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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this ebook. - -Title: Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band - -Author: Rudolph Rittmeyer - -Release Date: November 23, 2020 [EBook #63857] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Peter Becker, Jens Nordmann and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This transcription - was produced from images generously made available by - Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, -ZWEITER BAND *** - - - - -[Illustration: George Brydges Rodney] - - * * * * * - - - - - Seekriege - und Seekriegswesen - - in ihrer - - weltgeschichtlichen Entwicklung - - Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege - des XVII. und XVIII. Jahrhunderts - - von - - Rudolph Rittmeyer - - Kontre-Admiral z. D. - - [Illustration] - - Zweiter Band - - Von 1739-1793 - - Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen - - - Berlin 1911 - Ernst Siegfried Mittler und Sohn - Königliche Hofbuchhandlung - - - Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 - sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten. - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Vorwort zum zweiten Bande. - - -Die günstige Beurteilung des ersten Bandes hat mich bestimmt, den zweiten -nach den gleichen Grundsätzen zu bearbeiten. Auch Einteilung und -Anordnung des Stoffes sind die gleichen geblieben, um Übersicht und -Nachschlagen zu erleichtern. - -Mein Bestreben ging und geht vor allem dahin, die besten Quellen der -verschiedenen Völker über die Tätigkeit ihrer Marinen, die naturgemäß -manches für eine allgemeine Seekriegsgeschichte nicht Notwendige -enthalten und mehr oder weniger national gefärbt erscheinen, sorgsam zu -prüfen sowie gegeneinander abzuwägen, um eine möglichst objektiv -gehaltene Darstellung der Seekriege in ihren wichtigsten Ereignissen -geben zu können. - -Je weiter aber die Geschichte fortschreitet, um so reichlicher fließen -die Quellen; infolgedessen hat die Bearbeitung des zweiten Bandes mehr -Zeit erfordert, als ich voraussetzte. Auch beanspruchte die Schilderung -der Seekriege größeren Raum, als ich für sie in Aussicht genommen hatte, -insbesondere der See- und Kolonialkrieg Englands gegen seine -aufständischen Kolonien in Nordamerika, sowie gegen Frankreich, Spanien -und Holland, der ereignisreichste und wohl lehrreichste Seekrieg, der je -ausgefochten wurde. Ich habe deshalb den zweiten Band auf die Darstellung -der Ereignisse von 1739-1793 beschränken müssen. Auch dieser Zeitraum ist -gewissermaßen in sich abgeschlossen, weil er die großen Seekriege umfaßt, -die in erster Linie dem Kolonialbesitz gelten. - -Wie im ersten Bande und aus den gleichen, dort im Vorworte angeführten -Gründen habe ich die Kriege, die für die allgemeine Geschichte, sowie für -die Entwicklung des Seekriegswesens von geringerer Bedeutung sind, unter -der Bezeichnung »Nebenkriege« nur kurz behandelt. Diejenigen, die sich in -der Ostsee abspielen, sind zwar für uns Deutsche wohl bemerkenswert, aber -ich habe doch von ihrer ausführlicheren Darstellung absehen zu können -geglaubt, weil Vizeadmiral Kirchhoff in seinem 1907 und 1908 erschienenen -Werke »Seemacht in der Ostsee« diese Vorgänge eingehend schildert und -dabei auch die innere Geschichte der nordischen Marinen in ähnlicher -Weise behandelt, wie ich es bei der englischen, französischen und -holländischen getan habe. - -Mein dritter Band soll dann die Zeit von 1793-1815 bringen, hauptsächlich -die beiden großen Seekriege Englands gegen die erste Republik und das -erste Kaiserreich der Franzosen, die von tiefgehendem Einfluß auf die -Landkriege dieser bewegten Jahre gewesen sind. Mit ihnen schließen die -Seekriege der Periode der reinen Segelschiffahrt, soweit sie von größerer -Bedeutung gewesen sind, ab. - -Möchte mir nach Beendigung des dritten Bandes noch Zeit und Kraft -verbleiben, das Werk bis zur Gegenwart fortzuführen. - - =Hannover=, Herbst 1910. - Rittmeyer - Kontre-Admiral z. D. - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Inhaltsverzeichnis. - - - Seite - - Vorwort III - - Wichtigste Quellenliteratur XIV - - Verzeichnis der Abbildungen XIX - - - Vierter Abschnitt. - - Die Zeit von 1739-1793. - - - Erstes Kapitel: Einleitung 1-10 - - =Kennzeichen des Abschnittes= S. 2. - - =Geschichtlicher Überblick über denselben= S. 3-6. - - =Seine Bedeutung für die Seekriegsgeschichte und für die - Entwicklung des Seekriegswesens=: Erweiterung der Strategie - S. 7. -- Umfang und Bedeutung der Kolonien 1740 S. 7. -- - Entwicklung der Taktik und der Streitmittel S. 9. - - - Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seewesens von 1740-1793 11-44 - - =Weiterentwicklung der Schiffe.= Vergrößerung der - Linienschiffe. Vervollkommnung der Takelage. Herausbildung - des Fregattentyps. Kupferung. Farbenanstrich. Beiboote. - Werften S. 11-16. - - =Kauffahrteischiffe= S. 16. - - =Fortschritte in der Nautik.= Chronometer. Hilfstafeln. - Entdeckungsreisen S. 17. - - =Schiffsklassen=: Schiffsbestände in der englischen Marine - nach solchen um 1752, 1762, 1775, 1783, 1792. Schiffe zu - besonderen Zwecken S. 17-19. - - =Waffen=: Bedienung der Kanonen, die gebräuchlichen Kaliber - und ihre Verteilung an Bord. Einführung der Karronaden. - Handwaffen, Handgranaten. S. 19-23. - - =Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal.= In - England: Admiralität, Offiziers-Ersatz, und Beförderung. - Offiziersgrade. Mannschaft. Das Leben an Bord S. 24-27. -- In - Frankreich: Amtstätigkeit der Marineminister Maurepas, - Rouillé, Choiseul, Sartines, Castries S. 28-32. -- - Offiziersgrade S. 33. -- Vergleich der englischen und - französischen Marine S. 33-36. -- Uniformen S. 36. - - =Die Taktik.= Hostes Werk über Taktik S. 36-38. -- Die - englische Gefechtsinstruktion. Vor- und Nachteile der - Luvstellung S. 39. -- Die Leestellung S. 41. -- Die englische - Angriffs- und die französische Abwehrtaktik S. 41-44. - - - Drittes Kapitel: Der Englisch-Spanische Krieg 1739 und der - Österreichische Erbfolgekrieg 1740-1748 45-115 - - =Die Anlässe zum Kriege.= Der englische Schmuggelhandel in 45-48 - Westindien (der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr) S. 45-46. -- - Englands Kriegserklärung an Spanien S. 47. -- Tod Kaiser - Karls VI.; Pragmatische Sanktion; Gruppierung der Staaten im - österreichischen Erbfolgekriege S. 47-48. - - =Der allgemeine Verlauf des Krieges.= Der Englisch-Spanische 49-56 - Seekrieg 1739-1744 S. 49. -- Der österreichische - Erbfolgekrieg am Lande 1740-1746 S. 49-53. -- Die Erhebung - Schottlands 1743 S. 53. -- Ende des Krieges S. 54. -- Der - See- und Kolonialkrieg S. 54-55. -- Der Frieden zu Aachen - 1748 S. 55, die Friedensbedingungen S. 56. - - =Die Streitmittel.= Der Schiffsbestand in Frankreich 1740; 57-59 - die Schiffe der Compagnie des Indes; der Verlust an Schiffen - während des Krieges S. 57. -- Zustand der spanischen Marine, - Verluste S. 57. -- Der Schiffsbestand in England 1739 und - 1744, Verluste S. 58. -- Zustand der holländischen Marine S. - 59. - - =Der Verlauf des Seekrieges. Der Krieg in Westindien= 60-71 - 1739-1744: Admiral Vernon erobert Puerto Belo 22. November - 1739 S. 60. -- Französische Geschwader in Westindien S. 61. - -- Vernon erobert Chagres 1740 S. 62. -- Zusammenstoß - englischer und französischer Schiffe S. 63. -- Erfolglose - Angriffe auf Cartagena und Santiago de Cuba 1741 S. 64-68. -- - Englische Angriffe 1742/43 S. 69. -- Der Kleine Krieg. -- - Ansons Zug 1740-1743 S. 70. - - =Der Krieg in den europäischen Gewässern= 1740 bis 1744. Die 71-82 - Engländer vor Toulon und Neapel 1742/43 S. 72. -- Versuch - einer Landung in England 1744 S. 74. -- Die Schlacht vor - Toulon 22. Februar 1744 (de Court gegen Mathews) S. 75; ihre - Bedeutung für die Seekriegsgeschichte (Beurteilung der - Gegner; Kriegsgericht über Mathews u. a.) S. 80-82. - - =Der Krieg in den europäischen Gewässern= 1744-1748. 82-92 - Bewegungen der Flotten 1744/45 S. 82. -- Die Erhebung - Schottlands, von Frankreich nicht benutzt S. 84. -- Angriff - auf Lorient, Landung bei Quiberon 1746 S. 86. -- England - herrscht im Mittelmeer von 1746 an S. 87. -- Siege der - Engländer bei Kap Finisterre 14. Mai und 25. Oktober 1747 - (Admiral Anson gegen de La Jonquière und Admiral Hawke gegen - L'Etanduère) S. 88-90. -- Frankreich erschöpft 1747 S. 91. -- - Beteiligung der holländischen Marine am Seekriege S. 92. - - =Der Krieg in den Kolonien= 1744-1748. =Nordamerika.= 93-106 - Louisbourg erobert 1745 S. 93. -- Erfolglose französische - Expedition unter d'Anville 1746 S. 95. -- Die Angriffe der - englischen Kolonisten auf Kanada stocken bis zum - Friedensschluß S. 96. -- =Westindien.= Angriffe auf Port - Louis und Santiago de Cuba, Gefecht vor Havanna 1748 (Admiral - Knowles) S. 97. -- =Ostindien=. Ausdehnung der - französischen Macht; Dupleix und Labourdonnaye S. 99. -- - Gefecht bei Negapatam 7. Juli 1746 S. 101. -- Einnahme von - Madras S. 102. -- Zwist der französischen Führer S. 103. -- - Angriff auf St. David 1747 S. 104. -- Angriff auf Pondichery - (Admiral Boscawen) 1748 S. 105. - - =Der Kleine Krieg gegen den Handel= 1739-1748 (Verluste an 107-108 - Handelsschiffen) S. 107. - - =Schlußbetrachtungen.= Einfluß des Seekrieges auf den 108-115 - Landkrieg S. 108. -- Beurteilung der Kriegführung der Gegner - S. 110. -- Gründe, die die englische Flotte lähmten S. 112. - -- Taktik S. 113. -- Über Angriffe auf feindliche Küsten - S. 114. - - - Viertes Kapitel: Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg - zwischen England und Frankreich (Spanien) 1756-1763 116-206 - - =Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges.= 116-120 - Anlässe zum Kriege und Gruppierung der Staaten S. 116-120. -- - Verhältnis des Seekrieges zum gleichzeitigen Siebenjährigen - Festlandskriege S. 119. -- Der Bourbonische Familienvertrag - S. 119. - - =Der Verlauf des Festlandskrieges= S. 120. -- Frieden zu 120-123 - Hubertusburg 15. Februar 1763 S. 123. - - =Allgemeiner Verlauf des Seekrieges=, Kennzeichnung der 123-127 - Kriegführung der Gegner S. 123. - - Frieden zu Paris 10. Februar 1763 S. 127. -- 127-129 - Friedensbedingungen (Frankreich aus Nordamerika verdrängt, in - Ostindien lahmgelegt) S. 128. - - =Die Streitmittel.= Schiffsbestand in Frankreich 1756; über 130-131 - die Offiziere; Schiffsverluste während des Krieges S. 130. -- - Gleiche Angaben über Spanien und England S. 130. - - =Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges. Ereignisse vor der 131-141 - Kriegserklärung.= Reibungen in den Kolonien S. 130. -- - Französische und englische Expedition nach Nordamerika 1755 - S. 132. -- Französische Schiffe in der Biscaya aufgebracht - 1755 S. 133. -- Frankreich nimmt Minorka 1756. Belagerung von - Port Mahon S. 133. -- Seeschlacht bei Minorka (La - Gallissonnière gegen Byng) 20. März 1756 S. 135-138. -- Das - weitere Schicksal Port Mahons während des Krieges S. 138. -- - Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der - Seetaktik S. 139. -- Kriegsgericht über Admiral Byng S. 141. - - =Der Krieg in den europäischen Gewässern.= Erklärung des 141-163 - Krieges. Bewegungen der Flotten im Atlantik und Mittelmeer - 1756 S. 141. -- Ebenso 1757. England versucht die - französischen Geschwader in Europa festzuhalten, aber drei - laufen von Brest nach Amerika aus S. 142. -- Erfolgloser - Angriff der Engländer auf Rochefort, September 1757 S. 143. - -- Blockade der französischen Häfen und Angriffe auf diese - 1758 S. 145. -- Plan Frankreichs, in England einzufallen 1759 - S. 147. -- Verteilung der englischen Flotte S. 148. -- - Auslaufen der Toulonflotte unter de La Clue und ihre - Vernichtung bei Lagos durch Boscawen 18. August 1759 S. 149. - -- Le Havre beschossen S. 151. -- Auslaufen der Brestflotte - unter de Conflans S. 151. -- Ihre Vernichtung bei Quiberon - durch Hawke 20. November 1759 S. 154. -- Die französische - Marine lahmgelegt S. 159. -- Ereignisse 1760-1762, - französischer Einfall in Irland (Freibeuter Thurot) 1760 S. - 160. -- Einnahme von Belle-Ile (Keppel) S. 161. - - =Der Krieg in den Kolonien. Nordamerika.= Verhältnis der 163-198 - englischen und französischen Kolonien zueinander S. 163. -- - Erster Zusammenstoß im Ohiotale S. 164. -- Ausbruch des - offenen Krieges S. 165. -- Ereignisse 1755-1757 S. 166. -- - Eintreffen von Seestreitkräften 1757 S. 167. -- Eroberung von - Louisbourg (General Amherst, Admiral Boscawen) 1758 S. 169. - -- Ereignisse auf dem Festlande 1758 S. 170. -- Eroberung von - Quebec (General Wolfe, Admiral Sounders) 1759 S. 171. -- - Letzter Kampf um Kanada 1760. Versuch der Franzosen, Quebec - wiederzunehmen, Montreal fällt, Kanada für Frankreich - verloren S. 174. - - =Westindien=: Lage der Gegner; zunächst nur Kleiner Krieg S. - 176. -- Seegefecht bei Le Cap, Haïti, 1757 S. 176. -- England - erobert die französischen Inseln (Admiral Rodney) 1758-1762 - S. 177-179. -- Havanna erobert 1762 (Admiral Pocock) S. 180. - - =Westafrika.= England bemächtigt sich Senegambiens 1758 S. - 182. - - =Ostindien.= Ausdehnung der französischen Macht unter Dupleix - S. 182. -- Unglücklicher Krieg mit der englischen Kompagnie - 1751 S. 183. -- Dupleix abberufen 1754 S. 184. -- Frieden der - Kompagnien 1755 S. 185. -- Neuer Krieg 1756 S. 185. -- Der - Seeräuber Angria S. 186. -- Englands Ausbreitung in Bengalen - unter Clive, Frankreich dort vertrieben S. 186. -- Ereignisse - in Vorderindien 1757 S. 188. -- Seeschlacht vor Cuddalore 29. - April 1759 (Pocock gegen d'Aché) S. 189. -- Die Franzosen - nehmen St. David S. 191. -- Seeschlacht vor Negapatam 3. - August 1758 S. 192. -- Niederlagen der Franzosen am Lande - 1759 S. 192. -- Seeschlacht vor Porto Novo 10. September - 1759; Frankreich gibt die See preis S. 194. -- Beurteilung - d'Achés S. 195. -- Pondichery erobert 1761; Zusammenbruch der - französischen Macht in Indien S. 196. -- Manila von England - erobert 1762 S. 197. - - =Der Kleine Krieg gegen den Handel=: Verluste der Gegner 198-200 - S. 198. -- Französische Expedition gegen Neufundland, - englische gegen Buenos Aires 1762 S. 200. - - =Schlußbetrachtungen=: über =Strategie=; Rückblick auf den 200-206 - Krieg; politische und militärische Fehler Frankreichs; - richtiges Vorgehen Englands S. 200. -- Über =Taktik= S. 204. - -- Über Angriffe auf feindliche Küsten S. 205. - - - Fünftes Kapitel: Der Nordamerikanische Freiheitskrieg - 1775-1783 207-416 - - =Entstehung des Krieges. England und die Kolonien bis zu 207-211 - ihrer Erhebung=: Die inneren Verhältnisse der Kolonien S. - 206. -- Ihre Streitfragen mit England S. 208. -- Der Teesturm - in Boston. 18. Dezember 1773 S. 209. -- Erklärungen des - Kongresses von Philadelphia 1774 S. 210. -- Bruch mit England - S. 211. - - =England, Frankreich, Spanien bis zum Ausbruch des 211-220 - Seekrieges= 1778. Fragen, die den Frieden bedrohten - (Frankreich besetzt Corsica 1768; Spanien vertreibt England - von den Falklandsinseln) S. 212. -- Englands lähmende innere - Verhältnisse unter Georg III. S. 213. -- Choiseuls Pläne - gegen England S. 214. -- Kriegsneigung in Frankreich; die - amerikanischen Agenten (Franklin) in Paris S. 215. -- Bruch - mit England 1778 S. 217. -- Spaniens Beitritt 1779 (Ziele des - französisch-spanischen Bündnisses) S. 217. -- Englands - Kriegserklärung an Holland 1780; die »bewaffnete Neutralität - der Ostseemächte« und ihre Ziele S. 218. -- Kennzeichnung und - Bedeutung des Seekrieges von 1778 S. 219. - - =Die Streitmittel.= Frankreichs und Spaniens Schiffsbestand 220-226 - 1778, Verluste während des Krieges, Wert des Materials und - Personals S. 220. -- Innere Geschichte der Marine Hollands - von 1747 an, Stand derselben 1778, Verluste S. 221. -- - Streitkräfte der »bewaffneten Neutralität« S. 222. -- - Englands Marine S. 222. -- Vergleich der Seestreitkräfte S. - 223. -- Indiensthaltungen auf beiden Seiten in den einzelnen - Kriegsjahren S. 224. -- Gründung der nordamerikanischen - Marine S. 225. - - =Der Krieg in Nordamerika bis= 1778. Erstes Gefecht bei 226-243 - Lexington 19. April 1775; englische Verstärkungen unter Howe - treffen ein; Erstürmung von Bunkershill 17. Juni S. 226. -- - Vordringen der Amerikaner auf Quebec (Arnold) S. 227. -- - Ereignisse zur See 1775 S. 228. -- Howe räumt Boston März - 1776 S. 229. -- Die Unabhängigkeitserklärung der Kolonien, - Juli S. 230. -- Der Angriff der Engländer auf Charleston, - Juni S. 231. -- Ihr Vordringen von Kanada aus; die - Seenflottillen, Gefechte auf dem Champlainsee 11./13. Oktober - S. 233. -- Howe erobert Long-Island, besetzt New York und die - Narragansettbucht August/Dezember S. 235. -- Washington in - New Jersey siegreich Dezember 1776 S. 238. -- Burgoyne dringt - 1777 von Kanada aus vor, wird 10. Oktober bei Saratoga zur - Kapitulation gezwungen S. 238. -- Howe schlägt Washington bei - Brandywine 11. und erobert Philadelphia 26. September S. 239. - -- Tätigkeit der englischen Seestreitkräfte 1777, Vorstoß auf - dem Hudson S. 240. -- Der Handelskrieg der Amerikaner 1775/78 - S. 241. -- Clinton, Howes Nachfolger, räumt Philadelphia - 1778; letzter Versuch Englands zur Versöhnung mit den - Kolonien S. 242. - - =Der große Seekrieg.= Militärische Lage und Ziele der Gegner 243-248 - auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen; Anordnung der - Schilderung des Krieges S. 243. -- Vorgänge und Rüstungen vor - Ausbruch des Krieges S. 246. - - =Der Krieg in den europäischen Gewässern= 1778. Die 248-258 - französische Toulonflotte (d'Estaing) segelt nach Amerika; - Keppel (Personalien) nimmt französische Kriegsschiffe im - Kanal S. 248. -- Die Brestflotte läuft unter d'Orvilliers - aus; Befehle Ludwigs XVI. S. 250. -- Schlacht bei Ouessant - 27. Juli 1778 (Keppel gegen d'Orvilliers) S. 251. -- Die - öffentliche Meinung in beiden Ländern (Entlassung des Herzog - von Chartres; Kriegsgericht über Keppel) S. 254. -- Bedeutung - der Schlacht für die Seetaktik S. 255. -- Beurteilung der - Kriegführung des Jahres 1778 in Europa S. 257. - - =Der Krieg in Nordamerika und Westindien= 1778/79. Die 258-285 - Engländer gehen vom Delaware auf New York zurück; eine - französische Flotte (d'Estaing) trifft ein S. 258. -- Howe - und d'Estaing vor New York S. 260. -- D'Estaing bedroht die - Narragansettbucht S. 262. -- Howe und d'Estaing vor - derselben; Sturm zerstreut die Flotten S. 264. -- D'Estaing - in Boston, segelt nach Westindien S. 266. -- Byron folgt ihm - von New York S. 267. -- Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79, - englische Expeditionen an den Küsten (Savannah besetzt) S. - 268. -- Beurteilung Howes und d'Estaings S. 270. --Westindien - 1778: die Franzosen (de Bouillé) erobern Dominica, die - Engländer (Barrington) Sta. Lucia S. 272. -- D'Estaing greift - Sta. Lucia an S. 274. -- 1779: d'Estaing besetzt Grenada und - andere Inseln S. 275. -- Schlacht bei Grenada 6. Juli (Byron, - Personalien S. 275, gegen d'Estaing) S. 276. -- Kritik der - Schlacht S. 278. -- D'Estaing verläßt Westindien S. 280. -- - Kleinere Ereignisse dort (Gefecht vor Fort Royal, Martinique) - S. 281. -- D'Estaing greift Savannah an und segelt nach - Frankreich S. 282. -- Beurteilung des Krieges in Westindien - 1778/79 S. 283. -- Ereignisse in =Westafrika= 1779 S. 285. - - =Der Krieg in Europa= 1779/80. Kriegsplan und Rüstungen der 285-298 - Verbündeten 1779 S. 285. -- Angriff auf die Kanalinseln S. - 287. -- Vereinigung und Stärke der französisch-spanischen - Flotte (d'Orvilliers und Cordoba) S. 287. -- Die englische - Flotte unter Hardy (Personalien), Furcht in England vor - Invasion S. 288. -- Die Flotte der Verbündeten im Kanal, - gelähmt durch Gegenorder und schlechten Zustand der Schiffe - S. 289. -- Rückfahrt derselben S. 290. -- Verteilung der - Seestreitkräfte 1780 S. 292. -- Rodney (Personalien) siegt - 16. Januar bei Kap St. Vincent über Langara und versorgt - Gibraltar S. 293. -- Eine spanische Flotte (Solano) segelt - nach Westindien; Cordoba nimmt einen englischen Konvoi, sonst - trotz starker Flotte untätig S. 295. -- D'Estaing in Spanien - vergeblich bemüht, den Krieg zu beleben S. 296. -- Kritik des - Krieges 1779/80 in Europa S. 296. -- Ausbruch des Krieges mit - Holland S. 298. - - =Der Krieg in Westindien und Nordamerika= 1780. Gefecht bei 298-315 - Monte Christi (Haiti) 20. März 1780 S. 299. -- De Guichen - (Personalien) und Rodney treffen in Westindien ein S. 299. -- - Stärke der Flotten S. 300. -- Die Schlacht bei Martinique 17. - April (Rodneys Versuch zu einer neuen Taktik) S. 301. -- - Gefechte bei Martinique 15. und 19. Mai S. 304. -- Eine - spanische Flotte (Solano) trifft ein, bleibt aber untätig S. - 305. -- Guichen segelt nach Europa, Rodney nach Nordamerika - S. 306. -- Solano erobert Pensacola S. 307. -- In Nordamerika - erobern die Engländer (Clinton) Charleston S. 308. -- Kämpfe - in Carolina S. 309. -- Gefecht bei Bermudainseln (de Ternay - gegen Cornwallis) S. 309. -- Ankunft französischer Truppen - (Rochambeau) bei Rhode-Island, Rodney nach Westindien zurück - S. 310. -- Arnold fällt in Virginia ein (sein Verrat an der - amerikanischen Sache) S. 311. -- Kritik des Krieges in - Westindien und Nordamerika S. 312. -- Schlechte Lage der - Amerikaner Ende 1780 S. 315. - - =Der Krieg in Europa= 1781. Rüstungen S. 315. -- Admiral 315-324 - Darby versorgt wiederum Gibraltar S. 316. -- La Motte-Picquet - nimmt einen englischen Konvoi mit der Beute Rodneys von St. - Eustache S. 319. -- Die Verbündeten erobern Minorka und - kreuzen wiederum erfolglos vor dem Kanal S. 318. -- Holland - tritt in den Krieg ein, Schlacht auf der Doggerbank - (Hyde-Parker gegen Zoutman) 5. August S. 320. -- Kempenfelt - vernichtet einen für Westindien bestimmten Konvoi (de - Guichen) S. 322. -- Kritik des Krieges in Europa S. 323. - - =Der Krieg in Westindien und Nordamerika= 1781. Rodney 324-343 - erobert St. Eustache und macht reiche Beute S. 324. -- De - Grasse trifft ein (Personalien), Hood (Personalien) tritt ihm - bei Martinique entgegen 29. April S. 325. -- De Grasse - erobert Tabago S. 329. -- Segelt nach Nordamerika S. 329. -- - Hood folgt S. 331. -- Lage in Nordamerika, Cornwallis dringt - von Carolina gegen Virginia vor S. 331. -- Arnold fällt von - der Chesapeakebucht in Virginia ein S. 332. -- Das - französische Geschwader (Des Touches) kommt von der - Narragansettbucht, um Arnold abzuschneiden; trifft auf das - englische (Arbuthnot) S. 333. -- Erste Schlacht vor der - Chesapeakebucht (taktisch bemerkenswert) S. 334. -- Virginia - wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges; die - englischen Heere vereinigen sich, die Amerikaner rücken von - New York heran S. 335. -- De Grasse und Hood treffen ein S. - 337. -- Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht (de Grasse - gegen Graves; taktisch bemerkenswert) 5. September 1781 S. - 338. -- Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown - (Cornwallis); der Landkrieg beendet S. 339. -- Die großen - Flotten segeln nach Westindien zurück S. 340. -- Die - Franzosen erobern St. Eustache S. 341. -- Kritik des Krieges - 1781 in Westindien und Nordamerika S. 341. - - =Der Krieg in Europa= 1782. Der Wechsel im englischen 343-354 - Ministerium führt zur Einstellung des Krieges in Nordamerika - S. 343. -- Rüstungen und erste Bewegungen der Flotten S. 344. - -- Vernichtung eines französischen Transportes für Ostindien - durch Barrington S. 345. -- Die französisch-spanische Flotte - (Cordoba, Guichen) erfolglos vor dem Kanal S. 346. -- - Tätigkeit der holländischen Flotte 1782 S. 347. -- Untergang - des »Royal George« S. 348. -- Die Belagerung von Gibraltar, - Bau schwimmender Batterien (d'Arçon) S. 348. -- Der große - Angriff auf die Stadt 13. September S. 350. -- Howe versorgt - Gibraltar S. 351. -- Seetreffen bei Kap Spartel (Howe gegen - Cordoba) S. 352. -- Kritik des Krieges 1782 in Europa S. 353. - - =Der Krieg in Westindien und Nordamerika= 1782. Hood und 354-376 - de Grasse in Westindien; Landung der Franzosen auf St. - Christoffer (St. Kitts) S. 354. -- Schlacht bei St. - Christoffer 25. Januar S. 355. -- Ankergefecht dort 26. - Januar S. 357. -- Beurteilung Hoods und de Grasses S. 359. -- - Rodney trifft in Westindien ein S. 360. -- Plan der - Verbündeten, Jamaika zu erobern; erste Schlacht bei Dominica - (Rodney gegen de Grasse) 9. April S. 360. -- Rodney verfolgt - die französische Flotte, Unfälle derselben S. 364. -- Zweite - Schlacht bei Dominica (Les Saintes; taktisch bemerkenswert, - Rodney durchbricht die feindliche Linie) S. 366. -- De - Grasses Gefangennahme S. 369. -- Kritik der Schlacht S. 370. - -- Rodney unterläßt die Verfolgung S. 372. -- De Grasses - Beurteilung in Frankreich, sein weiteres Schicksal S. 372. -- - Bewegungen der Flotten nach der Schlacht S. 373. -- Folgen - der Schlacht S. 374. -- Der Krieg in Westindien zu Ende - (Rodney abberufen); Kritik desselben S. 374. -- Lage in - Nordamerika Ende 1782 S. 375. -- Der Plan der Verbündeten - gegen Jamaika für 1783 kommt infolge der - Friedenspräliminarien nicht mehr zur Ausführung S. 375. - - =Der Krieg in Ostindien= 1778-1783. Vorgänge in Indien 1763 376-404 - bis 1778 S. 376. -- Ausbruch des Krieges; die Engländer - nehmen Chandernagore und Masulipatam; Seegefecht vor - Pondichery 10. August 1778 S. 378. -- England verstärkt die - Station (Admiral Hughes, Personalien) S. 378. -- England im - Kampfe mit Haidar Ali und den Mahratten 1778-1781 S. 379. -- - Die Franzosen benützen diese Lage nicht, Untätigkeit ihres - Geschwaders (d'Orves) S. 380. -- Die Engländer besetzen die - holländischen Plätze Negapatam 1780 und Trincomali (Ceylon) - 1781 S. 380. -- Ein französisches Geschwader (Suffren, - Personalien) und ein englisches (Johnstone) segeln von Europa - zur Kapkolonie 1781 S. 380. -- Die Schlacht vor Porto Praya - (Kapverdeninseln; Suffren gegen Johnstone) 16. April 1781 S. - 382. -- Beurteilung der Führer S. 383. -- Suffren versorgt - die Kapkolonie, Johnstone kommt zu spät S. 384. -- Suffren - und Hughes in Indien, ihre Lage und ihre Aufgaben S. 384. -- - Die Schlacht bei Sadras 17. Februar 1782 (taktisch - bemerkenswert; Suffren greift Hughes' Linie hinten mit - Übermacht an, wird aber von seinen Kommandanten nicht - unterstützt) S. 385. -- Suffren erreicht Pondichery, tritt - mit Haidar Ali in Verbindung, Cuddalore kapituliert S. 387. - -- Hughes segelt nach Trincomali, Suffren folgt; die Schlacht - bei Providien 12. April 1782 S. 388. -- Suffren befolgt den - Befehl, Indien zu verlassen, nicht S. 390. -- Die Schlacht - bei Negapatam 6. Juli 1782 S 391. -- Suffren enthebt drei - Kommandanten ihres Kommandos S. 393. -- Seine geschickten - Maßnahmen zur Instandsetzung der Flotte S. 393. -- Der - Landkrieg günstig für England S. 394. -- Hughes geht im - Oktober 1782 nach Bombay und erhält Verstärkungen S. 397. -- - Verzögerung der französischen nach Atchin, kehrt aber schon - im Januar 1783 zur Koromandelküste zurück S. 398. -- Tod - Haidar Alis; Bussy trifft ein; Suffren rüstet in Trincomali - aus S. 399. -- Hughes kommt im April zur Koromandelküste - zurück, die Engländer schließen Cuddalore zu Lande und zu - Wasser ein; Suffren erscheint zum Entsatz S. 400. -- Die - Schlacht bei Cuddalore 20. Juni 1783 S. 400. -- Ende des - Krieges; Suffrens Rückreise nach Frankreich ein Triumphzug S. - 402. -- Kritik des Krieges in Ostindien S. 403. - - =Der Kleine Krieg= im allgemeinen S. 404. -- Der Kreuzerkrieg 404-407 - der Amerikaner S. 405. -- Kapitän Paul Jones in den - europäischen Gewässern S. 406. - - =Der Frieden von Versailles= 3. September 1783 S. 407. -- 407-409 - Uebertriebene Ansicht von der Wirkung der Schlacht von - Dominica auf den Friedensschluß S. 408. -- Die - Friedensbedingungen S. 409. - - =Schlußbetrachtungen über Strategie=: die Ziele der 409-415 - Verbündeten und die sich daraus für sie ergebenden - Angriffsobjekte S. 410. -- Fehlerhafte Strategie Englands, - überall einem Angriff gewachsen zu sein S. 411. -- Fehler der - Verbündeten, die Kräfte zu zersplittern und nicht um die - Seeherrschaft im großen zu kämpfen S. 412. -- Aussprüche - Mahans hierzu S. 414. - - =Über Taktik=: Die vielen rangierten Schlachten des Krieges - bieten reiches Material zur Beurteilung des Standes der - Taktik im vierten Abschnitte S. 414. -- Rodneys und Suffrens - Versuche zur Änderung derselben S. 415. - - - Sechstes Kapitel: Nebenkriege 1740-1793 417-442 - - =Kämpfe mit den Barbaresken.