter =Richelieu= begonnen, in Westindien -Niederlassungen zu gründen (Seite 90), zuerst auf St. Christopher. 1635 -wurden der Compagnie des îles de l'Amérique sämtliche zu kolonisierenden -Inseln zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen; -der König setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft -verpflichtete sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen -anzusiedeln. Man wollte die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfähige -Kolonien gründen, allerdings sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach -Frankreich senden und nur von dort ihre Bedürfnisse beziehen. Von -1635-1651 waren in Besitz genommen: =Guadeloupe=, =Martinique=, =Marie -Galante=, =St. Martin=, =Les Saintes=, =St. Croix=. Französische -Abenteurer setzten sich auf Tortuga fest, gingen von hier nach der -Westküste Haitis hinüber und gründeten die Kolonie =St. Domingue=. - - Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war genötigt, aufgegriffene - Bettler und Arbeitsscheue, ja Sträflinge, hinzusenden, sogenannte - Engagés, die die ersten drei Jahre nur für freie Station arbeiten - mußten. Protestanten wurde die Einwanderung nicht gestattet, obgleich - solche wohl gerade Neigung gehabt hätten, wie auch von England gern - Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch - England litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich - mußte besonders die Hinneigung der Hugenotten zu den Holländern und - Engländern fürchten. 1642 zählte man 7000 Weiße auf den französischen - Antillen. - -Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze -Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie -nachstehende Angaben zeigen werden. Sie überstanden den Niedergang des -französischen Seewesens während der Frondezeit; der Handel ging zwar in -englische und holländische Hände über, die Kompagnie mußte ihren Besitz -an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. =Colbert= -versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunächst auf dem Wege -Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales, -erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Südamerika sowie in -Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden, -zeigte sich aber auch nicht leistungsfähig: Es mangelte an Mitteln, weil -das französische Kapital noch kein Vertrauen zu überseeischen -Unternehmungen hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu -hohe Preise. Unruhen waren die Folge und Engländer wie Holländer -versuchten in den Kriegen 1665-1667 und 1672-1678 sich der Kolonien zu -bemächtigen. Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung übernahm selber -die Verwaltung, Gesellschaften wurden nur für Handel zugelassen. Es war -dies also ein vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht -eigentlich im Sinne Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien für das -Mutterland nutzbar zu machen, schärfer durchführen konnte. Er gab den -Handel für alle Franzosen frei, schloß die Fremden aber noch strenger -aus; er bestimmte nach den Bedürfnissen Frankreichs, was gebaut werden -sollte (Zucker, Tabak, Farbhölzer, Kakao); er sorgte für stärkere -Negereinfuhr, aber nur durch Franzosen. 1683 hatte Französisch-Westindien -40000 weiße Einwohner und erzeugte schon Zucker über Frankreichs Bedarf. -Nach Colberts Tode ging die Einwohnerzahl zurück infolge der durch die -Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung holländischer Juden und der harten -Behandlung der Hugenotten, deren beider Einwanderung Colbert begünstigt -hatte. Dies war um so empfindlicher für die Kolonien, weil gerade der -Krieg 1688-1697 ausbrach und neue Angriffe der Engländer brachte. Der -Wohlstand litt beträchtlich, weil die Verbindung mit dem Mutterlande -meist unterbrochen war und auch die Negereinfuhr stockte. Der Krieg -1702-1713 hatte ähnliche Schwierigkeiten im Gefolge. Martinique, -Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, wie wir wissen, in den -Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt. - -Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung, -besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten -weiter gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des -französischen Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent, -=Philipp von Orleans=, griff durch die Gründung eines Conseil de Commerce -bessernd ein; die Gründungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die -Compagnie des Indes), die friedliche Politik =Fleurys= äußerten ihre -Wirkung. Wenn auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete, -wodurch sogar Unruhen hervorgerufen wurden, trotz verschiedener -Negeraufstände und obgleich der Seeraub noch nicht ganz aufhörte, wuchsen -Bevölkerung und Wohlstand ganz ungemein. 1754 zählte Martinique 24000 -Weiße (60000 Neger), Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000 -(230000). Die französische Bevölkerung Westindiens war also der -englischen weit überlegen, von der spanischen gar nicht zu reden; die -Ausfuhr hatte einen Wert von 150 Millionen Lire, der Seehandel -beschäftigte 500 Schiffe. - -=Auf dem Festland= besaß Frankreich, seit 1664, nur =Cayenne=, kurze Zeit -1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; 1730 gab -es hier 20 Zuckerfabriken und große Kaffeeplantagen. - -$Holland$ besaß in Westindien nur =Curaçao= mit seinen kleinen -Nebeninseln und von den Antillen =St. Eustache=, =Saba=, sowie die Hälfte -von =St. Martin= und auf dem Festlande =Surinam=. Hollands Versuch, in -Brasilien ein größeres Kolonialreich zu gründen, war gescheitert, wie wir -wissen (vgl. Seite 88, Seite 198). - -$Dänemark$ hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln =St. -Thomas= und =St. John= 1733 noch =St. Croix= von Frankreich durch Kauf -erworben. - -$Portugal$ besaß =Brasilien=. Bei der Schilderung der Kriege haben wir -gesehen, daß diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals -und auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt -gewesen ist: insbesondere denen der Engländer 1586-1604 (Seite 134), der -Holländer 1604-1640 (Seite 88), der Franzosen im Spanischen -Erbfolgekriege (Seite 556). Über die inneren Verhältnisse der Kolonie -genügt es, zu sagen, daß sie ähnlich wie in den spanischen lagen: -Ausbeutung und Unterdrückung jeder Selbständigkeit im geistigen und -wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; Ausschluß der Fremden; -grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der Kolonisten trotz aller -Gesetze und aller Bemühungen der Jesuiten. Die Folge dieser Schäden waren -häufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald wichtig für das -Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an Zucker und -Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in größerer -Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand. - - - Nordamerika. - -$England$ hatte um 1648 die Küste von Virginia bis Maine besiedelt (Seite -85), das diese Strecke unterbrechende holländische Neuniederland war 1664 -erobert (Seite 252 und Seite 350). 1663 wurde Karolina in Besitz genommen -und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England Acadia (mit -Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung Georgias. -Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der heutigen Union =die -13 englischen Kolonien=, die sich später lossagten, nämlich: =die vier -nördlichen Kolonien=, die sogenannten =Neuenglandstaaten= New Hampshire, -Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die =fünf mittleren= -New York, New Jersey, Delaware (die früher holländischen -Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; die =vier südlichen= -Virginien, Nord- und Süd-Karolina, Georgia. - -Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer -wachsende Einwanderung an Umfang, Bevölkerung und Wohlstand ungemein -zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur in -fast ununterbrochenen Kämpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stämmen -der Küste), die sich bald der Ausdehnung hartnäckig entgegensetzten und -zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kämpfen mit den französischen -Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter sich, ehe die -Grenzfragen einen gewissen Abschluß gefunden hatten, sondern auch -wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.[284] - - [284] Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen - Kolonien, auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in - Zimmermann, Band II. Die obige Kürze der Darstellung führt - notgedrungen zu Ungenauigkeiten. - -Den älteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbständige -Verwaltung zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder -Vereinigungen gegründet waren -- Massachusetts (Puritaner), Connecticut, -Rhode-Island -- aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren -(Eigentümerkolonien) -- Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von -York), Pennsylvanien (William Penn) --, sowie denen, die frühzeitig -Kronkolonien wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen wählten den Rat des -Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten -nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die -Kolonien von sich abhängiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II. -und Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie für -England oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und -Wandel, Unzufriedenheit, selbst Unruhen waren die Folge. - - Der Hauptkampf der Regierung ging naturgemäß gegen die Staaten mit der - freiesten Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die später in - erstem aufgegangenen New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien - waren ohne jede Beihilfe der Regierung gegründet und hatten sich schon - zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. 1686 ernannte - Jakob II. einen Generalgouverneur über sie sowie über Newyork, das - schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und - Newyersey; gewaltsam wurden die alten Freibriefe überall eingezogen. - -1688 war die Freiheit der Kolonien in großer Gefahr, sie begrüßten daher -den Sturz Jakobs II. als eine Erlösung; überall verjagte man die -Gouverneure und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu -verschaffen. Aber die Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt -allmächtige Parlament setzte, wurden nur in geringem Maße erfüllt. Kein -englischer Staatsmann war geneigt, den Kolonien die alte Selbständigkeit -wiederzugeben, man brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus -ihnen bezogen hatte. Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der -Opposition, wurde zwar durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia -vergrößert, aber nach einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein -Rat vom Könige ernannt; der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte, -ohne seine Genehmigung durften keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet -werden. Die wichtige Kolonie kam so in fast gleiche Lage wie die -bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte man auch bald sämtliche -Eigentümerkolonien, indem man Verlegenheiten der Besitzer benutzte. Den -noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. Connecticut und Rhode-Island, -ließ man mehr Freiheiten. - - =Handel und Schiffahrt blieben beschränkt=: Nur in England oder in den - Kolonien gebaute, in englischem Eigentum befindliche und mit Engländern - bemannte Schiffe sollten zum Handel zugelassen werden; der Absatz der - Erzeugnisse war nur in England oder durch dessen Vermittlung gestattet. - Die Ausfuhr von Wolle war ganz verboten, die von Holz beschränkt; zu - Masten geeignete Bäume durften nur mit königlicher Erlaubnis gefällt - werden. Die Eisenbearbeitung war begrenzt, die Errichtung von Hochöfen - untersagt und dgl. Man wachte eben darüber, keine Industrie aufkommen - zu lassen, um die des Mutterlandes zu schützen und ihren Absatz in den - Kolonien zu fördern. Das Parlament nahm auch weiter das - Besteuerungsrecht in Anspruch. Die Kolonien bestritten es aber - ernstlich, weil sie nicht im Parlament vertreten seien; diese - Auffassung brachten sie auch dadurch zum Ausdruck, daß sie alle aus - England kommenden Vorschriften erst durch die eigenen Parlamente zum - Gesetz erhoben. Zölle und Schiffahrtsabgaben ließen sie sich allenfalls - gefallen, gegen direkte Steuern würde sich jedenfalls allgemeiner - Widerstand erhoben haben; die Regierung sah dies auch ein. Die Folge - der Handelspolitik Englands war eine stete Verschlechterung der - amerikanischen Geldverhältnisse. Die Kolonien waren dem Mutterlande - tief verschuldet. Von dort erhielten sie reichlichen Kredit zu - Unternehmungen aller Art, da sie aber bei dem Handelsverbot aus anderen - Ländern kein Geld bekamen und die Schulden in England nicht immer mit - ihren Erzeugnissen decken konnten, entstand bald Mangel an barem Gelde. - Während der Kriege vor und nach 1700 mußte Papiergeld ausgegeben - werden; dieses verdrängte bald das Metallgeld, sank tief im Kurse, und - der Handelsverkehr wurde durch den unsicheren Wert der Zahlungsmittel - sehr beeinträchtigt. - -Trotz aller Hindernisse schritt die Entwicklung stetig fort. Schon um -1688, zur Zeit des ersten größeren Krieges um Kanada (vgl. Seite 473), -zählte das englische Nordamerika gegen 200000 weiße Einwohner, zur Zeit -des zweiten Krieges (1702, vgl. Seite 565) 260000. Hierzu kamen in den -südlichen Staaten Negersklaven, doch war die Zahl noch gering, in -Virginia zählte man um 1671 etwa 2000 und 1700 etwa 6000; in den -nördlichen Staaten dienten nur sehr wenige auf den Farmen, da die -Regierung die Einführung hinderte. Auch der Landbesitz nahm stetig zu, -die Indianer wurden immer weiter zurückgedrängt. Im Westen erstreckten -sich um 1730 die Farmen bis über die Berge westlich der -Neuenglandstaaten, 1724 war das erste Fort (Dummes) im späteren Staate -Vermont errichtet. Handel, Schiffbau und Schiffahrt wuchsen: 1738 wurden -in Boston allein 38 Schiffe erbaut; 400 Schiffe besorgten jährlich die -Ausfuhr Philadelphias, 200-300 die Charlestowns (Karolina). 1744, bei -Beginn des ersten Krieges um Kanada im nächsten Abschnitt, kann man mit -einer Gesamteinwohnerzahl der englischen Kolonien von 1200000 Seelen, -darunter eine Million Weiße, rechnen; auf die 4 Neuenglandstaaten kamen -allein 400000 Weiße. - - Für 1756, Ausbruch des letzten Krieges um Kanada, liegen genauere - Angaben vor. Die Neuenglandstaaten zählten 425000 Weiße, 11000 Neger; - die mittleren Staaten 457000 bezw. 71000; die Südstaaten 283000 bezw. - 178000. Ganz Englisch-Nordamerika also 1200000 Weiße und 260000 Neger. - Man sieht die ungeheure Zunahme der Sklaven, Virginia besaß allein - 120000; hier war eine Klasse reicher Plantagenbesitzer von hohem - Selbstbewußtsein entstanden. - -In den englischen Niederlassungen war jene Form der Kolonisation zur -höchsten Entfaltung gekommen, die England eigentümlich ist: Eine -Gemeinschaft freier Männer, im wesentlichen sich selbst regierend und auf -sich selbst angewiesen, dabei aber mit Begeisterung am alten Vaterlande -hängend. Der Beschäftigung nach waren die Kolonisten Ackerbauer, -Kaufleute und Seeleute zugleich; in der Beschaffenheit ihres Landes und -seiner Erzeugnisse, in seiner langen Küste mit geschützten Häfen hatten -sie alle Elemente der Seemacht vereinigt und auch schon viel für deren -Entwicklung getan; äußerst eifersüchtig waren sie auf Franzosen und -Kanadier. In einem solchen Lande und in einer solchen Bevölkerung hatten -die englische Marine und Armee in den nächsten Kriegen eine sichere -Grundlage auf der westlichen Halbkugel. - - Allerdings wurden die Kolonisten immer unzufriedener mit den Maßnahmen - der Regierung. Der Interessengegensatz der sich immer stärker - bevölkernden Neuenglandstaaten zum Mutterlande wuchs von Jahr zu Jahr. - Er wurde dadurch verstärkt, daß viele Einwanderer aus Irland, - Deutschland usw. kamen, die durch keine Bande an England gefesselt - waren; die erstarkende Presse schürte und wurde von der öffentlichen - Meinung in Schutz genommen. Immer selbstbewußter wurden die Kolonien, - immer energischer beanspruchten sie die alten Freiheiten; schon 1705 - sagten Stimmen in England voraus, daß sie sich einst freimachen würden. - Noch waren sie aber nicht zum Abfall reif, noch waren sie zu stolz auf - die Macht des Mutterlandes und auch noch zu sehr in Sorgen wegen der - Indianer und der Franzosen in Kanada. - -Für $Frankreich$[285] lagen die Verhältnisse in Nordamerika ganz anders. -Wir hörten, daß die Ansiedlung in $Acadia$ und $Kanada$ (Quebec) nur -geringe Fortschritte machte (Seite 89). Die unter Richelieu gegründete -Gesellschaft hatte nur den Pelzhandel im Auge; sie vergab zwar weite -Landstrecken an Unternehmer, um sie zu besiedeln, aber infolge der -Einschränkung der Kolonisten durch die Vorrechte der Kompagnie fanden -sich nur wenig Einwanderer. Jesuiten dagegen gründeten Stationen zur -Bekehrung der Huronen am St. Lorenz- und am Ontario-See. 1642 zählte -Kanada nur erst einige Hunderte von Ansiedlern. Sie hatten viel zu leiden -von den Angriffen der Irokesen zwischen dem Hudson und dem Erie-See, die -besonders von den englischen Ansiedlungen aufgehetzt wurden, als auch -diese die Franzosen zu belästigen anfingen; ständige Reibungen zwischen -den Jesuiten, später dem Bischof und der Verwaltung traten hemmend für -die Entwicklung hinzu. 1663 gab die Kompagnie ihre Rechte und Pflichten -an die Krone zurück. Die Regierung lag nun in der Hand eines Conseils, -das aus dem Gouverneur, dem Bischof, dem höchsten Verwaltungs- und -Justizbeamten sowie einigen Ansiedlern bestand. Die ersten Gouverneure -waren tüchtige Männer, sie schränkten die Macht der Geistlichkeit ein und -hielten die Irokesen in Schranken. Die Zahl der Einwanderer mehrte sich, -vor allem wurden Offiziere und Soldaten der allerdings nur nach Hunderten -zählenden Garnisonen mit Land belehnt. 1671 zählte man schon 6000 Weiße; -die Erforschung des Landes war fortgesetzt, 1670 hatte man vom Ohio aus -den Mississippi erreicht. Von 1672 an stand der besonders tüchtige -Gouverneur =de Frontenac= bis 1698 an der Spitze der Kolonie; unter ihm -machte sie große Fortschritte. - - [285] Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch - die Kriege mit England genauer geschildert. - - Frontenac regelte den Pelzhandel. Wenn einst die Indianer ihre - Jagdbeute zu den Niederlassungen gebracht hatten, so kauften jetzt nur - Jäger und Händler (die »courreurs des bois«) die Felle in den - Indianerdörfern auf, oft im Auftrage der Beamten; Frontenac stellte - diesen Übelstand ab. Er gestattete den Branntweinhandel unter Aufsicht - der Regierung; bisher hatten die Jesuiten ihn unterdrückt und die - Indianer handelten deshalb lieber mit den Engländern. 1682 wurde - Frontenac infolge von Umtrieben des Intendanten und der Jesuiten - abberufen, und gerade jetzt hatten die Engländer die Irokesen gewonnen, - die einen vollständigen Vernichtungskrieg gegen die den Franzosen - ergebenen Stämme begannen; gleichzeitig schädigten die Engländer selber - von den Niederlassungen an der Hudsonbai aus den Seehandel und die - Fischerei bei Acadia. Wir hörten bereits, daß daraufhin bereits im - Frieden die Franzosen die Engländer von genannter Bai vertrieben und - die Irokesen züchtigten. Nach der Kriegserklärung kam Frontenac zurück. - -Bei Ausbruch des ersten Krieges mit England 1688 (vgl. Seite 473) hatte -die Kolonie 15000 Einwohner, sie führte auch den langen Krieg glücklich -durch. Zwar kam, wie wir wissen, der Plan (1689 und 1696 ins Auge -gefaßt), Newyork als eisfreien Hafen zu nehmen, wegen mangelnder -Unterstützung vom Mutterlande nicht zur Ausführung. Man hatte in Paris -die Kraft der englischen Kolonien unterschätzt und die französische -Marine war der ihr zufallenden Aufgabe nicht gewachsen, aber die -englischen Angriffe wurden abgeschlagen. Beim Frieden 1697 gab England -die Hudsonbay auf und ließ die Franzosen im Besitz der Westküste -Neufundlands. - -Ebenso glücklich führte die Kolonie den zweiten Krieg (1702-1713, vgl. -Seite 565), der der Hauptsache nach auch auf beiden Seiten durch die -Kolonisten ausgefochten wurde, obgleich Kanada nur 16000 Einwohner gegen -260000 in den englischen Kolonien hatte. Man muß jedoch dabei beachten, -daß englischerseits nur die Neuenglandstaaten in Betracht kamen, daß -diese nicht immer einig waren, daß in Kanada Garnisonen regulärer -Truppen, wenn auch nur schwache, lagen, die dem Gegner ganz fehlten, und -daß die Franzosen über Indianer verfügten, während die Irokesen, von den -Engländern verletzt, zur Zeit Frieden mit Kanada hielten; auch an -königlichen Schiffen, auf beiden Seiten nur schwach vertreten, scheinen -die Franzosen überlegen gewesen zu sein. Als England endlich größere -Unterstützungen sandte (1710), wurde Port Royal genommen, der Angriff auf -Quebec (1711) scheiterte dagegen kläglich. Infolge des sonstigen Verlaufs -des Krieges mußte Frankreich dann die Niederlassungen an der Hudsonbay, -ganz Neufundland und Akadia -- bis auf die Insel Kap Breton, den -Schlüssel zur St. Lorenzbay -- an England abtreten. Die Kanadier -empfanden diese Zugeständnisse, die Handel und Fischerei erheblich -schädigten, schmerzlich und versuchten bei der Ausführung des Vertrages -zu retten, was zu retten war. Die Ungenauigkeit der Abmachungen gab dazu -genügend Handhaben, weder die Grenzen Akadias noch die des Irokesenlandes -waren sicher festgesetzt. - -Der Aufschwung, den die kolonialen Bestrebungen Frankreichs nach dem -Frieden von Utrecht nahmen, äußerte sich in Kanada besonders darin, daß -man sich auf die vorauszusehenden weiteren Kämpfe mit den englischen -Kolonien vorbereitete und mit Erforschung des Landes sowie der -Ausbreitung des französischen Einflusses im Innern weiter vorging. Die -Bedeutung Kanadas gewann mit der durch die Lawschen Unternehmungen -hervorgerufenen Besiedlung Louisianas; durch eine Verbindung beider -Kolonien wäre den englischen das weitere Vordringen abgeschnitten -gewesen. - - Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte - zu wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde - wenig betrieben, die Fischerei war durch die Engländer teilweise - lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, er hing aber von der - Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich bezogen zu - teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jährlichen Ausfuhr - an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa - gleicher Betrag für Holz, Fische und Tran, während die Kolonie für acht - Millionen europäische Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel - baren Geldes. - -An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die stärkste -Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Straße nach Quebec und der -französischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu -erschließen und um dem Vordringen der Engländer vorzubeugen, wurden auf -dem Wege zum Mississippi Stationen gegründet und Forts angelegt, z. B. -Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Engländer sofort am Ontario -das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See; -Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain. -So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mündung des Mississippi -nach Norden sollte der Anschluß erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger -wichtig für uns, nördlich der großen Seen auf 50° Breite bis zu den -Rocky-Mountains (1743) vor; man hoffte einen großen nach West laufenden -Strom und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese -Ausbreitung führte auch während der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die -zwar meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Führer aber in -Kanada und Neu-England saßen. - -Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Maße wie bei den englischen -Kolonien; 1744 zählte Kanada etwa 50000 Weiße. Auch der Charakter der -Bevölkerung war ein ganz anderer. Die militärische und mönchische -Erziehung hemmte die Entwicklung persönlicher Unternehmungslust und -freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel -und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedürfnisse erforderten, -sonst lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat, -hierin lag eine Stärke der Kolonie. Die Kanadier haßten die englischen -Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen faßte -Frankreich das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der früheren -Entdeckung auf. Daß die Erschließung und Besiedlung dieses großen -Gebietes nicht mit mehr Erfolg vor sich gegangen ist, dürfte größtenteils -darauf zurückzuführen sein, daß von seiten des an der großen Wasserstraße -gelegenen Louisiana zu wenig geschah. - -$Louisiana$ war 1700 an der Mündung des Mississippi gegründet; frühere -Versuche, im Süden Nordamerikas Fuß zu fassen, hatte Spanien verhindert, -infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen. -Die Franzosen erforschten den Fluß mit seinen Zuflüssen und gründeten als -Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712 -waren erst 380 Weiße, zur Hälfte Soldaten, in fünf kleinen befestigten -Posten dort; die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die -Compagnie d'Occident (später des Indes, die Schöpfung Laws) vergeben, die -auch sofort umfassende Maßregeln für die Besiedlung ergriff. Noch im -selben Jahre sandte man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus, -1718 folgten 800 Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen -mit Adelstiteln; New Orleans wurde als Sitz der Regierung gegründet. 1719 -wurde Pensacola den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720 -zurückgegeben. 1719 erhielt Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler -hinauszuschaffen. Bedeutende Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch -jetzt nicht: die Einwanderer waren minderwertige Leute, die in dem Klima -nicht arbeiten wollten oder konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans -erwarben bald einen bescheidenen Wohlstand); die Beamten waren unehrlich -und liederlich; die Kompagnie hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte, -die Regierung verbot jede Industrie, die mit dem Mutterlande in -Wettbewerb treten konnte; Kompagnie und Ansiedler legten sich mehr auf -Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 gab die Kompagnie ihre Rechte an -die Krone zurück; sie behielt nur das Handelsmonopol gegen die -Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jährlich -einzuführen. Um diese Zeit zählte man 5000 Weiße und 2000-3000 Neger. - -Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in -Kanada an und hob die Einfuhrzölle für Waren aus Frankreich auf; die -Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich -die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der -Indianer, ihre Tätigkeit beschränkte sich erfolgreich nur auf ein kleines -Gebiet am Meere und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und -Natchez. Um die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner -vorhanden gewesen sein, doch erscheint diese Angabe unsicher. - -Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana einen -ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 französische -Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenüber; kein -Wunder, daß der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der -germanischen Rasse ausgefallen ist. - -$Spanien$ besaß in Nordamerika nur =Florida=, eine Bezeichnung, unter der -man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen -Namens zusammenfaßte. Hier waren gegen die erwähnten früheren -Ansiedlungsversuche der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. 89) und -Pensacola (1696) gegründet. - - - Ostindien. - -Die ungeheure Macht, die $Portugal$ um 1540 in den indischen Gewässern -gehabt hatte (Seite 63), war schon bis 1640 durch eigene Schuld sowie -durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurückgegangen (Seite -84, 86). - - Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Küste - Mascat, Ormuz war 1622 an die Perser, von England unterstützt, - verloren; in Nord-Vorderindien Banda und Diu; an der Westküste - Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis Quilon; an der Ostküste - Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von der Inselwelt - nur Ceylon und Timor; in China Macao. - -Und sie schritt weiter abwärts. Wenn sich auch Portugal 1640 von Spanien -lossagte, so nahm Holland doch noch Malakka 1641 weg, ehe der Frieden -draußen bekannt geworden war. Der Versuch, den Handel durch Freigabe an -alle Portugiesen neu zu beleben, blieb ohne Erfolg; er war schon zu sehr -in englische und holländische Hände übergegangen. Weitere Gebietsverluste -folgten: 1650 verlor Portugal Mascat an die Araber; in dem neuen Kriege -mit Holland (1656-1661, Seite 239) nahm dieses Ceylon, Negapatam, -Quilon, Cranganor, Cochin, Cananor; 1661 fiel Bombay (wie Tanger) als -Mitgift der Gemahlin Karls II. an England. Die zu Bombay gehörigen Dörfer -lieferten die portugiesischen Behörden nicht mit aus und erschwerten den -englischen Handel mit dem Festlande; trotzdem blühte die Stadt in -englischen Händen schnell auf, während die portugiesischen Plätze -verarmten. England schlug 1672 ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die -Eingeborenen vor, wenn ihm die Anlage von Faktoreien in allen -portugiesischen Plätzen zugestanden würde, Portugal sollte die gleichen -Vorrechte in englischen Orten erhalten; Portugal aber blieb hartnäckig -und belästigte Bombay weiter. England rächte sich durch Gewaltmaßregeln -aller Art, die Portugiesen sagten, sämtliche englischen Schiffe hätten -Seeraub betrieben; auch unterstützen die Engländer Portugals Gegner offen -mit Kriegsmaterial. Gleichzeitig und weiterhin hatte Portugal unter den -Angriffen der Mahratten zu leiden, die mit dem Verfall des Reiches des -Mogul immer mächtiger wurden. Diese vertrieben Ende der zwanziger Jahre -des 18. Jahrh. die Portugiesen aus den meisten ihrer Besitzungen; 1737 -eroberten sie die Insel Salsette, den alten wichtigen militärischen -Stützpunkt, und von dort Bassein. $1740$ war nur noch der jetzige Bestand -in portugiesischem Besitz: Diu, Daman und Goa. Portugals Macht in Indien -war gebrochen, sein Handel so gut wie vernichtet. - -$Holland$ war in unserem Zeitabschnitt an seine Stelle getreten. Die -Macht der =holländisch-ostindischen Kompagnie= um 1648 ist uns bekannt -(Seite 86) und soeben ist gesagt, inwieweit sich diese an der Westküste -Vorderindiens auf Kosten Portugals ausdehnte, aber auch sonst erweiterte -und befestigte sie sich. Die =Molukken= kamen völlig in die Gewalt der -Kompagnie. Um die Preise der Gewürze hochzuhalten und jeden Wettbewerb zu -hindern, rottete die Kompagnie sämtliche Anpflanzungen aus, die sie nicht -selber nötig hatte; dadurch hervorgerufene Aufstände der Insulaner wurden -unterdrückt, die bald verarmte Bevölkerung war dann ungefährlich; die -Spanier gaben ihre letzte Befestigung in Tidore auf. In =Sumatra= faßten -die Holländer 1659 durch Eroberung von Palembang an der Ostküste Fuß und -1662 stellten sich auch die Fürsten der Westküste unter ihren Schutz -(Hauptkontor in Padang). In längerem Kriege 1660-1669 wurde die Macht -=Makassars=, des Hauptsitzes des Mohammedanismus, von dem aus in jenen -Meeren der Widerstand auf den Molukken und in Japan stets unterstützt -war, gebrochen. Die Kompagnie wurde dann Herrin von =Celebes= und machte -dem Handel Englands und Portugals hier ein Ende. - - Eine Niederlassung auf Borneo konnte sich nur kurze Zeit gegen die - wilden Bergstämme halten. 1693 wurde Pondichery den Franzosen - abgenommen, aber im Frieden von Ryswijk zurückgegeben. Einen schweren - Verlust erlitt die Kompagnie dadurch, daß 1663 die Kolonie auf Formosa - an China verloren ging, als hier die Tataren zur Herrschaft kamen. - -Der bedeutendste Erfolg der Kompagnie war ihre zunehmende Macht auf -=Java=. Durch andauernde Kämpfe mit den Fürsten von Bantam und Mataram -gewann sie großen Landbesitz; sie brachte auch den Handel der Insel ganz -in ihre Hand, England räumte 1683 seine Ansiedlung in Bantam. Besonders -wichtig wurde Java durch den Kaffeebau, der 1696 eingeführt wurde und so -zunahm, daß man ihn wie den Gewürzbau auf den Molukken einschränkte; 1740 -lieferte er 4000000 Pfund. - -Ihrer Macht entsprechend gebot die Kompagnie über eine =große Flotte= und -über =eigene Truppen=. In den Jahren 1650-1702 wurden jährlich 15-30 -Schiffe nach Indien abgefertigt; in 22 Jahren unter 20, dafür in 12 -Jahren über 25. Diese eigentlichen Ostindienfahrer waren wohl armiert; -man hatte drei Klassen: zu 38 Kanonen, zu 36, zu 26. Es war mithin stets -eine erhebliche Seemacht auf der Station, zu der noch viele kleine -Schiffe für den dortigen Zwischenverkehr traten; die aus- und -heimsegelnden Convois bildeten kleine Flotten. Holland stand -infolgedessen in den Kriegen mit England und mit Frankreich in Indien -überlegen da und der Verkehr mit der Heimat wurde nicht unterbrochen, -kaum eingeschränkt. Für die Besatzungen der Forts unterhielt man eine -europäische Truppe von 2000 bis 3000 Mann, verwendete in den Kriegen auf -Java aber auch Eingeborene der anderen Inseln. - -Die Vorherrschaft Hollands in Indien stand jedoch auf schwachen Füßen, -Verwaltung und Handelspolitik waren ungesund. Die ostindische Kompagnie -hatte um 1739 ihren Höhepunkt bereits überschritten, ihr Verfall -begann.[286] - - [286] Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue - Angaben über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben - sind. - - Die Kompagnie wurde in Holland geleitet durch ein Direktorium von 17 - Teilhabern »Kamer van Zeventienen«): 8 von Amsterdam, 4 von Seeland, 2 - von der Maas, 2 vom Norderquartier und der 17. von den drei letzten - Provinzen gemeinschaftlich gewählt. Hinzu traten 60 kaufmännische - Leiter, deren Zahl in ähnlichem Verhältnis in den Provinzen verteilt - war. Draußen stand in Batavia ein Generalgouverneur an der Spitze, auf - Vorschlag der Kompagnie von den Generalstaaten ernannt, ihm zur Seite - der »Rat von Indien«, bestehend aus den höchsten Beamten zu Batavia und - den Gouverneuren der andern Inseln usw. Die Macht und Verantwortung des - Generalgouverneurs waren groß; er besetzte mit dem Rat alle mittleren - und niederen Beamtenstellen. Die Laufbahn der Beamten stufte sich ab - in: Assistent, Buchhalter, Unterkaufmann, Kaufmann, Oberkaufmann (die - Direktoren der einzelnen Kontore). Alle Schiffe, außer den nach Ceylon - bestimmten, liefen Batavia an, den Sitz des Generaldirektors des - Handels. Der Gouverneur war zwar für gewisse Fälle angewiesen, die - Entscheidung der »Kammer der XVII« einzuholen, oder an die Zustimmung - des »Rates von Indien« gebunden, konnte aber fast immer seinem Willen - Geltung verschaffen. - - Die Kompagnie strebte an, Handel und Wandel allein in der Hand zu - behalten. Maßregeln in diesem Sinne waren die schon erwähnte - Beschränkung des Gewürz- und Kaffeebaues, Unterdrückung jedes anderen - Handels sowohl von seiten anderer Völker wie auch holländischer - Kolonisten; wie früher bei den Portugiesen war es verboten, Karten und - Aufzeichnungen mit in die Heimat zu nehmen, selbst die - Privatkorrespondenz unterlag der Aufsicht. Man trieb aber auch eine - übermäßige Sparsamkeit, z. B. in der Besoldung der Beamten. - - Trotzdem gingen die Geschäfte nicht dauernd gut und wurden immer - schlechter. Dabei wurden hohe Dividenden gezahlt: 1651-1702 meist - zwischen 15 und 40%, nur in acht Jahren 0%; 1681-1706 wurde in Indien - nur in sieben Jahren ein Gewinn erzielt; 1698 hatte die Kompagnie eine - Schuldenlast von 11 Millionen Gulden, fast das Doppelte des - Einlagekapitals. Der schnelle Rückgang vom Beginn des 18. Jahrh. an ist - aus folgenden Angaben über den Reingewinn zu ersehen: 1613-1696 = 40 - Millionen; 1613-1703 = 31-1/2; 1613-1713 = 16-1/2; 1613-1723 = 4,8; - 1613-1730 = -7,3; 1613-1779 = -85 Millionen Gulden. Über diese Lage - verlautete nach außen nichts; sie ist erst im 19. Jahrh. lange nach dem - Zusammenbruch der Kompagnie bekannt geworden. Die Welt sah immer nur - die ansehnlichen Dividenden und nahm an, daß alles in bester Ordnung - sei. Die Kompagnie hatte stets den größten Kredit, sie hatte ja auch - viele Kriegslasten auf sich genommen und noch 1696 den Generalstaaten 8 - Millionen für die Verlängerung ihres Privilegs gezahlt. - - Die Gründe des Rückganges lassen sich zusammenfassen: 1. die immer mehr - umsichgreifende Unzuverlässigkeit der Beamten, ein jeder arbeitete in - seine Tasche; ursprünglich waren sie wohl durch zu geringe Besoldung - gezwungen, für sich Handel zu treiben und Verletzungen der Rechte der - Kompagnie seitens Fremder, selbständiger holländischer Kolonisten und - der Eingeborenen durchgehen zu lassen. Günstlingswirtschaft bei - Besetzung der Stellen riß ein, überflüssige Posten wurden geschaffen; - 2. die strenge Durchführung des Monopols lähmte die Entwicklung der - Kolonien, mit der Gebietserweiterung wuchsen die Verwaltungskosten - unverhältnismäßig; 3. die Kriege auf Java und Celebes verschlangen - große Summen, die Regierung stellte infolge der europäischen Kriege zu - bedeutende Ansprüche; 4. in Vorderindien wuchs der Wettbewerb der - Engländer. - -$Englands$ Macht in Indien war 1648 noch unbedeutend (Seite 84). Die -=ostindische Kompagnie= besaß Faktoreien, teilweise kleine Forts, an der -Westküste Vorderindiens (Vorort Surat), an der Koromandelküste (Madras), -in Bengalen (Hugly am Gangesdelta), in der Inselwelt nur noch auf Java -und Celebes (später geräumt); eigentliches Landeigentum hatte sie nicht, -eine größere Befestigung nur in Madras (St. George seit 1639). - -Der erste holländisch-englische Krieg brachte der Kompagnie großen -Schaden, doch wurde dieser beim Friedensschluß ersetzt (Seite 229) und -auch der Wettbewerb seitens der Courtenlinie (Seite 84) durch völlige -Verschmelzung mit dieser abgewendet. 1658 wurde das Kapital wesentlich -vermehrt und 1661 bestätigte Karl II. der Kompagnie die weitestgehenden -Rechte: Überlassung des alleinigen Handels mit Indien; Anerkennung als -politische Korporation mit dem Rechte, sich Gesetze und Verfassung zu -geben, mit nichtchristlichen Fürsten Krieg zu führen, Festungen zu bauen -und Soldaten zu halten; die Regierung behielt sich nur vor, den Vertrag -mit dreijähriger Frist kündigen zu dürfen, falls es das Interesse der -Krone oder des Volkes erfordere. Als Bombay dem Könige zufiel, wurde auch -dieses der Kompagnie zugeteilt durch seine insulare Lage ein wichtiger -Stützpunkt. Es begann nun das langsame aber stetige Wachsen der Macht der -Kompagnie. Mit ungeheuren Schwierigkeiten, die nicht nur draußen, sondern -auch daheim auftraten, hatte sie zu kämpfen. - - Ein kurz gefaßter Überblick auf die =Geschichte der ostindischen - Kompagnie=[287] während unseres Zeitabschnittes sei gegeben. Die - Geschäfte wurden in Indien von Präsidentschaften geleitet in: Surat, - Madras mit Bengalen, Bantam; später fiel Bantam fort, Surat wurde nach - Bombay verlegt, Bengalen wurde unter Kalkutta selbständig. Jede - Präsidentschaft besaß einige Hauptfaktoreien, von denen die Außenposten - abhingen; in England wurden die Schiffe nach einer der - Präsidentschaften abgefertigt und von dieser weiter expediert. An der - Spitze der Hauptbehörden stand der Präsident mit seinem Rate, dessen - Mitglieder wie der Präsident von der Kompagnie ernannt wurden; die - übrigen Beamten -- ähnlich wie in Holland: Lehrling, Schreiber, Faktor, - junger und alter Kaufmann -- ernannte der Präsident. Die Besoldung war - sehr gering, die Beamten waren auch hier geradezu darauf angewiesen, - Durchstechereien zu machen und heimlich Handel zu treiben; auch die - Besatzungen der kleinen Garnisonen waren so schlecht bezahlt, daß - Meutereien vorkamen. - - [287] Vorwiegend nach Zimmermann, Band II. - - Zu Anfang war die Entwicklung wenig gedeihlich; der Wettbewerb der - Holländer in Bantam und Surat, Angriffe der Mahratten auf diesen Platz, - Streitigkeiten mit den einheimischen Behörden in Hugly, Kämpfe der - indischen Fürsten untereinander in Madras lähmten den Handel. Von - 1663-1671 sind nur insgesamt 6 Schiffe von England hinausgesandt. Dann - kam ein Aufschwung; 1668-1671 liefen 40, 1679-1682 46 Schiffe aus. 1677 - besaß die Kompagnie 30-35 Fahrzeuge von 300-600 tons; etwa die Hälfte - mit 40-50 Kanonen. Großen Gewinn machte die Kompagnie jedoch nicht: die - Kriege, der Bau der Befestigungen, die Verhandlungen mit den Fürsten - sowie die Bestechung ihrer Machthaber erforderten große Summen; 1676 - hatte die Kompagnie 600000 Lstrl. Schulden. In den 80er Jahren litt das - Geschäft wieder unter Kriegen mit den Mahratten an der Westküste und - mit dem Mogul in Bengalen, Bantam wurde geräumt. Durch entlassene - Beamte angeregt, versuchten andere englische Kaufleute mit den - indischen Fürsten anzuknüpfen, doch gab der bei der Kompagnie - beteiligte König Jakob II. dieser das Recht, fremde Schiffe - aufzubringen. - - Um nun nicht weiter von der Gnade der indischen Fürsten abzuhängen, - sowie um jeglichem Wettbewerb kräftiger begegnen zu können, beschloß - die Kompagnie 1685 mit Gewalt aufzutreten und ein Reich zu gründen; der - Plan war, zunächst ausreichende Gebiete bei Bombay und Madras, in - Bengalen und Sumatra zu erwerben und unter das Protektorat des Königs - zu stellen. Das Beispiel Hollands hat wohl diesen Plan hervorgerufen, - aber man vergaß, daß es leichter war, einzelne Inseln zu unterwerfen, - als mit mächtigen Reichen anzubinden; die Hoffnung auf Unterstützung - durch die Mahratten erfüllte sich nicht, und so schlug dieser erste - Versuch völlig fehl, ja er brachte alles bisher Erreichte in Gefahr. - - Mit Einverständnis des Königs, der der Kompagnie auch gestattete, in - den Hauptstationen den »Union Jack« zu heißen, wurde 1685 eine - Expedition von 10 Kriegsschiffen und 6 Kompagnien Soldaten unter - Kapitän Nicholson ausgerüstet; in Indien sollte der oberste Beamte in - Bengalen diese mit 400 Mann sowie 9 Schiffen verstärken und den - Oberbefehl übernehmen. Man beabsichtigte, die Stadt =Chittagong=, an - einem vorzüglichen Hafen im Nordosten des Busens von Bengalen gelegen, - zu nehmen und zu befestigen, den Nabob von Bengalen zu Gebietsabtretung - und Zugeständnis größerer Rechte zu zwingen; dann wollte man den - Portugiesen bisher noch streitige Gebiete in Vorderindien abnehmen und - auch holländische Besitzungen angreifen. Das Unternehmen war weder - richtig noch genügend stark vorbereitet. Die Präsidenten von Bombay - (John Childs) und Madras waren nicht genau davon unterrichtet, was im - Osten vor sich gehen sollte -- es war der Überraschung wegen geheim - gehalten --, sie konnten keine Vorbereitungen treffen. Als das - Geschwader in Hugly erschien, zogen die Inder Truppen zusammen und - jagten (Oktober 1686) die Engländer den Fluß hinab, ehe deren Kräfte - vollständig versammelt waren. Empört über den Versuch, ließ dann der - Mogul die Engländer auch aus Surat vertreiben und bedrohte Bombay wie - Madras. Die Kompagnie mußte sich glücklich schätzen, durch geschickte - Unterhandlungen überall die alten Verhältnisse herzustellen. Trotzdem - unternahm 1688 Childs mit noch schwächeren Kräften einen zweiten - Vorstoß in Bengalen. Wieder wurde die Kompagnie aus der Provinz, aus - Surat, sowie Masulipatam vertrieben, ja, die Insel Bombay bis auf das - Fort besetzt. Doch auch dieses Mal war der Mogul schwach genug, die - früheren Rechte zurückzugeben; er erteilte Februar 1690 »den Engländern - Verzeihung, da sie demütig darum gebeten hätten«, auch mußte die - Kompagnie 150000 Rupien zahlen und Childs absetzen (er starb noch vor - Abschluß des Vertrages im belagerten Bombay). - - Im Anfang des 18. Jahrh. traten neue Verwicklungen mit den Beamten des - Moguls in Surat und Bengalen auf, doch auch diese wurden dadurch - überwunden, daß ein Arzt der Kompagnie den Mogul von einer schweren - Krankheit heilte, man erlangte sogar neue Rechte und Gebietserweiterung - (=1715=). Schon vorher waren Fortschritte an der Koromandelküste - gemacht und eine Niederlassung auf Sumatra gegründet worden. - - Auch in England hatte die Kompagnie einen schweren Stand nach - Vertreibung der Stuarts. In der Allgemeinheit der Handelswelt war sie - wegen ihres Monopols und wegen des Wettbewerbs der indischen Stoffe mit - den einheimischen verhaßt; ihr schroffes Vorgehen zur Wahrung ihrer - Rechte bot Gelegenheiten genug zu Angriffen, so lag sie ständig im - Kampfe mit dem Unterhause. Mehrfach drohte Gefahr durch Gründung neuer - Kompagnien (1695, 1698, 1730), die der infolge der Kriege erschöpften - Regierung günstigere Anerbieten machten; 1698 trat tatsächlich eine - solche in Indien wettbewerbend und feindlich auf, sehr zum Nachteil des - englischen Ansehens. Aber auch diese Schwierigkeiten wurden durch - geschickte Maßnahmen überwunden, stets erlangte man die Verlängerung - des Vertrages, als 1744 die Regierung zu neuen Kriegen Geld brauchte - bis zu 1780. - -Aus vorstehendem ist zu ersehen, daß die Kompagnie alle Schwierigkeiten -überwand; sie blühte auf. Die Ausfuhr nach Indien betrug 1710-1715 -durchschnittlich im Jahr 496770 Lstrl. an Waren und 1600000 Lstrl. an -Münze, von 1735-1740 jährlich 938970 Lstrl. bezw. 2459000 Lstrl.; die -Einfuhr von dort hatte 1708-1728 einen Durchschnittswert von 758000 -Lstrl. Die Dividenden waren weit bescheidener, als im allgemeinen -angenommen wird: 1708 = 5%; 1710-1722 = 10%; 1723-1731 = 8%; 1732-1744 = -7% (man vergleiche dies mit Holland). Die Verwaltung war kostspielig, -aber man fürchtete auch, durch zu hohe Dividenden den Neid der übrigen -Handelswelt noch zu steigern. Leider sind keine genauen Angaben über die -Zahl der Schiffe der Kompagnie vorhanden, um Vergleiche mit Holland -anzustellen; übrigens hatte die Gesellschaft von 1712, außer einigen -Schnellseglern für Postdienst, keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern -heuerte solche. Die Garnisonen bestanden aus englischen und fremden -Söldnern sowie indischen Milizen (Sepoys). - -Zu Ende unseres Zeitabschnittes war die Kompagnie bereits ein -gefährlicher Wettbewerber der Holländer geworden, ihre Glanzzeit trat -aber erst ein, nachdem noch ein anderer, neuerschienener Nebenbuhler aus -dem Felde geschlagen war, Frankreich. - - Als besonders für Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die - allen indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwähnte $Ostender - Kompagnie$ drohte. Nachdem die spanischen Niederlande an Österreich - gefallen waren, glaubten die Kaufleute dieser Provinz, endlich die - Möglichkeit zu haben, wie die Holländer Handel nach Indien zu treiben; - =1714= trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings - vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die - eigenen indischen Kompagnien vergeblich bekämpften und auf diese Weise - am indischen Handel teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte - sich das Interesse für das Unternehmen, Kaiser Karl VI. nahm es unter - seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und Holland Schiffe - auf, rüstete sie in Ostende und Lissabon aus; =1716= erschienen die - ersten Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der - Koromandelküste. Die älteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung - ihrer Verträge; die Regierungen unterstützten sie auf diplomatischem - Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare, - Unterstützung der neuen Gesellschaft und erließen Befehle, deren - Schiffe abzufangen. Die Ostender Kompagnie ließ sich nicht entmutigen, - obgleich tatsächlich Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb - zunächst fest. =1720= z. B. segelten. 6 Schiffe, Faktoreien wurden in - Bengalen, an der Koromandelküste sowie in Kanton gegründet und gute - Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser =1727= auf das Drängen der - Seemächte zugunsten seiner Verhandlungen über die pragmatische Sanktion - zunächst das Recht der Kompagnie für sieben Jahre auf und versprach - später in einem Vertrage mit England und Holland, =1731=, für immer - Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen Niederlanden aus zu - verbieten. Wäre Deutschland ein mächtiger einheitlicher Staat gewesen, - so würde es sich damals wohl einen Anteil an den Ländern des südlichen - Asiens haben sichern können. - -$Frankreichs$[288] Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht -zur Festsetzung in Indien geführt (Seite 90). 1664 wurde die Compagnie -des Indes Orientales gegründet, der König schoß 4 Millionen zinslos vor -und versprach, für zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu übernehmen. Die -Städte, der Klerus, die Steuerpächter, die Noblesse de la Robe wurden zur -Beteiligung bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3 -kamen ein. Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und -Madagaskar sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. später unter -»Afrika«) auf 50 Jahre, Prämien für Ausfuhr sowie die zu erobernden -Gebiete als Eigentum zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen -unter Admiral =de Mondevergue=, in erster Linie nach Madagaskar bestimmt, -in See, von ihr zweigte sich ein Teil unter einem Direktor der -Gesellschaft, =Caron=, für Indien ab und gründete (1668) Faktoreien in -Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor am Ganges. 1669 folgte ein -starkes Geschwader unter Oberst =de la Haye=, der als Generalleutnant des -Indes orientales den Indern die Macht Frankreichs zeigen, mit dem Mogul -in Verbindung treten und auf Ceylon sowie Banca neue Ansiedlungen gründen -sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem Wege zu erreichen, da England -schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten nicht wagen würde. Man -fand aber den auf Ceylon in Aussicht genommenen Platz schon von den -Holländern besetzt (1672) und wurde durch das Erscheinen überlegener -holländischer Seestreitkräfte gehindert, sich auf einigen kleinen Inseln -in der Nähe niederzulassen. De la Haye eroberte nun St. Thomé an der -Koromandelküste, wurde jedoch auch von hier (1674) durch den Herrscher -von Golkonda, unterstützt durch die Holländer, wieder vertrieben, von -Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen gründete -1674 ein Beamter der Kompagnie, =François Martin=, mit nur geringen -Mitteln eine Kolonie in =Pondichery=, diese hielt sich und sollte die -Grundlage der späteren Macht werden. Martin verstand es, sich stets mit -den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann Generaldirektor -in Indien, knüpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreien in Surat -sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurück und gewann eine neue in -Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688-1713, wirkte jedoch so -nachteilig, daß die Kompagnie ihre Geschäfte einstellen und ihre Rechte -an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mußte, aber auch diese fanden -ihre Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten, -die anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Gründungen -trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb die =Compagnie des -Indes=, die die Rechte der alten Gesellschaft für Indien erhalten hatte, -bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen -von Mahé, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Plätze besiedelt -und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China -sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die -Ausfuhr nach Frankreich 2-1/4 Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien -blühten die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf -dem Wege nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glück, nacheinander -tüchtige Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735, -dann Dumas, endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und -praktisch; an der Spitze jeder größeren Kolonie stand ein Gouverneur mit -einem Rate von fünf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf -Schaffung von Schulen für die Eingeborenen und auf Französierung dieser; -die natürlichen Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewächse -aller Art zur Prüfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt. - - [288] Näheres Zimmermann, Band IV. - -Als =Dumas= sein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den -Europäern günstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das -Mogulreich; seine Provinzen mußten sich selber schützen und kümmerten -sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung -des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus. - -Unter =Dupleix=, unterstützt durch den Gouverneur La Bourdonnais auf -Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Engländern gefährliche -Macht zu werden. - -$Spanien$ verblieben nach Räumung der letzten Ansiedlungen auf den -Molukken im fernen Osten nur die =Philippinen= (Seite 75). Die Inseln -brachten während des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In -dem großen Kriege mit den Holländern bedrohten diese die Verbindung mit -Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas -(sowie Formosas) bemächtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der -ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer -Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kämpfe mit diesen, Streitigkeiten der -Behörden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren -- Kämpfe der Jesuiten mit -anderen Orden -- füllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. Im -Spanischen Erbfolgekriege störten englische Kreuzer den Handel. Während -der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach -anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische -Einfluß auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln, -auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen -über die Einführung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757 -übertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um 79800 -Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschuß (250000 Pesos) leisten mußte. - - - Afrika. - -$Portugal$ war wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen -hatte (Seite 61, 63). =An der Westküste= hatte ihm Holland während seines -Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldküste abgenommen; auch -England (sowie Dänemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt. -1740 besaß Portugal außer den nördlichen Inseln, Madeira und den -Kapverden, nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thomé -und Principe sowie die Provinz Angola: den Küstenstrich von Ambris bis -Mossamedes mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien -von sehr geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Stützpunkte für -die Indienfahrt und als Bezugsquelle für die Negersklaven, die man in -Brasilien brauchte, betrachtet. - -=An der Ostküste=, die einst ganz in ihren Händen gewesen war, hatten die -Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. bedurfte -es großer Anstrengungen, den nördlichen Teil (Mombas, Melinde, Sansibar) -gegen Angriffe der Türken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen, -angezettelt durch die Türken, zu halten, und auch der südliche Teil -(Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward öfters schwer durch die -Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Holländer während des -Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen und diese hatten dann in der -zweiten Hälfte beständig unter den Angriffen der Araber (des Imam von -Maskan) zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im -Süden fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die -Delagoabay. So besaß Portugal 1740 nur noch die Küsten von Mosambique -nebst Sofala. Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu -heben, hatten wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Für -Erschließung des Innern geschah nichts, die Kaffernstämme bedrohten -selbst die Küstenstädte; schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln -hinderten jeden Aufschwung. - -$Holland$ und zwar die =westindische Kompagnie= (Seite 87/88) hatte -Niederlassungen in =Senegambien=, Hauptort die Insel Gorée, gegründet und -an der =Goldküste= die Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen wurden in -den Kriegen mit England (Seite 252) und mit Frankreich (Seite 371) -mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in Nordamerika und -Westindien, größtenteils verloren; 1674 waren an der Goldküste nur noch -einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina. - - Die Niederlassungen bestanden in größeren und kleineren Forts (bei - England wird die Stärke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben - werden), von denen aus der Handel betrieben wurde; irgend welchen - Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft über Eingeborene hatte man - nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren, - die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem - anderen fremden Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die - Verhältnisse die gleichen; die Forts der verschiedenen Völker lagen, - oft in nächster Nähe, durcheinander. Um 1674 mußte die alte - westindische Kompagnie ihre Geschäfte einstellen; eine neugegründete - war nicht imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die - Macht Hollands in Westafrika gering. - -Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, daß -=die ostindische Kompagnie= 1653 =das Kapland= besetzte. Schon früher war -die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation auf den Reisen nach -Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der Hauptpunkt, besonders auch -da 1657 die englisch-ostindische Kompagnie =St. Helena= in Besitz nahm -und stark befestigte. Im Kaplande bildete sich neben der Station der -Kompagnie eine Niederlassung freier Bürger, die Wein- und Gemüsebau mit -Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie ihre Kosten. Die Kompagnie -mußte diesen ihren einzigen Stützpunkt auf dem Wege nach Indien halten, -im übrigen stockte die Entwicklung der Kolonien bald; noch 1750 sprachen -die Behörden am Orte dem Lande jede Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben -die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht bezahlt, suchten die Beamten, -Privatgeschäfte zu machen, hinderten eine umfangreiche Besiedlung, waren -bestechlich und eigenmächtig. Mangel an Arbeitskräften sowie -Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu. - -Versuche, sich =an der Ostküste= Afrikas festzusetzen, scheiterten; auch -die Delagoabay wurde wieder aufgegeben. - -$England$ hatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldküste -gegründet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mächten -(Holland, Dänemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete -sich die =westafrikanische Kompagnie= (an ihrer Spitze der Herzog von -York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmäßige -Negerausfuhr betreiben wollte. Sie übernahm einige Forts des Herzogs von -Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Küste und eroberte -andere von den Holländern, wie eben erwähnt. 1672 trat eine neue -Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besaß um -1710 ein Fort an der Mündung des =Gambia= (28 Weiße, 7 Kanonen), zwei an -der =Sierra-Leone-Küste= und elf an der =Goldküste= (das größte, -Capecoastcastle 93 Weiße, 42 Kanonen; drei mit 20 Weißen und 25 Kanonen -und so hinab bis zu 6 Weißen und 6 Kanonen; zwei oder drei gar nur mit 2 -Weißen). Der Negerhandel blühte sehr auf; 1680-1688 sind über 46 000 -ausgeführt, später jährlich über 20000. Der sonstige Handel spielte nur -eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr 110543 Lstrl., -der der Einfuhr 62787 Lstrl. - - Die Kompagnie machte gute Geschäfte, so lange sie das Monopol hatte, - bis 1688. Neben dem Negerhandel führte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz - und besonders Gold aus; 1673 wurden von diesem zum ersten Male - Goldmünzen geschlagen und »Guineas« genannt. Die »declaration of - right«, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments erteilten - Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere - Engländer begannen den Handel und die Gesellschaft kämpfte denselben - Kampf um ihre Vorrechte wie die ostindische, aber sie unterlag; der - Handel wurde freigegeben, die Kompagnie erreichte nur eine - Unterstützung von seiten der Regierung zur Erhaltung der Forts. 1750 - wurde die Gesellschaft aufgelöst; um aber die Forts halten zu können, - wurden sämtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen, - zu einer Körperschaft zusammenzutreten -- einer sogenannten »regulated - company« im Gegensatz zu einer »joint stock company« --, die Regierung - mußte aber weiter zuschießen. (Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite - 364 ff.) - -Die Besetzung =St. Helenas= ist bereits erwähnt; die Insel blieb, mit -kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz. - -$Frankreich$ betrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften -Sklavenhandel =an der Westküste=[289] vom Kap Branco bis zur -Sierra-Leone-Küste, eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der -Mündung des Senegal (St. Louis). 1664 erwarb die =Compagnie des Indes -Occidentales= das alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die -Holländer und Engländer, die die besten Plätze im Besitz hatten, nicht -aufkommen. 1667 wurden den Holländern wichtige Plätze südlich des Kap -Verde abgenommen (Gorée, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr -Handel im Pfälzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten, -wurde 1697 der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu -kolonisieren, sich nicht mehr auf die Negerausfuhr zu beschränken; es -wurden neben neuen Stationen an der Küste auch solche im Innern angelegt. -Diese Bestrebungen hatten Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht -und nachdem die Lawsche =Compagnie d'Occident= die Sache in die Hand -genommen. Wenn auch der Handel kein sehr einträglicher war -- man -rechnete die Ausfuhr, einschließlich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem -Gewinn von 200000 im Jahre --, so war doch der französische Einfluß in -Senegambien und bis zum Kap Branco hinauf bedeutender als der der -Engländer, die nur am Gambia saßen; er war gestützt auf gut im Stande -gehaltene Forts: an der Arguinküste Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil); -St. Louis am Senegal (Mündung); Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter -stromauf); Gorée, Portudal, Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter -südlich Bintam. - - [289] Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217. - - Die Insel Arguin war ursprünglich holländisch. Das Fort hier wurde 1677 - auf demselben Zuge zerstört, der den Holländern die Plätze in - Senegambien kostete. 1683 hatte sich =Brandenburg= auf Arguin - niedergelassen, trat es aber wieder an Holland ab und dieses wurde 1721 - von den Franzosen mit Gewalt vertrieben. - -=An der Ostküste= Afrikas haben die Franzosen 1642-1643 eine -Niederlassung auf =Madagaskar= gegründet (Fort Dauphin). Wie (bei Indien) -angedeutet, hatte die große Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue --- sie führte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und für -1194000 Frank Waren -- hauptsächlich den Zweck, die ganze Insel zu -erobern; sie mißlang völlig und 1674 wurde diese Kolonie überhaupt -aufgegeben. - - Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblößt von allen Lebensmitteln traf - die Expedition in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in - traurigster Verfassung; die Ansiedler lebten in stetem Kampf mit den - Eingeborenen und hatten kaum genügend Nahrung. Die Neuangekommenen - verlangten, völlig enttäuscht, nach Frankreich zurückgeschafft zu - werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition - entsandt hatte, erklärten, die Kolonie habe keine Zukunft; die - Gesellschaft gab sie denn auch 1669 an die Krone zurück und ließ ihre - Indienfahrer nicht mehr Fort Dauphin, sondern die Insel Bourbon - anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache noch nicht auf und - selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklärten, aushalten - zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien - 1671 anbot, sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf - seiner Rückreise 1674 die Insel anlief, fand er Fort Dauphin zerstört - und die Ansiedler von ihren Sklaven und den Eingeborenen ermordet, nur - 63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufällig - eingetroffenen französischen Schiffe die Insel verlassen. - -Dagegen hatte sich die Insel =Bourbon=, seit 1654 besiedelt, gut -entwickelt. Hier wurde Zucker- und Kaffeebau mit Sklaven getrieben, 1723 -zählte man 600 Weiße. Auch =Isle de France= (Mauritius), 1715 in Besitz -genommen, blühte schnell auf, besonders unter =La Bourdonnais=, von 1735 -an Gouverneur beider Inseln. Die Compagnie des Indes wandte den Maskaren, -als Station auf dem Wege nach Indien, große Sorgfalt zu, sie führte Vieh -sowie Neger und Kulis zur Bestellung der Plantagen ein. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Seekriege. - - - Im Altertum. - - Zeit Seite - 8. bis 5. Jahrh. Phöniziens Kriege 17 - 513 v. Chr. Darius gegen die Skythen 17 - 493-449 " " Perserkriege 18 - 431-404 " " Peloponnesischer Krieg 19 - 480-310 " " Karthagos Kriege 19 - 264-146 " " Punische Kriege 20 - bis 31 " " Roms Kriege 20 - - - Im Mittelalter. - - 5. und 6. Jahrh. Byzanz' Kriege 42 - 11. bis 13. Jahrh. Kreuzzüge 43 - 12., 13. u. 14. Jahrh. Genuas und Venedigs Kriege 43 - 10. u. 12. Jahrh. Die Staaten der Pyrenäischen Halbinsel 43 - 9. bis 11. Jahrh. Züge der Normannen 43 - 14. u. 15. Jahrh. Kämpfe der Hansa 43 - 13., 14. u. 15. Jahrh. Kriege zwischen England und Frankreich 44-47 - - - In der Zeit von 1492-1648. - - Kriege im Mittelmeer: - 16. Jahrh. Venedig und die Türken 108 - 16. u. 17. Jahrh. Frankreich, Spanien, die - italienischen Städte 109 - - Kriege in der Ostsee: - 16. Jahrh. Hansa 109 - 16. u. 17. Jahrh. Schweden und Dänemark 110 - 16. u. 17. Jahrh. Kriege zwischen England und Frankreich 111-112 - 1566(1585)-1588 Krieg Hollands und Englands gegen - Spanien 112-114 - 1588 Der Zug der Armada 114-133 - 1588-1604 Krieg Englands gegen Spanien 133-137 - 1588-1648 Krieg Hollands gegen Spanien 139-142 - (In diesem Kriege, Kampf Hollands gegen - Dünkirchen) 140 - - - In der Zeit von 1648-1739. - - 1652-1654 Der erste englisch-holländische Krieg 189-235 - 1654-1659 England gegen Spanien 236-238 - 1656-1661 Holland gegen Portugal 239 - 1655-1660 Schwedisch-polnisch- (holländisch- - brandenburgisch) dänischer Krieg 239-245 - 1654-1665 Kämpfe gegen die Barbaresken 239, 246 - 1635-1659 Frankreich gegen Spanien (und Frondekriege) 246 - 1645-1669 Venedig gegen die Türken 247 - 1665-1667 Der zweite englisch-holländische Krieg 248-306 - 1667-1672 Kämpfe gegen die Barbaresken 319 - 1672-1674 Der dritte englisch-holländische Krieg 307-361 - 1674-1678 Französisch-holländisch (-spanischer) Krieg - (Fortsetzung des vorigen) 363-393 - 1675-1679 Schwedisch-dänischer (holländisch- - brandenburgischer) Krieg, schonischer Krieg 394-402 - 1674-1688 Kämpfe gegen die Barbaresken (französische - Bombardements) 402-408 - 1684 Die Franzosen vor Genua 408-409 - 1684-1699 Venedig gegen die Türken 409 - 1688-1697 Der französisch-englisch-holländische Krieg - (PfälzischerErbschaftskrieg) 410-485 - 1702-1713 Der Spanische Erbfolgekrieg 486-576 - 1718-1720 Krieg der Quadrupel-Allianz (England, - Frankreich usw.) gegen Spanien 577-582 - 1700-1721 Der Nordische Krieg 582-591 - 1714-1718 Kriege Venedigs gegen die Türken (1645-1669, - 1684 bis 1699) 591-592 - 1715-1740 Kämpfe gegen die Barbaresken 592-593 - 1727-1728 Zusammenstoß Englands mit Spanien 596 - 1733-1735 Polnischer Thronfolgekrieg 597 - - - - - Seeschlachten. - - Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte. - - - Im Altertum. - - 494 v. Chr. Lade 17 - 480 " " Artemisium, Salamis 18, 23, 24 - 429 " " Rhium 23 - 256 " " Eknomos 20, 23 - 36 " " Mylae (Naulochus) 21, 22 - 31 " " Aktium 21, 22, 24 - - - Im Mittelalter. - - 1212 Damme 44 - 1217 Southforeland 45, 49 - 1340 24. Juni Sluys 45, 49 - 1372 La Rochelle 46 - 1416 September Harfleur 47 - 1417 25. Juli Im Kanal 47 - 1351 Auf der Maas 48 - - - In der Zeit von 1492-1648. - - 1571 7. Oktober Lepanto 144 - 1580 Bei den Azoren 112 - 1622 La Rochelle 112 - 1638 Genua 145 - 1587 19. April Zerstörung der Schiffe in Cadiz (Drake) 115 - { 21. Juli Plymouth } 126 - { 23. " Portland } Während 127 - 1588 { 25. " Wight } des Zuges 128 - { 28. " Calais } der 129 - { 29. " Gravelines } Armada 130 - 1596 20. Juni Angriff auf Cadiz (Howard) 135 - 1625 Ebenso (Wimbledon) 138 - 1607 Gibraltar 139 - 1631 Auf der Schelde 141 - 1639 21. Oktober In den Downs (eine zweite Armadakatastrophe) 141 - - - In der Zeit von 1648-1739. - - (Der Name des Siegers ist zuerst angeführt.) - 1652 29. Mai Dover (Blake-Tromp, Martin) 199 - 1652 26. August Plymouth (Ruyter-Ayscue) 205 - 1652 7. September Blake vernichtet ein franz Geschwader - (Vendôme) 208 - 1652 6. September Elba (van Galen-Badiley) 208 - 1652 30. September Livorno (Bootsangriff auf »Phönix«) 209 - 1652 8. Oktober Kentish Knock (Blake-Witte de Witt) 209 - 1652 10. Dezember Dungeness (Tromp-Blake) 211 - 1653 14. März Livorno (van Galen-Appleton) 214 - 1653 28. Febr.-2. März Portland (Blake-Tromp) 214 - 1653 12./13. Juni Northforeland-Nieuport (Monck-Tromp) 222 - 1653 8. August Kattwijk (Monck-Tromp) 224 - 1653 10. August Scheveningen (Monck-Tromp) 226 - 1654 13. April Penn landet bei Domingo 236 - 1654 10.-17. Mai Jamaica erobert (Penn) 236 - 1655 4. April Tunis (Schiffe vernichtet; Blake) 237 - 1657 27. April Teneriffa (Schiffe vernichtet; Blake) 238 - 1658 8. November Im Sunde (Wassenaer-Wrangel) 242 - 1659 23. November Nyborg beschossen (Ruyter) 245 - 1664 29. Dezember Smyrnaconvoi (holländ.) bei Gibraltar - angegriffen (Allin) 254 - 1665 13. Juni Lowestoft (Herzog von York-Wassenaer) 263 - 1665 12. August Bergen, Angriff auf holländ. Kauffahrer - (Tyddiman) 271 - 1666 11.-14. Juni Viertageschlacht (Ruyter-Monck) 273 - 1666 4./5. August Northforeland (zweite Schlacht; - Monck-Ruyter) 282 - 1666 19. August Engländer im Vlie-Strome (Holmes) 286 - 1667 17.-23. Juni Ruyter in Themse und Medway 292 - 1672 23. März Smyrnaconvoi (holländ.) bei Wight - angegriffen (Holmes) 321 - 1673 7. Juni Schooneveld (erste Schlacht; Ruyter- - Prinz Rupert) 334 - 1673 14. Juni Schooneveld (zweite Schlacht; Ruyter- - Prinz Rupert) 339 - 1673 21. August Texel (Ruyter-Prinz Rupert) 341 - 1674 Juni, Juli Französische Küstenstädte angegriffen - (Tromp, Cornelis) 364 - 1674 20. Juli Martinique (Ruyters Landung) 368 - 1675 11. Februar Stromboli (Vivonne-del Viso) 373 - 1676 8. Januar Stromboli (Ruyter-du Quesne) 377 - 1676 22. April Agosta (du Quesne-Ruyter) 381 - 1676 2. Juni Palermo (Vivonne vernichtet holländ.- - span. Flotte) 385 - 1676 4. Juni Bornholm (Niels Juel-Creutz) 396 - 1676 11. Juni Ertholm (Niels Juel und Tromp-Creutz) 397 - 1677 21. Februar Tabago (d'Estrées' Landung) 370 - 1677 11. Juni Warnemünde-Gjedser (Niels Juel) 398 - 1677 11. Juli Kjögebucht (Niels Juel-Horn) 398 - 1677 August Kalmar (Tromps und Niels Juels Einfall) 399 - 1677 11. Dezember Tabago (d'Estrées' zweite Landung) 371 - 1678 11. Dezember Kap Ouessant (Evertsen-Château-Renault) 388 - 1682 u. 1683 Sommer Algier bombardiert (du Quesne) 405 - 1684 Mai Genua bombardiert (du Quesne) 408 - 1685 Juni Tunis, Tripolis bombardiert (d'Estrées) 408 - 1688 Juli Algier bombardiert (d'Estrées) 408 - 1689 11. Mai Bantrybay (Château-Renault-Herbert) 430 - 1690 10. Juli Beachy Head (Tourville-Herbert) 436 - 1691 Juni-August Tourvilles Hochsee-Kreuztour 441 - 1692 29. Mai-3. Juni Kap Barfleur-La Hogue (Russell- - Tourville) 444 - 1692 27. Juni Smyrnaconvoi (engl.-holländ.) bei - Lagos vernichtet (Tourville) 457 - 1693 November St. Malo bombardiert (England) 459 - 1694 Juni-September Brest angegriffen; Dieppe, Dünkirchen, - Calais beschossen (England) 461 - 1695 Juli, August St. Malo, Dünkirchen, Calais beschossen - (England) 463 - 1696 Juli Westküste Frankreichs bedroht (England) 466 - 1697 April Cartagena (Mittelamerika) erobert - (de Pointis) 467 - 1700 Juli Kopenhagen angegriffen (Schweden, - England, Holland) 586 - 1702 August Cadiz angegriffen (Rooke) 514 - 1702 29. Aug.-3. Sept. Cartagena (du Casse-Benbow) 563 - 1702 23. Oktober Vigo, Vernichtung der Silberflotte - (Rooke) 516 - 1704 3. August Gibraltar erobert (Rooke) 526 - 1704 24. August Malaga (Rooke-Graf Toulouse) 530 - 1704/05 Winter Gibraltar, Rückeroberungsversuche - (Frankreich) 536, 538 - 1705 18. März Gibraltar (Leake-de Pointis) 538 - 1705 3. September Barcelona erobert (Shovel) 540 - 1707 Juli u. August Toulon belagert (Prinz Eugen und - Shovel) 547 - 1710 24. Juli Cette, Landung der Engländer 554 - 1712 Herbst Rio gebrandschatzt (Duguay-Trouin) 556 - 1714 Sommer Hangö-Udd (Apraxin-Schweden) 589 - 1715 28. Juli Holsteinische Küste (Dänen-Schweden) 588 - 1715 8. August Rügen (Dänen-Schweden) 588 - 1718 11. August Kap Passaro (Byng vernichtet spanische - Flotte) 580 - 1719 Oktober Einfälle in Spanien (Frankreich und - England) 581 - 1727 Januar-Juni Gibraltar durch Spanien belagert 596 - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Sach- und Namenverzeichnis. - - - =Acadia= d. i. Neuschottland und Neubraunschweig; Besiedlung 89; Kämpfe - um siehe »Nordamerika«. - - =Admiral=, Ursprung des Wortes 52; Admirale im Mittelalter 52; Zeit - (1492-1648) 149, 152; (1648-1740) 181; Generale zur See in England - 195; englische Admiralsgrade nach den Flaggen 221; große Vermehrung - der A. in Holland 257; Lordhighadmiral 260; Generalleutnant-Admiral - in Holland 314; A. in Frankreich (vor und nach 1660) 318; Admiralität - und A. of the fleet in England 419; Joint-Admirals 440, 457, 459, - 540. - - =Advijsjachten=, holländ. Schiffstyp 255. - - =Afrika=, siehe unter »Ostafrika« und »Westafrika«. - - =Agrippa=, 15, 21. - - =Ägypter=, Schiffahrt 4; in Indien (1508) 62. - - =Albemarle=, Herzog von, englischer Admiral siehe »Monck«. - - =Alberoni=, Kardinal, Leiter Spaniens (1714-1720), hebt - Seestreitkräfte, Umtriebe gegen die Bedingungen des Friedens von - Utrecht 578-581. - - =Allin=, engl. Admiral (1664) 254. - - =Almonde=, holländ. Admiral (1676) 396; bei Cap Barfleur 447, 461; im - Mittelmeer (1702) 511, 514, (1703) 520; in der Ostsee (1700) 586. - - =Amboina=, Streit zwischen England und Holland 83, 189, 251. - - =Amerika=, siehe unter »Nordamerika« und »Südamerika«. - - =Amfreville=, de, franz. Admiral (1690) 434, 441. - - =Anapolis=, siehe Port Royal. - - =Antilia=, sagenhafte Insel im Atlantik 51, 66. - - =Appleton=, engl. Admiral (1652) 209, 214. - - =Apraxin=, russisch. Admiral (1700) 589. - - =Archangel=, gegründet (1584) 77. - - =Armada=, Geschichte der 116 ff; Ereignisse der Armadawoche 126 (siehe - auch unter »Seeschlachten«); Instruktion für die A. 116; Streitkräfte - der Spanier 119, der Engländer 123, der Holländer 120; Abwägung der - Gegner 122; Verluste 132; Kritik 132. - - Eine zweite Armadakatastrophe (1639) 141. - - =Armierung=, der Schiffe bei den verschiedenen Marinen siehe unter - »Geschütze«. - - =Artillerie=, Entwicklung der usw. siehe unter »Geschütze«. - - =Assiento-Vertrag=, zwischen England und Spanien (1713) über - Negereinfuhr und Handel in Westindien 576, 598. - - =Augsburger Bund=, gegen Ludwig XIV. (1686) 411. - - =Australien= (Torresstraße, Tasmanien, Neuseeland entdeckt) 75. - - =Ayscue=, engl. Admiral (1652) 199, 204. - - - =Back=, Vordeck, siehe »Decke«. - - =Badiley=, engl. Admiral (1652) 209, 214, 219. - - =Ballisten=, Wurfmaschinen 13. - - =Bankers=, holländ. Admiral (1672), bei Solebay 325 ff; bei Schooneveld - 336 ff; bei Texel 345 ff. - - =Barbareskenstaaten=, 91; weitere Kämpfe mit ihnen siehe unter - »Seekriege«. - - =Barcelona=, belagert (1691) 444, (1694) 460; erobert (1697) 466; - angegriffen (1704) 524; erobert (1705) 540; belagert und entsetzt - (1706) 540; erstürmt (1714) 556. - - =Bart, Jean=, berühmter franz. Freibeuter (1674) 389, 403, 463, 465; - Personalien und Haupttaten 470. - - =Beaufort=, Herzog von, franz. Admiral (1665) 272, 287 ff, in Kreta - [+] 320, 592. - - =Behaim=, Martin, Instrumente, Globus, Weltkarte 29, 31, 57. - - =Belle-Isle=, franz. Insel, angegriffen (1674) 364. - - =Bemannung= der Schiffe, siehe unter »Personal«. - - =Benbow=, engl. Admiral, in Westindien (1702) 508; Gefecht bei - Cartagena 562. - - =Berkeley=, engl. Admiral, vor franz. Küstenstädten (1694/1695) - 461-463; an franz. Westküste (1696) 466. - - =Bielke=, dänisch. Admiral (1658) 243. - - =Binckes=, holländ. Admiral (1676) bei Tabago 369 ff. - - =Blake=, Robert, berühmter engl. Admiral, 198; bei Dover (1654) 199; - Personalien 200, 204; vernichtet franz. Geschwader 208; bei - Kentish-Knock 209; bei Dungeness 212; bei Portland 215; vor Tunis und - Teneriffa 237, 238. - - =Boote=, Bei-, Schiffs-, 166. - - =Bourbon=, Insel, von Frankreich besiedelt (1654) 621. - - =Bourbonischer Familienvertrag=, Keim zum großen Seekriege (1739 usw.) - 622. - - =Bourne=, engl. Admiral(1652) 199, 210. - - =Brandenburg=, siehe unter »Friedrich Wilhelm« und unter »Marinen«. - - =Brander=, 42, 106; großer Angriff mit B. (1588) 129; Wesen der, - Bestände an 172; Blüte und Niedergang der Waffe 188, 313, 354; - größter Erfolg bei Palermo 385; Abarten: Infernals 459, 462, 464; - Rauchschiffe 464; Bedeutung der Waffe (1688-1697) 474. - - =Brasilien=, entdeckt (1500) 60; besiedelt 74; Holländer dort 88, - Franzosen 89; Kämpfe Portugals mit Holland 198; Duguay-Trouin - brandschatzt Rio (1712) 556; Geschichte B.s (1648-1740) 605. - - =Brest=, Angriff auf (1694) 461. - - =Britische Gewässer=, (four seas), in denen England die Oberhoheit - beanspruchte 188. - - =Bucanier= siehe »Flibustier«. - - =Bücher=, nautische, im Altertum 6; im Mittelalter 31; (1492-1648) 106; - (1648-1739) 167. - - =Bullen=, päpstliche über Teilung der Welt 29, 59. - - =Bündnisse=, Schwäche der 356. - - =Burgh=, Hubert de, engl. Flottenführer (1217) 45. - - =Byng=, engl. Admiral, vor Gibraltar (1704) 526, 542; im Mittelmeer - (1709) 553, (1718) 579; vernichtet spanische Flotte 580; in der - Ostsee (1717) 590. - - =Byzanz= (oströmisches Reich), Schifffahrt 26; Schiffe 32; Kriege 42. - - - =Cabotto=, Giovanni, Entdecker Nordamerikas 76. -- Sebastian (Sohn G.s) - Entdeckungen im Norden Europas 77. - - =Cabral=, Pedro, Alvarez, entdeckt Brasilien 60. - - =Calais=, Wechsel der Besitzer 46, 47, 112, 135; beschossen (1694) 462, - (1695) 464, (1696) 465. - - =Callenburgh=, holländ. Admiral (1675) 383; entzieht sich du Quesne - 387; 437. - - =Camisarden= siehe »Cevennenkrieg«. - - =Cartier=, franz. Entdecker in Nordamerika 76, 89. - - =Casse=, du, franz. Admiral 469; Haupttaten 562; Gefecht bei Cartagena - (1702) 563. - - =Cassard=, franz. Admiral, in Westindien (1712) 555; Haupttaten 562. - - =Catinat=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491. - - =Cette=, (Cevennenkrieg, Camisarden) 494; Engländer dort (1703) 520; - Landung (1710) 554. - - =Cevennenkrieg=, siehe vorstehend. - - =Château-Renault=, franz. Admiral (1678) 388; bei Bantrybay 429, 433; - bei Beachy Head 437; in Westindien (1701) 508; mit der Silberflotte - in Vigo vernichtet 516. - - =Childs=, John, Präsident der engl.-ostind. Kompagnie (1686) 615. - - =Cinque-Ports=, 50. - - =Clifford=, George, Earl of Cumberland, berühmter engl. Freibeuter - (1589) 134. - - =Coëtlogon=, franz. Admiral (1688) 469, 508. - - =Colbert=, 158, 250; gründet franz. Marine, seine Wohlfahrtspolitik - 315; gründet Kolonien 603. - - =Condé=, Prinz von, franz. Marschall 329 ff, 362. - - »=Constant Warwick=«, engl. Schiff (1646) 163. - - =Convoi-Wesen= 94. - - =Convoijers=, holländ. Schiffe nur für Handelsschutz 468. - - =Cromwell=, 157, 190, 228, 236, 257. - - =Croßstaff=, nautisches Instrument 31. - - - =Dänemark=, Kriege siehe unter »Seekriege«, Marine siehe unter - »Marinen«. - - Alte Eroberungszüge 43; erste Kolonien 90; geschichtliche - Angaben 212, 229, 272, (1672) 362; Ende der Kriege mit Schweden um - die Ostsee 532; D. im Nordischen Kriege 585 ff. - - Dänemarks Kolonien (bis 1740) 604. - - =Danzig=, durch holländische Flotte geschützt (1656) 240; durch - russische Flotte blockiert (1734) 597. - - =Dean=, engl. Admiral (1652) 198; Personalien 215; 219; [+] - 224. - - =Decke, Schiffs=-, Vermehrung der 97, 99; Vordeck, Halbdeck usw. 99, - 166, 169. - - =Defensionsschiffe=, dänische 148, 582. - - =Delaval=, engl. Admiral, bei Cherbourg (1692) 454, 457. - - =Derfflinger=, brandenburg. Feldmarschall 400 ff. - - =Devolutionskrieg=, Ludwigs XIV. (1667) 250, 289, 307. - - =Diaz, Bartolomeu=, umsegelt das Kap. 29. - - =Downs=, die, Rhede von Deal 199. - - =Drake, Francis=, engl. Admiral, Entdecker und Freibeuter (1572) 80 ff; - Zug gegen Cadiz 115; gegen Portugal 133; nach Westindien [+] - 135; sein berühmter Grundsatz 80, 95. - - =Dreidecker=, der erste (»Royal Sovereign«) 100; 169 ff. - - =Dromone=, oströmischer Schiffstyp 32. - - =Dubois=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1715-1723), schlechter Einfluß - auf Marine 503. - - =Duguay-Trouin=, franz. Admiral und Freibeuter 469; Zug gegen Rio - (1712) 556; Haupttaten 562. - - =Dumas=, franz. Gouverneur in Indien (1741) 618. - - =Dünkirchen=, Ausgangshafen für Freibeuter 140; seine Macht (1630 bis - 1646, Krieg gegen Holland) 140; Wechsel des Besitzers 238, 247; - Kreuzerkrieg gegen Holland (1674 bis 1678) 389, 443; Angriffe auf - (1694/95) 462, 463, 467; Krieg gegen Holland und England (1702 bis - 1713) 558. - - =Dupleix=, franz. Gouverneur in Indien (1735) 618. - - - =Eddystone=, Leuchtturm erbaut (1698) 167; weggewaschen (1703) 521. - - =Einfluß der Seeherrschaft.= Altertum: 2; Punischer Krieg 19; - Mittelalter: Englisch-französische Kriege 44 ff, 47; (1492-1648): - Wichtigkeit der Seeherrschaft 106; (1648-1739): Einfluß im - Pfälzischen Erbschaftskriege (1688-1697) 417, 484; im Spanischen - Erbfolgekriege (1702-1713) 486, 568; Einfluß der englischen Seemacht - im Nordischen Kriege 582, 591; gegen Spanien (1725) und im Polnischen - Thronfolgekriege 596/97. - - Siehe auch unter »Kriegführung zur See« und unter »Strategie«. - - =Elisabeth von England=, als Förderin der Schiffahrt 84; zur Zeit der - Armada 113 ff. - - =England=, Kriege siehe »Seekriege«, Marine siehe »Marinen«, Armierung - der Schiffe siehe »Geschütze«. Erste Schiffahrt 28; E. geht in die - Ozeane und Ostsee, verdrängt Spanien und Hansa 78 ff; Kolonien: in - Indien 82, ostindische Kompagnie 82; in Nordamerika, in Westindien - 84; geschichtliche Angaben (1648) 157, (1652) 189; in der Ostsee - (1659, schwed.-polnisch. Krieg) 244; geschichtlich (1665) 248; - Unternehmen gegen holländ. Kolonien (1663) 252; führt (1667) - Kreuzerkrieg 290; Politik (1672) 309 ff; politische Haltung (vor - 1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693) 456; erste feste Station im - Mittelmeer 461; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 - ff; Kriegserklärung 490; Methuenvertrag mit Portugal (P. von nun an - von E. abhängig) 490; E. gibt Spanien auf (1712) 555; Verlust an - Schiffen im Kriege (1702-1713) 557; E.s Klage gegen Holland über - Lauheit im Kriege 499, 566; Verluste im Kreuzerkriege 560; Ergebnisse - des Krieges für E. (Assiento-Vertrag, E. die einzige Seemacht) 575; - Bund mit Frankreich zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht - (1717, Quadrupelallianz) 578; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, - 590; Einfluß seiner Seegewalt 596, 597; Spannung mit Spanien führt - zum Kriege (1739) 594 ff. - - Englands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 601, 605, 614, 620. - - =Essex=, Graf von, englischer Befehlshaber, gegen Cadiz (1596) 135 ff; - dessen Sohn gegen Cadiz (1625) 138. - - =Estrées=, Comte de, franz. Admiral (1672) bei Solebay 325 ff; bei - Schooneveld 336 ff; bei Texel 345 ff; Personalien und Beurteilung - 347, 355; bei Tabago 370 ff; vor Tunis und Algier 408. - - Sohn des vorigen, franz. Admiral, im Mittelmeer (1691) 444, (1701) - 509. - - =Eugen, Prinz von Savoyen=, im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491 ff, - 512; vor Toulon 547 ff. - - =Evertsen, Cornelis=, holländ. Admiral, =der ältere= (1665) 273 ff; - =der jüngere= (1665) 264 ff; =der jüngste= (1674) 388, 426; - geschicktes Manöver bei Beachy Head (1690) 437. - - =Evertsen, Jan=, holländ. Admiral (1652) 212, 216, 226, 264 ff; bei - Northforeland [+] 283 ff. - - - =Fernrohr=, Einführung 106. - - =Flaggengruß=, den England beanspruchte 191, 297, Verstoß dagegen führt - zum Kriege (1672) 311; 352. - - =Fleury=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1723-1743), schlechter Einfluß - auf Marine 503; seine Friedenspolitik (bis 1748) 595 ff. - - =Flibustier=, Entstehung 89, 92; 600/01. - - =Forbin=, franz. Admiral und Freibeuter (1688) 469; in der Adria (1702) - 512; Zug gegen Schottland mit Jakob III. 552; Haupttaten 562. - - =Frankreich=, Kriege siehe »Seekriege«; Marine siehe »Marinen«; - Armierung der Schiffe siehe »Geschütze«. - - Erste überseeische Unternehmungen und Kolonien 89 ff; Geschichtliche - Angaben 229, (1665) 250; Ludwigs XII. Politik (1672) 307 ff; Haltung - im Kriege (1672-1674) 335; Politik (vor 1688 siehe auch unter »Ludwig - XIV«) 410 ff; Gründe der Erschöpfung (1697) 415; F.s Kreuzerkrieg 467 - ff; derselbe (1702 bis 1713) 557 ff; Stellung zur spanischen - Thronfolgefrage (1700) 488 ff (siehe »Ludwig XIV.«); Kriegserklärung - 490; Verlust an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560; - Ergebnisse des Krieges für F. 575; Bund mit England zur - Aufrechterhaltung des Frieden von Utrecht (Quadrupelallianz 1717) - 578; Haltung im Nordischen Kriege 591; F. in Kreta (1669) 591; - Politisches (bis 1740, Wirken des Finanzmannes Law) 595 ff; Haltung - im Polnischen Thronfolgekriege 597; Bourbonischer Familienvertrag - (Keim zum Kriege 1739) 598. - - Frankreichs Kolonien. Geschichte (1648-1740) 603, 608, 617, 621. - - =Fregatte=, Entwicklung dieses Schiffstyps 163, 213 Fußnote, 222, 255, - 353. - - =Freibeuterei=, =Freibeuter=, Wesen 91 ff; englische Freibeuter 80, 82, - 134; F. in den späteren Kriegen: 272, 322, 350, 389, 467; Wesen - (1688) 469, 553, 559; Taten berühmter franz. F. 470, 561. Siehe auch - unter »Kreuzerkrieg« und unter »Dünkirchen«. - - =Frieden, wichtige Friedensschlüsse= mit ihren Bedingungen: Brömsebrö - (Schweden-Dänemark 1645) 111; Westminster (Holland-England 1654) 229; - Roeskild (Schweden-Dänemark 1658) 240; Kopenhagen (ebenso 1660) 240; - Haager Konzert (1659) 244; Pyrenäischer F. (Frankreich-Spanien 1661) - 247; Breda (Holland-England 1667) 296; Aachen (Frankreich-Spanien - 1668) 308; Westminster (Holland-England 1674) 352; Nymwegen - (Frankreich-Holland 1678) 363; Fontainebleau und St. Germain - (Dänemark-Schweden-Brandenburg 1679) 401; Ryswijk - (Frankreich-England, Holland usw. 1697) 415/16; Utrecht (Frankreich, - Spanien-England, Holland usw. 1713) 496 (siehe auch Seite 575 »Die - Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer«); Im Haag - (Spanien-Quadrupelallianz 1720) 582; Travendal (Schweden-Dänemark - 1700) 586; Friedrichsburg (Schweden-Dänemark 1720) 589; Nystadt - (Schweden-Rußland 1721) 589; Vertrag von Sevilla (England-Spanien - usw. 1729) 597. - - =Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst=, seine Politik (1672) 311, 333; - (1674) 362; im Kriege um Pommern (1674-1678) 400 ff; weitere - Geschichte seiner Marine und Kolonien 401; Arguin aufgegeben 621. - - =Frobisher=, engl. Seemann, als Entdecker 77; z. Zt. der Armada (1588) - 121 ff. - - =Frontenac=, franz. Gouverneur in Kanada (1672) 608. - - - =Galeassen=, Schiffsart 102. - - =Galen van=, holländ. Admiral (1654) 209. - - =Galeon=, Schiffstyp 38. - - =Galere=, 32; franz. Galerenflotte 153. - - =Generale zur See=, in England 195. - - =Genua=, Schiffahrt 26; Schiffe 38; Kriege 42/43; von den Franzosen - bombardiert (1684) 408. - - =Geschütze=, Einführung 37, 41; Arten (1500) 97/98; Aufstellung (1600) - 100; Weiterentwicklung (1492 bis 1648) 103 ff; G. Pforten 104; Arten - (1580) 105; (1648-1739): Arten, Aufstellung, planmäßige Armierung der - Schiffe, leichte, mittlere, schwere Artillerie 168 ff; Armierung in - Holland und England (1665) 256, 258; ebenso (1672) 313; G. im Kriege - (1672 bis 1674) 354; Armierung in Holland (1688) 420. - - =Geusen=, Wasser-G. 112; neue G. (1634) 94, 141. - - =Gewürz-Inseln=, G.-Handel 61 ff, 75. - - =Ghent, van=, holländ. Admiral (1667) 291; in der Themse (1672) 323. - - =Gibraltar=, von England erobert (1704) 526; Versuche zur Rückeroberung - 536 ff. - - »=Great Harry=« engl. Schiff (1514) 39, 97. - - =Greenwich=, Observatorium gegründet 167; Hospital 506. - - =Griechen=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17. - - =Griechisches Feuer=, 41. - - =Gruppen=, Gefechts- siehe unter »Taktik«. - - =Gunfleet=, Ankerplatz 435 Fußnote. - - - =Haager Konzert=, Vermittlungsvorschläge in der spanischen - Thronfolgefrage (1688) 488 ff. - - =Haen, den=, holländ. Admiral (1675) 382. - - =Hansa=, Schiffahrt 27; Schiffe 37; Kriege (Blütezeit) 43; Flotten 50, - Niedergang 78; Kriege im 16. Jahrh. 109. - - =Harwich=, Angriff (1667) 295. - - =Hawkins=, engl. Entdecker 80, 81; Führer z. Zt. der Armada 121 ff; in - Westindien 134. - - =Hay, de la=, franz. General in Indien (1669) 617, 622. - - =Hein, Piet=, holländ. Admiral (1628) nimmt die Silberflotte 88. - - =Heinrich, der Seefahrer=, Prinz von Portugal 28. - - =Heinsius=, Ratspensionär von Holland 422. - - =Helena, St.=, Insel entdeckt (1500) 61; englisch 351, 620. - - =Herbert=, später =Earl of Torrington=, engl. Admiral (1688) 426; bei - Bantrybay 429 ff; bei Beachy Head, seine Order, Einwendungen, - Verhalten 433 ff; nochmals genauer 478. - - =Hessen-Darmstadt, Georg Prinz von=, General im Spanischen - Erbfolgekriege; vor Cadiz 513 ff; nach Vigo 518; vor Barcelona 524; - vor Gibraltar 527; verteidigt Gibraltar 537; erobert Barcelona 541. - - =Holland.= Kriege siehe »Seekriege«, Marine siehe »Marinen«. Armierung - der Schiffe siehe »Geschütze«. - - Erste Schiffahrt 28; geht in Ostsee und die Ozeane, verdrängt - Hansa, Portugal und Spanien 78, 85 ff; Kolonien: in Indien - (ostindische Kompagnie) 86, in Nordamerika 87, in Westafrika 87, in - Südamerika und Westindien (westindische Kompagnie) 88; Geschichtliche - Angaben (1648) 157 ff, (1665) 249; Politik (1672, isoliert) 309 ff; - »Holland in Not« 320; Deiche durchstoßen 331; innere Verhältnisse - 332; politische Haltung (vor 1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693) - 456; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 ff; - Kriegserklärung 490; gibt Spanien auf (1712) 555; Klage Englands - gegen H. wegen Lauheit im Kriege 499, Antwort darauf 567; Ergebnisse - des Krieges für H. 575; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, 590. - - Hollands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 604, 612, 619. - - =Holmes=, engl. Admiral (1662), in Afrika und Nordamerika 252; im - Vlie-Strome 287; greift Smyrnaconvoi an 321. - - =Howard, of Effingham=, engl. Admiral gegen Armada (1588) 121 ff; gegen - Cadiz (1596) 135. - - =Hudson=, engl. Entdecker in Nordamerika 87. - - - =Indien=, Ost-, geographischer Begriff im Altertum und Mittelalter 29; - Staaten usw. dort (1500), Besiedlung durch Portugal 60 ff; England in - I. 82, Holland 86; Zusammenstoß beider 83; Franzosen, Dänen dort 90; - Geschichte der europäischen Kolonien in I. (1648-1740): - portugiesische 611, holländische 612, englische 614, - Ostende-Kompagnie (deutsch) 616, französische 617, spanische - (Philippinen) 618. - - =Infernal=, Abart der »Brander« siehe dort. - - =Instrumente=, nautische, Entwicklung 30, 106, 167. - - =Irland=, Kampf um (1688) 428 ff; Fehler beider Gegner dabei 431, 434; - 440/41. - - =Isle de France=, Insel von Franzosen besiedelt (1715) 622. - - - =Jakob= II. von England (1685), als =Herzog von York= tüchtiger Admiral - 263 ff, Personalien 264; bei Solebay 324 ff; König 411; vertrieben - (1688, sein politischer Fehler) 413; Kampf in Irland 414, 428; - verjagt dort 440; plant Einfall in England 445; Schicksal besiegelt - 465; [+] (1701) 489. - - =Jakob= III., Sohn, von Ludwig XIV. anerkannt 489; plant Einfall in - Schottland (1708) 552. - - =Jakobstab=, nautisches Instrument 31. - - =Jamaica=, von England erobert 85; 237; 602. - - =Juel=, Niels, dänisch. Admiral (1675) 394 ff. - - - =Kalikut=, Stadt in Indien, 59 ff. - - =Kalmar=, Angriff (1677) 399. - - =Kalmarische Union=, Vereinigung der skandinavischen Staaten unter - Dänemarks Führung 43, 109. - - =Kampfweise=, zu den verschiedenen Zeiten siehe unter »Taktik«. - - =Kanada=, besiedelt 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«. - - =Kanonen=, ihre Entwicklung siehe unter »Geschütze«. - - =Kap Hoorn=, erste Umsegelung (1616) 75. - - =Kaperei=, Wesen der 93; siehe auch unter »Freibeuter«. - - =Kapland, Kap der Guten Hoffnung=, erste Umsegelung 29; besiedelt - (1652) 87; von Holland besetzt 198, 620. - - =Karavelle=, Schiffstyp 39. - - =Karisches Meer=, Entdeckung 77. - - =Karl= II. von England 248; sein strategischer Fehler (1666) 274, 303; - 289; führt nur Kreuzerkrieg 290, 304; Politik (vor 1672) 307 ff; - [+] (1685) 411. - - =Karl= III. von Spanien, Prinz von Österreich, Sohn Kaiser Leopolds, - König von Spanien (1703) 490; sein Krieg in Spanien 493 ff; deutscher - Kaiser 496; landet in Lissabon (1704) 522; verläßt Spanien (1711) - 555; erläßt die Pragmatische Sanktion (1713), seine Politik behufs - deren Anerkennung 594 ff. - - =Karl= VI., Deutscher Kaiser, siehe vorstehend. - - =Karl= X., =Gustav, von Schweden=, schwedisch-polnisch. Krieg 239 ff. - - =Karl= XII. =von Schweden=, im Nordischen Kriege 585 ff; [+] - (1718) 589. - - =Karrak=, Schiffstyp. Mittelalter 38. - - =Karten=, siehe »Seekarten«. - - =Karthago=, Schiffe 13; Kriege 19. - - =Kastelle= für Schiffsgeschütze 35, 38, 95, 99. - - =Katapulte.= Wurfmaschinen 12. - - =Kiellinie.= siehe unter »Taktik«. - - =Killigrew=, engl. Admiral (1690) sein Fehler 433; 457. - - =Kogge=, Schiffstyp, Mittelalter 37. - - =Kolonien=, Gründung, Entwicklung und Kampf dort, siehe unter: - Nordamerika, Südamerika, Brasilien, Westindien, Indien, Ostafrika, - Westafrika. (Auch unter England, Spanien usw.) - - =Kolumbus=, seine Schiffe 39; seine Taten 65 ff. - - =Kompaß=, erfunden 30. - - =Konvoiwesen=, =Konvoijers=, siehe unter C. - - =Kopenhagen=, belagert (1658) 240, 245; beschossen (1700) 585. - - =Korsaren= 91. - - =Kreta=, von den Türken angegriffen (1645), von Frankreich unterstützt - 320, genauer 591. - - =Kreuzer=, 179. - - =Kreuzerkrieg=, Wesen und militärischer Wert 304, 471; Eigenart des - französischen (1688-1697) 467 ff; ebenso (1702-1713), Erfolge und - Verluste in diesem 557 ff. - - =Kreuzzüge= 43. - - =Kriege=, in denen Seestreitkräfte mitwirken siehe »Seekriege«. - - =Kriegführung zur See=, eine wissenschaftliche 107, 143, 160, 235; - Kreuzerkrieg siehe dort; siehe sonst auch »Strategie« und »Einfluß - der Seeherrschaft«. - - - =La Bourdonnais=, franz. Gouverneur von Bourbon und Isle de France - (1735) 622. - - =La Rochelle=, Kämpfe um 46, 112. - - =Längenbestimmung= auf See 106, 167. - - =Law=, franz. Finanzmann (1716-1720), sein Wirken 595. - - =Lawson=, engl. Admiral (1652) 215, 222, 239, 263 ff. - - =Leake=, engl. Admiral, unterstützt Gibraltar (1704/1705), vernichtet - de Pointis 536-538; berüchtigte Reise 541; entsetzt Barcelona 542; - erobert Sardinien und Port Mahon (1708) 549. - - =Lee=, leewärts, Erklärung 5. Fußnote. - - =Leestellung=, erste Benutzung der Vorteile (Ruyter, Stromboli) 378 bis - 380. - - =Leibnitz=, sein »concilium aegyptiacum« 311. - - »=Le Soleil Royal=« franz. Schiff 169. - - =Leyva, de=, spanischer, ältester Seeoffizier der Armada 125 ff. - - =Liburnen=, Schiffstyp, Altertum 15, 23. - - =Linienschiff=, (Schlachtschiff) Bedeutung und Entstehung 176, 178; - Größe (1672) 313, 353, (1688) 474, (1740) 505. - - =Louisburg=, starke franz. Festung in Nordamerika 609. - - =Louisiana=, franz. Kolonie 610. - - =Louvois=, Kriegsminister Ludwigs XIV. 250; seine Einschätzung der - Marine 424. - - =Lowerdeck= 97, 99. - - =Ludwig= XIV. =von Frankreich=, 158, 250, 289; seine Politik (vor 1672) - 307 ff, 351; sein zweiter Eroberungskrieg (1672-1678) 362, 372; - Politik (vor 1688, Anspruch auf die Pfalz) 410; politischer Fehler - (1688/1689) 413, 476; plant Einfall in England (1692, falsche - Voraussetzungen und Befehle an Flotte) 445, 465; Stellung zur - Thronfolgefrage in Spanien (1700) 486 ff; bricht in die spanischen - Niederlande ein 489; Kriegserklärung 490; im Spanischen - Erbfolgekriege 491 ff. - - =Ludwig von Baden=, Reichsfeldherr im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff. - - =Luv=, zu Luward, luvwärts, Erklärung 5. Fußnote. - - =Luvstellung=, Vorteile der, Manövrieren darum 49, 222. - - =Luxembourg=, Herzog von, franz. Marschall 329 ff, 414. - - - =Madagaskar=, franz. Versuche zur Besiedlung (1642) 621. - - =Magalhaes=, Erdumseglung 71 ff. - - =Malo, St.=, beschossen (1693) 459, (1695) 463; Haupthafen für - Kreuzerkrieg 467. - - =Mannschaft= siehe unter »Personal«. - - =Marco Polo=, Entdeckungsreisen 27. - - =Marinen.= - - =Brandenburgische=: Erste Aufstellung (1675) 395; im Kriege (1677 bis - 1678) 400; weitere Geschichte 401. - - =Dänische=: Stand (1492-1648) 148; (1675) 394; (1700-1740) 582. - - =Englische=: Im Mittelalter 50; Zeit 1492-1648: Schiffsbestand (1522) - 98, (1603) 99, für den Schiffbau wichtige Schiffe 97 ff; Bestand - (1649) 101; Innere Entwicklung, Bestände (1603 und 1649) 151. -- - - Weitere innere Geschichte 1648 bis 1739: Im allgemeinen 161; - Schiffsbestände 162, 175 ff; Einteilung der Schiffe nach Klassen 174 - ff; Stärke und Einteilung der Flotte (1653) als Beispiel 220; Zustand - im Kriege (1652-1654), Generale zur See, Vergleich mit Holland 195 - ff; (1665-1667) Bestände, Vergleich mit H. 258 ff, ebenso 297; - (1672-1674) Bestände 313; Marine erklärt sich für Wilhelm von Oranien - 417, 418, 428; Stand (1688-1697), Gründung der Admiralität 417 ff; - erste feste Station im Mittelmeer 461; Entwicklung (1697-1740) an - Zahl und Güte der Schiffe, Bestände, Fürsorge für Personal, - Kennzeichnung der engl. Seeoffiziere des 18. Jahrh., Seesoldaten - 505-507; schlechtes Einvernehmen mit der holländ. Marine 545, 549, - 566; Klage Englands über geringe Beteiligung Hollands 567; Verlust an - Schiffen (1702-1713) 557; Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg, Verluste - in diesem 559 ff; Beteiligung am Nordischen Kriege (1700) 586, (nach - 1714) 590; Demonstrationen (1725) 596. - - =Französische=: Mittelalter 51; (1492-1648) 152; Zeit 1648-1740: - Einteilung der Schiffe nach Klassen 177; Stärke (1665) 263, 272; - Entwicklung unter Colbert (1659), Kriegshäfen, Schiffsbestände, - Personal 315 ff; Kennzeichnung der franz. Seeoffiziere 319; erste - größere Expedition (Kreta) 319; Verhalten im Kriege (1672-1674) 355; - Stand unter Colbert (bis 1683) 422, unter Seignelay (bis 1690) - beginnender Rückgang 423, unter L. de Pontchartrin (bis 1699) - vernachlässigt 424; Verfall an Material und Personal unter J. de - Pontchartrin (bis 1715), der Regentschaft (bis 1723) und Maurepas - (bis 1740), Schiffsbestände zu verschiedenen Zeiten (1696-1742) - 501-504; Verluste an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560; - die Marine im Kreuzerkriege (1688 und 1703) 467 ff, 557 ff; Auftreten - (1718) 582; im Polnischen Thronfolgekriege 597. - - =Holländische=: (1492-1648) Gründung und schnelle Entwicklung, - Admiralitäten und Admirale 149; Schiffsbestand (1642) 150; Zeit 1648 - bis 1739: Einteilung nach Schiffsklassen 177; Fortfall des - Generaladmirals, Schiffsbestände (1652 bis 1654), Verbesserung der - Schiffe 192 ff; Bestände (1664-1666) 255, Stamm fester Kapitäne 256, - Vermehrung der Admirale 257; Einteilung der Flotte (1666) als - Beispiel 273; Vergleich mit England (1666) 273; (1672-1674) Bestände - 313; Stärke beim schwedisch-dänischen Kriege (1675) 395; (1688-1697) - Armierung, Verbesserung des Personals, Schiffbau im Rückstande 419 - ff; hat W. v. Oranien die Marine vernachlässigt? 419, 422; Stärke der - Geschwader gegen Dünkirchen (1688-1697) 468; (1697 bis 1739) letzter - Aufschwung, Bestand (1700), Indienststellungen (1702-1713, Klage - Englands), Rückgang im Material und Personal, Bestand (1740) 498-510; - schlechtes Einvernehmen mit englisch. Marine 545, 549, 566; Englands - Klage über Lauheit und Antwort darauf 567; Maßnahmen gegen den - Kreuzerkrieg (1702-1713, Stärke gegen Dünkirchen) und Verluste in - diesem (Prämien für aufgebrachte Schiffe) 558, 561; Beteiligung am - Nordischen Kriege 586, 590; Demonstration (1725) 597. - - =Russische=: Gründung durch Peter den Großen (1703), Bestände (1710 und - 1725), Beschaffung des Personals und Materials, Kennzeichnung des - Offizierkorps, die Galerenflotte 583 bis 585; die russische Flotte - vor Danzig 597. - - =Schwedische=: Stand (1492-1648) 148, (1675) 394, (1700-1740) 582. - - =Spanische=: Mittelalter 51; Schiffe (1588) 99; Stärke (1588) und - Zusammenbruch durch die Armada-Affären (1588 und 1639) 147; Zustand - (1672) 382, 393; Stärke (1718) 579. - - =Marlborough=, englisch. General im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff; - sein großer Kriegsplan 494, 547, 572. - - =Martel=, franz. Admiral (1673) bei Texel 345 ff. - - =Martin=, franz. Gouverneur in Indien (1674) gründet Pondichery 617. - - =Martinique=, von Ruyter angegriffen 367, andere Angriffe siehe unter - »Westindien«. - - =Maurepas=, franz. Marineminister (1723-1743), sein Wirken, seine - Beurteilung 503/4. - - =Max Emanuel=, Kurfürst von Bayern, im Spanischen Erbfolgekriege - 491 ff. - - =Medina-Sidonia=, Führer der Armada (1588) 116 ff. - - =Melac=, franz. Marschall, in der Pfalz 414. - - =Melée=, d. i. Kampf zweier Flotten, in dem jede Flottenformation und - Leitung verloren gegangen ist und Schiffe oder Schiffsgruppen für - sich fechten 23, 48. - - =Merkator=, Erfinder der runden Karten 106. - - =Messina=, siehe unter »Sicilien«. - - =Methuen-Vertrag= zwischen England und Portugal (1703) 490. - - =Middledeck= 99. - - =Minorka=, siehe »Port Mahon«. - - =Molukken= 63, 74, 612. - - =Monck=, später =Herzog von Albemarle=, berühmter engl. Admiral (1652) - 198; Personalien 215; 219; bei Northforeland 222; bei Scheveningen - 225; in der Viertageschlacht 273 ff; bei Northforeland 283 ff; 288. - - =Monson=, engl. Admiral (1600) 143; als Taktiker 185. - - =Montagu=, engl. Admiral (1654) 198, 239, 263 ff, 269/70; bei Solebay - [+] 325 ff. - - =Mörser= 41. =Mörserboote= 173; verbesserte franz. (durch Renau) und - ihre taktische Verwendung 404 ff; Vermehrung in England 418, in - Holland 420; Leistung der Waffe 474. - - =Munden=, engl. Admiral, Fehler (1702) 512. - - - =Nautik=, und ihre Hilfsmittel: Karten, Bücher, Instrumente, Altertum - 5; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1740) 167. - - =Navigationsakte= 190. - - =Nes, van=, zwei holländ. Admirale (1666), 273 ff, 288, 296, 325 ff, - 335, 366. - - =Nesmond=, franz. Admiral (1696) 465, 466, 469. - - =Neu-Braunschweig=, besiedelt 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«. - - =Neuenglandstaaten=, 605. - - =Neu-Fundland=, entdeckt 76; besiedelt 84; Kämpfe um siehe - »Nordamerika«. - - =Neu-Schottland=, entdeckt 76; besiedelt 89; Kämpfe um siehe - »Nordamerika«. - - =Neu-York=, von England erobert 252; von Holland erobert aber - zurückgegeben 350; bleibt englisch 352. - - =Niederlande=, im allgemeinen siehe unter »Holland«. - - -- -- =spanische=, Einfall der Franzosen (1667) 308, (1701) 489, werden - österreichisch 497. - - =Nord-Amerika=, Entdeckung und Besiedlung 76, 84, 87, 89; Kämpfe - Englands mit Holland dort 350, 352, mit Frankreich (1683-1697) 473, - (1702-1713) 565; Geschichte der europäischen Kolonien (1648 bis - 1740): englische 605, französische 608, spanische 611. - - =Normannen=, Züge der 27, 43; Schiffe der 34. - - =Norris=, engl. Admiral (1710) schützt Sardinien, Landung bei Cette - 554; in der Ostsee (1715-1721) 590. - - =Nottingham=, engl. Premierminister (1690), seine Beziehung zu der - Niederlage bei Beachy Head 433/436, 478. - - =Nyborg=, durch Ruyter bombardiert (1659) 224. - - - =Offiziere, See-=, siehe unter »Personal«. - - =Oktant, Spiegel-=, Einführung des 167. - - =Oquendo=, d', spanischer Admiral, geschlagen in den Downs (eine zweite - Armada-Affäre, 1639) 141. - - =Ormond=, Herzog von, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor - Cadiz (1702) 511, 514. - - =Ormuz=, Stadt am persischen Golf, portugiesisch 62; verloren 84. - - =Ost-Afrika=, Koloniengründung: portugiesische 61, 63, holländische 87, - französische 90; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische - 619, holländische 619, französische 621. - - =Österreich= (Habsburg), Stellung zur spanischen Thronfolgefrage - (1700); im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff; gibt Spanien auf (1712) - 555; Karl von Ö. siehe Karl III. - - =Ostindien=, siehe »Indien«. - - =Ostindische Kompagnien=: Englische: 82, 251; Geschichte (1648-1740) - 614; auf St. Helena 620. - - Französische: 617, 618, 621. - - Holländische: 87; Geschichte (1648-1740) 612; am Kap 620. - - Ostender (Deutsche): (1714 bis 1731) 594, 596, 597; ihre Geschichte - 616. - - - =Palamos=, Stadt, Ostküste Spaniens, beschossen (1695) 462. - - =Papst=, Bullen über Teilung der Welt 29, 59. - - =Parma=, Herzog von, während der Armada 114 ff. - - =Penn=, engl. Admiral (1652) 198, 210; Personalien 215; 216; erobert - Jamaica 236, 263 ff. - - =Pentekontoren=, Schiffstyp im Altertum 10. - - =Penteren=, Schiffstyp im Altertum 13, 14. - - =Personal=, Bemannung der Schiffe im Mittelalter 50; (1492-1648) im - allgemeinen 154, festangestellte Offiziere 149, 153; (1648-1739) - Herausbildung des Kriegsschiffs-Matrosen, des See-, Deck- und - Unteroffizier-Korps der verschiedenen Dienstzweige, Seesoldaten 179 - ff; Vergleich des englischen und holländischen Personals (1652) 198; - englisches P. (1665) 259, holländisches 262 und 297; ebenso (1672) - 314; französisches P. (1672) 317, Kennzeichnung des französischen - Seeoffizierkorps 319; Niedergang des P. in Holland 500, in Frankreich - 503, 504, Hebung in England 505; Kennzeichnung der englischen - Seeoffiziere des 18. Jahrh. 506. - - =Peter der Große=, gründet Marine (1703) 583; Eroberungen usw. im - Nordischen Kriege 585 ff. - - =Peterborough=, Earl of, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, - vor Barcelona (1705) 540; 544 ff. - - =Pfalz=, Ludwigs XIV. Anspruch 411; verwüstet 414. - - =Pforten=, für Geschütze, Einführung 104. - - =Philipp= II. von Spanien, zur Zeit der Armada 113 ff. - - =Philipp= V. von Spanien (Herzog von Anjou), geht (1701) nach Spanien - 488; sein Krieg dort 493 ff. - - =Philippinen=, Inseln, besiedelt 73, 75; Geschichte (1648-1740) 618. - - =Phönizier=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17. - - =Phormio=, griechischer Admiral 24. - - =Pointis=, franz. Admiral (1697), gegen Cartagena 466; vor Gibraltar - (1704 bis 1705), vernichtet 536, 538. - - =Pommern=. Kämpfe um 394 ff; (1677-1678) 400. - - =Pontchartrin, Louis de=, franz. Marineminister (1690-1699), sein - Wirken, seine geringe Bewertung der Marine 424, 442, 468. - - -- -- =Jerôme de=, Sohn und Nachfolger des Vorigen, Wirken und - Beurteilung 501 ff; begünstigt Kreuzerkrieg 558. - - =Port Mahon=, Eroberung seitens Englands geplant 545; erobert (1708) - 549; Wichtigkeit für England 550, 551; als Stützpunkt eingerichtet 553. - - =Port Royal= an der Fundybay (Neu-Schottland), jetzt Anapolis, - gegründet 89. - - =Portugal=, erste Entdeckungsfahrten 28; Schiffe 38; die großen - Entdeckungen und Koloniengründungen 58 ff; Rückgang seiner Macht 64; - Geschichtsangaben 157 ff, 229; Stellung zur spanischen - Thronfolgefrage (1700) 490; Methuen-Vertrag (1703) mit England, von - da von E. abhängig, 490; erklärt sich gegen Frankreich 520. - - Portugals Kolonien, Geschichte (1648-1740) 605, 611, 619. - - =Pragmatische Sanktion=, 549 ff. - - =Privateers=, d. i. englische Freibeuter, siehe »Freibeuter«. - - - =Quadrant=, Davis-, nautisches Instrument, Erfindung 106. - - =Quadrupel-Allianz=, zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, - ihre Vermittlungsvorschläge 578, 579. - - =Quebec=, gegründet 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«. - - =Quesne, Abraham du=, berühmter franz. Admiral, 325; im Mittelmeer - (1674) 372 ff; bei Stromboli 377 ff; bei Agosta 381 ff; bei Chios - 403; bombardiert Algier (1682/83) 405 ff und Genua (1684) 408. - - =Quinqueremen=, Schiffstyp im Altertum 15. - - - =Raleigh=, Sir Walter, als Entdecker 84; als Admiral (Cadiz 1596) 135; - als Schriftsteller (über spanische Schiffe) 147; sein - politisch-strategischer Ausspruch 143. - - =Rauchschiffe=, Abart der »Brander« siehe dort. - - =Raul=, Benjamin, brandenburg. Marinedirektor 395. - - =Recalde=, zweitältester spanischer Seeoffizier der Armada (1588) - 118 ff. - - =Regensburg=, Vertrag (1684) 410. - - »=Regent=«, engl. Schiff (1489) 97. - - =Renau d'Eliçagarey=, franz. Seeoffizier, Verbesserer der Mörserboote - (1678) 404; als Freibeuter 469. - - =Réunions-Kammern= 363, 410. - - =Richelieu=, gründet Kolonien 89; gründet Marine 152, 158. - - =Rom=, Schiffe 14 ff; Kriege 19 ff; Oströmisches Reich, siehe unter - »Byzanz«. - - =Rooke=, engl. Admiral, bei Irland (1688) 430, 437; bei La Hogue 454; - bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; Oberbefehlshaber (1701) 507; seine - Pläne (1702) und vor Cadiz 509 ff, 514; vernichtet Silberflotte in - Vigo 516 ff; im Kanal (1703) 519; führt Karl III. nach Lissabon - (1704) und im Mittelmeer 522 ff; erobert Gibraltar 526; seine - Beurteilung 528; bei Malaga 530 ff; in der Ostsee (1700)586. - - »=Royal Charles=«, engl. Schiff (1673) 169. - - »=Royal Louis=«, franz. Schiff (1692) 165. - - »=Royal Prince=«, engl. Schiff (1610) 100. - - »=Royal Sovereign=«, engl. Schiff (1637) 100. - - =Ruder=, =Steuer-=, Erfindung des festen, 38. - - =Ruderrad=, Einführung 166. - - =Rügen=, Kämpfe um siehe »Pommern«. - - =Ruprecht=, (Rupert), =Prinz von der Pfalz=, engl. Admiral, als Führer - der Royalisten 139, 198; Personalien 264; in der Viertageschlacht - (1666) 273 ff; bei Northforeland 283 ff, 288, 335; bei Schooneveld - 336 ff; bei Texel 345 ff. - - =Russell=, engl. Admiral (1691) 442 ff; bei Cap Barfleur-La Hogue - 446 ff; Urteil über ihn 453; vor Barcelona (1694) 461; vor Toulon und - Palamos 462, 465. - - =Rußland=, siehe »Peter der Große«. - - =Ruyter, Michael de=, Hollands größter Seeheld, erstes Auftreten (1640) - 143; Personalien 205 ff; 210; 212; 216; gegen Barbaresken 239, 241; - in der Ostsee (1659, Nyborg, Kopenhagen) 244 ff; in Westafrika und - Westindien (1664) 253; als Taktiker 261, 262 Fußnote; - Oberbefehlshaber 270, 271; in der Viertageschlacht (1666) 273 ff; bei - Northforeland 282 ff, 287; in der Themse 290 ff; bei Solebay (1672) - 323 ff; versucht Themse zu sperren 335; bei Schooneveld 337 ff; bei - Texel 343 ff; als Taktiker (Haupttaten) 354, 356; in Westindien - (1674, Martinique) 367 ff; im Mittelmeer (1675) 374 ff; bei Stromboli - 377 ff; bei Agosta 381; [+] und Beurteilung 383. - - - =Saint Pol=, franz. Admiral und Freibeuter (1703), Haupttaten 562. - - =Sandwich, Earl of=, engl. Admiral siehe »Montagu«. - - =Sardinien=, für Karl III. erobert (1708) 550; bedroht 554; von Spanien - besetzt (1717) 578; gegen Sizilien vertauscht (1720), Königreich 582. - - =Savoyen= Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 491, 521; - Königreich 582; Herzog von S. vor Toulon (1707) 548. - - =Schiffe=, =Entwicklung=: Altertum 7 ff; Mittelalter 31 ff; (1492 bis - 1648) 95 ff; (1648-1739) 161 ff; Schiffsklassen 174; das Linienschiff - 176, 178; Sch. zu besonderen Zwecken 179; Vergleich englischer und - holländischer (1667) 255; die Schiffe im Kriege (1672-1674) 353; - holländischer Schiffbau im Rückstande (1688) 420. -- Siehe auch unter - »Marinen«. - - =Schiffsbodenschutz= 167. - - =Schiffsklassen=, Entwicklung der, (1600) 102; (1648-1739) 174 ff; - (1672) 353. - - =Schlachten=: Seeschlachten siehe dort. -- Landschlachten, die mit dem - Seekriege in Verbindung stehen: Agincourt (1415) 47; am Boyne (1690) - 414, 440; Höchstädt (1704), Ramillies (1705), Turin (1706) 493/4; - Malplaquet (1709), Saragossa (1709) 495; Almansa (1707) 546, Villa - Viciosa (1711) 496. - - =Schomberg=, franz. Marschall (1672) 362; im Dienste Wilhelms von - Oranien (1688) 426; in Irland 431. - - =Schonen=, Landung in (1676) 397. - - =Schweden=, Kriege siehe »Seekriege«, Marinen siehe »Marinen«, Kolonien - 90; erste Macht der Ostsee (1660) 240; Politik (1672) 309, 362; Ende - der Kriege mit Dänemark um die Ostsee 582; Sch. im Nordischen Kriege - 585 ff; verliert den gesamten Festlandsbesitz 588. - - =Seeherrschaft, Seemacht=, siehe »Einfluß der Seeherrschaft«. - - =Seekarten=, Altertum 6; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1739) - 167. - - =Seekriege= siehe Seite 639. - - =Seeraub=, 20, 43, 45, 91. - - =Seeschlachten=, Gefechte, Angriffe auf Städte usw. siehe Seite 640. - - =Segel=, allmähliche Verbesserung siehe unter »Takelage«. - - =Seignelay=, franz. Marineminister (1683-1690) 408; sein Wirken, Urteil - über ihn 423, 424. - - =Seymour=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff. - - =Shovel=, engl. Admiral, bei Irland (1690) 434, 457; vor Dünkirchen - 462; vor Calais 465; sein bemerkenswerter Ausspruch (1702) 511; im - Mittelmeer (1703) 519, 520, 525; bei Malaga 533, 534; vor Barcelona - (1705) 540; Angriff auf Toulon (1707) 547 ff; Verlust vieler Schiffe - und starb 549. - - =Sicilien=, Kampf um (1674) 372-388; an Savoyen 497; von Spanien - besetzt (1718), Kampf um die Insel 581 ff; gegen Sardinien vertauscht - 582; von Spanien erobert, Sekundogenitur Königreich beider S. (1735) - 597/98. - - =Signalsystem=, 186, 262. - - =Silberflotten=, Bedeutung des Wortes 71; Unternehmungen gegen S. - (Drake) 80, (Piet Hein) 88, (Clifford) 134, Vernichtung in Vigo - (1702) 516. - - =Skandinavier=, siehe »Normannen«. - - =Smith=, engl. Admiral bei Northforeland (1666) 283 ff. - - =Sokotora= (Sokotra), Insel, Eingang Rotes Meer, portugiesisch 61. - - =Solebay=, 265. - - =Spanien=, Kriege siehe »Seekriege«, Marinen siehe »Marinen«. Erste - Schiffahrt 26; Entdeckungen und Kolonien 65 ff; letzte große Flotte - (zweite Armada 1639) 141; geschichtliche Angaben (1648) 157 ff, - (1672) 363, (vor 1688) 410; Vertrag mit den Seemächten (1693) 456; - Stellung zur Thronfolgefrage (1700) 487 ff; Umfang des Reiches (1700) - 487; Kriegserklärung 490; im Spanischen Erbfolgekriege siehe unter - »Philipp V.« und »Karl III.«; Ergebnis des Krieges für Sp. 575; Sp. - (Alberoni) besetzt Sardinien und Sicilien (1718), Quadrupelallianz - dagegen 578/79; Alberoni gestürzt 582; Sp. greift Gibraltar an (1727) - 596; erobert Neapel und Sicilien (1733) 597; Spannung mit England - führt zum Kriege (1739) 598. - - Spaniens Kolonien, Geschichte (1648-1740) 599, 611, 618. - - =Speaker=, engl. Schiff (1649) 163. - - =Spitzbergen=, entdeckt, Fischerei 77, 78. - - =Spragge=, engl. Admiral (1672) 336 ff; bei Texel [+] 345 ff. - - =Stanhope=, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, nimmt Port - Mahon 550. - - =Strategie, zur See=, Entwicklung der (1648-1739) 160; im Kriege - (1652-1654) 229 ff; (1665-1667) 300 ff; Wert des Kreuzerkrieges 305; - strategische Fehler Karls II. (1666, 1667) 274, 290, 303/04; Ludwigs - XIV politische Strategie (vor 1672) 307 ff; St. Hollands (1672-1674) - 323; St. der Gegner im gleichen Kriege 357 ff; St. Hollands und - Frankreichs (1674-1678, Leistungen der Marinen) 391/392; - Vernachlässigung der Unterbindung des Verkehrs mit Irland (1688 usw.) - 431, 434; Fehler Tourvilles nach Beachy Head 439-441; Aufgaben der - engl.-holländ. Flotten (1693-1697) 456; St. der Gegner (1693-1697), - Rückblick auf den Krieg 475-485; Eingreifen der Seestreitkräfte im - Spanischen Erbfolgekriege (1702 bis 1713) 491-496; Strategie in - diesem (Rückblick auf den Krieg): Frankreichs Kriegführung 568, die - der Verbündeten im Mittelmeer 570, im Norden 573, Gesamturteil 574. - Siehe auch unter »Kriegführung zur See« und unter »Einfluß der - Seeherrschaft«. - - =Südamerika=, Entdeckung und Besiedelung 68, 69, 72, 74; Kämpfe dort - siehe »Brasilien« und (Festlandsküste Mittelamerikas) »Westindien«; - Geschichte der Kolonien in S.-A. (1648-1740): spanische 599. - portugiesische 605, Guayana siehe »Westindien«. - - - =Tabago=, Insel, Kämpfe um 369 ff. - - =Takelage=, Entwicklung der, Ruderschiffe 8, 33; Segelschiffe, - ursprüngliche 34, 35; zwei und drei Masten, Stängen, Marssegel 37, - 38; weitere Verbesserungen 98, 99; Marssegel wird Hauptsegel, - Vorsegel, Klüverbaum, Besan. 165. - - =Taktik=, im Altertum, Ruderschiffe 21 ff; Mittelalter: Ruderschiffe - 47, Segelschiffe 48 ff; (1492-1648): Ruderschiffe 144, Segelschiffe - (Kampf in Querabrichtung, Gruppentaktik) 145. - - (1648-1739.) Entwicklung der T. im allgemeinen 160; das - Linienschiff 176; Schiffe zu besonderen Zwecken 179; Kampf querab, - Luvstellung, Kiellinie aus Gruppen, Gruppentaktik, Einteilung der - Flotten, Kiellinie beim Winde, und aus Einzelschiffen 183-188; - Schlacht bei Northforeland, Markstein in der Geschichte der T. 222; - Lowestoft erste Schlacht mit Kiellinie beim Winde 267; Angriff Moncks - ein Meisterstück 277; Fortschritte in der T. (um 1665, - Gefechtsinstruktionen) 260, 298; taktische Kriegführung Hollands - (1672-1674) 323; T. im gleichen Kriege (Ruyter) 354; Stromboli, erste - Ausnutzung der Leestellung 377 ff; du Quesnes Taktik für Mörserboote - 404 ff; Taktik bei Beachy Head (1690) 438; Fehler Tourvilles nach der - Schlacht 439; T. im Kriege (1688-1697) 474; Schlacht bei Malaga - (1704) bemerkenswert 531, von ihr rechnet die Zeit der schematischen - Taktik 568. - - =Tanger=, fällt an England 239; aufgegeben (strategischer Fehler) 403, - 461. - - =Teilung der Welt= zwischen Spanien und Portugal 59. - - =Temple=, Sir W., englischer Staatsmann (1672) 308. - - =Teneriffa=, Vernichtung der Silberflotte (1657) 238. - - =Tessé=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 493 ff; vor - Gibraltar 538; vor Barcelona 541; in Toulon 548. - - =Tharsisschiffe=, Altertum 7. - - =Themistokles=, 18, 24. - - =Themse=, Ruyters Angriff (1667) 290 bis 296. - - =Tordenskiold=, dänischer Admiral im Nordischen Kriege 589. - - =Tordesillas, Vertrag von= (1494), Teilung der Welt 59. - - =Torrington, Earl of=, engl. Admiral siehe unter »Herbert«. - - =Toscanelli=, italien. Gelehrter, gibt Anlaß zur Westfahrt nach Indien - 58. - - =Toulon=, Marlboroughs Plan gegen T. 494, 547, 572; Angriff (1707) - 547 ff. - - =Toulouse=, Graf von, Admiral von Frankreich, 424, 502; führt - Brestflotte nach Toulon (1704) 522, 524; will Gibraltar nehmen, - Schlacht bei Malaga 529 ff; Fehler nach der Schlacht 536; vor - Barcelona (1706) 541. - - =Tourville=, berühmter franz. Admiral, erstes Auftreten (1676) 380; vor - Algier (Intriguen gegen du Quesne) 406 ff; Vizeadmiral der Levante - 409; Oberbefehlshaber (1689) 431; bei Beachy Head (Personalien) 432 - ff; nach der Schlacht 439-441; seine Hochseekreuztour (1691), Order, - Einwendungen, Ausführung 441-444; bei Cap Barfleur-La Hogue. Order - und Verhalten 445-455; bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; vor Barcelona - (1694) 460. - - =Transporter=, nötig im Altertum, Nachteile 24. - - =Trieren=, Schiffstyp im Altertum 10, 21, 23. - - =Tripelallianz= (1668) 308. - - =Tromp, der Ältere, Martin=, berühmter holländ. Admiral, gegen Spanien - (Schlacht in den Downs 1639) 141; als Taktiker 147; bei Dover (1652, - Personalien) 200 ff, 204, 205; bei Dungeness 212; Besen im Topp 213; - bei Northforeland 223; bei Scheveningen [+] 225. - - -- -- =der Jüngere, Cornelis=, Sohn des Vorigen, holländ. Admiral 209; - Personalien (1665) 264 ff; in der Viertageschlacht 273 ff; bei - Northforeland 283 ff; Eigenmächtigkeiten 277, 285; entlassen 286; - wiederangestellt bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 347; an - französischer Küste und im Mittelmeer (1674) 364 ff; in dänischem - Dienste 394 ff; mit dem Großen Kurfürsten 400; (1688) 426; - [+] 442. - - =Turenne=, franz. Marschall im Pfälzischen Erbschaftskriege 307, 329, - 362. - - =Türken=, Kriege siehe unter »Seekriege«; in Indien 62; im Mittelmeer - 108. - - =Tyddiman=, engl. Kapitän, vor Bergen (1665) 270. - - - =Upperdeck= 99. - - - =Vasco de Gama=, Entdeckungsreisen 59 ff. - - =Vauban=, franz. Ingenieuroffizier 308; in Brest (1694) 461. - - =Vendôme=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff. - - =Venedig=, Mittelalter: Schiffahrt 26; Schiffe 32, 38; Stärke der - Flotte 50; Kriege 42, 43; (1492-1648) Kriege 108; Rückgang 109; - (1648-1740) verliert in drei Kriegen seine Besitzungen im - Ostmittelmeer, nicht mehr Groß- und Seemacht 591/92. - - =Vienne, Jean de=, baut die erste französische Flotte 46, 51. - - =Vigo=, Vernichtung der Silberflotte (1702) 516 ff; von England - zerstört (1719) 581. - - =Villars=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff. - - =Vivonne=, Graf von, franz. General, Vizekönig von Sicilien (1674) - 372 ff; vor Palermo (1676) 385. - - - =Wachtmeister=, Graf, schwedischer Admiral, reorganisiert Marine 582; - im Nordischen Kriege 588. - - =Waffen=, Entwicklung, Altertum 12 (unter Schiffe), 21 ff (unter - Kampfweise); Mittelalter 40 ff; (1492-1643) 103 ff; (1648-1739) 168 - ff; siehe auch unter »Schiffe«. - - =Walker=, engl. Admiral, vor Quebec (1711) 565. - - =Walpole=, englischer Premierminister, Friedenspolitik (1723-1740) - 595 ff. - - =Wassenaer=, holländ. Admiral (1654) 239; Personalien 241; in der - Ostsee 241 ff (Schlacht im Sunde); 263 ff; bei Lowestoft (1665, - [+]) 266; Urteil 268. - - =Weißes Meer=, entdeckt 77. - - =Werften=, Entwicklung 40, 103, 168, 260. - - =Westafrika=, Koloniengründung: portugiesische 61, 63; holländische 87; - französische 90; Kämpfe Englands und Hollands 252, Frankreichs und - Hollands 371; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische - 619; holländische 620; englische 620; französische 621. - - =Westafrikanische Kompagnie=, englische 620. - - =Westindien=, (auch Guayana), Koloniengründung: spanische 65 ff; - englische 85; holländische 88; französische 90; Kämpfe: Englands und - Hollands 252, 350; Hollands und Frankreichs 350, 367; de Pointis - nimmt Cartagena 466; Kämpfe Englands und Frankreichs 472, 555, 562 - ff; Geschichte der Kolonien (1648 bis 1740): spanische 599; englische - 601; französische 604, dänische 604. - - =Westindische Kompagnien=, französische 90, 603; holländische 88, 619. - - =Wielinge=, die, Sandbänke bei Ostende 223. - - =Wiener Allianz=, gegen Ludwig XIV. (1689) 413. - - =Wikinger=, siehe Normannen. - - =Wilhelm von Oranien=, =Wilhelm III. von England=, 320, 330; - Statthalter 332 ff, 344, 351, 353; Seele des Bundes gegen Ludwig XIV. - (1686) 411; König von England (1689) 413, 428; im Pfälzischen - Erbfolgekriege 414; hat W. die holländische Marine vernachlässigt? - 419, 422; Übergang nach England (1688) 425 ff; in Irland (1690) 434, - 443; in Holland (1691) 444; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage - (1700) siehe »England« und »Holland«; Kriegsplan (1701) 507; - [+] 489. - - =Winter=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff. - - =Witt, Jan de=, Ratspensionär von Holland (1665) 249, 254, 269, 289; - seine Politik (vor 1672) 307 ff, 320, 332; Attentat 330; ermordet - 333. - - =Witte de Witt=, holländ. Admiral (1652) 141, 205; bei Kentish-Knock - 209; Personalien 224, 225, 226, 242. - - =Wrangel=, schwedischer Admiral (1658), Schlacht im Sunde 242. - - =Wurfmaschinen= 12, 15, 40, 104. - - - =York, Herzog von=, siehe »Jakob II.« - - - =Zweidecker=, der erste (»Royal Prince«) 100; 169 ff. - - =Zwischendeck=, Einführung des 166. - - * * * * * - - - Berichtigungen. - -Seite 5, Zeile 5 und 3 von unten, muß es heißen statt NW.- und SO.-Monsun -SW.- und NO.-Monsun. - -Seite 238, Zeile 2 von oben, ebenso Seite 239, Seitenüberschrift muß es -statt 1656 heißen 1657. - -Seite 589, Zeile 9 von oben, muß es statt 1715 heißen 1714. - -[Illustration] - - - E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68-71. - - * * * * * - -Anmerkungen zur Transkription: - -Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert. - -Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text0) und fett gedruckter -Text mit Dollarzeichen ($Text$) markiert. - -Das Zeichen für gestorben wurde als [+] dargestellt. - -Die Tabellen auf den Seiten 119, 123, 170, 177, 220, 221, 273, 376, 395, -418, 448, 449 und 505 wurden wegen ihrer Größe geteilt. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Seekriege und Seekriegswesen, Erster -Band, by Rudolph Rittmeyer - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, ERSTER BAND *** - -***** This file should be named 63853-8.txt or 63853-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/8/5/63853/ - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band - -Author: Rudolph Rittmeyer - -Release Date: November 22, 2020 [EBook #63853] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, ERSTER BAND *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - - - - - - -</pre> - - -<div class="figcenter"> - <img src="images/frontispiz.jpg" width="471" height="600" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="frontispiz" id="frontispiz"></a> -<p class="caption">Michael de Ruyter.</p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<h1>Seekriege und Seekriegswesen</h1> - -<p class="title">in ihrer<br /><br /> - -<span style="font-size: 150%;">weltgeschichtlichen Entwicklung</span><br /><br /> - -<span style="font-size: 110%;">Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege -des XVII. und XVIII. Jahrhunderts</span><br /><br /> - -von<br /><br /> - -<span style="font-size: 150%;">Rudolph Rittmeyer</span><br /> - -Kontre-Admiral z. D.<br /><br /></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/title_deco.jpg" width="100" height="55" - alt="title deco" - title="title deco" /> -</div> - -<p class="title"><br /><span style="font-size: 125%;">Erster Band</span><br /> - -<span style="font-size: 110%;">Von den Anfängen bis 1740</span><br /> - -Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen<br /><br /> - -<span style="font-size: 125%;">Berlin 1907</span><br /> - -<span style="font-size: 110%;"><em class="gesperrt">Ernst Siegfried Mittler und Sohn</em></span><br /> - -Königliche Hofbuchhandlung<br /><br /></p> - -<p class="title">Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 -sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_iii" id="Page_iii">[iii]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a003.jpg" width="600" height="102" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Vorwort.</h2> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_a003.jpg" width="50" height="50" - alt="D" - title="D" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">D</span>ie Literatur über Seekriegsgeschichte ist in deutscher Sprache -sehr gering. In fremden Sprachen ist sie reichhaltiger und -besonders in den letzten Jahren angewachsen. Aber auch -hier gibt es kaum ein Werk, das die gesamte Seekriegsgeschichte -behandelt. Es sind Geschichten der einzelnen Marinen, Lebensbeschreibungen -berühmter Seeleute, Bearbeitungen einzelner Kriege, Betrachtungen -über das Wesen und die Bedeutung des Seekrieges an der -Hand einzelner Kriege oder kriegerischer Ereignisse; Arbeiten der letzten -Art finden wir jetzt auch häufiger in Deutschland.</span></p> - -<p>Als Sammelwerk besteht nur das des französischen Autors du Sein: -„Histoire de la marine de tous les peuples“, in dem zwar alle Kriege und -ihre wichtigsten Ereignisse aufgenommen sind, jedoch mehr aufzählend, -nur selten genau beschreibend. Ein ähnliches Werk, Randaccio: „Storia -navale universale antica e moderna“ ist noch kürzer gefaßt.</p> - -<p>Ein vollständigeres derartiges Werk habe ich besonders während meiner -Tätigkeit als Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marine-Akademie sehr -vermißt. Auch sonst ist der Mangel empfunden worden. So griff ich gern -die mir im Jahre 1898 von seiten der Inspektion des Bildungswesens der -Marine zu teil gewordene Anregung auf, eine allgemeine Geschichte der -Seekriege zu verfassen. Um so mehr wuchs mir die Arbeit ans Herz, als der -Herr Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts, Admiral v. <em class="gesperrt">Tirpitz</em>, der Verwirklichung -des Planes, von seiner Nützlichkeit überzeugt, lebhaftes Interesse -und wertvolle Förderung schenkte.</p> - -<p>Eine Seekriegsgeschichte aller Völker und aller Zeiten würde eine Arbeit -erfordert haben, die nur in langen Jahren von <em class="gesperrt">einer</em> Person zu bewältigen -gewesen sein würde. Deshalb habe ich mir in dem vorliegenden Buche engere -Grenzen gesteckt und die <em class="gesperrt">Hauptaufgabe</em> gestellt, <em class="gesperrt">die großen</em><span class="pagenum"><a name="Page_iv" id="Page_iv">[iv]</a></span> -<em class="gesperrt">Kriege der Segelschiffszeit</em> von der Mitte des 17. bis zum Beginn des -19. Jahrhunderts genauer zu schildern, die von den seemächtigen Staaten dieser -Zeiten um die Herrschaft auf dem Meere geführt sind: von Holland, England -und Frankreich. Diese Kriege haben eine große Rolle in der Weltgeschichte -gespielt und den größten Einfluß auf das Seekriegswesen geübt, denn ihnen verdanken -die modernen stehenden Marinen ihren Ursprung und zugleich den -Antrieb zu ihrer Entwicklung auf allen Gebieten: im Schiffbau, in der Bewaffnung, -dem Personal und der Taktik. Die Kenntnis dieser Kriege ist -mithin am notwendigsten, ihre Betrachtung am lehrreichsten.</p> - -<p>Um den Leser in den Stand zu setzen, zu jeder Zeit die Kriegsmittel, -ihre Gefechtskraft und (auf Grund dessen) die Kriegstaten beurteilen zu -können, schicke ich jedem Abschnitt eine <em class="gesperrt">Betrachtung des Standes -des Seekriegswesens</em> und jedem Kriege eine Schilderung des jeweiligen -Zustandes der beteiligten Marinen voraus.</p> - -<p>Bei dem großen Mangel in unserer Literatur erschien es jedoch wünschenswert, -sowohl auf die früheren Zeiten zurückzugreifen als auch die kleineren -Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts in die Darstellung mit hineinzuziehen, -ja die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien von 1588 (der -Zug der „Armada“) bis 1648 schon genauer zu behandeln, weil in -ihnen eine neue Kriegführung zur See auftritt und durch diese Kriege -die bisherige Seeherrschaft Spanien-Portugals gebrochen wird. So wird -das Buch doch gewissermaßen eine Gesamt-Seekriegsgeschichte und vermag -Anregung und Fingerzeige zu Sonderstudien über andere Kriege -oder Fragen des Seekriegswesens zu bieten. Zu diesem Zweck füge -ich ein Verzeichnis aller mir bekannten wichtigeren Quellen bei.</p> - -<p>In den Auslassungen über die Entwicklung des Seekriegswesens mußte -auf Kürzung und Zusammenfassung besonderes Gewicht gelegt werden, -so daß Unvollständigkeiten sich hier nicht vermeiden ließen. Auch ist -der Anlage des Buches entsprechend die Entwicklung der Marinen nur -für die drei großen Seemächte genauer durchgeführt, über die der anderen -Staaten sind nur die notwendigsten Angaben gebracht.</p> - -<p>Um noch größere Nachsicht muß ich in Betreff der Betrachtungen -bitten, die sich auf die politischen Verhältnisse beziehen. Dem Einfluß, -den die Seekriege auf die Geschichte gehabt haben, wird in den allgemeinen -Geschichtswerken kaum je genügend Rechnung getragen, anderseits sind -in den Werken über Seekriegsgeschichte die politischen Verhältnisse meist -völlig übergangen; erst in neuerer Zeit ist jene Wirkung der Seekriege -zum Gegenstand eingehender Forschung geworden, wie vor allem die bekannten<span class="pagenum"><a name="Page_v" id="Page_v">[v]</a></span> -Werke des Captain Mahan über den „Einfluß der Seemacht auf -die Geschichte“ bezeugen. Seinem Beispiel folgend habe ich versucht, die -politischen Verhältnisse, unter denen die Seekriege geführt sind, und ihre -Folgen klarzulegen; wohl wissend, daß meine Kenntnisse nicht hinreichen, -hierin Vollkommenes oder auch nur Neues zu bieten.</p> - -<p>Bei der Bearbeitung der Kriege war ich bestrebt, die Quellenwerke -— englische, französische und auch holländische — die häufig national gefärbt -erscheinen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um ein unparteiisches Urteil -zu gewinnen; waren Auslassungen oder Angaben in zwei sonst schätzbaren -Werken nicht in Einklang zu bringen, so gebe ich sie aus beiden. Außergewöhnlich -hohe Angaben über Stärke und Verluste der Streitkräfte, wie -sie besonders in den ersten großen Kriegen von einigen Autoren der gegnerischen -Seite gemacht werden, schließe ich von der Wiedergabe ganz aus.</p> - -<p>Den zweiten Band, der die Zeit von 1740–1815 umfassen wird, hoffe ich -in nicht zu langer Frist folgen lassen zu können.</p> - -<p>Wenn auch der Inhalt des Werkes in erster Linie allen denen, die in -enger Beziehung zu maritimen Berufen stehen, Interesse bieten dürfte, so -geht mein Wunsch doch auch dahin, daß es gleichfalls im Laienpublikum, -dessen Verständnis für alle maritimen Fragen in erfreulichem -Wachsen begriffen ist, Aufnahme finden und Belehrung und Aufklärung -ermöglichen möchte.</p> - -<p class="left"><em class="gesperrt">Hannover</em>, Herbst 1906.</p> - -<p class="right"><span style="margin-right: 2.5em;">Rittmeyer</span><br /> - -Kontre-Admiral z. D.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_vii" id="Page_vii">[vii]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a007.jpg" width="600" height="148" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Inhaltsverzeichnis.</h2> - -<table summary="ToC"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vorwort</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_iii">III</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Wichtigste Quellen-Literatur</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_xviii">XVIII</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Verzeichnis der Abbildungen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_xxix">XXIX</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="font-size: 120%;">Erster Abschnitt.</span><br /> -<span style="font-size: 150%;">Altertum und Mittelalter.</span></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Erstes Kapitel: Das Seewesen Im Altertum</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_1">1–25</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Einleitung S. <a href="#Page_3">3</a>. — Ausdehnung der Schiffahrt. Nautik S. <a href="#Page_4">4–6</a>. — Schiffe -im allgemeinen S. <a href="#Page_7">7–9</a>. — Kriegsschiffe der Phönizier und Griechen S. <a href="#Page_9">9–13</a>. — -Zur römischen Zeit S. <a href="#Page_13">13–17</a>. — Die Seekriege S. <a href="#Page_17">17–21</a>. — Kampfweise und -Taktik S. <a href="#Page_21">21–24</a>. — Schlußbemerkung S. <a href="#Page_25">25</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Zweites Kapitel: Das Seewesen im Mittelalter</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_26">26–52</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Ausdehnung der Schiffahrt. Die ersten Entdeckungsfahrten der -Portugiesen. Nautik (Kompaß, Karten, Instrumente) S. <a href="#Page_26">26–31</a>. — Die -Schiffe: im Mittelmeer S. <a href="#Page_32">32–34</a>; im Norden bis 1300 S. <a href="#Page_34">34–35</a>. — Entwicklung -der Segelschiffe 1300–1500. Werften S. <a href="#Page_36">36–40</a>. — Waffen (Auftreten -der Pulverwaffen) S. <a href="#Page_40">40–42</a>. — Die Seekriege: im Mittelmeer, der Hansa -S. <a href="#Page_42">42–43</a>. — Englisch-französische Kriege S. <a href="#Page_44">44–47</a>. — Kampfweise und Taktik -S. <a href="#Page_47">47–49</a>. — Stärke und Zusammensetzung der Flotten S. <a href="#Page_50">50–51</a>. — Bemannung. -Admirale S. <a href="#Page_51">51–52</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="font-size: 120%;">Zweiter Abschnitt.</span><br /> -<span style="font-size: 150%;">Die Zeit von 1492–1648.</span></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Erstes Kapitel: Einleitung. Die großen Entdeckungen. Das Heraustreten -der Engländer und Holländer (Franzosen) in die Ozeane. -Die Unsicherheit auf den Meeren</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_55">55–95</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Einleitung S. <a href="#Page_55">55</a>. — <em class="gesperrt">Die großen Entdeckungen</em>: Stand der -Geographie um 1492 S. <a href="#Page_57">57–58</a>. — Der Weg der Portugiesen nach Südosten. -<span class="pagenum"><a name="Page_viii" id="Page_viii">[viii]</a></span> -Teilung der Welt; Vertrag von Tordesillas. Vasco de Gamas erste Reise -S. <a href="#Page_59">59–60</a>. — Das Festsetzen der Portugiesen im Osten. Ausdehnung ihrer -Macht bis 1540. Ihr Rückgang S. <a href="#Page_61">61–64</a>. — Der Weg der Spanier nach Westen. -Die Reisen des Kolumbus S. <a href="#Page_65">65–68</a>. — Spanische Entdeckungen und Kolonien -in Westindien und Südamerika; ihre Verwaltung S. <a href="#Page_69">69–70</a>. — Der Südwestweg -nach Indien. Magalhaes' Weltumsegelung S. <a href="#Page_71">71–73</a>. — Kolonien der -Portugiesen in Brasilien, der Spanier in den La Plata-Staaten, auf den -Molukken und Philippinen S. <a href="#Page_74">74–75</a>. — Der Nordwest- und der Nordostweg, -Entdeckungen und Niederlassungen in Nordamerika, Weißen Meer, -Spitzbergen (Fischerei) S. <a href="#Page_76">76–77</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Das Heraustreten der Engländer und Holländer -(Franzosen) in die Ozeane.</em> Niedergang der Hansa. Engländer und -Holländer gehen nach dem Süden S. <a href="#Page_78">78–79</a>. — Fahrten und Freibeuterei -der Engländer (Francis Drake); ihre Niederlassungen in Indien (ostindische -Kompagnie), Nordamerika und Westindien S. <a href="#Page_80">80–85</a>. — Die Holländer in -Indien (ostindische Kompagnie); in Afrika, Nordamerika, Westindien und Südamerika -(westindische Kompagnie) S. <a href="#Page_85">85–88</a>. — Die Franzosen in Brasilien, -Nordamerika, Westindien und Afrika. Dänen und Schweden S. <a href="#Page_89">89–90</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Unsicherheit auf den Meeren</em>: Seeraub, Korsaren der -Barbareskenstaaten, Flibustier S. <a href="#Page_91">91–92</a>. — Freibeuter und Kaper; das -Convoiwesen. Einfluß der Unsicherheit auf Schiffe und Seeleute S. <a href="#Page_93">93–95</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Zweites Kapitel: Schiffe, Waffen, Nautik</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_96">96–106</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Schiffe von 1492–1648.</em> Weiterentwicklung an Größe und -Gefechtskraft (Beispiele „Regent“ und „Great Harry“) S. <a href="#Page_96">96–97</a>. — Schiffsbestand -Englands 1522, 1548, 1603, 1649 (die ersten Zwei- und Dreidecker -„Royal Prince“ und „Royal Sovereign“) S. <a href="#Page_98">98–101</a>. — Galeren und -Galeassen S. <a href="#Page_102">102</a>. — Staatswerften S. <a href="#Page_103">103</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Waffen.</em> Vermehrung der schwereren Artillerie (die Kaliber -Englands 1580). Handwaffen S. <a href="#Page_102">104–105</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Fortschritte der <em class="gesperrt">Nautik</em> im 16. Jahrh. (Karten, Instrumente usw.) S. <a href="#Page_106">106.</a></p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Drittes Kapitel: Die Seekriege, Kampfweise und Taktik, die -wichtigsten Kriegsmarinen 1492–1648</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_107">107–154</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Seekriege von 1492–1648.</em> Was muß man unter einem Seekriege -verstehen? (Kennzeichnung der älteren Kriegführung) S. <a href="#Page_107">107</a>. — Kriege -im Mittelmeer: Türkei, Venedig, Frankreich, Spanien S. <a href="#Page_108">108–109</a>. — Kriege -in der Ostsee: Hansa, Schweden, Dänemark S. <a href="#Page_109">109–111</a>. — Kriege Englands -und Frankreichs S. <a href="#Page_111">111–112</a>. — Kriege Englands und Hollands gegen -Spanien. Aufstand der Niederlande S. <a href="#Page_113">113</a>. — Vorgeschichte der Armada -(Drake gegen Cadiz) S. <a href="#Page_114">114–116</a>. — Die Instruktion für die Armada S. <a href="#Page_117">117 -bis 118</a>. — Stärke und Zusammensetzung der Armada, Hollands und Englands -Rüstungen (die englische Flotte) S. <a href="#Page_119">119–122</a>. — Abwägung der Kräfte der -Gegner S. <a href="#Page_123">123–124</a>. — Die Armada-Woche: -Beabsichtigte Strategie und Taktik der Gegner S. <a href="#Page_124">124</a>. — Fahrt der Armada zum Kanal S. <a href="#Page_125">125</a>. — Gefechte -bei Plymouth (21. Juli 1588), bei Portland (23. Juli) S. <a href="#Page_126">126 bis 127</a>. — -Gefecht bei Wight (25. Juli), Armada ankert vor Calais (27. Juli), wird von -dort durch Branderangriff vertrieben (28. Juli) S. <a href="#Page_128">128–130</a>. — Niederlage -<span class="pagenum"><a name="Page_ix" id="Page_ix">[ix]</a></span> -der Armada bei Gravelines (29. Juli) S. <a href="#Page_130">130</a>. — Rückfahrt der Armada, -ihre Verluste S. <a href="#Page_131">131–132</a>. — Gründe des Mißerfolges der Armada S. <a href="#Page_132">132</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Die Kriegführung Englands nach Abwehr der Armada: England -in den spanischen Gewässern; Belagerung von Lissabon; Cliffords -Züge; die Cadiz-Expedition; Frieden mit Spanien 1604 S. <a href="#Page_133">133–137</a>. — -Hugenottenkriege; zweite Expedition gegen Cadiz; die englische Marine -bei Ausbruch der Revolution 1649 S. <a href="#Page_138">138–139</a>. — Die Kriegführung -Hollands nach Abwehr der Armada: Expeditionen gegen Spanien; Waffenstillstand -1609–1621 S. <a href="#Page_139">139</a>. — Blutiger Krieg mit Dünkirchen von 1621 -ab (Streitkräfte Dünkirchens); Sieg über die Spanier auf der Schelde (1631) -und in den Downs (Tromp über d'Oquendo 1639, eine zweite Armada-Affäre) -S. <a href="#Page_140">140–141</a>. — Unterstützung Portugals 1641; Holland in der Ostsee -S. <a href="#Page_142">142</a>. — Schlußbetrachtung über die Seekriege 1492–1648: Anfang einer -neuen Seekriegführung S. <a href="#Page_143">143</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Kampfweise und Taktik 1492–1648</em>: Ruderschiffe; die -Schlachten bei Lepanto (1571) und Genua (1638) S. <a href="#Page_144">144–145</a>. — Segelschiffe: -der Kampf in der Querabrichtung, die Kiellinie, Gefechtsgruppen -S. <a href="#Page_146">146.</a></p></td> - <td> </td> - </tr> <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die wichtigsten Kriegsmarinen 1492–1648.</em> Portugal-Spanien, -Schweden, Dänemark S. <a href="#Page_147">147–148</a>. — Holland S. <a href="#Page_149">149–150</a>. — -England S. <a href="#Page_151">151–152</a>. — Frankreich S. <a href="#Page_153">153</a>. — Kriegsschiffspersonal dieser -Zeit S. <a href="#Page_154">154</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="font-size: 120%;">Dritter Abschnitt.</span><br /> -<span style="font-size: 150%;">Die Zeit von 1648–1739.</span></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Erstes Kapitel: Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_157">157–159</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bedeutung des Abschnittes für die Entwicklung -des Seekriegswesens</em> S. <a href="#Page_160">160</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seekriegswesens</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_161">161–188</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Weiterentwicklung der Schiffe von 1648–1739</em>: Zunahme -und Vervollkommnung des Kriegsschiffbaues („Constant Warwick“, -„Speaker“, „Royal Louis“). Beiboote. Wichtige Verbesserungen (Zwischendeck, -Schiffsbodenschutz, Ruderrad). Nautische Hilfsmittel S. <a href="#Page_161">161–167</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Waffen</em>: Geschützarten. Geschosse. Handwaffen. Aufstellung -und Verteilung der Geschütze an Bord S. <a href="#Page_168">168–170</a>. — Planmäßige Armierung -der Schiffe S. <a href="#Page_171">171–172</a>. — Brander und Mörserboote S. <a href="#Page_173">173–174</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Schiffsklassen</em>: Ihre Entwicklung, Schiffsbestände der englischen -Marine nach solchen um 1624, 1653, 1688, 1727. Das Linienschiff -und Schiffe zu besonderen Zwecken (Kreuzer) S. <a href="#Page_174">174–179</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Das Personal</em>: Entstehung des Seeoffizier-, Deckoffizier- und -Unteroffizier-Korps; letztere beide für die verschiedenen Dienstzweige. Die -Mannschaft (Werben, Pressen, Seesoldaten) S. <a href="#Page_180">180–182</a>. — Geist des Personals -S. <a href="#Page_183">183</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Kampfweise und Taktik.</em> Weiterentwicklung: Kampf in -der Querabrichtung, Luvstellung, Flottenkiellinie aus Gruppen, Einteilung -<span class="pagenum"><a name="Page_x" id="Page_x">[x]</a></span> -einer Flotte, Gruppentaktik. Kiellinie aus Einzelschiffen, Einteilung einer -Flotte, Kiellinie beim Winde S. <a href="#Page_184">184–187</a>. — Das Gefecht nimmt einen andern -Verlauf. Wert der Brander S. <a href="#Page_188">188</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Drittes Kapitel: Der erste englisch-holländische Krieg 1652–1654</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_189">189–235</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Kriegsgründe</em> (Navigationsakte, Flaggengruß, der erste -Zusammenstoß) S. <a href="#Page_189">189–191</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Streitmittel der Gegner</em> (Entwicklung der holländischen -und englischen Marine). Holland: Die ersten Rüstungen, Schiffsbestand, -Neubauten, Personal S. <a href="#Page_192">192–194</a>. England: Vergleichende Angaben. -Abwägung S. <a href="#Page_195">195–197</a>. — Verwendung der Flotten Englands und -Hollands 1648–1652 S. <a href="#Page_198">198</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Verlauf des Krieges.</em> Mängel in den Quellen über die -Kriege S. <a href="#Page_199">199</a>. — Das Gefecht bei Dover 29. Mai 1652 (Tromp gegen Blake) -S. <a href="#Page_200">200–203</a>. — Ereignisse vor der Kriegserklärung S. <a href="#Page_204">204</a>. — Das Gefecht bei -Plymouth 26. August 1652 (Ruyter gegen Ayscue) S. <a href="#Page_205">205–207</a>. — Blake vernichtet -ein französisches Geschwader 7. September 1652 S. <a href="#Page_208">208</a>. — Der -Krieg im Mittelmeer. Gefecht bei Elba 6. September 1652 (van Galen gegen -Badiley). „Phönix“ vor Livorno durch Boote genommen S. <a href="#Page_208">208–209</a>. -— Die Schlacht bei Kentish Knock 8. Oktober 1652 (Witte de Witt gegen Blake) -S. <a href="#Page_210">210–211</a>. — Niederlage der Engländer bei Dungeness 10. Dezember 1652 -(Tromp gegen Blake) S. <a href="#Page_212">212–213</a>. — England räumt das Mittelmeer. Gefecht -vor Livorno 14. März 1653 (van Galen gegen Appleton) S. <a href="#Page_214">214</a>. — Die -Schlacht bei Portland 28. Februar 1653 (Tromp gegen Blake), die Engländer -verfolgen Tromp mit seinem Convoi S. <a href="#Page_215">215–218</a>. — Rüstungen und Unternehmungen -im Frühjahr 1653 S. <a href="#Page_219">219–220</a>. — Zusammensetzung der engl. -Flotte im Juni 1653 (als Beispiel einer großen Flotte jener Zeit) S. <a href="#Page_220">220–221</a>. -— Die Schlacht bei Northforeland-Nieuport 12./13. Juni 1653 (Tromp gegen -Monck), die erste Schlacht mit taktischen Bewegungen S. <a href="#Page_222">222–224</a>. — Die -Gegner suchen den Entscheidungskampf, Gefecht bei Kattwijk 8. August -und Schlacht bei Scheveningen 10. August 1653 (Tromp gegen Monck). Tromps -Tod S. <a href="#Page_225">225–227</a>. — Folgen der Schlacht. Frieden von Westminster 1654 -S. <a href="#Page_228">228–229</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bemerkenswertes</em> im ersten Kriege, Umschwung in der Kriegführung -S. <a href="#Page_229">229–231</a>. — Über <em class="gesperrt">Strategie</em>, Rückblick auf den Krieg. -Schlußfolgerung S. <a href="#Page_232">232–235</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Viertes Kapitel: Nebenkriege 1654–1665</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_236">236–247</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">England: Krieg mit Spanien 1654–1659.</em> Penn erobert -Jamaica (1655) S. <a href="#Page_236">236</a>. — Blake vernichtet eine tunesische Flotte (1655) -und die Silberflotte vor Teneriffa (1657), beide im Schutz von Befestigungen -S. <a href="#Page_237">237–238</a>. — England bei Dünkirchen, in der Ostsee, in Tanger S. <a href="#Page_238">238</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Holland: Krieg mit Portugal 1656–1661</em> S. <a href="#Page_239">239</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der schwedisch-polnische (-brandenburg-dänische) -Krieg 1655–1660.</em> Allgemeiner Verlauf des Krieges. (Das -Haager-Koncert. Frieden von Roeskild 1658. Frieden von Kopenhagen 1660) -S. <a href="#Page_240">240</a>. — Beteiligung Hollands: Entsatz Danzigs 1656. Die Schlacht im -Sunde 8. November 1658 (Wassenaer gegen Wrangel). England in der -Ostsee S. <a href="#Page_241">241–244</a>. — Eroberung Fünens, Beschießung Nyborgs (Ruyter) -1659 S. <a href="#Page_245">245</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_xi" id="Page_xi">[xi]</a></span></p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Holland im Mittelmeer 1661–1664</em> S. <a href="#Page_246">246</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Krieg Frankreichs gegen Spanien 1635–1659.</em> Dünkirchen -in spanischem, englischem, dann französischem Besitz. Der Pyrenäische -Frieden S. <a href="#Page_246">246–247</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Venedig und die Türken 1645–1669</em> S. <a href="#Page_247">247</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Fünftes Kapitel: Der zweite englisch-holländische Krieg 1665–1667</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_248">248–306</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die politische Lage</em> um 1662. Kriegsgründe S. <a href="#Page_248">248–250</a>. — -Die äußeren Anlässe zum Kriege. Gegenseitige Angriffe in den Kolonien -(Holmes und Ruyter in Westafrika und Nordamerika 1663–1665) S. <a href="#Page_251">251–253</a>. — -England greift den Smyrna-Convoi an 1664. Die Kriegserklärung S. <a href="#Page_254">254</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Streitmittel der Gegner</em> (Entwicklung der holländischen -und englischen Marine). Holland: Neubauten von 1654–1666; Verbesserung -der Armierung; Personal (Vermehrung der Admirale) S. <a href="#Page_255">255–257</a>. — England: -Schiffsbestand 1654, 1665, 1666. Vergleich der Armierungs- und Bemannungsstärke. -Werften S. <a href="#Page_258">258–260</a>. — Stand der Taktik (Gefechtsinstruktionen) -S. <a href="#Page_260">260–261</a>. — Abwägende Beurteilung des Personals S. <a href="#Page_262">262</a>. — Hinweis auf -die Marine Frankreichs S. <a href="#Page_263">263</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Verlauf des Krieges.</em> Die ersten Bewegungen S. <a href="#Page_263">263–265</a>. -— Die Schlacht bei Lowestoft 13. Juni 1665 (Herzog von York gegen -Wassenaer), die erste Schlacht mit Kiellinien beim Winde, Schilderung und -Beurteilung S. <a href="#Page_266">266–268</a>. — Weitere Ereignisse 1665. (Verdienste Jan de Witts; -Ruyter Oberbefehlshaber) S. <a href="#Page_269">269–270</a>. — Englischer Angriff auf Kauffahrer in -Bergen 12. August 1665 S. <a href="#Page_271">271</a>. — Verhalten Frankreichs und Dänemarks -S. <a href="#Page_272">272</a>. — Stärke der Flotten 1666 S. <a href="#Page_273">273</a>. — Die Viertage-Schlacht 11. bis -14. Juni 1666 (Ruyter gegen Prinz Rupert und Monck): Strategischer Fehler -der Engländer, Schilderung der Schlacht (Moncks berühmter Angriff am -11., Tromps Fehler am 12., Verfolgungsgefecht am 13., Niederlage der Engländer -am 14. S. <a href="#Page_273">273–282</a>. — Die zweite Schlacht bei Northforeland 4. bis -5. August 1666 (Schlacht vor der Themse; St. James Fight. Die gleichen -Führer wie vorher): Ruyter erkundet die Themse; Niederlage der Holländer -am 4., Ruyters Rückzug am 5. S. <a href="#Page_283">283–286</a>. — Weitere Ereignisse 1666: Die -Engländer im Vlie-Strome 19. August; Ruyters Versuch, sich mit den Franzosen -zu vereinigen; erfolglose Friedensverhandlungen S. <a href="#Page_287">287–289</a>. — Das -Jahr 1667. England beabsichtigt, nur Kreuzerkrieg zu führen, Holland die -Themse anzugreifen S. <a href="#Page_289">289–291</a>. — Ruyters Angriff auf Themse und Medway -17./23. Juni (Order, Disposition und Ausführung) S. <a href="#Page_292">292–294</a>. — Blockade -der Themse und Beunruhigung der englischen Küsten, Sommer 1667 S. <a href="#Page_295">295 -bis 296</a>. — Frieden zu Breda 21. Juli 1667. S. <a href="#Page_296">296</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bemerkenswertes</em> beim zweiten Kriege: Unterlegenheit Hollands -in Material und Personal. Fortschritte in der Taktik (die Kiellinie beim Winde) -S. <a href="#Page_297">297–299</a>. — Über <em class="gesperrt">Strategie</em> in diesem Kriege, Rückblick S. <a href="#Page_300">300–304</a>. — -Militärischer Wert des Kreuzerkrieges S. <a href="#Page_305">305</a>. — Über die Angriffe auf -das feindliche Land S. <a href="#Page_305">305</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Vergleich</em> des ersten und zweiten Krieges S. <a href="#Page_305">305</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Sechstes Kapitel: Der dritte englisch-holländische Krieg 1672–1674</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_307">307–361</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege</em>: Ludwigs -XIV. Devolutionskrieg, Dreibund gegen ihn, seine strategische Politik -<span class="pagenum"><a name="Page_xii" id="Page_xii">[xii]</a></span> -zu dessen Lösung und zur Isolierung Hollands. (Leibniz' Concilium Aegyptiacum.) -Kriegserklärung Englands und Frankreichs gegen Holland S. <a href="#Page_307">307 -bis 312</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Streitmittel der Gegner</em> (Entwicklung der englischen, -holländischen und französischen Marine). Holland und England: Bestand der -Flotten 1666 und 1672; Organisationsänderungen; Disziplin und Geist S. <a href="#Page_312">312 -bis 314</a>. — Die französische Marine: Schnelle Entwicklung unter Colbert -(Colberts Wohlfahrtspolitik); Schiffsbestand 1640, 1666, 1669; Schiffe, -Armierung, Bemannung; das Kontingent zum Kriege 1672; Kennzeichnung -des Offizierkorps S. <a href="#Page_315">315–319</a>. — Verwendung der drei Marinen 1667–1672 -S. <a href="#Page_319">319</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Verlauf des Krieges.</em> Kriegspläne der Verbündeten (Landung). -Holland in Not S. <a href="#Page_320">320</a>. — England greift vor Kriegserklärung den -Smyrna-Convoi an 23. März 1672 S. <a href="#Page_321">321</a>. — Hollands Pläne und Unternehmungen -im Frühjahr 1672 S. <a href="#Page_322">322–324</a>. — Die Schlacht bei Solebay -7. Juni 1672 (Ruyter gegen York und d'Estrées) verhindert Landungsversuch -S. <a href="#Page_325">325–328</a>. — Verlauf des Landkrieges 1672 (neuer Landungsversuch). Innere -Zustände Hollands (Volkserhebung, Ermordung de Witts, Deiche durchstochen) -S. <a href="#Page_329">329–332</a>. — Wendepunkt im Landkriege, Holland erhält Hilfe -S. <a href="#Page_333">333</a>. — Das Jahr 1673. Neue Bedrängnis Hollands. Ruyter versucht, -die Themse zu sperren, nimmt dann eine offensive Defensive auf S. <a href="#Page_334">334–335</a>. -— Erste Schlacht bei Schooneveld 7. Juni 1673 (Ruyter gegen Prinz Rupert -und d'Estrées) S. <a href="#Page_336">336–338</a>. — Zweite Schlacht bei Schooneveld 14. Juni; -beide Schlachten strategische Erfolge Ruyters S. <a href="#Page_339">339–341</a>. — Die Schlacht -bei Texel 21. August 1673; Ruyter vor der Themse, dann wieder in Defensivstellung, -Verbündete haben Landung vorbereitet; werden bei Texel geschlagen -(Ruyters überlegene Taktik) S. <a href="#Page_342">342–348</a>. — Verhalten der Franzosen -(d'Estrées) S. <a href="#Page_349">349</a>. — Die Schlacht führt zum Frieden S. <a href="#Page_350">350</a>. — Der kleine -Krieg S. <a href="#Page_350">350</a>. — Verlauf des See- und Landkrieges 1673–1674. Der Frieden -von Westminster Februar 1674 S. <a href="#Page_351">351–352</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bemerkenswertes</em> im dritten Kriege in Hinsicht auf Material -und Taktik (Ruyters Verdienste) S. <a href="#Page_353">353–355</a>. — Verhalten der Franzosen. -Schwächen von Bündnissen S. <a href="#Page_356">356</a>. — Über <em class="gesperrt">Strategie</em>: Wie die Gegner -ihre Aufgaben lösten (ihre Kriegführung; Ruyters Strategie) S. <a href="#Page_357">357–360</a>. — -Zusammenstellung der Hauptereignisse des Krieges S. <a href="#Page_361">361</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Siebentes Kapitel: Nebenkriege 1674–1688</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_362">362–409</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Verlauf des zweiten Eroberungskrieges Ludwigs XIV. von 1674 bis zu -dem Frieden von Nymwegen 1678 und Fontainebleau 1679; er bringt zwei -große Nebenkriege S. <a href="#Page_362">362–363</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der französisch-holländische (spanische) Krieg -1674–1678</em> (die Fortsetzung des Krieges 1672–1674 seitens Frankreichs -und Hollands). Tromp an der französischen Küste und im Mittelmeer 1674 -S. <a href="#Page_364">364–367</a>. — Ruyter in Westindien 1674 (Martinique) S. <a href="#Page_368">368–369</a>. — Westindien -1676–1677. Der Kampf um Tabago. Angriffe auf die Insel (Binckes -gegen d'Estrées) S. <a href="#Page_370">370–371</a>. — Der Krieg im Mittelmeer 1675–1678. Kampf -der Franzosen und Spanier um Sicilien (Gefecht bei Stromboli 1675) S. <a href="#Page_372">372 -bis 373</a>. — Holland (Ruyter) unterstützt Spanien. Die Schlacht bei Stromboli -8. Januar 1676 (Ruyter gegen du Quesne, Vorteile der Leestellung) S. <a href="#Page_374">374 -bis 380</a>. — Der Kampf um Messina. Schlacht bei Agosta 22. April 1676 -<span class="pagenum"><a name="Page_xiii" id="Page_xiii">[xiii]</a></span> -(Ruyter gegen du Quesne. Ruyters Tod. Angaben über Ruyter) S. <a href="#Page_381">381–384</a>. -— Die Schlacht bei Palermo 2. Juni 1676 (den Haen und d'Ybarra gegen -Graf v. Vivonne. Größter Erfolg der Brander) S. <a href="#Page_385">385–386</a>. — Die weiteren -Ereignisse 1676–1678 (der Seekrieg lau) S. <a href="#Page_387">387</a>. — Frankreich räumt Sicilien -S. <a href="#Page_388">388</a>. — Der kleine Krieg gegen den Handel (Dünkirchen) S. <a href="#Page_389">389</a>. — Rückblick -auf den Krieg 1674–1678: Über die Kriegführung der Gegner. Mittelbare -Folgen des Krieges für England, Holland, Frankreich S. <a href="#Page_390">390–393</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der schwedisch-dänische (holländisch-brandenburgische -Krieg) 1675–1679.</em> Stand der dänischen, schwedischen -und brandenburgischen Marine; Stärke der holländischen Hilfsgeschwader -(Tromp in dänischen Diensten) S. <a href="#Page_394">394–395</a>. — Die Schlacht bei Bornholm -5. Juni 1676 (de Almonde und Niels Juel gegen Creutz und Ugla) S. <a href="#Page_396">396</a>. — -Schlacht bei Ertholm 11. Juni (Tromp gegen Creutz). Dänische Landung -in Schonen S. <a href="#Page_397">397</a>. — Dänische Siege unter Niels Juel bei Gjedser und in der -Kjögebucht 1677 S. <a href="#Page_398">398</a>. — Tromp und Niels Juel greifen Kalmar an. Verwüstung -der Küsten 1677. Dänemark beherrscht die Ostsee S. <a href="#Page_399">399</a>. — Der -Krieg in Pommern 1677–1678: Erste Eroberung Rügens unter Christian V. -und Tromp. Tätigkeit der brandenburgischen Flottille 1676–1677. Holland -tritt zurück, Tromp entlassen S. <a href="#Page_400">400</a>. — Die zweite Eroberung Rügens 1678 -(der Große Kurfürst, Derfflinger, Tromp, Niels Juel) und seine Folgen. -Friedensschluß S. <a href="#Page_401">401</a>. — Weitere Geschichte der brandenburgischen Marine -S. <a href="#Page_402">402</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Kämpfe gegen die Barbaresken 1674–1688.</em> Vorgehen -Englands (gibt Tanger auf) und Hollands S. <a href="#Page_402">402–403</a>. — Unternehmungen -der Franzosen: du Quesne vernichtet Schiffe in Chios 1681; bombardiert -Algier 1682 und 1683 (neue Mörserboote von Renau-d'Eliçagarey) S. <a href="#Page_403">403–407</a>. -— d'Estrées gegen Tunis, Tripolis und Algier 1685–1688 S. <a href="#Page_408">408</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Angriff der Franzosen auf Genua 1684</em> S. <a href="#Page_408">408</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Venetianisch-türkischer Krieg 1684–1699.</em> S. <a href="#Page_409">409</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Achtes Kapitel: Der französisch-englisch-holländische Krieg 1688–1697</b> -d. i. die Kriegführung zur See im Pfälzischen Erbschaftskriege</span></td> - <td class="page"><a href="#Page_410">410–485</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die politischen Verhältnisse, die den Krieg herbeiführten.</em> -Ludwigs XIV. Reunionen und Ansprüche auf die Pfalz; der -Augsburger Bund 1686; Wilhelm von Oranien König von England; die -Wiener Allianz 1689 S. <a href="#Page_410">410–412</a>. — Fehler der Könige Ludwig und Jakob -S. <a href="#Page_413">413</a>. — Allgemeiner Verlauf des Pfälzischen Erbschaftskrieges, Frieden -von Ryswijk (Gründe der Erschöpfung Frankreichs). Die Verwendung der -Flotten S. <a href="#Page_413">413–417</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Streitmittel</em> (Entwicklung der englischen, holländischen -und französischen Marine). England: Mißstände in der Verwaltung; Stellung -der Marine zur Revolution; Schiffsbestand 1688 und 1692 S. <a href="#Page_417">417–419</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Holland: Neubauten unter Wilhelm von Oranien; Bestand 1692; Armierung; -Indienststellungen während des Krieges; über den Vorwurf, Oranien -habe die Marine vernachlässigt S. <a href="#Page_419">419–422</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Frankreich: Fortschritte unter Colbert, Bestand 1681; Beginn des Verfalls -nach 1683; die Amtstätigkeit der Minister de Seignelay und de Pontchartrin; -Schiffsbestände bis 1696 S. <a href="#Page_422">422–425</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Verlauf des Seekrieges.</em> Wilhelm von Oraniens Übergang -nach England 1688 S. <a href="#Page_425">425–427</a>. — Jakobs II. Einfall in Irland und die -<span class="pagenum"><a name="Page_xiv" id="Page_xiv">[xiv]</a></span> -Operationen 1689 S. <a href="#Page_428">428–429</a>. — Gefecht bei Bantrybay am 11. Mai 1689 -(Herbert gegen Château-Renault). Rooke in der Irischen See. Laue Tätigkeit -der Gegner im Kampfe um Irland S. <a href="#Page_430">430–431</a>. — Das Jahr 1690: -Rüstungen der Gegner; Admiral Killigrew versucht vergeblich das Toulongeschwader -festzuhalten; Wilhelm III. landet in Irland (Sorglosigkeit beider -Gegner in Hinsicht auf Verbindung mit Irland) S. <a href="#Page_432">432–434</a>. — Tourville -sucht die Flotte der Verbündeten, Herbert weicht aus, bis er Befehl zum -Schlagen erhält (seine Einwendungen) S. <a href="#Page_435">435–436</a>. — Die Schlacht bei Beachy -Head 10. Juli 1690 (Tourville gegen Herbert); Gründe der Niederlage der -Verbündeten; Tourville nutzt seinen Sieg nicht aus S. <a href="#Page_437">437–439</a>. — Folgen -der Schlacht; weitere Ereignisse 1690 S. <a href="#Page_440">440</a>. — Das Jahr 1691: Tourvilles -Hochsee-Kreuztour und ihre Folgen. Frankreich im Mittelmeer S. <a href="#Page_441">441–444</a>. -— Ludwig XIV. plant Einfall in England 1692, Vorbereitungen und Befehle -an Tourville; Rüstungen der Verbündeten S. <a href="#Page_445">445–446</a>. — Die Schlacht bei -Cap Barfleur 29. Mai 1692 (Tourville gegen Russell). Gegenbefehle erreichen -Tourville nicht; Stärke der Gegner; Tourvilles Gründe zum Angriff; Beschreibung -der Schlacht. Rückzug der Franzosen S. <a href="#Page_447">447–453</a>. — Vernichtung -vieler französischer Schiffe bei La Hogue und Cherbourg 1.–3. Juni 1692 -S. <a href="#Page_454">454–455</a>. — Die Ereignisse der Jahre 1693–1697 — Art der Kriegführung. -Vertrag der Verbündeten mit Spanien S. <a href="#Page_456">456</a>. — 1693: Rüstungen; Tourville -vernichtet den Smyrna-Convoi bei Lagos; die Engländer vor St. Malo (Infernals) -S. <a href="#Page_457">457–460</a>. — 1694: Die Verbündeten im Mittelmeer und vor -französischen Häfen (Brest, Dieppe, Dünkirchen, Calais) S. <a href="#Page_461">461–462</a>. — 1695: -Ähnliche Unternehmen (St. Malo, Dünkirchen [Rauchschiffe und Infernals] -Calais) S. <a href="#Page_463">463–464</a>. — 1696: Die Verbündeten geben das Mittelmeer auf. -Ludwig XIV. plant Landung in England. Die Verbündeten greifen -Frankreichs Westküste an S. <a href="#Page_465">465–466</a>. — 1697: Friedensunterhandlungen. -Frankreichs Erfolge in Spanien und Westindien (de Pointis vor Cartagena) -S. <a href="#Page_466">466 bis 467</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der kleine Krieg</em>: Dünkirchen; Eigenart des französischen Kreuzerkrieges -(Taten Jean Barts) S. <a href="#Page_467">467–470</a>. — Über das Wesen des Kreuzerkrieges -S. <a href="#Page_471">471–472</a>. — Die Zusammenstöße in den <em class="gesperrt">Kolonien</em> (Westindien, -Nordamerika) S. <a href="#Page_472">472–473</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bemerkenswertes</em> in diesem Kriege (Material und Taktik S. <a href="#Page_474">474</a>.)</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Über <em class="gesperrt">Strategie</em>: Rückblick auf die Kriegführung zur See (Herberts -Verhalten bei Beachy Head), Schlußbetrachtungen S. <a href="#Page_475">475–485</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Neuntes Kapitel: Der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_486">486–576</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die politischen Verhältnisse vor dem Kriege</em>: Verhandlungen -über die Thronfolge in Spanien; Philipp von Anjou König von -Spanien; Bund der Seemächte und des Kaisers gegen Ludwig XIV., Kriegsplan; -Karl von Österreich als Gegenkönig aufgestellt, Änderung im Kriegsplan; -Stellung Portugals (Methuen-Vertrag) und Savoyens S. <a href="#Page_486">486–491</a>. — -Der allgemeine Verlauf des Krieges und die Tätigkeit der Seestreitkräfte in -ihm S. <a href="#Page_491">491–496</a>. — Die Bedingungen des Friedens von Utrecht S. <a href="#Page_497">497</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Streitmittel</em> (innere Geschichte der drei großen Marinen<br /> -bis 1739).</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Die holländische Marine: Beginn des Verfalls; Indienststellungen -während des Krieges; Verfall nach Utrecht; Schiffsbestand 1740; über Personal -S. <a href="#Page_498">498–501</a>. — Die französische Marine: Amtstätigkeit Jerôme de Pontchartrins -von 1699; Tätigkeit der Flotte während des Krieges; Entwertung -<span class="pagenum"><a name="Page_xv" id="Page_xv">[xv]</a></span> -des Personals; Schiffsbestand 1712. Weiterer Rückgang während der Regentschaft -(1715–1723; Schiffsbestand 1729) und unter Minister Maurepas (1723 -bis 1742); Stärke 1742 S. <a href="#Page_502">502–504</a>. — Die englische Marine: Schiffsbestände -1688, 1702, 1727, 1740. Personal (Kennzeichnung der Seeoffiziere des -18. Jahrh.) S. <a href="#Page_505">505–507</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Verlauf des Seekrieges.</em> 1701: Rüstungen, Absichten -und Bewegungen der Gegner S. <a href="#Page_507">507–509</a>. — Das Jahr 1702: Der Angriff -auf Cadiz, Vorgeschichte S. <a href="#Page_509">509–510</a>. — Rüstungen der Verbündeten (lau; -Hinhalten der Unternehmungen durch Rooke), Rüstungen der Franzosen -S. <a href="#Page_511">511–512</a>. — Erfolgloser Angriff der Verbündeten auf Cadiz (unter Rooke); -Rooke beschließt Heimkehr; Befehle für ihn S. <a href="#Page_513">513–515</a>. — Vernichtung der -Silberflotte in Vigo 23. Oktober 1702. Wirkung dieses Erfolges S. <a href="#Page_516">516–518</a>. -— Die Jahre 1703–1704: Plan der Verbündeten für 1703, laue Tätigkeit und -geringe Erfolge, Verluste durch Sturm S. <a href="#Page_519">519–521</a>. — 1704: Vertrag der Seemächte -mit Portugal; Karl III. nach Portugal; Rüstungen und Pläne der -Gegner (letzte große Rüstung Frankreichs) S. <a href="#Page_522">522–523</a>. — Angriff der Verbündeten -auf Barcelona; Graf Toulouse vereinigt die Brest- und Toulon-Flotte -S. <a href="#Page_524">524–525</a>. — Rooke erobert Gibraltar 3. August 1704. Beurteilung -Rookes S. <a href="#Page_526">526–528</a>. — Graf Toulouse naht zur Wiedernahme, Rooke deckt -Gibraltar S. <a href="#Page_529">529–530</a>. — Die Schlacht bei Malaga 24. August 1704 (Rooke -gegen Toulouse): Stärke der Flotten; Bedeutung der Schlacht für die Taktik -(Corbett über den Stand der Taktik); die Schlacht und ihre Folgen S. <a href="#Page_530">530–536</a>. -— Gibraltar belagert, durch Leake 1704 verstärkt und 1705 entsetzt (de Pointis -vernichtet) S. <a href="#Page_536">536–539</a>. — Die Jahre 1705–1706: Barcelona durch Prinz -von Hessen, Peterborough und Shovel erobert 1705 S. <a href="#Page_540">540–541</a>. — Die Stadt -von Marschall Tessé und Toulouse belagert, durch Leake entsetzt 1706. Eine -Landung in Rochefort geplant S. <a href="#Page_541">541–544</a>. — 1706: Erfolge der Verbündeten -im Mittelmeer S. <a href="#Page_545">545</a>. — Die Jahre 1707–1708: Angriff auf Toulon (Shovel -und Prinz Eugen); Gefecht am Var; Erfolglose Belagerung Toulons (Shovels -Unglück bei den Scillys) 1707 S. <a href="#Page_546">546–549</a>. — Die Verbündeten besetzen Sardinien -und erobern Port Mahon (Leake und Stanhope) 1708 S. <a href="#Page_550">550–552</a>. — -Einfallsversuch der Franzosen in Schottland (Forbin) 1708 S. <a href="#Page_552">552</a>. — Die -letzten Kriegsjahre 1709–1712: Stilles Wirken der Seestreitkräfte; Mißerfolge -der Franzosen gegen Sardinien, der Verbündeten gegen Cette 1710 -— Ende des Seekrieges im Mittelmeer 1712 S. <a href="#Page_553">553–555</a>. — Französische Expedition -gegen Rio (Trouin) 1712 S. <a href="#Page_556">556</a>. — Der Verlust an Schiffen im Kriege S. <a href="#Page_557">557</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der kleine Krieg</em>: Tätigkeit, Verluste und Erfolge der Gegner; -Taten berühmter französischer Freibeuter (Saint Pol; Forbin; Trouin; du -Casse; Cassard) S. <a href="#Page_558">558–562</a>. — Die Zusammenstöße in den <em class="gesperrt">Kolonien</em>: Westindien -(Gefecht vor Cartagena: Benbow gegen du Casse 29. August bis 3. September -1702), Nordamerika (Walkers Angriff auf Quebec 1711) S. <a href="#Page_562">562–566</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Schlußbetrachtungen</em>: Unzulänglichkeit der Streitmittel -für die Aufgaben; Englands Klage über Hollands geringe Leistung; Stand -der Taktik S. <a href="#Page_566">566–567</a>. — Über <em class="gesperrt">Strategie</em>: die Aufgaben der Marinen und -wie sie diese lösten (Rückblick auf den Krieg), Frankreichs Kriegführung -S. <a href="#Page_568">568–570</a>. — Die Kriegführung der Verbündeten S. <a href="#Page_570">570–574</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p>Die <em class="gesperrt">Ergebnisse</em> des Krieges für die Teilnehmer S. <a href="#Page_575">575–576</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Zehntes Kapitel: Nebenkriege 1689–1739</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_577">577–593</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des -Friedens von Utrecht 1718–1720</em>: Spanien (Kardinal Alberoni) -<span class="pagenum"><a name="Page_xvi" id="Page_xvi">[xvi]</a></span> -will die verlorenen Provinzen wiedergewinnen, besetzt Sardinien; Bund Englands, -Frankreichs, Hollands und des Kaisers S. <a href="#Page_577">577–578</a>. — Spanien besetzt -Sicilien; Admiral Byng vernichtet die spanische Flotte bei Cap Passaro -11. August 1718. Spanien aus Sicilien vertrieben; spanische Unternehmen -gegen englische und französische Küsten, Einfälle dieser Staaten in Spanien; -der Haager Frieden 1720 S. <a href="#Page_581">581–582</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Nordische Krieg 1700–1721</em>: Die dänische und schwedische -Marine S. <a href="#Page_582">582–583</a>. — Gründung der russischen Marine (Peter der -Große) S. <a href="#Page_583">583–585</a>. — Der Verlauf des Krieges 1700: Rußland, Polen, Dänemark -bedrohen Schweden; Karl XII. wirft Dänemark mit Hilfe einer englisch-holländischen -Flotte nieder (Belagerung Kopenhagens, Frieden von -Travendal) S. <a href="#Page_585">585–586</a>. — Karls XII. Landkrieg 1700–1709 (sein Aufenthalt -in der Türkei) S. <a href="#Page_587">587</a>. — Erfolge der Gegner Karls 1709–1715 (Beteiligung -der Seestreitkräfte in diesen Jahren; Schweden verliert seinen festländischen -Besitz) S. <a href="#Page_588">588–589</a>. — Karls XII. Feldzüge gegen Norwegen 1716–1718 -(Karls Tod; Tordenskiold) S. <a href="#Page_589">589</a>. — Rußlands Einfälle in Schweden 1719 -bis 1721 S. <a href="#Page_589">589</a>. — Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege. -Tätigkeit ihrer Flotten 1715–1721 S. <a href="#Page_590">590–591</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Venedig und die Türken</em>: Kriege 1645–1669 um Kreta, -1684–1699 und 1714–1718 um Morea. Venedig auf das Adriatische Meer -beschränkt S. <a href="#Page_591">591–592</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die Barbaresken-Staaten 1715–1740</em>: Hollands, Englands -und Frankreichs Maßnahmen gegen den Seeraub S. <a href="#Page_592">592</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Hinweis auf</em>: Angriff Spaniens auf Gibraltar (1727) und Polnischer -Erbfolgekrieg (1733–1735) S. <a href="#Page_593">593</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Elftes Kapitel: Die Zeit von 1721–1739.</b> (Übergang zum Abschnitt IV, Band II)</span></td> - <td class="page"><a href="#Page_594">594–598</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Die politischen Verhältnisse bleiben gespannt</em>: -Gründe (Pragmatische Sanktion); Friedenspolitik Fleurys und Walpoles -(Wirken Laws in Frankreich) S. <a href="#Page_594">594–595</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Bedrohung des Friedens 1725</em>: Bund Österreich-Spanien -gegen Frankreich-England-Holland-Preußen; wirkungsvolles Auftreten Englands -zur See (spanischer Angriff auf Gibraltar 1727) S. <a href="#Page_596">596</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Polnische Thronfolgekrieg</em> und seine Folgen -S. <a href="#Page_597">597</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Der Bourbonische Familienvertrag</em> und die Spannung -Spaniens und Englands in Westindien führen zum nächsten großen Seekriege -1739S. <a href="#Page_598">598</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;"><b>Zwölftes Kapitel: Geschichte der Kolonien von 1648–1740</b></span></td> - <td class="page"><a href="#Page_599">599–622</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Mittel- und Südamerika, Westindien.</em> Die spanischen -Kolonien: Schlechte Verwaltung; Belästigung durch die Kriege; Flibustier; -englischer Schmuggelhandel; Stärke der Bevölkerung; der spanische Besitz -um 1740 S. <a href="#Page_599">599–601</a>. — Die englischen Kolonien: Angaben über ihre Entwicklung, -Einwohnerzahl und Handel S. <a href="#Page_602">602</a>. — Die französischen Kolonien: -desgleichen S. <a href="#Page_603">603–604</a>. — Holland, Dänemark, Portugal S. <a href="#Page_604">604–605</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Nordamerika.</em> Die englischen Kolonien: Innere Entwicklung; -Ausbreitung; Stärke der Bevölkerung zu den Zeiten der Kriege mit Frankreich -<span class="pagenum"><a name="Page_xvii" id="Page_xvii">[xvii]</a></span> -S. <a href="#Page_605">605–607</a>. — Die französischen Kolonien in Kanada und Louisiana: -desgleichen S. <a href="#Page_608">608–611</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Ostindien.</em> Niedergang der Macht Portugals, Wachsen der Hollands -(holländisch-ostindische Kompagnie) S. <a href="#Page_611">611–614</a>. — Kurze Geschichte der -englisch-ostindischen Kompagnie S. <a href="#Page_614">614–616</a>. — Die Ostender Kompagnie -des deutschen Kaisers S. <a href="#Page_616">616</a>. — Frankreichs Kolonien in Indien S. <a href="#Page_617">617–618</a>. -— Spanien auf den Philippinen S. <a href="#Page_618">618</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><p><em class="gesperrt">Afrika.</em> Verlust der Portugiesen an Kolonien S. <a href="#Page_619">619</a>. — Besitzungen -Hollands (Kapland) S. 619–620. — Niederlassungen Englands (westafrikanische -Kompagnien) S. <a href="#Page_620">620</a>. — Besitzungen Frankreichs (Senegambien; Mißerfolg -in Madagaskar; Bourbon und Isle de France) S. <a href="#Page_621">621–622</a>.</p></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;">Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten</span></td> - <td class="page"><a href="#Page_623">623</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;">Sach- und Namensverzeichnis</span></td> - <td class="page"><a href="#Page_627">627</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><span style="font-size: 110%;">Berichtigungen</span></td> - <td class="page"><a href="#Page_642">642</a></td> - </tr> -</table> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a017.jpg" width="150" height="84" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xviii" id="Page_xviii">[xviii]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a018.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Wichtigste Quellen-Literatur.</h2> - -<h3>A. Werke allgemeinen Inhalts.</h3> - -<table summary="pxviii"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">A. du Sein</em>, Professeur de l'école navale: Histoire de la Marine -de tous les peuples depuis les temps les plus reculés jusqu'à -nos jours. Paris 1879. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">du Sein.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Nach Völkern geordnet; Aufzählung sämtlicher Operationen, -Beschreibung einiger Schlachten usw.; die Unterabteilungen der -Geschichte einer jeden Marine durch kurzen Überblick der politischen -Verhältnisse eingeleitet. Im ersten Kapitel „du Navire“ Angaben -über die Schiffe des Altertums und Mittelalters, besonders die verschiedenen -Ansichten über Einrichtungen der mehrreihigen Ruderschiffe -betreffend, mit Abbildungen. Geeignet für allgemeinen Überblick; -nicht immer zuverlässig.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. Randaccio</em>: Storia navale universale antica e moderna. -Roma 1891.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Übersicht aller Seekriege, der Zeit nach durchlaufend geordnet. -Kürzer als du Sein, Aktionen nicht beschrieben.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">L. v. Henk</em>, Vizeadmiral z. D.: Die Kriegführung zur See -in ihren wichtigsten Epochen. Berlin 1881.</td> - <td class="tdc">v. Henk.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Nach Zeitaltern und Völkern geordnet, eine kurze Schilderung -der Tätigkeit aller Marinen; Hauptschlachten beschrieben.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">W. Laird Clowes</em>; The Royal Navy. A history from -the earliest times to the present. London 1897/1901. 6 Bde. -Nach Zeitabschnitten geordnet: Bd. I 60 v. Chr. bis 1603; -Bd. II 1604–1714; Bd. III 1715–1783.</td> - <td class="tdc">Clowes.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Neueste, genaueste und unparteiischste Geschichte der -englischen Marine; die Unterabschnitte — Military History, Voyages -and Discoveries, Civil History — jedes Zeitraumes schildern die Tätigkeit -der Marine an der Hand der englischen Geschichte, mit Benutzung -früher nicht zugänglicher amtlicher Urkunden, sowie ihre innere -Entwicklung und damit die des Seewesens überhaupt; reiche Quellenangabe -besonders über das Material (Schiffe, Artillerie usw.).</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xix" id="Page_xix">[xix]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">P. H. Colomb</em>, Rearadmiral: Naval Warfare. Its ruling -principles and practice historically treated. London 1891.</td> - <td class="tdc">Colomb.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Abhandlungen über die Kriegführung zur See. Die Kapitel I–IV, -„Struggle for the command of the sea,“ und VI–IX, „Attempts to -gain command of the sea with definite ulterior purpose“, beschreiben -die großen Seekriege oder besondere Lagen in diesen. Die Kapitel -X–XV, „The conditions under which attacks on territory from the -sea succeed or fall,“ geben die Schilderung des Armadazuges sowie -vieler Unternehmungen gegen feindliches Land im 17. und 18. Jahrh. -Im Kapitel V, „The differentiation of naval force“, die Entwicklung -der Schiffsklassen für die verschiedenen Kriegszwecke.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Julian S. Corbett</em>: England in the Mediterranean, a study -of the rise and influence of British power within the streets. -London 1904.</td> - <td class="tdc">Corbett<br />„Mediterranean“.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die Betrachtungen umfassen die Zeit von 1603–1713, zeigen -das Bestreben Englands, im Mittelmeer festen Fuß zu fassen; lesenswert -und wichtig für die Kriege des 17. Jahrh., aber besonders für den -Spanischen Erbfolgekrieg 1702–1713. (Nach früher nicht zugänglichen -Urkunden in englischen Archiven.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">J. C. de Jonge</em>: Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. -Haarlem 1858. 10 Bde.</td> - <td class="tdc">de Jonge.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Wohl das bedeutendste Werk über die holländische Marine, beginnend -im Mittelalter, genau von 1665 (zweiter englisch-holländischer -Krieg) an. Kriege unparteiisch behandelt; innere Geschichte der -Marine (Material und Personal) sehr eingehend und lehrreich; reiche -Quellenangabe. Für Deutsche nach einiger Übung leicht zu lesen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Comte de Lapeyrouse Bonfils</em>: Histoire de la Marine -Française. Paris 1845. 3 Bde.</td> - <td class="tdc">Bonfils.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Genaue Geschichte von 1643 an.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. Chabaud-Arnault</em>, Capitaine de Frégate: Histoire -des flottes militaires. Paris et Nancy 1889.</td> - <td class="tdc">Chab.-Arnault.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Kurze (500 Seiten) aber sehr übersichtliche Geschichte der wichtigsten -Marinen, ihre Entwicklung und Verwendung; gut für Überblick, -genauer und sehr lesenswert in Hinsicht auf die französische -Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">O. Troude</em> (publié par <em class="gesperrt">P. Levot</em>): Batailles navales de la -France. Paris 1867–1868. 4 Bde.</td> - <td class="tdc">Troude.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Seeschlachten vom Jahre 520 an; in der Einführung Angaben über -Artillerie und Schiffsklassen der französischen Marine zu verschiedenen -Zeiten.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. T. Mahan</em>, Captain U. S. Navy: Der Einfluß der Seemacht -auf die Geschichte. Erster Band 1660–1783. 2. Aufl. -Übersetzung Berlin 1898.</td> - <td class="tdc">Mahan.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Lehrreich in Hinsicht auf die politischen Verhältnisse vor, während -und nach den großen Seekriegen sowie auf die Strategie in diesen; -die Kriege werden mehr in großen Zügen behandelt, jedoch auch verschiedene -Schlachten beschrieben.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xx" id="Page_xx">[xx]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">P. Hoste</em>, Kaplan des französischen Admirals Tourville: L'art -des armées navales, ou traité des évolutions navales. Lyon 1697.</td> - <td class="tdc">Hoste.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Dieses erste Werk über Seetaktik, nach Anweisung Tourvilles -geschrieben, gibt den Stand der Taktik um 1700 nach den Erfahrungen -der großen Kriege des 17. Jahrh. Es enthält Regeln über: Marsch- -und Gefechtsordnungen, Übergänge; Manövrieren um die Luvstellung; -Kampf vermeiden, den Gegner zum Kampf zwingen; Dublieren und -dieses hindern; Durchbrechen usw. (ein Flotten-Exerzier-Reglement). -Zur Erläuterung der Lehren sowie zum Beweise aufgestellter Grundsätze -sind verschiedene Schlachten beschrieben.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Julian S. Corbett</em>: Fighting Instructions 1530–1816. -Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. -London 1905.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der englischen Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">E. K. Rawson</em>: Twenty famous naval battles, Salamis to -Santiago. London 1900.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Für den ersten Band: Salamis; Aktium; Lepanto; Gravelines -(Armada); Dungeness; Kap Barfleur-La Hogue.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">Francis Steinitz:</em> The Ship, its origin and progress. -Being a general history from its first invention to the latest -improvements; forming a complete account of the naval -events of the ancients, the middle ages and the modern epochs, -to the close of 1848. London 1898.</td> - <td class="tdc">Troude.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Bemerkenswert durch zahlreiche Abbildungen von Fahrzeugen -aller Zeiten, durch einen Anhang mit Erklärung der Namen vieler -Schiffsarten aller Völker. In Hinsicht auf die „naval events“ nur -genauer für die englische Marine und für die Kriege Venedigs mit den -Türken, die sonst selten zu finden sind.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. Campbell</em> und seine Fortsetzer: Lives of the British admirals -and naval history of Great-Britain from the day's of Caesar -to the present time. London 1873.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">>Von neueren Schriftstellern oft angezogenes Werk schon frühen -Ursprungs, mehrfach neu herausgegeben. (In der Bibliothek der -Marineakademie eine deutsche Übersetzung von 1755, Leipzig, und -eine englische Ausgabe von 1813.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">R. Southey</em>: Lives of the British admirals with an introductory -view of the naval history of England. London -1833–1840. (5 Bände.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Isaac Schomberg</em><a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>, Captain R. N.: Naval chronology; -or an historical summary of naval and maritime events, from -the time of the Romans to the treaty of peace 1802. London -1802. 5 Bde.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxi" id="Page_xxi">[xxi]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Joseph Allen</em><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>, R. N.: Battles of the British navy. London -1852. Von 1200 an.</td> - <td class="tdc">Allen.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. D. Yonge</em><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>: The history of the British Navy from the earliest -period (700) to the present time. 2. ed. London 1866.</td> - <td class="tdc">Allen.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">Ch. de la Roncière</em>: Histoire de la Marine française. Paris. -Teil I 1899, Teil II 1900.</td> - <td class="tdc">Roncière.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Teil I, „Les Origines,“ umfaßt die Zeit vom Altertum (römische -Zeit) bis 1360; Teil II, „La guerre de cent ans,“ die Zeit bis 1483 und -„Révolution maritime,“ d. i. die Veränderungen im Seewesen, durch -die großen Entdeckungen und die Einführung der Artillerie hervorgerufen. -Verspricht bei Fortsetzung das genaueste Werk über die französische -Marine zu werden.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">E. Chevalier</em>: Histoire de la marine française depuis les -débuts de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. Paris -1902.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">>Nur 405 Seiten.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Eugène Sue</em>: Histoire de la marine française. Paris 1835–1837. -Fünf Teile.</td> - <td class="tdc">Sue.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Von neueren, besonders französischen, Schriftstellern oft angezogen, -aber auch mehrfach als ungenau in einzelnen Angaben (romantisch) -bezeichnet.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">L. Guérin</em>: Histoire maritime de France. Paris 1851. 6 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Wird oft angezogen, besonders z. B. von de Jonge<a name="FNanchor_3_3" id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Prince de Joinville</em>: Histoire générale de la marine, -comprenant les naufrages célèbres, les voyages autour du -monde, les découvertes et colonisations, l'histoire des pirates -et corsaires; exploits des marins illustres, guerres et batailles -navales jusqu'au bombardement de Tanger et la prise de -Mogador. Paris. 4 Teile in 2 Bdn.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Das Werk gibt die Geschichte der Schiffahrt aller Völker, die der -Marinen unter Hauptberücksichtigung der französischen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Barbou</em>: Les Grands Marins de France. Histoire populaire -de la marine française depuis les temps anciens jusqu'à -nos jours. Paris 1885.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Kurz gefaßt (377 Seiten), gut illustriert.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxii" id="Page_xxii">[xxii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">F. C. Duro</em>: Armada Española desde la unión de los reinós de -Castilla y de Léon et Aragon. Madrid 1895–1903. 9 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Genaueste Geschichte der spanischen Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. A. Gyllengranat</em>: Sveriges sjökrigs-historia i sammandrag. -Carlskrona 1840. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">Gyllengranat.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">H. G. Garde</em>: Den Danske og Norske Sömagts historie 1535 bis -1814. Kjöbenhavn 1852–1861. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">Garde.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. G. Tuxen</em>: Den Danske og Norske Sömagt fra de aeldste -Tider indtil vose Dage. laere Skildringer. Kjöbenhavn 1875.</td> - <td class="tdc">Tuxen.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Nauticus</em>: Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. Berlin.</td> - <td class="tdc">Nauticus.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Aufsätze im Jahrgang 1900: Entwicklung der englischen Seemacht; -Blüte und Verfall der holländischen Seemacht; die skandinavischen -Völker als Seemächte; aus der Geschichte Venedigs. Jahrgang 1901: -Frankreichs Blütezeit als See- und Kolonialmacht; Blüte und Verfall -der spanischen Seemacht. Jahrgang 1902: Blütezeit der dänischen -Seemacht; Seemacht Rußlands unter Peter dem Großen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Carl Rodenberg</em>, Professor der Geschichte an der Universität -Kiel: Seemacht in der Geschichte. Stuttgart 1900.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Bespricht kurz (33 Seiten), aber fesselnd den Einfluß des Besitzes -der Seemacht durch eine starke Marine auf die Geschichte von der -Zeit der Hansa an; die hohe Bedeutung der großen Seekriege wird -veranschaulicht.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">A. Zimmermann</em>: Die Europäischen Kolonien. Schilderung -ihrer Entstehung, Entwicklung, Erfolge und Aussichten. -Band I: Portugal und Spanien. Band II und III: -England. Band IV: Frankreich. Band V: Holland. Berlin -1896 (I), 1898/9 (II, III), 1902 (IV), 1903 (V).</td> - <td class="tdc">Zimmermann.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Bemerkenswert für die zunehmende Ausdehnung der Schiffahrt -und für die Kämpfe um die Kolonien.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">L. Arenhold</em>, Marinemaler und Kapitänleutnant der Reserve: -Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen -Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891.</td> - <td class="tdc">Arenhold.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen die -Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der Armierung.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. Charnock</em>: A History of marine architecture, including -an enlarged and progressive view of the nautical regulations -and naval history, both civil and military, of all nations, -especially of Great-Britain. London 1800–1802. 3 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">In den besten Werken über Seekriegsgeschichte als Quelle für -Entwicklung des Seewesens vielfach benutzt.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Jal</em>: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xxiii" id="Page_xxiii">[xxiii]</a></span></p> - -<h3>B. Werke besonderen Inhalts.</h3> - -<h4>1. Altertum und Mittelalter.</h4> - -<table summary="pxxiii"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Adolf Ermann</em>: Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum. -Tübingen 1885.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">In den Kapiteln XIX und XX bemerkenswerte Angaben über -das Seewesen der alten Ägypter.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">F. C. Movers</em>: Die Phönizier. Berlin 1856.</td> - <td class="tdc">Movers.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Band II, Teil III, Kapitel VIII: Seehandel, Seewesen und Schifffahrt -der Phönizier.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Otto Meltzer</em>: Geschichte der Karthager. Berlin 1896. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">Meltzer.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Band II, Kapitel VII: Angaben über die Kriegsflotte der Karthager.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">Iwan von Müller</em>: Handbuch der klassischen Altertums-Wissenschaft. -München 1893.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Band IV, Abteilung I, Hälfte II: Seite 330 ff. Angaben über die -Flotte Spartas und seiner Bundesgenossen (Korinth). Seite 359 ff. -sehr genau über die Flotte Athens, Organisation, Taktik, Schiffbau -(ähnlich wie in du Sein eine Zusammenstellung aller Ansichten über -die Rudereinrichtung auf mehrreihigen Schiffen). Seite 417 die Flotte -Siciliens (Syrakus). Seite 440 die Marine zur Zeit Alexanders des -Großen und Seite 458 zur Zeit seiner Nachfolger (größere Schiffe -als Penteren). Band IV, Abteilung II: Seite 425 Angaben über die -römische Flotte.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Cartault</em>: La trière athénienne. Paris 1881.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">A. Breusing</em>: Die Nautik der Alten. Bremen 1866.</td> - <td class="tdc">Breusing,<br />Nautik.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Schiffahrt, Steuermannskunst, Bau und Takelung, die Reise des -Paulus (als Schilderung einer Seereise, aus der man Schlüsse über -Handhabung der Schiffe ziehen kann).</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">A. Breusing</em>: Die Lösung des Trierenrätsels. Bremen 1889.</td> - <td class="tdc">Breusing,<br />Triere.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Berichtigungen zu vorstehendem Werke, Ansicht des Verfassers -(sehr bemerkenswert) über die Rudereinrichtung der Trieren.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">R. Haak</em>: In Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, -Jahrgang 1895: Über attische Trieren.</td> - <td class="tdc">R. Haak.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Seite 165–174 die Rudereinrichtung eingehend besprochen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Serre</em>, Kontreadmiral: Les marines de guerre de l'antiquité et -moyen age. 2 Bde. Paris 1885, 1891.</td> - <td class="tdc">Serre.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Teil I: Die verschiedenen Ruderschiffstypen des Altertums (seine -Ansicht über Rudereinrichtung); Galeren des Mittelalters (mit einem -Auszug aus Fincati). Teil II: Eingehender über dasselbe Thema; -Angaben über Takelung und Ausrüstung.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Fincati</em>, Kontreadmiral: Triremi Veneziani. Roma 1881.</td> - <td class="tdc">Fincati.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Schiffe des späteren Mittelalters; über Rudereinrichtung im Altertum -(hiervon ein Auszug in Serre).</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxiv" id="Page_xxiv">[xxiv]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">E. Heyk</em>: Genua und seine Marine im Zeitalter der Kreuzzüge. -Innsbruck 1886.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Über die Schiffe zur Zeit der Kreuzzüge, ihre Besatzung und -Kampfweise.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">Jurien de la Gravière</em>: La marine des anciens, la -bataille de Salamine et l'expédition de Sicile. Paris 1886/87.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die Hauptschlachten der griechischen Zeit (auch z. B. karthagische -Expeditionen nach Sicilien) mit vergleichenden Schlüssen zu späteren -Zeiten.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">Derselbe</em>: La marine des Ptolémées et des Romains. Paris -1885. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die römische Marine und ihre Haupttaten vom Punischen Kriege -bis Aktium; einiges über die Kaiserzeit und die gotischen Flotten.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">C. Manfroni</em>: Storia della Marina Italiana dalle invasioni -barbariche al trattato di Ninfeo. Livorno 1899.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die maritimen Verhältnisse im Mittelmeer 400–1261; Begebenheiten -bei der Völkerwanderung, zwischen den neuen Reichen, Araber und -Normannen, Aufblühen der Städte und ihre Kämpfe, Kreuzzüge; -über Schiffe, Personal, Nautik, Taktik usw.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">G. de Veer</em>: Prinz Heinrich der Seefahrer und seine Zeit. Danzig -1864.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Kurz die Unternehmungen und Kriege Portugals zur See von -1100 an; die Entdeckungen unter Prinz H. 1420–1460.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Th. Lindner</em>: Die deutsche Hansa. Leipzig 1899.</td> - <td class="tdc">Lindner.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Ihre Geschichte und Bedeutung; kurz ihre Kriege gegen Dänemark -und Schweden.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">A. Schaefer</em>: Die Hansa und die Norddeutsche Marine. -Bonn 1869.</td> - <td class="tdc">Schaefer.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Gründung, Stellung und Kriege der Hansa. Von demselben Autor -auch spätere Werke über die Hansa.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<h4>2. Neuere Zeit bis 1740.</h4> - -<table summary="pxxiv"> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Dassié</em>: L'Architecture navale, contenant la manière de construire -des navires, galères et chaloupes et la definition de -plusieurs autre espèces de vaisseaux. Paris 1677.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Mit Plänen und Bildern; Erklärung technischer Ausdrücke; alte -Segelanweisungen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Jos. Furttenbach</em>: Architectura navalis. Ulm 1629.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Über Galea, Bergantino, Fregatta, nave usw., alte Schiffstypen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">Jurien de la Gravière</em>: Les marins du XV<sup>e</sup> et du XVI<sup>e</sup> -siècle. Paris 1879. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Les marins<br />du XV.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Ausdehnung der Schiffahrt im 15. und 16. Jahrh. Angaben über -Schiffbau, Nautik, Personal verschiedener Marinen; „Die Grundlegung -zu den modernen Marinen.“</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxv" id="Page_xxv">[xxv]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a><em class="gesperrt">C. Manfroni</em>: Storia della marina italiana dalla caduta di -Constantinopoli alla battaglia di Lepanto. Roma 1897.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Kurzer Rückblick auf das 13. Jahrh., dann Fortsetzung des vorigen -Werkes (siehe Seite XXIV), Kriege der Städte untereinander und gegen -die Türken im 15. und 16. Jahrh.; Angaben über das Seekriegswesen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Jurien de la Gravière</em>: Doria et Barberousse. Paris 1886.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Teil I: Ereignisse im Mittelmeer 1250–1500: Kampf der Städte, -Vordringen der Türken. Teil II: Franzosen und Spanier in Italien, -Türken in Afrika (Kampf um die Herrschaft im Mittelmeer), repräsentiert -durch Doria (Genua) und Barberousse (Herrscher in den Raubstaaten -und türkischer Großadmiral).</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Les corsaires barbaresques et la marine de Soliman -le Grand. Paris 1887.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Türken.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Blicke auf die Ereignisse im Mittelmeer um die Mitte des 16. Jahrh.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Les chevaliers de Malte et la marine de Philipp II. -Paris 1887.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Malta.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Ebenso, besonders die Belagerung Maltas durch die Türken.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: La guerre de Chypre et la bataille de Lepante. -Paris 1888.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Lepanto.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Ebenso, besonders die Schlacht bei Lepanto 1571.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">M. Richer</em>: Vie d'Andrée Doria, Général des Armées de -François I ensuite de l'Empéreur Charles-Quint. Paris 1789.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. Mitchell</em>: The history of the maritime wars of the Turks. -Translated from the Turkish. London 1831.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. P. Contarino</em>, verdeutscht von <em class="gesperrt">G. v. Bartfeld</em>. Historie -von dem Krieg, welchen der türkische Kaiser Selim II. wider -die Venediger erzeugt hat. Basel 1623.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Lepanto 1571 usw.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Jurien de la Gravière</em>: Les Anglais et les Hollandais -dans les mers polaires et dans la mer des Indes. Paris 1890. -2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Rivalität beider Völker auf dem Nordwege nach Indien, 16. und -17. Jahrh. und in Ostindien.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Les gueux de mer. Paris 1893. 2. Ed.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Geusen.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Abfall der Niederlande bis 1573.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Le siège de la Rochelle. Paris 1891.</td> - <td class="tdc">Jurien:<br />Rochelle.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Hugenottenkrieg 1628.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">W. Stebbing</em>: Sir Walter Raleigh, a biography. Oxford 1891.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Die Zeit 1552–1618.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. F. Duro</em>: La Armada invencible. Madrid 1884/85.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Genaue Schilderung der Armada-Expedition, der Laird Clowes -viele Briefe und Berichte wörtlich entnommen hat.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxvi" id="Page_xxvi">[xxvi]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Sheltema</em>: De uitrusting en ondergang der onoverwinnelijke -vloot.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Eine Schilderung der Armada-Expedition, die de Jonge oft anzieht.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Julian S. Corbett</em>: Drake and the Tudor navy. With -a History of the Rise of England as a maritime power. London -1898. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: The successors of Drake. London 1900.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Robert Southey</em>: English Seamen. London 1904.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Teil I: Howard, Clifford, Hawkins, Drake, Cavendish. Teil II: -Hawkins, Greenville, Devereux, Raleigh.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. W. v. Archenholz</em>: Die Geschichte der Flibustier. Tübingen -1803.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Veranlassung des Entstehens der Republik der Flibustier im -17. Jahrh.; ihr Wesen usw.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">H. Pyle</em>: The buccaneers and marooners of America. London -1892.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Taten berühmter Flibustier.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. Bourney</em>: History of the buccaneers of America. London -1891.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Les Flibustiers</em> au XVII siècle. Limoges 1884.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">E. Baasch</em>: Hamburgs Konvoyschiffahrt und Konvoywesen. -Ein Beitrag zur Geschichte der Schiffahrt im XVII. und -XVIII. Jahrhundert. Hamburg 1896.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">G. Brandt</em><a name="FNanchor_4_4" id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>: Leben und Thaten des fürtrefflichen und sonderbahren -Seehelden Michael de Ruyter. Amsterdam 1687.</td> - <td class="tdc">„Leben<br />Ruyters.“</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Ursprünglich in holländischer Sprache geschrieben, von den Söhnen -des Verfassers ins Deutsche (und ins Französische) übersetzt, gibt -nicht nur die Biographie Ruyters sondern auch eine genaue Beschreibung -der Kriege Hollands von 1652–1676 (Seitenangaben im Text -beziehen sich auf diese deutsche Ausgabe).</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">La vie de Corneille Tromp</em><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a> (Verfasser nicht genannt). -Haag 1694.</td> - <td class="tdc">„Vie de<br />Tromp.“</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Auch ursprünglich in holländischer Sprache, ins Französische -(darauf beziehen sich die im Text angezogenen Seitenzahlen) und -auch ins Englische übersetzt. Neben der Biographie eine genaue -Schilderung der holländischen Kriege von 1652–1692.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxvii" id="Page_xxvii">[xxvii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">O. Klopp</em>: Leben und Taten des Admirals de Ruiter. -Hannover 1852.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Von Laird Clowes öfters angezogen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">H. Dixon</em>: Robert Blake, Admiral and General at sea. London -1852.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Führer der englischen Flotte 1649–1657 (erster englisch-holländ. -Krieg).</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">G. Penn</em>: Memorials of the professional life and times of Sir -William Penn. London 1833. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Englischer Admiral 1650–1670 (erster und zweiter englisch-holländischer -Krieg).</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">S. R. Gardiner</em>: Letters and papers relating to the First Dutch -War (1652–1654). London 1899/1900. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Chabaud-Arnault</em>, Revue maritime et coloniale, Jahrgang -1885.</td> - <td class="tdc">Revue<br />maritime 85.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Im Teil II, Seite 497, und Teil III, Seite 74, Aufsätze: Les batailles -navales au milieu du XVII. siècle; Die Schlachten der drei englisch-holländischen -Kriege, kritisch bearbeitet nach den hier angeführten -Quellen, aber auch nach alten, erst kürzlich aufgefundenen Urkunden.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Jal</em>: Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris -1873.</td> - <td class="tdc">Jal:<br />„du Quesne.“</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Leben des Admirals und die Kriegsereignisse 1630–1688; Aktenauszüge, -Privatbriefe und Notizen über Leben und Laufbahn anderer -französischer Seeoffiziere gewähren Einblicke in die Verhältnisse der -Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. Delarbre</em>: Tourville et la marine de son temps; notes, -lettres et documents 1642–1701. Paris 1889.</td> - <td class="tdc">Delarbre:<br />„Tourville“.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Auch hierin lesenswerte Einblicke in die Verhältnisse der Marine, -besonders wichtig für den Krieg 1688–1697.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Badin</em>: Jean Bart. Paris 1887.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Zeit 1672–1679.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Mémoires</em> de monsieur <em class="gesperrt">Duguay Trouin</em> (1672–1736), lieutenant -général des armées navales de France. Amsterdam 1740.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Enthält u. a. ein kurzes Verzeichnis technischer Ausdrücke und -Angaben über Anzahl der Offiziere und der verschiedenen Besatzungsteile -auf den damaligen Schiffen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Le Baron R. du Casse</em>: L'Admiral du Casse 1646–1715. -Etude sur la France maritime et coloniale. Paris 1876.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Burchett</em>: Mémoires de tout ce, qui s'est passé sur mer, -durant la guerre avec la France 1688–1697. Amsterdam 1704.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Aus dem Englischen übersetzt.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">H. C. Garde</em>: Niels Juel. Kjöbenhavn 1842.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">J. C. Tuxen</em>: Niels Juel og Tordenskjold. Kjöbenhavn 1875.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xxviii" id="Page_xxviii">[xxviii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Leben</em> des berühmten königl. dänischen Vizeadmirals Herrn -<em class="gesperrt">Just v. Juels</em>, nebst einer Nachricht von dem Bombardement -dreyer feindlicher Flotten gegen die dänische -Flotte Anno 1700. Kopenhagen und Leipzig 1756.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">A. Petersen</em>: Om Orlogsskibet Dannebrogs. Deeltagelse -i Kampen i Kjöge Bugt den 4. October 1710. Kjöbenhavn -1867.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">C. A. G. Bridge</em>: History of the Russian Fleet during the reign -of Peter the Great by a contemporary Englishman (1724). -London 1899.</td> - <td class="tdc">Bridge.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Sir G. S. Clarke</em>: Russia's Sea-Power past and present or -the Rise of the Russian navy. London 1898.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Zählt kurz Rußlands Engagements zur See auf.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">O. Wesselajo</em>: Kurze Geschichte der russischen Flotte. St. -Petersburg 1893/95.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Zwei Bände in russischer Sprache.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1">Dr. <em class="gesperrt">P. F. Stuhr</em>: Die Geschichte der See- und Kolonialmacht -des Großen Kurfürsten. Berlin 1839.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">B. E. K.</em>: Die Marine des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm -von Brandenburg und die erste deutsche Expedition nach -Westafrika. Leipzig 1895.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Graf von Borcke</em>: Die brandenburg-preußische Marine und -die Africanische Compagnie. Köln 1864.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><em class="gesperrt">Roeßel</em>, Generalleutnant a. D.: Die erste brandenburgische -Flotte im schwedisch-polnischen Kriege 1658–1660. Berlin -1903.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_1_1" id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Die auf diese Weise gekennzeichneten Werke seekriegsgeschichtlichen Inhalts -enthalten auch bemerkenswerte Angaben über das Seekriegswesen.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_2_2" id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Diese älteren englischen Werke sind wohl von Laird Clowes überholt, der z. B. -Schomberg den Vorwurf großer Ungenauigkeit macht, aber immerhin noch bemerkenswert.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_3_3" id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Von anderen Schriftstellern werden ferner noch folgende französische Werke -angezogen: de Boismélé: histoire générale de la marine; Poncet de la Grave: précise -histoire de la milice française; Daniel: histoire de la milice française.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_4_4" id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">[4]</span></a> „Leben Ruyters“ und „Vie de Tromp“ sind die wichtigsten alten Quellen über -die drei großen englisch-holländischen Kriege. Aus ihnen haben die meisten späteren -Schriftsteller geschöpft; insbesondere soll „Vie de Tromp“ einem wichtigen alten englischen -Werke, „Columna rostrata by Samuel Colliber, London 1783,“ als Hauptquelle -gedient haben, das wiederum für spätere englische Autoren die Grundlage gewesen ist. -In beiden Werken finden wir auch die Beteiligung Hollands am schwedisch-polnischen -Kriege 1655–1660 und im „Vie de Tromp“ am schwedisch-dänisch (brandenburgischen) -Kriege 1675–1679.</p></div></div> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a028.jpg" width="150" height="60" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xxix" id="Page_xxix">[xxix]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a029.jpg" width="600" height="132" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Verzeichnis der Abbildungen.</h2> - -<h3>Bildnisse.</h3> - -<table summary="pxxix"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Michael de Ruyter.</em> Nach G. Brandt, Leben und Taten des fürtrefflichen -und sonderbaren Seehelden Michael de Ruyter (Holl.) Amsterdam 1687</td> - <td class="page"><a href="#frontispiz">Titelbild</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Prinz Heinrich der Seefahrer.</em> Nach dem Miniaturgemälde in der -1448–1453 entstandenen Handschrift „Chronica do descobrimento e conquista -de Guiné etc.“ in der National-Bibliothek zu Paris. Nach Ruge, Geschichte des -Zeitalters der Entdeckungen. Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung</td> - <td class="page"><a href="#Page_28">28</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Vasco de Gama.</em> Nach Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. -Berlin 1881, G. Grotesche Verlagsbuchhandlung</td> - <td class="page"><a href="#Page_59">59</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Christofel Colonus</em> (Christoph Columbus). Nach einem Stich in einer -alten Porträtsammlung der Königl. Bibliothek zu Hannover</td> - <td class="page"><a href="#Page_65">65</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Ferdinand Magellanus.</em> Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_71">71</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Francis Drake.</em> Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history -from the earliest times to the present. Bd. I. London 1897. Sampson, -Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_80">80</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Lord Howard of Effingham.</em> Nach J. Campbell, Life of the British -admirals and naval history of Great-Britain from the days of Casear to the -present time. London 1873</td> - <td class="page"><a href="#Page_121">121</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Robert Blake.</em> Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the -earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston -& Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_200">200</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Martin Tromp, der Ältere.</em> Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het -Nederlandsche Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858</td> - <td class="page"><a href="#Page_201">201</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Jacob van Wassenaer.</em> Ebendaher, Teil II</td> - <td class="page"><a href="#Page_241">241</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Herzog von York.</em> Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history -from the earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, -Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_264">264</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Herzog von Albemarle</em> (<em class="gesperrt">Monck</em>). Nach J. Campbell, Life of the British -admirals and naval history of Great-Britain from the days of Caesar to the -present time. London 1873</td> - <td class="page"><a href="#Page_274">274</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Prinz Rupert</em> (Ruprecht von der Pfalz). Nach Wm. Laird Clowes, The -Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. -London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_337">337</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Cornelis Tromp.</em> Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het Nederlandsche -Zeewezen, Teil I. Haarlem 1858</td> - <td class="page"><a href="#Page_365">365</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Abraham du Quesne.</em> Nach Girard Edelinck gezeichnet von Th. Gide. Nach -A. Jal, Abraham du Quesne et la marine de son temps. Paris 1873, Henry -Plon</td> - <td class="page"><a href="#Page_377">377</a><span class="pagenum"><a name="Page_xxx" id="Page_xxx">[xxx]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Niels Juel.</em> Nach Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the -earliest times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, -Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_398">398</a></td> - </tr> - <tr> - <td><em class="gesperrt">Marschall de Tourville.</em> Nach Delarbre, Tourville et la marine de -son temps; notes, lettres et documents 1642–1701. Paris 1889</td> - <td class="page"><a href="#Page_432">432</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Edward Russell</em> (Earl of Oxford, Viscount Barfleur). Nach Wm. Laird Clowes, -The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. Bd. II. -London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_447">447</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Jean Bart.</em> Nach L. Guérin, Histoire maritime de France. Teil III. Paris 1858. -Dufour, Mulat et Boulanger</td> - <td class="page"><a href="#Page_470">470</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">John Leake.</em> Nach Fabers Mezzotinto-Bildnis nach dem Porträt von G. Kneller -(1712) in Wm. Laird Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest -times to the present. Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_549">549</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">George Byng</em> (Viscount Forrington). Ebendaher Bd. III. </td> - <td class="page"><a href="#Page_580">580</a></td> - </tr> -</table> - -<h3>Abbildungen von Schiffen.</h3> - -<table summary="pxxx"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde.</em> Nach -D. A. Breusing, Die Nautik der Alten. Bremen 1886. Verlag von Carl Schünemann</td> - <td class="page"><a href="#Page_8">8</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"> -<em class="gesperrt">Triere. Längsschnitt, Teil des Längsschnittes, Teil des -Querschnittes.</em> Nach der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, -Berlin 1895. Selbstverlag des Vereins deutscher Ingenieure</td> - <td class="page"><a href="#Page_11">11</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Kleines römisches Kriegsschiff um etwa</em> 50 v. Chr. Nach L. -Arenhold, Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff -bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer</td> - <td class="page"><a href="#Page_16">16</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Galere des</em> XVI. <em class="gesperrt">Jahrhunderts</em>. Nach Jurien de la Gravière, Les Marins -du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie.</td> - <td class="page"><a href="#Page_33">33</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Wikingerschiff etwa</em> 1000 n. Chr. Nach L. Arenhold, Die historische Entwicklung -der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. -Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer</td> - <td class="page"><a href="#Page_34">34</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englisches Fahrzeug um etwa</em> 1190 (<em class="gesperrt">Kreuzfahrer</em>). Ebendaher.</td> - <td class="page"><a href="#Page_36">36</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Hansa-Kogge um etwa</em> 1380. Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_37">37</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Holländische Kogge des</em> XV. <em class="gesperrt">Jahrhunderts</em>. Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_38">38</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Karavelle des</em> XV. <em class="gesperrt">Jahrhunderts</em>. Nach Jurien de la Gravière, Les -Marins du XV. et du XVI. siècle. Paris 1879. Plon & Cie.</td> - <td class="page"><a href="#Page_39">39</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Galeon des</em> XV. <em class="gesperrt">Jahrhunderts</em>. Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_39">39</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englisches Kriegsschiff</em> „<em class="gesperrt">Henry Grace à Dieu</em>“. Nach Wm. Laird -Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. -Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_97">97</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englisches Kriegsschiff</em> „<em class="gesperrt">The Royal Prince</em>“. Nach J. Charnock, -A history of marine architecture. London 1800–1802</td> - <td class="page"><a href="#Page_100">100</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englisches Kriegsschiff</em> „<em class="gesperrt">The Sovereign of the Seas</em>“. -Nach W. van der Velde. Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_101">101</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englisches Schlachtschiff</em> „<em class="gesperrt">The Speaker</em>“. Nach Wm. Laird -Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. -Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_164">164</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Französisches Linienschiff</em> „<em class="gesperrt">Royal Louis</em>“. Nach Arenhold, -Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen Kriegsschiff -bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891. Lipsius und Tischer</td> - <td class="page"><a href="#Page_166">166</a><span class="pagenum"><a name="Page_xxxi" id="Page_xxxi">[xxxi]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Geschützaufstellung bei Drei- und Zweideckern.</em> Nach einer -Skizze des Verfassers</td> - <td class="page"><a href="#Page_169">169</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Englischer Dreidecker</em> „<em class="gesperrt">Royal Charles</em>“. Nach Wm. Laird -Clowes, The Royal Navy. A history from the earliest times to the present. -Bd. II. London 1897. Sampson, Low, Marston & Co.</td> - <td class="page"><a href="#Page_172">172</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Französischer Dreidecker</em> „<em class="gesperrt">Le Soleil Royal</em>“. Ebendaher</td> - <td class="page"><a href="#Page_172">172</a></td> - </tr> -</table> - -<h3>Schlachtpläne und Übersichtsskizzen.<br /> -<span style="font-size: 90%;">(Nach Skizzen des Verfassers.)</span></h3> - -<table summary="pxxxi"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Hafen von Cadiz</em> 1596</td> - <td class="page"><a href="#Page_136">136</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Gefecht bei Dover</em>, 29. Mai 1652</td> - <td class="page"><a href="#Page_202">202</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Kentish Knock</em>, 8. Oktober 1652</td> - <td class="page"><a href="#Page_210">210</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Portland</em>, 28. Februar 1653. Erster Zusammenstoß</td> - <td class="page"><a href="#Page_215">215</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Portland</em>, 28. Februar 1653. Hauptmoment</td> - <td class="page"><a href="#Page_217">217</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges</em> -1652–1654</td> - <td class="page"><a href="#Page_233">233</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Der</em> 11. <em class="gesperrt">Juni der Viertageschlacht</em> 1666</td> - <td class="page"><a href="#Page_275">275</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Der</em> 12. <em class="gesperrt">Juni der Viertageschlacht</em> 1666</td> - <td class="page"><a href="#Page_278">278</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Der</em> 14. <em class="gesperrt">Juni der Viertageschlacht</em> 1666</td> - <td class="page"><a href="#Page_281">281</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Ruyter im Medway</em>, 20.–23. Juni 1667</td> - <td class="page"><a href="#Page_293">293</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schauplatz des zweiten und dritten englisch-holländischen -Krieges</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_301">301</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Solebay</em>, 7. Juni 1672</td> - <td class="page"><a href="#Page_326">326</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Texel</em>, 21. August 1673</td> - <td class="page"><a href="#Page_346">346</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Angriff auf Tabago</em>, 3. März 1677</td> - <td class="page"><a href="#Page_371">371</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Stromboli</em>, 8. Januar 1676</td> - <td class="page"><a href="#Page_378">378</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Bombardement von Algier</em>, 1683</td> - <td class="page"><a href="#Page_405">405</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Beachy Head</em>, 10. Juli 1690</td> - <td class="page"><a href="#Page_437">437</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Schlacht bei Kap Barfleur</em>, 29. Mai 1692</td> - <td class="page"><a href="#Page_451">451</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Vigo</em>, 23. Oktober 1702</td> - <td class="page"><a href="#Page_517">517</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td3"><em class="gesperrt">Bai von Gibraltar</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_526">526</a></td> - </tr> -</table> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_a031.jpg" width="150" height="78" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[1]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<h2><span style="font-size: 75%;">Erster Abschnitt.</span><br /> -Altertum und Mittelalter.</h2> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p003.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Erstes Kapitel.</span><br /> -Das Seewesen im Altertum.</h3> - -<h4>Einleitung.</h4> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_p003.jpg" width="50" height="50" - alt="D" - title="D" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">I</span>m <b>Altertum</b> hat sich das Seewesen zu einer hohen Blüte entwickelt. -Der Seehandel verband alle Völker am Mittelmeer auf das engste, -die Herrschaft auf ihm spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte -der Staaten, und infolgedessen wurden auch Seekriege geführt, die -von großer Bedeutung waren. Der Bau von Kriegsschiffen — Ruderschiffen -— erreichte eine bemerkenswerte Höhe, stehende Marinen wurden geschaffen, -in denen die Ausbildung des Personals und die Taktik eine gewisse -Vollendung erlangten.</span></p> - -<p>Im <b>Mittelalter</b> tritt das Seekriegswesen gegen das Altertum zurück. -Es stand im allgemeinen nicht auf gleicher Höhe, Seekriege von solcher -Bedeutung wie dort sind im Mittelalter nicht geführt worden.</p> - -<p>Zwischen dem Altertum und dem Mittelalter wurde die Entwicklung -des Seewesens durch die Völkerwanderung gewaltsam unterbrochen; es mußte -sich fast ganz von neuem ausbilden. Von dort an aber geht die Entwicklung -ununterbrochen weiter bis zur Gegenwart, und es tritt, besonders -auch für die Kriegsschiffe, die Segelschiffahrt nach und nach in den -Vordergrund.</p> - -<p>In den letzten Jahrhunderten (dem 14. und 15.) dieses Zeitabschnittes -bereitet sich die Ausdehnung der Schiffahrt auf die Ozeane vor. Es -erscheinen die Völker auf dem Meere, die seit der neueren Zeit als Seemächte -eine Rolle spielen; es wird schließlich gegen das Ende des Mittelalters die -Hauptwaffe der Gegenwart, die Artillerie, in größerem Maße an Bord der -Schiffe eingeführt. So wird der Abschluß des Mittelalters auch in Hinsicht -auf das Seewesen ein Zeitpunkt von höchster Bedeutung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span></p> - -<p><b>Die Ausdehnung der Schiffahrt.</b> Schon in der frühesten Zeit haben -die <em class="gesperrt">Phönizier</em> den Grund zu einer umfangreichen Schiffahrt gelegt. Von -etwa 1500 bis 1100 v. Chr. blühte ihr Handel unter der Führung der Stadt -Sidon im Ostmittelmeer, sie waren aber auch schon ins Westmittelmeer -vorgedrungen; von 1100 bis 800, zur Zeit der Vorherrschaft der Stadt Tyros, -beherrschten sie die Seefahrt im Westmittelmeer durch harte Maßregeln. -Von etwa 1100 an wurden sie im Osten nach und nach von den <em class="gesperrt">Griechen</em> -überflügelt, und als sie sich von 800 an, geschwächt durch beständige Kriege -im Heimatlande, im Westmittelmeer nicht mehr halten konnten, traten dort -ihre Pflanzstädte, besonders <em class="gesperrt">Karthago</em>, an ihre Stelle. — Aber auch über -das Mittelmeer hinaus erstreckte sich die Seefahrt. Die Phönizier schon -und später ihre sowie griechische Pflanzstädte im Westen befuhren die -Küsten des Atlantik, nach Süden bis zum Senegal und Gambia, wobei auch -die Kanarischen Inseln entdeckt wurden (Karthago), nach Norden bis zum -Englischen Kanal. Im weiteren Verlauf ging die Schiffahrt bis zum Norden -Englands und in die Nordsee (der Massilier Pytheas umsegelte bereits um -die Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. Großbritannien).</p> - -<p>Im Osten besuchten die <em class="gesperrt">Ägypter</em> schon um 2100 v. Chr. die Küsten -Afrikas südlich vom Roten Meere; dieser Verkehr, durch Verfall des Reichs -unterbrochen, wurde in der 18. Dynastie, etwa 1600 v. Chr., wieder aufgenommen -und später durch Phönizier unter dem Schutz arabischer und -ägyptischer Herrscher nach Osten bis Indien ausgedehnt; zur Ptolemäerzeit -betrieben die griechischen Kaufleute Ägyptens regelmäßigen Seehandel nach -Indien, sie sind wahrscheinlich sogar im 1. Jahrh. n. Chr. bis zur Mündung -des Jangtsekjang vorgedrungen. Dieser Seeverkehr mit den Küsten Asiens -— dem „Indien“ des Altertums und Mittelalters — ist bis in die byzantinische -Zeit aufrecht erhalten, der von den Ptolemäern vollendete Kanal zwischen -dem Mittelmeere und dem Roten Meere war mindestens bis ins 6. Jahrh. n. Chr. -in brauchbarem Zustande; erst die Eroberung Ägyptens durch die Araber -640 n. Chr. brach die unmittelbare Seeverbindung der Byzantiner und damit -auch des Abendlandes mit Indien ab.</p> - -<p class="small">Beim Ausgang des Altertums war den Kulturvölkern durch diesen Seeverkehr -nach Norden und Osten, durch die Eroberungszüge Alexanders und der Römer und -durch den uralten Landhandel über Persien usw. in das Innere Asiens ein großer Teil -der Alten Welt bekannt; freilich hatte man infolge der mangelhaften Ortsbestimmungen -von vielen Ländern und Küsten, besonders im Osten, nur unklare geographische Vorstellungen.</p> - -<p><b>Die Nautik im Altertum.</b><a name="FNanchor_5_5" id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a> Die Schiffahrt war zunächst reine Küstenfahrt, -nur tiefe Buchten kürzte man ab und wagte Überfahrten nur, wo -eine Insel in absehbarer Ferne lag. Diese Küstenfahrt erforderte umsichtige -und tüchtige Seeleute, um den Gefahren der Untiefen und des Wetters beim<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span> -Fahren auf Legerwall (d. h. Land gefahrdrohend in Lee)<a name="FNanchor_6_6" id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> zu begegnen. Zeitig -kam der Gebrauch des Lotes auf, das Bezeichnen von Untiefen durch eingerammte -Pfähle in eigenen oder oft besuchten und die Verwendung von -Eingeborenen als Lotsen in fremden Gewässern, ferner die Benutzung von -Landmarken, deren auch künstliche, z. B. Türme, auch Leuchttürme vor den -Häfen, errichtet wurden. Frühzeitig auch gab es Segelanweisungen, welche die -Entfernungen von Ort zu Ort, Beschreibungen der Küste, Angaben über -Häfen, Rheden, Strandverhältnisse, Ankerplätze, Ankergrund, Wasserversorgung -u. dgl. enthielten.</p> - -<p>Zum Landen lief man anfangs, auch wohl später noch häufig, auf den -Strand und schleppte bei längerem Aufenthalt die Fahrzeuge auf; wenn die -Größe und Belastung der Schiffe oder sonstige Verhältnisse, z. B. Beschaffenheit -des Strandes, Verhalten der Einwohner usw., solches verboten, wurde -geankert; zweifellos hat es in einzelnen Häfen bald Bollwerke zum Festmachen -gegeben; später wurden, besonders für Kriegszwecke, künstlich -geschützte Häfen mit eingeteilten Bassins (Docks), Magazinen, Arsenalen und -Einrichtungen zum Trockenlegen der Fahrzeuge gebaut.</p> - -<p>Als man das ganze Mittelmeer kannte, sich vom Lande freizumachen -verstand und kürzende weitere Überfahrten wagte, bei denen das Land aus -Sicht kam, bestimmte man den Kurs nach dem Stand der Sonne und der -Gestirne. Schon die Phönizier benutzten den Polarstern und schätzten die -Fahrt nach dem Bugwasser und nach der Schnelligkeit des am Schiff vorbeifließenden -Wassers, wie man es bei der Küstenfahrt zu beurteilen gelernt -hatte. Da keine genauen Stundenmesser vorhanden, wurde die Fahrt für -Tage angegeben; um einen Begriff von der Leistungsfähigkeit der Schiffe -zu erhalten, sei erwähnt, daß das Etmal (d. h. der Weg in 24 Stunden) im -Durchschnitt bei guten Schiffen zu 120 Seemeilen (1200 Stadien) angegeben -ist, es entspricht dies einer Fahrt von 5 Knoten für die Stunde, auch solche -zu 7 Knoten werden aufgeführt, doch der allgemeine Durchschnitt ist nur -2 bis 3 Knoten. Diese Art der Besteckführung war natürlich sehr ungenau -und versagte ganz bei anhaltend trübem oder stürmischem Wetter, deshalb -wurde die Schiffahrt im allgemeinen während der Wintermonate geschlossen. -Zur Unterstützung dieser ungenauen Besteckführung sammelte man jedoch -auch Erfahrungen, man nahm Tieflotungen mit Grundproben vor wie jetzt, -man beobachtete die Wasserfarbe bei Annäherung an die Küste namentlich -vor großen Strömen usw. Durch die Fahrten im Atlantik lernte man Ebbe -und Flut und durch die nach Indien die Monsune kennen; die Schiffe nach -Indien fuhren im Sommer mit N.W.-Monsun vom Roten Meere ab und kehrten, -auch wenn sie dort im ersten Winter ihre Geschäfte erledigt hatten, erst -im nächsten Herbst mit S.O.-Monsun von Indien zurück.</p> - -<p>Die wissenschaftliche Nautik konnte aber erst größere Fortschritte -machen, als ihre Hilfswissenschaften, die messende Erd- und Himmelskunde,<span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span> -zu einer gewissen Reife gelangt waren; auch hierzu ist im Altertum der Grund -gelegt. Thales (600 v. Chr.), Pythagoras (550), Aristoteles (350) entwickelten -die Theorie von der Kugelgestalt der Erde; Eratosthenes (Alexandria 250), -Posidonius (Rhodus 100) berechneten den Erdumfang und Hipparch (Alexandria -150) überzog die Erdoberfläche mit dem Gradnetze von Meridianen und -Breitenparallelen, dessen wir uns noch jetzt bedienen. Letzterer drang darauf, -die Lage der Orte nach Länge und Breite festzustellen, bestimmte selbst -mehrere Polhöhen und empfahl zur Längenbestimmung die genaue Beobachtung -der Sonnen- und Mondfinsternisse. Wenn es bis dahin nur -möglich war, rohe Darstellungen der Ländergestaltung und der Lage bekannter -Orte nach ihrer ungefähren Richtung und Entfernung voneinander -herzustellen, so konnten jetzt einigermaßen richtige Karten angefertigt -werden.</p> - -<p>Aber erst Marinus (Tyrus 100 n. Chr.) entwarf Karten nach wissenschaftlichen -Grundsätzen und einer ihm eigentümlichen Projektion. Er zog -Breitenparallele und Meridiane als gerade Linien aus, die sich rechtwinklig -schnitten. Der Kugelgestalt der Erde trug er dadurch Rechnung, daß er -den Abstand der Meridiane voneinander so ordnete, wie es dem Breitenparallel -von 36° N. — im Altertum als die Mittelbreite der bewohnten Welt angesehen -— entsprach, und sammelte sorgfältig aus den Tagebüchern der -Reisenden Angaben zur Berechnung der Länge und Breite vieler Orte. Er -ist also der Schöpfer der platten Karte.</p> - -<p>Ptolemäus (Alexandria 150 n. Chr.) berichtigte und erweiterte diese -Arbeit; an 8000 Orte sind in seinem geographischen Buche mit Länge und -Breite verzeichnet, und 27 Karten sind ihm beigegeben; bei den Spezialkarten -hat er als Mittelbreite die des betreffenden Landes angenommen; es sind -dies die einzigen uns überlieferten Karten des Altertums. Mit Ptolemäus -erreichte die messende Erd- und Himmelskunde für lange Zeit ihren Höhepunkt. -Sein geographisches Werk hat leider während des ganzen Mittelalters -in Vergessenheit geruht; sein zweites, astronomisches Werk (Almagest) -aber, in dem er das nach ihm benannte astronomische System, das erst nach -anderthalb Jahrtausenden vom Kopernikanischen verdrängt wurde, niederlegte, -hat beim Wiederaufleben der Wissenschaft im Mittelalter der Erdkunde -die größten Dienste geleistet.</p> - -<p>Die praktische Navigation konnte jedoch im Altertum aus allen diesen -wissenschaftlichen Fortschritten noch keinen Nutzen ziehen, solange wegen -mangelnder Instrumente keine astronomischen Beobachtungen auf See (an -Land wurden die Breitenbestimmungen mit dem Gnomon, dem Schattenzeiger, -angestellt) gemacht werden konnten und man kein Mittel hatte, den -Kurs jederzeit mit Sicherheit zu bestimmen — nämlich ohne Kompaß; man -blieb auf ein nur ungenau geschätztes Besteck und somit auf Küstenfahrt -angewiesen.</p> - -<p class="small">Es sei hier vorgreifend noch erwähnt, daß im Altertum die Ausdehnung der Alten -Welt von West nach Ost auf den bekannten Breiten — also von Spanien bis China —<span class="pagenumsmall"><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span> -viel zu groß angenommen wurde infolge der ungenauen Längenbestimmungen namentlich -in Asien. Marinus nahm sie zu 225°, Ptolemäus zu 180° an gegen etwa 130° in Wirklichkeit; -die erstere Zahl hat wesentlich dazu beigetragen, Kolumbus zu seinem Plane -zu ermutigen, die Ostküste Asiens auf dem Wege nach West zu erreichen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Die Schiffe im allgemeinen und die Handelsschiffe.</b><a name="FNanchor_7_7" id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> Wie die <em class="gesperrt">Phönizier</em> -das erste Volk gewesen sind, das seine Seefahrt über das ganze Mittelmeer -ausdehnte, so waren sie auch grundlegend für die Entwicklung des -Seewesens aller Völker am Mittelmeer; auch die Ägypter, die schon früh -das Rote Meer usw. befuhren, bildeten ihr Seewesen nicht weiter aus, sondern -bedienten sich später ebenfalls in diesen Gewässern der Phönizier und dann -der Griechen. Wenn auch wohl naturgemäß die anderen Küstenvölker, -ehe sie mit den Phöniziern in Berührung kamen, aufs Wasser gegangen -sind, so haben doch zweifellos die frühzeitiger technisch entwickelten -Fahrzeuge der letzten überall zur Ausbildung des Schiffbaues den Anstoß -gegeben.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Griechen</em> haben sodann allerdings viel zur Entwicklung, besonders -der Kriegsschiffe, beigetragen, aber alle griechischen Schriftsteller von Homer -bis auf die spätesten stellen die Phönizier als Vorbild hin, was deren Schiffe, -seemännische Umsicht, Genauigkeit und Erfahrung sowie ihre nautischen -Kenntnisse anbetrifft; noch Xenophon lobt die praktische Einrichtung, die -musterhafte Ordnung und Disziplin, die er auf phönizischen Schiffen — -und zwar Handelsschiffen — gesehen hat. Im Westmittelmeer haben dann -später auch die phönizischen Pflanzstädte (Karthago) im Verein mit den -Griechen Siciliens die Entwicklung des Seewesens beeinflußt.</p> - -<p>Die ersten Fortschritte im Schiffbau betrafen die <em class="gesperrt">Handelsschiffe</em>. -Aus den einfachen offenen Booten zum Rudern und Segeln, mit denen die -Phönizier die ersten Fahrten an naher Küste und im Ägäischen Meer -unternommen hatten, entwickelten sich gedeckte, größere Seeschiffe, -namentlich als man die Fahrten nach Spanien aufnahm. (Die Tharsisfahrten, -daher ist „Tharsisschiffe“ bald die Bezeichnung für alle größeren -Seeschiffe.)</p> - -<p>Diese Schiffe wurden tiefergehend, voller und somit seefähiger, hochbordiger, -breiter und seefester gebaut, sogenannte „runde Schiffe“ im Gegensatz -zu den später ausgebildeten „langen“ Kriegsschiffen; bei ihnen wurde -die Menschenkraft an den Riemen (Rudern) als Hauptmotor zu teuer -und nahm zu viel Platz fort; so waren die größeren in erster Linie zum -Segeln bestimmt und besaßen nur einige Riemen, hauptsächlich zum Ein- -und Auslaufen beim Besuch der Häfen; kleinere Handelsschiffe für kurze -Küstenfahrt blieben wohl mehr Ruderfahrzeuge.</p> - -<p>Die Takelage der Segelschiffe war während des ganzen Altertums sehr -einfach. Die Schiffe hatten anfangs und lange Zeit nur einen Mast mit einem<span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span> -breiten, viereckigen Raasegel,<a name="FNanchor_8_8" id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a> später trat bei den größeren Schiffen ein -zweiter Mast hinzu, ganz vorn im Schiff, stark vornübergeneigt, mit losem -(gewissermaßen breitfockähnlich) Raasegel; erst in der römischen Kaiserzeit -ist noch eine Art dreieckigen Toppsegels über dem Raasegel des Hauptmastes -hinzugekommen. Gesteuert wurden die Segelschiffe wie auch die Ruderschiffe -mit zwei Riemen am Heck.</p> - -<p>Verbesserungen kleinerer Art werden nach und nach in der Takelage -und im Schiffbau stattgefunden haben, immerhin aber haben die Segelschiffe -sich wenig entwickelt und gestatteten, unvollkommen in Bau, Takelage -und Steuervorrichtung, keine gründliche Ausnutzung des Windes; man nimmt -an, daß sie höchstens 8 Strich beim Winde (also mit halbem Winde) steuern -konnten, auch müssen Steuervorrichtung und Takelage bei stürmischem -Wetter bald versagt haben.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p008.jpg" width="600" height="360" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p008" id="fig_p008"></a> -<p class="caption">Segelschiff der ältesten Zeit mit halbem Winde.</p> -</div> - -<p>Der Grund dieser geringen Entwicklung des Segelschiffbaues und der -Segelkunst ist wohl in den besonderen Verhältnissen des Mittelmeeres zu -suchen. Bei dem niedrigen Stande der Nautik mußte die Schiffahrt mehr -oder weniger Küstenfahrt bleiben, und die begrenzten Gewässer des Mittelmeeres -mit ihren vielen Inseln und langvorgestreckten Halbinseln erlaubten -dies; die vielen Zufluchtsorte, die die Küsten boten, sowie die im größten -Teile des Jahres günstigen Wetter- und Seeverhältnisse zwangen nicht so -dringend zur Erfindung von Verbesserungen, durch die langwierige und<span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span> -beschwerliche Seereisen leichter zu überwinden gewesen wären; in der -schlechten Jahreszeit legte man die Schiffe ja schon aus navigatorischen -Gründen auf.</p> - -<p>Was die Größe der Handelsschiffe anbetrifft, so kann man nach der -Größe der Kriegsschiffe, die uns besser bekannt ist, nach den Angaben über -Ladung, Passagiere und Truppentransporte wohl annehmen, daß solche -von 100 bis 600 tons <em class="gesperrt">Deplacement</em> gebräuchlich waren; man findet aber auch -in späterer Zeit Angaben, die auf gelegentliche Verwendung (regelmäßige -Getreide- und Passagier-Fahrten, Transporter) weit größerer Schiffe, ja bis -zu 2000 tons, schließen lassen.</p> - -<p>Um endlich noch einen Begriff von der Stärke alter Handelsflotten -zu geben, seien die Mitteilungen Herodots über den Zug des Xerxes gegen -Griechenland erwähnt. Die Kriegsflotte bestand aus 1200 Trieren und 3000 -kleineren Kriegsfahrzeugen, die meisten waren gerade für diese Expedition -außergewöhnlich stark bemannt. Da nun <em class="gesperrt">Herodot</em> für die begleitende Transportflotte -„mindestens“ die gleiche Besatzung wie für die Kriegsschiffe annimmt, -und da das einzelne Handelsschiff doch schwächer bemannt gewesen -sein wird als das einzelne Kriegsschiff, muß die Zahl der Handelsschiffe eine -ungeheuere gewesen sein; nach dem Verhältnis der Trieren, von 1200 waren -300 phönizische, fällt mindestens ein Viertel der Transporter allein auf die -phönizischen Städte des Mutterlandes.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Die Kriegsschiffe der Phönizier und Griechen.</b> Die Kriegsschiffe der -Alten waren Ruderschiffe, deren Bau eine hohe Blüte erlangte. Ihr Typ hat zu -verschiedenen Malen große grundsätzliche Änderungen erfahren.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Phönizier</em> besaßen anfangs keine eigentliche Kriegsflotte, da -sie in den ersten Zeiten ihrer Macht nicht mit seetüchtigen Gegnern zu rechnen -hatten; die größeren Handelsschiffe waren zu ihrem Schutz gegen Seeräuber -und sich feindlich stellende Einwohner der besuchten Küsten genügend -bemannt und armiert. Sie hatten aber auch in ihrer Begleitung große flache -Ruderboote, denn sie selbst waren wegen ihres Tiefgangs nicht überall zur -Küstenfahrt und zum Löschen und Laden der Waren geeignet; diese stärker -bemannten Ruderfahrzeuge dienten gleichzeitig zur Bedeckung und zur -Ausführung von Gewaltstreichen: See- und Küstenraub. Ähnliche Ruderschiffe -waren auch wohl an den eigenen Küsten vorhanden, um die Städte -gegen Seeräuber zu schützen.</p> - -<p>Als nun aber die phönizischen Städte vom 9. Jahrh. an in die assyrisch-babylonischen -und ägyptischen Kriege verwickelt wurden und von diesen -Völkern, die sich selbst eine Seemacht zu gründen bestrebt waren, mittels -der Ionier, Karier und schon unterworfenen Phönizier auch zur See bedroht -wurden, bedurften beide Parteien einer wirklichen Kriegsflotte, und jetzt -machte bei ihnen, im Verein mit den zu derselben Zeit aufblühenden Seestaaten -der Griechen, besonders den asiatischen Kolonien, der <em class="gesperrt">Kriegsschiffbau</em> -schnelle Fortschritte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span></p> - -<p>Die erwähnten Ruderboote wurden im Vergleich zu den Kauffahrteischiffen -weniger tiefgehend, länger, leichter, schlanker mit immer schöneren -Wasserlinien gebaut; während die Frachtschiffe dreimal so lang als breit -waren, wird bei den Kriegsschiffen das Verhältnis mindestens das Doppelte -gewesen sein, wie man aus den Maßen der griechischen Schiffsschuppen -schließen kann; mit diesen „Langschiffen“ erreichte man unter Riemen eine -große Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit. Zunächst waren es offene, -niederbordige, leicht zu rudernde und leicht aufzuschleppende Fahrzeuge, -also große Boote, aber schon mit einem Deck vorn und hinten, zum Kampf -und zur Unterkunft, versehen. Sie hatten eine Reihe Riemen auf jeder Seite -und wurden benannt nach der Anzahl der Rudermannschaften: Eikosoren, -Triakontoren, Pentekontoren. Die <em class="gesperrt">Pentekontore</em>, den Fünfzigruderer, -nimmt Kontre-Admiral Serre an als ein Fahrzeug von 18 m Länge, -22 tons Deplacement, 13 Ruderbänken = 26 Riemen, an jedem Riemen -2 Mann (am Bugriemen nur 1 Mann), also: (24 ⨉ 2) + (2 ⨉ 1) = 50 Ruderer.<a name="FNanchor_9_9" id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a> -Sie führte am Bug einen Sporn über Wasser. Diese Einreihenschiffe, besonders -die Pentekontoren, die zuerst von den Phokäern erbaut sein sollen, -blieben auch bei späterer Vergrößerung der Schlachtschiffe stets als Schiffe -für Aufklärungs- und Nachrichtendienst im Gebrauch.</p> - -<p>Mit zunehmender Größe der Fahrzeuge fügte man die Einrichtung für -eine zweite und später für eine dritte Riemenreihe hinzu, so entstanden die -Dieren und Trieren. Letztere sollen zuerst um 700 v. Chr. von den Korinthern -erbaut sein, doch schreiben einige Forscher die Erfindung sowohl der Trieren -wie auch der Pentekontoren den Phöniziern zu. Die Triere war in den Perserkriegen -und im Peloponnesischen Kriege das Hauptschlachtschiff und erreichte -im letzteren durch die Athener ihre höchste Vollendung, was Leichtigkeit, -Formenschönheit und somit Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit anbelangt.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Trieren</em> waren anfangs auch nur vorn und hinten, später jedoch -ganz gedeckt; die Takelage, sonst wie bei den Handelsschiffen der entsprechenden -Zeit, war nur eine Hilfstakelage für den Marsch, zum Gefecht wurde sie -niedergelegt,<a name="FNanchor_10_10" id="FNanchor_10_10"></a><a href="#Footnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a> auch oft von Bord gegeben; die Schiffe konnten leicht aufgeschleppt -werden, häufig sind sie sogar kurze Strecken über Land transportiert -oder auch zur Herstellung befestigter Stellungen am Lande (Lager) -benutzt.</p> - -<p>Nach Serre war die gebräuchlichste attische Triere im 5. Jahrh. ein -Fahrzeug von 40 m Länge über Deck, 4,4 m größter Breite und 1,1 m Tiefgang,<span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span> -130 tons mit 200 Mann Besatzung. Sie hatte -an jeder Seite und in jeder Reihe 24 Riemen, -also = 144 Riemen und ebensoviel Ruderer. Andere -Quellen geben die Triere etwas größer an bis zu -230 tons, 150 Ruderer, ganze Besatzung 220 Mann; -doch hat es wohl auch größere und kleinere gegeben, -besonders in anderen Staaten. Der geringe Rest der -Besatzung nach Abzug der Ruderer enthielt die Offiziere, -Matrosen und Soldaten (Hopliten). Zur Zeit -des Peloponnesischen Krieges war eben das Schiff -selbst, die schnelle und manövrierfähige Triere, die -Hauptwaffe; der Sporn befand sich eine Zeitlang unter -Wasser, wurde aber später aus seemännischen Gründen -wieder über Wasser gelegt.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p011_1.jpg" width="600" height="108" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p011_1" id="fig_p011_1"></a> -<p class="caption">Triere, Längsschnitt.</p> -</div> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p011_2.jpg" width="350" height="189" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p011_2" id="fig_p011_2"></a> -<p class="caption">Triere, Teil des Längsschnittes.</p> -</div> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p011_3.jpg" width="350" height="202" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p011_3" id="fig_p011_3"></a> -<p class="caption">Triere. Teil des Querschnittes.<br />Zeichnung der Rudereinrichtung nach R. Haack.</p> -</div> - -<p class="small">Die Bedeutung der Namen der Vielreiher, Trieren, -Penteren usw. richtig zu lösen, hat seit langem die Forscher -beschäftigt. Die Schwierigkeit, festzustellen, wie die -Ruderer, namentlich bei den Fünf- und noch höheren -Ruder-Reihern, übereinandergesessen haben, hat zu der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span> -Annahme anderer Anordnung der Riemen als gerade in parallelen Reihen übereinander -geführt, um den betreffenden Namen zu erklären: Eine der Namenszahl -entsprechende Anzahl von Gruppen der Riemen an verschiedenen Stellen -des Schiffes in gleicher Höhenlage, in verschiedener Höhenlage, aber nicht übereinander, -und Kombinationen davon mit teilweiser Lage von Reihen übereinander. -Seemännisch erfahrene Forscher heben aber außerdem die Schwierigkeit, ja teilweise -Unmöglichkeit, mit verschieden langen Riemen übereinander in gleichem Takt zu -rudern und ihre Kraft gleichmäßig auszunutzen, hervor.</p> - -<p>Es darf wohl als bewiesen angesehen werden, daß die Vielreiher mehrere Einrichtungen -zum Gebrauch der Riemen übereinander gehabt haben, aber nicht mit dem -Zweck, sie gleichzeitig zu benützen; man wollte sich vielmehr mit ihnen verschiedenen -Verhältnissen anpassen können.</p> - -<p>Nach Breusing hatte die Triere für einen jeden Riemen jeder der drei Reihen -einen Ruderer, es wurde aber stets nur eine Reihe bemannt, den Verhältnissen entsprechend, -d. h. je nach dem Seegang, oder der Geschwindigkeit, die man erzielen wollte: -bei ganz glattem Wasser oder bei wenig Eile die unterste Reihe mit den kurzen, leicht -zu bedienenden Riemen; bei etwas Seegang, wenn die Riemen und vor allem auch die -Öffnungen für sie in der Schiffsseite zu nahe über Wasser kamen, die höher liegende -zweite Reihe; bei viel Seegang oder wenn die höchste Fahrt erwünscht war, also stets -im Gefecht, die oberste Reihe mit den längsten Riemen. Bei den Penteren glaubte -man sich durch Einführung von noch mehr Reihen den Verhältnissen noch besser -anschließen zu können.</p> - -<p>Serre's Ansicht ist fast dieselbe, doch läßt er die unterste Riemenreihe von einem, -die zweite von zwei und die oberste von drei Mann an jedem Riemen bedient werden. -Bei den Penteren nimmt er auch nur drei Riemenreihen an und bezieht den Namen -darauf, daß zur Bedienung der obersten Reihe fünf Mann am Riemen verwendet seien; -ebenso bei noch höheren Riemenreihen, hier gibt er aber zu, daß mehrere Reihen gleichzeitig -benutzt seien, da es infolge der Größe der Schiffe möglich gewesen sei, aber nie -über drei Reihen.</p> - -<p>Die Hypothesen Breusings und Serres sind auch insofern bemerkenswert, als -durch sie andere, sonst zweifelhafte Punkte befriedigende Antwort erhalten. So ist -bei ihnen eine regelmäßige Ablösung der Ruderer auf längeren Fahrten möglich, die -sonst bei gleichzeitigem Gebrauch aller Riemen ausgeschlossen wäre, und es ist zu erklären, -namentlich nach Breusing, daß Staaten imstande waren, so viele Trieren zu -bemannen, wie es in einzelnen Fällen angegeben wird; wenn man in der Nähe der eigenen -Küste focht, konnte man von Ablösung ganz oder teilweise absehen und brauchte nicht -den vollen Etat der Ruderer einzuschiffen. Alte Reliefs zeigen zwar Schiffe mit drei -Ruderreihen im Gebrauch, es ist aber möglich, daß man diese hierdurch nur als Dreireiher -kennzeichnen wollte, oder daß „zur Parade“ alle Riemen ausgelegt wurden.<a name="FNanchor_11_11" id="FNanchor_11_11"></a><a href="#Footnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a></p> - -<p>Mit Beginn des 4. Jahrh. fing man an, die Schiffsseiten gegen den Rammstoß -zu verstärken, ferner führte man die nach dem Peloponnesischen -Kriege erfundenen Wurfmaschinen (Katapulte: große Bogen, die Lanzen,<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span> -Pfeilbündel, Balken schossen; Ballisten: Vorrichtungen, die mit Hebelkraft -schwere Gewichte warfen) auch nach und nach an Bord ein, es mußten jetzt -die Decks sowohl behufs deren Aufstellung als auch zum Schutz gegen ihre -Projektile verstärkt werden. Die Schiffe wurden größer und schwerer; man -schritt zum Bau von Tetreren und <em class="gesperrt">Penteren</em>; letztere ist wahrscheinlich -zuerst in Syrakus, wo auch die Konstruktion der Wurfmaschinen besonders -ausgebildet wurde, etwas nach 400 v. Chr. erbaut; jetzt wird die Pentere -das Hauptschlachtschiff.</p> - -<p>Nach Serre war die Pentere ein Schiff von 300 tons, 50 m Länge, 6,2 m -Breite, 1,5 m Tiefgang mit 400 bis 500 Mann Besatzung, darunter 300 Ruderer -für 60 Riemen in jeder Reihe. Andere Angaben sagen 550 tons, 168' lang. -26' breit 13 bis 14' tiefgehend; sie mögen auch später größer geworden bzw. -verschieden groß gewesen sein; auch die Besatzungsangaben schwanken, doch -mehr was die Nichtruderer anbetrifft, die Anzahl der einzuschiffenden Soldaten -war aber wohl überhaupt nicht unbedingt festgestellt. Die Pentere war nicht -so handlich und schnell wie die attische Triere, so bleibt denn auch, abgesehen -von der Einführung der Wurfmaschinen, der Sporn nicht mehr allein Hauptwaffe -wie bei dieser, und wir sehen die Zahl der Kämpfer an Bord bedeutend -gewachsen.</p> - -<p>Zu noch höheren Ruderreihern sind die Griechen wahrscheinlich nicht -gegangen; in Ägypten aber, wo unter den Ptolemäern das Seewesen sehr -gepflegt wurde, sind im 3. Jahrh. Vielreiher bis zu Okteren und Dekeren -(nach Serre 800 tons, 840 Mann, 560 Ruderer bzw. 1000 tons, 1080 Mann, -worunter 800 Ruderer) gebaut; noch größere Schiffe, die erwähnt werden, -waren wohl nur unpraktische Luxusbauten, auch die Okteren verschwanden -wieder.</p> - -<p>Die größeren Schiffe waren aber sehr unbeholfen, weil sie allmählich -mit Schutz- und Trutzwaffen überlastet wurden; denn die Wurfmaschinen -und ihre Projektile, die man anfangs nur gegen Menschen verwendete, -wurden immer schwerer, weil sie später auch zum Durchschlagen der Decks -und Schiffswandungen bestimmt waren. Bei ihrem verstärkten Bau reichten -auch Menschen als Triebkraft nicht mehr aus, den Gegner mit dem Sporn -zu durchstoßen. So waren aus der Triere mit höchstem Offensivzweck -Schiffe mehr defensiven Charakters geworden.</p> - -<p><b>Die Kriegsschiffe zur römischen Zeit.</b><a name="FNanchor_12_12" id="FNanchor_12_12"></a><a href="#Footnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> Phönizier und Griechen sind auch -auf die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im Westmittelmeer von Einfluß -gewesen. Die <em class="gesperrt">Karthager</em> und sonstigen phönizischen Pflanzstädte haben -die Errungenschaften des Seewesens von Phönizien mitgebracht, und bei -ihrer ständigen Verbindung mit dem Mutterlande und mit den griechischen -Städten Siciliens und Unteritaliens sind sie natürlich auch in betreff der -späteren Vervollkommnungen und Veränderungen auf diesem Gebiet im<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span> -Ostmittelmeer auf dem laufenden geblieben, ebenso die ebenerwähnten -griechischen Kolonien; beide haben die Wandlungen mitgemacht, wenn auch -vielleicht mit kleinen Abweichungen, wie auch in Griechenland die Schiffstypen, -Trieren z. B., nicht immer in allen Staaten ganz gleich gewesen sind. -Es ist wahrscheinlich, daß die Karthager ihre Trieren nicht so schnell, so -formvollendet gebaut haben wie die Griechen im Laufe des 5. Jahrh., sondern -mehr auf größere Seetüchtigkeit und größeres Fassungsvermögen Gewicht -gelegt haben. Zur Zeit des höchsten Standes der attischen Triere wurde -den Karthagern die Seeherrschaft in ihrem Bereich von keinem ebenbürtigen -Nebenbuhler streitig gemacht, seefähigere Fahrzeuge waren dort aber erwünschter, -namentlich bei den Expeditionen außerhalb des Mittelmeeres.</p> - -<p>Von Syrakus nahmen die Punier frühzeitig die Penteren an, einen Schiffstyp, -den der Tyrann dieser Stadt (Dionysius I.) gerade gegen sie selbst um -400 zuerst erbaut hatte. Auch bei ihnen wird die Pentere im 4. und 3. Jahrh. -das Hauptschlachtschiff, wie aus den Angaben über die Zusammensetzung -karthagischer Flotten hervorgeht. Zum Bau noch höherer Reihenschiffe zu -schreiten, hat auch sie ihr seemännisch-praktischer Sinn gehindert; das Flaggschiff -bei Mylae, eine Heptere, wird ausdrücklich als vorher dem König -Pyrrhus abgenommen erwähnt. Die Karthager widmeten ihrer Flotte große -Sorgfalt, die Bemannung scheint sich im Gegensatz zum Landheere stets -der Hauptsache nach aus Stadt-Karthagern ergänzt zu haben, namentlich -die Chargen und die Kämpfer.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Römer</em> hatten während der ersten Jahrhunderte ihres Bestehens -keine nennenswerte Kriegsflotte, sondern nur kleinere Fahrzeuge für den -Küstendienst; die Unterwerfung Italiens vollzog sich ganz durch Landkriege. -Als der Zusammenstoß mit Karthago sie zwang, eine Flotte zu schaffen, -standen ihnen der Hauptsache nach nur die Schiffe der süditalienischen -Bundesgenossen zur Verfügung, auch nur solche bis zur Größe der Trieren. -Sie bauten deshalb nach dem Muster einer gestrandeten punischen Pentere -die ersten Schiffe dieser Art. Daß sie diesen Typ nicht von ihren Bundesgenossen, -den Syrakusern, entlehnten, muß politische Gründe gehabt -haben, vielleicht wichen auch die punischen<a name="FNanchor_13_13" id="FNanchor_13_13"></a><a href="#Footnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a> Penteren etwas von den griechischen -ab, und man wollte dem Feinde mit gleichen Waffen entgegentreten.</p> - -<p>Aber unerfahren auf dem neuen Gebiet, war man dem Feinde in der -Führung der Schiffe nicht gewachsen und unterlag der Taktik des seegewandten -Gegners, nämlich der Ausnutzung des Manövrierens zum Riemenzerbrechen<span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span> -und Rammen. Um diese Schwäche auszugleichen, erfanden die Römer die -Enterbrücke (manus genannt, vulg. corvus). Es war dies eine im Bug aufgestellte, -drehbare Fallbrücke, die nach vorn und den Seiten fallen gelassen -werden konnte, mit einem schweren, eisernen Haken in das Deck des sich -nähernden feindlichen Schiffes einschlug und dies festhielt; über die Brücke -hin stürmten die Legionäre. Wenn die Pentere (Quinquereme der Römer) -bis dahin ungefähr dieselbe Besatzung gehabt hatte wie bei den Griechen, -so erhöhten die Römer zu dieser neuen Kampfweise die Zahl der Soldaten -bedeutend, nämlich auf 120 Mann Schwerbewaffnete. Diesem Vorgang wurde -auch dort gefolgt, wo man die Enterbrücke nicht einführte; somit trat -der Enterkampf in den Vordergrund.</p> - -<p>Mit der weiteren Ausbreitung der Weltherrschaft der Römer ist dann -wohl die Entwicklung des Kriegsschiffbaues im ganzen Mittelmeer dieselbe -gewesen. Wie schon (Seite <a href="#Page_12">12</a>) gesagt, bildeten sich die Schiffe im allgemeinen -in der Hinsicht weiter aus, daß Schutz- und Ferntrutzwaffen stetig verstärkt -wurden. Der Fernkampf gewinnt an Bedeutung.</p> - -<p class="small">Der Schutz der Schiffsseiten wurde immer mächtiger, die Schiffe wurden behufs -Überhöhung und Erschwerung des Enterns hochbordiger. Man schützte die Kämpfer -und die Wurfmaschinen durch Brustwehren und Türme, vorn und hinten sowie an den -Seiten auf Deck erbaut. Die Wurfmaschinen wurden vergrößert und vermehrt, neben -Pfeilen und Lanzen gegen Leute sowie Balken und schweren Gewichten zum Durchschlagen -der Schiffsseiten und Decks auch Brandprojektile eingeführt. Zum Heranholen -des feindlichen Schiffes schleuderte man auch Enterdraggen, mit Leinen versehen, -aus den Maschinen (harpax).<a name="FNanchor_14_14" id="FNanchor_14_14"></a><a href="#Footnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a></p> - -<p>Ganz stetig war diese Richtung in ihrer Entwicklung jedoch nicht. Als -die Römer nach dem Falle Karthagos (146 v. Chr.) die Seeherrschaft unbestritten -errungen hatten, vernachlässigten sie die Marine. Bei der durch -Pompejus (67 v. Chr.) zur Ausrottung der Seeräuber neu ausgebauten Flotte -wurde dem Zweck entsprechend wieder mehr auf Schnelligkeit der Schiffe -gegeben; sie waren kleiner.</p> - -<p class="small">Auch Cäsar baute gegen die Veneter in der Bretagne eine besondere Art von -Schiffen. Wenn sie auch kleine Türme hatten, so scheinen sie doch ähnlich den alten -Pentekontoren gewesen zu sein; niedrig über Wasser, die Schiffe der Veneter überhöhten -sie. Sie können nur klein gewesen sein, denn bei der Landung in Britannien -liefen sie auf den Strand, um mit ihren Wurfmaschinen die Ausschiffung zu decken.</p> - -<p>Gegen diese Flotte, die später der pompejanischen Partei diente, baute -Oktavian sehr schwere Schiffe, solche, wie sie vorhin in ihrer höchsten Vollendung -geschildert sind; diese wurden dann auch im Osten der Haupttyp. Wahrscheinlich -waren es Penteren, jedoch baute Kleopatra auch wieder Okteren -und Dekeren. Aber schon wenige Jahre später ist Agrippa (der Feldherr -Oktavians) im Besitz ganz anderer Schiffe, der <em class="gesperrt">Liburnen</em>, die er bei einem -Seeräubervolk an der illyrischen Küste kennen gelernt hatte. Es waren leichtere, -kleinere, sehr bewegliche Schiffe — nicht so schnell wie die attische -Triere, aber segel- und seefähiger als diese — mit starker Besatzung und namentlich<span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span> -mit Brandprojektilen ausgerüstet; mit ihnen schlägt Agrippa bei Aktium -(31 v. Chr.) die Kolosse des Antonius.</p> - -<p class="small">Die Liburnen waren nach einigen Ansichten Zwei- höchstens Dreireiher, nach -anderen sogar nur Einreiher mit einem Mann am Riemen. Nach letzterer Annahme -(Admiral Fincati) haben sich aus ihnen schon im Altertum die Ruderboote à zenzile -entwickelt, die wir im Mittelalter bei den italienischen Staaten wiederfinden; bei solchen -wurden bei schräg eingebauten Ruderbänken mehrere Riemen von einer Bank aus -bedient. Serre rekonstruiert danach die Liburnen der späteren Kaiserzeit: Länge 31 m; -Breite 4,4 m; Tiefgang 1,3 m; Deplacement 80 tons; Besatzung 120 Mann; 84 Ruderer -auf 14 Ruderbänken, 42 Riemen an jeder Seite.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p016.jpg" width="600" height="472" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p016" id="fig_p016"></a> -<p class="caption">Kleines römisches Kriegsschiff um etwa 50 v. Chr.</p> -</div> - -<p>Nach Aktium verschwinden die großen Schiffe. Zur römischen Kaiserzeit -bestand die Flotte nur aus Trieren und Liburnen, da der Marine nur noch -Nebenaufgaben zufielen (vgl. Seite <a href="#Page_21">21</a>), besonders die Liburnen waren zur -Ausübung der Seepolizei geeignet; bis zum Untergange des weströmischen -Reiches ist sonst keine wichtige Änderung im Schiffbau zu verzeichnen.</p> - -<p>Erwähnt sei noch, daß bei den Römern der Dienst in der Flotte nie dem -im Heere an Ansehen gleichgestellt war. Die <em class="gesperrt">Mannschaft</em>, seit dem -zweiten Punischen Kriege besondere Seesoldaten, war stets die schlechtest<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span> -besoldete und wenigst geachtete; bis zur späteren Kaiserzeit gab es keine -eigene Laufbahn für die höheren Offizierstellen, erst Claudius hat die Marine -militärisch organisiert.</p> - -<p class="small">Vorstehender kurzer Abriß gibt die Erklärung für den häufigen auffallenden -Wechsel der Schiffstypen bei den Römern. Bis zur Kaiserzeit bauten sie, im allgemeinen -dem Seewesen fremd gegenüberstehend, ihre Flotte immer nur aus, wenn sie -ihrer bedurften, und dann dem augenblicklichen Zwecke entsprechend.</p> - -<p><b>Die Seekriege des Altertums.</b><a name="FNanchor_15_15" id="FNanchor_15_15"></a><a href="#Footnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a> Entsprechend der Lage der Völker am -Mittelmeer zueinander spielte bei ihren Kriegen auch die Kriegführung zur -See eine große Rolle.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Phönizier</em> haben zwar eigentlich als selbständiges Volk militärisch -nie die See beherrscht. Als ihr Handel und ihre Gründung von Niederlassungen -in der Hauptblüte standen, hatten sie keine Nebenbuhler zur See; -im Osten sind sie dann von den Griechen hauptsächlich durch friedlichen -Wettbewerb verdrängt; im Westen nahmen in ähnlicher Weise die eigenen -Pflanzstädte (Karthago) ihre Stelle ein, als das Mutterland infolge innerer -Wirren und äußerer Kriege diese nicht mehr halten konnte. So fallen in die -ältesten Zeiten nur Raubzüge zur See und Völkerbewegungen, die auch zur -See unterstützt wurden.</p> - -<p>Aber mit den assyrisch-babylonisch-ägyptischen Kriegen, deren Kampfobjekt -nicht zum geringsten Teil gerade Phönizien war, indem alle aufblühenden -Staaten des Orients dieses reiche und seemächtige Land in ihre Gewalt zu -bekommen und sich mit ihm und den sonstigen kleinasiatischen Küstenländern, -Karien und Ionien, selbst eine Seemacht zu gründen strebten, beginnt die -regelrechte Kriegführung zur See. Jetzt beginnt die Entwicklung des -Seekriegswesens. Flotten beteiligen sich in den genannten Kriegen an den -Heereszügen längs der Küste besonders zur Eroberung von Küstenstädten -und Inseln und spielen auch gleichzeitig eine Rolle in den Fehden der griechischen -Staaten und Kolonien. Hier sei nur auf die wichtigsten Kriege und -Schlachten hingewiesen.</p> - -<p>Bei den Ereignissen, die uns genauer überliefert sind, treten Seestreitkräfte -zum ersten Male mit besonderer Wichtigkeit hervor, als die Flotte der -ionischen Städte der gescheiterten Expedition des <em class="gesperrt">Darius gegen die -Skythen</em> (513 v. Chr.) den Rückzug über die untere Donau sichert; als -die erste, in ihren Einzelheiten bekannte Seeschlacht gilt die Schlacht bei der -Insel <em class="gesperrt">Lade</em> (vor Milet, 494 v. Chr.), in der die phönizische Flotte im Dienst -der Perser die der ionischen Städte schlägt. Durch sie wird die völlige Unterwerfung -der Städte nach ihrem Aufstande gegen die persische Oberherrschaft<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span> -besiegelt. Diese Schlacht ist noch insofern bemerkenswert, als hier zum -ersten Male von der damals üblichen Kampfweise und Taktik berichtet -sowie hervorgehoben wird, daß ein genialer Führer es versucht, die schwächere -ionische Flotte durch Übungen dem überlegenen Feinde gewachsen zu machen.</p> - -<p>Bekannt ist die Mitwirkung und Wichtigkeit der Flotten in den <em class="gesperrt">Perserkriegen</em>. -Wenn der erste Zug der Perser unter <em class="gesperrt">Mardonius</em> (493 v. Chr.) -an den Grenzen Griechenlands zum Stillstande kam, so hat der Verlust eines -großen Teils der Flotte durch höhere Gewalt nicht wenig dazu beigetragen; -das Landheer war in hohem Maße auf die Unterstützung der Flotte angewiesen, -auch besonders was Zufuhren anbetraf. Der zweite Zug des Darius unter -<em class="gesperrt">Datis</em> und <em class="gesperrt">Artaphernes</em> (490 v. Chr.) war ganz auf die Flotte gegründet. -Daß es den Persern gelang, völlig unbehindert bis Euböa zu kommen und dort -zu landen, ist nur der Uneinigkeit der Griechen, ihrer Schwäche zur See und -vielleicht noch mehr ihrem Mangel an Vertrauen auf ihre schwachen Seestreitkräfte -gegenüber dem übermächtigen Feinde zuzuschreiben; dieser -teilweise Erfolg der Perser gab aber den Anlaß zur Verstärkung und Vervollkommnung -der griechischen Flotten namentlich in Athen.</p> - -<p>Der große Heereszug des <em class="gesperrt">Xerxes</em> (480 v. Chr.), zwar für den Marsch -des Landheeres durch Anlage fester Stützpunkte und Verpflegungsstationen -gut vorbereitet, war wieder auf die Mitwirkung einer großen Flotte aufgebaut, -indem diese die rückwärtigen Verbindungen aufrecht erhalten und -die Offensive unterstützen sollte. Bei energischerer und richtigerer Verwendung -der Flotte hätte der Kriegszug wohl einen günstigeren Verlauf -genommen. Mit ganzer Kraft hatten die Perser schon bei Artemisium die -Vernichtung der griechischen Flotte anstreben und später durch Einmarsch -in den Peloponnes die Griechen aus der günstigen Stellung bei Salamis -herausziehen und zur Schlacht im offenen Wasser zwingen müssen. Die -Gefechte bei <em class="gesperrt">Artemisium</em> und die Schlacht bei <em class="gesperrt">Salamis</em>, jene -die Feuertaufe der griechischen Flotten, diese die den Krieg entscheidende -Schlacht, sind außerdem von hoher Bedeutung, da sie die Überlegenheit -schnellerer und beweglicherer Schiffe und den Wert genialer Führer durch Wahl -geeigneter taktischer Formationen und günstiger Aufstellung einem sonst -überlegenen Feinde gegenüber zeigen.</p> - -<p>Die weiteren Perserkriege (479 bis 449 v. Chr.), in denen die Griechen -angriffsweise vorgehen und ihre Stammesgenossen auf den Inseln und an den -Gestaden Asiens von der Oberhoheit Persiens befreien, wurden naturgemäß -auf See und über See geführt. In diesen und den sie unterbrechenden Fehden -der griechischen Staaten untereinander gewann <em class="gesperrt">Athen</em> als Vorort des Seebundes -der meisten Küsten- und Inselstädte des Ägäischen Meeres die Hegemonie -zur See in Griechenland und überhaupt eine außerordentliche Macht -im Verhältnis zu der Größe des Landes. Die Entwicklung Athens in dieser -Hinsicht ist sehr lehrreich. Der Schöpfer der athenischen Flotte, der weitsehende -<em class="gesperrt">Themistokles</em>, hatte trotz der Erfolge der Perser unter Datis -und Artaphernes schwer zu kämpfen, seine Pläne zu verwirklichen, da sonst<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span> -einsichtige Männer das Heil des Landes nur in den Lanzen der Hopliten -sahen, die bis dahin und so auch bei Marathon alles entschieden hatten; auch -war es anfangs schwer, das Volk zu einer Weltpolitik zu begeistern. Als -Athen sich nachher überall Stützpunkte für maritime Unternehmungen und -für den Handel errungen hatte, war sein Einfluß auf die Politik aller Staaten -des Ostmittelmeeres ein ungeheuerer; wir haben für alle diese Verhältnisse -Analogien in der Jetztzeit.</p> - -<p>Von höchster Bedeutung für die Seekriegsgeschichte ist aber die größte -innere Fehde der Griechen, der Kampf Athens und Spartas um die Hegemonie, -in den die gesamte griechische Welt verwickelt war, der <em class="gesperrt">Peloponnesische -Krieg</em> (431 bis 404 v. Chr.). In diesem Kriege fällt die Entscheidung in -erster Linie dem Seekriege zu, man kann wohl sagen, daß in ihm Seekriegswesen -und Seekriegführung ihren höchsten Stand im Altertum erreichen. -Mit Hilfe der Flotten, großer Expeditionen (z. B. Athens Unternehmung -gegen Syrakus 415 bis 413 v. Chr.) wird der Krieg auf verschiedenen weit -auseinanderliegenden Kriegstheatern geführt; viele Gefechte zeigen den Wert -einer ausgebildeten Taktik der Flotten und der Güte und Schulung des Einzelschiffs. -(Das Schiff selbst ist Hauptwaffe.)</p> - -<p>In den weiteren inneren und äußeren Kriegen der Griechen während -des 4. Jahrh. und der makedonischen Zeit bis zur Herrschaft der Römer -über die griechische Welt wird die erreichte Höhe nicht gehalten, wenn auch -die Flotten immer eine wichtige Rolle spielen und einzelne größere Unternehmungen -vorkommen.</p> - -<p>Im <em class="gesperrt">Westmittelmeer</em> beginnen die Seekriege für genaue Betrachtung -gerade zu der Zeit wertvoll zu werden, zu welcher sie im Ostmittelmeer -hierfür an Interesse verlieren, etwa von 400 v. Chr. an.</p> - -<p>Zwar wird die <em class="gesperrt">karthagische Flotte</em> von der Zeit an, in der -Karthago im Westen an die Stelle des Mutterlandes trat und die phönizischen -Kolonien zusammenfaßte (etwa 600 v. Chr.), schon eine Rolle gespielt haben -zur Erringung und Erhaltung der Handelsherrschaft, zur Bekämpfung -griechischer Pflanzstädte im Westen und vor allem in den Kämpfen gegen das -Vordringen der Griechen auf Sicilien; aber genauere Aufzeichnungen über -Stärke und Verwendung der karthagischen Flotten finden wir erst für die -Kämpfe mit Syrakus (480, 405, 310 v. Chr.) und mit dem, von dieser Stadt -zur Hilfe gerufenen König Pyrrhus von Epirus (278 v. Chr.). (Aus den Kriegen -mit Syrakus um 400 v. Chr. stammen die Penteren in der punischen Flotte.)</p> - -<p>Beim Zusammenstoß der Karthager mit den Römern tritt die bemerkenswerte -Erscheinung auf, daß eine Landmacht, eigentlich dem Seewesen abgeneigt, -gezwungen wird, zur Seemacht zu werden. Als <em class="gesperrt">Rom</em> eine gebietende -Macht in Italien geworden war, mußte es in Nebenbuhlerschaft mit der herrschenden -Seemacht des Westens treten; wenn man die Karthager nicht in -Sicilien angriff, mußte man gewärtig sein, sich ihrer in Italien zu erwehren, -jedenfalls aber seine Interessensphäre in jeder Hinsicht auf Italien beschränkt -zu sehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span></p> - -<p>Rom schafft sich eine Flotte, und schon der <em class="gesperrt">erste Punische Krieg</em> -(264 bis 241 v. Chr.) wird der Hauptsache nach zur See entschieden; in ihm -brechen die Römer, wenn auch mit ungeheuren Verlusten infolge ihrer seemännischen -und militärisch-seemännischen Ungeübtheit, eigentlich schon die -Seemacht Karthagos und eröffnen sich damit den Eintritt in die damalige -Welt.</p> - -<p>Auch hier kostete es der Partei, die den weitersehenden Standpunkt -vertrat, große Mühe, durchzudringen und eine zur Ausführung ihrer Pläne -nötige Flotte zu beschaffen; eine am Alten hängende Partei warnte nachdrücklich -vor dem Hinaustreten in nicht ganz klar und nahe vor ihr liegende -Verhältnisse. Ja, als die Flotte geschaffen war, aber nach anfangs großen -militärischen Erfolgen bei der Unerfahrenheit auf dem neuen Gebiet ungeheure -Verluste, besonders durch höhere Gewalt, erlitten hatte, wurde ihre -Unterhaltung sogar wieder aufgegeben; sechs Jahre ungünstigster Kriegführung -waren die Folge, bis eine Anzahl reicher Privatleute aus eigenen -Mitteln eine Flotte baute, die die Entscheidung brachte und den ersten -Grund zur Beherrschung des Mittelmeeres durch Rom legte.</p> - -<p>Im ersten Punischen Kriege werden große Seeschlachten mit wechselndem -Erfolge geschlagen, darunter <em class="gesperrt">Eknomos</em>, die größte Schlacht des Altertums -nach Salamis, zugunsten der Römer infolge der Einführung einer -neuen Kampfweise: des Enterkampfes mittels der Enterbrücke an Stelle des -Kampfes mit dem Sporn als Hauptwaffe.</p> - -<p>In den späteren Punischen Kriegen, in den makedonischen und den -sonst zur Erringung der Weltherrschaft von den Römern geführten Kriegen -werden Seeschlachten von solcher Bedeutung wie im ersten Punischen Kriege -nicht geschlagen, da so starke Gegner zur See nicht wieder gegenüberstanden; -immerhin waren diese Unternehmungen solche über See zum Teil mit -Landungen in größtem Maßstabe und erforderten die Beihilfe einer starken -Flotte.</p> - -<p class="small">Der <em class="gesperrt">zweite Punische Krieg</em> gibt aber auch ein Beispiel für die strategische -Wichtigkeit der Herrschaft über die See. Captain Mahan führt in seinem Werke „Der -Einfluß der Seemacht auf die Geschichte“ (S. IV und 14 ff.) eingehend und sehr einleuchtend -aus, welche Rolle jene in genanntem Kriege gespielt hat. Er beweist, daß die -römische Flotte die Meere nördlich einer Linie beherrscht hat, die man von Tarragona -in Spanien nach Lilibaeum auf Sicilien, von da um die Nordseite der Insel herum bis -Syrakus und endlich bis Brindisi ziehen kann. Er schließt dann, daß möglicherweise -Hannibal dadurch gezwungen worden sei, seinen verlustreichen Zug durch Gallien und -über die Alpen zu machen, daß jedenfalls die Römer infolge dieser Seeherrschaft imstande -waren, den Krieg mit wichtigem Erfolge nach Spanien zu tragen, während es Karthago -nur gelegentlich glückte, Hannibal in Italien kleinere Verstärkungen über See zuzuführen.</p> - -<p>Zum zweiten Male aber tritt die Kriegführung zur See wieder besonders -hervor zur Zeit der <em class="gesperrt">inneren Bürgerkriege</em> unmittelbar vor der -Schaffung des Kaiserreiches. Nach der Zerstörung Karthagos (146 v. Chr.) -war die Flotte vernachlässigt, und ein Seeräuberunwesen herrschte im ganzen -Mittelmeer. Es war im 3. Jahrh. an der Küste Ciliciens aufgetaucht und<span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span> -erstreckte sich anfangs auf das Ostmittelmeer, dehnte sich aber dann, besonders -nach dem Niederwerfen der anderen Seemächte im Westen wie im -Osten durch die Römer, noch auf das Westmittelmeer aus. Die Seeräuber -hatten große Flotten, Heere, Städte, Arsenale und legten schließlich den -ganzen Seehandel lahm. Im Jahre 87/86 v. Chr. schritten die Römer zum -ersten Male gegen sie ein, erzielten jedoch trotz großer Opfer nur Teilerfolge. -Als aber sogar der Stadt Rom die nötigen Zufuhren abgeschnitten wurden, -reorganisierte <em class="gesperrt">Pompejus</em> die Flotte (leichte Schiffe) und säuberte in kurzer -Zeit (67 v. Chr.) durch eine sehr geschickte Verwendung seiner, wenn auch -noch immer an Zahl den Seeräuberschiffen nicht gleichkommenden, Seestreitkräfte -das ganze Mittelmeer. Auf diese Flotte stützte sich später die -pompejanische Partei in den Kämpfen gegen Caesar, und <em class="gesperrt">Sextus -Pompejus</em> gründete mit ihr eine Seemacht von Sicilien aus gegen -Oktavian.</p> - -<p>Diese Macht wird durch <em class="gesperrt">Agrippa</em>, den auch zur See tüchtigen Feldherrn -Oktavians, in der Schlacht bei <em class="gesperrt">Mylae</em> (Naulochus 36 v. Chr.) vernichtet, -und derselbe Führer bringt durch den Sieg bei <em class="gesperrt">Aktium</em> (31 v. Chr.) über -<em class="gesperrt">Antonius</em> und <em class="gesperrt">Kleopatra</em> die Bürgerkriege zum Abschluß. Lehrreich -ist, daß Agrippa bei diesen beiden Vorgängen ganz verschiedene Schiffstypen -benutzte (vergl. S. <a href="#Page_15">15</a>). Der Entwicklung des Schiffbaus entsprechend -hat nach dem ersten Punischen Kriege nach und nach der Fernkampf mit -Wurfmaschinen an Bedeutung gewonnen und tritt in diesen letzten Schlachten -sogar in den Vordergrund.</p> - -<p>Während der <em class="gesperrt">Kaiserzeit</em> wurden zwar stehende und jetzt in jeder -Hinsicht wohl organisierte Flotten unterhalten, aber ihre Verwendung war nur -untergeordneter Natur; von zwei Hauptstationen aus, Neapel und Ravenna, -üben Geschwader und Flottillen in allen Meeren und Flüssen die Seepolizei -aus, sichern den Handel durch Konvoiieren und unterstützen die Heere durch -Transporte und Verbindungen. Infolgedessen fehlt von dieser Zeit an eine -weitere Entwicklung des Schiffbaus und der Kampfweise.</p> - -<p><b>Kampfweise und Taktik.</b> Die ursprünglichste Kampfweise war wohl der -Kampf der starken Besatzungen mit Bogen, Speer und Schwert Bord an -Bord, die Ruderer beteiligten sich nach dem Zusammenstoß am Kampf, -wie dies auch später beim wiedereingeführten Enterkampfe teilweise gebräuchlich -war; die Schiffe bildeten also nur den Kampfplatz. Schon frühzeitig -wurde aber auch versucht, gelegentlich zu rammen, die Buge der Fahrzeuge -waren stets zum Schutz beim Aufschleppen verstärkt gebaut bezw. auch mit -Metall beschlagen; bald trat der Sporn hinzu. Diese Kampfweise mit dem -Sporn bildeten die Griechen aus; schon bei Artemisium wird die Aufstellung -mit besonderer Rücksicht darauf genommen, mit dem Sporn anzugreifen, -denn schon um die Zeit der Perserkriege waren die neuen griechischen Schiffe -den kleinasiatischen und phönizischen Schiffen an Manövrierfähigkeit überlegen. -Im Peloponnesischen Kriege steht das Schiff selbst, die ganz auf -Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit gebaute Triere, als Hauptwaffe da;<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span> -man strebt zunächst nur dahin, das feindliche Schiff zu rammen oder ihm -die Riemen zu zerbrechen und das dann unbewegliche mit dem Sporn zu -vernichten; die Zahl der Kämpfer an Bord ist bedeutend geringer geworden. -Bug und Heck sind offensiv und defensiv wesentlich stärker als die Seiten; -sie sind stärker gebaut und hier ist der Platz für die Kämpfer, am Bug auch -noch der Sporn. Die Seiten sind schwächer gehalten, um ein leichtes Schiff -zu haben, an ihnen liegt der leicht verletzliche Motor; der Angegriffene versucht -deshalb, den Stoß durch Ausweichen oder Entgegendrehen des eigenen -Buges zu parieren. Die Kampfrichtung liegt also in der Kielrichtung. Gerammte -Schiffe sanken oder fielen den Siegern in die Hände, da sie ohne Riemen und voll -Wasser oder genötigt, auf den Strand zu laufen, leicht genommen werden konnten.</p> - -<p>Mit der Verstärkung der Seiten, mit der Vergrößerung der Schiffe, mit -der Aufstellung von Wurfgeschützen nimmt die Wirkung des Spornes ab; -die Schiffe werden widerstandsfähiger gegen ihn und ungeeigneter zu seiner -Verwendung. Im Westmittelmeer trat noch ein anderer Umstand hinzu, -der in derselben Hinsicht wirkte. Die geübten karthagischen Seeleute gebrauchten -den Sporn mit großem Erfolge, wenn auch ihre Schiffe wohl nicht -von der Güte der attischen Trieren waren. Die seemännisch unerfahrenen -Römer erfanden dagegen die Enterbrücke; wenn das feindliche Schiff zum -Stoß herankam, fiel sie, hielt den Feind fest, Pilum und Schwert der Legionäre -entschieden. Die Römer verpflanzten die Landkampfweise auf die Schiffe; -die kämpfende Besatzung wurde naturgemäß nun auf beiden Seiten wieder -wesentlich vermehrt.</p> - -<p>Auch hier im Westen wurden die Schiffe mächtiger; Wurfgeschütze aller -Art, auch auf weitere Entfernungen leistungsfähig, wurden eingeführt, die -Vorrichtungen zur Ermöglichung des Enterkampfes vermehrt. (Enterhaken -zum Festhalten, Wurfenterdraggen zum Heranholen des Feindes.) Gleiche -Schiffe dieser Art fochten also auf weitere Entfernung mit Fernwaffen und -versuchten die Entscheidung dann durch Entern herbeizuführen, vom Sporn -nur mehr gelegentlich Gebrauch machend.</p> - -<p>Mit solchen Schiffen besiegt Agrippa bei <em class="gesperrt">Naulochus</em> die kleineren -Schiffe des S. Pompejus; seine Schiffe sind defensiv stärker, mit Gürtelpanzer, -hohem Bord und hohen Türmen, sie eröffnen das Gefecht mit Wurfgeschossen -auf weitere Entfernungen, holen die feindlichen Schiffe heran und entern sie. -Derselbe Führer erringt aber wenige Jahre später bei Aktium mit einem ganz -anderen Typ den Sieg. Hier hat Antonius in seiner ägyptischen Flotte die -schweren Schiffe und Agrippa in den Liburnen leichte, manövrierfähige und -schnelle Fahrzeuge, allerdings auch stark bemannt. Diese, an Zahl überlegen, -umschwärmen die schwerfälligen Kolosse, zerbrechen ihre Riemen und bekämpfen -sie mit Wurfgeschossen, besonders Brandprojektilen. Zum Entern -kam es weniger, da die großen Schiffe zu hochbordig waren, auch weniger zum -Rammen, weil sie zu schwerfällig dazu waren und die Liburnen nicht schwer -genug, um einen Erfolg gegen die massiven Kolosse zu versprechen. In -beiden Schlachten haben wohl die Fähigkeit des Führers, die Güte und Schulung<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span> -der Besatzungen das meiste zum Siege beigetragen, aber man muß doch annehmen, -daß der einsichtige <em class="gesperrt">Agrippa</em> den Vorteil von wieder zur Offensive -geeigneten Schiffen erkannt hatte.</p> - -<p>So haben wir von den Trieren bis zu den Liburnen gewissermaßen einen -Kreislauf; die Triere führte den offensiven Nahkampf, dann folgen Schiffe -mit zunehmend defensivem Charakter, die Liburne ist für den offensiven -Fernkampf, Sporn und Entern gelegentlich benutzend. Stets aber blieben -Bug und Heck defensiv und offensiv stärker, die Seiten schwächer, hauptsächlich -wegen der Lage des Motors hier, und dementsprechend mußte der -Taktik des Einzelschiffes und der Verbände von Schiffen der Hauptsache nach -stets der Kampf in der Kielrichtung zu Grunde liegen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Gefechtsformation der Schiffsverbände</em> war -deshalb bei den Ruderschiffen des Altertums grundsätzlich eine breite, die -„Dwarslinie“ oder mehrere solcher hintereinander, in der alle Schiffe dem -Feinde den Bug zukehrten und sich gegenseitig die Seiten deckten. Tiefe -Aufstellungen würden ein Umfassen seitens des Feindes leichter möglich gemacht -und mehr schwache Schiffsseiten dem Angriff ausgesetzt haben. Bei -numerischer Überzahl wurden häufig die Flügel vorgezogen, um den Feind -zu umfassen (die Sichelformation <img src="images/symbol_p023_1.jpg" width="25" height="17" alt="symbol" />); der Schwächere versuchte sich dadurch -zu schützen, daß er die Flügel zurückzog (die Halbmond- oder Kreisformation -<img src="images/symbol_p023_2.jpg" width="25" height="22" alt="symbol" />, welche die Deckung des einzelnen Schiffes durch seinen Hintermann -erleichtert). Die Taktik bestand im übrigen darin, daß die Flotte -auf Signal zugleich angriff, die feindliche Linie durchbrach, zurückwendete -und wieder durchbrach; die Schiffe benutzten beim Passieren jede Gelegenheit -zum Rammen, Riemenzerbrechen und in späteren Zeiten zum -Bekämpfen mit Wurfgeschossen. Diese Kampfart mußte stets bald -zur Mêlée führen, d. h. zu Einzel- oder Gruppenkämpfen mit allen Kampfweisen, -bei denen jede Gefechtsleitung aufhörte. Zum Marsch wurden -eine oder mehrere Kolonnen in Kiellinie formiert, da man aus dieser Aufstellung -durch Wendung um 90° sofort die breite Gefechtsformation herstellen -konnte.</p> - -<p>An dieser Taktik ist im allgemeinen während des Altertums (und auch -noch im Mittelalter) starr festgehalten, doch wichen auch geniale Führer -davon ab in dem Bestreben, eigene Schwächen (Minderzahl, Deckung von -Transportern u. s. w.) aufzuheben, eigene Stärken zur Geltung zu bringen -(gute Schulung ihrer Schiffe), oder um das Gefecht möglichst lange nach bestimmtem -Plane durchzuführen, indem sie ihre Kräfte länger in der Hand -behielten oder einzelnen Unterverbänden besondere Aufgaben zuteilten. -Solche Ausnahmen finden wir in den Gefechten bei <em class="gesperrt">Artemisium</em> -(480 v. Chr.), in den Gefechten bei <em class="gesperrt">Rhium</em> (429 v. Chr.), in der Schlacht bei -<em class="gesperrt">Eknomos</em> (256 v. Chr.). Bemerkenswert, aber nicht zu verwundern, ist, -daß Befehlshaber der Völker, die weniger seetüchtig und mehr Landkrieger -sind, häufig defensiv stärkere Formationen einnehmen; aus Mangel an seemännischer<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span> -Erfahrung solche, bei denen sie eine Hauptkraft aller Seestreitkräfte -— die Bewegung — aus der Hand geben, oder solche, die sich infolge -von Wind- oder Seegangseinflüssen nicht halten lassen; sie übertragen die -Gefechtsweise des Landkrieges — damals auch vorzugsweise defensiven -Charakters — auf die Seeschlacht. Zuweilen geschieht dies mit Erfolg (z. B. -der Spartaner <em class="gesperrt">Eurybiades</em> bei Artemisium), meist zum Nachteil (z. B. der -Spartaner <em class="gesperrt">Brasidas</em> im ersten Gefecht bei Rhium; die Römer bei Eknomos).</p> - -<p>Die Schiffe des Altertums waren als Ruderschiffe nicht imstande, -Proviant und Wasser etc. in genügender Menge an Bord zu nehmen, die Einrichtung -zum Rudern und die große Zahl der Ruderer beanspruchten im Verhältnis -zur Größe des Fahrzeuges zu viel Platz. Sie konnten deshalb größere -Expeditionen nicht ohne Transporter oder Anlaufen von Ausrüstungspunkten -ausführen, mußten überhaupt öfters ankern oder anlegen schon zur Erholung -der Besatzungen namentlich der Ruderer; deshalb sind die meisten Seeschlachten -in der Nähe der Küsten geschlagen.</p> - -<p>Auch dieser Umstand wird von befähigten Führern verschieden verwertet. -Bei Salamis wählt <em class="gesperrt">Themistokles</em> das enge Gewässer zur Schlacht, um -die Kenntnis der Örtlichkeiten, der Strömungen, der Windverhältnisse auszunutzen -und um den übermächtigen Feind an der Entfaltung seiner Kräfte -zu hindern, obgleich er die beweglicheren und besser geschulten Schiffe hat. -In beiden Gefechten bei Rhium sucht <em class="gesperrt">Phormio</em> den Kampf im freien -Wasser herbeizuführen, um die Tüchtigkeit seiner Schiffe zu verwerten, -obgleich er weit in der Minderzahl ist. Er erläßt folgenden Befehl an seine -Kommandanten, um seine Kräfte in der Hand zu behalten: „Weil ich an -Zahl stärkere, aber wenig geübte Gegner habe, werde ich nicht in engen Gewässern -fechten, in welchen ich nicht manövrieren kann. Dort kommt es -bald zum ungeordneten Kampf und die Überzahl siegt. Ich fechte im freien -Wasser; an euch ist es, euere Plätze zu halten und auf Befehle zu achten. -Ordnung und Ruhe ist stets die Losung im Kriege, ganz besonders in der -Seeschlacht.“ Im zweiten Gefecht bei Rhium erringt sein Gegner <em class="gesperrt">Brasidas</em> -anfangs Erfolge dadurch, daß er durch Manövrieren einen Teil der athenischen -Schiffe auf den nahen Strand drängt. <em class="gesperrt">Agrippa</em> lockt bei Aktium den Feind -aus der durch Land geschützten Stellung, um die größere Zahl und größere -Beweglichkeit seiner kleineren Schiffe auszunutzen.</p> - -<p>Die Transporter folgten den Kriegsschiffen, wenn angängig, unter Segel, -bei ungünstigem Winde griffen sie zu den Riemen; da sie damit aber weit -langsamer waren, mußten sie oft von den Kriegsschiffen in Schlepp genommen -werden. Sie waren also eine große Last für die Flotte, ihre Begleitung und die -Notwendigkeit, sie zu schützen, hat oft die betreffende Flotte beim Angriff -des Feindes in ungünstige Lage gebracht; hiermit zusammenhängend sei noch -darauf hingewiesen, daß sich schon im Altertum mehrfach zeigt, wie schwierig -es ist, größere Expeditionen über See zu unternehmen, solange aktionsfähige -feindliche Streitkräfte, wenn auch sonst schwächer als die eigenen, auf dem -Meere vorhanden sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span></p> - -<p class="small">Die Seekriegsgeschichte des Altertums birgt wertvolles Material für ein eingehenderes -Studium. Auch bieten die Verhältnisse in ihr manche Vergleichspunkte mit -denen der Dampfschiffszeit. Die Führer der Ruderschiffe und -Flotten waren weit -mehr Herr über die Bewegungen ihrer Streitkräfte auf dem Marsch und im Gefecht, -als zur Zeit der Segelschiffahrt, da sie wie bei den Dampfschiffen unabhängiger vom -Winde waren. Anderseits waren die Ruderschiffe abhängig von Transportern, Stützpunkten -und Ausrüstungsstellen zur Auffüllung von Proviant, Wasser und zur Erholung -der Besatzungen, wie es jetzt die Dampfschiffe zur Ergänzung von Kohlen und Maschinenmaterial -sind; die Segelschiffe späterer Zeiten konnten weit leichter für längere -Dauer mit allen Vorräten versehen werden und unabhängig von Transportern und -Stützpunkten ihre Aufgaben durchführen.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5_5" id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Hauptquelle: Breusing, Nautik.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_6_6" id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Lee (leewärts): die Seite, wohin der Wind bläst, im Gegensatz von Luv (zu Luward), -woher der Wind kommt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_7_7" id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">[7]</span></a> Hauptquellen: Breusing, Nautik; Movers.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_8_8" id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Die sogenannten „lateinischen“ Segel des Mittelmeeres stammen erst aus dem -Mittelalter.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_9_9" id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Andere Forscher nehmen an: 25 Ruderbänke und nur 1 Mann am Riemen; -die Fahrzeuge müßten dann wohl länger gewesen sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_10_10" id="Footnote_10_10"></a><a href="#FNanchor_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Der kleinere vordere Mast blieb stehen, um von ihm schwere Gewichte (Delphine) -auf das Deck des Feindes fallen zu lassen, auch diente sein leicht zu setzendes -Segel zur Unterstützung der Ruderer besonders bei der Verfolgung oder der -Flucht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_11_11" id="Footnote_11_11"></a><a href="#FNanchor_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Hauptquellen: Breusing, Trierenrätsel; Serre mit dem Auszuge Fincatis, -der annimmt, daß die Vielreiher des Altertums vielleicht die gleiche Rudereinrichtung -gehabt haben wie die späteren Galeren à zenzile (vgl. Mittelalter Seite <a href="#Page_32">32</a>); Arenhold, -der sich Breusing anschließt; L. Müller; du Sein, Teil 1, Kapitel 1. Die beiden letztgenannten -Verfasser geben eine Zusammenstellung der verschiedenen sonstigen Annahmen -über die Rudereinrichtung der Trieren sowie vieler Quellen darüber. Die vielen verschiedenen -Ansichten zeigen, wie wenig wir von den Schiffen des Altertums wissen; -vollständige Beschreibungen sind nicht überliefert, und den künstlerischen Darstellungen -ist nicht unbedingt zu trauen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_12_12" id="Footnote_12_12"></a><a href="#FNanchor_12_12"><span class="label">[12]</span></a> Die Angaben über Karthager nach Meltzer; im übrigen die auf S. <a href="#Page_12">12</a> angegebenen -Quellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_13_13" id="Footnote_13_13"></a><a href="#FNanchor_13_13"><span class="label">[13]</span></a> Serre nimmt die punische Quinquereme zur Zeit des ersten Punischen Krieges -als einen rein karthagischen Typ an: zu 50 tons, 70 Mann, 40 Ruderern, also Fahrzeuge -von sehr geringen Abmessungen. Es widerspricht dies allen anderen Angaben. Außerdem -sagen die Verfasser von Spezialgeschichtswerken unabhängig voneinander, daß die -Pentere von Syrakus nach Griechenland und von Syrakus nach Karthago zur Vergrößerung -des bis dahin dort üblichen Schiffstyps gekommen sei, was doch auf gleiche -Penteren und auf gleiche vorherige kleinere Schiffe im Ost- und Westmittelmeer -schließen läßt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_14_14" id="Footnote_14_14"></a><a href="#FNanchor_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Draggen, ein kleiner Anker mit 3 oder 4 Armen zum Greifen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_15_15" id="Footnote_15_15"></a><a href="#FNanchor_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Es ist eine reiche Literatur über die Seekriege im Altertum vorhanden vom -Vater der Geschichte Herodot (Perserkrieg) an über Tukydides (Peloponnesischer Krieg) -bis in die neueste Zeit. Von neueren Schriftstellern seien hervorgehoben: Jurien de la -Gravière mit verschiedenen Werken (vgl. Quellenverzeichnis), und du Sein, die eine -reiche Quellenangabe der klassischen Autoren enthalten; v. Henk gibt die Beschreibung -der Hauptereignisse. Über Karthago auch Meltzer.</p></div></div> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p025.jpg" width="150" height="59" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p026.jpg" width="600" height="125" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zweites Kapitel.</span><br /> -Das Seewesen im Mittelalter.</h3> - -<p><b>Ausdehnung der Schiffahrt.</b><a name="FNanchor_16_16" id="FNanchor_16_16"></a><a href="#Footnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> Das im Altertum zu hoher Blüte entwickelte -Seewesen wurde durch die Völkerwanderung größtenteils vernichtet. -Die weströmische Kriegsflotte war verschwunden, die germanischen Staaten -in Italien, Spanien und Afrika haben wohl Flotten besessen, doch sind sie bei -der kurzen Lebensdauer der Reiche kaum zu hohem Stande gelangt, wenigstens -wissen wir nicht viel davon. Schiffbau und Nautik waren im Westen verlernt; -wenn diese Wissenschaften sich auch bei den Byzantinern erhalten hatten, -so wachte man hier eifersüchtig darüber, sie nicht zu verbreiten, um sich die -Herrschaft über das Meer zu bewahren. Ihre Kriegsflotten spielten weiter -eine Rolle in dem Kampfe gegen die germanischen Staaten und später gegen -mohammedanische Feinde, aber Seekriege von solcher Bedeutung für die -Seekriegsgeschichte, wie sie von der griechischen Zeit bis Aktium geführt -waren, kamen nicht vor, es handelte sich nur um Expeditionen über See und -Abwehr solcher. Auch der Seehandel, der im Altertum alle Länder am Mittelmeer -eng verknüpfte, war wesentlich zurückgegangen. Die Verbindung des -Westens mit dem Osten war nur noch schwach, die Fahrten außerhalb des -Mittelmeeres durch die Straße von Gibraltar hatten ganz aufgehört, der von -den Byzantinern noch länger aufrecht erhaltene Handel nach Indien brach -mit der Besetzung Ägyptens durch die Araber um 640 ab. Die Araber übernahmen -zwar den Seehandel mit Indien bis China und längs der afrikanischen -Ostküste von Ägypten und Persien aus, sie entlehnten manche nautischen -Verbesserungen — so den Gebrauch der Magnetnadel — von China, aber es -hatte dies vorläufig keinen Einfluß auf die Verhältnisse und geographischen -Kenntnisse des Abendlandes.</p> - -<p>Die Schiffahrt im Mittelmeer wurde wieder belebt mit dem Auftreten der -italienischen Handelsstädte: <em class="gesperrt">Amalfi</em>, <em class="gesperrt">Pisa</em>, <em class="gesperrt">Genua</em>, <em class="gesperrt">Venedig</em> -etwa im 9. und 10. Jahrh., sowie durch die Araber in Spanien, als im -10. Jahrh. das <em class="gesperrt">Kalifat von Cordova</em> mächtig dastand, hier trat<span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span> -später dann noch <em class="gesperrt">Aragonien</em> (Barcelona) hinzu. Auch im Norden fing -um diese Zeit das Seewesen an sich zu regen, beginnend mit den Raub- und -Eroberungszügen der Normannen, die um das Jahr 1000 schon in Italien -erscheinen. Vor allem nehmen die italienischen Städte während der Kreuzzüge -die Verbindung mit dem Osten auf, und die Kriegszüge der nordischen -Nationen zum heiligen Lande, auch zur See ausgeführt, bringen den Norden -und das Mittelmeer einander näher, was gewiß durch Austausch der Erfahrungen -dem Seewesen auf beiden Seiten von großem Nutzen wurde; ebenso werden -Nord- und Ostsee, besonders in der Hand der <em class="gesperrt">Hansa</em>, bald Wege für den -Seehandel.</p> - -<p>Aber immer noch blieb die Seefahrt der Hauptsache nach auf die Binnenmeere -beschränkt. Zwar hatten Streifzüge der <em class="gesperrt">Normannen</em> um das -Nordkap geführt, die Faröer, Island und Grönland entdeckt, selbst Amerika -(an der Küste von Massachusetts) berührt; der Atlantische Ozean belebte -sich in Anlehnung an Legenden des Altertums mit phantastischen Inselgebilden; -es mögen auch Fahrten, wie die der Normannen im hohen Norden, -ins Ungewisse nach solchen „ins Dunkelmeer hinein“ unternommen worden sein; -greifbare Ergebnisse mußten jedoch ausbleiben, solange man eines sicheren -Führers im freien Meer entbehrte: war doch selbst der Verkehr am Rande des -Ozeans nur ein gefährliches Tasten die Küsten entlang.</p> - -<p>Erst als die polare Richtkraft des Magneten erkannt war und gegen -das Ende des 13. Jahrh. als Magnetnadel allgemeiner verwendet wurde, -konnte sich der Seemann freier bewegen. <em class="gesperrt">So ist um</em> 1300 <em class="gesperrt">ein wichtiger -Ausgangspunkt für die Entwicklung des Seewesens</em> -zu datieren. Denn nun erwacht allmählich der Verkehr auf dem Ozean, die -Völker des Nordens treten mit denen des Mittelmeeres auf dem Seewege -in engere Verbindung, überall hebt sich der Seehandel, man beginnt neue -Länder zu suchen; alles dieses ist wiederum von großem Einfluß auf die Ausbildung -der Segelschiffahrt.</p> - -<p>Zunächst eröffnen um diese Zeit die italienischen Städte den unmittelbaren -Seeweg nach den Niederlanden, sie berühren dabei Portugal, Frankreich -und England, ihr Beispiel spornt hier zur Nacheiferung an. Die Kanaren, -Madeira und die Azoren werden gefunden, zuerst von verschlagenen Schiffen -durch Zufall entdeckt, dann planmäßig wieder aufgesucht; die italienischen -Städte Genua und Venedig dringen von Konstantinopel aus ins Schwarze Meer -ein; von hier und von Syrien aus ziehen Missions- und Handels-Reisen in das -Innere Asiens. Die berühmteste ist die 25 jährige Handelsreise des Venetianers -<em class="gesperrt">Marco Polo</em> 1271–1295 nach China, Japan und Indien. Sie bringen -die verloren gegangene Kenntnis vom südlichen und östlichen Asien -wieder, so daß man um 1350 den Stand der Kenntnis der Alten Welt, wie er -im Altertum vorhanden gewesen war, wieder erreicht hatte.</p> - -<p>Im weiteren Verlauf des Mittelalters nimmt nun der Seeverkehr in den -bekannten Gewässern zu. In Nord- und Ostsee betreiben vor allem die Hansastädte -mit ihren Kontoren an allen wichtigen Hafenstädten des Auslandes<span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[28]</a></span> -die Seefahrt, aber auch Engländer, Holländer und Dänen befahren schon eifrig -diese Meere. Alle diese Völker liegen in großem Maßstabe der Seefischerei -in den nordischen Gewässern bis nach Island hin ob. Wie die italienischen -Städte zum Norden, so gehen auch die nordischen Nationen nach Portugal -und selbst ins Mittelmeer — 1413 das erste englische Schiff nach Marokko, -1458 nach der Levante —, ihre Schiffe, besonders die Hansen, versorgten -ganz Europa mit getrockneten Fischen und brachten vom Süden die Waren -des Orients heim; schon im 14. Jahrh. sollen in Lissabon 400–500 Schiffe -der verschiedenen Nationen des Nordens und Südens im Jahre verkehrt haben.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p028.jpg" width="300" height="403" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p028" id="fig_p028"></a> -<p class="caption">Prinz Heinrich, der Seefahrer.</p> -</div> - -<p>Der Hauptseehandel mit dem Orient im Mittelmeer lag in den Händen -Genuas über Konstantinopel und Kleinasien und Venedigs über Ägypten und -brachte diesen Städten großen Gewinn, -bis die Eroberung Konstantinopels -1453 und Ägyptens 1517 durch die -Türken den Verkehr mit dem Innern -Asiens und Afrikas sehr erschwerten, -wenn auch Venedig mit seinen Besitzungen -im Ostmittelmeer noch längere -Zeit großen Nutzen aus dem Orienthandel -zog. Indien und Ostafrika -waren durch weitere Missions- und -Handelsreisen bekannter geworden, -letzteres bis Sansibar, vielleicht bis -zu den Komoren hin, wodurch später -die Hoffnung, Afrika umschiffen zu -können, wesentlich bestärkt wurde.</p> - -<p>Denn auch mit der planmäßigen -Aufsuchung neuer reicher Länder -wurde schon im Mittelalter begonnen -und zwar war es Portugal, das den -Drang dazu erweckte. Die ersten -Unternehmungen gingen hier nicht von -Kaufleuten aus, sondern von einem -einzelnen, weitblickenden Manne, dem Infanten Dom Enrique. <em class="gesperrt">Prinz -Heinrich, der Seefahrer</em>, 1394 als fünftes Kind des Königs -João I. geboren, beschäftigte sich eingehend mit mathematischen und -geographischen Studien, er zog alle erreichbaren Nachrichten alter und -neuerer Zeit ein und faßte den Plan, das goldreiche Guinea, das allerdings -nur durch dunkle Gerüchte bekannt war, zu erreichen; politische -und religiöse Erwägungen bestärkten ihn hierin. Er fand zunächst wenig -Beifall. Den Seeleuten schienen die Gefahren an der Nordwestküste Afrikas -zu groß — Portugals Schiffahrt war erst im Entstehen —, die Kaufleute -versprachen sich nichts von Entdeckungen weiter im Süden, da nach den -Überlieferungen des Altertums (Aristoteles, Ptolemäus) angenommen wurde,<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[29]</a></span> -daß der heiße Erdgürtel unbewohnbar sei. Die ersten Fahrten schienen diese -Einwürfe zu bestätigen: Mangel an Häfen, unsichtige Atmosphäre (Dunkelmeer), -trauriges, dürres Aussehen des Landes, je weiter man nach Süden kam. -Man hielt es für unmöglich, das Kap Bojador zu umschiffen.</p> - -<p>Aber der Prinz ließ sich nicht abschrecken; seine Mittel als Großmeister -des Christusordens setzten ihn in den Stand, immer neue Expeditionen auszurüsten, -wenn auch die ersten wenig Erfolg brachten. Seine Ausdauer -wurde belohnt: 1434 wurde Kap Bojador umschifft, 1441 Kap Branco erreicht, -1443 brachte man aus der Bucht von Arguin reiche Produkte und auch Goldstaub -heim. Nun schlug die Stimmung um, und schon 1444 wurde eine Handelsgesellschaft -für Westafrika gegründet. 1445 <em class="gesperrt">erreichte man Kap -Verde</em>, und die tropische Pracht, die man hier vorfand, stieß die alte Theorie -von der Unwirtlichkeit der Tropenländer um, die Entdeckungen wurden nun -eifrig weiter gefördert. Die Tatsache, daß sich die Küste vom genannten -Vorgebirge nach Südosten zieht, scheint nun auch dem Prinzen Heinrich die -Überzeugung gegeben zu haben, daß es möglich sei, auf diesem Wege Indien zu -erreichen; ob ihn dieser Gedanke schon vorher geleitet, ist fraglich. Der -Prinz starb 1460, er hatte seine Mittel völlig erschöpft, aber wahrlich nicht -vergeudet: Portugal war zu einer leitenden Seemacht geworden, und schon -João II. (1481–1495) bezog ansehnliche Einkünfte aus Afrika.</p> - -<p>Päpstliche Bullen von 1441, 1454 und 1481 sprachen alle Entdeckungen -zwischen Kap Bojador und Indien den Portugiesen zu, diese bauten an geeigneten -Stellen Forts und errichteten Steinkreuze als Zeichen ihrer Hoheit, -so 1484 am Kongo und bei Kap Croß; an dieser Reise nahm der deutsche -Kosmograph <em class="gesperrt">Martin Behaim</em> teil, man kam bis zu 22° Süd-Breite. -1486/87 passierte <em class="gesperrt">Bartolomeu Dias</em> mit zwei kleinen Karavellen von -50 tons, von der St. Helenabucht weiter segelnd, <em class="gesperrt">das Kap der Guten -Hoffnung</em>, ohne es zu sichten. In einem Sturm südlich vertrieben, suchte -er bei besserem Wetter die Küste mit Ostkurs wieder zu treffen, da er sie -nicht fand, steuerte er nördlich und erreichte so die Fleshbay. Dann segelte -er östlich weiter, errichtete auf der Insel St. Cruz in der Algoabay den letzten -Wappenpfeiler und gelangte noch bis zum Greatfishfluß. Hier mußte er wegen -Mangel an Proviant und wegen Unzufriedenheit seiner Mannschaft infolge -der schweren Stürme bei Umsegelung des Kaps umkehren, bei der Rückfahrt -sichtete er dieses und taufte es Cabo tormentoso. Aber der König änderte -den Namen in Cabo da boa esperanza, denn der Umstand, daß sich die Küste -vom Greatfishfluß nach Norden zog, gab ihm die feste Überzeugung, daß der Weg -nach Indien — zu den Gold- und Gewürzländern — nun offen stehe; bald -darauf eingehende Berichte von Portugiesen, die im Auftrage des Königs -von Aden aus auf arabischen Schiffen Indien und die Ostküste Afrikas bis -Sofala hin besucht hatten, bestätigten dies.</p> - -<p>„<em class="gesperrt">Indien</em>“ war im Altertum und Mittelalter ein sehr weiter und unbestimmter -Begriff, er umfaßte eigentlich alle Länder am Indischen Ozean -bis nach China hin, die Ostküste Afrikas eingerechnet; der Hauptwunsch aller<span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[30]</a></span> -Entdeckungsfahrten war, die „Gewürzinseln“ zu erreichen. Neuen Anstoß, -auf dem beschrittenen Wege fortzuschreiten, gaben für Portugal die ersten -Entdeckungen Spaniens im Westen, es galt nun, diesem in Indien zuvorzukommen. -Mit den Fahrten der Spanier und den nun weiter folgenden der -Portugiesen treten wir in die eigentliche Epoche der großen Entdeckungen; -die Seefahrt der westlichen Völker Europas verläßt die Küsten und durchquert -die Ozeane, eines der Kennzeichen des nächsten Zeitabschnittes.</p> - -<p><b>Die Nautik.</b> Mit der Vernichtung des Seewesens im Westen des Mittelmeeres -war auch die bisher erreichte Kenntnis der Nautik und ihrer Hilfswissenschaften -verloren gegangen. Die Byzantiner, bei denen sie erhalten -blieb, hielten sie geheim, und die Fortschritte der Araber in dieser Wissenschaft -waren zunächst den Völkern am Mittelmeer noch nicht zugänglich. So stand -die Nautik derjenigen Nationen, die erst mit der Seefahrt begannen, wohl -lange auf der niedrigsten Stufe und entwickelte sich nur langsam aufs neue -wie im Altertum, bis die Völker des Ostens, des Westens und des Nordens -mehr miteinander in Verbindung traten und ihre Erfahrungen austauschten. -Hierzu kam dann bald die Entdeckung der <em class="gesperrt">Richtkraft des Magneten</em>.</p> - -<p class="small">Sicher dürfte sein, daß die Chinesen diese Kraft seit langer Zeit kannten und benutzten, -und daß die Araber von ihnen am Indischen Ozean frühzeitig, vielleicht schon -im 8. Jahrh., den Gebrauch übernahmen. Aber nicht sicher ist, ob diese Kenntnis dem -Abendlande durch die Araber überkommen ist. Denn zum ersten Male wird ihrer in -Frankreich um 1200 Erwähnung getan. Möglich ist also, daß die Entdeckung selbstständig -auch im Westen der Alten Welt gemacht ist, wo um diese Zeit mit der Aufnahme -des Studiums der Schriften des Aristoteles den Naturwissenschaften wieder Aufmerksamkeit -zugewandt wurde. Die Verwendung des Magneten als Nadel mit Windrose -findet sich zuerst Ende des 13. Jahrh. und um die Mitte des 14. ist der Kompaß, zunächst -mit dem holländischen Ausdruck „Bussole“ bezeichnet, auf großen Schiffen -vielfach im Gebrauch. Um diese Zeit scheint <em class="gesperrt">Flavio Gioja</em> aus Amalfi irgend -eine wesentliche Verbesserung, wohl zum praktischen Gebrauch an Bord, eingeführt -zu haben, und deshalb wurde er lange als Erfinder des Kompasses genannt. Daß aber -die Magnetnadel schon vor seiner Zeit benutzt ist, geht aus genauen Karten des Mittelmeeres, -von 1320 überliefert, hervor; sie können nur mit diesem Hilfsmittel in längerer -Zeitdauer aufgenommen sein.</p> - -<p>Der Kompaß war ein großer Gewinn für die Navigation, aber auch in -anderen Hinsichten machte diese große Fortschritte. Das Studium der -Alten, besonders des Ptolemäus (vergl. S. <a href="#Page_6">6</a>) brachte die Erdkunde und die -Astronomie wieder auf den Standpunkt des Altertums und bildete die Grundlage -zur weiteren Entwicklung, auch der Nautik; durch diese Wissenschaften -im Verein mit dem Kompaß wurde die <em class="gesperrt">Kartographie</em> wesentlich -gefördert, besonders zunächst bei den Portugiesen.</p> - -<p>Bereits im 13. Jahrh. war man nach den Schwankungen im früheren -Mittelalter wieder allgemein zur Annahme der Kugelgestalt der Erde zurückgekehrt. -Von den Arabern hatte man den Gebrauch des Astrolabs — zur -Messung von Höhen der Gestirne, schon von Hipparch erfunden — kennen -gelernt; <em class="gesperrt">Regiomontanus</em> verbesserte dieses Instrument und berechnete -Ephemeriden für die Sonnendeklination von 1473–1505, ebenso wurden in<span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[31]</a></span> -Portugal um diese Zeit Hilfstabellen zur Berechnung der Breite nach Polarsternhöhen -und, als die Portugiesen weiter nach dem Süden vordrangen, -auch Deklinationstabellen für südliche Breiten ausgearbeitet. Gute Breitenbestimmungen -am Lande und der Kompaß ermöglichten die Herstellung -immer besserer Seekarten, bei denen wieder die Marinische Projektion (durch -die Portugiesen im 15. Jahrh.) benutzt wurde. Bei diesen „platten Karten“ -wählten die Portugiesen den Äquator als Mittelbreite, da sich ihre Reisen -etwa gerade soweit südlich wie nördlich von ihm erstreckten. Für Spezialkarten -nahm man die entsprechende Mittelbreite als solche, für Karten der -gesamten europäischen Gewässer behielt man nach Marinus den 36. Breitengrad -bei, wohl weil das Verhältnis des Breiten- zum Längengrade, 4:5, am -einfachsten war.</p> - -<p class="small">Die Ausrüstung der Schiffe mit Seekarten wurde mehr und mehr gebräuchlich. -Zuerst erwähnt werden sie bei Mittelmeerschiffen um die Mitte des 12. Jahrh.; in Spanien -sollte um 1359 jedes Kriegsschiff solche besitzen; von 1448 sind uns die älteste englische -Karte von den britischen Inseln bis zu den Kapverden sowie Segelanweisungen -für die Küsten von Schottland bis Gibraltar erhalten.</p> - -<p>Bei Fahrten über die hohe See wurde aber noch länger dem Globus der -Vorzug gegeben wegen der durch die Fehler der platten Karte hervorgerufenen -Gefahren, bis diese durch Einführung der Mercator-Projektion (1537) gehoben -wurden; auch ist erwähnenswert, daß die Hanseaten ihre Fahrten in den -nordischen Gewässern scheinbar nur nach Segelanweisungen und Küstenbeschreibungen -vornahmen. Seit etwa 1480 wurde das Astrolab, zu diesem -Zwecke von <em class="gesperrt">Behaim</em> verbessert, auch an Bord verwendet, und bald darauf -konstruierte derselbe Gelehrte den Jakobsstab (croßstaff; auch schon von -Regiomantanus erfunden) als ein für den Bordgebrauch einfacheres und geeigneteres -Instrument für Höhenmessungen.</p> - -<p>Mit allen diesen Hilfsmitteln wurde die Seefahrt frei von der Küste und -konnte ins Weltmeer hinausgehen. Größere Sicherheit gewann sie allerdings -erst durch Verbesserung der Karten und Instrumente im nächsten Zeitabschnitt; -zeigten doch die Breitenbestimmungen auf See immer noch unvermeidliche -Fehler bis zu 3 Graden.</p> - -<p><b>Die Schiffe.</b><a name="FNanchor_17_17" id="FNanchor_17_17"></a><a href="#Footnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a> Der Mangel an zuverlässigen Überlieferungen läßt uns die -Entwicklung des Schiffbaues, besonders der Segelschiffe, erst etwa vom -Jahre 1000 an verfolgen, genauere Angaben erst von weit späterer Zeit machen; -erschwert wird die Aufgabe dadurch, daß bei den verschiedenen Völkern -und zu verschiedenen Zeiten die Namen für ähnliche Schiffstypen verschieden -sind oder umgekehrt die gleiche Bezeichnung für verschiedene Typen gebraucht -wird. Es soll hier deshalb nur soweit darauf eingegangen werden, -wie nötig ist, um den Wert der in den Kriegen zu den verschiedenen Zeiten<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[32]</a></span> -gebräuchlichsten größeren Schiffe beurteilen und außerdem verfolgen zu können, -wie sich aus den Haupttypen des Mittelalters nach und nach das spätere -Segelkriegsschiff herausgebildet hat.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b> war, wie erwähnt, das Seewesen nach der Völkerwanderung -nur im Osten auf dem Standpunkt des Altertums stehen geblieben, im Westen -war es vernichtet, die Kunst des Schiffbaues verlernt. Der Haupttyp der -Kriegsschiffe im Osten (Byzanz) wurde die <em class="gesperrt">Dromone</em>. Sie ist scheinbar -ein Mittelding zwischen dem griechischen Vielreiher und der römischen Liburne -gewesen, in der Größe mehr der letzteren entsprechend: Länge 36 m; -Breite 4,4 m; Tiefgang 1,1 m Deplacement 100 tons. Zwei Ruderreihen zu -25 Riemen an jeder Seite, also in Summa 100 Ruderer, die obersten Ruderer -waren nicht gedeckt; Gesamtbesatzung 130–150 Mann. Die Dromone war -noch im Gebrauch bis ins 10. Jahrh., dann wurde sie verdrängt durch die -Galere des Westmittelmeers, ein Erzeugnis des hier bei den italienischen -Städten wieder gehobenen Seewesens.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Galere</em> wird uns bekannt als das Kriegsfahrzeug dieser Städte, -zunächst Venedigs, etwa seit dem Jahre 1000. Auch sie ist als eine Tochter -der römischen Liburne anzusehen. Sie verdankt vielleicht ihren Ursprung -den Überlieferungen aus altrömischer Zeit, es haben ja auch zur Zeit der -Völkerwanderung in den germanischen Staaten am Mittelmeer Flotten bestanden, -aber zu größerer Ausbildung ist der Schiffbau wohl nicht gekommen. -Gerade das Seewesen braucht geordnete Verhältnisse, um zu gedeihen, und -so blieb der Bau tüchtiger Kriegsschiffe erst wieder den aufblühenden Städten -vorbehalten. Die Galere war ein Ruderfahrzeug mit einer Reihe Riemen. -Zur Blütezeit Venedigs im 13. und 14. Jahrh. hatte sie sich dort zur <em class="gesperrt">Galere -à zenzile</em> ausgebildet (vergl. Liburnen und Anm. dazu S. <a href="#Page_15">15</a>), d. h. von -jeder der schräg zur Kielrichtung eingebauten Ruderbänke wurden mehrere -Riemen von verschiedener Länge bedient. Die gebräuchlichste Galere dieser -Art war, nach Serre, 41 m lang, 5 m breit, 180–200 tons, 25 Ruderbänke -mit je einer Gruppe von 3 Riemen, für letztere je ein Ruderer. Da auf jeder -Seite eine Gruppe ausfiel — an B. B. zur Unterbringung des Beibootes, an -St. B. zur Aufstellung der Kombüse —, hatte man 48 Gruppen, also -144 Ruderer; Gesamtbesatzung etatsmäßig 220, jedoch wurden häufig mehr -Soldaten eingeschifft.</p> - -<p>Die an anderen Orten gebräuchliche, <em class="gesperrt">gewöhnliche Galere</em> war -im allgemeinen von denselben Größenverhältnissen. Sie führte auf jeder -Bank nur einen langen Riemen, Summa 50 bezw. 48, der von 3 Mann bedient -wurde. Sie war leichter durch weniger geübte Mannschaften oder angekettete -Sklaven zu rudern, deshalb kehrten auch die Venetianer notgedrungen zu -ihr zurück, als sie im 16. Jahrh. Mietlinge an Stelle der Bürger als Ruderer -verwenden mußten. Die Galere à zenzile verschwand ganz im 17. Jahrh. -Alle Ruderer der Galere waren von oben unbeschützt, nur seitlich durch eine -leichte Brustwehr gedeckt; zum Schutz gegen das Wetter wurde bei Ruhe -ein Zelt ausgespannt. Vorn und hinten hatten die Fahrzeuge eine Plattform für<span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[33]</a></span> -die Kämpfer und die Wurfmaschinen, später die Kanonen; wie im Altertum -waren sie mit einem Sporn, später mit einem weit vorspringenden Gallion versehen, -das als Enterbrücke, aber auch wohl weiter zum Rammen diente. Die -Takelage bestand aus zwei Masten mit großem Lateinsegel, später trat ein kleiner -dritter hinzu (mezzana, daher wohl der englische mizzen-mast); die Fahrzeuge -waren sehr wenig stabil. Gegen Ende des Mittelalters, namentlich auch infolge -der Einführung der Artillerie, wurden auch vereinzelt größere Galeren gebaut, -bei denen die Riemen von 5 Mann, ja sogar bis zu 8, bedient wurden, -auch à zenzile mit 4 Riemen kamen vor; sie hatten 500–600 Mann Besatzung, -führten etwa 3 schwere Geschütze (36- und 24-Pfünder) und 4 leichte (6-Pfünder) -auf den Plattformen, besonders nach vorn, und nach und nach auch eine -große Zahl leichter Geschütze an den Seiten, die zwischen den Riemen durch -Pforten feuerten. Ihre Takelage ist nur als Hilfsmotor anzusehen. Die Galeren -waren wie die Kriegsschiffe im Altertum vorwiegend Ruderschiffe; unter -Riemen liefen sie 3–4 Seemeilen, sie sollen aber 10–12 Stunden haben -rudern können, ja bis zu 20 Stunden wird angegeben (ohne Ablösung? oder -wurden dann die Riemen nicht voll besetzt?).</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p033.jpg" width="600" height="371" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p033" id="fig_p033"></a> -<p class="caption">Galere des XVI. Jahrhunderts.</p> -</div> - -<p class="small">Die Galeren blieben im Mittelmeer noch lange Zeit im Gebrauch, sie spielen aber -auch in den Kämpfen der ersten Periode der neueren Zeit eine Rolle im Atlantik und -Kanal, obgleich sie sich stets in der Nähe der Küste halten mußten. Hier waren es -zunächst von den italienischen Städten gemietete, aber auch die Franzosen und selbst -die Engländer bauten sie nach. Erstere hatten vom Ende des 15. Jahrh. bis 1749 im -Mittelmeer eine Galerenflotte mit eigener Organisation, Etat und Offizierskorps. Die -erwähnten, vollständiger armierten Galeren gehören diesen späteren Zeiten<a name="FNanchor_18_18" id="FNanchor_18_18"></a><a href="#Footnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> an, die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_34" id="Page_34">[34]</a></span> -Armierung im Mittelalter entsprach natürlich der der anderen Schiffe dieser Zeit. Die -<em class="gesperrt">Galeasse</em>, die sich aus der Galere entwickelte, behandle ich im nächsten Abschnitt.</p> - -<p>Über den Stand der <b>Segelschiffe</b>, Kauffahrer, <b>im Mittelmeer</b> Anfang des -Mittelalters sind Angaben nicht vorhanden. Da Byzanz während der Völkerwanderung -den Seehandel aufrecht erhielt, ist anzunehmen, daß das über die -Segelschiffe im Altertum Gesagte auch für diese Zeit zunächst noch Gültigkeit -hat. Verbesserungen mögen eingetreten sein, so die Einführung der -lateinischen Segel. Wesentliche Fortschritte scheinen erst gemacht zu sein, -als man mit dem Norden mehr in Verbindung trat. Jedenfalls haben die -Nordvölker einen großen Einfluß auf die Entwicklung der Segelschiffahrt -gehabt, waren sie doch durch Wetter- und Seeverhältnisse ihrer Gewässer -mehr auf diese hingewiesen; bei ihnen ist eine vorwiegende Ruderschiffsperiode -nur sehr kurz gewesen. Die Segelschiffe von 1300 an sollen deshalb -später gemeinschaftlich betrachtet werden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p034.jpg" width="600" height="415" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p034" id="fig_p034"></a> -<p class="caption">Wikingerschiff etwa 1000 n. Chr.</p> -</div> - -<p><b>Die Schiffe im Norden bis 1300.