= Englands, Hollands, Frankreichs 417-418 - und Spaniens Maßnahmen gegen den Seeraub S. 417. -- - Beschießung afrikanischer Städte durch die Franzosen S. 418. - - =Der Schwedisch-Russische Krieg= 1741-1743. Anlaß des Krieges 418-420 - S. 418. -- Die Streitmittel der Gegner S. 419. -- Der Verlauf - des Krieges S. 419. -- Frieden von Abo 18. August 1743 S. - 420. -- Ein Zusammenstoß Dänemarks mit Schweden durch Rußland - verhindert S. 420. - - =Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen 421-422 - Kriege= 1756-1763. Aufstellung gemeinsamer Flotten der - nordischen Staaten zur Abwehr der englischen; Beschießungen - von Kolberg 1760 und 1761 S. 421. -- Tätigkeit der - schwedischen Schärenflotte an der pommerschen Küste; Gefecht - beim Reppiner Haken gegen eine preußische Flottille am 11. - September 1758 S. 421. -- Stellung Friedrichs des Großen zur - Schaffung einer Flotte S. 422. - - =Der Russisch-Türkische Krieg= 1768-1774. Anlaß zum Kriege 422-424 - S. 422. -- Die russische Ostseeflotte unter Alexej Orlow - (nebst Spiridoff und Elphinstone) in Griechenland 1770; - Vernichtung der türkischen Flotte bei Tscheschme 5. Juli 1770 - S. 423. -- Orlow an der syrischen Küste; der Frieden von - Kücük-Kainardschi, 21. Juli 1774, wichtig für Rußlands - Stellung am Schwarzen Meere S. 424. - - =Der Russisch-Türkische Krieg= 1787-1791. Anlaß zum Kriege 424-425 - der Verlauf des Landkrieges S. 424. -- Tätigkeit der - russischen Schwarze-Meer-Flotte (Unterstützung der Belagerung - von Otschakow 1788, Vertreibung der türkischen Flotte aus dem - Schwarzen Meere 1791); der Friede von Jassi begründet - Rußlands feste Stellung am Schwarzen Meere 9. Januar 1792 S. - 425. - - =Der Schwedisch-Russische Krieg= 1788-1790. Anlässe zum 425-442 - Kriege; König Gustavs Plan gegen Petersburg S. 425. -- Die - Seestreitmittel der Gegner (die »Armeeflotte« Schwedens) S. - 426. -- Der Aufmarsch der Schweden 1788 S. 427. -- König - Gustavs Ultimatum mit schroffen Forderungen an Kaiserin - Katharina; die Bewegungen der Hochseeflotten; Schlacht bei - Hogland (Herzog Karl von Södermanland gegen Greigh) 17. Juli - 1788 S. 428. -- Der Schären- und Landkrieg 1788; König Gustav - III. muß die Belagerung von Frederikshamn wegen Empörung im - Heere (Anjalabund) aufgeben S. 429. -- Erfolgloser Angriff - Dänemarks auf Schweden 1788 S. 430. -- Gründe der - schwedischen Mißerfolge S. 430. -- Die Tätigkeit der - Hochseeflotten 1789; Schlacht bei Öland (Herzog Karl gegen - Tschitschakoff) 26. Juli 1789 S. 431. -- Die schwedische - Flotte in Karlskrona blockiert S. 431. -- Der Land- und - Schärenkrieg 1789 S. 432. -- Die Schärenschlacht im - Svensksunde 24. August S. 433. -- Kritik des Jahres 1789 S. - 434. -- Friedensunterhandlungen scheitern an Katharinas - Forderungen; neuer Plan Gustavs für den Angriff auf - Petersburg 1790 S. 434. -- Die Schweden überrumpeln Raagervik - 17. März S. 435. -- Die Schlacht bei Reval (Herzog Karl gegen - Tschitschakoff) 13. Mai 1790 S. 435. -- Die schwedische - Küstenflotte greift Frederikshamn 15./19. Mai erfolglos an - und dringt bis zur Wiborgbucht vor S. 436. -- Seeschlacht in - der Kronstädter Bucht 3./4. Juni (Herzog Karl gegen Kruse) S. - 436. -- Die schwedische Hochseeflotte zieht sich in die - Wiborgbucht zurück und wird nebst der Küstenflotte durch - Tschitschakoff und Kruse blockiert S. 438. -- Durchbruch der - Schweden 3. Juli 1790 S. 439. -- Zweite Schlacht im - Svensksunde 9. Juli; eine schwere Niederlage der Russen S. - 440. -- Kritik des Jahres 1790 S. 441. -- Der Frieden zu - Werelä 14. August 1790; die Ergebnisse des Krieges S. 441. - - $Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten$ 443 - - $Sach- und Namenverzeichnis$ 446 - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - - - Wichtigste Quellen-Literatur. - - A. Werke allgemeinen Inhalts[1]. - - - Abkürzung, - im Text - gebraucht: - - [2]=W. Laird Clowes=: The Royal Navy. A history of the Clowes III, - earliest time to the present. London 1897-1901. 6 Bde. IV. - - Band III 1715-1783. Band IV Minor Operations, Voyages - and Discoveries 1763-1792. - - [2]=P. H. Colomb=, Rearadmiral: Naval warfare. Its ruling Colomb. - principals and practice historically treated. London - 1891. - - =J. Campbell=[3] und seine Fortsetzer: Lives of the Campbell. - British Admirals: containing an accurate Naval History - from the earliest periods. London 1817. 8 Bde. - - Band IV bis 1756, V bis 1779, VII bis 1801. In neueren - Werken oft benutzt, namentlich hinsichtlich - Zahlenangaben. - - [2]=A. T. Mahan=, Captain U. S. Navy: Der Einfluss der Mahan I. - Seemacht auf die Geschichte. Erster Band 1660-1783. - Übersetzung Berlin 1898. - - [2]=C. Chabaud-Arnault=, Capitaine de Fregatte: Histoire Chab.- - des flottes militaires. Paris et Nancy 1889. Arnault. - - - [2]=O. Troude= (publié par =P. Levot=): Batailles navales Troude I, - de La France. Paris 1867/68. 4 Bde. II. - - Band I 520-1778, Band II 1778-1795. - - =Comte de La Peyrouse Bonfils=: Histoire de la Marine Bonfils I, - Française. Paris 1843. 3 Bde. Bd. I 1643-1778, Bd. II II. - 1778-1789. - - =L. Guérin=: Histoire maritime de France. Paris 1851. - - In neueren Werken oft angezogen. - - [2]=J. C. de Jonge=: Geschiedenis van het Nederlandsche - Zeewezen. de Jonge. Haarlem 1858. 10 Bde. - - Band IV 1707-1783. - - =F. C. Duro=: Armada Espagnola desde la unión de los - reinós de la Castilla y de Leon et Aragon. Madrid - 1895-1903. 9 Bde. - - Genaueste Geschichte der spanischen Marine. - - =J. R. Spears=: The history of our navy from its origin to - the Spears. present day. 1775-1897. 4 Bde. New York - 1897. - - Band I enthält die erste Gründung einer Marine der - Vereinigten Staaten und deren Verwendung im - Befreiungskriege 1775-1783. - - =E. S. Maclay=: A history of the United States navy from - 1775 to 1902. 3 Bde. London 1894, 1902. - - Wie vorstehend. - - =C. A. Gyllengranat=: Sveriges sjökrigshistoria i - sammandrag. Carlskrona 1840. 2 Bde. - - =P. O. Bäckström=: Svenska Flottans Historia. Stockholm - 1884. - - =Sir G. S. Clarke=: Russia's Sea-Power past and present or - of the Rise of the Russian Navy. London 1898. - - =F. T. Jane=: The imperial Russian Navy, its Past, Present - and Future. London 1899. - - =O. Wesselage=: Kurze Geschichte der russischen - Seegefechte in zwei Jahrhunderten 1656-1858. Petersburg - 1893-1895. 2 Bde. - - In russischer Sprache. - - =Kirchhoff=, Vizeadmiral z. D.: Seemacht in der Ostsee. - Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im - 17. und 18. Jahrhundert. Kiel 1907. - - Behandelt eingehend die schwedischen, dänischen und - russischen Kirchhoff. Kriege und bringt sehr genaue - Angaben über die innere Geschichte der nordischen - Marinen. - - =A. Zimmermann=: Die europäischen Kolonien. Ihre - Entstehung, Zimmermann. Entwicklung, Erfolge und - Aussichten. Berlin 1896-1903. 5 Bde. - - Band I Portugal und Spanien; Band II und III England; - Band IV Frankreich; Band V Holland. Bemerkenswert für - die Kriege der europäischen Völker gegeneinander in den - Kolonien, besonders für die Kämpfe am Lande. B. Werke - besonderen Inhalts. - - [1] Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, »Wichtigste - Quellenliteratur«, S. XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere - Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, Steinitz, Schomberg, Southey, - Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten S. XXI dort. - - [2] Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren - Inhalt bereits im ersten Bande S. XVIII ff. näher besprochen. - - [3] Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von - 1873 angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten - unter gleichem Titel. - - - B. Werke besonderen Inhalts. - - I. Seekriegsgeschichtlichen Inhalts. - - =E. Chevalier=: Histoire de la marine française depuis les - débuts de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. - Paris 1902. - - =Derselbe=: Histoire de la marine française pendant la guerre - Chevalier de l'indépendance américaine. Paris 1877. II. - - =G. Lacour-Gayet=: La marine militaire de la France sous - Lacour I. le règne de Louis XV. Paris 1902. - - =Derselbe=: La marine militaire de la France sous le - règne Lacour II. de Louis XVI. Paris 1905. - - Die Werke Chevaliers und Lacour-Gayets sind wichtig für - die Kriege des zweiten Bandes. Sie sind weit objektiver - gehalten als die älteren französischen Quellen und sie - ergänzen sich in wertvoller Weise. Chevalier beschreibt, - besonders in seinem zweiten Buche, die Operationen und - Schlachten genauer. Lacour-Gayet hält sich allgemeiner, - bringt aber viele Angaben, Briefe und Berichte, die - Auskunft über die inneren Verhältnisse der französischen - Marine geben; seine Bücher enthalten auch vollzählige - Listen über die verwendeten Flotten und Geschwader mit - Angabe von Personalien sämtlicher auf diesen - befindlichen Offizieren. - - =Ch. Ekins=: Naval battles 1744-1814. London 1824. - - =E. K. Rawson=: Twenty famous naval battles, Salamis to - Santiago. London 1900. 2 Bde. - - =J. Drinkwater=: A history of the siège of Gibraltar - 1779-1783. With a description and account of that - garrison from the earliest times. London 1905. (Neudruck - einer Ausgabe von 1786.) - - =J. S. Roux=: Le Bailli de Suffren dans l'Inde. - Marseille 1862. - - =H. Moris=: Journal de bord du Bailli de Suffren dans - l'Inde 1781-1784. Avec préface par le Vice-amiral Jurien - de la Gravière. Paris 1888. - - =Trublet=: Histoire de la campagne de l'Inde par - l'escadre française, sous les ordres de M. le Bailli de - Suffren 1781-1783. Paris 1892. - - =G. v. Schantz=: Historia öfver Kriget emellan Sverige - och Ryssland 1788-1790. Stockholm 1817 und 1818. 2 Bde. - - =R. Ungermann=: Der russisch-türkische Krieg 1768-1774. - Wien und Leipzig 1906. - - - II. Biographischen Inhalts. - - =A. Barbou=: Les grands marins de France. Histoire - populaire de la marine française depuis les temps - anciens jusqu'à nos jours. Paris 1885. - - Kurz gefaßt, gut illustriert. - - =Vicomte de Noailles=: Marines et soldats français en - Amérique pendant la guerre de l'indépendance des - États-Unis 1778-1783. Paris 1903. - - =J. K. Laughton=: From Howard to Nelson. Twelve sailors. - London 1900. 2 Bde. - - Der zweite Band enthält Aufsätze über Anson, Hawke, - Boscawen, Rodney, Howe, Hood. (Jervis, Nelson.) - - =J. Barrow=: The life of Lord Anson. London 1839. - - =Derselbe=: The life of Richard Earl Howe. London 1838. - - =Burrows=: The life of Edward Lord Hawke. London 1883. - - =D. Hannay=: Rodney. London 1903. (2. Aufl.) - - =Mundy=: The life and correspondence of the late admiral - Lord Rodney. London 1830. 2 Bde. - - - III. Taktischen und strategischen Inhalts. - - [4]=P. Hoste=: L'Art des armées navales ou traité des - évolutions navales. Lyon 1697. - - =Bigot de Morogues=: Tactique navale ou traité des - évolutions et des signaux. Paris 1763. - - =Bourdé de Villehue=: Le manoeuvrier ou essai sur la - théorie et la pratique des mouvements du navire et des - évolutions navales. Paris 1769. - - =J. Clerk=: An essay on naval tactics systematical and - historical with explanatory plates. 2. Edition. - Edinburgh 1804. - - Die erste Auflage erschien 1790, war aber schon 1782 in - wenigen Exemplaren gedruckt und der Inhalt überhaupt - einigen englischen Seeoffizieren bekannt. -- Der - Verfasser zeigt an der Hand der Beschreibung von 14 - Schlachten die Nachteile der bis dahin gebräuchlichen - Angriffstaktik und macht Vorschläge, wie der Gegner an - einer Stelle überlegen anzugreifen sei. - - =A. Ramatuelle=: Cours élémentaire de tactic navale, - dédié à Bonaparte. Paris 1802. - - Verfasser diente in der französischen Marine in den - Kriegen des vierten Abschnittes. - - =Julien S. Corbett=: Fighting Instructions 1530-1816. - Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. - London 1905. - - Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der - englischen Marine. - - =Derselbe=: Signals and Instructions 1776-1794. Ebendort - Vol. XXXV. 1909. - - Ein Aufsatz, in dem der Verfasser nach neuesten - Forschungen bisherige Ansichten, auch seine eigenen, - über die Entwicklung der Seetaktik teilweise - modifiziert. - - =Glatzel=, Kapitän zur See: Die Entwicklung der - Seetaktik in der Zeit Rodneys und Howes. - Marine-Rundschau 1909, Heft IV. - - Bespricht vorstehenden Aufsatz Clerks. - - =Julien S. Corbett=: England in the seven years war, a - study in combined strategy. New York 1907. 2 Bde. - - $Strategische Betrachtungen$ enthalten ferner in reichem - Maße die oben schon erwähnten Werke von =Colomb= und - =Mahan=, letzteres auch solche über $Taktik$. - - [4] Vgl. Anmerkung zu Seite XIV. - - - IV. Technischen Inhalts. - - =L. Arenhold=, Marinemaler und Kapitänleutnant der Arenhold. - Reserve: Die historische Entwicklung der Schiffstypen - vom römischen Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und - Leipzig 1891. - - 30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen - die Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der - Armierung. - - =J. Charnock=: A history of marine architecture, including Charnock. - an enlarged and progressive view of the nautical - regulations and naval history, both civil and military, - of all nations, especially of Great-Britain. London - 1800-1802. 2 Bde. - - In den besten neueren Werken über Seekriegsgeschichte - als Quelle für Entwicklung des Seewesens oft benutzt. - Auch bemerkenswert für die Kriege des vierten - Abschnittes wegen genauer Angaben über die - Seestreitkräfte der Gegner hinsichtlich ihrer - Schiffsbestände (mit Namen der Schiffe) vor und nach den - Kriegen, sowie über die Verluste während derselben. - - =A. Jal=: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde. - - =Tj. Schwarz=: Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin - 1903. - - Enthält bemerkenswerte Angaben über die Entwicklung der - Segellinienschiffe. - - $Angaben über Schiffe, Waffen$ usw. enthalten ferner die - oben angeführten Werke von =Laird-Clowes= (Kapitel civil - history), =Colomb= (Kapitel V über Schiffsklassen), - =Troude= (Band I, Introduction); solche über - $Organisation und Personal$ (innere Geschichte der - Marinen), die Werke von =Laird Clowes= (englische - Marine), =de Jonge= (holländische Marine), - =Chabaud-Arnault= und =Lacour-Gayet= (französische - Marine), =Kirchhoff= (dänische, schwedische, russische - Marine). - - * * * * * - - - - - Verzeichnis der Abbildungen. - - Bildnisse. - - Seite - =George Brydges Rodney.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. - Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. Titelbild - - =George Lord Anson.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. - III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 70 - - =Admiral Thomas Mathews.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. - Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 75 - - =Marquis de La Gallissonnière.= Nach einer alten Lithographie - nach A. Maurin 134 - - =Admiral The Hon. John Byng.= Nach Laird Clowes, The Royal - Navy. Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 137 - - =Admiral Edward Lord Hawke.= Nach Montagu Burrow, The Life of - Edward Lord Hawke. London 1904. J. J. Keliher & Co. Ltd. 155 - - =Comte d'Estaing.= Nach einer alten Lithographie nach A. - Maurin 259 - - =Richard Earl Howe.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. - III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 260 - - =Samuel Barrington.= Nach John Campbell, Life of the British - Admirals. Bd. IV. London 1812. C. J. Barrington 273 - - =De Guichen.= Nach =Vicomte de Noailles=: Marines et soldats - français en Amérique pendant la guerre de l'indépendance des - États-Unis 1778-1783. Paris 1903 300 - - =Johan Arnold Zoutman.= Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van - het Nederlandsche Zeewezen. 2. Aufl., Bd. IV. Haarlem 1861. - A. C. Kruseman 320 - - =De Grasse.= Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin 327 - - =Samuel Hood.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. IV. - London 1899. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 355 - - =P. A. de Suffren.= Nach G. Lacour-Gayet, La Marine Militaire - de la France sous le règne de Louis XVI. Paris 1905. Honoré & - Champion 377 - - =Captain John Paul Jones.= Nach Laird Clowes, The Royal Navy. - Bd. IV. London 1899. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 406 - - - Abbildungen von Schiffen. - - =Englisches Linienschiff »The Terrible 74«.= Den Franzosen - 1747 abgenommen. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. - London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd. 12 - - =Heck eines französischen Linienschiffes.= Aus Tjard Schwarz, - Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. S. Mittler - & Sohn 12 - - =Französisches Linienschiff= »Sans Pareil«, 1770. Aus Tjard - Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. S. - Mittler & Sohn 13 - - =Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.= Aus - Tjard Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. - E. S. Mittler & Sohn 20 - - - Schlachtpläne und Uebersichtsskizzen. - - (Nach Skizzen des Verfassers.) - - =Skizze zur Erläuterung der Taktik= 41 - - =Hafen von Cartagena= 65 - - =Schlacht vor Toulon=, 22. Februar 1744 76 - - =Schlacht bei Minorka=, 20. Mai 1756 138 - - =Die Quiberonbucht= 156 - - =New York und Umgebung= 235 - - =Schlacht bei Grenada=, 6. Juli 1779 277 - - =Schlacht bei Martinique=, 17. April 1780 301 - - =Schlacht vor der Chesapeakebucht=, 16. März 1781 333 - - =Schlacht vor der Chesapeakebucht=, 5. September 1781 338 - - =Schlacht bei St. Christoffer= (St. Kitts), 25. Januar, und - =Ankergefecht=, 26. Januar 1782 357 - - =Schlacht bei Dominica=, 9. April 1782 362 - - =Schlacht bei Dominica= (Les Saintes), 12. April 1782 366 u. 368 - - =Schlacht vor Porto Praya=, 16. April 1781 382 - - =Schlacht bei Sadras=, 17. Februar 1782 386 - - =Schlacht bei Providien=, 12. April 1782 388 - - =Schlacht bei Negapatam=, 6. Juli 1782 392 - - =Schlacht bei Trincomali=, 3. September 1782 395 - -[Illustration] - - * * * * * - - - - - Vierter Abschnitt. - - Die Zeit von 1739-1793. - - - Kennzeichen des Abschnittes. - -Vergrößerung der Schlachtschiffe bei gleicher Kanonenzahl; größere -Gleichmäßigkeit innerhalb der verschiedenen Klassen; Bevorzugung der -bisherigen Linienschiffe mittlerer Größe; Verbesserung und Vermehrung der -Fahrzeuge zu besonderen Zwecken, Einführung schwererer Fregatten. -- Die -Taktik wird schematisch gehandhabt und führt zu meist unentschiedenen -Schlachten, erst gegen das Ende des Abschnittes gewinnt sie neues Leben. --- Die Meere der Kolonien werden in den Seekrieg mit einbegriffen, das -Bereich der Strategie wird dadurch erweitert. - -[Illustration] - - - Erstes Kapitel. - - Einleitung. - -Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt[5]. Seine Bedeutung für die -Entwicklung des Seekriegswesens. - -$Geschichtlicher Überblick.$ Der dritte Abschnitt, die Zeit von 1648-1739 -umfassend, zeitigte bis zum Frieden von Utrecht[6] fünf große Seekriege. -Ihr letzter, der Spanische Erbfolgekrieg 1702-1713, hatte England zum -Gebieter der Meere gemacht. Die Zeit von 1713-1739[7] brachte infolge der -Friedenspolitik der Minister =Walpole= in England und =Fleury= in -Frankreich keine großen Seekriege, obgleich Zündstoff für Zusammenstöße -der Großstaaten am Weltmeere genügend vorhanden war: Zwischen -Spanien-Frankreich einerseits und England-Holland anderseits schärften -sich seit Erhebung der Bourbonen auf den spanischen Thron die -handelspolitischen Gegensätze bedenklich. - -Die im Frieden von Utrecht zwischen Spanien und England über den Handel -in Westindien und Spanisch-Amerika geschlossenen Verträge waren auf die -Dauer unhaltbar. Die Zugeständnisse, die Spanien gemacht hatte -(Assientovertrag), konnten England nicht genügen; sie riefen bald eine -unrechtmäßige Ausnutzung seitens der Engländer -- einen weitgehenden -Schmuggelhandel -- und dadurch ebenso ungesetzliche Gewaltmaßregeln der -Spanier hervor. Diese Reibungen bildeten eine stete Bedrohung des -Friedens. Anderseits hatte Spanien 1733 auch Frankreich große Vorteile im -Handelsverkehr gewährt. In Frankreich wuchs die Einsicht von der -Notwendigkeit maritimer Ausdehnung. Während der Friedensjahre nahm der -französische Seehandel schnell zu und die Kolonien blühten auf; in -Westindien erlangten sie das Übergewicht über die englischen und in -Ostindien bildete sich ein französisch-indisches Reich, ähnlich dem -jetzigen englischen. Das englische Volk aber war gewillt, jede -Nebenbuhlerschaft auf der See und über der See zu unterdrücken. Zwischen -Frankreich und England harrte ferner der Streit um die Vormacht in -Nordamerika des Austrages; nicht einmal die Grenzen zwischen den -beiderseitigen Kolonien waren hier endgültig festgesetzt und auch über -den Besitz des nördlichen Teiles von Neu-Braunschweig war noch keine -Entscheidung getroffen. Spanien sowohl wie Frankreich mußte es endlich -ein Dorn im Auge sein, Gibraltar und Minorka als Stützpunkte zur -Beherrschung des Mittelmeeres und seines Ausganges im Besitze Englands zu -sehen. - - [5] Zu den geschichtlichen und politischen Betrachtungen hier, sowie - bei Schilderung der Kriege sind besonders benützt: Schlosser, - Geschichte des XVIII. und XIX. Jahrhunderts, Band II-IV; Spamers - Weltgeschichte Band VII; Mahan I. - - [6] Bedingungen des Friedens vgl. Band I, Seite 496; Ergebnisse des - Spanischen Erbfolgekrieges für die Teilnehmer Seite 575 und auch - 159. - - [7] Ebendort Kapitel X und XI. - -Anlässe zum Kriege waren also zur Genüge vorhanden, und wir wissen (vgl. -Band I, Seite 598), daß sich Frankreich und Spanien in einem geheimen -Defensivbündnisse verständigt hatten, bei geeigneter Gelegenheit -gemeinsam gegen England vorzugehen; 1735 hatten diese Staaten ja bereits -das Königreich Beider Sizilien unter bourbonischen Einfluß gebracht. So -zeigt uns denn der vierte Abschnitt in dem kurzen Zeitraum von 43 Jahren -=drei große Seekriege=. In diesen treten sich als Hauptgegner England und -Frankreich gegenüber, Spanien sowie Holland spielen eine Nebenrolle: -Hollands Seestreitkräfte waren sehr zurückgegangen, und auch die -Spaniens, die zwar unter den Bourbonen (besonders unter Karl III. -1759-1788) wieder an Stärke gewannen, erreichten nicht die Bedeutung der -französischen und englischen Seegeltung. - -Die Reibungen in den westindischen Gewässern führten 1739 zu einem Kriege -zwischen England und Spanien und eröffneten die großen Kämpfe zur See, -die sich wie die letzten Kriege des vorigen Abschnittes an =große -Landkriege= anschlossen. - -Um das Jahr 1740 befand sich Europa in einem politischen Zustande, der -bedeutende Umwälzungen ahnen ließ. Seit dem Spanischen Erbfolgekriege lag -die Summe der politischen Weisheit in der Erhaltung des europäischen -Gleichgewichtes zwischen den Großmächten Österreich, England, Frankreich, -Holland, und nach dem Utrechter Frieden waren diese Staaten bestrebt, den -seitdem geschaffenen Zustand zu erhalten; diese Sorge führte dann aber -gerade zwei große europäische Kriege herbei. Neben den Fragen maritimer -Bedeutung bedrohten auch andere, für die allgemeinen Interessen noch -wichtigere das so ängstlich gehütete Gleichgewicht und damit den Frieden. -Frankreichs Bestreben war weiter auf die Erwerbung der österreichischen -Niederlande (Belgien) und auf die Sicherung Lothringens gerichtet, auf -das es schon durch einen Erbschaftsvertrag mit König =Stanislaus -Leszczynski= Beschlag gelegt hatte, und stieß so mit den Interessen -Deutschlands, besonders Österreichs, durch die Absicht auf Belgien aber -auch mit denen Hollands, ja sogar Englands, zusammen. In Deutschland -hatte sich ferner eine immer schärfere Spannung zwischen Österreich und -Preußen herausgebildet, und im Osten erhob sich drohend die -anschwellende russische Macht; das polnische Reich war im Verfall, und -die Türkei wurde immer schwächer. - -Durch den Tod des Kaisers =Karl= VI. (Oktober 1740) kamen die Ereignisse -ins Rollen. Zwar hatten fast alle Staaten die »=Pragmatische Sanktion=« -(vgl. Band I, Seite 594 ff.) anerkannt, durch die dem Hause Habsburg -- -der Kaisertochter =Maria Theresia= -- der Bestand seiner sämtlichen Lande -gesichert war, aber nach dem Tode des Kaisers traten dennoch verschiedene -Mächte mit Erbansprüchen hervor. So entbrannte =der Österreichische -Erbfolgekrieg= (1740-1748), in dem Österreich mit England, Holland und -Spanien gegen Bayern, Preußen (Erster und Zweiter Schlesischer Krieg) und -Frankreich focht; auch die anderen Staaten schlossen sich einer der -Parteien an, und der schon begonnene Seekrieg zwischen Spanien und -England lief weiter. Der Kampf um das Gleichgewicht fand dann seine -Fortsetzung und seinen Höhepunkt im =Siebenjährigen Kriege= 1756-1763, in -dem jedoch die Gruppierung der Staaten eine ganz andere war. Die -Eifersucht auf das zu Bedeutung gelangte Preußen führte jetzt Rußland -sowie auch Frankreich (hier hatten allerdings noch andere Umstände ebenso -großen Einfluß) auf die Seite Österreichs, um dem Werden eines -kraftvollen Staates im wiederaufstrebenden Deutschland rechtzeitig einen -Riegel vorzuschieben, während England durch den jetzt zur endgültigen -Entscheidung drängenden Kampf seiner Kolonien in Nordamerika mit den -französischen, sowie durch des Königs Interesse an Hannover auf die Seite -Preußens getrieben wurde; wiederum beteiligten sich auch andere Staaten -am Kriege[8]. In diesen beiden Kriegen war England bestrebt, die Kräfte -Frankreichs an den Festlandskrieg zu fesseln, indem es dessen Gegnern die -Mittel zum Kampfe lieferte, und diesen Umstand sowie die Schwäche der -französischen Marine zu benutzen, die eigene Seeherrschaft zu festigen -und seinen Kolonialbesitz zu erweitern. - - [8] Auf die Geschichte dieser zwei großen Landkriege -- auf ihre - Ursachen eingehender, auf ihren Verlauf, soweit es nötig erscheint - -- werden wir bei der Betrachtung der sie begleitenden Seekriege - zurückkommen. - -Im Österreichischen Erbfolgekriege fügte England den feindlichen -Seestreitkräften empfindliche Verluste zu und errang auch Vorteile in -Nordamerika, während Frankreich in Ostindien glücklicher war; die -englische Seemacht wurde aber in diesem Kriege durch verschiedene -Umstände an der Entfaltung ihrer ganzen Kraft behindert. Im -Siebenjährigen Kriege hatte England dagegen vollen Erfolg mit seinen -Plänen. Dieser Krieg brachte ihm die Herrschaft über Kanada unter -Verdrängung Frankreichs aus Nordamerika, sowie Erweiterung seines -Besitzes in Westindien; den großen Unternehmungen Frankreichs in -Ostindien wurde ein Ende gemacht; die französischen Seestreitkräfte waren -vernichtend geschlagen. Spanien, das verspätet Frankreich Hilfe zu -bringen versuchte, wurde in dessen Sturz hineingezogen. Gleichzeitig -hatte im Landkriege =Friedrich der Große= Preußens Stellung als -Großmacht gefestigt; die beiden germanisch-protestantischen Mächte -behaupteten den Sieg. - -Der dritte große Seekrieg unseres vierten Abschnittes schließt sich an -den =Nordamerikanischen Freiheitskrieg= 1775-1783 an, in dem Frankreich -sowie Spanien auf die Seite der aufständischen Kolonien traten und in dem -Holland durch England selbst zu den Gegnern gedrängt wurde. Der Krieg -wurde so ein Seekrieg in allen Meeren, es handelte sich für England nicht -nur um die Herrschaft über seine Kolonien, sondern auch um die Erhaltung -seiner Obmacht zur See. - -Frankreichs Kraft war jetzt nicht durch einen Landkrieg in Europa -abgelenkt, England selber mußte einen solchen in Amerika führen, und -dabei waren die Marinen Frankreichs sowie Spaniens wesentlich erstarkt. -Dieser Krieg war denn auch für England sehr gefahrdrohend und brachte ihm -keine Erfolge. Zwar hielten seine Seestreitkräfte den vereinten -feindlichen das Gegengewicht, blieben eigentlich die überlegenen, und ein -letzter Versuch der Franzosen, in Ostindien wieder die Übermacht zu -gewinnen, wurde vereitelt, aber die nordamerikanischen Kolonien erlangten -ihre Unabhängigkeit (hauptsächlich durch die Unterstützung der -französischen Flotte) und Minorka ging verloren. Die Tatsache endlich, -daß die französische Flotte in diesem Kriege die See gehalten hatte, war -von großer Bedeutung. Das französische Volk wandte sich mit lebhafterem -Interesse dem Seewesen zu; Aufschwung des Seehandels, der Kolonien, sowie -Pflege der Marine waren die Folge. In der Marine herrschten -Selbstvertrauen und Streben; sie würde in einem neuen Seekriege eine -wuchtige Waffe geworden sein, wenn nicht die Revolution gerade für sie -die verhängnisvollsten Folgen gehabt hätte. - -Am Ende unseres Abschnittes war gegen die Zeit des Westfälischen Friedens -=eine völlige Umgestaltung Europas= abgeschlossen. Das kolonienreiche -Spanien, die Militärmacht Schweden und das seemächtige Holland waren aus -der Reihe der maßgebenden Staaten gestrichen; zwei neue Mächte, Preußen -und Rußland, waren schnell aufgestiegen und bildeten jetzt mit den alten, -England, Frankreich und Österreich, die Vorherrschaft der fünf -Großmächte, von denen die Politik des Weltteils abhing. -- England begann -sich zu einem außereuropäischen Weltreich auszudehnen und die Vereinigten -Staaten von Nordamerika waren als eine anglo-germanische und -protestantische Macht entstanden. - - $Nebenkriege$, wie wir weiter die Seekriege nennen wollen, die nicht - von ausschlaggebender Bedeutung für die allgemeine Weltgeschichte und - für die Entwicklung des Seekriegswesens waren, sind im vierten - Abschnitt folgende: - - Der Russisch-Schwedische Krieg 1741-1743, der im Zusammenhange mit dem - Österreichischen Erbfolgekriege steht; die Beteiligung der schwedischen - sowie der russischen Seestreitkräfte am Siebenjährigen Kriege; die - Russisch-Türkischen Kriege von 1768-1774 und von 1787-1792; der - Russisch-Schwedische Krieg 1788-1790. - - Diese Nebenkriege werden im Kapitel VI besprochen. - -$Bedeutung des Abschnittes für die Seekriegsgeschichte und für die -Entwicklung des Seekriegswesens.