</b> Von den ältesten Fahrzeugen des Nordens -haben wir durch Ausgrabungen einige Originale erhalten, so das 1863 in -Nydam ausgegrabene Boot, das sich im Vaterländischen Museum zu Kiel -befindet (Abbildung in Arenhold). Es wird als aus dem 3. Jahrh. n. Chr. -stammend angenommen, ist 22,5 m lang, 3,2 m breit, 1,2 m hoch und führt -30 Riemen. Fast dieselben Größenverhältnisse hat ein am Sandfjord gefundenes<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[35]</a></span> -Boot aus der Zeit etwa 900 n. Chr. stammend (Abbildung in Clowes I). Jenes -hat sehr elegante Formen und ist nicht zum Segeln eingerichtet, dieses ist -merklich breiter und hat einen Mast mit Raasegel. Übereinstimmend mit -anderen Überlieferungen geben uns diese Boote einen Begriff von den Fahrzeugen, -auf denen die Normannen (<em class="gesperrt">Wikinger</em>) ihre Raub- und Eroberungszüge -bis zum 11. Jahrh. unternommen haben. Sie benutzten die Riemen zum -Ein- und Auslaufen sowie im Kampf, der Mast wurde dann niedergelegt. -Die Fahrzeuge waren ungedeckt, hatten aber vorn und hinten ein Halbdeck -für Aufstellung der Krieger im Gefecht, die Reeling wurde durch die -dort aufgehängten Schilde erhöht und verstärkt. Ihre Besatzung betrug -50–100 Mann; größer waren sie nicht, ein Beweis dafür dürfte sein, daß -Wilhelm der Eroberer 60000 Mann auf 700–1400 Fahrzeugen — soweit -schwanken die Angaben — nach England hinüberführte.</p> - -<p>Ähnlich bleiben die <em class="gesperrt">Schiffe des</em> 12. <em class="gesperrt">und</em> 13. <em class="gesperrt">Jahrh.</em> Durch ihren -spitzen Bau vorn und hinten zeigen sie immer noch ihren Ursprung aus -Ruderbooten an, noch sind sie auf den Gebrauch von Riemen angewiesen, -sobald es auf sicheres Manövrieren ankommt. Jedoch werden auch schon -größere Schiffe gebaut, plumper und nun wohl schon ganz gedeckt und, -wenn sie vorzugsweise zum Kampf bestimmt sind, mit Plattformen auf Pfählen -für Kämpfer und Wurfmaschinen versehen; diese Gerüste wurden um -1300 zu festen Kastellen, die gleichzeitig der Besatzung als Unterkunftsräume -dienten.</p> - -<p class="small">Dieser Art waren die 9 „größeren Schiffe“, die neben etwa 200 anderen in -Richard Löwenherz' Kreuzfahrerflotte genannt werden. Sie hatten eine Besatzung von -1 Kapitän, 14 Seeleuten, 40 Rittern mit ihren Pferden, 14 Dienern, 40 Fußknechten -und konnten für längere Zeit Proviant nehmen.</p> - -<p>Auch die Takelage wurde verstärkt, der Mast war nicht mehr zum Niederlegen, -sondern trug feste Mastkörbe zur Aufnahme von Schützen; die Zahl -der Riemen wurde nicht vermehrt. Im Norden blieb noch länger nur ein Mast -mit einem oder mehreren viereckigen Segeln in Gebrauch, während im Mittelmeer -um diese Zeit schon zwei Masten mit lateinischen Segeln vorkommen, -von denen der vordere sehr weit vorn stand und starken Fall nach vorn hatte.</p> - -<p>Diese größeren Schiffe, wie sie der auf Seite <a href="#Page_36">36</a> abgebildete Kreuzfahrer -zeigt, müssen wir wohl als den Typ der Hochseeschiffe betrachten, auf dem -sich die Entwicklung des Segelschiffes im Norden weiter aufbaut; ihre Größe -war um die Mitte des 13. Jahrh. auf 80 tons, gegen das Ende vereinzelt schon -bis zu 200 tons gewachsen. Neben diesem Typ gab es verschiedene andere -für kleinere Fahrzeuge der Küstenfahrt und Fischerei u. s. w., und muß besonders -erwähnt werden, daß auch im Norden die wenigen Schiffe, die die -Staaten ausschließlich für ihre Zwecke — Kriegsdienst, vor allem aber Zolldienst, -Seepolizei, Hafenverteidigung — bauten und hielten, vorwiegend noch Ruderfahrzeuge -waren. Dementsprechend waren sie länger im Verhältnis zur Breite -als die großen Segelschiffe und stärker bemannt; auch Richards Kreuzfahrerflotte -enthielt 50 solcher galleys (Galeren?).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[36]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Die Entwicklung der Segelschiffe von 1300–1500.</b> Eine Trennung der Schiffe -in Kriegs- und Handelsschiffe erscheint in dieser Zeit nicht mehr am Platze. -Die Staaten des Altertums, die Städte und Staaten des Mittelalters am Mittelmeer -unterhielten große stehende Flotten von Ruderkriegsschiffen. Größere stehende -Flotten von Segelkriegsschiffen werden in den jetzt aufblühenden Staaten des Westens -und Nordens erst langsam im Laufe der nächsten Periode geschaffen. Zu Kriegszwecken -griff man hier hauptsächlich auf Kauffahrer zurück, die man aushob, kaufte oder mietete. -Wenn nötig, wurden sie dazu hergerichtet, indem man sie verstärkte, Kastelle aufbaute, -sie stärker armierte. Der eigens für den Krieg gebauten Segelschiffe waren nur wenige -und sie unterschieden sich zunächst kaum von den Handelsschiffen, da auch diese, -wenigstens die größeren, zum eigenen Schutz stets armiert waren. Die Schiffe des Staates -für sonstige Hoheitszwecke waren auch nach 1300 noch lange vorwiegend Ruderfahrzeuge. -Zeitweilig wächst die Zahl der Kriegsschiffe in einzelnen Staaten, aber immer -geht sie bald wieder zurück. So ist denn vorläufig die Entwicklung der Segelkriegsschiffe -die gleiche wie die der Kauffahrteischiffe, erst im Laufe der nächsten Periode -geht sie einen andern Weg.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p036.jpg" width="600" height="485" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p036" id="fig_p036"></a> -<p class="caption">Englisches Fahrzeug um etwa 1190 (Kreuzfahrer).</p> -</div> - -<p>Bedeutendere Fortschritte machte der Segelschiffbau von 1300 an aus den -S. <a href="#Page_27">27</a> u. <a href="#Page_34">34</a> angeführten Gründen. Eine große Errungenschaft war zunächst die -Erfindung des festen Ruders mit der Pinne am Achtersteven etwa um 1300.<span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[37]</a></span> -Mit den alten Steuerriemen an der Seite des Schiffes hinten war das Steuern -eines von den Segeln gepreßten Schiffes bei einigermaßen bewegter See nicht -möglich, erst mit dem neuen Ruder konnte an eine Vergrößerung der Takelage -gegangen werden. Die neue Rudereinrichtung hat sich sehr schnell allgemein -eingeführt, schon um 1356 war sie auf allen größeren englischen Schiffen -im Gebrauch. Nun werden zwei Masten mit viereckigen Raasegeln und -einem Toppsegel gebräuchlich; bald schon kommen drei Masten vor, am hintersten -Mast ein lateinisches Segel, um das Schiff besser am Winde zu halten. -Es ist dies der Vorläufer des Besan; das Bugspriet führt noch keine Segel, -es dient nur zur Stütze des weit nach vorn stehenden Fockmastes. Die Schiffe -werden höher und seefähiger, die Kastelle wachsen; die Mitte des Schiffes -blieb niedrig, solange man noch nicht ganz vom Gebrauch der Riemen absehen -konnte. Auf den Kastellen standen kleine Wurfmaschinen, mittschiffs -schwerere. Das gebräuchlichste Hochseeschiff im Norden war die <em class="gesperrt">Kogge</em>, -als Beispiel ist eine Hansa-Kogge von 1380 hier abgebildet: ca. 250 tons, -50 Seeleute, 100 Bewaffnete, 20 Pferde.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p037.jpg" width="600" height="451" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p037" id="fig_p037"></a> -<p class="caption">Hansa-Kogge um etwa 1380.</p> -</div> - -<p>Um die Mitte des 14. Jahrh. werden im Mittelmeer die ersten leichten -Geschütze an Bord eingeführt. Ende des Jahrhunderts auch im Norden. -Im 15. Jahrh. nimmt mit ihrer Vervollkommnung die Verwendung der<span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[38]</a></span> -Artillerie zu, allerdings zunächst hauptsächlich nur an Anzahl der leichten -Geschütze. Die Schiffe werden nun größer und tragfähiger, sie werden vorn -und hinten rund. Die Kastelle, bisher turmähnlich, werden länger und reichen -vom Heck bis zum Großmast, vom Bug bis zum Fockmast, das vordere ragt -weit über den Vorsteven hinaus, sie erhalten Etagen mit Geschützpforten: -alles, um die Artillerie vermehren zu können, besonders in der Breitseite.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p038.jpg" width="600" height="499" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p038" id="fig_p038"></a> -<p class="caption">Holländische Kogge, 15. Jahrh., 600 tons, 300 Mann.</p> -</div> - -<p>Die Takelage wird weiter vervollständigt durch Stängen mit kleinen -Marssegeln, der dritte Mast wird allgemeiner. Aber der Ausbau der Kastelle, -ihre Höhe besonders, beeinträchtigte sehr die Segel- und Seefähigkeit; die -Schiffe trieben stark vor ihnen. Wegen des hervorragenden Vorderkastells -und des so weit vorn stehenden Fockmastes waren sie schlecht am Winde -zu halten, man findet deshalb nun oft 4 Masten, an den beiden letzten Lateinsegel. -400–700 tons dürfte die Größe der großen Schiffe Ende des 15. Jahrh. -gewesen sein. Die Namen dieses Typs der großen Seeschiffe waren, allgemein -gesagt: im Norden „Kogge“ (engl. Cog), später bald „Schiff“ (Ship), in Spanien -und Portugal „Galeon“ (auch Gallion), in Venedig und Genua „Karrak“. -Vereinzelt kommen schon Fahrzeuge bis zu 1000 tons vor; Spanien (vorläufig<span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[39]</a></span> -Kastilien) und Portugal gingen hierin -voran, doch müssen wir solche besser -zur nächsten Periode rechnen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p039_1.jpg" width="300" height="421" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p039_1" id="fig_p039_1"></a> -<p class="caption">Karavelle des 15. Jahrhunderts.</p> -</div> - -<p class="small">Segel- und Seefähigkeit der größeren, -stark armierten Schiffe war sehr gering. -Portugiesen und Spanier benutzten zu ihren -ersten Entdeckungsreisen nicht einmal Fahrzeuge -der sonst schon allgemeiner gebräuchlichen -Größen sondern kleinere. Die -„<em class="gesperrt">Karavellen</em>“ des Kolumbus waren -Fahrzeuge von 120–130 tons, 80–90' lang, -50 Mann, 3 oder 4 Masten, nur der Fockmast -mit Raaen.</p> - -<p class="small">Kolumbus rühmt sie als gute Segler, -auch beim Winde, als handliche und bequeme -Seeschiffe.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p039_2.jpg" width="300" height="362" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p039_2" id="fig_p039_2"></a> -<p class="caption">Galeon des 15. Jahrhunderts.</p> -</div> - -<p><em class="gesperrt">Die</em> vorzugsweise leichten <em class="gesperrt">Geschütze</em> -— noch 1514 führte der -„Great Harry“, wenn man von den -schweren Geschützen seiner zweiten -Batterie absieht, nur 8 Geschütze über -3-Pfünder bei einer ungeheueren Zahl -leichterer — waren also mit ihrer Vermehrung auf dem Deck, besonders -aber in den Etagen der verlängerten Kastelle aufgestellt und zwar so, daß -man nach vorn, nach hinten, -nach den Seiten und gegen -Entern über das Mittschiffsdeck -feuern konnte; diese Verteilung -ist gut zu ersehen aus der -auf Seite <a href="#Page_97">97</a> wiedergegebenen -Abbildung des ebengenannten -Schiffes. Noch im Mittelalter -begann man aber, die Schiffe -mit schwereren Geschützen zu -armieren, scheinbar besonders -in den südlichen Ländern. -Diese fanden jetzt Aufstellung -auf dem Hauptdeck des Schiffes, -zuerst vorn und hinten, dann -nach den Seiten, ja bald -brachte man sie auch im Schiffsrumpf -unter und feuerte durch -Pforten in der Schiffswand. Wie -durch die Verlängerung der -Kastelle, so wird auch hierdurch -die Kraft der Artillerie immer<span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[40]</a></span> -mehr in die Breitseiten verlegt, die neue Waffe wird durch ihre Vermehrung -und Verstärkung mehr und mehr zur Hauptwaffe: zwei Punkte, die für den -nächsten Zeitabschnitt kennzeichnend sind. Schiffe der neueren Art waren -im Mittelalter noch sehr selten, im Norden kamen sie kaum vor; der Beginn -der Fortbildung in dieser Hinsicht (vergl. Abschnitt II „Schiffe“) fällt aber -schon an das Ende des 15. Jahrh. Die Abbildung auf S. <a href="#Page_39">39</a> zeigt eine -Galeon um die Wende des Jahrhunderts.</p> - -<p class="small">Wie auf die Belebung der Seefahrt überhaupt, so haben die italienischen Städte -auch großen Einfluß auf die Entwicklung des Schiffbaues gehabt. Schon die christlichen -Königreiche Spaniens zogen Genuesen und Venetianer zur Anlage von Werften heran, -als sie im 12. Jahrh. anfingen, Schiffe für den Seehandel und seinen Schutz zu bauen, -ebenso waren solche die Lehrmeister der Portugiesen, als diese im 14. Jahrh. zur See -gingen. Die Schiffe der italienischen Städte werden auch als Muster zur Vervollkommnung -der größeren Seeschiffe im Norden gedient haben, als sie von 1300 an häufiger -in diesen Gewässern erschienen. Lange noch galten ihre Schiffe als besonders gut und -wurden häufig nach dem Norden vermietet oder verkauft. Zu Ende des Mittelalters -hatten die Niederländer im Norden einen hohen Ruf im Schiffbau errungen, ihre Schiffe -und ihr Schiffbaupersonal waren jetzt gesucht, besonders in Schweden und Frankreich -in der nächsten Periode, als in diesen Ländern das Seewesen staatlich begünstigt wurde.</p> - -<p>Von <em class="gesperrt">staatlichen Werften</em> hören wir im Mittelalter wenig; dies -erklärt sich daher, daß keine Kriegsmarinen von Bedeutung bestanden. -Wo größere stehende Ruderschiffsflotten vorhanden waren, also in erster -Linie wieder in den italienischen Städten, hatte man natürlich auch Werftanlagen -für diese, wie wir sie für das Altertum erwähnten: künstliche Häfen -mit eingeteilten Liegebassins (nasse Docks), Vorrichtungen zum Trockenlegen -der Schiffe, Arsenale für die Ausrüstung. Ähnliches wird auch in den anderen -Staaten für die wenigen Regierungsschiffe vorhanden gewesen sein. So wissen -wir von England, daß hier schon etwa um 1300 nasse Docks, schützende -Schuppen und Ausrüstungshäuser für die königlichen Galleys in Portsmouth, -Rye, Winchelsea, Storeham bestanden. Von eigentlichen Kriegswerften ist -aber auch mit dem zunehmenden Gebrauch größerer Segelschiffe noch nicht -die Rede, der Bau der staatlichen Schiffe blieb wohl fast ganz in Privathänden; -überall werden nur Arsenale für Geschütze, Ausrüstungs- und Kriegsmaterial -erwähnt, so in Portugal das Arsenal Heinrich des Seefahrers in Sagres, in -England seit Heinrich VIII. die Arsenale in Woolwich und Deptford an der -Themse, in Portsmouth, in Frankreich dort, wo die Küstenadmirale ihren -Sitz hatten, und ähnlich in Holland; Kriegswerften erscheinen erst im nächsten -Zeitabschnitt.</p> - -<p><b>Waffen.</b> Im Mittelalter finden wir, auch im Norden, sobald hier die -erste Zeit des Kampfes nur mit Handwaffen überstanden war, überall die -Waffen des Altertums wieder. Kleinere und größere Wurfmaschinen, größere -Armbrüste, die sämtlich brennende Pfeile, Lanzen, Steine, eisenbeschlagene -Pfähle und Wurfdraggen schleudern, sind auf den Kastellen, die schwereren -Maschinen bei Segelschiffen auch mittschiffs, aufgestellt; Stinktöpfe und -Gefäße mit ungelöschtem Kalk werden, besonders aus den Mastkörben, -auf das feindliche Deck geworfen. Manche der Wurfmaschinen scheinen<span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[41]</a></span> -durch die Kreuzzüge nach dem Norden gekommen zu sein, wie denn auch -erwähnt wird, daß die Schiffe von Richard Löwenherz das berühmte griechische -Feuer<a name="FNanchor_19_19" id="FNanchor_19_19"></a><a href="#Footnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a> verwendet hätten. Die Bewaffnung der Kriegsleute war wie am Lande. -Ritter und Knappen, durch Helm, Harnisch und Schild geschützt, führten -Schwerter, Lanzen und Äxte, die Leichtbewaffneten Armbrüste, Hand- und -Fußbogen. Berühmt waren die venetianischen und genuesischen Armbrustschützen, -oft von anderen Ländern (Frankreich) gemietet, sowie die englischen -Bogenschützen, die jenen noch überlegen gewesen sein sollen.</p> - -<p>Die seit etwa 1325 im Landkriege verwendeten <em class="gesperrt">Pulvergeschütze</em> -wurden auch bald auf den Schiffen in Gebrauch genommen. Sie finden zuerst -Erwähnung im Westmittelmeer, 1333 in einem Gefechte des Bey von Tunis -gegen spanische Mauren, und bei den italienischen Städten, bald darauf auch -bei den Hanseaten. Für England sind 1338 einige wenige Schiffe mit 2 bis -3 Geschützen, für Holland die ersten um 1396 angeführt. Die ersten schwereren -Geschütze am Lande waren Mörser, dann etwas verlängert Bombarden, die -mit geringer Ladung Steinkugeln bis zu 100 Pfund warfen. Lange Feuerwaffen -waren zunächst nur kleineren Kalibers, eigentlich unbehilfliche Handfeuerwaffen -von 1–2 Mann zu bedienen. Beide Arten wurden anfangs aus -der Länge nach zusammengeschweißten und dann umringten Eisenstäben -hergestellt, sie wurden von hinten geladen und durch Keile oder eine Ladebüchse, -ein besonderes Verschlußstück, geschlossen. Um 1400 kam der Guß -der Rohre aus Bronze auf, und die Stabeisengeschütze wichen mehr und mehr -den später auch aus Eisen gegossenen. Nun konnte man den hinteren Abschluß -des Rohres mit dem vorderen Teil in einem Gusse herstellen, infolgedessen -die Ladung verstärken, und es entwickelten sich die längeren Geschütze -auch schwereren Kalibers, die Kanonen. Bei leichteren Geschützen blieb die -Hinterladung noch länger im Gebrauch, oft waren dann zur schnelleren -Bedienung zwei Bodenverschlußstücke mit Ladekammer vorhanden.</p> - -<p>Während des 14. Jahrh. machte die Einführung der Artillerie an Bord -nur sehr geringe Fortschritte; 1421 hatten englische Schiffe von 400 bis -700 tons nur 3–6, kleinere nur 2 Geschütze, und wenn auch von der Mitte -des 15. Jahrh. an überall häufiger solche — von Bronze und Eisen, mit Stein, -Blei- und Eisengeschossen — erwähnt werden, sowie auch Handfeuerwaffen, -so hatten doch die neuen Waffen die alten noch nicht verdrängt. Pulvergeschütze -und Wurfmaschinen stehen nebeneinander auf den Schiffen, Handfeuerwaffen -und Bogen werden gleichmäßig gebraucht. Die alten Waffen -waren noch lange, bis ins 16. Jahrh. hinein, an Schußweite und Treffähigkeit -überlegen; Geschütze, Lafetten und Pulver waren noch mangelhaft.</p> - -<p class="small">Wie gering die Bedeutung der Artillerie noch im Anfange des 15. Jahrh. war, kann -man daraus ersehen, daß um diese Zeit zuweilen besonders hervorgehoben wird, es seien<span class="pagenumsmall"><a name="Page_42" id="Page_42">[42]</a></span> -in einem Gefecht auch Kanonen verwendet; sowie auch daraus, daß bei der Schlacht -von Harfleur 1416 alle Waffen erwähnt werden, nur diese nicht, obgleich einige englische -Schiffe dabei sicher Geschütze führten und vor allem die beteiligten genuesischen Karraks; -von diesen wird nur gesagt, daß sie durch ihre Höhe im Gefecht Bord an Bord im Vorteil -gewesen seien.</p> - -<p>Immerhin aber nahm die Verwendung der Artillerie in der zweiten Hälfte -des 15. Jahrh. bedeutend zu; wir haben gehört, daß zu Ende des Mittelalters -erbaute Schiffe eine große Zahl leichter Geschütze führten, und daß auch -schon schwerere an Bord genommen wurden. Da aber die Artillerie -eigentlich erst eine Waffe des nächsten Zeitabschnittes ist, so soll erst von -dort ab näher auf sie eingegangen werden.</p> - -<p>Ebenso verhält es sich mit einer Spezialwaffe, den <em class="gesperrt">Brandern</em>. Auch -diese werden schon im Mittelalter vereinzelt verwendet, so z. B. 1304 in einem -Gefecht zwischen Franzosen und Flamändern gegen festgelaufene Schiffe, -doch scheinen sie noch wenig Erfolg gehabt zu haben; ihre Blüte fällt gar -erst in die Zeit unseres Abschnitts III.</p> - -<p><b>Die Seekriege.</b><a name="FNanchor_20_20" id="FNanchor_20_20"></a><a href="#Footnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> Daß im Mittelalter keine Seekriege von großer Bedeutung -vorkommen, ist erklärlich. Das Seewesen im Mittelmeer war durch die Völkerwanderung -größtenteils vernichtet, es konnte sich erst wieder heben, als die -Völker zur Ruhe und wieder zu einer gewissen Kultur kamen; im Norden -Europas wurde es jetzt erst geboren. Seemächte im eigentlichen Sinne gab es -nicht. Die Kriegführung zur See beschränkte sich auf allerdings oft ganz -bedeutende Eroberungszüge über See, sowie auf Raubzüge; später, als der -Handel wieder eine größere Rolle spielte, wurde sie auch ein Mittel, um durch -Störung der Schiffahrt und durch Brandschatzung von Küstenstädten dem -Feinde Abbruch zu tun oder um für erlittene Unbill Repressalien zu nehmen. -Auch hierbei kam es zu Kämpfen zur See, ja großen Seeschlachten, aber -über ihren Verlauf bieten die Quellen selten genaueres.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b><a name="FNanchor_21_21" id="FNanchor_21_21"></a><a href="#Footnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a> fand die <em class="gesperrt">oströmische Flotte</em>, die die Völkerwanderung -überdauert hatte, im 5. und 6. Jahrh. Verwendung bei den großen -Expeditionen gegen Vandalen und Goten in Italien und Afrika, die zu ihren -Eroberungen ebenfalls Flotten geschaffen hatten; sie wirkte mit zur Abwehr -der Barbaren im Osten und vor allem später gegen Araber und Türken, als -diese auf den Inseln und längs der Küste sich ausbreiteten; sie mußte endlich -auch den nach Osten vordringenden Normannen und den aufblühenden -Seemächten Venedig und Genua entgegentreten. Während der Kreuzzüge -und der Kämpfe der Türken gegen das oströmische Reich hatte sich Venedig -eines großen Teils Griechenlands und der griechischen Inseln bemächtigt.<span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[43]</a></span> -Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1452 ging das oströmische -Reich zu Ende.</p> - -<p>Seestreitkräfte, besonders Fahrzeuge der italienischen Städte, aber auch -französische und selbst nordische — englische und hanseatische — spielten -eine Rolle während der <em class="gesperrt">Kreuzzüge</em> durch Überführung der Heere, durch -Unterstützung der Belagerungen von Küstenstädten und durch Abwehr -sarazenischer Flotten.</p> - -<p>Als die wichtigsten Seekriege im Mittelmeer sind die <em class="gesperrt">Kämpfe der -italienischen Städte</em> unter sich — besonders Genuas gegen Pisa; -Venedigs gegen Genua — im 12., 13. und 14. Jahrh. anzusehen, weil sie vorwiegend -zur See und um die Vormacht auf der See ausgefochten wurden; -sodann später die Kämpfe Venedigs mit den Türken um ihre Besitzungen -im Osten, die noch in dem nächsten Zeitabschnitt, in den die Glanzzeit der -türkischen Seemacht fällt, weitergeführt werden, ferner Kriege Genuas gegen -die Mauren in Spanien, gegen die Raubstaaten in Afrika und gegen Aragonien.</p> - -<p>Schließlich sind noch die <em class="gesperrt">Staaten auf der Pyrenäischen -Halbinsel</em> zu erwähnen. Als sich im 10. Jahrh. der Seehandel des Kalifats -von Cordova entwickelte, wurde dort eine Kriegsflotte nötig, um ihn gegen -die Seeräuber, die das Mittelmeer von Sardinien, Sizilien und der Nordküste -Afrikas aus unsicher machten, zu schützen. Etwa zwei Jahrhunderte später -entstanden aus demselben Grunde Flotten in den christlichen Reichen Kastilien -und Aragonien, die Verwendung fanden in den Kämpfen der christlichen -Staaten untereinander und mit den Mauren, bei der Eroberung der Balearen, -Sardiniens und Siziliens durch das Königreich Aragonien, in Fehden mit -den italienischen Städten und mit den Franzosen, von Kastilien aus sogar im -Atlantik im Kampfe mit England als Nachbar der englischen Besitzungen in -Frankreich. Auch Portugal bedurfte der Seestreitkräfte gegen die Ungläubigen.</p> - -<p>Alle Kriegsschiffe im Mittelmeer waren Ruderschiffe, nur Portugal und -die baskischen Provinzen Kastiliens verwandten, weil am Ozean gelegen, -schon einige Segelschiffe; größere stehende Kriegsflotten besaßen eigentlich -nur die Genuesen und Venetianer.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Norden Europas</em> kann zunächst von einer Kriegführung -zur See nicht die Rede sein. In die frühesten Zeiten vom 9. bis 11. Jahrh. -fallen die Raub- und Eroberungszüge der <em class="gesperrt">Skandinavier</em>, besonders -von Dänemark und Norwegen ausgehend, nach allen Küsten der Ost- und -Nordsee, nach England und Frankreich, nach Spanien und Portugal und bis -ins Mittelmeer. Diese Volksflotten fanden im Norden nirgends nennenswerte -gegnerische Seestreitkräfte vor, bis die Hansa sich des Handels im Norden -bemächtigte, und in ihr ihnen ein überlegener Gegner erwuchs. Erst mit -dem allmählichen Erstarken der nordischen Reiche war die <em class="gesperrt">Hansa</em> gezwungen, -um ihre wirtschaftliche Herrschaft zu kämpfen. Nur durch blutige -Fehden zur See und über See, besonders gegen Dänemark, konnte sie diese -behaupten; durch geschickte Einmischung in die inneren Kämpfe der Völker, -hauptsächlich durch Unterstützung Schwedens gegen den Plan einer skandinavischen<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[44]</a></span> -Union unter Dänemarks Führung, errang sie sogar eine politisch -leitende bedeutende Stellung im Norden; diese Zeit der aufreibenden Kämpfe -der beiden nordischen Nationen um die Aufrechterhaltung der Union, an -denen sich auch schon niederländische Städte, anfangs auf seiten der Hansen, -später auf der der nordischen Herrscher beteiligten, war die Periode der -höchsten Blüte der Hansa. Über stehende Flotten geboten aber weder die -nordischen Reiche noch die Hansa. Für besondere Gelegenheiten wurden -die Streitkräfte erst aufgebracht, und so haben auch diese Kriege mehr den -Charakter von Expeditionen, Überrumpelungen, Brandschatzungen und -Repressalien.<a name="FNanchor_22_22" id="FNanchor_22_22"></a><a href="#Footnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a></p> - -<p>In der Geschichte <em class="gesperrt">Englands und Frankreichs</em> wird der Seekrieg -von Bedeutung in den Kriegen zwischen beiden Nationen um die Besitzungen -Englands auf dem Festlande während des 13., 14. und 15. Jahrh. -Die dänische Invasion vorher, der Alfred der Große durch eine bedeutende, -aber bald wieder <em class="gesperrt">verfallende</em> Flotte ein Ende machte, und die Eroberung -Englands durch die Normannen sind gleichfalls unter die Eroberungszüge -der Skandinavier zu rechnen. In diesen Kriegen, mit kürzeren oder längeren -Pausen und wechselnden Erfolgen fast drei Jahrhunderte hindurch geführt, -finden wir eine fortlaufende Reihe von Expeditionen über See. In erster -Linie gehen diese natürlich von England aus, aber auch die Franzosen unternehmen -oft größere Einfälle an der englischen Küste; der kleine Krieg, -Brandschatzungen an den Küsten und Wegnahme von Schiffen, läuft durch -die ganze Zeit; von 1243 an sind auch die ersten Freibriefe an einzelne Schiffe -zur Schädigung des Feindes zu Wasser und zu Lande bekannt. Die Kriegsführung -zur See ist des öfteren von großem Einfluß auf den Verlauf der Kriege. -Es zeigt sich hier schon früh, <em class="gesperrt">daß große Ziele über See nur erreicht -werden können, wenn man die See beherrscht</em>, -die feindlichen Seestreitkräfte vernichtet oder völlig lahm gelegt hat: französische -Expeditionen scheitern oder werden im Keime erstickt, wenn englische -Flotten, oft nur verhältnismäßig kleine, ihnen entgegentreten; der englische -Krieg auf dem Festlande erlahmt infolge unsicherer Verbindung mit der Heimat, -sobald die französischen Seestreitkräfte die mächtigeren sind.</p> - -<p>Einige <em class="gesperrt">hervorragende Beispiele</em><a name="FNanchor_23_23" id="FNanchor_23_23"></a><a href="#Footnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a> <em class="gesperrt">aus dem</em> 13. <em class="gesperrt">Jahrh.</em> -seien angeführt: 1212 sammelte <em class="gesperrt">Philipp</em> II. in der Seine eine große Flotte -von 1700 Segeln und führte sie nach <em class="gesperrt">Damme</em> in Flandern, um von dort -eine Exekutionsarmee gegen den vom Papst in den Bann getanen <em class="gesperrt">Johann</em> -nach England überzusetzen. Eine englische Flotte von nur 500 Segeln überraschte<span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[45]</a></span> -sie im Hafen und auf der Rhede, zum Teil von Mannschaften entblößt, -vor Anker liegend und tat ihr solchen Abbruch, daß Philipp II. sein Unternehmen -aufgeben mußte. 1216 dagegen, als Johann, mit seinen großen Vasallen -im Streit, über keine Schiffe gebot, gelingt es den Franzosen, mit 700 Fahrzeugen -ein Heer zur Unterstützung der Empörer und zur Einsetzung des von -ihnen herbeigerufenen Prinzen Louis von Frankreich überzuführen; wiederum -aber wird 1217 ein Transport von 180 Schiffen, der nach einer Niederlage -der Barone und der Franzosen (bei Lincoln, nach Johanns Tode) Verstärkungen -nach England bringen soll, von nur 40 englischen Schiffen unter -<em class="gesperrt">Hubert de Burgh</em> bei <em class="gesperrt">South-Foreland</em> vollständig vernichtet. -Dieses erste große Gefecht auf offener See, auch sonst in Hinsicht auf Taktik -und Kampfweise bemerkenswert, zwang den Prinzen Louis zum Rückzug -aus England und führte zu einem für England günstigen Frieden.</p> - -<p class="small">In den weiteren Kriegen Heinrichs III. und Eduards I. 1217–1307 gegen Frankreich -finden wir keine so wichtigen Ereignisse. Die Seestreitkräfte wurden nur in dem -allgemein gekennzeichneten Sinne verwendet; gegen Ende genannter Zeit und unter -Eduard II. war England vorwiegend mit Schottland und Irland beschäftigt. Einige -Begebenheiten seien aber angeführt, da sie einen Blick in die eigentümlichen damaligen -Verhältnisse auf der See geben. Die Cinque-Ports Englands, der Hauptrückhalt der -Krone in Beziehung auf Seestreitkräfte, trieben zur Zeit der Kämpfe der Barone gegen -den König offene Piraterie und führten Privatkriege in Handelsinteressen gegen andere -Nationen, auch wenn sonst Friede war; im Jahre 1275 herrschte sogar ein Freibeuterkrieg -zwischen ihnen und den Bayonnesen, obgleich diese auch Untertanen Englands -waren. Infolge eines Privatstreites englischer Seeleute in einem Hafen der Normandie -wurde im Jahre 1293 in der Mitte des Kanals eine Seeschlacht geschlagen, in der 60 englische -Schiffe — teilweise in Holland und Irland geworben — unter dem Gouverneur -von Nottingham-Castle 240 normannische, französische, flämische und genuesische Schiffe -unter dem Grafen von Valois, Bruder des Königs von Frankreich, völlig besiegten und -reiche Beute machten. Die Folgen dieses Ereignisses, Verhandlungen und Repressalien, -führten zu einem neuen Kriege.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Seeraub</em> und völlige Nichtachtung fremden Eigentums auf See war überhaupt -bei fast allen Küstenvölkern gebräuchlich; man liest von Seeräubern der Schotten und -Iren, der Niederlande, der Bretagne, der Normandie und der Basken. Unterdrückung -des Seeraubes war die Hauptaufgabe der wenigen Kriegsschiffe.</p> - -<p>In den englisch-französischen Kriegen des 14. <em class="gesperrt">und</em> 15. <em class="gesperrt">Jahrh.</em> — -<em class="gesperrt">dem sog. Hundertjährigen Kriege</em> — zeigt sich aufs neue der -Einfluß der jeweilig überlegenen Seemacht. In der ersten Zeit seiner Regierung -führte <em class="gesperrt">Eduard</em> III., selbst ein Seemann, den Seekrieg energisch. -Während vor und zu Beginn des Krieges (1339) die Franzosen zur See stark -gewesen zu sein und den Engländern viel Schaden getan zu haben scheinen, -hob Eduard 1340 eine große Flotte aus und versetzte den Feinden einen -schweren Schlag. Frankreich hatte im Hafen von <em class="gesperrt">Sluys</em>, jetzt einer holländischen -Binnenstadt, nach den niedrigsten Angaben eine Macht von 190 -Segeln, deren Kern eine größere Abteilung genuesischer Galeren bildete, -und 35 000 Mann versammelt. Der Platz war als geeignet gewählt, um dem -in Flandern stehenden englischen Heere die rückwärtigen Verbindungen -abzuschneiden und auch um einen Einfall nach England zu unternehmen.<span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[46]</a></span> -Eduard griff diese Flotte mit 250 Fahrzeugen aller Größen am 24. Juni 1340 -an und vernichtete sie. Ein kurzer Friede war die unmittelbare Folge, aber -wichtiger noch war das durch den Sieg gewonnene Übergewicht zur See. -Nun gelang es den Engländern, 1347 <em class="gesperrt">Calais</em> zu erobern und sich hierdurch, -sowie durch einen neuen Sieg im Kanal 1350 über die 40 große und reichbeladene -Schiffe starke Flotte des kastilischen Freibeuters <em class="gesperrt">Don Carlos -de la Cerda</em> die Seeherrschaft wieder dauernd zu sichern. Ihr Besitz, -das Zusammenwirken von See- und Landstreitkräften hat viel zu dem -günstigen Verlauf des Krieges in Frankreich bis zum Jahre 1360 beigetragen.</p> - -<p>Lehrreich ist, daß Eduard — ähnlich wie wir es im Altertum in Athen -und in Rom fanden — erst den Widerstand des Parlaments überwinden muß, -als er die Flotte zu großen Offensivunternehmungen, dem Angriff auf Calais, -heranziehen will; das Parlament ist anfangs noch der Ansicht, diese sei nur -zur Verteidigung der Küsten da.</p> - -<p>Nach diesen Erfolgen vernachlässigte aber Eduard III. die Kriegführung -zur See, und die Folge davon war, daß sich schon 1360 die Franzosen -wieder regten und die englische Küste brandschatzten.</p> - -<p class="small">Laird Clowes sagt darüber, dem Sinne nach: der Krieg von 1359–1360 zu Lande -war nur eine Reihe von bei der Erschöpfung Frankreichs leicht errungenen Triumphen. -Dies entsprach dem hitzigen Charakter Eduards mehr, als durch eine langsame, systematische -Kriegführung auf dem Wasser, ohne große ruhmreiche Ereignisse, den Feind -zur See weiter bis zur völligen Vernichtung niederzuwerfen. Trotz der Erkenntnis der -Wichtigkeit der Seeherrschaft für England vernachlässigte er den Seekrieg und die -Seestreitkräfte.</p> - -<p>In den letzten Kriegen Eduards III. von 1369 an, wo Frankreich in -Kastilien einen trefflichen Bundesgenossen zur See hat, zeigen sich dann -weiter die Folgen dieses schweren Fehlers. Eine englische Flotte, die 1372 -das belagerte La Rochelle entsetzen soll, wird dort von einer 40 Schiffe starken -kastilischen Flotte vernichtet, und die Blockade der Stadt durch den inzwischen -um 8 Galeren verstärkten Sieger beschleunigt ihren Fall. 1374 durfte -eine nach Guyenne bestimmte Armee es nicht wagen, dorthin zu segeln, -sondern war gezwungen, in Calais zu landen und einen verlustreichen Marsch -durch Frankreich zu machen; so gingen denn auch bis 1374 fast alle englischen -Besitzungen in Südfrankreich, außer Bordeaux und Bayonne, verloren.</p> - -<p>Seit 1374 baute nun Frankreich auf Anregung <em class="gesperrt">Jeans de Vienne</em> -sogar zum ersten Male selbst eigens für den Krieg bestimmte Schiffe und -erhielt dadurch ein Übergewicht, das sich während der lässig und ergebnislos -geführten Kriege Richards II. besonders im kleinen Kriege im Kanal zeigte, -wo Franzosen und Spanier die bei weitem größeren Erfolge aufzuweisen haben. -Sie beherrschen soweit die See, daß es den Engländern oft nicht mehr möglich -ist, Verstärkungen nur über den Kanal zu werfen. Während der Friedenszeit -unter <em class="gesperrt">Heinrich</em> IV. muß sogar die Verfügung erlassen werden, daß -englische Schiffe nach Bordeaux nur in größeren Konvois segeln dürfen.</p> - -<p>Noch einmal endlich spielt die englische Flotte unter dem tatkräftigen -<em class="gesperrt">Heinrich</em> V. (1413–1422) eine Rolle. Er geht im August 1415 mit<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[47]</a></span> -1400 Fahrzeugen aller Größen nach Harfleur, belagert und nimmt es im -September, wobei die gefechtsfähigen Schiffe durch Blockade und Aufrechterhaltung -der Verbindung mit England mitwirken — am 25. Oktober wird -die Schlacht von <em class="gesperrt">Agincourt</em> geschlagen. Als die Franzosen 1416 ihrerseits -Harfleur belagern, wird ihre Blockade-Flotte vor dem Hafen durch die englische -vernichtet.</p> - -<p>Von besonderem Interesse ist eine <em class="gesperrt">Expedition Heinrichs</em> V. -<em class="gesperrt">im Jahre</em> 1417. Eine Transportflotte von 230 Schiffen war in Southampton -versammelt, aber vor dem Absegeln sendet der König erst ein Geschwader -aus, um ein auf See befindliches feindliches zu suchen und zu schlagen. Die -Schlacht fand am 25. Juli statt (Ort des Zusammentreffens und Stärke der -Gegner ist unbekannt). Die Engländer siegten, und sofort nach Eintreffen der -Nachricht geht die Transportflotte am 29. Juli in See und landet wohlbehalten -in Frankreich. Heinrich zeigt hierbei volles Verständnis für die -Wichtigkeit der Seeherrschaft und für die Schwierigkeit eines größeren Einfalles -in Feindesland, solange eine feindliche Flotte die See halten kann. -Um sich nicht mit dem Transport einer Schlacht auszusetzen, in der dieser -gefährdet und seine Streitkräfte behindert gewesen wären, läßt er sich vorher -den Weg freimachen; Clowes bezeichnet (Tl. I, S. 380) diese Expedition als -das erste derartige Unternehmen, das auf wissenschaftlichen Grundsätzen -beruhe. Mit der neu errungenen Seeherrschaft stellten sich auch die Erfolge -am Lande wieder ein.</p> - -<p>Nach des Königs frühem Tode 1422 trat völliger Verfall der Seemacht -Englands ein, 1423 wurden sogar alle königlichen Schiffe bis auf zwei verkauft. -Die englischen Besitzungen in Frankreich gingen bis 1456 mit Ausnahme -von <em class="gesperrt">Calais</em> sämtlich verloren. Die Bürgerkriege der beiden Rosen taten -das übrige; England war ohnmächtig zur See, Einfälle von allen Seiten gelangen. -1472 plünderte auch eine hanseatische Flotte die Küsten und erzwang -den Städten weitgehende neue Vergünstigungen. Erst unter den Tudors -sollte sich die englische Seemacht wieder heben.</p> - -<p><b>Kampfweise und Taktik.</b> Die Kampfweise der <em class="gesperrt">Ruderschiffe im -Mittelmeer</em> war naturgemäß dieselbe wie im Altertum. Mit dem Motor -an den Seiten, den Kämpfern und Wurfmaschinen hauptsächlich auf Bug und -Heck, der Bug selbst durch Sporn oder langes Entergallion armiert — also -die Seiten offensiv und defensiv schwach, die Schiffsenden stark —, lag die -Kampfrichtung in der Kielrichtung. Da die Fahrzeuge nicht auf der Höhe der -attischen Triere standen und auch sonst mit ihrer Armierung und starken -Besatzung mehr den Schiffen des Altertums zur römischen Zeit entsprachen, -so war ihre Kampfweise mehr dieser gleich: Eröffnungsgefecht mit Fernwaffen; -Versuch, beim Anlauf die feindlichen Riemen zu zerbrechen, baldiges -Entern, Verwendung des Rammstoßes, wenn die Gelegenheit günstig. Auch -die Einführung der Artillerie, während des Mittelalters ja nur in geringem -Maße, änderte nichts an der Kampfweise; die wenigen Geschütze waren -gleichfalls im Bug und Heck aufgestellt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[48]</a></span></p> - -<p>Eine Taktik für Schiffsverbände gab es nach Ansicht aller Schriftsteller -noch nicht. Wir finden die vom Altertum überlieferten breiten Gefechtsformationen -— Dwarslinie, Sichel, Halbmond — formal angewendet mit dem -Bestreben, möglichst bald ins Gefecht und zur Mêlée zu kommen. Von Beispielen -angewandter Taktik, wie sie das Altertum zeigt, eine vorzügliche -Ausbildung der Schiffe zu benutzen, um an einer Stelle das Übergewicht -zu erringen, oder im Gefecht eigene eigentümliche Waffen (z. B. besondere -Schiffstypen) mit Vorteil zu verwenden, wird nirgends berichtet. Alte Erfahrungen -scheinen verloren zu sein, der Sinn für Taktik geschlummert zu -haben. Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, daß den jeweilig starken -Seemächten, erst den oströmischen Flotten, später denen der italienischen -Städte, keine ebenbürtigen Gegner gegenüberstanden, oder auch darin, daß -sich die Kriegführung mehr auf Expeditionen über See als auf Schlagen -auf See erstreckte.</p> - -<p>Im <em class="gesperrt">Norden</em> standen Kampfweise und Taktik am niedrigsten; die Flotten -des Mittelmeeres waren wenigstens stehende Marinen mit größerer Erfahrung -der Führer und mit beweglicheren Schiffen. Noch lange brauchten die Schiffe -des Nordens auch im Gefechte die Riemen, ohne aber den Galeren als Ruderschiffe -gleichzukommen; die <em class="gesperrt">ersten Segelschiffe</em> aber waren für eine -entsprechende Kampfweise und Taktik noch zu unbeholfen und unhandlich. -Ihre Kraft lag allein in ihrer Größe, ihrer Höhe — je höher, desto günstiger -für den Enterkampf, offensiv wie defensiv —, ihrer starken Besatzung. -Auch ihre Kampfrichtung lag in der Kielrichtung; man trachtete danach, -so schnell wie möglich den Nahkampf mit Rammen, Indengrundsegeln und -vor allem Entern herbeizuführen.</p> - -<p>Die Flottentaktik bestand auch nur darin, die Streitkräfte, in drei oder -vier Geschwader geteilt, nach Möglichkeit geordnet an den Feind zu bringen; -das vierte diente als Reserve und Verstärkung. Dann suchte sich jedes Schiff -seinen Gegner, gebrauchte Enterdraggen und Enterhaken, und das blutige -Handgemenge, bei dem kein Pardon gegeben wurde, begann. Es ist also -derselbe Gefechtsverlauf wie bei den Ruderschiffen, ja bei den unhandlicheren -Fahrzeugen wird von einer Verwendung der Schiffe selbst als Waffe noch -mehr abgesehen, sie bilden eigentlich nur den Kampfplatz.</p> - -<p class="small">De Jonge gibt (I, S. 17) nach dem Bericht eines Zeitgenossen über den Verlauf -<em class="gesperrt">einer Schlacht auf der Maas im Jahre</em> 1351 etwa folgende Schilderung: „Das -Anstimmen des Kriegsgeschreis — bei den Holländern: Holland! Holland! — gab das -Zeichen zum Beginn des Kampfes. Unter dem Kampfruf, dem Schmettern der Trompeten -und dem Schall der Posaunen gingen die Schiffe aufeinander los. Nach Abschießen -der Wurfmaschinen sucht jedes Schiff einen Gegner; die Armbrüste und Bogen spielen, -Draggen und Enterhaken werden geworfen und so der Feind festgehalten. Von diesem -Augenblick an hörte sozusagen der Kampf auf ein Schiffskampf zu sein; nun mußte -Zahl und Tapferkeit der Besatzung im Kampfe Mann gegen Mann entscheiden. Das -Schwirren der Armbrüste, das Klirren der Schwerter, das Aneinanderschlagen der Schilde, -das Brechen der Lanzen, das Krachen der geschleuderten Steine und das Kriegsgeschrei -der Streitenden war schrecklich.“ — Da kein Pardon gegeben wurde, so war der Verlust -in den Schlachten weit größer als in den späteren Zeiten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[49]</a></span></p> - -<p>Aber <em class="gesperrt">einige lehrreiche Ereignisse</em> überliefert uns die -Geschichte doch. Zunächst eins, das den wichtigsten Einfluß der Segel auf -die Kampfweise zur See zeigt, nämlich den Vorteil des Gegners, der „zu -Luward“ steht — d. h. „über dem Winde“, der den Wind zuerst empfängt. -Dieser hat Beginn und Entfernung des Gefechtes in der Hand, ein Vorteil, -der bald erkannt werden mußte. Daß ein Flottenführer auf das Gewinnen -der Luvstellung vor dem Gefechte manövriert, wird uns zum ersten Male -bei der <em class="gesperrt">Schlacht von Southforeland</em> 1217 berichtet. In dieser -ersten Schlacht, die England auf offener See ausfocht, steuerte Hubert de -Bourgh so, daß die Franzosen glaubten, er wolle den Kampf vermeiden. -Als er aber den Wind gewonnen hatte, hielt er ab und griff mit seinen Ruder- -und Segelschiffen vor raumem Winde zunächst die feindliche Nachhut an, -wobei mehrere feindliche Schiffe gerammt und übersegelt wurden. Er benutzte -also die Luvstellung zur Verstärkung seines Stoßes und zur Wahl des Angriffspunktes -in der feindlichen Aufstellung.</p> - -<p>In der großen <em class="gesperrt">Schlacht bei Sluys</em> 1340 ereignete sich ähnliches. -Die französische Flotte, die in und vor dem Hafen gelegen hatte, lichtete bei -Annäherung der Engländer Anker und ging in See. Sie war in vier Geschwader -formiert, die einzelnen Schiffe der Geschwader waren miteinander durch -Ketten und Kabel verbunden, um nicht durchbrochen zu werden — ein Beweis, -wie sehr die Schiffe als Kampfplatz und nicht als Waffe angesehen wurden. -Als Eduard III. auf das Gewinnen der Luvstellung manövrierte, nahmen -die Franzosen auch hier wieder an, er wolle das Gefecht vermeiden, warfen -die Ketten los und folgten.</p> - -<p>Eduard wirft sich nun von Luward aus auf die Vorhut des Feindes, die -aus den stärksten Schiffen besteht, und vernichtet diese; auch das zweite und -dritte Geschwader, die anstatt einzugreifen entmutigt fliehen, werden einzeln -geschlagen, nur das Geschwader der genuesischen Galeren entkommt. Bemerkenswert -ist bei dieser Schlacht eine zweite taktische Maßnahme Eduards. -Er hatte in seine erste Schlachtlinie die schwersten Schiffe gestellt, abwechselnd -bemannt mit einer großen Zahl Bogenschützen und mit Schwerbewaffneten; -jene erschütterten den Feind durch ihr Feuer, diese schritten -dann zum Entern. Die leichteren Schiffe mit Bogenschützen standen in einer -zweiten Linie als Reserve und griffen ein, sobald der erste Anprall erfolgt war. Endlich -sollen auch bei dieser Schlacht zum ersten Male im Norden Wurfgeschütze -in großem Maßstabe verwendet sein, dagegen keine Ruderschiffe mit Sporn.</p> - -<p>Der Angriff von Luward in derselben Weise, d. h. zum Stoß, wird von -jetzt an öfter erwähnt. Es fehlen aber alle Andeutungen, daß der Wind sonst -zu taktischen Zwecken ausgenützt sei oder daß die aufkommende Artillerie -Einfluß auf Kampfweise und Taktik gehabt habe. Wie gering die Bedeutung -dieser noch im 15. Jahrh. war, ist schon früher (S. <a href="#Page_42">42</a>, Bemerkung über die -Schlacht bei Harfleur) gekennzeichnet; Artillerie und Segelmanöver gewannen -erst Einfluß, als die Geschütze in den Breitseiten aufgestellt waren -und die Schiffe größere Segel- und Manövrierfähigkeit besaßen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[50]</a></span></p> - -<p><b>Stärke, Zusammensetzung</b> und <b>Bemannung der Flotten</b>. Es ist verschiedentlich -hervorgehoben, daß es im Mittelalter stehende Flotten nur in den -italienischen Städten und vielleicht in einzelnen anderen Staaten am Mittelmeer -gab.</p> - -<p>Diese Städte, insbesondere Genua und Venedig, bedurften solcher, da -ihre Interessen vorwiegend und andauernd auf der See lagen. Sie hielten -ständig eine Flotte von Galeren im Dienst. Um 1472, die Zeit der höchsten -Blüte, besaß <em class="gesperrt">Venedig</em> einen festen Bestand von 45 Galeren mit 11000 -Mann (daneben 3300 Kauffahrer mit 25000 Matrosen), doch haben sowohl -Venedig wie Genua zu großen Unternehmungen 100, ja bis zu 200 Galeren -aufgestellt. Auch die wohl nur kleinen Flotten Aragoniens und Kastiliens -im Mittelmeer setzten sich, was die wirklichen Kriegsschiffe anbetrifft, aus -Galeren und einigen kleineren Schnellseglern zusammen.</p> - -<p>Bei den Völkern des Westens und Nordens kann vorläufig von stehenden -Marinen nicht die Rede sein. Die <em class="gesperrt">Hansa</em>, die einzige Macht mit großem -Interesse auf See, gebot über keine feste einheitliche Marine, sie konnte selbst -ihren Städten rechtlich nicht die Gestellung von Seestreitkräften auferlegen; -freiwillige Bündnisse scharten die zum Kampf geeigneten Schiffe der einzelnen -Gemeinwesen im Bedarfsfalle zusammen. In den anderen Staaten verfügte -man über einzelne staatliche Schiffe für gewisse Zwecke — Hafenschutz, Zoll- -und Polizeidienst —, kaum aber in erster Linie für den Krieg. Zunächst -waren es meist Ruderschiffe, aber auch als sich später die Segelschiffahrt von -1300 an mehr entwickelte, sind Kriegsschiffe nur in geringer Zahl vorhanden -gewesen.</p> - -<p>So hören wir in <em class="gesperrt">England</em> zwar frühzeitig von „Kings“-Schiffen, -zuerst galleys, die indessen auch an Private vermietet wurden, selbst „the Kings -great ship“. Viele können es nicht gewesen sein, denn anderseits wurden -wieder von den Städten Schiffe für den königlichen Dienst ausgehoben, -und nicht nur für den Kriegsdienst, sondern auch für den Transport von -Passagieren und Gütern. Für den Kriegsdienst war man nahezu ganz auf -die Einstellung von Kauffahrern angewiesen; selbst schon zum Küstenschutz -und gegen Seeraub brauchte man ihre Unterstützung. In erster Linie lag -ihre Gestellung bei den <em class="gesperrt">Cinque Ports</em>, den wichtigsten Häfen: Dover, -Sandwich, Hythe, Romney, Hastings (später traten noch andere hinzu), -die seit Wilhelm dem Eroberer gegen Bewilligung verschiedener Vorrechte -verpflichtet waren, eine bestimmte Anzahl von Schiffen zu stellen (einige -fünfzig). Bei Mehrbedarf wurden noch andere Fahrzeuge geheuert oder man -legte Beschlag auf alle in den Häfen befindlichen, selbst fremde.</p> - -<p class="small">Die ungeheure Zahl von Fahrzeugen, aus denen die Flotten in den englisch-französischen -Kriegen bisweilen bestanden, darf uns nicht verwundern. Wenn es sich um -eine Expedition mit einer Armee über den Kanal oder um Abwehr eines solchen Einfalls -handelte, wurden die Fahrzeuge bis zu 50 tons, ja selbst bis zu 20 tons hinunter, ausgehoben. -Handelte es sich um eine Flotte zum Schlagen, so finden wir weit kleinere -Zahlen (z. B. Engländer bei Southforeland 1217 und Kastilier bei La Rochelle 1372 -nur 40 Schiffe); zu solchem Zweck waren eben nur größere Schiffe zu gebrauchen. Gewaltige<span class="pagenumsmall"><a name="Page_51" id="Page_51">[51]</a></span> -Flotten größerer Schiffe, aber immerhin doch weit kleiner als die erwähnten -Expeditionsflotten, treten erst im 17. Jahrh. auf, als die Schiffahrt und damit der -Bestand größerer Kauffahrer ungemein zugenommen hatte.</p> - -<p>Wie gering die Zahl der königlichen Kriegsschiffe war, zeigt der kleine Bestand -um 1421 (vergl. Clowes I., S. 347), als Heinrich V. großen Wert auf die Kriegführung -zur See legte, nämlich: 17 ships, darunter nur 6 von 400–1000 tons; -7 Karraks von 500–600, Schiffe südlichen Ursprungs, dem Feinde abgenommen; -14 kleinere Fahrzeuge von 50–120 tons. Die 1416 vor Harfleur -genommenen Karraks sollen als Muster beim Bau größerer Schiffe in England -gedient haben. 1417 war nur etwa die Hälfte dieser Schiffe vorhanden gewesen -und 1423 wurden nach Heinrichs Tode wieder alle bis auf zwei verkauft, -so daß unter Heinrich VI. selbst die Aufrechterhaltung der Sicherheit an den -Küsten und in den Küstengewässern kontraktlich an Private vergeben und -dann wieder die Städte zu ihrer Unterstützung herangezogen werden mußten. -Möglich, daß im 14. Jahrh. schon mehr Kriegsschiffe vorhanden gewesen waren, -das Haus Lancaster hat im allgemeinen Seefahrt und Handel vernachlässigt. -Erst unter den Yorks baute man wieder Kriegsschiffe, bis 1485 werden nach und -nach 11 aufgeführt. Heinrich VII. übernahm (1485) 7 „große“Schiffe und baute -selbst das erste epochemachende Schiff des Nordens „Regent“ (vergl. S. <a href="#Page_97">97</a>).</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Frankreich</em> hört man bis 1374 gar nichts von königlichen Kriegsschiffen. -Das Land war ja auch häufig ganz oder doch fast ganz von den Küsten -abgeschnitten, so daß selbst die Aufstellung von Flotten aus Kauffahrern -schwierig und beschränkt war. Zur Verstärkung mußte man Schiffe in Holland -und Flandern heuern, und eine Hauptkraft bildeten vielfach genuesische -Kriegsgaleren, im 15. Jahrh. auch Karraks. 1374 begann der Admiral Jean -de Vienne in Rouen die ersten Kriegsschiffe zu bauen und trat schon 1377 mit -35 für damalige Zeit großen und wohl armierten auf. Diese erste königliche -Marine hat jedoch keine Dauer gehabt, erst unter Richelieu wurde eine -neue geschaffen.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">Portugal und Kastilien</em> scheinen keine nennenswerte -Zahl von Segelkriegsschiffen besessen zu haben. Die Schiffe Prinz Heinrichs -des Seefahrers trieben, wie wir sahen, bei ihren Entdeckungsreisen Handel; -die von den Engländern 1350 geschlagene Flotte de la Cerdas befand sich -„reich beladen“ auf der Rückreise von Flandern; die vor La Rochelle 1372 -mit Erfolg tätige kastilische Flotte war (vergl. du Sein II, S. 450) mit französischer -Besatzung bemannt. Alle diese Schiffe waren also wohl geheuerte -Kauffahrer.</p> - -<p>Über die <em class="gesperrt">Bemannung</em> der Schiffe im Mittelalter haben wir wenig -genaue Angaben, einige sind bei der Besprechung der Schiffe angeführt. -Wie es keine stehenden Marinen gab, so gab es auch kein Marinepersonal im -Sinne der späteren Zeit. Die seemännische Führung und die Bedienung der -Fahrzeuge lagen in der Hand des kleinen seemännischen Personals, das wohl -meist mit den Schiffen geheuert oder ausgehoben wurde. Zum Kampf -schifften sich Kriegsleute — Ritter, sonstige Schwerbewaffnete und Leichtbewaffnete,<span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[52]</a></span> -besonders Bogenschützen — ein. Die Seeleute beteiligten sich -wohl am Kampf, doch war es eben nicht ihre Hauptaufgabe. Nach Quellen -aus verschiedenen Nationen dürften im Durchschnitt geführt haben:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p52"> - <tr> - <td class="tdc">Schiffe</td> - <td class="tdc">von</td> - <td class="tdc">120</td> - <td class="tdc">tons:</td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdc">Seeleute,</td> - <td class="tdc">gesamt</td> - <td class="tdc"> 75</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">200</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">150</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">250</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">60</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">200</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">300</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">80</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">250</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">In den Seeleuten waren inbegriffen: Der Schiffer, ein oder zwei Steuerleute und -Zimmerleute, Matrosen und Schiffsjungen; Kriegsleute waren etwa doppelt so viel vorhanden. -Mit dem Größerwerden der Schiffe wuchs die Besatzung nicht in demselben -Verhältnis wie in vorstehender Tabelle weiter; ein Schiff von 600 tons hatte am Ende -der Periode nur etwa 300 Mann. Wir werden sehen, daß die Besatzung relativ immer -geringer wird, daß dagegen die Zahl der Seeleute mit Zunahme der Armierung mit -Geschützen, und wohl auch infolge der Entwicklung der Takelage, absolut und im -Verhältnis zur Gesamtbesatzung wächst.</p> - -<p>Eingeschiffte Landungstruppen nahmen natürlich bei einem Zusammenstoß -auf See am Kampfe teil, aber auch sonst findet man öfters eine beträchtliche -Vermehrung der Kriegsleute an Bord, wenn eine Flotte zu einem Schlage -auf See entsendet wird, wie z. B. auf der englischen, die 1416 zur Vernichtung -der französischen Blockadeflotte vor Harfleur in See ging. Die Soldaten -wurden wie zu den Landheeren ausgehoben oder geworben. Es ist -anzunehmen, daß, da auch die Kauffahrer dieser Zeit zum eigenen Schutz -meist mit Kriegern besetzt waren, sich unter den Soldaten der Schiffsbesatzung -viele befanden, die gewerbsmäßig vorwiegend zur See dienten.</p> - -<p>Die Schiffe standen unter dem militärischen Kommandanten, dem -Kapitän; dem Schiffer fiel nur die seemännische Leitung zu. Den Befehl -über mehrere Schiffe führten <em class="gesperrt">Admirale</em>. Dieser Titel, aus dem Mittelmeer -schon seit den Kreuzzügen übernommen und vom arabischen Amir oder -Emir stammend, bezeichnet zunächst nur die Tätigkeit für bestimmte -Gelegenheiten; auch Kauffahrteischiffe waren, wenn sie im Konvoi segelten, -einem der Schiffsführer als Admiral unterstellt.</p> - -<p class="small">In England standen die Küsten und der Küstenschutz unter einem Admiral des -Nordens und einem des Westens (seit 1300 mit diesem Titel, die Einrichtung ist älter; -vorher werden derartige Stellungen Captain of the kings sailors oder keeper of the sea -coast genannt), die Grenze der Machtbefugnisse beider war die Themse. Sie mobilisierten -die Flotte ihres Bereichs und führten sie; doch wurden für besondere Zwecke auch andere -Admirale bestellt, und zeitweise stand über ihnen ein Admiral von England. Seit 1406 -war ein solcher stets vorhanden und wurde später Lordhighadmiral benannt, ihm unterstanden -das ganze Seewesen und alle sonst zeitweis bestellten Admirale; die festen Küstenadmirale -fielen weg. Auch in Frankreich finden wir stets einen Admiral von Frankreich -und unter ihm solche für die verschiedenen Küstenbezirke.</p> - -<p class="small">Die Admiralstellungen bekleideten wie die Feldherrnstellungen der Landheere -im Mittelalter im allgemeinen hochgestellte Edelleute. Es finden sich bei großen Flotten, -entsprechend der Einteilung in Geschwader, schon die Funktionen der Vize- und Kontre-Admirale -als Führer der Vorhut (rechter Flügel) und der Nachhut (linker Flügel); diese -Stellungen wurden durch den Flottenchef mit den geeignetsten Kommandanten besetzt. Die -Kommandanten der größeren Kriegsschiffe waren aber gleichfalls selten Seeleute von Beruf.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_16_16" id="Footnote_16_16"></a><a href="#FNanchor_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Oncken, Bd. IX. Zeitalter der Entdeckungen; -Zimmermann, Bd. I; Nauticus, 1900 und 1901: Clowes, Tl. I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_17_17" id="Footnote_17_17"></a><a href="#FNanchor_17_17"><span class="label">[17]</span></a> Hauptquellen: Arenhold; du Sein; Serre; Jurien; Clowes Tl. I; The ship. In -allen Angaben von mehr technischen Quellen, aus denen sie geschöpft haben, so besonders -Clowes. — Bei Clowes und in The Ship finden sich Angaben über die vielen Schiffstypen -der verschiedenen Völker, die hier nicht erwähnt werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_18_18" id="Footnote_18_18"></a><a href="#FNanchor_18_18"><span class="label">[18]</span></a> Genauere Angaben über die Galeren des 16. und 17. Jahrh., auch über den -Dienst an Bord derselben u. s. w. in Jurien: „Les derniers jours“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_19_19" id="Footnote_19_19"></a><a href="#FNanchor_19_19"><span class="label">[19]</span></a> „Griechisches Feuer“: wahrscheinlich eine flüssige Masse aus Schwefel, Salpeter, -Naphtha, Pech gemischt, entzündlich durch Zutritt von Luft; durch Wasser nicht zu -löschen, nur durch Essig oder Erde. Verwendet: Aus Spritzen; mittels umwickelter -Pfeile; in Gefäßen als Handgranaten oder mit Wurfmaschinen geworfen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_20_20" id="Footnote_20_20"></a><a href="#FNanchor_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Quellen: Das Sammelwerk du Seins gibt den besten Überblick aller wichtigen -Ereignisse; Henk führt die Hauptereignisse auf.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_21_21" id="Footnote_21_21"></a><a href="#FNanchor_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Hauptquellen: Jurien, „gotische Flottillen“, „Doria“; Manfroni, I und II, -über Zeit der Völkerwanderung, neue Reiche, Kreuzzüge, italienische Städte; -The Ship über Venedig; de Veer über Portugal; Nauticus 1900 und 1901 über Venedig -und die spanischen Königreiche; Clowes I, England in den Kreuzzügen; in Roncière -über die Franzosen im Mittelmeer.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_22_22" id="Footnote_22_22"></a><a href="#FNanchor_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Quellen: Über die Hansa: Schäfer, Lindner. Über die skandinavischen Völker: -Tuxen (dänische), Gyllengranat (schwedische Flotte); über beide: Nauticus 1900.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_23_23" id="Footnote_23_23"></a><a href="#FNanchor_23_23"><span class="label">[23]</span></a> In Clowes I sind die kriegerischen Ereignisse der englischen Marine im Mittelalter -sämtlich behandelt. Gerade vom Beginn des 13. Jahrh. an werden die Quellen für -diese Marine reichhaltiger. In Clowes auch die Verwendung der Seestreitkräfte in den -Kämpfen mit Schottland und zur Eroberung Irlands. Französischerseits für die Geschichte -der Marine im Mittelalter Roncière I und II sehr eingehend.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[53]</a></span></p> - -<h2><span style="font-size: 75%;">Zweiter Abschnitt.</span><br /> -Die Zeit von 1492–1648.</h2> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[54]</a></span></p> - -<p class="title">Kennzeichen des Abschnittes.</p> - -<p class="small">Die großen Entdeckungen erschließen die Erde, Seefahrt und Seehandel -treten in die Weltmeere. Die Völker Westeuropas werden die Träger der -Schiffahrt; wesentliche Vervollkommnung der Segelschiffe; die Ruderschiffe -verschwinden auch als Kriegsschiffe. Die Artillerie wird, auch als schwere -in den Breitseiten aufgestellt, die Hauptwaffe der Schiffe. Der Seehandel -auf den Weltmeeren und die fernen Kolonien werden Angriffsobjekte des -Seekrieges.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[55]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p055.jpg" width="600" height="102" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Erstes Kapitel.</span><br /> -Einleitung. Die großen Entdeckungen. Das Heraustreten -der Engländer und Holländer (Franzosen) -in die Ozeane. Die Unsicherheit auf den Meeren.</h3> - -<h4>Einleitung.</h4> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_p055.jpg" width="51" height="50" - alt="D" - title="D" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">D</span>Der Anfang der „<em class="gesperrt">Neueren Zeit</em>“ ist auch ein <em class="gesperrt">Wendepunkt von -höchster Bedeutung für die Entwicklung des Seewesens</em>. -Mit dem Beginn der großen Entdeckungen gegen Ablauf des -15. Jahrh. tritt die Seefahrt, die bis dahin in ihrer Allgemeinheit nur -in „Küstenfahrt“ und in „kleiner Fahrt“ innerhalb begrenzter Gewässer bestanden -hatte, ins offene Weltmeer hinaus. Die großen Entdeckungen gehen -aus von den Völkern an der Westküste Europas, deren Staaten gerade um -diese Zeit genügend in sich entwickelt und gefestigt sind; diese Völker werden -nun die Hauptträger der Schiffahrt, die des Mittelalters, die Städte Italiens -und der Hansa, verlieren an Bedeutung. Die Segelschiffahrt, die sich, -solange es sich um Fahrten in den begrenzten Gewässern des Mittelmeeres, -der Ost- und Nordsee oder um Küstenfahrten an den Ostgestaden -des Atlantik handelte, nur in geringem Maße im Vergleich zu ihrem Stand -im Altertum eigentlich erst seit dem 13. Jahrh. entwickelt hatte, tritt im -16. Jahrh. aus den Kinderschuhen. Das Hinausgehen auf den Ozean stellte -andere Anforderungen an das Material und zeitigte eine schnelle Vervollkommnung -des Schiffbaues und der Takelung; see- und segeltüchtigere -Schiffe werden geschaffen und in der Nautik, Geographie, Kartographie und -ähnlichen Hilfswissenschaften bedeutsame Fortschritte gemacht.</span></p> - -<p>Auf dem Ozean unbrauchbar, verschwinden mit der Vervollkommnung -der Segelschiffe die Ruderkriegsschiffe bei den jetzt führenden Staaten allmählich, -nur im Mittelmeer bleiben sie neben Segelschiffen noch weiter im -Gebrauch. Die Artillerie, die allerdings schon vom 14. Jahrh. an mehr und -mehr an Bord verwendet wurde, wird Hauptwaffe und erhält infolge ihrer<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[56]</a></span> -Vermehrung und Freiwerdens der Schiffsseiten durch Wegfall der Riemen -eine andere Aufstellung: Die Breitseitaufstellung an Stelle der Bug- und -Heckaufstellung auf den Ruder- und unvollkommneren Segelschiffen. Hierdurch -ändert sich die ganze Kampfweise und Taktik zur See.</p> - -<p>Die Gründung von Kolonien und die Ausbreitung des Seehandels über -die ganze Erde tragen zur schnellen Weiterentwicklung der dabei beteiligten -Staaten bei, sie führen aber auch zu großen Kämpfen zwischen den Nebenbuhlern. -Diese Kriege werden in erster Linie, ja fast ausschließlich, zur See -ausgefochten; der Sieger erreicht das Ziel des Krieges — dem Feinde seinen -Willen aufzuzwingen — durch die Folgen seiner Übermacht zur See, Momente, -die wir in den älteren Zeiten, namentlich im Mittelalter, nur in beschränktem -Maße vorfanden. Seekriege, Beschützung des Seehandels und der Kolonien -rufen endlich große, wohlorganisierte Kriegsflotten ins Leben; in ihnen findet -die Weiterausbildung des Seewesens ihre Hauptpflege.</p> - -<p>Vom Beginn der neueren Zeit an spielt das Seewesen eine hervorragende -Rolle in der Geschichte und hat sich von hier ab bis zur Gegenwart ununterbrochen -weiterentwickelt, zunächst in der Segelschiffahrt und durch diese. -In dem <em class="gesperrt">Zeitabschnitt von</em> 1492 bis 1648 entstehen allmählich die politischen -Verhältnisse, die später zu den großen Seekriegen des 17. und 18. Jahrh. -führten. An größeren kriegerischen Unternehmungen zur See ist er arm, -da Angriffsobjekte und Waffen noch fehlen, ebenso wie das Verständnis -für Anlage und Durchführung eines Seekrieges, das sich erst während der -nächsten Periode ausbildet. Wir werden sehen, wie zunächst die Seefahrt -in die Ozeane hinaustritt, welche Ergebnisse und Folgen dies hat und wie -sich die Seestreitkräfte der beteiligten Völker vervollkommnen. Die kriegerischen -Ereignisse der ersten Hälfte sollen, weil weniger wichtig, nur kurz -behandelt werden; erst auf die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien -von der „Armada“ an muß näher eingegangen werden, weil sich in ihnen -der Übergang zu einer neuen Kriegführung zeigt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Heraustreten der Seefahrt auf die Ozeane</em> und -die <em class="gesperrt">Zunahme der Seefahrt überhaupt</em> läßt sich in drei Phasen zerlegen.</p> - -<p>In die erste fallen die großen Entdeckungen der Portugiesen und Spanier. -Beide Nationen werden durch die Ausbeutung dieser, durch Handel oder -Kolonialgründung, reich und zu ansehnlichen Seemächten; Spanien im besonderen -gewinnt die Mittel, seine europäische Großmachtspolitik zu treiben. -Aber auch Hollands und Englands Handel nimmt zu; diese Völker, zumal -Holland, dehnen ihn auf Kosten der Hansa in der Nord- und Ostsee aus, -doch fühlen sie sich im allgemeinen noch nicht stark genug, den beiden südlichen -Nationen das beanspruchte Monopol in deren Gewässern streitig zu -machen, und versuchen deshalb, auf eigenen Wegen Indien, d. h. reiche Länder -in Asien, zu erreichen. Auch Frankreich beteiligt sich zeitweise an solchen -Bestrebungen.</p> - -<p>In der zweiten Phase erscheinen aber auch diese Völker häufiger in den -südlichen Gewässern, um ihren Anteil an Handel und Besitz dort zu nehmen:<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[57]</a></span> -der heftige Widerstand, der ihnen überall entgegengesetzt wird, führt zu -blutigen Zusammenstößen. Besonders die Engländer schlagen sich in Westindien -mit den Spaniern (die Franzosen in Brasilien mit den Portugiesen) -herum und greifen ihren Handel im Atlantik an, ohne daß erklärter Krieg -herrscht. Die Holländer führen um diese Zeit zunächst ihren Unabhängigkeitskrieg -an der eigenen Küste. Nachdem aber 1585 der offene Krieg zwischen -Spanien und England ausgebrochen war — schon lange hatte er gedroht, -da England unter Elisabeth überall in der äußeren Politik als protestantische -Macht der katholischen Vormacht Spanien entgegentrat, so auch zugunsten -der Niederlande — und nachdem in diesem Kriege die spanisch-portugiesische -Seemacht — beide Länder seit 1580 vereinigt — durch die Vernichtung der -Armada an Macht und Schrecken verloren hatte, wird das Übergreifen der -Engländer in die feindlichen Gewässer planmäßiger und kräftiger betrieben, -und auch die Holländer suchen ihre Unterdrücker auf dem Ozean auf.</p> - -<p>In der dritten Phase endlich, der ersten Hälfte des 17. Jahrh., führen -in erster Linie die Holländer den offenen Krieg auf den Weltmeeren weiter, -England tritt nach dem Frieden 1604 und dem Tode Elisabeths, der eifrigen -Förderin des Seewesens, unter den Stuarts mehr zurück. Macht und Ansehen -der südlichen Völker auf dem Meere sind aber schon gebrochen, so daß es den -anderen Nationen gelingt, in den fernen Ländern jener festen Fuß zu fassen -und den eigenen Welthandel auszudehnen. Holland legt in dieser Zeit Portugal -in Ostindien sogar schon lahm, und England gründet seine Kolonien in Amerika.</p> - -<h4>Die großen Entdeckungen.</h4> - -<p>Gegen das Ende des 15. Jahrh. war die Geographie soweit vorgeschritten, -daß der Wunsch, mit Indien — d. h. zunächst den Gewürzinseln, aber auch -dem Festland Indiens, mit China und Japan — über See in Verbindung zu -treten, wohl erfüllbar erschien. Karten und Globen (Behaim 1492) berühmter -Gelehrter zeigten die Erde als eine Kugel, auf der die Alte Welt, roh der Wirklichkeit -entsprechend, von einem großen Weltmeer umflutet dargestellt war. -Da Nautik und Seemannschaft ebenfalls derartige Fortschritte gemacht -hatten, daß der Seemann es wagen konnte, die Küsten zu verlassen und ins -offene Meer zu steuern, mußten Pläne auftauchen, nun auch von der Westküste -Europas quer über diesen Ozean hin nach West segelnd Indien zu -erreichen und nicht nur wie die Portugiesen bisher, nach mittelalterlicher -Weise in langer Küstenfahrt um Afrika herum, den Weg zu suchen. Diesem -neuen Wege wendete man jetzt um so größere Aufmerksamkeit zu, als man -die Ausdehnung der Alten Welt nach Osten hin weit größer als in Wirklichkeit -annahm. Auf dem Globus von Behaim liegt Japan auf der Länge von Mexiko; -man hätte demnach also von den Azoren und Kapverden dahin nur etwa -60 Längengrade zu segeln gehabt; alte, unter Seeleuten und Gelehrten laufende -Gerüchte erzählten von gar nicht fern im Westen liegenden Inseln, so z. B. -von einer großen Insel „Antilia“, die auf genanntem Globus in etwa 60° W.<span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[58]</a></span> -Greenwich unter dem Wendekreis des Krebses eingezeichnet war. Es war auch -wohl anzunehmen, daß Portugal, das auf dem betretenen Wege weiter ging -und sich auf diesem alle Rechte durch päpstliche Bullen hatte sichern lassen, -hier keine Mitbewerber dulden würde.</p> - -<p>Wieder haben die Italiener großen Einfluß auf den Aufschwung der -Nautik und Seefahrt geübt. Italiener wurden als theoretische und praktische -Lehrmeister herangezogen, als Portugal zur See ging, in anderen Staaten -gleichfalls; ein Italiener, der Gelehrte <em class="gesperrt">Toscanelli</em> in Florenz, gab den -Hauptanstoß zu der Westfahrt nach Indien. Er unterbreitete schon etwa -um 1474 dem König von Portugal einen Plan dafür nebst einer Weltkarte, -die auch wahrscheinlich Behaim bei seinem Globus vielfach benutzt hat; -Plan und Karte übersandte er später dem Kolumbus auf seine Bitte. Dieser, -wiederum ein Italiener, führte das kühne Unternehmen im Dienste Spaniens -aus. Italiener wurden die Leiter der ersten Unternehmungen Englands -und Frankreichs nach Nordwesten. Aber außer den Fahrten in den -Ozean nach dem Kanal und nach den Kapverden im 14. Jahrh. haben die -italienischen Seestädte selbst keine Rolle mehr bei dem Eröffnen der -Meere gespielt, es blieb dies den Völkern am Atlantik vorbehalten. Wie nun -diese in einer verhältnismäßig kurzen Zeit durch kühne Seefahrten fast die -ganze Erde erschlossen, den Welthandel schufen und sich in den fernen Ländern -festsetzten, soll nur soweit geschildert werden, als nötig ist, um die großen seemännischen -Leistungen, die erreichte Ausdehnung der Schiffahrt, die Macht -der europäischen Staaten in fernen Ländern und Gewässern sowie die ersten -Reibungen und Zusammenstöße dort kennen zu lernen.<a name="FNanchor_24_24" id="FNanchor_24_24"></a><a href="#Footnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a></p> - -<p>Da diese Unternehmungen überall zuerst nur von dem Gedanken, Indien -zu finden, geleitet wurden, sollen sie an der Hand der Wege betrachtet -werden, auf denen die verschiedenen Völker das Ziel zu erreichen strebten. -Wenn nun auch der Zeit nach die Spanier auf dem Wege nach Westen zuerst -und vor Fortsetzung der bisherigen portugiesischen Entdeckungen einen -großen Erfolg durch die Auffindung Amerikas erzielten, so beginnen wir doch -mit den Portugiesen, da wir ihren Weg nach Südosten schon bis zum Eintritt -in den Indischen Ozean verfolgt haben und sie auch tatsächlich „Indien“ -als erste erreichten. Ihnen war also der Plan Toscanellis vorgelegt worden, und -auch Kolumbus hat ihnen seine Dienste angeboten. Daß sie beides ablehnten, -ist ihnen vorgeworfen worden; man muß aber bedenken, daß sie schon -viel zur See erreicht hatten, aus ihrem Handel mit Guinea bereits Vorteil -zogen, daß ihr Weg ihnen begründete Aussicht auf Erfolg bot, und daß sie -endlich schon zu sehr in Anspruch genommen waren, um sich auf weitere, vorläufig -noch unsichere und kostspielige Unternehmungen einlassen zu können.</p> - -<p><b>Der Weg der Portugiesen nach Südosten.</b> Der Erfolg des Kolumbus -spornte Portugal an, nach einer Pause von einigen Jahren die Entdeckungsfahrten -wieder aufzunehmen, jedoch der Tod des Königs <em class="gesperrt">Joao</em> II. verzögerte<span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[59]</a></span> -sie noch einige Zeit. Dagegen war es diesem noch gelungen, eine vorläufige -Einigung mit Spanien über die beiderseitigen Rechte auf die zu entdeckenden -Länder — die <em class="gesperrt">Teilung der Welt zwischen Portugal und -Spanien</em> — herbeizuführen. Spanien hatte sich gleich nach der Rückkehr -des Kolumbus von seiner ersten Reise 1493 vom Papste die gefundenen und -noch zu findenden transatlantischen Gebiete zusprechen lassen. Da man aber -allgemein die Entdeckungen des Kolumbus für „Indien“ hielt, so verstieß -dies gegen die Rechte Portugals nach den älteren Bullen (Seite <a href="#Page_29">29</a>), und Portugal -ging deshalb sogar damit um, weitere Fahrten Spaniens durch seine -Seestreitkräfte zu verhindern. Nach längeren Verhandlungen, in denen -Portugal seine Forderungen mehr und mehr abschwächte, kam 1494 der -<em class="gesperrt">Vertrag von Tordesillas</em> zustande, wonach Spanien die Länder -westlich von etwa 48½° W. Greenwich erhielt; -diese Grenzlinie überlieferte, wie sich -später zeigen sollte, auf der noch unbekannten -Erdhälfte durchgeführt, den Portugiesen -ganz Indien und den indischen Archipel, -führte aber bei den noch lange unsicheren -Längenbestimmungen zu manchen Verwicklungen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p059.jpg" width="300" height="380" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p059" id="fig_p059"></a> -<p class="caption">Vasco de Gama.</p> -</div> - -<p>Im Jahre 1497, unter der Regierung -<em class="gesperrt">Dom Manoels</em>, gingen dann 3 Schiffe -je von 100–120 tons mit 150–170 Mann -Gesamtbesatzung, und ein Proviantschiff -unter dem Kommando <em class="gesperrt">Vasco de Gamas</em> -aufs neue in See. Nach vier- oder gar -sechsmonatiger, beschwerlicher Fahrt wurde -im November das Kap der Guten Hoffnung -passiert; das schon geleerte Proviantschiff -hatte man an der Westküste Afrikas, wahrscheinlich -in der St. Helenabay, wo man zu Breitenbestimmungen gelandet war, -als seeuntüchtig verbrannt. Ende Januar 1498 erreichte man den Sambesi, wo ein -längerer Aufenthalt zur Ausbesserung der Schiffe und Erholung der Mannschaft -genommen wurde, am 1. März Mozambique und Ende April Mombas. Vom Sambesi -an war man in den Bereich des arabischen Handels getreten, in beiden Städten -traf man auf arabische Niederlassungen und fühlte hier schon, daß die Araber -einen Handelswettbewerb nicht ohne Kampf zulassen würden. Es kam auch -zu Zusammenstößen, und der in Mozambique aufgenommene arabische Lotse -versuchte mehrfach, die Schiffe auflaufen zu lassen. Erst in Melinde, einer -damals reichen Stadt, fand Vasco de Gama freundliche Aufnahme. Er traf -hier auch die ersten Schiffe aus Indien und erhielt genaue Nachrichten über -dieses Land; von hier erreichte er nach Verlassen der Küste unter Führung -eines zuverlässigen Lotsen nach einer Fahrt von 25 Tagen am 20. Mai <em class="gesperrt">Kalikut</em>, -die wichtigste Handelsstadt Indiens.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[60]</a></span></p> - -<p class="small">Indien zerfiel damals in eine größere Zahl selbständiger mohammedanischer oder -Hindu-Reiche. Eines davon war <em class="gesperrt">Malabar</em>, der Küstenstrich vom Südkap Vorderindiens -bis zum Mount Dellij auf 8° N. Breite; es bestand aus verschiedenen kleineren -Herrschaften unter Radschahs, über die der Samorin (Herr der See) von Kalikut -die Oberhoheit besaß. Das Übergewicht dieser Stadt lag in ihrem Handel nach -Ägypten und Persien. Ihn vermittelten in der Hauptsache arabische Kaufleute und -Schiffer, doch auch Mauren aus Tunis und Algier sowie Juden des Mittelmeeres waren -daran beteiligt. Im Mittelmeer aber standen sich Christen und Mohammedaner feindlich -gegenüber, und die Verdrängung dieser von der Pyrenäischen Halbinsel hatte die ganze -mohammedanische Welt bis nach Indien hin erregt.</p> - -<p>Da die Portugiesen hier in den Mohammedanern Erbfeinde vorfanden, -war es begreiflich, daß diese überall ihr bisheriges Handelsmonopol gegen -die christlichen Eindringlinge verteidigten. Die Fremdlinge wurden beim -Samorin, der ihnen zuerst günstig gesinnt war und die Erlaubnis zum Handel -gegeben hatte, und bei den Indern überhaupt als Seeräuber und Kundschafter -für spätere Eroberungen verdächtigt. Die Lage der Portugiesen wurde hierdurch -in Kalikut bald unhaltbar; nicht nur der Handel mußte wieder abgebrochen -werden, sondern man ging auch gewalttätig gegen sie vor, und -Vasco selbst wurde hier kurze Zeit gefangen gehalten. Man verließ deshalb -den Hafen, besuchte noch die Stadt Kananor, deren Herrscher, auch -ein Vasall des Samorin, die Fremden gut aufnahm, und rüstete dann auf -den Anjediven-Inseln die Schiffe zur Rückreise aus. Auch hier wurde vom -benachbarten Goa, dem Haupthafen des Reiches Bidschapur, ein durch Wachsamkeit -jedoch glücklich vereitelter Überfall auf sie versucht. Im Dezember -1498 wurde mit dem Einsetzen des NO.-Monsune die Rückreise über Mogdischuh, -Melinde, Sansibar angetreten und im Hochsommer 1499 Lissabon -erreicht.</p> - -<p>Der Jubel in Portugal war groß. Der Weg nach Indien war gefunden, -und die mitgebrachten Waren versprachen reichen Handelsgewinn; man sah -aber auch, daß der Handel wegen der Mohammedaner nur mit den Waffen -in der Hand und mit Rüstungen für ernste Kriegsfälle betrieben werden -könne. Dementsprechend wurden die nächsten Expeditionen ins Werk -gesetzt.<a name="FNanchor_25_25" id="FNanchor_25_25"></a><a href="#Footnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a></p> - -<p>Schon am 9. März 1500 lief ein Geschwader von 13 Schiffen unter <em class="gesperrt">Pedro -Alvarez Cabral</em> aus. Nach Anweisung Vascos beabsichtigte Cabral, -von der Guineaküste direkt südlich bis zur Breite des Kaps zu steuern und -dieses dann mit den Westwinden zu umsegeln. Durch den Äquatorialstrom -und östliche Winde stark nach Westen versetzt, sichtete er im April unter -14° S. Breite die Küste <em class="gesperrt">Brasiliens</em>; er nahm das Land in Besitz und -sandte ein Schiff mit der Meldung heim, worauf auch schon 1501 eine Expedition -zur näheren Erforschung dahin abging. Auf dem Wege zum Kap -kenterten in einem Sturme 4 Schiffe, 2 wurden versprengt, und nur mit -6 Schiffen langte man Ende August in Kalikut an. Hier spielte sich derselbe<span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[61]</a></span> -Vorgang wie bei der ersten Fahrt ab; zuerst wurde man gut aufgenommen, -dann aber führten die Umtriebe der Araber wieder zu Feindseligkeiten, die -schließlich die Zerstörung von 13 großen arabischen Schiffen, das Bombardement -der Stadt und den Abbruch aller Verhandlungen zur Folge hatten. Aber -verschiedene Fürsten der Malabarküste, Vasallen vom Samorin und eifersüchtig -auf ihren Oberherrn, erlaubten nun gerade den Handel in ihren Städten, -ja sogar die Anlage von Faktoreien, so in <em class="gesperrt">Kananor</em> und <em class="gesperrt">Cochin</em>. Mit -reichen Gewürzladungen trafen die Schiffe am 31. Juli 1501 in der Heimat -ein, so daß die Reise trotz der großen Verluste — auf der Rückreise blieb -noch ein Schiff — ungeheuren Gewinn abwarf. Einem kleinen, auch im -ganzen erfolgreichen Geschwader von 4 Schiffen, das bereits im März 1501 -abgegangen war und auf seiner Fahrt Ascension und die wichtige Trinkwasserstation -St. Helena entdeckt hatte, folgte nun im Frühjahr 1502 eine -mächtige Flotte von 20 wirklichen Kriegsschiffen mit 800 Soldaten unter -<em class="gesperrt">Vasco de Gama</em>, um in Indien dauernd festen Fuß zu fassen. Auf der -Hinreise wurden Faktoreien an der Ostküste Afrikas in <em class="gesperrt">Sofala</em>, <em class="gesperrt">Mozambique</em> -und <em class="gesperrt">Kilwa</em> gegründet, in Indien wurden die erlittenen Schädigungen -an Kalikut und Goa gerächt, die portugiesische Stellung in Kananor und -Cochin gestärkt, der arabische Handel nach Möglichkeit geschädigt und bei -der Rückkehr 1503 zu diesem Zwecke und zum Schutz der Faktoreien zum -ersten Male eine Flottenabteilung als ständige Macht in den indischen Gewässern -zurückgelassen. Die Unternehmungen der nächsten Jahre brachten -die Erbauung von steinernen Forts in den genannten Städten Ostafrikas, die -Besetzung der Insel <em class="gesperrt">Socotora</em> (jetzt Sokotra) am Eingang des Roten -Meeres, Festungsbauten auch in Kananor, Cochin, Kollum, deren Radschahs -sich von Kalikut losgesagt und sich zu Vasallen Portugals erklärt hatten, -sowie die Inbesitznahme der <em class="gesperrt">Anjediven-Inseln</em>, die einen besonders -günstigen Platz als Treff- und Sammelpunkt der Schiffe bildeten; -damit waren auch Stützpunkte für den Handel und die weitere Ausdehnung -der Macht geschaffen, und in derselben Weise schritt man nun durch Anlage -neuer Stützpunkte über Malabar hinaus nach Norden und nach Osten in den -indischen Archipel hinein fort.</p> - -<p>Eine Gründung eigentlicher Kolonien, d. h. die Inbesitznahme weiter -Ländereien, ist fast nirgend erfolgt, es blieb nur das Bestreben maßgebend, -den Gewürzhandel ganz in die Hand zu bekommen. Dazu war es vorteilhaft, -mit den einheimischen Fürsten nach Möglichkeit in Frieden zu leben, aber -notwendig, die Araber zu verdrängen. Diejenigen indischen Herrscher, die -die Errichtung von Forts in ihren Städten zuließen oder sich doch den Anordnungen -Portugals fügten und die Anlage von Faktoreien erlaubten, traten -in das Verhältnis der Bundesgenossenschaft, die anderen waren beständigen -Belästigungen und Angriffen ausgesetzt. In den von Portugal beherrschten -Häfen wurden Handelsvorschriften erlassen, Maße, Gewichte und Preise -für die Waren festgesetzt und die Araber vom Geschäft ausgeschlossen. -Man hob den Handel dieser Plätze dadurch, daß man ihre Schiffahrt schützte,<span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[62]</a></span> -die Schiffe aller indischen Städte zuließ, ja sie sogar, wenn sie auch für -andere Häfen bestimmt waren, zum Anlaufen zwang, während man den -Handel der Orte, die sich widerspenstig zeigten und wo die Araber noch -Zutritt hatten, schädigte.</p> - -<p>Der ausgedehnte Sicherheitsdienst zum Schutz des eigenen Handels -und des der begünstigten Städte in den indischen Gewässern, die Vernichtung -des arabischen Handels und die Unternehmungen zur Gründung neuer Stützpunkte -zur Erweiterung und Erhaltung der Macht erforderten ständige Seestreitkräfte; -die Besetzung der Forts und die Kämpfe am Lande machten -die Einrichtung von Garnisonen und die Aufspeicherung von Kriegsmaterial -notwendig. Die Mittel zu allem diesem zu liefern, war die Aufgabe der Flotten, -die mit immer größeren Schiffen nun ununterbrochen nach Indien ausliefen -und die Waren des Ostens heimbrachten.</p> - -<p>Verhältnismäßig schnell, in etwa 40 Jahren, aber in ununterbrochenen -Kämpfen mit bedeutenden Streitmitteln auf beiden Seiten, erweiterte sich -die portugiesische Macht bis zur höchsten Blüte. Flotten von 30–40 Kriegsschiffen -wurden zur Eroberung großer Städte, wie z. B. <em class="gesperrt">Goas</em>, <em class="gesperrt">Malakkas</em>, -zusammengezogen; gegen das Reich Kambaya, nördlich vom Reiche Bidschapur, -wurde im Jahre 1529 eine Expedition von 400 Fahrzeugen aufgeboten. -Einheimische Fürsten stellten ähnliche Flotten und Heere bis zu 40000 Mann, -einmal sogar 90000, zur Vertreibung der Portugiesen auf. Außer den Eingeborenen -zeigte sich auch ein anderer mächtiger Feind, die <em class="gesperrt">Ägypter</em>. -Nach der Festsetzung der Portugiesen in Malabar konnten die arabischen -und persischen Händler die Gewürze nur auf dem viel weiteren Wege aus -Malakka und Sumatra beziehen, jedoch auch am Eingang zu diesen Gewässern, -vor den <em class="gesperrt">Malediven</em> und <em class="gesperrt">Ceylon</em>, erschienen schon 1505 die Eindringlinge; -den Eingang zum Roten Meere hatten sie besetzt und 1507 den -ersten Versuch gemacht, sich der Stadt <em class="gesperrt">Ormuz</em> am Eingang des persischen -Golfes zu bemächtigen. Da wandten sich die Herrscher von Kalikut, Kambaya, -Ormuz und Aden um Beistand an Ägypten und fanden hier, unterstützt -durch die Genueser und Venetianer, volles Entgegenkommen, denn Ägypten, -Venedig und Genua litten gleichfalls unter dem Abschneiden des alten Verkehrsweges -mit Indien. Der Sultan Ägyptens führte infolgedessen beim Papst -Klage über „Verfolgung des Mohammedanismus durch die Portugiesen“ unter -Androhung von Gewaltmaßregeln in Palästina. Der Papst schickte den Brief -nach Lissabon, aber Portugal antwortete, es sei Ägypten lediglich um seinen -Handel zu tun, und im übrigen sei es nur Christenpflicht, den Ungläubigen -alle früheren Greueltaten zu vergelten. Da sandte 1508 Ägypten eine Flotte -von 12 Schiffen nach Indien; sie wurde jedoch, trotz Vereinigung mit der -Flotte vom Kambaya und nach einem ersten Erfolge einer schwächeren -portugiesischen gegenüber, im Februar 1509 bei Diu durch 19 portugiesische -Schiffe vollständig vernichtet. Auch spätere Unterstützungen von ägyptischer -Seite in den Jahren 1510 und 1515 (27 Schiffe) und 1538 eine Expedition -— nunmehr türkische, da die Türken inzwischen Ägypten unterworfen hatten —<span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[63]</a></span> -von 70 Segeln mit 7000 Mann konnten die Fortschritte Portugals nicht -aufhalten. Zwar blieben Rückschläge infolge von Empörungen und mißglückte -Unternehmungen nicht aus: in Malabar selbst mußte bis 1540 immer wieder -mit dem Samorin gekämpft werden; manche Niederlassungen in Vorder- wie -Hinterindien und im Archipel gingen zeitweise wieder verloren; die endgültige -Festsetzung im Reiche Kambaya erforderte andauernde Kämpfe, bis sie schließlich -auf friedlichem Wege durch Unterstützung des Landes gegen das sich im -Norden ausbreitende Reich der Mongolen (des Großmoguls in Delhi), gelang — -um das Jahr 1540 konnte sich Portugal aber doch als Herr des Handels im -Indischen Ozean ansehen.</p> - -<p>Seit 1505 waren Vizekönige von Indien bestellt; von ihnen haben am -meisten zur Gründung der Macht beigetragen: <em class="gesperrt">Almeida</em> 1505–1509, -<em class="gesperrt">Alfonso d'Albuquerque</em> („der Große“ genannt) 1509–1515 und -<em class="gesperrt">Nuño da Cunha</em> 1529–1539. Bei dem Tode des letztgenannten lag der -Mittelpunkt der <em class="gesperrt">portugiesischen Macht im Osten</em> auf der -Westküste Vorderindiens, wo starke Festungen in Kananor (1504), Cochin -(1504), Kalikut (1514), Goa (1511), Bassein und Diu (1534) erbaut waren -und alle Küstenstaaten die Oberherrschaft anerkannt hatten.</p> - -<p class="small">Bassein, mit der Insel Salsette und Goa waren sogar abgetretener Landbesitz. -Goa war eine nach allen Regeln der Kunst befestigte Stadt mit Magazinen und Werften -und die Hauptstation der Seestreitkräfte für den Spezialdienst in den indischen Gewässern. -Man hielt zu diesem Zweck eine beträchtliche Kriegsflotte, schon 1515 war sie -50 Segel stark von teilweise für die damaligen Zeiten großen Schiffe; englische und -holländische Quellen sagen wenigstens, als ihre indischen Kompagnien dort im Anfange -des 17. Jahrh. mit Schiffen von 500–800 tons aufgetreten seien, hätten die Portugiesen -weit größere gehabt. Es ist allerdings dabei zu bemerken, daß die portugiesisch-spanischen -Kriegsschiffe an Gefechtskraft den englischen und holländischen, auch -den Schiffen der großen Kompagnien, dem Größenverhältnis entsprechend nicht -gleichwertig waren, wie wir auch später sehen werden. Außerdem besaßen die Portugiesen -eine große Zahl großer, offener Ruderschaluppen, Fregatten genannt, mit starker -Bemannung von Eingeborenen; wenn auch ohne Geschütze, konnten diese Fahrzeuge -bei Windstille dem Feinde sehr gefährlich werden.</p> - -<p>Der Indische Ozean wurde im Westen beherrscht durch den Besitz von -Ormuz (1516 erobert), durch die Stützpunkte in Kilwa, Mozambique, Sofala -(1504) und auf der Insel Sokotora (1506); auch der Emir von Aden hatte (1530) -die Oberherrschaft anerkannt. Im Osten und im indischen Archipel stützte -sich die Macht Portugals auf den Besitz von <em class="gesperrt">Malakka</em> (1511 erobert), -von festen Plätzen auf Ceylon (z. B. Kolombo 1513), Sumatra, Java und auf -den eigentlichen Gewürzinseln, den Sundainseln und Molukken (erste Niederlassung -auf Ternate 1522).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Molukken</em> waren von den Portugiesen 1513 zuerst erreicht worden, aber bald -darauf (1521) auch von den Spaniern durch Magalhaes' Expedition. Beide Nationen -betrachteten sie als in ihrem Machtbereich liegend und versuchten, sich festzusetzen, -bis durch Vertrag von 1529 die Inseln gegen eine Abschlagssumme an Portugal fielen -(vergl. Seite <a href="#Page_77">77</a>).</p> - -<p>Den damaligen Machtbereich Portugals zeigen ferner seine Faktoreien an -der Westküste Afrikas, an den Küsten Guineas, der Goldküste, Benins, Kongos,<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[64]</a></span> -Anguelas und Benguelas — das Kapland war nicht besiedelt —, und auch -Brasilien war vom Amazonenstrom bis zum La Plata in Besitz genommen.</p> - -<p class="small">Auch Siam, China und Japan besuchten die Portugiesen. Mit Chinesen war man in -Malakka zusammengetroffen, China selbst wurde 1515 zuerst erreicht, doch hatten die -Versuche, einen regeren Verkehr mit China und Japan anzuknüpfen, keinen Bestand, -weil diese Länder ihnen immer wieder verschlossen wurden; nur in Macao hielt sich eine -Niederlassung. Auch die durch Zufall herbeigeführte Entdeckung Neu-Guineas, das -man für die Nordküste eines großen Südpolkontinents hielt, hatte für den Handel keine -weiteren Folgen.</p> - -<p class="small">Auf dem Südostwege waren also die Küsten und Gewässer Afrikas und Asiens bis -nach China hin bekannt geworden; die Spanier hatten schon auf dem Südwestwege -die Philippinen erreicht sowie einen Teil der Südseeinseln entdeckt, und der Schleier -des fernsten Ostens war gelüftet. Von diesem, von China und Japan bis zu den Kurilen -hinauf und von Australien der Welt nähere Kenntnis zu geben, blieb den Holländern im -17. Jahrh. beschieden.</p> - -<p>Die Blüte der <em class="gesperrt">Macht Portugals in Indien</em> war von keiner -langen Dauer, schon von der Mitte des 16. Jahrh. an kann man den <em class="gesperrt">Rückgang</em> -erkennen.</p> - -<p class="small">Seine Ursachen sind zurückzuführen auf die Mißwirtschaft in der Verwaltung -infolge zu häufigen Wechsels der Vizekönige und der Beamten, auf die Besetzung dieser -Stellen mit unfähigen und unredlichen Günstlingen; ferner auf eine falsche, engherzige -Handelspolitik, die nur auf Ausbeutung der Kolonien im Interesse der Regierung — und -der Beamten! — bedacht war. Einfuhr und Ausfuhr hatte die Regierung zu ihrem -Monopol gemacht und betrieb sie nur mit verhältnismäßig wenigen großen Schiffen, -auch der Handel der Eingeborenen war stark eingeschränkt, was neben anderen Übergriffen -ihren Haß erregen mußte. Mit der inneren Schwächung der Verwaltung nahmen -deshalb auch die Empörungen, die Versuche zur Vertreibung der Bedrücker, zu. Schon -in den Jahren 1570/71 stellte ein Aufstand in fast allen Besitzungen die ganze Herrschaft -in Frage und wurde nur mühsam niedergeworfen. Im Norden wurde das Reich des -Großmoguls immer mächtiger, die Türken entsandten wieder Flotten nach Indien und -drangen gegen die Besitzungen in Ostafrika vor; ein Seeräuberunwesen nahm überhand. -Auch das Glück verließ die Portugiesen; in den Jahren 1579–1591 gingen 22 Schiffe -von bis dahin unerhörter Größe auf den Fahrten nach Indien unter. Alle diese Mißstände, -verbunden mit kostspieligen Kriegen in der Heimat gegen Marokko, erschöpften das -kleine Mutterland.</p> - -<p>Von 1580 an war Portugal mit Spanien vereinigt; wenn ihm nun auch -die Verwaltung seiner Kolonien und selbst das Handelsmonopol mit diesen -belassen wurde, so mußte es doch die Folgen der spanischen Politik mit tragen. -Es erschienen die Engländer und Holländer in seinen Gewässern, anfangs -als Freibeuter, später, im Anfang des 17. Jahrh., mit ihren großen indischen -Kompagnien als Nebenbuhler im Handel und als Eroberer. Nun hatten sich -die Portugiesen auch dieser zu erwehren, und dies ging vollends über ihre -Kräfte. Der Geldmangel wurde immer größer, Schiffe und Festungen konnten -nicht mehr im Stande gehalten werden, oft fehlten selbst die Mittel, Waren -aufzukaufen. Von 1640 vermochte der Vizekönig wegen Mangels an Geld und -Schiffen keine Frachtenflotte mehr nach Hause zu senden, und am Ende -unseres Zeitabschnittes hatten die genannten Nationen den Handel der -Portugiesen in Indien völlig lahmgelegt, von den Holländern war ihnen sogar<span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[65]</a></span> -schon ein großer Teil der Besitzungen abgenommen (vgl. Seite <a href="#Page_82">82</a> und -Seite <a href="#Page_86">86</a>).</p> - -<p><b>Der Weg der Spanier nach Westen.</b> Während man in Portugal seit der -Zeit Prinz Heinrichs des Seefahrers schon planmäßig mit Erweiterung des -Handels und der Schiffahrt, mit dem Suchen nach fernen Ländern vorgegangen -war, wo man Gold, Edelsteine und kostbare Gewürze zu finden hoffte, -dachte man in Spanien zu Ende des 15. Jahrh. noch nicht an große überseeische -Unternehmungen. Das Land war schwach bevölkert, Industrie und -Handel waren wenig vorhanden, und -der Ackerbau deckte kaum den eigenen -Bedarf. Es ist wohl unbedingt dem -Auftreten und Drängen des <em class="gesperrt">Kolumbus</em> -zuzuschreiben, daß -<em class="gesperrt">Ferdinand</em> und <em class="gesperrt">Isabella</em> sich -unter diesen Umständen plötzlich und -frühzeitig auf ein so weit aussehendes -Unternehmen, den Seeweg nach Indien -auf dem Westwege zu suchen, eingelassen -haben, in der Hoffnung, -dieselben Vorteile über See einzuheimsen -wie Portugal.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p065.jpg" width="250" height="422" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p065" id="fig_p065"></a> -</div> - -<p class="small">Die Überlieferung erzählt, daß Kolumbus, -ein tüchtiger und befahrener Seemann, -mit besonderer Vorliebe allen Sagen und -Gerüchten über im Westen liegende Inseln -gelauscht, mit Eifer die geographischen -Werke seiner Zeit studiert habe und den -Fortschritten der Portugiesen mit Aufmerksamkeit -gefolgt sei. Toscanellis Plan<a name="FNanchor_26_26" id="FNanchor_26_26"></a><a href="#Footnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> -scheint ihn zuletzt, vor allem von einer -verhältnismäßig leichten Ausführung seines -Vorhabens, überzeugt zu haben. Von verschiedenen -Staaten, wahrscheinlich von -Genua, Venedig, England, Frankreich, -sicher von Portugal abgewiesen, gelang -es ihm, aber erst nach längerer Zeit, die Herrscher Spaniens für sich zu gewinnen; -die hohen Forderungen, die er für seine Person im Falle des Gelingens stellte, haben -ihm wohl überall geschadet.</p> - -<p>Im Jahre 1492 erhielt Kolumbus 3 kleine Karavellen von je 120–130 tons -mit insgesamt 120 Mann Besatzung und ging am 3. August von Palos aus in -See. Zunächst steuerte er die Kanaren an, um dann auf der Breite dieser -Inseln über die sagenhafte Insel Antilia und über Cipangu (Japan) Indien zu -erreichen. Bei den Kanaren mußte man wegen Ruderausbesserung des einen -Fahrzeuges vier Wochen liegen und konnte erst am 6. September, nun aber<span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[66]</a></span> -bald im günstigen Nordost-Passat, die Reise fortsetzen. Vom 9. September an -gab der Admiral in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal die an einem -Tage abgelaufene Meilenzahl um ein Viertel geringer an, als er sie in der Tat -schätzte, um die Besatzungen nicht durch die Größe der Entfernung von -Europa zu erschrecken. Schon vom 16. September an, als die Schiffe ins -Sargassomeer eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe eines Landes -zu bemerken, wie im Journal verzeichnet ist: dunkler Horizont, ohne Wind -eintretender Nebel, selbst die schwimmenden Tangmassen wurden als Anzeichen -dafür gehalten; man glaubte sogar einmal, Antilia gesehen zu haben, -und hielt einen Tag daraufhin ab. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, je -länger die Fahrt dauerte, die Mannschaft um so lauter ihre Besorgnisse -äußerte; gerade der günstige Wind ließ eine Rückkehr schwierig, wo nicht -unmöglich, erscheinen. Es mögen auch Drohungen laut geworden sein, -aber die Erzählung von dem Vertrage des Admirals mit der Mannschaft, nach -drei Tagen umzukehren, falls das gesuchte Land nicht gesichtet sei, ist doch -wohl später erfunden. Durch den Zug zahlreicher Vögel bewogen, steuerte -er vom 7. Oktober an südwestlich, weil er wußte, daß die Portugiesen diesem -Umstande häufig die Entdeckung von Inseln verdankt hatten. Am 9. Oktober -glaubte man den Duft von Blütenbäumen in der Luft zu spüren, am 11. -fischte man einen frischgrünen Zweig, einen weiteren mit Beeren und einen -mit Feuer bearbeiteten Stab auf; am Abend desselben Tages sah man einen Lichtschein -und einige Stunden später, am 12. Oktober 2 Uhr morgens, im Mondschein -einen flachen sandigen Strand, dem man sich schon bis auf 2 Seemeilen -genähert hatte. Es war eine der Bahama-Inseln, von den Eingeborenen -<em class="gesperrt">Guanahani</em> genannt, von Kolumbus S. Salvador getauft, wahrscheinlich -das jetzige Watlings-Island. Die Insel bot nichts, aber aus den Gebärden -der harmlosen Einwohner, von denen man kärgliche Goldschmuckstücke -erhandelte, schloß Kolumbus auf die Nachbarschaft größerer goldreicher -Inseln im Südwesten. So fuhr er am 14. weiter und fand verschiedene andere -Eilande mit üppiger Vegetation; jedoch nirgends zeigten sich Spuren der -erwarteten indischen Kultur, auch nicht, als er am 28. Oktober Cuba und am -4. Dezember Haiti erreichte. Aber immer noch waren Kolumbus und auch -seine Kapitäne der Ansicht, in den indischen Gewässern zu sein; verschiedene -falsch gedeutete Namen bestärkten diese Annahme. An der Küste von <em class="gesperrt">Haiti</em>, -von Kolumbus Hispaniola getauft, lief das Flaggschiff am 24. Dezember -auf und mußte verlassen werden, jedoch wurden Mannschaft und Ladung -an Land geborgen. Da man auf dieser Insel größere Mengen Gold bei den -Indianern fand, die Bewohner sehr gutmütig erschienen und der Boden des -Küstenlandes üppige Fruchtbarkeit zeigte, beschloß der Admiral, hier eine Niederlassung -zu gründen, zumal da er nicht alle Leute an Bord seines letzten -Schiffes nehmen konnte. Das dritte Fahrzeug hatte sich nämlich einige Zeit -zuvor heimlich entfernt, um auf eigene Hand das Goldland zu suchen, doch -wurde es am dritten Tage der Rückreise wieder angetroffen; auch dieses hatte -viel Gold auf Haiti eingetauscht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[67]</a></span></p> - -<p>Es wurde eine kleine Befestigung, Navidad genannt, erbaut und mit -40 Freiwilligen besetzt. Kolumbus selbst trat am 4. Januar 1493 die Rückreise -nach Europa an, auf der er noch bis zum 16. längs der Küste Haitis -weitere Forschungen anstellte. Nach einem mehrtägigen schweren Sturme dicht -vor den Azoren wurde am 18. Februar Santa Maria erreicht, wo der portugiesische -Gouverneur an Land gesandte Leute verhaften ließ und erst nach einigen -Tagen freigab; am 4. März zwang ein neuer Sturm, Lissabon anzulaufen, -und am 15. März ankerte man im Ausgangshafen Palos. Kolumbus begab -sich zum Hoflager in Barcelona; seine Reise durch Spanien glich einem Triumphzuge. -Nach seinen glänzenden Schilderungen der Neuen Welt blieb man -überall mit ihm überzeugt, daß der Weg nach Indien gefunden sei, wenn -auch die mitgebrachten Gegenstände — nur zweifelhafte Gewürze und auch -nicht allzuviel Gold — noch nicht den gehegten Erwartungen entsprachen und -auch die gesuchten Kulturländer noch nicht angetroffen waren. Während -noch die Verhandlungen (Seite <a href="#Page_59">59</a>) mit Portugal über die „Teilung der Welt“ -schwebten, wurde sofort eine neue Expedition ausgerüstet, um auf dem -betretenen Wege schleunigst Fortschritte zu machen und die entdeckten -Länder in Besitz zu nehmen.<a name="FNanchor_27_27" id="FNanchor_27_27"></a><a href="#Footnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a></p> - -<p>Es sei hier gleich auf einen großen Unterschied zwischen dem Vorgehen -Spaniens und Portugals hingewiesen. Während Portugal eigentlich nur -Stützpunkte für den Handel und die Beherrschung des Meeres schuf, gründete -Spanien wirkliche Kolonien. Die spanische Rasse nahm die entdeckten und -mit Waffengewalt eroberten Länder völlig in Besitz und in Kultur; sie wurde -dort zur Hauptbevölkerung, indem sie die Eingeborenen entweder durch Kriege -und schlechte Behandlung vernichtete oder sich zum Teil mit ihnen vermischte; -sind doch aus den ehemaligen spanischen Kolonien die jetzigen süd- -und mittelamerikanischen Staaten mit spanischer Bevölkerung hervorgegangen.</p> - -<p>Schon die zweite Expedition des Kolumbus, die im Herbst 1493 Spanien -verließ, führte auf 14 Karavellen und 3 großen Lastschiffen außer den Matrosen -und Soldaten 1500 Auswanderer — Ackerbauer mit Sämereien, Weinreben, -Zuchtvieh — mit sich. Auf Haiti, wo die zurückgelassenen Kolonisten der -ersten Reise infolge ihrer Ausschreitungen gegen die Eingeborenen ermordet -waren, wurde aufs neue fester Fuß gefaßt, indem man eine größere Niederlassung, -Isabella, gründete. Als sich der Ort später gesundheitlich ungeeignet erwies, -verlegte man den Sitz der Regierung nach St. <em class="gesperrt">Domingo</em>. Die Insel Haiti -wurde nun gewaltsam in Besitz genommen und hier zuerst eine Kolonie, -die eigene Einkünfte brachte, geschaffen.</p> - -<p class="small">Ein jeder Eingeborene Haitis wurde verpflichtet, vierteljährlich eine gewisse -Menge Goldstaub (in den Minenbezirken) oder Baumwolle (in den anderen Bezirken) -abzuliefern; Saumselige oder Empörer wurden zur Zwangsarbeit auf den von Spaniern -in Besitz genommenen Ländereien verurteilt oder als Sklaven nach Spanien gesandt. — -System der Repartimientos. — Als bei dem Wachsen der spanischen Einwanderung<span class="pagenumsmall"><a name="Page_68" id="Page_68">[68]</a></span> -und der Urbarmachung des Landes Arbeitskräfte mangelten, wurde einfach ein Teil -der Indianer als Sklaven an die weißen Besitzer verteilt — System der Encomiendas —, -obgleich von Spanien aus der Befehl gegeben war, die Eingeborenen als Freie zu behandeln, -sie zur Arbeit nur durch ihre Kaziken anhalten zu lassen und sie zu löhnen. Ähnlich -ist später bei der Inbesitznahme der anderen Inseln und der Länder des Festlandes -verfahren worden. Mit unerbittlicher Härte wurden die beiden Systeme nebeneinander -durchgeführt, wenn auch weiterhin die Regierung im Mutterlande häufig auf den Rat -und die Vorstellung einsichtiger und menschlich fühlender Männer Gesetze und Bestimmungen -erließ, um das Los der Indianer zu mildern. Diese Härte und die Grausamkeit, -mit der Empörungen niedergeschlagen wurden, haben die Abnahme der eingeborenen -Bevölkerung, auf den westindischen Inseln sogar ihre völlige Vernichtung, zur Folge -gehabt. Der Mangel an Arbeitern veranlaßte dann die Einführung von Negersklaven, -schon von 1501 an für die Goldwäschereien auf Haiti, die bekanntlich später nach allen -Kolonien in großem Maßstabe betrieben wurde.</p> - -<p>Kolumbus kehrte im Herbst 1496 von seiner zweiten Reise, auf der er noch -Cuba genauer erforscht und Guadeloupe, Puerto Rico, Jamaica gefunden -hatte, nach Spanien zurück. Für kurze Zeit erlahmte hier das Interesse an -der Sache, da ein Teil der Auswanderer unbefriedigt mit ihm zurückgekommen -war. Sie hatten sich in ihrer Erwartung, schnell ungeheuren Reichtum zu -erlangen, getäuscht gesehen: Nur Ackerbauer fanden ihre Rechnung, nicht -aber Goldsucher; die Einwanderer litten, besonders an der Küste, unter -dem Klima; die Verhältnisse der neuen Kolonie entwickelten sich nur -langsam infolge der häufigen Empörungen der Eingeborenen, der Unbotmäßigkeit -der Kolonisten selbst und der Intriguen der Beamten gegeneinander. -So konnte Kolumbus für seine dritte Expedition, auf der er bei der Ausreise -Trinidad entdeckte, nur wenig Kolonisten gewinnen, obgleich die Auswanderung -allen Spaniern erlaubt und denjenigen sogar ein Jahr Verpflegung zugesichert -war, die sich zur Abgabe von 2/8 des zu findenden Goldes und 1/10 der sonstigen -Produkte verpflichteten.</p> - -<p>Nun wurde aber, gegen das dem Kolumbus versprochene Recht, von 1499 -an auch anderen Männern die Erlaubnis zu Entdeckungen erteilt, sowie der -Handel nach den Kolonien unter Aufsicht der Regierung und gegen Abgaben -vom Gewinn überhaupt freigegeben. <em class="gesperrt">Alonso de Hojeda</em>, begleitet -vom Italiener <em class="gesperrt">Amerigo Vespucci</em>, erreichte 1499 <em class="gesperrt">Südamerika</em> -beim Amazonenstrom und erforschte von dort die Küste bis Venezuela; -<em class="gesperrt">Pedro Niño</em> brachte bald darauf von hier eine reiche Perlenladung heim; -<em class="gesperrt">Rodrigo de Bastidas</em> entdeckte den Spuren Hojedas folgend den -Golf von Darien und kehrte mit Gold, Brasilholz und Sklaven zurück. Da -um dieselbe Zeit auch in Haiti reichere Goldlager gefunden wurden, stieg -der Unternehmungsgeist wieder, und es begann jetzt eine Periode von Entdeckungsfahrten, -Auswanderungszügen und Kolonisierungen, unternommen -von Abenteurern, oft auch Verbrechern, aber auch besseren Elementen mit -Familie, in der sich in verhältnismäßig kurzer Zeit die Macht Spaniens ungemein -ausdehnte. Kolumbus selbst besuchte auf seiner vierten und letzten -Reise 1502 Yucatan, Honduras und die Bai von Chiriqui, wo er von neuen -Goldländern und zuerst vom Stillen Ozean hörte; er war überzeugt, hier<span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[69]</a></span> -in der Nähe einer Wasserstraße nach Westen zu sein, wie er denn überhaupt -bis zu seinem Tode glaubte, Ostasien gefunden zu haben.</p> - -<p>Bald wurden auf vielen westindischen Inseln, besonders den Großen -Antillen, an den Küsten Süd- und Mittelamerikas Niederlassungen gegründet; -von einer dieser erreichte <em class="gesperrt">Balbao</em> am 25. September 1513 den Stillen Ozean -beim Golf von St. Miguel und erhielt hier genauere Kunde über das Goldland -<em class="gesperrt">Peru</em>.</p> - -<p>Seit 1511 war die Kolonisation <em class="gesperrt">Kubas</em> energisch in die Hand genommen -und brachte reichen Gewinn, aber nirgends war man mit dem Ertrage zufrieden, -sondern suchte neue Goldländer. Von Kuba aus wurden die Küsten -von Florida und <em class="gesperrt">Mexiko</em> erforscht und dieses 1519–1521 durch <em class="gesperrt">Cortez</em> -erobert. An der Westküste Mittelamerikas wurden Schiffe erbaut, mit denen -man weiter vordrang, bald auch über den Stillen Ozean, was später bei Schilderung -des Südwestweges mit betrachtet werden soll. Von Mexiko aus wurde Kalifornien -aufgesucht, von Panama aus, wohin Kolonisten vom Golf von Darien hinübergegangen -waren, strebte man nach Peru. <em class="gesperrt">Pizarro</em> erforschte 1524 die -Küste Kolumbiens, erreichte 1526 die Bucht von Guayaquil und eroberte -1531–1536 das langersehnte <em class="gesperrt">Peru</em>; von hier aus wurde <em class="gesperrt">Chile</em> in Besitz -genommen.</p> - -<p>So sehen wir um die Mitte des 16. Jahrh. Westindien, Mittelamerika, -die nördlichen und westlichen Küstenländer Südamerikas bis Patagonien -hinunter in den Händen der Spanier. Waren die Eroberungen der wichtigen -Reiche des Festlandes auch nur mit geringen Streitmitteln ausgeführt, so -folgten doch bald Ströme von Einwanderern. Ein wahres Auswanderungsfieber, -das das Mutterland zu entvölkern drohte, hatte Spanien ergriffen, -und die Forschung und die Kolonisation drangen schnell von den Küsten ins -Innere vor. Schon 1541 wurde der Amazonenstrom zum ersten Male von -Peru aus bis zur Mündung befahren und von Chile aus stieß man bald auf die -von dem La Plata ausgehenden Kolonisten (vgl. Seite <a href="#Page_74">74</a>).</p> - -<p>Anfangs war Haiti der Haupt- und Mittelpunkt der <em class="gesperrt">Verwaltung -der Kolonien</em> gewesen; später stellte man die einzelnen selbständigen Verwaltungsbezirke -unter Vizekönige (Gouverneure, Generalkapitäne), die unmittelbar -unter dem „<em class="gesperrt">Amt (Rat) von Indien</em>“ in Sevilla standen.</p> - -<p class="small">Die Spanier haben durch ihre verkehrte Kolonialpolitik während der ersten Jahrhunderte -die reichen überseeischen Besitzungen lange nicht zu einer ihren Anlagen entsprechenden -Blüte gebracht. Für sie war nur die dauernd sichere Ausbeutung der Metallschätze -im Interesse der Krone die Hauptsache, eine planmäßige Entwicklung der Kolonien -war weder beabsichtigt noch erwünscht. Bald schon wurde die Auswanderung nicht -mehr begünstigt, sondern sehr erschwert, und der Handel der Kolonien mit Spanien -und unter sich durch allerhand Maßnahmen eingeschränkt: Durch hohe Ein- und Ausfuhrzölle -hüben und drüben, durch eine lästige Kontrolle der Regierung und durch -Ausschluß aller fremden Schiffe vom Handel, die bis zur Mitte des 17. Jahrh. ohne -weiteres als feindlich behandelt wurden; gestrandete Seeleute tötete man sogar oder -sandte sie in die Bergwerke.</p> - -<p class="small">Trotzdem ist diese Kolonialpolitik nicht ausschließlich auf Unfähigkeit oder Kurzsichtigkeit -zurückzuführen, sie dürfte den Verhältnissen und Bedürfnissen des Mutterlandes<span class="pagenumsmall"><a name="Page_70" id="Page_70">[70]</a></span> -lange Zeit entsprochen haben. Spanien war durch die reichen Erwerbungen -eine Großmacht geworden und hatte eine Weltpolitik begonnen, die nur weiter durchgeführt -werden konnte, wenn die Geldquellen in gleicher Stärke weiter flossen; im -übrigen besaß das Land weder eine Überproduktion an Waren noch an Menschen, -brauchte also keine großen Absatzmärkte und Auswanderungsgebiete, ja durfte diese -nicht einmal voll ausnutzen. Es kam wie gesagt nur darauf an, möglichst große Einkünfte -für die Krone aus dem Minenbetrieb und dem Handel zu ziehen, sowie dafür zu -sorgen, daß die Länder dem Mutterlande erhalten blieben. Eine Folge dieser Politik -war zunächst, daß die westindischen Kolonien und auch die an der Nordküste Südamerikas, -die in ihren Erträgen nicht mit Mexiko, Peru usw. zu vergleichen waren, für lange Zeit -vernachlässigt wurden und zurückgingen. Viele der Weißen zogen nach dem Festlande, -Arbeitermangel trat mit Ausrottung der Indianer ein, und Neger wurden nicht genug -eingeführt. Die westindischen Gewässer wurden der Tummelplatz von Schmugglern, -Seeräuber machten Meer und Küsten unsicher, und andere Nationen setzten sich ungehindert -in Besitz von noch nicht oder nur schwach besiedelten Inseln. Für die reichen -Festlandsbesitzungen lag aber die Gefahr nahe, daß sich hier bei zu großer selbständiger -innerer Entwicklung Unabhängigkeitsgelüste regen könnten: deshalb griff man zur Beschränkung -der Einwanderung. Aus demselben Grunde wurden die Klassen der Kreolen (d. h. -Eingeborene von spanischen Eltern stammend) und der Mischbevölkerung, die ständig -zunahmen und zum Teil über große Vermögen verfügten, soweit möglich in Unbildung -erhalten, der Gegensatz und die Eifersucht zwischen den verschiedenen Klassen (Spanier, -Kreolen, Mischlinge der verschiedenen Grade) genährt und die amtlichen Stellungen, -besonders die höheren Posten, fast nur mit Spaniern besetzt. Die Ansiedelung Fremder -wurde tunlichst erschwert, wo sie nicht zu vermeiden war, wurde ihnen durch die Inquisition -das Leben verbittert. — Alles Maßnahmen, um Intelligenz, Einigkeit und Selbstbewußtsein -von der Bevölkerung fern zu halten; die Regierung der Länder lag in den -Händen der wenigen Spanier.</p> - -<p class="small">Über die Durchführung dieser Politik wachte der „Rat von Indien“ mit unnachsichtlicher -Strenge, in seiner Hand lag die oberste Gerichtsbarkeit und die ganze Verwaltung -der Kolonien; selbst die Inquisition wirkte in seinem Dienste, wie denn wie -überall unter spanischem Zepter auch in den Kolonien die Kirche eine übergroße Macht -darstellte und ungeheure Reichtümer erwarb. Die Stellung der Vizekönige war zwar mit -großen Ehren und reichen Einkünften bedacht, aber ihre Machtbefugnisse waren sehr -durch die ihnen beigegebenen Gerichts- und Verwaltungshöfe beschnitten. Wie die -Vizekönige, so wechselten auch die Mitglieder dieser Höfe häufig; waren für jene Bestimmungen -erlassen, daß sie nicht zu populär wurden, so durften auch diese keine -Familienbeziehungen und keinen Grundbesitz in den Kolonien haben. Alle Einrichtungen -zielten darauf hin, die Beamten nicht selbständig walten und auch nicht zu festen -Fuß fassen zu lassen. Diese Bevormundung führte zur Verknöcherung der Verwaltung -und hinderte doch nicht, daß bei den Beamten Willkür und Unredlichkeit einrissen. Die -Kolonien haben aber lange Zeit ihren Zweck erfüllt; allein die Gewinnung von Gold -und Silber soll von 1493–1600 einen Wert von 4027 Millionen Mark gehabt haben.</p> - -<p>Von der 2. Hälfte des 16. Jahrh. an wurden auch die spanischen Kolonien -und der Handel mit ihnen, wie die der Portugiesen in Indien, durch die -Angriffe der Engländer und Holländer schwer geschädigt. Die Absperrung -und die feindliche Behandlung der Fremden führten diese zu Versuchen, den -Verkehr durch Gewaltmaßregeln zu erzwingen, was sich zunächst und hauptsächlich -durch Überfälle und Wegnahme der mit den Schätzen Amerikas -heimkehrenden Schiffe zeigte. Der Verkehr Spaniens mit Amerika durch -nur einmal jährlich ausgesandte Flotten hatte bei der Unsicherheit der Meere -eine gewisse Berechtigung. Aber gerade die Regelmäßigkeit dieser Fahrten<span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[71]</a></span> -gab den Feinden die Möglichkeit, große Operationen zum Abfangen dieser -Flotten vorzubereiten und durchzuführen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt -im Jahre versammelten sich in Sevilla zwei starke Geschwader, aus den größten -Schiffen der Zeit bestehend, zur Verschiffung von Waren nach Amerika. -Die eine (Galeonenflotte) ging mit Ausfuhrartikeln für Mexiko und Mittelamerika -nach Veracruz, die andere (<em class="gesperrt">Silberflotte</em>) mit Waren für Peru -und Chile, die auf Maultieren über den Isthmus nach Panama geschafft wurden, -nach Portobello (oder Nombre de Dios). Am Bestimmungsort hielten beide -Flotten große Messen ab, nahmen -die dort aufgespeicherten Naturerzeugnisse -und Metallschätze als Rückfracht -ein und vereinigten sich in Havanna, -von wo aus sie als <em class="gesperrt">Silberflotte</em> -gemeinsam die Rückreise antraten.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p071.jpg" width="250" height="423" - alt="FERDINAND MAGELLANUS" - title="FERDINAND MAGELLANUS" /> -</div> - -<p><b>Der Südwestweg nach Indien.</b> Auf -der zweiten portugiesischen Reise nach -Indien (Cabral 1500; vgl. Seite <a href="#Page_60">60</a>) -war Brasilien entdeckt und in Besitz -genommen. In Lissabon erkannte -man sofort, daß dieses Land als -Station für die Reisen nach Indien -von großem Vorteil sein würde, und -sandte 1501 eine Expedition, für die -<em class="gesperrt">Vespucci</em> als Teilnehmer gewonnen -war, zur näheren Erforschung -aus. Aus einer Küstenfahrt vom Kap -S. Roque bis zu 32° S. Breite und -der der Spanier vom Amazonenstrom -bis zum Golf von Darien (Seite <a href="#Page_68">68</a>) -gewann man die Überzeugung, daß -man einen großen Kontinent vor -sich habe, und Vespucci wies zuerst -auf die Möglichkeit hin, durch seine -Umsegelung Indien zu erreichen. Er unternahm selbst in portugiesischem -Dienst 1503 eine Reise zu diesem Zweck, kam jedoch nur bis zur Bai von -Bahia, veranlaßte aber 1508, als Reichspilot in spanischen Dienst zurückgetreten, -ein gleiches Unternehmen von dort aus. Ungünstige Umstände, -besonders Unfähigkeit und Uneinigkeit der Führer, vereitelten den Erfolg; -man kam nicht viel weiter als früher. Es war aber doch festgestellt worden, -daß die Küste Südamerikas bis 40° S. südwestlich lief. Dies und die Entdeckung -des Stillen Ozeans durch Balbao 1513 ließ den Plan Vespuccis durchführbar -erscheinen und ermutigte den Spanier Dias de Solis zu einem neuen -Versuch; er kam indes nur bis zum La Plata, wo er von Eingeborenen getötet -wurde. Ihm folgte <em class="gesperrt">Fernao de Magalhaes</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[72]</a></span></p> - -<p class="small">Magalhaes, ein Portugiese, hatte mehrfach Fahrten nach Indien ausgeführt und -als Offizier in Marokko gefochten; in Ungnade gefallen, trat er aus dem Dienste und -beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik. Er verfolgte mit Aufmerksamkeit die -ebengenannten Expeditionen sowie die Fahrten der Portugiesen in Indien nach Osten, -auf denen diese die Molukken erreicht hatten. Da die portugiesischen Seeleute aus -Ruhmredigkeit die Entfernung von Malakka nach den Molukken sehr übertrieben, kam -Magalhaes auf den Gedanken, daß die allseitig ersehnten Inseln schon in spanischem -Machtbereich lägen, und erbot sich, sie für Spanien auf dem Südwestwege aufzusuchen.</p> - -<p>Am 20. September 1519 trat Magalhaes mit 5 Schiffen — 2 zu 130 tons, -2 zu 90 tons, 1 zu 60 tons — die Reise an. Er verfolgte die brasilianische -Küste vom Kap Augustin ab südlich und erforschte sie genauer — besonders -die Bucht von Rio de Janeiro und die La Platamündung —, in der Hoffnung, -eine Straße nach dem von Balbao gefundenen Westmeere anzutreffen. Vom -31. März bis 24. August 1520 überwinterte er im St. Julian-Hafen (49° 15' S.). -Wie alle seine Vorgänger auf ihren ersten großen Entdeckungsfahrten hatte -auch er mit der Zaghaftigkeit seiner Besatzungen zu kämpfen; während des -Winterquartiers kam es sogar zur offenen Meuterei eines Teiles. Am 21. Oktober -erreichte er nach Verlust eines Schiffes durch Strandung das Kap -Virgines und damit den Eingang der nach ihm benannten Straße, deren -Tiefenverhältnisse es bald nach dem Einsegeln wahrscheinlich erscheinen -ließen, daß man es diesesmal nicht mit einer Bucht, sondern mit einer -Durchfahrt zu tun habe. Wiederum verlangte jetzt ein Teil seiner Untergebenen -umzukehren und die weitere Lösung der Aufgabe einer neu und -besser ausgerüsteten Expedition zu überlassen, aber Magalhaes blieb fest und -setzte die Reise fort. Eines seiner besten Schiffe, das er zur Untersuchung -eines Nebenkanals entsendet hatte, verließ ihn hier und kehrte nach Spanien -zurück, während der Admiral schon nach zwölf Tagen — den Zeitverbrauch -durch Untersuchung der verschiedenen Wasserstraßen und Wiedersammeln -der Flottille abgerechnet —, am 28. November, bei Kap Pillar den <em class="gesperrt">Stillen -Ozean</em> erreichte.</p> - -<p>Vom Kap Pillar aus richtete Magalhaes seinen Kurs gerade nach Norden, -behielt bis zu 47° S. Breite die Küste in Sicht und setzte erst auf 37° S. seinen -Kurs nach Nordwesten. Die westliche Begrenzung des südamerikanischen -Festlandes war hierdurch erkannt.</p> - -<p>Bei schönem Wetter und günstigem Winde, deshalb „Stiller Ozean“ -benannt, aber unter harten Entbehrungen wurde das große Weltmeer durchfahren. -Wasser und Proviant wurden knapp und kaum noch genießbar; -Ratten und selbst das zum Schutz in der Takelage angebrachte Schamfielingsleder -wurden gegessen, Skorbut trat infolgedessen auf und forderte -Opfer. Der Kurs führte zwischen den Paumotu- und Markesas-Inseln hindurch; -von den ersten wurde am 24. Januar 1521 ein unbewohntes Eiland -(Puka-Puka?) besucht und am 4. Februar auf einem zweiten (Flint?) eine -zweitägige Rast zum Fischen gemacht. Dann wurde die Reise zwischen -den Gilbert- und Marschall-Inseln und zwischen diesen und den Karolinen -hindurch fortgesetzt und nun der Kurs wieder nach Westen aufgenommen,<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[73]</a></span> -bis man am 6. März auf die Ladronen (Guam und St. Rosa) stieß. Wohl -wußte Magalhaes, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Äquator lag, aber -er zog es vor, sich zunächst an Orten zu verproviantieren, die Schiffe auszubessern -und auszuruhen, wo er voraussichtlich noch nicht die Portugiesen antraf. Er behielt -deshalb den Westkurs bei und gelangte nach Ansegelung einiger kleinen -Inseln zu den <em class="gesperrt">Philippinen</em> (Zebu). Die Kaufleute dort waren bereits -mit Portugiesen zusammengekommen, und man fand auch schon arabische -Händler vor. Obgleich von den Arabern als Portugiese verdächtigt, wurde -der Admiral doch von dem malaiischen Häuptling gut aufgenommen, fiel aber -beim Versuche, hier festen Fuß zu fassen und den Häuptling als Vasallen Spaniens -zum Oberherrscher der benachbarten Inseln zu machen, in einem Kampfe -auf der kleinen Insel Mactun.</p> - -<p class="small">Wenn Magalhaes auch sein Ziel nicht mehr erreicht hat, so ist seine Expedition -doch wohl <em class="gesperrt">die größte nautische Tat jener Zeit</em>. Vasco da Gamas Reise -bildete nur den Abschluß einer Reihe von Unternehmungen, die ihm schon tüchtig -vorgearbeitet hatten, und die einzige große Fahrt über See unternahm er mit Hilfe -geübter Lotsen. Kolumbus fuhr zwar wagemutig ins offene Meer, aber mit frischen -Kräften und von Anfang bis zu Ende unter günstigen Wind- und Wetterverhältnissen. -Magalhaes dagegen trat seine Reise in ein unbekanntes Weltmeer mit Schiffen an, die -schon eine für damalige Zeit ungeheuere Leistung hinter sich hatten. So steht er von den -drei kühnen Seeleuten wohl am höchsten da, und er fand auch, während die Fahrten der -beiden anderen sofort und dann ununterbrochen wiederholt wurden, erst 50 Jahre -später einen Nachfolger in Drake durch dessen Weltumsegelung.</p> - -<p>Nach des Admirals Tode verließ das Glück die Expedition, deren Führung -<em class="gesperrt">Sebastian de Elcano</em> übernommen hatte. Infolge Verrates mußten -die Schiffe nach großem Verluste Zebu verlassen; das seeuntüchtigste Schiff -wurde wegen Mannschaftsmangels verbrannt, die beiden letzten Fahrzeuge -erreichten unter Führung Eingeborener Borneo (Stadt Brunei). Trotz guter -Aufnahme zuerst mußten sie auch von hier mit Zurücklassung einiger Gefangener -fliehen, segelten östlich um die Insel und kamen am 8. November 1521 -bei den <em class="gesperrt">Molukken</em> (Insel Tidor) an. Hier stießen sie mit den Portugiesen, -die um diese Zeit auf der benachbarten Insel Ternate Fuß faßten, zusammen, -doch setzte man sich vorläufig friedlich auseinander, und die beiden Schiffe -nahmen reiche Ladung an Bord. Als man Mitte Dezember die Weiterfahrt -antrat, mußte ein Schiff wegen Seeuntüchtigkeit zurückbleiben. Das letzte, -die „Viktoria“, segelte am 21. Dezember mit einer Besatzung von 47 Spaniern -und 13 Indiern ab, erreichte über Timor und Neu-Amsterdam die afrikanische -Küste, umschiffte am 18. und 19. Mai 1522 das Kap und traf, nach den größten -Strapazen und Entbehrungen, Verlusten an Toten durch Krankheit und an -Gefangenen (zuletzt noch beim Besuch der Kapverden von den Portugiesen -gemacht), am 6. September in Spanien ein. Die erste Erdumsegelung war -vollführt, nur 18 Europäer hatten die nahezu drei Jahre dauernde Reise -überstanden, jedoch soll die Fracht an Gewürznelken des einen Schiffes die -Kosten der ganzen Expedition gedeckt haben.</p> - -<p class="small">Das auf Tidor zurückgebliebene Schiff verließ die Insel am 6. April 1522 mit einer -Besatzung von 50 Spaniern. Man beabsichtigte, durch den Stillen Ozean zurückzukehren,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_74" id="Page_74">[74]</a></span> -und steuerte nach Nordosten. Nach monatelangem Umherirren war man aber genötigt, -zu den Molukken zurückzugehen und sich in den Schutz der Portugiesen zu begeben. -Das Schiff war wrack und nur noch 17 Spanier lebten. Sie und 12 Mann, die als Ansiedler -auf Tidor zurückgelassen und bei der endgültigen Inbesitznahme Ternates durch die -Portugiesen gefangen genommen waren, wurden absichtlich in ungesunden Orten festgehalten -und erst nach langer Zeit nach Europa befördert. Nur drei Mann erreichten -nach mehreren Jahren Spanien.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Kolonisation der auf dem Südwestwege entdeckten -Länder</em> war zunächst ziemlich bedeutungslos. <em class="gesperrt">Brasilien</em> -wurde von den <em class="gesperrt">Portugiesen</em> im wesentlichen nur als eine Station für -ihre indischen Flotten geschätzt. Der Handel dorthin war nur gering und -wurde mehr von Franzosen betrieben, die sogar um 1516 auf kurze Zeit festen -Fuß gefaßt hatten. Erst als 1530 die Spanier am La Plata reiche Minen -entdeckten, wuchs in Portugal das Interesse für Brasilien. Man trat schärfer gegen -fremden Handel auf und gründete planmäßig Niederlassungen, indem man -große Lehen (capitanias) an Private gegen entsprechende Abgaben überließ. -Jetzt begann die Kolonie sich zu entwickeln. Das Land wurde in Kultur genommen; -die Eingeborenen behandelte man dabei ähnlich, wie die Spanier -in ihren Besitzungen es taten, auch führte man wie diese Neger ein. Städte -wurden gebaut, und nach und nach bildete sich ein lebhafter Handel mit -dem Mutterlande aus. Auch diese Kolonie hatte von der Mitte des 16. Jahrh. -an unter Angriffen der Engländer, Holländer und Franzosen zu leiden und -Versuche der beiden letzten, sich festzusetzen, abzuwehren.</p> - -<p>Im Südosten Amerikas nahmen die <em class="gesperrt">Spanier</em> vom <em class="gesperrt">La Plata</em> aus -die Länder in Besitz. Die Kolonisierung begann mit der Gründung von -Buenos-Ayres (1534) und Asuncion (1537) und machte rasche Fortschritte, -so daß bald die Verbindung mit Peru und Chile hergestellt war und die Besiedelung -der La Plata-Staaten teilweise auch von dort geschah.</p> - -<p>Der „Stille Ozean“ gehörte zweifellos in den Machtbereich Spaniens, -auf die <em class="gesperrt">Molukken</em> aber machten <em class="gesperrt">beide</em> Nationen Anspruch. Eine 1524 -zur Regelung dieser Frage eingesetzte Kommission kam zu keinem Ergebnis, -da beide Parteien bei ihrer Ansicht über die Lage der Inseln zur Demarkationslinie -blieben und keine die Mittel besaß, der anderen ihre Fehler zu beweisen; -die Differenz der Ansichten betrug 46 Längengrade.<a name="FNanchor_28_28" id="FNanchor_28_28"></a><a href="#Footnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a></p> - -<p>Die Portugiesen hatten sich schon auf Ternate festgesetzt, die Spanier -beabsichtigten ein gleiches auf Tidor. In Mittelamerika wurde eifrig nach -einer Durchfahrt geforscht, um den weiten Weg abzukürzen, aber auch eine -Expedition zur Besitzergreifung wurde 1525 von Spanien durch die Magalhaesstraße -gesandt. Von sieben Schiffen gelangte jedoch nur eins, an Mannschaft geschwächt -und völlig seeuntüchtig, am 1. Januar 1527 nach Tidor; die übrigen -waren verloren oder versprengt; eins war nach Mexiko gekommen, gewissermaßen -auch ein Erfolg, weil hierdurch die westliche Begrenzung Südamerikas -mehr bekannt wurde. Die schwache Besatzung des wohlbehalten eingetroffenen<span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[75]</a></span> -Schiffes befestigte sich auf Tidor und hielt sich auch einige Zeit, da sie von -Mexiko aus Unterstützung bekam; aber von den drei dazu entsandten Schiffen -war ebenfalls nur eins angekommen, und sein Versuch, dann noch weitere -Unterstützungen heranzuholen, mißlang. Mehrfach versuchte es, nach Osten -zurückzusegeln, immer mußte es widriger Winde wegen umkehren und fiel -schließlich den Portugiesen in die Hände. Der Rest der Spanier, 16 Mann, -wurde von Tidor nach Hamalhera vertrieben und behauptete sich hier bis -zum Abschluß eines Vertrages. 1529 verzichtete nämlich Spanien gegen eine -Summe von 350000 Dukaten auf die Inseln, die Demarkationslinie wurde auf -17 Längengrade östlich davon angenommen. So war Portugal im alleinigen -Besitz des Gewürzhandels und blieb es bis zu seiner Verdrängung durch die -Holländer. Die bedeutende von Portugal gezahlte Abfindungssumme muß -man aber wohl als einen Erfolg der ersten Erdumsegelung für Spanien ansehen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Philippinen</em> hätten nach dem letzten Vertrage zur Erdhälfte -Portugals gehört, dennoch fielen sie <em class="gesperrt">Spanien</em> zu. Von Mexiko aus wurden -von 1536 an Expeditionen dorthin entsendet, die auch verschiedene neue -Inselgruppen der Südsee und sogar (1545) Neuguinea berührten. Diese Entdeckungen -hatten aber weiter keine Folgen, und auch auf den Philippinen -wurde zunächst nichts erreicht. Den sich feindlich stellenden Eingeborenen -gegenüber waren die Unternehmungen zu schwach; man war stets zur Proviantierung -auf die Molukken und somit auf die Güte der Portugiesen -angewiesen, und die Schiffe fielen schließlich immer diesen in die Hände, -weil alle Versuche, nach Mexiko zurückzukehren, wie früher an den widrigen -Winden scheiterten; durch den Indischen Ozean aber nach Europa zu segeln, -verbot der Vertrag. Erst 1565 gelang es einer größeren Flotte, auf Zebu -festen Fuß zu fassen, und gleichzeitig ward der Rückweg gefunden. Ein versprengtes -Schiff entdeckte nämlich durch Zufall nördlich von 40° N. Breite -den günstigen Wind nach Mexiko; der Führer der Flotte hatte diesen Weg -gesucht in der Überzeugung, wie beim Atlantik nördlich vom Passat westliche -Winde anzutreffen. Damit war die Verbindung zwischen Mexiko und den -Philippinen hin und zurück gesichert; bald wurden alle Inseln unterworfen, -1570 Luzon erobert und Manila gegründet; Portugal fürchtete man auch -nicht mehr, denn um diese Zeit war das kleine Nachbarland erschöpft und -seine Macht in Indien schon im Rückgange.</p> - -<p class="small">Für den Südwestweg nach Indien sind noch einige Punkte von nur <em class="gesperrt">geographischer -Bedeutung</em> zu erwähnen. Die Berührung Neuguineas regte an, -den vermuteten <em class="gesperrt">großen Südkontinent</em> zu suchen, als dessen Nordküste -man Neuguinea ansah. Am Ende des 16. und zu Anfang des 17. Jahrh. entdeckten zu -diesem Zweck von Peru ausgesandte Expeditionen neue Inselgruppen der Südsee und -auch die Torresstraße, doch sollten erst spätere Zeiten diese Entdeckung wiederholen -und verwerten; die Kunde über die Torresstraße blieb sogar überhaupt ein in den Archiven -Manilas begrabenes Geheimnis (Cook entdeckte die Straße 1770 neu). 1616 umsegelten -die Holländer zuerst das <em class="gesperrt">Kap Hoorn</em> und fanden damit einen günstigeren Weg zur -Umschiffung Amerikas von Osten als die Magalhaesstraße mit ihren beständigen Westwinden; -1642 umsegelte der Holländer Abel Tasman von Mauritius aus <em class="gesperrt">Australien</em> -(und Tasmanien) und stellte damit fest, daß dieser Kontinent, Neuholland getauft,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_76" id="Page_76">[76]</a></span> -nicht mit dem großen Südpolkontinent zusammenhinge; das gleichfalls gesichtete -<em class="gesperrt">Neuseeland</em> wurde nun lange Zeit (bis zu Cook 1770) für den Ausläufer eines solchen -gehalten.</p> - -<p><b>Der Nordwest- und der Nordost-Weg nach Indien.</b> Der Gedanke, Indien -auf <b>nordwestlicher Bahn</b> zu finden, wurde zuerst in England gefördert, aber -die Anregung hierzu gab wieder ein Italiener. <em class="gesperrt">Giovanni Cabotto</em> -(<em class="gesperrt">John Cabot</em>), Genueser von Geburt, später venetianischer Bürger, -ließ sich 1490 in Bristol nieder. Bristol war durch seinen Stockfischhandel -nach Südeuropa schon ein berühmter Hafen geworden. Englische und dänische -Fischer besuchten seit Anfang des 15. Jahrh. bereits regelmäßig Island, und -aus Island stammten Überlieferungen von den alten Normannenfahrten -nach Ländern im Westen des Atlantischen Ozeans. Schon von 1491 an unternahmen -Bristoler Kaufleute auf Anregung Cabots Entdeckungsfahrten nach -dem Westen, 1496 erhielt er auch vom König Unterstützung und ein Patent, -das ihn gegen eine Abgabe ermächtigte, unter königlicher Flagge zu fahren, -zu entdeckende Länder in Besitz zu nehmen und sie im Namen des Königs -zu regieren. Im Mai 1497 trat er die Reise an und erreichte Amerika am -Johannistage wahrscheinlich beim Kap Bonavista; er segelte dann die Küste -von <em class="gesperrt">Labrador</em> entlang, bis ihn Treibeis zur Umkehr zwang. Schon Anfang -August traf er wieder in Bristol ein. 1498 folgte eine zweite Fahrt mit 5 Schiffen, -doch ist von ihrem Ergebnis nichts Sicheres bekannt, ebensowenig von einer -späteren seines Sohnes Sebastian, der nachher für lange Jahre in spanische -Dienste trat. In den nächsten Jahren folgten andere Schiffe, auch französische -und portugiesische, den Spuren Cabots nach <em class="gesperrt">Neuschottland</em>, -<em class="gesperrt">Neufundland</em> und Labrador. Man lernte den Fischreichtum dieser -Küsten kennen, und Fischer der genannten Nationen begannen dort ihre -Tätigkeit. Zur eigentlichen Besiedlung erschien das Land aber zu rauh und -zu arm. Größere Unternehmungen ruhten etwa 20 Jahre, bis die Erfolge -Magalhaes' wieder den Wunsch nach einer nördlichen Durchfahrt bei den -Völkern wachriefen, die sich noch nicht recht in den Machtbereich der Spanier -und Portugiesen wagten. Wir finden dann neue Versuche Frankreichs (z. B. -1524 der Florentiner Verrazano in französischem Dienste) und Englands -(von 1527 an) zur Erforschung der Küste; alle erreichten nur etwa 53° N. -Breite, jedoch wurde die Küste von hier bis zu 34° N. Breite (besonders durch -den Franzosen <em class="gesperrt">Cartier</em> 1534) genauer bekannt.</p> - -<p>So war man bis an die Entdeckungen der Spanier im Süden herangekommen; -die <em class="gesperrt">Ostküste Nordamerikas</em> war festgelegt und sollte -bald das Ziel der Kolonisation von Frankreich, England und Holland werden. -Neue Versuche, den Weg nach Indien zu finden, wurden dagegen erst wieder -nach einer Pause von 50 Jahren gemacht: die früh angetroffenen Eismassen -hatten abgeschreckt. Die Engländer unter Elisabeth nahmen sie erst wieder -auf, doch wurde in dem Zeitabschnitt von 1576–1632 das Ziel ebensowenig -erreicht; durch die verschiedenen Entdeckungsfahrten hatte man aber von -den polaren Küstensäumen Amerikas ein wesentlich klareres Bild gewonnen.<span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[77]</a></span> -Die Namen der großen Seeleute, die diese Unternehmungen leiteten, sind in -der Karte verewigt: <em class="gesperrt">Frobisher</em> (1576–1578), <em class="gesperrt">Davis</em> (1585–1587), -<em class="gesperrt">Hudson</em> (1609–1611), <em class="gesperrt">Baffin</em> (1614–1616), <em class="gesperrt">Fox</em> und <em class="gesperrt">James</em> (1631 -bis 1632).<a name="FNanchor_29_29" id="FNanchor_29_29"></a><a href="#Footnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a> Dann trat gar eine Pause von nahezu 200 Jahren (bis 1818) ein, -und erst 1850 (Mac Clure) wurde das Vorhandensein eines Wasserweges von -der Baffinsbai bis zur Beringsstraße festgestellt.</p> - -<p>Unternehmungen, Indien auf einem <b>Nordostwege</b> zu erreichen, begannen -erst um 1553. Es könnte dies befremden, aber man nahm bis dahin im Westen -und Süden Europas an, daß das Festland Europas mit Grönland zusammenhinge. -Vom Bestehen einer Küstenschiffahrt von der Nordwestküste Norwegens -bis zum Weißen Meere und vom Weißen Meere bis zum Karischen -Meerbusen erfuhr man erst um 1549 durch das Werk eines deutschen Gesandten -in Moskau. Wahrscheinlich hierdurch angeregt, rief <em class="gesperrt">Sebastian -Cabot</em> bei seiner Rückkehr nach England eine Gesellschaft englischer -Kaufleute — später die moskowitische Handelsgesellschaft genannt — ins -Leben mit dem Zweck, auf dem nordöstlichen Wege Länder dem Handel -zu öffnen, zu denen der Einfluß der Hansa nicht reichte, und womöglich um -den Norden Europas herum nach Indien zu gelangen. Die Holländer folgten -bald nach. Das Hauptziel ist bekanntlich auch hier nicht erreicht und -Kolonien sind nicht gegründet worden; auch der Handel wurde nie -bedeutend.</p> - -<p>Eine erste englische Fahrt 1553 unter Sir Hugh Willoughby kam bis zum -<em class="gesperrt">Weißen Meere</em>, von wo aus man mit Moskau in Verbindung trat, eine -zweite bis Nowaja Semlja, eine dritte 1580 bis zum <em class="gesperrt">Karischen Meer</em>; -weiter kamen auch die Holländer bei verschiedenen Expeditionen 1566–1599 -nicht. Beide Nationen trieben aber regelmäßigen Handel mit und an den -neuentdeckten Gestaden und gründeten dort Agenturen, die bedeutendsten -seit 1584 in <em class="gesperrt">Archangel</em>.</p> - -<p>Die Versuche, Indien zu erreichen, wurden im Anfange des 17. Jahrh., -als die holländisch-ostindische Kompagnie gegründet war und den Handel -mit Indien auf dem Südost- und Südwestwege allein in der Hand hatte, von -holländischen Kaufleuten, die dieser Kompagnie nicht angehörten, erneuert, -später von der Kompagnie selbst und von der englischen moskowitischen -Gesellschaft fortgesetzt. Aber man kam nicht weiter als früher, auch Versuche, -von Nowaja Semlja aus oder längs der Ostküste Grönlands über den Nordpol -zu steuern, scheiterten an den unüberwindlichen Eismassen, und so wurde -im Nordosten wie im Nordwesten der Plan für lange Zeit, für 250 Jahre -(Nordenskiöld und Palander, 1878–1879), aufgegeben.</p> - -<p>Die Versuche, den Nordostweg zu finden, brachten aber ein -sehr wichtiges, praktisches Ergebnis. Es wurde <em class="gesperrt">Spitzbergen</em> entdeckt -und der Reichtum seiner Gewässer an Walen und Robben erkannt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[78]</a></span></p> - -<p class="small">Schon von 1597 an sandten die Engländer vereinzelte Schiffe zum Fang nach dem -hohen Norden, wobei ihnen Basken — erfahren in Fang des damals noch vorhandenen -Biskaya-Wals — als Lehrmeister dienten. Von 1608 an wurde die <em class="gesperrt">Fischerei</em> in -größerem Maßstabe betrieben, und 1611 erhielt die moskowitische Gesellschaft das alleinige -Recht dazu sowohl englischen als fremden Fischern gegenüber. Trotzdem erschienen -1612 auch die Holländer, neben ihnen Basken und Franzosen dort, und es entspann -sich hier nun ein jahrelanger regelrechter Kampf, bis im Jahre 1627 ein Vertrag -den Engländern den Südwesten, den Holländern den Nordwesten der Inseln als Fischereibezirk -zusprach.</p> - -<h4>Das Heraustreten der Engländer und Holländer (Franzosen) -in die Ozeane.<a name="FNanchor_30_30" id="FNanchor_30_30"></a><a href="#Footnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a></h4> - -<p>Um die Mitte des 16. Jahrh. waren die Ozeane mit Ausnahme der nördlichsten -und südlichsten Gewässer befahren und die Entdecker auf den verschiedenen -Wegen nach Indien überall zusammengestoßen; unbekannt waren -nur noch die arktischen Regionen, die Westküste Nordamerikas, die Nordküste -Asiens und Australien. Spanien und Portugal, die Hauptentdecker, -hatten sich in der Beherrschung der ergiebigsten Gebiete der neuerschlossenen -Erde geteilt und zogen reichen Gewinn aus den überseeischen Besitzungen -oder aus dem Monopol des Seehandels nach den neuen Ländern. Sie sollten sich -aber nicht lange ungestört dieser Vorteile erfreuen; bald erwuchsen ihnen -gefährliche Mitbewerber in den <em class="gesperrt">neu aufblühenden Seemächten -England, Holland</em> und bis zu einem gewissen Grade auch Frankreich. -Holland und England waren seit Ende des 15. Jahrh. als Nebenbuhler der -<em class="gesperrt">Hansa</em> in den nordischen Gewässern aufgetreten, die bekanntlich im Laufe -des 16. Jahrh. ihre Bedeutung und Macht verlor. An ihrem Rückgange -waren nicht vorwiegend, wie oft gesagt, die Umwälzungen im Welthandel -durch die Entdeckungen schuld. Diese sind in der 1. Hälfte des 16. Jahrh. -noch nicht tiefgreifend genug gewesen; Spanier und Portugiesen, die Völker der -Entdeckungen, sind nie nach dem Norden gekommen; nicht diese, sondern Holländer -und Engländer wurden die Erben der Hansen. An der ersten Folge -der Entdeckungen, nämlich der zunehmenden Schiffahrt vom Norden nach -der Pyrenäischen Halbinsel, beteiligte sich die Hansa in demselben Maße -wie England und Holland. Sie sank, als die skandinavischen Reiche sowie -England erstarkten und die hansische Handelsherrschaft abschüttelten, -gleichzeitig wuchs die Macht des deutschen Fürstentums und strebte erfolgreich -danach, die verlorene Herrschaft über die deutschen Städte im -allgemeinen wiederzugewinnen. Die Aufgabe des hansischen Städtebundes, -seine Herrschaft auf der See zu verteidigen und seine politische Unabhängigkeit -zu wahren, wurde zu groß für die immer kleiner werdende Zahl -der Städte; unglückliche Seekriege offenbarten die innere Schwäche des -Bundes und untergruben die Achtung vor seiner Macht. Die nordischen -Staaten begünstigten die neuen Händler, Holländer und Engländer, und<span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[79]</a></span> -beschnitten die der Hansa gewährten Rechte, wie es auch Elisabeth in -England tat. Wenn die Hansen zu Anfang des 16. Jahrh. die Ostsee -als ihr Meer ansehen konnten, so waren sie an seinem Ende dort nur -noch geduldet.</p> - -<p class="small">Um diese Zeit erlitten die Hansen nun noch zwei schwere Einbußen: die Heringszüge -wandten sich nach der Nordsee und wurden die Beute der englischen und noch -mehr der holländischen Fischer; diese betrieben den <em class="gesperrt">Heringsfang</em> 1634 mit 2500 -bis 3000 Fahrzeugen, selbst an den Küsten Schottlands, und erzielten daraus einen -jährlichen Gewinn von 20 Millionen Mark. Ferner zog sich ein großer Teil des russischen -Handels infolge der nordischen Kriege in der Ostsee nach den von den Engländern und -Holländern gegründeten Agenturen in Archangel.</p> - -<p>Mit dem Niedergange der Hansa wuchs die Schiffahrt Englands und -Hollands seit der Mitte des 16. Jahrh. ganz bedeutend. Während im Jahre -1531 nur 310 holländische Schiffe nach der Ostsee gefahren waren, liefen im -April 1587 gegen 800 dahin aus, und 1640 sollen gar 1600 den Sund passiert -haben; der englische Handel erreichte hier um diese Zeit bei weitem nicht -denselben Umfang, den 1600 holländischen Schiffen stehen nur 430 englische -gegenüber.</p> - -<p>Auch der Verkehr beider Nationen nach dem Süden und dem Mittelmeer -wuchs an, wiederum besonders der der Holländer. Diese hatten bald den -Zwischenhandel zwischen der Pyrenäischen Halbinsel und dem Norden in -die Hand genommen und trotz ihres Krieges mit Spanien erweitert; als ihnen -im Verlauf des Krieges die Häfen der Halbinsel geschlossen wurden, setzten -sie den Handel mittels Schmuggel fort, der Ausschluß von Spanien führte -auch ihre Schiffe mehr ins Mittelmeer. Von dem Bestreben der beiden -jungen Seemächte und Frankreichs, im Norden Wege nach Indien zu -finden, hörten wir bereits, auch wie dieses die Entwicklung einer blühenden -Hochseefischerei an verschiedenen Stellen mit sich brachte.</p> - -<p>Die Tätigkeit auf allen diesen Gebieten in den nordischen Gewässern -mit ihren Beschwerden und Gefahren war für die Holländer und Engländer -eine gute Schule zur Ausbildung ungemein tüchtiger Seeleute, die sich bald -stark genug fühlten, die Macht und die auf päpstlichen Bullen fußenden -Rechte der Spanier und Portugiesen nicht mehr zu achten. Ihre Schiffe -erscheinen in den südlichen Meeren; zunächst sind es bewaffnete Kauffahrer -der Engländer, von den Spaniern Piraten genannt, die einzeln und in Geschwadern -— in Kriegszeiten mit Kaperbriefen versehen und von der Regierung -unterstützt — die mit Edelmetallen und Tropenerzeugnissen heimkehrenden -Schiffe und die Kolonien bedrohen, später treten bewaffnete kaufmännische -Expeditionen beider Völker zur Gründung von Niederlassungen und Anknüpfung -von Handelsverbindungen hinzu; eine endlose Reihe von kleinen -und großen Zusammenstößen in allen Teilen der Welt ist die Folge. Dieser -Kampf gegen die Spanier und Portugiesen wird geschürt durch Glaubenshaß, -die große Frage des Zeitalters, und ist bei den Holländern gleichzeitig der -auf das Meer übertragene Streit gegen ihre Unterdrücker, in dem England -ihnen als Bundesgenosse zur Seite steht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[80]</a></span></p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p080.jpg" width="300" height="380" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p080" id="fig_p080"></a> -<p class="caption">Francis Drake.</p> -</div> - -<p>Von <b>England</b> aus unternahm schon zwischen 1530 und 1540 William -Hawkins mit einem Schiff von 250 tons drei erfolgreiche Reisen nach Guinea -und Brasilien und brachte Gold, Elfenbein und wertvolle Naturerzeugnisse -heim. Seinem Beispiele folgten andere; lange Fahrten, schlechte Verpflegung, -Skorbut, außer den Gefahren zur See Zusammenstöße mit den Portugiesen -machten auch diese Reisen zu einer Schule für die englischen Seeleute, besonders -für die Kapitäne. Die Unternehmungen mehrten sich unter Elisabeth, die -ja auch die Entdeckungen im Norden und die Hochseefischerei förderte, und -wurden bald in kleinen Geschwadern und mit größeren Schiffen ausgeführt. -Sie erzielten besonders großen Gewinn, als mit ihnen der Negerhandel von -Afrika nach Westindien verbunden -wurde. 1562 brachte John Hawkins, -Sohn des eben Genannten, mit 3 -Schiffen zu 120 und 100 tons die -ersten Sklaven hinüber, 1565 mit 4 -Schiffen, worunter schon eins von -700 tons war. Auf einer dritten -Reise 1568 hören wir, daß sich die -Engländer zum ersten Male die -Erlaubnis zum Handel in Rio de -la Hacha und Cartagena mit Waffengewalt -erzwingen und infolgedessen -in San Juan de Ulloa, Mexiko, von -den Spaniern überfallen und teilweise -vernichtet werden. Damit -beginnt die <em class="gesperrt">englische Freibeuterei</em><a name="FNanchor_31_31" id="FNanchor_31_31"></a><a href="#Footnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a> -in größerem Maßstabe. -Einer ihrer berühmtesten -Führer, <em class="gesperrt">Francis Drake</em>, war -Kapitän eines der Schiffe Hawkins' -gewesen; er soll den Spaniern Rache -geschworen haben für die grausame -Behandlung seiner Kameraden, die der Inquisition in die Hände gefallen -waren. Es heißt in England: „Ob Krieg ob Friede zwischen England und -Spanien, Krieg zwischen Drake und den Landsleuten der Inquisition war -stets hinfort.“</p> - -<p>Im Jahre 1572 erschien er mit drei kleinen Schiffen — zu 70, 25 tons und -einem noch kleineren — sowie drei auseinanderzunehmenden Pinassen, -wozu noch ein einzelner Freibeuter stieß, am Isthmus von Panama und griff -Nombre de Dios an, von wo aus die Reichtümer Perus nach Europa verschifft -wurden. Abgeschlagen gelang es ihm dennoch, mit Hilfe von entlaufenen Sklaven -(Indianern), auf dem Isthmus den Silbertransport abzufangen. Bei dieser<span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[81]</a></span> -Gelegenheit sah er den Stillen Ozean und betete zu Gott, „to give him life -and leave, once to sail an english ship on that sea.“</p> - -<p class="small">Als ein Beispiel der Kühnheit englischer Freibeuter dieser Zeit folgender Vorfall: -Drake kehrte nach England als reicher Mann zurück und tat einige Jahre in Irland Dienst. -In dieser Zeit rüstete sein Leutnant <em class="gesperrt">John Oxenham</em> ein Schiff von 140 tons aus, -um das eben gelungene Wagnis zu wiederholen. Da er hörte, daß die Transporte jetzt -stets von starker Bedeckung begleitet würden, beschloß er, sich der Schätze Perus -schon auf dem Wege nach Panama zu bemächtigen. Er marschierte über den Isthmus, -baute an der Westküste eine Pinasse und fing wirklich im Stillen Ozean, den er also als -erster Engländer befuhr, zwei reichbeladene Schiffe. Da er aber die Besatzung entkommen -ließ, wurde er vor seinem Rückmarsch über den Isthmus überfallen, ein Teil -seiner Leute blieb im heftigen Kampf, er selbst mit dem Rest wurde in die Bergwerke -von Lima geschickt.</p> - -<p>Im Jahre 1577 erhielt Drake die Mittel, seine Hoffnung zu erfüllen. -Er segelte am 13. Dezember mit fünf Schiffen — sein Flaggschiff „Pelican“, -auf der Reise „Golden Hind“ umgetauft, zu 100 tons, ferner je eins zu 80, -30, 50, und 15 tons —, aber ein Sturm nach Passieren der Magalhaesstraße -zerstreute das Geschwader; zwei Schiffe gingen verloren, zwei kehrten nach -England zurück, und nur mit dem Flaggschiff erreichte Drake Callao. Während -seiner weiteren Fahrt nahm er zwei reiche Kauffahrer weg und suchte die -Küste bis 48° N. Breite, weiter als die Spanier bisher gekommen waren, nach -einer Durchfahrt ab; dann segelte er als <em class="gesperrt">erster englischer Weltumfahrer</em> -durch den Stillen und den Indischen Ozean heim. Am 26. -September 1580 traf er in Plymouth ein; die Königin Elisabeth speiste bei ihm -an Bord des „Golden Hind“ und schlug ihn zum Ritter.</p> - -<p>Dieses erste Erscheinen der <em class="gesperrt">Engländer im Stillen Ozean</em> erregte -natürlich in Spanien und seinen Kolonien Furcht und Zorn, doch -beantwortete Elisabeth einen Protest dagegen mit der Erklärung, sie erkenne -die durch Bullen verliehenen Rechte nicht an und würde nur wirklich besetztes -Land als spanisches Eigentum achten. Spanien machte infolgedessen -Versuche, die östliche Einsegelung in die Magalhaesstraße durch befestigte -Niederlassungen zu sperren und spätere Expeditionen schon im Atlantik -abzufangen. Solche Expeditionen folgten bald.</p> - -<p class="small">1582: 1 Schiff zu 400, 1 zu 300, 1 zu 40 tons, eine Pinasse; doch mußte man nach -Zusammenstoß mit den Spaniern schon in Brasilien umkehren; 1586: 1 zu 120, 1 zu 60, -1 zu 40 tons; man kam bis Mexiko, plünderte Städte, zerstörte Schiffe, nahm ein Silberschiff -zu 700 tons, umsegelte ebenfalls die Erde und kehrte 1588 nach Verlust der beiden -kleineren Fahrzeuge zurück (Thomas Cavendish); 1589, außer der Brandschatzung von -Bahia ein Mißerfolg; 1593 ging wieder ein Hawkins, Richard, in der dritten Generation, -mit einem Schiff von 350 tons zur Westküste Amerikas, plünderte zahlreiche Warenhäuser -und machte reiche Prisen, erlag aber schließlich der spanischen Übermacht.</p> - -<p>Weit gefährlicher aber als dieses Erscheinen vereinzelter Schiffe an der -Westküste Amerikas wurde den Spaniern das Auftreten der <em class="gesperrt">Engländer -in Westindien</em> und im <em class="gesperrt">Atlantik</em>. Der Ausschluß vom Handel in -Westindien und die verlockende Nähe der reichen spanischen Besitzungen -reizten die englischen Seefahrer, sich für die ihnen entgehenden Vorteile auf<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[82]</a></span> -unrechtmäßigem Wege durch Wegnahme spanischer Schiffe und Plünderungszüge -zu entschädigen. Den ersten Zügen Hawkins' und Drakes folgten andere, -Drake selbst brandschatzte 1585 nochmals St. Domingo, Cartagena und die -Niederlassungen in Florida. Von diesem Jahre an, in dem sich Elisabeth -offen auf die Seite der in Aufstand getretenen Niederlande stellte, war außerdem -offener Kriegszustand zwischen den beiden Nationen; man kann nun die -englischen Raubzüge nicht gut mehr Piraterie nennen, denn die Schiffe -waren mit königlichen Patenten zur Schädigung des Feindes versehen. Drake -erhielt als erster ein solches, und Privatpersonen wurden sogar königliche -Schiffe zu Kaperzwecken zur Verfügung gestellt. Ganz besonders mehrten -sich diese Unternehmungen, als Macht und Ansehen der spanisch-portugiesischen -Seemacht infolge der Armadakatastrophe gesunken war und England -energisch den Krieg auf dem Meere gegen Spanien führte. Private Züge -mit königlichen Patenten und Unternehmungen der Kriegsmarine lassen -sich jetzt kaum auseinanderhalten: in den Geschwadern der ersteren werden -Kriegsschiffe als Kern verwendet und die königlichen Flotten enthalten -wiederum viele, oft sogar in der Mehrzahl, geheuerte Kauffahrer (vgl. S. <a href="#Page_133">133</a> -„England nach Abwehr der Armada“). Auch Englands Ansiedelungsversuche -in Nordamerika und Westindien gingen nicht ohne Gewalttätigkeiten ab, -so daß um das Ende des 16. Jahrh. Spaniens Seefahrt und seine Kolonien -ununterbrochen den Angriffen englischer Einzelschiffe und Geschwader ausgesetzt -waren, bis endlich mit dem Friedensschluß 1604 und dem Verbot -Jacobs I., spanische Schiffe aufzubringen, wenigstens die größeren Züge -dieser Art aufhörten.</p> - -<p>In der ersten Hälfte des 17. Jahrh. beginnen dann aber <em class="gesperrt">kaufmännische -und kolonisatorische Unternehmungen</em> in Asien -und Amerika; so erfolgte <b>das Auftreten der Engländer in Indien</b> und führte -trotz des Friedens in Europa zu weiteren Kämpfen mit Portugal.</p> - -<p class="small">1587 hatte Drake bei den Azoren einen großen portugiesischen Ostindienfahrer -„San Felipe“ aufgebracht, der eine Ladung von 2 Millionen Mark an Wert führte. Aber -wichtiger war, daß auf ihm Papiere gefunden wurden, die genauen Aufschluß über die Art -des Betriebes des ostindischen Handels sowie über den enormen Gewinn, den er abwarf, -gaben; diese Umstände waren ebenso wie Karten und Segelanweisungen der indischen -Gewässer von den Portugiesen stets geheim gehalten. Es soll dieser Fund viel dazu beigetragen -haben, die Engländer nach Indien zu führen.</p> - -<p>Schon im Jahre 1591 segelte eine erste Expedition von 3 größeren Schiffen -unter <em class="gesperrt">James Lancaster</em> nach Indien. Zwar gingen sämtliche Fahrzeuge -nach vielen Abenteuern verloren, aber man hatte doch das Ziel erreicht, -verschiedene reiche portugiesische Schiffe genommen und war mit dem -Sultan von Atchin, dem größten Feinde Portugals, in Verbindung getreten; -Lancaster selbst kam wohlbehalten zurück. Eine zweite Expedition 1596 -hatte keinen Erfolg. Am 31. Dezember 1600 (nach Clowes 1599) erhielt -eine Gesellschaft von Kaufleuten als <em class="gesperrt">ostindische Kompagnie</em><a name="FNanchor_32_32" id="FNanchor_32_32"></a><a href="#Footnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a><span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[83]</a></span> -den königlichen Freibrief mit verschiedenen Rechten zum Handel nach Indien. -Im Februar 1601 (nach Clowes 1600) verließ ihr erstes Geschwader — 1 Schiff -zu 600 tons, 1 zu 260, 1 zu 240 nebst 2 oder 3 Proviantschiffen — unter Lancaster -mit Briefen der Königin an die indischen Fürsten, besonders an den -Sultan von Atchin, England, schloß Handelsverbindungen, gründete Faktoreien -in <em class="gesperrt">Atchin</em> und <em class="gesperrt">Bantam</em> und kehrte September 1603 (1602) zurück. -Eine zweite Reise derselben Schiffe (März 1604) verlief ebenso günstig, beide -warfen einen Gewinn von 95% ab; auf Fahrten 1606, 1607 und 1608 wurde -ein noch höherer erzielt. Einige Mißerfolge abgerechnet, wuchs die Macht -der Kompagnie schnell, besonders als man sich nach dem Festlande, zunächst -der Westküste Vorderindiens, wandte, wo man von den bald auch in Indien -erschienenen Holländern weniger gestört wurde; überall machte man sich -die Unzufriedenheit der Eingeborenen mit den Portugiesen geschickt zunutze. -1612 wurde eine Faktorei in <em class="gesperrt">Surat</em> errichtet, Kompagnie und Regierung -traten mit dem Großmogul in freundschaftliche Verbindung. Jahr für Jahr -folgten sich die Reisen; 1618 betrug die Zahl der Schiffe der Kompagnie schon 36. -Ihre Größe war 200–600 tons, besonders beliebt scheinen solche zu 500 tons, -20–30 Geschütze mittleren Kalibers, 200 Mann, ähnlich den Kriegsschiffen -der Zeit, gewesen zu sein. Zusammenstöße mit den Portugiesen in wirklichen -Seegefechten von Geschwadern zu 4–8 Schiffen fielen meist zugunsten der -Engländer aus; wenn auch die Portugiesen an Zahl und Größe der Fahrzeuge -häufig überlegen waren und noch über die erwähnten (Seite <a href="#Page_63">63</a>) großen offenen -Boote verfügten, so waren ihre Schiffe doch nicht so gefechtskräftig und -wurden auch wohl weniger geschickt geführt und bedient.</p> - -<p>Gefährlicher wurden der Kompagnie die Holländer, die den Engländern -nach Indien gefolgt und dort bald weit mächtiger geworden waren. Beide -Nationen taten sich gegenseitig sowohl mit Gewalt wie durch Beeinflussung -der einheimischen Fürsten möglichst viel Abbruch. Von 1619 an gingen sie zu -beiderseitigem Vorteil auf kurze Zeit zusammen gegen Portugal vor: Sie -setzten eine gemeinsame Behörde, "Council of defence", ein, organisierten eine -Flotte von 20 gemeinschaftlich gestellten Kriegsschiffen und teilten sich -die Kosten der Garnisonen an Plätzen, wo sie beide interessiert waren; sie -einigten sich über Handelsgebiete und verabredeten, den Handel nach China, -Japan und den Philippinen — der übrigens von den Engländern bald für -längere Zeit wieder aufgegeben wurde — gemeinsam zu betreiben.</p> - -<p>Wie viel mächtiger Holland war, kann man daraus ersehen, daß im Jahre -1622 28 englischen Schiffen 83 holländische Fahrzeuge gleichzeitig auf der -Station gegenüberstanden. So beanspruchten die Holländer denn auch, aus dem -Vertrage den größeren Vorteil zu ziehen. Schon 1623 war die feindselige -Stimmung schlimmer als je zuvor; im Februar dieses Jahres wurden im -holländischen Amboina 10 dort angesessene Engländer mit ihren Dienern -unter der Anschuldigung, sich mit den Eingeborenen gegen die Holländer -verschworen zu haben, von diesen gefoltert und hingerichtet. Diese „<em class="gesperrt">Amboina-Affäre</em>“ -führte zu Vergeltungsmaßregeln seitens Englands selbst in<span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[84]</a></span> -den europäischen Gewässern und sollte später einer der Gründe des ersten -holländisch-englischen Krieges werden.</p> - -<p>In den nächsten Jahren erzielte die englisch-ostindische Kompagnie -eigentlich nur Erfolge den Portugiesen gegenüber. Ihnen wurde ein Handelsgebiet -nach dem andern, besonders auf dem Festlande, abgenommen.<a name="FNanchor_33_33" id="FNanchor_33_33"></a><a href="#Footnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a> -Der schwerste Verlust wurde ihnen aber dadurch zugefügt, daß man 1622 -die Perser bei der Eroberung des wichtigen Platzes <em class="gesperrt">Ormuz</em> unterstützte. -Reibungen mit Holland vermied man nach Möglichkeit, indem man seinem -Hauptgebiet, der Inselwelt, fernblieb und dort schon Besetztes größtenteils -wieder aufgab.</p> - -<p>Im Vergleich mit Holland war zu Ende des geschilderten Zeitabschnittes -der Einfluß Englands in Indien noch gering; außer einigen Faktoreien mit -schwachen Forts besaß die Kompagnie kein Eigentum. Von 1636 an hatte -sie auch unter dem Wettbewerb einer zweiten Gesellschaft, der Courtenschen, -zu leiden, die gleichfalls Rechte erhalten hatte und Faktoreien anlegte, bis -sie 1649 mit der ostindischen Kompagnie verbunden wurde. In arge Bedrängnis -versetzten endlich die Kompagnie, die auf eine Unterstützung aus -der Heimat nicht rechnen konnte, die überlegenen Holländer während des -ersten englisch-holländischen Krieges. Bis zu ihrer Erstarkung und Blüte -verging noch manches Jahr.</p> - -<p><b>Das Festsetzen der Engländer in Nordamerika</b> begann mit der gewaltsamen -Inbesitznahme der Fischerei auf den Neufundlandbänken. Diese -hatte sich so entwickelt, daß 1578 dort etwa 50 englische, 100 spanische, -30 baskische, 100 portugiesische und 150 bretagnische Fahrzeuge fischten. -Königin Elisabeth unterstützte die Hochseefischerei in jeder Hinsicht, sie -hatte sogar 1563 angeordnet, daß jeder Engländer Mittwochs und Sonnabends -Fisch essen solle, wie die Akte besagt, „zur Förderung der Fischer und Seeleute, -der Häfen und der Schiffahrt“. 1583 wurde nun von <em class="gesperrt">Neufundland</em> -(St. Johns), wo schon eine Fischerkolonie bestand, feierlich Besitz genommen, -bei Ausbruch des Krieges mit Spanien 1585 legte man auf alle spanischen -und portugiesischen Fischerfahrzeuge Beschlag und nahm die Besatzungen -gefangen; damit waren diese Nationen vom Fischereibetrieb ausgeschlossen.</p> - -<p>1584 erhielt <em class="gesperrt">Walter Raleigh</em> ein Patent zur Besitzergreifung aller -zu entdeckenden Länder in Amerika, die noch nicht im Besitz christlicher -Fürsten seien. Seine ersten Niederlassungen in Nordcarolina (Roanoke) -hatten aber keinen dauernden Bestand; erst als 1606 zwei Kompagnien, -die von Plymouth und die von London, das Besiedlungsrecht für Nordamerika -erhielten — die eine von 42°–45° N., die andere von 34°–38°, die dazwischen -liegende Küste war beiden zugestanden —, kam die Kolonisation vorwärts, -wenn auch anfangs nur langsam infolge gegenseitiger Eifersucht und Kämpfe -mit Indianern und mit benachbarten Niederlassungen der Holländer und<span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span> -Franzosen. Die ersten Ansiedelungen wurden an der Chesapeake-Bai (Virginia) -und am Kennebec-Flusse (Maine) gegründet; andere Gesellschaften folgten, -so daß bis 1635 <em class="gesperrt">die ganze Küste von Virginia bis Maine</em> -von Engländern besiedelt war, geteilt in eine Anzahl Kolonien, fast genau den -jetzigen Küstenstaaten der Union entsprechend, mit getrennter, sogar bald -dem Mutterlande gegenüber ziemlich selbständiger Verwaltung. Nur am -Delaware und am Hudson bestanden um diese Zeit noch einige holländische -und eine schwedische Niederlassung, die erst um 1664 an England fielen. -Im Norden der englischen Kolonien waren Acadia (Neubraunschweig und Neuschottland) -und Kanada in französischem Besitz, und auch Neufundland war -nicht allein von Engländern, sondern auch von Franzosen besiedelt, so daß -es trotz formeller Besitzergreifung zu dieser Zeit noch nicht als englische -Kolonie angesehen werden kann. Carolina, zum spanischen Florida gehörig -und von französischen Hugenotten aufgesucht, wurde zwar bald auch von -Engländern, hauptsächlich von Virginien aus, bevölkert, kann aber erst vom -Ende des 17. Jahrh. an als englische Besitzung betrachtet werden. Virginia -und die sogenannten Neuenglandstaaten (New Hampshire, Massachusetts, -Connecticut, Rhode Island) entwickelten sich mehr und mehr; Virginia -besonders nach Einführung des Tabakbaues mit Hilfe von Negersklaven, -von den Neuenglandstaaten vorzüglich die, wohin sich aus England ausgewiesene -Puritaner wandten, wie z. B. Massachusetts.</p> - -<p>Versuche Raleighs, 1594–1617 in <em class="gesperrt">Südamerika</em> (Guayana) Niederlassungen -zu gründen, und spätere hatten keinen dauernden Erfolg; erst -1652 gelang es, hier festen Fuß zu fassen. Dagegen nahm England in der -ersten Hälfte des 17. Jahrh. noch von einigen <b>westindischen Inseln</b> Besitz. -In den Jahren 1605–1630 wurden St. Lucia, St. Christopher (dieses mit -Franzosen gemeinschaftlich), Barbados, Tabago, St. Martin, Nevis, Tortuga, -Antigua besiedelt. Einige dieser Kolonien hatten anfangs viel von spanischen -Angriffen zu leiden und gingen zeitweise wieder verloren, andere blühten -schnell auf, so besonders <em class="gesperrt">Barbados</em>. Die für die Zukunft wichtigste -Besitzung in Westindien erlangte England 1655 durch Eroberung der langbegehrten -Insel <em class="gesperrt">Jamaica</em>. Auf dem Wege nach Amerika ist auch 1612 -die erste Kolonie auf den <em class="gesperrt">Bermudas</em> gegründet, die sich ungestört schnell -entwickelte und schon 1619 ihr Parlament hatte. Von hier wandte man sich -1646 nach den Bahamas, wurde von dort aber später von den Spaniern -wieder vertrieben.</p> - -<p><b>Holland</b> ging, obgleich es in den europäischen Gewässern die Engländer -überholt hatte, doch erst später als diese auf die Ozeane hinaus. Zwar soll -schon 1585 dafür Stimmung gemacht worden sein, Spanien in seinen -Kolonien anzugreifen, aber man getraute es sich noch nicht. Als aber nach -der Armada-Katastrophe der eigentliche, bisher nur in den Küstengewässern -geführte Krieg auf die offene See überging, ja sogar im Verein mit England -an die feindlichen Küsten getragen wurde, wuchs die Zuversicht und Unternehmungslust. -Die Erfolge der englischen Freibeuter und die Beeinträchtigung<span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[86]</a></span> -des Zwischenhandels durch Schließen der spanisch-portugiesischen Häfen -veranlaßte auch die Holländer, dem Beispiel der Engländer zu folgen, den -feindlichen Handel auf dem Ozean zu stören, in den fernen Weltteilen Handelsverbindungen -selbst zu suchen und Kolonien zu gründen.</p> - -<p>Die Haupterfolge errang man in <b>Indien</b>, wo England bald überflügelt -wurde. 1595 unternahm <em class="gesperrt">Cornelis Houtman</em> im Auftrage einer Handelsgesellschaft -mit 4 Schiffen die erste Reise nach Indien, besuchte Java und -Sumatra und kehrte 1597 mit 3 Schiffen zurück; andere folgten. 1602 wurden -die verschiedenen Gesellschaften zu einer, <em class="gesperrt">der ostindischen Kompagnie</em>,<a name="FNanchor_34_34" id="FNanchor_34_34"></a><a href="#Footnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a> -vereinigt, die das Recht erhielt, vom Kap bis zur Magalhaesstraße -Handel zu treiben, im Namen der Generalstaaten Bündnisse und Verträge -abzuschließen, Festungen zu bauen, Militär zu halten und Beamte -anzustellen. Nun folgten sich die Expeditionen Jahr für Jahr, und der Machtbereich -der Kompagnie wuchs ungemein schnell.</p> - -<p>Unter schweren Kämpfen mit den Portugiesen, die im Anfang an Zahl -und Größe der Schiffe überlegen waren und ihnen bereits Errungenes zeitweise -wieder entrissen, setzten die Holländer sich zunächst auf den <em class="gesperrt">Molukken</em> -fest: 1603–1610 erwarben sie Amboina, Banda, Tidor, Ternate; 1619 wurde -<em class="gesperrt">Batavia</em> gegründet und bald der Mittelpunkt der sich immer weiter auf -der Inselwelt ausbreitenden Besitzungen. Aber auch an der Süd- und Ostküste -Hinterindiens gründeten sie Faktoreien und wurden 1641 durch die -Eroberung <em class="gesperrt">Malakkas</em> nun Herren der Gewässer des Malaiischen -Archipels und des Handels dort. Sie folgten den Engländern nach Vorderindien -(Surat) und nach <em class="gesperrt">Bengalen</em> und bedrohten dort die letzten bedeutenden -portugiesischen Besitzungen; später (1656) gelangten sie in den -Besitz Ceylons und einiger wichtiger Punkte der Malabarküste (Cochin 1663).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ihre Handelsreisen</em> dehnten die Holländer aus nach Formosa, den -Philippinen, China und Japan; die englischen Versuche, in den letzten beiden Ländern -Verbindungen anzuknüpfen, wurden bald wieder aufgegeben; die Holländer allein haben -während zweier Jahrhunderte Zutritt auf einer kleinen japanischen Insel bei Nagasaki -gehabt. Wenn sie auch in China jetzt noch keinen Einlaß fanden — hier hat nur Portugal -für lange Zeit in Macao eine Niederlassung besessen —, so wurden doch durch sie die -östlichen Umrisse Asiens bis zu den <em class="gesperrt">Kurilen</em> (1634 entdeckt) bekannt. Vom Malaiischen -Archipel aus berührten sie gelegentlich die Küste Neuguineas, auf ihren Reisen -nach Indien die Westküste Australiens, und 1642 umsegelten sie Australien und Tasmanien. -Es ist aber auch dies nur von <em class="gesperrt">geographischem Interesse</em>. Neuguinea -und Australien reizten nicht zu weiteren Unternehmungen, weshalb die Kenntnis -von diesen Ländern wie von Neuseeland bis 1770 (Cook) unvermehrt blieb; erst 1786 -begann die Besiedlung Australiens von England aus.</p> - -<p>Das Verhältnis der holländisch-indischen Kompagnie zur englisch-indischen -wurde bereits geschildert. Wenn sie nach dem Vorfall in Amboina -zuweilen zusammengingen, wo es beiden Nutzen versprach, und ihre Seestreitkräfte -sich mehrfach zum Angriff auf die Portugiesen vereinigten, so -wurden anderseits die Kriege der beiden Nationen in Europa auch in Indien -zwischen den Kompagnien ausgefochten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_87" id="Page_87">[87]</a></span></p> - -<p class="small">Die ungeheuere <em class="gesperrt">Macht der ostindischen Kompagnie</em><a name="FNanchor_35_35" id="FNanchor_35_35"></a><a href="#Footnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a> und ihr -Wachsen in kurzer Zeit kann man aus dem Bestande ihrer Schiffe ersehen. In den ersten -fünf Jahren des Bestehens der Kompagnie gingen 40 Schiffe nach dem Osten ab; 1616 -besaß sie 45 größere Schiffe und viele kleinere; 1622 waren in Indien 83 Fahrzeuge, und -zwar 52 Schiffe, 18 Jachten, 13 Fregatten (Ruderboote wie die der Portugiesen, Seite <a href="#Page_63">63</a>), -folgendermaßen verteilt: 16 vor Batavia; 8 nach den Molukken; 5 Küste Goa bis -Surat; 2 in Bantam; 4 nach Sumatra; 3 in Surat; 16 nach China; 4 in Patang; 1 in -Mokka; 1 in Japan; 7 Koromandel; 10 Malakkagewässer; 5 nach Manila; — 12 Schiffe -wurden von Holland erwartet. Die Schiffe hatten eine Größe von 300–900 tons, -20–30 Kanonen, die Jachten 100–200 tons. Die kleineren Schiffe und Fahrzeuge -waren mehr für den Zwischenverkehr in Indien bestimmt, die größeren fuhren von und -nach der Heimat und zeigten die Flagge von den arabischen und persischen Gewässern -bis Japan.</p> - -<p>Seit 1595 hatten auch Fahrten der Holländer nach <b>Westafrika</b> begonnen, -und man hatte trotz des Widerstandes der Portugiesen befestigte Faktoreien -an der Goldküste angelegt und bald den Handel dort fast ganz in die Hand -bekommen. Diese Forts wurden 1631 der westindischen Kompagnie übergeben, -die schließlich die letzten Punkte der Portugiesen an der Goldküste -und auch die Insel St. Thomé sowie St. Paolo de Loanda einnahm. Die -beiden letzten Eroberungen mußten jedoch 1648 zurückgegeben werden, Holland -hielt sich aber schadlos, indem es 1652 das <em class="gesperrt">Kapland</em>, das zwar von Portugal -beansprucht, aber nie besiedelt war, als einen wichtigen Stützpunkt für die -Fahrten nach Indien besetzte.</p> - -<p>Auch in <em class="gesperrt">Ostafrika</em> beunruhigte man die portugiesischen Kolonien, -die so schon im Anfang des 17. Jahrh. viel von Türken und Eingeborenen -zu leiden hatten; ein Versuch 1607, sich in Mozambique gewaltsam festzusetzen, -gelang jedoch nicht.</p> - -<p>Nach <b>Nordamerika</b> wandte sich Holland 1609. <em class="gesperrt">Hudson</em> machte seine -erste Reise zur Erforschung eines Nordwestweges im Dienst der holländisch-ostindischen -Kompagnie und erforschte dabei besonders die Küste beim -Delaware- und Hudson-Flusse. An beiden Flüssen gründeten bald darauf, -trotz englischen Einspruchs, Amsterdamer Kaufleute Niederlassungen mit -Forts — der Ursprung der jetzigen Staaten New Jersey und New York —, der -ganze Küstenstrich wurde Neu-Niederland genannt. Diese Kolonie wurde -der holländisch-westindischen Kompagnie unterstellt und war ein wichtiger -Stützpunkt für die Kreuzer gegen den spanischen Handel. Anfangs wuchs -sie nur langsam und konnte selbst ein Niederlassen der Schweden 1635 an -der Mündung des Delaware nicht hindern. Infolge der Erlaubnis der Einwanderung -von Kolonisten aller Völker hob sie sich dann und vertrieb 1655 -die Schweden, fiel aber doch schon 1664 den Engländern zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_88" id="Page_88">[88]</a></span></p> - -<p>Von weit größerer Bedeutung aber und den Spaniern sowie Portugiesen -gefährlicher war das Auftreten der Holländer in <b>Südamerika</b>, <b>Westindien</b> -und sonst im <b>Atlantik</b>, als man den Krieg auf das offene Meer übertrug -und den spanischen Handel angriff. Schon von 1604 an, also gerade als die -größeren englischen Raubzüge aufhörten, suchten holländische Geschwader -besonders die brasilianische Küste auf. Um 1621 wurde die holländische -<em class="gesperrt">westindische Kompagnie</em> gegründet mit demselben Zweck wie -die ostindische, hauptsächlich aber, um in organisiertem Seeraub mit starken -Geschwadern den Verkehr des Feindes mit seinen Kolonien zu stören und -zu unterbinden. Da der Reichtum Hollands in den letzten Jahren sehr zugenommen -hatte, wuchs sie noch schneller als ihre ältere Schwester in Ostindien.<a name="FNanchor_36_36" id="FNanchor_36_36"></a><a href="#Footnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a></p> - -<p class="small">Schon in den Jahren 1624 und 1625 war sie imstande, vier Flotten in See zu schicken, -die zusammen aus 72 Schiffen mit 1200–1300 Geschützen und 9000 Seeleuten und -Soldaten bestanden. In den Jahren 1623–1636 hat sie mehr als 800 Schiffe mit 62000 -Mann teils für Handelszwecke, teils — die größeren — nur für Kriegszwecke auslaufen -lassen; der Bestand an Mannschaften war oft für längere Zeit 24000 Mann. Welchen -Schaden diese Kräfte dem feindlichen Handel zufügten, ersieht man daraus, daß während -dieser 13 Jahre mehr als 600 feindliche Kriegs- und Handelsschiffe genommen wurden, -darunter z. B. 1623 30 Brasilienfahrer und 1628 die ganze Silberflotte, die dem Admiral -<em class="gesperrt">Pitt Heyn</em> vor Havanna in die Hände fiel.</p> - -<p class="small">Auch die Schiffe der westindischen Kompagnie waren, ähnlich der ostindischen, -aber teilweise schwerer armiert, Fahrzeuge von 200–1000 tons, 10–44 Geschützen, -60–250 Mann; die Hauptkraft bestand aus solchen von 500–700 tons, 30–40 Geschützen, -200 Mann. Die Schiffe der Kompagnien waren zum großen Teil größer als die damaligen -holländischen Kriegsschiffe.</p> - -<p>Einige der <em class="gesperrt">Antillen</em> wurden 1625, und 1634 <em class="gesperrt">Curaçao</em> besetzt, -auch in <b>Brasilien</b> wurde ein größeres <em class="gesperrt">Kolonialreich</em> geplant. Eine der -erwähnten 4 Flotten — 23 Segel, 500 Geschütze, 1600 Mann — hatte 1624 -Bahia erobert; 1625 wurde diese Stadt zwar durch eine spanisch-portugiesische -Flotte von 67 Segeln mit 12000 Mann zurückgewonnen, aber 1630 faßte -eine neue holländische Expedition<a name="FNanchor_37_37" id="FNanchor_37_37"></a><a href="#Footnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a> in <em class="gesperrt">Pernambuco</em> (Olinda, Recife) -wieder Fuß. Von hier aus wurde in den nächsten Jahren ein großer Teil -der Küsten Brasiliens erobert und eine Kolonie, Neu-Holland mit der Hauptstadt -<em class="gesperrt">Recife</em>, gegründet, die aber infolge des schwachen Zuzugs von -holländischen Kolonisten nicht lange bestand. Als 1640 Portugal wieder frei -von Spanien und damit ein Verbündeter Hollands wurde, begann man, die -militärischen Ausgaben für die Kolonie einzuschränken. Die von England -geschürte Gärung unter den nie bezwungenen Urkolonisten nahm zu und -offene Empörung brach aus. In jahrelangen Kämpfen vertrieben die Empörer, -von Portugal heimlich unterstützt, nach und nach die Holländer,<span class="pagenum"><a name="Page_89" id="Page_89">[89]</a></span> -bis diese, auch noch durch den ersten englisch-holländischen Krieg behindert -und geschwächt, im Januar 1654 die letzten Posten an Portugal zurückgaben.</p> - -<p>Auch an der Nordküste Südamerikas, in <em class="gesperrt">Guayana</em>, wurden in der -ersten Hälfte des 17. Jahrh. einige Niederlassungen gegründet; die wichtigsten -lagen am Essequibo und Berbice, also im jetzigen Britisch-Guayana, während -die ersten englischen Niederlassungen im jetzigen niederländischen Surinam -entstanden. Die Besitzverhältnisse in Guayana haben sich in den nächsten -200 Jahren infolge der vielen Kriege zwischen Holländern, Engländern und -Franzosen beständig verschoben.</p> - -<p>Auch <b>Frankreich</b> hatte mit überseeischen Unternehmungen begonnen, -wenn auch nicht in demselben Umfange wie die Holländer. Franzosen waren -schon im Mittelalter an den Fahrten nach den wiederaufgefundenen Kanarischen -Inseln beteiligt. 1402 gründete ein Hofbeamter Karls VI. dort ein kleines -Staatswesen; französische Seeleute aus Dieppe und Rouen haben um die -Mitte des 14. Jahrh. die Westküste Afrikas besucht und Faktoreien angelegt, -aber innere und äußere Kriege ließen alles wieder verfallen. Nach, allerdings -nicht beglaubigten, Überlieferungen sollen die Franzosen vor den Portugiesen -und Engländern Brasilien und Neufundland entdeckt haben; sicher ist, daß -sie seit Anfang des 16. Jahrh. beide Länder besuchten. In <em class="gesperrt">Brasilien</em> -wurden bei Bahia Ansiedelungen gegründet, aber 1516 von den Portugiesen -zerstört; der schon lebhafte Handel ging jedoch, wenn auch unter Kämpfen -mit den Portugiesen, weiter. Ebenso scheiterten die ersten Versuche des -Entdeckers <em class="gesperrt">Cartier</em> 1535 und 1541, in Kanada (Quebec) Fuß zu fassen; -eine 1555 auf Admiral Colignys Anregung gegründete Kolonie in Rio hielt -sich nur bis 1566 und eine solche an der Küste von Florida (1562) wurde bald -(1565) von den Spaniern zerstört. Die Grausamkeit, die die beiden südlichen -Nationen bei diesen Gelegenheiten, wie beim Vorgehen gegen den französischen -Handel überhaupt, zeigten, hatte zur Folge, daß die französischen Seeleute -der Bretagne (vorzüglich Dieppes) und der Gascogne auf spanische und -portugiesische Schiffe Jagd machten, wo sie nur immer konnten; aus ihnen -vor allem entstanden die <em class="gesperrt">Flibustier</em>.</p> - -<p>Größere überseeische Unternehmungen ruhten während des Religionskrieges -in Frankreich, und auch der Seehandel ging zurück, nur die Korsaren -und die Hochseefischer an der Küste Amerikas setzten ihre Gewerbe fort. -Unter <em class="gesperrt">Heinrich</em> IV. wurden neue Versuche mit einigem Erfolge gemacht, -indem 1605 die erste Niederlassung von dauerndem Bestande in Kanada -(Quebec) und in Neu-Schottland (Port Royal an der Fundybay, jetzt Annapolis -genannt) gegründet wurden, aber erst unter <em class="gesperrt">Richelieu</em> nahmen diese -Unternehmungen größeren Umfang an. Die Ansiedelungen in Neu-Schottland -und Neu-Braunschweig, zusammen <b>Acadia</b> genannt, und in <b>Kanada</b> mehrten -sich, und man erforschte das Gebiet um und südlich von den kanadischen Seen. -Zu einer rechten Blüte kamen diese Kolonien immer noch nicht, zum erfolgreichen -Kampf mit den Indianern und den benachbarten Engländern wurden -sie zu schwach besiedelt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_90" id="Page_90">[90]</a></span></p> - -<p>Die Gesellschaften, von denen die Kolonisation betrieben werden sollte, -gaben der damaligen Volksneigung entsprechend mehr auf den Pelzhandel, -als auf Anlage fester Siedelungen. Erst unter <em class="gesperrt">Colbert</em>, in der zweiten Hälfte -des 17. Jahrh., bevölkerten sich diese und gewannen an Bedeutung; nun begannen -die langdauernden Kriege mit den englischen Nachbarkolonien.</p> - -<p>Richelieu hat aber sein Augenmerk auch wieder auf die südlichen Meere -gerichtet, und hier hatte Frankreich schon zu seiner Zeit größeren Erfolg, -nämlich in <b>Westindien</b>. Schon 1625 setzten sich Franzosen auf St. Christopher -fest und vertrugen sich dort mit den Engländern, auch kehrten beide zusammen -zurück, als sie 1629 von den Spaniern vertrieben waren. Nach verschiedenen -anderen Gesellschaften trat 1635 die <em class="gesperrt">westindische Kompagnie</em> -(Compagnie des Iles de l'Amérique) ins Leben, und dieser gelang es bald, -<em class="gesperrt">Martinique</em> und <em class="gesperrt">Guadeloupe</em> zu besetzen. Eine andere Gesellschaft -hatte in Guayana, 1626 am Sinnamuri, 1634 in Cayenne Fuß gefaßt, -und von hier aus wurde die Kolonisation Surinams begonnen. Zu den schon -erwähnten Antillen traten von 1643–1651 noch die Inseln St. Lucie, Marie -Galante, St. Barthélémy, Grenada und andere; um 1683 zählte man 40000 -Weiße im französischen Westindien. Französische Abenteurer ließen sich -auf der Nordküste Domingos und der benachbarten Insel La Tortue als -Boucaniers oder Flibustier nieder.</p> - -<p>In <b>Afrika</b> war 1626 eine Faktorei am Senegal errichtet, etwas später -bildeten sich Handelsgesellschaften nach Sierra Leone und Guinea, alle diese -Unternehmungen betrieben in erster Linie Sklavenhandel. Endlich wurden -auch die ersten Beziehungen mit <b>Indien</b> angeknüpft. Schon 1529 war eine -Reise nach den Molukken gemacht worden; seit 1604 folgten nacheinander -Handelsunternehmungen verschiedener Gesellschaften nach Indien. 1642 begünstigte -Richelieu die Bildung einer Kompagnie; ihr Versuch, sich auf -Madagaskar niederzulassen, wurde jedoch bald für fast ein Jahrhundert -wieder aufgegeben (Fort Dauphin bis 1672). Auch die Versuche Colberts, -unter dem die ersten Faktoreien und Niederlassungen in Surat, Pondichéry, -Tonkin, Ceylon und auf der Insel Bourbon angelegt wurden, hatten noch -keinen großen Erfolg und schufen nur den Grund für den späteren Kolonialbesitz -im fernen Osten.</p> - -<p>Die Versuche <b>anderer kleiner Staaten</b>, überseeisch aufzutreten, sind von -keiner Bedeutung für unsere Betrachtungen geworden, da ihnen die Unterstützung -einer ausreichenden Seemacht fehlte. Von <em class="gesperrt">Dänemark</em> aus wurde -eine Niederlassung an der Koromandelküste (Trankebar 1620) gegründet, -<em class="gesperrt">Schweden</em>, schon am Delaware erwähnt, besaß kurze Zeit eine Faktorei -an der Goldküste und unterhielt auch eine Zeitlang direkte Verbindung mit -China. Beide Nationen gingen nach den Antillen; Dänemark nahm einige -der Jungfern-Inseln (St. Thomas) in Besitz, aber im allgemeinen blieben sie -doch darauf angewiesen, ihre Kolonialwaren durch England und Holland -zu beziehen, und auch ihr Handel im Mittelmeer, der aufzublühen begonnen -hatte, ging unter dem Wettbewerb genannter Nationen bald zurück. Die<span class="pagenum"><a name="Page_91" id="Page_91">[91]</a></span> -Bestrebungen des weitsichtigen Großen Kurfürsten, auch <em class="gesperrt">Brandenburg</em> -Kolonialbesitz zu sichern, fallen erst in den nächsten Zeitabschnitt.</p> - -<h4>Die Unsicherheit auf den Meeren.<a name="FNanchor_38_38" id="FNanchor_38_38"></a><a href="#Footnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a></h4> - -<p>Zum Verständnis mancher Verhältnisse und Vorfälle, die uns später -begegnen werden, müssen wir einige Punkte berühren, die auch von Einfluß -auf Schiffe und Seeleute in diesem Zeitabschnitt gewesen sind: der Seeraub, -die Freibeuterei und das Konvoiwesen.</p> - -<p>Von alters her gab es dort, wo die Seefahrt blühte, <em class="gesperrt">Seeräuber</em>; schon im -Altertum wurde das Beispiel aufgeführt, daß Rom (67 v. Chr. unter Pompejus) -eine ungeheuere Flotte aufstellte, um dem Treiben der cilicischen Seeräuber, -die den Handel im Mittelmeer völlig lahmlegten, ein Ende zu machen, und -bei der Besprechung der kriegerischen Ereignisse im Mittelalter ist auf das -Unwesen des Seeraubes an allen Küsten und in allen Meeren Europas hingewiesen. -Mit der Zunahme der Schiffahrt trat der Seeraub auch auf die -Ozeane hinaus. In diesem Zeitabschnitt war eine Hauptaufgabe der Flotten -aller Staaten, ihn zu unterdrücken, zunächst wenigstens in den eigenen -Gewässern. Die Geschichte der englischen Marine zeigt, wie die Regierung -schon vom Mittelalter an bestrebt ist, durch Gesetze und mit Hilfe der kleinen -Seekriegsmacht, die jährlich mit Beginn der Seefahrt aufgestellt wurde, -Sicherheit in ihren Meeren zu schaffen. Sie hatte es dabei nicht nur mit -Seeräubern fremder Völker — französischen, flämischen, holländischen, -schottischen — zu tun, sondern auch mit eigenen Untertanen; es gab in -allen Ländern zahlreiche Individuen, die auf See und an den Küsten das -Eigentum anderer, selbst eigener Landsleute, nicht achteten; ja, es herrschte -dieses Unwesen fast allgemein.</p> - -<p>Wenn nun auch dieser mittelalterlich-barbarische Zustand und damit -der Seeraub im allgemeinen in den Küstengewässern nach und nach eingeschränkt -wurde — es wird übrigens noch zu Anfang des 17. Jahrh. über englische und -schottische Seeräuber an den eigenen Küsten geklagt, denen Fischerboote -und kleinere Fahrzeuge zum Opfer fielen —, so blieb doch das Unwesen auf -offenem Meere bestehen. Bei dem Mangel an großen stehenden Marinen -war hier die Durchführung einer Seepolizei noch nicht möglich. Der Seeraub -wurde nicht nur von einzelnen Schiffen, sondern auch von Gemeinwesen -betrieben, sogar von solchen, die sich eigens zu diesem Zweck bildeten.</p> - -<p>Das Mittelmeer und der Ost-Atlantik waren der Schauplatz der Schiffe -und Flotten der <em class="gesperrt">Barbaresken-Staaten</em>, „<em class="gesperrt">Korsaren</em>“ genannt. -Stets, vorzüglich aber seitdem sich die Osmanen der Länder Marokko, -Tunis, Algier und Tripolis bemächtigt hatten, wurde von hier aus der Seeraub,<span class="pagenum"><a name="Page_92" id="Page_92">[92]</a></span> -verbunden mit der Jagd nach Christensklaven, organisiert betrieben. Die -Korsaren bedrohten Meere und Küsten bis zum Kanal.</p> - -<p class="small">1609–1616 wurden 466 englische Schiffe von ihnen genommen, 1625 allein in 10 Tagen -25 nach Plymouth bestimmte Fahrzeuge. Sie landeten an englischen Küsten, brandschatzten -und schleppten Menschen als Sklaven weg; eine englische Kompagnie erlitt -in wenigen Jahren durch sie eine Einbuße von 40000 Lstrl.; der holländische Handel -verlor von 1641–1650 jährlich eine Million Gulden allein für die Schiffahrt nach dem -Mittelmeer, allerdings einschließlich des Schadens durch französische Freibeuter im -Kanal; 1627 kreuzte eine Barbareskenflotte von 30 Segeln im Atlantik, und 1640 erschienen -gar 60 Schiffe an der Südküste Englands.</p> - -<p>Ihre Schiffe waren leicht und schnell segelnd, schwach armiert, aber für -den Enterkampf stark bemannt; viele ihrer Prisen stellten sie ein, indem sie -diese durch Rasieren des oberen Decks und Herausnehmen mancher Verstärkungen -und Verbände leichter machten.</p> - -<p>Schon im Mittelalter unternahmen die italienischen Städte große Kriegszüge -gegen die Raubstaaten; die Reiche der Pyrenäischen Halbinsel, Franzosen, -Engländer und Holländer folgten hierin, aber lange Zeit hindurch ohne -andauernde Erfolge. Erst als während der Seekriege zu Ende des 18. Jahrh. -stets große Kriegsflotten im Mittelmeere tätig waren, wurde dem Unwesen -ein Ende gemacht, aber selbst noch im 19. Jahrh. war ein Einschreiten europäischer -Flotten nötig. Die Türken verwendeten die Flotten der Raubstaaten -und deren Führer in ihren älteren Kriegen.</p> - -<p>Der aufblühende Handel nach und in den amerikanischen Gewässern -verlockte auch hier zum Seeraub. Wir haben schon erwähnt, daß namentlich -Seeleute der Bretagne und Gascogne, erbittert über das grausame Auftreten -der Spanier gegen französische Kolonisationsversuche, spanische Schiffe aufbrachten, -wo sie konnten. Solche französischen Abenteurer ließen sich im Anfang -des 17. Jahrh. auf der Insel St. Christophe in Westindien nieder, gingen aber -schon 1630 wieder nach der Nordküste von Domingo und der benachbarten -kleinen Insel Tortue. Von hier aus betrieben sie den Seeraub im großen. Sie sind -bekannt unter dem Namen <em class="gesperrt">Flibustier</em> — wahrscheinlich nach ihren -schnellen Schiffen: fly-boats; flibots — oder <em class="gesperrt">Bukanier</em> — da sie anfangs -auf Domingo verwildertes Rindvieh jagten, das Fleisch dörrten (bukanierten) -und mit den Fellen Handel trieben. Bald erhielten sie Zuzug durch Seeräuber -anderer Nationen — Engländer und Holländer —, die während der andauernden -Kriege dieser Länder mit Spanien auftraten und einen Vereinigungspunkt -suchten. So entstand eine Seeraub-Republik, in der sich die Tapfersten zu -Anführern emporschwangen. Von Frankreich und auch oft von England -unterstützt, um sie in eigenem Interesse zu verwenden, wurde sie eine den -Spaniern furchtbare Macht, die Handel und Küstenstädte auf das schwerste -schädigte. Als die Flibustier in den englisch-französischen Kriegen auf seiten -Frankreichs den Engländern unbequem wurden, verfolgten auch diese sie, -und es ging mit ihnen abwärts, bis sie, später von allen Seemächten unterdrückt, -mit dem Wachsen der stehenden Marinen im Anfange des 18. Jahrh. -ganz verschwanden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_93" id="Page_93">[93]</a></span></p> - -<p class="small">Wie groß das Seeräuberunwesen in Westindien gewesen ist, ergibt sich daraus, -daß die Spanier, als sie 1630 einmal mit einer Flotte von 20 großen Kriegsschiffen gründlich -aufräumten, in kurzer Zeit gegen 2300 Gefangene, englischer, französischer und holländischer -Abkunft, machten; 573 Kanonen und eine Beute von 20 Millionen Mark an Wert -fielen ihnen dabei in die Hände.</p> - -<p>In den <em class="gesperrt">asiatischen Gewässern</em> hausten Malaien des Archipels -und Chinesen; die Portugiesen und ihre Nachfolger mußten ihretwegen -Flottenstationen halten; ihre völlige Unterdrückung ist ja bis in die neueste -Zeit nicht gelungen.</p> - -<p>Aber nicht allein die Seeräuber machten die Seefahrt unsicher, auch die -<em class="gesperrt">Kriegführung dieser Zeiten</em> auf der See trug dazu bei. Bereits -ehe sich die Kriegsoperationen ganz besonders gegen den Handel des -Gegners richteten, war es der Brauch, in Kriegszeiten den eigenen Schiffen -die feindliche Schiffahrt preiszugeben; schon Reibungen zwischen zwei Seestaaten -führen stets gleich zur Wegnahme der feindlichen Handelsschiffe als -<em class="gesperrt">Vergeltungsmaßregeln</em> für erlittene oder vermeintlich erlittene -Unbill.</p> - -<p>Bei der Schwäche der Kriegsflotten wurden auch Kauffahrer hierzu -berechtigt, in den älteren Zeiten wohl alle ohne Auswahl, oder sie -beteiligten sich dem Zeitgeiste entsprechend alle von selbst an dem kleinen -Kriege. Da sie die <em class="gesperrt">Freibeuterei</em> ohne feste Normen und ohne jede -Aufsicht betrieben, so war dies nichts anderes als Seeraub.</p> - -<p>Erst nach und nach bei Ausbildung eines wenigstens durch den Brauch -verbindlichen Seerechtes und bei einer größeren Überwachung durch reguläre -stehende Marinen entwickelte sich die <em class="gesperrt">gesetzmäßige Kaperei</em>. Von -Kaperschiffen<a name="FNanchor_39_39" id="FNanchor_39_39"></a><a href="#Footnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a> dieser späteren Zeit verlangte man, daß sie einen Freibrief, auf -die Person und auf ganz bestimmte Zeit lautend, führten, sich an genaue -Instruktionen und streng an Kriegsgesetze und Kriegsbrauch hielten; die -genommenen Prisen wurden prisengerichtlich behandelt. Diese Kaper -gehörten, wie Freikorps im Landkriege, zur Kriegsmacht.</p> - -<p>Aber lange Zeit ist doch die <em class="gesperrt">Kaperei</em> nicht viel verschieden von der -Freibeuterei gewesen und bildete eine große Gefahr für die Schiffahrt; die mit -Kaperbriefen für besondere Gelegenheiten und gegen bestimmte Feinde ausgerüsteten -Schiffe nahmen es nicht so genau mit der Nationalität ihrer Angriffsobjekte, -und manche setzten ihr Geschäft auch nach dem Friedensschluß -fort und vermehrten so die Zahl der Seeräuber.</p> - -<p>Außer den berühmten Beutezügen der englischen Privateers und denen -der holländisch-westindischen Kompagnie spielen in der Geschichte der -<em class="gesperrt">Freibeuterei</em> des 16. und 17. Jahrh. einige französische Städte am -Kanal, besonders Dünkirchen, eine Rolle. Von Dünkirchen wurde in diesem -Zeitabschnitt während des Unabhängigkeitskrieges der Holländer auf spanischer<span class="pagenum"><a name="Page_94" id="Page_94">[94]</a></span> -Seite durch Freibeuter ein Krieg in solchem Umfange geführt, daß er die -Tätigkeit der holländischen Kriegsmarine fast ganz in Anspruch nahm und -Private („neue Geusen“) besondere Schiffe gegen sie ausrüsteten; auch später -in den Kriegen Louis' XIV. machten die in dieser jetzt französischen Stadt -ausgerüsteten Kaper eine Beute von 22 Millionen Franken.</p> - -<p>Gegen die Unsicherheit auf den Meeren schützte sich nun die Seefahrt -durch <em class="gesperrt">das Konvoi-Wesen</em>. Die Gefahr vor Seeräubern hat schon -im Altertum dazu geführt, daß die Handelsschiffe sich bewaffneten und in -größerer Zahl zusammensegelten. Die Erkenntnis, daß auch das Gemeinwesen -unter den Verlusten der Schiffahrt mitlitt, brachte sogar die Regierungen -frühzeitig dahin, wenigstens in Kriegszeiten das Zusammensegeln anzuordnen, -das Alleinsegeln zu verbieten — den Konvoi-Zwang. Derartige Bestimmungen -findet man in Genua, den Hansastädten, England und Holland schon im 15. -Jahrhundert. Die vielen Kriege machten diese Maßregel immer notwendiger -und führten in einigen Staaten, so in Holland, zu Bestimmungen über die -Mindest-Größe und -Armierung der Handelsschiffe für gewisse Fahrten; die -Regierung verstärkte die Besatzungen durch Kriegsleute, so z. B. bei den -Hansen, und gab besondere Konvoi-Schiffe oder richtige Kriegsschiffe als -Bedeckung mit. Erleichtert und begünstigt wurde das Zusammensegeln -dadurch, daß man nach entfernteren Zielen nur zu bestimmten Jahreszeiten -segelte, namentlich im Norden Europas. Bei der lange noch mangelhaften -Seetüchtigkeit der Schiffe wurden diese hier im Winter aufgelegt, erst bei -günstiger Jahreszeit fuhr man ab. Da war es denn natürlich, daß — um ein -infolge der Lage des Landes besonders kennzeichnendes Beispiel herauszugreifen -— von Holland aus im Frühjahr die Schiffe gemeinsam, zuweilen -800–900 Kauffahrer mit bis zu 50 Kriegsschiffen Bedeckung, nach der Ostsee -aufbrachen und im Herbst zurückkehrten; die Schiffe, die in die Ozeane -sollten, wurden gemeinsam durch den Kanal geführt und steuerten dann in -Gruppen ihren verschiedenen Zielen zu; von den fernen Ländern Heimgekehrte -sammelten sich wiederum, ehe sie in die engen Gewässer einliefen, -gewöhnlich bei der Insel Rhé in der Biscaya, und segelten unter Bedeckung -von Kriegsschiffen — meist der Flotte, die die Auslaufenden bedeckt hatte — -heim. Ähnlich war es bei dem Betriebe der Hochseefischerei, auf deren Fischgründen -außerdem ständig Kriegsschiffe weilten.</p> - -<p>Das Konvoi-Wesen verlor an Wert, als die Schiffe nicht mehr an die -Jahreszeit gebunden waren und die Gefahr vor eigentlichen Seeräubern in -den meisten Gewässern wegfiel. Es hatte ja auch große Nachteile. Der -Handel ertrug nur ungern den Befehl, auf das Zusammenkommen eines -Konvois mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu warten; das Zeit in Anspruch -nehmende Sammeln der Schiffe und die bestimmten Termine der -Abfahrten erleichterten dem Feinde das Abfangen. Zu Ende des 18. Jahrh. -hören die Konvoi-Fahrten auf.</p> - -<p>Die Unsicherheit der Meere zwang also zunächst zur <em class="gesperrt">Bewaffnung</em> -der <em class="gesperrt">Handelsschiffe</em>, es kam aber noch ein Grund hinzu. Wir<span class="pagenum"><a name="Page_95" id="Page_95">[95]</a></span> -haben gesehen, daß sich der Handel jenseits der Ozeane nur durch Gewaltmaßregeln -ausbreitete. Die Portugiesen mußten die arabischen Händler -vertreiben und ihren Handel den indischen Eingeborenen aufzwingen, die -Spanier mußten Länder erobern; da beide dann in ihrem Bereich die Alleinherrschaft -im Handel beanspruchten, traten die nachkommenden Nationen -dort auch wieder mit Gewalt auf und befehdeten sich untereinander. -Es war dabei gleichgültig, ob die betreffenden Völker in Europa im Frieden -oder im Kriege lebten. Den Wahlspruch Drakes (Seite <a href="#Page_80">80</a>) erweiternd, -sagte man in England: „Kein Friede gilt unter der Linie“ (no peace beyond -the line), d. h. in außereuropäischen Gewässern, und diesem Grundsatze -huldigten auch die andern Völker. Die Seefahrt wurde mithin aus offensiven -und defensiven Gründen bewaffnet getrieben; die <em class="gesperrt">Seefahrer</em> mußten -auch <em class="gesperrt">Krieger</em> sein. Die charakteristischsten Figuren sind wohl die englischen -Abenteurer dieser Zeit; sie betrieben Krieg, Raub, Geschäft, Entdeckung -und Kolonisation nebeneinander.</p> - -<p>Dieses Leben erzog wagemutige tüchtige, aber auch rauhe Männer. Wenn -die Seeräuber die Besatzungen genommener Schiffe als Sklaven verkauften -oder über die Klinge springen ließen, so haben es die Spanier in den Gewässern -ihrer Kolonien nicht besser gemacht; kein Wunder, wenn es die Freibeuter -der nordischen Völker mit Gleichem vergalten. Die Achtung von Eigentum -auf See war von alters her gering; von einzelnen der berühmten Freibeuter, -z. B. Drake, wird deshalb besonders hervorgehoben, daß sie Privateigentum -geschont hätten.</p> - -<p>Die Kauffahrteischiffe waren brauchbar auch zu Kriegszwecken, die -wenigen Kriegsschiffe unterschieden sich anfangs kaum von ihnen; auch als -diese häufiger gebaut wurden, ließen sich die Kauffahrteischiffe lange noch -leicht für den Kriegsdienst verbessern.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p095.jpg" width="112" height="150" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_24_24" id="Footnote_24_24"></a><a href="#FNanchor_24_24"><span class="label">[24]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Oncken Teil IX; Zimmermann.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_25_25" id="Footnote_25_25"></a><a href="#FNanchor_25_25"><span class="label">[25]</span></a> Genaueres über diese Expeditionen, über Ausbreitung der portugiesischen -Macht und die damit verbundenen Kämpfe in Zimmermann. Band 1.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_26_26" id="Footnote_26_26"></a><a href="#FNanchor_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Näheres über diesen Plan, teils wörtlich, in Oncken Bd. IX.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_27_27" id="Footnote_27_27"></a><a href="#FNanchor_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Genaueres über die weiteren Expeditionen, die Gründung und Entwicklung -der spanischen Kolonien in Zimmermann, Band 1.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_28_28" id="Footnote_28_28"></a><a href="#FNanchor_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Die Insel Tidor liegt tatsächlich auf 127½° O. Greenwich; die Demarkationslinie -war 131½° O. Greenwich; Spanien nahm für Tidor 158°, Portugal 112° O. Greenwich an.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_29_29" id="Footnote_29_29"></a><a href="#FNanchor_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Genaueres über diese Expeditionen siehe Clowes, Teil 1 und 2 in den Kapiteln -Voyages and Discoveries.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_30_30" id="Footnote_30_30"></a><a href="#FNanchor_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Hauptquellen: Zimmermann, Band 1–5; Clowes, Teil 1 und 2, Kapitel -Military History and Voyages; de Jonge, Teil 1; Nauticus 1900 und 1901; Rodenberg.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_31_31" id="Footnote_31_31"></a><a href="#FNanchor_31_31"><span class="label">[31]</span></a> Besonders in Clowes, Teil I, viel über die Freibeuterzüge.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_32_32" id="Footnote_32_32"></a><a href="#FNanchor_32_32"><span class="label">[32]</span></a> Näheres in Clowes I und II, Kapitel „Voyages“; Zimmermann II, auch besonders -über die kriegerischen Ereignisse; die Gefechte selbst in Clowes II, sbquo;Military history‘.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_33_33" id="Footnote_33_33"></a><a href="#FNanchor_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Es wurden z. B. Faktoreien an der <em class="gesperrt">Koromandelküste</em> und in <em class="gesperrt">Bengalen</em> -gegründet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_34_34" id="Footnote_34_34"></a><a href="#FNanchor_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Näheres in Zimmermann, Band V.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_35_35" id="Footnote_35_35"></a><a href="#FNanchor_35_35"><span class="label">[35]</span></a> de Jonge, Teil I Seite 213 ff., sowie Beilage 37 gibt nähere Angaben: über den -Schiffbestand zu verschiedenen Zeiten; über oft bedeutende Gefechte mit den Portugiesen -in Indien sowie auch auf den Reisen nach Indien mit den Spaniern im Atlantik -und an der Westküste Amerikas, wo die Holländer jetzt der Schrecken der spanischen -Kolonien geworden waren.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_36_36" id="Footnote_36_36"></a><a href="#FNanchor_36_36"><span class="label">[36]</span></a> de Jonge I Seite 217 ff., Beilage II. Nähere Angabe über Größe, Armierung, -Bemannung der Schiffe, über Zusammensetzung der Flotten und einige ihrer Haupttaten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_37_37" id="Footnote_37_37"></a><a href="#FNanchor_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Ihre Ausrüstungskosten wurden durch einen Teil der Schätze der erbeuteten -Silberflotte bestritten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_38_38" id="Footnote_38_38"></a><a href="#FNanchor_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Quellen: Clowes, an verschiedenen Orten unter: pirates, privateers u. dgl.; -ferner siehe im Quellenverzeichnis die Werke über „Barbareskenstaaten“, „Flibustier“, -„Bucanier“, „Konvoiwesen“. In Perels: „Internationales Seerecht“, wird Seeraub, -Kaperei usw. juristisch behandelt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_39_39" id="Footnote_39_39"></a><a href="#FNanchor_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Der Name soll von holländischen Ostindienfahrern, die zum Kap gingen, -um feindliche Indienfahrer abzufangen, stammen, französisch corsaires, englisch -privateers genannt.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_96" id="Page_96">[96]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p096.jpg" width="600" height="91" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zweites Kapitel.</span><br /> -Schiffe, Waffen, Nautik.</h3> - -<p><b>Die Schiffe von 1492–1648.</b><a name="FNanchor_40_40" id="FNanchor_40_40"></a><a href="#Footnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> In diesem Zeitabschnitt schreitet der Schiffbau -ungemein schnell vorwärts. Das Herausgehen der Seefahrt auf die -Ozeane verlangt größere, see- und segelfähigere Schiffe, die Artillerie, die -von nun ab schnell zur Hauptwaffe wird, führt zu wesentlichen Änderungen.</p> - -<p class="small">Was hier über die Segelschiffe gesagt wird, gilt für Kriegs- und Handelsschiffe. -Zwar werden in den Staaten des Westens und Nordens jetzt stehende Kriegsflotten -von Segelschiffen gegründet, aber immer noch greift man im größten Maßstabe auf -Kauffahrer zurück, um größere Flotten im Bedarfsfalle aufzustellen. Man konnte dies -auch: Die Kriegführung bestand meist in einzelnen Schlägen, dann wurden die aufgebotenen -Streitkräfte wieder aufgelöst. Die Handelsschiffe, besonders die größeren, -unterschieden sich immer noch nur wenig von den meisten Kriegsschiffen. Die Schiffe für -große Fahrt mußten, wie wir sahen (Seite <a href="#Page_94">94</a>, <a href="#Page_95">95</a>), armiert und stark bemannt sein. -Um die Armierung tragen zu können und um im Kampfe widerstandsfähig zu sein, -baute man sie stärker, als rein seemännische Ansprüche erforderten. Leicht waren sie -zum wirklichen Kriegsdienst noch mehr zu verstärken und einzurichten. Der größte -Teil der Kriegsschiffe war nicht größer, nicht stärker gebaut und nicht wesentlich stärker -armiert, viele waren überhaupt angekaufte Kauffahrer; besonders die Schiffe der großen -Handelskompagnien in der zweiten Hälfte der Periode standen den Kriegsschiffen kaum -nach, trieben diese Institute doch, gestützt auf ihre Schiffe, gewissermaßen eigene Politik -im fernen Auslande.</p> - -<p>Wir sahen, daß zu Ende des Mittelalters die Schiffe mit einer großen Zahl -kleinerer Geschütze armiert waren, die auf dem Deck und in den Kastellen, -bei größeren Fahrzeugen in mehreren Stockwerken, untergebracht waren, daß -man aber auch schon begann, schwerere Kaliber einzuführen. Man stellte diese -folgerichtig auf dem stärkeren, eigentlichen Schiffsdeck auf. Die so entstehende -durchlaufende Batterie wurde durch die darüberliegenden langen Kastelle fast -ganz eingedeckt; sie bildet später den Maßstab für die Einteilung der Schiffe -nach Batterien. Die leichteren Decks der Kastelle verschwinden wieder bis -auf eins und zählen dabei nicht mit.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_97" id="Page_97">[97]</a></span></p> - -<p>Das Bestreben, noch mehr schwere Geschütze an Bord zu haben, besonders -auch für die Breitseiten, führte zu ihrer Aufstellung an verschiedenen Stellen -im Schiffe selbst, wo sie durch in die Schiffswände eingeschnittene Pforten -feuerten (vgl. Skizze Seite <a href="#Page_39">39</a>). Der Einbau eines zweiten, starken durchlaufenden -Deckes war die Folge. Dieses (lowerdeck) wurde anfangs der -Stabilität wegen sehr tief gelegt, um so mehr da man hier die schwersten -Kaliber unterbrachte; es hatte dies den Nachteil, daß die Geschütze dieser -Batterie bei Seegang oder überliegendem Schiff häufig nicht gebraucht -werden konnten, weil die Pforten geschlossen gehalten werden mußten.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p097.jpg" width="600" height="518" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p097" id="fig_p097"></a> -<p class="caption">Englisches Kriegsschiff „Henry Grace à Dieu“.</p> -</div> - -<p>Wir haben Angaben über einige sehr große Kriegsschiffe der Periode, -woraus wir die allmähliche Vermehrung der Artillerie an Zahl und Kaliberstärke -gut ersehen und auch entnehmen können, in welchem Maße die Gefechtskraft -in den Breitseiten wächst. Der englische „<em class="gesperrt">Regent</em>“, 1489 -vom Stapel, angeblich nach einem französischen Muster, „Colombe“, 600 tons, -gebaut, führte 225 ganz leichte Geschütze — serpentines, Kaliber 1,5", Geschoßgewicht -½ Pfund — auf dem Hauptdeck und in den Kastellen. Als Ersatz -desselben, er verbrannte 1512 in einem Gefecht bei Brest, wurde der „<em class="gesperrt">Henry -Grace à Dieu</em>“ (im Volksmund „<em class="gesperrt">Great Harry</em>“) erbaut, 1514 vom -Stapel. Seine Armierung bestand aus 13 schwereren Geschützen (18-Pfünder -bis 42-Pfünder) auf einem zweiten, tiefer liegenden Deck und 8 Geschützen -(3-Pfünder bis 9-Pfünder) sowie einer sehr großen Anzahl kleinerer auf dem -Hauptdeck und in den Kastellen; Besatzungsstärke 700 Mann.</p> - -<p class="small">Da dieses Schiff als ein epochemachendes gilt, ähnliche Schiffe aber auch in anderen -Ländern gebaut wurden, z. B. in Frankreich „La Cordillère“, sei die Armierung näher<span class="pagenumsmall"><a name="Page_98" id="Page_98">[98]</a></span> -aufgeführt: 4 bastard cannons (etwa 42-Pfünder), 3 demi cannons (32-Pfünder), 2 cannons -Petro (24-Pfünder), 4 culverins (18-Pfünder) auf dem zweiten tieferen Deck; 2 demi culverins -(9-Pfünder), 4 sakers (6-Pfünder), 2 falcons (3-Pfünder) als „schwerere“ Geschütze auf -dem Hauptdeck — alles Bronzegeschütze — und ferner auf Hauptdeck und in den -Kastellen 14 portpieces, 4 slings, 2 demislings, 8 fowlers, 60 bassils, 2 toppieces, 40 hailshotpieces, -100 handguns; über das Wesen dieser kleinen Feuerwaffen vgl. Seite <a href="#Page_104">104</a>. -Die Besatzung setzte sich zusammen aus 301 mariners, 50 gunners, 349 soldiers.</p> - -<p>Auch der Fortschritt der Takelage ist an diesen Schiffen zu erkennen. -Beim „Regent“ wird zum ersten Male ein Bramsegel im Großmast erwähnt; wie -die Abbildung auf Seite <a href="#Page_97">97</a> zeigt, hatte „Great Harry“ vier Masten mit Stängen -und Bramstängen, Fock und Großmast mit Mars- und Bramsegeln, 2 Besahnsmasten -mit mehreren Lateinsegeln übereinander. Der Fockmast steht noch -ganz vorn, das Bugspriet führt noch keine klüverartigen Vorsegel, jedoch -ist unter ihm ein großes viereckiges Raasegel hinzugekommen, und zu seiner -Bedienung oder vielleicht noch mehr in Anlehnung an die Form der Galeren -ein weitvorragendes Gallion (siehe auch Bild S. <a href="#Page_101">101</a>) erschienen. Der zweite -Besahnsmast steht ganz hinten, um beim Segeln die ungünstige Wirkung -des großen Gallions sowie des vorstehenden Vorkastells auszugleichen.</p> - -<p>Kriegsschiffe in dieser Größe gab es aber nur wenige. Die englische Marine -zählte 1522 nur 5 Schiffe über 500 tons — 550, 600, 650, 800, 1000 —; im Jahre -1548 nur 6 über 500 tons und, einschließlich dieser, etwa 10 über 400 tons -(nach ihrer Größe mit 10–21 schwereren und 40–100 leichteren Geschützen -armiert) in einer Gesamtzahl von etwa 54 Kriegsschiffen. Die Besatzung -betrug bei 1000 tons = 700 Mann, 700 tons = 400, 500–600 tons = 300, -400 tons = 250 Mann.</p> - -<p>Die großen Kriegsschiffe dieser Zeit mit ihrer Anhäufung von Geschützen -in den Kastellen besaßen, wie schon mehrfach angedeutet, nur geringe Segel- -und Seefähigkeit. Ihrer geringen Stabilität wegen konnte die ohnehin noch -unvollkommene Takelage nur niedrig sein; infolge ihrer hohen und vorragenden -Kastelle oben und ihrer plumpen Formen unter Wasser trieben sie stark und -konnten nicht aufkreuzen. So waren sie bei stürmischem Wetter in besetzten -Gewässern sehr gefährdet, im Kanal und der Nordsee zur Winterzeit bei den -langen dunklen Nächten kaum brauchbar.</p> - -<p class="small">Die Segelschiffe überhaupt waren noch so unvollkommen, daß man im Norden -im Winter die Schiffahrt einstellte, daß bis ins 17. Jahrh. Flotten häufig die Ausführung -wichtiger Aufgaben wegen widrigen Windes oder stürmischen Wetters aufschoben oder -fallen ließen, weil sie gezwungen waren, im Hafen zu bleiben oder dahin zurückzukehren. -Die großen Kriegsschiffe standen in dieser Hinsicht den Kauffahrern und einfacheren -kleineren Kriegsschiffen sogar nach, denn diese — und zwar wohl alle unter 700–800 tons -— besaßen nur eine Batterie auf dem Hauptdeck und niedrigere Aufbauten, hatten -somit den Vorteil einer günstigeren Takelage. Jurien nennt, nach dem Ausspruch eines -Autors von 1643, die größten Schiffe „Schreckgebilde“ (épouvantail, Vogelscheuche) -für den Feind, aber selbst sehr gefährdet.</p> - -<p>Die Zahl der großen Kriegsschiffe wächst denn auch aus diesem Grunde -im Norden zunächst sehr langsam, trotz der ungeheueren Zunahme der Seefahrt. -In Spanien und Portugal baute man schon früher weit mehr große<span class="pagenum"><a name="Page_99" id="Page_99">[99]</a></span> -Schiffe. Bei der Armada 1588 befanden sich unter 128 Fahrzeugen, von denen -etwa 100 als Kriegsschiffe anzusehen sind, 40 Schiffe über 600 tons gegen -8 englische unter 34 Kriegsschiffen. Die spanische Seefahrt wurde aber auch -im allgemeinen unter günstigeren Wind- und Wetterverhältnissen, zu günstiger -Jahreszeit nach und von Westindien, betrieben und ihre Schiffe waren nach Ausspruch -von Zeitgenossen mehr für Handels- als Kriegszwecke geeignet, d. h. -schwächer und leichter armiert; allerdings hatten gerade sie sehr hohe Aufbauten.</p> - -<p>Die englische Marine besaß zu Ende der Regierung Elisabeths 1603 -aber doch schon 2 Schiffe zu 1000 tons und 500 Mann, 3 zu 900 tons und 400 -bis 500 Mann, 3 zu 800 tons und 400 Mann, 2 zu 700 tons und 300–350 Mann -mit 34–38 schweren Geschützen — „schwere“ immer noch vom 3-Pfünder -an gerechnet — und bis zu 30 leichten, ferner 8 Schiffe zu 500–600 tons und -250 Mann mit 26–36 schweren und bis zu 24 leichten Geschützen in einer Gesamtzahl -von 42 Kriegsschiffen. Die Fahrzeuge werden von 700 tons aufwärts -zwei Batterien gehabt haben.</p> - -<p>Während der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wurden Verbesserungen -eingeführt, welche die Segel- und Seefähigkeit erhöhten. Die Takelage -wurde wesentlich verbessert: Mars- und Bramsegel wurden größer, die -Stängen zum Streichen eingerichtet; Leesegel traten auf, und auf der Spitze -des Bugspriets erschien ein kleiner Mast mit Raasegel; der Besahnsmast -erhielt Raasegel über dem untersten großen Lateinsegel; der vierte Mast fiel -auch auf den größten Schiffen weg, da er infolge Änderung des Schiffskörpers -entbehrlich geworden war.</p> - -<p>Mit der zunehmenden Verwendung schwererer Geschütze nahm die Zahl -der leichteren ab, wie aus den Angaben für 1603 zu ersehen ist; die schwereren -wurden immer mehr im Schiffsrumpf aufgestellt. Es verschwinden die mehretagigen -und vorspringenden Kastelle, sie gehen als Back (Vordeck, fore -castle) und Halbdeck (Achterdeck, quarterdeck) in den Schiffskörper über. -Vordeck und Halbdeck bleiben armiert und überdecken, wie es früher die -Kastelle taten, die Batterie des Hauptdecks bis auf den Teil zwischen Fock- -und Großmast. Das Heck bleibt noch hoch, da achtern auf dem Halbdeck -meistens eine Kampagne zu Unterkunftszwecken erbaut wird; nur auf deren -Deck und zuweilen auf einem schwachen über der Back führt man noch ganz -leichte Geschütze. Später werden dann oft Vordeck und Halbdeck an den -Schiffsseiten miteinander verbunden, um den Verkehr von vorn nach hinten -sowie die Bedienung der Takelage zu erleichtern. So entsteht ein volles -neues Deck, das Oberdeck (upperdeck) und deckt die Batterie des Hauptdeckes -völlig ein; auf ihm lagern vor dem Großmaste mittschiffs die großen Boote -und die Reserverundhölzer. Das bisher tief liegende zweite Batteriedeck wird -höher gelegt, und gegen das Ende des Zeitabschnittes erscheint bei den größten -Schiffen ein drittes Batteriedeck (lower deck), das zweite wird dadurch zum -Mitteldecke (middle deck).<a name="FNanchor_41_41" id="FNanchor_41_41"></a><a href="#Footnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_100" id="Page_100">[100]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p100.jpg" width="600" height="216" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p100" id="fig_p100"></a> -<p class="caption">Englisches Kriegsschiff „The Royal Prince“.</p> -</div> - -<p>Als Beispiele für diese Entwicklung dienen wieder zwei hervorragende -Bauten: „<em class="gesperrt">Royal Prince</em>“ 1610 vom Stapel und „<em class="gesperrt">Royal Sovereign</em>“ -1637; in ihnen sehen wir die -nahezu fertigen Typen der sogenannten -<em class="gesperrt">Zweidecker und -Dreidecker</em>, die fast zwei -Jahrhunderte hindurch die -Schlachtschiffe — Linienschiffe — bildeten.</p> - -<p class="small">„Royal Prince“: 1187 tons, Kiellänge -115', Breite 43', Tiefe 16', -500 Mann, 55 Geschütze in zwei -gedeckten Batterien und auf dem -Halbdeck.</p> - -<p class="small">„Royal Sovereign“ (eigentlich -„Sovereign of the Seas“); 1683 tons, -Kiel 167', Länge über alles 167¾', -Breite 48-1/3', Tiefe 19-1/3', 600 Mann, -nominell 100 Geschütze folgendermaßen -aufgestellt:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p100_1"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4">Unterste Batterie</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Breitseite</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdl" colspan="2">cannons</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bug</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc">demi</td> - <td class="tdc">cannons</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Heck</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p100_2"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="3">Mittel-Batterie</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Breitseite</td> - <td class="tdc">24</td> - <td class="tdl">culverins</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bug</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Heck</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p100_3"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4">Oberste Batterie</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Breitseite</td> - <td class="tdc">24</td> - <td class="tdc">demi</td> - <td class="tdc">culverins</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bug</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Heck</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p100_4"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4">Oberdecks-Batterie</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vordeck</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">demi</td> - <td class="tdc">culverins</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Halbdeck</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Das Schiff wurde 1652 zum Zweidecker -rasiert, da es zu rank war.</p> - -<p>Man sieht, daß die kleinen -Geschütze — selbst die kleineren -Kaliber, die früher zu den -schwereren gerechnet wurden, -3–6-Pfünder — verschwunden -sind, jedenfalls sind solche Geschütze -bei der Gesamtangabe -der Armierung nicht mehr mitgezählt, -in den Quellen wird ihre -Zahl gar nicht erwähnt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_101" id="Page_101">[101]</a></span></p> - -<p>Im Jahre 1649 besaß die englische Marine: die beiden eben behandelten -Schiffe über 1000 tons; 10 von 800–900 tons, 40–44 Kanonen; 5 von 700 -bis 800 tons, 40–50 Kanonen; 10 von 500–700 tons, 30–38 Kanonen, insgesamt -70 Kriegsschiffe. Die Zahl der großen Schiffe hat also gegen 1603 -zugenommen, aber ihr Verhältnis zur Gesamtzahl ist nahezu dasselbe geblieben. -Die zwei größten Schiffe, zwar sehr viel größer geworden gegen die 1000 tons-Schiffe -von 1603, stehen wieder vereinzelt da; die Seeeigenschaften sehr großer -Schiffe ließen eben immer noch zu wünschen übrig. Auch die Armierung ist -durchweg stärker geworden — die Kanonen werden nur noch wie beim „Royal -Sovereign“ gezählt — und die vorstehend aufgeführten Schiffe, also alle -über 30 Kanonen, werden Zweidecker gewesen sein, wenigstens soweit sie in -den letzten Jahren erbaut gewesen sind, was bei den meisten der Fall war. -In England wird dies mit dem zunehmenden Bau von Kriegsschiffen für -die Schlachtschiffe Regel.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p101.jpg" width="600" height="476" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p101" id="fig_p101"></a> -<p class="caption">Englisches Kriegsschiff „The Sovereign of the Seas“.</p> -</div> - -<p class="small">Im Anfang des nächsten Zeitabschnittes baute man in England noch kleinere -Schiffe, bis zu 20 Kanonen hinunter, als Zweidecker. In Holland scheint man mit dem -Bau von Zweideckern, wie überhaupt mit dem größerer Kriegsschiffe erst später vorgegangen -zu sein, nämlich während des ersten englisch-holländischen Krieges. 1639 befand -sich in Tromps Flotte nur ein Zweidecker, ebenso wahrscheinlich noch 1652.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_102" id="Page_102">[102]</a></span></p> - -<p class="small">Schiffe mit 30–40 Kanonen hatten bei ihnen nur eine Batterie und das armierte -Oberdeck; dasselbe müssen wir von den größeren Kauffahrern annehmen, die von beiden -Nationen in ihre Flotten eingestellt wurden.</p> - -<p><em class="gesperrt">So trennt sich der Bau der Kriegsschiffe wesentlich von -dem der Kauffahrer</em>, indem das Innere des Schiffes zur Aufstellung -der Hauptwaffe in Anspruch genommen wird und für Ladung verloren geht.</p> - -<p>Gleichzeitig begann sich auch ein System auszubilden, das nach der -Größe des Schiffes (Kanonenzahl) für jedes Deck Anzahl und Kaliber, dieses -gleichmäßig in jeder Batterie, festsetzte. Damit war für jedes Schiff der -Gefechtswert gegeben; man begann hiernach die Schiffe in Klassen einzuteilen -und zu erbauen.</p> - -<p class="small">Während man in älteren Zeiten die Kriegsschiffe nach der Schiffsart bezeichnete — -eine Einteilung von 1576 führt z. B. in England ships, galeasses, pynasses, roobarges -auf —, findet man eine Einteilung nach der Kraft der Schiffe zuerst in <em class="gesperrt">England</em> -um 1618. Man beschloß in diesem Jahre, eine Flotte zu halten von:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p102"> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdl">Ships Royal</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdr">800–1200</td> - <td class="tdc">tons</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">12</td> - <td class="tdl">Great ships</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">600–800</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">6</td> - <td class="tdl">Middling ships</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">450</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">2</td> - <td class="tdl">Small Ships</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">350</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdl">Pinnaces</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">80–250</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Der Bestand um 1624 entsprach auch ungefähr diesem Beschlusse, wenn auch -die Klassengrenzen, wohl infolge alter Bestände, nicht genau innegehalten waren und -auch bei Neubauten vorläufig nicht genau innegehalten wurden.</p> - -<p class="small">Auch für <em class="gesperrt">Frankreich</em> kennen wir aus dieser Zeit eine Einteilung der Schiffe -nach Klassen; sie ist sogar schon genauer. Hier sind jetzt schon Anleitungen für Anzahl -und Kaliber der Geschütze auf den verschiedenen Schiffsklassen vorhanden (Troude, -Teil I, Introduction).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Pinassen</em> waren große Segelboote, den Küstenfahrzeugen der Zeit entsprechend; -wir werden sie in diesem Zeitabschnitt oft als Depeschen-, Aufklärungs-Fahrzeuge u. dgl. -finden.</p> - -<p><b>Galeren und Galeassen.</b> Im ersten Abschnitt ist erwähnt, daß die Galere -des Mittelmeeres auch nach 1500 noch selbst im Norden häufiger zur Verwendung -kommt; ihre Entwicklung ist dort bereits abgeschlossen. Aus der -Galere hatte sich, wohl schon gegen Ende des Mittelalters, die <em class="gesperrt">Galeasse</em> -herausgebildet in dem Bestreben, zahlreichere und schwerere Artillerie aufstellen -zu können. Galerenähnlich, Verhältnis der Breite zur Länge wie 1: 6, -mit 30–50 Riemen je durch 5–8 Mann bedient, mit 200–300 Seeleuten -und Soldaten, 600–1000 tons groß, waren die Galeassen tiefergehend, langsamer -und schwerfälliger unter Riemen als die Galeren, aber weit stärker -armiert; man rechnete eine Galeasse als gleichwertig mit 5 Galeren. Die -Geschützaufstellung war dieselbe wie bei den späteren Galeren: schwere -Geschütze besonders vorn und achtern in Kastellen, leichte auf diesen -und zwischen den Riemen. Sie hatten drei Masten mit Lateinsegeln; zwar -sehr rank, segelten sie doch weit besser als die Galeren und gebrauchten die -Riemen vorzugsweise nur im Gefecht; sie bildeten also gewissermaßen auch -einen Übergang zum Segelschiff. Im Mittelmeer waren sie die Hauptkraft -der Flotten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_103" id="Page_103">[103]</a></span></p> - -<p class="small">Die Galeassen spielen eine wichtige Rolle bei Lepanto. Auch in der spanischen -Armada befanden sich vier Galeassen von Neapel; sie sollen die weitstärksten Schiffe -dieser Flotte gewesen sein. Ihr Flaggschiff „San Lorenzo“ führte 4 Sechzig-Pfünder, -8 Dreißig-Pfünder, 6 Achtzehn-Pfünder, 6 Neun-Pfünder, 10 Sechs-Pfünder und -16 kleinere Geschütze, so daß das Gewicht der Chargierung (in späteren Zeiten Breitseite, -broadside, genannt und häufig als Maß der Gefechtskraft benutzt) 370 Pfund -gegen 195 Pfund des größten Segelschiffes des andalusischen Geschwaders betrug. San -Lorenzo hatte eine Besatzung von 124 Seeleuten, 262 Soldaten und etwa 300 Ruderern.</p> - -<p>Mit der Grundlegung für stehende Marinen<a name="FNanchor_42_42" id="FNanchor_42_42"></a><a href="#Footnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a> beginnt nun auch in den -Ländern, die mit der Vervollkommnung der Segelschiffahrt in den Vordergrund -treten, die Anlage von <b>staatlichen Werften</b>.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Schweden</em> eilte man in dieser Hinsicht den übrigen Ländern des -Nordens voraus. Schon Gustav Wasa hatte eine Werft in Westerwik -gegründet, bald folgten solche in Stockholm, Kalmar, Helsingfors usw. -Schweden baute im Anfang des 17. Jahrh. vorzügliche große Kriegsschiffe; -es zeichnete sich besonders durch Gießen von eisernen Geschützen aus und -lieferte diese — wie auch Schiffe — nach anderen Ländern.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">England</em> wurden auch an den Plätzen, wo wir Ausrüstungsarsenale -kennen gelernt haben, Portsmouth, Woolwich, Deptford, Trockendocks -gebaut — das erste war schon 1496 in Portsmouth fertiggestellt —, -aber erst um die Mitte des 17. Jahrh. waren solche an all diesen Orten -vorhanden, teilweise nun schon mehrere, sowie Plymouth und Chatam -hinzugetreten. Auch sonstige Einrichtungen waren getroffen, so daß die -Kriegsmarine jetzt imstande war, ihre Schiffe in größerem Maßstabe selbst -auszurüsten und zu erbauen.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Holland</em> beschränkte man sich noch länger auf Ausrüstungsarsenale, -vorzugsweise auf Waffendepots; man hatte hier, was Schiffbau -und alle sonstigen Bedürfnisse anbetraf, genügenden Rückhalt an der Privatindustrie. -Erst zu Ende des 16. Jahrh. machte sich mit dem gewaltigen -Wachsen der Marine und dem zunehmenden Bau größerer Schiffe das Bedürfnis -nach eigenen Schiffbauwerften geltend, und man gründete sie in -den Hauptstädten aller Seeprovinzen.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Frankreich</em>, wo die Kriegsmarine die geringste Pflege fand -und langehin die größeren Schiffe fast nur aus dem Auslande bezogen wurden, -legte erst Richelieu Schiffbauwerften in Marseille, Brest, Brouage, Havre -und Calais an.</p> - -<p><b>Die Waffen.</b><a name="FNanchor_43_43" id="FNanchor_43_43"></a><a href="#Footnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a> Die Zeit von 1492–1648 ist auch eine Übergangsperiode -von den alten Waffen zu den neuen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_104" id="Page_104">[104]</a></span></p> - -<p>Als zu Ende des Mittelalters infolge Erhöhung der Kastelle und der -Anbringung von Etagen und Pforten in diesen mehr Geschütze aufgestellt -werden konnten, waren es zunächst nur kleinere: Der große und starke -„<em class="gesperrt">Regent</em>“, gebaut 1489, führte zwar 225 Geschütze, aber nur Feldschlangen -(serpentines) von 1,5" Kaliber = ½-Pfünder. Mit Verlängerung der Kastelle, -Einführung eines zweiten Decks und von Pforten im Schiffsrumpf selbst -tritt allmählich die Verwendung schwerer Geschütze auf: der „<em class="gesperrt">Great Harry</em>“, -gebaut 1514, führt 21 schwerere Kanonen, zu denen allerdings noch alle über -2½" Kaliber = 3-Pfünder, gerechnet werden, und daneben 130 leichtere.</p> - -<p>Noch immer werden vielfach die alten Wurfgeschütze, Bogen und Armbrüste, -neben den Feuerwaffen verwendet; in der Ausrüstung des „Great -Harry“ sind z. B. 500 Bogen mit Zubehör und Reserveteilen aufgeführt. -Trefffähigkeit und Bedienung der Pulvergeschütze ließ noch viel zu wünschen -übrig, besonders die Bedienung. Unvollkommene Lafettierung — Lagerung -in Blocklafetten und noch ursprünglicherer Art — machte das Richten schwierig -und ungenau; die Rohre, namentlich die leichteren, waren sehr lang; ein Grund, -weshalb man an Bord der bequemeren Bedienung wegen länger als am Lande -die aus zwei Stücken bestehenden Hinterlade-Kammergeschütze verwendete.</p> - -<p class="small">Einen Beweis für die schwierige Bedienung der Geschütze sowie für die geringe -Rolle, die die Artillerie noch in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. spielte, liefert die Äußerung -eines militärischen Zeitgenossen. Er hebt hervor, daß in einem Gefecht -zwischen Engländern und Franzosen 1545, wobei 200 Schiffe engagiert waren, „innerhalb -zweier Stunden nicht weniger als 300 Schuß von beiden Flotten abgegeben -seien.“ Es würde dies, selbst wenn man es nur auf die damals schwereren Geschütze -bezieht, höchstens 2–3 Schuß für das Geschütz ergeben.</p> - -<p>Diese erste Zeit der Artillerie weist, wie aus der Armierung des „Great -Harry“ zu ersehen ist (Seite <a href="#Page_97">97</a>), eine große Zahl verschiedener Geschützarten -auf. Es war auch noch nicht gebräuchlich, diese nach einheitlichem System -zu benennen; die später übliche, nach dem Geschoßgewicht, konnte noch nicht -benutzt werden, da man verschiedenes Geschoßmaterial hatte: Stein, Eisen, -Blei. Die beim „Great Harry“ aufgeführten schwereren Kaliber finden wir -auch später noch vor. Von den leichteren bedeuten: fowlers und portpieces -= kurze leichte Waffen mit Kammer; slings, demislings und toppieces = ganz -leichte auf Pivots aufgestellte; hailshotpieces feuerten Ladungen von kleinen -Würfeln; handguns waren Handwaffen mit Pivot oder Gabel.</p> - -<p>Von der Mitte des 16. Jahrh. an nimmt die Verwendung der schwereren -Geschütze zu, und die alten Wurfmaschinen verschwinden. Die Kammern -waren wegen ungenügenden Verschlusses schon bei den stärkeren Kalibern, -die meist aus Bronze gegossen wurden, weggefallen, jetzt gab man sie auch -bei den leichteren, vorwiegend eisernen Kanonen auf; auch der Gebrauch von -Steingeschossen verschwindet. Die Rohre werden im allgemeinen kürzer, -die Bedienung wird auch sonst erleichtert durch Einführung von Radlafetten -und Kartuschbeuteln aus Zeug oder Papier. Die verschiedenen Arten der -Geschütze, an Zahl weit geringer geworden, erhalten Namen, die bei allen -Nationen ziemlich gleich lauten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_105" id="Page_105">[105]</a></span></p> - -<p class="small">Um 1580 waren die gebräuchlichsten Geschütze in England folgende (Clowes, -Teil I, Seite 411):</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p102"> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Name</em></td> - <td class="td5">(In Zollen)<br />Kaliber</td> - <td class="td5">Geschoßgewicht<br />also annähernd<br />Pfünder</td> - <td class="td5">Mehlpulverladung</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Cannon Royal<a name="FNanchor_44_44" id="FNanchor_44_44"></a><a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a></td> - <td class="td6"> 8½</td> - <td class="td6">66</td> - <td class="td6">30</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Cannon<a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a></td> - <td class="td6">8</td> - <td class="td6">60</td> - <td class="td6">27</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Cannon Serpentine<a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a></td> - <td class="td6"> 7½</td> - <td class="td6"> 53⅓</td> - <td class="td6">25</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Cannon Serpentine<a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a></td> - <td class="td6"> 7½</td> - <td class="td6"> 53⅓</td> - <td class="td6">25</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bastard Cannon</td> - <td class="td6">7</td> - <td class="td6"> 41¼</td> - <td class="td6">20</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bastard Cannon</td> - <td class="td6"> 6½</td> - <td class="td6"> 30¼</td> - <td class="td6">18</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Cannon Pedro<a name="FNanchor_45_45" id="FNanchor_45_45"></a><a href="#Footnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a></td> - <td class="td6">6</td> - <td class="td6"> 24¼</td> - <td class="td6">14</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Culverin</td> - <td class="td6"> 5½</td> - <td class="td6"> 17⅓</td> - <td class="td6">12</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Basiliko</td> - <td class="td6">5</td> - <td class="td6"> 15¼</td> - <td class="td6">10</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Bastard Culverin</td> - <td class="td6">4</td> - <td class="td6"> 7</td> - <td class="td6"> 6¼</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Saket</td> - <td class="td6"> 2½</td> - <td class="td6"> 5⅓</td> - <td class="td6"> 5⅓</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Minion</td> - <td class="td6"> 3½</td> - <td class="td6"> 4</td> - <td class="td6"> 4</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Falcon<a name="FNanchor_46_46" id="FNanchor_46_46"></a><a href="#Footnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a></td> - <td class="td6"> 2⅓</td> - <td class="td6"> 3</td> - <td class="td6"> 3</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Falconet</td> - <td class="td6">2</td> - <td class="td6"> 1¼</td> - <td class="td6"> 1¼</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Serpentine</td> - <td class="td6"> 1½</td> - <td class="td6"> ⅓</td> - <td class="td6"> ⅓</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Robinet</td> - <td class="td6">1</td> - <td class="td6"> ½</td> - <td class="td6"> ½</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Französische Angaben stimmen hiermit nahezu überein; nach holländischen Angaben -führten holländische Schiffe um 1587 nur Geschütze bis zum 13-Pfünder, wahrscheinlich -Basiliko, und erst um 1616 sehr vereinzelt 36-Pfünder, einige 24-Pfünder, viele 18-Pfünder, -meist jedoch 12-Pfünder und 8-Pfünder; auch im nächsten Abschnitt steht Holland -in der Kaliberstärke zurück.</p> - -<p>Diese Arten der Geschütze bleiben lange bestehen, aber sehr verschiebt -sich bei ihrer Verwendung an Bord das Verhältnis der schwereren Kaliber -zu den leichteren. Die über die größeren englischen Schiffe um 1548 gemachte -Angabe zeigt noch ein Verhältnis der schwereren zu den leichteren Geschützen -von 1: 5, ähnlich wie beim „Great Harry“, bei den kleineren Schiffen stellt -es sich noch ungünstiger. In der Angabe für 1603 überwiegen schon die -schwereren, aber zu ihnen sind noch immer alle vom 3-Pfünder (falcon) aufwärts -gerechnet. Beim „Royal Sovereign“, gebaut 1637, sind unter den 104 -Geschützen nur solche von der Demi culverin (8-Pfünder oder 9-Pfünder) -aufwärts verstanden und dahin sind auch die Geschützangaben über die -englischen Schiffe um 1649 zu verstehen. Die Artillerie, und zwar die mittlere -und schwere, ist Hauptwaffe geworden; es ist auch schon, wie das angezogene -Beispiel zeigte, ein gewisses System in der Aufstellung der verschiedenen -Kaliber an den verschiedenen Stellen im Schiff vorhanden, in Frankreich -waren sogar um diese Zeit schon Bestimmungen für die verschiedenen -Schiffsgrößen erlassen (vgl. Troude, Teil I, Introduction).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_106" id="Page_106">[106]</a></span></p> - -<p>Auch die verbesserten und leichter gewordenen <em class="gesperrt">Handfeuerwaffen</em>, -Musketen und Haken, hatten die Bogen, deren größere englische Schiffe -zur Zeit der Armada (1588) noch 300 führten, verdrängt; die an Bord die freie -Bewegung hindernden Schutzwaffen, Helme, Harnische und Schilde, waren -weggefallen.</p> - -<p>Die im Mittelalter schon erwähnten <em class="gesperrt">Brander</em>, Schiffe mit leicht brennbaren -Stoffen gefüllt, erscheinen in diesem Zeitabschnitt häufiger und werden -auch zuweilen mit Erfolg verwendet (z. B. in der Armada-Campagne); wir -gehen im nächsten Abschnitt, ihrer Hauptverwendungszeit, näher auf sie ein.</p> - -<p><b>Die Nautik.</b> Im 16. und im Anfang des 17. Jahrh. werden endlich wesentliche -Fortschritte in der Nautik gemacht. Um 1537 entwarf Gerhard Kremer -(<em class="gesperrt">Mercator</em>) die erste Karte nach der nach ihm benannten Projektion -und ließ 1569 eine Weltkarte in dieser folgen. Vom Ende des Jahrhunderts -an wurden die <em class="gesperrt">runden Seekarten</em> an Bord der Schiffe an Stelle der -platten allgemein, auch erscheinen in ihnen die Kompaßrosen zum leichteren -Absetzen; 1573 werden zuerst <em class="gesperrt">Log und Logglas</em> zum Messen der Fahrt -erwähnt.</p> - -<p>Zahlreiche <em class="gesperrt">Lehr- und Handbücher</em> sowie Hilfstabellen für die -praktische Navigation erscheinen, Clowes, Teil I, Seite 402, führt eine große -Anzahl davon an; seit Anfang des 17. Jahrh. führt man bei nautischen Berechnungen -die Anwendung der Logarithmen ein. Astrolab und Jakobsstab -werden weiter verbessert. 1594 erfand John Davis den <em class="gesperrt">Davisquadranten</em> -(backstaff), der schnell die beiden älteren Instrumente verdrängte, wenigstens -auf größeren Schiffen, und bis zur Erfindung des ersten Spiegelinstrumentes -(Hadleys Spiegeloktant 1731) im allgemeinen Gebrauch verblieb. 1590 wurde -das <em class="gesperrt">Fernrohr</em> erfunden und schnell auf den Schiffen eingeführt. Die -<em class="gesperrt">Mißweisung</em> der Magnetnadel war schon von Kolumbus beobachtet, -doch maß man ihr lange Zeit keine Bedeutung bei, was natürlich sehr nachteilig -für die Besteckführung war.</p> - -<p>Völlig im argen lag aber noch die <em class="gesperrt">Längenbestimmung</em> auf See. -Der schon um 1530 von einem Gelehrten gemachte Vorschlag, durch Vergleich -der beobachteten Ortszeit mit einer vom Lande mitgenommenen die Länge -festzustellen, war wegen Ungenauigkeiten der Uhren noch lange nicht ausführbar. -Für Beobachtungen von Monddistanzen, auch schon um 1500 von -Werner von Nürnberg vorgeschlagen, waren die Winkelinstrumente vorläufig -noch nicht genau genug. Diese einigermaßen sichere Methode brach sich erst -nach und nach Bahn. Die erste Längenbestimmung auf See nach Monddistanzen -soll 1580 von einem Spanier, die zweite 1615 von W. Baffin, dem -Lotsen und Beschreiber einer Reise der „Discovery“ nach der Hudsonstraße, -gemacht sein.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p106.jpg" width="150" height="81" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_40_40" id="Footnote_40_40"></a><a href="#FNanchor_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Hauptquellen: Arenhold; Clowes, Teil I; Jurien: „Les marins du XV siècle“; de -Jonge, Teil I; Troude, Teil I; in ihnen, besonders den beiden ersten, wieder Angaben -weiterer, rein technischer Quellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_41_41" id="Footnote_41_41"></a><a href="#FNanchor_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Die Anordnung der verschiedenen Decke zeigt die schematische Skizze Seite <a href="#Page_169">169</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_42_42" id="Footnote_42_42"></a><a href="#FNanchor_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Vgl. die späteren Angaben über „Die wichtigsten Marinen“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_43_43" id="Footnote_43_43"></a><a href="#FNanchor_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Hauptquelle: Clowes, Teil I, für englische Verhältnisse. Angaben in Troude, -Teil I, „Introduction“ Seite 62 und in de Jonge, Teil I, Seite 279 über französische -und holländische Verhältnisse bestätigen die nachstehenden Auslassungen als allgemein -zutreffend.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_44_44" id="Footnote_44_44"></a><a href="#FNanchor_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Die drei ersten Arten scheinen an Bord nicht verwendet zu sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_45_45" id="Footnote_45_45"></a><a href="#FNanchor_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Der Name ist verdorben aus Cannon pierrier, d. h. ursprünglich für Steingeschosse -bestimmt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_46_46" id="Footnote_46_46"></a><a href="#FNanchor_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Bis zum Falcon einschließlich werden die Geschütze noch bis gegen Ende dieses -Zeitabschnittes zu den schwereren gerechnet.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_107" id="Page_107">[107]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p107.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Drittes Kapitel.</span><br /> -Die Seekriege von 1492–1648. Kampfweise und -Taktik. Die wichtigsten Kriegsmarinen.</h3> - -<h4>Die Seekriege von 1492–1648.</h4> - -<p>Dieser Zeitabschnitt ist ganz besonders in Hinsicht auf die Kriegführung -zur See eine Übergangsperiode zu nennen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Was muß man unter einem Seekriege</em> — unter wissenschaftlich -betriebener Kriegführung zur See — <em class="gesperrt">verstehen</em>? Einen -Krieg, der ganz oder doch wesentlich durch Erfolge zur See entschieden wird.</p> - -<p>Es kann dieser Fall nur eintreten, wenn große Interessen der Gegner auf der -See liegen. Diese Interessen können darin bestehen, daß das Meer notwendig -ist als Marschstraße, um den Krieg in des Feindes Land zu tragen, später -um die Verbindung mit dem eigenen Lande aufrecht zu erhalten, also zur -Unterstützung des Landkrieges, oder darin, daß für einen oder beide Gegner -von der freien Benutzung des Meeres der Wohlstand des Landes, vielleicht gar -seine Lebensfähigkeit oder doch die Möglichkeit zur weiteren Durchführung -des Krieges abhängt. Im ersten Falle gleicht das Meer also den Marschstraßen -und den rückwärtigen Verbindungen des Landkrieges, im zweiten ist es ein -Angriffsfeld mit den auf ihm schwimmenden Gütern als Angriffsobjekten.</p> - -<p>Eine wissenschaftliche Kriegführung zur See muß sich nun, um durchschlagende -Erfolge — sei es im ersten, sei es im zweiten Falle — zu erzielen, -in der Offensive die Aufgabe stellen, planmäßig die <em class="gesperrt">Herrschaft auf dem -Meere</em> zu erringen und, zeitlich wie örtlich, voll zu behaupten, in der Defensive, -letzteres wenigstens zu vereiteln. Eine solche Kriegführung kann -nur eintreten, wenn die dazu geeigneten Streitmittel vorhanden sind; sie -wird, was die Bedrohung des Wohlstandes des Gegners anbetrifft, nur gewählt -werden, wenn die Bedingungen dazu gegeben sind. Damit finden wir die -Erklärung, weshalb bislang von keinen großen Seekriegen im angedeuteten -Sinne oder doch nur von Ausnahmen in beschränktem Maße die Rede sein konnte.</p> - -<p>Als solche Ausnahmen kann man mehrere Kriege im Altertum und auch -einzelne im Mittelalter (die der italienischen Städte) ansehen; ihre Beschränkung -liegt darin, daß wir in ihnen wenig von „planmäßiger Unterbindung“<span class="pagenum"><a name="Page_108" id="Page_108">[108]</a></span> -des feindlichen Handels hören, vorzüglich aber darin, daß die Ruderkriegsschiffe -dieser Zeiten nicht imstande waren, längere Zeit die See zu halten, -und somit eine errungene Seeherrschaft nicht dauernd behaupten und ausnutzen -konnten. Auch die Segelschiffe des Mittelalters waren hierzu noch nicht -fähig, und bei den Völkern des Nordens und des Westens kam der Kampf um -freie Benutzung des Meeres zu Handelszwecken noch nicht in Frage, denn die -Schiffahrt war noch an und für sich gering und für den Handel und damit -für die Förderung des Wohlstandes der Länder noch keine Lebensfrage; -Brandschatzungen an der Küste schädigten den Feind mehr und brachten -reichere Beute als das Aufbringen von Handelsschiffen. So zeigte uns -denn die bisherige Kriegführung vorwiegend Expeditionen über See zwecks -Eroberungen oder Brandschatzungen, denen mit wenig Ausnahmen -weder von seiten des Angreifers eine Sicherung der Herrschaft über das Meer -vorhergeht, noch von seiten des Angegriffenen ein planmäßiger Widerstand -entgegengesetzt wird. Von Ausnutzung größerer Erfolge, insbesondere zur -Behauptung einer für den Augenblick errungenen Seeherrschaft, ist fast -nie die Rede; im Gegenteil sehen wir meist ein geglücktes Unternehmen sofort -von gegnerischer Seite ebenso glücklich erwidert. Auch die Unternehmungen -gegen den feindlichen Handel sind mehr nebensächlich, häufig privater -Natur mit dem Charakter der Freibeuterei. Kaum anders spielen sich die -Kriege der ersten Hälfte dieses Zeitabschnittes ab, in der zweiten aber bereitet -sich ein Umschwung vor, als der Seehandel überall bedeutend zugenommen -hatte, der Handel auf den Ozeanen hinzugetreten und auch die Leistungsfähigkeit -der Segelschiffe gesteigert war.<a name="FNanchor_47_47" id="FNanchor_47_47"></a><a href="#Footnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a></p> - -<p><b>Kriege im Ostmittelmeer.</b><a name="FNanchor_48_48" id="FNanchor_48_48"></a><a href="#Footnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> Die <em class="gesperrt">Türken</em> sind zwar keine seefahrende -Nation, aber unter kräftigen Herrschern haben auch ihre Seestreitkräfte viel -geleistet. Ende des Mittelalters, nach der Eroberung von Konstantinopel, -schufen sie eine Flotte und begannen die Bekämpfung der Abendländer im -Ostmittelmeer. Schon bis 1500 verlor Venedig eine Anzahl wichtiger Positionen -dort (1479 Argos, Negroponte, Lemnos; 1500 Modon und Koron). -1522 vertrieb <em class="gesperrt">Soliman</em> II. (1520–1566) den Johanniterorden von Rhodus. -Unter diesem größten Sultan war die türkische Marine auf ihrer höchsten -Macht, ihre Kriegs- und Raubzüge dehnten sich bis zu den Küsten Italiens -und Spaniens aus, sie unterwarf die Barbareskenstaaten, ja sie focht auf -seiten Franz' I. gegen Karl V., und auch in Indien haben wir sie als Gegnerin -der Portugiesen getroffen (Seite <a href="#Page_64">64</a>). Venedig verlor in späteren Kriegen, -1540 verbündet mit Karl V., noch weitere wichtige Punkte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_109" id="Page_109">[109]</a></span></p> - -<p>Wenn auch Malta, 1565 durch den Großmeister <em class="gesperrt">La Valette</em> glorreich -verteidigt, dem türkischen Ansturm widerstand, ebenso wie das venetianische -Korfu, und die türkische Flotte 1571 bei <em class="gesperrt">Lepanto</em> (siehe Seite <a href="#Page_144">144</a>) -durch die vereinten Streitkräfte Karls V., des Papstes und Venedigs -völlig geschlagen wurde, so blieb sie doch noch lange eine furchtbare Macht, -bis sie allmählich mit dem Rückgang des osmanischen Reiches verfiel. Trotz -des großen, aber nicht ausgenutzten Sieges bei Lepanto verlor <em class="gesperrt">Venedig</em> -noch 1573 Cypern und trat von nun an politisch zurück, auswärtige gefährliche -Unternehmungen und Verwicklungen vermeidend; erst um die Mitte des -17. Jahrh. entspann sich ein neuer Krieg mit den Türken um Kreta.</p> - -<p><b>An sonstigen Kriegen im Mittelmeer</b> sind zu nennen zahlreiche Kämpfe -Frankreichs, Spaniens und der deutschen Kaiser, diese letzten beiden Mächte -unter Karl V. vereint, um Interessen in Italien: die Feldzüge Karls VIII. -und Louis' XII. von Frankreich nach Neapel, die Kriege Karls V. und Philipps II. -gegen Franz I. und Heinrich II., in denen französische, spanische Flotten, -solche der italienischen Städte, auch türkische als Verbündete der Franzosen -Verwendung fanden. Unternehmungen aller genannten Staaten gegen die -Barbaresken traten hinzu. Als berühmte Flottenführer der ersten Hälfte -des 16. Jahrh. sind <em class="gesperrt">Andreas Doria</em> auf kaiserlicher Seite, <em class="gesperrt">Barbarossa</em> -(eigentlich Horuk) sowie sein Bruder Cheir-Eddin — die ersten türkischen -Herrscher von Algier und Tunis und berüchtigte Seeräuber — auf türkischer -Seite anzuführen. Größere Ereignisse fallen dann erst wieder in das Ende -dieses Zeitabschnittes, als Frankreich unter <em class="gesperrt">Richelieu</em> 1635 in den -Dreißigjährigen Krieg eingriff und damit auch den Krieg gegen Spanien -eröffnete, der noch nach dem Westfälischen Frieden bis zum Pyrenäischen -Frieden 1659 fortdauerte. (Siehe Abschnitt III, Nebenkriege 1654–1665.)</p> - -<p>In allen diesen Kriegen spielen aber die Flotten nur eine untergeordnete -Rolle, und die Seegefechte usw. bieten nichts Besonderes. Nicht zu unterschätzen -ist der andauernde Kampf gegen die Raubstaaten, den auch England -und Holland bald aufnahmen; er war eine Schule für die Seeleute aller -Völker.</p> - -<p><b>In der Ostsee</b><a name="FNanchor_49_49" id="FNanchor_49_49"></a><a href="#Footnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> wurde eine Reihe von Kriegen geführt, deren Studium -lohnend sein dürfte; wenn in ihnen auch noch nicht planmäßig um die Beherrschung -der See in erster Linie gekämpft wird, so hatte doch mit die -Frage um die Vorherrschaft in diesem Binnenmeere den Anlaß dazu gegeben. -Die Blütezeit der <em class="gesperrt">Hansa</em> war, wie schon im Abschnitt Mittelalter -erwähnt, die Zeit der Kämpfe der nordischen Staaten, die durch das Bestreben -Dänemarks, diese unter seiner Führung zu vereinigen (Kalmarische Union), -hervorgerufen wurden. Diesem Bestreben stand die Hansa im eigenen -Interesse entgegen, sie unterstützte daher Schweden und mischte sich in -die inneren Wirren Dänemarks, wo es ihr Vorteil versprach. Ihr politischer<span class="pagenum"><a name="Page_110" id="Page_110">[110]</a></span> -Höhepunkt war erreicht, als 1524 der Bürgermeister von Lübeck, <em class="gesperrt">Thomas -von Wickede</em>, gewissermaßen die Kronen des Nordens an Friedrich -von Holstein und Gustav Wasa austeilte, wodurch er der Kalmarischen Union -ein Ende machte und von beiden Fürsten die weitestgehenden Handelsvorrechte -erhielt. Nun aber machte die innere Entwicklung der nordischen -Staaten große Fortschritte, ihr Seewesen lebte wieder auf, und es begann ein -Kampf um die Vorherrschaft in der Ostsee, zunächst zum Nachteil der Hansa. -Schon 1534, als Lübeck unter Bürgermeister Wullenweber wiederum Partei in -einem Thronfolgestreit Dänemarks, der <em class="gesperrt">Dreigrafenfehde</em>, genommen -hatte, standen ihm Dänemark mit Schleswig-Holstein und Schweden -gegenüber, während es selbst nur von wenigen Städten unterstützt war. -Die lübische Flotte wurde 1535 an der fünenschen Küste vernichtet. Die -Städte mußten froh sein, einen Teil der früheren Zugeständnisse zu behalten; -von hier datiert, in Verein mit den früher angezogenen Gründen (vgl. Seite <a href="#Page_78">78</a>), -der Niedergang der Hansa.</p> - -<p>Es folgen die Kämpfe <em class="gesperrt">Dänemarks</em> und <em class="gesperrt">Schwedens</em> um die -Herrschaft in der Ostsee, um die noch zu Dänemark gehörenden Provinzen -Schwedens, um das Erbe des gegen Ende der fünfziger Jahre zusammenbrechenden -preußischen Ordensstaates, das die Nordstaaten sowie Polen und -Rußland an sich reißen wollten. Schweden war glücklich in seinen Kriegen -gegen Rußland und Polen, befestigte seine festländischen Besitzungen in -Finnland und erweiterte sie durch Esthland, aber zur See war Dänemark -die stärkere Macht. Hier hatte man zuerst Wert auf eine Marine gelegt. -In dem ersten Kriege zwischen beiden Ländern, dem <em class="gesperrt">Dreikronenkrieg</em> -1563–1570, nahm zwar auch die schwedische Marine unter Erich XIV. -einen Aufschwung und leistete wichtige Dienste; sie verfiel aber noch während -des Krieges unter Erichs Nachfolger, obgleich sie doch jetzt gerade zur -Verbindung mit den festländischen Besitzungen notwendig war, und -Dänemark blieb 1570 im Besitz der schwedischen Südprovinzen sowie der -wichtigen Inseln Ösel und Gotland. Damit beherrschte es die Ostsee und -den Eingang in diese; der ganze Seeverkehr Schwedens ging durch dänische -Gewässer. Die Überlegenheit der dänischen Flotte, unter Christian IV., -war weiter entscheidend durch Unterstützung des Landkrieges in dem -<em class="gesperrt">zweiten Kriege</em> 1611–1613 um die strittigen Provinzen; teuer mußte -Schweden den Frieden erkaufen, und die eben erst gegen Dänemarks Sundherrschaft -erbaute Festung Göteborg ward zerstört.</p> - -<p>Die Seeherrschaft Dänemarks, das um 1630 eine der größten stehenden -Flotten Europas besaß, dauerte bis 1645. Sie hatte sich auch -im Dreißigjährigen Kriege (Niedersächsisch-dänischer Krieg 1625–1630) -dem Kaiser (Wallenstein) gegenüber geltend gemacht. Inzwischen hatte -Gustav Adolph während seiner glücklichen Kriege gegen Rußland, durch -die er dieses Land für lange Zeit von der See abschnitt (Eroberung von -Ingermanland usw.), und gegen Polen (Eroberung von Livland) die schwedische -Flotte nach dem Vorbild der dänischen ausgebaut. Wenn sie auch während<span class="pagenum"><a name="Page_111" id="Page_111">[111]</a></span> -dieser Kriege und im Dreißigjährigen Kriege nur für Erhaltung der rückwärtigen -Verbindungen von Bedeutung war, so stellte sie nunmehr doch im -Vereine mit den schwedischen Eroberungen an den Ost- und Südküsten -(hier in Pommern usw.) der Ostsee die Seeherrschaft Dänemarks in Frage; ein -<em class="gesperrt">neuer schwedisch-dänischer Krieg</em> 1643 war die Folge. In diesem wurde -Dänemark, vom Kaiser unterstützt, zu Lande geschlagen (Gallas, Torstenson). -Die schwedische Flotte, verstärkt durch eine holländische, schützte -das wiederum angegriffene Göteborg und führte der dänischen schwere -Verluste zu, wenn diese auch heldenmütig widerstand und auf den -dänischen Inseln geplante Landungen abwehrte (Sieg auf der Colberger -Heide 1644).</p> - -<p class="small">Bezeichnend für die Verhältnisse der Zeit ist, daß die 20–30 Segel starke holländische -Hilfsflotte nur ein staatlich konzessioniertes Privatunternehmen war; als Staat -wollte Holland gegen das bisher zur Unterdrückung der Hansa mit ihnen meist verbündet -gewesene Dänemark nicht auftreten.</p> - -<p>Im Frieden von Brömsebro 1645 trat Dänemark Ösel und Gotland ab, -mußte den Zoll bei Rügen und in der Elbe aufgeben und den Schweden die -Befreiung vom Sundzoll zugestehen. Als der Westfälische Friede an Schweden -nun Bremen und Verden außerhalb der Ostsee überwies, ihm Wismar und -Pommern sicherte, war die Herrschaft Dänemarks über die Ostsee gebrochen.</p> - -<p>Wie die Kämpfe mit den Raubstaaten im Süden, so bezeichnet Jurien -de la Gravière diese großen Seekriege in der Ostsee als eine Schule für die -Seeleute der Zeit, was um so zutreffender ist, als sie mit großen, wirklichen -Kriegsschiffen ausgefochten wurden (vgl. Seite <a href="#Page_148">148</a> „Angaben über die wichtigsten -Marinen“).</p> - -<p><b>Englands und Frankreichs Kriege</b><a name="FNanchor_50_50" id="FNanchor_50_50"></a><a href="#Footnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a> können wir kurz betrachten. Die -bei den Kriegen im Mittelmeer angeführten politischen Verwicklungen waren -auch im Norden von Einfluß. Mehrfach sehen wir England auf der Seite -der Gegner Frankreichs, zuweilen mit spanisch-niederländischen Seestreitkräften -vereint, so 1512 auf seiten der ersten heiligen Liga, 1522–1525 und -1544–1546 auf seiten Karls V., 1556–1559 mit Philipp II. (St. Quentin).</p> - -<p>Es folgen die Kriege Englands mit Schottland um Thronfolgefragen, -die sich durch das ganze 16. Jahrh. hinziehen und worin Frankreich die -katholische Partei in Schottland unter der Hand oder in erklärtem Kriege -unterstützt. Von 1562–1628 treten die Hugenottenkriege in Frankreich -hinzu, worin umgekehrt England auf seiten der Protestanten erscheint, namentlich -bei den letzten Kämpfen um La Rochelle. Alle diese Kriege zeigen uns -eine fast ununterbrochene Tätigkeit von Seestreitkräften aber nur im alten -Sinne: Truppenüberführungen, Belagerungen und Blockierungen, Brandschatzung -von Küstenstrichen, gelegentliche Seegefechte. Bald ist die eine, -bald die andere Partei kurze Zeit Herrin der See, aber glückliche Unternehmungen -der einen werden fast immer von der anderen prompt erwidert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_112" id="Page_112">[112]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Als wichtigere Ereignisse</em> seien aufgeführt: 1513 eine größere englische -Expedition gegen Brest, wobei die französische Flotte vor dem Hafen geschlagen wird; -auf beiden Seiten werden Galeren verwendet, zum ersten Male waren solche der französischen -Mittelmeer-Galerenflotte nach dem Atlantik gezogen. 1522 wurde bei Brandschatzungszügen -die englische Flotte durch kaiserliche, niederländische, Schiffe unterstützt. -1544 nahm England Boulogne mit Hilfe der Flotte. 1545 sandte Frankreich -als Erwiderung eine Flotte von 150–200 Segeln, darunter 25 Mittelmeergaleren, gegen -Portsmouth. Die dort befindliche englische Flotte von 60 Schiffen wurde kurze Zeit -blockiert, Wight und die Küste bis Dover gebrandschatzt, worauf man zur Belagerung -von Boulogne zurückging. Vier Wochen später folgt die jetzt 100 Segel starke englische -Flotte; bei Wight kommt es am 15. August zum Gefecht, worin die Franzosen siegen, -obgleich sich die Galeren bei Wind und Seegang nicht bewähren. Trotz dieses Sieges -unternimmt die englische Flotte am 2. September einen erfolgreichen Einfall an der Küste -der Normandie. 1547 wirft eine französische Flotte 6000 Mann nach Schottland und -holt die junge Königin Maria Stuart nach Frankreich zur Erziehung und (1558) Vermählung -mit dem Dauphin. 1549 wird noch auf See um Boulogne gefochten, 1550 die -Stadt an Frankreich zurückgegeben.</p> - -<p class="small">1554 kam Philipp II. nach England, um die Königin zu heiraten. Es ist schon -damals kennzeichnend für die Ansprüche Englands auf Oberhoheit in seinen -Gewässern, daß der zur Einholung entgegengesandte Lord Highadmiral den König -durch einen scharfen Schuß zwang, den geforderten Flaggengruß zu geben.</p> - -<p class="small">1558 geht <em class="gesperrt">Calais</em>, der letzte Platz Englands auf dem Festlande, durch einen -Handstreich des Herzogs von Guise verloren.</p> - -<p class="small">Die Ereignisse der <em class="gesperrt">Hugenottenkriege</em> im 16. Jahrh. sind von wenig Bedeutung, -mehr die späteren, in denen die seemächtige Stadt <em class="gesperrt">La Rochelle</em> das Hauptbollwerk -der Hugenotten ist. 1622 fand eine Schlacht vor der Stadt, bei St. Martin de Ré, -zwischen einer königlich französischen und einer Hugenottenflotte statt; 1627–1628 -wurde die Stadt unter persönlicher Leitung Richelieus belagert. Drei große Entsatz-Expeditionen -Englands wurden abgeschlagen; La Rochelle, und damit die Sache der -Hugenotten, fällt durch Abschneiden von der See mittels Blockade und Aufschüttung -eines Deiches.</p> - -<p class="small">Aus der Geschichte der <em class="gesperrt">französischen Marine</em> sei noch ihre erste -größere Seeschlacht auf dem Ozean erwähnt. Als sich Spanien 1580 Portugals -bemächtigt hatte, sandte Frankreich eine Flotte von 60 Schiffen unter Admiral -Strozzi nach den <em class="gesperrt">Azoren</em> zur Unterstützung des dorthin geflohenen portugiesischen -Kronprätendenten Dom Antonio, vielleicht wohl auch, um nach englischem Beispiel -die Silberflotte abzufangen. Hier wurde diese von 50 spanischen Schiffen und 12 Galeren -völlig geschlagen und verlor 8 Schiffe und viele Leute; die Spanier ließen alle Gefangenen -als Piraten über die Klinge springen. Die Franzosen schreiben die Niederlage der schwereren -Armierung der Spanier, der Ungeschicklichkeit und der Indisziplin der eigenen Seeleute, -namentlich nach dem Tode des Admirals, zu.</p> - -<p>Eingehender müssen wir die <b>Kriege Englands und Hollands gegen Spanien</b> -behandeln, denn gerade sie geben diesem Zeitabschnitt den Charakter der -Übergangsperiode zu einer neuen Kriegführung zur See.</p> - -<p>Beim Ausbruch des <em class="gesperrt">Aufstandes der Niederlande</em><a name="FNanchor_51_51" id="FNanchor_51_51"></a><a href="#Footnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a> (1566) -hatten sich seebefahrene Bewohner Nordhollands und Seelands auf die See -geworfen (<em class="gesperrt">die Wassergeusen</em>), um Spanien durch Aufbringen seiner -Handelsschiffe Abbruch zu tun. Sie waren mit Kaperbriefen <em class="gesperrt">Wilhelms von Oranien</em><span class="pagenum"><a name="Page_113" id="Page_113">[113]</a></span> -versehen und verkauften die Prisen im Auslande, namentlich -in England, waren aber nach Sitte der Zeit nicht sehr wählerisch und arteten -ohne Ordnung und Kriegszucht zu Piraten aus, so daß ihnen bald die ausländischen -Häfen geschlossen wurden. Notgedrungen scharten sie sich nun -unter einem Oberbefehlshaber, <em class="gesperrt">Graf Wilhelm von der Mark</em>, zusammen -und suchten einen Stützpunkt an der niederländischen Küste; -1572 nahmen die niederländischen Seeleute <em class="gesperrt">Briel</em> an der Maasmündung -und legten hiermit den Grundstein zur Befreiung ihres Vaterlandes.</p> - -<p>Während des weiteren Verlaufes des Befreiungskrieges waren die immer -mehr wachsenden Seestreitkräfte der Niederlande von größtem Nutzen. Sie -schädigten den feindlichen Handel und trugen dadurch gleichzeitig zur Beschaffung -der Geldmittel für den Krieg bei, sie unterstützten Belagerungen -und Verteidigungen von Städten am Meer oder an Flüssen; berühmt ist der -<em class="gesperrt">Entsatz Leydens</em> durch die Fahrzeuge der Geusen, nachdem man -die Deiche durchstochen hatte, um bis zur belagerten Stadt zu kommen. -Sie schlugen selbst mächtige spanische Flotten in den Küstengewässern — -schon in den ersten zwei Jahren drei bis zu 50 großen Seeschiffen starke — und -gewannen damit die Herrschaft in diesen Gewässern; auch später entsandte -spanische Geschwader wurden besiegt. Die Flotte der Aufständischen wuchs -schnell an Zahl, doch waren die Schiffe nur 50–250 tons groß. Es war dies -aber ein Vorteil den großen Fahrzeugen des Feindes gegenüber, denn in den -ersten Jahrzehnten (bis zur Armada 1588) wurde der Krieg zu Wasser nur -auf den Flüssen, den Meerbusen und zwischen den der Küste vorgelagerten -Bänken geführt.</p> - -<p>Ungefähr seit Beginn des niederländischen Aufstandes bereitete sich auch -der <em class="gesperrt">Zusammenstoß Englands und Spaniens</em> vor. Gründe -für ihn waren seit der Thronbesteigung Elisabeths genügend vorhanden, obwohl -um 1558 noch beide Nationen vereint gegen Frankreich (z. B. bei St. Quentin) -fochten. Schon der Versuch Englands, seit den sechziger Jahren, in den -auswärtigen Gewässern und Kolonien Spaniens Fuß zu fassen, die dadurch -hervorgerufenen Gewalttaten gegen den spanischen Handel und die Niederlassungen, -mußten auf der geschädigten Seite Empörung erregen. Wichtiger -noch war die schroffe Stellung der beiden Staatshäupter zueinander in der -großen Weltfrage der Zeit: Philipp II. als fanatischer Führer der Gegenreformation, -Elisabeth als Schützerin der Protestanten stießen überall zusammen. -<em class="gesperrt">Elisabeth</em> unterstützte ebenso wie die Hugenotten in Frankreich -und die protestantische Partei in Schottland auch die aufständischen Niederländer, -wenn auch vorläufig nur unter der Hand, besonders durch bereitwillige -Aufnahme von Landesflüchtigen. <em class="gesperrt">Philipp</em> trat für Maria Stuarts -Partei ein und begünstigte 1580 einen Aufstand in Irland. Dieses Verhältnis -spitzte sich immer mehr zu, und 1585 trat Elisabeth durch einen Vertrag offen -auf die Seite der Niederländer. Nach diesem sollte England eine Unterstützung -an Truppen und Kriegsmaterial liefern, deren Kosten nach glücklich -beendetem Kriege zurückzuerstatten seien (die Nichterfüllung dieser Bedingung<span class="pagenum"><a name="Page_114" id="Page_114">[114]</a></span> -wurde 1652 als einer der Kriegsgründe von seiten Englands aufgestellt); -Holland verpflichtete sich, auf Forderung Englands zu gelegener -Zeit Schiffe zur englischen Flotte stoßen zu lassen. Tatsächlich führte -1586 Graf Leicester ein Hilfskorps nach Holland, und die Niederländer -bestimmten 1588 ein Geschwader zur Unterstützung der Engländer gegen -die Armada.</p> - -<p>Der Abschluß des Vertrages würde vielleicht schon gleich zu einem von -Philipp längst beabsichtigten großen Schlage gegen England geführt haben, -wenn die schwer bewegliche Macht Spaniens fertig gewesen wäre, immerhin -rief er die Beschlagnahme der englischen, holländischen und deutschen Schiffe -in den Häfen Spaniens und Portugals und die Wegnahme englischer Schiffe -im Mittelmeer hervor. Diese Schiffe sollten außerdem dem geplanten großen -Unternehmen gegen England dienen. England antwortete mit den Vergeltungsmaßregeln -in großem Maßstabe, die wir schon erwähnt haben: Unterdrückung -der spanischen Hochseefischerei bei Neufundland und Ausgabe von Kaperbriefen -und Patenten zur Schädigung des spanischen Handels und der Kolonien. -Bevor wir uns jedoch mit dieser Art Kriegführung beschäftigen, ist eines -Ereignisses zu gedenken, das ebenso bemerkenswert in strategischer und -taktischer Beziehung wie entscheidend für den weiteren Verlauf der -Geschichte war: der Armada Entstehung und Ende.</p> - -<p><b>Die Geschichte der Armada.</b><a name="FNanchor_52_52" id="FNanchor_52_52"></a><a href="#Footnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a> Lange vor der Entsendung der berühmten -Armada ging <em class="gesperrt">Philipp</em> II. mit dem Gedanken einer Invasion in größtem -Maßstabe gegen England um. Schon <em class="gesperrt">Alba</em> hatte 1569 einen Plan dafür entworfen, -die Kriege Spaniens mit den Türken, Frankreich und Portugal neben -dem Kampfe gegen die aufrührerischen Niederlande standen jedoch der Ausführung -noch entgegen. Als 1580 Portugal erobert und auch seine Seemacht -nun zur Verfügung war, nahm man den Gedanken lebhafter auf. -Besonders trat der Admiral <em class="gesperrt">Marquis de Santa Cruz</em>, der 1580 die -Franzosen bei den Azoren geschlagen hatte, dafür ein: er stellte 1583 das -Unternehmen als den notwendigsten Schritt zur endlichen Unterdrückung -der Niederländer hin. Der Gouverneur der Niederlande, <em class="gesperrt">Herzog von -Parma</em>, unterstützte ihn und erklärte auch, die englischen Soldaten seien -den spanischen Veteranen nicht gewachsen. Santa Cruz verlangte zur Ausführung -die ungeheure Macht von 556 Schiffen — darunter 150 große Kriegsschiffe, -2 Galeassen und 40 Galeren — von zusammen 77250 tons mit 94000 -Mann. Philipp war wohl dazu geneigt, beschloß aber, um die Expedition -nicht schon von Spanien aus in dieser Stärke entsenden zu brauchen, die in den -Niederlanden stehende Armee mitzuverwenden. Die Rüstungen in Spanien -begannen, und Parma erhielt den Befehl, in den Niederlanden eine große Zahl -flachgehender Transportfahrzeuge fertigzustellen. Wenn die Rüstungen -anfangs nicht so eifrig betrieben wurden, so mag dies seinen Grund in -dem Schwanken Philipps gehabt haben, ob der Erfolg einer so kostspieligen<span class="pagenum"><a name="Page_115" id="Page_115">[115]</a></span> -Expedition voll seinen Interessen entsprechen würde. Zwar war er stets -für Maria Stuart eingetreten; wenn er ihr aber zur Herrschaft in England -verhalf, so hatte bei ihrer Hinneigung zu Frankreich vielleicht dieses Land -den Hauptnutzen davon. Der Tod Marias im Februar 1587 hob dieses Bedenken -auf, ihr Sohn Jakob war Frankreich nicht so zugeneigt. Es war eher -anzunehmen, daß dieser auf dem englischen Throne zu Spanien halten würde. -Tatsächlich hat er, nachdem er schon 1586 gegen Zusicherung der englischen -Thronfolge die Sache seiner gefangenen Mutter preisgegeben hatte, den Angriff -der Armada nicht ausgenutzt, sondern war sogar bereit, ihre Abwehr zu -unterstützen. Nach dem Tode der Maria nun, auch wohl aus Empörung -über die Todesart, betrieb Philipp die Rüstungen mit größter Kraft. Alles -was in Spanien und seinen Besitzungen, in Portugal, in Italien, an Schiffen, -Kriegsmaterial und Personal aufzubringen war, wurde aufgeboten und in -verschiedenen Häfen, besonders in Lissabon und Cadiz, gesammelt.</p> - -<p>Diese Rüstungen blieben in England nicht unbekannt, hatte man doch -selbst Kenntnis davon, daß Philipp geheim um den Segen des Papstes für -das Unternehmen gebeten hatte. Man beschloß, sie zu stören, und <em class="gesperrt">Sir -Francis Drake</em> ward ausgewählt, den Vorstoß zu leiten. Ein Geschwader -von 24–40 Schiffen, so schwanken die Angaben, wurde zusammengezogen. -Größtenteils waren es armierte Kauffahrer, wahrscheinlich haben nur 6 königliche -Kriegsschiffe — 1 zu 600 tons, 47 Geschütze, 250 Mann; 2 zu 500 tons, -54 und 38 Geschütze, 250 Mann; 1 zu 400 tons, 32 Geschütze, 190 Mann, -und 2 Pinassen — den Kern der Flotte gebildet. Für wie kühn der Zug -gehalten wurde,<a name="FNanchor_53_53" id="FNanchor_53_53"></a><a href="#Footnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a> geht daraus hervor, daß eines der 500 tons-Schiffe auf der -Reise umkehrte, ausgesprochenermaßen aus Furcht, und daß Elisabeth die -Segelorder widerrief, aber zu spät. Drakes Order war, die Vereinigung der -spanischen Geschwader zu hindern und möglichst viel Schiffe und Kriegsmaterial -zu zerstören. Er segelte Anfang April 1587 und steuerte, als er von -Kauffahrern hörte, daß in <em class="gesperrt">Cadiz</em> große Materialmengen zum Transport -nach Lissabon bereit seien, diesen Hafen an. Hier traf er am 19. April ein, -trieb 6 Galeren unter den Schutz der Batterien, lief mit Handlot an beiden -Seiten in den inneren Hafen ein und zerstörte dort über 100 beladene Schiffe -fast ohne eigenen Verlust. Am 21. April verließ er Cadiz und beunruhigte -die Küste bis Lissabon, wobei er selbst die Fischer nicht schonte. Er forderte -auch Santa Cruz, der in dem Hafen lag, formell zum Kampfe heraus, doch -nahm dieser weder die Forderung an, noch hinderte er weitere Unternehmungen -an der Küste. Da diese jedoch keine nennenswerte Beute brachten, ging Drake -nach den Azoren, und dort fiel ihm der wertvolle und wichtige Ostindienfahrer -„St. Felipe“ (Seite <a href="#Page_82">82</a>) in die Hände. Trotzdem daß die Aufgabe des Admirals -rein militärischer Natur war, wurde die weitere Fahrt wieder ein Fall des alten -Freibeuterkrieges. Man sagt, vielleicht mit vollem Recht, Drake habe den<span class="pagenum"><a name="Page_116" id="Page_116">[116]</a></span> -geheuerten Kauffahrern zuliebe so gehandelt, die sich der Expedition nicht -angeschlossen hätten, nur um Pulvermagazine zu sprengen und Kriegsmaterial -zu vernichten, sondern um auch klingenden Lohn zu finden.</p> - -<p>Ob diese kühne Tat die Abfahrt der Armada um ein Jahr verzögert -hat, ist fraglich, sie war wohl auch so noch nicht bereit; jedenfalls wurden -die spanischen Rüstungen sehr verteuert und abgeschwächt, und der Schaden -war nicht so schnell zu ersetzen. Noch einen anderen Verlust erlitt Spanien: -im Februar 1588 starb Santa Cruz, ein erfahrener Seemann, an seiner Stelle -erhielt der <em class="gesperrt">Herzog von Medina-Sidonia</em> den Befehl über die -nunmehr fast segelfertige Flotte. Medina war, selbst nach Auslaß eines -spanischen Autors, nur so oft zur See gewesen, um zu erkennen, daß er leicht -seekrank würde. Im übrigen war er ein Mann von Fähigkeit und Bildung, -dabei von sanftem Charakter, weshalb man ihn vielleicht gerade für die Stellung, -die ihm Parma gegenüber zugedacht war, gewählt hatte. Seiner Kriegsunerfahrenheit -sich bewußt, versuchte er zuerst auch, das Kommando abzulehnen. -Am 22. März<a name="FNanchor_54_54" id="FNanchor_54_54"></a><a href="#Footnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a> erhielt er seine Instruktionen über den Kriegsplan; -die Abfahrt sollte beschleunigt werden, damit England möglichst ungerüstet -angetroffen würde.</p> - -<p>Am 20. Mai verließ Medina Lissabon und traf am 9. Juni in Coruña, dem -Sammelplatz, ein; ein schwerer Sturm an der Küste hatte viele Schiffe versprengt, -die sich erst nach und nach, teilweise schwer beschädigt, wieder einfanden. -Schon dies entmutigte den Admiral, und da er auch sah, daß die -Schiffe teilweise schlecht und ungenügend ausgerüstet waren, da er viele -Kranke hatte und manche der Offiziere und Mannschaften für ungeeignet -hielt, riet er dem König zum Frieden; wohl ein Zeichen, mit wie wenig Vertrauen -er das Kommando führte. Trotzdem behielt er es und Philipp sprach -die Erwartung aus, daß die Flotte nach Wiedersammeln aller schweren Schiffe -spätestens am 2. Juli in See gehen werde. Die Schiffe wurden neu ausgerüstet -und am 12. Juli verließ die Armada — die offizielle Bezeichnung der Flotte -war „La felicissima Armada“ — Coruña.</p> - -<p>Die Expedition war als „Kreuzzug“ erklärt und dementsprechend wurden -verschiedene Anordnungen getroffen: Beichte und Abendmahl sämtlicher -Teilnehmer vor der Abfahrt; Verbot von Hazardspielen und Zweikämpfen -während der Reise; leichtfertige Weiber wurden an Bord nicht geduldet, -katholisch-symbolische Flaggen geführt u. dergl.</p> - -<p><b>Die Instruktion</b>, die Philipp seinem Admiral gab, befahl: „Er solle mit -der ganzen Armada direkt zum englischen Kanal gehen, diesen bis zur Themsemündung -(Margate) hinauflaufen, von dort mit Parma in Verbindung treten -und dessen Überfahrt nach England sichern.“ Weitere Ausführungen besagten: -„Die Küsten Frankreichs und Flanderns seien wegen ihrer Untiefen<span class="pagenum"><a name="Page_117" id="Page_117">[117]</a></span> -zu vermeiden; die Küste Englands sei deshalb zu halten und die Reise trotz -etwaiger Diversionen englischer Streitkräfte fortzusetzen; Zusammenstöße -seien nicht zu suchen, um die eigenen Kräfte möglichst zu schonen, da die -Flotte zu der Landung 6000 Mann an Parma abzugeben habe; gefochten -solle nur werden, wenn ohne Kampf die Überfahrt der Invasionsarmee nicht -zu erreichen wäre“. Im Widerspruch hiermit wird aber doch erwähnt, daß -Drake, falls er am Eingang des Kanals gesichtet würde oder im Kanal hart -nachdränge, angegriffen werden solle. Philipp scheint angenommen zu haben, -daß nur Drake mit einem Teile der englischen Flotte im Westen stehen würde, -auch scheint er diesen, als Person, besonders gefürchtet zu haben. Es wird -ferner gesagt, die Armada würde auch stark genug sein, die gesammelte englische -Flotte, falls man noch vor Margate auf sie stieße, zu schlagen. Wie die -Überfahrt Parmas zu sichern sei, sagte die Instruktion nicht; der Admiral sollte -wohl nach Umständen handeln. War die englische Flotte vernichtet, so -konnte die Überfahrt ohne Hilfe vor sich gehen, waren die feindlichen Seestreitkräfte -noch ganz oder teilweise schlagfertig, so mußte Medina begleiten. -Daß die Unterstützung Parmas von der englischen Küste ausgehen sollte, war -beschlossen, da hier sicherere Ankerplätze für die schweren Schiffe vorhanden -waren als an der flandrischen. Nach geglückter Landung und Abgabe der -6000 Mann sollte die Armada in der Themse stationiert werden, das Heer -unterstützen und die Verbindung mit Flandern aufrecht erhalten. Wenn -Parmas Überfahrt durch irgendwelche Umstände verhindert würde, sollte -Medina die Insel Wight als Basis für spätere Unternehmungen besetzen.</p> - -<p>Aus der ganzen Order muß man entnehmen, daß der König — schlecht -beraten oder, wenn besser beraten, hartnäckig auf seiner Ansicht bestehend — -entweder die Schwierigkeit der Überführung einer großen Armee über den -Kanal mit damaligen Mitteln, Ruder- und Segelfahrzeugen, unterschätzte -und vor allem die Wichtigkeit, hierzu vorher den Weg freizumachen, nicht -erkannte, oder daß er die Armada für fraglos stark genug hielt, allen Widerstand -in dieser Hinsicht mit Leichtigkeit zu überwinden. Dabei muß noch in Betracht -gezogen werden, daß es sich nicht nur um die englischen Seestreitkräfte handelte, -sondern daß auch die niederländische Flotte Parmas Transportflotte und seine -geringen Seestreitkräfte blockierte, und zwar, wie die Zukunft zeigte, mit Erfolg.</p> - -<p>Der Armada ist nach dem Kriegsplane nur eine zweite Rolle zugeteilt: -Die Unterstützung der Expedition durch Sicherung der Überfahrt, Verstärkung -des Landungskorps, Aufrechterhaltung der Verbindungen. Unabhängig -war sie nur, „falls“ eine Seeschlacht notwendig würde — allerdings wird diese, -wieder im Widerspruch mit dem sonstigen Tenor der Order, darin gelegentlich -als „eine Hauptsache“ erwähnt; vielleicht war dies nur eine tröstende -Schmeichelei für die Zuteilung der untergeordneten Rolle. Die Erwägung, -daß der Kampf mit den feindlichen Seestreitkräften voraussichtlich die Hauptsache -werden würde, daß man deshalb den strategischen Plan und selbst -die Ordre de Bataille der Armada darauf richten müsse, zuerst mit den gefechtskräftigsten -Schiffen die Seeherrschaft im Kanal zu erringen und dann erst<span class="pagenum"><a name="Page_118" id="Page_118">[118]</a></span> -zur Ausführung der Landung zu schreiten, scheint dem Könige<a name="FNanchor_55_55" id="FNanchor_55_55"></a><a href="#Footnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a> und anfangs -auch den Führern nicht gekommen zu sein.</p> - -<p>In der Zeit zwischen der Ausgabe der Instruktion im März und der Abfahrt -im Juli scheint aber seitens der spanischen Führer den feindlichen Flotten -mehr Beachtung geschenkt zu sein. Im Mai erklärt Medina, er hielte es für -gefährlich, Truppen abzugeben, ehe der Feind zur See unschädlich gemacht -worden sei, und rät, nach der Vereinigung mit Parma den Feind auf See -zu suchen und zu schlagen und dann erst zu landen. Die Vereinigung wird -zwar immer noch an der englischen Küste und vor der Vernichtung des Feindes -gedacht, die Aufgabe der Flotte tritt doch jetzt aber stärker hervor, um so -mehr als nach diesem Vorschlage Parma scheinbar an der Seeschlacht nicht -teilnehmen sollte; seine Seestreitkräfte konnten auch die Armada nicht wesentlich -verstärken. Trotzdem muß es aber bei dem Hauptplan geblieben sein, denn -Medina schreibt bei Antritt der Reise immer noch an Parma: Er sei in See, -habe nur den Befehl, den Weg freizuhalten und nur zu fechten, wenn er belästigt -würde. Er bitte auch Parma, in See zu gehen und Nachricht zu senden, -wo und wann die Vereinigung stattfinden solle.</p> - -<p>Danach wünschte Medina sie also vor dem Eintreffen in Margate, falls der -Platz überhaupt zu dieser Zeit noch als Treffpunkt galt, was nämlich fraglich ist.</p> - -<p>Nach einem Berichte des Vizeadmirals Recalde, des zweitältesten Seeoffiziers, -könnte man annehmen, daß schon bei Abfahrt der Armada die -Vereinigung an der Südküste des Kanals gedacht war. Recalde nennt als -Platz dafür „Las Dunas“, was ebensogut die „Dünen“ an der flämischen -Küste wie „the Downs“ an der englischen bezeichnen kann.</p> - -<p class="small">Dieser Bericht an den König enthält noch einige bemerkenswerte Punkte. Recalde leitet -seine Auslassungen darüber, wie er die befohlene Aufgabe der Flotte auffaßt, damit -ein: „Soviel mir davon bekannt ist“; scheinbar sind also die höchsten Führer nur unvollkommen -unterrichtet gewesen. — Er schreibt ferner, daß er einen Kampf mit der englischen -Flotte für unumgänglich hielte und sogar überzeugt sei, daß diese auch nach -einer Niederlage bald wieder gefechtsbereit erscheinen würde, also weiter mit ihr gerechnet -werden müsse. Endlich ist er der Ansicht, daß die Überführung der Armee Parmas -mehrere Fahrten der Transportflotte erfordern würde. Da scheint es doch, als ob die -spanischen Seeoffiziere bei Aufstellung des Kriegsplanes nicht genügend zu Rate gezogen -sind oder erst später die Schwierigkeit der Ausführung erkannt haben.</p> - -<p>Während der Fahrt ist der ursprüngliche Plan in dieser Hinsicht jedenfalls -geändert. Beim Eintreffen vor dem Kanal (20. Juli) hatte Medina beschlossen, -bei Wight zu warten, bis Parma bereit sei, auszulaufen, und ihn -dann in der Nähe von Dünkirchen zu treffen. Parma wurde gebeten, die -Armada an der gefährlichen Küste keinen Augenblick warten zu lassen; am -26. Juli wurde Dünkirchen fest als Treffpunkt bestimmt. Als die Flotte sich -später Calais näherte und die Lotsen ein weiteres Folgen der Küste über -diesen Ort hinaus für gefährlich erklärten, verlangte Medina sogar, Parma -solle ihm bis hierher entgegenkommen, auch scheint nun nicht mehr die -Themsemündung, sondern Wight zur Landung ausersehen zu sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_119" id="Page_119">[119]</a></span></p> - -<p>Von Anfang an herrschte Unklarheit über die wichtigsten Maßnahmen -zur Durchführung der Generalidee, nämlich über die Vereinigung und über die -Überführung der Armee. Es ist nicht zu verwundern, daß diese Unklarheit -immer schlimmer wird, je mehr die Angriffe der Engländer die Folgen des -größten Fehlers des Planes — die Unterschätzung der feindlichen Seestreitkräfte -— zeitigten.</p> - -<p>Gänzlich unverständlich ist, daß von Anfang bis zu Ende die blockierende -holländische Flotte außer Berechnung gelassen wird; ohne Hilfe der Armada -konnte Parma überhaupt nicht aufbrechen. Nach der ersten Idee war eine -solche Hilfe von Margate aus ja möglich. Der Treffpunkt wird aber immer -weiter ab verlegt und damit verlangt, daß Parma ohne Unterstützung mit -seiner Transportflotte in See gehen solle. Man mußte doch mit der Zeit -die Kraft der Blockade kennen gelernt haben, denn die beiden spanischen -Führer standen in Verbindung. Ebenso unbegreiflich ist, daß trotz der -langen Vorbereitungen Parma nicht fertig war. Hatte man davon in Spanien -keine Kenntnis, oder legte man keinen großen Wert darauf?</p> - -<p>Die <b>Zusammensetzung der Armada</b> am 12. Juli war folgende:<a name="FNanchor_56_56" id="FNanchor_56_56"></a><a href="#Footnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a></p> - -<table cellpadding="2" summary="p119"> - <tr> - <td class="td4" rowspan="4">Geschwader von</td> - <td class="td7" colspan="9">Schiffe von</td> - <td class="td8" rowspan="4">Gesamtzahl der<br />Schiffe und<br />Mannschaften<a name="FNanchor_2_7" id="FNanchor_2_7"></a><a href="#Footnote_2_7" class="fnanchor">2)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td9">Tonnengehalt</td> - <td class="td10">1000 und<br />darüber</td> - <td class="td10">800–1000</td> - <td class="td10" colspan="2">600–800</td> - <td class="td10" colspan="2">500–600</td> - <td class="td10">200–500</td> - <td class="td10">kleinere</td> - </tr> - <tr> - <td class="td9">Geschütze</td> - <td class="td10">48–50</td> - <td class="td10">22–50</td> - <td class="td10" colspan="2">16–34</td> - <td class="td10" colspan="2">12–24</td> - <td class="td10">12–20</td> - <td class="td10">6–14</td> - </tr> - <tr> - <td class="td11">Mann</td> - <td class="td12">ca. 4–500</td> - <td class="td12">300–500</td> - <td class="td12" colspan="2">250–400</td> - <td class="td12" colspan="2">180–300</td> - <td class="td12">140–220</td> - <td class="td12">40–120</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Portugal</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10">3</td> - <td class="td10" colspan="2">2</td> - <td class="td10" colspan="2">1</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td16">12 = 4623</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. Medina-Sidonia)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Biscaya</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td10" colspan="2">4</td> - <td class="td10" colspan="2">2</td> - <td class="td10">3</td> - <td class="td10">4</td> - <td class="td16">14 = 2692</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. de Recalde)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Biscaya</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td10" colspan="2">4</td> - <td class="td10" colspan="2">2</td> - <td class="td10">3</td> - <td class="td10">4</td> - <td class="td16">14 = 2692</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. de Recalde)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Castilien<br />(Adm. Flores de Valdes)</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td10">2<br />(24 Gesch.)</td> - <td class="td10">4</td> - <td class="tdc">(1 = 36<br />(3 = 24<br />Gesch.)</td> - <td class="td10">7</td> - <td class="tdc">(sämtl.<br />530 tons<br />24 Gesch.)</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td16">16 = 4177</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Andalusien</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td10">5</td> - <td class="td10" colspan="2">3</td> - <td class="td10" colspan="2">1</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td16">11 = 3105</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. Pedro de Valdes)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Guipuscoa</td> - <td class="td10">1</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10" colspan="2">2</td> - <td class="td10" colspan="2">3</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td16">12 = 2600</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. Miquel de Oquendo)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Levante</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10">5</td> - <td class="td10" colspan="2">3</td> - <td class="td10" colspan="2">—</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td10">—</td> - <td class="td16">10 = 3637</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">(Adm. M. de Bertendona)</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10" colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="td13"><b>Gesamt</b></td> - <td class="td14">7<a name="FNanchor_1_7" id="FNanchor_1_7"></a><a href="#Footnote_1_7" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td14">17</td> - <td class="td14" colspan="2">18</td> - <td class="td14" colspan="2">14</td> - <td class="td14">8</td> - <td class="td14">11</td> - <td class="td15"><b>75</b><a name="FNanchor_3_5" id="FNanchor_3_5"></a><a href="#Footnote_3_5" class="fnanchor">3)</a> <b>= 20834</b></td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_7" id="Footnote_1_7"></a><a href="#FNanchor_1_7"><span class="label">1)</span></a> 1 zu 1000, 1 zu 1050, 1 zu 1100, 1 zu 1150, 1 zu 1160 mit nur 30 Geschützen, -1 zu 1200, 1 zu 1250 tons.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_7" id="Footnote_2_7"></a><a href="#FNanchor_2_7"><span class="label">2)</span></a> Darunter nach spanischem Brauch nur ⅕ bis ⅓ Seeleute. Im Geschwader -von Kastilien aber über ½; dieses Geschwader scheint auch sonst nach seiner gleichmäßigen -Zusammensetzung und Armierung aus zeitgemäßen Kriegsschiffen bestanden -zu haben. Im Geschwader von Portugal betrug der Bestand an Seeleuten ⅓, die Schiffe -waren am stärksten armiert; englische Quellen bezeichnen es als das Crack-squadron.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_5" id="Footnote_3_5"></a><a href="#FNanchor_3_5"><span class="label">3)</span></a> Im übrigen darf man diese 75 Kriegsschiffe nicht alle für „als Kriegsschiffe -erbaut“ ansehen, es waren manche Kauffahrer darunter, von einigen weiß man es sicher.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_120" id="Page_120">[120]</a></span></p> - -<p>Der Bestand war also <b>75</b> <em class="gesperrt">Kriegsschiffe</em>, darunter <b>42</b> über 600 tons -und <b>56</b> über 500 tons. <em class="gesperrt">Dazu kamen</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p120"> - <tr> - <td> </td> - <td class="td17">Tonnengehalt</td> - <td class="td17">Geschütze</td> - <td class="td17">Soldaten</td> - <td class="td17">Seeleute</td> - <td class="td17">Ruderer</td> - <td class="tdc">Gesamt-Besatzung<br />des Geschwaders</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Galeassen von Neapel 4</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">je 50</td> - <td class="tdc">170–260</td> - <td class="tdc">112–124</td> - <td class="tdc">300</td> - <td class="tdc">2541</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Galere von Portugal 4</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">je 4</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">106</td> - <td class="tdc">222</td> - <td class="tdc">1250</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Leichtes Geschwader 22</td> - <td class="tdc">50–300</td> - <td class="tdc">4–12</td> - <td class="tdc">20–100</td> - <td class="tdc">15–50</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">1168</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Hulks (Transporter) 23</td> - <td class="tdc">200–700</td> - <td class="tdc">4–38</td> - <td class="tdc" colspan="3">vorwiegend Soldaten</td> - <td class="tdc">3729</td> - </tr> -</table> - -<p><em class="gesperrt">Der Gesamtbestand der Armada</em> war 128 Fahrzeuge mit -etwa 2430 Geschützen und 29422 Mann (darunter etwa 8000 Seeleute und -2088 Ruderer), außerdem hatte sich eine große Anzahl Edelleute mit ihren -Dienern als Freiwillige und gegen 300 Priester eingeschifft. Die ganze Ausrüstung -soll an 180 Millionen Mark gekostet haben. Von den Schiffen sind -allerdings einige auf der Reise von der Flotte abgekommen, es sollen aber -beim Einlaufen in den Kanal immerhin von den Schiffen über 500 tons, -den Galeassen und Galeren, also den <em class="gesperrt">Gefechtsschiffen</em>, 59 zur -Stelle gewesen sein.</p> - -<p>In den Niederlanden stand unter <em class="gesperrt">Parma</em> ein starkes Heer von 30000 -bis 40000 Mann, wie die meisten Quellen sagen. Da einige Autoren nur von -über 20000 Mann sprechen, ist anzunehmen, daß nicht die ganze Armee zur -Invasion in England bestimmt war; man konnte doch auch die Niederlande -nicht ganz entblößen. In Dünkirchen, Sluys und Nieuweport waren Transportfahrzeuge -gesammelt, auch gebot Parma hier sowie im Norden, wo Verduga -in Gröningen befehligte, über die Seestreitkräfte, die im Kriege gegen -die aufrührerischen Provinzen verwendet wurden.</p> - -<p>Aber auch die <b>Niederländer</b> hatten gegen die Armada zur See ansehnlich -gerüstet. Laut Vertrag waren sie verpflichtet, ein Kontingent zur englischen -Flotte stoßen zu lassen. Hierzu war ein Geschwader von 27 Fahrzeugen unter -Kapitän van Roozendal bestimmt; es scheint die Straße Dover-Calais bewacht -zu haben. Ein zweites beobachtete die Schiffe Verdugas und die -Hauptmacht unter dem Leutnant-Admiral Justin von Nassau, den Vizeadmiralen -van Wassenaer, van der Doos und de Moor blockierte die Häfen -der flämischen Küste. Vorgreifend sei bemerkt, daß das Geschwader Roozendals -in den englischen und spanischen Berichten über die Gefechte keine -Erwähnung findet, während in holländischen Quellen die Mitwirkung ihrer -Flotte zur Vernichtung der Armada<a name="FNanchor_57_57" id="FNanchor_57_57"></a><a href="#Footnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a> hervorgehoben wird.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_121" id="Page_121">[121]</a></span></p> - -<p>Nassaus Geschwader hat jedenfalls mit Erfolg blockiert und holländische -Schiffe, von Nassau oder von Roozendal, haben nach der Schlacht von Gravelines -versprengte und gestrandete Spanier genommen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p121.jpg" width="250" height="228" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p121" id="fig_p121"></a> -<p class="caption">Lord Howard of Effingham.</p> -</div> - -<p><b>Englands Rüstungen</b> waren anfangs sehr vernachlässigt. Bei ihrer Neigung -zur Sparsamkeit gab sich <em class="gesperrt">Elisabeth</em> leicht und gern der Hoffnung -hin, daß der Krieg in der bisherigen Weise, also fern von Englands Küsten, -weitergeführt werden würde, außerdem schwebten fortlaufend Friedensverhandlungen; -jedenfalls dachte sie nach den Erfolgen Drakes 1587 wohl -nicht an eine baldige Ausführung der großen spanischen Expedition. Die -tüchtigsten Seeoffiziere aber ließen die Vorgänge in Spanien und in den -Niederlanden nicht aus den Augen, und auf ihr Drängen begann man ausgangs -des Winters 1588 ernstlicher zu rüsten. Mehr konnten sie nicht erreichen; -der Vorschlag des Lordhighadmiral <em class="gesperrt">Lord Howard of Effingham</em>, -ein Geschwader von 6 großen und -6 kleinen Schiffen mit regelmäßiger Ablösung -zur Beobachtung und zum Angriff -auslaufender Gegner stets an der -spanischen Küste zu halten, sowie die -noch offensivere Absicht Drakes, mit -dem größten Teil der königlichen Schiffe -und den Fahrzeugen, die die Stadt -London ausrüsten ließ, den Feind wie -im Jahre vorher in seinen eigenen -Häfen anzugreifen, fanden keine Genehmigung. -Nach dem ersten mißglückten -Auslaufen der Armada befahl -die Königin sogar die Abrüstung -der schwersten Kriegsschiffe, aber -Howard hielt die Ausführung der Order -durch Vorstellungen hin, und infolge der Nachrichten, daß die Expedition -nicht aufgegeben sei, bot nun die Königin auf, was das Land an See- und Landstreitkräften -stellen konnte: An den Südküsten wurden Truppen zusammengezogen -und Signalstationen errichtet; die königlichen Schiffe wurden sämtlich -in Dienst gestellt und Kauffahrer geheuert; die Seestädte bereiteten -Fahrzeuge für den Küstenschutz vor; Private stellten Schiffe, wohl oft -bisherige Freibeuter, zur Verfügung. In dieser Weise wuchsen die -englischen Seestreitkräfte beständig, auch noch während des späteren -Feldzugs.</p> - -<p>Den Oberbefehl auf See hatte der Lordhighadmiral Howard erhalten. -Er befehligte die Hauptflotte im Westen des Kanals, unter ihm dienten -Drake, der ein Geschwader von armierten Kauffahrern führte, Frobisher, -Hawkins, Fenner und andere schon berühmte Seeleute; weitere Geschwader, -besonders die Schiffe Londons, standen unter Seymour und Winter im Osten -zur Deckung der Themse und zur Beobachtung der flandrischen Küste.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_122" id="Page_122">[122]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Howard</em> hatte nie den Plan aufgegeben, dem Feinde bis zur spanischen -Küste entgegen zu gehen, es fehlten jedoch Ausrüstungsgegenstände, vor allem -Proviant, die vom Osten erwartet wurden. Als er auf die Nachricht vom -ersten Inseegehen der Armada Ende Mai trotzdem segeln wollte, obgleich -er z. B. nur für etwa 14 Tage Proviant hatte, erhielt er den Befehl, nur am -Eingange des Kanals zu kreuzen. Vergeblich stellte er vor, daß er von dort -bei den vorherrschenden Westwinden nicht im stande sei, dem Feinde gleichzeitig -den Weg nach Irland und durch den Kanal zur verlegen, beide Ziele -aber könne dieser haben; es sei richtiger, sich schon an der spanischen Küste -an ihn zu hängen. Noch bis zum 22. Juni klagt er über das Ausbleiben der -Transporter und wird um so besorgter, da schon am 13. Juni spanische Schiffe -zwischen Ouessant und den Scillys gesehen wurden; es waren Fahrzeuge, -die der Sturm bei dem ersten Auslaufen bis hierher vertrieben hatte. Als -am 23. endlich der Proviant eingetroffen war, ging der Admiral am 24. in -See und kreuzte am Eingange des Kanals. Er hatte die Flotte in drei Teile -geteilt: die Hauptmacht stand in der Mitte des Kanals, der Vizeadmiral -der Flotte Drake lag nach Ouessant, der Kontreadmiral Hawkins nach den -Scillys zu; stete Verbindung wurde zwischen den drei Geschwadern aufrecht -erhalten. Vom 8. bis 10. Juli ging er südlicher, da er aber fürchtete, der -Feind habe schon ungesichtet passiert, kehrte er am 12. Juli, also gerade am -Tage der endgültigen Abfahrt der Armada, nach Plymouth zurück, um -Wasser aufzufüllen; er ließ jedoch einige leichte Fahrzeuge als Beobachtungsposten -draußen. Bemerkenswert, weil von Einfluß auf das Schicksal der -spanischen Flotte, ist, daß — wie sowohl Howard als Seymour am 12. und 13. Juli -berichten — das Wetter in diesem Sommer ganz außergewöhnlich schlecht -und stürmisch war und sie einen großen Krankenbestand hatten; wie mußte -diese Witterung auf die Seeleute und gar erst die Soldaten des Südens wirken!</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">gesamten englischen Seestreitkräfte</em>, die der -Armada nach und nach entgegentraten, zeigt die Zusammenstellung<a name="FNanchor_58_58" id="FNanchor_58_58"></a><a href="#Footnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a> -auf der nächsten Seite.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der Bestand war also <b>34</b> <em class="gesperrt">Kriegsschiffe</em>, darunter <b>8</b> über 600 tons -und <b>14</b> über 500 tons. Diese waren größtenteils als Hauptmacht unter Howard -vereinigt, einige der größeren dienten aber auch als Flaggschiffe Drakes, -Winters, Seymours oder befanden sich bei den Geschwadern der beiden -letzten Admirale als deren Kern (Gruppenführer).</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Gesamtbestand der englischen Flotte</em> war 182 -Segel mit 14520 Mann, wozu noch 15 Transporter mit 810 Mann traten.</p> - -<p>Bei der <b>Abwägung der Kräfte</b> der beiden Gegner hat sich das Urteil im -Laufe der Zeit mehrfach geändert. In den früheren Jahren wurden die Zahl<span class="pagenum"><a name="Page_123" id="Page_123">[123]</a></span> -und die Größe der Schiffe auf seiten der Spanier ungebührend hervorgehoben. -Die späteren genaueren Forschungen haben dagegen zunächst ihre Gefechtskraft -zu sehr unterschätzt, namentlich wenn in bezug auf die Bestückung -gesagt wurde, sie habe fast nur aus 4–9 Pfündern bestanden; gegenwärtig -dürfte nachfolgende Beurteilung die verbreitetste und wahrscheinlichste sein.</p> - -<table summary="p123"> - <tr> - <td class="td4" colspan="2" rowspan="4">Verband</td> - <td class="td7" colspan="10">Schiffe von</td> - <td class="td8" rowspan="4">Gesamtzahl der<br />Schiffe und<br />Mannschaften</td> - </tr> - <tr> - <td class="td9">Tonnengehalt</td> - <td class="td10" colspan="3">1000 und<br />darüber</td> - <td class="td10">800–1000</td> - <td class="td10">600–800</td> - <td class="td10" colspan="2">500–600</td> - <td class="td10">200–500</td> - <td class="td10">kleinere</td> - </tr> - <tr> - <td class="td9">Geschütze</td> - <td class="td10" colspan="3">40–42</td> - <td class="td10">42–55</td> - <td class="td10">36–48</td> - <td class="td10" colspan="2">30–54</td> - <td class="td10">18–38</td> - <td class="td10">3–21</td> - </tr> - <tr> - <td class="td11">Mann</td> - <td class="td12" colspan="3">500</td> - <td class="td12">430–490</td> - <td class="td12">250</td> - <td class="td12" colspan="2">250</td> - <td class="td12">100–180</td> - <td class="td12">20–100</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">Königliche Marine</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="tdc" colspan="2">1000<br />und<br />1100</td> - <td class="td10">3</td> - <td class="td10">3</td> - <td class="td10" colspan="2">6</td> - <td class="td10">8</td> - <td class="td10">12</td> - <td class="td16"> 34=6289<a name="FNanchor_1_3" id="FNanchor_1_3"></a><a href="#Footnote_1_3" class="fnanchor">1)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3"> </td> - <td class="td10" colspan="3"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td> </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="3">Armierte<br />Kauffahrer</td> - <td class="td18" rowspan="3"> </td> - <td class="tdc">Unter Drake<br />im Westen</td> - <td class="td10" rowspan="8">Armierung<br />unbekannt<a name="FNanchor_2_3" id="FNanchor_2_3"></a><a href="#Footnote_2_3" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td18" rowspan="8"> </td> - <td rowspan="7"> </td> - <td class="td10" colspan="3">4 zu 3–400 tons, 120–160 Mann<br />10 zu 200–250, 70–110<br />6 zu 150–200, 70–80;<br />Rest 30 bis 80, 30–50</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10">14</td> - <td class="td10">20</td> - <td class="td16">34=2394</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Unter Howard<br />im Westen</td> - <td class="td10" colspan="3">11 zu 100–220 ton, 50–90 Mann<br />7 zu 20–80, 10–30</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10">18</td> - <td class="td16">18= 530</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Der Stadt<br />London im Osten</td> - <td class="td10" colspan="3">10 zu 2–300 tons, 90–120 Mann<br />20 zu 60–180, 30–80</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10">10</td> - <td class="td10">20</td> - <td class="td16">30=2180</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td> </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">Küsten-<br />Fahrzeuge</td> - <td class="td18" rowspan="2"> </td> - <td class="tdc">Unter Howard<br />im Westen</td> - <td class="td10" colspan="3">zu 40–180 tons, 20–70 Mann</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10">23</td> - <td class="td16">20= 993</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Unter Seymour<br />und Winter<br />im Osten</td> - <td class="td10" colspan="3">zu 35–160 tons, 20–100 Mann</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10">23</td> - <td class="td16">23=1090</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td> </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td16"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">Freiwillige Schiffe<a name="FNanchor_3_6" id="FNanchor_3_6"></a><a href="#Footnote_3_6" class="fnanchor">3)</a></td> - <td> </td> - <td class="td10" colspan="3">2 zu 250–300 tons, 100–108 Mann<br />Rest zu 30–140, 20–65</td> - <td class="tdr">=</td> - <td class="td10">2</td> - <td class="td10">21</td> - <td class="td16">23=1044</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="4"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td16"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">Gesamt</td> - <td class="td14" colspan="3">2</td> - <td class="td14">3</td> - <td class="td14">3</td> - <td class="td14" colspan="2">6</td> - <td class="td14">34</td> - <td class="td14">134</td> - <td class="td15"><b>182=14520</b></td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_3" id="Footnote_1_3"></a><a href="#FNanchor_1_3"><span class="label">1)</span></a> Auf den Kriegsschiffen befanden sich etwa ⅔ bis ¾ Seeleute, auf den kleineren -sogar noch mehr. Hier einige Beispiele:</p> - -<table cellpadding="2" summary="fnp123"> - <tr> - <td class="tdl">„Ark“,</td> - <td class="tdc">Flaggschiff</td> - <td class="tdl">Howards</td> - <td class="tdr">800</td> - <td class="tdc">tons</td> - <td class="tdr">270</td> - <td class="tdc">Seeleute</td> - <td class="tdr">34</td> - <td class="tdc">Gunner</td> - <td class="tdr">126</td> - <td class="tdc">Soldaten</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">430</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">„Triumph“,</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Frobishers</td> - <td class="tdr">1100</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">300</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">40</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">160</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">500</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">„Vanguard“,</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Winters</td> - <td class="tdr">500</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">150</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">76</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">250</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">„Tiger“</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="tdr">200</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">80</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">8</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">100</td> - </tr> -</table> -</div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_3" id="Footnote_2_3"></a><a href="#FNanchor_2_3"><span class="label">2)</span></a> Die Armierung der Kauffahrer und Küstenfahrzeuge war wohl etwas schwächer -als die der Kriegsschiffe gleicher Größe. Bei den größeren war der Unterschied vielleicht -nicht sehr bedeutend, da es ja gebräuchlich war, solche für den Kriegsdienst -gebrauchsfähig zu machen und manche auch wohl als Freibeuter benutzt waren.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_6" id="Footnote_3_6"></a><a href="#FNanchor_3_6"><span class="label">3)</span></a> Die freiwilligen Schiffe, Eigentum von Privatpersonen, stießen nach und nach -zur Flotte, als die Armada an der Küste war. Sie und alle armierten Kauffahrer wurden -während der Campagne vom Staate erhalten und gelöhnt, mit Ausnahme der Schiffe -der Stadt London und der Küstenfahrzeuge im Osten, welche die Cinqueports gestellt -hatten.</p></div></div> - -<p>An Zahl der größeren Kriegsschiffe war die Armada absolut weit überlegen -mit 56 Fahrzeugen über 500 tons — dazu noch 4 Galeassen, mächtige -Gefechtsschiffe, und 4 Galeren — gegen nur 14 auf englischer Seite. Wesentlich -anders stellt sich dieser Vergleich aber schon, wenn wir auf englischer Seite<span class="pagenum"><a name="Page_124" id="Page_124">[124]</a></span> -die Schiffe zwischen 200 und 500 tons, 8 königliche und 26 Kauffahrer, dazu -rechnen; nach ihrer Armierung ist man dazu berechtigt, da sie hierin den spanischen -Schiffen von 500–600, ja auch vielen von 600–800 tons, gleichstanden.</p> - -<p>In der Größe der Schiffe war die Überlegenheit ebenfalls auf spanischer -Seite, wenn man die Zahl der Schiffe in den einzelnen Klassen nach Tonnengehalt -gegenüberstellt. Für die Beurteilung der Gefechtskraft ist dieser -Umstand jedoch nicht durchschlagend, weil die englischen Schiffe alle weit -schwerer armiert waren als die spanischen gleichen Tonnengehalts. Auch -boten die großen spanischen Fahrzeuge, die weit höher über Wasser waren -als die englischen gleichen Tonnengehalts, im Feuergefecht ein gutes Ziel, -ein Nachteil, der durch den Vorteil beim Enterkampf nicht aufgewogen wurde. -Das auf Bildern jener Zeit zum Ausdruck gebrachte übermächtige Aussehen -der Spanier hat gerade früher zur Überschätzung der Armada geführt.</p> - -<p>Zu dieser relativen Überlegenheit der englischen Artillerie an Zahl der -Geschütze trat auch noch die ganz unzweifelhafte an Kaliberstärke,<a name="FNanchor_59_59" id="FNanchor_59_59"></a><a href="#Footnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> d. h. es -befanden sich auf der englischen Flotte relativ sicher, vielleicht sogar absolut, -mehr Geschütze schwereren Kalibers als auf der spanischen, wenn auch die -Schwäche der Spanier in dieser Beziehung nicht so bedeutend war, wie längere -Zeit angenommen ist. Vor allem aber war die Bedienung dieser Waffe bei den -Engländern weit besser. Die Spanier hielten — nach Ausspruch eines spanischen -Autors — das Geschütz für eine unedle Waffe, gut genug zur Einleitung -des Gefechts bis zum baldigen Kampfe Mann gegen Mann. Die -Pforten waren bei ihnen der Sicherheit gegen Gewehrfeuer wegen so klein, -daß die Geschütze nur schlecht gerichtet, namentlich nicht genügend inkliniert, -werden konnten, bei Feuergefecht auf kurze Entfernung für die hohen Schiffe den -niedrigeren gegenüber ein großer Nachteil. Die Schiffe führten nur wenig -Munition. Die Bedienung war instruiert, auf die Takelage zu schießen, um den -Feind manövrierunfähig zu machen und dadurch zum Enterkampf zu kommen; -die Feuergeschwindigkeit war gering. Bei den Engländern war die Artillerie -schon zu einer geachteten Waffe geworden, die Geschütze waren besser -lafettiert und wurden besser und schneller bedient. Man kannte diesen Umstand -in Spanien wohl; Philipp befahl in seiner Instruktion, bei einem Gefecht -solle man den Enterkampf erzwingen, der Feind würde versuchen, ein Feuergefecht -zu führen.</p> - -<p>Ebenso wichtig aber wie die Überlegenheit im Gebrauch der Artillerie -war die der Engländer in der Bedienung der Schiffe. Hingewiesen ist auf -den großen Unterschied in der Bemannung mit Seeleuten, und sowohl -als Mannschaft wie als Führer waren die Engländer tüchtiger. Bei den Spaniern -überwogen die Soldaten so sehr, daß die Bedienung des Schiffes im -Gefecht in Frage gestellt war, Soldaten kommandierten teilweise die Schiffe. -Die spanischen Fahrzeuge manövrierten infolge ihrer Höhe über Wasser -und ihrer hohen Kastelle an und für sich schon schlechter.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_125" id="Page_125">[125]</a></span></p> - -<p>Aus allem geht hervor, daß die Überlegenheit der Armada keineswegs so -bedeutend war, als sie auf den ersten Blick erscheint und lange angenommen -ist. Wenn man dies anerkennt, so tritt man dem Verdienst der englischen -Seeleute nicht zu nahe, die Abwehr der Armada bleibt immer eine glorreiche -Tat; die tüchtigsten Führer der Engländer waren sich auch der Stärke auf -ihrer Seite wohl bewußt und haben dies vor dem Zusammenstoß ausgesprochen.</p> - -<p><b>Am 12. Juli hatte die Armada Coruña verlassen.</b> Am 17. Juli wehte ein -schwerer Sturm, in dem etwa 40 Schiffe versprengt wurden. Der Admiral -sandte am nächsten Tage leichte Fahrzeuge auf dem Kurse nach Lizard voraus, -um nach nördlich stehenden Schiffen auszusehen; es gelang auch bis zum -20. Juli die Flotte wieder zu sammeln, nur etwa 9 Segel fehlten.</p> - -<p>Am 19. 4<sup>h</sup> pm.<a name="FNanchor_60_60" id="FNanchor_60_60"></a><a href="#Footnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> kam die englische Küste in Sicht. Medina heißte eine -Flagge mit Kruzifix, den Bildern der Heiligen Jungfrau und Maria Magdalenas -und ordnete ein allgemeines Gebet an. Nachts sah man die Küste mit Signalfeuern -bedeckt. Die versprengten Schiffe waren nämlich von Kapitän -<em class="gesperrt">Flemyng</em>, Geschwader Drake, gesichtet; dieser hatte es am 19. in Plymouth -gemeldet. Auf der Armada war Lizard für Ramhead gehalten, man glaubte -sich also sehr nahe bei Plymouth, lag deshalb während der Nacht von der -Küste ab und hielt am 20. einen Kriegsrat, in dem der Beschluß gefaßt wurde, -die Engländer im Hafen anzugreifen. Hätte man Lizard richtig erkannt und -den Kurs während der Nacht mit vollen Segeln fortgesetzt, so würde man -bei dem herrschenden Winde voraussichtlich imstande gewesen sein, den -Feind am 20. während des Auslaufens zu überraschen und zum Enterkampf -zu zwingen. Howard hatte zwar sofort nach dem Eintreffen Flemyngs mit -dem Inseegehen begonnen, da aber infolge starken Gegenwindes die Schiffe -gezwungen waren, sich aus dem Hafen zu warpen, kamen im Laufe des 19. -und in der Nacht nur 40–50 Fahrzeuge heraus, weitere erst während des -folgenden Tages. Die Spanier hatten die Nacht vom 19. auf 20. und einen -Teil des Tages verloren, auch am Abend des 20. drehten sie wieder bei, um -die Küste zu erkunden. So kam es, daß die Armada am 21. Juli morgens, -einige Seemeilen westlich von Eddystone stehend, etwa 60 englische Segel -zu Luward sichtete — es wehte WNW. — und einige zehn weiter östlich -unter Land, die bestrebt waren, sich mit der Hauptmacht zu vereinigen, was -ihnen auch gelang.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Armada</em> segelte in einem großen Halbmonde: das Gros unter -Medina in der Mitte, auf dem zurückgezogenen linken Flügel die Vorhut -unter de Leyva, auf dem rechten die Nachhut unter Recalde; die Spitzen des -Halbmondes sollen 6–7 Seemeilen voneinander entfernt gewesen sein.</p> - -<p class="small">In den Schiffslisten (Clowes) wird de Leyva nicht angeführt. Er muß älter gewesen -sein als Recalde, da sein Flottenteil Vorhut genannt wird (obgleich er auf dem linken -Flügel segelt), und da er später einige Tage Recalde unter seinem Kommando hat.</p> - -<p>Eine wörtliche Wiedergabe der genaueren Quellen über den Verlauf -der spanischen Expedition würde zu weit führen; ich beschränke mich<span class="pagenum"><a name="Page_126" id="Page_126">[126]</a></span> -darauf, die <b>Ereignisse der „Armadawoche“</b><a name="FNanchor_61_61" id="FNanchor_61_61"></a><a href="#Footnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a> kurz so zu schildern, daß die in -taktischer und strategischer Hinsicht wichtigsten Punkte hervortreten:</p> - -<p><em class="gesperrt">Medina-Sidonias</em> leitender Gedanke war, die Vereinigung mit -Parma so schnell und so ungeschwächt wie möglich herbeizuführen und nur -gezwungen zu fechten; war ein Zusammenstoß nicht zu vermeiden, den -Enterkampf zu suchen. <em class="gesperrt">Howard</em> beabsichtigte vorläufig nur, eine Landung -des Feindes zu hindern und ihm möglichst Abbruch zu tun, sich aber sonst -nicht früher ernstlich zu engagieren, ehe er nicht die ganze Streitkraft Englands, -durch Heranziehung der noch überall in der Ausrüstung befindlichen -Schiffe und vor allem der Geschwader Winters und Seymours, vereinigt -habe. Wie die Spanier mit den englischen Stärken und Schwächen bekannt -waren, so war dies auch umgekehrt bei den Engländern der Fall; für sie war -also die gegebene Taktik, im Feuergefecht auf wirksamster Distanz, also bei -dem damaligen Stande der Artillerie ziemlich nahe, jedoch unter Vermeidung -des Enterkampfes, den Feind an schwachen Stellen seiner Formation anzugreifen, -sich aber den Abbruch des Gefechtes stets sicher zu halten.</p> - -<p>Dementsprechend erfolgte der erste <b>Angriff Howards Sonntag den 21. Juli -bei Plymouth</b>.</p> - -<p class="small">Sonntag, 21. Juli 1588. — Die englische Flotte steht etwa 70 Segel stark zu Luward. -Um 9<sup>h</sup> am. eröffnet Howard die Feindseligkeiten dadurch, daß er von einem kleinen -Schiff einige Schüsse als „Herausforderung“ auf den Feind abgeben läßt, dann greift -er mit der Flotte an. Er wechselt mit dem feindlichen linken Flügel nur einige Schüsse auf -weitere Entfernungen und segelt quer hinter dem Halbmond durch. Drake („Revenge“, -43 Kanonen) und Frobisher („Triumph“, 42 Kanonen) greifen mit der Vorhut den rechten -Flügel, Recalde („St. Anna“, 30 Kanonen), an. Recalde und einige seiner Schiffe nehmen -das Gefecht auf, andere aber drängen zum Gros. Engländer führen Feuergefecht auf -nahe Distanz, weichen aber Entern aus; Spanier müssen zurück, da im Nachteil. Medina -selbst („ St. Martin“, 48 Kanonen) dreht mit einigen Schiffen bei, um Recalde aufzunehmen, -kommt dadurch ins Gefecht mit Howard („Ark“, 55 Kanonen); als Medina mehr Beistand -erhält, bricht Howard das ganze Gefecht ab; die Spanier rangieren und setzen -die Reise fort. Dabei erleidet ein großes Schiff „N. S. del Rosario“ (46 Kanonen, Flaggschiff -von Andalusien) so schwere Havarie, daß es in der Nacht zurückgelassen werden -muß. Ein zweites Schiff „S. Salvador“ (25 Kanonen, zweites Flaggschiff von Guipuscoa) -wird durch Explosion (Unglück oder Rachetat eines flämischen Geschützmeisters) so -beschädigt, daß es am 22. verlassen werden muß. Beide Schiffe fallen den Engländern -in die Hände.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_127" id="Page_127">[127]</a></span></p> - -<p>In dem etwa achtstündigen Gefecht errang Howard einen kleinen Erfolg; -die spanischen Schiffe hatten mehr gelitten, zwei Flaggschiffe waren gar -verloren. Wichtiger aber war der moralische Erfolg. Die Engländer sahen -ihre Annahmen praktisch bestätigt: ihre Schiffe waren handlicher, ihre Artillerie -besser. Die Spanier hatten bei der geringen Inklinationsfähigkeit -ihrer Geschütze meist zu hoch geschossen und nirgend den Enterkampf erzwingen -können, die Engländer hatten die hohen Ziele getroffen. Wie beabsichtigt, -war Howard, der zur Zeit noch nicht einmal alle Schiffe aus Plymouth -bei sich hatte, imstande gewesen, abzubrechen und ein allgemeines -Gefecht zu vermeiden. Der Mißerfolg wirkte auf die Armada niederdrückend. -Wenn auch offizielle Berichte darüber schweigen, so geht es doch aus dem -Benehmen einzelner Schiffe Recaldes hervor und tritt auch schon in Privataufzeichnungen -zu Tage; auf englischer Seite hob der Erfolg die Stimmung.</p> - -<p>Die Armada setzte ihren Kurs fort, die Engländer folgten. Da sie aber -in der Nacht die Fühlung unter sich und mit dem Feinde verloren, kam es -am <b>Montag den 22. Juli</b> zu keinem Zusammenstoß.</p> - -<p class="small">Drake hatte Befehl, während der Nacht am Feinde zu bleiben. Irregeleitet durch -einige deutsche Kauffahrer, die er für Spanier hielt, verliert er die Fühlung und dadurch -ein großer Teil der übrigen Flotte ebenfalls. Nur Howard selbst bleibt mit einer Gruppe -am Feinde; erst am Abend des 22. ist die Flotte wieder vereint. Drake nimmt aber mit -einer Gruppe seiner Kauffahrer an diesem Tage die erwähnte „Rosario“, und die „S. Salvador“ -wird verlassen aufgefunden; beide werden nach England eingebracht.</p> - -<p>Medina ändert an diesem Tage seine Formation. Er bildet aus Vorhut -und Nachhut eine stärkere Nachhut unter de Leyvas Befehl, 43 der besten -Schiffe, darunter die 4 Galeassen, um so jeden Angriff besser abschlagen -und mit dem Gros den Marsch unbehindert fortsetzen zu können. Außerdem -befiehlt er allen Kommandanten bei Strafe des Hängens, die befohlenen -Posten zu halten. Er sendet Nachricht an Parma über die Position der -Armada.</p> - -<p>In der Nacht vom 22./23. Juli wurde es fast windstill. Die 4 Galeassen -erhielten Befehl, dies zu einem Vorstoß gegen einige von der englischen -Flotte getrennte Schiffe zu benutzen. Sie erreichten jedoch nichts, wahrscheinlich -aus Mangel an Schneid.</p> - -<p>Nach der flauen Nacht sprang der Wind <b>Dienstag den 23. Juli</b> auf NO., -als sich die Flotten auf der Höhe von <b>Portland</b> befanden. Nun stand die -Armada zu Luward, und Medina hoffte, den Enterkampf erzwingen und dem -Feinde einen empfindlichen Schlag zufügen zu können. Während die Engländer -manövrierten, um die Luvstellung wieder zu gewinnen, griff er an.</p> - -<p class="small">Dienstag den 23. Juli. — Wind NO. Beide Flotten liegen über B. B. Bug. Die -Engländer wenden, die Spanier halten zum Angriff ab. Es entspinnen sich verschiedene -Gruppenkämpfe. Eine englische Gruppe unter Frobisher („Triumph“ und Kauffahrer), -etwas getrennt in Lee stehend, wird hart bedrängt durch die Galeassen, andere englische -Gruppen eilen zur Unterstützung herbei, aber auch von spanischer Seite kommt Hilfe. -Der wieder auf SO. und dann SW. drehende Wind bringt die Engländer in die Luvstellung, -so daß es Howard möglich ist, eine Gruppe der besten Kriegsschiffe in guter -Ordnung auf diesen wichtigen Kampfplatz zu führen, und die Spanier müssen, obgleich<span class="pagenumsmall"><a name="Page_128" id="Page_128">[128]</a></span> -auch Medina mit einer Anzahl der besten Schiffe seines Geschwaders (Portugal) hier -eintrifft, nach mehrstündigem, heftigem Kampfe abhalten. Die Engländer hatten -wieder den Enterkampf vermeiden können, aber auch sie hatten diesmal schwer gelitten -und waren knapp an Munition geworden. Nach dem spanischen Berichte waren sie es, -die das Gefecht abbrachen.</p> - -<p>Das Gefecht bei Portland brachte keiner Partei einen taktischen oder -strategischen Erfolg; bemerkenswert ist es aber, daß Medina es jetzt doch -für nötig gehalten hat, die englische Flotte bei günstiger Gelegenheit schon -vor der Vereinigung mit Parma zu schlagen, und seinerseits angriff.</p> - -<p>Nach dem Gefechte, das vom Morgen bis zum Abend gedauert hatte, -setzte die Armada in guter Ordnung die Reise fort; die Engländer folgten -scharf, aber sie unternahmen <b>Mittwoch den 24. Juli</b>, wohl wegen Munitionsmangels, -nichts von Bedeutung. Howard teilte an diesem Tage seine Flotte, -jetzt wohl 120 Segel stark, in vier Geschwader, unter seinem, Drakes, Frobishers -und Hawkins Befehl stehend; auch sandte er kleinere Fahrzeuge -und Boote an Land, um von den Küstenkastellen Munition, sowie Leute und -Proviant zu holen. Die spanische Nachhut wurde wieder in die ursprünglichen -Geschwader Leyvas und Recaldes geteilt. Am <b>Donnerstag den 25. Juli</b> -war es fast still, die Flotten standen auf der Höhe der <b>Insel Wight</b>. Um das -zurückgebliebene Schiff des Admirals Recalde entspann sich an diesem Tage -ein Gefecht, woran sich nach und nach eine große Zahl der größten Schiffe -von beiden Seiten beteiligte, so daß es der blutigste der bisherigen Zusammenstöße -gewesen zu sein scheint. Dabei waren bei der zeitweilig völligen Stille -verschiedene Schiffe genötigt, sich ins Gefecht oder in günstige Windposition -durch ihre Boote schleppen zu lassen. Wiederum brachen die Spanier das -Gefecht ab, als zunehmende Brise die Aussichten der Engländer erhöhte; -auch Howard stand von weiterem Kampfe ab, im Hinblick auf seinen Munitionsmangel -und in der Aussicht auf die nun bald bevorstehende Vereinigung -mit den östlichen Streitkräften.</p> - -<p>An diesem Tage sandte Medina einen Boten an Parma mit der Bitte, -sich so bereit zu halten, daß die Vereinigung später ohne jeden Verzug vor -sich gehen könne.</p> - -<p class="small">Donnerstag den 25. Juli. — „St. Anna“ und eine große portugiesische Galeon -waren infolge früher erlittener Gefechtshavarien zurückgeblieben. Frobisher läßt sich -mit einer Gruppe durch Boote an diese Schiffe bis auf Musketenschußweite heranschleppen. -Geschleppt oder mit eigenen Riemen kommen de Leyva und die Galeassen spanischerseits, -Howard mit einer Gruppe Kriegsschiffen anderseits heran. Heftiges Gefecht auf -nahe Entfernung; nach spanischen Angaben braucht Howard zum ersten Male seine -unterste Batterie, wahrscheinlich war dieses vielen Schiffen, auch spanischen, bisher -wegen Wind und See nicht möglich gewesen. Als etwas Wind aufkommt, greift eine -größere Anzahl großer Spanier ein und befreit ihre Landsleute, ja Howard selbst wird -hart bedrängt. Schon hoffen die Spanier dieses Mal zum Enterkampf zu kommen, aber -der Wind frischt zugunsten der Engländer auf. An anderen Stellen sind die Flotten -gleichfalls aneinander gestoßen; Frobisher und einige andere Kriegsschiffe können sich -einer ungünstigen Leestellung auch nur durch Tauenlassen entziehen.</p> - -<p>Das Gefecht bei Wight brachte wieder keine Entscheidung, aber die -Engländer hatten doch neue Erfolge zu verzeichnen: das Schiff Recaldes<span class="pagenum"><a name="Page_129" id="Page_129">[129]</a></span> -war genötigt, nachdem der Admiral von Bord gegangen, die Armada zu verlassen, -es strandete später an der französischen Küste; auch sonst hatten die -Spanier mehr gelitten. Sie setzten aber doch ihre Fahrt in guter Ordnung -fort und wurden <b>Freitag den 26. Juli</b> nicht angegriffen. Howard erhielt an -diesem Tage Munition und Mannschaften, auch neue Schiffe stießen zu ihm. -Medina sandte wieder einen Boten an Parma und bat um Munition und um -40 leichte Segler, um die beweglicheren Feinde leichter festhalten zu können; -vor allem forderte er, Parma möge beim Erscheinen der Armada vor Dünkirchen -sofort herauskommen.</p> - -<p class="small">Howard rief am Freitag fünf seiner Führer an Bord und schlug sie zum Ritter, -unter ihnen Frobisher und Hawkins.</p> - -<p class="small">Plymouth, Portland und Wight waren die Orte, wo man in England besonders -Landungen gefürchtet hatte, und doch ist es wohl Zufall, daß gerade hier die drei großen -Gefechte stattfanden. Medina dachte an keine Landung und Howard verfolgte bis hierher -nur dieselbe Taktik, zurückgebliebene oder ungünstig stehende Feinde mit Übermacht -anzugreifen. Er hatte Erfolg damit; wenn dem Gegner auch keine großen Verluste -beigebracht waren, so wurde er doch mürbe gemacht. Jetzt fehlten schon 4 große Schiffe -(eigener Ausspruch Howards: we pluck their feathers little by little), während die englische -Macht ständig wuchs.</p> - -<p class="small">Wenn Medina bei Wight ein größeres Gefecht annahm, so hatte dies darin seinen -Grund, daß er hoffte, zum Enterkampf zu kommen, und er wurde vielleicht auch -dadurch in seinem Entschluß bestärkt, daß es der Tag St. Dominiks, seines Schutzpatrons, -war; die Absicht, bei Wight liegen zu bleiben, bis Parma fertig sei, hatte er jetzt schon -aufgegeben.</p> - -<p>Auch <b>Sonnabend den 27. Juli</b> griffen die Engländer nicht an. Um 4<sup>h</sup> pm. -bekam die Armada die französische Küste bei Boulogne in Sicht und hielt -auf Calais zu. Medinas Lage war bedenklich. Noch immer war keine Antwort -von Parma eingetroffen und die Lotsen erklärten, man würde bei Fortsetzung -des Kurses durch die Strömung bei Dünkirchen vorbei in die Nordsee -getrieben werden. Der Admiral ankerte deshalb am Abend zwischen <b>Calais</b> -und den vorliegenden Bänken und sandte als letzten Boten seinen Sekretär -an Parma mit der dringenden Aufforderung, sofort zu kommen, bei längerer -Zögerung sei die Vereinigung, ja selbst die ganze Flotte aufs äußerste gefährdet. -Der französische Gouverneur von Calais, mit dem Medina in Verbindung getreten -war, um sein Erscheinen an der Küste zu rechtfertigen, ließ nämlich -sagen, der Ankerplatz sei sehr unsicher und gefährlich. Die Engländer hatten -auf Kanonenschußweite geankert und erhielten am Abend die Verstärkung -durch die Geschwader Winters und Seymours, etwa 36 Schiffe, worunter -5 große Kriegsschiffe, so daß sie jetzt zwischen 140 und 200 Segel stark waren. -Die Entscheidung mußte fallen, denn auch für Howard war es jetzt die höchste -Zeit, der spanischen Vereinigung entgegenzutreten, und sie fiel.</p> - -<p>Zunächst wurde die Armada in der Nacht vom <b>Sonntag den 28. Juli</b> -auf Montag durch einen Angriff mit Brandern von ihrem Ankerplatz vertrieben.</p> - -<p class="small">Schon am 27. hatte Howard nach Besprechung mit Winter beschlossen, den Feind -zu Anker mit Brandern anzugreifen. Da Brander aus Dover, nach denen man sofort<span class="pagenumsmall"><a name="Page_130" id="Page_130">[130]</a></span> -gesandt hatte, doch wohl zu spät angekommen wären, ließ er am 28. acht seiner schlechtesten -Schiffe zu diesem Zweck herrichten. Medina hatte einen solchen Angriff vorausgesehen -und angeordnet, Schiffe und Boote zum Abschlagen bereit zu halten. Um Mitternacht -des 28. griffen die Brander an und hatten vollen Erfolg. Medina gab Befehl, Anker zu -lichten, auszuweichen und wieder zu ankern. Ihm und einigen anderen Schiffen gelang -dieses Manöver, sonst aber trat Verwirrung mit vielen Kollisionen ein. Zwei Schiffe -verbrannten, eine Galeasse kam havariert auf Grund, der größte Teil der Flotte trieb -mit dem Strom die Küste entlang nach Gravelines zu, so daß der Admiral bei Tagesanbruch -mit dem Reste folgen mußte.</p> - -<p>Am 28. waren nun auch, morgens und abends, Nachrichten der zwei -letzten Boten eingetroffen, die aussagten: Parma selbst sei nicht in Dünkirchen, -noch sei nichts eingeschifft, an ein Auslaufen des Transports sei -vor vierzehn Tagen nicht zu denken, da die Transportfahrzeuge leck und auch -sonst die Vorbereitungen nicht fertig seien. Andere Unterstützung, die gewünschten -leichten Schiffe, war infolge der Blockade durch die Holländer -auch nicht zu erwarten.</p> - -<p><b>Montag den 29. Juli</b> sah sich Medina auf der Höhe von <b>Gravelines</b> genötigt, -die <em class="gesperrt">entscheidende Schlacht</em> anzunehmen. Als er Calais verließ, -hatte sich <em class="gesperrt">Howard</em> zwar zuerst, der alten Taktik folgend, mit dem Versuch -aufgehalten, die gestrandete Galeasse durch Boote zu nehmen. <em class="gesperrt">Drake</em> -aber hatte sofort erkannt, daß es jetzt, so dicht vor Dünkirchen und den -andern Häfen Parmas, nötig sei, den entscheidenden Schlag zu führen. Er -folgte der Armada mit vollen Segeln und die anderen Geschwader schlossen sich -an. Es wehte stark aus NW., nahezu auflandig, ein Ausweichen vor dem Kampfe -mit raumem Winde würde die Armada auf die Untiefen vor Dünkirchen -geführt haben. <em class="gesperrt">Medina</em>, der die Halbmond-Formation leidlich gut hergestellt -hatte, gab deshalb den Befehl, so hoch wie möglich an den Wind -zu gehen; damit mußte er sich dem Feinde stellen. Um 9<sup>h</sup> am. begann -die Schlacht auf der ganzen Linie. Drake, Frobisher und Hawkins greifen -mit ihren Geschwadern den feindlichen linken Flügel, Winter und Seymour -den rechten und Howard bald darauf die Mitte an. Die feindlichen Flügel -werden auf die Mitte gedrängt, durch Manöver auf beiden Seiten zur Unterstützung -besonders bedrohter Schiffe geht bald jede Ordnung verloren. -Auf Pistolenschußweite wird gefochten; die Spanier, besonders die großen -Schiffe, kämpfen tapfer, sie werden aber furchtbar zerschossen und können -teilweise bald wegen Munitionsmangels nur noch mit Kleingewehrfeuer antworten; -Enterversuche gelingen nicht.</p> - -<p>Um 6<sup>h</sup> pm., nunmehr frei von den nächsten Untiefen, hielt Medina -nach schweren Verlusten ab. Die Engländer hatten kein Schiff verloren, -aber auch sie, ermüdet und teilweise ohne Munition, brachen den Kampf ab; -von der Größe des Erfolges, von der jetzt auf der Armada herrschenden -Niedergeschlagenheit, von dem Umfange des Munitionsmangels beim Gegner -hatten sie zunächst noch nicht volle Kenntnis.</p> - -<p class="small">Howards Boote hatten die gestrandete Galeasse („S. Lorenzo“) geentert und ausgeplündert; -Versuche sie flott zu machen und in Besitz zu nehmen, hinderten die Franzosen,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_131" id="Page_131">[131]</a></span> -weil sie in ihrem Hoheitsgebiet lag. In der Schlacht und am folgenden Tage -sollen die Spanier etwa 16 Schiffe mit 4000–5000 Mann verloren haben; 2 große Galeonen -(„S. Felipe“, 40 Kanonen und „S. Marteo“, 34, Geschwader Portugal) fielen havariert -den <em class="gesperrt">Holländern</em> in die Hände, die sich nach oder schon während der Schlacht -an der Vernichtung der Spanier beteiligten.</p> - -<p>Nach spanischem Bericht soll <em class="gesperrt">Medina</em> <b>Dienstag den 30. Juli</b> beabsichtigt -haben, nochmals an den Feind zu gehen, um im Kanal bleiben oder -doch den Rückweg durch ihn einschlagen zu können, aber die Lotsen hätten -erklärt, es sei nicht möglich, es müsse alles getan werden, um die Flotte frei -von der Küste Seelands zu halten. Aus demselben Grunde hätten auch die -Engländer an diesem Tage von einem Angriff abgesehen; es ist ja auch auffallend, -daß sie ihre Erfolge nicht sofort weiter ausnützten. Medina ließ so -hoch wie möglich am Winde (NW.) steuern, bis ein Drehen des Windes auf -SW. gestattete, abzuhalten; beschädigte Schiffe mitzunehmen, war nicht -möglich.</p> - -<p>Ein Kriegsrat am 30. Juli entschied: daß — mit Rücksicht auf die erlittenen -Beschädigungen und Verluste, sowie den Munitionsmangel — bei der -Verzögerung Parmas die Landung in England aufgegeben werden müsse, -daß ein Zurückgehen in den Kanal nur bei Eintritt günstigen Windes möglich -sei, andernfalls müsse man die Armada durch die Nordsee nach Spanien -führen. <em class="gesperrt">Die Aufgabe der Armada hatte man also fallen lassen, -und war nur noch auf ihre Rettung bedacht</em>; da der südliche Wind -auffrischte, steuerte Medina zunächst in die Nordsee.</p> - -<p>Zu Gefechten kam es nun nicht mehr. <em class="gesperrt">Howard</em> folgte, entließ aber -am 31. Juli die Geschwader Winters und Seymours, um die Bewachung -der Themse und der Doverstraße wieder zu übernehmen. Der spanische -Bericht sagt, die Armada habe gute Ordnung gehalten; die Engländer hätten -am 31. Juli, am 1. und 2. August Versuche, die Nachhut anzugreifen, aufgegeben, -sobald das Gros Miene gemacht habe, das Gefecht aufzunehmen; -am 2. August habe der Gegner die Verfolgung abgebrochen. Howard ging -tatsächlich an diesem Tage, auf 55° N. stehend, nach den Downs, Harwich -und Yarmouth zurück, nur einige Pinassen bis zu den schottischen Inseln -am Feinde lassend. Er war der Überzeugung geworden, daß die Armada -keine Unternehmungen in Schottland im Auge habe, und daß ihre Kraft -gebrochen sei. Medina hat noch bis zum 10. August die Absicht gehabt, -bei günstigem Winde den Rückweg durch den Kanal zu nehmen. Als er aber -erst am 11., an der Nordspitze Schottlands angelangt, Nordostwind bekam, -beschloß er, um Schottland und Irland zu segeln; er hoffte auch wohl, an -diesen Küsten seine notleidenden Schiffe mit Wasser und Proviant versehen -zu können.</p> - -<p>Diese <b>Rückfahrt</b> — durch unbekannte Gewässer ohne gute Karten und -Lotsen, mit schwer beschädigten Schiffen, ungenügender seemännischer -Besatzung, vielen Verwundeten und Kranken — brachte der Armada weitere -schwere Verluste durch höhere Gewalt. Nach englischer Angabe soll -während der Fahrt stets schlechtes Wetter geherrscht haben und es sollen<span class="pagenum"><a name="Page_132" id="Page_132">[132]</a></span> -zwei, für die Jahreszeit ungewöhnlich starke, Stürme aufgekommen sein. -Mit kaum der Hälfte seiner Schiffe lief Medina-Sidonia Ende September in -spanische Häfen ein.</p> - -<p class="small">Eine große Zahl der Schiffe strandete an den Küsten und den vorliegenden Klippen, -namentlich in Irland. Von vielen größeren weiß man die Strandungsstelle (vgl. Clowes, -Teil I). Der Gouverneur von Connaught meldete am 1. Oktober nach London, in seinem -Bezirke seien mindestens 16 Schiffe mit 6000–7000 Mann untergegangen, 1000 Mann, -die sich an Land gerettet, seien getötet. Ein Mann vom „S. Juan“ (50 Kanonen, Flaggschiff -Recaldes seit dem 24. Juli), der bei einem Versuche, mit Gewalt Wasser zu nehmen, -gefangen war, sagte aus, auf seinem Schiff, einem der bestausgerüsteten, seien täglich -3–4 Mann an Hunger und Durst, andere an Krankheit gestorben, bis zu seiner Gefangennahme -im ganzen 200. Admiral de Leyva strandete nacheinander mit 3 Schiffen, beim -dritten Male ertrank er.</p> - -<p>Nach den spanischen Angaben <b>hat die Armada</b> von 128–130 Segeln -63 <b>verloren</b>, nämlich: 26 Galeonen oder Schiffe, 3 Galeassen, 1 Galere, 13 -große Transporter, 20 leichte Schiffe. Davon sind 2 dem Feinde überlassen; -3 bei Calais, 2 an der Küste Hollands, 2 bei Gravelines, 19 auf der Rückfahrt -gestrandet; 35 verschollen. Mit diesen Schiffen und sonst im Gefecht oder -an Krankheiten sind an 20000 Mann umgekommen. Die Engländer verloren -einige Hundert Mann, aber kein Schiff und keinen Gefangenen.</p> - -<p>Jahrelang war die Armada vorbereitet worden, in einer Woche des -Kampfes war sie aus dem Felde geschlagen, in drei Monaten nahezu vernichtet -und mit ihr das Prestige Spanien-Portugals zur See.</p> - -<p><b>Gründe des Mißerfolges der Armada.</b> Am 11. August sandte <em class="gesperrt">Medina</em> -einen Bericht an Philipp II., worin er das Aufgeben der Expedition meldete: -„Seine Flotte sei zum größten Teile versprengt, die Schiffe seien ohne -Munition, die Besatzungen ohne Vertrauen.“ Er fügt hinzu, „die englische -Flotte habe mit ihrer eigentümlichen Kampfweise ihre Überlegenheit bewiesen, -ihre Stärke läge in Seemannschaft und Artillerie; die spanische Stärke, der -Enterkampf mit Handwaffen, hätte nicht zur Geltung gebracht werden -können.“ Wenn wir noch die bessere Kenntnis der Gewässer und Strömungen -seitens der Engländer hinzufügen, so sind damit die taktischen -Gründe der spanischen Niederlage erschöpft.</p> - -<p>Die strategischen Gründe des Fehlschlagens der Expedition sind bei der -Besprechung des spanischen Kriegsplanes hervorgehoben (S. <a href="#Page_116">116</a> ff.). Zu -ihnen muß man auch — er ist gewissermaßen auch taktischer Natur — den -Umstand rechnen, daß Medina nicht ernstlich versucht hat, die anfangs -noch schwachen englischen Streitkräfte durch eigenen Angriff oder wenigstens -durch energische Durchführung der ihm aufgedrungenen Gefechte zu vernichten; -dieser Fehler entsprang den falschen strategischen Dispositionen. -In dieser Hinsicht möchte ich aber einen Punkt berühren, der meines Erachtens -nach in keiner Quelle genügende Beachtung gefunden hat, nur von Colomb<a name="FNanchor_62_62" id="FNanchor_62_62"></a><a href="#Footnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a> wird<span class="pagenum"><a name="Page_133" id="Page_133">[133]</a></span> -er angedeutet. Verboten war Medina ein solches Vorgehen nicht, ja es war -sogar darauf hingewiesen, allerdings vielleicht wegen Unterschätzung des -Gegners und Überschätzung der Armada nur sehr oberflächlich. Hat Medina -nicht die allgemein und unbestimmt gehaltenen Dispositionen und Orders falsch -ausgelegt oder sich zu sehr an den Buchstaben gehalten? Ist nicht gerade -ihm der Vorwurf zu machen, daß er selbst stets die Überführung des Transportes -in Gegenwart der intakten feindlichen Flotte für möglich hielt? Es -sollen zwar noch weitere Instruktionen von Philipp an Medina und Parma -erlassen sein, die verloren gegangen sind. Aber es ist doch wohl anzunehmen, -daß diese sich auf andere Sachen bezogen haben, oder daß in ihnen auf untergeordnete -Punkte des Hauptplanes näher eingegangen ist, nicht aber daß -sie die Hauptsachen geändert haben, denn Medinas Handeln entspricht doch -zu genau der bekannten Instruktion. Aber selbst wenn in ihnen das Vermeiden -des Kampfes noch schärfer hervorgehoben sein sollte, hätte doch -Medina nach seinen Erfahrungen auf der Reise die Notwendigkeit des energischen -Niederkämpfens der englischen Seestreitkräfte einsehen und anstreben -müssen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Nach der Abwehr der Armada</b> brach sich in <b>England</b> der von den tüchtigsten -Seeleuten längst vertretene Gedanke Bahn, den Krieg mit aller Kraft -in die feindlichen Gewässer zu verlegen und damit alle weiteren Unternehmungen -des Feindes im Keime zu ersticken. Es beginnt die Reihe von staatlichen -und privaten Kriegszügen, oft kaum auseinander zu halten, gegen -Spanien, auf die wir früher (Seite <a href="#Page_82">82</a>) hingewiesen haben. Schon im April 1589 -verließ eine Flotte von 80 Segeln — nach anderen Quellen 146 — unter -<em class="gesperrt">Drake</em> mit 11000 Mann Landungstruppen unter <em class="gesperrt">Sir John Norreys</em> -den Hafen von Plymouth. Die Expedition war nur zum kleinsten Teil (6 Kriegsschiffe) -von der Königin ausgerüstet, sonst von Privatpersonen. Sie wandte -sich <b>gegen Portugal</b>, da man dort am wahrscheinlichsten die Aufstellung -einer neuen Armada erwarten mußte; auch sollte sie den nach England -geflüchteten Kronprätendenten Dom Antonio als König einsetzen. Die Armee -wurde gelandet, man plünderte Coruña und Peniche und marschierte nach -Lissabon. Nach vergeblicher Belagerung dieser Stadt schiffte man das Landungskorps -in Cascais an der Mündung des Tajo, wohin die Flotte gesegelt -war, wieder ein und kehrte nach England zurück. Wesentliches, besonders -in der Sache Dom Antonios, wurde nicht erreicht; Landungskorps und Schiffe -waren zu schwach und nicht genügend ausgerüstet gewesen, um das wohlbefestigte -Lissabon zu nehmen. Der dem Feinde zugefügte Schaden dagegen -war beträchtlich; in Cascais und auf der Rückfahrt wurden viele Schiffe -genommen, darunter 15 mit Mannschaften und 60 hanseatische mit Proviant -und Kriegsmaterial; alles war für Aufstellung einer neuen starken spanischen -Flotte bestimmt.</p> - -<p>In demselben Jahre begannen die <b>Privatunternehmungen gegen den -Handel</b> und die Kolonien Spaniens in großem Maßstabe. Die berühmtesten<span class="pagenum"><a name="Page_134" id="Page_134">[134]</a></span> -sind die des Abenteurers <em class="gesperrt">George Clifford, Earl of Cumberland</em>. -Schon vor der Armada hatte er zwei solcher Züge unternommen, jetzt folgte -im Juni 1589 ein dritter mit 7 Segeln, darunter ein von der Königin geliehenes -Kriegsschiff. Er brachte Schiffe an der Küste Portugals und bei den Azoren -auf, nahm sogar die Stadt St. Michael und plünderte sie.</p> - -<p>Fast jährlich folgen sich nun die Unternehmungen, teils mit, teils ohne -Unterstützung der Krone: 1591 führte Cumberland 8 Schiffe hinaus; 1592 = 5; -1593 = 8; 1594 = 5 usw., bis er im Jahre 1598 seinen elften und letzten Zug -mit 20, nur eigenen, Schiffen bis nach Westindien ausdehnte und dadurch in -diesem Jahre sowohl die Ausfahrt wie die Heimfahrt der Silberflotten verhinderte; -ein Ausfall, der in Spanien stets auf das schwerste empfunden wurde. -Viele andere Männer, teilweise berühmte Namen der königlichen Marine, -wie Raleigh und Frobisher, taten gleiches.<a name="FNanchor_63_63" id="FNanchor_63_63"></a><a href="#Footnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a> Unternehmungen gegen die -Schätze der Spanier und Portugiesen mit Geschwadern oder einzelnen Schiffen -waren bis zum Friedensschluß 1604 ein Hauptreiz für abenteuerlustige englische -Seeleute. Nicht nur auf den Nordatlantik beschränkten sie sich, in -Brasilien wurden Bahia (1586), Santos (1591), Recife (1595) geplündert; -auch die erwähnten Entdeckungs- und Kolonisationsreisen waren mit Angriffen -auf feindliches Eigentum verbunden. Welch eine Schädigung des -Feindes und welch eine Bereicherung des eigenen Landes mußte dieser jahrelange -kleine Krieg herbeiführen; fiel doch z. B. 1590 englischen Kreuzern -ein spanisches Schiff von drei Millionen Mark Wert in die Hände!</p> - -<p>Auch der <b>große Krieg</b> wurde jetzt <b>in den feindlichen Gewässern</b> geführt. -1590 wurden zwei Geschwader von zusammen 10 Kriegsschiffen unter <em class="gesperrt">Lord -Thomas Howard</em> und <em class="gesperrt">Sir Martin Frobisher</em> entsandt. Sie -machten zwar keine reiche Beute, aber ihr Erfolg lag darin, daß auch in diesem -Jahre die Silberflotte in Westindien zurückgehalten werden mußte. Die -Geschwader kreuzten 7 Monate ununterbrochen im Atlantik, ein erster Beweis -für die zunehmende Leistungsfähigkeit der Kriegsschiffe. Ein im Jahre 1591 -unternommener Versuch, mit 7 Schiffen die Silberflotte abzufangen, mißlang -infolge rechtzeitigen Eintreffens einer entgegengeschickten spanischen Flotte, -doch zeigte der Zusammenstoß mit dieser weit stärkeren aufs neue die überlegene -Tüchtigkeit der englischen Seeleute.</p> - -<p>Noch erfolgloser, ja unglücklich, war eine größere Expedition 1595. -26 Schiffe mit Landtruppen — teils auf Kosten der Krone, teils von Kaufleuten -ausgerüstet; nur 6 Kriegsschiffe waren darunter, da man wegen -Anwesenheit spanischer Schiffe in Brest nicht mehr missen konnte — unter -<em class="gesperrt">Drake</em> und <em class="gesperrt">Hawkins</em> segelten nach Westindien. Man hatte die Absicht, -Nombre de Dios zu nehmen, über den Isthmus von Panama zu marschieren -und sich an der Westküste der dort zur Heimsendung gesammelten Schätze -zu bemächtigen. Verzögerungen der Abfahrt und auf der Reise ließen das<span class="pagenum"><a name="Page_135" id="Page_135">[135]</a></span> -Unternehmen scheitern. Die Spanier waren überall benachrichtigt und vorbereitet, -der dem Feinde durch Brandschatzung und Zerstörung einiger Städte -zugefügte Schaden wog die Kosten nicht auf und vor allem nicht den Verlust -der beiden bewährten Führer, die an Krankheit starben. Die Flotte mußte -nach einem heißen, unentschiedenen Gefecht mit starken spanischen Streitkräften -bei Kuba nach England zurückkehren.</p> - -<p>Trotz dieser Mißerfolge und obgleich der Krieg der Staatskasse große -Summen kostete — schon bis 1592 hatten die Kosten 1 200 000 Lstrl. -betragen —, blieb Elisabeth in der Offensive. Spaniens Seemacht hatte sich -nach und nach wieder erholt und England befürchtete neuen Versuch einer -Invasion (in Irland?) um so mehr, da 1596 Calais in die Hände der Spanier<a name="FNanchor_64_64" id="FNanchor_64_64"></a><a href="#Footnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a> -gefallen war.</p> - -<p>Um eine solche im Keime zu ersticken, wurde 1596 eine Flotte unter -„gemeinsamer“ Führung des Lordhighadmirals <em class="gesperrt">Charles Howard of -Effingham</em> und des <em class="gesperrt">Grafen Essex</em> ausgerüstet; beide Führer waren -als „Jointadmirals“ koordiniert, wie es später bei der Marine der Republik -gebräuchlich wurde; als Vizeadmiral fungierte Thomas Howard, als Kontreadmiral -Raleigh. Den Kern der Flotte bildeten 17 englische Kriegsschiffe — -darunter 1 zu 700 tons, 50 Kanonen; 2 zu 600 tons, 39 und 29 Kanonen; 4 zu -500 tons, 30–60 Kanonen; 2 zu 400 tons, 41 Kanonen —, hinzu traten 24 holländische -Schiffe — darunter 18 von 2–400 tons, 16–24 Kanonen — unter -Admiral van Duijvenvoorde und viele armierte Kauffahrer; einschließlich -der Transporter war die Flotte 150 Segel mit 6772 Seeleuten und 7360 Soldaten -stark. Den Oberbefehl hatten die englischen Führer. Ihre Instruktion -lautete: die Stärke der feindlichen Rüstungen erkunden; Schiffe und Material -für diese zerstören; unbefestigte Städte, in denen Beute zu machen wäre, -nehmen; heimkehrende reiche Schiffe aufbringen — alles dieses, ohne zu viel -aufs Spiel zu setzen.</p> - -<p>Der erste Schlag der <b>Cadiz-Expedition</b>, wie sie später genannt wurde, -glückte. Sie segelte am 1. Juni 1596; eine Vorpostenkette, die alle gesichteten -Schiffe nahm, bewirkte, daß sie, ohne gemeldet zu sein, am 20. Juni Cadiz -erreichte. Die Stadt wurde genommen, viele Schiffe wurden im Hafen zerstört, -eine Kontribution erhoben und auch sonst reiche Beute gemacht. Der -Schaden der Spanier soll 2 Millionen Dukaten betragen haben.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p136.jpg" width="350" height="412" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p136" id="fig_p136"></a> -<p class="caption">Der Hafen von Cadiz 1596.</p> -</div> - -<p class="small">Es war beabsichtigt, auf der westlichen Spitze der Insel Leon, auf der die Stadt -liegt, zu landen. Auflandiger Wind, hohe See sowie einige starke, unter dem Schutz -der Batterien dort liegende Galeren machten es unmöglich. Nun wurde am 21. Juni die -Hafeneinfahrt forciert trotz des heftigen Feuers genannter Galeren, anderer weiter -binnenliegender sowie der Forts und Batterien. Die Engländer trieben die Masse -der sonstigen feindlichen Schiffe in den inneren Hafen, schossen sie in Grund oder -verbrannten sie; andere wurden von den Spaniern selbst verbrannt. Die Holländer<span class="pagenum"><a name="Page_136" id="Page_136">[136]</a></span> -bombardierten und nahmen das -die Einfahrt deckende Fort Puntal. -<em class="gesperrt">Essex</em> landete, zerstörte die -Zuazo-Brücke, die einzige Verbindung -mit dem Festlande, und -stürmte dann die Stadt. Nur -wenige Schiffe konnten sich durch -den Kanal, der östlich von der -Insel Leon ins offene Meer führt -und nur durch ein englisches -Schiff bewacht wurde, retten. -Zwei große Schiffe wurden genommen, -die als „St. Matthew“ -und „St. Andrew“ noch lange zu -den größten der englischen Marine -zählten.</p> - -<p>Weitere Erfolge wurden -aber nicht erzielt, man kehrte -nach England zurück. <em class="gesperrt">Essex</em> -und <em class="gesperrt">Duijvenvoorde</em> -wollten Cadiz besetzen und -halten, um von dort weiteres -an der Küste zu unternehmen -oder doch bei den -Azoren die Silberflotte abzufangen; sie wurden jedoch von den anderen -Führern überstimmt.</p> - -<p>So war denn auch der Erfolg der Expedition kein dauernder. Schon im -Frühjahr 1597 lief eine spanische Flotte mit Truppen für Irland bestimmt -aus, und zwar so geheim und schnell ausgerüstet, daß sie wahrscheinlich ihr -Ziel erreicht haben würde, wenn sie nicht durch schwere Stürme zur Rückkehr -gezwungen wäre. Um neue Rüstungen zu verhindern, stellte England -eine neue Flotte auf — Admiral <em class="gesperrt">Graf Essex</em>, Vizeadmiral Thomas Howard, -Kontreadmiral Raleigh —, ähnlich zusammengesetzt wie 1596, auch 10 Holländer -unter Duijvenvoorde befanden sich wieder dabei. Sie sollte die Sammelplätze -Coruña und Ferrol angreifen und sich dann einer der Azoren als Stützpunkt -zeitweise zum Abfangen der Silberflotte bemächtigen. Aber auch sie -wurde nach ihrem Auslaufen im Juli 1597 durch Sturm zurückgetrieben, -erst am 17. August ging sie aufs neue in See. Da sie jedoch zu nahe an der -Küste segelte und gesichtet wurde, war ein überraschendes Auftreten ausgeschlossen. -Sie ging deshalb gleich nach den Azoren und ließ so den spanischen -Streitkräften die englischen Gewässer in ihrem Rücken frei. Diese benutzten -auch die Gelegenheit, auszulaufen mit der Absicht, sich eines westlichen -englischen Hafens zu bemächtigen, um ihrerseits einen Stützpunkt für Operationen -in Irland sowie gegen die englische Expedition auf ihrer Rückkehr -zu gewinnen, aber wiederum zerstreute sie ein Sturm. Diese drei Fehlschläge -von Flotten in einem Jahre zeigen wieder die Unzulänglichkeit des damaligen<span class="pagenum"><a name="Page_137" id="Page_137">[137]</a></span> -Schiffsmaterials und, daß man im allgemeinen doch noch kein rechtes Vertrauen -zu ihm besaß.</p> - -<p><em class="gesperrt">Essex plünderte einige der Azoren</em>, hielt sie zeitweise -besetzt, und Teile seiner Flotte kreuzten in der Nähe der Inselgruppe; infolge -glücklicher Umstände gelang es aber der 40 Segel starken Silberflotte, unbemerkt -in den wohlbefestigten Hafen von Angra auf Terreira einzulaufen. -Ein Versuch, sich ihrer dort zu bemächtigen, mißlang, nur einige versprengte -Schiffe fielen den Engländern in die Hände, und diese kehrten im Oktober -in die Heimat zurück. 1598 wurde nichts von Bedeutung unternommen, wir -haben aber gesehen, daß Cumberland in diesem Jahre den Verkehr Spaniens -mit Amerika unterband.</p> - -<p>1599 rüstete Spanien aufs neue und zog Galeren und Hochseeschiffe -zusammen. Wenn auch diese Kräfte später anders verwendet wurden — die -Galeren gingen nach den Niederlanden, die Hochseeflotte folgte einer großen -holländischen Expedition nach Westindien —, so war man doch in England nicht -müßig gewesen, um so mehr, da man auch gegen Essex in Irland den Verdacht -verräterischer Umtriebe hatte. Es wurde eine Flotte von 19 Kriegsschiffen -in Dienst gestellt, in ihrer Zusammensetzung wohl die mächtigste dieser Zeit, -nämlich: 2 Schiffe zu 900–1000 tons; 4 zu 700–800 tons; 7 zu 500–600 tons; -6 zu 200–400 tons. Sie kam nicht zur Verwendung, aber es ist bemerkenswert, -daß ihre Mobilmachung bis zum Seeklarsein nur 12 Tage in Anspruch -nahm, eine bisher noch nirgend erreichte Leistung.</p> - -<p>In den Jahren 1600 und 1601 wurde nichts Größeres unternommen, es -schwebten Friedensunterhandlungen, doch befand sich <em class="gesperrt">ein englisches -Beobachtungsgeschwader an der spanischen Küste</em> -und mehrere große Privatexpeditionen waren unterwegs. Zu Ende 1601 -gelang es einer spanischen Flotte von 40 Segeln, trotz des Beobachtungsgeschwaders -ein Landungskorps nach Irland zur Unterstützung der Rebellen -(<em class="gesperrt">Earl of Tyrone</em>) zu werfen; die Truppen richteten aber nichts aus und -wurden durch das englische Geschwader blockiert und zur Kapitulation genötigt.</p> - -<p>1602 führte man die Beobachtung der feindlichen Küsten schärfer und -länger im Jahre durch (auch Holland entsandte 1602 dazu ein Geschwader), -machte in diesem Jahre reiche Beute auf dem Wasser und an der Küste und -vernichtete verschiedene nach Flandern bestimmte Galeren. Für das Jahr -1603 waren sogar 2 Geschwader vorgesehen, die sich in dem Überwachungsdienste -ablösen sollten. Sie segelten aber nicht mehr, da man nach dem -schon zu erwartenden Tode Elisabeths Thronfolgestreitigkeiten und möglicherweise -Einmischungen von außen fürchtete.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jakob</em> I. schloß 1604 <b>Frieden mit Spanien</b> und verbot auch die Freibeuterei -gegen den spanischen Handel.</p> - -<p>Die Abwehr der Armada und der weitere Krieg hatten Englands Überlegenheit -zur See gezeigt. Die Seemacht Spaniens war schwer erschüttert, -ihr Prestige verloren, aber sie war doch nicht gänzlich niedergeworfen; noch -mehrfach wurden Versuche gemacht, sich wieder aufzuraffen, wie wir auch<span class="pagenum"><a name="Page_138" id="Page_138">[138]</a></span> -besonders noch bei der Geschichte Hollands sehen werden. Als <em class="gesperrt">Jakob</em> I. -Frieden schloß, war dies nicht im Sinne der für die Seemachtspolitik Englands -begeisterten Männer. Aber unter den Stuarts wurde der Flotte nicht mehr -die Pflege zu teil wie bisher, wenigstens nicht unter Jakob, und die Seekriege -wurden nicht mit der Energie der Zeit unter Elisabeth geführt; erst -Cromwell sollte das Werk Elisabeths fortsetzen.</p> - -<p>Wir können deshalb die <b>letzten Kriege Englands in diesem Zeitabschnitt</b><a name="FNanchor_65_65" id="FNanchor_65_65"></a><a href="#Footnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a> -ganz kurz fassen. Das Bedeutendste sind die Kämpfe der ostindischen Kompagnie -mit Portugal in Indien, die trotz des Friedens ausgefochten wurden. -Wir kennen den Grundsatz der Zeit: „Kein Frieden hat Gültigkeit unter der -Linie.“ So wurden denn auch die gegenseitigen Handelsstörungen im Atlantik -fortgesetzt und zwar allem Anschein nach jetzt besonders von seiten Spaniens. -Die englische Marine war unter Jakob fast untätig, so daß auch die Barbaresken -ihre Raubzüge mit Geschwadern bis in den Kanal ausdehnten. Eine -1620 gegen Algier gesandte Expedition — 6 königliche Schiffe und 12 Kauffahrer -— richtete nicht viel aus.</p> - -<p>Die Kriege Englands gegen Frankreich in dieser Zeit (Hugenottenkriege) -sind bereits, da unwesentlich nur kurz, erwähnt. Als <em class="gesperrt">Buckinghams</em> -von persönlichen Motiven geleitete Politik <em class="gesperrt">Karl</em> I. bald nach seiner Thronbesteigung -zunächst auf seiten Frankreichs gegen Spanien führte, so daß -sogar englische Schiffe gegen die Hugenotten in La Rochelle verwendet -wurden, entsandte man 1625 nochmals eine <b>große Expedition</b> — 9 Kriegsschiffe, -90 Transporter mit Landtruppen, dazu 16 Holländer — <b>gegen Spanien</b> -mit ähnlichen Orders wie 1587 und 1596. Es war aber nur eine traurige Nachahmung -dieser Unternehmungen und endete als ein Schlag ins Wasser ohne -jeden Erfolg.</p> - -<p class="small">Die Expedition war mangelhaft ausgerüstet und wurde ebenso geführt. Die zahlreichen -Kauffahrer waren nur mit 8–12 Kanonen armiert und standen ganz unter dem -Befehl ihrer früheren Kapitäne. Den Oberbefehl führte <em class="gesperrt">Viscount Wimbledon</em>, -ein Landoffizier, der nicht einmal als solcher ein höheres Kommando innegehabt hatte. -Nach verschiedenen Plänen, die als unausführbar aufgegeben wurden, segelte man nach -<em class="gesperrt">Cadiz</em>, wo wiederum eine große Anzahl feindlicher Schiffe (95) lag. Der Vizeadmiral -der Flotte, <em class="gesperrt">Graf Essex</em>, griff an und trieb sie in den Binnenhafen, wurde aber sofort -zurückgerufen; der Flottenchef fürchtete den großen Tiefgang seiner Schiffe, ohne zu -bedenken, daß Drake 1587 mit Benutzung des Handlots den Hafen forciert hatte, daß -Howard und Essex (Vater) 1596 dasselbe mit ebenso großen Schiffen getan hatten, nur die -Schiffe von 800 tons waren damals draußen geblieben. Die Flotte ankerte bei Puerto -de S. Maria (Skizze Seite <a href="#Page_136">136</a>); etliche Holländer erhielten wie 1596 den Befehl, -gemeinsam mit einigen Kauffahrern Fort Puntal zu beschießen, dann ging der Flottenchef -zu Bett. Die Holländer erlitten nur Verluste, da die Kauffahrer, unbemerkt und unbestraft, -fernblieben. Am andern Tage wurde gelandet und das Fort angegriffen, es ergab -sich sofort; glücklicherweise, denn man hatte die Sturmleitern und den Proviant vergessen. -Anstatt nun die Schiffe im Hafen zu vernichten, die Stellung durch Zerstörung der -Zuazo-Brücke zu sichern und dann weiteren Nutzen aus der Landung zu ziehen, fielen -die Truppen auf der Suche nach Proviant über das große Weinlager der westindischen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_139" id="Page_139">[139]</a></span> -Flotten her und betranken sich so, daß alles aufgegeben und wieder eingeschifft werden -mußte. Der Versuch, jetzt die Silberflotte abzufangen, mißlang; diese lief in Cadiz zwei -Tage nach Abgang der englischen Flotte von dort ein.</p> - -<p>Die nächsten Jahre brachten nichts weiter gegen Spanien, da der Krieg -mit Frankreich (um La Rochelle; vgl. Seite <a href="#Page_112">112</a>) entbrannte; 1629 und 1630 -schloß England mit beiden Ländern Frieden.</p> - -<p>Mit dem <b>Beginn der ernstlichen Mißstimmung zwischen dem Könige -von England und dem Parlament</b> 1642 erhob sich auch der Streit über die -Verfügung über die Flotte; mehrfach besetzten König und Parlament die -Hauptkommandostellen mit verschiedenen Personen. Im allgemeinen war -die Stimmung in der Marine lange für den König. Als aber die Endkatastrophe -hereinbrach, gelang es 1649 doch nur einem Admiral, Sir William Batton, -11 Schiffe nach Holland dem Prinzen von Wales zuzuführen, die übrigen -Geschwader hielten zum Parlament, wohl infolge der Gesinnung ihrer Admirale. -Vier dieser Schiffe kehrten bald nach England zurück, der Rest operierte mit -einigen anderen Schiffen der königlichen Partei, die schon in Holland gewesen -waren, in den nächsten Jahren unter <em class="gesperrt">Prinz Ruprecht von der Pfalz</em> -gegen die Republik.</p> - -<p>Auch von seiten <b>Hollands</b><a name="FNanchor_66_66" id="FNanchor_66_66"></a><a href="#Footnote_66_66" class="fnanchor">[66]</a> wurde der Krieg gegen Spanien <b>nach Abwehr -der Armada</b> in anderer Weise geführt. Die Beteiligung an den englischen -Expeditionen 1596 und 1597 ist erwähnt; ermutigt durch den Erfolg, rüstete -man 1599 eine eigene Flotte zu gleichem Zweck aus. Wenn man infolge des -Vertrages bisher bereitwillig seine Kräfte unter englischen Oberbefehl gestellt -hatte, so war dies mit Rücksicht darauf geschehen, daß die englische Marine -stärker an großen Kriegsschiffen war, und weil man der Königin Elisabeth -für ihre Unterstützung Dank schuldete; jetzt strebte man aber danach, -selbst eine gebietende Seemacht zu werden. Man hatte auch nach dem Untergang -der Armada begonnen, größere Kriegsschiffe für die offene See zu bauen. -Die Flotte, unter <em class="gesperrt">van Doos</em>, war 73 Segel stark und mit Landungstruppen -versehen. Sie lief am 15. Mai 1599 aus, fand aber die Spanier in Coruña und -auch sonst an der Küste benachrichtigt, segelte deshalb nach den Kanaren -und brandschatzte diese. Von hier wurde eine Hälfte nach Haus gesandt, -die andere ging nach Westindien; sie hatte jedoch keinen Erfolg, da der Ausbruch -einer Seuche, der auch der Führer erlag, und das Nahen einer spanischen -Flotte (Seite <a href="#Page_137">137</a>) zur Rückkehr zwang. 1606 wurden zwei Geschwader nach -der spanischen Küste gesandt; eines machte reiche Beute, das andere wurde -durch überlegene Kräfte geschlagen. 1607 dagegen vernichtete eine 26 Segel -starke Macht unter <em class="gesperrt">Jakob van Heemskerk</em> eine gleichstarke, aber -aus größeren Schiffen bestehende spanische Flotte, die auf der Rhede von -<em class="gesperrt">Gibraltar</em> zu Anker lag. Diese Tat trug nicht nur zur Hebung des Ansehens -der holländischen Seemacht bei — selbst den Türken gegenüber, der holländische -Handel im Mittelmeer hob sich infolge dessen wesentlich —, sie beschleunigte -auch wohl die schon begonnenen Waffenstillstandsunterhandlungen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_140" id="Page_140">[140]</a></span></p> - -<p>In den heimischen Gewässern war der Krieg in Verbindung mit dem -Landkriege fortgesetzt, und es waren hier für die Holländer schwierigere -Verhältnisse entstanden. Der spanische Statthalter <em class="gesperrt">Parma</em> hatte schon -1583 in <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> (dazu Nieuweport und Sluys) <em class="gesperrt">eine Admiralität</em> -gegründet, um mit dort gebauten Kriegsschiffen, besonders aber mit -dort ausgerüsteten Kapern (Seite <a href="#Page_93">93</a>) den Handel und die Fischerei Hollands -zu unterbinden. Der Platz war vorzüglich dazu geeignet, in unmittelbarer -Nachbarschaft der holländischen Einfahrten an Kanal und Nordsee gelegen, -geschützt durch vorliegende Bänke; die Bevölkerung lieferte eine ausgezeichnete -Besatzung der Schiffe. Holland mußte einen blutigen und kostspieligen -Kampf gegen diese Macht führen.</p> - -<p>1609 wurde ein zwölfjähriger Waffenstillstand mit Spanien geschlossen. -In dieser Zeit blühte der Handel Hollands mächtig auf; es fallen in sie die -großen Fortschritte in Indien; im Mittelmeer bekämpfte man die Piraten -durch besonders dazu entsendete Expeditionen.</p> - -<p>Mit dem Wiederbeginn des Krieges 1621 trat als Aufgabe an die Marine -vor allem heran <b>die Bekämpfung der Dünkirchener Seemacht</b>. Der Krieg -auf den Ozeanen lag fast allein in den Händen der großen Kompagnien. -1621 wurde allerdings noch eine große Expedition der Kriegsmarine gegen -die spanische Küste unternommen, aber mit ungünstigem Ausfall: die Flotte -wurde vor Gibraltar von den Spaniern geschlagen; auch war Holland 1625 -an der englischen Expedition gegen Cadiz beteiligt. Im allgemeinen aber -hatte die Kriegsmarine neben der Unterstützung des Landkrieges in den -Binnengewässern mit dem Schutz von Handel und Fischerei im Kanal, der -Nordsee und Mittelmeer genug zu tun.</p> - -<p><em class="gesperrt">Dünkirchen</em> hatte sich durch das Aufbringen von Schiffen so bereichert -— in den ersten dreizehn Monaten nach dem Waffenstillstand wurden -143 Prisen gemacht —, daß es immer mehr und immer größere Schiffe in -Dienst stellen konnte; ein Kaufmann z. B. stellte allein dem König 12 Kriegsfahrzeuge -auf, nur um den Orden von St. Jakob zu erhalten. In Dünkirchen -waren im Dienst: 1634: königliche Schiffe: 3 zu 30–40 Kanonen; 14 zu -24–26 Kanonen; 2 zu 18–22 Kanonen; 2 zu 6–14 Kanonen; Privatschiffe: -11 zu 4–12 Kanonen. 1642: königliche Schiffe: 7 zu 34–44 Kanonen; -9 zu 26–30 Kanonen; 7 zu 18–24 Kanonen; Privatschiffe: 4 zu 24–28 Kanonen; -9 zu 18–22 Kanonen; 15 zu 6–15 Kanonen.</p> - -<p>Es war dies mithin eine gefährliche Macht der holländischen Marine gegenüber, -die z. B. 1642 auch nur 11 Schiffe über 30 Kanonen und etwa 90 über -20 Kanonen im Dienst hatte, dabei aber ständige Geschwader auf den Fischgründen -und zur Begleitung der Konvois in Ostsee und Mittelmeer stellen mußte.</p> - -<p>Die Hauptkraft der Flotte mußte Holland demnach notwendigerweise zur -Bewachung Dünkirchens bereit halten. 1634 bestand das Blockadegeschwader -aus 13 großen Schiffen — 1 zu 54 Kanonen; 4 zu 38–44 Kanonen; 8 zu -30–34 Kanonen — und 5 kleineren. Und lange Zeit war es doch unmöglich, -den Handel wirksam zu schützen; trotz der Blockade liefen die Dünkirchener<span class="pagenum"><a name="Page_141" id="Page_141">[141]</a></span> -in dunklen Nächten und an stürmischen Tagen aus und noch in den dreißiger -Jahren errangen sie innerhalb dreier Jahre eine Beute von 12 Millionen Gulden -an Wert. Aber Holland machte immer größere Anstrengungen; Private -rüsteten Kreuzer aus, <em class="gesperrt">neue Wassergeusen</em> genannt, das Blockadegeschwader -wurde immer mehr verstärkt, zeitweise bis zu 25 Segeln. Blutige -Gefechte wurden geliefert, in denen sich später berühmte Führer — <em class="gesperrt">Martin -Tromp</em> und <em class="gesperrt">Witte de Witt</em> — auszeichneten; diese schlugen z. B. 1639 ein -starkes Dünkirchener Geschwader. Endlich wurde die gefährliche Stadt 1646 von -den Franzosen, durch eine holländische Flotte unter Tromp unterstützt, erobert.</p> - -<p>Die holländische Marine errang aber auch in dem zweiten Teile des Unabhängigkeitskrieges -<b>zwei große Siege über die Spanier</b>. Im Jahre 1631 wurde -eine spanische Flotte von 90 Segeln, die in Antwerpen ausgerüstet war, um -den Krieg in die Nordprovinzen zu tragen, <b>auf der Schelde</b> vernichtet; nur -9 Schiffe entkamen, an 4000 Gefangene wurden gemacht. Es ist bemerkenswert, -daß jetzt im Gegensatz zum ersten Teile des Krieges die Spanier die -kleineren, aber schwer armierten Fahrzeuge hatten und damit in den engen -Gewässern im Vorteil waren. Die größeren holländischen Schiffe konnten -ihnen nicht wirksam entgegentreten, und der große Erfolg wurde nur durch -einen nächtlichen Überfall erreicht. 1639 vernichtete dann <em class="gesperrt">Tromp</em> im Kanal -eine mächtige spanische Hochseeflotte.</p> - -<p>Dieses Kriegsereignis,<a name="FNanchor_67_67" id="FNanchor_67_67"></a><a href="#Footnote_67_67" class="fnanchor">[67]</a> gipfelnd in der <b>Schlacht in den Downs</b>, ist wenig -bekannt, obgleich es nach seiner Größe und nach seinen Folgen fast der -Armada-Campagne zur Seite gestellt werden kann; hierdurch erst ist der -spanischen Marine der Todesstoß gegeben, eine Hochseeflotte stellte sie nun -für lange Zeit nicht wieder auf.</p> - -<p class="small">In den Niederlanden hatte man erfahren, daß Spanien eine große Flotte mit Landungstruppen -ausrüste; wieder war die Kraft aller spanischen Länder aufgeboten, sogar -Dünkirchener Schiffe waren herangezogen. Zwar war weder der Zweck noch der Abgangstermin -genau bekannt, aber man mußte sich gefaßt machen, daß sie für Flandern -bestimmt war. Es wurden zwei Beobachtungsgeschwader unter <em class="gesperrt">Tromp</em> (13 Schiffe) -und <em class="gesperrt">de Witt</em> (5 Schiffe) im Kanal stationiert, während ein drittes unter <em class="gesperrt">Banckers</em> -(12 Schiffe) Dünkirchen beobachtete. Am 15. September sichtete Tromp den Feind, -der mit günstigem Winde kanalaufwärts segelte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die spanische Flotte</em> unter <em class="gesperrt">d'Oquendo</em> bestand aus 69 Segeln mit -24000 Seeleuten und Soldaten:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p141"> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">Schiff</td> - <td class="tdc">von</td> - <td class="tdl" colspan="4">2400 tons, 68 Kanonen, Admiral von Portugal,</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">2</td> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">1200 und 1600 tons, 66 Kanonen, Admiral von Neapel und Flottenchef,</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">Schiff</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">1200 tons, 54 Kanonen, Admiral von Kastilien,</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">24</td> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">400–1200 tons,</td> - <td class="tdl">30–44 Kanonen,</td> - <td class="td19" rowspan="3"> </td> - <td class="tdl" rowspan="3">Öfters ist erwähnt, daß die<br /> Spanier leichtere Kaliber führten<br />als Engländer und Holländer, was<br />auch wohl hier noch zutrifft.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">26</td> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdl">10–28 Kanonen,</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">16</td> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">kleinere.</td> - <td class="tdl"> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Tromp hielt sich am Feinde und benachrichtigte die beiden andern Geschwader. -Schon am 17. stieß de Witt zu ihm und man engagierte den Gegner in laufenden Gefechten, -so geschickt geführt, daß er sich nach der englischen Küste hinüberzog. Am folgenden -Tage vereinigte sich auch Banckers mit der Flotte; die Spanier erlitten schwere Verluste<span class="pagenumsmall"><a name="Page_142" id="Page_142">[142]</a></span> -und ankerten unter dem Schutz der englischen Kastelle in neutralem Wasser <em class="gesperrt">in den -Downs</em>. Hier blockierte sie Tromp, nur 12 Dünkirchener Schiffen, stark mit Soldaten -bemannt, gelang es, durch die Nordpassage nach ihren eigenen Häfen zu entkommen. -Vizeadmiral de Witt, dessen Schiff in den Gefechten stark beschädigt war, segelte zur -Reparatur nach Holland und meldete hier die Sachlage. Sofort rüsteten die Admiralitäten, -die großen Kompagnien und Private mit äußerster Anstrengung, und in kaum -vier Wochen war <em class="gesperrt">Tromps Flotte</em> auf 105 Segel mit 5968 Seeleuten und 1866 -Soldaten gebracht. Die Flotte setzte sich zusammen aus: 41 Kriegsschiffen, 36 Schiffen -der Kompagnien, 18 anderen Kauffahrern und 11 Brandern. Die Größe der Schiffe -kann man nach den Angaben über die Schiffe der Kompagnien (Seite <a href="#Page_87">87/88</a>) und den -Bestand der Kriegsmarine um 1642 (vgl. S. <a href="#Page_151">151</a>) ungefähr schätzen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">England</em> hatte sein Kanalgeschwader (19 Schiffe) zur Aufrechterhaltung der -Neutralität herangezogen und erklärt, es würde die Partei angreifen, die den ersten -Schuß feuere.</p> - -<p class="small">Nach Clowes (Teil II, Seite 76) würden die englischen Besatzungen kaum für Spanien -gefochten haben; anderseits soll der König seine Unterstützung gegen eine Zahlung -von 150000 Lstrl. zugesagt haben. Daß d'Oquendo Hoffnung auf englische Hilfe -hegte, ist anzunehmen; er hätte doch sonst wohl nicht wochenlang der steten Stärkung -des Feindes untätig zugesehen. Tromp hatte den Befehl, den Feind ohne jede Rücksicht -auf andere Nationen anzugreifen.</p> - -<p class="small">Am 21. Oktober war <em class="gesperrt">Tromp</em> stark genug und auch der Wind zum Angriff günstig. -Die Spanier, vom Angriff überrascht, gerieten beim Ankerlichten in Verwirrung und -wurden nahezu vernichtet. Das größte Schiff wurde durch Brander aufgesprengt, -das Flaggschiff von Kastilien lief mit 22 anderen auf den Strand, von den Schiffen, die -die offene See erreichten, wurden noch 14 genommen, nur etwa 12 kamen nach Dünkirchen. -Der Gesamtverlust der Spanier betrug über 40 Schiffe und 7000 Mann, die -Holländer verloren nur ein Schiff und etwa 100 Mann. Die englische Flotte hatte nicht -eingegriffen, nach Clowes, weil d'Oquendo beim Angriff den ersten Schuß gefeuert habe.</p> - -<p>Wie der Sieg über die Armada für die englische Marine, so wirkte dieser -Erfolg für die holländische; ihre Achtung stieg im Auslande, ihr Selbstbewußtsein -wuchs. Der Krieg gegen Dünkirchen wurde, wie erwähnt, immer energischer -und bald zu einem guten Ende geführt. Spanien hatte wiederum eine mächtige -kostspielige Flotte verloren; der Verlust machte sich wohl noch fühlbarer -als der der Armada, da die Finanzlage des Staates jetzt schon weit schlechter -war; im nächsten Jahre wurde Portugal selbständig und damit fiel dessen -Flottenkontingent weg.</p> - -<p>So mußte Spanien die Angriffe auf die Niederlande von der See her, -mit Ausnahme von Dünkirchen aus, aufgeben und damit auch dem Friedensschlusse -geneigter werden.</p> - -<p>Bis zum <em class="gesperrt">Westfälischen Frieden</em> kommen nun größere Ereignisse -zur See nicht mehr vor. <b>Als Portugal 1640 aufstand</b>, entsandten die -Niederlande 1641 eine Flotte von 9 Schiffen zu 30–38 Kanonen, 8 von 20–28 -Kanonen und einigen kleineren, um mit der portugiesischen und einer französischen -gemeinsam zu operieren und um die Silberflotte abzufangen. Zu -der geplanten Vereinigung kam es nicht, da die Portugiesen untätig im Hafen -blieben und die Franzosen auch nicht erschienen. Die holländischen Schiffe -kreuzten an der spanischen Küste und trafen nach einigen Wochen mit einem -feindlichen Geschwader — 9 großen Spaniern, 10 guten Dünkirchenern und<span class="pagenum"><a name="Page_143" id="Page_143">[143]</a></span> -einigen kleineren Fahrzeugen — zusammen, das ausgesandt war, um der Silberflotte -den Weg freizuhalten. In einem heftigen Gefechte zogen die Holländer -den kürzeren, reparierten in Lissabon und gingen in die Heimat zurück; bemerkenswert -ist, daß sich in diesem Gefecht der Kapitän <em class="gesperrt">de Ruyter</em> zum ersten -Male als Flaggoffizier auszeichnete; er war der Kontreadmiral des Geschwaders.</p> - -<p class="small">Über Holland ist in diesem Zeitabschnitt noch zu erwähnen, daß in den Jahren 1644 -und 64 eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen, etwa 40 Segel unter de Witt, die großen -jährlichen Konvois von 800–900 Kauffahrern nach der <b>Ostsee</b> durch den Sund geleitete. -Es scheint dies eine Demonstration gegen Dänemark gewesen zu sein, um Schwierigkeiten -abzustellen, die dieser Staat dem holländischen Handel machte; von der Unterstützung -Schwedens durch eine aus Privatmitteln aufgestellte holländische Flotte haben -wir schon bei den skandinavischen Kriegen gehört (Seite <a href="#Page_111">111</a>).</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die Kriege Englands und Hollands gegen Spanien geben uns den <b>Anfang -einer neuen Kriegführung</b>, wie sie eingangs dieses Kapitels gekennzeichnet ist.</p> - -<p>Während die Spanier mit der Armadaexpedition noch ein großes, ja das -größte Beispiel der alten Kriegführung liefern, ein fremdes Land über See -anzugreifen, ohne planmäßig vorher um die See zu kämpfen, gewinnt das -Vorgehen der Engländer und Holländer einen anderen Charakter. Sie warten -nicht mehr ab, daß der Feind sie im eigenen Lande, in den eigenen Gewässern -bedroht; ihre Unternehmungen zielen immer häufiger darauf hin, solche -Vorhaben im Keime zu ersticken, schon das Ausrüsten und Auslaufen zu -verhindern. England war zu Ende seines Krieges soweit gekommen, stets -Geschwader an der feindlichen Küste zu haben, man versuchte also, sich der -See in weitem Sinne bemächtigt zu halten; schon der Empfang der Armada -zeigt eine wohlangelegte Bewachung des Eingangs zu den eigenen Gewässern.</p> - -<p>Ferner hat sich der Kampf der beiden nördlichen Staaten gegen den -spanisch-portugiesischen Handel aus vereinzelten Raubzügen zu dem Bestreben -entwickelt, diesen Handel, der für die Länder schon Lebensfrage -geworden war, ganz zu unterbinden; Portugal war schließlich nicht mehr -imstande, Flotten von Indien zu senden, Spanien mußte öfters das Segeln -seiner Silberflotte verbieten.</p> - -<p class="small">Daß sich das Verständnis für die energische Führung eines ausgesprochenen Krieges -„auf See“ jetzt ausbildet, geht aus den Auslassungen bewährter englischer Seeleute -dieser Zeit hervor. Ähnlich wie Howard und Drake sprachen sich später Admiral -<em class="gesperrt">Monson</em> und <em class="gesperrt">Raleigh</em> — beide waren Unterführer in den Expeditions- oder Beobachtungsflotten -der Jahre 1590–1602 — in Abhandlungen über die der englischen -Marine nötigen Pflege dahin aus, daß nur ein offensiv auf der See — und zwar in den -feindlichen Gewässern — geführter Krieg England vor Invasionen schützen könne. -Bemerkenswert ist es, daß Raleigh für seine Arbeiten die griechischen und römischen -Seekriege studiert hat. Die Erkenntnis der Wichtigkeit der Herrschaft auf dem Meere -für den Handel zeigt folgender Ausspruch Raleighs: „Whosoever commands the sea, -commands the trade; whosoever commands the trade of the world, commands the -riches of the world and consequently the world itself.“</p> - -<p>Eine ganz stetige Durchführung der neuen Kriegführung finden wir -noch nicht, auch England fällt öfters in die alte Art zurück; errungene Erfolge -werden nicht genügend ausgenützt, höhere Zwecke der Brandschatzung<span class="pagenum"><a name="Page_144" id="Page_144">[144]</a></span> -hintangesetzt, z. B. bei den Expeditionen gegen Cadiz 1587 und 1596. Die -neue Idee war noch nicht durchgedrungen, sie war auch ohne eine große -stehende Marine mit seefähigen Schiffen nicht voll durchzuführen. Beides -geschieht erst im nächsten Zeitabschnitt, womit man dann auch bald zu -der Erkenntnis gelangt, daß zur Erreichung aller großen Ziele auf See zunächst -die Niederkämpfung der feindlichen Seestreitkräfte nötig ist.</p> - -<h4>Kampfweise und Taktik.</h4> - -<p>Bei den <b>Ruderschiffen</b>, die ja im Mittelmeer die Kriegsschiffe blieben, trat -im Bau und in der <em class="gesperrt">Kampfweise des Einzelschiffes</em> keine Änderung -gegen das Mittelalter (Seite <a href="#Page_47">47</a>) ein. Die neue Waffe der Artillerie hatte keinen -Einfluß, ihre Hauptkraft lag ebenfalls nur im Bug und Heck; die Schiffsenden -blieben also offensiv und defensiv stark, die Seiten schwach wegen der Rudereinrichtung; -die Seiten wurden auch mit Einführung der Breitseitartillerie nicht -nennenswert stärker. Hier standen nur ganz leichte, wenig richtungsfähige Geschütze -zwischen den Riemen; manövriert wurde auf ihren Gebrauch nicht. Die -Galeassen, eigentlich doch nur schwere Galeren, hatten dieselben Eigenschaften.</p> - -<p>In der <em class="gesperrt">Taktik für Schiffsverbände</em> änderte sich infolgedessen -auch nichts. Wenn beim Mittelalter gesagt ist, daß sie nicht auf der -Höhe des Altertums stand, so trifft dies jetzt noch zu. Von den wenigen -genauer überlieferten Beschreibungen zeigen die der größten Schlacht von -Ruderschiffen (Lepanto 1571) und die der letzten, worin ausschließlich solche -Fahrzeuge zur Verwendung gekommen sein sollen (Genua, 1. September 1638), -ein starres Festhalten am Althergebrachten wie im Mittelalter.</p> - -<p class="small"><b>Lepanto.</b><a name="FNanchor_68_68" id="FNanchor_68_68"></a><a href="#Footnote_68_68" class="fnanchor">[68]</a> Die verbündeten Mächte — Spanien, Venedig und der Papst — hatten -1571 eine Flotte von etwa 300 Fahrzeugen — 6 Galeassen, an 200 Galeren, der Rest -Fahrzeuge aller Größen wohl meist Transporter — mit 50000 Mann Fußvolk und 4500 -Reitern in Messina versammelt, um einen großen Schlag gegen die Türken in Griechenland -zu führen. <em class="gesperrt">Don Juan d'Austria</em> befehligte die Expedition. Er verließ am 25. -September den Hafen, landete in Griechenland fast an derselben Stelle, wo Octavian -vor Actium gelandet hatte, und erfuhr hier, daß die türkische Flotte im Golf von Korinth -sei. Am 6. Oktober ging er dorthin ab. Die Türken lagen in Lepanto — dem alten Naupactus, -ihrer Flottenstation —, auch etwa 300 Segel stark und kamen den Christen -entgegen. So trafen sich die beiden Flotten am 7. Oktober am Nordwesteingang des -Golfes von Korinth bei den Kurtsolarischen Inseln (alt: Echinaden), die Christen 6 Galeassen, -200 Galeren, die Türken etwa 250 Galeren an Schlachtschiffen stark. Wenn auch -an Zahl unterlegen, so waren doch die Schiffe der Verbündeten stärker armiert und besser -bemannt; die Besatzungen waren zum Schutz und Trutz stärker bewaffnet und enthielten -die Blüte der Ritterschaft ihrer Länder. Die Türken hatten keine Galeassen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p145.jpg" width="350" height="247" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p145" id="fig_p145"></a> -</div> - -<p class="small">Beide Flotten waren in vier Geschwader geteilt, drei davon in der Sichel formiert, -das vierte stand als Reserve hinter dem Zentrum. Auf seiten der Verbündeten waren die -Galeassen in Dwarslinie vor die Mitte gezogen; beide türkische Flügel und der linke -christliche lehnten sich an Untiefen an. Die Türken versuchten den Gegner zu überflügeln, -was auch besonders mit ihrem rechten Flügel gelang, der mit Hilfe von Lotsen -die Untiefen vermieden hatte. Bei der geringeren Anzahl ihrer Schiffe war für die Verbündeten -die Wahl der Formation falsch, sie hätten die Flügel zurückziehen müssen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_145" id="Page_145">[145]</a></span> -(Halbmond); die Türken nutzten aber -ihren Vorteil nicht energisch genug -aus. Im Zentrum eröffneten die -schweren Galeassen frühzeitig das -Feuer und erschütterten den Feind, -dann griff Don Juan mit voller Fahrt -an, gab persönlich das beste Beispiel, -indem er der Erste an Bord des -türkischen Flaggschiffes war, und in -der Melee errangen hier die Christen -nach blutigem Kampfe einen vollständigen -Sieg. Auch ihr linker -Flügel gewann bald wieder die Oberhand, -obgleich sein Admiral Barbarigo gefallen war; der türkische linke war weniger zum -Kampf gekommen. Die Türken verloren 200 Schiffe und mindestens 20000 Mann. -15000 Christensklaven sollen befreit sein. Der Verlust der Christen betrug 15 Galeren -und 8000 Mann, darunter allerdings viele Führer und angesehene Ritter.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Bei <em class="gesperrt">Lepanto</em> kann von einer angewandten Taktik nicht die Rede -sein: die Verbündeten wählen die für sie falsche der gebräuchlichen Gefechtsformationen, -die Türken nutzen weder diesen Fehler noch ihre Überzahl aus; -nur das Einleitungsgefecht mit Feuerwaffen hat mit deren Vervollkommnung -an Bedeutung gewonnen, sonst geben bessere Bewaffnung, Körperkraft, Mut -sowie das Beispiel der Führer im Handgemenge den Ausschlag.</p> - -<p>In der Schlacht vor <em class="gesperrt">Genua</em> 1638 zwischen Franzosen und Spaniern -bestand jede der Flotten aus etwa 30 Galeren, rangiert in Dwarslinie. Es kam -zum sofortigen Enterkampf, weil der französische Admiral den Befehl gegeben -hatte, wie er das feindliche Flaggschiff, so habe eine jede Galere beim ersten -Anlauf das ihr in der Linie des Gegners gegenüberstehende Fahrzeug mit -voller Ruderkraft anzugreifen. Hier ist also von jedem Gedanken, sich einen -taktischen Vorteil zu sichern, abgesehen. Es ist nur bemerkenswert, daß -beide Gegner vor dem Gefecht versuchen, die Luvstellung zu gewinnen, um -durch den Angriff vor dem Winde ihre Stoßkraft zu vermehren.</p> - -<p>Für die <b>Segelschiffe</b>, deren Kampfweise und Taktik im Mittelalter kaum -von der der Ruderschiffe abwich, ja nicht einmal auf ihrer Höhe stand, -änderten sich in diesem Zeitabschnitte die Verhältnisse wesentlich. Als die -Kanonen in der Breitseite aufgestellt und zur Hauptwaffe wurden, mußte -<em class="gesperrt">an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der in der -Querabrichtung treten</em>.</p> - -<p>Bei Segelschiffen mit Breitseitarmierung waren im Gegensatz zu den -Ruderschiffen die Seiten offensiv und defensiv stark, Bug und Heck dagegen -schwach. Den Seiten war die Hauptschwäche, die Rudereinrichtung, -genommen, die Schiffswände wurden stärker gebaut, die Hauptwaffe -stand dort. Bug und Heck konnte man bei zunehmender Leistung der Artillerie -wegen der verheerenden Wirkung eines Enfilierfeuers dem Feinde -nur mit großer Gefahr zuwenden. Den Bug zum Rammstoß zu gebrauchen, -war vom Winde abhängigen Schiffen nur gelegentlich möglich; die feindlichen<span class="pagenum"><a name="Page_146" id="Page_146">[146]</a></span> -Riemen waren als Angriffsobjekt weggefallen. Als der Artilleriekampf -mit Breitseitgeschützen in den Vordergrund trat, wurde dies auch von Einfluß -auf die <em class="gesperrt">Angriffsformation einer Flotte</em>; um die Artillerie vor der Melee -ergiebig verwenden zu können, mußte man eine tiefe Formation an Stelle einer -breiten haben: <em class="gesperrt">die Kiellinie an Stelle der Dwarslinie</em>.</p> - -<p>Der Einfluß machte sich natürlich nur allmählich bemerkbar. Wir -wissen, daß die Spanier zur Zeit der Armada die Artillerie noch nicht als -Hauptwaffe betrachteten. Zahl, Kaliber, Montierung der Geschütze, Ausbildung -der Mannschaft an ihnen einerseits, die überwiegende Bemannung -mit Soldaten anderseits machen ihre Schiffe nur geeignet für den Enterkampf; -seine Herbeiführung war auch ausdrücklich angeordnet. Bei den Engländern -dagegen war die Artillerie schon Hauptwaffe geworden, ihre beweglicheren -Schiffe waren stark bestückt, bemannt mit guten Artilleristen und vielen -Matrosen; sie führen schon ein Feuergefecht. So finden wir auch als -Flottenformation bei der Armada noch den althergebrachten Halbmond; -selbst auf dem Marsche wird er meistens gehalten, wohl um jederzeit -zum Schlagen bereit zu sein und um die schwächeren Schiffe zwischen dem aus -starken Kriegsschiffen bestehenden Zentrum und den Flügeln besser schützen -zu können. Über die Formation der Engländer haben wir keine Angaben. -Bei ihrer während der ganzen Fahrt der Armada durch den Kanal beobachteten -Taktik — die Luvstellung zu halten und den Gegner an den zurückgezogenen -Flügeln anzugreifen, vor allem aber sich auf in ungünstiger -Windposition zurückgebliebene Feinde zu stürzen — ist anzunehmen, -daß sie keine starre Formation hielten. Die Führer der Geschwader -oder selbst die einzelner großer Kriegsschiffe nahmen selbständig jede -günstige Angriffsgelegenheit wahr. Nur bei Gravelines, der einzigen rangierten -Schlacht, wird der Feind auf der ganzen Linie zugleich angegriffen, aber -auch hier haben die einzelnen Geschwaderchefs, durch die Verhältnisse -geleitet, selbständig gehandelt. Man kann in dem Verhalten der Engländer -vielleicht schon den Anfang der späteren Gruppentaktik erkennen, jedenfalls -aber den Hauptgrund, der zu ihrer Einführung beigetragen hat: die Verschiedenheit -der Schiffe. In der englischen Flotte befanden sich nur wenige -große Kriegsschiffe, die für sich im Gefecht bestehen konnten; die weit größere -Zahl der schwächeren Fahrzeuge schloß sich diesen an, zugeteilt oder aus -eigenem Antriebe, um ihren Teil am Gefecht nehmen zu können; <em class="gesperrt">so bildeten -sich Gefechtsgruppen</em>.</p> - -<p>Wenn nun auch die Angaben über den Verlauf späterer Seegefechte, -nach der Fahrt der Armada, nur spärlich sind, so kann man doch aus ihnen -entnehmen, daß der Geschützkampf allgemein mehr in die erste Linie tritt. -Es wird diese Tatsache häufig hervorgehoben und gleichfalls bemerkt, daß -von den Flotten immer mehr Gewicht darauf gelegt wird, vor dem Gefecht -die Luvstellung zu gewinnen; oft wird tagelang daraufhin manövriert.</p> - -<p class="small">Auch die Angaben über „Schiffe“ und „Waffen“ zeigen die zunehmende Wichtigkeit -der Artillerie; zu Ende dieses Zeitabschnittes war der Typ des Segelbreitseitschiffes<span class="pagenumsmall"><a name="Page_147" id="Page_147">[147]</a></span> -fast endgültig festgestellt. Die geringer werdende Bedeutung des Enterkampfes kann -man ferner daraus erkennen, daß die Besatzung gleich großer Schiffe bei starker Zunahme -der Geschütze an Kopfzahl während des Zeitabschnittes wesentlich hinuntergeht, -z. B. hatte ein englisches 1000 tons-Schiff 1548 eine Besatzung von 700 Mann, 1603 -von nur 500, und um 1637 war ein Schiff von 1680 tons nur mit 600 bemannt.</p> - -<p>Da zeigt sich denn auch zu Ende des Zeitabschnittes schon deutlicher -der Einfluß der neuen Kampfweise auf die Taktik. Der holländische Admiral -<em class="gesperrt">Tromp</em> soll seine Streitkräfte in Kiellinie ins Gefecht geführt haben und -auch die Gruppeneinteilung hat er planmäßig verwendet; die holländische -Kriegsmarine besaß damals gleichfalls nur wenige schwere Schiffe. Er teilte um -1639 seine Flotte in 3–5 Geschwader und ein jedes dieser wieder in 3–5 Unterabteilungen, -die dann im Gefecht auch bei der Melee als taktische Einheit zusammenhalten -sollten; aus ihnen formierte er die Linie. Von dieser Zeit an -kann man von einer <em class="gesperrt">Entwicklung der Taktik für Segelschiffe</em> sprechen -und sie verfolgen; sie ist daher ein Kennzeichen des nächsten Abschnittes.</p> - -<p>Die Waffe der <b>Brander</b>, deren Wirkung wir bei der Armada kennen gelernt -haben, wurde auch sonst noch verschiedentlich mit Erfolg verwendet; aber -ihre Glanzzeit und damit ihr Einfluß auf die Taktik fällt ebenfalls in den -nächsten Zeitabschnitt.</p> - -<h4>Die wichtigsten Kriegsmarinen.</h4> - -<p>Die ersten großen Marinen sind in <b>Portugal</b> und <b>Spanien</b> als Folge der großen -Entdeckungen geschaffen, sie erreichten sogar in diesem Zeitabschnitt ihre -höchste Blüte, traten aber auch an seinem Ende fast ganz vom Schauplatz wieder -ab und spielten im nächsten nur eine sehr unbedeutende Rolle. Portugal -brauchte eine bewaffnete Macht zum Erringen seiner Handelsherrschaft im -fernen Osten, Spanien zur sicheren Überführung der in Amerika gewonnenen -Schätze; seit 1580 waren beide Mächte vereint. Die Stärke ihrer Marinen -kann man nach den Angaben beurteilen, die bei der Besprechung der Armada -gemacht sind (Seite <a href="#Page_119">119</a>, <a href="#Page_120">120</a>). Hier hatte Philipp II. alles an Streitkräften -vereinigt, was Spanien mit seinen Nebenländern in europäischen Gewässern -aufbieten konnte, eine ungeheure Zahl von teilweise sehr großen Schiffen.</p> - -<p>Es erscheint aber zweifelhaft, ob man diese Marine als eine vollwertige -stehende Kriegsmarine ansehen darf. Sir W. Raleighs Worte, „die portugiesisch-spanischen -Schiffe sind zwar groß, aber mehr geeignet für den -Handel als für den Krieg“, sprechen dagegen und wohl mit Recht. Die -Schiffe sollten als Transporter dienen und waren, wenigstens bis zur Armada, -nur dazu gebaut, daß sie Piraten abschlagen oder gegen indische Fürsten -auftreten konnten, nicht aber ausschließlich für den Kampf. Seine Kriege -im Mittelmeer focht Spanien in erster Linie mit Galeren (Anfang des 17. Jahrh. -40–50 vorhanden) aus. Bestätigt wird dieser Zustand dadurch, daß die -spanisch-portugiesischen Schiffe nur schwach armiert und mit weit mehr -Soldaten als Kriegsschiffseeleuten bemannt waren.</p> - -<p>Durch die Vernichtung der Armada erhielt die spanische Marine einen -schweren Stoß. Die meist geäußerte Behauptung aber, ihre Macht sei dadurch<span class="pagenum"><a name="Page_148" id="Page_148">[148]</a></span> -völlig gebrochen, ist nicht ganz zutreffend. Ich wählte deshalb den Ausdruck, -das Prestige der Spanier und Portugiesen zur See sei verloren gegangen. -Zwar wird der Seekrieg gegen Holland hauptsächlich mit Dünkirchener Streitkräften -geführt (Seite <a href="#Page_140">140</a>), aber doch auch im Mutterlande werden noch starke -Flotten aufgestellt. Wir sahen holländische und englische Expeditionen -nach Westindien und Brasilien scheitern infolge des Eintreffens starker -spanischer Flotten, die Spanier (1601) gar in Irland einfallen und 1639 die -gewaltige Flotte d'Oquendos im Kanal erscheinen. Erst die Vernichtung dieser -hat wohl der alten spanischen Marine von Hochseeschiffen den Todesstoß -gegeben; Spanien schuf dann erst im 18. Jahrhundert eine neue.</p> - -<p>Im Norden entwickelten sich die Kriegsmarinen <b>Dänemarks</b> und <b>Schwedens</b> -früher als in den westlichen Staaten zu einer ansehnlichen Stärke. Schon -im Dreikronenkriege (1563) erscheinen auf beiden Seiten Flotten bis zu 70 -Segeln, worunter etwa ein Drittel größere Kriegsschiffe; zur Zeit Christians IV. -und Gustav Adolfs enthielten beide Marinen etwa 30 Schlachtschiffe von -über 40 Kanonen, ein hoher Bestand verglichen mit den Angaben für Holland -und England zu dieser Zeit. Dieser Bestand ist in der Zukunft nur eine kurze -Zeit um 1700 überschritten, um dann wieder zurückzugehen; die Schlachtschiffe -wurden allerdings wie überall auch hier mächtiger. Die Überlegenheit -der Marine lag zeitweise bei Schweden, zeitweise bei Dänemark, wie wir schon -in den Kriegen<a name="FNanchor_69_69" id="FNanchor_69_69"></a><a href="#Footnote_69_69" class="fnanchor">[69]</a> sahen. Die dänische Marine erreichte ihren höchsten Stand -zuerst unter Christian IV. (1588–1648), die schwedische bald darauf unter -Gustav Adolf. Christian verfügte (1611) nicht nur über 50–60 Kriegsschiffe, er -hatte auch in den „Defensionsschiffen“ eine starke Unterstützung seiner Flotte -geschaffen. Es waren dies Fahrzeuge der großen Rhedereien, denen Zoll- -und Verkehrserleichterungen zugesichert waren, wenn sie als mittelstarke -Kriegsschiffe geeignet gebaut und im Kriege dem Staate zur Verfügung -gestellt wurden. Die dänische Marine ging aber noch unter Christian IV. -infolge des unglücklichen Krieges von 1643–1645 zurück; die schwedische -war 1655–1660 die stärkere, und erst unter Christian V. (1675) stand die -dänische wieder an der ersten Stelle. Es darf nicht unerwähnt bleiben, -daß die skandinavischen Seeleute schon zu dieser Zeit wegen ihrer Tüchtigkeit -berühmt und daß die nordischen Kriege, an denen ja auch die Holländer -teilnahmen, lehrreich für die Seeleute aller Nationen waren.</p> - -<p>Die an Zahl der Schiffe größte Marine entstand in <b>Holland</b><a name="FNanchor_70_70" id="FNanchor_70_70"></a><a href="#Footnote_70_70" class="fnanchor">[70]</a> während -des Unabhängigkeitskrieges. Vorher werden nur sehr wenige staatliche -Schiffe erwähnt: z. B. um 1557 nur 2 zu 400 tons, 1 zu 300, 1 zu 200 -und eine größere Zahl von Ruderfahrzeugen, wie überall zu Zolldienst usw. -Zu Kriegszügen ergingen Aufgebote an die Seeprovinzen; Karl V. und -Philipp II. haben öfters bei ihren Kriegen im Norden und Süden davon -Gebrauch gemacht. Der achtzigjährige Krieg aber zwang die Niederlande -bald zur Beschaffung staatlicher Schiffe. Man nahm sie zwar zunächst<span class="pagenum"><a name="Page_149" id="Page_149">[149]</a></span> -wieder aus der Kauffahrteimarine und änderte sie nur um, baute aber bald -wirkliche Kriegsschiffe. Jetzt war man auch genötigt, gute und feste -Einrichtungen für Aufstellung und Erhaltung der Seestreitkräfte zu treffen.</p> - -<p>In jeder Seeprovinz wurde hierzu eine <em class="gesperrt">Admiralität</em> eingesetzt, -eine Kommission von sieben Personen. Nach verschiedenen unwesentlichen -Verschiebungen bestanden, von Ost nach West aufgezählt, folgende: Friesland, -Sitz in Harlingen; Norderquartier, oder auch Westfriesland genannt, -in Hoorn; Amsterdam; Maas, in Rotterdam; Seeland, in Middelburg. Jede -Admiralität besaß ihre eignen Kriegsschiffe, mobilisierte sie und verstärkte -ihre Flotte im Bedarfsfalle durch geheuerte Handelsschiffe. An der Spitze -der Seemacht stand der Generaladmiral, die Person des Statthalters; in den -ersten Zeiten führte er — oder in der Praxis sein Stellvertreter, der Admiralleutnant, -ernannt von der Provinz Seeland — nur den militärischen Oberbefehl -über die Streitkräfte; 1597 wurden ihm auch die Admiralitäten unterstellt, -doch blieben sie in vielen Angelegenheiten direkt von den Generalstaaten -abhängig. Die Eifersucht der beiden wichtigsten Seeprovinzen — Seeland -und Holland, dieses die drei Admiralitäten Amsterdam, Maas, Westfriesland -umfassend — führte schon im Anfang des Aufstandes zur Bestellung von zwei -Admiralleutnants, je eines für Seeland und Holland. Solange der Krieg in -den Binnengewässern geführt wurde, war dies von Nutzen, da zwei Kriegstheater, -Maas-Schelde-Mündung und Zuidersee, vorhanden waren. Als es -sich später um Aufstellung von größeren Seeflotten handelte, führte es zu -Reibungen zwischen den Befehlshabern selbst und zwischen den Staaten; -von 1627 an wurde deshalb für längere Zeit — bis 1665, wo sogar jede Admiralität -die Ernennung eines Admiralleutnants für sich durchsetzte — -der Posten wieder von einer Person bekleidet, dem Titel nach zugunsten -Hollands; er hieß „Leutnant-Admiral von Holland und Westfriesland“ und -wurde auch der Admiralität Rotterdam entnommen. Außerdem hatte man -zwei Vizeadmirale, wieder je einen für Holland und Seeland. Die Geschäfte -der Kontre-Admirale<a name="FNanchor_71_71" id="FNanchor_71_71"></a><a href="#Footnote_71_71" class="fnanchor">[71]</a> bei zusammengetretenen Flotten wurden anfangs von -dem ältesten Kommandanten wahrgenommen, doch wurde später auch -dieser Dienstgrad, zunächst wieder für Holland und Seeland, eingeführt.</p> - -<p>Den Anfang der Einrichtung eines <em class="gesperrt">festen Offizierkorps</em> findet -man um 1626. Im Kriege gegen Dünkirchen zeigte sich, daß tüchtige -Kapitäne fehlten, da diese den gewinnreicheren Dienst als Freibeuter vorzogen, -häufig sogar auf seiten der Gegner. Nun wurde es Brauch, bei den Admiralitäten -einen Stamm von alten, befahrenen Kapitänen zu halten, in den -Provinzen von Holland z. B. 60, und sie auch bei Nichtverwendung zu besolden. -Diese, ordinaris kapiteinen genannt, sollten in erster Linie den Befehl<span class="pagenum"><a name="Page_150" id="Page_150">[150]</a></span> -über die Kriegsschiffe der Schlachtflotte führen; die ältesten, als Führer -von Unterabteilungen verwendet, hießen Kommandeure. Für andere Zwecke, -z. B. Kommandanten der Konvoi-Begleitschiffe, wurden nach Bedarf und nur -auf Zeit extraordinaris kapiteinen angestellt. Das sämtliche übrige Personal -wurde erst bei den Indienststellungen angeworben.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Schiffsmaterial</em> bestand anfangs nur aus wenigen, aber -bald aus einer sehr großen Zahl von kleinen Fahrzeugen. Schon 1575 stellte -Seeland etwa 140 Schiffe, 40–140 tons mit 1 Mann pro Tonne Besatzung -und 8–20 leichten (3–9-Pfünder) Geschützen, größtenteils nur für Flüsse -und Flußmündungen brauchbar. Holland besaß weniger, aber größere, bis -zu 250 tons mit 32 Kanonen. Bis zur Zeit der Armada wächst zwar die Zahl, -nicht aber die Größe der Schiffe, da man bei der Art der Kriegführung große -Schiffe nicht unbedingt nötig hatte und auch die Geldmittel für deren Bau -nicht reichten. Als aber dann der Krieg auf die offene See hinaustrat, -und mit dem Freiwerden der See der Wohlstand wuchs, wurden auch die -Schiffe größer. Bei dem Zug gegen Cadiz 1597 findet man schon 18 zu 200 -bis 400 tons mit 16–24 Geschützen und 100–130 Mann; 13 davon sind -allerdings noch geheuerte Handelsschiffe. Größere Kriegsschiffe sind also -noch nicht genügend gebaut, aber auch dieses geschieht. Die Angabe der -Streitkräfte, die gegen Dünkirchen im Anfang des 17. Jahrh. verwendet wurden -(vgl. Seite <a href="#Page_140">140</a>), zeigt schon die Vermehrung der größeren Kriegsschiffe, und -der Stand der Marine um 1642 ist nach folgender Tabelle der um diese Zeit -„in Dienst befindlichen Schiffe“ zu beurteilen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p150"> - <tr> - <td class="tdl">Admiralität:</td> - <td class="tdc">Rotterdam</td> - <td class="tdc" colspan="2">Amsterdam</td> - <td class="tdc">Seeland</td> - <td class="tdc">Norderquartier</td> - <td class="tdc">Vriesland</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffszahl:</td> - <td class="tdc">45</td> - <td class="tdc" colspan="2">39</td> - <td class="tdc">35</td> - <td class="tdc">20</td> - <td class="tdc">4</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc" colspan="6"><em class="gesperrt">Summa</em>: 143 Segel <em class="gesperrt">und zwar</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Admiralität:</td> - <td class="tdc">Rotterdam</td> - <td class="tdc" colspan="2">Amsterdam</td> - <td class="tdc">Seeland</td> - <td class="tdc">Norderquartier</td> - <td class="tdc">Vriesland</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffszahl:</td> - <td class="tdc">1<a name="FNanchor_1_4" id="FNanchor_1_4"></a><a href="#Footnote_1_4" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">49</td> - <td class="tdc">36</td> - <td class="tdc">47</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Tonnen ca.</td> - <td class="tdc">600<a name="FNanchor_2_4" id="FNanchor_2_4"></a><a href="#Footnote_2_4" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">500<a href="#Footnote_2_4" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">4–500</td> - <td class="tdc" colspan="2">2–400</td> - <td class="tdc">unter 200</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Kanonen</td> - <td class="tdc"> 57</td> - <td class="tdc"> 46</td> - <td class="tdc">32–36</td> - <td class="tdc">24–30</td> - <td class="tdc">20–23</td> - <td class="tdc">2–20</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Seeleute</td> - <td class="tdc">200</td> - <td class="tdc">140</td> - <td class="tdc">110</td> - <td class="tdc" colspan="2">100</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Soldaten</td> - <td class="tdc"> 40</td> - <td class="tdc"> 30</td> - <td class="tdc"> 30</td> - <td class="tdc" colspan="2"> 20</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_4" id="Footnote_1_4"></a><a href="#FNanchor_1_4"><span class="label">1)</span></a> Nur dieses Schiff war Zweidecker.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_4" id="Footnote_2_4"></a><a href="#FNanchor_2_4"><span class="label">2)</span></a> Wahrscheinlich noch etwas größer.</p></div></div> - -<p>Es war mithin, was Material anbetrifft, eine ansehnliche Marine. Allerdings -lag ihre Kraft in mittleren, ja kleinen Schiffen, die keineswegs immer -im Dienst waren; wenn die Schiffahrt im Herbst aufhörte oder sonst kein -Anlaß vorlag, wurde ein Teil aufgelegt. Auf dieser Höhe blieb die Marine -auch nur während des Kriegszustandes; nach dem Westfälischen Frieden -wurde sie sofort auf 40 Schiffe verringert. Die übrigen wurden verkauft oder -vernachlässigt, so daß wir die Niederländer mit einer weit geringeren Anzahl -wirklicher Kriegsschiffe in den ersten englisch-holländischen Krieg werden -eintreten sehen.</p> - -<p>Einen großen Rückhalt hatte die Kriegsmarine an den beiden indischen -Kompagnien, deren Schiffsbestand schon angeführt ist (Seite <a href="#Page_87">87</a>, <a href="#Page_88">88</a>).<span class="pagenum"><a name="Page_151" id="Page_151">[151]</a></span> -Diese Schiffe, an Größe im Durchschnitt den Kriegsschiffen überlegen, allerdings -verhältnismäßig schwächer armiert, waren die geeignetsten Kauffahrer -für die Verstärkung der Kriegsflotte; sie waren fast vollwertige Kriegsschiffe -und werden deshalb bei Angaben über Zusammensetzung von Flotten auch -immer getrennt von den anderen Handelsschiffen aufgeführt. Sie bildeten -ferner eine Schule für Offiziere und Mannschaften zum späteren Dienst -auf Kriegsschiffen; viele der berühmten Flaggoffiziere in den Kriegen des -17. Jahrh. haben auf ihnen ihre seemännische und militärische Ausbildung -erhalten. Hierzu traten die Seeleute, die die harte Schule der Hochseefischerei -durchgemacht hatten, als vorzügliches Personal.</p> - -<p>Die Marine <b>Englands</b>,<a name="FNanchor_72_72" id="FNanchor_72_72"></a><a href="#Footnote_72_72" class="fnanchor">[72]</a> deren Anfänge wir schon betrachtet haben -(Seite <a href="#Page_50">50</a>), wuchs unter Heinrich VIII. besonders in Hinsicht auf die Größe -der Schiffe. Ihr Bestand zu verschiedenen Zeiten des hier geschilderten -Abschnittes (1522, 1548) ist angegeben (Seite <a href="#Page_98">98</a> ff.), um als Beispiel für -die Entwicklung des Schiffbaues zu dienen. Während Heinrichs VIII. Regierung -waren 23 Schiffe als Kriegsschiffe neu erbaut und 15 geeignete Handelsschiffe -angekauft. 1548 stellte die Gesamtzahl von 53 Schiffen einen Tonnengehalt -von 11268 tons dar. Unter Eduard VI. und Mary ging der Bestand aber wieder -so herunter, daß 1558 nur 26 mit 7110 tons vorhanden waren. Auch die -ersten Regierungsjahre Elisabeths (seit 1558) brachten hierin keine wesentliche -Änderung: 1565 finden wir 29 Schiffe, 1575 gar nur 24 mit 10470 tons.</p> - -<p>Von jetzt wuchs die Zahl wieder. Gegen die Armada fochten 34 königliche -Schiffe, nahezu der Gesamtbestand, und um 1603 werden 42 aufgezählt, -und zwar:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p151"> - <tr> - <td class="tdl">Schiffszahl</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">12</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Tonnengehalt</td> - <td class="tdc">1000</td> - <td class="tdc">800–900</td> - <td class="tdc">500–700</td> - <td class="tdc">200–400</td> - <td class="tdc">unter 200</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">schwere Geschütze</td> - <td class="tdc">48–38</td> - <td class="tdc">38–30</td> - <td class="tdc">38–26</td> - <td class="tdc">30–15</td> - <td class="tdc">21–3</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">leichte Geschütze</td> - <td class="tdc">0–30</td> - <td class="tdc">2–18</td> - <td class="tdc">0–24</td> - <td class="tdc">0–12</td> - <td class="tdc">3–21</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Seeleute</td> - <td class="tdc">340</td> - <td class="tdc">270–340</td> - <td class="tdc">150–230</td> - <td class="tdc">70–130</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Gunner</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">32–40</td> - <td class="tdc">30</td> - <td class="tdc">12–20</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Soldaten</td> - <td class="tdc">120</td> - <td class="tdc">100–120</td> - <td class="tdc">70–90</td> - <td class="tdc">20–50</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> -</table> - -<p>Daß die Flotte Elisabeths trotz der vielen Unternehmungen in ihrer Zeit -so gering war, ist dadurch zu erklären, daß bei den Expeditionen zur Störung -des feindlichen Handels wie gegen die Küsten die Kriegsschiffe meist nur den -Kern der Flotten, Flaggschiffe und Gruppenführer, bildeten; als solche wurden -sie auch zu den Privatzügen gestellt. Dagegen ist hervorzuheben, daß das -Material auf der Höhe der Zeit gestanden haben muß. Elisabeth hat viele neue -Schiffe erbaut. Schon 1587 waren fast alle Fahrzeuge zwischen 500 und 800 tons -neu; im ganzen sind während ihrer Regierung 55 erbaut, davon 38 nach 1586.</p> - -<p>Unter Jakob I. wurden die Schiffe vernachlässigt, wenn auch ihre Zahl -sich nicht verringerte, unter Karl I. trat dagegen wieder ein Zuwachs ein. -1649 war der Bestand:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_152" id="Page_152">[152]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p152"> - <tr> - <td class="tdl">Schiffszahl</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">ca. 24</td> - <td class="tdc">ca. 20</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Tonnengehalt</td> - <td class="tdc">1683</td> - <td class="tdc">1187</td> - <td class="tdc"> 8–900</td> - <td class="tdc"> 7–800</td> - <td class="tdc"> 5–700</td> - <td class="tdc"> 2–400</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Kanonen</td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">64</td> - <td class="tdc">40–44</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–38</td> - <td class="tdc">30–38</td> - <td class="tdc"> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Die Geschütze unter <em class="gesperrt">3-Pfund-Kaliber</em> werden jetzt nicht mehr mitgezählt; die -Schiffe, namentlich die kleineren, sind oft überarmiert.</p> - -<p>Wieder waren es zeitgemäße Schiffe, darunter jetzt schon viele Zweidecker; -30–40 sind während Karls Regierung erbaut. Auffallend ist der Bestand an -größeren Schiffen gegenüber den Angaben für die holländische Marine um -1642, sowohl was die absolute Größe einzelner Schiffe wie auch das Verhältnis -zur Gesamtzahl anbetrifft.</p> - -<p>An der Spitze der Marine stand, wie schon im Mittelalter, der <em class="gesperrt">Lordhighadmiral</em>, -die Verwaltung leitete ein Clerk of the ships. Die Entwicklung -machte jedoch bald die Einrichtung größerer Behörden nötig, und -1546 wurde ein Navy-board für Verwaltungsangelegenheiten — Bau, Reparatur, -Ausrüstung und Armierung der Schiffe — und ein Admiralty-board -zur Unterstützung des Admirals in Kommandosachen gegründet. Schon -einmal von 1628–1638 ist das Amt des Lordhighadmirals von einer Kommission -wahrgenommen, wie es in späteren Zeiten (Admiralität mit erstem -Lord) die Regel ward.</p> - -<p>Fest angestellte <em class="gesperrt">Offiziere</em> waren sonst nicht vorhanden, nicht einmal, -wie in Holland, ein Stamm von Kapitänen; die ganze Besatzung wurde bei -der Indienststellung angeworben. Auch in England hatte man ein vorzügliches -Personal an den Offizieren und Mannschaften, die auf den Schiffen -der Freibeuter, der Entdeckungsreisen und der Hochseefischerei gedient hatten. -Unter den Führern und Kapitänen im spanischen Kriege finden wir die -Namen der großen Entdecker und Freibeuter. Daß die Kapitäne, die -militärischen Kommandanten, Seeleute von Beruf waren, war seit Beginn -des Zeitabschnittes die Regel geworden.</p> - -<p>In <b>Frankreich</b><a name="FNanchor_73_73" id="FNanchor_73_73"></a><a href="#Footnote_73_73" class="fnanchor">[73]</a> hatten die Versuche um 1374 (Seite <a href="#Page_51">51</a>) und später unter -Franz I. und Heinrich IV., eine Marine zu gründen, keinen nachhaltigen -Erfolg; um 1626 werden nur 20 königliche Schiffe erwähnt. An der Spitze -des Seewesens stand ein Admiral von Frankreich — meist nur ein Ehrenposten -für einen Prinzen von Geblüt oder Granden —, unter ihm Admirale — -chefs d'escadre — für die Küstenprovinzen Guyenne, Bretagne, Normandie, -Provence. Diese heuerten oder kauften im Kriegsfalle geeignete Schiffe, -oft in Holland und selbst in Schweden, und warben Kapitäne und Mannschaften. -Das Personal bestand besonders aus Seeleuten der Städte am -Kanal, die Freibeuterei betrieben, aber auch aus Reisläufern aller Länder.</p> - -<p>Erst Richelieu, der den Mangel einer stärkeren Marine in den Kriegen -gegen La Rochelle gefühlt hatte und auch einsah, daß sie zur Durchführung -seiner Politik gegen Spanien-Österreich sowie für seine Handels- und Kolonialpläne -nötig sei, versuchte eine solche zu gründen. Er errichtete Werften in<span class="pagenum"><a name="Page_153" id="Page_153">[153]</a></span> -den Haupthäfen, setzte Kommissionen zur Beaufsichtigung des Schiffbaues -ein und vermehrte den Stab der Küstenadmirale für militärische und Verwaltungszwecke. -Ferner versuchte er, ein Offizierkorps zu schaffen, indem er -tüchtige Kapitäne fest anstellte und zwar mit dem Hauptzweck, durch sie -junge Edelleute zu Seeoffizieren zu erziehen. Auch sonst erließ er wichtige -organisatorische Bestimmungen; er schuf z. B. eine Truppe (200 Mann) seemännischer -Kanoniere in der Art der Gunner in England. Richelieu -führte eine Zeitlang selbst die Oberleitung des Seewesens (als Admiral von -Frankreich und Grand maître de la marine et du commerce). Um 1644 -besaß die königliche Marine 30 größere Kriegsschiffe, 27 kleinere und -13 Brander. Daß die Schiffe auf der Höhe der Zeit standen, beweist -der Umstand, daß die „Couronne“ dem „Royal Sovereign“ ebenbürtig genannt -wird — sie war 1636 gebaut, 1800 tons groß; ihre Segeleigenschaften -wurden gerühmt — und daß 1635 das Flaggschiff eines Geschwaders von -39 Schiffen, allerdings meist Kauffahrer, im Kriege gegen Spanien 1000 tons -groß war mit 52 Kanonen.</p> - -<p>Aber auch diese Marine verfiel wieder unter Mazarin. Der Versuch, -ein besseres Offizierkorps zu gründen, scheint sogar zum Nachteil ausgeschlagen -zu sein. Es wurde üblich, Kapitäns- und Leutnants-Stellungen nach -Gunst zu vergeben, so daß diese Chargen bekleidet wurden von Leuten ohne -seemännische Erziehung, die in der Führung des Schiffes völlig abhängig vom -seemännischen Personal waren. Erst Colbert rief etwa um 1660 eine neue -Marine ins Leben, die in der Organisation auf den Bestimmungen Richelieus -aufgebaut war.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Eine</em> Schöpfung in Frankreich hatte Bestand: die <b>Galerenflotte im Mittelmeer</b> -(Marseille). Sie war in den neunziger Jahren des 15. Jahrh. für die Kriege gegen Spanien -und die italienischen Städte gegründet worden und war eine stehende Marine wie die -der Gegner. Sie stand unter dem <em class="gesperrt">Général des galères</em>, hatte ein festes Offizierkorps, -feste Verwaltung und Budget; die Ruderer waren Sträflinge. Diese Galeren fanden -nicht nur Verwendung im Mittelmeer, sie erscheinen bis zu 25 Fahrzeugen stark auch -im Atlantik (unter Franz I. 1544). Bei weiten Unternehmungen begleiteten sie eigene -Transporter. Sie blieb lange völlig selbständig, bis sie 1748 mit der Hochseemarine -vereinigt wurde.<a name="FNanchor_74_74" id="FNanchor_74_74"></a><a href="#Footnote_74_74" class="fnanchor">[74]</a></p> - -<p>Vorstehende Angaben zeigen uns, daß den neu entstandenen Segelschiffsmarinen -doch noch zu viel fehlt, um sie voll als stehende Marinen bezeichnen -zu können. In dem Schiffsbestande ist keine Stetigkeit, er schwankt unter -dem Einflusse der inneren und äußeren politischen Verhältnisse der Länder; -die absolute Größe der Kriegsmarinen ist meist so gering, daß die Schiffe -eigentlich nur den Kern der zur Verwendung kommenden Flotten bilden -können. Holland macht in dieser Beziehung zwar eine Ausnahme, aber gerade -hier tritt der erste Mangel hervor: nach Beendigung der Krieges wird der -Bestand auf ein Drittel verringert und kommt nun wieder dem der anderen -Marinen gleich.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_154" id="Page_154">[154]</a></span></p> - -<p>Von einem organisierten oder nur festen Bestande beim <em class="gesperrt">Personal</em> -ist überhaupt nicht die Rede. In der Praxis wird es wohl anders gewesen -sein. Fassen wir z. B. England und Holland ins Auge. Die kriegerischen -Ereignisse folgten sich nahezu ununterbrochen mit nur kurzen Pausen; beide -Länder mußten ferner jährlich mit Beginn der Schiffahrt fast alle vorhandenen -Kriegsschiffe zum Schutze ihres Handels in Dienst stellen. Es bot sich mithin -stets Gelegenheit für den Kriegsdienst zur See. — Die Besatzungsfrage war -aber bei zunehmender Vervollkommnung der Schiffe in seemännischer und -artilleristischer Hinsicht immer wichtiger geworden; es genügte nicht mehr, -eine kleine Zahl von Seeleuten zur Bedienung der Schiffe und eine größere -von Soldaten zum Kampf an Bord zu nehmen. Die Bedienung erforderte ein -stärkeres seemännisches Personal und dieses übernahm bei der Herabsetzung -der Zahl der Kriegsleute die Bedienung der Artillerie mit, als seegewohnt -hierzu geeigneter als die Soldaten. Zwar wurden noch besondere Kanoniere -(z. B. in England die Gunner) eingeschifft, die Zahlenangaben zeigen -aber, daß sie nur für die Hauptgeschütznummern oder für Unteroffiziersdienste -bestimmt gewesen sein können. Während im Mittelalter die Besatzung zu -zwei Dritteln aus Soldaten bestand, enthält sie am Ende des hier geschilderten -Zeitabschnittes etwa drei Viertel Seeleute. Vor allem aber hatte man Kapitäne -und Dienstgrade — Ober- und Unteroffiziere — nötig, die im Kriegsschiffsdienste -erfahren waren.</p> - -<p>Auch die geheuerten Kauffahrer scheinen meistens mit kriegserfahrenen -Kapitänen besetzt gewesen zu sein. Zuweilen werden nämlich Mißerfolge damit -begründet, daß solche Schiffe durch ihre früheren Kapitäne geführt gewesen -seien; in England wird dies deshalb bald grundsätzlich verboten. Da ist denn -wohl anzunehmen, daß sich bei den Indienststellungen in erster Linie Personen -meldeten, die schon auf Kriegsschiffen gedient hatten, namentlich was -die Dienstgrade anbetrifft; in Holland mußten sich die Bewerber um wichtigere -Stellen seit 1618 einer Befähigungsprüfung unterziehen. In England und -in Frankreich wurden auch schon die ersten Versuche gemacht, durch Einstellung -von Aspiranten Seeoffiziere heranzubilden. Es war also doch gewissermaßen -schon ein Kriegsschiffspersonal vorhanden, auf dessen Eigenart -und weitere Entwicklung wir im nächsten Abschnitt näher eingehen werden.</p> - -<div class="figcenter"> -+ <img src="images/deco_p154.jpg" width="150" height="79" - alt="see caption" - title="see caption" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_47_47" id="Footnote_47_47"></a><a href="#FNanchor_47_47"><span class="label">[47]</span></a> Vgl. Colomb, Kapitel I und II, deren Inhalt später genauer angegeben wird. -Colomb nennt die ältere Kriegführung bezeichnend „Crossraiding“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_48_48" id="Footnote_48_48"></a><a href="#FNanchor_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Quellen für Kriege im Mittelmeer: du Sein; The Ship; Jurien: „Doria“, -„Lepanto“, „Chevaliers de Malte“ (darin die Belagerung der Stadt durch die Türken); -Manfroni; Roncière, sobald fortgesetzt. — Genaue Angaben über Gefechte usw. dieser -Zeit sind sehr spärlich.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_49_49" id="Footnote_49_49"></a><a href="#FNanchor_49_49"><span class="label">[49]</span></a> Quellen: Wie beim Mittelalter (Seite <a href="#Page_44">44</a>); es tritt hinzu für die dänische Marine: -Garde und Nauticus 1902.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_50_50" id="Footnote_50_50"></a><a href="#FNanchor_50_50"><span class="label">[50]</span></a> Quellen: du Sein, Clowes und andere Spezialwerke der beiden Marinen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_51_51" id="Footnote_51_51"></a><a href="#FNanchor_51_51"><span class="label">[51]</span></a> Hauptquelle: de Jonge, Teil I, S. 121 ff. mit Angabe weiterer holländischer -Spezialquellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_52_52" id="Footnote_52_52"></a><a href="#FNanchor_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Hauptquellen: Clowes, Teil I; Colomb.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_53_53" id="Footnote_53_53"></a><a href="#FNanchor_53_53"><span class="label">[53]</span></a> In der englischen Seekriegsgeschichte wird der Zug anerkennend als „Singeing -the king of Spain's beard“ bezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_54_54" id="Footnote_54_54"></a><a href="#FNanchor_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Alten Stils, in England damals noch gebräuchlich. Neuer Stil, in Spanien schon -eingeführt, würde der 1. April sein. Im weiteren Verlauf der Armada-Affäre wird stets -alter Stil benutzt werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_55_55" id="Footnote_55_55"></a><a href="#FNanchor_55_55"><span class="label">[55]</span></a> In betreff dieses Punktes verweise ich aber noch auf den Schlußsatz der gesamten -Betrachtungen über die Armada.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_56_56" id="Footnote_56_56"></a><a href="#FNanchor_56_56"><span class="label">[56]</span></a> Zusammengestellt nach den Listen in Clowes, Teil I, Seite 598 ff., in denen -auch die Schiffsnamen und die Einzelheiten in Hinsicht auf Tonnengehalt, Geschützzahl, -Besatzungen, Seeleute und Soldaten gegeben werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_57_57" id="Footnote_57_57"></a><a href="#FNanchor_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Erwähnung der Beteiligung der Holländer in de Jonge, Teil I, Seite 136, aber -ohne nähere Angabe, und verwiesen auf Scheltema: de uitrusting en ondergang der -Onoverwinnelijke vloot.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_58_58" id="Footnote_58_58"></a><a href="#FNanchor_58_58"><span class="label">[58]</span></a> Zusammengestellt nach den Tabellen Clowes, Teil I, Seite 588 ff., in denen -die Schiffe mit Namen und Tonnengehalt, die Kriegsschiffe auch mit Namen der Offiziere, -ihr Mannschaftsbestand getrennt nach Seeleuten, Artilleristen, Soldaten und ihre Armierung -mit Zahl und Kaliber der Geschütze angegeben sind.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_59_59" id="Footnote_59_59"></a><a href="#FNanchor_59_59"><span class="label">[59]</span></a> Clowes, Teil I, Seite 561. Colomb, Seite 236 ff. sind diese Punkte näher ausgeführt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_60_60" id="Footnote_60_60"></a><a href="#FNanchor_60_60"><span class="label">[60]</span></a> h = Uhrzeit, am. (Vormittag), pm. (Nachmittag) = Tageszeit.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_61_61" id="Footnote_61_61"></a><a href="#FNanchor_61_61"><span class="label">[61]</span></a> In Clowes, Teil I, Kapitel 15, findet man wohl die eingehendste Schilderung -der Ereignisse an der Hand von wörtlichen Auszügen aus „A Relation of Proceedings“, -geschrieben nach den Direktiven Howards und aus der spanischen Quelle: Duro, „La -Armada invencible“, Madrid 1884/85, worin Berichte Medinas enthalten sind.</p> - -<p>Diese von beiden Seiten verfaßten Berichte gewähren nebeneinander gestellt und -sich so ergänzend ein ziemlich klares Bild. Einen genauen Verlauf der Aktionen geben -sie freilich nicht, das ist für diese frühe Zeit der Seekriegsgeschichte und noch länger -hin auch nicht möglich, da in den Seegefechten die Ordnung noch nicht aufrecht erhalten -wurde. Das Schlachtfeld größerer Flotten bot sofort ein großes wechselndes Bild verschiedener -Gruppenkämpfe, und wissenschaftliche Zusammenstellungen auf Grund genauer -Einzelberichte wurden noch nicht gemacht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_62_62" id="Footnote_62_62"></a><a href="#FNanchor_62_62"><span class="label">[62]</span></a> Auch Colomb gibt eine kurze Schilderung der Armada-Affäre, besonders -aber, dem Hauptzwecke seines Werkes entsprechend, kritische Betrachtungen in -Hinsicht auf Vergleichung der Streitkräfte, auf Taktik und Strategie.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_63_63" id="Footnote_63_63"></a><a href="#FNanchor_63_63"><span class="label">[63]</span></a> Clowes, Teil I, und Zimmermann (Teile: England und Spanien) schildern diese -Züge, ebendort Genaueres über die gleich zu besprechenden Züge mehr militärischer -Natur.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_64_64" id="Footnote_64_64"></a><a href="#FNanchor_64_64"><span class="label">[64]</span></a> Im Kriege Spaniens gegen Frankreich, als jenes bei der Thronbesteigung -Heinrichs IV. die Gegenpartei unterstützte; Calais fiel beim Friedensschluß wieder an -Frankreich.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_65_65" id="Footnote_65_65"></a><a href="#FNanchor_65_65"><span class="label">[65]</span></a> Eingehender vgl. Clowes, Teil II. Zeit 1603–1649.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_66_66" id="Footnote_66_66"></a><a href="#FNanchor_66_66"><span class="label">[66]</span></a> Hauptquelle: de Jonge, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_67_67" id="Footnote_67_67"></a><a href="#FNanchor_67_67"><span class="label">[67]</span></a> Geschildert nach de Jonge, Teil I, Seite 352; dort Angabe weiterer Quellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_68_68" id="Footnote_68_68"></a><a href="#FNanchor_68_68"><span class="label">[68]</span></a> Vgl. Jurien, „Lepanto“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_69_69" id="Footnote_69_69"></a><a href="#FNanchor_69_69"><span class="label">[69]</span></a> Vgl. Seite <a href="#Page_109">109</a> ff. Dort auch Angabe von Quellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_70_70" id="Footnote_70_70"></a><a href="#FNanchor_70_70"><span class="label">[70]</span></a> de Jonge gibt die Entwicklung der niederländischen Marine sehr genau.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_71_71" id="Footnote_71_71"></a><a href="#FNanchor_71_71"><span class="label">[71]</span></a> In Holland „Schout (Schouwt) by Nacht“ genannt, da ihm als Führer der -Nachhut die Pflicht zufiel, bei Nacht die Flotte zu schließen und „nachzusehen“, ob -kein Schiff zurückblieb. Noch zutreffender ist vielleicht die Bezeichnung, die man -in der deutschen Übersetzung des Lebens Ruyters von G. Brandt, durch die Söhne -des Verfassers übersetzt, findet: „Schulze (also Aufsichtsorgan) bei Nacht“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_72_72" id="Footnote_72_72"></a><a href="#FNanchor_72_72"><span class="label">[72]</span></a> Clowes, Teil I und II, die Kapitel „Civil history“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_73_73" id="Footnote_73_73"></a><a href="#FNanchor_73_73"><span class="label">[73]</span></a> Quellen: Roncière; Chab-Arnault; Nauticus 1901.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_74_74" id="Footnote_74_74"></a><a href="#FNanchor_74_74"><span class="label">[74]</span></a> Näheres über die Galerenflotte: du Sein, Teil I, Seite 264; Jurien, „Derniers -jours“.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_155" id="Page_155">[155]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<h2><span style="font-size: 75%;">Dritter Abschnitt.</span><br /> -Die Zeit von 1648–1739.</h2> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_156" id="Page_156">[156]</a></span></p> - -<p class="title">Kennzeichen des Abschnittes.</p> - -<p>Entwicklung größerer stehender Kriegsmarinen. Auftreten von Schiffen -bestimmter Klassen nach Größe und Armierung und zu besonderen Zwecken. -Entstehen einer Taktik für Segelschiffs-Flotten, die aber nur schematisch -durchgeführt wird. Beginn einer Kriegführung zur See, die eine dauernde -Beherrschung des Meeres zum Ziele hat; das Niederkämpfen der feindlichen -Seestreitkräfte tritt in den Vordergrund.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_157" id="Page_157">[157]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p157.jpg" width="600" height="148" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Erstes Kapitel.</span><br /> -Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt.<br /> -<span style="font-size: 75%;">Seine Bedeutung für die Entwicklung des Seekriegswesens.</span></h3> - -<h4>Einleitung.</h4> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_p157.jpg" width="50" height="50" - alt="D" - title="D" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">I</span>nfolge des Dreißigjährigen Krieges waren Frankreich und Schweden zu -besonderem Ansehen bei den europäischen Staaten gelangt; Deutschland -lag schwer danieder und war durch die Selbständigkeit der vielen -kleinen Staaten nach außen ohnmächtig. Portugal war 1640 wieder unabhängig -von Spanien geworden, die Niederlande wurden im Westfälischen Frieden als -selbständige Republik anerkannt und damit waren ihre Freiheitskriege gegen -Spanien erfolgreich beendet. Spanien war hierdurch und auch sonst durch -die Opfer, die seine katholische Weltmachtpolitik erfordert hatte, erschöpft -und trat allmählich in die zweite Linie der Staaten zurück. England (Großbritannien) -nimmt nach Vertreibung des Hauses Stuart als Republik unter -Cromwell einen neuen Aufschwung und gewinnt an Ansehen und Macht.</span></p> - -<p>Im Verlauf der ersten Hälfte des 17. Jahrh. (vgl. Seite <a href="#Page_78">78–88</a>) waren -Holländer und Engländer als Nebenbuhler der Portugiesen und Spanier -auf den Ozeanen mächtig geworden, ja sie hatten diese Staaten schon überholt; -in den indischen Gewässern war Holland bereits als herrschende Nation -an die Stelle Portugals getreten. Die Holländer waren wiederum den Engländern -unter den Stuarts weit vorausgeeilt und konnten um 1650 das Meer -als ihr Eigentum ansehen.</p> - -<p class="small">1648 hatte Cromwell seine Gegner aus dem Parlament verjagt; das neue Parlament -(Rump-Parlament) ließ 1649 Karl I. hinrichten. Nach dem Tode Elisabeths (1603) -war auch gegen Holland ein Stocken in den überseeischen Unternehmungen eingetreten. -Der Handel Hollands überwog auf den Ozeanen und in den europäischen Gewässern -— Mittelmeer und besonders Ostsee — den Englands ganz bedeutend; noch Colbert -nahm an, daß die holländische Kauffahrteiflotte 4/5 der gesamten europäischen ausmache.</p> - -<p>Als sich nun England unter <em class="gesperrt">Cromwell</em> zu neuem Streben erhob -und dieser große Staatsmann sein Augenmerk auch besonders auf die Verdrängung<span class="pagenum"><a name="Page_158" id="Page_158">[158]</a></span> -Hollands aus der ersten Stelle als Seemacht richtete, erfolgte der -Zusammenstoß der beiden Staaten.<a name="FNanchor_75_75" id="FNanchor_75_75"></a><a href="#Footnote_75_75" class="fnanchor">[75]</a> Wenn sie auch als protestantische -Mächte natürliche und aufeinander angewiesene Verbündete waren, so führte -doch ihr Wettbewerb im Welthandel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. zu den -blutigsten Kriegen miteinander.</p> - -<p>Die Engländer waren die Angriffslustigen und Angreifenden, teils durch -die günstige Lage ihres Landes auf dem Kriegstheater dazu bewogen, teils -in der richtigen, sich immer mehr bahnbrechenden Erkenntnis, daß die Macht -auf dem Meere das sicherste Mittel sei, um den Handel auf ihm zu beherrschen -(Raleighs Ausspruch, Seite <a href="#Page_143">143</a>). Wenn diese Kriege nun auch noch keine -endgültige Entscheidung zwischen beiden Staaten brachten, so entwickelte -sich doch in ihnen England zu einer Holland ebenbürtigen Seemacht und -arbeitete von nun an zielbewußt und beharrlich daran, sich die alleinige -Herrschaft auf allen Meeren zu erringen und zu sichern. Die erbitterten -Kämpfe um die Vorherrschaft auf dem Meere hatten natürlicherweise die -größte Pflege der Kriegsflotten zur Folge; besonders in England verlor man -dieses wichtige Erfordernis nie mehr, auch nicht in Friedenszeiten, aus dem -Auge, während man in Holland häufig nur Notlagen Rechnung trug.</p> - -<p>Zur Zeit dieser englisch-holländischen Kriege erschien aber auch Frankreich -als Macht auf dem Meere. Auf dem Festlande an die Stelle Spaniens -getreten, strebte es nach höchster Geltung in der Welt und konnte einer -Marine nicht entbehren. Schon <em class="gesperrt">Richelieu</em> und dann <em class="gesperrt">Colbert</em> schufen -eine solche zugleich mit der Absicht, dadurch Seehandel und Kolonisation, -für deren Wert beide Männer volles Verständnis hatten, zu heben und zu -schützen. Da aber die Neigung der Franzosen zu derartigen Unternehmungen -schwächer als die der germanischen Staaten war und die Regierung erst dazu -anleiten mußte, so blieben die Ergebnisse hierin zunächst gering. Frankreichs -Politik war außerdem in der Hauptsache auf kontinentale Ausbreitung -nach Osten hin gerichtet, wo die beiden innerlich zersplitterten Staaten -Deutschland und Italien stets Aussicht auf Machterweiterung boten. So -ist für <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. die Flotte mehr eine Waffe zweiter Ordnung zur -Unterstützung des Landkrieges gewesen; größere, zur See allein erreichbare -Ziele wurden der Flotte nur vorübergehend gesteckt; die Macht zur See wurde -nur für bestimmte Zwecke angestrebt, nicht aber als Selbstzweck dauernd -im Auge behalten, ähnlich der Seekriegführung der früheren Zeiten. Diese -Umstände lähmten die Entwicklung Frankreichs als Seemacht, seine Flotte -erreichte nicht die Leistungen der holländischen und englischen. Sie war -aber immerhin durch militärischen Geist ausgezeichnet und wurde, da ihr -die Mittel eines absoluten Staates zur Verfügung standen, eine achtbare Waffe, -die schon beim zweiten englisch-holländischen Kriege auf der Seite Hollands, -im dritten auf der Englands erscheint und um die Mitte dieses Abschnittes -(1689–1697) bei den Versuchen Ludwigs XIV., den aus England durch Wilhelm<span class="pagenum"><a name="Page_159" id="Page_159">[159]</a></span> -von Oranien (Wilhelm III., 1688) vertriebenen Jakob II. wieder einzusetzen, -eine große Rolle spielt.</p> - -<p>Spanien tritt in den Kriegen zur See dieser Zeit wenig hervor, meist nur -als Bundesgenosse. Wenn es auch trotz sonstiger Erschlaffung seiner Flotte -immer noch Fürsorge zu teil werden ließ, weil es ihrer zur Heimführung der -ihm unentbehrlichen Einkünfte (Edelmetalle) aus den Kolonien bedurfte, -so stand seine Flotte doch nicht mehr auf der Höhe der Zeit und folgte auch -der Entwicklung der jetzt aufstrebenden Marinen nicht genügend. Portugals -Macht war nach kurzer Blüte unter den ersten Königen des Hauses Braganza -infolge schlechter Verwaltung aufs neue gesunken und geriet mehr und mehr -als Englands Schützling in dessen Abhängigkeit. Seine Flotte war schon -mit dem stetig fortschreitenden Verlust der Kolonien verringert worden und -wurde immer mehr vernachlässigt.</p> - -<p>Die militärisch-maritime Bedeutung Schwedens und Dänemarks, deren -Flotten in diesem Zeitabschnitt schon wohlorganisiert waren — ja sogar -früher als die Englands und Hollands —, trat nicht aus der Ostsee heraus; -Rußland gründete erst unter Peter dem Großen eine Marine, die dann Anfang -des 18. Jahrh. ihre Feuertaufe erhielt. Im Mittelmeer ist für diesen Abschnitt, -abgesehen von den Kämpfen, welche die neuen drei großen Seemächte dort ausfochten, -nur das Ende des Ringens Venedigs mit den Türken um Besitzungen -und Seemacht, besonders im Ostbecken, von einigermaßen seekriegsgeschichtlicher -Bedeutung.</p> - -<p>Die Entscheidung zwischen den drei großen Seemächten fiel am Ende -dieses Abschnittes im Spanischen Erbfolgekriege 1701–1714. Frankreich -unterlag darin England und Holland zur See und ihren festländischen Verbündeten -zu Lande; seine Flotte verschwand nahezu wieder vom Meere. — -Den Gewinn auf dem Meere zogen jedoch nur die Engländer. Holland hatte, -da ihm von der französischen Flotte keine Gefahr drohte und es im Landkriege -von Frankreich fast erdrückt war, seine Bundespflichten zur See nur lau -erfüllt, England dagegen gern und wohlüberlegt die ganze Last des Seekrieges -auf sich genommen. Beim Friedensschluß stand England als unwiderstehliche -Seemacht da und konnte durchsetzen, was es wollte. Es verstärkte seine -Stellung am Atlantischen Ozean (durch Erwerbung von Neufundland, Neuschottland, -Gibraltar, im Mittelmeer Minorca) derart, daß es diesen und damit -den ganzen überseeischen Handel Europas beherrschte, es war wiederum -einen Schritt weiter auf dem Wege gekommen, sich zum Gebieter auf allen -Meeren zu machen. Holland fand nie wieder die Kraft, nach höchster Macht -auf dem Meere die Hand auszustrecken, es trat damit wie Spanien in die Reihe -der Staaten zweiten Ranges zurück; der Verlust der Seemacht hatte auch -den allmählichen Rückgang des Seehandels zur Folge, allerdings nicht sofort, -denn dazu war die im Lande während seiner großen Zeit angehäufte Summe -an Geld und Tatkraft noch zu bedeutend.</p> - -<p><b>Bedeutung des Abschnittes für die Entwicklung des Seekriegswesens.</b> -Die wichtigsten Seekriege fechten also zunächst England und Holland,<span class="pagenum"><a name="Page_160" id="Page_160">[160]</a></span> -dann England und Frankreich aus. Diese Kriege zeitigen eine Entwicklung -des Seekriegswesens in allen den Punkten, die als Kennzeichen des Abschnittes -angegeben sind. An Stelle einer „Kriegführung <em class="gesperrt">über</em> See“, bestehend in gegenseitigen -Brandschatzungen und Einfällen, tritt die „Kriegführung <em class="gesperrt">auf</em> See“. -Es werden große Seekriege um Ziele geführt, die nur durch die dauernde Herrschaft -über das Meer erreicht werden können. Die ersten Anfänge hierzu -zeigen sich schon in der zweiten Hälfte des vorigen Abschnittes (Seite <a href="#Page_143">143</a>), -aber erst in den jetzt folgenden Kriegen tritt der Umschwung deutlich hervor.</p> - -<p>An die Marine stellte man nunmehr weit höhere Anforderungen und -widmete ihr deshalb auch eine sorgfältigere Pflege als früher. Eine nur -zu einem bestimmten Zwecke aufgebotene Flotte konnte nicht mehr genügen, -mächtige stehende Flotten wurden notwendig.</p> - -<p>Wenn auch zu Anfang noch vielfach Kauffahrteischiffe zur Kriegführung -mit herangezogen werden, so wächst doch in allen Marinen die Zahl und die -Güte der eigentlichen Kriegsschiffe, nach und nach verschwinden die Kauffahrer -in den Flotten. Auch beginnt man, die Kriegsschiffe nach ihrem Gefechtswert -und für verschiedene Zwecke, taktischen und strategischen Erwägungen -folgend, in bestimmte Klassen einzuteilen. Dieser Prozeß kommt -im Verlauf des vorliegenden Abschnittes eigentlich schon zum Abschluß, -in der weiteren Zeit der Segelschiffe treten in dieser Hinsicht nur noch Verschiebungen -und Vervollkommnungen ein. Auch in Bau und Einrichtung -des einzelnen Schiffes erscheinen nach der Mitte des 18. Jahrh. im wesentlichen -nur noch Verbesserungen, während der Schiffstyp ebenfalls schon in -der jetzt zu besprechenden Zeit festgelegt war.</p> - -<p>Mit der inneren Durchbildung und Festigung der stehenden Flotten, -mit der Heranbildung von Berufs-Seeoffizieren tritt nach und nach eine Taktik -für die Führung von Segelflotten auf, deren Grundsätze schon in Instruktionen -niedergelegt wurden; um die Mitte des Abschnittes erscheint sogar bereits die -erste wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet von Kaplan Hoste, siehe -Quellenverzeichnis. Diese Taktik wird aber dann bald nur schematisch -durchgeführt, und die in genannter Schrift enthaltenen wertvollen Hinweise -zu sinngemäßer Anwendung und Erweiterung der Regeln werden nicht -benützt; es bleibt dies dem nächsten Zeitabschnitt überlassen.</p> - -<p>Endlich sind die zu besprechenden Kriege lehrreich in strategischer -Hinsicht. Da in ihnen zuerst eine Kriegführung auftritt, die an Stelle örtlicher -und zeitlicher Erfolge die Erringung und Erhaltung der Herrschaft -über das Meer zum Ziele hat, so kann man auch erst von jetzt ab von einer -Strategie zur See sprechen. <em class="gesperrt">Ihre Entwicklung lehrte, daß alle großen -Ziele im Seekriege nur durch das Niederkämpfen der feindlichen -Streitkräfte erreicht werden können.</em></p> - -<p>In dem vorigen Zeitabschnitt war der feindliche Handel ein Hauptangriffsziel -geworden. Er wird es zunächst noch immer mehr, aber bald tritt -der Kampf der Seestreitkräfte gegeneinander in den Vordergrund.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnote:</p> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_75_75" id="Footnote_75_75"></a><a href="#FNanchor_75_75"><span class="label">[75]</span></a> Ich weise bei diesen Betrachtungen auf Rodenberg, „Seemacht in der Geschichte“, -hin, dessen kurz und klar gefaßte Auslassungen hier vielfach benutzt sind.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_161" id="Page_161">[161]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p161.jpg" width="600" height="93" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zweites Kapitel.</span><br /> -Die Entwicklung des Seekriegswesens.<br /> -<span style="font-size: 75%;">Schiffe, Waffen, Schiffsklassen, Personal, Kampfweise und Taktik.</span></h3> - -<p class="small">In diesem Kapitel sind in erster Linie die einschlägigen englischen Verhältnisse -betrachtet, da über diese die besten und neuesten Quellen zur Verfügung stehen; sie -bieten uns auch genügend Anhaltspunkte zur Beurteilung der Verhältnisse der anderen -Marinen. Jurien sagt: »Die englisch-holländischen Kriege gebaren die modernen Marinen." -England begann während und nach diesen Kriegen seiner Marine die Pflege zuzuwenden, -die sie nach und nach zu der mächtigsten gemacht hat. Seine Marine stand schon -zu Ende dieses Zeitabschnittes fast auf dieser Stelle, und so kann ihre Entwicklung wohl -als maßgebend für die allgemeine Fortbildung des Seekriegswesens angesehen werden.</p> - -<h4>Die Schiffe.<a name="FNanchor_76_76" id="FNanchor_76_76"></a><a href="#Footnote_76_76" class="fnanchor">[76]</a></h4> - -<p>Wir haben die Entwicklung des Kriegsschiffbaues bis etwa 1648 verfolgt; -die Artillerie war Hauptwaffe geworden und in den Breitseiten aufgestellt. -Es sind Beispiele der größten englischen Kriegsschiffe gegeben, -die zu Ende des vorigen Abschnittes erbaut wurden — der erste Zweidecker -und der erste Dreidecker (vgl. Seite <a href="#Page_100">100</a> u. <a href="#Page_101">101</a>).</p> - -<p>Diese großen Kriegsschiffe waren aber nur wenige, um 1648 zählte die -englische Marine in einem Gesamtbestande von etwa 75 wirklichen Kriegsschiffen -nur 2 Schiffe über 1000 tons, eben die besonders beschriebenen, -und etwa 8 zwischen 800 und 900 tons, während in dem Reste eine sehr große -Zahl ganz kleiner, unter 400 tons, enthalten war. Bei der überhaupt geringen -Zahl von Kriegsschiffen werden zunächst auch noch weiter in großem Maßstabe -Kauffahrer herangezogen, wenn es sich um Aufstellung mächtiger -Flotten handelt, ganz besonders in Holland. In England beginnt man aber -jetzt damit, wirkliche Kriegsschiffe in größerer Zahl zu erbauen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_162" id="Page_162">[162]</a></span></p> - -<p class="small">In den elf Jahren der Republik wurden etwa 86 Schiffe neu erbaut, davon allein -59 in den Jahren 1649–1654, also dicht vor, während und dicht nach dem ersten Kriege.<a name="FNanchor_77_77" id="FNanchor_77_77"></a><a href="#Footnote_77_77" class="fnanchor">[77]</a> -Zu diesen Schiffen treten als Vermehrung des Bestandes noch etwa 12 „Gekaufte“, -wohl als Freibeuter gebaute Kauffahrer, und eine sehr große Zahl, über 100, „vom Feinde -Genommene“; diese werden gleichfalls meistens Kauffahrer gewesen sein, weil sie nach -dem ersten Kriege größtenteils wieder verkauft worden sind.</p> - -<p>Diesem Beispiele müssen dann die anderen Nationen folgen. Wenn auch -noch zu Beginn des Zeitabschnittes die größeren Kauffahrer vielen kleineren -Kriegsschiffen an Gefechtskraft nicht sehr nachstanden, so macht sich doch -nun bald ein Unterschied bemerkbar. Die neuen Kriegsschiffe werden nicht -nur geeigneter für den Kampf, sondern auch überhaupt sorgfältiger, widerstandsfähiger -gebaut und immer stärker armiert; die Kauffahrer werden -damit minderwertig, selbst die großen Schiffe der Kompagnien genügen -nicht mehr, waren doch mit wenigen Ausnahmen sogar bei der holländisch-westindischen -Kompagnie 30 Kanonen ihre stärkste Armierung. Auch die -Kriegführung wird eine andere. Auf längere Zeitdauer werden große Flotten -beansprucht, denn es handelt sich nicht mehr um einzelne Schläge, nach -deren Ausführung die Streitkräfte wieder entlassen werden.</p> - -<p>Die zu lange Inanspruchnahme der Handelsschiffe für den Kriegsdienst -hatte bereits häufig in England Mißstimmung, ja Widersetzlichkeit hervorgerufen. -So verschwinden denn nach und nach die armierten Kauffahrer -aus den Kriegsflotten; es verschwinden auch die bisher immer noch zu gewissen -Zwecken benutzten Kriegsruderschiffe und ebenso hört der gelegentliche -Gebrauch von Riemen auf größeren Segelschiffen auf.</p> - -<p>Da in den Kriegen von jetzt an weit höhere Anforderungen an die Kriegsschiffe -gestellt wurden als bisher, so führte — vor anderen Nationen zuerst -wieder in England — die Zunahme des Baues auch zu weiteren Verbesserungen.</p> - -<p>Hervorzuheben ist, daß die Engländer zunächst den Bau kleinerer, -höchstens mittelgroßer Schiffe bevorzugten, scheinbar ein Rückschritt gegen -die bisherige Entwicklung. Wir kennen den Bestand um 1649 (Seite <a href="#Page_152">152</a>); -die Zahl der Schiffe I. Klasse über 800 tons wuchs jetzt ganz unverhältnismäßig -weniger als die der übrigen.</p> - -<p>Von den etwa 100 während der Republik beschafften Schiffen — 86 -gebaute, 12 gekaufte — waren: 4 über 800 tons (alle 1000 und darüber), -60–80 Kanonen; 20 von 600–800 tons, 48–52 Kanonen; 25 von 400–600 -tons, 36–40 Kanonen; 25 von 200–400 tons, 20–34 Kanonen; 25 noch -kleinere.</p> - -<p class="small">Sämtliche Schiffe über 20 Kanonen, wenigstens die Neubauten, führten ihre -schwereren Geschütze auf zwei Hauptdecken und darüber leichtere auf Vor- und Quarterdeck; -sie waren also Zweidecker, wenn auch die obere Hauptbatterie nicht immer ganz -eingedeckt war (vgl. Seite <a href="#Page_169">169</a>, Skizze über Aufstellung der Geschütze).</p> - -<p class="small">Die vier Schiffe der ersten Klasse und viele der zweiten sind erst nach dem Kriege -gebaut.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_163" id="Page_163">[163]</a></span></p> - -<p>Die großen Schiffe waren immer noch zu unhandlich und zu wenig seefähig, -zu gefährdet an den Küsten und in schlechtem Wetter, auch der Umstand, -daß man im ersten englisch-holländischen Kriege den Hauptwert -auf das Bedrohen des feindlichen Handels durch Aufbringen von Kauffahrern -legte, ließ die mittleren Schiffe geeigneter erscheinen; sie konnten überdies -schneller und billiger beschafft werden.</p> - -<p>In Hinsicht auf die Taktik machte sich vorerst auch kein großes Bedürfnis -nach mächtigen Schiffen geltend; der Bedarf daran als Flagg- oder -Gruppenführer-Schiffe war vorhanden. Mit der neuen Kriegführung, die -sich in erster Linie gegen die feindlichen Streitkräfte richtete, und mit der -langsam fortschreitenden Verbesserung der Schiffe ändert sich dies. Nicht -nur größere Fahrzeuge, als bisher, und in größerer Anzahl werden wieder -gebaut, sondern die Schiffe mit einer bestimmten Kanonenzahl wachsen -auch immer weiter an Tonnengehalt. Noch durch das ganze 18. Jahrh. hält -sich dieses Bestreben, so wird z. B. das 80 Kanonen-Schiff im nächsten Zeitabschnitte -vom Dreidecker zum Zweidecker, weil es derartige Größenverhältnisse -erhalten hat, daß die Kanonen auf zwei Decken aufgestellt werden -können.</p> - -<p>Bei Besprechung der Schiffsklassen später wird man das mächtige Wachsen -des einzelnen Schiffes in jeder Klasse ersehen.</p> - -<p>Die Engländer begannen ferner die Schiffe länger im Verhältnis zur -Breite zu bauen — früher 3: 1, jetzt 3½: 1, Ende des 17. Jahrh. 4: 1 —, -niedriger über Wasser, mit kleineren Aufbauten und mit besseren Linien -unter Wasser, um schnellere Schiffe und stabilere Geschützstände zu erhalten; -„Ils les frégatèrent“, sagt darüber ein alter französischer Autor (Seignelay).</p> - -<p>Als einer der ersten dieser moderneren Bauten ist wohl der „<em class="gesperrt">Constant -Warwick</em>“ anzusehen, 1646 als Freibeuter gebaut und 1649 von der -Marine angekauft, 379 tons, 90' lang, 28' breit, 30 Kanonen. Diesem Schiffe -folgten ähnliche; als ein Muster weit größerer Schiffe derselben Art zeigen -die englischen Quellen den „<em class="gesperrt">Speaker</em>,“ gebaut 1649, 778 tons, 34¾' breit, -116' lang, 64 Kanonen. Es war dies ein schweres Schlachtschiff (Zweidecker) -der damaligen Zeit und erscheint noch 1660 unter dem Namen „Mary“ als -Schlachtschiff III. Klasse. Die Abbildung zeigt im Vergleich mit den Schiffen -des vorigen Abschnittes den Fortschritt in den Formen des Schiffsrumpfes.</p> - -<p class="small">Der „<em class="gesperrt">Constant Warwick</em>“ wird gemeiniglich als „<em class="gesperrt">erste Fregatte</em>“ -bezeichnet. Das Fahrzeug war aber keine Fregatte im späteren Sinne. d. h. ein Schiff -nicht für die Schlachtlinie, sondern für alle Dienste, die Schnelligkeit und doch eine -gewisse Gefechtskraft erforderten, mit nur einer Hauptbatterie. Da nun bei der Schilderung -der kriegerischen Ereignisse nach den Quellen oft der Ausdruck „Fregatte“ gebraucht -werden wird, seien hierüber einige Worte gesagt. Schon zur Zeit der Ruderschiffe -hatte man leichte und schnelle Galeren für Nachrichten- usw. Dienst „Fregatten“ -benannt und behielt diese Bezeichnung in der ersten Zeit der Segel-Kriegsschiffe bei. -Galeon bedeutete Gefechtskraft, Fregatte Schnelligkeit. Daher der Ausspruch „ils les -frégatèrent“, als England die Schiffe im allgemeinen auf größere Schnelligkeit baute, -daher auch wohl die Bezeichnung „Fregatte“ für den „C. Warwick“ und für bald darauf -ähnlich gebaute Fahrzeuge, die sämtlich zur Schlachtflotte zählten. Nach Angaben<span class="pagenumsmall"><a name="Page_164" id="Page_164">[164]</a></span> -über Aufstellung der Geschütze auf Schiffen seiner Größe muß man annehmen, daß „Constant -Warwick“ ein Zweidecker war, womit auch die äußere Ähnlichkeit mit der späteren -Fregatte fällt. Im ersten Kriege bauen auch die Holländer eine große Zahl neuer Kriegsschiffe, -die als „Fregatten“ erwähnt werden. Da in Holland aber gerade wirkliche -Kriegsschiffe als Schlachtschiffe fehlten und wir wissen<a name="FNanchor_78_78" id="FNanchor_78_78"></a><a href="#Footnote_78_78" class="fnanchor">[78]</a>, daß sie sämtlich über -40 Kanonen führten und die stärksten Schiffe Hollands waren, ist wohl anzunehmen, daß -man sie nur im eben ausgeführten Sinne „Fregatten“ nannte. Die eigentliche Fregatte -bildet sich erst im nächsten Zeitabschnitt aus, ihre Blütezeit erreicht sie Ende des -18. Jahrh. Ihren Dienst nehmen bis dahin, wenn auch Gefechtskraft verlangt wird, die -kleineren Zweidecker wahr, wenn es nur auf Schnelligkeit ankommt, die noch kleineren -Fahrzeuge. Diese sind meistens gemeint, wenn in der Folge von Fregatten die Rede ist; -zuweilen scheint man aber, dem Vorstehenden entsprechend, mittelgroße neue Fahrzeuge -damit zu bezeichnen, wo man ihre besonders gute Segelfähigkeit hervorheben will.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p164.jpg" width="600" height="252" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p164" id="fig_p164"></a> -<p class="caption">Englisches Schlachtschiff „The Speaker“.</p> -</div> - -<p>Im allgemeinen muß man aber sagen, daß sich die Vervollkommnung -der Kriegsschiffe zunächst mehr auf Verbesserung der Armierung und auf -die Ausbildung bestimmter Schiffsklassen erstreckte. Vom rein seemännischen -Standpunkte aus geht die Entwicklung der Schiffe in diesem Abschnitt -langsamer vorwärts, als man bei dem gewaltigen Aufschwung der -Kriegs- und Handelsmarinen erwarten sollte. Noch lange blieben See- und -Segeleigenschaften der schweren Schiffe mäßig, sie wurden nur sehr langsam -besser. Infolge der anfangs immer noch recht plumpen Formen über -und unter Wasser, mittschiffs mit fast ganz plattem Boden, waren die Schiffe -wenig stabil und rollten stark, auch ihre Segeleigenschaften wurden hierdurch -noch immer beeinträchtigt; der neue „fregattenähnliche“ Bau scheint -erst nach und nach auf die schweren Zwei- und die Dreidecker ausgedehnt -zu sein.</p> - -<p class="small">Noch 1740 klagen englische Seeoffiziere darüber, daß sie bei schwerem Wetter die -unterste Batterie, in der doch das stärkste Kaliber stand, nicht gebrauchen könnten. -Wenn, auch nach französischen Angaben, die Engländer mit der Verbesserung des Schiffbaues -begannen, so wurden sie doch frühzeitig von den Franzosen überholt. Bei Zusammentreffen -mit der französischen Flotte als Freund oder Feind loben die englischen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_165" id="Page_165">[165]</a></span> -Seeleute bald den Bau der fremden Schiffe, und England nimmt sie, zuweilen als eroberte, -in diesem und dem nächsten Abschnitt oft zum Vorbild. 1663 z. B. sah man, daß die -Franzosen auf ihren Hauptschlachtschiffen (70 Kanonen) die Pforten der untersten -Batterie 4' über Wasser hatten und 3 Monat Proviant stauen konnten, gegen 3' und -gegen 10 Wochen auf den eigenen; man wählte nun 4½' und 6 Monat. Auch 1673 nahm -man wieder französische Pläne zum Vorbilde, um im Seegang gefechtsfähigere Schiffe zu -erhalten.</p> - -<p>Bis 1700 stellte man im Norden im allgemeinen die Seefahrt während des -Winters ein; die Stürme und die langen, dunkeln Nächte waren besonders -für größere Schiffe, die kaum aufkreuzen konnten und stark trieben, in den -beschränkten Gewässern zu gefährlich. Denn auch die Betakelung ließ viel -zu wünschen übrig. Noch lange glaubte man, die Segel recht bauchig schneiden -zu müssen, sie waren deshalb höher als die Masten und Stängen; noch lange -blieben die Untersegel die Hauptsegel. Bei zunehmendem Winde barg man -zuerst Bram- und Marssegel, dann wurde das Untersegel geführt und gereeft, -noch bis 1720 machte man es auf Deck fest.</p> - -<p>Doch wird im Laufe des Zeitabschnittes das Marssegel das Hauptsegel; -gegen Ende des Abschnittes erscheinen Stagsegel zwischen den Masten und -die Vorsegel. Diese verdrängen den kleinen Mast auf dem Bugspriet; dann -tritt der Klüverbaum<a href="#Footnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a> auf, und das große Lateinsegel am letzten Mast -wird zum Besan<a name="FNanchor_79_79" id="FNanchor_79_79"></a><a href="#Footnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a>, indem der unterste Teil der langen Raa wegfällt und -das Segel dort am Mast befestigt wird, zunächst noch ohne Besansbaum. -Auch die Schiffsformen unter und über Wasser werden nach und nach günstiger. -Der Fortschritt in allem wird um so stetiger, seit man um die Mitte -dieses Zeitabschnittes beginnt, den Schiffbau nach bestimmten Regeln zu -betreiben. Nach den gewonnenen Erfahrungen wird das Verhältnis der -Hauptmaße zueinander für Schiffskörper und Takelage festgesetzt, sowohl -für das einzelne Schiff einer gegebenen Größe, wie auch für die verschiedenen -Größenklassen. Gegen Ende des Abschnittes sind See- und Segeleigenschaften -erreicht, die zum Segeln beim Winde, zum Aufkreuzen und zum Freihalten -von Leeküsten einigermaßen genügen. Nur die größeren Dreidecker blieben -immer noch unhandlich und rank, weshalb man diese weiter bis zur Mitte -des 18. Jahrh. unter gewöhnlichen Umständen im Winter aufzulegen pflegte.</p> - -<p>Wie schon angedeutet, zeichneten sich besonders die Franzosen bald -im Schiffbau aus; anfangs des nächsten Abschnittes (um 1760) verfügten sie -über Schiffstypen, die eigentlich allen Anforderungen genügten. Als ein -um die Mitte des vorliegenden Zeitabschnittes (1692 während des englisch-französischen -Krieges) auf der Höhe der Zeit stehendes Schiff I. Klasse sei -der französische „<em class="gesperrt">Royal Louis</em>“ erwähnt und dargestellt (Seite <a href="#Page_166">166</a>): 186' -lang, 51' breit, 108 Kanonen, 900 Mann. Der Vergleich mit der Abbildung -des „Royal Sovereign“ (Seite <a href="#Page_101">101</a>) zeigt die günstigeren Formen über Wasser, -kleineres Gallion, niedrigeres Heck; die Takelage jedoch ist in der langen -Zeit nur wenig verbessert. Weitere Fortschritte sollen erst im nächsten<span class="pagenum"><a name="Page_166" id="Page_166">[166]</a></span> -Abschnitt zur Anschauung gebracht werden, da Schiffe dieser Art in den -großen Kriegen des vorliegenden, die mit 1714 abschließen, noch keine Verwendung -finden.</p> - -<p>Die <b>Beiboote</b> wurden zwischen Fock und Großmast mit Takeln eingesetzt. -Die feste Reeling war dort häufig unterbrochen, wie früher zum Gebrauch -der Hilfsriemen. Davits wurden erst viel später eingeführt; zu Anfang der -Periode scheinen die Schiffe nur 2–3 Boote gehabt zu haben.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p166.jpg" width="600" height="494" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p166" id="fig_p166"></a> -<p class="caption">Französisches Linienschiff „Royal Louis“.</p> -</div> - -<p class="small">Nach Clowes, Teil II, Seite 113 hatten die größeren englischen Schiffe z. Zt. des ersten -Krieges eine Pinnace von max. 29' Länge, ein Skiff max. 20', ein Longboat max. 35'. -Das Longboat wurde nie eingesetzt, sondern achteraus geschleppt. Im Gefecht war -es, vielleicht auch die anderen, bemannt, um Brander abzuwehren oder abzuschleppen. -Die Boote wurden auch häufig während des Gefechts wegen des mangelhaften Signalsystems -zum Überbringen von Befehlen und Meldungen, sowie gelegentlich zum Tauen -des Schiffes ins Gefecht benutzt.</p> - -<p>Noch einige <b>wichtige Verbesserungen</b> zur Erhaltung und Führung der -Schiffe seien angeführt.</p> - -<p>In die Mitte des 17. Jahrh. fällt <em class="gesperrt">die Einführung des Zwischendecks</em>. -Bis dahin waren nur die schweren Decke zur Aufstellung der Geschütze<span class="pagenum"><a name="Page_167" id="Page_167">[167]</a></span> -vorhanden, bei Schüssen in der Nähe der Wasserlinie konnte man -nur mit Leitern zum Leck gelangen. Die Engländer zuerst legten längs der -Bordwand unterhalb der Wasserlinie ein leichtes Deck, einen Umlauf, für den -Verkehr der Zimmerleute während des Gefechts. Aus diesem entstand das -Zwischendeck, das die Schiffe auch wesentlich wohnlicher gestaltete. Verschiedene -Versuche wurden gemacht, um den <em class="gesperrt">Schiffsboden</em> vor dem -Bohrwurm <em class="gesperrt">zu schützen</em> und auch um eine glatte Oberfläche zur Erhöhung -der Fahrt zu erhalten. Das Belegen mit Bleiplatten, in Spanien -und auch in der englischen Kauffahrteimarine seit dem 16. Jahrh. viel im -Gebrauch, war in der englischen Kriegsmarine wegen des dadurch hervorgerufenen -galvanischen Stromes, der wichtige Eisenteile zerstörte (Nägel der -Beplankung, Ruderfingerlinge), nicht beliebt und ist nur zeitweise versucht. -Mehr verbreitet war ein Belag von doppelten dünnen Planken mit einer -Zwischenlage von geteertem Tierhaar. Auch Farbenkompositionen wurden -versucht, doch kam die Lösung dieser wichtigen Frage durch Bekupferung -erst in der nächsten Periode.</p> - -<p>Am Ende des 17. Jahrh. wurde das <em class="gesperrt">Ruderrad</em> an Stelle des direkten -Steuerns mit der Ruderpinne gebräuchlich.</p> - -<p>Für die <em class="gesperrt">Nautik</em>, ist zu erwähnen: Der Kompaß wurde technisch verbessert, -und man begann der Mißweisung Aufmerksamkeit zu schenken. -Schon 1699–1700 wurde ein englisches Kriegsschiff eigens zu ihrer Bestimmung -in den Südatlantik gesandt; das Fahrzeug führte auch viele Längenbestimmungen -aus. 1731 konstruierte Hadley den Reflexions-Quadranten -(Spiegel-Oktant), der weit genauere Beobachtungen gestattete als der bisher -allein vorhandene Davis-Quadrant (verbesserter Jakobsstab); besonders -wichtig war dies für die Beobachtung der Monddistanzen, der einzigen -Methode zur Bestimmung der Länge auf See.</p> - -<p class="small">Bereits 1598 hatten Spanien und bald darauf Holland Preise ausgesetzt für die -Erfindung einer sicheren Längenbestimmung an Bord, England folgte 1714. Wie ungenau -diese bisher war, kann man aus der geringen Anforderung bei dieser Ausschreibung -ersehen. Es sollte gezahlt werden: 10000 Lstrl. für die Genauigkeit der Bestimmung -auf 1° Länge, 15000 Lstrl. auf 2/3°, 20000 auf ½°. Da wurde denn schon früh der Versuch -gemacht, die Länge mittels Uhren zu bestimmen, aber erst 1761 erreichte man gute -Ergebnisse. Ein Chronometer von Harrison verlor auf einer Reise nach Westindien -und zurück während vier Monaten trotz schlechtem Wetter nur 1 m 54,5 s.</p> - -<p>Die nautischen Hilfstabellen für astronomische Beobachtungen wurden -verbessert; das 1675 gegründete Observatorium zu Greenwich sollte sich besonders -dieser Aufgabe widmen. Genaue Journal- (Logbuch) Führung wurde -den Schiffen vorgeschrieben. Vermessungen wurden, namentlich von England, -vorgenommen und viel Sorgfalt auf Herstellung der Seekarten verwandt, -vorzugsweise allerdings zunächst für die heimischen Gewässer und allenfalls -den Atlantik, andere blieben noch lange unvollständig. Betonnung, Bebakung -und Beleuchtung der Küsten wurden gepflegt (der berühmte Leuchtturm -von Eddystone zeigte sein Licht zuerst im Oktober 1698).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_168" id="Page_168">[168]</a></span></p> - -<p>In allen Ländern erweiterte man die <em class="gesperrt">staatlichen Werften</em>; -sie beginnen sich zu solchen Einrichtungen auszubilden, wie man sie heute -unter Kriegswerften versteht, so daß die Marinen immer freier von der Privatindustrie -wurden.</p> - -<h4>Waffen.<a name="FNanchor_80_80" id="FNanchor_80_80"></a><a href="#Footnote_80_80" class="fnanchor">[80]</a></h4> - -<p>Die Fortschritte der Artillerie in Hinsicht auf das <b>Geschützmaterial</b> -selbst lagen in diesem Zeitabschnitt nicht in grundsätzlichen Vervollkommnungen -oder in neuen Konstruktionen, dagegen wurden die Anfertigung -des Materials genauer und die Einrichtungen für die Bedienung -verbessert. Man legte z. B. die Geschützpforten höher über Wasser und -weiter voneinander, letzteres damit die Nachbargeschütze sich nicht hinderten -oder gar gefährdeten; man machte sie zum besseren Richten größer. -Der Spielraum der Geschosse wurde geringer, besseres Pulver wurde eingeführt; -es ist dies aus den kleiner werdenden Ladungen zu entnehmen. In -England, wo frühzeitig der Ausbildung der Geschützmannschaften besondere -Pflege zuteil wurde, setzte man 1670 ihre Kopfstärke für jedes Kaliber fest.</p> - -<p>Die vielen kleinen Geschützarten waren größtenteils weggefallen, als -schwerere Geschütze blieben ungefähr dieselben Kaliber im Gebrauch, die -wir zu Ende des vorigen Zeitabschnittes (Seite <a href="#Page_105">105</a>) kennen gelernt haben; -von etwa 1700 an wurden sie allgemein nach dem Gewicht ihrer Eisenvollkugeln -benannt. Um diese Zeit führte man in England die nachstehenden -Kaliber; ein Vergleich mit den früheren Angaben zeigt, daß sie nach Seelendurchmesser -und Geschoßgewicht den alten Arten entsprechen, daß aber -die Pulverladung schwächer geworden ist.</p> - -<table cellpadding="2" summary="p168"> - <tr> - <td class="tdr">42</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - <td class="tdc">früher</td> - <td class="tdl">cannon serpentine oder bastard</td> - <td class="tdl">7″03</td> - <td class="tdc">Kaliber</td> - <td class="tdc">17</td> - <td class="tdc">Pfd.-Lad.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">32</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">demicannon</td> - <td class="tdl">6″43</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">cannon Pedro</td> - <td class="tdl">5″84</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">culverin</td> - <td class="tdl">5″3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 9</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">basilisko</td> - <td class="tdl">4″64</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">demiculverin</td> - <td class="tdl">4″22</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 4⅔</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">saker</td> - <td class="tdl">3″67</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">minion</td> - <td class="tdl">3″22</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">falcon</td> - <td class="tdl">2″91</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 1⅔</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">½</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">falconet</td> - <td class="tdl">1″69</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> ⅓</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Falconets waren Reelingsgeschütze auf Pivots. Wie aus der folgenden Tabelle -zu ersehen ist, sind der 24-Pfünder, der 9-Pfünder und der 4-Pfünder erst später hinzugekommen, -1652 waren sie noch nicht verwendet. Der 24-Pfünder wurde später in Unterklassen -nach Gewicht und Länge des Rohres eingeteilt.</p> - -<p class="small">In <em class="gesperrt">Frankreich</em>, Spanien, Schweden, Dänemark und Holland hatte man entsprechend -48-Pfünder, 36-Pfünder, 24-Pfünder, 18-Pfünder, 6-Pfünder, 4-Pfünder, doch -fehlte in Holland der 48-Pfünder.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_169" id="Page_169">[169]</a></span></p> - -<p class="small">Es ist wahrscheinlich, daß sich die französischen 48-Pfünder und 36-Pfünder kaum -von den englischen 42-Pfündern und 32-Pfündern unterschieden; in Frankreich legte man -der Benennung das theoretische Geschoßgewicht für den Seelendurchmesser zu Grunde, -ohne den Spielraum zu berücksichtigen.<a name="FNanchor_81_81" id="FNanchor_81_81"></a><a href="#Footnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a> Auch in Holland soll der 38-Pfünder annähernd -dem englischen 42-Pfünder gleich gewesen sein, da das holländische Pfund schwerer war -als das englische.<a href="#Footnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a></p> - -<p>An <b>Geschossen</b> kamen bei den Schiffsgeschützen zur Verwendung: Vollkugeln; -Stangen- und Kettenkugeln, Halbkugeln durch Stangen oder Ketten -verbunden und besonders gegen die Takelage bestimmt; eine Art Kartätschen, -paquets de fer, aus eisernen Würfeln zusammengesetzt. Über Hohl- und -Brandgeschosse wird bei den Mörserbooten gesprochen werden.</p> - -<p>An <b>Handwaffen</b> waren im Gebrauch: Musketen, Pistolen, Bajonette, -Enterbeile, Entermesser — cutlasses, kurze schwere Seitengewehre zum -Hieb —; Enterpiken, zur Verteidigung der Pforten beim Enterabschlagen.</p> - -<p class="title"><b>Geschützaufstellung bei Drei- und Zweideckern.</b> (Abweichungen häufig.)</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p169.jpg" width="600" height="289" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p169" id="fig_p169"></a> -</div> - -<p>1. Unterstes Batteriedeck (lowerdeck), 2. Mittleres (middledeck), 3. Oberstes -(maindeck), 4. Quarter- oder Halbdeck, 5. Vor- oder Backsdeck (fore castle), 6. Deck der -Kampagne, 7. Deck über der Back.</p> - -<p>…… Oberkante der Reeling (Schanzkleid. Brüstung).</p> - -<p>— — — — — Decke, die nicht immer vorhanden sind; wenn sie fehlen, dort Oberkante -der Reeling.</p> - -<p>Zu 1. Die unterste Batterie fehlt beim Zweidecker, die mittlere wird also zur untersten.</p> - -<p>Zu 3. Die oberste Batterie ist zwischen Groß- und Fockmast nicht immer eingedeckt; -bei kleineren Schiffen dieser Art fehlen dann oft hier die Geschütze der obersten Batterie. -Ist sie aber ganz eingedeckt, ist also Halbdeck (4) und Vordeck (5) verbunden, so entsteht -das volle Oberdeck (upperdeck; vgl. S. <a href="#Page_99">99</a>).</p> - -<p>8. Fast platte Bugform, so daß Geschütze gut nach vorn feuern können. 9. Bugspriet. -10 Gallion.</p> - -<p>× × × Ganz kleine Geschütze auf der Kampagne.</p> - -<p class="small">Die Abbildung des „Royal Charles“ — englisch, 1673, 100 Kanonen, 130' lang, -46' breit, 20' Tiefgang, 1531 tons, 780 Mann — zeigt im Gegensatz zu „Le Soleil Royal“ -kein volles Oberdeck, auch fehlen die Kanonen auf dem Backsdeck. Bilder auf Seite <a href="#Page_172">172</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span></p> - -<p class="title"><em class="gesperrt">Verteilung der Geschütze nach Anzahl und Kaliber</em><br /> -(Pfünder=Geschoßgewicht) <em class="gesperrt">an Bord der englischen Schiffe</em>.</p> - -<table summary="p170"> - <tr> - <td class="td4" rowspan="2">Im<br />Jahre</td> - <td class="td5" rowspan="2" colspan="3">Schiffe<br />mit<br />Kanonen</td> - <td class="td20" colspan="2">Unterste</td> - <td class="td20" colspan="2">Mittlere</td> - <td class="td20" colspan="2">Oberste</td> - <td class="td5" rowspan="2" colspan="2">Auf<br />Back- und<br />Quarterdeck</td> - <td class="td5" rowspan="2">Besatzung</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12" colspan="6">Batterie</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="5">100</td> - <td class="td18" rowspan="5"> </td> - <td rowspan="5"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–42</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">28–18</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">28– 6</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">14– 5</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">-Pfdr.</td> - <td class="td10" rowspan="2">815</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–42</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">28–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">28– 9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16–16</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">815</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–42</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">780</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="5">90</td> - <td class="td18" rowspan="5"> </td> - <td rowspan="5"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–42</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">730</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26– 9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">600</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">12– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">680</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="2">(82)</td> - <td class="td18" rowspan="5"> </td> - <td rowspan="5"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–42</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">8– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">560</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td10" rowspan="2">80(82)</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">520</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">8– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">520</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="2">(74)</td> - <td class="td18" rowspan="5"> </td> - <td rowspan="5"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">18– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">460</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td10" rowspan="2">70</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">26–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">460</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">18– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">480</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="2">(58)</td> - <td class="td18" rowspan="5"> </td> - <td rowspan="5"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">22– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">280</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td10" rowspan="2">60</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">24–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">340</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–09</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">365</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="4">50</td> - <td class="td18" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">20–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">18–16</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">180</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2–3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1677</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">22–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">22– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">6– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">240</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">22–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">22– 9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">280</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1652</td> - <td class="td10" rowspan="3">40(42)</td> - <td class="td18" rowspan="3"> </td> - <td rowspan="3"> </td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10">280</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1677</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20–09</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">18– 9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">180</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10">190</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1652</td> - <td class="td10" rowspan="2">(34)</td> - <td class="td18" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">18–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">10– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2">135</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1677</td> - <td class="td10">30</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">18– 9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">8– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">130</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">8–9</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 4</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10">135</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10" colspan="2"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1652</td> - <td class="td10" rowspan="4">20</td> - <td class="td18" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16–32</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 5</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 50</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1677</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">16–6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;" rowspan="2">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" rowspan="2" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 4</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" rowspan="2"> 85</td> - </tr> - <tr> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">2– 3</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1719</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20–6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10">115</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="14"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="14"><em class="gesperrt">Verteilung an Bord französischer Schiffe um 1683.</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="9">1683</td> - <td class="td10">110</td> - <td class="td18" rowspan="9"> </td> - <td rowspan="9"> </td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">30–48</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">32–18</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–12</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">-Pfdr.</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20– 6</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">-Pfdr.</td> - <td class="td10">1050</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10">100</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–36</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28– 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 800</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 88</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–36</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">28–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26– 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">6– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 700</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 84</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–36</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24– 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">8– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 640</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 70</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–24</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 450</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 60</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24–24 od. 18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">26–12</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">10– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 360</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 50</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">24 od. 22–18</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">22– 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">4– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10"> 320</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 40</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20–12 od. 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">20– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10"> 220</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10"> 30</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">16– 8</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td21" style="white-space: nowrap;">14– 6</td> - <td class="tdc" style="white-space: nowrap;">„</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;" colspan="2">—</td> - <td class="td10"> 150</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="14">„Frégates“ mit 10–22 Kanonen, 4–8-Pfdrn., 40–120 Mann.</td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span></p> - -<p><b>Der Hauptfortschritt der Schiffsartillerie</b> lag in der Entwicklung einer -<em class="gesperrt">planmäßigen Armierung</em>. Mit der Einteilung der Schiffe in -Klassen wurden für jede Schiffsgröße Anzahl und Kaliberstärken der Geschütze -festgesetzt und hierbei jede Batterie mit gleichem Kaliber bestückt. Diese -Anordnung änderte man an der Hand der Erfahrung mehrfach, besonders -was die Verwendung der Kaliber anbetrifft. Aus der nebenstehenden -Tabelle ist der Verlauf der Entwicklung in der englischen Marine zu -ersehen; man kann ferner aus ihr entnehmen, welche Gefechtskraft ein -Schiff, dessen Gesamtkanonenzahl angeführt wird, zu den verschiedenen -Zeiten des Abschnittes hat. Zum Vergleich folgt eine Angabe der französischen -Armierungen um 1683.</p> - -<p class="small">Die Tabelle ist zusammengestellt nach Angaben im Clowes, Teil III, Seite 7–11 -und im Troude, Teil I, Seite 19–30; dort finden sich noch weitere Aufzeichnungen, -da man auch Schiffe mit anderer Gesamtgeschützzahl hatte, als die hier herausgezogenen. -Für 1652 und 1677 (1683) sind zum leichteren Vergleich die Geschütze schon als „Pfünder“ -angegeben, obgleich noch die alte Bezeichnung üblich war.</p> - -<p class="small">Die Angaben für 1652 können keinen Anspruch auf Genauigkeit machen; sie sind -wahrscheinlich, besonders die für die großen Schiffe, auf mehr theoretischem Wege -gewonnen. Erstens waren damals weder die Schiffsklassen schon scharf begrenzt noch -die Armierung planmäßig festgelegt und zweitens gab es nur wenige größere Schiffe; -in der Schlacht von Northforeland (1653) werden in der großen englischen Flotte von -105 Kriegsschiffen nur 1 zu 88 Kanonen, 1 zu 66 und 10 zu 50–60 angeführt, und dabei -waren die Schiffe bei dieser Gelegenheit außergewöhnlich überarmiert.</p> - -<p>Wenn man nun den 42-Pfünder und 32-Pfünder (48-Pfünder und 36-Pfünder) -als schwere, die 24-Pfünder bis 9-Pfünder als mittlere und die geringeren -Geschütze als leichte Artillerie bezeichnet, so ersieht man aus den -Tabellen folgendes. Die Armierung mit schwerer Artillerie fällt auf den -kleinen Schiffen (20–40 Kanonen) weg, sobald diese, nach den englisch-holländischen -Kriegen (vgl. „Schiffsklassen“ Seite <a href="#Page_176">176</a>), nicht mehr zu den -Schlachtschiffen rechnen, und man geht bei ihnen selbst gleich bis zu den -leichtesten Kalibern der Mittelartillerie hinab. Aber auch sonst werden -die untersten Batterien leichter bestückt, der 42-Pfünder bleibt nur bei den -wenigen Schiffen von und über 100 Kanonen, der 32-Pfünder weicht bei den -60–70 Kanonenschiffen immer mehr dem 24-Pfünder, bei den 50 Kanonenschiffen -gar dem 18-Pfünder. Die zweiten und dritten Batterien dagegen -werden im allgemeinen mit stärkeren Kalibern versehen und ebenso wachsen -die Kaliber der leichten Artillerie, teilweise in die der mittleren übergehend. -Die Mittelartillerie wächst also auf Kosten der anderen, namentlich der -schweren. Diese, auch in den anderen Staaten vorhandene Tendenz bleibt -weiter bestehen; im nächsten Abschnitt verschwindet in Frankreich der -48-Pfünder ganz, dagegen tritt, mit zeitlichen Schwankungen, dort und in -England oft der 24-Pfünder an Stelle des 18-Pfünders, der 18-Pfünder an -Stelle des 12-Pfünders usw.</p> - -<p>Man ersieht ferner, daß sehr schwache Schiffe, hinunter bis zu solchen -von 20 und 30 Kanonen, noch zwei Batterien haben, doch ändert sich dies<span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span> -gegen Ende des Zeitabschnittes; im Anfang des nächsten gab es Zweidecker -zu 40 Kanonen und darunter nicht mehr. Das 50-Kanonenschiff rechnete -noch bis etwa 1750 zu den Schlachtschiffen, dann scheidet es aus der Linie -aus; 44- und 50-Kanonenschiffe als Zweidecker werden aber zu besonderen -Zwecken noch beibehalten.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p172_1.jpg" width="600" height="251" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p172_1" id="fig_p172_1"></a> -<p class="caption">Englischer Dreidecker „Royal Charles“.</p> -</div> - -<p><b>Brander</b>, schon früher gelegentlich ausgerüstet, spielen in diesem Zeitabschnitt -eine hervorragende Rolle. Sie haben große Erfolge zu verzeichnen, -häufig sogar nur durch ihre moralische Einwirkung: bei ihrer Annäherung -setzen sich Schiffe auf den Strand, andere werden von ihren Besatzungen in -wilder Flucht verlassen. Ihnen ist auch ein nicht unbedeutender Einfluß -auf die Entwicklung der Taktik und dadurch des Systems der Schiffsklassen -zuzuschreiben.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p172_2.jpg" width="600" height="247" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p172_2" id="fig_p172_2"></a> -<p class="caption">Französischer Dreidecker „Le Soleil Royal“.</p> -</div> - -<p>Brander waren mit leicht entzündlichen und lebhaft brennenden Stoffen -— Pech, Teer, Öl, Holz alter Fässer dieser Materialien, daher mit ihnen -getränkt, Schwefel, Kampfer und dgl. — gefüllte Fahrzeuge. Sie segelten -an feindliche Schiffe heran oder ließen sich herantreiben, befestigten sich -mit Enterdraggen sowie an den Raaen angebrachten Haken und vernichteten<span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span> -den Feind, indem sie sich selbst in Brand setzten; ihre Besatzung barg sich -in Booten. Um Bootsangriffe der bedrohten Feinde abzuwehren und um -bis zu ihrer eigentlichen Verwendung ins Gefecht eingreifen zu können, waren -die Brander auch mit Geschützen armiert.</p> - -<p>Anfangs nur aus wenigen und kleineren Fahrzeugen bestehend, wuchs -die Waffe an Zahl und Größe, wie einzelne herausgegriffene Angaben zeigen.</p> - -<table cellpadding="2" summary="p173_1"> - <tr> - <td class="td4">Im Jahre</td> - <td class="td5" colspan="2">kamen auf<br />Kriegsschiffe</td> - <td class="td5">Brander</td> - <td class="td5">in der Schlacht</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1653</td> - <td class="td22">englisch:</td> - <td class="tdr">100</td> - <td class="td10"> 5</td> - <td class="td10" rowspan="2">Northforeland</td> - </tr> - <tr> - <td class="td22">holländisch:</td> - <td class="tdr">98</td> - <td class="td10"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1660</td> - <td class="td22">holländisch:</td> - <td class="tdr">75</td> - <td class="td10">36</td> - <td class="td10">vor der Themse</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2">1672</td> - <td class="td22">holländisch:</td> - <td class="tdr">75</td> - <td class="td10">36</td> - <td class="td10" rowspan="2">Solebay</td> - </tr> - <tr> - <td class="td22">engl-französisch:</td> - <td class="tdr">98</td> - <td class="td10">30</td> - </tr> -</table> - -<p>Später nimmt die Bedeutung der Waffe wieder ab, da sie sich infolge -der Änderung der Taktik und Kampfweise überlebt hat.<a name="FNanchor_82_82" id="FNanchor_82_82"></a><a href="#Footnote_82_82" class="fnanchor">[82]</a> Man kann dies -deutlich aus den Beständen in der englischen Marine ersehen.</p> - -<table cellpadding="2" summary="p173_2"> - <tr> - <td class="tdc">1688</td> - <td class="tdc">kamen</td> - <td class="tdc">auf</td> - <td class="tdr">52</td> - <td class="tdl" colspan="3">in Dienst gestellte Schiffe</td> - <td class="tdr">26</td> - <td class="tdc">Brander<a name="FNanchor_83_83" id="FNanchor_83_83"></a><a href="#Footnote_83_83" class="fnanchor">[83]</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1702</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">123</td> - <td class="tdc">Schlachtschiffe</td> - <td class="tdc">im</td> - <td class="tdc">Gesamtbestande</td> - <td class="tdr">87</td> - <td class="tdc"> „<a name="FNanchor_84_84" id="FNanchor_84_84"></a><a href="#Footnote_84_84" class="fnanchor">[84]</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1714</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">125</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">50</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1741</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">129</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="2">im Dienst</td> - <td class="tdr">17</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1783</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">173</td> - <td class="tdl" colspan="3">überhaupt im Dienst</td> - <td class="tdr"> 7</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p>Im Anfang des 18. Jahrh. verschwinden sie ganz.</p> - -<p>Kurze Zeit, 1693–1695, wurde in England eine Art Vervollkommnung -der Brander versucht — <em class="gesperrt">machines</em> oder <em class="gesperrt">infernals</em>. Diese sollten, -mit einer großen Pulvermenge an Bord, durch Explosion wirken. Man kam -aber davon ab, da sie sich nicht bewährten. Wieviel von ihnen erwartet -wurde, ist z. B. daraus zu entnehmen, daß man ein solches Fahrzeug 1693 -gegen die Befestigungen von St. Malo vorschickte; es flog aber wirkungslos auf, -weil es zu früh festkam (vgl. Krieg 1688–1697: St. Malo 1693; Dieppe 1694).</p> - -<p>Endlich ist noch eine Waffe zu erwähnen — die <b>Mörserboote</b> (bombketches -oder bombs; galiotes à bombes oder bombardes). Mörser für Spreng- und -Brandgeschosse (shells und carcasses<a name="FNanchor_85_85" id="FNanchor_85_85"></a><a href="#Footnote_85_85" class="fnanchor">[85]</a> wurden vielfach in den Küstenbefestigungen -verwendet; von 1660 an findet man aber auch Mörserboote bei -den englischen Flotten, von 1674 bei den Holländern und von 1681 auch bei -Franzosen. Es waren Fahrzeuge von 80–200 tons, mit 1 oder 2 Masten,<span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span> -35–70 Mann, 8 kleineren Geschützen auf Achterdeck. Sie führten auf einer -Plattform vor dem Großmast 2 Mörser; nach einer Angabe hatte einer dieser -beiden in Frankreich 12" Kaliber, 140 Pfd. Geschoßgewicht. Der Bestand -an Mörserbooten in den Marinen war nicht groß, in England hatte er zu -Anfang des nächsten Zeitabschnittes mit 14 Fahrzeugen seinen Höhepunkt -erreicht; bei den Flotten werden höchstens 6, meistens weniger, aufgeführt. -Sie fanden ihre Hauptverwendung oft mit Erfolg gegen Küstenbefestigungen, -Städte und im Hafen liegende Schiffe; ausnahmsweise greifen sie auch in -Seegefechte ein. Auf den sonstigen Kriegsschiffen wurden Mörser im allgemeinen -nicht verwendet, doch scheint man gelegentlich Versuche damit -gemacht zu haben. 1748 wird erwähnt, daß ein englisches 80-Kanonenschiff -„ausnahmsweise“ 8 cohorns (kleine Mörser, am Ende des 17. Jahrh. von dem -holländischen Genieoffizier Cohorn konstruiert) geführt und sich ihrer in -einem Seegefechte mit großem Erfolge bedient habe. Vielfach ließ wohl -das Funktionieren der Hohlgeschosse zu wünschen übrig; bei dem eben erwähnten -Angriff der Engländer auf St. Malo wurden nach einem Bombardement -aus Mörserbooten 230 Bomben gefunden, die nicht krepiert waren. -Erfolgreicher war die Verwendung der Mörserboote in großem Maßstabe -seitens der Franzosen gegen Algier (1682–1683, vgl. dort) gewesen; gerade -die Erfahrungen dieser Ereignisse haben wohl zu einer größeren Beachtung -der Waffe geführt.</p> - -<h4>Schiffsklassen.</h4> - -<p>Im vorliegenden Zeitabschnitt bildete sich ein System der Einteilung -der Schiffe in Klassen aus — englisch: rates; französisch: rangs — -nach der Gefechtskraft oder nach sonstigen Eigenschaften; es hing dies -eng mit dem Wachsen der stehenden Marinen und mit der Entwicklung -einer eigentlichen Kriegführung zur See in Hinsicht auf Taktik und Strategie -zusammen. Man wurde sich darüber immer mehr klar, welche Kräfte man zu -den verschiedenen Zwecken nötig habe, und die Kriegsschiffe wurden dementsprechend -gebaut. Die Fortschritte in der Taktik, in der Strategie und im -Schiffbau bewirkten fortlaufend Änderungen in dem System.</p> - -<p class="small">Die Hauptquelle für diese Betrachtungen, „Colomb“, behandelt im Kapitel V -„The differentiation of naval force“ die Entwicklung der englischen Marine in dieser -Hinsicht eingehend bis <em class="gesperrt">1813</em> an der Hand folgender Disposition (frei übersetzt): „Die -ungeordnete Kampfweise in den älteren Seekriegen brachte eine Einführung besonderer -Schiffsklassen nicht mit sich. Erst das Auftreten der Schlachtlinie bewirkte den Bau -größerer und untereinander gleichwertiger Schiffe für die Linie. Zu gleicher Zeit verlangten -Angriff und Verteidigung des Handels leichtere Schiffe und eine dritte Gattung von Fahrzeugen -wurde für den Sicherheits- und Meldedienst der Flotten nötig.“</p> - -<p class="small">Wir folgen im nachstehenden dem Wege Colombs und werden dabei das Wachsen -des Einzelschiffes an Größe und Gefechtskraft, die Ausbildung des Klassensystems in -England sowie die Schiffsbestände hier zu verschiedenen Zeiten und damit das Wachsen der -stehenden Marine kennen lernen. Der jeweilige Bestand der anderen Marinen soll -vor jedem Kriege unter „Streitmittel der Gegner“ angeführt werden.</p> - -<p>Solange der eigentlichen Kriegsschiffe nur wenige waren, die Seestreitkräfte -im Kriegsfalle hauptsächlich durch Ankauf, Miete oder Aufgebot von<span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span> -Kauffahrteischiffen aufgestellt wurden, bildeten die Flotten ein Gemisch von -Fahrzeugen jeder Größe. Eine solche Flotte wurde in Unterabteilungen geteilt -— diese Unterabteilungen waren vielleicht ursprünglich schon durch -das Zusammenhalten der Aufgebote der verschiedenen Städte oder Grafschaften -usw. gegeben —, die Befehlshaber der Unterabteilungen befanden sich auf dem -stärksten Schiffe, wohl meistens einem Kriegsschiffe; um diese Führerschiffe -scharten sich die unterstellten Fahrzeuge jeder Größe, bis hinab zum allerkleinsten, -auch im Gefecht. Von einer Taktik im Gefecht war noch keine -Rede; wenn die Flotten aneinander geführt waren, suchte jedes Fahrzeug -selbständig sein Bestes zu leisten, indem es sich, allein oder vereint mit andern, -den Gegner wählte, dem gegenüber Erfolg zu erwarten war; das starke -Führerschiff war für jede Gruppe der Rückhalt.</p> - -<p>Wie Kauffahrer jeder Größe eingestellt wurden, so weist auch der geringe -Bestand der Kriegsmarinen dieser Zeit fast gleichmäßig Schiffe jeder Größe -auf, als ob für jedes Schiff gleich gute Verwendung vorhanden gewesen sei.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Bestand der englischen Marine</em> um 1624 war:</p> - -<table cellspacing="2" summary="p175"> - <tr> - <td class="tdr">I.</td> - <td class="tdc">Klasse</td> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdc">Schiffe</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">800–1187</td> - <td class="tdc">tons</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdr">44–55</td> - <td class="tdc">Kanonen</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">II.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">14</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">600–922</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdr">29–42</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">III.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">343–683</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdr">26–34</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">IV.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">80–250</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdr">6–20</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="td23" colspan="4">Gesamt: 31 Segel.</td> - <td colspan="5"> </td> - </tr> -</table> - -<p>So stand es auch noch um 1651, von welchem Jahr eine neue Einteilung -vorliegt, nur daß die Armierung im allgemeinen stärker geworden ist: I. Kl. -= 80 Kanonen und mehr; II. Kl. = 52–80 K.; III. Kl. = 44–60 K.; IV. Kl. -= 32–50 K.; V. Kl. = 12–32 K.; VI. Kl. kleinere Fahrzeuge. Man sieht, daß die -Grenzen noch nicht genau gezogen sind und in jeder Klasse ein großer Spielraum -gelassen ist.</p> - -<p>Um diese Zeit begann die große Vermehrung der Kriegsschiffe. Da aber -im ersten englisch-holländischen Kriege Taktik und Kampfweise im großen -und ganzen noch die alte blieb, wird auch die Klasseneinteilung zunächst -kaum geändert. Der Einfluß des Krieges macht sich aber doch bemerkbar. -Aus den früher angeführten Gründen — nur geringes Vertrauen zu den großen -Schiffen; Hauptziel Angriff des feindlichen Handels; schnellerer und billigerer -Bau — wird die Zahl der mittelstarken Schiffe in weit größerem Maße vermehrt -als die der schweren; diese Mittelschiffe sollten wohl in erster Linie die bisher -eingestellten Kauffahrer ersetzen; Flaggschiffe und Gruppenführerschiffe -waren fast genügend vorhanden. Auch läßt die nächste Einteilung, namentlich -was Tonnengehalt anbetrifft, den Klassen noch einen weiten Spielraum und -sie greifen noch ineinander. Alle diese ersten Klasseneinteilungen scheinen -mehr auf einem administrativen Bedürfnis beruht zu haben; den verschiedenen -Klassen entsprechend erhielten z. B. die Besatzungen vom Kapitän bis zum -letzten Mann verschiedenen Sold, ein Brauch, der noch länger bestand. Am<span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span> -Ende des ersten Krieges, <em class="gesperrt">Dezember</em> 1653, waren Einteilung und <em class="gesperrt">Bestand</em> -der englischen Marine:</p> - -<table cellspacing="2" summary="p176"> - <tr> - <td class="tdc">Klasse</td> - <td class="tdc">Schiffe</td> - <td class="tdc">Tons</td> - <td class="tdc">Kanonen</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> I</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc">891–1556</td> - <td class="tdc">64–104</td> - <td class="tdc">350–700</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> II</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">721– 875</td> - <td class="tdc">54– 66</td> - <td class="tdc">260–400</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> III</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">532– 800</td> - <td class="tdc">44– 60</td> - <td class="tdc">200–300</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> IV</td> - <td class="tdc">63</td> - <td class="tdc">301– 700</td> - <td class="tdc">28– 50</td> - <td class="tdc">100–220</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> V</td> - <td class="tdc">35</td> - <td class="tdc">105– 500</td> - <td class="tdc">12– 36</td> - <td class="tdc"> 30–200</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> VI</td> - <td class="tdc"> 9</td> - <td class="tdc"> 55– 255</td> - <td class="tdc"> 6– 36</td> - <td class="tdc"> 25–130</td> - </tr> - <tr> - <td class="td23" colspan="3">Gesamt: 132 Segel.</td> - <td colspan="2"> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Zu der stärkeren Bestückung ist zu erwähnen, daß die Schiffe z. Zt. des ersten -Krieges fast durchgängig überarmiert waren.</p> - -<p class="small">Wenn Angaben über Gesamtbestand dieser frühen Zeiten, bei verschiedenen Gelegenheiten -verschiedenen Quellen entnommen, nicht immer genau übereinstimmen, wie z. B. -diese mit der Seite <a href="#Page_162">162</a> über die Vermehrung während der Republik angegebenen, so liegt -dies daran, daß eine Quelle Schiffe „nur für den Krieg eingestellt“ mitzählt, eine andere -nicht. Die vorstehenden Angaben sind aus Colomb, Seite 86, entnommen.</p> - -<p>In derselben Weise wird bis 1660 weiter gebaut, während der späteren -englisch-holländischen Kriege aber ändert sich die Taktik. Das Bestreben, die -Flotte besser geordnet an den Feind zu führen und diese Ordnung im Gefecht -länger zu bewahren, kurz die Schiffe besser in der Hand zu behalten, führt -immer weiter in der Durchbildung der Linienformation; auch der Wunsch, -die Erfolge der Brander einzuschränken, sprach sehr für die Linie. In dieser war -ein jedes Schiff an seine Stelle gebunden und konnte sich nicht mehr seinen -Gegner wählen; es mußte eine gewisse Gefechtskraft besitzen, damit die Linie -nicht schwache Punkte bot. Nachstehender Auszug aus einer Schiffsliste -der englischen Marine um 1688, 15 Jahre nach Beendigung der englisch-holländischen -und unmittelbar vor Beginn der englisch-französischen Kriege, zeigt -denn auch wesentliche Unterschiede gegen früher: Die Gesamtzahl der Kriegsschiffe -ist nicht gewachsen, eher zurückgegangen, aber die Schlachtschiffe -sind sehr viel größer geworden und die Klassengrenzen haben sich dementsprechend -verschoben; die Klassen sind schärfer begrenzt, namentlich was die -Armierung anbetrifft; von einem Schiffe wird eine gewisse Größe und Geschützzahl, -mindestens 40–50 Kanonen, verlangt, um es als Schlachtschiff geeignet -erscheinen zu lassen.</p> - -<p class="small">Das <em class="gesperrt">Linienschiff</em> ist entstanden. Der Ausdruck, eigentlich „Line of battle -ship“, bezeichnet eben ein Schiff, das fähig ist, seinen Posten in der Schlachtlinie auszufüllen; -„fit for the line“ oder „for lying in the line“ sagen die alten englischen Autoren.</p> - -<p>Es ist ferner bemerkenswert, daß in der Liste nur noch sehr wenig Schiffe -als „angekauft“, daß dagegen die meisten angeführten als „nach der Mitte -der siebziger Jahre erbaut“ bezeichnet sind; es trifft dies besonders für die -Schiffe der I. und II. Klasse zu, weshalb bei diesen auch schon eine größere -Gleichmäßigkeit in Kanonenzahl und Tonnengehalt herrscht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> der englischen Marine, <em class="gesperrt">Dezember</em> 1688.<a name="FNanchor_86_86" id="FNanchor_86_86"></a><a href="#Footnote_86_86" class="fnanchor">[86]</a></p> - -<table cellpadding="2" summary="p177"> - <tr> - <td class="td4">Klasse</td> - <td class="td5">Anzahl</td> - <td class="td5" colspan="2">Geschütze</td> - <td class="td5" colspan="2">Tonnengehalt</td> - <td class="td5">Länge</td> - <td class="td5">Breite</td> - <td class="td5" colspan="2">Besatzung</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="margin-left: 0.9em;">I</span></td> - <td class="td10"> 9</td> - <td class="td10">96–100</td> - <td> </td> - <td class="td10">1100–1739</td> - <td> </td> - <td class="td10">125–146</td> - <td class="td10">40–47</td> - <td class="td10">730–815</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="margin-left: 0.4em;">II</span></td> - <td class="td10">11</td> - <td class="td10">82– 90</td> - <td class="td10">90<a name="FNanchor_1_5" id="FNanchor_1_5"></a><a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10">1029–1546</td> - <td class="td10">1400<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10">121–143</td> - <td class="td10">41–45</td> - <td class="td10">530–660</td> - <td class="td10">660<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">III</td> - <td class="td10">39</td> - <td class="td10">60– 74</td> - <td class="td10">70<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10"> 700–1174</td> - <td class="td10">1100<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10">108–140</td> - <td class="td10">33–41</td> - <td class="td10">350–470</td> - <td class="td10">400<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">IV</td> - <td class="td10">40</td> - <td class="td10">42– 54</td> - <td class="td10">üb. 46<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10"> 349– 680</td> - <td class="td10">üb. 500<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td10"> 88–110</td> - <td class="td10">27–35</td> - <td class="td10">180–280</td> - <td class="td10">üb. 230<a href="#Footnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td23" colspan="4">Gesamt: 132 Segel.</td> - <td colspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="margin-left: 0.4em;">V</span></td> - <td class="td10"> 2<a name="FNanchor_2_5" id="FNanchor_2_5"></a><a href="#Footnote_2_5" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td10">28–32</td> - <td> </td> - <td class="td10">229–333</td> - <td> </td> - <td class="td10">75–86</td> - <td class="td10">24–27</td> - <td class="td10">105–133</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">VI</td> - <td class="td10"> 6</td> - <td class="td10">16–20</td> - <td> </td> - <td class="td10">150–200</td> - <td> </td> - <td class="td10">74–85</td> - <td class="td10">18–22</td> - <td class="td10"> 65– 85</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td23" colspan="4">Ges. 107 Segel</td> - <td colspan="6"> </td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_5" id="Footnote_1_5"></a><a href="#FNanchor_1_5"><span class="label">1)</span></a> Diese Zahlen gelten für den größeren Teil der Schiffe der betreffenden Klasse.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_5" id="Footnote_2_5"></a><a href="#FNanchor_2_5"><span class="label">2)</span></a> Colomb führt für Klasse V 12 an.</p></div></div> - -<p class="small">Im Bestande waren ferner: 3 Mörserboote, 26 Brander sowie einige Jachten -und sonstige kleinere Fahrzeuge zu besonderen Zwecken.</p> - -<p>Daß die Kraftvermehrung der Marine zunächst nur durch Zunahme -der Gefechtskraft der einzelnen Schlachtschiffe, nicht durch eine größere -Anzahl bewirkt wurde, hängt auch mit der Änderung der Taktik zusammen. -Die Linie schloß nicht nur die kleineren Fahrzeuge aus, sie durfte auch nicht -zu lang werden; sie wäre sonst unhandlich und, besonders bei Windänderungen, -zu schwer aufrecht zu erhalten gewesen. Auf eine größere Zahl von Schiffen -kam es also weniger an und schließlich spielte auch wohl Material- und Personal-Beschaffung -bei den jetzt größeren Schiffen eine Rolle.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Troude</em>, Teil I, Seite 16–19 gibt die Klasseneinteilung der <em class="gesperrt">französischen -Marine</em> für 1661 zu 4 rangs, für 1670 zu 6, für 1683 zu 6 an; diese gleichen den angeführten -englischen der entsprechenden Zeiten nahezu, doch scheint die Einteilung -in Frankreich schon früh strenger durchgeführt zu sein. In der für 1683 sind die englischen -Klassen I und II zusammengefaßt, die IV. Klasse ist jedoch geteilt: I. rang = -76–110 Kanonen; II. rang = 64–74; III. = 50–60; IV. = 40–46; V. = 30–36; -frégates = 10–22 Kanonen.</p> - -<p class="small">De Jonge, Teil III, Seite 158 gibt die Klasseneinteilung der <em class="gesperrt">holländischen -Linienschiffe</em> für 1683 folgendermaßen: I. Klasse = 80–96 Kanonen; II. = -70–74; III. = 60–68; IV. = 50–54.</p> - -<p>Die späteren Kriege wirken zur Entwicklung in derselben Weise weiter, -es kommt immer mehr System in die Klasseneinteilung. Vom Beginn des -18. Jahrh. an werden Bestimmungen über Maße des Schiffskörpers und Stärke -der Armierung für die Klassen erlassen; es wird immer mehr auf größere -Gleichheit in ihnen hingestrebt, indem man Unterstufen in der Armierung -möglichst fallen läßt. Der Inhalt einer dieser Bestimmungen, der von 1719, -ist aus nachfolgender Zusammenstellung über den <em class="gesperrt">Bestand um</em> 1727 -zu ersehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p178"> - <tr> - <td class="td4" colspan="4">Klasse</td> - <td class="td5" colspan="3">Anzahl</td> - <td class="td5">Geschütze</td> - <td class="td5">Tonnengehalt</td> - <td class="td5">Länge</td> - <td class="td5">Breite</td> - <td class="td5">Besatzung</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">I</td> - <td class="tdc" rowspan="2">Dreidecker</td> - <td class="td18" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10"> 7</td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="td10">100</td> - <td class="td10">1869</td> - <td class="td10">174′</td> - <td class="td10">50′</td> - <td class="td10">780</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">II</td> - <td class="td10"> 13</td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="td10">90 u. 98</td> - <td class="td10">1566</td> - <td class="td10">164′</td> - <td class="td10">47′</td> - <td class="td10">680</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">III</td> - <td class="tdc" colspan="3" rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"> 40</td> - <td class="td18" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10">80</td> - <td class="td10">1350</td> - <td class="td10">158′</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;"> 44½′</td> - <td class="td10">520</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10">70</td> - <td class="td10">1128</td> - <td class="td10">151′</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;"> 41½′</td> - <td class="td10">440</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">IV</td> - <td class="tdc" colspan="3" rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"> 64</td> - <td class="td18" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10">60</td> - <td class="td10"> 951</td> - <td class="td10">144′</td> - <td class="td10" style="white-space: nowrap;">39′</td> - <td class="td10">365</td> - </tr> - <tr> - <td class="td10">53</td> - <td class="td10"> 755</td> - <td class="td10">134′</td> - <td class="td10">36′</td> - <td class="td10">280</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="td23" colspan="4"> </td> - <td class="td23" colspan="5">124 Schlacht-(Linien-)Schiffe.</td> - <td class="td23" colspan="3"> </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td10" colspan="3"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - <td class="td10"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">V</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td6"> 24</td> - <td colspan="2"></td> - <td class="td6"> 40</td> - <td class="td6"> 594</td> - <td class="td6">124′</td> - <td class="td6">33′</td> - <td class="td6">190</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">VI</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td6"> 29</td> - <td colspan="2"></td> - <td class="td6"> 20</td> - <td class="td6"> 374</td> - <td class="td6">106′</td> - <td class="td6">28′</td> - <td class="td6">130</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Sloops</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td6"> 13</td> - <td colspan="2"></td> - <td class="td6"> 4–10</td> - <td class="td6"> </td> - <td class="td6"> </td> - <td class="td6"> </td> - <td class="td6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td24" colspan="4"></td> - <td class="td23" colspan="5">190 Segel, dazu Spezialschiffe.</td> - <td class="td23" colspan="3"></td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Nach Angaben im „Clowes“, Teil III, Seite 7, 9, 11 zusammengestellt (vgl. auch -Colomb, Seite 97); in beiden Quellen noch andere Maße, sowie sonst bemerkenswerte -Daten.</p> - -<p class="small">Die Bestimmung von 1719 ist hier hervorgehoben, da nach ihr viel gebaut ist, -während früher oder später erlassene nicht so strenge befolgt sind. Der Schiffsbestand -um 1727 ist gewählt, da um diese Zeit die genannte Bestimmung einige Jahre in Kraft -gewesen war. Nicht alle in diesem Jahre vorhandenen Schiffe entsprachen der Bestimmung, -da ältere darunter; diese sind in vorstehender Zusammenstellung denen mit -der nächstliegenden Geschützzahl zugerechnet.</p> - -<p>Auch aus dieser Zusammenstellung ersieht man, daß die Zahl der Schlachtschiffe -nicht in demselben Verhältnis gewachsen ist wie die der Kriegsschiffe -überhaupt. Dagegen sind die Schiffe wieder mächtiger geworden, die Klassen -haben sich weiter dementsprechend verschoben, und die untere Grenze der -Schlachtschiffe (seit die Linie allgemein als Gefechtsformation angenommen, -<em class="gesperrt">Linienschiffe</em> genannt) ist auf 50 Kanonen heraufgerückt.</p> - -<p>Ferner ist es auffallend, daß die Zahl der Schiffe I. und II. Klasse, über -80 Kanonen, gar nicht zugenommen hat, der ganze Zuwachs der Schlachtschiffe -liegt in der nunmehrigen IV. Klasse von 50–60 Kanonen. Gegen -die ganz großen Schiffe sprach der Kostenpunkt sowie der Gedanke, nicht -zu viel auf eine Karte zu setzen. Man hielt mittelschwere Schiffe — hierzu -wurden die 50–60-Kanonenschiffe zu dieser Zeit noch gezählt — als am -geeignetsten für die Schlachtlinie.</p> - -<p class="small">In Frankreich scheint die Klasseneinteilung von 1683 lange Zeit bestanden zu haben, -Troude führt die nächste erst für 1758 an.</p> - -<p class="small">In späterer Zeit rechnet man das Linienschiff nur bis zu 60 Kanonen, in Frankreich -56. Die IV. Klasse scheidet nach und nach aus der Linie aus und das Schiff der III. -Klasse wird das bevorzugte Schlachtschiff. 1790 bildet in England die III. Klasse 5/6 -der ganzen Schlachtflotte und besteht selber zu 2/3 aus 74-Kanonenschiffen. Die Schiffe -der I. und II. Klasse sind nur beliebt als Flaggschiffe, da sie geeignet sind, die Stäbe -usw. unterzubringen.</p> - -<p>Neben der IV. Klasse ist auch der Bestand der kleineren Klassen sehr -gewachsen; sie sind eigentlich erst entstanden und zwar als die Folge einer<span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span> -neuen Strategie, die in erster Linie nicht mehr die Bedrohung des Handels, -sondern das Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte ins Auge faßte. -Diese Kriegführung erforderte starke Schlachtschiffe, die sich dann nach -taktischen Rücksichten herausbildeten. Es wurden nun aber auch noch andere -Fahrzeuge nötig. Eine nach neuer Art zusammengesetzte Flotte brauchte -besondere <em class="gesperrt">Schiffe für den Sicherheits</em>- und <em class="gesperrt">Nachrichtendienst</em>, -leichter als die Schlachtschiffe, aber von größerer Schnelligkeit, -teils mit, teils ohne eine gewisse Gefechtskraft. Anderseits verlangte auch -die Strategie Fahrzeuge <em class="gesperrt">für den Handelskrieg</em> (modern Kreuzerkrieg) -— Schutz des eigenen, Bedrohung des feindlichen Handels —, gleichfalls -verschiedener Größe gegen feindliche Kreuzer oder gegen Freibeuter, sowie -endlich Schiffe zur Besetzung fester Stationen im Auslande, die für alle Staaten -an Wichtigkeit gewonnen hatten. Es waren also aus taktischen wie aus -strategischen Gründen <em class="gesperrt">schwere und leichte Kreuzer</em>, nach moderner -Bezeichnung, notwendig.</p> - -<p>Die kleineren Schiffe der IV. Klasse, 50 Kanonen, nehmen zunächst -neben ihrer Verwendung als Schlachtschiffe von diesen Aufgaben diejenigen -wahr, die Gefechtskraft verlangten; zu ihnen traten für denselben Zweck die -größeren der V. Klasse, 40, später vorzugsweise 44-Kanonen-Zweidecker. -Für die anderen Aufgaben dienten die kleinen Schiffe; daher die bedeutende -Vermehrung der IV.–VI. Klasse. Wenn es auffällt, daß 1688 so wenige -derartige Schiffe, besonders leichtere Kreuzer, vorhanden sind, obgleich man -doch den Kreuzerkrieg auch in den englisch-holländischen Kriegen führte, -so ist dies dadurch zu erklären, daß diese Aufgabe damals noch zum größten -Teil von Privatschiffen (Kapern) wahrgenommen wurde; die wachsenden -Marinen machten sich später von diesen mehr und mehr frei.</p> - -<p>Die 40–60-Kanonen-Zweidecker, nach und nach aus der Linie entfernt, -zeigen sich aber im Laufe der Zeit für eigentlichen Kreuzerdienst auch nicht -geeignet, weil sie zu schwer und zu unhandlich sind. Sie werden als Kreuzer -mit der Entwicklung der schnelleren, kleineren Schiffe (Fregatten, Korvetten -usw.) durch die schweren Fregatten (schon 1780 zu 38 Kanonen gebaut) -verdrängt. Doch behielt man einige ihrer Stufen, besonders 50- und 44-Kanonen-Zweidecker, -noch bis Anfang des 19. Jahrh. bei, da sie geeignet als Flaggschiffe -für weniger wichtige Stationen und für kleinere Detachierungen sowie -bequem zu Friedenszeiten waren.</p> - -<p class="small">Mit diesen letzten Betrachtungen ist etwas vorgegriffen. Es sollte aber damit, -wie auch durch die Hinweise auf die spätere Entwicklung der Schlachtschiffe, gezeigt -werden, daß sich in den nächsten Zeitabschnitten das System der Klasseneinteilungen -auf dem begonnenen Wege weiter ausbildet, so daß man wohl sagen kann, zu Ende des -vorliegenden Abschnittes war in dieser Hinsicht ein gewisser Abschluß erreicht; die -folgenden Zeiten der Segelschiffahrt bringen eigentlich nur noch Verschiebungen und -Vervollkommnungen.</p> - -<h4>Das Personal.</h4> - -<p>Mit der Vervollkommnung der Schiffe in seemännischer und artilleristischer -Hinsicht hatte das seemännische Personal immer mehr an<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span> -Wichtigkeit gewonnen (vgl. Seite <a href="#Page_52">52</a> und <a href="#Page_154">154</a>). Führung, Bedienung und Erhaltung -des Schiffes verlangten mehr Kräfte und mehr Fachkenntnisse; auch die -neue Hauptwaffe, die Artillerie, brauchte seegewohntes Personal, sie war nach -und nach ganz in die Hände des seemännischen übergegangen. Wenn man die -Schiffskanoniere, die noch längere Zeit als Hauptgeschütznummern und als -Ausbildungspersonal eingeschifft wurden, mit zum seemännischen Personal -zählt, wozu man sicher berechtigt ist, so bestand bei Beginn dieses Zeitabschnittes -die Schiffsbesatzung größtenteils aus Seeleuten. Soldaten zog -man eigentlich nur noch bei Mangel an Seeleuten heran, erst später wurde -wieder eine besondere Seesoldatentruppe gegründet. Der Seemann war auch -vollwertiger Krieger an Bord geworden; <em class="gesperrt">der Kriegsschiffmatrose -war erstanden</em>.<a name="FNanchor_87_87" id="FNanchor_87_87"></a><a href="#Footnote_87_87" class="fnanchor">[87]</a></p> - -<p>Den technischen Anforderungen entsprechend, hatten sich <b>Chargen</b> für -die Leitung des Dienstes in den <b>verschiedenen Zweigen</b> herausgebildet:</p> - -<p>Für Handhabung des Schiffes: der Schiffer (englisch master; französisch -maître; holländisch stuurman); für Navigation: der Lotse (pilot; pilote; -shipper); für Bedienung und Verwaltung der Artillerie der Konstabel (constable, -später gunner; maître cannonier; constabel); für Erhaltung der Takelage -und Bedienung des Ankergeschirrs der Bootsmann (boatswain; esquiman; -hoogbootsman); für Erhaltung des Schiffskörpers und der Rundhölzer der -Zimmermann (carpenter; charpentier; timmermann). Mehr untergeordneter -Natur (Unteroffiziersrang): für Verwaltung des Proviants der Bottelier; -für Strafvollstreckung der Profoß; für Handwaffendienst der Korporal; -der Segelmacher; mehrere Quartiermeister (quartermaster; quartiermaître; -kwartiermeester) besonders zur Beaufsichtigung des Steuerns auf den Wachen; -endlich traten hinzu der Chirurg und der Zahlmeister für die Verwaltung -(clerk, später purser; écrivain; skrijver).</p> - -<p class="small">Das Zusammenfassen der Verhältnisse bei verschiedenen Nationen und zu verschieden -Zeiten führt bei diesen sowie den späteren Angaben über Personal zu kleineren -Ungenauigkeiten; so rangierte z. B. in Holland später der Shipper vor dem Stuurman.</p> - -<p class="small">Angaben über den Sold um die Mitte des 17. Jahrh.<a name="FNanchor_88_88" id="FNanchor_88_88"></a><a href="#Footnote_88_88" class="fnanchor">[88]</a> stellen den Master usw. -weit über die anderen Chargen; er ist in allen seemännischen Fragen die rechte Hand des -Kommandanten.</p> - -<p class="small">Der Lotse dieser Zeiten ist nicht der im jetzigen Sinne, der Küstenlotse. In Frankreich -hieß dieser schon damals pilote côtier, jener pilote hauturier. Der Lotse damaliger -Zeit war eben der Navigateur für große Fahrt.</p> - -<p class="small">Gunner bezeichnete in England anfangs alle Schiffskanoniere. Diese wurden in -England zuerst wieder abgeschafft und die Bezeichnung wurde dort der Titel für den -Constable.</p> - -<p>Die oberen Chargen, besonders die drei erstgenannten, hatten eine weit -größere Bedeutung, als ihre Titel nach jetzigem Brauch andeuten. Der Kommandant -(Kapitän), in erster Linie stets militärischer Befehlshaber des Schiffes,<span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span> -war sehr von ihnen abhängig, weil der eine den andern nicht ersetzen konnte -und er selbst oft nicht jeden Dienstzweig beherrschte — ebensowenig sein Stellvertreter, -der Leutnant. In Frankreich waren längere Zeit der Kapitän und der -Leutnant meist keine Seeleute von Jugend auf, auch in England scheint zuweilen -noch der Kapitänsersatz gleich als Leutnant zur Ausbildung zum -Kapitän eingetreten zu sein; in Holland rangierte der Steuermann anfangs -vor dem Leutnant, was auf ähnliche Verhältnisse schließen läßt, aber bald -wird hier hervorgehoben, daß alle Kapitäne und Flaggoffiziere vom Schiffsjungen -auf gedient hätten. Im allgemeinen jedoch sind bald wohl überall -Kapitän und Leutnant aus einem der höheren Zweige, im Kriegs- oder -Handelsdienst aufgewachsen, hervorgegangen.</p> - -<p>Die Flottenführer waren noch häufiger und noch längerhin nicht immer -Seeleute von Beruf, sondern infolge ihrer Geburt oder hervorragenden Stellung -auf ihren Posten berufen; diese bestimmten dann zu Unterführen tüchtige und -zuverlässige Kapitäne. Vizeadmiral und Kontreadmiral waren anfangs -Funktionen in der gerade aufgestellten Flotte, keine festen Dienstgrade.</p> - -<p>Mit der Zunahme der Größe und Armierung der Schiffe erhielten die -Leiter der Dienstzweige Gehilfen: master-mates, contre-maîtres, 2. und 3. -stuurman; boatswains-mates, quartermaster-mates usw.</p> - -<p>Von einem <b>Seeoffizierkorps</b> im jetzigen Sinne war also vorläufig keine -Rede; ein fester Bestand an Chargen war überhaupt nicht vorhanden, ausgenommen -der erwähnte Stamm von Kapitänen in Holland; das Personal -wurde im Bedarfsfalle angeworben, kam aus dem Handelsdienst und trat -nach seiner Entlassung in diesen zurück.</p> - -<p>Mit dem Wachsen der stehenden Marinen in unserem Zeitabschnitt -wurde aber der Dienst in ihnen ein Lebensberuf, sowohl in den höheren wie -in den niedrigen Zweigen, und es widmeten sich immer mehr Söhne der besseren -Stände dem Seemannsleben. Welchen Fortschritt und Vorteil dies für -die Marine bedeutete, wurde bald erkannt, und die Regierungen förderten -gern das Interesse für die seemännische Laufbahn. Während bisher der -Kapitän und der Leutnant „vor dem Maste“ aufgewachsen oder nicht von -Jugend auf als Seeleute erzogen waren, stellten jetzt die Marinen dieses bessere -Material als Offiziersaspiranten ein (midshipman, aspirant, adelborst); -Anfänge hiervon finden sich schon im Anfang des 17. Jahrh., im größeren -Maßstabe begann man damit nach dem ersten englisch-holländischen Kriege. -Um dieselbe Zeit vermehrte man auch, im Interesse der Disziplin und der -militärischen Leitung im Gefecht, die Zahl der Leutnants an Bord auf 2 und -bald auf 3; der erste Leutnant war der Vertreter des Kommandanten. Immer -mehr ergänzen sich nun die Leutnants aus den Offiziersaspiranten und damit -nach und nach auch die Kapitäne, die Flaggoffiziere und endlich die Flottenführer.</p> - -<p>Später übernahmen dann die Leutnants teilweise den Dienst der höheren -Zweige — Navigation; Handhabung des Schiffes (als Wachoffiziere) und der -Artillerie (als Batteriekommandeure) —, die früheren Leiter verschwinden<span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span> -oder treten, nur noch zur Unterstützung der Offiziere bestimmt, in die Reihen -der Leiter der niederen Zweige zurück. So haben wir etwa von 1700 ab den -Ursprung eines organisierten Marinepersonals, des jetzigen Seeoffizierkorps, -des den Marinen eigentümlichen Deckoffizierkorps — der Steuermann, -Feuerwerker, Bootsmann, Zimmermann — und des Unteroffizierkorps, die -Maate der Deckoffiziere.</p> - -<p class="small">Gegen Ende des 17. Jahrh. bestand der obere Stab eines englischen Kriegsschiffes -1. Klasse aus: dem Kapitän, 3 Leutnants, 1 Master, 1 Pilot, 3 Mastersmaaten, 3 Pilotmaaten, -8 Midshipmen, 1 Zahlmeister, 1 Arzt und einem oder mehreren Seesoldaten-Offizieren.</p> - -<p class="small">Master und Pilot verschmelzen später zum Master, dem die Navigation obliegt, -doch behielt er die Handhabung des Schiffes bei besonderen Gelegenheiten, z. B. im Gefecht. -Er war, obwohl besser besoldet als die Leutnants, wie die Deckoffiziere nur -warrantofficer, d. h. bestallter im Gegensatz zum patentierten Offizier, und wurde erst -in viel späterer Zeit als navigating lieutenant diesen sozial gleichgestellt. In England -blieb die Navigation bis vor wenig Jahrzehnten ein Spezialzweig, was besonders für die -Aufnahme der Seekarten aller Meere von günstigem Einfluß gewesen ist.</p> - -<p><b>Die Mannschaft</b> wurde im allgemeinen angeworben. In Holland geschah -es durchweg, in England griff man bei Mangel zur gewaltsamen Aushebung, -dem Pressen von Seeleuten. Auch in Frankreich wurde das Pressen bis zu -Colberts Zeit angewandt; dieser führte neben der Anwerbung eine Art -gesetzlicher Dienstpflicht der seemännischen Bevölkerung ein. Als aber -nach seinem Tode die hierfür festgesetzten Vorteile wegfielen, mußte wieder -zum Pressen gegriffen werden.</p> - -<p>Teils noch von älterer Zeit stammend, besonders aber wegen Mangels -an Seeleuten schiffte man zu Anfang des Zeitabschnittes noch <em class="gesperrt">Landsoldaten</em> -ein, aber nur mit Unteroffizieren; in Holland geschah es stets, in -England nur im Notfalle. In Holland bewährten sich diese Soldaten weder in -Disziplin noch Leistung, da sie erst unmittelbar vor dem Inseegehen an Bord -gesandt wurden und in ganz ungewohnte Verhältnisse kamen. In England -dagegen zeichneten sie sich in jeder Beziehung aus, wohl eine Folge des guten -Geistes in der Revolutionsarmee und der strengen puritanischen Zucht, die -in einem großen Teile des englischen Volkes herrschte. Diese so entgegengesetzten -Erfahrungen führten in beiden Staaten um 1664 zur Gründung von -<em class="gesperrt">Seesoldaten</em>-Regimentern, von denen Abteilungen unter eigenen -Offizieren zur Auffüllung der Besatzungen, zum Gebrauch der Handwaffen -und als Kern der Enterdivisionen und der Landungskorps an Bord der Schiffe -kommandiert wurden. Die neue Truppe zeichnete sich hier wie dort nicht -nur durch ihre eigene Disziplin aus, wohl eine Folge der rein militärischen -Ausbildung gegenüber den ungebundeneren Dienstverrichtungen der Seeleute, -sie war auch von gutem Einfluß in dieser Hinsicht auf die ganze Besatzung.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Geist des Personals</em>. Die Art und Weise, in der im 16. und -17. Jahrh. die Seefahrt betrieben wurde, mit ihrer gesetzlosen Gewalttätigkeit, -erzog zwar ein tüchtiges, tapferes und wagemutiges, aber auch rauhes, ja -rohes Personal. Die langen Ozeanfahrten, die Seefahrt in den nordischen<span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span> -Gewässern auf noch schlechten Schiffen, der schwere Dienst der Hochseefischerei -bildete harte, erfahrene und ausdauernde Seeleute heran; die fast -ununterbrochenen Kriege und der notwendige Selbstschutz des Handels -auf See und an fernen Küsten machte sie auch zu tüchtigen Kriegsleuten. -Der Ausdauer, Härte und Tapferkeit des Personals ist wohl die einzig dastehende, -blutige und hartnäckige Durchführung der englisch-holländischen -Kriege zuzuschreiben. Aber dieses Leben trug gewiß nicht dazu bei, Sitte sowie -Gefühl für Ehre und Pflicht im Seemannsstande zu heben, besonders nicht -die Freibeuterei, doch gerade diese lieferte den Kriegsmarinen den geeignetsten -Ersatz an Mannschaft und an Offizieren. Der militärische Geist und die -Disziplin konnten deshalb auch auf keiner hohen Stufe stehen und auch die -Behandlung des Personals war nicht geeignet, hier bessernd einzuwirken. -Die Soldzahlung war unpünktlich, die Verpflegung schlecht, die Fürsorge -für Kranke, Verwundete und Invalide mangelhaft; trotz harter Strafen -waren deshalb grobe Insubordination und Meutereien häufig.</p> - -<p>Mit der inneren Entwicklung stehender Marinen und eines Seeoffizierkorps, -in dem sich infolge des besseren Ersatzes ein Standesbewußtsein und -eine Standesehre ausbildeten, wurden diese Verhältnisse nach und nach besser. -Im Laufe der Zeit erlassen alle Staaten immer genauere und bessere Vorschriften -über Ersatz und Heranbildung der Offiziere und über die Fürsorge -für das gesamte Personal; über Verpflegung, ärztliche Behandlung, Gottesdienst -und Pensionen. Es erscheinen zeitgemäß gemilderte Kriegsartikel -sowie Instruktionen für den Dienstbetrieb: Routinen, die ersten wichtigsten -Rollen, wie Gefechts- und Feuerrolle, Speiserollen usw. Die Entwicklung -der stehenden Marinen in allen diesen Dingen kann man besonders von 1660 -an rechnen; der erste englisch-holländische Krieg, der als erster großer Seekrieg -überhaupt in so vielen Hinsichten durchgreifenden Einfluß auf das -Seewesen gehabt hat, ist auch hierin epochemachend gewesen.</p> - -<p class="small">Erwähnenswert dürfte noch sein, daß <em class="gesperrt">Uniformen</em> für Offiziere und Mannschaften -erst sehr spät eingeführt sind. In England wenigstens erscheinen die ersten Bestimmungen -über Offiziersuniformen erst 1748 (vgl. Clowes Teil III, Seite 20). Den Mannschaften war -schon früher Gelegenheit gegeben, Kleider vom Staate nach bestimmtem Schnitt und -Preise an Bord zu kaufen; es war aber nicht obligatorisch.</p> - -<h4>Kampfweise und Taktik.</h4> - -<p>Zu Ende des vorigen Zeitabschnittes war für die Segelschiffe mit -Breitseitarmierung an die Stelle des Kampfes in der Kielrichtung der -alleinige <em class="gesperrt">Kampf der Artillerie in der Querabrichtung</em> -getreten (Seite <a href="#Page_145">145</a>); wegen der geringen Treffähigkeit der Geschütze -wurde er auf nahe Entfernung — Musketen- und Pistolenschußweite -— geführt. Vom Manövrieren während des Gefechts war bei den noch -unhandlichen Schiffen wenig die Rede, man focht unter kleinen Segeln -oder backgebraßt — ein großer Gegensatz gegen die Ruderschiffe, bei denen -man gerade die Bewegung ausnutzte. Wie der Rammstoß nur noch gelegentlich, -wenn günstige Umstände dazu lockten, ausgeführt wurde, so trat auch<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span> -das Entern zunächst zurück. Fast nur bewegungslose Schiffe werden auf -diese Weise genommen; erst später, als die Fahrzeuge sehr viel besser waren, -tritt es wieder als Ziel des Einzelschiffskampfes auf. Mit zunehmender Segel- -und Manövrierfähigkeit der Schiffe, aber auch in artilleristischer Beziehung, -gewann die <em class="gesperrt">Luvstellung</em> im Gefecht an Bedeutung. Dem Gegner zu -Luward boten sich viele Vorteile: Er konnte Beginn und Entfernung des -Kampfes bestimmen, jederzeit zum Entern oder Rammstoß übergehen, der -Pulverrauch störte ihn weniger, brennende Rückstände aus den Geschützen -gefährdeten die eigene Takelage nicht. Ein Nachteil war, daß in der Luvstellung -zuweilen die Geschütze der untersten Batterie, also gerade die schwersten, -nicht zu gebrauchen waren, da man ihre damals sehr dicht über Wasser liegenden -Pforten bei starkem Winde oder Seegang in Lee geschlossen halten mußte.</p> - -<p>Auch Flotten mußten jetzt in einer Lage an den Feind geführt werden, -in der sie diesem nicht den Bug sondern die Breitseiten darboten; an die Stelle -der breiten Formationen, Sichel oder Halbmond, war eine tiefe getreten, -<em class="gesperrt">die Kiellinie</em>. Sie erleichterte das Manövrieren um die Luvstellung, -und diese bot für Flotten dieselben Vorteile wie für die Einzelschiffe; dazu -kam noch, daß die Luvflotte günstigere Gelegenheit für die Verwendung der -Brander hatte. Die Vorteile, die eine Leestellung für Flotten bietet, wurden -erst später taktisch verwertet.</p> - -<p>Vorläufig darf man aber hier nicht an die Kiellinie aus Einzelschiffen -denken. Die Gründe, weshalb sie zunächst nicht aus den einzelnen Schiffen -formiert wurde, wie es doch bei der Dwarslinie der Ruderschiffe geschehen -war, sind seemännischer und militärischer Natur. Die Ruderflotten waren -aus an Größe, Geschwindigkeit, Manövrierfähigkeit fast gleichartigen Fahrzeugen -zusammengesetzt und mit geschultem Personal bemannt; mit solchen -konnte man gutausgerichtete Linien formieren und aufrecht erhalten; die -Art des Motors begünstigte dies ebenfalls. Auch die Gefechtskraft der einzelnen -Schiffe war ziemlich dieselbe, eine aus ihnen gebildete Linie war also -auf allen Stellen gleich stark. „Das Einzelschiff bildete in ihr die taktische -Einheit.“ Für die ersten neueren Segelschiffsflotten — von der Zeit der -Armada bis zum ersten englisch-holländischen Kriege einschließlich — hatten -sich die Verhältnisse völlig geändert. Die Flotten bestanden aus nur wenigen -Kriegsschiffen mit geschultem Personal und einer großen Zahl erst für den -Krieg eingestellter Fahrzeuge. Die Segel- und Manövrierfähigkeit war -zu dieser Zeit im allgemeinen noch gering, und bei den an Größe und Güte -so ungleichen Schiffen sehr verschieden. Mit einer derart zusammengesetzten -Flotte war es nicht möglich, gut rangierte Formationen zu halten. Noch -mehr verschieden aber war die Gefechtskraft der Schiffe — starke Kriegsschiffe -gab es nur wenige —, und man konnte nicht daran denken, eine Schlachtlinie -aus den einzelnen Fahrzeugen zu bilden; sie würde zu viele schwache -Punkte geboten haben. Bei der ungeheuren Zahl der Schiffe, aus denen die -Flotten in diesen Zeiten bestanden, wäre endlich eine Linie aus Einzelschiffen -außerordentlich lang und völlig unlenkbar geworden. Somit war es geboten,<span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span> -aus den schwächeren Kriegsschiffen und den Kauffahrern Gruppen zu bilden, -die von den stärkeren Kriegsschiffen geführt wurden (Seite <a href="#Page_175">175</a>). „<em class="gesperrt">Die -Gruppen waren jetzt die taktischen Einheiten</em>“, aus -ihnen wurde die Schlachtlinie der Flotte formiert.</p> - -<p>Von den Ruderschiffen war die <em class="gesperrt">Einteilung einer Flotte</em> in -drei Geschwader übernommen: Mitte (der Höchstkommandierende), rechter -Flügel (der 2. Befehlshaber), linker Flügel (der drittälteste Admiral); zuweilen -trat ein viertes Geschwader als Reserve hinzu. Als die Kiellinie allgemein -geworden, wurden sie Mitte (centre; corps de bataille), Vorhut (van; -avantgarde) und Nachhut (rear; arrièregarde) benannt. Die Geschwader -waren aus Unterabteilungen, den Gruppen zusammengesetzt, in denen die -Schiffe aller Größen ohne besondere Formation um ihr Führerschiff zu gemeinsamem -Wirken geschart segelten. Holland teilte um die Mitte des -17. Jahrh. sehr große Flotten in 5, ja 7 Geschwader; wahrscheinlich war -dies von Tromp eingeführt und wurde erst von Ruyter (1666) geändert.</p> - -<p class="small">Die <b>Linie aus Gruppen</b> eingeführt zu haben, wird den Holländern zugeschrieben. -Englische Quellen<a name="FNanchor_89_89" id="FNanchor_89_89"></a><a href="#Footnote_89_89" class="fnanchor">[89]</a> erwähnen ausdrücklich, daß sie erst während des ersten Krieges -englischerseits von jenen übernommen sei. Der Ursprung der Gruppen an und für sich -dürfte älter sein. Wir haben sie ja schon bei der Armada auf englischer Seite gesehen, -wo sie infolge der verschiedenen Gefechtskraft der Schiffe gebildet worden waren. -Aber vielleicht auch die Art der Aufbietung von Flotten zu damaliger Zeit brachte sie -mit sich: Die spanische Armada zeigt die Einteilung der Geschwader nach Provinzen; -französische Flotten älterer Zeit werden geteilt in die Geschwader der Bretagne, Guyenne, -Provence; holländische in Geschwader der fünf Seeprovinzen; in England stellten die -Grafschaften und Städte ihre Kontingente, die wohl unter sich unter Führung von -Kriegsschiffen zusammenhielten. Die Einteilung in „Vorhut, Mitte und Nachhut der -Flotte“ wurde, wie man verschiedentlich sehen kann, außer dieser Einteilung nach -Provinz- usw. Abteilungen vorgenommen; diese bildeten also Gruppen in jenen. Vorstehende -Behauptung bezieht sich wohl nur auf die Einführung der „Flottenlinie aus Gruppen“ -durch die Holländer. Diese „Flottenformation“ wurde zur Zeit der Armada von den -Engländern noch nicht verwendet; ihre Geschwader und Gruppen arbeiten selbständig -mit nur lockerer Fühlung untereinander; von der Armada bis zum ersten holländischen -Kriege hat England dann keine großen Schlachten auf See geschlagen. Die Erfahrungen, -insbesondere die Erfolge gegen die Armada, scheinen die Engländer sogar einer geschlossenen -Flottenordnung abgeneigt gemacht zu haben. <em class="gesperrt">Sir William Monson</em> -schreibt 1635:<a name="FNanchor_90_90" id="FNanchor_90_90"></a><a href="#Footnote_90_90" class="fnanchor">[90]</a> „Eine starre Aufrechterhaltung der Flottenformation (Sichel und Halbmond -sind gemeint) hatte Zweck, so lange man nur vor dem Winde segelte. Seit man näher -am Winde segeln kann, nämlich seit Einführung der Bulin<a name="FNanchor_91_91" id="FNanchor_91_91"></a><a href="#Footnote_91_91" class="fnanchor">[91]</a>, kann man jederzeit an einer -Stelle angegriffen und damit in Unordnung gebracht werden; eine solche Formation -ist bei der ungleichen Segelfähigkeit der Schiffe an und für sich schwer aufrecht zu erhalten. -Ein Flottenchef soll den Wind gewinnen; im übrigen hat er die Unterführer -nur zu instruieren, sich mit ihren geschlossenen Geschwadern oder Gruppen die günstigste -Angriffsstelle auszusuchen, wobei sie sich gegenseitig Raum lassen müssen und nur zur -Unterstützung bei dringender Gefahr aneinander herankommen dürfen.“ Im Anfang des -ersten englisch-holländischen Krieges wurde dann vom Admiral Penn der Vorteil der -Holländer, in Flottenkiellinie ins Gefecht zu treten, erkannt und ihr Verfahren nachgeahmt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span></p> - -<p>Man kann wohl sagen, daß um 1648 das Ziel einer guten Taktik darin -bestand, die Luvstellung zu gewinnen und von dieser aus die Flotte in möglichst -wohlrangierter <b>Flottenkiellinie aus Gruppen</b> mit halbem Winde, mehr -leisteten die Schiffe im Durchschnitt kaum, an den Feind zu führen; die -Brander standen, auf die Geschwader und Gruppen verteilt, in Feuerlee, -d. h. auf der dem Feinde abgewendeten Seite. — Mit dem Zusammenstoße -aber hörte jede Oberleitung auf und auch die bisherige Ordnung ging bald -verloren. Taktische Regeln, um an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, -gab es noch nicht, dazu fehlten den Führern die Erfahrungen; zu geschickten -taktischen Bewegungen wären auch die Schiffe damals kaum geeignet gewesen. -Die Flotten waren endlich zu groß zum gemeinsamen Handeln, und das -Signalsystem war zu wenig ausgebildet, um einzelne Teile zu leiten.</p> - -<p class="small">Nur mit sehr einfachen <em class="gesperrt">Signalen</em> — Kanonenschüsse; einzelne Flaggen an verschiedenen -Stellen geheißt; Manövern mit Segeln u. dgl. — konnte man die notwendigsten -Befehle geben; längere und wichtige Anordnungen wurden, sogar im Gefecht, durch -Boote überbracht. Die Signale setzte anfangs jedesmal beim Zusammentritt einer Flotte -der Kommandierende fest; später entstand daraus ein festes Signalsystem, das sich aber -nur langsam ausbildete, erst um 1691 scheint man in England soweit gewesen zu sein, -daß Flottenbewegungen damit geleitet werden konnten.<a name="FNanchor_92_92" id="FNanchor_92_92"></a><a href="#Footnote_92_92" class="fnanchor">[92]</a></p> - -<p>An den Feind geführt, griff mit seinem Chef an der Spitze jedes der Geschwader, -die meist nicht einmal eng aufeinander geschlossen waren und -Nachzügler zurückgelassen hatten, für sich an; jede Gruppe, ja wohl jedes -Schiff suchte sich seinen Gegner. Diese Art des Angriffs sowie das Bestreben -der einzelnen Gruppen oder Schiffe, sich zu unterstützen oder feindliche -Gruppen oder Schiffe zu dublieren<a name="FNanchor_93_93" id="FNanchor_93_93"></a><a href="#Footnote_93_93" class="fnanchor">[93]</a>, führte zum baldigen Einbruch in die -feindliche Linie. Es mußte infolgedessen noch früher als bei den bewegungsfähigeren -Ruderschiffen die Melee eintreten, und um so mehr, als die Fahrzeuge, -unter kleinen Segeln nur wenig Fahrt laufend, bei dem dichten Pulverdampf -durcheinander trieben. Abbildungen von Schlachten zeigen uns -örtlich oft weit getrennte Gruppenkämpfe und Schiffsduelle; Beschreibungen -erzählen fast nur von geschickten Vorstößen einzelner Gruppenführer und -von besonderen Taten einzelner Kommandanten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Es ist die Zeit der Gruppentaktik.</em> Auf den verschiedenen -Stellen wird der Kampf fast ohne Bewegung ausgefochten, Lagen werden -auf Pistolenschußweite gewechselt, Brander greifen an, bis derjenige Teil, -der durch Artilleriefeuer, Brand und Explosionen die meisten Leute und -Schiffe verloren hat, oder dem die Munition knapp wird, Segel setzt und das -Feld räumt. Infolge der langsam und unsicher schießenden Artillerie dauert -der Kampf stundenlang und es tritt oft Munitionsmangel ein; Explosionen -sind wegen der ungenügenden Sicherung der Munitionsräume häufig; es ist -dagegen auffallend, wie wenig Schiffe in den großen Schlachten durch Entern -genommen werden.</p> - -<p>Ebensowenig, wie von planmäßigen taktischen Bewegungen während -des Gefechts die Rede ist, tritt nach der Entscheidung eine taktisch angelegte<span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span> -<em class="gesperrt">Verfolgung</em> ein, weil auch die Schiffe des Siegers zu sehr gelitten haben -und die Oberleitung ganz verloren gegangen ist.</p> - -<p>Wenn nun den Holländern zugeschrieben wird, die Linie aus Gruppen -eingeführt zu haben, so stammt von den Engländern ein weiterer wichtiger -Fortschritt in der Taktik. Während die Holländer noch länger im allgemeinen -gleich nach dem Zusammenstoß althergebrachterweise durch rücksichtsloses -Draufgehn und Einbrechen in die feindliche Linie die Entscheidung suchen -(1653, Schlacht bei Scheveningen), wodurch sie den Feind zwar oft verblüffen, -aber doch nur Teilerfolge erzielen, fangen die Engländer schon im ersten -Kriege an, Wert auf längere Ausnutzung des Artilleriefeuers in geschlossener -Ordnung zu legen und den Feind zu erschüttern, ehe sie in die Melee eintreten -(ebendort und schon in der Schlacht bei Northforeland-Nieuport). Es ist -diese wichtige Erkenntnis unzweifelhaft dem Umstande zuzuschreiben, daß -sich in England die stehende Marine und damit das Verständnis für militärische -Gesichtspunkte früher entwickelte, wie auch der Ausbildung der -Schiffsartillerie dort früher große Aufmerksamkeit zugewendet wurde.</p> - -<p>In den schnell aufeinander folgenden Kriegen des Zeitabschnittes erkannte -man bald die Nachteile der Gruppenformation und ihrer Kampfweise. Neben -der Unmöglichkeit der Übersicht, Leitung und Innehaltung der Ordnung -gab sie bei Windveränderungen und außergewöhnlichen Vorfällen Anlaß -zu Kollisionen und Havarien, die Schiffe hinderten sich gegenseitig an der -Verwendung ihrer Artillerie, den Brandern bot sich in den fast ohne Bewegung -zusammenliegenden Haufen von Schiffen ausgezeichnete Gelegenheit zum -Angriff. Alles wies auf Verwendung dünnerer Linien im Gefecht hin.</p> - -<p>Es führte dies, wie uns bekannt, zum Bau besonderer, starker und gleichwertiger -Schlachtschiffe, die ihren Platz in der Linie ausfüllen konnten. Jetzt -bildete man die <b>Kiellinie aus den einzelnen Schiffen</b>; diese wurden wieder an -Stelle der Gruppen die Gefechtseinheiten. Mit dem Ausscheiden der kleinen -Schiffe wurden die Flotten kleiner, so daß Übersicht, Leitung und Aufrechterhaltung -der Formation leichter war.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Einteilung einer Flotte</em> in Vorhut, Mitte und Nachhut blieb -bestehen; jedes dieser Geschwader wurde bei großer Schiffszahl in drei Divisionen -geteilt; die Flaggoffiziere segelten gewöhnlich in der Mitte ihrer Division.</p> - -<p class="small">Eine derartige Einteilung ist gut aus den späteren Angaben über die englische -Flotte in der Schlacht von Northforeland, 12. Juni 1653, zu ersehen. Dort wird auch -darauf hingewiesen, wie aus dieser Einteilung die englischen Flaggoffizierchargen, die -Admirale der verschiedenen Flaggen, hervorgegangen sind.</p> - -<p>Mit zunehmender Segelfähigkeit der Schiffe wurde die <b>Kiellinie beim -Winde</b> die Gefechtsformation, denn sie entsprach am besten allen Anforderungen: -Möglichkeit der Übersicht und Aufrechterhaltung und größte Freiheit -zu weiteren Manövern; sie war auch nötig zum Gewinnen und Erhalten -der vorläufig allgemein angestrebten Luvstellung. Sie bleibt die Normalformation -während der ganzen Segelschiffszeit. Zunehmende Kriegserfahrung -führt zur Aufstellung von Regeln für Angriff und Durchführung des Kampfes<span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span> -unter verschiedenen Umständen und für die erforderlichen Bewegungen, um -an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten. So bildet sich eine Taktik aus, -die zu Ende des Zeitabschnittes einen gewissen Abschluß erreicht hat.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Gefecht nimmt einen anderen Verlauf.</em> Der -Artilleriekampf wird immer länger von den geschlossenen, parallel zueinander -liegenden Flottenlinien geführt, die Melee wird nicht mehr gesucht; an ihre -Stelle treten Bewegungen zum Abschneiden und Dublieren einzelner Teile -des Feindes, um sie zu vernichten, ehe sie Unterstützung erhalten; die Brander -verlieren ihre Bedeutung.</p> - -<p class="small">Mit der besseren Ordnung in der Schlacht fiel die <b>Bedeutung der Brander</b> zunächst -noch nicht. In den wirren Kämpfen des ersten englisch-holländischen Krieges bot -sich ihnen zwar manche günstige Gelegenheit zum Angriff, aber sie mußten auf eigene -Faust handeln, wurden von den eigenen Schiffen nur schlecht beschützt und konnten -sich leicht in Freund und Feind irren. Als die Ordnung besser aufrecht erhalten wurde, -konnten sie von den eigenen Schiffen bis zum Angriff gedeckt und beim Angriff unterstützt -werden; sie waren auch im stande, ihr Opfer besser zu wählen und im Auge zu -behalten, da auch dieses jetzt an seine Stelle gebunden war. So werden die Erfolge -der Brander im zweiten Kriege größer. Im weiteren Verlaufe aber wurden sie dadurch -entwertet, daß die Kriegsschiffe infolge besserer Manövrierfähigkeit und schneller -sowie sicherer feuernder Artillerie ihnen leichter ausweichen und erfolgreicher begegnen -konnten, um so mehr, als sich nun auch der Artilleriekampf der Flottenlinien auf größeren -Entfernungen abspielte. Ihre Verwendung wurde immer seltener möglich, und so wurden -sie den besser segelnden Kriegsschiffen schließlich ein lähmender Ballast.</p> - -<p class="small">Mahan (Seite <a href="#Page_102">102</a>, <a href="#Page_105">105</a>) führt die Ähnlichkeit des Wesens der Brander mit dem -der Torpedofahrzeuge an, deren Entwicklung durch ähnliche Gründe beeinflußt ist.</p> - -<p>Die eben beschriebene Entwicklung vollzog sich natürlich nach und -nach. Die Anweisungen englischer Admirale<a name="FNanchor_94_94" id="FNanchor_94_94"></a><a href="#Footnote_94_94" class="fnanchor">[94]</a> für das Verhalten im Gefecht, -besonders beim Angriff, zeigen, wie zunächst gegen die Halbmond- und für -die Gruppenformation und ihre Gefechtsweise gesprochen, wie dann aber -immer mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Ordnung in der ganzen Flotte -und auch schon auf taktische Bewegungen gelegt wird. Aus der Beschreibung -der Schlachten werden wir ersehen, daß, allgemein gesagt, im -ersten englisch-holländischen Kriege die Kiellinie aus Gruppen und -der Gruppenkampf vorherrscht, daß im zweiten Kriege die Kiellinie beim -Winde Regel geworden ist und die Bildung der Linie aus Einzelschiffen -angestrebt wurde, und im dritten diese durchgeführt war.</p> - -<p>In vorstehendem ist die <b>Entwicklung des Seekriegswesens</b> während des -Zeitabschnittes im allgemeinen besprochen, unter Zugrundelegung der englischen -Verhältnisse. Vor jedem Kriege sollen später „die Streitmittel der -Gegner“ betrachtet werden; es veranschaulicht dies gleichzeitig die Entwicklung -der verschiedenen Marinen. Auf die Ausbildung der Taktik wird -an gleicher Stelle, sowie bei der Schilderung der Schlachten und in den -Schlußbemerkungen zu den Kriegen näher eingegangen werden.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_76_76" id="Footnote_76_76"></a><a href="#FNanchor_76_76"><span class="label">[76]</span></a> Hauptsächlich benützte Quellen: Clowes, Teil I, II, III; Troude, Teil I; -Jurien: Les marins du XV siècle; Arenhold; de Jonge; alle, besonders Clowes, geben an, -aus welchen technischen Quellen sie ihrerseits geschöpft haben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_77_77" id="Footnote_77_77"></a><a href="#FNanchor_77_77"><span class="label">[77]</span></a> Clowes gibt, Teil II, Seite 107 ein Verzeichnis dieser Schiffe.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_78_78" id="Footnote_78_78"></a><a href="#FNanchor_78_78"><span class="label">[78]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 150.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_79_79" id="Footnote_79_79"></a><a href="#FNanchor_79_79"><span class="label">[79]</span></a> Nach Jurien Teil II, Seite 158, erst 1760 bezw. 1770</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_80_80" id="Footnote_80_80"></a><a href="#FNanchor_80_80"><span class="label">[80]</span></a> Hauptquelle: Clowes, Teil II und III, die Kapitel „Civil history“ der Zeiten 1603 -bis 1649, 1649–1714, 1714–1763; darin reiche Angabe von technischen Quellen, sowie -Abbildungen von Schiffen I. und II. Klasse um 1670–1740.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_81_81" id="Footnote_81_81"></a><a href="#FNanchor_81_81"><span class="label">[81]</span></a> Vgl. Troude, Teil I, Seite 29 und de Jonge, Teil I, Seite 265.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_82_82" id="Footnote_82_82"></a><a href="#FNanchor_82_82"><span class="label">[82]</span></a> <em class="gesperrt">Colomb</em>, Seite 91, geht genauer auf diesen Punkt — Wachsen und Abnahme -der Zahl — ein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_83_83" id="Footnote_83_83"></a><a href="#FNanchor_83_83"><span class="label">[83]</span></a> Eine Liste dieser 26 Brander, Clowes, Teil II, Seite 246, verzeichnet Fahrzeuge -von 70–320 tons, 6–12 Kanonen, 20–50 Mann.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_84_84" id="Footnote_84_84"></a><a href="#FNanchor_84_84"><span class="label">[84]</span></a> Zur Zeit dieses Maximums war die Bedeutung der Brander schon gering, es -ist mehr nur noch eine Folge ihrer Tradition.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_85_85" id="Footnote_85_85"></a><a href="#FNanchor_85_85"><span class="label">[85]</span></a> Brandgeschosse einfachster Art: Eiserne Gerippe mit Zeug bezogen und mit -einem Brandsatz gefüllt, der schon im Rohr Feuer fing.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_86_86" id="Footnote_86_86"></a><a href="#FNanchor_86_86"><span class="label">[86]</span></a> Nach Clowes, Teil II, Seite 243.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_87_87" id="Footnote_87_87"></a><a href="#FNanchor_87_87"><span class="label">[87]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Clowes, Teil I, II, III, die Kapitel „Civil history“; -de Jonge, I; Jurien: Les marins du XV siècle; Chab.-Arnault.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_88_88" id="Footnote_88_88"></a><a href="#FNanchor_88_88"><span class="label">[88]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 13, Seite 100; de Jonge, I, Seite 321.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_89_89" id="Footnote_89_89"></a><a href="#FNanchor_89_89"><span class="label">[89]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 151, 189; Colomb, Seite 88. Beide führen alte Autoren an.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_90_90" id="Footnote_90_90"></a><a href="#FNanchor_90_90"><span class="label">[90]</span></a> Vgl. Colomb, Seite 87.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_91_91" id="Footnote_91_91"></a><a href="#FNanchor_91_91"><span class="label">[91]</span></a> Bulin ist ein Tau, das ein Segel straffer spannt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_92_92" id="Footnote_92_92"></a><a href="#FNanchor_92_92"><span class="label">[92]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 225 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_93_93" id="Footnote_93_93"></a><a href="#FNanchor_93_93"><span class="label">[93]</span></a> Zwischen zwei Feuer nehmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_94_94" id="Footnote_94_94"></a><a href="#FNanchor_94_94"><span class="label">[94]</span></a> Colomb, Seite 87 ff: Auszüge aus den „fighting instructions“ von 1635, 1655, 1665.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p189.jpg" width="600" height="102" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Drittes Kapitel.</span><br /> -Der erste englisch-holländische Krieg 1652–1654.</h3> - -<h4>Die Kriegsgründe.</h4> - -<p>Holland und England waren zwar natürliche Verbündete gegen die -katholische Weltpolitik Spaniens gewesen, als aber diese ihr Ende -gefunden hatte, führte Eifersucht zum Zusammenstoß zwischen den beiden -Seemächten; Gründe waren auf allen Meeren vorhanden.</p> - -<p>Beide Völker strebten danach, den Spaniern und Portugiesen den Handel -auf den Weltmeeren zu entreißen, beide traten ihrem Anspruch, allein Kolonien -zu gründen, entgegen; sobald sie darin Erfolge erzielt hatten, blieben Reibungen -nicht aus. Beide hatten ferner ihr Augenmerk darauf gerichtet, -nach dem Niedergang der Hansa den Seeverkehr in den nordischen Gewässern -in die Hand zu bekommen, und endlich bestanden von altersher Zwistigkeiten -über die Ausübung der Fischerei in der Nordsee. Schon seit langer Zeit -beanspruchte England die Oberherrschaft in den britischen Gewässern, -deren Begriff es sehr weit ausdehnte. Nun war der Heringsfang in der Nordsee -fast ganz in den Händen der Holländer, sogar nahe an der englischen Küste; -an 3000 Fischerfahrzeuge waren dort beschäftigt, die jährlich gegen eine -Million Lstrl. verdienten. Karl I. hatte 1636 diese Fischerflotte verjagt -und erreicht, daß Holland nur gegen eine hohe Entschädigung die Nordseefischerei -betreiben durfte. Während der Revolution hatte England notgedrungen -diesen Anspruch fallen lassen, jedoch keineswegs aufgegeben. Im -Seehandel hatten die Holländer schon unter der spanischen Herrschaft und -auch weiter trotz ihrer schweren Kämpfe gegen diese bis zur Mitte des 17. Jahrh. -den Engländern überall den Rang abgelaufen; ein zeitweiser Aufschwung -der Engländer war immer wieder durch innere Wirren oder durch Wechsel -in den Grundsätzen der Regierung gehemmt worden.</p> - -<p class="small">Die bedeutendste Reibung in fernen Gewässern war die sog. <em class="gesperrt">Amboina-Angelegenheit</em> -(Seite <a href="#Page_83">83</a>). Die andauernde Entrüstung in England über diesen -Vorfall, der nicht gesühnt wurde, trug nicht wenig zur Schürung des Hasses gegen -Holland bei.</p> - -<p class="small">Die Grenzen der <em class="gesperrt">britischen Gewässer</em> oder der four seas, über die England -die Herrschaft verlangte, waren: Im Norden der 63. Breitengrad von der Küste<span class="pagenumsmall"><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span> -Norwegens bis 23° W. Länge Greenwich und im Süden die Breite von Kap Finisterre -bis zu genanntem Längengrade. Das Gebiet umfaßte also etwa 20 Längengrade im Atlantik, -die Biscaya, den Kanal und die ganze Nordsee; hiermit hing die Forderung an -Holland, für die Fischerei in der Nordsee eine Abgabe zu zahlen, zusammen.</p> - -<p class="small">Für die <em class="gesperrt">Größe des holländischen Handels</em> dienen folgende Angaben: -1640 standen im Verkehr durch den Sund 1600 holländischen Schiffen nur 430 englische -gegenüber; 1650 verhielt sich der Gesamthandel Hollands zu dem Englands wie 5: 1; -Colbert nahm sogar an, daß die holländische Handelsmarine 4/5 der gesamten europäischen -betrüge.</p> - -<p>Als sich nun unter der tatkräftigen Regierung <em class="gesperrt">Cromwells</em> ein neuer -Aufschwung Englands in maritimer Hinsicht vorbereitete, wurde die Eifersucht -auf beiden Seiten in größerem Maße entfacht, namentlich auch in Holland. -Die der Entwicklung der Seemacht Englands ungünstigen inneren Wirren -während der Revolution waren den Holländern sehr gelegen gekommen. -Sie veranlaßten sie sogar, obgleich selber Republik, der Sympathie für das -vertriebene Königshaus Stuart Ausdruck zu geben. Dies führte zwar nicht zu -tätiger Unterstützung, offenbarte sich aber in verschiedener Weise; so wurde -Cromwells Gesandter im Haag ermordet. Auch wurden Vorschläge Englands -zu einer engeren Verbindung beider Republiken nach dem Siege der Generalstaaten-Partei -über die oranische und nach Abschaffung der erblichen Statthalterwürde -in Holland zurückgewiesen; die Bedingungen, unter denen diese -Verbindung erfolgen sollte, waren allerdings zu sehr zum Vorteil Englands. -Alle diese Umstände trugen wiederum dazu bei, in England den Haß gegen -den Nebenbuhler zu vermehren.</p> - -<p>Schon im Frühjahr 1651 machte es sich bemerklich, daß beide Nationen -sich auf einen Zusammenstoß vorbereiteten, wenn auch beide andere Gründe -für ihre Rüstungen angaben; das gegenseitige Mißtrauen wuchs und führte -im Juni zur Abberufung der Gesandten. Der letzte, entscheidende Anstoß -zum Kriege ging endlich von England aus, als am 9. Oktober 1651 Cromwell -die berühmte <b>Navigationsakte</b> erließ, die zum Schutz und zur Hebung der -englischen Schiffahrt allen Zwischenhandel verbot. Sie richtete ihre Spitze -besonders gegen Holland, in dessen Hand sich eben der Zwischenhandel -in erster Linie befand.</p> - -<p class="small">Aus dieser Akte ist hervorzuheben<a name="FNanchor_95_95" id="FNanchor_95_95"></a><a href="#Footnote_95_95" class="fnanchor">[95]</a>: „Von außereuropäischen Plätzen dürfen -Waren aller Art nach England und nach allen englischen Besitzungen nur auf Schiffen, -englischer Nationalität, deren Kapitäne und ¾ der Besatzung Engländer sind, verladen -werden — bei Strafe der Konfiskation von Schiff und Ladung. Europäische -Waren dürfen, unter demselben Präjudiz im Falle des Zuwiderhandelns, nach England -und nach allen englischen Besitzungen nur gebracht werden von englischen Schiffen -oder von Schiffen des Landes, von dem sie stammen oder zuerst verschifft werden können. -Seefische und sonstige Produkte des Fischfanges dürfen nach England nur von Schiffen -des Landes gebracht werden, dessen Untertanen sie gefangen oder bereitet haben; von -englischen Fischern gefangen usw. dürfen sie nur auf englischen Schiffen exportiert -werden.“ Ferner: Erhöhte Einfuhrzölle für die an Bord fremder Schiffe nach England -eingeführten Waren, Erneuerung des schon von der Königin Elisabeth erlassenen -Verbots des Küstenhandels für Fremde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_191" id="Page_191">[191]</a></span></p> - -<p class="small">Diese Akte wurde nach dem zweiten englisch-holländischen Kriege zugunsten -Hollands etwas eingeschränkt, im Laufe der Zeiten durch Handels- und Schiffahrtsverträge -auch anderen Nationen gegenüber etwas gemildert, aber erst 1854 ganz aufgehoben.</p> - -<p class="small">Die Navigationsakte erforderte zunächst auch von England große Opfer. Teuer -mußte man selber vieles produzieren, was man bisher billig vom Auslande bezogen; -selbst die Schiffahrt, die doch gerade gehoben werden sollte, mußte Opfer bringen, -der Schiffbau wurde um 30 Prozent teurer, die Matrosenlöhnung stieg wesentlich. Aber -doch wurde durch sie die maritime Entwicklung angebahnt, die England die Beherrschung -aller Meere verschaffen sollte. Cromwell hat das „Britannia rules the waves“ zur Geltung -gebracht, wie er auch kategorisch erklärte: England dürfe nicht dulden, daß ohne -seine Genehmigung eine andere Flagge als die englische auf den Ozeanen wehe. Anderseits -kann man von Holland sagen, daß es den Gedanken der Freiheit des Meeres — -zuerst gelehrt von Grotius, 1609, als Nachweis der Berechtigung Hollands zum Handel -nach Indien gegen die auf die päpstlichen Bullen von 1493 gestützten Bestrebungen -Portugals — zuerst mit Waffengewalt vertrat, allerdings im eigensten Interesse.</p> - -<p>Holland erhob sogleich Einspruch gegen die Navigationsakte, jedoch ohne -Erfolg. Es wurden ihm vielmehr englischerseits eine große Zahl Klagepunkte -entgegengehalten, worunter die noch nicht gesühnte Amboina-Angelegenheit, -die Unterstützung Karls II., die Ermordung des Gesandten, verschiedene -Schädigungen des englischen Handels und die Ausstände staatlicher Geldunterstützungen -von der Zeit Elisabeths her (vgl. Seite <a href="#Page_113">113</a>) die hauptsächlichsten -waren. Eine Einigung wurde nicht erzielt, vielleicht auch beiderseits kaum -beabsichtigt oder erwartet.</p> - -<p><b>Der Kriegszustand begann</b> mit der an englische Private erteilten Erlaubnis, -für vermeintliche Schädigungen Vergeltungsmaßregeln durch Aufbringen -holländischer Schiffe zu treffen, und mit der Beschlagnahme holländischer -Schiffe auf Grund der Navigationsakte sowohl in englischen Häfen -wie in den Kolonien. Die Holländer antworteten mit Gewaltmaßregeln -ihrerseits und mit verschiedenen Verstößen gegen das alte, von England beanspruchte -Flaggenrecht. Im Verein mit dem Anspruch auf die Oberhoheit -in den „britischen Gewässern“ verlangte nämlich England in ihnen den -<em class="gesperrt">Flaggengruß</em> für seine Kriegsschiffe von allen fremden Fahrzeugen, -sowie das Recht, diese zu untersuchen; dieses Recht gewann durch die -Navigationsakte noch an Bedeutung. Beide Forderungen waren um so lästiger -für Holland, weil alle seine Handelswege durch die britischen Gewässer -führten, ein Umstand, der auch sonst England zu einem besonders gefährlichen -Nebenbuhler zur See machte.</p> - -<p>Schon seit 1202 gab es ein englisches Edikt, nach dem jeder Kommandant -eines königlichen Schiffes jedes fremde, selbst befreundete, Fahrzeug nehmen -sollte, das vor ihm nicht die Flagge dippte und gewisse Segel striche; Cromwell, -erneuerte diese Bestimmung. Am 28. Mai 1652 zwangen 3 englische Kriegsschiffe -3 holländische, die einen Konvoi Kauffahrer begleiteten, nach kurzem -Gefecht zur Befolgung dieser Forderung und wenige Tage später schon führte -dieselbe Frage zu einer Seeschlacht (Dover), ohne daß der Krieg erklärt war.</p> - -<p class="small">In seinen Kolonien konnte England die Navigationsakte zunächst nicht streng -durchführen, weil man nicht über genügende Schiffe verfügte und in vielen die Royalisten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_192" id="Page_192">[192]</a></span> -die Übermacht hatten. Mehrere Kolonien hielten sogar den Handel mit Holland -während des Krieges aufrecht.</p> - -<h4>Die Streitmittel der Gegner.<a name="FNanchor_96_96" id="FNanchor_96_96"></a><a href="#Footnote_96_96" class="fnanchor">[96]</a></h4> - -<p><b>Holland</b> glaubte nach dem Westfälischen Frieden, nunmehr mit -allen Nachbarn im Frieden und zur See die mächtigste Nation, die -ungeheueren Ausgaben, die bisher Heer und Marine gefordert hatten, -einschränken zu können; es rüstete in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit -in jeder Beziehung ab. In Frankreich erwuchs ihm an Stelle Spaniens ein -gefährlicher Gegner zu Lande; trotzdem ließ man die Festungsbarriere, die -das Bollwerk gegen Spanien gewesen war, verfallen. Englands wetteifernde -Bestrebungen zur See erhielten gerade jetzt einen neuen Anstoß und man -wußte um die Pflege, die dort dem Seewesen zugewendet wurde; trotzdem -löste man die Marine, den Grundpfeiler des Seehandels und der Macht, nahezu -auf.</p> - -<p>Von den 130–150 Kriegsschiffen, die um 1648 den Bestand bildeten, -wurden 40 für den Schutz des Handels, der Fischerei und der Häfen als genügend -erachtet, die übrigen wurden verkauft oder aufgelegt; die letzten verdarben -schnell, da die Hilfsmittel zur Erhaltung zu jenen Zeiten überhaupt -noch im argen lagen und die Provinzen kein Geld hierfür auswerfen wollten. -Die in Dienst bleibenden Schiffe erhielten nur die geringst zulässige Bemannung; -die überzähligen Offiziere und Mannschaften, ein kostbares und bewährtes -Material, wurden abgedankt und gingen in den Kauffahrteidienst, viele -auch in fremden Staatsdienst über.</p> - -<p>Von schwerwiegender Bedeutung war ferner der Umstand, daß mit der -Abschaffung der Statthalterwürde (1650) zugleich die Stellung des Generaladmirals -fiel. Die Admiralitäten der Provinzen traten nun ohne Mittelpunkt -und ohne gemeinsame Vertretung in allen Dingen wieder unmittelbar unter -die Generalstaaten, was bei der häufigen Eifersucht der Provinzen vom -größten Nachteil für die Einheitlichkeit im Seewesen wurde. Den militärischen -Oberbefehl erhielt bei Zusammentritt größerer Flotten weiter der Admiralleutnant -von Holland und Westfriesland, aber das Vorhandensein von zwei -Vizeadmiralen (des von Holland und des von Seeland) führte, trotz erlassener -Bestimmungen über deren Anciennität, zu Reibungen zwischen ihnen und den -Provinzkontingenten, besonders wenn es sich um Vertretung des Admiralleutnants -handelte.</p> - -<p>Als sich im Jahre 1651 das Verhältnis mit England so verschärfte, daß -man auf einen Zusammenstoß ernstlich gefaßt sein mußte, wurde zunächst -der Befehl gegeben und auch schnell ausgeführt, weitere 36 Schiffe in Dienst -zu stellen, und im März 1652 beschloß man, noch 150 auszurüsten. Von diesen -sollten die Provinzen sofort 50 zwangsweise durch Heuern aufbringen, und<span class="pagenum"><a name="Page_193" id="Page_193">[193]</a></span> -zwar Fahrzeuge nicht unter 28 Kanonen, 85 Seeleute und 25 Soldaten, den -Rest aber sobald als möglich. Doch kaum die erstgenannten wurden zur -beabsichtigten Zeit fertig, die Zahl der letzteren ist während der ganzen Dauer -des Krieges nicht erreicht worden; es fehlte an geeigneten, d. h. genügend -starken Kauffahrern, an Mannschaft und an Geld.</p> - -<p>Vor und während des Krieges schwankte die Volksstimmung zwischen -Begeisterung für energische Durchführung der Rüstungen und Hoffnung -auf Erhaltung oder Wiederherstellung des Friedens und dementsprechend -die Opferwilligkeit; ein planmäßiger Ausbau der Flotte wurde unmöglich, -da keine kräftige einheitliche Oberleitung vorhanden war; den Admiralitäten -waren oft die Hände durch Geldmangel gebunden. Geldforderungen der -Generalstaaten bei den Provinzen führten zunächst meist zu endlosen -Schreibereien. Die Geldmittel spielten aber in diesem Kriege gegen das -erstarkende England eine größere Rolle als in den Kriegsläuften der letzten -Jahre gegen das ermattende Spanien oder gegen die einzelne Stadt Dünkirchen.</p> - -<p>Beim Ausbruch des Krieges war, den Verhältnissen der Zeit entsprechend, -ein Teil der Flotte zum Schutz des Handels und der Fischerei gegen Seeraub -und Freibeuterei abgezweigt. Besonders das Mittelmeer, in dem die Barbaresken -den Handel aller Nationen und die Franzosen den der Holländer -im besonderen störten, war stark besetzt; wir werden sehen, daß Holland -infolgedessen dort beim Ausbruch des Krieges England gegenüber sehr günstig -stand. So war die schlagfertige Flotte, die im Mai 1652 unter Admiralleutnant -Tromp auslief, nur einige fünfzig Schiffe stark.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Juli</em> 1652 war sie durch die neuen Rüstungen auf 92 Segel angewachsen, -sie enthielt aber nur ein Schiff mit 56 Kanonen — das Flaggschiff -„Brederode“, den einzigen Zweidecker Hollands —, 19 Schiffe mit 30 -bis 40 Kanonen, 12 kleinere Kriegsschiffe mit 8–10 Kanonen, 6 Brander; -den Rest von 52 bildeten die von den Handelskompagnien gestellten und die -sonst geheuerten Kauffahrer, deren Kanonenzahl man im allgemeinen nur -zwischen 20 und 30 annehmen kann.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im März d</em>es Jahres 1653 setzte sich der <b>Gesamtbestand</b> zusammen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p193_1"> - <tr> - <td class="tdl">Kanonenzahl</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdc">40–46</td> - <td class="tdc">30–38</td> - <td class="tdc">22–28</td> - <td class="tdr">14–18</td> - <td colspan="3"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Kriegsschiffe</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">24</td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdr">3</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc"> 66</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Eingestellte</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">18</td> - <td class="tdc">67</td> - <td class="tdr">2</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc"> 88</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">Summe:</td> - <td class="td23"> 1</td> - <td class="td23">14</td> - <td class="td23">42</td> - <td class="td23">92</td> - <td class="td24">5</td> - <td class="td23">=</td> - <td class="td23">154</td> - <td class="td23">Segel</td> - </tr> -</table> - -<p><em class="gesperrt">Beim Friedensschluß</em> 1654 waren <b>an Kriegsschiffen</b> vorhanden:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p193_2"> - <tr> - <td class="tdl">Kanonenzahl</td> - <td class="tdc">66</td> - <td class="tdc">50–58</td> - <td class="tdc">40–48</td> - <td class="tdc">30–38</td> - <td class="tdc">20–28</td> - <td class="tdc">8–18</td> - <td colspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Zahl der Schiffe</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">27</td> - <td class="tdc">33</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">101</td> - </tr> -</table> - -<p>Man ersieht, daß während des Krieges viele Schiffe hinzugekommen -sind und zwar meist neu als Kriegsschiffe erbaut. Es waren beim Friedensschlusse -noch über 30 Schiffe im Bau; auch manche, namentlich größere,<span class="pagenum"><a name="Page_194" id="Page_194">[194]</a></span> -der angeführten haben im Kriege keine Verwendung mehr gefunden, da die -letzte Zeit keine große Unternehmung brachte.</p> - -<p class="small">Vorstehende Angaben sind entnommen aus de Jonge, Teil I, Beilage XXII und -XXIII. Wenn Clowes, Teil II, Seite 150, für März 1654: 112 Schiffe von 24–48 Kanonen -gegen obige 86 von 20–48 Kanonen angibt, so ist anzunehmen, daß er die Schiffe in -Bau — etwa 30, wovon die Hälfte über 40 Kanonen — mitzählt; er spricht selber von -vielen neuen Schiffen, die bei längerer Dauer des Krieges die holländische Flotte um -die Hälfte stärker hingestellt haben würden.</p> - -<p>Dieser <b>Neubau von wirklichen Kriegsschiffen</b> und auch besonders von -solchen höherer Klassen war die Folge des gleichen Vorgehens in England, -wo man schon von vornherein über Fahrzeuge mit größerer Gefechtskraft -verfügte. Aber nicht allein in der schwächeren Bestückung lag die Schwäche -der älteren holländischen Schiffe; sie waren auch leichter gebaut, aus Fichtenholz -mit Holznägeln, so daß sie keine lange Lebensdauer und wenig Widerstandsfähigkeit -gegen Geschützfeuer hatten. Auf diese letzte Eigenschaft -hatte man bisher, sparsamkeitshalber und noch an die ältere Kampfweise -Draufgehn und Entern gewöhnt, kein Gewicht gelegt. Endlich hatten die -holländischen Schiffe, entsprechend den flachen Küstengewässern und Häfen, -wenig Tiefgang, flache Böden und waren dafür breiter; infolgedessen segelten -sie schlecht beim Winde und waren rank. Die neuen Kriegsschiffe baute -man nach Vorbild der Engländer widerstandsfähiger, besser segelnd, größer -und stärker armiert; alle Schlachtschiffe waren jetzt Zweidecker. Die alten -Fahrzeuge hatten nur den Vorteil gehabt, daß sie sich gebotenenfalls bei -ihrem geringen Tiefgang hinter Untiefen an der Küste zurückziehen konnten, -wovon des öfteren Gebrauch gemacht ist.</p> - -<p>In der <em class="gesperrt">Verwendung schwerer Kaliber</em> stand Holland noch -weiter hinter England zurück (vgl. Seite <a href="#Page_105">105</a>). Noch 1654, als in dieser Hinsicht -schon wesentliche Verbesserungen eingetreten waren, führte nur das -Flaggschiff 36-Pfünder und zwar nur 4, von den Schiffen über 50 Kanonen -hatten nur einige 10–12 Stück 24-Pfünder, die übrigen 2–4 Stück; Schiffe -von 40–50 und von 30–40 Geschützen führten durchweg nur 2–4 Stück -24-Pfünder, die übrige Mittelartillerie bestand bei allen aus 18- und 12-Pfündern -oder nur aus 12-Pfündern.<a name="FNanchor_97_97" id="FNanchor_97_97"></a><a href="#Footnote_97_97" class="fnanchor">[97]</a> Es kommt hinzu, daß Schiffe gleicher Größe -von den verschiedenen Provinzen nicht gleichmäßig in den Kalibern armiert -wurden und daß die eingestellten Kauffahrer noch weit schwächer bestückt -waren: Fahrzeuge von 28–32 Kanonen führten als schwerste Geschütze -nur 6–10 Stück 12-Pfünder, solche von 22–24 oft nur 8-Pfünder.</p> - -<p>Auch die <b>Bemannung der Flotte</b> machte Schwierigkeit. Man war ganz -auf Freiwillige angewiesen, weil Gesetze und Volkswille das Pressen ausschlossen. -Da das Hauptbestreben Hollands während des ersten Krieges -dahin ging, Handel und Fischerei im vollsten Maße weiter zu betreiben, so -meldeten sich nicht genügend Freiwillige, wenn auch der Dienst auf fremden -Schiffen verboten war.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_195" id="Page_195">[195]</a></span></p> - -<p>Die Schiffe waren infolgedessen oft ungenügend bemannt, und es mußten, -besonders auf den eingestellten Handelsschiffen, auch minderwertige Leute -angeworben werden, wodurch dann die Disziplin litt. So stand in Holland, -obgleich doch sonst wahrlich im Lande kein Mangel am vorzüglichsten Material -war, die Bemannung der Flotte nicht auf der Höhe, die man hätte erwarten -können; man besaß allerdings in der eigentlichen Kriegsmarine eine große -Zahl tüchtiger Führer sowie Ober- und Unteroffiziere.</p> - -<p>In <b>England</b> lagen die Verhältnisse in jeder Hinsicht weit günstiger. Wir -wissen (Seite <a href="#Page_161">161</a> ff.), daß die Republik sogleich in großem Maßstabe mit dem -Bau von Kriegsschiffen vorgegangen war — 60 wurden während des Krieges -gebaut — und daß man die Fahrzeuge leistungsfähiger, „fregattenähnlich“, -konstruierte.</p> - -<p>Man war sich klar, daß der Strauß mit Holland zu seiner Durchführung -eine große Macht verlangen würde. Infolge des stets wachsenden Einflusses -Cromwells war kein Mangel an Mitteln; Einheit des Willens begünstigte -einen planmäßigen Ausbau der Flotte.</p> - -<p>Mit dem Königtum war die Stelle des Lordhighadmirals gefallen. Eine -Behörde von „<em class="gesperrt">Kommissären der Admiralität und Marine</em>“ -übte das Amt aus, nach und nach immer abhängiger vom Parlament oder -eigentlich von Cromwell, dessen Machtwort entschied. Das Kommando -über die mobilen Streitkräfte lag in der Hand einer Kommission von -3–5 „<em class="gesperrt">Generalen zur See</em>“, was jedoch hier nicht zu Reibungen -führte.</p> - -<p><b>Der Schiffsbestand</b> der englischen Marine war im März 1651 noch schwach: -3 Schiffe über 60 Kanonen; 10 mit 50–54; 12 mit 40–46; 24 mit 30–34 -und kleinere. Da auch hier Schiffe im Auslande waren, mußte ebenfalls -auf Kauffahrer zurückgegriffen werden. In wie viel geringerem Maße dies -jedoch in England geschah, wird aus einigen Angaben zu ersehen sein. Obige -Geschützzahlen zeigen im Vergleich mit den Angaben über Holland für Mai -und Juli 1652 die weit stärkere Armierung auf englischer Seite, und dementsprechend -enthält auch die sonst nur schwache englische Flotte beim -ersten Zusammenstoß am 29. Mai 1652 unter 21 Segeln: 8 Schiffe über 40 -Kanonen; 7 über 30, dazu 3 kleinere Kriegsschiffe und 3 Kauffahrer. Noch -weit ungünstiger für Holland stehen die Verhältnisse im Jahre 1653. Vergleichen -wir die Angaben über Holland für März 1653 mit der Flotte Moncks -in der Schlacht von Northforeland am 12. Juni 1653. Beide Flotten bildeten -in der Schlacht nicht den Gesamtbestand der Marinen, denn zur englischen -stießen am nächsten Tage noch 18 Schiffe und vom Gesamtbestande der -holländischen Marine nahmen nur 98 teil, man kann aber die ungeheure -Überlegenheit der Engländer, was die Stärke der Schiffe an Geschützzahl -anbetrifft, dennoch beurteilen.</p> - -<p>Die englische Flotte bestand in der Schlacht aus 100 Schiffen, der holländische -Gesamtbestand war 154 (wovon 98 anwesend); nun hatte:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_196" id="Page_196">[196]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p196_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc" colspan="4">England in der Schlacht</td> - <td> </td> - <td class="tdc" colspan="4">Holland im Gesamtbestande</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdc">50–88</td> - <td class="tdc">Kanonen</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdl">56</td> - <td class="tdc">Kanonen</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdc">40–46</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdl">40–46</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">55</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - <td class="tdc">42</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdl">30–40</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p>Da bleibt für England in der Schlacht nur ein Rest von 8 Schiffen unter -30 Geschützen, für Holland aber gegen den Gesamtbestand ein solcher von 92, -und für die Schlacht mindestens von 40; wahrscheinlich aber waren es noch -weit mehr, denn man kann nicht annehmen, daß in der Schlacht nur schwächere -Schiffe vom Gesamtbestande fehlten, es werden auch stärkere Kriegsschiffe -detachiert oder in Ausbesserung gewesen sein. Bei der englischen Flotte in der -Schlacht kamen ferner auf 60 Kriegsschiffe nur 29 Kauffahrer gegen 88 Kauffahrer -auf 66 Kriegsschiffe im holländischen Gesamtbestande. Endlich seien -noch die Angaben über die holländische Marine gegen Ende des Krieges -(1654, Juli) und über die englische im Dezember 1653 (vgl. Seite <a href="#Page_176">176</a>; dort -nach Klassen, hier nach Kanonenzahl aufgeführt), gegenübergestellt:</p> - -<p>Es besaß danach an wirklichen Kriegsschiffen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p196_2"> - <tr> - <td class="tdl">Kanonenzahl</td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">88</td> - <td class="tdc">60–66</td> - <td class="tdc">50–58</td> - <td class="tdc">40–46</td> - <td class="tdc">30–39</td> - <td class="tdc">20–29</td> - <td class="tdc">6–10</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England (Dez. 1653)</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">32</td> - <td class="tdc">43</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">14</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland (Juli 1654)</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 9</td> - <td class="tdc">27</td> - <td class="tdc">33</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">15</td> - </tr> -</table> - -<p>Welch eine Übermacht auf englischer Seite, besonders an schweren -Schiffen über 50 Kanonen!</p> - -<p>Es müssen aber auch die in beiden Marinen <em class="gesperrt">verwendeten Kaliber</em> -verglichen werden, wobei wir nur die schwere Artillerie berücksichtigen -wollen. Nach den Aufzeichnungen für England von 1652 (vgl. Seite <a href="#Page_170">170</a>, -Tabelle) und nach denjenigen für Holland von 1654 führten bei einer:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p196_3"> - <tr> - <td class="tdl">Gesamtzahl Kanonen</td> - <td class="tdc">80–100</td> - <td class="tdc">60–66</td> - <td class="tdc">50–58</td> - <td class="tdc">30–46</td> - <td class="tdc">unter 30</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Englische Schiffe</td> - <td class="tdc">min. 24–42-</td> - <td class="tdc">min. 24–32-</td> - <td class="tdc">20–32-</td> - <td class="tdc">18–32-</td> - <td class="tdc">16–32-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holländische<span style="margin-left: 0.5em;">„</span></td> - <td class="tdc">— </td> - <td class="tdc">4–36-</td> - <td class="tdc">max. 12–24-</td> - <td class="tdc">max. 4–24-Pfdr.</td> - <td class="tdc">—</td> - </tr> -</table> - -<p>Das Übergewicht der englischen Artillerie an Zahl und Kaliber der Geschütze -wurde endlich noch verstärkt durch die <em class="gesperrt">bessere Ausbildung -der Besatzung</em>. Diese wird den ganzen Zeitabschnitt hindurch von -dem Gegner anerkannt; unter anderen wird gesagt, daß ein englisches Geschütz -in derselben Zeit 5 gegen 4 Schüsse bei Holländern und Franzosen abgegeben -habe, und es wird hervorgehoben, daß auf den englischen Schiffen sämtliche -Matrosen durch nur wenige Spezialisten am Geschütz ausgebildet seien, -so daß somit die Hauptwaffe durch Verluste nie lahmgelegt werden konnte. -Wir hörten schon, daß die Schiffskanoniere zuerst in England (hier „gunner“) -abgeschafft wurden oder im seemännischen Personal aufgingen. Zu bemerken -ist ferner, daß sich schon im ersten englisch-holländischen Kriege das englische -Feuer hauptsächlich gegen die feindliche Besatzung, das holländische -gegen die Takelage richtet. Bis in die späteste Zeit der Segelschiffe hat sich -die englische Flotte, meist zu ihrem Vorteil, hierin von ihren Gegnern unterschieden;<span class="pagenum"><a name="Page_197" id="Page_197">[197]</a></span> -Mannschaftsverluste auf der einen Seite, Beschädigungen der -Takelage auf der anderen bestätigen dies. Holländische Quellen heben im -ersten Kriege „einmal“ besonders hervor, daß die Engländer auf die Takelage -geschossen hätten. Es war dies bei einem Verfolgungsgefecht nach der Schlacht -bei Portland und somit richtig, denn hier wollte man einzelne Feinde verkrüppeln -und die dann Zurückgebliebenen nehmen.</p> - -<p>Abgesehen von der Artillerie war das englische <em class="gesperrt">Schiffsmaterial</em> -auch sonst besser. Größtenteils neu und nur zum Kriegszweck gebaut, waren -die Schiffe größer, fester, stabiler, besser segelnd und manövrierend; die -Holländer sagen, ihre Gegner hätten in den neuen fregattenähnlich gebauten -Fahrzeugen ein Material gehabt, geeignet, Gruppen ihrer Flotte auszumanövrieren -und abzuschneiden. Selbst in Hinsicht auf die eingestellten Kauffahrer -war England besser daran. Von den 29 Handelsschiffen in der Schlacht -von Northforeland führten 26 eine Zahl von 30–46 Kanonen, von den 88 des -holländischen Gesamtbestandes hatten nur 19 dieselbe Zahl, der Rest von -69 aber unter 30. Holland verwendete also nicht nur weit mehr Kauffahrer, -sondern diese waren auch größtenteils minderwertiger; es scheinen demnach -auch die englischen Handelsschiffe dieser Zeit, zwar an Zahl weit geringer, -den holländischen überlegen gewesen zu sein, die der beiden großen Kompagnien -ausgenommen. Ein Nachteil der englischen Schiffe war vielleicht, -daß man gerade in dieser Zeit im Gegensatz zu Holland dazu neigte, sie zu -stark zu armieren. Es wird berichtet, daß englische Kriegsschiffe öfters -genötigt waren, auf größeren Reisen einen Teil ihrer Geschütze zum Ballast -zu verstauen. Da aber der Krieg in den heimischen Gewässern ausgefochten -wurde, kam nur der Nutzen der Überarmierung zur Geltung.</p> - -<p>Zeitweise auftretende Schwierigkeiten, die <em class="gesperrt">Flotten zu bemannen</em>, -wurden in England durch das Pressen leichter gehoben; es scheint wenigstens, -als ob die Schiffe stets genügend besetzt gewesen sind. Allerdings zog man -auch Landsoldaten heran, die sich aber, wie bereits erwähnt, besser bewährten -als in Holland.</p> - -<p>Aus allem kann man <em class="gesperrt">den Schluß ziehen</em>, daß die Streitkräfte -Hollands bei annähernd gleicher Schiffszahl denen Englands unterlegen -waren. Das Schiffsmaterial war es entschieden. Mit Recht beklagen sich -die holländischen Admirale dauernd darüber; sie führen öfters an, der Feind -stelle ihnen 20 Schiffe gegenüber stärker als ihr mächtigstes. Dieser Umstand -trug zuweilen dazu bei, die Zuversicht auf holländischer Seite zu erschüttern, -und ist wohl der Grund gewesen, wenn mehrmals eine größere Zahl von -Schiffen dem Kampfe auswich.</p> - -<p>Beiden Nationen stand ein vorzügliches Personal zur Verfügung, in -gleicher Weise aufgewachsen und wohl gleich in den Vorzügen und Fehlern -der Seeleute damaliger Zeit; aber in Holland machte die Einstellung mehr -Schwierigkeit, in England waren dagegen Ausbildung und Disziplin besser. An -erfahrenen Flottenführern und höheren Offizieren war Holland anfangs überlegen, -galt doch der Admiralleutnant Tromp als der tüchtigste Admiral<span class="pagenum"><a name="Page_198" id="Page_198">[198]</a></span> -seiner Zeit. In England dagegen lag die Führung in der Hand von 3–5 -Generalen zur See, von denen die meisten nicht Seeleute, sondern Landoffiziere -waren, und gerade solche führten im ersten Kriege den Oberbefehl.</p> - -<p class="small">Diese Generale waren: Popham (Seemann), ernannt 1649; Dean, 1649, fiel 1653; -Blake, 1649; Monck, 1652; Penn (Seemann), 1654; Montagu, 1654. — Blake und -Monck zeichneten sich als Höchstkommandierende aus.</p> - -<p>Gewiß zogen diese ihre erfahrenen Unterführer und Kapitäne, Seeleute -von Beruf, zu Rate; es war jedoch nicht immer möglich, namentlich nicht in -den Gefechten, und so mögen manche Fehler diesem Umstande zuzuschreiben -sein. Aber die Generale, mit einer trefflichen Schule aus den Revolutionskriegen, -lernten schnell; anderseits trugen sie als Männer von besserer Erziehung -und Bildung als die Seeleute, dazu bei, den Geist in der Flotte, -besonders im Offizierkorps, zu heben. Als erfahrene Militärs und Leute -von weiterem Blick verbesserten sie die Disziplin und haben großen Einfluß -auf die Strategie, auf die Änderung der Kriegführung, gehabt.</p> - -<p class="small"><b>Die Verwendung der Flotten Englands und Hollands von 1648–1652</b><a name="FNanchor_98_98" id="FNanchor_98_98"></a><a href="#Footnote_98_98" class="fnanchor">[98]</a> sei kurz -angeführt.</p> - -<p class="small">In <em class="gesperrt">England</em> war die Flotte der Republik von hervorragendem Nutzen zur -Vereitlung der Versuche der königlichen Partei, das Königtum wieder aufzurichten. -Sie eroberte die Inseln des Kanals, auf denen sich die Royalisten länger hielten und von -denen aus sie Freibeuterei trieben; es waren dies unter <em class="gesperrt">Blakes</em> Führung die ersten -größeren Unternehmungen von Seestreitkräften gegen Landbefestigungen. Die Flotte -unterwarf die Kolonien Amerikas und Westindiens mit royalistischen Gesinnungen. -Ein Teil der ehemaligen Flotte war dem Königtum treu geblieben (vgl. Seite <a href="#Page_139">139</a>) und -wurde vom <em class="gesperrt">Prinz Rupert</em> geführt. Anfangs im Kanal und später im Mittelmeer, -von Portugal aus, wo sie Unterstützung fanden, operierten diese Streitkräfte gegen -England und gegen den englischen Handel. Der Kampf gegen sie war eine Schule für -die Flotte der Republik und für manche der späteren Führer, insbesondere Blake; -aus dieser Zeit stammt auch die erste englische Flottenstation im Mittelmeer (aber -noch keine dauernde).</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">holländische Flotte</em> fand in diesen Jahren mannigfache Verwendung -in außerheimischen Gewässern, hauptsächlich aber die Schiffe der beiden großen -Kompagnien. Im Mittelmeer hatte sie den Handel nicht nur gegen die Barbaresken, -sondern auch gegen französische Freibeuter zu schützen.</p> - -<p class="small">Obschon in Europa mit Portugal Frieden herrschte, wurden doch die Kämpfe in den -fernen Kolonien, die im Unabhängigkeitskriege mit Spanien begonnen hatten und -fortgesetzt wurden, als Portugal wieder selbständig geworden, nur selten auf kurze -Zeit unterbrochen. In <em class="gesperrt">Indien</em> wuchs die holländische Macht weiter auf Kosten -Portugals, und in Afrika besetzte Holland 1652 das von Portugal als Eigentum angesehene, -wenn auch nicht besiedelte <em class="gesperrt">Kapland</em>. Weniger glücklich war Holland in -<em class="gesperrt">Brasilien</em>. Hier empörte sich ihre von der westindischen Kompagnie gegründete, -aber fast nur von portugiesischen Urkolonisten bewohnte Kolonie (vgl. Seite <a href="#Page_88">88</a>).</p> - -<p class="small">Größere Flotten wurden dahin entsandt; sie richteten aber wenig aus, und von -Beginn des englischen Krieges an konnte man nichts mehr für die Kolonie tun. Auch in -Portugal war 1649 eine portugiesisch-brasilianische Kompagnie gegründet worden. Unterstützt -durch deren Schiffe, wurde 1653 Recife von den Aufständischen genommen, und -die Holländer zogen sich Ende Januar 1654 ganz aus Brasilien zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_199" id="Page_199">[199]</a></span></p> - -<h4>Der Verlauf des Krieges.<a name="FNanchor_99_99" id="FNanchor_99_99"></a><a href="#Footnote_99_99" class="fnanchor">[99]</a></h4> - -<p class="small">Ehe wir in die Beschreibung des ersten großen Krieges eintreten, ist es nötig, -einige Worte über <b>Mängel in den Quellen</b> zu sagen.</p> - -<p class="small">Die besten alten Werke über die englisch-holländischen Kriege stammen aus Holland -vom Ende des 17. Jahrh., ihre Angaben machen den Eindruck der Treue. Spätere englische -Bücher, die meist auf diesen begründet scheinen, machen einen weit parteiischeren -Eindruck, so z. B. in den Angaben über Zahl der Schiffe und über Verluste in den Gefechten; -diese werden für die holländischen Streitkräfte meist sehr hoch, für die Engländer -möglichst niedrig angegeben. Erst das neueste Buch, Laird Clowes, läßt dem -Gegner mehr Gerechtigkeit widerfahren; er vermeidet stets übertriebene Zahlenangaben. -Wir folgen seinem Beispiel.</p> - -<p class="small">Die sichersten alten Überlieferungen sind die Berichte und Briefe der Admirale -usw. Man kann aber daraus den Verlauf der Schlachten und Gefechte nicht übersehen, -weil sie meist nur Angaben enthalten über: das Sichten; die Windrichtung, aber nicht -immer die Kurse; die Lage der Gegner zueinander in Beziehung auf den Wind (d. h. -wer zu Luward stand); die Einteilung der Flotten in Geschwader, aber nicht immer, -wie die Unterabteilungen zueinander standen (also nicht die Flottenformation). Dann -folgen Aufzählungen hervorragender Taten einzelner Admirale und Kommandanten -und Schilderungen von geschickten und mutigen Angriffen oder heldenmütigem Widerstand. -Taktische Bewegungen während des Gefechtes werden selten erwähnt und dann auch -nur in angedeutetem Sinne, wenn es z. B. einem Geschwader- oder Gruppen-Führer gelingt, -sich in eine günstige Position zu setzen. Eine chronologisch fortlaufende Erzählung fehlt -fast immer. Der Grund hierfür ist wohl darin zu suchen, daß zu dieser Zeit noch das -Gefecht nach dem Zusammenstoß meist gleich zur Melee, zu Einzelkämpfen der Gruppen -oder gar der Schiffe wurde; die Oberleitung und damit auch der Überblick ging verloren, -man erfuhr später nur, was eine jede Gefechtseinheit für sich erlebt hatte. Diese Angaben -stehen nun häufig nach den verschiedenen Quellen, ja selbst nach ein und derselben, -in scharfem Widerspruch. Wo es möglich war, sie einigermaßen in Einklang zu bringen, -habe ich versucht, den Verlauf der Schlachten darzustellen, wobei ich mich oft an Clowes -anlehne, sonst mußte ich mich auf vermutende Andeutungen und auf Hervorheben -wichtiger Einzelheiten beschränken. Dieser Mangel tritt besonders zur Zeit des ersten -Krieges auf und verliert sich erst später allmählich.</p> - -<p class="small">Die Angabe der Daten weicht in den verschiedenen Quellen oft um zehn Tage -voneinander ab, je nachdem die Autoren den alten oder neuen Kalender berücksichtigt -haben; der Gregorianische Kalender ist in den katholischen Ländern schon Ende des -16., in den protestantischen erst im Laufe des 18. Jahrh. eingeführt. Ich gebe nach -bestem Wissen die Daten nach dem neuen Stil. Ferner kommen noch Unterschiede -von einem Tage vor; wahrscheinlich sind diese dadurch hervorgerufen, daß aus den -Berichten und namentlich aus den Logbüchern das astronomische anstatt des bürgerlichen -Datums entnommen ist.</p> - -<p><b>Das Gefecht bei Dover am 29. Mai 1652.</b> Die englische Flotte im Kanal -zur Zeit des Beginns der Feindseligkeiten kommandierte <em class="gesperrt">Blake</em>. Er hatte -mit ihr 1651 die von Royalisten besetzt gehaltenen Kanalinseln zur Übergabe -gezwungen, dann war Admiral <em class="gesperrt">Ayscue</em> mit einigen Schiffen der Flotte -nach Westindien gesandt, um die dortigen Kolonien dem Parlamente zu -unterwerfen. Am 28. Mai 1652 lag ein Teil der Kanalflotte unter <em class="gesperrt">Bourne</em> -in den Downs (Rhede von Deal, geschützt durch die davorliegenden Goodwin-Sände,<span class="pagenum"><a name="Page_200" id="Page_200">[200]</a></span> -dem üblichen Ankerplatz für Schiffe, um die Themsemündung zu -sichern), Blake selbst lag auf der Rhede von Rye.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p200.jpg" width="250" height="343" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p200" id="fig_p200"></a> -<p class="caption">Robert Blake.</p> -</div> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Robert Blake</em>, 1599 in Bridgewater als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns -geboren, übernahm nach kurzem Studium mit 26 Jahren das väterliche Geschäft, führte -als Oberst in der republikanischen Armee mit Erfolg die Truppe seiner Heimat und -wurde 1649 von Cromwell zum „General -at Sea“ (mit Dean und Popham) ernannt. -Verfolgt 1650 Prinz Ruperts königliche -Schiffe bis ins Mittelmeer, zwingt 1651 die -Kanalinseln (die Scillys und Jersey) zur -Übergabe, kommandiert 1652–54 gegen -Holland, bekämpft 1655 die Seeräuberstaaten -Tunis und Algier, nimmt 1657 die -spanische Silberflotte in Teneriffa unter -den Kanonen von St. Cruz. Er stirbt auf -der Rückreise 1657 und wird in Westminster -begraben. Obgleich bis 1649 dem -Seewesen fremd, wurde er einer der -größten Seehelden Englands, fast immer -siegreich auch den berühmtesten Admiralen -gegenüber. Seine Angriffe auf die Küstenwerke -— Kanalinseln, Tunis, Teneriffa — -waren die ersten dieser Art, und die Flotten -begannen nach seinen Erfolgen solche Befestigungen -gering zu schätzen. Blake tat -auch viel für die Vermehrung und die -Organisation der Marine. Er war ein ernster, -pflichttreuer Puritaner, nicht ehrgeizig, -wohlwollend und fürsorglich für seine Untergebenen, -ein beliebter Vorgesetzter.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p201.jpg" width="250" height="288" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p201" id="fig_p201"></a> -<p class="caption">Martin Tromp, der Ältere.</p> -</div> - -<p>Bourne hatte 9 Schiffe, 7 Kriegsschiffe von 32–52 Kanonen und -2 kleinere Kauffahrer; Blakes Geschwader war 8 Kriegsschiffe von -36–64 Kanonen, 3 kleinere und einen Kauffahrer stark. Am 29. Mai sichtete -<em class="gesperrt">Bourne</em> eine holländische Flotte von 42 Fahrzeugen, die von der flandrischen -Küste herüberkam. Zwei von ihr detachierte Schiffe kamen auf die -Rhede, salutierten die englische Flagge und überbrachten vom holländischen -Admiral <em class="gesperrt">Tromp</em> die Nachricht, daß er nur durch das Wetter gezwungen sei, -zur englischen Küste zu kommen, er habe nicht länger vor Dünkirchen liegen -können. Bourne gab zur Antwort, Tromp könne die Harmlosigkeit seiner -Absichten am besten durch schleunige Entfernung beweisen; gleich beim -Sichten der Holländer hatte er „Klar zum Gefecht“ machen lassen und die -Nachricht an Blake gesandt, daß er einen Angriff befürchte; nachts ließ er -den Feind durch leichte Schiffe beobachten. Mittlerweile hatte Tromp vor -Dover geankert, aber die Aufforderung (durch Schüsse) der Befestigung dort, -die Flagge zu streichen, unberücksichtigt gelassen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Martin Tromp, der Ältere</em>, Sohn eines Seeoffiziers, 1597 in Brielle an -der Maasmündung geboren, ging mit 9 Jahren zur See und wurde mit 11 Jahren von -einem englischen Kaper gefangen, auf dem er 2½ Jahre dienen mußte. Er wurde mit<span class="pagenumsmall"><a name="Page_201" id="Page_201">[201]</a></span> -21 Jahren Offizier, mit 23 Jahren Kapitän, 40 Jahre alt Admiralleutnant. Tüchtiger -Seemann, unerschrockener Führer, vom Feinde gefürchtet, von den Untergebenen -geliebt. Fällt am 10. August 1653 durch eine Gewehrkugel in der Schlacht bei Scheveningen. -Er soll in 32 Schlachten und Gefechten siegreich gewesen sein; die wichtigste -Tat war die Vernichtung der letzten spanischen Hochseeflotte unter d'Oquendo in den -Downs 1639 (Seite <a href="#Page_141">141</a>). In der Biographie seines Sohnes Cornelis „Vie de Tromp“ -auch Näheres über ihn z. B. Seite <a href="#Page_155">155</a>.</p> - -<p>Da der Wind NO. war, so erhielt <em class="gesperrt">Blake</em> die Meldung bald. Er lichtete -sofort Anker und kreuzte nach Osten auf, gleichzeitig sandte er Befehl an -Bourne, ihm entgegenzukommen, woraufhin dieser am 29. Mai gegen Mittag -ankerauf ging. Zu derselben Zeit verließ <em class="gesperrt">Tromp</em>, als er Blake sichtete, -seinen Ankerplatz und steuerte nach Calais hinüber; nachdem er jedoch mit -einem von Westen kommenden holländischen Schiffe gesprochen, halste er -plötzlich und hielt auf Blakes Geschwader ab.</p> - -<p>Als sich die beiden Flaggschiffe, englisch „James“ (48 Kanonen), -holländisch „Brederode“ (56 Kanonen) etwa querab von Folkestone einander -näherten, feuerte Blake als Aufforderung, -die Flagge zu -streichen, nacheinander drei -Schuß, aber ohne Erfolg. Im -Gegenteil, auf den dritten -Schuß antwortete Tromp mit -einer Breitseite, die vom -„James“ prompt erwidert -wurde. In das so entstandene -Gefecht griffen die nächsten -Schiffe sofort ein; es war aber -ein Kampf ohne jede taktische -Anlage. Als Tromp seinen Kurs -auf die englische Flotte nahm, -hatte er sich mitten durch seine -Schiffe fahrend an die Spitze -gesetzt, ohne Innehaltung einer -Ordnung folgten die Seinigen; -von der englischen Flotte -anderseits waren verschiedene -Schiffe weit in Lee und kamen -erst nach und nach auf. Die Spitzen stießen aufeinander; die Holländer -würden mit ihrer Überzahl die Schiffe der englischen Spitze erdrückt haben, -wenn nicht fast gleichzeitig <em class="gesperrt">Bournes</em> Geschwader herangekommen wäre -und den wirren Haufen der holländischen Schiffe seitlich hinten angegriffen -hätte. Heiß wurde gefochten, englische Küstenfischer gingen während des -Gefechts an Bord der Schiffe und halfen bei der Bedienung der Geschütze; -erst die hereinbrechende Dunkelheit trennte die Gegner. Die Engländer -sammelten sich vor Hythe, besserten ihre Beschädigungen aus und segelten<span class="pagenum"><a name="Page_202" id="Page_202">[202]</a></span> -dann nach den Downs, Tromp steuerte am anderen Morgen zur französischen -Küste hinüber.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p202.jpg" width="600" height="454" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p202" id="fig_p202"></a> -<p class="caption">Gefecht bei Dover, 29. Mai 1652.</p> -</div> - -<p>Die englischen Schiffe haben bei diesem Gefecht schwerere Beschädigungen, -besonders auch in der Takelage, davongetragen (namentlich das Flaggschiff), -dagegen nahm Bourne zwei holländische Schiffe; es scheinen auch die Verluste -an Mannschaft auf holländischer Seite größer gewesen zu sein, so daß -man im ganzen wohl den Engländern den Erfolg zusprechen muß.</p> - -<p>Wenn <b>das Gefecht</b> auch taktisch wenig bietet, so ist es doch <b>in verschiedener -Hinsicht bemerkenswert</b>. Es war das erste größere Zusammentreffen -der beiden Nationen und zeigt schon die Hartnäckigkeit im Kampf, die die drei -großen englisch–holländischen Kriege kennzeichnet und ihre Schlachten so -blutig macht. Die Holländer waren an Zahl der Schiffe doppelt so stark und -siegten nicht, ein Beweis für die Überlegenheit der englischen Schiffe (Größe, -Armierung, Segelfähigkeit, Stärke und Ausbildung der Besatzungen) im -allgemeinen und auch wohl die der Kriegsschiffe über eingestellte Kauffahrer. -Bei den Engländern kamen hier auf 15 Kriegsschiffe nur drei Kauffahrer, -in der großen Zahl der Holländer werden weit mehr gewesen sein; man kann -dies mit Sicherheit nach der Zusammensetzung der Flotte annehmen, mit -der Tromp einen Monat später auftritt.</p> - -<p>Das Fehlen jeglicher Taktik mag seinen Grund darin haben, daß Blake -noch wenig seemännische Erfahrung hatte, der sonst erfahrene, bisher<span class="pagenum"><a name="Page_203" id="Page_203">[203]</a></span> -stets siegreiche Tromp aber auf die Überzahl rechnete, und daß der Vorfall -durch die stürmische Natur des Angriffs den Charakter eines zufälligen Zusammenstoßes -erhielt.</p> - -<p>Endlich ist zu fragen, weshalb es zum Gefecht kam. Der Krieg war -zur Zeit noch nicht erklärt, es waren sogar durch einen außerordentlichen -Gesandten Hollands in London neue Unterhandlungen im Gange, die eine -friedliche Beilegung in Aussicht stellten. Tromps Order lautete deshalb, -den Handel im Kanal zu schützen, der englischen Küste aber fern zu bleiben -und Reibungen zu vermeiden. In betreff des Flaggengrußes war ihm überlassen, -nach eigenem Ermessen zu handeln, nachdem er auf eine Frage hierüber -seiner Regierung geantwortet hatte, der Flaggengruß sei zur Zeit des englischen -Königtums wohl üblich gewesen, besonders wenn beim Begegnen -die holländische Macht die schwächere war. Da der Krieg noch nicht erklärt -war und beide Teile die Schuld des Zusammenstoßes dem Gegner zuschrieben -— auf holländischer Seite wird behauptet, Blake habe zuerst eine Breitseite -abgegeben —, wurden beide Befehlshaber zur Verantwortung<a name="FNanchor_100_100" id="FNanchor_100_100"></a><a href="#Footnote_100_100" class="fnanchor">[100]</a> gezogen. -Tromp gab an, zu keiner Zeit feindliche Absichten gehabt zu haben, andernfalls -würde er schon am 28. den schwächeren Bourne in den Downs haben -vernichten können, er sei sogar, um Reibungen zu vermeiden, nicht einmal -auf die dortige Rhede gegangen; am 29. sei der Kampf durch Blakes Breitseite -hervorgerufen, die dieser abgegeben habe, obgleich er, Tromp, durch Wegführen -der Segel und Dippen der Flagge gegrüßt habe. Beides ist mit Vorsicht -aufzunehmen; der Angriff auf Bourne wäre nicht so einfach gewesen, da -die Holländer gegen Wind und Strom unter dem englischen Feuer hätten aufkreuzen -müssen, und bei der Untersuchung des Falles englischerseits bezeugten -auch die gefangenen holländischen Kapitäne, daß Tromp zuerst eine -Breitseite gefeuert habe. Tromp führte endlich an, er habe am 29. aufs neue -den Kurs zur englischen Küste genommen, weil er von dem ihm begegnenden -holländischen Schiffe erfahren hätte, daß von Westen eine Anzahl reich -beladener Kauffahrer käme, die durch englische Schiffe gefährdet werden -könnte.</p> - -<p>So ist denn anzunehmen, daß Tromp am 28. an der englischen Küste -erschien, um Stand und Stärke der englischen Flotte zu erkunden, am 29. -wollte er wohl zum Schutz der Kauffahrer seine gewaltige Macht zeigen, -dabei darauf vertrauend, daß angesichts seiner Stärke die Engländer den -Flaggengruß nicht fordern würden. Als dies doch geschah, kam es zum -Zusammenstoß, was bei dem herrschenden Haß auf beiden Seiten und bei -der damaligen allgemeinen Neigung zu gesetzlosem, gewalttätigem Vorgehen -auf See nicht sehr zu verwundern ist.</p> - -<p><b>Weitere Ereignisse bis zur Kriegserklärung.</b> Der Zusammenstoß bei -Dover erregte in England große Entrüstung, das Haus des holländischen<span class="pagenum"><a name="Page_204" id="Page_204">[204]</a></span> -Botschafters mußte vor dem Pöbel geschützt werden, und die neuen Unterhandlungen<a name="FNanchor_101_101" id="FNanchor_101_101"></a><a href="#Footnote_101_101" class="fnanchor">[101]</a> -zerschlugen sich. Auch die Engländer zogen jetzt Kauffahrer in -großer Zahl zum Kriegsdienste ein und preßten in den südöstlichen Grafschaften -alle Seeleute zwischen 15 und 50 Jahren. Außerdem traf Anfang -Juni <em class="gesperrt">Ayscue</em> auf seiner Rückkehr von Westindien in Plymouth ein; er -führte 36 auf Grund der Navigationsakte genommene Prisen und zwar hauptsächlich -Holländer mit sich.</p> - -<p><em class="gesperrt">Blake</em>, dessen Flotte jetzt stark vermehrt und von ihm in den Downs -sorgfältig organisiert war, erhielt Befehl auszulaufen, um die holländische -Heringsfischerei an der Nordostküste Schottlands zu zerstören und feindliche -Handelsschiffe auf ihrem Wege von der Ostsee oder bei den Shetlands abzufangen. -Viele aus dem Atlantik kommende holländische Schiffe wählten -zu dieser Zeit den Kurs nördlich um Großbritannien, um die Scherereien -und Gefahren — Visitation und etwaige Beschlagnahme durch die Engländer — -im Kanal zu vermeiden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ayscue</em> erhielt Befehl, damit die Themsemündung nicht ganz unbeschützt -bliebe, <em class="gesperrt">nach den Downs</em> zu gehen, wo er am 30. Juni eintraf; -vorher nahm er noch die Gelegenheit wahr, am 22. Juni bei Lizard ein Konvoi -holländischer Portugalfahrer anzugreifen, von denen er einige nach heftigem -Kampf mit den begleitenden Kriegsschiffen nahm.</p> - -<p><em class="gesperrt">Blake</em> segelte am 7. Juli nach Norden mit nunmehr 39 Kriegsschiffen, -2 Brandern, 2 Schaluppen und 18 armierten Kauffahrern; Ayscue blieb mit -nur 14 Schiffen, wovon die Hälfte Kauffahrer, in den Downs zurück; die -Absicht, ihn von der Themse aus zu verstärken, mußte aufgegeben werden, -da Tromp an der Küste erschien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tromp</em>, der jetzt auch den Befehl erhalten hatte, den Feind nach -Möglichkeit zu schädigen, wurde von dem aus London zurückkehrenden -Gesandten über Ayscues Schwäche unterrichtet und beschloß, diesen anzugreifen. -Tromps Flotte war 92 Segel stark: 20 Kriegsschiffe (30–40 Kanonen), -12 kleinere (Fregatten, 8–10 Kanonen), 6 Brander und 54 armierte -Kauffahrer. Sein Angriff, von Norden bei günstigem Winde angesetzt, mißlang -jedoch, da Ayscue dicht unter Land, geschützt durch das Kastell von Deal -und verschiedene behelfsmäßige Batterien unmittelbar am Strande, lag -und der Wind sich zu seinen Gunsten änderte. Tromp folgte nun Blake, kam -aber auch hier zu spät; bereits war die holländische Fischerflotte vor dem -Firth of Moray in alle Winde zersprengt, die 13 schützenden kleinen Kriegsschiffe -(Fregatten) waren bis auf eins genommen und ebenso etwa 100 Fischerfahrzeuge -mit 1500 Mann; diese wurden jedoch von Blake wieder freigegeben, -um seine Flotte nicht zu schwächen, als er weiter bis zu den Shetlands segelte. -Hier fand ihn Tromp am 5. August, es kam aber nicht zum Gefecht, weil ein -schwerer NW.-Sturm einsetzte. Die englische Flotte fand Schutz unter<span class="pagenum"><a name="Page_205" id="Page_205">[205]</a></span> -Land, die holländische litt schwer. Nur mit 39 Schiffen kehrte Tromp nach -Holland zurück; von den übrigen war ein Teil gesunken, der Rest stark -beschädigt und zerstreut, und die Heimkehr der letzten Schiffe zog sich -bis in den September hinein.</p> - -<p>Der Vergleich der beiden Flotten hier zeigt deutlich die mehrfach erwähnte -Schwäche Hollands. Bei Blake kamen auf 41 Kriegsschiffe 18 Kauffahrer, -bei Tromp auf 32 aber 54.</p> - -<p><em class="gesperrt">Blake</em> folgte zwar der holländischen Flotte, aber er verfolgte sie nicht. -<em class="gesperrt">Tromp</em> wurde nach seiner Rückkehr vom Kommando entsetzt: er hatte -den endgültigen Bruch herbeigeführt, den Handel nicht schützen können, -gegen die feindliche Flotte nichts erreicht und endlich die halbe Flotte verloren; -außerdem war er als Anhänger der Oranier der Regierung unbequem. An -seine Stelle trat <em class="gesperrt">Witte de Witt</em> als Oberbefehlshaber und unter ihm -Ruyter.</p> - -<p><b>Die Kriegserklärung. Gefecht bei Plymouth am 26. August 1652.</b> Erst -am 28. Juli war der Krieg erklärt. Das Bisherige war eigentlich nur ein -Vorspiel gewesen; auch der kleine Krieg, das Aufbringen von Handelsschiffen -durch Kreuzer und Kaper, hatte lange schon vor der Kriegserklärung begonnen. -Auch hierin war England durch seine größeren Schiffe im Vorteil; -eine holländische Verfügung, die verbot, Kaperbriefe an Schiffe unter 200 -tons und unter 20 Geschütze zur eigenen Sicherheit dieser auszugeben, mußte -wegen Mangels an besserem Material zurückgezogen werden. Die kriegerischen -Unternehmungen nach der Kriegserklärung trugen zunächst denselben -Charakter wie die des Vorspiels, nämlich: Schutz des eigenen Handels, Bedrohung -des feindlichen. Auf englischer Seite wurde <em class="gesperrt">Ayscue</em> zu diesem -Zweck nach dem Westen des Kanals gesandt, <em class="gesperrt">Blake</em> stand mit der Hauptmacht -im Osten. Von beiden Nationen kreuzten zahlreiche einzelne Schiffe -zum Aufbringen feindlicher Kauffahrer und zur Warnung der eigenen.</p> - -<p>Auf holländischer Seite erhielt <em class="gesperrt">Ruyter</em> den Befehl, mit einem Geschwader, -das während Tromps letzter Fahrt ausgerüstet war, 50–60 nach -auswärts bestimmte Handelsschiffe durch den Kanal zu geleiten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Michael de Ruyter</em>,<a name="FNanchor_102_102" id="FNanchor_102_102"></a><a href="#Footnote_102_102" class="fnanchor">[102]</a> 1607 zu Vlissingen in dürftigen Verhältnissen geboren, -ging mit 11 Jahren als Kauffahrtei-Schiffsjunge zur See, kurze Zeit diente er auch im -Heere und 1637 führte er einen Kaper gegen Frankreich. 1640 trat er in den Staatsdienst -und wurde der hervorragendste Admiral der Niederlande. Er war unerschrocken, -beharrlich, umsichtig, pflichttreu und ein vorzüglicher Seemann; politisch gemäßigter -Republikaner. Sein liebenswürdiger, einfacher und doch vornehmer Charakter erwarb -ihm die Hochachtung seiner Gegner, die Liebe seiner Untergebenen. Er fiel 1676 als -Leutnant-Admiral-General bei Agosta und wurde in Holland mit fürstlichen Ehren -unter Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung begraben.<a name="FNanchor_103_103" id="FNanchor_103_103"></a><a href="#Footnote_103_103" class="fnanchor">[103]</a></p> - -<p class="small">Ruyter übernahm das Kommando nur ungern;<a name="FNanchor_104_104" id="FNanchor_104_104"></a><a href="#Footnote_104_104" class="fnanchor">[104]</a> 1652 zum dritten Male verehelicht, -hatte er sich vom Seefahren zurückziehen wollen. Auch scheinen ihm der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_206" id="Page_206">[206]</a></span> -schlechte Zustand der Flotte sowie das Parteiwesen, das in ihr wie im Lande -herrschte, Bedenken gemacht zu haben; nur durch Anruf seiner Vaterlandsliebe ward er -gewonnen.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Ruyter</em> das Kommando am 10. August übernahm, bestand die -Flotte nur aus 15 Schiffen. Er erklärte verschiedentlich, mit so wenigen -und außerdem den Schiffen der Feinde an Stärke nachstehenden Fahrzeugen -die Aufgabe nicht ausführen zu können; er hatte nämlich Angaben über -die Stärke Ayscues, die allerdings hinsichtlich der Größe der Schiffe übertrieben -waren. Während er bis zum 21. August auf die zu begleitenden -Kauffahrer wartete, wurde seine Flotte durch zwei Nachschübe verstärkt. Am -genannten Tage segelte er von Gravelines mit großer Vorsicht und mit Verwendung -zahlreicher Aufklärungsschiffe den Kanal hinab. Am 26. August -traf er südlich von <em class="gesperrt">Plymouth</em> in der Mitte des Kanals auf <em class="gesperrt">Ayscue</em> und -beide Teile gingen sofort zum Angriff über.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyters Flotte bestand</em> aus 30 Kriegsschiffen:[A] 16 zu -28–26 Kanonen mit 120–180 Mann (nur das Flaggschiff „Neptun“ hatte bei -28 Kanonen 134 Mann); 4 zu 24 Kanonen, 70–100 Mann; 2 unbekannter -Größe; 6 zu 30 Kanonen, 100–110 Mann; 2 zu 40 Kanonen, 200 Mann. Die -beiden zu 40 Kanonen waren Schiffe der ostindischen Kompagnie; aber auch -sonst werden Kauffahrer darunter gewesen sein, so z. B. die 30 Kanonenschiffe, -die eine so geringe Zahl an Mannschaften im Verhältnis zur Kanonenzahl -haben. Ein Vergleich der genauen Liste aller Schiffe Ruyters<a name="FNanchor_105_105" id="FNanchor_105_105"></a><a href="#Footnote_105_105" class="fnanchor">[105]</a>[**gleiche Fußn.] mit -englischen Listen, z. B. für Dover oder später Northforeland, zeigt, wieviel -schwächer die Holländer armiert und bemannt waren. Ein englisches Schiff -von 36 Kanonen (allerdings überarmiert) entsprach an Größe vielleicht -einem holländischen von 28 Kanonen; jenes hatte 120–160 Mann, dieses -nur 80–120 Besatzung. Hinzu traten noch 3 Gallioten und 6 Brander. Von -den Schiffen seines Konvois wählte Ruyter ferner etwa 20 verhältnismäßig -stark armierte aus und stellte sie in die Gefechtsformation, die üblichen drei -Geschwadergruppen, ein; den Rest sandte er nach Lee. Die Brander wurden -zu je 2 auf die Geschwader verteilt mit dem Befehl, die größten Schiffe des -Feindes anzugreifen; die Gallioten waren beauftragt, brennenden oder -sinkenden Schiffen Hilfe zu leisten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ayscue</em> war etwa 40 größere Kriegsschiffe (darunter 2 zu 60 Kanonen, -8 zu 36–40 Kanonen), 8 kleinere und 4 Brander <em class="gesperrt">stark</em>, also an Zahl und -Stärke der Kriegsschiffe, wie die Engländer selbst zugeben, überlegen; da -aber, wie anderseits die Holländer zugestehen, die eingestellten Schiffe des -Konvois zum großen Teil voll ihre Pflicht taten, kann man wohl die Kräfte -als gleich ansehen.</p> - -<p>Der Wind war NO., die Engländer standen beim gegenseitigen Sichten -zu Luward. Über den taktischen <em class="gesperrt">Verlauf des Gefechts</em> ist sonst -nichts bekannt, die Überlieferungen rühmen nur die Taten einzelner Kommandanten;<span class="pagenum"><a name="Page_207" id="Page_207">[207]</a></span> -es scheint sofort die Melee eingetreten zu sein. Vom frühen Nachmittag -bis zur Dunkelheit wurde heiß gekämpft, wieder scheinen die Holländer -den größeren Verlust an Leuten, die Engländer die größeren Beschädigungen -an den Schiffen, besonders in der Takelage erlitten zu haben. Beide Teile -behaupten, zwei oder drei Gegner vernichtet, selbst aber kein Fahrzeug -verloren zu haben. Beide schreiben sich den Sieg zu, da aber Ayscue am -andern Tage zum Ausbessern nach Plymouth ging, Ruyter dagegen seinen -Konvoi sammelt und mit nur zwei Kriegsschiffen aus seinem Schutze entläßt, weil -er keine ernstliche Belästigung für ihn mehr befürchtet, ist wohl den Holländern -der Erfolg zuzuschreiben; daß Ayscue trotz seines bisherigen guten Rufes nicht -mehr aktiv verwendet wird, zeugt von dieser Auffassung auch englischerseits.<a name="FNanchor_106_106" id="FNanchor_106_106"></a><a href="#Footnote_106_106" class="fnanchor">[106]</a></p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> teilte sogar am 28. August seinen Kommandanten mit, daß -er beabsichtige, den Feind in Plymouth aufzusuchen;<a href="#Footnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> dieser Angriff sollte -am 30. stattfinden, aber ein in der Nacht vorher einsetzender südlicher -Sturm zwang die Holländer, den Plan aufzugeben und von der Leeküste frei zu -segeln. Ruyter kreuzte noch bis Ende September im Westen des Kanals, -dann kehrte er nach Holland zurück, da er die Nachricht erhalten hatte, daß -Blake mit der feindlichen Hauptmacht in See sei, um ihn abzufangen; auch -hatte seine Flotte in einem dreitägigen schweren Sturme sehr gelitten und -verschiedene Kommandanten zeigten sich unbotmäßig<a href="#Footnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> oder ungeschickt<a name="FNanchor_107_107" id="FNanchor_107_107"></a><a href="#Footnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a> in -der Führung ihrer Schiffe. Auf der Rückreise sichtete er einen Teil der Flotte -Blakes (unter Penn), er wich jedoch einem Gefechte aus, wohl mit Rücksicht auf -seine durch die Schlacht und die Stürme geschwächten Schiffe und weil er -den anderen Teil der englischen Macht in der Nähe wußte. Am 2. Oktober -trat er bei <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> unter den Befehl <em class="gesperrt">Witte de Witts</em>, der -die Flotte Tromps übernommen hatte. Diese war aber, wie uns bekannt, -eben erst wieder völlig versammelt und bedurfte der Ausbesserung; so -hatte Blake schon im Rücken Ruyters mit seinen unversehrten Schiffen -den Kanal beherrscht, viele Prisen aufgebracht und war dann westlich gesegelt, -um Ayscues ausbesserungsbedürftiges Geschwader dort zu ersetzen. Nach -Ruyters Rückkehr war der ganze Kanal in den Händen Englands.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_208" id="Page_208">[208]</a></span></p> - -<p><b>Blake vernichtet am 7. September 1652 ein französisches Geschwader.</b><a name="FNanchor_108_108" id="FNanchor_108_108"></a><a href="#Footnote_108_108" class="fnanchor">[108]</a> -Dieser Vorfall kennzeichnet wiederum die Kriegführung zur See und das -Verhältnis der Völker auf dem Meere zueinander in dieser Zeit. England -war zwar im Frieden mit Frankreich, aber auf der See waren Reibungen an -der Tagesordnung. Belästigung des englischen Handels durch französische -Freibeuter, die Unterstützung, die den Royalisten in Frankreich zu teil -geworden war, die Nichtanerkennung der Republik und endlich Streitigkeiten -über die Fischerei auf den Neufundlandbänken hatten seit 1650 zu -Gewaltmaßregeln und Aufbringen von Schiffen englischerseits geführt. Es -bestand jetzt zur See eine Art Kriegszustand, der Zusammenstöße einzelner -Kriegsschiffe, im Mittelmeer gar kleinerer Geschwader, zur Folge hatte. Nun -war Frankreich mit Spanien im Kriege (1635–1659, vgl. S. <a href="#Page_109">109</a>). <em class="gesperrt">Dünkirchen</em>, -seit 1646 von Frankreich besetzt, wurde von den Spaniern -belagert. Ein französisches Geschwader unter dem <em class="gesperrt">Herzog von Vendôme</em> -sollte Truppen, Munition und Vorräte in die in höchster Bedrängnis -befindliche Stadt werfen; <em class="gesperrt">Blake</em> stieß am 7. September 1652 auf dieses -Geschwader, griff sofort an und schlug es in einem laufenden Gefechte. Er -nahm oder zerstörte 7 von den 8 begleitenden Kriegsschiffen und zerstreute -die Transporter; Dünkirchen fiel infolgedessen wenige Tage später.</p> - -<p>Diese Tat war denn doch ein Kriegsakt, der selbst über die Grenzen der -damals üblichen Gewaltmaßregeln hinausging, dennoch erfolgte seitens -Frankreichs nichts als diplomatische Vorstellungen; Spanien dagegen sprach -dem englischen Parlamente seinen Dank aus. Diesen Staat sich geneigt zu erhalten, -war auch wohl der Grund zu der unerhörten Tat gewesen; im Mittelmeer -nämlich lagen die Verhältnisse nicht zu Englands Gunsten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Krieg im Mittelmeer.</em> Im Mittelmeer war der englische Handel, -einige gelegentliche Expeditionen gegen afrikanische Piraten abgerechnet, bis -zum Jahre 1650 unbeschützt gewesen; im genannten Jahre verfolgte, wie -schon früher erwähnt, Blake (später Penn) den Prinzen Rupert bis dorthin, -und von dieser Zeit an wurde ein ständiges Mittelmeergeschwader gehalten, -das neben dem Schutz des Handels auch dort Zwangsmaßregeln gegen Frankreich -ausübte. Bei Ausbruch des Krieges mit Holland aber war dieses Geschwader -recht schwach, nur 6 Kriegsschiffe (30–42 Kanonen) und 2 armierte -Kauffahrer, während die Holländer gegen 30 Schiffe an verschiedenen Stellen -des Westmittelmeeres hatten; von ihnen war die Station kurz vor Kriegsbeginn -wesentlich verstärkt worden. Das englische Geschwader war sogar noch -in zwei Teile geteilt, der eine Teil unter <em class="gesperrt">Appleton</em> lag in <em class="gesperrt">Livorno</em> und -wurde nach der Kriegserklärung sofort durch 14 oder 18 Holländer unter -<em class="gesperrt">van Galen</em> blockiert, nur die freundliche Haltung des Großherzogs von -Toskana schützte ihn vor Wegnahme. Der andere Teil, 4 Kriegsschiffe unter -<em class="gesperrt">Badiley</em>, begleitete einen Konvoi vom Orient her. Badiley, vom Kriegszustand -unterrichtet, versuchte nun ebenfalls nach Livorno zu kommen,<span class="pagenum"><a name="Page_209" id="Page_209">[209]</a></span> -wurde jedoch am 6. September 1652 von van Galen, der nur einige Schiffe -vor Livorno zurückgelassen hatte, mit großer Übermacht bei <em class="gesperrt">Elba</em> angegriffen -und nach mehrstündigem harten Kampf gezwungen, in <em class="gesperrt">Porto -Longone</em> einzulaufen, wohin er seinen Konvoi bei Beginn des Gefechts -vorausgesandt hatte; hier schützte ihn gleichfalls der Gouverneur Elbas.</p> - -<p>Ein Schiff („Phönix“) war bei dem Gefecht in die Hände der Holländer -gefallen, wurde aber bald darauf, nachdem es in das holländische Geschwader -eingestellt war, auf der Außenrhede von <em class="gesperrt">Livorno</em> (am 30. September 1652) -<em class="gesperrt">durch Boote</em> des englischen Geschwaders wieder <em class="gesperrt">genommen</em>. Es ist -dies das erste genauer bekannte Beispiel jener kühnen Unternehmungen -dieser Art, in denen die Engländer sich später so auszeichneten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Kapitän Cox</em> führte die Expedition; er armierte 3 Boote mit je 30 Mann, -nur mit Äxten und Entermessern bewaffnet sowie versehen mit Mehlsäcken, um die -Gegner zu blenden. In dunkler Nacht fuhr man ab und erreichte, zweimal durch die -Dunkelheit getrennt, beim dritten Male das Schiff, auf dem infolge eines vorangegangenen -Festes schlechte Wache gehalten wurde. Verabredungsgemäß hatte die Besatzung -des einen Bootes die Ankertaue zu kappen, die des zweiten aufzuentern und Segel zu -setzen, die des dritten Bootes alle Luken zu schließen und den Feind niederzuhalten. -Es gelang vollkommen, fast ohne Widerstand; der in seiner Kajüte überraschte Kommandant, -<em class="gesperrt">Cornelius Tromp</em> (der Sohn Martins), sprang aus dem Kajütenfenster -und erreichte schwimmend oder mit Hilfe des Bootes am Heck ein anderes holländisches -Schiff. Kapitän Cox segelte mit dem wiedergenommenen Schiff nach Porto Longone -zu dessen altem Geschwader.</p> - -<p>Man hatte keine Feuerwaffen gebraucht, um „die Neutralität des Hafens -nicht zu verletzen“, ein Grundsatz, den der ältere Tromp selbst aufgestellt -haben soll. Der <em class="gesperrt">Großherzog von Toskana</em> beschwerte sich aber -bitter darüber und war von nun ab den Engländern weniger günstig gesinnt, -was üble Folgen haben sollte. Vorläufig blieben beide englische Geschwader -in Livorno und Porto Longone von den holländischen Streitkräften, die sich -durch Zuzug aus dem Westmittelmeer verstärkten, blockiert und zur -Untätigkeit gezwungen; man versuchte nun sich durch Armieren von -Kauffahrern gleichfalls zu verstärken, was auch in geringem Maße gelang.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.</b> <em class="gesperrt">Witte de Witt</em><a name="FNanchor_109_109" id="FNanchor_109_109"></a><a href="#Footnote_109_109" class="fnanchor">[109]</a>, -der neue holländische Oberbefehlshaber, zeigte sich am 21. September zuerst -im Kanal. <em class="gesperrt">Blake</em> wurde sofort davon benachrichtigt, aber es gelang ihm -bekanntlich nicht, <em class="gesperrt">Ruyter</em> vor seiner Vereinigung mit der holländischen -Hauptmacht abzufangen; die beiden holländischen Führer trafen sich am -2. Oktober zwischen Dünkirchen und Nieuport. Sie unterzogen ihre Schiffe -zunächst einer genauen Besichtigung und sandten alle nicht völlig gefechtsfähigen -(10 Schiffe und 5 Brander) zur Ausbesserung in die Häfen. Es blieben -ihnen etwa 64 Fahrzeuge, während Blake etwa 68 im Osten des Kanals zusammenzog.<span class="pagenum"><a name="Page_210" id="Page_210">[210]</a></span> -Obgleich die Unterführer der Holländer, besonders de Ruyter, -darauf hinwiesen, daß man dem Feinde namentlich in der Güte und Gefechtskraft -der Schiffe unterlegen sei, beschloß de Witt doch, den Feind aufzusuchen. -Er glaubte wohl, weil er an Tromps Stelle gesetzt war, unter allen -Umständen dessen Mißerfolge ausgleichen und durch einen entscheidenden -Schlag, dieses Mal unmittelbar auf die feindlichen Hauptstreitkräfte gerichtet, -dem Handel im Kanal Luft schaffen zu müssen. Er beabsichtigte, den Feind -auf seinem Sammelpunkte, den Downs, anzugreifen, aber <em class="gesperrt">Blake</em> war gleichfalls -fertig und suchte auch den Kampf.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p210.jpg" width="600" height="445" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p210" id="fig_p210"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.</p> -</div> - -<p>Blake hatte am 8. Oktober morgens bei frischem Westwinde seinen Ankerplatz -verlassen und sichtete den Feind gegen Mittag nordöstlich von Northforeland. -<em class="gesperrt">De Witt</em> lag hart beim Winde über St. B. Bug hinter der Bank -von <em class="gesperrt">Kentish Knock</em>, damit beschäftigt, seine Flotte zu rangieren. -Es hatte Tags zuvor schwer geweht, und wie gewöhnlich waren verschiedene -Schiffe versprengt. De Witt wurde gewissermaßen überrascht und konnte -nur durch schnelle Fahrzeuge noch Befehle zur Herstellung der Ordnung ausgeben. -Seine Flotte war in 4 Geschwader geteilt: de Ruyter, de Witt, de -Wildt; das vierte unter Evertsen bildete eine Reserve mit dem Befehl, an -der bedrängtesten Stelle einzugreifen. Der Wind war südwestlich und flauer -geworden. Blake führte seine Flotte in drei Geschwadern (Blake, Penn, Bourne) -heran und schob sich mit den beiden ersten zu Luward zwischen den Feind -und die Untiefen; Bourne stand etwas zurück. Das Gefecht wurde an der -Spitze sofort sehr scharf, zwei Holländer waren gleich entmastet, aber verschiedene -englische Schiffe, besonders von Penns Geschwader einschließlich des<span class="pagenum"><a name="Page_211" id="Page_211">[211]</a></span> -Flaggschiffes, kamen auf der Bank fest oder stießen wenigstens auf sie. De Witt -wendete mit allen Schiffen zugleich, wahrscheinlich um die schwersten Schiffe -Blakes zu vermeiden und um sich auf das Geschwader Bourne zu werfen; als -er aber mit Bourne zusammenstieß, wurde er auch von <em class="gesperrt">Penn</em> angegriffen. -Während nämlich Blakes Schiffe durch ihren Kurs fast vor dem Winde zunächst -nach Lee geführt waren, hatte sich das Geschwader Penn, um von der -Bank frei zu liegen oder wieder freizukommen, genötigt gesehen, über B. B. Bug -an den Wind zu gehen, und war nun in günstiger Lage zum Eingreifen. Penn -selbst schreibt: „Der Umstand des Unklarkommens von der Bank, der -so verhängnisvoll hätte werden können, trug zum glücklichen Entscheide bei.“</p> - -<p>Der Kampf wütete etwa von 3 Uhr nachmittags bis zum Eintritt der -Dunkelheit, die Verluste waren schwer auf beiden Seiten, doch waren die -Holländer in jeder Hinsicht im Nachteil. Nach englischen Angaben wurden -2 Holländer genommen, 1 verbrannt, dagegen kein englisches Schiff verloren; -holländische Quellen geben 600 Tote und Verwundete, sowie schwere -Beschädigungen an Schiffen und Takelage zu, behaupten aber, der englische -Mannschaftsverlust sei größer gewesen. De Witt wollte am nächsten Tage, -hartnäckig und für seine Stellung besorgt, den Kampf wieder aufnehmen, -aber im Kriegsrat stimmten seine Admirale entschieden dagegen unter Hinweis -auf die erlittenen Verluste und Beschädigungen, auf die minderwertigen -und unvollständig bemannten Schiffe sowie darauf, daß die holländischen -Schiffe nicht beisammen seien, die Engländer aber Verstärkung erhalten -hätten.</p> - -<p class="small">Am 9. morgens standen etwa 20 Schiffe weit in Lee und kamen auch nicht heran. -Ähnlich hatten schon einige der Versprengten am 8. gehandelt, andere hatten sich im Gefecht -lau erwiesen; die bekannte Unbotmäßigkeit und Unfähigkeit einzelner Kommandanten. -De Witts Beschwerde später fruchtete nichts; ihre große Zahl und ihre -politischen Freunde schützten die Beschuldigten.</p> - -<p class="small">Nach „Vie de Tromp“ und „Leben Ruyters“ stieß in der Nacht eine Verstärkung -von 16 Segeln zu Blake, wahrscheinlich die ausgebesserten Schiffe Ayscues.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Witt</em> mußte sich fügen und segelte mittags der heimischen Küste -zu. Die Engländer wurden vormittags durch den flauen Wind verhindert, -den Feind ernstlich zu engagieren; später folgten sie, brachen dann aber am -Abend die Verfolgung ab, um die Gefahren der holländischen Küste zu vermeiden. -Sie gingen nach den Downs zur Auffüllung von Vorräten und zur -Ausbesserung.</p> - -<p>Der Versuch de Witts, den Handel durch Angriff auf die feindlichen Seestreitkräfte -frei zu machen, war gescheitert. Der Erfolg der Engländer -befestigte ihre Herrschaft über den Kanal noch mehr; ihre kleinen Kreuzer -machten reiche Beute.</p> - -<p><b>Niederlage der Engländer bei Dungeness, 10. Dezember 1652.</b> Nach dem -letzten Erfolge hoffte man in England, Holland würde geneigt zum Frieden -sein, wenigstens erwartete man bei der vorgerückten Jahreszeit zunächst -von dort keine größeren Unternehmungen mehr. Die Flotte Blakes wurde -deshalb ohne Bedenken sehr geschwächt. Man sandte ein Geschwader von<span class="pagenum"><a name="Page_212" id="Page_212">[212]</a></span> -18 Schiffen in den Sund, da Reibungen mit Dänemark<a name="FNanchor_110_110" id="FNanchor_110_110"></a><a href="#Footnote_110_110" class="fnanchor">[110]</a> entstanden waren, -und 12 Schiffe wieder nach dem Westen des Kanals; Penn begleitete mit -20 Schiffen Kauffahrer und mehrere Schiffe gingen in die Themse, um ausgebessert -zu werden; sogar die behelfsmäßigen Batterien bei Deal, die Ayscue -in den Downs so gut geschützt hatten, wurden als unnötig eingezogen. In -Holland dagegen rüstete man trotz des herannahenden Winters mit aller -Kraft, um durch Einstellung von Begleitschiffen den völlig brachliegenden -Handel zu schützen. Schon vor der letzten Schlacht war es nötig gewesen, -das Auslaufen von Kauffahrern ohne Schutz von Kriegsschiffen zu verbieten; -so hatten sich jetzt an 300 nach auswärts bestimmte Schiffe angehäuft, die -ihre Reise vor dem Winter antreten mußten, und bei der Insel Ré vor La -Rochelle sammelten sich zahlreiche Heimkommende, um durch den Kanal -geleitet zu werden, denn auch an diesem üblichen Sammelpunkt war das -Verbot des Alleinsegelns bekannt gemacht worden.</p> - -<p>Anfang Dezember war eine Flotte von 73 Schiffen mit kleineren Fahrzeugen -und Brandern seeklar.<a name="FNanchor_111_111" id="FNanchor_111_111"></a><a href="#Footnote_111_111" class="fnanchor">[111]</a> Der Oberbefehl war wieder an <em class="gesperrt">Tromp</em> -gegeben, unter ihm standen Ruyter, Jan Evertsen und Floriszoon; de Witt -war erkrankt. <em class="gesperrt">Blake</em> verfügte in den Downs nur über 37 Schiffe nebst -einigen kleineren Fahrzeugen. Wahrscheinlich hatte <em class="gesperrt">Tromp</em> Kenntnis -von Blakes Schwäche. Er ließ den Konvoi, die 300 nach auswärts bestimmten -Kauffahrer, an der flämischen Küste und erschien am 9. Dezember in der -Frühe mit seiner ganzen Flotte hinter Goodwin-Sands; Blake lichtete nach -kurzem Kriegsrat Anker. Beide Flotten steuerten südlich.</p> - -<p>Verschiedentlich ist darüber geschrieben, weshalb der sonst so wohl -überlegende <em class="gesperrt">Blake</em> bei seiner Schwäche diesen Schritt tat. Das Wahrscheinlichste -dürfte sein, daß er seinen Ankerplatz nicht für sicher hielt, -namentlich da die schützenden Batterien am Lande eingegangen waren; er -dachte wohl daran, daß Tromp 1639 hier den Spanier d'Ocquendo wie in -einer Falle gefangen hatte. Auch ist es möglich, daß er an dem trüben Wintermorgen -die Stärke des Feindes nicht erkannte; später konnte er nicht zurück, -da der anfänglich südwestliche Wind nach NW. drehte und stark auffrischte.</p> - -<p>Am 9. Dezember verhinderte der starke Wind einen Kampf, Blake -ankerte am Abend vor Dover, Tromp einige Seemeilen leewärts von ihm. -Am 10. Dezember morgens lichteten beide Flotten Anker und steuerten auf -Parallelkursen, über B. B. Bug beim Winde, der Küste entlang, doch konnten -die Holländer den Feind erst erreichen, als etwa um 1 Uhr der Lauf der Küste -(vgl. Skizze: Dover, Seite <a href="#Page_202">202</a>) die Spitze der Engländer bei <em class="gesperrt">Dungeness</em><span class="pagenum"><a name="Page_213" id="Page_213">[213]</a></span> -zwang, sich ihnen zu nähern. Es kam zu einem heftigen Kampfe der auf -beiden Seiten führenden und schwersten Schiffe, in dem die Holländer an -Zahl weit überlegen waren. Die Überlieferungen melden blutige Schiffsduelle;<a name="FNanchor_112_112" id="FNanchor_112_112"></a><a href="#Footnote_112_112" class="fnanchor">[112]</a> -besonders die Admiralschiffe sind beteiligt; erst werden Breitseiten -gewechselt, dann wird zum Entern längsseit gegangen; mehrfach liegen 3 auch -4 Schiffe nebeneinander. Wie gewöhnlich trennt erst die Dunkelheit die Gegner. -Der Erfolg war auf seiten der Holländer; Blake verlor 5 Schiffe (2 genommen, -3 gesunken), von den Holländern war nur ein Schiff durch einen Zufall aufgeflogen. -<em class="gesperrt">Blake</em> war genötigt, das Feld zu räumen, er ankerte auf Dover -Rhede und ging später nach den Downs zurück. <em class="gesperrt">Tromp</em> machte keinen -Versuch, den Sieg bis zur Vernichtung des Feindes auszunützen, sei es, -daß er doch auch stark gelitten, sei es, daß für eine derartig energische -Kriegführung eben noch kein Verständnis war; man dachte nur an den -Konvoi und war mit dem Teilerfolge zufrieden. Er lag einige Tage zur Ausbesserung -bei Dungeness und hatte Gelegenheit, einige ostwärts segelnde -Engländer abzufangen; er ließ sogar landen, um Vieh zu rauben; dieses -Unternehmen brachte jedoch nur Verluste. Dann führte er seinen Konvoi -bis zur Insel Ré, von wo aus er die Biscaya beherrschte, während heimwärts -bestimmte Fahrzeuge sich dort weiter sammelten.<a name="FNanchor_113_113" id="FNanchor_113_113"></a><a href="#Footnote_113_113" class="fnanchor">[113]</a></p> - -<p>Wahrscheinlich sind bei Dungeness nicht alle Holländer im Gefecht -gewesen, da die schlechteren Segler beim Beginn zu weit in Lee waren; erwiesen -ist, daß verschiedene englische Kommandanten sich absichtlich ferngehalten -haben, nicht nur solche von armierten Kauffahrern, sondern auch solche -von Kriegsschiffen und mit sonst gutem Ruf. Blake bat, bedrückt durch -die Niederlage, um Entsetzung von seinem Kommando und forderte eine -Untersuchung gegen die Pflichtvergessenen. Sein erster Wunsch wurde nicht erfüllt, -es wurde ihm im Gegenteil ein Vertrauensvotum zuteil. Die Untersuchung<a name="FNanchor_114_114" id="FNanchor_114_114"></a><a href="#Footnote_114_114" class="fnanchor">[114]</a> -aber wurde sofort eingeleitet und hatte wichtige Folgen: die -Entlassung und Bestrafung mehrerer Kapitäne; die Verordnung, daß Kauffahrteischiffer -in Zukunft ihre Schiffe nicht mehr im Gefecht führen sollten; -den Neubau zahlreicher Kriegsschiffe, unter anderen von 30 Fregatten (d. h. -gut segelnden Schiffen, vgl. Seite <a href="#Page_164">164</a>).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_214" id="Page_214">[214]</a></span></p> - -<p><b>England gibt das Mittelmeer auf.</b> Die Schlacht bei Dungeness hatte auch -üble Folgen für die Engländer im Mittelmeer; dies sei, zeitlich etwas vorgreifend, -hier kurz geschildert. Zunächst war es nicht möglich, eine Verstärkung, -wie beabsichtigt, dorthin zu senden, ferner aber wurde die Haltung -des <em class="gesperrt">Großherzogs von Toskana</em> ernster. Holland hatte ihm Vorstellungen -über den Neutralitätsbruch durch Wiedernahme des „Phönix“ -gemacht, und jetzt, wo die Holländer im Norden im Vorteil waren, wollte sich -der Großherzog nicht mehr mit Entschuldigungen und Desavouierung der -Offiziere englischerseits begnügen, sondern forderte Wiederherausgabe des -Schiffes oder Verlassen des Hafens seitens des englischen Geschwaders; -die Holländer blockierten deshalb mit ihrer ganzen Macht Livorno. <em class="gesperrt">Badiley</em> -versuchte nun verabredungsgemäß, am 14. März 1653, durch sein Erscheinen -vor dem Hafen den Feind abzulenken, um <em class="gesperrt">Appleton</em> den Weg -zu beiderseitiger Vereinigung freizumachen. Die Holländer gingen -auch scheinbar zum Angriff auf Badiley vor, als aber <em class="gesperrt">Appleton</em> nunmehr -bei ablandigem Winde zu früh den Hafen verließ, wandten sie sich sofort -gegen diesen und vernichteten ihn, ehe Badiley zur Unterstützung herankommen -konnte. Appletons Flaggschiff „Leopard“, das einzige Kriegsschiff, -und 4 armierte Kauffahrer wurden genommen, ein Schiff flog auf, -nur einem gelang es, Badiley zu erreichen. Wie heiß das Gefecht<a name="FNanchor_115_115" id="FNanchor_115_115"></a><a href="#Footnote_115_115" class="fnanchor">[115]</a> war, kann -man daraus ersehen, daß „Leopard“ von 200 Mann Besatzung 150 Tote und -Verwundete verlor. <em class="gesperrt">Badiley</em> wurde nicht weiter verfolgt, da seine 4 -Kriegsschiffe und 2 armierten Kauffahrer an Größe allen Holländern überlegen -waren. Er ging zunächst nach Elba zurück, später nach Messina und -endlich im Mai nach England in der richtigen Erkenntnis, daß er, ohne Unterstützung, -im Mittelmeer ohne jeden Nutzen sei. Tatsächlich war seine Rückberufungsorder -auch schon unterwegs; England hatte sich genötigt gesehen, -die Mittelmeerstation vorläufig aufzugeben.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Portland am 28. Februar 1653.</b> Wenn auch nach der -Schlacht bei Dungeness für einige Wochen der Kanal in den Händen der -Holländer war und zahlreiche holländische Schiffe dort mit Erfolg kreuzten, -so müssen doch neue Rüstungen und Maßregeln in England bald wieder -einen Umschlag herbeigeführt haben; es ist z. B. bekannt, daß schon im -Januar 1653 Genua die englische Regierung um einen Freipaß durch den -Kanal zur Überführung zweier in Holland erbauter Kriegsschiffe bat.</p> - -<p>Mitte Februar 1653 war eine englische Flotte von etwa 70 Schiffen -seeklar, darunter viele der neuerbauten schnellen Schiffe (fregattenähnliche!), -die sich gut bewähren sollten. Zur Bemannung der Schiffe hatte man stark -auf die Armee zurückgreifen müssen. Die Flotte stand unter den Generalen<span class="pagenum"><a name="Page_215" id="Page_215">[215]</a></span> -zur See <em class="gesperrt">Blake</em>, <em class="gesperrt">Deane</em> und <em class="gesperrt">Monck</em>. Blake führte das Zentrumgeschwader -(rote Flagge), Monck die Vorhut (weiße Flagge), und <em class="gesperrt">Penn</em> die -Nachhut (blaue Flagge); Deane blieb bei Blake an Bord. Jedes Geschwader -war wieder in drei Divisionen geteilt, die unter dem betreffenden Geschwaderchef -sowie einem Vizeadmiral und einem Kontreadmiral standen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Monck</em> und <em class="gesperrt">Deane</em> waren wie Blake aus der Armee hervorgegangen; Deane fiel -schon 1653 in der Schlacht bei Northforeland-Nieuport. <em class="gesperrt">Monck</em>, geboren 1608, zeichnete -sich als Feldherr bereits unter Karl I. aus, wurde dann aber ein besonderer Vertrauter -Cromwells. Nach dessen Tode und seines Sohnes Sturz trat er für Karl II. und Wiedereinsetzung -des Königtumes auf; der neue König erhob ihn zum <em class="gesperrt">Herzog von Albemarle</em>. -Er führte im ersten und zweiten Kriege mehrfach den Oberbefehl zur See -mit Ruhm, doch erreichte er Blake nicht; er starb 1670.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">William Penn</em>, geboren 1621, war Berufsseemann; er wurde 1644 Kapitän, -1648 Kontreadmiral, 1650 Vizeadmiral und 1653, nach Deanes Tode, General zur See; -er zeichnete sich gerade als „Seemann“ aus. Clowes schreibt hierüber z. B.: „Es war -(bei Portland) ein Glück für England, daß Deane von seinem Rechte keinen Gebrauch -machte, sondern Penn die Führung des blauen Geschwaders überließ; so blieb wenigstens -dieses in den Händen eines Seemannes.“ Penn starb 1670. Ebenso war <em class="gesperrt">Lawson</em>, -der Vizeadmiral des roten Geschwaders, Seemann von Beruf; auch er zeichnete sich -hier, sowie später noch in den höchsten Stellungen aus. Er fiel 1665.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p215.jpg" width="600" height="444" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p215" id="fig_p215"></a> -<p class="caption">Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.<br />Erster Zusammenstoß.</p> -</div> - -<p>Die nächste Aufgabe der englischen Flotte war, die holländische auf -ihrer Rückkehr von Ré abzufangen. <em class="gesperrt">Tromp</em> war an Zahl der Schiffe, etwa -80, wohl etwas überlegen, doch waren diese wie bisher minderwertig und -durch den Konvoi von etwa 250 Handelsfahrzeugen sehr behindert. Am<span class="pagenum"><a name="Page_216" id="Page_216">[216]</a></span> -28. Februar 1653 sichteten sich die Gegner in der Mitte des Kanals auf der -Höhe von <em class="gesperrt">Portland</em>. Tromp geht sofort zum Angriff über, da er die -Engländer in einer Lage sieht, die ihm Erfolg verspricht.<a name="FNanchor_116_116" id="FNanchor_116_116"></a><a href="#Footnote_116_116" class="fnanchor">[116]</a> Die Überlieferungen -sind sehr lückenhaft, sie lassen aber doch den Verlauf ungefähr verfolgen; -besonders aber kann man erkennen, welchen Einfluß ein selbständiges Handeln -befähigter Unterführer, hier Penns und Lawsons, hat. Es ist das erste Mal, -daß derartige Fälle genauer bekannt sind.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tromp</em> kam mit frischem Westnordwestwinde den Kanal hinauf, -die englische Flotte steuerte südwestlich, wahrscheinlich in breiter Formation -mit halbem Winde. <em class="gesperrt">Monck</em> war während der Nacht mit seinem Geschwader -einige Seemeilen nach Lee geraten, <em class="gesperrt">Penn</em> stand zwar in Blakes Nähe, aber -auch bei diesen beiden Geschwadern waren die Divisionen getrennt und -Nachzügler zurückgeblieben, die besseren Schiffe hatten die schlechteren -ausgesegelt; bei <em class="gesperrt">Blake</em> waren nur 10 oder 12 Schiffe in unmittelbarer Nähe. -Somit war Tromp die Gelegenheit gegeben, den Feind auf schwachen Punkten -mit Übermacht anzugreifen. Er befahl seinem Konvoi, zu Luvard -außerhalb des Feuerbereichs zu bleiben, und hielt in Flottendwarslinie aus -Geschwadergruppen (vielleicht auch eine Art Halbmondformation) auf den -Feind ab, wobei er selbst mit dem Zentrum auf Blake zusteuerte.</p> - -<p>Wohl hätte <em class="gesperrt">Blake</em> dem Angriff ausweichen und sich auf Moncks Geschwader -einheitlich zum Gefecht formieren können, aber er verschmähte -dies, ging an den Wind und nahm den Kampf an. So kamen seine wenigen -Schiffe zunächst mit Tromps ganzem Geschwader ins Gefecht, wurden gleich -darauf von <em class="gesperrt">Ruyters</em> Geschwader seitlich angegriffen und <em class="gesperrt">Evertsens</em> -Schiffe drohten die völlige Umschließung zu vollenden.</p> - -<p>Der letzteren Gefahr begegnete <em class="gesperrt">Penn</em>. Auch er war sofort an den Wind -gegangen und kam gegen Evertsen mit den St. B. Seiten zum Gefecht, um -aber nicht von Blake getrennt zu werden und um Evertsen von diesem -abzuhalten, wendete er, segelte durch den Gegner durch und griff in Blakes -Kampf ein; Evertsen behielt seinen Kurs bei und griff Monck an. Eine zweite -Unterstützung erhielt Blake durch richtiges Manövrieren seines Vizeadmirals -<em class="gesperrt">Lawson</em>. Dieser stand mit seiner Division etwas zurück und wäre, wenn -auch er gleich an den Wind gegangen, durch Ruyter von Blake getrennt -gewesen. Er lief deshalb zunächst weiter, bis er imstande war, über St. B. -Bug auf Tromp zuzuliegen, dann erst wendete er und verstärkte so den Stoß -Penns kurze Zeit nachher.</p> - -<p>Auf diesem Hauptkampfplatze wurde mit der Hartnäckigkeit, wie sie -eben die Kämpfe dieser Zeit kennzeichnet, in der Melee gefochten; furchtbares -Feuergefecht in nächster Nähe, Schiffe werden geentert und wiedergenommen. -Als immer mehr Engländer herankommen, die noch fehlenden Divisionen und -die Nachzügler des roten und blauen Geschwaders, bricht Tromp gegen 4 Uhr<span class="pagenum"><a name="Page_217" id="Page_217">[217]</a></span> -nachmittags das Gefecht ab. Er fühlte sich wohl diesen frischen Kräften -nicht mehr gewachsen und fürchtete, daß sich ein Teil gegen den Konvoi -wenden würde; er sagt später in seinem Bericht, um 4<sup>h</sup> pm habe der Gegner -eine Gruppe schneller Schiffe zu diesem Zwecke abgesandt. Verfolgt wurde -er nicht, wohl da die stärksten Schiffe der Engländer in dem für sie so harten -ersten Zusammenstoß sehr gelitten hatten; es waren auch Blake und Bourne -schwer verwundet. Bei dem weißen Geschwader wurde der Kampf bis zur -Dunkelheit fortgesetzt, scheinbar jedoch ohne große Erfolge.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p217.jpg" width="600" height="433" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p217" id="fig_p217"></a> -<p class="caption">Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.<br />Hauptmoment.</p> -</div> - -<p>Die Verluste waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer verloren -nach eigenen Angaben an Schiffen: 1 genommen, 1 aufgeflogen, 3 gesunken, -doch sollen noch einige verbrannt sein; von den Engländern ist 1 gesunken, -mehrere, darunter 3–4 größere, mußten sofort nach Portsmouth zur Ausbesserung -gesandt werden. Der Mannschaftsverlust war beiderseitig auf -einzelnen Schiffen ungeheuer groß.</p> - -<p>Während der Nacht bessern beide Flotten aus. Aus <em class="gesperrt">Tromps</em> Berichte -kann man entnehmen, daß er nach einem Kriegsrat beschloß, von -weiteren Angriffen abzusehen und nur seine Aufgabe, den Schutz des Konvois, -zu verfolgen. Er konnte diesen nicht entlassen, weil er fürchtete, daß die -Engländer noch weitere Streitkräfte im Osten hätten, und er war nicht stark -genug, eine Bedeckung für ihn abzuzweigen; außerdem wurde auf vielen -seiner Schiffe die Munition knapp, so daß er sogar den Befehl zu sparsamer -Verwendung geben mußte. Er segelte deshalb am 1. März weiter und hielt -sich mit der Flotte in Halbmondformation zwischen dem Konvoi und dem -Feinde, um jedem ernstlichen Nachdrängen entgegentreten zu können. Die -Engländer folgten mit der Absicht, möglichst viele Schiffe abzufangen;<span class="pagenum"><a name="Page_218" id="Page_218">[218]</a></span> -sie schießen deshalb bei Zusammenstößen gegen ihren sonstigen Brauch auf -die Takelage,<a name="FNanchor_117_117" id="FNanchor_117_117"></a><a href="#Footnote_117_117" class="fnanchor">[117]</a> um die Schiffe zu lähmen (vgl. Seite <a href="#Page_197">197</a>).</p> - -<p>Am 1. März kommt es auf der <em class="gesperrt">Höhe von Wight</em> zwischen Teilen zu -einem schweren Gefecht, in dem besonders <em class="gesperrt">Ruyter</em> den Feind mehrfach -zurückwirft; sein Schiff wird dabei so zerschossen, daß es am Abend in Schlepp -genommen werden muß. Dagegen gelingt es <em class="gesperrt">Lawson</em> mit einigen „Fregatten“ -— neuere gute Segler sind gemeint — 2 Kriegsschiffe und 10 oder -12 Handelsschiffe vom rechten Flügel abzuschneiden und zu nehmen. Viele -Schiffe des Konvois verlieren das Zutrauen auf ihren Schutz und brechen -aus, um die französische Küste zu erreichen; manche von ihnen werden genommen. -Auch am dritten Tage (2. März) greifen die Engländer mehrfach -an; die Zahl der holländischen Kriegsschiffe wird immer kleiner, denn viele -derjenigen, die die Munition verschossen hatten, suchen ihr Heil auf eigene -Faust. Am Abend dieses Tages standen die beiden Flotten unter Land -südwestlich von <em class="gesperrt">Kap Grisnez</em>. Die Engländer ankern, da nach Ansicht -ihrer Lotsen dem Feinde während der Ebbe in der Nacht ein Dublieren des -Kaps unmöglich sein mußte; der Wind war schon am 2. März flau und östlich -geworden. Am Morgen des 3. März aber sind alle Holländer außer Sicht, -die Engländer gehen deshalb nach ihrer Küste zurück.</p> - -<p>Der größere <em class="gesperrt">Verlust in dieser dreitägigen Aktion</em> war -sicher auf seiten der Holländer, die mindestens 12 Kriegsschiffe gegen nur -eins der Engländer verloren. Beide Führer schrieben sich in ihren Berichten,<a name="FNanchor_118_118" id="FNanchor_118_118"></a><a href="#Footnote_118_118" class="fnanchor">[118]</a> -die unmittelbar nach den Begebenheiten und vor Eingang genauer Meldungen -abgesandt sind, den Sieg zu. <em class="gesperrt">Tromp</em> hatte ja auch seine Aufgabe, den -Konvoi heimzubringen, gelöst, aber er hatte außer den Kriegsschiffen wenigstens -30 seiner Schutzbefohlenen verloren.</p> - -<p class="small">Tromp gibt den Mannschaftsverlust der Engländer auf 2000 Tote und Verwundete -gegen 600 Tote und etwas mehr Verwundete der Holländer an; es ist dies gewiß überschätzt, -vielleicht unter dem Eindruck der Verluste der Engländer am 28. Februar an -der Stelle, wo Tromp selbst focht. Der große Verlust der Holländer an Schiffen ist -damit leicht zu erklären, daß das fechtende Material der Engländer weit besser war, -mehr und auch neuere Kriegsschiffe, und daß die Holländer sich zurückzogen, wobei -verkrüppelte und versprengte Fahrzeuge dem Verfolger leicht in die Hände fallen mußten.</p> - -<p><b>Neue Rüstungen.</b> In beiden Ländern wurden die größten Anstrengungen -gemacht, ihre Flotten baldigst wieder schlagfertig herzustellen. <em class="gesperrt">England</em> -verfügte noch über mehr Schiffe, als bei Portland gefochten hatten, aber die -Bemannung machte Schwierigkeit. Die Löhnung war gering und wurde -unregelmäßig gezahlt, die Folge davon war Unzufriedenheit, ja Meuterei auf -den Schiffen; viele Engländer dienten sogar in Holland, wobei sie, wie Schotten -und Iren im gleichen Falle, ihr Gewissen damit entlasteten, daß sie für die -Sache ihres rechtmäßigen Königs kämpften. Man mußte wiederum in großem<span class="pagenum"><a name="Page_219" id="Page_219">[219]</a></span> -Maßstabe auf das Heer zurückgreifen; übrigens hatten die eingeschifften -Soldaten bei Portland durch ihr Gewehrfeuer sehr gute Dienste geleistet. -Auch in <em class="gesperrt">Holland</em> machte die Bemannung zunächst Schwierigkeit, die -aber bald durch Lohnerhöhung gehoben wurde; man hatte ferner die Walfischfahrt -nach Grönland verboten, um mehr Leute für die Flotte zu erhalten -und auch um die Grönlandsfahrer dem Angriff der Engländer zu entziehen. -Im Schiffsmaterial blieb Holland weiter im Nachteil. Auf die beständigen -Klagen der Admirale hin hatte man zwar eine große Zahl wirklicher Kriegsschiffe -auf Stapel gelegt, diese Schiffe waren aber noch nicht fertig. Die -Admirale klagten sogar darüber, daß die Ausbesserung der in den Schlachten beschädigten -Schiffe vernachlässigt<a name="FNanchor_119_119" id="FNanchor_119_119"></a><a href="#Footnote_119_119" class="fnanchor">[119]</a> würde.</p> - -<p>Da eigentlich in beiden Ländern in einem großen Teil der Bevölkerung -Neigung zum Frieden war, knüpfte Holland neue Verhandlungen an, auf deren -Erfolg man namentlich rechnete, als Cromwell im April 1653 das „lange -Parlament“ aufgelöst und sich der Alleinherrschaft bemächtigt hatte, aber -sie zerschlugen sich, weil Cromwell von seinen 1651 aufgestellten Forderungen -nicht abging. Bald wurden nun die Feindseligkeiten wieder aufgenommen. -<em class="gesperrt">Tromp</em> erhielt den Befehl, Mitte Mai einen Konvoi von 200 Schiffen, von -den verschiedenen Häfen Hollands nach Frankreich und Spanien bestimmt, -bis zum Norden Schottlands zu geleiten und in den dortigen Gewässern angesammelte -Fahrzeuge heimzubringen. Die englische Flotte unter <em class="gesperrt">Monck</em> -und <em class="gesperrt">Deane</em><a name="FNanchor_120_120" id="FNanchor_120_120"></a><a href="#Footnote_120_120" class="fnanchor">[120]</a> hatte Kenntnis davon erhalten und ging zur holländischen -Küste, um womöglich schon das Sammeln der Handelsschiffe und ihre Vereinigung -mit der Flotte, sonst aber den Marsch des Feindes zum Angriff zu -benutzen.</p> - -<p>Zur Störung des Sammelns kam man zu spät, auch zu einem Zusammenstoße -kam es nicht, da man sich nicht sichtete, obgleich die Flotten am 15. Mai -nur wenige Meilen voneinander entfernt waren. <em class="gesperrt">Tromp</em> führte den Konvoi -wohlbehalten nach Norden; wenn er auch den Rückkonvoi verfehlte, so kam -er doch mit der Flotte und ebenso der Konvoi Ende Mai ungehindert -nach Holland zurück. Die englische Flotte hatte nach seiner Abfahrt die -holländische Küstenschiffahrt und Fischerei gestört, einen erfolglosen Versuch -gemacht, Schiffe in dem Vlie zu nehmen und die ganze feindliche Küste -alarmiert.</p> - -<p>Nach der Rückkehr, Ende Mai, erfuhr <em class="gesperrt">Tromp</em>, daß in den Downs -ein kleines englisches Geschwader läge — es war <em class="gesperrt">Badiley</em> mit dem Mittelmeergeschwader -und einem kleinen Konvoi von 18 Schiffen, kurz vorher -aus dem Mittelmeer eingetroffen — und ging mit der ganzen Flotte hinüber,<span class="pagenum"><a name="Page_220" id="Page_220">[220]</a></span> -mit der Absicht, den Feind von beiden Seiten anzugreifen und zu erdrücken. -Aber Badiley war gewarnt und in die Themse eingelaufen. Die zuerst ankommenden -holländischen Geschwader unter <em class="gesperrt">Ruyter</em> konnten nur noch -einige der Kauffahrer, die nahe am Lande bei Dover und Deal lagen, unter -heftigem Feuer der dortigen Befestigungen erbeuten (4. Juni). Inzwischen -war auch <em class="gesperrt">Monck</em> in See gewesen, um Tromp zu suchen. Als dieser erfuhr, -daß die englische Flotte am 3. und 4. Juni bei Nieuport an der flandrischen -Küste, und am 8. Juni vor Walcheren gesehen und nach Norden gesegelt -sei, folgte er. Am 11. Juni lag die englische Flotte auf der Rhede von Yarmouth, -die holländische etwa 12 Seemeilen nordöstlich von Northforeland; -beide hatten Kenntnis voneinander und beabsichtigten den Kampf, Tromp -wollte sich zwischen den Feind und die Themsemündung schieben. Monck -ging noch an demselben Tage Anker auf und ankerte wieder außerhalb des -Gabart-Sandes etwa 15 Seemeilen südöstlich von Orfordness. Zum ersten -Male standen sich jetzt fast die vollen Streitkräfte der beiden Staaten gegenüber, -die Holländer dieses Mal nicht, wie bisher in allen großen Schlachten, -durch einen Konvoi behindert. Es schien die den Krieg entscheidende Schlacht -bevorzustehen.</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p220"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="12"><b>Die englische Flotte bei Northforeland am 12. Juni 1653.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="12" style="white-space: nowrap;">I. <em class="gesperrt">(rotes) Geschwader: Die Generale Monck und Deane (Admirale der Flotte).</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="td25" colspan="4">I. Division: Die Generale</td> - <td class="td7" colspan="4">II. Division: Peacock<br />(Vizeadmiral)</td> - <td class="td7" colspan="4">III. Division: Howett<br />(Kontreadmiral)</td> - </tr> - <tr> - <td class="td26" colspan="2" rowspan="3">Anzahl<br />der Schiffe</td> - <td class="td6" colspan="2">mit</td> - <td class="td27" colspan="2" rowspan="3">Anzahl<br />der Schiffe</td> - <td class="td6" colspan="2">mit</td> - <td class="td27" colspan="2" rowspan="3">Anzahl<br />der Schiffe</td> - <td class="td6" colspan="2">mit</td> - </tr> - <tr> - <td class="td6">Kanonen</td> - <td class="tdc">Mann</td> - <td class="td6">Kanonen</td> - <td class="tdc">Mann</td> - <td class="td6">Kanonen</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12" colspan="2">pro Schiff</td> - <td class="td12" colspan="2">pro Schiff</td> - <td class="td12" colspan="2">pro Schiff</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">(„Resolution“)</td> - <td class="td10">88</td> - <td class="td10">550</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Triumph“)</td> - <td class="td10">62</td> - <td class="td10">350</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Speaker“)</td> - <td class="td10">56</td> - <td class="td10">300</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">50</td> - <td class="td10">220</td> - <td class="td28">4</td> - <td> </td> - <td class="td10">40–48</td> - <td class="td10">160–200</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">46</td> - <td class="td10">180</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td> </td> - <td class="td10">40–42</td> - <td class="td10">160–180</td> - <td class="td28">4</td> - <td> </td> - <td class="td10">33–37</td> - <td class="td10">120–150</td> - <td class="td28">3</td> - <td> </td> - <td class="td10">40–50</td> - <td class="td10">170–180</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">38</td> - <td class="td10">140</td> - <td class="td28">3</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">34–44</td> - <td class="td10">120–180</td> - <td class="td28">3</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">120–160</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">26</td> - <td class="td10">100</td> - <td class="td29">12</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">26</td> - <td class="td10">100</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">14</td> - <td class="td10"> 90</td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28">2</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30–34</td> - <td class="td10">110–120</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">3</td> - <td class="tdl">Brander</td> - <td class="td10">10</td> - <td class="td10"> 30</td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td29">11</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">14</td> - <td class="td10">140–180</td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">16</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="12" style="white-space: nowrap;">II. <em class="gesperrt">(weißes) Geschwader: Admiral Penn (Vizeadmiral der Flotte).</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="td25" colspan="4">I. Division: Penn (Admiral)</td> - <td class="td7" colspan="4">II. Division: Lane<br />(Vizeadmiral)</td> - <td class="td7" colspan="4">III. Division: Graves<br />(Kontreadmiral)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">(„James“)</td> - <td class="td10">66</td> - <td class="td10">360</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Victory“)</td> - <td class="td10">60</td> - <td class="td10">300</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Andrew“)</td> - <td class="td10">56</td> - <td class="td10">360</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">50</td> - <td class="td10">220</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">42</td> - <td class="td10">200</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">40</td> - <td class="td10">160</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">3</td> - <td> </td> - <td class="td10">40–42</td> - <td class="td10">180</td> - <td class="td28">5</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">110–140</td> - <td class="td28">4</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">120–170</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">2</td> - <td> </td> - <td class="td10">32–38</td> - <td class="td10">100–170</td> - <td class="td28">3</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">28–34</td> - <td class="td10">100–125</td> - <td class="td28">2</td> - <td> </td> - <td class="td10">24–26</td> - <td class="td10">90–100</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">12</td> - <td class="td10"> 90</td> - <td class="td29">10</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30</td> - <td class="td10">100</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">Brander</td> - <td class="td10">10</td> - <td class="td10"> 30</td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td29">9</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">5</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30–46</td> - <td class="td10">100–180</td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">14</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="12" style="white-space: nowrap;">III. <em class="gesperrt">(blaues) Geschwader: Admiral Lawson (Kontreadmiral der Flotte).</em><span class="pagenum"><a name="Page_221" id="Page_221">[221]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td25" colspan="4">I. Division: Lawson (Admiral)</td> - <td class="td7" colspan="4">II. Division: Jordan<br />(Vizeadmiral)</td> - <td class="td7" colspan="4">III. Division: Goodsonn<br />(Kontreadmiral)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">(„George“)</td> - <td class="td10">58</td> - <td class="td10">350</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Vanguard“)</td> - <td class="td10">56</td> - <td class="td10">390</td> - <td class="td28">1</td> - <td class="tdl">(„Rainbow“)</td> - <td class="td10">58</td> - <td class="td10">300</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">50</td> - <td class="td10">180</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">43</td> - <td class="td10">200</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">44</td> - <td class="td10">210</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">3</td> - <td> </td> - <td class="td10">40</td> - <td class="td10">170–200</td> - <td class="td28">5</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">120–160</td> - <td class="td28">4</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–36</td> - <td class="td10">120–150</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">2</td> - <td> </td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">120–150</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">30</td> - <td class="td10">100</td> - <td class="td28">1</td> - <td> </td> - <td class="td10">12</td> - <td class="td10">40</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1</td> - <td class="tdl">Brander</td> - <td class="td10">10</td> - <td class="td10">30</td> - <td class="td28">3</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30–36</td> - <td class="td10">110–140</td> - <td class="td28">4</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30–36</td> - <td class="td10">110–120</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">4</td> - <td class="tdl">arm. Kauff.</td> - <td class="td10">30–38</td> - <td class="td10">110–160</td> - <td class="td29">11</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td29">11</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">12</td> - <td class="td13">Segel</td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td28"> </td> - <td> </td> - <td class="td10"> </td> - <td class="td10"> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small"><b>Insgesamt</b>: 105 Segel; darunter 5 Brander und 29 armierte Kauffahrer (englisch -genannt: hired merchantmen) mit 16459 Mann und 3840 Geschützen.