$ Die großen Seekriege dieses -Abschnittes haben eine bezeichnende Eigenschaft, die sie von den -früheren unterscheidet. Bisher[9] hatten die Kämpfe in den Gewässern der -Kolonien nur den Charakter des Kleinen Krieges. Sie bestanden in -Angriffen auf die Niederlassungen und den Handel dort behufs Schädigung -des Feindes sowie eigener Bereicherung; die dazu verwendeten -Seestreitkräfte waren nur gering. Von nun an aber, und in den Kriegen -dieses Abschnittes ganz besonders, bleiben die Ereignisse in den fernen -Meeren nicht mehr nur Ausläufer des in Europa und seinen Gewässern -ausgefochtenen Entscheidungskampfes; die Weltgeschichte ist nicht mehr -die Geschichte Europas, sondern die der atlantischen Welt. - - [9] Vgl. Band I, Seiten 472, 483, 562, 574. - -Die Kolonien hatten eine höhere und stetig wachsende Bedeutung für die -europäischen Staaten gewonnen, sie bildeten einen Teil der Gesamtstaaten, -von dem die Vermehrung des Nationalwohlstandes abhing. Sie erzeugten in -regelmäßigem Anbau Produkte, die der europäische Markt nicht mehr missen -konnte und waren als Abnehmer heimischer Erzeugnisse unentbehrlich -geworden; es wurde aus diesem Grunde notwendig, den Verkehr zwischen -ihnen und dem Mutterlande auch im Kriege zu behaupten. Deshalb schließen -sich an den Hauptkriegsschauplatz in den europäischen Gewässern -überseeische Schauplätze an, ja diese werden zuweilen die wichtigeren, -und zwischen beiden muß die Verbindung aufrechterhalten werden, da von -der Kraftquelle in der Heimat die Leistungen draußen abhängen. Alle diese -Gründe rufen den Kampf um die Seeherrschaft im weitesten Sinne hervor und -der =Strategie zur See wird damit ein größerer Spielraum angewiesen=. - -Es erscheint nun auffällig, daß erst in dem letzten der drei Seekriege -große Flotten auftreten; dies war hauptsächlich eine Folge der Schwäche -der französischen Marine. In Frankreich war zwar der Aufschwung des -Seehandels und der Kolonien während der Friedensjahre seit 1713 -volkstümlich, aber die Regierung stand ihm kalt und mißtrauisch -gegenüber. Sie ließ die Marine mehr und mehr verfallen, ja noch während -der beiden ersten Kriege wurde wenig für sie getan; der Landkrieg sog die -Hilfsquellen auf. Die vorhandenen Seestreitkräfte wurden außerdem -zersplittert, Frankreich führte diese Seekriege lau und ohne -strategisches Verständnis für ihre Wichtigkeit. Erst nach den maritimen -Niederlagen und Verlusten im Siebenjährigen Kriege hob man auf Drängen -des Volkes die Marine und sie trat nun im letzten großen Kriege, im -Verein mit der gleichfalls erstarkten spanischen, mächtiger und -tatkräftiger auf als je zuvor. Dieser Krieg wurde zwischen den -europäischen Gegnern zu einem reinen Seekriege mit großen Flotten in -allen Meeren. - - $Die Bedeutung der Kolonien.$ Im ersten Bande (Kapitel XII) ist eine - kurze Geschichte der Kolonien gegeben, um deren Umfang, ihren Wert für - die Besitzer und ihre innere Kraft um 1740 zu veranschaulichen; die - Weiterentwicklung ihrer Verhältnisse wird bei jedem der nun folgenden - Kriege berührt werden. Bei der Wichtigkeit, die die Kolonien für sie - haben, soll hier nochmals die Stellung der Gegner außerhalb Europas vor - Augen geführt werden; der Einfluß der Kolonien auf die Strategie ergibt - sich daraus. - - =In Nord-Amerika= besaß =England= 13 Kolonien, die späteren - »Vereinigten Staaten«: Die vier nördlichen oder Neuengland-Staaten: - Newhampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die - fünf mittleren: New York, New Jersey, Delaware, Pennsylvanien, - Maryland; die vier südlichen: Virginien, Nord- und Südcarolina, - Georgia. Diese Kolonien hatten 1740 schon eine Bevölkerung von etwa - 1200000 Weißen und 200000 Negern, die schnell weiter zunahm (1760: - 1385000 Weiße, 310000 Neger; 1770 insgesamt 2312000 und 1780 2943000 - Seelen). Die Einwohner waren Ackerbauer, Kaufleute, sowie Seeleute und - hingen noch mit Begeisterung am Mutterlande, wenn sie auch im - wesentlichen auf sich angewiesen waren und sich selbst regierten. An - einer solchen Bevölkerung, die außerdem auf die Franzosen sowie die - Kanadier sehr eifersüchtig war, und an einem in jeder Beziehung - ertragsfähigen Lande mit langer Seeküste und guten Häfen, in dem schon - viel für die Entwicklung des Seewesens getan war (für Kriegsflotten - voll leistungsfähige Werften gab es allerdings noch nicht), hatte - England in den beiden ersten Kriegen eine sichere Basis auf der - westlichen Halbkugel. - - =Frankreich= besaß Kanada und =Louisiana=, worin das ganze Ohio- und - Mississippi-Tal als notwendiges Glied zwischen dem St. Lorenz-Strom und - dem Golf von Mexiko einbegriffen war. Dieses Zwischengebiet war jedoch - nur schwach besetzt, und England erkannte Frankreichs Anspruch darauf - nicht an. Die Stärke der französischen Stellung lag in Kanada, das 1740 - etwa 50000 Weiße zählte (1760 etwa 80000). Die Ansiedler beschäftigten - sich hier nur soweit mit Handel und Landwirtschaft, wie es für ihre - unmittelbaren Bedürfnisse nötig war, in erster Linie lebten sie von der - Jagd und dem Waffendienst. Eine militärische und mönchische Regierung - hemmte Unternehmungslust sowie freie Verbindung zu gemeinsamen Zielen; - selbst die für die Schiffahrt im Innern nötigen Fahrzeuge mußte man - größerenteils in den englischen Kolonien kaufen. Kanada bot so und auch - infolge der weiteren Entfernung von Westindien sowie seines rauhen - Winterklimas vom militärisch-seemännischen Standpunkte aus für - Frankreich weit weniger Nutzen als die englischen Kolonien für England; - ein Vorteil Kanadas war wohl, daß es unter einheitlicher Verwaltung - stand, während die englischen Provinzen nur lose zusammenhingen und - nicht immer einig waren. - - Bei der Schwäche der Bevölkerung und den geringen Hilfsmitteln des - Landes lag das Geschick Kanadas in einem Kriege ganz in der - Unterstützung durch die Seemacht Frankreichs, die sich entweder in - unmittelbarer Beherrschung der benachbarten Gewässer oder in der - Ablenkung des Gegners durch Bedrohung anderer Punkte äußern mußte. Von - großer Bedeutung war hierbei der St. Lorenz-Strom, der den Zutritt bis - zum Herzen des Landes gewährte; Neufundland und Neuschottland hatte - Frankreich zwar schon verloren, aber es besaß in der Insel Breton mit - der starken Feste Louisbourg noch den Schlüssel zum St. Lorenz-Golf. Im - dritten, dem amerikanischen Befreiungskriege, gehörte Kanada England. - Es bot ihm in Halifax einen Stützpunkt für die Seestreitkräfte und - bildete für die anderen aufständischen Kolonien, da diese es weder zum - Anschluß bringen noch erobern konnten, eine Grenze, die stets bewacht - werden mußte. - - =Spanien= besaß 1740 in Nordamerika außer Mexiko nur Florida, ungenau - begrenzte weite Gebiete um die Halbinsel gleichen Namens; diese Kolonie - blieb (auch als sie später in englischem Besitz war) während der Kriege - von geringer Bedeutung. - - =In Westindien, Mittel- und Südamerika= hatte =Spanien= die unter dem - Namen »Spanisch-Amerika« bekannten Länder im Besitz, sowie die Inseln - Kuba, Portoriko und vier Fünftel von Haïti; Kuba mit etwa 140000, Haïti - mit 400000 Einwohnern aller Farben. =Frankreich= besaß Guadeloupe - (10000 Weiße, 50000 Neger), Martinique (24000 bzw. 60000), ein Fünftel - von Haïti (40000, 230000) sowie die kleineren Inseln Grenada, Marie - Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix und auf dem Festlande - Cayenne. Zu =England= gehörten Jamaika (etwa 10000 Weiße), Barbados - (20000 Weiße, 69000 Neger) sowie die kleineren Inseln Nevis, Antigua, - Montserrat, Barbados, Anguilla, die Virgin-Inseln, die Bermudas und die - Bahamas (alle zusammen vielleicht 15000 Weiße). Man ersieht, daß die - Einwohnerzahl der französischen Inseln die der englischen beträchtlich - übertraf. Auf dem Festlande besaß England an der Küste von Honduras - Niederlassungen (z. B. Belize, die Insel Roatan, am Kap Honduras, 1739 - erworben), die besonders als Stationen für Holzausfuhr dienten. - - Die Inseln Dominica, St. Lucia, St. Vincent und Tabago, auf die sowohl - England wie Frankreich Anspruch gemacht hatten, waren vorläufig (1730) - als »=neutrale Inseln=«, den Indianern gehörig, erklärt. - - Man sollte nun annehmen, daß die Eroberung der fruchtbaren Inseln vom - Gegner ein Hauptziel geworden wäre, aber mit Ausnahme des spanischen - Wunsches, Jamaika dauernd wiederzugewinnen, scheinen solche Pläne nie - ernstlich gehegt zu sein. Das zur See mächtigere England wurde wohl - durch die größere Masse des Volkes mehr auf Nordamerika hingewiesen und - die kleineren westindischen Inseln, aus denen der englische Besitz - hauptsächlich bestand, sind einzeln zu klein, um sie ohne unbedingte - Seeherrschaft erfolgreich behaupten zu können; hiermit aber konnten die - Gegner Englands nicht rechnen. So wurde gegen die Inseln von beiden - Seiten mehr der kleine Krieg geführt; man sah sie gewissermaßen wie - Schiffe oder Konvois mit feindlichem Gute an. Sie gehen häufig von - einer Hand in die andere über; sie werden angegriffen, um sie zu - brandschatzen; die Garnisonen werden gefangen genommen und die - Befestigungen zerstört, um den feindlichen Seestreitkräften ihre - Stützpunkte zu rauben. Die beim Friedensschluß etwa noch besetzten - werden aber meist wieder zurückgegeben; nur das Schicksal der - sogenannten neutralen Inseln entscheidet sich in den Kriegen unseres - Zeitabschnittes; sie wurden zwischen England und Frankreich verteilt. - Die Tatsache aber, daß jede der großen Mächte in Westindien, diesem - Brennpunkte des Handels, Besitzungen hatte, zog kleine Geschwader, wie - auch besonders im dritten Kriege große Flotten dorthin; eine große Zahl - der Seekämpfe spielt sich hier ab. - - =In Ostindien= besaß =England= als Hauptniederlassungen Bombay, Madras - und Kalkutta; =Frankreich= Mahé, Pondichery und Chandernagore (am - Ganges). Dieser Staat hatte großen Vorteil durch Besitz der Inseln Isle - de France und Bourbon, die als Zwischenstationen auf dem Wege nach - Indien, sowie als Stützpunkte in der Nähe dieses Landes dienten. Beide - Staaten wurden in Indien nur durch ihre Kompagnien vertreten. Diese - waren zwar um 1740 noch nicht sehr stark, strebten aber gerade in dem - hier behandelten Zeitabschnitt wetteifernd dahin, ihre Macht - auszudehnen, und hinter ihnen standen die Regierungen ihrer - Mutterländer; die Kriege wurden deshalb auch hier von Bedeutung und - berührten gleichfalls die Philippinen, die einzige Besitzung =Spaniens= - im fernen Osten. - - =Die holländischen Kolonien= -- in Westindien nur unbedeutend, in - Ostindien, mit Ausnahme eines Kontors in Negapatam, auf die Inselwelt - beschränkt -- wurden erst im dritten großen Kriege in den Streit - verwickelt, als Holland gegen England stand; sie spielten aber auch - dann nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig wurde allein =das Kapland=, - das nun den Franzosen als eine weitere Station auf dem Wege nach Indien - zur Verfügung stand. - - Die sonstigen Besitzungen der Staaten =in Afrika= waren lediglich - Handelsstationen ohne militärischen Wert. - -=Die Kriege des vierten Abschnittes sind ferner beachtenswert für die -Fortentwicklung der Taktik.= Die Engländer treten in sie ein mit rein -schematischer Durchführung gewisser kühner, aber unvorteilhafter -Angriffsregeln, die außerdem sowohl den Oberbefehlshaber wie die -Unterführer binden und lähmen. Die Franzosen bauen gegen diese Angriffe -eine Verteidigungstaktik auf, mit Verwertung der jetzt auch erkannten -Vorteile der Leestellung, führen diese aber gleichfalls nur schematisch -durch, anstatt errungene Vorteile durch angriffsweises Vorgehen -auszunutzen. Die Folge war, daß fast alle Schlachten unentschieden -blieben. Erst gegen das Ende des Zeitabschnittes brechen bedeutende -Führer beider Völker (=Rodney= und =Suffren=) mit dem Schematismus, und -es kommt neues Leben in die Taktik; wie im dritten Abschnitt erscheint -dann auch wieder ein aufsehenerregendes Werk (das des Schotten Clerk) -über seetaktische Fragen. - -In der =Entwicklung der Streitmittel=, der Schiffe und der Artillerie, -zeitigt der Abschnitt nur wenige hervorragende Änderungen. Die Klassen -der Schlachtschiffe werden in sich gleichmäßiger und man verwendet als -solche in erster Linie Schiffe der bisherigen mittleren Größe (zu 74 -Kanonen); die Fahrzeuge zu besonderen Zwecken werden bedeutend vermehrt, -schwerere Fregatten erbaut. An Geschützen führen die Engländer die -Karronaden als eine für den Nahkampf besonders wirksame Waffe ein. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Zweites Kapitel. - - Die Entwicklung des Seekriegswesens von 1740-1793. - - $Schiffe, Nautik$ (Entdeckungen), $Schiffsklassen, Waffen, Personal$ - (Organisation der Marine), $Taktik$. - - Die Betrachtungen schließen an das zweite Kapitel des dritten - Abschnittes (Band I, Seite 161-188) an. Wie dort und aus dem gleichen - Grunde sind in erster Linie die englischen Verhältnisse zugrunde - gelegt; wichtige Abweichungen in anderen Marinen sind jedoch angeführt - oder aus den Angaben über »die Streitmittel« vor jedem Kriege zu - ersehen. - - Als $Hauptquellen$ dienten: Clowes III; Charnock III; Arenhold; Troude - I; Colomb, Kapitel V; Schwarz. (Vgl. Quellenverzeichnis.) - - - Schiffe, Nautik, Schiffsklassen. - -Wir haben im ersten Bande die Entwicklung des Einzelschiffes und die -Einteilung der Schiffe in Klassen eingehend verfolgt und kamen -schließlich zu dem Ergebnis, daß um 1739 in beiden Hinsichten ein -gewisser Abschluß erreicht war. Die weitere Zeit der Segelschiffahrt -bringt nur noch Vervollkommnungen des Einzelschiffes, dessen Typ -- -besonders der des Schlacht- (Linien-)schiffes -- feststand, und -Verschiebungen in der Klasseneinteilung. Beides vollzieht sich weiter in -den uns schon bekannten Richtungen: Anstreben besserer See- und -Segelfähigkeit des Einzelschiffes, sowie Vergrößerung des Raumgehalts bei -gleicher Kanonenzahl; Herbeiführen von Gleichmäßigkeit der Schiffe einer -Klasse, Bevorzugung der ehemaligen Mittelklasse der Linienschiffe -(Nichtvermehrung der sehr schweren, Abstoßung der kleineren), sowie -Vermehrung der Fahrzeuge zu besonderen Zwecken. - -$Die Linienschiffe.$ Schon im 17. Jahrhundert hatte Frankreich die -Führung im Schiffbau übernommen. Hier beschäftigte man sich zuerst -wissenschaftlich mit Untersuchungen über Stabilität und Manövrierkunst. -Auf Anregung der Académie des Sciences in Paris nahmen hervorragende -Gelehrte ein reges Interesse an der Theorie des Schiffbaues, und die -Schiffbauingenieure wurden sorgfältig ausgebildet. Auch noch im 18. -Jahrhundert benutzten die Engländer gern eroberte französische Schiffe -als Muster bei ihren Neubauten und stellten sie stets in ihre -Schlachtflotte ein, während die Franzosen erbeutete englische -Linienschiffe nur als Begleitschiffe aufbrauchten. Die wissenschaftliche -Behandlung des Schiffbaues führte zur Vergrößerung der Schiffe, um sie -seefähiger zu machen, zur Verbesserung der Formen unter und über Wasser, -um die Segelkraft zur Fortbewegung und zum Manövrieren besser -auszunutzen; nach Theorie und Erfahrung wurden die Verhältnisse der -Hauptmaße des Schiffskörpers und der Takelage zu einander festgesetzt. An -Stelle der vollen Formen des Vorschiffes treten schärfere Linien; das -Heck wird gefälliger und weniger massiv, doch verschwindet hier die -eigentliche Schiffsform unter überreichem bildnerischen Schmuck, sowie -den Anbauten, die zugunsten einer bequemen Ausgestaltung der Wohnräume -für den Kommandanten und die Offiziere, selbst auf Kosten der Armierung, -angebracht wurden. - -[Illustration: Englisches Linienschiff »The Terrible 74«. Den Franzosen -1747 abgenommen.] - -[Illustration: Heck eines französischen Linienschiffes.] - -Als ein Zeichen der allmählichen Vergrößerung der Schiffe sei erwähnt, -daß die Franzosen in der Zeit nach dem ersten Kriege, in den Jahren 1748 -bis 1756, Zweidecker bis zu 84 Kanonen bauten, während in England Schiffe -zu 80 Kanonen bis 1760 noch Dreidecker waren; dann folgte man auch hier -dem Beispiele und zwar nach dem Muster eines erbeuteten Fahrzeuges. Die -Dreidecker blieben stets schlechtere Seeschiffe. Sie mußten oft bei -starkem Winde oder schwerem Seegange die Pforten der untersten Batterie -schließen und sind mehrfach, selbst im Hafen bei Bodenreinigungen, -gekentert. Sie blieben jedoch gebräuchlich, namentlich als Flaggschiffe, -da sie immerhin mächtige Gefechtseinheiten waren und Platz zur -Unterbringung der Geschwaderstäbe boten. - -[Illustration: Französisches Linienschiff »Sans Pareil«, 1770.] - -In der Anordnung der Takelage war man schon zu Anfang des -18. Jahrhunderts bei dem Linienschiffe fast zur vollendeten -Vollschiffstakelung gelangt: drei Masten und ein weitausladendes -Bugspriet mit einem kleinen Maste; an den Masten und am Bugspriet -Raasegel, am Kreuz- (Besan-) Maste ein großes Lateinsegel; auch -Oberleesegel wurden schon gefahren[10]. Im Laufe des Jahrhunderts -erschienen nun der Klüverbaum und die Vorsegel, die den kleinen Mast auf -dem Bugspriet verdrängten, jedoch es blieben noch Raasegel am Klüverbaum -(bis 1790), sowie am Bugspriet (bis 1815), da sie einem entmasteten -Schiffe etwas mehr Steuerfähigkeit verliehen; zwischen den Masten traten -Stagsegel auf. Das Lateinsegel am Kreuzmast wurde zum Besan, indem der -untere Teil der langen Raa wegfiel und das Segel hier am Maste befestigt -wurde; später wird der Rest der Raa zur Gaffel und für den unteren Rand -des Segels tritt der Besansbaum zum Ausholen hinzu. Jetzt wird es auch -gebräuchlich, die Flagge, die bisher an einem Flaggstock am Heck gefahren -wurde, an der Besansgaffel zu heißen. Um 1790 endlich waren -Oberbramsegel, sowie Unter- und Bram-Leesegel ziemlich allgemein -eingeführt. - - [10] Siehe Band I, Seite 166, die Abbildung des »Royal Louis«. - -Im vierten Abschnitt wurden Schiffstypen erreicht, die allen -Anforderungen genügten, wie die Blockaden beweisen, mit denen die -Engländer bald darauf jahraus, jahrein die französischen Häfen -geschlossen hielten. Als ein auf der Höhe seiner Zeit stehendes -Linienschiff sei der französische Zweidecker »Sans Pareil« -- 84 Kanonen, -gebaut 1770 -- abgebildet. Dieses Schiff soll vorzüglich see-, sowie -manövrierfähig gewesen sein und konnte auch in schwerem Wetter die -unterste Batterie gebrauchen; es wurde von den Engländern genommen und -als Vorbild benutzt. Gleichzeitige 74-Kanonenschiffe sollen ebensogut -gewesen sein. - -$Die Fregatten.$ Bis 1745 hatte man im allgemeinen nur Linienschiffe, zu -denen bis 1756 noch die 50-Kanonenschiffe rechneten, ferner Zweidecker -mit 40 Kanonen, zuweilen und besonders in Frankreich als Fregatten -bezeichnet, 20-Kanonenschiffe, auch Fregatten genannt, und noch kleinere -Fahrzeuge. Dann entwickelte sich die wirkliche Fregatte; ein Schiffstyp -von größerer Geschwindigkeit als Linienschiffe und Kauffahrer, von dem -aber doch auch eine nicht unbedeutende Gefechtskraft verlangt wurde[11], -um mit Erfolg als Aufklärungsschiffe der Flotten sowie im Handelskriege -gegen Kaper dienen zu können. Die 40- oder 44-Kanonenzweidecker waren -hierzu zu unbeholfen (diese Fahrzeuge wurden nach Einführung schwerer -Fregatten ihrer Wohnlichkeit halber gern im Kolonialdienst verwendet), -die 20-Kanonenschiffe zu schwach. Die neuen Fregatten führten ihre -Hauptartillerie auf dem Hauptdeck, eingedeckt durch das Oberdeck, auf dem -leichtere Geschütze standen. Etwa um 1748 wurden Fregatten mit 28 und 32 -Kanonen gebaut, bald darauf auch solche mit 36. Sie führten bis 1780 nur -12-Pfünder in der Batterie, dann erhielten sie 18-Pfünder und es traten -auch Schiffe mit 38 Kanonen hinzu; ganz schwere Fregatten mit 40-44 -Geschützen erscheinen erst um die Wende des 18. Jahrhunderts. - - [11] Mit der Bezeichnung »=Fregatte=« verband sich vom Mittelalter her, - auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im - Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die - Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die - allmähliche Entwicklung des Begriffes »Fregatte« vgl. auch Band I - im Sachregister unter diesem Stichworte. - -$Die ständige Vergrößerung der Schiffe$ in allen Klassen zeigt die auf -Seite 15 gegebene Tabelle für England, in der jedoch einige -Zwischenstufen nicht aufgenommen sind, da sie gegen das Ende des -Abschnittes nur noch schwach vertreten waren. - - Diese Tabelle, deren Angaben sich an die im ersten Bande Seite 178 - für 1727 aufgeführten anschließen, ist nach Clowes III, Seite 9, 12, - 335, zusammengestellt. Die Angaben für 1741 sind die in England als - Bauvorschrift festgesetzten. Derartige Vorschriften waren von 1713 bis - 1745 mehrfach erlassen, um Gleichmäßigkeit im Schiffsmaterial zu - erzielen; dann aber sah man ein, daß durch zu eingehende Bestimmungen - - =Größenverhältnisse englischer Schiffe.= - ========+========+=======+=====+======+================ - Anzahl |Jahr des|Tonnen-|Länge|Breite| Tiefgang - Kanonen | Baues |Gehalt |-----+------+---------------- - | | | in englische Fuß abgerundet - ========+========+=======+=====+======================= - | 1741 | 1872 | 175 | 50 | 21 } - 100 | 1756 | 2047 | 178 | 52 | 22 } - | 1789 | 2279 | 190 | 52 | 22 } - --------+--------+-------+-----+------+---------} Drei- } - | 1741 | 1679 | 168 | 48 | 20 } decker} - 90-98 | 1761 | 1827 | 176 | 49 | 21 } } - | 1768 | 1947 | 178 | 50 | 21 } } - --------+--------+-------+-----+------+-----------------} Linienschiffe - 70 | 1741 | 1291 | 154 | 44 | 19 } } - 74 {| 1759 | 1556 | 166 | 46 | 20 } } - {| 1790 | 1836 | 176 | 49 | 20 } } - --------+--------+-------+-----+------+---------} Zwei- } - 60 | 1741 | 1123 | 147 | 42 | 18 } decker} - 64 {| 1763 | 1380 | 159 | 45 | 19 } - {| 1782 | 1521 | 163 | 45 | 18 } - ========+========+=======+=====+======+================= - Linien-{| 1741 | 968 | 140 | 40 | 17 } - schiff {| 1752 | 1046 | 146 | 36 | 17 } - 50 | 1765 | 1053 | 151 | 40 | 18 } - --------+--------+-------+-----+------+---------} Zweidecker - | 1741 | 706 | 126 | 36 | 15 } - 44 | 1759 | 856 | 141 | 37 | 16 } - | 1774 | 886 | 140 | 38 | 16 } - ========+========+=======+=====+======================== - 38 | 1780 | 940 | 141 | 38 | 14 } - | 1782 | 1062 | 150 | 40 | 13 } - --------+--------+-------+-----+------+---------} - 36 | 1757 | 718 | 128 | 36 | 12 } - | 1786 | 939 | 141 | 39 | 14 } - --------+--------+-------+-----+------+---------} Fregatten - 32 | 1757 | 667 | 128 | 34 | 12 } - | 1783 | 779 | 131 | 36 | 13 } - --------+--------+-------+-----+------+---------} - 28 | 1757 | 599 | 118 | 34 | 11 } - | 1785 | 594 | 121 | 34 | 11 } - ========+========+=======+=====+======+================= - 20 | 1757 | 430 | 108 | 30 | 10 } - | 1776 | 429 | 108 | 30 | 10 } Postships - --------+--------+-------+-----+------+----------------- - 14 | 1746 | 276 | 91 | 26 | 12 } - | 1789 | 321 | 100 | 27 | 13 } Sloops - ========+========+=======+=====+======+================= - - Verbesserungen gehemmt würden. Die Angaben für die späteren Jahre sind - die Maße von ihrer Zeit besonders typischen Schiffen (Clowes führt die - Namen an), die in England erbaut oder den Spaniers und Franzosen - abgenommen waren. - -$Verbesserungen im Schiffbau.