</p> - -<p class="small"><b>Die Tabelle</b> ist ein Auszug der im Clowes, Teil II, Seite 187, gegebenen, in der die -Schiffe einzeln mit Namen, Namen der Kommandanten, Stärke der Armierung und -Besatzung aufgeführt sind.</p> - -<p class="small">Clowes hebt hervor, daß die Schiffe „sogar für die damalige Richtung in der englischen -Marine außergewöhnlich“ überarmiert gewesen seien.</p> - -<p class="small">In der Tabelle ist das „rote“ Geschwader als „Erstes“ vorangestellt, während es -doch wahrscheinlich „die Mitte“ der Flottenformation bildete (vgl. Seite <a href="#Page_215">215</a>); ebenso -sind die Divisionen, die von den Geschwaderchefs geführt wurden, als „Erste“ bezeichnet, -obgleich sie doch in der Mitte ihrer Geschwader segelten. Wenigstens war es in beiden -Fällen später stets so.</p> - -<p class="small">Aus dieser Einteilung einer großen Flotte und aus der Verteilung der Flaggoffiziere -ihrem Alter nach kann man die <b>englischen Admiralschargen der verschiedenen Flaggen</b> -herleiten. Wir haben die „Funktionen“: Admiral, Vizeadmiral und Kontreadmiral -„der Flotte“ (Mitte; Vorhut; Nachhut) und dann dieselben in jedem Geschwader. Daher -kommen die Admirale der roten, weißen und blauen Flagge als Chefs der Geschwader -und die Vize- sowie Kontreadmirale der verschiedenen Flaggen als Chefs der entsprechenden -Divisionen. Hierbei ist an die Gesamtflotte Englands oder doch an eine -ungeheuer große Flotte, wie z. B. bei Northforeland, gedacht. Da die Flotten später -kleiner wurden und kaum je nur eine aufgestellt wurde, entsprachen in der Praxis durchaus -nicht immer die Chargen der zu einer Flotte kommandierten Flaggoffiziere ihren -Funktionen in dieser.</p> - -<p>Die vorstehende Tabelle gibt die <b>Zusammensetzung der englischen Flotte</b>. -Sie ist so eingehend gehalten, da sie gleichzeitig die Zusammensetzung und -Einteilung einer der ungeheuer starken Flotten damaliger Zeit veranschaulichen -soll. Die englische Marine teilte jetzt schon fast stets die -Flotten in 3 Geschwader und 9 Divisionen (vgl. Seite <a href="#Page_187">187</a>), während die -Holländer noch bis 1666, in welchem Jahre Ruyter den Oberbefehl übernahm, -häufig mehr Geschwader bildeten (vgl. Seite <a href="#Page_147">147</a>, Tromp).</p> - -<p><b>Die holländische Flotte</b> bestand am 12. Juni, nach Tromps Bericht, aus -98 Schiffen und 6 Brandern. Sie war in 5 Geschwader unter Tromp, de Ruyter, -de Witt, Jan Evertsen und Floriszoon geteilt; jedes Geschwader zerfiel in -3 Divisionen.<a name="FNanchor_121_121" id="FNanchor_121_121"></a><a href="#Footnote_121_121" class="fnanchor">[121]</a> Wir müssen uns wieder vergegenwärtigen, daß die holländischen<span class="pagenum"><a name="Page_222" id="Page_222">[222]</a></span> -Schiffe kleiner, schwächer armiert und bemannt waren und daß sich -weit mehr eingestellte Kauffahrer in der Flotte befanden.</p> - -<p>Die englische Flotte stellt nahezu den ganzen Schiffsbestand ihrer Marine -dar. Holland hätte wohl mehr aufstellen können, wenn die Neubauten, -besonders aber auch die Ausrüstungen und Ausbesserung der vorhandenen -Kräfte eifriger betrieben wären. Die Admirale hatten aus Mißmut über die -geringe Berücksichtigung ihrer ständigen Klagen nur ungern ihr Kommando -angetreten.</p> - -<p><b>Die Schlacht<a name="FNanchor_122_122" id="FNanchor_122_122"></a><a href="#Footnote_122_122" class="fnanchor">[122]</a> bei Northforeland-Nieuport, 12. und 13. Juni 1653.</b> -Am 12. Juni mit Tagesanbruch lichten beide Flotten bei leichtem Nordostwinde -Anker; die Engländer halten mit achterlichem Winde auf den Feind -zu, die Holländer erwarten sie über St. B. Bug hart am Winde liegend, wohl -mit dem Bestreben, womöglich gleich die Luvstellung zu gewinnen. <em class="gesperrt">Monck</em> -scheint zuerst die Absicht gehabt zu haben, in breiter Halbmondformation -anzugreifen, er hatte dazu seine Geschwader auseinandergezogen; als er aber -den Feind eng geschlossen sah, zog auch er seine Kräfte wieder zusammen, -was vielleicht bei dem flauen Winde zunächst nicht ganz gelungen ist.</p> - -<p>Von dem Versuch, eine Schilderung des Verlaufes der Schlacht zu geben, -muß abgesehen werden, da die Überlieferungen sehr lückenhaft und voll -von unverständlichen und unlöslichen Widersprüchen sind. Es ist dies sehr -zu bedauern, da anderseits in den Überlieferungen hervorgehoben wird, daß -in dieser Schlacht auf beiden Seiten verschiedentlich dahin gestrebt sei, -durch taktische Bewegungen Vorteile zu erringen; sie wird deshalb ein Markstein<a name="FNanchor_123_123" id="FNanchor_123_123"></a><a href="#Footnote_123_123" class="fnanchor">[123]</a> -in der Geschichte der Seetaktik genannt. So soll mehrfach um die -Luvstellung manövriert sein. Hierin scheint zuerst die holländische Flotte -Erfolg gehabt zu haben, wenigstens Ruyters Geschwader Lawson gegenüber. -Dieser Vorteil geht aber infolge „Verwirrung“ in der holländischen Flotte -wieder verloren, und die ganze englische Flotte gewinnt die Luvstellung. -Es wird ferner erwähnt, daß <em class="gesperrt">Lawson</em> zum ersten Male mit einigen „Fregatten“, -also gut segelnden Fahrzeugen, das Durchbrechen der feindlichen -Linie, dieses im folgenden Jahrhundert so wichtige taktische Manöver, mit -Erfolg ausgeführt habe. Es wird endlich und vor allem hervorgehoben, daß -englischerseits länger als in früheren Aktionen die Ordnung aufrecht erhalten -und zum Nahkampf (Melee) erst übergegangen wäre, als der Feind in „Verwirrung“ -geraten sei. Dies ist wohl so zu verstehen, daß die Engländer, -sobald sie die Luvstellung hatten, in Kiellinie aus den Schiffsgruppen gebildet, -solange ein Feuergefecht führten, bis der Gegner infolge ihrer stärkeren und -besser bedienten Artillerie genügend erschüttert war; der flaue Wind an diesem<span class="pagenum"><a name="Page_223" id="Page_223">[223]</a></span> -Tage begünstigte die volle Ausnützung der Überarmierung. Aber es ist, -wie gesagt, nicht möglich, die einzelnen Abschnitte des Gefechtes festzulegen. -Bei dem ersten Zusammenstoß Ruyters und Lawsons etwa um 11 Uhr werden -zwar beide unterstützt durch Tromp und Monck, doch scheinen sonst die anderen -Geschwader infolge des flauen Windes nicht voll mit eingegriffen zu haben; -später, als die Engländer die Luvstellung hatten, entbrannte der Kampf -auf der ganzen Linie, und es wurde hartnäckig gefochten. Ein Beispiel möge -dies veranschaulichen: Tromp entert Penn, wird aber zurückgeschlagen -und selbst geentert; da klart er sein Schiff durch Aufsprengen des Oberdecks -von den Feinden.<a name="FNanchor_124_124" id="FNanchor_124_124"></a><a href="#Footnote_124_124" class="fnanchor">[124]</a> Erst die Dunkelheit trennt die Gegner; beide bessern -während der Nacht notdürftig die Schiffe aus. Zur englischen Flotte stieß -in der Nacht Blake mit 18 Schiffen.</p> - -<p>Am 13. Juni steuert <em class="gesperrt">Tromp</em> der holländischen Küste zu, da in seiner -Flotte, besonders in den Geschwadern Ruyters und de Witts, die Munition -knapp geworden war. Wenn einzelne Quellen sagen, ein Kriegsrat früh morgens -habe beschlossen, noch eine Schlacht zu schlagen, so ist dies wohl nur dahin -zu verstehen, daß Tromp beabsichtigte,<a name="FNanchor_125_125" id="FNanchor_125_125"></a><a href="#Footnote_125_125" class="fnanchor">[125]</a> wenn nötig und unter günstigen -Umständen, noch einmal kräftig vorzustoßen, um sich dann in einem Rückzugsgefechte -möglichst unbelästigt zwischen die Untiefen unter Land zurückziehen -und dort Munition auffüllen zu können. Der Wind war südwestlich -geworden. Die Engländer trachteten, möglichst Luv zu gewinnen, um sich -dann zwischen den Feind und die Küste schieben zu können; schon um 8 Uhr -beginnt teilweise ein Feuergefecht auf weitere Entfernungen. Gegen Mittag -war Tromp fast imstande, sich hinter die der Küste zwischen Ostende und -Sluys vorgelagerten Sände (die <em class="gesperrt">Wielings</em>) zurückzuziehen, da wurde -es ganz flau. Er liegt hilflos in Lee des Feindes und es gelingt ihm eben noch, -seine zerstreuten Schiffe in leidlicher Ordnung zu sammeln, ehe er angegriffen -wird. Wieder eröffnen die Engländer in guter Ordnung ein wirksames Feuergefecht -und gehen dann mit auffrischendem Winde zum Nahkampf über.</p> - -<p>Sie haben vollen Erfolg, bei den Holländern ist die größte Verwirrung<a name="FNanchor_126_126" id="FNanchor_126_126"></a><a href="#Footnote_126_126" class="fnanchor">[126]</a> -und teilweise Panik eingerissen. Die Schiffe sind unklar voneinander gekommen, -Führer von Brandern versenken oder verbrennen ihre eigenen Fahrzeuge und -retten sich in Booten; viele holländische Schiffe fliehen, obgleich Tromp auf -sie feuert. Die Engländer würden vielleicht den größten Teil der Flotte -vernichtet haben, wenn sie nicht wegen der anbrechenden Dunkelheit und -wegen der Nähe der Sände, besonders mit Rücksicht auf ihre großen Schiffe, -gezwungen gewesen wären, den Kampf abzubrechen und zu ankern. So -gelingt es der holländischen Flotte am nächsten Morgen mit Tagesgrauen, -sich zwischen den Untiefen zu bergen und dann die Häfen zu erreichen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_224" id="Page_224">[224]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Verluste</em>: Die Engländer haben in den zwei Tagen 11 Schiffe mit -1350 Gefangenen genommen, 6 versenkt, 2 verbrannt; sie selbst haben kein -Schiff verloren, auch nur wenige müssen zur Ausbesserung in die Heimat -gesandt werden. Ihr Mannschaftsverlust war nicht unbedeutend: 120 Tote, -darunter <em class="gesperrt">Deane</em>, der am ersten Tage durch eine Kettenkugel (in dieser -Schlacht zum ersten Male von den Holländern mit besonderem Erfolg gegen -die Takelage verwendet) getötet wurde, und 236 Verwundete. Der Menschenverlust -auf holländischer Seite ist nicht bekannt.</p> - -<p>Die Niederlage der Holländer war zwar nicht so, daß der Krieg dadurch entschieden -würde, aber die <em class="gesperrt">Nachwirkung der Schlacht</em> war doch bedeutend. -Die englische Flotte blieb bei der günstigen Jahreszeit an der holländischen -Küste und hielt diese unter strenger Blockade; sie wurde zum ersten Male -an einer feindlichen Küste neu ausgerüstet und mit Munition und Vorräten -versehen. <em class="gesperrt">De Witt</em>, der erneute Klagen Tromps und seiner Admirale -der Regierung überbrachte, erklärte in der Versammlung der Generalstaaten -nachdrücklich, „<em class="gesperrt">die Engländer seien jetzt unbestritten -die Herren der See</em>“. Wieder angeknüpfte Friedensunterhandlungen -kamen nicht vorwärts, da Cromwell nach diesem Erfolge seine Bedingungen -noch verschärfte.</p> - -<p class="small">Die Klagen der Admirale gipfelten zunächst wieder in der Unzulänglichkeit der -Schiffe: die Engländer hätten 50 Schiffe, die dem besten der ihrigen überlegen seien, -in ihrer Flotte dagegen fänden sich an 30 völlig unbrauchbare, deshalb seien schwerere -Schiffe, besser armiert und bemannt, nötig. Ferner wurden bessere Löhnungsverhältnisse, -Mitgabe von Munitions- und Proviant-Fahrzeugen verlangt („Leben Ruyters“, -Seite <a href="#Page_43">43</a>).</p> - -<p class="small">Wenn unter den früheren Verhandlungspunkten sich nur die Forderung einer -„more intimate alliance“ zwischen den beiden Staaten fand, so wurde jetzt eine „complete -coalition“ verlangt; „eine völlige Vereinigung unter einer Regierung“, aber mit -einem solchen Übergewicht auf englischer Seite, daß Holland aufgehört haben würde, -ein selbständiger Staat zu sein (Clowes, Teil II, Seite 193).</p> - -<p><b>Gefecht bei Kattwijk und Schlacht bei Scheveningen, 8. und 10. August 1653.</b> -Der geschilderte Zustand war für Holland unerträglich. Der Handel und die -für den Nationalwohlstand fast ebenso wichtige Heringsfischerei waren jetzt -völlig lahmgelegt. Die Engländer brachten viele sehr reiche Prisen auf; -man mußte sogar auf feindliche Expeditionen in die inneren Gewässer und auf -Landungen gefaßt sein und sah sich genötigt, Truppen an die Küste und -auf die Inseln bei der Texelmündung zu werfen. Außerdem gärte es in verschiedenen -Orten an der Küste, ein großer Teil der Bevölkerung schob die -Schuld des unglücklichen Krieges der Regierung zu und verlangte wieder -einen Statthalter.<a name="FNanchor_127_127" id="FNanchor_127_127"></a><a href="#Footnote_127_127" class="fnanchor">[127]</a> Die Regierung arbeitete deshalb mit äußerster Anstrengung -an der Wiederbereitstellung der Flotte, um den Feind von der -Küste zu vertreiben; auch wurden Verfügungen<a name="FNanchor_128_128" id="FNanchor_128_128"></a><a href="#Footnote_128_128" class="fnanchor">[128]</a> erlassen, die besondere<span class="pagenum"><a name="Page_225" id="Page_225">[225]</a></span> -Belohnungen für kriegerische Leistungen und hohe Entschädigungen für -schwere Verwundungen versprachen.</p> - -<p>Die Aufstellung der neuen Flotte erfolgte unter <em class="gesperrt">Tromp</em> in der Maas -und unter <em class="gesperrt">de Witt</em> in der Texelmündung; die nächste Aufgabe der beiden -Führer war, sich zu vereinigen. Am 3. August ging <em class="gesperrt">Tromp</em> mit 80–90 -Schiffen und 5 Brandern in See, er hielt sich mehrere Tage vor der Maasmündung -und segelte dann an der Küste entlang, die Engländer zu suchen. -Diese hatten, vor Texel liegend, am 5. August bemerkt, daß <em class="gesperrt">de Witt</em> seine -Kräfte, 27 Schiffe nebst 4 Brandern, bei Helder dicht an der Mündung zusammengezogen -hatte, um jede günstige Gelegenheit (z. B. Nebel) zum Auslaufen -benutzen zu können. <em class="gesperrt">Moncks</em><a name="FNanchor_129_129" id="FNanchor_129_129"></a><a href="#Footnote_129_129" class="fnanchor">[129]</a> Kriegsrat beschloß deshalb am -7. August, mit der ganzen Flotte Tromp entgegenzusegeln und seine Vereinigung -mit de Witt zu hindern. Man ging am Abend Anker auf und sichtete -am 8. August vormittags Tromps Flotte auf der Höhe von Egmond, etwa -20 Seemeilen südlich von Texel. Die englische Flotte war durch Nachschub -an Stelle der ausbesserungsbedürftigen Schiffe etwa gerade so stark wie bei -Northforeland, also rund 100 Segel, nach Tromps Bericht vom 8.: 90 größere, -26 kleinere Fahrzeuge.</p> - -<p>Tromp steuerte nördlich bei Westsüdwestwind, er würde also die Luvstellung -gehabt haben; zunächst lief er auch noch etwas weiter, als aber der -Wind nach Nordwesten drehte, wendete er und steuerte an der Küste entlang -südlich, denn seine Absicht war, den Feind von der Texelmündung abzuziehen, -um de Witts Auslaufen zu erleichtern, und deshalb vorläufig ein -Gefecht zu vermeiden. Die Engländer folgten scharf und griffen um 5 Uhr -mit ihren schnellsten Schiffen (den neuen Fregatten) die letzten holländischen, -schlechte Segler,<a name="FNanchor_130_130" id="FNanchor_130_130"></a><a href="#Footnote_130_130" class="fnanchor">[130]</a> <em class="gesperrt">auf der Höhe von Kattwijk</em> an. Von englischer -Seite kamen nach und nach an 30 Schiffe heran, die Holländer unterstützten -ihrerseits die angegriffenen Kameraden nach Kräften. So nahm das Gefecht -weit größere Ausdehnung an, als Tromp beabsichtigt hatte; alle Flaggschiffe -waren beteiligt und erlitten schwere Verluste. Wie gewöhnlich trennte erst -die Dunkelheit die Gegner. Es war <em class="gesperrt">Tromp</em> nicht gelungen, ein Gefecht -ganz zu vermeiden und seine Flotte unversehrt zu erhalten, doch war es nicht -zu einer entscheidenden Schlacht gekommen, und <em class="gesperrt">de Witt</em> war entsetzt; -dieser war in der letzten Nacht in See gegangen, nachdem er das Fahrwasser -durch Boote mit Laternen und Fackeln ausgebojt hatte.</p> - -<p>Am 9. August wehte es hart aus Nordwesten, beide Flotten hatten genug -zu tun, sich von der Leeküste freizuhalten. So kam es zu keinem ernsten -Schlage; ein großer Vorteil für die Holländer, da de Witt Zeit gewann, heranzukommen. -Tromp näherte sich zwar morgens mit einigen Schiffen und<span class="pagenum"><a name="Page_226" id="Page_226">[226]</a></span> -wechselte Schüsse, er ging aber wieder auf seine Flotte zurück, als der Feind -Miene machte, das Gefecht ernstlich aufzunehmen. Um 5 Uhr nachmittags -stieß de Witt zu ihm. Die Gegner blieben die Nacht über in größter Nähe. -Am 10. August hatte der Wind abgeflaut und war nach Süd gegangen. Die -Flotten lagen bei <em class="gesperrt">Scheveningen</em>, beide gingen um 7 Uhr zum Angriff -vor; <em class="gesperrt">die Schlacht</em> wurde gleich allgemein und sollte <em class="gesperrt">die letzte und -blutigste</em> des ersten Krieges werden.</p> - -<p class="small">Leider sind auch über diese Schlacht die Schilderungen widersprechend<a name="FNanchor_131_131" id="FNanchor_131_131"></a><a href="#Footnote_131_131" class="fnanchor">[131]</a> und nicht -in Einklang zu bringen. Es ist dies wiederum zu bedauern, weil man aus den Andeutungen -schließen kann, daß auf beiden Seiten eine gut rangierte Formation eingenommen -war, daß diese englischerseits gut aufrecht erhalten wurde, und daß auch mehrfach -wohldurchdachte taktische Manöver ausgeführt sind. Es sei über den Verlauf -nachstehendes als wahrscheinlich erwähnt.</p> - -<p>Beide Gegner waren in Flottenkiellinie aus Schiffsgruppen formiert, -auf holländischer Seite führte <em class="gesperrt">Tromp</em> an der Spitze. Vor dem Zusammenstoß -gelingt es ihm mit den meisten Schiffen, nur einige Nachzügler abgerechnet, -die Luvstellung zu gewinnen. Er hält jedoch diese Stellung nicht -durch, sondern bricht in die feindliche Linie ein. Es war aber nicht das -Durchbrechen, um einen Teil des Feindes abzuschneiden, sondern nach altem -Brauch ein Einbrechen, Zurücksegeln und Wiedereinbrechen. Die holländischen -Quellen der Zeit heben ausdrücklich hervor, daß viele Schiffe „3 bis -4 mal wie bei den Ruderschiffen“ die feindliche Linie durchbrochen hätten. -Sein Flaggschiff „Brederode“ wird dabei schlecht unterstützt und leidet -schwer unter konzentriertem Feuer. Als sich der dichte Pulverdampf einen -Augenblick lichtet, weht an Bord die Flagge für Kriegsrat. Die holländischen -Flaggoffiziere, die in der Nähe sind, eilen an Bord und finden <em class="gesperrt">Tromp</em> durch -eine Musketenkugel <em class="gesperrt">getötet</em>. Es wird beschlossen, seine Flagge wehen zu -lassen, um die Holländer nicht zu entmutigen, die Engländer dagegen anzuspornen. -<em class="gesperrt">Jan Evertsen</em> übernimmt den Oberbefehl.</p> - -<p>Der Kampf wird mit äußerster Erbitterung fortgesetzt. Bis gegen -1 Uhr mittags stehen die Chancen gleich; die Holländer sind mit den meisten -Schiffen immer noch zu Luward und verwenden von hier aus ihre Brander -mit Geschick und Erfolg besonders gegen die feindlichen Flaggschiffe. 2 englische -Schiffe werden verbrannt, 2 Admiralschiffe leiden schwer durch Feuer; -Admiral Graves verbrennt, Peacock stirbt später an den Brandwunden. Aber -auch die Holländer haben starke Verluste, Ruyters und Evertsens Schiffe -müssen entmastet nach der Maasmündung geschleppt werden. Gegen -1 Uhr gewinnen die Engländer, scheinbar noch wohl geordnet, die Luvstellung, -die holländischen Nachzügler in Lee kommen dadurch noch weiter -ab und halten sich dann absichtlich fern. Die Hauptmacht, jetzt unter -<em class="gesperrt">de Witts</em> Oberbefehl, versucht wieder nach Luward zu gelangen; da dies -nicht gelingt, hält es de Witt für richtiger, nur hinhaltend zu fechten, um -die Schlacht abzubrechen; bald aber kann er nur noch mit einigen dreißig<span class="pagenum"><a name="Page_227" id="Page_227">[227]</a></span> -wacker fechtenden Schiffen die Flucht der anderen decken. Er feuert auf -die Fliehenden und ruft aus: „Hätte man die Kommandanten gehängt, als -sie es früher getan, so könnten sie es jetzt nicht wieder tun!“ Mit Munitionsmangel -konnte sich dieses Mal niemand entschuldigen, auf Drängen der Admirale -waren der Flotte Munitionsschiffe mitgegeben worden. Um 8 Uhr abends -wird die Flucht allgemein; die Schiffe setzen Untersegel und was sie sonst tragen -können und steuern der Texelmündung zu. Die Engländer verfolgen bei -hellem Mondschein bis Mitternacht aber doch nur lau, auch sie müssen -zunächst ihre schwer beschädigten Schiffe von der Küste freisegeln. Am -11. August melden die englischen Aufklärungsschiffe das Einlaufen des Feindes -in den Texel, und <em class="gesperrt">Monck</em> führt seine Flotte nach Yarmouth, da sie nicht -imstande ist, länger die See zu halten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verluste</em> waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer -haben nach eigenen (de Witts) Angaben 14 Schiffe verloren (wahrscheinlich -sind darin 5 eingerechnet, die nur sehr schwer havariert waren), 500 Tote, -700 Verwundete, 700 Gefangene; die englischen Angaben über den Verlust -des Gegners gehen sogar bis zu 26 Schiffen, 4000 Toten und Verwundeten (8 Kommandanten) -und 1300 Gefangenen (1 Admiral und 4 Kommandanten).</p> - -<p>Die Engländer verloren nach den eigenen Angaben wenigstens 250 (nach -„Penn“) oder 400 Tote (2 Admirale, 5 Kommandanten), 700 Verwundete und -2 Schiffe; holländischerseits werden als englischer Verlust 8–11 Schiffe, -worin wohl auch die halbverbrannten oder sonst schwerbeschädigten eingerechnet -sind, und bis zu 3000 Tote und Verwundete angegeben. Aber kein -holländisches Schiff war genommen und auch die englische Flotte war genötigt, -die Häfen aufzusuchen.</p> - -<p class="small">Wie schwer die Verluste der holländischen Schiffe waren, die wacker durchgehalten -hatten, zeigt Ruyters Flaggschiff: 43 Tote, 53 Verwundete von 150 Mann Besatzung; -Groß- und Fockmast über Bord.</p> - -<p>Die holländischen Gefangenen waren sämtlich von den sinkenden Schiffen aufgefischt. -Es ist behauptet, Monck habe befohlen, keine Prisen zu machen und keinen -Pardon zu geben. Dies ist nicht erwiesen; wahrscheinlich ist, daß er erklärt hat, es -sei richtiger, die feindliche Flotte zu vernichten, als durch Besetzen von Schiffen Kraft -und Ordnung der eigenen Flotte zu gefährden.<a name="FNanchor_132_132" id="FNanchor_132_132"></a><a href="#Footnote_132_132" class="fnanchor">[132]</a></p> - -<p><b>Die Folgen der Schlacht bei Scheveningen und der Friedensschluß.</b> Bis -zu einem gewissen Grade war die Schlacht trotz der Niederlage ein strategischer -Erfolg der Holländer. Die englische Flotte war nicht imstande, -die Blockade weiter durchzuführen; sie hat sie auch im weiteren Verlaufe -des Krieges nicht wieder ernstlich aufgenommen. Schon im September -geleitete <em class="gesperrt">de Witt</em> mit 40 weniger beschädigten Schiffen einen starken -Konvoi durch die Nordsee, übernahm bei Skagen von dänischen Kriegsschiffen -eine große Zahl Ostseefahrer und holte dann heimkehrende Atlantikfahrer -ab, die sich in den norwegischen Häfen angesammelt hatten. Seine -Flotte war nach und nach bis an 70 Schiffe verstärkt; mit ihr brachte er im<span class="pagenum"><a name="Page_228" id="Page_228">[228]</a></span> -Anfang November den bis gegen 400 Fahrzeuge angewachsenen Heimkonvoi -unbelästigt nach Holland zurück, obgleich die Engländer ihre wieder instandgesetzte -Flotte, allerdings nur 40–50 Segel stark, an der holländischen Küste -zeigten. Aber doch war die den Krieg entscheidende Schlacht geschlagen; -es war den Holländern nicht mehr möglich, sich noch einmal zum Widerstande -in großem Maßstabe aufzuraffen; um so weniger, als de Witts Flotte bald -nach seiner Rückkehr durch einen dreitägigen Sturm, vor der Texelmündung -liegend, fast zur Hälfte kampfunfähig gemacht wurde. Derselbe Sturm -nötigte auch die Engländer, in die Häfen zu gehen; es wurde dann ein großer -Teil ihrer Schiffe für den Winter aufgelegt.</p> - -<p class="small">Da England die Blockade aufgeben mußte, sah die Regierung in Holland die Schlacht -bei Scheveningen nicht als Niederlage<a name="FNanchor_133_133" id="FNanchor_133_133"></a><a href="#Footnote_133_133" class="fnanchor">[133]</a> an und wollte durch die Entsendung de Witts -sowie dadurch, daß man die Flotte noch im November draußen ließ, der ganzen Welt -zeigen, daß Holland nicht unterlegen sei; auch wurde Tromp als Nationalheld mit großen -Ehren begraben. Das Abweichen von dem alten Brauch, die Flotte im Spätherbst in -die Häfen zu nehmen, wurde anderseits von der Volksmeinung der Regierung zum Vorwurf -gemacht.<a name="FNanchor_134_134" id="FNanchor_134_134"></a><a href="#Footnote_134_134" class="fnanchor">[134]</a></p> - -<p>Im Winter 1653–54 begannen neue Friedensunterhandlungen und beide -Gegner beschränkten sich bis zum Friedensschluß auf den kleinen Krieg: -Entsenden von Kreuzern gegen die feindlichen Handelsschiffe und Kreuzer. -Die holländische Regierung mußte unter allen Umständen Frieden schließen, -auch aus Gründen der inneren Politik. Die aufrührerischen Bewegungen -mehrten sich, das Verlangen nach einem Statthalter trat schärfer hervor. -Die Folgen des Krieges lasteten zu schwer auf dem Lande und der Handel -lag hoffnungslos danieder. In dem kleinen Kriege jetzt mußte Holland -weiter im Nachteil bleiben, denn sein Handel war der größere und führte -überall durch englische Gewässer.</p> - -<p class="small">Der Krieg hat neben den unmittelbaren Kosten für die Rüstungen dem Lande -ungeheuere Verluste gebracht. Man nimmt an, daß die Engländer im Laufe der zwei -Kriegsjahre 1700 Prisen im Werte von 6 Millionen Lstrl. aufgebracht haben, während -sie kaum den vierten Teil verloren. Nur in den außerheimischen Gewässern war der -englische Handel der gefährdetere. Wir sahen, daß England das Mittelmeer aufgab, -ebensowenig hatte seine Kraft hingereicht, den Handel in Ostindien zu schützen und die -Navigationsakte in den amerikanischen Kolonien durchzuführen.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">Cromwell</em> war jetzt dem Frieden geneigter. Seine neue Stellung -als Alleinherrscher wurde durch einen ruhmreichen Abschluß des blutigen -Krieges befestigt; es lag ihm ferner jetzt daran, sich mit Holland, das bisher -Sympathie für die Stuarts gezeigt, gut zu stellen — der Friedensschluß war -somit ein schwerer Schlag für die Royalisten. Er ließ sehr in seinen Forderungen -nach und sah ab von den Bedingungen, freien Handel in der Schelde -zu geben;<a name="FNanchor_135_135" id="FNanchor_135_135"></a><a href="#Footnote_135_135" class="fnanchor">[135]</a> die Kriegsflotte zu vermindern; die Fischereiabgabe aufs neue -zu zahlen und dem beanspruchten Rechte, die holländischen Schiffe in englischen<span class="pagenum"><a name="Page_229" id="Page_229">[229]</a></span> -Gewässern auf ihre Ladung zu untersuchen. Vor allem wurde der -Gedanke, beide Republiken zu vereinigen, fallen gelassen.</p> - -<p>Am 15. April 1654 wurde der <b>Frieden von Westminster</b> geschlossen. Hart -waren die Bedingungen immer noch; von den 32 Punkten sind folgende für -uns die wichtigsten: Holland mußte die Navigationsakte anerkennen, den -Gruß der englischen Flagge in englischen Gewässern „durch Dippen der Flagge, -Wegführen der Marssegel und Abgabe von Salutschüssen“ zugestehen und -sehr bedeutende Entschädigungen zahlen. Diese setzten sich zusammen aus -den alten Forderungen, die schon als Gründe des Krieges erwähnt sind -(Seite <a href="#Page_191">191</a>), und neu hinzutretenden: Entschädigung an die englisch-ostindische -Kompagnie für Verluste während des Krieges und an die Erben -der in Amboina 1623 ermordeten Engländer sowie Ersatz für den Schaden, -den der englische Ostseehandel während des Krieges durch die Dänen erlitten -hatte.<a name="FNanchor_136_136" id="FNanchor_136_136"></a><a href="#Footnote_136_136" class="fnanchor">[136]</a> Außerdem verpflichteten sich die Generalstaaten durch eine -anfangs geheimgehaltene Klausel, die Angehörigen des Hauses Oranien -von allen hohen Staatsämtern und militärischen Kommandos auszuschließen.</p> - -<p>In diesen Frieden wurde <em class="gesperrt">Dänemark</em> eingeschlossen. Auch <em class="gesperrt">Portugal</em> -hielt es nach den Erfolgen Englands für nötig, sich mit diesem gut -zu stellen; es ersetzte die Schäden, die dem englischen Handel durch Prinz -Rupert von portugiesischen Häfen aus zugefügt waren. Selbst <em class="gesperrt">Frankreich</em> -nötigte Cromwell zu Gefallen Karl II., Paris zu verlassen und sich -nach Köln zu begeben. Die Reibungen zur See zwischen Frankreich und England -nahmen ihren Fortgang, bis 1655 ein Handelsvertrag abgeschlossen -wurde, nachdem Blake und Penn mit großem Erfolge gegen die französischen -Freibeuter vorgegangen waren.</p> - -<p><b>Bemerkenswertes in diesem Kriege.</b> Der erste englisch-holländische -Krieg ist für die Seekriegsgeschichte in verschiedener Hinsicht von großer -Bedeutung, vor allem durch den Umschwung in der Kriegführung. Bei der -Wichtigkeit dieses Umstandes sei das an verschiedenen Stellen schon Gesagte -(Seite <a href="#Page_107">107</a>, <a href="#Page_143">143</a>, <a href="#Page_160">160</a>) nochmals kurz zusammengefaßt.</p> - -<p>In den Kriegen der älteren Zeiten war das Meer mit wenigen Ausnahmen -nur eine Marschstraße für die Heere, um den Krieg zu Eroberungen oder -Brandschatzungen in Feindesland zu tragen; daneben schädigte man den -Feind durch Wegnahme seiner Handelsschiffe. Von einer planmäßigen Anlage -und Durchführung dieser Kriegsart war jedoch keine Rede, weder von -einer völligen Inbesitznahme und dauernden Behauptung dieser Marschstraße, -noch von einer gänzlichen Unterbindung des feindlichen Seehandels. -Beides erlaubten die unzulänglichen Streitmittel nicht. Weder die Ruderschiffe -noch die älteren Segelschiffe waren imstande, längere Zeit die See -zu halten und so auf dem Meere errungene Erfolge zu behaupten und auszunutzen.<span class="pagenum"><a name="Page_230" id="Page_230">[230]</a></span> -Den feindlichen Seehandel zu einem Hauptangriffsziel zu wählen, -hatte keinen Zweck, so lange er nicht so beträchtlich war, daß man in ihm -die Lebensbedingungen des feindlichen Landes ernstlich bedrohen konnte.<a name="FNanchor_137_137" id="FNanchor_137_137"></a><a href="#Footnote_137_137" class="fnanchor">[137]</a></p> - -<p>Zu Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. wurden die Schiffe seefähiger -und der Handel nahm wesentlich zu; infolgedessen sehen wir auch -die Kriegführung in ein neues Stadium treten. Es ist aber erst eine Übergangsperiode. -Die Unternehmungen gegen den Handel bleiben im allgemeinen -noch örtlicher und gelegentlicher Natur, oft mit dem ausgesprochenen Charakter -der Freibeuterei; die sonstigen militärischen Unternehmungen sind -meist noch Expeditionen gegen das feindliche Land im alten Sinne — das -hervorragendste Beispiel, der Zug der Armada — oder vereinzelte Vorstöße -zu ihrer Verhinderung. Selbst die Engländer, sonst auf dem neuen Wege -am weitesten fortgeschritten, fallen oft in die alte Kriegführung — Brandschatzung -als Hauptzweck — zurück. Es wird noch nicht genügend darauf -Bedacht genommen, durch eine planmäßige und andauernde Durchführung -des Seekrieges, durch Aus- und Abschließen des Feindes vom Meere, den -Krieg möglichst schnell zu beendigen; es gibt noch keine Strategie, die Erringung -und Erhaltung der Seeherrschaft zum Ziele hat.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der erste englisch-holländische Krieg aber ist -nur zur See geführt</em> und warf doch Holland so nieder, wie es ein siegreicher -Landkrieg mit Invasion nicht ärger hätte bewirken können, ohne -dem Sieger die Opfer an Menschen und Vermögen aufzuerlegen, die ein Landkrieg -gefordert hätte; der Wert der von England gemachten Prisen entsprach -allein dem vierfachen Betrage des damaligen jährlichen Staatseinkommens -Englands. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Kriegführung zur See -im neueren Sinne waren hier gegeben; beide Staaten boten dem Gegner -einen großen Seehandel als Angriffsziel dar, Schiffe einigermaßen fähig, -die See andauernd zu halten, waren vorhanden; der Schiffbau hatte in dieser -Hinsicht schon genügende Fortschritte gemacht, wenigstens ausreichend für -den beschränkten Kriegsschauplatz. Dieser Krieg war der erste, der andauernd -hohe Anforderungen an die Seestreitkräfte stellte und der zahlreiche -Erfahrungen sammeln ließ; er gab den Anstoß zur größeren Pflege der stehenden -Marinen und dadurch zu der Vervollkommnung des ganzen Seekriegswesens -— des Schiffbaues, des Personals, der Taktik —, wie wir sie im vorigen -Kapitel kennen gelernt haben. Die erste Entwicklung einer Strategie zur See -während dieses Krieges wird auf Seite <a href="#Page_231">231</a> betrachtet werden.</p> - -<p>Es ist ferner bei diesem Kriege bemerkenswert die Ausdauer und Hartnäckigkeit, -mit der man ihn auf beiden Seiten führte und die Rüstungen<span class="pagenum"><a name="Page_231" id="Page_231">[231]</a></span> -betrieb. Bei der wichtigen Rolle, die das Material auf See spielt, liegt es -in der Natur der Seekriege, daß nach ernsten Zusammenstößen der Hauptstreitkräfte -eine längere Pause in größeren Unternehmungen eintritt, die -nötig ist, um das Material wieder instandzusetzen. Hier aber werden in -einem Zeitraum von 13 Monaten — von der Kriegserklärung bis Scheveningen -— 6 große Schlachten geschlagen, von denen einige mehrere Tage dauern. -Hervorragende Führer, seemännisch tüchtige und tapfere Besatzungen waren -auf beiden Seiten vorhanden; gerade auch in Holland wurde stets wieder -mit äußerster Anspannung gerüstet. Wenn dieses schließlich doch unterlag, -so war es eine Folge seiner schon mehrfach erwähnten Schwächen: der minderwertigen -Schiffe, des weniger geschulten und weniger disziplinierten<a name="FNanchor_138_138" id="FNanchor_138_138"></a><a href="#Footnote_138_138" class="fnanchor">[138]</a> -Personals (namentlich auch vieler Kommandanten), kurz, der mangelhafteren -eigentlichen Kriegsmarine, sowie des Umstandes, daß Holland in seiner -größeren Handelsflotte einen günstigeren Angriffspunkt bot und schwerer -geschädigt werden konnte. Dieser Umstand war weit wichtiger als die anderen -Schwächen. Die Beschützung des Handels, der während des Krieges nicht, wie es -später geschah, aufgegeben wurde, hinderte die holländische Leitung strategisch -und oft auch taktisch; der unmittelbare Verlust an Vermögen und die Unterbindung -der Lebensbedingungen zwangen Holland zum Frieden.</p> - -<p>Eine <b>Strategie</b><a name="FNanchor_139_139" id="FNanchor_139_139"></a><a href="#Footnote_139_139" class="fnanchor">[139]</a>, die eine dauernde Beherrschung des Kriegsschauplatzes -zum Ziele hat, finden wir zunächst auch in diesem Kriege noch nicht. Im -ersten Jahre geschehen auf beiden Seiten nur und unter Hintansetzung aller -anderen Rücksichten große Unternehmungen, um den feindlichen Handel -zu schädigen oder den eigenen zu schützen, und auch dieses nur, wenn eine -besondere Gelegenheit, wie die Fahrt eines großen Konvois, dazu herausfordert; -nebenher schwärmen zahlreiche Kreuzer und Kaper im kleinen Kriege -gegen vereinzelte Handelsfahrzeuge. Es werden denn auch von den ersten -vier Schlachten drei durch den Angriff englischerseits auf einen Konvoi -hervorgerufen, den Holland schützt und verteidigt (Plymouth; Dungeness;<span class="pagenum"><a name="Page_232" id="Page_232">[232]</a></span> -Portland); ähnliche Zusammenstöße hindert nur der Zufall (Shetlands, August -1652; holländische Küste, Mai 1653).</p> - -<p>Die Flotten beider Staaten waren ungefähr gleich stark. Da jedoch der -holländische Handel größer und infolge seiner Wege mehr gefährdet war, -brauchte er die Seestreitkräfte Hollands ganz zu seinem Schutze; England -mit seinem kleineren und infolge seiner geographischen Lage vom Feinde -weniger bedrohten Handel konnte freier über seine Flotte verfügen. So -wurden die Engländer im allgemeinen die Angreifenden, die Holländer sahen -sich in die Defensive gedrängt. Aber zunächst beschränkten sich die Engländer -darauf, den feindlichen Handelsschiffen in den englischen Gewässern, -die sie passieren mußten, aufzulauern; es werden deshalb alle Schlachten -dieses Abschnittes an der englischen Küste geschlagen, selbst wo die Holländer -ohne Konvoi den Feind suchen, um den Weg frei zu machen (Kentish Knock).</p> - -<p>Wir finden auch in dieser ersten Zeit des Krieges nie die strategische -Ausnutzung eines Sieges; stets begnügt man sich auf beiden Seiten mit dem -augenblicklichen Erfolge und erhält sich damit eine ständig drohende Gefahr -vor Rückschlägen, die auch oft genug eintreten. Der Gedanke, zunächst -die feindliche Kriegsflotte vom Meere zu vertreiben, dadurch den eigenen -Handel frei zu machen und den feindlichen völlig lahm zu legen, bricht sich -aber im Verlaufe des Krieges Bahn; es wird damit dann die Kriegführung -kräftiger offensiv. So suchen sich die Gesamtstreitkräfte beider Staaten im -Juni 1653 zur Entscheidungsschlacht (Northforeland) auf und England trägt, -als es im allgemeinen das Übergewicht gewonnen hat, überhaupt den Krieg -an die feindlichen Küsten. Nachstehendes möge dies veranschaulichen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rückblick auf den Krieg.</em> Die erste Maßregel Englands war -die Entsendung Blakes mit der Hauptmacht gegen die holländische Fischerei -und Schiffahrt in der Nordsee, Ayscue wird nur mit schwachen Kräften berufen, -die Sicherung der Themse zu übernehmen. Der Gefahr durch die ganze feindliche -Flotte, der dadurch Ayscue und die Holland naheliegenden englischen -Küsten ausgesetzt wurden, scheint man sich gar nicht bewußt gewesen zu -sein. Tromp macht aber auch nur einen schwachen Versuch, Ayscue zu vernichten; -als ihm dies nicht leicht gelingt — allerdings überschätzte man -damals noch den Wert von Landbefestigungen Schiffen gegenüber sehr —, -gibt er den Plan auf und folgt Blake bis zu den Shetlands, in erster Linie -doch nur, um holländisches Eigentum zu verteidigen. Ungünstiges Wetter -verhindert den Zusammenstoß. Nach Blakes Rückkehr sendet man Ayscue -wieder nach dem Westen des Kanals, anstatt mit beiden Flotten gemeinsam -die Holländer anzugreifen, wozu sich eine so günstige Gelegenheit bot, da -Tromps Flotte schwer gelitten hatte. So gelingt es Ruyter, einen Konvoi -wohlbehalten durch den Kanal zu führen, den nur etwa gleichstarken Ayscue -bei Plymouth mit Erfolg abzuwehren und den heimwärts bestimmten Konvoi -zurück zu geleiten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_233" id="Page_233">[233]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p233.jpg" width="399" height="650" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p233" id="fig_p233"></a> -<p class="caption">Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges 1652–1654.</p> -</div> - -<p>De Witt, an Tromps Stelle zum Oberkommando berufen, macht nun -zum ersten Male den Versuch, eine größere Entscheidung durch einen Angriff<span class="pagenum"><a name="Page_234" id="Page_234">[234]</a></span> -auf die Hauptmacht des Feindes herbeizuführen; Kentish Knock wird geschlagen, -ohne daß es sich um einen Konvoi handelt. Die Nebenumstände -lassen aber vermuten, daß de Witt mehr unter dem Antriebe, etwas Bedeutendes -zu leisten, gehandelt hat, als infolge strategischer Einsicht. Die holländische -Regierung verfolgte diese Art der Kriegführung jedenfalls nicht -weiter, sondern ordnete auch fernerhin wieder nur die Begleitung großer -Konvois durch die Kriegsflotte an. Aber auch die Engländer nützen ihren -Sieg nur in altem Sinne aus durch Aufbringen feindlicher Kauffahrer. Wenn -auch der hereinbrechende Winter ihren Schiffen den Aufenthalt an der feindlichen -Küste unmöglich machte, man sich wenigstens noch nicht zu bleiben -getraute, und wenn man auch vom Feinde bei der vorgerückten Jahreszeit -nichts Ernstliches mehr erwartete, so durfte doch die englische Flotte nicht -zersplittert werden, wie es geschehen ist. Man überschätzte den Erfolg einer -einzelnen siegreichen Schlacht, die allerdings für den Augenblick die Herrschaft -über die See gebracht hatte. Diese Kurzsichtigkeit führte zur Niederlage -Englands bei Dungeness.</p> - -<p>Tromp verfällt nach dieser Schlacht derselben irrigen Auffassung. Schon -sein Angriff entsprang nur der Absicht, seinen Konvoi sicher weiter zu führen -und die sich bietende günstige Gelegenheit einem schwächeren Feinde gegenüber -zu benutzen. Anstatt nach dem Siege dahin zu streben, den geschlagenen -Feind gänzlich zu vernichten — die Position in den Downs war nach Abbruch -der behelfsmäßigen Batterien nicht mehr so stark —, überhaupt die Offensive -den getrennten englischen Geschwadern im Kanal gegenüber aufrecht zu -erhalten, beschränkt er sich auf die defensive Aufgabe, seinen Konvoi nach -Ré zu geleiten und einen heimkehrenden zurückzuführen. Während seiner -Abwesenheit geht die holländische Herrschaft über den Kanal schnell wieder -verloren, England hat Zeit, seine Kräfte zu sammeln und ihm bei seiner -Rückkehr (bei Portland) entgegenzutreten. Den Zusammenstoß bei Portland -hätte Tromp mit dem günstigen Winde vielleicht vermeiden können; er tat -es wohl nicht, weil er der Beständigkeit des Windes sowie der Segelfähigkeit -vieler seiner Kauffahrer nicht vertraute und daher fürchtete, von den Engländern -auf dem Marsche eingeholt und angegriffen zu werden, wie sie es -ja auch bei der Verfolgung nach der Schlacht mit großem Erfolge taten. -Eine weitere Ausnutzung des Sieges wagen aber die Engländer wiederum -mit Rücksicht auf die Jahreszeit nicht.</p> - -<p>Im letzten Abschnitt des Krieges wird nun Tromp noch einmal beordert, -Kauffahrer auswärts und heimwärts zu geleiten (Mai 1653). Jetzt aber -erwarten die Engländer den Feind nicht mehr in ihren eigenen Gewässern, -sondern versuchen, schon die Sammlung der Kriegs- und Handelsschiffe an -der holländischen Küste zu verhindern. Sie kommen zwar zu diesem Zwecke -zu spät und begnügen sich mit Aufbringen von Küstenfahrern und Alarmierung -der Küsten, immerhin war es eine bedeutsame Erweiterung der -Offensive. Überhaupt zeigen sich die Engländer von jetzt an mehrfach -unmittelbar vor den feindlichen Häfen (Ende Mai, Anfang Juni 1653) und<span class="pagenum"><a name="Page_235" id="Page_235">[235]</a></span> -halten in den eigenen Gewässern ihre Flotte der feindlichen Küste näher -(Yarmouth, Juni). Als nun auch Tromp nach seiner Rückkehr zur Offensive -übergeht, indem er zunächst den Vorstoß gegen die Downs macht und dann -die englische Hauptmacht sucht, kommt es am 12.–13. Juni 1653 zur Schlacht -bei Northforeland-Nieuport, zum Kampf der Gesamtkräfte beider Staaten, -ohne daß ein Konvoi den Anlaß gegeben hat. Nach dieser Schlacht nutzen -die Engländer den Sieg aus, indem sie den Feind bis vor seine Häfen verfolgen -und dann die feindliche Küste unter Blockade halten; ja, zu diesem Zwecke -bessern und rüsten sie zum ersten Male dort ihre Flotte aus und kehren -dazu nicht wie bisher nach jeder größeren Schlacht in die heimischen Häfen -zurück. Der Ausfall Tromps, um die Blockade aufzuheben, führt zur Schlacht -bei Scheveningen dicht an der holländischen Küste (10. August). Trotz -ihres taktischen Sieges hier mußten die Engländer die Blockade aufgeben, -da auch sie zu sehr geschwächt waren. Daß sie dann später den Krieg nicht -wieder tatkräftig aufnahmen, ja, sogar mit geringeren Streitkräften als die -Holländer auftraten, wird auf Cromwells Neigung zum Frieden zurückzuführen sein.</p> - -<p>Beim Friedensschluß war der Kampf um die Seeherrschaft noch nicht -entschieden, die holländische Flotte war keineswegs niedergekämpft; nicht -sowohl militärische Gründe als die allgemeine Erschöpfung und die Volksstimmung -zwangen Holland, Frieden zu schließen. Daß aber die Kriegführung -im allgemeinen energischer geworden ist, beweist wohl auch die Tatsache, -daß beide Nationen, abweichend vom bisherigen Brauch, versuchen, im Herbst -1653 eine Flotte bis in den Winter hinein ständig auf See zu halten; der erste -schwere Wintersturm zeigt dann allerdings, daß die damaligen Schiffe dem -noch nicht gewachsen waren.</p> - -<p>Der Verlauf dieses Krieges lehrt, daß zur Erreichung großer Ziele auf -oder über See — hier die völlige Lahmlegung des feindlichen Handels, -der Schutz des eigenen — die <em class="gesperrt">unbestrittene Beherrschung -der See durch Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte</em> -nötig ist. Die Engländer, von Anfang an mehr auf die -Offensive hingewiesen und weniger an ihrer Durchführung behindert, tragen -zuerst diesem Grundsatz Rechnung. Während sie in der ersten Hälfte des -Krieges nur auf möglichst starke Schädigung des Handels, nicht auf schleunigere -Beendigung des Krieges hinzielen, richten sie in der zweiten Hälfte -ihre Stöße mehr gegen die Streitkräfte des Feindes. Aber auch die Holländer -versuchen gegen das Ende, zunächst die feindliche Kriegsflotte aus dem Felde -zu schlagen. Sie geben dann in den späteren Kriegen ihren Handel ganz auf, -weil sie eingesehen haben, daß ihre Kräfte nicht ausreichen, gleichzeitig diesen -zu schützen und um die Seeherrschaft zu ringen. „Der Kampf der Seestreitkräfte -miteinander tritt in den Vordergrund.“</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_95_95" id="Footnote_95_95"></a><a href="#FNanchor_95_95"><span class="label">[95]</span></a> Nach Perels, „Das internationale Seerecht.“ Seite 16 und Seite 18 Anm.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_96_96" id="Footnote_96_96"></a><a href="#FNanchor_96_96"><span class="label">[96]</span></a> Anschließend an <a href="#Page_96">Kapitel II</a> „Die Entwicklung des Seekriegswesens“, sowie -an „Die wichtigsten Kriegsmarinen“ (Seite <a href="#Page_148">148–151</a>). Hauptquellen: Clowes, Teil II; -de Jonge, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_97_97" id="Footnote_97_97"></a><a href="#FNanchor_97_97"><span class="label">[97]</span></a> Angaben nach de Jonge, Teil I, Beilage XXIV.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_98_98" id="Footnote_98_98"></a><a href="#FNanchor_98_98"><span class="label">[98]</span></a> Anschließend an Seite <a href="#Page_139">139</a> und <a href="#Page_143">143</a>. Näheres über England siehe Clowes, Teil II, -Seite 118; über Holland in Indien und Brasilien, Zimmermann, Band I und V.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_99_99" id="Footnote_99_99"></a><a href="#FNanchor_99_99"><span class="label">[99]</span></a> Hauptquellen: Clowes, Teil II; „Vie de Tromp“; „Leben Ruyters“. Zum -Vergleich auch Schomberg, Teil I; Allen, Teil I; Yonge, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_100_100" id="Footnote_100_100"></a><a href="#FNanchor_100_100"><span class="label">[100]</span></a> „Vie de Tromp“: Berichte beider Führer Seite 15 u. ff., ebendort Briefwechsel -zwischen ihnen und Vorstellungen der holländischen Gesandten den Fall betreffend. -<em class="gesperrt">Clowes</em>, Teil II, Seite 148.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_101_101" id="Footnote_101_101"></a><a href="#FNanchor_101_101"><span class="label">[101]</span></a> Über diese Verhandlungen, in denen England seine Forderungen verschärfte, -näheres in „Vie de Tromp“, Seite 27 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_102_102" id="Footnote_102_102"></a><a href="#FNanchor_102_102"><span class="label">[102]</span></a> Siehe das <a href="#frontispiz">Titelbild</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_103_103" id="Footnote_103_103"></a><a href="#FNanchor_103_103"><span class="label">[103]</span></a> Bei „Agosta“ später noch einige Angaben über Ruyter. Beste Biographie: -„Leben Ruyters“, vgl. Quellenverzeichnis.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_104_104" id="Footnote_104_104"></a><a href="#FNanchor_104_104"><span class="label">[104]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 19.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_105_105" id="Footnote_105_105"></a><a href="#FNanchor_105_105"><span class="label">[105]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 22.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_106_106" id="Footnote_106_106"></a><a href="#FNanchor_106_106"><span class="label">[106]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 157, nimmt an, daß beide Gegner kein Schiff verloren hätten. -„Vie de Tromp“, Seite 67, und „Leben Ruyters“, Seite 23, sagen, die Engländer würden -vernichtet sein, wenn es Ruyter gelungen wäre, die Luvstellung zu gewinnen und von -dort aus seine Brander zu verwenden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_107_107" id="Footnote_107_107"></a><a href="#FNanchor_107_107"><span class="label">[107]</span></a> In „Vie de Tromp“, Seite 69, und „Leben Ruyters“, Seite 26, wörtliche Wiedergabe -seiner Ansprache. Er spricht darin die Hoffnung aus, den Feind zu überraschen, -indem viele Offiziere und Leute am Lande sein würden, und daß diejenigen seiner Kommandanten, -die sich in der Schlacht weniger gut benommen, dies wieder gutmachen -könnten. Über seine Kapitäne klagte er später noch einmal, als beim Kreuzen häufig -Schiffe zu weit abkommen; er spricht dabei von „mutwilligen und dummen“ -Kommandanten. („Leben Ruyters“, Seite 28.) Unbotmäßigkeit, Lauheit und Ungeschick -wird im ersten holländisch-englischen Kriege den Kommandanten öfters vorgeworfen, -wohl eine Folge der politischen Parteien im Lande und mißverstandener -republikanischer Ansichten oder auch des Mangels an eigentlichen Marineoffizieren.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_108_108" id="Footnote_108_108"></a><a href="#FNanchor_108_108"><span class="label">[108]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 159; du Sein, Teil II, Seite 572; Troude, Teil I, -Seite 104.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_109_109" id="Footnote_109_109"></a><a href="#FNanchor_109_109"><span class="label">[109]</span></a> Witte Cornelius de Witt, 1599 in Brielle geboren, ging mit 17 Jahren -zur See und stieg bis zum Admiralleutnant; tüchtig, kampflustig aber hartnäckig, -schroff und unbeliebt. Vom Oberkommando entsetzt, diente er später weiter auch -unter früheren Untergebenen. Er fiel 1658 in der „Schlacht im Sunde“.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_110_110" id="Footnote_110_110"></a><a href="#FNanchor_110_110"><span class="label">[110]</span></a> Dänemark hielt zu Holland, indem es mit vertragsmäßig dazu bestimmten -Kriegsschiffen holländische Kauffahrer schützte, ja sogar konvoiierte, englische Fahrzeuge -dagegen aufbrachte. Das erwähnte englische Geschwader wurde durch Sturm -verhindert, etwas zu leisten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_111_111" id="Footnote_111_111"></a><a href="#FNanchor_111_111"><span class="label">[111]</span></a> Im „Leben Ruyters“, Seite 30, wird gerade bei dieser Gelegenheit hervorgehoben, -daß sich in der Flotte sehr viel eingestellte Kauffahrer befanden, und daß um diese Zeit -zuerst dringende Anträge für den Bau von Kriegsschiffen gestellt seien.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_112_112" id="Footnote_112_112"></a><a href="#FNanchor_112_112"><span class="label">[112]</span></a> Unter den sich besonders auszuzeichnenden Schiffen findet man Namen, die seitdem -in der englischen Flotte stets wieder erscheinen: „Victory“, „Vanguard“, „Triumph“ -(Blakes Flaggschiff).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_113_113" id="Footnote_113_113"></a><a href="#FNanchor_113_113"><span class="label">[113]</span></a> Bei diesen Fahrten soll Tromp einen Besen im Topp geführt haben, als -Zeichen, daß er den Kanal reingefegt habe. Nach Clowes, Teil II, Seite 174, ist dies -eine Sage: Ein Besen im Topp sei damals das Zeichen gewesen, daß das betreffende -Schiff zum Verkauf stehe. So sei die Erzählung wohl ein Witzwort von jemandem, -der Tromp in St. Martin auf Ré seine Prisen habe verkaufen sehen. Aber auch dann -bezeugt der lange Glaube an die Erzählung, daß die Holländer nach Dungeness einige -Zeit die Herrschaft im Kanal hatten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_114_114" id="Footnote_114_114"></a><a href="#FNanchor_114_114"><span class="label">[114]</span></a> Die Untersuchungsakten liegen nicht mehr vor, so daß der Grund für das Verhalten -der Kriegsschiffkommandanten unbekannt ist. Man glaubt, es Einflüssen der -royalistischen Partei zuschreiben zu müssen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_115_115" id="Footnote_115_115"></a><a href="#FNanchor_115_115"><span class="label">[115]</span></a> Über das Gefecht etwas genauer: Clowes, Teil II, Seite 176; Allen, Teil I, -Seite 44; „Vie de Tromp“, Seite 105. Im letzten Angaben über die Schicksale der -einzelnen Schiffe und über den Gesamt-Mannschaftsverlust: Engländer 286 Tote, -293 Verwundete; Holländer 123 Tote, etwa ebensoviel Verwundete. Der holländische -Admiral van Galen wurde tödlich verwundet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_116_116" id="Footnote_116_116"></a><a href="#FNanchor_116_116"><span class="label">[116]</span></a> Schilderung der Schlacht nach Clowes, Teil II, Seite 168; „Vie de Tromp“ und -„Leben Ruyters“ geben nur Taten holländischer Schiffe; die wenigen Andeutungen -anderer Art weichen oft von Clowes ab.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_117_117" id="Footnote_117_117"></a><a href="#FNanchor_117_117"><span class="label">[117]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 95.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_118_118" id="Footnote_118_118"></a><a href="#FNanchor_118_118"><span class="label">[118]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 99 und 101, wörtliche Wiedergabe der Berichte Tromps -und Blakes.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_119_119" id="Footnote_119_119"></a><a href="#FNanchor_119_119"><span class="label">[119]</span></a> Nach „Vie de Tromp“ war der Bau von 30 Schiffen, nach „Leben Ruyters“ -Seite 40, sogar der von 60, in zwei Raten, angeordnet; sie werden dort „Fregatten“ -genannt (vgl. Seite <a href="#Page_164">164</a>.)</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_120_120" id="Footnote_120_120"></a><a href="#FNanchor_120_120"><span class="label">[120]</span></a> Blake war zur Zeit der Parlamentsauflösung an der Ostküste Englands stationiert, -wie man sagt, da Cromwell seiner Zustimmung zu erwähntem Staatsstreiche nicht -sicher war. Yonge, Teil I, Seite 72.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_121_121" id="Footnote_121_121"></a><a href="#FNanchor_121_121"><span class="label">[121]</span></a> Genauer „Vie de Tromp“, Seite 118.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_122_122" id="Footnote_122_122"></a><a href="#FNanchor_122_122"><span class="label">[122]</span></a> Diese zweitägige Schlacht ist sehr verschieden benannt: Lowestoft; Nieuport; -Dünkirchen. Nach dem Ort, an welchem sie begann, scheint mir die Bezeichnung nach -Clowes: „Northforeland“ die beste; für den zweiten Tag kann man dann wohl „Nieuport“ -annehmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_123_123" id="Footnote_123_123"></a><a href="#FNanchor_123_123"><span class="label">[123]</span></a> Nach Yonge, Teil I, Seite 73, schon in früheren Zeiten in der englischen Marine -so bezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_124_124" id="Footnote_124_124"></a><a href="#FNanchor_124_124"><span class="label">[124]</span></a> Nach „Vie de Tromp“, Seite 123 und Allen, Seite 95, trug sich dies erst -am 13. zu.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_125_125" id="Footnote_125_125"></a><a href="#FNanchor_125_125"><span class="label">[125]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 128, Tromps Bericht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_126_126" id="Footnote_126_126"></a><a href="#FNanchor_126_126"><span class="label">[126]</span></a> Auch Tromp nennt in seinem Bericht die Verwirrung eine Folge der „Unwissenheit -und Unerfahrenheit vieler Kommandanten“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_127_127" id="Footnote_127_127"></a><a href="#FNanchor_127_127"><span class="label">[127]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 133; „Leben Ruyters“, Seite 44, geben Näheres.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Footnote_128_128" id="Footnote_128_128"></a><a href="#FNanchor_128_128"><span class="label">[128]</span></a> Diese Verfügungen ebendort, Seite 136 bezw. Seite 44.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_129_129" id="Footnote_129_129"></a><a href="#FNanchor_129_129"><span class="label">[129]</span></a> Monck führte jetzt allein den Oberbefehl, da Deane gefallen, Blake schwer -erkrankt nach England gesandt, ein neuer General zur See noch nicht ernannt war; -im Dezember 1653 erfolgte Penns Ernennung nebst der eines dritten, der jedoch nie -zur See diente. (Clowes, Teil II, Seite 192.)</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_130_130" id="Footnote_130_130"></a><a href="#FNanchor_130_130"><span class="label">[130]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 139; Tromps Bericht; „Leben Ruyters“, Seite 45.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_131_131" id="Footnote_131_131"></a><a href="#FNanchor_131_131"><span class="label">[131]</span></a> Vgl. Clowes, Teil II, Seite 195; Allen, Teil I, Seite 48; „Vie de Tromp“, -Seite 140.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_132_132" id="Footnote_132_132"></a><a href="#FNanchor_132_132"><span class="label">[132]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 196.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_133_133" id="Footnote_133_133"></a><a href="#FNanchor_133_133"><span class="label">[133]</span></a> „Vie de Tromp“, Seite 147; ebendort das Begräbnis Tromps.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_134_134" id="Footnote_134_134"></a><a href="#FNanchor_134_134"><span class="label">[134]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 52.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_135_135" id="Footnote_135_135"></a><a href="#FNanchor_135_135"><span class="label">[135]</span></a> Das Abschließen des spanischen Antwerpens von der Schiffahrt — die Sperrung der -Schelde — war eine wichtige Errungenschaft Hollands im Westfälischen Frieden gewesen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_136_136" id="Footnote_136_136"></a><a href="#FNanchor_136_136"><span class="label">[136]</span></a> Zimmermann, Band II, Seite 142, nennt 85 000 Lstrl. (und Herausgabe der -Banda-Insel Palaroon) an die ostindische Kompagnie und 3600 Lstrl. an die Erben der -Amboinakaufleute. Clowes, Teil II, Seite 200, spricht von 140 000 Lstrl. für den -Schaden des Ostseehandels und von 900 000 Lstrl. als Gesamtbetrag aller Forderungen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_137_137" id="Footnote_137_137"></a><a href="#FNanchor_137_137"><span class="label">[137]</span></a> Colomb, Kap. I. „The nature of naval warfare“ mit folgender Disposition: Ein -wirklicher Seekrieg ist erst möglich, wenn im Seehandel ein großer Teil des Reichtums -eines Landes ruht und wenn Schiffe vorhanden sind, die die See halten können. Er -war mithin vor der Zeit Elisabeths ausgeschlossen. Erst im Spanischen Kriege wurden -diese Voraussetzungen erkannt, besonders von den Admiralen Raleigh und Monson, -Das erste Ziel des Seekrieges ist also die Beherrschung der See.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_138_138" id="Footnote_138_138"></a><a href="#FNanchor_138_138"><span class="label">[138]</span></a> Als ein krasses Beispiel der Unbotmäßigkeit in der holländischen Marine sei -noch erzählt, daß, als 1652 der beliebte Admiral Tromp durch den unbeliebten de Witt -im Oberbefehl ersetzt wurde, das bisherige Flaggschiff „Brederode“ sich weigerte, de -Witt an Bord zu nehmen; er war genötigt, seine Flagge auf einem anderen Schiffe zu -heißen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_139_139" id="Footnote_139_139"></a><a href="#FNanchor_139_139"><span class="label">[139]</span></a> Colomb, Kap. II, „The struggle for the command of the sea“ bespricht die -Strategie im ersten Kriege nach folgender Disposition: „Ein wirklicher Seekrieg kann -geführt werden, wenn genügend Eigentum auf dem Meere liegt, um dem Verluste -eine ernste Bedeutung zu geben, und wenn seefähige Schiffe zum Angriff vorhanden -sind. — Der Seehandel kann unmittelbar angegriffen und verteidigt werden, wie im -ersten Abschnitt dieses Krieges; er kann vernichtet werden, nachdem zunächst die -Seeherrschaft durch Niederkämpfung der feindlichen Flotte errungen ist, wie im späteren -Abschnitt. — Mit einzelnen Siegen aber wird die Seeherrschaft nicht dauernd errungen, -wenn die besiegte Macht nicht auch vernichtet ist. Die Siege, die von beiden Parteien -errungen sind, waren nur Schritte auf dem Wege zur Seeherrschaft; der Kampf um -diese war beim Friedensschlusse noch nicht beendet.“</p> - -<p>Wir folgen im großen ganzen dieser Disposition.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_236" id="Page_236">[236]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p236.jpg" width="600" height="125" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Viertes Kapitel.</span><br /> -Nebenkriege 1654–1665.</h3> - -<h4>England-Spanien 1654–1659. Holland-Portugal 1656–1661.<br /> -Schweden-Dänemark 1655–1660. Frankreich-Spanien 1635–1659.</h4> - -<p>Vor der Schilderung des nächsten großen Seekrieges zwischen England -und Holland müssen wir uns mit einigen Nebenkriegen beschäftigen, in -denen die Flotten dieser Staaten eine Rolle spielen.</p> - -<p><b>England</b><a name="FNanchor_140_140" id="FNanchor_140_140"></a><a href="#Footnote_140_140" class="fnanchor">[140]</a> befand sich nach dem Frieden von Westminster und nach dem -Abschluß des französischen Handelsvertrages mit allen Völkern im Frieden, -es hatte überall seinen Willen erreicht (Seite <a href="#Page_229">229</a>). <em class="gesperrt">Cromwell</em> -jedoch wünschte einen auswärtigen Krieg, um die Aufmerksamkeit des Volkes -von der inneren Politik — der gegen ihn gerichteten Bestrebungen der strengen -Republikaner und der Royalisten — abzulenken; er brach einen <b>Krieg mit -Spanien</b> vom Zaune. Reibungen mit diesem Staate hatten in Westindien -nie aufgehört, da England hier seinen Einfluß und seine Besitzungen zu erweitern -fortfuhr und Spanien dies mit den alten grausamen Mitteln zu vereiteln -suchte. So war gerade dieser Krieg von religiösem und kommerziellem -Standpunkte aus volkstümlich; er versprach außerdem reiche Beute.</p> - -<p>Schon im Sommer 1654 wurde die Ausrüstung zweier Flotten betrieben; -ihr Zweck ward streng geheim gehalten, so daß man sowohl in Frankreich -wie in Spanien in Erwartung eines gegen sich gerichteten Unternehmens stand.</p> - -<p><em class="gesperrt">Penn</em> erhielt den Befehl über eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe -— 1 zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen —, 20 Transporter. -Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren vorzugsweise -mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter General <em class="gesperrt">Venables</em> -eingeschifft waren. Die Expedition segelte am Weihnachtstage 1654 nach -Westindien, ihr Erfolg war die <b>Eroberung Jamaicas</b>.</p> - -<p class="small">Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Stärke der Landtruppen -nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter dem Vizeadmiral -der Flotte formiert. Am 31. März 1655 verließ die Expedition Barbados und landete -am 13. und 14. April 7000 Mann auf Haiti in der Nähe der Stadt Domingo unter Venables<span class="pagenumsmall"><a name="Page_237" id="Page_237">[237]</a></span> -Befehl, Penn mit der Flotte als Rückhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps -mit einem Verlust von 1700 Mann völlig geschlagen, die gänzliche Vernichtung soll -nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen -hier auf, weil sie ihren Truppen, Strafgefangenen und unzuverlässigen -königlichen Soldaten, nichts zutrauten.</p> - -<p class="small">Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach -<em class="gesperrt">Jamaica</em> und eroberte in wenig Tagen, 10.–17. Mai, die schwach kolonisierte und -nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von jetzt an in englischem Besitz, -wenn auch Spanien verschiedene Wiedereroberungsversuche machte und die in die -Berge geflüchteten spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen -Guerillakrieg gegen die Engländer führten.</p> - -<p class="small">Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen Station, -behufs Schädigung der Spanier, zurücklassend, kehrte Penn nach England heim; er wie -Venables kamen wegen des Mißerfolges auf Haiti trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas -auf kurze Zeit in den Tower.</p> - -<p>Die zweite Flotte unter <em class="gesperrt">Blake</em> segelte am 29. September 1654 nach -dem <em class="gesperrt">Mittelmeer</em>. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, -1 zu 46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen -und 5 kleineren.</p> - -<p>Blake hatte den Befehl, vorläufig nichts gegen Spanien zu unternehmen. -Der Krieg war ja noch nicht erklärt und man wollte die Abfahrt der spanischen -Silberflotte nicht stören, um sie womöglich in die Hände Penns fallen zu lassen -— Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten Grundsatz: -„Kein Frieden gilt unter der Linie“, d.h. in außereuropäischen Gewässern —, -im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die Flotte Blakes nur zum -Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die Barbaresken vorging. Ihre -erste Tat war auch die in ihrer Art berühmte <b>Vernichtung einer tunesischen -Flotte unter den Befestigungen von Tunis</b>.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Blake</em> machte zunächst eine Demonstration gegen den Papst und gegen den -Herzog von Livorno wegen ihrer Unterstützungen des Prinzen Ruprecht nach der Revolution -und der Holländer im ersten Kriege. Später ging er nach Tunis, wo eine Flotte -für den Sultan ausgerüstet wurde. Am 4. April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte -aber armierte Schiffe, unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die <em class="gesperrt">erste -große Tat dieser Art</em>, wie er uns schon als erster Angreifer von Landbefestigungen -aus den Operationen gegen die königstreuen Kanalinseln bekannt ist (Seite <a href="#Page_198">198</a>). Er -teilte seine Flotte in zwei Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen -Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen trotz -des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Plätze ein und kämpften vermöge ihrer -guten artilleristischen Ausbildung die Forts nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe -durch die armierten Boote genommen.</p> - -<p>Mittlerweile war <em class="gesperrt">Penns</em> Auftreten in Spanien bekannt geworden, und -nun erhielt <em class="gesperrt">Blake</em> den Befehl, die spanischen Küsten zu blockieren, um -die Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstärkungen nach -Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene Gesundheit -zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurückzukehren.</p> - -<p>Dem Abschluß des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich -1655 ließ England bald ein Bündnis mit diesem Staate, der im Kriege mit -Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklärt;<span class="pagenum"><a name="Page_238" id="Page_238">[238]</a></span> -er sollte die letzte große Tat Blakes, die <b>Vernichtung der Silberflotte vor -Teneriffa, 1656</b>, bringen.</p> - -<p class="small">Im Frühjahr 1656 führte <em class="gesperrt">Blake</em> eine große Flotte an die spanische Küste und -hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die Blockade aufrecht. Einige -seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der spanisch-westindischen Flotte auf, so reich -beladen, daß der Transport der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth -nach London 38 Wagen erforderte. Im Frühjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht -von der Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in <em class="gesperrt">Sta. Cruz -auf Teneriffa</em>. Die Spanier waren auf den Angriff vorbereitet, hatten die Schätze -gelandet, die Befestigungen verstärkt und die Schiffe zur Rückfahrt nach Westindien -klargemacht. Zur eigenen und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis -längs der Bucht nördlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen dagegen -vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie maskierten das Feuer der -anderen 10 Schiffe.</p> - -<p class="small">Die Windverhältnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter Segel sehr -ungünstig. Entweder weht ein unbeständiger Landwind, der angreifende Schiffe der -Gefahr aussetzt, bekalmt<a name="FNanchor_141_141" id="FNanchor_141_141"></a><a href="#Footnote_141_141" class="fnanchor">[141]</a> zu werden, oder eine gleichmäßige frische Seebrise, die wieder -ein Abbrechen des Gefechts schwierig, für beschädigte Schiffe fast unmöglich macht. -Um so kühner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe zu zerstören -und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen. Er gelang. Der -Admiral selber beschäftigte die Befestigungen nördlich und südlich von der feindlichen -Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab der Galeonen, setzte diese außer Gefecht und -enterte sie. Als nun die Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, ließ Blake diese und -auch die kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glück begünstigte das Unternehmen. -Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige Landbrise auf und führte die -englischen Schiffe sicher von der Rhede; sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete -gehabt, waren aber doch stark beschädigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden -konnte, so war doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte groß.</p> - -<p>Blake hatte hier wiederum gezeigt, daß Schiffe mit Erfolg Küstenbefestigungen -bekämpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit bezeichnen -ihn als den ersten Führer, der solches gewagt habe. Er starb, nachdem er -noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Küsten geleitet hatte, -auf der Rückreise nach England am 7. August 1657 unmittelbar vor dem -Einlaufen in Plymouth.</p> - -<p>Die <b>Geschichte Englands</b> bietet nun <b>bis 1665</b> besonderes nicht mehr. -Die spanischen Küsten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte unterstützte -durch Blockade die Wegnahme <em class="gesperrt">Dünkirchens</em> durch die Franzosen -1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenäischen Frieden 1659 laut Vertrag -an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein ungeheurer -Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Stützpunkt für die Franzosen, besonders -später für den Freibeuterkrieg gegen England.</p> - -<p>Die Jahre 1658 und 1659 brachten <em class="gesperrt">Flottendemonstrationen -nach der Ostsee</em>, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, -weder Dänemarks noch Schwedens Macht zu groß werden zu lassen, sich aber -auch gegenseitig eifersüchtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). -Im Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen<span class="pagenum"><a name="Page_239" id="Page_239">[239]</a></span> -die <em class="gesperrt">Barbaresken</em> sowie zur Einsetzung der englischen Macht in <em class="gesperrt">Tanger</em>, -das als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay) -gefallen war, übernommen. 1660 führte ein Geschwader unter Montagu -den König <em class="gesperrt">Karl</em> II. von Holland nach <em class="gesperrt">England</em> hinüber; in der Marine -waren Montagu, Lawson und Penn die Hauptförderer der königlichen Sache -gewesen.</p> - -<p><b>Holland.</b><a name="FNanchor_142_142" id="FNanchor_142_142"></a><a href="#Footnote_142_142" class="fnanchor">[142]</a> Nachdem im ersten englisch-holländischen Kriege die Engländer -das Mittelmeer geräumt hatten, waren auch die holländischen Seestreitkräfte -dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub durch -die <em class="gesperrt">Barbareskenstaaten</em> wieder überhand; kleinere Flotten derselben -schlossen fast die Straße von Gibraltar und dehnten ihre Züge bis zur -portugiesischen Küste aus. Nach dem Friedensschluß wandte sich auch -Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und <em class="gesperrt">Ruyter</em> führte in den -Jahren 1654–1657 mit Erfolg drei Züge dorthin.</p> - -<p><b>1656 erklärte Holland den Krieg an Portugal</b>, nachdem es vergeblich -die Rückgabe seiner früheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie -eine große Geldentschädigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre -wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral <em class="gesperrt">Wassenaer</em> zur feindlichen -Küste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoßen -war, aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die -Küsten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus -Brasilien, auf; 1658 führte <em class="gesperrt">Ruyter</em> 22 Schiffe, alle von der Admiralität -Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie, -da die portugiesische Flotte die Häfen nicht verließ. — Dieser Krieg konnte -jedoch überhaupt nicht mit voller Energie fortgeführt werden, da man bald -die Seestreitkräfte im Norden nötiger brauchte; weitere Feindseligkeiten -spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden geschlossen wurde, in -dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen Gulden und freien Handel -in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien und die strittigen Punkte in -Westafrika verzichtete.</p> - -<p>Im Norden spielte sich seit 1655 der <b>schwedisch-polnisch-brandenburg-dänische -Krieg 1655–1660</b> ab, in den Holland tätig eingriff, weil es die Erfolge -Schwedens mit Besorgnis für seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. -Wie immer ein Freund der schwächeren Macht in der Ostsee — wir sahen -es auf seiten Dänemarks gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen -Dänemark —, trat Holland jetzt auf seiten Dänemarks.</p> - -<p class="small"><b>Der schwedisch-polnische Krieg</b>:<a name="FNanchor_143_143" id="FNanchor_143_143"></a><a href="#Footnote_143_143" class="fnanchor">[143]</a> Die Kämpfe um die Herrschaft in der Ostsee, -das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648 verfolgt (Seite <a href="#Page_110">110</a>). 1655 griff -<em class="gesperrt">Karl X. Gustav</em> von Schweden den König <em class="gesperrt">Johann Kasimir</em> von Polen, -der Ansprüche auf die Thronfolge in Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus<span class="pagenumsmall"><a name="Page_240" id="Page_240">[240]</a></span> -an. Da ein Teil der Polen zu ihm überging, hatte er zunächst großen Erfolg; nach kurzer -Zeit war fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfürst von Brandenburg zur Neutralität -gezwungen. 1656 wurde auch Westpreußen bis auf die Stadt <em class="gesperrt">Danzig</em>, die -von einer holländischen Flotte geschützt wurde, erobert. Durch Wiederabfall der Polen -gefährdet, gewann der Schwedenkönig sich den Beistand Brandenburgs und erfocht mit -ihm den glänzenden <em class="gesperrt">Sieg bei Warschau</em> 28./30. Juli 1656.</p> - -<p class="small">Nun aber trat ihm eine Liga von Rußland, dem Kaiser und Dänemark entgegen, -der sich später auch Brandenburg anschloß. Dänemark glaubte, diese Gelegenheit benutzen -zu können, um die Verluste des Friedens von Bromsebrö 1645 wieder gut zu machen.</p> - -<p class="small">Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dänemark. Seine Flotte wurde zwar -zunächst von der dänischen in Schach gehalten, aber mit der Armee eroberte er über -Pommern, Mecklenburg, Holstein, schließlich im Januar 1658 über die gefrorenen Belte -vordringend, Fünen, Langeland, Laaland, Moen, ging nach Seeland über und belagerte, -nun auch von der Flotte unterstützt, Kopenhagen.</p> - -<p class="small">So erzwang er den <b>Frieden von Roeskild</b>, 26. Februar 1658, worin Dänemark die -Provinzen Bleckingen, Schonen, Halland, Bohuslän, Drontheim, sowie die Insel Bornholm -abtrat und dem Vorschlage beistimmte, gemeinsam mit Schweden den Sund für -fremde Kriegsschiffe zu schließen. Schweden war zum Frieden geneigt geworden, weil -ein polnisch-brandenburg-kaiserliches Heer Dänemark zu unterstützen drohte.</p> - -<p class="small">Die Sperrung des Sundes durchzuführen, zeigte sich aber Dänemark nicht gewillt, -wozu es wohl durch Holland und England in deren eigenem Interesse bewogen oder gar -genötigt wurde. Da griff <em class="gesperrt">Karl Gustav</em> im August 1658 unversehens aufs neue an. -Nach den schnellen Erfolgen des vorigen Feldzuges hoffte er wohl durch völlige Niederwerfung -Dänemarks den alten Gedanken der Kalmarischen Union jetzt verwirklichen -zu können. Er bemächtigte sich Korsörs und belagerte wiederum <em class="gesperrt">Kopenhagen</em>, -von den anderen Inseln waren seine Truppen noch gar nicht zurückgezogen. Die Stadt -verteidigte sich tapfer und wurde durch die blutige <em class="gesperrt">Schlacht im Sunde</em> von einer -holländischen Flotte wenigstens auf der Seeseite entsetzt; die Belagerung zu Lande -dauerte fast bis zum Friedensschlusse.</p> - -<p class="small">Im weiteren Verlaufe des Krieges (1659) eroberten die festländischen Verbündeten -Dänemarks: Pommern, Schleswig-Holstein, Jütland, Alsen, Fünen (Nyborg 14. November); -an dieser letzten Waffentat nahm wiederum eine holländische Flotte großen Anteil.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Holland</em>, <em class="gesperrt">England</em> und <em class="gesperrt">Frankreich</em>, die keine der beiden Mächte -in der Ostsee zu stark werden lassen wollten, hatten sich im <em class="gesperrt">Haager Konzert</em>, -Mai 1659, vereinigt, um Frieden zu vermitteln. England und Frankreich war der von -Holland im Norden erlangte Einfluß zu bedeutend geworden, und so mischten auch sie -sich kräftiger ein, sobald die Aussicht auf Frieden mit Spanien ihnen freiere Hand ließ. -Die Vermittlung blieb bei der Hartnäckigkeit des Schwedenkönigs längere Zeit ohne -Erfolg und eine schnellere kriegerische Entscheidung durch die holländische Flotte auf -seiten Dänemarks wurde wieder durch die Anwesenheit einer englischen Beobachtungsflotte -und durch die diplomatische Vertretung Frankreichs gehindert. Erst nach dem -Tode Karls X. Gustavs, im Februar 1660, kam es im Juni 1660 zum <b>Frieden von Kopenhagen</b> -zwischen Dänemark und Schweden (im Mai schon zu Oliva zwischen Schweden -und Brandenburg-Polen). Die Bedingungen für das geschlagene Schweden waren sehr -günstig: dieselben, die das siegreiche im Frieden von Roeskild errungen hatte; nur -blieben jetzt Bornholm und Drontheim bei Dänemark und, das Wichtige für die Vermittler, -die geplante Sundsperre fiel weg.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Schweden</em> hatte seine Grenzen endgültig an den Sund und an das Kattegat -gerückt, hatte die Mitherrschaft über die Einfahrt in die Ostsee errungen, ja, war die -<em class="gesperrt">erste Macht in der Ostsee</em> geworden.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p241.jpg" width="300" height="354" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p241" id="fig_p241"></a> -<p class="caption">Jakob van Wassenaer.</p> -</div> - -<p>Die <b>Beteiligung der holländischen Marine</b> an diesem Kriege ist sehr bedeutend, -während die zur Ostsee entsandten englischen Flotten nirgends<span class="pagenum"><a name="Page_241" id="Page_241">[241]</a></span> -tätlich eingriffen. In der ersten Zeit des schwedisch-polnischen Krieges -verstärkte Holland nur den Schutz seiner Handelsschiffe in der Ostsee, als -aber Karl X. Gustav 1656 <em class="gesperrt">Danzig</em> bedrohte und man fürchtete, daß diese -Kornkammer geschlossen, sowie Ein- und Ausfuhr im Osten zu sehr von den -Schweden abhängig werden könnte, beschloß man einzugreifen, um wie elf -Jahre vorher zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Ostsee beizutragen. -Der Leutnantadmiral <em class="gesperrt">Wassenaer</em>,<a name="FNanchor_144_144" id="FNanchor_144_144"></a><a href="#Footnote_144_144" class="fnanchor">[144]</a> unter ihm Ruyter als Vizeadmiral, -führte eine große Flotte nach Danzig, deren Erscheinen im Juli 1656 die -Stadt vor der Übergabe rettete und die holländischen Handelsverhältnisse -vorläufig sicherstellte, bis Dänemark im unglücklichen Frieden von Roeskild -gezwungen wurde, dem Vorschlage -Schwedens, für fremde -Kriegsschiffe den Sund zu -sperren, beizustimmen.</p> - -<p>Zunächst griff Holland hierauf -jedoch noch nicht wieder ein, -hoffend, daß diese Bedingung -bei Dänemarks Abneigung -dagegen nicht durchgeführt -werden würde. Als aber nach -dem neuen Angriff Schwedens -1658 die Kriegslage sofort für -Dänemark so ungünstig stand -und Karl Gustav Kopenhagen -zu Wasser und zu Lande hart -bedrängte, ergriff man die -<em class="gesperrt">Offensive</em>. Wieder führte -<em class="gesperrt">Wassenaer</em> eine Flotte von -35 Kriegsschiffen nach dem -Sunde mit dem Befehle: Truppen -zur Unterstützung Kopenhagens -zu landen, beschlagnahmte -Kauffahrer zu befreien und die schwedische Flotte bei günstiger<span class="pagenum"><a name="Page_242" id="Page_242">[242]</a></span> -Gelegenheit zu schlagen; sollten Kopenhagen und Kronenburg schon genommen -sein, sei der Sache Dänemarks nach eigenem Ermessen bis zum -Eintreffen weiterer Befehle zu nützen.</p> - -<p class="small">Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1 zu 50 -— die drei Flaggschiffe —; 10 zu 40–42; 12 zu 30–38; 8 zu 26–28; 2 zu 22–23 Kanonen. -Hierzu traten 6 Transporter zu 16–24 Kanonen mit 2000 Soldaten, 28 Transporter -mit Proviant usw. für die Flotte und für Kopenhagen. Die Vorhut — 11 Schiffe, 1 Brander -— führte Admiralleutnant de Witt; das Zentrum — 13 Schiffe, 2 Brander — der Flottenchef, -die Nachhut — 11 Schiffe, 1 Brander — Vizeadmiral Floriszoon.</p> - -<p>Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mußte hier -wegen widriger Winde zu Anker gehen. <em class="gesperrt">Kronenburg</em> war bereits gefallen -und der Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die -schwedische Flotte gesperrt. Diese unter dem Admiral <em class="gesperrt">Karl Gustav -Wrangel</em> war in vier gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus -38 (44?) Kriegsschiffen, die den holländischen mindestens gewachsen waren, -wahrscheinlich waren sogar mehr schwerere darunter; ein großer Teil der -Schiffsbesatzungen bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele -der Schweden hatten in Holland gedient.</p> - -<p>Am 8. November kam frischer Nordwind auf, <em class="gesperrt">Wassenaer</em> lichtete -mit Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, -wider Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die -Mitte des Fahrwassers nicht erreichten — <em class="gesperrt">Karl Gustav</em> befand sich auf -Kronenburg und soll eigenhändig das erste Geschütz abgefeuert haben. -Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stieß die holländische Flotte auf die -schwedische. Der Verlauf der <b>Schlacht im Sunde</b> ist aus den sonst ausführlichen -Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie üblich nur die Erlebnisse einzelner -Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik).</p> - -<p class="small">Anzunehmen ist, daß beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden „beim Winde“ -den Feind erwartend, und daß die Holländer durch Einbrechen in die feindliche Linie -sofort die Melee herbeiführten, wie wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen -scheinen dies zu bestätigen: de Witt läuft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr -Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an. Gleich darauf -erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt finden wir im Kampf mit dem -feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt -wird von einer Anzahl Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und -fällt mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel außer Gefecht (Ruderhavarie), -der sich unter Kronenburg zurückziehen muß, wird aber selbst hart bedrängt -und erhält erst später Entsatz. Besonders hervorgehoben wird, daß überall die holländischen -Flaggschiffe am kräftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist -längere Zeit in großer Gefahr, er selber fällt. Es scheint also, als ob die Schweden ihre -Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser zusammengehalten haben, vielleicht unterstützt -durch Kenntnis des Fahrwassers und der Stromverhältnisse. Schließlich muß aber -doch die größere Kriegstüchtigkeit der Holländer den Ausschlag zu ihren Gunsten gegeben -haben.</p> - -<p>Der Kampf endete mit dem Siege der Holländer. Der Verlust der Schweden -war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; -die Holländer verloren nur das Schiff de Witts (die alte berühmte „Brederode“;<span class="pagenum"><a name="Page_243" id="Page_243">[243]</a></span> -sie wurde geentert, sank aber später), 400 Tote, 3 Brander. Obgleich die -Schweden nach etwa 5–6 Stunden zu Luward standen und die Holländer -mit Wind und Strom südlich getrieben waren, brechen jene das Gefecht ab -und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den holländischen -Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern den -Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der -Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem König -an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch unbelästigt -durch die holländische oder dänische Flotte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wassenaer</em> war nach der Schlacht sundaufwärts gegangen, traf bei -der Insel Hven einen Teil der dänischen Flotte unter Admiral <em class="gesperrt">Bielke</em>, -der durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war, -und ankerte an der Küste Seelands nördlich von Kopenhagen; verschiedene -Schiffe mußten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch die -Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die Verteidigung -der Stadt wesentlich unterstützt wurde.</p> - -<p>An einem der nächsten Tage ging <em class="gesperrt">Bielke</em> mit seinen und einigen -holländischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen -oder doch in <em class="gesperrt">Landskrona</em> durch Versenken von Fahrzeugen einzuschließen. -Zum Abfangen kam man aber zu spät und das Einschließen wurde auch nur -unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Wassenaer</em> führte in seinem <em class="gesperrt">Berichte</em> an, viele der Kommandanten hätten -nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens nicht genügend unterstützt -— eine Klage, die wir bereits aus dem ersten großen Kriege kennen. Es erregte -diese Äußerung Ärgernis in den Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da -doch bei etwa gleichen Kräften ein großer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb -nach seiner Rückkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er habe vor der -Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder üblich, keinen Kriegsrat gehalten; seine Unterführer -hätten keine Instruktionen gehabt, andernfalls würden seine Schiffe nicht so -bald nach dem Zusammenstoß über den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die -Niederlage der Feinde wäre eine noch weit größere geworden.</p> - -<p class="small">Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht genügende Ausnützung des -Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem Feinde den Weg -nach Landskrona verlegen müssen; wenigstens habe er später die Operationen gegen -genannten Hafen energischer betreiben und selbst leiten müssen, anstatt sogar holländische -Schiffe einem dänischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief -im Sande, vielleicht durch den Einfluß der Generalstaaten, aber auch die Untersuchung -gegen die angeklagten Kapitäne wurde niedergeschlagen.</p> - -<p>Man muß wohl zugeben, daß die holländische Flotte mehr hätte leisten -können. <em class="gesperrt">Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten</em>? -Der Wunsch, Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt -sich während des ganzen Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dänemark -sollte nicht zu mächtig werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man -in der Ostsee haben. So erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen -Kriegsschiffe an Dänemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer -aber an Schweden zurückzugeben, falls von dort das Gleiche geschähe. Im<span class="pagenum"><a name="Page_244" id="Page_244">[244]</a></span> -Sinne dieser Politik war es auch, daß man nach der Schlacht den Beschluß -faßte, zwar noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach -Kopenhagen zu werfen, den größten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgründen -zurückzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da -auch England die Entsendung einer <em class="gesperrt">großen Flotte</em> vorbereitete. -Der Transport erschien hierdurch gefährdet, die weitere Anwesenheit starker -Kräfte anderseits nötig. England war, wie auch Frankreich, argwöhnisch -auf den in der Ostsee erlangten Einfluß Hollands geworden; schon 1658 hatte -sich dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum -eine starke Flotte (42 Segel) unter <em class="gesperrt">Montagu</em> dahin ab, die wohl in erster -Linie die Aufgabe hatte, die Holländer zu beobachten und gegebenenfalls -in Schach zu halten.</p> - -<p>So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden Mannschaftsmangels -— die Hochseefischerei mußte teilweise eingestellt werden — eine zweite -starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit 1743 Geschützen und -7700 Mann unter <em class="gesperrt">Ruyter</em>, der eben aus dem Mittelmeer zurückgekehrt -war, zur Verstärkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen Transportern -meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur Verstärkung Kopenhagens -bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schloß sich an. Als Ruyter -im Juni 1659 zu Wassenaer gestoßen war, zählte die Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe -mit 12 900 Mann, ausschließlich der erwähnten 4000 Soldaten; sie -war stark genug, wenn erforderlich, der eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. -Vorläufig sollte jedoch die Flotte nicht eingreifen und -auch die Truppen durften nicht ausgeschifft werden. Im Haager Konzert -war unmittelbar nach Ruyters Abfahrt vereinbart, daß zunächst nichts unternommen, -sondern nur durch die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden -— mit den Bedingungen von Roeskild, aber ohne die Sundsperre — hingewirkt -werden solle. Die Frist der Waffenruhe für die holländischen Streitkräfte -wurde in der Folge immer weiter verlängert, und es ist interessant, ihre -Bewegungen<a name="FNanchor_145_145" id="FNanchor_145_145"></a><a href="#Footnote_145_145" class="fnanchor">[145]</a> unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die -französischen Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen -kamen aber nicht vorwärts. Vor allem wollte Karl Gustav die -Sundschließung nicht aufgeben, obgleich der holländische Gesandte auf -die Nutzlosigkeit dieser Maßnahme hinwies, indem er sagte: „Ich habe die -Schlüssel zum Sunde (die holländischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam -liegen sehen.“</p> - -<p>Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach -der Heimat abging — unter dem Vorwande, neu ausrüsten zu müssen, in -Wahrheit aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu unterstützen —, kam -die holländische Flotte wieder in Tätigkeit. Es folgen nun Operationen an -der Küste Schwedens und der Teile Dänemarks, die noch in schwedischem -Besitze waren. Sie werden größtenteils geleitet von <em class="gesperrt">Ruyter</em>, unter ihm<span class="pagenum"><a name="Page_245" id="Page_245">[245]</a></span> -Cornelis Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der -Engländer gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurückgezogen war, wie denn auch -ein weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde.</p> - -<p>Die erste und Hauptaktion war die Unterstützung des Angriffs der festländischen -Verbündeten Dänemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg -die <b>Eroberung Fünens mit der Stadt Nyborg 1659</b>.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ruyter</em> führte auf seinen und den dänischen Schiffen ein dänisches Heer von -5200 Reitern und 4600 Mann Fußvolk unter General Schack von Kiel nach dem stark -besetzten Fünen. Ein Teil seiner Schiffe war nach dem kleinen Belt gesandt worden, um die -Aufmerksamkeit der Schweden dorthin zu ziehen und um den Übergang eines brandenburgisch-kaiserlich-polnischen -Heeres — General von Eberstein mit 4000 Reitern und -wenig Fußvolk<a name="FNanchor_146_146" id="FNanchor_146_146"></a><a href="#Footnote_146_146" class="fnanchor">[146]</a> — nach Fünen bei Middelfart zu unterstützen.</p> - -<p class="small">Auf Fünen standen etwas über 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter dem -General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack versuchten am -8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu erzwingen, aber am 10. gelang -es unter Ruyters persönlicher Führung, bei <em class="gesperrt">Kerteminde</em> trotz schwedischer Schützengräben -Fuß zu fassen und in zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am -14. war Eberstein nach Fünen hinübergegangen, und beide Heere vereinigten sich am -19. bei <em class="gesperrt">Odense</em>. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrängt und am 22. unter schweren -Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt in diese hineingeworfen; -bei dem Treffen sollen sich besonders die Holländer ausgezeichnet haben. Bei der nun -folgenden <em class="gesperrt">Belagerung Nyborgs</em> bringt die holländische Flotte die, Stadt und -Hafeneinfahrt, deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren -Hafen und bombardiert, so daß die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade übergeben -werden muß und die Insel für die Schweden verloren ist. Die Schweden verloren 2000 -Tote und 5000 Gefangene, die Verbündeten nur 500 Tote.</p> - -<p>Ruyter ging dann zum Ausrüsten nach Lübeck und von dort nach Kopenhagen. -Die naheliegende weitere Unterstützung, die Truppen nach Seeland -zum Entsatze der Hauptstadt überzuführen, scheint wiederum unterblieben -zu sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich -nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerückte Jahreszeit angegeben -wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Winter</em> 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun -unterstützte <em class="gesperrt">Ruyter</em> die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch -seine Flotte arg gefährdet gewesen wäre; er sandte Soldaten und Matrosen -in die Werke und ließ die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern -schützen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur -noch kleinere Bewegungen zur Überwachung der schwedischen Flotte, da -sich mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort günstiger -stellten.</p> - -<p>Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der holländischen Marine, -der durch den unglücklichen englisch-holländischen Krieg gelitten hatte, -wieder hergestellt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_246" id="Page_246">[246]</a></span></p> - -<p>In den Jahren 1661–1663 und auch 1664 wurde <em class="gesperrt">Ruyter</em>, einmal auch -Tromp jun., ins <b>Mittelmeer</b> gesandt. Während Holland im Norden beschäftigt -war, hatten die Seeräubereien der Barbaresken aufs neue überhand genommen. -Verschiedentlich wurden zwar Verträge abgeschlossen oder Verträge -erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken gebrochen. -Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl, -Spaniens Silberflotten zu schützen, als England und Portugal mit Spanien -im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen -damaliger Verhältnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden geschlossen. -Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und gegenseitige -Schädigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaßregeln hörten selbst -dann noch nicht auf. In den späteren Jahren kam es in den spanischen -Gewässern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die Barbaresken, schon -zu Reibungen mit England, oft nur wegen Etikettenfragen. 1664 erfolgte -ein Zusammenstoß ernsterer Art an der Westküste Afrikas, der mit Anlaß -zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite <a href="#Page_252">252</a>).</p> - -<p>Wir müssen auch <b>Frankreich</b><a name="FNanchor_147_147" id="FNanchor_147_147"></a><a href="#Footnote_147_147" class="fnanchor">[147]</a> kurz berühren. Der <em class="gesperrt">Krieg mit -Spanien</em>, der 1635 ausgebrochen war, als Richelieu auf seiten Schwedens in -den Dreißigjährigen Krieg eintrat (Seite <a href="#Page_109">109</a>), wurde nach dem Westfälischen -Frieden fortgeführt. Er spielte sich zu Lande in den spanischen Niederlanden, -an der spanischen Grenze aber auch in den spanischen Besitzungen Italiens -und in den nördlichen Provinzen Spaniens ab, da Frankreich verschiedene -Aufstände in Katalonien, Aragonien, dem Königreich beider Sizilien sowie -auch den Abfall Portugals für seine Zwecke ausnutzte. Die von <em class="gesperrt">Richelieu</em> -neu gegründete Flotte nahm daran lebhaften Anteil durch Unterstützung der -Landheere, durch Angriffe auf Küstenstädte und auf die feindliche Flotte, -um die Verbindung Spaniens mit seinen Nebenländern abzuschneiden. So -kam es zu verschiedenen Gefechten nicht unbedeutender Flotten — Kampf -um die Lerinischen Inseln, Schlachten bei Guetaria und bei Genua, Cadiz, -Tarragona — besonders solange die französische Marine die unter Richelieu -(† 1642) erlangte Stärke hatte. Bei den Kämpfen im Mittelmeer spielten -zwar die Galerenflotten die Hauptrolle; beide Nationen waren etwa gleich -stark in dieser Waffe. Es treten aber auch Flotten von Segelkriegsschiffen -oder armierten Kauffahrern auf, sowohl in der Biscaya wie im Mittelmeer; -in der Schlacht bei Cadiz 1640 soll der französische Admiral <em class="gesperrt">de Brézê</em>, -zu Luward stehend, sogar schon das Manöver gemacht haben, durch einige -seiner Schiffe den Feind dublieren zu lassen. Doch bieten im allgemeinen die -Ereignisse nichts derart Wichtiges, um hier näher darauf einzugehen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Bürgerkrieg der Fronde</em> lähmte den Krieg gegen -Spanien sehr, besonders auch zur See, da <em class="gesperrt">Mazarin</em> nicht mehr die nötigen -Mittel für die Marine flüssig machen konnte, und 1652 traf diese der schwere -Verlust des Geschwaders unter Vendôme durch Blake (Seite <a href="#Page_208">208</a>), wodurch -auch Dünkirchen in die Hände der Spanier fiel. Anderseits wirkte die Flotte<span class="pagenum"><a name="Page_247" id="Page_247">[247]</a></span> -mit zur Unterwerfung der Fronde in Bordeaux (1649 und 1653), bei einem -letzten Aufstande in Neapel (1653) und schlug die spanische bei Barcelona -(1655). Die Macht der spanischen Marine erlahmte immer mehr, weil dieser -Staat seit 1654 mit England im Kriege war und seine Küsten blockiert wurden. -Nachdem 1657 das Bündnis mit England abgeschlossen war, wurde, wie -schon erwähnt, 1658 <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> mit Unterstützung der englischen Flotte -zurückerobert (durch Turenne), zunächst laut Vertrag an England abgetreten, -aber 1662 von diesem gekauft. Louis XIV. schuf hier durch Ausbau und -Befestigung des schon von den Spaniern gegründeten Kriegshafens einen -mächtigen Stützpunkt für seine Seestreitkräfte. 1659 war Spanien gezwungen, -Frieden zu schließen — den <b>Pyrenäischen Frieden</b>, ratifiziert 1661. -Es verlor die Provinzen nördlich von den Pyrenäen, sowie Teile und verschiedene -wichtige Plätze seiner Niederlande; hierdurch näherte sich das immer mächtiger -werdende Frankreich den Grenzen Hollands. Der Krieg hatte die Wichtigkeit -einer starken Marine für Frankreich gezeigt und Louis XIV. (Colbert) wandte -ihr von jetzt ab, allerdings auch für kolonialpolitische Ziele, die größte Sorgfalt -zu. In Hinsicht auf diese Punkte hat der französisch-spanische Krieg wohl -Interesse für uns. Verwicklungen mit Holland sollten bald eintreten und die -neue französische Marine kam zur Geltung; vor ihrem Auftreten im Norden -erhielt sie ihre Feuertaufe in Kämpfen gegen die <em class="gesperrt">Barbaresken</em> 1664 -und 1665.</p> - -<p>Auf einen <em class="gesperrt">venetianisch-türkischen Krieg</em> 1645–1669, -in dem Frankreich auftrat, soll bei späteren Kriegen zwischen diesen Staaten -am Ende des Abschnittes näher eingegangen werden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p247.jpg" width="150" height="200" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_140_140" id="Footnote_140_140"></a><a href="#FNanchor_140_140"><span class="label">[140]</span></a> Näheres Clowes, Teil II, Seite 201; Zimmermann, Band II, Seite 136.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_141_141" id="Footnote_141_141"></a><a href="#FNanchor_141_141"><span class="label">[141]</span></a> Durch die Nähe des Landes in Windstille zu geraten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_142_142" id="Footnote_142_142"></a><a href="#FNanchor_142_142"><span class="label">[142]</span></a> Hauptquellen: De Jonge, Teil I; „Vie de Tromp“; „Leben Ruyters“, in -beiden letzten genaue Beschreibung der Züge nach Mittelmeer, Portugal und Ostsee.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_143_143" id="Footnote_143_143"></a><a href="#FNanchor_143_143"><span class="label">[143]</span></a> Genaueres über die Tätigkeit der nordischen Flotten in den auf Seite <a href="#Page_44">44</a> u. <a href="#Page_109">109</a> -gegebenen Quellen. Über ihre Stärke um 1655 vergl. Seite <a href="#Page_148">148</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_144_144" id="Footnote_144_144"></a><a href="#FNanchor_144_144"><span class="label">[144]</span></a> Nach dem Tode Tromps in der Schlacht von Scheveningen wurde <em class="gesperrt">Jakob -van Wassenaer</em>, Heer van Opdam, ein Kavallerieoffizier von hoher Geburt, zum -Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland ernannt. Die drei Provinzen von -Holland wagten nicht, ihren nächstältesten Vizeadmiral Witte de Witt dazu zu befördern, -da er zu unbeliebt bei seinen Untergebenen war. Um alle Unzufriedenheit -durch ein Übergehen zu vermeiden, wählten sie diesen Mann von hoher Geburt. Aus -denselben Gründen den Admiralen Seelands gegenüber bestätigten die Generalstaaten -Wassenaer auch in der Stellung als Oberbefehlshaber der Gesamtstreitkräfte, er trat -aber als solcher während des ersten Krieges nicht mehr in Tätigkeit. Die Ernennung -erregte böses Blut bei allen Seeoffizieren. W. selbst versuchte den Posten abzulehnen; -später wurde ihm, wie wir sehen werden, oft der Vorwurf gemacht, seine Stellung nicht -richtig ausgefüllt zu haben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_145_145" id="Footnote_145_145"></a><a href="#FNanchor_145_145"><span class="label">[145]</span></a> Sehr genau im „Leben Ruyters“; dort auch die Orders der Generalstaaten, -der Verlauf der Friedensverhandlungen usw.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_146_146" id="Footnote_146_146"></a><a href="#FNanchor_146_146"><span class="label">[146]</span></a> Ich erinnere daran, daß seit der letzten Zeit des Dreißigjährigen Krieges eine -Zeitlang die Kavallerie in den Heeren häufig überwog, daß aber ein Teil davon, die -Dragoner, vorzugsweise zu Fuß focht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_147_147" id="Footnote_147_147"></a><a href="#FNanchor_147_147"><span class="label">[147]</span></a> Du Sein, Teil II, zählt die Gefechte auf; Chab.-Arnault etwas genauer.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_248" id="Page_248">[248]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p248.jpg" width="600" height="102" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Fünftes Kapitel.</span><br /> -Der zweite englisch-holländische Krieg 1665–1667.</h3> - -<p><b>Die politische Lage um 1662. Gründe des Krieges.</b> Die Betrachtung der -„Nebenkriege“ hat uns bis in den Anfang der sechziger Jahre geführt und -gezeigt, daß um diese Zeit in den europäischen Gewässern überall Frieden -war. Aber der zweite englisch-holländische Krieg lag in der Luft, und in -diesem trat Frankreich (sowie auch Dänemark) auf die Seite Hollands.</p> - -<p>In <b>England</b> war 1660 das Königtum wieder eingesetzt. <em class="gesperrt">Karl</em> II. stellte -die alte Regierung wieder her, Ober- und Unterhaus sowie die bischöfliche -Kirche, und erstrebte den Ausgleich zwischen den Bischöflichen, den Presbyterianern -und den Katholiken. Ohne feste Grundsätze jedoch, ließ er sich -in seiner inneren wie äußeren Politik vornehmlich durch die Geldbedürfnisse -für seine üppige Hofhaltung leiten. So war seine äußere Politik schwankend. -Obgleich er von Frankreich, noch unter Mazarin, auf Cromwells Forderung -ausgewiesen war, verkaufte er doch 1662 das für England so wichtige Dünkirchen -an Frankreich und neigte immer mehr zu Louis XIV. hin, da dieser -ihn auch sonst mit Geld unterstützte und dadurch teilweise vom Parlament -unabhängig machte.</p> - -<p>Wenn Karl II. aber auch in erster Linie mehr auf seinen als auf Englands -Vorteil bedacht war, so gab er doch, sobald die Lage bedenklich wurde, der -Volkstimmung nach, um nicht dem Schicksal seines Vaters zu verfallen, -auch führte ihn sein Haß gegen Holland mit der öffentlichen Meinung zusammen. -Ihm war ein Krieg mit Holland erwünscht. Er haßte das Land -als Republik, er haßte die augenblickliche Regierung dort, da sie ihn auf -Cromwells Forderung ausgewiesen hatte und auch seinen Verwandten, dem -Hause Oranien, feindlich gegenüberstand. Es wird ihm aber auch nachgesagt, -er habe den Krieg gewünscht, um dafür bewilligte Gelder für sich zu verwenden.</p> - -<p>Die Stimmung des Volkes, wenigstens eines wichtigen Teiles, war feindlich -gegen Holland. Der erste Krieg hatte den Kampf der beiden Länder -nicht zum Austrage gebracht. Besonders auf englischer Seite blieb die Eifersucht -auf den immer noch weit größeren und trotz der Navigationsakte weiter<span class="pagenum"><a name="Page_249" id="Page_249">[249]</a></span> -zunehmenden holländischen Handel bestehen; die wichtige und erfolgreiche -Rolle, die Holland in der Ostsee gespielt hatte, konnte England nicht vergessen. -Als sich nach der Thronbesteigung Karls II. im Innern Ruhe eingestellt -hatte, trat die Neigung zur Fortführung des Kampfes um die erste -Stelle auf den Meeren wieder kräftig hervor; an äußeren Anlässen, diese -kriegerische Stimmung zu schüren, fehlte es nicht.</p> - -<p><b>Holland</b> hatte sich von den Folgen des ersten Krieges erholt. Sein Besitz -in Indien war weiter gewachsen; der Handel blühte auf allen Meeren wie nie -zuvor; seine Finanzen waren geordnet. Letzteres war vornehmlich das Verdienst -<em class="gesperrt">Jan de Witts</em>, der seit dem Tode Wilhelms II. von Oranien während -der sogenannten ersten statthalterlosen Zeit (1650–1672) Ratspensionär -(erster Beamter) der Provinz Holland, aber in Wirklichkeit durch den Einfluß -seiner bedeutenden Gaben der oberste Leiter der ganzen Republik war. -Das erfolgreiche Auftreten in der Ostsee, die neu bewiesene Tüchtigkeit der -Flotte, die Geschicklichkeit und Festigkeit seiner Diplomatie — wieder -de Witts Verdienst — hatten Holland überall neues Ansehen verschafft.</p> - -<p>Dennoch war es in einer mißlichen Lage. Solange Spaniens Macht groß -dastand, hatte es im Interesse Englands und Frankreichs gelegen, die Republik -stark und unabhängig zu sehen, als aber Spanien nicht mehr zu fürchten -war, drohten Holland gerade von diesen Mächten Gefahren. England gelüstete -nach Hollands Handels- und Seeherrschaft, Frankreich wollte die spanischen -Niederlande haben. Der Verlust der Handels- und Seeherrschaft mußte der -Ruin Hollands werden; das erstarkte Frankreich an Stelle des geschwächten -Spaniens als unmittelbaren Nachbar zu erhalten, war militärisch und auch -für den Handel nicht unbedenklich, selbst wenn die spanischen Niederlande -geteilt wurden, wie es Frankreich zunächst vorschlug. Kam Antwerpen in -französischen Besitz, so hatte die Schließung der freien Schiffahrt dorthin -wohl ein Ende; aber auch in holländischem Besitz mußte Amsterdam, der -Hauptsitz der regierenden Partei, den Wettbewerb dieser in früheren Zeiten -so bedeutenden Handelsstadt fürchten. Diesen Gefahren gegenüber hatte -es der Leiter der Politik nicht leicht. Im Volke bestanden zwei Parteien: -die eine war für das Haus Oranien, die andere für die republikanische Verfassung, -wie sie augenblicklich bestand; jene neigte zu England und wünschte -eine starke Armee, diese war für Frankreich und eine starke Marine; sie -bestand aus den Kaufleuten in den Seeprovinzen und hier vornehmlich in -Holland mit Amsterdam und Rotterdam, welche Provinz mehr als die Hälfte -der Ausgaben des ganzen, lose geknüpften Staatenbundes trug. Da nun -diese Partei, also die Handelsaristokratie, die herrschende war, so konnte -die Regierung ihr Hauptaugenmerk auf die Flotte richten und die englische -Gefahr war ja auch die ernstere und nächste; es wurde ihr jedoch nicht leicht, -schon im Frieden genügend Mittel für die Wehrkraft aufzubringen, da selbst -ihre Anhänger nur in der Not zu größeren Opfern bereit waren. Wie es bei -einem reinen Handelsvolke ganz natürlich ist, war man in Holland überhaupt -einem neuen Kampfe abgeneigt, wenn auch gerade die herrschenden<span class="pagenum"><a name="Page_250" id="Page_250">[250]</a></span> -Kreise infolge des demütigenden Friedens und der großen Verluste im ersten -Kriege England grollten; man wollte doch die Früchte des Verkehrs im Frieden -einheimsen. Die Regierung hatte denn auch Karl II. den Hof gemacht, sobald -seine Aussichten auf den Thron stiegen, aber vergeblich, sein Haß überwog. -Während die Verhältnisse sich zuspitzten, versuchte man immer noch, durch -Unterhandlungen dem Kriege vorzubeugen. Man nahm auch die Vermittlung -des scheinbar wohlgesinnten Frankreichs in Anspruch; alles blieb fruchtlos, -weil England den Krieg durchaus wollte.</p> - -<p>So brach infolge der Handelseifersucht ein zweiter blutiger Krieg aus -zwischen den beiden Völkern, die als protestantische und parlamentarische -Staaten gegen das katholische und absolute Frankreich hätten zusammengehen -sollen; erst die allgemeiner werdende Erkenntnis der Pläne Louis' XIV. -führte sie nach dem Kriege für kurze Zeit zusammen, dauernd und ernstlich -erst nach der Vertreibung Jakobs II. aus England (1688).</p> - -<p>In <b>Frankreich</b> hatte <em class="gesperrt">Louis</em> XIV. nach dem Tode Mazarins 1661, also -bald nach dem Pyrenäischen Frieden, die Regierung allein ergriffen und -seinen Ministern erklärt, er werde fortan sein eigener Premierminister sein. -Von diesem Zeitpunkte an begann er die Pläne Richelieus und Mazarins mit -aller Kraft zu verfolgen: Frankreich an Stelle Österreich-Spaniens zur ersten -Macht Europas zu machen und sie auf Kosten dieser Länder auszudehnen. Die absolute -königliche Herrschaft besaß er nach Beendigung der letzten inneren Wirren -— durch die Unterdrückung der Fronde —; tüchtige Minister (Louvois, Colbert) -schmiedeten ihm die Waffen zu seinen nun bald folgenden Eroberungskriegen.</p> - -<p>Zunächst faßte er die Erwerbung der spanischen Niederlande ins Auge; -seine Ansprüche leitete er von seiner Gemahlin Maria Theresia, der ältesten -Tochter des Königs Philipp IV. von Spanien, her. Zwar hatte diese allen -Erbansprüchen entsagen müssen, aber diese Entsagung erklärte Louis XIV. -aus verschiedenen Gründen für nichtig und hielt den Erbanspruch auf die -Niederlande auch aufrecht, als dem König Philipp später noch ein Sohn -geboren wurde. Er stützte sich hierbei auf die eigenwillige Auslegung eines -alten Lehnsbrauches in diesen Provinzen, wonach die Tochter erster Ehe -vor einem Sohne zweiter Ehe erbte, das „jus devolutionis“, und griff später -Spanien in seinen Niederlanden an (1667 der Devolutionskrieg). Noch bei -Lebzeiten Philipps († Sept. 1665) begann er diesen Eroberungskrieg politisch -vorzubereiten. Von England fürchtete er bei dem Charakter seines Königs -keinen Widerstand, wichtiger war das Verhalten des geld- und seemächtigen -Hollands. Um sich die dort regierende Partei günstig zu stimmen, schloß -er 1662 ein Defensivbündnis mit der Republik. Auf einen Offensivvertrag -ließ sich de Witt nicht ein, um nicht gezwungen zu sein, zu der sehr unerwünschten -Eroberung selbst mitzuwirken. So aber gewann er die Unterstützung -Frankreichs gegen England und behielt doch freie Hand, sich der -Vereinigung Belgiens mit Frankreich zu widersetzen. Vor Ausbruch des -Krieges übernahm nun Louis XIV. die Vermittlung und trat später (1666) -sogar offen auf Hollands Seite.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_251" id="Page_251">[251]</a></span></p> - -<p>Es ist aber sehr fraglich, ob seine Vermittlung ernstlich gemeint war -und so durchgeführt ist. Es konnte ja nur in seinem Vorteil liegen, wenn -die beiden Gegner sich schwächten; jedenfalls hat seine Flotte nicht in den -Krieg eingegriffen, als er später als Verbündeter auftrat. Louis wollte wohl -diese eben von Colbert geschaffene und in der Entwicklung begriffene Waffe -noch nicht aufs Spiel setzen, sondern sie für später bewahren. Je geschwächter -Holland aus dem Streite hervorging, um so leichter mußte es der von Louis -zunächst vorgeschlagenen Teilung Belgiens geneigt werden. Sein zweideutiges -Spiel geht nicht nur aus dieser lauen Haltung Holland gegenüber hervor, -sondern auch daraus, daß er, wie schon angedeutet und wie wir noch weiter -sehen werden, während der ganzen Zeit mit Karl II. in Verbindung stand. -Und wie er die Zwietracht zwischen den beiden Gegnern nährte, so schürte -er auch den Hader der Parteien in Holland.</p> - -<h4>Die äußeren Anlässe zum Kriege. Die Kriegserklärung.</h4> - -<p>Es fehlte nicht an Anlässen, die kriegerische Stimmung zu steigern, -besonders in England. Die Handelskompagnien der beiden Länder stießen -überall in den außereuropäischen Gewässern zusammen und bei der Überlegenheit -der holländischen meistens zum Nachteil der englischen. Diese -erhoben denn auch zuerst Klagen und brachten es dahin, daß England in -einer Weise auftrat, die wiederum Holland zwang, scharfe Gegenmaßregeln -zu ergreifen. Die Schilderung der Ereignisse<a name="FNanchor_148_148" id="FNanchor_148_148"></a><a href="#Footnote_148_148" class="fnanchor">[148]</a> wird zeigen, daß sich die -Völker schon vor der Kriegserklärung im Kriegszustande befanden.</p> - -<p class="small">Den englischen Handelskompagnien wurde es in allen Meeren schwer, neben den -schon weit mächtigeren holländischen festen Fuß zu fassen; sie wandten sich oft Hilfe -heischend an das Parlament. Solche Forderungen traten besonders 1663 auf. — Die -englisch-ostindische Kompagnie beschwerte sich, daß die Holländer noch immer die -laut Friedensschluß von 1654 abzutretende Bandainsel Polaroon in Besitz hätten, daß -sie feindlich gegen die indischen Fürsten und Städte aufträten, die ihr die Anlage von -Faktoreien gestattet hätten, daß sie in jeder Hinsicht selbst mit Waffengewalt den englischen -Handel hinderten. Großer Schaden sei der Kompagnie, mittelbar und unmittelbar, -schon zugefügt; ungeheure Summen wurden dafür vorgerechnet. Man war außerdem -in England der Ansicht, daß der berüchtigte Vorfall in Amboina noch nicht genügend -gesühnt sei. Ähnliche Klagen liefen gleichzeitig beim Parlament ein von der nach dem -Mittelmeer fahrenden türkischen Kompagnie und von der 1662 gegründeten afrikanischen -Kompagnie; auch bei dieser handelte es sich um Zurückgabe einiger Plätze, die — früher -in englischem Besitz, dann aufgegeben — von Holland eingenommen waren, so z. B. -Capecoastcastle.</p> - -<p>Unberechtigt sind die Klagen wohl nicht gewesen. Wir haben den Verkehr -auf dem Weltmeer genügend kennen gelernt, um zu wissen, wie gewalttätig -der schon Mächtigere draußen dem Nachkommenden entgegentrat; -jedoch ließ auch England nicht ruhig alles über sich ergehen, sondern antwortete, -wo es ging, mit Vergeltungsmaßregeln, zu welchem Zweck z. B. 1661<span class="pagenum"><a name="Page_252" id="Page_252">[252]</a></span> -ein kleines Geschwader an die Westküste Afrikas gesandt wurde. Zur Herbeiführung -des Krieges waren diese Zusammenstöße aber nur ein Vorwand. -Die öffentliche Meinung in England und damit der wirkliche Kriegsgrund -finden deutlich ihren Ausdruck in den Monck zugeschriebenen Worten: „Was -kommt es auf diesen oder jenen Kriegsgrund an? Was wir brauchen, ist -ein Stück mehr von dem Handel, den die Holländer jetzt haben!“ Dementsprechend -begann man in England zu rüsten — außergewöhnlich zahlreiche -Indienststellungen, lebhafte Tätigkeit auf den Werften, Füllen der -Magazine — und unternahm 1663–1664 eine größere <b>Expedition gegen -holländische Kolonien In Westafrika und Nordamerika</b>, durch die die befestigte -Insel Gorée am Kapverde, Capecoastcastle sowie einige andere Plätze an der -Goldküste und vor allem Neuamsterdam (New York) den Holländern abgenommen -wurden.</p> - -<p class="small">Die Expedition zählte 22 Segel, teils Schiffe der afrikanischen Kompagnie, teils -königliche; letztere hatte der <em class="gesperrt">Herzog von York</em> gestellt, der gleichzeitig Protektor -der Kompagnie und Lordhighadmiral war. Sie segelte 1663 unter <em class="gesperrt">Admiral Holmes</em>, -der schon den Zug 1661 befehligt hatte. Holmes machte vom Januar 1664 an die aufgeführten -Eroberungen in Afrika und brachte dort viele Schiffe auf. Dann ging er -nach Nordamerika und nahm im August mit Hilfe der benachbarten englischen Kolonien -Neu-Niederland in Besitz; dem Entsender der Expedition zu Ehren nannte Holmes Neu-Amsterdam -jetzt Neu York.</p> - -<p>Hollands Vorstellungen wegen der Gewalttat in Afrika fruchteten nichts. -Die englische Regierung betrachtete den Zug als eine Privatangelegenheit, -versprach Untersuchung, setzte aber ihre Rüstungen fort. Auch in Holland -hatte man im Mai 1664 eine größere Flotte als sonst im Frühjahr unter -Wassenaer zusammengezogen; wie man sagte, gegen die Barbaresken und -spanischen Freibeuter. Sie wurde beständig verstärkt, und bald verlautete, -daß sie Befehl habe, an der holländischen Küste zu bleiben, zu üben und -durch leichte Schiffe die englische Flotte zu beobachten. Man fürchtete -nämlich, diese würde gegen die heimkehrenden Ostindienfahrer vorgehen, -die wie stets im Frühjahr von der Biscaya abgeholt wurden; übrigens hatte -man die entgegengesandte Bedeckung auch wesentlich verstärkt und befohlen, -um Schottland zurückzusegeln. Als nun Holmes' Zug bekannt geworden -war, beschloß man zuerst, mit den Frühjahrsschiffen der westindischen Kompagnie -eine Verstärkung der Kriegsschiffe nach Afrika zu senden. Da dies -aber zu lange gedauert haben würde und auch nicht geheim gehalten werden -konnte, gab man gleich darauf Befehl an <em class="gesperrt">Ruyter</em> im Mittelmeer, nach -Guinea zu gehen, die verlorenen Plätze wiederzunehmen und den englischen -Handel „in außereuropäischen Gewässern“ zu schädigen. Dieser Befehl -war streng geheim, damit man in England nicht aufmerksam würde und -damit das englische Mittelmeergeschwader unter Lawson nicht folge. Die -Geheimhaltung ging so weit, daß selbst einige Mitglieder des Rates, die den -Befehl unterschrieben, ihn nicht kannten; er war ihnen nach einer sehr arbeitsreichen -Sitzung zur Unterschrift mit untergeschoben worden.<a name="FNanchor_149_149" id="FNanchor_149_149"></a><a href="#Footnote_149_149" class="fnanchor">[149]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_253" id="Page_253">[253]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> gelang es, die afrikanischen Besitzungen zurückzuerobern -und auch sonst den Engländern in Westindien und im Atlantik großen Schaden -zuzufügen.</p> - -<p class="small"><b>Ruyters Zug 1664–1665 nach Westafrika und Amerika</b> ist bemerkenswert, weil -er die schwierige Aufgabe mit großem Geschick löste.<a name="FNanchor_150_150" id="FNanchor_150_150"></a><a href="#Footnote_150_150" class="fnanchor">[150]</a> Ruyter war im Mittelmeer -gegen die Barbaresken stationiert, englischerseits befand sich Admiral Lawson zu gleichem -Zwecke dort. Als Ruyter den Befehl erhalten hatte, nahm er unter allerlei Vorwänden -an der spanischen Küste Proviant für ein Jahr. Es gelang ihm, Lawson über seine -Bestimmungen zu täuschen, und so erschien er ungehindert und unerwartet Ende Oktober -an der <em class="gesperrt">westafrikanischen Küste</em>. Hier eroberte er zunächst Gorée zurück, -dann, auf die holländische Station Elmina gestützt, die an der Goldküste verlorenen Punkte -und auch das englische Cormantyne; Capecoastcastle widerstand mit Erfolg. Im Februar -1665 ging er, 12 Schiffe und 1 Brander stark, nach <em class="gesperrt">Westindien</em>. Nach einem vergeblichen -Angriff (29. April) auf eine große Zahl englischer Kauffahrer unter dem Schutz -der Batterien auf Barbados verproviantierte er sich auf holländischen und französischen -Inseln und ging dann nach <em class="gesperrt">Neufundland</em>. Vor Guinea, in Westindien und in -den nördlichen Gewässern brachte er viele Schiffe auf, die teils verkauft, teils heimgesandt -wurden, so daß der Zug reiche Beute eintrug. Ende Juni trat er die Rückreise -nach Holland an.</p> - -<p class="small">Schon in Westindien hatte er vom Ausbruch des Krieges gehört; er beabsichtigte -deshalb, durch die Nordsee zu segeln und gab als Treffpunkt die Faröer Inseln und dann -die Küste Norwegens (Stadtland) an. Wohlbehalten hier angekommen, erhielt er die -Nachricht von der unglücklichen Schlacht bei Lowestoft (14. Juni). Da er nun die Engländer -in der Nordsee vermutete, um ihn abzufangen — dies war in der Tat der Fall —, -steuerte er mit allen Vorsichtsmaßregeln längs den Küsten der deutschen Bucht und -lief am 6. August 1665 in die Westerems ein.</p> - -<p>Sobald man in England das Auftreten Ruyters in Afrika erfuhr, ließ -man die Maske fallen. Die in den englischen Häfen liegenden holländischen -Schiffe wurden mit Beschlag belegt, englische Kriegsschiffe und Freibeuter -brachten in kurzer Zeit an 130 feindliche Schiffe auf.</p> - -<p>Holland antwortete mit Beschlagnahme von Fahrzeugen, ließ aber den -Befehl, feindliche Schiffe auf See aufzubringen, noch nicht in Kraft treten. -Immer noch hoffte man, den Frieden erhalten zu können, wobei man besonders -auf die Vermittlung Frankreichs rechnete. Die Rüstungen wurden -aber ununterbrochen fortgesetzt. Anfangs hatten die Generalstaaten den -Provinzen hierfür noch andere Gründe angeben müssen, um sie geneigt zu -machen: es würde nötig sein, die Konvois — z. B. den schon erwähnten nach -Guinea — mit starken Flotten durch den Kanal zu führen; bald aber wurde -doch von allen Stellen der Krieg selbst ins Auge gefaßt — der Konvoi nach -Guinea segelte tatsächlich nur mit gewöhnlicher Bedeckung, weil eine Verstärkung -der westafrikanischen Station nach Ruyters Erfolg nicht mehr nötig -war —, und nun rüsteten alle Admiralitäten mit einer seltenen Einmütigkeit -und unter Aufbietung aller Mittel. Es wurde beschlossen, 24 Kriegsschiffe -erster Klasse zu bauen, für das kommende Jahr (1665) die Indienststellung -aller Schiffe vorzubereiten und dazu die Mannschaften der Flotte von 1664 -im Dienst zu behalten. Wassenaers Flotte hatte man auf Wunsch Louis' XIV.<span class="pagenum"><a name="Page_254" id="Page_254">[254]</a></span> -während der Verhandlungen wie alljährlich mit Beginn des Winters zurückgezogen, -es war jedoch ein größerer Teil der Schiffe als sonst im Winter in -Dienst belassen. Am 23. Dezember 1664 wurde ferner sämtlichen Kauffahrern -und Fischern das Auslaufen verboten, um sie nicht der Gefahr aufgebracht -zu werden, auszusetzen und um die Leute für die Bemannung -der Flotte zu haben.</p> - -<p>Auch Karl II. zögerte noch mit der Kriegserklärung, wohl der vorgerückten -Jahreszeit wegen und um die Rüstungen zu vollenden, zu denen -das Parlament noch mehr Mittel bewilligen sollte. Da aber schlug eine letzte -Gewalttat Englands dem Faß den Boden aus. Am 29. Dezember 1664 <b>griff -der Admiral Allin</b> in der Straße von Gibraltar <b>den heimkehrenden holländischen -Smyrna-Convoi an</b>.</p> - -<p class="small">Der Konvoi bestand aus 30 Kauffahrern mit nur 3 Kriegsschiffen Bedeckung. -Allin überfiel ihn mit 7 Kriegsschiffen. Als der holländische Admiral <em class="gesperrt">van Brakel</em> -längsseit kam, um zu salutieren, wurde er mit einer scharfen Breitseite empfangen und -dann der Konvoi angegriffen. Dank der tapferen Gegenwehr, auch der Handelsfahrzeuge, -fielen nur 3 Schiffe in die Hände der Engländer — eines war im Kampf vernichtet; -zwei versprengte, die ohne Befehl vorausgesegelt waren, wurden abgeschnitten —, die -übrigen retteten sich in spanische Häfen, van Brakel fiel.</p> - -<p>Nach diesem Gewaltakt „in europäischen Gewässern“ beschloß -Holland den Krieg. Es erließ nun auch den Befehl, alle feindlichen Kriegs- -und Handelsschiffe in europäischen Gewässern anzugreifen (24. Januar 1665) -und brach die diplomatischen Beziehungen ab; <em class="gesperrt">der Krieg war erklärt</em>. -Die englische Kriegserklärung erfolgte im Februar; beide Staaten wetteiferten, -ihre Schlachtflotten aufzustellen. — <b>Frankreich</b> trat erst im Januar 1666 -durch förmliche Kriegserklärung auf die Seite Hollands, ebenso Dänemark. -Es ist bereits darauf hingewiesen, daß die französische Flotte keinen tätigen -Anteil an den Kriegsoperationen nahm; du Sein erwähnt in der Geschichte -der französischen Marine diesen Krieg überhaupt nicht.</p> - -<p>Auch <b>Dänemark</b> kam mit England nur zu kleinen Zusammenstößen -in der Ostsee.</p> - -<p class="small">Holland sandte die englische Kriegserklärung an alle seefahrenden Mächte mit dem -Hinweis darauf, daß auch deren Seehandel durch den von England heraufbeschworenen -Krieg schwer leiden würde.</p> - -<h4>Die Streitmittel der Gegner.<a name="FNanchor_151_151" id="FNanchor_151_151"></a><a href="#Footnote_151_151" class="fnanchor">[151]</a></h4> - -<p>In <b>Holland</b> war es dem Wirken des Ratspensionärs de Witt zu danken, -daß nach dem Frieden 1654 die Marine nicht wieder wie um 1648 in Verfall -geriet. Er verstand es, in allen Provinzen seinen Einfluß geltend zu machen -und die Bewilligung der nötigen Mittel zu erreichen. Die Unternehmungen -in der Ostsee und im Süden hielten die Flotte in Übung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_255" id="Page_255">[255]</a></span></p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Schiffsmaterial</em> wurde wesentlich besser. Wir wissen, daß -beim Friedensschluß 1654 70 Kriegsschiffe zu über 30 Kanonen vorhanden -waren: 1 zu 60, 9 zu 50–58, 27 zu 40–48, 33 zu 30–38 Kanonen. Es wurden -nun die während des ersten Krieges begonnenen (30) und zu bauen beschlossenen -(30) Schiffe fertiggestellt; unmittelbar vor und dann während des zweiten -Krieges ordnete man weitere Neubauten an: 1664 von 24, Juni 1665 von -nochmals 24 und 1666 von 12 Schiffen. Anfangs wurden zwar nur wenige -Fahrzeuge über 50 Kanonen gebaut, erst 1664 ging man an solche von 60 bis -80 Kanonen; in der 1665 aufgestellten Flotte waren nur 2 zu 70–80 und -5 zu 60–70 Kanonen, so daß man noch Schiffe dieser Größe von der ostindischen -Kompagnie einstellen mußte, aber 1666 konnten schon 2 Schiffe -über 80, 11 zu 70–78, 21 zu 60–68 Kanonen verwendet werden. Der Bestand -war also an Zahl und Stärke der Schiffe wesentlich gewachsen; 1665 brauchte -man nur auf etwa 20 Kauffahrer zurückzugreifen, 1666 war man ganz frei -von ihnen. Eine Angabe über den Gesamtbestand zu irgend einem Zeitpunkt -fehlt in den Quellen; zum Vergleich mit den englischen Streitkräften ist -Seite <a href="#Page_258">258</a> die Zahl der Schiffe aufgeführt, die an den Hauptschlachten der -beiden ersten Kriegsjahre teilnahmen. Es hatten beide Gegner ihre Gesamtkraft -aufgestellt, nur wenige Schiffe fehlten, die in fernen Gewässern sich -aufhielten oder nicht gefechtsfähig waren. Die Angaben bieten also einen -Anhalt über die Stärke der beiden Marinen überhaupt.</p> - -<p>Die neueren Kriegsschiffe waren besser gebaut als im ersten Kriege; alle -Schlachtschiffe (über 40 Kanonen) waren jetzt auch hier Zweidecker, Dreidecker -besaß man jedoch noch nicht. Es ist ferner sehr bemerkenswert, daß -man in Holland, wenn auch den Verbesserungen im Schiffbau — so auch in -den Schiffsformen — im allgemeinen Rechnung getragen wurde, doch nicht -zum „fregattenähnlichen“ Bau in demselben Maße übergegangen war wie in -England. Man zog immer noch weniger tiefgehende, breitere und weniger -scharfe Schlachtschiffe vor, teils der Hafenverhältnisse wegen, teils weil man -annahm, so stabilere Geschützstände zu haben, wenn auch die Fahrzeuge -weniger schnell waren. Dagegen baute man jetzt „fregattenähnlich“ eine -größere Zahl von Schiffen zu 20–40 Kanonen, meist 26–36 Kanonen. Die -Engländer hatten ja ihre größere Segelfähigkeit — fregattenähnlicher Bau selbst -bis zu den mittleren Schlachtschiffen — des öfteren benutzt, um Schiffe -abzuschneiden. Da man nun in Holland den Bau der Schlachtschiffe nicht -dahin ändern wollte, sollten diese „Fregatten“ dem Übelstande bis zu einem -gewissen Grade abhelfen. Sie sollten in gefährdeter Lage befindlichen Schiffen -zu Hilfe kommen und zum Abfangen von Kauffahrern geeignet sein. Sie -hatten (wahrscheinlich?) nur eine gedeckte Batterie, näherten sich also schon -dem Begriff der späteren Fregatte. Der Schiffsbestand wurde endlich auch -vervollständigt durch den Bau besonderer kleiner Fahrzeuge für Melde- und -Aufklärungsdienst (Advijsjagten) und einiger Ruderfahrzeuge zu ähnlichen -Zwecken (Roeijagten und Galeijen) sowie von Transportern für Proviant und -Munition, Postschiffen für die Flotten und zahlreichen Brandern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_256" id="Page_256">[256]</a></span></p> - -<p>Man baute aber nicht nur Schiffe mit größerer Kanonenzahl, auch die -<em class="gesperrt">Armierung</em> wurde noch in den Jahren vor und während des zweiten -Krieges durch die zunehmende Verwendung schwererer Kaliber verstärkt; -die schwere Artillerie (32-Pfünder) und die höheren Kaliber der Mittelartillerie -(24- und 18-Pfünder) wurden fast verdoppelt. Auch strebte man dahin, auf -gleich großen Schiffen dieselbe Armierung und in den einzelnen Batterien -Geschütze gleichen Kalibers einzuführen; besonders seit 1666. 1665 standen -auf den Schiffen einzelner Admiralitäten noch 3–4 Kaliber in einer Batterie. -Die Admiralität von Amsterdam, die überhaupt den dritten Teil der Gesamtflotte -stellte, ging hierin wie in allen Verbesserungen voran; ihre neueren -Schlachtschiffe von 48–58 Kanonen waren schon nach englischem Vorbilde -in dieser Beziehung armiert. Im allgemeinen ließ alles dies aber noch zu -wünschen übrig, vor allem fehlte Gleichheit zwischen den Schiffen der verschiedenen -Admiralitäten, und wie sehr die Stärke der Armierung der der -englischen Flotte noch immer nachstand, werden die vergleichenden Angaben -später zeigen.</p> - -<p>Auch in der <em class="gesperrt">Bemannungsfrage</em> hatten sich im zweiten Kriege die -Verhältnisse für Holland weit günstiger gestaltet. Im Frieden war stets genügend -Personal für die Flotte vorhanden gewesen; nach Beendigung der Kriege -in der Ostsee fanden sich viele kriegserfahrene Seeleute in Holland ein: Holländer, -die dort gedient, und auch Fremde, denn der Dienst in der Marine -war im Lande sehr beliebt geworden. Da bei Ausbruch des Krieges Seefahrt -und Hochseefischerei untersagt wurden, war reichlich Personal vorhanden. -Nach der großen Niederlage im ersten Jahre schwand allerdings die Neigung -zum Dienst, diesem Übelstande wurde aber durch höheren Sold, Aussetzung -hoher Belohnungen für besondere Auszeichnungen und hoher Pensionen für -Invalide usw. abgeholfen. Als endlich durch das Freigeben eines Teiles -der Schiffahrt zu Ende des Jahres 1666 wieder die Gefahr des Mannschaftsmangels -eintrat, wurde sie durch die Bestimmung abgewendet, daß jedes -in See gehende Schiff ein Viertel seiner Besatzung zur Marine abgeben oder -daß die Rhederei Mannschaften in dieser Höhe stellen mußte. Ferner wurde -1664 eine Seesoldatentruppe gegründet und bald stark vermehrt. So trat ein -Mannschaftsmangel in diesem Kriege nicht ein, nötigenfalls wurden weiter -Landsoldaten eingeschifft. Die Schiffe waren auch stärker bemannt als -früher; daß aber auch hierin England noch immer besser stand, werden wir -sehen, und auch in der Kopfzahl der Besatzungen herrschte keine Gleichmäßigkeit -bei den Admiralitäten.</p> - -<p>Endlich hatten sich auch die Verhältnisse bei den <em class="gesperrt">Kommandanten -und Chargen</em> gebessert. Die Maßregel der Admiralität Amsterdam -(Seite <a href="#Page_149">149</a>), sich einen Stamm von Kapitänen zu halten, war dadurch erweitert, -daß man noch eine zweite Art Kapitäne schuf. Diese wurden zwar nicht im -Dienst behalten, durften sich aber nur mit Erlaubnis der Admiralität auf -Seereisen begeben und erhielten für diese Verpflichtung ebenfalls ein Jahrgeld. -Dieselbe Behörde hatte ferner erlaubt, daß sich nach dem ersten Kriege andere<span class="pagenum"><a name="Page_257" id="Page_257">[257]</a></span> -obere Dienstgrade, die nicht verwendet werden konnten, überetatsmäßig auf -indienstgestellten Fahrzeugen einschifften. Die Admiralität der Maas übernahm -teilweise diese nützlichen Bestimmungen; so trat bei Ausbruch des -Krieges kein Mangel an Kommandanten usw. ein, es war sogar eine Reserve -vorhanden.</p> - -<p>Eine große organisatorische Veränderung vollzog sich bei den <em class="gesperrt">Flaggoffizieren</em>. -Bis gegen das Ende des ersten Krieges hatten die Niederlande -nur einen Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland, der beim -Zusammentreten der Gesamtstreitkräfte der Republik den Oberbefehl führte, -und je einen Vizeadmiral sowie je einen Kontreadmiral von Holland und von -Seeland. Dann setzten die Staaten von Holland, deren Seemacht außerordentlich -gewachsen war, durch, daß ein Vize- und ein Kontreadmiral für -jede ihrer drei Admiralitäten (Maas, Amsterdam, Norderquartier [Westfriesland]) -ernannt wurde; es gab also jetzt 1 Leutnantadmiral, 4 Vize- und -4 Kontreadmirale. Vor Ausbruch des zweiten Krieges (Dezember 1664) nahm -Seeland sein altes Recht wieder auf und ernannte einen Leutnantadmiral -von Seeland; sofort verlangte und erreichte Holland dasselbe für jede seiner -Admiralitäten; Friesland, dessen früher sehr unbedeutende Kräfte auch -gewachsen waren, folgte bald. So hatten die Niederlande 1665: 1 Admiralleutnant -von Holland und Westfriesland, 5 Leutnantadmirale, 5 Vize-, -5 Kontreadmirale für die 5 Admiralitäten. Bei der Eifersucht der Provinzen -sollte dies zu manchen Reibungen führen; auch sonst war die Anwesenheit -so vieler Flaggoffiziere, teilweise vom höchsten Range, bei der -Flotte öfters von großem Nachteil.</p> - -<p class="small">Die Entwicklung dieser Verhältnisse findet man in de Jonge, Teil I, Seite 527; 687. -Für die Generalstaaten war es schwer, die Anciennität festzusetzen; es führte zu scheinbar -verwickelten Bestimmungen. Den Oberbefehl über die vereinigten Kontingente führte -weiter der Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Die zweite Stimme im -Kriegsrat stand dem Leutnantadmiral von Seeland zu, die Vertretung des Oberbefehlshabers -im Kommando übernahm aber der Leutnantadmiral der Maas. Seeland war -die älteste Admiralität, sein ältester Admiral führte stets die aus Seelandschiffen bestehende -Vorhut; er war also der zweitälteste Offizier der Gesamtflotte. Den Höchstkommandierenden -stellte aber seit langer Zeit (Seite <a href="#Page_149">149</a>) die Admiralität der Maas; -daraus wurde gefolgert, daß sie auch den Stellvertreter stellen müsse.</p> - -<p class="small">Der Streit über Anciennität der Flaggoffiziere führte zu Verwirrung in Schlachten; -er ging soweit, daß Seeland einmal erklärte, sein Kontingent nicht eher auslaufen zu -lassen, bis eine Frage zugunsten seines Chefs entschieden sei.</p> - -<p>In <b>England</b> hatte man unter <em class="gesperrt">Cromwell</em> auch nach dem ersten Kriege -weiter gebaut, zu seiner Zeit wurde mehr als die Hälfte des Staatseinkommens -auf die Marine verwendet. Die Republik fand England schwach -zur See vor und übertraf es schon als die stärkste Seemacht, was das -Material anbetrifft. Auch <em class="gesperrt">Karl</em> II. hatte Interesse für die Marine, besonders -aber sein Bruder, der <em class="gesperrt">Herzog von York</em>, der von Jugend auf für sie -bestimmt war. So stand auch die englische Flotte bei Beginn des zweiten -Krieges weit mächtiger da als zu Ende des ersten. Leider fehlt auch hier eine<span class="pagenum"><a name="Page_258" id="Page_258">[258]</a></span> -Bestandsliste<a name="FNanchor_152_152" id="FNanchor_152_152"></a><a href="#Footnote_152_152" class="fnanchor">[152]</a> für diese Jahre, und man muß deshalb wie bei Holland als -Anhalt die Stärke der zu den Schlachten zusammengezogenen Flotten nehmen; -ich führe also die Angaben für Holland zum Vergleich hier mit auf:</p> - -<p>1654 hatte England (Holland vergl. S. <a href="#Page_255">255</a>) Schiffe zu</p> - -<table cellpadding="2" summary="p258_1"> - <tr> - <td class="tdr">Kanonen:</td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">86–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">6–16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">Zahl der Schiffe:</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">32</td> - <td class="tdc">43</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">14</td> - </tr> -</table> - -<p>1665 in der Schlacht am 13. Juni setzten sich die Flotten zusammen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p258_2"> - <tr> - <td class="tdr">Kanonen:</td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">86–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">6–16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England<a name="FNanchor_153_153" id="FNanchor_153_153"></a><a href="#Footnote_153_153" class="fnanchor">[153]</a></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">23</td> - <td class="tdc">30</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">6</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland<a name="FNanchor_154_154" id="FNanchor_154_154"></a><a href="#Footnote_154_154" class="fnanchor">[154]</a></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">26</td> - <td class="tdc">36</td> - <td class="tdc">24</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">7</td> - </tr> -</table> - -<p>1666 vor der Viertageschlacht:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p258_3"> - <tr> - <td class="tdr">Kanonen:</td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">86–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">6–16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England<a name="FNanchor_155_155" id="FNanchor_155_155"></a><a href="#Footnote_155_155" class="fnanchor">[155]</a></td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">21</td> - <td class="tdc">18</td> - <td class="tdc">19</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">8</td> - </tr> -</table> - -<p>Wir sehen also ein starkes Wachsen in beiden Marinen, was die Zahl der -Schiffe über 50 Kanonen und besonders die ganz schweren Schiffe anbetrifft. -Namentlich die holländische Marine hat ungeheure Fortschritte gemacht -und fährt weiter darin fort: 1667 befinden sich in Ruyters Flotte schon -6 Schiffe zu 80–90 Kanonen. Sie ist 1666 mit Schiffen über 60 Kanonen -sogar der englischen überlegen. Die englischen 50–60 Kanonen-Schiffe -waren jedoch mit ihren schwereren Kalibern den holländischen Schiffen mit -60–70 Kanonen überlegen; Holland hatte eben in der Verwendung -schwererer Geschütze England noch nicht erreicht.</p> - -<p>Stellen wir zum Vergleich die <em class="gesperrt">Armierung</em> der holländischen Schiffe -um 1666 der der englischen um 1677 gegenüber.</p> - -<p>Es führten an schwerer und mittlerer Artillerie Schiffe mit <em class="gesperrt">Kanonen</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p258_4"> - <tr> - <td colspan="3"> </td> - <td class="tdc">100</td> - <td class="tdc">90</td> - <td class="tdc">80</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">60</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">30</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="3">England</td> - <td class="td18" rowspan="3"> </td> - <td rowspan="3"> </td> - <td class="tdc">26–42</td> - <td class="tdc">26–32</td> - <td class="tdc">24–32</td> - <td class="tdc">26–32</td> - <td class="tdc">24–24</td> - <td class="tdc">22–18</td> - <td class="tdc">38–9</td> - <td class="tdc">18–9</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">26–24–18</td> - <td class="tdc">26–24</td> - <td class="tdc">24–18</td> - <td class="tdc">26–12</td> - <td class="tdc">24–12</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">28–9</td> - <td class="tdc">26–9</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="12"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="4">Holland<span class="pagenum"><a name="Page_259" id="Page_259">[259]</a></span></td> - <td class="td18" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">12–36</td> - <td class="tdc">6–24</td> - <td class="tdc">22–18</td> - <td class="tdc">8–18</td> - <td class="tdc">4–18</td> - <td class="tdc">4–18</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">16–24</td> - <td class="tdc">20–18</td> - <td class="tdc">22–8</td> - <td class="tdc">12–12</td> - <td class="tdc">14–12</td> - <td class="tdc">12–12</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">14–18</td> - <td class="tdc">26–12</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">20–8</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">12–12</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Die Angaben über Holland 1666 aus de Jonge, Teil I, Beilage XXXIII. Bei der -Ungleichheit in den verschiedenen Admiralitäten habe ich die stärksten Armierungen -ausgezogen.</p> - -<p class="small">Die Angaben für England 1677 nach der Tabelle Seite <a href="#Page_170">170</a> (auch de Jonge, Beilage -XXXI). Die Angaben für 1677 sollen auch für den zweiten und dritten englisch-holländischen -Krieg schon beinahe zutreffen. Aber wenn wir selbst die Angaben für 1652 -der Tabelle nehmen, stellt sich der Vergleich für Holland kaum günstiger. Nur das -eine der holländischen 80 Kanonen-Schiffe 1666 führte 36-Pfünder.</p> - -<p>Es zeigt sich mithin bei den Schlachtschiffen eine große Überlegenheit -auf englischer Seite, nur die Nichtschlachtschiffe zwischen 30 und 40 Kanonen -stehen in Holland sehr viel besser da; es sind dies wohl die erwähnten „Fregatten“.</p> - -<p class="small">Nach oberflächlicher Berechnung führten die für das Jahr 1666 angeführten Schiffe -über 60 Kanonen in Summe:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p259_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">42-Pfdr.</td> - <td class="tdc">32-Pfdr.</td> - <td class="tdc">24-Pfdr.</td> - <td class="tdc">18-Pfdr.</td> - <td class="tdc">12-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Auf 25 englischen Schiffen</td> - <td class="tdc">26</td> - <td class="tdc">256</td> - <td class="tdc">372</td> - <td class="tdc">48</td> - <td class="tdc">518</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Auf 34 holländischen Schiffen</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">12 (36-Pfdr.)</td> - <td class="tdc">276</td> - <td class="tdc">586</td> - <td class="tdc">354</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Die Hauptkraft lag bei den Engländern also in 42-Pfündern — deren wahrscheinlich -noch 56 mehr vorhanden waren, die dann von den 32-Pfündern abgehen —, in -32-Pfündern und 24-Pfündern, bei den Holländern in 18-Pfündern; dem englischen -12-Pfünder steht dann wieder an Zahl der holländische 8-Pfünder etwa gleich. Die holländische -Schwäche wird dadurch ein wenig verringert, daß die englischen Kaliberangaben den -holländischen gegenüber etwas zu verkleinern sind, weil das englische Pfund leichter war: -der 42-Pfünder würde ein 38-Pfünder, der 24- ein 22-Pfünder usw. werden (vgl. de Jonge, -Teil I, Seite 626).</p> - -<p>Auch die bessere Bedienung der englischen Artillerie wird weiter gerühmt, -und es kommt hinzu, daß die englischen Schiffe stärker bemannt waren. -1666 hatten Schiffe genannter Größen eine <em class="gesperrt">Besatzung von Köpfen</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p259_2"> - <tr> - <td class="tdl">England</td> - <td class="tdc">700</td> - <td class="tdc">600</td> - <td class="tdc">520–650</td> - <td class="tdc">450</td> - <td class="tdc">320</td> - <td class="tdc">200–250</td> - <td class="tdc">150</td> - <td class="tdc">130</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">470</td> - <td class="tdc">330</td> - <td class="tdc">260</td> - <td class="tdc">200–250</td> - <td class="tdc">200</td> - <td class="tdc">120–200</td> - </tr> -</table> - -<p>Es konnten also die englischen Geschütze, namentlich bei gleichzeitigen -Schiffsmanövern, besser bedient werden und die Schiffe waren beim Enterkampf -überlegen; nur die holländischen „Fregatten“ stehen in dieser Hinsicht -besser da, sie waren ja auch gleichzeitig zum Manövrieren und Fechten -gebaut. Wie im ersten Kriege, so scheint auch im zweiten in England im -allgemeinen kein Mangel an Personal eingetreten zu sein; auch hier waren -jetzt Seesoldaten vorhanden, von einem Auffüllen mit Landsoldaten verlautet -nichts mehr.</p> - -<p>Die bessere <em class="gesperrt">Segel- und Manövrierfähigkeit</em> der englischen -Schlachtschiffe infolge schärferer Formen, vielleicht mit Ausnahme -der schwersten, ist uns schon bekannt; der nach holländischer Ansicht damit<span class="pagenum"><a name="Page_260" id="Page_260">[260]</a></span> -verbundene Nachteil, daß man bei Wind und Seegang die untersten Batterien -nicht gebrauchen konnte, tritt allerdings in diesem Kriege mehrfach hervor.</p> - -<p>Von sonstigen Einrichtungen in der englischen Marine ist noch hervorzuheben, -daß Karl II. die Stelle des <em class="gesperrt">Lordhighadmiral</em> wieder besetzte, -und zwar mit seinem Bruder, dem Herzog von York. Dieser soll -manche Verbesserungen in der Verwaltung bewirkt haben. Er kommandierte -1665; 1666 wurde das Kommando über die mobile Flotte wieder in -die Hände zweier Admirale — Prinz Ruprecht von der Pfalz und Herzog -von Albemarle (Monck) — gelegt.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">beiden Marinen</em> begann in der Zeit zwischen dem ersten und -dem zweiten Kriege (vgl. Seite <a href="#Page_181">181</a>) die Entwicklung eines <em class="gesperrt">ständigen -Kriegsschiffpersonals</em>. Es fällt in diese Zeit die Vermehrung der Dienstgrade -für die verschiedenen Dienstzweige und auch schon die erste Vermehrung -der Leutnants sowie der Beginn des besseren Ersatzes dieser eigentlichen -Offiziere. Die Anstellung von Offiziersaspiranten wird allgemeiner; -gerade in Holland treten Personen aus den höchsten Ständen ein, einige -von ihnen tun schon im zweiten Kriege als zweite selbst als erste Leutnants -Dienst. Die Bauten — <em class="gesperrt">Werften</em> und <em class="gesperrt">Magazine</em> — wurden wesentlich -verbessert; York verwandte in England Sorgfalt darauf, in Holland wurden -— besonders wieder in Amsterdam — die Einrichtungen zum Selbstbau -und zum Docken weit größerer Kriegsschiffe als bisher getroffen.</p> - -<p>Wichtig vor allem ist das wachsende Verständnis für die Führung der -Flotten, die <em class="gesperrt">Taktik</em>. <em class="gesperrt">In England</em> erließ der <em class="gesperrt">Herzog von York</em> -1665 eingehende Instruktionen über das Segeln und das Fechten im Flottenverbande, -Verbesserungen der Instruktion von 1655, durch die besonders -Aufrechterhaltung der Ordnung im Gefecht — enggeschlossene Kiellinie -beim Winde — angestrebt wird. Im allgemeinen wird beabsichtigt, -den eignen Angriff stets gleichzeitig auf die ganze Linie des Feindes zu -richten, doch ist auch schon ein Fall vorgesehen, die feindliche Linie zu -durchbrechen und an einer Stelle dann mit Übermacht aufzutreten.</p> - -<p class="small">Colomb, Seite <a href="#Page_89">89–90</a>, gibt wörtlich die Artikel dieser „instructions for the better -ordering of the fleet in sailing and in fighting“, die sich auf die verschiedenen Gefechtslagen -beim Zusammenstoß beziehen; sie folgen hier im Auszuge:</p> - -<p>Ist die eigene Flotte zu Luward und der Feind erwartet den Angriff über denselben -Bug liegend, soll die Flotte so an den Feind geführt werden, daß Schiff gegen Schiff -steht. Liegt der Feind über den andern Bug, so soll die Flotte (außer Schußweite) bis -etwa querab der feindlichen geführt, dann „zugleich“ gewendet und zum Gefecht herangegangen -werden, so daß also wieder Schiff gegen Schiff steht. In beiden Fällen soll -während des Kampfes die Luvstellung gehalten werden; zu diesem Zwecke müssen -etwaige Manöver des Feindes — Wenden im Kontremarsch,<a name="FNanchor_156_156" id="FNanchor_156_156"></a><a href="#Footnote_156_156" class="fnanchor">[156]</a> Wenden zugleich oder -Wenden einzelner Geschwader — in derselben Weise ausgeführt werden.</p> - -<p class="small">Steht der Feind zu Luward und greift an, so soll er in guter, enggeschlossener Linie -erwartet werden. Greift die eigene Flotte von Lee aus an, was ja bei besseren Segeleigenschaften -oder infolge leichter Windänderungen möglich ist, so soll die Vorhut versuchen, die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_261" id="Page_261">[261]</a></span> -feindliche Linie zu durchbrechen und dann die abgeschnittenen hinteren Schiffe des -Feindes von Luward aus angreifen; Mitte und Nachhut sollen das Manöver durch Dublieren -der abgeschnittenen Schiffe von Lee her unterstützen, dabei aber die Bewegungen -der vorderen Schiffe des Feindes im Auge behalten.</p> - -<p>Hervorzuheben ist, daß in der neuen englischen Instruktion im Gefecht -stets von der ganzen Flotte die Rede ist, während in der alten von dem Verhalten -der Geschwader gesprochen wurde. Es ist ferner bemerkenswert, -daß den Schiffen befohlen wird, „Linie“ mit ihrem Geschwaderchef zu halten, -falls ein Geschwaderchef ausgefallen ist, mit dem Oberbefehlshaber oder -mit dem vorn segelnden Flaggoffizier.</p> - -<p>Auch in <em class="gesperrt">Holland</em> ist der Fortschritt in der <em class="gesperrt">Taktik</em> zu bemerken. -Gleich nach der unglücklichen Schlacht 1665 wurden auch hier Bestimmungen -über das Segeln in der Flotte, besonders bei Annäherung an den -Feind, erlassen.<a name="FNanchor_157_157" id="FNanchor_157_157"></a><a href="#Footnote_157_157" class="fnanchor">[157]</a></p> - -<p>Vor der genannten Schlacht war die Flotte in 7 Geschwader geteilt, -ein jedes mit 3 Flaggoffizieren; der Grund soll die Anwesenheit so vieler -Admirale gewesen sein. Es ist wohl möglich, da man Unzufriedenheit bei -ihnen vermeiden wollte, sollte es aber nicht auch eine Folge der älteren -Gruppentaktik sein? Tromp der Ältere teilte auch in so viele Abteilungen, -und damals lag der andere Grund nicht vor. Nach der Schlacht teilte man -die Flotten nun stets wie in England in 3 Geschwader (selten 4) und diese -wieder bei großer Schiffszahl in 3 Divisionen. Jetzt befanden sich bei jedem -Geschwader viele Flaggoffiziere und zwar bis zu je 2 Leutnantadmiralen, -Vize- und Kontreadmiralen. <em class="gesperrt">Ruyter</em> vervollständigte diese Instruktionen, -sie enthielten in der Hauptsache aber eigentlich nur Bestimmungen, -die auf die Ordnung beim Marsch und beim Eintritt ins Gefecht hinzielten.</p> - -<p class="small">Im „Leben Ruyters“, Seite <a href="#Page_305">305</a>, <a href="#Page_315">315</a>, <a href="#Page_361">361</a> und auch „Vie de Tromp“, findet -man genaue Vorschriften über die Positionen der Geschwader und Divisionen in -der Flotte, auch auf dem Marsche strenge innezuhalten; Befehle an die Geschwaderchefs, -den Brandern und Fregatten ihre Posten für das Gefecht genau anzuweisen; das strenge -Verbot von Manövern oder Angriffen ohne Befehl, dagegen Signale, auf die die einzelnen -Geschwader, oder das Ganze, anzugreifen hätten. Es wird ferner befohlen, daß jedes -Geschwader täglich einige Fregatten zum Erkunden des Feindes auszusenden hätte; im -Gefecht sollten diese Fahrzeuge so postiert werden, daß sie beschädigten oder bedrohten -Schiffen Hilfe leisten und die Branderangriffe unterstützen könnten.</p> - -<p>Es fehlten jedoch, wie es scheint, eigentliche Dispositionen für die verschiedenen -Gefechtslagen. Der Chef will zwar die Teile seiner Flotte in der -Hand behalten, die Angriffe scheinen jedoch noch immer vorzugsweise geschwaderweise -und mit Einbrechen in den Feind gedacht zu sein. Es ist ferner -auffallend, daß in den Instruktionen nie das Wort „Linie“ vorkommt. Die -Einzelschiffe werden nur angewiesen, „sich bei ihrem Divisionschef zu halten, -sich nicht gegenseitig in den Weg zu kommen oder im Feuer zu hindern.“<span class="pagenum"><a name="Page_262" id="Page_262">[262]</a></span> -Ein Ausrichten auf den Flottenchef wie in England wird nicht erwähnt.<a name="FNanchor_158_158" id="FNanchor_158_158"></a><a href="#Footnote_158_158" class="fnanchor">[158]</a></p> - -<p>In beiden Ländern führte der Fortschritt in der Taktik begreiflicherweise -zur Vervollständigung des Signalsystems.</p> - -<p>So hatten sich beide Marinen weiter zu stehenden im modernen -Sinne entwickelt, besonders die holländische, die im ersten Kriege darin -sehr zurückgestanden hatte. Beide Länder hatten auf das nachdrücklichste -für den bevorstehenden Kampf gerüstet, nicht nur durch Aufstellen von -Streitmitteln, sondern auch durch Füllen der Magazine usw., denn man war -auf beiden Seiten noch sehr abhängig vom Auslande, besonders von Deutschland -und Schweden. Daß Holland in vielem England noch nicht erreicht -hatte, haben wir gesehen, und hierbei müssen wir noch einer Frage näher -treten: <em class="gesperrt">der abwägenden Beurteilung des Personals</em>.</p> - -<p>In den Geschichtswerken beider Nationen wird behauptet, das eigene -Personal sei im zweiten Kriege das in Seemannschaft überlegene gewesen; -ich glaube, beide Teile haben in ihrem Sinne recht. Was die rein seemännische -Ausbildung anbetrifft, so ist es wohl möglich, daß das holländische Personal -überlegen war, daß Holland wenigstens über eine größere Zahl tüchtiger -Seeleute — Vorgesetzte wie Mannschaften — verfügte; war doch sein Seehandel -noch bei weitem größer. Zwar sagt ein englischer Schriftsteller dieser Zeit, -der größere Teil der holländischen Kommandanten seien Söhne angesehener -Leute, „Bürgermeistersöhne“ gewesen, die ihre Stellung nur aus politischen -Rücksichten erhalten hätten, doch ist nach allen anderen Quellen im Gegenteil -anzunehmen, daß die bei weitem größere Zahl aus dem Kauffahrteidienst -herstammte und aus solchem eine reiche seemännische Erfahrung hatte; ebenso -die übrige Besatzung. Aber diesem Ersatze, besonders den Kommandanten und -Dienstgraden, mangelten noch die militärischen Haupttugenden: Subordination -und militärische Treue im Beruf, Berufsbildung und Berufsstolz. Der Umstand, -daß die niederländische Marine keine einheitliche, sondern ein loser -Flottenbund war, daß die republikanischen Verhältnisse überhaupt nicht -geeignet waren, diese Übelstände zu beseitigen und außerdem, wie erwähnt, -zu Eifersüchteleien zwischen den Führern und den Kontingenten führten, -alles dies lähmte das militärische Zusammenwirken. Von einer eigentlichen, -Berufsbildung ist zu dieser Zeit in England zwar auch noch nicht die Rede. -Hier aber war noch viel von der militärischen Zucht Cromwells erhalten -geblieben, viele der höheren Führer, vor allem Monck, stammten noch aus -der älteren Zeit; in dem monarchischen Lande entwickelte sich leichter -unter den Offizieren der Kastengeist, der das militärische Element hob und -die mangelnde Berufsbildung teilweise ersetzte; die Marine war endlich aus -einem Guß. So war die englische Flotte militärisch-seemännisch die leistungsfähigere.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_263" id="Page_263">[263]</a></span></p> - -<p>Wenn Holland vielleicht die besseren, wenigstens zahlreicheren, Seeleute, -„Teerjacken“, hatte — soll doch der Herzog von York 1667 bei Ausführung -eines schwierigen Manövers verschiedener holländischer Schiffe ausgerufen -haben: „that never was or would have been undertaken by ourselves!“ —, -so besaß England die besseren „Seeoffiziere“; ein Vorteil, der im Gefecht, -besonders aber im Gefecht größerer Verbände, hervortrat. Was -die holländische Marine im zweiten Kriege leistete, ist wohl in erster Linie -dem Genie Ruyters zuzuschreiben; im dritten Kriege hatte sich manches -zugunsten Hollands und zuungunsten Englands geändert. Wenn auch -noch nicht in der Flotte selbst, so trat doch, wie wir sehen werden, an anderen -Stellen ein für sie höchst nachteiliges Nachlassen der alten Pflichttreue und -Ordnung in England schon während dieses Krieges ein.</p> - -<p class="small"><b>Frankreich</b> tritt zwar in diesem Kriege als Verbündeter Hollands auf. Da jedoch -seine Flotte erst im dritten Kriege an den Kämpfen teilnimmt, so soll über die Entwicklung -und den Stand der französischen Marine erst im nächsten Kapitel gesprochen -werden. Um jedoch zu zeigen, von welchem Werte eine wirkliche Unterstützung für -Holland gewesen sein würde, ist vor dem Jahre 1666 die Stärke des für den Krieg scheinbar -bestimmten Geschwaders angegeben.</p> - -<h4>Der Verlauf des Krieges.<a name="FNanchor_159_159" id="FNanchor_159_159"></a><a href="#Footnote_159_159" class="fnanchor">[159]</a></h4> - -<p><b>Die Schlacht bei Lowestoft, 18. Juni 1665.</b> Nach der Kriegserklärung -begannen die Operationen der Flotten nicht sogleich. Es war Winter und -demzufolge der größere Teil der Schiffe außer Dienst gestellt; beide Nationen -wetteiferten aber in der Ausrüstung aller zur Verfügung stehenden Fahrzeuge, -um im Frühjahr gleich zu großen Schlägen bereit zu sein. Wie es in England -schon vor der Kriegserklärung geschehen war, so gaben jetzt auch die -Holländer Kaperbriefe aus, und bald erschienen ihre Freibeuter im Kanal -und in der Nordsee; besonders in Seeland regte sich das alte Wassergeusenblut, -es bildeten sich Gesellschaften zu diesem Zweck, deren eine allein 25 Segel -stellte, Schiffe von 20–36 Kanonen.</p> - -<p>Erst im Mai rührten sich die <b>Kriegsflotten</b>, deren genaue Zusammensetzung -schon genannt ist (Seite <a href="#Page_258">258</a>); insgesamt betrugen die <b>Stärken</b> unter -dem Lordhighadmiral <em class="gesperrt">Herzog von York</em> und Leutnantadmiral -<em class="gesperrt">Wassenaer</em>:</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em>: 80 Schlachtschiffe über 30 Kanonen, 29 kleinere, 21 Brander, -mit 21000 Mann und 4192 Geschützen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Holland</em>: 97 Schlachtschiffe und Fregatten über 30 Kanonen, 13 -kleinere Segel, 12 Ruderfahrzeuge — mit 21631 Mann und 4869 Geschützen.</p> - -<p class="small">Die englische Flotte war in 3 Geschwader geteilt: Vorhut Admiral Prinz Ruprecht, -Mitte Herzog von York mit Admiral Sir William Penn als captain of the fleet, Nachhut -Admiral Montagu, Earl of Sandwich; hierzu traten die 3 Vizeadmirale, unter ihnen -Lawson beim Zentrum, und die 3 Kontreadmirale der Geschwader.</p> - -<p><span class="pagenumsmall"><a name="Page_264" id="Page_264">[264]</a></span></p> - -<p class="small">Die holländische Flotte war in 7 Geschwader geteilt, geführt von: Wassenaer, den -Leutnantadmiralen Johann Evertsen (Seeland), Cortenaer (Maas), Stellingwerff (Friesland) -und den Vizeadmiralen Tromp, Cornelis Evertsen jun., Schram; hierzu traten weitere -10 Flaggoffiziere und 4 als solche diensttuende als Vize- und Kontreadmirale der Geschwader. -(Die Leutnantadmirale Ruyter (Amsterdam) und Meppel (Norderquartier) -waren zurzeit zusammen abwesend auf dem Zuge nach Afrika und Westindien.) — -Es wehten mithin in der ersten Schlacht 9 englische und 21 holländische Admiralsflaggen.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p264.jpg" width="300" height="384" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p264" id="fig_p264"></a> -<p class="caption">Herzog von York.</p> -</div> - -<p class="small">Der <em class="gesperrt">Herzog von York</em>, 1633 als zweiter Sohn Karls I. geboren, war von -Jugend auf als Seemann erzogen. Er floh 1648 nach den Niederlanden und nach seines -Vaters Hinrichtung nach Frankreich. 1660 wurde er von Karl II. zum Lordhighadmiral -ernannt, mußte aber als Katholik 1673 das -Amt niederlegen. 1685 bestieg er als -Jakob II. den Thron. Als Großadmiral -und als König tat er viel für die Marine.</p> - -<p class="small">Prinz <em class="gesperrt">Ruprecht von der -Pfalz</em> (engl. Prince Rupert), 1619 als -Sohn des Kurfürsten Friedrich V. (des -Winterkönigs) geboren, focht im Dreißigjährigen -Kriege auf protestantischer -Seite. Im englischen Revolutionskriege -diente er als Reiterführer und später zur -See als Parteigänger der Royalisten. -1666 führte er mit Monck die englische -Flotte, 1673 war er erster Lord der Admiralität, -er starb 1682. Er war ein tüchtiger -Seeoffizier, aber doch nicht von der peinlichen -Pflichttreue wie die Generale der -Cromwellschen Schule; zu sehr Kavalier.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Cornelis Tromp</em>, 1629 als Sohn -Martin Tromps geboren, wurde bald nach -der Schlacht bei Lowestoft an Stelle des -gefallenen Cortenaer Leutnantadmiral. -1675 wurde er von Karl II. zum Baronet -und 1676 vom König von Dänemark zum -Grafen erhoben; 1677 folgte er Ruyter -in der Stellung als Leutnantadmiral von -Holland und Westfriesland. Er zeichnete sich in den Kriegen gegen England und Frankreich -sowie im dänisch-schwedischen Kriege 1675–1679 in dänischem Dienste aus. -Mutiger und tüchtiger Seeoffizier und beliebt bei den Untergebenen, jedoch unvorsichtig, -eigenmächtig und ehrgeizig. Biographie: „Vie de Tromp“.</p> - -<p>Die englische Flotte ging am 1. Mai zuerst in See, infolge alarmierender -Gerüchte über die Bewegungen des Feindes, obgleich sie noch nicht vollzählig -bemannt und auch nur notdürftig mit Proviant usw. ausgerüstet war. -<em class="gesperrt">York</em> beabsichtigte, den Feind in dessen eigenen Gewässern zum Kampf -zu stellen, vor allem die Vereinigung der Flottenabteilungen, die in der Maas-Scheldemündung -zusammentraten, mit den bei Texel versammelten zu -verhindern; außerdem hoffte er, heimkehrende Kauffahrer und das zurückerwartete -Geschwader Ruyters abfangen zu können. Er blockierte etwa -14 Tage lang die feindlichen Küsten, wurde dann aber durch Proviantmangel<span class="pagenum"><a name="Page_265" id="Page_265">[265]</a></span> -und durch einen schweren Sturm, in dem die Schiffe sehr litten, gezwungen, -am 19. Mai nach England zurückzugehen.</p> - -<p>Gleich darauf, am 22. Mai, führte Leutnantadmiral Evertsen die westlichen -Flottenabteilungen nach Texel, und <em class="gesperrt">Wassenaer</em> ging an den beiden -nächsten Tagen mit der Gesamtflotte in See. Er hielt sich zunächst mehrere -Tage an der Küste. Einige Quellen sagen, er sei durch flaue Gegenwinde festgehalten, -andere geben an, er habe es bei der ihm wohlbekannten Neigung -zur Indisziplin und Eifersucht im Personal nach so kurzem Zusammensein -der Flotte noch nicht für ratsam erachtet, schon Größeres zu unternehmen. -Jedenfalls wurde ihm dieses Zögern sehr verdacht — er wäre ja auch unter -Umständen der schwachbemannten, von Vorräten entblößten und durch -den Sturm beschädigten englischen Flotte sehr gefährlich geworden —, und er erhielt -von den Generalstaaten ein Mißtrauensvotum sowie den ausdrücklichen -Befehl, sobald wie möglich anzugreifen. Man glaubte die feindliche Flotte -sehr geschwächt und ihre weitere Bemannung und Ausrüstung sehr in Frage -gestellt, weil gerade jetzt in London die Pest ausgebrochen war. Durch die -Vorwürfe erbittert, soll Wassenaer nun den Entschluß gefaßt haben, gegen -seine sonstige Ansicht den Feind zu suchen und unter allen Umständen zu -fechten; nach erhaltenem Befehl ging er zur englischen Küste hinüber. Inzwischen -war es ihm am 30. Mai gelungen, eine größere Anzahl Hamburger -Kauffahrer mit Material für die englische Marine nebst dem sie deckenden -Kriegsschiffe wegzunehmen.</p> - -<p>Die englische Flotte lag noch in der Ausrüstung begriffen bei Harwich. -Auch sie erhielt auf die Nachricht des höchst unangenehmen Verlustes des -Konvois Befehl, wieder auszulaufen; außerdem glaubte <em class="gesperrt">York</em>, sich auf dem -augenblicklichen Ankerplatze keinem Angriffe aussetzen zu dürfen, um nicht -zwischen den Bänken gefangen zu werden. Er ging deshalb mit seinen -Proviantschiffen nach der <em class="gesperrt">Solebay</em> (Southwoldbay, damals vermutlich -eine größere Bucht als jetzt und deshalb ein beliebter Flottenankerplatz). -Hier ankerte er am 11. Juni und hatte das Glück, sofort Fahrzeuge mit Auffüllungsmannschaften -anzutreffen, denn schon an demselben Tage wurden die -Holländer etwa 18 Seemeilen ab in Ostsüdost gesichtet, bei östlichem Winde zu -Luward stehend; York sandte die Transporter nach Harwich zurück und -ging weiter in See hinaus. <em class="gesperrt">Wassenaer</em> war am 11. durch Flaute gehindert -anzugreifen, und so fand der Morgen des 12. Juni beide Flotten etwa 8 Seemeilen -Südost von <em class="gesperrt">Lowestoft</em>, die Holländer etwa 5 Seemeilen Südost von den -Engländern stehend. Aber auch an diesem Tage kam es nicht zum Gefecht, -es war weiter flau; Wassenaer hätte wahrscheinlich angreifen können, er -zog es aber vor, weiter vom Lande abzuliegen, um seine infolge des flauen -Windes auseinander gekommene Flotte zu sammeln; erst abends näherten -sich die Gegner. In der Nacht ging der Wind durch Süd auf Südwest und -am 13. Juni 2½ Uhr morgens standen die Flotten etwa 18 Seemeilen Nordnordost -von Lowestoft, nun aber die englische zu Luward. <em class="gesperrt">York</em> ging zum Angriff -über, aber auch <em class="gesperrt">Wassenaer</em> wollte jetzt trotz der ungünstigen<span class="pagenum"><a name="Page_266" id="Page_266">[266]</a></span> -Windstellung und der noch immer geringen Ordnung seiner Flotte fechten, -und so begann am <b>13. Juni 1665</b> um 3½ Uhr früh die <b>Schlacht von Lowestoft</b>.</p> - -<p>Die Überlieferungen sind nur dürftig und widersprechend. Wir folgen -im allgemeinen den Schilderungen Clowes' und de Jonges. Aus ihnen ist, übereinstimmend -mit anderen Quellen, zu entnehmen, daß die Engländer in -guter Ordnung waren und diese längere Zeit aufrecht erhielten, daß aber -schließlich wieder die Melee eintrat, namentlich, weil die Ordnung der Holländer -aus verschiedenen Gründen immer mehr verloren ging.</p> - -<p class="small">Als die Flotten ins Gefecht eintraten, war die holländische Flotte keinesfalls in -guter Ordnung. Spätere kriegsgerichtliche Feststellungen erklären: „Verschiedene -Flaggoffiziere befanden sich nicht bei ihren Verbänden, sondern segelten zusammen; -viele Schiffe, selbst Verbände, waren nicht auf ihren Posten, der Befehl zum Angriff -kam unerwartet. Ein Zeuge sagt sogar: Es war eine Lust, die englische, aber ein Jammer, -die holländische Formation zu sehen.“ Also Ordnung und Aufsicht waren mangelhaft. -Dies gab verschiedenen Schiffen die Möglichkeit, sich nur flau am Gefecht zu beteiligen. -Sie hielten sich in Lee außerhalb der Gefahr; mehrere Fahrzeuge blieben völlig unbeschädigt, -ja, einige sollen nicht einmal die Mundpfropfen aus den Geschützen genommen -haben.</p> - -<p class="small">Die beiden Flotten passierten sich zuerst um 3½ Uhr unter lebhaftem Feuer, -in „Kiellinie beim Winde“ über verschiedene Buge liegend. Hierbei war die Entfernung -ziemlich groß, doch litten die Holländer mehr durch die schwerere, weitertragende Artillerie -des Gegners. Sie hatten nur den Erfolg, ein zu weit nach Lee gekommenes englisches -Schiff zu nehmen; es sollte ihre einzige Trophäe bleiben. Nach dem Passieren wendeten -beide; die Holländer im Kontremarsch, die Engländer zugleich, so daß bei diesen die -Nachhut (Sandwich) an die Spitze kam. <em class="gesperrt">Wassenaer</em> strebte danach, die Luvstellung -zu gewinnen. Bei der geringeren Segelfähigkeit seiner Schiffe gelang dies nicht, -dagegen führte es dahin, daß die höherliegenden und schnelleren Schiffe vorliefen, -andere zurückblieben oder mehr nach Lee kamen. So wurde die Ordnung weiter gestört, -wozu auch noch das Bestreben der tüchtigsten Kommandanten, so auch Wassenaers -und der übrigen Admirale, schneller und näher an den Feind zu kommen, beitrug. -Wassenaer und Tromp sollen bald das Schiff des vor ihnen segelnden Cortenaer (Vorhut) -erreicht haben; da ihre besten Schiffe ihnen gefolgt waren, befanden sich nun -3 Geschwader untereinander gemischt.</p> - -<p class="small">Es ist nicht klar aus den Quellen zu entnehmen, ob es sich jetzt weiter um ein oder -um mehrere Passiergefechte gehandelt und ob vor- und nachstehendes sich demgemäß -zur Zeit des zweiten Passierens oder bei späterem ereignet hat. Schon um 5 Uhr fiel -<em class="gesperrt">Cortenaer</em>, der an Stelle des Oberbefehlshabers den Befehl hätte übernehmen -müssen. Sein Flaggschiff floh mit wehender Admiralsflagge, etwa 10 Schiffe dieses -Geschwaders folgten, so daß eine Lücke entstand. Gegen Mittag brach <em class="gesperrt">Sandwich</em> -durch eine Lücke in der Nähe des Zentrums, vielleicht die eben erwähnte, und teilte -damit die feindliche Flotte. Es ist fraglich, ob er dieses Manöver mit Absicht oder -durch Zufall — vielleicht infolge des Pulverdampfes, die Flotten waren sich an dieser -Stelle sehr nahe gekommen — ausgeführt hat. Jedenfalls hatte es den nachdrücklichsten -Erfolg, die Verwirrung der Holländer wurde immer größer. Die Engländer -greifen nunmehr die standhaftesten Feinde, insbesondere die Admirale, an; die Melee -ist da.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Wassenaer</em> („Eendracht“, 70 Kanonen) sah, daß das Kriegsglück sich -gegen ihn wandte, scheint er von Verzweiflung erfaßt zu sein. Er versucht York („Royal -Charles“, 80 Kanonen) zu entern, wird abgeschlagen, kämpft aber mit Erfolg weiter — York -selbst wird leicht verwundet, neben ihm fallen 3 Kriegsfreiwillige hoher Geburt, sein Schiff -wird arg zerschossen —, bis die „Eendracht“ um 2 Uhr nachmittags auffliegt. Die Explosion<span class="pagenumsmall"><a name="Page_267" id="Page_267">[267]</a></span> -ist wahrscheinlich durch Entzündung von Kartuschen erfolgt, doch sagt das -Gerücht, sie sei durch einen Negerdiener des Admirals aus Rache veranlaßt worden. -Durch diesen Vorfall entmutigt, halten wieder einige Schiffe ab; andere folgen, weil -sie glauben, der Befehl zum Rückzug sei gegeben. Einzelne Verbände und Einzelschiffe -halten aber noch wacker stand trotz weiterer Verluste: an einer Stelle werden 4 zusammengetriebene -Fahrzeuge durch einen Brander vernichtet, an einer anderen trifft -3 oder 4 vereinzelt dasselbe Los.</p> - -<p class="small">Leutnantadmiral <em class="gesperrt">Evertsen</em> übernahm nach Wassenaers Tode den Oberbefehl. -Aber auch <em class="gesperrt">Tromp</em>, der den Tod Cortenaers und Stellingwerffs erfahren hatte, setzte -die Admiralsflagge und übernahm das Kommando über die Schiffe in seiner Nähe; er -behauptete später, nicht gewußt zu haben, was aus Evertsen geworden sei. Es würde -dies bezeichnend für die Verwirrung sein; vielfach glaubte man jedoch, er habe nur -nicht unter einem seeländischen Admiral stehen wollen, denn ähnlicher Eigenmächtigkeiten -machte er sich in der Zukunft mehrfach schuldig. Der Versuch dieser beiden -Führer und anderer besonnener Männer, das Gefecht in Ordnung abzubrechen, war -vergeblich; der Rückzug artete in Flucht aus, die um 7 Uhr abends allgemein wird.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Evertsen</em> steuert mit 17 Schiffen, wohl hauptsächlich vom Seeländer Kontingent, -nach der Maasmündung, dem nächsten Schutzplatz, der außerdem bei dem -Stand der Gezeiten ein sofortiges Einlaufen gestattete und auch als Sammelpunkt -ausgegeben war. <em class="gesperrt">Tromp</em> ging mit dem größeren Teil der Flotte nach Texel und dem -Vlie, wo erst mit wechselndem Strom nach einer gefahrvollen Nacht das Einlaufen -möglich war. Er wählte, wie er sagte, diesen Kurs, um die vorher dorthin geflohenen -Schiffe zu decken; tatsächlich hat er auch mit einigen seiner besten Fahrzeuge den -Rückzug der dorthin Segelnden und gewissermaßen den der ganzen Flotte geschützt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> der Holländer betrugen nach englischen Angaben: 14 Schiffe -vernichtet, 18 genommen — die Holländer gaben nur 16–20 insgesamt zu —; 4000 Tote, -darunter 3 Leutnantadmirale; 2000 Gefangene. Die Engländer verloren: 2 Schiffe; -600 Tote und Verwundete, unter den Toten Vizeadmiral Lawson und 1 Kontreadmiral, -und einige Hundert Gefangene.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Lowestoft ist bemerkenswert</em> als -die erste, in der beide Flotten in „Kiellinie beim Winde“ ins Gefecht eintreten -und sich in dieser Formation mehrfach passieren, ehe die Melee beginnt; -die Engländer haben dabei scheinbar die Linie in guter Ordnung aus Einzelschiffen -gebildet. Die Schlacht war eine völlige Niederlage für die Holländer; -ihre Flotte hatte stark gelitten und war versprengt in ihre Häfen zurückgetrieben; -bei energischer Verfolgung wäre ihr Verlust wohl noch weit größer -geworden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Engländer verfolgten</em> zwar, doch wurde die Verfolgung -während der Nacht lau. Als Grund wird angegeben, der stark auffrischende -und auflandige Wind habe es verboten, sich den flachen Gewässern zu nähern, -auch seien alle Brander verbraucht gewesen.</p> - -<p class="small">Eine mysteriöse Geschichte spielt mit (Clowes, Teil II, Seite 265). Im Kriegsrat -nach der Schlacht soll <em class="gesperrt">Penn</em> geäußert haben, man müsse sich noch auf ernstes Werk -gefaßt machen, die Holländer seien nie tapferer als in der Verzweiflung. Daraufhin -habe die persönliche Umgebung Yorks gesagt, es sei auch Ehre genug errungen. Als -sich der Herzog in die Kajüte zurückgezogen hatte, überbrachte ein Offizier seiner -Begleitung den Befehl an Penn, die Flotte solle Segel mindern. Es geschah. Später -wunderte sich der Herzog über den ausgeführten Befehl und behauptete, ihn nicht -gegeben zu haben, doch nun war es zu spät. Untersucht ist die Sache nicht; Penn -blieb in Yorks Gunst, der Überbringer des Befehls wurde entlassen. Man sagt, die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_268" id="Page_268">[268]</a></span> -Umgebung des Herzogs habe von seiner Gemahlin und auch vom König den Auftrag -gehabt, dafür zu sorgen, daß sich York nicht zu sehr gefährde; er war ja der voraussichtliche -Thronerbe.</p> - -<p>Wie von einer taktischen Verfolgung, so wurde auch von sonstiger strategischer -Ausnutzung des Sieges abgesehen; als Tromp bei Texel eingelaufen -war, ging York am 14. Juni nach England zurück.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Holland</em>, wo man die eigene Flotte der feindlichen überlegen -geglaubt hatte, erregte die Niederlage im Volke große Entrüstung. Diese -ging soweit, daß <em class="gesperrt">Evertsen</em> in Brielle vom Pöbel angegriffen, durch -die Straßen geschleift und ins Wasser geworfen wurde, nur knapp entging -er dem Tode. Von den Kommandanten, die sich im Kampf feige benommen -hatten, wurden verschiedene mit Gefängnis bestraft, andere infam kassiert, -einige erschossen.</p> - -<p>Auch dem gefallenen <em class="gesperrt">Wassenaer</em> — dem man zwar später in der -großen Kirche im Haag ein prachtvolles Denkmal errichtete — wurde <em class="gesperrt">die -Schuld</em> an der Niederlage <em class="gesperrt">zugeschoben</em>: Er habe unter ungeeigneten -Umständen gefochten; ihm habe die Umsicht gefehlt, er habe -die Leitung aus der Hand gegeben und nur mit dem eigenen Schiff den Kampf -gesucht. Man vergaß, welchen strikten Befehl man ihm zum Fechten gegeben, -daß man ihn, einen Reiterführer, trotz seiner Einwendungen zum kommandierenden -Admiral gemacht hatte. Wie nach der Schlacht im Sunde (1658) -wurde ihm vorgeworfen, er habe vor der Schlacht keinen Kriegsrat gehalten, -infolgedessen seien die Admirale und Kommandanten nicht über seine Absichten -unterrichtet gewesen. Man vergaß, daß er nach dem Zusammenziehen -der Flotte gern etwas Zeit gehabt hätte, um ein gewisses Zusammenschmelzen -der verschiedenen Verbände zu erzielen. Liegen nicht auch andere Gründe -für die Niederlage ebenso nahe, ja noch näher? Die Unordnung schon bei Beginn -des Gefechts darf man doch Wassenaer nicht allein zum Vorwurf machen; -es waren noch 20 Flaggoffiziere da, die auf dem Marsch für Ordnung sorgen -konnten. Diese große Zahl von Unterführern war anderseits wohl mit -schuld, daß Ordnung und Leitung während des Gefechts immer mehr verloren -gingen. So viele Unterabteilungen, zunächst schon die 7 Geschwader, -von einer Stelle zu leiten, war unmöglich, besonders bei dem damaligen Stande -des Signalsystems. Die Einteilung mußte zum selbständigen Auftreten der -Abteilungen führen, was ja auch der Kampfweise der bisherigen Gruppentaktik -entsprach. Dies konnte aber einem einheitlicheren Wirken gegenüber, -wie es der englischen Flotte ihre Instruktion jetzt schon vorschrieb, nur bei -großer militärischer Einsicht und Schulung aller Führer und Kommandanten -von Erfolg sein. Solche fehlte jedoch gerade dem größten Teile des Personals, -daneben vor allem der Sinn für militärische Ordnung, Treue und Disziplin. -Dieser Mangel, der schon Bilden und Halten einer Formation außerhalb eines -Gefechtes schwierig machte, ist wohl in erster Stelle an der Niederlage schuld.</p> - -<p><b>Weitere Ereignisse der Jahre 1665 und 1666 bis zur Viertage-Schlacht.</b> -Ebensowenig wie unmittelbar nach der Schlacht wurde auch später die<span class="pagenum"><a name="Page_269" id="Page_269">[269]</a></span> -errungene Seeherrschaft englischerseits energisch ausgenutzt. Der <em class="gesperrt">Herzog -von York</em> hatte den Oberbefehl abgegeben, auch Prinz Ruprecht hatte -seine Flagge niedergeholt. <em class="gesperrt">Montagu, Earl of Sandwich</em>, kommandierte -jetzt die Flotte und ging am 15. Juli hinüber zur holländischen Küste -wieder mit der Absicht, Ruyter und zahlreich erwartete Ostindien- und -Mittelmeerfahrer abzufangen. Er führte aber eine Blockade nicht durch, -obgleich sie doch für seinen Zweck und zur Verhinderung der Wiedervereinigung -des Gegners der sicherste Weg gewesen wäre. Ob man das Schiffsmaterial -nicht für geeignet hielt, eine längere Blockade durchzuführen und -dann noch der neuausgerüsteten feindlichen Flotte gegenüberzutreten, -oder ob der aus der Armee stammende Kommandierende den Wert der -Schließung der feindlichen Häfen verkannte, ist nicht festzustellen. Da man -inzwischen erfahren hatte, daß die zurückerwarteten Kauffahrer sich in -<em class="gesperrt">Bergen</em> sammelten, schickte Montagu den Kontreadmiral <em class="gesperrt">Tyddiman</em> mit -14 Kriegsschiffen und 3 Brandern dorthin zum Angriff, während er sich selbst -mit dem größeren Teil der Flotte bis zu den Shetlands hinauf auf die Lauer -legte. Daß <em class="gesperrt">Ruyter</em> unbemerkt Holland erreichte, haben wir schon gehört, -auch die Expedition gegen Bergen sollte fehlschlagen, wie wir sehen werden.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Holland</em> hatte man nach der großen Niederlage sofort begonnen, -aufs neue zu rüsten. Besonders <em class="gesperrt">Jan de Witt</em> bemühte sich, dies zu fördern -und auch den Geist in der Marine wieder zu heben. Lebhaft unterstützt -wurde er durch <em class="gesperrt">Tromp</em>, obgleich dieser anfangs erklärt hatte, mit Kommandanten, -wie sie sich in der Schlacht gezeigt hätten, könne er nicht fechten. -Er war sogar gegen den Befehl der Generalstaaten, mit seinen Schiffen bei -Texel liegen zu bleiben, in die Häfen eingelaufen. Schon 10 Tage nach der -Schlacht lief ein Geschwader von 17 Schiffen unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Bankers</em> -aus, um etwa heimkehrende Kauffahrer aufzunehmen. Den Oberbefehl -über die neuaufzustellende Flotte erhielt vorläufig <em class="gesperrt">Tromp</em> — er war an -Stelle Cortenaers zum Leutnantadmiral der Maas ernannt und wurde später in -gleicher Eigenschaft auf seinen Wunsch nach Amsterdam versetzt —, doch -wurde ihm eine Kommission von drei Deputierten der Generalstaaten, darunter -de Witt, zur Seite gestellt.</p> - -<p class="small">Diese echt republikanische Maßnahme, einem Oberbefehlshaber <em class="gesperrt">Deputierte</em> -zur Seite zu stellen, war schon in den Dünkirchener Kriegen Brauch gewesen. Bei -Tromp dem Älteren hatte man im ersten Kriege davon abgesehen, obgleich er selbst -darum bat, um sich gegebenenfalls der Volksmeinung gegenüber besser rechtfertigen -zu können; es war dies ein Zeichen großen Vertrauens. Wassenaer hatte sich gesträubt, -Deputierte zuzulassen.</p> - -<p class="small">Tromp der Jüngere aber hatte sehr viele Gegner in den leitenden Kreisen. Zwar -waren sein Mut, seine Tüchtigkeit und seine Beliebtheit bei den Mannschaften allgemein -bekannt, jedoch man fürchtete seine Unvorsichtigkeit, seine Eigenmächtigkeit, und -er war Oranier. Gern hatte man ihm das Kommando überhaupt nicht gegeben, aber -er war der einzige Leutnantadmiral der Provinzen von Holland, da Ruyter und Meppel -noch abwesend waren. Ein neuer Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland -war noch nicht ernannt und nach altem Brauch trat ja der Leutnantadmiral der Maas -als Vertreter ein. Der viel ältere Cornelis Evertsen sen. (Seeland), der an die Stelle<span class="pagenumsmall"><a name="Page_270" id="Page_270">[270]</a></span> -seines Bruders Jan getreten war, stellte sich rühmenswerterweise bereitwillig unter -Tromp; Jan Evertsen hatte infolge der schmählichen Behandlung in Brielle den Dienst -quittiert.</p> - -<p>Man beeilte die Rüstungen, um den wertvollen Konvoi in Bergen sichern -zu können; als die Flotte seeklar war, hieß es zwar, sie könne widriger Winde -wegen nicht auslaufen, doch auch hier zeigte sich die Tatkraft des <em class="gesperrt">Ratspensionärs -de Witt</em>.</p> - -<p class="small">Althergebrachte Ansicht der Lotsen war, daß man mit schweren Schiffen die Rhede -von Texel bei allen westlichen Winden durch die üblichen Fahrwasser, Landstief und -Schlänge nicht verlassen und ein drittes, das spanische Gat, überhaupt nicht benutzen -könne. De Witt bewies die Unhaltbarkeit dieser Behauptungen, insbesondere der -letzten, indem er das Fahrwasser unter eigener Leitung ausloten ließ und es dann -mit dem schwersten Schiffe passierte; es wurde von nun an das Jan de Witt-Tief genannt.</p> - -<p>Seinem Einschreiten war es zu danken, daß die Schiffe vom 14. bis -16. August in See gingen und die Flotte nun segelfertig lag. Am 6. August war -<em class="gesperrt">Ruyter</em> in der Ems angekommen; er wurde sofort zum Leutnantadmiral -von Holland und Westfriesland ernannt, welche Stelle man für ihn freigehalten -hatte, und übernahm am 18. <em class="gesperrt">den Oberbefehl</em>. Tromp weigerte -sich anfangs, in die zweite Stelle zurückzutreten, nachdem er die Flotte -organisiert hätte, er fügte sich aber doch. Die Flotte<a name="FNanchor_160_160" id="FNanchor_160_160"></a><a href="#Footnote_160_160" class="fnanchor">[160]</a> bestand aus 93 Kriegsschiffen, -11 Brandern, 20 Jachten usw. mit 4337 Kanonen, 15051 Seeleuten, -1283 Seesoldaten und 3300 Landsoldaten; sie war in 4 Geschwader geteilt, -von denen das eine (Ruyter selbst) als Reserve dienen sollte. Ihre Segelorder -war: die Kauffahrer von Bergen abzuholen und den englischen Streitkräften -möglichst Abbruch zu tun; schon am 17. waren leichte Schiffe in -die Nordsee gesandt, um alle heimkehrenden Handelsschiffe nach Bergen -zu leiten. <em class="gesperrt">Ruyter</em> ging längs der englischen Ostküste bis zu 58° Nordbreite -hinauf und hörte hier am 25. August, daß Montagu an der Küste Norwegens -gesehen sei; er habe dort einen Teil seiner Flotte zurückgelassen (<em class="gesperrt">Tyddiman</em>) -und sei mit dem Rest nach Westen gesegelt. Am demselben Tage sichtete -man auch ein englisches Schiff; die beiden Flotten müssen dicht beieinander -gewesen sein, ohne sich sonst zu sehen. Jetzt steuerte der Admiral nach -Norwegen hinüber.</p> - -<p>Die <b>Kauffahrer in Bergen</b> — 10 große Ostindienfahrer von ungeheurem -Wert und etwa 60 andere, besonders Levantefahrer — waren aber schon der -Gefahr entzogen; sie <b>hatten den Angriff</b> Tyddimans glänzend <b>abgeschlagen</b>; -es war nur noch nötig, sie sicher in die Heimat zu führen.</p> - -<p class="small">Die Gesandten König Karls hatten vom König Friedrich III. von Dänemark die -Zusicherung erhalten, dänischerseits solle ein Wegnehmen der holländischen Schiffe -in Bergen nicht gehindert werden. Beide Könige wollten dann die Beute teilen; Friedrich -beabsichtigte, sich Holland gegenüber damit zu entschuldigen, daß man ein Bombardement -Bergens durch die englische Flotte habe fürchten müssen. —</p> - -<p class="small">Die Kauffahrer waren aber auf den Angriff vorbereitet. Sie hatten die Ostindienfahrer -und die schwersten sonstigen Schiffe in Halbmondformation vermoort, möglichst<span class="pagenumsmall"><a name="Page_271" id="Page_271">[271]</a></span> -viele Geschütze auf den dem Angriff ausgesetzten Seiten aufgestellt, am Lande flankierende -Geschützstände errichtet und auch Leute zur Verstärkung der dänischen Befestigungen -gelandet.<a name="FNanchor_161_161" id="FNanchor_161_161"></a><a href="#Footnote_161_161" class="fnanchor">[161]</a> Der dänische Befehlshaber, General <em class="gesperrt">von Alefeld</em>, gestattete -alles dieses und beteiligte sich auch an der Abwehr; er soll zwar von der Abmachung -seines Königs schon gewußt, aber noch keinen Befehl erhalten haben; so handelte er, -wie es ihm Völkerrecht und Kriegsbrauch vorschrieben. Am 12. August (10.? 13.?) griff -<em class="gesperrt">Tyddiman</em> an. Er hatte sich mit Alefeld noch nicht in Verbindung gesetzt, entweder -in der Annahme, daß dieser auch ohne Befehl den Absichten seines Königs folgen werde, -oder gar in der Erwartung, daß er unter diesen Umständen dann auch die Beute nicht -zu teilen brauche. Die Verhältnisse waren dem Angriff sehr ungünstig. Der aus dem -Hafen stehende Wind erschwerte das Herankommen und hinderte die Verwendung der -Brander, der auf den Schiffen lagernde Pulverdampf beeinträchtigte ihr Feuer. Nach -einem Gefechte von etwa vier Stunden mußte das englische Geschwader die Anker -kappen und sich mit schwerbeschädigten Schiffen und großem Mannschaftsverluste -zurückziehen. General von Alefeld forderte nun allerdings von den holländischen Schiffen -100000 Taler für den gewährten und noch weiter zu gewährenden Schutz. Er erhielt -auch vorläufig 3000, und man war dabei, noch mehr auf den Schiffen aufzubringen, als -die Flotte unter <em class="gesperrt">Ruyter</em> erschien. Jetzt mußten sich die Dänen mit dem feierlichen -Dank der Staatendeputierten begnügen; sie hielten aber wenigstens die gelandeten -41 Geschütze zurück: „sie müßten diese zur eigenen Sicherheit behalten, da ihnen im -Gefecht sehr viele eigene gesprungen oder zerschossen wären.“ („Leben Ruyters“, -Seite 318.)</p> - -<p>Auf der Rückfahrt wurden <em class="gesperrt">Flotte und Konvoi</em> durch einen mehrtägigen -Nordweststurm <em class="gesperrt">zersprengt</em>, nur mit 36 Kriegsschiffen stand -Ruyter am 13. September südlich von der Doggerbank. Weiter auf den -Schutz der zerstreuten Kauffahrer bedacht, kreuzte er noch einige Tage. -Von wieder zu ihm stoßenden Kriegsschiffen erfuhr er, daß die englische -Flotte in der Nähe sei. <em class="gesperrt">Montagu</em> war zu rechter Zeit vom Norden zurückgekehrt, -um aus der Zerstreuung der Holländer Nutzen ziehen zu können; -8 Kriegsschiffe, 2 Brander, 2 Ostindienfahrer und mehrere andere Schiffe -wurden aufgebracht. Weiteres konnte er nicht unternehmen, da auch seine -Flotte infolge des Absuchens des Sturmfeldes, vielleicht schon durch den Sturm -selbst, zerstreut war. Beide Flotten sammelten sich nach und nach in ihren Häfen.</p> - -<p><b>Das Jahr 1665</b> bringt um nichts mehr von Bedeutung. In <em class="gesperrt">England</em> -scheint infolge der Pest, die in London und einigen anderen Städten wütete, -nichts geschehen zu sein, um die Flotte wieder schlagfertig aufzustellen; -in kleinen Gruppen lagen die Schiffe auf den verschiedenen Ankerplätzen -an der Küste und in den Häfen, ohne ihre Neuausrüstung zu betreiben. Ruyter -lief Mitte Oktober zur englischen Küste hinüber, um die vereinzelten Teile -des Feindes zu vernichten. Er erschien vor Harwich, Yarmouth, Lowestoft, -vor der Solebay und den Downs, wo seine Aufklärungsschiffe Feinde gesehen -hatten. Aber überall kam er zu spät, sie hatten sich jetzt in sichere Häfen, -meist in die Themse, zurückgezogen; so wurden nur die Küsten alarmiert. -Schließlich ging Ruyter vor die Themse in der Erwartung, die englische Flotte -herauszulocken, doch vergeblich. Er blockierte die Flußmündung einige<span class="pagenum"><a name="Page_272" id="Page_272">[272]</a></span> -Tage und nahm auch Lotungen vor. Da aber jetzt der Winter nahte und -auf der Flotte binnen kurzer Zeit der Krankenbestand bedenklich stark -zunahm — in wenig Tagen ein Krankenzugang von über 1000 Mann und 140 -Todesfälle —, beschloß der Kriegsrat in Übereinstimmung mit den Deputierten, -am 1. November nach Holland zurückzukehren und die Kontingente zu -entlassen. Nur ein Geschwader von 18 Schiffen, deren Gesundheitszustand -gut war, wurde südlich von der Doggerbank stationiert, um feindliche Hamburg- -und Ostseefahrer abzufangen und eigene aufzunehmen; bald wurde -es zu einer Winterflotte auf 34 Segel verstärkt und hielt sich bis in den Februar -in der Nordsee und an der flämischen Küste. Sonst war der Feldzug für -1665 beendet und die Flotte wurde aufgelegt. Das Jahr hatte eigentlich -nur die eine große Schlacht von Bedeutung gebracht, trotz der großen Flotten, -die aufgestellt und von Holland bis zu Ende erhalten wurden; für Holland -war es in der Hauptsache unglücklich verlaufen.</p> - -<p>Auf die gegenseitigen <em class="gesperrt">Handelsschädigungen</em> und die kleineren, -wenn auch oft blutigen Zusammenstöße dabei in Kanal, Nordsee und Mittelmeer -näher einzugehen, würde zu weit führen; man findet Ausführlicheres -in den Geschichten der beiden Marinen.</p> - -<p>Sofort nach dem Auflegen der Flotte beschloß man in <b>Holland</b> die Indienststellung -einer ebenso starken Flotte wie im Vorjahre für das Frühjahr -<b>1666</b>. Man zog jetzt keine Schiffe der ostindischen Kompagnie mehr heran; -diese zahlte statt dessen eine besondere Kriegssteuer. Infolge der Neubauten -waren genügend Kriegsschiffe, besonders auch der schwersten Art, vorhanden. -Die Fertigstellung der Fahrzeuge wurde den Winter über auf das -eifrigste betrieben, und Hollands Aussichten schienen sich wesentlich günstiger -gestalten zu wollen, da <b>Frankreich und Dänemark</b> ein Offensivbündnis mit -ihm schlossen und den Krieg an England erklärten. Die drei verbündeten -Mächte waren imstande, eine ungeheure Seemacht aufzustellen; wie bereits -angedeutet ist, griffen aber weder Franzosen noch Dänen ernstlich in den -Krieg ein.</p> - -<p class="small">Nach dem Vertrage mit <em class="gesperrt">Dänemark</em> sollte dieses den Sund und die Belte für -die Engländer schließen und eine Flotte von 40 Schiffen aufstellen. Die Flotte wurde -zwar in Dienst gestellt, unternahm aber nichts von Belang.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Frankreich</em> sammelte eine Flotte von 40 Schiffen: 11 zu 50–80 Kanonen, -29 zu 30–40 Kanonen, einige kleinere und 15 Brander<a name="FNanchor_162_162" id="FNanchor_162_162"></a><a href="#Footnote_162_162" class="fnanchor">[162]</a> — unter dem Befehl des -<em class="gesperrt">Herzogs von Beaufort</em>, dem berühmte Seeleute, wie Chevalier <em class="gesperrt">St. Paul</em>, -<em class="gesperrt">Abraham du Quesne</em> und <em class="gesperrt">Château-Renault</em> unterstellt waren. Die -Flotte lief schon im Januar 1666 von Toulon aus, erreichte aber erst Ende August -La Rochelle, kam nie weiter als bis nach Dieppe, im September, und ging dann nach -Brest zurück. Obgleich während der ganzen Zeit Unterhandlungen mit Holland über -das Zusammentreffen der beiderseitigen Flotten geführt waren, kam es zu keiner Vereinigung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_273" id="Page_273">[273]</a></span></p> - -<p><b>England</b>, von einer so mächtigen Liga bedroht, machte gleichfalls mit -größter Anspannung mobil und nahm dafür eine bedeutende Anleihe zu -hohem Zinsfuße auf.</p> - -<p>Die <b>Flotten der beiden Hauptgegner</b> waren zu gleicher Zeit, Ende Mai <b>1666</b>, -seeklar. Ihre Stärken sind bereits früher (Seite <a href="#Page_258">258</a>) genauer angegeben:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p273_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">über 40 K.</td> - <td class="tdc">30–40K.</td> - <td class="tdc">Kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England</td> - <td class="tdc">72</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc" colspan="2">unbekannt</td> - <td>= 4460 K.; 21085 Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">71</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">9</td> - <td>= 4615 K.; 21909 Mann</td> - </tr> -</table> - -<p>Die englische wurde kommandiert von den Joint-Admiralen <em class="gesperrt">Prinz -Ruprecht</em> und <em class="gesperrt">Herzog von Albemarle</em> (Monck); diese führten -die Mitte, die Admirale Ayscue und Allen Vorhut und Nachhut. Jedes -Geschwader war in 3 Divisionen geteilt. Die holländische Flotte war jetzt -auch in 3 Geschwader geteilt; ihre Mitte führte <em class="gesperrt">Ruyter</em>, die Vorhut Cornelis -Evertsen der Ältere, die Nachhut Tromp. Bei jedem Geschwader befand -sich noch ein Admiralleutnant, bei der Mitte noch ein Vize- und ein Kontreadmiral, -bei Vorhut und Nachhut je zwei Offiziere dieses Dienstgrades.</p> - -<p class="small">Im „Leben Ruyters“, Seite 362, ist die Order des Flottenchefs wiedergegeben, -die die Folge enthält, in der die Flaggoffiziere vor und hinter ihm zu segeln haben. -Ich möchte sie als Beispiel anführen</p> - -<table class="sfont" summary="p273_2"> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="6">Vorhut</td> - <td class="td18" rowspan="6"></td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="td30" rowspan="6"><em class="gesperrt">Evertsen</em></td> - <td class="tdl">1 Vizeadmiral</td> - <td class="td19" rowspan="2"></td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="tdl" rowspan="17">Aus dieser Segelfolge geht die Einteilung<br /> -in 3 Geschwader klar hervor, die<br /> -Einteilung in 3 Divisionen aber doch nur<br /> -bei der Mitte. Bei Vorhut und Nachhut<br /> -sollte man eher eine Einteilung in 2 Divisionen,<br /> -die dann wieder in je 3 Unterabteilungen<br /> -geteilt sind, annehmen; also<br /> -für jedes dieser Geschwader hier wieder<br /> -6 Gruppen. Jedoch sprechen die Quellen<br /> -ausdrücklich von der Einteilung in 3 Geschwader<br /> -zu 3 Divisionen. Ruyters Anordnungen<br /> -für das Gefecht beziehen sich nur<br /> -auf die Verwendung der 3 Geschwader.<br /><br /> -Um Irrtümern vorzubeugen, sei erwähnt, daß der<br /> -Leutnantadmiral und der Kontreadmiral der Mitte<br /> -den Namen vanNes führten.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Kontreadmiral</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Vizeadmiral</td> - <td class="td19" rowspan="3"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Admiralleutnant</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Kontreadmiral</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="7"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="3">Mitte</td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="tdl" rowspan="3"><em class="gesperrt">Ruyter</em> und</td> - <td class="tdl">1 Admiralleutnant</td> - <td></td> - <td rowspan="3"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Kontreadmiral</td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Vizeadmiral</td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="7"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="6">Nachhut</td> - <td class="td18" rowspan="6"></td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="td30" rowspan="6"><em class="gesperrt">Tromp</em></td> - <td class="tdl">1 Vizeadmiral</td> - <td class="td19" rowspan="2"></td> - <td rowspan="6"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Kontreadmiral</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Vizeadmiral</td> - <td class="td19" rowspan="3"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Admiralleutnant</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1 Kontreadmiral</td> - </tr> -</table> - -<h4>Die Viertage-Schlacht am 11. bis 14. Juni 1666.</h4> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Diese Schlacht gilt mit Recht als eine der berühmtesten.</em> -Auf beiden Seiten ist eine ungeheure Zahl schwerer Schiffe vorhanden; an vier aufeinander -folgenden Tagen wird heiß gerungen; die beiden Flottenchefs waren die berühmtesten -Seebefehlshaber ihrer Länder. Monck hat für England vielleicht nicht -dieselbe Bedeutung wie Blake, Ruyter aber nimmt nicht nur in der holländischen Marine, -sondern auch unter allen Seeoffizieren jener Zeit zweifellos den ersten Platz ein. Gerade -über diese Schlacht geben auch die alten Quellen genauere und zusammenhängendere -Schilderungen als sonst, und sie ist deshalb auch in neuerer Zeit oft bearbeitet worden. -Ich folge bei der Beschreibung in der Hauptsache Mahan, einer neueren Bearbeitung; -Clowes gibt fast die gleiche Schilderung. Mahan hat einen Aufsatz der <span class="pagenumsmall"><a name="Page_274" id="Page_274">[274]</a></span>„Revue maritime -et coloniale“<a name="FNanchor_163_163" id="FNanchor_163_163"></a><a href="#Footnote_163_163" class="fnanchor">[163]</a> zugrunde gelegt, in dem der erst neuerdings aufgefundene Brief eines -Holländers, Kriegsfreiwilligen bei Ruyter an Bord, über die Viertageschlacht veröffentlicht -ist. Diese Schilderung ist noch klarer und zusammenhängender als die anderer -alten Quellen, die aber zum Teil in den Hauptzügen die Richtigkeit bestätigen, so daß -es einigermaßen möglich ist, die vielen Widersprüche, die sich in den alten Berichten -finden, zu klären.<a name="FNanchor_164_164" id="FNanchor_164_164"></a><a href="#Footnote_164_164" class="fnanchor">[164]</a></p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p274.jpg" width="300" height="333" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p274" id="fig_p274"></a> -<p class="caption">Herzog von Albemarle (Monck).</p> -</div> - -<p>Die holländische Flotte war am 3. Juni in den Wielingen, Bänken vor -Ostende, zusammengetreten und am 5. vollzählig versammelt.<a name="FNanchor_165_165" id="FNanchor_165_165"></a><a href="#Footnote_165_165" class="fnanchor">[165]</a> Sie wurde -jedoch durch flaue auflandige Winde einige Tage an der Küste festgehalten, -erst nach und nach gelang es durch Segeln bei Ebbe und Ankern bei Flut -vom Lande abzukommen. Am 10. Juni setzte <em class="gesperrt">Ruyter</em> bei nordöstlichem -Winde seinen Kurs auf Northforeland, um die seit dem 8. in den Downs -liegende englische Flotte aufzusuchen.</p> - -<p>Die Flotten der Gegner waren nahezu -gleichwertig; wenn die Holländer etwas an Zahl -überlegen waren, so wurde dies durch die -bessere Armierung der Engländer reichlich -ausgeglichen. <em class="gesperrt">Englischerseits</em> wurde -jetzt aber vor dem Zusammenstoß ein großer -<em class="gesperrt">strategischer Fehler</em> gemacht. <em class="gesperrt">König -Karl II.</em> hatte die, wie sich später herausstellte, -falsche Nachricht erhalten, die französische -Flotte nähere sich schon dem Eingange -des Kanals behufs Vereinigung mit der holländischen. -Er gab deshalb von London aus den -Befehl, <em class="gesperrt">Prinz Ruprecht</em> solle mit dem -weißen Geschwader (Vorhut) nach dem Westen -gehen, wahrscheinlich bis Wight, hier noch -etwa 10 Schiffe aus Plymouth an sich ziehen und den Franzosen entgegentreten. -Diese Order erreichte die Flotte bei ihrem Eintreffen in den -Downs; der Prinz ging sofort (8. oder 10. Juni) mit etwa 20 Schiffen der -Vorhut, die Flaggschiffe jedoch bei der Flotte lassend, nach dem Westen -ab, <em class="gesperrt">Albemarle</em> (am 10.) aber Ruyter entgegen. Ruprecht war den Franzosen<span class="pagenum"><a name="Page_275" id="Page_275">[275]</a></span> -gerade gewachsen, Albemarle jedoch mit jetzt nur 58 Schiffen über -30 Kanonen wesentlich schwächer als die Holländer.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> war, da der Wind bei dickem Wetter auf Südwest herumging -und auffrischte, in der Nacht vom 10. auf 11. ungefähr in der Mitte -zwischen Dünkirchen und den Downs zu Anker gegangen, Albemarle ebenso -einige Meilen zu Luward von ihm; beide Flotten sichteten sich am <b>11. Juni</b> -um 9 Uhr <b>vormittags</b>. <em class="gesperrt">Albemarle</em> lichtete sofort Anker, um anzugreifen, -obgleich er schwächer war. Bei seiner Luvstellung rechnete er mit dem Vorteil, -die Wahl des Angriffspunktes sowie Umfang und Dauer des Gefechts -in der Hand zu haben. Seine Seeoffiziere waren gerade wegen der Luvstellung -gegen den Angriff, da sie richtig voraussahen, daß man bei dem -starken Winde und der bewegten See die untersten Batterien nicht würde -gebrauchen können. Die Holländer erwarteten aus denselben Gründen auch -keinen Angriff und lichteten zunächst nicht Anker, so daß sie später größtenteils -kappen mußten; sie strebten auch während der Schlacht nicht danach, -die Luvseite zu gewinnen.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p275.jpg" width="600" height="531" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p275" id="fig_p275"></a> -<p class="caption">Der 11. Juni der Viertage-Schlacht 1666.</p> -</div> - -<p>Die holländische Flotte lag mit dem Bug nach Südsüdwest, die Nachhut -(Tromp) zu Luward, Mitte und Vorhut staffelförmig mehr und mehr in<span class="pagenum"><a name="Page_276" id="Page_276">[276]</a></span> -Lee. Albemarle führte seine Flotte über Backbord-Bug an dem Gegner entlang, -ließ aber dessen Mitte und Vorhut außer Schußweite und näherte sich erst, -als er querab der Nachhut war. Die Holländer gingen nun über denselben -Bug auch unter Segel, aber das Gefecht entbrannte zunächst nur, gegen -Mittag, zwischen der englischen Flotte und <em class="gesperrt">Tromp</em>. Wenn auch bei der -langen Linie Albemarle nur etwa 35 Schiffe gut aufgeschlossen bei sich -sah, weil seine Nachhut etwas zurückgeblieben war und ihre Linie sich geöffnet -hatte, so war er doch in den ersten Stunden des laufenden Gefechts -der Überlegene (Skizze S. <a href="#Page_275">275</a>: Position 1).</p> - -<p>Die holländische Mitte konnte erst allmählich herankommen und in das -Gefecht eingreifen, die Vorhut erst gegen Ende der Schlacht. Tromps -Schiffe litten schwer; der Admiral selbst mußte noch in der Schlacht auf ein -anderes Schiff übergehen, ein (oder gar zwei) Fahrzeuge verbrannten, ein -Kontreadmiral fiel. Nach etwa 4 Stunden halste die englische Flotte, alle -Schiffe zugleich, da man fürchtete, den Bänken vor Dünkirchen zu nahe zu -kommen; Tromp folgte diesem Beispiel. Die fechtenden Schiffe beider -Gegner waren etwas nach Lee getrieben, dadurch war es <em class="gesperrt">Ruyter</em> leichter -möglich geworden, heranzukommen (Position 2). Während nun die Engländer -über Steuerbord-Bug nach Westen zogen, stieß ihre jetzt schließende Vorhut -scharf mit Ruyter zusammen; ihre Schiffe hatten wohl am meisten gelitten -und auch die Fühlung verloren, sie wurden nun übel zugerichtet (Position 3), -verschiedene Schiffe wurden hier abgeschnitten und außer Gefecht gesetzt; -der Vizeadmiral <em class="gesperrt">Berkeley</em> fiel. Hier konnten jetzt auch schon die ersten -Schiffe der holländischen Vorhut eingreifen; ihr Chef, Leutnantadmiral -<em class="gesperrt">Evertsen</em>, wurde dabei getötet (Position 4).</p> - -<p class="small">Einige Einzelheiten mögen folgen, um die Kampfweise zu veranschaulichen: -Eins der abgeschnittenen Schiffe „Swiftsure“, Flaggschiff des Vizeadmirals Berkeley, -wurde umringt und von verschiedenen Seiten geentert. Der Admiral focht schließlich -fast allein auf dem Quarterdeck, weil alles um ihn gefallen war, bis ihn eine Pistolenkugel -durch die Gurgel traf. Darauf zog er sich in die Kajüte zurück und wurde hier -auf dem Kajütstisch ausgestreckt tot aufgefunden. — An dem bewegungslosen Schiff -des Kontreadmirals Harman machte sich ein Brander fest. Dem ersten Leutnant -gelang es aber mitten in den Flammen die Fangeisen zu lösen und sich unbeschädigt -aufs eigene Schiff zurückzuschwingen. Ein zweiter Brander setzte die Segel in Brand, -fast 50 Mann sprangen im Schreck über Bord. Der Admiral selbst trieb mit gezogenem -Säbel die Besatzung zum Löschen an; es gelang, aber eine herabfallende Marsraa zerbrach -dem Admiral ein Bein. Ein dritter Brander wurde in den Grund geschossen. -Jetzt naht Evertsen und fordert zur Übergabe auf. Harman antwortet: „Soweit sind -wir noch nicht“, gibt eine Breitseite ab, wodurch Evertsen getötet wird, bringt dann -sein Schiff aus dem Gefecht nach Harwich und sucht nach nur eintägiger Ausbesserung -und trotz seines gebrochenen Beines die Flotte wieder auf; er kommt aber zum Kampfe -zu spät. Ähnliche Beispiele hartnäckiger Ausdauer und unbeugsamen Mutes finden -wir auch auf holländischer Seite im „Leben Ruyters“.</p> - -<p>Erst die Nacht trennte die Gegner, doch scheint es sich zuletzt nur noch -um den Kampf in der Melee einiger Schiffe Ruyters und Evertsens mit den -Schlußschiffen der Engländer gehandelt zu haben. Das englische Gros zog<span class="pagenum"><a name="Page_277" id="Page_277">[277]</a></span> -Nordwest steuernd ungehindert an dem Evertsenschen Geschwader, das -zum größten Teil nicht ins Gefecht gekommen war, vorüber und die Holländer -machten sich daran, ihre Beschädigungen auszubessern, darunter Ruyters -übel zugerichtetes Schiff.</p> - -<p class="small">Mahan sagt zu diesem Tage: „Der Angriff Albemarles war ein taktisches Meisterstück, -ähnlich dem Nelsons bei Abukir. Mit schnellem Blick hatte er einen schwachen -Punkt des Feindes erkannt und eine beträchtlich stärkere Streitmacht so angegriffen, -daß nur ein Teil dieser ins Gefecht kam. Wenn auch die Engländer die größeren Verluste -erlitten, so nahmen sie doch das Bewußtsein einer glänzenden Waffentat mit sich, -während bei den Holländern Ärger und Niedergeschlagenheit herrschen mußte.“</p> - -<p class="small">Er fügt ferner hinzu: „Der (schon erwähnte) Augenzeuge sagt, das Mißgeschick -der Engländer habe seinen Grund darin gehabt, daß ihre Linie zu lang gewesen sei; -wenn Monck aufgeschlossener gefahren wäre, so hätten die Holländer nicht einige Schiffe -abschneiden können.“ Die Bemerkung ist richtig, die Kritik kaum. Das Auseinanderkommen -war bei soviel Segelschiffen unvermeidlich und eine der Zufälligkeiten, mit -denen Monck rechnen mußte.</p> - -<p class="small">Ich möchte in dieser Beziehung darauf hinweisen, daß der Stoß auf Tromp allerdings -noch wuchtiger gewesen sein würde, wenn beim Angriff Moncks Flotte völlig -aufgeschlossen gewesen wäre; dies war durch das zu schnelle Heranführen einer langen -Linie von Segelschiffen verhindert. Abgeschnitten wurden nachher aber nur Schiffe, -die geschlossen ins Gefecht geführt waren und beschädigt zurückblieben, als Monck der -Sände wegen halsen mußte. Hierin kann man also keinen Fehler erblicken.</p> - -<p>Beide Flotten benutzten die Nacht, um Beschädigungen auszubessern, -Kartuschen zu füllen, kurz, sich auf einen neuen Kampf vorzubereiten; dieser -folgte bereits am nächsten Tage.</p> - -<p>Die Engländer hatten die Nacht über nach der englischen Küste zu -gelegen und kehrten am Morgen zurück; die Holländer waren nach Abbruch -des Gefechts zunächst südöstlich gesteuert und standen dann wieder -nach Westen hin. Beim <b>Zusammenstoß am 12. Juni</b> lagen die Engländer -über Backbord-Bug, die Holländer über Steuerbord; die Engländer standen bei -leichtem Südwestwinde zu Luward. Die holländische Linie war weit länger, -mindestens 75 Schiffe standen 44 gegenüber, aber sie war nicht gut geordnet, -einzelne Fahrzeuge maskierten das Feuer anderer.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p278.jpg" width="600" height="640" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p278" id="fig_p278"></a> -<p class="caption">Der 12. Juni der Viertage-Schlacht 1666.</p> -</div> - -<p><em class="gesperrt">Tromp</em> sah dies und ging, um den Nachteil auszugleichen, mit der -Nachhut auf die Luvseite der Engländer hinüber, als die Spitzen der beiden -Flotten querab voneinander waren; er konnte dieses Manöver ausführen, weil -die Engländer nicht beim Winde lagen, um die feindliche Linie auf Parallelkurs -zu passieren. Er scheint sogar einen kurzen Schlag über Backbord-Bug -gemacht zu haben (Skizze S. <a href="#Page_278">278</a>: Position 1). Sein Benehmen mußte Ruyter -irremachen; es kam hinzu, daß gleich darauf zwei Flaggschiffe der Vorhut hart -abhielten, als sie etwa querab vom feindlichen Zentrum waren; um seine -Flotte einigermaßen beieinander zu halten, mußte auch er abhalten (Position 2). -So kam Tromp durch die in guter Ordnung weiter segelnden Engländer in -große Gefahr; einer seiner Vizeadmirale fiel, er selbst mußte wiederum sein -Flaggschiff wechseln. Vielleicht wäre er vernichtet worden, wenn nicht -<em class="gesperrt">Albemarle</em> die Ausnutzung seiner günstigen Lage hätte aufgeben müssen, -da <em class="gesperrt">Ruyter</em> die wiedergesammelten Teile seiner Flotte über Backbord-Bug<span class="pagenum"><a name="Page_278" id="Page_278">[278]</a></span> -heranführte und die Luvstellung zu gewinnen drohte (Position 3). Wie -schmerzlich Ruyter das Benehmen seiner Unterführer empfand, kam zum -Ausdruck, als Tromp in einer Pause nach diesem Gefecht zu ihm an Bord -kam: die Matrosen jubelten ihm zu, Ruyter aber sagte: „Es ist jetzt keine -Zeit zu Freudenbezeugungen, eher für Tränen.“ Die Lage war auch weiter -noch höchst ungünstig. Die Ordnung der Holländer war gänzlich zerstört, -eine Linie gab es nicht, die Schiffe lagen „wie eine Herde Schafe“ zusammen. -Die Engländer hätten bei rechtzeitiger Rückkehr den unbehilflichen Haufen -umzingeln und zusammenschießen können; Albemarle scheint jedoch noch -längere Zeit über Backbord-Bug weiter gelegen und dann wieder passiert zu haben, -ohne ernstlich anzugreifen (Position 4). Wahrscheinlich fühlte er sich bei -der geringen Zahl seiner Schiffe, die wohl auch vielfach durch Beschädigungen -in der Takelage im Manövrieren gehindert waren, nicht stark genug, auf -eine solche Weise die Entscheidung herbeizuführen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_279" id="Page_279">[279]</a></span></p> - -<p>Ruyter gewann also Zeit, seine Linie wieder herzustellen, bis Albemarle -zum zweiten Male zurückkam. Bei diesem dritten Passieren verlor Ruyters -Schiff Großraa und Großstänge, so daß bei einem vierten <em class="gesperrt">van Nes</em> die -Flotte führen mußte; dieser befand sich bei der Mitte und war als Leutnantadmiral -der Maas stellvertretender Chef. Nach dem letzten Zusammentreffen -brach <em class="gesperrt">Albemarle</em> ab und zog sich nach Westen zurück. <em class="gesperrt">Der -Verlust</em> an Schiffen scheint am zweiten Tage annähernd gleich gewesen -zu sein, 3 oder 4 auf jeder Seite gesunken oder verbrannt. In ihrer Gesamtheit -hatten die englischen Schiffe wohl mehr gelitten. Der Rückzug Albemarles -war jedoch, auch nach den holländischen Aussagen, ein ehrenvoller, -in vollster Ordnung ausgeführt. Mit einer Dwarslinie seiner am wenigsten -beschädigten Schiffe (16 oder 28) deckte er die schwerer beschädigten; drei -davon verbrannte er, damit sie nicht hinderten und auch nicht dem Feinde -in die Hände fielen (Position 5).</p> - -<p class="small">Für diesen zweiten Tag sind die <em class="gesperrt">Abweichungen</em> in den älteren Quellen und -Werken nicht unwesentlich. Zunächst sprechen diese von ein oder zwei Passiergefechten, -ehe vorstehende Beschreibung einsetzt; dann habe Windstille den Kampf bis gegen -Mittag unterbrochen. Dies ist nicht so wichtig, weil hierbei keine ausschlaggebenden -Ereignisse vorgekommen sind; wichtiger aber ist, daß bei der Wiederaufnahme des -Kampfes, der dann im allgemeinen wie geschildert verläuft, nach einigen Quellen beim -ersten Passieren (Position 1) die Holländer zu Luward gestanden haben sollen (so nach -der „Relation“ und nach „Leben Ruyters“; de Jonge und „Ruyters Bericht“ heben -es nicht hervor); nur Tromp sei in Lee gewesen, entweder weil er eigenmächtig den -Feind durchbrochen habe oder weil er die Luvstellung nicht mit habe gewinnen können, -Ruyter habe ihm durch Einbrechen in die feindliche Linie zu Hilfe kommen wollen. -Die Verwirrung in der holländischen Flotte sei nach einigen Quellen dann herbeigeführt, -weil zu wenig Schiffe Ruyter gefolgt seien, nach andern, weil Ruyter seine Absicht wieder -habe aufgeben müssen, da die Engländer Miene machten, ihn von dem Rest der Flotte -zu trennen. Von der Position 4 einschließlich an stimmen die Angaben dann überein. -Die Verwirrung in der Flotte, die schlimme Lage bei Position 4, ist in holländischen -Quellen nur zwischen den Zeilen zu lesen. Die Eigenmächtigkeit Tromps wird nur von -de Jonge angedeutet, Ruyter selbst erwähnt sie in seinem Bericht nicht, was wohl -mit seinem vornehmen Charakter zu erklären wäre, um so mehr, falls Tromp nur in -bester Absicht so gehandelt hatte.</p> - -<p><b>Am 13. Juni</b> setzten die Engländer in derselben Weise (Position 5) bei -östlichem Winde den Rückzug fort. <em class="gesperrt">Albemarle</em> wollte ein Gefecht -vermeiden, bis er durch das Geschwader des Prinzen Ruprecht verstärkt -wäre. Diesem war sofort beim Erscheinen der holländischen Flotte von -London aus der Befehl zur Rückkehr nachgesandt, aber, wie man sagt, aus -Unachtsamkeit nicht durch Kuriere und Eilschiffe, sondern mit der „gewöhnlichen -Post“ nach Plymouth. Die Holländer setzten alle Segel zur -Verfolgung bei, verloren aber in dem Bestreben, am Feinde zu bleiben, infolge -ihrer im allgemeinen geringeren Segelfähigkeit jede Ordnung. Es kam am -13. zu keinem Zusammenstoß, nur auf weitere Entfernungen wurden einige -Schüsse gewechselt. Am Nachmittag kam im Westen ein Geschwader von -etwa 25 Segeln in Sicht; zum Glück für die Engländer war es <em class="gesperrt">Ruprecht</em> -und nicht die Franzosen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_280" id="Page_280">[280]</a></span></p> - -<p class="small">Einen Erfolg brachte dieser Tag doch für Holland. Am Nachmittag lief das Schiff -des Admiral Ayscue (Vorhut) bei Galloper auf und wurde von Tromp, unterstützt von -2 Brandern, zum Streichen der Flagge gezwungen (Position 5); von seinen Kameraden -konnte es nicht unterstützt werden, ohne den ganzen Rückzug zu gefährden. Gern -hätte Tromp sein Opfer — den „Royal Prince“, das stolzeste Schiff Englands — als -Beute heimgeführt, aber Ruyter befahl die Verbrennung. Anhänger Tromps legten -dies als eine Mißgunst des Flottenchefs aus, was aber bei Ruyters Charakter höchst -unwahrscheinlich ist, und der Vorfall erhöhte die Spannung zwischen den beiden -Admiralen. Ruyter war jedoch im Recht; er gab den Befehl, weil er im Hinblick -auf das gesichtete Geschwader einen Verlust der Beute fürchten mußte.</p> - -<p>Beim Einbruch der Nacht vereinigten sich die beiden englischen Führer -und beschlossen, am andern Tage wieder anzugreifen. Die Entscheidung -stand bevor, auch Ruyter wollte sie herbeiführen, obgleich die Verhältnisse -jetzt nicht mehr so günstig für ihn lagen. An Zahl der Schiffe waren die -Gegner zwar nahezu gleich, es standen sich etwa 64 Holländer und 60 Engländer -gegenüber — außer den vernichteten waren viele beschädigte von den -Flotten abgekommen —, aber die Engländer verfügten über gut 20 unversehrte -Schlachtschiffe mit frischen Besatzungen; schon in der Minderzahl hatten -sie sich infolge ihrer besseren Flottendisziplin fast gleichwertig gezeigt. Ruyter -steuerte die Nacht über östlich, um freieres Wasser zu erreichen, rief am -Morgen seine Kommandanten an Bord, ermahnte sie „noch einen Tag auszuhalten“ -und suchte dann auch den Feind auf.</p> - -<p><b>Am 14. Juni</b> wehte es frisch aus Südsüdwest, die Holländer waren zu -Luward, beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug. Die Engländer machen keinen -Versuch, die Luvstellung zu gewinnen; beide Führer manövrieren nicht -darauf hin, ein Passiergefecht herbeizuführen, sondern benutzen einerseits -die Luvstellung, anderseits die bessere Segelfähigkeit dazu, ihre Flotte -zum Angriff genau querab vom Feinde zu führen. So entbrennt ein laufendes -Gefecht der ganzen Linien unter kleinen Segeln und auf nächste Entfernungen; -teilweise berühren sich die Raaen (Skizze: Position 1).</p> - -<p>Infolge des Pulverrauchs und der Beschädigungen geht bald die Ordnung -verloren, besonders gewinnen viele englische Schiffe die Luvstellung -einigen Holländern gegenüber, da sie ja höher beim Winde liegen konnten. -So kommt <em class="gesperrt">Tromp</em> mit 6–8 wahrscheinlich beschädigten Schiffen -der Nachhut nach Lee und ist längere Zeit nicht imstande, sich am Gefecht -zu beteiligen. Eine zweite Gruppe holländischer Schiffe (14?) unter dem -Kontreadmiral <em class="gesperrt">van Nes</em> kommt dadurch von der Flotte ab, daß sie unter -vermehrten Segeln eine, sehr nach Luward aufgesteuerte, englische Gruppe -(4? Schiffe) von ihrer Hauptmacht abschneidet, verjagt und verfolgt. Der -Rest der holländischen Flotte war so einem überlegenen Feinde gegenübergeblieben. -Glücklicherweise hatte <em class="gesperrt">Ruyter</em> immer noch gegen 35 Schiffe -der verschiedenen Geschwader bei sich und stand mit seiner Hauptmacht -zu Luward der feindlichen (Position 2); immerhin war es längere Zeit eine -schwere Lage für ihn. Hart am Winde, vielleicht auch aufkreuzend, steuerte unter -heißem Kampf und teilweise in der Melee diese Hauptschlacht nach Luward auf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_281" id="Page_281">[281]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p281.jpg" width="600" height="230" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p281" id="fig_p281"></a> -<p class="caption">Der 14. Juni der Viertage-Schlacht 1666.</p> -</div> - -<p>Inzwischen hatte Tromp seine Schiffe in stand gesetzt. Um wieder -auf den Kampfplatz zu kommen, preßte er Segel, lief in Lee der kämpfenden -Flotten vorbei und riet auch van Nes von der Verfolgung ab. Beide wendeten. -Zwar konnten sie die Luvstellung nicht gewinnen, aber sie erschienen doch -fast gleichzeitig in Lee der Hauptflotten, so daß die Engländer dubliert -waren (Position 3). Als Ruyter dies sah, gab er das Signal zum allgemeinen -Angriff, Einbruch in den Feind, wodurch die englische Ordnung völlig zerstört -wurde (Position 4). Noch eine kurze Zeit wurde heiß gefochten; nach und -nach gelang es aber den englischen Schiffen, sich aus der nun allgemeinen -Melee nach Luward in eine gewisse Sicherheit zu ziehen und sich gegen 7 Uhr -abends wieder zu sammeln. Einige 20 Segel kamen so zusammen; an 10 -bis 12 Schiffe waren an diesem Tage verloren gegangen, viele andere von der -Flotte abgekommen. Es wehte jetzt sehr schwer, so daß auch die ermatteten -Holländer mit ihren beschädigten Schiffen nicht mehr an eine Erneuerung -des Kampfes dachten.</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">älteren Schilderungen</em> weichen nur unwesentlich ab: der Wind wird -auf Südsüdost angegeben. Dann sagen diese, Ruyter habe gleich bei Beginn des Gefechts -den Befehl gegeben, in die feindliche Ordnung einzubrechen; dies sei von den -drei Geschwadern an drei verschiedenen Stellen geschehen. Die englische Ordnung sei -hierdurch gestört, aber gleich wieder hergestellt worden. Das Manöver sei dann wiederholt -worden, aber nicht allen Schiffen gelungen, und Tromp habe sich mit einigen Schiffen -aus dem Gefecht zurückziehen müssen. So kommen wir auf diese Weise zu Position 2, -von der an dann, einschließlich des Vorfalles van Nes, die Beschreibung die gleiche -bleibt. — Wenn Mahans Augenzeuge<a name="FNanchor_166_166" id="FNanchor_166_166"></a><a href="#Footnote_166_166" class="fnanchor">[166]</a> sagt, van Nes habe das Manöver mit der Vorhut -ausgeführt, so dürfte dies ein Irrtum sein. Nach der Ordre de bataille standen beide -van Nes bei der Mitte; da der Leutnantadmiral die erste Division dieses Geschwaders -führte, hat vielleicht eine Verwechslung der Personen zu dem Irrtum Veranlassung -gegeben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_282" id="Page_282">[282]</a></span></p> - -<p>Abends war Nebel aufgekommen, die Holländer fürchteten die englischen -Bänke, und so verloren sich die Gegner während der Nacht aus Sicht. -Als man am 15. Juni morgens auch von den Toppen kein feindliches Segel -mehr sah, führte <em class="gesperrt">Ruyter</em> seine Flotte nach den Wielingen zurück; sie -war nicht mehr imstande, ohne gründliche Ausbesserungen längere Zeit -die See an feindlicher Küste zu halten. Es mangelte auch an Munition, doch -diese hätte man kommen lassen können. Munitionsschiffe waren vorhanden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Viertageschlacht war eine große Niederlage -der Eng1änder.</em> Sie selbst geben zu, daß ihr <em class="gesperrt">Verlust</em> 17–19 Schiffe -(die Holländer sagen 32) — darunter 6 in Feindeshand gefallen —, 5000 Tote -und Verwundete, 3000 Gefangene betragen habe und daß die übrigen Schiffe -ganz außerordentlich gelitten hätten. Die Holländer verloren 4–7 Schiffe -(sie selbst sagen nur 4) und 2–3000 Mann.</p> - -<p>Der den Engländern zugefügte Verlust war aber auch der einzige Erfolg -der Holländer. Die eigene Flotte war nicht imstande, den Sieg auszunützen, -und vernichtet war die feindliche Seestreitkraft nicht, wie sich bald zeigen -sollte. Ruyter hatte sich als großer Führer gezeigt, die meisten Holländer -hatten wie stets brav gefochten, aber Mangel an Einsicht und Disziplin war -doch wieder zutage getreten, während sich die englische Flottendisziplin -auch in ungünstigen Lagen glänzend bewährt hatte.</p> - -<h4>Die zweite Schlacht bei Northforeland am 4./5. August 1666<br /> -<span style="font-size: 80%;">(Schlacht vor der Themse; St. James' Fight)</span><br /> -und die weiteren Ereignisse des Jahres 1666.</h4> - -<p>In <em class="gesperrt">Holland</em> ging man mit großem Eifer an die Wiederherstellung -der beschädigten Schiffe oder ihren Ersatz. Schon am 4. Juli waren -59 Kriegsschiffe und 1 Brander, am 6. gar 75 und 7, segelfertig; nach dem Auslaufen -traten noch weitere Fahrzeuge, besonders Brander, hinzu. <em class="gesperrt">Ruyter</em> -hatte den Befehl, so schnell wie möglich zur englischen Küste zu gehen, um -die Wiederaufstellung der englischen Flotte und die Vereinigung ihrer verschiedenen -Teile zu hindern. Zu diesem Zweck waren Vorstöße gegen die -Ausrüstungshäfen und Ankerplätze ins Auge gefaßt; man dachte sogar -im Haag an eine Landung bei Northforeland unter der Anleitung eines Engländers<a name="FNanchor_167_167" id="FNanchor_167_167"></a><a href="#Footnote_167_167" class="fnanchor">[167]</a>, -der als geflohener Republikaner in Holland lebte, und schiffte -hierzu 6000–7000 Landsoldaten auf Transportern ein. Für den weiteren -Feldzug hoffte man nun fest auf die Unterstützung der Franzosen. Vom -4. Juli an bestand die Absicht, in See zu gehen, aber wiederum erschwerten -flaue und auflandige Winde das Auslaufen aus den Wielingen und hielten -die Flotte an der Küste fest; erst am 13. erschien Ruyter vor der Themse. -Jedoch man hatte den letzten Erfolg überschätzt. Auch <em class="gesperrt">England</em> hatte<span class="pagenum"><a name="Page_283" id="Page_283">[283]</a></span> -seine Schiffe wieder hergestellt und sie infolge des verzögerten Auslaufens -des Gegners in der Themse und in Harwich zusammenziehen können, so -daß sie an anderen Orten keine Angriffspunkte mehr boten.</p> - -<p>Die Schiffe in Harwich, etwa 20, anzugreifen, wagte <em class="gesperrt">Ruyter</em> nicht, -da die enge Hafeneinfahrt stark befestigt war. In die Themse sandte er -am 13. ein Geschwader von 7 Schlachtschiffen und 10 Gallioten. Diese -<em class="gesperrt">Erkundungsabteilung</em> drang auslotend bis in die Höhe des Mittelgrundes -vor, englische Vorposten zogen sich auf ihre Flotte bei Sheerness -zurück. Man fand alle Seezeichen aufgenommen und alle vielleicht zu einer -Landung geeigneten Plätze stark besetzt; ebenso hatte sich die beabsichtigte -Landung bei Northforeland als undurchführbar gezeigt. Eine weitere -Forcierung der Themse schien bei dem unbekannten Fahrwasser, besonders -für schwere Schiffe und mit dem Feinde in Harwich in der Flanke, unmöglich. -Der Landungsplan wurde aufgegeben und die Transporter mit Soldaten -zurückgesandt, wie man auch ein um diese Zeit ergangenes Anerbieten -Ludwigs XIV., in Dünkirchen 2000 Mann zur Einschiffung zu stellen, ablehnte. -<em class="gesperrt">Ruyter</em> blockierte nun den Fluß und beschloß, das Herauskommen des -Gegners abzuwarten. Er gab für diesen Fall den Befehl für alle Schiffe aus, -sich dann aus der Themsemündung zurückzuziehen, um dem Feinde frei -von den Sänden im offenen Wasser entgegenzutreten. Dementsprechend wurde -verfahren, als man die Engländer am 1. August mit der Ebbe den Fluß herabkommen -sah. Beide Flotten ankerten am Abend dieses Tages, die Engländer -noch im Flußrevier. Am 2. kamen diese in See, flaue Winde hinderten jedoch -eine gegenseitige Näherung. In der folgenden Nacht setzten schwere Gewitterböen -ein, die auf beiden Seiten Beschädigungen verursachten; Ruyter -war froh, seine Flotte gerade vorher noch frei von den Gallopersänden geführt -zu haben. Am 3. wurde bei umspringenden Winden um die Luvstellung -manövriert, auch strebte Ruyter weiter dahin, von den Sänden abzukommen; -Abends ankerten beide Flotten wiederum, wahrscheinlich ostnordöstlich von -<b>Northforeland</b> in freiem Wasser. Die <em class="gesperrt">englische Flotte</em> war 89 Schiffe, -20 Brander (nach Clowes 81 und 18) stark; sie stand unter dem gemeinsamen -Befehle von <em class="gesperrt">Albemarle</em> und <em class="gesperrt">Prinz Ruprecht</em> (beide auf „Royal -Charles“ 90 K.), die Vorhut führte Admiral Allen, die Nachhut Admiral -Smith. Die <em class="gesperrt">holländische Flotte</em> zählte 72 Schlachtschiffe zu -37–80 Kanonen, 16 Fregatten zu 26–30 Kanonen, 10 Advisjachten und -20 Brander; <em class="gesperrt">Ruyter</em> („7 Provinzen“ 80 Kanonen) kommandierte die Mitte, -Jan Evertsen die Vorhut, Tromp die Nachhut.</p> - -<p class="small">Es waren also ähnliche Flotten wie vor der Viertageschlacht, englischerseits 4460 -Geschütze, holländischerseits 4704. Über die englischen Schiffe sind genauere Angaben -nicht vorhanden. Die holländischen findet man nach Kanonenzahlgruppen -näher aufgeführt in de Jonge, Teil I, Beilage XXXV. In „Leben Ruyters“ Seite 378 -steht die holländische Ordre de Bataille, die aber belanglos ist.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Jan Evertsen</em> hatte sich trotz seiner Mißhandlung wieder zum Kommando -gemeldet: „um wie sein Vater, einer seiner Söhne und seine vier Brüder, wenn nötig, -für das Vaterland zu sterben;“ er fand auch seinen Tod in dieser Schlacht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_284" id="Page_284">[284]</a></span></p> - -<p>Am frühen <b>Morgen des 4. August</b><a name="FNanchor_168_168" id="FNanchor_168_168"></a><a href="#Footnote_168_168" class="fnanchor">[168]</a> lichteten beide Flotten Anker. Es -war flau mit häufig eintretenden Stillen. Der Wind scheint zwischen Nordost -und Nordwest gespielt zu haben, nur so sind die Widersprüche in den Quellen -bei den Windangaben zu verschiedenen Zeiten und an den verschiedenen -Orten des Gefechtes zu erklären. Nach den älteren holländischen Angaben -haben die Engländer nordöstlich der Holländer zu Anker gelegen und nachher -die Luvstellung gehabt; nach Clowes ist der Wind bei Eröffnung des Gefechts -Nordwest gewesen und die Holländer haben zu Luward gestanden, aber auch -hier wird bald von nördlichem und nordöstlichem Winde gesprochen. Die -im übrigen ziemlich gleiche Beschreibung der Schlacht läßt die Luvstellung -der Engländer wahrscheinlicher erscheinen. Die englische Flotte war in -gut rangierter Kiellinie. Die Ordnung der Holländer ließ viel zu wünschen -übrig. Infolge des Ankerlichtens bei flauem Winde mit Stillen und scheinbar -erst ausgeführt, als der Feind schon unter Segel gesichtet, waren Vorhut und -Mitte zwar aufeinander aufgeschlossen, hatten aber verschiedene Schiffe -in Lee stehen; die Nachhut unter Tromp war weiter zurückgeblieben.</p> - -<p>Mehrere Stunden vergingen, bis die Gegner zusammentrafen, erst zwischen -10 und 11 Uhr begann das Gefecht. Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die -Engländer wie gesagt wahrscheinlich zu Luward. Zuerst stießen die <em class="gesperrt">Vorhuten</em> -zusammen, dann die <em class="gesperrt">Mitten</em> und zwischen diesen Flottenteilen -entbrannte ein sofort heftiger Kampf; der leichte Wind erlaubte dieses Mal -die vollste Ausnützung der schwereren Artillerie seitens der Engländer. -Besonders die holländische Vorhut leidet schwer und mit verhängnisvollen -Zufällen: Der Chef, <em class="gesperrt">Jan Evertsen</em>, und ein Vizeadmiral fallen, der -zweite Leutnantadmiral <em class="gesperrt">de Vries</em> wird tödlich verwundet, das Flaggschiff -des zweiten Vizeadmirals muß verlassen werden und sinkt dann. Die Folge ist, -daß die Vorhut gegen 1 Uhr zu weichen beginnt; sie ist durch Signale Ruyters -nicht zu halten, sondern mehrt Segel, hält ab und flieht. Die Mitte hält -sich besser, der Flottenchef selbst kämpft hartnäckig gegen die beiden schwersten -englischen Schiffe („Royal Charles“ 90 und „Royal Sovereign« 100 Kanonen). -Als er aber in einer kurzen Gefechtspause die allgemeine Flucht der Vorhut -bemerkt, seine Nachhut nur in weiter Ferne sieht, beschließt er, das Gefecht -abzubrechen. Er war um so mehr dazu genötigt, als der Angriff auf seine Mitte -noch stärker zu werden drohte. Die englische Vorhut verfolgte nämlich nicht -ihren fliehenden Gegner, sondern wandte sich richtigerweise auch gegen -Ruyters Geschwader, worauf auch von diesem einzelne Schiffe weichen. -Mit etwa 20 Schiffen tritt <em class="gesperrt">Ruyter</em> unter kleinen Segeln in bester Ordnung -den Rückzug an. Er beabsichtigte so, die Fliehenden zu decken, und hoffte -sich mit diesen und während der Nacht auch mit Tromp wieder zu vereinigen -und dann am nächsten Tage dem Feinde aufs neue entgegentreten zu -können.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_285" id="Page_285">[285]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Tromp</em> war, wie erwähnt, weiter zurückgeblieben. In die so entstandene -Lücke der holländischen Linie brach nun die englische Nachhut (Smyth) -ein — so sagt Ruyter in seinem Bericht; er wirft auch Tromp vor, das Zurückbleiben -selbst verschuldet zu haben — oder Tromp manövrierte daraufhin, -seinen Gegner von dessen Hauptmacht abzuschneiden, oder wie am zweiten -Tage der Viertageschlacht zu Luward von diesem und überhaupt schneller -an den Feind zu kommen — so sagt Tromp in seinem Rechtfertigungsbericht. -Jedenfalls entspann sich zwischen den <em class="gesperrt">beiden Nachhuten</em> ein -besonderes Gefecht, das sich zunächst über Backbord-Bug mehr und mehr vom -Hauptschlachtfelde fortzog. <em class="gesperrt">Smyth</em> soll dies mit Absicht herbeigeführt -haben, da sein Geschwader das schwächste der englischen Flotte, dagegen -das Tromps (das Amsterdam-Kontingent) das mächtigste der holländischen -war. Tromp war auch im Vorteil, ein großes englisches Schiff ("Resolution“ 62) -wurde verbrannt. Er ließ sich immer mehr verlocken, verfolgte den -Gegner immer weiter, scheinbar später mit westlichem Winde, nach -Nordosten hin, so daß die Hauptflotten schließlich aus Sicht kamen. -Erst am anderen Morgen brach er das Gefecht in der Nähe von -Galloper ab und suchte seine Flotte wieder auf; den nun seinerseits -hart folgenden Smyth hinter sich, entging er nur durch Zufall der -Gefahr, von diesem und der englischen Hauptflotte in die Mitte genommen -zu werden.</p> - -<p><b>Am Morgen des 5. August</b> sah sich <em class="gesperrt">Ruyter</em> mit nur 7 oder 8 Schiffen -von den Engländern mit einigen zwanzig Segeln zu Luward, in Lee und -achtern im Halbmond umgeben und wieder angegriffen; vor ihm liefen seine -übrigen Schiffe und die der Vorhut auf die Wielinge zu und waren durch -kein Signal zum Stehen zu bringen. Tapfer fechtend deckte er das Einlaufen -der Fliehenden zwischen die Bänke; der Angriff richtete sich besonders auf -sein eigenes Schiff, ein Brander konnte nur durch seine und der nächsten -Fahrzeuge Boote abgeschlagen werden. Als auch er eingelaufen war, sandte -er sofort ein kleineres Geschwader wieder in See, um Versprengte aufzunehmen. -Tromp traf erst am 6. auf der Rhede ein; sein Einlaufen wurde nicht gehindert, -da die Engländer zu weit in Lee standen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht war eine völlige Niederlage der -Holländer.</em> Doch scheint ihr <em class="gesperrt">Verlust</em> nicht so bedeutend gewesen zu -sein. Englische Quellen geben ihn zwar auf 20 Schiffe (genommene werden aber -nicht erwähnt) und 7000 Tote und Verwundete an, aber die Holländer selbst -sprechen nur von 2 Schiffen und z. B. bei der Mitte nur von 518 Mann. Die -eigenen Verluste beziffern die Engländer auf ein Schiff und 300 Mann. -Die <em class="gesperrt">Gründe der holländischen Niederlage</em> waren: Die -mangelnde Ordnung — in diesem Falle allerdings wohl den ungünstigen -Windverhältnissen beim Ankerlichten zuzuschreiben —, die nach dem Fall -der Führer eingerissene Mutlosigkeit in der Vorhut — der alte Mangel an -militärischer Einsicht und Gefühl, sowie die mangelnde Erziehung zu einer -Flottendisziplin — endlich das Verhalten Tromps.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_286" id="Page_286">[286]</a></span></p> - -<p>Es wurde denn auch gegen mehrere Kommandanten der Vorhut die Untersuchung -eingeleitet, jedoch nicht ernstlich durchgeführt. Tromp wurde verabschiedet, -allerdings auf sein Gesuch. Man war sich doch klar geworden, -daß der im übrigen so tüchtige Mann mit Ruyter nicht zusammenwirken -könne. Da er sich auch sonst oft eigensinnig gezeigt hatte und weil er Oranier -war, bedauerte die Regierung seinen Verlust nicht allzusehr. Ruyters Verdienst, -die Rettung der Flotte vor gänzlicher Vernichtung durch seine Rückzugsgefechte -an beiden Tagen, wurde dagegen allgemein anerkannt; sogar -Ludwig XIV. verlieh ihm einen hohen militärischen Orden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ruyter beschuldigte Tromp</em>, dem er die Hauptschuld der Niederlage -zuschrieb, schwer. Wie mißlich er die Lage der Flotte angesehen, geht daraus hervor, -daß er im Gefecht am zweiten Tage ausrief: „Will denn keine der tausend Kugeln mich -treffen.“ Auf den Vorschlag seines Schwiegersohnes aber, dem Feinde entgegenzugehen -und einen ehrenvollen Tod zu suchen, antwortete er, es sei seine erste Pflicht, die Fliehenden -zu decken und auch die Schiffe bei ihm dem Vaterlande zu erhalten. Ferner sagt -er in seinem Berichte, am zweiten Tage habe er die völlige Vernichtung der Flotte vor -Augen gesehen, nur die lauer werdende Verfolgung — wohl die Besorgnis der Engländer -vor den nahen Sänden — habe eine solche verhindert.</p> - -<p class="small">Er warf nun Tromp vor, durch eigene Schuld sein Zurückbleiben veranlaßt zu -haben; auch später habe dieser immer noch das Gefecht rechtzeitig abbrechen und -leicht, da er zu Luward stand, mit seinem so starken Geschwader zur Unterstützung -herankommen können. Es wurden in Holland selbst Stimmen laut, Tromp habe böswillig -aus Eifersucht und Haß gegen Ruyter, ja sogar aus politischen Gründen so gehandelt, -da er Oranier, Ruyter dagegen eifriger Anhänger de Witts war. Es ist aber -anzunehmen, und so auch aus Tromps Rechtfertigungsbericht zu lesen, daß es wieder -ein Ausfluß seines Ehrgeizes und seines hitzigen Temperamentes gewesen ist: Durch -die Umstände zuerst zurückgehalten — Windstille beim Ankerlichten, während die -beiden andern Geschwader leichten Wind hatten und absegelten —, versucht er dann -ohne Rücksicht auf die Flotte, möglichst schnell an den Feind zu kommen. Durch den -ersten Erfolg berauscht, beißt er sich fest, in der Hoffnung, die englische Nachhut gänzlich -zu vernichten. Er hielt Ruyter für genügend stark an sich (eigener Ausspruch); auch -seine Unterführer haben später ausgesagt, mit dem Vorgehen ihres Chefs ganz einverstanden -gewesen zu sein. Sein Hauptfehler war, daß er ohne Befehl und Wissen Ruyters -gehandelt und daß er nicht rechtzeitig abgebrochen hat.</p> - -<p class="small">Zwar war er ein Gegner Ruyters und Oranier, aber es ist kein Beweis vorhanden, -daß es ihm an Vaterlandsliebe selbst bei einer ihm unsympathischen Regierung mangelte. -Als er nach seiner Verabschiedung ein sehr vorteilhaftes Anerbieten erhielt, in französische -Dienste zu treten, lehnte er es ab und zog sich vorläufig ins Privatleben zurück.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Engländer waren nach der Schlacht die Herren -der See</em> und benutzten dies zu einem Unternehmen gegen die Küste. Nachdem -sie einige Tage bei Schooneveld-Bank, einem beliebten Ankerplatz der -Holländer, zu Anker gelegen und von hier aus die feindliche Flotte in den -Wielingen beobachtet hatten, gingen sie nördlich, brachten Kauffahrer auf -und alarmierten die Küste. Auf dem Wege erfuhren sie von einem kassierten -früheren holländischen Kapitän, daß in dem <em class="gesperrt">Vlie-Strome</em>, zwischen -Vlieland und Terschelling, eine große Zahl reichbeladener Kauffahrer von -nur zwei Kriegsschiffen gedeckt läge und daß wertvolle Magazine des Staates -und der ostindischen Kompagnie auf genannten beiden Inseln leicht zu zerstören<span class="pagenum"><a name="Page_287" id="Page_287">[287]</a></span> -seien. Kontreadmiral <em class="gesperrt">Holmes</em>, uns schon von Westafrika her -bekannt, wurde am 18. August mit 9 kleineren Kriegsschiffen, 7 leichten -Fahrzeugen und 5 Brandern zu einem Angriff auf diese Objekte abgeschickt. -Holmes legte die beiden schwersten Schiffe vor die Einfahrt, um jedes Entweichen -nach See zu verhindern, ließ durch ein leichtes Schiff Fahrwasser -und Lage der Dinge erkunden und ging dann am 19. trotz Gegenwindes und -schwieriger Navigation auf die Rhede von Terschelling. Hier setzte er mittels -der Brander die Kriegsschiffe und schwersten Kauffahrer, durch seine Boote -die übrigen Fahrzeuge — in Summe etwa 150 Segel — in Brand. Am nächsten -Tage landete er auf Terschelling und legte eine größere Stadt mit Magazinen -sowie verschiedene Ortschaften am Strande in Asche; von einem Unternehmen -gegen Vlieland mußte des Wetters wegen abgesehen werden. Da -man zu einem zweiten Versuch oder sonstigen weiteren Unternehmungen -der Gezeiten wegen länger hätte warten müssen und eine dem Auslaufen -ungünstige Windänderung fürchtete, ging Holmes zu seiner Flotte zurück.</p> - -<p class="small">Es war eine seemännisch geschickt ausgeführte Tat, die mit nur einem Verluste -von 20 Mann und den verbrauchten Brandern dem Feinde einen Schaden von 12 Millionen -Gulden zufügte, nach damaligen Verhältnissen einen außerordentlich großen; daß -man auch die armen Fischerdörfer verbrannte, war grausam aber wohl der Kriegführung -der Zeit entsprechend. Aus Rache verbrannten holländische Kriegsschiffe -einige Tage später verschiedene englische Kauffahrer bei Glückstadt an der Elbe.</p> - -<p>Es ist unverständlich, daß die Holländer nicht wenigstens dem Verluste -der Schiffe vorgebeugt haben. Wenn sie wirklich die wenigen Kriegsschiffe, -die zu sicherem Schutz nötig gewesen wären, nicht zur Stelle hatten, so hätten -sich doch die Kauffahrer zurückziehen können. Der Befehl dazu war gegeben, -aber nicht auf die Ausführung gedrungen. Hatte die Regierung nicht die -Macht dazu, oder unterschätzte man die Gefahr, obgleich man doch selbst -solche Anschläge plante?</p> - -<p>Die englische Flotte kehrte nach diesem Unternehmen in ihre Häfen zurück, -um auszubessern, auch weil eine ansteckende Krankheit an Bord ausbrach.</p> - -<p><b>Das Jahr 1666</b> sollte nichts von Bedeutung mehr bringen, wir können -die <b>weiteren Ereignisse</b> kurz zusammenfassen.<a name="FNanchor_169_169" id="FNanchor_169_169"></a><a href="#Footnote_169_169" class="fnanchor">[169]</a> Die Holländer hatten zwar -ihre Flotte schleunigst wieder instandgesetzt, doch war der Gesundheitszustand -auf der Flotte schlecht. Am 5. September bereits ging <em class="gesperrt">Ruyter</em> -mit 79 Schiffen und 27 Brandern in See. Seine Aufgabe war: für heimkehrende -Fahrzeuge die Küsten freizuhalten, sobald der Zeitpunkt günstig, -den Feind anzugreifen, vor allem aber sich mit <em class="gesperrt">Beaufort</em> zu vereinigen.</p> - -<p>Die Ankunft der französischen Flotte war gerade jetzt als nahe bevor -stehend in Aussicht gestellt, freilich schwebten immer noch endlose Verhandlungen, -u. a. auch über Etikettenfragen bei und nach der Vereinigung. -So richtete Ruyter seinen Kurs nach dem Westen. Die Engländer folgten -ihm von Harwich und Solebay aus; sie waren ebenfalls etwa 100 Segel stark, -sollen jedoch in nicht besonders gutem Zustande gewesen sein, vor allem<span class="pagenum"><a name="Page_288" id="Page_288">[288]</a></span> -fehlten Brander. Der holländische Admiral hielt sich an der französischen -Küste, teils um Beaufort um so sicherer zu treffen, teils um nicht gezwungen -zu werden, an der englischen zu fechten. Auf seinem Wege nach Dünkirchen -sichten sich am 10. September die Flotten, es kommt aber nicht zum Zusammenstoß. -Beiderseits scheint man ihn vermieden zu haben: Ruyter -wollte wohl versuchen, erst die Vereinigung mit den Franzosen herbeizuführen, -die Engländer manövrierten daraufhin, den Feind von der Küste abzuziehen; -außerdem war es stürmisch. <em class="gesperrt">Monck</em> und <em class="gesperrt">Ruprecht</em> wollten auch wohl -ein Gefecht vermeiden mit Hinblick auf den schlechten Zustand ihrer Flotte -sowie auf das doch mögliche plötzliche Erscheinen der Franzosen, sie hielten -vielleicht anderseits ihre bloße Nähe für genügend, eine Vereinigung zu verhindern, -worin ihnen der weitere Verlauf rechtgab. Am 10. und 11. manövrieren -die Flotten in Sicht voneinander; einige Schüsse werden gewechselt, -ein durch Sturm beschädigtes Schiff fällt den Holländern in die Hände. Am -11. September abends ankerte Ruyter vor Boulogne, die Engländer gingen -zu ihren Küsten zurück, wenigstens kamen sie aus Sicht. Ruyter lag mehrere -Tage vor Boulogne. Er erfuhr hier, daß Beaufort am 13. La Rochelle verlassen -habe, um nach Brest zu gehen. Den französischerseits geäußerten Wunsch, -ihm weiter entgegenzugehen, lehnte Ruyter ab, er versprach jedoch, noch -4 Tage vor Dünkirchen zu warten, und ging am 18. dorthin. Während eines -dreitägigen schweren Sturmes hier erhielt er Befehl, nach Holland zurückzukehren. -Der Grund hierfür war wohl der schlechte Gesundheitszustand, -auch hatte man vielleicht an maßgebender Stelle die Hoffnung auf die Unterstützung -der Franzosen aufgegeben.</p> - -<p>Diese Order wurde aber gleich darauf widerrufen infolge des großen -Brandes in London; vom 12.–16. September war fast die ganze City niedergebrannt.</p> - -<p>Neigung zum Frieden hatte sich schon in England bemerklich gemacht; -in Holland hoffte man, daß dieses Nationalunglück sie bestärken würde, -und beschloß deshalb, die Flotte weiter in See zu halten, um durch drohende -Unternehmungen noch mehr Druck auszuüben. Ehe aber etwas Derartiges -unternommen wurde, ging <em class="gesperrt">Ruyter</em> nochmals westwärts. Er hatte am -26. gehört, es habe ein Zusammenstoß zwischen den Engländern und Franzosen -stattgefunden. Tatsächlich hatte ein Teil der englischen Flotte nach -dem letzten Sturm einige Nachzügler Beauforts überrascht und mehrere -Schiffe vernichtet. Aber schon am 28., bei stürmischem Wetter westwärts -aufkreuzend, erhielt Ruyter vom französischen Admiral die Nachricht, er -sei bei Dieppe gewesen, habe 24 Stunden gewartet, könne wegen der Nähe -der Engländer nicht weitergehen und kehre nach Brest zurück. Nun gingen -die Holländer wieder ostwärts; die Krankheiten hatten sehr zugenommen -und der Admiral selbst mußte sich (3. Oktober) ausschiffen. <em class="gesperrt">Van Nes</em> -führte die Flotte nochmals zur englischen Küste hinüber, am 5. Oktober -wurden etwa 60 feindliche Segel gesichtet, aber ein Sturm trennte während -der Nacht die Gegner. Die Flotten gingen in ihre Häfen. Auf beiden Seiten<span class="pagenum"><a name="Page_289" id="Page_289">[289]</a></span> -begnügte man sich damit, den Winterdienst einzurichten, d. h. die Schiffe -im allgemeinen aufzulegen und nur kleinere Geschwader zur Sicherheit der -Küsten, zum Decken eigener sowie zum gelegentlichen Abfangen feindlicher -Kauffahrer in Dienst zu behalten. In Holland wurde der Winterdienst in -diesem Jahre in größerem Maßstabe als sonst üblich angesetzt; es war hier -jetzt die große Schiffahrt freigegeben. Um die Mitte des Oktober begannen -<b>Friedensunterhandlungen</b>. Beide Nationen waren des Krieges müde, da er -ihren Handel und ihre Flotten zugunsten der mächtig aufstrebenden Franzosen -schädigte.</p> - -<p class="small">Der Anstoß zu den Friedensunterhandlungen scheint von England ausgegangen -zu sein. Als von Holland aus ein ritterliches Anerbieten erging, die Leiche des gefallenen -Vizeadmirals Berkeley feierlich zu bestatten oder nach England überzuführen, -erfolgte ein Dankschreiben, das Neigung zum Frieden zeigte. Gerade in England hatte -das Volk neben den Kriegsfolgen auch schwer unter der Pest und durch den Brand in -London gelitten. Der König unterschlug ferner einen Teil der für den Krieg bestimmten -Gelder, so daß selbst der Sold der Flottenmannschaften unregelmäßig gezahlt wurde. -In Holland ging man gern auf Verhandlungen ein, wenn auch hier die Verhältnisse -günstiger lagen. Bei dem Zutrauen auf die Zuverlässigkeit der Regierung und der -Kaufleute fanden bisher beide genug Geld; die eine zu Rüstungen, die anderen zum -Überstehen der schweren Zeit.</p> - -<p><b>Das Jahr 1667. Ruyter in der Themse. Friedensschluß.</b> Die Friedensunterhandlungen -kamen nicht weiter, obgleich Schweden die Vermittlung -übernahm und zum Mai 1667 Gesandte Englands, Hollands, Frankreichs, -Dänemarks und Schwedens zu einem <em class="gesperrt">Friedenskongreß in Breda</em> -zusammenberufen wurden. <em class="gesperrt">Karl</em> II. stellte zu hohe Anforderungen, weil -er ganz bei denen blieb, durch die er den Krieg heraufbeschworen hatte. -Er haßte Holland zu sehr und hoffte, daß die immer mehr hervortretenden -Absichten Ludwigs XIV. bald zu einem Bruche zwischen Frankreich und Holland -führen würden und er dann seine Forderungen durchdrücken könne. -<em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. wirkte auch gegen den Frieden. Er hatte tatsächlich für -den Sommer dieses Jahres den Angriff auf die spanischen Niederlande geplant, -und deshalb mußte es ihm willkommen sein, wenn Holland weiter anderwärts -beschäftigt blieb.</p> - -<p class="small">Er eröffnete im Mai 1667 den sogenannten <em class="gesperrt">Devolutionskrieg</em> (vgl. -Seite <a href="#Page_250">250</a>) durch den Einbruch eines Heeres von 50000 Mann unter Turenne in Flandern -und den Hennegau. Obgleich er in einem neuen Vertrage mit Holland wieder versprach, -ihm seine Flotte zu stellen, bot er doch schon am folgenden Tage Karl II. Geld und -Truppen zum Umsturz der englischen Verfassung — Abschaffung des Parlaments — an, -wenn sich dieser verpflichtete, der Einverleibung der spanischen Niederlande nichts in -den Weg zu legen.</p> - -<p>Er riet deshalb de Witt, noch einen kräftigen Stoß gegen England zu -unternehmen, und versprach aufs neue die Mitwirkung seiner ganzen Flotte. -Der Ratspensionär de Witt ging darauf ein, da die Verhandlungen doch nicht -weiter kamen. Dieser kluge und stets gut unterrichtete Staatsmann wußte, daß -England schwächer sein würde als bisher, weil Karl II. in noch größerem -Maße als früher die für den Krieg bewilligten Gelder für seine Zwecke verwendete.<span class="pagenum"><a name="Page_290" id="Page_290">[290]</a></span> -Somit hielt er es für möglich, nötigenfalls auch ohne französische -Hilfe, durch einen großen plötzlichen Erfolg günstigere Friedensbedingungen -zu erreichen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der kleine Krieg</em> war fortgeführt worden. Während des Winters hatten -Zusammenstöße kleinerer Flottenabteilungen im Kanal und der Nordsee -stattgefunden. In Westindien hatten die Holländer sogar größere -Erfolge errungen; sie hatten den Engländern die Niederlassung in -<em class="gesperrt">Surinam</em> abgenommen und auch sonst sie empfindlich geschädigt. In -jenen Gewässern waren sie gemeinsam mit den Franzosen vorgegangen, die -sich auch in Besitz verschiedener englischer Inseln gesetzt hatten. Als nun -am 5. Mai ein neuer Vertrag mit Frankreich abgeschlossen war, beschloß -man in Holland ein Unternehmen gegen die Themse. Ein am 4. Juni auf -dem Kongreß zu Breda seitens Englands geforderter Waffenstillstand wurde -abgelehnt und <b>Ruyters Angriff auf die Themse</b> ins Werk gesetzt. Die Verhältnisse -lagen für Holland sehr günstig. Man hatte hier den Winter über -die Rüstungen trotz der Friedensunterhandlungen, ja gerade um diese zu -fördern, mit großem Eifer betrieben. Für das Jahr 1667 war die Aufstellung -einer noch größeren Flotte als in den Vorjahren beschlossen. Es sollten -88 Kriegsschiffe — darunter wieder 16 auf Kosten der ostindischen Kompagnie -—, 12 Fregatten, 24 Brander und zahlreiche kleinere Fahrzeuge in -Dienst gestellt und 18 Kriegsschiffe für Ausfälle nach Gefechten bereit gehalten -werden; die Mannschaften des Jahres 1666 waren in Dienst behalten.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">England</em> dagegen war die Lage anders; de Witt war richtig unterrichtet -gewesen. Wenn <em class="gesperrt">Karl</em> II. im Gegensatz zu seinem Volke nicht ernstlich an -Frieden dachte oder doch seine Forderungen durchsetzen wollte, so hätte -gerade er die Flotte auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit halten müssen. -Statt dessen hatte er sich einen Plan zurechtgelegt, der ihm zu seinem beständigen -Geldmangel paßte: Er wollte nur einen <em class="gesperrt">Kreuzerkrieg</em> -führen, und von einer Verwendung der Schlachtflotte ganz absehen.</p> - -<p class="small">Der <em class="gesperrt">Standpunkt des Königs</em> — vom Lordkanzler und Lordschatzmeister -unterstützt, dagegen von York und wohl auch von Monck hart angegriffen — war: da der -Handel eine Lebensbedingung Hollands sei, da die Versorgung seiner Marine von diesem -Handel abhinge und da, wie die Erfahrung gelehrt, nichts das Volk mehr erbittert hätte, -als die Schädigung des Handels, so würde man sich englischerseits auf den Kreuzerkrieg -beschränken können. Die Holländer würden durch diesen wirksam genug gedemütigt -werden, während England nicht wie bisher durch die Ausrüstung großer Flotten -erschöpft würde. Da der Gedanke, nur einen Kreuzerzug zu führen, zu allen Zeiten -seine Vertreter gefunden hat, werde ich bei den strategischen Betrachtungen am Schluß -des Krieges darauf zurückkommen, nachdem wir die Folgen der Maßnahmen Englands -kennen gelernt haben.</p> - -<p>Infolge dieses Beschlusses blieben nun auch mit dem Eintritt des Frühjahrs -die meisten Schiffe und darunter gerade die schwersten aufgelegt, und -es wurden für den Sommerdienst nur schwache Geschwader kleinerer Schlachtschiffe -und leichterer Fahrzeuge in Dienst gestellt. Sonst waren natürlich -Hollands Rüstungen in England wohl bekannt sowie auch, daß man dort<span class="pagenum"><a name="Page_291" id="Page_291">[291]</a></span> -etwas gegen einen der größeren Häfen plane. Es wurde deshalb schon im -März der Befehl gegeben, die Befestigungen von Portsmouth und Harwich, -namentlich aber die an den wichtigsten Stellen der Themse, zu verstärken, -hier die außer Dienst gestellten Schiffe soweit wie möglich den Fluß hinaufzuführen, -Vorbereitungen zum Sperren des Fahrwassers zu treffen und genügend -Brander bereit zu halten. Der König und der Herzog von York hatten -die notwendigen Maßregeln in der Themse persönlich an Ort und Stelle angeordnet. -Zu allen diesen Arbeiten war Zeit genug. Zwar scheint de Witts -Plan schon viel früher fertig gewesen zu sein, der Vertrag mit Ludwig XIV. -sich schon im besonderen auf einen Angriff der Themse bezogen zu haben, -aber man war noch nicht bereit. Ein lang andauernder, im Mai noch einmal -einsetzender harter Winter hatte die Mobilmachung verzögert. Obgleich -also der Angriff nicht unerwartet kam, waren doch die Vorbereitungen zur -Verteidigung in England arg vernachlässigt. Albemarle, der bei Chatham kommandierte, -als der Angriff erfolgte, beklagte sich später bitter darüber, daß -die Anordnungen durchgängig nur lässig oder gar nicht ausgeführt seien.</p> - -<p class="small">Nach englischen Quellen sollen zu dieser Vernachlässigung besonders zwei Umstände -Anlaß gegeben haben: die Holländer hätten in den Friedensverhandlungen erklärt, -sie rüsteten schon ab, und die Aufmerksamkeit der Engländer sei durch eine andere -Diversion von der größeren Expedition abgezogen. Im April unternahm nämlich der -Leutnantadmiral <em class="gesperrt">van Ghent</em>, von der Begleitung eines Konvois bis zum Norden -Schottlands zurückkehrend, einen <em class="gesperrt">Vorstoß gegen Leith</em>, um die dort liegenden -Schiffe, besonders Freibeuter, zu zerstören; es wurden dabei nur einige wertlose Prisen -gemacht und Burntisland ohne größeren Erfolg bombardiert.</p> - -<p class="small">Diese Gründe können jedoch eine derartige Sorglosigkeit nicht entschuldigen, man -wird sowohl gewußt haben, daß Holland weiter rüstete, als auch daß Ghents Geschwader -keineswegs die ganze Streitmacht des Feindes war. Die Nachlässigkeit ist wohl der -seit Karls Thronbesteigung einreißenden Oberflächlichkeit im Dienstbetriebe zuzuschreiben; -selbst der Herzog von York, der sonst Interesse und Verständnis für Marinefragen -hatte, soll seinen Dienst etwas oberflächlich getan haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Witt</em> war auch hierüber wieder gut unterrichtet und beeilte mit -Ruyters Unterstützung die Abfahrt der Expedition, obgleich die ganze Streitmacht -der Niederlande noch nicht versammelt war. Das ganze bedeutende -Kontingent Seelands und auch der größere Teil von dem Frieslands fehlte, -sie waren noch nicht fertig. Uneinigkeiten zwischen den Provinzen, das -Parteiwesen in der Republik, Trotz gegen de Witts Machtstellung, waren -daran schuld. Seeland war wie die Landprovinzen des Seekrieges müde; -als Gründe wurden angegeben: Mangel an Geld und Leuten, die Gefahr des -Vordringens der Franzosen usw.</p> - -<p>So bestand <em class="gesperrt">Ruyters Flotte</em> nur aus 64 Kriegsschiffen zu 32–84 -Kanonen, 20 kleineren Fahrzeugen, 15 Brandern mit 3330 Kanonen und -17416 Mann,<a name="FNanchor_170_170" id="FNanchor_170_170"></a><a href="#Footnote_170_170" class="fnanchor">[170]</a> hinzutraten einige Transporter mit Landsoldaten; Vor- und -Nachhut führten die Leutnantadmirale van Ghent (Amsterdam), van Nes<span class="pagenum"><a name="Page_292" id="Page_292">[292]</a></span> -(Maas). Für Einschiffung zahlreicher Lotsen, die die Themse kannten, war -gesorgt, 2 oder 3 Engländer befanden sich darunter; bei den Unternehmungen -gegen die Themse in den beiden Vorjahren waren Lotungen vorgenommen -und auch sonst hatte man sich nach Möglichkeit Kenntnis des Fahrwassers -verschafft.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyters Order</em> war: Soweit wie möglich die Themse hinaufzugehen; -Schiffe, Magazine, Befestigungen zu zerstören und dem Feinde in jeder Beziehung -Abbruch zu tun; die Art der Ausführung war dem eigenen Ermessen -anheimgestellt. Als Deputierter der Generalstaaten befand sich nur -<em class="gesperrt">Cornelis de Witt</em>, Bruder des Ratspensionärs, für die Provinz Holland -an Bord; Friesland und Seeland hatten keinen Vertreter gestellt, scheinbar -zur größten Zufriedenheit des leitenden Staatsmannes. Die Flotte ging -am 13. Juni von Schooneveld, wo sie noch einige Tage auf das Kontingent -Seelands gewartet hatte, in See, ritt am 15. vor der Themse einen Südwest-Sturm -ab und lief am 17. in den Kings-channel ein.</p> - -<p>Am 18. Juni gab <em class="gesperrt">Ruyter</em> die hier kurz mitgeteilte <em class="gesperrt">Disposition</em> -aus: „Die Hauptflotte bleibt vor der Themsemündung als Rückhalt liegen. -Eine Flottenabteilung geht den Fluß hinauf und vernichtet die bei Gravesend -und Tilbury (the Hope) liegenden Schiffe — etwa 20 Westindienfahrer unter -Bedeckung von 10–12 Kriegsschiffen zu 30–40 Kanonen —. Dann kommt -sie zurück, geht in den Medway, nimmt Sheerness und zerstört die Schiffe -und Arsenale in diesem Nebenfluß.“ Die zu detachierende <em class="gesperrt">Abteilung</em> -wurde <em class="gesperrt">van Ghent</em>, unter ihm Vizeadmiral de Liefde, unterstellt und -bestand aus: 2 Schiffen zu 60, 6 zu 50, 4 zu 40–45, 5 zu 32–36 Kanonen; -5 Advisjachten sowie fast allen kleinen Fahrzeugen und Brandern. Die Landungstruppen -wurden auf die Kriegsschiffe verteilt, leider waren mehrere -Transporter während des Sturmes von der Flotte abgekommen; C. de Witt -schloß sich der Expedition an. Der erste Teil der Aufgabe gelang infolge -ungünstiger Windverhältnisse nicht, der zweite und Hauptteil aber, die -<b>Forcierung des Medway</b>, wurde ein großer Erfolg.<a name="FNanchor_171_171" id="FNanchor_171_171"></a><a href="#Footnote_171_171" class="fnanchor">[171]</a></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Früh morgens am 19. Juni</em> ging <em class="gesperrt">Ghent</em> mit der Flut stromauf, kam -jedoch wegen ungünstigen und dabei flauen Windes und wegen der später einsetzenden -Ebbe nur bis etwa zwischen Leigh und Gravesend und mußte hier ankern; die englischen -Schiffe gewannen hierdurch Zeit, sich noch weiter stromaufwärts in Sicherheit zu bringen. -<em class="gesperrt">Ruyter</em> war mit der Flotte bis zum Mittelgrunde gegangen; er detachierte Schiffe in -alle Fahrwasser und bestimmte noch 10 größere Schiffe zur Unterstützung für das -Unternehmen gegen den Medway.</p> - -<p class="small">Am 20. morgens kam Ghent von dem verfehlten Unternehmen zurück und wandte -sich gegen <em class="gesperrt">Sheerness</em>. Drei Schiffe bombardierten das Fort, 800 Mann unter Oberst -<em class="gesperrt">Dollman</em>, einem englischen Republikaner, landeten. Ein ernster Widerstand wurde -bei dem schlechten Zustande der Befestigung nicht geleistet, die Besatzung zog ab und<span class="pagenumsmall"><a name="Page_293" id="Page_293">[293]</a></span> -besetzte später eine Schanze bei Gillingham; auch ein kleines Kriegsschiff und 2 Brander, -die bei Sheerness gelegen, hatten Anker gekappt und waren den Medway hinaufgegangen. -Die Holländer machten die Geschütze und die Befestigung unbrauchbar und räumten -oder zerstörten die Magazine; sie glaubten aber die Stellung mit ihrer geringen Zahl -Soldaten nicht halten zu können. An demselben Tage wurde auch noch das Fahrwasser -des Medway durch leichte Schiffe ausgelotet.</p> - -<p class="small">Das Erscheinen der Holländer in der Themse und die Einnahme von Sheerness -hatten London natürlich in größte Aufregung versetzt. <em class="gesperrt">Monck</em> eilte mit Truppen -nach <em class="gesperrt">Chatham</em>, wo er, wie schon gesagt, wenig gemacht fand. Er tat nun sein möglichstes, -eine feste Stellung zu schaffen, obgleich er kaum Arbeitskräfte bekam, die -halbe Bevölkerung, selbst ein Teil der Arsenalbeamten, war geflohen. Er ließ eine schon -längst vorbereitete, aber nicht in Gebrauch genommene Sperrkette oberhalb Gillingham -ziehen, deckte sie durch zwei kleine Batterien und legte ein Kriegsschiff, die „Unity“, -davor. Sodann verstärkte er die Befestigungen von Upnor-Castle und verankerte die -vorhandenen schweren Schiffe, etwa 17, oberhalb der Kette auf dem ganzen Revier -in Verteidigungsstellung; auch ordnete er das Versenken von Schiffen an, was aber in -der Eile weder durchweg noch richtig ausgeführt wurde, wie es auch nicht mehr möglich -war, frühere Unterlassungssünden noch gut zu machen, z. B. die Verstärkung der ungenügenden -Armierung der Batterien.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p293.jpg" width="525" height="459" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p293" id="fig_p293"></a> -<p class="caption">Ruyter im Medway, 20.–23. Juni 1667.</p> -</div> - -<p class="small">Am 21. Juni unternahmen die Holländer noch nichts. Der Grund hierfür ist -nirgend zu ersehen. Vielleicht geschah es, um Ruyter abzuwarten, der auf ausdrücklichen -Wunsch C. de Witts weiter stromauf segelte und schließlich mit einigen seiner -Schiffe bis Queenborough kam. Am 22. Juni 7 Uhr segelte <em class="gesperrt">Ghent</em> den <em class="gesperrt">Medway</em><span class="pagenumsmall"><a name="Page_294" id="Page_294">[294]</a></span> -hinauf. Die Spitze der Vorhut, geführt vom Kapitän Tobias, begann ein Feuergefecht -mit der befestigten Stellung an der Kette, das jedoch nicht recht vorwärts kommen -wollte. Da erbot sich Kapitän <em class="gesperrt">van Brakel</em>, mit dem Schiff „Vrede“ und 2 Brandern -vorzugehen. Er enterte die „Unity“, und der eine Brander sprengte die Kette. Verschiedene -kleine Schiffe und Brander segelten nun durch; Brakel bestieg ein kleineres -Fahrzeug, enterte das nächste große englische Schiff und brachte dann, auf sein Schiff -zurückgekehrt, die kleinen Kettenbatterien zum Schweigen.</p> - -<p class="small">Mittlerweile kommen immer mehr Holländer unter Ghents und Liefdes persönlicher -Führung heran. Mit Schiffen und Fahrzeugen, mit ausgesetzten Booten wird die erste -englische Stellung genommen; die Batterien am Lande werden durch Landungsabteilungen -zerstört, von 5 großen hier postierten Schlachtschiffen werden 4 verbrannt, -der „Royal Charles“ (100 Kanonen) wird genommen. Dieses stolze englische Schiff -wurde als Trophäe nach Holland geführt; Monck hatte angeordnet, es weiter stromauf -zu bringen, aus Nachlässigkeit oder Mangel an Hilfsmitteln war dies aber nicht geschehen. -Der Kampf, zu dessen Ausläufern auch Ruyter auf einem kleinen Fahrzeuge herangekommen -war, wurde abends abgebrochen, weil bei fallendem Wasser viele Holländer -festkamen. Die Szene auf dem Kampfplatz wird als furchtbar geschildert: „Der Fluß -voll von fahrenden Schiffen, Booten und brennenden Trümmern; ununterbrochenes -Geschütz- und Gewehrfeuer, und doch übertönt vom Klagen der Verwundeten; Trompetengeschmetter, -Trommelschlag und Hurraruf der Holländer nach jedem Erfolge; -über allem dunkler Pulverrauch und erleuchtet von den Flammen und dem Blitzen -der Feuerwaffen.“ Am 23. Juni wurde das Vernichtungswerk fortgesetzt. Mit 4 Schlachtschiffen, -einigen Jachten und den Brandern wurden die drei bei Upnor liegenden Engländer -angegriffen. Die Befestigungen hier unter Major <em class="gesperrt">Scott</em> und die gegenüberliegenden -unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Spragge</em>, der in Sheerness kommandiert hatte, kämpften -tapfer, konnten aber das Verbrennen der Schiffe durch Brander und Boote nicht hindern; -Ruyter und die anderen Admirale leiteten von Booten aus das Gefecht, an dem sich -in dem engen Gewässer von größeren Schiffen ja nur wenige beteiligen konnten.</p> - -<p class="small">Mit diesem <em class="gesperrt">Erfolge</em> begnügten sich die Holländer, sie hielten es nicht für ratsam, -den Fluß noch weiter hinaufzugehen. Das Fahrwasser wurde immer enger und -schwieriger, Schiffe waren versenkt und der Fluß an beiden Seiten mit Batterien und -Truppen besetzt, die Brander bis auf zwei verbraucht. So waren die übrigen englischen -Schiffe und die Arsenale bei Chatham gerettet.</p> - -<p class="small">Immerhin hatte man 2 Schiffe genommen und 6 oder 7 verbrannt, fast alle diese -waren bisherige Admiralschiffe; die Engländer selbst hatten außerdem einige versenkt. -Erinnert muß daran werden, daß die Schiffe im Medway nur halb armiert und bemannt, -einige sogar ganz aufgelegt waren; man hatte diese mit Soldaten besetzt. Auch der -Mannschaftsverlust der Engländer muß bedeutend gewesen sein, während die Holländer -nur etwa 150 Tote und Verwundete hatten.</p> - -<p class="small">Am 24. Juni ging die holländische Flotte in die Themse zurück.</p> - -<p>Als die holländische Flotte nach der Durchführung dieses Unternehmens -am 24. Juni wieder auf der Themse selbst und in der Mündung des Medway -lag, wurde sie verstärkt durch einige friesische Schiffe und durch einen Teil -des seeländer Kontingents unter Leutnantadmiral Bankers, so daß sie nun -gegen 80 Kriegsschiffe stark und auch wieder im Besitz einiger Brander war. -Hiervon wurde gleich ein Geschwader unter Ghent nach dem Norden Schottlands -detachiert, um heimkehrende Indienfahrer zu begleiten. <em class="gesperrt">Ruyter</em> -blieb mit dem Gros noch einige Tage liegen, ging dann aber auch stromabwärts, -um sich nicht Branderangriffen in dem engen Revier auszusetzen, -und übernahm eine strenge <em class="gesperrt">Blockade der Themse</em>. Er selbst lag<span class="pagenum"><a name="Page_295" id="Page_295">[295]</a></span> -vor dem Fluß, ein Geschwader kreuzte zwischen Harwich und den Hoofden, -ein anderes zwischen Harwich und der Themse.</p> - -<p>Das Erscheinen in der Themse und die Waffentat im Medway waren von -der größten moralischen Wirkung in England, selbst aus London waren -Einwohner geflohen; von dieser Zeit soll sich die zuweilen übertrieben auftretende -Furcht eines Angriffs auf London herschreiben. Die zunehmende -Neigung zum Frieden zeigte sich sofort in den Verhandlungen zu Breda, -die Blockade der Themse trug weiter dazu bei. Diese war so wirkungsvoll, -daß die Preise von Kohlen und anderen Materialien in London bis auf das -Zehnfache des sonst üblichen Satzes stiegen. Die Generalstaaten begnügten -sich jedoch damit nicht, sondern ordneten weitere Unternehmungen an, -um immer mehr Druck zur Beschleunigung der Friedensunterhandlungen -auszuüben. Vielleicht hoffte man auch immer noch auf eine wirkliche Unterstützung -durch die Franzosen; wäre sie erfolgt, so würde England wohl -aufs tiefste gedemütigt worden sein. Aber die französische Flotte lag ruhig -in Brest und die jetzt noch bis zum Friedensschluß von den Holländern -ins Werk gesetzten <b>weiteren Unternehmungen</b> hatten keine anderen Erfolge -als die fortgesetzte Blockade der Themse und die Alarmierung der englischen -Küste; sie seien deshalb nur kurz erwähnt. <em class="gesperrt">Ruyter</em> erhielt den Befehl, -<em class="gesperrt">nochmals in die Themse</em> einzudringen. Er verfuhr ähnlich wie -früher und kam mit einem Geschwader leichter Schiffe an der Spitze am -6. Juli bis unterhalb Gravesend. Hier hörte er von auslaufenden flämischen -Schiffen, daß in Woolwich eine größere Zahl Kriegsschiffe und 15 Brander -bereit lägen, daß das Fahrwasser bis auf eine schmale Rinne gesperrt -sei — für größere Schiffe nur im Schlepp zu passieren — und daß die -Ufer bei Gravesend mit starken Batterien und zahlreichen Truppen besetzt -wären.</p> - -<p class="small">Bemerkenswert ist, daß diese flämischen Schiffe Truppen abgeholt hatten, die -für Spanien geworben waren, obgleich sich England in einer so traurigen Lage befand -und obgleich Karl II. doch, wie wir erwähnt, mit Ludwig XIV. in Unterhandlung -zuungunsten Spaniens stand.</p> - -<p>Der Admiral gab deshalb diesen Plan auf und ging wieder vor die Themse -zurück. Er beabsichtigte nun, <em class="gesperrt">Harwich</em> und die dort liegenden Schiffe -zu Wasser und zu Lande <em class="gesperrt">anzugreifen</em>; seit kurzem hatte er eine Verstärkung -von 8 Kompagnien zu Landungsunternehmungen erhalten. Aber -auch dieser Anschlag am 12. <em class="gesperrt">Juli</em> mißglückte. Eine Flottenabteilung war -bestimmt, das die Stadt deckende Fort zu bombardieren, eine zweite, in -den Hafen einzudringen; beide erreichten ihren Zweck nicht. Infolge ungünstiger -Windverhältnisse und ungenügender Kenntnis des außerdem -gesperrten Fahrwassers konnte die eine nicht nahe genug heran, die andere -nicht hinein. Da so der Landangriff nicht von der Flotte unterstützt werden -konnte, wurde er zweimal abgeschlagen und die gelandeten Truppen, gegen -2000 Mann, wurden dann von englischen Entsatztruppen zur Einschiffung -gezwungen; alles ging nicht ohne beträchtliche Verluste ab.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_296" id="Page_296">[296]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> teilte nun auf Befehl seine Flotte. <em class="gesperrt">Ein Geschwader -unter van Nes</em> setzte die Blockade der Themse fort. Auch dieses unternahm -nochmals einen <em class="gesperrt">Vorstoß in die Themse</em>. Am 2. August ging -van Nes wieder bis Gravesend und fand dort Schiffe unter <em class="gesperrt">Spragge</em> vor. -Beim Angriff wichen sie zurück; es wurde ein Hauptkampf nur von Brandern -ausgefochten, deren die Engländer 11, die Holländer 6 oder 7 verloren; die -Befestigungen setzten dann dem Vordringen ein Ziel. Die Holländer gingen -bis zum Nore zurück und nahmen hier eine Kampfaufstellung zu Anker ein; -Spragge folgte, ohne sich in ein ernstliches Gefecht einzulassen. Der holländische -Admiral hielt es aber doch für geboten, die Themse ganz zu verlassen, -als am 5. August etwa 20 Schiffe von Harwich aus zu Spragge stießen -und er ernstlich angegriffen wurde; das holländische Geschwader würde -an diesem Tage in großer Gefahr gewesen sein, wenn die verschiedenen englischen -Abteilungen von der Themse, Harwich und dem Medway aus einmütiger -operiert und wenn besonders die Brander ihre Pflicht besser getan -hätten. Van Nes vollführte seinen Rückzug durch das enge Fahrwasser -militärisch und namentlich seemännisch bei Gegenwind musterhaft; es ist -dieses jener Fall, der früher bereits als ein Meisterstück holländischer Seemannschaft -erwähnt wurde (vgl. Seite <a href="#Page_263">263</a>). Die Blockade der Themse blieb -dann ohne weitere Zwischenfälle bis zur Ratifizierung des Friedens in Kraft.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter führte den Rest der Flotte.</em> Seine Aufgabe war, -durch <em class="gesperrt">Beunruhigung der feindlichen Küste</em> einen Druck -auszuüben und zu versuchen, verschiedene starke Konvois abzufangen, deren -Rückkehr man erfahren hatte. Er kreuzte ständig im Kanal, namentlich -im Westen und bei den Scillys. Erkundungsfahrten wurden bis dicht vor -die Häfen von Portsmouth, Dartmouth, Torbay, Plymouth und Foway -(Cornwall) vorgenommen; auf einer der Scillys wurde gelandet, aber nur -um Vieh wegzunehmen. Nach den alten Quellen scheinen diese Erkundungen -nur den Zweck gehabt zu haben, eine Vereinigung der englischen Seestreitkräfte -zu hindern und die Konvois zu suchen; von diesen hörte man immer -wieder, ohne sie jedoch auf See anzutreffen. Am 8. August erfuhr Ruyter -vor Plymouth durch einen Parlamentär den Friedensschluß, am 13. erhielt -er dienstlich die Bestätigung und am 31. die Nachricht von der Ratifizierung. -Da jedoch nach den Bedingungen der Frieden erst am 5. September in Nordsee -und Kanal, im Atlantik bis zum Kap Vincent gar erst am 5. Oktober (von -dort bis zur Linie am 2. November, auf der ganzen Erde am 24. April 1668) -in Kraft trat, hatte er Befehl, bis zu diesem letzten Termin am Eingange des -Kanals zu kreuzen. Wegen schlechten Wetters und Krankheit an Bord hielt -er sich aber bald den heimischen Häfen näher und lief am 10. Oktober ein.</p> - -<p>Der <b>Frieden zu Breda</b>, 21. Juli 1667 geschlossen und am 24. August -ratifiziert, ist für das siegreiche Holland kaum ein günstiger zu nennen: England -behielt die genommene Kolonie Neuniederland (Neuyork), Holland -bekam das englische Surinam, obgleich es kurze Zeit nach der holländischen -Besetzung durch englische Schiffe zurückerobert war. Holland mußte aber<span class="pagenum"><a name="Page_297" id="Page_297">[297]</a></span> -das „Flaggenrecht“ weiter anerkennen (vgl. Seite <a href="#Page_229">229</a> und Seite <a href="#Page_189">189</a>, <a href="#Page_191">191</a>). -Nur mit Beziehung auf die Navigationsakte erlangte Holland einen wesentlichen -Vorteil: das Verbot, mit seinen Schiffen keine außerholländischen -Waren einzuführen, sollte nicht mehr für deutsche Produkte gelten, die -Holland auf der Achse oder auf dem Rhein bezogen hatte. Dieser materielle -Vorteil tröstete wohl manche in dem ideellen Schmerz über das Flaggenrecht. -In dem Frieden mit Frankreich gab dieses an England die genommenen -westindischen Inseln zurück, dagegen wurde seine Oberhoheit in Acadia -(vgl. Seite <a href="#Page_85">85</a> und Seite <a href="#Page_89">89</a>) anerkannt.</p> - -<p><b>Bemerkenswertes beim zweiten Kriege.</b> Bei der Betrachtung der <em class="gesperrt">Streitmittel</em> -ist gezeigt worden (Seite <a href="#Page_254">254</a> ff.), daß die Marinen der Gegner große -Fortschritte seit dem ersten Kriege gemacht hatten. Kauffahrer wurden nur -noch in ganz geringem Maße verwendet, die Schiffe waren leistungsfähiger -und gleichmäßiger und das Personal besser geworden. Besonders hatte -Holland in diesen Hinsichten Fortschritte gemacht, ohne indes England -zu erreichen.</p> - -<p>Beim Manövrieren vor und während der Schlachten um die Luvstellung, -besonders aber wenn sie nach günstig verlaufenen Gefechten verfolgen wollen, -sind die Holländer im Nachteil; auch der oft hervortretende Mangel an Ordnung -in ihrer Flotte ist zum Teil eine Folge der schlechteren Schiffe. Die Überlegenheit -der englischen Artillerie tritt weniger zutage; öfters können die Engländer -ihre schwerste Batterie nicht gebrauchen, da deren Pforten noch zu nahe über -Wasser liegen; einige Male jedoch leiden die Holländer mehr durch die weitertragenden -und stärkeren Kaliber des Feindes. Eine weit größere Rolle spielt -die Schwäche des holländischen <em class="gesperrt">Personals</em>. Der Mangel an Subordination, an -militärischer Treue, Einsicht und Erziehung bei den Kommandanten und Dienstgraden -zeitigt die schlimmsten Folgen: In bedrängter Lage, bei außergewöhnlichen -Vorfällen verlieren selbst Führer von Flaggschiffen den Kopf, manövrieren -falsch, ja fliehen sogar; die sonst mutigen Taten Tromps sind doch auch Zeichen -fehlender Disziplin. Die Unordnung in den Gefechtslinien ist vor allem der -mangelnden Einsicht, zuweilen sogar dem bösen Willen der Schiffsführer -zuzuschreiben.</p> - -<p class="small">Wie weit diese Vorwürfe auch die Mannschaft treffen, ist nicht sicher festzustellen. -Doch erzählt z. B. eine Quelle („Leben Ruyters“, Seite 394): Als Ruyter nach der Schlacht -von Northforeland und den beiden heftigen Rückzugsgefechten auf seinem Schiffe die -Verluste feststellte, fand man nur 38 Tote und 30 Schwerverwundete bei rund 500 -Mann Besatzung. Während des Gefechts waren ihm weit größere Verluste gemeldet, -weil „in der Hitze des Kampfes und während der größten Not viele sich hier und da verstecket -und aus großer Angst weggekrochen waren, die nun, durch den Hunger getrieben, -wieder hervorkamen“. Und dies war Ruyters Schiff!</p> - -<p>Wo <em class="gesperrt">Ruyter</em> in Person war, war das Verhalten des Personals schon besser -und wenn es sich später weiter hob, so ist dies seinem Einflusse zu verdanken. Es -wird mehrfach hervorgehoben, daß er jede Gelegenheit benutzte, belehrend und -ermahnend auf seine Untergebenen einzuwirken. In den englischen Flotten -kommen Verstöße ähnlicher Art um diese Zeit noch nicht vor. Daß in England<span class="pagenum"><a name="Page_298" id="Page_298">[298]</a></span> -unter der neuen Regierung die Cromwellsche Zucht und Pflichttreue -schwindet, bemerken wir zuerst bei den Behörden am Lande: die Ausrüstung -der Flotten läßt mehrfach zu wünschen übrig; im Jahre 1667 sind die Befehle -zur Sicherung der Küsten nur nachlässig ausgeführt worden. Bei beiden spielte -allerdings wohl auch der Geldmangel mit.</p> - -<p>Bei der Besprechung der Streitmittel ist ferner auf den Fortschritt in -der <em class="gesperrt">Taktik</em> hingewiesen; die Schlachten zeigen dies deutlich. Die „Kiellinie -beim Winde“ ist die Normalgefechtsformation geworden; wir finden sie -in allen Gefechten auf beiden Seiten. Zwar gilt noch immer die Luvstellung -als die unbedingt vorteilhaftere, aber es wird doch fast ebensoviel Wert darauf -gelegt, in guter, enggeschlossener Linie an den Feind zu kommen und diese -dauernd zu erhalten; beide Flotten sehen gelegentlich ganz davon ab, die -Luvstellung zu gewinnen.</p> - -<p>Besonders bei den Engländern wird auf die Erhaltung der Formation -gesehen, ihre Gefechtsinstruktionen zielen gerade hierauf hin. Ihre Kiellinie -scheint auch schon gut aus Einzelschiffen gebildet zu sein. Wenn bei ihnen -am ersten Tage der Viertageschlacht die Schiffe der Nachhut nicht so eng -auf- und in sich geschlossen waren, so war dies bei der großen Zahl der Schiffe -erklärlich. Das Verbessern der Entfernungen der Fahrzeuge voneinander -muß bei einer so langen Linie von Segelschiffen leicht zum Lockern in der -Nachhut führen, ganz abgesehen davon, daß um diese Zeit das Schiffsmaterial -nicht so gleichmäßig war wie später.</p> - -<p>Das vorzügliche Festhalten der Ordnung hat sicher zu den Erfolgen der -Engländer — sei es zum Siege, sei es zu nachhaltendem Widerstande gegen -Übermacht — in erster Linie beigetragen. Die Holländer waren auch hierin -noch nicht so weit; oft standen Schiffe in Lee der Gefechtslinie oder segelten -in mehreren Linien nebeneinander und hinderten sich so gegenseitig im Feuer -oder trieben auch im Gefecht zusammen.</p> - -<p>Zwei Erklärungen für die oftmalige mangelhafte Ordnung sind bereits -gegeben worden: die mindere Güte der Schiffe, die Schwächen der Schiffsführer. -Die holländische Flotte wurde aber auch weniger daraufhin angeleitet. -Die englische Gefechtsinstruktion verlangte von den Schiffen „Liniehalten -mit dem Flottenchef“ und hatte stets die „Verwendung der ganzen Flotte“ -im Auge. Die holländischen Vorschriften weisen mehr auf das „Zusammenhalten -der Unterabteilungen unter sich“ hin und sehen noch die „Verwendung -der einzelnen Geschwader“ im Gefecht vor. Die holländischen Schiffe hielten -sich unter diesen Umständen zu ihrem nächsten Vorgesetzten, und dies führte -— besonders bei der Anwesenheit so vieler Flaggoffiziere — unwillkürlich zur -Bildung von Gruppen wie früher; in diesen war man geneigt, die Richtung -in der ganzen Flotte außer acht zu lassen, im Gefecht eigenmächtiger zu handeln, -ja sogar bei Ausfall des Gruppenführers den Kampf ganz zu verlassen. Der -Gruppenkampf lag den Holländern scheinbar noch näher. Wir finden in den -Schlachten einige kennzeichnende Fälle für die verschiedene Auffassung der -Pflichten der Unterabteilungen gegenüber der Flottenleitung: Am 4. August<span class="pagenum"><a name="Page_299" id="Page_299">[299]</a></span> -1666 schlägt die englische Vorhut die holländische aus dem Felde, folgt ihr -aber nicht, sondern bleibt beim Flottenchef und greift in dessen Kampf ein. -Demgegenüber steht das eigenmächtige Verhalten Tromps an demselben Tage -und am 12. Juni 1666 und ebenso auch der Fall des Admirals van Nes am 14. Juni -1666, wo er mit 14 Schiffen 4 englische Fahrzeuge abdrängt und verfolgt und -so seine Hauptflotte sehr schwächt.</p> - -<p class="small">Die vorzügliche Ordnung der Engländer bei Lowestoft habe ich schon erwähnt. -Der Franzose de Guiche, Kriegsfreiwilliger bei Ruyter an Bord, sagt über die Viertageschlacht: -„Man konnte nichts Schöneres sehen, als die prachtvolle Ordnung der Engländer -auf See. Niemals gab es eine geradere Linie, als die von ihren Schiffen gebildete. -So vereinigen sie ihr gesamtes Feuer auf jeden, der sich ihnen nähert. Sie fechten wie -eine Linie Kavallerie, die von einer bestimmten Regel geleitet wird und nur darauf -bedacht ist, den Feind zurückzuwerfen; die Holländer dagegen gehen wie eine Kavallerie -vor, deren einzelne Abteilungen ihren Platz verlassen und getrennt zum Angriff kommen.“</p> - -<p>Immerhin war aber auch in der holländischen Flotte schon mehr Ordnung -als früher, besonders seit Ruyter führte. Und auch sonst sehen wir Fortschritte -in der Taktik: Versuche, ungünstige Lagen und Fehler des Feindes auszunutzen. -Hierher gehört vor allem der Angriff <em class="gesperrt">Moncks</em> am ersten Tage der -Viertageschlacht, durch den er einen Teil des Feindes anfangs allein engagiert -und fast außer Gefecht setzt; doch in jeder Schlacht finden wir planmäßig -angelegte Manöver, um an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, auch Tromps -Eigenmächtigkeiten hatten nur diesen Zweck. Das stete Bestreben <em class="gesperrt">Ruyters</em>, -die Gefechte entfernt von Sänden in zum Manövrieren freiem Wasser zu führen, -muß man auch als taktische Maßregel ansehen. Durch derartige Manöver und -das Bestreben, die Formation zu erhalten, ist der Charakter der Schlacht ein -anderer geworden; die Taktik ist nicht mehr damit erschöpft, die Flotten -aneinanderzuführen und dann den Kampf in der Melee entscheiden zu lassen. -Gerade die „Viertageschlacht“ wird von einzelnen Schriftstellern als der -<em class="gesperrt">Übergang von älteren Methoden zu einer neuen Taktik</em> -angesehen.</p> - -<p class="small">Mit Beziehung hierauf sagt Chaband-Arnault (Revue maritime usw. 1885; hier -kürzer zusammengefaßt): „Mehr wie irgend eine andere Schlacht bezeichnet gerade -diese einen Übergang. Zum ersten Male sehen wir bestimmte Pläne und können die -Hauptbewegungen der kämpfenden Flotten danach verfolgen. Wir fühlen, daß jeder -General nur sein Geschwader in der Hand hat und daß auch der Oberbefehlshaber -über die Unterabteilungen nach seinem Belieben verfügt. (Wir sagen wohl besser: -wenigstens dahin strebt.) Der Admiral hält die Luvseite noch für einen Vorteil, aber -sie ist nicht mehr die Hauptsache — das einzige —, womit er sich beschäftigt. Er -trachtet vor allem danach, seine Flotte in guter Ordnung und geschlossen zu halten, -um während der Schlacht nach einheitlichem Plane zu leiten.... Als bei Northforeland -später große Zwischenräume zwischen den Geschwadern sich bildeten und sich die -Nachhut sogar ganz von der Mitte trennte, beklagte Ruyter diesen Fehler als die Hauptursache -der Niederlage.“</p> - -<p>Infolge des besseren Zusammenhaltens der Streitkräfte während der -Schlacht tritt nun auch die taktische Ausnutzung des Sieges mehr hervor; -wir finden schärfere Verfolgungen als früher und dadurch hervorgerufene -Rückzugsgefechte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_300" id="Page_300">[300]</a></span></p> - -<p>Endlich muß in taktischer Beziehung noch auf die Verwendung der Spezialwaffen -hingewiesen werden. Der zweite englisch-holländische Krieg ist die -Blütezeit der <em class="gesperrt">Brander</em>; gerade die zunehmende Ordnung war ihrer Verwendung -zunächst günstig (vgl. Seite <a href="#Page_188">188</a>). Sie spielen in den Schlachten -und bei den Unternehmungen in feindlichen Gewässern eine große Rolle; -Schlachten werden vermieden, Unternehmungen abgebrochen wegen Mangels -an Brandern oder wegen Stärke des Gegners in dieser Waffe. Auch bei den -anderen Schiffen beginnt eine Trennung sich zu vollziehen, nicht mehr sind -wie zur Zeit der ausgesprochenen Gruppentaktik alle Schiffe gleich gut im -Kampfe zu verwerten. Das Schlachtschiff geht zwar im allgemeinen noch -hinunter bis zu 40 Kanonen, aber kleinere und doch immer noch mit einer -gewissen Gefechtskraft, 26–36 Kanonen, werden jetzt mehr zu besonderen -Zwecken gebraucht: Zur Bedeckung von Brandern im Gefecht und bei Angriffen -feindlicher Schiffe in Häfen usw., zu regelrecht angesetztem Erkundungsdienst, -zur Unterstützung beschädigter Schlachtschiffe. Auf solche <em class="gesperrt">Spezialschiffe</em> -haben besonders die Holländer Wert gelegt; sie sind mit ihren -zu diesem Zweck gebauten „Fregatten“ hierin überlegen; bei ihnen wenigstens -stehen Schiffe dieser Größe nicht mehr in der Schlachtlinie.</p> - -<p><b>Über Strategie.</b><a name="FNanchor_172_172" id="FNanchor_172_172"></a><a href="#Footnote_172_172" class="fnanchor">[172]</a> Auch dieser zweite Krieg war ein reiner Seekrieg. Zwar -war es Karl II. gelungen, in dem Bischof von Münster einen Bundesgenossen -zu Lande zu finden, doch wurde dessen Angriff von Holland schnell abgeschlagen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Bischof von Münster</em> — ein ehrgeiziger, unruhiger und ausschweifender -Prälat — stellte für Hilfsgelder, die England ihm bot, in Eile ein Heer von 20000 -Mann auf und fiel in Holland ein. Da die regierende Partei hier das Landheer vernachlässigt -hatte, konnte selbst diesem Gesindel kaum Widerstand geleistet werden. Die Verheerungen -des Feindes erregten besonders in den Landprovinzen großen Schrecken und -Zorn gegen die Regierung und stärkten so die Partei der Oranier. Da aber gerade dies -Ludwig XIV. nicht genehm war, stellte er ein Hilfskorps von 6000 Mann; zu diesem nahm -man 12000 Mann von Braunschweig-Lüneburg in Sold. Dem Bischof, der nach der -ersten Zahlung von Karl II. kein Geld mehr erhielt, liefen viele Soldaten davon, um so mehr -da es sich jetzt nicht mehr um Plündern, sondern um Fechten handelte. Er wurde nun -ohne Mühe zurückgetrieben und schloß, auch von Brandenburg bedroht, April 1666 -gern Frieden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p301.jpg" width="600" height="415" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p301" id="fig_p301"></a> -<p class="caption">Schauplatz des zweiten und dritten englisch-holländischen Krieges.</p> -</div> - -<p>Dieser Krieg unterscheidet sich aber wesentlich von dem ersten. Die -Holländer hatten eingesehen, daß sie nicht gleichzeitig ihren Handel schützen -und um die Herrschaft auf dem Meere kämpfen konnten. Bei einem Kampf -um Durchführung des Handels waren sie im Nachteil, da der ihrige immer -noch weit größer und wegen seiner Straßen leichter anzugreifen war. Sie verboten -deshalb Handel und Fischerei (bis gegen Ende 1666) und trugen den<span class="pagenum"><a name="Page_301" id="Page_301">[301]</a><br /><a name="Page_302" id="Page_302">[302]</a></span> -dadurch hervorgerufenen Schaden freiwillig, um einem größeren Verlust und -der damit noch verbundenen Bereicherung des Gegners vorzubeugen; außerdem -stand nun das ganze seemännische Personal des Landes der Kriegsflotte -zur Verfügung. So wurde im zweiten Kriege von beiden Seiten um die Seeherrschaft -gekämpft, bis England im dritten Jahre zu seinem Verderben davon -abging. Während im ersten Kriege vier große Schlachten um Konvois geschlagen -wurden, finden wir im zweiten den Kampf um den Handel nur als -kleinen Krieg nebenherlaufend; die Schlachtflotten beteiligten sich daran nur, -wenn sich eine besonders günstige Gelegenheit bot, den feindlichen Handel -empfindlich zu schädigen. Von Anfang an werden von beiden Seiten mächtige -Stöße auf die feindlichen Seestreitkräfte geführt. Erst wenn eine der Parteien -die Seeherrschaft errungen hat, geht sie zu größeren Unternehmungen gegen -den feindlichen Handel oder gegen das feindliche Land vor; Holland versucht -das letztere mit Erfolg, als England freiwillig auf die Seeherrschaft verzichtet hat.</p> - -<p>In beiden Staaten ist das Bestreben, dem Feinde mit dem ersten Schlage -zuvorzukommen, so groß, daß ihre Flotten, ohne genügend schlagfertig zu sein, -zum Angriff vorgehen. Die Engländer gehen <b>1665</b> zuerst in See, um, wie in -dem letzten Abschnitte des ersten Krieges, den jetzt beginnenden gleich an -die feindliche Küste zu tragen und schon die Vereinigung der feindlichen Flotte -zu hindern. Die noch unvollständig ausgerüsteten Schiffe sind aber unter -ungünstigen Wetterverhältnissen nicht imstande, eine längere Blockade durchzuführen, -und müssen, bald durch Sturm beschädigt, zur Ausbesserung nach -einem Heimathafen zurückkehren. Wohl wäre dies ein günstiger Zeitpunkt -zum Vorgehen der nun vereinigten holländischen Streitkräfte gewesen, aber -der Chef der Flotte hielt auch diese für noch nicht genügend bereit. Trotzdem -wird er von seiner Regierung gedrängt und geht in See. Zwar wirft ihm der -Zufall eine reiche Beute — den für den Gegner wertvollen Hamburger Konvoi -mit Kriegsmaterial — in den Weg, als er aber, durch das ihm ausgesprochene -Mißtrauensvotum gekränkt, unter ungünstigen Verhältnissen die erste Schlacht -annimmt, um unter allen Umständen zu fechten, erleidet er die schwere Niederlage -(Lowestoft, 13. Juni), die die See den Engländern völlig preisgab.</p> - -<p class="small">Mahan (Teil I, Seite 101) sagt hierzu: „Es scheint, daß Wassenaer sehr bestimmten -Befehl hatte, zu fechten; die einem Höchstkommandierenden zustehende Vollmacht, -nach eigenem Ermessen zu handeln, war ihm nicht erteilt. Diese Art, sich in die Befugnisse -des Kommandierenden im Felde oder zur See einzumischen, ist eine der gewöhnlichsten -Versuchungen, denen Regierungen unterliegen; sie ist immer verhängnisvoll.“ -Mahan führt noch zwei bedeutsame Beispiele dieser Art aus der späteren -Seekriegsgeschichte an.</p> - -<p>Die Engländer versuchen nun, ihren Erfolg strategisch auszunutzen, aber -nicht in der richtigen Weise. Abgesehen von dem Nutzen einer Blockade -überhaupt war es möglich, das zurückkehrende Geschwader Ruyters und den -großen Konvoi abzufangen. Anstatt hierzu die Gesamtkräfte an der feindlichen -Küste zu halten, werden sie zersplittert. Die feindliche Flotte vereinigt -sich wieder, und beide Objekte entgehen den Engländern; durch Zufall aber -erbeuten sie trotzdem einige Schiffe. Im weiteren Verlauf muß England sogar<span class="pagenum"><a name="Page_303" id="Page_303">[303]</a></span> -infolge der Pest dem Gegner das Meer überlassen, aber auch dieser wird durch -Krankheit auf der Flotte verhindert, größeren Nutzen daraus zu ziehen. Bemerkenswert -ist, daß Ruyter (d. h. wohl auf Anregung des Staatsmannes -de Witt) schon jetzt ein großes Unternehmen gegen die Themse ins Auge gefaßt -zu haben scheint. Der Winter bringt die übliche Pause im Kriege, doch rüsten -beide Staaten für das nächste Jahr; England namentlich, nachdem ihm auch -von Frankreich und Dänemark der Krieg erklärt ist.</p> - -<p><b>Im Jahre 1666</b> sind es die Holländer, die zuerst den Feind suchen; England -macht vor dem Zusammenstoß den großen Fehler der Detachierung -Ruprechts. Die englische Flotte war der holländischen etwa gleich, sie befand -sich ihr und dem auch nicht zu unterschätzenden französischen Geschwader -gegenüber in einer inneren Stellung. Es wäre also das einzig Richtige gewesen, -sich auf die Holländer zu werfen, ehe deren Verbündete eintreffen konnten; -unter Umständen auch mit der ganzen Macht den Franzosen entgegenzugehen. -Es ist aber nicht zu entschuldigen, die an sich schon schwächere Kraft zu -teilen und so zu teilen, daß man dem nächsten und stärksten Feinde bedeutend -unterlegen gegenüberstand. Es ist dies immer falsch, besonders zur See, wo -höhere Gewalten — wie Nebel oder Sturm — leichter als zu Lande das Herankommen -des zweiten Feindes aufhalten können.</p> - -<p class="small">Mahan (Teil I, Seite 110) sagt hierzu: „Eine Lage wie die der englischen Flotte, -in der sie von zwei Seiten bedroht war, bietet eine große Versuchung für den Befehlshaber. -Man ist sehr leicht geneigt, seine Kräfte zu teilen und beiden Feinden entgegenzugehen, -wie Karl es tat. Wenn man jedoch nicht eine erdrückende Übermacht hat, ist dies -stets ein Fehler, da man beide Teile der Gefahr aussetzt, getrennt geschlagen, zu werden. -Dies trifft auch hier zu. Die beiden ersten Tage der Viertageschlacht waren verhängnisvoll -für die größere englische Division unter Monck, die gezwungen wurde, sich auf -Ruprecht zurückzuziehen; wahrscheinlich rettete nur seine sehr gelegen kommende -Rückkehr die englische Flotte vor schweren Verlusten oder zum mindesten vor der -Einschließung in ihre Häfen. Einen ähnlichen Fehler des englischen Admirals Cornwallis -vor Trafalgar bezeichnete Napoleon als ein hervorragendes Beispiel von Dummheit! -Die Lehre bleibt zu allen Zeiten gleich richtig.“</p> - -<p>Die Folge dieses Fehlers war denn auch die Niederlage in der Viertageschlacht. -Monck mußte sich dann auf Ruprecht zurückziehen, und daß -die Verluste nicht noch weit größer wurden, ist wohl nur dem rechtzeitigen -Wiedererscheinen Ruprechts und der überlegenen Taktik der Engländer -zu verdanken. Was wäre aber geschehen, wenn Ruprecht gleichzeitig in -ähnlicher Weise durch die Franzosen auf Monck zurückgeworfen wäre?</p> - -<p>Holland beeilt sich, seinen Sieg zu verfolgen, und plant wieder einen Stoß -in das Herz des Feindes, ein Eindringen in die Themse. Aber man hat Hilfsquellen -und Energie des Gegners unterschätzt; als die holländische Flotte -bereit ist und zunächst noch durch ungünstige Winde etwas aufgehalten, -vor der Themse erscheint, tritt ihr auch die englische wieder schlagfertig entgegen. -Die Schlacht von Northforeland wird infolge der alten Schwächen der -Holländer eine völlige Niederlage dieser. Die Engländer benützen jetzt die -augenblickliche Seeherrschaft dazu, dem Feinde in dem Vlie großen Schaden<span class="pagenum"><a name="Page_304" id="Page_304">[304]</a></span> -zuzufügen. Es ist nicht klar, weshalb sich die Engländer hiermit begnügten; -Andeutungen in alten Quellen lassen annehmen, daß die immer weiter zunehmende -Nachlässigkeit im Verwaltungsbetriebe die nach jeder Schlacht -notwendige Instandsetzung der Flotte und ihre Erhaltung in gutem Zustande -hinderte.</p> - -<p>Die Kriegführung wird jetzt überhaupt auf beiden Seiten lau. Als Ruyter -am 5. September wieder ausläuft und die englische Flotte ihm folgt, kommt -es zu keinem Zusammenstoß. Jeder der Gegner behauptet, der andere Teil -habe ein Gefecht vermieden und Wetterverhältnisse seien hindernd gewesen, -aber keiner hat einen Kampf ernstlich gesucht. Der Wunsch, sich vor einer -Schlacht erst mit den Franzosen zu vereinigen, auf der einen Seite und das -Gefühl der Schwäche (Mangel an Brandern und „other deficiencies“<a name="FNanchor_173_173" id="FNanchor_173_173"></a><a href="#Footnote_173_173" class="fnanchor">[173]</a> auf der -anderen sind mutmaßlich die wahren Gründe gewesen; vielleicht haben auch -schon Friedensaussichten sowie der auf beiden Flotten herrschende schlechte -Gesundheitszustand dazu beigetragen. Die Franzosen hielt Zaghaftigkeit -oder böser Wille zurück. Die Engländer gingen zuerst in ihre Gewässer, die -Holländer hielten noch einige Zeit die See, um Druck auf den Fortgang der -Friedensverhandlungen auszuüben, aber schon Anfang Oktober trat die Winterruhe -ein.</p> - -<p><b>Das Jahr 1667</b> bietet ein ganz neues Bild. Wir haben gehört, daß und -weshalb Karl II. den Kampf mit Flotten völlig aufgab. Die damit verbundene -Freigabe der See ermöglicht nun de Witt und Ruyter, ihren Lieblingsplan, -einen Stoß in das Herz des Feindes, auszuführen; die Unvollkommenheit -der Maßnahmen zur Abwehr ist ihnen bekannt, das Fahrwasser ist -nach Möglichkeit genau erforscht. Das mit Tatkraft durchgeführte -Unternehmen in Themse und Medway und gegen die ganze Küste überhaupt -hätte bei Verwendung stärkerer Mittel noch weit verhängnisvoller für England -werden können. Immerhin war der dem Feinde zugefügte Schaden groß und -vor allem bewirkte der moralische Eindruck der Waffentat, daß England nun -ernstlich den Frieden suchte; die weitere Blockade der Themse, die beständige -Bedrohung der Küsten beschleunigten die Verhandlungen. Auch diese späteren -Unternehmungen waren für Holland nur möglich, weil keine große schlagfertige -englische Flotte vorhanden war. Sie wurden wohl nicht schärfer durchgeführt, -um nicht zu viel mehr aufs Spiel zu setzen; man hatte seinen Zweck -erreicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Besitz der Seeherrschaft hat den Krieg entschieden.</em> -Der Kampf um diese ist nicht bis zu Ende geführt worden; -so lange darum gefochten wurde, standen die Aussichten ziemlich gleich, der -Erfolg war bis dahin bald auf der einen, bald auf der andern Seite. Entscheidend -zuungunsten Englands war der falsche Gedanke Karls II., die Niederwerfung -des Gegners allein im <em class="gesperrt">Kreuzerkriege</em> erreichen zu können.</p> - -<p class="small">Mahan läßt sich (Teil I, Seite 126–132) über den <b>militärischen Wert des Kreuzerkrieges</b> -folgendermaßen aus (im Auszuge wiedergegeben): „Der Kreuzerkrieg — commerce<span class="pagenumsmall"><a name="Page_305" id="Page_305">[305]</a></span> -destroying; guerre de course“ — hat stets Verlockendes, wenn Sparsamkeit beobachtet -werden soll. Er braucht nur schnelle Kreuzer und man kann auch darin noch durch -Ausgabe von Kaperbriefen dem Staate weitere Erleichterung schaffen. Trotzdem -kann man durch ihn dem Gegner großen Schaden zufügen, der fremden Regierung -bedeutende Verlegenheiten bereiten, ihre Bevölkerung ins Elend bringen.</p> - -<p class="small">Aber der Kreuzerkrieg bedarf Stützpunkte: Heimatshäfen, Häfen in entfernten -Besitzungen oder eine mächtige Kriegsflotte. Besitzt er nur Stützpunkte in Häfen, -so kann er sich nur auf kurze Entfernungen herauswagen. Auch so kann diese Kriegführung -zwar vielen Schaden tun, aber sie verwundet nur, sie tötet nicht; ja man darf -wohl sagen, sie veranlaßt nur unnütze Leiden. Es leiden nur gewisse Klassen der Bevölkerung: -Nicht die Wegnahme einzelner Schiffe oder Convois, seien es wenige oder -viele, bringt die Zahlungsfähigkeit einer Nation in Gefahr, sondern der Besitz der -Macht, die die feindliche Flotte (besser wohl „Flagge«) von der See verjagt und dem -feindlichen Handel die Küsten schließt; dann erst leiden die Regierung und die Nation -im ganzen. Führt der eine Gegner den Kreuzerkrieg ohne, der andere aber mit -Unterstützung einer starken Flotte, so kann dieser weit mehr erreichen, selbst wenn -er genötigt ist, auf den Schutz seines Handels zu verzichten“.</p> - -<p class="small">Zur Bekräftigung dieser Sätze führt Mahan kurz die Kriege an, in denen der -Kreuzerkrieg eine hervorragende Rolle gespielt hat. Über die Kriege unseres Abschnittes -sagt er in dieser Hinsicht: „Nicht die englische Politik von 1667, sondern die mächtigen -Flotten Cromwells im ersten Kriege, durch die die Holländer in ihre Häfen eingeschlossen -wurden, ließen Gras in den Straßen Amsterdams wachsen und führten den Frieden herbei. -Wenn auch sein Handel durch Unterbrechung und Preisgabe schwer litt, so war Holland -im zweiten Kriege doch imstande, mächtige Flotten zu halten, und zwang mit ihnen -endlich den Gegner zum Frieden, als dieser nur Kreuzerkrieg führte. Auch den dritten -Krieg konnte Holland trotz Verlust im Handel gegen England und Frankreich ausfechten. -In dem Kriege 1689–1697 litt England unter dem Kreuzerkriege ganz ungemein, weil -Frankreich auch große Kriegsflotten in See hatte. Als 1702–1712 Louis XIV. sich -wegen Geldmangels auf den Kreuzerkrieg beschränken mußte, wurden zwar ungeheuer -viele englische Schiffe genommen, aber das Land und auch besonders die handeltreibenden -Kreise gediehen trotzdem weiter; die englischen Flotten hatten zwar den Handel -preisgegeben, nahmen aber Gibraltar und Minorca und wirkten auch sonst weit wesentlicher -auf den Verlauf des Krieges ein.“ — Die Beispiele werden bis in die neueste Zeit -(Sezessionskrieg) fortgesetzt.</p> - -<p>Blicken wir nun nochmals auf die <em class="gesperrt">Angriffe gegen das feindliche -Land</em> zurück. Sie werden strategisch richtig nur ins Werk gesetzt, -wenn man die Seeherrschaft besitzt. Sie werden taktisch wohl überlegt ausgeführt: -das Gros der Flotte liegt in freierem Wasser als Stützpunkt und um -den Rücken freizuhalten, ein Geschwader aus leichteren Schiffen wird mit -Brandern vorgeschickt. Der erste Angriff gilt der Zerstörung feindlicher -Schiffe, dann folgt die Landung. Das erste wird also für das Wichtigere und -auch das zweite nur als ein Mittel zu weiterer Zerstörung feindlichen Eigentums -betrachtet; ein Festsetzen in Feindesland für größere Unternehmungen -scheint nie beabsichtigt zu sein.</p> - -<p>Genau wie oben angedeutet, verläuft die einzige derartige englische Expedition -im Vlie, zu der Landung stehen nur ganz geringe Kräfte zur Verfügung; -nahezu so spielt sich die Holländische in Themse und Medway ab. -Hier mißlingt der erste Angriff auf die Schiffe in der Themse, dann wird Sheerness -genommen, da man sonst an die Fahrzeuge im Medway nicht herankommen<span class="pagenum"><a name="Page_306" id="Page_306">[306]</a></span> -konnte. Zu einem dauernden Festsetzen würden die Truppen auch hier nicht -genügt haben, selbst wenn alle dafür bestimmten zur Stelle gewesen wären; -höchstens hätte man dann wahrscheinlich Chatham und die dort liegenden Schiffe -auch vom Lande her angreifen und so einen größeren Erfolg erzielen können. -Die früheren und späteren Versuche gegen die Themse waren nicht zu einer -größeren Invasion ausgerüstet, und endlich wurde auch, wie die geringe Zahl -der Landungstruppen zeigt, der Landangriff auf Harwich nur unternommen, -um leichter und sicherer die Schiffe im Hafen zu vernichten. Wie gesagt, -handelte es sich in diesem Kriege bei derartigen Unternehmungen nur darum, -den Feind durch einen kurzen Schlag zu schädigen, nicht den Krieg in sein -Land zu tragen; wollte man eine Invasion größeren Umfanges ausführen, so -hätte dazu ein starkes Heer vorher eingeschifft oder zur Einschiffung bereit -sein müssen, um nach der Besetzung eines festen Stützpunktes auf dem -Lande sofort folgen zu können. Den Holländern wäre dies bei der Schwäche -ihres Landheeres nur mit einer starken Unterstützung von seiten Frankreichs -möglich gewesen. Es ist kaum anzunehmen, daß man darauf gehofft hat, -wenn auch gerade Ludwig XIV. scheinbar für das Eindringen in die Themse sprach. -Nur im Juli 1666 hat man möglicherweise eine größere Landung mit Unterstützung -der Franzosen im Auge gehabt. Im nächsten Kriege werden wir aber -auf englischer Seite die Absicht finden, durch eine Landung in den Landkrieg -einzugreifen.</p> - -<p>Zum Schluß möchte ich noch einen <em class="gesperrt">Vergleich zwischen dem -ersten und dem zweiten Kriege</em> ziehen. Beim ersten ist hervorgehoben, -mit welcher Energie er durchgeführt wurde: die sechs großen Schlachten -folgen schnell aufeinander; im letzten Abschnitt versuchen beide Gegner, -zum ersten Male in jenen Zeiten, den Krieg sogar im Winter fortzuführen. -Im zweiten Kriege wird zwar in den Schlachten selbst mit gleicher Hartnäckigkeit -gefochten, aber wir finden nur drei große Schlachten und die Winterpausen -dauern sehr lange, wohl eine Folge der veränderten inneren Verhältnisse beider -Länder. Durchweg volkstümlich war der Krieg weder hier noch dort: In -England waren nur gewisse Kreise, die großen Kompagnien besonders, interessiert -und das Verhältnis zwischen König und Volk war nicht das beste; -in Holland waren ebenfalls die Landprovinzen überdrüssig, die Lasten eines -Krieges zu tragen, der scheinbar nur den Seeprovinzen — und hier besonders -Holland — von Nutzen war. In beiden Nationen gelangte man zur Erkenntnis, -daß Frankreich bei dem Streite im trüben fische und am meisten gewinne.</p> - -<p>Französische Schriftsteller versuchten es stets und versuchen es noch, -nachzuweisen, daß von einem absichtlichen Zurückhalten der französischen -Flotte keine Rede gewesen sein könne; ein Unparteiischer muß dies jedoch -nach allen Quellen annehmen, es paßte ja auch ganz in Ludwigs XIV. Politik, -wenn die beiden Gegner sich schwächten und er unberührt blieb.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_148_148" id="Footnote_148_148"></a><a href="#FNanchor_148_148"><span class="label">[148]</span></a> „Leben Ruyters“ (besonders die Ereignisse), „Vie de Tromp“ (besonders die -Verhandlungen der Staaten), kürzer: de Jonge, Teil I, und Clowes, Teil II, Seite 254 -und 422.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_149_149" id="Footnote_149_149"></a><a href="#FNanchor_149_149"><span class="label">[149]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 222.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_150_150" id="Footnote_150_150"></a><a href="#FNanchor_150_150"><span class="label">[150]</span></a> Näheres „Leben Ruyters“ und in „Vie de Tromp“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_151_151" id="Footnote_151_151"></a><a href="#FNanchor_151_151"><span class="label">[151]</span></a> Anschließend an Seite 195 (Holland) und Seite 197 (England) gibt die Betrachtung -gleichzeitig ein Bild der Fortentwicklung der Marinen. Quellen: de Jonge, Teil I, -und Clowes, Teil II, Kapitel XXII; erstere gibt für diese Zeit genauere Angaben über -die englische Marine als letztere.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_152_152" id="Footnote_152_152"></a><a href="#FNanchor_152_152"><span class="label">[152]</span></a> Auch de Jonge z. B. klagt über den Mangel. Clowes gibt die nächste erst für -1688, und da sind es fast nur Schiffe, die nach dem dritten Kriege gebaut sind. Die -hier gemachten Angaben sind entnommen: de Jonge, Teil I, Beilagen XXVIII, XXX, -XXXII, XXXIV; in XXXa. Namen der holländischen Schiffe und Kommandanten, -Kanonenzahl, genaue Einteilung in Geschwader für 1665.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_153_153" id="Footnote_153_153"></a><a href="#FNanchor_153_153"><span class="label">[153]</span></a> Dazu 8 Kauffahrer unbekannter Armierung, scheinbar größere, denn 1 zu 60 -und 1 zu 44 Kanonen werden erwähnt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_154_154" id="Footnote_154_154"></a><a href="#FNanchor_154_154"><span class="label">[154]</span></a> Darin enthalten 10 Kauffahrer der ostindischen Kompagnie: 4 zu 70–80, -5 zu 50–60, 1 zu 41 Kanonen. — 9 Kriegsschiffe und 7 Ostindienfahrer waren außerdem -noch in der Ausrüstung.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_155_155" id="Footnote_155_155"></a><a href="#FNanchor_155_155"><span class="label">[155]</span></a> In der Schlacht fehlte etwa ein Drittel dieser Zahl, als unter Prinz Ruprecht -detachiert; als er am dritten Tage wieder zur Flotte stieß, brachte er noch 10 weitere -Schiffe mittlerer Größe mit.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_156_156" id="Footnote_156_156"></a><a href="#FNanchor_156_156"><span class="label">[156]</span></a> Das heißt: Wenden der Schiffe einer Kiellinie nacheinander auf derselben -Stelle, auf der das erste Schiff gewendet hat.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_157_157" id="Footnote_157_157"></a><a href="#FNanchor_157_157"><span class="label">[157]</span></a> Durch Bevollmächtigte der Generalstaaten, wie denn überhaupt, bis Ruyter -1665 den Oberbefehl übernahm, dem Flottenchef die genauesten Vorschriften selbst -über den inneren Dienstbetrieb gemacht wurden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_158_158" id="Footnote_158_158"></a><a href="#FNanchor_158_158"><span class="label">[158]</span></a> Bemerkenswert ist es, daß Ruyter Gelegenheit nahm, seine Flotte zu exerzieren; -er ließ taktische Bewegungen machen („Leben Ruyters“, Seite 325: rechts um, links -um, öffnen, Schließen „wie bei Landsoldaten!“) und ordnete Gefechtsübungen an.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_159_159" id="Footnote_159_159"></a><a href="#FNanchor_159_159"><span class="label">[159]</span></a> Hauptquellen: Clowes, Teil II; „Leben Ruyters“; „Vie de Tromp“; de Jonge, -Teil II; Mahan. Teil I. Über Mängel der Quellen vgl. Seite <a href="#Page_199">199</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_160_160" id="Footnote_160_160"></a><a href="#FNanchor_160_160"><span class="label">[160]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 309, Namentliche Aufführung der Schiffe mit Angaben -über ihre Stärke.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_161_161" id="Footnote_161_161"></a><a href="#FNanchor_161_161"><span class="label">[161]</span></a> Vermooren heißt: Ein Schiff mit Bug- und Heckanker verankern, um ein Drehen -bei Wind- oder Stromwechsel zu verhindern.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_162_162" id="Footnote_162_162"></a><a href="#FNanchor_162_162"><span class="label">[162]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 286, gibt ein Verzeichnis der Schiffe mit Namen, Kanonen- -und Mannschaftszahl, als „bemerkenswert“, da es die erste größere Flotte Frankreichs -in den nördlichen Gewässern sei; andere Quellen weichen unbedeutend davon ab.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_163_163" id="Footnote_163_163"></a><a href="#FNanchor_163_163"><span class="label">[163]</span></a> Siehe Chabaud-Arnault im Quellenverzeichnis.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_164_164" id="Footnote_164_164"></a><a href="#FNanchor_164_164"><span class="label">[164]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 276, führt die Hauptwerke über die Schlacht auf, etwa 20. -Mir haben von diesen vorgelegen: de Jonge, Teil II, darin eine neuere Schilderung; -„Leben Ruyters“, genaue Beschreibung einzelner Episoden; „Vie de Tromp“ mit Berichten -Tromps und Ruyters, einigen Briefen sowie einer amtlichen holländischen -„Relation“, etwa 14 Tage nach der Schlacht geschrieben. Nach jedem Schlachttage -werde ich etwaige wichtigere Abweichungen dieser Werke gegen Mahan kurz anführen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_165_165" id="Footnote_165_165"></a><a href="#FNanchor_165_165"><span class="label">[165]</span></a> Als bemerkenswert für uns Deutsche sei erwähnt, daß das Kontingent Amsterdam -vor dem Auslaufen am 16. Mai vom Großen Kurfürsten und dem Prinzen von -Oranien besucht wurde. Die Schiffe lagen in Flaggengala, der hohe Besuch speiste -bei Ruyter, besichtigte verschiedene Schiffe sowie eine Gefechtsübung zweier Fregatten -u. a. „Leben Ruyters“, Seite 359.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_166_166" id="Footnote_166_166"></a><a href="#FNanchor_166_166"><span class="label">[166]</span></a> Mahan, Teil I., Seite 118, dagegen „Leben Ruyters“ Seite 362 und 374.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_167_167" id="Footnote_167_167"></a><a href="#FNanchor_167_167"><span class="label">[167]</span></a> „Leben Ruyters“, Seite 383: Samuel Raven in Rotterdam „glaubte dort Freunde -zu finden, mit deren Hilfe er einen Aufstand erregen könnte“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_168_168" id="Footnote_168_168"></a><a href="#FNanchor_168_168"><span class="label">[168]</span></a> Quellen wie bei der „Viertage-Schlacht“, nur Mahan beschreibt sie nicht. -Die in England auch gebräuchliche Bezeichnung „St. James' fight“ rührt daher, daß -sie am St. James-Tage geschlagen wurde.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_169_169" id="Footnote_169_169"></a><a href="#FNanchor_169_169"><span class="label">[169]</span></a> Näheres in den angezogenen Quellen, insbesondere den holländischen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_170_170" id="Footnote_170_170"></a><a href="#FNanchor_170_170"><span class="label">[170]</span></a> Nähere Angaben de Jonge, Teil I, Beilage XXXVI und „Leben Ruyters“ -Seite 423.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_171_171" id="Footnote_171_171"></a><a href="#FNanchor_171_171"><span class="label">[171]</span></a> Wir besitzen zahlreiche Beschreibungen dieses Unternehmens in den älteren -Quellen und neueren Werken, die in Clowes, Teil II, Seite 293, aufgeführt sind. Ich -habe von diesen bei meiner Schilderung dieselben wie zu den vorhergehenden Schlachten -benutzt. Man findet wieder in Clowes, de Jonge und „Ruyters Leben“ eine genaue -Schilderung, im „Vie de Tromp“ die Berichte usw.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_172_172" id="Footnote_172_172"></a><a href="#FNanchor_172_172"><span class="label">[172]</span></a> Colombs Disposition für Kapitel III, in dem dieser Krieg besprochen wird: -Der schwächere Gegner hat die Unmöglichkeit erkannt, gleichzeitig den Handel zu -schützen und um die Seeherrschaft zu kämpfen; er verbietet das Auslaufen der Handelsschiffe. -Von beiden Seiten richtet man den Angriff auf die Seestreitkräfte. Wenn -die Seeherrschaft errungen ist, erfolgen Angriffe auf die Schiffe in den Häfen, auch -Landungstruppen werden eingeschifft. — Wir folgen wieder dieser Disposition.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_173_173" id="Footnote_173_173"></a><a href="#FNanchor_173_173"><span class="label">[173]</span></a> Colomb, Seite 58.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_307" id="Page_307">[307]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p307.jpg" width="600" height="94" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Sechstes Kapitel.</span><br /> -Der dritte englisch-holländische Krieg. 1672–1674.</h3> - -<h4>Die politischen Verhältnisse, die diesen Krieg herbeiführten.</h4> - -<p>Wie wir sahen, trug zur Beendigung des zweiten englisch-holländischen -Krieges der Umstand wesentlich bei, daß beide Nationen die zunehmende -Macht Frankreichs mit Mißtrauen betrachteten; die Erfolge Ludwigs XIV. im -Devolutionskriege führten bald (1668) nach dem Friedensschluß sogar zu -einem Zusammengehen Hollands und Englands, aber nur für kurze Zeit. -Schon 1672 standen sich die alten Gegner aufs neue in einem Seekriege gegenüber, -in dem Frankreich jetzt auf Englands Seite erschien. Es war Ludwig -gelungen, Karl II. gegen die Neigung des englischen Volkes zur Durchführung -seiner Politik zu gewinnen, Holland zu isolieren und ihm außer England auch -noch andere Gegner zu schaffen. Um diese politische Strategie Ludwigs XIV. -zu veranschaulichen, ist es nötig, die <em class="gesperrt">Entwicklung der politischen -Verhältnisse bis zum Kriege</em> kurz zu betrachten.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Devolutionskrieg</em> (vgl. Seite <a href="#Page_289">289</a>) — der erste Eroberungskrieg -Ludwigs XIV. —, der Einfall in die spanischen Niederlande Ende Mai 1667, -verlief ungemein schnell zugunsten Frankreichs. <em class="gesperrt">Turenne</em> — der König -führte zwar scheinbar selbst den Oberbefehl — nahm bis Ende Oktober ohne -großen Widerstand eine Reihe der wichtigsten Städte: z. B. Charleroi, -Tournay, Douay, Oudenaarde, Lille; Brüssel und Dendermonde hielten sich. -Die Staatsschrift, in der Ludwig seine Ansprüche auf die fraglichen Landstriche -darlegte, zeigte unverhüllt den ehrgeizigen Charakter des jungen -Königs und versetzte ganz Europa in Besorgnis. Besonders Holland mußte -sich arg bedroht fühlen; aus Gründen, die wir schon erwähnt haben (Seite <a href="#Page_249">249</a>), -war Frankreich wohl gut als Freund, aber nicht als Nachbar. Auch in England -fürchtete man, daß Frankreich nach Erlangung des Übergewichtes auf -dem Kontinente, nach Eroberung der spanischen Niederlande oder gar Hollands -ein gefährlicherer Nebenbuhler um die Seeherrschaft werden könnte -als Holland. Zwei große Staatsmänner der bisher feindlichen Nationen -verbanden sich deshalb im geheimen, um den französischen Eroberungen -Schranken zu setzen. Der Ratspensionär <em class="gesperrt">de Witt</em> und der englische Gesandte<span class="pagenum"><a name="Page_308" id="Page_308">[308]</a></span> -in Holland, <em class="gesperrt">Sir William Temple</em>. De Witt überwand dabei -seinen alten Haß gegen England, die französische Gefahr war ja auch jetzt -die größere; er wagte viel bei den geheimen Unterhandlungen, da nach den -Gesetzen ein jedes Bündnis von den Magistraten aller Städte beraten werden -mußte. Temple, ein Mann voll inniger Vaterlandsliebe, aber auch auf das -Wohl aller Staaten bedacht, beachtete nicht die Hinneigung seines Königs -zu Frankreich. In kurzer Zeit brachten diese beiden Männer einen Vertrag -zustande (23. Januar 1668), dem dann der Gesandte Schwedens beitrat. -Diese <em class="gesperrt">Tripelallianz</em> forderte von Ludwig, daß er von weiteren Eroberungen -absähe, und von Spanien die Abtretung der bereits genommenen -Gebiete an Frankreich. Die Bundesgenossen verpflichteten sich, den König -zu Wasser und zu Lande zu bekriegen, falls er auf die Forderung nicht einginge, -und dann Frankreich auf den Stand des Pyrenäischen Friedens zurückzubringen.</p> - -<p>Das schwache Spanien stellte sich zwar empört, daß man so über sein -Eigentum verfüge, sah aber die Unmöglichkeit ein, dieses selbst zu -schützen. Auch Ludwig wagte nicht, der Allianz zu trotzen, ging auf die -Verhandlungen ein und bot auf Verlangen der Verbündeten dem spanischen -Gouverneur der Niederlande einen Waffenstillstand an, aber zunächst nur -bis Ende März. Dieser lehnte ihn jedoch ab mit dem Bemerken, es sei ein -Hohn, eine Waffenruhe anzubieten, die der Winter den Franzosen von selbst -auferlege. Um zu zeigen, daß er trotz der ungünstigen Jahreszeit seine Eroberungen -fortsetzen könne, ließ nun Ludwig die Grafschaft Burgund (Franche-Comté?), die, -wenn auch nur dem Namen nach, noch zu Spanien gehörte, im -Februar durch den Prinzen Condé besetzen; es geschah fast ohne Schwertstreich. -Nach diesem so leichten Erfolge machte der König Miene, die Verhandlungen -wieder abzubrechen, aber das energische Auftreten der Allianz -und ihre Drohung, alle Staaten Europas seien bereit, sich gegen Frankreich -zu waffnen, bewogen ihn doch zum Nachgeben; noch hatte er sich nicht an -den Gedanken gewöhnt, ganz Europa zu trotzen. Im <em class="gesperrt">Frieden zu -Aachen</em>, 2. Mai 1668, gab Frankreich die Franche-Comté zurück und -behielt die zwölf genommenen Städte Belgiens. Diese wurden sofort durch -<em class="gesperrt">Vauban</em> zu wichtigen Stützpunkten für weitere Eroberungen ausgebaut; -besonders galt Lille als eine Musterfestung nach dem System des berühmten -Ingenieurs.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. war erbittert über die Störung seines Planes. Sein Haß -richtete sich besonders gegen Holland, in dem er mit Recht die Seele des Dreibundes -und wegen dessen geographischer Lage das Haupthindernis seiner -Absichten sah; auch erschien es ihm als ein unerträglicher Schimpf, daß eine -„Republik von Krämern und Schiffern, die ihm und seinen Vorfahren so viel -zu verdanken habe“, den „größten König Europas“ in seinem Siegeszuge -hemme; Arger über in Holland erschienene Spottbilder und -schriften usw. -trat hinzu.</p> - -<p>Er beschloß, vorerst Holland zu züchtigen und zu unterwerfen, und dann -Belgien; mit allen Mitteln zielte seine <em class="gesperrt">politische Strategie</em> darauf<span class="pagenum"><a name="Page_309" id="Page_309">[309]</a></span> -hin, Holland nicht nur zu isolieren, sondern ihm auch Feinde zu schaffen; -dazu brauchte er vor allem die <em class="gesperrt">Auflösung des Dreibundes</em>. Er -versuchte, die alte Verbindung Frankreichs mit Schweden zu erneuern. -Zwar war hier im Reichsrate, der für den minderjährigen Karl XI. regierte, -anfangs wenig Neigung vorhanden, sich dem unruhigen und kriegslustigen -Ludwig anzuschließen, aber nach und nach gewann eine andere Stimmung -die Oberhand, wohl infolge Bestechung gewisser Kreise; im April 1672, als -auch Ludwigs sonstige Ränke zum Ziel geführt hatten, schloß Schweden mit -ihm den Vertrag, gegen Zahlung von Subsidien das Deutsche Reich an einer -Unterstützung Hollands zu hindern und hierzu 16000 Mann in Schweden -und Pommern bereit zu halten. Ebenso leichtes Spiel hatte Ludwig in England. -Karl II. hatte hier 1669 die Minister entlassen und neue genommen, -die seinen Plänen gegen Verfassung und Religion des Landes willfährig waren -— deshalb das Kabalministerium genannt —: das Parlament sollte abgeschafft, -das Königtum absolut gemacht und die Nation zur katholischen Religion -gezwungen werden. Zu diesem Plane paßte die Vernichtung des republikanischen -und evangelischen Hollands, infolgedessen gelang es Ludwig XIV., -den englischen König am 11. Juni 1670 zu einem Vertrage für die Ausführung -der beiderseitigen Absichten zu gewinnen: Gemeinschaftlich erst Holland -zu erobern, dann England politisch und kirchlich zu knechten. Auch wurde -Karl überzeugt, daß diese beiden Aufgaben gerade in dieser Reihenfolge -leichter und sicherer auszuführen seien, da dann das englische Volk keine -Unterstützung an dem holländischen finden könne. Von den Niederlanden -sollte Seeland, also insbesondere die wichtigen Flußmündungen der Schelde -und Maas, an England fallen, die Provinz Holland wollte man dem Prinzen -von Oranien als souveränes Fürstentum geben; alle übrigen Provinzen sollten -französisch werden. Für den Krieg wollte Frankreich an England 200000 Lstrl. -zu Rüstungen und jährlich 350000 Lstrl. Subsidien zahlen, gegen Holland -seine Flotte mit der englischen — unter englischem Oberbefehl — vereinigen -und zur Unterdrückung Englands später Truppen stellen.</p> - -<p class="small">Der Abschluß der schon länger laufenden Verhandlungen und besonders die Abmachung, -Holland zuerst anzugreifen, war das Werk der Herzogin von Orleans, Schwägerin -Ludwigs und Schwester Karls. Wesentlich unterstützt soll diese sein durch das ihr zu -diesem Zweck mitgegebene schöne Fräulein de Kerhouent, das die Lieblingsmaitresse -Karls wurde.</p> - -<p class="small">Der französische Geschichtschreiber Martin (Histoire de France) sagt zu dem Vertrage: -„Diese Verhandlungen sind falsch beurteilt. Man hat gesagt, Karl habe England -an Frankreich verkauft. Dies ist nur für die innere Politik richtig, er plante mit Hilfe -Frankreichs England zu knechten. Die Interessen des Landes nach außen verkaufte er -indessen durchaus nicht (d. h. dieses Mal nicht, beim Verkauf Dünkirchens tat er es), da der -größere Gewinn bei Niederwerfung Hollands von England eingeheimst sein würde.“ Man -darf wohl sagen, daß der Vertrag ein größerer politischer Fehler Frankreichs als Englands -war. England bekämpfte doch immer seinen derzeit bedeutendsten Nebenbuhler zur See, -der ihm sogar im Handel noch überlegen war, wenn ihm dadurch auch ein neuer in Frankreich -zu erwachsen drohte. Frankreich aber hatte, durch seine Festlandpolitik in Anspruch -genommen, wenig Aussicht, ohne einen Verbündeten dem vom Festland unabhängigen<span class="pagenum"><a name="Page_310" id="Page_310">[310]</a></span> -England gegenüber eine Seemacht zu werden, wonach Colbert gerade jetzt strebte. Ein -solcher Verbündeter war in Holland gegeben, mit ihm hätte man das Wachstum der englischen -Seemacht vielleicht unterbinden können, und dieser Verbündete sollte jetzt vernichtet -und sogar seine für die Seemacht wichtigste Provinz an England abgetreten werden. -Richelieu hatte aus diesem Grunde Freundschaft mit Holland gesucht, auch, um dort -technische Unterstützung zur Schaffung einer Marine zu finden.</p> - -<p>Dieser englisch-französische Vertrag wurde streng geheim gehalten. Als -de Witt, der doch von Verhandlungen gehört hatte, in London um Auskunft -ersuchte, äußerte sich Karl dem holländischen Gesandten gegenüber: Er -halte fest an der Tripelallianz; diese sei so heilsam, daß sie geschlossen -werden müsse, wenn es nicht schon geschehen wäre. Ähnliche Versicherungen -wurden auch in der Folge noch gegeben, und ihre Aufrichtigkeit schien dadurch -Bestätigung zu finden, daß Karl Ende 1670 vom Parlament bedeutende -Mittel für die Flotte in diesem Sinne forderte. Er sagte: da die französische -Flotte in den letzten Jahren verdreifacht sei, verlangten die Verpflichtungen, -die die Tripelallianz England auferlege, auch eine große Schlagfertigkeit -seiner Flotte für das nächste Jahr. In England hatten die Zunahme des -Seehandels und die Kolonialbestrebungen Frankreichs Eifersucht erregt, -die Tripelallianz besaß die allgemeine Sympathie, und so bewilligte das Parlament -die geforderten Gelder. Das englische Volk und de Witt waren getäuscht.</p> - -<p>Wenn nun <em class="gesperrt">de Witt</em> noch längere Zeit auf den Bestand des Dreibundes -und besonders auf Unterstützung durch England rechnete, so versuchte er -doch rechtzeitig, sich daneben in Deutschland Bundesgenossen gegen Frankreich -zu sichern; aber auch hier trat ihm Ludwig entgegen. Der Herzog von -Lothringen, die Kurfürsten von Mainz und Trier fanden sich anfangs bereit, -Truppen für Holland aufzustellen. Ehe jedoch die Werbungen begannen, -fiel Ludwig (August 1670) in Lothringen ein und besetzte das Land; trotz -Einspruch des Kaisers blieb es damals schon 27 Jahre in französischem Besitz. -Die Kurfürsten wagten jetzt nicht, zu rüsten und auch nicht auf dem Reichstage -für die bedrohten Niederlande aufzutreten; sie würden fast allein dagestanden -haben. Die übrigen Fürsten im Westen Deutschlands fürchteten -Ludwig oder waren ihm verpflichtet. Auch am kaiserlichen Hofe legte der -französische Gesandte „goldene Ketten“ (Ausdruck Ludwigs) an; die Minister, -vor allen der Premier Fürst Lobkowitz, überredeten den Kaiser zu einem -Vertrage mit Frankreich (November 1671), wonach keine der beiden Mächte -einen Gegner der anderen unterstützen sollte; der Kaiser wollte sich besonders -nicht in einen Krieg mischen, der über den Frieden von Aachen etwa entstehe.</p> - -<p>Endlich gewann <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. sogar offene <em class="gesperrt">Verbündete in -Deutschland</em> in dem Erzbischof von Köln und dem Bischof von Münster. -Da er beim Angriff auf Holland die spanischen Niederlande nicht betreten -wollte, um sich selbst in dem schwachen Spanien keinen Gegner zu schaffen, -sollte sein Heer den Weg durch das Kölner Land nehmen. Die beiden Prälaten -verpflichteten sich aber auch (Anfang 1672), 30000 Mann zu stellen, -wofür ihnen bedeutende Gelder und Teile Hollands zugesagt wurden. —<span class="pagenum"><a name="Page_311" id="Page_311">[311]</a></span> -Nur an der Einsicht und der deutschen Gesinnung des <em class="gesperrt">Großen Kurfürsten</em> -scheiterten Ludwigs Künste. Dieser wies den Antrag eines Bündnisses, -für das man ihm das Herzogtum Geldern bot, mit Verachtung zurück; -er warnte Holland und war entschlossen, für die Rettung der Republik und -zur Sicherung Deutschlands zu tun, was in seinen Kräften stand.</p> - -<p>So hatte Ludwig XIV. im Frühjahr 1672 <em class="gesperrt">Holland völlig isoliert</em> und -ihm außer England noch zwei festländische Gegner geschaffen; das der Republik -wohlgesinnte Brandenburg hoffte er durch Schweden in Schach zu halten.</p> - -<p class="small">Als bemerkenswert vom Standpunkt der Seekriegsgeschichte sei hier eines von -<em class="gesperrt">Leibniz</em> dem König von Frankreich unterbreiteten <em class="gesperrt">Planes</em> gedacht. Dieser deutsche -Gelehrte weilte 1672 in Paris, als sich schon erkennen ließ, daß die Pläne Ludwigs auch -Deutschland bedrohen würden. Er wollte deshalb den Ehrgeiz des Königs in andere Bahnen -leiten, von einer Ausdehnung seiner Macht in Europa zu Lande ablenken und auf Erweiterung -der überseeischen und des Seehandels, kurz auf die Erringung der Seeherrschaft, -hinführen. Zur Erreichung dieses Zieles sollte Frankreich Ägypten nehmen und mit diesem -Lande als Basis die Vormacht im Mittelmeer, in der Levante sowie im fernen Osten gewinnen; -Holland würde damit auch am leichtesten und sichersten vernichtet. Der Plan -weist also auf eine ähnliche Entwicklung Frankreichs hin, wie sie bald England nahm. Nach -Eroberung Ägyptens wäre Frankreich zur Schaffung einer großen Seemacht und zur Besitzergreifung -vieler überseeischer strategischer Punkte gezwungen worden, wie es England -durch den Besitz Indiens wurde.</p> - -<p class="small">(Einen genaueren Auszug aus dieser Denkschrift — Concilium Aegyptiacum —, insbesondere -auf die Gründe mehr eingehend, durch die Leibniz vor 200 Jahren den ehrgeizigen -König für den Gedanken gewinnen wollte, gibt Mahan, Teil I, Seite 135.)</p> - -<p>Nachdem der Krieg so vorbereitet war, wurden <em class="gesperrt">Gründe zur Kriegserklärung</em> -seitens der beiden Könige leicht gefunden; man kann wohl -sagen, an den Haaren herbeigezogen. <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. hatte schon vor der -Tripelallianz 1667 den Einfuhrzoll für holländische Waren erhöht. Als nun -Holland 1671 eine Zollerhöhung seinerseits vornahm, verlangte der König -im Tone des Zorns Zurücknahme und Genugtuung. Obgleich Holland um -diese Zeit noch auf England rechnete, war man doch zu billigem Ausgleich -bereit, aber Ludwig, der gerade damals sein politisches Werk bei den -deutschen Fürsten zu Ende gebracht, antwortete: „Im nächsten Frühjahr -werde ich tun, was mir für meinen Ruhm und für den Vorteil meines Staates -angemessen erscheint.“ (Januar 1672.)</p> - -<p>Am 7. <em class="gesperrt">April</em> 1672 erklärte er den Krieg nur mit dem Bemerken: das -Betragen der Republik sei den großen Wohltaten nicht angemessen, mit denen -er und seine Vorfahren diese überhäuft hätten. Der <em class="gesperrt">Bischof von -Münster</em> kündigte Krieg an, weil sich vier holländische Staatsbeamte -gegen sein Leben verschworen hätten. <em class="gesperrt">Karl</em> II. hatte schon im August 1671 -einen Streit wegen des Flaggenrechts herbeigeführt. Eine kleine königliche -Jacht, die die Gemahlin des englischen Gesandten Temple vom Haag abholte, -erhielt den Befehl, in offenkundiger Absicht durch die holländische Flotte -zu fahren und zu feuern, wenn die Flagge nicht vor ihr gedippt würde. Die -Jacht lief durch die vor der Maasmündung liegende Flotte und salutierte -die Flagge Ruyters. Der Admiral konnte nicht gleich danken, da sein Schiff<span class="pagenum"><a name="Page_312" id="Page_312">[312]</a></span> -gekrängt<a name="FNanchor_174_174" id="FNanchor_174_174"></a><a href="#Footnote_174_174" class="fnanchor">[174]</a> war, doch Leutnantadmiral Ghent beantwortete den Salut und -auch Ruyter folgte hierin, sobald sein Schiff wieder auf ebenem Kiel lag. -Dennoch schoß der Engländer scharf auf Ghent. Dieser sandte seinen Flaggkapitän -ab, um Aufklärung zu fordern, ging sogar dann selbst, da er gleichzeitig -die ihm bekannte Dame begrüßen wollte. Der englische Kommandant -erklärte, er habe scharf geschossen, weil Ghent die Flagge nicht gestrichen, -worauf dieser antwortete, das könne doch von einem großen Geschwader -einer einzigen kleinen Jacht gegenüber nicht verlangt werden. Diesen, noch -durch die Erdichtung dabei gefallener unehrerbietiger Äußerungen Ghents -aufgebauschten Vorfall nahm Karl wahr, um Genugtuung zu verlangen, -obwohl weder der bisherige Brauch noch der Wortlaut des Vertrages eine so -demütigende Auslegung des Flaggenrechtes rechtfertigten; der Vorfall hatte -sich ja außerdem in holländischen Küstengewässern abgespielt. Einige andere -nichtige Beschwerden Karls traten hinzu, z. B. Klagen über Medaillen, Bilder, -Gedichte, die in Holland zu Ehren des letzten Krieges angefertigt waren.</p> - -<p>Holland war bereit, in allem nachzugeben; so sollten in Zukunft auch -Flotten die Flagge streichen „als Zeichen der Ehre für einen Bundesgenossen -und großen Monarchen“. Als aber die Regierung ihre Vorschläge dem englischen -Gesandten unterbreitete, erklärte dieser, es sei zu spät, und reiste ab -(Januar 1672). Weitere demütige Schritte in London nützten nichts; im -<em class="gesperrt">März</em> 1672 griff <em class="gesperrt">England</em> einen holländischen Convoi an und <em class="gesperrt">erklärte</em> -am 29. desselben Monats <em class="gesperrt">den Krieg</em> für den 7. April, denselben Tag, an dem -die französische Kriegserklärung erging. Der Vorfall mit der englischen Jacht im -August 1671 hatte Holland schon veranlaßt, die englische Freundschaft mit Argwohn -zu betrachten; in den Januar-Verhandlungen war die Maske Karls gefallen.</p> - -<p>Bei der <b>Betrachtung der Streitmittel Englands und Hollands</b> in diesem Kriege -können wir uns kürzer fassen als bisher (Seite <a href="#Page_254">254</a> ff.), weil die wenigen Friedensjahre -keine wesentlichen Veränderungen in beiden Marinen gebracht haben, wenn -diese sich auch in der allgemein besprochenen Weise (Seite <a href="#Page_161">161</a> ff.) fortentwickelten.</p> - -<p>Was das <b>Material</b> anbetrifft, so wurden in <em class="gesperrt">Holland</em> größere Schlachtschiffe -nicht neu erbaut. Man glaubte, an den während des letzten Krieges -so zahlreich gebauten genug zu haben. Es mangelte auch an Geld, obgleich -der Handel bald wieder in vollster Blüte stand; die Staaten hatten noch -Schulden abzuzahlen, einige Admiralitäten waren gar mit Rechnungen, -Arbeitslöhnen und Gehältern im Rückstande. In <em class="gesperrt">England</em> aber sorgte -man hauptsächlich für den Ersatz der vielen verlorenen großen Schlachtschiffe. -Angaben über den Gesamtbestand fehlen wieder für beide Marinen; nach der -Stärke der im dritten Kriege aufgestellten Flotten dürfte die Gesamtzahl auf -beiden Seiten annähernd gleich geblieben sein. Zum Beweise hierfür und zum -Vergleich sei eine ähnliche Zusammenstellung<a name="FNanchor_175_175" id="FNanchor_175_175"></a><a href="#Footnote_175_175" class="fnanchor">[175]</a> wie früher gegeben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_313" id="Page_313">[313]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p313_1"> - <tr> - <td class="tdl"><p>Vor der Viertageschlacht 1666 setzte sich zusammen:</p></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe von Kanonen</td> - <td class="tdc">über 90</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die englische Flotte</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">25</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die holländische Flotte</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">21</td> - <td class="tdc">18</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe von Kanonen</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die englische Flotte</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die holländische Flotte</td> - <td class="tdc">19</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">9</td> - </tr> -</table> - -<table cellpadding="2" summary="p313_2"> - <tr> - <td class="tdl"><p>In der Schlacht bei Solebay 1672:</p></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe von Kanonen</td> - <td class="tdc">über 90</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">21</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">26</td> - <td class="tdc">12</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe von Kanonen</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">30</td> - <td class="tdc">16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc">36</td> - </tr> -</table> - -<p><em class="gesperrt">Schlachtschiffe</em> müssen wir von jetzt ab allgemein über 40 Kanonen -stark rechnen, dann zählte die holländische Flotte bei Solebay an solchen -„Linienschiffen“ 61, die englische 45. — Die Holländer hatten beabsichtigt, -noch 18 Linienschiffe (meist kleinere?) in Dienst zu stellen, damit kommen -wir als Gesamtbestand auf etwa 80, was der Stärke im zweiten Kriege entspricht; -auch die Größe der Schiffe ist ziemlich dieselbe. Bei den Engländern -sind mehrere ganz neue Schiffe der schwersten Klasse hinzugetreten, dagegen -fehlt gegen 1666 eine große Zahl mittlerer und kleiner Schlachtschiffe, die -jedoch sicher vorhanden waren.</p> - -<p class="small">Vermutlich war man infolge der schlechter gewordenen Verwaltung nicht imstande, -seine ganze Kraft zu entfalten; man rechnete auf die Franzosen, die gerade Schiffe dieser -Größen stellten. Einige solcher Fahrzeuge waren auch in den Häfen, besonders der Themse, -stationiert. Daß die Zahl der 40–50 Kanonenschiffe so heruntergegangen, hatte wohl auch -seinen Grund darin, daß man sie nicht mehr als vollwertige Schlachtschiffe ansah; wir -finden dasselbe bei Holland.</p> - -<p>Ungefähr dieselbe Stärke zeigen die Flotten bei den späteren Aktionen -dieses Krieges, doch erscheinen dann die Holländer mit 5–7 Schiffen zu -80–90 Kanonen. Bemerkenswert ist die große Zunahme an „kleinen Fahrzeugen“ -in den Flotten für den Melde- und Sicherheitsdienst.</p> - -<p>Über die <em class="gesperrt">Armierung</em> ist schon gesagt, daß die Angaben und Auslassungen -für die Zeit des zweiten Krieges auch jetzt noch zutreffen; zu -beachten ist aber, daß mit der Vermehrung der Schiffe über 90 Kanonen das -Übergewicht der Engländer an „schwerstem“ Kaliber noch gewachsen ist. -Auf beiden Seiten sehen wir in noch größerem Maße als zu Ende des zweiten -Krieges eine Zunahme der <em class="gesperrt">Brander</em>.</p> - -<p><b>Das Personal.</b> Der Verlauf des Krieges wird zeigen, wie schwierig es -dieses Mal infolge des gleichzeitigen Landkrieges den <em class="gesperrt">Holländern</em> wurde, -große Flotten aufzustellen und sie zu bemannen. Um so bewundernswerter<span class="pagenum"><a name="Page_314" id="Page_314">[314]</a></span> -ist es, daß die Republik dem vereinigten England und Frankreich doch zur -See mit Erfolg gegenüberstand. Es ist ferner fraglos, daß die holländische -Marine in militärischer Beziehung große Fortschritte gemacht hatte. Alle -Quellen bezeugen die größere Disziplin in ihren Flotten im dritten Kriege. -Wenn auch Reibungen zwischen den höheren Befehlshabern vorkommen, so hört -man doch nichts mehr von groben Verstößen gegen Disziplin und Taktik -von den Kommandanten und von Unzuverlässigkeit der Mannschaften; die -Leistung ihrer Artillerie ist besser als die der Engländer. Dies alles und die -Fortschritte in der Taktik sind zweifellos das <em class="gesperrt">Verdienst Ruyters</em>, -der dabei von hervorragenden Flaggoffizieren, wie z. B. Ghent, den beiden -van Nes, Bankers, Liefde u. a. m., unterstützt wurde. Auch eine wichtige -Organisationsänderung trug dazu bei. Im Jahre 1672 übernahm der Prinz -von Oranien durch seine Einsetzung als Statthalter auch wieder die Würde -des <em class="gesperrt">Generaladmirals</em> mit den alten Befugnissen (Seite <a href="#Page_149">149</a>), er entfernte -mit Ruyters Hilfe ungeeignete Kapitäne und hob die Stellung des tatsächlichen -Oberbefehlshabers, durch Ernennung Ruyters zum <em class="gesperrt">Leutnantadmiralgeneral</em>, -den anderen Leutnantadmiralen gegenüber.</p> - -<p>Auch in <em class="gesperrt">England</em> vollzog sich während des Krieges eine wichtige -organisatorische Änderung. Als 1673 die „Testakte“ im Parlament durchging -— wonach kein Katholik ein Staatsamt bekleiden durfte —, mußte der -Herzog von York seine Stellung als <em class="gesperrt">Lordhighadmiral</em> niederlegen. -Karl II. besetzte die Stellung nicht wieder. Er ernannte den Prinzen -Rupert zum Oberbefehlshaber der Flotte, gab ihm zwar manche der Befugnisse, -die später dem ersten Lord der Admiralität zufielen, behielt sich aber -selbst den größten Einfluß im Marinedepartement vor. Diese Teilung soll -nach englischen Quellen ungünstig für den Dienst, besonders für die Verwaltung -(Ausrüstung der Flotten!) gewesen sein. Das Personal hatte hier an -Güte eingebüßt. Die geringere Sorgfalt und Zuverlässigkeit in der Verwaltung -haben wir schon im zweiten Kriege kennen gelernt. Jetzt zeigte sich der verderbliche -Einfluß eines ausschweifenden Hofes mit Günstlingswirtschaft und -des Parteiwesens im Lande auch beim Offizierkorps. Die Cromwellsche -Zucht läßt immer mehr nach; die sonst tüchtigen Führer, die Kavaliere York -und Rupert, ersetzen doch nicht den alten Soldaten Monck († 1670) in der -Aufrechterhaltung der Disziplin. Alles wird schlimmer, je mehr sich das Verhältnis -zwischen Volk und König zuspitzt. Als Rupert den Befehl übernahm, -erhielt der tüchtige Admiral Holmes, obgleich Rupert selbst es wünschte, -keine Stelle in der Flotte, weil er ein Liebling Yorks gewesen war. Anderseits -machten jetzt Offiziere der Hofpartei dem protestantischen Prinzen -Opposition, und es ereignen sich ähnliche Fälle von Eigenmächtigkeit wie -früher bei den Holländern. Die Mannschaft endlich war nicht mehr so gut -wie ehemals. Bei der Unpopularität des Krieges mußte der Bedarf größtenteils -durch Pressen gedeckt werden. Diese Maßnahme lieferte aber weder -genügend noch gutes Material; Auffüllen mit Soldaten war nötig, denn gute -kriegserfahrene Seeleute fehlten sehr.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_315" id="Page_315">[315]</a></span></p> - -<p>Zum ersten Male müssen wir die <b>französische Marine</b>, ihre <em class="gesperrt">Entwicklung -und Bestand</em><a name="FNanchor_176_176" id="FNanchor_176_176"></a><a href="#Footnote_176_176" class="fnanchor">[176]</a> um diese Zeit in den Kreis unserer Betrachtungen -ziehen.</p> - -<p>Wir haben gesehen (Seite <a href="#Page_152">152</a>), daß in Frankreich verschiedene Versuche, -eine Marine zu gründen, ohne dauernden Erfolg blieben. Die letzte und -größte Schöpfung dieser Art, die Richelieus, verfiel schon unter Mazarin wegen -Geldmangels, besonders während der Fronde; <em class="gesperrt">Colbert</em> belebte sie wieder -nach dem Pyrenäischen Frieden (1659). Wenn Richelieu, als eigentlicher -Regent Frankreichs, die Marine mehr als Werkzeug der äußeren Politik -begünstigt hatte, wandte Colbert ihr seine Sorgfalt besonders als Handelsminister -zu. Es ist bekannt, daß Colbert an der Spitze der Verwaltung dahin -strebte, Frankreich aus finanzieller Zerrüttung herauszubringen und seine -Wirtschaft auf der festen Grundlage nationalen Wohlstandes sicherzustellen. -Zu diesem Zweck wollte er sein Vaterland auch zu einer Seehandelsmacht -ersten Ranges machen und hierzu bedurfte er einer starken Marine.</p> - -<p class="small">Es liegt natürlich außerhalb unserer Aufgabe, auf die <em class="gesperrt">Tätigkeit Colberts</em> -näher einzugehen, es seien aber doch einige Worte über seine Maßnahmen zur Förderung -des arbeitenden Volkes, zur Durchführung seiner Wohlfahrtspolitik gesagt:</p> - -<p class="small">Eine gleichmäßigere Besteuerung und eine gerechtere Erhebung der Steuern wurde -eingeführt; das Heer der Beamten und Pensionäre beschränkt. Um die Produktion des so -reichen Landes zu heben, wurden Landwirtschaft und besonders Industrie unterstützt, -zu letzterem Zweck wurden Manufakturen unter staatlicher Aufsicht gegründet und durch -Schutzzölle gesichert.</p> - -<p class="small">Zugleich wurden Handels- und Verkehrswesen nach allen Seiten, im Innern und nach -außen, gefördert durch: Handelsgesetze, Assekuranzkammern, Schiffahrts- und Zollordnungen, -die das Speditionsgeschäft in französische Hände bringen und so den Schiffbau -heben sollten, durch den dann wieder die einheimischen und die Kolonialerzeugnisse -befördert werden sollten, denn den Kolonien wurde gleiche Pflege zuteil; günstige Handels- -und Zollverträge; Gründung großer Handelskompagnien nach Ost- und Westindien, -Levante; Prämien für im Lande erbaute Schiffe; Gründung von Freihafengebieten, um -Frankreich an Hollands Platz als großes Lagerhaus Europas zu setzen, wozu es durch -seine geographische Lage hervorragend geeignet erschien; Verordnungen für die Kolonien, -die den französischen Schiffen den Alleinhandel von und nach ihnen sicherten; endlich -Gründung einer starken Kriegsmarine zur Beherrschung der Meere.</p> - -<p class="small">Colbert verfolgte sein Ziel in durchaus französischem Geiste; alles war organisiert, -alles ging von dem Kabinett des Ministers aus. „Eine mächtige Armee von Kaufleuten -und Fabrikanten zu organisieren, die einer tätigen und einsichtigen Leitung unterstellt -war, um so durch Ordnung und Vereinigung der Kräfte einen industriellen Sieg zu gewährleisten -und die besten Erzeugnisse dadurch zu erhalten, daß alle Arbeiter zu dem Verfahren -angehalten wurden, welches von den erfahrensten Männern als das beste anerkannt war...“ -und „Seebevölkerung und Seehandel ebenso wie Industrie und Binnenhandel zu organisieren, -sowie der Handelsmacht Frankreichs als Stütze eine Marine auf fester und bisher -ungeahnt breiter Grundlage zu geben, waren Colberts Ziele.“ (Mahan, Teil I, Seite 65/66.)</p> - -<p class="small">Da alles von einem Manne, gewissermaßen als Ausführung eines logischen Gedankenganges, -ausging, und dieser Mann eine absolute Macht hinter sich hatte, entwickelte es sich -sehr schnell. Bald trug es Früchte, der allgemeine Wohlstand wuchs; insbesondere blühte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_316" id="Page_316">[316]</a></span> -die Handelsschiffahrt schnell auf, Frankreich begann ein gefährlicher Konkurrent Hollands -und Englands als Seehandels- und Seekriegsmacht zu werden.</p> - -<p class="small">Aber das Wachstum war auch künstlich und hing von der absoluten Macht ab, die es -bewachte. Colbert war nicht König und seine Macht zu Ende, als ihm der König seinen -Rückhalt entzog; hiermit wurde auch sein Werk erschüttert und brach mit seinem Tode -(1683) zusammen.</p> - -<p>Bei der Gründung der Marine hatte <em class="gesperrt">Colbert</em> die bereits vorgeschrittene -Entwicklung der holländischen und englischen als Beispiel; wie bei allen -seinen Organisationen ging er folgerichtig, geschickt und sorgfältig vor, eine -absolute Regierung stand ihm mit ihrer ungehemmten Kraft zur Verfügung; -so <em class="gesperrt">erreichte</em> er <em class="gesperrt">in kurzer Zeit kaum Glaubliches</em>. Anfangs -wurden seine Reformpläne vielfach durch den Admiral von Frankreich, derzeit -Herzog von Beaufort, (uns bekannt als Herzog von Vendôme, Seite <a href="#Page_208">208</a>) -behindert. Nach dessen Tode 1669 wurde dieser Posten auf Colberts Veranlassung -mit einem vierjährigen Kinde — Graf von Vermandois, Sohn der -Lavallière — besetzt, während Colbert selbst Marineminister wurde. Von -nun an hatte er, wie einst Richelieu, freie Hand für seine Pläne und baute -auf dem Grunde, den dieser gelegt, weiter.</p> - -<p>Zunächst wandte er seine Sorgfalt den alten <em class="gesperrt">Kriegshäfen</em> zu, -wo alles gewissermaßen in Ruinen lag. Befestigungen, Hafenanlagen, Werften -und Arsenale wurden ausgebaut: in Brest und Toulon als den Hauptkriegshäfen -im Norden und Süden, daneben in Havre und Dünkirchen — diese -beiden waren leider für schwere Schiffe nicht zugänglich, so daß sich in den -kommenden Kriegen öfters der Mangel eines Rückzugshafens am Kanal -fühlbar machte; für das versandete Brouage wurde La Rochelle an der Biskaya -gegründet; die Station der Galerenflotte verlegte man von Toulon -nach Marseille, um Reibungen mit der Hochseeflotte zu vermeiden. Ebenso -wichtig war die Neueinrichtung der Verwaltung der Anlagen der Marine, -wo Trägheit, Schlendrian, selbst Untreue eingerissen waren. Hierbei wich -Colbert von Richelieu ab: Bislang stand die Verwaltung unter der militärischen -Behörde, dem Chef d'Escadre der Provinz; jetzt wurden alle technischen -und Verwaltungsgeschäfte einem Intendanten in jedem Kriegshafen -übertragen, die Stationschefs behielten nur die rein militärischen Angelegenheiten. -Dies führte zwar oft zu Verdrießlichkeiten und Streit zwischen -beiden Behörden, war aber bei der damaligen Beschaffenheit des Offizierskorps -nötig; die Leistungen der französischen Werften sollen infolge -der herrschenden neuen Ordnung bald die der englischen übertroffen -haben.</p> - -<p>Bei der schnellen Vermehrung des <em class="gesperrt">Schiffsbestandes</em> war es -anfangs notwendig, die Fahrzeuge wie früher im Auslande, besonders in Holland, -bauen zu lassen, aber bald waren die eigenen Werften dazu imstande -und die Vermehrung ging nun noch schneller vor sich. Zur Zeit Richelieus, -etwa 1640, besaß man 30 größere und 27 kleinere Kriegsschiffe; 1661 waren -nur 30 Fahrzeuge überhaupt, darunter nur 3 über 60 Kanonen, vorhanden. -Aber nun begann der Bau, und der Bestand an Schiffen war:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_317" id="Page_317">[317]</a></span></p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p317_1"> - <tr> - <td class="tdl">Kanonenzahl</td> - <td class="tdc">über 100</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1666</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">3</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1669</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">23</td> - <td class="tdc">13</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Kanonenzahl</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">20–30</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1666</td> - <td class="tdc">17</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">?</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td31" colspan="3"></td> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1669</td> - <td class="tdc" colspan="3">44</td> - <td class="tdc">20</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Da sich Ludwig XIV. die Schaffung einer Marine ersten Ranges als Ziel gesetzt -hatte, ging der Bau in derselben Weise fort. Das Ziel war etwa 1681 erreicht, man -zählte in diesem Jahre 170 Segel, darunter 70 Linienschiffe über 50 Kanonen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1669 zeigt also schon einen dem englischen und dem holländischen -Bestande völlig ebenbürtigen. Die Schiffe waren neu und gut; -es ist schon darauf hingewiesen, daß sich die Engländer diese neuen Schiffe -als Muster zu Verbesserungen nahmen, was See- und Segeleigenschaften -sowie Höhe der Pforten über Wasser anbetraf; die französischen Schiffe waren -von größerem Deplacement im Verhältnis zur Kanonenzahl. Ein Vergleich -der früher (Seite <a href="#Page_168">168</a> ff., Seite <a href="#Page_259">259</a>) über die Armierung gemachten Angaben -ergibt, daß die Franzosen in Verwendung schwererer Kaliber zwischen -den Holländern und Engländern standen. Die <em class="gesperrt">Bemannung</em> war bei den -Franzosen stärker als bei den beiden anderen Nationen, besonders auf den -ganz schweren Schiffen, obgleich auch die Engländer bei diesen den Etat -erhöht hatten. Es waren eingeschifft auf:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p317_2"> - <tr> - <td class="tdr">Schiffen</td> - <td class="tdc">über 90</td> - <td class="tdc">über 70</td> - <td class="tdc" colspan="2">über 50 Kanonen</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">400–500</td> - <td class="tdc">200–400</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">England</td> - <td class="tdc">600– 850</td> - <td class="tdc">500–600</td> - <td class="tdc">280–400</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdc">700–1200</td> - <td class="tdc">600–700</td> - <td class="tdc">300–500</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p>Dieselbe Sorgfalt wie dem Material wandte Colbert der Organisation des -<em class="gesperrt">Personals</em> zu. Es ist schon angedeutet, daß unter ihm versucht wurde, -eine regelrechte Rekrutierung für die Marine aus der Bevölkerung der Küstenbezirke -sicherzustellen (mit Vorteilen: Halbsold, Witwen- und Waisenpensionen -u. dgl.); Colbert strebte sogar an, daß die Eingeschriebenen stets -auf demselben Schiffe dienen sollten. Aber obgleich in den Listen 1672 schon -60000 Mann geführt wurden, war die Sache doch noch so wenig durchgebildet, -daß bei der Mobilmachung zum Pressen zurückgegriffen werden mußte. -Colbert gründete auch Seesoldatenkompagnien, doch mußte er diese bald -wieder dem eifersüchtigen Kriegsminister (Louvois) abtreten, und die Soldaten -an Bord — etwa ein Drittel der Besatzung — wurden wieder vom Kommandanten -angeworben. Der Minister sorgte auch, wie schon Richelieu es getan, -für Ausbildung tüchtiger Schiffskanoniere auf Schulen mit mehrmonatigen -Unterrichtskursen. Endlich stellte er eine regelmäßige Löhnungszahlung -sowie eine bessere Verpflegung sicher und erließ mehr zeitgemäße Kriegsartikel.</p> - -<p>Die Bildung eines Unteroffizier-, Deckoffizier- und <em class="gesperrt">Seeoffizierkorps</em> -vollzog sich hier in Frankreich jetzt leichter als in den beiden anderen<span class="pagenum"><a name="Page_318" id="Page_318">[318]</a></span> -großen Marinen, da die Organisation sich nicht wie dort langsam aus sich -entwickelte, sondern eben die Erfahrungen dieser Marinen schon vorlagen. -1660 bestand das höhere Offizierkorps aus 1 Admiral von Frankreich, 2 Vizeadmiralen -— alle drei, namentlich aber der erste, Herren von hoher Geburt, -selten seeerfahren —, 3 Generalleutnants und den 4 Chefs d'Escadre, d. h. -Stationschefs der Seedistrikte. Diesen unterstanden die Hauptkriegshäfen -und die Unterhaltung sowie Mobilisierung der Streitkräfte ihres Distriktes, -sie führten dann auch das betreffende Geschwader; zur Unterstützung hatten -sie einen Kapitän und einige Leutnants des Hafens. Das Offizierkorps für -die mobilen Schiffe: Kapitäne, Leutnants, Enseignes (Unterleutnants) und -Aspiranten (auch schon von Richelieu eingeführt) war nur spärlich. Colbert -trennte also die Administration vom Offizierkorps und vermehrte dieses -sehr,<a name="FNanchor_177_177" id="FNanchor_177_177"></a><a href="#Footnote_177_177" class="fnanchor">[177]</a> wozu er namentlich auch Elemente der höheren Stände heranzog. -Er gründete ein Aspirantenkorps, gardes de marine, von 200 Köpfen, davon -drei Viertel Edelleute, auch zog er Offiziere der Armee in die Marine. Eine -Marineschule mit Prüfungen wurde geschaffen; Schulschiffe zur Ausbildung -der Offiziere wurden in Dienst gestellt und genaue Bestimmung über den -Dienst an Bord erlassen: Alles mit dem ausgesprochenen Zweck, in den -Offizieren Seeleute und Soldaten, also „Seeoffiziere“ zu erziehen.</p> - -<p>Natürlich ließ sich ein größeres Korps nicht so schnell schaffen. 1672 -war man genötigt, viele Offizierstellen mit Personal aus der Handelsmarine -zu besetzen, obgleich nur ein Teil der Schiffe zum Kriege in Dienst gestellt -wurde. Auch ließen sich die guten Grundsätze für einen strengen Dienstbetrieb -nicht immer durchführen. Gerade mit dem Adel traten auch Elemente -ein, die, gestützt auf ihre hohen Verbindungen, den Dienst leicht nahmen; -die Bevorzugung des Adels erregte anderseits Unzufriedenheit bei den andern -Offizieren. So stand die französische Marine 1672 im Material wohl stark -da, aber der Personalmangel — vorzüglich an Offizieren und Chargen — verbot -noch die volle Verwendung. Das für den Krieg gestellte Kontingent -betrug bei Solebay 1672<a name="FNanchor_178_178" id="FNanchor_178_178"></a><a href="#Footnote_178_178" class="fnanchor">[178]</a> nur:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p318"> - <tr> - <td class="tdl">Schiffen zu Kanonen</td> - <td class="tdc">78</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">60–68</td> - <td class="tdc">54–58</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">38–46</td> - <td class="tdc">12–14</td> - <td class="tdc">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Anzahl</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">8</td> - </tr> -</table> - -<p class="noindent">von den schon vorhandenen 10 ganz schweren Schiffen ist keines vertreten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_319" id="Page_319">[319]</a></span></p> - -<p>Ferner mangelte der französischen Flotte die Kriegserfahrung; ihre Führer, -auch die tüchtigen älteren Seeleute, hatten keine Übung in der anderen Flottentaktik; -die französischen Quellen heben diesen Umstand ganz besonders -hervor, die Flotte hatte nur gegen die Barbaresken gefochten. Es ist dies -wohl mit ein Grund der auffallenden Führung der französischen Seestreitkräfte: -der ängstlichen Vorsicht im zweiten englisch-holländischen Kriege; der Lauheit -und der Fehler im dritten, in dem sogar ein erst kürzlich zur Marine -übergetretener Landoffizier das Geschwader führte. Wie beim zweiten, so -drängt sich aber auch beim dritten Kriege der Verdacht auf, daß Ludwig XIV. -seine neue, noch unsichere Waffe schonen wollte; vielleicht stellte er auch -deshalb kein stärkeres Kontingent, um so weniger, da er doch die ganze Last -des Landkrieges allein trug.</p> - -<p class="small">Es ist beachtenswert, daß sich in der französischen Marine das <em class="gesperrt">eigentliche -Seeoffizierkorps</em> — die Verschmelzung von Soldat und Seemann — frühzeitig -stärker ausbildet als anderswo. Schon zu Richelieus Zeiten hatten die Schiffe 1 Kapitän, -1 Leutnant, 1 Unterleutnant, und 1672 findet man auf einem 60-Kanonenschiff schon -1 Kapitän, 1 zweiten Kapitän, 2 Leutnants, 2 Unterleutnants; die Offiziere scheinen um -diese Zeit den Dienst der Maîtres, die seemännische Führung des Schiffes, schon völlig -übernommen zu haben. Diesem frühzeitig erstarkten Seeoffizierkorps gab nun die Art -seines Ersatzes — hauptsächlich aus dem Adel, einer damals gerade in Frankreich -hervorragend militärischen Kaste stammend —, die hier sorgfältigere Erziehung für -den Seekriegsdienst und auch wohl die Eigentümlichkeiten des Volkes den Charakter, -den es stets beibehalten hat. Es überwiegt beim französischen Seeoffizier der Soldat gegenüber -dem Seemann. In England gewann bei der Verschmelzung der Seemann die Überhand; -der englische Seeoffizier des nächsten Jahrhunderts suchte seinen Stolz mehr -in geschickten Segelmanövern als in der Entwicklung der militärischen Leistungsfähigkeit -seines Schiffes. Dieser Umstand sollte besonders die Leistungen der französischen Flotten -in taktischen Beziehungen eine Zeitlang — in den Kriegen des nächsten Abschnittes — -sehr begünstigen.</p> - -<p><b>Die Verwendung der drei Marinen von 1867–1672.</b> Die Seestreitkräfte -<em class="gesperrt">Hollands</em> und <em class="gesperrt">Englands</em> fanden in den wenigen Friedensjahren -zwischen dem zweiten und dem dritten Kriege im wesentlichen nur Verwendung -im Mittelmeer gegen die Seeräubereien der Raubstaaten. In derselben -Weise, wie wir es früher gesehen, besonders nach dem ersten Kriege, -hielten beide Nationen ständige Geschwader an der nordafrikanischen Küste. -Man war zeitweise gezwungen, diese bis zu einer Stärke von 18 Schiffen zu -30–60 Kanonen aufzustellen, da auch die Afrikaner mit Geschwadern von -Schiffen gleicher Größe auftraten; es kam zu richtigen Seegefechten, zu gemeinsamen -größeren Operationen, die dann für einige Zeit wenigstens dem -Unwesen ein Ende machten.<a name="FNanchor_179_179" id="FNanchor_179_179"></a><a href="#Footnote_179_179" class="fnanchor">[179]</a></p> - -<p>Auch die aufstrebende <em class="gesperrt">französische Marine</em><a name="FNanchor_180_180" id="FNanchor_180_180"></a><a href="#Footnote_180_180" class="fnanchor">[180]</a> fand ihre erste -Verwendung im Kampf mit den Barbaresken. Eine <em class="gesperrt">erste größere -Expedition</em> brachte das Jahr 1669. Ludwig XIV. sandte unter dem <em class="gesperrt">Herzog</em><span class="pagenum"><a name="Page_320" id="Page_320">[320]</a></span> -<em class="gesperrt">von Beaufort</em> eine Flotte von 20 Schiffen — 1 zu 94, 3 zu 72, 12 zu -36–60, 4 zu 20 Kanonen — und 12 Galeren mit einer Armee von 7000 Mann -— gute Regimenter — <em class="gesperrt">nach Kreta</em> zur Unterstützung der Venetianer. -Die Flotte als solche fand hierbei keine Gelegenheit zur Aktion; auch die -Landung wurde, zwar anfangs glücklich, schließlich zu einem Fehlschlage; -der Herzog von Beaufort fiel (vgl. „Nebenkriege“, Kapitel X, unter „Venedig“).</p> - -<h4>Der Verlauf des Krieges.<a name="FNanchor_181_181" id="FNanchor_181_181"></a><a href="#Footnote_181_181" class="fnanchor">[181]</a></h4> - -<p>Der dritte englisch-holländische Krieg war nicht wie die beiden vorhergegangenen -ein reiner Seekrieg, sondern für Holland auch ein Landkrieg; -wir müssen deshalb bei der Beschreibung auch die Ereignisse am Lande -fortlaufend kurz berühren. Nach den <b>Kriegsplänen der Verbündeten</b> sollte -die Republik von drei Seiten angegriffen werden: Durch Frankreich im -Südosten, durch Münster und Köln im Osten und durch eine Landung der -englisch-französischen Flotte im Norden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Holland war in einer schwierigen Lage</em> („Holland in -Not!“). Wir wissen bereits, daß die regierende Partei das Heer sehr vernachlässigt -hatte, und auch die Flotte, die es nun mit zwei mächtigen Gegnern -aufnehmen mußte, konnte, wie die Verhältnisse im Innern jetzt lagen, nicht -mit gleicher Kraft auftreten wie bisher. Die Uneinigkeiten zwischen den -Provinzen waren gewachsen, die Parteien stießen immer schroffer aufeinander. -De Witts Einfluß schwand mehr und mehr, die oranische Partei wurde mächtiger; -diese setzte sogar am 24. Februar 1672 die Ernennung des Prinzen -<em class="gesperrt">Wilhelm von Oranien</em> zum Generalkapitän der Armee für den -bevorstehenden Feldzug durch, wie die Folge zeigen sollte, zum Heile des -Landes. Man zankte sich über diese Ernennung, über abzuschließende -Bündnisse, über die nötigen Rüstungen zu Wasser und zu Lande. Insbesondere -wollten die Landprovinzen ihre Mittel für die Landbefestigungen -behalten, aber selbst Seeland zeigte sich wenig geneigt zu Rüstungen auf dem -Wasser, nur Holland tat wie bisher seine Pflicht. Auf diese Weise wurden die -Rüstungen und im besonderen die Aufstellung einer starken Flotte sehr -erschwert.</p> - -<p>1668 hatte man nach dem Vertrage der Tripelallianz eine Flotte von -40 Kriegsschiffen im Dienst gehalten, aber nach dem Aachener Frieden -wurde sie verringert. Im Jahre 1670 seitens der Provinzen von Holland -eingebrachte Anträge, sich gegen Frankreich durch Aufstellung größerer -Seestreitkräfte zu sichern, fanden keine Zustimmung, und erst 1671, als man -auch England zu mißtrauen begann, wurde eine Flotte von 36 Kriegsschiffen -mit den nötigen Fregatten und Brandern in Dienst gestellt; dies war die -Flotte Ruyters, von der die englische Jacht im August 1671 den Flaggengruß -forderte. Infolge dieses Falles verlangte die Provinz Holland sofort wiederum -umfangreiche Rüstungen — 72 Schlachtschiffe, 24 Fregatten, 24 Brander —,<span class="pagenum"><a name="Page_321" id="Page_321">[321]</a></span> -aber nicht vor dem Februar 1672, als man an dem Ausbruch eines Krieges -mit Frankreich nicht mehr zweifeln konnte, ging der Beschluß durch, 40 -Schlachtschiffe — darunter 36 über 60 Kanonen — und 24 Brander in Dienst -zu stellen, — nur eine kleine Flotte, obgleich der Verlauf der Januar-Verhandlungen -mit England auf das Ärgste von dieser Seite schließen ließ; erst ein -<b>Gewaltakt Englands</b> — ganz wie beim zweiten Kriege der Angriff eines Convois -<b>vor der Kriegserklärung</b> — war nötig, um eine Verstärkung der Rüstungen zur -See herbeizuführen.</p> - -<p class="small">Ein <em class="gesperrt">Convoi Smyrnafahrer</em>,72 Segel gedeckt durch nur 5 Kriegsschiffe -von 38–50 Kanonen und eine leichte Fregatte, wurde während des Monats März -im Kanal erwartet. Der König von England hatte den Befehl erlassen, ihn zu überfallen; -32 Schiffe unter <em class="gesperrt">Admiral Holmes</em> waren dazu bestimmt. Infolge nachlässig -betriebener Ausrüstung waren jedoch bei weitem nicht alle bereit, als Holmes -Mitte des Monats bei Wight liegend von dem aus dem Mittelmeer zurückkehrenden -Admiral Spragge hörte, daß der Convoi ihm auf dem Fuße folge. Anstatt nun Spragge -seine Order mitzuteilen und sich mit ihm zu verbinden, ließ er ihn weitersegeln, um -allein den Ruhm zu ernten. Er hatte nur 8 Schlachtschiffe, unter denen sich aber -mindestens 3 zu 70–90 Kanonen befanden, und 3 kleinere Segel. Der Convoi war beim -Eingange des Kanals durch leichte Segler von der Heimat her auf die gespannten Verhältnisse -mit England aufmerksam gemacht worden und nicht unvorbereitet. Von -den Kauffahrern waren 24 armiert; der Führer des Convois, <em class="gesperrt">den Haen</em>, traf die nötigen -Maßnahmen, um mit jenen und seinen Kriegsschiffen einem Angriff entgegentreten -zu können.</p> - -<p class="small">Die Gegner trafen sich am 23. März auf der Höhe von Wight. Holmes rief den -Haen zu sich an Bord, doch dieser sandte nur einen Offizier; der nächsthöhere englische -Kommandant verlangte dasselbe vom Führer der holländischen Vorhut, ebenfalls ohne -Erfolg. Nun griffen die beiden englischen Flaggschiffe die holländischen an und der -Kampf wurde sofort allgemein, dauerte als laufendes Gefecht bis zur Nacht und wurde -am nächsten Tage fortgesetzt. Trotz der Behinderung durch die nicht armierten Kauffahrer, -trotz des Todes den Haens am ersten, der schweren Verwundung des Vorhutführers -und des Todes des Nachhutführers am zweiten Tage und endlich trotzdem, daß Holmes -am zweiten Tage noch eine Verstärkung von 4 Schlachtschiffen und einigen kleineren erhielt, -gelang es den Engländern nur, ein Kriegsschiff und 3 Kauffahrer zu nehmen. Die -Holländer setzten ihren Kurs in bester Ordnung fort — der erste Offizier den Haens hatte -dessen Flagge wehen lassen, um Verwirrung zu vermeiden — und erreichten durch -Nebel begünstigt am dritten Tage Holland. Die englischen Schiffe waren teilweise sehr -beschädigt, einige mußten schon während des Gefechtes heimgesandt werden. Das -genommene Kriegsschiff sank gleich nach dem Entern; die Beute hätte eine ungeheuere -sein können, schon so betrug sie gegen 60000 Lstrl.</p> - -<p class="small">Bemerkenswert für die Stimmung in England, vielleicht auch das zunehmende -Verständnis für Völkerrecht kennzeichnend, ist, daß dieser Angriff vor der Kriegserklärung -selbst hier stark verurteilt wurde. König Karl versuchte abzuleugnen, daß -er den Befehl dazu gegeben, der Zusammenstoß sei die Folge der Widerspenstigkeit -der holländischen Führer gewesen; Holmes selbst soll dem aber seines eigenen Rufes -wegen widersprochen haben.</p> - -<p>Nun wurde in Holland eine Vermehrung der Flotte auf 48 Schiffe zu -60–80 Kanonen, 24 kleinere, 24 Fregatten und 24 Brander beschlossen; -diese Stärke ist auch nach und nach erreicht worden. Eine im April auf -de Witts und Ruyters Antrag beschlossene weitere Verstärkung um 18 Schlachtschiffe -konnte nicht mehr durchgeführt werden; der Verlauf des Landkrieges<span class="pagenum"><a name="Page_322" id="Page_322">[322]</a></span> -zwang später, noch im Jahre 1672, sogar zu einer wesentlichen Verminderung -der Flotte. Gleichzeitig ward die Schiffahrt teilweise — nach Ostsee, Norwegen, -England, Frankreich und durch den Kanal —, sowie die Ausfuhr von -Kriegsmaterial und das Dienen der Untertanen in fremden Ländern verboten. -Als bald darauf die <em class="gesperrt">Kriegserklärungen</em> erfolgten (7. April), die -Gegner zu Lande ihre Truppen an den Grenzen zusammenzogen und die -Ausrüstung ihrer Flotten betrieben, ergriff man weitere Maßnahmen: die -großen Kompagnien wurden ermächtigt, im Auslande die Schiffe und Besitzungen -der Feinde anzugreifen; die Kaperei in europäischen Gewässern, -besonders von den Seeländern gern betrieben, wurde jedoch untersagt und -mit Gewalt unterdrückt (bis Ende 1672), um der Flotte Leute und Kriegsmaterial -zu erhalten. Baken und Tonnen wurden eingezogen, für Bewachung -der Einfahrten und der Küstenplätze mit Magazinen durch Fregatten, durch -zahlreich aufgebotene kleinere Fahrzeuge sowie durch Sperren gesorgt. Durch -Agenten und kleinere Schiffe ließ man den Fortschritt der feindlichen Rüstungen -und die Schiffsbewegungen beobachten. Vor allem aber drängte de Witt -auf Fertigstellung der Flotte. Bei der Schwäche der Republik zu Lande war -es durchaus nötig, die Seeseite vor einer Landung zu schützen, und äußerst -erwünscht, wenigstens zur See gleich einen großen Erfolg zu erringen. Nach -<em class="gesperrt">de Witts Plan</em> sollte die holländische Flotte den Gegnern zuvorkommen, -womöglich nach dem Vorbilde des Jahres 1667 in die Themse und andere englische -Häfen eindringen und die Schiffe dort vernichten oder der englischen Flotte, falls -diese schon ausgelaufen wäre, folgen und sie schlagen, ehe eine Vereinigung mit -den Franzosen stattgefunden habe; er scheint auch unter Umständen, z. B. -bei hierfür günstigeren Windverhältnissen, einen ähnlichen Schlag gegen -Frankreich (Brest) ins Auge gefaßt zu haben. Wenn nun auch der Rückstand -in den Rüstungen die Durchführung dieses strategisch so wichtigen Planes -vereitelte, so sollte doch Ruyter die Aufgabe, eine Landung zu hindern, -glänzend lösen. Er leistete damit bei dem Verlaufe des Landkrieges seinem -Vaterlande einen großen Dienst.</p> - -<p>Die Bewegungen der Flotten begannen früher als der Einbruch der -Feinde vom Lande her, wenden wir uns deshalb zunächst jenen zu.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Solebay, 7. Juni 1672.</b> Der Plan de Witts hatte verlangt, -daß die holländische Flotte früher bereit war als die feindlichen. Wir sahen -aber, daß überhaupt schon spät der Beschluß gefaßt war, eine große Flotte -in Dienst zu stellen; nun traten noch Verzögerungen beim Ausrüsten und -Auslaufen ein. Nur die Schiffe der Provinzen Hollands waren Ende April -seeklar; in Friesland und Seeland fehlte Geld und es mangelte an Leuten; -es stellten sich nicht genügend Matrosen, und die Soldaten waren zur Landverteidigung -nötig — in Seeland soll die seemännische Bevölkerung über das -Verbot der Freibeuterei erbittert gewesen sein. Die Regierung von Seeland -machte auch Schwierigkeiten beim Auslaufen der fertigen Schiffe: Man -wolle die eigenen Küsten nicht entblößen und die Schiffe nicht der Übermacht -des Feindes aussetzen. Endlich erschwerten ungünstige Wasserverhältnisse<span class="pagenum"><a name="Page_323" id="Page_323">[323]</a></span> -das Auslaufen der in dem Vlie versammelten Schiffe Amsterdams und der -schon am 3. Mai in Texel eingetroffenen Fahrzeuge der Maas. So kam es, daß -<em class="gesperrt">Ruyter</em>, trotz eifriger Unterstützung seitens de Witts und der Deputierten auf -der Flotte, erst am 10. Mai imstande war, den allgemeinen Sammelplatz -Texel mit 35 Schlachtschiffen (nur 1 von Friesland) zu verlassen; zwei Tage -mußte er dann vor Seeland auf das Kontingent von dort, vorläufig nur 6 -Schiffe, warten und wurde endlich weitere zwei Tage durch Nebel und Stille -an der Küste festgehalten. Da inzwischen Aufklärungsfahrzeuge gemeldet -hatten, daß die in der Themse ausgerüsteten Engländer den Fluß bereits am -12. verlassen hätten, ging Ruyter am 15. Mai nach den Downs hinüber. Er fand -hier keine Feinde, erfuhr dagegen, daß bereits am 14. die Vereinigung der -englischen und französischen Flotte bei Wight stattgefunden habe. <em class="gesperrt">Ruyters -Order</em> enthielt die Ausführung der erwähnten Absichten de Witts für die -Verwendung der Flotte zu einem Schlage gegen England oder seine Streitkräfte -<em class="gesperrt">vor</em> einer Vereinigung der Gegner. Sollte diese aber schon stattgefunden -haben, so sei eine Schlacht zu vermeiden, falls nicht die Umstände einen -günstigen Ausgang sicher voraussehen ließen.</p> - -<p>Der Admiral war am 15. vor Dover zu Anker gegangen, stürmisches -Wetter hinderte bis zum 17. den Zusammentritt des Kriegsrates. In diesem -wurde dann der Order entsprechend beschlossen, die Flotte zwischen den -Wielingen und der Maasmündung, 5–6 sm von Land, zu halten und von dort -je nach den Umständen zu operieren, bei der Übermacht des Feindes möglichst -nur an der eigenen Küste zu fechten, um in den Gefechten beschädigte Schiffe -leichter bergen zu können. Es beginnt damit die <em class="gesperrt">strategische</em> und -<em class="gesperrt">taktische Führung des Krieges holländischerseits</em>, -wie sie für den dritten Krieg kennzeichnend ist: Die flacheren Wassertiefen -und die Sände der eigenen Küste als Ausgangspunkt einer Defensive mit -kräftigen Offensivstößen zu machen. Gleichzeitig war es so leichter möglich, -die noch in der Ausrüstung befindlichen Schiffe heranzuziehen; es sei vorausgeschickt, -daß während der Bewegungen der Flotte vom 17. Mai bis 5. Juni -der Bestand nach und nach auf die bei Solebay vorhandene Stärke gebracht -wurde. Der größere Teil der neu hinzutretenden Schlachtschiffe wurde wieder -von den Admiralitäten Amsterdams und der Maas gestellt. Obgleich nun -Cornelis de Witt, der wieder einer der Deputierten war, seinem Bruder gemeldet -hatte, daß die englische Flotte die Themse bis auf wenige Schiffe -verlassen hätte und diese sich bei einem Angriff hinter die seit 1667 wesentlich -verstärkte Stellung von Gravesend zurückziehen würden, kam der Ratspensionär -doch immer wieder auf einen Vorstoß in die Themse zurück; er -rechnete mit der moralischen Einwirkung auf die Bevölkerung Londons, wie -sie das Vorgehen gegen die Schiffe und Arsenale im Medway 1667 hervorgerufen -hatte. Um diesem Wunsche Rechnung zu tragen, beschloß der Kriegsrat -am 20. Mai, wenigstens ein kleines Geschwader in die Themse zu senden. -Ruyter ging zur englischen Küste hinüber, ankerte am 23. vor der Themsemündung -beim Königstief und sandte am 24. <em class="gesperrt">van Ghent</em> mit 15 leichteren<span class="pagenum"><a name="Page_324" id="Page_324">[324]</a></span> -Kriegsschiffen und Fregatten, 8 Brandern und 16 Avisojachten das Revier -hinauf, während er das Gros bereit hielt, den feindlichen Flotten entgegenzutreten. -Wie in der Flotte vorausgesehen, blieb das Unternehmen gänzlich -ohne Erfolg; van Ghent sah sich noch an demselben Tage genötigt, es aufzugeben, -auch stieß er infolge ungünstiger Umstände erst am 26. wieder zum Gros.</p> - -<p class="small">Die englischen Fahrzeuge, 6 kleinere Kriegsschiffe und 5 Brander, hatten sich hinter -Sheerness zurückgezogen, und die Befestigungen erwiesen sich derartig verstärkt, daß -nichts zu machen war. Der Rückzug wurde durch Gegenwind sehr erschwert, zumal -da die Schwierigkeit des Fahrwassers infolge Verlegung der Seezeichen noch gewachsen -war. — Die Expedition scheint wirklich nur, um dem Wunsche de Witts nachzukommen, -unternommen zu sein, ohne große Hoffnung auf einen Erfolg zu setzen. Noch am 19. Mai -hatte C. de Witt seinem Bruder geschrieben: „Wenn wir unbestrittene Herren der See -wären, würde ich den Plan gutheißen, aber den Fluß hinaufzugehen mit einem so mächtigen -Feinde im Rücken, halte ich für sehr gefährlich.“ Die ganze Flotte setzte man -zwar nicht ein, aber leicht konnte van Ghents Geschwader als Opfer fallen.</p> - -<p>Am 27. meldete eine Fregatte, sie habe tags zuvor die feindliche Flotte -südlich von Godwinsand gesichtet. Da <em class="gesperrt">Ruyter</em> plangemäß nur unter -günstigen Umständen von der eigenen Küste aus fechten wollte, keineswegs -aber auf Legerwall<a name="FNanchor_182_182" id="FNanchor_182_182"></a><a href="#Footnote_182_182" class="fnanchor">[182]</a> der feindlichen, so führte er seine Flotte östlich bis -zum Galloper und dann südlich zur holländischen Küste hinüber; hier hielt -er sich, bei westlichem Winde an- und abstehend, zwischen Ostende und -Walcheren. Schon am 29. kam die feindliche Flotte zu Luward in Sicht -und blieb es fast ständig bis zum 31. Sie benützte aber die günstige Stellung -nicht, folgte auf Parallelkursen außer Schußweite den Bewegungen Ruyters -und kam am 31. aus Sicht.</p> - -<p>Es ist aus den Quellen nirgend zu ersehen, weshalb der <em class="gesperrt">Herzog von -York</em> — Oberbefehlshaber der seit dem 14. Mai vereinigten Flotten — -nicht angegriffen hat. Man muß annehmen, daß er während der Bewegungen -der Holländer gegen die englische Küste durch die damals herrschenden östlichen -Winde bei Wight festgehalten ist und daß er später durch seine Manöver -den Gegner von der holländischen Küste hat abziehen wollen; auch soll er -die Hoffnung gehabt haben, einen durch die Nordsee zurückerwarteten Convoi -Ostindienfahrer abzufangen. Am 31. ging er in die Nordsee (bis zur Doggerbank?) -und dann <em class="gesperrt">nach der Solebay</em> (3. Juni), um Wasser und Proviant -aufzufüllen. Ruyter hatte Gruppen von Fregatten zum Suchen des Feindes -entsandt, war selbst mit der Flotte am 2./3. Juni bis Northforeland gesegelt -und erhielt hier am 6. früh die Meldung, daß York in schlechter Ordnung und -ungünstig auf Legerwall in Solebay läge. Sofort sah der Kriegsrat hierin eine -der in der Order ausdrücklich erlaubten günstigen Gelegenheiten, den Feind -anzugreifen — selbst an seiner Küste —, die eigene Flotte war ja wesentlich -stärker geworden. Gleich nach diesem Beschluß brach Ruyter auf; östlicher -Wind begünstigte die Fahrt und ließ erwarten, daß man den Feind auf Legerwall -überraschen würde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_325" id="Page_325">[325]</a></span></p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Zusammensetzung der Flotten</em> ist bereits genauer -gegeben (Seite <a href="#Page_313">313</a>, <a href="#Page_318">318</a>); danach bestand:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p325"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Über 40 K.</td> - <td class="tdc">über 20 K.</td> - <td class="tdc">kleinere u. Transporter</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">Kanonen</td> - <td class="tdc">Besatzung</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die englische:</td> - <td class="tdc">45</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">30</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">3376</td> - <td class="tdc">22442</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die französische:</td> - <td class="tdc">26</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">1724</td> - <td class="tdc">10744</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Verbündeten =</td> - <td class="td23">71</td> - <td class="td23">16</td> - <td class="td23">35</td> - <td class="td23">24</td> - <td class="td23">=</td> - <td class="td23">5100</td> - <td class="td23">33186</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die holländische =</td> - <td class="tdc">61</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdl">36(44?)</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">4484</td> - <td class="tdc">20738</td> - </tr> -</table> - -<p>In Dünkirchen standen 2000 Franzosen zur Einschiffung bereit, um nach -gelungener Landung übergeführt zu werden; für England wird diese Maßregel -nicht erwähnt, ist jedoch wahrscheinlich: 1673 werden 6000 Mann angeführt -und auch 1672 hatten die Franzosen Orders über „Zusammenwirken mit den -englischen Landungstruppen“; jedenfalls befanden sich auf den englischen -Transportern reichlich Soldaten. — Beide Flotten waren in 3 Geschwader -zu je 3 Divisionen geteilt. Bei den Verbündeten führte der <em class="gesperrt">Herzog von -York</em> den Oberbefehl und die Mitte („Royal Prince“ 120 Kanonen), die -Nachhut Montagu, Earl of Sandwich („Royal James“ 100 Kanonen); das französische -Kontingent bildete unter dem Vizeadmiral <em class="gesperrt">Comte d'Estrées</em> („St. -Philippe“, 78 Kanonen) die Vorhut, der zweite im Kommando war Generalleutnant -<em class="gesperrt">Abraham du Quesne</em><a name="FNanchor_183_183" id="FNanchor_183_183"></a><a href="#Footnote_183_183" class="fnanchor">[183]</a> („Le Terrible“, 70 Kanonen). Bei -den Holländern hatte <em class="gesperrt">Ruyter</em> Oberbefehl und Mitte („7 Provinzen“ 82 -Kanonen), Leutnantadmirale Bankers Vorhut, van Ghent Nachhut, hinzutraten -Leutnantadmiral von Nes, 5 Vize- und 5 Kontreadmirale. Die Geschwader -waren auf beiden Seiten etwa gleich stark; Ruyter hatte aber eine -besondere Anordnung getroffen, wohl in der Hoffnung, den Feind zu Anker -oder doch in Unordnung zu überraschen. Von jeder der 9 Divisionen waren -2 Kriegsschiffe und 2 Brander abgesondert; diese bildeten eine besondere -Gefechtslinie, um einen Branderangriff in großem Maßstabe auszuführen, -unter dessen Wirkung dann die Flotte angreifen sollte.</p> - -<p><b>Der Verlauf der Schlacht</b>: Die Küste bei Southwold läuft annähernd -Nordsüd; die englisch-französische Flotte lag ihr parallel, die Vorhut am -südlichsten. Noch am 6. Juni soll Montagu den Herzog von York auf die -bei dem herrschenden Winde, frischer Ostnordost, gefährliche Lage aufmerksam -gemacht haben, aber mit einer kränkenden Bemerkung, „übergroße -Vorsicht“, abgewiesen sein. Auch sonst war man sorglos; am 5. war -die Meldung eingegangen, Ruyter sei zur holländischen Küste zurückgekehrt, -am 7. war ein Teil der Besatzungen mit Booten an Land, um Wasser zu holen. -Da lief früh morgens eine französische Vorpostenfregatte mit vollen Segeln -vor dem Winde ein; sie meldete durch Kanonenschüsse und Signale das Nahen -des Feindes. <em class="gesperrt">Ruyter</em> kam mit achterlichem Winde heran in zwei Dwarslinien, -die erste durch die Branderdivision gebildet. (Skizze Lage 1); die -Verbündeten mußten in größter Eile unter Segel gehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_326" id="Page_326">[326]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p326.jpg" width="600" height="494" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p326" id="fig_p326"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Solebay. 7. Juni 1672.</p> -</div> - -<p>Der Wind stand recht auf den Strand; dieser war so nah, daß es nicht -möglich war, abzuhalten, um eine gute Linie zu bilden. Zum Glück war es -flau oder flaute ab, so daß der holländische Angriff wenigstens nicht während -des Ankerlichtens und Segelsetzens erfolgte; der so gut vorbereitete Branderangriff -hätte sonst verhängnisvoll werden können. Der <em class="gesperrt">Herzog von -York</em> hatte Befehl gegeben, oder gab ihn jetzt durch Signal, über Backbord-Bug -nach Norden zu liegen; Nachhut und Mitte verfuhren dementsprechend, die -Vorhut (d'Estrées) dagegen ging über Steuerbord-Bug nach Südosten und trennte -sich so von der Flotte. Ruyters Angriff war, wie üblich, so angesetzt, daß -Geschwader auf Geschwader stieß, so griff Ruyter York und Ghent Montagu -an; Bankers wandte sich gegen d'Estrées (Lage 2). Es wird gewöhnlich -angenommen, daß Ruyter die englischen Geschwader mit Übermacht angegriffen -habe; ich habe aber nirgend ausgesprochen gefunden, daß er zu -diesem Zweck eine andere Einteilung seiner ursprünglich gleichstarken Geschwader -vorgenommen habe. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die ganze -erste holländische Dwarslinie, in der auch 6 Schlachtschiffe und 6 Brander -der Vorhut standen, ihren Angriff auf die englischen Geschwader richtete, -als das französische sich von seiner Flotte entfernte. Um diese Zahl war<span class="pagenum"><a name="Page_327" id="Page_327">[327]</a></span> -dann Bankers schwächer, Ruyter stärker und somit seinem Gegner gleich -oder gar etwas überlegen, wenn auch seine Gesamtflotte schwächer als die -des Feindes war.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Hauptkampf zwischen den Holländern und Engländern</em> -begann zwischen 7 und 8 Uhr morgens und wurde ein äußerst -blutiger; Ruyter erklärte ihn später für den erbittertsten und hartnäckigsten -seines Lebens. Wieder einmal ist leider der Verlauf nicht genau zu verfolgen, -da die alten Quellen mehr die Schilderungen einzelner Vorfälle geben, er -dürfte ungefähr folgender gewesen sein:<a name="FNanchor_184_184" id="FNanchor_184_184"></a><a href="#Footnote_184_184" class="fnanchor">[184]</a> Die englische Nachhut (Montagu) -hatte ziemlich gleichmäßig Anker gekappt, Segel gesetzt und so den Stoß -des Feindes in guter Ordnung aufgenommen. Die englische Mitte, die zunächst -in Verwirrung war, fand auch noch Gelegenheit, die Ordnung einigermaßen -herzustellen — teilweise wurden die Schiffe durch Boote auf ihre Posten -geschleppt —, da der Angriff Ruyters sich infolge der Flaute verzögerte. -Bei dem Angriff stießen die entsprechenden Geschwader und Divisionen, -Flaggschiffe gegen Flaggschiffe, ziemlich genau aufeinander, und es entspann -sich ein laufendes Gefecht in größter Nähe, bei dem aber die Schiffe bald -durcheinander trieben.</p> - -<p>In dem Kampf der Vorhuten gewannen die Engländer die Oberhand; -<em class="gesperrt">Ghent</em> fiel und nun wurde, obgleich auch <em class="gesperrt">Montagu</em> beim Verlassen -seines brennenden Flaggschiffes ertrank, von verschiedenen Schiffen der -holländischen Nachhut flauer gefochten, so daß eine größere Zahl der englischen -Nachhutschiffe in den Kampf der Mitten eingreifen konnte. Hierdurch -kam <em class="gesperrt">Ruyter</em> in bedrängte Lage, bis der Vertreter Ghents dessen Geschwader -aufs neue gesammelt heranführte und das Gleichgewicht herstellte. Nach -einigen Stunden waren die kämpfenden Geschwader dem Strande immer -näher gekommen und, mit den Sänden bei Lowestoft voraus, genötigt zu -wenden. Der Wind frischte nachmittags etwas auf; dieser Umstand sowie -das freiere Wasser gaben Gelegenheit, die Ordnung wieder besser herzustellen. -Es geht aus der Beschreibung einzelner Kämpfe hervor, daß beide Gegner -davon Gebrauch machten: bedrängte Schiffe oder Gruppen werden herausgehauen -und zur Gefechtslinie zurückgeführt; es wird also darauf hingewirkt, -eine entstandene Melee wieder zu entwirren. Das allgemeine Gefecht entbrannte -dann wieder auf das heftigste, sich nun nach Süden hinziehend. -Ruyter und wohl auch York strebten danach, sich den fechtenden Vorhuten -zu nähern.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Kampf der beiden Vorhuten</em> war ein Ferngefecht geblieben. -Es ist nicht aufgeklärt, weshalb d'<em class="gesperrt">Estrées</em> den Kurs nach Südosten -gewählt hat. In England und Holland tauchte (wie gegen Beaufort -1666) der Verdacht auf, er habe geheime Instruktion gehabt, seine Flotte -zu schonen; dieser Verdacht wird sogar von einzelnen französischen Autoren<span class="pagenum"><a name="Page_328" id="Page_328">[328]</a></span> -geteilt (Sue). D'Estrées selbst hat berichtet, er habe wohl überlegt so gehandelt, -weil sein Gegner über Steuerbord-Bug herangekommen sei; er habe -diesen angreifen, durchbrechen und sich mit York vereinigen wollen. Andere -Berichterstatter (Augenzeugen) sagen, es sei für die französischen Schiffe, -als am weitesten nach Lee liegend, zu schwer, wenn nicht unmöglich gewesen, -den Kurs parallel mit dem nahen Strande durchzuhalten. Dieser Grund -erscheint stichhaltig, ja, für die ganze Flotte wäre der St. B. Bug der richtigere -gewesen, da er frei von der Küste führte und so auch Raum zum Manövrieren -gegeben hätte. <em class="gesperrt">Bankers</em> folgte den Franzosen auf Parallelkurs, führte -aber ein Feuergefecht auf halbe Kanonenschußweite, scheinbar, um sie nur -zu beschäftigen und von einer Wiedervereinigung mit York abzuhalten.</p> - -<p class="small">Dieses Verfahren entsprach wahrscheinlich einer Anordnung Ruyters, denn Bankers -und seine Seeländer waren kampflustige Männer. Ruyter achtete wohl die Franzosen -gering oder rechnete mit der erwähnten geheimen Instruktion. In Holland selbst wurde -auch gesagt, Ruyter habe Anweisung gehabt, die Franzosen zu schonen, um Ludwig XIV. -nicht zu erbittern und dadurch Verhandlungen zu erschweren. In diesem Falle war -es aber nicht richtig, den Franzosen die Seeländer gegenüber zu stellen, weil diese vorwiegend -oranisch und somit antifranzösisch gesinnt waren.</p> - -<p>Diese Absicht gelang. D'Estrées war nicht imstande, ein Nahgefecht -herbeizuführen oder gar die Luvstellung zu gewinnen. In seinem Bericht -machte er <em class="gesperrt">du Quesne</em> — seinem tüchtigsten Flaggoffizier, der die Spitze -führte — den Vorwurf, ihn in seinen Absichten nicht unterstützt, nicht hoch -genug gesteuert zu haben; du Quesne wurde auch im nächsten Jahre nicht -verwendet, blieb aber in Colberts Gunst. Der französische Admiral mag -ein entscheidenderes Gefecht gesucht haben, denn auch er war ein tapferer -Mann, aber ihm und seiner Flotte fehlte die nötige Schulung; ein Versuch -des Durchbruchs würde den kriegstüchtigen Holländern gegenüber auch wohl -sehr ungünstig ausgefallen sein.<a name="FNanchor_185_185" id="FNanchor_185_185"></a><a href="#Footnote_185_185" class="fnanchor">[185]</a> Gegen Abend brach Bankers das Gefecht -ab, steuerte seiner Flotte zu und vereinigte sich bald mit dieser.</p> - -<p>Die Nacht trennte auch die Hauptgegner in der Schlacht zwischen -8 und 9 Uhr abends; beide Teile behaupten, der andere habe abgebrochen. -Bei den beiderseitigen Verlusten, Beschädigungen, der Erschöpfung, dem Munitionsmangel -und der Dunkelheit war dazu Grund vorhanden. Außerdem -war besonders Ruyters Flaggschiff stark beschädigt und anderseits scheint -d'Estrées nicht so früh zur verbündeten Flotte gestoßen zu sein als Bankers -zur holländischen.</p> - -<p class="small">Ruyter setzte beim Angriff seinen Kurs auf York mit den Worten: „Steuermann, -das ist unser Mann“; dieser antwortete: „Mein Herr, Ihr sollt ihn haben.“ Die „7 Provinzen“ -wurden auf Pistolenschußweite an den „Royal Prince“ herangeführt und beide -Schiffe begrüßten sich mit einer Breitseite. Zwei Stunden wurden weitere Breitseiten -gewechselt — Ruyters Schiff soll an dem Tage 3500 Kugeln verschossen haben —, dann -mußte Yorks Schiff schwer beschädigt weichen und er seine Flagge auf „St. Michael“ -setzen; abends war er genötigt, auf „London“ überzugehen. — Van Nes, Vizeadmiral der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_329" id="Page_329">[329]</a></span> -Mitte, nahm das Schiff des Vizeadmirals der feindlichen Mitte („Royal Catherine“ 80), -doch wurde es bald zurückerobert. Van Brackel, uns schon vom Medway her rühmlichst -bekannt, griff mit der „Hollandia“ (60 Kanonen), einem der Schiffe der Branderlinie, -und ihrem Brander den weit stärkeren und höheren „Royal James“ (100 Kanonen, Flaggschiff -Montagus) an. Lange währte der ungleiche Kampf, bis van Ghent und 2 Brander -der „Hollandia“ zu Hilfe kamen. Auch jetzt noch wehrte sich Montagu tapfer, schoß -2 Brander in den Grund und löste die Enterhaken der „Hollandia“; van Ghent fiel. Der -dritte Brander aber setzte den „Royal James“ in Flammen, und Montagu ertrank, -wie bereits erwähnt, beim Verlassen des Schiffes. Der gerettete Kommandant klagte -später, der Vizeadmiral der Nachhut habe seinen Chef in der höchsten Not zu Luward -mit einigen Schiffen passiert, ohne Hilfe zu bringen; der Angeklagte ist einigermaßen -zu entschuldigen, er war es, der einen Teil der Nachhut mit richtigem Blick zur Verstärkung -Yorks heranführte.<a name="FNanchor_186_186" id="FNanchor_186_186"></a><a href="#Footnote_186_186" class="fnanchor">[186]</a></p> - -<p>Am 8. Juni manövrierten die Flotten in Sicht voneinander, beide wollen -vergeblich die Erneuerung des Kampfes gesucht haben; am 9. ging <em class="gesperrt">Ruyter -zur holländischen Küste zurück</em>, ohne daß die Feinde ihm -folgten.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Verlust</em> der Engländer betrug 4 Schiffe und etwa 2500 Mann -an Toten und Verwundeten, der der Holländer 2 Schiffe und weniger Leute; -der Verlust der Franzosen war unwesentlich. Auf beiden Seiten waren viele -Schiffe schwer beschädigt, daß aber nach einem so heftigen Kampfe der Verlust -an Schiffen so viel geringer ist, als in den beiden ersten Kriegen, kann -doch wohl als ein Beweis des Fortschrittes im Schiffbau gegen den der Artillerie -angesehen werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Beide Teile schrieben sich den Sieg zu</em>! Die Verbündeten -behaupteten gewissermaßen das Feld; Ruyter ging zurück, da er durchaus -ausbessern und ausrüsten mußte. Er hat aber seine strategische Aufgabe -gelöst, denn auch der Feind war für längere Zeit außerstandgesetzt, -sein Hauptziel, die Unterstützung des Landkrieges durch eine Landung, zu -verfolgen; dies war gerade zu dieser Zeit eine Lebensfrage für Holland.</p> - -<p><b>Die weiteren Ereignisse des Jahres 1672.</b> Der <em class="gesperrt">Landkrieg</em> hatte -sofort beim Beginn einen Verlauf genommen, der verhängnisvoll für die Niederlande -zu werden drohte. Ende Mai und Anfang Juni eröffneten die feindlichen -Armeen — 120000 Franzosen, 30000 Mann von Münster und Köln — den -Feldzug. Die Hauptmacht der Franzosen unter <em class="gesperrt">Turenne</em> und <em class="gesperrt">Condé</em> -erschien vom Kurfürstentum Köln aus vor den Festungen der Südostgrenze, -z. B. Wesel; die spanischen Niederlande wurden vermieden und nur ein -Beobachtungskorps gegen sie aufgestellt. Die bischöflichen Truppen griffen -die Provinz Gröningen an; ein französisches Korps unter dem Marschall von -<em class="gesperrt">Luxembourg</em> operierte zwischen beiden. In den Niederlanden war -während der 21 jährigen statthalterlosen Zeit die Armee arg zurückgegangen: -die Offizierstellen waren nach Gunst aus den regierenden Familien besetzt, -die Soldaten meist Fremde, sonst minderwertiges und nicht geachtetes Material; -die Festungen und ihre Armierung waren vernachlässigt. Der neuernannte<span class="pagenum"><a name="Page_330" id="Page_330">[330]</a></span> -Generalkapitän, <em class="gesperrt">Wilhelm von Oranien</em>, zählte erst 21 Jahre, seine -Befugnisse waren beschränkt; er fand nur ein Heer von etwa 70000 Mann -vor, von dem die Hälfte auf die vielen Festungen verteilt war, ohne aber -diesen damit eine genügende Besatzung zu geben. So fielen denn auch in -wenigen Tagen den Franzosen fast alle Grenzfestungen in die Hände und die -Bischöflichen bemächtigten sich verschiedener Grenzstädte Gröningens. Die -feindlichen Armeen drangen dann in die Landprovinzen ein. Im Laufe des -Juni besetzten die Franzosen ganz Geldern und Utrecht, ließen vor einigen -sich haltenden Festungen Beobachtungskorps zurück und standen somit -an der Grenze der Provinz Holland. Die Bischöflichen, denen sich die Provinz -Oberyssel ergeben hatte, belagerten Gröningen, die einzige Festung der Provinz -gleichen Namens und Frieslands. Prinz Wilhelm hatte sich mit nur etwa -9000 Mann nach Holland zurückziehen müssen, nachdem die Besatzung der -sich haltenden Städte verstärkt worden war.</p> - -<p>Infolge dieser schweren Schläge verbreiteten sich in den 14 Tagen nach der -Schlacht bei Solebay Schrecken und Verwirrung in den Niederlanden, und der -innere Hader wuchs. Die Partei der Regierung, namentlich in Holland -mächtig, war für schleunigen Friedensschluß und knüpfte schon Mitte Juni -Verhandlungen mit England und Frankreich an; ihre Anhänger waren zu -den größten Demütigungen bereit, um sich vor den unmittelbaren Folgen einer -Invasion und dem Emporkommen der Gegenpartei auf ihre Kosten zu bewahren. -Die oranische Partei aber wollte sich den schroffen Forderungen der Feinde -nicht unterwerfen.</p> - -<p class="small">De Witts Partei war zu folgenden <em class="gesperrt">Friedensbedingungen</em> bereit: Abtretung -aller Landstriche außerhalb der 7 Provinzen in Deutschland, Flandern, Brabant, -und Limburg; dies anzunehmen soll Turenne Ludwig XIV. geraten haben. Ludwig XIV. -verlangte aber auf Louvois' Antrieb noch: Abtretung eines Teiles von Geldern mit -wichtigen Festungen, Zollfreiheit für französische Waren, große Vorteile für die Katholiken -in den Niederlanden, 16 Millionen Gulden Kriegskosten, eine jährliche Deputation -demütigender Art und endlich die Erfüllung der Forderungen Englands. Diese nun -bestanden in: 1 Million Lstrl. Kriegskosten, jährlich 10000 Lstrl. für die Heringsfischerei, -die Erhebung Oraniens zum Souverän und als Pfand für die Erfüllung dieser -Bedingungen die Abtretung dreier großer Inseln an der Maas- und Scheldemündung. -Trotz der ihm zugedachten Erhebung zum Souverän war es gerade Wilhelm von Oranien, -der zur Ablehnung der Vorschläge und zum äußersten Widerstande ermahnte.</p> - -<p>Von der oranischen Partei wurde der schlechte Zustand der Landesverteidigung, -wohl mit Recht, der Hinneigung der Gegenpartei zu Frankreich -zugeschrieben, der Fall der Festungen sogar dem Verrat. Der Haupthaß -fiel auf de Witt, schon am 22. Juni erfolgte ein Attentat auf diesen, die Partei -gewann immer mehr an Macht, und nun sollte gerade von Amsterdam — dem -Hauptsitz der Gegenpartei bisher — der Anstoß zu einer Verteidigung des -Vaterlandes auf Leben und Tod ausgehen: Muyden am Zuidersee — der -Schlüssel zum Hafen der Stadt und wichtig für die Beherrschung der Hauptdeiche -— war durch ein feindliches Streifkorps genommen, der Magistrat war -geneigt, zu kapitulieren, da zwang man ihn zu energischen Verteidigungsmaßregeln<span class="pagenum"><a name="Page_331" id="Page_331">[331]</a></span> -und stellte 60 Bürgerkompagnien auf; Muyden wurde wiedergenommen, -die Deiche wurden durchstochen. Diesem Beispiele folgten sämtliche Städte -Hollands, und Wilhelm von Oranien besetzte die schmalen Wege, die aus -Geldern und Utrecht zwischen den Gewässern nach Holland hineinführten, -mit hinreichender Mannschaft.</p> - -<p>Es war der <em class="gesperrt">Wendepunkt des Landkrieges</em>, der Invasion -war eine Schranke gesetzt. Was wäre aber die Folge gewesen, wenn in diesem -Monat der Not und Uneinigkeit die verbündete Flotte einen Angriff auf die -Küsten gemacht hätte? Hiervon blieb man durch die Schlacht bei Solebay -bewahrt.</p> - -<p>Sonst aber hatte <b>die holländische Marine im Jahre 1672</b> keine Gelegenheit -mehr, sich auf ihrem eigentlichen Felde hervorzutun, wenn auch nochmals -eine Landung drohte. Das Zurückgehen der Flotte nach der Schlacht -von Solebay wurde von den Gegnern der Gebrüder de Witt wieder als eine -Art von Verrat ausgelegt: man habe die Franzosen schonen wollen. Gewiß -wäre es richtig gewesen, dem Feinde zur See weiter Abbruch zu tun, aber es -war unmöglich; die Flotte bedurfte dringend der Ausbesserung und Neuausrüstung. -Nach dem Einlaufen wurde sofort hiermit begonnen, jedoch -die Ereignisse am Lande griffen hindernd ein. Man brauchte in den Festungen -die vorhandene Munition und auch Mannschaften; auch hoffte man auf -Frieden mit England, und die Franzosen allein fürchtete man zur See nicht. -So wurde am 24. Juni beschlossen, die Flotte auf 48 Schlachtschiffe und 18 Fregatten -herabzusetzen und die Besatzungen der in Dienst bleibenden Schiffe -zu vermindern. Die so frei gewordenen Mannschaften stießen in besonderen -Verbänden unter ihren bisherigen Führern — See- und Seesoldaten-Offizieren -— zur Armee oder bildeten die Besatzungen kleinerer Fahrzeuge auf den -Flüssen und Binnengewässern. Schon bei Ausbruch des Krieges hatte man -diese Schiffe zur Unterstützung des Heeres in Dienst gestellt (auf Maas, -Rhein und Yssel); jetzt wurde die Zahl vermehrt, namentlich auf dem Zuidersee -(auch im Dollart), weil der Feind dessen östlichen Strand im Besitz hatte. -Zu Lande und auf den Flottillen haben die Marinemannschaften während -des weiteren Krieges wesentliche Dienste geleistet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyters Flotte</em> — 47 Schlachtschiffe, 12 Fregatten, 20 Brander, -schwach an Munition und Besatzung — konnte nicht daran denken, sich -weit von den Küsten zu entfernen. Der Admiral, dem von dem Prinzen völlig -freie Hand gelassen wurde, hielt sich zwischen den Sänden vor der Maasmündung -(auf der Goede-Rhede oder der Schooneveld-Rhede), die Seegatten bei Texel -und Vlieland wurden durch Fregatten und leichte Fahrzeuge gedeckt; was man -an Truppen erübrigen konnte, es war wenig, hatte man nach Texel und Hellevoetsluis -geworfen. Die <em class="gesperrt">verbündete Flotte</em> erschien Anfang Juli, -90 Schlachtschiffe und Fregatten stark und mit einer großen Zahl Landungstruppen -an Bord, versuchte zunächst, Ruyter herauszulocken und zeigte sich -dann vor Texel. Am 13. und vom 18–20. Juli erschienen kleinere Fahrzeuge, -das Fahrwasser untersuchend. Die Holländer mußten hier, wo sie so schwach<span class="pagenum"><a name="Page_332" id="Page_332">[332]</a></span> -waren, eine Landung erwarten; Ruyter hatte Anweisung, seine Flotte erst -einzusetzen, wenn der Feind wirklich lande. Weshalb dieser zwischen dem -13. und 20. nicht ernstlich vorging, läßt sich nicht erkennen. Vielleicht waren -die Windverhältnisse ungünstig, es wehten scheinbar meist frische ablandige -Winde; wahrscheinlicher ist es, daß man die segelfertige Flotte Ruyters in -der Flanke fürchtete und hoffte, sie durch Scheinbewegungen zunächst -herauslocken und dann schlagen zu können. Die Überlieferung schreibt die -Abwendung der Gefahr der Vorsehung zu: Als die Verbündeten an dem -zur Landung bestimmten Tage auf die Flut warteten, habe die Ebbe 12 Stunden -gelaufen. Neuere Quellen verweisen diese Erzählung in den Bereich der Sage. -Tatsächlich trat die Vorsehung später für Holland ein. Am 21. Juli begann -ein schwerer Südweststurm, der drei Tage mit äußerster Kraft wehte und -dann noch fast drei Wochen mit nur kurzen Unterbrechungen anhielt. Die -feindliche Flotte wurde durch diesen Sturm nach Norden vertrieben und -so zugerichtet, daß sie „wie nach einem scharfen Gefecht“ in englische Häfen -zurückkehren mußte.</p> - -<p>Das Jahr 1672 brachte weitere wichtige Ereignisse zur See nicht mehr. -Ruyter blieb in seiner Defensivstellung<a name="FNanchor_187_187" id="FNanchor_187_187"></a><a href="#Footnote_187_187" class="fnanchor">[187]</a> und seitens der Verbündeten war -der Plan zu einer Landung, aus nicht bekannten Gründen, für dieses Jahr -aufgegeben. Die Franzosen gingen am 28. September von der Themse nach -Frankreich ab. Karl II. wollte sie gern in England behalten; es wurde abgelehnt, -da die Ausbesserungen dort teurer als in den heimischen Häfen -kommen würden.<a name="FNanchor_188_188" id="FNanchor_188_188"></a><a href="#Footnote_188_188" class="fnanchor">[188]</a> Ein Teil der englischen Flotte machte noch den Versuch, -den lang erwarteten Convoi Ostindienfahrer auf der Doggerbank abzufangen, -man verfehlte ihn aber; Ruyter, der die Küste entlang ihm entgegengegangen -war, führte die Schiffe glücklich heim. Ende September wurde in -Holland der Winterdienst zur Bedeckung der Seegatten eingerichtet und -die Flotte sonst aufgelegt; man gab aber jetzt die Kaperei frei. Ein geplantes -Unternehmen, mit einem kleinen Geschwader französische Häfen anzugreifen, -kam nicht zur Ausführung.</p> - -<p>Wir müssen uns nun nochmals den <b>inneren Verhältnissen Hollands</b> und -dem <b>Landkriege</b> zuwenden. Die schimpflichen Friedensbedingungen, die die -Gegner stellten, und auch der Schaden, den die Überschwemmung hervorrief, -hatten das niederländische Volk aufs höchste erbittert. Es war entschlossen, -das, was der Feind und das Wasser noch vom Lande übrig gelassen, aufs -äußerste zu verteidigen, ja, wenn dies nicht mehr zu halten sei, auszuwandern -und in Ostindien ein neues Holland zu gründen. Die oranische Partei gewann -ganz die Herrschaft; Anfang Juli wurde <em class="gesperrt">Wilhelm von Oranien</em> — zuerst -in Seeland, dann in Holland, schließlich von den Generalstaaten — zum -<em class="gesperrt">Statthalter</em>, Generalkapitän und Generaladmiral auf Lebenszeit -ernannt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_333" id="Page_333">[333]</a></span></p> - -<p class="small">Der Parteihaß führte aber zu blutigen Taten. <em class="gesperrt">Cornelis de Witt</em> wurde eines -Attentatsversuchs gegen den Statthalter angeklagt, gefoltert und zur Verbannung verurteilt; -als sein Bruder, <em class="gesperrt">der Ratspensionär</em>, ihn im Gefängnis besuchte, wurden -beide (19. August) auf abscheuliche Weise <em class="gesperrt">ermordet</em>. Selbst auf Ruyter fiel der Haß -eines Teiles des Volkes als einen Freund der Brüder, obgleich er das volle Vertrauen -des Statthalters besaß. Der Pöbel wollte im September sein Haus stürmen, nur ein -in der Nähe liegendes Kriegsschiff konnte es hindern, im Oktober versuchte sogar ein -Mann, ihn zu ermorden.</p> - -<p>Die Friedensverhandlungen hatte man vorsichtigerweise noch längere -Zeit fortgeführt, um die nur langsam zunehmende Überschwemmung erst -wirksam werden zu lassen. Während dieser Zeit hatten sich auch sonst die -Verhältnisse im Landkriege bedeutend günstiger gestellt. Der <em class="gesperrt">Große -Kurfürst</em> hatte schon am 6. Mai einen Vertrag mit der Republik geschlossen, -wonach er sie mit 20000 Mann unterstützen wollte. Er bewog -auch den <em class="gesperrt">Kaiser</em> zu einem Bündnis (25. Juni) behufs Aufrechterhaltung des -Besitzstandes in Europa, wie dieser im Westfälischen, Pyrenäischen und -Aachener Frieden festgesetzt war. Im Juli rückten die brandenburgischen -und die österreichischen Truppen heran, so daß sich <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. genötigt -sah, den Prinzen von Condé mit 18000 Mann den Österreichern im Elsaß und -Turenne mit 20000 den Brandenburgern in Westfalen entgegenzustellen. -Nach dem Plane Friedrich Wilhelms sollten sich die Brandenburger und -Österreicher in Hessen-Kassel vereinigen, über den Rhein gehen und so -den Franzosen in den Rücken fallen. Aber durch den bestochenen -Minister Lobkowitz zurückgehalten, kamen die Österreicher unter -Montecuculi nur langsam heran; der Große Kurfürst allein war zu -schwach; so bezog man ohne vorherige Waffentaten später überall Winterquartiere.</p> - -<p>Immerhin waren die Niederlande entlastet. Wenn auch die übrigen -Franzosen unter Luxembourg in Utrecht und Geldern zurückgeblieben waren, -so kam doch ihr Vordringen zum Stehen, ja <em class="gesperrt">Oranien</em> konnte sich einiger -Städte wieder bemächtigen. Auch der Angriff der bischöflichen Truppen -scheiterte an dem hartnäckigen Widerstande der Festung Gröningen; mit -großem Verlust zogen sie nach 40tägiger Belagerung ab; die Provinzen -Gröningen und Friesland waren gerettet. Im Dezember 1672 machte Oranien -sogar mit 30000 Mann einen allerdings erfolglosen Vorstoß gegen die wichtige -französische Festung Charleroi. Mittlerweile hatte starker Frost die Gewässer -der Überschwemmungen mit Eisbrücken belegt. <em class="gesperrt">Luxembourg</em> -wollte diesen Umstand und die Abwesenheit Oraniens zur Eroberung Leydens -und des Haags benützen, um sich so im Herzen der Provinz Holland festzusetzen. -Plötzlich einsetzendes Tauwetter zwang ihn aber zu eiligem Rückzuge -auf den Dämmen und nur die Feigheit eines holländischen Oberst entzog -die 11000 Franzosen der völligen Vernichtung. Damit waren auch hier die -Feindseligkeiten für den Winter vorbei.</p> - -<p>Die Lage der Niederlande war zu Ende des Jahres weit günstiger, als -man bei Beginn des Krieges hätte erwarten können. Unter der kräftigen<span class="pagenum"><a name="Page_334" id="Page_334">[334]</a></span> -Führung Wilhelms von Oranien verweigerte jetzt die Republik die Annahme -der Friedensbedingungen, <b>die sie selbst früher angeboten</b> hatte.</p> - -<h4>Die Schlachten bei Schooneveld am 7. und 14. Juni 1673.</h4> - -<p>Das Jahr 1673 brachte jedoch wieder einen Umschlag zuungunsten der -Niederlande. Die <em class="gesperrt">Kriegsereignisse am Lande</em> begannen in Westfalen. -Der Große Kurfürst war nicht imstande, von hier aus der Republik Hilfe zu -bringen, da ihn die Österreicher ohne Unterstützung ließen und die Niederlande -die versprochenen Gelder nicht zahlten; die Macht Frankreichs und -der Bischöfe war ihm überlegen, sein Land wurde verwüstet. Er schloß am -6. Juni mit den Franzosen einen Neutralitätsvertrag, wonach diese seine Lande -räumten und 800000 Lire zahlten, um den geschädigten Provinzen wieder -aufzuhelfen. Die Untätigkeit der Österreicher im Elsaß hatte auch hier -die Franzosen frei gemacht und Condés Armee konnte gleichfalls zur Unterstützung -Luxembourgs herangezogen werden. Die vereinigten Streitkräfte -sollten nun die Provinz Holland angreifen und die Seestreitkräfte wiederum -gleichzeitig eine Landung in dieser Provinz oder in Seeland bewerkstelligen. -Zum Angriff der Provinz Holland von Utrecht und Geldern aus war auch -eine große Zahl flachgehender, platter Fahrzeuge auf dem Zuidersee hergestellt -— diese zeigten sich später völlig unbrauchbar —, Oranien sah sich -deshalb genötigt, mit seinem Heere auch die ganze Ostgrenze der Provinz -Holland zu besetzen und die Abwehr einer Landung wieder nur den Seestreitkräften -zu überlassen. Auch die in Holland wohl noch gehegte Hoffnung, -wenigstens mit England zum Frieden zu kommen, erfüllte sich nicht; der -englische Kanzler erklärte im Parlament am 14. Februar mit Beziehung auf -Holland: „Delenda est Carthago.“ —</p> - -<p>So wurde denn am 10. März die Indienststellung von 48 tüchtigen Kriegsschiffen, -worunter 36 zu 60–80 Kanonen, 12 Fregatten und 24 Brandern -beschlossen; ein Geheimbeschluß von demselben Tage — nach de Jonge -geheim, um auch den Feind zu einer weniger starken Rüstung zu verleiten — -fügte noch 24 Schiffe und 12 Fregatten hinzu.</p> - -<p>Wieder beteiligten sich nur Holland und Seeland an dieser Rüstung; -Friesland und Gröningen waren durch den Landkrieg zu sehr mitgenommen -und noch immer vom Lande her arg bedrängt; erst vor der letzten Schlacht -dieses Krieges stellten sie einige wenige Schiffe.</p> - -<p>Die Indienststellung wurde möglichst beeilt, die Kaperei und die Schiffahrt -in den europäischen Gewässern aufs neue eingestellt, und Anfang Mai waren -31 Kriegsschiffe — darunter 4 zu 80 Kanonen, 3 zu 70–76, 9 zu 60–68 — -12 Fregatten, 18 Brander unter Ruyters Kommando segelfertig. Die Flotte -bestand zunächst nur aus Schiffen der holländischen Kontingente, Seeland -war infolge Geldmangels noch nicht bereit. Die <em class="gesperrt">Absicht</em> war, wie im -Vorjahre dem Auslaufen der englischen Flotte zuvorzukommen, und im -besondern <em class="gesperrt">englische Häfen</em> durch Versenken von großen, schwerbelasteten -Fahrzeugen <em class="gesperrt">zu sperren</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_335" id="Page_335">[335]</a></span></p> - -<p>Schon am 10. Mai erschien <em class="gesperrt">Ruyter</em> vor der Themse und sandte sofort -die Kontreadmirale van Nes und Vlugh mit 2 Schlachtschiffen, 6 Fregatten, -6 Brandern, sowie einigen kleineren Segeln stromauf, um 8 solcher Senkschiffe -an zwei wichtigen Stellen des Fahrwassers zu versenken. Nebeliges -Wetter hinderte das Vordringen, und am 13. zeigten sich beträchtliche englische -Streitkräfte: nach Meldung hiervon zogen sich die detachierten Admirale -auf Befehl zur Flotte zurück.</p> - -<p>Ruyter und der Kriegsrat hatten beschlossen, das Versenken der Schiffe -aufzugeben, weil es sich angesichts des Feindes nicht mit der nötigen Sorgfalt -ausführen ließe, und mit der Flotte zur eigenen Küste zurückzukehren, da -überraschende Unternehmungen überhaupt nicht mehr möglich erschienen. -Man hatte erfahren, daß die Ausrüstung der Engländer in der Themse und -in Portsmouth zu weit vorgeschritten und dem bisherigen Mannschaftsmangel -abgeholfen sei; auch das Eintreffen der Franzosen mußte man erwarten.</p> - -<p class="small">Wohl ist es auffallend, daß die Flotte der Verbündeten nicht früher bereit gewesen -ist, um gegen die holländische Küste zur Blockade und Landung vorzugehen, obgleich -schon im Februar vom englischen Parlament die Mittel zur Ausrüstung bewilligt waren. -Die Verzögerung scheint der Verwaltung zur Last zu fallen, die nach dem Ausscheiden -des Herzogs von York als Lordhighadmiral nicht mehr besonders sorgfältig arbeitete. -Die Franzosen sollen nicht geneigt gewesen sein, Brest zu verlassen, ehe die englische -Flotte in See wäre. Nur der Energie des neuen englischen Oberbefehlshabers, <em class="gesperrt">Prinz -Rupert</em>, gelang es, durch Zusammenraffen aller fertigen Streitkräfte auf der Themse -wenigstens den Vorstoß Ruyters abzuwehren. Auch hatte es der englischen Flotte an -Seeleuten gefehlt; unmittelbar vor dem Erscheinen der Holländer waren aber verschiedene -große Convois vor London eingetroffen, deren Besatzungen nun gepreßt wurden; -die bevorstehende Ankunft dieser Convois war Ruyter unbekannt oder er hat sie verfehlt.</p> - -<p>Wenn die Verbündeten eine Landung unternehmen oder der Republik ihre -Hilfsquellen zur See völlig abschneiden wollten, so mußte ihre erste Aufgabe -sein, <em class="gesperrt">Ruyters</em> Flotte zu schlagen. Dieser wußte sich, wie im Vorjahre -nach Verminderung der Flotte, zu schwach, die beiden Gegner auf offener See -zu erwarten, zumal da er sich zwischen beiden befand. In Übereinstimmung -mit dem Kriegsrat, dem Statthalter und den Generalstaaten beschloß er -wiederum, eine Defensivstellung (bei Schooneveld oder etwas südlicher bei -Ostende) einzunehmen, von hier aus den Feind zu beobachten, Landungsversuchen -entgegenzutreten und nur unter günstigen Verhältnissen zu -fechten. Er ging am 14. Mai nach <em class="gesperrt">Schooneveld</em> zurück und führte -in der Folge diese <em class="gesperrt">offensive Defensive</em> (vgl. Seite <a href="#Page_323">323</a>) meisterhaft durch.</p> - -<p>Die nach und nach verstärkte <em class="gesperrt">holländische Flotte</em><a name="FNanchor_189_189" id="FNanchor_189_189"></a><a href="#Footnote_189_189" class="fnanchor">[189]</a> <em class="gesperrt">bestand</em> -am 7. Juni aus:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p325"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">20</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">10</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="2">52 Schlachtschiffen:</td> - <td class="tdc">zu 80–82 K.</td> - <td class="tdc">70–78 K.</td> - <td class="tdc">60–68 K.</td> - <td class="tdc">50–58 K.</td> - <td class="tdc">42–48 K.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">340–530 Mann</td> - <td class="tdc">320–420 Mann</td> - <td class="tdc">240–400 Mann</td> - <td class="tdc">230–280 Mann</td> - <td class="tdc">170–225 Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="2">12 Fregatten:</td> - <td class="tdc">22–36 K.</td> - <td class="tdc" rowspan="2">14 Avisojachten:</td> - <td class="tdc">4–12 K.</td> - <td class="tdc" rowspan="2">Brander:</td> - <td class="tdc">2–4 K.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">90–160 Mann</td> - <td class="tdc">25–34 Mann</td> - <td class="tdc">12–45 Mann</td> - </tr> -</table> - -<p class="noindent">mit im ganzen 3600 Kanonen, 18000 Mann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_336" id="Page_336">[336]</a></span></p> - -<p class="small">Während der Ausrüstung erklärten sich die Admiralitäten von Holland bereit, -mehr Schiffe zu stellen als ihnen zufiel, jedoch dann schwächer bemannt; bemerkenswerterweise -lehnte Ruyter es ab und riet, überflüssige Mannschaft an Seeland abzugeben, -wo Mangel herrschte: „Er wolle lieber weniger, aber in jeder Hinsicht tadellos ausgerüstete -Schiffe führen.“</p> - -<p>Die Flotte war in 3 fast gleichstarke Geschwader zu je 3 Divisionen -geteilt<a name="FNanchor_190_190" id="FNanchor_190_190"></a><a href="#Footnote_190_190" class="fnanchor">[190]</a>: Vorhut Leutnantadmiral <em class="gesperrt">Bankers</em>, Vizeadmirale Evertsen -und Star; Mitte <em class="gesperrt">Ruyter</em> („7 Provinzen“ 82 Kanonen), Leutnantadmiral -van Nes und Vizeadmiral de Liefde: Nachhut Leutnantadmiral <em class="gesperrt">Tromp</em> -„Gouden Leeuw“ 80 Kanonen), Vizeadmirale Sweers und Schram, Sweers war -aber zur Zeit der ersten Schlacht noch nicht eingetroffen; zur 3. (Nachhut-) -Division eines jeden Geschwaders trat noch ein Kontreadmiral.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tromp</em> war am 30. April wieder als Leutnantadmiral von Amsterdam angestellt. -Wilhelm von Oranien hielt viel von ihm als treuem Anhänger seiner Partei, wie es schon -sein Vater gewesen. Der Prinz hatte jedoch vorher dringend eine Versöhnung mit Ruyter -verlangt und diese in seiner Gegenwart herbeigeführt. Die Ernennung Ruyters zum -Leutnantadmiralgeneral war wohl gerade auch deshalb mit erfolgt, um ferneren Streitigkeiten -mit Tromp vorzubeugen. Die beiden tüchtigen Admirale haben sich auch in -Zukunft vertragen.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Flotte der Verbündeten</em> hatte sich Ende Mai bei Wight -vereinigt; am 29. Mai wurde sie von Karl II. und York besucht.</p> - -<p>Sie bestand aus etwa<a name="FNanchor_191_191" id="FNanchor_191_191"></a><a href="#Footnote_191_191" class="fnanchor">[191]</a> 81 Schlachtschiffen, 11 Fregatten und 34 -(42?) Brandern.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">England</em> stellte 54(?) Schlachtschiffe, darunter 3 mit über 100 Kanonen, -4 mit 90, 16 mit 60–80, 9(?) mit 50–58 Kanonen; 8 Fregatten; 24 Brander.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das französische Geschwader</em> zählte 27 Schlachtschiffe, eins mit 100 -die übrigen mit 50–70 Kanonen, 3 Fregatten und 10 (18?) Brander.</p> - -<p>Die englischen Schiffe führten eine große Zahl Soldaten für die Landung -an Bord, 6000 Mann standen in Yarmouth zum Einschiffen bereit. Die -Gesamtflotte war eingeteilt: Vorhut <em class="gesperrt">Prinz Rupert</em><a name="FNanchor_192_192" id="FNanchor_192_192"></a><a href="#Footnote_192_192" class="fnanchor">[192]</a> („Royal Charles“ -100 Kanonen), Vizeadmiral Harman, Kontreadmiral Chichely; Mitte <em class="gesperrt">Comte -d'Estrées</em> („Reine“ 104 Kanonen), Vizeadmiral des Ardens („Terrible“ -70 Kanonen), Kontreadmiral de Grancey („Orgueilleux“ 70 Kanonen), (Ardens -und Grancey waren dem Range nach Chefs d'Escadre); Nachhut <em class="gesperrt">Admiral -Spragge</em>, Vizeadmiral Kempthorne, Kontreadmiral Butler.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_337" id="Page_337">[337]</a></span></p> - -<p class="small">Obgleich Rupert den Oberbefehl hatte — sein Geschwader führte auch die rote -Flagge — nahm er doch die Vorhut und ließ d'Estrées — Geschwader mit der weißen -Flagge —, die Mitte. Nach den englischen und den holländischen Quellen soll es geschehen -sein, um die Franzosen zwischen den beiden englischen Geschwadern zu haben, da man -ihnen nach den Erfahrungen im Vorjahre nicht traute. Die neuesten englischen Autoren, -wie z. B. Clowes, nehmen sogar als feststehend an, daß in der Schlacht am 7. Juni die -Division des Ardens in das rote, die Division de Grancey in das blaue Geschwader und -dafür englische Divisionen in die Mitte eingestellt seien; Angaben im „Leben Ruyters“ -scheinen dies zu bestätigen. Die französischen Quellen aber wissen hiervon nichts; -daß die Franzosen in die Mitte genommen wurden, geben sie zu; einige von ihnen -führen auch als Grund das Mißtrauen der Engländer an.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p337.jpg" width="300" height="384" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p337" id="fig_p337"></a> -<p class="caption">Prinz Rupert.</p> -</div> - -<p>Die <b>erste Schlacht bei Schooneveld</b>, 7. Juni 1673. Am 1. Juni hatte -<em class="gesperrt">Ruyter</em> zur Übung mit seiner -Flotte taktische Bewegungen gemacht -und war mittags außerhalb -der Sände zu Anker gegangen; -abends meldeten die Vorposten -das Nahen der Verbündeten. Auch -diese ankerten, weil es schon zu -spät war, um etwas zu unternehmen. -Am folgenden Tage -gingen zwar beide Flotten unter -Segel, es kam aber wegen flauen -Windes nicht zur Annäherung, -und vom 3. bis zum 6. hinderte -stürmisches Wetter weitere Unternehmungen; -den 6. benützten -beide Flotten, ihre Ankerordnung -wieder herzustellen, weil viele -Schiffe vertrieben waren. Am -<em class="gesperrt">7. Juni</em> lichteten die Verbündeten -vormittags Anker und -kamen in Halbmondform (Dwarslinie?) -heran. Ruyter hatte den -Angriff für diesen Tag erwartet und „kurz Stag“ hieven lassen,<a name="FNanchor_193_193" id="FNanchor_193_193"></a><a href="#Footnote_193_193" class="fnanchor">[193]</a> um zum -Gegenstoß im geeigneten Augenblick bereit zu sein.</p> - -<p>Die Nachrichten über diese Schlacht — geschlagen an einem holländischen -Bußtage und am Jahrestage von Solebay — sind mangelhaft; ihr wahrscheinlicher -Verlauf sei kurz geschildert.<a name="FNanchor_194_194" id="FNanchor_194_194"></a><a href="#Footnote_194_194" class="fnanchor">[194]</a></p> - -<p class="small">Die Küste erstreckt sich Nordost-Südwest; der Wind war westlich, also günstig -zum An- und Abstehen. <em class="gesperrt">Rupert</em> rechnete, entweder den Feind zum Fechten von der -Küste abzulocken, oder ihn zum Rückzug zwischen die Sände bewegen und dabei dann -mit Brandern angreifen zu können. Zu diesen Zwecken zweigte er von allen Geschwadern<span class="pagenumsmall"><a name="Page_338" id="Page_338">[338]</a></span> -35 kleinere Schlachtschiffe und Fregatten mit 10 Brandern ab, die vor seiner Schlachtlinie -auf den Feind zuliefen und auf große Entfernung das Feuer eröffneten (dies erinnert -sehr an Ruyter bei Solebay). Auffallenderweise waren diese vorausgesandten Schiffe -keinem gemeinsamen Oberbefehl unterstellt; sie kamen in Unordnung heran und gingen -in noch größerer auf ihre Flotte — jedes Schiff nach dem ihm zunächst befindlichen -Geschwader — zurück, als <em class="gesperrt">Ruyter</em> ihnen in voller Ordnung entgegentrat. Infolgedessen -und auch wohl infolge längerer Fahrt in schwer zu haltender Dwarslinie war die -englische Flotte nicht gut ausgerichtet, als gegen 1 Uhr mittags der holländische Angriff -erfolgte. <em class="gesperrt">Tromp</em> auf dem rechten, nördlichen Flügel stieß zuerst mit Rupert zusammen; -beide Gegner gingen über Steuerbord-Bug an den Wind und es entspann sich ein heftiges -Gefecht dieser Geschwader. Auch Ruyter ging mit Mitte und Nachhut (jetzt <em class="gesperrt">Bankers</em>) -an den Wind, um mit Tromp aufgeschlossen zu bleiben; das Gefecht wurde allgemein. -Um 2 Uhr gab Ruyter durch Signal den Befehl zum Wenden, er wollte seinem Hauptplane -entsprechend den Kampf in der Nähe der Küste halten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tromp</em> wendete nicht, obgleich er den Befehl sogar noch durch eine Jacht erhielt. -Er hatte sich wohl wieder festgebissen, bei seinem ehrgeizigen Charakter diesmal um so -erklärlicher, da sein Gegner das englische Geschwader unter Rupert war. In dem Kampf -der Hauptflotte durchbrachen Ruyter und Bankers die feindliche Linie; Ruyter brachte -dadurch große Verwirrung in das Geschwader d'<em class="gesperrt">Estrées</em>', Bankers jedoch war dem -englischen Geschwader gegenüber weniger glücklich, sein Flaggschiff ward schwer -beschädigt und seine Ordnung ging verloren. Ruyter nutzte deshalb seinen Erfolg nicht -aus, sondern entsetzte Bankers und stellte zunächst die Ordnung wieder her. Auch dann -nutzte er hier die günstige Lage des Gefechts nicht aus — verschiedene feindliche -Schiffe waren abgeschnitten, der größere Teil der Feinde stand in Lee — sondern er -führte die wiedervereinigte Mitte und Nachhut Tromp zu Hilfe (etwa 6 Uhr). Er sagte: -„Das Wichtigste zuerst; es ist besser, dem Freunde zu helfen, als dem Feinde zu schaden.“ -Tromps Geschwader war arg mitgenommen. Der Admiral selbst hatte zweimal sein -Flaggschiff wechseln müssen, nach der Schlacht mußte er nochmals auf ein anderes -übergehen; sein Vizeadmiral Schramm war gefallen. Gerade zu rechter Zeit kam Ruyter -heran, so daß Tromp ausrief: „Kinder, da kommt unser Großvater (so wurde Ruyter -von den Leuten genannt), uns zu helfen! Ich werde ihn auch nie verlassen, so lange ich -lebe!“</p> - -<p class="small">Nach der Vereinigung mit Tromp wendete Ruyter mit der ganzen Flotte wieder -nach Südwesten. Die Verbündeten folgten; sie scheinen aber, obgleich zu Luward -stehend, den Nahkampf nicht mehr gesucht zu haben; die Dunkelheit trennte gegen -10 Uhr die Gegner. Ruyter ankerte etwa auf der Stelle, wo der Kampf begonnen hatte, -die Verbündeten standen einige Seemeilen nach Norden hin von der Küste ab und gingen -dann auch zu Anker.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Schlacht</em> wurde bis in die neueste Zeit meist „<em class="gesperrt">unentschieden</em>“ -genannt, beide Teile schrieben sich den Sieg zu. An Schiffen haben, außer -Brandern, scheinbar nur die Franzosen 2, die Holländer 1 (nach der Schlacht -gesunken) verloren; die Beschädigungen waren etwa gleich; genommen wurde -kein Schiff. Der Mannschaftsverlust ist unbekannt, der englische soll infolge -der Überbemannung mit Landsoldaten der weit größere gewesen sein. -Die Verbündeten rühmten sich, den Feind zum Rückzuge gezwungen zu -haben, aber die neueren Autoren auch dieser Länder erkennen den <em class="gesperrt">Erfolg -Ruyters</em> an: Er hat einen überlegenen Feind angegriffen und ihm gleiche -Verluste zugefügt; er hat für den Augenblick den Hauptzweck des Gegners -vereitelt. Auch hat er sich keineswegs zu seinem Schutz zwischen die Sände -zurückgezogen, sondern ist kampfbereit in See geblieben; daß er wieder auf<span class="pagenum"><a name="Page_339" id="Page_339">[339]</a></span> -seinem alten Platze ankerte, aber doch einige Seemeilen weiter seewärts, lag in -seinem Hauptplane. Die Verbündeten haben seinen „Rückzug“ nicht gehindert -und auch in den nächsten Tagen nichts unternommen.</p> - -<p class="small">Das Benehmen der Franzosen in dieser Schlacht wurde von den Engländern als -vorwurfsfrei anerkannt. Nur die Verwendung der Brander ihrerseits tadelte man; -Sie hätten zu früh mit mehr Mut als Überlegung angegriffen, ehe feindliche Schiffe genügend -niedergekämpft oder doch bewegungslos gemacht seien.</p> - -<p><b>Die zweite Schlacht bei Schooneveld, 14. Juni 1673.</b> Beide Gegner -besserten auf ihren Ankerplätzen aus. Die Holländer waren dabei im Vorteil; -sie konnten Material vom Lande beziehen, die Verwundeten von Bord geben, -Munition und Mannschaften ergänzen. Auch stießen an Stelle des verlorenen -und zweier sehr beschädigten Schiffe (zu 60, 50 und 40 Kanonen) zwei Schlachtschiffe -1. Klasse (zu 84 und 82 Kanonen, eins davon mit Admiral Sweers, -Geschwader Tromp), einige Fregatten und Brander zur Flotte, so daß diese -fast genau die alte Stärke wieder hatte. Durch beständig am Feinde gehaltene -Aufklärer erfuhr Ruyter, daß dem Gegner etwa 30 Segel fehlten, -meist kleinere Kriegsschiffe und Brander, die zur Ausbesserung nach Haus -gesandt oder verbraucht waren. Ferner waren die Holländer, dicht unter -der Küste, kaum einem Angriff ausgesetzt und konnten mit Ruhe arbeiten -und sich erholen, während die Verbündeten Tag und Nacht auf einen Angriff -gefaßt sein mußten. Die Aussichten der Holländer standen also jetzt in -allem günstiger als bei der ersten Schlacht und <em class="gesperrt">Ruyter</em> beschloß, je eher -je besser anzugreifen. Der 14. Juni wurde dazu angesetzt, falls die Windverhältnisse -günstig; die Flotte war schon am 12. bereit, man mußte aber die -Zustimmung angekündigter Staatendeputierter haben. Diese trafen rechtzeitig -ein, und am festgesetzten Tage um 11 Uhr vorm. ging Ruyter bei frischem -östlichen Winde unter Segel. Die Berichte über <em class="gesperrt">diese Schlacht</em> sind -nicht nur mangelhaft, sondern auch widersprechend; am wahrscheinlichsten -scheint mir folgender <em class="gesperrt">Verlauf</em>:<a name="FNanchor_195_195" id="FNanchor_195_195"></a><a href="#Footnote_195_195" class="fnanchor">[195]</a></p> - -<p class="small">Die Verbündeten wurden teilweise durch den Angriff überrascht. Rupert war zwar -auf ihn gefaßt; da der Wind am 13. abends östlich geworden war, hatte er Vorbereitungen -zum schnellen Untersegelgehen getroffen und war selbst die Nacht über aufgeblieben. -Admiral Spragge war lässiger und begab sich sogar am 14. früh mit seinem Kontreadmiral -an Bord des Flottenflaggschiffes; hier verweilte er zu lange oder konnte nicht schnell -genug zurückkommen, als die Holländer erschienen.</p> - -<p class="small">Die Küste läuft Nordost-Südwest; der Wind war steif aus Ost, später Nordost; -die Verbündeten lagen in Nordwesten der Holländer, das blaue Geschwader (Spragge) -am meisten zu Luward. Rupert hatte jetzt mit dem roten Geschwader die Mitte übernommen; -ob dieses Mal Engländer und Franzosen in den Geschwadern gemischt waren, -ist unsicher. Die holländische Flotte kam in guter Ordnung heran, Tromps Geschwader -führte. <em class="gesperrt">Rupert</em> gab Befehl, Anker zu lichten und über Backbord-Bug die Linie zu bilden. -Das rote und das weiße Geschwader führten den Befehl schnell aus; das blaue, das auf -seine Flaggoffiziere wartete, verzögerte sich. Die Holländer sagen, die Gegner schienen -zuerst den Kampf haben aufnehmen zu wollen, dann aber hätten sie nach Nordwesten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_340" id="Page_340">[340]</a></span> -abgehalten. Es ist also anzunehmen, daß Rupert zuerst über Backbord beim Winde steuerte, -entweder, um die Luvstellung zu gewinnen (holländische Quellen) oder um das noch -ungeordnete blaue Geschwader zu decken (französische Quellen). Das erstere mißlang, -da Tromp sofort auch hoch beim Winde steuerte, die Deckung wurde unnötig, weil -Spragge sich noch rechtzeitig — wenn auch in Unordnung, es sollen Teile des blauen -Geschwaders in die beiden anderen versprengt sein (französische Quellen) — auf seinen -Platz vor dem roten Geschwader begab. Nun hielt Rupert ab, um den Feind von der -Küste abzuziehen (englische Quellen).</p> - -<p class="small">Die Holländer folgten, das Feuer wurde auf weite Entfernungen eröffnet, aber erst -zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kam es zum ernsteren Kampf; sei es, daß Rupert sich -jetzt weit genug von der Küste glaubte, sei es, daß Tromp das blaue Geschwader eingeholt -hatte und Rupert nun genötigt war, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. -Es ist klar, daß Tromp dem Gegner am nächsten sein mußte, und Spragge stand wohl -auch noch immer etwas zurück. Jedenfalls kam um diese Zeit die Spitze Tromps mit -Spragge ins Gefecht; aufeinanderfolgend griff Tromp selbst ein, Ruyter stieß mit Rupert -und Bankers mit d'Estrées zusammen.</p> - -<p class="small">Vizeadmiral Sweers, der Führer der ersten Division Tromps, war mit seinem Flaggschiff -(„Weißer Elephant“, 82 Kanonen) und 3 Fregatten vorgelaufen. Er kam zuerst an den -Feind und wurde so zugerichtet, daß er bald darauf das Gefecht verlassen mußte. Tromp -legte dies als Mangel an Tapferkeit aus, eine Untersuchung ergab aber die schweren Verluste -und Beschädigungen des „Elephant“ und Oranien legte den Streit bei.</p> - -<p class="small">Es entspann sich nun ein laufendes Gefecht über Backbord-Bug, das jedoch nur auf -mittlere Entfernungen geführt wurde, so daß die wirksame Verwendung der Brander -ausgeschlossen war; auch der schon begonnene Nahkampf der Vorhuten wurde infolge -schwerer Beschädigungen der Takelage auf Tromps Flaggschiff wieder getrennt. Schon -der englischen Küste nahe, wendete Ruyter nach sechsstündigem Feuergefecht bei Eintritt -der Dunkelheit (10 Uhr) mit seiner ganzen Flotte und ging unter kleinen Segeln -auf seinen Ankerplatz zurück, den er am nächsten Nachmittage unbelästigt erreichte.</p> - -<p>Auch diese <em class="gesperrt">Schlacht</em> galt als <em class="gesperrt">unentschieden</em>. Auf keiner Seite -war ein Schiff verloren. Der Mannschaftsverlust war nicht so schwer als -in der ersten und scheint bei den Gegnern etwa gleich gewesen zu sein; bei den -Holländern betrug er nur 216 Tote und 285 Verwundete.<a name="FNanchor_196_196" id="FNanchor_196_196"></a><a href="#Footnote_196_196" class="fnanchor">[196]</a> Zum Nahgefecht -war es im allgemeinen nicht gekommen. Die Holländer wollen stets den -Nahkampf erstrebt und insbesondere soll Ruyter versucht haben, in das -rote Geschwader einzubrechen. Die Gegner jedoch sollen jeden Versuch -durch Abhalten vereitelt haben; als die Gelegenheit sich endlich bot, wäre -es zu dunkel gewesen. Nach französischen Angaben habe Ruyter überhaupt -nur die Absicht gehabt, den Feind für längere Zeit aus dem Felde zu schlagen -und ihn zu nötigen, infolge Munitionsverbrauchs und Beschädigungen seiner -Schiffe die eigenen Häfen aufzusuchen, ohne dabei im Gefecht die holländische -Flotte großen Verlusten auszusetzen. Allerdings scheint Rupert dem Nahkampf -ausgewichen zu sein, obgleich er den Vorteil hatte, daß die Holländer -vielfach ihre untersten Batterien nicht gebrauchen konnten. Der schlechte -Zustand seiner Schiffe, die vielen Verwundeten von der ersten Schlacht an -Bord und das Bestreben, den Feind von der Küste abzuziehen, erklären dies<span class="pagenum"><a name="Page_341" id="Page_341">[341]</a></span> -wohl. Es wird aber auch auf den Geist in seiner Flotte geschoben, nämlich: -Mißstimmung zwischen Engländern und Franzosen — vom Lobe der -Franzosen englischerseits hört man dieses Mal nichts; d'Estrées klagt über -Mangel an Unterstützung und mißbilligt in der Folge verschiedene Maßnahmen -Ruperts — sowie Opposition mancher englischen Offiziere, die der katholischen -Hofpartei angehörten, gegen Rupert; schon vor dieser zweiten Schlacht waren -Stimmen laut geworden, zur Ausbesserung und Ausrüstung nach England -zu gehen; am 15., als der Prinz nochmals fechten wollte, drang diese Ansicht -im Kriegsrate durch.</p> - -<p>Ruyter brach das Gefecht ab und ging auf den alten Ankerplatz, die -Verbündeten liefen in die Themse ein. Wiederum behaupten diese, den -Gegner zum Rückzug gezwungen zu haben, aber <em class="gesperrt">der Erfolg spricht</em> -dieses Mal doch noch mehr <em class="gesperrt">für Ruyter</em>. Von einem gezwungenen Rückzuge -kann nicht die Rede sein. Er brach ab, weil es Nacht wurde und sich -der Kampf zu weit von seinem Stützpunkte entfernt hatte. Er ging mit -„kleinen Segeln“ zurück, zur Fortsetzung des Kampfes am nächsten Tage -bereit, und ist nicht verfolgt worden. Zwar scheinen die Verbündeten „nach -einigen Stunden“ auch gewendet zu haben, sie gingen aber am nächsten Tage -nach England, ohne etwas zu unternehmen; am 15. sind sie von den Holländern -nicht mehr gesichtet worden. Seinen strategischen Zweck hatte Ruyter in -noch höherem Maße als in der ersten Schlacht erreicht; wir werden gleich -sehen, daß die Verbündeten für sechs Wochen die See ganz frei gaben, während -die Holländer bald wieder weitere Unternehmungen ins Auge fassen konnten.</p> - -<p class="small">De Jonge führt an, nach Privatbriefen (z. B. Tromps) sei die holländische Flotte -nach der Schlacht wegen Mangels an Munition auch nicht schlagfertig gewesen. Dieser -Zustand sei aber von den Behörden geheim gehalten worden; ihm wurde auch nach -Möglichkeit schnell abgeholfen.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Texel. 21. August 1673.</b> (In Holland auch Schlacht -bei Kijkduin genannt.) Während Ruyter bei Schooneveld ausbesserte, -ergänzte und nach und nach nicht unwesentlich durch neue Schiffe verstärkt -wurde, hielt er beständig leichte Schiffe an der englischen Küste; am 19. Juni -sandte er sogar ein Geschwader von 12 Kriegsschiffen und Fregatten, -2 Brandern und 4 Jachten unter Kontreadmiral den Haen zu einer, wenn nötig -gewaltsamen, Erkundung ab. Den Haen trieb feindliche Vorposten in die -Themse zurück und meldete am 25., daß die verbündeten Flotten eifrig -ausrüstend zwischen Queensborough und Gravesend lägen, und daß große -Truppenkörper zur Einschiffung zusammengezogen würden.</p> - -<p class="small">Clowes sagt, die Franzosen seien im Juni nach Brest gegangen und hätten sich erst -Mitte Juli wieder mit den Engländern vereinigt. Alle anderen Quellen erwähnen dies -nicht, so auch nicht die sonst so genauen alten Holländer, die stets nur von „den königlichen -Flotten“ in der Themse sprechen. Ein Gegenbeweis dürfte auch zu finden sein -in Jal: „du Quesne“, wo vermerkt ist, daß Generalleutnant Martel — vom Mittelmeer -gekommen — am 18. Juni Brest verläßt, um mit einigen Schiffen zu d'Estrées zu stoßen, -am 25. an die englische Küste kommt, Dover anläuft und endlich bei beständigem Gegenwinde -die „vereinigte“ Flotte in der Themse trifft. Auch die Operationen der holländischen -Flotte lassen vermuten, daß die Franzosen in England geblieben sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_342" id="Page_342">[342]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> glaubte nicht, daß der Feind schon bald wieder bereit würde, -die Zukunft sollte ihm recht geben. Seine Flotte war Ende Juni seeklar, -und Kriegsrat wie Deputierte beschlossen, an die englische Küste zu gehen, -um dort möglichst viel Schaden anzurichten, vor allem aber um dem Feinde -und ganz Europa zu zeigen, daß man nicht in die Häfen oder zwischen die -Sandbänke getrieben sei — wie die Verbündeten ausgesprengt hatten —, sondern -die See beherrsche. Es wurde sogar in Erwägung gezogen, sich eines französischen -Hafens zu bemächtigen, um die Franzosen vom Landkriege abzuziehen, -besonders von der Belagerung Maastrichts, doch kam die Sache vorläufig -nicht zum Beschluß und auch nicht wieder zur Sprache; Maastricht -fiel am 10. Juli. Am 3. Juli ging Ruyter in See, kreuzte etwa 10 Tage vor der -Themse, trieb feindliche Vorposten den Fluß hinauf, kehrte aber dann nach -der eigenen Küste zurück, weil sich eine ansteckende Krankheit schnell auf -seinen Schiffen verbreitete; sie war zuerst unter den Leuten ausgebrochen, die -im vorhergegangenen Winter zum Dienst am Lande und auf den Binnengewässern -herangezogen und schweren Strapazen ausgesetzt gewesen waren. -Er schiffte die Kranken aus, ersetzte sie nach Möglichkeit und hielt sich wieder -in der Nähe Walcherens, um leichte Verbindung mit dem Lande zu haben und -um bei den vorherrschend westlichen Winden zu Luward der ganzen holländischen -Küste und der Themsemündung zu stehen, weil er die Nachricht erhalten -hatte, die Verbündeten würden etwa am 24. Juli seeklar sein; am 28. meldeten -dann auch Aufklärer, daß sie am Tage zuvor das Auslaufen beobachtet und -bis zum Abend etwa 130 Segel gezählt hätten.</p> - -<p>So lange hatte man gebraucht, die englische Flotte schlagfertig zu -machen. Wiederum soll der Grund in dem mangelhaften Arbeiten der -Verwaltung gelegen haben; es machte aber auch besondere Schwierigkeit, -Mannschaften zu erlangen, die Volksstimmung wurde mehr und mehr -einem Kriege gegen Holland und dem Bündnisse mit Frankreich abgeneigt; -das Pressen brachte minderwertiges Personal, nur wenige gute und kriegserfahrene -Seeleute.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flotten der Gegner</em> waren stärker als bei den vorhergegangenen -Schlachten des Jahres 1673, sie bestanden aus:<a name="FNanchor_197_197" id="FNanchor_197_197"></a><a href="#Footnote_197_197" class="fnanchor">[197]</a></p> - -<table cellpadding="2" summary="p342"> - <tr> - <td class="tdl">England:</td> - <td class="tdc">60–62</td> - <td class="tdc">Schlachtschiffen</td> - <td class="tdc">und</td> - <td class="tdc">Fregatten</td> - <td class="td19" rowspan="2"> </td> - <td class="tdc" rowspan="2">28</td> - <td class="tdc" rowspan="2">Brandern</td> - <td class="tdc" rowspan="5">20–25<br />Transportern<br />und kleineren<br />Fahrzeugen<br />18 Jachten.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Frankreich:</td> - <td class="tdc">28–30</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="8"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Verbündete:</td> - <td class="td23">90</td> - <td class="td23">„</td> - <td class="td23">„</td> - <td class="td23">„</td> - <td class="td23"> </td> - <td class="td23">28</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holland:</td> - <td class="tdc">75</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> -</table> - -<p>Die Klassen entsprachen dabei den früheren Verhältnissen, es waren -aber jetzt 6 englische Schiffe über 90 Kanonen und 6 holländische über -80 Kanonen darunter.</p> - -<p>Wieder waren auf der englischen Flotte etwa 7000 Mann Landungstruppen -eingeschifft und trotz der schlechten Erfahrung im Juni auch wieder auf<span class="pagenum"><a name="Page_343" id="Page_343">[343]</a></span> -den Schlachtschiffen. 30000 Mann standen in England, besonders an der -Themse, zum Einschiffen bereit und in Frankreich war gleichfalls ein Landungskorps -aufgestellt. Die Geschwader und Divisionen wurden von denselben -Flaggoffizieren wie im Juni geführt, nur war auf holländischer Seite -Kontreadmiral den Haen an Stelle des gefallenen Vizeadmirals Schramm -getreten und eine Division des französischen Geschwaders hatte der Generalleutnant -de Martel übernommen — wie du Quesne ein alter, sehr tüchtiger -Seeoffizier — die dritte behielt der Chef d'Escadre des Ardens. Das französische -Geschwader bildete die Vorhut der Verbündeten, auf ausdrückliches -Verlangen Ludwigs XIV. wie man sagt, auch focht es dieses Mal jedenfalls -„unvermischt“.</p> - -<p>Das nächste Zusammentreffen der Gegner sollte entscheidend für den -Krieg werden, aber drei Wochen vergingen, ehe es stattfand. Ruyter ging -am 29. Juli unter Segel, hielt sich in der Nähe der Küste und bekam den -Feind am 30. abends in Sicht. Am 31. Juli und 1. August manövrierten -die Flotten in Sicht voneinander, die Verbündeten waren bestrebt, den Gegner -von der Küste abzuziehen. <em class="gesperrt">Ruyter</em> aber hatte neue Nachrichten erhalten, -daß in der Themse Kauffahrteischiffe zusammengezogen würden, und nahm -an, daß Rupert ihn verlocken wolle, in den Kanal hinein zu folgen, damit dann -in seiner Abwesenheit die Truppen von der Themse aus nach Holland hinübergeworfen -werden könnten; er ging deshalb getreu seinem alten Plan <em class="gesperrt">nach -Schooneveld</em> zurück und der Feind kam am 1. August abends aus Sicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die verbündete Flotte</em> zeigte sich nun am 2. vor der Maasmündung, -am 3. vor Scheveningen, am 4. vor Egmond, Helder und Texel, -zuweilen leichte Schiffe nahe unter Land sendend. Die ganze Küste war -alarmiert. Der Strand wurde durch Bürgerkompagnien der naheliegenden -Städte besetzt, aber auch reguläre Truppen und Geschütze wurden herangezogen; -ein berittener Meldedienst und ein Signalsystem wurden längs der -Küste organisiert, um die ernste Bedrohung eines bestimmten Punktes weitermelden -zu können. Am 4. August erschien der Prinz von Oranien von der -Feldarmee selbst im Haag. Auch die Flotte wurde näher herangezogen; sie -ankerte am 8. bei Scheveningen, und hier bat Ruyter um nähere Order. Seine -bisherige, „den Feind anzugreifen, falls es zum Vorteil des Landes wäre,“ -erschien ihm zu unbestimmt, der Übermacht des Feindes gegenüber war ihm -die Verantwortung zu groß. Schon die Nähe seiner Flotte hatte ja bisher -ernste Unternehmungen des Feindes gehindert; die Gefahr einer Landung -war wesentlich abgeschwächt, weil man Zeit gehabt hatte, die bedrohten -Punkte zu besetzen. Ruyter lag mithin wohl der Gedanke am nächsten, -weiter in seiner abwartenden Stellung zu bleiben und seine Flotte nur im -dringendsten Falle einzusetzen.</p> - -<p>Aber Holland drohte noch eine andere Gefahr. Man erwartete die Heimkehr -des großen ostindischen Convois durch die Nordsee zu jeder Stunde, -und der Feind stand zwischen der eigenen Flotte und den dem Convoi nächstliegenden -Häfen; das glückliche Einlaufen der Handelsschiffe sollte neue<span class="pagenum"><a name="Page_344" id="Page_344">[344]</a></span> -Mittel zur Weiterführung des Krieges liefern. Der Kriegsrat der Flotte sah -wohl ein, daß dieser Umstand dafür spräche, alles zu versuchen, um den Feind -von der Küste zu vertreiben. Die Generalstaaten traten gleichfalls hierfür -bei dem Prinzen ein und ersuchten ihn, die schwachen Besatzungen der Schiffe -durch ein Regiment Seesoldaten, das am Lande wohl für kurze Zeit -zu einem entscheidenden Schlage auf See zu entbehren sei, zu verstärken.</p> - -<p>Beratungen am Lande und auf der Flotte<a name="FNanchor_198_198" id="FNanchor_198_198"></a><a href="#Footnote_198_198" class="fnanchor">[198]</a> — Oranien begab sich selbst -am 12. August, stürmisch begrüßt, auf Ruyters Flaggschiff — führten endlich -zu dem Beschluß, den Feind zur See je eher je besser anzugreifen, um die -Küste freizumachen. Wieder sah das ganze niederländische Volk auf die -Flotte als letzte Rettung; in allen Städten wurden tägliche Betstunden für -den glücklichen Ausgang der bevorstehenden Seeschlacht abgehalten und man -ordnete an, zum allgemeinen Gottesdienst zu läuten, sobald der Donner der -Kanonen den Kampf der Flotte verkünde.</p> - -<p>Am 13. August ging <em class="gesperrt">Ruyter</em> unter Segel, um den Feind zu suchen, -der unter Texel oder Vlieland liegen sollte. Die Windverhältnisse — sowohl -Stille wie Sturm und im allgemeinen stets Gegenwinde — ließen nur geringen -Fortschritt machen, da Ruyter sehr vorsichtig segelte: er war stets bestrebt, -nahe der Küste zu bleiben, Beschädigungen zu vermeiden und seine Flotte -gut beieinander und in Formation zu halten; mußte er doch bei dem für den -Feind günstigen Winde jederzeit auf einen Angriff gefaßt sein.</p> - -<p>Erst am 18. ankerte der Admiral wegen frischen Gegenwindes etwa -15 sm. südlich von Helder, zwischen Petten und Camperduin, und blieb -hier, besseres Wetter abwartend, am 19. liegen; seine Vorposten hatten den -Feind nördlich von Texel, gleichfalls vor Anker liegend, gesichtet. In diesen -Tagen fingen die Franzosen einen Ostindienfahrer ab, der dem Convoi vorgelaufen -war.</p> - -<p><b>Der Verlauf der Schlacht.</b><a name="FNanchor_199_199" id="FNanchor_199_199"></a><a href="#Footnote_199_199" class="fnanchor">[199]</a> Am 20. August lichtete <em class="gesperrt">Ruyter</em> Anker -und steuerte bei flauem östlichen Winde Nordnordost. Um 10 Uhr vormittags -kam der Feind nördlich voraus in Sicht und hielt mit Kurs Südsüdost auf die -Holländer zu, bestrebt, die Luvstellung zu halten oder zu gewinnen. Die -Angaben über die Windverhältnisse dieses Tages sind nicht sicher; die alten -und neuen Holländer sprechen nur von östlichem Winde, die neueren Engländer -und Franzosen sagen, der Wind sei im Laufe des Tages nach Nordwest -gegangen. Es ist dies ohne Bedeutung, der Wind scheint sehr flau -gewesen zu sein, da die Schiffe zuweilen nur mit dem Strom trieben; nur bei -flauem Winde auch konnte Ruyter so manövrieren, wie er tat.</p> - -<p>Es kam an diesem Tage noch nicht zur Schlacht: Ruyter hielt zurück, -weil einige Schiffe nicht auf Position waren; die Verbündeten, die nach übereinstimmenden -Aussagen zwar den ganzen Tag die Luvstellung hatten, griffen<span class="pagenum"><a name="Page_345" id="Page_345">[345]</a></span> -nicht an, weil sich der Gegner stets nahe unter der Küste hielt. Ruyter wendete -am Nachmittag wieder nach Süden, führte unter sorgfältigem Loten seine -Flotte bis ganz dicht an den Strand heran und hielt dann nach Mitternacht -wieder ab. Die Gegner folgten allen Bewegungen, aber stets in vorsichtig -bemessener Entfernung von der Küste. <em class="gesperrt">Ruyters</em> Manöver nun, gestützt -auf seine Kenntnis des Fahrwassers und den geringeren Tiefgang seiner Schiffe -sowie auf richtige Beurteilung der Wind- und Stromverhältnisse, hatten -den Erfolg, daß er am Morgen des 21., als der Wind aus Ostsüdost auffrischte, -zu Luward des Gegners stand — nur 2 Seemeilen von Land (zwischen Petten und -Camperduin), so daß der Seeraum des Feindes nach Luward hin beschränkt -war; er <em class="gesperrt">hatte seinen Gegner</em> in der Dunkelheit <em class="gesperrt">ausmanövriert</em>.</p> - -<p>Als die Holländer jetzt mit vollen Segeln zum Angriff herankamen, -wendeten die Verbündeten und erwarteten sie über Steuerbord-Bug beim Winde. -Ruyter steuerte zunächst etwas nach Norden, wendete dann geschwaderweise, -hielt kühn auf den Feind ab und legte sich ihm querab über St. B. Bug. Geschwader -stand gegen Geschwader: Bankers gegen d'Estrées, Ruyter gegen -Rupert, Tromp gegen Spragge; die Mitten und die Nachhuten der Gegner -waren sich ziemlich gleich, Bankers jedoch war wesentlich schwächer als -d'Estrées.</p> - -<p class="small">Die allgemeinere Annahme geht nämlich dahin, daß an diesem Tage auf Anordnung -Ruyters das Geschwader Bankers nur aus 10 oder 12 Schiffen bestand, die beiden andern -holländischen aus je 32 oder 33. Auf diese Weise war die Übermacht der Verbündeten -bei Mitte und Nachhut ausgeglichen, während den 30 Franzosen eben nur 10 oder 12 Schiffe -gegenüberstanden; Ruyter soll die Absicht gehabt haben, diesen Gegner nur zu beschäftigen. -Nehmen wir dies vorläufig als zutreffend an.</p> - -<p>Infolge der verschiedenen Art, mit der die Geschwaderchefs der Verbündeten -den Angriff aufnahmen, entwickelten sich in dem <em class="gesperrt">ersten Abschnitt -der Schlacht drei getrennte Gefechte</em>:</p> - -<p>D'<em class="gesperrt">Estrées</em> steuerte hoch am Winde, um die Luvstellung zu gewinnen -oder doch die Spitze des Feindes von Luward her zu dublieren — wie er -später sagt, auf Anordnung Ruperts; <em class="gesperrt">Rupert</em> hielt während des Gefechtes -beständig ab, um den Feind von der Küste abzuziehen, damit dieser sich -bei etwa umspringendem Winde nicht wieder ihres Schutzes bedienen könne; -<em class="gesperrt">Spragge</em> drehte bei, um möglichst schnell zum Kampf auf nächste Entfernungen -zu kommen — er soll aus irgend einem Grunde persönlichen Haß -auf Tromp gehabt haben und hatte seinem König versprochen, jenen tot -oder lebendig zurückzubringen oder das eigene Leben zu lassen. Diese Gegner -trieben natürlich schnell nach Lee (Lage 1 der Skizze). So mußten sich die -Einzelgefechte der Geschwader bald voneinander örtlich trennen (Lage 2).</p> - -<p>Bei dem <em class="gesperrt">Kampf der Vorhuten</em> gelang es wirklich dem Führer -der ersten französischen Division (Martel) vorzulaufen, zu wenden und die -Holländer von Luward aus zu dublieren. <em class="gesperrt">Bankers</em> aber erkannte die -Gefahr. Er hielt sofort ab — scheinbar ehe <em class="gesperrt">Martel</em> von Luv aus angriff, da -dessen Schiffe infolge etwas umspringenden Windes lange in der Wendung<span class="pagenum"><a name="Page_346" id="Page_346">[346]</a></span> -liegen geblieben sein sollen —, lief mit seinen 12 Schiffen durch die in Lee -gebliebenen 20 Franzosen, die in sich schlecht aufgeschlossen waren, hindurch -und steuerte nach dem Gefechtsfelde der Mitten zur Unterstützung Ruyters. -Das kurze Gefecht hier war sehr heftig gewesen, Bankers selbst entging -nur knapp der Vernichtung durch einen mit hervorragendem Schneid geführten -Brander, aber d'<em class="gesperrt">Estrées</em> folgte nicht. Die Franzosen brauchten -lange Zeit, „die Ordnung herzustellen und auszubessern“; tatsächlich hörte -ihre Teilnahme an der Schlacht auf, obgleich Rupert versuchte, sie durch -Signal heranzuziehen.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p346.jpg" width="600" height="381" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p346" id="fig_p346"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Texel, 21. August 1673.</p> -</div> - -<p class="small">Von dieser Darstellung weichen die holländischen Angaben — alte wie neue — -wesentlich ab. Sie erwähnen nicht, daß Bankers' Geschwader schwächer gewesen sei. -Sie sagen sonst: Anfangs nahmen die Franzosen den Kampf mit Mut auf, dann zog sich -d'Estrées nach einem Branderangriff zurück und mit ihm die meisten Schiffe, endlich -auch Martel; die Franzosen brachen das Gefecht ab; Bankers ließ 8 Schiffe zu ihrer -Beobachtung zurück und segelte mit den übrigen zu Ruyter.</p> - -<p class="small">Für diese Auffassung dürfte sprechen, daß Ruyter vor der Aktion kaum genau -wissen konnte, welches Geschwader den Franzosen gegenüberstehen würde. Ursprünglich -waren die Geschwader gleich stark, Ruyter hätte die Änderung also erst am Morgen -vornehmen müssen, und es ist auffallend, daß die sonst gerade in solchen Angelegenheiten -so genaue alte Quelle („Leben Ruyters“) nichts davon erwähnt. Gegen diese Auffassung -spricht, daß die englischen und französischen Quellen ausdrücklich so erzählen, wie vorstehend -geschildert, auch die alten, z. B. ein Bericht Colberts an seinen König. In einem -Bericht des Intendanten von Brest — beauftragt mit Untersuchung eines Streites -zwischen d'Estrées und Martel, von dem später noch die Rede sein wird — heißt es sogar:<span class="pagenumsmall"><a name="Page_347" id="Page_347">[347]</a></span> -„Man konnte glauben, daß sich in allen diesen Schlachten Ruyter niemals die Mühe gab -das französische Geschwader anzugreifen, so hatte er in der letzten Schlacht (also hier) -nur 10 Schiffe des seeländischen Geschwaders geschickt, um d'Estrées zu beschäftigen.“ -In diesem Falle fiele also das Verdienst der so erfolgreichen taktischen Maßregel Ruyter -zu; Bankers zeigte dann im Gefecht durch sein Verfahren große Umsicht. Nach der -holländischen Erzählung stände Bankers in erster Linie das Verdienst zu. Aber sein -Verhalten ist auch dann eine Frucht der Erziehung Ruyters; hatte doch dieser dazu das -Beispiel am 7. Juni gegeben und immer wieder, so noch einige Tage vor der letzten Schlacht, -darauf hingewiesen, den Zusammenhang der ganzen Flotte zu wahren und darauf zu -achten, wo gegenseitige Unterstützung nötig sei.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Kampf der Nachhuten</em> wurde während dieser Zeit auf -nächste Entfernungen mit größter Hartnäckigkeit von beiden Seiten durchgefochten, -auch <em class="gesperrt">Tromp</em> hatte beigedreht. Die beiden Geschwaderchefs -waren ähnliche Charaktere, wie denn <em class="gesperrt">Spragges</em> fehlerhaftes Vorgehen -hier ganz dem Tromps bei früheren Gelegenheiten gleicht. Sie lagen 3½ Stunden -mit ihren Flaggschiffen backgebraßt nebeneinander. Hierbei soll Tromp -während der ersten drei Stunden gar keine Verluste gehabt haben — auch -der Verlust einiger anderer Schiffe, z. B. Ruyters, in dieser Schlacht war gering —, -was nicht für die bisher so berühmte englische Artillerie spricht; es war wohl -eine Folge des erwähnten schlechten Ersatzes. Die beiden Geschwader -kämpften in voller Melee; beide Chefs mußten ihre Flaggschiffe wechseln -und stürzten dann wieder aufeinander ein; bei einem abermaligen Verlassen -seines Schiffes ertrank Spragge, aber auch auf holländischer Seite fiel Vizeadmiral -Sweers. Die Engländer hatten im allgemeinen die größeren Verluste -und Beschädigungen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Gefecht der Mitten</em> scheinen die Aussichten zuerst gleichgestanden -zu haben, infolge des beständigen Ausweichens Ruperts kam es -nicht zu so nahem Kampfe wie bei der Nachhut; doch wird die gute Ordnung -in Ruyters Geschwader hervorgehoben, nur einige Schiffe der Division van Nes -waren lau. Als aber Bankers herankam, änderte sich die Lage, nun standen -42 Holländer gegen 30 Engländer. Dabei behielt Ruyter seine Kräfte in der -Hand, schnitt durch Abzweigung von 8 Schiffen die Division Chicheley ab -und dublierte so die beiden anderen des Feindes. Es spricht für die Engländer, -daß diese Divisionen nicht vernichtet wurden, sondern sich sogar nach und -nach, allerdings unter schweren Verlusten, der Lage wieder entzogen -(Lage 3).</p> - -<p>Beide Flottenchefs waren in Unsicherheit und in Besorgnis über das -Schicksal ihrer Nachhut, und so steuerten beide nach dem Gefechtsfelde -dieser hin; auf Parallelkursen in Schußweite aber wie in stillschweigender -Übereinkunft ohne zu feuern. Beide sparten wohl Munition; die Schlacht -hatte um 8 Uhr morgens begonnen und die Wiedervereinigung der Mitten mit den -Nachhuten fand etwa um 4 Uhr nachm. statt. Wahrscheinlich war es die höchste -Zeit für das blaue Geschwader, daß Rupert eintraf. Tromp löste seine Melee, -beide Flotten ordneten sich und um 5 Uhr begann ein <em class="gesperrt">neues Gefecht</em>, -von dem die Quellen nur melden, daß es bis 7 Uhr sehr blutig gewesen sei.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_348" id="Page_348">[348]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> scheint um diese Zeit den Rückzug eingeleitet zu haben, -wahrscheinlich weil nun endlich die Franzosen herankamen und weil es dunkel -wurde, aber auch die Engländer brachen ab. Die holländische Flotte kreuzte -am 22. August vor Texel und ankerte am 23. in See zwischen Texel und Vlieland, -um von hier aus die Einfahrten für den erwarteten Convoi zu decken. -Ein sofort eingerichteter und ununterbrochen durchgeführter Aufklärungsdienst -ergab während der nächsten Tage, daß vom Feinde in gefahrdrohender -Nähe nichts zu sehen sei. <em class="gesperrt">Die Verbündeten</em> hatten gleich nach der -Schlacht zur englischen Küste hinübergehalten, um ihre schwerbeschädigten -Schiffe in Sicherheit zu bringen. In dieser Schlacht verlor keine Partei -Schiffe, außer verbrauchten Brandern; die Beschädigungen scheinen auf englischer -Seite größer gewesen zu sein — nach holländischen Angaben waren -hier 12 Schiffe entmastet, während nur 2 holländische gezwungen waren, -einzulaufen. Die Holländer verloren die Admirale Liefde und Sweers sowie -6 Kommandanten, die Engländer den Admiral Spragge und 7 Kommandanten; -der Offizier- und Mannschaftsverlust war sonst auf englischer Seite -wieder weit stärker (nach holländischen Angaben etwa 2000 Tote und Verwundete); -wiederum sprach wohl die Überfüllung der Schiffe mit Landsoldaten -hierbei mit.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Sieg der Holländer</em>, so glaube ich das Ergebnis dieser Schlacht -bezeichnen zu können, ist in erster Linie der Umsicht Ruyters und Bankers -einerseits, der schlechten Führung auf seiten der Gegner anderseits zuzuschreiben. -Wie allgemein üblich, hatte Ruyter den Angriff so angesetzt, daß -Geschwader auf Geschwader stieß; wenn nun Bankers und Tromp zunächst -von ihrer Mitte abkamen, so war das dieses Mal natürlich, es war hervorgerufen -durch die Manöver ihrer Gegner. Bankers erfüllte damit auch zugleich seinen -Zweck, die Franzosen zu beschäftigen; mit Umsicht und zum allgemeinen -Besten wußte er aber abzubrechen und zur Mitte zurückzukehren, als seine -Lage gefährlich wurde. Ruyter verstand es dann, die erlangte Übermacht -auszunutzen. Auch Tromp ist dieses Mal wohl zu entschuldigen, wenn er -den angebotenen Nahkampf annahm; als er dies tat, konnte er wohl kaum -übersehen, daß er sich dadurch dauernd von Ruyter trennen würde, später -war er zu heiß engagiert, um abzubrechen.</p> - -<p>Auf seiten der Verbündeten liegt die Sache ganz anders. Spragge ließ -seinen Flottenchef weiter segeln, um, wie bereits gesagt, persönlichen Haß -oder Ehrgeiz zu befriedigen. Rupert beschwerte sich bitter über ihn und -ebenso über die Handlungsweise d'Estrées'. Dieser warf dagegen Rupert -vor, durch sein Abhalten die Trennung herbeigeführt zu haben. Es ist ja -auch richtig: Beabsichtigte der Flottenführer, durch solche Manöver den Feind -von der Küste abzuziehen, so hätte er es vorher den Geschwaderchefs bekannt -geben müssen.</p> - -<p>D'<em class="gesperrt">Estrées' Verhalten</em> gab Anlaß zu vielen Berichten, Verhandlungen -und Untersuchungen,<a name="FNanchor_200_200" id="FNanchor_200_200"></a><a href="#Footnote_200_200" class="fnanchor">[200]</a> deren Ergebnis ungefähr folgendes ist: Warum<span class="pagenum"><a name="Page_349" id="Page_349">[349]</a></span> -trennte sich d'Estrées? Er habe Anweisung gehabt, die Luvstellung zu -gewinnen; dies habe er mit seiner Spitzendivision erreicht. Der Führer dieser -aber, Martel, habe zu spät gewendet, zu spät von Luward angegriffen und -dadurch Bankers Durchbruch möglich gemacht. Hiergegen wendet sich Martel -schroff, da er seine Aufgabe ausgeführt und den Gegner zu dem verzweifelten -Manöver gezwungen habe, d'Estrées' Aufgabe wäre nun gewesen, jenen dabei -zu vernichten; ja, d'Estrées habe von Anfang an die Schwäche des Feindes -übersehen müssen, ihn (Martel) allein demselben gegenüberstellen und sich -zu Rupert begeben können — dies ein Vorwurf, den auch Prinz Rupert erhob. -Warum kam d'Estrées später nicht heran? Er habe geglaubt, gut zu tun, -wenn er sich die Luvstellung für einen späteren Kampf (am nächsten Tage?) -möglichst sichere; das Signal Ruperts, das ihn heranrief, habe er nicht verstanden. -Er sagt, es sei signalisiert: „venir mouiller (ankern) dans les eaux -de l'amiral“; Rupert sagt, das Signal habe bedeutet »venir dans les eaux -de l'amiral. Möglich, daß das Signal das erste bedeutete, daß bei der Unvollkommenheit -des Signalsystems Rupert es zum Heranruf benutzte, und -er hat wohl recht mit der Behauptung, es wäre nicht mißzuverstehen gewesen; -d'Estrées kam ja aber auch nicht zum „Ankern“ heran! Im übrigen behauptet -dieser, er habe nur etwa eine Stunde ausgebessert, dann aber Rupert -erst am Abend erreichen können, da dieser immer abgehalten habe; Bankers -hat doch aber die Mitten bald erreicht, und außerdem sagen die meisten -Quellen (auch französische), das französische Geschwader habe mehrere -Stunden rangiert. Es liegen doch wohl grobe Fehler d'Estrées' vor; Martels -Ausfälle gegen ihn waren derart, daß dieser wegen derselben in die Bastille kam.</p> - -<p>Wiederum ging das Gerücht, der französische Chef habe geheimen Befehl -gehabt, seine Flotte zu schonen, worauf wir später zurückkommen werden; -anderseits geben <em class="gesperrt">Personalnotizen über d'Estrées</em> vielleicht -auch einige Aufklärung:</p> - -<p class="small">D'Estrées war einer jener von der Armee übernommenen Offiziere, bis 1668 Generalleutnant -und gleich als Vizeadmiral angestellt, tüchtig und tapfer, aber ohne jede seemännische -Erfahrung. Von den alten Seeoffizieren, vor denen er einrangiert, wurde -er natürlich scheel angesehen, und dabei stieß er sie durch hochmütiges Wesen vor den -Kopf. So hatte ihm 1672 du Quesne weichen müssen, Martel hatte er gleich bei dessen -Eintreffen im Juli 1673 durch Unterlassung zustehender Ehrenbezeugungen und später -durch den Tenor in schriftlichen Befehlen beleidigt. Er war ferner in übergroßem Selbstbewußtsein -unzugänglich für Ratschläge erfahrener Seeleute und mischte sich doch -in technische Einzelheiten. Ein schlagendes Beispiel der Art sei gegeben, das auch ein -Bild der Seegebräuche dieser Zeit zeigt, ehe sich ein Seeoffizierkorps voll ausgebildet -hat: 1678 strandete d'Estrées mit allen 8 Schiffen seines Geschwaders in Westindien. -Sein Flaggkapitän erzählt darüber: „Mittags hatte der Admiral mit den Steuerleuten -das Besteck in die Karte eingetragen. Als ich in die Kajüte treten wollte, traf ich auf -den weinend herauskommenden dritten Steuermann. Er sagte mir, er sei vom Admiral -beschimpft, weil er mehr Abtrift angenommen habe als die anderen. Mir sagte dann der -Admiral: der Lump läßt mich einen Kurs laufen, der Teufel weiß wohin.“ Naiv fügt -der Flaggkapitän hinzu: „Da ich nicht wußte, wer recht habe, sagte ich nichts, um nicht -einen gleichen Sturm auf mich zu laden.“ — Einige Stunden später ging das Geschwader -auf einer Reihe von Felsen, den Avesinseln, verloren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_350" id="Page_350">[350]</a></span></p> - -<p>Einen <em class="gesperrt">Sieg der Holländer</em> können wir also die Schlacht nennen. Alle -die Umstände, die nach den beiden Schlachten von Schooneveld zugunsten -der Holländer sprachen, treten hier in <em class="gesperrt">taktischer und strategischer -Beziehung</em> noch weit schärfer hervor: Die Verbündeten haben dieses -Mal das Feld geradezu geräumt, weder in der Nähe des Schlachtfeldes geankert, -noch eine Verfolgung auch nur scheinbar versucht; sie sind sofort -nach der englischen Küste gegangen, um ihre vielen beschädigten Schiffe -in Sicherheit zu bringen; ihr Mannschaftsverlust war wieder größer. Der -strategische Erfolg der Schlacht war noch bedeutender. Nicht nur war -wiederum die augenblickliche Gefahr einer Landung abgewendet, die Verbündeten -gaben vielmehr den Plan, von der Küste aus in den Landkrieg -einzugreifen, jetzt ganz auf. Wie wir gleich sehen werden, zeigten sich ihre -Flotten nicht mehr auf dem Meere, so waren auch die niederländischen Häfen -dem Handel wieder geöffnet; der ostindische Convoi kam glücklich ein, -einige Schiffe waren den Engländern im Atlantik (bei St. Helena) in die -Hände gefallen. Der moralische Einfluß des endgültigen Abschlagens der -verbündeten Flotten ging noch weiter, er führte zum Frieden mit England; -König Karl konnte das schon lange unpopuläre Bündnis mit den Franzosen -nicht länger aufrecht erhalten, nachdem diese sich in den Augen seines Volkes -als ungenügende, unzuverlässige, wenn nicht sogar verräterische Verbündete -gezeigt hatten.</p> - -<p class="small">Die große Bedeutung, die diese letzte Schlacht haben würde, war in Holland allgemein -erkannt. Wie angeordnet, strömte das Volk in den Kirchen zusammen, als der -Donner der Kanonen in Amsterdam und ganz Nordholland den Zusammenstoß der -Flotten meldete, und wohl aus vollem Herzen stieg das Gebet „um den Sieg des Vaterlandes -und der gerechten Sache“ zum Himmel auf. Den Eindruck auf das englische -Volk hatte Oranien vorausgesehen; als er am 12. August die Flotte besuchte, wies er -die höheren Offiziere und die Besatzung des Flaggschiffes darauf hin, daß noch ein -Erfolg zur See den Frieden mit England und damit eine wichtige Wandlung im Kriege -bringen würde.</p> - -<p><b>Der kleine Krieg gegen den Handel und in den Kolonien</b> war gleichfalls -zugunsten der Holländer ausgefallen. Wir wissen, daß sie den eigenen Handel -in den nördlichen Gewässern verboten hatten; es wird ausdrücklich gesagt „im -Kanal und Nordsee“, die fernen Meere werden dieses Mal nicht erwähnt. -Die anfänglich untersagte <em class="gesperrt">Kaperei</em> wurde im Herbst 1672 freigegeben und -sofort lebhaft aufgenommen. Allein von Seeland, das wie stets darin voranging, -liefen gegen 100 Fahrzeuge aus; sie machten reiche Beute, hatte sich -doch der englische Handel in den letzten Jahren sehr gehoben. Während -der Indiensthaltung der großen Flotte im Sommer 1673 aufs neue verboten, -wurde das Auslaufen der Kaper im Herbst auch wieder erlaubt.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Indien</em> gelang es den Holländern, den Fortschritten der Franzosen -wirksam entgegenzutreten. In <em class="gesperrt">Westindien</em> griff 1673 ein kleines Geschwader, -freilich ohne dauernden Erfolg, englische und französische Niederlassungen -an. <em class="gesperrt">New York</em> wurde den Engländern entrissen, diese nahmen -die damals noch unwichtige Insel Tabago; die beiden Eroberungen wurden<span class="pagenum"><a name="Page_351" id="Page_351">[351]</a></span> -beim Friedensschluß zurückgegeben. Dagegen behielten die Engländer -<em class="gesperrt">St. Helena</em> als wichtigen Stützpunkt gegen die holländische Kapkolonie -und für den Weg nach Indien. Die Insel war ursprünglich von Holland -besetzt, fiel 1657 an England, wurde 1672 von Holland, aber schon 1673 wieder -von England erobert (vgl. über Kolonien auch Kapitel XII).</p> - -<p><b>Der weitere Verlauf des Krieges bis zum Frieden mit England</b> (Westminster -19. Februar 1674) bringt keine wichtigen Ereignisse zur See mehr. Die -holländische Flotte wurde schleunigst wieder schlagfertig gemacht und -während dieser Zeit der Feind stets beobachtet. Erkundungen und Nachrichten -von Kauffahrern ergaben, daß die verbündete Flotte infolge stürmischen -Wetters und Gegenwindes erst Anfang September in die Themse eingelaufen -sei, später, daß die englische Flotte abrüste und die französische -nach ihren Häfen abgegangen wäre. In Holland beabsichtigte man zuerst, -sobald als möglich in See zu gehen und den Convoi auf der Doggerbank zu -erwarten; als man dann aber vermutete, dieser sei mehr oder weniger versprengt, -wurde beschlossen, die Flotte vor die Themse zu senden, um so die einzeln -zurückkehrenden Indienfahrer besser schützen zu können und zugleich dem -Gegner und Europa zu zeigen, daß man schlagfertig geblieben sei.</p> - -<p>Ruyter ging am 12. September in See, aber beständig stürmisches Wetter -hinderte die Ausführung des Planes; die Flotte wurde mehrmals versprengt. -Am 22. September wurde sie aufgelöst und der Winterdienst eingesetzt, -dagegen gab man jetzt die Kaperei frei. Die einlaufenden Kriegsschiffe -wurden mit Jubel und Ehren begrüßt; Ruyter und verschiedene Admirale -erhielten Dotationen. Die Marine hatte aber auch ihre Pflicht getan; der -<em class="gesperrt">Landkrieg</em> mit Frankreich nahm jetzt eine andere Wendung, da die -Truppen von der Küste und auch Mannschaften von der Flotte frei wurden. -Wenn er auch noch vier Jahre dauern sollte, so waren doch die Niederlande -bald nicht mehr der Schauplatz.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Oranien eroberte</em> Naarden am Zuidersee (12. September); wie Muyden -wichtig war zum Halten der durch die Überschwemmung geschaffenen Defensivstellung, -so war es Naarden zu Offensivunternehmungen, die jetzt von hier aus ins Werk gesetzt -wurden. Die Franzosen hielten nicht lange mehr stand, sie waren auch sonst bedroht. -Infolge ihres Auftretens im Deutschen Reich, Verletzung der Neutralität in verschiedenen -Gebieten, mußte der Kaiser endlich Ernst machen und auch Spanien raffte sich auf; -um noch rechtzeitig seine Niederlande vor der Eroberungspolitik Ludwigs XIV. zu sichern. -Der <em class="gesperrt">Kaiser</em> und <em class="gesperrt">Spanien</em> schlossen am 30. August 1673 ein <em class="gesperrt">Bündnis mit -Holland</em>.</p> - -<p class="small">Ludwig versuchte jetzt unter milderen Bedingungen mit der Republik Frieden zu -schließen und gab seine Pläne hier vorläufig auf, um den Krieg mit dem Hause Österreich -in Deutschland und Spanien durchführen zu können; Holland weigerte sich.</p> - -<p class="small">Montecuculi kam den Rhein herab, um Oranien die Hand zu reichen; dieser drang -nach Belgien ein und vereinigte sich, durch ein spanisches Korps verstärkt, bei Andernach -mit den Österreichern. Gemeinschaftlich eroberten sie Bonn (12. November) und mehrere -Festungen am Unterrhein; sie drohten so, den Franzosen den Rückzug abzuschneiden. -Ludwig XIV. gab deshalb auf Rat Turennes die gefährliche vorgeschobene Stellung in den -Niederlanden auf, seine Truppen räumten schleunigst die Provinzen Utrecht und Geldern -— nicht ohne diese noch gründlich zu brandschatzen; Marschall Luxembourg brachte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_352" id="Page_352">[352]</a></span> -nur mit Mühe seine Armee an Montecuculi und Oranien vorbei in Sicherheit. Auch die -Bischöfe räumten Oberyssel; <em class="gesperrt">das Gebiet der Niederlande war frei vom -Feinde</em>.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Krieg mit England</em>, und damit der eigentliche Seekrieg, -kam bald <em class="gesperrt">zu Ende</em>. Von Holland angeknüpfte Verhandlungen wurden -von Spanien unterstützt. Dieses drohte bei weiterem Kriege sein friedliches -Verhältnis mit England abzubrechen; wenn man nun hier auch diesen -Gegner nicht hoch einschätzte, so fürchtete man doch, daß dadurch dann -der eigene blühende Handel mit Spanien den Niederlanden zufallen würde. -Aber auch sonst war schon länger, wie bereits angedeutet, die Volksstimmung -für die Holländer und gegen die Franzosen. Jene hatten sich als brave und -tüchtige Gegner die Sympathie erworben, diese waren mindestens unzuverlässige -Verbündete gewesen; außerdem regte sich immer mehr der protestantische -Geist und das Mißtrauen gegen den König und seine Partei mit ihren -Plänen hinsichtlich der inneren Politik. Endlich fürchtete man einen neuen -Wettbewerb des Seehandels Frankreichs, dessen Aufblühen durch zu großes -Schwächen der Republik begünstigt werden würde, mehr als den alten -mit Holland. Als Karl II. im Januar 1674 neue Mittel für Rüstungen verlangte: -„nur um dadurch den Frieden schneller herbeizuführen“, erwiderte -das Haus der Gemeinen einstimmig, es würde nur dann Gelder bewilligen, -wenn Holland billige Friedensbedingungen ausschlüge. In Holland hatte -man zwar für das Jahr 1674 die Ausrüstung einer sehr starken Flotte — -84 Schlachtschiffe über 40 Kanonen usw. — beschlossen, was wohl auch einen -Druck auf Beschleunigung der Verhandlungen ausüben sollte und auch ausübte, -man war aber doch sehr zum Nachgeben bereit. So mußte auch Karl sich -fügen und am 19. Februar 1674 wurde der <em class="gesperrt">Frieden in Westminster</em> -geschlossen.</p> - -<p>Wie viel Holland am Frieden lag, zeigen die <em class="gesperrt">Bedingungen</em>, die -immer noch sehr günstig für England waren, wenn sie auch bei weitem nicht -den von Karl früher geforderten entsprachen: Holland mußte auf für England -vorteilhafte Vereinbarungen über den Handel in Ostindien eingehen und die -während des Krieges wiedergenommene Kolonie New York (von nun ab für -immer) zurückgeben; 2 Millionen Gulden an Karl zahlen und vor allem das -Flaggenrecht in ausgedehntem Maße anerkennen. Sogar die in England -geworbenen Regimenter blieben beim französischen Heere; sie wurden nur -auf den Aussterbe-Etat gesetzt, ihre Mannschaft durfte nicht weiter ergänzt -werden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Das Flaggenrecht</em> wurde strenger und genauer festgesetzt. Der Flaggengruß -(Seite <a href="#Page_229">229</a>) wurde jetzt von allen holländischen Kauffahrern, Kriegsschiffen und -Flotten jedem englischen Kriegsfahrzeuge gegenüber in den englischen Gewässern verlangt. -Da der Umfang dieses Machtbereichs in den früheren Verträgen unerörtert -geblieben war, wurde er jetzt auf das uns bekannte weite Gebiet (Seite <a href="#Page_189">189</a>) festgesetzt. -Auch wurde jetzt besonders betont, daß Holland damit Englands Vorherrschaft zur See -anerkenne, während nach dem zweiten Kriege gesagt war, der Gruß gelte der „Majestät“ -des Königs.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_353" id="Page_353">[353]</a></span></p> - -<p>So endete der für lange Zeit letzte Krieg zwischen England und Holland. -Die Beziehungen der beiden hartnäckigen Gegner wurden bald noch inniger -durch Abschluß eines Handelsvertrages (Dezember 1674) und durch die -Verheiratung <em class="gesperrt">Wilhelms von Oranien</em> mit <em class="gesperrt">Maria</em> von York, der -ältesten Tochter des späteren Königs Jakob II. Infolge dieser Heirat wurde -Oranien, schon durch seine Mutter ein Enkel Karls II., neben Maria König -von England (1688).</p> - -<p class="small">Mit dem Frieden zwischen England und Holland hört der weitere Krieg Frankreichs -und Hollands auf, ein großer Seekrieg zu sein. Diese beiden Länder führten -jetzt vorwiegend einen Landkrieg. Zusammenstöße zur See fanden fast nur in fernen -Gewässern statt; sie sollen unter „Kolonien“ (Kapitel XII) oder unter „Nebenkriegen“ -(im nächsten Kapitel; insbesondere Ruyters letztes Auftreten bei Stromboli und Agosta) -angeführt werden. Der weitere Krieg brachte aber England noch unmittelbar große -Vorteile, da ihm während seiner Dauer der europäische Zwischenhandel Hollands -größtenteils zufiel.</p> - -<p><b>Bemerkenswertes im dritten Kriege.</b><a name="FNanchor_201_201" id="FNanchor_201_201"></a><a href="#Footnote_201_201" class="fnanchor">[201]</a> Beim <em class="gesperrt">Material</em> ist zwar keine große -Änderung in der Anzahl der Schiffe eingetreten, aber es sind doch Fortschritte zu -verzeichnen. Auf beiden Seiten hat sich die <em class="gesperrt">Vertretung der Klassen</em> in der -Gesamtzahl der Schiffe nicht unbedeutend verschoben. Die Hauptkraft der -Engländer liegt jetzt in Schiffen von 50–60 Kanonen und in den ganz schweren -über 80 Kanonen. Die alte Überlegenheit der englischen Flotte in ihrer Bestückung -ist durch die Vermehrung dieser schwersten Schiffe noch gewachsen, da diese -auch das schwerste Kaliber führen, das Holland gar nicht besitzt. Die Hauptkraft -der Holländer liegt in Schiffen von 60–70 Kanonen, die aber, wie wir -wissen, artilleristisch nicht viel mächtiger als englische 50–60 Kanonen-Schiffe -sind; die Franzosen haben bei der Gründung ihrer Marine besonders 60–70 -Kanonen-Schiffe und solche über 80 Kanonen gebaut — diese letzteren -treten allerdings nicht auf. Wir rechnen zwar zu den Schlachtschiffen noch -immer alle Schiffe über 40 Kanonen, aber die zu 40–50 Kanonen haben bei -Engländern und Holländern in den Flotten sehr abgenommen, bei den Franzosen -sind sie überhaupt nicht vorhanden. Dagegen ist die Zahl der Schiffe -mit 20–40 Kanonen — bei den Holländern und Franzosen schon ausdrücklich -„Fregatten“ genannt — nicht zurückgegangen, die der noch kleineren (in -Holland Advisjachten genannt; von 1674 an werden statt ihrer meist -„Snauwen“ erwähnt: Fahrzeuge mit 8 Kanonen, 36 Mann, Kuttertakelage) -ist sogar wesentlich gestiegen. Man ersieht daraus, das einerseits von dem -Schlachtschiff (Linienschiff) immer mehr Gefechtskraft verlangt wird — die -Linie wird dadurch mächtiger und auch schon etwas kürzer —, daß anderseits -dem Aufklärungs- und Meldedienst mehr Wert beigelegt wird.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_354" id="Page_354">[354]</a></span></p> - -<p>Wir haben früher gesagt (Seite <a href="#Page_168">168</a> u. <a href="#Page_171">171</a>), der Fortschritt in der <em class="gesperrt">Artillerie</em> -läge in der Zeit des dritten Abschnittes mehr in der planmäßigen Bestückung -der Schiffe als in der Verbesserung der Waffe selbst. Im dritten Kriege haben -wir nun die auffallende Erscheinung, daß trotz schärfster Aktionen in nächster -Nähe der Verlust an Schiffen weit geringer ist als in den beiden ersten Kriegen; -die Artillerie muß also mit dem Fortschritt im <em class="gesperrt">Schiffbau</em> nicht Schritt -gehalten haben. Ein Hauptfortschritt im Schiffbau ist in diesem Zeitabschnitt -ja ebenfalls die Durchführung einer Klasseneinteilung, aber die Schiffe selbst -wurden doch auch besser gebaut. Die Möglichkeit, taktische Manöver besser -durchzuführen, spricht ferner für größere Segelfähigkeit der Schiffe; endlich -ist es nicht unwahrscheinlich, daß, wenn die Winterruhen noch immer lange -innegehalten werden, dieses mehr eine Folge alten Brauches als der ungenügenden -Seefähigkeit der Schiffe ist.</p> - -<p>Sehr bedeutend ist die Zahl der <em class="gesperrt">Brander</em> gewachsen. Es werden -größere Angriffe mit dieser Waffe geplant (Solebay; erste Schlacht bei Schooneveld), -deren Erfolge allerdings durch die Umstände vereitelt werden. Es ist -überhaupt bemerkenswert, daß ihre Leistungen gegen den zweiten Krieg -zurücktreten; es ist den Schlachtschiffen leichter geworden, ihnen auszuweichen -und sie abzuschlagen (Seite <a href="#Page_188">188</a>).</p> - -<p>Über die Bewertung des <em class="gesperrt">Personals</em> zur Zeit dieses Krieges ist bereits -bei Betrachtung der Streitmittel (Seite <a href="#Page_313">313</a> u. <a href="#Page_317">317</a>) gesprochen; das Wichtigste -wird in nachstehendem nochmals mit hervorgehoben werden.</p> - -<p>Was nach dem zweiten Kriege über den Fortschritt in der <em class="gesperrt">Taktik</em> -gesagt ist, trifft in erhöhtem Maße für den dritten zu: das Bestreben, die Kiellinie -beim Winde aus Einzelschiffen zu bilden, diese Linie gut geordnet und -eng aufgeschlossen zu erhalten, die Geschwader zusammen zu behalten und -die ganze Flotte einheitlich zu leiten; die Melee wird vermieden oder doch, -wenn schon eingetreten, wieder entwirrt und die Ordnung hergestellt, um dann -zu neuem Kampfe überzugehen. Die Holländer sind jetzt in der Durchführung -dieser Grundsätze, in der Gefechtsdisziplin überhaupt, den Engländern gleichwertig, -ja überlegen; wenn in den Schlachten getrennte Geschwaderkämpfe -eintreten, so ist es bis auf einen Fall (Tromp, 7. Juni 1673) die Schuld der -Geschwaderchefs der Verbündeten (Solebay, Texel). Dieser Fortschritt auf -seiten der Holländer ist unbedingt das <em class="gesperrt">Verdienst Ruyters</em>; er gebot -ja auch von allen Führern dieser Zeit über die größte Erfahrung. Von Jugend -auf als Seemann erzogen und durch alle Dienstgrade gelaufen, war er stets -im Kriegsdienste tätig gewesen und hatte die ganze Entwicklung der bis -jetzt geschaffenen Taktik in den letzten Kriegen als Divisions-, Geschwader- -und Flottenchef durchgemacht. So ist denn <em class="gesperrt">Ruyters Taktik</em> als der höchste -Stand der Taktik jener Zeit anzusehen, und es ist wohl wert, ihre Hauptgrundsätze -nochmals hervorzuheben. Ruyter bringt seine Flotte nicht mehr ungestüm nur -zum Schlagen an den Feind; er bereitet seine Schlachten bedächtig vor und führt -sie dann planmäßig und doch energisch durch; der Überfall bei Solebay und die -drei rangierten Schlachten des Jahres 1673 liefern gleichmäßig die Beweise hiervon.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_355" id="Page_355">[355]</a></span></p> - -<p class="small">Der Überfall bei Solebay glückte infolge guter Beobachtung des Feindes und vorzüglicher -taktischer Navigierung, er würde unter günstigeren Windverhältnissen noch -weit verhängnisvoller für den Feind geworden sein; dadurch, daß Ruyter die Franzosen -nur beschäftigte, war er imstande, dem gefährlicheren Gegner kräftig entgegenzutreten.</p> - -<p class="small">In der ersten Schlacht bei Schooneveld wartet Ruyter kampfbereit den Angriff -ab und benutzt dann einen günstigen Augenblick zum energischsten Gegenstoß auf -den weit überlegenen Feind. Mit seinem eigenen Geschwader den Franzosen gegenüber -erfolgreich, nützt er dies nicht aus, sondern entsetzt nacheinander seine beiden weniger -glücklichen Geschwader, ordnet die Flotte wieder, bricht ab, als er seinen Zweck erreicht -hat und — seinem strategischen Plane entsprechend — nichts mehr aufs Spiel setzen will. -In der zweiten Schlacht bei Schooneveld greift er unter den günstigeren Verhältnissen -und überraschend an. Die Art, wie der Feind den Angriff aufnimmt — unter beständigem -Ausweichen — würde in früheren Zeiten sicher zu einer Lockerung der holländischen -Ordnung geführt haben. Ruyter aber hält jetzt die Flotte zusammen, bricht wieder -ab, als es ihm passend erscheint, bleibt aber völlig kampfbereit. Möglich sogar, daß -er überhaupt nicht entscheidend kämpfen wollte, um seine Flotte unversehrt zu erhalten; -er erreichte dennoch seinen strategischen Zweck.</p> - -<p class="small">Die Schlacht bei Texel ist sein Meisterstück zu nennen. Hier benützt er seine -Stellung unter der eigenen Küste nicht nur, wie vor dem Eintreten in die vorhergegangenen -Schlachten, zum Schutz, sondern auch dazu, den Feind auszumanövrieren und dann -aus günstiger Windstellung anzugreifen. Wieder beschäftigt er nur durch Bankers die -Franzosen, erringt selbst durch Abschneiden eines feindlichen Teiles großen Erfolg -und bricht endlich wiederum in vollster Ordnung ab, als er seinen Zweck erreicht hat.</p> - -<p class="small">Gleich hier sei hingewiesen auf Ruyters letztes Auftreten im Mittelmeer. Dort liefert -er uns noch ein für die Geschichte der Seetaktik höchst bemerkenswertes Beispiel (vgl. -Seite <a href="#Page_378">378/79</a>).</p> - -<p>Unterstützt wurde Ruyter bei der Durchführung seiner Taktik dadurch, -daß die Unterführer und Kommandanten in diesem Kriege seinen Befehlen -und Absichten folgten. Aber auch dies ist ein Verdienst seiner Erziehung -und seines Vorbildes; er hatte für Stärkung der Disziplin und Einbürgerung -eines gesunden militärischen Geistes in der holländischen Marine gesorgt. -Sein vorgeschrittener militärischer Standpunkt ist schließlich noch daraus -zu erkennen, daß er bei der Indienststellung 1673 „lieber weniger, aber gute -Schiffe“ haben wollte.</p> - -<p>Begünstigt wurden seine Erfolge allerdings durch die <em class="gesperrt">Fehler der -feindlichen Führer</em> und durch den schlechteren Zustand der verbündeten -Flotten in mancher Hinsicht; diese Fehler und Mängel, sowie -ihre wahrscheinlichen Ursachen haben wir bei den Schilderungen bereits -genügend hervorgehoben. Gefochten haben die Engländer mit ihrer alten -Bravour, wie die Holländer es früher getan, als sie im inneren Wert und in -der Taktik unterlegen waren. Die Gegner hatten eben die Rollen gewechselt; -York und Rupert, sonst schneidige Männer und tüchtige Seeleute, waren -keine Blakes, Moncks und Ruyters, der innere Wert der englischen Marine -war gesunken, der der holländischen gestiegen — diese stand 1673 auf ihrem -Höhepunkt.</p> - -<p>Es führt uns dies nochmals auf das <em class="gesperrt">Verhalten der Franzosen</em>, -auf den allgemein verbreiteten Verdacht, daß d'Estrées seine Flotte auf -Befehl geschont habe. Beweise dafür sind nicht vorhanden. Etwaige Befehle<span class="pagenum"><a name="Page_356" id="Page_356">[356]</a></span> -müßten streng geheim gewesen und vernichtet sein; die vorhandenen weisen -im Gegenteil alle auf tapferes Fechten hin.</p> - -<p class="small">Es ist ja möglich, daß Ludwig XIV. im Jahre 1673 dem Bündnis mit England nicht -mehr recht traute; von verschiedenen Seiten ging ihm die Warnung zu, daß in England -nur noch der König und sein Hof daran hingen. Aber immer bleibt es schwer, anzunehmen, -daß ein Kriegsherr seinem Admiral und seiner Flotte zumuten könnte, eine -solche Rolle zu spielen. Jedoch sagt selbst ein französischer Autor (Troude), in der -Untersuchung des Streites d'Estrées' gegen Martel habe jener zu verstehen gegeben, -daß der König gewünscht habe, „seine Flotte erhalten zu sehen und den Engländern nicht -zu sehr zu trauen.“ Wie volkstümlich diese Ansicht war, zeigt ein Gespräch holländischer -Matrosen. Als einige dieser bei Texel ihre Verwunderung aussprachen, daß die Franzosen den -Engländern nicht zu Hilfe kamen, sagt ein anderer: „Ihr Narren! Sie haben die Engländer -geheuert, für sie zu fechten; ihr ganzes Geschäft hier ist, zu sehen, daß sie auf ihre -Kosten kommen.“</p> - -<p>Die französischen Schriftsteller, die die Ausgabe solcher Geheimbefehle -bestreiten, schieben das eigentümliche Verhalten ihrer Flotte in beiden Jahren -auf die mangelnde Erfahrung ihrer Offiziere im Flotten- und Geschwaderkampf, -insbesondere auf die Unfähigkeit d'Estrées' in dieser Hinsicht und auf -seine Unzugänglichkeit für Ratschläge erfahrenerer Untergebener. Dem sei -nun wie ihm wolle, immerhin werden wir auf zwei wichtige Punkte hingewiesen; -zunächst auf ein <em class="gesperrt">neues Verdienst Ruyters</em>. Im Bericht über die -mehrfach erwähnte Untersuchung gegen Martel sagt der Intendant von Brest: -„Man konnte glauben, daß Ruyter sich in allen diesen Schlachten nie die -Mühe gab, das französische Geschwader anzugreifen, und daß er bei Texel -10 Schiffe lediglich zu dessen Beschäftigung abgeschickt habe.“ Ruyter hat -dann also diesen Gegner richtig eingeschätzt, dessen Untüchtigkeit oder -Unzuverlässigkeit erkannt und seinen Nutzen daraus gezogen; eine wichtige -Eigenschaft für einen höheren Führer.</p> - -<p>Das Benehmen der Franzosen deckt ferner eine <b>Schwäche der Bündnisse</b> -auf. Augenblickliche politische Interessen können zwei Staaten zu Verbündeten -in einem Kriege machen. Dabei kann aber bei ihnen eine für die -Waffenbrüderschaft gefährliche Abneigung gegeneinander bestehen, und es -kann politische Eifersucht dahin führen, daß einer von ihnen die völlige -Niederwerfung des gemeinschaftlichen Gegners sowie zu große Erfolge seines -Verbündeten gar nicht wünscht. Man ist also nicht sicher, ob und wie weit -der Bundesgenosse dasselbe Ziel — in der Schlacht wie im Kriege überhaupt -— verfolgt, ob er bereit ist, das Gleiche einzusetzen. Es ist dieses in erster -Linie ein Punkt politischer, also gewissermaßen strategischer Natur und den -Bündnissen für Land- wie für Seekriege in gleicher Weise eigentümlich.</p> - -<p>Den <em class="gesperrt">Bündnissen zur See</em> haftet aber noch eine andere Schwäche -in taktischer Beziehung an. Wenn in einer Landschlacht verbündete Streitkräfte -auftreten, so spielen die Verschiedenheit und ein ungleicher Grad der -Ausbildung, die Schwierigkeit gegenseitiger Verständigung keine so große -Rolle wie zur See; den verschiedenen Truppenkörpern können verschiedene -Aufgaben, wenn auch unter gemeinschaftlichem Oberbefehl und aneinander -anlehnend, gestellt werden; sie schlagen dann bis zu einem gewissen Grade<span class="pagenum"><a name="Page_357" id="Page_357">[357]</a></span> -getrennte Schlachten. Anders zur See; strategisch können natürlich verbündete -Flotten auch hier miteinander arbeiten, taktisch kaum. Hier ist, -bei der Schlacht im offenen Meere wenigstens, nur ein Schlachtfeld; die ganze -Streitmacht muß in einer Hand bleiben, kann taktisch nur gemeinsam verwendet -werden. Da werden sich Verschiedenheit in Art und Stand der Ausbildung -und in formaler Taktik, die Schwierigkeit der Befehlsübermittlung -durch ein bisher nicht gemeinschaftliches Signalsystem, der Mangel am -gemeinsamen Üben taktischer Bewegungen sehr fühlbar machen; die vorhin -angeführten gefährlichen Einflüsse moralischer oder politischer Natur werden -gleichfalls schwerer wiegend einwirken. — Der zweite und der dritte englisch-holländische -Krieg lassen die Schwäche von Bündnissen zur See in allen diesen -Hinsichten klar erkennen.</p> - -<p><b>Über Strategie.</b><a name="FNanchor_202_202" id="FNanchor_202_202"></a><a href="#Footnote_202_202" class="fnanchor">[202]</a> Im ersten holländisch-englischen Kriege griffen die -Engländer den holländischen Handel an; zunächst, indem sie den Convois -auflauerten, später als der Gegner erlahmte, indem sie schon seine Küsten -blockierten; die Schlachten entspannen sich um Convois oder bei den Versuchen, -für diese den Weg freizumachen. Im zweiten Kriege hatten die Holländer den -Handel gänzlich eingestellt, da sie die Unmöglichkeit, ihn genügend zu schützen, -erkannt hatten. Das Bestreben beider Parteien ging dahin, die Seeherrschaft -zu erringen; erst wenn dies gelungen — sei es durch siegreiche Schlachten, -sei es durch freiwillige Aufgabe seitens des Gegners —, suchte man den Feind -durch größere Angriffe auf Handel oder Küstenplätze und durch Blockaden -zu schädigen. Im dritten Kriege aber beabsichtigten die Verbündeten, den -Feind, der zu Lande von allen Seiten bedroht war, auch von seiner Küste her -mit großer Truppenmacht anzugreifen. Die Durchführung dieser Absicht -war einerseits für die Angreifer viel schwieriger, der Angegriffene anderseits -sah sich in weit größerem Maße bedroht als in den früheren Kriegen; der Kampf -um die Herrschaft auf den trennenden Gewässern war deshalb noch wichtiger -als bisher. Die Seestreitkräfte der Verbündeten hatten den Weg über See -zur sicheren Überführung und ungestörten Landung der Invasionsarmee -völlig und dauernd freizumachen; die Holländer, infolge ihrer schwächeren -Flotte in die Defensive gedrängt, mußten dahin streben, bei aller Energie -im Kampfe um die Seeherrschaft doch ihre Seestreitkräfte möglichst unversehrt -zu erhalten, um sie stets im äußersten Falle — bei der Landung — noch -mit Erfolg einsetzen zu können.</p> - -<p>Der Strategie auf beiden Seiten war also eine bedeutende Aufgabe gestellt. -Diese wurde von der holländischen Marine trotz der sonstigen Schwierigkeiten,<span class="pagenum"><a name="Page_358" id="Page_358">[358]</a></span> -mit der sie zu kämpfen hatte, glänzend gelöst, wie denn die holländische -Kriegführung überhaupt die einsichtsvollere war. Um eine größere Armee -sicher an der feindlichen Küste zu landen, war es für die Angreifer nötig, die -feindliche Flotte unschädlich zu machen; es war dies möglich: durch Abziehen -derselben von der Küste; durch Festhalten an einem Punkte; durch Vernichtung. -Es ist nichts davon gelungen. Der Feind ließ sich nicht weglocken, -obgleich der Versuch dazu in beiden Kriegsjahren gemacht wurde; er ließ sich -auch nicht verleiten, unter ungünstigen Umständen zu fechten; ihn trotzdem -zu vernichten, war die Kriegführung der Angreifer nicht energisch genug, -und, ihn an einem Orte dauernd festzuhalten, waren sie nicht stark genug. -Diese beiden letzten Punkte sind die wichtigen bei Beurteilung der <em class="gesperrt">Kriegführung -seitens der Verbündeten</em>, denn sie lagen in ihrer -Hand; sie hängen außerdem eng miteinander zusammen.</p> - -<p>Von den vereinigten Mächten muß man annehmen, daß sie imstande gewesen, -bedeutend stärkere Seestreitkräfte aufzustellen. Die englische Flotte -allein hätte der Hollands überlegen sein können; aber sie war vernachlässigt, und -man benutzte hier die Bundesgenossenschaft Frankreichs nicht zur Erlangung -einer wuchtigen Übermacht, sondern zum Sparen an Rüstungen. Auch Frankreich -besaß schon im Material eine gleich starke Marine, aber sie war entweder -noch nicht schlagfertig, oder man hatte „andere Gründe“, ihre Kraft nicht voll -zu entfalten; vielleicht sprach beides zusammen.</p> - -<p class="small">Ich verweise hierbei auf das, was Seite <a href="#Page_356">356</a> über die <em class="gesperrt">Schwäche von Bündnissen</em> -gesagt ist. Ein Beweis, daß England (der König) die Bundesgenossenschaft -Frankreichs zum Sparen an den eigenen Rüstungen benutzte, dürfte darin zu finden -sein, daß Holland mit diesem Umstande rechnete: Es faßte den Beschluß zu größeren -Rüstungen 1673 „geheim“, um England zu verleiten, auch weniger zu rüsten. England -überschätzte dann den Wert des Bündnisses, anstatt sich auf eigene Kraft zu verlassen.</p> - -<p class="small">Die „anderen Gründe“, weshalb Frankreich nicht stärker zur See auftrat, sind -dagegen Beispiele zu der Behauptung von der Schwäche der Bündnisse in politischer -und strategischer Hinsicht; man wollte die eigene Flotte schonen, die beiden Nebenbuhler -um die Seeherrschaft im großen Sinne sich gegenseitig schwächen lassen.</p> - -<p>Wenn nun von Seiten der Verbündeten die Rüstungen nicht bis zum -höchsten Maße betrieben wurden, so läßt dies darauf schließen, daß man -den Feind oder die Schwierigkeit der Aufgabe unterschätzte. Mit einer gemeinsamen -Flotte noch einmal so stark als die holländische hätte man versuchen -können, den Feind festzuhalten und dennoch gleichzeitig die Truppen -unter genügender Bedeckung hinüberzuführen und zu landen; nach der -notgedrungenen Herabsetzung der holländischen Flotte im Juli 1672 wären -die Verbündeten aber imstande gewesen, mit einer noch weit bedeutenderen -Übermacht aufzutreten. Infolge der ungenügenden Rüstungen aber war es notwendig, -als ein Ablocken von der Küste nicht gelang, sogar das Blockieren -der feindlichen Flotte aufzugeben, um sie durch Demonstrationen an anderen -Orten wenigstens zum Verlassen ihrer sicheren Stellung und zum Folgen -längs der Küste zu zwingen (1673).</p> - -<p class="small">Eine Unterschätzung der Schwierigkeit der Aufgabe ist auch darin zu erkennen, -daß man Juni 1673 und, trotz übler Erfahrung, auch im Juli die Flotte selbst mit<span class="pagenumsmall"><a name="Page_359" id="Page_359">[359]</a></span> -Anbordnahme von Landungstruppen belästigte. Es erinnert dies an die alte Kriegführung -— handstreichartige Einfälle in Feindesland ohne höheren Zweck als Brandschatzung -—, während Holland schon bei seinem Zuge 1667 gegen Themse und Medway -die zur Landung bestimmten Truppen nur auf besonderen Fahrzeugen einschiffte.</p> - -<p>Tatkraft vermißt man aber auch bei der Kriegführung selbst. In beiden -Jahren zeigt sich, daß man mit Recht eine Landung für untunlich hielt, solange -die feindliche Flotte unversehrt an der Küste stand. Dachte man nun -ernstlich an eine Landung, so mußte auch schärfer vorgegangen werden, sobald -sich gezeigt hatte, daß sich der Feind nicht zum Schlagen von der Küste -abziehen ließ. Aber nur einmal (Schooneveld, 7. Juni 1673) ist der Versuch -gemacht, diesen in seiner geschützten Stellung anzugreifen; nach dem Fehlschlagen -wird der Versuch nicht etwa gleich wiederholt, man läßt sich sogar selbst -überraschen (Schooneveld, 14. Juni). Mangel an Energie zeigt sich endlich -darin, daß die verbündeten Flotten in beiden Jahren erst spät auftraten und -nach Mißerfolgen stets längere Zeit, endlich sogar ganz, von der See verschwanden; -die wahrscheinlichen Gründe hierfür sind im Laufe der Schilderung -des Krieges angeführt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Kriegführung der Holländer</em> zeigt sich in einem -ganz anderen Lichte; sie ist weit tatkräftiger und dabei planmäßig während -des ganzen Krieges. Durch alle Verhältnisse zur Defensive gezwungen, verlieren -doch die Leiter — de Witt und Ruyter; Oranien und Ruyter — nicht -aus dem Auge, welche Vorteile zuvorkommende Offensivstöße haben können.</p> - -<p>Im Jahre 1672 wird versucht, die Ausrüstung der Engländer in ihren -Häfen zu stören oder sie wenigstens vor ihrer Vereinigung mit den Franzosen -zu schlagen, später beabsichtigt man, ähnlich wie im letzten Kriege gegen die -Themse vorzugehen; 1673 will man die Themse durch versenkte Schiffe -sperren. Alle diese, strategisch so richtigen Pläne konnten leider nicht -durchgeführt werden, da die Flotte nicht rechtzeitig fertig wurde; auch den -größten Bemühungen der leitenden Personen war es nicht gelungen, die -Schwierigkeiten zu überwinden, die sich infolge des Mangels an Zentralisation -in der Marineverwaltung und des Streites der Parteien im Lande einer -schnelleren Ausrüstung entgegenstellten.</p> - -<p class="small">Ein glücklicher Schlag 1672 gegen die englische Flotte in ihren Gewässern vor -Ankunft der Franzosen würde wahrscheinlich den Verlauf des ganzen Krieges wesentlich -beeinflußt haben, wenn man nach seiner späteren Geschichte urteilen darf: England -wäre wohl frühzeitig zum Frieden geneigt gewesen; Frankreich hätte dann allein zur -See kaum etwas unternommen, wie wir es nach 1674 sehen werden; Holland hätte alle -Mittel für den Landkrieg frei, die Küsten und damit seine Lebenskraftquelle offen gehabt.</p> - -<p>Aber der Wachsamkeit, der Umsicht und der Tatkraft Ruyters gelingt -es doch, im Jahre 1672 den Feind bei Solebay zu überraschen und dadurch -Holland zur Zeit der höchsten Not von der Gefahr einer Landung zu befreien.</p> - -<p>Nach den Offensivstößen führt dann in beiden Jahren Ruyter meisterhaft -eine offensive Küstenverteidigung durch. Den Feind scharf beobachtend, -liegt er an seiner Küste auf Wassertiefen, in denen dieser ihn nicht anzugreifen -wagt; er läßt sich nicht herauslocken, bricht aber hervor, sobald die Umstände<span class="pagenum"><a name="Page_360" id="Page_360">[360]</a></span> -günstig sind. Im Jahre 1672 genügt seine Anwesenheit, den Feind von ernsten -Unternehmungen gegen die Küste abzuhalten, obgleich Holland genötigt war, -seine Flotte zu vermindern, um Mannschaften und Kriegsmaterial für den -Landkrieg freizumachen. Frühzeitig gehen die Verbündeten in englische -Häfen zurück und Ruyter gelingt es, einen Convoi Ostindienfahrer aus der -Nordsee heimzuholen. Im Jahre 1673 vertreibt er, rechtzeitig von seinem -Stützpunkte aus vorbrechend, durch die Schlachten bei Schooneveld den -Feind von den Küsten; er folgt aber nie weiter, als sein Plan, die flacheren -Gewässer taktisch und strategisch auszunutzen, erlaubt.</p> - -<p class="small">Daß er diesen Plan für den einzig richtigen hielt, zeigt sich auch sonst bei verschiedenen -Gelegenheiten: Nur auf Drängen de Witts unternimmt er 1672 noch nach der -Vereinigung der feindlichen Flotten den Vorstoß in die Themse; er setzt dabei aber nicht -die ganze Flotte, sondern nur ein kleines Geschwader unter Ghent ein. Ebenso fanden -auch die Vorschläge — November 1672 und Ende Juni 1673; wahrscheinlich von Befehlshabern -der Armee ausgegangen —, gegen einen französischen Hafen zu operieren, -nicht seine Zustimmung.</p> - -<p>Stets geht Ruyters Bestreben dahin, die Flotte zum unmittelbaren Schutz -der Küste unversehrt zu halten. Selbst als im Juli 1673 die Gefahr einer -Landung sehr ernst wird — eine „Armee“ steht in England bereit — will -er nur schlagen, wenn diese wirklich ausgeführt werden sollte; sein schlagfertiges -Bereitliegen läßt Zeit gewinnen, die Küsten in Verteidigungszustand -zu setzen. Erst als es sich gleichzeitig darum handelt, die Küste für das Einlaufen -des großen Convois — wichtig für die Weiterführung des Krieges — freizumachen, -ist er bereit, die Flotte einzusetzen. Er führt diese nun mit -größter Vorsicht heran, benutzt meisterhaft die taktischen Vorteile, die ihm -seine Stellung unter der Küste bietet, und vertreibt durch die Schlacht bei -Texel den Feind endgültig von der See.</p> - -<p>Einen weiteren Fortschritt in der Kriegführung der Holländer, der -wesentlich zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie beitrug, zeigt der -<em class="gesperrt">vervollkommnete Aufklärungsdienst</em> (übrigens auch von -den Engländern mehr als bisher gepflegt). Durch Agenten und Erkundungen -ist man über den Stand der feindlichen Rüstungen unterrichtet; während -des ganzen Krieges, besonders auch gleich nach jeder Schlacht, sind Aufklärungsschiffe -oder kleinere Geschwader am Feinde, um seine Bewegungen -zu beobachten. Die Holländer waren so vor Überraschungen sicher, konnten -selbst überraschend auftreten (Schooneveld II; Solebay) und waren imstande, -Demonstrationen an der feindlichen Küste zu unternehmen, wenn der Gegner -die See geräumt hatte. Diese Beunruhigungen sowie der Beschluß zur Ausrüstung -einer sehr starken Flotte für 1674, obgleich schon Friedensunterhandlungen -mit England schwebten, zeigen auch die energischere Kriegführung -des schwächeren Hollands und haben zur Beschleunigung des Friedensschlusses -beigetragen.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">im kleinen Kriege</em> war Holland im Vorteil. Sein Handel -war in Gewässern, in denen er gefährdet war, eingestellt; seine Kaper machten -reiche Beute. Daß in beiden Jahren die wertvollen Ostindienconvois nach<span class="pagenum"><a name="Page_361" id="Page_361">[361]</a></span> -siegreichen Schlachten glücklich einkamen, ist ein lehrreicher Beitrag zur -Beurteilung des Kreuzerkrieges (vgl. Seite <a href="#Page_305">305</a>).</p> - -<p><b>Eine Zusammenstellung der Hauptereignisse</b> möge vorstehende Betrachtungen -belegen und nochmals veranschaulichen, in welcher ruhmreichen und -wirkungsvollen Weise die holländische Marine unter schwierigen Verhältnissen -in den Krieg eingegriffen hat:</p> - -<p class="small">Frühjahr <b>1672</b> Krieg mit Frankreich und England unvermeidlich, dennoch nur -die Indienststellung von 40 Schiffen beschlossen. 23. März greifen die Engländer den -Smyrnaconvoi an; nun Ausrüstung von 96 Schiffen angeordnet, aber die Ausführung, -außer in der Provinz Holland, saumselig; 7. April Kriegserklärung.</p> - -<p class="small">15. Mai Ruyter an der englischen Küste; zurück, da die feindlichen Flotten schon -vereinigt; 23. Mai Ruyter vor der Themse; nach Ghents Vorstoß, auf Wunsch de Witts -unternommen, zurück. 29.–31. Mai vergebliche Versuche der Verbündeten, die holländische -Flotte von ihren Küsten abzuziehen.</p> - -<p class="small">7. Juni überrascht Ruyter (75 Schiffe) den Feind (87 Schiffe) bei Solebay und geht -unverfolgt zurück: hierdurch die Gefahr einer Landung in Holland zur Zeit der höchsten -Not abgewehrt. Die Flotte, auf 59 Segel herabgesetzt, wird an der Küste gehalten; -die Verbündeten, 13.–20. Juli in Sicht, wagen keine Landung, werden durch Sturm -zerstreut und räumen für dieses Jahr die See. Ruyter holt den Indienconvoi ein; Kaper -in Tätigkeit.</p> - -<p class="small">Zu Lande im Juli die Deiche durchstochen, um die Provinz Holland zu halten. -Brandenburg und Österreich schreiten ein und die Niederlande erhalten Luft; Luxembourgs -Einfall im Dezember schlägt fehl.</p> - -<p class="small"><b>1673</b> Brandenburg und Österreich treten zurück, die Niederlande aufs neue arg -bedrängt; wiederum droht eine Landung. 10. Mai versucht Ruyter, die Themse zu -sperren; durch Prinz Ruperts Tatkraft vereitelt. 29. Mai verbündete Flotten vereinigt, -haben Truppen an Bord und weitere stehen bereit; sie erscheinen 1. Juli an der holländischen -Küste (91 Schiffe). Am 7. Juli ihr Angriff mit Brandern bei Schooneveld -(erste Schlacht) durch Ruyter (64 Schiffe) abgeschlagen; 14. Juni greift Ruyter überraschend -an (zweite Schlacht), die Verbündeten laufen in die Themse ein.</p> - -<p class="small">3.–13. Juli Ruyter vor der Themse, dann in seiner Defensivstellung. Die Verbündeten -erscheinen Ende Juli: Truppen an Bord, eine „Armee“ zur Überführung bereit; -sie versuchen am 31. August und 1. September vergeblich, die holländische Flotte in den -Kanal zu ziehen und bedrohen dann die Küsten (90 Schiffe). Ruyter (75 Schiffe) geht -zum Angriff vor, um dem Indienconvoi die Einfahrt frei zu machen. 21. August sein -Sieg bei Texel: Verbündete zur Themse, Franzosen bald nach Brest; sie geben den -Landungsplan endgültig auf. Ruyter zu Demonstrationen in See, der Convoi läuft -glücklich ein.</p> - -<p class="small">19. Februar 1674 Frieden mit England.</p> - -<p class="small">Holland ist zur See frei und kann mit Spanien und Österreich zur Offensive übergehen; -der weitere Landkrieg wird außerhalb der Niederlande geführt.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p361.jpg" width="150" height="80" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_174_174" id="Footnote_174_174"></a><a href="#FNanchor_174_174"><span class="label">[174]</span></a> „Krängen“ bedeutet, ein Schiff auf die Seite legen, um den Schiffsboden zu -reinigen oder auszubessern.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_175_175" id="Footnote_175_175"></a><a href="#FNanchor_175_175"><span class="label">[175]</span></a> Die Angaben für 1672 entnommen aus de Jonge, Teil II, Beilage II und IV; die -kleineren englischen Schiffe sind aus diesen Angaben nach Schätzung gruppiert. Beilagen -V–VII geben die Flotten für die späteren Schlachten 1672–1674.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_176_176" id="Footnote_176_176"></a><a href="#FNanchor_176_176"><span class="label">[176]</span></a> Quellen: Chab.-Arnault, besonders Colberts Wirken; de Jonge, Teil II, Schiffsbestände, -Seite 290 ff.; Mahan, Teil I, über Offizierkorps, siehe dort Sachregister „Marine“; -Troude, Teil I, und sonst im „Quellenverzeichnis“ die französischen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_177_177" id="Footnote_177_177"></a><a href="#FNanchor_177_177"><span class="label">[177]</span></a> Die beiden Vizeadmirale — der des Ponant (Atlantische Küsten) und der der -Levante (Mittelmeer) — waren Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte in ihren Gewässern; -sie führten auch die großen Flotten dort. Doch war dies nicht immer der Fall; wie in -England waren die „Funktionen in den Flotten“ durchaus nicht an die Dienstgrade -gebunden. Generalleutnants führten oft als „Admiral“ die Flotte, meist als „Vizeadmiral“ -die Vorhut, aber auch als „Kontreadmiral“ die Nachhut. Die Chefs d'Escadre — wohl -dem jetzigen Dienstgrade des Kontreadmirals entsprechend — nahmen in den Flotten -oft die Geschäfte des Kontreadmirals wahr, meist die Stellungen der Divisionschefs.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_178_178" id="Footnote_178_178"></a><a href="#FNanchor_178_178"><span class="label">[178]</span></a> Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 64 bringt die Schiffsnamen dieses Kontingents mit -Kanonenzahl und Namen der Kommandanten der Schiffe; Seite 98 für das Jahr 1673.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_179_179" id="Footnote_179_179"></a><a href="#FNanchor_179_179"><span class="label">[179]</span></a> Näheres darüber. De Jonge, Teil II; Clowes, Teil II: minor operations 1660–1714.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_180_180" id="Footnote_180_180"></a><a href="#FNanchor_180_180"><span class="label">[180]</span></a> Quellen wie Seite <a href="#Page_246">246</a> angeführt. — Bonfils, Teil I, genaue Angaben über die -Flotte usw. der Kreta-Expedition.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_181_181" id="Footnote_181_181"></a><a href="#FNanchor_181_181"><span class="label">[181]</span></a> Hauptquellen wie Seite <a href="#Page_263">263</a>. Hierzu Jal: „du Quesne“; Bonfils.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_182_182" id="Footnote_182_182"></a><a href="#FNanchor_182_182"><span class="label">[182]</span></a> Ein Schiff ist auf Legerwall, wenn es durch die Nähe der Küste in Lee in -seinen Bewegungen behindert, bei Sturm sehr gefährdet ist.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_183_183" id="Footnote_183_183"></a><a href="#FNanchor_183_183"><span class="label">[183]</span></a> Über d'Estrées und du Quesne finden sich Angaben gelegentlich der Schlachten -von Texel und Stromboli, Seite 349, 367.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_184_184" id="Footnote_184_184"></a><a href="#FNanchor_184_184"><span class="label">[184]</span></a> Hauptquellen für die nachstehende Schilderung: „Leben Ruyters“; de Jonge, -Teil II; Jal: „du Quesne“; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil I; Clowes, Teil II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_185_185" id="Footnote_185_185"></a><a href="#FNanchor_185_185"><span class="label">[185]</span></a> Mahan, Teil I, Seite 142, verweist auf einen gleichartigen Versuch der Spanier bei -St. Vincent 1797, der verhängnisvoll wurde.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_186_186" id="Footnote_186_186"></a><a href="#FNanchor_186_186"><span class="label">[186]</span></a> Weitere lesenswerte Schilderungen im „Leben Ruyters“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_187_187" id="Footnote_187_187"></a><a href="#FNanchor_187_187"><span class="label">[187]</span></a> Die Bewegungen Ruyters von nun an und auch schon früher in seiner Defensivstellung -fast tageweise im „Leben Ruyters“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_188_188" id="Footnote_188_188"></a><a href="#FNanchor_188_188"><span class="label">[188]</span></a> Nach Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 91, nur ein Vorwand.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_189_189" id="Footnote_189_189"></a><a href="#FNanchor_189_189"><span class="label">[189]</span></a> Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, übereinstimmend mit anderen Quellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_190_190" id="Footnote_190_190"></a><a href="#FNanchor_190_190"><span class="label">[190]</span></a> Einteilung nach „Leben Ruyters“ und „Vie de Tromp“. In ersterem auch die -Instruktion Ruyters über die Segelordnung bei verschiedener Lage zum Feinde: in -Luv oder Lee, über St. B. oder B. B. Bug. — De Jonge und (danach?) englische Quellen -geben Tromp die Vorhut; nach genannter Order war dies aber nur in gewissen Lagen -der Fall, wie denn stets der Leutnantadmiral von Seeland, also hier Bankers, den rechten -Flügel oder die eigentliche Vorhut führte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_191_191" id="Footnote_191_191"></a><a href="#FNanchor_191_191"><span class="label">[191]</span></a> Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, und Clowes, Teil II, Seite 310. Genaue -Angaben über England sind nicht vorhanden; die französischen Schiffe mit Namen, -Kommandanten und Kanonen in Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 48, dort auch die -„Namen“ der englischen Schiffe.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_192_192" id="Footnote_192_192"></a><a href="#FNanchor_192_192"><span class="label">[192]</span></a> Angaben über Prinz Rupert Seite 264.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_193_193" id="Footnote_193_193"></a><a href="#FNanchor_193_193"><span class="label">[193]</span></a> Die Ankerkette so weit einwinden, daß der Anker nur eben noch hält.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_194_194" id="Footnote_194_194"></a><a href="#FNanchor_194_194"><span class="label">[194]</span></a> Die beste ältere Beschreibung im „Leben Ruyters“, die beste neuere bei de Jonge, -Teil II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_195_195" id="Footnote_195_195"></a><a href="#FNanchor_195_195"><span class="label">[195]</span></a> Schilderung nach Vergleich von: „Leben Ruyters“; de Jonge, Teil I; Clowes, -Teil II; Jal: „du Quesne“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_196_196" id="Footnote_196_196"></a><a href="#FNanchor_196_196"><span class="label">[196]</span></a> Nach holländischen Angaben betrug in <em class="gesperrt">beiden Schlachten</em> der <em class="gesperrt">Verlust</em> -der Engländer 3000 Tote und Verwundete, bei den Holländern kaum die Hälfte, -bei den Franzosen (französische Angabe) 500 Mann.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_197_197" id="Footnote_197_197"></a><a href="#FNanchor_197_197"><span class="label">[197]</span></a> Nach de Jonge, Teil II, Beilage VII.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_198_198" id="Footnote_198_198"></a><a href="#FNanchor_198_198"><span class="label">[198]</span></a> Die schriftlichen und mündlichen Verhandlungen, Erlasse und Ansprachen -an die Flotte sowie die Bewegungen dieser bis zur Schlacht genau im „Leben Ruyters“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_199_199" id="Footnote_199_199"></a><a href="#FNanchor_199_199"><span class="label">[199]</span></a> Schilderung nach Vergleich der Quellen Seite <a href="#Page_339">339</a>; besonders Jal: „du Quesne“, -hinzu tritt Mahan, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_200_200" id="Footnote_200_200"></a><a href="#FNanchor_200_200"><span class="label">[200]</span></a> Sehr genau in Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 115.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_201_201" id="Footnote_201_201"></a><a href="#FNanchor_201_201"><span class="label">[201]</span></a> Jurien de la Gravière sagt in einem seiner Werke: in den holländisch-englischen -Kriegen werden die stehenden Marinen geboren; Colomb führt aus, daß erst in diesen -Kriegen eine Kriegführung um die Beherrschung der See auftritt. In unseren Betrachtungen -über die Entwicklung der Seestreitkräfte und in den Schlußbetrachtungen -zu den ersten beiden Kriegen haben wir gesehen, wie zutreffend diese Aussprüche -sind; der dritte und letzte englisch-holländische Krieg zeigt gleichfalls große Fortschritte -im Seekriegswesen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_202_202" id="Footnote_202_202"></a><a href="#FNanchor_202_202"><span class="label">[202]</span></a> Anschließend an Seite 231 und Seite 300. Plan des Kriegsschauplatzes Seite -301. — Colomb bespricht (Kapitel IV) den Krieg nach folgender Disposition: die Erfahrung -hat gelehrt, daß der größere Handel von einer dem Gegner nur gleichen Flotte -nicht geschützt werden kann; Holland verbietet wieder den Handel, bis eine größere -Stärke erreicht ist. Der unmittelbare Kampf um die Seeherrschaft wird bei Solebay -wieder aufgenommen. Es ist unnütz, Landungen vorzubereiten, ehe die feindliche Flotte -vertrieben ist; das Einschiffen von Truppen seitens der Verbündeten war nutzlos.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_362" id="Page_362">[362]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p362.jpg" width="600" height="101" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Siebentes Kapitel.</span><br /> -Nebenkriege 1674–1688.</h3> - -<h4>Der französisch-holländische Krieg 1674–1678. Der schwedisch-dänische -Krieg 1675–1679. Kämpfe gegen die Barbaresken. -Die Franzosen vor Genua 1684.</h4> - -<p>Nach dem Frieden von Westminster setzte Holland mit Spanien und -Österreich verbündet den Kampf mit Frankreich fort. Durch die Parteinahme -anderer Mächte — das Reich, Brandenburg, Schweden, Dänemark — -wird der Krieg fast zu einem europäischen und bringt uns, wenn auch die -Kriegführung zur See nicht mehr die Rolle wie bisher spielt, zwei wichtige -Nebenkriege.</p> - -<p class="small">Der weitere Verlauf dieses Krieges — <b>der zweite Eroberungskrieg Ludwigs XIV</b>. -<b>1672–1678</b> —, von uns bis Ende 1673 (zuletzt Seite <a href="#Page_351">351</a>) verfolgt, sei hier zusammengefaßt. -Zunächst schloß sich (1674) der <em class="gesperrt">Große Kurfürst</em> wieder dem Kaiser an, -als Österreich wirklich Ernst machte, und auch das Reich erklärte den Krieg, nachdem -Ludwig XIV. das Bistum Trier überfallen hatte; die Bischöfe von Münster und Köln, vom -Reiche und Österreich bedroht, schlossen Frieden mit Holland und traten zu den Gegnern -Frankreichs.</p> - -<p class="small">Nun stellte <em class="gesperrt">Ludwig</em> 4 Armeen auf: die erste unter <em class="gesperrt">Condé</em> gegen Holland und -die spanischen Niederlande; die zweite unter <em class="gesperrt">Turenne</em> gegen Österreich und Brandenburg -am Oberrhein; mit der dritten bemächtigte er selbst sich der Franche-Comté; -die vierte unter <em class="gesperrt">Schomberg</em> schützte die Provinz Roussillon gegen Spanien. Auf -den verschiedenen Kriegsschauplätzen wurde mit wechselndem Glück gefochten. Im -allgemeinen lag der Erfolg auf seiten Frankreichs — jetzt schon unter schrecklicher -Verwüstung der deutschen Lande —, besonders als der Große Kurfürst (1675) durch den -Einfall der Schweden gezwungen wurde, vom Rhein nach der Mark zurückzukehren -(Fehrbellin).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Schweden</em> hatte sich mit Frankreich verbündet, in der Hoffnung, so den verlorenen -Einfluß in Deutschland wieder zu gewinnen; nun aber trat <em class="gesperrt">Dänemark</em> -auf die Seite Brandenburgs, um womöglich seine an Schweden verlorenen Provinzen -(Seite <a href="#Page_240">240</a>) zurückzuerhalten. Der Krieg zwischen Schweden und Dänemark — dieses -durch eine holländische Flotte unterstützt — wurde auch wesentlich zur See ausgefochten.</p> - -<p class="small">Wenn nun auch Dänemark und Brandenburg Erfolge Schweden gegenüber erzielten -(Eroberung Pommerns; Einfall in Schonen; Niederbruch der schwedischen Flotte), -so blieben doch Österreich und das Reich am Rhein im Nachteil, Oranien konnte nur<span class="pagenumsmall"><a name="Page_363" id="Page_363">[363]</a></span> -eben Holland verteidigen und Spanien war zu schwach, Frankreich ernstlich anzugreifen -oder selbst nur seine Niederlande zu schützen. <em class="gesperrt">Spanien</em> mußte gleichzeitig -gegen einen <em class="gesperrt">Aufstand in Sicilien</em> kämpfen, der von Frankreich durch die Flotte -und Landtruppen unterstützt wurde, hier traten holländische Seestreitkräfte für Spanien -ein; dem Kaiser hatte Ludwig einen neuen Feind in den Türken geschaffen, die in Ungarn -angriffen. Schließlich kam hinzu, daß der Kaiser eifersüchtig und argwöhnisch auf -den Erfolg Brandenburgs sah. Anstatt im engsten Bunde mit ihm ganz Deutschland in -den Kampf zu rufen, um Franzosen, Schweden und Türken zurückzuschlagen, schloß -er den Frieden von Nymwegen (1678). Holland trat diesem bei, da ihm Frankreich -günstige Bedingungen stellte; es war durch den langen Krieg erschöpft. Ludwig XIV. -war ebenfalls zum Frieden geneigt; auch sein Land hatte schwer gelitten, und seit Anfang -1678 drohte <em class="gesperrt">England</em>, sich zu den Gegnern zu gesellen. Karl II. hatte auf Drängen -des Parlaments ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis mit Holland schließen und seine -Regimenter vom französischen Heere zurückziehen müssen; er rüstete nun sogar gegen -Frankreich. Die englische Nation sah, neben anderen Eifersuchtsgründen, daß die -französische Marine der eigenen überlegen geworden war. Ludwig fürchtete nun zwar -die Engländer zu Lande nicht, aber zur See fühlte er sich doch den vereinigten Seemächten -nicht gewachsen. Er räumte deshalb Sicilien, verdoppelte aber seine Angriffe -gegen die spanischen Niederlande. Bisher hatte er diese wegen der englischen Empfindlichkeit -in Hinsicht auf die belgische Küste geschont; jetzt brauchte er hierauf keine Rücksicht -mehr zu nehmen und bedrohte nun Holland dort, wo es ihn am meisten fürchtete; -auch dies bestärkte Hollands Neigung zum Frieden.</p> - -<p class="small">Der <em class="gesperrt">Frieden von Nymwegen</em> (11. August 1678) bezeichnet die Höhe von -Ludwigs Macht. Die Hauptzeche mußten Spanien und das Reich zahlen. Spanien -verlor die Franche-Comté und weitere zwölf Städte seiner Niederlande; der Kaiser gab -die elsässischen Reichsstädte (Straßburg ausgenommen) auf und trat Freiburg ab, welcher -strategische Punkt sofort durch Vauban stark befestigt wurde, ebenso blieb Lothringen -tatsächlich in Frankreichs Hand. Auch Brandenburg und Dänemark büßten in dem -von Ludwig diktierten Frieden (St. Germain und Fontainebleau 1679) mit Schweden -die Früchte ihrer Erfolge wieder ein. Holland verlor nur einige unwichtigere Kolonien, -aber auf dem Festlande nichts; daß jedoch dieser weitere Krieg nach 1674 ihm mittelbar -großen Schaden brachte, werden wir später sehen. Ludwig XIV. nutzte nun noch in -den nächsten Jahren die Schwäche des Reiches und Spaniens aus, indem er — auf Grund -der Rechtssprüche der berüchtigten <em class="gesperrt">Reunionskammern</em> — seinen Besitz im -Elsaß, der Pfalz und den spanischen Niederlanden erweiterte und befestigte, er nahm -sogar mitten im Frieden Straßburg weg.</p> - -<h4>Der französisch-holländische (-spanische) Krieg 1674–1678.</h4> - -<p>Nach dem Rücktritte Englands zog <em class="gesperrt">Frankreich</em> seine Flotte vom -Ozean zurück; Ludwig hielt sie mit Recht noch nicht für leistungsfähig genug, -allein den Holländern gegenüberzutreten, und er faßte den Entschluß, diesen -die Herrschaft im Kanal und Atlantik zu überlassen. Hier wurde nur ein -geringer Teil der Seestreitkräfte zur Unterstützung der Verteidigung wichtiger -Küstenplätze bestimmt, die Hauptmacht zog man <em class="gesperrt">im Mittelmeer</em> -zusammen, um den Landkrieg gegen Spanien zu unterstützen. Auch während -der folgenden Kriegsjahre stellten die Häfen am Atlantik weiter Verstärkungen -für das Mittelmeer, sonst nur kleinere Geschwader für Westindien. <em class="gesperrt">Holland</em> -verminderte seine Rüstungen zur See, als man sich jetzt dort nicht mehr -unmittelbar bedroht sah. Wie wir wissen, war vor dem Frieden mit England -beschlossen, für 1674 eine besonders starke Flotte — 84 Linienschiffe — in<span class="pagenum"><a name="Page_364" id="Page_364">[364]</a></span> -Dienst zu stellen; dieser Etat wurde im April auf 54 Linienschiffe, 12 Fregatten -und 18 Brander herabgesetzt. Die dadurch gemachten Ersparnisse sollten -verwendet werden, 10 Regimenter (10700 Mann) zur Einschiffung für Expeditionen -aufzustellen.</p> - -<p class="small">Nach de Jonge, Teil II, Beilage IX, sind tatsächlich ausgelaufen: 3 Schiffe zu 80 -Kanonen; 6 zu 70; 14 zu 60–70; 26 zu 40–56, 10 Fregatten zu 28–36 Kanonen; -15 Brander; 12 Bombenfahrzeuge und 66 kleinere Fahrzeuge, Jachten und Transporter. -Frieslands Kontingent fehlte wieder wegen Geldmangels, auch waren in der Eile nur -6000–7000 Soldaten zu beschaffen.</p> - -<p>Man <em class="gesperrt">beabsichtigte</em> nämlich, gleichzeitig unter Ruyter — mit -oder ohne die hierzu zugesagte Unterstützung Spaniens —, Frankreich -in seinen aufblühenden Besitzungen Westindiens und seinem zunehmenden -Handel dort anzugreifen und unter Tromp gegen die französischen Küsten -vorzugehen, sich hier festzusetzen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. -Diese Pläne wurden sorgsam geheim gehalten; sie kamen aber dennoch zur -Kenntnis Ludwigs, da dieser für Spione und Verräter nie Geld sparte. Die -Gesamtflotte sammelte sich schon nach vier Wochen in den Wielingen, ging -am 24. Mai in See und ankerte am 8. Juni vor Torbay. Hier nahm Ruyter die -Teilung für die beiden Expeditionen vor und trat dann selbst mit dem kleineren -Teile schon an dem gleichen Tage die Reise nach Westindien an. Da diese -Expedition mit anderen Ereignissen in den Kolonien zusammen besprochen -werden soll, wenden wir uns zuerst Tromp zu.</p> - -<p><b>Tromp an der französischen Küste und im Mittelmeer<a name="FNanchor_203_204" id="FNanchor_203_204"></a><a href="#Footnote_203_204" class="fnanchor">[203]</a> 1674.</b> Tromps -Flotte setzte sich zusammen aus: 36 Linienschiffen und Fregatten (es traten -später noch einige hinzu), 9 Brandern, 12 Mörserbooten (hier für Holland -zum ersten Male erwähnt), zahlreichen kleinen Segeln und Transportern; -unter ihm kommandierten 3 Leutnant-, 3 Vize-, 3 Kontreadmirale; die Vorhut -führte Leutnantadmiral Bankers, die Nachhut Leutnantadmiral van Nes; -3000–4000 Soldaten unter dem Artilleriegeneral Graf van Hoorn waren -eingeschifft. Die Franzosen hatten für den Atlantik nur 14 Linienschiffe -in Dienst gestellt. Der Vizeadmiral des Atlantik d'<em class="gesperrt">Estrées</em> führte den -Oberbefehl, er befand sich in Brest, die Schiffe lagen aber getrennt in Brest, -La Rochelle und Rochefort; sie haben sich auch nicht vereinigt, sie hatten -eben den Befehl, im Verein mit den Landstreitkräften die Küste ihres Bezirkes -zu verteidigen; später wurden sie zu Angriffen auf den holländischen Handel -verwendet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tromp</em> verließ erst am 18. Juni Torbay; 10 Tage hatte er auf Transporter -warten müssen, die Feldgeschütze und Kriegsmaterial brachten; ein -übler Vorgang für überraschendes Auftreten. Der Admiral hielt deshalb -auch Brest für in zu guten Verteidigungszustand gesetzt, um etwas gegen -die Stadt oder auch nur gegen die im Hafen liegenden Schiffe zu unternehmen. -So erschien er am 23. <em class="gesperrt">vor der Insel Belle-Isle</em>; es wurde auf Vorschlag -Hoorns hier eine Landung beschlossen und, durch steife östliche Winde<span class="pagenum"><a name="Page_365" id="Page_365">[365]</a></span> -verzögert, am 27. ins Werk gesetzt. Unter dem Feuer von 4 Fregatten gegen -einige Schanzen, die der Feind am günstigsten Landungsplatze aufgeworfen -hatte, wurde gelandet, der Gegner aus den Befestigungen vertrieben und auf -ein festes Schloß zurückgeworfen. Dieses aber war gut armiert (200 Kanonen?), -hoch und so gelegen, daß die Schiffe es nicht unter Feuer nehmen konnten, -sowie durch reguläre Truppen nebst dem Aufgebot von Adel- und Bauernmiliz -der Küste stark besetzt. Die Stellung erwies sich als zu fest; die Holländer -schifften sich nach zwei Tagen wieder ein, nachdem sie die ganze Insel -durchstreift und viel Vieh für die Flotte weggetrieben hatten.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p365.jpg" width="300" height="342" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p365" id="fig_p365"></a> -<p class="caption">Cornelis Tromp.</p> -</div> - -<p>Am 30. Juni ging Tromp -wieder unter Segel, um die -Küste zu beunruhigen und einen -geeigneteren Landungsplatz zu -suchen. Als solcher wurde -<em class="gesperrt">Noiremoutiers</em> ausersehen, -eine Insel vor dem Loir, nur -durch einen bei Ebbe trockenfallenden -Meeresarm vom Festlande -getrennt. Auch hier -wurde die Landung trotz -mancherlei Schwierigkeiten — -Schanzen am Strande; ein -Teil der Boote verfehlte den -durch Bankers ausgesuchten -Landungsplatz und traf auf beschwerlichen -steinigen Grund, -Gewehre und Munition wurden -dabei naß — und tapferer -Gegenwehr ausgeführt; die -schwache feindliche Streitmacht -räumte das Kastell -(nur 17 Kanonen) und die Insel. Die Holländer schufen sich hier eine -Stellung, fest genug, um einem Angriff vom Festlande her zu widerstehen; -Abteilungen der Flotte erkundeten und beunruhigten von hier -aus die Küste, sie brachten auch manche Kauffahrer und Fischer auf. -Das war aber auch alles. Französischerseits war hier gleichfalls überall -die Bevölkerung unter Führung ihrer Edelleute zu den Waffen gerufen -und die Küstenplätze hatte man in guten Verteidigungszustand gesetzt; -die Holländer waren weder an Seestreitkräften noch an Truppen -stark genug, um etwas gegen die Seestädte zu unternehmen oder um -von Noiremoutiers aus den Krieg nach dem Festlande hinüberzutragen. Nach -drei Wochen (am 26. Juli) gab man den gewonnenen Stützpunkt als -unnütz wieder auf und <em class="gesperrt">die Flotte segelte nach</em> St. Sebastian -(<em class="gesperrt">Spanien</em>).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_366" id="Page_366">[366]</a></span></p> - -<p>Hier wurden Tromp und Hoorn von der spanischen Regierung aufgefordert, -<em class="gesperrt">ins Mittelmeer</em> zu gehen, um den Krieg in den Grenzprovinzen -durch Vertreibung der französischen Seestreitkräfte zu unterstützen. Im -Mittelmeer standen im August etwa 18 spanische Kriegsschiffe und 22 Galeren -— vermutlich nicht in bester Verfassung — 22 Linienschiffen, 24 Galeren -und 8 Brandern Frankreichs gegenüber; die französische Flotte war nicht -nur dem Landkriege schon von wesentlichem Nutzen gewesen, sie bedrohte -auch die spanischen Silberflotten und den Handel Hollands. Da nun die -Instruktion den holländischen Führern die Erlaubnis gab, mit ihrer ganzen -Flotte oder einem Teile ins Mittelmeer zu gehen, „falls es sehr vorteilhaft -erschiene“, so faßten sie einen dementsprechenden Entschluß. Ein Geschwader -von 15 Kriegsschiffen, 3 Brandern und 35 anderen Segeln wurde -unter <em class="gesperrt">van Nes im Atlantik</em> belassen, um weiter den französischen -Handel zu schädigen und die Küsten zu beunruhigen; auch die Mörserboote -ließ man zurück, sie hielten die Flotte auf und waren nur für etwaige größere -Bombardements mitgenommen. <em class="gesperrt">Tromp</em> segelte mit 24 Kriegsschiffen, -5 Brandern und 14 der bessern anderen Fahrzeuge, auf denen sich der größere -Teil der Landungstruppen befand, am 9. August über Cadiz <em class="gesperrt">nach Barcelona</em>.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Van Nes</em> blieb bis Anfang Oktober an der französischen Küste und ging dann -heim; besondere Ereignisse fanden in dieser Zeit nicht statt.</p> - -<p>Die Franzosen blockierten diese Stadt und hatten Werke zur Belagerung -aufgeworfen; bei der Annäherung der Holländer wurden Blockade und Belagerung -schleunigst aufgegeben. Tromp segelte weiter nach der Bay von -<em class="gesperrt">Rosas</em>. Hier hielten die Franzosen (jetzt scheinbar 28 Linienschiffe) -die Hauptflotte der Spanier fest, die bestimmt war, 7000 Mann zur Unterdrückung -des Aufstandes nach Sicilien überzuführen. Tromp hoffte hier, -vereinigt mit den Spaniern dem in Madrid gemeinsam gefaßten Plane gemäß, -zum Schlagen zu kommen (Ankunft 2. Oktober), aber auch diese Blockade -war von den Franzosen aufgegeben; die Spanier hatten sofort Nutzen daraus -gezogen und waren nach Sicilien abgegangen. Dieses Imstichlassen seitens -der Spanier empörte Tromp und Hoorn; ihre Entrüstung wuchs, als die -spanische Regierung nun das Ansinnen an sie stellte, mit ihrer Flotte nach -Sicilien zu gehen und bei der Wiedernahme des empörten Messinas mitzuwirken.</p> - -<p class="small">Schon mit der Fahrt nach dem Mittelmeer überhaupt hatten die holländischen -Chefs eine große Verantwortung übernommen, und tatsächlich wurde Tromp später von -der Admiralität Amsterdam — da der Zug nur so wenig Erfolg gehabt — wegen der -dadurch veranlaßten längeren Indienststellung der Schiffe zur Verantwortung (pekuniären) -gezogen; Oranien glich die Sache aus.</p> - -<p>Trotzdem erklärten sie sich bereit, 1500 Mann zum Entsatz der belagerten -Stadt Rosas zu landen und einige Schiffe zu ihrer späteren Rückbeförderung -zurückzulassen. Die Flotte selbst ging <em class="gesperrt">nach Holland</em> und traf dort -am 3. Dezember ein; die zurückgelassenen Schiffe folgten bald, da die Franzosen<span class="pagenum"><a name="Page_367" id="Page_367">[367]</a></span> -gleich nach der Landung der Truppen die Belagerung der Stadt abgebrochen -hatten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Expedition Tromps hat also wenig Erfolg gehabt</em>; -Die französische Küste ist beunruhigt worden, aber nichts deutet darauf hin, -daß hierdurch französische Truppen von den östlichen Kriegsschauplätzen -abgezogen wurden; das verbündete Spanien ist aus einigen Verlegenheiten -befreit; das wichtigste Ergebnis war vielleicht, daß man Europa zeigte, wie -trotz des vorhergegangenen schweren Krieges die holländische Marine noch -immer der französischen gegenüber überlegen auftreten konnte. Aber entsprach -dieser Erfolg den Erwartungen, die man auf dies kostspielige Unternehmen -gesetzt hatte? Anstatt wie man geplant und gehofft, einen wichtigen -französischen Hafenplatz zu nehmen und zu halten oder doch die Schiffe -und Anlagen dort zu zerstören, mußte man sich mit der zeitweisen Besetzung -einiger unwichtiger Inseln begnügen. „Warum das eine und nicht das -andere geschah, ist dunkel,“ sagt de Jonge. Als wahrscheinliche Gründe führt -derselbe Autor an: „Infolge des längeren Winters“ — diesen Grund haben wir -nun schon recht oft gehört — „war die Flotte zu spät fertig; trotz aller Geheimhaltung -hatte Ludwig Kenntnis erhalten und konnte Gegenmaßregeln -treffen; man hatte auf eine Erhebung in der Normandie und Bretagne gerechnet, -die die eine oder die andere Stadt den Holländern ausliefern sollte — -dies wurde rechtzeitig entdeckt und unterdrückt. Daran endlich, daß nicht -wenigstens der französischen Seemacht im Mittelmeer ein schwerer Schlag -zugefügt werden konnte, war das Verhalten der Spanier schuld.“ Alles -dieses trifft wohl zu, man muß aber doch sagen, daß das Hauptunternehmen -gegen die französische Küste mit weit stärkeren Mitteln hätte ins Werk gesetzt -werden müssen; so hatte es mehr den Charakter der Brandschatzungseinfälle -in Feindesland älterer Zeiten.</p> - -<p><b>Der Krieg in den Kolonien</b> (Ruyter vor Martinique 1674; Kampf um -Guayana, Tabago und Westafrika 1676 und 77). <em class="gesperrt">Ruyter</em><a name="FNanchor_204_205" id="FNanchor_204_205"></a><a href="#Footnote_204_205" class="fnanchor">[204]</a> war von Torbay -gleich nach der Teilung der Flotte am 8. Juni <b>1674</b> in See gegangen, um keine -Zeit zu verlieren. Im Frieden von Westminster hatte Holland Neu-Niederland -(New York) an England abtreten müssen. Man betrachtete dies mit Recht -als einen großen Verlust für die Ausbreitung des Handels und wünschte, -durch Erweiterung der Kolonien in Westindien diesen Schaden wieder wett -zu machen. Die Eroberung französischer Besitzungen dort, insbesondere -<em class="gesperrt">Martiniques</em>, schien dazu sehr geeignet; Ruyter selbst soll gerade auf -diese Insel hingewiesen haben.</p> - -<p>Das für Westindien bestimmte Geschwader bestand aus 18 Linienschiffen -und Fregatten, 6 kleineren Segeln, 6 Brandern und 24 Transportern mit zusammen -1100 Kanonen, 4000 Matrosen, 3380 See- und Landsoldaten. Der -Admiral beschleunigte seine Reise in jeder Beziehung; so sandte er einige<span class="pagenum"><a name="Page_368" id="Page_368">[368]</a></span> -der schnellsten Schiffe nach Teneriffa voraus, um dort alles zu schneller -Proviant- und Wasserergänzung vorzubereiten, auch ließ er durch vier andere -gute Segler langsame Fahrzeuge in Schlepp nehmen. In Teneriffa verweilte -er nur einen Tag (25. Juni) und traf am 19. Juli vor Martinique ein. Es war -einem vorausgesandten Schiffe gelungen, einige Einwohner beim Fischen -abzufangen; von ihnen erfuhr man, daß seit etwa vier Wochen auf allen -französischen Inseln Ankunft, Stärke und Absicht der Holländer bekannt -sei; die Besatzungen seien überall verstärkt, die Schiffe (Kriegs- und Handelsfahrzeuge) -unter den Schutz der Batterien gebracht. Man beschloß im -Kriegsrat, <em class="gesperrt">Fort de France</em> als den wichtigsten der drei Häfen der Insel -anzugreifen. Sein Besitz war nötig, wenn man die Insel dauernd halten wollte, -seine Eroberung vom Lande her, falls man zuerst einen andern Platz genommen, -schwierig; hier lagen ferner die wertvolleren Schiffe und hier waren -am leichtesten Wasser und Brennholz für die Flotte zu erhalten, endlich -wußte man, daß die Befestigungen dieses Punktes noch nicht ganz fertig -waren. Am 20. schritt man zur Landung und hatte anfangs Erfolg.</p> - -<p class="small">Ruyter hatte geplant, in den Hafen einzulaufen, doch zeigte sich die Einfahrt -für schwere Schiffe zu seicht, durch zwei versenkte Fahrzeuge teilweise gesperrt und -durch das Fort (20 Kanonen) sowie durch ein Kriegs- und ein armiertes Kauffahrteischiff -zu gut geschützt. Man mußte deshalb in einer benachbarten Bucht, die aber -auch durch das Fort und die genannten Schiffe bestrichen werden konnte, landen und -das Fort vom Lande her angreifen. Nach einem schon auf der Reise ausgearbeiteten Plane -wurde unter dem deckenden Feuer der Schiffe mit allen Booten in breiter Formation -eine Brigade von 1000 Soldaten an Land geworfen; es kostete schwere Verluste — der -Feind war 5 Kompagnien stark, der Strand war steil, schlüpfrig und schmal — aber -es gelang, den Feind in den Busch zu treiben, festen Fuß zu fassen und das Landen -zweier gleichstarker Abteilungen zu decken. Verstärkungen von Matrosen wurden sofort -nachgesandt und der Feind auch aus dem mit Verhauen gesperrten Busch vertrieben. -Die Stellung des Gegners beim Fort war jedoch stark, begünstigt durch eine mit Infanterie -besetzte Anhöhe; mehrere Stürme wurden abgeschlagen, eine Umgehung, um das Fort -in der Kehle anzugreifen, wurde durch das Feuer der feindlichen Schiffe vereitelt. In -den Kämpfen fielen der Chef des Landungskorps, zwei Brigadeführer und mehrere andere -höhere Offiziere oder wurden verwundet: ein Teil der Truppen ging fluchtartig nach -den Booten zurück. Französische Berichte sagen, viele Holländer hätten sich in Wein- -und Branntweinmagazinen am Strande betrunken.</p> - -<p>Infolge großer Verluste aber, besonders an höheren Dienstgraden der Soldaten, -hielt Ruyter am Abend die Eroberung des Forts für unmöglich, ja sogar das -Landungskorps für gefährdet; er befahl deshalb die Wiedereinschiffung, die -dann während der Nacht in voller Ordnung vor sich ging.</p> - -<p>Nach diesem mißlungenen Versuch segelte der Admiral nach <em class="gesperrt">Domingo</em>, -um Wasser aufzufüllen. Die Überzeugung, daß auch die andern Inseln zu -gut vorbereitet wären, das Vorhandensein der vielen Verwundeten an Bord, -der Mangel an Führern für das Landungskorps und endlich das Herannahen -der Orkanzeit bestimmten ihn, <em class="gesperrt">nach Holland zurückzukehren</em>; -er ließ 5 Schiffe in den westindischen Gewässern. Seine Reise nach Holland -(Ankunft 30. September) wurde durch Stillen und Stürme verzögert; die<span class="pagenum"><a name="Page_369" id="Page_369">[369]</a></span> -Rationen mußten herabgesetzt werden und die Flotte litt sehr unter Ruhr -und Skorbut.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Mißlingen dieser Expedition</em> wird wiederum der zu -späten Seebereitschaft der Schiffe und dem Umstande zugeschrieben, daß -der Feind rechtzeitig Kenntnis erhielt. Dies braucht nicht allein eine Folge -von Verrat gewesen zu sein, die Ausrüstung der Flotte konnte kein Geheimnis -bleiben. Daß sich die Franzosen nicht nur auf einen Vorstoß gegen ihre -Küsten, sondern auch gegen ihre auswärtigen Besitzungen gefaßt machten, -ist nicht wunderbar, hatte doch gerade Ruyter im Jahre 1664 einen ähnlichen -Zug erfolgreich gegen englische Kolonien unternommen und die alten Expeditionen -der Engländer sowie eigene der Art gegen Spanien und Portugal, seitdem -die Kolonien eine Rolle spielten, waren wohl unvergessen. Wäre es aber -für Holland nicht richtiger gewesen, seine Kräfte 1674 nicht zu zersplittern, -die Expedition Ruyters stärker zu machen oder die ganze Flotte gegen die -französische Küste oder noch besser gegen die feindlichen Seestreitkräfte -im Mittelmeer zu verwenden? Wir kommen darauf zurück.</p> - -<p class="small">Das Mißlingen der Unternehmung gegen Martinique im besonderen wird dem -Mangel an Kenntnis der Örtlichkeit zugeschrieben. Ein französischer Edelmann, der -auf der Insel gewohnt hatte, soll den Zug begleitet haben, um Rat zu geben. Dieser -äußerte sich später, man habe nicht auf ihn gehört und einen sehr ungünstigen Landungsplatz -gewählt.</p> - -<p>Die <b>Pläne, Frankreich in Westindien zu schädigen</b><a name="FNanchor_205_206" id="FNanchor_205_206"></a><a href="#Footnote_205_206" class="fnanchor">[205]</a> und die eigene Macht -dort zu erweitern, wurden keineswegs aufgegeben; die Provinzen von Holland, -besonders Amsterdam, legten großen Wert darauf. <b>1676</b> gründete eine von -Amsterdam ausgerüstete Expedition in <em class="gesperrt">Guyana</em> am Cyapoco eine Niederlassung -(Oranje), doch wurde diese bereits nach 9 Monaten eine Beute der -Franzosen in Cayenne. In demselben Jahre wurde aber noch ein zweites Unternehmen -gegen französische Besitzungen ins Werk gesetzt. Unter <em class="gesperrt">Jacob -Binckes</em> eroberte ein Geschwader von 3 Linienschiffen, 3 Fregatten und -3 Jachten — ausgerüstet unter dem Vorwande, den Handel im Mittelmeer -zu schützen — nebst einem Transporter mit 700 Soldaten das <em class="gesperrt">Fort Cayenne</em> -(Mai 1676); diese Kolonie wurde mit 200 Soldaten besetzt. Auch die Insel -Marie Galante wurde genommen, man brandschatzte sie aber nur und führte alle -brauchbaren Sachen, sogar die Sklaven hinweg, um sie zur Besiedlung von -<em class="gesperrt">Tabago</em> zu verwenden. Ein Anschlag auf Guadeloupe mißlang infolge -Herankommens einiger starker Linienschiffe von Martinique — 1675 war -ein kleines Geschwader unter de Grancey von La Rochelle nach den Antillen -gesandt —, mit denen man ein scharfes Gefecht zu bestehen hatte. Endlich -brandschatzte Binckes noch St. Martin und nahm einige bewaffnete Kauffahrer -an der Nordküste von Domingo. Dann führte er seine Hauptaufgabe aus, -die Inbesitznahme Tabagos. Hier hatte schon 1655 eine aufblühende holländische -Kolonie bestanden, sie war aber, im vorletzten Kriege verschiedentlich<span class="pagenum"><a name="Page_370" id="Page_370">[370]</a></span> -den Herrn wechselnd, verwüstet und fast ganz wieder verlassen. Binckes brachte -nun holländische Pflanzer anderer Inseln dorthin, landete seine Truppen -und setzte die alten Befestigungen wieder instand; es sollte auch sofort -der Kampf um die Insel beginnen.</p> - -<p>Ludwig XIV. sandte schon im Oktober 1676 ein Geschwader aus, um -Cayenne zurückzuerobern, Tabago zu nehmen und auch sonst Beute zu -machen. Admiral <em class="gesperrt">d'Estrées</em>, eifersüchtig auf die von du Quesne im -Mittelmeer errungenen Lorbeeren, hatte den Anstoß dazu gegeben und selbst -einen Teil der Kosten beigetragen; er führte den Oberbefehl. Ende Dezember -nahm er leicht Cayenne und Oranje, er erschien dann am 20. Februar 1677 -<em class="gesperrt">vor Tabago</em>. Binckes hatte seine Ankunft in Westindien erfahren, war -aber zu schwach, ihm auf See entgegenzutreten. D'Estrées' Geschwader -bestand aus 7 Linienschiffen, 3 Fregatten, 3 Jachten und 1 Brander, auch -waren die französischen Linienschiffe weit mächtiger, alle Schiffe weit stärker -bemannt und auf ihnen 450 Soldaten sowie 400 Freiwillige von den französischen -Inseln eingeschifft. Als eins der ersten Beispiele derartiger Kämpfe -um Kolonien, von dem genauere Angaben vorliegen, sei etwas näher auf -diese Aktion eingegangen; sie wird außerdem in der Geschichte der holländischen -Marine mit Recht als eine hervorragende Waffentat angesehen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Binckes</em> hatte wegen Mangels an Material und wegen der vorhergegangenen -Regenzeit das Fort noch nicht völlig herstellen können. Die Lage war aber günstig, -an Busch und Morast gelehnt; zur Bestreichung der Bucht war noch eine behelfsmäßige -Batterie vor dem Fort gebaut. Da die Besatzung ungenügend erschien — die Zahl -der Soldaten war durch Abgabe der Cayenne-Garnison sowie durch Verluste und Kranke -sehr vermindert —, verstärkte der Admiral sie von den Schiffen. Er hielt die Stellung -am Lande für die wichtigere; die Schiffe konnten die Insel nicht halten und waren mit -dem Verlust der Befestigungen selbst verloren. Dementsprechend erwartete er auch -den Hauptangriff am Lande, um so mehr da für einen Angriff das Segeln auf die Rhede -zwar leicht, das Wiederabsegeln aber sehr schwer, oft nur vermittels Warpen<a name="FNanchor_206_207" id="FNanchor_206_207"></a><a href="#Footnote_206_207" class="fnanchor">[206]</a> möglich war. -Binckes übernahm selbst auch das Kommando am Lande. Die Schiffe waren im Grunde -der Bucht in Linie verankert: eng geschlossen, mit den Breitseiten nach See zu vermoort, -die Flügel der Linie an den Strand und an eine Bank mit Klippen gelehnt.</p> - -<p class="small">Am 21. landete <em class="gesperrt">d'Estrées</em> etwa 1000 Mann, stellte Geschütze auf einem Hügel -auf und beschoß, allerdings ohne großen Erfolg, Fort und Schanze; das Geschwader -blockierte die Bucht und lotete das Fahrwasser aus. Nach Ansicht Binckes' würden die -Franzosen Erfolg gehabt haben, wenn sie den Hauptwert auf die Eroberung des Forts -gelegt, dazu das Landungskorps durch Ausschiffen nach Möglichkeit verstärkt und -die holländischen Schiffe nur beschäftigt hätten. So aber ordnete d'Estrées, wieder -seemännischem Rate unzugänglich, für den 3. März einen gleichzeitigen Angriff zu Lande -und zu Wasser an. Der Angriff wurde mit großem Mute durchgeführt, erreichte aber -den Zweck nicht. Am Lande können die Franzosen kaum die nötige Übermacht gehabt -haben, um eine feste Stellung zu nehmen. Außerdem griffen sie — gegen den Befehl — -zu früh und an einer anstatt an mehreren Stellen an. Ein dreimaliger Sturm wurde -mit großen Verlusten (200 Tote, viele Verwundete), darunter der Führer und fast alle -Offiziere, abgeschlagen. Das Landungskorps mußte sich während der Nacht zurückziehen -und wurde später in einer benachbarten Bucht wieder eingeschifft.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_371" id="Page_371">[371]</a></span></p> - -<p class="small">Die französischen Schiffe segelten in zwei Kolonnen auf die Rhede und legten sich -längsseit der Holländer, teilweise Bord an Bord. In einem hartnäckigen Kampfe verbrannten -sämtliche holländischen Schiffe bis auf 2 Linienschiffe und 1 Fregatte, die -sich aber entmastet und leck auf den Strand setzen mußten. Jedoch auch auf französischer -Seite flog das Flaggschiff mit seinem Gegner zugleich auf, ein zweites Linienschiff -verbrannte, zwei andere und der Brander gerieten auf Strand, die übrigen wurden -schwer beschädigt, 3 Kommandanten fielen. Gegen Abend zog d'Estrées die Schiffe -aus dem Feuerbereich der Befestigungen; zwei größere Linienschiffe wurden noch 2 Tage -durch den Gegenwind in Tragweite der feindlichen Geschütze zurückgehalten und -wechselten Schüsse mit diesen. Auch dieser Angriff war mit Bravour ausgeführt, aber -es wird darüber geklagt, daß die Offiziere die brennenden Schiffe zuerst verlassen hätten. -In den nächsten Tagen zerstörten die Holländer die französischen Schanzen und nahmen -die gestrandeten und verlassenen Schiffe in Besitz; ein Versuch d'Estrées', diese Fahrzeuge -und den Rest der holländischen durch einen neuhergerichteten Brander zu zerstören, -mißlang (11. März); er verließ Tabago.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p371.jpg" width="400" height="335" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p371" id="fig_p371"></a> -<p class="caption">Der Angriff auf Tabago, 3. März 1677.</p> -</div> - -<p class="small">Der Gesamtverlust -der Franzosen betrug -über 1500 Mann, -der der Holländer -350 Tote und Verwundete; -trotzdem -wurde in Paris eine -Siegesdenkmünze geprägt.</p> - -<p>Der Angriff -war also abgeschlagen; -infolge großer -Verluste und der -schweren Beschädigungen -seiner -Schiffe mußte d'Estrées -nach Frankreich -zurückgehen, -ohne weiteres in -Westindien zu unternehmen. -In -Holland beschloß -man, sofort Verstärkungen nach Tabago zu senden. Geldmangel verzögerte -die Ausrüstung, obgleich man hörte, daß auch Frankreich eine -neue Expedition für Westindien rüste, der Winter kam dazwischen; als ein -kleines Geschwader endlich die Antillen erreichte, war die Insel gefallen.</p> - -<p>Schon im Oktober <b>1677</b> war d'<em class="gesperrt">Estrées</em> mit 13 Linienschiffen und -Fregatten wieder ausgelaufen. Er bemächtigte sich zunächst der holländischen -Besitzungen in <em class="gesperrt">Senegambien</em> (Gorée, Pertudal, Joal u. a.) und segelte -dann nach den Antillen, wo er durch 12 Flibustier verstärkt wurde. Am -6. Dezember erschien er <em class="gesperrt">vor Tabago</em>, wo nur 2 holländische Kriegsschiffe -lagen; diese wurden blockiert und 1500 Mann gelandet. <em class="gesperrt">Binckes</em> verfügte -nur über 350 gesunde Soldaten und mußte sich ganz auf die Verteidigung<span class="pagenum"><a name="Page_372" id="Page_372">[372]</a></span> -des Forts beschränken. Am 11. eröffneten die Franzosen aus Belagerungsbatterien -das Feuer, schon die dritte Bombe sprengte das Pulvermagazin auf, -wobei Binckes und mehrere Offiziere umkamen. Das Fort wurde erstürmt, -die Niederlassung verwüstet, die Schiffe verbrannt. Weiter aber erreichte -d'Estrées nichts. Als er nach einigen Monaten Ruhe in Martinique im Frühjahr -1678 aufbrach, um <em class="gesperrt">Curaçao</em> anzugreifen, erfolgte die schon erwähnte -Strandung seines Geschwaders auf den <em class="gesperrt">Aves-Inseln</em> (Seite <a href="#Page_349">349</a>). Auch -bei dieser Gelegenheit verließen (nach französischen Angaben) Admiral, -Kommandanten und Offiziere die gefährdeten Schiffe und gaben die Mannschaften -dem Untergange preis. D'Estrées kam (französische Angabe) der französischen -Marine teuer zu stehen, wurde aber trotzdem wegen der „Eroberung -von Tabago“ zum Marschall ernannt.</p> - -<p><b>Der Krieg im Mittelmeer 1675–1678</b><a name="FNanchor_207_208" id="FNanchor_207_208"></a><a href="#Footnote_207_208" class="fnanchor">[207]</a> (Stromboli, Agosta, Palermo). -<em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. hatte also nach dem Austritt Englands aus dem Bündnis -den Entschluß gefaßt, seine Seestreitkräfte hauptsächlich im Mittelmeer -zu verwenden; dementsprechend wurde im <b>Frühjahr 1674</b> von den Häfen -am Ozean ein Geschwader von 10 Schiffen unter dem Chef d'Escadre Valbelle -nach dem Mittelmeer gezogen. In Toulon waren die Galeren und eine Hochseeflotte -— vorläufig 8 Linienschiffe, 2 Fregatten, 4 Brander, aber nach und -nach beträchtlich vermehrt — in Dienst gestellt. Den Oberbefehl führte -<em class="gesperrt">Graf de Vivonne</em> (Bruder der Montespan), General der Galeren — der -Posten des Vizeadmirals der Levante war nicht besetzt; unter ihm befehligten -auf der Hochseeflotte Generalleutnant du Quesne als Vizeadmiral und Chef -d'Escadre de Preuilly als Kontreadmiral. Die Hochseeflotte und das Geschwader -vom Atlantik trafen sich (Anfang Sommer) in Tanger, um den Hafen -von <em class="gesperrt">Cadiz</em> zu forcieren und die dort liegenden spanischen Kriegsschiffe -zu zerstören, wie es früher die Engländer und Holländer auch getan hatten. -Dieser Plan wurde jedoch aufgegeben, „weil die Spanier davon Kenntnis -erhalten“ — du Quesne und Valbelle sollen den Angriff bei den gegen früher -sehr verstärkten Befestigungen für untunlich erachtet haben. Vivonne ging -nach Toulon zurück und von dort an die Küsten von Rousillon und Catalonien -zur Unterstützung des Landkrieges — Schutz französischer (z. B. Collioure), -Angriff spanischer Seestädte; Festhalten der spanischen Seestreitkräfte —, -wir haben die Flotte oder Teile davon bei Tromps Operationen vor Barcelona -und Rosas gesehen.</p> - -<p>Ihre Hauptverwendung sollte die französische Flotte aber in dem <em class="gesperrt">Kampf -um Sicilien</em> finden. Die Stadt <em class="gesperrt">Messina</em>, damals etwa 80–100000 -Einwohner, hatte sich gegen Spanien erhoben, den Vizekönig verjagt und -bat nun Ludwig um Unterstützung. Dieser ging gern darauf ein: Der Aufstand -auf der Insel zog Spanien vom Kriege gegen ihn ab; Frankreich gewann, -wenn es in Sicilien Fuß faßte, einen wichtigen Stützpunkt für Unternehmungen -gegen Italien und für die Herrschaft im Mittelmeer überhaupt. Infolgedessen<span class="pagenum"><a name="Page_373" id="Page_373">[373]</a></span> -sahen wir im September 1674 französische Seestreitkräfte eine spanische -Flotte vor Rosas festhalten, die die Truppen nach Sicilien überführen -sollte. Vor allem aber war es wichtig, dem schwerbedrängten Messina Lebensmittel -zuzuführen. <em class="gesperrt">Valbelle</em> brachte Ende September mit 6 Kriegsschiffen -und 3 Brandern ein großes Getreideschiff unbehindert hinüber. -Das Erscheinen der Holländer unter Tromp hatte inzwischen die spanische -Flotte freigemacht, sie gelangte wohlbehalten nach Messina, und die Belagerung -ward mit aller Kraft aufgenommen. Valbelle ward deshalb aufs neue hinübergesandt; -er führte nur außer Getreideschiffen 500 Soldaten zur Verstärkung -der Stadtbesatzung mit sich. Dieses Mal fand er hinter der Straße von Messina -(am 30. Dezember) die spanische Flotte, Hochseeschiffe und Galeren. Er -wartete günstige Wind- und Stromverhältnisse ab und lief am 3. Januar -<b>1675</b> durch die Straße und in den Hafen ein, ohne daß die Spanier ihm entgegentraten; -kleine Batterien, die Straße und Einfahrt bestrichen, waren -leicht zum Schweigen gebracht worden. Es war die höchste Zeit für Ankunft -dieser Unterstützung, die Stadt war fast ausgehungert; die Verteidigung -erhielt nun neues Leben, die Belagerung ward lauer; die spanische Flotte -machte nur einen erfolglosen Nachtangriff mit Brandern und Booten auf die -französischen Schiffe.</p> - -<p>Messina stellte sich jetzt unter den Schutz Frankreichs, und im Februar -führte <em class="gesperrt">Vivonne</em>, zum <em class="gesperrt">Vizekönig von Sicilien</em> ernannt, eine -mächtigere Unterstützung heran. Mit 9 Linienschiffen, 1 Fregatte und -3 Brandern begleitete er — unter ihm du Quesne und de Preuilly — 8 Transporter -mit Lebensmitteln und Truppen. Ihm endlich trat die spanische -Flotte — 16 oder 17 Hochseeschiffe unter <em class="gesperrt">de la Cueva</em> (ein Landoffizier) -und 14 Galeren unter <em class="gesperrt">del Viso</em> (Generalkapitän der Galeren und Oberbefehlshaber) -— entgegen, aber ohne Erfolg.</p> - -<p class="small">Am 11. Februar kommt es zu einem wenig Bemerkenswertes bietenden <b>Gefecht -zwischen Stromboli und Lipari</b>. östlicher Wind, die Spanier zu Luward. Nur 6 französische -Linienschiffe sind in Linie, die Nachhut ist mit dem Convoi weiter in Lee. -Die Spanier umzingeln in Gruppen. Die Franzosen wenden, vereinigen sich mit der -Nachhut und bilden eine neue Linie. Während des neuen Gefechts kommt Valbelle -mit seinem Geschwader von Messina und greift die Spanier von Luward her an. Die -Galeren ziehen sich zuerst mit Hilfe der Riemen nach Luward aus dem Gefecht; auch die -Schiffe brechen ab und lassen ein 40-Kanonenschiff zurück, das von du Quesne mit -Booten genommen wird; die Spanier gehen nach Neapel (Verlust 4 Schiffe?), die Franzosen -laufen in Messina ein. Wieder war es die höchste Zeit, die Stadt stand auf dem -Punkte, zu kapitulieren.</p> - -<p>Weitere Verstärkungen folgten nach; auch neue Kriegsschiffe stießen zur -Flotte, geführt von Leutnantgeneral d'Alméras, der jetzt das Amt des Kontreadmirals -übernahm (eines der Schiffe führte der bald berühmte de Tourville).</p> - -<p><em class="gesperrt">Die französische Flotte beherrschte die See</em>, führte -Lebensmittel für die Stadt heran und hinderte die Zufuhren der Spanier. -Vivonne eroberte dann am 17. August fast ohne Schwertstreich <em class="gesperrt">Agosta</em> -durch eine Landung unter dem Schutz der Seestreitkräfte, jedoch warf man -ihm vor, daß er nichts gegen die spanische Flotte in Neapel unternommen<span class="pagenum"><a name="Page_374" id="Page_374">[374]</a></span> -habe; er verfügte im August über 29 Schiffe, 24 Galeren, 12 Brander. Das -eigentliche Kommando über die Flotte hatte er, „durch seine Geschäfte an -Messina gebunden“, übrigens bald an <em class="gesperrt">du Quesne</em> abgegeben; französische -Quellen sagen aber „wegen seiner Neigung zu Ruhe und Vergnügungen“. -sein Beiname war „le gros crevé“ (Dickwanst). Auch den Landkrieg führte -Vivonne lau, die Stadt blieb belagert. Weitere Unterstützungen an Lebensmitteln -und Truppen waren nötig; auch die Flotte mußte instandgesetzt -werden, weil man erfuhr, daß Holland den Spaniern Hilfe zur See unter -Ruyters Kommando zugesagt hatte. Am 16. September wurde deshalb -du Quesne mit zwei Dritteln der Flotte nach Toulon gesandt, um seine Schiffe -zu überholen, die Unterstützungen zu beschleunigen und sie sicher heranzuführen. -Verwaltung, Werften und Arsenale arbeiteten aber noch nicht -zuverlässig, und so konnte der Admiral erst am 16. Dezember mit 20 Kriegsschiffen, -6 Brandern und verschiedenen Transportern Toulon wieder verlassen. -Ruyter war schon Ende September in Cadiz angekommen, so daß die Absendung -du Quesnes mit dem größten Teile der Flotte recht gewagt war; -zu Vivonnes Glück wurde Ruyter lange aufgehalten.</p> - -<p>Wenden wir uns nun zu diesem Eingreifen Hollands. Spanien hatte -<em class="gesperrt">Holland</em> um <em class="gesperrt">Unterstützung in Sicilien</em> gebeten. Wir wissen, -daß schon Tromp im Herbst 1674 ersucht worden war, nach Messina zu gehen; -nach Einmischung der Franzosen und besonders nach dem Siege Vivonnes -(Februar 1875) wurden die Bitten um Unterstützung durch eine holländische -Flotte immer dringender, ja man bat direkt um <em class="gesperrt">Ruyter</em>. Die meisten -niederländischen Provinzen waren nicht geneigt, hierfür Mittel zu bewilligen; -die Generalstaaten aber und auch wohl die Provinzen von Holland, besonders -Amsterdam, fürchteten mit Recht, daß ein Festsetzen der Franzosen in Sicilien -ihre Seeherrschaft im Mittelmeer sehr stärken und den holländischen Handel -mit Italien und der Levante sehr gefährden würde. Außerdem sah man die -alte Gefahr heraufziehen, Frankreich als unmittelbaren Nachbar zu erhalten: -es verlautete nämlich, Spanien würde unter Umständen selbst seine Niederlande -opfern, um Sicilien zu retten.</p> - -<p>Die Verhandlungen im Lande führten zu der außergewöhnlichen Maßregel, -daß nur eine Admiralität die erbetene Hilfsflotte stellte: Amsterdam -erklärte sich bereit, die Schiffe zu liefern; von den 1½ Millionen Gulden -Kosten sollte Spanien die Hälfte zahlen, 450000 wollte Amsterdam auf sich -nehmen, so daß für die übrigen Provinzen nur 300000 blieben; die Admiralität -der Maas wollte das Flottenflaggschiff stellen, aber nur um ihr altes Recht -darauf zu wahren. Genannte Summe reichte nur zu der Indienststellung -von 18 Kriegsschiffen, 4 Brandern, 6 kleinen Segeln und 2 Transportern; -Spanien verpflichtete sich, 22–24 Kriegsschiffe und seine Galeren zu stellen.</p> - -<p>Ruyter hielt die holländische Flotte für zu klein. Ihm war wohl bekannt, -daß die französische Marine in jeder Hinsicht Fortschritte gemacht hatte; -er achtete du Quesne hoch; er wußte, was von den Spaniern zu erwarten war. -Die Generalstaaten aber hatten keine Aussicht, mehr Mittel zu erhalten, und<span class="pagenum"><a name="Page_375" id="Page_375">[375]</a></span> -beurteilten auch wohl den Verbündeten und den Gegner anders. Ruyter -mußte sogar kränkende Äußerungen hören; er beantwortete sie mit der -ihm eigenen einfachen Würde, und die Zukunft sollte zeigen, wie richtig sein -Urteil gewesen war.</p> - -<p>Schon die Ausrüstung und die Ausreise der Expedition verlief ungünstig -und langsam, dann waren die Spanier nicht fertig.</p> - -<p class="small">Kurz diese Ereignisse: Die Verhandlungen begannen im Frühjahr 1675 und waren -im Juni zum Beschlusse gediehen, trotzdem konnte Ruyter erst am 29. August in See -gehen. Als Vizeadmiral der Flotte war Jan den Haen kommandiert, ein tüchtiger -Offizier, aber mit Ruyter nicht recht im Einverständnis; Kapitän Verschoor, selbst in -seinem Dienstgrade noch jung, erhielt durch Gunst das Amt als Kontreadmiral. Ruyter -war kränklich, erklärte aber auf abratende Vorstellungen seiner Verwandten, die Pflicht -rufe, und er würde den Zug mitmachen, wenn er auch an Bord getragen werden müsse; -ebenso hatte er auf die kränkenden Äußerungen geantwortet, er ginge, ohne Rücksicht -auf sein Schicksal, wohin man ihn kommandiere, aber er wundere sich, „daß man die Ehre -der holländischen Flagge so leichtsinnig aufs Spiel setze.“ Als böses Omen könnte man -fast ansehen, daß sein altes ruhmreiches Flaggschiff („7 Provinzen“) nicht seetüchtig -war; er ging an Bord der „Eendragt“ (76 Kanonen).</p> - -<p class="small">Sturm und widrige Winde verzögerten die Reise. Erst am 26. September kam er -in Cadiz an und mußte hier 11 Tage ausbessern; die Ausrüstung der Schiffe war schlecht, -wie sich während der weiteren Indiensthaltung immer mehr herausstellte. In Cadiz -erhielt er Befehl, von der Ebromündung 7 spanische Linienschiffe abzuholen, den für -Sicilien als Vizekönig bestimmten Don Juan d'Austria an Bord zu nehmen und sich in -Palermo mit der spanischen Hauptflotte zu vereinigen. Die Reise wurde zu einer -Argonautenfahrt, auf die wir nicht genauer eingehen wollen<a name="FNanchor_208_209" id="FNanchor_208_209"></a><a href="#Footnote_208_209" class="fnanchor">[208]</a>: Sturm und Gegenwinde; -den Haen mit 7 Schiffen im Sturm abgesprengt; keine spanischen Schiffe an der Ebromündung, -auch nicht in Barcelona (14. November); hier 14 Tage durch Befehle und -Gegenbefehle aufgehalten; d'Austria kommt nicht „wegen Krankheit“, in Wahrheit, -weil er in Ränke gegen die Königin-Regentin verwickelt war. Am 4. Dezember ist Ruyter -in Cagliari, den Haen in Neapel; am 20. Ruyter in Melazzo (Nordküste Siciliens), hört -hier, daß die Spanier in Palermo noch nicht schlagfertig sind und daß sie es auch wegen -Uneinigkeit zwischen Vizekönig und Admiral, wegen Lauheit der Behörden und Materialmangels -sobald nicht sein würden; selbst den Haen wurde dort festgehalten. Endlich -gegen Ende Dezember treffen den Haen und mit diesem 9 spanische Galeren sowie ein -Kriegsschiff bei ihm ein; er kann am 31. in See gehen, um vor der Straße von Messina -zu kreuzen und der Stadt die Zufuhren von Norden abzuschneiden; die spanische Hochseeflotte -soll folgen, sobald sie bereit ist.</p> - -<p><em class="gesperrt">Anfang Januar</em> 1676 endlich vor der Straße von Messina angekommen, -erfährt <em class="gesperrt">Ruyter</em> (über Neapel), daß <em class="gesperrt">du Quesne</em> von Toulon -aufgebrochen und schon an der Küste Sardiniens gesehen sei; er beschloß, -ihm entgegenzutreten. Da der Wind verhinderte, die Straße zu passieren, -und den Feind hinter dieser zu erwarten, so suchte er ihn auf. Am 6. befand -er sich dicht unter der Insel Lipari und hörte von Küstenschiffern, man könne -die Franzosen von den Bergen aus in Nordwest sehen; ein auf die Insel Salina -gesandter Offizier bestätigte dies. An demselben Tage erfuhr der Admiral -auch, daß die Spanier von Palermo ausgelaufen seien. Am 7. früh sichtete man<span class="pagenum"><a name="Page_376" id="Page_376">[376]</a></span> -die Franzosen im Norden Salinas, bei Südsüdwest-Wind über Steuerbord-Bug -liegend und aufkreuzend. Ruyter hielt mit vollen Segeln auf sie zu, drehte -aber um 3 Uhr nachm. außer Kanonenschußweite bei und bildete die Gefechtslinie -gleichfalls über Steuerbord. Dann rief er die Kommandanten an Bord und -gab Anweisungen und Ermahnungen für die bevorstehende Schlacht; den -Erschienenen soll sein sehr ernstes, ja gedrücktes Wesen aufgefallen sein.</p> - -<p>Trotz der Luvstellung griff er an diesem Tage nicht an, sondern hielt -sich auf Parallelkurse mit dem Feinde. Ein leichtes Schiff war während der -Nacht nah am Gegner stationiert, um dessen Bewegungen zu signalisieren. -Um Mitternacht sprang der Wind auf Westsüdwest und frischte so auf, daß -die spanischen Galeren unter Lipari Schutz suchen mußten. Gegen Morgen -wendeten beide Flotten, die Franzosen zuerst. Durch das Umspringen war -der Wind für die Franzosen zur Fortsetzung der Reise günstig geworden, -und sie standen jetzt zu Luward; du Quesne sandte seine Transporter -voraus mit Kurs nach Messina, bildete mit der Flotte die Schlachtlinie und -näherte sich den Holländern.</p> - -<p>Jetzt erst konnte Ruyter die Stärke des Feindes genau feststellen, bisherige -Nachrichten hatten von nur 12 Linienschiffen gesprochen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flotten setzten sich zusammen</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p376"> - <tr> - <td> </td> - <td> </td> - <td class="tdc">Über 80 K.</td> - <td class="tdc">70–74</td> - <td class="tdc">60–64</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">36</td> - <td class="tdc">Kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td class="tdc">Galeren</td> - <td class="tdc">Transporter</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Franzosen;</td> - <td class="tdc">Schiffe</td> - <td class="tdc">7<a name="FNanchor_1_6" id="FNanchor_1_6"></a><a href="#Footnote_1_6" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">4(?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holländer;</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 4<a name="FNanchor_2_6" id="FNanchor_2_6"></a><a href="#Footnote_2_6" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 9<a name="FNanchor_3_4" id="FNanchor_3_4"></a><a href="#Footnote_3_4" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc"> 6<a name="FNanchor_4_1" id="FNanchor_4_1"></a><a href="#Footnote_4_1" class="fnanchor">4)</a></td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">—</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_6" id="Footnote_1_6"></a><a href="#FNanchor_1_6"><span class="label">1)</span></a> Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_6" id="Footnote_2_6"></a><a href="#FNanchor_2_6"><span class="label">2)</span></a> darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen;</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_4" id="Footnote_3_4"></a><a href="#FNanchor_3_4"><span class="label">3)</span></a> darunter 1 zu 47 Kanonen und 1 spanisches;</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4_1" id="Footnote_4_1"></a><a href="#FNanchor_4_1"><span class="label">4)</span></a> „Snauwen“ zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge.</p></div></div> - -<p>Die Franzosen waren also an Größe der Schiffe und damit in der Armierung -wesentlich überlegen; daß die französische Armierung auch in der -Kaliberverwendung stärker war, ist uns bekannt. Die Besatzungsstärke -— d. h. die gleicher Schiffsgrößen — war diesmal annähernd gleich. Die -Flotten, in 3 Geschwader geteilt, wurden geführt auf holländischer Seite: -Vorhut Verschoor; Mitte <em class="gesperrt">Ruyter</em>; Nachhut den Haen; auf französischer -Seite: Vorhut de Preuilly; Mitte <em class="gesperrt">du Quesne</em>; Nachhut de Gabaret — d. h. -so war die Rangierung in der Schlacht, da beide Flotten in „Kehrt“ standen.<a name="FNanchor_209_210" id="FNanchor_209_210"></a><a href="#Footnote_209_210" class="fnanchor">[209]</a></p> - -<p class="small">„Abraham du Quesne“, 1610 in Dieppe geboren, Sohn eines Seemannes, der zur -See gefallen war, diente in der königlichen Marine und auch mehrere Jahre zu Kriegszeiten -in der schwedischen. Nach Frankreich zurückgekehrt, zog er die Freibeuterei -dem Dienst in der verfallenen Marine vor; erst unter Colbert trat er wieder ein. 1672 -bis 1674 der befähigtste Admiral der Flotte im Kanal; 1674–1678 hervorragend im Mittelmeer, -zeichnete sich auch später noch gegen die Barbaresken aus. Nur weil er Protestant -war, wurde er nicht zum Vizeadmiral der Levante ernannt, obgleich er diesen Posten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_377" id="Page_377">[377]</a></span> -ausfüllte — dieser Posten blieb so lange unbesetzt; er erhielt auch nicht den Marschallsstab -trotz seiner Taten. Von Charakter fest und gerecht, war er ein vorzüglicher Vorgesetzter -und Organisator der jungen Marine, aber kein bequemer Untergebener, -besonders nicht den durch Hofgunst Bevorzugten gegenüber. Er starb 1688. — Daß -Ruyter ihn als tüchtigen Gegner anerkannte, zeigt dessen Antwort auf die Frage eines -englischen Kapitäns, was Ruyter vor Messina mache: „Ich erwarte den tapfern -du Quesne.“</p> - -<p>Trotz der Stellung in Lee und trotz der Übermacht des Feindes nahm -Ruyter den Kampf zwischen den Inseln Stromboli und Panaria an. Die -<b>Schlacht bei Stromboli am 8. Januar 1676</b><a name="FNanchor_210_211" id="FNanchor_210_211"></a><a href="#Footnote_210_211" class="fnanchor">[210]</a> ist besonders bemerkenswert -wegen Ruyters Verhalten.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p377.jpg" width="300" height="335" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p377" id="fig_p377"></a> -<p class="caption">Abraham du Quesne.</p> -</div> - -<p>Warum benutzte er die günstige Windstellung am 7. nicht zum Angriff? -Warum nahm er am folgenden Tage -den Kampf unter scheinbar ungünstigen -Umständen an? Zwar haben -wir ihn im letzten Kriege seine -Schlachten behutsam vorbereiten aber -dann doch — selbst gegen Übermacht -— mit äußerster Energie, ja Tollkühnheit -durchführen sehen, wenn ein -Schlagen nötig war. Daß er auch hier -unbedingt dem Feinde den Weg nach -Messina verlegen wollte, wird durch -sein Bleiben am Feind und sein -Schlagen am anderen Tage bewiesen.</p> - -<p>Die holländischen Quellen sagen -nun: Am 7. habe Ruyter zunächst -beidrehen müssen, um Nachzügler zu -erwarten, später sei der Tag zu weit -vorgeschritten gewesen; als er am 8. -die Stärke des Feindes genau erkannt, -sei ein Rückzug zu gefährlich gewesen. Beides erscheint nicht unbedingt -zutreffend: Ruyter mußte am 7. damit rechnen, daß der Wind sich bis zum -nächsten Tage zu seinen Ungunsten ändern könne; sein „gedrücktes“ Wesen -läßt darauf schließen, daß er auch an diesem Tage schon die Stärke des Gegners -erkannt hatte und deshalb vom Angriff absah. Ich möchte andere Beweggründe -für wahrscheinlicher halten. Ruyter brauchte nicht durchaus anzugreifen, -um seinen strategischen Zweck zu erreichen. Du Quesne mußte -es, wenn er seine Reise fortsetzen wollte; zögerte dieser mit dem Angriff, -so konnte jeden Augenblick die spanische Flotte zur Verstärkung der holländischen -eintreffen. Hierin ein Grund für Ruyters Verhalten am 7. Januar.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_378" id="Page_378">[378]</a></span></p> - -<p>Hierzu kommt nun, daß ein so erfahrener Seemann wie Ruyter vielleicht -schon die Vorteile der Defensive — auch in der Leestellung —, die in der -bisher üblichen Taktik noch nicht gewürdigt wurden, erkannt hatte; Vorteile, -die besonders ins Gewicht fielen, wo es sich darum handelte, mit schwächeren -Kräften einem Gegner von feurigem Mut, aber mangelnder Seemannschaft -entgegenzutreten. Dies kann den Admiral des weiteren bestimmt haben, -dem Feinde am 7. den Angriff zu überlassen und am 8. den Kampf in einer -scheinbar ungünstigen -Stellung — der Leestellung -— anzunehmen.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p378.jpg" width="400" height="492" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p378" id="fig_p378"></a> -<p class="caption">Die Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.</p> -</div> - -<p>Die <em class="gesperrt">Schilderung -der Schlacht</em> -wird zeigen, daß die -Holländer tatsächlich -infolge der Vorteile -einer Defensive in der -Leestellung imstande -waren, dem starken -Angriffe zu widerstehen; -die Schlacht -bei Stromboli gibt -teilweise ein Bild der -Defensivtaktik, die die -Franzosen in der -zweiten Hälfte des -18. Jahrh. den Engländern -gegenüber oft -mit großem Erfolge -durchführten.</p> - -<p class="small">Die beiden Flotten -lagen über Backbord-Bug -in Kiellinie beim Winde. -Gegen 9 Uhr vorm. hielt -<em class="gesperrt">du Quesne</em> ab und lief -mit der ganzen Linie schräg auf die Holländer zu; ein Manöver, das schwer mit -Genauigkeit auszuführen ist und den Angreifer in ungünstiger Lage dem Breitseitfeuer -aussetzt, weil dieser selbst wenig Geschütze verwendbar hat und den -Bug dem Enfilierfeuer darbietet; die bisher vorzügliche Ordnung ging denn auch -verloren. Das französische Spitzenschiff stürzte sich (gegen 10 Uhr) tollkühn auf die -Mitte der feindlichen Vorhut, erlitt sofort schwere Beschädigungen in der Takelage -und war genötigt, aus der Linie zu holen; nicht besser erging es dem zweiten Schiffe, -beide waren wohl etwas voraus. Der dann folgende Admiral Preuilly hatte beim Abhalten -zu wenig Raum gelassen, seine nachfolgenden Schiffe waren infolgedessen zu nahe -aufgeschlossen, als sie querab vom Feinde wieder an den Wind gingen; sie schoben sich -zum Teil nebeneinander und hinderten sich gegenseitig im Feuer (Lage 1). Außerdem<span class="pagenumsmall"><a name="Page_379" id="Page_379">[379]</a></span> -kamen die französischen Schiffe nacheinander ins Gefecht; es ist dies eine fast unvermeidliche -Folge der gewählten Angriffsart. Der Angriff du Quesne's auf die holländische -Mitte verlief deshalb ähnlich, auch hier wurden die beiden ersten Schiffe durch überlegenes -Feuer sehr zusammengeschossen. Sonst scheint die französische Mitte mit mehr -Ordnung wieder an den Wind gegangen zu sein; auch bei der Vorhut wurde die Ordnung -bald wiederhergestellt. Die Holländer leisteten überall kräftigen Widerstand und -„keines ihrer Schiffe sah man, das nicht einen Gegner dicht an der Seite hatte“.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ruyter</em> soll nun aber doch mit seinen beiden vorderen Geschwadern fortwährend -Raum gegeben haben. Es ist nicht ersichtlich, ob dies ein Geständnis der Schwäche -oder ein taktisches Manöver war, um den Gegner aufs neue zum Herangehen in ungünstiger -Lage zu verleiten.</p> - -<p class="small">(In späteren Zeiten verfuhren nämlich die Franzosen so, allerdings mit mehr Methode: -Eine Gruppe von 2–3 Schiffen hielt ab, gedeckt durch Pulverrauch und das Feuer -der übrigen. Nach und nach bildete sich so eine neue Linie, die dann die letzten Schiffe -der ursprünglichen Linie bei ihrem Abhalten durch Feuer deckte und aufnahm.)</p> - -<p class="small">Das Gefecht währte hier bis gegen 4½ Uhr nachm.; drei französische Brander, zwei -davon auf Ruyters Schiff angesetzt, wurden zwischen den kämpfenden Linien entmastet -und verbrannten nutzlos. Das Ende des Kampfes ist nicht genau aus den Überlieferungen -zu erkennen; Ruyter brach ab, die Franzosen verfolgten nicht. Wahrscheinlich waren -sie zu sehr beschädigt, wenigstens bedauerten sie den Mangel an Galeren zur Verfolgung. -Die nachgekommenen spanischen Galeren schleppten stark beschädigte Holländer aus -dem feindlichen Feuer, sonst hatten sie sich nur durch Abgabe einiger Schüsse aus den -Buggeschützen auf weite Entfernung am Gefecht beteiligt.</p> - -<p class="small">Auch über den Kampf der Nachhuten sind die Angaben ungenügend; er trennte -sich frühzeitig von dem der anderen Geschwader. Infolge der Angriffsart mußte er -natürlich zuletzt beginnen, die Trennung scheint aber auch noch andere Gründe gehabt -zu haben. Du Quesne warf Gabaret vor, den Anschluß an die Mitte verloren und nicht -mit derselben Energie angegriffen zu haben; Gabaret entschuldigte sich mit der Lauheit -einiger seiner Schiffe und deren ungeschickten Manövern.</p> - -<p class="small">Es gab dies und ein anderer Vorfall — einige Tage später auf dem Marsche beschädigten -zwei Schiffe der Nachhut einander so, daß sie fast entmastet wurden — -du Quesne Anlaß, dem Könige zu berichten, daß manche Kommandanten aus Mangel -an Übung, aber auch infolge nicht genügender Beachtung der Instruktionen durch -nachlässige Führung ihrer Schiffe die Aufrechterhaltung der Schlachtlinie gefährdeten. -Mit ziemlich deutlichen Worten bittet er, Maßregeln zur Abstellung dieses Übelstandes -zu ergreifen.<a name="FNanchor_211_212" id="FNanchor_211_212"></a><a href="#Footnote_211_212" class="fnanchor">[211]</a></p> - -<p class="small">Auf holländischer Seite scheint aber der Führer der Nachhut auch an der Trennung -schuld gewesen zu sein. Anstatt auf seine Mitte aufgeschlossen zu bleiben und das -Manöver des Abhaltens dann mitzumachen, scheint er seinen Gegner erwartet zu haben; -ein Fehler, dem wir schon öfters als Grund der Trennung eines Geschwaders von der -Flotte begegnet sind. Er hätte dadurch in eine gefährliche Lage kommen können, -denn du Quesne sandte gegen Ende des Kampfes den Kapitän Tourville (Kommandant -von Nr. 5 der Mitte) mit 3 oder 4 Schiffen ab, um ihn von Lee aus anzugreifen und ganz -von seiner Flotte zu trennen. Zu den Haens Glück gelangte infolge abflauenden Windes -nur ein französisches Schiff (Nr. 7 der Mitte) zum Angriff; dieses kam nun selbst in -schwierige Lage, entzog sich ihr jedoch durch geschickte Manöver und vereinigte sich -mit der Nachhut (Lage 2). Hier brach das Gefecht mit Eintritt der Dunkelheit ab; -beide Nachhuten stießen wieder zu ihren Flotten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> sind nicht ganz sicher bekannt. Die geringsten Angaben sprechen -von 400 Toten und Verwundeten bei den Franzosen und von 250 bei den Holländern;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_380" id="Page_380">[380]</a></span> -hier fiel Verschoor, dort waren du Quesne verwundet und zwei Kommandanten getötet. -Ein holländisches Linienschiff sank, während es schwer beschädigt nach Palermo geschleppt -wurde; die Franzosen behaupten, nur ihre drei Brander eingebüßt zu haben. -Gerüchte von einem größeren Verluste sollen durch den vorhin erwähnten Zusammenstoß -auf der Weiterreise entstanden sein. Beide Parteien rühmen den Mut und die -Geschicklichkeit des Gegners in der Schlacht; auf französischer Seite zeichnete sich -besonders <em class="gesperrt">Tourville</em> aus, und du Quesne schlug ihn zur baldigen Beförderung -(Chef d'Escadre) vor; wie wir sehen werden, lohnte Tourville seinem Chef diese Anerkennung -später schlecht.</p> - -<p class="small">Für die <em class="gesperrt">Geschichte der Seetaktik</em> ist die Schlacht bemerkenswert. Sie -zeigt die <em class="gesperrt">Vorteile der Leestellung</em> bei einem Angriff, wie die Franzosen ihn ansetzten, -mit ihren Folgen für den Angreifer: Unordnung in der Linie; die Vorhut zuerst der ganzen -Heftigkeit des feindlichen Feuers ausgesetzt, die Schiffe nacheinander ins Gefecht eintretend; -lahmgeschossene Schiffe vorn, die die folgenden in Verwirrung bringen. Hier -fielen sofort zwei französische Schiffe aus, zwei wurden schwer beschädigt, wodurch die -Überlegenheit der Zahl nahezu aufgehoben war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ruyter</em> hatte durch die Schlacht den Feind wohl aufgehalten, die -Fortsetzung seiner Reise konnte er jedoch nicht hindern. Am 9. besserten -beide Flotten aus, vormittags noch in Sicht voneinander. Gegen Abend -stießen 9 Spanier zu den Holländern, allerdings fast nur Fregatten; man -beschloß, dem Feinde weiter den Weg zu verlegen. Schon am Abend des -10. sichtete man die Lichter der Franzosen, aber am anderen Morgen sah man, -daß auch diese Verstärkung erhalten hatten; es war der in Messina bei -du Quesne's Abgang im September zurückgebliebene Teil der Flotte: 10 Linienschiffe, -1 Fregatte, 3 Brander unter Generalleutnant d'Alméras, die am -10. abends herangekommen waren. Ruyter fühlte sich nun nicht stark -genug, anzugreifen; er ging nach Melazzo zurück, um weitere Spanier heranzuziehen. -<em class="gesperrt">Du Quesne</em> erreichte wohlbehalten Messina aber erst am -22. Januar. Er hatte es doch vorgezogen, den Weg westlich um Sicilien zu -nehmen: „günstigerer Windverhältnisse wegen“? Es ist dies ebenso auffallend, -wie, daß er „nach dem Siege am 8.“ trotz der erhaltenen Verstärkung -den Feind nicht aufsuchte. Er hat den weiteren Weg doch wohl gewählt, weil -er nicht wagte, mit dem Feinde in der Flanke durch die Straße zu gehen. -Nun ließen ihn allerdings „günstige Windverhältnisse“ in verhältnismäßig -kurzer Zeit die wieder in großer Bedrängnis befindliche Stadt erreichen; -andernfalls wäre vielleicht Messina gefallen. Es war also ein Zufall, daß die -Schlacht nicht ein strategischer Erfolg Ruyters wurde.</p> - -<p>Nach der Schlacht von Stromboli trat im Seekrieg eine längere Pause -ein. Wie schon erwähnt, wurde der Landkrieg lau geführt. Die Franzosen -hatten nur in Messina und in Agosta festen Fuß gefaßt; Messina wurde weiter -belagert und bedurfte stets der Zufuhren, die die französische Flotte ermöglichen -mußte. Sonst aber unternahm diese nichts von Bedeutung, und auch -Ruyter war längere Zeit untätig an der italienischen Küste.</p> - -<p class="small">Da die vertragsmäßige Zeit für die Gestellung der holländischen Flotte abgelaufen -war, rüstete Ruyter zur Rückreise, um nicht wie Tromp 1674 die Frist der Indiensthaltung -zu überschreiten. Aus verschiedenen Gründen — behufs besserer Ausrüstung; um -gegebenenfalls einen Convoi mit Schiffen zu verstärken, den sein Sohn in Livorno<span class="pagenumsmall"><a name="Page_381" id="Page_381">[381]</a></span> -sammelte; um schneller Nachrichten aus Holland zu erhalten — ging er zur italienischen -Küste; hier erhielt er Befehl, noch länger bei den Spaniern zu bleiben. Aufs neue hatte -er sich bitter über diese beklagt: Über ihre schwache Beteiligung und darüber, daß sie -weder für die Ausrüstung der eigenen Schiffe, noch für die der holländischen genügend -sorgten.</p> - -<p class="small">Holland drängte Spanien, mehr zu tun; es erbot sich auch, neue Schiffe gegen -Erstattung eines Teiles der Kosten hinaus zu senden, stieß aber auf passiven Widerstand.</p> - -<p>Am 23. Februar 1676 kehrte <em class="gesperrt">Ruyter</em> nach Palermo zurück und trieb -zu <em class="gesperrt">neuen Operationen</em> an. Man wußte einerseits, daß Frankreich den -Abgang großer, für Messina sehr notwendiger Unterstützungen in Toulon -vorbereite, anderseits, daß jetzt viele Einwohner Messinas mit der Herrschaft -Frankreichs unzufrieden waren. Der Zeitpunkt erschien günstig, einen -kräftigen Angriff zu <em class="gesperrt">Lande und zu Wasser</em> gegen die Stadt zu -unternehmen. In Melazzo, wo sich der spanische Vizekönig mit dem Hauptquartier -der Landarmee befand, wurde am 24. März der Entschluß hierzu -gefaßt. Die Flotte der Verbündeten ging am nächsten Tage in See, passierte -am 26. ungehindert die Straße und legte sich der Stadt gegenüber an die -Küste Kalabriens, aus seemännischen Gründen einige Tage später an die -Siciliens südlich von Messina, um den Landangriff abzuwarten. Die Operationen -zu Lande hatten jedoch keinen Erfolg, und Ruyter sah ein, daß von See -her überhaupt nichts zu machen sei, weil die starke feindliche Flotte in und -vor dem Hafen lag; er ging deshalb in See, um die von Süden her erwarteten -Convois abzufangen.</p> - -<p>Es ist nicht zu ersehen, warum die französische Flotte untätig blieb; -französische Quellen sagen, sie sei durch Windverhältnisse bis zum 29. festgehalten. -An diesem Tage ging Vivonne an Bord, um selbst den Feind aufzusuchen; -er ließ sich aber — scheinbar sehr gern — durch die Vertreter der -französischen Partei in der Stadt zurückhalten und übergab wiederum das -Kommando der Flotte an du Quesne. Dann herrschte längere Zeit sehr stürmisches -Wetter, das auch für Ruyter sehr beschwerlich war und ihn hinderte, -einen inzwischen ins Auge gefaßten Angriff auf <em class="gesperrt">Agosta</em> auszuführen. -Als er endlich am 20. April vor dieser Stadt erschien, erfuhr er, daß sie jetzt -zu gut vorbereitet sei, daß die spanischen Landtruppen auch hier zu schwach -zur Unterstützung seien und daß die französische Flotte herankomme. Diese -war am 19. und 20. endlich ausgelaufen; Ruyter ging ihr am 21. abends -entgegen, obgleich sie ihm wesentlich überlegen war.</p> - -<p>Zusammensetzung der Flotten<a name="FNanchor_212_213" id="FNanchor_212_213"></a><a href="#Footnote_212_213" class="fnanchor">[212]</a> in der <b>Schlacht von Agosta</b><a name="FNanchor_213_203" id="FNanchor_213_203"></a><a href="#Footnote_213_203" class="fnanchor">[213]</a> 22. April -1676:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_382" id="Page_382">[382]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p382"> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe</td> - <td class="tdc">über 80 K.</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">50–70</td> - <td class="tdc">30–40</td> - <td class="tdc">Kleinere</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td class="tdc">Galeren</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Franzosen:<a name="FNanchor_1_8" id="FNanchor_1_8"></a><a href="#Footnote_1_8" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">(9?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Holländer:<a name="FNanchor_2_8" id="FNanchor_2_8"></a><a href="#Footnote_2_8" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">—</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td31" colspan="2"></td> - <td colspan="2"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Spanier:<a name="FNanchor_3_11" id="FNanchor_3_11"></a><a href="#Footnote_3_11" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc" colspan="2">5</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">9</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_8" id="Footnote_1_8"></a><a href="#FNanchor_1_8"><span class="label">1)</span></a> Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen sagen; sie -kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes nach Messina.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_8" id="Footnote_2_8"></a><a href="#FNanchor_2_8"><span class="label">2)</span></a> Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens 50-Kanonen-Schiffe.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_11" id="Footnote_3_11"></a><a href="#FNanchor_3_11"><span class="label">3)</span></a> Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer armiert, als -hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie sehr schwache Kaliber — nur -sechs 32-Pfünder in Summa —, waren sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition -etc. versehen. den Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt, daß -die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials verkauft hätten.</p></div></div> - -<p>Auf seiten der Verbündeten bildeten die Holländer Vor- und Nachhut -unter <em class="gesperrt">Ruyter</em> und den Haen, die Spanier die Mitte (von den Holländern ihnen -„aus Ehrerbietung für den König“ überlassen) unter <em class="gesperrt">de la Cerda</em>; die -Galeren standen unter de Bayona. Bei den Franzosen befanden sich als -Flaggoffiziere: Vorhut Generalleutnant d'Alméras; Mitte <em class="gesperrt">du Quesne</em>; -Nachhut de Gabaret; hinzutraten als Divisionsführer die Chefs d'Escadre -de Valbelle, de Tourville, de Preuilly.</p> - -<p>Am 22. April morgens sichteten sich die Gegner; die Franzosen standen -etwa 18 Seemeilen nördlich von Agosta bei flauem Nordwestwinde zu Luward; -du Quesne bildete die Gefechtslinie und steuerte heran, Ruyter hielt zunächst -von der Küste ab. Gegen Mittag wurde es still, dann kam leichter Südwind -auf; jetzt stand Ruyter zu Luward und näherte sich seinerseits zum Gefecht. -Bei der Flaute gebrauchte er längere Zeit, um Mitte und Nachhut zur Bildung -der Gefechtslinie heran kommen zu lassen; um 3 Uhr Nachmittags hielt er -dann zum Angriff ab.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf der Schlacht.</b> <em class="gesperrt">Ruyter</em> führte sein Geschwader auf die Vorhut des -Feindes. Sein Stoß (4 Uhr) war sehr erfolgreich. Bald fällt d'Alméras, 2 Kommandanten -werden schwer verwundet und einige Schiffe zeitweise außer Gefecht gesetzt; -das französische Geschwader gerät infolgedessen in Unordnung. Ruyter soll beabsichtigt -haben, die feindliche Vorhut zu durchbrechen und von ihrer Mitte abzuschneiden; -dies gelang nicht und hätte auch nicht dazu geführt, die feindliche Mitte mit Übermacht -anzugreifen. Die Spanier nämlich folgten nicht eng aufgeschlossen der Vorhut, hielten -nicht zum Nahkampf ab, sondern führten ein Feuergefecht auf weite Entfernung. So -kam auch <em class="gesperrt">den Haen</em>, der seinerseits auf die Spanier aufgeschlossen fuhr, zunächst -nicht ins Gefecht. Aufgebracht hierüber und ungeduldig setzte er sich an die Spitze -seines Geschwaders (gegen 5 Uhr) und suchte den Nahkampf, gleichzeitig mit dem -Bestreben, sich an Ruyter anzuschließen; um dieses Manöver zu unterstützen, braßte -Ruyter back.<a name="FNanchor_214_214" id="FNanchor_214_214"></a><a href="#Footnote_214_214" class="fnanchor">[214]</a> Auch auf französischer Seite strebte <em class="gesperrt">du Quesne</em>, von den Spaniern -nicht angegriffen, nach vorn seiner bedrängten Vorhut zu; so hatte Ruyter das Feuer der -an ihm vorüberziehenden feindlichen Mitte auszuhalten. Der zweite und Hauptmoment -der Schlacht scheint dann ein Kampf zwischen den beiden holländischen Geschwadern -und der französischen Mitte und Nachhut gewesen zu sein; längere Zeit lagen sich Ruyter, -unterstützt von einem Schiff unter Graf Styrum, und du Quesne, unterstützt von -Tourville und Preuilly, gegenüber.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_383" id="Page_383">[383]</a></span></p> - -<p class="small">„Eine halbe Stunde etwa, nachdem der Kampf heftig geworden war,“ also dicht -vor oder dicht nach dem Backbrassen, <em class="gesperrt">fiel Ruyter</em>; ihm war der linke Fuß und -der rechte Unterschenkel zerschmettert, die erste Verwundung in seinem Leben. Sein -Flaggkapitän, <em class="gesperrt">Callenburgh</em>, führte das Geschwader mit Umsicht weiter, aber auch -der Admiral gab noch Anordnungen, wie er auch später noch den Bericht über die Schlacht -aufsetzte.</p> - -<p class="small">Die Dunkelheit trennte die Gegner; wie gewöhnlich behaupten beide, der Feind -habe abgebrochen. Die spanischen Galeren schleppten während des Gefechts beschädigte -Schiffe der Vorhut mit Mut und Tapferkeit aus dem Feuer; von den Hochseeschiffen der -Mitte haben sich einige flämisch-spanische bei dem Kampfe Ruyters mit der feindlichen -Mitte wacker beteiligt, nachdem Callenburgh den spanischen Admiral dringend um -Herankommen ersucht hatte. Das laue Verhalten der Spanier im allgemeinen wurde -von den Holländern hart verurteilt, jedoch später etwas mit der Schwäche und dem -schlechten Zustande ihrer Schiffe entschuldigt; aber selbst der Vizekönig berichtete -dem Könige, daß seine Flotte nicht ihre Schuldigkeit getan habe — im damaligen -Spanien eine seltene und gewagte Aufrichtigkeit.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht muß man als „unentschieden“ bezeichnen</em>; -beide Gegner wollen das Schlachtfeld behauptet haben, was -zutrifft. Die verbündete Flotte blieb die Nacht in der Nähe, beigedreht und -ausbessernd, und ging am andern Morgen nach Syrakus, teilweise im Schlepp -der Galeren. Die Franzosen sah man von den Toppen aus unter kleinen -Segeln ebenfalls ausbessernd; beide Parteien waren eben nicht imstande, -etwas zu unternehmen. Du Quesne zeigte sich zwar einige Tage später vor -Syrakus, ging dann aber nach Messina (Ankunft 1. Mai).</p> - -<p>Man muß wohl fragen, was Ruyter bewogen hat, bei der eigenen Schwäche -und der Stärke des Gegners diese Operation gegen Messina zu unternehmen. -Hoffte er auf einen erfolgreichen Landangriff, wollte er dabei die französische -Flotte nur beschäftigen und rechnete er hierbei dann wieder auf einen großen -Nutzen der Galeren? Vertraute er später bei einem Kampfe in offener See -auf seine und der Seinigen größere Seemannschaft; dieses vielleicht gerade -nach den Erfahrungen bei Stromboli? Man sagt, er habe gewünscht, bei -einer Seeschlacht die spanischen Schiffe zwischen die holländischen zu verteilen; -jedenfalls befahl er später noch, die holländischen Geschwader nie -wieder zu trennen.</p> - -<p class="small"><b>Ruyters Tod.</b> Die Verwundung gab anfangs noch Hoffnung auf Heilung. Bald -aber verschlimmerte sich der Zustand, er konnte den Bericht über die Schlacht nicht -mehr unterschreiben und starb am 29. April abends. Er war 69 Jahre alt, hatte 58 Jahre -zur See gedient, über 40 Gefechte mitgemacht — darunter 15 große — und in 7 Schlachten -kommandiert. Zunächst in Syrakus begraben, wurde die Leiche Ende 1676 von der -heimkehrenden Flotte nach der Heimat übergeführt und am 16. März 1677 in Amsterdam -mit großer Feierlichkeit beigesetzt (Denkmal in der „Neuen Kirche“). Auch außerhalb -Hollands wurden Ruyters Verdienste anerkannt; alle Verbündeten sandten Beileidschreiben -an die Regierung und an die Witwe.<a name="FNanchor_215_215" id="FNanchor_215_215"></a><a href="#Footnote_215_215" class="fnanchor">[215]</a> Der König von Spanien hatte ihn -nach der Schlacht von Stromboli zum Herzog ernannt und ihm eine jährliche Pension -ausgesetzt; beides ging auf den Sohn über, der Titel wurde auf dessen Wunsch in Baron<span class="pagenumsmall"><a name="Page_384" id="Page_384">[384]</a></span> -geändert. Selbst Ludwig XIV. gab den Befestigungen Befehl, das Schiff mit der Leiche -zu salutieren, falls es nahe genug passiere und angekündigt sei.</p> - -<p class="small">Das Interesse, das wohl jeder Leser für den großen und sympathischen Seehelden -gewonnen hat, läßt es angebracht erscheinen, hier am Schluß seiner Laufbahn -noch einige Urteile über ihn hinzuzufügen. (Personalien vgl. Seite <a href="#Page_205">205</a>.) <em class="gesperrt">Mahan</em> sagt -(Seemacht, Teil I, Seite 142): „In der Schlacht bei Solebay bewies Ruyter einen Grad -der Geschicklichkeit und Tatkraft, wie man sie nach ihm bis zu den Zeiten Nelsons und -Suffrens zur See nicht wieder zu sehen bekam. Seine Schlachten 1672–1674 waren keine -„behutsame Unternehmungen“, wenn sie auch behutsam ins Werk gesetzt wurden; -sein Ziel war stets die vollste Niederwerfung des Feindes, indem er taktische Geschicklichkeit -mit ungestümem Draufgehn vereinigte. Bei Solebay war er etwas schwächer -als sein Feind, später war er es immer in viel höherem Grade.“ Derselbe Verfasser nach der -Schlacht bei Texel (Seite <a href="#Page_152">152</a> abgekürzt): „Texel schließt die lange Reihe der Kriege -ab, in denen England und Holland um die Seeherrschaft kämpften; die holländische -Marine stand auf ihrem höchsten Punkt und ihre größte Zierde, Ruyter, auf dem Gipfel -seines Ruhmes, das Alter von 66 Jahren hatte ihm nichts von seinem kriegerischen -Feuer geraubt; sein Angriff war noch ebenso ungestüm wie vor acht Jahren, aber Erfahrung -hatte sein Urteil gereift, wie die größere Klarheit seiner Pläne und sein scharfer militärischer -Blick erkennen lassen. Er unternahm, um das Vaterland zu retten, den Kampf -gegen einen überlegenen Gegner mit einer Marine, die ihm ihre Tüchtigkeit verdankte; -er vollbrachte die Aufgabe nicht durch Mut allein, sondern durch Mut, Voraussicht und -Geschicklichkeit. Der Angriff bei Texel war in den allgemeinen Zügen derselbe wie -bei Trafalgar: Vernachlässigung der Vorhut des Feindes, Angriff mit ganzer Macht -auf Mitte und Nachhut; sein Erfolg war geringer als der Nelsons, da sein Gegner ihm -in größerem Maße überlegen war als diesem.“ Ebendort: „Noch einmal wird uns -dieser einfache und heldenhafte Mann begegnen und, wenn auch unter traurig veränderten -Verhältnissen (Mittelmeer 1676), in seinem Wesen immer derselbe.“ — Dieser hohen Anerkennung -seiner Fähigkeiten aus maßgebender Feder mögen einige Angaben folgen, -die <em class="gesperrt">Ruyters Charakter</em> kennzeichnen. Der schon früher angezogene Graf von -<em class="gesperrt">Guiche</em>, Kriegsfreiwilliger im zweiten Kriege, schreibt nach der Viertageschlacht: „Ich -sah ihn niemals anders als ruhig und gleichmäßig; wenn der Sieg gesichert war, so sagte -er stets, der liebe Gott hätte ihn uns geschenkt. Als die Flotte in Unordnung war und -beim Anblick der Verluste schien ihn nur der Gedanke an das Unglück seines Landes -zu bewegen; aber stets unterwarf er sich dem Willen Gottes. Es möge noch erwähnt -sein, daß er etwas von der Einfachheit unserer Patriarchen hatte. Einen Tag nach dem -Siege traf ich ihn, wie er sein Zimmer ausfegte und seine Küken fütterte.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Brand</em> („Leben Ruyters“, Teil II, Seite 165) führt — als er davon gesprochen, -daß sonst unverzagte Kriegsleute sich auch einmal weniger tapfer zeigen könnten — -eine Erzählung Ruyters an, die er „aus des Admirals eigenem Munde“ habe. Kurz -gefaßt ist sie folgende: Vor einem größeren Treffen fühlte sich Ruyter gegen alle Gewohnheit -kleinmütig und zögerte, die letzten Befehle zu geben. Er begab sich deshalb -allein in seine Kajüte, fiel auf die Knie und bat Gott in kurzem, aber andächtigem Gebet, -ihn in dieser Stunde nicht zu verlassen, sondern ihm zum Besten seines Vaterlandes -beizustehen. Nach diesem Gebet verließ ihn „alle Bangigkeit, und die gewöhnliche Ruhe -und Freudigkeit seines Geistes bekam wieder die Oberhand“. Er gab seine Befehle -mit standhaftem Mut und führte die Aktion glücklich durch, den Erfolg nachher Gottes -Beistand zuschreibend.</p> - -<p class="small">Ergreifend ist endlich die Schilderung seiner letzten Tage: wie er noch während der -Schlacht für seine Flotte betet, später die Schmerzen mit Geduld erträgt und mit -Ergebung dem Tode entgegensieht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die verbündete Flotte</em> ging am 6. Mai südlich um Sicilien -<em class="gesperrt">nach Palermo</em>; es spricht nicht für die französische Leitung, daß dies<span class="pagenum"><a name="Page_385" id="Page_385">[385]</a></span> -nicht verhindert wurde, obgleich am 21. April sogar noch 25 Galeren in -Messina eingetroffen waren. Erst Ende Mai beschloß <em class="gesperrt">Vivonne</em> in Person, -den Feind in Palermo anzugreifen — nach französischen Quellen endlich angetrieben -durch Eifersucht auf du Quesnes Erfolge und auf die Nachricht, -daß man in Paris damit umginge, ihn durch einen schneidigeren Mann ablösen -zu lassen; er schiffte sich auf dem Flaggschiffe Tourvilles ein, um dessen Rat -zur Hand zu haben. Die ganze Flotte der Hochseeschiffe — 29 Kriegsschiffe, -9 Brander — sowie 25 Galeren liefen am 28. Mai aus; die Nachricht hiervon -traf am 30. in Palermo ein. Auf Antreiben <em class="gesperrt">den Haens</em>, auf den der Befehl über -die Holländer übergegangen war, nahmen die Verbündeten eine Verteidigungsstellung -ein, die Holländer sofort, die Spanier nach und nach bis zum 1. Juni: -Die Schiffe — 27 aller Größen — wurden in der Bucht im Halbmond verankert, -durch Warpanker mit den Breitseiten nach See zu gehalten; den rechten -Flügel bildeten nur spanische Schiffe, die Mitte und den linken Flügel hauptsächlich -holländische, aber einige Spanier darunter; die Flügel lehnten sich -an Batterien auf der Mole und an kleinere Befestigungen, die Mitte wurde -durch das Hauptfort des Hafens verstärkt; die Galeren waren auf die Flügel -und zwischen den Schiffen verteilt, um Brander abzuwehren.</p> - -<p>Die <b>Schlacht vor Palermo<a name="FNanchor_216_216" id="FNanchor_216_216"></a><a href="#Footnote_216_216" class="fnanchor">[216]</a> am 2. Juni 1676</b> sollte eine der größten -Erfolge dieser Waffe werden, die allerdings unter sehr günstigen Umständen -verwendet wurde.</p> - -<p class="small">Die Verbündeten hatten beschlossen, vor Anker zu fechten, weil verschiedene -Schiffe infolge von Mangel an Material noch nicht wieder seeklar waren; das holländische -und das spanische Flaggschiff (jetzt Admiral d'Ybarra) wechselten Masten. Ruyter -würde wahrscheinlich mit den segelfertigen Schiffen in See gegangen sein; noch vor -Agosta hatte er erklärt, unter keinen Umständen ein Gefecht vor Anker zu liefern, -selbst nicht den Feind in einer Bucht zu erwarten; die Folgen bestätigten die Richtigkeit -seiner Ansicht. Die Holländer hatten aber wohl zu wenig Vertrauen auf die Spanier, -waren selbst niedergedrückt durch Ruyters Tod und rechneten mit einem kräftigen -Rückhalt an den Befestigungen.</p> - -<p class="small">Vivonne ließ am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen Fahrzeuge, -gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden und griff am Morgen -des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6 Brandern ging unter Preuilly gegen -den rechten Flügel vor und legte sich ebenfalls auf Spring<a name="FNanchor_217_217" id="FNanchor_217_217"></a><a href="#Footnote_217_217" class="fnanchor">[217]</a> den Schiffen auf Kabellänge -querab; die Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt -der spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die meisten -seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2 Galeren werden vernichtet. -Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen Mitte und linken Flügel ebenso vorgegangen. -Es findet zwar kräftigeren Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flügels -wirkt entmutigend, um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein holländisches -Flaggschiff fängt Feuer, treibt und entzündet 2 andere Schiffe, alle 3 fliegen auf; das -spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlägt zwar 2 Brander ab, 2 andere aber kommen heran, -die ganze Besatzung springt über Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger -weiter an Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht auch hier<span class="pagenumsmall"><a name="Page_386" id="Page_386">[386]</a></span> -Panik; 4 Holländer kappen und treiben an Land, die meisten Spanier und alle Galeren -flüchten in den inneren Hafen; auch Teile der Stadt werden in Brand geschossen und -eine Batterie wird aufgesprengt. Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh -(linker Flügel) kämpften tapfer weiter; den Haen fiel.</p> - -<p class="small">Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander sämtlich verbraucht waren. Der -Verlust der Verbündeten wäre wohl noch bedeutender gewesen, wenn dem Feinde mehr -Brander zu Gebote gestanden hätten; der Angriff auf das spanische Flaggschiff war schlecht -ausgeführt, er kostete allein 4 Brander. Die Holländer schreiben die Hauptschuld an der -Katastrophe der mangelhaften Unterstützung seitens der Befestigungen und der Galeren -zu; diese hätten die Brander unschädlich machen können. Die Franzosen haben das Manöver -des Längsseitgehens und Ankerns trotz heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem -Flaggschiff der Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzüglich ausgeführt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste der Verbündeten waren ungeheuer.</em> Die Holländer -verloren 2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3 Linienschiffe; -die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann, mindestens 4 Linienschiffe, -2 Galeren und verschiedene kleinere Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war -unbedeutend, an Fahrzeugen nur 1 Schiff und die Brander.</p> - -<p>Wiederum ist es auffallend, daß die Franzosen den Kampf nicht bis aufs -äußerste durchführten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach -Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhöhen; er konnte — wie ihm vorgeschlagen -wurde — an einem der nächsten Tage mit neuhergestellten Brandern -die Zerstörung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina zurück, und -wiederum schreiben dies französische Angaben seiner Lässigkeit (insouciance) -zu; nach seiner Äußerung „hatte er genug getan“, es zog ihn nach seiner Residenz -zurück. Immerhin war mit dieser Niederlage der Verbündeten die -Kriegführung zur See um Sicilien zu Ende. Die Franzosen beherrschten die -See, eine ebenbürtige Flotte stand ihnen nicht mehr gegenüber. Holland wollte, -nach all den Opfern und von Spanien nicht unterstützt, seine Schiffe nicht -mehr einsetzen, die Spanier waren weder imstande, ihre Seestreitkräfte zu -verstärken, noch mit den vorhandenen ohne die Holländer etwas zu unternehmen; -sie verblieben in dem möglichst verstärkten Palermo.</p> - -<p class="small">Auch für den <em class="gesperrt">Landkrieg auf Sicilien</em> hätte diese Schlacht entscheidend -werden müssen. Die französische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfüllt, sie beherrschte -die See und hinderte jede Unterstützung der spanischen Armee auf der Insel, falls man -überhaupt zu einer solchen imstande gewesen. Frankreich brauchte nur genügend -Truppen und einen tüchtigeren General hinüberzusenden. Vivonne aber führte den -Krieg in der bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorstöße, um die Lage Messinas zu verbessern; -Angriffe auf andere Küstenstädte, um dort Fuß zu fassen; alles jedoch ohne -Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen waren. Man darf ihm aber die Schuld -nicht allein zuschieben. Er verfügte zwar zunächst noch über eine starke Flotte, seine -Landmacht dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt -er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und minderwertig; -seine Klagen hierüber — selbst bei Frau von Montespan, seiner Schwester — blieben -erfolglos. Der König und Louvois — dieser eifersüchtig auf Colbert — betrachteten -die Operationen in Sicilien immer mehr nur als eine Diversion für ihren Krieg mit Spanien -an den Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg eigentlich -nur einigen Ruhm für die junge Marine gebracht.</p> - -<p class="small">Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in Verhandlungen -über eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte eintrat, zog man -die Truppen aus Messina zurück und überließ die Stadt den Spaniern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_387" id="Page_387">[387]</a></span></p> - -<p><b>Die weiteren Ereignisse zur See</b><a name="FNanchor_218_218" id="FNanchor_218_218"></a><a href="#Footnote_218_218" class="fnanchor">[218]</a> seien nur kurz erwähnt. Nach dem -Kampfe bei Palermo befahl die holländische Regierung ihrer Flotte, nach -Neapel zu gehen, um hier auszurüsten und um einen neuen Admiral (Kontreadmiral -van Almonde, über Land kommend) zu erwarten. Der interimistische -Chef, Kapitän <em class="gesperrt">Callenburgh</em>, führte den Befehl Anfang August aus; -er stieß dabei auf die mächtige französische Flotte unter du Quesne, entzog -sich aber ihr sehr geschickt.</p> - -<p class="small">Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24 Kriegsschiffe -mit einem Convoi. Tagsüber manövrierte er, als ob er die günstige Windstellung -für ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts aber änderte er nach und nach den -Kurs nach Westen, kam so dem Feinde aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der -Küste und erreichte dann wohlbehalten Neapel am 20. August.</p> - -<p>Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien über -Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwärts kamen und -auch die Gelder für die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief man -<em class="gesperrt">Almonde</em> zurück. Dieser verließ am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit -in Cadiz — falls Spanien sich noch besinnen sollte —, mußte wegen Sturm und -Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland an.</p> - -<p>Auf französischer Seite wurde <em class="gesperrt">du Quesne</em> wenige Tage nach der Schlacht -von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr -an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit -24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren Truppen -folgten bald) zurück und traf, wie erwähnt, auf Callenburgh, ohne daß es -zum Zusammenstoß kam.</p> - -<p class="small">Wohl hatte er die Absicht, die Holländer anzugreifen. Als diese sich ihm aber -entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mußte zunächst die sehnlichst erwarteten -Zufuhren abliefern, außerdem drohte der Flotte durch den schlechten Gesundheitszustand -der eingeschifften Truppen Gefahr.</p> - -<p>Von jetzt ab treten in dem Kriege keine größeren französischen Flotten -mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der -spanischen und holländischen Seestreitkräfte zu vernichten. Nur kleinere -Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Städte — -z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche -Versuche gegen Syrakus —, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von -Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden -auch wieder kleinere Geschwader zur Unterstützung des Landkrieges an der -spanischen Grenze verwendet. Größere Aktionen zur See kamen auch hier -nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Holländer hier erschienen, wie -wir gleich hören werden. Es hat den Anschein, als ob die französische Flotte -infolge von Reibungen zwischen den militärischen und den administrativen -Behörden in Toulon weniger leistungsfähig geworden war.</p> - -<p>Im Februar 1678 ging ein größeres Geschwader nach Messina unter dem -Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablösen sollte; man wollte diesem die<span class="pagenum"><a name="Page_388" id="Page_388">[388]</a></span> -Demütigung ersparen, Sicilien zu räumen. Um Unruhen in der Stadt vorzubeugen, -ordnete der neue Vizekönig zunächst Maßregeln an, die auf eine energischere -Kriegführung hinzudeuten schienen. Als aber unter diesem Vorwande -alles zur Einschiffung bereit war, erklärte er auf einem Gastmahle mit den -Behörden plötzlich, daß sein König die Truppen zurückzöge. Der Abzug -aus den verschiedenen besetzten Plätzen begann Mitte März, am 1. April -verließen die letzten Franzosen die Insel.</p> - -<p><b>Die Räumung Siciliens</b> war, wie wir wissen, beschlossen, da man das -Erscheinen einer englisch-holländischen Flotte im Mittelmeer befürchten mußte; -sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, daß ein <em class="gesperrt">holländisches Geschwader</em> -schon ausgerüstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch -wenig Gelegenheit zu nützen, doch führte seine Reise zu einem <em class="gesperrt">letzten -Zusammenstoß mit den Franzosen</em>.</p> - -<p class="small">Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Königin-Mutter die Regierung -für den unmündigen König übernommen; er bat im Jahre 1677 Holland wieder um -Unterstützung unter den früheren Bedingungen und zahlte auch einen Teil der rückständigen -Gelder ab. Holland war aber vorsichtig geworden, die Unterhandlungen -zogen sich hin und die Rüstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. -So war die Flotte — 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander — erst im Februar 1678 -fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis festgehalten. Dennoch erhielt der Führer, -Vizeadmiral <em class="gesperrt">Cornelis Evertsen</em> (genannt „der Jüngste“ als der dritte dieses Namens, -Sohn des Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5 Brandern -auszulaufen; der Rest sollte baldmöglichst folgen. Es geschah wohl, um Frankreich -zu zeigen, daß man Ernst mache, und um England anzufeuern. Mit der Entsendung -einer so kleinen Macht verscherzte man die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe -zuzufügen, und setzte sie selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England -aufgehalten, traf am 17. März, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef -d'Escadre <em class="gesperrt">Chateau-Renault</em> mit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses Geschwader -war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Räumung mitzuwirken, -und gleichfalls durch verzögerte Ausrüstung verspätet. Die Franzosen griffen an. -Infolge schweren Seeganges, der das Öffnen der untersten Pforten verbot, blieb das -etwa sechsstündige Gefecht ohne große Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht -trennte die Gegner und Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurückgelassenen -Schiffe schon antraf.</p> - -<p>Die holländische Flotte traf erst am 26. März 1678 in Cadiz ein. Sie -war also für Sicilien nicht mehr nötig und kam auch zu spät, um gegen den -Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort weiterging. -Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde Unterstützung, durch -Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten. Erst Ende Mai führte sie -Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei Wochen an der Küste, ohne -mit dem Feinde zusammenzustoßen, und wurde dann nach Holland zurückgerufen, -weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen nicht nachkam.</p> - -<p><em class="gesperrt">So endeten die holländischen Unternehmungen im -Mittelmeer.</em> Sie hatten große Summen gekostet, große Verluste — besonders -den Ruyters — gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch -die verhältnismäßig schwachen, zu schwachen Kräfte ihre Pflicht getan und -die Ehre ihrer Flagge hoch gehalten hatten. Die größere Schuld an dem<span class="pagenum"><a name="Page_389" id="Page_389">[389]</a></span> -Mißerfolge trifft wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit -ihnen fühlte Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur dürftig ab. Noch -1684 bestand eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 -von 4 Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der holländischen -Admiralitäten waren aufs neue vermehrt worden, was von größtem Nachteil -für das Seewesen der Republik wurde.</p> - -<p>Ehe wir die Schilderung dieses französisch-holländischen Krieges schließen, -müssen über den <b>kleinen Krieg<a name="FNanchor_219_219" id="FNanchor_219_219"></a><a href="#Footnote_219_219" class="fnanchor">[219]</a> gegen den Handel</b> wenige Worte gesagt werden. -Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673 die Freibeuterei stets -frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten aufhörten. Die Freibeuterei -richtete sich von 1674 [** an?] natürlich gegen die Franzosen und wurde wie immer -hauptsächlich von den Seeländern betrieben; vom Mittelmeer bis zum Kanal -schwärmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen Geschwadern. Sie haben auch dem -Gegner großen Schaden getan; so wurden z. B. allein im Jahre 1676 in -spanischen Städten 71 von seeländischen Freibeutern aufgebrachte französische -Handelsschiffe verkauft. Aber auch die Niederlande erlitten im -kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr Handel unverhältnismäßig -größer war. Wenn man auch stets Geschwader am Eingange des Mittelmeeres -hielt, um die Levantefahrer zu sichern — die schon der Barbaresken -wegen stets unter Bedeckung segeln mußten — und ferner die Handelsschiffe -durch den Kanal begleiten ließ, so wurden doch viele von ihnen durch -Freibeuter der französischen Küste oder durch kleine Kriegschiffsgeschwader -von St. Malo und Brest abgefangen.</p> - -<p>Der größte Feind des niederländischen Handels wurde seit 1674 wieder -<em class="gesperrt">Dünkirchen</em>, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war. -Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren gewechselt -und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll absichtlich ihren -Hafen haben verfallen lassen, so daß ihn nur kleine Fahrzeuge benutzen -konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick auf die wichtige Lage, -diesen Übelstand wieder ab. Solange der Krieg zwischen England und Holland -währte, konnten die Dünkirchener ihr Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, -die Holländer hatten meistens ihre Schiffahrt eingestellt und auch zu starke -Kriegsflotten in See; sobald aber der holländische Handel nach dem Frieden -von Westminster wieder kräftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter -der Stadt in großer und immer größer werdender Zahl von schnellsegelnden -Jachten und Fregatten mit 2–24 Kanonen, oft in Geschwadern. -Jetzt schon tat sich der später berühmte <em class="gesperrt">Jean Bart</em> hervor. Holland -sah sich bald genötigt, wie in den älteren Zeiten einen förmlichen Krieg -gegen dieses Gemeinwesen zu führen. Anfangs sandte man einige leichte -Schiffe gegen die Freibeuter aus, später war man gezwungen, ständige Geschwader<span class="pagenum"><a name="Page_390" id="Page_390">[390]</a></span> -aufzustellen, deren Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der -Krieg wurde wie vor 30 Jahren geführt: Mit vorzüglichem Personal aller -Nationen bemannt, holten die Dünkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederländischen -Seegatten heraus, griffen große Convois an, ja planten 1676 sogar, -sich Briels oder Hellevoetsluis' zu bemächtigen; die holländischen Geschwader -mußten immer stärker gemacht werden, um Dünkirchen zu blockieren, die -eigenen Küsten reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu -geleiten und die Fischereigründe zu überwachen. Trotz alledem fügten die -verwegenen Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade -liefen sie nachts und im Sturm ein und aus.</p> - -<p><b>Rückblick auf die Kriegführung zur See von 1674–1678.</b> In seiner Geschichte -des niederländischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen den -Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, daß nach dem Frieden von Westminster -in dem holländischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen -und von seinen Seestreitkräften nicht viel mehr geleistet sei. Er erinnert -an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die Beteiligung -am schwedisch-dänischen Kriege tritt. Er weist dann darauf hin, welche -Anstrengungen besonders von der Admiralität Amsterdam gemacht seien, -indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der größte -Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dünkirchen, zum Schutz der Convois -sowie für die Expeditionen nach Westindien gestellt wäre; dieser Admiralität -seien solche Leistungen möglich gewesen, da man hier die nötigen Mittel -habe aufbringen können. Als Gründe hierfür führt de Jonge an, daß die -Provinzen von Holland stets die für das Seewesen bestimmten Gelder zahlten. -Dies kam nun den Admiralitäten von Amsterdam, Maas und Norderquartier -zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich an den Rüstungen -zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein Handel bei weitem der -einträglichste war. Der Zuschuß der Landprovinzen fehlte allen Admiralitäten, -und da die beiden anderen Seeprovinzen auch schon seit Jahren unregelmäßig -und ungenügend zahlten, so waren ihre Admiralitäten, Seeland und Friesland, -derart in Schulden geraten, daß ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; -ihre immer schwächer werdende Beteiligung haben wir schon im 2. -und 3. englisch-holländischen Kriege gesehen. Soweit de Jonge.</p> - -<p>Alles dieses bestätigt doch aber nur, daß die Rüstungen zur See im -allgemeinen zurückgegangen sind, auch die Angaben über die Indienststellungen -beweisen dies: Schon 1674 zählten die Flotten Ruyters und Tromps -zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; für 1676 gibt die Zusammenzählung -der Kräfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen Dünkirchen -kaum eine größere Zahl. Im Kriege 1672–1674 aber waren Flotten von -64–75 Schiffen aufgestellt.</p> - -<p>Der Hauptgrund für diese Herabsetzung war wohl die Erschöpfung des -Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England für -eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mögen aber doch auch die Verhältnisse -eingewirkt haben, die schon in den früheren Kriegen oft dahin führten,<span class="pagenum"><a name="Page_391" id="Page_391">[391]</a></span> -daß die äußersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn das Feuer auf -den Nägeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung — den Generalstaaten -und dem Prinzen von Oranien —, in einer Republik von Kaufleuten, -in der stets eine große friedliebende Partei vorhanden sein wird, schwer, -Beschlüsse durchzubringen, die die Entfaltung einer großen Macht und damit -die Durchführung größerer strategischer Pläne ermöglichten; der Mangel an -Zentralisation in der Marineverwaltung erschwerte dies noch mehr, es hatten -eben in allen Dingen zu viele mitzusprechen.</p> - -<p class="small">Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rüstungen beteiligte, so ist dies nicht -allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch dem Umstande, daß hier -das größere Verständnis für die Wichtigkeit der Kriegführung zur See vorhanden war. -Es zeigte sich dies schon in den früheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674–1678 -gehen die Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von -Holland aus; de Jonge sagt: „Hier war der Geist de Witts noch nicht ganz verschwunden.“</p> - -<p>Daß im übrigen die Republik erschöpft war, kann nicht wundernehmen. -Die Hälfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und -doch hatte sie den größten Teil der Kosten eines fast europäischen Krieges -getragen. Sie mußte mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbündeten -wesentlich unterstützen und viele stets geldbedürftige deutsche Fürsten dem -Bunde gegen Frankreich treu erhalten; daß dies überhaupt möglich war, -ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer freigemacht -hat.</p> - -<p>Kommen wir nun zu den <em class="gesperrt">Leistungen der holländischen -Marine</em>, so drängt sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen -schwächer gewordenen Kräfte hätten größer sein können. Bei -allen Operationen wird, auch von holländischer Seite, der Vorwurf erhoben, -sie seien mit zu schwachen Kräften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, -daß der Handel so sehr durch französische Freibeuter geschädigt wäre. Würde -es nicht richtiger gewesen sein, die Kräfte nicht zu zersplittern?</p> - -<p>Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf -des Krieges einwirken — noch weniger die späteren kleinen Expeditionen —, -mit den hierfür verwendeten Kräften wäre wohl besser das Unternehmen -Tromps verstärkt und dem sich wieder regenden Dünkirchen, sowie der feindlichen -Freibeuterei überhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten. Wenn sich -auch dann herausgestellt hätte, daß Tromp nichts von Bedeutung gegen die -Küsten ausrichten konnte, hätte man der französischen Flotte im Mittelmeer -ernstlich zu Leibe gehen müssen. Dasselbe ist von den späteren Jahren zu -sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel für die vorhandenen -Kräfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung der Seestreitkräfte, -um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer folgte man mehr -augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von interessierten Kreisen ausgingen. -Die Zersplitterung führte nur zu Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht -einmal immer dem Einsatz entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten<span class="pagenum"><a name="Page_392" id="Page_392">[392]</a></span> -(Mittelmeer, Westindien) und daneben konnte man den Handel -nicht genügend schützen, was doch wichtig für die Fortsetzung des -Krieges war.</p> - -<p>Über <em class="gesperrt">die Kriegführung der Franzosen</em> ist folgendes zu -bemerken. Wohl war es richtig, daß sie sich im Atlantik auf die Defensive -beschränkten — ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr -den Charakter der Privatzüge älterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt hätten, -daß sie hier den Seekrieg ernstlich zu führen beabsichtigten, so würde Holland -ihnen seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht -gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Höhe der -holländischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl aufstellen, -weil das Personal fehlte; wir zählen in den Kriegsjahren 1674/78 kaum -mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im Mittelmeer und -Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in den -Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die französische Flotte mächtig -und stets ihren Gegnern an Stärke und Zahl der Schiffe überlegen, so -besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, -daß man von dieser Übermacht keinen tatkräftigeren Gebrauch gemacht -hat.</p> - -<p>Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen. -Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum -zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht -bedeutende Verstärkung erhielt; in noch höherem Maße erscheint es auffallend, -daß er im nächsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit schwächeren -Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen beiden -Fällen wenigstens annehmen, er habe zunächst den wichtigen Zufuhrtransport -sicher nach Messina führen wollen. Aber auch sonst vermißt man fast durchgehend -eine energische Offensive, meist liegt die französische Flotte ohne -größere Aufgabe tatenlos vor der belagerten Stadt. Als Ruyter an der italienischen -Küste war, hätte sie gegen die getrennten Gegner vorgehen können; -die Spanier wenigstens wären ihnen gewiß leicht zum Opfer gefallen. Nach -Agosta machen die Franzosen eine lange Pause, ehe sie den Schlag gegen -Palermo führen, obgleich sie auch nach dieser Schlacht wiederum durch ihre -Galerenflotte verstärkt waren. Der Sieg wird dann nicht völlig ausgenützt, -und es wird später nicht daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten -feindlichen Flotten gänzlich zu vernichten.</p> - -<p>Du Quesne war ein tüchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht -— Tourville äußert sich später bei der Expedition gegen Algier über -du Quesne derart, als ob dieser größere eigene Verantwortung gescheut habe; -ein Vorwurf übrigens, der gegen ihn selbst im nächsten großen Kriege auch -erhoben wurde — oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den Oberbefehl -auch über die Flotte führte, nicht zu energischen Taten bewegen? Spielte -Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert hierbei mit? Wenn die -französische Flotte endlich in den letzten Kriegsjahren an der spanischen<span class="pagenum"><a name="Page_393" id="Page_393">[393]</a></span> -Küste so wenig hervortrat, so scheint dies allerdings seinen Grund in ihrem -weniger schlagfertigen Zustande gehabt zu haben; daß es aber dahin gekommen -war, macht ebenso wie ihr Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als -ob man die neue Waffe doch noch nicht zu schätzen verstanden habe.</p> - -<p>Über <em class="gesperrt">Spanien</em> ist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem -Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war.</p> - -<p><b>Der Frieden von Nymwegen</b> schloß diesen Krieg ab. Seine Bedingungen -kennen wir bereits (Seite <a href="#Page_363">363</a>). Es ist aber gerade für unseren Standpunkt -wichtig, die <em class="gesperrt">mittelbaren Folgen dieses Krieges</em> -für Holland, Frankreich und auch England zu betrachten.</p> - -<p>Scheinbar war der Friedensschluß für <em class="gesperrt">Holland</em> unerwartet günstig; -es verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen. -Aber sein Schaden während dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England -war doch sehr groß. In dieser Zeit ging ein großer Teil seines europäischen -Zwischenhandels in englische Hände über; die holländische Schiffahrt war -zu gefährdet und Frankreich begünstigte in jeder Weise die Englands, um -Holland zu schädigen und England neutral zu erhalten. <em class="gesperrt">England</em> machte -dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten Hollands; Holland begann, -von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges abzutreten, und als im nächsten -Kriege die beiden Nationen vereint gekämpft hatten, sicherte sich -England als der nun stärkere Verbündete wiederum den größeren Gewinn -zur See.</p> - -<p>Aber auch <em class="gesperrt">Frankreich</em> zog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen, -wenigstens nicht für sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts gehemmt. -Dieser wollte bekanntlich durch Begünstigung der Produktion und -durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und Kriegsmarine -den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war alles gut -gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit Erfolg -Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich -mächtig.</p> - -<p>Ludwigs Politik gegen Holland stärkte aber, wie eben gesagt, den Seehandel -Englands schon während des Krieges. Die Friedensbedingungen -waren dann zwar sehr vorteilhaft für Landzuwachs und militärische Machtstellung -— Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem Festlande —, -sie waren es aber nicht für Industrie und Handel des Landes, weil die -Schutzzölle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt wurden. Dies -traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die Kriegsmarine war, -ohne Rückhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein Baum ohne Wurzeln. -Zwar wuchs sie in den nächsten Jahren noch sehr und wurde selbst für kurze -Zeit der englischen überlegen; sie schwand aber in dem nächsten großen Kriege -schnell dahin. Das Scheitern des Planes Colberts, Frankreich zu einer großen -Handelsmacht zu machen, ist auch von Einfluß gewesen auf den finanziellen -Ruin des Landes im nächsten Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen -Kriege Ludwigs eingeleitet wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_394" id="Page_394">[394]</a></span></p> - -<h4>Der schwedisch-dänische<a name="FNanchor_220_220" id="FNanchor_220_220"></a><a href="#Footnote_220_220" class="fnanchor">[220]</a> (-holländisch-brandenburgische) Krieg -1675–1679.</h4> - -<p>Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. trat <em class="gesperrt">Schweden</em> auf die -Seite Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an; <em class="gesperrt">Dänemark</em> unterstützte -diesen Staat. Da es sich hierbei für Dänemark darum handelte, dem -Großen Kurfürsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden -die rückwärtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch -die im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. „Schonen“; -deshalb auch der „schonische Krieg“ genannt) und die Vorherrschaft in -der Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine große Rolle.</p> - -<p><b>Die dänische Marine</b> war im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr -Land vor Invasion zu schützen; Christian V. aber (1670–1699) brachte sie -hoch, ja er führte sie zu ihrem höchsten Glanze. Schon 1675 besaß Dänemark -an Kriegsschiffen: 2 zu 80–90 Kanonen; 11 zu 58–78; 7 zu 36–54; 6 zu -24–32; 4 zu 8–20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der großen Rhedereien -(darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen Verbindung mit -Holland, der Unterstützung durch seine Flotten, hatten holländisches Wesen -und holländische Seeleute in großem Maße Eingang in die dänische Marine -gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde sogar 1676 <em class="gesperrt">Cornelis -Tromp</em> als Oberbefehlshaber berufen, nachdem der bisherige — der tüchtige -Admiral Adolar, auch im holländischen Seedienst erzogen — gestorben war.</p> - -<p class="small">Nach de Jonge waren die neueren dänischen Schiffe nach holländischem Muster -und teilweise von holländischen Schiffbauern gebaut; fast alles Kriegsmaterial ward aus -den Niederlanden bezogen. In der dänischen Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 -waren der Vizeadmiral, der Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Holländer; -1676 hatte man 3000, 1677 gar über 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. -Kein Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ältere gestützt, sagt: Es hätten die Schweden -in diesem Kriege eigentlich nur gegen Holländer gefochten; es hätten die dänischen -Seeleute von diesen gelernt — auch Juel von Tromp —; selbst die von den dänischen -Schiffen allein erreichten Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder -doch deren Unterweisung zuzuschreiben.</p> - -<p>Gegen diesen holländischen Einfluß, gefördert durch Admiral Adolar, trat -von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang nach -und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr Haupt <em class="gesperrt">Niels -Juel</em> übernahm die Oberleitung und sorgte für die Schaffung eines tüchtigen -nationalen Offizierkorps.</p> - -<p><b>Die schwedische Marine</b> war 1675 der dänischen noch an Zahl und Größe -ihrer Schiffe überlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der vormundschaftlichen -Regierung für Karl XI. (seit 1660) wurden die Offiziersstellen, -namentlich die höheren, vielfach nach Gunst an Angehörige der regierenden -Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft nicht einmal Soldaten waren. -Es sollte sich bald zeigen, daß die dänische Flotte auch ohne Unterstützung<span class="pagenum"><a name="Page_395" id="Page_395">[395]</a></span> -durch die holländische, die dänischen Führer auch ohne Tromp, den Schweden -überlegen waren.</p> - -<p><b>Holland</b> griff in den Krieg ein, „um seinem treuen Verbündeten, dem -Großen Kurfürsten, zu helfen“; es geschah aber auch wohl, damit Schweden -nicht wieder zu mächtig an der Ostsee werde. In allen früheren Kriegen -war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu -lassen, sei es Hansa, Dänemark oder Schweden. Gerade von Holland aus -erging an Dänemark die Anregung zum Kriege, Subsidien für die dänische -Flotte wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten -in den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch -in den Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um -mit den Dänen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch -nicht groß und erreichten in keinem Jahre die Stärke, die ursprünglich beschlossen -war. Die Gründe hierfür — sowohl für die nur gering bemessenen -wie auch für die dann nur teilweise durchgeführten Rüstungen — waren dieselben, -die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt -haben: Geteilte Meinungen in den Provinzen über fernerliegende Unternehmungen; -Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitäten. Die spanische -Unterstützung blieb natürlich auch hier aus.</p> - -<p>So betrug die <em class="gesperrt">Stärke der Geschwader</em> nur:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p395"> - <tr> - <td>1675</td> - <td class="tdc">Schiffe:</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">K.</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdc">50–60;</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">zu</td> - <td class="tdl">40;</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">Admiral</td> - <td class="tdl">Binckes</td> - </tr> - <tr> - <td>1676</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">60–64;</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">40–44;</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">C. Evertsen</td> - </tr> - <tr> - <td>1677</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">76</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">60–70;</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">40–50;</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>;</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Scheppers.</td> - </tr> -</table> - -<p>Schließlich müssen wir auch noch die <b>Seestreitkräfte Brandenburgs</b> -erwähnen. 1675 erteilte der Große Kurfürst dem Holländer <em class="gesperrt">Benjamin -Raule</em> (in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat -bald — deshalb der Seeräuberei angeklagt und landesflüchtig — als Marinedirektor -in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schloß nun der Kurfürst -in den Kriegsjahren stets für einige Monate die Gestellung von Kriegsschiffen -ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Größen zwischen 16–20 und -18–24 Kanonen schwankend, sowie einige (3–10) kleinere Fahrzeuge zu -4–10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von 40–44 -Kanonen für fünf Monate hinzu, die von der Admiralität Amsterdam geheuert -waren.</p> - -<p><b>Der Verlauf des Krieges</b> brachte im Jahre <b>1675</b> zur See nichts von Bedeutung. -Das holländische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein, -aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dänen unter Adolar, aus. -Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rügen und fing auch einige -schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte sich zunächst nicht. -Sie ging erst am 19. Oktober in See — 44 Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen -für Pommern oder für einen Einfall in Seeland —, kehrte aber bald um infolge -stürmischen Wetters, in dem einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer -erschreckend zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; -der Untergang der Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben.<span class="pagenum"><a name="Page_396" id="Page_396">[396]</a></span> -Die Holländer gingen dann in die Heimat zurück und begleiteten dabei eine -große Zahl ihrer Ostseefahrer.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Zu Lande</em> wurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28. Juni) -und in Pommern von Brandenburg und Dänemark angegriffen. Der Große Kurfürst -nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin sowie Peenemünde und -Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen Flottille; die Dänen eroberten Wismar -und Damgarten.</p> - -<p><b>Im Jahre 1676</b> trafen die Holländer schon im Mai in Dänemark ein. -Es waren aber zunächst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands -unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Almonde</em>, das Kontingent Seelands war wieder einmal -noch nicht seeklar; mit ihnen kam <em class="gesperrt">Tromp</em> als Passagier. Er wurde mit -großen Ehren<a name="FNanchor_221_221" id="FNanchor_221_221"></a><a href="#Footnote_221_221" class="fnanchor">[221]</a> empfangen, übernahm den Oberbefehl über die dänische Flotte -und schiffte sich auf „Christian V.“ (86 Kanonen) ein, dessen erster und -zweiter Kapitän Holländer waren; das Geschwader brachte auch Matrosen -für die dänischen Schiffe mit. Während Tromp vorläufig die Ausrüstung -weiterer Schiffe überwachte, stieß Almonde zu <em class="gesperrt">Niels Juel</em>, der schon am -29. April <em class="gesperrt">Wisby</em> zur Übergabe gezwungen hatte. Die so vereinigte Flotte -zählte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und einige Jachten; sie begegnete -am 4. Juni abends bei <b>Bornholm</b> den Schweden, diese 25 Linienschiffe, -10 Brander und Jachten stark unter den Admiralen <em class="gesperrt">Creutz</em> und <em class="gesperrt">Ugla</em>. -Am 4. wurden nur einige Schüsse auf weitere Entfernung gewechselt, es -scheint flau gewesen zu sein; <b>am 5. Juni</b> 6 Uhr früh kam es zu einem wirklichen -Gefecht, das aber auch ohne größere Folgen und ohne Entscheidung blieb.</p> - -<p class="small">Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern steuerten hoch -am Winde. Die Holländer, die Vorhut der Verbündeten, versuchten, nahe an den Feind -heranzukommen; sie waren gezwungen, unter seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden -und dann wieder an der feindlichen Linie entlang zu segeln. Diesem Manöver sollen nun -nur 2 Dänen, von Holländern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren -Entfernungen gehalten haben: Das holländische Flaggschiff wurde sehr beschädigt und -Almonde sah sich genötigt, das Nahgefecht abzubrechen; Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. -zurück, Almonde will diesen Rückzug gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht -auf Fortsetzung des Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie -häufig beschwert sich ein Verbündeter über den andern: Die dänische Überlieferung -rühmt Niels Juel, daß er den überlegenen Angriff mit Erfolg abgewiesen habe, und -erwähnt nichts von hervorragendem Auftreten der Holländer. Neuere holländische -Quellen geben zu, daß der dänische Admiral den Befehl gehabt haben könne, gegen -überlegene Kräfte und vor Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierüber sagt aber -schon Almonde sehr richtig, dann hätte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden müssen; -es muß dann auch auffallend erscheinen, daß der dänische Admiral solche Absicht dem -holländischen nicht bekannt gegeben.</p> - -<p>Die Schweden segelten nach dem Gefecht nördlich, die Verbündeten -westlich. Zu diesen stieß am 7. bei Falsterbo <em class="gesperrt">Tromp</em>, der auf die Nachricht -von dem Gefecht sofort mit 4 schweren dänischen und 3 neuangekommenen<span class="pagenum"><a name="Page_397" id="Page_397">[397]</a></span> -holländischen Linienschiffen in See gegangen war. Tromp sucht jetzt mit -der so verstärkten Flotte den Feind, sichtet ihn am 9. unter der schwedischen -Küste und verfolgt ihn. In der Nacht aus Sicht gekommen, wird er am 10. -mittags durch die Fregatten wiedergefunden, am 11. vormittags endlich -erreicht und zwischen Bornholm und Öland bei günstigem Winde (Westnordwest) -angegriffen.</p> - -<p class="small">In dieser <b>Schlacht bei Ertholm</b> (Christiansö) <b>oder Öland</b> wurde nicht lange rangiert -gefochten. Die Verbündeten griffen von Luward an; Tromp selbst („Christian V.“ -86 Kanonen) engagierte das schwedische Flottenflaggschiff „3 Kronen“ (120 Kanonen; -800 Mann, wohl mit das mächtigste Schiff damaliger Zeit). Dieses wollte nach Abgabe -der ersten Breitseite wenden, um die andere Lage zu feuern; die Luvgeschütze wurden -bei Bemannung der anderen Seite zu früh verlassen und nicht festgesetzt, sie gingen über -und das Schiff lag zum Kentern; die brennenden Lunten fielen dabei zwischen aufgehäufte -Kartuschen und das Schiff flog auf. Der Unfall rief Schrecken und Unordnung -in der Flotte hervor, verschiedene Schiffe hielten ab. Der Vizeadmiral Ugla, einer -der wenigen Seeleute in höheren Stellen, leistete mit einigen Schiffen kräftigen Widerstand, -aber auch sein Schiff (86 Kanonen) flog in die Luft. Es hatte im Kampfe mit -Tromp so schwer gelitten, daß es die Flagge strich. Als schon ein Boot unterwegs war, -um es in Besitz zu nehmen, wurde es durch einen holländischen Brander ohne Befehl -in Brand gesetzt (Tromp äußert sich empört über diesen Verstoß gegen Kriegsbrauch). -Nun erfolgte regellose Flucht der Schweden; jedes Schiff trachtete nur danach, sich -dem Kampfe zu entziehen und irgend einen Hafen zu erreichen; dabei wurden 2 Linienschiffe -und 2 kleinere eingeholt und genommen. Die Verbündeten verfolgten 2 Tage, -sie sahen 4 Schiffe an der Küste stranden; zwei davon gingen verloren, darunter das -dritte Flaggschiff. Die Holländer und Dänen hatten keine nennenswerten Verluste -und Beschädigungen.</p> - -<p>Mit Verlust von 8 Linienschiffen, darunter die 3 Flaggschiffe der Geschwader, -wurden die Schweden in voller Auflösung und schwer beschädigt -in ihre Häfen gejagt; Tromp ging dann in die Kjögebucht, um weitere -Befehle einzuholen. Der Sieg wurde auch sofort strategisch ausgenutzt. -Die Schweden zeigten sich in diesem Jahre nicht mehr außerhalb der Häfen, -und so konnte eine schon vorbereitete <em class="gesperrt">Landung in Schonen</em> ausgeführt -werden. Tromp ging mit einem Teil der Flotte nach Ystadt, warf -4000 Soldaten und Matrosen an Land und nahm die Stadt; dann landete der -König selbst unter dem Schutz von 11 Kriegsschiffen auf 600 Fahrzeugen 16000 -Mann zwischen Helsingborg und Landskrona und eroberte auch diese Städte -sowie später Christianstadt leicht. Von See aus wurden durch die Flotte noch -Karlshamn und Christianopolis genommen.</p> - -<p class="small">Zur Zeit der Landung in Schonen war auch Evertsen mit dem Rest der holländischen -Hilfsflotte in Kopenhagen eingetroffen. Er war durch Mannschaftsmangel (häufig in -Seeland; infolge des Freibeutereidienstes?) so lange aufgehalten, dann hatte er im Verein -mit dem Geschwader für Schutz der Fischerei in der Nordsee vergeblich ein schwedisches -Geschwader vor der Elbe und an der Küste Norwegens gesucht. Er übernahm nun -den Oberbefehl über die Holländer; Almonde ging, wie uns bekannt, nach dem Mittelmeer, -um hier den Oberbefehl zu führen.</p> - -<p>Hiermit fanden für 1676 die wichtigen Ereignisse zur See ein Ende. -Holländer und Dänen kreuzten noch bis zum Herbst an den pommerschen -und schwedischen Küsten, dann gingen jene heim und diese legten auf. Es<span class="pagenum"><a name="Page_398" id="Page_398">[398]</a></span> -trat die übliche Winterruhe ein, die Holländer waren auch wohl der Ansicht, -Schweden für ihre Zwecke vorläufig genügend geschwächt zu haben.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Im Landkriege</em> war jedoch das Glück den Dänen nicht beständig, ihr Fortschritt -in Schonen kam zum Stehen. Ein Versuch, sich Gothenburgs und der dort -liegenden Schiffe zu bemächtigen, schlug fehl; Christianopolis, Karlshamn und Helsingborg -gingen wieder verloren.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p398.jpg" width="300" height="366" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p398" id="fig_p398"></a> -<p class="caption">Niels Juel.</p> -</div> - -<p><b>Im Jahre 1677</b> betrieb Schweden eifrigst mit französischem Gelde die -Rüstung seiner Flotte; Dänemark erbat und erhielt wiederum Unterstützung -von Holland. Tromp war in Person zu diesem Zweck und um weitere Leute -anzuwerben nach Holland gegangen; er selbst, seit Ruyters Tod zum Generalleutnantadmiral -befördert, erhielt -ein weiteres Jahr Urlaub. Das -neue holländische Geschwader, -mit Tromp und 1500 Matrosen -für Dänemark an Bord, traf am -11. Juli bei Kronenburg ein.</p> - -<p>Schon vorher hatte <em class="gesperrt">Niels -Juel</em> mit seinen Dänen <em class="gesperrt">große -Erfolge</em> errungen. Er verlegte -einem schwedischen Geschwader -von 17 Segeln, worunter 8 Linienschiffe, -das sich von Gothenburg -durch den Belt nach Osten begeben -und mit der Hauptflotte -vereinigen wollte, auf der Linie -<em class="gesperrt">Warnemünde</em> — <em class="gesperrt">Gjedser</em> -den Weg (11. Juni) und nahm in -zweistündigem Kampfe 5 Linienschiffe -sowie 2 kleinere. Am -11. Juli erschien die Hauptflotte -der Schweden — 37 Linienschiffe, -10 Fregatten, 2 Brander unter -<em class="gesperrt">Admiral Horn</em> — bei Falsterbo und griff bei günstigem Winde die ihm -in der <b>Kjögebucht</b> entgegentretenden Dänen — 25 Linienschiffe, 5 kleinere, -3 Brander unter Niels Juel — an. Der Angriff dieser überlegenen Macht -wurde mit Tapferkeit ausgeführt, aber mit wenig Ordnung; es zeigte -sich dann die größere Kriegsfertigkeit der Dänen. Juel hielt, obgleich -man gerade besonders ihn angriff und er dreimal sein Flaggschiff wechseln -mußte, stets die Ordnung aufrecht, gewann den Wind, schnitt einen Teil -des Feindes ab und dublierte diesen. Die Schweden wurden vollständig -geschlagen — mindestens 4 Linienschiffe wurden genommen, 4 vernichtet — -und zogen sich größtenteils schwer beschädigt fluchtartig in ihre Häfen zurück. -Bastiansze <em class="gesperrt">Scheppers</em>, der mit seinen Holländern gerade den Sund heraufkam, -erfuhr, daß 3 Schweden der geschlagenen Flotte auf dem Wege nach<span class="pagenum"><a name="Page_399" id="Page_399">[399]</a></span> -Gothenburg in <em class="gesperrt">Malmö</em> eingelaufen seien. Er teilte sein Geschwader, besetzte -das Fahrwasser bei Kronenburg und bei den Drogden, der Rest suchte die -genannten Schiffe. Man traf sie noch in Malmö an, nahm eins und vernichtete -die andern durch Brander.</p> - -<p>Dieser große Seesieg war von bedeutendem Nutzen für den <em class="gesperrt">Landkrieg</em>. -Auch 1677 war das dänische Heer nicht erfolgreich. Ein Versuch nach dem -Siege bei Warnemünde, sich Malmös zu bemächtigen, mißlang, und am -24. Juli griffen die Schweden die Hauptstellung vor Landskrona an. Nach -blutiger Schlacht, an der beide Könige teilnahmen, behaupteten sie das -Schlachtfeld; die Dänen mußten sich auf die Stadt zurückziehen. Die völlige -Niederlage der schwedischen Flotte erlaubte nun aber eine Diversion mit -der eigenen; diese erhielt den Befehl, die <b>schwedische Küste</b> im Rücken der -feindlichen Armee zu beunruhigen und <b>zu brandschatzen</b>, insbesondere <b>Kalmar -anzugreifen</b>.</p> - -<p class="small">Der Stoß wurde gegen die Küste von Smaland und gegen die Insel Öland geführt. -Der größere Teil der dänischen Flotte unter Juel traf am 11. August in diesen Gewässern -ein, die Holländer folgten erst später und ebenso Tromp mit dem Rest der Dänen. (Der -Grund der Verzögerung lag wohl in Reibungen, die gerade nach dem Erfolge der Dänen -entstanden zu sein scheinen: Scheppers wollte nicht unter dänischem Oberbefehl stehen -und Tromp begann zu fühlen, daß man ihm nicht mehr die bisherige Hochachtung -zollte.) Nun begann ein barbarisches Werk der Zerstörung, das man nur mit dem alten -Haß zwischen den Dänen und Schweden erklären und in etwas damit entschuldigen -kann, daß auch auf den genommenen schwedischen Schiffen die Order vorgefunden -war, „im Falle des Sieges die dänischen Lande mit Feuer und Schwert zu verwüsten.“</p> - -<p class="small">Die dänische Flotte hatte schon vor Tromps Ankunft verschiedene Dörfer, Schlösser -und die kleine Stadt Münsteräs an der Küste Smalands verbrannt. Nun versuchten die -Dänen von Norden, die Holländer von Süden in den Kalmarsund vorzudringen, um -die dort liegenden Kriegsschiffe (etwa 12) zu zerstören; es war jedoch nicht möglich, -weil die Schweden im Fahrwasser die Seezeichen entfernt und Schiffe versenkt hatten. -Auch ein Versuch, durch eine Landung von 2000 Mann sich der Stadt Kalmar zu bemächtigen, -schlug fehl, man konnte nur die Vorstadt verbrennen und die Umgegend verwüsten. -Endlich wurde (28. August) im Norden und Süden auf Öland gelandet; ein -Festsetzen, um von hier aus gegen Kalmar vorzugehen, war jedoch wieder nicht möglich, -da man die Feste der Insel nicht zu nehmen vermochte. So verbrannte man sämtliche -Häuser auf der Insel, die Kirchen ausgenommen, trieb alles Vieh, an 2000 Kühe und -Schafe, weg und schiffte sich wieder ein.</p> - -<p>Nach Verwüstung der Umgegend Kalmars und der Insel Öland wurde -Tromp mit einem Teil der dänischen Flotte und der gesamten holländischen -nach Kopenhagen zurückgerufen (Anfang September); <em class="gesperrt">Niels Juel</em> verblieb -an der Küste Smalands. Er brandschatzte hier weiter in der Nähe Westerviks, -erzwang sich am 11. September mit kleineren Kriegsschiffen Eingang in den -befestigten Hafen und verbrannte den Ort sowie die dort liegenden Kriegs- -und Kauffahrteischiffe; dann lag er bis zum Winter zur Beobachtung des -Feindes bei Gothland.</p> - -<p>Damit enden in diesem Kriege die wichtigeren Unternehmungen zur -See, die von seiten Dänemarks und Hollands gegen Schweden unmittelbar -gerichtet waren. Die schwedische Flotte verließ <b>1678</b> ihre Häfen nicht.<span class="pagenum"><a name="Page_400" id="Page_400">[400]</a></span> -Sie hatte genug mit der Ausbesserung der wenigen noch kampffähigen Schiffe -zu tun; die Nation hatte das Vertrauen auf ihre Marine verloren, es war nicht -möglich, brauchbaren Personalersatz zu erhalten. Auch als sie sich 1679 -wieder zeigen wollte, wurde sie von Juel im Schach gehalten. <em class="gesperrt">Dänemark -beherrschte</em> bis zum Schluß des Krieges <em class="gesperrt">die Ostsee</em>, so daß Schweden -auch nicht imstande war, nach Pommern die so nötige Unterstützung zu -senden.</p> - -<p><b>Der Krieg In Pommern</b> dagegen bringt in den Jahren 1677 und 1678 -noch einige erwähnenswerte Ereignisse. Die im September <b>1677</b> von Smaland -zurückgezogenen dänisch-holländischen Seestreitkräfte wurden bestimmt, -<b>Rügen zu erobern</b>. Sie erschienen unter dem König und <em class="gesperrt">Tromp</em> am -17. September 1677 zwischen Wittow und Jasmund und landeten 4000 Mann; -nur etwas Kavallerie, bald durch das Feuer der Schiffe vertrieben, versuchte -vergeblich die Landung zu hindern. Verstärkungen trafen von Dänemark -und auch vom Großen Kurfürsten ein — dieser belagerte seit Juli Stettin, -Tromp stellte sich ihm Ende September dort vor — und so wurde die Insel -leicht erobert; die Schweden unter Graf <em class="gesperrt">Königsmark</em> mußten sich auf -Stralsund zurückziehen. Von hier aus aber eroberten sie Ende 1677 die Insel -wieder, wobei die dänischen Truppen fast sämtlich gefangen genommen wurden. -Die dänischen Schiffe kreuzten im übrigen bis zum Winter vor der pommerschen -Küste; die Holländer gingen im Herbst, wiederum einen großen Convoi -geleitend, heim.