$ 1761 ward der erste Versuch gemacht, den -=Schiffsboden mit Kupferplatten= zu belegen, um ihn gegen den Bohrwurm zu -schützen; 1785 war diese Maßnahme in der englischen Marine durchgeführt, -während die französische darin noch zurückstand. Es brachte den -unerwarteten Vorteil mit sich, den Anwuchs von Algen und Muscheln zu -verringern; die Schiffe büßten hierdurch weniger an Schnelligkeit ein und -bedurften seltener einer Bodenreinigung. Allerdings wurde der Bau des -Schiffsrumpfes schwieriger sowie teurer, da alle Bolzen unter Wasser aus -Kupfer hergestellt werden mußten, weil eiserne infolge des galvanischen -Stromes zwischen Kupfer und Eisen leicht zerstört worden wären. =Die -Pumpen= zur Entleerung des Schiffsbodens wurden etwa um 1764 verbessert, -so daß sie ihre Aufgabe mit weniger Arbeitskraft schneller und -gründlicher lösten; dies war von gutem Einfluß auf den Gesundheitszustand -an Bord. 1772 führte man sogar schon =Destillationsapparate= ein, die -jedoch nur geringe Mengen von Trinkwasser liefern konnten. Zum -=Farbenanstrich= pflegte man für den Schiffsrumpf Schwarz mit -gelblich-weißen Batteriegängen (d. s. die Planken, in denen die -Geschützpforten eingeschnitten waren), für die Rundhölzer (Masten, Raaen, -Gaffeln usw.) Gelb zu wählen. - -In Hinsicht auf die =Beiboote= trat noch keine Änderung ein (siehe Band -I, Seite 166). Sie wurden weiter auf Deck eingesetzt und blieben -teilweise sehr groß, da man sie häufig zum Fischen gekappter Anker nötig -hatte. Erst als im Anfang des 19. Jahrhunderts Ankerketten gebräuchlich -wurden und die Boote bei deren großem Gewicht zum Ankerfischen nicht mehr -tauglich waren, wurden sie kleiner; um diese Zeit erschienen auch die -Bootsdavids zum Heißen der Boote an den Schiffsseiten. Die Boote waren -gut besegelt und waren dadurch sowie durch ihre Größe zu tagelangen -Entsendungen geeignet. =Die Werften= wurden immer leistungsfähiger, -besonders auch, weil man den Dienst auf ihnen besser regelte, für jedes -Schiff eine besondere Schiffskammer zur Aufbewahrung seines Materials -anlegte und die Angestellten sorgsamer auswählte, sowie besser bezahlte. - -$Die Kauffahrteischiffe$ des 18. Jahrhunderts waren selten größer als 800 -tons. Sie wurden etwas schmaler als die Kriegsschiffe gebaut, führten -meistens immer noch einige Kanonen und wurden häufig im Anstrich den -Kriegsschiffen ähnlich gehalten (mit Batteriegängen), um Kaper -abzuschrecken. Beim Bau solcher Fahrzeuge, die besonders für den -=Kaperdienst= bestimmt waren, legte man Wert auf Schnelligkeit, worin -sich frühzeitig die englisch-nordamerikanischen Kolonien hervortaten. - -Für $die Nautik$ ist zu erwähnen, daß die Ortsbestimmung auf See dadurch -sehr erleichtert wurde, daß man von 1772 an brauchbare Chronometer -anfertigte (vgl. Band I, Seite 167), daß die nautischen Hilfstafeln -vervollkommnet, die Leuchttürme vermehrt und mit bessern Lichtern -versehen, die Seekarten fortlaufend vervollständigt wurden. -=Wissenschaftliche Seereisen= trugen hierzu bei. 1736 konstruierte -=Harrison= einen Chronometer, der auf einer Reise nach und von Westindien -trotz schlechten Wetters nur 1^m 56^s verlor. Ein weiter verbessertes -Instrument bewährte sich auf einer Entdeckungsreise des belgischen -Kapitäns =Byron= in die Südsee 1764-1766. Auch die Franzosen sandten -Schiffe zur Erprobung von Chronometern aus (=Fleurien= 1769, =Borda= 1771 -und 1774). Etwa von 1772 an werden Chronometer an Bord der Kriegsschiffe -allgemeiner eingeführt. - - Die wissenschaftlichen Reisen beschränkten sich nicht auf geographische - und hydrographische Forschungen in den bereits bekannten Gewässern; es - wurden auch planmäßige $Entdeckungsreisen$ unternommen. Da ihre - Ergebnisse mehr geographisch als politisch oder militärisch wichtig - sind, seien nur die hervorragendsten kurz erwähnt. Durch russische - Seeleute wurden von 1728 an die Nord- und Ostküsten Asiens besucht; der - Däne =Bering= erforschte in russischem Dienste 1725 das Meer von - Kamtschatka, durchfuhr 1728 die nach ihm benannte Straße und besuchte - 1741 die Nordwestküste Amerikas. Die Reise des englischen Admirals - =Anson= 1739-1741 brachte die genauere Kenntnis der Marianen-Inseln. - Von französischen Seeoffizieren entdeckte =Bougainville=, der erste - Weltumsegler Frankreichs, 1756-1759 die Salomon-Inseln und den - Bismarck-Archipel, =Kerguelen= 1771-1774 die nach ihm benannten Inseln, - =Lapérouse= erforschte 1785-1788 die japanischen und koreanischen - Gewässer. - - Am meisten ist aber dem englischen Kapitän =James Cook= zu verdanken, - der schon 1764-1767 die Küste von Neufundland aufgenommen hatte. Nach - Tahiti zur Beobachtung des Venusdurchganges gesandt, umfuhr er - 1769-1771 Neuseeland und stellte damit fest, daß diese Insel entgegen - der bisherigen Annahme nicht der Ausläufer eines südpolaren Festlandes - sei; er erforschte die Ostküste Australiens und fand die Torresstraße, - deren erste Entdeckung unbekannt geblieben war (vgl. Band I, Seite 75). - Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Regierung auf Botanybay als - geeignet zur Kolonisation, die dann 1788 durch Hinführung der ersten - Sträflinge begann. 1772 umsegelte er die Erde von West nach Ost - zwischen 60 und 70° südlicher Breite und stellte fest, daß sich kein - südpolarer Kontinent bis in die gemäßigte Zone erstrecke. 1776-1779 - entdeckte er den Cook-Archipel, sowie die Sandwich-Inseln und - erforschte beim Suchen nach einer Nordwestpassage die Nordwestküste - Amerikas nebst dem nördlichen Teile des Stillen Ozeans bis zur - Beringstraße. Durch ihn besonders wurde ein klares Bild von der - Begrenzung dieses Weltmeeres sowie der in ihm liegenden Ländermassen - und Inselgruppen gewonnen. - -Diese wissenschaftlichen und Entdeckungsreisen waren für englische wie -französische Seeoffiziere eine gute Schule. Die an ihnen beteiligten -Kapitäne und Offiziere haben sich fast durchgängig auch in den Kriegen -hervorgetan. Bemerkenswert ist, daß beide Völker bei Ausbruch eines -Krieges feindliche Schiffe, die zur Zeit auf einer derartigen Reise -begriffen waren, ausdrücklich als neutral und unverletzbar erklärten. - -$Schiffsklassen$ (englisch: rates; französisch: rangs). Aus der auf Seite -18 gegebenen Tabelle über die Bestände der $englischen Marine$ in -verschiedenen Jahren ergibt sich folgendes (vgl. auch Band I, Seite 178): -Die mittelstarken =Linienschiffe= kommen immer mehr als -Hauptschlachtschiffe - - =Bestände der englischen Marine nach Schiffsklassen.= - ================+============+=======+=======+=======+=======+======= - Klasse |Kanonenzahl | Anzahl der Schiffe im Jahre - | +-------+-------+-------+-------+------- - | |1752 1)|1762 2)|1775 1)|1783 2)|1792 1) - ================+============+=======+=======+=======+=======+======= - I | 100 | 5 | 5 | 4 | 5 | 5 - II | 98 und 90 | 13 | 16 3)| 17 3)| 20 3)| 16 - III | 64-80 | 47 | 88 | 99 | 141 | 107 - In Klasse III {| 74 4) | ? | 37 | 57 | 81 | 66 - waren enthalten{| 64 4) | | 30 | 32 | 49 | 39 - IV | 60 | 67 5)| 32 | 11 | 8 | 1 - ----------------+------------+-------+-------+-------+-------+------ - Gesamtzahl der Linienschiffe | 132 | 141 | 131 | 174 | 129 - - IV | 50 6) | -- | 24 | 12 | 23 | 17 - {| 44 6) |} | 21 | 4 | 30 | 22 - V {| 38 7) |} | 2 | -- | 7 | 7 - {| 36 7) |} 39 | 4 | 3 | 17 | 14 - {| 32 7) |} | 34 | 35 | 61 | 47 - {| 28 7) |} | 23 | 24 | 33 | 28 - VI {| 24 7) |} 39 | 21 | 7 | 12 | 6 - (Post ships) {| 20-22 |} | 13 | 13 | 15 | 7 - Sloops | 8-18 8)| 34 | 57 | 38 | 85 | 42 - Brander | | ? | 11 | 1 | 17 | 9 - Mörserboote | | 4 | 14 | 2 | 4 | 2 - ----------------+------------+-------+-------+-------+-------+----- - Gesamtzahl Nichtlinienschiffe| 116 | 224 | 139 | 304 | 201 - $Insgesamt$| $248$ |$365$ |$270$ |$478$ |$330$ - - Die Tabelle, anschließend an die Band I Seite 178 gegebene, ist - zusammengestellt nach Clowes III, Seite 7 und 328. - - 1) Bestände gegen das Ende einer Friedenszeit, - - 2) im letzten Jahre eines Krieges. - - 3) In dieser Zahl ist ein (oder einige wenige) Schiff zu 84 Kanonen - einbegriffen. - - 4) Diese Angaben im Kleindruck zeigen, wie sehr die Unterklassen - verschwinden; von 1775 an fast gänzlich. - - 5) Da 1752 die 50-Kanonenschiffe noch zur Linie zählten, so sind sie - für dieses Jahr hier mit einbegriffen. - - 6) Die Schiffe zu 50 und 44 Kanonen waren Zweidecker; als - Nichtschlachtschiffe und da sie auch nicht als Fregatten gelten - konnten, fanden sie besonders Verwendung in den Kolonien, zu - kleineren Unternehmungen usw.; sie waren bequem zum Stationsdienst - in Friedenszeiten und bedurften nur geringer Besatzung. Ihre Zahl - geht deshalb der sonstigen Richtung entgegen nicht zurück. - - 7) Schiffe des neuen Fregattentypes. - - 8) Die größeren Sloops hatten Vollschiffstakelage. - -in Gebrauch; ihre Zahl wächst beständig, während die Zahl der -Dreidecker sich gleich bleibt und die der leichteren Linienschiffe -abnimmt. Zum Linienschiff wird bis 1752 noch das 50-Kanonenschiff -gerechnet, dann nur noch das zu 60 Kanonen (in Frankreich zu 56), doch -verschwindet auch dieses allmählich und von 1763, Ende des -Siebenjährigen Krieges, an bildet das zu 64 Kanonen die untere Grenze. -Unterstufen in den einzelnen Klassen fallen nach und nach fort. Die Zahl -der =Nebenschiffe= -- zum Aufklärungs-, Nachrichten-, Seepolizeidienst -usw. -- wächst ungemein, ganz besonders die des sich neuentwickelnden -=Fregattentypus=. Die Mörserboote und Brander[12] erreichen bei weitem -nicht die Zahl früherer Zeiten. Aus der Tabelle ist endlich das Wachsen -der englischen Marine im allgemeinen, sowie während eines jeden Krieges -im besonderen zu entnehmen. - - [12] Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister - unter den betreffenden Stichworten. - -$In Frankreich$ (vgl. Troude I, Seite 19 ff.) teilte eine Verfügung von -1758 die Schiffe in folgende Klassen: A. Linienschiffe I Rang -(Dreidecker) zu 110, 100 und 90 Kanonen; II zu 74 und 70; III zu 66, 60 -und 50. B. Nichtlinienschiffe IV zu 50, 46 und 40; diese werden auch -bisweilen schon zu den Fregatten gerechnet, jedoch die zu 50 noch häufig -und auch später noch ab und zu in die Linie eingestellt; V zu 32 und 30, -gleichfalls oft als Fregatten bezeichnet. Fregatten zu 24 und 20, -Korvetten zu 16 und 12 Kanonen. -- Später fanden öfters Verschiebungen -statt, die den Zweck hatten, Unterklassen zu vermindern und die Grenze -des Linienschiffes hinaufzusetzen. So fehlen z. B. um 1765 die Schiffe zu -70, und die Klasse II setzt sich aus 80- und 74-Kanonenschiffen zusammen; -1786 wurde verfügt, als Schlachtschiffe nur solche zu 118, 110, 80 und 74 -Kanonen zu erbauen. 1780 traten auch hier wie in England Fregatten zu 38 -(ja sogar zu 40) Kanonen auf. Die Verfügungen scheinen jedoch niemals -streng durchgeführt zu sein, jedenfalls waren stets größere Restbestände -von den nach älteren Vorschriften erbauten Schiffen vorhanden. $In -Spanien$ lehnte sich der Schiffbau eng an den französischen an. - - $Dreidecker$ scheint Frankreich in den Kriegen 1739-1748, sowie - 1756-1763 nicht gehabt oder sie doch nicht zur Verwendung gebracht zu - haben, obgleich solche unter Ludwig XIV. schon reichlich vorhanden - waren. Im ersten Kriege werden nämlich bei den Flotten nur Schiffe bis - zu 80, beim zweiten bis zu 84 Kanonen aufgeführt, und diese waren - Zweidecker. Bei dem Aufschwung der Marine, der um 1761 einsetzte, sind - aber jedenfalls wieder Dreidecker (über 90 Kanonen) erbaut. - - - Die Waffen[13]. - -$Die Kanonen$, die im vorigen Abschnitt geschildert sind (Band I, Seite -168ff.), erfuhren keine wesentlichen Änderungen. Man gab den Rohren mehr -Hintergewicht, um das starke Bucken beim Schuß zu vermeiden, und brachte -einige Verbesserungen an den Lafetten (Bruststück sowie Schwanzstück) und -an den Pforten an, um die Geschütze weiter nach vorn oder hinten richten -zu können. Sonst blieben die Lafetten so primitiv wie bisher, und die -Geschütze bedurften daher einer zahlreichen Bedienung. - - [13] Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel »Civil history« 1714-1762 - und 1762 bis 1792; Troude I »Introduction«. - -[Illustration: Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.] - - $Bedienung der Geschütze.$ Die Lafetten, aus schweren hölzernen - Seitenwänden, liefen auf Blockrädern. Der Rückstoß beim Schuß wurde von - dem schweren Brooktau und den Seitentaljen aufgenommen, deren Länge so - bemessen war, daß sich nach dem Rücklauf des Geschützes die Mündung des - Rohres etwa 2 Fuß innerhalb der Bordwand befand; in dieser Stellung - wurde ausgewischt, geladen und dann das Geschütz mit den Seitentaljen - wieder ausgerannt, d. h. wieder dicht an die Bordwand gezogen. Zum - ersten Laden mußte die Lafette mittels der Einholtalje eingerannt, d. - h. in die Ladestellung gezogen, zum Nehmen der Seitenrichtung mußte sie - mit Handspaken herumgeworfen werden, die unter den hintern Teil der - Lafettenwände gestemmt wurden. Zum Nehmen der Höhenrichtung wurde das - Bodenstück des Rohres mit denselben Spaken gehoben oder gesenkt und - dann durch einen Keil festgelegt. In einer Batterie war auf jeder Seite - nur ein Geschütz um das andere mit Mannschaft besetzt, da man - gewöhnlich nur nach einer Seite feuerte; die Mannschaft der anderen - Seite bediente auf das Kommando »an die Steuerbord- (Backbord-) - Kanonen« die freien Geschütze der feuernden Seite. Sollten beide Seiten - in Tätigkeit treten, so sprang auf das Kommando »dubliert« die Hälfte - der Bedienung eines jeden Geschützes an das nebenstehende unbesetzte. - -- Ein 32-Pfünder brauchte 15 Mann zur Bedienung; in einer Batterie mit - 30 Kanonen waren also 210 Mann beschäftigt. Da ist es nicht - erstaunlich, daß zuweilen ungeheure Verluste eintraten, wenn ein Schiff - im Nahkampfe eine wohlgezielte Breitseite des Feindes in die Batterien - erhielt. Bei Trafalgar z. B. wurden auf dem spanischen Dreidecker - »Santa Ana« durch eine solche 400 Mann außer Gefecht gesetzt. - -Um 1780 wurde an Stelle der Zündung mittels Lunte ein -=Flintensteinschloß= eingeführt, das der zielende Mann selber abfeuern -konnte. Die =gebräuchlichsten Kaliber= blieben die gleichen: 42-Pfünder, -32-, 24-, 18-, 12-, 9-, 4-, 3-und 1/2-Pfünder; vom 24-Pfünder abwärts bis -zum 6-Pfünder waren Rohre verschiedener Schwere und Länge vorhanden. Die -Ladungen sind früher angegeben (Band I, Seite 168). Der 1/2-Pfünder -- -Swiffel oder auch Patereroe genannt -- war ein Geschütz, das auf der -Oberdecksbrustwehr (der Reeling) stand. Zuweilen, jedoch sehr selten, -verwendete man eine Art kleiner Mörser für Brandgeschosse, nach ihrem -Erfinder, einem holländischen Ingenieuroffizier, Coehoorn benannt. - - $In Frankreich$ führte man 36-Pfünder, 24-, 18-, 12-, 8-, 6- und - 4-Pfünder; der 48-Pfünder war hier schon fortgefallen, auch in England - wurde der 42-Pfünder später nur noch wenig verwendet. Wie bereits - früher (Band I, Seite 169) erklärt ist, war der englische 32-Pfünder - etwa dem französischen 36-Pfünder gleich und die sonstigen englischen - Kaliber den gleichlautenden französischen etwas überlegen. Das - Flintensteinschloß ist in Frankreich erst 1802 allgemein geworden und - auch die Verbesserungen der Lafetten fanden hier erst später Eingang. - -$Die Handwaffen$ blieben die im ersten Bande (Seite 169) angeführten. Es -traten =Handgranaten= hinzu, die nach den Etats der englischen Schiffe -eine gewisse Rolle spielten; 1745 waren für das Linienschiff 200 Stück -vorgesehen und auch in Frankreich hatte dieses etwa 30 Grenadiere, die -beim »Klar Schiff zum Gefecht« je 3 Granaten erhielten. - -$Die Verteilung der Geschütze$ nach Anzahl und Kaliber an Bord der -verschiedenen Klassen von Schiffen zeigt einige wichtige Veränderungen -gegen früher. Im ersten Bande (Seite 170) sind die Angaben hierüber für -1719 gebracht; in umstehender Tabelle folgen solche für 1765. Nach den -für 1743, 1757 sowie 1792 vorhandenen Aufzeichnungen[14] muß man -annehmen, daß die Armierungsart von 1719 noch im Kriege 1739-1748 zutraf -und daß die jetzt gegebene für die beiden nächsten Kriege Gültigkeit hat. -Früher galten der 42-Pfünder (48-Pfünder), sowie der 32-Pfünder -(36-Pfünder) als =schwere=, der 24-Pfünder bis 9-Pfünder als =mittlere= -und die kleineren Geschütze als =leichte Artillerie=. Ein Vergleich der -Angaben für 1765 mit denen für 1719 zeigt nun, daß auf den Schiffen die -Kaliber der Mittelartillerie gewachsen sind. An Stelle des 6-Pfünders ist -häufig der 9-Pfünder oder gar der 12-Pfünder getreten. Ganz besonders -aber ist dies bei den mittleren Linienschiffen -- nunmehr -Hauptschlachtschiffen -- der Fall; hier tritt z. B. beim 74-Kanonenschiff -der 24-Pfünder oder der 18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders, beim -64-Kanonenschiff der 18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders. Die Schiffe zu -74 Geschützen sind so groß geworden, daß sie in ihren untersten Batterien -sogar schwere Artillerie führen können, während sie früher nur 24-Pfünder -hatten. Auch die Mittelartillerie der 50- und 44-Kanonenschiffe ist zu -höheren Kalibern übergegangen. - - [14] Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind - noch die Angaben für 1765 entnommen. - -=Ein Vergleich der englischen mit der französischen= Tabelle zeigt, daß -vom 80-Kanonenschiff aufwärts die Schlachtschiffe der Franzosen an -Artillerie überlegen waren, da sie mehr mittlere und schwere Geschütze -führten. Auch wurden die französischen Schiffe weit stärker bemannt. - -$Die Einführung der Karronade$[15] verstärkte gegen das Ende dieses -Zeitabschnittes die Schiffsartillerie wesentlich. Dies war ein -Kammergeschütz - - =Verteilung der Geschütze auf englischen Schiffen= 1765. - ======================================================================== - Schiffe| Batterie | |Be- - mit |---------------------------------------------------------|sat- - Kanonen| Unterste | Mittlere | Oberste | Quarter- | Back |zungs- - | | | | deck | |stärke - ======================================================================== - 100 1) |30-42-Pfdr.|28-24-Pfdr.|30-12-Pfdr.|10-6-Pfdr.|2-6-Pfdr. |841 - 100 2) |28-42 " |28-24 " |28-12 " |12-6 " |4-6 " |743(?) - 90 |26-32 " |26-18 " |24- 9 " | 4-6 " | -- |724 - 74 1) |28-32 " | -- |30-24 " |12-9 " |4-9 Pfdr.}| - 74 2) |28-32 " | -- |28-18 " |14-9 " |4-9 " }|594 - 64 |26-24 " | -- |26-18 " |10-9 " |2-9 " |494 - 50 |22-24 " | -- |22-12 " | 4-6 " |2-6 " |345 - 44 |20-18 " | -- |22- 9 " | |2-6 " |297 - | | | |---------------------| - 38 |}erst 1780 | -- |28-18 " | 10-9-Pfdr. |297 - |}eingeführt| | | | | - | | | | | | - 36 |} die | -- |26-12 " | 8-6 Pfdr.|2-6 Pfdr. |297 - 32 |} neuen | -- |26-12 " | 4-6 " |2-6 " |257 - 28 |}Fregatten | -- |24- 9 " | 4-6 " | -- |198 - 24 3) | 2-9 Pfdr. | -- |20- 9 " | 2-3 " | -- |158 - 20 |} | -- |20- 9 " | -- | -- |138 - |} Sloops | | | | | - 14 |} | -- |14- 6 " | -- | -- |124 - - =Verteilung auf französischen Schiffen= 1765 - (nach Troude I, Seite 20). - ------------------- - 116 |32-36-Pfdr.|34-24-Pfdr. |34-12-Pfdr.| 16-8-Pfdr. |1260 - 110 |32-36 " |34-24 " |34-12 " | -- |1180 - 90 |30-36 " |30-24 " |30-12 " | -- |1070 - 80 |30-36 " |32-{24-oder |18-{12-oder| | - | | {18-Pfdr.| {8-Pfdr.| -- | 940 - 74 |28-36 " | -- |30-18 " | 16-8-Pfdr. | 734 - | | |18-oder | | - 64 |26-24 " | -- |28-12-Pfdr.| 10-6 " | 589 - | | |24-oder | | - 50 |24-18-Pfdr.| -- |26-12 " | -- | 430 - |} | |12-oder | | - 30 |} | -- |26- 8-Pfdr.| -- | 220 - 24 |} Fregatten| -- |24- 8 " | -- | 210 - |} | | 8-oder | | - 20 |} | -- |20- 6-Pfdr.| -- | 150(?) - 16 |} Korvetten| -- |16- 6 " | -- | 120(?) - 12 |} | -- |12- 4 " | -- | 100(?) - - 1) Großer Typ. - - 2) Kleiner Typ. - - 3) Alter Typ. - -mit bedeutend kürzerem und auch leichterem Rohr, als die Kanone von -gleichem Kaliber hatte. Man konnte nun ohne Überlastung auf kleineren -Fahrzeugen stärkere Kaliber als bisher aufstellen und auf großen Schiffen -mehrere Geschütze dieser Art der alten Bestückung auf dem Oberdeck -hinzufügen; infolge ihres geringen Gewichtes waren die Karronaden sehr -viel leichter und somit schneller zu bedienen. Zwar war ihre Schußweite -bedeutend geringer als die der Kanonen, aber ihr Geschoß rief infolge -seiner geringeren Geschwindigkeit eine größere Splitterwirkung beim -Durchschlagen der Bordwand hervor. Die Karronade war hierdurch eine -besonders für den Nahkampf geeignete Waffe, um so mehr, da auch ihre -Kartätschladung bei der Verwendbarkeit starker Kaliber große Wirkung -gegen Mannschaft und Takelage hatte. - - [15] Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur - Aufstellung der Karronaden Clowes III, Seite 333 ff. - - Die Karronade ist von dem englischen General =Robert Melville= - erfunden; wegen der großen Wirkung gegen Holzziele taufte dieser sie - »smasher« (Zertrümmerer). Das erste Geschütz -- in den Eisenwerken der - Carron-Kompagnie (daher der Name) am Fluß Carron in Schottland etwa - 1774 gegossen -- hatte etwa das Gewicht des 12-Pfünders, war kürzer als - der 6-Pfünder, aber von größerem Kaliber als die 42-Pfünder-Kanonen. Da - man sie für Schiffsgeschütze als zu schwer erachtete, fertigte die - Fabrik Karronaden entsprechend den 24-, 18- und 12-Pfündern an. Sie - wurden sofort für Freibeuter in dem bald darauf ausbrechenden Kriege - beliebt, aber auch auf Fregatten und kleineren Fahrzeugen der Marine - erprobt. - -Die Karronade fand schnell Eingang in England, da die englische Taktik -stets den Nahkampf suchte. Schon im Juli 1779 wurde die Aufstellung des -neuen Geschützes auf allen Schiffen verfügt. - - =Es sollten an Karronaden führen=: - ===============+==========+===========+==========+==========+ - Schiffe | | | | | - mit Kanonen | 100 | 98 od. 90 | 74 od. 64| 50 | - ---------------+----------+-----------+----------+----------+ - Auf d. Kampagne|8-12-Pfdr.|6-12-Pfdr. |6-12-Pfdr.|6-12-Pfdr.| - Quarterdeck | -- | -- | -- |2-24-Pfdr.| - Back |2-12-Pfdr.|4-12-Pfdr. |2-12-Pfdr.|2-24-Pfdr.| - ---------------+----------+-----------+----------+----------+ - Neue Gesamtzahl| 110 |108 od. 100| 82 od. 72| 60 | - - ===============+==========+==========+===========+==========+ - Schiffe | | | | | - mit Kanonen | 44 | 38 | 36 | 32 | - ---------------+----------+----------+-----------+----------+ - Auf d. Kampagne| -- | -- | -- | -- | - Quarterdeck |8-18-Pfdr.|4-18-Pfdr.|4-18-Pfdr. |6-18-Pfdr.| - Back |2-18-Pfdr.|4-18-Pfdr.|4-18-Pfdr. |2-18-Pfdr.| - ---------------+----------+----------+-----------+----------+ - Neue Gesamtzahl| 54 | 48 | 44 | 40 | - - ===============+==========+==========+==========+ - Schiffe | | | | - mit Kanonen | 28 | 24 | 14-20 | - ---------------+----------+----------+----------+ - Auf d. Kampagne| -- | -- | -- | - Quarterdeck |4-18-Pfdr.|6-12-Pfdr.|6-12-Pfdr.| - Back |2-18-Pfdr.|4-12-Pfdr.|2-12-Pfdr.| - ---------------+----------+----------+----------+ - Neue Gesamtzahl| 34 | 34 | 22-28 | - -Die Karronaden zählten aber bei der Bezeichnung der Schiffe nicht mit, d. -h. es wurde das 100-Kanonenschiff weiter so benannt, obgleich es jetzt -110 Geschütze führte, ebenso die 38-Kanonenfregatte trotz ihrer nunmehr -48 Geschütze usw. -- Die Einführung ging schnell vor sich, schon im -Januar 1781 waren 600 Karronaden auf den Schiffen in Verwendung, -besonders 18- und 12-Pfünder, aber bald auch schon einige 32-Pfünder. Die -neue Waffe spielte in den letzten Jahren des dritten Krieges bereits -eine wichtige Rolle und wurde deshalb weiter entwickelt. Vorstehende -Verfügung über die Zahl behielt lange Gültigkeit, aber die Kaliber -wuchsen schnell. Schon 1782 erhielten die Fregatten 24-Pfünder an Stelle -der 18-Pfünder und bald wurden auf den schweren Schlachtschiffen -68-Pfünder, auf den mittleren 42- und 32-Pfünder statt der 12-Pfünder -eingeführt; die leichteren Fahrzeuge tauschten sogar ihre sämtlichen -Kanonen bis auf zwei Jagdgeschütze in Karronaden um. - -=In Frankreich=, und ebenso in anderen Staaten, führte man die neue Waffe -erst nach 1783 ein; auch dies ist erklärlich, da die französische Taktik -bislang den Nahkampf zu vermeiden strebte. - - - Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal. - - Im ersten Bande (Seite 179) ist die Entstehung eines ständigen - =Kriegsschiffs-Personals= (insbesondere auch der Deck- und - Unteroffizierkorps der verschiedenen Dienstzweige) und dann fortlaufend - bei der Besprechung der Streitmittel vor jedem Kriege die innere - =Organisation= der drei großen Marinen von 1648-1739 dargelegt. Beides - war in diesem Zeitraum zu einem gewissen Abschluß gelangt, später - erfolgen nur noch geringe Änderungen. Wir können daher die innere - Geschichte für den vorliegenden nur kurzen Zeitabschnitt hier gleich - zusammenfassen, so daß wir von jedem Kriege nur die notwendigen Angaben - zu machen brauchen. Wir können uns auch hier auf die Marinen Englands - und Frankreichs beschränken. Holland hatte um 1740 keine Marine von - Bedeutung mehr (vgl. Band I, Seite 498) und tritt von nun an, wie - Spanien bisher schon und auch weiterhin, nur noch als Verbündeter auf; - kurze Angaben über Holland, Spanien und die nordischen Mächte folgen - vor den einzelnen Kriegen. - -$In England$[16] wird seit 1689 (vgl. Band I, Seite 419) die -Gesamtleitung der Marine, das Amt des früheren Lordhighadmirals, von -einer Kommission verwaltet, der =Admiralität= (Board of Admiralty). An -der Spitze steht der »Erste Lord der Admiralität« (nicht immer ein -Seeoffizier), die Geschäfte sind an die übrigen Mitglieder der Kommission -verteilt, von denen aber einige stets Seeoffiziere sein müssen (die Naval -Lords) und die technischen und militärischen Angelegenheiten regeln. Bei -der Ständigkeit dieser Art der Verwaltung, unterstützt durch den guten -Einfluß des in Marineangelegenheiten erfahrenen Volkes, ist die -Entwicklung der Kriegsflotte auf dem einmal eingeschlagenen Wege stetig -fortgeschritten, wenn auch zuzeiten durch Partei- und Hofgunst wenig -geeignete Personen in die wichtigsten Stellen kamen. Die ununterbrochene -Zunahme und Verbesserung des Materials ist bereits geschildert, aber auch -der Vervollkommnung des Dienstbetriebes sowie des Personals wurde die -nötige Aufmerksamkeit zuteil. Während bis dahin jeder höhere Befehlshaber -=Vorschriften über den Dienstbetrieb= für die ihm unterstellten -Streitkräfte erließ, wurden 1731 nach den bisherigen Erfahrungen »The -king's regulations and Admiraly Instructions« veröffentlicht, die, -fortlaufend zeitgemäß geändert, bis jetzt in Kraft sind. - - [16] Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den - Kapiteln »Civil history«. - -Der =Offiziersersatz= war geregelt. Schon 1728 war in Portsmouth eine -Vorbildungsschule (Naval academy) gegründet. Aber nicht alle -Offiziersaspiranten besuchten diese; im Gegenteil soll bis 1794 eine -andere Art des Eintritts beliebter und vorteilhafter gewesen sein. -Admirale und Kapitäne hatten die Erlaubnis, eine große Zahl »Domestics« -sowie »Servants« mit sich zu führen und sie nahmen nun darunter junge -Leute (als »page«, gewissermaßen als »Junker«) an Bord, um sie zu -Seeoffizieren auszubilden. Anderseits wurde diese Erlaubnis durch -Mitnahme höchst überflüssiger Personen: Schneider, Barbiere, Musikanten -usw. mißbraucht. =Die Offiziersgrade= waren: Admiral of the Fleet; -Admiral der weißen und der blauen Flagge; Vize- und Kontreadmirale der -roten, weißen und blauen Flagge; Kapitän; Master and Commander; -Lieutenant; Midshipman. - - Über die Herkunft der Bezeichnung der Admirale nach den verschiedenen - Flaggen und ihr damit verbundenes Anciennitätsverhältnis ist schon im - ersten Bande (Seite 221) gesprochen. Der Master and Commander, der - jetzige Commander (Korvettenkapitän), ist nicht zu verwechseln mit dem - Master des Navigationsdienstzweiges (ebendort Seite 182). Dieser blieb - noch lange nur ein Warrant officer wie die Deckoffiziere, wenn er auch - zur Offiziersmesse gehörte; jener war ein älterer Leutnant, der - kleinere Fahrzeuge (Sloops, Mörserboote, Brander, armierte Kauffahrer - usw.) befehligte. - -=Die Beförderung= erfolgte bis zum Kapitän nach Wahl. Hierbei spielte -natürlich Protektion eine große Rolle; man findet Kapitäne, die mit einem -Alter von einigen zwanzig Jahren, ja bis zu achtzehn hinunter, in diesen -Dienstrang aufrückten, von denen übrigens viele sich später besonders -hervortaten. Der Kapitän erhielt dann eine feste Stellung in der -Rangliste (daher der Ausdruck »Postcaptain«, d. i. posted Captain) und -seine Beförderung zum Kontreadmiral usw. erfolgte nach der Anciennität. -Da es ursprünglich nur neun Admirale gab, je einen der angeführten Grade, -waren nach der langen Friedenszeit die Kapitäne so alt geworden, daß eine -Verjüngung des höheren Offizierkorps notwendig erschien. Von 1743 an -wurden deshalb die Admiralsstellungen andauernd vermehrt. Um nun auch die -Möglichkeit zu haben, tüchtige Männer eher zu Flaggoffizieren zu -befördern, ernannte man von 1747 an Kapitäne, die zu alt oder sonst -ungeeignet zur aktiven Verwendung in höheren Stellen erschienen, zu -überzähligen Admiralen (vulgo Yellow Admirals) oder überging sie bei der -Beförderung. Auch dies leistete natürlich der Protektion Vorschub, -erregte Unzufriedenheit und führte selbst zu Klagen beim Parlamente, aber -auf diese Weise und im Verein mit der Beförderung nach Wahl bis zum -Kapitän erreichte man, daß tüchtige Männer jung in hohe Stellung kamen: -Es wurden z. B. Admiral =Barrington= mit 18 Jahren Kapitän, =Howe= mit 20 -und mit 39 Kontreadmiral; =Jervis= erreichte diese Chargen mit 26 und 43, -=Nelson= mit 21 und 39 Jahren. Die Seeoffiziere gingen in Friedenszeiten -häufig in fremde Kriegsdienste oder zur Kauffahrteimarine und blieben so -in Übung; wie schon früher für Offiziere, so wurde jetzt auch für -Masters sowie für Ärzte die Stellung auf Halbsold eingeführt, um sich für -Kriegszeiten genügenden Ersatz zu sichern. - -$Die Mannschaft$, Matrosen und Seesoldaten[17], wurden wie früher -angeworben. Hiermit kam man jedoch niemals aus, obgleich England über so -viele Seeleute verfügte, und es mußte stets zum Pressen gegriffen werden. -Beim Ausbruch eines Krieges waren diese auf den Kauffahrteischiffen über -die ganze Erde verstreut, aber auch während der Kriege ging der Seehandel -fort und der beliebte Dienst als Freibeuter entzog der Marine die Leute. -Um dem Kriegsschiffsdienst mehr Anziehungskraft zu geben, sowie um die -Härte des Pressens zu mildern, wurden viele Gesetze erlassen in bezug -auf: Höheres Handgeld; reichlichere und regelmäßigere Löhnungszahlung und -Prisengelder; bessere Verpflegung sowie sonstige Fürsorge; die -Möglichkeit für die Leute, Heimatszahlungen an ihre Angehörigen zu -machen; Befreiung gewisser Lebensalter und Berufe (z. B. Anwärter auf die -Offizierslaufbahn in der Handelsmarine) vom Gepreßtwerden. - - [17] Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der - Seesoldaten an Bord war ihre Verwendung als besonders gut - ausgebildete Gewehrschützen, als Kern der Landungsabteilungen und - auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, Seite - 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel - als Seesoldaten annehmen können. Die Seesoldatenregimenter - bildeten eine stehende Truppe, von der die Schiffe bei der - Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr Matrosenkorps - neu zusammengestellt wurde. - - $Über das Leben an Bord.