</p> - -<p>Die kleinen <em class="gesperrt">brandenburgischen Flottillen</em> fanden 1676 -und 1677 Verwendung zur Blockade der Häfen von Stralsund, Greifswald -und Stettin. Im Juni 1676 hatten sie das Glück, eine schwedische Fregatte -und einen Brander zu nehmen, die nach einem der Gefechte von ihrer Flotte -abgekommen waren; diese wurden als die ersten „kurfürstlichen“ Schiffe in -Dienst gestellt.</p> - -<p class="small">Für das Jahr 1678 gelang es Dänemark nicht, die Unterstützung durch eine holländische -Flotte zu erhalten, nur neue Werbungen in den Niederlanden wurden gestattet; -Holland stand schon in Friedensunterhandlungen mit Frankreich. Infolgedessen setzte -nun die nationale Partei der dänischen Marine die Abdankung Tromps durch. Dieser -war über den Undank sehr empört, trotzdem bewog er den größten Teil der holländischen -Offiziere und Mannschaften, die in dänischem Dienste standen, zu bleiben; über die -Entlassung ihres Admirals gleichfalls entrüstet, hatten auch sie den Abschied verlangt; -es war fast zu Meuterei gekommen. Nach Holland zurückgekehrt, trat <em class="gesperrt">Tromp</em> nicht -mehr auf, er zog sich bald ins Privatleben zurück. 1691 wurde er zwar als Oberbefehlshaber -der vereinigten englisch-holländischen Flotte in Aussicht genommen, er war -jedoch krank und starb am 29. Mai dieses Jahres. Vor dem Verlassen der Ostsee sollte -er aber das letzte größere Unternehmen zur See hier noch mitmachen.</p> - -<p>Im Januar <b>1678</b> war Stettin nach langer Belagerung gefallen, die Schweden -verloren immer mehr Boden in Pommern und die Verbündeten planten -<b>aufs neue die Eroberung Rügens</b>; der <em class="gesperrt">Große Kurfürst</em> hatte hierzu -Tromp zu sich berufen.</p> - -<p class="small">Zu dieser Expedition hatte der Kurfürst in Peenemünde 350 Fahrzeuge für den -Transport von 4000 Mann unter <em class="gesperrt">Derfflinger</em> gesammelt; die Flottille — 7 Segel<span class="pagenumsmall"><a name="Page_401" id="Page_401">[401]</a></span> -mit 107 Kanonen — sollte Überfahrt und Landung decken. Tromp befand sich als -Kriegsfreiwilliger an Bord des Flaggschiffes, Dänemark stellte ein kleineres Geschwader -— 7 Linienschiffe und einige kleinere — unter Niels Juel. Am 22. September wurde -aufgebrochen, jedoch segelten die Dänen (schon am 21.?!) nach Wittow, der Kurfürst -nach Palmerort. Er wollte hier einen Scheinangriff machen, die Truppen aber bei -Putbus landen. Die Landung konnte an diesem Tage nicht ausgeführt werden; Flaute -zwang zum Ankern und hielt sogar die Flottille eine Zeitlang im Feuer von am Lande -aufgefahrenen Geschützen fest, doch taten diese kaum Schaden. Den Dänen dagegen -war es am 22. gelungen, ohne wesentlichen Widerstand auf Wittow Fuß zu fassen und -Juel meldete dies in Person am 23. dem Kurfürsten. Hierauf ging auch dieser mit seiner -ganzen Macht dorthin, die Kriegsschiffe wurden zeitweise wegen neuer Flaute durch -Boote getaut. Dann wurde die Landung ausgeführt, obgleich die Schweden Kavallerie -bereit hielten und auch Geschütze auffuhren: Die Boote und kleinen Fahrzeuge gingen -in bester Ordnung — wo nötig mit Weiterstaken — so nah wie angängig heran, die -Truppen wateten oder schwammen an Land und formierten sich schnell; alles ohne Verlust, -weil die Schweden keinen ernstlichen Widerstand leisteten, auch Kavallerie kam -bald an Land. Der Feind wich und räumte schon am 24. die Insel, nachdem er in einem -kurzen aber heftigen Gefechte um die Stellung, die den Übergang nach Stralsund deckte, -geschlagen war.</p> - -<p>Nach der Eroberung Rügens wurde der Dänholm genommen; nun <em class="gesperrt">kapitulierte</em> -Ende Oktober <em class="gesperrt">Stralsund</em>, von der Land- und Wasserseite -eingeschlossen, und im November nach zweistündiger Beschießung mit -glühenden Kugeln auch <em class="gesperrt">Greifswald</em>; ganz Schwedisch-Pommern war -erobert. 1679 ward nur noch in Ostpreußen gefochten — Friedrich Wilhelms -Zug über das Kurische Haff.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schweden büßte in diesem Kriege schwer die Vernachlässigung -seiner Marine.</em> Wäre seine an Material so -mächtige Flotte schlagfertig gewesen, so dürfte den Gegnern der Krieg in -Pommern weit schwerer geworden sein und an Stelle eines dänischen Einfalls -in Schonen hätte die Geschichte vielleicht einen schwedischen in Seeland -gesehen. Die innerlich tüchtigere und besser geführte dänische Flotte, noch -während des Krieges weiter gepflegt, führte schließlich den Sieg ihres -Staates trotz der eigentlich nur geringen Erfolge des Landheeres herbei.</p> - -<p>Es ist bereits erwähnt, daß in den <em class="gesperrt">Frieden von Fontainebleau</em> -(oder Lund, September 1679) und <em class="gesperrt">St. Germain</em> (Juni 1679) sowohl Dänemark -wie Brandenburg ihre Eroberungen zurückgeben mußten; von den -übrigen Verbündeten — Holland; Kaiser; Reich — verlassen, hatten sie sich -den Forderungen Ludwigs XIV. zu fügen.</p> - -<p>Es sei an dieser Stelle noch die <em class="gesperrt">weitere Geschichte der brandenburgischen -Marine</em><a name="FNanchor_222_222" id="FNanchor_222_222"></a><a href="#Footnote_222_222" class="fnanchor">[222]</a> kurz geschildert, wenn sie auch an keinem -Seekriege mehr teilnimmt.</p> - -<p class="small">Da im Frieden von St. Germain Stettin und Stralsund an Schweden zurückfielen, -blieben dem Großen Kurfürsten nur Pillau und Königsberg zu Hafen- und Werftanlagen -für handelspolitische und kriegsmaritime Zwecke; hier wurden dann auch Warenhäuser -und Arsenale errichtet; 1682 gründete Friedrich Wilhelm eine afrikanische Handelsgesellschaft.<span class="pagenumsmall"><a name="Page_402" id="Page_402">[402]</a></span> -Um auch einen Hafen an der Nordsee zu haben, legte er 1683 Besatzungen -nach Emden und Gretsiel; er benutzte dazu Zwistigkeiten zwischen den Fürsten und -den Ständen von Ostfriesland und folgte einem Wunsche der letztgenannten. Emden -wurde nun der Sitz der Kompagnie, die Ostfriesen erhielten dafür das Recht, unter dem -Schutz der brandenburgischen Flagge zu fahren.</p> - -<p class="small">1684 wurde die bisher gemeinschaftliche Verwaltung der eigentlichen Kriegsmarine -und der Handelskompagnie getrennt; die Marine zählte dann bald 10 Segel: 2 zu 50 -Kanonen; 1 zu 40; 1 zu 36; 1 zu 20; 1 zu 40; 1 zu 10; 2 zu 6 Kanonen. Der größte Teil -dieses Bestandes gehörte zur Station der Nordsee; der höchste Bestand war 1688 erreicht: -35 Schiffe mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Kanonen. Nach dem Tode des -Großen Kurfürsten 1688 ging die Marine schnell zurück, da Friedrich III. keinen Wert -auf Entwicklung des Seehandels legte; die Hauptstütze ihres Gründers, Raule, starb -1707; als 1708 noch Soldaten nach Afrika gesandt wurden, mußten sie unter holländischer -Flagge fahren. Friedrich Wilhelm I. sah sich genötigt, den Schutz des Seehandels -ganz aufzugeben und die Kolonien an Holland abzutreten; damit verschwindet -die brandenburgisch-preußische Marine bis zu einem schwachen Versuch 1756.</p> - -<p class="small">Von der Verwendung der brandenburgischen Marine nach dem Frieden sei noch -folgendes erwähnt: 1680 kreuzte ein Geschwader — 5 Schiffe zu 16–40 Kanonen; -1 Brander; 515 Matrosen, meist Holländer; 180 Soldaten — gegen Spanien im Kanal, -um auf diese Weise die nicht gezahlten Subsidien für den letzten Krieg einzutreiben, -und nahm ein Schiff zu 50 Kanonen; später segelte das Geschwader nach Westindien -und brachte verschiedene Kauffahrer auf. 1682 gingen 2 Fregatten nach der Westküste -Afrikas und gründeten dort die Niederlassung Groß-Friedrichsburg (am Kap der drei -Spitzen), andere Faktoreien folgten hier. Versuche, auch in Westindien Fuß zu fassen -— auf St. Thomas wurde eine Faktorei angelegt —, scheiterten an der Eifersucht Hollands -und Frankreichs.</p> - -<h4>Kämpfe gegen die Barbaresken 1674–1688 und die Franzosen -vor Genua 1684 (Bombardements von Algier und Genua).</h4> - -<p>Wir wissen, daß jedesmal nach größeren Kriegen an die westeuropäischen -Marinen die Aufgabe herantrat, kräftiger gegen die Raubstaaten Afrikas vorzugehen; -wenn man sich während der Kriege mit der notwendigsten Sicherung -der Kauffahrer gegen Seeraub begnügen mußte, nahm dieses Räuberunwesen -stets zu.</p> - -<p>Von 1675 an hielten <b>die Engländer</b><a name="FNanchor_223_223" id="FNanchor_223_223"></a><a href="#Footnote_223_223" class="fnanchor">[223]</a> ein stärkeres Geschwader an der -Nordküste Afrikas, unter dessen Druck Verhandlungen mit Algier, Tunis -und Tripolis geführt wurden. Blockade der Häfen, Wegnahme einzelner -Schiffe, Gefechte mit Seeräubergeschwadern, auch Bedrohung oder gar -Bombardement der Hauptstädte (z. B. 1677 der Stadt Tripolis durch Admiral -Narbrough) führten dann zur Befriedigung der englischen Forderungen: -Rückgabe von Gefangenen, Zahlung von Entschädigungen, Abschluß von<span class="pagenum"><a name="Page_403" id="Page_403">[403]</a></span> -Verträgen; doch wurden seitens der Barbaresken stets die Verträge gebrochen -und die Raubzüge wieder aufgenommen. Im Jahre 1681 hören diese größeren -Unternehmungen auf, wohl weil die Franzosen von jetzt an sehr energisch -vorgingen.</p> - -<p>Das englische Geschwader wirkte auch mit zur Verteidigung von <em class="gesperrt">Tanger</em>, -welche Besitzung öfters von Marokko angegriffen wurde. 1683 räumte -England Tanger, weil die Kosten der Erhaltung und Verteidigung seinem -Werte nicht zu entsprechen schienen. Man gab es auch nicht an Portugal, -den früheren Besitzer, zurück, sondern schleifte die Hauptwerke; die Mauren -befestigten es aber sofort wieder. Dieses Aufgeben eines strategisch wichtigen -Punktes ist selten in der englischen Marinepolitik und wurde auch später -bedauert; selbst wenn die Stellung wenigstens von den Portugiesen gehalten -wäre, würde es von Nutzen gewesen sein, da diese vom nächsten Jahrhundert -an ganz von England abhängig wurden.</p> - -<p>Unwesentlicher waren die <b>Operationen der Holländer</b>.<a name="FNanchor_224_224" id="FNanchor_224_224"></a><a href="#Footnote_224_224" class="fnanchor">[224]</a> In den -ersten Jahren nach dem Frieden 1678 mußte man sich wegen Geldmangels -und Schulden der Admiralitäten wie während des Krieges auf den allernotwendigsten -Schutz der Kauffahrer beschränken. Von 1686 an wurden zwar -größere Geschwader entsendet; erwähnenswerte Ereignisse fanden jedoch -auch dann nicht statt.</p> - -<p>Weit bedeutender aber sind die <b>Unternehmungen der Franzosen</b>.<a name="FNanchor_225_225" id="FNanchor_225_225"></a><a href="#Footnote_225_225" class="fnanchor">[225]</a> Sie -sind besonders bemerkenswert, da bei ihnen zum ersten Male im Seekriege -die „Bombe“ eine wichtige Rolle spielt; ferner zeigen gerade sie, mit welcher -Hartnäckigkeit und auch Kraft die Barbaresken auftraten, wie schwer es -den europäischen Mächten wurde, diese niederzuhalten.</p> - -<p>Auch die Franzosen hielten seit dem Frieden 1678 Geschwader an der -afrikanischen Küste, die ihre Fahrten zum Schutz des Handels bis zur Levante -ausdehnten. So zerstörte <em class="gesperrt">du Quesne</em> 1681 im Hafen von <b>Chios</b> eine Anzahl -Schiffe von Tripolis, ohne sich um die Türken zu kümmern; die türkischen -Batterien, die eingriffen, wurden zum Schweigen gebracht. Zwar entstand -darob großer Zorn in Konstantinopel, aber der Sultan, mit Österreich im -Kampfe, wünschte keine Zerwürfnisse mit Frankreich; du Quesne drückte -sogar mit seiner Flotte weiter darauf, daß der Sultan Tripolis zum Frieden -bewöge. Auch die Freibeuter des Kanals, jetzt unbeschäftigt, wurden gegen -die Barbaresken verwendet; <em class="gesperrt">Jean Bart</em>, schon seit 1679 in der königlichen -Marine angestellt, tat hier 1681 den ersten Dienst als Führer kleiner -Geschwader solcher Schiffe, die teils von Unternehmern, teils von der Krone -unterhalten wurden. Die Erfolge waren aber wie bei den Engländern immer -nur von kurzer Dauer; besonders Algier war schwer zu bändigen, der Dey -erklärte sogar im Oktober 1681 förmlich den Krieg an Frankreich.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_404" id="Page_404">[404]</a></span></p> - -<p>Man erwog nun den Plan zu einem großen Schlage gegen die Stadt Algier; -der später an du Quesne gegebene Befehl lautete: „Diese anzuzünden und -von Grund aus zu zerstören.“ Gut befestigt wie die Stadt war, glaubte man -nicht, ihn mit der Flotte allein ausführen zu können, und faßte schon einen -größeren Einfall in das Land ins Auge, um sie dann regelrecht zu belagern. -Um diese Zeit aber hatte ein junger Edelmann, <em class="gesperrt">Renau d'Eliçagarey</em>, -der sich mit Schiffbaufragen beschäftigte, einen Plan für verbesserte Mörserboote -vorgelegt.</p> - -<p class="small">Wir haben gehört (Seite <a href="#Page_173">173</a>), daß man um diese Zeit wohl schon in allen Marinen -Mörserboote kannte. Sie waren aber nicht genügend segel- und seefähig, um Flotten -auf weite Entfernungen begleiten zu können, auch erlaubten Lafettierung und Aufstellung -bei schwereren Mörsern wegen des Rückstoßes keine hohen Elevationen. In -diesen Hinsichten machte Renau nun Verbesserungen, besonders durch die Konstruktion -einer schrägen (um 45° geneigten) und gut federnden Bettung. Die Boote waren etwa -23 m lang und 8 m breit, hatten etwas vor der Mitte zwei Bettungen für je einen Mörser -mit der Feuerrichtung nach vorn; sie führten daneben 4 leichte Kanonen und waren mit -einer Takelage versehen, die im Gefecht (vor Anker) teilweise niedergelegt werden konnte. -Nach den ersten Erfahrungen 1682 wurden sie verbessert; so erhielten sie eine Brustwehr -von Netzen mit altem Tauwerk gefüllt, wie man später auf den Schiffen die Hängematten -und Kleidersäcke als Schutz verwandte, das Ankergeschirr wurde sehr vermehrt, um -die Boote gut festlegen zu können. (Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 414 ff.)</p> - -<p>Fünf solcher <em class="gesperrt">Galiotes à bombes à la Renau</em> wurden 1681/82 -in Havre und Dünkirchen gebaut; sie bewährten sich bei den Proben. Man -beschloß nun, zu versuchen, mit ihnen Algier durch ein großes Bombardement -niederzuzwingen oder zu vernichten, und zog sie 1682 ins Mittelmeer. Wir -werden sehen, daß auch ihr Erfolg den Erwartungen nicht völlig entsprach: -Geschütze und Munition waren noch zu unvollkommen; immerhin ist es die -erste große Verwendung von Sprenggeschossen im Seekriege. Ehe wir zur -Besprechung der verschiedenen Unternehmungen gegen Algier (und auch -gegen Tunis und Tripolis) schreiten, sei die <em class="gesperrt">taktische Verwendung -dieser Mörserboote</em> geschildert, wie sie du Quesne 1682 und 1683 -anordnete.</p> - -<p class="small">Ich wähle zu dieser Schilderung die Anordnung des Bombardements im Jahre 1683, -da diese nach den Erfahrungen des Vorjahres sehr verbessert war (Plan vergl. Seite <a href="#Page_405">405</a>).</p> - -<p class="small">Die Mörserboote (1683 waren es 7) sollten ein konzentrisches Feuer auf die Befestigung -der Mole (150 Kanonen?), auf die dahinter liegenden Schiffe und auf die Stadt -selbst richten: die Beschießung sollte nur während der Nächte vor sich gehen, tagsüber -wollte man die Boote dem feindlichen Feuer entzogen halten. Auf die Liegeplätze der -Galioten — etwa 1100 m von der Mole — wurden durch Schiffsboote schwere Anker -gelegt und von diesen Leinen — mehrere aufeinandergesteckt — zu 7 Linienschiffen -geführt, die radial hinter der Galiotenposition, außerhalb Schußweite der Befestigungen, -verankert waren. Mit diesen Leinen, über ihr Deck genommen, verholten sich die Fahrzeuge; -sie waren somit imstande, ohne fremde Hilfe leicht und sicher erst kurz vor dem Gefecht -ihre Posten einzunehmen und sich nach Schluß in den Schutz eines starken Schiffes -zurückzuziehen; auch konnten sie während des Kampfes ihre Lage ändern, falls das -feindliche Feuer es wünschenswert machte. Zur Sicherung gegen einen Angriff mit -Booten oder Galeren wurden jeder Galiote 2 armierte Schiffsboote oder schwere Schaluppen, -die zu diesem Zweck besonders mitgenommen waren, zugeteilt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_405" id="Page_405">[405]</a></span></p> - -<p class="small">Die ganze Stellung ward noch dadurch verstärkt und bewacht, daß auf jedem Flügel -ein Linienschiff ankerte; auch für diese waren Anker ausgelegt und auch sie lagen nur -nachts dort. Vor den Linienschiffen endlich lagen Boote auf Vorposten, und zwischen den -Galioten und der Mole gingen 4 schwere Schaluppen vor, die mit Geschützen für Brandgeschosse -armiert waren.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p405.jpg" width="400" height="306" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p405" id="fig_p405"></a> -<p class="caption">Bombardement von Algier, 1683.</p> -</div> - -<p>Am 23. Juli <b>1682</b> traf <b>du Quesne</b> zum <b>ersten Angriff</b> vor <b>Algier</b> ein; mit -den Schiffen, die bereits die Stadt blockierten, zählte seine Flotte 11 Linienschiffe, -2 Brander, 5 Mörserboote und 15 Galeren. Durch Erkundungen -und ungünstiges Wetter hingehalten, konnte er erst am 13. August zum Angriff -übergehen. Dieser war folgendermaßen angesetzt: Zwei Gruppen — -je 2 Linienschiffe im Schlepp von Galeren — sollten die detachierten Forts -im Norden und Süden der Stadt beschäftigen, die übrigen Linienschiffe mit -den Galioten, diese zu beiden -Seiten des Admirals, sollten -von Galeren auf Ankerplätze -in Front der Mole -geschleppt werden; als aber -eben die ersten Schiffe zu -Anker gehen wollten, mußte -das ganze Unternehmen aufgegeben -werden, da plötzlich -sehr starker ablandiger -Wind aufkam. Am 15. -meldete der Chef der Galeren, -auf seinen Fahrzeugen ginge -das Wasser zu Ende. Du -Quesne, der diese Art -Schiffe überhaupt wegen -mangelnder Seefähigkeit, -häufigen Mangels an Wasser und Proviant für hemmender als nützlich bei -einer Flotte hielt, sandte sie nach Frankreich zurück und entschied sich nun -für eine Verwendung der Mörserboote, wie sie oben beschrieben ist.</p> - -<p>Am 18. August wurden 5 Anker ausgelegt, am 20. abends nahmen die -Galioten zum ersten Male ihre Position ein und eröffneten das Feuer. Die -Beschießung dauerte bis zum 12. September, allerdings öfters unterbrochen. -Anfangs mußten die Anker umgelegt werden, sie lagen einander zu nahe -und zu weit von der Stadt; mehrfach traten Wetterverhältnisse hindernd auf, -einmal mußte ein nächtlicher Bootsangriff abgeschlagen werden; auch Verhandlungen -mit dem Dey wurden dazwischen geführt. Immerhin wurden -einige hundert Bomben geworfen, aber der Erfolg war nicht bedeutend. -Viele Geschosse erreichten das Ziel nicht, einige krepierten nicht und eine -nicht geringe Zahl krepierte bald nach dem Verlassen des Rohres. Eins setzte -sogar sein Boot in Brand; dieses wurde nur durch die Kaltblütigkeit des Kommandanten -gerettet, während der größte Teil der Besatzung über Bord sprang.<span class="pagenum"><a name="Page_406" id="Page_406">[406]</a></span> -Am 13. September verließ du Quesne der vorgerückten Jahreszeit wegen, -besonders mit Rücksicht auf die Mörserboote, Algier. Auch mit den Verhandlungen -hatte er nichts erreicht, doch ließ er einige Schiffe zur Blockade -zurück.</p> - -<p>Auf Befehl des Königs berichtete <em class="gesperrt">du Quesne</em> jetzt, welche Kräfte er -für einen <b>zweiten Angriff 1683</b> für notwendig erachte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Jal</em> gibt im „Abraham du Quesne“ einen ziemlich genauen Auszug aus dieser Denkschrift; -sie ist bemerkenswert, weil man daraus die Umsicht des erfahrenen Admirals ersehen -kann. Er verlangte, kurz gefaßt, folgendes: 15 Linienschiffe, 2 Fregatten, 2 Brander -außer den Mörserbooten; einen Stützpunkt auf den Balearen als ständigen Sammelplatz -und hier: 3 Schiffe mit Proviant usw., ein Zeltlager für Kranke, Vorrat an frischem Proviant, -Ausbesserungsgegenstände; ein Lazarettschiff zum Verkehr der Flotte mit dem -Stützpunkte; nur etwa 6 Galeren für Polizei- und Wachdienst, dafür aber 6 schwere -Schaluppen — gleich geeignet zum Rudern und Segeln — zum Bugsieren der Galioten -und zu ihrer Verteidigung; bessere Munition für die Mörser, reichlicheres Ankergeschirr -für die Fahrzeuge behufs sicheren Festlegens; 5 mit Steinen gefüllte Schiffe, um die -Einfahrt zu sperren (mit der Absicht, den Hafen unbrauchbar zu machen, selbst wenn -die Vernichtung der Stadt geglückt wäre); diese sollten auch mit Sprengstoffen gefüllt -sein, um die Hafensperre und die Befestigungen auf der Mole zu zerstören. Auch ersuchte -er, nicht zu viel Gardes de la marine (Offiziersaspiranten) und keine Kriegsfreiwilligen -einzuschiffen, „diese nähmen nur Platz fort und brauchten zu viel Erfrischungen und -Wasser, weil sie so oft seekrank wären.“</p> - -<p class="small">Er erhielt nahezu alles, was er verlangt hatte. An Mörserbooten waren jetzt 7 -vorhanden; die Senkschiffe fehlten — es sind 2 vorbereitet, doch werden sie später -nicht mehr erwähnt —, dagegen erhielt er 2 „Kupferminen“ — sehr schwere Gefäße mit -Pulver, Projektilen und Feuerwerkskörpern gefüllt, sonst Konstruktion unbekannt —, -die in Fahrzeugen gegen die Hafensperre herangeführt werden sollten. Auch 16 Galeren -stießen zur Flotte; sie waren jedoch bei Beginn der Operationen noch nicht zur Stelle, -wurden später wiederum zur Auffüllung von Wasser und Proviant zurückgesandt und -kamen nicht wieder (Grund: zu vorgerückte Jahreszeit oder die bekannte Spannung -zwischen der Galeren- und Hochseeflotte). Der Stützpunkt auf den Balearen scheint -nicht eingerichtet zu sein. Trotz des Admirals Bitte wurden aber mehrere überzählige -Kapitäne und eine große Zahl Gardes de la marine zur Belehrung auf die Flotte kommandiert -und zwar besonders an Bord der Schiffe, auf die sich die Mörserboote stützen -sollten. Legendenhaft — auch nach Jal — ist endlich die Mitgabe von 2 „großen Bomben“; -mitgegeben sind sie, aber es ist nicht zu sagen zu welchem Zweck; ein besonderer -Mörser war nicht vorhanden, vielleicht war ihre Verwendung ähnlich gedacht wie die der -Kupferminen, oder es sind diese.</p> - -<p>Die Ausrüstung der neuen Flotte wurde mit Eifer betrieben; der Sekretär -des Marineministeriums, <em class="gesperrt">de Seignelay</em> (Sohn Colberts), erschien selbst -in Toulon, aber infolge von Verzögerungen und widrigen Winden traf -<em class="gesperrt">du Quesne</em> erst am 18. Juni 1683 vor Algier ein.</p> - -<p>Am 23. waren unter <em class="gesperrt">Tourvilles</em> Leitung alle Vorbereitungen für die -Bombardementsstellung getroffen, jetzt genau in der Seite <a href="#Page_404">404</a> beschriebenen -Weise; starker ablandiger Wind und Seegang hinderten jedoch bis zum -26. abends das Vorschicken der Mörserboote. Dann wurden, wieder unter -Tourvilles Leitung, in dieser und der nächsten Nacht 200 Bomben geworfen. -Der Feind antwortete lebhaft aber mit wenig Erfolg, die Franzosen dagegen -hatten bessere Ergebnisse als im Vorjahre; die Munition war besser, nur<span class="pagenum"><a name="Page_407" id="Page_407">[407]</a></span> -etwa 25 Bomben krepierten zu früh, und die Elevation war richtiger bemessen. -Obgleich am 28. früh Wind und See so zunahmen, daß verschiedene Mörserboote -vertrieben und beim Verlassen der Stellung mehrere der Verholleinen -brachen, sandte der Feind doch Parlamentäre. Du Quesne weigerte sich, -auf Verhandlungen einzugehen, ehe nicht sämtliche Sklaven französischer -Nation freigelassen seien, worauf während der nächsten Tage gegen 600 auf -der Flotte abgeliefert wurden; die Verhandlungen zogen sich aber trotzdem -hin. Nach den mitgegebenen und weiter eingehenden Instruktionen sollte -der Admiral nicht nur die Herausgabe der Sklaven und die Zahlung von -einer Million Franken für französischen Untertanen zugefügten Schaden -verlangen, sondern auch, daß der Dey demütig Abbitte tue für die Unverschämtheit -(insolence), überhaupt gegen den König Krieg geführt zu haben; -endlich war du Quesne streng untersagt, die Auslieferung mohammedanischer -Sklaven auf französischen Galeren zu versprechen. Gerade dieser letzte -Punkt scheint die herrschenden Elemente in Algier, die Janitscharen, -empört zu haben; am 23. Juli brach eine Militärrevolution aus, der Dey -wurde ermordet und der Führer der Empörung brach die Verhandlungen -ab.</p> - -<p>Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens eröffnete du Quesne die Beschießung -von neuem. Der Kampf wurde jetzt von den Barbaresken auf -das energischste und grausamste geführt: das Feuer wurde noch heftiger -und nun auch mit mehr Erfolg erwidert; ein nächtlicher Ausfall wurde gemacht -und hierbei ein Wachtboot genommen; französische Sklaven und Gefangene, -darunter der Konsul, wurden vor die Mündungen der Kanonen gebunden. -Bis zum 18. August warfen die Franzosen über 1000 Bomben — dann wurde -die Munition knapp —, die Stadt lag halb in Trümmern, aber sie ergab sich -nicht. Da auch die Batterien noch nicht zum Schweigen gebracht waren, -hielt du Quesne eine Forcierung des Hafens nicht für ratsam.</p> - -<p class="small">Für ein Forcieren war der Admiral nie gewesen, wenn nicht die Befestigungen -vorher niedergekämpft seien. Ludwig XIV. war empört, daß die Stadt nicht schneller -bezwungen wurde; er machte (Ende Juli) du Quesne die schwersten Vorwürfe und -schrieb dabei: er müsse annehmen, daß dieser nicht forcieren wolle, weil er stets dagegen -gewesen; er beföhle es nunmehr. Wenige Tage später schrieb de Seignelay, im Namen -des Königs, etwas milder, wies aber auch auf gewaltsamen Angriff hin und sandte gleichzeitig -an Tourville unmittelbar den Befehl, einen solchen auszuführen: mit Hilfe der -beiden Minen die Hafensperre (Kette und Pfahlwerk) zu sprengen, die Schiffe im Hafen -und die Stadt anzuzünden; Galeren und Schiffsboote seien ihm dazu unterstellt. Es -unterliegt keinem Zweifel, daß Tourville — jetzt auch Generalleutnant und Zweiter -im Kommando —, der sich hier sonst sehr auszeichnete, gegen du Quesne intriguierte. -In Briefen an den Marinestaatssekretär und an den Hof warf er dem Oberbefehlshaber -Fehler und Lauheit (z. B. die lange Pause) beim Bombardement vor, auch erklärte er, -daß ein Forcieren wohl möglich sei. Das erste war ungerecht, du Quesnes Aufgabe -war gewesen, einen Frieden herbeizuführen, und er stand ja in Unterhandlungen; das -letzte war mindestens fraglich. Ein gewaltsamer Angriff würde jedenfalls viel französisches -Blut gekostet haben, so betrug der Verlust in der Hauptzeit der Beschießung, -nämlich bis zum 29. Juli, nur 20 Tote und 78 Verwundete; darunter allerdings 13 Offiziere -der Mörserboote und Schaluppen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_408" id="Page_408">[408]</a></span></p> - -<p class="small">Auch nach Eingang dieser ausdrücklichen Befehle geschah nichts. Du Quesne -war beleidigt, und die Forcierung ging ihn nach der Order an Tourville nichts mehr an. -Tourville selbst erklärte jetzt aber auch die Sache für nicht ausführbar: Es fehlten -die Galeren (die, wie wir wissen, nicht wiedergekommen waren); die Minen seien unbrauchbar, -da nach Aussage der damit vertrauten Offiziere keine Fahrzeuge für deren -Verwendung vorbereitet seien. Hiermit wurde ein neuer Vorwurf gegen du Quesne -verbunden: Diese Offiziere hätten ausgesagt, der Admiral habe trotz ihrer Vorstellung -die Herrichtung geeigneter Fahrzeuge in Toulon nicht abwarten wollen.</p> - -<p>Im September erhielt du Quesne Befehl, beim Eintritt der ungünstigen -Jahreszeit die Belagerung aufzugeben; Anfang Oktober ging er deshalb nach -Toulon, Tourville mit 7 der bestsegelnden Linienschiffe zur Blockade zurücklassend. -So endete auch dieser Angriff ohne Erfolg; Algier unterwarf sich -den Friedensbedingungen erst infolge der beständigen Blockaden im Frühjahr -1684. Die Machthaber der Stadt sollen stets gesagt haben, ein Bombardement -schade ihnen nichts, die Stadt sei reich genug und mache so gute Beute, daß -sie sich nach einer Beschießung besser als vorher wieder aufbauen könne; -auch gab Ludwig etwas nach, da er gerade andere Pläne im Mittelmeer hatte -(Angriff auf Genua 1684). <b>Die weiteren französischen Operationen gegen die -Barbaresken</b> seien hier noch kurz geschildert.</p> - -<p>Tourville hatte im Frühjahr 1684 einen hundertjährigen (!) Frieden mit -dem Dey geschlossen, aber schon <b>1685</b> nahmen die Räubereien, zuerst von -<em class="gesperrt">Tunis</em> und <em class="gesperrt">Tripolis</em> aus, wieder überhand. Im Juni dieses Jahres -erschien deshalb d'<em class="gesperrt">Estrées</em> mit einem Geschwader vor beiden Städten -und zwang sie durch Beschießung zur Zahlung großer Entschädigungssummen. -<b>1688</b> griff er auch <em class="gesperrt">Algier</em> an; vom 1.–14. Juli wurden aus 10 Mörserbooten -gegen 10000 Bomben geworfen. Da sich aber die Boote in schlechtem Zustande -befanden und auch sonst die Beschießung weniger sorgfältig vorbereitet -war, erreichte man noch weniger als früher du Quesne. Die Stadt weigerte sich -zu unterhandeln und gab erst im nächsten Jahre aus anderen Gründen nach.</p> - -<p class="small">Diese Züge kommandierte d'Estrées, obgleich er Vizeadmiral des Atlantik war, -da sich du Quesne 1684 vor Genua mit de Seignelay überworfen hatte. De Seignelay -hatte sich hier zu sehr in die Befehlsbefugnisse du Quesnes gemengt, so daß dieser -zeitweise seine Kajüte nicht verließ. Der Staatssekretär hatte nach den leichten Erfolgen -1685 an d'Estrées geschrieben, wenn er 1682 und 1683 kommandiert hätte, würde -die Sache wohl besser verlaufen sein; der Mißerfolg des Jahres 1688 war also eine große -Genugtuung für du Quesne.</p> - -<p><b>1684 griff Ludwig XIV. Genua an.</b> Die Stadt hielt zu Österreich und -Spanien, baute um diese Zeit Galeren für letztgenannten Staat und hatte -auch Kriegsmaterial an die Barbaresken verkauft. Ludwig verbot die Lieferung -der Galeren unter Androhung schwerster Züchtigung. Genua lehnte ab, -stand aber ohne jede Unterstützung da, als Spanien 1684 (Regensburg) mit -Frankreich einen Waffenstillstand abgeschlossen hatte.</p> - -<p>Nun wurde <em class="gesperrt">du Quesne</em> mit einer Flotte — 13 Linienschiffe, 2 Brander, -20 Galeren, 10 Mörserboote — gegen die Stadt gesandt; <em class="gesperrt">de Seignelay</em> -schiffte sich selbst mit ein. Die Flotte erschien am 17. Mai vor Genua und -begann am 18. die Beschießung, nachdem die harten und demütigenden<span class="pagenum"><a name="Page_409" id="Page_409">[409]</a></span> -Friedensbedingungen abgelehnt waren; die Stellung der Mörserboote war -dieselbe wie vor Algier. Vom 18.–22. und am 24. warf man 4000 Bomben; -am letzten Tage wurde eine Scheinlandung im Osten, eine ernsthafte (2500 -Mann) im Westen der Stadt unternommen und die Vorstadt San Pier d'Arena -verbrannt. Die Stadt hatte durch das Bombardement schwer gelitten, doch -waren die Franzosen nicht imstande, sie einzunehmen. Infolge Androhung -einer neuen Beschießung unterwarf sich Genua aber doch 1685 den durch -Vermittlung des Papstes etwas gemilderten Friedensbedingungen: man -lieferte die streitigen Galeren an Frankreich aus und der Doge mußte mit -einer Abordnung der edelsten Geschlechter in Paris um Verzeihung bitten.</p> - -<p class="small">Es war dies die letzte größere Tätigkeit <em class="gesperrt">du Quesnes</em>; er zog sich bald ins Privatleben -zurück und starb 1688. Als Höchstkommandierender im Mittelmeer folgte ihm -Tourville, der sich auch vor Genua wieder ausgezeichnet hatte. Dieser wurde 1689 zum -Vizeadmiral der Levante ernannt, welchen Dienstgrad du Quesne wegen seiner Religion -nie erlangt hatte.</p> - -<p>Ein <b>venetianisch-türkischer Krieg 1684–1699</b> soll im Kapitel X besprochen -werden (vergl. Seite <a href="#Page_297">297</a>).</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p409.jpg" width="150" height="201" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_203_204" id="Footnote_203_204"></a><a href="#FNanchor_203_204"><span class="label">[203]</span></a> Hauptquellen: de Jonge, Teil II; „Vie de Tromp“. — Bonfils; Jal: „du Quesne“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_204_205" id="Footnote_204_205"></a><a href="#FNanchor_204_205"><span class="label">[204]</span></a> Hauptquellen: de Jonge, Teil II, und „Leben Ruyters“, in letzterem der Bericht -Ruyters über die Expedition mit genauen Dispositionen für die Landung auf Martinique.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_205_206" id="Footnote_205_206"></a><a href="#FNanchor_205_206"><span class="label">[205]</span></a> Hauptquellen: de Jonge, Teil II, dort auch genauere Angaben über die beiderseitigen -Streitkräfte; Chab.-Arnault; Bonfils.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_206_207" id="Footnote_206_207"></a><a href="#FNanchor_206_207"><span class="label">[206]</span></a> Ein Schiff fortbewegen, indem man mit Booten leichte Anker auslegt und -sich an diese heranholt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_207_208" id="Footnote_207_208"></a><a href="#FNanchor_207_208"><span class="label">[207]</span></a> Hauptquellen: de Jonge, Teil II; „Ruyters Leben“; Jal: „du Quesne“, sehr -genau; Bonfils.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_208_209" id="Footnote_208_209"></a><a href="#FNanchor_208_209"><span class="label">[208]</span></a> Sehr genau in de Jonge und im „Leben Ruyters“, hier auch die genaue Instruktion, -die der Admiral erhalten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_209_210" id="Footnote_209_210"></a><a href="#FNanchor_209_210"><span class="label">[209]</span></a> Nach de Jonge, Teil II, Beilagen X und XI; Jal: „du Quesne“ und Bonfils -geben die Namen der französischen Schiffe.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_210_211" id="Footnote_210_211"></a><a href="#FNanchor_210_211"><span class="label">[210]</span></a> Schilderung nach „Ruyters Leben“; de Jonge, Teil II; Jal: „du Quesne“: -Bericht desselben, viele Privatbriefe, Aktenauszüge über diese Aktion; Bonfils. — Vgl. -auch Mahan, Teil I, Seite 155, hier besonders der Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit, -daß Ruyter mit Absicht die Defensive wählte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_211_212" id="Footnote_211_212"></a><a href="#FNanchor_211_212"><span class="label">[211]</span></a> Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 205.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_212_213" id="Footnote_212_213"></a><a href="#FNanchor_212_213"><span class="label">[212]</span></a> Nach de Jonge, Teil II, Beilage XII, nahezu übereinstimmend mit den anderen -Hauptquellen; A. Jal gibt in „du Quesne“, Teil II, Namen der französischen und spanischen -Schiffe und Kommandanten, für letztere die Armierung nach offiziellen spanischen -Angaben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_213_203" id="Footnote_213_203"></a><a href="#FNanchor_213_203"><span class="label">[213]</span></a> Schilderung der Schlacht nach de Jonge, Teil II; „Leben Ruyters“; Jal: „du -Quesne“; Bon fils. Diese Quellen weichen etwas voneinander ab, aber kaum wesentlich -für die Beurteilung der Schlacht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_214_214" id="Footnote_214_214"></a><a href="#FNanchor_214_214"><span class="label">[214]</span></a> Backbrassen heißt, das Schiff durch Stellen der Segel eines Mastes gegen -den Wind zum Stillstand bringen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_215_215" id="Footnote_215_215"></a><a href="#FNanchor_215_215"><span class="label">[215]</span></a> Wörtlich im „Leben Ruyters“, darunter auch die Schreiben des Großen Kurfürsten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_216_216" id="Footnote_216_216"></a><a href="#FNanchor_216_216"><span class="label">[216]</span></a> Quellen wie bei „Agosta“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_217_217" id="Footnote_217_217"></a><a href="#FNanchor_217_217"><span class="label">[217]</span></a> Um ein Schiff vor Anker in jeder beliebigen Lage zum Winde festlegen zu -können, wird vom Heck aus eine Trosse außenbords herum nach vorn genommen, -auf die Ankerkette gesteckt und nach Bedarf eingeholt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_218_218" id="Footnote_218_218"></a><a href="#FNanchor_218_218"><span class="label">[218]</span></a> Genauer in de Jonge, Teil II, und „du Quesne“, Teil II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_219_219" id="Footnote_219_219"></a><a href="#FNanchor_219_219"><span class="label">[219]</span></a> Näheres de Jonge, Teil II, Seite 653 mit Schilderung kleiner Gefechte zwischen -Kriegs- und Freibeuter-Geschwadern beider Seiten, besonders auch der Operationen -gegen die Freibeuterei Dünkirchens; auch Bonfils, Teil I, Seite 223, hier erstes Auftreten -Jean Barts.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_220_220" id="Footnote_220_220"></a><a href="#FNanchor_220_220"><span class="label">[220]</span></a> Die früheren Kriege Dänemarks und Schwedens und ihre Marinen vgl. Seite -44, 109, 148, 239. Die Quellen dort auch hier gültig. Über die Beteiligung der Holländer -siehe de Jonge, Teil II, Seite 153, und „Vie de Tromp“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_221_221" id="Footnote_221_221"></a><a href="#FNanchor_221_221"><span class="label">[221]</span></a> Schon jetzt erhielt er den Elefantenorden. Als er dafür aber an Gebühren -2000 Taler zahlen mußte, soll er, sparsam veranlagt, gesagt haben: „Maar duivel! het -beestje komt mij een beetje duur te staan.“ (De Jonge.)</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_222_222" id="Footnote_222_222"></a><a href="#FNanchor_222_222"><span class="label">[222]</span></a> Näheres z. B. von Borke, „Die brandenburg-preußische Marine und die -afrikanische Kompagnie.“</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_223_223" id="Footnote_223_223"></a><a href="#FNanchor_223_223"><span class="label">[223]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 450, gibt die Operationen und manche recht interessante -Gefechte genau. Es findet sich dort auch die Bemerkung, daß England 1674–78 sehr -von französischen Freibeutern im Kanal zu leiden hatte. Diese, gegen Holland bestimmt, -nahmen es wie üblich mit ihren Angriffsobjekten nicht so genau. Der König beschränkte -sich auf erfolglose Vorstellungen in Paris. Das Volk mußte den Schaden tragen, merkte -es sich aber. — Ebendort auch Angaben über Gefechte mit Piraten in Ost- und Westindien.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_224_224" id="Footnote_224_224"></a><a href="#FNanchor_224_224"><span class="label">[224]</span></a> Nähere Angaben in de Jonge, Teil III.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_225_225" id="Footnote_225_225"></a><a href="#FNanchor_225_225"><span class="label">[225]</span></a> Geschildert nach du Sein, Bonfils und Jal: „du Quesne“, hier besonders die -Expeditionen sehr genau, die dieser Admiral führte.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_410" id="Page_410">[410]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p410.jpg" width="600" height="125" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Achtes Kapitel.</span><br /> -Der französisch-englisch-holländische Krieg von 1688–1697.</h3> - -<p><b>Die politischen Verhältnisse, die den Krieg herbeiführten.</b> Der jetzt -zu besprechende Seekrieg ist der Anteil, den die Kriegführung zur See an -dem großen europäischen Kriege 1688–1697 — dem <em class="gesperrt">Pfälzischen -Erbschaftskriege</em>, auch la guerre de la Ligue d'Augsbourg oder -der Orleanssche Krieg genannt — genommen hat. Die Kriegführung zur See -in diesem spielt scheinbar eine untergeordnete Rolle. Wenig große Seeschlachten -werden geschlagen, nur bei den Versuchen Ludwigs XIV., in England -die Stuarts wieder einzusetzen. Der Einfluß der Kriegführung zur See war -aber tatsächlich für den Verlauf des ganzen Krieges doch so bedeutend, daß -wir ihn wohl zu den großen Seekriegen rechnen können; die eben hochgekommene -französische Marine verschwindet in Folge dieses Krieges wieder -auf ein halbes Jahrhundert fast ganz von dem Meere.</p> - -<p>Mit dem Frieden von Nymwegen (1678) stand <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. auf der -Höhe seiner Macht und nutzte sie aus. Durch die berüchtigten Reunionskammern -— 1678 und 1679 von ihm in Metz, Breisach, Besançon und Tournay -eingesetzt — ließ er sich alle Gebiete zusprechen, die vormals irgendwann -und irgendwo mit den durch den Westfälischen oder Nymweger Frieden -von Frankreich neuerworbenen Ländern zusammengehangen hatten (deshalb -eben: „Wiedervereinigungs“-Kammern). Auf Grund dieser Ansprüche nahm -er dann an 600 Herrschaften, Städte und Orte in Deutschland und in den -spanischen Niederlanden (hier auch Luxemburg) in Besitz. Das Deutsche -Reich konnte nur Einspruch dagegen erheben; hierauf antwortete Ludwig -gar mit der Besetzung Straßburgs am 30. September 1681. Österreich war -seit 1678 durch Empörungen in Ungarn bedrängt. Hier hatte man die Türken -zu Hilfe gerufen, die bis Wien kamen (entsetzt durch Sobieski 1683); auch -der Große Kurfürst ließ den Kaiser im Stich, aus Verdruß über das ihm -widerfahrene Unrecht. So sah sich der Kaiser, und mit ihm Spanien und -Holland, sogar gezwungen, 1684 mit Frankreich einen Waffenstillstand -(Regensburg) abzuschließen, in dem die Ansprüche auf die Reunionen anerkannt<span class="pagenum"><a name="Page_411" id="Page_411">[411]</a></span> -wurden. Ludwig behielt auch Straßburg, Luxemburg und das 1681 -vom Herzog von Mantua gekaufte Casala: drei wichtige strategische Punkte -für Unternehmungen nach Norden, Osten und Süden; von seiner gewalttätigen -Züchtigung der kaiserlich und spanisch gesinnten Stadt Genua (1684) -haben wir gehört.</p> - -<p>Ludwig hatte sich aber durch sein Vorgehen neue Feinde geschaffen -und alte Freunde entfremdet; alles sah sich geschädigt — selbst der König -von Schweden im Herzogtum Zweibrücken und der Papst durch die Gründung -der selbständigen französischen Kirche — oder doch bedroht. Auch seine -innere Politik sollte dazu beitragen, die Machtstellung Frankreichs zu gefährden; -auf diesen Punkt wird später näher eingegangen werden. Trotzdem -trat er mit einer neuen Forderung hervor. Als 1685 der Kurfürst Karl Ludwig -von der Pfalz starb, beanspruchte Ludwig die Allodialgüter der ausgestorbenen -Linie; er erhob diesen Anspruch, bald auf die ganze Pfalz ausgedehnt, im -Namen seiner Schwägerin Elisabeth Charlotte (Schwester des verstorbenen -Kurfürsten und Gemahlin des Herzogs von Orleans).</p> - -<p>Wenn nun aber auch die Erbitterung in allen Staaten Europas tief und -allgemein war, so fehlte ihr zur Betätigung doch noch die Organisation und -Leitung; auch durfte Ludwig immerhin mit einem Rückhalt an den Stuarts -in England rechnen. Die Veränderung der Verhältnisse hier — die Revolution, -die Wilhelm von Oraniens Thronbesteigung zur Folge hatte — sollte das Vorgehen -Gesamteuropas gegen Frankreich nun beschleunigen.</p> - -<p class="small">Karl II. hatte immer noch genügend monarchische Gewalt gehabt, die politische -und religiöse Feindschaft des englischen Volkes gegen Frankreich einzudämmen. Er -starb 1685. Sein Nachfolger Jakob II. schloß sich nun noch enger an Ludwig an -und ließ sich durch seinen katholischen Glaubenseifer zu Handlungen hinreißen, die -das Volk dahin brachten, des Königs protestantische Tochter Maria (Gemahlin Wilhelms -von Oranien; dieser selbst Enkel Karls I. von mütterlicher Seite) für den Thron ins -Auge zu fassen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wilhelm von Oranien</em> war von seinem ersten Auftreten an vor -die Aufgabe gestellt, den Eroberungsplänen Ludwigs entgegenzutreten; er -blieb ihr bis zu seinem Tode treu. Von einer Besteigung des englischen -Thrones erhoffte er nicht nur eine Erhöhung seiner Stellung, sondern auch -die Erfüllung seines glühendsten politischen Wunsches, die Macht des französischen -Königs zu brechen. Er wurde die Seele der gärenden Bewegung -in Europa. Zunächst versöhnte er Brandenburg mit dem Kaiser und mit -Schweden, Holland mit Spanien und brachte ein Bündnis dieser Staaten -zustande, dem die meisten deutschen Fürsten beitraten (den <em class="gesperrt">Augsburger -Bund</em>, Juli 1686).</p> - -<p class="small">Während dieser diplomatischen Schachzüge fand von seiten Hollands und Frankreichs -eine Flottendemonstration statt. Ludwig versuchte Dänemark an sich zu -ziehen, den einzigen Staat, der von ihm nicht geschädigt war. Dadurch entstand (1683) -eine Spannung zwischen Dänemark und Schweden; jenes rüstete zu Lande und zu -Wasser mit französischer Unterstützung und näherte sich Brandenburg, das noch nicht -mit dem Kaiser versöhnt war. Nun beschloß Holland die Sendung einer Flotte von -24 Linienschiffen nach der Ostsee zum Schutze seines Handels, aber auch gegebenen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_412" id="Page_412">[412]</a></span> -Falles zur Unterstützung Schwedens, oder gar um Truppen nach Deutschland zu führen. -Frankreich kam ihm zuvor, Juni 1683 traf ein Geschwader von 13 Linienschiffen zum -Schutze Dänemarks in Kopenhagen ein. Die holländische Flotte ging im August in -See, kreuzte in der Nordsee und erreichte erst Ende Oktober Gothenburg; die öffentliche -Meinung in Holland billigte aus Furcht vor Frankreich den Schritt nicht. Da sich die -Verhältnisse zwischen Dänemark und Schweden friedlicher gestaltet hatten, ging das -französische Geschwader schon im September in die Heimat zurück; auf die Kunde -hiervon kehrten auch die Holländer heim.</p> - -<p>Vorläufig war es nur ein Defensivbündnis und noch nicht stark genug -zum Handeln. Noch war Österreich nicht frei im Osten, wenn es auch 1683 -die Türken in Ungarn in die Defensive gedrängt und immer weitere Erfolge -gehabt hatte (Ofen erobert, September 1686). Noch fehlte es an Geld, die -Niederlande waren trotz Oraniens Wunsch nicht willens, wieder den Bankier -für einen Staatenbund abzugeben; sie waren auch noch nicht geneigt, Oraniens -Absichten auf England mit Schiffen und Geld zu unterstützen, weil sie -wußten, daß dies sofort einen Krieg mit Frankreich herbeiführen würde; -Oranien selbst war auch wohl seiner Sache dort noch nicht sicher genug. Neue -Ereignisse brachten die Angelegenheit in Gang.</p> - -<p>Im November 1687 nahm Ludwig die Handelszugeständnisse zurück, -die er im Frieden von Nymwegen den Holländern gemacht hatte, und drohte -dadurch ihren Handel schwer zu schädigen.</p> - -<p>Nun schlug die Stimmung in den Niederlanden um; es gelang Oranien -mit Hilfe einiger vertrauter Staatsmänner, sich die Bereitschaft von Kriegsschiffen -für das kommende Jahr zu sichern sowie Gelder zum Mieten von -Truppen und Transportern zu verschaffen; beides geheim und unter anderen -Vorwänden.</p> - -<p>Im Juni 1688 wurde in England ein Thronfolger geboren. Die Furcht, -das katholische Königstum auch nach Jakob II. fortgesetzt zu sehen, brachte -die englische Nation fast allgemein dazu, jetzt Maria und Wilhelm wirklich -herbeizurufen. In Köln starb 1688 der Kurfürst. Die französische Partei wählte -den französisch gesinnten Wilhelm von Fürstenberg; Kaiser und Reich (auch -der Papst) erkannten ihn nicht an, französische Truppen setzten ihn ein und -beschützten ihn in Bonn, während Köln ihm die Tore verschloß und mit -Hilfe Brandenburgs entgegentrat. So war ein erster Zusammenstoß da und -Ludwig erachtete überhaupt die Zeit für den Angriff seinerseits gekommen, -ehe der Augsburger Bund völlig kampfbereit sein würde und einen tatkräftigen -Führer erhielte. Österreich hatte 1687 neue Erfolge gegen die Türken errungen -(Sieg bei Mohacs) und Ungarn wieder ganz unterworfen, konnte also bald -seine volle Kraft nach Westen verwenden; anderseits wußte Ludwig Oranien -zur Zeit in erster Linie mit seinen englischen Plänen beschäftigt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ludwig erklärte</em> deshalb am 24. September 1688 <em class="gesperrt">den Krieg -an Deutschland</em> und fiel sofort in die Rheinlande ein. Diese Gelegenheit -benutzte wieder <em class="gesperrt">Oranien</em>, seinen <em class="gesperrt">Übergang nach England</em> -auszuführen; die Vorbereitungen waren nahezu vollendet, die Niederlande -stimmten jetzt auch offiziell zu, die Ausführung wurde allerdings durch<span class="pagenum"><a name="Page_413" id="Page_413">[413]</a></span> -Wetterverhältnisse verzögert. Er landete am 15. November bei Torbay -und trat dann, sobald er schnell und unblutig festen Fuß gefaßt hatte (18. Februar -1689 wurden Wilhelm III. und Maria zu gleichem Recht auf den für -erledigt erklärten Thron erhoben; Jakob floh nach Frankreich), auch für -England dem Augsburger Bunde bei; an Holland hatte Ludwig den Krieg -erklärt, als er von dem Zuge Oraniens Kenntnis erhielt. Durch Englands -und endlich Savoyens Beitritt wurde der Bund zur <em class="gesperrt">großen Wiener -Allianz von</em> 1689 erweitert.</p> - -<p class="small">Ein französischer Autor sagt zutreffend: „Die Revolution in England führte den -Krieg von 1688 herbei und dieser Krieg ermöglichte wiederum die englische Revolution.“</p> - -<p>So mußte Frankreich gegen ganz Europa einen Krieg ohne einen einzigen -Bundesgenossen führen, und es war eingetreten, was seine Politik sonst stets -gefürchtet und deshalb bisher verhütet hatte: die Seemächte England und -Holland waren verbündet. Sie waren sogar unter demselben Herrscher -vereinigt.</p> - -<p class="small">Diese letzte Tatsache war die Folge kaum begreiflicher <em class="gesperrt">Fehler der Könige -Ludwig und Jakob</em>: Ludwig hatte Jakob unablässig und dringend vor den -Plänen Oraniens gewarnt und ihm Unterstützung durch Truppen, Geld und Schiffe -angeboten. Der englische König schlug alles ab, entweder weil er seiner Flotte unbedingt -traute (hiervon später) oder weil er fürchtete, daß bei der Stimmung des englischen Volkes -das Eingreifen der Franzosen eine Katastrophe beschleunigen würde. Vielleicht trat -eine Unterschätzung der Gefahr hinzu, um so mehr, da ein früherer Versuch gegen seinen -Thron leicht niedergeschlagen worden war.</p> - -<p class="small">(1685 hatten der Herzog von Monmouth und der Graf von Argyll einen Versuch -gemacht, Aufstände in England und Schottland zu erregen. Sie landeten von Holland aus -mit einigen wenigen Schiffen und Truppen in Dorsetshire und an der Westküste Schottlands, -wurden jedoch beide bald überwältigt und hingerichtet.)</p> - -<p class="small">Aber auch Ludwig scheint bei der Hartnäckigkeit, mit der er seine Ziele auf dem -Festlande im Auge hatte, diesen Umstand nicht genügend gewürdigt zu haben. Er -begann einen schweren Krieg im Osten und bedachte dabei nicht, daß die im Herzen -feindliche englische Nation in seiner Flanke darauf brannte, in den Kampf gegen ihn -einzutreten, und hierzu nur eines Führers bedurfte. Wenn er Holland zu Lande angriff -und seine Flotte — zu dieser Zeit selbst der vereinten englischen und holländischen -überlegen — in den Kanal schickte, so konnte er Oranien in den Niederlanden festhalten; -wenn dies rechtzeitig geschah, so wäre auch vielleicht das Verhalten der englischen -Flotte ein anderes gewesen. Während der Vorbereitungen zu Oraniens Expedition und -während der späteren Verzögerung ihres Abganges bestürmten der französische Gesandte -im Haag und der Marineminister Seignelay den König, die Flotte auslaufen zu lassen, -aber vergeblich. (Des Kriegsministers Louvois Einfluß gegenüber dem Seignelays'?)</p> - -<p><b>Allgemeiner Verlauf des Pfälzischen Erbschaftskrieges und Kennzeichnung -der Kriegführung zur See in diesem.</b> Wenn der Kampf zur See scheinbar -nur eine untergeordnete Rolle spielt und ihm deshalb auch in den meisten -Geschichtswerken (selbst seekriegsgeschichtlichen) nur eine dementsprechende -Beachtung geschenkt wird, so hat dies seinen Grund darin, weil nur wenige -große Seeschlachten auf einem Nebenkriegsschauplatze geschlagen werden. -Der Landkrieg und der Seekrieg stehen nur wenig im Zusammenhange, besonders -nicht in den Jahren, in denen der Landkrieg am erbittertsten geführt<span class="pagenum"><a name="Page_414" id="Page_414">[414]</a></span> -wurde; nur im Kampfe um Irland und gegen Ende um Katalonien greifen -sie ineinander ein. So genügt es denn, von dem <em class="gesperrt">Verlaufe des großen -europäischen Landkrieges</em> hier nachstehende kurze Zusammenfassung -zu geben und auch später nur andeutend auf ihn zurückzukommen.</p> - -<p class="small">Die Schauplätze des Landkrieges waren die spanischen Niederlande, der Unterrhein, -die Pfalz, Savoyen (Piemont) und Spanien (bes. Katalonien); Irland trat durch den -Einfall Jakobs II. dort hinzu. Wie im vorigen Kriege waren die Waffen Frankreichs -im allgemeinen glücklich: Ludwig gebot über tüchtige, von Condé und Turenne erzogene -Generale, über eine gute und einheitliche Armee von 150000 Mann; Vauban hatte -Frankreich — in dessen Besitz überall wichtige Stützpunkte und Waffenplätze übergegangen -waren — zu einem verschanzten Lager gemacht.</p> - -<p class="small">Am Oberrhein erfolgte die furchtbare <em class="gesperrt">Verwüstung der Pfalz</em> im Herbst -1688 und Frühjahr 1689 <em class="gesperrt">unter Melac</em>, wobei Speier, Worms, Heidelberg, Mannheim -und Hunderte von kleinen Orten verbrannt wurden. Ein ernster Widerstand war nicht -möglich: Bayern zeigte sich lässig; der größere Teil der österreichischen Macht war -noch in Ungarn beschäftigt; den Verbündeten mangelte das Zusammenwirken, da der -österreichische Führer (Caprara) mit dem brandenburgischen (Schöning) stets im Streite -lag und der holländische (Waldeck) sich unfähig erwies. 1689 gelang es nur, Mainz -wieder zu erobern (Sachsen und Bayern) und die Franzosen mit dem von ihnen eingesetzten -Kurfürsten aus dem Kölnischen zu vertreiben. Sonst drangen die Franzosen -weiter vor bis Frankfurt, Rothenburg, Göppingen und Ulm, welche Plätze sich hielten; -selbst von Bamberg, Nürnberg und Würzburg wurde mit Erfolg Kontribution gefordert, -und in Stuttgart ließ die Regierung den Feind hinein; Melac wollte auch diese -Stadt verbrennen, wurde aber durch Karl von Baden mit schwäbischen Kreistruppen -und aufgestandenen Bauern aus Schwaben vertrieben. 1690 wurde auch Waldeck -(Holländer, Spanier, Reichstruppen) bei <em class="gesperrt">Fleurus</em> vom Marschall <em class="gesperrt">Luxembourg</em> -geschlagen und die Franzosen errangen Erfolge in Piemont und an der spanischen Grenze.</p> - -<p class="small">Die Seele des Bundes, <em class="gesperrt">Oranien</em>, war bisher noch in England <em class="gesperrt">unabkömmlich</em> -gewesen. Jakob II. war im März 1689 in Irland gelandet, von Frankreich unterstützt -und gedeckt durch eine französische Flotte (Seegefecht vor Bantrybay). Mit Ausnahme -des vorwiegend protestantischen Ulster fiel ihm ganz Irland zu. Oranien aber gelang -es, trotz der französischen Flotte Truppen hinüberzuschaffen und im Juni 1690 selbst -hinüberzugehen, Jakob schließlich in der <em class="gesperrt">Schlacht am Boyne</em> (11. Juli 1690) -völlig zu schlagen und aufs neue zur Flucht nach Frankreich zu zwingen; Oraniens -Herrschaft war von diesem Zeitpunkt an als gesichert anzusehen. Selbst der Seesieg -der Franzosen bei Beachyhead (10. Juli 1690), in dem die vereinigte englisch-holländische -Flotte für dieses Jahr vollständig außer Gefecht gesetzt wurde, konnte Jakobs Sache nicht -mehr retten; schwache Versuche der französischen Flotte, nach ihrem Siege an der englischen -Küste aufzutreten, blieben erfolglos.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1691 brachte auf dem Festland einen Stillstand der französischen -Erfolge, auch ein Zurückgehen der Franzosen am Oberrhein. <em class="gesperrt">Oranien erschien</em> -eben nun mit einem Hilfskorps <em class="gesperrt">in Holland</em> und, was vielleicht noch mehr Einfluß -hatte, Louvois starb. Dieser Stillstand war aber nur von kurzer Dauer; Oranien mußte -bald nach England zurück und sofort errang <em class="gesperrt">Luxembourg</em> Vorteile über Waldeck -(z. B. <em class="gesperrt">Sieg bei Leuze</em> im Hennegau, September 1691) und <em class="gesperrt">im Jahre</em> 1692 eröffnete -Ludwig den Feldzug wieder mit äußerster Energie.</p> - -<p class="small">Es wurde eine große Landung in England geplant — ein letzter mächtiger Versuch -im Interesse Jakobs — und zugleich auf dem Festlande überall kräftig vorgestoßen. -Gegen Holland zog der König selbst, unter ihm Vauban und Luxembourg; hierher war -Oranien Anfang des Jahres mit neuen Truppen zurückgekehrt, er war jedoch nicht glücklich -im Felde. Namur wurde genommen (Vauban gegen Coehoorn, die beiden berühmten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_415" id="Page_415">[415]</a></span> -Ingenieure), <em class="gesperrt">Oranien</em> selbst mit einem 75000 Mann starken spanisch-holländisch-deutschen -Heere <em class="gesperrt">bei Steenkirchen</em> von Luxembourg, wenn nicht geschlagen, -so doch unter starkem Verluste aufgehalten. Catinat drang siegreich in Piemont (Schlacht -bei Marsaille in der Nähe Turins), Noailles in Spanien (Schlacht am Terr) vor; auf beiden -Flügeln so im Vorteil, brachen die Franzosen in der Mitte wieder in Deutschland den -Neckar entlang ein. Auch 1693 konnten die Franzosen noch Erfolge verzeichnen: -Im Juli siegte <em class="gesperrt">Luxembourg</em> nochmals <em class="gesperrt">bei Neerwinden</em> über Oranien, dieser -jedoch behauptete stets mit Hartnäckigkeit und Ausdauer das Feld; am Oberrhein -erfolgten neue Raubzüge, ungestraft wegen Uneinigkeit der gegnerischen Führer; aber -auch hier setzte Ludwig von Baden, als kaiserlicher Feldherr jetzt, in einer Verteidigungsstellung -bei Heilbronn dem Vordringen eine Grenze.</p> - -<p class="small">Dagegen hatte der Plan einer Invasion in England mit einer völligen Niederlage -der Franzosen (Seeschlacht bei Barfleur und La Hogue, 29. Mai 1692, und die nächsten -Tage) geendet. Der Seekrieg hatte bis dahin mit dem Landkriege auf dem Festland in -keinem Zusammenhang gestanden. Die französische Flotte war verwendet zur Unterstützung -des Aufruhrs in Irland und zu Versuchen, England anzugreifen; die Seestreitkräfte -der Verbündeten zur Abwehr. Jetzt verschwand die französische Flotte -als solche vom Meere. Man focht auf dem Meere in erster Linie um den Handel, und -die Verbündeten versuchten daneben, von See her in den Landkrieg einzugreifen: Durch -Bedrohung der französischen Küsten und durch Unterstützung der Spanier in Katalonien. -Das letztere setzte den Erfolgen der Franzosen ein Ziel, als Ludwig <em class="gesperrt">im Jahre</em> 1694 -hier noch einmal kräftig vorstieß. Der Kampf um den Seehandel war aber von noch -bedeutenderem Einfluß; besonders von Frankreich mit großem Erfolge geführt, schädigte -er England und Holland sehr. Von 1694 an wurde der Krieg von beiden Seiten lauer -geführt, außer der Rückeroberung Namurs 1695 durch Oranien treten keine Ereignisse -von Bedeutung mehr ein; auf beiden Seiten wünschte man den Frieden. Ludwig gelang -es schon 1696, Savoyen durch Rückgabe seines ganzen Gebietes zu befriedigen und so -den Bund zu schwächen. Spanien zeigte sich am hartnäckigsten, wurde aber dadurch -zum Nachgeben gezwungen, daß Ludwig 1697 noch einmal ihm gegenüber Vorteile -errang. Von den englisch-holländischen Seestreitkräften nicht mehr unterstützt, wurde -es in die Enge getrieben (Barcelona fiel), gleichzeitig bedrohte ein französisches Geschwader -seine westindischen Kolonien (Cartagena). Durch Schwedens Bemühungen -trat im Mai 1697 ein erfolgreicher Friedenskongreß in Ryswijk zusammen.</p> - -<p>Der Krieg endete mit dem <b>Frieden von Ryswijk</b> (20. September 1697, -Spanien, Holland, England; 30. Oktober Kaiser und Reich), da beide Parteien -erschöpft und des Kampfes müde waren.</p> - -<p>In Deutschland war der gute Wille, sich der Franzosen zu erwehren, -durch Neid unter den Fürsten und durch französische Umtriebe immer mehr -erlahmt. England und Holland, die auf seiten der Verbündeten allein die -Kosten getragen hatten, waren durch den Kreuzerkrieg schwer geschädigt -worden. Sie waren unter diesen Umständen (in Holland brach 1695 gar ein -Volksauflauf wegen der hohen Kriegssteuern aus) zum Frieden geneigt und -rechneten wohl damit, besonders England, auch jetzt schon genügende Vorteile -zu erringen. Frankreich war trotz des Reichtums, den das Land barg, -erschöpft durch den Riesenkampf gegen ganz Europa, verbunden mit dem -Rückgange der wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande.</p> - -<p class="small">Diese <em class="gesperrt">Erschöpfung Frankreichs</em>, unter der besonders auch seine -Marine litt — der tatsächliche Verlust an Schiffen war keineswegs der Grund ihres -schon während des Krieges eintretenden Verfalls; diese Materialeinbuße wäre leicht<span class="pagenumsmall"><a name="Page_416" id="Page_416">[416]</a></span> -zu verschmerzen gewesen —, war eine natürliche Folge der Politik Ludwigs, seiner inneren -wie seiner äußeren. Selbst die ungeheuern Opfer, die der Riesenkampf forderte, hätte -das an sich sehr reiche Land wohl tragen können, wenn Colberts Pläne voll verwirklicht -wären und Zeit gehabt hätten, genügend zu wirken. Colberts Reformen (vgl. Seite <a href="#Page_315">315</a> -„Colberts Tätigkeit“) hatten bis zum Jahre 1672 schon großen Erfolg gehabt. Die -Produktion auf landwirtschaftlichem und industriellem Gebiet hatte zugenommen, die -westindischen Kolonien blühten auf, der Seehandel hatte sich verdoppelt; der allgemeine -Wohlstand war gewachsen. Frankreich, das bei Ludwigs Thronbesteigung unter Schulden -und Unordnung seiner Finanzen litt, erfreute sich bei Ausbruch des Krieges 1672 gerade -geordneter Verhältnisse.</p> - -<p class="small">Der sechs Jahre dauernde Krieg untergrub aber schon die von Colbert geschaffene -Grundlage: Die ackerbauende Bevölkerung, die Industrie, Handel und Kolonien wurden -durch ihn zu lange lahm gelegt; die ungeheuren Kosten erschütterten die Ordnung in -den Staatsfinanzen, nur mühsam konnte Colbert diese von nun an noch aufrecht erhalten. -Beim Frieden von Nymwegen wäre es wohl noch wieder gut zu machen gewesen, aber -wie erwähnt, wurden nur Bedingungen durchgesetzt, die zwar vorteilhaft für Landzuwachs, -aber nicht für Hebung der Produktion und des Handels waren. Nach Colberts -Tode wurden seine Wege ganz verlassen und an die Stelle der produktiven Wohlfahrtspolitik -trat immer mehr ein nur nach Steuerkraft ringendes Verfahren. Auch durch sein -Vorgehen gegen die Hugenotten (Dragonaden 1683; Aufhebung des Edikts von Nantes -1685) hatte Ludwig die Produktionskraft des Landes geschädigt, indem er ein Element -geistiger und wirtschaftlicher Kraft zerstörte.</p> - -<p class="small">Die Feindschaft mit ganz Europa schloß nun von 1688 an auf lange Jahre Frankreich -zu Lande und zu Wasser von dem Verkehr mit allen anderen Völkern ab und kein -Land kann sich auf die Dauer aus sich allein heraus gedeihlich erhalten; nicht ohne Grund -hatten Richelieu und Colbert eine eigene Macht zur See und ein freundschaftliches Verhältnis -mit Holland angestrebt. Ludwig verwarf dieses mächtige Hilfsmittel im -stolzen Vertrauen auf seine Stärke und auf seine unumschränkte Herrschaft im Lande.</p> - -<p class="small">In diesem Kriege rechtfertigte Frankreich noch dieses Vertrauen durch seine, -im ganzen genommen, standhafte Haltung ganz Europa gegenüber. Es machte im Felde -zwar keine dauernden Fortschritte, wich aber auch nicht zurück; die Friedensbedingungen -fielen aber doch schon recht nachteilig aus. Im bald folgenden nächsten Kriege aber -war wohl noch dieselbe Tatkraft, jedoch nicht mehr die nötige Lebenskraft vorhanden; -Frankreich wurde überall zurückgeschlagen und an den Rand des Verderbens gebracht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Bedingungen des Friedens</em> — zum ersten Male in französischer, -nicht wie bisher in lateinischer Sprache abgeschlossen — waren -für Ludwig XIV. ungünstig: Frankreich verlor fast alles, was es im Frieden -von Nymwegen gewonnen, was es in den Friedensjahren sich angeeignet oder -in den Kriegsjahren erobert hatte; nur die Reunionen im Elsaß sowie Straßburg -blieben in seiner Hand. Es erkannte Oranien als König von England -an und gewährte den beiden Seenationen Handelsvorteile, die dem Gedeihen -der eignen Seemacht höchst nachteilig waren.</p> - -<p>Vergegenwärtigen wir uns nun nach der kurzen Zusammenfassung des -Gesamtkrieges die Beteiligung der Seestreitkräfte an ihm und damit den -<em class="gesperrt">Einfluß der Seemacht</em><a name="FNanchor_226_226" id="FNanchor_226_226"></a><a href="#Footnote_226_226" class="fnanchor">[226]</a>, um an der Hand dieser Betrachtung -später die kriegerischen Ereignisse zur See der Zeit nach zu besprechen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_417" id="Page_417">[417]</a></span></p> - -<p>Zuerst fanden die Flotten Verwendung in den Kämpfen, die die englische -Revolution hervorrief: Mit Hilfe der holländischen Flotte ging Oranien nach -England hinüber, unterstützt durch die französische Marine fiel Jakob in -Irland ein; die Flotten beider Parteien mußten dann ihre Armeen auf dieser -Insel unterstützen. 1690 versucht die französische Flotte, dem bis dahin -erfolgreichen Unternehmen Jakobs in Irland durch einen mächtigen Schlag -gegen die Hauptmacht der englisch-französischen Seestreitkräfte auch in -England eine günstige Wendung zu geben, jedoch ohne Erfolg; der ähnliche -Versuch 1692 — eine Landung in England — endet mit der Niederlage der -französischen Flotte.</p> - -<p>Nach dieser Niederlage gibt Frankreich den Seekrieg mit Flotten ganz -auf und verlegt sich auf den Kreuzerkrieg in großem Maßstabe, den es schon -1691, noch auf die Flotte gestützt, begonnen hatte. Es fügt dem Handel -der Gegner andauernd solchen Schaden zu, daß diese zum Frieden geneigt -werden. Anderseits schließen aber auch die Verbündeten die Franzosen -vom Seehandel ab und greifen mit starken Flotten in den Landkrieg ein; in -Spanien mit Erfolg. Endlich gegen Ende des Krieges trägt das Auftreten -französischer Seestreitkräfte gegen Spanien zur Beschleunigung des Friedensschlusses -bei.</p> - -<p>Die Kriegführung zur See zeigt sich also in diesem Kriege doch recht -einflußreich, ja, sogar mitentscheidend. Die Beschreibung des Seekrieges -und die sich daranschließenden Betrachtungen werden lehren, daß dieser -Einfluß noch weit bedeutender hätte sein können, wenn nicht auf beiden -Seiten Fehler in der Verwendung der Seestreitkräfte gemacht wären und wenn -nicht diese selbst, ebenfalls auf beiden Seiten, in ihrer Leistungsfähigkeit -zu wünschen übrig gelassen hätten. Ganz besonders lehrreich ist aber -dieser Krieg auch durch die Folgerungen, die man aus ihm über den Kreuzerkrieg -ziehen kann.</p> - -<p><b>Über die Streitmittel</b> (anschließend an Seite <a href="#Page_312">312</a> ff.).</p> - -<p>In <b>England</b> hatte der König Karl II. 1678 die Verwaltung der Marine -in die Hand einer Kommission gelegt (an ihrer Spitze stand Prinz Rupert), -deren Macht jedoch sehr durch den Einfluß des Königs eingeschränkt war; -die schon erwähnten Mißstände — Lockerung der Disziplin, Verminderung -und Verwahrlosung des Materials — erreichten eine solche Höhe in den nächsten -5 Jahren, daß ein englischer Autor (Campbell) sagt: „Wenn diese Zustände -noch weitere 5 Jahre gedauert hätten, so würde die Marine so weit heruntergebracht -sein, daß weitere Fehler in ihrer Verwaltung nicht mehr begangen -werden konnten.“ Dies sah schon Karl II. 1684 und griff bessernd ein; nach -seinem Tode (1685) setzte Jakob II. das Werk fort. Selbst hervorragender -Seemann, war dieser sein eigener Marineminister; er erreichte, daß bei Ausbruch -des Krieges 1688 wenigstens reichliches Material vorhanden war. Er -sollte aber für seine Person keinen Nutzen daraus ziehen, da die Flotte ihn -verließ. Mitte Dezember 1688 stand die ganze Marine Wilhelm von Oranien -zur Verfügung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_418" id="Page_418">[418]</a></span></p> - -<p class="small">Clowes sagt: „Jakob II. war gegen Ende seiner Regierung als tüchtiger Seemann -wohl noch populär in der Marine, erfreute sich aber als König nur geringer Loyalität. -Die Marine als Ganzes war sehr antikatholisch und nun machte der König, als Oraniens -Einfall drohte, im Juni 1688 einen Katholiken — Sir Roger Strickland — zum Befehlshaber -der Flotte; er sandte auch Priester an Bord, um Messe lesen zu lassen; diese entgingen -nur mit knapper Not körperlichen Mißhandlungen. Es war kein Ersatz an Mannschaften -zu erhalten, da niemand für die katholische Sache fechten wollte. Im September -wurde ein anderer Chef ernannt — der Earl of Dartmouth; es war zu spät, das -Mißtrauen war zu weit eingerissen, der Einfluß der mit der Revolution einverstandenen -Offiziere war zu groß geworden: „Cabals in every fore-castle; political meetings in -every cabin.“ Es ist fraglich, ob auch nur ein Drittel der Besatzungen, wenn vor die -Frage gestellt, gefochten haben würde.“</p> - -<p class="small">Admiral Herbert (später Earl of Torrington) und Kapitän Russell (später Admiral -Earl of Oxford) gehörten zu den Hauptparteigängern Oraniens; dieser war unter den -Abgeordneten, die Oranien herbeiriefen, jener befehligte zu Wasser dessen Expedition.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em><a name="FNanchor_227_227" id="FNanchor_227_227"></a><a href="#Footnote_227_227" class="fnanchor">[227]</a> war (vgl. genauer Seite <a href="#Page_177">177</a>):</p> - -<table cellpadding="2" summary="p418"> - <tr> - <td class="tdl">Schiffe: Klasse</td> - <td class="tdc">I.</td> - <td class="tdc">II.</td> - <td class="tdc">III.</td> - <td class="tdc">IV.</td> - <td class="tdc">V.</td> - <td class="tdc">VI.</td> - <td class="tdc">Brander</td> - <td class="tdc">Mörserboote</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Kanonen:</td> - <td class="tdc">96–100</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">60–74</td> - <td class="tdc">40–54</td> - <td class="tdc">28–32</td> - <td class="tdc">16–20</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Anzahl:</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">39</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">2(12?)</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">26</td> - <td class="tdc">3</td> - </tr> -</table> - -<p>Es würden dies also etwa 100 Schlachtschiffe (über 40 Kanonen) sein. -In den während des Krieges aufgestellten Schlachtflotten werden wir aber -keine Schiffe unter 50 Kanonen finden, auch bei den Holländern nur wenige; -das Linienschiff rechnet also tatsächlich von 50 Kanonen ab. Selbst die Schiffe -von 50–60 Kanonen sind schwach vertreten, sie erscheinen ebenso spärlich -wie im vorigen Kriege die 40–50 Kanonenschiffe. Die Hauptkraft der Flotten -liegt in 70 Kanonenschiffen und auch die noch schwereren sind vermehrt. -Vergleichen wir z. B. den Bestand von Solebay 1672 = 8 zu 80 Kanonen -und darüber, 11 zu 60–80 Kanonen und den von Barfleur 1692 = 19 zu -80 Kanonen und darüber, 31 zu 60–80 Kanonen.</p> - -<p>Aus der letzten Angabe sehen wir auch, daß 1692 fast alle Linienschiffe -über 60 Kanonen bei der Hauptflotte waren, und so war es in den meisten -Kriegsjahren der Fall. Auch von den kleineren Linienschiffen (40–60 Kanonen) -und von den anderen Fahrzeugen war wohl der größte Teil im Dienst; -man hatte stets kleine Geschwader in Westindien und den amerikanischen -Gewässern, mit den Holländern vereint ein Geschwader vor Dünkirchen, -Kreuzer im Kanal und Nordsee und endlich auch Begleitschiffe für Convois -(hiervon wohl eine große Zahl, wie genauere Angaben bei den Holländern -zeigen werden). Die <em class="gesperrt">Armierung</em> der Schiffe ist früher (Tabelle Seite <a href="#Page_170">170</a>) -für 1677 gegeben, vielleicht ist bei der jetzt gebräuchlichsten Schiffsklasse -die für 1719 mitgeteilte schon mehr entsprechend. Die <em class="gesperrt">Mörserboote</em> wurden -stark vermehrt, gerade in diesem Kriege spielten sie eine große Rolle.</p> - -<p>Wilhelm III. übergab die Verwaltung und Leitung der Marine — die -Geschäfte des Lordhighadmiral — wieder einer Kommission, wie es schon<span class="pagenum"><a name="Page_419" id="Page_419">[419]</a></span> -sehr früh 1638, dann unter der Republik und endlich, eben gesagt, unter -Jakob II. geschehen war. So entstand <em class="gesperrt">die Admiralität</em> mit dem -„Ersten Lord“ an der Spitze (der Marineminister) und diese hat seitdem -— mit kurzer Unterbrechung unter Königin Anna — fortbestanden. (Von -1696 an erscheint auch fortdauernd der Admiral of the Fleet.) Die Mißstände -in der Verwaltung dauerten aber noch länger fort, gerade in diesem Kriege -werden wir oft von verzögerter und mangelhafter Ausrüstung der Schiffe -hören. Auch in einer anderen Hinsicht lagen die Verhältnisse ungünstig. -Wohl weil die innere politische Lage im Lande noch nicht geklärt war, die neue -Regierung noch keineswegs feststand, scheint vielfach Mißtrauen in Hinsicht -auf Zuverlässigkeit und guten Willen mancher höheren Offiziere geherrscht -zu haben. Wir werden sehen, daß Frankreich mit solcher Unzuverlässigkeit -rechnete, daß von holländischer Seite die Schuld an Verzögerungen militärischer -Operationen dem Einfluß englischer Führer zugeschoben wird; -auffallend ist es jedenfalls, wie häufig man einen Wechsel im Oberkommando -eintreten ließ — zweimal wird es sogar wieder in die Hände dreier Admirale -gleichzeitig gelegt —, wie sehr der jeweilige Chef abhängig von Befehlen der -Admiralität war und scheinbar nicht wagte, nach eigener Ansicht zu handeln: -Mißerfolge konnten ihn verdächtig machen.</p> - -<p>Es ist nicht zu verwundern, daß unter der Einwirkung dieser Umstände -die englische Marine in diesem Kriege nicht das leistete, was man bei ihrer -Stärke hätte erwarten müssen.</p> - -<p>Man liest wohl, daß die <b>holländische Marine</b><a name="FNanchor_228_228" id="FNanchor_228_228"></a><a href="#Footnote_228_228" class="fnanchor">[228]</a> von Wilhelm von Oranien -vernachlässigt sei, namentlich nachdem dieser den englischen Thron bestiegen -habe; es wird sogar angedeutet, daß dies nicht nur geschehen, weil er -mehr Interesse für den Landkrieg und somit für das Heer gehabt habe, sondern -auch — eben später als König von England — um diesen Nebenbuhler der -englischen Marine zu schwächen; man kann aber diese Behauptung nicht -anerkennen. In Holland wurden während des jetzt zu besprechenden Krieges -recht bedeutende Anstrengungen gemacht, die Seestreitkräfte mächtig zu -erhalten, und diese sind sämtlich der Anregung und Einwirkung Oraniens -zuzuschreiben. In den ersten Jahren nach dem Frieden von Nymwegen -wurde allerdings wenig getan, die Schiffe, namentlich die schweren, in gutem -Zustande zu erhalten oder für Ersatz zu sorgen; doch haben wir stets gesehen, -daß man in dieser Hinsicht nicht sehr vorsorglich war, wenn die Gefahr -vorüber; bei der Erschöpfung des Landes und den Schulden der Admiralitäten -nach dem letzten Kriege kann es besonders dieses Mal nicht wundernehmen. -Aber schon von 1680 an setzte Oranien seinen Einfluß ein, um die Flotte wieder -herzustellen; vielleicht bewogen ihn gerade seine Pläne auf England hierzu.</p> - -<p>1682 brachte er den Beschluß durch, 36 Linienschiffe in zwei Raten -zu bauen, von denen auch sofort die erste Hälfte auf Stapel gelegt wurde -(die zweite Rate folgte erst 1688), und 1685 brachte auf sein Drängen eine<span class="pagenum"><a name="Page_420" id="Page_420">[420]</a></span> -Kommission von Abgeordneten der Generalstaaten und der Admiralitäten -den Antrag ein, den <em class="gesperrt">Gesamtbestand</em> auf 96 Linienschiffe — 20 I. Klasse -(80–96 Kanonen), 28 II. Klasse (70–74 Kanonen), 24 III. Klasse (60–68 -Kanonen), 24 IV. Klasse (50–54 Kanonen) — und 90 Fregatten usw. (14 bis -44 Kanonen) zu bringen und zu erhalten; hiervon waren zur Zeit nur 50 und 32 -vorhanden. Wenn dieser Antrag auch nicht durchging, so wurden doch bis -1692 41 Linienschiffe (über 50 Kanonen), darunter besonders zunächst viele -der schwereren, und 31 Fregatten usw. gebaut, so daß in diesem Jahre die -geplante Stärke fast erreicht war, obgleich inzwischen schon Verluste eingetreten -waren; während der weiteren Kriegsjahre kamen noch gegen -20 Linienschiffe zum Bau.<a name="FNanchor_229_229" id="FNanchor_229_229"></a><a href="#Footnote_229_229" class="fnanchor">[229]</a></p> - -<p class="small">Im ganzen sind unter Oranien von 1683–1701 93 Linienschiffe (I. Klasse = 15 zu -90–96 Kanonen; 2 zu 80–86 Kanonen; 21 II. Klasse; 29 III. Klasse; 26 IV. Klasse -und hiervon 40 allein in Amsterdam, in Friesland nur 4, in den 3 anderen Admiralitäten -je 14–18) und 65 leichtere Schiffe (meist zu 30–46 Kanonen) fertiggestellt — diese -mit den gewöhnlichen Mitteln der Admiralitäten, für die Linienschiffe hatte Oranien -außergewöhnliche Gelder beschafft — und zwar besonders seit 1688, also während des -langdauernden kostspieligen Krieges.</p> - -<p class="small">Es ist anzumerken: <em class="gesperrt">Der holländische Schiffbau</em>, der in früheren -Zeiten als Muster für die übrigen Nationen dastand, hatte sich nur wenig weiter entwickelt. -In England und namentlich in Frankreich wurde dieser mehr und mehr als -Kunst, auf Erfahrung und Theorie gestützt, betrieben, in Holland baute man handwerksmäßig -nach altem Brauche weiter; die Schiffe besaßen infolgedessen weniger gute -See- und Segeleigenschaften, was sich z. B. besonders den Dünkirchenern gegenüber -zeigte. Beweise hierfür findet man: in den Berichten der Admirale; in dem Umstande, -daß erwogen wurde, aus England einen Chef des Schiffbauwesens kommen zu lassen -(der Vorschlag scheiterte am holländischen Nationalstolz); in dem späteren Ausspruch -Peters des Großen, daß er Holland verlassen habe, da hier der Schiffbau nicht auf der -Höhe stehe. Im übrigen wurden unter Oranien sonst Hafen- und Werftanlagen erweitert -und verbessert.</p> - -<p>In betreff der <em class="gesperrt">Armierung</em> der Schiffe ist schon öfters erwähnt, daß -sie in den Kalibern hinter England und auch Frankreich zurückstand; für -die Zeit von 1690–1697 liegen Angaben vor, die dies im Vergleich mit genannten -Marinen (Tabelle Seite <a href="#Page_170">170</a>) auffallend zeigen.</p> - -<p class="small">De Jonge, Teil III, Beilage X (dort genauer): Es führten</p> - -<table class="sfont" summary="p420"> - <tr> - <td class="tdl">Ein Seeländer 94 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; 30:18-Pfdr.; 6:12-Pfdr.; 22:8-Pfdr.; 8:6-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Ein Maas 90 K.-Schiff = 12:36-Pfdr.; 18:24-Pfdr.; 30:18-Pfdr.; 24:6-Pfdr.; 4:4-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Ein Maas 84 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; 28:18-Pfdr.; 22:6-Pfdr.; 6:4-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Ein — 74 K.-Schiff = 14:24-Pfdr.; 12:18-Pfdr.; 26:12-Pfdr.; 10:6-Pfdr.; 10:4-Pfdr.</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">36-Pfdr. scheinen nur die Schiffe der Maas gehabt zu haben, bei Amsterdam wahrscheinlich -nicht, bei den anderen Admiralitäten sicher nicht; bei letzteren führten die -80 Kanonen-Schiffe an Stelle der 24-Pfdr. nur 18-Pfdr.</p> - -<p>Im Jahre 1695 wurden auch in Holland die neuaufgekommenen seefähigen -Mörserboote gebaut (10 oder 12).</p> - -<p>Holland hat in diesem Kriege auch noch stets zu der englisch-holländischen -Hauptflotte sein vertragsmäßiges Kontingent gestellt (etwa 30<span class="pagenum"><a name="Page_421" id="Page_421">[421]</a></span> -Linienschiffe = 3/8:5/8) und dazu traten stets ein Geschwader vor Dünkirchen, -Kreuzer im Kanal und Nordsee (alles Linienschiffe von 40–50 Kanonen, -einige von 50–60 Kanonen) sowie 30–35 Convoi-Begleitschiffe (20–50 -Kanonen, meist 30–40 Kanonen).</p> - -<p class="small">1690 fehlten bei der Hauptflotte in der Schlacht bei Beachyhead etwa 10 Linienschiffe -— sie waren, wie auch in England, nicht fertig und traten erst später hinzu —, -es waren aber 10 im Mittelmeer. 1692: bei La Hogue waren 29 Linienschiffe, darunter -8 über 80 Kanonen. 1693: 29 Linienschiffe bei der Flotte, 9 über 80 Kanonen; 6 im -Mittelmeer; 14 vor Dünkirchen usw. 1694: Gesamt 49, 11 über 80 Kanonen; 1695: 43; -1696: 40 Linienschiffe. Also waren meistens 45–50 Linienschiffe über 50 Kanonen -im Jahre im Dienst.</p> - -<p>Es muß schließlich erwähnt werden, daß in diesem Kriege zwar wiederum -in einzelnen Jahren Verzögerungen bei der Ausrüstung der Schiffe eintraten -(Geldmangel bei den Admiralitäten), daß aber über die Ausführung nicht -geklagt wird wie zu Ende des vorigen Krieges; wenn die verbündete Flotte -durch mangelhaften Zustand der Schiffe gelähmt wurde, scheint es stets an -den englischen gelegen zu haben; auch waren die Holländer in der Innehaltung -des Termins für die Aufstellung der Jahresflotte pünktlicher.</p> - -<p>Was das <em class="gesperrt">Personal</em> anbetrifft, so verfügte die holländische Marine über -tüchtige Admirale aus der Schule Ruyters, wie z. B. Almonde, Callenburgh, -Evertsen (der „Jüngste“); sie traten nicht so hervor, da die Holländer dem -Vertrage gemäß stets unter englischem Oberbefehl fochten. In der inneren -Organisation waren durch Oraniens Einfluß verschiedene Einrichtungen verbessert -und erweitert, die den Geist des Personals heben sollten: Vermehrung -der Kapitäne und Offiziere auf Halbsold, um immer unabhängiger von Aushilfskräften -zu werden; überetatsmäßige Kommandierung dieser an Bord, -um sie in Übung zu erhalten; Instruktionen für Dienstbetrieb und Disziplin, -für Verpflegung und Gesundheitspflege. Die Bemannungsfrage war wieder -schwierig: der Krieg war nicht so volkstümlich wie der gegen England; -Seefahrt und Fischerei wurden im allgemeinen nicht eingestellt, man wollte -die Einkünfte daraus nicht verlieren und fürchtete bei der langen Dauer -des Krieges, der Handel würde in andere Hände übergehen; die Freibeuterei -lockte mehr durch freieres Leben und größeren Gewinn; der Zudrang aus -Schweden und Dänemark fiel aus, da auch hier infolge eines drohenden Zusammenstoßes -größere Flotten in Dienst gehalten wurden, Fremde kamen -nur noch zahlreich von Bremen und Hamburg. Ähnliche Maßnahmen wie -früher wurden ergriffen: Zeitweises Verbot der Schiffahrt, wenn die Flotte -in Dienst gestellt wurde, oder Verpflichtung der Rhedereien, Leute zu stellen. -Der Versuch, ein festes Matrosenkorps zu gründen (1688 etwa 7000 Mann), -scheiterte an der Abneigung der seemännischen Bevölkerung, doch gelang es -meist, schon im Winter, wenn die Schiffahrt daniederlag — und die Matrosen -der Kauffahrer oder der vorjährigen Flotte ihr Erspartes nach Seemannsart -bald verjubelt hatten —, eine Reserve von etwa 9000 Mann für das nächste -Frühjahr anzuwerben. So wurde der Bedarf, 16–18000 Mann in einigen<span class="pagenum"><a name="Page_422" id="Page_422">[422]</a></span> -Jahren 20000, stets gedeckt, man findet keine Klagen hierüber und das -holländische Personal errang in diesem Kriege mehrfach das Lob Oraniens.</p> - -<p class="small">Das in den beiden letzten Kriegen vorhandene Seesoldatenkorps war wieder aufgelöst, -obgleich es sich so gut bewährt hatte. Da die Seeoffiziere besonders den Verlust -des gut geschulten Gewehrfeuers bedauerten, sicherte sich die Admiralität von Amsterdam -einige Kompagnien der Landtruppen dieser Provinz zur Einschiffung.</p> - -<p>So kann man wohl nicht sagen, daß die holländische Marine schon unter -Oranien vernachlässigt sei, um so weniger, wenn man die doch schon beginnende -Erschöpfung des Landes in Betracht zieht. Auch wenn der König -in England war, verhandelte er eifrig — auch mündlich — mit den Vertrauten, -die jetzt die Seele des Seewesens in Holland waren: Der Ratspensionär von -Holland, Heinsius (vor ihm Fagel, der unmittelbare Nachfolger de Witts), -und der Sekretär der Admiralität Amsterdam, de Wildt; dieser war Vertreter -des Statthalters im Seewesen, ein Generalleutnantadmiral wurde nach Tromps -Tode nicht wieder ernannt.</p> - -<p class="small">Daß die Ansicht (sogar durch holländische Schriftsteller) später ausgesprochen ist, -Oranien habe die Marine verfallen lassen, erklärt de Jonge mit folgenden Umständen: -Mit Ruyters Tode habe Brand, dem die besten Überlieferungen der früheren Kriege -zu danken („Leben Ruyters“), aufgehört zu schreiben, Archive usw. seien früher schwer -zugänglich gewesen und so hätten genaue Angaben über den Umfang der Indienststellungen -und über die Leistungen der Marine gefehlt. Große Ereignisse und Erfolge seien -in diesem Kriege selten gewesen; England sei mehr hervorgetreten, da es die größere -Zahl der Schiffe und die Oberbefehlshaber gestellt habe.</p> - -<p class="small">Wenn Oranien damit einverstanden war, daß Holland so eine zweite Rolle spielte, -so braucht man darin allerdings noch keine böse Absicht zu erkennen. Es ist nicht auffallend, -daß die Republik mehr zu dem Landkriege, der ihre Grenzen berührte, herangezogen -wurde als England; hiermit aber war die jetzt einflußreiche Partei, die aristokratische, -wohl sehr einverstanden; wir wissen, daß sie stets das Landheer vor der -Marine begünstigte.</p> - -<p class="small">De Jonge hebt dann ausdrücklich hervor: Was in Marinesachen geleistet, sei -nur Oranien zu verdanken, er habe stets auf noch mehr hingestrebt; wenn dieses nicht -erreicht sei, so seien andere Gründe schuld gewesen. (Es sind die uns bekannten: Parteiwesen, -Uneinigkeit der Provinzen, Vielköpfigkeit der Regierung; eine äußerste Anstrengung -war nur zu erreichen, wenn der Republik das Feuer auf den Nägeln brannte.) -Der Verfall der Marine sei erst nach Oraniens Tode eingetreten.</p> - -<p>Wir haben die Entwicklung der <b>französischen Marine</b><a name="FNanchor_230_230" id="FNanchor_230_230"></a><a href="#Footnote_230_230" class="fnanchor">[230]</a> bis zum Beginn -des dritten englisch-holländischen Krieges verfolgt und gesehen, wie Colbert -in wenigen Jahren die Seestreitkräfte Frankreichs auf fast gleiche Höhe -mit denen Englands oder Hollands brachte, wenigstens was das Material -anbetrifft. In derselben Weise arbeitete er weiter.</p> - -<p>Für das Jahr 1681 wird der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> auf 70 Linienschiffe -über 50 Kanonen und auf 170 Segel insgesamt angegeben; unter Colbert -wurden die verbesserten Mörserboote gebaut, die dann auch die anderen -Marinen einführten. Mit du Quesne wirkte er für die Ausbildung und Disziplinierung -des <em class="gesperrt">Personals</em>, besonders der Offiziere; der Krieg mit Holland im -Mittelmeer (1674–78), der Kampf mit den Barbaresken später gaben Gelegenheit<span class="pagenum"><a name="Page_423" id="Page_423">[423]</a></span> -zum Sammeln von Erfahrungen, und seit dem Frieden von Nymwegen -wurden stets große Übungsgeschwader im Dienst gehalten; in Kriegs- -und Friedenszeiten waren nichtbeschäftigte Offiziere, auch Kommandanten, -überetatsmäßig an Bord kommandiert. Wie früher Artillerie- und Navigationsschulen, -so wurde 1680 eine Schiffbauschule gegründet; mit Bau der Mörserboote -errichtete man besondere Bombardierkompagnien. So schritt die -Entwicklung der Marine unter Colbert stetig fort, trotzdem daß er in seinen -letzten Jahren schon mit Finanzschwierigkeiten im Lande zu kämpfen hatte; -wenn wir sahen, daß schon 1678 die Ausrüstung der Flotte zu wünschen -übrig ließ, so scheint dies mehr an Reibungen zwischen den Verwaltungs- und -Kommandobehörden gelegen zu haben, denn die französischen Quellen heben -ausdrücklich hervor, daß Colbert noch leistungsfähige Werften und wohlgefüllte -Magazine hinterlassen habe.</p> - -<p>Nach Colberts Tode aber (1683) ging mit dem Verfall seiner anderen -Schöpfungen auch die Marine bald zurück. Ludwig hatte kein Interesse für -das Seewesen; er wünschte zwar eine Kriegsmarine für seine Kriege, aber -er konnte oder wollte nicht einsehen, daß die Kriegsmarine wenig Zweck und -keine Lebensfähigkeit habe, wenn Industrie, Handel und friedliche Schiffahrt -zugrunde gingen. Es kam hinzu, daß die Nachfolger Colberts als Marineminister -wie Ludwig dachten oder gar die Flotte selbst als Waffe gering achteten.</p> - -<p>Der Marquis <em class="gesperrt">de Seignelay</em> (1683–1690; Sohn Colberts und schon -seit 1672 unter seinem Vater im Marineministerium tätig) strebte zwar auch -noch eine Vergrößerung der Marine an, aber nicht im Interesse des Handels -sondern wie Ludwig, „um mit ihr als Waffe seinen Ehrgeiz zu befriedigen“; -wir sahen ihn schon vor Genua selbst an Bord auftreten. Colbert hatte versucht, -der seemännischen Bevölkerung für ihren Dienst Vorteile zuzuwenden -— Halbsold, Witwen- und Waisenpensionen usw. —, unter Seignelay fielen -diese weg, er nutzte die Menschen nur aus.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> war hoch; 1690 sehen wir in der Schlacht -bei Beachy Head: 12 Schiffe von 80 bis über 100 Kanonen, 48 von 60–80 -Kanonen und 17 von 50–60 Kanonen. Aber die Werften und Arsenale -waren schon um 1688 nicht mehr voll und pünktlich leistungsfähig (Unordnung -und Verschwendung riß ein), und um die Schiffe zu bemannen, mußte -wieder zum Pressen gegriffen werden (vergl. Seite <a href="#Page_182">182</a>). Dies wurde selbst -in Friedenszeiten mit solcher Härte durchgeführt, daß Empörungen vorkamen; -das System der Rekrutierung bestand nur noch auf dem Papier. Zur teilweisen -Abhilfe des Mannschaftsmangels gründete Seignelay 80 ständige -Freikompagnien von Soldaten, je 100 Mann unter Führung eines Seeoffiziers, -die als Ersatz für Matrosen gute Dienste leisteten. Nur eins wird ihm nachgerühmt, -„daß er durch Sammlung und Vervollständigung der Reglements -seines Vaters ein Mittel hinterließ, mit dem sich viel später — unter Choiseul -1760 — die Marine aus dem von ihm durch Vergeudung des vorgefundenen -Materials und Personals vorbereiteten Niedergang wieder erheben konnte.“ -Er starb, erst 39 Jahre alt, am 6. September 1690.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_424" id="Page_424">[424]</a></span></p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault sagt von Seignelay: Seignelay besaß einen festen Willen, -große Intelligenz und Arbeitskraft, aber unleidlichen Stolz, Härte und Vergnügungssucht. -Colbert war selten zufrieden, tadelte stets, aber strafte ungern; Seignelay -tadelte beleidigend und strafte hart. Eins war gut bei ihm: er wußte die Disziplin, -namentlich im höheren Offizierkorps, aufrecht zu erhalten, die einzuführen Colbert und -du Quesne so viele Mühe gemacht hatte.</p> - -<p>In den Krieg 1688 trat nach Vorstehendem die französische Marine also -noch als eine mächtige ein. Sie besaß genügendes und gutes Schiffsmaterial wie -Personal, insbesondere waren die Flaggoffiziere und Kommandanten in -Führung der Geschwader und Schiffe auf der Höhe. Die Marine war den -Feinden gewachsen, wenn nicht überlegen, aber ihr Rückgang war schon -im Entstehen.</p> - -<p class="small">Admiral von Frankreich war dem Namen nach bis 1683 <em class="gesperrt">Vermandois</em> (Sohn -der Lavallière). Als dieser, 16 Jahre alt, starb, folgte der fünfjährige <em class="gesperrt">Comte -de Toulouse</em> (Sohn der Montespan). Dieser sprach vorläufig also auch noch nicht -mit, sollte aber später ein ganz tüchtiger Seeoffizier werden.</p> - -<p class="small">Was Ludwig von seiner Seemacht hielt, geht daraus hervor, daß er ähnlich -wie England verlangte, alle Nationen (ausschließlich England) sollten auf See die Lilienflagge -salutieren; 1688 zwang Tourville, von der Barbareskenküste zurückkehrend, -ein spanisches Geschwader mit Waffengewalt hierzu.</p> - -<p>Auf Seignelay folgte <em class="gesperrt">Louis de Pontchartrin</em> 1690–1699 und -unter ihm schritt der Verfall der Marine fort.</p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault sagt: Auf einen Minister jung, kriegerisch, ruhmsüchtig, zwar -verschwenderisch aber doch wohl bekannt mit der Organisation der Verwaltung und -der Flotte folgte ein älterer Mann (47 Jahre) kalt, berechnend, sparsam, friedlich gesinnt -und völlig dem Kriegswesen, insbesondere dem Seewesen, fremd. Obgleich wohlwollend -und gutem Rate zugänglich, wurde er durch die Umstände gezwungen, mehrfach und -ungerecht gegen die tüchtigsten Führer aufzutreten und bei der Verwendung der für -die Marine bestimmten Mittel teils unangebrachte Knauserei, teils zwecklose Verschwendung -zu zeigen.</p> - -<p>Pontchartrin hatte ganz andere Ansichten über die Verwendung der -Marine als seine beiden Vorgänger; zum Heben des eigenen Handels konnte -er bei den herrschenden Verhältnissen nichts tun, von einer Kriegführung -zur See in großem Maßstabe hielt er nichts — vielleicht unter Louvois' Einfluß -stehend —; er glaubte die Marine am besten zum Angriff auf den feindlichen -Handel zu verwerten und dadurch die öffentlichen und privaten Kassen -zu bereichern. Anfang 1691 schlugen Louvois und Pontchartrin gar dem -Könige vor: „Die Marine, die so teuer käme und doch nur die Küsten schütze, -durch 25000 Mann Infanterie und 4000 Reiter zu diesem Zwecke zu ersetzen!“<a name="FNanchor_231_231" id="FNanchor_231_231"></a><a href="#Footnote_231_231" class="fnanchor">[231]</a></p> - -<p>Die Schiffszahl wurde zwar, um Ludwigs Wünschen zu genügen, noch -erhalten, auch wurden zunächst noch große Flotten in Dienst gestellt. Der -<em class="gesperrt">Bestand</em> wird für 1692 auf 120 Linienschiffe über 40 Kanonen angegeben. -In diesem Jahre verlor Frankreich bei La Hogue 15 Linienschiffe. Oft ist -gesagt, hier sei die französische Marine vernichtet! Der Verlust wäre doch -wohl zu verschmerzen gewesen, auch waren andere Schiffe im Bau; schon<span class="pagenum"><a name="Page_425" id="Page_425">[425]</a></span> -1693 finden wir 70 Linienschiffe im Atlantik und gegen 17 im Mittelmeer im -Dienst, weitere waren noch auf den Werften und für 1696, also gegen Ende des -Krieges, wird der Bestand sogar auf 135 Linienschiffe über 40 Kanonen und -auf 20 Fahrzeuge von 24–36 Kanonen angegeben; es ist dies der höchste Stand, -der erreicht worden ist. Von einer Vernichtung bei La Hogue kann man -also nicht sprechen, aber nach dieser Schlacht brach die Ansicht Pontchartrins -immer mehr durch; die große Flotte 1693 wurde nur zu einem Schlage gegen -den feindlichen Handel (Angriff auf den Smyrna-Convoi) verwendet, und -von da an stellte man jährlich nur noch verschiedene kleinere Divisionen auf. -Die große Schiffszahl stand bald sozusagen nur noch auf dem Papier; auch -wurden die Schiffe vernachlässigt, da Werften und Arsenale sich immer -weniger leistungsfähig zeigten. Unter einem in den Seesachen gänzlich unerfahrenen -Minister trat zu der schon unter Seignelay eingerissenen Verschwendung -in der Verwaltung auch wieder Nachlässigkeit und selbst Untreue -wie vor Colberts Zeiten; auch nahm der Hader zwischen den Verwaltungs- -und Kommandobehörden zu. Ebenso ging <em class="gesperrt">das Personal</em> nach und nach -zurück. Der reine Kreuzerkrieg mit kleinen Divisionen und einzelnen Schiffen, -besonders wenn er mit Königlichen Schiffen, Offizieren und Mannschaften -geführt wurde, die an Private vermietet waren (vgl. später „Kreuzerkrieg“), mußte -schädigend auf Disziplin und Geist einwirken; bei vielen wurde doch wohl -mehr Lust nach Beute als Ehre und Vaterlandsliebe die Triebfeder. Im -Offizierkorps gingen ferner Übung und Erfahrung in Exerzitien und Taktik -verloren — nur eine kleine Elite bewahrte das Interesse daran und damit die -Überlieferung für die späteren Zeiten Choiseuls. Zwar warf Pontchartrin -als gleichzeitiger Generalkontrolleur der Finanzen noch ein großes Budget -für die Marine aus, aber die schlechte Verwaltung verschlang noch mehr und -die zunehmende Zerrüttung der Geldwirtschaft im Lande machte es oft -unmöglich, die nötigen Mittel zu beschaffen. Da konnten denn auch unter -ihm der seemännischen Bevölkerung die von Colbert eingeführten Vergünstigungen -nicht zu teil werden, selbst die Löhnungszahlung wurde wieder -unregelmäßig; die Folge war, daß der Dienst immer unbeliebter wurde, das -Pressen immer härter durchgeführt werden mußte; die Fahnenflucht wurde -eine Plage, die mit den schärfsten Mitteln nicht zu steuern war.</p> - -<h4>Der Verlauf des Seekrieges.</h4> - -<p><b>Wilhelm von Oraniens Übergang nach England<a name="FNanchor_232_232" id="FNanchor_232_232"></a><a href="#Footnote_232_232" class="fnanchor">[232]</a> 1688.</b> Es ist erwähnt, -daß Oranien frühzeitig dafür sorgte, im gegebenen Augenblick über die erforderlichen -Kräfte zur Besitzergreifung des englischen Thrones verfügen zu -können. An die Generalstaaten konnte er sich nicht wenden, weil die Angelegenheit<span class="pagenum"><a name="Page_426" id="Page_426">[426]</a></span> -möglichst geheim gehalten werden mußte und die Nation vorläufig -nicht geneigt war, sich durch Unterstützung seiner Pläne mit Frankreich -zu verfeinden. Er gewann aber einflußreiche Vertraute in dem Ratspensionär -von Holland, Fagel, in den drei Bürgermeistern von Amsterdam, in -Mitgliedern der Admiralitäten usw. Mit ihrer Hilfe gingen schon Ende 1687 -Beschlüsse durch, im nächsten Jahre eine stärkere Flotte in Dienst zu stellen -als in den letzten Jahren, sowie Gelder zu bewilligen, um die Festungen in -Stand zu setzen. Die stärkere Indienststellung wurde für den Handelsschutz, -besonders gegen Piraten der Raubstaaten, die sich wieder bis in den Kanal -zeigten, verlangt; zu diesem Zweck war ein Beschluß der Generalstaaten nicht -nötig, solange es die Admiralitäten aus ihren eigenen Mitteln bestreiten konnten. -Die Gelder für die Festungen verwandte Oranien zum Mieten von Truppen bei -fremden Fürsten und zum Heuern von Transportern. Die Vertrauten, die -Einfluß in den Admiralitäten besaßen, sorgten ferner dafür, daß auch die -nicht in Dienst zu stellenden Schiffe bereit gehalten wurden und daß man -im Laufe des Sommers 1688, nachdem der Prinz im Juli die Adresse aus -England erhalten hatte, die bewilligte Flotte nach und nach noch weiter -verstärkte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Mitte Oktober</em> 1688 lag in Hellevoetsluis eine Flotte von 13 Schiffen -zu 60–68 Kanonen, von 7 zu 50–56, 11 zu 40–48, 16 zu 32–36, -10 Brandern und in verschiedenen benachbarten Häfen waren gegen -340 Transporter zur Überführung der Truppen sowie 60–70 kleine Fahrzeuge -für die Landung selbst bereit. Die Befehlshaber — Leutnantadmiral Cornelis -Evertsen und Vizeadmiral Almonde — erfuhren erst jetzt den wahren Zweck -der Flotte sowie, daß der nach Holland geflüchtete englische Admiral Herbert -(später Earl of Torrington) als Leutnantadmiralgeneral mit dem Tage der -Abfahrt den Oberbefehl übernehmen solle, wie es auch am 27. Oktober geschah. -Die Order für die Flotte war: Die Überfahrt der Transporter und die Landung -zu decken und dann Diversionen an der Westküste Englands und in Schottland -zugunsten Oraniens zu machen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tromp</em> war nach Ruyters Tode Leutnantgeneraladmiral geworden. Wenn ihm -nicht der Oberbefehl über die immer mehr anwachsende Flotte übergeben wurde, so -hatte dies gleichfalls seinen Grund darin, daß man kein Aufsehen erregen wollte; es war -ja kein Krieg — auch soll er nicht mehr gut mit Oranien gestanden haben. Der englische -Oberbefehlshaber war lediglich aus politischen Gründen gewählt worden; bis zum Tage -der Abfahrt befehligte Herbert nur ein Geschwader.</p> - -<p>Ende Oktober war alles bereit; die Truppen wurden eiligst und heimlich -zusammengezogen und eingeschifft (11090 Mann und 4092 Pferde); Oranien -ging am 27. mit Leutnantadmiral Scheppers und Marschall Schomberg auf -die ganz neue Fregatte „den Briel“ (30 Kanonen). Bezeichnend für den -politisch-religiös gemischten Charakter der Expedition ist, daß, wie Wilhelms -Oberbefehlshaber am Lande, eben der frühere französische Marschall Schomberg, -so auch ein großer Teil der Armeeoffiziere Hugenotten waren.</p> - -<p class="small">Erst unmittelbar vorher hatte Oranien den Generalstaaten seine Pläne eröffnet -und nun auch ihre Zustimmung gefunden. Bis dahin soll diesen und auch England<span class="pagenumsmall"><a name="Page_427" id="Page_427">[427]</a></span> -gegenüber alles geheim gehalten sein, was jedoch kaum glaublich ist; weiß man doch, -daß der französische Gesandte schon länger darüber an Ludwig berichtet hatte; der -englische Gesandte soll allerdings sehr „harmlos“ gewesen sein.</p> - -<p>Die Flotte setzte bei Südwestwind den Kurs nach Norden, weil die Ostküste -Englands (Humber?) zur Landung in Aussicht genommen war, aber schon -in der nächsten Nacht zersprengte sie ein schwerer Südweststurm; man mußte -zum Wiedersammeln nach Hellevoetsluis zurückkehren. Große Freude war -in England und Frankreich, wo übertriebene Berichte über Verluste einliefen; -der französische Gesandte im Haag schrieb: „Enfin la flotte du Prince -d'Orange est au diable“; diese Gerüchte wurden von holländischen Zeitungen -absichtlich genährt, um die Feinde einzuschläfern. Tatsächlich hatte wohl -ein schrecklicher Zustand auf den überfüllten Schiffen geherrscht, die Beschädigungen -aber waren nur gering und Verluste fast gar nicht zu beklagen; -500? oder 900? Pferde sollen über Bord geworfen sein. Schnell wurde allem -abgeholfen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Am</em> 10. <em class="gesperrt">und</em> 11. <em class="gesperrt">November</em> ging man wiederum in See mit demselben -Ziele; wegen schweren östlichen Windes aber wurde bald beschlossen, in -den Kanal zu steuern und bei Torbay und Dartmouth zu landen. Am 13. -wurden die Hoofden passiert, die Nachzügler gesammelt und dann mit Trompetenschall -und Geschützsalut längs der englischen Küste kanalabwärts -gesteuert; voran die Transporter von 4 Fregatten gedeckt, die Flotte zum -Schutz gegen die englische hinterher. „Den Briel“ führte im Großtopp eine -Flagge mit der Inschrift: „Für den protestantischen Gottesdienst und Englands -Freiheit“; darunter Oraniens Devise: „Je maintiendrai“. Der Prinz -hatte beabsichtigt, schon am 14. November, seinem 38. Geburtstage, zu landen; -die ihn begleitenden Engländer beredeten ihn zur Wahl des 15., des Jahrestages -der Pulververschwörung. In der Nacht vom 14. auf 15. überlief die -Flotte Dartmouth infolge Unachtsamkeit der englischen Lotsen (die Engländer -sagen, Fehler der holländischen Navigateure). Dies konnte bei dem -steifen Ostwinde sehr nachteilig werden, weil man fürchten mußte, an anderen -Landungspunkten mehr westlich Widerstand von englischen See- und Landstreitkräften -zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe; der Wind sprang auf Süd -um, man erreichte Torbay und konnte noch am 15. den größten Teil der -Truppen ausschiffen; Oranien wurde am Lande mit Jubel begrüßt. Am 16. -wurde der Rest gelandet, nach einem Feldgottesdienst der Marsch auf Exeter -angetreten und diese Stadt noch am Abend besetzt. Gleich nach beendeter -Ausschiffung der Truppen kam Sturm auf, so daß die Landung der Geschütze -und des Kriegsmaterials verhindert wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wo waren die Engländer</em>? Jakob II. hatte eine ansehnliche -Flotte im Dienst. Diese hatte den Sommer über unter dem katholischen -Admiral Strickland vor Dover gelegen mit Vorposten im Kanal und vor der -Themse; später aber war sie unter dem protestantischen Admiral Earl of -Dartmouth in die Themse zurückgezogen; die holländische Expedition hatte -sie beim Steuern in den Kanal fast in Sicht passiert. Der Wind soll an diesem<span class="pagenum"><a name="Page_428" id="Page_428">[428]</a></span> -Tage ein Ankerlichten verhindert haben; erst am 15. konnte sie dem Feinde -folgen, wurde dann aber, gegen den Sturm aufkreuzend, festgehalten, bis -es zu spät war. Es ist wohl anzunehmen, daß weder vom König strikte Befehle -eingegangen, weil dieser der Marine nicht mehr traute (auf den Werften usw. -hatten schon ungünstige Kundgebungen stattgefunden), noch in der Flotte -ernstliche Absichten, einzugreifen, vorhanden waren. Bald nach den geschilderten -Ereignissen wurden infolge eines Kriegsrates die katholischen -Kommandanten an Land gesetzt und eine Adresse an Oranien gesandt; Mitte -Dezember stellte sich die Flotte diesem völlig zur Verfügung.</p> - -<p>Oranien marschierte auf London; Truppen, die bei Salisbury standen, -gingen zu ihm über. <em class="gesperrt">Jakob</em> verkündigte eine Amnestie und versprach, -allen Beschwerden abzuhelfen; zu spät, alles verließ ihn, er mußte nach Frankreich -fliehen. Am 18. Dezember zog <em class="gesperrt">Oranien</em> in London ein und wurde am -18. Februar 1689 <em class="gesperrt">als König anerkannt</em>.</p> - -<p>Die holländische Flotte kehrte in zwei Abteilungen im Januar und März -1689 nach Holland zurück.</p> - -<p><b>Jakobs II. Einfall in Irland und die Operationen 1689.</b> Ludwig XIV. hatte -nach Oraniens Übergang an Holland den Krieg erklärt, aber nicht an England, -weil er Oranien nur als einen Eindringling betrachtete, der keineswegs -das ganze englische Volk hinter sich habe, jedoch war er bereit, Jakob in -seinem Versuche, sein Königreich wiederzugewinnen, zu unterstützen. -Tatsächlich besaß Jakob in England noch viele Anhänger; die besten Aussichten -hatte er aber in den schottischen Hochlanden und vor allein in Irland; -von hier aus wollte er versuchen, seine verlorene Macht wiederzugewinnen. -Es wäre nun die beste Gelegenheit gewesen, den Fehler von 1688 — daß man -Oranien überhaupt hinübergelassen hatte — wieder gut zu machen, indem -man die Überlegenheit der französischen Flotte jetzt noch voll ausnutzte, -zunächst den Seekrieg gegen England und Holland führte und damit eine -große Invasion in Irland, Schottland oder gar England selbst ermöglichte; -dies geschah aber nicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im März</em> 1689 brachte ein kleineres französisches Geschwader — Chef -d'Escadre de Gabaret — <em class="gesperrt">Jakob</em> mit 8000 Mann <em class="gesperrt">in Cork</em> an Land (22. -bis 24. März). Er wurde mit Jubel begrüßt, zog in Dublin ein, nur in einzelnen -Städten hielten sich die englischen Besatzungen; gleichzeitig erhoben -sich unter Viscount Dundee die Hochländer in Schottland. Jakob verstand -es aber nicht, seine Sache richtig zu führen — er lebte mehr der Entgegennahme -von Huldigungen usw. — und wurde auch in der Folge nicht richtig von der -französischen Flotte unterstützt, sonst hätte er mit Hilfe Irlands und Schottlands -Wilhelms III. Stellung sehr erschüttern können. Sein Einfall war ohne -jeden Widerstand seitens der englisch-holländischen Seestreitkräfte ausgeführt, -da diese nicht fertig waren.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">England und Holland</em> hatten allerdings schon im Beginn des Jahres einen -<em class="gesperrt">Vertrag</em> über Ausrüstung einer gemeinsamen Flotte von 80 Linienschiffen, 24 Fregatten, -12 Brandern geschlossen; 50 Schiffe waren für den Kanal, 30 für das Mittelmeer<span class="pagenumsmall"><a name="Page_429" id="Page_429">[429]</a></span> -bestimmt. Wie schon im Jahre 1668 (Tripelallianz, Seite <a href="#Page_308">308</a>) wurde dabei auch jetzt -und auch später immer das Verhältnis auf 5/8 (England) und 3/8 (Holland) festgesetzt; -England sollte 50 Linienschiffe, 15 Fregatten, 8 Brander stellen, Holland 30 Linienschiffe, -9 Fregatten und 4 Brander. Wie 1668 so war auch jetzt als Grund des schwächeren -Kontingents Hollands angenommen, daß dieser Staat mehr durch den Landkrieg in -Anspruch genommen werden würde, und dementsprechend wurden die aufzustellenden -Armeen auf 100000 Holländer gegen 40000 Engländer normiert. Man braucht darin -also, wie schon erwähnt, noch keinen Beweis des Rückganges der holländischen Marine -zu sehen, aber es kennzeichnet doch wohl schon ein Zurücktreten der Seemacht Hollands -hinter die Englands, und ganz besonders tun dies die sonstigen Bestimmungen des Vertrages. -Nach diesen nämlich sollten nicht nur die Hauptflotte der Verbündeten, sondern -auch alle selbständigen Geschwader oder sonstige detachierte Kräfte stets unter dem -Oberbefehl eines englischen Offiziers stehen; ja, bei gemeinschaftlichem Kriegsrat hatten -die englischen Flaggoffiziere und Kommandanten am „oberen Ende“ des Tisches zu -sitzen (diese Bestimmungen entschuldigt de Jonge mit der „damaligen höheren Auffassung“ -der Würde des Königtums).</p> - -<p class="small">Aber erst nach und nach sammelten sich die Schiffe der beiden Staaten. Die ersten -Holländer trafen im Juni bei Wight ein. Die Schiffe, die 1688 im Dienst gewesen, waren -erst im Januar und März zurückgekehrt und bedurften der Überholung; die kleineren -Admiralitäten hatten überhaupt nicht genügend Kriegsschiffe und mußten Kauffahrer -umbauen; den größeren mangelte Geld, bis die ostindische Kompagnie aushalf. In -England hatten wohl die noch unsicheren inneren Verhältnisse eine rechtzeitige Indienststellung -verhindert.</p> - -<p>Erst als Jakobs Landung bekannt geworden, erhielt <em class="gesperrt">Admiral Herbert</em> -in Portsmouth den Befehl, mit den segelfertigen englischen Schiffen <em class="gesperrt">nach -Irland</em> zu gehen. Er erschien Mitte April vor Cork mit nur 12 Linienschiffen, -hörte hier, daß das französische Geschwader bereits zurückgesegelt sei, -kreuzte dann im Kanaleingang an der französischen Küste und hielt endlich -wieder nach Cork hinüber, da er durch Aufklärungsschiffe erfahren hatte, daß -eine neue französische Flotte unterwegs sei; am 9. Mai kam auch für kurze -Zeit eine größere Zahl von Schiffen in Sicht.</p> - -<p>Es war dies eine <em class="gesperrt">zweite französische Expedition</em>, die -am 6. Mai wiederum mit Truppen (5000?, 6000?, 7000? Mann, Munition und -Kriegsmaterial) Brest verlassen hatte. Diese ihrerseits erfuhr am 9. vor Cork, -daß Herbert in der Nahe sei; da man bei dem herrschenden Ostwinde auf -den Ankerplatz hätte aufkreuzen müssen, steuerte der Chef Generalleutnant -<em class="gesperrt">Château-Renault</em> nach West und ankerte am 10. Mai 2 Uhr nachm. -in der <em class="gesperrt">Bantrybay</em>. Herbert war am 9., den Feind suchend, auch nach -Westen gesegelt und sichtete die Franzosen am Abend des 10. in genannter -Bucht. Château-Renault hatte sofort mit dem Ausschiffen begonnen, und als -um 6 Uhr abends seine Vorposten das Herankommen der Engländer meldeten, -waren fast alle Truppen schon am Lande. Er warf den Rest, der sich noch -auf den Linienschiffen befand, auf die Transporter, lichtete Anker und hielt -sich mit kleinen Schlägen gefechtsbereit im Eingang der Bucht, um das weitere -Landen des Kriegsmaterials von den Transportern und Brandern zu decken. -Die Nacht verbot auf beiden Seiten weitere Operationen; am 11. kam es -zum Gefecht. <em class="gesperrt">Stärke der Gegner</em>:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_430" id="Page_430">[430]</a></span></p> - -<p class="noindent">Engländer = 3 Schiffe zu 70 Kanonen; 5: 60–68; 5: 50–54; 5: 46–48; -1: 36; 1 Brander; 2 Mörserboote.</p> - -<p class="noindent">Franzosen = 4: 60–66; 12: 50–60; 8: 40–48; 2 Fregatten, 10 Brander.</p> - -<p class="small">Das <b>Gefecht vor Bantrybay</b><a name="FNanchor_233_233" id="FNanchor_233_233"></a><a href="#Footnote_233_233" class="fnanchor">[233]</a> 11. Mai 1689: Herbert beginnt morgens in die Bucht -hinein aufzukreuzen. Als er aber die Stärke des Feindes genau erkennt, hält er es für -ungeeignet, in der Leestellung und im beschränkten Wasser zu fechten. Er hält unter -kleinen Segeln wieder in See, dabei bestrebt, seine noch nicht tadellose Linie zu verbessern -und die Luvstellung zu gewinnen; das erste gelingt, das zweite jedoch nicht -infolge Gegenmanöver der vordersten Franzosen. Château-Renault hatte bis 11 Uhr gewartet -und ging dann erst an den Feind heran; auch seine Linie scheint nicht besonders -gut gewesen zu sein infolge des Manövrierens in der Bucht.</p> - -<p class="small">Um 11½ Uhr vorm. begann das Gefecht. Es wurde auf französischer Seite nur -von der Mitte mit Nachdruck geführt, während Vorhut — Chef d'Escadre de Gabaret — -und Nachhut — Chef d'E. de Forant — sich lau zeigten. (Französische Quellen sagen -wegen Eifersucht der Unterführer gegen den Geschwaderchef — alte Seeleute gegen -einen Protegierten; nach Troude berichtete Château-Renault, Gabaret habe die Befehle -zum Angriff nicht sofort befolgt, so daß er selbst mit der Mitte die Spitze habe nehmen -müssen, und Forant sei nicht im Kielwasser geblieben; beide hatten Entschuldigungen -für ihr Benehmen. Chabaud-Arnault sagt: „Gabaret und Forant gaben an, Renault -habe das Gefecht schlecht geleitet, die nötigen Orders nicht zu geeigneter Zeit gegeben, -dann war es aber Pflicht der Offiziere mit mehr Erfahrung, ihren Chef zu unterstützen. -Herbert dagegen verstand es nicht, aus dem Fehler der Franzosen Nutzen zu ziehen“.) -Herbert versuchte nun, den Feind von der Küste abzulocken; Ch. Renault jedoch brach -um 5½ Uhr nachm. 21 sm. von der Küste das Gefecht ab, um seine Transporter nicht allein -zu lassen. Das Gefecht war ziemlich scharf gewesen: ein französisches Schiff (54 Kanonen) -war durch eine Explosion angehäufter Kartuschen fast ganz zerstört, auch die Engländer -verloren ein Schiff sowie 100 Tote und 300 Verwundete. Für diese war es von großem -Vorteil gewesen, daß die französischen Brander nicht zur Stelle waren, da sie noch Munition -für die gelandeten Truppen löschten.</p> - -<p>Das Gefecht war kein voller Sieg der Franzosen, aber auch keine besondere -Leistung der Engländer, soviel schwächer waren diese nicht; dennoch -wurde aus politischen Gründen Herbert zum Earl of Torrington ernannt -und an zwei Kommandanten die Ritterwürde verliehen.</p> - -<p>Auf beiden Seiten hatten viele Schiffe so gelitten, daß nichts weiter -unternommen wurde: Herbert segelte nach Plymouth; Renault, der eigentlich -nach beendeter Landung an der Küste bleiben und die englischen Seestreitkräfte -verjagen sollte, ging nach Brest zurück (16. Mai dort). Er hatte zwar -die erste Aufgabe trotz feindlichen Eingreifens in nur 10 Tagen gelöst, ein -Verbleiben in den irischen Gewässern wäre aber von großer Wichtigkeit gewesen. -Herbert schickte nämlich bei seiner Abfahrt ein <em class="gesperrt">kleines Geschwader</em> -in die <em class="gesperrt">irische See</em>, nur zwei Schiffe (54 und 48 Kanonen) -<em class="gesperrt">unter Kapitän Rooke</em>, um dort einige kleinere Fahrzeuge an sich -zu ziehen und sich dann dem Landkriege zur Verfügung zu stellen. Diese -kleine Flottille leistete nun Wesentliches ohne Störung durch französische -Seestreitkräfte; sie unterbrach die Verbindung zwischen Irland und Schottland<span class="pagenum"><a name="Page_431" id="Page_431">[431]</a></span> -für die Jakobiten und hielt eine solche zwischen Irland und England für -Wilhelm III. offen, auch griff sie in den Kampf um Küstenplätze ein.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Londonderry</em> — im Norden Irlands am Lough Foyle — wurde von den -Jakobiten belagert und hart bedrängt; General Kirke stand in England mit Truppen -zur Verstärkung; Rooke ankert am 10. Mai im Clyde (genauer unter der Halbinsel -Cantine) und bestellt hierher die Transporter Kirkes vom Solway. Zunächst stoßen -einige kleinere Fahrzeuge zu ihm, dann kommt am 8. Juni der Transport, gedeckt durch -drei 48-Kanonenschiffe und ein 36-Kanonenschiff. Rooke geht nun nach dem Lough -Foyle, trifft Mitte Juni dort ein; Kirke (früher Seesoldat) versucht nach Londonderry -hinaufzukommen, findet aber das Fahrwasser durch Ketten und Sperren mit flankierenden -Batterien gesperrt. Rooke läuft in den Lough Swilly ein und belästigt von dort den -Feind (läßt nebenbei an der Küste auf kleinere französische Kriegsfahrzeuge kreuzen); -Kirke forciert infolge eines antreibenden Befehles vom Marschall Schomberg am 28. Juni -die Sperre mit einem Kriegsschiff und zwei Transportern. Es gelingt, die Verstärkungen -in die Stadt zu werfen und die Jakobiten geben am 31. Juli die Belagerung auf.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Rooke</em> kreuzt weiter zwischen der Nordspitze Irlands und der Insel Man im -Nordkanal und <em class="gesperrt">führt</em> den Transport mit <em class="gesperrt">Schombergs Hauptheer</em> zur -Niederwerfung Irlands nach Belfast Lough <em class="gesperrt">über</em>. Nach und nach verstärkt, teilt -er seine Flottille und beherrscht auch die irische See sowie den St. Georgskanal; am -18. September nimmt er sogar die wichtigste Insel im Hafen von Cork; erst im Oktober -geht er nach den Downs, da seine Schiffe der Ausbesserung und Ausrüstung bedürfen.</p> - -<p>Diese Erfolge der kleinen Flottille sind um so bemerkenswerter, als sonst -die <em class="gesperrt">Beteiligung der Seestreitkräfte</em> beider Gegner im Kampfe -um Irland 1689 <em class="gesperrt">unbegreiflich gering</em> ist. Die Franzosen hätten -das Hinübergehen englischer Truppen hindern müssen, wahrscheinlich wäre -dann im Sommer 1689 ganz Irland für Jakob gewonnen worden; die Verbündeten -taten nach Bantrybay wenig, um sich die Herrschaft im Kanal zu -sichern. Die Untätigkeit beider Gegner ist um so unverständlicher, als sie -nach und nach über nicht unbedeutende Flotten verfügten; diese müssen -wohl nicht recht kriegsbereit gewesen sein.</p> - -<p>Zu <em class="gesperrt">Herbert</em> stießen im Laufe des Juni bei Wight die Holländer, und -die vereinigte Flotte war nun 61 Kriegsschiffe (34–92 Kanonen) und 17 -Brander stark; die festgesetzte Stärke von allein 80 Linienschiffen war also -bei weitem nicht erreicht, und von einer Entsendung nach dem Mittelmeer -mußte abgesehen werden, dazu war man nicht stark genug. Die Flotte ging -in See, um die französische Küste zu beunruhigen und um ein in Brest von -Toulon erwartetes Geschwader — 20 Linienschiffe unter Tourville; am 9. Juni -abgegangen — abzufangen; sie kehrte bald nach Torbay zurück, „da sie schlecht -ausgerüstet war.“ Unmittelbar darauf (31. Juli) traf <em class="gesperrt">Tourville</em> in Brest -ein und übernahm den Oberbefehl über 70 Schiffe über 40 Kanonen.</p> - -<p class="small">Nach Delarbre waren die Verbündeten noch bei Cap Ouessant, als Tourville herankam; -in größerer Nähe Brest zu blockieren, erschien ihnen zu gefährlich. Durch Aufklärung -gut über den Feind unterrichtet, hielt sich Tourville bei nördlichem Winde -5 Tage lang in der Nähe, aber aus Sicht der Gegner, wartete, bis Südwestwind aufkam -und lief dann in Sicht des Feindes in die Bucht (Iroise) ein.</p> - -<p>Im August liefen die Verbündeten nochmals aus und Tourville trat ihnen -bei den Scillys entgegen (Mitte des Monats); der Minister Seignelay befand sich<span class="pagenum"><a name="Page_432" id="Page_432">[432]</a></span> -an Bord. Die Verbündeten standen zu Luward, vermieden aber das „von -den Franzosen gesuchte“ Gefecht. Es kam nur zum Zusammenstoß je eines -vorgeschickten Linienschiffes in Sicht der Flotten.</p> - -<p class="small">Nach holländischen Angaben wollten sie sich wegen ihrer Minderzahl durchaus -defensiv verhalten; nach französischen Quellen schonten sie sich, um einen erwarteten -Smyrnaconvoi beider Nationen decken zu können. Dieser Convoi lief auch später -unbelästigt in den Kanal ein. Beide Erklärungen stimmen also gut überein. Nach -einer anderen französischen Angabe endlich waren auch die Franzosen nicht geneigt, -in einer großen Schlacht zuviel aufs Spiel zu setzen.</p> - -<p>Dann trennten sich die Gegner, gingen nach einigen Tagen in ihre Häfen -und rüsteten bis auf kleine Wintergeschwader ab.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p432.jpg" width="300" height="358" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p432" id="fig_p432"></a> -<p class="caption">Tourville.</p> -</div> - -<p><b>Das Jahr 1690. Die Schlacht -bei Beachy Head</b> (oder Béveziers). -Für 1690 rüstete Frankreich gewaltig -zur See mit der Absicht, die -englisch-holländischen Streitkräfte -zu vernichten — womöglich -einzeln vor ihrer Vereinigung; die -Engländer überraschend in ihren -Häfen —, die Seeherrschaft völlig -zu erringen und dann in England -einzufallen. In Rochefort -wurden innerhalb dreier Monate -15 Galeren zur Unterstützung -der Segelflotte gebaut und -Truppen an den Küsten zusammengezogen; -es waren zwar -nur 8000 Mann, man rechnete -aber mit Erhebung der Jakobiten -in England und hielt für diese -Waffen zur Überführung bereit. -In Brest lagen über 60 Linienschiffe -unter <em class="gesperrt">Tourville</em>, eine -Verstärkung aus Toulon wurde erwartet; infolge Mangels an Personal und -an Material in den Arsenalen war aber die Flotte (70 Linienschiffe) nicht -vor Ende Juni fertig.</p> - -<p class="small">Tourville (nach Chabaud-Arnault) geboren 1637; in der harten Schule der Malteser-Ritter -erzogen, besonders zum tüchtigen Seemann; 1666 Kapitän in der französischen -Marine, trat früh hervor; im Frieden mehrfach Kommandant von Schulschiffen für -Seeoffiziere; zeichnete sich aus im Kriege 1674–1678 im Mittelmeer, später vor Algier -und Genua. — Kräftige, schöne Erscheinung und aristokratisches Auftreten; ehrenhaft, -vielleicht nicht ganz aufrichtig (siehe sein Benehmen gegen du Quesne); gehorsam, -scheute sich aber nicht, seine Ansicht auszusprechen; persönlich mutig bis zur Tollkühnheit; -klug und geschickt bei Entwerfen von Operationen; ließ sich nicht beeinflussen beim -Fassen von Entschlüssen und scheute sich nicht vor Verantwortung; in allen Zweigen -des Dienstes erfahren, aber kein Organisator wie du Quesne.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_433" id="Page_433">[433]</a></span></p> - -<p class="small">Wir finden aber auch andere Urteile: Seignelay, dessen Befehle vom grünen Tisch -er nicht immer ausführte, sagte von ihm „brave de coeur, mais poltron de tête“, wogegen -Sue wohl richtiger sagt „brave de sa personne et poltron pour ses matelôts“.</p> - -<p class="small">1689 wurde er Vizeadmiral der Levante und nach d'Estrées' sen. Abgang als ältester -Vizeadmiral Chef der großen Flotten, 1693 Marschall, gestorben 1701. — Biographie -von Delarbre.</p> - -<p>Die Verbündeten hatten die Indienststellung einer gleich starken Flotte -wie im Vorjahre (80 Linienschiffe) beschlossen; hier blieb man noch mehr im -Rückstande. Am 1. Juli lagen nur etwa 50 Linienschiffe — darunter nur -erst 18 Holländer — unter <em class="gesperrt">Herbert</em> bei Wight; allerdings waren ein größeres -und ein kleineres Geschwader detachiert und einige Schiffe in Plymouth bereit, -zur Flotte zu stoßen. Weitere holländische Schiffe, deren Ausrüstung wieder -wegen Geldmangels nicht rechtzeitig fertig wurde, kamen erst im Laufe des -Juli nach und nach hinzu. Auch in England war die Rüstung mit einer unverständlichen -Lauheit betrieben worden, scheinbar ein Fehler der Regierung. -Admiral Herbert hatte während des ganzen Winters vergeblich auf rechtzeitige -Ausführung gedrungen; der Premierminister <em class="gesperrt">Nottingham</em> nahm in -Unterschätzung der Franzosen die Sache leicht (vgl. z. B. Colomb, Seite 110: -Herberts Verteidigung in seinem späteren Prozeß); auch in Holland scheint -der Feind unterschätzt worden zu sein.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">größere</em> der genannten <em class="gesperrt">Geschwader</em> war <em class="gesperrt">an der spanischen -Küste</em>. Schon bei der Abrüstung 1689 war es im Dienst behalten, -16 englische und 9 holländische Linienschiffe stark. Es sollte Anfang 1690 -nach dem Mittelmeer gehen, um einen großen gemeinsamen Convoi dahin zu -geleiten und dann die französischen Streitkräfte von Toulon dort festzuhalten. -Verschiedene Umstände — Ausrüstung; Wetter; Erwarten der Braut des -Königs von Spanien (Maria Anna, Tochter des Kurfürsten von der Pfalz), -die nach Coruña gebracht werden sollte; Sammeln des Convois —, in der -Hauptsache aber scheinbar Unschlüssigkeit in England (die Holländer -klagen darüber), verzögerten die Abfahrt; erst Mitte März ging man mit einem -großen Convoi in See. An der spanischen Küste wurden Schiffe abgezweigt, -um die Prinzessin zu geleiten, andere zur weiteren Begleitung der Kauffahrer; -ein Sturm trennte die übrigen Schiffe und brachte Verluste, so daß erst am -18. April etwa 15 Linienschiffe — die Engländer unter Admiral <em class="gesperrt">Killigrew</em>, -die Holländer unter <em class="gesperrt">Almonde</em> — zur Erfüllung der Hauptaufgabe, Abfangen -des Toulon-Kontingents, wieder vereint in Cadiz lagen. Während -man hier ausrüstete und ausbesserte, wurde am 19. Mai die Ankunft des französischen -Geschwaders — 14 Segel, darunter 6(?) Linienschiffe — unter -<em class="gesperrt">Château-Renault</em> gemeldet. Killigrew ging am nächsten Tage in -See und sichtete die Franzosen am 22. Mai zwischen Gibraltar und Ceuta. -Château-Renault, der schwächer war und seine Vereinigung mit der Flotte -in Brest im Auge hatte, entzog sich richtigerweise einem Gefecht; er konnte -es, weil seine Schiffe bodenrein waren, die der Gegner (besonders der Engländer) -jedoch in schlechtem Stande. Killigrew hatte den Befehl, ihm zu folgen, -und tat dies auch, aber nicht im Sinne der Order. Er kehrte zunächst nach<span class="pagenum"><a name="Page_434" id="Page_434">[434]</a></span> -Cadiz zurück, besserte aus, sammelte einen Convoi von 150–200 Schiffen und -segelte dann am 19. Juni. Die Folge war, daß Renault seine Verstärkung -wohlbehalten und rechtzeitig zur Vereinigung nach Brest führen konnte, -während Killigrew erst am 23. Juli in Plymouth eintraf, als die Schlacht bei -Beachy Head geschlagen war.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">kleinere Geschwader</em>, 6 Kriegsschiffe unter Admiral -<em class="gesperrt">Shovel</em>, war für die <em class="gesperrt">irischen Gewässer</em> abgezweigt und sollte -wie im Vorjahre sehr nützlich werden. Es kam allerdings zu spät, oder war -nicht stark genug, um einen ersten Erfolg der Franzosen zu hindern. Im -Anfang März schon brachte der Chef d'Escadre d'<em class="gesperrt">Amfreville</em> mit -30 Linienschiffen, die auch zu diesem Zweck von 1689 im Dienst belassen waren, -unbehindert einen Transport von 7000 Mann sowie Kriegsmaterial nach -Cork. Er ging dann aber nach Frankreich zurück, und in der Zukunft zeigten -sich keine Franzosen mehr hier, um den Engländern die Verbindung mit -Irland zu unterbrechen. So wurde es <em class="gesperrt">Wilhelm</em> III. möglich, unter Shovels -Bedeckung auf 288 Fahrzeugen seine Armee im Juni von Chester nach Irland -hinüberzuführen; er landete am 24. Juni in <em class="gesperrt">Carrikfergus</em>. Shovel -wurde am 28. Juni zur Hauptflotte entlassen, erreichte diese aber auch erst -nach Beachy Head.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Mahan</em> sagt zu vorstehenden Ereignissen: „Während des ganzen Kriegsabschnittes, -in dem es sich um den Besitz von Irland handelt, ist nichts auffallender als -die von beiden Seiten an den Tag gelegte Sorglosigkeit in bezug auf die Verbindung -des Gegners mit der Insel. Besonders merkwürdig erscheint dies bei den Franzosen, -die die stärkeren Seestreitkräfte hatten und von denen man annehmen muß, daß sie -durch die Unzufriedenen in England genau über alle Vorgänge unterrichtet waren. -Es scheint, daß ein Geschwader von 25 Fregatten nebst einigen Linienschiffen für den -Dienst im St. Georgs-Kanal bestimmt war; aber nur 10 Fregatten kamen nach Kingsale -und auch dies erst, als durch die Schlacht am Boyne alles für Jakob verloren war.“ -Wir kommen auf diesen Umstand noch zurück.</p> - -<p>Die Verzögerung des Seeklarwerdens hatte die Franzosen gehindert, -ihrer Absicht gemäß vor Vereinigung der Gegner aufzutreten; <em class="gesperrt">Tourville</em> -erhielt nun <em class="gesperrt">Befehl</em>, trotzdem auszulaufen und den Feind aufzusuchen. -Ein großer Schlag zur See versprach die größten Erfolge: Die Lage in England -war bedenklich. Irland war über ein Jahr in erfolgreichem Aufstande, -und es war den Franzosen geglückt, eine neue Truppenmacht auf die Insel -zu werfen; Wilhelm III. war mit dem größten und besten Teile seiner Truppen -dort; die Anhänger Jakobs traten in England, wo die Königin die Regierung -führte, mit ihren Kundgebungen mehr und mehr hervor. Die Vernichtung -der verbündeten Flotte und darauf ein Festhalten des Königs in Irland, sowie -eine Landung in England mußten voraussichtlich für Oraniens Stellung verhängnisvoll -werden. Die französische Flotte war hierzu der feindlichen -ungemein überlegen — die stolzeste, die Frankreich je ins Gefecht geführt hat.</p> - -<p>Am 23. Juni lief <em class="gesperrt">Tourville</em> von Brest aus; starke Gegenwinde im -Kanal hielten ihn auf, auch waren die Galeren genötigt, unter der Küste der -Bretagne Schutz zu suchen. Am 3. Juli morgens sichteten seine Aufklärungsschiffe<span class="pagenum"><a name="Page_435" id="Page_435">[435]</a></span> -die feindliche Flotte zu Anker bei St. Helens (Wight). <em class="gesperrt">Herbert</em> -war so wenig kriegsbereit und unterrichtet, daß er nicht einmal Vorposten -im Westen hatte. Erst am 2. Juli hatte er Nachricht erhalten, daß die Franzosen -in See gegangen seien; jetzt waren sie wenige Seemeilen von ihm.</p> - -<p class="small">Er sagte später aus: Da alle unsere Schiffe noch mit Ausrüsten (z. B. auch mit -Einschiffen eines Regimentes) beschäftigt waren, hatte ich die Holländer mit dem Sicherheitsdienst -betraut (wohl am 2. Juli); die von diesen dazu befehligten Schiffe scheinen -aber auch durch Ergänzen von Bedürfnissen festgehalten zu sein. „Sicher ist, daß ich -erst durch das Sichten der feindlichen Vorposten von dem Erscheinen der französischen -Flotte Kenntnis erhielt. Auch ihre Stärke war mir unbekannt; daß Château-Renault -mit dem Toulon-Geschwader dabei war, zeigte mir erst seine Flagge.“ (Z. B. Colomb, -Seite 113.)</p> - -<p>Herbert lichtete sofort Anker, mußte aber bald wieder bei Dunose (Südostspitze -Wights) ankern, da der leichte Nordostwind ganz einschlief; hier -stießen am 4. Juli noch einige englische und holländische Schiffe zu ihm, ebenso -während der nächsten Tage. Am 5. Juli 9 Uhr vormittags meldete eine Fregatte -das Nahen des Feindes. Herbert ging Anker auf und formierte bei leichtem -südlichem Winde die Gefechtslinie über Backbord-Bug; bald sichteten sich -die Flotten. Als nun aber die Stärke der Franzosen erkannt war, beschloß der -Kriegsrat der Verbündeten, einem Gefecht auszuweichen, um die Flotte für -eine Defensive unversehrt zu erhalten. Dementsprechend wurde an die Königin -in London berichtet und nach Osten gesteuert; die Franzosen folgten.</p> - -<p class="small">Herbert berichtete<a name="FNanchor_234_234" id="FNanchor_234_234"></a><a href="#Footnote_234_234" class="fnanchor">[234]</a> (kurz gefaßt): Er habe zuerst beabsichtigt, ein Gefecht -anzunehmen, die Franzosen hätten jedoch nicht angegriffen, obgleich sie zu Luward -standen. (Vielleicht hielten sie zurück, weil sie infolge des flauen Windes nicht in guter -Ordnung waren, vielleicht um auch erst die Stärke des Feindes kennen zu lernen; sie -hatten nämlich am 4. das Salutieren der zu Herbert gestoßenen Schiffe gehört.) Als -die Stärke des Gegners erkannt war, sei vorstehender Beschluß gefaßt worden. Man -habe dabei in Erwägung gezogen, daß man in einer Schlacht die ganze Flotte und damit -die Seeherrschaft aufs Spiel setze. Es sei für richtiger erkannt worden, auszuweichen -und bei günstiger Gelegenheit zu versuchen, nach West zu steuern, um sich mit Killigrew, -Shovel sowie den Schiffen in Plymouth zu vereinigen und so dem Feinde eher gewachsen -zu sein, oder sich nach Osten, wenn nötig bis zur Themse hinter die Gunfleet<a name="FNanchor_235_235" id="FNanchor_235_235"></a><a href="#Footnote_235_235" class="fnanchor">[235]</a>, zurückzuziehen, -um von dort aus mit der unversehrten Flotte den Feind im Schach zu halten -und erst geeigneten oder notwendigen Falles hervorzubrechen; auch hier könnten die -Streitkräfte im Westen über die Bänke trotz der Franzosen zur Flotte stoßen.</p> - -<p class="small">Herbert weist jetzt noch einmal auf seine im Winter vergeblich geäußerten Bedenken -und Ermahnungen hin; er bittet um Verstärkungen und entsprechende Orders -an die Schiffe im Westen.</p> - -<p>Flaue Winde hinderten an den nächsten Tagen ein Näherkommen der -verfolgenden Franzosen, um so mehr als die Engländer die Stromverhältnisse -besser kannten; beide Flotten mußten häufig ankern. Da traf am 9. Juli -abends ein <em class="gesperrt">Befehl der Königin</em> ein, der Herbert <em class="gesperrt">zum Fechten</em><span class="pagenum"><a name="Page_436" id="Page_436">[436]</a></span> -nötigte; in London war man über die Lage — über die zu wählende Strategie — -anderer Ansicht und man unterschätzte den Feind.</p> - -<p class="small">Nottingham schrieb: Die Franzosen hätten nach sicherer Nachricht nur 60 Linienschiffe, -diese seien schlecht bemannt. Shovel und die Schiffe von Plymouth seien bereits -unterwegs; Killigrews Ankunft stände ganz nahe bevor. Alle diese aber — und mit -ihnen Killigrews großer Convoi — seien sehr in Gefahr, wenn sich die Flotte nach Osten -zurückzöge; die Franzosen würden dadurch ferner imstande sein, ganz oder teilweise -nach Schottland zu gehen, wo dann ein großer Aufstand erfolgen könne.</p> - -<p class="small">Die angeschlossene Order der Königin besagte, daß sie die Absicht, sich bis zur -Themse zurückzuziehen, durchaus mißbillige. Ein nach Westen Gehen verbiete sie -nicht, wenn es sich mit folgendem vereinigen ließe. Vor allem sei nämlich die französische -Flotte „nie“ aus Sicht zu lassen, damit sie nicht etwas gegen die Küsten oder -gegen die Themse unternehmen oder „überhaupt ohne Gefecht absegeln“ könne (wohin? -nach Schottland oder nach Hause?), eher sei unter günstigen Windverhältnissen (d. h. -in der Luvstellung) zu schlagen. In welcher Eile diese Befehle verfaßt wurden, zeigt -die Tatsache, daß Nottingham sich nicht einmal Zeit nahm, Konzepte oder Abschriften -anzufertigen.</p> - -<p class="small">Herbert antwortete sofort: Die Ansicht in London über Stärke und Bemannung -des Feindes sei nach seiner Beobachtung und seinen Nachrichten falsch. Er hielte die -Schiffe im Westen und die Küsten für nicht gefährdet; er beabsichtige ja gerade, alle -Unternehmungen des Feindes zu hindern (durch seine „fleet in being“; dieser jetzt so -oft gebrauchte Ausdruck stammt von Herbert); wenn er aber geschlagen würde, dann -sei alles bedroht; im übrigen werde die Flotte auf den Befehl hin ihre Pflicht tun.</p> - -<p><em class="gesperrt">Am 10. Juli</em> morgens bildete Herbert bei frischem Nordostwind etwa -10–12 sm. südlich von <em class="gesperrt">Beachy Head</em> die Schlachtlinie über Backbord-Bug -und hielt dann auf die in Lee stehenden Franzosen ab, die ihn über denselben -Bug backgebraßt erwarteten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Stärke und Einteilung der Flotten</em></p> - -<table cellpadding="2" summary="p436_1"> - <tr> - <td> </td> - <td> </td> - <td class="tdc">100 K.</td> - <td class="tdc">80–92</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><em class="gesperrt">Verbündete</em><a name="FNanchor_1_9" id="FNanchor_1_9"></a><a href="#Footnote_1_9" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdl">Vorhut<a name="FNanchor_3_8" id="FNanchor_3_8"></a><a href="#Footnote_3_8" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 4?</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Mitte</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 4?</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Nachhut<a href="#Footnote_3_8" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 3?</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="td13">Gesamt</td> - <td class="td23">2</td> - <td class="td23">8</td> - <td class="td23">21</td> - <td class="td23">13</td> - <td class="td23">11</td> - <td class="td23">2</td> - <td class="td23"> 11?<a name="FNanchor_2_9" id="FNanchor_2_9"></a><a href="#Footnote_2_9" class="fnanchor">2)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="9">57 Schiffe; 11 Brander; 3842 Kanonen; 23157 Mann</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="9"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><em class="gesperrt">Franzosen</em><a href="#Footnote_1_9" class="fnanchor">1)</a></td> - <td> </td> - <td class="tdc">104–110 K.</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - <td class="tdc">40–50</td> - <td class="tdc">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Vorhut</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Mitte</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">14</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Nachhut</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="td13">Gesamt</td> - <td class="td23">2</td> - <td class="td23">12</td> - <td class="td23">6</td> - <td class="td23">32</td> - <td class="td23">17</td> - <td class="td23">1</td> - <td class="td23">18</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="9">70 Schiffe; 18 Brander; 4624 Kanonen, 27-28000 Mann</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_9" id="Footnote_1_9"></a><a href="#FNanchor_1_9"><span class="label">1)</span></a> Die verschiedenen Quellen weichen ab. Ich gebe hier die Verbündeten nach -de Jonge, Teil III, Beilage XI, ziemlich übereinstimmend mit den englischen Quellen, -die Franzosen nach Bonfils, Teil I. De Jonge gibt für diese 6 Schiffe mehr an, Colomb -5 weniger: de Jonge, weil er mehr 40–50 Kanonenschiffe zur Linie rechnet, Colomb wahrscheinlich, -weil Tourville sogar einige 50–60 Kanonenschiffe als „zu schwach gebaut“ -nicht in die Linie nahm; Angaben über die Schiffe außerhalb der Linie sind sonst nirgend vorhanden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_9" id="Footnote_2_9"></a><a href="#FNanchor_2_9"><span class="label">2)</span></a>Die Brander der Verbündeten gibt Clowes als 4 + 8 + 8 = 20.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_8" id="Footnote_3_8"></a><a href="#FNanchor_3_8"><span class="label">3)</span></a> Die Vorhut der Verbündeten bestand aus Holländern; die Nachhut geben französische -Quellen als von beiden Nationen gemischt an, Clowes und de Jonge erwähnen -es nicht, nach den Namen der Schiffe scheint es nicht der Fall. (Namen der Schiffe und -Kommandanten im Clowes für alle 3 Nationen; in Bonfils und Delarbre für die Franzosen.)</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_437" id="Page_437">[437]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Flaggoffiziere nach Segelorder</em> der Geschwader und Divisionen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Verbündete.</em> Vorhut: Vizeadmiral von Callenburgh, Leutnantadmiral -Cornelis Evertsen, Vizeadmiral v. d. Putte (zu jeder Division ein Konteradmiral).</p> - -<p class="small">Mitte: Vizeadmiral Sir John Ashby, <em class="gesperrt">Admiral Herbert, Earl of Torrington</em>, -Kontreadmiral Rooke.</p> - -<p class="small">Nachhut: Vizeadmiral Sir Ralph Delaval (Divisionschefs nicht angegeben).</p> - -<p><em class="gesperrt">Franzosen.</em> Vorhut: Generalleutnant de Villette, Generalleutnant Château-Renault, -Chef d'Escadre de Langeron.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p437.jpg" width="600" height="315" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p437" id="fig_p437"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Beachy Head, 10. Juli 1690.</p> -</div> - -<p class="small">Mitte: Chef d'E. de Nesmond, <em class="gesperrt">Vizeadmiral der Levante Tourville</em> -und 2 Chefs d'E. als Vorder- und Hintermann, Generalleutnant d'Amfreville.</p> - -<p class="small">Nachhut: Chef d'E. de Flacourt, Vizeadmiral des Atlantik d'Estrées (seinem -Vater im Dienstgrade gefolgt), Leutnantgeneral de Gabaret und 1 Chef d'Escadre als -Schlußschiff.</p> - -<p><b>Die Schilderung der Schlacht bei Beachy Head</b> ist in allen Quellen<a name="FNanchor_236_236" id="FNanchor_236_236"></a><a href="#Footnote_236_236" class="fnanchor">[236]</a> -ziemlich klar, nahezu übereinstimmend, und kann sehr kurz gegeben werden.</p> - -<p class="small">Die verbündete Flotte hielt zugleich auf den Feind ab, Geschwader gegen Geschwader. -Die Vorhut, Evertsen, ging dicht heran, holte an den Wind (9 Uhr vormittags), und -es entspann sich ein blutiges Gefecht auf nahe Entfernung mit wenig Fahrt (unter „Backen -und Füllen“). Genau so verfuhr die Nachhut, Delaval; sie stieß 9<sup>30</sup> Uhr vorm. mit ihrem -Gegner zusammen. Herbert mit der Mitte steuerte nicht genau Schiff auf Schiff auf den -Feind, sondern zuerst etwas südlicher; dadurch entstand eine Lücke zwischen ihm -und seiner Vorhut. Die erste Division der Mitte, Ashby, sah diese Lücke zu groß werden<span class="pagenumsmall"><a name="Page_438" id="Page_438">[438]</a></span> -und versuchte sich der Vorhut zu nähern, ihm folgten dann auch Herbert und Rooke. -Die drei Divisionen der Mitte sind infolge dieses Manövers, wenn auch in sich gut geschlossen -etwas voneinander getrennt; auch halten sie sich auf weitere Entfernung vom Feinde, -bis sie um 10 Uhr vormittags ins Gefecht eingreifen.</p> - -<p class="small">Im Kampfe der Nachhuten blieben sich die Aussichten etwa gleich; da bald nach -dem Zusammenstoß einige Schiffe der Franzosen aus dem Gefecht holen mußten, wurde -ihre Überlegenheit ziemlich ausgeglichen.</p> - -<p class="small">Die Holländer aber kamen in eine üble Lage. Beim Heransegeln hatten sie, wie -gewöhnlich, mehr gelitten als ihre Gegner (vielleicht hatten sie auch nicht genau Spitze -auf Spitze getroffen); Château-Renault sah dies, ließ seine erste Division (de Villette) -vorsegeln, wenden und die Holländer von Luward aus dublieren (1 Uhr nachmittags). Von -der französischen Mitte, die durch Herbert ja nicht scharf engagiert war und die den Angriff -Ashbys abgeschlagen hatte, kam die erste Division (de Nesmond) von hinten auf und -dublierte gleichfalls; so war die Vorhut der Verbündeten fast ganz in die Mitte genommen -und litt schwer. Bald darauf versuchte dann auch Tourville selbst, mit seiner Division -hier einzugreifen; Herbert, der jetzt näher herankommen wollte, war hierzu bei dem -flauer gewordenen Winde zu weit ab.</p> - -<p class="small">Die Holländer würden völlig vernichtet sein, wenn nicht der Zufall und Evertsens -Geschicklichkeit ihnen zu Hilfe gekommen wären. Um 3 Uhr nachmittags wurde es nämlich -still, Tourville mußte sich mit Booten tauen; Evertsen aber benutzte die Stille, um sich aus -der bedrängten Lage zu befreien, er gab Befehl, mit stehenden Segeln zu ankern, als -um 5 Uhr nachmittags die Ebbe stark lief. Die ganze Flotte folgte dann diesem Beispiel; -die Franzosen bemerkten oder verstanden dieses Manöver nicht sogleich. Als auch hier -der Befehl zum Ankern gegeben wurde, waren sie schon durch den Strom nach Lee -(Südwest) aus Schußweite getrieben; damit endete der Kampf.</p> - -<p class="small">Die Franzosen geben ihren <em class="gesperrt">Verlust</em> auf 500 Tote und Verwundete an. Der der -Verbündeten wird größer gewesen sein, besonders aber hatten die Schiffe der Vorhut -und Nachhut sehr gelitten; verschiedene der Holländer waren ganz oder teilweise entmastet, -andere mit allen Pumpen kaum noch über Wasser zu halten, zwei holländische -Kontreadmirale waren gefallen. Zwar war nur ein holländisches Schiff, das nicht -geankert hatte und mit forttrieb, genommen worden (es sank später), aber der Zustand -der Schiffe — nach de Jonge waren nur noch drei völlig gefechtsfähig; „noch nie sei eine -Flotte im ganzen so zugerichtet“ — sollte in der Folge die Schlacht zu einer völligen -Niederlage machen.</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">Gründe der Niederlage</em> liegen auf der Hand. Wie stets bei dieser -Art des Angriffs kam die Vorhut zuerst und allein ins Gefecht, hatte die heftigste Wirkung -des feindlichen Feuers auszuhalten und wurde nicht rechtzeitig entlastet. Was bewog -Herbert, der Vorhut nicht zu folgen? Nach Hoste („tactique navale“) hat Herbert die -Absicht gehabt, besonders die französische Nachhut anzugreifen und sie zu dublieren -(die französische Mitte soll zufällig oder mit Absicht etwas nach Lee eingebogen zur -Vorhut und Nachhut gestanden haben; dies soll dem englischen Admiral den Gedanken -eingegeben haben). Dann aber war es falsch, zu diesem Zweck zwischen sich und seiner -Vorhut eine Lücke entstehen zu lassen und der Vorhut zu erlauben, auf ein ernstes -Nahgefecht einzugehen. Er hätte wie Ruyter bei Texel soviel Schiffe des Feindes, von -hinten gerechnet, angreifen müssen, wie er niederkämpfen zu können glaubte. Die Vorhut -mußte den Befehl haben, die vorderen Feinde nur zu beschäftigen; die geringere Zahl -ihrer Schiffe mußte hierzu durch größere Abstände zwischen ihnen, nicht aber durch -Lücken zwischen den Geschwadern ausgeglichen werden. Wenn Herbert diese Absicht -gehabt hat, so muß er sie doch gleich wieder aufgegeben haben, wohl weil er erkannte, -daß Tourville imstande war, die englische Nachhut zu dublieren; um dies stets hindern -zu können, hielt er dann vielleicht seine Mitte überhaupt zurück. Zu diesem Verfahren -kann und wird ihn aber auch — trotz des Befehls der Königin — seine uns bekannte -Ansicht über die Wichtigkeit der Erhaltung der Flotte bewogen haben; wir kommen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_439" id="Page_439">[439]</a></span> -hierauf bei den Betrachtungen über Strategie (am Schluß des Kapitels) nochmals -zurück.</p> - -<p class="small">Die Leistungen der Holländer in der Schlacht wurden von den Franzosen und Engländern, -von Wilhelm III. und der Königin besonders, anerkannt; Herbert wurde in -Haft genommen, zwar kriegsgerichtlich freigesprochen aber nicht wieder verwendet.</p> - -<p>Die Schilderung zeigt uns die Niederlage der Verbündeten, der <em class="gesperrt">Hauptverlust</em> -trat erst <em class="gesperrt">nach der Schlacht</em> ein. Ein zusammengerufener -Kriegsrat sah ein, daß ein zweites Gefecht unmöglich sei, ja daß man selbst -nicht um zurückbleibende Schiffe kämpfen könne, sondern diese zerstören -müsse. Abends 9 Uhr mit Einsetzen der Flut trat man den Rückzug nach -Osten an, die schwerstbeschädigten Schiffe im Tau von Fregatten. Der flaue -Gegenwind zwang häufig während der Ebbe zu ankern, aber mit der besseren -Kenntnis der Stromverhältnisse entzog man sich immer mehr den folgenden -Franzosen. Tourville hatte zur Verfolgung erst etwas später Anker gelichtet -und segelte stets in Formation, anstatt eine allgemeine Jagd anzuordnen; -immerhin fiel ihm ein großer Teil der beschädigten Schiffe zum Opfer.</p> - -<p class="small">Im Laufe der nächsten Tage mußten zwei mastenlose Holländer verbrannt werden; -eins sank vor Anker. Vier setzten sich bei Rye auf den Strand: drei verbrannten sich, nur -eins wurde durch Geschicklichkeit und Umsicht seines Kommandanten gerettet. Er -ließ sein Schiff halb voll laufen, brachte Kanonen am Lande in Stellung und schlug verschiedene -Branderangriffe ab. Auch ein englisches Schiff ging verloren.</p> - -<p>Sicher würde der Verlust größer gewesen sein, wenn Tourville seine -Galeren zur Stelle gehabt, und vor allem auch, wenn er anders verfahren hätte. -Einen geschlagenen und in voller Flucht zurückgehenden Feind soll man mit -Ungestüm verfolgen, auf die eigene Ordnung nur soweit Rücksicht nehmen, -als nötig ist, um den verfolgenden Schiffen die gegenseitige Unterstützung zu -sichern.</p> - -<p><em class="gesperrt">Warum nutzte Tourville die Verfolgung nicht -besser aus</em>? Mahan sagt (gekürzt): „Die Vorsicht bei der Verfolgung -entsprang demselben Charakterzuge Tourvilles, der ihn zwei Jahre später bei -La Hogue seine Flotte der fast sicheren Vernichtung entgegenführen ließ, -bloß weil er den Befehl seines Königs in der Tasche hatte, so verschieden -auch beide Handlungen zu sein scheinen. Er war tapfer genug, um alles zu -tun, aber nicht stark genug, um die schwersten Lasten zu tragen.“ (Man -denke an Seignelays Ausspruch: „Poltron de tête, mais brave de coeur“.) „Er -war nach Beachy Head mit seinen Leistungen in der Schlacht zufrieden, aber -kein Nelson, der sagte: Wenn wir von elf Schiffen zehn genommen und das -elfte hätten entwischen lassen, während wir es nehmen konnten, so würde -ich dies niemals für ein gutes Tagewerk halten. Tourville war der Vorgänger -der geschickten aber vorsichtigen Taktiker der kommenden Zeit, allerdings -noch voll jener Lust zum Draufgehen, die für die Flottenführer des 17. Jahrh. -so bezeichnend ist.“</p> - -<p>Am 18. Juli gaben die Franzosen die Verfolgung ganz auf; die Verbündeten -ankerten am 20. bei Sheerness. Tourville ging, da auch viele seiner Schiffe<span class="pagenum"><a name="Page_440" id="Page_440">[440]</a></span> -schwer beschädigt und knapp an Munition<a name="FNanchor_237_237" id="FNanchor_237_237"></a><a href="#Footnote_237_237" class="fnanchor">[237]</a> waren, nach Havre; es erregte dies -das Mißfallen Seignelays, aber der Admiral war der Ansicht, hier die Flotte -schneller wieder gefechtsfähig machen zu können. Nach erfolgter Wiederausrüstung -unternahm <em class="gesperrt">Tourville</em> nichts von Bedeutung mehr, obgleich -man wußte, daß die Verbündeten vor dem 10. September nicht auslaufen -würden. Auf Drängen Seignelays, der mit der Leistung der Flotte nach dem -großen Siege durchaus nicht zufrieden war, ging er schon am 29. Juli, jetzt -mit den Galeren, <em class="gesperrt">wieder in See</em>, richtete aber nichts aus. Er erschien -vor Torbay, landete (5. August) eine kleine Abteilung, verbrannte einige Häuser -und kleine Fahrzeuge in Teignmouth, wurde jedoch durch die aufgebotene -Miliz bald zum Wiedereinschiffen gezwungen, anstatt die gehoffte Unterstützung -im Lande zu finden. Er zeigte sich auch vor Plymouth, wo Killigrew mit -seinem Geschwader und dem Convoi (150–200 Schiffe) lag, hielt es aber -nicht für angebracht, den Hafen zu forcieren wie ihm befohlen; nach de Jonge -hatten sich dort die Kriegsschiffe in guter Verteidigungsstellung vermoort, -Forts und Batterien waren durch die Mannschaften der Kauffahrer verstärkt. -Ende August kehrte Tourville <em class="gesperrt">nach Brest zurück</em>.</p> - -<p>So war die Schlacht bei <em class="gesperrt">Beachy Head</em> zwar ein <em class="gesperrt">großer Sieg</em> -gewesen — der hervorragendste Einzelerfolg, den die Franzosen je über die -Engländer errungen —, <em class="gesperrt">aber kein entscheidender</em> geworden, weil -er weder taktisch noch strategisch genügend ausgenutzt wurde. Die Flotte -der Verbündeten war zunächst völlig außer Gefecht gesetzt. Die Schiffe -beider Nationen besserten in England aus und erst am 26. September lag -wieder eine aktionsfähige Macht — jetzt unter dem Befehl von <em class="gesperrt">drei Joint-Admirals</em>: -Haddock, Killigrew, Ashby — in Spithead; sie zählte gegen -50 Linienschiffe, weil das Mittelmeergeschwader hinzugestoßen war. Also -zehn Wochen lang hatten die Franzosen unbestritten die Herrschaft im Kanal -— auch in Holland fürchtete man eine Landung und bot die Bürgerwehren auf, -um die wichtigsten Küstenplätze zu besetzen —; sie nutzte ihnen nur dadurch, -daß ihre Freibeuter unbehindert den feindlichen Handel schädigten.</p> - -<p>Für den <em class="gesperrt">Landkrieg in Irland</em> war der Seesieg ohne jede Folge, -hier war fast an demselben Tage am Boyne die Lage zugunsten Wilhelms -schon entschieden.</p> - -<p class="small">Jakob II. hatte sich unnütz mit der Belagerung von Städten (z. B. Londonderry) -aufgehalten. Nach Wilhelms Landung in Irland hatte ihm Ludwig (dessen Flotte -besser die Landung gehindert hätte) geraten, eine entscheidende Schlacht zu vermeiden -und sich an den Shannon, in einen ihm völlig ergebenen Teil des Landes, vorläufig zurückzuziehen. -Aber <em class="gesperrt">Jakob</em> wollte Dublin nicht aufgeben, um seiner Sache nicht moralisch -zu schaden; er nahm zur Deckung seiner Hauptstadt eine Stellung am <em class="gesperrt">Boyne</em> ein. -Hier wurde er am 11. Juli <em class="gesperrt">vollständig geschlagen</em> und schiffte sich in Kingsale -auf der erwähnten Flottille französischer Fregatten, die eigentlich den St. Georgs-Kanal -hätten bewachen sollen, nach Frankreich ein. Er bestürmte nun den König, den Sieg -von Beachy Head zu benutzen und ihn mit einer größeren Armee in England landen zu<span class="pagenumsmall"><a name="Page_441" id="Page_441">[441]</a></span> -lassen. Ludwig aber, ungehalten über ihn, schlug dies ab und befahl sogar, die französischen -Truppen aus Irland zurückzuziehen.</p> - -<p>Inwieweit die Rücksicht auf die Trümmer der verbündeten Flotte als -immer noch einer „fleet in being“ Tourvilles Lauheit im August hervorgerufen -hat, entzieht sich der Beurteilung; Herbert legte in seinem Prozeß großen -Wert auf diesen Umstand. Für die frühe Heimkehr der französischen Flotte -im August wurden als Gründe „der Zustand der Schiffe“ und „die herannahende -schlechte Jahreszeit“ angegeben; vielleicht hat auch die augenblickliche -Verstimmung Ludwigs gegen Jakob dazu beigetragen. Ende -September ging nur noch ein Teil der Flotte unter d'Amfreville nach Irland -hinüber und holte die französischen Truppen zurück. Die Flotte der Verbündeten -war noch nicht imstande, dies zu hindern. Am 30. September erschien dann -ein Teil mit 7000–8000 Mann unter Marlborough vor Cork. Unter Mitwirkung -leichter Schiffe ward diese Stadt genommen, 300 Offiziere und -5000 Mann Jakobs wurden zur Kapitulation gezwungen, bald darauf fiel auch -Kingsale und damit die letzte Stadt Jakobs im Süden Irlands. Ein anderer -Teil der Flotte hatte den Handelsschutz gegen die Freibeuter Dünkirchens übernommen; -die unbedingte Seeherrschaft Frankreichs war also zu Ende.</p> - -<p>Im Oktober legte man, wie üblich, mit Ausnahme der Wintergeschwader -auf, einige englische Schiffe blieben ferner in den irischen Gewässern.</p> - -<p><b>Das Jahr 1691. Tourvilles Hochsee-Kreuztour.</b> Für das Jahr 1691 -rüsteten beide Gegner mit Macht. Die Franzosen zogen wieder fast alle -Streitkräfte in Brest zusammen. Hier lag unter Tourville im Juni eine Flotte -von 120 Segeln, darunter wie im Vorjahre 70 Linienschiffe; im Mittelmeer -fanden nur etwa 12 Linienschiffe zur Unterstützung des Krieges gegen Spanien -Verwendung. Die Verbündeten entwickelten jetzt trotz oder gerade infolge -der Niederlage und der Verluste bei Beachy Head eine weit bedeutendere -Kraft als im Vorjahre; es kennzeichnet dies wohl im Gegensatz zu Frankreich -später den Unterschied zweier Marinen, von denen die eine eine rein militärische -Einrichtung ist, während die andere ihre Grundlage in dem Charakter -und der Beschäftigung des Volkes hat. Die Flotte der Verbündeten bestand -aus etwa 100 Linienschiffen mit Zubehör, darunter 39 Holländer; daneben -waren ein gemeinsames Geschwader von 11 Linienschiffen nebst reichlich -Fregatten gegen die Freibeuter Dünkirchens sowie zahlreiche Convoischiffe -(Holländer 20 zu 20–50 Kanonen) in Dienst gestellt. Aber obgleich die -Rüstungen frühzeitig beschlossen und eifrig betrieben wurden, um den Franzosen -zuvorzukommen, war die Flotte doch erst wieder Anfang Juni in den -Downs seeklar.</p> - -<p class="small">In den Niederlanden war der Anstoß zu starker Rüstung wie stets von der Provinz -Holland ausgegangen. Die Gründe der Verzögerung waren die alten: Geldmangel infolge -des daniederliegenden Handels und Lässigkeit der Landprovinzen; Personalmangel -infolge der eigenen Freibeuterei, besonders in Seeland. In England war immer noch -der mangelhafte Zustand der Verwaltung ein Hemmnis.</p> - -<p class="small">So ist es in den Quellen zu lesen! Wenn man aber immer wieder bei neueren Schriftstellern -aller Völker die Klage über „verspätete“ Operationsbereitschaft liest, so drängt<span class="pagenumsmall"><a name="Page_442" id="Page_442">[442]</a></span> -sich doch die Frage auf, ob wirklich immer unbeabsichtigte „Verzögerungen“ die Schuld -trugen. Auch in den Landkriegen begannen in jenen Zeiten die Operationen häufig erst -im späten Frühjahr, selbst noch im Siebenjährigen Kriege.</p> - -<p>Die Flotte stand unter dem Befehl des Admiral of the Fleet <em class="gesperrt">Russell</em>, das -holländische Kontingent unter <em class="gesperrt">de Almonde</em>; Tromp war zum Chef bestimmt, -starb aber am 29. Mai. Gegenwinde und „andere Umstände“ — wohl -hauptsächlich diese, d. h. Nichtbereitschaft — hinderten das Auslaufen bis -zum 20. Juni, auch dann brauchte man zehn Tage, um bis Torbay zukommen.</p> - -<p>So waren die <em class="gesperrt">Franzosen zuerst in See</em>, aber mit ganz anderen -Orders als im Vorjahre. Der feurige und ehrgeizige Marineminister Seignelay, -der stets die schärfste Offensive gegen die feindlichen Seestreitkräfte im -Auge gehabt hatte, war gestorben; sein Nachfolger <em class="gesperrt">Pontchartrin</em> war -anderer Ansicht. Er bestimmte die Flotte für den Schutz der eigenen Küsten -und für die Vernichtung des feindlichen Handels; demgemäß war der Befehl, -daß hauptsächlich ein im Juni im Kanal erwarteter großer Convoi englischer -und holländischer Levantefahrer abgefangen werden sollte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Befehl</em><a name="FNanchor_238_238" id="FNanchor_238_238"></a><a href="#Footnote_238_238" class="fnanchor">[238]</a> <em class="gesperrt">lautete</em> (gekürzt): Der englisch-holländische Smyrnaconvoi, -auf 30 Millionen Lire Wert geschätzt, am 7. Mai bei Alicante gemeldet und Anfang Juni -im Eingange des Kanals erwartet, ist erstes Angriffsobjekt. „Der Fang dieses reichen -Convois ist für den König nützlicher als ein zweiter großer Seesieg. Auch andere Convois -können der Flotte in die Hände fallen, ohne etwas aufs Spiel zu setzen.“</p> - -<p class="small">Die feindliche Kriegsflotte wird an Zahl stärker sein, aber der König hält die seinige -in jeder Hinsicht für besser. Dennoch ist der Feind nicht zu suchen, sondern zu vermeiden. -Zu schlagen ist nur, wenn man auf wesentlich schwächere Kräfte trifft oder -wenn der Feind gegen die französischen Küsten operiert. Dieses letzte aber auch nur, -wenn westlich von La Hogue; wenn der Feind östlich im Kanal operiert, sind erst Befehle -einzuholen (vielleicht, weil dort keine Zufluchtshäfen waren?).</p> - -<p class="small">Wenn bis August nichts vorgefallen ist, wird der Feind viele Kranke haben, dann -soll offensiv vorgegangen werden; deshalb größte Sorgfalt für Erhaltung eines guten -Gesundheitszustandes auf der eigenen Flotte. Jedenfalls soll die Flotte bis zum 1. September -in See bleiben und darf bis dahin nur einige (angeführte) „Rheden“ anlaufen, -keinenfalls den Hafen von Brest, falls nicht die Folgen einer Schlacht dies verlangen. -(Ist der letzte Teil des Befehls nicht ein Mißtrauensvotum für Tourville?)</p> - -<p><em class="gesperrt">Tourville</em> wandte verschiedenes gegen den Befehl ein, so vor allem, -daß das Abfangen des Smyrnaconvois ein Kreuzen bei den Scillys verlange, -die Aufgabe, die Küsten unter allen Umständen zu sichern, aber ein Verlassen -der Küsten nicht erlaube. Er erhielt nur ausweichende Antworten und scheint -dann stets die zweite Aufgabe als die wichtigere angesehen zu haben. Dementsprechend -operierte er auf seiner sogenannten „<em class="gesperrt">Hochseekreuztour</em>“, -durch die er den Feind fünfzig Tage lang beschäftigte; diese „<em class="gesperrt">Campagne -du large</em>“ lebt noch heute als eine der glänzendsten strategischen -und taktischen Leistungen in der französischen Marine.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tourville</em> lief am 25. Juni von Brest aus und kreuzte etwa 20–40 Seemeilen -westlich vor der Mitte der Linie Scillys-Ouessant; er richtete einen vorzüglichen Aufklärungsdienst<span class="pagenumsmall"><a name="Page_443" id="Page_443">[443]</a></span> -nach allen Seiten ein, um sowohl nach dem erwarteten Convoi wie nach -der feindlichen Flotte zu spähen. <em class="gesperrt">Russell</em> erfuhr dies Anfang Juli in Torbay und -beeilte sich auch, nach dem Eingang des Kanals zu kommen, um den Convoi aufzunehmen; -er kreuzte auf der genannten Linie, ohne vom Feinde Kundschaft zu erhalten.</p> - -<p class="small">Tourville bekam am 16. Juli (oder kurz vorher) Meldung, daß der Convoi am 8. -südlich von der französischen Flotte gestanden habe. Da aber seit dem Tage südwestliche -Winde mit unsichtigem Wetter geweht hatten und er auch von der Anwesenheit -Russells rechtzeitig unterrichtet war, nahm er an, daß der Convoi bereits Irland erreicht -habe und unter dem Schutz der feindlichen Flotte stehe; er sah deshalb von einer ernstlichen -Verfolgung ab, zumal da er auch durch Stillen und Nebel behindert war. Seine -Annahme war richtig; der Convoi war am 16. in Kingsale eingetroffen; Russell, der um -diese Zeit gerade sein erfolgloses Suchen eingestellt hatte und unter die irische Küste -gegangen war, traf auf ihn und führte ihn zunächst etwas den Kanal hinauf.</p> - -<p class="small">Dagegen erfuhr Tourville von einem aufgegriffenen Kauffahrer, daß ein englischer -Transport von zwölf Schiffen nahe, mit Munition und andern Bedarfsartikeln für Westindien, -nur gedeckt durch zwei Kriegsschiffe; oder es war ein etwa gleichstarker Convoi -von Jamaica; die Quellen weichen ab, doch ist dies wohl ohne Belang. Es gelang ihm -während Russells Abwesenheit, die zwei Kriegsschiffe und einige der Transporter zu fangen; -dann hielt er sich südlicher, zu Luward von Brest, etwa auf dem 48. Breitengrade. Auch -Russell kehrte auf seine alte Beobachtungslinie zurück und suchte den Feind. Es begann -nun ein Spiel, das von dem französischen Admiral vorzüglich durchgeführt wurde. Die -Kreuzer Russells scheinen stets durch geschickte Manöver getäuscht zu sein; nie wußte -man genau, wo Tourville stand. Dieser jedoch war stets unterrichtet, und so gelang es -ihm, den Feind die ganze zweite Hälfte des Juli und die erste Hälfte des August hinter -sich herzuziehen — auf einem Seeraum vom 49. Breitengrade bis zu dem von Lorient -und nach Westen bis auf 120 sm. von Ouessant —, sich dabei stets die Luvstellung und -eine Entfernung von 15–30 sm. zwischen den beiden Flotten wahrend. Am 14. August -lief Tourville wieder in Brest ein, um neu auszurüsten, und auch Russell ging auf die -Kunde hiervon zu gleichem Zweck nach Torbay.</p> - -<p>Es war also Tourville nicht gelungen, den reichen Smyrnaconvoi wegzunehmen; -nur ein Teil des englischen Transports nach Westindien und einige -wenige andere Kauffahrer fielen ihm in die Hände. Er hat aber erreicht, -daß die Verbündeten den ganzen Sommer über von ihrer Übermacht keinen -Gebrauch machen konnten. Auch zwang er sie, ihre Streitkräfte zusammenzuhalten, -und die französischen Freibeuter fanden so die See frei. Wie stets -zeichnete sich <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> im kleinen Kriege aus; das gegen diesen -Hafen aufgestellte Geschwader der Verbündeten war nicht imstande, ein -Auslaufen völlig zu hindern. Allerdings war der Verlust des englischen Handels -nicht so bedeutend, wie er in den nächsten Jahren werden sollte, aber der -holländische Nordseehandel litt schwer (auf den kleinen Krieg und besonders -auch diesen Umstand kommen wir noch zurück). Endlich war der Verkehr -zwischen Frankreich und Irland frei; verschiedene Transporte gingen hinüber.</p> - -<p class="small">Ludwig XIV. war von seinem in der ersten Verstimmung über Jakobs Ungeschicklichkeit -gefaßtem Beschlusse zurückgekommen und sandte 1691 doch wieder Unterstützung -nach Irland. Die vermehrten Anforderungen des Festlandskrieges gestatteten -ihm jedoch nicht, dies in ausreichendem Maße zu tun. Im Laufe des Jahres <em class="gesperrt">unterwarf -Wilhelm III. die ganze Insel</em> und im Anfang Oktober ergab sich der -Rest der irisch-französischen Truppen bei Limerik unter der Bedingung freien Abzuges -nach Frankreich.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_444" id="Page_444">[444]</a></span></p> - -<p>Die englisch-holländische Flotte ging am 7. September nochmals nach -dem Eingange des Kanals. Am 9. aber setzte ein schwerer Sturm ein und -versprengte sie völlig; 3 englische Linienschiffe gingen verloren, die Mehrzahl -der Schiffe erlitt schwere Beschädigungen und erst nach und nach sammelte -man sich wieder in Spithead. Bald darauf wurde mit der Abrüstung begonnen, -zunächst durch Außerdienststellung der schweren Schiffe. Ein Geschwader -von 24 Linienschiffen wurde für das Mittelmeer bestimmt, jedoch vor Abgang -festgehalten; ein anderes gleich starkes blieb bis Ende November an der -irischen Küste, ein Teil davon brachte dann einen Convoi nach Gibraltar -und führte Ostindienfahrer zurück. Im Dezember wurde sonst bis auf ein -kleines gemischtes Wintergeschwader allgemein aufgelegt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Weshalb Tourville nicht wieder in See ging</em>, ist aus -den Quellen nicht recht zu ersehen. Allerdings war nach Auffüllung der -Vorräte und nach Ausführung der nötigen Ausbesserungen wohl fast der -1. September herangekommen, der in seiner ersten Order als Schluß der -Operationen vorläufig angesetzt war; er erhielt jedoch keine neuen Befehle. -Wir wissen, daß 1691 auch der Landkrieg im allgemeinen lauer geführt wurde, -und französischerseits scheinen die Sommerfeldzüge zur See stets noch kürzer, -als so schon üblich, bemessen zu sein. Wiederum mußte er sich darüber -verantworten, daß er nicht genug getan habe, und er hatte doch seinem -Befehle entsprochen; freilich war ihm der Smyrnaconvoi entgangen — aber -doch hauptsächlich, weil dieser vom Wetter begünstigt — und an leitender Stelle -hatte man gerade gehofft, hierdurch dem Gegner einen schweren Schlag zu -versetzen und die eigenen Kassen zu füllen. Sein Einlaufen in Brest vor dem -erlaubten Zeitpunkt begründete Tourville damit, daß er dort die Flotte hätte -schneller und sicherer wieder schlagfertig machen können als auf Rhede.</p> - -<p>Von der französischen Atlantikflotte ging 1691 nur noch ein Geschwader -im November nach Irland, um die Trümmer der Armee, gemäß den Kapitulationsbedingungen, -und einige Tausend auswandernder Irländer nach Frankreich -zu holen.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b><a name="FNanchor_239_239" id="FNanchor_239_239"></a><a href="#Footnote_239_239" class="fnanchor">[239]</a> beteiligte sich während des Sommers <b>1691</b> ein Geschwader -von 12 Linienschiffen, einigen Fregatten und Mörserbooten sowie 26 Galeren -unter d'<em class="gesperrt">Estrées</em> an Catinats Belagerung von Villafranca und bombardierte -Oneglia; dann unternahm man Demonstrationen mit Beschießungen gegen -einige andere spanische Küstenstädte (Alicante und Barcelona). Bei der -letzteren Gelegenheit wurden die französischen Seestreitkräfte durch ein überlegenes -spanisches Geschwader — 17 Linienschiffe — vertrieben, als Barcelona -fast zur Zahlung einer bedeutenden Kontribution gezwungen war; zum -Zusammenstoß auf See kam es jedoch hierbei nicht.</p> - -<p><b>Das Jahr 1692. Schlacht bei Cap Barfleur-La Hogue.</b> Im Frühjahr -1692 wurde der Krieg, wie bereits erwähnt, überall wieder besonders heftig -aufgenommen. Wilhelm III. war in Holland eingetroffen und belebte die<span class="pagenum"><a name="Page_445" id="Page_445">[445]</a></span> -Kriegführung auf seiten des Bundes; Ludwig griff energisch auf allen Kriegstheatern -des Kontinents an und plante daneben eine Invasion in England — -einen letzten großen Versuch zugunsten Jakobs, der gleichzeitig Wilhelm und -dessen Truppen vom Festlande abziehen sollte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zum Einfall in England</em> wurde eine Armee von 20000 Mann -— nach den neuesten französischen Quellen gar 30000 — unter <em class="gesperrt">König -Jakob</em> und dem <em class="gesperrt">Marschall de Belfonds</em>, denen in der Person -des Generalintendanten der Justiz und Finanzen der Marine de Bonrepaus -(ursprünglich Seeoffizier) ein seemännisch-technischer Beirat gegeben war, -an den Küsten des Kanals zusammengezogen — die Infanterie in der Nachbarschaft -der Rhede von La Hogue, in Caën und Cherbourg; die Kavallerie, -die Munition usw. der leichteren Einschiffung wegen in Havre — und eine -Transportflotte von 300 (neuere Angabe 500) Fahrzeugen gesammelt. Eine -Flotte von 70 Linienschiffen, in Brest, Rochefort und Toulon in Dienst gestellt, -sollte unter <em class="gesperrt">Tourville</em> die Überführung der Truppen nach England gegen -Ende April sichern.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ludwig rechnete</em> für den Erfolg der Expedition <em class="gesperrt">mit folgenden -Umständen</em>: Daß seine Flotte der feindlichen an Kraft und Leistung überlegen -wäre; daß sie vor der Vereinigung der Seestreitkräfte Englands und -Hollands auftreten würde; daß man in England eine wesentliche Unterstützung -durch einen großen Aufstand der Jakobiten fände und daß im besonderen -ein großer Teil der englischen Flotte — etwa die Hälfte — nicht gegen ihn -fechten würde. In allen diesen Vermutungen täuschte er sich; zunächst -wurden seine <em class="gesperrt">Rüstungen nicht rechtzeitig fertig</em> und der -Beginn der Operationen mußte verschoben werden.</p> - -<p class="small">Die Befehle für die Rüstungen waren am 20. Februar erlassen, am 25. April sollte -die Flotte von Brest in See gehen und den Armeetransport von La Hogue abholen; man -hatte also nur zwei Monate ungünstiger Jahreszeit, um die Flotte in Dienst zu stellen, -in Brest zu vereinigen, die Truppen und Transporter zu versammeln.</p> - -<p class="small">Bei dem mangelhaften Zustande in der Verwaltung der Werften wurden die Schiffe -nicht rechtzeitig fertig. In Rochefort und Toulon waren sie erst Anfang Mai seeklar; -auch in Brest konnte eine größere Zahl der Schiffe wegen Personalmangels nur nach und -nach bemannt werden. Am 23. April erging deshalb der Befehl an Tourville, die Abfahrt -wenigstens bis zum Eintreffen der Rochefort-Schiffe aufzuschieben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Tourville lag Anfang Mai</em> mit nur erst 39 Linienschiffen segelfertig -vor Brest, die Ankunft von 5 Schiffen aus Rochefort stand bevor und -von Brest hoffte man noch Verstärkungen zu erhalten; so ging er am 12. in -See. An leitender Stelle glaubte man, daß die Gegner auch noch nicht fertig -seien und schätzte diese, selbst wenn vereinigt, nur auf 60 Schlachtschiffe; -man rechnete immer noch mit der Unzuverlässigkeit vieler englischer Offiziere, -mit der Spannung zwischen Engländern und Holländern, mit der Überlegenheit -der eigenen Flotte an Zahl und Güte der Schiffe.</p> - -<p class="small">Wie sehr der König auf die Überlegenheit seiner Flotte baute, geht aus dem Tenor -seiner <em class="gesperrt">Instruktion an Tourville</em><a name="FNanchor_240_240" id="FNanchor_240_240"></a><a href="#Footnote_240_240" class="fnanchor">[240]</a> vom 16. März hervor: Der Admiral<span class="pagenumsmall"><a name="Page_446" id="Page_446">[446]</a></span> -soll am 25. April mit den Schiffen, die bereit sind, in See gehen; soll durch ein vorauszuschickendes -Detachement gut segelnder Schiffe die Transporter mit der Kavallerie -nach La Hogue holen lassen; er selbst soll auf dieser Rhede die Infanterie — auch auf -den Kriegsschiffen — einschiffen; soll nach England gehen, Ort der Landung nach Angabe -Jakobs, Bellefonds' und Bonrepaus'; soll nach der Landung die Transporter zurücksenden -und selbst zur Verfügung der Armee im Kanal bleiben; soll die Seeherrschaft wahren.</p> - -<p class="small">Er soll „unbedingt“ am 25. April auslaufen, auch wenn er gehört, daß der Feind -stärker als er selbst in See sei, in diesem Falle nur nichts detachieren. Trifft er den Gegner -unterwegs, so soll er ihn „unter allen Umständen“ angreifen und vernichten oder in -seine Häfen treiben; liegt der Feind bei Wight, so soll er zu demselben Zweck dorthin gehen; -in beiden Fällen die Armee dann überführen.</p> - -<p class="small">Kommt der Feind, wenn der Transport unterwegs oder schon in der Landung -begriffen ist, soll angegriffen und so hartnäckig gefochten werden, daß die Landung -doch ausgeführt werden kann, „es koste was es wolle.“</p> - -<p class="small">Nur wenn der Gegner nach vollendeter Landung erschiene, darf der Admiral -einem Gefechte ausweichen, „falls der Feind mehr als 10 Linienschiffe stärker sei“; -hiervon habe er sich aber „persönlich, nicht nur durch Aufklärungsschiffe“, zu vergewissern.</p> - -<p class="small">Dieser Befehl ward noch verschärft durch den handschriftlichen Zusatz des Königs: -„Ich füge eigenhändig hinzu, daß dies mein strikt zu befolgender Wille ist.“</p> - -<p>Aber auch <em class="gesperrt">die Verbündeten</em> hatten <em class="gesperrt">stark gerüstet</em> und -waren infolge der Verzögerung auf französischer Seite noch rechtzeitig fertig -geworden. Wilhelm III. war gleichfalls mit dem Gedanken einer Landung -in Frankreich umgegangen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diesem -Plane waren die Niederlande nicht geneigt, da sie fürchteten, daß dann englische -Truppen vom Festlande zurückgezogen würden; anderseits sahen -sie ein, daß eine England drohende Landung dieselbe Maßnahme nach sich -ziehen müsse. Sie waren deshalb bereit, ein starkes Kontingent zur gemeinsamen -Flotte zu stellen und beschlossen die frühzeitige Indienststellung von -48 Linienschiffen mit reichlichem Zubehör. Die alten Gründe verzögerten -wieder die Ausrüstung; erst Anfang Mai gingen die ersten Schiffe nach dem -Sammelpunkt bei Rye, nach und nach folgten weitere, doch fehlten bei Beginn -der Operationen noch etwa 20 Linienschiffe, die erst nach der großen Schlacht -zur Flotte stießen. In England hatte man bei Portsmouth zusammengezogen, -was an Truppen aufzustellen war, und die Königin drückte persönlich auf -Beschleunigung der Indienststellung einer großen Zahl von Schiffen. Auch -hier hinderten die Verhältnisse wie im Vorjahre die Ausrüstung; erst am 18. Mai -trafen etwa 30 Linienschiffe bei Rye ein. So kam es wohl, daß die Franzosen -noch Mitte Mai immer nur mit 50–60 Schiffen der Gegner rechneten; es waren -aber noch zwei englische Geschwader im Dienst und nahe bei der Hand.</p> - -<p class="small">Diese kreuzten schon seit April unter Delaval und Carteret im Kanal zur Beobachtung -der französischen Küste bis La Hogue; eins war mit Convoi aus dem Mittelmeer -zurückgekehrt, das andere eigens zu diesem Zweck aus den zuerst fertigen Schiffen -zusammengestellt.</p> - -<p>Diese vereinigten sich am 23. Mai auf der Rhede von St. Helens mit der -Hauptflotte unter <em class="gesperrt">Russell</em>, die dadurch 88 Linienschiffe über 50 Kanonen -stark wurde. Da man Tourvilles Auslaufen erfahren hatte, wurden sofort<span class="pagenum"><a name="Page_447" id="Page_447">[447]</a></span> -Fregatten vorgeschickt und die Hauptflotte <em class="gesperrt">ging</em> am 28. mittags <em class="gesperrt">zur -französischen Küste hinüber</em>. Die Holländer sagen, Russell -habe hierzu erst Befehl von London einholen wollen, der holländische Chef -<em class="gesperrt">Almonde</em> aber im Kriegsrate auf sofortigem Segeln bestanden; wenn dies -richtig, so ist es der Sache sehr dienlich gewesen.</p> - -<p>Die Franzosen traten somit weder überlegen noch überraschend auf. -<em class="gesperrt">Tourville</em> war nach dem Inseegehen noch durch Westwinde unter der Küste -festgehalten, dann mußte er im Eingang des Kanals gegen steifen Nordost -aufkreuzen. Während dieser Zeit stießen zwar die 5 Schiffe von Rochefort -zu ihm, aber weitere Verstärkungen aus -Brest und vor allem die Schiffe aus -Toulon kamen nicht.</p> - -<p class="small">Von Toulon waren Anfang Mai 13 Linienschiffe -unter d'Estrées ausgelaufen. In der -Straße von Gibraltar traf sie am 18. Mai ein -schwerer Sturm; 2 Schiffe strandeten bei Ceuta, -die übrigen wurden schwer beschädigt: erst -im Juli erreichte das Geschwader Brest.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p447.jpg" width="300" height="400" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p447" id="fig_p447"></a> -<p class="caption">Edward Russell.</p> -</div> - -<p>Am 27. Mai endlich wurde der -Wind günstig und <em class="gesperrt">Tourville -steuerte kanalaufwärts</em>. Es -war <em class="gesperrt">zu seinem Verderben</em>; -länger festgehalten, würde ihn voraussichtlich -noch rechtzeitig der Befehl -erreicht haben, weiter vor Brest zu -kreuzen, bis d'Estrées und andere Verstärkungen -eingetroffen seien. (Dasselbe -wäre möglicherweise der Fall gewesen, -wenn die Verbündeten gegen Almondes -Rat nicht sofort gesegelt wären.) Ludwig, -der bei der Belagerung von Namur anwesend war, hatte sich Anfang Mai -doch überzeugt, daß alle seine Voraussetzungen für einen Erfolg in die -Brüche gegangen seien. Seine Flotte hatte nicht die beabsichtigte Stärke -erreicht; die Vereinigung der Gegner stand bevor; die Hoffnung auf den -Abfall englischer Offiziere war erschüttert. Infolgedessen wurden bald -Befehle gegeben, die den veränderten Verhältnissen Rechnung trugen (nach -Delarbre datiert vom 9. und 12. Mai). Sie erreichten Tourville nicht und -ebensowenig ein letzter, der ihm Kenntnis von Änderungen im Operationsplan -sowie von der nun schon erfolgten Vereinigung der Gegner geben sollte -und den Befehl des Zurückgehens wiederholte. Dieser letzte Befehl wurde -am 27. Mai durch 10 Schnellsegler von verschiedenen Kanalhäfen aus abgesandt; -die Fahrzeuge stießen, teilweise durch Nebel behindert, nicht auf die -Flotte.</p> - -<p class="small">In England waren allerdings die Jakobiten eifrig am Werke gewesen. Es sollen -die Aufstellung verschiedener Regimenter für Jakob völlig vorbereitet gewesen und<span class="pagenumsmall"><a name="Page_448" id="Page_448">[448]</a></span> -hohe Personen, die bisher zu Oranien hielten, für ersteren gewonnen oder doch unsicher -gemacht sein. (Marlborough! Russell!?) Ludwig war über alles dieses gut unterrichtet; -freilich wird gesagt, daß derartige Gerüchte teilweise auch von Gutgesinnten ausgesprengt -seien, um Ludwig zu täuschen. Doch selbst die Königin hegte Befürchtungen; sie -schrieb diese an Russell mit dem Hinzufügen, sie könne sich nicht denken, daß die Flotte -ihre Pflicht vergäße. Daraufhin aber traten am 25. Mai die Flagg- und Stabsoffiziere -zusammen und unterzeichneten eine Ergebenheitsadresse (Russell war abwesend durch -Zufall oder mit Absicht? Seine politische Zuverlässigkeit wird von mehreren Autoren -angezweifelt). Auch dies kam sofort zu Ludwigs Kenntnis. Schon früher war das -Triumvirat der Führer in La Hogue durch die Verzögerung der Expedition unsicher -geworden und hatte den Operationsplan geändert; wir brauchen nicht darauf einzugehen, -da die Beschlüsse nie zur Ausführung kamen (Näheres vgl. Delarbre). Bemerkenswert -ist nur, daß auch in diesen, vom König genehmigten Beschlüssen immer noch eine -Unterschätzung des Feindes (65 Schiffe) und eine Überschätzung der eigenen Kraft -(augenblicklich 52, nach Ankommen der Verstärkungen 70 Schiffe) zu ersehen ist.</p> - -<p>Am 29. Mai, zwischen 3 und 4 Uhr morgens, <em class="gesperrt">sichteten sich -die Gegner</em> einige Seemeilen <em class="gesperrt">nördlich vom Cap Barfleur</em>; -es wehte leichter Südost und war diesig; die Franzosen standen zu Luward. -Beide Flotten formierten die Gefechtslinie über Backbord-Bug und Tourville -führte dann die seinige zum Angriff heran, Geschwader gegen Geschwader -und Flaggschiff gegen Flaggschiff.</p> - -<p>Die Stärke der Flotten.<a name="FNanchor_241_241" id="FNanchor_241_241"></a><a href="#Footnote_241_241" class="fnanchor">[241]</a></p> - -<table cellpadding="2" summary="p448"> - <tr> - <td colspan="3"></td> - <td class="tdr">Schiffe von</td> - <td class="tdl">90-b. üb. 100 K.</td> - <td class="tdl">80–90</td> - <td class="tdl">70–80</td> - <td class="tdl">60–70</td> - <td class="tdl">50–60</td> - <td class="tdl">26–46<a name="FNanchor_4_2" id="FNanchor_4_2"></a><a href="#Footnote_4_2" class="fnanchor">4)</a></td> - <td class="tdl">kleinere</td> - <td class="tdl" colspan="3">Brander</td> - </tr> - <tr> - <td rowspan="3">Verbündete</td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="tdl">Vorhut<a name="FNanchor_1_10" id="FNanchor_1_10"></a><a href="#Footnote_1_10" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc" colspan="3"> 7</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte</td> - <td class="tdc"> 8<a name="FNanchor_2_10" id="FNanchor_2_10"></a><a href="#Footnote_2_10" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc" colspan="3">12</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut</td> - <td class="tdc"> 8<a name="FNanchor_3_9" id="FNanchor_3_9"></a><a href="#Footnote_3_9" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="tdc" colspan="3">11</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="15"></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td23">21</td> - <td class="td23">6</td> - <td class="td23">29</td> - <td class="td23">15</td> - <td class="td23">17</td> - <td class="td23">20</td> - <td class="td23">?</td> - <td class="td23" colspan="3">30</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="15">88 Linienschiffe über 50 K.; 30 Brander; 6756 Geschütze; 38–39000 Mann.</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="15"></td> - </tr> - <tr> - <td rowspan="3">Franzosen</td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="tdl">Vorhut</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">—</td> - <td> </td> - <td> </td> - <td class="td19" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="tdc" rowspan="3">13</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">?</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="tdc">3</td> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="15"></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"></td> - <td class="td23"> 6(9)<a name="FNanchor_5_1" id="FNanchor_5_1"></a><a href="#Footnote_5_1" class="fnanchor">5)</a></td> - <td class="td23"> 5(6)</td> - <td class="td23"> 8(8)</td> - <td class="td23"> 19(16)</td> - <td class="td23"> 7(5)</td> - <td class="td23"></td> - <td class="td23"></td> - <td class="td23" colspan="3"> 13</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="15">45(44) Linienschiffe über 50 K.; 13 Brander; 3083(3248) Geschütze; (21400) Mann.</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_10" id="Footnote_1_10"></a><a href="#FNanchor_1_10"><span class="label">1)</span></a> Vorhut der Verbündeten das holländische Kontingent.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_10" id="Footnote_2_10"></a><a href="#FNanchor_2_10"><span class="label">2)</span></a> Darunter 5 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_9" id="Footnote_3_9"></a><a href="#FNanchor_3_9"><span class="label">3)</span></a> Darunter 1 zu 100 Kanonen, die andern zu 90 Kanonen.</p> - -<p>Es ist bemerkenswert, daß in allen Quellen die englischen Schiffe gleichstark -armiert angegeben werden: zu 100, 90, 80, 70 usw. Kanonen; also scheinbar sehr gleichmäßig.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4_2" id="Footnote_4_2"></a><a href="#FNanchor_4_2"><span class="label">4)</span></a> Nicht in der Linie; vielleicht nur bei den Holländern einige über 40 Kanonen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5_1" id="Footnote_5_1"></a><a href="#FNanchor_5_1"><span class="label">5)</span></a> Die eingeklammerten Zahlen nach de Jonge; die Hauptzahlen nach Troude.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_449" id="Page_449">[449]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flaggoffiziere</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p449"> - <tr> - <td class="tdl"><em class="gesperrt">Verbündete</em></td> - <td class="tdl">I. Division</td> - <td class="tdl">II. Division</td> - <td class="tdl" colspan="2">III. Division</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vorhut:</td> - <td class="tdl">V.-Adm. Callenburgh</td> - <td class="tdl">Lt.-Adm. v. Almonde</td> - <td class="tdl" colspan="2">V.-Adm. v. d. Putte</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">(1. Kontreadm.)</td> - <td class="tdc">(1. Kontreadm.)</td> - <td class="tdc" colspan="2">(1. Kontreadm.)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte:</td> - <td class="tdl">V.-Adm. Sir R. Delaval</td> - <td class="tdl"><em class="gesperrt">Adm. Russell</em></td> - <td class="tdl" colspan="2">K.-Adm. Sir C. Shovel</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut:</td> - <td class="tdl">V.-Adm. Rooke</td> - <td class="tdl">Adm. Sir J. Ashby</td> - <td class="tdl" colspan="2">K.-Adm. Carteret</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><em class="gesperrt">Franzosen</em></td> - <td colspan="4"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vorhut:</td> - <td class="tdl">Chef d'Esc. de Nesmond</td> - <td class="tdl">Lt.-Gen. d'Amfreville</td> - <td class="tdl">Chef d'Esc.</td> - <td class="tdl">de Relingue</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte:</td> - <td class="tdl">Lt.-Gen. de Villette</td> - <td class="tdl" style="white-space: nowrap;">V.-Adm. <em class="gesperrt">Tourville</em></td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">de Langeron</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut:</td> - <td class="tdl">Chef d'Esc. de Coëtlogon</td> - <td class="tdl">Lt.-Gen. de Gabaret</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Pannetier</td> - </tr> -</table> - -<p>Die Verbündeten waren also mindestens doppelt so stark als die Franzosen. -Sie waren erstaunt über den Angriff; viele Offiziere, namentlich -holländische, sollen in dem Augenblick der Ansicht gewesen sein, Tourville -müsse begründete Überzeugung haben, daß ein Teil der englischen Schiffe -zu ihm übergehen würde. Nach Bonfils fragte Almonde bei Delaval an, ob er -sich auf die Engländer verlassen könne; dieser antwortete: „Ich weiß nicht, -worauf sich der Verdacht gründet, kann aber für mich einstehen.“</p> - -<p>Es ist von älteren und neueren Autoren viel darüber geschrieben -<em class="gesperrt">weshalb Tourville</em> unter solchen Umständen <em class="gesperrt">den Kampf suchte</em>, -den er doch bei seiner Luvstellung vermeiden konnte. Alle Auslassungen -hierüber abwägend, muß ich mich der Ansicht anschließen, die immer die -meistverbreitete gewesen ist: Tourville hat blindlings nach der ersten, der -einzigen ihm zugegangenen, Instruktion gehandelt, und zwar nach folgendem -Satze in dieser<a name="FNanchor_242_242" id="FNanchor_242_242"></a><a href="#Footnote_242_242" class="fnanchor">[242]</a>: „En cas qu'il (der Admiral) les (die Feinde) rencontre -à la Hogue (auf dem Wege, den Transport abzuholen), Sa Majesté veut, -qu'il les combatte en quelque nombre qu'ils soient, qu'il les poursuive jusque -dans leurs ports usw.“</p> - -<p>Er wurde darin bestärkt dadurch, daß er die Zahl der Feinde unterschätzte, -daß er glaubte, nur auf die englische oder nur auf die holländische Flotte -gestoßen zu sein — er konnte die Stärke bis dicht vor dem Zusammenstoß -nicht feststellen, da es neblig war — und daß er mit der Unzuverlässigkeit -eines Teils der Engländer rechnete. Von allen Veränderungen in der Lage -der Dinge hatte er ja keine Nachricht; dagegen zog er aber auch nicht in Erwägung, -daß der ihm gegebene Befehl mit 70, ja selbst ohne das Mittelmeergeschwader -doch mit nahe an 60 französischen Linienschiffen gerechnet hatte. -Er fürchtete vielleicht auch, daß ein Ausweichen niederdrückend für den -Geist auf der eigenen, aufmunternd für den auf der anderen Seite sein würde. -Als sicher aber kann man annehmen, daß seine eigene Gemütsverfassung eine -große Rolle bei dem Entschlusse gespielt hat: Sein vorsichtiges Verhalten 1690 -und 1691 war von leitender Stelle herb beurteilt. Als er in diesem Jahre Bedenken -in Hinsicht auf seine Instruktion geäußert hatte, da die Zeit unbenutzt -verfloß und seine Flotte so schwach blieb, ergingen ähnliche kränkende Antworten; -so schrieb Pontchartrin<a name="FNanchor_243_243" id="FNanchor_243_243"></a><a href="#Footnote_243_243" class="fnanchor">[243]</a> z. B.: „Es ist Ihre Pflicht zu gehorchen,<span class="pagenum"><a name="Page_450" id="Page_450">[450]</a></span> -nicht die Befehle zu diskutieren, sonst wird man einen gehorsameren und „weniger -behutsamen(!)“ Mann finden.“ Er wußte, daß man dem König nahe gelegt hatte, -ihm (Tourville) fehle der Mut — man denke an den eigenhändigen Zusatz -des Königs unter der Instruktion —; so glaubte er, es seiner Ehre schuldig -zu sein, dem Befehle dem Wortlaute gemäß und ohne weitere Überlegung -nachzukommen. Persönlich mutig war er, doch hatte ja schon Seignelay -von ihm gesagt, er wage nicht, große Verantwortung zu übernehmen (Poltron -de tête); eine solche Verantwortung war hier, von dem Buchstaben des Befehls -abzuweichen.</p> - -<p class="small">Im Mahan, Teil I, Seite 184 steht — allerdings nur in einer Anmerkung —, daß -nach einem neueren französischen Schriftsteller de Crisenoy die Instruktion, wenn auch -für gewisse Verhältnisse bindend, Tourville doch nicht gezwungen hätte, unter solchen -Umständen wie am 29. Mai zu fechten (Clowes deutet Ähnliches an). Meines Wissens -ist die Schrift Crisenoys nicht neuer als die Biographie Tourvilles von Delarbre, und -dieser gibt nur die früher im Auszuge gebrachte Instruktion, nach der ein Ausweichen -allein „unter bestimmten Umständen nach erfolgreicher Landung“ erlaubt war.</p> - -<p class="small">In Betreff eines anderen Punktes scheint Crisenoy recht zu haben. Die meisten -bisherigen Schilderungen sagen nämlich, vor der Schlacht habe Tourville seine Admirale -zusammengerufen und gefragt, ob man fechten dürfe. Als alle dieses verneinten, habe -er die Order des Königs gezeigt und nun hätten alle mit „Vive le roi“ (die Szene wird -sehr dramatisch geschildert) dem Entschlusse Tourvilles zugestimmt. Crisenoy verweist -diesen ganzen Kriegsrat in das Gebiet der Fabel und auch Delarbre sagt nach -den Memoiren Bonrepaus': Tourville griff an wie ein Rasender, „ohne einen Kriegsrat -zu versammeln, wie es doch bei solchen Gelegenheiten der Brauch ist.“</p> - -<p>In der <b>Schilderung der Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692</b>, weichen -die Quellen sehr voneinander ab. Englische geben meist nur den Anfang, -später einige Momente; sie sagen, ein Festlegen des Verlaufes sonst sei schon -zu jenen Zeiten des diesigen Wetters, zuweilen völligen Nebels wegen nicht -möglich gewesen; es wird dies seine Richtigkeit haben. Die genaueste Schilderung -fand ich im Delarbre (nach „Sue“); ich gebe diese,<a name="FNanchor_244_244" id="FNanchor_244_244"></a><a href="#Footnote_244_244" class="fnanchor">[244]</a> da sich die Angaben -der anderen im allgemeinen damit wohl in Übereinstimmung bringen lassen. -Sues Schilderung mag gefärbt sein, aber auch aus den übrigen ist zu ersehen, -daß sich die Franzosen ausgezeichnet geschlagen haben und von allen ihren -Führern gut geleitet sind; sie hätten sich sonst auch nicht so aus ihrer verzweifelten -Lage ziehen können, wie sie es taten.</p> - -<p class="small">[Russell lag die Nacht vom 28. auf 29. Mai über Backbord-Bug, Kurs Südsüdost, nach -der französischen Küste zu; Wind Südwest, nebelig. Um 3 Uhr früh hörte man Schüsse -der Vorposten im Westen, bald meldeten zwei das Nahen des Feindes.] Mit Sonnenaufgang -sichteten sich die Gegner auf etwa 21 Seemeilen. Tourville konnte die Zahl -der Feinde nicht genau feststellen, setzte seinen Kurs mit raumen Winde fort und entschloß -sich, auch als er den Feind zählen konnte, doch zum Angriff. Russell erwartete -ihn beigedreht. Da es flau war, ging die Annäherung nur langsam vor sich; beide Gegner -benutzten die Zeit zum Ausrichten, so daß vor dem Zusammenstoß die Gefechtslinien -recht gut formiert waren, soweit es auf französischer Seite der Angriff und auf englisch-holländischer -Seite der flaue Wind gestatteten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_451" id="Page_451">[451]</a></span></p> - -<p class="small">Der Angriff war im allgemeinen, wie üblich, Geschwader auf Geschwader angesetzt, -wurde aber nicht genau so durchgeführt. Tourville steuerte direkt auf Russell zu und -somit Mitte auf Mitte beider Gefechtslinien. Die erste Division der Vorhut (Nesmond) -aber segelte auf die vordersten Schiffe der feindlichen Vorhut (Callenburgh) zu, um -zu verhindern, daß diese bei der bedeutend längeren Linie der Verbündeten ohne Gegner -blieben und imstande wären, die französische Spitze zu dublieren. [In der Tat hatten -die Holländer den Befehl, dieses sofort anzustreben.] Dadurch entstand eine Lücke -zwischen der I. Division (Nesmond) und der II. (d'Amfreville), namentlich aber auch -eine solche zwischen der III. der Vorhut (Relingue) und der I. der Mitte (de Villette), und -es war die Gefahr vorhanden, daß die III. Division der Holländer (v. d. Putte) bei näherem -Herangehen ohne Gegner bleiben, durch diese Lücke durchbrechen und die französische -Vorhut von achtern oder die französische Mitte von vorn dublieren würde; standen -in den Gesamtvorhuten doch nur 15 (14?) Schiffe der Franzosen, 26 der Holländer gegenüber. -D'Amfreville hielt sich deshalb sehr richtig mit seiner II. und III. Division weiter -ab, um einem solchen Manöver stets von Luward her entgegentreten zu können. [Er -erweiterte auch die Abstände zwischen den einzelnen Schiffen, um seine Linie zu verlängern.] -Von der französischen Nachhut war die III. Division (Pannetier) — wie so -oft bei dieser Art Angriff, der ja stets etwas schräg angesetzt werden muß — zurückgeblieben -und konnte dies trotz Segelpressen nicht mehr ausgleichen. Die I. (Coëtlogon) -und II. (Gabaret) ihrer Divisionen hielten sich aber aufgeschlossen hinter der III. -Division der Mitte; so kam es, daß der größere Teil der englisch-holländischen Nachhut -keine Gegner erhielt — standen doch auch in den Mitten nur 16 Franzosen 30 Engländern -gegenüber.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p451.jpg" width="600" height="266" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p451" id="fig_p451"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692.</p> -</div> - -<p class="small">Ungefähr um 10<sup>30</sup> Uhr vormittags gingen die I. Division der Vorhut, die Mitte und -die I. und II. der Nachhut quer ab vom Feinde an den Wind; kein Schuß war bisher -gefallen, jetzt schoß ein Holländer, und sofort entbrannte der allgemeine Kampf.</p> - -<p class="small">Die französische Vorhut löste ihre Aufgabe vollkommen, allerdings auch durch die -Windverhältnisse begünstigt. Sie hinderte sowohl das Dublieren von vorn wie das -Durchbrechen vor der Mitte. Ihre I. Division hielt die feindliche Spitze im Schach; -die übrigen Holländer versuchten zwar näher an ihre sich hoch am Winde haltenden -Gegner heranzukommen, wurden aber durch die Flaute daran gehindert. [So kam nur -ihre I. Division in heftiges Feuer, die II. (Almonde) nur auf weitere Entfernung, die III. -(v. d. Putte) soll keinen Schuß abgegeben oder erhalten haben.]</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_452" id="Page_452">[452]</a></span></p> - -<p class="small">Tourville war mit seinen drei Divisionen der Mitte auf ¾ Musketenschußweite -(Pistolenschuß) herangegangen. [Die beiden ersten Divisionen der Nachhut scheinen -sich auch ähnlich wie d'Amfreville richtigerweise etwas weiter abgehalten zu haben, -um ein Dubliertwerden von achtern zu erschweren.] Der Kampf der Mitten war der -heftigste, standen doch fast jedem Franzosen zwei Gegner gegenüber; Tourville („Soleil -Royal“ 104) focht mit Russell („Britannia“ 100) und dessen Vorder- und Hintermann -(je 100). Es scheint hier jetzt schon die Melee teilweise eingetreten zu sein, da -es ganz still wurde und die Gegner durcheinander trieben. [Nach etwa zwei Stunden -versucht „Soleil Royal“ sich durch Boote nach Westen abschleppen zu lassen, -Russell folgt; „Soleil Royal“ findet Unterstützung durch Schiffe Coëtlogons.]</p> - -<p class="small">Um 2 Uhr nachmittags kam etwas Nordwestwind auf. Diesen benutzten die nicht angegriffenen -Schiffe der englischen Nachhut — etwa 25 —, die bisher infolge der Stille auch -ihrerseits nicht imstande gewesen waren, einzugreifen, um hinter der II. Division der -französischen Nachhut vorzubrechen. Sie gingen aber nicht zu Luward der kämpfenden -Linie, um die Franzosen von achtern zu dublieren, was ihnen möglich gewesen wäre, -sondern sie versuchten, an die noch immer zurückstehende Division Pannetier heranzukommen. -Es gelang nicht, da Pannetier geschickt steuerte; er zog sie absichtlich -hinter sich her, so daß diese 25 Schiffe bis 7 Uhr nachmittags weiter nutzlos blieben.</p> - -<p class="small">In der Schilderung tritt nun eine Pause ein. [Um 3 Uhr nachmittags dichter Nebel -und wieder still; allgemeine Unordnung, nur durch Zufall treffen sich die durcheinander -treibenden Schiffe; um 5 Uhr nachmittags wird es klarer und etwas Wind aus Ost; -man sieht die Franzosen westlich steuern, teilweise durch Boote geschleppt. Russell -gibt Signal zum Folgen, kurze Zeit neuer Kampf.] Auch die Zeitangaben schwanken; -Delarbre fährt erst mit 7 Uhr nachmittags fort. Um diese Zeit erscheinen einige der -englischen Schiffe, die Pannetier gefolgt waren, zu Luward der Franzosen und ankern -hier. Tourville in großer Bedrängnis wird wieder von Coëtlogon unterstützt, auch Gabaret -kommt heran; also völlige Melee der Mitten und der Nachhuten. Jetzt etwa setzte die -Flut ein; Tourville ließ ankern, wie es die zu Luward angekommenen Engländer getan -hatten. Auch die französische Vorhut ankerte; sie hatte bis dahin ihre Stellung gegen die -Holländer gehalten und hielt sie so weiter, jedoch jetzt ohne Kampf. Die englischen -Schiffe in Lee der Franzosen (Russell usw.) ankerten zu spät, so daß sie außer Schußweite -trieben. Dennoch kam Tourville nochmals in arge Bedrängnis, als es um 8.<sup>30</sup> Uhr -abends wieder aufklärte und der Kampf — zu Anker und durcheinander treibend — -nochmals bei Mondschein entbrannte. Auch Shovel war es geglückt, mit einigen -seiner Schiffe zu Luward zu kommen. Er schickte fünf Brander gegen Tourville, die -nur mit Mühe abgeschlagen wurden (zwei durch Boote; einmal kappte Tourville). Sonst -aber waren die zu Luward stehenden Engländer jetzt im Nachteil, da der Feind in Lee -nicht mehr bedrängt wurde; aus Furcht, bei aufkommendem Winde gefährdet zu sein, -kappten sie und ließen sich durch die Feinde zur eigenen Flotte treiben, wobei sie enfilierend -arg beschossen wurden. Zwischen 9 und 10 Uhr abends wurde es wieder -ganz dick und die Schacht war beendet. [Englische und holländische Quellen erwähnen -ein Ankern während des Kampfes nicht; sie sagen, beide Flotten ankerten -bei dem letzten Nebel und die Schiffe zu Luward ließen sich dann durchtreiben; -doch heben alle französischen Berichte, die unmittelbar nach der Schlacht aufgesetzt -sind, gerade das Ankern hervor.]</p> - -<p>In dem zehnstündigen Kampfe gegen die ungeheure Übermacht verloren -die Franzosen kein Schiff, keines war völlig außer Gefecht gesetzt; die Verbündeten -sollen, nach Aussage französischer Offiziere, zwei Schiffe verloren -haben, jedenfalls verbrauchten sie mehrere Brander ohne Erfolg. Keiner der -französischen Führer hat einen wesentlichen Fehler gemacht, tüchtig haben -sie sich gegenseitig unterstützt; die richtige Verwendung der Vorhut hinderte<span class="pagenum"><a name="Page_453" id="Page_453">[453]</a></span> -ein Dublieren von vorn; auf seiten der Verbündeten muß man doch wohl -das Verfolgen Pannetiers als Fehler bezeichnen.</p> - -<p class="small">Clowes, also ein englisches Urteil, sagt: „Russell verdient Anerkennung für das -rechtzeitige Zusammenziehen der Flotte; in der Schlacht und in der Verfolgung konnte -er kaum weniger leisten. Er gewann einen wichtigen aber keinen glorreichen Sieg. -Tourville verlor nur wenig von seinem Ruf; Russell gewann nicht mehr.“</p> - -<p class="small">Auch Ludwig erkannte Tourvilles Verdienst an, indem er sagte: „Ein Glück, daß -Tourville gerettet ist; Schiffe lassen sich wieder bauen.“ Er ernannte ihn zehn Monate -nach der Schlacht zum Marschall; wohl ein Beweis, daß der Admiral nach seinem Sinne -gehandelt hatte.</p> - -<p>Die Schlacht bleibt eine glorreiche Tat für Tourville und die französische -Marine, wenn auch ihre unmittelbaren Folgen verhängnisvoll wurden.</p> - -<p><b>Die Vernichtung vieler Schiffe bei La Hogue und Cherbourg.</b> Am 30. Mai -1 Uhr vormittags kam leichter Ostnordost auf. <em class="gesperrt">Tourville</em> gab Befehl zum -Ankerlichten und die Schiffe sammelten sich bei dem nächsten Geschwaderchef: -bei Tourville 8, bei Villette 15, bei d'Amfreville 12. Um 7 Uhr nachmittags -vereinigten sich die Admirale, nun also 35 Linienschiffe stark; von den fehlenden -9 waren 6 unter Nesmond nach La Hogue und 3 unter Gabaret nach der -Küste Englands gegangen; diese drei erreichten wohlbehalten Brest.</p> - -<p><em class="gesperrt">Russell</em> hatte mit Einsetzen der Ebbe gleichfalls Anker gelichtet -und allgemeine Verfolgung befohlen. Am 30. Mai blieben sich die Flotten -in Sicht — ankerten während der Flut —, kamen aber nicht auf Gefechtsdistanz, -sondern blieben etwa 3 Seemeilen auseinander. <em class="gesperrt">Tourville</em> bemerkte -jedoch, daß die Verbündeten nach und nach aufkamen, er beschloß deshalb, -von dem Rückzuge nach Brest zunächst abzusehen und die bessere Kenntnis -der Strom- und Küstenverhältnisse zu benutzen, um sich dem Gegner zu -entziehen. Er wollte <em class="gesperrt">durch den Blanchard-Kanal</em> — zwischen -dem Festlande und den Inseln d'Aurigny (Aldernay) und Jersey — unter die -Küste der Normandie laufen und nahm an, daß die Verbündeten die schwierige -Passage scheuen würden, der starke Strom, der in diesem Kanal läuft, würde -ihm dann schnell einen großen Vorsprung gegeben haben. Aber er beging -einen großen Fehler dabei. Sein Flaggschiff „Soleil Royal“, das er für seine -Person verlassen hatte, und zwei andere große Schiffe waren schwer beschädigt; -sie hielten die Flotte auf und der Admiral wagte nicht, die Verantwortung -zu übernehmen, jene allein einen Zufluchtsort aufsuchen zu lassen. Infolge -des Wartens auf sie stimmten beim Einlaufen in den Kanal (31. Mai, morgens) -die Stromverhältnisse nicht mehr; zwar gelang es 12 Schiffen noch mit der -Ebbe den Kanal zu passieren, aber 13 — unter ihnen der „l'Ambitieux“, auf -dem sich Tourville jetzt befand — waren genötigt, beim Einsetzen der Flut -im Kanal zu ankern. Die Lotsen wählten einen ungünstigen Platz; die Anker -hielten nicht oder die Taue brachen; da im Gefecht verschiedentlich gekappt -war, besaßen manche Schiffe nur noch ungenügendes Ankergeschirr. Der -Admiral mußte mit den 13 Schiffen zurückgehen und beschloß nun, auf der -Rhede von La Hogue, wo einige Batterien aufgeworfen waren, möglichst dicht -unter Land Schutz zu suchen; auf dem Wege dahin schickte er jetzt die 3 beschädigten<span class="pagenum"><a name="Page_454" id="Page_454">[454]</a></span> -Schiffe in den Hafen von Cherbourg, den sie auch erreichten. Er -ankerte am 31. abends auf der Rhede und fand hier 2 Schiffe de Nesmonds -vor; die 4 anderen Schiffe dieses Admirals waren soeben kanalaufwärts gesegelt -und gelangten um Schottland herum glücklich nach Brest.</p> - -<p><em class="gesperrt">Russell</em> war tatsächlich vor dem Blanchard-Kanal geblieben. Er -sandte nun Ashby mit der Nachhut und einigen Holländern westlich um die -Kanalinseln herum zur Verfolgung der Schiffe, denen die Durchfahrt geglückt -war, doch entkamen sie unbelästigt nach St. Malo; er selbst folgte Tourville, -schickte Delaval nach Cherbourg, und es gelang, die 12 Schiffe vor La Hogue -(unter den Augen Jakobs) und die 3 in Cherbourg zu vernichten.<a name="FNanchor_245_245" id="FNanchor_245_245"></a><a href="#Footnote_245_245" class="fnanchor">[245]</a></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Delaval</em> griff am 31. die 3 Schiffe vor <em class="gesperrt">Cherbourg</em>, damals noch ohne -Wellenbrecher und ohne Hafen, mit kleineren Linienschiffen und Brandern an, wurde -aber durch heftiges Feuer abgeschlagen. Am 1. Juni gelang es, gedeckt durch Feuer -der Linienschiffe mit Booten 2 Brander heranzubringen; ein dritter wurde durch das -feindliche Feuer zu früh entzündet, doch steckten die begleitenden Boote auch das -dritte Schiff in Brand.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tourville</em> war auf der Rhede von <em class="gesperrt">La Hogue</em> mit Jakob und den Führern -des Heeres in Verbindung getreten; man hatte beschlossen, die Kriegsschiffe auf das -äußerste zu verteidigen, sowie möglichst Mannschaften, Material und Munition zu retten. -Die Schiffe wurden bei Flut mit Leinen von Land in der Nähe zweier Forts möglichst hoch -auf den Strand geholt und man begann mit Löschen von Material usw. Um sie gegen -Brander- und Bootsangriffe besser schützen zu können, wurden alle ihre Boote sowie -Fahrzeuge von Land mit Matrosen besetzt, am Lande Batterien gebaut und die Truppen -zusammengezogen. Aber die Zeit war nur kurz, große Unordnung herrschte, einheitliche -Leitung fehlte; nach einem hochgestellten Augenzeugen soll Tourville den Kopf verloren -haben. Russell beauftragte <em class="gesperrt">Rooke</em> mit dem Angriff. Am 2. Juni versuchte dieser -auch hier, mit leichteren Linienschiffen Brander an eine Gruppe von 6 Schiffen heranzuführen; -es mißlang, da das Wasser zu flach war; auch ein Versuch, die Brander mit -Booten heranzuschleppen, blieb fruchtlos. Darauf wurden bei Eintritt der Nacht gegen -200 Boote armiert, die feindlichen Boote zurückgeschlagen, die Schiffe geentert und -angezündet; in den Bootskampf auf seichtem Wasser sollen selbst französische Reiter -eingegriffen haben. Am 3. vormittags wurde, wiederum mit Booten, die andere Gruppe -von Schiffen unter dem zweiten Fort vernichtet, auch einige Transporter fielen zum -Opfer. Noch im Jahre 1833 waren die Spanten der vernichteten Schiffe zu sehen; -bei niedrigem Wasser sind damals verschiedene Überreste geborgen und ins Pariser -Marinemuseum geschafft worden.</p> - -<p>Der Verlust dieser 15 Linienschiffe, worunter viele der stärksten, war -aber kaum die wichtigste Folge der Schlacht: er wäre bei der großen Zahl -der vorhandenen Schiffe zu ertragen gewesen und wurde auch zum großen Teil -durch Neubau ersetzt. Der Eindruck, den die Niederlage auf die an Ludwigs -Erfolge gewöhnte öffentliche Meinung und auch an leitender Stelle hervorbrachte, -war bedeutsamer. Eine volkstümliche Waffe war die Marine in Frankreich -noch nicht geworden, und wir haben schon gehört, daß Pontchartrin und andere -nicht viel von ihr hielten. Jetzt drang die Ansicht dieser Personen, den Krieg -zur See nur gegen den feindlichen Handel zu führen, mehr durch und der<span class="pagenum"><a name="Page_455" id="Page_455">[455]</a></span> -Marine wurde immer weniger Sorge zugewendet; <em class="gesperrt">die französische -Flotte trat den feindlichen nicht mehr entgegen</em>. Zunächst -hören wir in diesem Jahre gar nichts mehr von ihr; vielen Mannschaften -wurde erlaubt, auf Freibeutern zu dienen, die gesammelten Transporter -wurden teilweise als solche verwendet und der kleine Krieg blühte.</p> - -<p>Aber auch die <em class="gesperrt">Verbündeten</em> blieben untätig. Nach den letzten -Vorfällen ging das Gros ihrer Flotte zum Instandsetzen nach Wight. Ein -kleineres gemischtes Geschwader unter Ashby und Callenburgh kreuzte noch -an der Küste, um etwa versprengte Franzosen oder die nach St. Malo geretteten -auf ihrem Wege nach Brest abzufangen; es ging auch nach Havre, wo man -die Schiffe Nesmonds vermutete, fand diese jedoch — wie wir wissen — nicht -und wagte auch nicht, etwas gegen die Transporter dort zu unternehmen; -dann vereinigte es sich wieder mit dem Gros. Dieses lief am 28. Juni wieder -aus, teilte sich in zwei Teile, von denen der eine westlich im Kanal gegen die -St. Malo-Schiffe kreuzte, der andere östlich, um die Verbindung zwischen -England und Holland zu sichern.</p> - -<p class="small">Nach Colomb (Seite <a href="#Page_268">268</a>) waren die englischen Seeoffiziere der Ansicht, ohne einen -gleichzeitigen Landangriff nichts gegen die in St. Malo geborgenen französischen -Schiffe unternehmen zu können; es gelang diesen, später unbewacht, nach Brest durchzukommen.</p> - -<p>Die englisch-holländische Flotte beherrschte also den Kanal und es wurde -auch wieder der Plan einer Landung in Frankreich ins Auge gefaßt. Truppen -wurden bei Portsmouth versammelt und Anfang August mit der Einschiffung -auf der dort wieder vereinigten Flotte begonnen. Der Plan kam aber nicht -zur Ausführung: Befehle und Gegenbefehle von London, Kriegsratsversammlungen -der Armee und Marine verzögerten die Maßnahmen; endlich erachtete -man die Jahreszeit für die schweren Schiffe zu weit vorgeschritten; holländische -Quellen deuten wieder an, daß Russell an der Verzögerung schuld -gewesen sei. (Er habe zu denen gehört, die es durch Entfaltung zu großen -Eifers nicht ganz mit Jakob verderben wollten.) Das Ergebnis war die -Überführung einiger englischer Truppen nach Holland. Gegen die immer -zahlreicher auftretenden Freibeuter des Feindes hatte man auch keine ernste -Maßregeln ergreifen können, da man die Flotte — schließlich unnütz — -stets zusammengehalten hatte.</p> - -<p>Im September wurden die schweren Schiffe abgerüstet, andere kreuzten -noch im Kanal, bis endlich die Flotte auf die kleinen Wintergeschwader vermindert -wurde.</p> - -<p><b>Die Ereignisse der Jahre 1693–1697.</b> Während der weiteren Kriegsjahre -führten <em class="gesperrt">die Franzosen</em>, wie schon mehrfach erwähnt, den Krieg in der -Hauptsache nur gegen den feindlichen Handel, besonders in den nördlichen -Gewässern. Wenn auch zuweilen noch größere Flotten zusammengezogen -wurden — im Jahre 1693 sogar noch eine solche von 70 Linienschiffen, aber -auch nur um einen großen Schlag gegen den feindlichen Handel in führen —, -so versuchten diese doch nicht mehr, dem Feinde die Seeherrschaft streitig<span class="pagenum"><a name="Page_456" id="Page_456">[456]</a></span> -zu machen. Im Mittelmeer wurden wie bisher stets noch etwas stärkere -Geschwader im Dienst gehalten, um an den Küsten im Landkriege zu wirken; -im Atlantik waren die Streitkräfte meistens in kleineren Divisionen auf die -verschiedenen Häfen verteilt, um diese zu schützen und von ihnen aus gegen -die feindlichen Handelsfahrzeuge zu kreuzen. Der Kreuzerkrieg wurde dabei -durch die vom Staate in jeder Hinsicht unterstützte Freibeuterei ungemein -verstärkt; je weniger Pflege der Marine im Laufe der kommenden Jahre zuteil -wurde — wegen Geldmangels, und wegen fehlenden Interesses an maßgebender -Stelle —, um so mehr entwickelte sich die Freibeuterei.</p> - -<p>Die Tätigkeit der <em class="gesperrt">englisch-holländischen Flotten</em> äußerte -sich nach drei Richtungen: Unternehmungen gegen französische Küstenstädte, -um hierdurch auf den Landkrieg einzuwirken; Unterstützung des Landkrieges -in Spanien; Schutz des eigenen Handels. Mit den Angriffen auf die -Küstenstädte beabsichtigte man in den meisten Fällen und hauptsächlich, -den Kreuzerkrieg des Gegners in seinen Stützpunkten anzugreifen. Um die -Gesamtrüstungen der Verbündeten in diesen Jahren richtig beurteilen zu -können, sei vorausgeschickt, daß neben den Hauptflotten, deren Tätigkeit -uns zunächst beschäftigt, stets ein starkes Geschwader — bis zu 20 Linienschiffen -— gegen Dünkirchen aufgestellt war.</p> - -<p><b>Das Jahr 1693</b> zeigt uns die <em class="gesperrt">Kriegführung der Verbündeten</em> -in einem sehr trüben Lichte. Unentschlossenheit an leitender Stelle -in England — schon Ende 1692 bemerkbar —, der Zustand der Verwaltung -in der Marine hier und Uneinigkeit in der Führung der Flotte ließen es nicht nur -zu keinerlei Erfolg kommen, sondern führten sogar einen großen Verlust herbei.</p> - -<p>Im Oktober 1692 war von England und Holland <em class="gesperrt">mit Spanien ein -Vertrag</em> abgeschlossen, wonach die schwachen spanischen Seestreitkräfte -durch englisch-holländische verstärkt werden sollten, um den Angriffen der -Franzosen auf die spanischen Küsten sowie der Bedrohung der Silberflotten -entgegenzutreten; England und Holland gedachten dadurch auch ihren -Mittelmeerhandel zu sichern und einer Vereinigung der Flotten von Brest -und Toulon stets vorzubeugen.</p> - -<p class="small">Nach dem Vertrage sollte Spanien 16 Linienschiffe und 25 Galeren stellen, England -und Holland je die gleiche Zahl Schlachtschiffe; Spanien sollte in einem seiner Häfen -Magazine einräumen, damit die Verbündeten sich einen Stützpunkt schaffen könnten. -Dieser Vertrag blieb grundlegend für spätere während des ganzen Krieges, doch wurde -Spanien bald lau in der Erfüllung seiner Pflicht.</p> - -<p>Das schwache Spanien kam zunächst seiner Pflicht nach, die Verbündeten -nicht. Zwar wurden schon im März Schiffe zu diesem Zwecke bestimmt -— 4 Holländer, 11 Engländer —, aber sie kamen nicht fort. Befehle wechselten -mit Gegenbefehlen. Erst sollte das Geschwader auf Kauffahrer warten, -dann hielt man es für nicht stark genug den Franzosen in Toulon gegenüber und -endlich wollten die Rhedereien ihm ihre Schiffe nicht anvertrauen.</p> - -<p>Außer diesem Mittelmeergeschwader war die Indienststellung einer ebenso -großen Hauptflotte wie im Jahre 1692 beschlossen, weil man wußte, daß auch<span class="pagenum"><a name="Page_457" id="Page_457">[457]</a></span> -die Franzosen stark rüsteten. Von Mitte April an sammelte sich diese Flotte bei -Wight und bestand bald aus 76 Linienschiffen (46 Engländer, 30 Holländer). -Russell war seines Postens enthoben worden (Differenzen wegen La Hogue), -das Kommando führten 3 <em class="gesperrt">Jointadmirals</em> — Killigrew, Shovel, Delaval -— <em class="gesperrt">auf einem Flaggschiff</em>, das holländische Kontingent kommandierte -<em class="gesperrt">Almonde</em>; aus den angedeuteten Gründen lag die Flotte wochenlang -untätig und auch wohl teilweise unfertig auf der Rhede von St. Helens.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte man tatsächlich stark gerüstet, und zwar dem -neuen Plane gemäß, den Kampf nur gegen den Handel zu führen, zu einem -besonderen Zwecke: dem Abfangen des jährlichen großen englisch-holländischen -Levanteconvois bei seiner Ausreise, der ja auch 1691 auf seiner Heimreise -Tourville als Hauptangriffsobjekt bezeichnet war. Wieder unter <em class="gesperrt">Tourville</em> -waren in Brest 71 Linienschiffe zusammengezogen; in Toulon wurden etwa -20 Linienschiffe unter d'Estrées gegen Spanien in Dienst gestellt.</p> - -<p>Wie stets bisher, war man in Frankreich durch Spione und Parteigänger -Jakobs über alle Vorgänge in England gut unterrichtet. So erhielt man auch -jetzt rechtzeitig Nachricht, als die Abfahrt des Convois bevorstand, und -Tourville wurde sofort in See gesandt, obgleich die Flotte noch unvollkommen -ausgerüstet war, um ihn in der Straße von Gibraltar zu erwarten. In England -hatte man sich endlich entschlossen, den Convoi mit dem für das Mittelmeer -bestimmten Geschwader segeln zu lassen, da man aber die Stärke der -Franzosen in Brest kannte, wurde bestimmt, daß die Hauptflotte bis in den -Atlantik mitgehen solle; zu einem rechtzeitigen Festhalten Tourvilles in -Brest war sie nicht fertig geworden.</p> - -<p>Am 9. Juni verließ alles Wight; der Convoi war an 400 Segel stark. Am -14. Juni, etwa 36 Seemeilen südwestlich von Ouessant, wurden die für Westindien -und andere transatlantische Gewässer bestimmten Schiffe mit den üblichen -kleinen Bedeckungen entlassen, die Hauptflotte kehrte in den Kanal zurück; -<em class="gesperrt">das Mittelmeergeschwader</em> unter <em class="gesperrt">Admiral Rooke</em> (Holländer -unter van der Goes) setzte mit den Kauffahrern für Portugal, Spanien -und Mittelmeer die Reise fort.</p> - -<p>Auf der Hauptflotte wußte man nichts von dem vierzehn Tage vorher erfolgten -Auslaufen Tourvilles. Dieser kaum zu verstehende Fehler wird mit einer -Nachlässigkeit im englischen Ministerium erklärt: „Nottingham hatte vor -Abgang der Flotte einen Brief erhalten, der Tourvilles Auslaufen meldete; -er sandte die der Nachricht angeschlossene Liste der französischen Schiffe -an die drei Admirale, der Brief selbst aber wurde vergessen beizulegen.“ Der -Führung der Flotte ist aber doch wohl vorzuwerfen, daß sie nicht erkunden -ließ, ob Tourville noch in Brest sei. Hätte man gewußt, daß die Franzosen -in See waren, so würde doch die Hauptflotte bis zum Mittelmeer mitgegangen -sein; so wurde der <b>Angriff Tourvilles auf den Smyrnaconvoi vor Lagos</b> am -27. Juni 1693 ein großer Erfolg.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Rooke</em> entließ an der portugiesischen Küste die nach Lissabon bestimmten -Kauffahrer mit einigen Kriegsschiffen, die später wieder zu ihm stoßen sollten; er war<span class="pagenumsmall"><a name="Page_458" id="Page_458">[458]</a></span> -so nur 15 Linienschiffe über 50 Kanonen, etwa 10 leichtere Schiffe, 4 Brander und 2 -Mörserboote stark, der Convoi zählte noch 130–140 Segel. Anstatt nun gleich in -Portugal Nachrichten einzuziehen, steuerte er zunächst von der Küste ab und machte -erst am 26. Juni Land bei St. Vincent. (Nur ein leichtes Fahrzeug hatte er nach Lagos -vorausgesandt; es kam nicht zurück, da es unter der Küste bekalmt wurde.) Jetzt -meldeten seine Vorposten einige französische Schiffe im Süden — es waren die Vorposten -Tourvilles —; da diese sich aber zurückzogen und der nördliche Wind günstig -war, wurde die Fahrt fortgesetzt. Mit Tagesgrauen am 27. bekam man 10 Linienschiffe -und einige kleinere Segel in Sicht; auf einen Angriff gingen auch diese zurück; ein kleines -Fahrzeug wurde genommen und sagte aus, Tourville sei allerdings unter der spanischen -Küste, aber nur mit 15 Linienschiffen, einen Transport nach Toulon geleitend. Um -10 Uhr vormittags aber sichtete man den Feind überall: voraus 18 Kriegsschiffe, zu -Luward 16 (Gabaret) und weiter ab in Lee 40 (Tourville selbst), die ganze Flotte von Brest.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Tourville</em> war am 27. Mai mit 71 Linienschiffen, 4 kleineren Fahrzeugen -und 35 Brandern in See und geradeswegs nach Lagos gegangen. (Hier soll er nach -Bericht des holländischen Gesandten in Lissabon unter englischen und holländischen -Flaggen gelegen haben.) Von hier hatte er sofort zwei starke Geschwader der besten -Segler — eben die genannten 18 und 16 Linienschiffe — zum Kreuzen bei Kap St. Vincent -entsandt. Er <em class="gesperrt">hatte den Befehl</em>: den Convoi abzufangen, aber ein Gefecht zu vermeiden, -wenn der Feind viel stärker wäre; an der spanisch-portugiesischen Küste bis Anfang -September zu bleiben, aber auch Unternehmungen gegen die französische Küste entgegenzutreten -(vgl. seinen Auftrag 1691; der jetzige war wohl noch schwieriger). Als -nun Rooke am 27. in Sicht kam, hielt sich Tourville zunächst zurück, um ausweichen zu -können, falls es die Hauptflotte der Verbündeten wäre; sobald er aber erfahren hatte, -daß es der verhältnismäßig nur schwach bedeckte Convoi war, gab er den Befehl zum -Angriff, vor allem dem am günstigsten stehenden Geschwader Gabaret.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Rooke</em> war seit dem Sichten der feindlichen Vorposten am Morgen mit dem -Geschwader, in dessen Linie einige der stärksten Kauffahrer eingestellt waren, vor dem -Convoi gesegelt. Als er sah, daß bei der Stärke des Feinden ein Widerstand unmöglich -war, formierte er die Gefechtslinie hoch am Winde mit einem Kurse nach See zu und -gab an die Schiffe des Convois den Befehl, sich auf eigene Faust namentlich unter dem -Schutze der Nacht zu bergen; den Schiffen unter Land wurde geraten, spanische Häfen -aufzusuchen, den weiter in See befindlichen gewährte das Geschwader vorläufig eine -Deckung. Das vorderste französische Geschwader Gabaret, das aus den bestsegelnden -Schiffen bestand, kam gegen Abend (6 Uhr nachmittags) an Rooke heran. Zwei holländische -Schiffe opferten sich, indem sie das Gefecht aufnahmen, nach Land zu wendeten und -einen Teil der Feinde auf sich zogen; sie wurden nach hartnäckigem Widerstande -genommen; das übrige Geschwader entzog sich während der Nacht dem Feinde. Am -andern Morgen sah Rooke nur noch wenige Gegner, die bald von der Verfolgung abstanden; -er erreichte mit dem Geschwader und etwa 50 Kauffahrern wohlbehalten Madeira.</p> - -<p class="small">Es wird <em class="gesperrt">Gabaret</em> der Vorwurf gemacht, daß er das Geschwader angegriffen und -dazu sogar seine vordersten Schiffe zurückgerufen habe, um erst die Gefechtslinie -zu formieren, anstatt gleich an die Verfolgung und Vernichtung der verstreuten Kauffahrer -zu gehen oder wenigstens durch die vordersten Schiffe das feindliche Geschwader -rechtzeitig festhalten zu lassen.</p> - -<p class="small">Einem zweiten Teile der französischen Flotte (wohl dem 18-Schiffe-Geschwader) -gelang es während der Nacht die unter Land segelnden Fahrzeuge des Convois zu umzingeln -und am nächsten Tage zu nehmen oder zu zerstören; viele wurden durch die -eigene Besatzung auf Strand gesetzt und versenkt oder verbrannt. An dieser Vernichtung -beteiligten sich wahrscheinlich auch Schiffe des erst später herangekommenen Gros. -So gingen gegen 70 (90?) englisch-holländische Kauffahrer — mit einem Werte von -einer Million Lstrl. — verloren; einige wenige erreichten spanische Häfen. Der Verlust -würde voraussichtlich noch weit bedeutender gewesen sein, wenn Tourville nicht — allerdings<span class="pagenumsmall"><a name="Page_459" id="Page_459">[459]</a></span> -seiner Instruktion entsprechend — das Gros seiner Flotte anfangs so vorsichtig -zurückgehalten hätte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Hauptflotte der Verbündeten</em> war nach der Trennung -von dem Convoi einige Tage vor dem Kanal geblieben, um Tourville in Brest -zu beobachten, bis man über England von dessen Auslaufen Nachricht erhielt; -nun ging sie nach Torbay zurück (2. Juli dort), um „Vorräte zu ergänzen“ -und „Befehle einzuholen“ — bezeichnend für die Art der Ausrüstung der -(englischen) Schiffe und für die Leitung. Der hier zusammentretende Kriegsrat -sah wohl ein, daß sofortiges Abgehen nach der spanischen Küste das -richtigste sei, um Tourville vor oder nach seinem Anschlage gegenüberzutreten, -aber erst am 21. Juli war man seeklar und konnte wegen Gegenwindes gar -erst am 27. endgültig unter Segel gehen, nachdem nunmehr auch die Sprengung -des Convois bekannt geworden war. Die Flotte kreuzte wiederum vor Brest, -„die Rückkehr Tourvilles erwartend,“ dann mußte auch die Absicht aufgegeben -werden, weil die dorthin bestellten englischen Proviantschiffe ausblieben. -Die Flotte kehrte am 26. August nach Torbay, am 8. September -nach St. Helens zurück und wurde bald bis auf das Wintergeschwader — in -diesem Jahre ziemlich stark, z. B. 18 holländische Linienschiffe, aber wie üblich -keine schweren — aufgelegt.</p> - -<p class="small">Die Untätigkeit der Flotte, insbesondere das Schicksal des Convois, legte die -englische Nation (Haus der Gemeinen) den drei Oberbefehlshabern zur Last; in einer -Untersuchung wurden sie aber freigesprochen, die Hauptschuld traf auch wohl die -Leitung von London und die Verwaltung. Jointadmirale ernannte man aber nicht -wieder, oder doch nur einmal unter ganz anderen Umständen (einen Oberbefehlshaber für -die See- und einen für die Landoperationen einer Expedition).</p> - -<p><em class="gesperrt">Tourville</em> war nach der Vernichtung des Convois <em class="gesperrt">ins Mittelmeer</em> -eingelaufen und hatte sich am 18. Juli vor Malaga mit dem Toulon-Geschwader -vereinigt. Er mußte annehmen, im Atlantik jetzt der weit stärkeren -Hauptflotte des Feindes zu begegnen; er bedurfte der Ausrüstung, da er ja -Brest sehr eilig verlassen hatte, auch war so die französische Seeherrschaft -im Mittelmeer unbedingt gesichert. Die spanische Küste entlang laufend, -gelang es ihm noch, in Gibraltar (durch Brander) und in Malaga (durch armierte -Boote) einige englische und holländische Schiffe zu zerstören. Dann aber blieb -die ganze, jetzt 94 Linienschiffe (190 Segel) starke Flotte untätig in Toulon -liegen; Mitte September kehrte der Admiral mit den Atlantik-Schiffen ungehindert -nach Brest zurück.</p> - -<p>Von dem Jahre 1693 ist nur noch das <b>Bombardement von St. Malo</b> zu -erwähnen. Von dieser Stadt aus wurde die Freibeuterei jetzt ebenso erfolgreich -betrieben wie von Dünkirchen. Ende November erschien hier ein englisches -Geschwader von Linienschiffen IV. Klasse, kleineren Fahrzeugen, -Brandern und Mörserbooten; ein besonders konstruierter Brander war beigegeben.</p> - -<p class="small">Dieser Brander — <em class="gesperrt">Machine oder Infernal</em> genannt; in England durch einen -holländischen Ingenieur Meesters konstruiert — war ein altes Hafenfahrzeug von 350 -tons mit ausgemauertem Boden, gefüllt mit losem Pulver und solchem in Fässern,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_460" id="Page_460">[460]</a></span> -darüber eine dicke Schicht von Pech, Harz, Werg und dgl. Alles war so gestaut, daß -eine Entzündung schnell um sich greifen mußte; auf der deckenden Schicht lagen Brandgeschosse, -Kugeln und Ketten.</p> - -<p class="small">Stadt und Hafen von St. Malo waren gedeckt durch einige Forts auf kleinen Inseln. -Das Geschwader ankerte am 26. November bei Cap Fréhel, sandte schon nachmittags -einige Mörserboote gegen das äußerste Fort, vertrieb die Franzosen hier und errichtete -eine Batterie. Am 27. wurden dann die übrigen Befestigungen von hier aus und durch -die Mörserboote beschossen; der Erfolg war jedoch gering infolge schlechter Munition -(vgl. Seite <a href="#Page_174">174</a>), das Feuer wurde kräftig erwidert, die Mörserboote und die sie deckenden -Schiffe mußten zurückgehen. In der Nacht vom 30. November bis 1. Dezember wurde -der Infernal losgelassen. Bei glatter See und auflandigem Winde kam er bis auf 50 -Schritt an die Stadtmauer heran, wurde nun aber durch eine Windveränderung auf -einen Felsen geworfen und leck gestoßen; entzündet, zerstörte er dennoch gegen 300 -Häuser.</p> - -<p>Es ist dies der erste Fall der Unternehmungen gegen französische Städte. -Da sie keinen Einfluß auf den Krieg hatten und nur die friedlichen Einwohner -schädigten, werden sie — auch von englischen Autoren — als nutzlos und -barbarisch bezeichnet. Man muß doch aber wohl die von den englischen -Quellen angeführte Entschuldigung gelten lassen, daß Ludwig XIV. durch -das Bombardement von Genua 1684 das Beispiel zu solchen Unternehmungen -gegeben habe, auch daran denken, daß man in ihnen ein wirksames Mittel -gegen die sonst nicht niederzuhaltende Freibeuterei zu finden hoffte.</p> - -<p>Wenn wir im Jahre 1693 noch einmal eine große französische Flotte -sehen und infolgedessen auch ein Zusammenhalten der Streitkräfte Englands -und Hollands, so treten jetzt von <b>1694</b> an die Verhältnisse in der Kriegführung, -wie sie vorhin angedeutet sind, völlig ein. <em class="gesperrt">Die Franzosen</em> stellten im -Atlantik etwa 50 Linienschiffe in Dienst, von denen einige ins Mittelmeer -gesandt, die anderen in kleinen Divisionen auf die Häfen am Kanal und Atlantik -verteilt wurden. Im Mittelmeer verfügte Tourville so über eine Flotte -von etwa 20 Linienschiffen und die Galeren; er griff von Anfang Mai an in -den spanischen Landkrieg ein — Eroberung von Palamos; Belagerung von -Barcelona —, in dem bekanntlich Ludwig in diesem Jahre wieder kräftig -und, eben durch Unterstützung der Flotte, anfangs auch erfolgreich vorging. -Die Divisionen in den nördlichen Gewässern sollten nur zum Schutz der Küste -und zum Kreuzerkriege dienen; jetzt begann Frankreich, den feindlichen -Handel ganz besonders heftig mit kleinen Divisionen von Kriegsschiffen oder -von Freibeutern anzugreifen. Die <em class="gesperrt">Verbündeten</em> hatten auch für dieses -Jahr stark gerüstet und waren jetzt in der Lage, ihre Streitkräfte für die verschiedenen -Aufgaben zu teilen und den Spaniern die vertragsmäßige Hilfe -zu bringen. Kurz seien <b>die Operationen des Jahres 1694</b><a name="FNanchor_246_246" id="FNanchor_246_246"></a><a href="#Footnote_246_246" class="fnanchor">[246]</a> aufgeführt.</p> - -<p class="small">Am 6. Januar ging ein gemeinsames <em class="gesperrt">Geschwader</em> von 25 Linienschiffen unter -Vizeadmiral <em class="gesperrt">Wheeler</em> (die Holländer unter Callenburgh) mit einem Convoi <em class="gesperrt">nach -dem Mittelmeer</em>. Es hatte den Befehl, die Levantefahrer des Convois bis Malta -zu führen, dann von Cadiz aus die Silberflotten zu sichern und später zurückkehrende<span class="pagenumsmall"><a name="Page_461" id="Page_461">[461]</a></span> -Levantefahrer heimzugeleiten. Am 28. Februar verlor dieses Geschwader in einem schweren -Sturm nahe bei Gibraltar 4 Linienschiffe, darunter das Flaggschiff mit dem Admiral; unter -Callenburgh kehrte es nach Cadiz zurück, weil es ein Zusammentreffen mit der Toulonflotte -fürchtete, und war nicht einmal imstande, die von Brest abgegangenen französischen -Schiffe (am 14. Mai bei Gibraltar) an ihrer Vereinigung mit Tourville zu -hindern.</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">Hauptflotte der Verbündeten</em> unter <em class="gesperrt">Russell</em> (Holländer unter -<em class="gesperrt">Almonde</em>) begann sich im April zu sammeln. Im Mai wurde der Versuch gemacht, die -von Brest nach Toulon bestimmten Schiffe festzuhalten; man kam zu spät, vernichtete -aber einen feindlichen Convoi. Im Juni waren gegen 80 Linienschiffe bei St Helens -vereinigt; es wurden jetzt (15. Juni) zwei Flotten formiert. <em class="gesperrt">Russell selbst</em> ging mit -44 Linienschiffen <em class="gesperrt">zum Mittelmeer</em>, vereinigte sich am 11. Juli mit dem dort -befindlichen Geschwader und war jetzt, da auch 10 Spanier hinzustießen, 75 Linienschiffe -und 15 Brander stark. Er ging nach Barcelona, traf hier am 8. August ein und hob -die Belagerung auf; Tourville hatte sich schon bei seiner Annäherung auf Toulon zurückgezogen. -Die Flotte blieb dann bis Mitte Oktober an der Ostküste Spaniens und zeigte -sich auch an der französischen. Zwar wurde nichts gegen die Küstenstädte Kataloniens, -die in französischen Händen waren, unternommen, weil sich die spanische Landmacht -unzureichend erwies, aber man hielt doch Tourville in Toulon fest, hinderte das Zurückgehen -der Brest-Schiffe für den Winter und sicherte den Handel im Mittelmeer. Die -Flotte überwinterte in Cadiz, um im nächsten Jahre früh bereit zu sein.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Dies ist bemerkenswert.</em> Es geschah zum ersten Male; man kann von -hier an die dauernde Stationierung einer englischen Flotte im Mittelmeer rechnen. Es -war so neu, daß es anfänglich den Widerpruch Russells (und auch wohl anderer Offiziere) -hervorrief; anderseits sah England den Fehler ein, den es mit der Aufgabe von Tanger -gemacht hatte, und sorgte nun bald für Gewinnung eines Stützpunktes im Mittelmeer -(zunächst Port Mahon).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der zweite Teil der Hauptflotte</em> — 36 Linienschiffe (16 Holländer) -mit Fregatten, Brandern und einer größeren Zahl von Mörserbooten — wurde unter -Admiral <em class="gesperrt">Lord Berkeley</em> of Stratton zu Unternehmungen <em class="gesperrt">gegen die französische -Küste</em><a name="FNanchor_247_247" id="FNanchor_247_247"></a><a href="#Footnote_247_247" class="fnanchor">[247]</a> bestimmt. Insbesondere beabsichtigte man <em class="gesperrt">Brest</em> anzugreifen, -zu welchem Zweck 6000–7000 Mann unter General Talmash eingeschifft wurden. -Diese sollten die Forts nehmen, die die Einfahrt verteidigten, damit die Schiffe auf die -Binnenrhede einlaufen könnten. Aber die Franzosen waren vorbereitet; die Unternehmung -war durch hochgestellte Personen in England, die sich für alle Fälle bei Jakob -gut stellen wollten, verraten. <em class="gesperrt">Vauban</em> selbst hatte die Verstärkung der Befestigungen -geleitet; insbesondere waren am Strande der Außenrheden (Bucht von Camaret und -von Bertheaume) zahlreiche neue Batterien aufgeworfen, von denen die Verbündeten -nichts wußten, und Truppen in Verschanzungen aufgestellt worden. Am 17. Juni -ankerte Berkeley in der Camaret-Bucht — südlich vom Goulet de Brest, der Einfahrt -zur Binnenrhede — außerhalb Schußweite und nach einer Erkundung wurde auf Talmash' -Drängen die Landung in dieser Bucht beschlossen. Am 18. wurde sie, gedeckt durch das -Feuer von 3 Linienschiffen und 6 Fregatten, mit Bravour ausgeführt, aber zurückgeschlagen. -Von den Gelandeten (1200? 600? Mann) kamen nur wenige (100?) zurück, -weil die Boote trocken gefallen<a name="FNanchor_248_248" id="FNanchor_248_248"></a><a href="#Footnote_248_248" class="fnanchor">[248]</a> waren, Talmash selbst wurde schwer verwundet. Auch -die deckenden Schiffe litten, ein Holländer geriet auf Strand und ging verloren. Da -die Mörserboote wegen der Außenforts nicht nahe genug herangehen konnten, um die -Stadt oder die Binnenrhede mit Erfolg zu beschießen, segelte die Flotte nach St. Helens -zurück (25. Juni dort).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_462" id="Page_462">[462]</a></span></p> - -<p class="small">Es kam jetzt der Befehl, andere Städte zu bombardieren oder mit Infernals anzugreifen. -(Es sei erwähnt, daß in den Jahren 1694/95 gegen 30 solcher Fahrzeuge -erbaut wurden, aber schon 1695 gab man diese Waffe wieder auf.) Die Truppen wurden -ausgeschifft, von Landungen also abgesehen. Am 18. Juli erschien <em class="gesperrt">Berkeley vor -Dieppe</em>, warf am 23. aus den Mörserbooten gegen 1100 Bomben und Brandgeschosse -in die Stadt, wodurch diese auf lange Jahre hinaus fast ganz zerstört wurde; der Angriff -mit einem Infernal mißlang, weil dieser wegen einer Sperre zu weit abblieb. Am 26. -wurde <em class="gesperrt">Havre</em> bombardiert. Der Erfolg war hier aber unbedeutend, da Seegang ein -gutes Zielen unmöglich machte; dagegen flog ein Mörserboot im feindlichen Feuer auf. -Die Flotte ging dann nach England zurück und die großen Schiffe wurden aufgelegt.</p> - -<p class="small">Im September wurde nochmals ein <em class="gesperrt">Geschwader unter Shovel gegen -Dünkirchen</em> gesandt. Die Seeoffiziere erachteten zwar die Jahreszeit für nicht mehr -dazu geeignet, gerade gegen diese Stadt zu operieren; sie erhielten aber Befehl zum Angriff, -weil von hier aus in letzter Zeit die Freibeuter bedeutende Erfolge erzielt hatten und -über Dünkirchen große Kornladungen (durch Jean Bart) aus der Ostsee nach Frankreich -eingeführt waren. Das Geschwader war sehr stark (18 Linienschiffe), besonders an -Infernals (17) und vereinigte sich noch mit der ständig gegen Dünkirchen aufgestellten -Flottille; Es wurde nichts erreicht. Die Franzosen waren wieder von dem Plane unterrichtet -und hatten die in den letzten Jahren verstärkten Befestigungen gut im Stande -gehalten. Mehrere Forts deckten die Stadt und 2 Forts auf den langen Molen den Hafeneingang, -der außerdem gesperrt war. Zwar wurde durch Ausloten des wenig bekannten -Wassers trotz heftigen Feuers (am 22. September) festgestellt, daß ein Beschießen der -Stadt von der Westseite möglich sei, aber die Mörserboote waren noch nicht eingetroffen. -Man schickte vorläufig 2 Infernals gegen die Molenforts; der eine wurde vom Feinde -in Brand geschossen, der andere durch Boote abgeschleppt. Ehe die Mörserboote zum -Geschwader stießen, wurde dieses durch ungünstiges Wetter zum Verlassen der Rhede -gezwungen. Am 26. September beschoß man noch <em class="gesperrt">Calais</em>, ebenfalls erfolglos, weil -Wind und Seegang die Mörserboote zwang, unter Segel zu operieren. Am 29. traf das -Geschwader in den Downs ein; die Unternehmungen fanden für 1694 ihr Ende.</p> - -<p>Aus vorstehendem ist zu ersehen, wie bedeutend die Rüstungen der Verbündeten<a name="FNanchor_249_249" id="FNanchor_249_249"></a><a href="#Footnote_249_249" class="fnanchor">[249]</a> -für dieses Jahr gewesen waren, und daß sie als unmittelbaren -Erfolg nur die Zerstörung von Dieppe, den Entsatz von Barcelona und die -Sicherung ihres Handels im Mittelmeer zu verzeichnen hatten; ihre Seeherrschaft -im Kanal und in der Nordsee war keineswegs eine unbestrittene -gewesen, wie wir bei Betrachtung des Kreuzerkrieges sehen werden.</p> - -<p><b>Die Operationen des Jahres 1695</b> waren derselben Art. <em class="gesperrt">Russell im -Mittelmeer</em> war von gleicher Stärke wie im Vorjahre, weil man die Schiffe, -die zu Ausbesserungen heim mußten, sofort durch andere ersetzte. Die Flotte -blieb in Cadiz, bis einige Mörserboote und 3000 Soldaten (General Stewart) -eintrafen; bis dahin hielt sie nur die Straße von Gibraltar besetzt, um den -Verkehr zwischen Brest und Toulon zu hindern. Am 9. Mai ging sie die -spanische Küste hinauf, hielt sich einige Zeit vor Toulon und erschien dann -<em class="gesperrt">vor Palamos</em>; man beabsichtigte, im Verein mit spanischen Truppen -diese Stadt zu nehmen. Die Soldaten und auch eine Anzahl Seeleute wurden -gelandet (16. August) und die Stadt von den Mörserbooten beschossen. Es -gelang, ein kleines französisches Heer, das in der Nähe stand, zu vertreiben;<span class="pagenum"><a name="Page_463" id="Page_463">[463]</a></span> -die Stadt würde auch gefallen sein, wenn die spanischen Truppen stärker -gewesen wären und die Verbündeten ausgehalten hätten. Aber bald (27. August) -ging Russell wieder nach Toulon, weil er von gefangenen französischen Fischern -gehört hatte, daß die französische Flotte auslaufen wolle. Sofort kehrten -die Franzosen am Lande zurück und der spanische General mußte die Belagerung -aufgeben. Die Nachricht war (absichtlich) falsch gewesen, die französische -Flotte war keineswegs seeklar. Bis Ende September kreuzte Russell -bei Sardinien und den Balearen; das ganze Ergebnis war also wieder, daß der -Handel geschützt und die Franzosen in Toulon festgehalten wurden.</p> - -<p>Am 27. September traf die Flotte in Cadiz ein und fand von England -und Holland den Befehl vor, heimzukehren. Etwa 20 Linienschiffe blieben -unter <em class="gesperrt">Rooke</em>, der mit einigen neuen Schiffen herausgekommen war, als -<em class="gesperrt">Winterflotte in Cadiz</em>.</p> - -<p>Auch im <em class="gesperrt">Kanal</em> war wiederum eine große Flotte unter <em class="gesperrt">Berkeley</em> -zusammengezogen worden — daneben die übliche Flottille gegen Dünkirchen -und zum Schutz des Nordseehandels —, etwa ebenso stark, wie im Vorjahre -bei der Trennung dort. Es ist aber bemerkenswert, daß jetzt die meisten -Schiffe über 80 Kanonen fehlten, weil man erkannt hatte, daß diese -bei den Unternehmungen gegen die Küste nutzlos waren; die Holländer -stellten gar keine solcher schweren Schiffe in Dienst, dafür aber in diesem -Jahre auch Mörserboote (6). — Wieder hatte man <em class="gesperrt">Angriffe auf Küstenstädte</em> -ins Auge gefaßt, aber wie am Lande und im Mittelmeer kann man -auch hier sehen, daß die Kriegführung lauer wurde. Erst Ende Juni war -die Flotte operationsfähig; es wurde aber nicht mehr geleistet als im Jahre 1694; -die französischen Häfen waren natürlich in immer besseren Verteidigungszustand -gesetzt.</p> - -<p class="small">Am 14. und 15. Juli ward <em class="gesperrt">St. Malo</em> von der ganzen Flotte angegriffen. Es gelang -zwar, einen Brander an eines der beiden auf Felsen gelegenen Hauptforts so nahe heranzuführen, -daß dieses infolge des Rauches längere Zeit nicht feuern konnte, aber niederzukämpfen -waren die massiven Befestigungen nicht, obgleich die Mörserboote ziemlich -nahe herangingen; nachdem etwa 900 Bomben geworfen und einige Häuser der Stadt -in Flammen aufgegangen waren, wurde abgebrochen. Am 18. Juli beschossen einige -Schiffe die offene Stadt <em class="gesperrt">Granville</em>, die teilweise verbrannte. Nach einem Aufenthalt -in St. Helens und den Downs, um Munition zu ergänzen und Infernals — eine -größere Zahl unter dem Kommando des Erfinders Meesters — heranzuziehen, erschien, -verzögert durch Gegenwind, die Flotte am 11. August vor <em class="gesperrt">Dünkirchen</em>. Da dieser -Angriff gut vorbereitet war und energisch durchgeführt wurde, sei etwas näher darauf -eingegangen.</p> - -<p class="small">Wieder hatten die Franzosen Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Bei Erwähnung des -Unternehmens der Verbündeten 1694 wurde gesagt, daß die Wasserverhältnisse westlich -von der Einfahrt für einen Angreifer zum Bombardement der Stadt und des Hafens -die günstigsten sind; deshalb war schon früher westlich von der Stadt ein starkes Fort -erbaut worden. Dieses war jetzt verstärkt durch eine neue Batterie am Strande und -durch Stationierung von 9 schweren Kanonenschaluppen längs des Strandes zwischen dem -Fort auf der Westmole (in ihm kommandierte Jean Bart) und dienen Befestigungen. -Eine gleiche Zahl Schaluppen legte man in die Hafeneinfahrt, um sie zu sperren und -um Branderangriffe auf die beiden hölzernen Molenforts abzuweisen; die ganze Stellung<span class="pagenumsmall"><a name="Page_464" id="Page_464">[464]</a></span> -war endlich durch Verankerung von abgetakelten, schwer armierten Schiffen, deren -Feuer sich mit dem der Forts kreuzte, verstärkt.</p> - -<p class="small">Die Verbündeten konnten ihre schwereren Schiffe des Tiefgangs wegen nicht verwerten; -das Gros der Flotte ankerte deshalb bei Gravelines und detachierte (11. August) -18 Mörserfahrzeuge, viele armierte Boote und einige Brander unter dem Schutz von -16 Fregatten sowie anderen kleineren Segeln. Die Mörserboote legten sich — zuerst -etwas zu weit, dann aber näher — in Halbmondform um die Molenforts sowie das große -Westfort und bombardierten von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags; der Erfolg -war gering, der Feind antwortete kräftig und Seegang beeinträchtigte das Schießen. Inzwischen -wurde ein Angriff von 4 Infernals vorbereitet, von dem man sich gerade den -Holzforts gegenüber großen Erfolg versprach. Ein neuer Gedanke des Erfinders sollte -hierbei verwertet werden, nämlich den Angriff durch Vorausschicken von <em class="gesperrt">Rauchschiffen</em> -(eine Art Brander, die angezündet hauptsächlich Rauch erzeugten) zu -maskieren; diese sollten einerseits das Feuer des Feindes auf sich ablenken, anderseits -eben die Infernals verbergen. Auch diese Gruppe wurde durch einige Fregatten gedeckt, -die voraussegelten und zuerst das Feuer auf sich zogen. Aber durch irgend welche -Umstände verzögert, blieben Rauchschiffe und Infernals zu weit achteraus; die Fregatten -mußten zurück und auch die armierten Boote, die gegen die feindlichen Schaluppen -zwischen den Forts vorgegangen, wurden abgeschlagen. Als endlich der Angriff der -Infernals erfolgte, hatte er das ganze Feuer auszuhalten; die Fahrzeuge wurden zu früh -entzündet, verlassen und dann von französischen Booten aus gefahrdrohender Nähe geschleppt. -Um 5 Uhr nachmittags gab Berkeley Befehl zum Rückzug. Da der Wind auflandig -war und die Ebbe noch nicht eingesetzt hatte, wurde es den Mörserbooten und den -deckenden Schiffen schwer, sich aus dem Feuer zu ziehen, sie litten sehr; mehrere kamen -auf Strand und konnten erst bei der nächsten Flut wieder abgebracht werden, eine holländische -Fregatte wurde genommen. Man hatte nichts erreicht, obgleich 1200 Bomben -und 2000 Kugeln verschossen waren. (Dieser Vorfall gab Anlaß zu einer Abhandlung -über die Schwierigkeit einer Beschießung von See aus im Vergleich zu einer solchen vom -Lande: Man müsse sie ohne jede Deckung ausführen; sei abhängig von Wind und Strom; -könne seine Stellung nicht so genau wählen; der Geschützstand sei zu bewegt.) Das -Unternehmen wurde aufgegeben; man erachtete die Westseite für zu stark, weil man -mit den schweren Schiffen nicht nahe genug kommen konnte, gegen die weniger starke -Ostseite wagten die Lotsen nicht einmal kleinere Fahrzeuge heranzuführen.</p> - -<p class="small">Ein hierauf beschlossener <em class="gesperrt">Angriff auf Calais</em> wurde durch ungünstige -Wetterverhältnisse und dadurch verzögert, daß die Infernals nicht zur Stelle waren; -man sagt, Meesters habe sich absichtlich mit ihnen ferngehalten, weil man ihm allein -die Schuld des Mißerfolges gegen Dünkirchen zugeschoben hatte. Es wurde jetzt -ein Versuch mit einem improvisierten Brander, gedeckt durch schwere Schiffsboote, -gegen ein Fort gemacht, aber abgeschlagen; auch eine Beschießung durch Mörserboote -hatte nur geringen Erfolg. Am 28. ging die Flotte nach England zurück und die Holländer -trennten sich von ihr, weil Berkeley das Kommando an einen jüngeren Flaggoffizier -abgab, unter dem Almonde nicht dienen wollte. Sie kreuzten noch einige Zeit im Kanal, -dann wurden die Wintergeschwader gebildet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Jahre 1696</em> gaben die Verbündeten die Operationen <em class="gesperrt">im Mittelmeer</em> -auf. Anstatt das dort belassene Wintergeschwader wieder zu einer -mächtigen Flotte zu verstärken, erhielt es den Befehl zur Heimkehr. Man -scheint es müde geworden zu sein, Spanien zu unterstützen, weil dieses seinerseits -den Krieg nur lau führte; es hatte nach dem ersten Jahre nie wieder zur -Verstärkung der Seestreitkräfte beigetragen und trat auch am Lande stets -ungenügend auf. Man glaubte auch wohl bei der eigenen fortschreitenden -Erschöpfung alles, was man aufstellen konnte, in den nördlichen Gewässern<span class="pagenum"><a name="Page_465" id="Page_465">[465]</a></span> -nötiger zu haben; das Geschwader unverstärkt im Mittelmeer zu lassen, erschien -nicht ratsam, weil Frankreich in Toulon stark rüstete. So verließ Rooke -Anfang April Cadiz — infolge stürmischer Witterung etwa 14 Tage verzögert — -und führte einen Convoi von 130 Levantefahrern heim. Es war unter diesen -Umständen auch hohe Zeit, denn schon im März war Château Renault mit -47 Kriegsschiffen von Toulon in See gegangen und auch nur durch Sturm -aufgehalten worden.</p> - -<p>Als man im Winter den Beschluß faßte, das Mittelmeer aufzugeben, war -allerdings im Kanal eine gewisse Gefahr aufgetaucht: Frankreich zog in Calais -Truppen und in Dünkirchen Transporter zusammen. In den Niederlanden -wurde zunächst ein Angriff auf Seeland von See her gefürchtet und in Eile -dagegen gerüstet, so gut es der Winter erlaubte; da alle schweren Schiffe -auflagen und ausgebessert wurden, stellte man hauptsächlich Schiffe der -Kompagnie, Freibeuter und Fahrzeuge sonst nur zum Convoieren bestimmt, -in Dienst und zog Truppen an der Küste zusammen. Bald aber erfuhr man, -daß es dem <em class="gesperrt">Versuch einer überraschenden Landung in -England</em> gelte. Noch einmal wollte Ludwig für Jakob eintreten; die -Gelegenheit schien günstig, da die Königin Maria von England gestorben war -und die Jakobiten sich aufs neue rührten. <em class="gesperrt">Jean Bart</em> mit den in Dünkirchen -vorhandenen Kriegsschiffen und <em class="gesperrt">de Nesmond</em> mit einer Division -von Brest sollten etwa 20000 Mann auf 300 Transportern hinüberführen; -Jakob selbst begab sich nach Calais. Nun brachten die Holländer unter dem -Schutz der eben in Dienst gestellten Schiffe einige tausend Mann in die Themse -(im März) und die Engländer schickten gleichzeitig die Winterseestreitkräfte -beider Länder, nach Möglichkeit noch verstärkt, in den Kanal. <em class="gesperrt">Russell</em> -erschien mit diesen an der französischen Küste bei Gravelines; er ging zwar -bald zurück, ließ aber am 13. April durch ein Geschwader unter Shovel <em class="gesperrt">Calais</em> -beschießen, wohin sich die Transporter schon begeben hatten. Die Beschießung -hatte zwar wenig Erfolg, aber Ludwig gab doch seinen Plan auf, weil -er ein überraschendes Auftreten ausgeschlossen sah. Die Vorbereitungen -waren nicht schnell und rechtzeitig genug fertig geworden; französische -Quellen sagen: Jakob, leicht erkrankt, sei schuld an der Verzögerung gewesen. -Jakobs Schicksal war hiermit endgültig entschieden.</p> - -<p>Infolge dieses Vorganges trat auch die <em class="gesperrt">Sommerflotte der Verbündeten</em> -in diesem Jahre früher zusammen als in den Vorjahren, schon im April gingen -die ersten Holländer nach England. Diese Flotte wird die übliche Stärke gehabt -haben; das holländische Kontingent betrug 37 Linienschiffe, darunter 8 über 90 -Kanonen.</p> - -<p>Anfang Mai ging <em class="gesperrt">Rooke</em>, der den Oberbefehl übernommen hatte, mit -den zur Zeit fertigen Schiffen kanalabwärts, um der in Brest erwarteten Toulonflotte -entgegenzutreten; er kam zu spät, sie traf am 15. in Brest ein. (Ebensowenig -gelang es einer Flottille, die unter Bembow Dünkirchen bewachte, zu -hindern, daß Jean Bart mit seiner Division am 17. Mai auslief, wovon -später.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_466" id="Page_466">[466]</a></span></p> - -<p>Die Flotte lag dann vom 3. Juni an untätig vor Torbay — die Holländer -sagen, „Befehle aus London erwartend“; sie klagen, daß auf diese Weise in -den letzten Jahren öfters die Operationen aufgehalten seien —, erst nach -drei Wochen ging sie, nun unter <em class="gesperrt">Berkeley</em> nach Brest, um den Feind herauszulocken. -Ihr Erscheinen zwang die Division de Nesmond, die zum Kreuzerkrieg -an die spanische Küste gehen wollte, zurückzulaufen. Man erfuhr dann, -daß ein großer Teil der aus Toulon gekommenen Schiffe abrüste, daß also -der Gegner nichts Größeres beabsichtige. <em class="gesperrt">Die verbündete Flotte</em> -wandte sich deshalb <em class="gesperrt">wieder gegen die Küsten</em>. Mit den Operationen -gegen die Städte am Kanal hatte man nichts erreicht, so sollte nun -versucht werden, den Gegner an der Westküste mehr zu schädigen; der Erfolg -war noch geringer.</p> - -<p class="small">Die Flotte segelte nach <em class="gesperrt">Belleisle</em>, wo Tromp vor 22 Jahren gelandet war. -Da jedoch hier die Befestigungen zu stark erschienen, begnügte man sich damit, die -<em class="gesperrt">Inseln Houat und Haedik</em> zu verwüsten, und eine Abteilung von 8 Linienschiffen -mit sämtlichen Mörserbooten südlicher zu senden. Dieses Detachement schoß -am 15. Juli <em class="gesperrt">St. Martin</em> auf der Insel Ré und am 17. die kleine Stadt <em class="gesperrt">Les Sables -d'Olonne</em> auf dem Festlande in Brand (2000 Bomben, die ganze Munition, verbraucht) -und vereinigte sich wieder mit der Flotte.</p> - -<p>Am 30. Juli wurde die Rückfahrt nach Torbay angetreten, um Vorräte -zu ergänzen, und die Operationen hatten ein Ende. Vom holländischen -Kontingent wurden gleich verschiedene Divisionen abberufen — zum besseren -Schutz des Handels in der Nordsee und zur Deckung der erwarteten Ostindienfahrer -— und im September verminderte man die Streitkräfte überhaupt -auf eine gemeinsame Winterflotte. Diese übernahm in kleinen Divisionen -den Handelsschutz. Eine solche Division führte einen Convoi nach -dem Mittelmeer; die holländischen Schiffe dieser geleiteten im März 1697 -wieder Kauffahrer heim; die englischen gingen unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Neville</em> -nach Westindien, wo wir sie wieder treffen werden.</p> - -<p><b>Vom Jahre 1697</b>, in dem die Friedensverhandlungen begannen, sind -keine größeren Ereignisse in europäischen Gewässern mehr zu melden. Die -Sommerflotte unter Rooke wurde weit schwächer bemessen — die Holländer -z. B. nur 22 Linienschiffe —; vereint oder in mehrere Teile geteilt, hielt sie im -Kanal und in der Biscaya die kleinen französischen Divisionen, deren Zahl -und Stärke immer geringer geworden war, im Schach.</p> - -<p><b>Spanien</b> wurde weiter seinem Schicksal überlassen und, wie schon erwähnt -(Seite <a href="#Page_415">415</a>), dadurch zum Frieden gezwungen. Die französischen -Truppen, unterstützt durch ein Toulongeschwader unter d'Estrées, machten -rasche Fortschritte; <em class="gesperrt">Barcelona</em> fiel jetzt. Von Einfluß war auch ein -<em class="gesperrt">Vorstoß der Franzosen in Westindien gegen Cartagena</em>, -dem seit alten Zeiten als Sammelplatz der Reichtümer von Peru -stets beliebten Angriffsobjekt der Feinde Spaniens.</p> - -<p class="small">Im Januar 1697 verließ der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Pointis</em> mit 6 Linienschiffen, -5 Fregatten, einigen Mörserbooten und kleinen Fahrzeugen sowie Transportern mit -6000 Mann Frankreich, um die spanischen Kolonien und die Silberflotten zu bedrohen;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_467" id="Page_467">[467]</a></span> -in Westindien durch 12 Flibustier verstärkt, erreichte er am 12. April Cartagena. Nach -regelrechter Belagerung zu Wasser und zu Lande wurden bis zum 30. nacheinander die -3 schützenden Forts erstürmt und am 4. Mai ergab sich die Stadt; sie mußte eine Kontribution -von 10 Millionen zahlen, reiche Beute fiel den Siegern in die Hände; die Befestigungen -wurden geschleift, da man den Platz nicht halten konnte und ihm überdies -Hilfe nahte.</p> - -<p class="small">Als man nämlich in England die Abfahrt de Pointis' erfahren hatte, wurde der -Vizeadmiral <em class="gesperrt">Neville</em> mit den englischen Schiffen an der spanischen Küste, in Madeira -noch durch holländische der Kanalflotte auf 27 Kriegsschiffe verstärkt, hinterher gesandt. -Pointis erfuhr Nevilles Eintreffen in Barbados, verließ deshalb Anfang Juni Cartagena -und wählte den Weg durch die Floridastraße anstatt durch die Windward-Passage, -um dem Feinde zu entgehen; er war nicht nur zu schwach, sondern auch durch Prisen -behindert, ferner waren seine Schiffe überladen und Krankheit herrschte auf ihnen. -Durch die Wahl des Weges stieß er aber gerade auf den Feind, der von Jamaica nach -Cartagena unterwegs war. Fünf Tage lang verfolgte Neville die Franzosen zeitweise auf -Schußweite, es gelang aber nur, ihnen eine Prise wieder abzunehmen. Pointis erreichte -mit dem größeren Teile seines Geschwaders über Neufundland, wo er zum Wassernehmen -anlief und fast einem dortigen englischen Geschwader in die Hände gefallen wäre, im -August glücklich Brest; hier traf er den Rest seiner Schiffe schon an, bei Ouessant hatte -er noch den Angriff einer englischen Division abzuschlagen gehabt. Auch auf Nevilles -Geschwader war eine Epidemie ausgebrochen, die schwere Opfer (etwa 1/3 der Besatzungen) -kostete: Die Engländer verloren daran 2 Flaggoffiziere, 7 Kommandanten, -1500 Mann; die Holländer 1 Admiral, 3 Kommandanten, 400 Mann. Die Spanier in -Havanna verweigerten aus Furcht vor Ansteckung das Auffüllen von Wasser und Proviant, -ja lehnten sogar die angebotene Begleitung der dort bereitliegenden Silberflotte ab. -Der Rest der Besatzungen konnte wegen Entkräftung auf der Heimreise kaum die -Schiffe bedienen.</p> - -<p>Am 20. September 1697 wurde der <em class="gesperrt">Frieden von Ryswijk</em> geschlossen, -dessen Bedingungen wir schon kennen (vergl. Seite <a href="#Page_416">416</a>.)</p> - -<p><b>Der kleine Krieg; der Kreuzerkrieg der Franzosen.</b><a name="FNanchor_250_250" id="FNanchor_250_250"></a><a href="#Footnote_250_250" class="fnanchor">[250]</a> Wie in den früheren -Kriegen so wurde auch in diesem die <em class="gesperrt">Freibeuterei</em> von beiden Parteien -von Anfang an lebhaft betrieben. Auf seiten der Verbündeten zeichneten sich -hierin die Seeländer aus, die bekanntlich von alters her diesem Gewerbe (der -„freien Nahrung“) sehr zugetan waren; wie früher bildeten sich hier, besonders -in Vlissingen und Middelburg, Gesellschaften zu diesem Zwecke. Von Frankreich -aus machten die Freibeuter der Städte Dünkirchen, St. Malo, Dieppe, -Havre, Bayonne die Meere unsicher.</p> - -<p>Die Franzosen waren dabei wohl stets im Vorteil. Einerseits war ihr -Handel weit geringer, anderseits stand ihnen dazu mehr Material zur Verfügung; -ihre Schiffahrt war schon vor dem Kriege (seit Colberts Tode) zurückgegangen, -es ist verständlich, daß die Rhederei die vorhandenen Schiffe und -Seeleute in dieser Weise zu verwenden suchte. Infolge ihrer Lage schädigten -besonders Dünkirchen und St. Malo den Feind; St. Malo machte jetzt Dünkirchen -fast den Rang streitig.</p> - -<p>Da <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> den wichtigen Handel nach der Ostsee durch die -Nordsee, sowie den Fischfang in diesem Meere, in hohem Maße gefährdete,<span class="pagenum"><a name="Page_468" id="Page_468">[468]</a></span> -sahen sich die Holländer von Anfang an genötigt, wie in früheren Kriegen eine -Flottille zur ständigen Beobachtung der gefährlichen Stadt aufzustellen. -Von 1691 an wurde diese stehende Flottille zu einem gemeinsamen englisch-holländischen -Geschwader, von Jahr zu Jahr verstärkt, weil die Gefahr -immer zunahm.</p> - -<p class="small">Die Holländer stellten als <em class="gesperrt">Dünkirchen-Geschwader</em>:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p468"> - <tr> - <td class="tdr">1690</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">kleine</td> - <td class="tdc">Linienschiffe</td> - <td class="tdc">(50 Kanonen),</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">Fregatten.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1691–1693</td> - <td class="tdc">=</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">(50 Kanonen),</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="td30">1694–1696</td> - <td class="td17">=</td> - <td class="tdl" colspan="6">9–11 Linienschiffe (bis zu 60 und 70 Kanonen) und gegen<br />12 Fregatten. -Von England trat seit 1691 stets etwa die gleiche<br />Zahl, besonders an Linienschiffen, hinzu.</td> - </tr> -</table> - -<p>Dieses Geschwader war nur dazu bestimmt, den Hafen zu blockieren -und den östlichen Eingang in den Kanal reinzuhalten, Abgang und Ankunft -größerer Convois im Osten zu decken, wie wir es von Geschwadern der Hauptflotte -oder von dieser selbst im Westen für Convois von und nach dem -Atlantik sowie Mittelmeer gesehen haben. Auf ihren weiteren Reisen -wurden die Convois in allen Meeren durch besondere Schiffe in kleinerer -Zahl begleitet; Holland hatte zu diesem Zweck jährlich gegen 30–40 sogenannte -<em class="gesperrt">Convoijers</em> — Fahrzeuge von 16–50 Kanonen; meist -24–40 — im Dienst.</p> - -<p>Wir wissen schon, daß in diesem Kriege der Handel nicht nur durch -Freibeuter, oder auch Kriegsschiffe, und durch vereinzelte Operationen der -Hauptstreitkräfte (Geschwader; selbst Flotten) gegen größere Convois bei -günstiger Gelegenheit neben anderen Aufgaben angegriffen wurde, sondern -daß <em class="gesperrt">Frankreich</em> bald fast seine ganze Kriegführung zur See darauf -richtete. So wurde denn auch der eigentliche <em class="gesperrt">Kreuzerkrieg</em> von ihm -zu Ende dieses Zeitabschnittes (auch im nächsten und letzten Kriege — dem -Spanischen Erbfolgekriege — bleiben die Franzosen dabei) in einem Grade -geführt, der weder vorher noch nachher erreicht ist; er ist deshalb wohl geeignet -zur Beurteilung des Wesens und des Wertes eines solchen Krieges.</p> - -<p>Was führte nun Frankreich auf diesen Weg? Es ist schon darauf hingewiesen -(Seite 4<a href="#Page_424">424</a>), daß der Marineminister Pontchartrin nicht viel von -einer Marine hielt, und es ist mehrfach angedeutet, daß Ludwig selbst die -Wichtigkeit der Erringung der Seeherrschaft nicht genügend erkannte. So kam -es, daß nach der Niederlage von La Hogue die Ansicht des Ministers, den -Krieg nur gegen den Handel der Verbündeten zu führen, bei der entscheidenden -Stelle immer mehr Anklang fand. (Im conseil d'Etat — die Vertrauensmänner -des Königs —, der über alle wichtigen Sachen entschied.)</p> - -<p>Schon der Zug Tourvilles, die campagne au large, 1691 sollte in der -Hauptsache diesem Zweck dienen (der Versuch, den Smyrnaconvoi abzufangen); -1692 nach La Hogue wurden die gesammelten Transporter zur Freibeuterei -benutzt, mit großem Erfolge, da die Verbündeten ihre Flotte fälschlich zusammenhielten; -die letzte große Flotte, die Frankreich 1693 aufstellte, war -nur für einen Schlag gegen den feindlichen Handel bestimmt (Tourvilles -Vernichtung des Smyrnaconvois). Von Ende 1693 an verschwinden die<span class="pagenum"><a name="Page_469" id="Page_469">[469]</a></span> -großen Flotten; es war dies allerdings nicht nur eine Folge der neuen Ansicht -über die geeignetste Art der Kriegführung, sondern auch des Verfalls der -Marine, hervorgerufen durch ihre mangelnde Pflege sowie durch die Erschöpfung -des Landes. Nun wurde <em class="gesperrt">der Krieg gegen den Handel</em> zum -reinen Kreuzerkriege und <em class="gesperrt">erhielt einen eigentümlichen Charakter</em>, -ähnlich dem englischen zur Zeit der Königin Elisabeth gegen Spanien: -er wurde teils von der Regierung, teils von Privaten, Hand in Hand, geführt.</p> - -<p class="small">Wir wissen, daß die Franzosen von 1694 an in den Häfen des Kanals und des Atlantik -nur kleine Divisionen für den Küstenschutz aufstellten; diese nahmen auch an dem -Kreuzerkriege teil. Vor allem aber erreichte die Freibeuterei einen großen Umfang. -Die französische Schiffahrt hatte nach und nach fast ganz aufgehört, weil das Land vom -Meere fast völlig abgeschnitten war und auch im Innern Handel und Wandel stockten. -Die Freibeuterei wurde so immer mehr die einzige Möglichkeit, Schiffe und Seeleute -zu verwerten. Jetzt traten noch die auf der Flotte entbehrlichen Mannschaften hinzu, -und die Regierung begünstigte den Kreuzerkrieg in jeder Weise. Schiffe und Offiziere -der Marine wurden Firmen und Gesellschaften, die Freibeuterei betreiben wollten, zur -Verfügung gestellt, als Gegenleistung erhielt der König einen Anteil vom Gewinn; -Minister und andere hochgestellte Personen nahmen Anteilscheine von solchen Unternehmungen, -ja mußten es tun, um dem Könige zu gefallen.</p> - -<p class="small">Meist kreuzten die Freibeuterkapitäne mit ihren Schiffen allein, da Männer dieses -Gewerbes ungern abhängig waren. Auf den Schiffen folgte man einer eigentümlichen -Sitte: Vor dem Auslaufen wurde über den Operationsplan vom Kapitän, den Offizieren -und den Mannschaften in freimütiger Besprechung der Beschluß gefaßt; einmal unterwegs -herrschte strengste Disziplin. Häufig aber auch operierten diese Fahrzeuge in kleinen -Divisionen von 3–6 Schiffen unter besonders tüchtigen Männern, wie Jean Bart, Forbin, -Duguay-Trouin u. a., die in der Freibeuterei groß geworden waren, später einen Rang -in der königlichen Marine erhalten hatten und auch zeitweise in dieser beschäftigt wurden; -von den eigentlichen Seeoffizieren, die königliche oder Freibeuter-Divisionen führten, -haben sich Coëtlogon, de Nesmond, Renau (der Erfinder der Mörserboote), du Casse u. a. -ausgezeichnet.</p> - -<p class="small">Diese Verwendung der königlichen Offiziere und Schiffe hatte zwar sehr verderbliche -Folgen für die Marine, wie schon erwähnt — Rückgang der Güte des Offizierkorps; -Verlust vieler guter Schiffe —, verlieh aber dem Freibeutertum einen Geist und eine Tatkraft, -die ihm sonst kaum innewohnen; man muß auch zugestehen, daß die Besatzungen -unter den erwähnten hervorragenden Führern wohl lieber fochten als plünderten.</p> - -<p>Der Handel der Engländer und Holländer litt außerordentlichen Schaden. -Verschiedene Autoren geben die Zahl der 1691–1697 von den Franzosen -genommenen Kauffahrer auf mehr als 4000 an; die Unternehmer gewannen -Reichtümer und auch in die erschöpfte französische Staatskasse flossen bedeutende -Summen. Zwar wollen auch die Gegner viele Schiffe aufgebracht -haben — englische Quellen sprechen von über 2000 —, doch war der eigene -Verlust der größere und trug schließlich viel mit zum Friedensschluß bei.</p> - -<p>Der kleine Krieg führte zu ungezählten Gefechten zwischen einzelnen -Schiffen und zwischen kleinen Divisionen, zu Angriffen und Verteidigungen -von Convois in allen Meeren, besonders von der Küste Spaniens bis in die -Nordsee. Die Geschichten der Marinen<a name="FNanchor_251_251" id="FNanchor_251_251"></a><a href="#Footnote_251_251" class="fnanchor">[251]</a> erzählen manche davon; mit besonderer<span class="pagenum"><a name="Page_470" id="Page_470">[470]</a></span> -Liebe, da sich gerade in ihnen seemännisches Geschick und Mut zeigen; -die französischen Freibeuter, vor allen Jean Bart, manövrierten meist auf -sofortiges Entern.</p> - -<p class="small">Als Beispiel sollen hier nur <em class="gesperrt">die Haupttaten Jean Barts</em>, des berühmtesten -Freibeuters dieses Krieges, gegeben werden: Als Sohn eines Fischers 1650 in Dünkirchen -geboren und selbst Fischer, diente Jean Bart während des zweiten Krieges mit -Auszeichnung in der holländischen Marine, ging aber bei Ausbruch des dritten Krieges -nach Frankreich, obgleich ihm in Holland ein Schiff angeboten war. Er zog bald als -Freibeuter die Aufmerksamkeit Colberts auf sich, erhielt 1679 ein Leutnantspatent in -der königlichen Marine und wurde 1689 Kapitän. Als solcher führte er ein Schiff bei -Beachyhead; meist jedoch fuhr er auch während dieser Jahre als Freibeuter, er wurde -dabei 1689 nebst Trouin von den Engländern -gefangen, entfloh aber bald mit diesem.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p470.jpg" width="300" height="436" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p470" id="fig_p470"></a> -<p class="caption">Jean Bart</p> -</div> - -<p class="small">Von 1692 an jedoch kommandierte er -eine Division für den Kreuzerkrieg, die -„<em class="gesperrt">Escadre du Nord</em>“ oder „<em class="gesperrt">de -Dunkerque</em>“ genannt. Bei seinem ersten -Auftreten in dieser Stellung gelang es ihm trotz -des englisch-holländischen Blockadegeschwaders -auszulaufen, 3 feindliche Kriegsschiffe -und etwa 20 Kauffahrer zu nehmen, 80 Fischerfahrzeuge -zu vernichten und den Hafen wohlbehalten -wieder zu erreichen. 1693 führte er -in dem Gefecht bei Lagos (Vernichtung des -Smyrnaconvois) ein Schiff mit Auszeichnung. -Er übernahm dann wieder seine Division -und leistete 1694 seinem Lande einen großen -Dienst. Wegen Mißernten war Frankreich -in diesem Jahre auf Kornzufuhren aus der -Ostsee angewiesen, 120 Fahrzeuge mit Getreide -wurden von dort erwartet. Schon im Februar -lief Jean Bart aus und brachte einige -20 Segel glücklich ein, obgleich englische -und holländische Geschwader in der Nordsee -waren. Im Juni ging er mit 5 Schiffen -(40–52 Kanonen) dem Rest entgegen, der -durch Eisverhältnisse aufgehalten war; er -traf ihn in der Nordsee schon von 8 holländischen -Kriegsschiffen (38–58 Kanonen) umringt, befreite ihn nach heftigem -Kampfe (280 gegen 390 Kanonen), in dem 3 Holländer genommen wurden; -darunter das Flaggschiff, nach de Jonge das erste holländische, das in Feindeshand -blieb (früher genommene sind stets gesunken). Für diese Tat wurde er geadelt. -1695 zeichnete er sich bei der Verteidigung seiner Vaterstadt als Kommandant -des Westmolenforts aus. 1696 bricht er wieder die Blockade mit 7 Segeln -(300 Kanonen), um einen Convoi rückkehrender holländischer Ostseefahrer abzufangen. -Er trifft ihn nördlich von Texel, nimmt sämtliche begleitende Kriegsschiffe -(5 mit 200 Kanonen) und etwa 30 Kauffahrer. Er verbrennt diese, weil das holländische -Dünkirchengeschwader (14 Segel) erscheint, das gerade einen ausgehenden Convoi -Ostseefahrer geleitet, entzieht sich aber selbst dem Angriff.</p> - -<p class="small">Im Jahre 1697 führte Jean Bart trotz feindlicher Geschwader den Prinzen -von Conti, Prätendenten für die Krone Polens, nach Danzig. Dies war seine -letzte Tat. Er starb, 52 Jahre alt, im April 1702, als der Ausbruch des Spanischen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_471" id="Page_471">[471]</a></span> -Erbfolgekrieges ihm neue Lorbeeren in Aussicht stellte, aber er hinterließ tüchtige -Schüler.</p> - -<p class="small">Seine Tätigkeit von Dünkirchen aus soll die üblichen drei bis vier englisch-holländischen -Convois im Jahre nach der Ostsee oft auf einen beschränkt haben; kein Wunder, daß -die Gegner ihr Geschwader vor dieser Stadt immer mehr verstärkten und verschiedene -Versuche machten, sie zu zerstören.</p> - -<p>Die ungeheueren Verluste, die die Verbündeten erlitten, beweisen, daß -ihre Marinen die Aufgabe, den Seehandel zu schützen, nicht gelöst haben. -Es führt uns dieser Umstand zu einer theoretischen <b>Betrachtung über das -Wesen des Kreuzerkrieges</b>.<a name="FNanchor_252_252" id="FNanchor_252_252"></a><a href="#Footnote_252_252" class="fnanchor">[252]</a></p> - -<p>Es gilt jetzt wohl allgemein als Grundsatz, daß der Kreuzerkrieg nur -von großem Einfluß sein kann, wenn er sich auf eine starke Flotte stützt. -Mahan sagt hierzu: „Um wirksam zu sein, muß der Kreuzerkrieg durch -eine Geschwaderkriegführung oder durch Abteilungen von Linienschiffen -unterstützt werden. Indem diese den Feind zwingen, seine Streitkräfte -zusammenzuhalten, geben sie den Kreuzern die Möglichkeit der erfolgreichen -Zerstörung des feindlichen Handels; ohne eine solche Rückendeckung wird -das Ergebnis die Wegnahme der Kreuzer sein.“ Unser Krieg scheint nun -dagegen zu sprechen; der Handel der Verbündeten litt nämlich am meisten, -als nach La Hogue 1692 die französische Flotte vom Meere verschwunden -war — wie man gemeiniglich sagt.</p> - -<p class="small">Angaben einiger Schriftsteller hierfür. Macaulay sagt: Während vieler Monate -im Jahre 1693 war der englische Handel nach dem Mittelmeer beinahe gänzlich unterbrochen. -Es war nicht möglich, nach der Straße von Gibraltar zu gelangen, ohne von -einem französischen Kreuzer angegriffen zu werden; ein Schutz dagegen war aber nicht -leicht zu erhalten. — Martin (Geschichte Frankreichs) sagt von den späteren Jahren -des Krieges bezüglich Englands: Der Zustand der Finanzen war kläglich, die Seeversicherung -betrug 30%; die Navigationsakte war tatsächlich außer Kraft gesetzt -und die englischen Schiffe waren genötigt, unter schwedischer oder dänischer Flagge -zu fahren. Campbell (Live of the Admirals) sagt von dieser Zeit: In dem Jahre, in -dem die Franzosen Herren der See waren (also nach Beachyhead 1690), hatte unser Handel -weit weniger gelitten.</p> - -<p class="small">Bonfils endlich tut den obenerwähnten Ausspruch, daß statt drei bis vier Convois -jährlich nur einer nach der Ostsee abging.</p> - -<p>Die Verhältnisse liegen aber bei näherer Betrachtung doch anders. Zwar -gab die französische Flotte tatsächlich die aktive Kriegführung auf, aber die -Verbündeten glaubten zu verschiedenen Zeiten doch noch mit ihr rechnen -zu müssen — um so mehr, als der Eindruck des Sieges bei Beachyhead und -des tapfern Verhaltens der Franzosen bei La Hogue noch einige Zeit bei ihnen -nachwirkte —, oder wenn dies nicht der Fall war, versäumten sie eben, die -richtigen Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg zu ergreifen. Bis zu den allerletzten -Jahren hielten sie ihre Hauptstreitkräfte zusammen, anstatt sie zur -Verfolgung der feindlichen Kreuzer aufzulösen und die feindlichen Kreuzerhäfen<span class="pagenum"><a name="Page_472" id="Page_472">[472]</a></span> -schärfer zu blockieren; nur gelegentlich (wenn Convois erwartet) -detachierten sie Teile.</p> - -<p class="small">Ein kurzer Rückblick möge dies veranschaulichen. 1692 nach La Hogue war -die französische Flotte wirklich brach gelegt. Die Seestreitkräfte der Verbündeten -wurden aber bis zum Winter bei Spithead zusammengehalten, um Truppen für eine -Landung in Frankreich aufzunehmen; die Franzosen hingegen armierten mit den Leuten -der Flotte und den gesammelten Transportern eine außergewöhnliche Zahl von Freibeutern, -so daß die Kaperei gerade in diesem Jahre besonders stark betrieben werden -konnte und in den betroffenen englischen Kreisen die größte Entrüstung hervorrief.</p> - -<p class="small">1693 wurde die Flotte der Verbündeten zusammengehalten, weil Frankreich die -seinige in Brest zusammenzog. Ungenügendes Unterrichtetsein, sowie Mangel an Entschluß -und Disposition an den leitenden Stellen, schlechter Zustand des Materials -führte dann doch den Verlust des Smyrnaconvois durch die französische Flotte, die -man im Schach halten wollte, herbei; auch nachher geschah nichts zum Schutz des -Handels.</p> - -<p class="small">1694 und 1695 war die eine Hälfte der Streitkräfte im Mittelmeer, die andere blieb -in den nördlichen Gewässern zu den fruchtlosen Unternehmungen gegen die feindlichen -Küsten vereint; wie viel besser wäre sie gegen das Freibeuterwesen verwendet worden!</p> - -<p class="small">1696 vergingen das Frühjahr und der Sommer bis zum August mit dem Bereithalten -gegen eine Landung der Franzosen, mit dem vergeblichen Versuch, die Vereinigung -der Toulon- und Brestflotte zu hindern und dann wieder mit den Unternehmungen -gegen die atlantische Küste des Gegners.</p> - -<p class="small">Erst im August 1696 und im Jahre 1697 wurden die Seestreitkräfte mehr zur -Bekämpfung des Kreuzerkrieges verwendet, und jetzt auch mit Erfolg.</p> - -<p>Als dies endlich, vom Herbst 1696 an, mehr geschah, wurde die Tätigkeit -der französischen Freibeuter auch wesentlich eingeschränkt; viele wurden -weggefangen, die Kreuzerdivisionen in den Häfen festgehalten. — Die Ereignisse -dieses Krieges entkräften also obigen Satz nicht. Im nächsten Kriege, als -die französische Marine völlig ohnmächtig war, wird sich die geringe Wirksamkeit -eines Kreuzerkrieges, der nicht auf Flotten gestützt ist, noch deutlicher -zeigen. Dabei muß man noch im Auge behalten, daß die Lage der französischen -Häfen ungemein günstig zur Bedrohung der englisch-holländischen -Handelswege war.</p> - -<p><b>Die Zusammenstöße in den Kolonien</b><a name="FNanchor_253_253" id="FNanchor_253_253"></a><a href="#Footnote_253_253" class="fnanchor">[253]</a> während dieses Krieges können -wir auch zu dem kleinen Kriege rechnen, weil sie ohne großen Erfolg und Einfluß -waren; es handelte sich neben dem Aufbringen von Kauffahrern fast nur -um Brandschatzungen feindlicher Niederlassungen, weil der Angreifende, wenn -er eine solche wirklich genommen hatte, doch nie lange in ihrem Besitz blieb.</p> - -<p>In den <em class="gesperrt">westindischen Gewässern</em> befanden sich stets einige -Kriegsschiffe beider Gegner, Kauffahrer wurden dort armiert oder Flibustier -in Sold genommen. England sandte fast in jedem Jahre ein kleines Geschwader, -oft mit Truppen, hinaus, Frankreich seltener. So hatten die Engländer -häufiger die Seeherrschaft und traten im ganzen genommen offensiver<span class="pagenum"><a name="Page_473" id="Page_473">[473]</a></span> -auf; da aber die französischen Kolonien schon stärker bevölkert waren, konnten -sie meist Widerstand leisten und zeitweise, wenn ihre Streitkräfte überwogen, -bedrohten die Franzosen die feindlichen Niederlassungen. Die französischen -Kolonien waren auch reicher, führten den Krieg gegen den Handel mit Flibustiern -und hatten hierin wohl den größeren Erfolg, besonders natürlich, -wenn die Engländer nicht ausgesprochen die See beherrschten.</p> - -<p>Die Franzosen nahmen gleich zu Beginn des Krieges (1688) den Holländern -St. Eustache ab, verdrängten (1689) die Engländer aus dem gemeinschaftlich -besetzten St. Kitts und plünderten durch Flibustier spanische -Niederlassungen. Aber schon 1690 setzten sich die Engländer wieder in den -alleinigen Besitz von St. Kitts, eroberten Marie Galante, landeten auf Guadeloupe -und belagerten die Garnison in Basse-Terre. Beide Inseln mußten -sie 1691 wieder aufgeben, als ein größeres französisches Geschwader auf der -Station erschien. 1692 kam es zu einem Gefecht auf offener See bei Désirade, -in dem die Engländer einen Convoi gegen den Angriff einer überlegenen -Kraft deckten. 1693 machten die Engländer einen vergeblichen Angriff auf -Martinique; 1694 fielen die Franzosen in Jamaica und 1695 die Engländer -und Spanier in den französischen Teil Haitis ein. Aber alle diese Expeditionen -hatten eben keinen dauernden Erfolg.</p> - -<p>Das größte Unternehmen Frankreichs — der Zug de Pointis' gegen Cartagena, -1697 — haben wir als militärisch-seemännisch wie politisch bemerkenswert -näher berührt (Seite <a href="#Page_466">466</a>).</p> - -<p><em class="gesperrt">In Nordamerika</em> hatten schon vor dem Kriege Feindseligkeiten -an den Grenzen begonnen; hier waren zwar die englischen Kolonien den französischen -an Bevölkerung weit überlegen, aber Frankreich strebte sehr nach -Erweiterung seiner Macht und scheint vor und während des Krieges stets -die stärkeren regulären Landstreitkräfte — allerdings auch nur sehr geringe — -gehabt zu haben.</p> - -<p>Schon 1686 nahmen sie einige englische Besitzungen an der Hudsonbai -weg und bekriegten englisch gesinnte Indianerstämme; es lag in der Absicht, -New York zu nehmen, um einen eisfreien Hafen für Kanada zu erhalten. -1689 sollte hierzu zu Wasser und zu Lande vorgegangen werden, aber die von -Frankreich erwarteten Schiffe kamen zu spät und mußten dann gleich zurück, -da sie infolge langer Überfahrt ihre Vorräte aufgebraucht hatten; zu Lande -unternahm man noch im Winter (Februar 1690) Einfälle an den Grenzen, -durch Indianerhorden mit großer Grausamkeit ausgeführt. Nun aber rüsteten -die englischen Kolonien mit aller Kraft. Ein englisches Geschwader — Admiral -Phips mit 8 Linienschiffen — traf ein und nahm im April 1690 die festen Plätze -von Akadia (Neuschottland); dann wurde ein Angriff auf Quebec ins Werk -gesetzt. Phips führte Mitte August die Kriegsschiffe und 32 Transporter — -mit Milizen von Massachusetts, etwa 2000 Mann — den Lorenzstrom hinauf, -landete unweit Quebec — ungünstiger Winde auf See und schwieriger Navigation -im Flußrevier wegen erst Mitte Oktober — und versuchte die Stadt -zu nehmen; einige Schiffe beschossen diese. Aber die Artillerie der Stadt<span class="pagenum"><a name="Page_474" id="Page_474">[474]</a></span> -war der der Schiffe gewachsen, die Garnison dem durch Krankheit geschwächten -Landungskorps überlegen; das Unternehmen mußte mit bedeutendem Verlust -aufgegeben werden. Ein gleichzeitiger Vormarsch zu Lande von Albany -auf Mont Real — 3000 Milizen der Kolonien — war auch infolge Uneinigkeit -zwischen den Kontingenten nicht vorwärts gekommen. — Während der folgenden -Jahre beschränkte sich die Kriegführung auf Grenzstreifzüge; beide -Parteien wurden von Europa nicht unterstützt. Die Franzosen bemächtigten -sich nach und nach Akadiens wieder und besetzten weitere Plätze an der -Hudsonbai sowie in Neufundland. Ein zweiter Plan gegen New York und -Boston 1696 kam wieder nicht zur Ausführung, da das dafür bestimmte Geschwader -— 15 Kriegsschiffe unter de Nesmond — abermals zu spät (1697) -und von allem entblößt eintraf. Im ganzen hatte aber doch Frankreich die -meisten Vorteile errungen; beim Frieden gab England die Hudsonbai und Neuschottland -auf und auch von Neufundland behielt Frankreich den festen Platz -Placentia sowie die Niederlassungen an der Westküste.</p> - -<p><b>Bemerkenswertes in diesem Kriege.</b> — <b>Über Strategie.</b> In Hinsicht auf -das <em class="gesperrt">Kriegsmaterial</em> ist bei diesem Kriege wenig zu sagen. Das -<em class="gesperrt">Schlachtschiff</em> wächst weiter (vgl. Seite <a href="#Page_353">353</a> u. <a href="#Page_418">418</a>); trotz der nur kurzen Zeit -seit dem letzten englisch-holländischen Kriege hat dieser Prozeß wieder einen -Schritt vorwärts gemacht: das 40–50 Kanonenschiff ist ganz aus der Linie -verschwunden, die 50–60 Kanonenschiffe erscheinen so selten wie im vorigen -Kriege die 40–50er; die Zahl der Schiffe über 80 Kanonen hat zwar auch -zugenommen, aber die Hauptkraft der Flotten liegt in den 60–70 Kanonenschiffen.</p> - -<p class="small">Es ist also der angedeutete (Seite <a href="#Page_178">178/179</a>) Abschluß des Abschnittes fast erreicht. -Dort wurde gesagt, daß man im nächsten Zeitabschnitt, nach 1740, in England das 74 -Kanonenschiff als das geeignetste Schlachtschiff ansah. (So sehr, daß man, wenn -das Auftreten der Seemacht überhaupt bezeichnet werden sollte, nur von „unseren -74ern“ sprach, schon in diesem Kriege lag die Hauptkraft der Engländer in 70 Kanonenschiffen.</p> - -<p>Von den Spezialwaffen sind <em class="gesperrt">die Brander</em>, die im letzten Kriege, -was die Zahl anbetrifft, auf ihrem Höhepunkte waren, nicht mehr so stark -bei den Flotten vertreten; ihre Leistungen sind noch geringer geworden. -Infolge der vielen Unternehmungen gegen Küstenstädte treten die -<em class="gesperrt">Mörserboote</em>, bisher nur von den Franzosen im Mittelmeer verwendet, -auch bei den Engländern und Holländern auf; ihre Wirkung läßt aber zu -wünschen übrig. Völlig versagten die von England gegen Küstenbefestigungen -und Hafenanlagen gebauten <em class="gesperrt">Infernals</em>.</p> - -<p>In bezug auf die <em class="gesperrt">Taktik</em> bringen die wenigen großen Aktionen nichts -Neues. Sie zeigen eigentlich nur, inwieweit das Personal — und zwar die -höheren Offiziere — der verschiedenen Marinen seinen Aufgaben gewachsen -war. Bei der eingehenden Schilderung der Schlachten sind die vorzüglichen -Leistungen und die Fehler hervorgehoben.</p> - -<p>Es genügt hier, darauf hinzuweisen, daß die Franzosen in diesem Kriege -auf der Höhe standen; sie wandten die Taktik, die sich nach und nach entwickelt<span class="pagenum"><a name="Page_475" id="Page_475">[475]</a></span> -hatte, richtig an. Sie zeigen dies sowohl bei Stärke wie bei Schwäche -auf ihrer Seite: bei Beachy Head durch Ausnutzung der eigenen Überlegenheit -und der Fehler des Gegners; bei Barfleur, indem sie durch geeignete Manöver -und durch gegenseitige Unterstützung die Überlegenheit des Feindes nach -Möglichkeit aufhoben. Größere taktische Fehler machten eigentlich nur der -sonst so hervorragende Führer Tourville als Verfolger in der ersten, als Verfolgter -in der zweiten Aktion und de Nesmond bei Lagos. Auch Holland gebot über -tüchtige Admirale, Schüler Ruyters, doch kamen sie nicht genügend zur Geltung; -das einzige Mal, wo es der Fall war, bewährten sie sich — Evertsen -bei Beachy Head.</p> - -<p>Taktische Fehler in den Schlachten sind nur englischen Führern vorzuwerfen: -das Verhalten der Nachhut bei Barfleur, als sie sich von der Hauptschlacht -abziehen ließ, und Herberts schwache Beteiligung mit seiner Mitte -bei Beachy Head. Das Verhalten Herberts bei dieser Gelegenheit soll jedoch -weiter unten nochmals besprochen, werden, da es höchst wahrscheinlich -strategischen Erwägungen entsprang.</p> - -<p>Wenden wir uns nun eingehender den <em class="gesperrt">Betrachtungen über -Strategie</em> zu. Es ist eingangs dieses Kapitels gesagt, daß der Pfälzische -Erbschaftskrieg zwar in der Hauptsache ein Landkrieg war, daß aber doch die -Kriegführung zur See von großem Einfluß gewesen ist; es ist ferner darauf -hingewiesen, daß dieser Einfluß bei richtigerer Verwendung der Seestreitkräfte -und bei größerer Leistungsfähigkeit dieser — beides auf beiden Seiten — -wohl noch weit bedeutender hätte sein können. Nachstehender <em class="gesperrt">Rückblick -auf den Verlauf des Krieges</em> soll diese Behauptungen -bekräftigen.</p> - -<p>Ludwig XIV. hatte es dahin gebracht, daß sämtliche Staaten des Festlandes -gegen ihn die Waffen zu erheben drohten; vertrauend auf seine Macht -griff er 1688 selbst Deutschland an. Er beging aber sofort einen großen Fehler -dadurch, daß er Wilhelm von Oranien — die Seele des gegen ihn gerichteten -Bundes — den Thron von England besteigen ließ. Infolgedessen trat auch -dieser Staat zu seinen Feinden, ja, England und Holland kamen unter eine -Leitung und diese beiden Seenationen waren seine gefährlichsten Gegner, -da sie mit ihrem Reichtum dem Gesamtbunde die Mittel zum Kriege liefern -mußten.</p> - -<p>Ludwig hätte es hindern können, wenn er, anstatt hauptsächlich gegen -Deutschland vorzugehen, dessen schwache Kräfte vorläufig nur im Schach -gehalten und mit großer Macht, zu Lande wie auch gerade zu Wasser mit -seiner mächtigen Marine, Holland angegriffen hätte; Seignelay riet hierzu -auf das dringendste. Nach Oraniens Thronbesteigung ermöglichte und unterstützte -Ludwig die Erhebung Jakobs in Irland und der erste Fehler hätte -wieder gut gemacht werden können, wenn Ludwig noch jetzt seine Hauptanstrengungen -gegen die Seemächte richtete — gegen Oraniens Stellung in -England und gegen die englisch-holländische Verbindung; noch war er, selbst -beiden Mächten vereint, zu Wasser überlegen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_476" id="Page_476">[476]</a></span></p> - -<p class="small">Irland war der schwächste Punkt in Oraniens Stellung, hier war der vertriebene -König mit Begeisterung aufgenommen. Aber auch in England hatte er viele Parteigänger, -und Oranien wurde sogar von denen, die ihn gerufen hatten, in seiner königlichen -Macht durch eifersüchtige Einschränkungen geschädigt. Ludwig hätte nun mit aller -Energie die Stuarts unterstützen und England selbst angreifen müssen — Irland dem -Könige Jakob erhalten, in England einfallen —; dies war nur möglich durch einen -tatkräftig geführten Seekrieg. Mit der Wiederentthronung Oraniens würde dem Bunde -der Gegner die Spitze abgebrochen sein.</p> - -<p>Wiederum vertrat Seignelay diese Ansicht, aber der Einfluß Louvois' -— eifersüchtig auf die Seestreitkräfte und scheinbar die Wirkung eines Seekrieges -sowie die Lage überhaupt verkennend — überwog; Ludwig blieb bei -der Teilung seiner Kräfte. Die Folge war, daß Irland fiel, Oranien in seiner -Stellung gesichert und damit in den Stand gesetzt wurde, den Krieg auf dem -Festlande zu unterstützen, ja sogar persönlich zu leiten. Dieses Beharren -in dem großen politischen und strategischen Fehler bei Beginn des Krieges -ist wohl als entscheidend für den Ausgang anzusehen; alle Erfolge auf dem -Festlande konnten nicht hindern, daß sich der Kampf in die Länge zog und -erst wegen allgemeiner Erschöpfung endete. Die Gegner hatten aber den -Krieg nur mit den Mitteln der Seenationen durchführen können und die Erschöpfung -Frankreichs war nicht zum wenigsten durch den stillen aber anhaltenden -Druck der Seestreitkräfte Englands und Hollands herbeigeführt; -ihre Marinen waren, weil auf gesunderer Grundlage ruhend, bald der französischen -überlegen geworden.</p> - -<p>Gehen wir nun zu der <em class="gesperrt">Kriegführung zur See</em> im besonderen über. -Wir können sie in zwei Abschnitte teilen: in dem ersten ist die französische -Flotte die angreifende 1689–1692; in dem zweiten tritt die Flotte der Verbündeten -in die Offensive durch Angriffe auf die feindliche Küste und durch -Eingreifen in den spanischen Landkrieg, die französische beschränkt sich auf -die Defensive und auf den Kampf gegen den Handel 1694–1697; das Jahr -1693 bildet gewissermaßen den Übergang zwischen beiden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1689 zeigt den besprochenen Fehler Ludwigs: Er greift -zwar Holland zu Lande an, tut aber zur See nichts gegen England und Holland, -obgleich deren Flotten anfangs nicht bereit sind; auch sein Eingreifen in -Irland ist nur schwächlich. Im März wird Jakob ungehindert mit Truppen -übergeführt und im Mai gelingt es, trotz des feindlichen Angriffs (Bantrybay) -Verstärkungen nachzusenden. Aber die mächtige französische Flotte zeigt -sich nicht rechtzeitig, und die Geschwader, die die Überführungen bewerkstelligten, -kehren stets sofort zurück; so gelingt es einer ganz schwachen -englischen Flottille (Rooke), im irischen Kanal die Verbindung Jakobs mit -seinen Anhängern in Schottland zu unterbrechen, die Belagerung der Stadt -Londonderry aufzuheben und den Marschall Schomberg mit einer Angriffsarmee -in Irland zu landen.</p> - -<p>Im Juli verfügen die Verbündeten über 60 Kriegsschiffe. Sie zeigen -sich an der französischen Küste, hindern aber nicht, daß sich das französische -Mittelmeergeschwader mit den Kräften des Atlantik vereinigt; hierdurch wird<span class="pagenum"><a name="Page_477" id="Page_477">[477]</a></span> -die französische Flotte gegen 70 Schiffe stark. Im August erscheinen die -Verbündeten wiederum vor Brest und Tourville tritt ihnen entgegen. Es -kommt aber zu keinem Zusammenstoß, die Verbündeten schützen nur das -Einlaufen eines Mittelmeerconvois. Die Kriegführung war also sehr lau -auf beiden Seiten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die wahrscheinlichen Gründe hierfür</em>: England war durch den -Einfall in Irland überrascht, aber auch im weiteren Verlauf waren die Verbündeten -nicht fertig. In England mögen dies die noch unsicheren politischen Verhältnisse hervorgerufen -haben, in Holland die uns bekannten Umstände, die stets das Auftreten -lähmten, wenn dem Volke das Feuer nicht auf den Nägeln brannte. So fühlte sich die -Führung der Flotte nicht sicher genug — holländische Quellen sprechen dies unumwunden -aus — und vermied ein ernstes Zusammentreffen.</p> - -<p class="small">In Frankreich war die Lauheit doch wohl ein Zeichen des geringen Verständnisses -der einflußreichsten Kreise für die Wichtigkeit der Kriegführung zur See. Warum -war die Flotte nicht rechtzeitig bereit? Französische Quellen schieben es auf die schon -eingerissene Unordnung in der Organisation; aber dies ist doch nicht durchaus stichhaltig, -auch als sie fertig war, tat sie nichts. Man wollte nicht zuviel aufs Spiel setzen (auch -nach französischen Angaben).</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Jahre</em> 1690 plante Ludwig, energisch vorzugehen. Wenn es auch -England gelungen war, Truppen nach Irland zu werfen, so stand Jakobs -Sache dort noch nicht schlecht, falls ihn Frankreich ernstlich unterstützte, -besonders mit der Flotte. Diese konnte nun entweder in erster Linie ganz -in den Dienst des irischen Landkrieges gestellt oder dazu bestimmt werden, -zunächst die feindliche Flotte zu vernichten und dadurch einen Einfall in -England zu ermöglichen. Ludwig entschied sich für den zweiten Weg. Dies -war zweifellos richtig; noch konnte er sich zur See als überlegen betrachten, -aber er durfte dabei nicht die Unterbrechung der Verbindung seines Gegners -mit Irland ganz vernachlässigen, doch dies geschah wie im Vorjahre. Im März -führte ein französisches Geschwader Truppen und Kriegsmaterial nach Irland, -ungehindert obgleich die Engländer Schiffe im Kanal hatten.</p> - -<p class="small">So z. B. das für das Mittelmeer bereitliegende Geschwader unter Killigrew. Die -kleine Flottille unter Shovel, die für die irischen Gewässer in Dienst gestellt wurde, -kam zu spät. Diese scheint nur zur Deckung des eigenen, bald folgenden Überganges -bestimmt gewesen zu sein, ging sie doch auch nach Erfüllung dieser Aufgabe zur großen -Flotte zurück.</p> - -<p>Wie im Vorjahre kehrte dieses aber sofort nach Frankreich zurück, und -weitere Seestreitkräfte von Belang waren später nicht in den irischen Gewässern. -So konnte Wilhelm III. im Juni mit großer Macht in eigener Person -nach Irland hinübergehen. Es ist wohl möglich, daß dieser Fehler französischerseits -begangen ist, weil man annahm, der Expedition nach Irland bald den -geplanten großen Angriff mit der Hauptflotte folgen lassen zu können. Auffallend -bleibt es doch und läßt auf mangelndes Verständnis in dieser Hinsicht -schließen, wie völlig „beide Parteien“ die Unterbrechung der Verbindung des -Gegners mit der Insel während der ganzen Dauer des Kampfes um diese vernachlässigen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_478" id="Page_478">[478]</a></span></p> - -<p>Die mächtige französische Flotte, für den Angriff auf England bestimmt, -70 Linienschiffe unter Tourville war erst Ende Juni in Brest bereit; zu spät, -um, wie beabsichtigt, die Verbündeten vor ihrer Vereinigung zu schlagen. -Als sie auftrat, entschied sich gerade Jakobs Schicksal durch die Schlacht -am Boyne (11. Juli). Trotz dieser Verzögerung — dieses Mal wirklich wohl -allein hervorgerufen durch die seit Colberts Tode eingerissenen Übelstände -— war Tourville den Verbündeten — 57 Linienschiffe unter Herbert — weit -überlegen und er schlug sie fast vernichtend bei Beachy Head (10. Juli). -Daß er so überlegen auftreten und hiervon Gebrauch machen konnte, war -die Folge einer Summe von Fehlern der Gegner: Ungenügende und verspätete -Rüstung, Zersplitterung der Kräfte, falsche Führung.</p> - -<p class="small">Das schon im Winter bereite Geschwader unter Killigrew, das im Frühjahr Kauffahrer -ins Mittelmeer geleiten und die Toulonschiffe dort festhalten sollte, segelte infolge -von Unschlüssigkeit in London zu spät. Als es doch noch auf das Toulon-Geschwader -traf, vermied dieses (Château-Renault) richtigerweise das Gefecht und vereinigte sich -rechtzeitig mit seiner Hauptflotte. Killigrew dagegen folgte nicht sofort und traf erst -nach der großen Schlacht in England ein.</p> - -<p class="small">Die Ausrüstung der Hauptflotte hatten die Verbündeten so lässig betrieben, daß -sie am 1. Juli nur 50, kaum voll gefechtsbereite Linienschiffe zählte. In beiden Ländern -war man schlecht über die Rüstungen des Gegners unterrichtet und unterschätzte ihn -vielleicht infolge seines schwächlichen Auftretens im Vorjahre. Als man die Gefahr -erkannte, gab man Herbert den Befehl, unter allen Umständen zu schlagen, und nun -war auch sein Verhalten beim Zusammenstoß nicht einwandfrei.</p> - -<p class="small">Es sei hier nochmals etwas näher darauf eingegangen, was aus der Untersuchung -in dieser Sache zu entnehmen ist und wie <em class="gesperrt">Herberts Verhalten bei Beachy -Head</em> von verschiedenen Seiten beurteilt wird. Auf seine Vorstellungen im Winter, -die Rüstungen zu verstärken und zu beschleunigen, erhielt Herbert die Antwort -des Ministers Nottingham: „Sie werden stark genug gegen die Franzosen sein;“ -Herbert antwortete: „Mein Lord, ich kenne mein Geschäft und werde mein Bestes tun. -Aber ich bitte sich später zu erinnern, daß es nicht meine Schuld gewesen ist, wenn die -Flotte nicht stärker ist. Ich bin jetzt in Sorge, wo die Gefahr noch abzuwenden ist; -Sie werden es im Sommer sein, wenn es zu spät ist.“ Er erhielt auch den Befehl, sich -einzuschiffen, erst Ende Mai, und vorher waren von höherer Stelle keine Anordnungen -getroffen, um die Franzosen zu beobachten. Man schätzte sie nur auf 66 Linienschiffe, -schlecht bemannt und somit der eigenen Macht nicht überlegen.</p> - -<p class="small">Aus dem bereits teilweise wiedergegebenen Briefwechsel (S. <a href="#Page_435">435</a> ff.) zwischen Herbert -und Nottingham geht hervor, daß Herbert keine Schlacht schlagen wollte, nachdem -er sich durch Augenschein von der Überlegenheit des Gegners überzeugt hatte. Sein -Plan war, nach Westen zu gehen, um die dort stehenden Teile der Seestreitkräfte an -sich zu ziehen, oder falls dies nicht möglich wäre, von einer sicheren Stellung im Osten -aus mit seiner unversehrten Flotte den Gegner im Schach zu halten. Dies entsprach -also dem Verhalten Ruyters im dritten englisch-holländischen Kriege. Nottingham -billigte den Plan nicht und erwirkte, immer noch mit falscher Einschätzung der Stärke -des Feindes, den Befehl der Königin, der zur Schlacht führen mußte.</p> - -<p class="small">Colomb hält Herberts Standpunkt für den einzig richtigen; Clowes stimmt nicht -völlig bei: „Es sei doch nicht sicher, daß Herbert unbedingt imstande gewesen sein -würde, die sich gestellte Aufgabe zu lösen; Wind- und Wetterverhältnisse hätten ihn -hindern können.“ Dieser Einwand ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Lage -ist z. B. nicht durchaus mit der Ruyters zu vergleichen: Ruyter hatte eine weit kürzere -Küstenstrecke zu schützen und stand im Westen (westliche Winde vorherrschend)<span class="pagenumsmall"><a name="Page_479" id="Page_479">[479]</a></span> -der bedrohten Punkte; Herbert wollte von der Themse aus den ganzen Kanal bewachen. -Mit beiden Kritikern muß man aber den Umstand verurteilen, daß Herbert von London -aus so bindende Befehle erhielt; <em class="gesperrt">soweit darf der Einfluß auf den Chef -einer Streitmacht nicht gehen</em>, wie es hier geschah.</p> - -<p class="small">(Clowes führt hier den Ausspruch eines Admirals der Neuzeit, <em class="gesperrt">Sir G. Th. -Hornbys</em>, an. Als man in England gelegentlich von Differenzen mit einer fremden -Macht erwog, ein Kabel zur Flotte zu legen, wenn diese an der feindlichen Küste sei, -um stets von Whitehall mit ihr in Verbindung zu bleiben, äußerte genannter Admiral: -„Wenn ich der Chef der Flotte wäre, würde man — so fürchte ich — bald hören, -daß das Kabel gebrochen sei.“)</p> - -<p class="small">Kommen wir nun zu Herberts Verhalten bei dem Zusammenstoß. Er kannte -die Überlegenheit des Feindes, griff trotzdem an, führte aber den Kampf nicht mit -äußerster Energie durch. Clowes sagt hierzu: „Drei Wege standen ihm nach Eingang -des Befehls offen:</p> - -<p class="small">1. Direkter Ungehorsam und Handeln nach seiner Überzeugung; das tun nur -sehr bedeutende Männer: Napoleon, als General, und Nelson haben es getan.</p> - -<p class="small">2. Nachdem er die Schlacht beschlossen hatte, fechten, solange er eine Planke -unter den Füßen hatte; Nelson würde dies getan haben.</p> - -<p class="small">3. Ein Kompromiß: Gehorsam gegen den Buchstaben, aber nicht den Sinn des -Befehles; diesen Weg wählte er.“</p> - -<p class="small">Herbert selbst sagte in der Untersuchung aus, er habe nicht annehmen können, daß die -Königin die Order unterzeichnet haben würde, wenn sie die Überlegenheit des Gegners -voll gekannt hätte. So habe er nun die Flotte nicht ganz opfern und damit das Land -völlig dem Feinde preisgeben wollen; „die Folgen hätten ihm Recht gegeben.“ (Ferner: -„Ich war stets der Ansicht — und so kam es —, daß der Feind nichts unternehmen würde, -whilst we had a <em class="gesperrt">fleet in being</em>.“)</p> - -<p class="small">Auch dies erkennt Colomb als richtig an, aber es ist doch wohl auch nicht ganz -zutreffend: Denn wenn Tourville seinen Sieg — zunächst schon taktisch durch schärfere -Verfolgung, vielleicht gar Nachdringen in die Themse — mehr ausgenutzt hätte, wäre -Herbert wahrscheinlich auch bei dem gewählten Verfahren vollständig vernichtet worden. -Clowes dagegen sagt: „Wenn Herbert anders gefochten, so hätte er möglicherweise -einen glorreichen Sieg erkämpft, jedenfalls aber den Gegner bedeutend mehr geschädigt, -und dieser würde um so weniger etwas unternommen haben; keinenfalls würden die -Franzosen so unbedingte Herren der See geworden sein, wie sie es für einige Zeit wurden.“ -Auch diese Ansicht kann man angreifen, aber man muß doch wohl sagen: Wählte -Herbert die Schlacht, von der er wußte, daß sie entscheidend werden würde, so mußte er -auch alles tun, was er vermochte; <em class="gesperrt">Kompromisse</em> sind <em class="gesperrt">in großen Sachen -wohl stets das Ungeeignetste und Unsicherste</em>.</p> - -<p>Die Franzosen nutzten ihren Sieg weder taktisch noch strategisch aus. -Eine schärfere Verfolgung würde den Verlust der Verbündeten weit größer, -vielleicht entscheidend für den Krieg mit England gemacht haben; die für -fast drei Monate errungene Seeherrschaft wurde nur zu unbedeutenden -Unternehmungen gegen die feindliche Küste und zum Abholen der französischen -Truppen von Irland benutzt, als Ludwig die Sache Jakobs vorläufig aufgab.</p> - -<p class="small">Diese letzte Tatsache zeigt nochmals, wie wenig auf Unterbrechung der Verbindung -des Gegners mit der Insel auch von England gegeben wurde. Tourville war Ende August -nach Brest gegangen, Killigrew's und Shovel's Geschwader waren nicht im Gefecht gewesen -und doch geschah nichts, um das Abholen zu hindern!</p> - -<p class="small">Die von den Franzosen angegebenen Gründe für ihre Lauheit nach Beachy Head -sind: Nach der Schlacht Munitionsmangel, dann schlechter Zustand der Schiffe, endlich -Herannahen der schlechten Jahreszeit. Seignelay verlangte mehr von der Flotte,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_480" id="Page_480">[480]</a></span> -vor allem den Versuch, in die Themse einzudringen, wie es Ruyter einst getan habe. Dies -oder ähnliches hätte die Hauptflotte unternehmen müssen, während leichte Schiffe -Irland abschlossen, wo sich Wilhelm III. in Person befand. Möglich, daß die Reste -der Flotte der Verbündeten immer noch als eine „fleet in being“ ernstliche Unternehmungen -gegen die Küste verhindert haben; zulässig auch erscheint mir, die nach der -Schlacht am Boyne eingetretene Mißstimmung Ludwigs gegen Jakob und seine Sache -als Grund der Lauheit anzunehmen; geschah doch auch nichts von französischer Seite, -als Ende September endlich ein Teil der Flotte der Verbündeten die letzte Stadt Irlands -im Süden nahm.</p> - -<p>Der strategische Plan Ludwigs im Jahre 1690 war gewiß richtig, genügende -Kraft dafür bestimmt und die Gelegenheit zur Ausführung günstig, -weil die französische Flotte noch überlegen auftreten konnte; er scheiterte -an ungenügender Vorbereitung und am Nichtausnutzen der errungenen -Erfolge. Sollte eine Invasion gelingen, so mußte die geschlagene feindliche -Flotte vernichtet werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1691 bringt nur die strategisch und auch taktisch glänzende -Leistung Tourvilles, seine Hochseekreuztour. Die Franzosen hatten wiederum -70 Linienschiffe aufgestellt, auch die Verbündeten spannten endlich ihre -Kräfte an und brachten jetzt gegen 100 Linienschiffe unter Russell zusammen. -Aber die Franzosen waren zuerst seeklar und nur bei ihnen kann man einen -strategischen Plan wahrnehmen. Dieser war jedoch, nach Seignelays Tode, -ein ganz anderer als im Vorjahre: anstatt einer Offensive gegen die feindlichen -Streitkräfte oder gar Küsten nur Schutz der eigenen Küste und Angriff des -feindlichen Handels, insbesondere des großen Levanteconvois. Ohne Antwort -auf seinen Einwurf, daß diese Aufgaben sich kaum vereinigen ließen, -tat Tourville sein Bestes, doch sah er im Gegensatz zu seiner Regierung den -Schutz der Küste als die wichtigere an. Als der Convoi ihm, durch Wetterverhältnisse -begünstigt, entgangen war, verstand er es, den Feind wochenlang -hinter sich herzuziehen, ohne ihm Gelegenheit zum Schlagen zu geben. Damit -hinderte er die Gegner, von ihrer starken Rüstung irgendwelchen Gebrauch zu -machen, und hielt den Kanal für die französischen Freibeuter sowie für die -wiederaufgenommene Verbindung mit Irland frei.</p> - -<p>Das Verhalten der Verbündeten war so schwächlich wie in den Vorjahren. -Wieder waren sie durch verzögerte und mangelhafte Ausrüstung -gelähmt, aber auch Tatkraft in der Führung fehlte. Man muß annehmen, -daß sie noch unter dem Eindruck der Niederlage von Beachy Head standen -(Herberts abschreckendes Schicksal), daß sie deshalb trotz der übermacht -ihre Kräfte so ängstlich zusammenhielten, alles andere preisgaben und doch -nichts wagten.</p> - -<p>Zu erwähnen ist noch, daß in diesem Jahre die französischen Streitkräfte -im Mittelmeer zu den Erfolgen gegen Savoyen und Spanien am Lande beitrugen; -die schwache spanische Marine konnte ihnen nicht entgegentreten.</p> - -<p>Wie Ludwig XIV. <em class="gesperrt">im Jahre</em> 1692 den Landkrieg aufs neue mit aller -Kraft begann, so nahm er auch seinen Plan von 1690 wieder auf: Frühzeitiges -Zusammenziehen der gesamten Seestreitkräfte, um die Flotten der Verbündeten<span class="pagenum"><a name="Page_481" id="Page_481">[481]</a></span> -vor der Vereinigung zu vernichten und dann in England einzufallen. -Wieder rechnete er mit einem allgemeinen Aufstande der Jakobiten, -hatte aber dieses Mal richtigerweise — im Sinne des verstorbenen Seignelay — -trotzdem eine große Invasionsarmee aufgestellt. 1689 und 1690 lagen die -Aussichten für einen solchen Plan günstig; jetzt war es zu spät. Bei der eigenen -Marine waren die Schäden in der Organisation fortgeschritten, auch machte -sich infolge des langen Krieges schon Geldmangel bemerkbar; die Feinde -dagegen waren imstande, ihre natürlichen Hilfsmittel auszunutzen. Eine -Überlegenheit zur See war nicht mehr vorhanden, selbst nicht wenn sämtliche -Schiffe Frankreichs rechtzeitig fertig und vereint gewesen wären; doch auch -dies war nicht der Fall. Zu dem für Beginn der Operationen festgesetzten -Zeitpunkt (Ende April) verfügte Tourville nur über 39 Schiffe; die Verbündeten -aber waren in diesem Jahre früher als bisher mit ihrer ganzen Macht -bereit (am 19. Mai 88 Linienschiffe). Ludwig glaubte trotzdem an die Überlegenheit -seiner Flotte und gab den Befehl zum Auslaufen, als diese 45 Schiffe -stark war.</p> - -<p class="small">Er hielt die Gegner für nicht bereit oder doch, wenn dies der Fall und selbst wenn -vereinigt, seiner Flotte kaum gewachsen und er rechnete mit der Unzuverlässigkeit eines -großen Teiles der englischen Flotte. So sagen die Quellen! Diese Unkenntnis ist aber -auffallend, weil man in Frankreich bisher und auch später wieder stets rechtzeitig und -genau von den feindlichen Rüstungen und Plänen unterrichtet war. Man muß fast annehmen, -daß Ludwig durch Hochmut und Ungeduld fortgerissen worden ist.</p> - -<p>Zu spät kam Ludwig Nachricht und Einsicht, daß alle seine Voraussetzungen -falsch seien, daß er vorläufig von dem Unternehmen absehen müsse; -Tourville war ausgelaufen, die Gegenbefehle und die Benachrichtigung, daß -die Gegner vereint seien, erreichten ihn nicht. Er stieß unvermutet bei Cap -Barfleur (29. Mai) auf den Feind und griff seinem Befehle gemäß an, obgleich -er dessen Überlegenheit erkannte. Was Tourville zu diesem Schritte bewogen -hat, wissen wir; strategische Überlegungen leiteten ihn nicht. Er -stand ganz unter dem Einfluß persönlicher Gefühle, und die Schuld an der -Katastrophe trifft in erster Linie den König, der die berechtigten Einwendungen -seines Admirals unbeachtet gelassen und ihm so bindende Befehle gegeben -hatte. Es erfolgte die Niederlage in der Schlacht und die Vernichtung -so vieler Schiffe nach dieser bei La Hogue. Wichtiger für den Verlauf des -Krieges als der Verlust an Material war aber, daß Frankreich die Offensive -zur See von jetzt an aufgab.</p> - -<p>Der Erfolg der Verbündeten ist nur dem Umstande zuzuschreiben, daß sie -ihre Rüstung beeilt hatten, große Tatkraft und strategische Kunst haben sie -auch in diesem Jahre nicht entfaltet. Sie wären sogar noch überrascht worden, -wenn Tourville für seinen Marsch günstigen Wind gehabt hätte. Bis zum -18. Mai lagen sie getrennt bei Rye und in den Downs, zwei Geschwader kreuzten -im Kanal; es war wohl ein Fehler, daß man diese anstatt leichter Schiffe -zum Erkunden entsendet hatte. Wie sich die Sache entwickelte, schlug die -Verzögerung der Ausrüstung und Vereinigung ihrer Flotte zum Vorteil der<span class="pagenum"><a name="Page_482" id="Page_482">[482]</a></span> -Verbündeten aus, denn hierdurch wurde Ludwig im Festhalten an seinem Plane -bestärkt.</p> - -<p class="small">Es ist nicht sicher, ob die Verbündeten genau über die Absichten der Franzosen -unterrichtet waren. Holländische Quellen behaupten es, englische zweifeln daran. So sagt -Colomb, man habe bis zum letzten Augenblick selbst ein Unternehmen gegen St. Malo -im Auge gehabt und hierzu seien die Truppen in Portsmouth zusammengezogen -gewesen. Das Zusammentreffen bei Barfleur scheint jedenfalls auch ihnen unerwartet -gekommen zu sein.</p> - -<p>In der Schlacht waren die Verbündeten von erdrückender übermacht, -und doch brachte diese den Franzosen den größeren Ruhm. Die Verfolgung -kostete ihnen infolge der Rücksichtnahme auf die beschädigten Schiffe zwar -schwere Opfer, aber die Verbündeten hätten den Sieg mehr ausbeuten müssen, -die nach der Schlacht entkommenen Schiffe durften ihnen nicht entgehen.</p> - -<p>Haben sie endlich die errungene Seeherrschaft ausgenutzt? Die französische -Flotte legte auf und die Transporter wurden mit Marinemannschaften -in den Dienst der Freibeuterei gestellt, die gerade noch in diesem Jahre den -Handel der Verbündeten auf das empfindlichste schädigte, weit mehr als -im Jahre 1690, in dem die Franzosen die See beherrschten. Die Flotte der -Verbündeten wurde zwei Monate hindurch behufs Vorbereitungen zu einem -Unternehmen auf dem Festlande, zu dem es schließlich nicht kam, untätig -zusammengehalten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1693 zeigt den Übergang in den zweiten Abschnitt der -Kriegführung: die Franzosen richten ihren Angriff nur gegen den Handel, -aber noch mit einer großen Hauptflotte; die Verbündeten halten weiter ihre -Kräfte zusammen, können sich aber noch nicht zur Offensive entschließen. -Ihre Leistung ist auch in diesem Jahre recht mäßig und zeigt eine Reihe -von Fehlern und Mißständen.</p> - -<p>Die Verbündeten beabsichtigten, ein Geschwader zur Unterstützung -Spaniens ins Mittelmeer zu senden und mit der Hauptflotte in den nördlichen -Gewässern zu operieren. Das Geschwader sollte ferner auf der Ausreise den -Frühjahrsconvoi Levantefahrer geleiten und gerade diesem galt der französische -Angriff. Infolge des schlechten Unterrichtetseins und der Unentschlossenheit -auf seiten der Verbündeten sowie der Fehler des Kommandos -der Hauptflotte und des Convoiführers gelang es Tourville, den Convoi -großenteils zu vernichten.</p> - -<p class="small">Die Abfahrt des Convois war zu lange verzögert. Frankreich, gut unterrichtet, -sandte Tourville in See, als die Abfahrt bevorstand. Die Hauptflotte der Verbündeten -war nicht rechtzeitig bereit, um die französische in Brest festzuhalten. Als sie dann das -Geschwader nebst Convoi durch den Kanal geleitete, wußte sie nichts vom Auslaufen -Tourvilles, und die „drei Admirale auf einem Schiff“ versäumten es, sich hierüber zu -vergewissern. Sie entließen ihre Schutzbefohlenen zu früh und diese fielen infolge der -Unvorsichtigkeit des Geschwaderchefs dem Feinde in die Hände. Die Flotte blieb vor Brest -und erfuhr erst über London die Abfahrt Tourvilles; sie ging dann nach England, um -„neu auszurüsten“ und „Befehle einzuholen“, anstatt dem Feinde zu folgen.</p> - -<p>Dieselben Mißstände und dieselbe Unentschlossenheit zeigen sich weiter. -Wohl sah man ein, daß es richtig sei, Tourville zu folgen, um ihn an seinem<span class="pagenum"><a name="Page_483" id="Page_483">[483]</a></span> -Vorhaben zu hindern oder, als es hierzu zu spät war, ihn wenigstens zur Schlacht -zu zwingen. Es kam nicht dazu; die Flotte war ungenügend ausgerüstet -und wurde schließlich frühzeitig aufgelöst. Tourville kehrte im Herbst -unbehelligt zurück, nachdem er den Sommer über zum Schaden des feindlichen -Handels die See im Mittelmeer beherrscht hatte.</p> - -<p>Im Herbst 1693 setzte der Kreuzerkrieg der Franzosen mit dem ihm -eigentümlichen Charakter ein. Auch hier traten die Verbündeten nicht -mit der nötigen Kraft auf; im November machten sie den ersten Versuch -gegen einen der Hauptstützpunkte der Freibeuterei (St. Malo). So beginnt -Ende 1693 die Kriegführung, die wir in den letzten Jahren des Krieges durchweg -finden.</p> - -<p><em class="gesperrt">In den Jahren</em> 1694–1697 beschränkten sich die Franzosen in den -nördlichen Gewässern auf Küstenschutz und Kreuzerkrieg; im Mittelmeer -unterstützten sie den Angriff auf Spanien. Die Verbündeten stellten ihren -Seestreitkräften drei Aufgaben: Unterstützung Spaniens, Angriff auf französische -Küsten, Handelsschutz.</p> - -<p>Im spanischen Landkriege hatten die Franzosen 1694 Erfolge durch -Unterstützung der Flotte, bis Russell im August mit der Hälfte der verbündeten -Flotte erschien. Dann ging Tourville nach Toulon und wurde hier, auch das -Jahr 1695 über, festgehalten. Russell beherrschte die See, aber Erfolge für -den Landkrieg errang er nicht, da die Spanier am Lande zu schwach waren. -Als er 1695 imstande war, diese durch ein Landungskorps zu unterstützen, -brach er schon günstig liegende Unternehmungen ab, sobald er das Auftreten -der französischen Flotte fürchten mußte. 1696 zogen sich die Verbündeten -aus dem Mittelmeer zurück und die Franzosen hatten 1697 Erfolge in Spanien, -die wichtig für den Verlauf des Krieges waren. Wir sehen also auf beiden -Seiten die Flotten nur dann größere Aufgaben an der Küste durchführen, -wenn die Seeherrschaft gesichert ist.</p> - -<p>Die Angriffe der Verbündeten auf die französischen Küsten begannen -1694 mit dem größeren Unternehmen gegen Brest, das völlig scheiterte, weil -man den Gegner gut vorbereitet fand. Es folgt dann die Reihe von Beschießungen -der Küstenstädte, die den Gegner wenig schädigten und ihren einen -Hauptzweck, nennenswerte Truppen von seiner Feldarmee abzuziehen, nicht -erreichten. Ein englischer Schriftsteller sagt: „Sie kosteten England mehr, -als sie nutzten.“ Den zweiten Hauptzweck, die Freibeuterei lahmzulegen, würde -man durch eine andere Verwendung der Seestreitkräfte besser erreicht haben.</p> - -<p>In Hinsicht auf die dritte Aufgabe, den Schutz des Handels, versagten -die Flotten der Verbündeten überhaupt, wenigstens bis auf die allerletzte Zeit, -weil man die Kräfte aus Vorsicht oder eben zu unfruchtbaren Unternehmungen -zusammenhielt. Anderseits zeigt der Kreuzerkrieg der Franzosen, wenn er -auch erfolgreich war, doch, daß ein solcher nur gestützt auf eine Flotte lebensfähig -ist.</p> - -<p>Die koloniale und überseeische Kriegführung ist auch in diesem Kriege -noch unbedeutend; nur der Zug de Pointis' gegen Cartagena (1697) war von<span class="pagenum"><a name="Page_484" id="Page_484">[484]</a></span> -Einfluß auf den Verlauf. Im nächsten Kriege spielt sie eine etwas größere -Rolle, von wirklicher Bedeutung wird sie erst in den Kriegen des folgenden -Zeitabschnittes.</p> - -<p><em class="gesperrt">Colomb</em> (Naval warfare) <em class="gesperrt">zieht auch aus den Ereignissen -dieses Krieges bemerkenswerte Schlüsse</em>. In den Kapiteln -VI und VII: „Versuche, zu einem bestimmten Zwecke die Seeherrschaft -zu erringen“ — nämlich einer Invasion — wird gesagt: Die Ereignisse des -Jahres 1690 zeigen, daß eine teilweise Beherrschung der See (Tourville nach -Beachy Head) noch keine Invasion erlaubt, daß selbst noch mit einer teilweise -geschlagenen Flotte gerechnet werden muß. Das Jahr 1692 zeigt die Schwierigkeit, -eine „zeitliche“ Seeherrschaft zu gewinnen, sowie die damit verbundene -große Gefahr, wenn man eine solche unter allen Umständen erzwingen will.</p> - -<p class="small">Colomb sagt: „1690 wurde der französische Versuch vereitelt durch Herberts -gesunde Politik, geleitet durch die Überzeugung, daß er die größte Gefahr heraufbeschwöre, -wenn seine Flotte infolge eines anderen Verhaltens vernichtet würde.“ (Wir -wissen, daß Colomb die Ansicht Herberts billigt.) „Man kann sagen, daß die Franzosen -1692 gerade entgegengesetzt handelten, indem sie ihre Flotte auf einen Wurf einsetzten, -um die Invasion zu ermöglichen.“</p> - -<p>Weiter wird darauf hingewiesen, daß der Plan einer Invasion 1696 sofort -aufgegeben wurde, als man sah, daß die verbündete Flotte fertig und somit -eine Überraschung ausgeschlossen sei.</p> - -<p>Im Kapitel XII: „Die Bedingungen, unter denen Angriffe von See her -gelingen oder scheitern“, nimmt Colomb die Ereignisse an der spanischen -Küste als Beispiele dafür, daß auch zu solchen Unternehmungen die unbedingte -Seeherrschaft notwendig ist. Beide Parteien geben Belagerungen von See -aus auf, sobald sich der Feind nähert, ja nur seeklar gemeldet wird; in den -nördlichen Gewässern beginnen die Verbündeten mit den Angriffen auf die -Küste erst Ende 1693, als sie unbestritten die See beherrschen. In Hinsicht -auf die Durchführung solcher Angriffe bespricht Colomb den größeren auf -Brest 1694. Er sagt: die Seeherrschaft war hier vorhanden, aber die Expedition -war nicht stark genug und wurde fehlerhaft geleitet.</p> - -<p class="small">„There was no heart in it“ (dies sagt er mit Beziehung auf alle derartigen Unternehmungen -dieser Jahre) und die Landtruppen waren nicht annähernd genügend stark. -Man durfte auch nicht in einer der Buchten bei der Einfahrt landen, deren Strand ganz -in eine befestigte Stellung verwandelt war. Man hätte eine stärkere Macht z. B. in -der Douarnenez-Bucht außer Bereich der feindlichen Stellung ausschiffen müssen.</p> - -<p>Colomb schließt das Kapitel XII: „Wenn man die Stärke der Befestigungen -genau kennt, genügend Truppen verwendet, diese außer Bereich der -Befestigungen landet, durch die Flotte schlagfertig hält und unterstützt, so -ist kein Grund, daran zu zweifeln, daß jeder Platz fällt, vorausgesetzt, daß -kein Entsatz über See kommt“.</p> - -<p>Unsere Betrachtungen über Strategie dürften zeigen, daß der <em class="gesperrt">Einfluß -der Kriegführung zur See</em> weit größer hätte sein können. -Ludwig XIV. versäumte es, von der zu Anfang vorhandenen Überlegenheit -seiner Marine Gebrauch zu machen. Die Seemacht der Verbündeten gewann<span class="pagenum"><a name="Page_485" id="Page_485">[485]</a></span> -Zeit, ihre Kraft zur Entfaltung zu bringen, hätte dann aber weit mehr leisten -müssen. Sogar Clowes schreibt: „Wenn auch der Frieden günstig war, so -kann man doch nicht sagen, daß die Marine in dem achtjährigen Kriege viel -zur Hebung des Rufes beigetragen hat, den sie unter Cromwell und auch noch -unter Karl II. errungen hatte.“ Die Gründe sind jedoch teilweise durch die -Verhältnisse zu entschuldigen.</p> - -<p class="small">Grobe Fehler wurden allerdings von der höchsten Leitung (Whitehall) gemacht: -Hier war man stets vom Feinde ungenügend unterrichtet; es mangelte an Einsicht und -Entschlossenheit, und dabei beanspruchte man die Leitung bis ins kleinste.</p> - -<p class="small">Aber auch die Verwaltung war infolge der früheren Mißregierung schlecht: Die -Schiffe waren, wenn am meisten nötig, schlecht im Stande, schlecht bemannt und schlecht -ausgerüstet. Endlich fehlte die Tatkraft in der Führung, doch ist dies wieder größtenteils -eine Folge der politischen Verhältnisse. Die Führer wagten zwar einesteils wegen des -mangelhaften Zustandes der Flotte nichts, anderseits aber scheuten sie sich vor Verantwortung. -Jakob glaubte an eine besondere Anhänglichkeit der Seeoffiziere an seine -Person; auch die unter Wilhelm III. leitenden Kreise hatten diesen Verdacht, sie zweifelten -dah433 -er an der Treue und Zuverlässigkeit vieler Offiziere. Mißtrauen herrschten im Kabinett -und in der Hauptstadt, Parteiwesen und Unentschlossenheit im Offizierkorps. Ein Mann, -der sich im Gefecht unglücklich oder unfähig zeigte, mußte gewärtig sein, abgesetzt und -zur Verantwortung gezogen, gar des Verrats angeschuldigt zu werden. Da ferner gerade -manche der erfahrenen Männer in Verdacht standen, der Regierung feindlich zu sein, -so wurden diese nicht ihren Fähigkeiten entsprechend verwendet. Die öffentliche Meinung -klagte, daß man ungeeignete Personen bei Besetzung der Stellen bevorzugte, in deren -Händen die Leitung der Seemacht lag. Eine weitere Folge dieser Verhältnisse war der -beständige Wechsel im Oberkommando der Flotte, zweimal sogar ernannte man Joint-Admirals. -Ein solches Unding war nur ohne Schaden möglich gewesen zu Zeiten eines -Blake oder Monck, neben denen die Kollegen keine Rolle spielten.</p> - -<p>Die holländische Marine war in diesem Kriege in jeder Hinsicht besser -als die englische. Sie kam aber nicht zur Geltung, weil sie in der gemeinsamen -Flotte wesentlich schwächer vertreten war und stets unter englischem Oberbefehl -stand.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p485.jpg" width="150" height="61" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_226_226" id="Footnote_226_226"></a><a href="#FNanchor_226_226"><span class="label">[226]</span></a> Vgl. Mahan, Teil I (Seite 168 ff.), von mir bei Vorstehendem zu Rate gezogen -und auch stellenweise angeführt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_227_227" id="Footnote_227_227"></a><a href="#FNanchor_227_227"><span class="label">[227]</span></a> Clowes, Teil II, Seite 244. Er gibt hier zum letzten Male eine genaue Gesamtliste, -später nur noch Veränderungen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_228_228" id="Footnote_228_228"></a><a href="#FNanchor_228_228"><span class="label">[228]</span></a> Hauptquelle: de Jonge, Teil III.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_229_229" id="Footnote_229_229"></a><a href="#FNanchor_229_229"><span class="label">[229]</span></a> De Jonge, Teil III, Beilage VII und VIII.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_230_230" id="Footnote_230_230"></a><a href="#FNanchor_230_230"><span class="label">[230]</span></a> Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre: „Tourville“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_231_231" id="Footnote_231_231"></a><a href="#FNanchor_231_231"><span class="label">[231]</span></a> Delarbre „Tourville“, Seite 194.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_232_232" id="Footnote_232_232"></a><a href="#FNanchor_232_232"><span class="label">[232]</span></a> Nach de Jonge, Teil III, und Clowes, Teil II, worin die Ereignisse für die betreffende -Nation genannt; in ersterem auch besonders über die Vorbereitungen, z. B. -Geheimhaltung und Beschaffung der Mittel, sowie in Beilage I, Aufzählung der holländischen -Schiffe für die Expedition, genaue Angabe der Truppen, Instruktionen für -Herbert und Evertsen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_233_233" id="Footnote_233_233"></a><a href="#FNanchor_233_233"><span class="label">[233]</span></a> Nach Clowes, Teil II, Bonfils, Teil I, Troude, Teil I; sie stimmen nicht ganz -überein, selbst nicht die französischen Quellen unter sich. Doch ist dies von wenig -Belang, da das Gefecht ohne taktisches Interesse.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_234_234" id="Footnote_234_234"></a><a href="#FNanchor_234_234"><span class="label">[234]</span></a> Diese und noch folgende Auszüge aus Berichten Herberts und Befehlen von -London vgl. z. B. Colomb, Seite 115.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_235_235" id="Footnote_235_235"></a><a href="#FNanchor_235_235"><span class="label">[235]</span></a> Gunfleet: Bänke östlich von der Themse von Foulness bis Harwich; ein geeigneter, -sicherer Ankerplatz für große Flotten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_236_236" id="Footnote_236_236"></a><a href="#FNanchor_236_236"><span class="label">[236]</span></a> Hier benutzt: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III, am ausführlichsten, was die -Holländer betrifft; Delarbre; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_237_237" id="Footnote_237_237"></a><a href="#FNanchor_237_237"><span class="label">[237]</span></a> Munitionsmangel herrschte bei allen drei Nationen und wird überall der schlechten -Ausrüstung, nicht der Dauer der Aktion zugeschrieben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_238_238" id="Footnote_238_238"></a><a href="#FNanchor_238_238"><span class="label">[238]</span></a> In Delarbre „Tourville“, Seite 349 ff., findet man den Befehl (vom 20. Mai) -sowie Berichte Tourvilles mit Vorstellungen dagegen; aus diesem Schriftwechsel ist das -geringe seemännische Verständnis des Ministers zu ersehen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_239_239" id="Footnote_239_239"></a><a href="#FNanchor_239_239"><span class="label">[239]</span></a> Etwas Genaueres hierüber in Troude, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_240_240" id="Footnote_240_240"></a><a href="#FNanchor_240_240"><span class="label">[240]</span></a> Nach Delarbre „Tourville“ im Auszuge; dieses Werk ist hier besonders benutzt, -vergleichend mit anderen französischen Quellen, aber auch mit Clowes, Mahan, de Jonge.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_241_241" id="Footnote_241_241"></a><a href="#FNanchor_241_241"><span class="label">[241]</span></a> Nach de Jonge, Teil III, Beilage XV; Clowes, Teil II; Troude, Teil I; Bonfils, -Teil I; Delarbre. Mit Ausnahme de Jonges geben diese Quellen die Namen der Schiffe -und der Kommandanten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_242_242" id="Footnote_242_242"></a><a href="#FNanchor_242_242"><span class="label">[242]</span></a> Delarbre „Tourville“, Seite 197.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_243_243" id="Footnote_243_243"></a><a href="#FNanchor_243_243"><span class="label">[243]</span></a> Chab.-Arnault, Seite 94.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_244_244" id="Footnote_244_244"></a><a href="#FNanchor_244_244"><span class="label">[244]</span></a> Zusätze nach anderen Quellen gebe ich in [—], besonders nach Clowes und -de Jonge, weitere Hauptquellen sind Bonfils; Troude. Kurz in Mahan, Teil I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_245_245" id="Footnote_245_245"></a><a href="#FNanchor_245_245"><span class="label">[245]</span></a> In Delarbre „Tourville“ findet man die genauen englischen, holländischen und -französischen Berichte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_246_246" id="Footnote_246_246"></a><a href="#FNanchor_246_246"><span class="label">[246]</span></a> Die (ungefähren) Angaben über die Anzahl der Linienschiffe bei diesen sind -aus de Jonge, Teil III, entnommen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_247_247" id="Footnote_247_247"></a><a href="#FNanchor_247_247"><span class="label">[247]</span></a> Die Bombardements der französischen Küstenstädte in diesen Jahren etwas -genauer in Bonfils, Teil I, und in de Jonge, Teil III.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_248_248" id="Footnote_248_248"></a><a href="#FNanchor_248_248"><span class="label">[248]</span></a> D. h. sie lagen nach Zurückweichen des Wasser bei Ebbe auf dem Strande.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_249_249" id="Footnote_249_249"></a><a href="#FNanchor_249_249"><span class="label">[249]</span></a> De Jonge, Teil III führt in Beilage XVII 49 Linienschiffe, darunter 9 über 90 -Kanonen, im Kanal, Mittelmeer und gegen Dünkirchen allein für Holland auf.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_250_250" id="Footnote_250_250"></a><a href="#FNanchor_250_250"><span class="label">[250]</span></a> Hauptquellen: Chabaud-Arnault, Seite 99; Bonfils, Teil I, Seite 352, 357; -Mahan, Teil I, Seite 188; de Jonge, Teil III, an verschiedenen Stellen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_251_251" id="Footnote_251_251"></a><a href="#FNanchor_251_251"><span class="label">[251]</span></a> Z. B. in den soeben angeführten Quellen; für die englische Marine im Clowes, -Teil II, Kap. „minor operations“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_252_252" id="Footnote_252_252"></a><a href="#FNanchor_252_252"><span class="label">[252]</span></a> Vgl. Mahan, Teil I, Seite 188 und Seite 126–132. Von Mahans Auslassungen -ist bereits früher (Seite <a href="#Page_305">305</a>) ein Auszug gegeben, an den gewissermaßen hier angeschlossen -wird.