$ Der Dienst an Bord der Kriegsschiffe blieb - seiner Härten halber lange noch unbeliebt und die Unzufriedenheit der - Leute war häufig groß. In den Kriegsjahren 1756-1763 soll die - Fahnenflucht sehr stark gewesen sein; für 1774-1780 werden 42000 Fälle - dieses Vergehens angegeben, und auf einigen Schiffen kam es zur - Meuterei. Anderseits wurden den Mannschaften einzelner Schiffe oder - Schiffsverbände von der Regierung oder von den reichen Handelsstädten - öfters für besondere Leistungen außergewöhnliche Zuschüsse zugewendet. - - Wie selbst Offiziere jener Zeit über das Leben an Bord urteilten, - erfahren wir durch Laird Clowes (Band III, Seite 21; entnommen aus - »Seamans Letters«, hier gekürzt). Ein Kapitän =Edward Thompson= - schreibt um 1756 an einen jungen Verwandten, der als Midshipman - eintreten will: »An Bord hast du keine Hintertür zum Entschlüpfen, - keine fühlende Brust, um dich auszusprechen. Du vertauschst einen guten - Tisch gegen keinen, ein Bett gegen eine Hängematte an einem Orte, wo es - nie Tag wird und wohin nie frische Luft kommt; dein Licht ist bei Tag - wie bei Nacht eine elende Kerze. Die Nahrung ist gesalzen und oft - schlecht, wenn du Abwechslung haben willst, so mußt du sie dir selber - kochen; halte dir stets wenigstens Tee und Zucker, zu weiterem ist kein - Platz, da du nur eine Kiste und die Hängematte hast.... Schlechte - Gesellschaft ist Gift für die Jugend, auf den Schiffen findest du den - Auswurf der Gefängnisse; der Verurteilte hat die Wahl zwischen - Gehängtwerden oder Anbordgehen.... Du wirst etwas äußerliche Religion - finden, Sonntagsgottesdienst, aber die Gemeinde wird durch den - Bootsmann zusammengetrieben, der dabei weder Flüche noch Schläge - spart.« -- - - In einem anderen Briefe schreibt =Thompson= über die damals - gebräuchliche Behandlung eines Midshipman: »Der fast unerträglichen - Verhältnisse, die ihn erwarten, sind so viele, daß nur der Umstand, daß - auch die höchsten Offiziere sie durchgemacht haben, sie erdulden läßt. - Und dabei ist es ein ganz falscher Gedanke, daß junge Leute eine - schroffe Behandlung und niedere Dienstverrichtungen durchmachen müssen, - um tüchtige Offiziere zu werden. Man kann das durch andere Mittel - erreichen und ihnen dabei das Leben angenehm gestalten.... Die - Beförderung zum Leutnant ist wie die Verwandlung einer häßlichen Made - zum schillernden Schmetterling.... Die meisten unserer Kapitäne sind - Leute ohne Erziehung. Gewiß müssen junge Leute gehorchen lernen, aber - die Kapitäne brauchen nicht gemein zu werden; durch die jetzige - Behandlung wird auch ihre Autorität geschädigt. Die jungen Leute müssen - eine eigene Messe haben und von den Offizieren unterstützt werden....« - Als ein Zeichen aber, daß es nach und nach doch besser wurde, dient - eine andere Äußerung des Briefschreibers: »Im letzten Kriege genügten - ein Primchen Tabak, ein Tauende und eine Auswahl von Flüchen zum - Leutnant, jetzt aber streben alle nach Bildung und guten Formen; von - Verweichlichung dadurch ist nicht die Rede, ich glaube im Gegenteil, - die jetzigen Offiziere werden den Veteranen von 1692 im Dienste in - gleicher Weise überlegen sein, wie es der Gebildete stets dem - Ungebildeten ist.« - - Wie man sieht, bezieht sich das Vorstehende auf die Verhältnisse des - Offizierersatzes; wie mögen die der Mannschaft gewesen sein? Auch - hierüber folge eine Andeutung =Thompsons=: »Ein Linienschiff mit 480 - Mann Besatzung, von denen 225 den Gefängnissen entnommen oder vom - Abschaum der Straßen gepreßt waren, schiffte 1756 nach nur einigen - Monaten Kreuzen im Kanal 320 Kranke aus; neubemannt segelte es nach New - York und traf hier mit 159 Dienstunfähigen ein.« (Wir werden nach 1779 - in der französischen Flotte d'=Orvilliers= Ähnliches kennen lernen.) - Dabei waren derartige Zustände keineswegs unabänderliche Folgen der - Verhältnisse jener Zeit -- langer Seereisen, unvollkommener Einrichtung - der Schiffe, ungesunder Dauernahrungsmittel, verdorbenen Wassers u. - dgl. --, denn sorgsame Kommandanten verstanden es, sie zu vermeiden. - =Cook= z. B. verlor auf den beiden letzten mehrjährigen Reisen von - seinen zwei Schiffen nur 4 oder 5 Mann durch Krankheiten. - -In $Frankreich$[18] lagen die Verhältnisse weit ungünstiger für eine -gesunde Entwicklung der Marine. Wir hörten (Band I, Seite 503), daß diese -während der Regentschaft (1715-1723) arg in Verfall geriet und daß auch -=Maurepas=, der von 1723 mit Eifer und Umsicht dem Ministerium vorstand, -nicht viel zur Wiederbelebung beitragen konnte, weil Kardinal =Fleury=, -der Leiter der Politik 1723-1743, dieses Streben nicht unterstützte, um -nicht Englands Eifersucht zu erregen. Auch von 1740-1760 wurde der -Kriegsflotte von höchster Stelle keine Förderung zuteil. Niemals -bewilligte man die nötigen Geldmittel; nach Ausspruch französischer -Autoren machte die verschwenderische Hofhaltung die Quellen versiegen, -aus denen die Marine schöpfen sollte. Die Entwicklung der Seemacht -Frankreichs war eben im Gegensatz zu England, wo Volk und Parlament -mitsprachen, zu sehr von der Person des Ministers abhängig, der zu dieser -Zeit niemals ein Seeoffizier war und dessen Wahl wieder unter dem Einfluß -anderer Ratgeber des Königs stand, des Premierministers oder der -Hofpartei, und so wurde die Tätigkeit selbst tüchtiger Marineminister -gelähmt. Auch die schnelle Aufeinanderfolge der Kriege hinderte eine -Reform der Kriegsflotte. - - [18] Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. - Arnault, gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II - ausführlicher, auch in Hinsicht auf die Bestimmungen für die - Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und Choiseul: - diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149-211. - -Ebenso war die Organisation der Marine für deren Entwicklung und Leistung -ungünstig. Wieder im Gegensatz zu England, wo Seeoffiziere in der -Admiralität sowie in den Kriegshäfen die Oberleitung auch der technischen -Angelegenheiten hatten, lagen diese in Frankreich in den Händen von -Verwaltungsbeamten, ohne daß Seeoffiziere genügenden Einfluß besaßen. In -den Kriegshäfen unterstanden dem »Commandant de la Marine« (dem ältesten -anwesenden Seeoffizier) nur die in Dienst gestellten Schiffe und die -Hafenverteidigung; ein Intendant leitete alles übrige, neben der -eigentlichen Verwaltung auch die Werften und Arsenale, den Bau, die -Unterhaltung, Ausrüstung und Bemannung der Schiffe. Die zu diesen Zweigen -kommandierten Offiziere, an ihrer Spitze der »Capitaine de Port« -(Oberwerftdirektor), waren allein dem Intendanten unterstellt; ja sogar -die Verwaltungsbeamten an Bord waren unabhängig von den Seeoffizieren, so -brauchten sie z. B. nicht einmal die Erlaubnis zum Anlandgehen von ihrem -Kommandanten einzuholen. Diese Verhältnisse riefen unheilvolle Eifersucht -und Streitigkeiten zwischen den Seeoffizieren (Officiers d'épée) und den -Beamten (Officiers de plume) hervor. - - =Colbert= hatte sich (1689) genötigt gesehen, in Hinsicht auf den - damaligen Stand des Seeoffizierkorps den Beamten eine so weit gehende - Macht einzuräumen. Als aber das Offizierkorps sich hob, mußten - Reibungen eintreten, und diese nahmen im Laufe der Zeit immer mehr zu, - da in der Verwaltung Nachlässigkeit sowie Unredlichkeit einriß (die - Stellen wurden sogar käuflich) und die militärischen Behörden in allem - schlecht bedient wurden. Sämtliche Militärschriftsteller klagten über - die große Macht der Beamten; mit Recht, denn Offizieren, die Leben und - Ehre einsetzen und die verantwortlich für das Wohl und Wehe ihrer - Untergebenen sind, gebührt die Oberaufsicht und die Mitwirkung bei - Erhaltung der Schlagfertigkeit ihrer Waffe. - -Die Minister versuchten allerdings wiederholt, die Organisation zu -verbessern. Aber jeder von ihnen hatte neue Ideen, die sich oft schroff -entgegenstanden, und so brachten die wechselnden Bestimmungen mehr -Unsicherheit als Nutzen. - -Wie bisher wollen wir die Hauptpunkte der inneren Marinegeschichte -Frankreichs an der Hand der $Amtstätigkeit der verschiedenen Minister$ -betrachten. =Graf von Maurepas=, Marineminister von 1723-1749, schuf -manches Gute. Der Mannschaftsersatz[19] der Matrosen sollte, wie wir -wissen, durch Inskribierte der seemännischen Bevölkerung gedeckt werden, -die Einrichtung war aber arg vernachlässigt worden. Bei der -Bestechlichkeit der Beamten konnten sich Leute, die über einige Mittel -verfügten, loskaufen, und dieser Übelstand machte sich um so fühlbarer, -als sich infolge des Daniederliegens des Handels in den letzten Kriegen -vor 1713 die Hafenstädte entvölkerten; der Mannschaftsmangel hatte dann -zum Pressen und zu sonstigen harten Maßnahmen gegen den Rest der -Inskribierten geführt und hierdurch den Abzug der Küstenbevölkerung noch -vermehrt. Dank einer milderen Behandlung durch =Maurepas=, vereint mit -der Wiederbelebung des Handels, kehrten viele der Abgezogenen zurück und -in die Inskription kam wieder Ordnung, so daß bei Ausbruch des Krieges -1744 die Bemannung der Schiffe leichter wurde als in den vorhergegangenen -Kämpfen. Auch die Zahl der Chargen -- Offiziere, Deck- und Unteroffiziere --- reichte für die nur geringen Indienststellungen aus, obgleich sie in -den Jahrzehnten der Friedenszeit sehr herabgegangen war; für die -Seeoffiziere z. B. von 1140 im Jahre 1696 auf 660 in 1744. - - [19] Die in Frankreich vorhandenen =Seetruppen=, Seesoldaten-, - Kanonier- und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) - gewissermaßen stehende Truppen, wurden aber hier von Seeoffizieren - befehligt. - -=Maurepas= tat viel für die wissenschaftliche sowie praktische Ausbildung -der Offiziere; er machte ferner die Stellung des Commandant de la marine -in den Kriegshäfen, deren Inhaber bisher häufig wechselte, zu einer -festen und hob dadurch dessen Einfluß dem Intendanten gegenüber -wenigstens etwas. In der Hauptsache aber, eine schlagfertige Flotte zu -schaffen, hatte er keinen Erfolg. Seine Absicht war, eine solche von 60 -Linienschiffen (40 in Brest, 20 in Toulon) aufzustellen; diese, zwar -nicht übermäßig stark, aber aus guten Schiffen bestehend, sollte der Kern -einer maritimen Verbindung mit Spanien (vielleicht auch Holland) gegen -England sein. Er erhielt jedoch nicht die Mittel zur Durchführung dieses -Planes. Das Marinebudget, das unter Ludwig XIV. selbst in Friedenszeiten -nie unter 14 Millionen Francs gefallen war, betrug während seiner -Amtsführung acht, und als er vor Ausbruch des Krieges 1744 20 Millionen -verlangte, bekam er nur zehn. - -Um 1740 besaß Frankreich 45-50 Linienschiffe über 50 Kanonen und 15-20 -schwere Fregatten. Die Schiffe waren großenteils nicht gut im Stande, den -Werften fehlten fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine waren leer. In dem -stark zusammengeschmolzenen Offizierkorps hatte seit vierzig Jahren die -Beförderung gestockt; viele Offiziere waren zu alt für ihren Dienstgrad, -andere einzig durch Protektion hochgekommen. Infolge der nur geringen -Indienststellungen während der Friedensjahre fehlte den Chargen, höheren -sowie niederen, die praktische Erfahrung. Frankreich trat so in den -Österreichischen Erbfolgekrieg mit einer schwachen Marine ein; der Krieg -brachte große Verluste an Schiffen, doch wurden diese durch Neubauten zum -Teil ersetzt. - -=Der Minister de Rouillé=, 1749-1755, arbeitete ganz im Sinne seines -Vorgängers weiter. Unter ihm wurden 38 Linienschiffe gebaut oder -gründlich ausgebessert; ihm standen auch mehr Mittel, 17-1/2 Millionen -jährlich, zur Verfügung. Er schaffte die Galeerenflotte, eine unnütze und -teure Waffe, ab, und stellte deren Offiziere in die Hochseeflotte ein. -Die Académie de Marine in Brest wurde gegründet, ein Verein von -Offizieren sowie Marinebeamten aller Dienstzweige und Grade, in dem -wissenschaftliche Vorträge mit Besprechung gehalten wurden. Diese -Einrichtung legte den Grund zu dem wissenschaftlichen Streben in der -französischen Marine während der kommenden Jahre bis 1793. Auch der -nächste Minister =Machault d'Arnauville= führte die Neubauten, jetzt mit -einem Budget von 31 Millionen, fort, so daß die Marine 1755 schon 63 -Linienschiffe zählte; das Offizierkorps war wieder auf 900 Köpfe -angewachsen. Frankreich trat so in den Siebenjährigen Krieg weit -mächtiger ein, als in den vorhergegangenen. Aber als dieser eben begonnen -hatte, fiel der tüchtige Minister Hofintrigen zum Opfer (Februar 1757) -und es folgten ihm, ein jeder nur für wenige Monate, zwei Männer, die der -Stellung in so schwerer Zeit nicht gewachsen waren. - -Als dann der Krieg gerade sehr schlecht stand, wurde =de Berryer= mit dem -Amte betraut (1. November 1758). Von diesem sagt ein französischer Autor -(Chabaud-Arnault, Seite 161): »Wenn Ludwig XV. den Triumph der Gegner -gewollt hätte, so hätte er keine bessere Wahl treffen können. Ein -Günstling der Pompadour, sittenlos, hart, hochmütig und dabei den -Marineangelegenheiten völlig fremd, war er nur darauf bedacht, die -Ausgaben zugunsten der verschwenderischen Hofhaltung einzuschränken. Im -vollen Kriege stellte er die Arbeiten auf den Werften ein, ließ die -Arsenale leer, ja verkaufte sogar Material; Offiziere, Beamte, Matrosen -und Arbeiter gerieten in Not. Den Offizieren verbot er, in den Dienst der -Freibeuterei zu treten, wie es in den früheren Kriegen üblich gewesen, -wenn die Kriegsmarine lahmgelegt war, er rühmte aber ihnen gegenüber, die -er doch selber zur Untätigkeit verdammte, die Taten der Officiers bleus -(Hilfsoffiziere, worüber Näheres später).« Und diesem Manne standen -gerade Mittel zur Verfügung, wie sonst nie unter Ludwig XV., nämlich 1758 -42 Millionen und 1759 gar 57. Trotz der schweren Niederlagen der Marine -während seiner Verwaltung hielt sich =de Berryer= durch die Gunst der -Pompadour bis 1761. - -Unter dem =Herzog von Choiseul-Amboise=, der seit November 1758 das -Ministerium des Äußern führte und 1761 auch das des Krieges sowie der -Marine übernahm, setzte ein lebhafter =Aufschwung der letzteren= ein. -Während der Kriegsjahre bis 1763 konnte zwar nicht mehr viel geleistet -werden, doch war es möglich, 15 Linienschiffe (zu 50 bis 90 Kanonen) auf -Stapel zu legen; das Volk selber rief infolge der letzten schweren -Niederlagen nach einer starken Flotte und auf Antrieb des feurigen -Ministers beschaffte das gesamte Frankreich -- Provinzen, Städte, -Privatpersonen -- durch eine Sammlung die nötigen Geldmittel hierzu. Nach -dem Kriege setzte Choiseul dann durchgreifende Reformen ins Werk. 1766 -gab er das Amt an seinen Vetter =Choiseul-Praslin= ab, der ganz in seinem -Sinne weiter wirkte, so daß man die Tätigkeit beider bis 1770, wo sie -sich infolge von Intrigen der Gräfin Dubarry aus dem öffentlichen Leben -zurückzogen, als einheitlich betrachten kann. Den Verwaltungsbeamten -wurde ein Teil ihrer Machtbefugnis und Vorrechte genommen, den -Seeoffizieren -- insbesondere dem Commandant de la marine sowie dem -Capitaine du port in den Kriegshäfen -- mehr Einfluß auf Instandhaltung, -Ausrüstung, Armierung und Bemannung der Schiffe eingeräumt. Es wurde ein -festes Korps von Schiffbauingenieuren gegründet, das allerdings, wie der -Schiffbau überhaupt, dem Intendanten unterstellt blieb. Aus dem -Offizierkorps wurden viele zu alte oder unfähige Personen entfernt, auch -die Stellen vermehrt, und so günstigere Beförderungsverhältnisse -geschaffen; die Marineschule wurde vergrößert und verbessert. Doch blieb -man dabei, nur Adelige als Gardes de marine (Offiziersaspiranten) -einzustellen. - -Wir wissen (Band I, Seite 504), daß die Marine in den Kriegen des 17. -Jahrhunderts eine wertvolle Unterstützung durch den Eintritt von -Offizieren der Handelsmarine (»officiers bleus«) fand, daß diesen aber -nach und nach durch die eigentlichen Seeoffiziere (»officiers rouges« -oder »nobles«) der Dienst verleidet worden war. Es wurde jetzt versucht, -diese Einrichtung wieder zu beleben. Junge Leute guter nichtadeliger -Familien erzog man in der Kriegsmarine für den Dienst in der -Handelsmarine im Frieden, also gewissermaßen zu Reserveoffizieren, von -denen die besten ganz in die Kriegsflotte übernommen werden sollten; bei -dem Stolz der Adeligen blieb jedoch das Verhältnis zwischen den beiden -Kategorien schlecht. In der Art des Matrosenersatzes trat keine Änderung -ein, aber in der Fürsorge für Invalide, Witwen und Waisen wurde manches -getan; auch milderte man die Strafgesetze und arbeitete die Bestimmungen -über den Dienstbetrieb eingehender aus. Gleichzeitig Kriegsminister, -verleibte =Choiseul-Amboise= die Seetruppen dem Heere ein und zog -Landtruppen für die Besatzungen der Schiffe, die Kriegshafengarnisonen, -sowie die Kolonien heran, jedoch schon =Choiseul-Praslin= machte dies -rückgängig und gründete wieder drei Brigaden Seetruppen zu je acht -Kompagnien -- eine Bombardier-, vier Kanonier- und Füsilierkompagnien -- -als »corps royal d'artillerie et d'infanterie de marine« unter dem -Befehle von Seeoffizieren. Das Marinebudget betrug unter den beiden -Choiseuls, nach und nach wachsend, 1763 16-1/2 und 1770 26-1/2 Millionen. -Zu den Kriegshäfen Toulon, Brest, Rochefort trat 1762 L'Orient. Die -Werften wurden sehr gehoben und Magazine und Arsenale gefüllt; ferner -wurde auch Schiffsbauholz in Vorrat beschafft, an dem es bisher meist -gemangelt hatte, so daß man die Neubauten oft in zu grünem Holze hatte -herstellen müssen. - - Von 1771-1774 folgten dann zwei Minister, von denen die französischen - Quellen sagen, daß es ihnen glücklicherweise an Zeit gefehlt habe, ihre - Organisation (von 1772) durchzuführen. Sie beabsichtigten nämlich, die - 3 Brigaden der Seetruppen auf 8 für die sämtlichen Marinemannschaften - zu vermehren. Jeder Brigade sollte dann eine Anzahl Schiffe aller - Größen zur Instandhaltung und Besetzung zugeteilt werden. Durch - Schaffung dieser kleineren Verbände, in denen auch die Beförderungen - getrennt erfolgen sollten, hoffte man den allgemeinen Korpsgeist der - Seeoffiziere zu brechen, der häufig den in Marineangelegenheiten völlig - unerfahrenen Ministern unbequem geworden war. - -1774 erhielt =Gabriel de Sartines= das Ministerium. Dieser führte 1776 -nicht nur die Organisation der Choiseuls wieder ein, sondern er schoß in -dem Bestreben, den Militärs mehr Einfluß zu geben, sogar über das Ziel -hinaus. Auf den Werften wurde auch der Schiffbau ganz dem Capitaine du -port unterstellt, der Intendant behielt nur die Verwaltung des Inventars -und Materials. Der Commandant de la marine wurde der direkte Vorgesetzte -des Capitaine du port, aber auch berechtigt, die Magazine usw. zu -besichtigen. Sogar auf den Schiffen traten Seeoffiziere an Stelle der -Verwaltungsbeamten. Dies ging zu weit. Gewiß ist es richtig, -Seeoffizieren die Oberaufsicht über die Arbeiten auf den Werften usw. zu -geben, also über die Schlagfertigkeit der Flotte, aber man darf sie nicht -mit zuviel Einzelheiten belasten und muß den Technikern eine gewisse -Selbständigkeit lassen. Mit der Übernahme der ganzen Verwaltung an Bord -durch die Offiziere machte man gleichfalls schlechte Erfahrungen: die -Abrechnungen der Schiffe zeigten die größte Unordnung. - -Von 1765 bis 1778 waren also drei Organisationen in Kraft gewesen; der -neuen Marine fehlte mithin eine gesunde Unterlage. Aber immerhin besaß -Frankreich im dritten Krieg 1778 eine starke Flotte von gegen 80 guten -Linienschiffen und hatte -- noch ein Verdienst =Choiseuls= -- seine -militärische Stellung im Mittelmeer durch die Gewinnung Korsikas (1768) -wesentlich verstärkt. Die Geldmittel für die Marine (die für die -Kolonien, als demselben Minister unterstehend, stets darin -eingeschlossen) waren seit dem Regierungsantritt Ludwigs XVI. (1774) -gewachsen, der die Seegeltung hochschätzte. =Sartines= erhielt schon 1776 -35 Millionen Francs und im folgenden Jahre 45. Während der Kriegsjahre -wurden reichliche Mittel bewilligt: 1778 85 Millionen, 1779 131-1/2, 1780 -144 -- und außerdem im ersten dieser Jahre 16, in den beiden andern je 25 -Millionen Schulden gemacht. Im letzten Kriegsjahre 1782 verbrauchte die -Marine gegen 200 Millionen Francs[20]. Infolge von Reibungen mit dem -Finanzminister =Necker= legte =Sartines= im Oktober 1780 sein Amt nieder. - - [20] Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über - die englische Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs - im Vorjahre, wurden für 1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 - 4-1/2, 1780 7-1/2, 1781 8, 1782 7-1/2. - -Der neue Minister =Marquis de Castries=, ein tüchtiger Landoffizier, -entwickelte in den beiden letzten Kriegsjahren große Tatkraft, wurde -deshalb 1783 noch zum Marschall ernannt und traf nach dem Friedensschluß -sofort Vorbereitungen für den nächsten Waffengang. Er erließ 1784 neue -Organisationsbestimmungen, die den Verwaltungsbeamten wieder größere -Selbständigkeit gaben und ihnen auch die frühere Tätigkeit an Bord wieder -zuwiesen. - - Dies war also die vierte Organisation innerhalb zwanzig Jahren; alle - bezweckten ein richtiges Zusammenwirken der Offiziere und Beamten zu - erreichen und die Reibungen zwischen ihnen zu vermindern. Doch glückte - dies erst, als man 1799 in jedem Kriegshafen einen Préfet maritime - (Seepräfekt) ernannte, dem alle Dienstzweige, die militärischen wie die - der Verwaltung, unterstanden. - -Die neue Organisation brachte auch wieder Verbesserungen der Gesetze über -die Inskription zugunsten der Bevölkerung. =de Castries= erweiterte -ferner die Werften und begann den Bau des Schutzdeiches in Cherbourg, um -dem Lande endlich einen brauchbaren Kriegshafen am Kanal zu schaffen. Die -Schiffe wurden gut gehalten und auch die Kupferung war seit 1785 -allgemein geworden. 