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_253_253" id="Footnote_253_253"></a><a href="#FNanchor_253_253"><span class="label">[253]</span></a> Etwas genauer geschildert in Colomb, Kapitel XI, XII; in Bonfils, Teil I; -in Clowes, Teil II, „minor operations“. In Zimmermann „Europäische Kolonien“, -Band II und IV ist näher auf die Kriege Englands und Frankreichs um Kanada usw. -eingegangen.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_486" id="Page_486">[486]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p486.jpg" width="600" height="145" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Neuntes Kapitel.</span><br /> -Der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713.</h3> - -<p><b>Die politischen Verhältnisse und Verhandlungen vor Ausbruch des Krieges.</b><a name="FNanchor_254_254" id="FNanchor_254_254"></a><a href="#Footnote_254_254" class="fnanchor">[254]</a> -Auch dieser Krieg erscheint in der Hauptsache nur als ein großer europäischer -Festlandskrieg, ist aber doch von der größten Bedeutung für die Seekriegsgeschichte. -Er wird schon ebensosehr durch die Eifersucht der Staaten -in maritimen Interessen wie durch Streit um Länderbesitz hervorgerufen; -in Beziehung auf maritime Interessen sind seine Folgen von großer Wirkung. -In ihm entscheidet sich der Kampf der drei großen Seemächte um die Herrschaft -auf dem Meere. England erringt den von jetzt an kaum noch bestrittenen -ersten Platz. Große Aktionen zur See bringt dieser Krieg noch weniger als -der Pfälzische Erbschaftskrieg. Der Einfluß der Seestreitkräfte auf den Verlauf -ist zwar besonders auf seiten der Gegner Frankreichs groß, aber er besteht, -ähnlich wie in dem vorigen Kriege von 1694 an und noch mehr, fast nur in dem -geräuschlosen andauernden Drucke, mit dem die Seemacht arbeiten kann, -indem sie dem Feinde die Hilfsquellen abdämmt, während sie die eigenen -offen hält. Aus diesen Gründen wird sich schon die Schilderung des Spanischen -Erbfolgekrieges ebensosehr mit genauer Auslassung über die vorstehenden -Punkte — Ursachen und Folgen des Krieges in maritimer Hinsicht; Einfluß -der Seemacht — wie mit der Beschreibung kriegerischer Ereignisse zu beschäftigen -haben.</p> - -<p>Wie der Name sagt, gab <em class="gesperrt">die Thronfolge in Spanien</em> — beim -Aussterben des habsburgischen Zweiges — den Anlaß zum Kriege; schon vor -dem Tode des letzten Königs, Karls II., beschäftigte diese Frage die Kabinette. -Es handelte sich darum, ob der Nachfolger aus dem Hause Bourbon oder aus -dem habsburgischen Zweige, der in Österreich regierte, hervorgehen sollte. -Diese Häuser waren erbberechtigt: In erster Linie durch die beiden Schwestern -Karls II., von denen Maria Theresia mit Ludwig XIV. und Margarete Theresia<span class="pagenum"><a name="Page_487" id="Page_487">[487]</a></span> -mit Kaiser Leopold I. verheiratet gewesen waren; in zweiter Linie auch schon -durch die beiden Schwestern König Philipps IV., von denen Anna die -Gemahlin Ludwigs XIII. und Maria Anna die Kaiser Ferdinands III. -gewesen waren (die Mütter Ludwigs XIV. und Leopolds I.).</p> - -<p>Ludwig XIV. und Leopold sahen wohl ein, daß die übrigen Staaten nicht -zulassen würden, Spanien mit ihren Ländern zu vereinigen, sie traten deshalb -für ihre Person und ihre Thronfolger zurück. Ludwig verlangte den spanischen -Thron für seinen Enkel Philipp von Anjou (einen „jüngeren“ Bruder), Leopold -für seinen zweiten Sohn (aus dritter Ehe).</p> - -<p class="small">Maria Theresia hatte bei ihrer Verheiratung auf die Erbfolge verzichtet; das einzige -Kind Margarete Theresias verzichtete zugunsten ihres Vaters auf die Thronfolge in -Spanien, als sie sich mit Max Emanuel von Bayern verband, doch erkannten weder -Ludwig XIV. noch der Kurfürst diese Verzichte an. Erbberechtigt erschienen so: -Der Dauphin von Frankreich, der Kurprinz von Bayern und der älteste Sohn Leopolds; -der Dauphin und Leopolds Sohn auch schon von den Schwestern Philipps IV. her.</p> - -<p>Man mußte sich also vereinbaren und legte Wert auf die letzte Willensmeinung -des Königs von Spanien. Dieser war seinen deutschen Verwandten -zugeneigt, aber die Partei der Königin arbeitete, von Frankreich beeinflußt, -für das Haus Bourbon. Für die anderen Staaten handelte es sich aber im -Hinblick auf <em class="gesperrt">das politische Gleichgewicht</em> nicht nur darum, -an welches der beiden Häuser Spanien fallen, sondern wohl noch mehr darum, -ob es in seinem ganzen ungeheuren Umfange bestehen bleiben sollte. Dies -war besonders wichtig für die Seenationen, weil bei ihrer Auffassung des -Gleichgewichts der Einfluß der neuen politischen Gestaltung auf Handel und -Schiffahrt, auf die Beherrschung des Ozeans und des Mittelmeeres schwer ins -Gewicht fiel.</p> - -<p class="small">Zu Spanien gehörten: Neben Mailand und anderen Provinzen in Norditalien der -Süden dieser Halbinsel, Sicilien, Sardinien, die Balearen; die spanischen Niederlande; -auf der westlichen Halbkugel Kuba, Portorico und die großen Staaten Südamerikas, -deren Bedeutung für den Handel man gerade zu erkennen begann; endlich große Besitzungen -in Indien. Solange Spanien wie in den letzten Jahrzehnten ohnmächtig war, -hatten die Seenationen gleichgültig auf diese große Ausdehnung, gerade in maritimer -Hinsicht, geblickt. Anders wurde die Sachlage für sie, wenn eine stärkere Regierung -in Spanien das Ruder führte, die vielleicht gar einen Rückhalt an einer anderen Großmacht -hatte; wir werden sehen, daß während aller Verhandlungen, später während des Krieges -und endlich beim Friedensschluß diese maritimen Interessen von größtem Einfluß waren.</p> - -<p class="small">Wegen der Wichtigkeit in maritimer Hinsicht — aber auch wegen des Charakters -Ludwigs XIV. — mußte ein Erfolg Frankreichs bei der Lösung der Frage des Seenationen -bedenklicher erscheinen als der der Gegenpartei; die Verhandlungen der -Kabinette näherten sich infolgedessen immer mehr einer neuen Allianz gegen -Frankreich, und wieder wurde Wilhelm III. von England die Seele dieser Bewegung. -England und Holland fürchteten ganz besonders, wenn ein Bourbon den Thron Spaniens -bestieg, den Einfluß Frankreichs in den spanischen Niederlanden, ein französisches -Handelsmonopol im spanischen Amerika und die Beherrschung der Straße von Gibraltar -zugunsten Frankreichs; dieses erschien ihnen sowohl im Hinblick auf den Handel wie -vom militärischen Standpunkte aus gefährlich; hatte ihnen doch im letzten Kriege -Cadiz als Stützpunkt gegen die Verbindung der französischen Streitkräfte von Toulon -und Brest gedient.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_488" id="Page_488">[488]</a></span></p> - -<p>Die Seenationen machten nun zunächst einen <em class="gesperrt">Vermittlungsvorschlag</em> -(im Haag 1688): Joseph, der Kurprinz von Bayern, sollte -Spanien, Indien und die Niederlande erben; an Karl, des Kaisers Sohn, sollten -Mailand und an einen Sohn Ludwigs Neapel und Sicilien fallen. So waren -alle Erbberechtigten bedacht, und auch sie erreichten ihren Zweck; Frankreich -erhielt zwar eine stärkere Stellung im Mittelmeer, aber dieser glaubten die -Regierungen der Seestaaten gewachsen zu sein. Ludwig ging auf diesen Vorschlag -ein, vielleicht nur um im Bunde mit England und Holland den Kaiser -zu schrecken oder um für seine Umtriebe in Madrid Zeit zu gewinnen. Der -Kaiser jedoch widersetzte sich, da er seiner Familie gerade die Mittelmeerstellung -erhalten wollte, und alles flog in die Luft, als der Kurprinz 1699 -plötzlich (an Gift?) starb.</p> - -<p>In Spanien war die öffentliche Meinung gegen jede Lösung der Frage, -die das Reich zersplitterte, und der Partei der Königin gelang es, den König -zu bestimmen, in seinem Testament (Oktober 1700) <em class="gesperrt">Philipp von Anjou</em> -als Thronfolger einzusetzen; der König starb am 1. November 1700. Ludwig -XIV. erkannte das Testament an, ohne auf seine Verhandlungen mit den -Seemächten Rücksicht zu nehmen; er ließ seinen Enkel zum König ausrufen -und sandte ihn im Januar 1701 nach Spanien. Anjou fand dort keinen Widerstand, -er zog im April als König Philipp V. feierlich in Madrid ein; auch in -Mailand und Neapel wurde er anerkannt, ebenso vom Papst und von Mantua. -Er war aber ganz auf Frankreichs Unterstützung angewiesen, da in Spanien -Heer und Flotte gänzlich verfallen waren.</p> - -<p class="small">Bei seiner Abreise sagte ihm Ludwig: „Sei ein guter Spanier, das ist deine erste -Pflicht, aber vergiß auch nicht, daß du ein geborener Franzose bist, um stets die Verbindung -zwischen beiden Ländern und damit den Frieden Europas aufrecht zu erhalten.“ -Ludwig frohlockte auch schon mit dem Ausspruch: „Es gibt keine Pyrenäen mehr!“ -Sein Triumph war berechtigt: die Vereinigung der Länder beim Hause Bourbon versprach -große Vorteile für Frankreich, schon weil dieses dadurch einen alten Feind im Rücken -verlor, der trotz seiner Schwäche oft die Erweiterungspläne nach Osten behindert hatte. -Tatsächlich haben ja auch die beiden Königreiche dann lange Zeit, mit nur kurzer -Unterbrechung, in einem auf Familienbeziehungen beruhenden Bündnisse gelebt, -das nur wegen Spaniens Ohnmacht nicht gefährlich für das übrige Europa -wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nun drohte der Krieg</em>; die Bevölkerung der Seestaaten wollte -aber nach den Leiden des letzten Kampfes noch Ruhe haben. Man versuchte -deshalb, Ludwig zu einigem Nachgeben zu bewegen, und machte einen neuen -Vermittlungsvorschlag, nach dem Anjou Spanien behalten sollte, aber Frankreich -keine Handelsbevorzugung in den Kolonien gewähren dürfe; die -italienischen Provinzen sollten sämtlich an Karl fallen, wodurch dem vorhin -erwähnten Anspruch des Kaisers genügt wäre. Den Seemächten erschien -es für ihre maritimen Interessen weit unbedenklicher, Süditalien in habsburgischen -Händen zu sehen als in bourbonischen; es ist bemerkenswert, -daß diese Lösung der Frage annähernd schließlich das Ergebnis des zehnjährigen -Krieges wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_489" id="Page_489">[489]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. war aber inzwischen schon weiter gegangen, indem er -im Februar, im Einverständnis mit dem spanischen Statthalter, aus den -Festungen der spanischen Niederlande die holländischen Besatzungen vertrieben -hatte, die dort nach altem Vertrage zum Schutze dieser Provinz und -somit Hollands selbst lagen. Nun begann Holland zu rüsten und auch der -Kaiser sammelte Truppen (Prinz Eugen), um sich die Lombardei zu sichern. -Ludwig sandte sofort ein Heer (Catinat) nach Oberitalien, um den Österreichern -den Weg zu verlegen; hier begann der Krieg schon im Mai 1701.</p> - -<p class="small">Der Kaiser war zunächst noch in bedrängter Lage. Infolge der Türkenkriege war -der Schatz erschöpft und in Ungarn erforderten neue Unruhen ein Heer; Ludwig hatte -Savoyen sowie die Kurfürsten von Bayern und Köln für sich gewonnen, auch ganz -Italien stand gegen den Kaiser; mit ihm gingen allerdings die meisten anderen deutschen -Fürsten, besonders Preußen und Hannover, die er sich durch Gewährung der Königs- -und Kurfürstenwürde verpflichtet hatte.</p> - -<p>Die neuen Versuche der Seemächte, auf friedlichem Wege ihren Zweck -zu erreichen, hatten auch keinen Erfolg. Ludwig gab nicht nach, und wie -Holland genötigt war, zu seinem eigenen Schutze zu rüsten, so wurde auch -in England die Stimmung feindlicher. Schon der erste Teilungsvorschlag -war hier dem Volke nicht genehm gewesen, weil durch ihn Neapel und Sicilien -unter französischen Einfluß gekommen wären; jetzt sprach sich das Parlament -offen gegen jede Lösung der Frage aus, die Frankreichs Herrschaft im Mittelmeer -stärke, und gab dem Könige freie Hand, eine neue große Allianz gegen -Ludwig XIV. herbeizuführen. Im September 1701 schlossen <em class="gesperrt">die Seemächte</em> -einen geheimen Vertrag mit dem <em class="gesperrt">Kaiser</em>, in dem folgende -<em class="gesperrt">Grundzüge für einen bevorstehenden Krieg</em> niedergelegt -wurden: Besetzung der spanischen Niederlande zum Schutze Hollands; -Eroberung der italienischen Provinzen für den Kaiser; Berechtigung der -Seemächte, außereuropäische spanische Besitzungen für sich zu erobern. -Keiner der Verbündeten solle allein mit Frankreich in Unterhandlung treten -und ohne sicherzustellen, daß niemals Frankreich Spanisch-Indien erhielte -oder dort Handelsbeziehungen anknüpfe, endlich daß England und Holland -die Handelsvorrechte behielten, die sie unter dem verstorbenen Könige besessen -hatten. Diese Bedingungen entsprachen also dem letzten Teilungsvorschlage: -Anjou wurde als König anerkannt, aber die Seenationen sicherten -sich große maritime Vorteile und berücksichtigten doch die Ansprüche des -Kaisers — deutsche Truppen mußten ja in erster Linie den Landkrieg führen.</p> - -<p>Zum Ausbruch des allgemeinen Krieges kam es aber noch immer nicht. -Holland wollte nicht ohne England losschlagen, und hier konnten sich die -Handelskreise noch nicht entschließen, noch nicht von dem Eindruck der -Verluste im letzten Kriege freimachen. In diesem kritischen Augenblicke -starb Jakob II. (16. Dezember 1701) und Ludwig ließ sich bewegen, trotz der Bedingung -im Frieden von Ryswijk dessen Sohn als König Jakob III. von -England anzuerkennen. Dies faßte das englische Volk als Drohung und -Beleidigung auf, und das Parlament bewilligte jetzt alle verlangten Mittel -zum Kriege sowie Subsidien für Deutschland. Wilhelm III. starb zwar am<span class="pagenum"><a name="Page_490" id="Page_490">[490]</a></span> -8. März 1702, doch die Königin Anna blieb seiner Politik treu; der Herzog -von Marlborough wurde nicht nur in England, sondern für die Verbündeten -überhaupt, die in diesem Kriege treibende Persönlichkeit, wie es früher Wilhelm -von Oranien gewesen war. In den Niederlanden, wo kein neuer Statthalter -gewählt wurde, gelang es dem Ratspensionär der Staaten von Holland, -Heinsius, die Politik im Sinne Wilhelms fortzuführen. <em class="gesperrt">Im Mai 1702 wurde -der Krieg erklärt.</em></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Kriegserklärung</em> erging: von Holland an die Könige von Frankreich -und Spanien; von England an den König von Frankreich und an Spanien, da Anna nach -der Proklamation Jakobs zum Könige von England Philipp nicht mehr als Herrscher -anerkannte; vom Kaiser an den König von Frankreich und an Philipp von Anjou, da -er Spanien als Eigentum seines Hauses ansah.</p> - -<p>In dem Kriegsplane der Verbündeten trat bald eine, für uns besonders -wichtige, Veränderung ein. Im Jahre 1703 wurde von allen Verbündeten -<em class="gesperrt">Karl von Österreich</em> als Karl III. zum Könige von Spanien ausgerufen. -<em class="gesperrt">Portugal</em> trat dem Bunde bei und Karl sollte mit Unterstützung -dieses Landes sowie der Seemächte sein Reich erobern. In Spanien hatte er -besonders in Katalonien und Aragonien Anhänger, während die südlichen -Provinzen und besonders Kastilien auf seiten Philipps standen.</p> - -<p class="small">Der König von Portugal, <em class="gesperrt">Dom Pedro</em> II., hatte aus Furcht vor Frankreich -Anjou anerkannt, obgleich er im Herzen sein Gegner war; auch er fürchtete für die Zukunft -den wachsenden Einfluß Frankreichs in Spanien. Österreich versprach ihm nun -Abtretung spanischen Gebietes, England Geldhilfe. Er wollte sich aber nicht erklären, -ehe nicht Karl in Lissabon gelandet und damit den Verbündeten die Verpflichtung -erwachsen sei, auch auf der Pyrenäischen Halbinsel in einen Landkrieg einzutreten.</p> - -<p class="small">Gleichzeitig schlossen Portugal und England den <em class="gesperrt">Methuen-Vertrag</em> — benannt -nach dem die Verhandlungen führenden englischen Gesandten —, des Inhalts, daß -England sich verpflichtete, die Einfuhr der Weine Portugals, Portugal die der englischen -Fabrikate zu begünstigen. Wenn der Vertrag auch scheinbar beiden Teilen gleich günstig -war, so brachte er doch tatsächlich den Handel Portugals ganz in Englands Hände und -führte das Gold Brasiliens über Lissabon nach England; ein Vorteil, der schon in diesem -Kriege von Nutzen und von Wichtigkeit wurde.</p> - -<p class="small">Von dieser Zeit an blieb Portugal notgedrungen, weil es von England mehr zu -hoffen und mehr zu fürchten hatte als von irgend einer anderen Macht, ein treuer Bundesgenosse -Englands, mit dessen Häfen als Stützpunkten die englische Seemacht rechnen -konnte.</p> - -<p>Damit wurden die Seemächte in einen großen Landkrieg auf der Pyrenäischen -Halbinsel verwickelt und mußten ihre Seestreitkräfte vornehmlich -dafür verwenden, während sich bei der einfachen Durchführung des -Vertrages vom September 1701 die Kriegführung zur See wohl neben dem -Mittelmeer in großem Maße auf die überseeischen Gewässer und die Kolonien -erstreckt haben würde. Wenn bisher mehrfach gesagt ist, in diesem Falle -würden die Seestreitkräfte im Mittelmeer nicht nötig gewesen sein, so ist dies -nicht richtig. Auch nach dem ersten Kriegsplane lagen wichtige Aufgaben -für die Flotten im Mittelmeer, und es dürfte jetzt kein Zweifel mehr sein,<a name="FNanchor_255_255" id="FNanchor_255_255"></a><a href="#Footnote_255_255" class="fnanchor">[255]</a><span class="pagenum"><a name="Page_491" id="Page_491">[491]</a></span> -daß Wilhelm III. und nach ihm Marlborough vom Beginn des Krieges an und -während seines ganzen Verlaufes eine Stärkung der Macht Englands im -Mittelmeer im Auge hatten, insbesondere die Beherrschung der Straße von -Gibraltar; schon bei den Verhandlungen über die Teilung Spaniens verlangte -Wilhelm, daß England einen Hafen an der Straße (Ceuta oder Oran) sowie -einen oder zwei innerhalb dieser (z. B. Port Mahon) erhalten müsse, wenn ein -französischer Prinz den Thron Spaniens bestiege.</p> - -<p>Auch der <em class="gesperrt">Herzog von Savoyen</em>, der anfangs auf französischer -Seite stand, trat 1703 der großen Allianz bei; aus dem hochmütigen Auftreten -Philipps V., seines Schwiegersohnes, ihm gegenüber schloß er, daß er sich -auf Versprechungen Ludwigs doch nicht verlassen könne.</p> - -<p><b>Der allgemeine Verlauf des Krieges.</b> Der Landkrieg spielte sich in den -Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien ab. Nur auf den beiden -letztgenannten Kriegsschauplätzen griffen die Seestreitkräfte in den Kampf -ein, es ist aber doch nötig, einen Überblick über den Gesamtkrieg zu geben — -in dem so viele berühmte Generale fochten —, um den Einfluß des Seekrieges -zu verstehen und zu würdigen.</p> - -<p><b>Im Jahre 1701</b> besetzte Ludwig XIV. die spanischen Niederlande und -sandte ein Heer unter Marschall <em class="gesperrt">Catinat</em> nach Italien, um den Österreichern -unter Prinz Eugen bei der Veroneser Klause den Weg nach der -Lombardei zu verlegen; <em class="gesperrt">Prinz Eugen</em> aber gelang es, über die Gebirge -den Feind zu umgehen und im Mai bei Verona in seinem Rücken zu erscheinen. -Obgleich weit schwächer, brachte er dann durch den Überfall bei Carpi (9. Juli) -seinem Gegner eine Schlappe bei und schlug, als Catinat infolgedessen abberufen -war, den weit weniger fähigen Marschall Villeroi bei Chiari (1. September), -ja nahm ihn sogar durch Überfall bei Cremona (2. Februar 1702) -gefangen.</p> - -<p>Auch das ganze <b>Jahr 1702</b> hindurch hielt sich Eugen gegen den Marschall -<em class="gesperrt">Vendôme</em>; 1703 wurde der Prinz als Präsident des Hofkriegsrates nach -Wien berufen und bald darauf zur Niederwerfung des Aufstandes nach Ungarn -gesandt.</p> - -<p>Im Frühjahr 1702 begann der Krieg in den Niederlanden und in Deutschland. -Der Herzog von <em class="gesperrt">Marlborough</em> sollte mit einem englisch-holländischen -Heere die spanischen Niederlande erobern und <em class="gesperrt">Ludwig von -Baden</em> gleichzeitig ein Reichsheer gegen Frankreich führen. Marlborough, -durch Brandenburg von Cleve her unterstützt, fiel ins Kölnische ein und -nahm Bonn; in den Niederlanden wurde er durch die vielen Festungen aufgehalten -und konnte nicht vordringen, um Baden zu unterstützen. Dieser -eroberte zwar Landau und schlug die Franzosen, die ihn umgehen wollten, -zurück; er konnte aber nicht hindern, daß der Kurfürst <em class="gesperrt">Max Emanuel</em> -mit den Bayern ihn im Rücken bedrohte und die feste Reichsstadt Ulm -besetzte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flotte der Verbündeten</em> unternahm 1702 einen fruchtlosen -Angriff auf Cadiz (August-September) und vernichtete die Silberflotte<span class="pagenum"><a name="Page_492" id="Page_492">[492]</a></span> -in Vigo (23. Oktober). Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, Portugal -auf seiten der Gegner Frankreichs zu bringen; er zeigte ihm, daß eine die See -beherrschende Macht (England) mehr Einfluß auf sein Schicksal habe als -die Nachbarlandmacht (Spanien).</p> - -<p><b>1703</b> vereinigte Marschall <em class="gesperrt">Villars</em> die französische Rheinarmee mit -der bayerischen an der oberen Donau; Ludwig von Baden würde den Gegnern -erlegen sein, wenn diese einig gewesen wären. Aber der Kurfürst trennte -sich von Villars und wandte sich nach Tirol, um sich mit Vendôme in Italien -zu vereinigen. Er kam in dem von Truppen entblößten Lande bis zum Brenner, -wurde dann durch das aufgestandene Volk unter schweren Verlusten -(z. B. die Steinüberschüttung an der Pontlatzer Brücke) wieder verjagt. -<em class="gesperrt">Vendôme</em>, der von Italien aus in Tirol eindringen wollte, war vom Grafen -Starhemberg, Eugens Nachfolger, weiter festgehalten. Auf diesem Kriegsschauplatze -fanden die Österreicher jetzt Unterstützung an Savoyen, wenn -auch dessen Herzog (sein Land von den Franzosen besetzt, Turin belagert, -das Heer entwaffnet) sich zunächst auf den kleinen Krieg im Rücken der -Franzosen beschränkt sah.</p> - -<p><b>1704</b> machte Ludwig XIV. die größten Anstrengungen, eine baldige -Entscheidung herbeizuführen, waren doch Portugal und Savoyen zu den Gegnern -getreten; die Seemächte bereiteten einen Angriff von Portugal aus auf Spanien -vor, mit Savoyen hatte er seine Rückendeckung in Italien verloren. <em class="gesperrt">Vendôme</em> -stand in Italien mit 60000 Mann, <em class="gesperrt">Villeroi</em> in gleicher Stärke -in den Niederlanden, der Hauptschlag sollte in Deutschland geführt werden. -Hierzu waren 100000 Mann aufgeboten; sie standen zum Teil, mit den Bayern -vereint, unter <em class="gesperrt">Marzin</em> bei Augsburg, zum Teil unter <em class="gesperrt">Tallard</em>, der -Marzin verstärken sollte, endlich unter <em class="gesperrt">Coigny</em> an der Mosel den Brandenburgern -im Clevischen gegenüber. <em class="gesperrt">Baden</em> stand mit nur 30000 Mann -zwischen Marzin und Tallard in den Stollhofer-Linien. Zwar rückte <em class="gesperrt">Prinz -Eugen</em> heran, um ihm Luft zu machen, aber nur mit 20000 Mann. Aus -dieser schwierigen Lage wurden die Verbündeten durch das selbständige -Eingreifen ihrer beiden größten Feldherren, <em class="gesperrt">Eugen und Marlborough</em>, -die sich behufs Vereinigung in Einverständnis gesetzt hatten, befreit; der -englische General war bereit, auf der gefährdeten Stelle zu erscheinen. Es -war schwierig, denn in England durfte es nicht bekannt werden, weil Ludwig -XIV. sonst sofort Kenntnis davon erhalten hätte, und die Generalstaaten -wollten das Heer in den Niederlanden nicht geschwächt haben. Aber mit -dem Ratspensionär Heinsius im Einverständnis ließ Marlborough nur die -Holländer Villeroi gegenüberstehen und marschierte (im Mai) mit den englischen -und den von Holland besoldeten deutschen Truppen nach dem Neckar. -Wenn nun auch Villeroi zu Tallard eilte und Tallard Verstärkungen für Marzin -absandte, so wurde dieser doch abgehalten, weiter auf Wien zu marschieren; -er wandte sich nach Ulm, um Tallard zu erwarten.</p> - -<p>Eugen, Marlborough und Baden vereinigten sich bei <em class="gesperrt">Groß-Heppach</em> -im Remstal. Baden, der gegen eine entscheidende Schlacht war, beanspruchte<span class="pagenum"><a name="Page_493" id="Page_493">[493]</a></span> -anfangs den Oberbefehl, doch einigte man sich darüber, diesen -abwechselnd zu führen. Man rückte gegen Donauwörth vor, und als Marlborough -am 2. Juli kommandierte, schlug er die Bayern am Schellenberge; -Baden ward dann veranlaßt, Ingolstadt zu belagern. <em class="gesperrt">Eugen und Marlborough</em> -schlugen <em class="gesperrt">bei Höchstädt</em> (Blindheim; englisch Blenheim) -am 13. August mit 52000 Mann das feindliche Heer, 58000 Mann, unter -Max Emanuel, Marzin und Tallard, ehe der schon in der Nähe befindliche -Villeroi herankam. Tallard wurde mit 12000 Mann gefangen genommen; -der Kurfürst und Marzin flohen auf Villeroi zurück; Ulm wurde den Bayern, -Landau den Franzosen abgenommen. Die Sieger waren aber nicht stark -genug, ihren Erfolg auszunutzen, doch wurde mit Höchstädt Deutschland -von den Franzosen gesäubert und blieb in der Folge nur noch ein untergeordneter -Kriegsschauplatz; Max Emanuel wurde geächtet — er führte später -französische Heere in den Niederlanden — und Bayern trat von der französischen -Verbindung zurück.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Tätigkeit der verbündeten Seestreitkräfte</em> -bestand im Jahre 1703 der Hauptsache nach nur darin, die französische -Flotte in Toulon festzuhalten, im Jahre 1704 aber war sie von großer Bedeutung. -Eine Flotte brachte Karl III. nach Lissabon, eroberte <em class="gesperrt">Gibraltar</em> -und trieb die französische, die diese Stadt decken oder wiedernehmen sollte, -durch die <em class="gesperrt">Schlacht bei Malaga</em> — die einzige Seeschlacht dieses -Krieges — zurück; damit war die Erringung einer dauernden Seeherrschaft -im Mittelmeer eingeleitet. Der Landkrieg in Spanien wurde in diesem Jahre -nur erst schwach an der portugiesischen Grenze geführt.</p> - -<p><b>Im Jahre 1705</b> sollte <em class="gesperrt">Marlborough</em> die spanischen Niederlande, -<em class="gesperrt">Eugen</em> Italien von den Franzosen säubern, es gelang aber nicht; der Tod -des Kaisers Leopold (11. Januar) trat verzögernd dazwischen, die Holländer -zeigten sich lau, Eugen war nicht stark genug. Besser stand es auf der -Pyrenäischen Halbinsel. Hier wurde die Wiedereroberung Gibraltars, schon -seit dem Winter 1904 durch ein spanisches Heer unter dem französischen -Marschall Tessé belagert, durch das Wintergeschwader der Verbündeten -vereitelt und Spanien von zwei Seiten angegriffen. Das Vordringen von -Portugal aus gegen Tessé kam zwar nicht vorwärts, aber mit Hilfe einer -großen Flotte wurde Barcelona genommen (3. Oktober) und von hier aus -Katalonien, Aragonien und Valencia erobert. Zwar sandte Ludwig XIV. -früh <b>im Jahre 1706</b> ein Heer unter <em class="gesperrt">Noailles</em> nach Spanien, das von Norden -her gegen Katalonien vorging, während <em class="gesperrt">Tessé</em> von Westen herankam, und -König Karl wurde auf Barcelona zurückgeworfen und dort mit Unterstützung -einer französischen Flotte belagert. Aber auch diese Stadt entsetzte die -verbündete Flotte (10. Mai), die französische Armee ging nach Frankreich -zurück, die Verbündeten drangen von Portugal aus vor und zogen in Madrid -ein (26. Juni); König Philipp floh nach Frankreich. In diesem Jahre wurden -auch sonst Erfolge errungen. <em class="gesperrt">Marlborough</em> schlug Villeroi bei -<em class="gesperrt">Ramillies</em> (23. Mai); <em class="gesperrt">Prinz Eugen</em>, durch Brandenburger<span class="pagenum"><a name="Page_494" id="Page_494">[494]</a></span> -unter <em class="gesperrt">Leopold von Dessau</em> verstärkt, drängte die Franzosen unter -dem Herzog von Orleans (Nachfolger Vendômes) zurück und warf sie durch -die <em class="gesperrt">Schlacht vor Turin</em> (7. September) ganz aus Norditalien hinaus. -Nur am Rhein konnte Ludwig von Baden kaum seine Stellung Villars gegenüber -behaupten, da die Reichsstände ihre Kontingente nur unvollständig -stellten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Eingreifen der Flotte</em> war in diesen beiden Jahren von -großer Bedeutung: Entsatz von Gibraltar; Überführung des Heeres nach -Katalonien; Eroberung Barcelonas und anderer Küstenstädte, sowie Mallorcas; -Entsatz Barcelonas. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß die -Erfolge stets im Winter wieder auf dem Spiele standen, wenn sich die Flotte -zurückzog, weil man nicht wagte, sie im Mittelmeer überwintern zu lassen.</p> - -<p><b>1707</b> stand Frankreich also sehr ungünstig da und wäre vielleicht niedergezwungen, -wenn ein <em class="gesperrt">Plan Marlboroughs</em> durchgeführt wäre. Dieser -geniale Feldherr und Staatsmann versuchte schon seit Beginn des Jahres -1706, die verbündeten Regierungen zu einem Hauptangriff auf die Provence -zu bewegen, um die lange französische Stellung von den Niederlanden bis -Spanien in der Mitte zu durchbrechen und Frankreich auch im Mittelmeer von -allen Zufuhren abzuschneiden, wie es an den anderen Küsten schon nahezu -geschehen war. Prinz Eugen sollte mit dem Herzog von Savoyen, verstärkt -durch englisch-holländische Truppen und unterstützt von der Flotte, den -Stoß ausführen, gleichzeitig sollte ein kräftiger Vorstoß in den Niederlanden -erfolgen und der Krieg in Spanien möglichst gefördert werden; auch mit einer -stark wieder auflodernden Erhebung der Protestanten in den Cevennen, -die 1703 entstanden und eben erst in der Hauptsache unterdrückt war, wurde -gerechnet. Der Plan kam nicht zur vollen Durchführung: Der Vorstoß in -den Niederlanden unterblieb; Eugen wurde nach seinen Erfolgen 1706 -nicht nur nicht verstärkt, sondern sogar durch Abgabe von Truppen zur -Eroberung Neapels für Karl III. (1707) geschwächt. Eugen drang zwar in -die Provence ein und belagerte Toulon, beides unterstützt durch die Flotte, -mußte aber nach Italien zurückgehen (Juli–August). Marlborough machte -in den Niederlanden 1707 noch einige Fortschritte, am Rhein dagegen drangen -die Franzosen nach Ludwigs von Baden Tode (Januar 1707) vor und wurden -nur dadurch gehemmt, daß sie Truppen nach Toulon senden mußten. Der -Vorstoß in die Provence hatte sonst nur den einzigen unmittelbaren Erfolg, -daß die Franzosen eine große Zahl ihrer Linienschiffe in Toulon, die sie versenkt -hatten, verloren.</p> - -<p>Auch in Spanien hatte sich das Blatt schon im Herbst 1706 gewandt. -Die Verbündeten konnten sich in Kastilien nicht halten, da sich das Volk -erhob und ein neues französisches Heer erschien. Sie zogen nach Katalonien -ab und Philipp V. traf wieder in Madrid ein (Oktober 1706). Bei dem Versuch -1707, unter dem Earl of Galway wieder gegen Madrid vorzudringen, wurden -sie bei Almansa (25. April) geschlagen und ganz Spanien fiel bis auf Katalonien -an Philipp zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_495" id="Page_495">[495]</a></span></p> - -<p>Schon 1707 war Ludwig XIV. zum Frieden geneigt; er unterhandelte, -geheim und getrennt, mit dem Kaiser und mit England. Jener sah sich ungenügend -vom Reiche unterstützt und hatte Aussicht, wenigstens Italien -zu erhalten; in England war man gleichfalls wegen der Rückschläge in Spanien -und wegen des Fehlschlages auf Toulon teilweise geneigt, doch Marlborough -arbeitete dagegen und es wurden dann auch dem Kaiser neue Versprechungen -gemacht. Marlborough hatte für England recht, das Ausharren sollte im -nächsten Jahre belohnt werden.</p> - -<p><b>Im Jahre 1708</b> schlugen <em class="gesperrt">Marlborough und Eugen</em> den Marschall -Vendôme bei <em class="gesperrt">Oudenaarde</em> (11. Juli), viele Festungen fielen in ihre Hand -und die Franzosen wurden aus Flandern sowie Brabant vertrieben. In -Spanien machten die Franzosen kaum noch Fortschritte, dagegen wurde -Sardinien und Minorca für König Karl erobert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Tätigkeit der Seestreitkräfte</em> war 1707 und 1708 -zuerst eng an den Landkrieg geknüpft. Sie führten Verstärkungen von England -und Holland nach Spanien, begleiteten längs der Küste den Vor- und Rückmarsch -Eugens und wirkten bei der Belagerung Toulons mit; später sicherten -sie die Überführungen deutscher Truppen von Italien nach Katalonien. Dann -aber brachte die Flotte die Insel Sardinien unter Karls Oberhoheit (August -1708) und unterstützte die von Katalonien ausgehende (General Stanhope, -September) Einnahme Minorcas. England sicherte sich wie bei Gibraltar -durch alleinige Besetzung <em class="gesperrt">Port Mahon</em> als Stützpunkt.</p> - -<p>Zu Ende des Jahres 1708 war Ludwig in größter Bedrängnis: Italien -und die Niederlande verloren; Spanien nur eben zu halten; das Heer geschwächt -und das Land erschöpft. Er entschloß sich zu demütigenden Friedensverhandlungen; -er wollte für Philipp nur Neapel behalten, das Elsaß, Straßburg, -Lille, Tournay zurückgeben. Als ihm aber zugemutet wurde, selbst seinen -Enkel mit französischen Truppen aus Spanien zu vertreiben, setzte er den -Krieg fort; es sollte jetzt auch ein Umschlag eintreten.</p> - -<p><b>1709</b> errangen zwar Eugen und Marlborough nochmals einen großen -Sieg bei <em class="gesperrt">Malplaquet</em> über Villars (11. September). Ludwig mußte seine -Truppen aus Spanien zurückziehen, Karl III. drang wieder vor, siegte später -(20. August 1710) bei Saragossa und zog jetzt endlich in Madrid ein. Philipp -mußte aufs neue fliehen und auch Ludwig riet ihm nun, Spanien aufzugeben -und sich mit Sicilien und Sardinien zu begnügen. Aber Philipp blieb -im Vertrauen auf die Kastilier standhaft und auch Vendôme zog wieder zu -Felde. Die Lage war günstiger geworden. <b>Im Jahre 1710</b> begann der Bund -gegen Frankreich zu verfallen. In England kam die Gegenpartei Marlboroughs -ans Ruder, sie war gegen die Fortsetzung des Krieges. Auch im Volke war -man zum Frieden geneigt; man war überzeugt, schon jetzt für sich so günstige -Bedingungen zu erreichen, daß ein Mehr den weiteren Opfern nicht entsprechen -würde. So begannen Unterhandlungen zwischen England und Frankreich, -die eifriger betrieben wurden, als Kaiser Joseph (17. April 1711) starb. Karl III. -kam dadurch auf den österreichischen Thron und auch seine Wahl zum Kaiser<span class="pagenum"><a name="Page_496" id="Page_496">[496]</a></span> -war vorauszusehen; England konnte aber nicht zulassen, daß jetzt Spanien -mit Österreich vereinigt würde.</p> - -<p>Dementsprechend gab England <b>1711</b> die Sache Karls in Spanien auf; -diese war schon dadurch fast unhaltbar geworden, daß Vendôme im Dezember -1710 den österreichischen General Starhemberg bei Villa Viciosa völlig geschlagen -und bald darauf den Engländer Stanhope mit seinen Truppen gefangen -genommen hatte. Karl III. verließ Ende September 1711 Spanien -und wurde am 12. Oktober als Karl VI. zum Kaiser gewählt. Schon am -8. Oktober ward zwischen England und Frankreich im geheimen ein gegenhabsburgischer -Vertrag geschlossen und bald darauf eröffnete man die Friedensverhandlungen. -Vergebens ging <b>1712</b> (Januar) <em class="gesperrt">Prinz Eugen</em> nach -England, um für seinen Freund Marlborough und für die gemeinschaftliche -Sache einzutreten. Marlborough fiel völlig in Ungnade und wurde vom -Kommando abberufen; sein Nachfolger unterstützte Eugen und die Holländer -nicht mehr, sie wurden von Villars geschlagen (27. Juli bei Denain) und zurückgedrängt, -Als dann Philipp V. auf die Thronfolge in Frankreich verzichtete -und Ludwig XIV. diesem Verzicht staatsrechtliche Gültigkeit verlieh, wurde -zwischen England (nebst Portugal) und Frankreich (nebst Spanien) Waffenstillstand -geschlossen; der Friedenskongreß in Utrecht wurde eröffnet, dem -Holland notgedrungen beitrat.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Flotte der Verbündeten</em> fielen in den letzten Jahren -des Krieges nur wenig in die Augen springende Aufgaben zu: Deckung von -Truppen- und Zufuhr-Transporten von Italien nach Spanien; Hinderung -der Verbindung Frankreichs über See mit Spanien, Afrika und der Levante; -Druck auf die bourbonisch gesinnten Staaten Italiens. Diese Aufgaben -ließen sich jetzt von Port Mahon, wo die Flotte ausrüsten und überwintern -konnte, weit besser und vor allem ständig durchführen.</p> - -<p>Wir haben die erfolgreiche Mitwirkung der Seestreitkräfte der Verbündeten -während der ganzen Dauer des Krieges angedeutet. Daß <em class="gesperrt">die französische -Marine</em> ihnen nicht wirksamer entgegentrat, lag vornehmlich an ihrem -Verfall infolge Geldmangels (vgl. Seite <a href="#Page_425">425</a>). In der ersten Hälfte des -Krieges wurden ihr noch einige Male (1701, 1704, 1706) Aufgaben von Wichtigkeit -gestellt. Sie konnte diese in ihrer Schwäche nicht lösen; das Vertrauen -zu ihr sank und mit zunehmender Vernachlässigung schritt der Verfall fort. -Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges wurde nur Tatkraft im kleinen -Kriege, besonders in den nördlichen Gewässern, entfaltet und auch dem -Handel der Seenationen schwerer Schaden zugefügt. Hiergegen und gegen -den französischen Handel operierten die Teile der englischen und holländischen -Marinen, die im Mittelmeer nicht nötig waren; es geschah dies mit immer mehr -Erfolg, weil auch hierin die Kraft der Franzosen nachließ und in den letzten -Jahren die Flotte im Mittelmeer vermindert werden konnte.</p> - -<p>Am 13. April 1713 wurde der <b>Frieden von Utrecht</b> geschlossen. <em class="gesperrt">Die -Bedingungen</em> waren ganz besonders günstig für England. Ludwig XIV. -mußte die von England in Aussicht genommene Thronfolge des Hauses<span class="pagenum"><a name="Page_497" id="Page_497">[497]</a></span> -Hannover anerkennen, wodurch die protestantische Regierung in England -gesichert war, und den Prätendenten Jakob ausweisen. England erhielt -Gibraltar und Minorca — Stützpunkte für seine Seemacht im Mittelmeer, -zu denen bei der engen Verbindung mit Portugal auch noch die Häfen dieses -Landes traten — sowie in Amerika Neufundland, Akadia (die Kap Bretoninsel, -der Schlüssel zum Lorenz-Golf verblieb noch bei Frankreich) und die französischen -Besitzungen an der Hudsonbai — der erste Schritt zum Gewinn -Kanadas. Von Frankreich und von Spanien erhielt England endlich sehr -günstige Handelsverträge bewilligt. Der wichtigste dieser war der Assiento-Vertrag, -durch den England allein von Spanien die Einfuhr von Negersklaven in -Spanisch-Amerika gestattet wurde; schon an sich lohnend, wurde dieser -Sklavenhandel noch wertvoller als Grundlage eines ungeheuren Schmuggelhandels. -Von Frankreich an Portugal gemachte Zugeständnisse in Südamerika -kamen ebenfalls England zugute.</p> - -<p>Philipp von Anjou behielt den spanischen Thron und Spanien seine -außereuropäischen Besitzungen; von den spanischen Niederlanden fielen -Geldern an Preußen, dessen Königtum gleichzeitig anerkannt wurde, die -übrigen Provinzen (Belgien) an den Kaiser, der auch Mailand, Neapel und -Sardinien erhielt; an den Herzog von Savoyen, dem man gleichfalls den -Königstitel zugestand, wurde Sicilien abgetreten.</p> - -<p>Holland erhielt das Besatzungsrecht einiger Städte Belgiens — die -„Barrierenstädte“, teils allein, teils im Verein mit Österreich —; die Sperrung -der Schelde im Interesse der holländischen Häfen blieb auch für den Handel -der jetzt österreichischen Niederlande bestehen; der Handelsvertrag mit -Frankreich gab Holland dieselben Vorrechte wie England.</p> - -<p>Das Deutsche Reich kam am schlechtesten weg. Die ungünstigen Bedingungen -des Friedens von Ryswijk wurden bestätigt, nur seinen rechtsrheinischen -Gewinn gab Frankreich zurück; die Kurfürsten von Bayern -und Köln wurden aus der Reichsacht gelöst und erhielten ihre Länder -wieder.</p> - -<p class="small">Die Bedingungen, die Österreich und das Deutsche Reich betreffen, wurden im -Frieden von Utrecht nur vorgeschlagen und erst in späteren Sonderfrieden bestätigt. -Der Kaiser setzte den Krieg fort; ohne die Subsidien der Seestaaten und von den -Reichsfürsten nur mangelhaft unterstützt — die östlichen und nördlichen Staaten des -Reiches waren in den nordischen Krieg (1700–1721; vgl. Kapitel X) verwickelt — -konnte er aber dem Andringen Frankreichs (Villars gegen Eugen) nicht mehr widerstehen. -Es schloß am 7. März 1714 den Frieden von Rastatt für Österreich und am -7. September den von Baden für das Reich mit Frankreich. Mit Spanien wurde von -Österreich der Frieden noch nicht geschlossen (erst 1720); Karl verzichtete also noch -nicht auf den spanischen Thron.</p> - -<p>„Der Frieden von Utrecht ist ein Markstein in der Geschichte.“ Von -ihm datiert Englands Vormachtstellung zur See; die von England gestellten -Forderungen zeigten, daß es in vollstem Maße eine Seemacht geworden und -sich dessen bewußt war. Wir kommen hierauf in den Schlußbemerkungen -zu diesem Kriege zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_498" id="Page_498">[498]</a></span></p> - -<p><b>Über die Streitmittel</b> (anschließend an Seite <a href="#Page_417">417</a> ff.).</p> - -<p>Da der Spanische Erbfolgekrieg der letzte große Seekrieg unseres dritten -Abschnittes ist, soll die innere Geschichte der drei großen Marinen hier gleich -bis zum Jahre 1739 fortgeführt werden. Wir haben sie kennen gelernt bis 1697; -Als genannter Krieg 1702 ausbrach, hatte sich kaum etwas geändert; -große Wandlungen aber sollten während des Krieges und in der Zeit bis zum -Beginn des nächsten Zeitabschnittes in den Marinen vor sich gehen: die alte, -stolze Marine Hollands verschwand nahezu ganz; die französische sank tiefer -und tiefer; die englische schritt fort auf ihrem Wege zur Beherrschung der Meere.</p> - -<p>In <b>Holland</b> beginnt mit dem Spanischen Erbfolgekriege der Verfall der -Marine.<a name="FNanchor_256_256" id="FNanchor_256_256"></a><a href="#Footnote_256_256" class="fnanchor">[256]</a> Wir haben gesehen, daß sie im vorigen Kriege noch mächtig dastand; -Wilhelm von Oranien war bestrebt, sie auch nach dem Frieden von -Ryswijk so zu erhalten, da er voraussah, daß der Friede nicht lange dauern -würde. Es handelte sich zunächst darum, die nötigen Mittel zu beschaffen, -da die Admiralitäten stark verschuldet waren, besonders die von Seeland, -Amsterdam und der Maas, die fast allein die Schiffe gestellt und während -des Krieges kaum von den eigenen Provinzen, geschweige denn von den Landprovinzen, -die zustehenden Gelder empfangen hatten.</p> - -<p class="small">Die Admiralität Amsterdam z. B. hatte von der Provinz Holland 4840000 Gulden -und von den andern 1900000 Gulden zu fordern; man war hier sogar den meisten Kapitänen -einen 8–17 monatliches Gehalt schuldig.</p> - -<p>Es gelang Wilhelm, die Generalstaaten zur Aufnahme einer Anleihe von -12 Millionen zu bewegen; die Admiralitäten wurden dadurch in den Stand -gesetzt, die Schiffe auszubessern, die Magazine zu füllen und ihren Kredit -wieder herzustellen. Man setzte den Bau der 18 Linienschiffe, die schon vor -dem Frieden bewilligt waren, fort und beschloß 1701 weitere 12 (II. und -III. Klasse) auf Stapel zu legen. Wilhelm brachte ferner die Formierung von -drei Regimentern Seesoldaten durch, die sich, wie die der englischen Marine; -im kommenden Kriege nicht nur an Bord, sondern auch am Lande in Spanien -sehr gut bewährten.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> hatte im vorigen Kriege meist gegen 90 Linienschiffe -betragen. Um 1700 waren infolge der Verluste und Ausrangierungen -nur noch 74 — darunter 15 I. Klasse, 80–96 Kanonen; 16 II. Klasse, 70 bis -74 Kanonen; 24 III. Klasse, 60–68 Kanonen — vorhanden, doch war durch -die Neubauten für baldigen Ersatz gesorgt. Die Marine hätte somit im Spanischen -Erbfolgekriege ebenso mächtig auftreten können wie im Pfälzischen -Erbschaftskriege, aber der Tod Wilhelms trat hindernd dazwischen. Da -kein neuer Statthalter gewählt wurde, zeigten sich die Übelstände der früheren -statthalterlosen Zeit aufs neue; der Ratspensionär von Holland war zwar -bestrebt, die Marine weiter zu pflegen, er besaß aber nicht den Einfluß, den -Oranien und auch de Witt besessen hatten. Mit der Statthalterwürde fiel<span class="pagenum"><a name="Page_499" id="Page_499">[499]</a></span> -auch die Stelle des Admiralgenerals weg, dessen Befugnisse wieder geteilt -an die Generalstaaten, an die Regierungen der Provinzen und an die Admiralitäten -übergingen; dem Seewesen fehlte der Mittelpunkt und die treibende -Kraft. Die Landprovinzen hatten wie früher kein Interesse oder kein Verständnis -für den Seekrieg, der fern im Mittelmeer geführt wurde, aber auch -die Seeprovinzen ließen sich öfters mehr von Privatinteressen — Schutz des -Handels — leiten. Den Admiralitäten wurden außergewöhnliche Mittel, -wie sie zum Bau und zur Indiensthaltung größerer Schlachtschiffe nötig waren, -nicht mehr bewilligt; die gewöhnlichen Mittel, die nur für die Erhaltung der -Schiffe zum Handelsschutz bemessen waren, gingen bald wieder unregelmäßig -und unvollständig, von den Landprovinzen häufig gar nicht ein; durch die -Indienststellungen für den Krieg gerieten die Admiralitäten bald wieder in -Schulden. So kam es, daß von 1701–1713 nur 21 Linienschiffe, nicht einmal -die Zahl der 1697 und 1701 bewilligten, gebaut wurden, obgleich Heinsius -1703, 1706, 1710 Neubauten beantragt hatte.</p> - -<p>Der Verfall der Marine trat schon bei den Rüstungen während des Krieges -zutage. Die Beratungen über die jährlichen Indienststellungen wurden spät -begonnen und träge geführt, das dann Beschlossene entsprach nicht der -Größe der Marine; die Ausführung wurde infolge Geldmangels verzögert, -ja blieb häufig hinter dem Beschlusse zurück. Die Engländer erhoben gegen -Ende des Krieges die Klage, Holland habe es anfangs an der Hälfte und von -1707 ab an 2/3 der nach der Abmachung zu stellenden Streitkräfte (England 5/8, -Holland 3/8 der gemeinsamen Flotte) fehlen lassen.</p> - -<p class="small">Wenn de Jonge, wie wir gehört haben, nachdrücklich Wilhelm von Oranien gegen -den Vorwurf in Schutz nimmt (vgl. Seite <a href="#Page_419">419</a>, <a href="#Page_422">422</a>), den Verfall der Marine verschuldet -zu haben, so sagt er doch von diesem und von Heinsius später, daß sie beim Eingehen -der Verbindlichkeiten für einen großen Land- und Seekrieg gleichzeitig die Kraft der -Niederlande überschätzt hätten. Der Landkrieg nahm die Mittel sehr in Anspruch, -für ihn stellte Holland ein weit größeres Kontingent als England. Der holländische -Seehandel litt nicht allein durch den eigenen Krieg, sondern auch durch ungünstige -Handelsverhältnisse in der Ostsee (nordischer Krieg; Epidemien an einzelnen Küsten -dort), so daß auch die reichen Seeprovinzen die großen Opfer nicht mehr aufbringen -konnten.</p> - -<p class="small">Es sind während des Krieges in Dienst gestellt, Linienschiffe:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="4" summary="p499"> - <tr> - <td>1702</td> - <td>20</td> - <td class="td19" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td rowspan="5">Mittelmeerflotte</td> - <td>15</td> - <td class="td19" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td rowspan="5">nördliche<br />Gewässer</td> - <td>1707</td> - <td>16</td> - <td class="td19" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td rowspan="5">Mittelmeerflotte</td> - <td>16</td> - <td class="td19" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td rowspan="5">nördliche<br />Gewässer</td> - <td rowspan="5">Ferner: 8 Fregatten bei<br /> -der Mittelmeerflotte und<br /> -30–40 Convoi-Begleitschiffe<br /> -jährlich.</td> - </tr> - <tr> - <td>1703</td> - <td>12</td> - <td>22</td> - <td>1708</td> - <td>14</td> - <td>17</td> - </tr> - <tr> - <td>1704</td> - <td>18</td> - <td>17</td> - <td>1709</td> - <td>14</td> - <td>16</td> - </tr> - <tr> - <td>1705</td> - <td>20</td> - <td>15</td> - <td>1710</td> - <td>14</td> - <td> 7</td> - </tr> - <tr> - <td>1706</td> - <td>18</td> - <td>12</td> - <td>1711</td> - <td>13</td> - <td>—</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Der Frage, wie weit hiernach die englische Klage berechtigt erscheint, werden wir -bei den Schlußbetrachtungen über den Krieg näher treten.</p> - -<p class="small">Kennzeichnend für die ungünstigen Verhältnisse aber ist, daß von 1707 an auf die -Flotte im Mittelmeer aus Sparsamkeit nur ein Admiral kommandiert wurde; man erinnere -sich an die übergroße Zahl der Flaggoffiziere auf den Flotten früherer Zeiten.</p> - -<p>So hatte der Ruf der holländischen Marine schon während des Spanischen -Erbfolgekrieges sehr gelitten, und es kann nicht wundernehmen, wenn die<span class="pagenum"><a name="Page_500" id="Page_500">[500]</a></span> -Engländer sie nicht mehr für voll ansahen, wenn bei gemeinschaftlichen -Unternehmungen die englischen Befehlshaber auf die holländischen, wie diese -häufig klagen, immer weniger Rücksicht nahmen.</p> - -<p>Immerhin hat die holländische Marine in diesem Kriege noch eine Rolle -gespielt, dann aber wurde ihr Verfall in wenigen Jahren ein vollkommener. -De Jonge sagt: „Der Frieden von Utrecht ist ein Wendepunkt in der Geschichte -der Niederlande im allgemeinen und in der der Marine im besondern. Bis -zu diesem Zeitpunkt sprach die Republik, gestützt auf ihre Seemacht, in allen -großen politischen Angelegenheiten, in allen Kriegen und bei allen Friedensschlüssen -ein gewichtiges Wort mit. Von jetzt an aber hält sie sich zurück, -vermeidet den Krieg mit Ängstlichkeit, schließt Verträge über Verträge -selbst mit Gefährdung der Ehre des Staates, um den Frieden zu erhalten, -und verwahrlost ihre Land- und Seestreitkräfte.“ Wir werden der Marine der -Niederlande von jetzt an nur noch als einer sehr untergeordneten begegnen, sie -war nicht mehr imstande, den an sie herantretenden Anforderungen zu genügen.</p> - -<p class="small">Nach Utrecht blieb die Lage der Admiralitäten in dem traurigen Zustande, wie er -nach dem Tode Oraniens eingetreten war. Außergewöhnliche Mittel wurden nicht mehr -bewilligt, die Landprovinzen zahlten Jahre hindurch nicht einmal die gewöhnlichen -Beiträge. Mühsam gelang es den Seeprovinzen, innerhalb der nächsten zehn Jahre -die Schulden ihrer Admiralitäten zu decken, darunter jahrelang rückständige Gehälter -der Offiziere sowie Pensionen für Witwen und Waisen.</p> - -<p class="small">Von 1715 an erforderte der nordische Krieg eine Machtentfaltung Hollands (und -Englands) in der Ostsee zum Schutze des Handels. In diesem Jahre gelang es noch, -12 Linienschiffe zu entsenden; 1716 waren es nur 2 Linienschiffe und 4 Fregatten, 1717 -kein Segel. Die Folge war, daß in diesem Jahre nur 200 Kauffahrer zur Ostsee gingen -gegen sonst 500. 1718 beabsichtigten die Generalstaaten deshalb, 30 Kriegsschiffe -auszurüsten, aber nur 12 waren aufzubringen. Ähnlich war es im Mittelmeer, wo seit -1716 die Belästigung des Handels durch die Raubstaaten wieder zunahm. Erst 1721 -konnte man 4 kleine Linienschiffe und 4 Fregatten dagegen aufstellen, später bis 1740 -nur noch kleine Divisionen von Fregatten. 1727 und 1729 entsandte man allerdings -5 und 9 Linienschiffe. Diese waren aber ursprünglich in Dienst gestellt, da man eine -Störung des europäischen Friedens befürchtete; welch unbedeutende Macht für einen -solchen Fall! Gegen die Seeräuber mußte man Kaperbriefe ausgeben und die alte Bestimmung, -nach der die Levantefahrer zum Selbstschutz stark armiert und bemannt -sein sollten, wieder streng durchführen.</p> - -<p>Man war nicht imstande, das Material in seiner Stärke zu erhalten; die -Schiffe verrotteten auf den vernachlässigten Werften und der Ersatzbau -war ganz unbedeutend. Bis 1723 wurden nur in Amsterdam 9 Schiffe gebaut, -dann bis 1740 bei allen Admiralitäten etwa 50, unter allen diesen nur 30 Linienschiffe. -Um 1740, bei Beginn des nächsten Abschnitts, war der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em>: -1 zu 90 Kanonen, 1699 erbaut und in Seeland wohl nur deshalb -erhalten, weil diese Provinz das Flottenflaggschiff zu stellen hatte; 5 zu 72 Kanonen, -darunter 3 von 17151719 erbaut; 8 zu 64 Kanonen, 15 zu 52 bis -58 Kanonen. Insgesamt waren 29 Linienschiffe und 22 kleinere Fahrzeuge -vorhanden, von denen 14 und 17 zu Amsterdam gehörten.</p> - -<p>In gleicher Weise ging das <em class="gesperrt">Personal</em> zurück. Bei den geringen Indienststellungen -verließen in den Jahren nach dem Kriege viele Offiziere,<span class="pagenum"><a name="Page_501" id="Page_501">[501]</a></span> -Deck- und Unteroffiziere, den Dienst, um zu den großen Kompagnien oder -ins Ausland zu gehen; der Dienst wurde nicht mehr gesucht. Die im Dienst -bleibenden Offiziere wurden alt in ihrem Range und hatten keine Aussicht -auf Beförderung, denn freiwerdende höhere Stellen blieben unbesetzt. Der -Ersatz wurde infolgedessen ungenügend und, da die Stellen (auch in der Verwaltung) -oft nach Gunst vergeben wurden, minderwertig. Auch für die -Deck- und Unteroffiziere fand sich nur spärlicher und schlechter Ersatz; -ebensowenig waren gute seeerfahrene Matrosen zum Eintritt zu bewegen. -Selbst bei den wenigen Indienststellungen machte die Bemannungsfrage die -größten Schwierigkeiten; Disziplin und Kriegsfertigkeit litten natürlich unter -solchen Umständen. Zu Beginn des nächsten Abschnittes war Holland nicht -imstande, auch nur ein größeres Geschwader schlagfertig in Dienst zu stellen; -erst ein neuer Statthalter, Wilhelm IV. 1747, versuchte, die Marine wieder -zu heben.</p> - -<p class="small">Als die Republik in den Österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen war, verpflichtete -sie sich (April 1744), zu einer gemeinsamen Flotte mit England 15 Linienschiffe -und 5 schwere Fregatten zu stellen. Wer sollte dieses Kontingent kommandieren? -In Seeland waren vorhanden: ein Leutnantadmiral, zu alt und zu gebrechlich, -um an Bord zu gehen; ein Kontreadmiral, völlig taub; ein Vizeadmiral. Nach altem -Brauch mußte aber der Leutnantadmiral von Holland führen und die Admiralitäten von -Amsterdam und der Maas verfügten nur noch über einen Kontreadmiral von 72 Jahren. -Dieser (Grove) wurde deshalb sofort zum Leutnantadmiral der Maas ernannt, drei -schon bejahrte Kapitäne zum Leutnantadmiral von Amsterdam, zum Vize- und zum -Kontreadmiral; außer Grove, der die Streitkräfte 1717/1718 in der Ostsee kommandiert, -hatte keiner der neuen Flaggoffiziere je einen größeren Verband von Schiffen -geführt. Von den zu stellenden Schiffen stießen zunächst nur 8 Linienschiffe und erst -im August zu den Engländern — die Fregatten waren zur Aufnahme des ostindischen -Convois entsandt — und als die vereinigte Flotte kaum vier Wochen in See war, mußten -drei Schiffe wegen Krankheit an Bord einen Nothafen aufsuchen; weitere 8 Linienschiffe -stießen erst im Winter zur Flotte. Um dieses Geschwader zu bemannen, hatte man -Werbeoffiziere nach Hamburg, Bremen und Kopenhagen gesandt, aber dort nur wenig -befahrene Matrosen erhalten; man mußte noch mit Sträflingen aus den Gefängnissen -auffüllen. Brauchbare Unteroffiziere fehlten, Feuerwerkerpersonal mußte z. B. in -Dänemark angeworben werden. Viele der Offiziere waren minderwertig, sie und auch -die Kommandanten hatten keine Übung im Geschwaderfahren. Der tüchtigste der -Admirale (Schrijver, mit 58 Jahren noch verhältnismäßig jung) erwähnte dies später -in einer Denkschrift für den neuen Statthalter und fügte hinzu: „und der Geschwaderchef -konnte sie nicht belehren, da er es selber nicht verstand. Wenn die Flotte mit einem -gleichstarken Feinde, der Ordnung gehalten hätte, zusammengekommen wäre, so würde -das holländische Kontingent durch Unordnung wohl eine Niederlage herbeigeführt haben.“</p> - -<p><b>In Frankreich</b><a name="FNanchor_257_257" id="FNanchor_257_257"></a><a href="#Footnote_257_257" class="fnanchor">[257]</a> war, wie wir gehört haben (Seite <a href="#Page_422">422</a> ff.), die Marine -seit Colberts Tode zurückgegangen, besonders unter dem Marineminister -Louis de Pontchartrin; und es ging weiter mit ihr bergab. 1699 übernahm -<em class="gesperrt">Jerôme de Pontchartrin</em>, der Sohn von Louis, der schon mehrere -Jahre unter seinem Vater gearbeitet hatte, das Ministerium. Er gilt gemeiniglich<span class="pagenum"><a name="Page_502" id="Page_502">[502]</a></span> -als ein schlechter Marineminister, doch ist das Urteil über ihn wohl durch -seine vielen Feinde getrübt. Er war 39 Jahre alt, klug, unterrichtet und von -festem Willen, aber auch tyrannisch, hart, ehrgeizig und eifersüchtig in Hinsicht -auf seine Autorität. Zweifellos ehrlich bestrebt, den schnellen Verfall -der Marine aufzuhalten, beschleunigte er ihn durch seine Fehler, aber ihm -allein darf man doch die Schuld nicht aufbürden. Der Hauptgrund war der -Mangel an Geld. Jerôme war nicht, wie sein Vater, gleichzeitig Finanzminister, -konnte also die Mittel nicht selbst bestimmen. Schon sein Vater hatte nach -dem Frieden 1697 das Budget der Marine von 25 Millionen auf 18 herabgesetzt; -Jerôme forderte später ununterbrochen genügende Mittel und sagte -die traurigen Folgen falscher Sparsamkeit voraus.</p> - -<p>Und noch ein zweiter Umstand trat ihm hindernd entgegen. Wir wissen, daß -seit Colbert die Verwaltungsbehörden in der Marine eine größere Macht -besaßen als die militärischen, daß die Seeoffiziere stets bestrebt waren, diese -Macht zu brechen und daß infolgedessen für den Dienst höchst nachteilige -Reibungen zwischen den „officiers de plume“ und den „officiers d'épée“ -auftraten. Als Jerôme sein Amt übernahm, war der Admiral von Frankreich, -<em class="gesperrt">Graf von Toulouse</em> (Sohn der Montespan), kein Kind mehr, und durch -ihn wurde der Widerstand der Seeoffiziere wesentlich gestärkt. Dies mußte -die Tätigkeit des Ministers lähmen; anderseits wird ihm aber vorgeworfen, -er habe aus Eifersucht die Rüstungen und die Operationen der Flotte, die -Toulouse kommandierte, gehemmt. Unter ihm blieb allerdings, wie unter -seinem Vater, während des größten Teiles des Krieges die Tätigkeit der Seestreitkräfte -auf den kleinen Krieg beschränkt, aber es ist doch die Frage, -ob er es wie dieser aus Mangel an Verständnis für die Kriegführung zur See, -oder gar aus Eifersucht getan hat, oder ob er nicht durch die Schwächen -der Marine dazu gezwungen war. Gleich bei Beginn des Krieges 1701 entsandte -er eine größere Flotte, 1705 eine solche von 50 Linienschiffen und 1706 -eine von 30, sie waren nie stark genug oder zu spät bereit, um Erfolge zu erzielen; -auch in den Zwischenjahren wurde gerüstet, man zog aber die Kräfte -nicht zusammen, und von 1707 ab fanden keine bedeutenden Indienststellungen -mehr statt. Stets litt die Marine unter Geldmangel und unter dem schon -eingerissenen innern Verfall; sie konnte ihre Kraft nicht entfalten, -verlor dadurch an Bedeutung in den Augen des Königs, seiner Räte und -sogar des Volkes, was wieder noch geringere Fürsorge für sie zur Folge -hatte.</p> - -<p>Der Geldmangel führte weitere schlimme Zustände herbei; die Verwaltung -geriet in Schulden. Die Lieferanten konnten nicht bezahlt, das technische -Personal und die Arbeiter auf den Werften nicht gelöhnt werden; die besten -verließen den Dienst und, um den Rest zu behalten, mußten häufig die Vorräte -in den Arsenalen usw. zu Schleuderpreisen verkauft werden. Das Einreißen -von Unehrlichkeit im Personal der Verwaltung, für das der Finanzminister -1702 gegen 100 neue Stellen geschaffen und an „Meistbietende“ verkauft -hatte, war eine Folge dieser Mißwirtschaft.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_503" id="Page_503">[503]</a></span></p> - -<p>Auch auf das <em class="gesperrt">Personal</em> der Flotte wirkte sie demoralisierend, der -Kreuzerkrieg half dabei. Viele der unregelmäßig besoldeten Offiziere nahmen -Dienst auf den von Privaten ausgerüsteten Schiffen und auch auf den vom -Staate armierten waren sie auf ihren Vorteil bedacht; im Offizierkorps gingen -Disziplin und das Gefühl für Ehre und Pflicht verloren. Ebenso stand es -mit der Mannschaft. Da sich bei der Bestechlichkeit der Beamten die Inskribierten, -die über einige Mittel verfügten, vom Dienste freimachen konnten, -war selbst bei den geringen Indienststellungen der Bedarf nur durch Pressen zu -decken; mit Härte mußte diese Maßregel durchgeführt werden, wie Verbrecher -wurden die Leute ihren Schiffen zugeführt.</p> - -<p>Was aus dem <em class="gesperrt">Schiffsmaterial</em> unter solchen Verhältnissen wurde, -ist klar; die Schiffe verwahrlosten auf den Werften, an Ersatz verlorener oder -verbrauchter wurde nicht gedacht. 1696 besaß die Marine 135 Schiffe über 40 -Kanonen und 20 von 34–36 Kanonen; 1712 nur 85 Linienschiffe und 10 -von 10–44 Kanonen, sämtlich in schlechtem Zustande.</p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault sagt (Seite <a href="#Page_122">122</a>): „Dahin war es mit der Marine unter Jerômes -de P. Amtstätigkeit gekommen, gewiß teilweise durch seine Schuld, aber mehr -noch infolge der Verhältnisse und durch die Schuld der anderen Minister und -Ludwigs XIV. selber, der der Größe seiner Marine nicht mehr die Wichtigkeit beilegte -wie ehemals.“</p> - -<p><em class="gesperrt">Während der Regentschaft</em> 1715–1723 sank die Marine -noch tiefer; Kardinal Dubois wagte nichts zu ihrer Hebung zu tun, um nicht -Englands Eifersucht zu erregen. An Stelle des Marineministers trat unter -dem Admiral von Frankreich (Toulouse) eine Kommission, bestehend aus -einem Präsidenten, Marschall Victor d'Estrées, 3 Seeoffizieren und 3 Verwaltungs-Beamten. -Toulouse und d'Estrées hatten wohl den guten Willen, -Ordnung in der Verwaltung herbeizuführen, die Schiffe zu erhalten, Disziplin -und Geist der Offiziere zu heben; aber auch sie scheiterten am Geldmangel: -die guten Kräfte der Werften verließen weiter den Dienst; die Bleibenden -und so auch viele Offiziere lebten im Elend; die Seestädte entvölkerten sich. -Für 1729 wird der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> nur noch auf 45 Linienschiffe, -10 Fregatten und 10 Transporter angegeben.</p> - -<p>Mit der Mündigkeit <em class="gesperrt">Ludwigs</em> XV. wurde wieder ein Marineminister ernannt: -der <em class="gesperrt">Graf de Maurepas</em>, der Sohn Jerômes de Pontchartrin; er -blieb es 26 Jahre hindurch. Er war klug, tätig und von bestem Willen beseelt, -aber auch er kämpfte vergebens. Wieder fürchtete der jetzige Leiter Frankreichs, -Kardinal Fleury (Premierminister 1723–1743), die Eifersucht Englands, -und das Marinebudget betrug nur 8 Millionen; unter Ludwig XIV. war -es selbst in Friedenszeiten nie unter 18 Millionen gesunken und das Geld war -jetzt weit weniger wert. Trotzdem verlor Maurepas den Mut nicht; er strebte -an, ein wenn auch geringes so doch gutes Schiffsmaterial zu beschaffen. -Doch der Geldmangel erschwerte dies ungemein, die Ersatzbauten wurden in -grünem Holz ausgeführt und hatten keine lange Lebensdauer, der Zustand -der Werften blieb schlecht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_504" id="Page_504">[504]</a></span></p> - -<p>Ebensowenig Erfolg hatten seine Bestrebungen, das <em class="gesperrt">Personal</em> zu -heben. Aber wie konnte er Lust und Liebe zum Dienst in einem Offizierkorps -erwecken, in dem seit 20 Jahren jede Beförderung stockte; der Etat war auf -die Hälfte herabgesetzt, es gab gardes de la marine von 40 Jahren. Die -Reibungen zwischen den Offizieren und den Beamten nahmen immer mehr -zu. Die Schiffskommandos weigerten sich häufig, den Anweisungen der -Verwaltung zu folgen, die gelieferten Vorräte und Ausrüstungsgegenstände -anzunehmen, Abrechnungen einzureichen, ja sogar das Personal in den Stellungen -zu verwenden, für die es überwiesen war; man gab ihnen aber auch -erbärmliche Mannschaft, unbrauchbare Bordbeamte, die Ausrüstung wurde -ohne Verständnis und von schlechter Beschaffenheit geliefert.</p> - -<p>Die Disziplin der Mannschaft — gepreßt, widerrechtlich festgehalten, -unregelmäßig gelöhnt, schlecht gekleidet und verpflegt — sank soweit, daß -man bei Außerdienststellungen Zivilarbeiter heranziehen mußte, da die Besatzung -im Hafen nicht arbeiten wollte; selbst auf Rhede gingen die Leute -fast nach Belieben an Land, man mußte zufrieden sein, wenn sie beim Auslaufen -zur Stelle waren.</p> - -<p>Maurepas gelang es immerhin, einiges Gute zu schaffen. Nach und nach -führte er eine mildere Behandlung der Dienstpflichtigen ein und die vielfach -fortgezogene Küstenbevölkerung mehrte sich wieder, das Wachsen der -Kauffahrteimarine sowie das Aufblühen der Kolonien unter Fleury wirkte -mit; in das System der Einschreibung für den Seedienst kam wieder Ordnung. -Er vervollkommnete den wissenschaftlichen Unterricht der Offiziere, stellte -Schul- und Übungsschiffe in Dienst und entsandte in alle Meere Fahrzeuge -zu geographischen und hydrographischen Arbeiten; er gründete Schulen für -Marineärzte. So wird von ihm wohl mit Recht gesagt, daß er dem späteren -Aufschwung der Marine vorgearbeitet habe.</p> - -<p>Am Schluß des Abschnittes stand die Marine aber noch traurig da. -<em class="gesperrt">Der Schiffsbestand</em> 1742 war nur 48 Linienschiffe, 15 Fregatten, -14 Transporter<a name="FNanchor_258_258" id="FNanchor_258_258"></a><a href="#Footnote_258_258" class="fnanchor">[258]</a>; die Fahrzeuge waren in mangelhaftem Zustande, die Werften -ohne fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine leer. Das Offizierkorps war -von 1140 im Jahre 1696 (1040 um 1701) auf 660 Köpfe gesunken. Früher hatte -man in Kriegszeiten auch noch eine große Unterstützung durch tüchtige -Kräfte der Handelsmarine gehabt (Jean Bart, Trouin usw. stammten daher), -die besonders auf kleineren Fahrzeugen, Transportern, Kapern verwendet -wurden; die guten Elemente dieses Ersatzes zogen sich, von den aktiven -Offizieren immer hochmütiger behandelt, nach und nach ganz zurück. Bei -Ausbruch des Krieges 1744 machte nur die Bemannung mit Matrosen weniger -Schwierigkeit als früher.</p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault sagt (Seite <a href="#Page_133">133</a>): „Die französische Marine hat von 1713–1744 -keine Geschichte, sie wurde durch die leitenden Staatsmänner zur Untätigkeit, ja zu -beispielloser Demütigung verdammt, um nicht Eifersucht und Mißtrauen bei den Engländern<span class="pagenum"><a name="Page_505" id="Page_505">[505]</a></span> -zu erregen. In zwei Kriegen, in denen die Flotte eine wichtige Rolle hätte -spielen können (1719 Quadrupelallianz gegen Spanien; 1733 Polnischer Erbfolgekrieg), -blieb sie in den Häfen, nur mit einigen Schiffen wurden unbedeutende Demonstrationen -gemacht; im ersten Kriege wurden sogar französische Truppen auf englischen Schiffen -an die feindlichen Küsten geworfen.“</p> - -<p>In <b>England</b><a name="FNanchor_259_259" id="FNanchor_259_259"></a><a href="#Footnote_259_259" class="fnanchor">[259]</a> schritt die Entwicklung der Marine stetig fort. <em class="gesperrt">Der -Schiffsbestand</em> betrug:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p505"> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">Schiffe:</td> - <td class="tdc">I. Klasse</td> - <td class="tdc">II.</td> - <td class="tdc">III.</td> - <td class="tdc">IV.</td> - <td class="tdc">V.</td> - <td class="tdc">VI.</td> - <td class="tdl" colspan="2">Gesamt</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"></td> - <td class="tdc">(96–100 K.)</td> - <td class="tdc">(80–90 K.)</td> - <td class="tdc">(60–74 K.)</td> - <td class="tdc">(40–54 K.)</td> - <td class="tdc">(28–32 K.)</td> - <td class="tdc">(16–20 K.)</td> - <td colspan="2"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1688</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">39</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdl" colspan="2">117</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1702</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">45</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">18</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdl" colspan="2">153</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" rowspan="2">1727</td> - <td class="td18" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdc">(100 K.)</td> - <td class="tdc">(90 u. 98)</td> - <td class="tdc">(80 u. 70)</td> - <td class="tdc">(60 u. 50)</td> - <td class="tdc">(40)</td> - <td class="tdc">(20)</td> - <td> </td> - <td class="tdc" rowspan="2">(und 14 Sloops<br />4–10K.)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">16, 24</td> - <td class="tdc">24, 40</td> - <td class="tdc">24</td> - <td class="tdc">29</td> - <td class="td32">177</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"></td> - <td class="td31" colspan="3"></td> - <td colspan="5"></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"></td> - <td class="tdc" colspan="3">Dreidecker.</td> - <td colspan="5"></td> - </tr> -</table> - -<p>Die Gesamtzahl von 1727 war schon um 1714 erreicht. Auch später -wuchs der Bestand weiter, besonders in der III., V. und VI. Klasse. Nach -einigen Quellen (z. B. Campbell) soll er in den dreißiger Jahren auf 70 Linienschiffe -und 19 Schiffe von 50 Kanonen gefallen sein. (dagegen sagt Clowes, -die Marine sei seit 1727 ständig gewachsen), doch waren nach derselben -Angabe um 1744 wieder 90 Linienschiffe über 64 Kanonen und 84 Fregatten -(wohl Klasse IV–VI) vorhanden.</p> - -<p class="small">Die Tabelle zeigt, wie die Entwicklung stetig in der früher geschilderten Weise -(Seite <a href="#Page_174">174</a> ff.) fortschreitet. Schon 1702 sehen wir einen geringen Zuwachs in der III. -und IV. Klasse, einen bedeutenden in der V. und VI. 1727 haben sich die Grenzen -der Klassen sehr verschoben, in allen ist die Armierung weit stärker geworden und auch -der Tonnengehalt gewachsen.<a name="FNanchor_260_260" id="FNanchor_260_260"></a><a href="#Footnote_260_260" class="fnanchor">[260]</a> Die Zahl der Schiffe von 60 Kanonen aufwärts ist sehr -gewachsen, die der I. und II. Klasse jedoch nicht mit. Auch später nimmt der Bestand -der III., V., VI. Klasse weiter zu. Die Schiffe der III. Klasse, bald nun 64–84 Kanonen, -werden als die geeignetsten Schlachtschiffe erkannt, die der V., nun 30–40 Kanonen, -und der VI., nun 20–30 Kanonen, als die geeignetsten Fahrzeuge gegen Kreuzer und -Handelsschiffe; die Schiffe der IV. Klasse, nun 50–60 Kanonen, sind für die Linie zu -leicht, für letzteren Zweck zu schwer; sie werden im Kolonialdienst verwendet.</p> - -<p>In Hinsicht auf die Machtentfaltung der englischen Marine in dem jetzt -zu besprechenden Kriege sind leider keine Angaben über die jährlichen Gesamtindienststellungen -vorhanden; die Schilderung der Ereignisse sowie die -späteren Schlußbetrachtungen werden zeigen, daß man sie auf 70–80 Linienschiffe -und alle vorhandenen kleineren Fahrzeuge annehmen kann.</p> - -<p>Dem <em class="gesperrt">Personal</em> ward weiter Fürsorge zuteil. Wir wissen, daß nach dem -ersten englisch-holländischen Kriege der Seeoffizierstand anfing, ein Lebensberuf -zu werden, daß man anstrebte, Personen der besseren Stände heranzuziehen; -schon 1676 waren Bestimmungen erlassen, die dies begünstigen sollten. Um -1700 wurde der Halbsold eingeführt, auf den alle Kommandanten, erste<span class="pagenum"><a name="Page_506" id="Page_506">[506]</a></span> -Offiziere und Master, wenn sie ein Jahr als solche gedient, ein Anrecht hatten. -1728 wurde in Portsmouth eine Marineschule (naval academy) mit Schlußprüfung -als Vorbildungsschule gegründet. Jedoch nicht alle Offiziere besuchten -diese; lange Jahre noch bis 1794 soll es (nach Clowes) vorteilhafter gewesen sein, -als Page eines Admirals oder Kapitäns (Junker?) einzutreten. Seit 1688 -gab es eine Rangliste, von 1700 an erschien sie von Zeit zu Zeit im Druck. -Es entwickelte sich also immer mehr ein festes Seeoffizierkorps und dieses -blieb in Übung, da die englische Marine auch nach dem Frieden von Utrecht -mehrfach gezwungen war, große Flotten aufzustellen (Nordischer Krieg 1714 -bis 1721; Quadrupelallianz gegen Spanien 1718–1720; 1733 eine aufs neue -drohende Verwicklung mit Spanien; stets gegen die Barbaresken) und stets -eine große Anzahl von Schiffen zur Wahrung der maritimen Interessen im -Dienst halten mußte; auch wurden überzählige Offiziere zur Handelsmarine -beurlaubt.</p> - -<p class="small">In diese Jahre fällt wohl die Ausbildung des dem englischen Seeoffizierkorps des -18. Jahrh. eigentümlichen Charakters im Gegensatz zu dem des französischen (vgl. -Seite <a href="#Page_319">319</a>); bei der Verschmelzung des Soldaten und des Seemanns gewann der Seemann -die Überhand. Macaulay sagt: „In der Marine Karls II. gab es Sailors und -Gentlemen, aber die Seeleute waren keine Gentlemen und diese keine Sailors.“ Man -muß dabei beachten, daß die Gentlemen eben das militärische Element darstellten. -Als nun die Offiziere im allgemeinen den seemännischen Dienst übernahmen, verdrängte -der Seemann allmählich den Gentleman und mit ihm den militärischen Ton und Geist. -„Selbst Männer aus guter Familie, wie die Admirale Wilhelms III., Herbert und Russell, -die wirklich Seeleute waren, konnten nur als solche gelten, indem sie die derben Manieren -der Teerjacken annahmen.“ Zwischen dem Spanischen Erbfolgekrieg und den großen -Seekriegen des nächsten Abschnittes liegen nun 30 Jahre, in denen die englischen Offiziere -viel zur See fuhren, aber nie beachtenswerten Gegnern entgegenzutreten hatten. Da -wuchs wohl ihre Lust und ihr Interesse am rein seemännischen Dienste immer mehr, -und so ist es gekommen, daß sie später — im Gegensatz zu den Franzosen und längere -Zeit zu ihrem Nachteile — mehr ihren Ruhm in geschickten Segelmanövern als in der -Entwicklung der militärischen Leistungsfähigkeit ihrer Schiffe suchten, daß sogar der -Taktik für Verbände zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.</p> - -<p>Auch für die Mannschaft wurde von 1700 ab manches getan. Es wurden -die Zahlung eines Handgeldes beim Eintritt, Zulagen für gute Führung sowie -Pensionen für Witwen und Waisen der Gefallenen eingeführt; das Hospital -in Greenwich für Invalide wurde gegründet. Eine wichtige Änderung betraf -die Seetruppen. Man hatte bei diesen — seit 1664 bestehend, jedoch zeitweise -und so auch 1699 aufgelöst — bisher nicht nur den Zweck im Auge gehabt, -auf den Schiffen gute Gewehrschützen und Landungsmannschaften zu haben, -sondern sie dienten auch zur Auffüllung der Besatzungen. Am Lande wurden -sie auf den Werften beschäftigt; Leute, die hier und an Bord einige seemännische -Erfahrung gewonnen hatten, wurden dann gern als Matrosen eingestellt. 1702 -wurden nun 6 neue Regimenter gegründet, aber nicht mehr als Schule und -Ersatz für Matrosen; eine Versetzung zu diesen wurde verboten. Sie waren -so eine rein militärische Truppe, stets zur Verfügung der Admiralität für -überseeische Expeditionen; als eine stehende Truppe im Gegensatz zu den<span class="pagenum"><a name="Page_507" id="Page_507">[507]</a></span> -Matrosen trugen sie jetzt noch mehr als schon bisher zur Hebung der Disziplin -und des militärischen Geistes an Bord bei. Es war dies wichtig, denn immer -noch mußte bei Einstellung der Matrosen zum Pressen, wobei man in der Wahl -der Personen wenig wählerisch war, gegriffen werden; der ungemein stark -zunehmende Seehandel schuf zwar zahlreiche und vorzügliche Seeleute, aber -diese waren bei Ausbruch eines Krieges über die ganze Erde zerstreut.</p> - -<p class="small">Corbett sagt: „Einer der Hauptbeweggründe Wilhelms III. zur Errichtung der -Seeregimenter 1702 ist gewesen, eine stehende Truppe für Expeditionen in dem bevorstehenden -Kriege zu haben. Gegen ein stehendes Heer hatte sich das Parlament 1699 -energisch gewehrt, da waren auch die bisherigen Seetruppen weggefallen; als ein Teil -der geliebten Marine wurden sie wieder bewilligt. Daß sie 1704 bereit waren, hat die -Erwerbung von Gibraltar und Port Mahon für England sehr begünstigt; 1702 wurde die -Entsendung der Flotte ins Mittelmeer durch Mangel an Soldaten sehr verzögert.“</p> - -<p>England übernahm im Spanischen Erbfolgekriege wie im vorigen Kriege -die Hauptleistung zur See, es verpflichtete sich, 5/8 der gemeinsamen Seestreitkräfte -zu stellen; mit dem Nachlassen Hollands mußte es seine Kräfte noch -mehr anspannen. Beim Frieden von Utrecht stand die englische Marine -allein noch groß da und wurde in der Zukunft so erhalten.</p> - -<h4>Der Verlauf des Seekrieges.<a name="FNanchor_261_261" id="FNanchor_261_261"></a><a href="#Footnote_261_261" class="fnanchor">[261]</a></h4> - -<p>Schon <b>im Jahre 1701</b> begannen England und Holland zu rüsten. Eine -starke gemeinsame Flotte wurde im April in Portsmouth unter <em class="gesperrt">Admiral -Sir George Rooke</em> zusammengezogen, um beim Ausbruch des Krieges -bereit zu sein.</p> - -<p class="small">Holland hatte 24 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der größere Teil davon befand -sich unter Leutnantadmiral Almonde bei der gemeinsamen Flotte; da sich aber Holland -nach Besetzung der Grenzbefestigungen in den spanischen Niederlanden durch die -Franzosen auch zu Lande bedroht sah, blieb der Rest der Linienschiffe bei Schooneveld, -und zur Beschützung der Seegatten war eine große Zahl von Fregatten, Convoijers und -flachgehenden Fahrzeugen in Dienst gestellt, Truppen waren mobil gemacht und Marlborough -stand mit 10000 Engländern in Holland.</p> - -<p>Die Flotte blieb lange untätig. Es lag wahrscheinlich (nach Corbett) -in der Absicht Wilhelms III., als er sich im Sommer 1701 im Haag befand, -um die Verhandlungen mit Frankreich auf Grund der letzten Vermittlungsvorschläge -zu leiten, sie nach der spanischen Küste zu senden, um einen Druck -auf den Gang der Unterhandlungen auszuüben oder um bei Ausbruch des -Krieges sofort einen Angriff auf Cadiz zu unternehmen. Hierdurch wäre -nicht nur der spanische Handel arg bedroht gewesen, sondern man hätte -auch die Straße von Gibraltar beherrscht und die Verbindung der französischen<span class="pagenum"><a name="Page_508" id="Page_508">[508]</a></span> -Seestreitkräfte des Mittelmeeres und des Atlantik unterbrochen. -Man mußte sogar darauf gefaßt sein, daß Frankreich sich dieses Stützpunktes -bemächtigen würde. Ludwig XIV. hatte gezeigt, daß er mit einem Kampfe -um die Seeherrschaft im Mittelmeer rechnete; unmittelbar nach Anerkennung -des Testamentes Karls II. von Spanien hatte er die Regentschaftsjunta -gebeten, die Befestigungen der spanischen Häfen, insbesondere die von Cadiz, -Gibraltar und Port Mahon zu verstärken, und ihr zu diesem Zwecke Offiziere -zur Verfügung gestellt. Rooke soll gegen diesen Plan gewesen sein, weil er -sich wie die meisten Admirale jener Zeit scheute, so spät im Jahre nach dem -Süden zu gehen, daß er gezwungen sein würde, im Herbst mit schweren -Schiffen nach dem Kanal zurückzukehren. Wir wissen, daß auch im vorigen -Kriege die Seeoffiziere sich sträubten, bis zum Herbst an der spanischen -Küste zu bleiben, und damals standen ihnen die spanischen und portugiesischen -Häfen zur Verfügung.</p> - -<p>Als aber die Verhandlungen nicht fortschritten und man erfuhr, daß ein -kleines französisches Geschwader unter Coëtlogon Anfang August mit Truppen -und Kriegsmaterial von Brest nach Westindien auslaufen und ein zweites -größeres (etwa 10 Linienschiffe) unter Vizeadmiral Château-Renault in See -gehen solle, wurden die Operationen zur See begonnen; Rooke erhielt Befehl, -Château-Renault zu beobachten, oder, falls dieser schon ausgelaufen, zum -Schutz des Handels vor dem Kanal zu kreuzen. Von der Entsendung der -großen Flotte nach dem Süden war also abgesehen, sei es, daß Rookes Einwendungen -Erfolg gehabt haben, sei es, daß man es nicht für nötig hielt, -weil man erfahren hatte, daß die übrigen französischen Schiffe in Brest erst -zur Indienststellung im nächsten Frühjahr bestimmt seien. Ein Teil der -Hauptflotte sollte jedoch nach dem Süden abgezweigt werden. Rooke ging -am 25. August in See, erreichte am 13. September Ouessant und entließ hier -das erwähnte Geschwader; er ging dann nach Brest, sah, daß Renault ausgelaufen -war und kehrte nach Portsmouth zurück. Bald darauf wurde die -Flotte aufgelöst und der Winterdienst eingerichtet.</p> - -<p>Der abgezweigte Teil der Flotte — 25 englische und 10 holländische -(Kontreadmiral Wassenaer) Linienschiffe — unter <em class="gesperrt">Vizeadmiral Benbow</em> -war zunächst bestimmt, auf der Route der spanischen Silberflotte, die unter -französischer Bedeckung erwartet wurde, zu kreuzen. Sollte er sie auch vor -Ausbruch des Krieges aufbringen, wie man es früher mit holländischen Convois -gemacht hatte? In seiner Order war (nach Corbett) gesagt: Die Franzosen -zu hindern, sich der Silberflotte zu bemächtigen und „to take care of it for -those, who were intitled to it“. Später sollte Benbow dann mit 10 englischen -Linienschiffen nach Westindien zur Verstärkung dieser Station gehen. Am -10. Oktober erreichte er die Azoren und hörte hier, daß die Silberflotte schon -in Cadiz eingetroffen sei; tatsächlich war sie gar nicht gesegelt. Das französische -Geschwader Coëtlogon hatte längere Zeit auf sie gewartet und war -dann allein zurückgekehrt (in Brest Februar 1702); die Galeonen waren nicht -fertig gewesen oder zurückgehalten, weil man die Bedeckung für ungenügend<span class="pagenum"><a name="Page_509" id="Page_509">[509]</a></span> -hielt. Der größere Teil des Geschwaders Benbows ging nach England heim, -er selber traf am 13. November in Barbados ein; wir kommen später auf ihn -zurück.<a name="FNanchor_262_262" id="FNanchor_262_262"></a><a href="#Footnote_262_262" class="fnanchor">[262]</a></p> - -<p><em class="gesperrt">Château-Renault</em> war mit seinem Geschwader von Brest -(26. August) nach Lissabon gegangen; er sollte auf Portugal einen Druck -dahin ausüben, der Verbindung mit Frankreich treu zu bleiben. Von dort -ging er nach Cadiz (Ende Oktober). Hier traf er eine französische Flotte -unter Vizeadmiral Comte d'Estrées, der durch Aufklärungsschiffe von Benbows -Expedition unterrichtet war. Renault ging nun mit 14 Linienschiffen nach -Westindien, nahm die Silberflotte in Vera-Cruz unter seinen Schutz (März 1702) -und führte sie über Havanna nach Vigo; über seine Vernichtung dort werden -wir bald Näheres erfahren.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estrées</em> hatte seit Mai an der spanischen Küste einige 20 Linienschiffe, -von Toulon aber auch aus Brest, zusammengezogen und nach Cadiz -geführt; ein weiterer Beweis, daß auch Frankreich die Wichtigkeit dieser -Position erkannt hatte. Durch Renault wäre er sehr verstärkt gewesen, -falls es nötig geworden wäre, der Flotte der Verbündeten entgegenzutreten. -Nach Renaults Abfahrt verließ auch d'Estrées Cadiz, wo er nur einige Schiffe -zurückließ. Er brachte spanische Truppen nach Neapel und Sicilien, wo -Aufstände der Kaiserlich-Gesinnten begonnen hatten, und ging dann für -den Winter nach Toulon zurück.</p> - -<p>Zusammenstöße auf der See hatte also das Jahr 1701 noch nicht gebracht.</p> - -<p><b>Das Jahr 1702. Angriff auf Cadiz. Vernichtung der Silberflotte in Vigo.</b> -Im September 1701 war der Vertrag zwischen den Seemächten und dem -Kaiser geschlossen, nach dem die spanischen Niederlande besetzt, die italienischen -Provinzen für den Kaiser erobert werden und die Seemächte das Recht -haben sollten, überseeische spanische Besitzungen für sich zu erwerben. England -und Holland beschlossen daraufhin, frühzeitig im Jahre 1702 wieder eine -große gemeinsame Flotte aufzustellen.</p> - -<p>Es ist nun bisher angenommen, daß man mit dieser Flotte zunächst einen -Vorstoß gegen Cadiz, als den reichen und wichtigen Stützpunkt des spanischen -Handels nach Amerika, habe machen wollen und daß dann die Seestreitkräfte -weiter vornehmlich gegen diesen Handel und gegen die spanischen Kolonien -verwendet sein würden. Dies hätte ja auch dem zum Vorteil der Seemächte -im Vertrage aufgenommenen Satze in erster Linie entsprochen. Corbett -sagt aber, nach den neuesten Forschungen sei es zweifellos, daß Wilhelm III. -und mit ihm Marlborough die Einnahme von Cadiz nicht hauptsächlich als -einen Schlag gegen den Handel und daneben als eine Diversion, sondern -von einem höheren strategischen Standpunkte aus ins Auge gefaßt habe. Er -habe von Anfang an beabsichtigt, die Seeherrschaft im Mittelmeer zu erringen, -um die französischen Streitkräfte zu trennen, Frankreich von den Zufuhren<span class="pagenum"><a name="Page_510" id="Page_510">[510]</a></span> -im Mittelmeer abzuschneiden, in den Landkrieg in Italien einzugreifen, ja, -in Frankreich selber vom Süden her einzudringen; hierzu war es nötig, den -Verbündeten Stützpunkte zu verschaffen, die England dann wohl behalten wollte.</p> - -<p class="small">Da sich die Angaben der anderen Quellen über die Operationen wohl mit dieser -Ansicht in Einklang bringen lassen und da anderseits jene Quellen über <em class="gesperrt">die Vorgeschichte -der Cadiz-Expedition</em> Näheres nicht enthalten, so sei eine -solche nach Corbett gegeben:</p> - -<p class="small">Rooke legte im Januar 1702 dem Könige einen Plan für die Verwendung der Flotte -vor. Er rechnete mit einer gemeinsamen Flotte von 80 englischen und 50 holländischen -Linienschiffen; was sonst noch an Seestreitkräften vorhanden war, bestimmte er für den -Schutz des Handels im Kanal. Von der großen Flotte sollten nur 30 Engländer und -20 Holländer mit 8000 Mann Landungstruppen nach dem Süden gehen, um „irgend -etwas“ in Spanien oder Portugal zu unternehmen. Über die Verwendung des größeren -Restes sagt der Plan nichts; er sollte wohl im Norden bleiben, um französischen Unternehmungen -entgegenzutreten oder die feindlichen Küsten zu bedrohen. Es war dies -also — so sagt Corbett — nicht viel mehr als die unbestimmte Defensivstrategie zur -Zeit Elisabeths, gegen die schon Drake energisch gesprochen hatte.</p> - -<p class="small">Während nun Holland und die deutschen Fürsten mit diesem Plane wohl einverstanden -waren, in der Hoffnung, daß dadurch französische Truppen von ihren Grenzen -abgezogen würden, hatte Wilhelm III. (und Marlborough) eben mit den vorhin erwähnten -Absichten die Inbesitznahme von Cadiz durch die Hauptflotte im Auge und hiermit -stimmten der Kaiser und Prinz Eugen in Hinblick auf den Krieg in Norditalien und auf -die Eroberung beider Sicilien überein. Mit Beziehung hierauf sagt Corbett: „Wenn -nun bisher angenommen wurde, die Seemächte hätten anfangs den Krieg hauptsächlich -gegen Handel und Kolonien führen wollen, das Unternehmen gegen Cadiz habe nur -diesem Zwecke dienen sollen und nur durch Zufall — durch den Ausbruch des Landkrieges -in Spanien 1704 — sei die Haupttätigkeit der Seestreitkräfte ins Mittelmeer -verlegt, so ist das nicht zutreffend; Wilhelm schaute weiter. Es wird dies schon durch die -erste Instruktion bewiesen, die Rooke erhielt, als der Krieg (4. Mai) erklärt war. (Die -Order war nicht mehr vom Könige unterzeichnet, aber in seinem Sinne gehalten.) Sie -besagte, Rooke solle Cadiz oder — falls sich herausstellte, daß dieser Platz zu stark oder -von einer zu großen Flotte gedeckt sei — Gibraltar, Vigo, Ponta Vedra, Coruña oder -sonst einen geeigneten Hafen nehmen und den Landtruppen dort ein genügend starkes -Geschwader lassen, um ihn zu halten; dann erst solle ein Teil der Flotte mit -2000 Mann nach Westindien abgezweigt werden. Angriffe auf spanische Kolonien -standen also nach Zeit und Bedeutung erst in zweiter Linie, einen Stützpunkt für Operationen -im Mittelmeer zu gewinnen, war die Hauptsache. Die Befehle für die Flotte in -späteren Jahren, auch ehe Karl III. in Portugal landete, bestätigen dies und zeigen auch, -daß man schon damals daran dachte, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen. Marlborough -sagte später im Oberhause, er habe Befehl von der Königin erhalten, mit Prinz -Eugen über einen Angriff auf Toulon zu unterhandeln, dessen Eroberung Ihre Majestät -von Beginn des Krieges an als das beste Mittel zu seiner Beendigung erkannt habe.“</p> - -<p>Nach vorstehendem ist anzunehmen, daß die Operationen für das Jahr -1702 dem Plane Wilhelms entsprechend angesetzt sind, sie wurden aber nicht -mit der nötigen Tatkraft begonnen und durchgeführt. Der König befand sich -in den Niederlanden, wurde bald schwer krank und starb vor der Kriegserklärung. -Die Königin Anna führte zwar die Politik in seinem Sinne fort, -konnte aber den Widerstand, der sich dem geplanten Vorgehen zur See von -gewisser Seite entgegenstellte, nicht überwinden; Marlborough, der dieses mit -aller Kraft weiter vertrat, befand sich bei dem Heere auf dem Festlande.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_511" id="Page_511">[511]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die Rüstungen der Verbündeten</em> hatten rechtzeitig begonnen. -Holland beschloß 48 Linienschiffe in Dienst zu stellen, England -hätte demnach 80 zur gemeinsamen Flotte liefern müssen und diese würde -128 Schlachtschiffe stark gewesen sein; mit 130 rechnete ja auch Rooke in -seinem Plane. Auf der Flotte, die nach Spanien gehen sollte, wollte man -10000 englische und 5000 holländische Soldaten einschiffen. Es währte -jedoch sehr lange, bis eine gemeinsame Flotte operationsbereit war; die Gründe -der Verzögerung sind wohl in der Krankheit und dem Tode (8. März) Wilhelms -zu suchen.</p> - -<p class="small">Wenn auch die holländischen Schiffe sich schon im März in den Seegatten sammelten, -so verging doch nach dem Tode Wilhelms lange Zeit mit Verhandlungen, inwieweit der -alte Vertrag über die Aufstellung der gemeinsamen Flotte bestehen bleiben solle (endgültig -abgeschlossen erst am 9. Juni 1703), und erst am 31. Mai kam das holländische -Kontingent in Spithead an. Hier fand es auch die englische Flotte noch nicht bereit; -es fehlte besonders an Soldaten für das Landungskorps, weil die neuerrichteten Seeregimenter -noch nicht voll aufgestellt waren, aber auch sonst waren die Rüstungen im -Rückstande.</p> - -<p>Erst Ende Juni lagen bei St. Helens seeklar: 30 englische und 20 holländische -Linienschiffe über 50 Kanonen, 13 Fregatten, 9 Brander, 8 Mörserboote -und zahlreiche Transporter für Soldaten, Proviant und Kriegsmaterial -sowie 6 Hospitalschiffe, insgesamt 160–200 Segel; etwa 9000 englische und -4000 holländische Soldaten, in beiden Ländern meist den Seeregimentern -entnommen, waren eingeschifft. Den Oberbefehl führte <em class="gesperrt">Admiral Rooke</em>, -die Holländer kommandierte Leutnantadmiral <em class="gesperrt">von Almonde</em>; das Landungskorps -stand unter den Generalen <em class="gesperrt">Herzog von Ormond</em> (englisch) -und <em class="gesperrt">de Sparre</em> (holländisch).</p> - -<p class="small">Neben dieser Hauptflotte hatte Holland ein Geschwader von 15 Linienschiffen unter -Vizeadmiral Evertsen an der flämischen Küste gegen Unternehmungen der Franzosen -auf diese im Dienst und England eine Flotte von 30 Schiffen (später noch verstärkt) -unter <em class="gesperrt">Admiral Shovel</em> im Kanal, die bei Abwesenheit der Hauptflotte Brest -blockieren und den Handel schützen sollte. In beiden Staaten war also die geplante -Stärke der Gesamtindienststellung nicht erreicht.</p> - -<p>Aber auch jetzt begannen die Operationen noch nicht, obgleich der Krieg -am 4. Mai erklärt war. Wenn nun auch dieser weitere Verzug wohl mit eine -Folge des Personalwechsels in den höheren Stellungen der englischen Admiralität -nach dem Tode Wilhelms III. war — Mitte Mai war der Gemahl der Königin -Anna, Prinz Georg von Dänemark, zum Lordhighadmiral ernannt; der vorhin -angeführte Befehl für die Flotte wurde erst am 7. Juni erlassen —, so wird -doch allgemein die Hauptschuld dem Admiral Rooke zugeschrieben. Wieder -äußerte dieser mit fortschreitender Jahreszeit seine Bedenken, die großen -Schiffe nach dem Süden zu führen; die Order entsprach eben nicht seiner -Ansicht. Unterstützt wurde er durch Shovel, der erklärte, mit seinen 30 Schiffen -könne er seine Aufgabe nicht lösen; Shovel äußerte auch, wenn man dem -Feinde nur gleich sei, könne man nie auf einen entscheidenden Sieg rechnen.<a name="FNanchor_263_263" id="FNanchor_263_263"></a><a href="#Footnote_263_263" class="fnanchor">[263]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_512" id="Page_512">[512]</a></span></p> - -<p>Die neue Admiralität bestand nun zwar noch energischer auf der Durchführung -des Planes Wilhelms — der Bruder Marlboroughs, der in der Admiralität -angestellt war, hatte großen Einfluß auf den Prinzadmiral und -arbeitete im Sinne seines Bruders, während der vorhergehende Lordhighadmiral -Lord Pembroke die Ansicht Rookes teilte —, sie hatte jedoch in ihrem -Streben, Rooke anzutreiben, wenig Erfolg.</p> - -<p>Über die <em class="gesperrt">Rüstungen der Franzosen</em> in diesem Jahre liegen -nähere Angaben nicht vor; aus den französischen Quellen kann man entnehmen, -daß sowohl in Brest wie in Toulon zahlreiche Indienststellungen -stattgefunden haben, die zusammen wohl eine Flotte gebildet hätten, mit -der die Gegner rechnen mußten. Kleinere Geschwader oder Divisionen waren -wie zu Ende des vorigen Krieges zum Schutz der Häfen, zur Bedrohung des -feindlichen Handels oder zu bestimmten Zwecken in Dienst gestellt; einige -von diesen (unter berühmten Führern, wie: du Casse, Saint-Pol; Forbin, -Trouin) werden uns bei Betrachtung des kleinen Krieges beschäftigen.</p> - -<p>Eine solche Abteilung sei hier erwähnt, da sie von Bedeutung für den -Landkrieg in Norditalien war. Dort war <em class="gesperrt">Prinz Eugen</em> auf Zufuhren -von Triest über Venedig angewiesen, und im Juni 1702 erschien <em class="gesperrt">Forbin</em> -mit einigen Fregatten im Adriatischen Meere. Es gelang ihm, die Verbindung -zu unterbrechen, doch wurde er bald abberufen, weil er zu scharf gegen die -neutrale Republik Venedig vorging; immerhin war die Folge, daß die Befehle -für die Flotte der Verbündeten später darauf hinwiesen, das Adriatische Meer -von französischen Streitkräften freizuhalten.</p> - -<p>Eine zweite Abteilung gab den Anlaß zu den ersten Operationen der -Hauptflotte der Verbündeten. Eine auf Erkundung im April ausgesandte -englische Fregatte meldete, daß sich in La Rochelle ein Geschwader sammle, -um Truppen von Ferrol oder Coruña nach Westindien zu bringen sowie Galeonen -dorthin zu geleiten. (Es war du Casse mit 6 Linienschiffen und 8 Transportern.) -Infolgedessen wurden im Mai 9 Linienschiffe nebst 2 Fregatten -ausgesandt, um du Casse abzufangen. Der Führer, <em class="gesperrt">Sir John Munden</em>, -sichtete am 27. Mai 14 Franzosen bei ihrem Einlaufen in Ferrol. Da er sie -alle für Kriegsschiffe hielt und auch nach anderen Nachrichten 17 feindliche -Linienschiffe in Ferrol vermutete, ging er nach England zurück (Ende Juni -dort. In kriegsgerichtlicher Untersuchung freigesprochen, wurde Munden -doch der öffentlichen Meinung zuliebe entlassen). Nun beschloß der Kriegsrat -der Flotte, zu einem See- und Landangriff gegen Coruña vorzugehen und -sich dann gegen Cadiz zu wenden; die Admiralität stimmte bei, hielt aber -auch ihre früheren Befehle aufrecht und betonte, falls der Spätherbst vor -Lösung der Aufgaben einträte, solle Rooke die schweren Schiffe in dem von ihm -genommenen spanischen Hafen bergen; alles zur Neuausrüstung Nötige werde -man hinaussenden.</p> - -<p>Anfang Juli sandte <em class="gesperrt">Rooke</em> etwa die Hälfte der Flotte — 22 Linienschiffe -unter Admiral Fairborne — voraus; sie sollte die Franzosen in Coruña -festhalten oder, wenn diese schon ausgelaufen wären, ihn bei Finisterre erwarten.<span class="pagenum"><a name="Page_513" id="Page_513">[513]</a></span> -Er selbst verließ mit dem Rest bald darauf St. Helens, blieb dann -aber wieder „wegen Gegenwindes“ in Torbay liegen; seine Bedenken wegen -der schweren Schiffe hatte er immer wieder zur Sprache gebracht. Endlich -gelang es der Admiralität, ihn dadurch in Bewegung zu setzen, daß sie verfügte, -Shovel solle ihm seine schweren Schiffe gegen leichtere umtauschen, -wodurch auch dieser seinem Wunsche gemäß verstärkt würde. Dies paßte -Rooke nicht; er verließ, ehe Shovel ihn erreichte, am 1. August den Kanal.</p> - -<p>Der Admiralität erschien ein baldiges Auslaufen geboten, weil von -Benbow in Westindien die Nachricht eingegangen war (14. Juli), daß Château-Renault -im März mit der Silberflotte die Heimreise antreten werde. Diese -war, wie wir wissen, im Vorjahre zurückgehalten und Spanien fühlte schmerzlich -den Ausfall; mit ihrem Abfangen konnte ihm ein schwerer Schlag zugefügt -werden. Es wurde deshalb der Befehl erlassen, daß Rooke die spanische -Küste von Cadiz nördlich und Shovel die französische von Brest südlich sperren -solle. Im übrigen blieb die alte Order wieder bestehen, nur wurde Gibraltar -von den etwa zu nehmenden Plätzen gestrichen und auch dem Admiral freigestellt, -mit den schweren Schiffen heimzukehren, sobald ein Hafen genommen -sei; er habe dann Shovel durch 10–12 gute Schiffe zu verstärken, falls Renault -noch nicht eingetroffen sei. Man glaubte in England und in Frankreich, -Renault würde die Silberflotte nach einem französischen Hafen führen.</p> - -<p>Am 10. August traf Rooke bei Finisterre ein und stellte fest, daß die -Franzosen Coruña verlassen hatten. Sie waren schon vor Fairbornes Ankunft -ausgelaufen; dieser war durch Sturm vom Rendezvousplatze vertrieben, -vereinigte sich aber am 18. August vor Lissabon mit der Hauptflotte. Jetzt -wandte sich <b>Rooke gegen Cadiz</b>. Dieses Unternehmen sollte jedoch kläglich -verlaufen, da es ohne jede Tatkraft und Umsicht ins Werk gesetzt wurde; -dies ist um so auffallender, als es doch so lange vorbereitet war und man die -Erfahrungen des glorreichen Angriffes 1596 (Howard und Essex) sowie des -Mißerfolges 1625 (Wimbledon) für sich hatte. Der diesmalige Mißerfolg wird -von den Quellen den verschiedenen Führern zugeschrieben: die Holländer -(z. B. de Jonge) klagen den General Ormond des Mangels an Tatkraft an, -hervorgerufen durch Unfähigkeit oder gar böse Absicht, weil er ein Gegner -Marlboroughs gewesen sei; englische Quellen (und zwar fast alle) schieben -die Schuld mehr auf die Lauheit Rookes und seiner Flaggoffiziere (Fairborne -ausgenommen) sowie auf Mangel an Einigkeit zwischen den Land- und Seeoffizieren. -Die Schilderung wird zeigen, daß beide Auffassungen ihre Berechtigung -haben; hinzu trat noch die Einwirkung des <em class="gesperrt">Prinzen Georg -von Hessen-Darmstadt</em>,<a name="FNanchor_264_264" id="FNanchor_264_264"></a><a href="#Footnote_264_264" class="fnanchor">[264]</a> der sich als Repräsentant des Kaisers -auf der Flotte befand. Dieser sprach gegen jedes allzu schroffe Auftreten,<span class="pagenum"><a name="Page_514" id="Page_514">[514]</a></span> -in der Absicht; die Bevölkerung Südspaniens für Habsburg zu gewinnen -oder sie wenigstens nicht dagegen auf zubringen; man muß annehmen, daß -seine Bedenken dann den englischen Führern ganz erwünscht kamen. Von -Rooke sagen Zeitgenossen, er habe von dem Unternehmen so gleichgültig -gesprochen, daß man daraus hätte folgern können, er würde dem Feinde -nicht viel Schaden tun; er lag auch während der Ausreise und während des -Angriffs fast stets krank (?) im Bett. <b>Der Angriff</b> bietet wenig von Bedeutung.</p> - -<p class="small">Am 23. August ankerte die Flotte in der Bucht westlich von Cadiz. Hier lagen -3 Kriegsschiffe und einige (4–6) Galeren der Franzosen, die in den Hafen einliefen; -Fairborne wollte sofort folgen, aber Rooke verbot es. Auf der Reise war öfters Kriegsrat -abgehalten, meist Land- und Seeoffiziere getrennt, es bestand jedoch noch kein Plan -über das, was man unternehmen und wie weit man gehen wollte. Eine Aufforderung -zur Übergabe, gestellt in der Hoffnung auf habsburgische Gesinnung in der Stadt, -wurde abgelehnt; man erfuhr, daß die Befestigungen gut im Stande seien, und daß -4000–5000 Mann in der Stadt lägen, und hielt deshalb einen Handstreich für ausgeschlossen. -Nach seiner Instruktion hätte Rooke sich jetzt gegen einen anderen Hafen -wenden können; die Order scheint nur mit einem Handstreich gerechnet zu haben, -sei es, um nicht zu viel aufs Spiel zu setzen oder um nicht zu lange Zeit auf eine Belagerung -zu verwenden, sei es, um die Bevölkerung zu schonen, aus demselben Grunde, den der -Prinz von Hessen vertrat. Ein gemeinsamer Kriegsrat beschloß aber den Angriff.<a name="FNanchor_265_265" id="FNanchor_265_265"></a><a href="#Footnote_265_265" class="fnanchor">[265]</a> -Der Generalstabschef Ormonds schlug nach einer Erkundung vor, auf der Insel Leon, also -möglichst nahe östlich von der Stadt, zu landen; der Kriegsrat lehnte es ab, vielleicht -aus seemännischen Gründen (zu offene Küste). Die Truppen wurden zwischen S. Catalina -und Rota ausgeschifft und Rota besetzt; beides geschah ohne nennenswerten -Widerstand. Erst nach fünf Tagen marschierte Ormond nach S. Maria, das verlassen vorgefunden -wurde; auch hier blieb man vier Tage untätig stehen, plünderte aber die Stadt, -ja selbst die Kirchen, und diese Plünderung, an der sich sogar Offiziere, auch der höheren -Dienstgrade, beteiligten, wirkte höchst nachteilig für die habsburgische Sache. Große -Weinlager waren gefunden worden und die schlecht in Disziplin gehaltenen, meist -betrunkenen Leute „behaved in a most disgraceful and abominable manner“ (nach -Clowes). Inzwischen war S. Catalina von den Mörserbooten beschossen und ergab sich -sofort einem heranrückenden kleinen Truppenteil.</p> - -<p class="small">Bis dahin waren also Erfolge erzielt, wenn auch langsam; Almonde soll stets versucht -haben, durch General Sparre bei Ormond auf lebhafteres Vorgehen hinzuwirken. -Jetzt mußte man den Hafen und Cadiz selbst angreifen; hierzu war die Mitwirkung der -Flotte nötig. Man wollte das Fort Matagorda nehmen, das dem Fort Puntales gegenüber -gelegen die Einfahrt von Osten her deckte, sowohl um der Flotte das Einlaufen in den -Hafen zu erleichtern, als auch um von dort die Truppen auf die Insel Leon überzuführen. -General Sparre marschierte mit 3000 Mann über Puerto Real vor das Fort, konnte aber -wegen der schlechten Wege nicht genügend Artillerie hinschaffen. Die Flotte machte -Schwierigkeiten, Truppen usw. von S. Maria oder Rota dorthin zu bringen: die Schiffe -müßten erst Wasser nehmen und könnten auch die Boote nicht entbehren. Geradezu -ablehnend verhielt sich Rooke nicht, aber er tat auch nichts. Schon waren Schiffe -zum Forcieren bestimmt gewesen, falls Matagorda gefallen sei, später jedoch äußerte -sich der Kriegsrat der Seeoffiziere wieder, auch dann könnten die Schiffe nicht einlaufen; -er schlug vor, zunächst die Stadt in einer „günstigen“ Nacht zu beschießen. Hiergegen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_515" id="Page_515">[515]</a></span> -sprach aber der Prinz von Hessen und auch Rooke fand nie günstiges Wetter. Matagorda -hielt sich, unterstützt durch das Feuer der Galeren, und die Spanier versenkten Schiffe in -der Einfahrt. Der Kriegsrat der Landoffiziere erklärte, ohne Hilfe der Flotte könne -das Landungskorps das Fort nicht nehmen und nicht vor die Stadt gelangen, da es der -schlechten Wege und der vielen Wasserläufe halber von P. Reale nicht ganz über Land -bis zur Insel Leon marschieren könne; zu einer förmlichen Belagerung fehle ihm überhaupt -das nötige Material. So wurde am 16. September allgemein beschlossen, das -Unternehmen aufzugeben; nachdem alle Magazine mit Schiffs- und Kriegsvorräten in -den besetzten Plätzen verbrannt waren, schiffte man am 25. September die Truppen ein.</p> - -<p>Man hatte nichts erreicht als die Vernichtung einiger Magazine, und weit -mehr hatte die Plünderung der Ortschaften der allgemeinen Sache geschadet.</p> - -<p>Rooke und sein Kriegsrat beschlossen, nach England zurückzukehren, -sie hatten nur die Sicherheit der Schiffe im Auge. Es ist möglich, daß auch -die Lauheit bei dem Unternehmen teilweise dem Gedanken zuzuschreiben -ist, die Flotte unversehrt zu erhalten, falls eine französische sich zeigen sollte. -Vergeblich versuchte der Prinz von Hessen, unterstützt durch die Generale -und durch Almonde, Rooke zu bewegen, einen anderen Hafen zu nehmen. -Der Prinz wies auf die in der Instruktion genannten Städte hin, Rooke fand bei -allen seemännische Bedenken; der Prinz schlug einen Hafen an der Ostküste vor -— z. B. Valencia, Aragonien und Katalonien würden sich gegen Philipp V. erheben — -Rooke sagte, seine letzte Order verböte ihm, weiter als Cadiz zu gehen. Eine -Rückkehr nach England lag keineswegs in der Absicht der englischen Regierung, -wie aus späteren Befehlen zu ersehen ist. Der Admiral hat diese wohl nicht -rechtzeitig erhalten; aber auch eine Aufforderung des englischen Gesandten -(Methuen) in Portugal, nach Lissabon zu kommen und dort zu überwintern, -konnte seinen Entschluß nicht ändern.</p> - -<p>Am 1. Oktober verließ die Flotte die Bucht von Cadiz, nahm vor Lagos -Wasser, zweigte hier 6 Linienschiffe mit 2000 oder 3000 Mann auf Transportern -unter Kapitän Walker nach Westindien zur Verstärkung Benbows ab und -trat dann die Reise nach England an.</p> - -<p class="small">Einige Andeutungen über die ebenerwähnten späteren Befehle (genauer in Corbett, -Teil II, Seite 266): Mitte August wurde Rooke die Einnahme von Cadiz dringender als -bisher ans Herz gelegt; man wußte, daß Frankreich wieder im Adriatischen Meere sich -zeige, und glaubte, daß von Toulon eine größere Macht dorthin abgehen solle. Mit dem -Zurückbringen seiner Schiffe im Winter brauche Rooke nicht zu rechnen; er könne -in Cadiz bleiben, weil im Frühjahr eine große Flotte im Mittelmeer auftreten solle. (Marlboroughs -Plan gegen Südfrankreich und Eroberung Neapels für den Kaiser.)</p> - -<p class="small">Ein zweiter Befehl, Mitte September, als die ungünstigen Nachrichten von Cadiz -eingetroffen, weist wiederum auf Einnahme eines anderen Platzes hin. Man wollte -Rooke an der spanischen Küste festhalten, weil man wußte, daß die Silberflotte bald -ankommen müsse und in einen spanischen Hafen einlaufen wolle.</p> - -<p class="small">Die dritte Verfügung, vom 24. September, als man annahm, die Silberflotte müsse -schon unbemerkt eingelaufen sein, fordert wieder die Eroberung von Cadiz; jedenfalls -müsse Ormond kräftig unterstützt werden, die großen Schiffe solle Rooke, wenn durchaus -nötig, nach Lissabon schicken. Methuen teilte ihm mit, er könne dorthin kommen. -Der König schwanke schon, seitdem die Flotte an der Küste sei; käme eine Streitmacht -in den Tajo, so würde er den Verbündeten beitreten. Diese Nachricht erhielt Rooke -in Lagos.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_516" id="Page_516">[516]</a></span></p> - -<p>Stürmische Gegenwinde ließen die Reise längs der Küste nur langsam -fortschreiten und hierdurch sollte Rooke die Gelegenheit finden, einen großen -Schlag zu tun:</p> - -<p><b>Die Vernichtung der Silberflotte in Vigo.</b> <em class="gesperrt">Château-Renault</em> -hatte mit dieser unbelästigt Westindien verlassen können; auf den Azoren -hörte er, daß Rooke mit der Hauptflotte an der spanischen Südküste sei. -Seinem Vorschlage, die Galeonen nach einem französischen Hafen zu bringen, -trat der spanische Admiral entgegen — „spanischer Stolz“ sagen die französischen -Quellen; „Mißtrauen gegen ihren Verbündeten“ meinen die englischen -—, so entschloß er sich, nach Vigo zu gehen. Am 27. (21.?) September -traf er dort ein, gerade noch rechtzeitig, denn auch <em class="gesperrt">Shovel</em> hatte Mitte September -den Befehl erhalten, von der französischen Küste nach Finisterre -zu segeln. Methuen in Lissabon scheint Renaults Ankunft sehr spät erfahren -zu haben, denn erst zehn Tage darauf kam sein Bote mit der Nachricht in -Faro an. Die Flotte hatte soeben die Reise fortgesetzt, so daß der Konsul -trotz aller Bemühungen Rooke nicht mehr erreichen konnte. Der Bote -traf aber noch einige Transporter beim Wassernehmen und der Kommodore -der begleitenden Kriegsschiffe sandte sofort eine Fregatte (Kapitän Hardy) -der Flotte nach.</p> - -<p class="small">Nach einer anderen Erzählung erfuhr der Kommodore die Ankunft der Silberflotte -durch beurlaubte Offiziere — besonders einen Prediger —, denen gegenüber der französische -Konsul damit großgetan hatte, daß Renault den Verbündeten entwischt sei; -es ist wohl eine Sage.</p> - -<p class="small">Daß der Angriff auf die Silberflotte überhaupt ganz dem Zufall zu verdanken sei, -wie oft gesagt, ist nicht richtig. England hatte alle Schritte dazu getan: Methuen gab -acht, Shovel hatte entsprechenden Befehl und auch Rooke versuchte sich zu unterrichten. -Er fragte auf seiner Reise in Faro an und schickte auch ein Schiff nach Lissabon, -doch konnte dieses wegen Sturmes nicht gleich wieder auslaufen. Von England waren -acht Fahrzeuge an Shovel und Rooke mit dem Befehle abgesandt, Renault auf der Reise -oder in Vigo anzugreifen; Shovels Station wußte man und Rooke hatte seine Kreuzer -so vor sich verteilt, daß er voraussichtlich jede Nachricht von England erhalten mußte.</p> - -<p>Hardy traf die Flotte bei Finisterre (17. Oktober), Rooke rief seine Kreuzer -zurück und sandte sie gegen Vigo, um die Richtigkeit der Nachricht zu prüfen; -er selber folgte mit der Flotte. Das schlechte Wetter hatte zwölf Stunden -die Kommunikation zwischen Hardy und dem Admiral gehindert und erst -am nächsten Tage konnte ein Kriegsrat stattfinden, zu dem auch nur die -zu Luward stehenden Flaggoffiziere erschienen. Der Angriff auf Vigo wurde -beschlossen. Auf dem Wege dorthin erfuhr Rooke, daß Shovel in der Nähe -sei. Er rief ihn zur Mitwirkung heran, wartete jedoch nicht auf seine Ankunft. -Sobald die Verhältnisse in Vigo erkundet waren, ging man zum Angriff über.</p> - -<p class="small">Im Kriegsrat soll ein großer Teil der englischen Offiziere dagegen gewesen sein, -in so später Jahreszeit an der gefährlichen Küste etwas zu unternehmen; Almonde soll -energisch dafür eingetreten sein, Rooke nur zögernd eingewilligt haben. Rooke fühlte -sich auch während der Durchführung des Angriffes zu krank, um die Kajüte zu verlassen!</p> - -<p class="small">Château-Renaults Flotte bestand aus 15 (13?) französischen Linienschiffen, darunter -11 über 70 Kanonen, 3 spanischen, einigen kleineren Kriegsschiffen und 3 Brandern;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_517" id="Page_517">[517]</a></span> -die Silberflotte zählte 13 Galeonen, 20–30 Kanonen, mit Edelmetallen und wertvollen -Gütern beladen. Von dem Silber war allerdings der größere Teil schon ausgeschifft -und vieles auch schon landeinwärts gebracht. Der französische Admiral hatte sich nach -Möglichkeit eine gute Stellung geschaffen. Die meisten Schiffe und die Galeonen waren -in die Bucht von Redondela gelegt; das Fort im Süden der nur ¾ Seemeilen breiten -Einfahrt hatte man durch eine Batterie verstärkt (zusammen 38 Kanonen) und eine -zweite Batterie im Norden gebaut (20 Kanonen). In die Einfahrt war eine schwere -Floßsperre gelegt, flankiert durch 2 der schwersten Linienschiffe, hinter der Sperre -waren 5 Linienschiffe im Halbmond vermoort; diese lagen aber etwas zu weit von der -Sperre, um die heransegelnden Feinde gerade bei ihr mit vollem Feuer zu überschütten.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p517.jpg" width="400" height="339" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p517" id="fig_p517"></a> -<p class="caption">Vigo 23. Oktober 1702.</p> -</div> - -<p class="small">Die Flotte der Verbündeten -segelte am -22. Oktober trotz rauhen -und unsichtigen Wetters -in die Bucht von Vigo -ein; unbehindert, weil -sich außerhalb der Enge -nur bei der Stadt einige -schwache Befestigungen -befanden. Der Kriegsrat -der Flaggoffiziere setzte -den Angriff für den -nächsten Tag an: 15 englische -und 10 holländische -Linienschiffe, meist über -70 Kanonen und mit allen -Flaggoffizieren, sollten in -7 Gruppen von 3–5 -Schiffen die Sperre forcieren, -unterstützt von -den Mörserbooten und -Brandern; etwa 4000 -Mann sollten landen und -die Befestigungen des Südstrandes -nehmen. Am 23. -mit Tagesanbruch wurde dem Plane gemäß verfahren. <em class="gesperrt">Vizeadmiral Hopson</em> -führte die erste Gruppe (5 Engländer), <em class="gesperrt">Vizeadmiral van der Goes</em> die zweite -(3 Holländer) und nur diese beiden kamen zur Verwendung.</p> - -<p class="small">Die Landung ging (2000–3000 Mann) unter dem Schutze einiger Schiffe ohne Widerstand -vor sich; spanische Milizen (8000? Mann), die dem Feinde entgegentraten, wurden leicht -in die Flucht geschlagen und darauf die Befestigungen trotz tapferer Gegenwehr (300 bis -500 französische Seesoldaten nebst einigen Spaniern) genommen. Das Landungskorps -besetzte Redondela und machte hier reiche Beute an schon gelandeten Gütern; wenn -sich auch zahlreiche Mannschaften der Schiffe am Lande befanden, so war doch kein -Widerstand organisiert, allgemeine Flucht riß ein. Der Angriff zu Wasser war weniger -leicht, wurde aber mit Bravour durchgeführt. Mit der Landung hatten die Schiffe -Anker gelichtet, mußten aber wegen Windstille gleich wieder ankern. Als bald darauf -Wind aufsprang, kappte Hopson sofort sein Kabel und sprengte unter äußerstem Segeldruck -die Sperre; der Wind schlief wieder ein, so daß seine Hinterleute nicht dicht -aufgeschlossen bleiben und die Sperre nicht beiseite drängen konnten, zwei Holländer -z. B. blieben hängen und mußten sich mit Beilen loshauen. Ein englisches Linienschiff -legte sich zwar vor die Nordbatterie und kämpfte sie nieder, aber Hopson lag allein zu -Anker hinter der Sperre in schwerem Kampf mit den flankierenden Franzosen, bis bei<span class="pagenumsmall"><a name="Page_518" id="Page_518">[518]</a></span> -wieder aufkommendem Winde nach und nach die Schiffe der beiden Gruppen -durchsegelten.</p> - -<p class="small">Nun begann das Vernichtungswerk. Auf den feindlichen Schiffen herrschte Verwirrung -und Schrecken, Renault gab selber bald den Befehl, die Schiffe anzuzünden -oder auf Strand zu setzen. Der Widerstand war sehr gering; nur Hopsons Flaggschiff -wurde durch einen Brander in Flammen gesetzt, mit Mühe wurde das Feuer gelöscht. Bis -Sonnenuntergang waren 6 französische Linienschiffe und 5 noch reich beladene Galeonen -genommen, die übrigen Schiffe verbrannt oder gesunken. Der Verlust der Verbündeten -war sehr gering, nur Hopsons Schiff hatte gegen 100 Tote, am Lande waren etwa 40 Mann -gefallen. Der Verlust der Gegner war bedeutender, vornehmlich an Gefangenen, doch -wurden diese bis auf die Offiziere — worunter Renault, mehrere französische Kapitäne -und auch der spanische Admiral — freigelassen.</p> - -<p class="small">Wohl mit Recht sagt Colomb, daß es von Renault richtiger gewesen sein würde, -nur die Galeonen in die innere Bucht zu legen und mit den Kriegsschiffen den Gegner in der -äußeren Bucht zu erwarten, wo er die Breitseiten aller Schiffe hätte zur Verwendung -bringen können. Er muß seine Stellung für unbedingt sicher gehalten haben; es ist -doch auch auffallend, daß man während der drei Wochen nicht alle Schätze der Galeonen -geborgen hatte. Renault wurde zwar später Marschall, doch nicht wieder zur See verwendet; -man traute seinem Stern nicht mehr.</p> - -<p>Der Erfolg war groß. Frankreich verlor bei Beginn des Krieges ein -stattliches Geschwader, Spanien einen großen Teil seiner Hilfsmittel. Die -Silberflotte mit der Bergwerksausbeute von zwei Jahren soll eine der reichsten -gewesen sein, die je gefahren ist. Portugal erkannte die Macht der -Seemächte. Colomb nimmt diesen Fall als Beispiel für das Gelingen von -Unternehmungen gegen Land, wenn man die See beherrscht. Daß die Verbündeten -die See beherrschten, war eine Folge der falschen Kriegführung der -Franzosen, hervorgerufen durch falsche Sparsamkeit oder Unverständnis. Man -hätte eine Flotte zur Aufnahme Château-Renaults zusammenziehen können; -in Brest, Toulon sowie den kleineren Häfen waren Divisionen im Dienst und -an Schiffen fehlte es überhaupt noch nicht.</p> - -<p>Für <em class="gesperrt">Rooke</em> war der Vorfall von großem Nutzen. In England wie in -ganz Europa war der Eindruck großartig, er verdunkelte in diesem Jahre -die Erfolge Marlboroughs und Eugens; in Holland wurden Dankgottesdienste -und Freudensalute in allen Grenzfestungen angeordnet. Der Admiral wurde -wieder beliebt, besonders im Unterhause, und die Klagen Ormonds im Oberhause -über mangelhafte Unterstützung seitens der Flotte hatten keinen Erfolg. -Rooke verteidigte sich dagegen mit der schlechten Vorbereitung der Expedition; -eine Sache, auf deren nähere Untersuchung die Minister und die -Admiralität lieber nicht eingingen.</p> - -<p>Seine Abneigung gegen die Pläne der Regierung zeigte Rooke nochmals -gleich nach Vigo. Einige Tage nach dem Ereignis traf Shovel ein, ihm überließ -der Chef die weiteren Maßregeln für Verladen der Beute und Kanonen, Segelfertigmachen -der Prisen, Zerstörung des Nichtmitzunehmenden, Einschiffen -der Truppen; er selbst ging mit dem größten Teil der Flotte, darunter die ihm -so sehr am Herzen liegenden Dreidecker, nach England. Shovel folgte einige -Tage später. Vergeblich hatten wiederum der Prinz von Hessen und Ormond -gebeten, auch die Stadt Vigo zu nehmen, dem Landungskorps ein starkes<span class="pagenum"><a name="Page_519" id="Page_519">[519]</a></span> -Geschwader zu lassen und so den gewünschten Stützpunkt zu schaffen. -Rooke ging nicht darauf ein, er hatte auch sofort seine Transporter mit Proviant -und Material nach der Heimat vorausgesandt. Corbett sagt: „So hat Rooke -doch seinen Willen behalten. Der Plan der Regierung war gescheitert, er -aber hat „etwas an der Küste getan“ (wider Erwarten sogar einen großen -Erfolg erzielt) und seine Schiffe vor dem Winter heimgebracht.“</p> - -<p>Die Flotte wurde nach Rückkehr aufgelöst, die großen Operationen -waren zu Ende.</p> - -<p><b>Die Jahre 1703 und 1704. Einnahme von Gibraltar, Schlacht bei Malaga.</b> -Das Jahr 1703 bringt uns wenig Tatsachen, eigentlich nur Pläne, die erst in -späteren Jahren zur Ausführung kommen. Im Winter 1702/03 fanden in London -Beratungen über die nächsten Operationen statt, denen auch Marlborough -und de Almonde beiwohnten; es war für dieses Jahr dem Kaiser versprochen -worden, ihn bei der Eroberung beider Sicilien zu unterstützen. Es wurde -beschlossen, schon im Februar 30 englische und 12–15 holländische Linienschiffe -ins Mittelmeer zu senden; da man annahm, daß Rooke nicht damit -einverstanden sein würde, sollte er „mit Rücksicht auf seine Gesundheit“ -die Admiralität übernehmen. Diesen Plan ließ man jedoch fallen, entweder -weil die Schiffe wegen der späten Rückkehr im Vorjahre nicht fertig geworden -waren, oder und wahrscheinlicher weil der Kaiser infolge der ungarischen -Unruhen keine Truppen stellen konnte. Man setzte nun eine 96 Schiffe -starke Flotte im Kanal fest, von der nur 35 Linienschiffe unter <em class="gesperrt">Shovel</em> -für das Mittelmeer abgezweigt werden sollten. Der Befehl für diese<a name="FNanchor_266_266" id="FNanchor_266_266"></a><a href="#Footnote_266_266" class="fnanchor">[266]</a> lautete: -den Frühjahrs-Levanteconvoi sicher bis Malta zu führen; die Verträge mit -den Barbaresken zu erneuern und sie womöglich zur Kriegserklärung gegen -Frankreich zu bewegen; Toskana und Venedig, die zu Frankreich neigten, -zu strenger Neutralität zu zwingen; das Adriatische Meer für Österreich -freizuhalten, dieses in Norditalien sowie die habsburgische Partei in Neapel -zu unterstützen; bei günstiger Gelegenheit Cadiz, Toulon oder andere spanische -oder französische Häfen anzugreifen; endlich im September/Oktober den -Levanteconvoi heimzuführen. (Nach Corbett war in einem Begleitschreiben -der Hauptwert auf Sicherung der Convois gelegt.) Shovel sollte frühzeitig -segeln, wurde aber sehr verzögert und dadurch gehindert, etwas von Bedeutung -auszuführen; der Rest der Seestreitkräfte war noch tatenloser, für die Flotte -im Kanal stellte Holland kein Schiff.</p> - -<p class="small">Holland stellte in Dienst: 12 Linienschiffe für die Nordsee, hauptsächlich zur -Deckung der erwarteten Ostindienfahrer; 10 Linienschiffe gegen Dünkirchen und gegen -eine Division Galeren in Ostende. Es sollte 18 Linienschiffe für das Mittelmeer stellen, -brachte es aber nur auf 12, die erst am 25. Juni in Spithead eintrafen. Außer Amsterdam -und Maas klagten die Admiralitäten über Geldmangel; Wilhelm von Oranien fehlte eben.</p> - -<p>Die Hauptflotte der Engländer unter <em class="gesperrt">Rooke</em> trat frühzeitig, aber nur -nach und nach zusammen; genaue Angaben fehlen, englische Quellen nennen -sie „vast“. Ihre Order war <span class="pagenum"><a name="Page_520" id="Page_520">[520]</a></span>„so altmodisch wie möglich, ganz nach Rookes Geschmack“ -(nach Corbett): Im Kanal und in der Biscaya die Küsten bedrohen, -um französische Truppen vom Landkriege abzuziehen, den Handel zu stören und -die feindlichen Divisionen in den Häfen festzuhalten. Selbst hierin wurde -nichts geleistet. Rooke blieb untätig in Spithead; als Ende April bekannt -wurde, daß ein Geschwader von Brest nach Toulon gehen wolle, erhielt er -ausdrücklichen Befehl auszulaufen; er schützte Krankheit vor und gehorchte -erst, als man mit seiner Ablösung drohte. Die Flotte kreuzte dann den Sommer -über, ohne mit dem Feinde zusammenzustoßen, zu obengenannten Zwecken; -dazu würde auch die Hälfte der Streitkräfte genügt haben.</p> - -<p>Das langsame Sammeln der Hauptflotte und das späte Eintreffen der -Holländer hielten <em class="gesperrt">Shovel</em> auf, erst am 12. Juli ging er mit 35 Linienschiffen -in See. Inzwischen waren zwei wichtige Punkte zu seinen Aufgaben hinzugetreten. -Als Portugal sich offen gegen Frankreich erklärt hatte, rüstete -Ludwig XIV. ein Geschwader in Toulon gegen dieses Land aus und auch das -erwähnte Brestgeschwader war wohl dazu bestimmt — in diesem Jahre die -einzigen Anzeichen für ein geplantes größeres Unternehmen von seiten Frankreichs. -Ferner hatten sich in Südfrankreich die protestantischen Bauern -erhoben (die Camisarden, Cevennenkrieg) und auch Savoyen zeigte sich den -Verbündeten geneigt. Wenn man Savoyen gewann und den Empörern die -erbetene Unterstützung, von Cette her, gewährte, mußten die Franzosen -in Norditalien in sehr bedrängte Lage kommen. Hierfür erhielt Shovel entsprechende -Befehle, auf Portugal brauchte bei seiner Abfahrt schon keine -Rücksicht mehr genommen zu werden. Ludwig hatte die Indienststellungen -in Toulon aufgegeben, da er die Rüstung der Verbündeten für das Mittelmeer -überschätzte; Portugal wurde dadurch überzeugt, daß die Seemächte es -schützen könnten. Dies war aber auch der einzige Erfolg der diesjährigen -Mittelmeerexpedition, zu allem andern war sie zu spät in See -gegangen.</p> - -<p>Shovel erreichte erst am 5. August Lissabon. Der Vorschlag Almondes, -Cadiz anzugreifen, fand im Kriegsrat keinen Anklang; Shovel erklärte, seine -anderen Aufgaben, insbesondere die Unterstützung der Camisarden, gingen -vor. Am 9. September auf der Höhe von Cartagena angekommen, beschloß der -Kriegsrat, wegen der vorgerückten Jahreszeit nur 2 Kriegsschiffe mit Waffen -und Kriegsmaterial an die gefährliche Küste bei Cette zu senden, mit der -ganzen Flotte aber und mit den dorthin bestimmten Kauffahrern nach -Livorno zu gehen; wieder schlug Almonde vor, gerade wegen der vorgerückten -Jahreszeit die Kauffahrer nur unter einer Bedeckung segeln zu lassen und -zu versuchen, mit der Flotte doch noch andere der gestellten Aufgaben zu -lösen. Die nach Cette gesandten Schiffe kehrten bald zurück, die verabredeten -Signale waren von den Aufständischen nicht beantwortet worden. -Infolge ungünstiger Winde traf die Flotte erst am 30. Oktober in Livorno ein, -die Zeit ihrer Heimfahrt war also schon längst gekommen. Die kurze Spanne, -die allenfalls noch geopfert werden konnte, benutzte Shovel zur Einwirkung -auf Toskana.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_521" id="Page_521">[521]</a></span></p> - -<p class="small">Großen Eindruck soll es in Livorno gemacht haben, als die Flotte auf die Nachricht, -daß Karl von Österreich zum König von Spanien ausgerufen sei, Salut feuerte.</p> - -<p class="small">In Livorno hörte man, daß zwar noch keine österreichischen Truppen in Neapel -seien, daß es aber sehr günstig gewesen wäre, wenn die Flotte dort erschienen wäre, wie -Almonde vorgeschlagen hatte. Wir wissen, daß dieser schon im vorigen Kriege oft -das Richtige geraten und auch durchgesetzt hatte. Jetzt aber, nach Wilhelms III. Tode, -war das Verhältnis zwischen den englischen und holländischen Offizieren sehr viel -schlechter geworden; diese beklagten sich mehrfach darüber, daß sie nicht mehr beachtet -würden und natürlich gegen die überwiegende Stimmenzahl im Kriegsrate nicht durchdringen -könnten.</p> - -<p>Die Flotte ging dann nach England zurück, von dem holländischen Kontingent -überwinterten 6 Linienschiffe in Lissabon. Erreicht war also nur, -daß Frankreich sich im Mittelmeer nicht rührte, daß Toskana eingeschüchtert -wurde, und vielleicht hat das Erscheinen der Flotte auch Savoyens Abfall -von Frankreich beschleunigt. Eine zu den Barbaresken gesandte Flottenabteilung -hatte zwar die Verträge erneuert, aber die Kriegserklärung gegen -Frankreich nicht erreicht.</p> - -<p class="small">Ein nachgesandter Befehl, ein Geschwader für das Adriatische Meer zurückzulassen, -traf Shovel nicht mehr. Er hätte ihn auch nicht befolgen können, da die Schiffe zu -schlecht ausgerüstet waren und die Besatzungen sehr unter Krankheit litten.</p> - -<p class="small">Nach dem Eintreffen in der Heimat erlitten die so wenig widerstandsfähigen Schiffe -ein großes Unglück. In einem schweren und anhaltenden Sturme, Ende November -bis Anfang Dezember, gingen in den Downs 9 Linienschiffe und 4 andere Fahrzeuge -mit 1500 Mann verloren, die übrigen Schiffe wurden fast zu Wracks. Shovels Flaggschiff -rettete sich durch Kappen der Masten; Vizeadmiral Fairborne wurde, vor dem -Sturme lenzend, bis in die Ostsee vertrieben, und galt bis zu seiner Rückkehr im Frühjahr -für verloren; in diesem Sturme wurde auch der Leuchtturm von Eddystone völlig weggewaschen.</p> - -<p>Wie <b>das Jahr 1704</b> im Landkriege sehr bemerkenswert ist, so bringt es -auch zur See wichtige Unternehmungen sowie die einzige Seeschlacht dieses -Krieges. <em class="gesperrt">Portugal</em> war den Gegnern Frankreichs nur unter der Bedingung -beigetreten, daß der von diesen aufgestellte König Karl III. in Lissabon lande -und von hier aus sein Reich erobere; die Seemächte sollten dazu 10000 Mann -Infanterie und 2000 Kavallerie stellen sowie ständig eine Flotte in den portugiesischen -Gewässern halten. Die Verhandlungen hatten schon im Sommer -1703 begonnen, zogen sich aber so lange hin, daß die Rüstungen erst im November -fertig wurden, und nun hinderte die ebenerwähnte Sturmperiode, die -am 21. November einsetzte und fast den ganzen Dezember andauerte, das -Zusammentreten der Expedition in Portsmouth.</p> - -<p class="small">Der größere Teil des für die Expedition bestimmten holländischen Kontingents -wurde auf der Fahrt von Texel nach der Maas in die Nordsee vertrieben und traf erst -am 3. Januar in Portsmouth ein. In der Maas lag der Rest der Holländer sowie eine -Anzahl englischer Schiffe, mit dem König Karl, seiner Begleitung und Truppen an -Bord; auch dieser Teil der Flotte konnte erst am 3.–4. Januar nach England hinübergehen. -Sowohl in der Nordsee wie in der Maas waren die meisten Fahrzeuge — Kriegsschiffe, -Transporter und Kauffahrer —, denn auch ein Convoi sollte angeschlossen werden -— schwer beschädigt, so daß längere Ausbesserungen nötig waren; die sechs Wochen -in der Nordsee gewesenen Schiffe mußten ihre Ausrüstung ergänzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_522" id="Page_522">[522]</a></span></p> - -<p>Erst am 16. Januar 1704 konnte die Flotte Spithead verlassen und -kanalabwärts segeln, wurde aber durch Sturm wieder nach Torbay zurückgetrieben -und dort drei Wochen festgehalten, bis sie endlich am 24. Februar die -Reise antrat. Den Oberbefehl führte <em class="gesperrt">Sir George Rooke</em>; die Flotte -zählte 17 (18?) englische und 12 holländische (Leutnantadmiral Callenburgh) -Linienschiffe, einige Fregatten, 3 holländische Mörserboote und Transporter -mit Truppen; ein großer Convoi schloß sich an, so daß gegen -300 Segel beisammen waren. Um König Karl möglichst bald überzuführen, -segelten 23 Linienschiffe voraus; der Rest der Kriegsschiffe folgte mit -dem Convoi später, traf aber nur wenige Tage nach dem Könige in -Lissabon ein.</p> - -<p class="small">Holland hatte sich verpflichtet, 24 Linienschiffe zu stellen. 6 waren im Vorjahre -in Lissabon geblieben, 12 stießen zu Rooke, es fehlten also 6. Zwar stellte die Republik -1704 wieder 35 in Dienst, behielt aber 17 in den nördlichen Gewässern, geteilt in 3 Geschwader: -Schutz der Nordsee; gegen Dünkirchen und die Galeren in Ostende; zum -Erwarten der Ostindienfahrer. Zum Handelsschutz traten noch 35 Konvoijers hinzu. -Man erreichte, daß in diesem Jahre Handel und Fischerei geringere Verluste erlitten, -als je zuvor in diesem oder dem früheren Kriege; die Franzosen wagten nur wenige -Vorstöße und diese schlugen fehl. Aber England erhob doch später die Klage, Holland -habe die „gemeinsame“ Sache vernachlässigt.</p> - -<p class="small">England stellte im Frühjahr unter <em class="gesperrt">Shovel</em> noch eine zweite Flotte auf — -das West-France-Squadron, 25 Linienschiffe, das auch bald ins Mittelmeer ging.</p> - -<p>Nach der Landung des Königs und der Truppen, Mitte März, ging Rooke -mit dem größeren Teile der Flotte in See, um an der spanischen Küste gegen -den Handel zu kreuzen und um eine Vereinigung der französischen Mittelmeerstreitkräfte -mit denen des Atlantik zu hindern.</p> - -<p>Ludwig XIV. hatte für dieses Jahr noch einmal eine Gesamtverwendung -seiner Kräfte ins Auge gefaßt. Im Vorjahre waren die Divisionen in den nördlichen -Häfen blockiert, der Handel hatte sehr gelitten und auch die Toulonflotte -war am Auslaufen gehindert. Jetzt sollte alles zusammengezogen -werden, um, gestützt auf Toulon und die spanischen Häfen, schon von der -Straße von Gibraltar an die Seeherrschaft im Mittelmeer zu behaupten. -In allen Häfen wurde eifrig gerüstet. Es wurden auch insgesamt etwa 55 -Linienschiffe in Dienst gestellt und schließlich vereinigt — im Norden scheint nur -in Dünkirchen eine Division von 3–5 Schiffen zurückbehalten zu sein —, -aber wegen Geldmangels blieben die Rüstungen sehr zurück, besonders in -Toulon. Die Atlantikflotte, 25 Schiffe unter dem Admiral von Frankreich, -dem jetzt 26 Jahre alten <em class="gesperrt">Graf von Toulouse</em>, lief am 6. Mai von -Brest aus und erreichte, wie wir sehen werden, Anfang Juni wohlbehalten -Toulon; die Toulonflotte, 30 Schiffe, war aber erst Ende Juli seeklar. Als -man in England erfuhr, daß die Divisionen in den atlantischen Häfen bereit -seien, erhielt <em class="gesperrt">Shovel</em> (Mitte April) den Befehl, seine eben erwähnten Kräfte -zusammenzuziehen und auszulaufen; er sollte ausgehende Convois sowie -die Zufuhren nach Lissabon schützen, die Vereinigung der französischen -Divisionen hindern oder, wenn diese schon geschehen, den Gegner in Brest festhalten<span class="pagenum"><a name="Page_523" id="Page_523">[523]</a></span> -und, falls dieser schon nach dem Süden ausgelaufen sei, zu Rookes -Verstärkung ihm folgen.</p> - -<p class="small">Corbett sagt: „Man findet hierin den von Oranien (und Marlborough) zuerst gefaßten -und seitdem fast stets durchgeführten Gedanken, daß das Kanal- und das Mittelmeergeschwader -als „eine“ Flotte zu betrachten ist, die je nach der Verteilung der -feindlichen Kräfte innerhalb oder außerhalb der Straße von Gibraltar zusammen oder -geteilt verwendet wird.“</p> - -<p>Shovel erhielt bei Lizard Mitte Mai die Nachricht, daß Toulouse schon -in See sei, er suchte ihn vergeblich vor dem Eingang des Kanals und ging -dann nach dem Süden. Ende Juni vereinigte er sich mit <em class="gesperrt">Rooke</em>, dessen -Operationen wir jetzt folgen müssen, da sie allein für den Krieg von Bedeutung -sind; in wie enger Verbindung sie mit dem Landkriege standen, zeigen die -Befehle, die Rooke erhielt. Der erste Befehl hatte nur besagt, Portugal und -König Karl bei der Eroberung Spaniens zu unterstützen und die Vereinigung -der Franzosen zu hindern. Bald darauf wurde aber hinzugefügt, der Admiral -könne auch an der Küste der Provence zur Unterstützung Savoyens auftreten, -und dieser Zusatz erhielt Ende März eine genauere Fassung. Man hatte erfahren, -daß Frankreich beabsichtige, Nizza und Villafranca zu erobern, um -nach dem Abfall Savoyens eine sichere Verbindung mit dem Heere in Italien, -auch über See, zu behalten. Rooke bekam deshalb Befehl, ins Mittelmeer -zu gehen und sich so zu halten, daß er den Städten sofort Hilfe bringen könne, -wenn er gerufen würde. Der Befehl war sonst ähnlich, wie der Shovel im -Jahre 1703 gegebene: Unterstützung des Landkrieges in Norditalien; -Abschneiden der Seeverbindung der französischen Heere, ihr Freihalten für -die Kaiserlichen; auch der Befehl, die Vereinigung der Franzosen zu hindern, -blieb bestehen. Aber der Wirkungskreis der Flotte war doch jetzt ausdrücklich -<em class="gesperrt">ins</em> Mittelmeer verlegt, mit dem Hinzufügen, daß König Karl auch an -der Ostküste Spaniens erfolgreich unterstützt werden könne. Rooke erhielt -aber gleichzeitig (nach Corbett) geheime Instruktionen und Marlborough -stand jetzt in geheimer Beratung mit Prinz Eugen über ihr gemeinsames -Vorgehen. Auch hatte der General den Herzog von Savoyen benachrichtigt, -daß im Frühjahr 1704 eine mächtige Flotte erscheinen werde, um ihn zu -unterstützen; er selbst wolle durch einen kräftigen Vorstoß Ludwig XIV. -hindern, seine Truppen in Italien zu verstärken. Rooke wurde nun dahin -verständigt, daß der Krieg in Spanien für die Flotte, ja für den ganzen Kriegsplan, -nicht die Hauptsache sei. Mit dem Vorstoß Marlboroughs und Eugens -an der Donau — dem linken Flügel der langen französischen Stellung solle -durch Savoyen und die Flotte ein Angriff auf Toulon — die Mitte dieser -Stellung und den Stützpunkt der französischen Macht am Mittelmeer — -erfolgen, die Eroberung Spaniens sei nur als eine Diversion auf dem rechten -Flügel anzusehen. Die Flotte habe sich an den Unternehmungen in Spanien -nur soweit zu beteiligen, als zur Verbergung ihrer Hauptaufgabe nötig sei; -wenn der Angriff auf Toulon gelungen wäre, solle Rooke versuchen, Neapel -und Sicilien zu gewinnen. Dieser Plan sei streng geheim zu halten, gelte aber<span class="pagenum"><a name="Page_524" id="Page_524">[524]</a></span> -als Hauptrichtschnur der Flotte, solange Savoyen mitwirken wolle; nur die Unterstützung -Nizzas und Villafrancas sowie das Festhalten der Toulonflotte gehe vor.</p> - -<p class="small">Corbett fügt hinzu: Dieses Programm war für Rooke allerdings kaum durchführbar -und hing zu sehr von Savoyen ab. Und doch darf es nicht ganz als eine Illusion verworfen -werden, sondern kann als einen Hinweis auf die große strategische Kraft betrachtet -werden, die in einer Mittelmeerflotte (einer englischen?) liegt. Bei richtiger -Auffassung der Lage und dementsprechender Verwendung seiner Streitkräfte konnte -Rooke vier französische Armeen festhalten und sie hindern, Verstärkungen nach dem -Hauptkriegsschauplatz abzugeben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rooke</em> erhielt die letzte Order Ende April in Lissabon, als er von seiner -Kreuzfahrt zurückkam, und machte sie im Kriegsrate bekannt, soweit sie -nicht geheim war; es wurde beschlossen, sofort ins Mittelmeer zu gehen, um -in Katalonien für König Karl zu operieren und doch für die bedrohten Städte -bei der Hand zu sein. Am 8. Mai verließ Rooke mit 33 Linienschiffen und den -3 Mörserbooten Lissabon; bei Kap Palos wurden 6 Franzosen, die von Toulon -ausgelaufen oder in Spanien gewesen waren, ohne Erfolg gejagt; gegen Ende -des Monats traf die Flotte in <em class="gesperrt">Barcelona</em> ein. Der <em class="gesperrt">Prinz von Hessen</em> -war der Überzeugung, daß sich die Stadt für König Karl erklären werde, -sobald eine militärische Demonstration gegen sie gemacht würde; es wäre -dies auch vielleicht eingetroffen, wenn nicht der Gouverneur ein tatkräftiger -Mann gewesen. Am 30. Mai wurden 1600 Seesoldaten ohne Widerstand gelandet -und dem Prinzen zur Verfügung gestellt, die Mörserboote legten sich -in Schußweite bereit. Aber auf die Aufforderung zur Übergabe eröffneten -die Spanier das Feuer gegen die Mörserboote und als diese am nächsten Tage -einige Bomben geworfen hatten, wurde bekannt, daß der Gouverneur die -vornehmsten Anhänger Karls verhaftet habe, daß andere geflohen seien und -daß die Besatzung gewillt wäre, auszuhalten. Zu einer förmlichen Belagerung -war das Landungskorps nicht stark genug, eine ernstliche Beschießung der -Hauptstadt einer vorwiegend habsburgisch gesinnten Provinz wollte man vermeiden -und Rooke mußte ja auch nach seinem Geheimbefehl alle Unternehmungen -hier nur als Diversionen betrachten, war also geneigt, sich nicht -zu weit einzulassen. Die Einschiffung der Soldaten wurde beschlossen, zu -ihrer Deckung und zur Genugtuung der herbeigeströmten karlistischen Landbevölkerung -warf man noch einige Bomben, dann ging die Flotte nach den -Hyèren-Inseln in See. Eine Division wurde zur Erkundung gegen Toulon -abgezweigt, vereinigte sich aber bald wieder mit der Hauptmacht. Bei den -Hyèren erhielt Rooke vom englischen Gesandten in Lissabon die Nachricht, -daß <em class="gesperrt">Graf Toulouse</em> mit den Schiffen von Brest auf der Fahrt zum -Mittelmeer an der portugiesischen Küste gesehen sei. Da eine der Hauptaufgaben -der verbündeten Flotte war, eine Vereinigung der französischen -Streitkräfte zu hindern, und da die andern nur gelöst werden konnten, wenn -man die See beherrschte, beschloß der Kriegsrat (5. Juni) ganz richtig, Toulouse -entgegenzugehen, ihn anzugreifen oder, falls er gesichert in Cadiz läge, nach -Lissabon zu gehen, um Shovel, dessen Order man kannte, aufzunehmen und -dann Toulouse zu folgen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_525" id="Page_525">[525]</a></span></p> - -<p class="small">Corbett sagt hierzu: Auch nach seiner Geheiminstruktion mußte Rooke so handeln, -da sich die Verhältnisse geändert hatten. Als der Gesandte Englands im April nach -Turin kam, sah er, daß der Herzog dem Plane eines Angriffs auf Toulon nicht mehr -geneigt war; Holland soll, mehr auf den Schutz seines Handels bedacht und deshalb -gegen größere Unternehmungen im Mittelmeer gestimmt, von einer so gewagten Operation -abgeraten haben. Auch wurde in England bekannt, daß Frankreich von dem Angriff -auf Nizza und Villafranca abgesehen habe, um die dafür bestimmten Truppen zur Armee -in Piemont (Belagerung Turins) stoßen zu lassen, sowie, daß die österreichischen Truppen -in Norditalien zu schwach seien, um einen Erfolg in der Provence zu erzielen. Infolgedessen -erging ein neuer Geheimbefehl an Rooke, nach dem neben der Beobachtung der -Brestflotte der Hauptwert wieder auf den Krieg in Spanien gelegt wurde; der Admiral -habe sich zu diesem Zweck dem König von Portugal und Karl III. zur Verfügung zu -stellen. — Diesen Befehl, von Mitte Mai, kann Rooke allerdings bei den Hyèren nicht -mehr erhalten haben, wohl aber vom Gesandten in Turin die Nachrichten, durch die er -hervorgerufen war.</p> - -<p>Schon am 7. Juni bekamen die Aufklärungsschiffe und am nächsten -Tage die Flotte Toulouse in Sicht, 40–50 Segel, darunter etwa 25 Linienschiffe. -Die Franzosen standen zu Luward und bildeten die Gefechtslinie; flauer Wind -hinderte zwei Tage hindurch die Verbündeten, näher heranzukommen, sowie -auch den Versuch, den Gegner von Toulon abzuschneiden — Clowes sagt, -mit dem Abhalten eines Kriegsrates sei Zeit verloren worden. Da sich die -Flotten immer mehr Toulon näherten und man damit rechnen mußte, daß -aus diesem Hafen Verstärkungen entgegenkommen würden, brach man die -Verfolgung ab und nahm die Reise nach Lissabon auf. Den Franzosen war -die Vereinigung geglückt.</p> - -<p>Rooke traf am 26. Juni in der Bucht von Lagos mit Shovel zusammen. -Es war also kein Grund mehr da, nach Lissabon zu gehen, und die Flotte, -jetzt 56–58 Linienschiffe, war selbst der vereinigten französischen gewachsen. -Die Admirale, die jetzt nur noch diese im Auge hatten, wären gern ins Mittelmeer -zurückgegangen, am nächsten Tage aber erhielt Rooke den offenen Befehl, -sich ganz den beiden Königen zur Verfügung zu stellen. Er mußte also in -Lissabon anfragen, und da er wußte, daß den Königen viel an einem Unternehmen -in Andalusien, besonders gegen Cadiz, liege, erklärte er sich bereit, -auf dem Weg ins Mittelmeer diese Stadt anzugreifen, falls genügend Landtruppen -zur Verfügung ständen. Die Antwort erwartend, ging er zum Wassernehmen -nach Malaga — er mußte sich mit Waffengewalt der Wasserplätze -bemächtigen — und hielt dann die Straße von Gibraltar besetzt. Erst gegen -Ende Juli traf die Antwort ein; sie war zustimmend, aber Truppen waren nicht -verfügbar. Da faßte der Kriegsrat am 27., 20 Seemeilen östlich von Tetuan, -den Beschluß, von Cadiz abzusehen, aber <b>Gibraltar zu erobern</b>.</p> - -<p>Auf eine Eroberung der Stadt Cadiz zu verzichten, war wohl richtig. -Zwei Jahre vorher war sie trotz der Verwendung eines großen Landungsheeres -nicht gelungen, jetzt standen nur die Besatzungen der Schiffe zur Verfügung; -man durfte auch nicht wagen, die ganze Flotte für eine nicht absehbare Zeit -festzulegen, da doch mit dem Erscheinen der französischen Seestreitkräfte -gerechnet werden mußte. Bei Gibraltar lag die Sache anders, die Befestigungen<span class="pagenum"><a name="Page_526" id="Page_526">[526]</a></span> -waren unbedeutend und die Besatzung schwach; beides war bekannt und -man konnte von einem plötzlichen Angriff Erfolg erwarten, ohne viel aufs -Spiel zu setzen. Ein Handstreich erforderte weder lange Zeit noch die Verwendung -der ganzen Flotte — sogar weit weniger Schiffe, als tatsächlich -dazu herangezogen wurden —, der Hauptteil konnte bereitgehalten werden, -den Franzosen entgegenzutreten.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p526.jpg" width="400" height="334" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p526" id="fig_p526"></a> -</div> - -<p>Die von Natur sehr starke Lage der Festung war damals noch nicht ausgenutzt, -der Fels noch nicht befestigt Im Mittelalter war die an der Westseite -des Felsens terrassenförmig liegende Stadt nur mit Stadtmauer und Türmen -umgeben, eine Mole (die alte) bildete den Galerenhafen. Später waren die -Mauern durch modernere Umwallungen ersetzt, ein Fort im Süden der Stadt -am Strande erbaut, -durch eine neue Mole -ein Hafen für Segelschiffe -geschaffen und -dieser durch kleine -Kastelle auf dem -Molenkopfe sowie am -Strande geschützt; -immer blieb es nur -eine Befestigung zum -Schutz gegen Überfälle -der Barbaresken. -Eine Citadelle war -nicht vorhanden, weil -das alte maurische -Schloß in der Stadt als -solche aufgegeben und -ein Ersatz noch nicht -geschaffen war; die bei Beginn des Krieges von französischen Genieoffizieren -geplanten Verbesserungen hatte man noch gar nicht in Angriff genommen. Die -Besatzung betrug kaum 100 Mann regulärer Truppen, die sonst zur Verfügung -stehenden waren in den wichtigeren Häfen Andalusiens zusammengezogen; -mit der Miliz gebot der Gouverneur kaum über 500 Mann und 100 -Geschütze, eine Macht, für die selbst die vorhandenen Befestigungen noch -zu ausgedehnt waren.</p> - -<p>Nachdem der Angriff beschlossen war, ankerte die Flotte in der Tangerbucht. -Hier wurden die Dispositionen ausgegeben und die Vorbereitungen -getroffen. Ein kleines Geschwader wurde nach Osten gesandt, um auf der -Höhe von Malaga als Vorposten gegen die Franzosen zu dienen, die Flotte -segelte am 31. Juli zur <b>Ausführung des Angriffes</b> nach Gibraltar hinüber.</p> - -<p class="small">Voran liefen 17 Linienschiffe nebst den 3 Mörserbooten unter Kontreadmiral -<em class="gesperrt">Byng</em>; sie waren zum Angriff von See aus bestimmt und ankerten am 1. August dicht -unter der Stadt. Rooke mit dem Rest der Flotte, auf dem auch die Seesoldaten der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_527" id="Page_527">[527]</a></span> -Schiffe Byngs eingeschifft waren, legte sich auf die Westseite der Bucht von Gibraltar. -Sofort wurden 1800 Seesoldaten gelandet; sie marschierten unter Befehl des <em class="gesperrt">Prinzen -von Hessen</em> nach der Landenge und schlossen die Stadt vom Festlande ab; der Prinz -ließ diese im Namen König Karls zur Übergabe auffordern. Byng war von den Batterien -mit Feuer empfangen, da er aber vor der Beantwortung der Aufforderungen die Feindseligkeiten -nicht eröffnen sollte, warpte er seine Schiffe aus dem Feuerbereich. Während -der Nacht traf keine Antwort ein. Byng gab am 2. August morgens den Befehl, die -Beschießungsstellung einzunehmen. Während der Ausführung, die den ganzen Tag -bis in die Nacht hinein in Anspruch nahm, kam die Antwort des Gouverneurs, daß er -die Stadt als treuer Soldat verteidigen werde; Rooke sandte nun noch 5 Schiffe. Die -Schiffe wurden folgendermaßen in eine Linie gelegt: 6 Holländer, 60–70 Kanonenschiffe -unter v. d. Dussen, gegenüber der alten Mole; 10 Engländer, 70 Kanonenschiffe unter -Byng, gegenüber der Stadt und dem Südfort; 6 Engländer, unter Kapitän Hickes, gegenüber -der neuen Mole.</p> - -<p class="small">Der 2. August ging ohne ernstlichen Kampf hin. Die Spanier versuchten von Zeit -zu Zeit durch ihr Feuer die Manöver zu hindern; Byng ließ während der Nacht, um -den Feind zu beschäftigen, von den außer der Linie liegenden Mörserbooten einige Bomben -werfen und ein französisches Schiff, das an der alten Mole lag, durch Boote verbrennen. -Am 3. August mit Hellwerden war die Stellung eingenommen und zwar so nahe am Lande, -daß z. B. Byng nur 1 bis 2 Fuß Wasser unter dem Kiel hatte. Die Spanier eröffneten -wieder das Feuer, dieses wurde jetzt aber von allen Schiffen der Verbündeten breitseitweise -beantwortet. Man sah noch die Einwohner, Frauen und Kinder, aus der Stadt -nach der Kirche S. Maria von Europa, auf der Südspitze des Felsens gelegen, flüchten, -dann nahm der Pulverrauch alle Aussicht, so daß Rooke durch Boote zunächst den Befehl -geben mußte, das Feuer der oberen Batterien einzustellen, um überhaupt ein Zielen -zu ermöglichen, später das Feuer ganz abzubrechen, um den Erfolg festzustellen. Es -war gegen Mittag, der Feind hatte seit einer Stunde nicht mehr geantwortet. Das -Feuer der Verbündeten scheint nicht viel Wirkung gehabt zu haben — nach de Jonge; -die anderen Quellen schweigen darüber — nur auf Hickes' Division wurde bemerkt, -daß das Fort auf der Südmole außer Gefecht gesetzt war und daß die Besatzung floh. -Hickes sandte die Meldung an Byng, daß eine Landung hier Erfolg verspreche. Byng -ließ seine sämtlichen Boote armieren und bat Rooke um die der übrigen Schiffe; schon -ehe diese kamen, ging Hickes mit seinen Booten vor, die Byngs schlossen sich nach und -nach an. Beim Nahen der ersten Boote begannen die Flüchtlinge aus der Kirche nach -der Stadt zurückzuströmen; als das Flaggschiff dieses durch einige Schüsse hindern -wollte, hielten die andern Schiffe es für das Signal zur Wiederaufnahme des Feuers, -was für kurze Zeit geschah.</p> - -<p class="small">Die Landung fand keinen Widerstand, brachte aber doch empfindliche Verluste, -da ein Pulvermagazin im Molenkastell durch Unvorsichtigkeit der ohne Ordnung Vordringenden -aufflog; mehr und mehr verstärkt setzten sich die Gelandeten vor dem -Südfort fest. Während des ganzen Tages hatte auch der Prinz von Hessen angegriffen; -die Verteidiger waren überall hart bedrängt und die geflohenen Familien von der Stadt -abgeschnitten, da schloß denn der Gouverneur auf eine erneute Aufforderung die Übergabe -ab. Die Besatzung verließ am 4. August mit allen militärischen Ehren die Stadt. -Diese wurde im Namen Karls III. in Besitz genommen; die Eroberung hatte den Verbündeten -etwa 280 Mann gekostet, fast das Dreifache der Besatzung an regulären Truppen.</p> - -<p class="small">Rooke soll die nach der Übergabe geheißte Flagge Karls niedergeholt und die englische -geheißt haben. Corbett sagt, nach neuern Forschungen in spanischen Quellen -sei dies nicht der Fall gewesen, und die alte Behauptung sei wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, -daß die Engländer auf den eroberten Werken zunächst ihre Flagge gesetzt hätten.</p> - -<p>So war Gibraltar im Namen König Karls erobert. England besetzte es -aber vorläufig und behielt es nach dem Friedensschluß; König Philipp V.<span class="pagenum"><a name="Page_528" id="Page_528">[528]</a></span> -mußte damit seine Anerkennung seitens Englands bezahlen. Englische -Quellen sagen, die Stadt würde spanisch geblieben sein, wenn Karl III. den -Thron behalten hätte. Da England schon lange einen Stützpunkt im Mittelmeer, -besonders zur Beherrschung der Straße, wünschte, dürfte dies wohl -nicht so ganz ausgemacht sein. Schon in diesem Kriege wurde Gibraltar -ein beliebter Sammelpunkt für die Seestreitkräfte der Verbündeten, wenn -es auch wegen Mangel an Einrichtungen noch nicht als Stützpunkt dienen -konnte; dies blieb Lissabon bis zur Erwerbung Port Mahons.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Besitzergreifung Gibraltars hat dem Namen -Rookes eine bleibende Erinnerung gesichert</em>, das -richtige Urteil und der Mut der Verantwortung, die er durch diese Tat bewiesen -hat, sind ihm hoch angerechnet. „Mit Recht“, sagt hierüber z. B. -noch Mahan, „denn Rookes richtigem Urteil und seinem Mut der -Verantwortung verdankt England den Schlüssel zum Mittelmeer.“ Neuere -englische Autoren, Corbett und Clowes, urteilen aber einschränkender. -So führt Corbett aus, daß die Einnahme der Stadt keineswegs eine so -hervorragende militärische Leistung gewesen wäre, als die sie so lange -angesehen sei. Sie sei auch von andern Admiralen der Flotte, z. B. Byng, -für keine schwere Aufgabe gehalten worden, aber „Rooke had always -the grand manner and he approached it with all the pomp of a great operation“. -Die gegebene Beschreibung dürfte dies bestätigen: 22 Linienschiffe und 2000 -Mann gegen schwache Befestigungen und kaum 100 Soldaten.</p> - -<p>Ebenso spricht Corbett dem Admiral das Verdienst der Übernahme einer -großen Verantwortung ab: Rooke wußte, daß Gibraltar von Oraniens Zeit, -ja schon von Cromwells an ein Ziel der englischen Regierung war, der Platz -war ja auch in seiner Order als einer der zu nehmenden bezeichnet; -er wußte, daß die beiden Könige, denen er augenblicklich unterstellt war, -es sehr gern sahen. Rooke führte eine Proklamation Karls an „seine Stadt -Gibraltar“ mit sich, und der Prinz von Hessen war gewiß mit dem Plane -einverstanden, wenn er nicht gar dessen Urheber im Kriegsrate gewesen ist. -Rookes einziges Verdienst war, daß er den Widerspruch einiger seiner -Unterführer, die mit Rücksicht auf die französische Flotte dagegen waren, -überwand.</p> - -<p>Corbett belegt auch (Teil II, Seite 276) mit einer Äußerung Marlboroughs, -daß dieser stets damit gerechnet hat, Gibraltar für England zu behalten.</p> - -<p>Am Tage der Einnahme Gibraltars traf von England und Lissabon die -Nachricht ein, daß die französische Flotte nicht wagen würde, Toulon zu -verlassen, da sie wesentlich schwächer als die der Verbündeten sei, und Rooke -wurde wieder auf Unternehmungen gegen Cadiz und Barcelona hingewiesen. -Sein Kriegsrat verwarf Barcelona unbedingt, da es zu spät in der Jahreszeit -und die Schiffe ausrüstungsbedürftig seien; er erklärte sich aber bereit, bis -Mitte September bei einer Belagerung von Cadiz mitzuwirken, falls eine -genügende Armee mit Belagerungstrain erschiene und eine Besatzung nach<span class="pagenum"><a name="Page_529" id="Page_529">[529]</a></span> -Gibraltar gelegt würde. Beides war ausgeschlossen und somit der in diesem -Sinne nach Lissabon gesandte Bericht eine Weigerung, irgend etwas zu unternehmen; -man wollte nur Gibraltar sichern. Wahrscheinlich waren die Admirale -anderer Ansicht über die Franzosen und, obgleich sie keine Nachrichten -hatten, mit Recht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Graf Toulouse</em> war am 22. Juli von Toulon nach Barcelona gegangen, -wohin man die Flotte der Verbündeten beordert glaubte; hier erhielt -er die Nachricht vom Fall Gibraltars und den Befehl König Philipps, zur -Rückeroberung der Stadt mitzuwirken — es koste, was es wolle —, ein Heer -sei zu diesem Zwecke schon unterwegs. Toulouse war dem Gegner auch nicht -unterlegen. Er führte 51 Linienschiffe, zu denen noch französische und -spanische Galeren treten konnten, und ging sofort weiter. Rooke besaß auch -nur 51 Linienschiffe; er hatte van der Dussen mit 5 Holländern nach Plymouth -gesandt, um einen Convoi Kauffahrer sowie einen Transport mit Kriegsmaterial -für Portugal zu holen, eine andere Division war nach den Azoren -abgezweigt, um den brasilianischen Convoi heimzuführen.</p> - -<p>Die Antwort auf seinen Bericht nach Lissabon erwartend, ergriff <em class="gesperrt">Rooke</em> -zunächst Maßregeln, Gibraltar zu sichern. Dem Prinzen von Hessen wurden -1800 englische Seesoldaten als Besatzung überwiesen und die 3 Mörserboote -zur Verfügung gestellt; das technische Personal dieser sollte bei der Instandsetzung -der Festung helfen. Die Flotte ging (12. August) nach Tetuan und -nahm hier geschwaderweise Wasser, um stets bereit zu sein, dem Gegner -entgegenzutreten. Am 19. August verließ Rooke den Wasserplatz und hielt -östlich von der Straße nach Europa hinüber, 12 Schiffe waren noch beim -Wassernehmen. An diesem Tage meldeten die bis Malaga vorgeschobenen -Vorposten, daß der Feind gesichtet sei, er käme heran und stehe, bei östlichem -Winde, etwa 30 Seemeilen zu Luward. Der sofort zusammengerufene -Kriegsrat konnte nicht schlüssig werden: man befürchtete das Abschneiden -der Schiffe in Tetuan; man fühlte sich nicht stark genug, ohne diese zu fechten; -einige Stimmen waren gar dafür, den Gegner in der Bucht von Gibraltar -zu erwarten, um die Festung zu decken. Noch während der Beratung traf -die Meldung ein, daß die Franzosen nach Malaga abzuhalten schienen. Toulouse -beabsichtigte, nachdem er den Feind gefunden hatte, die dort liegenden -Galeren heranzuziehen und Wasser zu nehmen, dessen er dringend bedurfte; -hätte er die augenblickliche Schwäche Rookes gekannt, würde er sich wohl -kaum die günstige Gelegenheit zum Angriff haben entgehen lassen. Die -Verbündeten beschlossen jetzt, die Hälfte der Seesoldaten von Gibraltar -holen zu lassen, die Schiffe von Tetuan heranzuziehen und während dieser -Zeit, sowie später, solange östliche Winde wehten, gefechtsbereit in der -Straße zu kreuzen, um Gibraltar zu schützen; wenn der Wind westlich ginge, -wollte man dem Feinde folgen, aber der vorgerückten Jahreszeit wegen nicht -weiter als bis Malaga. Dementsprechend wurde verfahren. Die Flotte lag in -Gefechtslinie bis zum Morgen des 20. August nach Norden, an diesem Tage -brachten die Mörserboote und Brander die Seesoldaten; dann steuerte Rooke<span class="pagenum"><a name="Page_530" id="Page_530">[530]</a></span> -nach Süden und vereinigte sich mit den schon am 19. benachrichtigten Schiffen -von Tetuan. Während der verflossenen Nacht hatte man Signalschüsse der -Franzosen gehört, die jedoch immer schwächer wurden; da am Tage nichts -zu sehen war, nahm Rooke an, daß der Gegner ihm ausweichen wolle. Er -kreuzte nun mit Segelpressen zwei Tage lang nach Osten auf. Am 23. morgens -fürchtete man, daß es Toulouse gelungen sei oder noch gelingen könne, ungesehen -nach Gibraltar zu kommen. Der Kriegsrat beschloß deshalb, nach -der Straße zurückzukehren, aber kaum war nach Rückkehr der Admirale -auf ihre Schiffe der neue Kurs aufgenommen, als die Franzosen, nordwestlich -in Lee und vor dem Winde westwärts steuernd, gesichtet wurden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Graf Toulouse</em> hatte am 22. August vor Malaga geankert, erhielt hier die -Nachricht vom Herankommen der Verbündeten. Er ging am 23. mit Tagesgrauen -wieder unter Segel, begleitet von den Galeren; unter Land laufend, während die Gegner -auf einem Schlage nach Süden lagen, hatte er diese passiert, ohne sie zu sichten, und -so seine Luvstellung verloren. Auf beiden Seiten mangelte es an Aufklärungsschiffen. -Wie leicht hätte Toulouse Gibraltar und die dort liegenden Vorratsschiffe der englisch-holländischen -Flotte überraschen können, er konnte aber auch dabei, da Rooke ja -rechtzeitig den Entschluß zum Umkehren gefaßt hatte, in sehr gefährliche Lage kommen. -Der Zufall hat hier beide Teile gleich gut bedacht.</p> - -<p>Die Franzosen standen beim Sichten etwa 25 Seemeilen Süd von Malaga -und bildeten sofort die Schlachtlinie über Steuerbord-Bug, auch Rooke -formierte sich zum Gefecht und hielt auf den Feind ab. Der leichte und -unbeständige östliche Wind hinderte an diesem Tage das Zusammentreffen, -aber der Morgen des 24. August fand die Flotten auf etwa 12 Seemeilen -Entfernung gefechtsbereit einander gegenüber; Rooke, zu Luward, hielt zum -Angriff ab, Toulouse erwartete ihn unter kleinen Segeln (die Marssegel auf -die Kappe geführt).</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Malaga</b>, die einzige dieses Krieges und die letzte von -Bedeutung in unserem Zeitabschnitt, entbrannte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Zusammensetzung der Flotten.</em></p> - -<table cellpadding="2" summary="p530_1"> - <tr> - <td rowspan="5">Verbündete</td> - <td class="td18" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td class="tdl">Schiffe:</td> - <td class="tdc">über</td> - <td class="tdc">90 K.</td> - <td class="tdc">80–90</td> - <td class="tdc">70–80</td> - <td class="tdc">60–70</td> - <td class="tdc">50–60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vorhut:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 1</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 11</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 2</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 2</td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">Summe:</td> - <td class="td24"> </td> - <td class="td23"> 6<a name="FNanchor_1_11" id="FNanchor_1_11"></a><a href="#Footnote_1_11" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td23"> 9<a name="FNanchor_3_10" id="FNanchor_3_10"></a><a href="#Footnote_3_10" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="td23"> 20<a name="FNanchor_5_2" id="FNanchor_5_2"></a><a href="#Footnote_5_2" class="fnanchor">5)</a></td> - <td class="td23"> 11<a name="FNanchor_7_1" id="FNanchor_7_1"></a><a href="#Footnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td23"> 5<a name="FNanchor_9_1" id="FNanchor_9_1"></a><a href="#Footnote_9_1" class="fnanchor">9)</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="5"></td> - <td class="tdl" colspan="5">51 Schlachtschiffe mit 3626 Kanonen.</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="10"></td> - </tr> - <tr> - <td rowspan="4">Franzosen</td> - <td class="td18" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td class="tdl">Vorhut:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 1</td> - <td class="tdc"> 4</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc"> 4</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Mitte:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nachhut:</td> - <td> </td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 2</td> - <td class="tdc"> 3</td> - <td class="tdc"> 7</td> - </tr> - <tr> - <td class="td24">Summe:</td> - <td class="td24"> </td> - <td class="td23"> 7<a name="FNanchor_2_11" id="FNanchor_2_11"></a><a href="#Footnote_2_11" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td23"> 9<a name="FNanchor_4_3" id="FNanchor_4_3"></a><a href="#Footnote_4_3" class="fnanchor">4)</a></td> - <td class="td23"> 20<a name="FNanchor_6_1" id="FNanchor_6_1"></a><a href="#Footnote_6_1" class="fnanchor">6)</a></td> - <td class="td23"> 11<a name="FNanchor_8_1" id="FNanchor_8_1"></a><a href="#Footnote_8_1" class="fnanchor">8)</a></td> - <td class="td23"> 5<a name="FNanchor_10_1" id="FNanchor_10_1"></a><a href="#Footnote_10_1" class="fnanchor">10)</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="5"> </td> - <td class="tdl" colspan="5">51 Schlachtschiffe mit 3596 Kanonen</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<table class="left" cellpadding="2" summary="p530_2"> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_1_11" id="Footnote_1_11"></a><a href="#FNanchor_1_11">1)</a></div></td> - <td>3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.;</td> - <td class="td19" rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2">Franzosen sehr überlegen.</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_2_11" id="Footnote_2_11"></a><a href="#FNanchor_2_11">2)</a></div></td> - <td>1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.; 1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.;</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_3_10" id="Footnote_3_10"></a><a href="#FNanchor_3_10">3)</a></div></td> - <td>sämtlich zu 80 K.;</td> - <td class="td19" rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2">Franzosen überlegen.</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_4_3" id="Footnote_4_3"></a><a href="#FNanchor_4_3">4)</a></div></td> - <td>sämtlich zu 84–88 K.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="10">Die Verbündeten hatten 7–9 Dreidecker, die Franzosen 16.<span class="pagenum"><a name="Page_531" id="Page_531">[531]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_5_2" id="Footnote_5_2"></a><a href="#FNanchor_5_2">5)</a></div></td> - <td>Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.; die Holländer zu 72 K.;</td> - <td class="td19" rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2">Verbündeten an Zahl sehr überlegen.</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_6_1" id="Footnote_6_1"></a><a href="#FNanchor_6_1">6)</a></div></td> - <td>zu 70 oder 74 K.;</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_7_1" id="Footnote_7_1"></a><a href="#FNanchor_7_1">7)</a></div></td> - <td>Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.; Holländer zu 64 K.;</td> - <td class="td19" rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4"> </td> - <td rowspan="4">Franzosen an Anzahl und Stärke überlegen.</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_8_1" id="Footnote_8_1"></a><a href="#FNanchor_8_1">8)</a></div></td> - <td>6 zu 60 K.; 6 zu 62–68 K.;</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_9_1" id="Footnote_9_1"></a><a href="#FNanchor_9_1">9)</a></div></td> - <td>Die englischen zu 50 K.; Holländer zu 52–54 K.;</td> - </tr> - <tr> - <td><div class="footnote"><a name="Footnote_10_1" id="Footnote_10_1"></a><a href="#FNanchor_10_1">10)</a></div></td> - <td>9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K.</td> - </tr> -</table> -</div> - -<p class="small">Bemerkenswert zu unseren früheren Betrachtungen über die Schiffsklassen ist die -geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbündeten, die große Zahl der -70 Kanonenschiffe und die Stärke der Franzosen an Dreideckern; doch schätzte Admiral -Leake die englischen Zweidecker zu 80 den französischen Dreideckern zu 84–88 Kanonen -an Gefechtskraft gleich.</p> - -<p class="small">Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausführlichen Liste in Clowes, -Teil II, Seite 399, nahezu übereinstimmend mit holländischen und französischen Quellen. -Die meisten Autoren geben für die Verbündeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied -kommt daher, daß Rooke 2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, -sondern zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben die -Namen der Schiffe und der Kommandanten.</p> - -<p>Hierzu traten bei den Verbündeten 12 leichtere Schiffe (24–50 Kanonen), -7 Brander, 2 Mörserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6–30 -Kanonen) und 9 Brander, auch verfügte Toulouse über 22 (24?) französische -und spanische Galeren, die mit ihren 500–700 Mann und 4–6 schweren -Kanonen im Bug, dabei unabhängig vom Winde und geeignet zum Rammen, -wohl eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und -standen in zweiter Linie.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flaggoffiziere</em> waren auf seiten der Verbündeten: Vorhut -— Admiral Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte — <em class="gesperrt">Rooke</em>, Kontreadmirale -Dilkes und Byng; Nachhut (Holländer) — Leutnantadmiral Callenburgh, -Vizeadmiral von Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut — Generalleutnant -de Villette, Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; -Mitte — <em class="gesperrt">Graf Toulouse</em> (als Vorder- und als Hintermann je -ein Chef d'Escadre), Generalleutnant de Coêtlogon, Chef d'Escadre de Pointis; -Nachhut — Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville -und de la Harteloire.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert für -die Geschichte der Seetaktik.</em> Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, -in dem die Engländer immer mehr ausgesprochen eine Taktik -nur schematisch durchführen, nämlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranführen -der Flotte genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff -gegen Schiff, beides unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von -jedem Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an -einer Stelle mit Übermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des -Heranführens der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt -worden, daß die Franzosen im nächsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart -eine Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg -ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die reine -Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus, und man<span class="pagenum"><a name="Page_532" id="Page_532">[532]</a></span> -kann mit Recht sagen, daß die Seetaktik gegen die Zeiten der geschickten -Manöver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rückschritt gemacht hatte -und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer niedrigeren Stufe -stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies wirklich allein, wie lange -angenommen ist, dem Mangel an Verständnis oder Interesse für Taktik seitens -der Seeoffiziere, vornehmlich der englischen, zuzuschreiben ist oder nicht -teilweise eine natürliche Folge der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Corbett</em> sagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: „Es muß -daran erinnert werden, daß es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte -Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen -zuerst wohl bei Texel 1665, eingeführt hatte. 1697 veröffentlichte Hoste<a name="FNanchor_267_267" id="FNanchor_267_267"></a><a href="#Footnote_267_267" class="fnanchor">[267]</a> -sein Werk über Seetaktik; seitdem war keine Schlacht geschlagen, seine -Ansichten können also wohl als die zu jener Zeit allgemein anerkannten -betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das Hauptziel, einen Teil -des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man hatte es in der ersten -Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der feindlichen Linie mittels -plötzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein Schiff der Kiellinie nach dem -andern, so daß die Kiellinie erhalten bleibt, im Gegensatz zum „Wenden -zugleich“ vgl. Seite <a href="#Page_260">260</a>, Fußnote) versucht, dieses Verfahren war aber wegen der -damit verbundenen Gefahren in Mißachtung gekommen. Hoste lehrte nämlich, -beim Angriff dürfe ein Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umständen -angewendet werden, z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder -wenn der Feind durch ungeschickte Manöver eine Lücke darböte; wenn der -Feind gute Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren -solle man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge größerer Schiffszahl -die feindliche überrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt -der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen während der -Schlacht solle nur ausgeführt werden, wenn man sich durch Niederkämpfen von -2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lücke geschaffen habe. — Auf -eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders hervorragenden -Persönlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast naturgemäß als Rückschlag -ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der Feind sich eine Blöße -gäbe oder an einer Stelle niedergekämpft werden würde. Daraus mußte -die Ansicht entstehen, daß diejenige Flotte die größte Aussicht habe, an -einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, die am längsten Formation hielte. -Das Bestreben, dies zu tun, mußte also für wichtiger gehalten werden als -der Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes einen taktischen Erfolg<span class="pagenum"><a name="Page_533" id="Page_533">[533]</a></span> -zu erringen.“ Diese Auslassungen Corbetts sind gewiß beachtungswert, aber -doch wohl etwas zugunsten der Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; -die größere militärische Einsicht der französischen Offiziere wird -jedenfalls durch den Umstand gekennzeichnet, daß sie zu ihrem Vorteil mit -der Taktik der Engländer rechnen lernten, während diese zu ihrem Nachteil -bis 1782 daran festhielten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schilderung der Schlacht bei Malaga</em><a name="FNanchor_268_268" id="FNanchor_268_268"></a><a href="#Footnote_268_268" class="fnanchor">[268]</a> (24. August -1704) wird zeigen, daß die Engländer dort in vollem Maße diese unvollkommene -Taktik verwenden, daß aber auch die Franzosen nur einen schwachen -Versuch machen, durch Manöver einen Vorteil zu erringen.</p> - -<p class="small">Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder Bewegung -des Feindes leichter folgen zu können, steuerte Toulouse mit halbem Winde; nach -Hostes Ansicht die gefährlichste aller Lagen, da sie selbst einem schwächeren Gegner -die Gelegenheit gäbe, die Nachhut ungestraft zu dublieren. Die französische Mitte war -etwas nach Lee eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter Tourville -bei Beachy Head der Fall gewesen war, muß man fast eine Absicht annehmen; die englischen -Offiziere sollen darin ein vorläufiges Zurückhalten dieses Geschwaders und damit -die Vorbereitung eines verstärkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umständen, -gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut, -er führte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie gewöhnlich entstanden -durch das lange Steuern in Dwarslinie und das schräge Herangehen Lücken -zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der Führer der Vorhut, Shovel, drehte -deshalb auf halbe Kanonenschußweite querab vom Admiral der französischen Vorhut -(Villette) bei, um Rooke herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader -lagen sich schweigend und abwartend gegenüber. Nun stand Shovels Flaggschiff um -eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische Linie überragte -also die französische um ein Schiff. Das französische Spitzenschiff meldete dies durch -Zuruf von Schiff zu Schiff seinem Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel -folgte diesem Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die -Gefahr lag um so näher, als die französische Vorhut zwei Schiffe mehr als die englische -zählte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel und Rooke noch größer. Toulouse -beabsichtigte jetzt, in diese Lücke einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von -Luward aus zu dublieren und seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, -die englische Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht eintreten -könnte, und ließ Mitte und Nachhut Segel mehren.</p> - -<p class="small">Rooke, der unter Segelpreß herankam, erkannte zwar nicht die wahre Absicht -Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der ganzen feindlichen Flotte, -um die englische vorn zu dublieren. Obgleich er noch nicht so nahe am Feinde war, -wie er beabsichtigt hatte, gab er doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen -und Eröffnen des Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah -von seinem Manöver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter Dilkes, wandten -sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so die Minderzahl der englischen -Vorhut aus; Rooke befand sich querab von Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider -Flotten genau Schiff gegen Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbündeten -scheint erst nach längerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Führer,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_534" id="Page_534">[534]</a></span> -Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres Geschwaders -lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12 Holländer 17 (16?) Franzosen -gegenüberstanden, müssen die Franzosen vorn um 2 oder 3 Schiffe überragt haben, -doch griffen hier wohl die hinten überschießenden Nummern Rookes ein.</p> - -<p class="small">Im <em class="gesperrt">Gefecht der Vorhuten</em> errangen die Engländer Erfolg, sie waren ja -auch etwas überlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff Villettes am Heck -infolge einer Explosion in Brand und war genötigt, die Linie zu verlassen; ein Teil der -andern Schiffe folgte, da sie das Abhalten für ein taktisches Manöver hielten. Admiral -Leake war dafür, den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz -über den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen, um -nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wäre wohl richtig gewesen, denn im <em class="gesperrt">Gefecht -der Mitten</em> standen die Engländer nicht gut. Rooke und seine nächsten -Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenüber und im Zentrum der Verbündeten -befanden sich außerdem mehrere Schiffe, die bei der Beschießung Gibraltars -viel Munition verbraucht hatten; etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, -die Linie zu verlassen. Die übrigen Schiffe der Mitte waren hart bedrängt und litten -schwer, so insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in -die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lücke einzudringen, sah Shovel vom Ausnutzen -seines Sieges ab und führte die Linie seines Geschwaders über den Hintersteven -in diese Lücke. (Durch „backing astern“; das Manöver wurde seinerzeit aufs höchste -bewundert.) Er rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe fanden -jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb erhalten, die überschießenden -Schiffe wurden weder zur Verfolgung der weichenden Franzosen noch zum Dublieren -der feindlichen Linie vorn benutzt.</p> - -<p class="small">Das <em class="gesperrt">Gefecht der Nachhuten</em> scheint erst kurz vor diesem Ereignis begonnen -zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden nach Lee aus, -und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den Kampf ab; die Verbündeten -drängten nirgends nach.</p> - -<p class="small">Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hört man fast nichts. Nach de Jonge -versuchten einige, das Schlußschiff der Holländer von achtern anzugreifen; sie wurden -aber bald abgewiesen, der holländische Kommandant hatte Geschütze achteraus bringen -lassen. Auch Branderangriffe werden nicht erwähnt, dagegen sprechen de Jonge und -französische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch sämtlich schon vor -dem Zusammenstoß durch Geschützfeuer abgewiesen seien. Nach französischen Angaben -sollen die schweren Verluste und Beschädigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge -von Bombenfeuer der Mörserboote und auch aus Geschützen anderer Schiffe gewesen -sein. Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschützen auf ihren -Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die holländischen Mörserboote, daß sie, auch -wenn sie noch bei der Flotte gewesen wären, kein wirksames Feuer hätten abgeben -können: die See sei so bewegt gewesen, daß die Franzosen damit das Nichteingreifen der -Galeren entschuldigt hätten. Engländer und Holländer schreiben den großen Verlust -der französischen Schiffe deren stärkeren Besatzungen und der besseren Artillerie der -Verbündeten zu; wir wissen, daß die Engländer von jeher besonders ihr Feuer gegen -die feindlichen Besatzungen, weniger gegen die Takelage richteten.</p> - -<p class="small">Der Kampf war sehr hartnäckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke -berichtete, alle Schiffe der Verbündeten hätten ihre Pflicht getan, auf seiten der Franzosen -habe die Mitte mit großer Tapferkeit gefochten, Vorhut und Nachhut weniger gut. -Die Verbündeten verloren nach Clowes, der die Verluste für jedes englische Schiff angibt, -in der Vorhut: 215 Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: -95 und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500 Tote -und weit mehr Verwundete, französische Quellen führen nur 1500 Tote und Verwundete -an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen scheinen Schiffe im Gefecht nicht -vernichtet zu sein. Clowes sagt, die Franzosen „sollen“ im Gefecht eins und später<span class="pagenum"><a name="Page_535" id="Page_535">[535]</a></span> -noch vier verloren haben. Das holländische Flaggschiff flog zwei Tage später auf; der -Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschädigte Fahrzeug vorher verlassen. -Im übrigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer beschädigt, besonders -die der englischen Mitte.</p> - -<p class="small">Man muß wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer anderen Art -des Angriffs wäre der Ausgang vielleicht anders gewesen. Corbett sagt hierzu: „Rooke -machte keinen Versuch, den Angriff anders anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen -Charakter die neue defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht, -daß bei gleicher Stärke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei (vgl. Seite <a href="#Page_511">511</a>). Er -suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars -erblickte. Wurde er infolge eines mit Gefahr verknüpften Manövers — als solches sah man -jede Abweichung von der gewählten Angriffsart an — geschlagen, so war Gibraltar -sowie die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg gefährdet, denn -von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie durch den Feind getrennt. Fechten -mußte er, aber politisch wie seemännisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, -als einen großen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren konnte, -als er getan hat.“ Es ist bemerkenswert, daß Corbett so urteilt, da er sonst kaum je -zu Rookes Gunsten spricht.</p> - -<p>Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert. -Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene -genannt werden kann — keiner der Gegner hat zunächst das Feld geräumt, -die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen —, so war sie doch strategisch -ein Erfolg der Verbündeten.</p> - -<p>Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf -seiner Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe -ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei -der Beschießung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen -ihm und dem gefährdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Stützpunkte -Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige -seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate überstimmt. -Während der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde -westlich, so daß die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbündeten -bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschädigten -Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, daß der Gegner weiter -ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren bedürftigen -Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschloß, unter -allen Umständen nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem entgegenstelle, -sich durchzuschlagen; beschädigte oder munitionslose Schiffe sollten -ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im äußersten Falle verbrennen.</p> - -<p>Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, später kam -leichter östlicher Wind auf. <em class="gesperrt">Rooke</em> steuerte auf den Gegner zu, der in -Schlachtlinie mit nördlichem Kurse auf dem Wege der Verbündeten etwa 12 -Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, daß ein Zusammentreffen -vor der Nacht unmöglich war, drehte Rooke gegen Abend bei, um seine beschädigten -Nachzügler zu erwarten und den Durchbruch am nächsten Tage -zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht. Der Admiral nahm<span class="pagenum"><a name="Page_536" id="Page_536">[536]</a></span> -nun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei ebendorthin oder zur -Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hörte aber schon am 28. in der Straße, -daß der Feind diese nicht passiert habe; noch zwei Tage wartete Rooke unter -Segel und ankerte dann am 31. vor Gibraltar.</p> - -<p><em class="gesperrt">Toulouse</em> war mit dem größten Teile seiner Flotte über Malaga und -Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars, -ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkräften aufgegeben. -So konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als -einen Sieg ansehen. In Frankreich rühmte man sich allerdings, durch die -Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben, trotzdem -aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der letzte ernstliche -Versuch in diesem Kriege, den Verbündeten die Seeherrschaft streitig zu -machen. Ähnlich wie im vorigen Kriege hatte man nach dem Mißerfolge -Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und ließ ihr immer weniger -Pflege zuteil werden.</p> - -<p class="small">Bonfils sagt: „Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen die -Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht mehr an ihren Wert; -die Armee, die mehr in unmittelbarer Berührung mit der Nation stand, hatte deren ganze -Gunst.“ Bonfils führt aber auch an, der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht -die Tätigkeit Toulouses gelähmt.</p> - -<p>Das Jahr <b>1704</b> bringt zwar noch <b>weitere Operationen um den Besitz von -Gibraltar</b>, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke -war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V. entsandten -Belagerungstruppen waren schon in größter Nähe. Da der Zustand der Flotte -ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen von Hessen -sämtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von Zimmerleuten -und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen, Munition und endlich -Proviant für 6 Monate gelandet, sowie zwei Mörserboote zurückgelassen. -Es wurde ferner beschlossen, die noch diensttauglichsten englischen Schiffe -unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Sir John Leake</em> als Wintergeschwader in den südlichen -Gewässern sowie einige sehr schwer beschädigte in Lissabon zur Ausbesserung -zu belassen. Darauf ging die Hauptflotte am 5. September heim, traf am -4. Oktober im Kanal ein und wurde dann abgerüstet. Leakes Geschwader, -10 Linienschiffe (11?) und 2 Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt -und war nach Lissabon zum Überholen gegangen; hier wurde es am -30. Oktober durch die holländische Division v. d. Dussen, die mit den von -Plymouth abgeholten Transportern eintraf, verstärkt; zu dieser trat bald noch -ein Schiff der ebenfalls vorhin erwähnten Azorendivision. Da die portugiesischen -Werften in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader -auch erst Ende Oktober wieder seeklar, und es war die höchste Zeit, -dem bedrängten Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den -erneuten Befehl König Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu unterstützen; -er ließ zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter -dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Pointis</em> zurück. Dieser traf im Oktober mit 3000<span class="pagenum"><a name="Page_537" id="Page_537">[537]</a></span> -Mann und großem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen -Festung ein. Der förmliche Angriff wurde eröffnet, und man rechnete auf -den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnäckig verteidigte sich <em class="gesperrt">Hessen</em>, -aber eines seiner Mörserboote war in Brand geschossen und die Belagerungsarbeiten -schritten vorwärts.</p> - -<p>In dieser höchsten Not kam, vom Zufall begünstigt, die Hilfe. De Pointis -war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen usw. -nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fünf Fregatten (20 -bis 40 Kanonen) zurücklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen -beständig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter -seine Ausrüstung beenden können; er ging am 5. November von Lissabon -in See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade für den 10. hatten die -Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der Nacht heimlich -im Süden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von Tauen und Leitern -den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie sollten vorbrechen, wenn -eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande aus, zu der Hunderte von -Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade als die zur Landung bestimmten -Mannschaften eingeschifft wurden, lief Leake in die Bucht ein. -Eine der französischen Fregatten, die auf Vorposten war, hatte man schon -auf See genommen, die andern sowie ein Brander und ein Mörserboot mit -Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf Strand und in Brand. Die Landung -mußte natürlich aufgegeben werden, die 500 Freiwilligen wurden aufgerieben. -Gibraltar war zum zweiten Male gerettet.</p> - -<p>Zu verstehen ist nicht, weshalb Pointis so lange in Cadiz geblieben war. -Colomb sagt: „Gedrängt, wieder auszulaufen, habe er geantwortet, bei der -Anwesenheit von 30 (!) feindlichen Schiffen in Lissabon müsse er in Cadiz -bleiben, bis er Verstärkung erhalte; von hier aus könne er wenigstens Zufuhren -nach Gibraltar hindern.“ Ein Fehler war es allerdings wohl gewesen, sein -Geschwader nicht so stark zu bemessen, daß er ein Wintergeschwader der -Verbündeten unter allen Umständen von der belagerten Stadt abhalten konnte.</p> - -<p>Leake unterstützte einige Zeit die Belagerten durch Beschießen der -Parallelen und durch Bootsangriffe auf das feindliche Lager bei Algeciras. -Seine Lage war nicht ungefährlich, weil die Winterstürme einsetzten, in denen -seine Schiffe viel Ankergeschirr verloren; auch trafen ständig Nachrichten -ein, daß sich Pointis zum Inseegehen vorbereite, daß einige seiner Schiffe -schon auf der Rhede von Cadiz lägen. Leake ging erst Anfang Dezember -auf die Nachricht hin in See, daß ein neuer Transport für Gibraltar in -Lissabon angekommen sei und beabsichtige, weiterzusegeln. Obgleich schwach -bemannt, ließ er einige hundert Matrosen zurück, da der Prinz von Hessen -infolge Krankheit und Verlusten nur noch über etwa 1000 Mann verfügte. -Er beabsichtigte, vor Cadiz zu gehen und Pointis dort festzuhalten, während -der Transport vorbeisegelte. Sturm und Gegenwinde hielten ihn in der -Straße fest, und in dieser Zeit griff Pointis tatsächlich den Convoi an, aber -ohne Erfolg.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_538" id="Page_538">[538]</a></span></p> - -<p class="small">Pointis lag unter englischen und holländischen Flaggen bei Kap Spartel; der Convoi, -20 Transporter und 4 Kriegsschiffe, näherte sich ahnungslos. Als aber die Franzosen -zu früh eine umfassende Formation einnahmen, schöpfte der Convoiführer Verdacht -und benutzte die zufällig eintretende Windstille, seine Schiffe durch Boote aus der Gefahr -schleppen zu lassen; nur zwei Fahrzeuge fielen dem Feinde in die Hände, zwei andere -retteten sich nach Lissabon.</p> - -<p>Der größere Teil des Convois erreichte Gibraltar und warf 2000 Mann -und reichliche Vorräte hinein, so daß die Festung vorläufig wieder gesichert -erschien. De Pointis kehrte nach Cadiz zurück, und auch Leake ging auf -die Nachricht, daß die Franzosen hier in den inneren Hafen eingelaufen seien, -Anfang Januar 1705 zum Ausrüsten und Bodenreinigen nach Lissabon.</p> - -<p><b>Die Jahre 1705 und 1706. Entsatz von Gibraltar und Einnahme von -Barcelona.</b> 1705 begannen die Operationen zur See um den Besitz von -Gibraltar, ehe die großen Flotten in Dienst gestellt waren. Französisch-spanischerseits -hatte man wegen der Belagerung dieser Stadt den Krieg an -der portugiesischen Grenze vernachlässigt, und doch war kein Erfolg errungen -worden. Die Festung stand eher günstiger da; denn auch im Januar und -Februar trafen, unbelästigt von Pointis, noch mehrere nur schwach bedeckte -Transporte mit Kriegsmaterial und Verstärkungen von Lissabon dort ein. -Ludwig XIV. rief jetzt den <em class="gesperrt">Marschall Tessé</em> von der portugiesischen -Grenze ab, um die Belagerung zu leiten. Dieser faßte die Aufgabe schärfer -an und verlangte vor allem die Unterstützung durch die Flotte, insbesondere -durch <em class="gesperrt">Pointis</em>. So schrieb er z. B. an Condé: „Die Engländer zeigen uns, -daß man zu jeder Zeit die See halten kann; sie fahren darauf wie die Schwäne -auf Euerem Flusse bei Chantilly.“ Pointis erhielt nun den schärfsten Befehl, -einzugreifen, trotz seiner weiteren Vorstellungen in Paris und Madrid, daß -er besser erst Verstärkungen erwarte. Am 16. März traf er dann mit 13 Linienschiffen -vor Gibraltar ein und wurde hier vom Marschall zu einem gemeinsamen -Angriff festgehalten, obgleich er bat, auf See gegen Zufuhren für die Stadt -kreuzen zu dürfen. Als Seemann fürchtete er, vor Anker sowohl durch die -Frühjahrsstürme als auch durch einen plötzlichen Angriff zu sehr gefährdet -zu sein; beides sollte ihn gleichzeitig treffen, ehe der gemeinsame Angriff -reif war.</p> - -<p>In Lissabon war man in großer Sorge. Ein frühzeitiges Erscheinen der -großen Flotte war für dieses Jahr in Aussicht gestellt, sie wurde aber nicht -rechtzeitig fertig. <em class="gesperrt">Leake</em> hatte Schwierigkeiten, seine Schiffe in Lissabon -instandzusetzen. Anfang März war er noch nicht völlig seeklar. Da traf -von England ein Transport mit Kriegsmaterial, sowie eine Division Linienschiffe -unter Kontreadmiral Dilkes ein, so daß er um die Mitte des Monats in See -gehen konnte. Er war 19 englische (23?), 4 holländische Linienschiffe, sowie -9 portugiesische Kriegsschiffe stark und führte 3 Regimenter (3000? Mann) -an Bord; am Abend des 20. März erschien er vor der Bucht von Gibraltar.</p> - -<p>Am 18. waren 8 französische Schiffe durch einen schweren Sturm vom -Ankerplatz vertrieben und durch die Straße nach Osten gesegelt, Pointis -selber wurde mit dem Rest seines Geschwaders am Morgen des 21. durch das<span class="pagenum"><a name="Page_539" id="Page_539">[539]</a></span> -Erscheinen des Feindes völlig überrascht; die Signalstationen, die sofort nach -seinem Eintreffen längs der Küste bis nach Cadiz errichtet waren, hatten -nichts gemeldet; kaum blieb ihm Zeit, Anker zu kappen und unter Segel -zu gehen. Leake befahl sogleich allgemeine Jagd ohne Aufrechterhaltung -einer Formation. Drei Franzosen wurden nach tapferer Gegenwehr genommen; -dem Flaggschiff und dem fünften Schiff gelang es zwar, Enterangriffe abzuschlagen, -sie wurden aber auf den Strand getrieben und setzten sich dort in -Brand. Die durch den Sturm vertriebenen 8 Schiffe waren bis Malaga gelaufen; -als sie das Geschützfeuer hörten, segelten sie von dort ohne Unterbrechung -nach Toulon. Gibraltar war zum dritten Male und nunmehr in diesem Kriege -endgültig gerettet. Leake landete Mitte April die Truppen; er war bis Malaga -gegangen und auf der Rückfahrt durch stürmische Westwinde aufgehalten -worden. Tessé hob Ende des Monats die Belagerung auf und ging zu der -Armee an der portugiesischen Grenze zurück.</p> - -<p>Die Befreiung Gibraltars ist gewissermaßen noch ein Nachspiel des -Kriegsjahres 1704. Wenden wir uns jetzt zu dem eigentlichen <em class="gesperrt">Kriegsjahre</em> -1705. Aus der allgemeinen Schilderung des Krieges wissen wir, daß die Seemächte -und Portugal in diesem Jahre beabsichtigten, Spanien von Portugal -und von Katalonien aus für Karl III. zu erobern; die Hauptseestreitkräfte -wurden zur Unterstützung des Angriffs von Katalonien aus bestimmt.</p> - -<p class="small">Corbett sagt hierzu: „Es war dies gegen Marlboroughs Ansicht. Dieser hatte -stets weiter im Auge, Frankreich vom Mittelmeer abzuschließen, Toulon anzugreifen, -die Seeherrschaft im Mittelmeer völlig sicherzustellen und dazu einen Stützpunkt neben -Gibraltar in diesem Meere zu gewinnen. Die Seeoffiziere waren ohne einen solchen Stützpunkt -gegen ein Vorgehen auf Toulon, und Marlborough ordnete wie stets seine Ansicht -der der Fachleute unter; außerdem waren Savoyen und Österreich nicht in Bewegung -zu bringen, letzteres legte mehr Wert auf die Eroberung Spaniens.“ Wir wissen, daß -Prinz Eugen 1705 zu schwach war, um viel ausrichten zu können.</p> - -<p>Zu diesem Zwecke wurde während des Winters von England und Holland -die Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen — 18 holländische und -30 englische, einschließlich der schon in den südlichen Gewässern befindlichen — -sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann — 2500 Holländer und 5000 Engländer -— vereinbart;<a name="FNanchor_269_269" id="FNanchor_269_269"></a><a href="#Footnote_269_269" class="fnanchor">[269]</a> es traten später noch 8 englische und 2 holländische -Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen vermehrt zu sein, denn verschiedene -Quellen sprechen bei dem Auftreten an der Ostküste Spaniens von 12000 Mann.</p> - -<p>England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa -12 Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes, ursprünglich -gegen Dünkirchen bestimmt, wurde später der Mittelmeerflotte zugeteilt. -Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrängt war; wir sahen -Dilkes schon im März bei Leake eintreffen. Holland hatte im Norden, wie -1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von zusammen -15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und holländische Convoijers -traten wie üblich zur Begleitung der Kauffahrer hinzu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_540" id="Page_540">[540]</a></span></p> - -<p>Frankreich rüstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter -Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in den -nördlichen Gewässern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin) gegen -den Handel der Verbündeten auf, besonders wieder von Dünkirchen aus, -sowie zahlreiche einzelne Freibeuter.</p> - -<p>Die Hauptflotte der Verbündeten kam erst spät in Tätigkeit, da sich -wie gewöhnlich und aus den bekannten Gründen in beiden Ländern die -Indienststellungen verzögert hatten. Am 10. Mai ging das holländische -Kontingent unter <em class="gesperrt">de Almonde</em> nach Wight hinüber und, da die Engländer -noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13. Juni -eintraf; acht Tage später kam der größte Teil der englischen Flotte an. Den -Oberbefehl führten der <em class="gesperrt">Earl of Peterborough</em> und der nunmehrige -Admiral of the fleet <em class="gesperrt">Sir Clowdesley Shovel</em>.</p> - -<p class="small">Hier erscheinen zum letzten Male „Joint-Admirals“, doch war Peterborough nicht -eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der holländischen Marine gedient, aber nie ein -englisches Schiff befehligt. Während dieses Krieges in Spanien führte er auch mehr -das Kommando über die Landtruppen.</p> - -<p>Im Kriegsrate wurde beschlossen, daß die Flotte, soweit sie versammelt -war, nämlich 48 Linienschiffe, in der Straße von Gibraltar gegen ein Vereinigen -der französischen Seestreitkräfte kreuzen solle. Shovel lief am 4. Juli aus, Peterborough -blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu erwarten und um mit -Portugal über dessen Beteiligung am Kriege sowie über die Kriegführung überhaupt -zu verhandeln. Am 31. Juli stieß er mit den Transportern und dem Rest -der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen König Karl und der Prinz von Hessen, -die sich von dem Angriff in Katalonien mit Recht mehr Erfolg versprachen als -von dem nur lau vorgehenden Portugal. Nachdem der König in Gibraltar -die Huldigung der Stadt entgegengenommen hatte, trat die Flotte am -5. August — jetzt 58 Linienschiffe, 11 Fregatten, 9 Mörserboote und einige -Brander stark — die Reise nach Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt -in Altea (11.–16.) am 22. August vor dieser Stadt ein. Schon am nächsten Tage -wurden die Truppen ausgeschifft, die Belagerung begann und am <em class="gesperrt">3. Oktober -kapitulierte Barcelona</em>.</p> - -<p class="small">Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4 holländischen und -1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern englischen Dragonern, zusammen -12000 Mann (nach Colomb), in einiger Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede -Störung vor sich und war am 25. beendet. Da die Führer bald nach der Landung der -Ansicht geworden waren, daß ihre Kräfte gegenüber der Größe der Stadt und der Besatzung -nicht genügten, wurde der Angriff zunächst nicht ernstlich betrieben. Zahlreiche -Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlüssen zu führen, scheinbar herrschte -Uneinigkeit zwischen den Land- und Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere -der Beschluß durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern -noch bei der Flotte die erwartete Unterstützung fände. Die Schiffe hatten etwa -1000 Mann ihrer Besatzung für die Erdarbeiten und zur Bedienung gleichfalls gestellter -Geschütze gelandet. Auf Drängen König Karls beschloß der Kriegsrat endlich, ernstlich -vorzugehen, wenn die Flotte weitere Geschütze und noch 1500 Mann lande; die Admirale -bewilligten dies unter der Bedingung, daß die Gelandeten stets zur Wiedereinschiffung<span class="pagenumsmall"><a name="Page_541" id="Page_541">[541]</a></span> -bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten über die französische Flotte eintreffen. -Als diese Abmachung eben erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. -Der Prinz von Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr früherer Gouverneur genau -kannte, führte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der übrigen Befehlshaber -in der Nacht vom 14.–15. September einige auserlesene Truppen gegen das Fort -Montjuich und nahm dessen Außenwerke. Das Fort, der stärkste Punkt der Befestigung, -lag auf dem steilen Berge südwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den -Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die Verbindung Montjuichs -mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete die Flotte die Verstärkungen -und begann (16. September) aus den Mörserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschießung -der Stadt; diese wurde schonend durchgeführt, da die Einwohner dem König Karl -wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen die Stadt selber, -und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte, kapitulierte der Gouverneur auf -Drängen der Einwohner.</p> - -<p class="small">Daß sich die Admirale mit Rücksicht auf die französische Flotte anfangs nicht zu -sehr und auch später nur bedingt engagieren wollten, ist wahrscheinlich und war berechtigt; -selbst Peterborough, der am Lande befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates -für zu weitgehend und für bedenklich erachtet haben. Es ist möglich, daß Shovel -später die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder fürchteten -einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den Befehl, die Befestigungen -dieses Hafens zu verstärken und die Flotte dort zurückzuhalten.</p> - -<p>Nach dem Falle Barcelonas erklärten sich alle Städte Kataloniens für -Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald -war der König Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten -Truppen unter Peterborough zurückblieben. Die große Flotte wurde aufgelöst, -der größere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein Wintergeschwader -— 15 Engländer und 10 Holländer, zu denen später noch 10 und 5 treten sollten — -unter den Admiralen <em class="gesperrt">Leake</em> und <em class="gesperrt">Wassenaer</em> segelte nach Lissabon.</p> - -<p class="small">Gleich nach Übergabe der Stadt gingen die fünf holländischen Schiffe der Division -v. d. Dussen, die jetzt fast zwei Jahre im Dienst waren, heim und nahmen von Lissabon -einen Convoi mit. Almonde hatte die Erlaubnis, mit den übrigen Schiffen im Mittelmeer -zu überwintern, um weiter die Seeherrschaft zu behaupten, falls die Hauptmacht -der Engländer ein Gleiches täte. Diese jedoch erklärten, es sei wegen Mangels an Vorräten -und an Material zum Instandsetzen nicht möglich. So wurde nur ein Wintergeschwader -gebildet, aber auch dieses war genötigt, zur Wiederinstandsetzung nach -Lissabon zu gehen. Leake machte infolge ungünstiger Winde eine unglaubliche Reise: -Er war von Ende Oktober bis zum 4. Februar unterwegs, so daß beinahe Hunger- und -Wassernot an Bord entstand; das Flaggschiff „Prince George“ begrub auf dieser Reise -50 Mann. Es kennzeichnet die Verhältnisse jener Zeit, daß dieses Schiff, das mit Shovel -von England gekommen war und stets Krankheit an Bord gehabt hatte, vom 1. April -1705 bis zum 4. Februar 1706 gegen 300 Mann verlor.</p> - -<p>Wie die Erfolge in Spanien 1705 nur infolge des Ausbleibens der französischen -Flotte möglich geworden waren, so wurden sie <b>im Jahre 1706</b> dadurch -wieder in Frage gestellt, daß die Seestreitkräfte der Verbündeten nicht rechtzeitig -genügend stark auftreten konnten. Die Franzosen gingen früh im -Jahre gegen Karl III. vor. Marschall Tessé griff Katalonien von Spanien aus an, -indem er die Pässe an der portugiesischen Grenze nur besetzt hielt; der Herzog -von Noailles rückte von Roussillon aus vor. Tessé warf den König bis nach -Barcelona zurück und belagerte mit 40000 Mann die Stadt, Toulouse unterstützte<span class="pagenum"><a name="Page_542" id="Page_542">[542]</a></span> -Tessé dabei mit 30 Linienschiffen, die Belagerungsmaterial sowie -sonstige Vorräte brachten und auch an der Beschießung der Stadt teilnahmen. -Peterborough stand in Valencia, zu schwach, um einzugreifen; -man hatte französischerseits alles getan, Erfolge zu erringen, ehe die -Verbündeten Verstärkungen senden konnten und die See wieder beherrschten.</p> - -<p>Als die französischen Vorbereitungen in England bekannt wurden, erhielt -<em class="gesperrt">Leake</em> den Befehl, sein möglichstes zu tun, um die Pläne des Gegners zu -vereiteln. Zu ihm war eine Verstärkung von 4 holländischen Linienschiffen, -nebst einem Convoi mit Ausrüstungsmaterial, gestoßen, aber ein großer Teil -seiner alten Schiffe war noch nicht seeklar. Trotzdem ging er am 9. März mit -18 Schiffen in See.</p> - -<p class="small">Es lag in seiner Absicht, schon am 8. zu segeln, weil er erfahren hatte, daß das Auslaufen -der westindischen Galeonen aus Cadiz bevorstehe. Als aber das Geschwader -am genannten Tage den Tajo abwärts segelte, wurde es durch scharfes Feuer der Außenforts -zum Wiederankern gezwungen. Auf die Beschwerden antwortete die portugiesische -Behörde, es sei aus Versehen geschossen; die Forts hätten Befehl gehabt, das Auslaufen -sämtlicher Kauffahrer zu hindern, damit die Abfahrt des Geschwaders geheim gehalten -würde. Nach Annahme der englischen Offiziere aber sind die Kriegsschiffe tatsächlich -absichtlich zurückgehalten, um sie zum Schutz des erwarteten Brasilienconvois zur -Verfügung zu haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen, das die besten Aussichten -hatte, durch die Verzögerung von einem Tage vereitelt. Am 11. abends erfuhr Leake -von einem holländischen Freibeuter, daß die Galeonen am 10. Cadiz verlassen hätten, -auch fing er am 12. zwei Schiffe, die 24 Stunden später gesegelt waren; er hätte also -ohne die Verzögerung wohl sicher seinen Zweck erreicht. Jetzt erschien ihm eine Verfolgung -aussichtslos, weil der Wind den Galeonen günstig war.</p> - -<p>Infolge ungünstigen Windes traf Leake erst am 10. April in Gibraltar ein. -Hier stieß am 14. der Rest seiner Flotte, 12 Linienschiffe nebst Transportern -mit zwei englischen Regimentern, zu ihm, so daß er nun 30 Linienschiffe stark -war. Auf die Nachricht vom König Karl, daß Barcelona von Tessé und -Toulouse belagert und schon sehr bedrängt sei, beschloß der Kriegsrat, nach -Altea zu segeln, um dort genaue Nachricht über die französische Flotte einzuziehen -und diese, wenn sie nicht stärker als 30 Schiffe sei, anzugreifen; -die englischen Regimenter wurden zur Verstärkung der nur schwachen Besatzungen -auf die Schiffe verteilt. Am 29. in Altea angekommen hörte der -Admiral von einem holländischen Kauffahrer, daß ihm ein Transport mit -Truppen aus Holland unter Bedeckung von 6 Linienschiffen auf dem Fuße -folge; dieser traf am nächsten Tage ein und gleichzeitig die Nachricht, daß -ein englisches Geschwader von 14 Schiffen unter <em class="gesperrt">Sir George Byng</em> nahe. -Leake wartete auch diesen ab und ging dann, 50 Schiffe (36 englische, -14 holländische), 6 Fregatten, 2 Brander, 2 Mörserboote stark, nach Barcelona -weiter. Auf der Höhe von Tortosa (6. Mai) kam eine neue Nachricht vom -König Karl: Die Stadt könne sich nur noch wenige Tage halten, Montjuich -sei genommen, der Sturm stünde bevor; nur sofortiges Erscheinen der Flotte -könne retten, Toulouse sei 28 Schiffe, 6 Fregatten, 10 Galeren und 5 Mörserboote -stark. Leake gab seinen Schiffen sofort den Befehl, ohne Aufrechterhaltung<span class="pagenum"><a name="Page_543" id="Page_543">[543]</a></span> -einer Formation Segel zu pressen. Am Morgen des 7. Mai trafen -die ersten Schiffe vor Barcelona ein, sie fanden die Rhede leer; Toulouse -war, wie im vorigen Kriege Tourville, auf die Kunde vom Nahen des Gegners -nach Toulon aufgebrochen; nach französischen Angaben hatte er Befehl, -seine Flotte keiner ernsten Gefahr auszusetzen.</p> - -<p class="small">Englische Quellen sagen, Byngs Schiffe (wohl die bodenreinsten) seien die ersten -Schiffe auf der Rhede gewesen. Nach de Jonge waren es die besten Segler Wassenaers, -der die Vorhut führte. Nach Corbett sahen die ersten Schiffe die Nachhut Toulouses -gerade noch am Horizont verschwinden.</p> - -<p>Noch an demselben Tage ankerte die ganze Flotte und die Soldaten -wurden in die Stadt geworfen. <b>Barcelona</b>, und damit Katalonien, <b>war gerettet</b>. -Ja, die Belagerer, insbesondere die spanischen Truppen, scheinen -durch das so plötzliche und gerade noch rechtzeitige Erscheinen Leakes -völlig entmutigt worden zu sein. <em class="gesperrt">Marschall Tessé</em> sah sich am 10. Mai -genötigt, die Belagerung abzubrechen; er ließ über 100 Geschütze und sogar die -Verwundeten zurück. Das französische Heer litt auf seinem Rückzuge nach -Roussillon sehr unter Angriffen der katalonischen Bergbewohner: „eine verlorene -Schlacht hätte nicht schlimmer sein können“ (nach Bonfils).</p> - -<p class="small">Colomb sagt (gekürzt): „Barcelona ist die Wiederholung der Geschichte Gibraltars. -Beide Plätze werden durch gemeinsame Angriffe von Land und See genommen, bei -denen die Admirale infolge der günstigen Aussicht auf Erfolg die deckende Flotte vielleicht -stärker eingesetzt haben — bei Gibraltar durch das Abzweigen so vieler Schiffe -für die Beschießung, bei Barcelona durch das Ausschiffen so zahlreicher Leute — als -richtig scheint, denn nur bei vollständiger Beherrschung der See waren die Unternehmungen -möglich. Der Feind versucht dann, die Festungen während der Abwesenheit -der verbündeten Flotte durch Land- und Seestreitkräfte wiederzunehmen, doch wurden -ihre Seestreitkräfte im letzten Augenblick vertrieben.“ Man kann hier wohl sagen „ihre -nicht genügend starken Seestreitkräfte“ und hinzusetzen „teilweise infolge glücklicher -Zufälle für den Gegner“.</p> - -<p>Die Entsetzung Barcelonas war wie die Gibraltars 1705 gewissermaßen -wieder ein Nachspiel des Vorjahres, ein Unternehmen, das den Verbündeten -durch das frühzeitige Vorgehen des Gegners im neuen Kriegsjahre aufgezwungen -und nur vom Wintergeschwader ausgeführt wurde; dieses war allerdings -durch die Verstärkungen, insbesondere durch die beschleunigte Entsendung -Byngs mit 14 Schiffen der Hauptflotte, schon zur Größe der bisherigen -Sommerflotten im Mittelmeer angewachsen. Eine andere Operation -von Bedeutung, die für dieses Jahr geplant war, eine <b>Landung bei Rochefort</b> -unter dem Admiral of the fleet Shovel, kam wohl infolgedessen nicht zur -Ausführung. Erst im Juli konnte Shovel seine Flagge heißen; er wartete dann -vergeblich auf ein holländisches Kontingent und wurde endlich durch Gegenwinde -bis in den September bei Torbay festgehalten; dann war die Jahreszeit -zu weit vorgeschritten. Dieses englische Kanalgeschwader beteiligte -sich nur im Juni an der Belagerung und Einnahme der Stadt <em class="gesperrt">Ostende</em> -durch das Heer in Flandern.</p> - -<p class="small">Zu diesem Landungsplane schreibt Corbett: „Marlborough behielt stets als Hauptziel -im Auge, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen; ihm war auch die beschleunigte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_544" id="Page_544">[544]</a></span> -Entsendung Byngs zu verdanken. Er wollte sogar in Person mit 20000 Mann in englischem -und holländischem Solde nach Italien gehen, um hier mit Prinz Eugen, mit -dem er sich besser verstand als mit den holländischen und deutschen Führern, vereint -aufzutreten. Vom Ratspensionär Heinsius unterstützt, hatte er die Generalstaaten -fast für diesen Plan gewonnen, als die Franzosen am Rhein über Ludwig von Baden -Vorteile errangen. Jetzt sahen die Generalstaaten die linke Flanke der Stellung in den -Niederlanden bedroht, wollten nur noch 10000 Mann bewilligen und verlangten, daß -Marlborough selber in den Niederlanden bliebe. Er fügte sich wiederum, betrieb aber -dafür ein Unternehmen, dem er wenigstens den Wert einer für den Krieg in Italien und -Katalonien nutzbaren Diversion beilegte. (Er selbst ging zu gleichem Zweck energisch -vor, schlug die Schlacht von Ramiliers und bedrohte die Franzosen weiter in Flandern.) -Im Frühjahr 1706 hatte ein französischer Réfugié, Comte de Guiscard, eine Landung -an der Mündung der Charente vorgeschlagen, um von dort aus den Aufstand in den -Cevennen wieder zu beleben. Die Landungskräfte sollten vorzugsweise aus Réfugiés -gebildet werden, doch wollte auch Marlborough einige Regimenter stellen.«</p> - -<p class="small">Über die Stärke der Flotte Shovels sind keine Angaben vorhanden, sie kann nicht -bedeutend gewesen sein. Die auswärtigen Stationen und der Handelsschutz erforderten -zahlreiche Schiffe; 36 Schiffe waren im Mittelmeer, und wie im Vorjahre hatte man ein -Geschwader zur Beobachtung der französischen Küsten in Dienst gestellt; vielleicht -war dieses für die Expedition in Aussicht genommen. Von dem erwarteten holländischen -Kontingent erwähnt der sonst sehr genau berichtende de Jonge nichts. Nach de Jonge -hatte Holland 1706 im Mittelmeer 18 Schiffe — gemäß der Abmachung, eine Vermehrung -hier war erst für das Ende des Jahres vorgesehen — und 12 Schiffe, in zwei Geschwader -wie früher geteilt, in den nördlichen Gewässern. Es hatte also seine Verpflichtungen -erfüllt; zwar waren 5 Linienschiffe weniger im Dienst als im Vorjahre, doch fehlten -diese im Norden: das Geschwader gegen die Galeren in Ostende, das nach der Eroberung -der Stadt nicht mehr nötig war“.</p> - -<p>Wenden wir uns nun wieder zum <b>Mittelmeer</b>. Nach dem Abzuge des -französischen Heeres von Barcelona wurden auf 4 Kriegsschiffen 600 Mann -nach <em class="gesperrt">Gerona</em> geführt, um die Stadt gegen den nach Norden abziehenden -Feind zu verstärken. In längeren Beratungen mit den Ministern und Generalen -König Karls beschloß man dann, daß die Flotte alle in Katalonien entbehrlichen -Truppen zu Peterborough bringen und mit diesen gemeinsam gegen -Alicante, das bourbonisch gesinnt und stark besetzt war, vorgehen solle. -Die Soldaten wurden in Valencia gelandet und von dort in Marsch gesetzt. -In der Zwischenzeit segelte die Flotte nach <em class="gesperrt">Cartagena</em>, wo die Partei -Karls das Übergewicht hatte. Die Stadt war zwar nicht gleich zur Übergabe -bereit, erkannte aber doch Karl III. an, als man Vorbereitungen traf, mit -einigen Schiffen in den Hafen einzulaufen und gleichzeitig die Landungsabteilungen -der Flotte an Land zu werfen (10. Juni). Nachdem dann in -Altea Wasser genommen war, traf die Flotte am 7. Juli vor <em class="gesperrt">Alicante</em> -ein, und auch Landtruppen erschienen am 20. vor der Stadt; da diese aber nur -1300 Mann reguläre Soldaten, sonst bewaffnete Landbewohner, zählten, wurden -von den Schiffen 800 Seesoldaten und 800 Matrosen nebst Geschützen gelandet. -Die Belagerung wurde eröffnet, 12 Linienschiffe begannen mit -Erfolg die Beschießung, indem sie nach und nach die Befestigungen niederkämpften -und dann immer näher ankerten. Am 8. August wurden aus nächster -Nähe zwei Breschen gelegt, die Stadt durch die Truppen am Lande sowie<span class="pagenum"><a name="Page_545" id="Page_545">[545]</a></span> -die Landungsabteilungen gestürmt und geplündert; die Citadelle ergab sich erst -am 6. September wegen Wassermangels.</p> - -<p class="small">Vor Alicante stießen 4 dem holländischen Kontingent bisher noch fehlende Linienschiffe -zur Flotte. An diese knüpfen sich Umstände, die das Verhältnis der englischen -und holländischen Seestreitkräfte zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral -de Almonde hatte sie hinausgeführt, er sollte dann den Oberbefehl über die -Holländer übernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurück, da er nicht -unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor und während seiner Ausreise -England ersucht, Shovel hinauszuschicken. England aber antwortete, dieser sei zu -einem anderen Unternehmen (Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurückgerufen -und Holland hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer; -sämtliche höhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine Verwendung mehr. Die -letzten tüchtigen Schüler Ruyters verbrachten ihre späteren Dienstjahre untätig am -Lande: de Almonde, der seit 1691 die Holländer in allen größeren Unternehmungen -und Schlachten geführt; Callenburgh, uns gleichfalls rühmlichst bekannt; zwei Evertsen, -Söhne und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben Sparsamkeitsrücksichten -mitgesprochen.</p> - -<p>Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nach <em class="gesperrt">Ibiza</em> und dann -nach <em class="gesperrt">Mallorca</em>; die erste Insel erkannte den König Karl sofort an und auf -der zweiten zwang die Bevölkerung den Gouverneur dazu, als eine Beschießung -der Stadt Palma drohte. Gern hätten Karl und Peterborough auch die Einnahme -<em class="gesperrt">Minorcas</em> mit seinem vorzüglichen Hafen Port Mahon, von den -Engländern schon lange als Stützpunkt ins Auge gefaßt, gesehen, aber Leake -hielt die französische Besatzung dort für zu stark, um mit seinen Landungsabteilungen -allein anzugreifen. Peterborough war geneigt, mit den nötigen -Truppen „unter eigener Führung“ mitzuwirken, er wurde jedoch nach Italien -gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen über den Feldzug -des nächsten Jahres zu verhandeln; als er zurückkam, war es nach Leakes -Ansicht für die Flotte zu spät in der Jahreszeit. Seiner Instruktion gemäß -trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der Heimat an, mit ihm das -ganze holländische Kontingent (Mitte November dort); nur ein Wintergeschwader -von 17 englischen Linienschiffen zweigte sich unter <em class="gesperrt">Admiral -Byng</em> in Gibraltar ab und ging nach Lissabon.</p> - -<p>Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien -von Portugal aus für Karl III. eine günstige Wendung; Madrid wurde genommen, -Philipp V. war mit dem französischen Heere nach Frankreich -geflohen. Karl war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege -des Prinzen Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite <a href="#Page_493">493</a>).</p> - -<p><b>Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port -Mahon.</b> Für 1707 war von den Seemächten wiederum die Aufstellung einer -starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich -bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen, die -schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekuniäre Lage der Admiralitäten -war jedoch so schwierig, daß erst um die Wende des Jahres 10 Schiffe -unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707 folgen -konnten; diese letztgenannten stießen erst vor Toulon zur Flotte. Daneben<span class="pagenum"><a name="Page_546" id="Page_546">[546]</a></span> -stellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern für die nördlichen Gewässer -auf. England dagegen sandte wirklich noch im Spätherbst 1706 den -Admiral Shovel nach den spanischen Gewässern ab; die Zahl seiner Schiffe mag -etwa 16 betragen haben.</p> - -<p class="small">Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach französischen Quellen erschienen -im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Holländer. Byngs Wintergeschwader -zählte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16 neuhinzugekommene Engländer.</p> - -<p><em class="gesperrt">Shovel</em> traf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins -Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der -Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbündeten geändert. König -Karl machte die Erfahrung, daß mit dem Schlagen der spanischen Truppen -nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in Kastilien -und in den Südprovinzen erwachte der alte Haß gegen die Portugiesen und -die Ketzer, die beide ihn unterstützten. Das Volk stand in Guerrillabanden -auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter dem Herzog von Berwigk. -Die Verbündeten konnten sich in Madrid nicht halten, sie zogen nach Osten -ab, um sich Karl in Katalonien anzuschließen. Shovel warf nun zunächst -eine aus England mitgebrachte Verstärkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, -kehrte dann aber nach Lissabon zurück, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen -instandzusetzen und auszurüsten.</p> - -<p class="small">Corbett bezeichnet diese „weiteren Operationen“ ausdrücklich als die gegen Toulon -geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels beschleunigt, da ihm nach den -Erfolgen Eugens in Italien sein großer Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch -dessen Durchführung er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite <a href="#Page_494">494</a>). Wenn -er um diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen Eugen -und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt ausdrücklich, daß -das holländische Geschwader erst vor Barcelona von dem beabsichtigten Angriff auf -Toulon Kenntnis erhalten habe.</p> - -<p>In Lissabon fand Shovel das Wintergeschwader (Byng) und das am 10. März -eingetroffene holländische Kontingent, das auch Ersatz für die in Spanien fechtenden -holländischen Regimenter mitgebracht hatte, vor. Da die Nachrichten -vom Landkriegsschauplatze weiter ungünstig lauteten, wurde Byng mit den -segelfertigen englischen und sämtlichen holländischen Schiffen sofort (10. April) -ins Mittelmeer gesandt, um die Verstärkungen zu landen und bis zu Shovels -Ankunft an der Ostküste zu kreuzen. Byng erfuhr in Alicante, daß die -Armee der Verbündeten unter dem <em class="gesperrt">Earl of Galway</em>, der jetzt den -Oberbefehl führte, bei dem Versuche, wieder nach Madrid vorzudringen, bei -Almansa (24. April) vernichtend geschlagen sei und daß ihre Trümmer sich -größtenteils auf Tortosa zurückgezogen hätten (vgl. Seite <a href="#Page_494">494</a>). Der Admiral -sammelte nun in den Küstenstädten die Versprengten, Verwundeten -und Kranken des Heeres, brachte diese sowie die Ersatzmannschaften nach -Tortosa und segelte dann nach Barcelona (20. Mai). Hier traf Shovel bald -darauf ein. Erkundungen ergaben, daß weder in Toulon noch in Marseille -(der Galerenstation) Ausrüstungen von Seestreitkräften betrieben wurden; -Frankreich stellte in diesem Jahre nur zwei Divisionen unter Forbin und<span class="pagenum"><a name="Page_547" id="Page_547">[547]</a></span> -Trouin für die nördlichen Gewässer auf. Am 4. Juni ging <em class="gesperrt">Shovel</em> mit der -ganzen Flotte in See, um mit <em class="gesperrt">Prinz Eugen</em> gegen Toulon zu operieren -und um dessen Verbindung mit den Magazinen in Livorno und Genua -aufrecht zu erhalten.</p> - -<p class="small">Wir wissen bereits (Seite <a href="#Page_494">494</a>), daß es Marlborough nicht gelang, seinen großen -Plan vollständig durchzuführen. Er selber war behindert, in diesem Jahre im Norden -kräftig vorzustoßen, und der Kaiser hatte, anstatt Eugen nach seinen Erfolgen zu verstärken -oder doch wenigstens in seiner Stärke zu belassen, einen Teil des italienischen -Heeres unter Graf Daun abgezweigt, um Neapel zu erobern, obgleich ihm England -vorstellte, dies für ihn mit Leichtigkeit ausführen zu können, sobald Toulon gefallen sei. -Da Ludwig XIV. um diese Zeit zu Friedensunterhandlungen geneigt war, wollte der -Kaiser wohl vor Beginn dieser die Lande in seinen Besitz bringen; auch wird vermutet -(nach Corbett), daß man in Österreich dem Plane Marlboroughs nicht günstig war, -man fürchtete die Übermacht Englands im Mittelmeer nach Toulons Fall.</p> - -<p class="small">Ein schleuniger Angriff auf Toulon war erwünscht. Man mußte annehmen, daß -Frankreich nach seinen Erfolgen in Spanien von dort Truppen zur Armee in der Provence -heranziehen würde, auch konnte bei der Schwäche Eugens nur ein Handstreich gelingen. -Dieser wäre fast geglückt. Marschall Tessé, der die Armee in der Provence führte, hatte -mit unzureichenden Kräften eine lange Grenze zu decken, und Prinz Eugen verstand es, -ihn in Unsicherheit darüber zu halten, wo er vorgehen wolle: ob ein Angriff auf die Provence -oder ein Einfall in die Dauphiné oder in die Franche-Comté, beide von Truppen entblößt, -erfolgen würde. Eugen operierte dann so schnell, daß Tessé erst klar sah, als der Gegner -fast schon die Grenze überschritten hatte. Toulon war auf der Landseite nur schwach -befestigt und ungenügend besetzt. Infolge von Verzögerungen auf dem Marsch und -bei dem Angriff der Verbündeten jedoch gelang es, diesen Übelständen abzuhelfen. -Der Gouverneur der Provence bot die Milizen auf und Tessé warf mit Eilmärschen -Truppen in die Stadt; die Verbündeten waren nicht stark genug, dies durch völlige -Einschließung zu verhindern. Die Verzögerungen werden dem Herzog von Savoyen zur -Last gelegt.</p> - -<p>Die Flotte trat in Finale an der Riviera Mitte Juni mit dem Heere Eugens -und Savoyens in Verbindung. Kleinere Divisionen wurden bestimmt, Vorräte -aus den genannten Häfen zu holen, die Flotte ging nach der Bucht vom -Cap St. Hospice, um mit den die Küste entlang vorrückenden Truppen in -steter Verbindung zu bleiben, ihnen mit Geschützen und Munition auszuhelfen. -Zum tätigen Eingreifen kam sie nur am 11. Juli, als das Heer den -Übergang über den Grenzfluß Var erzwingen mußte. Hier standen 3000 Mann -Fußvolk und 500 Reiter der Franzosen, gestützt auf eine Schanze an der -Mündung. 4 Fregatten beschossen diese Stellung und Anstalten zu einer -Landung in großem Maßstabe wurden getroffen; es scheint aber nur zur Beschäftigung -des Feindes damit gedroht zu sein, denn nur einige hundert Mann -wurden wirklich an Land geworfen. Während dieser Zeit überschritten die -Landtruppen ungehindert den Fluß weiter nördlich. Den Weitermarsch -begleitete dann Admiral Byng mit 15 Schiffen, längs der Küste segelnd, der -Rest der Flotte ging geradeswegs nach den Hyèren; am 29. Juli traf die Armee -vor Toulon ein. Bei schnellerem Vormarsch und überraschend sowie tatkräftig -durchgeführtem gewaltsamen Angriff wäre die Stadt wahrscheinlich -gefallen; so aber kam es nur zu einer <b>erfolglosen Belagerung Toulons</b>.<a name="FNanchor_270_270" id="FNanchor_270_270"></a><a href="#Footnote_270_270" class="fnanchor">[270]</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_548" id="Page_548">[548]</a></span></p> - -<p class="small">Toulon war gedeckt durch eine Reihe von Forts nahe bei der Stadtumwallung (etwa -die jetzige zweite Verteidigungslinie): Vom Fuße des im Norden der Stadt liegenden -Mt. Faron nach Osten bis zur Küste die Forts St. Artigues, St. Catherine und La Malgue, -nach Westen St. Antoine und Malbousquet; zur Hinderung der Einfahrt an der Küste -die Forts St. Louis am Eingang zur Innenrhede und St. Marguerite etwa 2 km östlich -von La Malgue. Bei der so plötzlich auftretenden Gefahr hatte man die Kriegsschiffe -zum großen Teil — einige Angaben sagen die Hälfte (gegen 20 Linienschiffe), nach -andern muß man annehmen, fast alle (gegen 50) — versenkt, um sie dem feindlichen -Feuer zu entziehen, aber auch um die Einfahrt in die Hafenanlagen zu sperren; die -Besatzungen und auch Schiffsgeschütze wurden zur Verstärkung der Befestigungen -herangezogen. Nur 2 oder 3 schwere Linienschiffe waren, mit altem Tauwerk gepanzert, -als schwimmende Batterien so verankert, daß sie die Umgebung der Forts Malbousquet, -La Malgue und St. Catherine bestrichen.</p> - -<p class="small">Prinz Eugen nahm schon am 29. Juli trotz kräftigen Widerstandes die Forts Artigues -und St. Catherine. Er versuchte dann, nördlich um den Mt. Faron marschierend, auf -die Westseite der Stadt zu gelangen, fand aber einen auf Hindernisse und Feldbefestigungen -gestützten zu starken Widerstand. Der Herzog von Savoyen, scheinbar zu vorsichtig, -schuf sich zunächst ein befestigtes Lager und bereitete, auf St. Catherine gestützt, -den förmlichen Angriff auf La Malgue und die Küstenforts vor. Die Flotte, die gleichzeitig -mit Eugens Angriff eine Überrumpelung der Küstenforts vergeblich versucht hatte, -schiffte Geschütze mit Bedienungsmannschaften aus und hielt die Hafeneinfahrt blockiert. -Erst am 12. August begann man ernstlich mit der Beschießung der Küstenforts, auch -um der Flotte ein Näherkommen zu erleichtern. In der Zwischenzeit aber hatten die -Franzosen die Befestigungen verstärkt und die Verteidigung organisiert. Tessé war -mit 18 Bataillonen herangekommen, hatte die Westseite besetzt und Verstärkungen -in die Stadt geworfen; die Milizen hielten die Verbindung nach Marseille offen. Schon -am 15. machten die Belagerten in stürmischer Nacht einen großen Ausfall und warfen -den Feind aus dem größten Teil seiner Angriffslinie. Die Belagerer sahen ein, daß sie -nichts erreichen konnten, ja, daß sie sogar eine kräftige Offensive fürchten mußten, -und beschlossen, die Belagerung abzubrechen. Um den Abzug zu decken und um doch -etwas zu leisten, wurde ein Bombardement eingeleitet; es wurden in der Tat vom -17.–20. die Forts St. Louis und St. Marguerite außer Gefecht gesetzt. Am 21. gingen -nun 5 Fregatten und 5 Mörserboote bis zur Höhe von St. Louis und beschossen Hafen -und Stadt, man sah einige Schiffe sowie ein großes Magazin brennen; die Fahrzeuge -mußten sich aber am 22. bei Tagesanbruch zurückziehen, weil eine neu errichtete -Batterie sie unter wirksames Feuer nahm. Immerhin war die Armee während der Nacht -ungehindert abgezogen und kam auch, ohne verfolgt zu werden, über den Var zurück. -Die Flotte begleitete wieder diesen Rückmarsch.</p> - -<p class="small">Erwähnenswert ist, daß die <em class="gesperrt">Gardes-marines</em> (die Seekadetten) sich bei -der Verteidigung so ausgezeichnet haben, daß die Stadt Toulon ihnen von da an, bis -1786, freies Kasernement gab, oder ihnen, wenn sie auf Kosten des Königs untergebracht -waren, für die Person und für den Monat 9 Francs zahlte.</p> - -<p>So war nicht nur der große Plan, den Krieg durch Eindringen in die -Provence zu beenden, fehlgeschlagen, sondern auch der Angriff auf Toulon -unter großen Verlusten mißglückt. Dieser hatte nur den Erfolg, daß Villars' -Vordringen in Deutschland gehemmt wurde, weil dieser einen Teil seiner -Truppen nach der bedrohten Provinz senden mußte, und daß die französische -Marine auch im Mittelmeer den Kampf ganz aufgab. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln -war ein Teil der versenkten Schiffe (etwa 15?) unbrauchbar geworden. -Frankreich stellte in den letzten Jahren des Krieges in Toulon nicht -einmal kleinere Divisionen auf, wie es im Norden doch noch bis 1709 geschah.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_549" id="Page_549">[549]</a></span></p> - -<p>Die Operationen der großen Flotte der Verbündeten waren für dieses Jahr -zu Ende. Sie zweigte am Var 9 Schiffe ab, um Truppen von Genua nach -Spanien zu bringen, und ging dann über Barcelona, Altea und Gibraltar -in die Heimat.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p549.jpg" width="300" height="397" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p549" id="fig_p549"></a> -<p class="caption">John Leake.</p> -</div> - -<p class="small">Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhältnis der Verbündeten zueinander -zutage; über „die zunehmende Mißachtung von seiten der Engländer“ klagen die -Holländer. Vizeadmiral v. d. Goes war am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf -als Ersatz Vizeadmiral van Wassenaer über Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier -war aus Sparsamkeitsgründen (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen. Wassenaer -segelte über Barcelona nach Altea und fand hier sein Geschwader; Shovel war mit -den englischen Schiffen, „ohne Kriegsrat zu halten und ohne mit den Holländern das -Wintergeschwader zu vereinbaren,“ nach -Gibraltar gesegelt, nur äußernd, er müsse dort -Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf -die englische Flotte am 10. Oktober vor -Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen; -hier drang er auf Abhaltung eines -Kriegsrates.</p> - -<p>Vor Gibraltar wurde die Winterflotte -entlassen, 6 holländische und 12 englische -Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. -Der holländische Chef, Vizeadmiral -Wassenaer, blieb mit zwei weiteren -Schiffen zum Überwintern in Lissabon, -aber getrennt von seinem Geschwader, -da er nicht unter Dilkes stehen wollte.</p> - -<p>Auf der Rückreise trat die Katastrophe -ein, die die englischen Admirale, -so auch besonders Shovel, stets gefürchtet -und vorausgesagt hatten, wenn man die -Schiffe in später Jahreszeit aus dem -Mittelmeer zurückzöge. Die Flotte verfehlte -in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des Kanals und -geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren, darunter das -Flaggschiff; <em class="gesperrt">Sir Clowdesley Shovel</em> wurde nach einigen Angaben -von einem Strandräuber wegen seiner Ringe ermordet.</p> - -<p>Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und -von dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. März in -Lissabon zur Neuausrüstung ein.</p> - -<p><b>Das Jahr 1708</b> ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkräften Waffentaten -von einiger Bedeutung ausgeführt wurden. Am 7. April traf <em class="gesperrt">Sir -John Leake</em>, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2 holländischen -Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Holländer folgten -bald, so daß die Seestreitkräfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe zählten. Man -sieht, daß die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein Auftreten der Franzosen -war nicht zu befürchten, so konnte auch England jetzt mehr Schiffe zum<span class="pagenum"><a name="Page_550" id="Page_550">[550]</a></span> -Schutze des Handels im Norden zurückbehalten. Sie wurde auch noch geteilt: -4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Straße von Gibraltar gegen einige französische -Fregatten, die in Cadiz für den kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; -4 andere sandte man nach den Azoren, um portugiesische Brasilienfahrer zu -holen und dann holländische und englische in die Heimat zu führen. Die -Hauptflotte, 23 Linienschiffe, ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien -nach Barcelona zu bringen. Am 22. traf sie an der Küste von Katalonien -auf einen französischen Convoi von 100 Tartanen<a name="FNanchor_271_271" id="FNanchor_271_271"></a><a href="#Footnote_271_271" class="fnanchor">[271]</a> mit Zufuhr, besonders -Proviant, für das spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die -übrigen. Bei der unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden -Heere aus Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag -für die spanischen Truppen und ein großer Gewinn für die des Königs Karl. -In Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurückgelassen, um jede Verbindung -Frankreichs mit Spanien über See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado -(26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die Kavallerie -von Genua und Livorno geholt werden mußte, dann kehrte sie mit 6000 Mann -und 2300 Pferden nach Barcelona zurück; es hatte sich ferner die Braut -König Karls, Prinzeß Elisabeth Christine von Braunschweig, eingeschifft.</p> - -<p>Dem Admiral wurde nun aufgegeben, <em class="gesperrt">Sardinien</em> zu unterwerfen, -eine Insel, die als reiche Kornkammer für Karls Heer wichtig war; die Aufgabe -wurde schnell gelöst. Am 12. August erschien <em class="gesperrt">Leake</em> vor Cagliari und legte -seine Mörserboote sofort zur Beschießung aus. Als auf die Aufforderung zur -Übergabe die Antwort erst für den nächsten Tag in Aussicht gestellt und damit -der Verdacht hervorgerufen wurde, daß der Gegner Zeit zu Verteidigungsmaßnahmen -gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein Regiment Spanier -sowie 1200 englische Seesoldaten und eröffnete die Beschießung; das für Karl -günstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den Gouverneur zur Übergabe, -die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der Übergabe der Stadt nahm -<em class="gesperrt">Leake</em> bei Pula, am Eingang der Bucht von Cagliari, Wasser, und hier erreichte -ihn, auf seine Meldung von dem Erfolge, die Bitte König Karls, ein -Unternehmen des General <em class="gesperrt">Stanhope</em>, des jetzigen Oberbefehlshabers -der verbündeten Truppen in Katalonien, <b>gegen Minorca</b> zu unterstützen.</p> - -<p>Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon länger -Port Mahon als günstigsten Stützpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge gefaßt -hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevölkerung der -Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen Punkte -besetzt. Diese wurde von den Franzosen unterstützt, die im Januar 1707 eine -Division Schiffe zur Unterdrückung eines Aufstandes gesandt und dann eine -Besatzung zurückgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600 Mann, -vorwiegend Engländer, in Barcelona zusammen, er fühlte sich aber ohne eine -größere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der katalonischen -Küste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen — sie standen<span class="pagenum"><a name="Page_551" id="Page_551">[551]</a></span> -weder unter ihm noch unter König Karl, aber eins davon führte sein Bruder, -und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur Teilnahme —, er bat -aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei, er sei segelfertig und -auch in Mallorca ständen Truppen und Geschütze bereit. Leake beschloß -sofort, der Bitte zu willfahren.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Corbett</em> sagt hierzu: „Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings -schon von großem Werte für England, aber fast nur als eine Station zum -Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer -brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war, -ein Wintergeschwader dort zu halten und auszurüsten. Ohne einen solchen -blieb Frankreich imstande, sobald die verbündete Flotte im Herbst -heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurück mußte, seine -Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien -wieder aufzunehmen; es trat hinzu, daß eine ständige Flotte im -Mittelmeer wünschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere -bourbonisch gesinnte Fürsten Italiens zu drücken. So war die Besetzung -Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten -schon immer auf den vorzüglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und -1705 erschien in England eine anonyme Schrift („An inquiry into the -causes of our naval miscarriages“), die die Besetzung dieses Platzes -dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage -gegen Toulon, für Gewinnung eines Stützpunktes und wies, da Karl III. -beständig um eine Flotte auch während des Winters bat, den König und -den Kaiser nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu -nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale -erklärten den Platz für seemännisch nicht geeignet und Port Mahon -außerdem für viel günstiger gelegen, Toulon zu überwachen. Auf -Marlboroughs Drängen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem -Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande -wie üblich zu Ende ging, die Einschiffung sämtlicher in Katalonien -entbehrlichen Streitkräfte vor. Leake kannte zwar die Pläne, hatte aber -keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens -die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr nötig wären, nach Spanien -zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen -den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld -unterstützte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, für König Karl -einzutreten, dies erlaube.</p> - -<p>Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca eintraf, war -der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach Civitavecchia unter Segel -zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch nicht zur Einschiffung bereit und den -Holländern war verboten, sich an der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. -Der gemeinsame Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Stützpunkt für die -Flotten völlig klar war, faßte jetzt den Beschluß, der Bitte Folge zu geben.“</p> - -<p>Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port -Mahon ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: -Er sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die Stärke -des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hälfte auserlesene französische -Seesoldaten und zur Hälfte ein altes Minorca-Regiment; er erkundete und -markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen von der Stadt -entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca und am 12. -Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte die offene -Stadt, die sich wie die ganze Insel für König Karl erklärte; die feindlichen -Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen beherrschten, zurück. Da -nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen Städte die Gesamtflotte nicht -mehr nötig war, verließ Leake (18. September) seiner Instruktion gemäß mit<span class="pagenum"><a name="Page_552" id="Page_552">[552]</a></span> -dem größeren Teile Port Mahon und segelte nach der Heimat, nachdem er -die entbehrlichen Vorräte des Proviants und der Munition an Stanhope -abgegeben hatte.</p> - -<p>Ein Wintergeschwader — 12 englische und 3 holländische Linienschiffe, -5 Fregatten, 3 Mörserboote — blieb unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Edward -Whitaker</em> zurück und unterstützte die weiteren Unternehmungen. Einige -Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der Nordküste -vorläufig als Liegeplatz für die Transporter zu haben; andere zwangen -mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur Übergabe; die -übrigen Schiffe landeten Geschütze mit Bedienung zur förmlichen Belagerung -der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach Breschelegung -am 29. September stürmender Hand genommen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Port Mahon war in englischem Besitz.</em> England behielt -es 50 Jahre und hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere -wie Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte -es Cadiz und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenüber; Lissabon -blieb weiter ein Stützpunkt in zweiter Linie.</p> - -<p class="small">General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten nach -Barcelona zurück, sobald sie entbehrlich waren — „er zeigte so seinen Eifer für die Sache -Karls“. Er ließ auf der Insel nur eine englische Besatzung zurück. In seinem Bericht -nach England äußerte er auch seine „unmaßgebliche“ Ansicht, daß man Port Mahon -nie wieder herausgeben dürfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer Unterstützung -in Spanien machen müsse; auch bat er um Ernennung des augenblicklichen Befehlshabers -dort zum Gouverneur. Natürlich fühlten sich der Kaiser, König Karl und Holland -sehr verletzt, aber England ließ sich nicht irre machen.</p> - -<p>Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader -in Port Mahon zu überwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder -Einrichtungen noch Vorräte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker -holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach Lissabon; -schon seine Anwesenheit an der italienischen Küste nach dem Fall von Port -Mahon hatte genügt, den Papst zur Anerkennung Karls zu bewegen.</p> - -<p>Im Jahre <b>1708</b> planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den -nördlichen Gewässern noch einmal einen <b>Einfall in Schottland</b>; der Prätendent -<em class="gesperrt">Jakob</em> III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin übergeführt werden. -Das Unternehmen, ganz gegründet auf eine kräftige Erhebung in Schottland -und auf völlige Überraschung, scheiterte kläglich, da diese Bedingungen -fehlten; der seemännische Führer der Expedition, Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Graf -Forbin</em>, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach diesem Fehlschlage -wurde in den nächsten Jahren in Dünkirchen keine reguläre Division -für den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder La Rochelle.</p> - -<p class="small">Die Expedition sollte früh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar nach der -Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der französischen Marine -erlaubte keine große Rüstung. Forbins Geschwader bestand aus den wenigen Kriegsschiffen -der Dünkirchen-Division und einer größeren Zahl Freibeuter und Transporter; -holländische Angaben sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische -von 8 und 24; wenn französische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur die Kriegsschiffe<span class="pagenumsmall"><a name="Page_553" id="Page_553">[553]</a></span> -und Freibeuter gezählt. Eine Krankheit des Prätendenten soll die Abfahrt verzögert -haben. In England und Holland hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral -Byng erschien schon am 12. März mit 35 Schiffen vor Dünkirchen. Forbin war jetzt -für Aufgeben des nach seiner Überzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob -bestand auf der Ausführung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war, -ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader für die nördlichen -Gewässer noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4 starke Convoibegleitschiffe -nach England; diese stießen am 20. zu Byng und gleichzeitig erhielt der Admiral die -Nachricht vom Auslaufen Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die -Holländer nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die -Nachricht abzuwarten, wo diese nötig seien. Er selber folgte den Franzosen. Forbin -war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber sogleich fest, daß England alle Maßregeln -getroffen hatte, um sowohl die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrücken; -er schlug daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt -ab. Als er das Nahen der Engländer erfuhr (23. März), ging er in See, Byng -sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin steuerte zunächst -nordöstlich, änderte nachts geschickt den Kurs und entkam wohlbehalten nach -Dünkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkühn -den Kampf aufnahm, wurde genommen.</p> - -<p><b>Die letzten Kriegsjahre 1709–1712.</b> Wir wissen, daß zu Ende des Jahres -1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schließen (vgl. Seite <a href="#Page_494">5495</a>). -England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl möglich, denn es besaß ja -schon, was es haben wollte. Da die Verbündeten zu viel verlangten, nahm -der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkräfte fanden zwar keine Gelegenheit -mehr zu größeren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb von Wichtigkeit. -Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung König Karls mit Sardinien, -seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen Ländern und schnitten -Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der französischen Marine vom -Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der dortigen Flotte; dies kam dem -Handelsschutz in den nördlichen Gewässern zugute, auch konnten stärkere -Unternehmungen als bisher gegen die französischen Kolonien in Nordamerika -ausgeführt werden. Es wird genügen, die Tätigkeit der verbündeten Flotte -in großen Zügen zu geben, und nur einzelne Vorfälle näher zu schildern, -ohne wie bisher auf alle Operationen und Bewegungen näher einzugehen.<a name="FNanchor_272_272" id="FNanchor_272_272"></a><a href="#Footnote_272_272" class="fnanchor">[272]</a></p> - -<p><b>1709</b> traf Admiral <em class="gesperrt">Byng</em> schon im Januar mit Verstärkungen bei der -Winterflotte ein, er brachte Material und Vorräte zur Schaffung eines Stützpunktes -in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe wird etwas -über 20 gewesen sein, Holland verstärkte sein Kontingent erst im Mai auf 9. -Byng kreuzte hauptsächlich an der französischen Küste; ein Versuch, das -belagerte Alicante zu entsetzen, mißlang, man konnte bei seinem Fall nur -die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit einem Teil seiner -Schiffe heim; die 3 Holländer des vorjährigen Wintergeschwaders wurden -durch 6 neue ersetzt, so daß dies Kontingent jetzt 11 Schiffe stark war. Das -Wintergeschwader unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Whitaker</em> verblieb, gesammelt oder<span class="pagenum"><a name="Page_554" id="Page_554">[554]</a></span> -in Divisionen geteilt, an der spanischen und französischen Küste, nunmehr -auf Port Mahon gestützt.</p> - -<p>Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitän <em class="gesperrt">Cassard</em> 1709, -ebenso 1710 und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante -nach Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen; -die Zufuhren waren von großer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot -herrschte.</p> - -<p><b>Im März 1710</b> kam Admiral <em class="gesperrt">Sir John Norris</em> in Port Mahon an. -Die Streitkräfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstärkt, doch wurde die -Hälfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante für -König Karl und zur Bewachung der Straße sowie Sardiniens und der italienischen -Küste abgezweigt. Mit der anderen Hälfte ging Norris nach Barcelona und -erfuhr hier Ende April, daß eine <b>französische Expedition gegen Sardinien</b> -bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten Gouverneur -ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine Sendung von Truppen -(2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6–8 Kriegsschiffen und 20 -Galeren zu unterstützen. Norris gelang es, das Unternehmen zu vereiteln.</p> - -<p class="small">Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizekönig nach Cagliari, wodurch -die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war nichts zu bemerken. -Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; -ein Versuch, durch eine Division einen Convoi an der Küste der Provence abzufangen, -mißlang. Auf die Nachricht, daß die französische Expedition jetzt von Toulon und -Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht von Terra Nova -4 französische Transporter und zwang die von diesen gelandeten 400 Mann durch Landung -seiner Soldaten zur Übergabe. Er erfuhr, daß 10 Galeren mit Transportern bei seinem -Nahen von der Westküste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio -geflüchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach Frankreich zurückgegangen, -aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte Kriegsmaterial der Expedition) -wurden genommen; die Neutralität Genuas, dem Corsica gehörte, beachtete Norris nicht.</p> - -<p>Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere Aufgabe -an sie heran, <b>eine Landung in der Languedoc</b>, um einen neuen Aufstand -der Camisards zu unterstützen. Der mit viel zu geringen Kräften unternommene -Versuch schlug vollständig fehl.</p> - -<p class="small">Man beabsichtigte, in Cette festen Fuß zu fassen, um mit den Camisarden, die -etwa 12 Meilen von der Küste unter Waffen standen, in Verbindung zu treten. Diese -Stadt, die auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Meere und einem Küstensee -fast wie auf einer Insel liegt, hätte bei genügend starker Besetzung wohl gehalten werden -können, weil die Verbündeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli, -landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben Tage ohne Widerstand -Cette. Am nächsten Tage sicherte man sich durch Besetzung des kleinen südwestlich -liegenden Ortes Adge und einer Brücke dort gegen einen Angriff von dieser Richtung -her. Der Versuch der Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz über den See -auf die Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber infolge -eines falschen Alarms verließ die Besatzung Adges ihre Stellung. Da nun Marschall -Noailles in Eilmärschen mit 2000 Reitern, deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen -lassen, hier herankam, wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft -und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es überhaupt, weil man -eine Verstärkung nicht vorgesehen hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_555" id="Page_555">[555]</a></span></p> - -<p>In diesem Jahre überwinterten die Engländer sämtlich im Mittelmeer, -die Holländer gingen heim. Auch für diese war der Befehl unterwegs, dort -zu bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa) -hoffte, bei kräftiger Unterstützung durch die Flotte den Krieg in Spanien -zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in Holland -sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber man konnte -nur 13 ausrüsten und auch diese trafen nur nach und nach — meist mit -englischen Schiffsverstärkungen oder Ablösungen und stets mit englischen -Truppentransporten — an der spanischen Küste ein, die ersten Ende März, -die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende 1712 im -Mittelmeer. Die Engländer werden in den letzten Jahren des Krieges, im -Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben; die Gesamtflotte -zählte etwa 35.</p> - -<p><b>Im Jahre 1711</b> kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im -Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Küste Italiens, weil -in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein größeres Geschwader -versuchte vergeblich, an der französischen Küste einen Convoi (Cassard) -abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona zur Verfügung -König Karls bereit, dessen Erwählung zum Kaiser nach Josephs Tode -(17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen, sobald er es -wünsche. Als im Hochsommer eine größere Verstärkung zur Flotte stieß, -ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den schwereren, nach England -und gab den Oberbefehl an <em class="gesperrt">Admiral Jennings</em> ab. Dieser brachte -mit 24 Schiffen, (6 ließ er zum Schutz der Königin in Barcelona zurück), im -Herbst (27. September) den König nach Genua (am Tage seiner Erwählung -12. Oktober dort), führte dann Truppen nach Katalonien zurück und nahm -endlich Winterlager in Port Mahon.</p> - -<p>Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und -Frankreich im Gange. Wie die Engländer jetzt im niederländischen Feldzuge -<b>des Jahres 1712</b> ihre Verbündeten nicht mehr unterstützten, so hielten sie -sich auch im Mittelmeer zurück; nur noch einmal traten sie gemeinsam mit -den Holländern auf. Im April hörte Jennings, daß ein französisches Geschwader -aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port Mahon -in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam jedoch -infolge stürmischer Winde zu spät. <em class="gesperrt">Cassard</em> kam mit 6 Linienschiffen und -2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert nach Westindien und -brandschatzte hier holländische und englische Kolonien. Die Flotte segelte dann -noch vereint nach Vado, hier aber trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte -nach Port Mahon zurück, die Holländer führten allein Truppen nach Spanien -und bald darauf noch einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen -und gingen am 7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne -Befehl der Bitte der Königin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende</em> — England und -Portugal schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. — und die<span class="pagenum"><a name="Page_556" id="Page_556">[556]</a></span> -habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich genötigt, -mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu räumen und die treue Provinz -ihrem Schicksal zu überlassen. Philipp eroberte sie mit französischer Hilfe; -1714 wurde Barcelona erstürmt. Auch die Balearen unterwarfen sich 1715.</p> - -<p>Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine -<b>französische Expedition gegen Rio 1712</b> hervorzuheben, weil sie mit größeren -Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschluß zwischen Portugal -und Frankreich von einem ähnlichen Einfluß war, wie die Expedition -de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pfälzischen Erbschaftskrieges.</p> - -<p>Schon im Jahre 1710 hatte eine französische Freibeuterflottille den Versuch -gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu schädigen. Kapitän -<em class="gesperrt">Duclerc</em> hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen von Rio einzulaufen. -Als dies durch die Forts verhindert war, landete er 1000 Mann und drang -in die Stadt ein, dann erst gelang es dem unentschlossenen Gouverneur, und -auch nur durch Beistand der Einwohner, ihn zu überwältigen. Die Franzosen -wurden fast sämtlich hingemetzelt, Duclerc und viele andere nach der Übergabe -ermordet. Im Jahre 1711 gab der schon berühmte Kapitän <em class="gesperrt">Duguay-Trouin</em> -die Anregung zu einem zweiten Unternehmen. Da der Marineminister -mit seinen Mitteln nicht genügend Schiffe ausrüsten konnte, -bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten teilweise übernahm. -Der König stellte Schiffe und Besatzungen, hatte Anspruch auf ein Fünftel -des Reingewinns, mußte aber den etwaigen Verlust an Schiffen tragen; die -Gesellschaft verpflichtete sich, für jeden gestorbenen, gefallenen oder fahnenflüchtigen -Soldaten eine Entschädigung von 30 Franken zu zahlen. So -erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu 74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von -20–26 Kanonen, 2 Mörserboote und 2000 Mann. Obgleich der Plan in England -wie in Portugal bekannt wurde, hatte die Expedition vollen Erfolg: Rio -wurde auf längere Zeit besetzt, eine Kontribution von etwa 1300000 Mark -erhoben und reiche Beute gemacht. Die Gesellschaft gewann 92%; der -Verdienst des Königs wird nur gering gewesen sein, weil 2 Linienschiffe auf -der Rückreise verschollen.</p> - -<p class="small">Trouin<a name="FNanchor_273_273" id="FNanchor_273_273"></a><a href="#Footnote_273_273" class="fnanchor">[273]</a> verließ am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11. September vor Rio -ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von der bevorstehenden Abfahrt -der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug -weitergesandt, Ende August in Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungenügende -Gegenmaßregeln getroffen worden; es gelang Trouin, während der Nacht in den Hafen -einzulaufen, die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier Batterien -zu bauen. Die Behörden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe, die im Hafen lagen, setzten -sich auf Strand und in Brand; die Truppen, 12000–13000 Mann, hielten sich in den -Befestigungen und ließen die Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 -Mann mit 24 Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschießung -der Stadt so wirksam, daß die Bürger in Masse flohen und der Gouverneur nach Anzündung -der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt, und benützte nicht -einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die Franzosen am 21. zu einer gründlichen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_557" id="Page_557">[557]</a></span> -Plünderung in der Stadt zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung -völliger Zerstörung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10. Oktober, -obgleich er wußte, daß Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen heranzogen; diese -trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die Franzosen nach erfolgter Zahlung -der Kontribution und Einschiffung der Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten -Expedition wurden befreit; einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den -Versuch, auch sie zu befreien, mußte Trouin widriger Winde an der Küste halber aufgeben; -das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar 1713 traf er in Brest ein.</p> - -<p class="small">Es berührt eigentümlich, daß England weder das Auslaufen noch die Durchführung -der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit, sowohl einen gewissermaßen -in Schutz genommenen schwachen Verbündeten vor großem Schaden zu bewahren -als auch dem gemeinsamen Feinde einen empfindlichen Schlag zu versetzen.</p> - -<p><b>Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702–1713</b> war sehr bedeutend. Es -verlor</p> - -<table cellpadding="2" summary="p557"> - <tr> - <td class="left"><em class="gesperrt">England</em> Schiffe:</td> - <td class="tdc">80 K.</td> - <td class="tdc">70 K.</td> - <td class="tdc">60 K.</td> - <td class="tdc">50 K.</td> - <td class="tdc">über 30 K.</td> - <td class="tdc">kleinere</td> - </tr> - <tr> - <td class="left"> In Gefechten</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">9</td> - <td class="tdc">22</td> - </tr> - <tr> - <td class="left"> Sonst verunglückt</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">10</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="td23" colspan="6">Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="7"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="7"><em class="gesperrt">Frankreich</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="left"> In Gefechten</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">86</td> - </tr> - <tr> - <td class="left"> Sonst</td> - <td class="tdl" colspan="6">gegen 50 Segel.</td> - </tr> -</table> - -<p>Für Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden.</p> - -<p class="small">Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden -entnommen sind, glaubt, daß diese auf Grund der neuesten Untersuchungen ziemlich -genau sind. Er gibt (am Schluß des Kapitels XXIV) von den englischen Schiffen eine -namentliche Liste mit Tag und Ort des Verlustes.</p> - -<p class="small">Troude führt für beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den Linienschiffen -(über 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und 20 französischen; es ist möglich, -daß er auf englischer Seite die großen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, -1707 bei den Scillys 4) und auf französischer Seite die durch Versenken in Toulon unbrauchbar -gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schätzen) nicht eingerechnet -hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11 französische; es ist dies nur -so zu erklären, daß er den kleinen Krieg nicht berücksichtigt hat, namentlich nicht die -königlichen Schiffe, die als Freibeuter im Privatdienst standen. Für Holland zählt -er 3 Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe besonders bei -den kleineren.</p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35 Linienschiffen, -einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren Hunderten von Freibeutern; diese -Angabe stimmt mithin annähernd mit Clowes überein, unter den Freibeutern befanden -sich ja viele Kriegsschiffe.</p> - -<p>Da bekanntlich in den größeren Aktionen nur Frankreich bei Vigo, -Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten -verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf -noch zurück.</p> - -<h4>Der kleine Krieg und die Kolonien.</h4> - -<p><b>Der Krieg gegen den Seehandel</b> spielte im Spanischen Erbfolgekriege -eine ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso<span class="pagenum"><a name="Page_558" id="Page_558">[558]</a></span> -eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite <a href="#Page_467">467</a> ff.). Wir -können an die früheren Betrachtungen anknüpfen und uns auf Angaben -beschränken, die den Umfang und damit den Einfluß des kleinen Krieges -1702–1713 beurteilen lassen.</p> - -<p>Vom Beginn der Feindseligkeiten förderte, dem Beispiel seines Vaters -folgend, der französische Marineminister <em class="gesperrt">Jerôme de Pontchartrin</em> -den Krieg gegen den Handel mit allen Kräften. Auch er stellte der <em class="gesperrt">Freibeuterei</em> -Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfügung; wiederum -durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dünkirchen und St. Malo aus, -einzeln oder in kleinen Verbänden den Kanal, den Eingang zu diesem und -die Nordsee. Jerôme stellte wie sein Vater kleine Divisionen in den nördlichen -Häfen für den <em class="gesperrt">Kreuzerkrieg</em> auf; die „Escadre du Nord“ wurde wiederum -ständig in Dünkirchen gebildet, andere Divisionen traten meist in Brest -oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbände der königlichen Marine, -in ihrer Stärke zwischen 3–14 Kriegsschiffen schwankend, aus kleineren -Linienschiffen (50–60 Kanonen) oder schweren Fregatten (40–50 Kanonen) -bestehend und bisweilen durch Freibeuter verstärkt, griffen vornehmlich -größere Convois von Handelsschiffen oder von Transportern mit Kriegsmaterial -für Spanien an. Solange Ostende in französischem Besitz war (bis -1705), wurde hier eine Division von Galeren (6) gehalten, geeignet, die holländische -Küste zu beunruhigen oder in der Schelde in den Landkrieg einzugreifen.</p> - -<p><b>Frankreich</b> bedrohte so den englischen und holländischen Handel sehr, -aber es ist wohl zu bemerken, daß sich dieser Angriff der Hauptsache nach -auf die erwähnten Gewässer, also nahe bei den eigenen Küsten, beschränkte; -im Mittelmeer konnte sich die französische Freibeuterei überhaupt nur wenig -regen, weil hier während des größten Teiles des Jahres die Flotten der Verbündeten -die See beherrschten. Gegen Ende des Krieges ließ die Kraft -dieser Kriegführung nach, es fehlten die Mittel. Nach 1709 wurde wegen -Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr ausgerüstet; eine große Zahl -der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe, war weggefangen worden. Die -kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen, weil sie nicht durch Convois -behindert waren, fast immer Erfolg gehabt oder sich doch dank der Geschicklichkeit -ihrer Führer und der Segeleigenschaften ihrer Schiffe größeren Verlusten -entziehen können. Die Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu -verzeichnen: sie fing in Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes -holländisches Linienschiff.</p> - -<p>Auf seiten der Verbündeten ging naturgemäß das Hauptbestreben dahin, -ihren weit größeren Handel zu decken. <b>Holland</b> stellte zu diesem Zweck -in jedem Jahre 2–3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum -Schutz der Nordsee gegen Dünkirchen, wie in allen früheren Kriegen; zum -Geleiten der großen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch -die Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30–40 zu 20–50 Kanonen) traten -als ständige Begleitung der Convois hinzu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_559" id="Page_559">[559]</a></span></p> - -<p class="small">Die Stärke dieser Geschwader war beträchtlich; sie zählten zusammen:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p559"> - <tr> - <td>1702</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">Linienschiffe,</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">Fregatten</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1703</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1704</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">17</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1705</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1706</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>und 4 Schiffe der ostindischen Kompagnie</td> - </tr> - <tr> - <td>1707</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">17</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1708</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">17</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td>1709</td> - <td>=</td> - <td class="tdc">16</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc">„</td> - <td>und 2 Schiffe der ostindischen Kompagnie</td> - </tr> - <tr> - <td>1710</td> - <td>=</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">„</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Von 1706 an war das Geschwader gegen die Galeren nicht mehr nötig; 1710 war -nur das Geschwader für die Ostindienconvois in Dienst gestellt und 1711–1712 wurden -alle ausgerüsteten Schiffe zum unmittelbaren Convoidienst herangezogen.</p> - -<p>Holland übernahm also in erster Linie den Handelsschutz östlich von -Dünkirchen; hier kamen nicht nur sein Ostseehandel und seine Nordseefischerei -in Betracht, sondern auch die transatlantische Schiffahrt wählte während -des Krieges den Weg um Schottland. Die Tabelle zeigt, daß, als der französische -Kreuzerkrieg um 1709 aufhörte, Holland, selbst erschöpft, ebenfalls -nachließ. Aber auch die Freibeuterei war von Holland lebhaft betrieben -und bald besonders gegen die feindlichen Kaper gerichtet. Wie in den letzten -Jahren des vorigen Krieges setzte die Regierung 1702 hohe Preise für das -Aufbringen solcher aus; die eigenen Kaper hielten sich sonst wegen des höheren -Gewinns lieber an das Wegfangen von Kauffahrern, und es war doch wichtiger, -den eigenen Handel zu schützen. Wie stets waren die Seeländer die Tätigsten -als Freibeuter.</p> - -<p class="small">Die Prämien wurden berechnet nach der Besatzungsstärke und Armierung (Kopfzahl -und Geschoßgewicht einer Chargierung) des genommenen Schiffes und waren höher -für die in der Nordsee gemachten Prisen. Ein Schiff von 220 Mann und 40 Kanonen -brachte in der Nordsee 42900 Gulden, in andern Gewässern zwei Drittel dieser Summe.</p> - -<p class="small">In Seeland bildeten sich wieder Gesellschaften, die Freibeuter ausrüsteten. Schon -1703 liefen von Middelburg und Vlissingen 47 Fahrzeuge (10–40 Kanonen) aus; 25 Kauffahrer, -doppelt bemannt, durften neben dem Handel auch Kaperei treiben; viele Schiffe -wurden eigens zu diesem Zwecke neu erbaut. Die Seeländer waren nach ihrer Gewohnheit -nicht sehr wählerisch und nahmen auch Schiffe neutraler oder verbündeter Völker; -die Generalstaaten verweigerten deshalb die Ausgabe weiterer Kaperbriefe, aber die -Provinz setzte es doch durch, indem sie behauptete, die fraglichen Schiffe hätten unter -dem Schutz ihrer Flagge mit Frankreich Handel getrieben. 1706 stellten Middelburg -und Vlissingen 74 Segel (die größere Zahl mit über 26 Kanonen und hinauf bis zu 52) -mit insgesamt 1760 Kanonen und 11750 Mann, diese Schiffe schwärmten bis in die -fernsten Meere, besonders aber in der Nordsee. Auch in den anderen Provinzen rüsteten -die Städte, sogar einzelne Dorfgemeinden, Fahrzeuge aus; bei dem stockenden Handel -wurde die Freibeuterei eine Erwerbsquelle für die seemännische Bevölkerung.</p> - -<p>Nach 1708 nahm die Jagd auf feindliche Kaper ab, weil diese seltener -wurden und weil die für die Prämien ausgesetzten Mittel erschöpft waren; -auch stieg jetzt der eigene Handel wieder; seine Stockung in den ersten -Jahren hatte viele Schiffe und Seeleute in den Dienst der Freibeuterei getrieben.</p> - -<p><b>England</b> beteiligte sich an der Bewachung Dünkirchens und an der -Sicherung der Nordsee, hat aber wohl in erster Linie den Schutz des Kanals<span class="pagenum"><a name="Page_560" id="Page_560">[560]</a></span> -und die Blockierung der französischen Küste durch eine größere Flotte, teils -vereinigt, teils in Geschwader geteilt, übernommen; auch hier wurden natürlich -die Convois durch Kriegsschiffe, hinauf bis zu selbst schwereren Linienschiffen, -begleitet sowie einzelne Kreuzer entsandt. Englischen Geschwadern -glückte es, größere französische Convois abzufangen, da diese ja in ihren -Bereich kommen mußten.</p> - -<p class="small">Über die Stärke der englischen Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern liegen -genaue Angaben nicht vor. Nach den Abmachungen über das Verhältnis der Rüstungen -zur See müssen sie weit bedeutender als die holländischen gewesen sein. England beklagte -sich später, und selbst nach holländischen Quellen nicht ganz ohne Berechtigung, -daß Holland seiner Pflicht nicht nachgekommen sei; da dieses aber bei der Hauptflotte -im Mittelmeer annähernd geschehen ist, muß der Unterschied in den heimischen Gewässern -gelegen haben.</p> - -<p>Nach allen Angaben muß man annehmen, daß England im Gegensatz -zu Holland den kleinen Krieg gerade in den letzten Jahren, als die Flotte -im Mittelmeer vermindert werden konnte, mit immer wachsender Tatkraft -durchgeführt hat.</p> - -<p>Einen Begriff von dem Umfang des kleinen Krieges geben <em class="gesperrt">die ungeheuren -Verluste auf beiden Seiten</em>: England hat gegen -50, Frankreich gegen 100 Kriegsschiffe sowie zahlreiche Kaper in Gefechten<a name="FNanchor_274_274" id="FNanchor_274_274"></a><a href="#Footnote_274_274" class="fnanchor">[274]</a> -verloren. Über Holland fehlen nähere Angaben.</p> - -<p class="small">Nach den früher gemachten Angaben (Seite <a href="#Page_557">557</a>) kann man mit einiger Sicherheit -annehmen, daß England 17 Linienschiffe im kleinen Kriege verloren hat. Der Verlust -der dort angeführten 7 schwereren (über 60 Kanonen) ist durch die Schilderungen -größerer Gefechte im Kreuzerkriege festgestellt worden; die 10 50-Kanonenschiffe -und die 31 Fregatten usw. werden auch zum größten Teile als Convoischiffe und als -Kreuzer gefallen sein — wir hörten ja von keinen bemerkenswerten Verlusten bei der -Hauptflotte. Einige der als verunglückt angeführten Schiffe sind gleichfalls wohl Opfer -des seemännisch gefährlichen Blockadedienstes geworden.</p> - -<p class="small">Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt. Rechnen -wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so bleiben 5 für den Kreuzerkrieg; -diese werden im Privatdienst gestanden haben, denn in den Gefechten ihrer -Kreuzerdivisionen sind keine Verluste erwähnt, oder es sind die 5, von deren Verlust -bei Malaga einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angeführten -95 kleineren Kriegsschiffe und „mehrere hundert“ Kaper.</p> - -<p class="small">Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100 französischen -Kriegsschiffen während des ganzen kleinen Krieges stimmt gut überein mit den Angaben -eines Kommissionsberichtes im Hause der Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte -England 1702–1707 80 französische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und -selber 30 Kriegsschiffe verloren.</p> - -<p>Wenden wir uns schließlich zu den <em class="gesperrt">Erfolgen des kleinen -Krieges</em>. Angaben über die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer -sind nicht vorhanden, einen Anhalt gibt der ebenerwähnte Kommissionsbericht<span class="pagenum"><a name="Page_561" id="Page_561">[561]</a></span> -im Hause der Lords. Nach diesem hatten die Engländer in den ersten -fünf Kriegsjahren 1300–1400 französische Kauffahrer genommen und -1100–1200 verloren, von denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war -in den Jahren, in denen der französische Kreuzerkrieg blühte, und trotzdem -war der Verlust der Franzosen größer; zieht man aber in Berechnung, daß -der englische Handel ungemein überlegen war, so stellt sich der relative -Verlust auf französischer Seite noch ganz anders dar. Ähnlich wird das Verhältnis -Holland gegenüber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung geführte -Kreuzerkrieg der Franzosen — unter besonders fähigen und tätigen Geschwaderführern -sowie Kaperkapitänen mit tüchtigstem Personal — konnte -nicht hindern, daß der eigene Seehandel, nach französischen Angaben, schlechter -geschützt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und daß der der -Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward Frankreichs -Geldnot während des Krieges immer größer und sein Kredit fiel. Es muß -dies großenteils dem Abgeschnittensein von der See zugeschrieben werden, -denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde betreten und seine Industrie -hatte nicht unter unmittelbaren Feindseligkeiten zu leiden; England und -Holland waren dagegen imstande, die eigenen Kriegskosten und die ihrer -Verbündeten zu tragen. Das Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich -auch schwere unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den -Jahren der Mißernte 1709–1712.</p> - -<p class="small">Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr kräftig geführt -wurde, erhielten die englischen und holländischen Geschwader hier den Befehl, jegliche -Kornzufuhr aus der Ostsee nach Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu -diesem Zweck jedes Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern Bestimmungshäfen -wurde eine Entschädigung für den Zeitverlust zugestanden.</p> - -<p class="small">Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist das -Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, daß noch 1710 gegen 40 Freibeuter -Dünkirchen verließen und eine Beute von 700 000 Francs machten.</p> - -<p>So liefert auch dieser Krieg einen Beweis für die Behauptungen (vgl. -Seite <a href="#Page_305">305</a> und <a href="#Page_471">471</a>), daß ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte stützt, -nicht dauernd durchgeführt werden kann und daß eine solche Kriegführung -allein nicht imstande ist, einen seemächtigen Gegner niederzuwerfen.</p> - -<p class="small"><b>Haupttaten berühmter französischer Freibeuter-Führer.</b><a name="FNanchor_275_275" id="FNanchor_275_275"></a><a href="#Footnote_275_275" class="fnanchor">[275]</a> Kapitän <em class="gesperrt">Saint Pol</em>, -Chef des Dünkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters Jean Barts Tode, -nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten mehrere Schiffe eines -englischen Convois und von den 3 Schiffen der Bedeckung 2, darunter das führende -Linienschiff. Im August vernichtete er mit einem Linienschiff, dem kürzlich eroberten, -und 3 Fregatten in der Nordsee von 4 holländischen Kriegsschiffen 3, verlor selber -nur 1 und zerstörte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht der -Orkaden geflüchtet hatten; dann nahm er 3 holländische Fregatten, die zum Schutz -einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704 brachte er einige holländische Kauffahrer -in der Nordsee auf und später mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen -Convoi von 11 Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung -fiel er.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_562" id="Page_562">[562]</a></span></p> - -<p class="small">Kapitän <em class="gesperrt">de Forbin</em>, gleichfalls ein Schüler Jean Barts, folgte im Kommando. -Nachdem er dem Handel der Gegner schon großen Schaden in der Nordsee zugefügt hatte, -schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von 20–54 Kanonen, 6 Holländer von 46 -bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von -72 Kanonen und gegen 20 Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als -seine letzte Tat ist uns die Überführung Jakobs III. schon bekannt (Seite <a href="#Page_552">552</a>).</p> - -<p class="small">Fregattenkapitän <em class="gesperrt">Duguay-Trouin</em> nahm von Brest aus in den Jahren -1702–1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2 Schiffe zu -74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine große Zahl von Kauffahrern; einmal -schlug er den Angriff eines portugiesischen Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte -er als Linienschiffskapitän die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis -74 Kanonen) und 2 Fregatten (40–44 Kanonen). Im Oktober trat er unter Forbins -Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden (zusammen etwa 700 -Kanonen), um einen großen englischen Transport mit Truppen und Material für Spanien -anzugreifen. Am 21. trafen sie bei Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von -5 Linienschiffen (340 Kanonen). Forbin zögerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie -bilden wollte, und die Engländer mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die erbetene -Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern fest, bis auch Forbin herankam. -Vier der englischen Schiffe wurden aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter -fielen den Siegern in die Hände. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von -80 Kanonen und im nächsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach -Rio ist uns bekannt (Seite <a href="#Page_556">556</a>).</p> - -<p class="small">Chef d'Escadre <em class="gesperrt">du Casse</em> führte 1701, 1702, 1708, 1711 mit großem Geschick -die spanische Silberflotte nach Europa und leistete damit Spanien und Frankreich -ungemein wichtige Dienste. Ihm war fast fortlaufend der Schutz der Kolonien und -des Handels in Westindien anvertraut.</p> - -<p class="small">Kapitän <em class="gesperrt">Cassard</em> führte, wie schon erwähnt, in den Jahren 1709–1711 drei -große Getreidezufuhren nach Toulon; zweimal schlug er dabei überlegene Kräfte ab. -1712 lief er, wie auch schon angedeutet, mit 6 Linienschiffen und 2 Fregatten von -Toulon aus; er brandschatzte eine der Kapverden (St. Jago) sowie verschiedene westindische -Besitzungen Englands und Hollands.</p> - -<p><b>Die Zusammenstöße in den Kolonien</b><a name="FNanchor_276_276" id="FNanchor_276_276"></a><a href="#Footnote_276_276" class="fnanchor">[276]</a> beschränkten sich auch im -Spanischen Erbfolgekriege auf Handelsstörung und Brandschatzung der -Ansiedlungen. Die Verbündeten würden wohl mehr unternommen haben, -wenn sie nicht von 1703 ab mit ihrer Hauptkraft an den spanischen Landkrieg -gebunden gewesen wären (vergl. Seite <a href="#Page_490">490</a>). Wie im vorigen Kriege -trat vorzugsweise England jenseits des Ozeans offensiv auf, Holland entsandte -keine nennenswerten Streitkräfte; Frankreich übernahm auch für das schwache -Spanien den Schutz des Handels und der Kolonien. Die Hauptereignisse, für die -nur Westindien und Nordamerika in Betracht kommen, seien kurz angeführt.</p> - -<p>Bei Beginn des Krieges hatte es den Anschein, als ob <em class="gesperrt">Westindien</em> -ein Schauplatz von größerer Bedeutung werden solle. Wir hörten (Seite <a href="#Page_508">508</a>), -daß Frankreich schon 1701 eine schwache Division (Coëtlogon) entsandte, um -Truppen hinüberzubringen und die Galeonen abzuholen, England ein stärkeres -Geschwader (Benbow; 10 Linienschiffe), um mit Ausbruch des Krieges sofort -die Silberflotte und Cartagena anzugreifen, und daß nun wieder Frankreich -10 Schiffe (Château-Renault) hinterher schickte; Benbow erhielt im Mai 1702<span class="pagenum"><a name="Page_563" id="Page_563">[563]</a></span> -noch eine Verstärkung unter Admiral Whetstone. Bei Ausbruch des Krieges -waren mithin ziemlich starke Streitkräfte beider Parteien in Westindien.</p> - -<p><em class="gesperrt">Benbow</em> hielt sich vor Beginn des Krieges schlagfertig bei Jamaica, -möglichst unterrichtet über die Stärke der Franzosen sowie ihrer und der -Silberflotte Bewegungen; er mußte aber auch den Schutz der Kolonien im -Auge behalten, weil der Gegner überlegen war. Coëtlogon verließ bekanntlich -schon im Winter und Château-Renault im Frühjahr 1702 mit den Galeonen -(in Vigo dann vernichtet) unbehindert Westindien. Benbows Vorsicht war -berechtigt gewesen. Renault hat die Absicht gehabt, die Antillen anzugreifen, -erhielt aber den Befehl, die Silberflotte zu begleiten. Whetstone hat wahrscheinlich -an Benbow den Auftrag überbracht, die Feindseligkeiten zu eröffnen, -jedenfalls die Nachricht, daß ein neues französisches Geschwader nahe; -es war <em class="gesperrt">du Casse</em> mit 4 Linienschiffen und 8 Transportern, eine Truppensendung -für spanische Kolonien. Benbow sandte nun einige leichtere Schiffe -in die kubanischen Gewässer zum Kreuzen gegen Kauffahrer, stationierte -Whetstone mit 6 Linienschiffen an die Südküste Haitis, um du Casse abzufangen, -und ging selber mit 7 Linienschiffen zu gleichem Zweck einige Tage -später (21. Juli von Jamaica) an die Westküste dieser Insel. Hier hörte er, -daß du Casse nach Cartagena bestimmt sei, folgte und traf ihn am 29. August -bei St. Marta (östlich von der Mündung des Magdalenenstromes). Du Casse -bildete die Gefechtslinie zwischen seinem Transport und dem überlegenen -Gegner und schlug den Angriff in einem mehrtägigen Gefechte glänzend ab. -Das Gefecht ist bemerkenswert: Die Franzosen sehen in ihm einen weiteren -Beweis (neben den vielen Erfolgen im Kreuzerkriege) dafür, daß sie in allen -Aktionen zwischen Einzelschiffen oder Divisionen den Sieg davon getragen -hätten; die Engländer bezeichnen dieses Ereignis als eins der peinlichsten ihrer -Marinegeschichte.</p> - -<p class="small"><b>Das Gefecht zwischen Benbow und du Casse vor Cartagena.</b> Schiffe mit Angabe -der Kanonenanzahl und Gefechtsordnung:</p> - -<table class="sfont" summary="p563"> - <tr> - <td class="tdl">Defiance 64</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">Heureux 68 (du Casse)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Pendennis 48</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">Agréable 50</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Windsor 60</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">Phénix 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Breda 70 (Benbow)</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">Apollon 50</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Greenwich 54</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">Prince de Frise 30</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Ruby 48</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">1 Brander</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Falmouth 48</td> - <td><span style="margin-left: 50px;"> </span></td> - <td class="tdl">3 kleine Fahrzeuge.</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Du Casse lag unter Marssegeln nach Westen, den Angriff erwartend, Benbow stand -zu Luward. Schon das Bilden der Gefechtslinie machte diesem Schwierigkeit, da -„Defiance“ und „Windsor“ dem Signale nicht folgten und der Befehl durch Boote -wiederholt werden mußte. Gegen Abend greift Benbow an, aber nach dem Wechseln -einiger Breitseiten verlassen die genannten Schiffe mittels Anluvens die Linie und das -Gefecht wird abgebrochen. Nachts nimmt Benbow die Spitze und diese Schiffe als -unmittelbare Hinterleute, bei Tagesanbruch ist jedoch nur „Ruby“ bei ihm, die übrigen -sind und bleiben den Tag über (30. August) weit zurück; trotzdem hält sich Benbow -am Feinde, die Bug- und Heckgeschütze der Gegner feuern. Am 31. vormittags kommen -„Breda“ und „Ruby“ zum Nahgefecht; „Ruby“ wird in der Takelage so beschädigt, -daß der Admiral beidrehen und sie mit Booten aus dem Gefecht tauen muß. <span class="pagenumsmall"><a name="Page_564" id="Page_564">[564]</a></span>„Defiance“ -und „Windsor“ waren zwar auch in Schußweite, feuerten aber nicht. Auch am Nachmittage -fällt die ganze Last auf „Breda“, die übrigen Schiffe schießen nur gelegentlich. -Tag und Nacht weht das Signal „Gefechtslinie“, trotzdem ist am 1. September außer -„Ruby“ kein Schiff auf Position, „Greenwich“ sogar 9 Seemeilen achteraus. Infolge -einer Windänderung haben die Franzosen nachmittags die Luvstellung, aber Benbow -greift doch ihr Schlußschiff an; „Prince de Frise“ muß schwer beschädigt während -der Nacht aus dem Geschwaderverbande entlassen werden. Am 2. steht Benbow wieder -zu Luward; er kommt wegen zu flauen Windes nicht an den Feind, nimmt aber eins -der kleinen Fahrzeuge. Am 3. greifen „Breda“ und „Falmouth“ den „Apollon“ an; -dem Admiral wird ein Bein zerschmettert, doch bleibt er in einer Hängematte an Deck. -„Apollon“ wird kampfunfähig, und von beiden Seiten kommen sämtliche Schiffe heran. -Aber während die Engländer nur einmal in Lee passieren, und eine Breitseite abgeben, -decken die Franzosen ihren Kameraden und tauen ihn in Sicherheit, nachdem sie „Breda“ -zum Abstehen gezwungen haben. Als nun Benbow seine Kommandanten an Bord -gerufen hat, dringt der Kapitän der „Defiance“, von den andern unterstützt, auf Abbruch -des Kampfes; der Admiral mußte nach Jamaica zurückgehen, wo er seiner Wunde -erlag. Du Casse schrieb ihm vor der Trennung: „Gestern morgen glaubte ich, in Ihrer -Kajüte zu Abend essen zu müssen. Ihre Kommandanten, diese Feiglinge, hängen Sie -auf. Sie haben es, bei Gott, verdient.“ Die Kapitäne der „Defiance“ und „Greenwich“ -wurden auch erschossen, zwei starben während der Untersuchung, die der „Windsor“ -und „Falmouth“ wurden begnadigt; nur der der „Ruby“ war nicht angeklagt worden.</p> - -<p>Du Casse brachte seine Truppen nach Cartagena und führte dann einige -Galeonen nach Europa, obgleich er bei Ouessant nochmals (März 1703) auf -eine englische Division stieß.</p> - -<p>In den Jahren 1702/03 fanden einzelne gegenseitige Überfälle statt. -Die Franzosen versuchten 1702, mit einigen Freibeutern, wahrscheinlich in -Sold genommenen Flibustiern, von Haiti aus in Jamaica einzufallen; die -Expedition wurde durch Whetstone, der beim Kreuzen gegen Kauffahrer -zufällig auf sie stieß, vernichtet. Als eine englische Verstärkung auf der -Station eintraf, die von dem Mittelmeer abgezweigten 6 Linienschiffe und -12 Transporter mit Truppen unter Walker (vgl. Seite <a href="#Page_515">515</a>), griff man Guadeloupe -an. Es gelang, die Besatzung in die Berge zu vertreiben, die Stadt -Basseterre mit ihren Befestigungen zu zerstören und die Insel zu plündern. -Die Truppen litten aber sehr in dem Kampfe und auch durch Krankheit und -wurden wieder eingeschifft, als eine Verstärkung von Martinique anlangte. -Zwischen den englischen Land- und Seeoffizieren soll Uneinigkeit geherrscht -haben; dies mag zutreffen, denn weshalb haben sonst die Schiffe den Nachschub -nicht gehindert, da sich nennenswerte französische Seestreitkräfte nicht -in den Gewässern befanden?</p> - -<p>Bald darauf wurden auch die englischen Kräfte in Westindien vermindert, -und bis 1705 unternahm keine Partei etwas gegen Ansiedlungen. In diesem -Jahre brandschatzten die Franzosen von Haiti aus St. Kitts und Nevis; -ein größeres englisches Geschwader erschien und versuchte vergeblich, durch -eine Demonstration Cartagena für die Sache Karls III. zu gewinnen. In -den Jahren 1706/07 scheint der englische Handel sehr gelitten zu haben, -denn der Chef der Station wurde auf Drängen des Unterhauses abberufen -und nicht wieder verwendet. Von 1708 an haben die Engländer die westindischen<span class="pagenum"><a name="Page_565" id="Page_565">[565]</a></span> -Gewässer im allgemeinen beherrscht. Sie konnten aber doch nicht -hindern, daß du Casse zweimal (1708 und 1710) die Galeonen abholte (1708 -fielen einige dem Admiral Walker in die Hände), daß 1711 von Martinique -aus Montserrat und 1712 durch Cassard, auf seinem Freibeuterzuge, wiederum -Montserrat, St. Kitts und das holländische Surinam geplündert wurden. -Die Überlieferungen über die Verhältnisse in Westindien während dieser -Jahre, auch über die Stärke der Seestreitkräfte dort, werden selbst in englischen -Quellen als ungenügend und unzuverlässig bezeichnet.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Nordamerika</em> wurde der Krieg fast nur mit Milizen und Fahrzeugen -der Kolonien ausgefochten; reguläre Truppen und Seestreitkräfte -waren auf beiden Seiten schwach vertreten, erstere auf englischer Seite bis -1710 gar nicht. Die englischen Niederlassungen waren zwar weit stärker -bevölkert, aber die Franzosen verwandten mit Erfolg große Indianerhorden, -die schreckliche Verwüstungszüge unternahmen. 1704 und 1707 versuchten -die Engländer von Boston aus über See mit Schiffen der Kolonie, Port -Royal (jetzt Anapolis) in Akadia (Neu Schottland) zu nehmen, die Franzosen -schlugen alle Angriffe ab, ja sie bemächtigten sich nach und nach fast -des ganzen Neufundlands und vernichteten durch Flibustier nahezu Handel und -Fischerei des Gegners. Lange baten die erschöpften englischen Kolonien ihr -Mutterland vergeblich, genügend Schiffe zu senden, um sich durch einen -kräftigen Vorstoß gegen Kanada und Akadia Luft zu verschaffen. Endlich -erschien im Juli 1710 ein Geschwader unter Kapitän Martin und mit seiner -Hilfe wurde im Herbst Port Royal genommen, doch blieb Akadia sonst in -französischem Besitz. Als dann 1711 <em class="gesperrt">Admiral Walker</em> mit 11 Linienschiffen, -4 kleineren Fahrzeugen, 30 Transportern und 5300 Soldaten in -Boston ankam, hoffte man auf einen endgültigen großen Erfolg: Man wollte -<em class="gesperrt">Quebec</em> durch die englische Macht von See her und durch 4500 Mann vom -Lande aus angreifen. Das Unternehmen unterblieb aber, weil das Vorgehen -der Flotte kläglich scheiterte.</p> - -<p class="small">Walker verließ Anfang August Boston. Seine zwei 80-Kanonenschiffe legte er -vor den Eingang zum St. Lorenz-Golf, weil er sie für zu tiefgehend hielt und weil man -von der bevorstehenden Ankunft zweier französischer Kriegsschiffe gehört hatte. Die -Flotte segelte in den Golf ein, war aber am Abend des 31. August auf der Höhe der Insel -Anticosti gezwungen, wegen Nebels bei starkem Ostwinde beizudrehen; der Admiral -ging zu Bett, obgleich die Lotsen schon Beweise ihrer mangelhaften Kenntnisse gegeben -hatten. Um 10 Uhr abends glaubte man, über Steuerbord-Bug liegend, Land voraus -zu haben, und wendete. Ein Landoffizier sah jetzt Brandung voraus; er drang, als man -seiner Wahrnehmung nicht traute, in die Kajüte und holte den Admiral (even in his -dressing gown and slippers) an Deck. Tatsächlich hatte man Land dicht voraus und -nur durch großes seemännisches Geschick entzogen sich die Schiffe der gefährlichen -Lage, aber doch gingen 8 Transporter mit zwei Drittel ihrer Mannschaften (gegen -900 Mann) verloren. Der Unfall wirkte so niederdrückend, daß nicht nur der Angriff -auf Quebec, sondern auch ein nach diesem geplanter auf Placentia (Neufundland) -aufgegeben wurde. Allerdings war die Flotte auch nur noch mit Proviant auf einige -Wochen versehen; sie ging nach England zurück.</p> - -<p>Trotzdem wurden im Frieden von Utrecht Neufundland und Akadia von -Frankreich an England abgetreten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_566" id="Page_566">[566]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">In anderen Kolonien</em> waren nur der Zug Trouins gegen Rio und der -Cassards gegen die Capverden von Bedeutung.</p> - -<p><b>Schlußbetrachtungen.</b> In Hinsicht auf <em class="gesperrt">die Streitmittel</em> sind nur -zwei Punkte noch einmal zu berühren. Colomb führt in seinen Betrachtungen -„The conditions under which attacks on territory from the sea succeed or -fail“ die Ereignisse dieses Krieges als Beispiele der Notwendigkeit einer -unbedingten augenblicklichen Seeherrschaft für derartige Angriffe an, er -weist gleichfalls auf die Wichtigkeit einer dauernden für erfolgreichen Schutz -des Handels hin. Den Grund, daß im Spanischen Erbfolgekriege die zur -See stärkere Partei in beiden Hinsichten ihren Zweck nicht völlig erreicht -habe, sieht er darin, daß strikte Blockaden nie durchgeführt, nicht einmal -versucht sind; er sagt: „The practice, perhaps even the idea, of barring the -enemy in his ports, and so preserving a free sea in rear, is not yet developed.“ -Dies ist wohl richtig; man dachte noch nicht daran und war auch nicht imstande -dazu. Wie zu Lande, so wurde auch zur See der Krieg im Winter -abgebrochen; es kam hinzu, daß man den Schiffen noch nicht genügend -traute, und es handelte sich ja auch um stürmische Gewässer: Kanal, Biscaya, -Golf von Lyon; aus dem Mittelmeer zog man sogar die Schiffe so früh zurück, -daß sie vor Einsetzen der schlechten Jahreszeit in den Kanal einlaufen -konnten. So wurde also im Winter die Behauptung der See aufgegeben. -Aber auch im Sommer war man häufig dazu genötigt, sehr oft wurden Operationen -(auf seiten beider Gegner) infolge schlechter oder ungenügender Ausrüstung -der Schiffe, oder Krankheit an Bord, abgebrochen. Bei den auswärtigen -Gewässern, Mittelmeer, Westindien und Nordamerika, machte sich -in dieser Hinsicht der Mangel an Stützpunkten fühlbar; den Verbündeten -standen zwar die portugiesischen Häfen sowie später Gibraltar zur Verfügung, -aber diese Plätze lagen zu entfernt vom Wirkungsfelde der Flotte und es -fehlte ihnen an leistungsfähigen Werften usw.; sie waren deshalb nicht einmal -zum Überwintern größerer Flotten geeignet. Unter solchen Umständen waren -scharfe Blockaden ausgeschlossen.</p> - -<p class="small">Es ist jetzt schwer zu beurteilen, inwieweit die Besorgnis vor ungenügender Seefähigkeit -der Schiffe berechtigt war oder nur alter Anschauung entsprang, und inwieweit -die sonstigen Mängel des Materials in den allgemeinen Verhältnissen jener Zeit lagen -oder Schuld der Verwaltungen waren. Klagen in Quellen über alle drei Marinen lassen -mehr auf schlechte Verwaltung schließen; in Frankreich und Holland gingen die Marinen -abwärts, aber auch in England war nicht alles, wie es sein sollte.</p> - -<p>Ein zweiter bemerkenswerter Punkt ist <em class="gesperrt">das Verhältnis der englischen -und holländischen Marine zueinander</em>. Schon -im vorigen Kriege klagten die holländischen Seeoffiziere über das hochmütige -und rücksichtslose Auftreten der englischen, selbst in dienstlichen Angelegenheiten. -Diese Klagen nahmen nach dem Tode Wilhelms III. noch zu: -Im Kriegsrat würde nichts auf ihre Ansicht gegeben (Almonde 1703), von -wichtigen Vorhaben würde ihnen keine Mitteilung gemacht u. dgl.; sehr -zum Nachteil der allgemeinen Sache. Dies ist wieder ein Faktor der Schwäche -von Bündnissen, von der wir früher (Seite <a href="#Page_356">356</a>) gesprochen haben. Der<span class="pagenum"><a name="Page_567" id="Page_567">[567]</a></span> -Grund lag darin, daß England die holländische Marine nicht mehr als gleichwertig -ansah. Damit kommen wir auf die von England erhobene Klage, -Holland habe seine Verpflichtungen nicht erfüllt, es habe es in den -ersten sieben Jahren an der Hälfte, später sogar an zwei Dritteln der zugesicherten -Schiffe fehlen lassen. Mit diesem Umstand begründete England -bei den Friedensverhandlungen seinen Anspruch auf Einheimsung fast aller -maritimen Vorteile. Diese Klage scheint bislang überall, außer wohl in -Holland, als berechtigt angenommen zu sein, wenigstens wird nicht näher -auf eine Prüfung eingegangen. Unparteiisch betrachtet, glaube ich, stellt -sich die Sache so, daß Holland allerdings hinter den Abmachungen zurückgeblieben -ist, jedoch nicht in dem von England behaupteten Umfange.</p> - -<p class="small">Im Februar 1712 klagte das Haus der Gemeinen in einer Adresse an den Thron: -„Während des ganzen Krieges mußten jährlich große Flotten ausgerüstet werden, um -die Herrschaft im Mittelmeer aufrecht zu erhalten und um jeder Streitmacht, die der -Gegner in den nördlichen Gewässern aufzustellen beabsichtigte, entgegentreten zu können. -Holland ist stets im Rückstande geblieben, so daß Ew. Majestät genötigt waren, diesen -Ausfall zu decken; unsere Schiffe mußten zum großen Schaden des Materials zu ungünstigen -Jahreszeiten in entfernten Gewässern verweilen. Dies führte ferner zur -Beschränkung des Convoischutzes; es war nicht möglich, dem Feinde den Verkehr mit -Westindien zu unterbinden, von wo ihm die starke Zufuhr an Silber ermöglicht wurde, ohne die er -die Lasten des Krieges nicht hätte tragen können.“ Der Eingabe war eine Tabelle über -die von Holland „zu stellenden“ und „gestellten“ Schiffe beigefügt. Die Generalstaaten -erhoben hiergegen Widerspruch und führten ganz andere Zahlen auf. Stellen wir nun -die Angaben gegenüber; es handelt sich nur um Linienschiffe.</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p567"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc" colspan="2">Englische Angaben</td> - <td class="tdc">Holländ. Angabe</td> - <td class="tdc">Nach de Jonge</td> -</tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="td23">Es waren zu stellen</td> - <td class="td23">Es sind gestellt</td> - <td class="tdc">Es sind gestellt</td> - <td class="tdc">waren im Dienst</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1702</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">33</td> - <td class="tdc">55</td> - <td class="tdc">35</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1703</td> - <td class="tdc">47</td> - <td class="tdc">22</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">34</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1704</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">18</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdc">35</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1705</td> - <td class="tdc">47</td> - <td class="tdc">20</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdc">35</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1706</td> - <td class="tdc">46</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">54</td> - <td class="tdc">30</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1707</td> - <td class="tdc">43</td> - <td class="tdc">27</td> - <td class="tdc">49</td> - <td class="tdc">32</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1708</td> - <td class="tdc">43</td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdc">53</td> - <td class="tdc">31</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1709</td> - <td class="tdc">42</td> - <td class="tdc">11</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">30</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1710</td> - <td class="tdc">37</td> - <td class="tdc">13</td> - <td class="tdc">43</td> - <td class="tdc">21</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">1711</td> - <td class="tdc">35</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc"> 13<a name="FNanchor_277_277" id="FNanchor_277_277"></a><a href="#Footnote_277_277" class="fnanchor">[277]</a></td> -</tr> -</table> - -<p class="small">Die Generalstaaten behaupteten nun, die Zahlen in Reihe 1 seien zu hoch; sie -seien berechnet nach dem Verhältnis einer gemeinsamen Rüstung wie 3: 5, während -1703 vereinbart sei, daß für jedes Jahr die Anzahl festgestellt werden solle, und diese -Zahlen habe man erfüllt. Die Zahlen in Reihe 2 seien zu niedrig gegriffen, man habe -die in den nördlichen Gewässern befindlichen holländischen Schiffe nicht mitgerechnet.</p> - -<p class="small">Nun würde aber noch der große Unterschied zwischen der Angabe der holländischen -Admiralitäten (Reihe 3) und de Jonges (Reihe 4) zu ergründen sein. De Jonge erklärt -ihn damit, daß die Admiralitäten die großen Convoijer (über 40 Kanonen) eingerechnet -und allerdings auch damit, daß sie Schiffe mitgezählt hätten, deren Indienststellung -beschlossen, aber wegen Geldmangels nicht ausgeführt sei. Vielleicht liegt ein Unterschied -auch darin, daß de Jonge (und ebenso England) die Schiffe unter 50 Kanonen -nicht als Linienschiffe berechnet hat, während die Admiralitäten alle über 40 Kanonen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_568" id="Page_568">[568]</a></span> -als solche zählten. De Jonge erkennt die Berechtigung der englischen Klage nur insoweit -an, als sie die Beteiligung Hollands an der Mittelmeerflotte anging; hier hätten stets -einige Schiffe gefehlt. Es ist zweifelhaft, ob man die großen Convoijers mitzählen -durfte, doch sollte man glauben, daß England in Hinsicht auf seine Leistungen, und -somit auf Berechnung des Verhältnisses, sich gleichfalls die Linienschiffe angerechnet -hat, die im Convoidienst verwendet wurden.</p> - -<p class="small">Die Zahlen der Reihe 1 sind von England als im Verhältnis 3: 5 der englischen -Indienststellungen berechnet und als solche von Holland nicht angefochten worden. -Man kann aus ihnen mithin schließen, daß England durchschnittlich 70–80 Linienschiffe -jährlich im Dienst hatte, wie wir es bei Besprechung der Streitmittel (Seite <a href="#Page_505">505</a>) angenommen -haben.</p> - -<p>In Hinsicht auf die <em class="gesperrt">Entwicklung der Taktik</em> ist nur noch einmal -hervorzuheben, daß die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges, als -die erste einer Zeit gilt, in der mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Gesamtformation -in Linie als auf taktische Manöver gelegt wird. Zur Zeit Tourvilles -war eine Taktik ausgebildet und wurde angewandt, jetzt wird sie besonders -von den Engländern nur schematisch durchgeführt.<a name="FNanchor_278_278" id="FNanchor_278_278"></a><a href="#Footnote_278_278" class="fnanchor">[278]</a></p> - -<p><b>Über die Strategie</b> in diesem Kriege; die Aufgaben der Seestreitkräfte, und -wie sie diese lösten. Wenn wir auch bei der Schilderung der Ereignisse schon -näher auf diese Punkte eingegangen sind als bei den früheren Kriegen, so -ist es doch wünschenswert, durch einen Überblick nochmals zu zeigen, welchen -Einfluß die Kriegführung zur See gehabt hat oder hätte haben können; -gerade dieser Krieg ist lehrreich.</p> - -<p class="small">Ein neuerer englischer Autor<a name="FNanchor_279_279" id="FNanchor_279_279"></a><a href="#Footnote_279_279" class="fnanchor">[279]</a> sagt: „Für die höhere Seestrategie ist kein Krieg -lehrreicher als der Spanische Erbfolgekrieg; in vielen Hinsichten gleichen die damaligen -Verhältnisse den jetzigen. Der Krieg wurde geführt gegen das gefahrdrohende Übergewicht -eines ehrgeizigen und mächtigen Militärstaates, es war ferner ein Krieg für die -Freiheit des Handels und England verfügte durch seine Marine über ein Kampfmittel, -das kein Festlandsstaat in gleicher Stärke besaß. Ludwig XIV. war durch die Wiederherstellung -seines Heeres nach dem letzten Kriege so in Anspruch genommen, daß er -seine Marine vernachlässigen mußte, während sich anderseits in England die Abneigung -gegen ein stehendes Heer, die die Landmacht Wilhelms III. schwächte, nicht auf die -Marine erstreckte; diese blieb in ihrer bisherigen Kraft erhalten.“</p> - -<p><b>Frankreichs Kriegführung.</b> Wie im Jahre 1688, so standen auch 1702 -die beiden Seemächte verbündet Frankreich gegenüber, weit überlegen, weil -sie etwa 200 Schiffe und Frankreich nur 135 über 40 Kanonen besaßen. Die -Aufgabe der französischen Marine war aber größer als im vorigen Kriege, -sie hatte neben dem Schutz der eigenen Küsten und Kolonien, sowie des eigenen -Handels auch die Interessen Spaniens hierin wahrzunehmen, dessen Marine -gar nicht in Betracht kam.</p> - -<p>Im vorigen Kriege hatte Frankreich, vertrauend auf die Leistungsfähigkeit -der eigenen Flotte sowie auf eine für sich günstige Lage der Verhältnisse in England, -den Versuch gemacht, um die Seeherrschaft in großem Sinne zu kämpfen; -er war fehlgeschlagen. Jetzt war ein solcher Kampf in den nördlichen Gewässern,<span class="pagenum"><a name="Page_569" id="Page_569">[569]</a></span> -in unmittelbarer Nähe der feindlichen Länder, mit unterlegenen -Streitkräften, die außerdem an innerem Wert verloren hatten und in zwei -weitgetrennte Kontingente geteilt waren, völlig aussichtslos. Es war mithin -richtig, daß Frankreich sich im Norden auf den Küstenschutz und den kleinen -Krieg beschränkte und sich die Aufgabe stellte, gestützt auf Spanien das -Mittelmeer zu halten. Dieses Meer mußte der Hauptkriegsschauplatz zur -See werden. Wir wissen, daß in den Verwicklungen, die zum Kriege führten, -für die Seemächte die Frage eine Hauptrolle spielte, ob die Stellung des Hauses -Habsburg oder Bourbon hier an Kraft gewinne, und daß sie die italienischen -Provinzen des spanischen Erbes für Habsburg erobern wollten. Im Mittelmeer -konnte also die Flotte der Verbündeten mit mehr Aussicht auf Erfolg -in den Landkrieg eingreifen als im Norden, anderseits waren die französischen -Seestreitkräfte hier eher imstande, den feindlichen die Stirne zu bieten, weil -diese keine Stützpunkte besaßen, bei Ausbruch des Krieges nicht einmal -die portugiesischen Häfen. So strebte Frankreich danach, seine Hauptkraft -im Süden zusammenzuziehen und von den nördlichen Häfen aus neben -Küstenschutz und kleinem Kriege nur die westindischen Kolonien und den -Handel von dort, insbesondere die wichtigen Silberflotten, zu schützen. -Diese richtige Strategie wurde aber nicht stetig und nie tatkräftig genug -durchgeführt.</p> - -<p class="small">Vor Ausbruch des Krieges mit den Seemächten, 1701, wurden zwei größere Flotten -ausgesandt. Die eine (Château-Renault; von Brest) ging nach Portugal, um dieses Land -Frankreich treu zu erhalten, die andere (d'Estrées; von Toulon und von Brest verstärkt) -nach Cadiz, gegen das die Verbündeten schon rüsteten. Beide vereint waren dem Gegner -gewachsen, wenn er erschienen wäre; es war also für dieses Jahr zweckentsprechend -verfügt worden. Renault ging später nach Westindien und führte im nächsten Jahre -die Galeonen trotz der Anwesenheit zweier feindlicher Flotten an den europäischen -Küsten nach Vigo; d'Estrées brachte spanische Truppen nach Neapel.</p> - -<p class="small">Im Jahre 1702 wurde keine größere Flotte zusammengezogen, obgleich in Brest und -Toulon stark gerüstet war. Nichts geschah, als die Verbündeten gegen Cadiz vorgingen -und später die Silberflotte in Vigo vernichteten. Die Folge dieser Untätigkeit war der -Beitritt Portugals zu den Gegnern. Nur ein Geschwader von Brest (du Casse) segelte -nach Westindien; und eine Flottille von Toulon (Forbin) bedrohte in der Adria die rückwärtigen -Verbindungen der Österreicher in Italien. Auch 1703 verlief tatenlos. Man -hatte beabsichtigt, Portugal zu züchtigen, gab aber die Rüstung hierzu auf, als man -mit Erscheinen einer feindlichen Flotte rechnen mußte. So war eine verhältnismäßig -schwache Kraft der Verbündeten (Shovel) Herrin im Mittelmeer, und ihr Auftreten trug -zu Savoyens Abfall von Frankreich bei.</p> - -<p class="small">Als mit der Aufnahme des Krieges in Spanien seitens der Seemächte die Herrschaft -im Mittelmeer 1704 noch weit wichtiger wurde, machte man endlich größere Anstrengungen. -Es gelang, die Schiffe von Brest nach Toulon zu führen und hier eine große Flotte (Graf -von Toulouse) zu vereinigen. Sie war aber zu spät bereit, um die Einnahme Gibraltars -zu hindern, und ging nach der unentschiedenen Schlacht bei Malaga auf Toulon zurück; -ein zurückgelassener Teil (de Pointis) wurde bei dem Versuche, Gibraltar wieder zu nehmen, -vernichtet. 1705 fand trotz der Rüstungen im Norden und Süden keine Vereinigung -statt, und von Toulon aus wurde kein Versuch gemacht, die allerdings überlegene feindliche -Flotte in ihren erfolgreichen Unternehmungen an der spanischen Küste zu hindern. -1706 erschien Graf Toulouse vor Barcelona, zog sich aber beim Nahen des Feindes zurück,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_570" id="Page_570">[570]</a></span> -und als 1707 Toulon angegriffen wurde, rechnete man gar nicht mit der Flotte, sondern -versenkte die Schiffe zu ihrem eigenen Schutze.</p> - -<p>In den letzten Jahren des Krieges wurden keine Kräfte für den großen Krieg -mehr aufgestellt, der Kampf um die Seeherrschaft war aufgegeben worden.</p> - -<p>Diese schwächliche Kriegführung ist nur mit dem Verfall der Marine, -mit dem dadurch stets weiter wachsenden Mangel an Zutrauen zu dieser Waffe -und mit dem Fehlen des Verständnisses für Art und Wichtigkeit der Kriegführung -zur See zu erklären. Man pflegte die Marine nicht mehr, man verwandte -sie auch falsch. Denn wenn auch die eingerissene Mißwirtschaft und der -Geldmangel die Rüstungen lähmten, so hätte doch mehr geleistet werden können.</p> - -<p class="small">So sagt Bonfils z. B. von dem Jahre 1702: „Der schwere Verlust, den Frankreich -und Spanien durch die Vernichtung der Silberflotte mit ihrer Bedeckung erlitten, -war eine Folge davon, daß man die vorhandenen Kräfte nicht zu einer Flotte -zusammenzog. Untätig lagen die Geschwader in den verschiedenen Häfen und verursachten -doch die gleichen Kosten.“ Dies bleibt für die ganze erste Hälfte des -Krieges zutreffend. Am unverständlichsten ist das Verhalten der Flotte 1704. Bei -Malaga waren die Franzosen dem Gegner gewachsen, die Verhältnisse lagen nach der -unentschiedenen Schlacht für sie günstiger als für die Verbündeten; schwächlich -brachen sie den Feldzug des Jahres ab. Hatten sie mehr gelitten, als man weiß? -Glaubten sie mit „dem Verjagen des Feindes aus dem Mittelmeer (?)“ (wie sie sich -rühmten) ihre Pflicht getan zu haben? Waren dem Grafen Toulouse die Hände gebunden, -um nicht zu viel aufs Spiel zu setzen, oder gar aus Gründen der Eifersucht -und aus bösem Willen Pontchartrins ihm gegenüber?</p> - -<p><b>Die Kriegführung der Verbündeten.</b> Wie schon angedeutet, waren die -Verbündeten auf eine Offensive <b>im Mittelmeer</b> hingewiesen; im vorigen Kriege -hatten die Vorstöße gegen die französischen Küsten nicht einmal ein Abziehen -bemerkenswerter Streitkräfte von den Kriegsschauplätzen an den Grenzen -erzielt. Im Norden konnte man sich darauf beschränken, den eigenen Handel -zu schützen, Frankreich von der See abzuschließen und seine Streitkräfte in -Häfen festzuhalten. Im Süden war es möglich, in den Landkrieg in Norditalien -einzugreifen, Süditalien für den Kaiser zu erobern, Frankreich auch -hier abzuschließen und somit ganz zu vereinzeln, sowie endlich den spanischen -Handel mit Westindien und Südamerika zu bedrohen.</p> - -<p>Wilhelm III. und nach ihm Marlborough sowie Heinsius strebten deshalb -von Anfang an dahin, die Haupttätigkeit der Flotte nach dem Süden zu legen -und vor allem zur leichteren Lösung der Aufgaben Stützpunkte an der Straße -und im Mittelmeer selber zu gewinnen; England hatte wohl sicher die Absicht, -diese dauernd zu behalten. Marlboroughs Partei und Heinsius fanden aber -in ihren Ländern wenig Verständnis für ihre Pläne und starken Widerstand bei -deren Durchführung. In den Niederlanden war keine Neigung zu einem -Kriege in fernen Gewässern, man wollte lieber die Streitkräfte zum Schutz -des Handels und der Küsten in der Nähe behalten, man glaubte auch, daß dies -von günstigem Einfluß auf den Landkrieg an den Grenzen sein würde; in -England huldigte eine starke Partei, darunter hohe Seeoffiziere wie Rooke -und Shovel, der alten Defensivstrategie und scheute sich, die schweren Schiffe -länger im Jahre im Süden zu belassen, als gelegentliche Offensivstöße erforderten.<span class="pagenum"><a name="Page_571" id="Page_571">[571]</a></span> -Die Folge dieses, oft nur passiven Widerstandes (z. B. von seiten -Rookes) war, daß in den ersten Jahren die Operationen meistens verzögert -— mangelhafte Zustände in den Marinen traten hinzu — und dann ohne die -nötige Tatkraft durchgeführt wurden. Sie hätten auch mit größeren Kräften -unternommen werden müssen und unternommen werden können, aber stets -nur die Hälfte der Seestreitkräfte wurde darangesetzt. Den Rest hielt man -für die Aufgaben im Norden zurück, ohne diese ganz zu lösen; hierzu hätten auch -geringere Kräfte genügt, ein mächtigeres Auftreten im Mittelmeer wäre aber -für den Verlauf des Krieges sicher von größerem Einfluß gewesen.</p> - -<p class="small">1701 wurde schon im April eine starke Flotte (Rooke) aufgestellt; sie sollte nach -Spanien gehen, um einen Druck auf die noch schwebenden Verhandlungen auszuüben, -oder bei Ausbruch des Krieges sofort Cadiz anzugreifen. Erst im August ging sie in -See und nur zur Beobachtung von Brest; sie kam zu spät, um Château-Renaults Abgang -nach Westindien zu hindern, und zweigte ein Geschwader (Benbow) zur Verstärkung -dieser Station ab.</p> - -<p class="small">1702 lief im Mai ein kleines Geschwader aus, um die nach Westindien bestimmte -Division du Casse abzufangen; dies mißlang infolge der Unentschlossenheit des Führers -(Munden). Die für den Süden bestimmte große Flotte war erst im Juni seeklar (Rooke; -Landungstruppen unter Ormond, auch ein Gegner Marlboroughs). Sie sollte einen -spanischen Hafen nehmen und als Stützpunkt festhalten. Später trat der Befehl hinzu, -der erwarteten Silberflotte (Château-Renault) die spanischen Küsten zu sperren; -der Flotte im Kanal (Shovel) war der gleiche Auftrag hinsichtlich der französischen -Küsten gegeben. Ende August wurde Cadiz angegriffen, wegen Lauheit und Uneinigkeit -der Führer ohne Erfolg. Zu weiteren Unternehmungen war Rooke nicht zu bewegen, -und auch nur zögernd benutzte er auf der Rückreise die günstige Gelegenheit, die Silberflotte -in Vigo anzugreifen. Er hatte nun allerdings ungeheuern Erfolg und gewann durch -diesen noch Portugal mit seinen Häfen für die Seemächte, aber er ging weder auf den -Vorschlag des Prinzen von Hessen ein, in Vigo einen Stützpunkt zu schaffen und einen -Teil der Flotte zu belassen, noch auf den des Gesandten Methuen, die schweren Schiffe -in Lissabon zu überwintern, obgleich er in beiden Fällen den Absichten seiner Regierung -entsprochen hätte.</p> - -<p class="small">1703 sollte Süditalien für den Kaiser erobert werden. Der Plan wurde aufgegeben, weil -die Schiffe im Vorjahre zu spät heimgekommen waren und weil Österreich keine Truppen -stellen konnte. Die Hauptflotte blieb tatenlos im Kanal, nur eine kleinere (Shovel) -ging erst spät im Sommer ins Mittelmeer mit recht allgemein gehaltenen Befehlen. -Diese unternahm denn auch nichts von Bedeutung, ihr einziger Erfolg war, daß Savoyen -den Verbündeten beitrat.</p> - -<p>So wurde in den ersten drei Jahren in Hinsicht auf den großen Kriegsplan -nichts erreicht; die Seestreitkräfte nutzten der allgemeinen Sache nur durch -den Erfolg bei Vigo und durch den Druck auf Portugal und Savoyen, daneben -schützten sie den Handel und sorgten so dafür, daß der Strom der Hilfsgelder, -von denen der Landkrieg abhing, keine ernste Unterbrechung erlitt.</p> - -<p>Im Jahre 1704 trat der Seekrieg in einen zweiten Abschnitt. Mit der Aufnahme -des Landkrieges in Spanien war man gezwungen, tatkräftiger vorzugehen, -auch schien Ludwig XIV. ernstlicher um das Mittelmeer und schon am -Eingang in dieses kämpfen zu wollen. Frankreichs Lage war schwieriger -geworden: Ein neuer Kriegsschauplatz, weit entfernt von den anderen, -war hinzugekommen; seine Stellung war durch den Abfall Savoyens an der<span class="pagenum"><a name="Page_572" id="Page_572">[572]</a></span> -italienischen Grenze stark bedroht; die feindliche Seemacht hatte hier und -in Spanien noch günstigere Gelegenheit zum Eingreifen erhalten. Diese -Änderung der Lage bestärkte Marlborough in seinem stets gehegten Plane, -Frankreich zu Lande und zur See in der Provence anzugreifen und Toulon -zu nehmen, so die lange französische Linie zu durchbrechen und mit einem -Schlage die Frage der Herrschaft im Mittelmeer zu lösen. Wenn der Plan -durchgeführt wäre, so würde damit wohl der Krieg entschieden sein. Marlborough -ließ ihn nicht mehr aus dem Auge, und Prinz Eugen sowie Heinsius — der -tüchtigste Feldherr, sowie die beiden weitestblickenden Staatsmänner auf -seiten der Verbündeten neben Marlborough — waren seiner Ansicht, aber -es gelang nicht, die allgemeine Zustimmung in Holland und die tatkräftige -Mitwirkung Österreichs und Savoyens zu gewinnen. Sonderinteressen trübten -deren Blick; wieder ein Beweis der Schwäche von Bündnissen. So wurde -der Krieg zwar kräftiger geführt, aber man nützte die Seestreitkräfte doch -nicht voll aus und verwandte sie nicht immer richtig.</p> - -<p class="small">1704 sollte die Mittelmeerflotte zur Eroberung Spaniens von der Ostküste her -mitwirken und sich bereithalten, Österreich und Savoyen zu unterstützen, wenn die -Franzosen einen Vorstoß gegen Nizza machen würden. Ein geheimer Zusatz zum Befehl -wies sogar schon auf ein gemeinsames Unternehmen gegen Toulon hin und stellte diese -defensiven und offensiven Operationen an der italienischen Küste denen an der spanischen -überhaupt voran. Rooke machte im Mai den wegen Mangels an Truppen vergeblichen -Versuch, Barcelona zu nehmen; er durfte sich wegen der Aufgaben in Italien und wegen -der Möglichkeit des Erscheinens französischer Seestreitkräfte von Toulon und Brest -nicht zu sehr engagieren. Zu einem Eingreifen in Italien kam es nicht, da einerseits -Frankreich den Angriff auf Nizza aufgegeben hatte und anderseits Österreich und -Savoyen weder stark genug noch gewillt zur Offensive waren. Der Versuch, die französische -Brestflotte (Graf Toulouse), die das englische Kanalgeschwader (Shovel) nicht -hatte festhalten können, vor Toulon abzufangen, mißlang gleichfalls. Rooke vereinigte -sich später mit Shovel und nahm Gibraltar. Von weiteren Unternehmungen sah er der -vorgerückten Jahreszeit halber ab, er hielt sich nur bereit, Gibraltar gegen die vereinigte -französische Flotte zu decken; es kam zur Schlacht bei Malaga. Rooke ging dann heim, -jedoch blieb zum ersten Male ein Wintergeschwader in Lissabon (Leake). Es war nur -schwach, aber doch imstande, trotz einer französischen Division (de Pointis) in Cadiz, -während des Winters das belagerte Gibraltar durch Zufuhren zu unterstützen und, -selber verstärkt, im Frühjahr die genannte Division zu vernichten, sowie die Belagerung -aufzuheben.</p> - -<p class="small">1705 griffen die Verbündeten Spanien von Portugal und von der Ostküste (jetzt -auch von hier mit einem Heere) aus an. Mit Hilfe einer starken Flotte (Shovel) wurden -Barcelona genommen und die Provinzen Katalonien, Aragonien sowie Valencia erobert. -Marlboroughs Plan gegen Toulon fand noch keinen Anklang; die Admirale forderten -dazu einen Stützpunkt im Mittelmeer, Österreich legte größeren Wert auf den Krieg -in Spanien. Da aber während des Winters wieder nur ein schwaches Geschwader (Leake) -in Lissabon blieb, warfen die französisch-spanischen Heere den König Karl auf Barcelona -zurück, und die französische Flotte (Graf Toulouse) unterstützte die Belagerung dieser -Stadt. In der höchsten Not erschien Leake, nach und nach zu einer starken Flotte verstärkt, -zum Entsatz. Die Flotte nahm später Ibiza und Mallorca; weshalb Port Mahon, -der günstigste Platz als Stützpunkt, nicht angegriffen wurde, ist nicht klar zu ersehen. -Als sich darauf die Kriegslage aufs neue ungünstig für König Karl gestaltete, wurde -1707 schon im Januar die große Flotte (Shovel) zusammengezogen, sie konnte aber nur -die Trümmer des bei Almanza geschlagenen Heeres retten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_573" id="Page_573">[573]</a></span></p> - -<p class="small">Trotz der üblen Lage in Spanien wurde 1707 der Plan Marlboroughs endlich ins -Werk gesetzt, aber nicht in seinem ganzen Umfange durchgeführt: der so wichtige -gleichzeitige Vorstoß in den Niederlanden unterblieb, weil er Holland zu gewagt erschien; -dem Prinzen Eugen in Norditalien wurden Truppen entzogen, um das Königreich -Neapel zu erobern; Savoyen war lau. So schlug der Angriff auf Toulon fehl, aber die -französische Flotte konnte infolge des Versenkens der Schiffe nichts mehr leisten und -Frankreich gab das Mittelmeer auf. Selbst das Wintergeschwader der Verbündeten -beherrschte jetzt die See zugunsten des spanischen Krieges; die Sommerflotte 1708 -(Leake) konnte schwächer sein als bisher, sie unterwarf trotzdem Sardinien und nahm -jetzt endlich auch Port Mahon.</p> - -<p>So wurden allerdings mit der Einnahme von Gibraltar und Barcelona, -sowie durch die Beherrschung des Mittelmeeres große Erfolge erzielt. Aber -die Seeherrschaft wurde in den ersten Jahren im Winter stets aufgegeben, und -die errungenen Vorteile im Landkriege gingen dann größtenteils wieder verloren, -weil das Meer für Frankreich wieder offen stand; man mußte, sozusagen, -im nächsten Jahre von vorn anfangen. Es wäre richtiger gewesen, -nach der Einnahme von Gibraltar zunächst selbst ohne Rücksicht auf den -Krieg in Spanien einen Stützpunkt im Mittelmeer zu gewinnen.</p> - -<p>Daß der große Plan Marlboroughs im allgemeinen, der Angriff auf Toulon -im besonderen scheiterte, war mehr die Folge anderer Umstände als eines -Fehlers der Strategie zur See. Wie richtig dieser Plan war, zeigt selbst der -Mißerfolg: Die französische Flotte hatte so gelitten, das Vertrauen auf sie -war so erschüttert, daß Frankreich das Mittelmeer aufgab. Nun wurde es -den Verbündeten leicht, die See auch im Winter zu beherrschen, besonders -nachdem Port Mahon genommen war. Es ist zu verwundern, daß Marlborough -nicht nachdrücklicher auf die rechtzeitige Schaffung eines Stützpunktes vor -der französischen Küste hingearbeitet hat, das Unternehmen gegen Toulon -würde dadurch gleichfalls an Kraft gewonnen haben; er hat stets darauf -hingewiesen, aber die Verwendung der Landstreitkräfte lag ihm wohl näher, -wenn er auch während des ganzen Krieges die Macht der Seestreitkräfte -hoch einschätzte.</p> - -<p>Im Jahre 1709 trat die Kriegführung zur See im Mittelmeer in einen -dritten Abschnitt. Die Flotte der Verbündeten hatte nur noch die Aufgabe, -Frankreich vom Meere abzuschließen und für König Karl die Verbindung mit -seinen Besitzungen in Süditalien und seinen Hilfsquellen in Norditalien aufrecht -zu erhalten. Großes wurde nicht mehr geplant, weil Marlboroughs -Einfluß schwand. Frankreich ganz abzuschließen gelang nicht, doch wurde -sein Versuch, eine Erhebung in Sardinien zu unterstützen, verhindert. Der -Seekrieg erlahmte immer mehr; Holland war erschöpft, England zum Frieden -geneigt. Als 1711 König Karl deutscher Kaiser geworden war, wurde seine -Sache in Spanien von England nicht mehr unterstützt und 1712 auch von -Holland aufgegeben.</p> - -<p>Die <b>Kriegführung der Verbündeten Im Norden</b>, wo in fast allen Jahren -etwa die Hälfte ihrer Seestreitkräfte tätig war, beschränkte sich erfolgreich -nur auf den kleinen Krieg. Das einzige für 1706 geplante Unternehmen,<span class="pagenum"><a name="Page_574" id="Page_574">[574]</a></span> -eine Landung an Frankreichs Westküste, ließ man fallen; die Aufgabe, die -französischen Geschwader, die nach dem Mittelmeer oder nach Westindien -bestimmt waren, festzuhalten, wurde nicht gelöst. Aber selbst im kleinen -Kriege hätte man bei der Stärke der Verbündeten größere Erfolge erzielen -können. Der französische Handel wurde zwar schwer geschädigt und nach und -nach ganz lahm gelegt, doch auch der eigene Verlust war groß. Es spricht dies -für die Tatkraft und Geschicklichkeit, mit denen die Franzosen den Kreuzer- -und Freibeuterkrieg führten; man muß dabei allerdings die günstige Lage der -Ausgangshäfen — Dünkirchen, St. Malo, Brest — zu den Wegen des englisch-holländischen -Handels, die Größe dieses, sowie die Schwierigkeit einer scharfen -Durchführung der Blockade seitens der Verbündeten mit derzeitigen Segelschiffen -in Betracht ziehen.</p> - -<p class="small">Die Maßnahmen Hollands zum Schutze des Handels sind genau bekannt: Ein -Geschwader an der flämischen Küste; ein zweites in der Nordsee; ein drittes zum Geleiten -der ostindischen Convois durch dieses Meer; eine große Zahl Convoijers zur ständigen -Begleitung der Handelsschiffe. Der Angriff auf den französischen Handel lag hauptsächlich -in den Händen zahlreicher Freibeuter. Über die Maßnahmen Englands liegen -keine genauen Angaben vor. Aus Andeutungen ist zu entnehmen, daß man viele Kreuzer -in See hatte, daß man die Handelsconvois sowie die Militärtransporte nach Spanien -durch Kriegsschiffe deckte und zur Blockade der feindlichen Häfen sowie zum Abfangen -größerer Convois Geschwader aufstellte oder von der Hauptflotte abzweigte. Die -Bedeckung der Convois scheint aber öfters nicht stark genug gewesen zu sein, nicht -einmal den hauptsächlich aus Freibeutern bestehenden französischen Divisionen gewachsen; -ähnlich wie im vorigen Kriege scheint man ohne Grund die Streitkräfte zu sehr zusammengehalten -zu haben. Man hätte wohl mehr für den Handelsschutz tun können und tun -müssen; Englands Aufgabe in dieser Hinsicht war, der langen Küste Frankreichs gegenüber, -größer und schwieriger als die Hollands.