1789 besaß Frankreich gegen 80 vorzügliche -Linienschiffe zu 64-118 Kanonen und 70 Fregatten zu 28-44; das Personal -war tüchtig, besonders die Schiffsartillerie. Als Castries 1787 sein Amt -infolge von Zerwürfnissen mit dem Finanzminister =Calonne= niederlegte, -stand die Marine gediegener da wie je zuvor, aber die Revolution -vernichtete das Geschaffene, ehe es sich bewähren konnte. - -=Die Offiziersgrade der französischen Marine= waren bis zur Revolution: -Amiral de France, Vice-Amiral, Lieutenant-Général, Chef d'Escadre, -Capitaine de vaisseau, Capitaine de frégate, Lieutenant de vaisseau, -Enseigne, Garde-marine. - - Der Admiral von Frankreich war stets ein Prinz von Geblüt, häufig schon - als Kind dazu ernannt, unter Ludwig XIV. mehrfach einer seiner - illegitimen Söhne oder ihrer Nachkommen. Selten waren sie zu Seeleuten - erzogen und haben sie eine Flotte geführt. Die Vizeadmirale entsprachen - den Volladmiralen anderer Marinen. Ursprünglich gab es nur einen für - die Atlantikflotte (Vizeadmiral du Ponant) und einen für das Mittelmeer - (du Levante), deren Verwendung aber nicht an ihre Station gebunden war; - 1777 wurde noch ein dritter (der west- und ostindischen Meere) und - später noch ein vierter hinzugefügt. Sie rangierten hinter den - Marschällen von Frankreich und erhielten oft diesen Rang. Die - Generalleutnants entsprachen den Vizeadmiralen, die Chefs d'Escadre den - Kontreadmiralen der englischen Marine. Es gab auch neben den - eigentlichen Kapitänen noch solche de brûlot (Brander) und de flûte - (Transporter), sowie Lieutenants de frégate, doch waren dies Chargen, - die nicht ein jeder durchmachte, sondern in denen besonders die - Officiers bleus verwendet wurden. Ältere Kapitäne erhielten den Rang - eines Divisionschefs. In den Werken von Lacour-Gayet (vgl. - Quellenverzeichnis) findet man Personalangaben über die Offiziere der - betreffenden Zeit, aus denen die Daten ihrer Beförderungen und damit - die Beförderungsverhältnisse zu entnehmen sind. - -$Vergleich der englischen und französischen Marine$[21]. Was das -=Material= anbetrifft, war England beim Beginn eines jeden der drei -Kriege an Zahl der Schiffe überlegen. Diese Überlegenheit trat dann im -Verlauf der Kämpfe noch mehr hervor, nur bei Beginn des dritten Krieges -waren Frankreich und Spanien zusammen etwas stärker. Frankreich hatte -allerdings stets die besser konstruierten Fahrzeuge; infolge der großen -Verluste und der kurzen Lebensdauer der aus grünem Holze erbauten Schiffe -war es häufiger zu Neubauten genötigt. Diesem Umstande ist aber kein zu -großes Gewicht beizulegen. Zwar führen die Engländer mehrfach die -besseren Segeleigenschaften der französischen Schiffe an, aber ebenso oft -heben die Franzosen die größere Geschwindigkeit der englischen hervor; im -dritten Kriege führen sie dies darauf zurück, daß England schon viele -gekupferte Schiffe gehabt hätte. Vor allem aber wird die seemännische -Tüchtigkeit der Engländer die Vorteile der besser gebauten Fahrzeuge auf -französischer Seite aufgehoben haben; eine geschulte Besatzung holt eben -mehr aus ihrem Schiffe heraus. Ebenso ist die Behauptung der Engländer, -daß die Franzosen durch schwerere Kaliber in der Artillerie überlegen -gewesen seien, sehr einzuschränken. Nach unseren Tabellen trifft es nur -bei den Schiffen über 80 Kanonen zu, und die Hauptkraft der Flotten lag -stets in den nächstniedrigeren Klassen; im dritten Kriege hatten die -Engländer außerdem den Vorteil der Karronaden[22]. Im großen und ganzen -kann man das Material als gleich gut auf beiden Seiten annehmen, den -Ausschlag im Kampfe gab -- wie wohl fast in jedem Kriege zu Lande und zu -Wasser -- bei annähernd gleicher Stärke die Tüchtigkeit der Mannschaft. - - [21] Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere - Geschichte der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten - benützt. - - [22] Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr - hervorgehoben. - -In Hinsicht auf =das Personal= war aber die englische Marine stets -überlegen. Für =die Mannschaft= stand ihr die große Zahl der befahrenen -Seeleute des Landes zur Verfügung. England hatte ferner auch während der -langen Friedenszeit stets viele Schiffe im Dienst und erhielt sich so -einen Stamm von geübtem Kriegsschiffspersonal. Später folgten dann die -Kriege schnell aufeinander, und in diesen wurde alles aufgeboten, was an -Schiffen vorhanden; auch war der harte Dienst langer Blockaden eine -vortreffliche Schule. Mangel an Mannschaften trat allerdings trotzdem auf -(Seite 26), und das dadurch notwendige wahllose Pressen brachte viel -minderwertiges, ja schlechtes Material, ein Umstand, der wohl die -erwähnten Übelstände -- schlechten Gesundheitszustand an Bord, -Mißvergnügen, starke Fahnenflucht -- mit verschuldet hat. - -In Frankreich lagen die Verhältnisse weit ungünstiger. Hier deckte die -Einrichtung der Inskription den Bedarf an Matrosen nur im ersten Kriege, -in dem die Indienststellungen gering waren. Wie schon früher, -entvölkerten sich dann die Küsten während der Kriege, wenn der Seehandel -daniederlag, und erholten sich nur langsam wieder; so standen z. B. 1701 -87000 und 1776 nur 67000 Inskribierte in den Listen, obgleich gerade zu -dieser Zeit die Schiffahrt aufgeblüht war. Beim Beginn des zweiten -Krieges fielen die Besatzungen von 500 Handels-, sowie einiger -Kriegsschiffe, die England unmittelbar vorher aufgebracht hatte, gegen -5000 befahrene Seeleute aus, und im dritten Kriege stellte Frankreich so -viel Schiffe in Dienst, daß zum Ersatz von Matrosen stark auf die -Seetruppen, ja sogar auf das Heer zurückgegriffen werden mußte; für die -Schiffe in Toulon warb man auch Fremde von den Küsten des Mittelmeeres -an. Das französische Personal hatte außerdem im allgemeinen auch nicht -die gleiche Übung und Erfahrung wie das englische und erhielt sie selbst -während der Kriege nicht, denn in Friedenszeiten waren zu wenig -Kriegsschiffe im Dienst, und in den beiden ersten Kriegen ward die Flotte -bald lahmgelegt; es wurden dann weniger Schiffe in Dienst gestellt und -die ausgerüsteten sahen sich vom Gegner in den Häfen festgehalten. Dies -trifft für den dritten Krieg zwar nicht zu, aber in diesem reichte eben -der Ersatz an befahrenen Seeleuten überhaupt nicht. - -Die zu geringe Verwendung im praktischen Seedienst zeitigte natürlich -auch im französischen =Offizierkorps= bedenkliche Folgen. Vor Ausbruch -des zweiten Krieges sollen z. B. von den 900 Seeoffizieren nur 200 -eingeschifft gewesen sein, während der Rest nur acht- oder zehnmal im -Jahre eine vierundzwanzigstündige Wache auf einem der Schiffe im Hafen -tat; da kann es nicht wundernehmen, daß sie den englischen in Übung und -Erfahrung sehr nachstanden. Vor dem dritten Kriege wurden allerdings -Übungsgeschwader im Dienst gehalten, diese waren jedoch so klein, daß nur -wenige Offiziere daraus Nutzen ziehen konnten. Im übrigen scheinen, wie -die Geschichte des Seewesens zeigt, die germanischen Völker noch mehr -natürliche Begabung für den Seedienst zu haben als die romanischen. Wir -haben ferner schon darauf hingewiesen (Band I, Seite 319 und 506), daß -und aus welchem Grunde sich das französische Seeoffizierkorps ganz anders -herausbildete als das englische, daß bei dem Verschmelzen des Soldaten -mit dem Seemann im Franzosen der erste, im Engländer der letzte überwog. - -In England konnte ein jeder ohne Rücksicht auf Herkunft höhere Stellungen -erreichen. Die schon erwähnte harte Erziehung dort, die häufige -Verwendung an Bord machte die englischen Offiziere zu kühnen und -erfahrenen Seeleuten, aber mit wenig Neigung für Wissenschaft und -Theorie, zu »Teerjacken«, wie die Engländer selber sagen; da sie viel zur -See fuhren, aber nicht immer kriegerische Verwendung fanden, wurden -hervorragende Leistungen in Seemannschaft ihr Stolz, militärische, die -mehr auf Theorie begründet waren, wie z. B. Taktik, lagen ihnen ferner. -In Frankreich ergänzte sich das Offizierkorps nur aus Adligen, gerade -hier eine hervorragend kriegerische Kaste; bis 1789 gab es besondere -Beamte, die die adlige Herkunft der Offizieraspiranten zu prüfen hatten. -Eine sorgfältigere Erziehung und auch wohl der Volkscharakter führten -außerdem die französischen Offiziere dahin, sich mehr mit -wissenschaftlichen Studien zu beschäftigen, und die Seltenheit der -Einschiffungen gab ihnen die Zeit hierzu. So stand das französische -Seeoffizierkorps dem englischen in seemännischer Praxis unbedingt nach, -war ihm aber theoretisch überlegen. Letzteres zeigt sich während der -nächsten Kriege besonders in der Taktik: die Engländer hielten im Kampfe -an einem alten Brauche fest, die Franzosen gründeten hierauf eine -überlegte Taktik. Einen größeren Nutzen zogen sie aber hieraus nicht, da -ihre Taktik die einer zu vorsichtigen Abwehr gegen ein kräftiges, -allerdings oft unbedachtes Draufgehen blieb. - - =Von der wissenschaftlichen Beschäftigung der französischen Offiziere= - gibt uns die Akademie ein Beispiel; wir sehen weiter noch, daß sich - verschiedene Offiziere literarisch über Seetaktik betätigten. Die - Bewertung der Theorie ging aber zu weit. =Chabaud-Arnault= sagt (Seite - 196) von den Offizieren um 1778: »Sie waren mutig, eifrig und besser - unterrichtet als die anderer Marinen. Vielleicht waren sie zu gelehrt - in dem Sinne, daß ihnen, durchdrungen von den Regeln der Theorie, - häufig die Initiative fehlte, unter gewissen Umständen mit den Regeln - zu brechen, wenn es sich darum handelte, einen Erfolg auszunutzen oder - die Folgen einer Schlappe abzuschwächen.« Die Engländer verfielen - übrigens in den gleichen Fehler, aber aus Mangel an theoretischer - Beschäftigung mit der Taktik; auch sie wagten nicht, von den - althergebrachten Regeln abzuweichen. Dieser Fehler ist aber bei den - Franzosen auch sicher eine Folge der von höchster Stelle angeordneten - Kriegführung. Eine lange durchgeführte defensive Strategie, der häufig - ausdrücklich gegebene Befehl, die Schiffe zu erhalten und zu schonen, - konnte nicht zur Entwicklung von Unternehmungsgeist im Offizierkorps - führen und hat auch zum Aufbau einer reinen Abwehrtaktik beigetragen. - Der größere Wagemut auf englischer Seite und das vorsichtige - Zurückhalten auf französischer ist in vielen Fällen schließlich auch - darauf zurückzuführen, daß infolge der verschiedenen Beförderungsart - die höheren Führer der Franzosen in weit höherem Lebensalter standen. - - Ältere französische Schriftsteller sagen, =die Disziplin im - französischen Offizierkorps= sei mangelhaft gewesen, besonders zur Zeit - des dritten Krieges, neuere stellen dies in Abrede, geben aber folgende - Punkte zu, die dem Geiste der Unterordnung schädlich waren: der - Geburts- und Klassenstolz der Offiziere brachte ein Gefühl der - Gleichberechtigung aller Dienstgrade hervor. Admirale, Kommandanten, - Offiziere und Seekadetten bildeten eine Waffe; »sie duzten sich wie - Hinz und Kunz«. Bei der Handhabung des Schiffes sprach der Untergebene - seine Meinung aus, und der Vorgesetzte gab oft nach, um nicht unbeliebt - zu werden. -- Wie zur Zeit =Colberts= stellte man wieder Offiziere der - Armee mit ihrem Dienstgrade in die Marine, was die Seeoffiziere empörte - und der Kameradschaft schadete. -- Der Adelsstolz der officiers rouges - stieß die officiers bleus vor den Kopf. Dies zeigte sich besonders im - dritten Kriege, als im französischen Volke bereits revolutionäre - Gedanken auftauchten. - -$Uniformen.$ In die hier geschilderte Zeit fällt die Einführung von -Uniformen für die Seeoffiziere und Deckoffiziere. Bis dahin scheint zwar -eine gewisse gleichartige Tracht Mode gewesen zu sein -- in Frankreich -war eine Uniform für die Gardesmarines vorgeschrieben, in Dänemark schon -1723 auch für die Offiziere --, aber genaue Vorschriften erschienen in -England[23] erst um 1748 und 1787, in Frankreich 1763. Überall wurde Blau -mit goldenem Besatz gewählt, wie es noch jetzt üblich ist. Der Anzug der -Matrosen blieb noch weiter ungeregelt; in England konnten die Leute ihren -Anzug vom Staate kaufen, waren aber nicht dazu verpflichtet. -Wahrscheinlich hat auch bei den Matrosen eine Mode geherrscht, wie es ja -nach alten Bildern selbst in der Handelsmarine der Fall gewesen zu sein -scheint, auch wird der Einfluß der Vorgesetzten eine gewisse -Gleichmäßigkeit, wenigstens auf den einzelnen Schiffen, erzielt haben. - - [23] Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347. - - - Die Taktik. - -Wir haben die Entwicklung der Taktik während der Zeit von 1648 bis 1740 -verfolgt[24] und wollen nun hier zunächst ihren Stand zu Beginn des neuen -Zeitabschnittes betrachten. Am geeignetsten hierzu ist =das Werk des -Jesuitenpaters Paul Hoste=. Dieser war längere Zeit Kaplan des -französischen Admirals =Tourville=; als Professor der Mathematik am Kgl. -Seminar in Toulon veröffentlichte er 1697 das Buch »L'art des armées -navales ou traité des évolutions navales« (vgl. Quellenverzeichnis); es -ist wohl anzunehmen, daß in diesem mehr oder weniger die Gedanken -genannten Admirals, des letzten großen Taktikers in den Kriegen des 17. -Jahrhunderts, enthalten sind. =Hoste= stellt Grundsätze und Lehren für -die Führung von Flotten auf und erläutert sie durch die Beschreibungen -wichtiger Schlachten und sonstiger Ereignisse dieser Kriege. Von 1697 -bis 1740 ist nur ein Seekrieg geführt und in diesem nur eine Schlacht -geschlagen (Malaga 1704); das geschickt aufgebaute und durchdachte Werk -gibt wahrscheinlich auch noch den theoretischen Stand der Seetaktik um -1740; es ist später die Grundlage zu ihrer weiteren theoretischen -Entwicklung im 18. Jahrhundert gewesen und bis zum Ende der -Segelschiffahrt von anderen Schriftstellern vielfach benutzt und -ausgelegt, aber im Grunde wenig geändert worden. - - [24] Vgl. Band I, Sachregister unter »Taktik«. - - $Hostes Werk über Taktik$ bespricht die geeignetste Gefechtsordnung, - die Vorteile der Luvstellung; verschiedene Marsch- (auch Rückzugs-) - Ordnungen; Übergänge aus einer Ordnung in eine andere; besondere - Manöver wie Geschwaderwechsel, Herstellung der Ordnungen bei - Windänderung, Gewinnen der Luvstellung sowie Hindern des Gegners daran, - Maßnahmen beim Forcieren oder Verteidigen einer Enge; besondere Lagen - im Gefecht, Erzwingen oder Vermeiden des Kampfes, teilweises Dublieren - des Gegners und Maßregeln dagegen[25], Durchbrechen der feindlichen - Linie. Diese Betrachtungen sind besonders für Seeoffiziere sehr - lesenswert; für unsere Zwecke genügen die unmittelbar auf den Kampf - bezüglichen Ausführungen. - - [25] Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen. - - Als =Gefechtsordnung= empfiehlt das Werk =die Kiellinie der - Schlachtschiffe dicht beim Winde= unter kleinen Segeln, so daß die - Schiffe eben gut steuerfähig bleiben. Die übrigen Fahrzeuge, Fregatten - und Brander, sollen sich außerhalb der Linie etwa 1-1/2 Seemeilen - entfernt in Feuerlee[26] zur Verwendung bereit halten; die Fregatten - zur Unterstützung, z. B. zum Schleppen, schwer beschädigter - Schlachtschiffe und für besondere Aufgaben. Von den =Marsch=- und - =Ankerordnungen= wird verlangt, daß sie einen schnellen Übergang in die - Gefechtsordnung gestatten. Als geeignetste Marschordnung bei Erwartung - eines Zusammenstoßes mit dem Feinde gilt eine Linie, in der sich die - Schiffe so peilen, d. h. so zueinander liegen, daß sie sofort in - Kiellinie beim Winde liegen, sobald sie über den einen oder den anderen - Bug an den Wind gehen. - - [26] Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite. - - Die =Luvstellung=[27] erscheint am besten für das Gefecht geeignet, da - man aus ihr jederzeit zum Angriff übergehen kann und weil sie auch - sonst viele Vorteile für den Kampf bietet. Ebenso gilt noch =der - Angriff= mit der ganzen Linie zugleich auf die ganze Länge des Gegners - unter gemeinsamer Führung des Höchstkommandierenden als der - gebräuchlichste. An Beispielen der großen Führer in den Kriegen des 17. - Jahrhunderts weist =Hoste= auf verschiedene Mittel hin, um an einer - Stelle die Übermacht zu gewinnen. So gestattet er, den Kampf - geschwaderweise zu führen, wodurch oft entscheidende Gefechte - herbeigeführt würden, hebt aber die Schwierigkeit der Wiedervereinigung - der Flotte hervor. Verfügt die Luvflotte über eine größere Schiffszahl - als der Gegner, so soll sie die hinten überschießenden Schiffe ihrer - Linie dazu benutzen, die Schlußschiffe des Feindes von Lee her - anzugreifen und so zu dublieren. Er ist gegen ein Dublieren der - feindlichen Spitze, weil die damit betrauten Schiffe, falls sie durch - Beschädigungen bewegungslos werden, dem Feuer der ganzen feindlichen - Linie ausgesetzt sind, wenn diese im weiteren Verlaufe des Kampfes an - ihnen vorüberzieht. Eine schwächere Leeflotte soll sich gegen das - Dublieren dadurch schützen, daß sie ihre Linie durch Vergrößerung der - Entfernungen zwischen den einzelnen Schiffen oder besser durch - Freilassen einer Lücke verlängert, die dann aber durch Fregatten und - Brander gedeckt werden muß. - - [27] Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner. - - =Eine Flotte in Leestellung=, die kämpfen will, soll sich hart am - Gegner halten. Vielleicht bringt ihr eine Windänderung die Luvstellung - oder es bietet sich infolge besonderer Zufälle eine Gelegenheit, den - Feind aus der sonst dazu ungünstigen Leestellung her zum Kampfe zu - zwingen (z. B. Havarien feindlicher Schiffe). Ist sie überlegen, so - kann sie dies durch einen Angriff mit ihren schnellsten Schiffen - herbeiführen; diese halten den Feind fest, bis der Rest herankommt. - Einen Angriff nimmt auch sie in Kiellinie beim Winde auf. Bei größerer - Schiffszahl vermag sie den Feind hinten zu dublieren; zu diesem Zwecke - weicht sie während des Kampfes nach Lee aus, ihre hinten - überschießenden Schiffe machen das Manöver jedoch nicht mit, sondern - setzen sich auf die Luvseite der letzten Schiffe der feindlichen Linie, - wenn diese den Ausweichenden nachdrängt. Gegen ein solches Manöver soll - sich eine schwächere Luvflotte dadurch schützen, daß sie nicht die - ganze Linie der Leeflotte angreift, sondern nur, je nach der eigenen - Schiffszahl, deren hintere Schiffe. - - Für eine Leeflotte, aber nur für diese, sieht das Werk auch ein - Durchbrechen der feindlichen Linie vor. Sie soll dazu über den - beabsichtigten Durchbruchspunkt hinaussegeln und dann im Kontremarsch - wenden[28]. Die Schiffe, die durchgebrochen sind, wenden darauf zu - Luward der feindlichen Linie wiederum, und so sind die Schiffe des - Gegners hinter dem Durchbruchspunkte dubliert. =Hoste= hält aber dieses - Durchbrechen nicht für unbedingt empfehlenswert. Der Gegner kann es - vereiteln, wenn er sofort mit allen Schiffen zugleich über den andern - Bug geht; es wird gefährlich, wenn der Feind einige Schiffe - durchbrechen läßt und dann wendet, denn nun sehen sich die - durchgebrochenen dubliert. Das Manöver sei nur ratsam, wenn man eine - größere Gefahr vermeiden will (z. B. auf eine Leeküste gedrängt, um - abgeschnittene Kameraden zu befreien u. dgl.); auch wenn in der - feindlichen Linie eine Lücke vorhanden ist -- sei es infolge geringerer - Schiffszahl, sei es nach Niederkämpfen einiger --, sollen die dadurch - unbeschäftigten eigenen Schiffe durch die Lücke brechen und den Feind - hinten dublieren. - - [28] Beim »=Wenden im Kontremarsch=« drehen von vorn beginnend die - Schiffe eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen - sind, wo das erste gewendet hat; so bleiben die Kiellinie und die - Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim »=Wenden zugleich=« drehen - die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim - Erhalten des Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher - in »Kehrt«, die Schiffe sind auch nicht mehr in Kiellinie, sondern - müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend - wird auch das »=Halsen=« auf beide Weisen ausgeführt. - -Das Werk zeigt uns, wie dargelegt, einen hohen theoretischen Stand der -Taktik, wohl geeignet, darauf weiter zu bauen. In der Praxis lag jedoch -die Sache anders. Vom zweiten Englisch-Holländischen Kriege (1665-1667) -an finden wir zwar in allen großen Schlachten Flottenführer, die -versuchen, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, sei es schon durch -Ansetzen des Angriffes, sei es durch Ausnutzen von Blößen, die der Gegner -während der Schlacht zeigt. Wir nennen =Monck=, =Ruyter=, =du Quesne=, -die in diesem Bestreben von ihren Unterführern, =d'Estrées=, =Bankers=, -=den Haën=, =Nesmond=, durch selbständige Manöver unterstützt wurden. Die -aus diesen Beispielen zu ziehenden Lehren waren jedoch noch nicht -Allgemeingut geworden, selbst die Gefechtsinstruktionen jener Zeit -standen nicht auf der Höhe der Hosteschen Abhandlungen; es ist auch nicht -anzunehmen, daß sich die Seeoffiziere jener Zeit, insbesondere die -englischen »Teerjacken«, im allgemeinen mit ihnen beschäftigt hätten. - -Die älteste eingehendere =Gefechtsinstruktion in England=[29] ist von -1665. Sie weist im allgemeinen auf den »Angriff« von Luward her, über -denselben Bug wie der Gegner liegend und mit der ganzen eigenen Linie auf -die ganze feindliche zugleich« hin. Sie sagt nämlich: »Erwartet der -Feind, in Lee stilliegend, den Angriff, so soll ein jedes Geschwader[30] -das entsprechende des Gegners angreifen. Begegnet die Flotte der -feindlichen auf entgegengesetztem Kurse, so soll sie so weit laufen, bis -ihre Vorhut querab von der Nachhut des Feindes ist; dann soll sie mit -allen Schiffen zugleich wenden, so daß sie nun über den gleichen Bug -parallel und querab von ihm (bereit zu vorstehender Angriffsart) liegt. --- Steht die Flotte über gleichen Bug in Lee, so soll die Vorhut die -feindliche Linie durchbrechen und deren hintere Schiffe von Luward her -angreifen; Mitte und Nachhut sollen die vorderen Schiffe des Feindes -beobachten und die Nachhut unterstützen.« Bald darauf wurde einem -selbständigen Durchbrechen seitens der Geschwaderchefs, ja selbst der -Schiffskommandanten, in günstigen Augenblicken das Wort geredet und ihnen -überhaupt mehr Freiheit gegeben, aber dann kam nach und nach in der -Instruktion doch immer stärker das Streben zum Ausdruck, die ganze -»Kiellinie beim Winde« in strengster Ordnung, Spitze gegen Spitze und -Schiff gegen Schiff von Luward her zum Angriff heranzuführen. - - [29] Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die - Engländer in den Schlachten der nächsten Kriege stets die - Angreifenden waren und dadurch die Taktik der Franzosen - beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser - Instruktion =Corbett= »Fighting instructions« (vgl. - Quellenverzeichnis). - - [30] Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei - Geschwader: Vorhut, Mitte, Nachhut, geteilt wurde. - - $Die Vor- und Nachteile der Luvstellung$ (vgl. Band 1, Seite 184): Die - Luvflotte kann jederzeit angreifen, die Gefechtsentfernung bestimmen, - sowie leichter zum Entern gelangen; sie kann leicht die feindliche - Linie durchbrechen und einen Teil von ihr abschneiden; sie kann den - Gegner hinten dublieren; ihre Brander kommen besser zur Verwendung. Der - Pulverrauch zieht nicht über die Schiffe hin und brennende Rückstände - aus den Geschützen gefährden sie nicht. -- Die Nachteile der - Luvstellung bestehen darin, daß die Schiffe häufig infolge des - Überliegens bei starkem Winde oder wegen schwerer See die Pforten der - untersten Batterie, in der die schwersten Geschütze stehen, auf der dem - Feinde zugewandten Leeseite geschlossen halten müssen. Beim Herangehen - zum Angriff sind die Schiffe dem Enfilierfeuer[31] ausgesetzt, während - sie nur ihre Buggeschütze verwerten können. Es wird stets schwierig - sein, ein Gefecht abzubrechen, da sich hierzu die Flotte nach Luward - hin vom Feinde entfernen muß, beschädigte Schiffe werden aber - vielleicht nicht mehr wenden oder höher am Winde steuern können; diese - treiben dann dem Feinde entgegen, der sie völlig vernichtet, falls sie - nicht dadurch unterstützt werden, daß man das Gefecht fortsetzt. - - [31] =Enfilierfeuer= ist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die - ganze Länge des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach - in den Batterien und in der Takelage mehr Schaden anrichten als - solche, die das Schiff seitlich treffen. - -Um 1691 sind die Bestimmungen über Durchbrechen ganz fortgefallen; kein -Geschwader und kein Schiff darf ohne Befehl seinen Platz verlassen; -streng wird darauf hingewiesen, den Angriff genau Spitze auf Spitze -anzusetzen. Der Wortlaut der Instruktion machte es dem Oberbefehlshaber -fast unmöglich, seine Flotte so heranzuführen, daß er von vornherein an -einer Stelle die Übermacht gewann, und ebenso war ausgeschlossen, dies -später durch Initiative der Unterführer zu erreichen. - - =Ein Dublieren= des Feindes durch unbeschäftigte Schiffe, wie es - =Hoste= empfiehlt, war in England auch früher niemals vorgesehen. Man - soll wegen der Gefahr des gegenseitigen Beschießens der eigenen Schiffe - das Dublieren hier ungünstig beurteilt haben, da die Engländer - möglichst nahe an den Feind heranzugehen pflegten. Die Franzosen, die - weitere Gefechtsentfernungen bevorzugten, hielten mehr vom Dublieren. - -In dieser Änderung der Instruktion sahen sämtliche Marineschriftsteller -bisher einen argen =Rückschritt in der Taktik= gegen die Zeit der -obenerwähnten hervorragenden Führer. Nur =Corbett= sagt[32], es sei ein -natürlicher Rückgang in ein defensiveres Verfahren nach einer Zeit -wagemütigen Vorgehens seitens bedeutender Männer gewesen; man sei mit der -Erkenntnis der Gefahren, die außergewöhnliche Manöver mit sich brächten -(wie sie auch Hoste anführe), zu der wohlüberlegten Überzeugung gekommen, -daß diejenige Flotte die größte Aussicht auf Erfolg habe, die am längsten -ihre Formation hielte. =Corbetts= Auslassungen werden teilweise richtig -sein, aber er will doch wohl auch das englische Seeoffizierkorps jener -Zeit gegen den Vorwurf in Schutz nehmen, es habe die Taktik -vernachlässigt. Sollte dieser Vorwurf nicht doch berechtigt sein? - - [32] In =Corbett= »England in the Mediterranean« (vgl. - Quellenverzeichnis, Band I) und in »Fighting Instructions«, eben - angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., schon genauer, auch - Band I, Seite 532. - -Wir haben bei der Kennzeichnung der Offizierkorps der beiden -großen Marinen erwähnt, daß in England wenig Neigung zu -militärisch-theoretischen Studien vorhanden war. Stolz auf ihre -seemännische Tüchtigkeit, glaubten die englischen Seeoffiziere ihr Ziel, -das Niederschmettern des Feindes »im Kampf Schiff gegen Schiff«, -jederzeit zu erreichen. Die Beispiele der großen Führer bis zur Schlacht -von Kap Barfleur-La Hogue (1692) gerieten in Vergessenheit, und es ist -fraglich, ob =Hostes= Werk in weiteren englischen Kreisen bekannt war; -erst etwa 1762 erschien eine vollständige Übersetzung in englischer -Sprache. Die lange Friedenszeit 1713-1739 gab auch keinen Anlaß zur -Beschäftigung mit taktischen Fragen; Übungsflotten kannte man noch -nicht[33]. So führten die Engländer lange Zeit ihre Schlachten nach den -Buchstaben ihrer Gefechtsinstruktion: Rücksichtsloses Draufgehen in -starrer Ordnung, Kampf Schiff gegen Schiff in nächster Nähe. Sie -richteten auch stets ihr Feuer auf den Rumpf der feindlichen Schiffe, -also auf die durch Geschütze und Mannschaft dargestellte Gefechtskraft, -während es häufig zweckmäßiger gewesen wäre, die Takelage, also die -Bewegungsfähigkeit der Gegner, als Ziel zu wählen. Zum Beharren bei -dieser unvollkommenen Taktik trugen verschiedene Kriegsgerichtsurteile -bei über Führer, die von der Vorschrift abgewichen waren. Die -bekanntesten dieser Gerichtserkenntnisse sind die nach den Schlachten vor -Toulon (1744) und bei Minorka (1756); aus ihrer Besprechung wird sich -ergeben, welch eine beschränkte Auffassung für die Verwendung von -taktischen Regeln im englischen Seeoffizierkorps herrschte. - - [33] Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren - nur klein und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die - Offiziere in der Handhabung des Schiffes üben. - -Wir wissen, daß die französischen Seeoffiziere im Gegensatz zu den -englischen mehr für die militärische Seite ihres Berufes veranlagt waren -und sich mehr mit theoretischen Studien beschäftigten[34]. So entstand -gegen die schematische Angriffsart der Engländer nun eine =Abwehrtaktik -der Franzosen=. Diese nutzte die bisher wenig beachteten Vorteile aus, -die eine Leestellung bietet. Die Franzosen sind aber nicht nur aus diesen -Gründen zur Wahl einer Defensivtaktik gekommen, sondern dabei sehr durch -ihre Strategie beeinflußt worden. - - [34] Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch bald - =weitere Werke über Taktik=. Kapitän =Bigot de Morogues=, der - erste Direktor der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch - »Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux«, das - Hostes Werk ersetzen sollte. -- Ein Offizier der - französisch-ostindischen Kompagnie, =Bourdé de Villehuet=, schrieb - 1765 das Buch »Le Manoeuvrier« usw. (beide vgl. - Quellenverzeichnis). - -[Illustration: Zur englischen Angriffsart.] - - $Vor- und Nachteile der Leestellung.$ Die Flotte in der Leestellung - kann den Kampf nicht erzwingen und ist einem Angriff gegenüber auf die - Verteidigung angewiesen, wenn sie sich nicht zurückziehen will. Ein - Durchbrechen oder ein Dublieren des Gegners ist für sie schwieriger als - für eine Luvflotte. Sie kann aber fast bei jedem Wetter ihre untersten - Batterien gebrauchen, da die Luvseiten der Schiffe dem Feinde zugewandt - sind; auch kann sie die Angreifer beim Herankommen mit den Breitseiten - beschießen. Sie deckt leichter ihre beschädigten Schiffe, hält leichter - ihre Ordnung aufrecht und kann jederzeit das Gefecht abbrechen, da der - Feind mit stärker beschädigten Schiffen nicht imstande sein wird, - sofort und in guter Ordnung zu folgen. - - Die Luvstellung ist mithin geeigneter zum Angriff, die Leestellung zur - Abwehr, und es ist, wie in der Kriegführung stets, auch hier die - Verteidigung materiell, der Angriff moralisch stärker (nach einem - Ausspruche des Generals =v. Clausewitz=). - -=Die englische Angriffsart bringt große Übelstände mit sich.= Wenn der -Angreifer abhält, um an die feindliche Linie heranzugehen und sich dann -dieser auf nahe Entfernung Schiff gegen Schiff nun auch unter gekürzten -Segeln wieder parallel zu legen, so sind seine Schiffe längere Zeit dem -Enfilierfeuer von vorn ausgesetzt, das sie nur mit wenig Geschützen -erwidern können (vgl. Plan, Lage 1). Nun liegt aber der Angegriffene -nicht ganz still, er hat wenigstens soviel Bewegung, daß die Schiffe -steuerfähig bleiben. Die angreifenden Schiffe müssen also schräg -herangehen, um auf die ihnen in der feindlichen Linie entsprechenden -Gegner zu stoßen; hierdurch wird die Dauer der ungünstigen Lage -verlängert (Lage 2). Ferner ist es für Segelschiffe sehr schwierig, in -einer solchen Stellung zueinander (nicht mehr in Kiellinie, sondern in -einer Peilungslinie zum Kurse -- Lage 2a-a) eine gut ausgerichtete Linie -innezuhalten, und da nun auch das eine oder das andere Schiff in der -Takelage beschädigt werden wird, ist es wahrscheinlich, daß nicht alle -Schiffe gleichzeitig ihren Platz zum Nahkampfe einnehmen; der Angriff -erfolgt also nicht gleichmäßig. - -Dies ist nun aber nur von formeller Bedeutung, in der Praxis gestaltet -sich der Angriff noch ungünstiger. Die Luvflotte will dem Feinde den Weg -abschneiden, ihn festhalten und zum Kampfe zwingen. Sie wird also schon -von weiterer Entfernung an vor die Spitze des Feindes halten. Bei der -Schwierigkeit, dies in einer Peilungslinie durchzuführen sowie um ein -längeres Enfiliertwerden zu vermeiden, wird sie in Kiellinie bleiben, bis -sie nahe genug zum Angriff durch Abhalten ist (Lage 3). Dieses -Schrägheranführen in Kiellinie hat zwei Mißstände im Gefolge, die einen -gleichzeitigen Angriff ausschließen, häufig denselben überhaupt lähmen. -1. Die ersten Schiffe werden stets früher zum Nahgefecht kommen als ihre -Hinterleute, weit früher aber noch als die letzten der Linie. 2. Wenn ein -Schiff der Linie, z. B. in der Mitte (Lage 4 a). vor dem Abhalten zum -Angriff durch Beschädigungen lahmgelegt wird, so hält es seine -Hinterleute auf und zwingt sie zum Ausweichen; die Linie wird gestaucht -und die Ordnung gestört. - -Die Schwierigkeit, den Angriff auf der ganzen Linie gleichzeitig -durchzuführen und die ungünstige Lage des Angriffes machten die Franzosen -sich zunutze. Sie ließen den bisher allgemein anerkannten Grundsatz -fallen, vor der Schlacht die Luvstellung zu erstreben; sie gingen sogar -zuweilen freiwillig nach Lee, um in (Kiellinie beim Winde) den Angriff -aufzunehmen. Sie richteten dann, wie sie es schon früher gern getan -hatten, ihr Feuer auf die Takelage, die Bewegungsfähigkeit des Feindes, -ein großes, bereits auf weitere Entfernungen mit Erfolg zu beschießendes -Ziel. Sie warteten dann aber nicht den Angriff auf der ganzen Linie ab, -sondern wichen einem allgemeinen Kampf aus, wenn nur erst die feindliche -Spitze herangekommen und genügend geschädigt war. - -Meist zogen sie unter schnell vermehrten Segeln ihre ganze Linie an den -vordersten feindlichen Schiffen, die dann schon durch das beim Herangehen -erhaltene Feuer in ihrer Bewegungsfähigkeit beschränkt waren, vorüber und -überschütteten sie mit Geschossen; dann nahmen sie in Lee aufs neue -Stellung und warteten in gleich günstiger Lage wie beim ersten Angriff -das Weitere ab[35]. Sie konnten infolge des zwischen den Flotten -lagernden Pulverrauchs gewöhnlich ihr Manöver unbemerkt beginnen und -auch in guter Ordnung durchführen, da ihre Schiffe noch unbeschädigt -waren. Die Engländer aber sahen von einem zweiten Angriff ab, weil ihre -Spitzenschiffe durch die Beschädigungen in der Takelage nicht mehr voll -gefechtsfähig waren; häufig wurde eine englische Flotte dadurch sogar auf -längere Zeit lahmgelegt. Es blieb bei dem einen Zusammenstoß, und die -Flotten trennten sich. - - [35] Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, - so nutzte doch =Ruyter= in der Schlacht bei Stromboli 1676 die - Leestellung in ähnlicher Weise aus, wie es jetzt die französische - Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in richtiger - Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite 378). - -Hier ist =der Einfluß der Strategie der Franzosen auf ihre Taktik= zu -erkennen. Diese hätte weiter dahin ausgebildet werden können, daß man -nach der Schwächung des Gegners zum Angriff überging, um noch größeren -Erfolg auf dem Schlachtfeld zu erreichen. Die Franzosen begnügten sich -aber damit, den Angriff unter Schonung der eigenen Schiffe abgeschlagen -zu haben. - -Wie schon meist zur Zeit =Ludwigs= XIV. kämpfte Frankreich auch später -nie um die Seeherrschaft im großen Sinne; den Seestreitkräften wurden nur -bestimmte Ziele gesetzt: eine Eroberung zu sichern; eine Landung zu -decken; ähnlichen Vorhaben des Gegners entgegenzutreten, häufig mit dem -ausdrücklichen Befehle, »die kostbaren und schwer zu ersetzenden Schiffe -zu schonen«. Die Flottenführer wurden somit darauf hingewiesen, -Zusammenstöße möglichst zu vermeiden und, wenn sie zum Kampfe gezwungen -waren, jedenfalls nicht zuviel aufs Spiel zu setzen. =Diese Auffassung= -wurde bei ihnen zum Grundsatz; ein französischer Autor sagt sogar: »Man -sah es fast als ein Unglück an, wenn man mit dem Feinde zusammenstieß.« -Deshalb bevorzugten die Franzosen nun auch die taktische Defensive, -bauten ihre Abwehrtaktik aus der Leestellung auf und führten diese dann -schematisch durch, ohne etwaige Erfolge auszunutzen. Auch ihre -Gefechtsinstruktion sah die Aufrechterhaltung der Ordnung als Hauptsache -an und verbot streng, die Linie ohne Befehl zu verlassen. - - * * * * * - -Lange Zeit blieben beide Gegner bei ihrem Schema. Die Schlacht bei -=Malaga= (1704) gilt als die erste, in der sich die englische -Angriffsform zeigt; in der Schlacht bei =Minorka= (1756) tritt das -französische Abwehrverfahren zuerst deutlich hervor; als die letzten -Fälle, in denen die beiden Taktiken sich noch einmal ausgesprochen -gegenüberstehen, werden die Schlachten vor der =Chesapeakebucht= 1781 (am -16. April und am 5. September) angesehen. Die dazwischenliegende Zeit -nennt man wohl =die Zeit der unentschiedenen oder der französischen -Defensivschlachten=. Dies ist zutreffend, denn in allen Kämpfen zwischen -annähernd gleichen Streitkräften begnügten sich die Franzosen mit der -Abwehr, und die Schlachten brachten taktisch keine Entscheidung. - -Die angreifenden Engländer erreichten nie ihren Zweck, den Feind zu -vernichten, aber auch die Franzosen erfochten nie einen vollen Sieg. Bei -der eigenartigen Verwendung des Geschützfeuers auf jeder Seite, der ihr -eigentümlichen Taktik entsprechend, hatten die Franzosen meist den -größeren Verlust an Menschen, während auf englischer Seite stets die -Schiffe bedeutend mehr litten. - -Erst gegen das Ende des hier behandelten Zeitabschnittes tritt bei beiden -Gegnern wieder der Gedanke auf, sich mit der ganzen Kraft auf einen Teil -des Feindes zu werfen. Der englische Admiral =Rodney= versucht bei -=Martinique= (17. April 1780) von Luward her nur die feindliche Mitte und -Nachhut anzugreifen. Von seinen an die alte Kampfart gewöhnten -Unterführern nicht verstanden, gelingt es ihm zwar nicht, aber sein -Gegner sucht von nun ab wieder die Luvstellung; allerdings geschieht dies -nicht zum Angriff, sondern weiter zum Vermeiden größerer Entscheidungen. -Derselbe Führer durchbricht bei =Dominica= (1782) von Luward her mit -seiner Mitte die feindliche Flotte und dubliert den abgeschnittenen Teil -mit großem Erfolge. Möglich, daß er zu diesem Manöver nur durch ein -Umspringen des Windes gezwungen wurde, aber dessen Vorteile wurden -jedenfalls erkannt, und dies führte dahin, daß man in England wieder -Signale für »Durchbrechen« annahm. Zu derselben Zeit weicht auch der -französische Admiral =Suffren= in den indischen Gewässern von der -bisherigen Defensivtaktik ab; er wählt die Luvstellung zum Angriff und -sucht eine gleichstarke englische Flotte hinten zu dublieren. - -Die vorstehenden Darlegungen über die Taktik sollen die späteren -Schilderungen der Schlachten, sowie ihre Besprechungen erleichtern. Sie -erweisen aber auch jetzt schon die Kennzeichnung des vierten Abschnittes: -»Die Taktik wird lange schematisch gehandhabt, aber gegen das Ende -erwacht neues Leben in ihr«, als richtig. Jetzt erschien das -epochemachende Werk des Schotten =Clerk= (vgl. Quellenverzeichnis) und -zwar 1782 in wenigen Exemplaren gedruckt, 1790 in erster großer Auflage. -Wir werden uns damit im nächsten Abschnitt beschäftigen, weisen aber hier -schon darauf hin, daß der Verfasser die Maßnahmen zur Konzentration der -Kraft in der Schlacht behandelt, sowie daß er seine Gedanken bereits vor -dem Erscheinen des Buches englischen Seeoffizieren, unter diesen auch -=Rodney=, mitgeteilt hatte. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Drittes Kapitel. - - Der Englisch-Spanische Krieg 1739 - und der Österreichische Erbfolgekrieg 1740-1748. - - Die Anlässe zum Kriege. Die Gruppierung der Staaten. - -$Der Englisch-Spanische Krieg$ wurde, wie schon angedeutet, durch -Gegensätze in den Handelsinteressen beider Völker in Beziehung zu Amerika -hervorgerufen. Im Frieden von =Utrecht= war den Engländern die Einfuhr -von Negern in Spanisch-Amerika (der Assientovertrag)[A] sowie die -Entsendung eines Schiffes bestimmter Ladefähigkeit zu dem Markte von -=Puerto-Belo=[A] gestattet. Diese Zugeständnisse genügten weder ihren -Wünschen noch dem Verkehrsbedürfnis der spanischen Kolonien. -Infolgedessen entwickelte sich bald ein beträchtlicher englischer -Schmuggelhandel[36], der die spanische Regierung in ihren Einkünften -schwer schädigte und in ihrem Stolz tief kränkte. Sie begann deshalb die -Zügel straffer anzuziehen, alte und strengere Bestimmungen wieder -hervorzuholen und sie in schroffster Weise durchzuführen[37]. - - [36] Vgl. diese Punkte betreffend Band I, Seite 576, 598, 601. - - [37] Zimmermann, Band II, Seite 192-205, schildert die - englisch-spanischen Verhältnisse von 1713-1739 genauer. - - $Der englische Schmuggelhandel$ war schon 1728 ebenso bedeutend wie der - regelmäßige Handel Spaniens mit seinen Kolonien. Deshalb lockerte die - bourbonische Regierung wenigstens ihren eigenen Untertanen gegenüber - das alte Absperrungssystem etwas und gestattete 1728 in =Guipuzcoa= - (einer der baskischen Provinzen) die Gründung einer Handelsgesellschaft - für die Kolonien. Auch den Franzosen gewährte man 1733 bedeutende - Vorteile dort, wodurch der schon erwähnte Aufschwung des Seehandels und - der Kolonien wesentlich gefördert wurde. Anderseits verloren durch - diese Maßnahmen die berühmten =Silberflotten=, die so lange ein - Hauptangriffsobjekt der Feinde Spaniens gewesen waren, an Bedeutung; - 1748 wurden ihre regelmäßigen Fahrten eingestellt, 1778 fuhr die - letzte. England und Holland gegenüber hielt man jedoch die Absperrung - aufrecht und führte sie sogar wieder schärfer durch. Das - Puerto-Belo-Schiff, die Fahrzeuge im Negerhandelsdienst und besonders - auch die Schiffe, die unter dem Vorwande einer Ausbesserung oder - Ausrüstung die spanischen Niederlassungen anliefen, wurden peinlich - überwacht und untersucht. - - =Nun= war es aber unmöglich, die lange Küste mit ihren vielen Einläufen - genügend abzusperren; die englischen Seeleute und Händler schreckten in - ihrem Streben nach Gewinn weder vor Strafen zurück noch nahmen sie - Rücksicht auf die spanische Empfindlichkeit, und Spaniens Macht war - nicht stark genug, um die englische Regierung zu einer Unterstützung zu - nötigen. So wurde der schwächere Staat zur Anwendung gesetzwidriger - Mittel getrieben; man ermächtigte Kriegs- und Zollschiffe, oder - erlaubte es ihnen wenigstens, englische Schiffe auch auf hoher See - anzuhalten und zu untersuchen. Bei den gesetzlichen und bei den - ungesetzlichen Durchsuchungen ließen sich aber die Ausführenden infolge - des spanischen Charakters und des alten Hasses gegen die Eindringlinge - zu Beleidigungen und unberechtigten Gewalttaten hinreißen. Das Unrecht - lag auf beiden Seiten; es war die Fortsetzung des alten Zustandes: »no - peace beyond the line«. (Drakes Grundsatz, vgl. Band I, Seite 80 und - 95.) - -Dieses Vorgehen Spaniens rief im englischen Volke lebhafte Erregung -hervor, und als die Vorstellungen, die der Minister =Walpole= beständig -und besonders im Jahre 1737 in Madrid gemacht hatte, keinen Erfolg -erzielten, reichten die westindischen Kaufleute 1738 dem Unterhause eine -Denkschrift ein, in der sie sich eindringlich über die Verluste -beklagten, die ihnen durch die Beschlagnahme von Schiffen sowie durch die -Belästigung des Handels überhaupt erwachsen seien; für die Zeit von -1729-1738 wurde die Wegnahme von 52 Schiffen im Werte von 140000 Pfund -Sterling angeführt. Auch auf die unmenschliche Behandlung englischer -Schiffsbesatzungen wies man hin. - - Das größte Aufsehen erregte $der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr$, der - 1731 in der Presse zur Sprache kam: »Das Schiff »Rebekka« wurde im - April 1731 auf der Reise von Jamaika nach England in der Nähe Havannas - von einem spanischen Zollkutter angehalten, in roher Weise durchsucht, - der Kapitän mißhandelt und mit dem Tode bedroht. Heldenmütig erduldete - er alles und bestand auf seinem Rechte. Als die Spanier keine - Schmuggelartikel gefunden hatten, rissen sie ihm ein Ohr ab und warfen - es ihm mit den Worten ins Gesicht: »Bringe dies deinem König und - erzähle ihm alles«. Endlich nahmen sie die astronomischen Instrumente - fort, so daß er sein Schiff kaum heimführen konnte. Die - Schiffsbesatzung könne den Vorfall beeidigen.« - - Diese Angelegenheit kam 1738 im Parlament wieder zur Sprache. =Jenkins= - selber wurde vorgeführt und legte das Ohr auf den Tisch des Hauses - nieder; auf die Frage, wie ihm bei der Sache zumute gewesen sei, - antwortete er: »Ich empfahl mein Leben Gott, meine Sache dem englischen - Volke.« jedenfalls ein hochgemuter Ausspruch in dem Munde eines - damaligen Schiffsführers. Gegner des Krieges behaupteten denn auch, die - ganze Rolle sei ihm einstudiert und er werde sein Ohr wohl näher zu - Hause und nicht ohne Grund (nämlich am Pranger) verloren haben; - jedenfalls diente aber der Vorfall zur Erregung des Parlaments sowie - der öffentlichen Meinung und hat geschichtliche Bedeutung erlangt. - -Die Denkschrift forderte, daß ernstlich, nötigenfalls feindlich, gegen -Spanien vorgegangen würde. =Walpole= wünschte jedoch keinen Krieg und -erklärte, daß durch einen solchen nichts gewonnen werde. Spanien würde -ein Auftreten, wie es im Parlament zur Sprache gekommen, nicht gewagt -haben, wenn es nicht von stärkeren Mächten ermutigt sei, und England wäre -dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen; auch übertrieben -die englischen Kaufleute und Rheder in blinder Leidenschaft die gerügten -Mißstände. Er gab dem Parlamente hinhaltende Versprechungen und knüpfte -nochmals (1738) Verhandlungen mit Spanien an. Dieses Verfahren genügte -aber der öffentlichen Meinung nicht und die Presse verbreitete weiter die -übertriebensten Gerüchte. In Spanien ging man auch nur widerwillig auf -die Verhandlungen ein und wurde um so eigensinniger, je heftiger England -auftrat, veranlaßt durch Personen der Kriegspartei gegen Walpoles -Absicht. - -Endlich zwang die Opposition im Parlament, geführt von =William Pitt=, -1739 den Minister, Spanien ein =Ultimatum= zu stellen. Es bestand in dem -Verlangen einer völligen Verzichtleistung auf das Durchsuchungsrecht und -der Anerkennung verschiedener Ansprüche Englands in Nordamerika (eine -günstigere Grenzregulierung zwischen der neugegründeten Kolonie Georgia -und dem spanischen Florida, dem Recht für England, Holz von der -Campechebai auszuführen u. dgl.). Als diese Forderungen abgelehnt wurden, -erfolgte die =Kriegserklärung= im Oktober 1739. Die Feindseligkeiten -wurden sofort von seiten Englands eröffnet. Schon im Jahre darauf -entbrannte der Österreichische Erbfolgekrieg, der gemeinsam mit dem -Englisch-Spanischen zu betrachten sein wird. - -$Der Österreichische Erbfolgekrieg$, einschließlich der =beiden ersten -Schlesischen Kriege= wurde durch den Tod Kaiser =Karls= VI. (1740) -hervorgerufen. Die Politik dieses Herrschers lief seit Jahren darauf -hinaus, die gesamten Länder des Hauses Habsburg seiner Tochter =Maria -Theresia= zu sichern (»Pragmatische Sanktion«, vgl. Band I, Seite 594 -ff.), und er hatte hierfür auch die Zustimmung der meisten europäischen -Staaten erreicht. Als aber =Maria Theresia= zur Regierung kam, zeigte -sich, daß die =Pragmatische Sanktion= nichts als ein Stück Papier war. -Die offenbare Schwäche Österreichs, dessen Geld- und Wehrverhältnisse -sehr im argen lagen, reizte die Begehrlichkeit verschiedener Staaten; -überall meldeten sich Erbansprüche. Preußen machte sein Recht auf Teile -von Schlesien geltend; Bayern, das stets gegen die Sanktion protestiert -hatte, verlangte ganz Österreich; Spanien forderte die ehemalig -spanischen Provinzen in Norditalien. Auch Sachsen hielt sich für -erbberechtigt und Sardinien dachte die Lombardei zu gewinnen. Der -Kurfürst von Bayern, =Karl Albrecht=, strebte außerdem nach der -Kaiserwürde. - -=König Friedrich II. von Preußen=, der soeben den Thron bestiegen hatte, -war stark genug, allein vorzugehen, und nahm sofort von Schlesien Besitz -(1740). Bayern, selbst nicht kräftig genug zum Kampfe gegen Österreich, -gewann nach längeren Unterhandlungen (1741) die Unterstützung -Frankreichs; dieses hoffte Österreich zu schwächen und die eigene Macht -nach Osten auszudehnen. Spanien schloß sich sofort an; später traten auch -Preußen, Kurpfalz und Kurköln, sowie Sachsen für die ersten Jahre des -Krieges, auf seiten Bayerns. Frankreich veranlaßte endlich Schweden zu -einem Krieg mit Rußland, um diesen Staat an einer Betätigung zugunsten -Österreichs zu hindern[38]. - - [38] Der Schwedisch-Russische Krieg 1741-1743 wird später als - »Nebenkrieg« besonders besprochen. - -Jedoch auch Österreich gewann Bundesgenossen. Die Stimmung in England -neigte zugunsten Österreichs, und dies war natürlich, denn England stand -bereits im Kampfe mit Spanien, einem der Gegner Österreichs, und ein -Wachsen der Macht Frankreichs, etwa durch die Erwerbung Belgiens, lag -keineswegs in Englands Wünschen. Das Aufblühen des französischen -Seehandels und der Kolonien Frankreichs in Ost- und Westindien verfolgte -man mit Besorgnis; in Nordamerika lag der Kampf um die Grenzen der -beiderseitigen Besitzungen gewissermaßen in der Luft. König =Georg= II. -war zunächst zur Unterstützung Österreichs bereit, da er als Kurfürst von -Hannover eifersüchtig auf Preußens Wachsen sah. Bald aber glaubte er sein -Kurfürstentum durch Preußens Bündnis mit Frankreich bedroht, wollte sich -deshalb neutral halten und erklärte sich für die Kaiserwahl Karl Alberts. -Infolge des nicht gerade günstigen Verlaufes des Seekrieges mit Spanien, -und da die englische Flotte die Überführung eines spanischen Heeres nach -Oberitalien (1741) nicht gehindert hatte, wuchs jedoch die Opposition -gegen =Walpole=; er mußte sein Amt niederlegen (Februar 1742), und nun -trat England durch Geldhilfe und die Stellung eines Heeres in Belgien -offen für Österreich ein. Unter Englands Einfluß tat Holland das gleiche; -hier fürchtete man die alte Gefahr, Frankreich als Nachbar und dadurch -die belgischen Seestädte als Nebenbuhler im Handel zu bekommen[39]. Auch -Sardinien, später (1743) Sachsen und endlich selbst Rußland (1744) wurden -durch England für Österreich gewonnen. - - [39] Seit dem Westfälischen Frieden war es stets ein Ziel der - holländischen und der englischen Politik, die Sperrung der Schelde - gegen freie Schiffahrt aufrecht zu erhalten und deshalb zu - hindern, daß Antwerpen in französischen Besitz komme. Auch - Englands Handel schien dadurch bedroht. - -So war nach und nach ein allgemeiner europäischer Krieg entstanden, der -neben dem Englisch-Spanischen Seekriege einen Englisch-Französischen See- -und Kolonialkrieg mit sich brachte. - - Als sehr bemerkenswert muß hier $eine eigentümliche Auffassung - internationaler Beziehungen$ jener Zeit erwähnt werden. Während der - ersten Jahre führte Frankreich den Krieg gegen Österreich nur zur - Unterstützung Bayerns, und England sowie Spanien traten auch nur als - Helfer Maria Theresias auf. Eine Kriegserklärung Frankreichs an - Österreich und England erfolgte erst 1744, an Holland gar erst 1747; - obgleich ihre Heere schon vorher gegeneinander fochten, betrachteten - sich doch diese Staaten nicht als im Kriegszustand, sondern, mit - Ausnahme der im Felde stehenden Truppen, als noch im Frieden - befindlich. Ebenso galt es auf See. Zwischen Frankreich und Spanien - bestand ein Defensivbündnis, nach dem Frankreich in bestimmten Fällen - (siehe auch Band I, Seite 598) Spanien eine Hilfsflotte zu stellen - hatte. - - Diese Hilfe sollte allerdings keine Feindseligkeit gegen England in - sich schließen, die den Frieden zwischen England und Frankreich - verletzte. Französische Kriegsschiffe waren danach, so lange sie mit - der spanischen Flotte den Abmachungen des Vertrages gemäß - zusammenwirkten, Feinde Englands, nicht aber der französische Staat und - seine sonstigen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Auf Grund dieses - Vertrages sandte nun Frankreich schon 1740 ein Geschwader nach - Westindien, mit dem Befehl, die spanischen Schiffe und Kolonien zu - schützen; 1741 deckten französische Kriegsschiffe im Verein mit der - spanischen Flotte einen Truppentransport von Spanien nach Italien und - Frankreich gewährte dann der spanischen Flotte Unterschlupf in Toulon; - 1744 wurde, sogar noch ehe der Krieg erklärt war, die erste Seeschlacht - vor Toulon mit den Engländern geschlagen, als eine französische Flotte - die spanische nach Spanien begleitete. Da mutet es denn seltsam an, - wenn sich französische Geschichtsschreiber mit großem Ernst über - einzelne Angriffe englischer Schiffe auf französische vor 1744 unter - dem Einwurfe beklagen, daß kein offener Krieg bestanden hätte; - anderseits hatte ja allerdings England diese eigentümliche Auffassung - in dem französisch-spanischen Vertrage gewissermaßen dadurch als - berechtigt anerkannt, daß es aus dem beschriebenen Auftreten der - französischen Seestreitkräfte keinen casus belli machte. - - - Der allgemeine Verlauf des Krieges. - -Da der Seekrieg nur in loser Verbindung mit dem großen europäischen -Landkriege stand, so genügt es, über diesen einen Überblick zu geben. Ein -solcher ist jedoch wünschenswert, um zu zeigen, inwieweit die Gegner im -Seekriege durch den Landkrieg in Anspruch genommen waren und inwieweit -der erste auf den zweiten einwirkte; auch werden dabei die Gründe für die -Gruppierung der Staaten etwas klarer werden. Der Verlauf des Seekrieges -wird hierbei zunächst nur angedeutet werden. - - $Der Englisch-Spanische Seekrieg 1739-1744$ wurde nur von den - Engländern angriffsweise geführt, die in erster Linie gegen die - spanischen Besitzungen in Westindien vorgingen; hier war Spanien am - leichtesten zu verwunden. Schon im Juli 1739, noch vor der - Kriegserklärung, lief die erste Expedition aus, und die Jahre 1739-1744 - brachten dann eine Reihe von Angriffen auf die wichtigsten - spanisch-westindischen Küstenstädte. Mit ungenügenden Mitteln - unternommen und nicht tatkräftig durchgeführt, blieben sie jedoch - sämtlich ohne entscheidenden Erfolg. In den europäischen Gewässern - beschränkte sich die Tätigkeit der englischen Marine auf die - Überwachung der spanischen Küsten -- um die feindlichen Kriegsschiffe - und Freibeuter festzuhalten, sowie den Handel zu unterbinden -- und auf - die Aufgaben, die der Landkrieg in Italien für die Seestreitkräfte im - Mittelmeer brachte; aber auch hierin war man nicht überall und nicht - andauernd glücklich. Selbst im kleinen Kriege errang England keine - Vorteile; die Spanier fügten in den westindischen und in den - europäischen Gewässern dem viel bedeutenderen englischen Seehandel mehr - Schaden zu als sie von England überhaupt erleiden konnten. Der Schutz, - den die französische Marine der spanischen zuteil werden ließ, lähmte - allerdings wohl etwas die Tätigkeit der englischen, aber noch mehr - trugen verschiedene andere selbstverschuldete Übelstände dazu bei, daß - England bis zum Jahre 1744, als der förmliche Krieg mit Frankreich - ausbrach, Spanien gegenüber noch nichts erreicht hatte. - -$Der Österreichische Erbfolgekrieg von 1740-1748$ (einschließlich des -=ersten Schlesischen Krieges=). Im November 1740 rückte =Friedrich= II. -in Schlesien ein, bot aber gleichzeitig =Maria Theresia= gegen Abtretung -dieser Provinz die Hilfe seiner Waffen und Geldunterstützung zur -Erhaltung ihres übrigen Erbes sowie auch seine Stimme für die Kaiserwahl -ihres Gemahls =Franz Stephan= an. Die hochherzige Frau wies das -Anerbieten schroff zurück. Da in Schlesien nur wenige Truppen standen und -die Festungen verwahrlost waren, bekam Friedrich die Provinz in kurzer -Zeit bis auf =Neiße= in seine Hand und schlug auch den Feldmarschall -=Neipperg=, der von Böhmen heranrückte, wieder aus dem Lande (=Schlacht -bei Mollwitz=, 17. April 1741). - -Den ersten Angriff auf Österreich hätte man wohl von =Karl Albert von -Bayern=, dem Haupterbprätendenten, erwarten müssen, doch fand dieser -nicht sofort die erwünschte Unterstützung durch Frankreich. Der Kardinal -=Fleury= hätte zwar gern in Deutschland drei bis vier größere Staaten -gesehen, unter sich uneinig und keine der französischen Macht gewachsen, -dennoch zögerte er lange, einzugreifen. Nach den Erfolgen Preußens kam -jedoch der =Vertrag von Nymphenburg= (Mai 1741) zwischen Frankreich, -Spanien und Bayern zustande, in dem Frankreich versprach, für Bayern ein -Heer zu stellen, Hilfsgelder zu zahlen und die Wahl des Kurfürsten zum -Kaiser zu unterstützen; diesem Vertrage schlossen sich im August Preußen -und Sachsen an. =Friedrich= II. sicherte sich dadurch französische Hilfe -gegen Hannover. =Georg= II. =von England= hatte hier Truppen -zusammengezogen, sah aber jetzt von einem Eingreifen ab und versuchte -zwischen Österreich und Preußen zu vermitteln. =Friedrich= II. war den -Sommer 1741 in Schlesien stehen geblieben, mit Vermehrung und -Verbesserung seiner Reiterei beschäftigt, und hielt so die vorläufig -einzige österreichische Feldarmee in Schach. Erst als =Neipperg= aufs -neue vorrückte, brach auch er wieder auf (September); es kam aber nicht -zum Schlagen, sondern man schloß eine geheime Konvention -(=Klein-Schellendorf=, 9. Oktober) ab, nach der Preußen die eroberte -Provinz bis zur Neiße behielt. =Maria Theresia= gab nach, um Neippergs -Heer gegen ihre anderen Gegner frei zu bekommen. - -Bayern und Franzosen waren nämlich im Sommer 1741 in Österreich bis nahe -vor Wien eingedrungen. Dann zog der größere Teil ihres Heeres nach Böhmen -und auch die Sachsen rückten dort ein; gemeinsam wurde Prag erobert und -=Karl Albert= hier zum König gekrönt (Dezember 1741). Bald darauf wurde -Karl Albert zum Deutschen Kaiser erwählt und in Frankfurt gekrönt (12. -Februar 1742). =Maria Theresia= hatte aber Zeit zum Rüsten gewonnen und -vor allem Ungarn durch Zusicherung größerer Selbstständigkeit zu -außerordentlichen Leistungen bewogen. Der ungarische Heerbann, durch -reguläre Truppen unterstützt, eroberte unter =Khevenhüller= -Oberösterreich zurück und drang in Bayern ein (12. Februar 1742 in -München). Ein zweites Heer unter =Karl von Lothringen= hatte weniger -Erfolg. Zur Deckung Prags war es zu spät gekommen und =Friedrich= II. -hatte wieder die Waffen ergriffen, weil Österreich die Konvention nicht -geheim gehalten hatte. - -Der König drang im Frühjahr 1742 durch Mähren bis nahe vor Wien vor. Zwar -mußte er, von den Sachsen schlecht unterstützt, wieder nach Böhmen -zurückgehen, als =Karl von Lothringen=, durch Truppen Khevenhüllers -verstärkt, heranrückte, aber dann schlug er seinen Gegner, der sich -zwischen ihn und Prag schieben wollte, bei =Czaslau und Chotusitz= (17. -Mai 1742). Diesen Erfolg benützte =Friedrich= II. unter nachdrücklicher -Vermittlung Englands sofort, um sich durch raschen =Friedensschluß= -(=Breslau=, 11. Juni 1742) Schlesien zu sichern. Von Preußen nicht mehr -bedroht, erzwangen die Österreicher den Abzug ihrer Gegner aus Böhmen, -die Prag im Dezember 1742 räumten. Sie eroberten dann auch Bayern zurück -(Frühjahr 1743), wo die Verbündeten wieder vorgedrungen waren; die -Franzosen zogen ab, die bayerischen Truppen wurden in neutrale Quartiere -verwiesen. - -Um diese Zeit gingen nach =Walpoles= Rücktritt auch England und Holland -tatkräftig für Österreich vor. =Georg= II. zog (April 1743) in Belgien -englische, holländische, österreichische und hessische Truppen zusammen, -die sogenannte »Pragmatische Armee«, führte sie rheinaufwärts, trieb -durch den Sieg bei =Dettingen= (27. Juni 1743) ein neu eingedrungenes -französisches Heer (=Herzog von Noailles=) über den Rhein zurück und nahm -Worms ein; später ging die pragmatische Armee nach den Niederlanden. Der -»Wanderkaiser« =Karl= VII. saß verlassen in Frankfurt. - -=In Italien= behauptete die österreichische Sache das Gleichgewicht. Im -Anfang des Jahres 1742 waren die Spanier in =Genua= und =Toskana= -gelandet, unbehindert durch englische Seestreitkräfte, da eine -französische Flotte die spanische begleitete. Zu ihrer Unterstützung -kamen Truppen des Königreichs Beider Sizilien heran, aber England erzwang -deren Rückberufung durch eine Flottendemonstration vor =Neapel= (August -1742). Schon im Februar 1742 hatte sich Sardinien für Österreich erklärt; -König =Karl Emanuel=, der anfangs zu Frankreich-Spanien neigte, ließ sich -von England durch Hilfsgelder und das Versprechen, im Mittelmeer eine -starke Flotte zu halten, sowie von Österreich durch Zusicherung von -Gebietsteilen im Mailändischen gewinnen. Nun besetzten zwar überlegene -französisch-spanische Streitkräfte im Winter 1742/43 Savoyen, vermochten -aber weder in Norditalien, noch in Toskana weiter vorzudringen. - - =Die englische Flotte= hinderte ferner Landungen der Spanier in Genua - und blockierte die spanische Flotte vom Mai 1742 bis zum Mai 1744 in - Toulon. Kardinal =Fleury= konnte hieraus, sowie aus dem Verhalten - Sardiniens und Neapels den Lohn für seine Vernachlässigung der Marine - entnehmen. - -$Neue Bündnisse.