</p> - -<p><b>Die Ereignisse in den Kolonien</b> zeigen immer noch den Charakter des -kleinen Krieges, wenn sie auch in diesem Kriege bedeutender als im vorigen -sind (vergl. Seite <a href="#Page_481">481</a>, unten); nur Trouins Zug gegen Rio war von Einfluß -auf den Krieg. Die Überlegenheit der Verbündeten tritt auch hier nicht -so hervor, wie man hätte erwarten können; oft schädigen die Franzosen -Handel und Niederlassungen schwer. Es wurden nicht dauernd genügende -Kräfte draußen gehalten, um die Seeherrschaft zu wahren, oft mußten erst -die geschädigten Kreise — Kolonisten, Kaufleute, Rheder — den Anstoß -zur Entfaltung größerer Tatkraft geben.</p> - -<p>Wenn man die Kriegführung zur See auf französischer Seite falsch und -schwächlich nennen kann, so muß man doch auch sagen, daß die Verbündeten -von ihrer ungeheuren Macht einen durchgreifenderen Gebrauch hätten machen -können, insbesondere die Engländer, deren Marine während des Krieges eher -stärker als schwächer wurde. So sagt auch Clowes mit Beziehung auf die -englische Marine: „Der Krieg weist keine großen oder gar glänzenden Erfolge -auf; man kann den Operationen der Flotte keine große Genialität zusprechen, -der Organisation und dem Auftreten der Seestreitkräfte kein Lob spenden. -The country merely stuck to its work and hammered away, often blunderingly<span class="pagenum"><a name="Page_575" id="Page_575">[575]</a></span> -and stupidly until the end. The day of its (der Marine) most brillant performances -were still before it.“</p> - -<h4>Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer.</h4> - -<p>Die Bedingungen des Friedens von Utrecht sind im allgemeinen schon -angeführt (Seite <a href="#Page_496">496</a>); es ist auch gesagt, daß England am meisten erreichte -und im gesicherten Besitz der Vormachtstellung zur See aus dem Kriege -hervorging. Eine nähere Betrachtung der Ergebnisse für die verschiedenen -Teilnehmer wird dies veranschaulichen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte zwar dadurch, daß das Haus Bourbon auf Spaniens -Thron kam, an Stelle eines Feindes einen Freund im Rücken erhalten, -es hatte aber wichtige Stellungen an seiner Nordostgrenze verloren, mußte -das günstig gelegene Dünkirchen als Kriegshafen aufgeben, und mit den -ersten Abtretungen in Nordamerika war der gänzliche Verlust der Besitzungen -dort eingeleitet. Durch den Krieg waren seine Seestreitkräfte erschöpft, -seine Bevölkerung verarmt, seine Finanzen zugrunde gerichtet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> verlor seine Niederlande, Mailand, Sardinien und Neapel -an Österreich, Sicilien an Savoyen, Gibraltar und Minorca an England, also -einen großen Landbesitz, der fast durchgängig wichtig in maritimer Hinsicht -war. Nur seine Kolonien blieben ihm erhalten, die nach dem ersten Kriegsplane -der Verbündeten auch in Gefahr gewesen waren, und es war wohl ein Vorteil, -daß das Land mit einem lebenskräftigen Volke wie Frankreich in engere -Verbindung gebracht wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Österreich</em> hatte großen Landzuwachs erhalten, doch fehlte ihm -Sicilien, an dem ihm mehr als an Sardinien lag; bald folgten auch Verhandlungen -über einen Austausch. Immerhin erlangte es die gewünschte Stellung -am Mittelmeer und hätte sich hier zu einer Seemacht entwickeln können.</p> - -<p>Für <em class="gesperrt">Holland</em> hatte es Bedeutung, daß die spanischen Niederlande -vor Frankreich gerettet und an Österreich gefallen waren; sein alter Wunsch -war erfüllt, hier sicherer vor Frankreichs Angriffen dazustehen. Aber war -dieser einzige Erfolg die Kosten wert? Der Krieg führte den Zusammenbruch -seiner Seemacht herbei! Die Marine wurde vernachlässigt, und damit ging -die wichtigste Kraftquelle des kleinen Landes, der Seehandel, zurück. Holland -wurde bald nicht mehr zu den Großmächten gezählt, seine Marine war für -die Diplomatie kein militärischer Faktor mehr. Die Schwäche der Republik -trat schon in den Friedensverhandlungen zutage; man konnte für die maritimen -Interessen nichts erreichen. England berief sich auf Hollands ungenügende -Beteiligung am Seekriege und weigerte sich hartnäckig, Holland an den für -sich geforderten Vorteilen teilnehmen zu lassen; nur im Handelsvertrage mit -Frankreich wurden auch den Niederlanden einige Zugeständnisse gemacht.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> aber gewann ungemein in maritimer Hinsicht. Durch den -Besitz von Gibraltar, Port Mahon und die in Nordamerika errungenen Kolonien -erhielt es neue Stützpunkte zur Stärkung und Erweiterung seiner Seeherrschaft; -Frankreich gab das gefährliche Dünkirchen auf; Sardinien, Neapel und Sicilien<span class="pagenum"><a name="Page_576" id="Page_576">[576]</a></span> -fielen nicht an eine Seemacht, sondern an Staaten, die bislang zur See nicht -aufgetreten waren. Ferner schloß England mit Frankreich und Spanien -günstige Handelsverträge.</p> - -<p class="small">Insbesondere dem Wunsche Hollands, Gibraltar und Port Mahon gemeinschaftlich -zu besetzen und an den Verträgen mit Spanien, Westindien betreffend, teilzunehmen, -trat England schroff entgegen. Diese Verträge waren ein Hauptgewinn Englands. -England versprach Spanien seinen Beistand, um dessen Besitzungen wieder in den -Zustand zu bringen, wie er unter Karl II. gewesen war; Spanien verpflichtete sich dagegen, -keinerlei Besitz in Amerika an Frankreich oder andere Völker abzutreten; beide Staaten -sagten sich volle Meistberechtigung in ihren Besitzungen zu. Noch wichtiger aber war -der sogenannte <em class="gesperrt">Assiento-Vertrag</em> (El Pacto del Assiento de Negros): das -von Spanien an England erteilte alleinige Recht auf Einführung von Negersklaven -in die spanischen Kolonien (4800 Neger im Jahre). Spanien selbst führte keine Sklaven -ein; das Recht war früher schon an die Niederlande, später an die Genuesen und 1703 -von Philipp V. an die Franzosen vergeben. Aus dem Sklavenhandel entwickelte sich -jetzt aber bald ein Schmuggelhandel in solchem Maße, daß fast die ganze Gütereinfuhr -in die spanischen Besitzungen in englische Hände kam. Die Engländer erhielten ferner -das Recht, jährlich ein Schiff mit Waren nach Mittelamerika, zum Markte von Porto -Bello, zu senden, und auch dies wurde unrechtmäßig ausgebeutet. Das Fahrzeug diente -gewissermaßen nur als Niederlage: die Vorräte wurden beständig erneuert; auf der einen -Schiffsseite gingen die Waren von Bord, auf der anderen kamen neue an Bord. Diese -Verstöße der Engländer und die dadurch hervorgerufenen Vergeltungsmaßregeln der -Spanier gaben den Anlaß, wenigstens den äußern, zum nächsten Kriege im Jahre 1739.</p> - -<p>Auch mittelbar zog England aus dem Kriege weitgehenden Nutzen. -Die Marinen Frankreichs und Hollands waren in Verfall geraten; die zweite, -die alte Nebenbuhlerin, sollte sich nicht wieder daraus erheben. Die englische -Marine aber stand nach dem Kriege mächtiger da als zuvor; gerade durch die -Schwäche der holländischen war sie zu größerer Kraftentfaltung gezwungen -worden. Ferner war ein Teil des holländischen Handels schon während des -Krieges in englische Hände übergegangen, und dieser Vorgang setzte sich fort, -da sich bei dem Verfall der holländischen Marine die britischen Handelsfahrzeuge -immer mehr den Ruf erwarben, sicherer zu fahren. Die enge Verbindung -mit Portugal, die der Krieg gezeitigt hatte, kam auch dem englischen -Handel zugute, und außerdem war sie militärisch von Nutzen, weil die portugiesischen -Häfen den englischen Flotten fortan zur Verfügung standen.</p> - -<p>Vor dem Spanischen Erbfolgekriege war, durch den Pfälzischen Erbschaftskrieg -schon mächtig gefördert, <em class="gesperrt">England eine der Seemächte</em>, -nach dem Frieden von Utrecht war es <em class="gesperrt">die Seemacht</em>. Diese Macht -erhielt England aufrecht; es war reich genug dazu und hatte in seiner Seeherrschaft -und in seiner ausgebreiteten Schiffahrt die Quelle des Reichtums -so in der Hand, daß ihm zunächst kein Nebenbuhler erwachsen konnte. Schon -die beiden letzten größeren Nebenkriege des bisher geschilderten Abschnittes -werden seine Macht zur See zeigen.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_254_254" id="Footnote_254_254"></a><a href="#FNanchor_254_254"><span class="label">[254]</span></a> Diese Betrachtungen bedürfen der Nachsicht. Die Verhältnisse und diplomatischen -Verhandlungen sind sehr verwickelt, und bei der gebotenen Kürzung -waren Unvollständigkeiten, selbst Ungenauigkeiten, nicht zu vermeiden; es dürfte dies -jedoch ohne Einfluß auf die Beurteilung der Sachlage sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_255_255" id="Footnote_255_255"></a><a href="#FNanchor_255_255"><span class="label">[255]</span></a> Corbett „Mediterranean“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_256_256" id="Footnote_256_256"></a><a href="#FNanchor_256_256"><span class="label">[256]</span></a> De Jonge, Teil III, Seite 542, 568, Teil IV, Seite 94, 231, bespricht — blutenden -Herzens — genauer diesen Verfall mit seinen Gründen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_257_257" id="Footnote_257_257"></a><a href="#FNanchor_257_257"><span class="label">[257]</span></a> Hauptquelle: Chab.-Arnault, dem hier besonders die Kennzeichnung der leitenden -Männer entnommen ist. Die Angaben über Schiffsbestände nach Bonfils, Teil II, Seite 177.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_258_258" id="Footnote_258_258"></a><a href="#FNanchor_258_258"><span class="label">[258]</span></a> Mahan, Teil I, Seite 249, gibt nach Campbell 45 Linienschiffe und 67 Fregatten, -womit wohl überhaupt kleinere Schiffe gemeint sind, an.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_259_259" id="Footnote_259_259"></a><a href="#FNanchor_259_259"><span class="label">[259]</span></a> Hauptquellen wie früher: Clowes, Teil II und III; Colomb.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_260_260" id="Footnote_260_260"></a><a href="#FNanchor_260_260"><span class="label">[260]</span></a> Über Armierung nach Kalibern vgl. für 1719 die Tabelle Seite <a href="#Page_170">170</a>; über Tonnengehalt -für 1688 und 1727 vgl. Seite <a href="#Page_177">177/178</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_261_261" id="Footnote_261_261"></a><a href="#FNanchor_261_261"><span class="label">[261]</span></a> Hauptquellen: de Jonge, Teil III und IV; Clowes, Teil II; Bonfils, Teil II; -Chab.-Arnault; Mahan, Teil I; Troude, Teil I; Colomb; Corbett „Mediterranean“, Teil II. -Besonders genau sind de Jonge und Corbett. Corbett ist sehr eingehend in strategischen -Betrachtungen, doch erscheinen diese seinem Zwecke zuliebe (vgl. den genauen Titel des -Werkes) etwas gefärbt. — Wenn eine Quelle Angaben macht, die andere Quellen nicht oder -sehr abweichend bringen, wird sie besonders gekennzeichnet werden (z. B. nach Corbett).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_262_262" id="Footnote_262_262"></a><a href="#FNanchor_262_262"><span class="label">[262]</span></a> Die Ereignisse in den Kolonien sowie die des kleinen Krieges sollen wie bisher -später zusammengefaßt betrachtet werden; wir folgen zunächst nur den Operationen -der größeren Flotten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_263_263" id="Footnote_263_263"></a><a href="#FNanchor_263_263"><span class="label">[263]</span></a> Näheres Corbett, Teil II, Seite 211. Corbett fügt hinzu: Zum Glück haben -englische Admirale diese Lehre öfter durch die Tat widerlegt als befolgt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_264_264" id="Footnote_264_264"></a><a href="#FNanchor_264_264"><span class="label">[264]</span></a> Der Prinz von Hessen befand sich in Portugal, um den König für das Bündnis -gegen Frankreich zu gewinnen; als die Flotte erschien, schiffte er sich ein. Die englischen -Quellen nennen ihn „den fähigsten Mann“ auf der Flotte. Er war im vorigen Kriege -als Gouverneur von Katalonien die Seele des Widerstandes gegen die Franzosen gewesen -und bei den Spaniern sehr beliebt; er fiel 1705 bei der Eroberung von Barcelona.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_265_265" id="Footnote_265_265"></a><a href="#FNanchor_265_265"><span class="label">[265]</span></a> Vgl. die Skizze von Cadiz, Seite <a href="#Page_136">136</a>, der nur hinzuzufügen ist, daß an der von -Puerto S. Maria nach West laufenden Küste von genannter Stadt 5 km entfernt die -kleine Festung S. Catalina, und 15 km entfernt die offene Stadt Rota liegt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_266_266" id="Footnote_266_266"></a><a href="#FNanchor_266_266"><span class="label">[266]</span></a> Genauer Corbett, Teil II, Seite 228 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_267_267" id="Footnote_267_267"></a><a href="#FNanchor_267_267"><span class="label">[267]</span></a> Der Jesuitenpater Hoste war der Kaplan des Admirals Tourville. Es ist anzunehmen, -daß er das, schon Seite <a href="#Page_160">160</a> erwähnte, Werk „L'art des armées navales ou -traité des évolutions navales“ nach den Anweisungen Tourvilles — des neben Ruyter -tüchtigsten Taktikers des Zeitabschnittes — geschrieben hat. Die Weiterentwicklung -der Taktik nach 1740 baut sich gewissermaßen auf Hostes Buch auf, es soll deshalb -im nächsten Bande näher darauf eingegangen werden. Über den Inhalt des Werkes -siehe Quellenverzeichnis.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_268_268" id="Footnote_268_268"></a><a href="#FNanchor_268_268"><span class="label">[268]</span></a> Hauptsächlich nach Corbett, Teil II, mit dem sich die sonst benützten Quellen -— Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III; Bonfils, Teil II; Troude, Teil II; Chab.-Arnault — -gut in Einklang bringen lassen, Abweichungen dort wenigstens ohne Einfluß auf Beurteilung. -Einige der andern Quellen, so z. B. de Jonge und die Franzosen, bringen -Taten einzelner Schiffe, meist ziemlich gefärbt zugunsten ihrer Landsleute.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_269_269" id="Footnote_269_269"></a><a href="#FNanchor_269_269"><span class="label">[269]</span></a> de Jonge, Teil III, Seite 678, und Beilage XXIV.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_270_270" id="Footnote_270_270"></a><a href="#FNanchor_270_270"><span class="label">[270]</span></a> Schilderung vornehmlich nach de Jonge, Teil IV, und Bonfils, Teil II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_271_271" id="Footnote_271_271"></a><a href="#FNanchor_271_271"><span class="label">[271]</span></a> Kleinere Küstenfahrzeuge.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_272_272" id="Footnote_272_272"></a><a href="#FNanchor_272_272"><span class="label">[272]</span></a> Auch sonst genaue Quellen wie Clowes und de Jonge halten sich allgemeiner; -de Jonge ist noch am genauesten, soweit es das holländische Kontingent betrifft.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_273_273" id="Footnote_273_273"></a><a href="#FNanchor_273_273"><span class="label">[273]</span></a> Bonfils, V. II, Seite 117. Genauer Bericht Trouins.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_274_274" id="Footnote_274_274"></a><a href="#FNanchor_274_274"><span class="label">[274]</span></a> In Hinsicht auf Beispiele für die zahlreichen Gefechte zwischen Einzelschiffen -und Verbänden im kleinen Kriege verweise ich auf die Spezialgeschichten der einzelnen -Marinen, z. B. Clowes, Teil II, Kapitel „minor operations“; Troude, Teil I; Bonfils, -Teil II; de Jonge, Teil III und IV. Hier sollen nur (Seite <a href="#Page_561">561</a>) die Taten der berühmtesten -französischen Freibeuterführer erwähnt werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_275_275" id="Footnote_275_275"></a><a href="#FNanchor_275_275"><span class="label">[275]</span></a> Quelle: Chabaud-Arnault, die nach Vergleich mit anderen Quellen nur wenig gefärbt -erscheint. Gefechte teilweise genauer beschrieben in Bonfils, Teil II, sehr schwülstig.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_276_276" id="Footnote_276_276"></a><a href="#FNanchor_276_276"><span class="label">[276]</span></a> Die Hauptereignisse genauer in Colomb, Kapitel XIII und XIV; Clowes, Teil II, -„minor operations“; Bonfils, Teil II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_277_277" id="Footnote_277_277"></a><a href="#FNanchor_277_277"><span class="label">[277]</span></a> und viele Linienschiffe zur Begleitung von Convois.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_278_278" id="Footnote_278_278"></a><a href="#FNanchor_278_278"><span class="label">[278]</span></a> Vgl. die Auslassungen über Taktik vor Schilderung der Schlacht von Malaga -(Seite <a href="#Page_532">531/532</a>), ferner Seite <a href="#Page_474">474</a> sowie in der „Einführung in den Abschnitt“ (Seite <a href="#Page_184">184</a>).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_279_279" id="Footnote_279_279"></a><a href="#FNanchor_279_279"><span class="label">[279]</span></a> Corbett, Teil II, Seite 200; hier frei übersetzt wiedergegeben.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_577" id="Page_577">[577]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p577.jpg" width="600" height="92" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zehntes Kapitel.</span><br /> -Nebenkriege 1689–1739.</h3> - -<p><b>Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, -1718–1720.</b> In Spanien wirkte seit 1714 der <em class="gesperrt">Kardinal Alberoni</em> -als Minister, der mit der ehrgeizigen zweiten Gemahlin Philipps V., Elisabeth -Farnese von Parma, dorthin gekommen war. Er beabsichtigte, Spaniens -alte Größe wiederherzustellen; sein nächstes Ziel war, die verlorenen italienischen -Staaten zurückzugewinnen. Mit Erfolg arbeitete er an der wirtschaftlichen -Hebung des Landes, am Ausbau der Flotte und an der Stärkung des Heeres. -Auf eine Unterstützung Frankreichs konnte er aber nicht mehr rechnen und -auch der Versuch, eine Verbindung mit England herzustellen, schlug fehl; -in beiden Ländern waren Veränderungen eingetreten, die eine Annäherung -zwischen ihnen herbeigeführt hatten.</p> - -<p>In England war <em class="gesperrt">1714 Georg</em> I., Kurfürst von Hannover, zur Regierung -gelangt. Seine Stellung war noch nicht unbedingt fest; noch immer bestand -eine Partei der Stuarts, und seine eigene verhielt sich ihm als Ausländer gegenüber -kühl. In Frankreich führte seit 1715 für den unmündigen und schwächlichen -König Ludwig XV. der nächste Agnat, <em class="gesperrt">Philipp von Orleans</em>, -die Regentschaft. Dieser mußte in noch höherem Grade Nebenbuhler um seine -Stellung und etwaige Thronfolge fürchten, vor allen Philipp V. von Spanien, -gegen den er im letzten Kriege intrigiert hatte und dessen Thronbesteigung -in Frankreich gerade Alberonis letztes Ziel war. Beide Herrscher scheuten -einen neuen Krieg, der den unzufriedenen Elementen in ihrem Lande nur gelegen -gekommen wäre. Die Lage Philipps war schwieriger, und so bot dieser -auf Rat seines Ministers, des <em class="gesperrt">Kardinals Dubois</em>, Georg I. ein Bündnis -an; zwischen Frankreich und Spanien trat dagegen eine Entfremdung ein, -die den wahren Interessen beider Staaten völlig zuwider lief. Im Januar 1717 -schlossen England und Frankreich einen Vertrag zur Aufrechterhaltung der -Bedingungen des Friedens von Utrecht (vgl. Seite <a href="#Page_497">497</a>), soweit diese im beiderseitigen -Interesse lagen, und zur gegenseitigen Gewährleistung der Thronfolge -der Häuser Hannover und Orleans; auch Holland wurde zum Beitritt gewonnen. -Frankreich mußte hierzu neue Zugeständnisse auf Kosten seines Handels und -seiner Seemacht machen: Weitere Handelsvorteile für England und Holland,<span class="pagenum"><a name="Page_578" id="Page_578">[578]</a></span> -sowie Aufgeben des Baues eines Kriegshafens bei Mardyk, der als Ersatz für -Dünkirchen bereits in Angriff genommen war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alberoni</em> hatte gleichfalls versucht, England durch Angebot neuer -Handelsbegünstigungen zu bewegen, ihn in seinen Plänen auf Unteritalien -zu unterstützen. Georg I. verhielt sich ablehnend, da er als deutscher Fürst -für den Kaiser Partei nahm, und auch die englischen Staatsmänner sahen diese -Länder lieber im Besitz Österreichs als in den Händen Spaniens. Nun war der -Kaiser mit den Bedingungen des letzten Friedens nicht zufrieden, er wollte -Sicilien haben und hatte seinen Anspruch auf den spanischen Thron noch -nicht aufgegeben; wir wissen, daß es zwischen ihm und Philipp V. überhaupt -noch nicht zum Frieden gekommen war. Der neue Bund beschloß deshalb, -um alle diese, den allgemeinen Frieden stets bedrohenden Fragen aus der Welt -zu schaffen, den Kaiser dadurch zu befriedigen, daß er gegen Abgabe von -Sardinien an Savoyen Sicilien erhielte. Man mußte aber mit Spanien rechnen, -weil dessen militärische Kraft schon sehr gestärkt war. Ehe aber die Verhältnisse -sich friedlich weiter entwickeln konnten, schlug Spanien los, obgleich es noch -nicht genügend gerüstet war. Ein hoher spanischer Beamter, der auf der Rückreise -von Rom durch die italienischen Provinzen des Kaisers kam, wurde dort als -aufrührerischer Untertan verhaftet; auf diese Beleidigung sandte Spanien -im August 1717 12 Kriegsschiffe mit 8600 Mann nach Sardinien und unterwarf -diese kaiserliche Insel in wenigen Monaten.</p> - -<p>Jetzt schloß sich der Kaiser dem Bunde — nunmehr eine <em class="gesperrt">Quadrupel-Allianz</em> -— an, und die vier Mächte kamen überein, den Austausch Sardiniens -gegen Sicilien durchzuführen, wenn nötig, mit Waffengewalt. Wie -sehr man aber in England und Holland einem Kriege abgeneigt war, zeigen -die günstigen Vorschläge, die Spanien gemacht wurden: Spanien sollte Parma -und Toskana als Sekundogenitur erhalten; Georg I. wollte Gibraltar zurückgeben; -der Kaiser würde endgültig auf den spanischen Thron verzichten. -Dennoch, und obgleich England schon eine Flotte für das Mittelmeer rüstete, -blieb Alberoni eigensinnig und traf Vorbereitungen, auch Sicilien zu erobern. -Zugleich strebte er danach, sich auf politischem Wege Rückhalt zu verschaffen. -Er versuchte Rußland und Schweden, deren Krieg (vgl. „Nordischer Krieg“ -S. <a href="#Page_589">589</a>) 1718 durch Verhandlungen unterbrochen war, zu einem gemeinsamen -Einfall in England zugunsten Jakobs III. zu vereinen; er hetzte die Türken gegen -den Kaiser auf; in Frankreich wurde eine Verschwörung gegen den Regenten -angezettelt und in England die Unzufriedenheit geschürt; er versuchte den -König von Savoyen, der mit dem beabsichtigten Tausch der Inseln nicht einverstanden -war, an sich zu ziehen. Aber alle seine Pläne schlugen fehl. Die -Türken waren durch Prinz Eugen schwer geschlagen worden (1716 Peterwardein; -1717 Belgrad), auch sollen sie die englische Flotte gefürchtet haben; in Schweden -und Rußland wurden nach dem Tode Karls XII. die Verhandlungen -abgebrochen; die Verschwörung gegen Philipp war rechtzeitig entdeckt -worden. Vor allem aber scheiterte der Angriff auf Sicilien völlig und Spanien -selbst wurde mit Erfolg angegriffen. Hieran hatte die englische Flotte den<span class="pagenum"><a name="Page_579" id="Page_579">[579]</a></span> -größten Anteil, wie sie auch wohl durch ihr Auftreten in der Ostsee den Plan -Alberonis dort störte. Es wirkte überall die augenblickliche Alleinherrschaft -Englands zur See.</p> - -<p><b>Der Verlauf des Krieges.</b> Spanien besaß, dank den Bemühungen Alberonis, -1718 etwa 40 Linienschiffe, von 44 Kanonen aufwärts gezählt, und gegen 20 -waren im Bau. Offiziere und Mannschaften waren allerdings nicht genügend -vorhanden, um sämtliche Fahrzeuge in Dienst zu stellen, auch war die Güte -des Personals noch geringer als zu Ruyters Zeiten (Schlacht bei Agosta). -Wie eben gesagt, hatten die Spanier 1717 Sardinien besetzt und rüsteten -dann zur Eroberung Siciliens. England stellte 1718 eine Flotte unter <em class="gesperrt">Sir -George Byng</em> in Dienst und sprach, auf Spaniens Anfrage, rückhaltslos -aus, diese solle den Frieden in Italien aufrechterhalten. Die Order des Admirals -(vom 24. Mai) lautete dementsprechend: Er solle im Mittelmeer alle -geeigneten Maßregeln ergreifen, um die Streitigkeiten zwischen Spanien und -Österreich beizulegen, sowie Feindseligkeiten verhindern; wenn Spanien -darauf bestände, kaiserliche Provinzen anzugreifen oder sonst in Italien Fuß -zu fassen, so solle er einschreiten, wenn nötig mit Waffengewalt. Diese -Weisungen habe er nach Eintreffen auf der Station dem Könige von Spanien -und den Gouverneuren von Mailand und Neapel mitzuteilen.</p> - -<p>Byng segelte am 15. Juni und sandte am 30. auf der Höhe von Cadiz -seinen Befehl an den englischen Gesandten in Madrid. Spaniens Antwort -war, er möge tun, wie ihm befohlen; der Gesandte führte zwar die Verhandlungen -weiter, der Krieg war noch nicht erklärt, warnte aber alle englischen Kauffahrer -in spanischen Häfen vor einem plötzlichen Bruche. Der Admiral -erfuhr am 8. Juli bei Cap Espartel, daß eine spanische Flotte am 18. Juni -Barcelona verlassen habe, er nahm in Malaga Wasser, lief Port Mahon behufs -Ablösung eines Teils der Garnison an und sandte von dort seinen Befehl nach -Neapel und Mailand. Er hörte hier, daß die spanische Flotte am 30. Juni -vor Neapel erschienen sei. Diese war dann Anfang Juli mit 30000 Mann -von Neapel nach Palermo gegangen. Die schwachen savoyischen Truppen -gaben ohne Widerstand die Stadt sowie fast ganz Sicilien auf und zogen sich -in die Citadelle von Messina zurück. Byng verließ am 25. Juli Port Mahon, -traf am 1. August in Neapel ein und nahm hier 2000 Österreicher an Bord, -um sie nach Messina zu bringen; der König von Savoyen hatte sich inzwischen -mit den Abmachungen der Verbündeten einverstanden erklärt. -Als der Admiral am 9. vor Messina ankam, war die Stadt schon von den -spanischen Truppen eingeschlossen, die feindliche Flotte war jedoch nicht -zu sehen. Er bot dem spanischen General einen Waffenstillstand von zwei -Monaten an, um Unterhandlungen zu führen; als dies abgeschlagen wurde, -schiffte er die Truppen in Reggio wieder aus. Er beabsichtigte, wieder nach -Messina zur Entsetzung der Citadelle hinüberzugehen, und scheint angenommen -zu haben, daß die spanische Flotte ihm ausweichen würde. Am 10. August -morgens traf aber die Nachricht ein, daß diese von den Bergen Kalabriens -aus beiliegend gesehen sei, und als Byng unter Segel gegangen war, stieß er<span class="pagenum"><a name="Page_580" id="Page_580">[580]</a></span> -auf zwei feindliche Vorposten. Als die Engländer diese jagten, wurden sie -auf die spanische Flotte geführt; sie kam gegen Mittag, die Gefechtslinie -bildend und nach Süden ausweichend, in Sicht. Durch tatkräftige Verfolgung -wurde sie am nächsten Tage erreicht und fast vollständig vernichtet; eine -Schlacht ist der Zusammenstoß kaum zu nennen.</p> - -<p class="small"><b>Die Vernichtung der spanischen Flotte durch Admiral Byng bei Cap Passaro, -11. August 1718.</b> <em class="gesperrt">Die englische Flotte</em> zählte 22 Schiffe — 1 zu 90 K.; 2 zu -80 K.; 9 zu 70 K.; 7 zu 60 K.; 2 zu 50 K.; 1 zu 44 K. — 2 Mörserboote und 2 Brander.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die spanische Flotte</em> bestand aus dem Gros unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Casteñata</em>: -1 Schiff zu 74 K.; 1 zu 70 K.; 5 zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 1 zu 44 K.; 1 zu 36 K. und -7 Galeren. Während der Affäre traten noch 2 Schiffe (zu 60 K.) hinzu, die nach Malta -abgezweigt gewesen waren. Ein leichtes Geschwader unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">de Mari</em> -zählte 1 Schiff zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 2 zu 46 K.; -3 zu 44 K.; 1 zu 36 K.; 9 zu 18–30 K.; -3 Mörserboote; 1 Brander; 5 Tender. Die -Flotte lief in Gefechtslinie nach Süden.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p580.jpg" width="300" height="397" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p580" id="fig_p580"></a> -<p class="caption">George Byng.</p> -</div> - -<p class="small">Byng sandte die vier besten Segler, -70-Kanonenschiffe, mit dem Befehle vor, -während der Nacht die Admiralslichter (drei -am Heck und eins im Großmast) zu führen; -er folgte mit der Flotte unter Segelpreß. Der -Wind war leicht, die spanischen Galeren tauten -die langsamsten Schiffe ihrer Flotte. Am -11. August bei Tagesanbruch hatten die Engländer -den Feind fast erreicht. Seine leichte -Division lief unter Land; Byng schickte ihr 8 kleinere -Linienschiffe unter <em class="gesperrt">Kapitän Walker</em> -nach (Wiedervereinigungsplatz Syracus), er -selbst folgte ohne jede Ordnung der Hauptmacht. -Seine vier vorgesandten Schiffe greifen -die letzten Feinde mit Erfolg an, laufen aber -weiter, ihre Opfer den Nachkommenden überlassend. -Die Spanier sind bald versprengt, und -in mehr oder weniger heftigen Einzelgefechten -werden 7 Schiffe genommen, nur das Flaggschiff -und 3 oder 4 andere entweichen nach -Malta. Nachts erhielt Byng die jetzt noch in der englischen Marine durch ihre Kürze -berühmte Meldung von Walker: „Sir! Wir haben alle Schiffe und Fahrzeuge an dieser -Küste genommen. Anzahl am Rande vermerkt.“ Es waren 9 genommen, 5 auf den -Strand gejagt und verbrannt (4 davon durch ihre Besatzung). Im ganzen verlor -Spanien 11 Linienschiffe, 3 Fregatten und 8 Fahrzeuge.</p> - -<p class="small">Mit dieser Schilderung nach englischem Bericht stimmen spanische Angaben -überein. Sie fügen hinzu, die spanische Flotte habe sich zurückgezogen, um nicht Anlaß -zu Feindseligkeiten zu geben. Die Schiffe seien dann durch Übermacht einzeln überwunden; -eine rangierte Schlacht würde günstiger für sie verlaufen sein, auch hätten -dann bei dem leichten Winde die Galeren mit Vorteil eingreifen können. Dies ist fraglich; -die spanischen Schiffe waren wesentlich schwächer und ihre Besatzungen sicher -den englischen nicht gleichwertig; deshalb konnte auch Byng ohne jede Rücksicht auf -Formation angreifen.</p> - -<p>Wenn auch der Krieg noch nicht erklärt war, so war Admiral Byng doch -wohl zu dieser Tat berechtigt. Nachdem man am Lande seinen Vorschlag<span class="pagenum"><a name="Page_581" id="Page_581">[581]</a></span> -zur Einstellung der Feindseligkeiten zurückgewiesen hatte, befand er sich -im Kriegszustande; er folgte nur seinem Befehle, von dem er Spanien Wochen -vorher Kenntnis gegeben hatte. Immerhin übernahm er mutig eine große -Verantwortung.</p> - -<p>Mit der Vernichtung der spanischen Flotte war der Kampf um Sicilien -entschieden. Byng ging zwar für den Winter nach Port Mahon und Messina -fiel den Spaniern in die Hände, aber im Frühjahr 1719 erschien er wieder in -Neapel und unterstützte nun die Österreicher bei der Eroberung der Insel; -der Krieg war im Dezember 1718 erklärt. Er landete Truppen in Melazzo, die -von dort gegen Messina marschierten, er unterstützte die Belagerung dieser -Stadt und schnitt Sicilien von jeder Verbindung mit Spanien ab. Messina -fiel im Oktober, dann deckte die Flotte die Einnahme verschiedener Plätze -an der Süd- und Westküste, doch räumten die Spanier die Insel erst völlig -während des Waffenstillstandes, der dem Frieden vorherging (1720).</p> - -<p>Während der Belagerung Messinas lagen einige spanische Kriegsschiffe -im Hafen. Byng befürchtete, daß der Festungskommandant ihre freie Rückkehr -nach Spanien zu einer der Übergabebedingungen machen oder daß -Österreich sie beanspruchen würde. Er setzte deshalb durch, daß sie durch -eine eigens zu diesem Zweck errichtete Batterie zerstört wurden — ihm lag -im englischen Interesse daran, jede fremde Seemacht zu schädigen. Im -gleichen Sinne handelte England auf den anderen Kriegsschauplätzen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Alberoni</em> gab trotz der Niederlage bei Passaro und der Aussichtslosigkeit -seiner Pläne im Mittelmeer seit Erscheinen der englischen Flotte -den Kampf nicht auf. Er rüstete für 1719 in Cadiz und Coruña zwei Geschwader -aus, um Truppen an der Küste der Bretagne und in Schottland -zu landen, indem er in beiden Ländern mit Aufständen rechnete. Auch diese -Unternehmen schlugen fehl.</p> - -<p class="small">Der Plan gegen Frankreich wurde nach Entdeckung der Verschwörung gegen den -Regenten aufgegeben. Die andere Expedition segelte im Februar von Cadiz — 40 Transporter -mit 5000 Mann, und vielem Kriegsmaterial, gedeckt durch 5 Kriegsschiffe — -unter dem geächteten James Buttler, Herzog von Ormond, wurde aber am 28. Februar -auf der Höhe von Finisterre durch Sturm arg beschädigt und völlig zerstreut. Nur -3 Fregatten mit 5 Transportern erreichten Ross-shire; 400 Mann wurden gelandet und -etwa 1500 schottische Jakobiten stießen zu ihnen. Die kleine Macht wurde bald vernichtet, -sowie ein Depot der Aufständischen in Donancastle durch Kriegsschiffe genommen. -England war an den Küsten vorbereitet gewesen, wenn auch die Kanalflotte, die der -Expedition hatte entgegentreten sollen, nicht rechtzeitig seeklar war — englische Quellen -sagen: „Wie gewöhnlich!“</p> - -<p>Dagegen gingen England und Frankreich jetzt angriffsweise vor. Eine -Division der englischen Kanalflotte, <em class="gesperrt">Vizeadmiral Mighells</em>, landete -im Oktober 1719 24000 Mann bei Vigo, eroberte die Stadt, sprengte die Befestigung, -machte reiche Beute und zerstörte die Schiffe dort und in Ponte-Vedra. -Eine zweite Division unterstützte französische Truppen, die unter -dem Herzog von Berwick von Bayonne aus in Spanien eindrangen und Fuenterrabia, -St. Sebastian sowie Santona nahmen. Auch hier wurden auf englisches<span class="pagenum"><a name="Page_582" id="Page_582">[582]</a></span> -Drängen überall Hafenanlagen, Werften, sowie alle Kriegsschiffe -zerstört; England tat sein möglichstes, das Neuaufblühen der spanischen -Marine im Keime zu ersticken, und Frankreich half kurzsichtig dabei. Berwick -meldete gar dem Regenten: die englische Regierung kann dem Parlamente -zeigen, daß wir alles getan haben, um die spanische Marine zu vernichten.</p> - -<p>Selber tat Frankreich so gut wie gar nichts zur See, es transportierte -und unterstützte nicht einmal die eigenen Truppen. Nur 11 Linienschiffe -wurden nach dem Golf von Mexiko gesandt, um die Niederlassung in Louisiana -zu schützen; diese schlugen dort eine schwache spanische Division zurück -und eroberten den befestigten Hafen von Pensacola. Holland regte sich gar -nicht. Während des kurzen Krieges fanden natürlich Handelsschädigungen -statt; gleich nach Passaro hatte Spanien die englischen Schiffe in seinen Häfen -mit Beschlag belegt, England antwortete mit Vergeltungsmaßregeln.</p> - -<p>Die ununterbrochene Reihe von Niederlagen und die Hoffnungslosigkeit, -ohne eine Marine seine Kolonien schützen zu können, brach den Widerstand -Spaniens. Alberoni wurde entlassen (5. Dezember 1719) und Philipp V. -gab im <em class="gesperrt">Haager Frieden</em> 1720 den Forderungen der Quadrupel-Allianz -nach. Der König von Savoyen nannte sich von nun an König von Sardinien.</p> - -<h4>Der Nordische Krieg 1700–1721.</h4> - -<p>Während des Spanischen Erbfolgekrieges und seiner eben besprochenen -Folgen spielte sich im Norden und Osten der große Nordische Krieg ab. Er -ist für uns bemerkenswert: Mit ihm endet das anderthalbhundertjährige -Zeitalter der Seekriege Dänemarks und Schwedens um die Herrschaft in der -Ostsee; eine neue Seemacht, Rußland, tritt hier auf. Auch auf den Verlauf -dieses Krieges haben die Seestreitkräfte wesentlichen Einfluß. Endlich -zeigt sich in ihm die Macht Englands zur See. Zunächst seien einige Angaben -über die beteiligten Marinen gemacht,<a name="FNanchor_280_280" id="FNanchor_280_280"></a><a href="#Footnote_280_280" class="fnanchor">[280]</a> die deren Entwicklung bis zum Ende -unseres Abschnittes veranschaulichen.</p> - -<p><b>Die dänische Marine</b> hatte sich, wie wir wissen, unter Christian V. kräftig -entwickelt und im letzten Kriege bewährt; dieser König ließ ihr bis zu seinem -Tode (1699) die gleiche Pflege zu teil werden. 1700 war der Schiffsbestand: -33 Linienschiffe — 1 zu 110 Kanonen, 7 zu 80–100, 11 zu 60–78, 14 zu -48–56 —, 9 Fregatten und 33 kleinere Fahrzeuge. Auch für die Ausbildung -der Offiziere und Mannschaft wurde gesorgt. Der Nachfolger, Friedrich IV., -verstärkte die Flotte weiter, beim Ausbruch des Krieges 1710 zählte sie -41 Linienschiffe; die nützliche Einrichtung der Defensionsschiffe hatte der -König 1701, auf Drängen Hollands, leider aufgeben müssen.</p> - -<p><b>Die schwedische Marine</b> hatte sich unter Karl XI. von den Folgen des -Krieges erholt, sie war eigentlich durch den Grafen Wachtmeister seit 1680 -neu geschaffen. Die Hauptflottenstation war nach Karlskrona verlegt, hier<span class="pagenum"><a name="Page_583" id="Page_583">[583]</a></span> -hatte man große Werften eingerichtet. Von 1679–1709 wurden in Stockholm, -Kalmar, Riga und Karlskrona 37 Linienschiffe erbaut; das im letzten -Kriege sehr minderwertige Offizierkorps wurde reorganisiert. 1700 erschienen -vor Kopenhagen 36 Linienschiffe — 1 zu 108 Kanonen, 6 zu 80–90, 29 zu -50–80; 1710 zählte die Marine 48 Linienschiffe und 7 Fregatten.</p> - -<p>Der Nordische Krieg schädigte beide Marinen ungemein. 1720 war <em class="gesperrt">die -dänische Flotte</em>, trotz Neubauten und Einstellung genommener -schwedischer Schiffe, auf 25 Linienschiffe (10 Fregatten, 31 Fahrzeuge) -zusammengeschmolzen und diese befanden sich in schlechtem Zustande. -Infolge der Erschöpfung des Landes ging der Bestand an brauchbarem Material -in den nächsten Jahren noch mehr zurück. Als sich unter Christian VI. der -Handel wieder hob, erreichte die Marine wieder den Stand einer mittleren -Marine damaliger Zeit; 1746 waren 29 Linienschiffe, 10 Fregatten und -34 kleinere Fahrzeuge vorhanden. <em class="gesperrt">Die schwedische Flotte</em> zählte -1720 überhaupt nur 33 Segel, die bei weitem nicht sämtlich Linienschiffe -waren, und auch hier ging der Ersatz nur langsam vor sich. 1734 besaß -Schweden 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und Brigantinen, 11 Spezialschiffe -und 18 Galeren. Die Erfolge der Russen mit Ruderfahrzeugen der letzten -Art hatten gezeigt, daß eine Schärenküste nur mit Schärenfahrzeugen verteidigt -werden könne, aber erst 1756 wurden die Mittel zum Bau einer größeren -Zahl bewilligt (1788 waren 170 Galeren und ähnliche Fahrzeuge vorhanden).</p> - -<p><b>Die russische Marine</b> wurde erst von Peter dem Großen (1689–1725) -gegründet. Von der Ostsee, nach der es stets gestrebt, seit 1617 wieder vertrieben, -stand Rußland nur durch Archangel mit Europa zur See in Verbindung, -doch lag der Seehandel hier in fremden Händen. Frühere Versuche, eine russische -Schiffahrt zu gründen, waren fehlgeschlagen, ebenso das Bestreben, -auf friedlichem Wege von Kurland einen Hafen an der Ostsee zu erhalten. -Peter betätigte nun von frühester Jugend an sein Interesse für die Schiffahrt, -zunächst richtete er sein Augenmerk neben dem Weißen Meer auf das -Schwarze. 1695 gründete er in Woronesch am Don, in der Nachbarschaft -ungeheuerer Eichenwaldungen, eine Bauwerft für seetüchtige Fahrzeuge; -1696 baute er in dem von den Türken eroberten Asow Hafenanlagen und -Magazine, um die Schiffe hier auszurüsten und zu stationieren. Er plante -eine Flotte von 60 Linienschiffen für das Schwarze Meer. Der Ausbruch des -Krieges im Norden 1700 zwang ihn aber, diese Unternehmung ruhen zu lassen, -auch ging 1711 Asow wieder verloren.</p> - -<p>Bald nach Beginn des Krieges faßte er jedoch an der Newa Fuß, gründete -1703 St. Petersburg und ging, um von hier aus weiter an der Küste vorzudringen, -an die Schaffung einer <b>Ostseeflotte</b>. Anfangs zwar wurde nur wenig Tatkraft -entwickelt; noch hielt Peter wohl seine Stellung hier nicht für sicher genug, -um kostspielige Aufwendungen zu machen, aber nach der Niederlage Karls XII. -bei Pultawa (1709) nahm er den Ausbau der Marine ernstlich in Angriff. -In St. Petersburg wurde eine große Bauwerft geschaffen; Kronstadt auf der -Insel Kotlin, mächtig befestigt und noch gesichert durch die gewaltige Bastion<span class="pagenum"><a name="Page_584" id="Page_584">[584]</a></span> -von Kronslot quer vor der Einfahrt, wurde der Ausrüstungs- und Hauptkriegshafen; -bald (1713) trat Reval als zweiter Stützpunkt hinzu. Die Zahl -der Schiffe wuchs schnell. Während 1710 nur 2 Schiffe zu 50 Kanonen und -5 zu 14–32 vorhanden waren, erscheinen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p584"> - <tr> - <td class="tdl" colspan="2">Schiffe zu</td> - <td class="tdc">90</td> - <td class="tdc">80</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">60–64</td> - <td class="tdc">50–54</td> - <td class="tdc">48–36</td> - <td class="tdc">14–32</td> - <td class="tdc">K.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="7"></td> - <td class="td31" colspan="2"></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1714</td> - <td class="tdl">bei Reval vereint</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">2</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc" colspan="2">10</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1718</td> - <td class="tdl">in Tätigkeit</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">7</td> - <td class="tdc"> 9</td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="tdc">7</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1721</td> - <td class="tdl">seefähig</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">4</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc"> 7</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc" colspan="2" rowspan="2">eine große<br />Anzahl</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1722</td> - <td class="tdc"> „</td> - <td class="tdc">6</td> - <td class="tdc">1</td> - <td class="tdc">5</td> - <td class="tdc">8</td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">6</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Anfangs wurden die Schiffe aus dem Auslande bezogen, bald aber auch in Rußland -gebaut und zuletzt ausschließlich; von 1710–1724 kamen auf 30 gekaufte 41 gebaute. -Ein englischer Seeoffizier, zu dieser Zeit in russischen Diensten, lobt Bau und Ausrüstung -der Schiffe, für die nur Erzeugnisse des eigenen Landes verwendet wurden. Rußland -besaß alles nötige Rohmaterial, nur der Transport aus dem Innern war schwierig und -kostspielig. Die Kosten wurden noch ungemein erhöht, weil geschulte Kräfte aus dem -Auslande zur Bearbeitung des Rohmaterials herangezogen werden mußten, wie denn -auch Ausländer, besonders Engländer und Holländer, die Hafen-, Werft- und Schiffsbauten -leiteten.</p> - -<p>Noch vor dieser Hochseeflotte schuf Peter <b>eine Galerenflotte</b> für die -Eroberung Finnlands. Die flachgehenden Ruderschiffe konnten sich über alle -Untiefen zwischen dem Gewirr von Klippen und Inseln der Schärenküste -durchwinden, wo ihnen kein Kriegsschiff zu folgen vermochte; über schmale -Landzungen konnten diese leicht aus Fichtenholz gebauten Fahrzeuge hinweggetragen -werden; nach dem offenen Meere zu wurden sie durch die mitsegelnde -Hochseeflotte gedeckt. Der Galerenflotte mehr als der Hochseeflotte sind -die Erfolge im Kriege, nämlich die Eroberung Finnlands usw. und die -Angriffe in Schweden, zuzuschreiben.</p> - -<p>Schwieriger als <em class="gesperrt">die Beschaffung</em> des Materials war die <em class="gesperrt">des -Personals</em>, das russische Volk stand der See völlig fremd und abgeneigt -gegenüber. Es war nötig, viele Ausländer anzuwerben, doch gelang es bald, -die Schiffe wenigstens überwiegend mit Eingeborenen zu bemannen. Den -<em class="gesperrt">Ersatz</em> nahm man zunächst aus den Gebieten an der Küste, an den großen -Seen und Flüssen. Bevorzugt wurden sonst, weil bildungsfähiger, Minderjährige, -Matrosen- und Soldatenkinder, sowie junge Tataren ihrer Behendigkeit -halber. Sogenannte Navigatorenschulen wurden gegründet, deren -Zöglinge man nach der Entlassung zur weiteren Ausbildung auf Kauffahrteischiffe -schickte. Ganze Regimenter Landsoldaten wurden zu Seesoldaten -befohlen; die Bemannung der Schiffe war um 1/5–¼ stärker als die englischer -von gleichem Range.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das Offizierkorps</em> war noch viel stärker mit Fremden durchsetzt. -1715 waren fast sämtliche Offiziere Ausländer und nur einige in fremdem Dienst -herangebildete Russen. Noch 1724 zeigt eine Liste der höheren Offiziere -unter 82 Namen nur 19 Russen gegen 23 Engländer, 17 Dänen, 13 Holländer -und 5 Deutsche, doch schritt auch hier die Russifizierung fort. Zur artilleristischen<span class="pagenum"><a name="Page_585" id="Page_585">[585]</a></span> -Ausbildung wurde eine große Anzahl Russen nach Berlin kommandiert, -sie bildeten dann ein eigenes Korps der Bombardiere und wurden nach Bedarf -an Bord verwendet. Auch eine Seeakademie wurde gegründet, sie zählte 1716 -300 junge Edelleute als Schüler. Das Seeoffizierkorps war, wie die Marine -überhaupt, besser besoldet als das der Armee. <em class="gesperrt">Die Galerenflotte</em> -hatte ein eigenes Offizierkorps, es war stark mit Südländern vermischt und -wurde vom Seeoffizierkorps als minderwertig angesehen. Fremdartigkeit -in Sprache und Sitten seiner Angehörigen, unter denen halbbarbarische -Elemente vertreten waren, mag dazu beigetragen haben, aber auch -die Roheit und Grausamkeit, die sie im schwedischen Feldzuge gezeigt -haben.</p> - -<p>Peter der Große hatte sich die Aufgabe gestellt, eine Flotte von 40 jederzeit -kampfbereiten Linienschiffen zu schaffen, mit der er der dänischen und -der schwedischen Flotte, die nur kurze Zeit im letzten Kriege je über 30 besaßen, -überlegen gewesen wäre. Er hat dieses Ziel zwar nicht erreicht — bei -seinem Tode zählte die Marine 27 Linienschiffe, von denen 3 unbrauchbar und -9 gebrechlich waren, sowie 6 Neubauten —, aber er stand doch den geschwächten -Nebenbuhlern gleich. Nach Beendigung des Krieges wurde durch Friedensübungen, -im einzelnen und in Geschwadern, die Schlagfertigkeit der Flotte -weiter gepflegt. Freilich sagt der schon angezogene englische Seeoffizier -von seinen russischen Kameraden: „Fremde tuen gut, ihnen aus dem Wege -zu gehen. Bei gutem Wetter kennt ihre Überhebung keine Grenzen, wenn -sie aber bei schlechtem Wetter Dienst tun sollen, stellen sie sich krank. -In der Stunde der Gefahr versagt ihnen Mut und Tatkraft.“ Wie weit -dies Urteil zutreffend war oder auf Abneigung beruhte, muß dahingestellt -bleiben.</p> - -<p><b>Der Verlauf des Krieges.</b> In Schweden war 1697 König Karl XI. gestorben -und Karl XII. hatte mit nur 15 Jahren den Thron bestiegen. Die -Nachbarn hielten die Gelegenheit für günstig, sich auf Kosten Schwedens -auszubreiten: Peter der Große wollte Esthland erobern, um an die Ostsee zu -gelangen; August II., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, wollte Livland -für Polen zurückgewinnen; Friedrich IV. von Dänemark wollte den Teil -Schleswig-Holsteins, der noch im Besitz der Linie Holstein-Gottorp war, -wieder mit Dänemark vereinigen; diese Linie war aber seit langem mit Schweden -verwandt, auch der augenblickliche Herzog war ein Schwager und Freund -Karls XII. Die drei Monarchen verbanden sich 1700 zu einem Angriffskriege -und fielen in die von ihnen begehrten Länder ein, aber der junge Schwedenkönig -zeigte eine unerwartete Tatkraft.</p> - -<p><em class="gesperrt">Karl</em> XII. warf sich zunächst nur gegen Dänemark, um sich für den -Kampf im Osten den Rücken freizumachen, da die dänische Flotte seine -Verbindungen mit den anderen Kriegsschauplätzen gefährdete. Mit Unterstützung -einer englisch-holländischen Flotte bedrohte er Kopenhagen zu -Wasser wie zu Lande und zwang Friedrich IV. in wenigen Wochen zum -Frieden (Travendal, 18. August 1700).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_586" id="Page_586">[586]</a></span></p> - -<p class="small"><b>England und Holland</b> nahmen in Hinblick auf das Gleichgewicht in der Ostsee -wie stets bisher die Partei der gefährdeteren Seemacht, sie waren auch die Bürgen -des letzten Vergleichs zwischen Dänemark und dem Hause Gottorp. Sie sandten Ende -Mai eine gemeinsame Flotte, 11 englische und 13 holländische Linienschiffe, einige -Fregatten, 3 Mörserboote, unter den Admiralen <em class="gesperrt">Rooke</em> und <em class="gesperrt">de Almonde</em> zur Ostsee. -Der Befehl lautete, den eigenen Handel zu schützen und die Interessen des Herzogs -von Holstein wahrzunehmen; es war erlaubt, zu diesem Zweck schwedische Truppen -nach Holstein zu führen, nicht aber angriffsweise vorzugehen, sondern nur Gewalt mit -Gewalt zu erwidern. Die Flotte traf am 19. Juni vor Gothenburg ein, segelte zur Vereinigung -mit den Schweden weiter, ging dann aber vor dem Sunde zu Anker, weil die -33 Linienschiffe starke dänische Flotte zwischen Kronburg und Hven lag. Hier wollte -man abwarten, ob die Schweden vom Süden herankämen und die Dänen zum Rückzug -auf Kopenhagen nötigten, oder ob die Vereinigung im Großen Belt stattfinden solle.</p> - -<p class="small">Am 7. Juli ging die dänische Flotte nach Kopenhagen und die Vereinigung der -Engländer und Holländer mit den Schweden fand bei Landskrona statt. Die schwedische -Flotte unter Graf Wachtmeister zählte 29 Linienschiffe, einige Fregatten sowie ein -Mörserboot; 6 schwere Schiffe hatte man wegen ihres Tiefganges südlich von Kopenhagen -gelassen. 2000 Mann waren eingeschifft, weitere Truppen standen in Landskrona bereit.</p> - -<p class="small">Man beabsichtigte, Kopenhagen von See aus einzuschließen und die feindlichen -Schiffe mit Fregatten und Brandern anzugreifen oder sie zu beschießen, falls sie sich -in den Hafen zurückgezogen hätten. Am 20. Juli ankerte die Flotte vor der Stadt. -Die Dänen hatten die meisten Schiffe möglichst nahe unter Land gelegt, den Rest auf -der inneren Rhede durch Balkensperren gegen Brander geschützt. Diese Schiffe wurden -von den Mörserbooten während der Nacht beschossen, aber nachdem etwa 100 Bomben -und Brandgeschosse ohne Erfolg geworfen waren, zog man sich aus dem heftigen feindlichen -Feuer zurück. Man beschloß nun, die Landungstruppen zu holen, und die Schiffe -im Hafen sowie die Stadt vom Norden der Insel Amager her zu beschießen. In der -Nacht vom 26./27. wurden etwa 150 Geschosse verfeuert, jedoch mit ebensowenig -Erfolg. Es ging damals das Gerücht, daß die Angreifer, insbesondere die Engländer -und Holländer, mehr im Auge gehabt hätten einzuschüchtern, als zu schädigen. Dagegen -trafen am 2. August, gedeckt durch schwedische Kriegsschiffe, die Truppen von Landskrona -ein und wurden nach Vertreiben einiger dänischer Fregatten mit Hilfe der Boote -der ganzen Flotte noch am selben Tage nördlich von der Stadt gelandet; Karl XII. -führte die seinen, als erster mit dem Degen in der Faust aus dem Boote ins seichte Wasser -springend. Durch ungünstiges Wetter verzögert, wurden die Geschütze und das Belagerungsmaterial -erst einige Tage später ausgeschifft. So von See und Land bedroht, -schloß Friedrich IV. Frieden.</p> - -<p class="small">Die Regierungen Englands und Hollands waren mit dem Vorgehen ihrer Admirale -nicht einverstanden; diese hatten ja auch ihre Weisungen überschritten. Es kam sofort -der Befehl, sich künftig streng an diese zu halten. Wie früher in ähnlichen Lagen, wünschte -man keine zu großen Erfolge Schwedens. Wilhelm III. schrieb an Heinsius: „Dieser -Erfolg, fürchte ich, wird den König von Schweden so groß machen, daß wir genügend -zu tun haben werden, ihn wieder klein zu bekommen.“ Auch fürchtete man, daß durch -Einschreiten Frankreichs zugunsten Dänemarks ein allgemeiner Krieg entstehen würde.</p> - -<p class="small">Die Admirale erhielten diesen Befehl bei Hven sowie die Weisung, nach Friedensschluß -heimzukommen. Sie blieben aber länger liegen, um den Rücktransport der -schwedischen Truppen abzuwarten, weil auch die dänische Flotte wieder in den Sund -gekommen und bei dem Haß zwischen den nordischen Völkern ein Zusammenstoß mit -den Schweden nicht ausgeschlossen war. Am 8. September ging Karl XII. mit Flotte -und Truppen nach Schweden zurück.</p> - -<p>Karl XII. wandte sich nun gegen seine Gegner im Osten, und es folgen einige -Jahre (bis 1709), in denen die Kriegführung zur See nicht hervortritt; sie<span class="pagenum"><a name="Page_587" id="Page_587">[587]</a></span> -seien deshalb nur kurz geschildert. Karl landete mit 20000 Mann bei Pernau -(Busen von Riga) und warf sich, da das polnisch-sächsische Heer vor ihm -zurückwich, zunächst auf die Russen, die er mit 8000 Mann gegen 40000 -bei Narva (20. November 1700) vernichtend schlug. Dann trug er bei Riga -(12. Juli 1701) einen Sieg über die Sachsen und Polen davon und hätte jetzt -einen günstigen Frieden erzwingen können. Er drang jedoch weiter vor, eroberte -durch verschiedene siegreiche Schlachten ganz Polen, ließ in Warschau -(2. Juli 1704) Stanislaus Leszczynski zum König wählen und verfolgte August II. -bis nach Sachsen. Hier endlich schloß er Frieden (Altranstädt, 24. September -1706); August verzichtete auf den polnischen Thron und entsagte jeder Verbindung -mit den Gegnern Schwedens.</p> - -<p>Die mißachtende Vernachlässigung der Russen nach dem glänzenden Siege -bei Narva wurde Karls Verderben; Peter nutzte diese Jahre aus. Er reorganisierte -sein Heer mit Hilfe deutscher Generale, setzte sich in Ingermanland -fest und gründete St. Petersburg; die schwachen schwedischen Truppen in -Livland konnten dies nicht hindern. So fand Karl später einen kräftigen -Gegner vor und Schweden hatte nicht mehr allein mit der dänischen Marine -sondern auch mit der russischen zu rechnen.</p> - -<p>Bis 1708 blieb Karl in Sachsen stehen, um sein Heer wieder schlagfertig -zu machen und zu verstärken; Peter drängte inzwischen die Schweden in -Esthland und Livland weiter zurück und verwüstete Polen, um einen Vormarsch -Karls gegen Rußland zu erschweren. Endlich brach dieser mit 40000 -Mann auf, schlug hinter der Beresina einen russischen Heeresteil (14. August) -und überschritt den Dnjepr, um gegen Moskau zu ziehen; eine Verstärkung -von 12000 Mann unter Lewenhaupt wartete er nicht ab. Bei Smolensk -wandte er sich aber nach der Ukräne, wo ihm der Hetman Mazeppa die -ganze Heeresmacht der Kasaken zuzuführen verheißen hatte. Die Aufwiegelung -dieser schlug fehl und Lewenhaupt konnte dem König nur 6000 Mann -bringen, weil er auf dem Anmarsch schwer geschlagen worden war und seine -ganze Bagage verloren hatte. Die Russen wichen beständig aus, das Heer -litt ungemein unter Hunger und Kälte; Karl drang zwar bis <em class="gesperrt">Pultawa</em> -vor und belagerte die Stadt vom Mai 1709 an, wurde dann aber am 8. Juli -durch den mit Übermacht heranrückenden Peter vernichtend geschlagen. -Der Rest der Schweden, nur 14000 Mann, mußte sich ergeben, Karl floh in -die Türkei.</p> - -<p class="small">Hier reizte Karl den Sultan gegen Rußland auf, er selber wollte das Heer führen. -Aber erst 1711 erklärte der Sultan den Krieg, und wenn auch Peter durch den Großvezier -geschlagen wurde (9. August 1711), so gelang es ihm doch, durch Bestechung und Abtretung -Asows den Frieden wieder herbeizuführen. Karl blieb bis 1714 in der Türkei; -er entschloß sich erst zur Rückkehr, als er einsah, daß er hier keine Hilfe zu erwarten -habe und als die Nachrichten aus dem Norden immer schlechter wurden. Nach sechzehntägigem -Ritt durch Österreich, Süd- und Westdeutschland traf er mit 2 Offizieren am -22. November 1714 in Stralsund ein.</p> - -<p><em class="gesperrt">Peter der Große</em> bemächtigte sich in den Jahren 1709 und 1710 -ganz Esthlands und Livlands und ging an den Ausbau einer Ostseeflotte.<span class="pagenum"><a name="Page_588" id="Page_588">[588]</a></span> -Auch die andern Gegner Schwedens regten sich wieder. August II. vertrieb -Leszczynski, Friedrich IV. besetzte Schleswig und versuchte, in Schonen Fuß -zu fassen (vergeblich). Inzwischen verabredeten die Seemächte mit dem -Kaiser einen Waffenstillstand für die schwedisch-deutschen Lande (Pommern, -Bremen-Verden, Stade) und Dänemark, Sachsen sowie die schwedischen -Stände traten auch bei (Haager Conzert, 31. März 1710), da aber Karl XII. -Einspruch erhob und die erstgenannten Mächte nicht tätlich eingriffen, nahm -der Krieg seinen Fortgang.</p> - -<p>Jetzt griff die Kriegführung zur See wieder ein. Die Dänen eroberten -Stade und Verden, die Sachsen und Russen nahmen Schwedisch-Pommern -außer Stralsund und Wismar (1712). Das schon erschöpfte Schweden raffte -sich noch einmal auf. General <em class="gesperrt">Stenbock</em> besiegte mit 12000 Mann die -Dänen bei Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin; 20. Dezember 1712) und drang -in Schleswig-Holstein ein, wurde aber bei Tönning durch die Übermacht der -Verbündeten zur Kapitulation gezwungen (Mai 1713). Schweden sah sich -genötigt, mit Preußen einen Vertrag abzuschließen, wonach dessen Truppen -Pommern von der Peene bis zur Oder in Sequestration nahmen. Peter war -bereit, dieses Land gegen eine Kriegsentschädigung zu räumen. Rußland war -1714 bis Abo vorgedrungen; Kurland hatte Peter durch Anheiratung an -sein Haus gewonnen.</p> - -<p>Jetzt kam <em class="gesperrt">Karl</em> XII. zurück. Er erkannte den Vertrag mit Preußen -nicht an, forderte Pommern zurück und vertrieb die preußischen Truppen -aus Usedom und Wollin. Infolgedessen erklärte auch dieser Staat den Krieg -und verband sich mit Rußland und Sachsen; Hannover trat dem Bunde bei, -um sich die von Dänemark gekauften schwedischen Gebiete (Bremen-Verden; -Stade) zu sichern. Die vereinten Truppen belagerten unter <em class="gesperrt">Leopold von -Dessau</em> Stralsund; Karl XII. verteidigte die Stadt mehrere Monate und -ging erst kurz vor dem Fall (23. Dezember 1715) nach Schweden; im April 1716 -mußte auch Wismar kapitulieren. <em class="gesperrt">Schweden hatte seinen ganzen -überseeischen Besitz verloren.</em></p> - -<p class="small"><b>Die Beteiligung der Seestreitkräfte.</b> Die Aufgabe der dänischen Marine war zunächst -nicht leicht; 1710 standen ihren 41 Linienschiffen 48 schwedische gegenüber. -Sie sollte die Verbindungen Schwedens mit seinen festländischen Besitzungen unterbinden, -die Operationen der Verbündeten unterstützen und den eigenen Handel gegen zahlreiche -und kühne schwedische Freibeuter schützen. Dennoch hat sie einige wirksame Erfolge -zu verzeichnen; es kamen ihr allerdings günstige Umstände zu statten. Als General -Stenbock 1712 mit seinem Heere auf 130 Transportschiffen nach Rügen übergeführt -wurde, geleitete ihn Graf Wachtmeister mit der ganzen Schlachtflotte; kurz nach der -Landung vernichtete die dänische Flotte über 90 der Transporter, Wachtmeister mußte -dagegen wegen einer schweren Seuche an Bord der Schiffe schleunigst nach Karlskrona -zurückkehren und abrüsten. Als dann Stenbock 1713 in die Enge getrieben war, konnte -die dänische Flotte ihm den Seeweg versperren.</p> - -<p class="small">Von 1715 an mußte Schweden einen Teil seiner Seestreitkräfte gegen Rußland -werfen und seine Marine war durch Geld- und Mannschaftsmangel geschwächt. Nun -wuchs die Bedeutung der dänischen Flotte; in zwei Gefechten, an der holsteinischen -Küste (28. Juli) und bei Rügen (8. August 1715), wies sie die schwedische zurück. Durch -das zweite Seegefecht hinderte sie die Aufhebung der Blockade und den Entsatz Stralsunds.<span class="pagenumsmall"><a name="Page_589" id="Page_589">[589]</a></span> -Sie ermöglichte dann durch Vernichtung der kleinen Schiffe im Hafen den -Übergang nach Rügen, wodurch die Übergabe der Festung erzwungen wurde. 1716 trug -sie mittels strenger Blockade zur Einnahme Wismars bei.</p> - -<p class="small">Ebenso unglücklich war die schwedische Flotte den Russen gegenüber. Sie konnte -die allmähliche Eroberung der Südküste Finnlands nicht hindern. Die russische -Schärenflotte zog von Distrikt zu Distrikt und die von ihr losgelassenen Truppen verwüsteten -das Land; <em class="gesperrt">1713</em> fiel Helsingfors. Als die Eroberung so bis zum Ausgange des -finnischen Meerbusens vorgedrungen war, stand gerade die russische Hochseeflotte -stark genug da, um die Schärenflotte zu decken und zu unterstützen. <em class="gesperrt">1715</em> schlug -<em class="gesperrt">Generaladmiral Apraxin</em>, unter dem Peter selber als Kontreadmiral diente, -die Schweden unter Ehrenskjöld bei <em class="gesperrt">Hangö-Udd</em>, wobei sich die Galeren in den -engen Gewässern von größtem Nutzen zeigten. Er bahnte sich dadurch den Weg nach -Abo, den Alands-Inseln und der Küste Finnlands am Bottnischen Busen, die Plünderungszüge -dehnten sich nun bis zu diesen aus. Von <em class="gesperrt">1716</em> an lag die schwedische Flotte infolge -Geldmangels unausgerüstet in Karlskrona. Angstvoll war sie eines Angriffs der Dänen -gewärtig, die die Küsten Schwedens blockierten und den Handel völlig unterbanden.</p> - -<p>Von 1716–1718 versuchte <em class="gesperrt">Karl</em> XII. in drei Feldzügen Norwegen -zu erobern; ihm kam dabei zu statten, daß seine Gegner uneinig wurden. -Peter vermählte eine Nichte mit dem Herzog von Mecklenburg und ließ sein -Heer in diesem Lande stehen, dies machte die Verbündeten stutzig; auch -begannen Verhandlungen zwischen Peter und Karl behufs eines Bündnisses auf -Kosten der anderen Staaten (wir verweisen auf den Plan Alberonis S. <a href="#Page_578">578</a>), -der Zar führte deshalb einen schon vorbereiteten Einfall in Schonen nicht aus. -Der hartnäckige Widerstand der norwegischen Bevölkerung, die schwierigen Verhältnisse -des Landes und des Klimas und der schlechte Zustand des schwedischen -Heeres ließen jedoch Karl keine Fortschritte machen. Er fiel am 11. Dezember -1718 vor Friedrichshall.</p> - -<p class="small">Auch in diesen Jahren war die <b>dänische Marine</b> von Wichtigkeit. <em class="gesperrt">Tordenskiold</em> -vernichtete mit nur wenig Schiffen im Hafen von Dynekil (8. Juli 1716) die Transportflotte, -die alles, was Schweden mit Mühe an Truppen und Kriegsmaterial hatte aufbringen -können, zur Belagerung Friedrichshalls bringen sollte. Die schwedische Flotte -wurde im allgemeinen weiter in den Häfen festgehalten, die russische Marine beteiligte -sich jetzt an der Blockade; sie war soweit gewachsen, daß Peter 1716 zu der erwähnten -Landung in Schonen mit 17 Linienschiffen, zahlreichen Galeren und Truppentransportschiffen -in Kopenhagen erscheinen konnte. 1719 eroberte Tordenskiold die Insel Marstrand -und vernichtete ein schwedisches Geschwader, das mit Erfolg gegen den dänischen -Handel aufgetreten war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ulrike Eleonore</em>, die Nachfolgerin Karls, schloß 1719 Frieden mit -Hannover, Polen und Preußen (Stockholm, 20. November) und 1720 mit -Dänemark (Friedrichsborg, 13. Juli), brach aber Verhandlungen mit Peter -ab. Jetzt griffen die Russen Schweden selber an, verwüsteten 1719–1721 -mit immer stärkeren Heeren die Küsten und erzwangen so den Frieden von -Nystadt (10. September 1721).</p> - -<p class="small">1719 führte <em class="gesperrt">Apraxin</em> mit 130–150 Galeren sowie zahlreichen Transportern -30000–40000 Mann an die Küste nördlich von Stockholm; 8 Ortschaften, 141 Adelssitze, -1361 Höfe, 2 Kupferminen wurden zerstört, Wälder verbrannt, um die darin -liegenden Minen zu vernichten, 80000 Eisenbarren ins Meer versenkt, gegen 100000 Stücke -Vieh getötet. 1720 hausten die Russen, auf Abo, Helsingfors und Wiborg gestützt<span class="pagenumsmall"><a name="Page_590" id="Page_590">[590]</a></span>, -ähnlich an der Küste von Westerbotten; ein schwedisches Geschwader wurde zurückgeschlagen. -1721 ward Norrland verwüstet. Daß Stockholm von einem Angriff bewahrt -blieb, ist nur dem Auftreten einer englischen Flotte zu verdanken; England schränkte -überhaupt in den Jahren 1719–1721 die Tätigkeit der russischen Hochseeflotte etwas -ein und machte es so der schwedischen möglich, sich wieder zu zeigen.</p> - -<p><b>Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.</b> Wie vor -Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges, um 1700 beim ersten Zusammenstoß -Schwedens und Dänemarks, so wandten diese Staaten auch nach seiner -Beendigung ihr Augenmerk auf ihre Interessen in der Ostsee; besonders England -zeigte hier seine Macht auf dem Meere und trug zum Friedenschluß bei.</p> - -<p>In den Jahren 1715–1718 traten sie gemeinsam zum Schutze ihres Handels -auf, weil Schweden, Dänen und Russen die Neutralität nicht unbedingt -beachteten; das Verhältnis zu Schweden wurde bald zu einer Art Kriegszustand. -Da Rußland von England und Holland Schiffe, Mannschaften -und Kriegsbedarf jeder Art bezog, griff Schweden, besonders seit 1710, den -Handel dieser Länder planmäßig mit Kriegsschiffen und Freibeutern an; -die Handelsschiffe wurden nicht nur auf Kriegskontrebande untersucht, -sondern überhaupt aufgebracht. Die Seemächte sandten deshalb in jedem -dieser Jahre eine gemeinsame Flotte in die Ostsee, die im Vereine mit den -dänischen und russischen Kräften die Schweden in ihren Häfen festhielten, -Freibeuter aufbrachten und Convois geleiteten. Der König von England -war ja als Kurfürst von Hannover mit Schweden im Kriege, doch hatte das -englische Volk hierfür zunächst kein Interesse, als aber die Umtriebe Karls XII. -zugunsten Jakobs III. bekannt wurden, gab es seine Einwilligung zu ernsterem -Vorgehen.</p> - -<p>Nach dem Tode Karls änderte sich die Lage gänzlich. Schweden belästigte -den Handel nicht weiter, Holland brauchte keine Schiffe mehr zu -senden. Eine englische Flotte aber trat in jedem der letzten Jahre zugunsten -der Schweden auf, indem sie die russische Hochseeflotte in Reval festhielt. -Jetzt lag es im Interesse Englands, Peters Erfolge einzuschränken und die -russische Seemacht nicht zu sehr wachsen zu lassen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Operationen zur See</em>: 1715 deckte <em class="gesperrt">Admiral Norris</em> mit -20 englischen und 12 holländischen Linienschiffen die Hin- und Rückreise des Ostsee-Sommerconvois. -1716 kam er mit ähnlicher Stärke, Holland hatte wegen Geldmangels -nur 6 Schiffe gestellt. Als er auf das Verlangen einer bündigen Erklärung, ob die Schifffahrt -jetzt sicher sei, von Stockholm eine unbestimmte Antwort erhielt, gab er zu erkennen, -daß er nötigenfalls feindselig auftreten werde. Er verband sich mit den Dänen und Russen -in Kopenhagen, die dort für den Einfall in Schonen bereit lagen. (Anderseits, so wird -gesagt, wirkte England aber auch dahin, daß Peter dieses Unternehmen aufgab.) Der -Zar selber führte die vereinigte Macht nach Bornholm. Von hier aus wurden einzelne -Schiffe gegen schwedische Kreuzer entsandt, die Kauffahrer nach ihren Bestimmungshäfen -geleitet und im Herbst wieder heimgeführt; die schwedische Flotte konnte natürlich -Karlskrona nicht verlassen. Genau so, nur ohne die Russen, verliefen die Jahre -1717, <em class="gesperrt">Admiral Byng</em>, und 1718, wieder Norris. 1717 war Holland nicht imstande, -Schiffe zu stellen. Es gingen dann auch nur 300 anstatt wie sonst 500 holländische -Kauffahrer in die Ostsee, und 1718 sandte man deshalb mit Aufbietung aller Kräfte -wieder 12 Kriegsschiffe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_591" id="Page_591">[591]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">1719</em> vereinigte sich <em class="gesperrt">Norris</em> im September mit den Schweden und trieb die -russische Hochseeflotte nach Reval; 1720 und 1721 hielten Norris und Wachtmeister -die Russen den ganzen Sommer über in diesem Hafen fest.</p> - -<p><em class="gesperrt">England und Frankreich vermittelten den Frieden.</em> -Beide wünschten nicht, daß Schweden niedergeschlagen und die Ostsee ein -russisches Meer würde; es war dies besonders für England wichtig, da seine -Marine auf die von dort bezogenen Schiffsbedürfnisse angewiesen war. Die -Franzosen schreiben ihrer Diplomatie den Haupteinfluß zu; sie behaupten auch, -daß England Schweden nur schwach unterstützt habe, weil es die Ostseeprovinzen -zu Nutzen seines Handels gern in Rußlands Händen sah. Dies mag -zutreffen; die englische Flotte hinderte die Verwüstung Schwedens nicht, sie -trat nur demonstrativ auf und hat, abgesehen von dem Einschreiten gegen -Kreuzer in den ersten Jahren, bei allen Operationen kaum einen Schuß abgegeben. -Aber der Druck der englischen Seemacht hat ohne Frage wesentlich -dazu beigetragen, Rußland zum Frieden geneigt zu machen. Peter erkannte -das zielbewußte Vorgehen der Engländer, sah sie vor seiner eigenen Tür und -mußte für seine junge Flotte eine Wiederholung des Schauspieles vom Cap -Passaro fürchten.</p> - -<h4>Venedig und die Türken.</h4> - -<p>Im Anfange des 18. Jahrh. fanden in einem letzten Kriege auch die langen -Kämpfe zwischen der Republik Venedig und dem osmanischen Reiche um -die Besitzungen im Ostmittelmeer ihr Ende. Im vorigen Abschnitte (Seite -<a href="#Page_109">109</a>) ist gesagt, daß Venedig mit dem Verluste von <em class="gesperrt">Cypern</em> (1573) schon -nahezu aus dem Ostmittelmeer verdrängt war und daß es von da an langsam -aber stetig von seiner Großmachtstellung herabstieg. Es ist aber auch erwähnt -worden, daß um diese Zeit die Seemacht des osmanischen Reiches -gleichfalls ihre höchste Blüte erreicht hatte. Ihrem Vordringen im Westmittelmeer -war durch das Abschlagen der Angriffe auf Malta und Korfu -(1565) sowie durch die Schlacht bei Lepanto (1571) ein Ende gemacht worden. -Im Ostmittelmeer setzten die Türken jedoch von der Mitte des 17. Jahrh. -bis 1718 in drei Kriegen gegen Venedig ihre Eroberungen fort.<a name="FNanchor_281_281" id="FNanchor_281_281"></a><a href="#Footnote_281_281" class="fnanchor">[281]</a></p> - -<p><b>1645</b> warfen sie mit einer großen Flotte ein Heer nach <b>Kreta</b>, nahmen -<em class="gesperrt">Canea</em> sowie <em class="gesperrt">Retimo</em> und belagerten <em class="gesperrt">Candia</em>. Das Bestreben Venedigs, -der Insel Unterstützung zu bringen, führte zu einem langen Kampfe um die -Seeherrschaft. Mit wechselndem Erfolge wurde gefochten, mehrfach blockierten -die Venetianer die Dardanellen, viele Seegefechte fanden statt (z. B. 1656 -eine große Niederlage der Türken vor den Dardanellen), aber keine Partei -gewann dauernd die Überhand. Zeitweise erhielt Venedig Unterstützung -durch Spanien, die Malteserritter, Genua oder den Papst, und als Candia -nach heldenmütiger Verteidigung zu fallen drohte, sandte Frankreich eine -Flotte mit Landungstruppen. Aber diese Expedition (ihre Stärke vgl. Seite -<a href="#Page_319">319</a>) blieb erfolglos, die Stadt fiel im September 1669.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_592" id="Page_592">[592]</a></span></p> - -<p class="small">Die Truppen wurden unbehindert in die Stadt geworfen (Mitte Juni). In einem -bald darauf unternommenen Ausfall trieb man zuerst die Türken in ihre Befestigungen -zurück, aber dann entstand durch Explosion eines Pulvermagazins Verwirrung unter -den Franzosen, der Führer, Herzog von Beaufort, fiel und man mußte sich zurückziehen. -Nachdem um Ende Juli die französischen Schiffe, im Verein mit venetianischen, malteser -und päpstlichen Fahrzeugen, die türkischen Batterien ohne Erfolg beschossen hatten, -wurden die Truppen wieder eingeschifft und das Unternehmen abgebrochen. Mangel -an Vorräten, Uneinigkeit mit den Venetianern und endlich die vorgerückte Jahreszeit -werden als Gründe des Mißerfolges angegeben.</p> - -<p>Nach dem Falle der Hauptstadt eroberten die Türken bald die letzten festen -Plätze der Insel und behielten sie im Besitz.</p> - -<p><b>1684–1699</b> wurde <b>ein zweiter Krieg um Morea</b> geführt. Als die Türken -vor Wien abgeschlagen waren (Sobieski 1683) und in Ungarn hart bedrängt -wurden, glaubte Venedig die Zeit zur Wiedergewinnung seiner verlorenen -Besitzungen gekommen. Unterstützt durch deutsche Truppen und Malteserritter -gelang es Morea, Ägina sowie einen Teil Dalmatiens zu erobern; -Angriffe auf Euböa und Kreta schlugen dagegen fehl. Im Frieden von Karlowitz -behielt Venedig die genommenen Länder.</p> - -<p class="small">Bei der Belagerung Athens durch die venetianische Flotte sprengte eine Bombe -das Mittelteil des Parthenon, von den Türken als Pulvermagazin benutzt, in die Luft.</p> - -<p><b>1714</b> griffen die Türken wieder an und bemächtigten sich leicht Moreas. -Zwar trat 1716 Österreich auf seiten Venedigs und errang große Erfolge (Prinz -Eugen: Peterwardein, Belgrad), aber den Venetianern gegenüber waren die -Türken im Vorteil, besonders auch zur See. Sie behielten im Frieden von -Passarowitz 1718 Morea endgültig. Der Republik Venedig verblieben nur das -tapfer verteidigte Korfu und Dalmatien; sie war somit in ihren Besitzungen -auf das Adriatische Meer beschränkt. Nach diesem letzten Kriege zog sich -die Republik ganz zurück. Sie ließ sich auch durch den österreichisch-türkischen -Krieg 1738–1740 nicht mehr aus einer Politik der bloßen Erhaltung -des Besitzes und der Beschränkung auf den Schutz ihrer Handelsinteressen -herauslocken. <em class="gesperrt">Venedig zählte weder als Großmacht -noch als Seemacht weiter mit.</em></p> - -<p>Aber <b>das osmanische Reich</b> trat als Seemacht nicht an seine Stelle, selbst -nicht im Ostmittelmeer. Die türkische Marine, im 16. Jahrh. im ganzen -Mittelmeer gefürchtet, verlor mit dem Rückgang des Reiches stetig an Kraft -und Bedeutung. Wir haben gesehen, daß die Türken weder imstande waren, -ihren Einfluß auf die Barbareskenstaaten aufrecht zu erhalten, noch diese gegen -die Angriffe der neuentstandenen Seemächte zu schützen, ja daß deren Flotten -schon mit Erfolg im Ostmittelmeer auftraten.</p> - -<h4>Die Barbareskenstaaten 1715-1740.</h4> - -<p>Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges trat an die Marinen der -Westmächte wiederum die Aufgabe heran, ihren Handel gegen die Barbareskenstaaten -zu schützen. So lange Jahr für Jahr starke englisch–holländische -Flotten im Mittelmeer waren, hatten diese die Aufgabe mitübernommen und<span class="pagenum"><a name="Page_593" id="Page_593">[593]</a></span> -durch abgezweigte Geschwader gelegentlich Verträge erzwungen. Derartige -Erfolge nützten aber, wie wir wissen, niemals auf längere Zeit, und so belästigten -die Raubstaaten von 1715 an den holländischen Handel wiederum auf das -ärgste. Sie hielten sich an einen Friedensvertrag von 1712 nicht gebunden, -da <b>Holland</b> die in diesem vereinbarte Auslösung von Sklaven nicht durchführte.<a name="FNanchor_282_282" id="FNanchor_282_282"></a><a href="#Footnote_282_282" class="fnanchor">[282]</a> -Bis 1720 wurden etwa 40 holländische Kauffahrer mit 900 Seeleuten -und 6 Millionen Gulden Ladungswert abgefangen; die Raubstaaten -hatten gegen 50 Schiffe, einige mit 40-50 Kanonen, im Dienst. Die Verhältnisse -lagen in Holland so traurig, daß man sich zunächst darauf beschränken -mußte, Freibeuter ausrüsten zu lassen und die alten, in den Kriegsjahren -vernachlässigten Bestimmungen über die Armierung der Levantefahrer -zum Selbstschutz wieder schärfer durchzuführen. Von 1718 an sandte -man jährlich eine Division von 3-4 Kriegsschiffen und erst von 1722 an -eine solche von 6-8, kleine Linienschiffe und schwere Fregatten, in die -bedrohten Gewässer; diese führten denn auch 1725 einen Vertrag mit Algier -und 1728 mit Tunis herbei. Doch hatte infolge der halben Maßregeln der -Handel weitere große Verluste erlitten und Marokko war noch nicht zum -Nachgeben gebracht. Dann wurden die Geschwader wieder kleiner, ja von -1732 an betätigte sich die Admiralität Amsterdam allein an dem Schutze gegen -Marokko; dieser Staat ging erst 1746 auf einen Vertrag ein.</p> - -<p>Auch <b>Frankreich</b> entsandte während der Regentschaft und in den ersten -Regierungsjahren Ludwigs XV. kleinere Geschwader, 1728 wurde Tripolis -bombardiert; sie errangen gleichfalls nur zeitliche Erfolge.</p> - -<p><b>Englands</b> Flagge scheint mehr geachtet gewesen zu sein; es waren -wohl stets genügend Kriegsschiffe auf der Station. Jedenfalls war es ein -Fehler, daß die drei Mächte, die während dieser Jahre in gutem Einvernehmen -standen, sich nicht zur Unterdrückung des Seeraubes verbanden. Es -scheint aber eher das Gegenteil der Fall gewesen zu sein, denn bei einer -besonderen Gelegenheit klagen die Holländer, daß sich ein von ihnen verfolgtes -Raubschiff in den Schutz englischer Kriegsschiffe geflüchtet habe.</p> - -<p>Ein <b>Angriff Spaniens auf Gibraltar</b> (1727) und der <b>Polnische Thronfolgekrieg</b> -(1733-1735) sollen im nächsten Kapitel (Seite <a href="#Page_596">596/597</a>) besprochen -werden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p593.jpg" width="150" height="82" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_280_280" id="Footnote_280_280"></a><a href="#FNanchor_280_280"><span class="label">[280]</span></a> Anschließend an »Der schwedisch-dänische Krieg 1675–1679, Seite <a href="#Page_394">394</a> ff.; -dort auch Quellennachweis, es tritt hinzu „Bridge“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_281_281" id="Footnote_281_281"></a><a href="#FNanchor_281_281"><span class="label">[281]</span></a> Hinweis auf diese Kriege siehe Seite <a href="#Page_247">247</a>, <a href="#Page_319">319</a>, <a href="#Page_409">409</a>. Hauptquellen: du Sein: -„The Ship“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_282_282" id="Footnote_282_282"></a><a href="#FNanchor_282_282"><span class="label">[282]</span></a> So sagt de Jonge, und zwar „wegen Geldmangels“ nicht durchführte. Diese -Quelle gibt (Teil IV) wie früher genauere Schilderungen über die Kämpfe.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_594" id="Page_594">[594]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p594.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Elftes Kapitel.</span><br /> -Die Zeit von 1721–1739.</h3> - -<h4>Übergang zum Abschnitt IV.</h4> - -<p>Die letzten Jahre unseres Abschnittes bringen keine Kriege, in denen die -Seestreitkräfte eine Rolle spielen; in den ersten zwölf Jahren nach Beendigung -des Nordischen Krieges herrschte überhaupt Friede. Dieser war -jedoch sehr unsicher, überall lag Zündstoff für zukünftige Zusammenstöße -angehäuft. Es genügt für unsere Zwecke, als Übergang zum nächsten Abschnitt -die Hauptpunkte hervorzuheben und die geschichtlichen Ereignisse -bis 1739, dem Ausbruch des nächsten großen Krieges, kurz zu schildern.</p> - -<p>Spanien mußte unzufrieden mit den Bedingungen sein, die ihm die -Quadrupel-Allianz 1720 aufgezwungen hatte. Sein Hauptkummer war, Neapel -und Sicilien an Österreich, Gibraltar und Port Mahon an England verloren -zu haben, sowie infolge des Assientovertrages durch den englischen Schmuggelhandel -in Westindien schwer benachteiligt zu werden. In all diesem war -England der Hauptfaktor, Spanien mußte in ihm seinen Hauptfeind sehen.</p> - -<p>Der Kaiser Karl VI. hatte, weil ohne männliche Nachkommen, unter dem -Titel „<em class="gesperrt">Pragmatische Sanktion</em>“ ein Erbfolgegesetz erlassen, nach -dem bei Mangel an männlichen Nachkommen die zur österreichischen Monarchie -gehörigen Länder nach dem Erstgeburtsrecht auf seine Töchter und ihre -Nachkommen, oder weiter auf die Töchter Josephs I. vererbt werden sollten; -er strebte nun dahin, für dieses Gesetz die Anerkennung der andern Staaten -zu gewinnen. Bei England und Holland hatte er aber durch die Gründung -einer ostindischen Handelskompagnie in Ostende großen Anstoß erregt. Diese -Staaten waren ja stets bemüht gewesen, einen Wettbewerb der bisher spanischen, -jetzt österreichischen Niederlande im Seehandel zu hindern; war doch -z. B. in allen Friedensbedingungen die Sperrung der Schelde für den Handel -stets aufrecht erhalten.</p> - -<p>Endlich lag eine Gefahr für den allgemeinen Frieden in den polnischen -Verhältnissen.</p> - -<p>Die Interessen der einzelnen Staaten führten zu verschiedenen, mehrfach -wechselnden Gruppierungen gegeneinander, die beständig den Frieden bedrohten.<span class="pagenum"><a name="Page_595" id="Page_595">[595]</a></span> -Wenn nun dieser dennoch so lange bestehen blieb, so war dies den -leitenden Staatsmännern Frankreichs und Englands zu danken.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Frankreich</em> regierte tatsächlich seit dem Tode des Regenten -und des Kardinals Dubois (1723) der <em class="gesperrt">Kardinal Fleury</em>, der Lehrer und -seit 1726 der Minister Ludwigs XV. Dieser wünschte den Frieden, vor allem -im westlichen Europa, zu erhalten, um seinem Lande die Gelegenheit zur -durchaus nötigen Erholung zu geben; vielleicht schreckte er auch infolge seines -hohen Alters vor einem Kriege zurück. Unter seiner siebzehnjährigen milden -Verwaltung blühte auch Frankreich wieder auf, insbesondere nahmen der -Seehandel und die Kolonien großen Aufschwung.</p> - -<p class="small">Frankreichs finanzielle Lage war nach dem Frieden von Utrecht noch bedenklicher -geworden. Kurz sei auf das berüchtigte <b>Wirken des Schotten Law</b> hingewiesen, der -sich anheischig gemacht hatte, die Staatsfinanzen zu heben: Er gründete 1716 eine -Bank auf Aktien und knüpfte daran 1717 eine Handelskompagnie für Louisiana. Große -Summen strömten herbei, da man dem Publikum vorgespiegelt hatte, das Tal des -Mississippi berge noch größere Reichtümer als Peru. Nun wurden bedeutende Beträge -an Papiergeld ausgegeben; es war nur darauf berechnet, den Leuten das bare Geld -abzulocken, wurde doch sogar verfügt, daß niemand mehr als 500 Lire an Bargeld besitzen -dürfe. Mit dieser Bank, seit 1718 Staatsbank unter Laws Leitung, und der neuen -Kompagnie vereinigte man 1719 die beiden alten Kompagnien für Westafrika und -Ostindien, nunmehr zusammen die „Compagnie des Indes“, auch wurde dem Institut -die Pachtung der Staatssteuern überlassen. Der künstlich in die Höhe getriebene Wert -der Aktien sank bald auf Null, das ganze Kartenhaus brach 1720 zusammen: Frankreich -war verschuldeter als vorher.</p> - -<p class="small">Immerhin nahmen infolge des wachgerufenen Spekulationsgeistes und der augenblicklichen -Fülle des Kapitals Handel und Industrie einen schnellen Aufschwung; die -Spannkraft des Volkes, das nicht mehr durch den Krieg ausgesogen wurde und nicht -mehr von der Welt abgeschnitten war, wirkte im gleichen Sinne. Seehandel und Kolonien -hoben sich: Gegenüber 300 Handelsschiffen beim Tode Ludwigs XIV. zählte die französische -Kauffahrteimarine 20 Jahre später 1800; in Westindien erlangte Frankreich -das Übergewicht über England, französische Quellen behaupten das gleiche vom Mittelmeerhandel; -in Ostindien wuchsen die Niederlassungen, Isle de Bourbon wurde eine -reiche Ackerbaukolonie und Isle de France ein wichtiger maritimer Stützpunkt — ein -französisch-indisches Reich, wie jetzt das englische, schien im Entstehen (vgl. Kapitel XII).</p> - -<p class="small">Gewiß hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses begünstigt; es ist -aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne gelegen hat, er hätte dann doch wohl -die Marine nicht verfallen lassen. Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf -den Kontinent gebannt; mit Recht sagen französische Autoren: „Die Regierung zog -sich gerade in dem Augenblicke von der See zurück, wo das Volk Anstrengung machte, -diese wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den nächsten großen -Seekriegen.“</p> - -<p><em class="gesperrt">In England</em> leitete seit 1721 <em class="gesperrt">Sir Robert Walpole</em> die Politik; -auch sein Bestreben war, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. -Ihn bestimmte, neben der Rücksicht auf friedliches Erstarken des Handels, -der Umstand, daß die englische Thronfolge noch immer nicht endgültig geregelt -schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine -persönliche Macht zu verlieren.</p> - -<p class="small">Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in auswärtige -Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover berührten. Schwieriger<span class="pagenumsmall"><a name="Page_596" id="Page_596">[596]</a></span> -war es unter dem kriegerischen Georg II., unter dem sich Walpole überhaupt zunächst -nur durch den Einfluß der Königin halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Königs -gewonnen hatte. Es gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien -(1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen Thronfolgekrieg fernzuhalten. -Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, -das nicht zögerte, jede bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurückzuweisen. -Einen Handelsstreit mit Spanien benützten endlich auch seine Gegner, ihn -in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen Rücktritt zur Folge -hatte.</p> - -<p>Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik -führte er England zu glänzendem materiellen Aufschwung; diese Politik -durchzuführen, ermöglichte ihm Englands Seemacht.</p> - -<p><b>1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf.</b> Österreich und Spanien -schlossen ein Bündnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die -pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete, -die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn nötig mit -Waffengewalt, zu unterstützen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, -3. September) England, Frankreich und Preußen (Preußen, um seine bedrohten -Erbansprüche auf Jülich und Berg sicherzustellen). Rußland zeigte -Neigung, mit Spanien-Österreich zu gehen, und auch Preußen wurde 1726 -auf diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion an; -dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Gründung der -Ostende-Kompagnie, sowie Dänemark und Schweden, beide Rußland fürchtend, -zu gewinnen. Zum erklärten Kriege kam es nicht. Spanien versuchte, -sich Gibraltars zu bemächtigen, jedoch die englische Flotte verhinderte es -und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten.</p> - -<p class="small"><b>England entsandte 1726 drei Geschwader:</b></p> - -<p class="small">1. 9 Linienschiffe an die spanische Küste, die dort vom Juli bis zum Herbst kreuzten</p> - -<p class="small">2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee (April-November), -um Dänemark und Schweden zu schützen; Rußland hatte eine starke Flotte unter -Generaladmiral Apraxin in Kronstadt zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich -ein dänisches Geschwader und mit Rücksicht auf diese Macht ließ sich Rußland bewegen, -wieder abzurüsten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber -dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom selbstmörderischen -Kampfe gefolgt sein.</p> - -<p class="small">3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den Kräften -der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien Anfang Juni bei Porto Bello. -Infolgedessen löschte die schon beladene Silberflotte wieder und die zur Begleitung -bestimmten Kriegsschiffe legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien für mehrere -Jahre völlig blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten -(Walpoles strenge Friedenspolitik).</p> - -<p class="small">Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhältnisse jener -Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche Sterblichkeit. In den ersten -zwei Jahren starben die Admirale Hosier und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate -nach seinem Eintreffen, 7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere -und Mannschaften.</p> - -<p class="small"><b>Spanien greift 1727 Gibraltar an.</b> Dieses Vorgehen in Westindien empfand -Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte Gibraltar anzugreifen; -früh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die Belagerung. Zum Entsatz erschien im<span class="pagenumsmall"><a name="Page_597" id="Page_597">[597]</a></span> -Februar Admiral Wager mit 8 Linienschiffen, darunter 5 zu 70–80 Kanonen. Er führte -viel Munition und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon -5 Linienschiffe sowie 2 Mörserboote an. Truppen und Vorräte wurde gelandet, die Belagerungsarbeiten -durch die Mörserboote und kleinere Fahrzeuge unter flankierendes -Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte Wager in der Straße und vor Cadiz und brachte -viele Schiffe auf. Der Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von -Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen, setzte Wager -seine Gewaltmaßregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728 wurde Frieden geschlossen; -beschleunigt, als England eine Verstärkungsflotte rüstete.</p> - -<p class="small"><b>In den nördlichen Gewässern</b> wurden in diesen Jahren gleichfalls Streitkräfte für -den Fall bereitgehalten, daß der Krieg mit Österreich ausbrechen sollte, sowie überhaupt -zu Demonstrationen. Hieran beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren -beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen ließ; 1729 vereinigten sich 8 Linienschiffe -und 4 schwere Fregatten mit 21 engl. Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner -eine englische Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Rußland in der Ostsee.</p> - -<p>Diese mehrjährige Spannung endete damit, daß der spanisch-österreichische -Bund gelöst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen -Kompagnie in Ostende; Spanien ließ (Vertrag von Sevilla 1729) -seine Ansprüche auf Gibraltar und Port Mahon endgültig fallen.</p> - -<p><b>1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus.</b> Nach dem Tode Augusts II. -wurde in Polen wiederum <em class="gesperrt">Stanislaus Leszczynski</em> zum König -erwählt. Rußland und Österreich erkannten ihn nicht an, sondern traten -für <em class="gesperrt">August</em> III. auf, wofür dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; -die Russen rückten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis -des Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; -der gemeinsame Haß gegen Österreich führte diese natürlichen Verbündeten -jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schloß sich in der Hoffnung an, -Mailand zu gewinnen. Die Verbündeten sicherten sich Englands und Hollands -Neutralität durch das Versprechen, die österreichischen Niederlande nicht -erobern zu wollen; im Oktober erklärten sie den Krieg an Österreich und griffen -an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die Franzosen Lothringen -und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die Lombardei bis Mantua. Der -König Stanislaus konnte sich jedoch in Polen nicht halten; <em class="gesperrt">eine beabsichtigte -Unterstützung seitens der Franzosen -über See</em> unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands fürchtete.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Stanislaus</em> wurde bald durch den russischen General Münnich in <em class="gesperrt">Danzig</em> -eingeschlossen. <em class="gesperrt">Fleury</em> hatte den Befehl zur Ausrüstung von 34 Linienschiffen in -Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin übernahm den Befehl über die sich bildende -Flotte. Dieser machte sich anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches -Geschwader erschiene; ein solches war tatsächlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit -seinem Befehle nur der öffentlichen Meinung ein Zugeständnis machen wollen; er hütete -sich, England, das trotz seiner Neutralität eine große Flotte zusammengezogen hatte, -durch tatkräftiges Auftreten zur See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division -mit 1500 Soldaten und sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese ließ -sich dann durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dänischen Gewässern -zurückhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl französischer Edelleute -erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte blockiert, mußte nach -tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der König rettete sich durch Flucht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_598" id="Page_598">[598]</a></span></p> - -<p>Schon 1735 wurde ein <em class="gesperrt">Präliminarfrieden zu Wien</em> (definitiv -1738) geschlossen: August III. wurde als König von Polen anerkannt; Stanislaus -erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen -sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige -Herzog von Lothringen erhielt Parma; Österreich mußte seine süditalienischen -Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn des Königs von -Spanien abtreten.</p> - -<p><b>Der Bourbonische Familienvertrag.</b> So hatte Walpoles Friedenspolitik -England dahin geführt, einen alten Verbündeten, Österreich, preiszugeben, -und sein Lohn war, daß der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als -<em class="gesperrt">Königreich beider Sicilien</em>, in bourbonische Hände und damit -unter den Einfluß Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst -von Fleury verraten. In dem Vertrage zwischen den Häusern Bourbon war -nämlich <b>eine geheime Klausel</b> folgenden Inhalts aufgenommen: „Wenn es -Spanien und Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die -Mißbräuche, die sich besonders durch die Engländer in den Handel eingeschlichen -haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem widersetzen -sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen Auftreten mit allen -Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen.“ Bei dem gespannten Verhältnis -zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen den Keim -zu den baldigen großen Kriegen zwischen England und dem Hause Bourbon in -sich.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Spannung zwischen England und Spanien</em> blieb -aber auch nach dem Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von -Reibungen in Handelsinteressen beständig zu. So sandte z. B. England 1735 -eine Flotte nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, -weil der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der -Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige -Beschränkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen -Ländern, während das Mutterland selber nicht für ihre Bedürfnisse sorgte, -mußte zum Schmuggelhandel führen. Diesen betrieben besonders die Engländer, -indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmäßigen -Handel einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite <a href="#Page_576">576</a> und <a href="#Page_601">601</a>). Der -Zustand war den Kolonisten günstig und wurde von ihnen, sogar von den Gouverneuren, -gefördert, aber die Regierung erlitt Verluste und fühlte sich verletzt; -sie ergriff Maßregeln zu strengerer Überwachung. Hierbei ging sie oft zu schroff, -ungesetzmäßig und grausam vor, aber auch die englischen Seefahrer -führten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer früheren großen Freibeuter: -„no peace beyond the line.“ Wir werden im nächsten Abschnitt näher hierauf -eingehen; hier genüge es, zu sagen, daß gerade Reibungen dieser Art, von den -Widersachern Walpoles noch geschickt benutzt, das englische Volk <b>1739</b> bis -zur <b>Kriegserklärung gegen Spanien</b> brachten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_599" id="Page_599">[599]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p599.jpg" width="600" height="128" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zwölftes Kapitel.</span><br /> -Die Kolonien von 1648–1740.<a name="FNanchor_283_283" id="FNanchor_283_283"></a><a href="#Footnote_283_283" class="fnanchor">[283]</a></h3> - -<p>Wir haben die Gründung der Kolonien im Abschnitt II (Seite <a href="#Page_57">57–90</a>) bis -etwa 1648 verfolgt und im Abschnitt III bei der Schilderung der Seekriege -die Kämpfe dort soweit erwähnt, als sie taktisch und strategisch wichtig oder -auf den Verlauf des Krieges von größerem Einfluß gewesen sind; beides war -nur in geringem Maße der Fall. In den Kriegen der zweiten Hälfte des -18. Jahrh. aber bleiben die Ereignisse in den fernen Gewässern nicht mehr nur -Ausläufer des in Europa ausgefochtenen Entscheidungskampfes, die Kolonien -hatten an Bedeutung gewonnen. Es handelt sich jetzt um die Seeherrschaft -in weiterem Sinne: um den Einfluß auf fremde Länder, den Besitz von -Kolonien und die von ihnen abhängige Vermehrung des Nationalwohlstandes -der Staaten.</p> - -<p>Um ihre überseeischen Verhältnisse — nämlich Umfang, Wert und innere -Kraft ihrer Besitzungen dort — zu Beginn des nächsten Abschnittes kennen -zu lernen, soweit dies für unsere Zwecke nötig ist, muß ein Überblick über die -Geschichte der Kolonien von 1648–1740 gegeben werden.</p> - -<h4>Mittel- und Südamerika. Westindien.</h4> - -<p><b>Spanien.</b> Es ist früher (Seite <a href="#Page_69">69</a> ff.) die Kolonialpolitik Spaniens in -großen Zügen gekennzeichnet und auch auf ihren ungünstigen Einfluß hingewiesen -worden; diese Verhältnisse blieben die gleichen, ja sie gestalteten -sich noch ungünstiger.</p> - -<p class="small">Zimmermann (Band I, Seite 355) leitet den Abschnitt „Die Entwicklung der -spanischen Kolonien von 1600–1800“ mit den Worten ein: „Die spanische Kolonialpolitik -nimmt nach Beendigung der großen Zeit der Eroberungen von Jahr zu Jahr -einen einförmigeren Charakter an, die Verwaltung der einzelnen Kolonien verknöchert -immer mehr, die Mißbräuche nehmen ohne Unterlaß zu und Spanien erweist sich als -nicht fähig, die reichen Gebiete seines überseeischen Besitzes zu einer ihren natürlichen -Anlagen entsprechenden Entwicklung zu bringen“.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_600" id="Page_600">[600]</a></span></p> - -<p>Die Verwaltung der Länder bezweckte weiter nur,. möglichst viel Geld -aus ihnen zu ziehen, aber nie genügten die eingegangenen Beträge der Regierung -in Spanien. Dies führte zur Auspressung aller Rassen, zu ungesetzlichem -Arbeitszwang der Indianer, und hierbei arbeiteten die Beamten auch -noch in ihre eigenen Taschen; sie waren aber durch schlechte Besoldung zu -Bestechlichkeit und Veruntreuung verführt, ja gedrängt worden. Die Erpressungen -riefen Aufstände hervor, besonders der Farbigen. Verschiedene -Reformversuche durch Entsendung tüchtiger und zuverlässigerer höherer -Beamten hatten keinen, oder doch keinen dauernden Erfolg, da die gefährdeten -Beamtenkreise usw. diesen entgegenarbeiteten, sogar innere Unruhen -herbeiführten. Dies und die Beschränkung des Handels hinderte die volle -Entwicklung und lähmte die Kraft der Kolonien gegen äußere Feinde, wenn -auch die Bevölkerung zunahm. Da nun auch das Mutterland keinen genügenden -Schutz gewähren konnte, so waren Handel und Küsten der Kolonien -in der fast ununterbrochenen Kriegszeit von 1648 an wie in dem Jahrhundert -vorher den Angriffen der Feinde Spaniens ausgesetzt; wir haben die Hauptereignisse -kennen gelernt.</p> - -<p>Oft war dann der Verkehr mit Europa völlig unterbrochen, aber auch -in Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung möglich. Das Seeräuberunwesen -wuchs während des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680 sollen gegen -10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt- aber nicht alleinigen -Sitz, gewohnt haben.</p> - -<p class="small">Sie hausten nicht nur auf See, sondern plünderten auch die Küsten. Fast in jedem -Jahre unternahmen sie größere Züge, so z. B.: 1662, 1665, 1668 Einfälle in Kuba; Plünderungen -von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya, Leon, Realeja 1685, von Guayaquil -1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u. a. m. Oft wurden sie von den Engländern -oder Franzosen unterstützt, von den erstgenannten z. B. bei den Einfällen in Kuba; -wir sahen sie auch an Kriegszügen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche -der Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gänzlich zu zerstören, hatten selten -und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch den Engländern lästig fielen, -wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des 18. Jahrh.).</p> - -<p>Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil aus -dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden und -der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevölkerung und ihrer -Bedürfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in Kriegszeiten, -wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und die -Überwachung nicht streng durchgeführt werden konnte. Als im Spanischen -Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen Kolonien mitübernommen -hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum Handel mit ihnen. -Nach dem Frieden von Utrecht hörten die Angriffe auf und, da gleichzeitig -auch die Seeräuber mehr im Zaum gehalten wurden, konnten die Kolonien -aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der Beteiligung der Fremden -am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt wurde der unerlaubte -Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag (siehe Seite <a href="#Page_576">576</a>) begünstigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_601" id="Page_601">[601]</a></span></p> - -<p class="small">Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages über die Negereinfuhr nach Kuba, -Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage und Bedürfnisse der -Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den Stand, massenhaft verbotene -Ware einzuführen; besonders das Recht Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello -zu senden, begünstigte den Schleichhandel. Alle Gegenmaßregeln der spanischen -Regierung fruchteten nicht, die Beamten ließen sich bestechen und die Kolonisten -begünstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drückten gern ein Auge zu.</p> - -<p>Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, -so war die Zahl der Durchschlüpfenden doch größer, und in wenigen Jahren -rissen die Engländer den ganzen Handel an sich. Für die Kolonien war dies vorteilhaft, -ihr Handel blühte auf, aber die Regierung und das Mutterland wurden -arg geschädigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelöst und gleichzeitig dem -Verkehr mehr Freiheit gewährt wurde, betrug der Umfang des Handels -zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon entfielen 224 auf den -englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also nur 22%. Das waren -die Früchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik.</p> - -<p>Soviel über die Verhältnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. -Auf den Inseln <em class="gesperrt">Kuba</em>, <em class="gesperrt">Haiti</em>, <em class="gesperrt">Portorico</em> stand es noch ungünstiger, -denn diese waren bei weitem nicht so bevölkert als die Festlandskolonien, da -hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande -weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten ausgesetzt. -Sie wurden bald von den französischen und englischen Inseln überholt. Um -die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) -40000 Einwohner aller Farben. Kuba exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak -und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche hiermit die Angaben für die englischen -und französischen Besitzungen. Das doch nur schwach bevölkerte Spanisch-Haiti -brachte nicht genug für den eigenen Bedarf hervor und mußte von -Mexiko unterstützt werden, während Französisch-Haiti (nur 1/5 der Insel -aber mit gegen 300000 Einwohnern, worunter 40000 Weiße) mehr als 6 Millionen -Francs abwarf.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien besaß</em> 1740 <em class="gesperrt">in Amerika</em>: Die Vizekönigreiche -Mexiko und Peru, die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), -Neu-Granada (mit Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und -die Inseln Kuba, Portorico, Haiti (4/5). <em class="gesperrt">Verloren hatte es</em> im letzten -Jahrhundert: Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil -von Haiti, 1659 von Frankreich besetzt und 1677 als französischer Besitz -anerkannt; verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder -gar nur beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Völker übergegangen -waren. Jamaica war, als wichtiger Stützpunkt für die westindischen -Gewässer und auch gegen die Festlandsküste, ein schwerer -Verlust.</p> - -<p><b>England</b> hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige -Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite <a href="#Page_85">85</a>) sowie 1655 den Spaniern -Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich der Besitz -und man kann wohl sagen, daß alle Inseln gediehen, besonders als die früh<span class="pagenum"><a name="Page_602" id="Page_602">[602]</a></span> -begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. großen Umfang annahm. Einige Angaben -mögen dieses veranschaulichen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Barbados</em>: Nach dem mißlungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die -Insel in den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre -Milizen hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen französische Besitzungen. -Zuckerindustrie und Handel blühten schnell auf; 1656 zählte -man 25000 weiße Einwohner und einen jährlichen Verkehr von 100 Schiffen; -1753 bestand die Bevölkerung aus 20000 Weißen sowie 69000 Negern und -200000 Ztr. Zucker wurden ausgeführt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jamaica</em>: Es war anfangs schwierig, festen Fuß zu fassen, da die mit -ihren Negern in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten die Ansiedlungen -bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche abgeschlagen -werden mußten; erst im Jahre 1660 räumten die letzten Spanier die Insel; -mit den Negern in den Bergen („Maroons“ genannt), die stets weiter durch -entlaufene Sklaven verstärkt wurden, mußte noch 150 Jahre gekämpft werden. -Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner Anhänger ein; es wurde besonders -Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber auch Seeraub, betrieben. -Ein berühmter Flibustier, Morgan, führte sogar eine Zeitlang die Geschäfte -des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn teilgenommen haben. 1673 -zählte man 8500 Weiße und 9500 Neger, der Zuckerrohrbau erreichte hier -die höchste Blüte. 1694 wurde die Insel von den Franzosen geplündert. -Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs die Negereinfuhr sehr; von -1709–1775 sind 472700 Sklaven eingeführt worden. 1744 betrug der Wert der -Einfuhr von England 150000 Lstrl., der der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 -Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man vergleiche dies mit den Angaben über -Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren 12700 Weiße, 4000 freie Neger und -19200 Sklaven auf der Insel.</p> - -<p><em class="gesperrt">St. Christopher</em> (St. Kitts), 1625 von Engländern und Franzosen -gemeinsam besiedelt, hatte während der Kriege viel zu leiden, da die beiden -Völker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten; erst 1713 -ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands über und blühte nun schnell -auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weiße und 10000 Neger vorhanden. -Von hier aus hatten die Engländer noch im 17. Jahrh. verschiedene -der Leewardinseln in Besitz genommen: <em class="gesperrt">Nevis</em>, <em class="gesperrt">Antigua</em>, <em class="gesperrt">Montserrat</em>. -Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen 3500 Weiße, 27000 -Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die Virgin-Inseln besiedelt. -Wie St. Christopher, so hatten auch die andern Leewardinseln während der -Kriege unter dem wechselnden Waffenglück zu leiden.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Bermudas</em>, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie -zählten 1750 gegen 6400 Weiße und 5000 Neger. Auf den <em class="gesperrt">Bahamas</em> ließen -sich die Engländer 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die Spanier, -1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwüstet, blieben die -Inseln lange ein Sitz von Seeräubern und entwickelten sich erst langsam -nach einer Strafexpedition 1717.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_603" id="Page_603">[603]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Auf dem Festlande</em> war der englische Besitz nur gering. Versuche, -sich an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang -es, eine Ansiedelung in <em class="gesperrt">Belize</em> zu gründen, die von Jamaica aus geschützt und -1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte König der -Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige <em class="gesperrt">Britisch-Honduras</em>). -Die Niederlassungen in <em class="gesperrt">Guayana</em> — 1652 gegründet, 1654 -durch Eroberung von französischem und 1665 von holländischem Besitz dort -erweitert — waren 1664 und 1667 wieder geräumt worden.</p> - -<p><b>Frankreich</b> hatte unter <em class="gesperrt">Richelieu</em> begonnen, in Westindien Niederlassungen -zu gründen (Seite <a href="#Page_90">90</a>), zuerst auf St. Christopher. 1635 wurden -der Compagnie des îles de l'Amérique sämtliche zu kolonisierenden Inseln -zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen; der -König setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft verpflichtete -sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen anzusiedeln. Man wollte -die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfähige Kolonien gründen, allerdings -sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach Frankreich senden und nur von dort -ihre Bedürfnisse beziehen. Von 1635–1651 waren in Besitz genommen: -<em class="gesperrt">Guadeloupe</em>, <em class="gesperrt">Martinique</em>, <em class="gesperrt">Marie Galante</em>, <em class="gesperrt">St. Martin</em>, -<em class="gesperrt">Les Saintes</em>, <em class="gesperrt">St. Croix</em>. Französische Abenteurer setzten sich auf -Tortuga fest, gingen von hier nach der Westküste Haitis hinüber und gründeten -die Kolonie <em class="gesperrt">St. Domingue</em>.</p> - -<p class="small">Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war genötigt, aufgegriffene Bettler -und Arbeitsscheue, ja Sträflinge, hinzusenden, sogenannte Engagés, die die ersten -drei Jahre nur für freie Station arbeiten mußten. Protestanten wurde die Einwanderung -nicht gestattet, obgleich solche wohl gerade Neigung gehabt hätten, wie auch von England -gern Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch England -litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich mußte besonders -die Hinneigung der Hugenotten zu den Holländern und Engländern fürchten. 1642 -zählte man 7000 Weiße auf den französischen Antillen.</p> - -<p>Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze -Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie nachstehende -Angaben zeigen werden. Sie überstanden den Niedergang des französischen -Seewesens während der Frondezeit; der Handel ging zwar in englische -und holländische Hände über, die Kompagnie mußte ihren Besitz -an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. <em class="gesperrt">Colbert</em> -versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunächst auf dem Wege -Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales, -erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Südamerika sowie in -Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden, -zeigte sich aber auch nicht leistungsfähig: Es mangelte an Mitteln, weil das -französische Kapital noch kein Vertrauen zu überseeischen Unternehmungen -hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu hohe Preise. -Unruhen waren die Folge und Engländer wie Holländer versuchten in den -Kriegen 1665–1667 und 1672–1678 sich der Kolonien zu bemächtigen. -Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung übernahm selber die Verwaltung,<span class="pagenum"><a name="Page_604" id="Page_604">[604]</a></span> -Gesellschaften wurden nur für Handel zugelassen. Es war dies also ein -vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht eigentlich im Sinne -Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien für das Mutterland nutzbar -zu machen, schärfer durchführen konnte. Er gab den Handel für alle Franzosen -frei, schloß die Fremden aber noch strenger aus; er bestimmte nach -den Bedürfnissen Frankreichs, was gebaut werden sollte (Zucker, Tabak, -Farbhölzer, Kakao); er sorgte für stärkere Negereinfuhr, aber nur durch -Franzosen. 1683 hatte Französisch-Westindien 40000 weiße Einwohner und -erzeugte schon Zucker über Frankreichs Bedarf. Nach Colberts Tode ging die -Einwohnerzahl zurück infolge der durch die Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung -holländischer Juden und der harten Behandlung der Hugenotten, -deren beider Einwanderung Colbert begünstigt hatte. Dies war um so empfindlicher -für die Kolonien, weil gerade der Krieg 1688–1697 ausbrach und -neue Angriffe der Engländer brachte. Der Wohlstand litt beträchtlich, weil -die Verbindung mit dem Mutterlande meist unterbrochen war und auch die -Negereinfuhr stockte. Der Krieg 1702–1713 hatte ähnliche Schwierigkeiten -im Gefolge. Martinique, Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, -wie wir wissen, in den Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt.</p> - -<p>Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung, -besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten weiter -gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des französischen -Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent, <em class="gesperrt">Philipp von -Orleans</em>, griff durch die Gründung eines Conseil de Commerce bessernd -ein; die Gründungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die Compagnie -des Indes), die friedliche Politik <em class="gesperrt">Fleurys</em> äußerten ihre Wirkung. Wenn -auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete, wodurch sogar Unruhen -hervorgerufen wurden, trotz verschiedener Negeraufstände und obgleich -der Seeraub noch nicht ganz aufhörte, wuchsen Bevölkerung und Wohlstand -ganz ungemein. 1754 zählte Martinique 24000 Weiße (60000 Neger), -Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000 (230000). Die französische -Bevölkerung Westindiens war also der englischen weit überlegen, -von der spanischen gar nicht zu reden; die Ausfuhr hatte einen Wert von -150 Millionen Lire, der Seehandel beschäftigte 500 Schiffe.</p> - -<p><em class="gesperrt">Auf dem Festland</em> besaß Frankreich, seit 1664, nur <em class="gesperrt">Cayenne</em>, -kurze Zeit 1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; -1730 gab es hier 20 Zuckerfabriken und große Kaffeeplantagen.</p> - -<p><b>Holland</b> besaß in Westindien nur <em class="gesperrt">Curaçao</em> mit seinen kleinen Nebeninseln -und von den Antillen <em class="gesperrt">St. Eustache</em>, <em class="gesperrt">Saba</em>, sowie die Hälfte -von <em class="gesperrt">St. Martin</em> und auf dem Festlande <em class="gesperrt">Surinam</em>. Hollands Versuch, -in Brasilien ein größeres Kolonialreich zu gründen, war gescheitert, wie wir -wissen (vgl. Seite <a href="#Page_88">88</a>, Seite <a href="#Page_198">198</a>).</p> - -<p><b>Dänemark</b> hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln <em class="gesperrt">St. -Thomas</em> und <em class="gesperrt">St. John</em> 1733 noch <em class="gesperrt">St. Croix</em> von Frankreich durch -Kauf erworben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_605" id="Page_605">[605]</a></span></p> - -<p><b>Portugal</b> besaß <em class="gesperrt">Brasilien</em>. Bei der Schilderung der Kriege haben -wir gesehen, daß diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals und -auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt gewesen ist: -insbesondere denen der Engländer 1586–1604 (Seite <a href="#Page_134">134</a>), der Holländer -1604–1640 (Seite <a href="#Page_88">88</a>), der Franzosen im Spanischen Erbfolgekriege (Seite <a href="#Page_556">556</a>). -Über die inneren Verhältnisse der Kolonie genügt es, zu sagen, daß sie ähnlich -wie in den spanischen lagen: Ausbeutung und Unterdrückung jeder Selbständigkeit -im geistigen und wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; -Ausschluß der Fremden; grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der -Kolonisten trotz aller Gesetze und aller Bemühungen der Jesuiten. Die Folge -dieser Schäden waren häufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald -wichtig für das Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an -Zucker und Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in -größerer Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand.</p> - -<h4>Nordamerika.</h4> - -<p><b>England</b> hatte um 1648 die Küste von Virginia bis Maine besiedelt -(Seite <a href="#Page_85">85</a>), das diese Strecke unterbrechende holländische Neuniederland -war 1664 erobert (Seite <a href="#Page_252">252</a> und Seite <a href="#Page_350">350</a>). 1663 wurde Karolina in Besitz -genommen und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England -Acadia (mit Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung -Georgias. Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der -heutigen Union <em class="gesperrt">die 13 englischen Kolonien</em>, die sich später lossagten, -nämlich: <em class="gesperrt">die vier nördlichen Kolonien</em>, die sogenannten -<em class="gesperrt">Neuenglandstaaten</em> New Hampshire, Massachusetts mit Maine, -Connecticut, Rhode-Island; die <em class="gesperrt">fünf mittleren</em> New York, New Jersey, -Delaware (die früher holländischen Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; -die <em class="gesperrt">vier südlichen</em> Virginien, Nord- und Süd-Karolina, Georgia.</p> - -<p>Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer -wachsende Einwanderung an Umfang, Bevölkerung und Wohlstand ungemein -zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur -in fast ununterbrochenen Kämpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stämmen -der Küste), die sich bald der Ausdehnung hartnäckig entgegensetzten -und zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kämpfen mit den -französischen Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter -sich, ehe die Grenzfragen einen gewissen Abschluß gefunden hatten, sondern -auch wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.<a name="FNanchor_284_284" id="FNanchor_284_284"></a><a href="#Footnote_284_284" class="fnanchor">[284]</a></p> - -<p>Den älteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbständige Verwaltung -zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder -Vereinigungen gegründet waren — Massachusetts (Puritaner), Connecticut, -Rhode-Island — aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren<span class="pagenum"><a name="Page_606" id="Page_606">[606]</a></span> -(Eigentümerkolonien) — Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von -York), Pennsylvanien (William Penn) —, sowie denen, die frühzeitig Kronkolonien -wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen wählten den Rat des -Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten -nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die Kolonien -von sich abhängiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II. und -Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie für England -oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und Wandel, Unzufriedenheit, -selbst Unruhen waren die Folge.</p> - -<p class="small">Der Hauptkampf der Regierung ging naturgemäß gegen die Staaten mit der freiesten -Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die später in erstem aufgegangenen -New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien waren ohne jede Beihilfe der Regierung -gegründet und hatten sich schon zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. -1686 ernannte Jakob II. einen Generalgouverneur über sie sowie über -Newyork, das schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und Newyersey; -gewaltsam wurden die alten Freibriefe überall eingezogen.</p> - -<p>1688 war die Freiheit der Kolonien in großer Gefahr, sie begrüßten daher -den Sturz Jakobs II. als eine Erlösung; überall verjagte man die Gouverneure -und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu verschaffen. Aber die -Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt allmächtige Parlament -setzte, wurden nur in geringem Maße erfüllt. Kein englischer Staatsmann -war geneigt, den Kolonien die alte Selbständigkeit wiederzugeben, man -brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus ihnen bezogen hatte. -Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der Opposition, wurde zwar -durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia vergrößert, aber nach -einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein Rat vom Könige ernannt; -der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte, ohne seine Genehmigung durften -keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet werden. Die wichtige Kolonie -kam so in fast gleiche Lage wie die bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte -man auch bald sämtliche Eigentümerkolonien, indem man Verlegenheiten -der Besitzer benutzte. Den noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. -Connecticut und Rhode-Island, ließ man mehr Freiheiten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Handel und Schiffahrt blieben beschränkt</em>: Nur in England -oder in den Kolonien gebaute, in englischem Eigentum befindliche und mit Engländern -bemannte Schiffe sollten zum Handel zugelassen werden; der Absatz der Erzeugnisse -war nur in England oder durch dessen Vermittlung gestattet. Die Ausfuhr von Wolle -war ganz verboten, die von Holz beschränkt; zu Masten geeignete Bäume durften nur -mit königlicher Erlaubnis gefällt werden. Die Eisenbearbeitung war begrenzt, die -Errichtung von Hochöfen untersagt und dgl. Man wachte eben darüber, keine Industrie -aufkommen zu lassen, um die des Mutterlandes zu schützen und ihren Absatz in den -Kolonien zu fördern. Das Parlament nahm auch weiter das Besteuerungsrecht in -Anspruch. Die Kolonien bestritten es aber ernstlich, weil sie nicht im Parlament -vertreten seien; diese Auffassung brachten sie auch dadurch zum Ausdruck, daß sie alle -aus England kommenden Vorschriften erst durch die eigenen Parlamente zum Gesetz -erhoben. Zölle und Schiffahrtsabgaben ließen sie sich allenfalls gefallen, gegen direkte -Steuern würde sich jedenfalls allgemeiner Widerstand erhoben haben; die Regierung -sah dies auch ein. Die Folge der Handelspolitik Englands war eine stete Verschlechterung<span class="pagenumsmall"><a name="Page_607" id="Page_607">[607]</a></span> -der amerikanischen Geldverhältnisse. Die Kolonien waren dem Mutterlande tief verschuldet. -Von dort erhielten sie reichlichen Kredit zu Unternehmungen aller Art, da -sie aber bei dem Handelsverbot aus anderen Ländern kein Geld bekamen und die Schulden -in England nicht immer mit ihren Erzeugnissen decken konnten, entstand bald Mangel -an barem Gelde. Während der Kriege vor und nach 1700 mußte Papiergeld ausgegeben -werden; dieses verdrängte bald das Metallgeld, sank tief im Kurse, und der Handelsverkehr -wurde durch den unsicheren Wert der Zahlungsmittel sehr beeinträchtigt.</p> - -<p>Trotz aller Hindernisse schritt die Entwicklung stetig fort. Schon um -1688, zur Zeit des ersten größeren Krieges um Kanada (vgl. Seite <a href="#Page_473">473</a>), zählte -das englische Nordamerika gegen 200000 weiße Einwohner, zur Zeit des -zweiten Krieges (1702, vgl. Seite <a href="#Page_565">565</a>) 260000. Hierzu kamen in den südlichen -Staaten Negersklaven, doch war die Zahl noch gering, in Virginia zählte -man um 1671 etwa 2000 und 1700 etwa 6000; in den nördlichen Staaten dienten -nur sehr wenige auf den Farmen, da die Regierung die Einführung hinderte. -Auch der Landbesitz nahm stetig zu, die Indianer wurden immer weiter zurückgedrängt. -Im Westen erstreckten sich um 1730 die Farmen bis über die Berge -westlich der Neuenglandstaaten, 1724 war das erste Fort (Dummes) im späteren -Staate Vermont errichtet. Handel, Schiffbau und Schiffahrt wuchsen: 1738 -wurden in Boston allein 38 Schiffe erbaut; 400 Schiffe besorgten jährlich die -Ausfuhr Philadelphias, 200–300 die Charlestowns (Karolina). 1744, bei Beginn -des ersten Krieges um Kanada im nächsten Abschnitt, kann man mit einer -Gesamteinwohnerzahl der englischen Kolonien von 1200000 Seelen, darunter -eine Million Weiße, rechnen; auf die 4 Neuenglandstaaten kamen allein -400000 Weiße.</p> - -<p class="small">Für 1756, Ausbruch des letzten Krieges um Kanada, liegen genauere Angaben vor. -Die Neuenglandstaaten zählten 425000 Weiße, 11000 Neger; die mittleren Staaten -457000 bezw. 71000; die Südstaaten 283000 bezw. 178000. Ganz Englisch-Nordamerika -also 1200000 Weiße und 260000 Neger. Man sieht die ungeheure Zunahme -der Sklaven, Virginia besaß allein 120000; hier war eine Klasse reicher Plantagenbesitzer -von hohem Selbstbewußtsein entstanden.</p> - -<p>In den englischen Niederlassungen war jene Form der Kolonisation zur -höchsten Entfaltung gekommen, die England eigentümlich ist: Eine Gemeinschaft -freier Männer, im wesentlichen sich selbst regierend und auf sich -selbst angewiesen, dabei aber mit Begeisterung am alten Vaterlande hängend. -Der Beschäftigung nach waren die Kolonisten Ackerbauer, Kaufleute und -Seeleute zugleich; in der Beschaffenheit ihres Landes und seiner Erzeugnisse, -in seiner langen Küste mit geschützten Häfen hatten sie alle Elemente -der Seemacht vereinigt und auch schon viel für deren Entwicklung getan; -äußerst eifersüchtig waren sie auf Franzosen und Kanadier. In einem solchen -Lande und in einer solchen Bevölkerung hatten die englische Marine und -Armee in den nächsten Kriegen eine sichere Grundlage auf der westlichen Halbkugel.</p> - -<p class="small">Allerdings wurden die Kolonisten immer unzufriedener mit den Maßnahmen der -Regierung. Der Interessengegensatz der sich immer stärker bevölkernden Neuenglandstaaten -zum Mutterlande wuchs von Jahr zu Jahr. Er wurde dadurch verstärkt, daß -viele Einwanderer aus Irland, Deutschland usw. kamen, die durch keine Bande an<span class="pagenumsmall"><a name="Page_608" id="Page_608">[608]</a></span> -England gefesselt waren; die erstarkende Presse schürte und wurde von der öffentlichen -Meinung in Schutz genommen. Immer selbstbewußter wurden die Kolonien, immer -energischer beanspruchten sie die alten Freiheiten; schon 1705 sagten Stimmen in -England voraus, daß sie sich einst freimachen würden. Noch waren sie aber nicht zum -Abfall reif, noch waren sie zu stolz auf die Macht des Mutterlandes und auch noch zu -sehr in Sorgen wegen der Indianer und der Franzosen in Kanada.</p> - -<p>Für <b>Frankreich</b><a name="FNanchor_285_285" id="FNanchor_285_285"></a><a href="#Footnote_285_285" class="fnanchor">[285]</a> lagen die Verhältnisse in Nordamerika ganz anders. Wir -hörten, daß die Ansiedlung in <b>Acadia</b> und <b>Kanada</b> (Quebec) nur geringe Fortschritte -machte (Seite <a href="#Page_89">89</a>). Die unter Richelieu gegründete Gesellschaft -hatte nur den Pelzhandel im Auge; sie vergab zwar weite Landstrecken an -Unternehmer, um sie zu besiedeln, aber infolge der Einschränkung der Kolonisten -durch die Vorrechte der Kompagnie fanden sich nur wenig Einwanderer. -Jesuiten dagegen gründeten Stationen zur Bekehrung der Huronen am St. -Lorenz- und am Ontario-See. 1642 zählte Kanada nur erst einige Hunderte von -Ansiedlern. Sie hatten viel zu leiden von den Angriffen der Irokesen zwischen -dem Hudson und dem Erie-See, die besonders von den englischen Ansiedlungen -aufgehetzt wurden, als auch diese die Franzosen zu belästigen anfingen; -ständige Reibungen zwischen den Jesuiten, später dem Bischof und -der Verwaltung traten hemmend für die Entwicklung hinzu. 1663 gab die -Kompagnie ihre Rechte und Pflichten an die Krone zurück. Die Regierung -lag nun in der Hand eines Conseils, das aus dem Gouverneur, dem Bischof, -dem höchsten Verwaltungs- und Justizbeamten sowie einigen Ansiedlern -bestand. Die ersten Gouverneure waren tüchtige Männer, sie schränkten die -Macht der Geistlichkeit ein und hielten die Irokesen in Schranken. Die Zahl -der Einwanderer mehrte sich, vor allem wurden Offiziere und Soldaten -der allerdings nur nach Hunderten zählenden Garnisonen mit Land belehnt. -1671 zählte man schon 6000 Weiße; die Erforschung des Landes -war fortgesetzt, 1670 hatte man vom Ohio aus den Mississippi erreicht. Von -1672 an stand der besonders tüchtige Gouverneur <em class="gesperrt">de Frontenac</em> bis -1698 an der Spitze der Kolonie; unter ihm machte sie große Fortschritte.</p> - -<p class="small">Frontenac regelte den Pelzhandel. Wenn einst die Indianer ihre Jagdbeute zu den -Niederlassungen gebracht hatten, so kauften jetzt nur Jäger und Händler (die „courreurs -des bois“) die Felle in den Indianerdörfern auf, oft im Auftrage der Beamten; Frontenac -stellte diesen Übelstand ab. Er gestattete den Branntweinhandel unter Aufsicht der -Regierung; bisher hatten die Jesuiten ihn unterdrückt und die Indianer handelten -deshalb lieber mit den Engländern. 1682 wurde Frontenac infolge von Umtrieben des -Intendanten und der Jesuiten abberufen, und gerade jetzt hatten die Engländer die -Irokesen gewonnen, die einen vollständigen Vernichtungskrieg gegen die den Franzosen -ergebenen Stämme begannen; gleichzeitig schädigten die Engländer selber von den -Niederlassungen an der Hudsonbai aus den Seehandel und die Fischerei bei Acadia. -Wir hörten bereits, daß daraufhin bereits im Frieden die Franzosen die Engländer von -genannter Bai vertrieben und die Irokesen züchtigten. Nach der Kriegserklärung kam -Frontenac zurück.</p> - -<p>Bei Ausbruch des ersten Krieges mit England 1688 (vgl. Seite <a href="#Page_473">473</a>) -hatte die Kolonie 15000 Einwohner, sie führte auch den langen Krieg glücklich<span class="pagenum"><a name="Page_609" id="Page_609">[609]</a></span> -durch. Zwar kam, wie wir wissen, der Plan (1689 und 1696 ins Auge gefaßt), -Newyork als eisfreien Hafen zu nehmen, wegen mangelnder Unterstützung -vom Mutterlande nicht zur Ausführung. Man hatte in Paris die Kraft der -englischen Kolonien unterschätzt und die französische Marine war der ihr -zufallenden Aufgabe nicht gewachsen, aber die englischen Angriffe wurden -abgeschlagen. Beim Frieden 1697 gab England die Hudsonbay auf und ließ -die Franzosen im Besitz der Westküste Neufundlands.</p> - -<p>Ebenso glücklich führte die Kolonie den zweiten Krieg (1702–1713, -vgl. Seite <a href="#Page_565">565</a>), der der Hauptsache nach auch auf beiden Seiten durch -die Kolonisten ausgefochten wurde, obgleich Kanada nur 16000 Einwohner gegen -260000 in den englischen Kolonien hatte. Man muß jedoch dabei beachten, -daß englischerseits nur die Neuenglandstaaten in Betracht kamen, daß diese -nicht immer einig waren, daß in Kanada Garnisonen regulärer Truppen, -wenn auch nur schwache, lagen, die dem Gegner ganz fehlten, und daß die -Franzosen über Indianer verfügten, während die Irokesen, von den Engländern -verletzt, zur Zeit Frieden mit Kanada hielten; auch an königlichen Schiffen, -auf beiden Seiten nur schwach vertreten, scheinen die Franzosen überlegen -gewesen zu sein. Als England endlich größere Unterstützungen sandte (1710), -wurde Port Royal genommen, der Angriff auf Quebec (1711) scheiterte -dagegen kläglich. Infolge des sonstigen Verlaufs des Krieges mußte Frankreich -dann die Niederlassungen an der Hudsonbay, ganz Neufundland und Akadia -— bis auf die Insel Kap Breton, den Schlüssel zur St. Lorenzbay — an England -abtreten. Die Kanadier empfanden diese Zugeständnisse, die Handel und -Fischerei erheblich schädigten, schmerzlich und versuchten bei der Ausführung -des Vertrages zu retten, was zu retten war. Die Ungenauigkeit der -Abmachungen gab dazu genügend Handhaben, weder die Grenzen Akadias noch -die des Irokesenlandes waren sicher festgesetzt.</p> - -<p>Der Aufschwung, den die kolonialen Bestrebungen Frankreichs nach -dem Frieden von Utrecht nahmen, äußerte sich in Kanada besonders -darin, daß man sich auf die vorauszusehenden weiteren Kämpfe mit den -englischen Kolonien vorbereitete und mit Erforschung des Landes sowie der -Ausbreitung des französischen Einflusses im Innern weiter vorging. Die -Bedeutung Kanadas gewann mit der durch die Lawschen Unternehmungen -hervorgerufenen Besiedlung Louisianas; durch eine Verbindung beider -Kolonien wäre den englischen das weitere Vordringen abgeschnitten gewesen.</p> - -<p class="small">Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte zu -wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde wenig betrieben, -die Fischerei war durch die Engländer teilweise lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, -er hing aber von der Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich -bezogen zu teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jährlichen Ausfuhr -an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa gleicher Betrag -für Holz, Fische und Tran, während die Kolonie für acht Millionen europäische -Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel baren Geldes.</p> - -<p>An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die stärkste -Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Straße nach Quebec und der<span class="pagenum"><a name="Page_610" id="Page_610">[610]</a></span> -französischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu erschließen -und um dem Vordringen der Engländer vorzubeugen, wurden auf -dem Wege zum Mississippi Stationen gegründet und Forts angelegt, z. B. -Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Engländer sofort am Ontario -das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See; -Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain. -So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mündung des Mississippi -nach Norden sollte der Anschluß erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger -wichtig für uns, nördlich der großen Seen auf 50° Breite bis zu den Rocky-Mountains -(1743) vor; man hoffte einen großen nach West laufenden Strom -und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese Ausbreitung -führte auch während der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die zwar -meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Führer aber in Kanada -und Neu-England saßen.</p> - -<p>Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Maße wie bei den englischen -Kolonien; 1744 zählte Kanada etwa 50000 Weiße. Auch der Charakter -der Bevölkerung war ein ganz anderer. Die militärische und mönchische -Erziehung hemmte die Entwicklung persönlicher Unternehmungslust und -freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel -und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedürfnisse erforderten, sonst -lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat, -hierin lag eine Stärke der Kolonie. Die Kanadier haßten die englischen -Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen faßte Frankreich -das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der früheren Entdeckung auf. -Daß die Erschließung und Besiedlung dieses großen Gebietes nicht mit mehr -Erfolg vor sich gegangen ist, dürfte größtenteils darauf zurückzuführen sein, -daß von seiten des an der großen Wasserstraße gelegenen Louisiana zu wenig -geschah.</p> - -<p><b>Louisiana</b> war 1700 an der Mündung des Mississippi gegründet; frühere -Versuche, im Süden Nordamerikas Fuß zu fassen, hatte Spanien verhindert, -infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen. -Die Franzosen erforschten den Fluß mit seinen Zuflüssen und gründeten als -Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712 waren -erst 380 Weiße, zur Hälfte Soldaten, in fünf kleinen befestigten Posten dort; -die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die Compagnie -d'Occident (später des Indes, die Schöpfung Laws) vergeben, die auch sofort -umfassende Maßregeln für die Besiedlung ergriff. Noch im selben Jahre sandte -man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus, 1718 folgten 800 -Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen mit Adelstiteln; New -Orleans wurde als Sitz der Regierung gegründet. 1719 wurde Pensacola -den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720 zurückgegeben. 1719 erhielt -Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler hinauszuschaffen. Bedeutende -Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch jetzt nicht: die Einwanderer -waren minderwertige Leute, die in dem Klima nicht arbeiten wollten oder<span class="pagenum"><a name="Page_611" id="Page_611">[611]</a></span> -konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans erwarben bald einen bescheidenen -Wohlstand); die Beamten waren unehrlich und liederlich; die Kompagnie -hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte, die Regierung verbot jede -Industrie, die mit dem Mutterlande in Wettbewerb treten konnte; Kompagnie -und Ansiedler legten sich mehr auf Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 -gab die Kompagnie ihre Rechte an die Krone zurück; sie behielt nur das Handelsmonopol -gegen die Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jährlich -einzuführen. Um diese Zeit zählte man 5000 Weiße und 2000–3000 Neger.</p> - -<p>Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in -Kanada an und hob die Einfuhrzölle für Waren aus Frankreich auf; die -Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich -die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der Indianer, -ihre Tätigkeit beschränkte sich erfolgreich nur auf ein kleines Gebiet am Meere -und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und Natchez. Um -die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner vorhanden gewesen -sein, doch erscheint diese Angabe unsicher.</p> - -<p>Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana -einen ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 französische -Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenüber; kein -Wunder, daß der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der -germanischen Rasse ausgefallen ist.</p> - -<p><b>Spanien</b> besaß in Nordamerika nur <em class="gesperrt">Florida</em>, eine Bezeichnung, unter der -man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen Namens -zusammenfaßte. Hier waren gegen die erwähnten früheren Ansiedlungsversuche -der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. <a href="#Page_89">89</a>) und Pensacola (1696) -gegründet.</p> - -<h4>Ostindien.</h4> - -<p>Die ungeheure Macht, die <b>Portugal</b> um 1540 in den indischen Gewässern -gehabt hatte (Seite <a href="#Page_63">63</a>), war schon bis 1640 durch eigene Schuld -sowie durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurückgegangen -(Seite <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_86">86</a>).</p> - -<p class="small">Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Küste Mascat, -Ormuz war 1622 an die Perser, von England unterstützt, verloren; in Nord-Vorderindien -Banda und Diu; an der Westküste Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis -Quilon; an der Ostküste Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von -der Inselwelt nur Ceylon und Timor; in China Macao.</p> - -<p>Und sie schritt weiter abwärts. Wenn sich auch Portugal 1640 von Spanien -lossagte, so nahm Holland doch noch Malakka 1641 weg, ehe der Frieden -draußen bekannt geworden war. Der Versuch, den Handel durch Freigabe -an alle Portugiesen neu zu beleben, blieb ohne Erfolg; er war schon zu sehr -in englische und holländische Hände übergegangen. Weitere Gebietsverluste -folgten: 1650 verlor Portugal Mascat an die Araber; in dem neuen Kriege -mit Holland (1656–1661, Seite <a href="#Page_239">239</a>) nahm dieses Ceylon, Negapatam, Quilon,<span class="pagenum"><a name="Page_612" id="Page_612">[612]</a></span> -Cranganor, Cochin, Cananor; 1661 fiel Bombay (wie Tanger) als Mitgift der -Gemahlin Karls II. an England. Die zu Bombay gehörigen Dörfer lieferten -die portugiesischen Behörden nicht mit aus und erschwerten den englischen -Handel mit dem Festlande; trotzdem blühte die Stadt in englischen Händen -schnell auf, während die portugiesischen Plätze verarmten. England schlug -1672 ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Eingeborenen vor, wenn ihm -die Anlage von Faktoreien in allen portugiesischen Plätzen zugestanden würde, -Portugal sollte die gleichen Vorrechte in englischen Orten erhalten; Portugal -aber blieb hartnäckig und belästigte Bombay weiter. England rächte sich -durch Gewaltmaßregeln aller Art, die Portugiesen sagten, sämtliche englischen -Schiffe hätten Seeraub betrieben; auch unterstützen die Engländer Portugals -Gegner offen mit Kriegsmaterial. Gleichzeitig und weiterhin hatte Portugal -unter den Angriffen der Mahratten zu leiden, die mit dem Verfall des Reiches -des Mogul immer mächtiger wurden. Diese vertrieben Ende der zwanziger -Jahre des 18. Jahrh. die Portugiesen aus den meisten ihrer Besitzungen; -1737 eroberten sie die Insel Salsette, den alten wichtigen militärischen Stützpunkt, -und von dort Bassein. <b>1740</b> war nur noch der jetzige Bestand -in portugiesischem Besitz: Diu, Daman und Goa. Portugals Macht in Indien -war gebrochen, sein Handel so gut wie vernichtet.</p> - -<p><b>Holland</b> war in unserem Zeitabschnitt an seine Stelle getreten. Die Macht -der <em class="gesperrt">holländisch-ostindischen Kompagnie</em> um 1648 ist uns -bekannt (Seite <a href="#Page_86">86</a>) und soeben ist gesagt, inwieweit sich diese an der Westküste -Vorderindiens auf Kosten Portugals ausdehnte, aber auch sonst erweiterte -und befestigte sie sich. Die <em class="gesperrt">Molukken</em> kamen völlig in die Gewalt -der Kompagnie. Um die Preise der Gewürze hochzuhalten und jeden -Wettbewerb zu hindern, rottete die Kompagnie sämtliche Anpflanzungen aus, -die sie nicht selber nötig hatte; dadurch hervorgerufene Aufstände der Insulaner -wurden unterdrückt, die bald verarmte Bevölkerung war dann ungefährlich; -die Spanier gaben ihre letzte Befestigung in Tidore auf. In <em class="gesperrt">Sumatra</em> -faßten die Holländer 1659 durch Eroberung von Palembang an der Ostküste -Fuß und 1662 stellten sich auch die Fürsten der Westküste unter ihren -Schutz (Hauptkontor in Padang). In längerem Kriege 1660–1669 wurde die -Macht <em class="gesperrt">Makassars</em>, des Hauptsitzes des Mohammedanismus, von dem -aus in jenen Meeren der Widerstand auf den Molukken und in Japan stets -unterstützt war, gebrochen. Die Kompagnie wurde dann Herrin von <em class="gesperrt">Celebes</em> -und machte dem Handel Englands und Portugals hier ein Ende.</p> - -<p class="small">Eine Niederlassung auf Borneo konnte sich nur kurze Zeit gegen die wilden Bergstämme -halten. 1693 wurde Pondichery den Franzosen abgenommen, aber im Frieden -von Ryswijk zurückgegeben. Einen schweren Verlust erlitt die Kompagnie dadurch, -daß 1663 die Kolonie auf Formosa an China verloren ging, als hier die Tataren zur Herrschaft -kamen.</p> - -<p>Der bedeutendste Erfolg der Kompagnie war ihre zunehmende Macht -auf <em class="gesperrt">Java</em>. Durch andauernde Kämpfe mit den Fürsten von Bantam und -Mataram gewann sie großen Landbesitz; sie brachte auch den Handel der<span class="pagenum"><a name="Page_613" id="Page_613">[613]</a></span> -Insel ganz in ihre Hand, England räumte 1683 seine Ansiedlung in Bantam. -Besonders wichtig wurde Java durch den Kaffeebau, der 1696 eingeführt -wurde und so zunahm, daß man ihn wie den Gewürzbau auf den Molukken -einschränkte; 1740 lieferte er 4000000 Pfund.</p> - -<p>Ihrer Macht entsprechend gebot die Kompagnie über eine <em class="gesperrt">große -Flotte</em> und über <em class="gesperrt">eigene Truppen</em>. In den Jahren 1650–1702 -wurden jährlich 15–30 Schiffe nach Indien abgefertigt; in 22 Jahren unter -20, dafür in 12 Jahren über 25. Diese eigentlichen Ostindienfahrer waren -wohl armiert; man hatte drei Klassen: zu 38 Kanonen, zu 36, zu 26. Es -war mithin stets eine erhebliche Seemacht auf der Station, zu der noch viele -kleine Schiffe für den dortigen Zwischenverkehr traten; die aus- und heimsegelnden -Convois bildeten kleine Flotten. Holland stand infolgedessen in den Kriegen -mit England und mit Frankreich in Indien überlegen da und der Verkehr -mit der Heimat wurde nicht unterbrochen, kaum eingeschränkt. Für die -Besatzungen der Forts unterhielt man eine europäische Truppe von 2000 -bis 3000 Mann, verwendete in den Kriegen auf Java aber auch Eingeborene -der anderen Inseln.</p> - -<p>Die Vorherrschaft Hollands in Indien stand jedoch auf schwachen Füßen, -Verwaltung und Handelspolitik waren ungesund. Die ostindische Kompagnie -hatte um 1739 ihren Höhepunkt bereits überschritten, ihr Verfall begann.<a name="FNanchor_286_286" id="FNanchor_286_286"></a><a href="#Footnote_286_286" class="fnanchor">[286]</a></p> - -<p class="small">Die Kompagnie wurde in Holland geleitet durch ein Direktorium von 17 Teilhabern -„Kamer van Zeventienen“): 8 von Amsterdam, 4 von Seeland, 2 von der Maas, 2 vom -Norderquartier und der 17. von den drei letzten Provinzen gemeinschaftlich gewählt. -Hinzu traten 60 kaufmännische Leiter, deren Zahl in ähnlichem Verhältnis in den Provinzen -verteilt war. Draußen stand in Batavia ein Generalgouverneur an der Spitze, -auf Vorschlag der Kompagnie von den Generalstaaten ernannt, ihm zur Seite der „Rat -von Indien“, bestehend aus den höchsten Beamten zu Batavia und den Gouverneuren -der andern Inseln usw. Die Macht und Verantwortung des Generalgouverneurs waren -groß; er besetzte mit dem Rat alle mittleren und niederen Beamtenstellen. Die Laufbahn -der Beamten stufte sich ab in: Assistent, Buchhalter, Unterkaufmann, Kaufmann, -Oberkaufmann (die Direktoren der einzelnen Kontore). Alle Schiffe, außer den nach -Ceylon bestimmten, liefen Batavia an, den Sitz des Generaldirektors des Handels. Der -Gouverneur war zwar für gewisse Fälle angewiesen, die Entscheidung der „Kammer -der XVII“ einzuholen, oder an die Zustimmung des „Rates von Indien“ gebunden, -konnte aber fast immer seinem Willen Geltung verschaffen.</p> - -<p class="small">Die Kompagnie strebte an, Handel und Wandel allein in der Hand zu behalten. -Maßregeln in diesem Sinne waren die schon erwähnte Beschränkung des Gewürz- und -Kaffeebaues, Unterdrückung jedes anderen Handels sowohl von seiten anderer Völker -wie auch holländischer Kolonisten; wie früher bei den Portugiesen war es verboten, -Karten und Aufzeichnungen mit in die Heimat zu nehmen, selbst die Privatkorrespondenz -unterlag der Aufsicht. Man trieb aber auch eine übermäßige Sparsamkeit, z. B. in der -Besoldung der Beamten.</p> - -<p class="small">Trotzdem gingen die Geschäfte nicht dauernd gut und wurden immer schlechter. -Dabei wurden hohe Dividenden gezahlt: 1651–1702 meist zwischen 15 und 40%, nur<span class="pagenumsmall"><a name="Page_614" id="Page_614">[614]</a></span> -in acht Jahren 0%; 1681–1706 wurde in Indien nur in sieben Jahren ein Gewinn erzielt; -1698 hatte die Kompagnie eine Schuldenlast von 11 Millionen Gulden, fast das Doppelte -des Einlagekapitals. Der schnelle Rückgang vom Beginn des 18. Jahrh. an ist aus -folgenden Angaben über den Reingewinn zu ersehen: 1613–1696 = 40 Millionen; -1613–1703 = 31½; 1613–1713 = 16½; 1613–1723 = 4,8; 1613–1730 = -7,3; -1613–1779 = -85 Millionen Gulden. Über diese Lage verlautete nach außen nichts; -sie ist erst im 19. Jahrh. lange nach dem Zusammenbruch der Kompagnie bekannt -geworden. Die Welt sah immer nur die ansehnlichen Dividenden und nahm an, daß -alles in bester Ordnung sei. Die Kompagnie hatte stets den größten Kredit, sie hatte -ja auch viele Kriegslasten auf sich genommen und noch 1696 den Generalstaaten 8 Millionen -für die Verlängerung ihres Privilegs gezahlt.</p> - -<p class="small">Die Gründe des Rückganges lassen sich zusammenfassen: 1. die immer mehr -umsichgreifende Unzuverlässigkeit der Beamten, ein jeder arbeitete in seine Tasche; -ursprünglich waren sie wohl durch zu geringe Besoldung gezwungen, für sich Handel -zu treiben und Verletzungen der Rechte der Kompagnie seitens Fremder, selbständiger -holländischer Kolonisten und der Eingeborenen durchgehen zu lassen. Günstlingswirtschaft -bei Besetzung der Stellen riß ein, überflüssige Posten wurden geschaffen; -2. die strenge Durchführung des Monopols lähmte die Entwicklung der Kolonien, mit der -Gebietserweiterung wuchsen die Verwaltungskosten unverhältnismäßig; 3. die Kriege -auf Java und Celebes verschlangen große Summen, die Regierung stellte infolge der -europäischen Kriege zu bedeutende Ansprüche; 4. in Vorderindien wuchs der Wettbewerb -der Engländer.</p> - -<p><b>Englands</b> Macht in Indien war 1648 noch unbedeutend (Seite <a href="#Page_84">84</a>). Die -<em class="gesperrt">ostindische Kompagnie</em> besaß Faktoreien, teilweise kleine Forts, -an der Westküste Vorderindiens (Vorort Surat), an der Koromandelküste -(Madras), in Bengalen (Hugly am Gangesdelta), in der Inselwelt nur noch -auf Java und Celebes (später geräumt); eigentliches Landeigentum hatte -sie nicht, eine größere Befestigung nur in Madras (St. George seit 1639).</p> - -<p>Der erste holländisch-englische Krieg brachte der Kompagnie großen -Schaden, doch wurde dieser beim Friedensschluß ersetzt (Seite <a href="#Page_229">229</a>) und -auch der Wettbewerb seitens der Courtenlinie (Seite <a href="#Page_84">84</a>) durch völlige -Verschmelzung mit dieser abgewendet. 1658 wurde das Kapital wesentlich -vermehrt und 1661 bestätigte Karl II. der Kompagnie die weitestgehenden -Rechte: Überlassung des alleinigen Handels mit Indien; Anerkennung als -politische Korporation mit dem Rechte, sich Gesetze und Verfassung zu geben, -mit nichtchristlichen Fürsten Krieg zu führen, Festungen zu bauen und Soldaten -zu halten; die Regierung behielt sich nur vor, den Vertrag mit dreijähriger -Frist kündigen zu dürfen, falls es das Interesse der Krone oder des -Volkes erfordere. Als Bombay dem Könige zufiel, wurde auch dieses der -Kompagnie zugeteilt durch seine insulare Lage ein wichtiger Stützpunkt. -Es begann nun das langsame aber stetige Wachsen der Macht der Kompagnie. -Mit ungeheuren Schwierigkeiten, die nicht nur draußen, sondern auch daheim -auftraten, hatte sie zu kämpfen.</p> - -<p class="small">Ein kurz gefaßter Überblick auf die <em class="gesperrt">Geschichte der ostindischen -Kompagnie</em><a name="FNanchor_287_287" id="FNanchor_287_287"></a><a href="#Footnote_287_287" class="fnanchor">[287]</a> während unseres Zeitabschnittes sei gegeben. Die Geschäfte wurden -in Indien von Präsidentschaften geleitet in: Surat, Madras mit Bengalen, Bantam;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_615" id="Page_615">[615]</a></span> -später fiel Bantam fort, Surat wurde nach Bombay verlegt, Bengalen wurde unter Kalkutta -selbständig. Jede Präsidentschaft besaß einige Hauptfaktoreien, von denen die Außenposten -abhingen; in England wurden die Schiffe nach einer der Präsidentschaften abgefertigt -und von dieser weiter expediert. An der Spitze der Hauptbehörden stand der -Präsident mit seinem Rate, dessen Mitglieder wie der Präsident von der Kompagnie -ernannt wurden; die übrigen Beamten — ähnlich wie in Holland: Lehrling, Schreiber, -Faktor, junger und alter Kaufmann — ernannte der Präsident. Die Besoldung war -sehr gering, die Beamten waren auch hier geradezu darauf angewiesen, Durchstechereien -zu machen und heimlich Handel zu treiben; auch die Besatzungen der kleinen Garnisonen -waren so schlecht bezahlt, daß Meutereien vorkamen.</p> - -<p class="small">Zu Anfang war die Entwicklung wenig gedeihlich; der Wettbewerb der Holländer -in Bantam und Surat, Angriffe der Mahratten auf diesen Platz, Streitigkeiten mit den -einheimischen Behörden in Hugly, Kämpfe der indischen Fürsten untereinander in Madras -lähmten den Handel. Von 1663–1671 sind nur insgesamt 6 Schiffe von England hinausgesandt. -Dann kam ein Aufschwung; 1668–1671 liefen 40, 1679–1682 46 Schiffe -aus. 1677 besaß die Kompagnie 30–35 Fahrzeuge von 300–600 tons; etwa die Hälfte -mit 40–50 Kanonen. Großen Gewinn machte die Kompagnie jedoch nicht: die Kriege, -der Bau der Befestigungen, die Verhandlungen mit den Fürsten sowie die Bestechung -ihrer Machthaber erforderten große Summen; 1676 hatte die Kompagnie 600000 Lstrl. -Schulden. In den 80er Jahren litt das Geschäft wieder unter Kriegen mit den Mahratten -an der Westküste und mit dem Mogul in Bengalen, Bantam wurde geräumt. Durch -entlassene Beamte angeregt, versuchten andere englische Kaufleute mit den indischen -Fürsten anzuknüpfen, doch gab der bei der Kompagnie beteiligte König Jakob II. -dieser das Recht, fremde Schiffe aufzubringen.</p> - -<p class="small">Um nun nicht weiter von der Gnade der indischen Fürsten abzuhängen, sowie -um jeglichem Wettbewerb kräftiger begegnen zu können, beschloß die Kompagnie -1685 mit Gewalt aufzutreten und ein Reich zu gründen; der Plan war, zunächst ausreichende -Gebiete bei Bombay und Madras, in Bengalen und Sumatra zu erwerben -und unter das Protektorat des Königs zu stellen. Das Beispiel Hollands hat wohl diesen -Plan hervorgerufen, aber man vergaß, daß es leichter war, einzelne Inseln zu unterwerfen, -als mit mächtigen Reichen anzubinden; die Hoffnung auf Unterstützung durch -die Mahratten erfüllte sich nicht, und so schlug dieser erste Versuch völlig fehl, ja er -brachte alles bisher Erreichte in Gefahr.</p> - -<p class="small">Mit Einverständnis des Königs, der der Kompagnie auch gestattete, in den Hauptstationen -den „Union Jack“ zu heißen, wurde 1685 eine Expedition von 10 Kriegsschiffen -und 6 Kompagnien Soldaten unter Kapitän Nicholson ausgerüstet; in Indien -sollte der oberste Beamte in Bengalen diese mit 400 Mann sowie 9 Schiffen verstärken -und den Oberbefehl übernehmen. Man beabsichtigte, die Stadt <em class="gesperrt">Chittagong</em>, an einem -vorzüglichen Hafen im Nordosten des Busens von Bengalen gelegen, zu nehmen und zu -befestigen, den Nabob von Bengalen zu Gebietsabtretung und Zugeständnis größerer -Rechte zu zwingen; dann wollte man den Portugiesen bisher noch streitige Gebiete -in Vorderindien abnehmen und auch holländische Besitzungen angreifen. Das Unternehmen -war weder richtig noch genügend stark vorbereitet. Die Präsidenten von -Bombay (John Childs) und Madras waren nicht genau davon unterrichtet, was im Osten -vor sich gehen sollte — es war der Überraschung wegen geheim gehalten —, sie konnten -keine Vorbereitungen treffen. Als das Geschwader in Hugly erschien, zogen die Inder -Truppen zusammen und jagten (Oktober 1686) die Engländer den Fluß hinab, ehe deren -Kräfte vollständig versammelt waren. Empört über den Versuch, ließ dann der Mogul -die Engländer auch aus Surat vertreiben und bedrohte Bombay wie Madras. Die Kompagnie -mußte sich glücklich schätzen, durch geschickte Unterhandlungen überall die -alten Verhältnisse herzustellen. Trotzdem unternahm 1688 Childs mit noch schwächeren -Kräften einen zweiten Vorstoß in Bengalen. Wieder wurde die Kompagnie aus der -Provinz, aus Surat, sowie Masulipatam vertrieben, ja, die Insel Bombay bis auf das<span class="pagenumsmall"><a name="Page_616" id="Page_616">[616]</a></span> -Fort besetzt. Doch auch dieses Mal war der Mogul schwach genug, die früheren Rechte -zurückzugeben; er erteilte Februar 1690 „den Engländern Verzeihung, da sie demütig -darum gebeten hätten“, auch mußte die Kompagnie 150000 Rupien zahlen und Childs -absetzen (er starb noch vor Abschluß des Vertrages im belagerten Bombay).</p> - -<p class="small">Im Anfang des 18. Jahrh. traten neue Verwicklungen mit den Beamten des Moguls -in Surat und Bengalen auf, doch auch diese wurden dadurch überwunden, daß ein Arzt -der Kompagnie den Mogul von einer schweren Krankheit heilte, man erlangte sogar -neue Rechte und Gebietserweiterung (<em class="gesperrt">1715</em>). Schon vorher waren Fortschritte an der -Koromandelküste gemacht und eine Niederlassung auf Sumatra gegründet worden.</p> - -<p class="small">Auch in England hatte die Kompagnie einen schweren Stand nach Vertreibung -der Stuarts. In der Allgemeinheit der Handelswelt war sie wegen ihres Monopols und -wegen des Wettbewerbs der indischen Stoffe mit den einheimischen verhaßt; ihr schroffes -Vorgehen zur Wahrung ihrer Rechte bot Gelegenheiten genug zu Angriffen, so lag sie -ständig im Kampfe mit dem Unterhause. Mehrfach drohte Gefahr durch Gründung -neuer Kompagnien (1695, 1698, 1730), die der infolge der Kriege erschöpften Regierung -günstigere Anerbieten machten; 1698 trat tatsächlich eine solche in Indien wettbewerbend -und feindlich auf, sehr zum Nachteil des englischen Ansehens. Aber auch diese Schwierigkeiten -wurden durch geschickte Maßnahmen überwunden, stets erlangte man die Verlängerung -des Vertrages, als 1744 die Regierung zu neuen Kriegen Geld brauchte bis -zu 1780.</p> - -<p>Aus vorstehendem ist zu ersehen, daß die Kompagnie alle Schwierigkeiten -überwand; sie blühte auf. Die Ausfuhr nach Indien betrug 1710–1715 -durchschnittlich im Jahr 496770 Lstrl. an Waren und 1600000 Lstrl. an -Münze, von 1735–1740 jährlich 938970 Lstrl. bezw. 2459000 Lstrl.; die -Einfuhr von dort hatte 1708–1728 einen Durchschnittswert von 758000 Lstrl. -Die Dividenden waren weit bescheidener, als im allgemeinen angenommen -wird: 1708 = 5%; 1710–1722 = 10%; 1723–1731 = 8%; 1732–1744 = 7% -(man vergleiche dies mit Holland). Die Verwaltung war kostspielig, aber -man fürchtete auch, durch zu hohe Dividenden den Neid der übrigen Handelswelt -noch zu steigern. Leider sind keine genauen Angaben über die Zahl -der Schiffe der Kompagnie vorhanden, um Vergleiche mit Holland anzustellen; -übrigens hatte die Gesellschaft von 1712, außer einigen Schnellseglern für -Postdienst, keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern heuerte solche. Die -Garnisonen bestanden aus englischen und fremden Söldnern sowie indischen -Milizen (Sepoys).</p> - -<p>Zu Ende unseres Zeitabschnittes war die Kompagnie bereits ein gefährlicher -Wettbewerber der Holländer geworden, ihre Glanzzeit trat aber erst -ein, nachdem noch ein anderer, neuerschienener Nebenbuhler aus dem Felde -geschlagen war, Frankreich.</p> - -<p class="small">Als besonders für Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die allen -indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwähnte <b>Ostender Kompagnie</b> drohte. -Nachdem die spanischen Niederlande an Österreich gefallen waren, glaubten die Kaufleute -dieser Provinz, endlich die Möglichkeit zu haben, wie die Holländer Handel nach -Indien zu treiben; <em class="gesperrt">1714</em> trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings -vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die eigenen -indischen Kompagnien vergeblich bekämpften und auf diese Weise am indischen Handel -teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte sich das Interesse für das Unternehmen, -Kaiser Karl VI. nahm es unter seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und -Holland Schiffe auf, rüstete sie in Ostende und Lissabon aus; <em class="gesperrt">1716</em> erschienen die ersten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_617" id="Page_617">[617]</a></span> -Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der Koromandelküste. Die -älteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung ihrer Verträge; die Regierungen unterstützten -sie auf diplomatischem Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare, -Unterstützung der neuen Gesellschaft und erließen Befehle, deren Schiffe abzufangen. -Die Ostender Kompagnie ließ sich nicht entmutigen, obgleich tatsächlich -Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb zunächst fest. <em class="gesperrt">1720</em> z. B. segelten. -6 Schiffe, Faktoreien wurden in Bengalen, an der Koromandelküste sowie in Kanton -gegründet und gute Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser <em class="gesperrt">1727</em> auf das Drängen der -Seemächte zugunsten seiner Verhandlungen über die pragmatische Sanktion zunächst -das Recht der Kompagnie für sieben Jahre auf und versprach später in einem Vertrage -mit England und Holland, <em class="gesperrt">1731</em>, für immer Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen -Niederlanden aus zu verbieten. Wäre Deutschland ein mächtiger einheitlicher Staat -gewesen, so würde es sich damals wohl einen Anteil an den Ländern des südlichen Asiens -haben sichern können.</p> - -<p><b>Frankreichs</b><a name="FNanchor_288_288" id="FNanchor_288_288"></a><a href="#Footnote_288_288" class="fnanchor">[288]</a> Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht -zur Festsetzung in Indien geführt (Seite <a href="#Page_90">90</a>). 1664 wurde die Compagnie -des Indes Orientales gegründet, der König schoß 4 Millionen zinslos vor und -versprach, für zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu übernehmen. Die Städte, -der Klerus, die Steuerpächter, die Noblesse de la Robe wurden zur Beteiligung -bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3 kamen ein. -Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und Madagaskar -sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. später unter „Afrika“) auf -50 Jahre, Prämien für Ausfuhr sowie die zu erobernden Gebiete als Eigentum -zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen unter Admiral <em class="gesperrt">de Mondevergue</em>, -in erster Linie nach Madagaskar bestimmt, in See, von ihr zweigte -sich ein Teil unter einem Direktor der Gesellschaft, <em class="gesperrt">Caron</em>, für Indien -ab und gründete (1668) Faktoreien in Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor -am Ganges. 1669 folgte ein starkes Geschwader unter Oberst <em class="gesperrt">de la -Haye</em>, der als Generalleutnant des Indes orientales den Indern die Macht -Frankreichs zeigen, mit dem Mogul in Verbindung treten und auf Ceylon -sowie Banca neue Ansiedlungen gründen sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem -Wege zu erreichen, da England schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten -nicht wagen würde. Man fand aber den auf Ceylon in Aussicht -genommenen Platz schon von den Holländern besetzt (1672) und wurde -durch das Erscheinen überlegener holländischer Seestreitkräfte gehindert, -sich auf einigen kleinen Inseln in der Nähe niederzulassen. De la Haye eroberte -nun St. Thomé an der Koromandelküste, wurde jedoch auch von hier (1674) -durch den Herrscher von Golkonda, unterstützt durch die Holländer, wieder -vertrieben, von Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen -gründete 1674 ein Beamter der Kompagnie, <em class="gesperrt">François Martin</em>, -mit nur geringen Mitteln eine Kolonie in <em class="gesperrt">Pondichery</em>, diese hielt sich -und sollte die Grundlage der späteren Macht werden. Martin verstand es, -sich stets mit den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann -Generaldirektor in Indien, knüpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreien<span class="pagenum"><a name="Page_618" id="Page_618">[618]</a></span> -in Surat sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurück und gewann eine -neue in Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688–1713, wirkte jedoch -so nachteilig, daß die Kompagnie ihre Geschäfte einstellen und ihre Rechte -an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mußte, aber auch diese fanden ihre -Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten, die -anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Gründungen -trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb die <em class="gesperrt">Compagnie -des Indes</em>, die die Rechte der alten Gesellschaft für Indien erhalten hatte, -bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen -von Mahé, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Plätze besiedelt -und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China -sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die -Ausfuhr nach Frankreich 2¼ Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien blühten -die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf dem Wege -nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glück, nacheinander tüchtige -Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735, dann Dumas, -endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und praktisch; -an der Spitze jeder größeren Kolonie stand ein Gouverneur mit einem Rate -von fünf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf Schaffung -von Schulen für die Eingeborenen und auf Französierung dieser; die natürlichen -Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewächse aller Art -zur Prüfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Dumas</em> sein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den -Europäern günstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das -Mogulreich; seine Provinzen mußten sich selber schützen und kümmerten -sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung -des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus.</p> - -<p>Unter <em class="gesperrt">Dupleix</em>, unterstützt durch den Gouverneur La Bourdonnais -auf Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Engländern gefährliche -Macht zu werden.</p> - -<p><b>Spanien</b> verblieben nach Räumung der letzten Ansiedlungen auf den -Molukken im fernen Osten nur die <em class="gesperrt">Philippinen</em> (Seite <a href="#Page_75">75</a>). Die Inseln -brachten während des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In -dem großen Kriege mit den Holländern bedrohten diese die Verbindung mit -Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas -(sowie Formosas) bemächtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der -ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer -Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kämpfe mit diesen, Streitigkeiten der -Behörden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren — Kämpfe der Jesuiten -mit anderen Orden — füllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. -Im Spanischen Erbfolgekriege störten englische Kreuzer den Handel. Während -der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach -anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische -Einfluß auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln,<span class="pagenum"><a name="Page_619" id="Page_619">[619]</a></span> -auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen -über die Einführung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757 -übertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um -79800 Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschuß (250000 Pesos) leisten mußte.</p> - -<h4>Afrika.</h4> - -<p><b>Portugal</b> war wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen -hatte (Seite <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_63">63</a>). <em class="gesperrt">An der Westküste</em> hatte ihm Holland während -seines Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldküste abgenommen; -auch England (sowie Dänemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt. -1740 besaß Portugal außer den nördlichen Inseln, Madeira und den Kapverden, -nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thomé und Principe -sowie die Provinz Angola: den Küstenstrich von Ambris bis Mossamedes -mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien von sehr -geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Stützpunkte für die Indienfahrt -und als Bezugsquelle für die Negersklaven, die man in Brasilien brauchte, -betrachtet.</p> - -<p><em class="gesperrt">An der Ostküste</em>, die einst ganz in ihren Händen gewesen war, -hatten die Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. -bedurfte es großer Anstrengungen, den nördlichen Teil (Mombas, Melinde, -Sansibar) gegen Angriffe der Türken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen, -angezettelt durch die Türken, zu halten, und auch der südliche Teil -(Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward öfters schwer durch die -Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Holländer während des Unabhängigkeitskrieges -die Besitzungen und diese hatten dann in der zweiten -Hälfte beständig unter den Angriffen der Araber (des Imam von Maskan) -zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im Süden -fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die Delagoabay. So -besaß Portugal 1740 nur noch die Küsten von Mosambique nebst Sofala. -Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu heben, hatten -wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Für Erschließung des -Innern geschah nichts, die Kaffernstämme bedrohten selbst die Küstenstädte; -schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln hinderten jeden Aufschwung.</p> - -<p><b>Holland</b> und zwar die <em class="gesperrt">westindische Kompagnie</em> (Seite <a href="#Page_87">87/88</a>) -hatte Niederlassungen in <em class="gesperrt">Senegambien</em>, Hauptort die Insel Gorée, -gegründet und an der <em class="gesperrt">Goldküste</em> die Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen -wurden in den Kriegen mit England (Seite <a href="#Page_252">252</a>) und mit Frankreich -(Seite <a href="#Page_371">371</a>) mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in -Nordamerika und Westindien, größtenteils verloren; 1674 waren an der Goldküste -nur noch einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina.</p> - -<p class="small">Die Niederlassungen bestanden in größeren und kleineren Forts (bei England -wird die Stärke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben werden), von denen aus der Handel -betrieben wurde; irgend welchen Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft über Eingeborene -hatte man nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_620" id="Page_620">[620]</a></span> -die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem anderen fremden -Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die Verhältnisse die gleichen; die Forts -der verschiedenen Völker lagen, oft in nächster Nähe, durcheinander. Um 1674 mußte -die alte westindische Kompagnie ihre Geschäfte einstellen; eine neugegründete war nicht -imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die Macht Hollands in Westafrika -gering.</p> - -<p>Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, -daß <em class="gesperrt">die ostindische Kompagnie</em> 1653 <em class="gesperrt">das Kapland</em> besetzte. -Schon früher war die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation -auf den Reisen nach Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der -Hauptpunkt, besonders auch da 1657 die englisch-ostindische Kompagnie -<em class="gesperrt">St. Helena</em> in Besitz nahm und stark befestigte. Im Kaplande -bildete sich neben der Station der Kompagnie eine Niederlassung freier Bürger, -die Wein- und Gemüsebau mit Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie -ihre Kosten. Die Kompagnie mußte diesen ihren einzigen Stützpunkt auf -dem Wege nach Indien halten, im übrigen stockte die Entwicklung der -Kolonien bald; noch 1750 sprachen die Behörden am Orte dem Lande jede -Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht -bezahlt, suchten die Beamten, Privatgeschäfte zu machen, hinderten eine -umfangreiche Besiedlung, waren bestechlich und eigenmächtig. Mangel an -Arbeitskräften sowie Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu.</p> - -<p>Versuche, sich <em class="gesperrt">an der Ostküste</em> Afrikas festzusetzen, scheiterten; -auch die Delagoabay wurde wieder aufgegeben.</p> - -<p><b>England</b> hatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldküste -gegründet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mächten -(Holland, Dänemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete -sich die <em class="gesperrt">westafrikanische Kompagnie</em> (an ihrer Spitze der -Herzog von York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmäßige -Negerausfuhr betreiben wollte. Sie übernahm einige Forts des Herzogs -von Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Küste und eroberte -andere von den Holländern, wie eben erwähnt. 1672 trat eine neue -Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besaß -um 1710 ein Fort an der Mündung des <em class="gesperrt">Gambia</em> (28 Weiße, 7 Kanonen), -zwei an der <em class="gesperrt">Sierra-Leone-Küste</em> und elf an der <em class="gesperrt">Goldküste</em> (das -größte, Capecoastcastle 93 Weiße, 42 Kanonen; drei mit 20 Weißen und -25 Kanonen und so hinab bis zu 6 Weißen und 6 Kanonen; zwei oder drei -gar nur mit 2 Weißen). Der Negerhandel blühte sehr auf; 1680–1688 sind -über 46 000 ausgeführt, später jährlich über 20000. Der sonstige Handel -spielte nur eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr -110543 Lstrl., der der Einfuhr 62787 Lstrl.</p> - -<p class="small">Die Kompagnie machte gute Geschäfte, so lange sie das Monopol hatte, bis 1688. -Neben dem Negerhandel führte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz und besonders Gold aus; -1673 wurden von diesem zum ersten Male Goldmünzen geschlagen und „Guineas“ -genannt. Die „declaration of right“, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments -erteilten Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere Engländer<span class="pagenumsmall"><a name="Page_621" id="Page_621">[621]</a></span> -begannen den Handel und die Gesellschaft kämpfte denselben Kampf um ihre Vorrechte -wie die ostindische, aber sie unterlag; der Handel wurde freigegeben, die Kompagnie -erreichte nur eine Unterstützung von seiten der Regierung zur Erhaltung der -Forts. 1750 wurde die Gesellschaft aufgelöst; um aber die Forts halten zu können, -wurden sämtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen, zu einer Körperschaft -zusammenzutreten — einer sogenannten „regulated company“ im Gegensatz -zu einer „joint stock company“ —, die Regierung mußte aber weiter zuschießen. (Näheres -vgl. Zimmermann, Band II, Seite 364 ff.)</p> - -<p>Die Besetzung <em class="gesperrt">St. Helenas</em> ist bereits erwähnt; die Insel blieb, mit -kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz.</p> - -<p><b>Frankreich</b> betrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften Sklavenhandel -<em class="gesperrt">an der Westküste</em><a name="FNanchor_289_289" id="FNanchor_289_289"></a><a href="#Footnote_289_289" class="fnanchor">[289]</a> vom Kap Branco bis zur Sierra-Leone-Küste, -eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der Mündung des Senegal -(St. Louis). 1664 erwarb die <em class="gesperrt">Compagnie des Indes Occidentales</em> -das alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die Holländer -und Engländer, die die besten Plätze im Besitz hatten, nicht aufkommen. -1667 wurden den Holländern wichtige Plätze südlich des Kap Verde abgenommen -(Gorée, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr Handel -im Pfälzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten, wurde 1697 -der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu kolonisieren, sich nicht -mehr auf die Negerausfuhr zu beschränken; es wurden neben neuen Stationen -an der Küste auch solche im Innern angelegt. Diese Bestrebungen hatten -Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht und nachdem die Lawsche -<em class="gesperrt">Compagnie d'Occident</em> die Sache in die Hand genommen. Wenn -auch der Handel kein sehr einträglicher war — man rechnete die Ausfuhr, -einschließlich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem Gewinn von 200000 -im Jahre —, so war doch der französische Einfluß in Senegambien und bis zum -Kap Branco hinauf bedeutender als der der Engländer, die nur am Gambia -saßen; er war gestützt auf gut im Stande gehaltene Forts: an der Arguinküste -Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil); St. Louis am Senegal (Mündung); -Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter stromauf); Gorée, Portudal, -Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter südlich Bintam.</p> - -<p class="small">Die Insel Arguin war ursprünglich holländisch. Das Fort hier wurde 1677 auf -demselben Zuge zerstört, der den Holländern die Plätze in Senegambien kostete. 1683 -hatte sich <em class="gesperrt">Brandenburg</em> auf Arguin niedergelassen, trat es aber wieder an Holland -ab und dieses wurde 1721 von den Franzosen mit Gewalt vertrieben.</p> - -<p><em class="gesperrt">An der Ostküste</em> Afrikas haben die Franzosen 1642–1643 eine -Niederlassung auf <em class="gesperrt">Madagaskar</em> gegründet (Fort Dauphin). Wie (bei -Indien) angedeutet, hatte die große Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue -— sie führte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und -für 1194000 Frank Waren — hauptsächlich den Zweck, die ganze Insel -zu erobern; sie mißlang völlig und 1674 wurde diese Kolonie überhaupt -aufgegeben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_622" id="Page_622">[622]</a></span></p> - -<p class="small">Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblößt von allen Lebensmitteln traf die Expedition -in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in traurigster Verfassung; die Ansiedler -lebten in stetem Kampf mit den Eingeborenen und hatten kaum genügend Nahrung. -Die Neuangekommenen verlangten, völlig enttäuscht, nach Frankreich zurückgeschafft -zu werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition -entsandt hatte, erklärten, die Kolonie habe keine Zukunft; die Gesellschaft -gab sie denn auch 1669 an die Krone zurück und ließ ihre Indienfahrer nicht mehr Fort -Dauphin, sondern die Insel Bourbon anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache -noch nicht auf und selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklärten, aushalten -zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien 1671 anbot, -sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf seiner Rückreise 1674 die Insel -anlief, fand er Fort Dauphin zerstört und die Ansiedler von ihren Sklaven und den -Eingeborenen ermordet, nur 63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufällig -eingetroffenen französischen Schiffe die Insel verlassen.</p> - -<p>Dagegen hatte sich die Insel <em class="gesperrt">Bourbon</em>, seit 1654 besiedelt, gut entwickelt. -Hier wurde Zucker- und Kaffeebau mit Sklaven getrieben, 1723 -zählte man 600 Weiße. Auch <em class="gesperrt">Isle de France</em> (Mauritius), 1715 in Besitz -genommen, blühte schnell auf, besonders unter <em class="gesperrt">La Bourdonnais</em>, -von 1735 an Gouverneur beider Inseln. Die Compagnie des Indes wandte -den Maskaren, als Station auf dem Wege nach Indien, große Sorgfalt zu, -sie führte Vieh sowie Neger und Kulis zur Bestellung der Plantagen ein.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p622.jpg" width="112" height="150" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_283_283" id="Footnote_283_283"></a><a href="#FNanchor_283_283"><span class="label">[283]</span></a> Hauptquelle Zimmermann, „Europäische Kolonien“, Band I, Spanien, Portugal; -Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; Band V, Niederlande.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_284_284" id="Footnote_284_284"></a><a href="#FNanchor_284_284"><span class="label">[284]</span></a> Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen Kolonien, -auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in Zimmermann, Band II. Die obige Kürze -der Darstellung führt notgedrungen zu Ungenauigkeiten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_285_285" id="Footnote_285_285"></a><a href="#FNanchor_285_285"><span class="label">[285]</span></a> Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch die Kriege -mit England genauer geschildert.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_286_286" id="Footnote_286_286"></a><a href="#FNanchor_286_286"><span class="label">[286]</span></a> Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue Angaben -über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben sind.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_287_287" id="Footnote_287_287"></a><a href="#FNanchor_287_287"><span class="label">[287]</span></a> Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_288_288" id="Footnote_288_288"></a><a href="#FNanchor_288_288"><span class="label">[288]</span></a> Näheres Zimmermann, Band IV.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Footnote_289_289" id="Footnote_289_289"></a><a href="#FNanchor_289_289"><span class="label">[289]</span></a> Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_623" id="Page_623">[623]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p623.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Seekriege.</h2> - -<table cellpadding="2" summary="p623"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5"><b>Im Altertum.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="3">Zeit</td> - <td> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">8. bis 5. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Phöniziens Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_17">17</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">513</td> - <td class="tdc">v.</td> - <td class="tdc">Chr.</td> - <td class="tdl">Darius gegen die Skythen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_17">17</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">493–449</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Perserkriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_18">18</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">431–404</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Peloponnesischer Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_19">19</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">480–310</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Karthagos Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_19">19</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">264–146</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Punische Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_20">20</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">bis 31</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Roms Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_20">20</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5"><b>Im Mittelalter.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">5. und 6. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Byzanz' Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_42">42</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">11. bis 13. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Kreuzzüge</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">12., 13. u. 14. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Genuas und Venedigs Kriege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">10. u. 12. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Die Staaten der Pyrenäischen Halbinsel</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">9. bis 11. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Züge der Normannen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">14. u. 15. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Kämpfe der Hansa</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">13., 14. u. 15. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Kriege zwischen England und Frankreich</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_44">44–47</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5"><b>In der Zeit von 1492–1648.</b></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"> </td> - <td class="tdl">Kriege im Mittelmeer:</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">16. Jahrh.</td> - <td class="td33">Venedig und die Türken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_108">108</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">16. u. 17. Jahrh.</td> - <td class="td33">Frankreich, Spanien, die italienischen Städte</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_109">109</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"> </td> - <td class="tdl">Kriege in der Ostsee:</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">16. Jahrh.</td> - <td class="td33">Hansa</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_109">109</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">16. u. 17. Jahrh.</td> - <td class="td33">Schweden und Dänemark</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_110">110</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">16. u. 17. Jahrh.</td> - <td class="tdl">Kriege zwischen England und Frankreich</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_111">111–112</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1566(1585)–1588</td> - <td class="tdl">Krieg Hollands und Englands gegen Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_112">112–114</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1588</td> - <td class="tdl">Der Zug der Armada</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_114">114–133</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1588–1604</td> - <td class="tdl">Krieg Englands gegen Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_133">133–137</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1588–1648</td> - <td class="tdl">Krieg Hollands gegen Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_139">139–142</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="3"> </td> - <td class="td33">(In diesem Kriege, Kampf Hollands gegen Dünkirchen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_140">140</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5"><b>In der Zeit von 1648–1739.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1652–1654</td> - <td class="tdl">Der erste englisch-holländische Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_189">189–235</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1654–1659</td> - <td class="tdl">England gegen Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_236">236–238</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1656–1661<span class="pagenum"><a name="Page_624" id="Page_624">[624]</a></span></td> - <td class="tdl">Holland gegen Portugal</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_239">239</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1655–1660</td> - <td class="tdl">Schwedisch-polnisch- (holländisch-brandenburgisch) dänischer Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_239">239–245</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1654–1665</td> - <td class="tdl">Kämpfe gegen die Barbaresken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_239">239</a>, <a href="#Page_246">246</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1635–1659</td> - <td class="tdl">Frankreich gegen Spanien (und Frondekriege)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_246">246</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1645–1669</td> - <td class="tdl">Venedig gegen die Türken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_247">247</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1665–1667</td> - <td class="tdl">Der zweite englisch-holländische Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_248">248–306</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1667–1672</td> - <td class="tdl">Kämpfe gegen die Barbaresken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_319">319</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1672–1674</td> - <td class="tdl">Der dritte englisch-holländische Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_307">307–361</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1674–1678</td> - <td class="tdl">Französisch-holländisch (-spanischer) Krieg (Fortsetzung des vorigen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_363">363–393</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1675–1679</td> - <td class="tdl">Schwedisch-dänischer (holländisch-brandenburgischer) Krieg, schonischer Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_394">394–402</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1674–1688</td> - <td class="tdl">Kämpfe gegen die Barbaresken (französische Bombardements)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_402">402–408</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1684</td> - <td class="tdl">Die Franzosen vor Genua</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_408">408–409</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1684–1699</td> - <td class="tdl">Venedig gegen die Türken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_409">409</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1688–1697</td> - <td class="tdl">Der französisch-englisch-holländische Krieg (Pfälzischer Erbschaftskrieg)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_410">410–485</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1702–1713</td> - <td class="tdl">Der Spanische Erbfolgekrieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_486">486–576</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1718–1720</td> - <td class="tdl">Krieg der Quadrupel-Allianz (England, Frankreich usw.) gegen Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_577">577–582</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1700–1721</td> - <td class="tdl">Der Nordische Krieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_582">582–591</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1714–1718</td> - <td class="tdl">Kriege Venedigs gegen die Türken (1645–1669, 1684 bis 1699)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_591">591–592</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1715–1740</td> - <td class="tdl">Kämpfe gegen die Barbaresken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_592">592–593</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1727–1728</td> - <td class="tdl">Zusammenstoß Englands mit Spanien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_596">596</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="3">1733–1735</td> - <td class="tdl">Polnischer Thronfolgekrieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_597">597</a></td> - </tr> -</table> - -<h2>Seeschlachten.<br /> -<span style="font-size: 80%;">Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte.</span></h2> - -<table cellpadding="2" summary="p624"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5">Zeit</td> - <td colspan="4"> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="10"><b>Im Altertum.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">494 </td> - <td class="tdc">v.</td> - <td class="tdc">Chr.</td> - <td class="tdl" colspan="4">Lade</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_17">17</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">480 </td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">Artemisium, Salamis</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_18">18</a>, <a href="#Page_23">23</a>, <a href="#Page_24">24</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">429 </td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">Rhium</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_23">23</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">256 </td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">Eknomos</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_20">20</a>, <a href="#Page_23">23</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">36 </td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">Mylae (Naulochus)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_21">21</a>, <a href="#Page_22">22</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">31 </td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl" colspan="4">Aktium</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_21">21</a>, <a href="#Page_22">22</a>, <a href="#Page_24">24</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="10"><b>Mittelalter.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1212 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Damme</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_44">44</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1217 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Southforeland</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_49">49</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1340 </td> - <td class="tdl" colspan="2">24. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Sluys</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_49">49</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1372 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">La Rochelle</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_46">46</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1416 </td> - <td class="tdl" colspan="2">September</td> - <td class="tdl" colspan="4">Harfleur</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_47">47</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1417 </td> - <td class="tdl" colspan="2">25. Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Im Kanal</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_47">47</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1351 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Auf der Maas</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_48">48</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="10"><b>In der Zeit von 1492–1648.</b><span class="pagenum"><a name="Page_625" id="Page_625">[625]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1571 </td> - <td class="tdr">7.</td> - <td class="tdl">Oktober</td> - <td class="tdl" colspan="4">Lepanto</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_144">144</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1580 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Bei den Azoren</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_112">112</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1622 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">La Rochelle</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_112">112</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1638 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Genua</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_145">145</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1587 </td> - <td class="tdl" colspan="2">19. April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Zerstörung der Schiffe in Cadiz (Drake)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_115">115</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="5">1588</td> - <td class="td18" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td class="tdc">21.</td> - <td class="tdc">Juli</td> - <td class="tdl">Plymouth</td> - <td class="td19" rowspan="5"></td> - <td rowspan="5"></td> - <td class="tdc" rowspan="5">Während<br />des Zuges<br />der<br />Armada</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_126">126</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">23.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Portland</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_127">127</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">25.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Wight</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_128">128</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">28.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Calais</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_129">129</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">29.</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Gravelines</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_130">130</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1596 </td> - <td class="tdl" colspan="2">20. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Angriff auf Cadiz (Howard)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_135">135</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1625 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Ebenso (Wimbledon)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_138">138</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1607 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_139">139</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1631 </td> - <td colspan="2"> </td> - <td class="tdl" colspan="4">Auf der Schelde</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_141">141</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1639 </td> - <td class="tdl" colspan="2">21. Oktober</td> - <td class="tdl" colspan="4">In den Downs (eine zweite Armadakatastrophe)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_141">141</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="10"><b>In der Zeit von 1648–1739.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="10">(Der Name des Siegers ist zuerst angeführt.)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">29.</td> - <td class="tdl">Mai</td> - <td class="tdl" colspan="4">Dover (Blake-Tromp, Martin)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_199">199</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">26.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Plymouth (Ruyter-Ayscue)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_205">205</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">7.</td> - <td class="tdl">September</td> - <td class="tdl" colspan="4">Blake vernichtet ein franz Geschwader (Vendôme)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_208">208</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">6.</td> - <td class="tdl">September</td> - <td class="tdl" colspan="4">Elba (van Galen-Badiley)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_208">208</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">30.</td> - <td class="tdl">September</td> - <td class="tdl" colspan="4">Livorno (Bootsangriff auf „Phönix“)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_209">209</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">8.</td> - <td class="tdl">Oktober</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kentish Knock (Blake-Witte de Witt)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_209">209</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1652 </td> - <td class="tdr">10.</td> - <td class="tdl">Dezember</td> - <td class="tdl" colspan="4">Dungeness (Tromp-Blake)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_211">211</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1653 </td> - <td class="tdr">14.</td> - <td class="tdl">März</td> - <td class="tdl" colspan="4">Livorno (van Galen-Appleton)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_214">214</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1653 </td> - <td class="tdl" colspan="2">28. Febr.–2. März</td> - <td class="tdl" colspan="4">Portland (Blake-Tromp)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_214">214</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1653 </td> - <td class="tdl" colspan="2">12./13. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Northforeland-Nieuport (Monck-Tromp)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_222">222</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1653 </td> - <td class="tdr">8.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kattwijk (Monck-Tromp)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_224">224</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1653 </td> - <td class="tdr">10.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Scheveningen (Monck-Tromp)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_226">226</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1654 </td> - <td class="tdr">13.</td> - <td class="tdl">April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Penn landet bei Domingo</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_236">236</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1654 </td> - <td class="tdl" colspan="2">10.–17. Mai</td> - <td class="tdl" colspan="4">Jamaica erobert (Penn)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_236">236</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1654 </td> - <td class="tdr">4.</td> - <td class="tdl">April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Tunis (Schiffe vernichtet; Blake)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_237">237</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1657 </td> - <td class="tdr">27.</td> - <td class="tdl">April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Teneriffa (Schiffe vernichtet; Blake)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_238">238</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1658 </td> - <td class="tdr">8.</td> - <td class="tdl">November</td> - <td class="tdl" colspan="4">Im Sunde (Wassenaer-Wrangel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_242">242</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1659 </td> - <td class="tdr">23.</td> - <td class="tdl">November</td> - <td class="tdl" colspan="4">Nyborg beschossen (Ruyter)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_245">245</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1664 </td> - <td class="tdr">29.</td> - <td class="tdl">Dezember</td> - <td class="tdl" colspan="4">Smyrnaconvoi (holländ.) bei Gibraltar angegriffen (Allin)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_254">254</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1665 </td> - <td class="tdr">13.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Lowestoft (Herzog von York-Wassenaer)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_263">263</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1665 </td> - <td class="tdr">12.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Bergen, Angriff auf holländ. Kauffahrer (Tyddiman)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_271">271</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1666 </td> - <td class="tdl" colspan="2">11.–14. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Viertageschlacht (Ruyter-Monck)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_273">273</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1666 </td> - <td class="tdl" colspan="2">4./5. August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Northforeland (zweite Schlacht; Monck-Ruyter)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_282">282</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1666 </td> - <td class="tdr">19.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Engländer im Vlie-Strome (Holmes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_286">286</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1667 </td> - <td class="tdl" colspan="2">17.–23. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Ruyter in Themse und Medway</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_292">292</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1672 </td> - <td class="tdr">23.</td> - <td class="tdl">März</td> - <td class="tdl" colspan="4">Smyrnaconvoi (holländ.) bei Wight angegriffen (Holmes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_321">321</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1673 </td> - <td class="tdr">7.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Schooneveld (erste Schlacht; Ruyter-Prinz Rupert)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_334">334</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1673 </td> - <td class="tdr">14.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Schooneveld (zweite Schlacht; Ruyter-Prinz Rupert)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_339">339</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1673 </td> - <td class="tdr">21.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Texel (Ruyter-Prinz Rupert)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_341">341</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1674 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juni, Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Französische Küstenstädte angegriffen (Tromp, Cornelis)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_364">364</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1674 </td> - <td class="tdr">20.</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Martinique (Ruyters Landung)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_368">368</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1675 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Februar</td> - <td class="tdl" colspan="4">Stromboli (Vivonne-del Viso)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_373">373</a><span class="pagenum"><a name="Page_626" id="Page_626">[626]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1676 </td> - <td class="tdr">8.</td> - <td class="tdl">Januar</td> - <td class="tdl" colspan="4">Stromboli (Ruyter-du Quesne)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_377">377</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1676 </td> - <td class="tdr">22.</td> - <td class="tdl">April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Agosta (du Quesne-Ruyter)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_381">381</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1676 </td> - <td class="tdr">2.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Palermo (Vivonne vernichtet holländ.-span. Flotte)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_385">385</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1676 </td> - <td class="tdr">4.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Bornholm (Niels Juel-Creutz)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_396">396</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1676 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Ertholm (Niels Juel und Tromp-Creutz)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_397">397</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1677 </td> - <td class="tdr">21.</td> - <td class="tdl">Februar</td> - <td class="tdl" colspan="4">Tabago (d'Estrées' Landung)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_370">370</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1677 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Warnemünde-Gjedser (Niels Juel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_398">398</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1677 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kjögebucht (Niels Juel-Horn)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_398">398</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1677 </td> - <td class="tdl" colspan="2">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kalmar (Tromps und Niels Juels Einfall)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_399">399</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1677 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Dezember</td> - <td class="tdl" colspan="4">Tabago (d'Estrées' zweite Landung)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_371">371</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1678 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Dezember</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kap Ouessant (Evertsen-Château-Renault)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_388">388</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1682 </td> - <td class="tdl" colspan="2">u. 1683 Sommer</td> - <td class="tdl" colspan="4">Algier bombardiert (du Quesne)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_405">405</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1684 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Mai</td> - <td class="tdl" colspan="4">Genua bombardiert (du Quesne)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_408">408</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1685 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Tunis, Tripolis bombardiert (d'Estrées)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_408">408</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1688 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Algier bombardiert (d'Estrées)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_408">408</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1689 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">Mai</td> - <td class="tdl" colspan="4">Bantrybay (Château-Renault-Herbert)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_430">430</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1690 </td> - <td class="tdr">10.</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Beachy Head (Tourville-Herbert)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_436">436</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1691 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juni–August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Tourvilles Hochsee-Kreuztour</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_441">441</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1692 </td> - <td class="tdl" colspan="2">29. Mai–3. Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kap Barfleur-La Hogue (Russell-Tourville)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_444">444</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1693 </td> - <td class="tdl" colspan="2">November</td> - <td class="tdl" colspan="4">St. Malo bombardiert (England)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_459">459</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1694 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juni–September</td> - <td class="tdl" colspan="4"> Brest angegriffen; Dieppe, Dünkirchen, Calais beschossen (England)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_461">461</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1695 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juli, August</td> - <td class="tdl" colspan="4">St. Malo, Dünkirchen, Calais beschossen (England)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_463">463</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1696 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Westküste Frankreichs bedroht (England)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_466">466</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1697 </td> - <td class="tdl" colspan="2">April</td> - <td class="tdl" colspan="4">Cartagena (Mittelamerika) erobert (de Pointis)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_467">467</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1700 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kopenhagen angegriffen (Schweden, England, Holland)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_586">586</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1702 </td> - <td class="tdl" colspan="2">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Cadiz angegriffen (Rooke)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_514">514</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1702 </td> - <td class="tdl" colspan="2">29. Aug.–3. Sept.</td> - <td class="tdl" colspan="4">Cartagena (du Casse-Benbow)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_563">563</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1702 </td> - <td class="tdr">23.</td> - <td class="tdl">Oktober</td> - <td class="tdl" colspan="4">Vigo, Vernichtung der Silberflotte (Rooke)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_516">516</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1704 </td> - <td class="tdr">3.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar erobert (Rooke)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_526">526</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1704 </td> - <td class="tdr">3.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar erobert (Rooke)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_526">526</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1704 </td> - <td class="tdr">24.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Malaga (Rooke-Graf Toulouse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_530">530</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1704 </td> - <td class="tdl" colspan="2">/05 Winter</td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar, Rückeroberungsversuche (Frankreich)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_536">536</a>, <a href="#Page_538">538</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1705 </td> - <td class="tdr">18.</td> - <td class="tdl">März</td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar (Leake-de Pointis)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_538">538</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1705 </td> - <td class="tdr">3.</td> - <td class="tdl">September</td> - <td class="tdl" colspan="4">Barcelona erobert (Shovel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_540">540</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1707 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Juli u. August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Toulon belagert (Prinz Eugen und Shovel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_547">547</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1710 </td> - <td class="tdr">24.</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Cette, Landung der Engländer</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_554">554</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1712 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Herbst</td> - <td class="tdl" colspan="4">Rio gebrandschatzt (Duguay-Trouin)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_556">556</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1714 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Sommer</td> - <td class="tdl" colspan="4">Hangö-Udd (Apraxin-Schweden)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_589">589</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1715 </td> - <td class="tdr">28.</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl" colspan="4">Holsteinische Küste (Dänen-Schweden)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_588">588</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1715 </td> - <td class="tdr">8.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Rügen (Dänen-Schweden)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_588">588</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1718 </td> - <td class="tdr">11.</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl" colspan="4">Kap Passaro (Byng vernichtet spanische Flotte)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_580">580</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1719 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Oktober</td> - <td class="tdl" colspan="4">Einfälle in Spanien (Frankreich und England)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_581">581</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="3">1727 </td> - <td class="tdl" colspan="2">Januar–Juni</td> - <td class="tdl" colspan="4">Gibraltar durch Spanien belagert</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_596">596</a></td> - </tr> -</table> - -<hr class="full" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_627" id="Page_627">[627]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p627.jpg" width="600" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Sach- und Namenverzeichnis.</h2> - -<ul class="index"> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Acadia</em> d. i. Neuschottland und Neubraunschweig; Besiedlung <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe um -siehe „<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Admiral</em>, Ursprung des Wortes <a href="#Page_52">52</a>; Admirale im Mittelalter <a href="#Page_52">52</a>; Zeit -(1492–1648) <a href="#Page_149">149</a>, <a href="#Page_152">152</a>; (1648–1740) <a href="#Page_181">181</a>; Generale zur See in -England <a href="#Page_195">195</a>; englische Admiralsgrade nach den Flaggen <a href="#Page_221">221</a>; große -Vermehrung der A. in Holland <a href="#Page_257">257</a>; Lordhighadmiral <a href="#Page_260">260</a>; -Generalleutnant-Admiral in Holland <a href="#Page_314">314</a>; A. in Frankreich (vor und nach -1660) <a href="#Page_318">318</a>; Admiralität und A. of the fleet in England <a href="#Page_419">419</a>; Joint-Admirals -<a href="#Page_440">440</a>, <a href="#Page_457">457</a>, <a href="#Page_459">459</a>, <a href="#Page_540">540</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Advijsjachten</em>, holländ. Schiffstyp <a href="#Page_255">255</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Afrika</em>, siehe unter „<a href="#Ostafrika">Ostafrika</a>“ und „<a href="#Westafrika">Westafrika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Agrippa</em>, <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ägypter</em>, Schiffahrt <a href="#Page_4">4</a>; in Indien (1508) <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Albemarle</em>, Herzog von, englischer Admiral siehe „<a href="#Monck">Monck</a>;“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Alberoni</em>, Kardinal, Leiter Spaniens (1714–1720), hebt -Seestreitkräfte, Umtriebe gegen die Bedingungen des Friedens von Utrecht -578–581.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Allin</em>, engl. Admiral (1664) <a href="#Page_254">254</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Almonde</em>, holländ. Admiral (1676) <a href="#Page_396">396</a>; bei Cap Barfleur <a href="#Page_447">447</a>, <a href="#Page_461">461</a>; im -Mittelmeer (1702) <a href="#Page_511">511</a>, <a href="#Page_514">514</a>, (1703) <a href="#Page_520">520</a>; in der Ostsee (1700) <a href="#Page_586">586</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Amboina</em>, Streit zwischen England und Holland <a href="#Page_83">83</a>, <a href="#Page_189">189</a>, <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Amerika</em>, siehe unter „<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“ und -„Südamerika“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Amfreville</em>, de, franz. Admiral (1690) <a href="#Page_434">434</a>, <a href="#Page_441">441</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Anapolis</em>, siehe <a href="#Port_Royal">Port Royal</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Antilia</em>, sagenhafte Insel im Atlantik <a href="#Page_51">51</a>, <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Appleton</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_209">209</a>, <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Apraxin</em>, russisch. Admiral (1700) <a href="#Page_589">589</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Archangel</em>, gegründet (1584) <a href="#Page_77">77</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Armada</em>, Geschichte der <a href="#Page_116">116</a> ff; Ereignisse der Armadawoche <a href="#Page_126">126</a> (siehe auch -unter „<a href="#Seeschlachten">Seeschlachten</a>“); Instruktion für die A. <a href="#Page_116">116</a>; -Streitkräfte der Spanier <a href="#Page_119">119</a>, der Engländer <a href="#Page_123">123</a>, der Holländer <a href="#Page_120">120</a>; -Abwägung der Gegner <a href="#Page_122">122</a>; Verluste <a href="#Page_132">132</a>; Kritik <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li class="isub1">Eine zweite Armadakatastrophe (1639) <a href="#Page_141">141</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Armierung</em>, der Schiffe bei den verschiedenen Marinen siehe unter -„<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Artillerie</em>, Entwicklung der usw. siehe unter „<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Assiento-Vertrag</em>, zwischen England und Spanien (1713) über Negereinfuhr -und Handel in Westindien <a href="#Page_576">576</a>, <a href="#Page_598">598</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Augsburger Bund</em>, gegen Ludwig XIV. (1686) <a href="#Page_411">411</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Australien</em> (Torresstraße, Tasmanien, Neuseeland entdeckt) <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ayscue</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_199">199</a>, <a href="#Page_204">204</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Back</em>, Vordeck, siehe „<a href="#Decke">Decke</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Badiley</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_209">209</a>, <a href="#Page_214">214</a>, <a href="#Page_219">219</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ballisten</em>, Wurfmaschinen <a href="#Page_13">13</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bankers</em>, holländ. Admiral (1672), bei Solebay <a href="#Page_325">325</a> ff; bei Schooneveld <a href="#Page_336">336</a> -ff; bei Texel <a href="#Page_345">345</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Barbareskenstaaten</em>, <a href="#Page_91">91</a>; weitere Kämpfe mit ihnen siehe unter -„<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“.<span class="pagenum"><a name="Page_628" id="Page_628">[628]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Barcelona</em>, belagert (1691) <a href="#Page_444">444</a>, (1694) <a href="#Page_460">460</a>; erobert (1697) <a href="#Page_466">466</a>; -angegriffen (1704) <a href="#Page_524">524</a>; erobert (1705) <a href="#Page_540">540</a>; belagert und entsetzt (1706) -<a href="#Page_540">540</a>; erstürmt (1714) <a href="#Page_556">556</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bart, Jean</em>, berühmter franz. Freibeuter (1674) <a href="#Page_389">389</a>, <a href="#Page_403">403</a>, <a href="#Page_463">463</a>, <a href="#Page_465">465</a>; -Personalien und Haupttaten <a href="#Page_470">470</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Beaufort</em>, Herzog von, franz. Admiral (1665) <a href="#Page_272">272</a>, <a href="#Page_287">287</a> ff, in Kreta -† <a href="#Page_320">320</a>, <a href="#Page_592">592</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Behaim</em>, Martin, Instrumente, Globus, Weltkarte <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_57">57</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Belle-Isle</em>, franz. Insel, angegriffen (1674) <a href="#Page_364">364</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bemannung</em> der Schiffe, siehe unter „<a href="#Personal">Personal</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Benbow</em>, engl. Admiral, in Westindien (1702) <a href="#Page_508">508</a>; Gefecht bei Cartagena -562.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Berkeley</em>, engl. Admiral, vor franz. Küstenstädten (1694/1695) -461–463; an franz. Westküste (1696) <a href="#Page_466">466</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bielke</em>, dänisch. Admiral (1658) <a href="#Page_243">243</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Binckes</em>, holländ. Admiral (1676) bei Tabago <a href="#Page_369">369</a> ff</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Blake</em>, Robert, berühmter engl. Admiral, <a href="#Page_198">198</a>; bei Dover (1654) <a href="#Page_199">199</a>; -Personalien <a href="#Page_200">200</a>, <a href="#Page_204">204</a>; vernichtet franz. Geschwader <a href="#Page_208">208</a>; bei Kentish-Knock -<a href="#Page_209">209</a>; bei Dungeness <a href="#Page_212">212</a>; bei Portland <a href="#Page_215">215</a>; vor Tunis und Teneriffa <a href="#Page_237">237</a>, -<a href="#Page_238">238</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Boote</em>, Bei-, Schiffs-, <a href="#Page_166">166</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bourbon</em>, Insel, von Frankreich besiedelt (1654) <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bourbonischer Familienvertrag</em>, Keim zum großen Seekriege (1739 usw.) <a href="#Page_622">622</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bourne</em>, engl. Admiral(1652) <a href="#Page_199">199</a>, <a href="#Page_210">210</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Brandenburg</em>, siehe unter „<a href="#Friedrich_Wilhelm">Friedrich Wilhelm</a>“ und unter -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Brander" id="Brander">Brander</a></em>, <a href="#Page_42">42</a>, <a href="#Page_106">106</a>; großer Angriff mit B. (1588) <a href="#Page_129">129</a>; Wesen der, Bestände -an <a href="#Page_172">172</a>; Blüte und Niedergang der Waffe <a href="#Page_188">188</a>, <a href="#Page_313">313</a>, <a href="#Page_354">354</a>; größter Erfolg bei -Palermo <a href="#Page_385">385</a>; Abarten: Infernals <a href="#Page_459">459</a>, <a href="#Page_462">462</a>, <a href="#Page_464">464</a>; Rauchschiffe <a href="#Page_464">464</a>; -Bedeutung der Waffe (1688–1697) <a href="#Page_474">474</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Brasilien" id="Brasilien">Brasilien</a></em>, entdeckt (1500) <a href="#Page_60">60</a>; besiedelt <a href="#Page_74">74</a>; Holländer dort <a href="#Page_88">88</a>, Franzosen - <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe Portugals mit Holland <a href="#Page_198">198</a>; Duguay-Trouin brandschatzt Rio -(1712) <a href="#Page_556">556</a>; Geschichte B.s (1648–1740) <a href="#Page_605">605</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Brest</em>, Angriff auf (1694) <a href="#Page_461">461</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Britische Gewässer</em>, (four seas), in denen England die Oberhoheit -beanspruchte <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bucanier</em> siehe „<a href="#Flibustier">Flibustier</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bücher</em>, nautische, im Altertum <a href="#Page_6">6</a>; im Mittelalter <a href="#Page_31">31</a>; (1492–1648) -<a href="#Page_106">106</a>; (1648–1739) <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bullen</em>, päpstliche über Teilung der Welt <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bündnisse</em>, Schwäche der <a href="#Page_356">356</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Burgh</em>, Hubert de, engl. Flottenführer (1217) <a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Byng</em>, engl. Admiral, vor Gibraltar (1704) <a href="#Page_526">526</a>, <a href="#Page_542">542</a>; im Mittelmeer (1709) -<a href="#Page_553">553</a>, (1718) <a href="#Page_579">579</a>; vernichtet spanische Flotte <a href="#Page_580">580</a>; in der Ostsee (1717) -<a href="#Page_590">590</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Byzanz" id="Byzanz">Byzanz</a></em> (oströmisches Reich), Schifffahrt <a href="#Page_26">26</a>; Schiffe <a href="#Page_32">32</a>; Kriege <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Cabotto</em>, Giovanni, Entdecker Nordamerikas <a href="#Page_76">76</a>. — Sebastian (Sohn -G.s) Entdeckungen im Norden Europas <a href="#Page_77">77</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cabral</em>, Pedro, Alvarez, entdeckt Brasilien <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Calais</em>, Wechsel der Besitzer <a href="#Page_46">46</a>, <a href="#Page_47">47</a>, <a href="#Page_112">112</a>, <a href="#Page_135">135</a>; beschossen (1694) <a href="#Page_462">462</a>, -(1695) <a href="#Page_464">464</a>, (1696) <a href="#Page_465">465</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Callenburgh</em>, holländ. Admiral (1675) <a href="#Page_383">383</a>; entzieht sich du Quesne <a href="#Page_387">387</a>; -<a href="#Page_437">437</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Camisarden</em> siehe „<a href="#Cevennenkrieg">Cevennenkrieg</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cartier</em>, franz. Entdecker in Nordamerika <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_89">89</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Casse</em>, du, franz. Admiral <a href="#Page_469">469</a>; Haupttaten <a href="#Page_562">562</a>; Gefecht bei Cartagena -(1702) <a href="#Page_563">563</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cassard</em>, franz. Admiral, in Westindien (1712) <a href="#Page_555">555</a>; Haupttaten <a href="#Page_562">562</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Catinat</em>, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_489">489</a>, <a href="#Page_491">491</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cette</em>, (Cevennenkrieg, Camisarden) <a href="#Page_494">494</a>; Engländer dort (1703) <a href="#Page_520">520</a>; -Landung (1710) <a href="#Page_554">554</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Cevennenkrieg" id="Cevennenkrieg">Cevennenkrieg</a></em>, siehe vorstehend.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Château-Renault</em>, franz. Admiral (1678) <a href="#Page_388">388</a>; bei Bantrybay <a href="#Page_429">429</a>, <a href="#Page_433">433</a>; bei -Beachy Head <a href="#Page_437">437</a>; in Westindien (1701) <a href="#Page_508">508</a>; mit der Silberflotte in Vigo -vernichtet <a href="#Page_516">516</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_629" id="Page_629">[629]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Childs</em>, John, Präsident der engl.-ostind. Kompagnie (1686) <a href="#Page_615">615</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cinque-Ports</em>, <a href="#Page_50">50</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Clifford</em>, George, Earl of Cumberland, berühmter engl. Freibeuter (1589) -<a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Coëtlogon</em>, franz. Admiral (1688) <a href="#Page_469">469</a>, <a href="#Page_508">508</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Colbert</em>, <a href="#Page_158">158</a>, <a href="#Page_250">250</a>; gründet franz. Marine, seine Wohlfahrtspolitik <a href="#Page_315">315</a>; -gründet Kolonien <a href="#Page_603">603</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Condé</em>, Prinz von, franz. Marschall <a href="#Page_329">329</a> ff, <a href="#Page_362">362</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">„Constant Warwick</em>“, engl. Schiff (1646) <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Convoiwesen" id="Convoiwesen">Convoi-Wesen</a></em> <a href="#Page_94">94</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Convoijers</em>, holländ. Schiffe nur für Handelsschutz <a href="#Page_468">468</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cromwell</em>, <a href="#Page_157">157</a>, <a href="#Page_190">190</a>, <a href="#Page_228">228</a>, <a href="#Page_236">236</a>, <a href="#Page_257">257</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Croßstaff</em>, nautisches Instrument <a href="#Page_31">31</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Dänemark</em>, Kriege siehe unter „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“, Marine siehe unter -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="isub1">Alte Eroberungszüge <a href="#Page_43">43</a>; erste Kolonien <a href="#Page_90">90</a>; -geschichtliche Angaben <a href="#Page_212">212</a>, <a href="#Page_229">229</a>, <a href="#Page_272">272</a>, (1672) <a href="#Page_362">362</a>; Ende der Kriege mit -Schweden um die Ostsee <a href="#Page_532">532</a>; D. im Nordischen Kriege <a href="#Page_585">585</a> ff.</li> -<li class="isub1">Dänemarks Kolonien (bis 1740) <a href="#Page_604">604</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Danzig</em>, durch holländische Flotte geschützt (1656) <a href="#Page_240">240</a>; durch russische -Flotte blockiert (1734) <a href="#Page_597">597</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dean</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_198">198</a>; Personalien <a href="#Page_215">215</a>; <a href="#Page_219">219</a>; † <a href="#Page_224">224</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Decke" id="Decke">Decke</a>, Schiffs</em>-, Vermehrung der <a href="#Page_97">97</a>, <a href="#Page_99">99</a>; Vordeck, Halbdeck usw. <a href="#Page_99">99</a>, <a href="#Page_166">166</a>, -169<a href="#Page_169">169</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Defensionsschiffe</em>, dänische <a href="#Page_148">148</a>, <a href="#Page_582">582</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Delaval</em>, engl. Admiral, bei Cherbourg (1692) <a href="#Page_454">454</a>, <a href="#Page_457">457</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Derfflinger</em>, brandenburg. Feldmarschall <a href="#Page_400">400</a> ff</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Devolutionskrieg</em>, Ludwigs XIV. (1667) <a href="#Page_250">250</a>, <a href="#Page_289">289</a>, <a href="#Page_307">307</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Diaz, Bartolomeu</em>, umsegelt das Kap. <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Downs</em>, die, Rhede von Deal <a href="#Page_199">199</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Drake, Francis</em>, engl. Admiral, Entdecker und Freibeuter (1572) <a href="#Page_80">80</a> ff; Zug -gegen Cadiz <a href="#Page_115">115</a>; gegen Portugal <a href="#Page_133">133</a>; nach Westindien † <a href="#Page_135">135</a>; sein -berühmter Grundsatz <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_95">95</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dreidecker</em>, der erste („Royal Sovereign“) <a href="#Page_100">100</a>; <a href="#Page_169">169</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dromone</em>, oströmischer Schiffstyp <a href="#Page_32">32</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dubois</em>, Kardinal, Leiter Frankreichs (1715–1723), schlechter -Einfluß auf Marine <a href="#Page_503">503</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Duguay-Trouin</em>, franz. Admiral und Freibeuter <a href="#Page_469">469</a>; Zug gegen Rio (1712) -<a href="#Page_556">556</a>; Haupttaten <a href="#Page_562">562</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dumas</em>, franz. Gouverneur in Indien (1741) <a href="#Page_618">618</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dünkirchen</em>, Ausgangshafen für Freibeuter <a href="#Page_140">140</a>; seine Macht (1630 bis 1646, -Krieg gegen Holland) <a href="#Page_140">140</a>; Wechsel des Besitzers <a href="#Page_238">238</a>, <a href="#Page_247">247</a>; Kreuzerkrieg -gegen Holland (1674 bis 1678) <a href="#Page_389">389</a>, <a href="#Page_443">443</a>; Angriffe auf (1694/95) <a href="#Page_462">462</a>, <a href="#Page_463">463</a>, -<a href="#Page_467">467</a>; Krieg gegen Holland und England (1702 bis 1713) <a href="#Page_558">558</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dupleix</em>, franz. Gouverneur in Indien (1735) <a href="#Page_618">618</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Eddystone</em>, Leuchtturm erbaut (1698) <a href="#Page_167">167</a>; weggewaschen (1703) <a href="#Page_521">521</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Seeherrschaft" id="Seeherrschaft">Einfluß der Seeherrschaft</a>.</em> Altertum: <a href="#Page_2">2</a>; Punischer Krieg <a href="#Page_19">19</a>; Mittelalter: -Englisch-französische Kriege <a href="#Page_44">44</a> ff, <a href="#Page_47">47</a>; (1492–1648): Wichtigkeit -der Seeherrschaft <a href="#Page_106">106</a>; (1648–1739): Einfluß im Pfälzischen -Erbschaftskriege (1688–1697) <a href="#Page_417">417</a>, <a href="#Page_484">484</a>; im Spanischen Erbfolgekriege -(1702–1713) <a href="#Page_486">486</a>, <a href="#Page_568">568</a>; Einfluß der englischen Seemacht im Nordischen -Kriege <a href="#Page_582">582</a>, <a href="#Page_591">591</a>; gegen Spanien (1725) und im Polnischen Thronfolgekriege -<a href="#Page_596">596/97</a>.</li> -<li class="isub1">Siehe auch unter „Kriegführung zur See“ und unter „Strategie“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Elisabeth von England</em>, als Förderin der Schiffahrt <a href="#Page_84">84</a>; zur Zeit der -Armada <a href="#Page_113">113</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="England" id="England">England</a></em>, Kriege siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“, Marine siehe -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“, Armierung der Schiffe siehe -„<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.<span class="pagenum"><a name="Page_630" id="Page_630">[630]</a></span></li> -<li class="isub1">Erste Schiffahrt <a href="#Page_28">28</a>; E. geht in die Ozeane und -Ostsee, verdrängt Spanien und Hansa <a href="#Page_78">78</a> ff; Kolonien: in Indien <a href="#Page_82">82</a>, -ostindische Kompagnie <a href="#Page_82">82</a>; in Nordamerika, in Westindien <a href="#Page_84">84</a>; -geschichtliche Angaben (1648) <a href="#Page_157">157</a>, (1652) <a href="#Page_189">189</a>; in der Ostsee (1659, -schwed.-polnisch. Krieg) <a href="#Page_244">244</a>; geschichtlich (1665) <a href="#Page_248">248</a>; Unternehmen gegen -holländ. Kolonien (1663) <a href="#Page_252">252</a>; führt (1667) Kreuzerkrieg <a href="#Page_290">290</a>; Politik -(1672) <a href="#Page_309">309</a> ff; politische Haltung (vor 1688) <a href="#Page_412">412</a>; Vertrag mit Spanien -(1693) <a href="#Page_456">456</a>; erste feste Station im Mittelmeer <a href="#Page_461">461</a>; Stellung zur -spanischen Thronfolgefrage (1700) <a href="#Page_488">488</a> ff; Kriegserklärung <a href="#Page_490">490</a>; -Methuenvertrag mit Portugal (P. von nun an von E. abhängig) <a href="#Page_490">490</a>; E. gibt -Spanien auf (1712) <a href="#Page_555">555</a>; Verlust an Schiffen im Kriege (1702–1713) -<a href="#Page_557">557</a>; E.s Klage gegen Holland über Lauheit im Kriege <a href="#Page_499">499</a>, <a href="#Page_566">566</a>; Verluste im -Kreuzerkriege <a href="#Page_560">560</a>; Ergebnisse des Krieges für E. (Assiento-Vertrag, E. -die einzige Seemacht) <a href="#Page_575">575</a>; Bund mit Frankreich zur Aufrechterhaltung des -Friedens von Utrecht (1717, Quadrupelallianz) <a href="#Page_578">578</a>; Beteiligung am -Nordischen Kriege <a href="#Page_586">586</a>, <a href="#Page_590">590</a>; Einfluß seiner Seegewalt <a href="#Page_596">596</a>, <a href="#Page_597">597</a>; Spannung -mit Spanien führt zum Kriege (1739) <a href="#Page_594">594</a> ff.</li> -<li class="isub1">Englands Kolonien, Geschichte -(1648–1740) <a href="#Page_601">601</a>, <a href="#Page_605">605</a>, <a href="#Page_614">614</a>, <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Essex</em>, Graf von, englischer Befehlshaber, gegen Cadiz (1596) <a href="#Page_135">135</a> ff; -dessen Sohn gegen Cadiz (1625) <a href="#Page_138">138</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Estrées</em>, Comte de, franz. Admiral (1672) bei Solebay <a href="#Page_325">325</a> ff; bei -Schooneveld <a href="#Page_336">336</a> ff; bei Texel <a href="#Page_345">345</a> ff; Personalien und Beurteilung <a href="#Page_347">347</a>, -<a href="#Page_355">355</a>; bei Tabago <a href="#Page_370">370</a> ff; vor Tunis und Algier <a href="#Page_408">408</a>.</li> -<li class="isub1">Sohn des vorigen, -franz. Admiral, im Mittelmeer (1691) <a href="#Page_444">444</a>, (1701) <a href="#Page_509">509</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Eugen, Prinz von Savoyen</em>, im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_489">489</a>, <a href="#Page_491">491</a> ff, <a href="#Page_512">512</a>; -vor Toulon <a href="#Page_547">547</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Evertsen, Cornelis</em>, holländ. Admiral, <em class="gesperrt">der ältere</em> (1665) <a href="#Page_273">273</a> ff; <em class="gesperrt">der -jüngere</em> (1665) <a href="#Page_264">264</a> ff; <em class="gesperrt">der jüngste</em> (1674) <a href="#Page_388">388</a>, <a href="#Page_426">426</a>; geschicktes Manöver -bei Beachy Head (1690) <a href="#Page_437">437</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Evertsen, Jan</em>, holländ. Admiral (1652) <a href="#Page_212">212</a>, <a href="#Page_216">216</a>, <a href="#Page_226">226</a>, <a href="#Page_264">264</a> ff; bei -Northforeland † <a href="#Page_283">283</a> ff.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Fernrohr</em>, Einführung <a href="#Page_106">106</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Flaggengruß</em>, den England beanspruchte <a href="#Page_191">191</a>, <a href="#Page_297">297</a>, Verstoß dagegen führt zum -Kriege (1672) <a href="#Page_311">311</a>; <a href="#Page_352">352</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Fleury</em>, Kardinal, Leiter Frankreichs (1723–1743), schlechter -Einfluß auf Marine <a href="#Page_503">503</a>; seine Friedenspolitik (bis 1748) <a href="#Page_595">595</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Flibustier" id="Flibustier">Flibustier</a></em>, Entstehung <a href="#Page_89">89</a>, <a href="#Page_92">92</a>; <a href="#Page_600">600/01</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Forbin</em>, franz. Admiral und Freibeuter (1688) <a href="#Page_469">469</a>; in der Adria (1702) -<a href="#Page_512">512</a>; Zug gegen Schottland mit Jakob III. <a href="#Page_552">552</a>; Haupttaten <a href="#Page_562">562</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frankreich</em>, Kriege siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“; Marine siehe -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“; Armierung der Schiffe siehe „<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.</li> -<li class="isub1">Erste überseeische Unternehmungen und Kolonien -<a href="#Page_89">89</a> ff; Geschichtliche Angaben <a href="#Page_229">229</a>, (1665) <a href="#Page_250">250</a>; Ludwigs XII. Politik -(1672) <a href="#Page_307">307</a> ff; Haltung im Kriege (1672–1674) <a href="#Page_335">335</a>; Politik (vor 1688 -siehe auch unter „<a href="#Ludwig_XIV">Ludwig XIV</a>“) <a href="#Page_410">410</a> ff; Gründe der Erschöpfung -(1697) <a href="#Page_415">415</a>; F.s Kreuzerkrieg <a href="#Page_467">467</a> ff; derselbe (1702 bis 1713) <a href="#Page_557">557</a> ff; -Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) <a href="#Page_488">488</a> ff (siehe -„<a href="#Ludwig_XIV">Ludwig XIV</a>.“); Kriegserklärung <a href="#Page_490">490</a>; Verlust an Schiffen -(1702–1713) <a href="#Page_557">557</a>, im Kreuzerkriege <a href="#Page_560">560</a>; Ergebnisse des Krieges für -F. <a href="#Page_575">575</a>; Bund mit England zur Aufrechterhaltung des Frieden von Utrecht -(Quadrupelallianz 1717) <a href="#Page_578">578</a>; Haltung im Nordischen Kriege <a href="#Page_591">591</a>; F. in -Kreta (1669) <a href="#Page_591">591</a>; Politisches (bis 1740, Wirken des Finanzmannes Law) <a href="#Page_595">595</a> -ff; Haltung im Polnischen Thronfolgekriege <a href="#Page_597">597</a>; Bourbonischer<span class="pagenum"><a name="Page_631" id="Page_631">[631]</a></span> -Familienvertrag (Keim zum Kriege 1739) <a href="#Page_598">598</a>.</li> -<li class="isub1">Frankreichs Kolonien. Geschichte (1648–1740) <a href="#Page_603">603</a>, <a href="#Page_608">608</a>, <a href="#Page_617">617</a>, <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Fregatte</em>, Entwicklung dieses Schiffstyps <a href="#Page_163">163</a>, <a href="#Page_213">213</a> Fußnote, <a href="#Page_222">222</a>, <a href="#Page_255">255</a>, <a href="#Page_353">353</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Freibeuterei</em>, <em class="gesperrt"><a name="Freibeuter" id="Freibeuter">Freibeuter</a></em>, Wesen <a href="#Page_91">91</a> ff; englische Freibeuter <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_82">82</a>, <a href="#Page_134">134</a>; -F. in den späteren Kriegen: <a href="#Page_272">272</a>, <a href="#Page_322">322</a>, <a href="#Page_350">350</a>, <a href="#Page_389">389</a>, <a href="#Page_467">467</a>; Wesen (1688) -<a href="#Page_469">469</a>, <a href="#Page_553">553</a>, <a href="#Page_559">559</a>; Taten berühmter franz. F. <a href="#Page_470">470</a>, <a href="#Page_561">561</a>.</li> -<li class="isub1">Siehe auch unter „Kreuzerkrieg“ und unter „Dünkirchen“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frieden, wichtige Friedensschlüsse</em> mit ihren Bedingungen: Brömsebrö -(Schweden-Dänemark 1645) <a href="#Page_111">111</a>; Westminster (Holland-England 1654) <a href="#Page_229">229</a>; -Roeskild (Schweden-Dänemark 1658) <a href="#Page_240">240</a>; Kopenhagen (ebenso 1660) <a href="#Page_240">240</a>; -Haager Konzert (1659) <a href="#Page_244">244</a>; Pyrenäischer F. (Frankreich-Spanien 1661) <a href="#Page_247">247</a>; -Breda (Holland-England 1667) <a href="#Page_296">296</a>; Aachen (Frankreich-Spanien 1668) <a href="#Page_308">308</a>; -Westminster (Holland-England 1674) <a href="#Page_352">352</a>; Nymwegen (Frankreich-Holland -1678) <a href="#Page_363">363</a>; Fontainebleau und St. Germain (Dänemark-Schweden-Brandenburg -1679) <a href="#Page_401">401</a>; Ryswijk (Frankreich-England, Holland usw. 1697) <a href="#Page_415">415/16</a>; -Utrecht (Frankreich, Spanien-England, Holland usw. 1713) <a href="#Page_496">496</a> (siehe auch -Seite <a href="#Page_575">575</a> „Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer“); -Im Haag (Spanien-Quadrupelallianz 1720) <a href="#Page_582">582</a>; Travendal (Schweden-Dänemark -1700) <a href="#Page_586">586</a>; Friedrichsburg (Schweden-Dänemark 1720) <a href="#Page_589">589</a>; Nystadt -(Schweden-Rußland 1721) <a href="#Page_589">589</a>; Vertrag von Sevilla (England-Spanien usw. -1729) <a href="#Page_597">597</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Friedrich_Wilhelm" id="Friedrich_Wilhelm">Friedrich Wilhelm</a>, der Große Kurfürst</em>, seine Politik (1672) <a href="#Page_311">311</a>, <a href="#Page_333">333</a>; -(1674) <a href="#Page_362">362</a>; im Kriege um Pommern (1674–1678) <a href="#Page_400">400</a> ff; weitere -Geschichte seiner Marine und Kolonien <a href="#Page_401">401</a>; Arguin aufgegeben <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frobisher</em>, engl. Seemann, als Entdecker <a href="#Page_77">77</a>; z. Zt. der Armada (1588) <a href="#Page_121">121</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frontenac</em>, franz. Gouverneur in Kanada (1672) <a href="#Page_608">608</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Galeassen</em>, Schiffsart <a href="#Page_102">102</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Galen van</em>, holländ. Admiral (1654) <a href="#Page_209">209</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Galeon</em>, Schiffstyp <a href="#Page_38">38</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Galere</em>, <a href="#Page_32">32</a>; franz. Galerenflotte <a href="#Page_153">153</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Generale zur See</em>, in England <a href="#Page_195">195</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Genua</em>, Schiffahrt <a href="#Page_26">26</a>; Schiffe <a href="#Page_38">38</a>; Kriege <a href="#Page_42">42/43</a>; von den Franzosen -bombardiert (1684) <a href="#Page_408">408</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Geschuetze" id="Geschuetze">Geschütze</a></em>, Einführung <a href="#Page_37">37</a>, <a href="#Page_41">41</a>; Arten (1500) <a href="#Page_97">97/98</a>; Aufstellung (1600) <a href="#Page_100">100</a>; -Weiterentwicklung (1492 bis 1648) <a href="#Page_103">103</a> ff; G. Pforten <a href="#Page_104">104</a>; Arten (1580) -105; (1648–1739): Arten, Aufstellung, planmäßige Armierung der -Schiffe, leichte, mittlere, schwere Artillerie <a href="#Page_168">168</a> ff; Armierung in -Holland und England (1665) <a href="#Page_256">256</a>, <a href="#Page_258">258</a>; ebenso (1672) <a href="#Page_313">313</a>; G. im Kriege -(1672 bis 1674) <a href="#Page_354">354</a>; Armierung in Holland (1688) <a href="#Page_420">420</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Geusen</em>, Wasser-G. <a href="#Page_112">112</a>; neue G. (1634) <a href="#Page_94">94</a>, <a href="#Page_141">141</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gewürz-Inseln</em>, G.-Handel <a href="#Page_61">61</a> ff, <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ghent, van</em>, holländ. Admiral (1667) <a href="#Page_291">291</a>; in der Themse (1672) <a href="#Page_323">323</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gibraltar</em>, von England erobert (1704) <a href="#Page_526">526</a>; Versuche zur Rückeroberung <a href="#Page_536">536</a> -ff.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Great Harry</em>“ engl. Schiff (1514) <a href="#Page_39">39</a>, <a href="#Page_97">97</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Greenwich</em>, Observatorium gegründet <a href="#Page_167">167</a>; Hospital <a href="#Page_506">506</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Griechen</em>, Schiffahrt <a href="#Page_4">4</a>; Schiffe <a href="#Page_7">7</a>; Kriege <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Griechisches Feuer</em>, <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gruppen</em>, Gefechts- siehe unter „<a href="#Taktik">Taktik</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gunfleet</em>, Ankerplatz <a href="#Page_435">435</a> Fußnote.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Haager Konzert</em>, Vermittlungsvorschläge in der spanischen Thronfolgefrage -(1688) <a href="#Page_488">488</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Haen, den</em>, holländ. Admiral (1675) <a href="#Page_382">382</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hansa</em>, Schiffahrt <a href="#Page_27">27</a>; Schiffe <a href="#Page_37">37</a>; Kriege (Blütezeit) <a href="#Page_43">43</a>; Flotten <a href="#Page_50">50</a>,<span class="pagenum"><a name="Page_632" id="Page_632">[632]</a></span> -Niedergang <a href="#Page_78">78</a>; Kriege im 16. Jahrh. <a href="#Page_109">109</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Harwich</em>, Angriff (1667) <a href="#Page_295">295</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hawkins</em>, engl. Entdecker <a href="#Page_80">80</a>, <a href="#Page_81">81</a>; Führer z. Zt. der Armada <a href="#Page_121">121</a> ff; in -Westindien <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hay, de la</em>, franz. General in Indien (1669) <a href="#Page_617">617</a>, <a href="#Page_622">622</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hein, Piet</em>, holländ. Admiral (1628) nimmt die Silberflotte <a href="#Page_88">88</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Heinrich, der Seefahrer</em>, Prinz von Portugal <a href="#Page_28">28</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Heinsius</em>, Ratspensionär von Holland <a href="#Page_422">422</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Helena, St.</em>, Insel entdeckt (1500) <a href="#Page_61">61</a>; englisch <a href="#Page_351">351</a>, <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Herbert" id="Herbert">Herbert</a></em>, später <em class="gesperrt">Earl of Torrington</em>, engl. Admiral (1688) <a href="#Page_426">426</a>; bei -Bantrybay <a href="#Page_429">429</a> ff; bei Beachy Head, seine Order, Einwendungen, Verhalten -<a href="#Page_433">433</a> ff; nochmals genauer <a href="#Page_478">478</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hessen-Darmstadt, Georg Prinz von</em>, General im Spanischen Erbfolgekriege; -vor Cadiz <a href="#Page_513">513</a> ff; nach Vigo <a href="#Page_518">518</a>; vor Barcelona <a href="#Page_524">524</a>; vor Gibraltar <a href="#Page_527">527</a>; -verteidigt Gibraltar <a href="#Page_537">537</a>; erobert Barcelona <a href="#Page_541">541</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Holland" id="Holland">Holland</a>.</em> Kriege siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“, Marine siehe -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“. Armierung der Schiffe siehe „<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.</li> -<li class="isub1">Erste Schiffahrt <a href="#Page_28">28</a>; geht in Ostsee und die Ozeane, verdrängt Hansa, -Portugal und Spanien <a href="#Page_78">78</a>, <a href="#Page_85">85</a> ff; Kolonien: in Indien (ostindische -Kompagnie) <a href="#Page_86">86</a>, in Nordamerika <a href="#Page_87">87</a>, in Westafrika <a href="#Page_87">87</a>, in Südamerika und -Westindien (westindische Kompagnie) <a href="#Page_88">88</a>; Geschichtliche Angaben (1648) <a href="#Page_157">157</a> -ff, (1665) <a href="#Page_249">249</a>; Politik (1672, isoliert) <a href="#Page_309">309</a> ff; „Holland in -Not“ <a href="#Page_320">320</a>; Deiche durchstoßen <a href="#Page_331">331</a>; innere Verhältnisse <a href="#Page_332">332</a>; -politische Haltung (vor 1688) <a href="#Page_412">412</a>; Vertrag mit Spanien (1693) <a href="#Page_456">456</a>; -Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) <a href="#Page_488">488</a> ff; Kriegserklärung -<a href="#Page_490">490</a>; gibt Spanien auf (1712) <a href="#Page_555">555</a>; Klage Englands gegen H. wegen Lauheit -im Kriege <a href="#Page_499">499</a>, Antwort darauf <a href="#Page_567">567</a>; Ergebnisse des Krieges für H. <a href="#Page_575">575</a>; -Beteiligung am Nordischen Kriege <a href="#Page_586">586</a>, <a href="#Page_590">590</a>.</li> -<li class="isub1">Hollands Kolonien, Geschichte (1648–1740) <a href="#Page_604">604</a>, <a href="#Page_612">612</a>, <a href="#Page_619">619</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Holmes</em>, engl. Admiral (1662), in Afrika und Nordamerika <a href="#Page_252">252</a>; im -Vlie-Strome <a href="#Page_287">287</a>; greift Smyrnaconvoi an <a href="#Page_321">321</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Howard, of Effingham</em>, engl. Admiral gegen Armada (1588) <a href="#Page_121">121</a> ff; gegen -Cadiz (1596) <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hudson</em>, engl. Entdecker in Nordamerika <a href="#Page_87">87</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><a name="Indien" id="Indien">Indien</a></em>, Ost-, geographischer Begriff im Altertum und Mittelalter <a href="#Page_29">29</a>; -Staaten usw. dort (1500), Besiedlung durch Portugal <a href="#Page_60">60</a> ff; England in I. -82, Holland <a href="#Page_86">86</a>; Zusammenstoß beider <a href="#Page_83">83</a>; Franzosen, Dänen dort <a href="#Page_90">90</a>; -Geschichte der europäischen Kolonien in I. (1648–1740): -portugiesische <a href="#Page_611">611</a>, holländische <a href="#Page_612">612</a>, englische <a href="#Page_614">614</a>, Ostende-Kompagnie -(deutsch) <a href="#Page_616">616</a>, französische <a href="#Page_617">617</a>, spanische (Philippinen) <a href="#Page_618">618</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Infernal</em>, Abart der „Brander“ siehe <a href="#Brander">dort</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Instrumente</em>, nautische, Entwicklung <a href="#Page_30">30</a>, <a href="#Page_106">106</a>, <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Irland</em>, Kampf um (1688) <a href="#Page_428">428</a> ff; Fehler beider Gegner dabei <a href="#Page_431">431</a>, <a href="#Page_434">434</a>; -<a href="#Page_440">440/41</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Isle de France</em>, Insel von Franzosen besiedelt (1715) <a href="#Page_622">622</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><a name="Jakob_II" id="Jakob_II">Jakob</a></em> II. von England (1685), als <em class="gesperrt">Herzog von York</em> tüchtiger Admiral <a href="#Page_263">263</a> -ff, Personalien <a href="#Page_264">264</a>; bei Solebay <a href="#Page_324">324</a> ff; König <a href="#Page_411">411</a>; vertrieben (1688, -sein politischer Fehler) <a href="#Page_413">413</a>; Kampf in Irland <a href="#Page_414">414</a>, <a href="#Page_428">428</a>; verjagt dort <a href="#Page_440">440</a>; -plant Einfall in England <a href="#Page_445">445</a>; Schicksal besiegelt <a href="#Page_465">465</a>; † (1701) -<a href="#Page_489">489</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jakob</em> III., Sohn, von Ludwig XIV. anerkannt <a href="#Page_489">489</a>; plant Einfall in -Schottland (1708) <a href="#Page_552">552</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jakobstab</em>, nautisches Instrument <a href="#Page_31">31</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jamaica</em>, von England erobert <a href="#Page_85">85</a>; <a href="#Page_237">237</a>; <a href="#Page_602">602</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Juel</em>, Niels, dänisch. Admiral (1675) <a href="#Page_394">394</a> ff.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Kalikut</em>, Stadt in Indien, <a href="#Page_59">59</a> ff.<span class="pagenum"><a name="Page_633" id="Page_633">[633]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kalmar</em>, Angriff (1677) <a href="#Page_399">399</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kalmarische Union</em>, Vereinigung der skandinavischen Staaten unter -Dänemarks Führung <a href="#Page_43">43</a>, <a href="#Page_109">109</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kampfweise</em>, zu den verschiedenen Zeiten siehe unter „<a href="#Taktik">Taktik</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kanada</em>, besiedelt <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe um siehe „<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kanonen</em>, ihre Entwicklung siehe unter „<a href="#Geschuetze">Geschütze</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kap Hoorn</em>, erste Umsegelung (1616) <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kaperei</em>, Wesen der <a href="#Page_93">93</a>; siehe auch unter „<a href="#Freibeuter">Freibeuter</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kapland, Kap der Guten Hoffnung</em>, erste Umsegelung <a href="#Page_29">29</a>; besiedelt (1652) -<a href="#Page_87">87</a>; von Holland besetzt <a href="#Page_198">198</a>, <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karavelle</em>, Schiffstyp <a href="#Page_39">39</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karisches Meer</em>, Entdeckung <a href="#Page_77">77</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> II. von England <a href="#Page_248">248</a>; sein strategischer Fehler (1666) <a href="#Page_274">274</a>, <a href="#Page_303">303</a>; <a href="#Page_289">289</a>; -führt nur Kreuzerkrieg <a href="#Page_290">290</a>,304; Politik (vor 1672) <a href="#Page_307">307</a> ff; † -(1685) <a href="#Page_411">411</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Karl_III" id="Karl_III">Karl</a></em> III. von Spanien, Prinz von Österreich, Sohn Kaiser Leopolds, König -von Spanien (1703) <a href="#Page_490">490</a>; sein Krieg in Spanien <a href="#Page_493">493</a> ff; deutscher Kaiser -<a href="#Page_496">496</a>; landet in Lissabon (1704) <a href="#Page_522">522</a>; verläßt Spanien (1711) <a href="#Page_555">555</a>; erläßt -die Pragmatische Sanktion (1713), seine Politik behufs deren Anerkennung -<a href="#Page_594">594</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> VI., Deutscher Kaiser, siehe vorstehend.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> X., <em class="gesperrt">Gustav, von Schweden</em>, schwedisch-polnisch. Krieg <a href="#Page_239">239</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> XII. <em class="gesperrt">von Schweden</em>, im Nordischen Kriege <a href="#Page_585">585</a> ff; † (1718) -<a href="#Page_589">589</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karrak</em>, Schiffstyp. Mittelalter <a href="#Page_38">38</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karten</em>, siehe „<a href="#Seekarten">Seekarten</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karthago</em>, Schiffe <a href="#Page_13">13</a>; Kriege <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kastelle</em> für Schiffsgeschütze <a href="#Page_35">35</a>, <a href="#Page_38">38</a>, <a href="#Page_95">95</a>, <a href="#Page_99">99</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Katapulte.</em> Wurfmaschinen <a href="#Page_12">12</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kiellinie.</em> siehe unter „<a href="#Taktik">Taktik</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Killigrew</em>, engl. Admiral (1690) sein Fehler <a href="#Page_433">433</a>; <a href="#Page_457">457</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kogge</em>, Schiffstyp, Mittelalter <a href="#Page_37">37</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kolonien</em>, Gründung, Entwicklung und Kampf dort, siehe unter: <a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>, -<a href="#Suedamerika">Südamerika</a>, <a href="#Brasilien">Brasilien</a>, <a href="#Westindien">Westindien</a>, <a href="#Indien">Indien</a>, <a href="#Ostafrika">Ostafrika</a>, <a href="#Westafrika">Westafrika</a>. (Auch -unter <a href="#England">England</a>, <a href="#Spanien">Spanien</a> usw.)</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kolumbus</em>, seine Schiffe <a href="#Page_39">39</a>; seine Taten <a href="#Page_65">65</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kompaß</em>, erfunden <a href="#Page_30">30</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Konvoiwesen</em>, <em class="gesperrt">Konvoijers</em>, siehe unter <a href="#Convoiwesen">C</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kopenhagen</em>, belagert (1658) <a href="#Page_240">240</a>, <a href="#Page_245">245</a>; beschossen (1700) <a href="#Page_585">585</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Korsaren</em> <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kreta</em>, von den Türken angegriffen (1645), von Frankreich unterstützt <a href="#Page_320">320</a>, -genauer <a href="#Page_591">591</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kreuzer</em>, <a href="#Page_179">179</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kreuzerkrieg</em>, Wesen und militärischer Wert <a href="#Page_304">304</a>, <a href="#Page_471">471</a>; Eigenart des -französischen (1688–1697) <a href="#Page_467">467</a> ff; ebenso (1702–1713), Erfolge und -Verluste in diesem <a href="#Page_557">557</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kreuzzüge</em> <a href="#Page_43">43</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kriege</em>, in denen Seestreitkräfte mitwirken siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kriegführung zur See</em>, eine wissenschaftliche <a href="#Page_107">107</a>, <a href="#Page_143">143</a>, <a href="#Page_160">160</a>, <a href="#Page_235">235</a>; -Kreuzerkrieg siehe dort; siehe sonst auch „<a href="#Strategie">Strategie</a>“ und -„<a href="#Seeherrschaft">Einfluß der Seeherrschaft</a>“.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">La Bourdonnais</em>, franz. Gouverneur von Bourbon und Isle de France (1735) -<a href="#Page_622">622</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Rochelle</em>, Kämpfe um <a href="#Page_46">46</a>, <a href="#Page_112">112</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Längenbestimmung</em> auf See <a href="#Page_106">106</a>, <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Law</em>, franz. Finanzmann (1716–1720), sein Wirken <a href="#Page_595">595</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lawson</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_215">215</a>, <a href="#Page_222">222</a>, <a href="#Page_239">239</a>, <a href="#Page_263">263</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leake</em>, engl. Admiral, unterstützt Gibraltar (1704/1705), vernichtet de -Pointis <a href="#Page_536">536–538</a>; berüchtigte Reise <a href="#Page_541">541</a>; entsetzt Barcelona <a href="#Page_542">542</a>; -erobert Sardinien und Port Mahon (1708) <a href="#Page_549">549</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lee</em>, leewärts, Erklärung <a href="#Page_5">5</a>. Fußnote.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leestellung</em>, erste Benutzung der Vorteile (Ruyter, Stromboli) <a href="#Page_378">378 bis 380</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leibnitz</em>, sein „concilium aegyptiacum“ <a href="#Page_311">311</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Le Soleil Royal</em>“ franz. Schiff <a href="#Page_169">169</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leyva, de</em>, spanischer, ältester Seeoffizier der Armada <a href="#Page_125">125</a> ff.<span class="pagenum"><a name="Page_634" id="Page_634">[634]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Liburnen</em>, Schiffstyp, Altertum <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_23">23</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Linienschiff</em>, (Schlachtschiff) Bedeutung und Entstehung <a href="#Page_176">176</a>, <a href="#Page_178">178</a>; Größe -(1672) <a href="#Page_313">313</a>, <a href="#Page_353">353</a>, (1688) <a href="#Page_474">474</a>, (1740) <a href="#Page_505">505</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Louisburg</em>, starke franz. Festung in Nordamerika <a href="#Page_609">609</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Louisiana</em>, franz. Kolonie <a href="#Page_610">610</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Louvois</em>, Kriegsminister Ludwigs XIV. <a href="#Page_250">250</a>; seine Einschätzung der Marine -<a href="#Page_424">424</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lowerdeck</em> <a href="#Page_97">97</a>, <a href="#Page_99">99</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Ludwig_XIV" id="Ludwig_XIV">Ludwig</a></em> XIV. <em class="gesperrt">von Frankreich</em>, <a href="#Page_158">158</a>, <a href="#Page_250">250</a>, <a href="#Page_289">289</a>; seine Politik (vor 1672) <a href="#Page_307">307</a> -ff, <a href="#Page_351">351</a>; sein zweiter Eroberungskrieg (1672–1678) <a href="#Page_362">362</a>, <a href="#Page_372">372</a>; Politik -(vor 1688, Anspruch auf die Pfalz) <a href="#Page_410">410</a>; politischer Fehler (1688/1689) -<a href="#Page_413">413</a>, <a href="#Page_476">476</a>; plant Einfall in England (1692, falsche Voraussetzungen und -Befehle an Flotte) <a href="#Page_445">445</a>, <a href="#Page_465">465</a>; Stellung zur Thronfolgefrage in Spanien -(1700) <a href="#Page_486">486</a> ff; bricht in die spanischen Niederlande ein <a href="#Page_489">489</a>; -Kriegserklärung <a href="#Page_490">490</a>; im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_491">491</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ludwig von Baden</em>, Reichsfeldherr im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_491">491</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Luv</em>, zu Luward, luvwärts, Erklärung <a href="#Page_5">5</a>. Fußnote.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Luvstellung</em>, Vorteile der, Manövrieren darum <a href="#Page_49">49</a>, <a href="#Page_222">222</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Luxembourg</em>, Herzog von, franz. Marschall <a href="#Page_329">329</a> ff, <a href="#Page_414">414</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Madagaskar</em>, franz. Versuche zur Besiedlung (1642) <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Magalhaes</em>, Erdumseglung <a href="#Page_71">71</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Malo, St.</em>, beschossen (1693) <a href="#Page_459">459</a>, (1695) <a href="#Page_463">463</a>; Haupthafen für Kreuzerkrieg -<a href="#Page_467">467</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Mannschaft</em> siehe unter „<a href="#Personal">Personal</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Marco Polo</em>, Entdeckungsreisen <a href="#Page_27">27</a>.</li> -<li class="ihead"><em class="gesperrt"><a name="Marinen" id="Marinen">Marinen</a>.</em></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Brandenburgische</em>: Erste Aufstellung (1675) <a href="#Page_395">395</a>; im Kriege (1677 bis 1678) -<a href="#Page_400">400</a>; weitere Geschichte <a href="#Page_401">401</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dänische</em>: Stand (1492–1648) <a href="#Page_148">148</a>; (1675) <a href="#Page_394">394</a>; (1700–1740) <a href="#Page_582">582</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Englische</em>: Im Mittelalter <a href="#Page_50">50</a>; Zeit 1492–1648: Schiffsbestand (1522) -<a href="#Page_98">98</a>, (1603) <a href="#Page_99">99</a>, für den Schiffbau wichtige Schiffe <a href="#Page_97">97</a> ff; Bestand (1649) -<a href="#Page_101">101</a>; Innere Entwicklung, Bestände (1603 und 1649) <a href="#Page_151">151</a>. —</li> -<li class="isub1">Weitere innere Geschichte 1648 bis 1739: Im allgemeinen <a href="#Page_161">161</a>; -Schiffsbestände <a href="#Page_162">162</a>, <a href="#Page_175">175</a> ff; Einteilung der Schiffe nach Klassen <a href="#Page_174">174</a> ff; -Stärke und Einteilung der Flotte (1653) als Beispiel <a href="#Page_220">220</a>; Zustand im -Kriege (1652–1654), Generale zur See, Vergleich mit Holland <a href="#Page_195">195</a> ff; -(1665–1667) Bestände, Vergleich mit H. <a href="#Page_258">258</a> ff, ebenso <a href="#Page_297">297</a>; -(1672–1674) Bestände <a href="#Page_313">313</a>; Marine erklärt sich für Wilhelm von -Oranien <a href="#Page_417">417</a>, <a href="#Page_418">418</a>, <a href="#Page_428">428</a>; Stand (1688–1697), Gründung der Admiralität -<a href="#Page_417">417</a> ff; erste feste Station im Mittelmeer <a href="#Page_461">461</a>; Entwicklung -(1697–1740) an Zahl und Güte der Schiffe, Bestände, Fürsorge für -Personal, Kennzeichnung der engl. Seeoffiziere des 18. Jahrh., -Seesoldaten <a href="#Page_505">505–507</a>; schlechtes Einvernehmen mit der holländ. -Marine <a href="#Page_545">545</a>, <a href="#Page_549">549</a>, <a href="#Page_566">566</a>; Klage Englands über geringe Beteiligung Hollands -<a href="#Page_567">567</a>; Verlust an Schiffen (1702–1713) <a href="#Page_557">557</a>; Maßregeln gegen den -Kreuzerkrieg, Verluste in diesem <a href="#Page_559">559</a> ff; Beteiligung am Nordischen Kriege -(1700) <a href="#Page_586">586</a>, (nach 1714) <a href="#Page_590">590</a>; Demonstrationen (1725) <a href="#Page_596">596</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Französische</em>: Mittelalter <a href="#Page_51">51</a>; (1492–1648) <a href="#Page_152">152</a>; Zeit -1648–1740: Einteilung der Schiffe nach Klassen <a href="#Page_177">177</a>; Stärke (1665) -<a href="#Page_263">263</a>, <a href="#Page_272">272</a>; Entwicklung unter Colbert (1659), Kriegshäfen, Schiffsbestände, -Personal <a href="#Page_315">315</a> ff; Kennzeichnung der franz. Seeoffiziere <a href="#Page_319">319</a>; erste größere -Expedition (Kreta) <a href="#Page_319">319</a>; Verhalten im Kriege (1672–1674) <a href="#Page_355">355</a>; Stand -unter Colbert (bis 1683) <a href="#Page_422">422</a>, unter Seignelay (bis 1690) beginnender -Rückgang <a href="#Page_423">423</a>, unter L. de Pontchartrin (bis 1699) vernachlässigt <a href="#Page_424">424</a>; -Verfall an Material und Personal unter J. de Pontchartrin (bis 1715), der -Regentschaft (bis 1723) und Maurepas (bis 1740), Schiffsbestände<span class="pagenum"><a name="Page_635" id="Page_635">[635]</a></span> -zu verschiedenen Zeiten (1696–1742)<a href="#Page_501">501–504</a>; Verluste an -Schiffen (1702–1713) <a href="#Page_557">557</a>, im Kreuzerkriege <a href="#Page_560">560</a>; die Marine im -Kreuzerkriege (1688 und 1703) <a href="#Page_467">467</a> ff, <a href="#Page_557">557</a> ff; Auftreten (1718) <a href="#Page_582">582</a>; im -Polnischen Thronfolgekriege <a href="#Page_597">597</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Holländische</em>: (1492–1648) Gründung und schnelle Entwicklung, -Admiralitäten und Admirale <a href="#Page_149">149</a>; Schiffsbestand (1642) <a href="#Page_150">150</a>; Zeit 1648 bis -1739: Einteilung nach Schiffsklassen <a href="#Page_177">177</a>; Fortfall des Generaladmirals, -Schiffsbestände (1652 bis 1654), Verbesserung der Schiffe <a href="#Page_192">192</a> ff; -Bestände (1664–1666) <a href="#Page_255">255</a>, Stamm fester Kapitäne <a href="#Page_256">256</a>, Vermehrung der -Admirale <a href="#Page_257">257</a>; Einteilung der Flotte (1666) als Beispiel <a href="#Page_273">273</a>; Vergleich -mit England (1666) <a href="#Page_273">273</a>; (1672–1674) Bestände <a href="#Page_313">313</a>; Stärke beim -schwedisch-dänischen Kriege (1675) <a href="#Page_395">395</a>; (1688–1697) Armierung, -Verbesserung des Personals, Schiffbau im Rückstande <a href="#Page_419">419</a> ff; hat W. v. -Oranien die Marine vernachlässigt? <a href="#Page_419">419</a>, <a href="#Page_422">422</a>; Stärke der Geschwader gegen -Dünkirchen (1688–1697) <a href="#Page_468">468</a>; (1697 bis 1739) letzter Aufschwung, -Bestand (1700), Indienststellungen (1702–1713, Klage Englands), -Rückgang im Material und Personal, Bestand (1740) <a href="#Page_498">498–510</a>; -schlechtes Einvernehmen mit englisch. Marine <a href="#Page_545">545</a>, <a href="#Page_549">549</a>, <a href="#Page_566">566</a>; Englands -Klage über Lauheit und Antwort darauf <a href="#Page_567">567</a>; Maßnahmen gegen den -Kreuzerkrieg (1702–1713, Stärke gegen Dünkirchen) und Verluste in -diesem (Prämien für aufgebrachte Schiffe) <a href="#Page_558">558</a>, <a href="#Page_561">561</a>; Beteiligung am -Nordischen Kriege <a href="#Page_586">586</a>, <a href="#Page_590">590</a>; Demonstration (1725) <a href="#Page_597">597</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Russische</em>: Gründung durch Peter den Großen (1703), Bestände (1710 und -1725), Beschaffung des Personals und Materials, Kennzeichnung des -Offizierkorps, die Galerenflotte <a href="#Page_583">583 bis 585</a>; die russische Flotte vor -Danzig <a href="#Page_597">597</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schwedische</em>: Stand (1492–1648) <a href="#Page_148">148</a>, (1675) <a href="#Page_394">394</a>, (1700–1740) -<a href="#Page_582">582</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spanische</em>: Mittelalter <a href="#Page_51">51</a>; Schiffe (1588) <a href="#Page_99">99</a>; Stärke (1588) und -Zusammenbruch durch die Armada-Affären (1588 und 1639) <a href="#Page_147">147</a>; Zustand -(1672) <a href="#Page_382">382</a>, <a href="#Page_393">393</a>; Stärke (1718) <a href="#Page_579">579</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Marlborough</em>, englisch. General im Spanischen -Erbfolgekriege <a href="#Page_491">491</a> ff; sein großer Kriegsplan <a href="#Page_494">494</a>, <a href="#Page_547">547</a>, <a href="#Page_572">572</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Martel</em>, franz. Admiral (1673) bei Texel <a href="#Page_345">345</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Martin</em>, franz. Gouverneur in Indien (1674) gründet Pondichery <a href="#Page_617">617</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Martinique</em>, von Ruyter angegriffen <a href="#Page_367">367</a>, andere Angriffe siehe unter -„<a href="#Westindien">Westindien</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Maurepas</em>, franz. Marineminister (1723–1743), sein Wirken, seine -Beurteilung <a href="#Page_503">503/4</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Max Emanuel</em>, Kurfürst von Bayern, im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_491">491</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Medina-Sidonia</em>, Führer der Armada (1588) <a href="#Page_116">116</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Melac</em>, franz. Marschall, in der Pfalz <a href="#Page_414">414</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Melée</em>, d. i. Kampf zweier Flotten, in dem jede Flottenformation und -Leitung verloren gegangen ist und Schiffe oder Schiffsgruppen für sich -fechten <a href="#Page_23">23</a>, <a href="#Page_48">48</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Merkator</em>, Erfinder der runden Karten <a href="#Page_106">106</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Messina</em>, siehe unter „<a href="#Sicilien">Sicilien</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Methuen-Vertrag</em> zwischen England und Portugal (1703) <a href="#Page_490">490</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Middledeck</em> <a href="#Page_99">99</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Minorka</em>, siehe „<a href="#Port_Mahon">Port Mahon</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Molukken</em> <a href="#Page_63">63</a>, <a href="#Page_74">74</a>, <a href="#Page_612">612</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Monck" id="Monck">Monck</a></em>, später <em class="gesperrt">Herzog von Albemarle</em>, berühmter engl. Admiral (1652) <a href="#Page_198">198</a>; -Personalien <a href="#Page_215">215</a>; <a href="#Page_219">219</a>; bei Northforeland <a href="#Page_222">222</a>; bei Scheveningen <a href="#Page_225">225</a>; in der -Viertageschlacht <a href="#Page_273">273</a> ff; bei Northforeland <a href="#Page_283">283</a> ff; <a href="#Page_288">288</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Monson</em>, engl. Admiral (1600) <a href="#Page_143">143</a>; als Taktiker <a href="#Page_185">185</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Montagu" id="Montagu">Montagu</a></em>, engl. Admiral (1654) <a href="#Page_198">198</a>, <a href="#Page_239">239</a>, <a href="#Page_263">263</a> ff, <a href="#Page_269">269/70</a>; bei Solebay † <a href="#Page_325">325</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Mörser</em> <a href="#Page_41">41</a>. <em class="gesperrt">Mörserboote</em> <a href="#Page_173">173</a>; verbesserte franz. (durch Renau)<span class="pagenum"><a name="Page_636" id="Page_636">[636]</a></span> -und ihre taktische Verwendung <a href="#Page_404">404</a> ff; Vermehrung in England <a href="#Page_418">418</a>, in -Holland <a href="#Page_420">420</a>; Leistung der Waffe <a href="#Page_474">474</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Munden</em>, engl. Admiral, Fehler (1702) <a href="#Page_512">512</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Nautik</em>, und ihre Hilfsmittel: Karten, Bücher, Instrumente, Altertum <a href="#Page_5">5</a>; -Mittelalter <a href="#Page_30">30</a>; (1492–1648) <a href="#Page_106">106</a>; (1648–1740) <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Navigationsakte</em> <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nes, van</em>, zwei holländ. Admirale (1666), <a href="#Page_273">273</a> ff, <a href="#Page_288">288</a>, <a href="#Page_296">296</a>, <a href="#Page_325">325</a> ff, <a href="#Page_335">335</a>, -<a href="#Page_366">366</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nesmond</em>, franz. Admiral (1696) <a href="#Page_465">465</a>, <a href="#Page_466">466</a>, <a href="#Page_469">469</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neu-Braunschweig</em>, besiedelt <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe um siehe -„<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neuenglandstaaten</em>, <a href="#Page_605">605</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neu-Fundland</em>, entdeckt <a href="#Page_76">76</a>; besiedelt <a href="#Page_84">84</a>; Kämpfe um siehe -„<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neu-Schottland</em>, entdeckt <a href="#Page_76">76</a>; besiedelt <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe um siehe -„<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neu-York</em>, von England erobert <a href="#Page_252">252</a>; von Holland erobert aber zurückgegeben -<a href="#Page_350">350</a>; bleibt englisch <a href="#Page_352">352</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Niederlande</em>, im allgemeinen siehe unter „<a href="#Holland">Holland</a>“.</li> -<li class="indx">— — <em class="gesperrt">spanische</em>, Einfall der Franzosen (1667) <a href="#Page_308">308</a>, (1701) <a href="#Page_489">489</a>, -werden österreichisch <a href="#Page_497">497</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Nordamerika" id="Nordamerika">Nord-Amerika</a></em>, Entdeckung und Besiedlung <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_87">87</a>, <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe Englands -mit Holland dort <a href="#Page_350">350</a>, <a href="#Page_352">352</a>, mit Frankreich (1683–1697) <a href="#Page_473">473</a>, -(1702–1713) <a href="#Page_565">565</a>; Geschichte der europäischen Kolonien (1648 bis -1740): englische <a href="#Page_605">605</a>, französische <a href="#Page_608">608</a>, spanische <a href="#Page_611">611</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Normannen" id="Normannen">Normannen</a></em>, Züge der <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_43">43</a>; Schiffe der <a href="#Page_34">34</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Norris</em>, engl. Admiral (1710) schützt Sardinien, Landung bei Cette <a href="#Page_554">554</a>; in -der Ostsee (1715–1721) <a href="#Page_590">590</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nottingham</em>, engl. Premierminister (1690), seine Beziehung zu der -Niederlage bei Beachy Head <a href="#Page_433">433/436</a>, <a href="#Page_478">478</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nyborg</em>, durch Ruyter bombardiert (1659) <a href="#Page_224">224</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Offiziere, See-</em>, siehe unter „<a href="#Personal">Personal</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Oktant, Spiegel-</em>, Einführung des <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Oquendo</em>, d', spanischer Admiral, geschlagen in den Downs (eine zweite -Armada-Affäre, 1639) <a href="#Page_141">141</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ormond</em>, Herzog von, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor Cadiz -(1702) <a href="#Page_511">511</a>, <a href="#Page_514">514</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ormuz</em>, Stadt am persischen Golf, portugiesisch <a href="#Page_62">62</a>; verloren <a href="#Page_84">84</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Ostafrika" id="Ostafrika">Ost-Afrika</a></em>, Koloniengründung: portugiesische <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_63">63</a>, holländische <a href="#Page_87">87</a>, -französische <a href="#Page_90">90</a>; Geschichte der Kolonien (1648–1740): -portugiesische <a href="#Page_619">619</a>, holländische <a href="#Page_619">619</a>, französische <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Österreich</em> (Habsburg), Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700); im -Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_491">491</a> ff; gibt Spanien auf (1712) <a href="#Page_555">555</a>; Karl von -Ö. siehe <a href="#Karl_III">Karl III</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ostindien</em>, siehe „<a href="#Indien">Indien</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ostindische Kompagnien</em>: Englische: <a href="#Page_82">82</a>, <a href="#Page_251">251</a>; Geschichte (1648–1740) -<a href="#Page_614">614</a>; auf St. Helena <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="isub1">Französische: <a href="#Page_617">617</a>, <a href="#Page_618">618</a>, <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="isub1">Holländische: <a href="#Page_87">87</a>; Geschichte (1648–1740) <a href="#Page_612">612</a>; am Kap <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="isub1">Ostender (Deutsche): (1714 bis 1731) <a href="#Page_594">594</a>, <a href="#Page_596">596</a>, <a href="#Page_597">597</a>; ihre Geschichte <a href="#Page_616">616</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Palamos</em>, Stadt, Ostküste Spaniens, beschossen (1695) <a href="#Page_462">462</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Papst</em>, Bullen über Teilung der Welt <a href="#Page_29">29</a>, <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Parma</em>, Herzog von, während der Armada <a href="#Page_114">114</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Penn</em>, engl. Admiral (1652) <a href="#Page_198">198</a>, <a href="#Page_210">210</a>; Personalien <a href="#Page_215">215</a>; <a href="#Page_216">216</a>; erobert -Jamaica <a href="#Page_236">236</a>, <a href="#Page_263">263</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pentekontoren</em>, Schiffstyp im Altertum <a href="#Page_10">10</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Penteren</em>, Schiffstyp im Altertum <a href="#Page_13">13</a>, <a href="#Page_14">14</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Personal" id="Personal">Personal</a></em>, Bemannung der Schiffe im Mittelalter <a href="#Page_50">50</a>; (1492–1648) im -allgemeinen <a href="#Page_154">154</a>, festangestellte Offiziere <a href="#Page_149">149</a>, <a href="#Page_153">153</a>; (1648–1739) -Herausbildung des Kriegsschiffs-Matrosen,<span class="pagenum"><a name="Page_637" id="Page_637">[637]</a></span> -des See-, Deck- und Unteroffizier- Korps der verschiedenen Dienstzweige, -Seesoldaten <a href="#Page_179">179</a> ff; Vergleich des englischen und holländischen Personals -(1652) <a href="#Page_198">198</a>; englisches P. (1665) <a href="#Page_259">259</a>, holländisches <a href="#Page_262">262</a> und <a href="#Page_297">297</a>; ebenso -(1672) <a href="#Page_314">314</a>; französisches P. (1672) <a href="#Page_317">317</a>, Kennzeichnung des französischen -Seeoffizierkorps <a href="#Page_319">319</a>; Niedergang des P. in Holland <a href="#Page_500">500</a>, in Frankreich -<a href="#Page_503">503</a>, <a href="#Page_504">504</a>, Hebung in England <a href="#Page_505">505</a>; Kennzeichnung der englischen -Seeoffiziere des 18. Jahrh. <a href="#Page_506">506</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Peter_der_Grosse" id="Peter_der_Grosse">Peter der Große</a></em>, gründet Marine (1703) <a href="#Page_583">583</a>; Eroberungen usw. im -Nordischen Kriege <a href="#Page_585">585</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Peterborough</em>, Earl of, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor -Barcelona (1705) <a href="#Page_540">540</a>; <a href="#Page_544">544</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pfalz</em>, Ludwigs XIV. Anspruch <a href="#Page_411">411</a>; verwüstet <a href="#Page_414">414</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pforten</em>, für Geschütze, Einführung <a href="#Page_104">104</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Philipp</em> II. von Spanien, zur Zeit der Armada <a href="#Page_113">113</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Philipp_V" id="Philipp_V">Philipp</a></em> V. von Spanien (Herzog von Anjou), geht (1701) nach Spanien <a href="#Page_488">488</a>; -sein Krieg dort <a href="#Page_493">493</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Philippinen</em>, Inseln, besiedelt <a href="#Page_73">73</a>, <a href="#Page_75">75</a>; Geschichte (1648–1740) <a href="#Page_618">618</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Phönizier</em>, Schiffahrt <a href="#Page_4">4</a>; Schiffe <a href="#Page_7">7</a>; Kriege <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Phormio</em>, griechischer Admiral <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pointis</em>, franz. Admiral (1697), gegen Cartagena <a href="#Page_466">466</a>; vor Gibraltar (1704 -bis 1705), vernichtet <a href="#Page_536">536</a>, <a href="#Page_538">538</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Pommern" id="Pommern">Pommern</a></em>. Kämpfe um <a href="#Page_394">394</a> ff; (1677–1678) <a href="#Page_400">400</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pontchartrin, Louis de</em>, franz. Marineminister (1690–1699), sein -Wirken, seine geringe Bewertung der Marine <a href="#Page_424">424</a>, <a href="#Page_442">442</a>, <a href="#Page_468">468</a>.</li> -<li class="indx">— — <em class="gesperrt">Jerôme de</em>, Sohn und Nachfolger des Vorigen, Wirken und -Beurteilung <a href="#Page_501">501</a> ff; begünstigt Kreuzerkrieg <a href="#Page_558">558</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Port_Mahon" id="Port_Mahon">Port Mahon</a></em>, Eroberung seitens Englands geplant <a href="#Page_545">545</a>; erobert (1708) <a href="#Page_549">549</a>; -Wichtigkeit für England <a href="#Page_550">550</a>, <a href="#Page_551">551</a>; als Stützpunkt eingerichtet <a href="#Page_553">553</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Port_Royal" id="Port_Royal">Port Royal</a></em> an der Fundybay (Neu-Schottland), jetzt Anapolis, gegründet -<a href="#Page_89">89</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Portugal</em>, erste Entdeckungsfahrten <a href="#Page_28">28</a>; Schiffe <a href="#Page_38">38</a>; die großen -Entdeckungen und Koloniengründungen <a href="#Page_58">58</a> ff; Rückgang seiner Macht <a href="#Page_64">64</a>; -Geschichtsangaben <a href="#Page_157">157</a> ff, <a href="#Page_229">229</a>; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage -(1700) <a href="#Page_490">490</a>; Methuen-Vertrag (1703) mit England, von da von E. abhängig, -<a href="#Page_490">490</a>; erklärt sich gegen Frankreich <a href="#Page_520">520</a>.</li> -<li class="isub1">Portugals Kolonien, Geschichte -(1648–1740) <a href="#Page_605">605</a>, <a href="#Page_611">611</a>, <a href="#Page_619">619</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pragmatische Sanktion</em>, <a href="#Page_549">549</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Privateers</em>, d. i. englische Freibeuter, siehe „<a href="#Freibeuter">Freibeuter</a>“.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Quadrant</em>, Davis-, nautisches Instrument, Erfindung <a href="#Page_106">106</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Quadrupel-Allianz</em>, zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, ihre -Vermittlungsvorschläge <a href="#Page_578">578</a>, <a href="#Page_579">579</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Quebec</em>, gegründet <a href="#Page_89">89</a>; Kämpfe um siehe „<a href="#Nordamerika">Nordamerika</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Quesne, Abraham du</em>, berühmter franz. Admiral, <a href="#Page_325">325</a>; im Mittelmeer (1674) -<a href="#Page_372">372</a> ff; bei Stromboli <a href="#Page_377">377</a> ff; bei Agosta <a href="#Page_381">381</a> ff; bei Chios <a href="#Page_403">403</a>; -bombardiert Algier (1682/83) <a href="#Page_405">405</a> ff und Genua (1684) <a href="#Page_408">408</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Quinqueremen</em>, Schiffstyp im Altertum <a href="#Page_15">15</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Raleigh</em>, Sir Walter, als Entdecker <a href="#Page_84">84</a>; als Admiral (Cadiz 1596) <a href="#Page_135">135</a>; als -Schriftsteller (über spanische Schiffe) <a href="#Page_147">147</a>; sein politisch-strategischer -Ausspruch <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rauchschiffe</em>, Abart der „Brander“ siehe <a href="#Brander">dort</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Raul</em>, Benjamin, brandenburg. Marinedirektor <a href="#Page_395">395</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Recalde</em>, zweitältester spanischer Seeoffizier der Armada (1588) <a href="#Page_118">118</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Regensburg</em>, Vertrag (1684) <a href="#Page_410">410</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Regent</em>“, engl. Schiff (1489) <a href="#Page_97">97</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Renau d'Eliçagarey</em>, franz. Seeoffizier, Verbesserer der Mörserboote -(1678) <a href="#Page_404">404</a>; als Freibeuter <a href="#Page_469">469</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Réunions-Kammern</em> <a href="#Page_363">363</a>, <a href="#Page_410">410</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_638" id="Page_638">[638]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Richelieu</em>, gründet Kolonien <a href="#Page_89">89</a>; gründet Marine <a href="#Page_152">152</a>, <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rom</em>, Schiffe <a href="#Page_14">14</a> ff; Kriege <a href="#Page_19">19</a> ff; Oströmisches Reich, siehe unter -„<a href="#Byzanz">Byzanz</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rooke</em>, engl. Admiral, bei Irland (1688) <a href="#Page_430">430</a>, <a href="#Page_437">437</a>; bei La Hogue <a href="#Page_454">454</a>; bei -Lagos (Smyrnaconvoi) <a href="#Page_457">457</a>; Oberbefehlshaber (1701) <a href="#Page_507">507</a>; seine Pläne (1702) -und vor Cadiz <a href="#Page_509">509</a> ff, <a href="#Page_514">514</a>; vernichtet Silberflotte in Vigo <a href="#Page_516">516</a> ff; im -Kanal (1703) <a href="#Page_519">519</a>; führt Karl III. nach Lissabon (1704) und im Mittelmeer -<a href="#Page_522">522</a> ff; erobert Gibraltar <a href="#Page_526">526</a>; seine Beurteilung <a href="#Page_528">528</a>; bei Malaga <a href="#Page_530">530</a> ff; -in der Ostsee (1700) <a href="#Page_586">586</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Royal Charles</em>“, engl. Schiff (1673) <a href="#Page_169">169</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Royal Louis</em>“, franz. Schiff (1692) <a href="#Page_165">165</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Royal Prince</em>“, engl. Schiff (1610) <a href="#Page_100">100</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Royal Sovereign</em>“, engl. Schiff (1637) <a href="#Page_100">100</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ruder</em>, <em class="gesperrt">Steuer-</em>, Erfindung des festen, <a href="#Page_38">38</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ruderrad</em>, Einführung <a href="#Page_166">166</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rügen</em>, Kämpfe um siehe „<a href="#Pommern">Pommern</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ruprecht</em>, (Rupert), <em class="gesperrt">Prinz von der Pfalz</em>, engl. Admiral, als Führer der -Royalisten <a href="#Page_139">139</a>, <a href="#Page_198">198</a>; Personalien <a href="#Page_264">264</a>; in der Viertageschlacht (1666) <a href="#Page_273">273</a> -ff; bei Northforeland <a href="#Page_283">283</a> ff, <a href="#Page_288">288</a>, <a href="#Page_335">335</a>; bei Schooneveld <a href="#Page_336">336</a> ff; bei Texel -<a href="#Page_345">345</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Russell</em>, engl. Admiral (1691) <a href="#Page_442">442</a> ff; bei Cap Barfleur-La Hogue <a href="#Page_446">446</a> ff; -Urteil über ihn <a href="#Page_453">453</a>; vor Barcelona (1694) <a href="#Page_461">461</a>; vor Toulon und Palamos -<a href="#Page_462">462</a>, <a href="#Page_465">465</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rußland</em>, siehe „<a href="#Peter_der_Grosse">Peter der Grosse</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ruyter, Michael de</em>, Hollands größter Seeheld, erstes Auftreten (1640) -<a href="#Page_143">143</a>; Personalien <a href="#Page_205">205</a> ff; <a href="#Page_210">210</a>; <a href="#Page_212">212</a>; <a href="#Page_216">216</a>; gegen Barbaresken <a href="#Page_239">239</a>, <a href="#Page_241">241</a>; in -der Ostsee (1659, Nyborg, Kopenhagen) <a href="#Page_244">244</a> ff; in Westafrika und -Westindien (1664) <a href="#Page_253">253</a>; als Taktiker <a href="#Page_261">261</a>, <a href="#Page_262">262</a> Fußnote; Oberbefehlshaber -<a href="#Page_270">270</a>, <a href="#Page_271">271</a>; in der Viertageschlacht (1666) <a href="#Page_273">273</a> ff; bei Northforeland -<a href="#Page_282">282</a> ff, <a href="#Page_287">287</a>; in der Themse <a href="#Page_290">290</a> ff; bei Solebay (1672) <a href="#Page_323">323</a> ff; versucht -Themse zu sperren <a href="#Page_335">335</a>; bei Schooneveld <a href="#Page_337">337</a> ff; bei Texel <a href="#Page_343">343</a> ff; als -Taktiker (Haupttaten) <a href="#Page_354">354</a>, <a href="#Page_356">356</a>; in Westindien (1674, Martinique) <a href="#Page_367">367</a> ff; -im Mittelmeer (1675) <a href="#Page_374">374</a> ff; bei Stromboli <a href="#Page_377">377</a> ff; bei Agosta <a href="#Page_381">381</a>; -† und Beurteilung <a href="#Page_383">383</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Saint Pol</em>, franz. Admiral und Freibeuter (1703), Haupttaten <a href="#Page_562">562</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sandwich, Earl of</em>, engl. Admiral siehe „<a href="#Montagu">Montagu</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sardinien</em>, für Karl III. erobert (1708) <a href="#Page_550">550</a>; bedroht <a href="#Page_554">554</a>; von Spanien -besetzt (1717) <a href="#Page_578">578</a>; gegen Sizilien vertauscht (1720), Königreich <a href="#Page_582">582</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Savoyen</em> Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) <a href="#Page_491">491</a>, <a href="#Page_521">521</a>; -Königreich <a href="#Page_582">582</a>; Herzog von S. vor Toulon (1707) <a href="#Page_548">548</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Schiffe" id="Schiffe">Schiffe</a></em>, <em class="gesperrt">Entwicklung</em>: Altertum <a href="#Page_7">7</a> ff; Mittelalter <a href="#Page_31">31</a> ff; (1492 bis 1648) -<a href="#Page_95">95</a> ff; (1648–1739) <a href="#Page_161">161</a> ff; Schiffsklassen <a href="#Page_174">174</a>; das Linienschiff -<a href="#Page_176">176</a>, <a href="#Page_178">178</a>; Sch. zu besonderen Zwecken <a href="#Page_179">179</a>; Vergleich englischer und -holländischer (1667) <a href="#Page_255">255</a>; die Schiffe im Kriege (1672–1674) <a href="#Page_353">353</a>; -holländischer Schiffbau im Rückstande (1688) <a href="#Page_420">420</a>. — Siehe auch -unter „Marinen“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schiffsbodenschutz</em> <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schiffsklassen</em>, Entwicklung der, (1600) <a href="#Page_102">102</a>; (1648–1739) <a href="#Page_174">174</a> ff; -(1672) <a href="#Page_353">353</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schlachten</em>: Seeschlachten siehe <a href="#Seeschlachten">dort</a>. — Landschlachten, die mit dem -Seekriege in Verbindung stehen: Agincourt (1415) <a href="#Page_47">47</a>; am Boyne (1690) <a href="#Page_414">414</a>, -<a href="#Page_440">440</a>; Höchstädt (1704), Ramillies (1705), Turin (1706) <a href="#Page_493">493/4</a>; Malplaquet -(1709), Saragossa (1709) <a href="#Page_495">495</a>; Almansa (1707) <a href="#Page_546">546</a>, Villa Viciosa (1711) -<a href="#Page_496">496</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schomberg</em>, franz. Marschall (1672) <a href="#Page_362">362</a>; im Dienste Wilhelms von Oranien -(1688) <a href="#Page_426">426</a>; in Irland <a href="#Page_431">431</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schonen</em>, Landung in (1676) <a href="#Page_397">397</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schweden</em>, Kriege siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“, Marinen siehe -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“, Kolonien <a href="#Page_90">90</a>; erste Macht der Ostsee (1660)<span class="pagenum"><a name="Page_639" id="Page_639">[639]</a></span> -<a href="#Page_240">240</a>; Politik (1672) <a href="#Page_309">309</a>, <a href="#Page_362">362</a>; Ende der Kriege mit Dänemark -um die Ostsee <a href="#Page_582">582</a>; Sch. im Nordischen Kriege <a href="#Page_585">585</a> ff; verliert den -gesamten Festlandsbesitz <a href="#Page_588">588</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seeherrschaft, Seemacht</em>, siehe „<a href="#Seeherrschaft">Einfluß der Seeherrschaft</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Seekarten" id="Seekarten">Seekarten</a></em>, Altertum <a href="#Page_6">6</a>; Mittelalter <a href="#Page_30">30</a>; (1492–1648) <a href="#Page_106">106</a>; -(1648–1739) <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Seekriege" id="Seekriege">Seekriege</a></em> siehe Seite <a href="#Page_639">639</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seeraub</em>, <a href="#Page_20">20</a>, <a href="#Page_43">43</a>, <a href="#Page_45">45</a>, <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Seeschlachten" id="Seeschlachten">Seeschlachten</a></em>, Gefechte, Angriffe auf Städte usw. siehe Seite <a href="#Page_640">640</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Segel</em>, allmähliche Verbesserung siehe unter „<a href="#Takelage">Takelage</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seignelay</em>, franz. Marineminister (1683–1690) <a href="#Page_408">408</a>; sein Wirken, -Urteil über ihn <a href="#Page_423">423</a>, <a href="#Page_424">424</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seymour</em>, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) <a href="#Page_121">121</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Shovel</em>, engl. Admiral, bei Irland (1690) <a href="#Page_434">434</a>, <a href="#Page_457">457</a>; vor Dünkirchen <a href="#Page_462">462</a>; -vor Calais <a href="#Page_465">465</a>; sein bemerkenswerter Ausspruch (1702) <a href="#Page_511">511</a>; im Mittelmeer -(1703) <a href="#Page_519">519</a>, <a href="#Page_520">520</a>, <a href="#Page_525">525</a>; bei Malaga <a href="#Page_533">533</a>, <a href="#Page_534">534</a>; vor Barcelona (1705) <a href="#Page_540">540</a>; -Angriff auf Toulon (1707) <a href="#Page_547">547</a> ff; Verlust vieler Schiffe und starb <a href="#Page_549">549</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Sicilien" id="Sicilien">Sicilien</a></em>, Kampf um (1674) <a href="#Page_372">372–388</a>; an Savoyen <a href="#Page_497">497</a>; von Spanien -besetzt (1718), Kampf um die Insel <a href="#Page_581">581</a> ff; gegen Sardinien vertauscht -<a href="#Page_582">582</a>; von Spanien erobert, Sekundogenitur Königreich beider S. (1735) -<a href="#Page_597">597/98</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Signalsystem</em>, <a href="#Page_186">186</a>, <a href="#Page_262">262</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Silberflotten</em>, Bedeutung des Wortes <a href="#Page_71">71</a>; Unternehmungen gegen S. (Drake) -<a href="#Page_80">80</a>, (Piet Hein) <a href="#Page_88">88</a>, (Clifford) <a href="#Page_134">134</a>, Vernichtung in Vigo (1702) <a href="#Page_516">516</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Skandinavier</em>, siehe „<a href="#Normannen">Normannen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Smith</em>, engl. Admiral bei Northforeland (1666) <a href="#Page_283">283</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sokotora</em> (Sokotra), Insel, Eingang Rotes Meer, portugiesisch <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Solebay</em>, <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Spanien" id="Spanien">Spanien</a></em>, Kriege siehe „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“, Marinen siehe -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“. Erste Schiffahrt <a href="#Page_26">26</a>; Entdeckungen und Kolonien <a href="#Page_65">65</a> -ff; letzte große Flotte (zweite Armada 1639) <a href="#Page_141">141</a>; geschichtliche Angaben -(1648) <a href="#Page_157">157</a> ff, (1672) <a href="#Page_363">363</a>, (vor 1688) <a href="#Page_410">410</a>; Vertrag mit den Seemächten -(1693) <a href="#Page_456">456</a>; Stellung zur Thronfolgefrage (1700) <a href="#Page_487">487</a> ff; Umfang des -Reiches (1700) <a href="#Page_487">487</a>; Kriegserklärung <a href="#Page_490">490</a>; im Spanischen Erbfolgekriege -siehe unter „<a href="#Philipp_V">Philipp V</a>.“ und „<a href="#Karl_III">Karl III</a>.“; -Ergebnis des Krieges für Sp. <a href="#Page_575">575</a>; Sp. (Alberoni) besetzt Sardinien und -Sicilien (1718), Quadrupelallianz dagegen <a href="#Page_578">578/79</a>; Alberoni gestürzt <a href="#Page_582">582</a>; -Sp. greift Gibraltar an (1727) <a href="#Page_596">596</a>; erobert Neapel und Sicilien (1733) -<a href="#Page_597">597</a>; Spannung mit England führt zum Kriege (1739) <a href="#Page_598">598</a>.</li> -<li class="isub1">Spaniens Kolonien, -Geschichte (1648–1740) <a href="#Page_599">599</a>, <a href="#Page_611">611</a>, <a href="#Page_618">618</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Speaker</em>, engl. Schiff (1649) <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spitzbergen</em>, entdeckt, Fischerei <a href="#Page_77">77</a>, <a href="#Page_78">78</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spragge</em>, engl. Admiral (1672) <a href="#Page_336">336</a> ff; bei Texel † <a href="#Page_345">345</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Stanhope</em>, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, nimmt Port Mahon -<a href="#Page_550">550</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Strategie" id="Strategie">Strategie</a>, zur See</em>, Entwicklung der (1648–1739) <a href="#Page_160">160</a>; im Kriege -(1652–1654) <a href="#Page_229">229</a> ff; (1665–1667) <a href="#Page_300">300</a> ff; Wert des -Kreuzerkrieges <a href="#Page_305">305</a>; strategische Fehler Karls II. (1666, 1667) <a href="#Page_274">274</a>, <a href="#Page_290">290</a>, -<a href="#Page_303">303/04</a>; Ludwigs XIV politische Strategie (vor 1672) <a href="#Page_307">307</a> ff; St. Hollands -(1672–1674) <a href="#Page_323">323</a>; St. der Gegner im gleichen Kriege <a href="#Page_357">357</a> ff; St. -Hollands und Frankreichs (1674–1678, Leistungen der Marinen) -<a href="#Page_391">391/392</a>; Vernachlässigung der Unterbindung des Verkehrs mit Irland (1688 -usw.) <a href="#Page_431">431</a>, <a href="#Page_434">434</a>; Fehler Tourvilles nach Beachy Head <a href="#Page_525">439–441</a>; -Aufgaben der engl.-holländ. Flotten (1693–1697) <a href="#Page_456">456</a>; St. der Gegner -(1693–1697), Rückblick auf den Krieg <a href="#Page_475">475–485</a>; Eingreifen der -Seestreitkräfte im Spanischen Erbfolgekriege (1702 bis 1713) -<a href="#Page_491">491–496</a>; Strategie in diesem (Rückblick auf den Krieg): Frankreichs -Kriegführung <a href="#Page_568">568</a>, die der Verbündeten im Mittelmeer <a href="#Page_570">570</a>, im Norden <a href="#Page_573">573</a>, -Gesamturteil <a href="#Page_574">574</a>.</li> -<li class="isub1">Siehe auch unter „Kriegführung zur See“ und unter -„Einfluß der Seeherrschaft“.<span class="pagenum"><a name="Page_640" id="Page_640">[640]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Suedamerika" id="Suedamerika">Südamerika</a></em>, Entdeckung und Besiedelung <a href="#Page_68">68</a>, <a href="#Page_69">69</a>, <a href="#Page_72">72</a>, <a href="#Page_74">74</a>; Kämpfe dort siehe -„<a href="#Brasilien">Brasilien</a>“ und (Festlandsküste Mittelamerikas) -„<a href="#Westindien">Westindien</a>“; Geschichte der Kolonien in S.-A. -(1648–1740): spanische <a href="#Page_599">599</a>. portugiesische <a href="#Page_605">605</a>, Guayana siehe -„<a href="#Westindien">Westindien</a>“.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Tabago</em>, Insel, Kämpfe um <a href="#Page_369">369</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Takelage" id="Takelage">Takelage</a></em>, Entwicklung der, Ruderschiffe <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_33">33</a>; Segelschiffe, -ursprüngliche <a href="#Page_34">34</a>, <a href="#Page_35">35</a>; zwei und drei Masten, Stängen, Marssegel <a href="#Page_37">37</a>, <a href="#Page_38">38</a>; -weitere Verbesserungen <a href="#Page_98">98</a>, <a href="#Page_99">99</a>; Marssegel wird Hauptsegel, Vorsegel, -Klüverbaum, Besan. <a href="#Page_165">165</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Taktik" id="Taktik">Taktik</a></em>, im Altertum, Ruderschiffe <a href="#Page_21">21</a> ff; Mittelalter: Ruderschiffe <a href="#Page_47">47</a>, -Segelschiffe <a href="#Page_48">48</a> ff; (1492–1648): Ruderschiffe <a href="#Page_144">144</a>, Segelschiffe -(Kampf in Querabrichtung, Gruppentaktik) <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li class="isub1">(1648–1739.) -Entwicklung der T. im allgemeinen <a href="#Page_160">160</a>; das Linienschiff <a href="#Page_176">176</a>; Schiffe zu -besonderen Zwecken <a href="#Page_179">179</a>; Kampf querab, Luvstellung, Kiellinie aus Gruppen, -Gruppentaktik, Einteilung der Flotten, Kiellinie beim Winde, und aus -Einzelschiffen <a href="#Page_183">183–188</a>; Schlacht bei Northforeland, Markstein in -der Geschichte der T. <a href="#Page_222">222</a>; Lowestoft erste Schlacht mit Kiellinie beim -Winde <a href="#Page_267">267</a>; Angriff Moncks ein Meisterstück <a href="#Page_277">277</a>; Fortschritte in der T. -(um 1665, Gefechtsinstruktionen) <a href="#Page_260">260</a>, <a href="#Page_298">298</a>; taktische Kriegführung -Hollands (1672–1674) <a href="#Page_323">323</a>; T. im gleichen Kriege (Ruyter) <a href="#Page_354">354</a>; -Stromboli, erste Ausnutzung der Leestellung <a href="#Page_377">377</a> ff; du Quesnes Taktik für -Mörserboote <a href="#Page_404">404</a> ff; Taktik bei Beachy Head (1690) <a href="#Page_438">438</a>; Fehler Tourvilles -nach der Schlacht <a href="#Page_439">439</a>; T. im Kriege (1688–1697) <a href="#Page_474">474</a>; Schlacht bei -Malaga (1704) bemerkenswert <a href="#Page_531">531</a>, von ihr rechnet die Zeit der -schematischen Taktik <a href="#Page_568">568</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tanger</em>, fällt an England <a href="#Page_239">239</a>; aufgegeben (strategischer Fehler) <a href="#Page_403">403</a>, <a href="#Page_461">461</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Teilung der Welt</em> zwischen Spanien und Portugal <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Temple</em>, Sir W., englischer Staatsmann (1672) <a href="#Page_308">308</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Teneriffa</em>, Vernichtung der Silberflotte (1657) <a href="#Page_238">238</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tessé</em>, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_493">493</a> ff; vor -Gibraltar <a href="#Page_538">538</a>; vor Barcelona <a href="#Page_541">541</a>; in Toulon <a href="#Page_548">548</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tharsisschiffe</em>, Altertum <a href="#Page_7">7</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Themistokles</em>, <a href="#Page_18">18</a>, <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Themse</em>, Ruyters Angriff (1667) <a href="#Page_290">290</a> bis <a href="#Page_296">296</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tordenskiold</em>, dänischer Admiral im Nordischen Kriege <a href="#Page_589">589</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tordesillas, Vertrag von</em> (1494), Teilung der Welt <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Torrington, Earl of</em>, engl. Admiral siehe unter „<a href="#Herbert">Herbert</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Toscanelli</em>, italien. Gelehrter, gibt Anlaß zur Westfahrt nach Indien <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Toulon</em>, Marlboroughs Plan gegen T. <a href="#Page_494">494</a>, <a href="#Page_547">547</a>, <a href="#Page_572">572</a>; Angriff (1707) <a href="#Page_547">547</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Toulouse</em>, Graf von, Admiral von Frankreich, <a href="#Page_424">424</a>, <a href="#Page_502">502</a>; führt Brestflotte -nach Toulon (1704) <a href="#Page_522">522</a>, <a href="#Page_524">524</a>; will Gibraltar nehmen, Schlacht bei Malaga -<a href="#Page_529">529</a> ff; Fehler nach der Schlacht <a href="#Page_536">536</a>; vor Barcelona (1706) <a href="#Page_541">541</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tourville</em>, berühmter franz. Admiral, erstes Auftreten (1676) <a href="#Page_380">380</a>; vor -Algier (Intriguen gegen du Quesne) <a href="#Page_406">406</a> ff; Vizeadmiral der Levante <a href="#Page_409">409</a>; -Oberbefehlshaber (1689) <a href="#Page_431">431</a>; bei Beachy Head (Personalien) <a href="#Page_432">432</a> ff; nach -der Schlacht <a href="#Page_439">439–441</a>; seine Hochseekreuztour (1691), Order, -Einwendungen, Ausführung <a href="#Page_441">441–444</a>; bei Cap Barfleur-La Hogue. Order -und Verhalten <a href="#Page_445">445–455</a>; bei Lagos (Smyrnaconvoi) <a href="#Page_457">457</a>; vor Barcelona -(1694) <a href="#Page_460">460</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Transporter</em>, nötig im Altertum, Nachteile <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Trieren</em>, Schiffstyp im Altertum <a href="#Page_10">10</a>, <a href="#Page_21">21</a>, <a href="#Page_23">23</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tripelallianz</em> (1668) <a href="#Page_308">308</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tromp, der Ältere, Martin</em>, berühmter holländ. Admiral, gegen Spanien<span class="pagenum"><a name="Page_641" id="Page_641">[641]</a></span> -(Schlacht in den Downs 1639) <a href="#Page_141">141</a>; als Taktiker <a href="#Page_147">147</a>; bei Dover (1652, -Personalien) <a href="#Page_200">200</a> ff, <a href="#Page_204">204</a>, <a href="#Page_205">205</a>; bei Dungeness <a href="#Page_212">212</a>; Besen im Topp <a href="#Page_213">213</a>; bei -Northforeland <a href="#Page_223">223</a>; bei Scheveningen † <a href="#Page_225">225</a>.</li> -<li class="indx">— — <em class="gesperrt">der Jüngere, Cornelis</em>, Sohn des Vorigen, holländ. Admiral -<a href="#Page_209">209</a>; Personalien (1665) <a href="#Page_264">264</a> ff; in der Viertageschlacht <a href="#Page_273">273</a> ff; bei -Northforeland <a href="#Page_283">283</a> ff; Eigenmächtigkeiten <a href="#Page_277">277</a>, <a href="#Page_285">285</a>; entlassen <a href="#Page_286">286</a>; -wiederangestellt bei Schooneveld <a href="#Page_336">336</a> ff; bei Texel <a href="#Page_347">347</a>; an französischer -Küste und im Mittelmeer (1674) <a href="#Page_364">364</a> ff; in dänischem Dienste <a href="#Page_394">394</a> ff; mit -dem Großen Kurfürsten <a href="#Page_400">400</a>; (1688) <a href="#Page_426">426</a>; † <a href="#Page_442">442</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Turenne</em>, franz. Marschall im Pfälzischen Erbschaftskriege <a href="#Page_307">307</a>, <a href="#Page_329">329</a>, <a href="#Page_362">362</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Türken</em>, Kriege siehe unter „<a href="#Seekriege">Seekriege</a>“; in Indien <a href="#Page_62">62</a>; im -Mittelmeer <a href="#Page_108">108</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tyddiman</em>, engl. Kapitän, vor Bergen (1665) <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Upperdeck</em> <a href="#Page_99">99</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Vasco de Gama</em>, Entdeckungsreisen <a href="#Page_59">59</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vauban</em>, franz. Ingenieuroffizier <a href="#Page_308">308</a>; in Brest (1694) <a href="#Page_461">461</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vendôme</em>, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_492">492</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Venedig</em>, Mittelalter: Schiffahrt <a href="#Page_26">26</a>; Schiffe <a href="#Page_32">32</a>, <a href="#Page_38">38</a>; Stärke der Flotte -<a href="#Page_50">50</a>; Kriege <a href="#Page_42">42</a>, <a href="#Page_43">43</a>; (1492–1648) Kriege <a href="#Page_108">108</a>; Rückgang <a href="#Page_109">109</a>; -(1648–1740) verliert in drei Kriegen seine Besitzungen im -Ostmittelmeer, nicht mehr Groß- und Seemacht <a href="#Page_591">591/92</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vienne, Jean de</em>, baut die erste französische Flotte <a href="#Page_46">46</a>, <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vigo</em>, Vernichtung der Silberflotte (1702) <a href="#Page_516">516</a> ff; von England zerstört -(1719) <a href="#Page_581">581</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Villars</em>, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege <a href="#Page_492">492</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vivonne</em>, Graf von, franz. General, Vizekönig von Sicilien (1674) <a href="#Page_372">372</a> ff; -vor Palermo (1676) <a href="#Page_385">385</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Wachtmeister</em>, Graf, schwedischer Admiral, reorganisiert Marine <a href="#Page_582">582</a>; im -Nordischen Kriege <a href="#Page_588">588</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Waffen</em>, Entwicklung, Altertum <a href="#Page_12">12</a> (unter Schiffe), <a href="#Page_21">21</a> ff (unter -Kampfweise); Mittelalter <a href="#Page_40">40</a> ff; (1492–1643) <a href="#Page_103">103</a> ff; -(1648–1739) <a href="#Page_168">168</a> ff; siehe auch unter „<a href="#Schiffe">Schiffe</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Walker</em>, engl. Admiral, vor Quebec (1711) <a href="#Page_565">565</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Walpole</em>, englischer Premierminister, Friedenspolitik (1723–1740) -595 ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wassenaer</em>, holländ. Admiral (1654) <a href="#Page_239">239</a>; Personalien <a href="#Page_241">241</a>; in der Ostsee -<a href="#Page_241">241</a> ff (Schlacht im Sunde); <a href="#Page_263">263</a> ff; bei Lowestoft (1665, †) <a href="#Page_266">266</a>; -Urteil <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Weißes Meer</em>, entdeckt <a href="#Page_77">77</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Werften</em>, Entwicklung <a href="#Page_40">40</a>, <a href="#Page_103">103</a>, <a href="#Page_168">168</a>, <a href="#Page_260">260</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Westafrika" id="Westafrika">Westafrika</a></em>, Koloniengründung: portugiesische <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_63">63</a>; holländische <a href="#Page_87">87</a>; -französische <a href="#Page_90">90</a>; Kämpfe Englands und Hollands <a href="#Page_252">252</a>, Frankreichs und -Hollands <a href="#Page_371">371</a>; Geschichte der Kolonien (1648–1740): portugiesische -<a href="#Page_619">619</a>; holländische <a href="#Page_620">620</a>; englische <a href="#Page_620">620</a>; französische <a href="#Page_621">621</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Westafrikanische Kompagnie</em>, englische <a href="#Page_620">620</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Westindien" id="Westindien">Westindien</a></em>, (auch Guayana), Koloniengründung: spanische <a href="#Page_65">65</a> ff; englische -<a href="#Page_85">85</a>; holländische <a href="#Page_88">88</a>; französische <a href="#Page_90">90</a>; Kämpfe: Englands und Hollands <a href="#Page_252">252</a>, -<a href="#Page_350">350</a>; Hollands und Frankreichs <a href="#Page_350">350</a>, <a href="#Page_367">367</a>; de Pointis nimmt Cartagena <a href="#Page_466">466</a>; -Kämpfe Englands und Frankreichs <a href="#Page_472">472</a>, <a href="#Page_555">555</a>, <a href="#Page_562">562</a> ff; Geschichte der Kolonien -(1648 bis 1740): spanische <a href="#Page_599">599</a>; englische <a href="#Page_601">601</a>; französische <a href="#Page_604">604</a>, dänische -<a href="#Page_604">604</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Westindische Kompagnien</em>, französische <a href="#Page_90">90</a>, <a href="#Page_603">603</a>; holländische <a href="#Page_88">88</a>, <a href="#Page_619">619</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wielinge</em>, die, Sandbänke bei Ostende <a href="#Page_223">223</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wiener Allianz</em>, gegen Ludwig XIV. (1689) <a href="#Page_413">413</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wikinger</em>, siehe <a href="#Normannen">Normannen</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_642" id="Page_642">[642]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wilhelm von Oranien</em>, <em class="gesperrt">Wilhelm III. von England</em>, <a href="#Page_320">320</a>, <a href="#Page_330">330</a>; Statthalter <a href="#Page_332">332</a> -ff, <a href="#Page_344">344</a>, <a href="#Page_351">351</a>, <a href="#Page_353">353</a>; Seele des Bundes gegen Ludwig XIV. (1686) <a href="#Page_411">411</a>; König -von England (1689) <a href="#Page_413">413</a>, <a href="#Page_428">428</a>; im Pfälzischen Erbfolgekriege <a href="#Page_414">414</a>; hat W. -die holländische Marine vernachlässigt? <a href="#Page_419">419</a>, <a href="#Page_422">422</a>; Übergang nach England -(1688) <a href="#Page_425">425</a> ff; in Irland (1690) <a href="#Page_434">434</a>, <a href="#Page_443">443</a>; in Holland (1691) <a href="#Page_444">444</a>; Stellung -zur spanischen Thronfolgefrage (1700) siehe „<a href="#England">England</a>“ und -„Holland“; Kriegsplan (1701) <a href="#Page_507">507</a>; † <a href="#Page_489">489</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Winter</em>, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) <a href="#Page_121">121</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Witt, Jan de</em>, Ratspensionär von Holland (1665) <a href="#Page_249">249</a>, <a href="#Page_254">254</a>, <a href="#Page_269">269</a>, <a href="#Page_289">289</a>; seine -Politik (vor 1672) <a href="#Page_307">307</a> ff, <a href="#Page_320">320</a>, <a href="#Page_332">332</a>; Attentat <a href="#Page_330">330</a>; ermordet <a href="#Page_333">333</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Witte de Witt</em>, holländ. Admiral (1652) <a href="#Page_141">141</a>, <a href="#Page_205">205</a>; bei Kentish-Knock <a href="#Page_209">209</a>; -Personalien <a href="#Page_224">224</a>, <a href="#Page_225">225</a>, <a href="#Page_226">226</a>, <a href="#Page_242">242</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wrangel</em>, schwedischer Admiral (1658), Schlacht im Sunde <a href="#Page_242">242</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wurfmaschinen</em> <a href="#Page_12">12</a>, <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_40">40</a>, <a href="#Page_104">104</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">York, Herzog von</em>, siehe „<a href="#Jakob_II">Jakob II</a>.“</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Zweidecker</em>, der erste („Royal Prince“) <a href="#Page_100">100</a>; <a href="#Page_169">169</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Zwischendeck</em>, Einführung des <a href="#Page_166">166</a>.</li> -</ul> - -<h2>Berichtigungen.</h2> - -<p>Seite <a href="#Page_5">5</a>, Zeile 5 und 3 von unten, muß es heißen statt NW.- und SO.-Monsun -SW.- und NO.-Monsun.</p> - -<p>Seite <a href="#Page_238">238</a>, Zeile 2 von oben, ebenso Seite <a href="#Page_239">239</a>, Seitenüberschrift muß es statt 1656 -heißen 1657.</p> - -<p>Seite <a href="#Page_589">589</a>, Zeile 9 von oben, muß es statt 1715 heißen 1714.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p642.jpg" width="150" height="82" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<p class="title">E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68–71.</p> - -<hr class="full" /> - -<div class="transnote"> -<p class="title">Anmerkungen zur Transkription:</p> - -<p>Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druck- und Setzfehler korrigiert.</p> -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Seekriege und Seekriegswesen, Erster -Band, by Rudolph Rittmeyer - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, ERSTER BAND *** - -***** This file should be named 63853-h.htm or 63853-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/8/5/63853/ - -Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. 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Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/63853-h/images/cap_a003.jpg b/old/63853-h/images/cap_a003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4a5a9b7..0000000 --- a/old/63853-h/images/cap_a003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/63853-h/images/cap_p003.jpg b/old/63853-h/images/cap_p003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5c0c342..0000000 --- a/old/63853-h/images/cap_p003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/63853-h/images/cap_p055.jpg b/old/63853-h/images/cap_p055.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 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