$ Die Erfolge des Jahres 1743 führten Österreich, England -und Sardinien zu engerem Zusammenschluß. Im =Traktat zu Worms= (13. -September 1743 im Hauptquartier Georgs II.) erkannte Sardinien die -pragmatische Sanktion an und erhielt dafür einen Teil der Lombardei; -England verpflichtete sich zur Stellung einer starken Flotte und zur -Zahlung von 200000 Pfund Sterling; gegenseitig garantierten sich die -Staaten ihren Besitz von 1739, also »=vor= dem Frieden von Breslau«. -Ferner schlossen Österreich und Sachsen (Dezember 1743), sowie Sachsen -und Rußland (Februar 1744) ein Defensivbündnis. Auch die Gegner blieben -nicht untätig. Frankreich erneuerte nach Fleurys Tode seinen Vertrag mit -Spanien: Mailand und Parma sollten als eine weitere Sekundogenitur, wie -es Neapel schon war, an Spanien fallen; Gibraltar und Port Mahon wollte -man zurückerobern und sonstigen englischen Übergriffen (in Westindien -und Florida) steuern. =Frankreich= begünstigte außerdem die -Vorbereitungen des letzten Stuart Karl Eduard für eine Erhebung in -Schottland und =erklärte jetzt den Krieg= an England (März 1744, nach der -Seeschlacht vor Toulon) und an Österreich (April). Auch =Friedrich= II. -rüstete zu neuem Waffengange; durch den Wormser Traktat sah er sich im -Besitze Schlesiens bedroht, der Vertrag Österreichs mit Sachsen richtete -seine Spitze offenbar gegen ihn und eine Spannung mit Georg II. über den -Besitz Ostfrieslands trat hinzu. Sein Versuch, die deutschen Fürsten -unter preußisch-bayerischer Führung zu einigen, um die fremden Mächte von -Deutschland auszuschließen, war fehlgeschlagen, nun schloß er (=Paris= 5. -Juni 1744) ein neues Bündnis mit Frankreich »zum Schutze Kaiser Karls -VII.«; ein ähnlicher Vertrag mit Bayern und Kurpfalz war vorhergegangen -(=Frankfurter Union=, 22. Mai). - -$Der Krieg von 1744-1746$ (=einschließlich des Zweiten Schlesischen -Krieges=). Frankreich führte im Jahre 1744 den Krieg nur lau. In Belgien -wurden unter Ludwigs XV. persönlicher Führung einige Städte genommen; ein -zweites Heer am Oberrhein wagte jedoch nicht, diesen Fluß zu -überschreiten, sondern zog die Bayern zu sich herüber. Dagegen gingen die -Österreicher (=Karl von Lothringen=) über den Rhein und drangen im Elsaß -vor. Ludwig kam zwar mit der Hälfte des flandernschen Heeres heran, aber -seine Erkrankung lähmte die Unternehmungen. Jetzt eröffnete =Friedrich= -II. den Feldzug. Er rückte durch Sachsen und aus Schlesien in Böhmen ein. -Die Österreicher wurden dadurch gezwungen, über den Rhein zurückzugehen -und auch Bayern zu räumen, aber nur langsam folgten die Franzosen und die -Bayern nach. Unbehindert konnte Karl von Lothringen sein Heer nach Böhmen -führen und Friedrich wurde unter großen Verlusten nach Schlesien -zurückgedrängt (Dezember 1744). In Süddeutschland kam es im Winter -1744/45 noch zu einigen Kämpfen. Als aber Kaiser Karl gestorben war -(Januar 1745), stimmte sein Sohn der pragmatischen Sanktion sowie der -Kaiserwahl Franz Stephans zu und schloß Frieden mit Österreich (April); -auch die Franzosen räumten Deutschland (Juli) und verlegten den -Hauptkriegsschauplatz nach Belgien. - - Vielleicht wäre es für Frankreich richtiger gewesen, Österreich in - seinem entfernt liegenden und schwer zu verteidigenden Besitze, - Belgien, hauptsächlich anzugreifen. Mit dem Vordringen über den Rhein - und durch Deutschland hin reichte man aber Preußen die Hand, dessen - militärische Macht sich zum ersten Male zeigte. In Belgien dagegen - hätte der französische Angriff auch die Seemächte empfindlich - getroffen, die stets auf das Eindringen der Franzosen eifersüchtig - waren. So ist es wohl unterlassen, um den förmlichen Krieg mit diesen - noch zu vermeiden. Als es aber später geschah, hat es sicher dazu - beigetragen, die Tätigkeit der englischen Marine, in den fernen - Gewässern besonders, zu lähmen; man wandte in England nun dem - Landkriege mehr Aufmerksamkeit zu, als richtig war. - -$Friedrich II.$ stand 1745 allein da; Österreich und Sachsen schlossen im -März einen neuen Vertrag zu einem Einfall in Schlesien. Jetzt bewies der -König seine Größe und vereitelte durch die Siege über Erzherzog Karl bei -=Hohenfriedberg= (4. Juni 1745) und =Soor= (30. September) den Einfall. -Als dann die Gegner wieder in Schlesien einbrechen und gleichzeitig mit -der sächsischen Hauptmacht, verstärkt durch die am Rhein freigewordenen -österreichischen Truppen, von Dresden her die Mark angreifen wollten, -schlug er Karl von Lothringen aufs neue bei =Katholisch-Hennersdorf=, -23./24. November, und marschierte auf Dresden; Lothringen folgte. -=Leopold von Dessau=, der das andere feindliche Heer zu beobachten hatte, -griff dieses inzwischen auf ausdrücklichen Befehl des Königs trotz seiner -schwächeren Kräfte an und schlug es vernichtend bei =Kesselsdorf= (15. -Dezember), als der König bei Meißen und Karl bei Dresden angekommen -waren. Dieser ging dann mit den Trümmern des geschlagenen Heeres nach -Böhmen zurück; Friedrich zog in Dresden ein. Er zwang hierdurch Sachsen -zum Nachgeben und auch Österreich war nicht geneigt, den Krieg allein -fortzuführen. Am 25. Dezember 1745 wurde =der Friede von Dresden= -geschlossen; der König behielt Schlesien und erkannte dafür Franz Stephan -an, der schon am 13. September als =Franz= I. zum Kaiser gewählt und am -4. Oktober gekrönt war. =Der Krieg in Deutschland war zu Ende.= - -Auch anderwärts stand die österreichische Sache ungünstig. Im Frühjahr -1745 waren die Franzosen mit starker Macht in =Belgien= aufgetreten. Sie -nahmen wichtige Städte ein und der Marschall =Moritz von Sachsen= siegte -bei Fontenay (11. April) über den Herzog von Cumberland; am 21. Februar -besetzten die Franzosen Brüssel und bedrohten Holland selbst. - - Im Mittelmeer fand am 22. Februar 1744 die =Seeschlacht vor Toulon= - statt, als die französische Flotte die spanische von genanntem Hafen - nach der italienischen oder spanischen Küste geleiten wollte. Sie blieb - unentschieden. - -=In Norditalien= eroberte ein französisch-spanisch-neapolitanisches Heer -1745 Piemont und fast die ganze Lombardei. Erst als nach dem -Frieden von Dresden Österreichs Truppen in Deutschland frei -wurden, konnte es in Italien das Gleichgewicht wieder herstellen. Das -österreichisch-sardinische Heer vertrieb 1746 die Franzosen, die Spanier -gingen von Genua aus in die Heimat zurück; die Sieger besetzten diese -Stadt und drangen sogar in die Provence ein, in beidem von der englischen -Flotte unterstützt. Ein von Frankreich begünstigter Aufstand in Genua -rief sie dann aber zurück, und eine neue Belagerung dieser Stadt mußte -aufgegeben werden, als die Franzosen wieder über Nizza (1747) vordrangen. - -$Die Erhebung Schottlands.$ Der Niedergang der österreichischen Sache in -Belgien hing mit der Gefahr zusammen, die dem Hause Hannover in England -durch eine Erhebung der Schotten zugunsten der Stuarts drohte. =Jakob= -III. lebte nach seinem letzten Ringen um die Krone Großbritanniens (1708; -vgl. Band I, Seite 522) in Rom. Von hier ging 1743 sein Sohn =Karl -Eduard= (gewöhnlich »der junge Prätendent« genannt) nach Paris, um mit -Frankreichs Hilfe einen neuen Versuch zu wagen; der Kampf Englands mit -den Bourbons, die geringe Beliebtheit des Hauses Hannover in England, -die Anhänglichkeit der Schotten an die Stuarts, sowie ihre Abneigung -gegen eine Verbindung mit England ließen die Gelegenheit günstig -erscheinen. Frankreich war dem Unternehmen geneigt, das England vom -Festlandskriege abziehen mußte und wollte 1744 14 000 Mann nach -Schottland übersetzen, aber diese Expedition -- das einzige -Angriffsunternehmen Frankreichs zur See in diesem Kriege -- scheiterte -infolge verzögerter Ausrüstung, ungünstiger Wetterverhältnisse und der -Übermacht der englischen Seestreitkräfte. - -Erst im Juli 1745 kam Karl Eduard mit nur wenigen Begleitern nach -Schottland. Verschiedene Clans standen für ihn auf. England war völlig -überrascht und hatte nur wenige Truppen zur Verfügung; seine schwachen -Garnisonen räumten Schottland. Der Prinz bemächtigte sich Edinburghs (im -September), rückte in England ein, schlug ein englisches Korps und drang -bis auf acht Tagemärsche an London heran. Das englische Volk zeigte sich -meist gleichgültig, teilweise sogar feindlich gegen die eigene Dynastie, -deren Lage bei dem Mangel an Truppen gefährdet erschien, um so mehr da -eine französische Landung vorbereitet wurde. In London begann der Kredit -zu wanken, die Bank wurde fast gestürmt. Aber jetzt weigerten sich die -Schotten weiterzumarschieren. Karl Eduard mußte nach Schottland zurück -und wurde bei =Culloden= (16. April 1746) vom =Herzog von Cumberland= -vernichtend geschlagen. Dieser war mit Truppen von Belgien -herübergerufen; meist Hessen im Solde Hollands, das nach altem Vertrag -verpflichtet war, England bei drohendem Einfall Truppen zu stellen. Der -letzte Versuch der Stuarts war gescheitert, =Karl Eduard= irrte fünf -Monate umher und floh dann nach Frankreich; aber sein Aufstand war doch -von lähmendem Einfluß auf Englands Kriegführung zur See gewesen. - -$Das Ende des Erbfolgekrieges.$ Die Franzosen machten 1746 immer raschere -Fortschritte in =Belgien=; alle wichtigen Städte, auch Antwerpen -und Namur, fielen in ihre Hände; =Moritz von Sachsen= erfocht bei -=Rocourt= (11. Oktober 1746) einen zweiten glänzenden Sieg über -Cumberland und Karl von Lothringen. 1747 siegten die Franzosen nochmals -bei =Maastricht= (2. Juli) und nahmen Bergen op Zoom (16. September); am -11. Mai 1748 fiel auch Maastricht. Schon vor Einnahme dieser wichtigsten -Festung waren Friedensunterhandlungen im Gange, und als jetzt die -Franzosen mit dem Einbruch in Holland drohten, kam es zum Frieden, -zunächst zwischen Frankreich und England-Holland. - - In dem $See- und Kolonialkriege Englands gegen Frankreich und Spanien - 1744-1748$ behauptete England schließlich das Übergewicht. Wie Spanien - schon bisher, so war auch =Frankreich= infolge der Schwäche seiner - Marine genötigt, sich in der Verteidigung zu halten. Wie schon erwähnt, - hatte es nur einmal, noch vor der Kriegserklärung, einen Offensivstoß - versucht (einen Einfall in England zugunsten Karl Eduards), der aber - nur bei völliger Überraschung des Gegners hätte gelingen können. Später - beschränkte sich Frankreich auf den Schutz seiner Kolonien und auf den - kleinen Krieg gegen den feindlichen Handel. =England= führte den - Seekrieg zunächst nicht energischer als bisher gegen Spanien allein. - Die Tätigkeit seiner Seemacht wurde durch verschiedene Umstände gelähmt - -- Vernachlässigung der Marine während der langen Friedenszeit, Mangel - an frischem Geiste in ihr, vor allem aber durch unrichtige und - schwächliche Verwendung der überlegenen Flotte --, und so blieb - natürlich der Erfolg aus. Es gelang nicht, die feindlichen Häfen zu - sperren und so die Gegner von ihren Kolonien abzuschneiden. - - In Westindien, worauf die Franzosen den Hauptwert legten, und wo auch - die Spanier den größeren Teil ihrer Seestreitkräfte hielten, vermochten - die Engländer nichts auszurichten; in Nordamerika eroberten zwar die - englischen Kolonisten, von der Flotte unterstützt, die wichtige Festung - =Louisbourg= und hielten sie bis zum Friedensschluß, mehr errangen sie - jedoch nicht, da sie keine Unterstützung erhielten; in Ostindien gelang - es sogar den Franzosen, =Madras= (1746) zu nehmen und den englischen - Angriff auf Pondicherry (1748) abzuschlagen und so bei den indischen - Fürsten das Ansehen Frankreichs über das Englands zu heben. Selbst im - kleinen Kriege war England nicht imstande, seine Handelsschiffahrt vor - großen Verlusten durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe der Gegner - zu bewahren, wenn es auch deren Handel gleichfalls großen Schaden - zufügte. - - Erst nach und nach, besonders vom Jahre 1747 an, wurde es besser. Die - englische Marine erstarkte dauernd an Zahl der Schiffe und innerem - Wert, die der Gegner gingen abwärts infolge von Verlusten und von - Vernachlässigung, die französische Seemacht wurde schließlich durch die - Vernichtung von zwei stattlichen Geschwadern in den =Seeschlachten bei - Kap Finisterre= (im Mai und Oktober 1747) völlig lahmgelegt; auch die - Freibeuter ihrer Gegner hatten die Engländer nach und nach größtenteils - weggefangen. Jetzt war England imstande, Frankreich und Spanien von - ihren Kolonien gänzlich abzuschließen, ihren Handel fast völlig zu - vernichten, dagegen den eigenen Seehandel wirksam zu schützen, der - übrigens in seiner Gesamtheit trotz der Verluste mit dem Schwinden des - feindlichen stets zugenommen hatte. - - Diese Umstände trugen wesentlich dazu bei, Frankreich dem Frieden - geneigt zu machen. - -$Der Frieden zu Aachen 1748$ beschloß den für alle Beteiligten ergebnis- -und aussichtslosen Krieg. - -Frankreich hatte zwar Ruhm und Eroberungen in den Niederlanden geerntet, -aber mit jedem Jahre wuchs die Geldverlegenheit der Regierung und die Not -des Volkes, die überwiegend die erwerbenden Klassen traf; das Land war -erschöpft. Frankreich trug die Last des Krieges auch für seine -Verbündeten, die häufige Anwesenheit des Königs bei den Heeren vermehrte -die Kosten noch, während von den gewaltigen Brandschatzungen in -Feindesland nichts in die öffentlichen Kassen floß. Der französische -Seehandel litt schwer und sah sich nach den Unfällen der Marine im -letzten Jahre ebenso wie die Kolonien immer mehr der englischen Seemacht -preisgegeben. Selbst die Behauptung der Eroberungen in den Niederlanden -schien unsicher, da die Seemächte noch während der Friedensverhandlungen -im Verein mit Österreich und Sardinien beträchtliche Streitkräfte in den -Niederlanden und in Italien aufstellten, um unter allen Umständen die -Erhaltung Hollands durchzusetzen. Sogar Rußland ließ, von England und -Österreich gewonnen, ein Heer in englischem Solde nach dem Rhein -marschieren. - -Aber auch die Seemächte waren zum Frieden geneigt. Holland sah sich durch -einen französischen Einfall bedroht, England mußte zugunsten seiner -Handelsübermacht unbedingt Holland halten und durfte aus demselben Grunde -auch die österreichischen Niederlande nicht in französischen Händen -lassen, mußte also Frieden schließen, so lange dies dadurch noch zu -verhindern war. Die Seemächte trugen, wie früher, die Gesamtkosten; in -erster Linie England, dessen Staatsschuld trotz großer Erhöhung der -Steuern schon von 50 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1739 auf 78 -Millionen angewachsen war. Österreich und die kleineren Staaten -vermochten nicht ohne das Geld der Seemächte weiter zu kämpfen, und so -einigten sich zunächst England und Holland im geheimen mit Frankreich -über die Grundlagen des Friedens (30. April 1748); die Bundesgenossen -wollte man, wenn erforderlich, zur Beistimmung zwingen. - -Nach den =Friedensbedingungen= beurteilt, ist wohl nie ein Krieg mit so -vielen Kämpfen und so bedeutenden Verlusten an Geld und Blut so -ergebnislos verlaufen wie dieser. Im wesentlichen wurde der Besitzstand -vor dem Kriege wiederhergestellt und die Eroberungen zurückgegeben. Für -Österreich wurde die pragmatische Sanktion, für das Haus Hannover die -britische Thronfolge und für Preußen der Besitz von Schlesien -gewährleistet. Österreich mußte Parma und Piacenza als eine zweite -Sekundogenitur an Spanien, mailändisches Gebiet an Sardinien abtreten; -seine Niederlande, in denen wie früher die Barrierefestungen von Holland -mitbesetzt werden sollten, erhielt es zurück. Frankreich und England -tauschten Madras und Louisbourg wieder aus und die Abmachungen über die -neutralen Inseln in Westindien (vgl. Seite 9) wurden erneuert. Frankreich -verpflichtete sich aufs neue, Dünkirchen nach der Seeseite nicht zu -befestigen und Glieder der Familie Stuart weder zu unterstützen, noch -auch in seinem Lande zu dulden. - -Dagegen blieb die Grenzfrage zwischen den englischen und französischen -Kolonien in Nordamerika, besonders in Neubraunschweig, sowie über das -Besiedlungsrecht im Ohiotal ungeregelt. Ebenso wurden die -Hauptstreitpunkte zwischen England und Spanien nicht aus der Welt -geschafft: das Recht zur Untersuchung englischer Schiffe durch die -Spanier wurde nicht aufgehoben; die geforderte Entschädigung englischer -Rheder sowie die Abgrenzung zwischen Florida und Georgia sollten auf -diplomatischem Wege geregelt werden und man wußte doch, wie wenig dabei -herauskommen würde. Nur der Assientovertrag wurde auf vier Jahre -erneuert. - - Als =wichtige politische Folge= des Krieges, hervorgerufen durch das - fortgesetzte Mißgeschick im Felde, erscheint die Wahl des Prinzen - =Wilhelm von Nassau=, Statthalters von Friesland und Geldern, zum - =Statthalter= aller sieben Provinzen, zum Generalkapitän und - =Admiralgeneral= seitens der alten Volkspartei, womit die sogenannte - zweite statthalterlose Zeit ihr Ende fand. - -Der Frieden wurde von Frankreich und den Seemächten am 18. Oktober 1748 -unterzeichnet; Österreich trat am 23. Oktober bei und Preußen, Spanien, -Sardinien schlossen sich an. Da Maria Theresia nur gezwungen auf -Schlesien verzichtete und da die wichtigsten Fragen zwischen England und -Frankreich-Spanien unberührt gelassen waren, =trug der Friede den Keim zu -neuem Kriege in sich=. - - - Die Streitmittel[40]. - -$Frankreich.$ Die Quellenangaben über den =Schiffsbestand= um 1740 -schwanken. Man kann ihn zu 45-50 Linienschiffen (von 50 Kanonen und -darüber) und zu 15-20 großen Fregatten (hierunter wohl auch Schiffe mit -40-50 Kanonen verstanden), sowie etwa 50 kleineren Schiffen und -Fahrzeugen annehmen. Hinzu traten im Mittelmeer 60 Galeeren, auf die man -aber kaum noch Wert legte. Unter den Linienschiffen scheinen sich keine -mit über 80 Kanonen (Dreidecker) befunden zu haben; jedenfalls sind -solche im Kriege nicht zur Verwendung gekommen. Die Schiffe waren -großenteils in schlechtem Zustande, die Werften nicht leistungsfähig, die -Arsenale und Magazine leer. - - [40] Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist - schon im Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt; dort sind auch - (Seite 33 ff.) die Marinen auf ihren inneren Wert -- Material und - Personal betreffend -- gegeneinander abgewogen. So genügen hier - die Angaben über den Schiffsbestand zur Zeit des zu besprechenden - Krieges. Diese sind hauptsächlich nach Charnock, Teil III, - zusammengestellt. Charnock gibt für den Anfang des Krieges nur - summarische Mitteilungen, für die Verluste und den Bestand um 1748 - Namen und Kanonenzahl der Schiffe. Ähnliche Zusammenstellungen - über den Verlust von Schiffen wie in Charnock -- englische, - französische, spanische, auch mit den Schiffsnamen -- sind in - »Clowes«, Teil III, Seite 310, zu finden. - -Die Zahl der =Offiziere, Deck- und Unteroffiziere= war zwar in den -letzten Jahrzehnten sehr verringert, reichte jedoch für die Schiffe aus, -die in Dienst gestellt wurden. Ebenso machte sich kein Mangel an -=Mannschaften= fühlbar, da die Inskription wieder geregelt war. Infolge -der seltenen Indienststellungen im Frieden und später im Kriege fehlte -jedoch dem Gesamtpersonal die Übung. - - Eine Unterstützung, besonders auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, - fand die Marine in den großen =Schiffen der Compagnie des Indes=, die - mehr Kanonen (bis zu 60) an Bord nehmen konnten, als sie gewöhnlich - führten (20-30). Man darf sie aber nicht als vollwertige Kriegsschiffe - betrachten; darauf gebaut, viel Ladung und wenig Geschütze an Bord zu - nehmen, vermochten sie im umgekehrten Falle nur wenig Segel zu führen. - Auf größeren Seereisen konnten sie nur 30-38 Kanonen führen und auch - nur Kanonen der Mittelartillerie (8-Pfünder, 12-Pfünder, vereinzelt - 18-Pfünder). Die Offiziere der Kompagnie waren gute Seeleute, aber - keine Seeoffiziere; die Mannschaft war noch weniger militärisch geübt; - die Disziplin ließ bei beiden zu wünschen übrig. - -=Der Verlust an Schiffen= während des Krieges betrug: 22 Linienschiffe, 4 -Schiffe zu 40-46 Kanonen, 13 zu 24-32, 7 zu 20 Kanonen, 9 kleinere -Fahrzeuge; insgesamt 55 Segel. Einige Neubauten traten hinzu, und so war -=der Schiffsbestand um= 1748: 31 Linienschiffe und 8 im Bau. - -$Spanien$ besaß um 1739 kaum 40 =Linienschiffe=. Unter diesen befanden -sich einige sehr gute Neubauten, aber auch manche, die nicht als -vollwertig gelten konnten, da sie für die Überführung der Schätze -Amerikas eigentlich nur gegen Freibeuter armiert waren. Chabaud-Arnault -(siehe Quellenverzeichnis) gibt 50 Linienschiffe an, von denen jedoch nur -etwa die Hälfte brauchbar gewesen sei. Beiden Angaben entspricht der -Umstand, daß nach der Schilderung der kriegerischen Ereignisse 20 bis -höchstens 30 Linienschiffe gleichzeitig tätig waren. Die spanischen -=Seeoffiziere= bewiesen sich tapfer, aber als Seeleute vielfach unfähig; -die =Mannschaften= wurden aus allen Berufsarten gepreßt, schlecht -gekleidet, verpflegt und bezahlt. Die Werften waren wenig leistungsfähig. - -Die =Schiffsverluste= betrugen: 17 Linienschiffe und 5 Fregatten; die -spanische Marine stand mithin beim Schluß des Krieges noch weit schwächer -da als die französische. - -$England.$ Die völlige Vernachlässigung der französischen Marine von 1714 -an wirkte dahin, daß man auch in England den Werften, der Erhaltung und -dem Neubau der Schiffe nicht die bisherige Sorge zuwandte. Aber immerhin -betrug 1739 =der Bestand= in Dienst gestellter oder zu Indienststellung -bereiter Schiffe: 2 zu 100 Kanonen, 3 zu 90, 11 zu 80, 16 zu 70, 44 zu -50-60 Kanonen; also 81 Linienschiffe. Dazu traten 35 Fregatten zu 30-44 -Kanonen und eine Menge kleinerer Fahrzeuge. Im ganzen waren 140 =Schiffe -mit mehr als je= 20 =Kanonen= vorhanden. Die Hilfsmittel des Landes -machten es leicht, die Flotte zu verstärken; schon 1744, beim Ausbruch -des Krieges mit Frankreich, waren 90 Linienschiffe und 84 Fregatten mit -mehr als 20 Kanonen bereit. - -=Der Verlust im Kriege= betrug: 13 Linienschiffe (nur zwei vom Feinde -genommen), 10 Schiffe zu 20-44 Kanonen (2 davon genommen), 24 kleinere (4 -genommen). Aber obgleich auch noch während des Krieges eine große Zahl -von Schiffen als abgenutzt ausgemerzt wurde, war infolge von Neubau und -Einstellung genommener Schiffe =der Schiffsbestand um= 1748 gewachsen -auf: 4 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 18 zu 80, 24 zu 70, 6 zu 64, 33 -zu 60, 36 zu 50 Kanonen; also 131 Linienschiffe. Weiter waren vorhanden: -42 Fregatten zu 44 und 84 zu 20-36 Kanonen und eine Menge kleiner -Fahrzeuge; insgesamt zählte die Marine 313 Segel. - - Die Fregatten mit 30-36 Kanonen waren sämtlich dem Feinde abgenommen - worden; England selber hatte also noch keine »eigentliche Fregatte« - gebaut. =Bemerkenswert= ist ferner das Anwachsen der Zahl der Schiffe - zwischen 20 und 44 Kanonen. Es war dies die Folge einer Denkschrift des - alten Admirals =Sir John Norris= (siehe Band I), die auf den Mangel an - Schiffen zum Schutz des Seehandels hinwies, als dieser große Verluste - durch Freibeuter und Kreuzer erlitt, obgleich Englands »Flotten« die - See beherrschten. - -Hieraus ergibt sich die große =Übermacht Englands= Frankreich und Spanien -gegenüber schon um 1744; Spaniens Marine allein war in dem Kriege -1739-1744 der englischen gegenüber kaum zu rechnen und hatte bis 1777 -schon mehrere Linienschiffe verloren (bei Cartagena, 1771, 6 sowie einige -in Einzelgefechten beim kleinen Kriege in den europäischen Gewässern). -Die französischen Schiffe und auch die neueren spanischen waren zwar -teilweise den englischen der gleichen Klasse an Stärke der Armierung -(Kaliber) überlegen, aber dafür war das englische Personal, wie erwähnt -(Kapitel II), tüchtiger. Augenfällig aber ist das Überwiegen Englands -gegen Ende des Krieges. Die Verbündeten hatten zusammen 38 Linienschiffe -verloren und konnten trotz einiger Neubauten den 131 Schlachtschiffen der -Engländer kaum über 50 entgegenstellen. - - =Troude= (Teil I, Seite 323) beziffert den französischen Verlust auf - nur 18 Linienschiffe; er hat vielleicht die Schiffe der indischen - Kompagnie nicht mitgerechnet, denn Lacour-Gayet, eine neuere Quelle, - gibt wie Charnock 22 an. -- Chabaud-Arnault schreibt, 1747 seien 50 - Linienschiffe vorhanden gewesen, davon neun im Bau. Wenn Frankreich - auch wirklich zehn mehr gehabt hat, als Charnock angibt, so bleibt doch - immer die große Übermacht Englands zu Ende des Krieges bestehen; - übrigens führt auch hier Lacour nur 40 an, einschließlich zehn im Bau. - -$Holland$[41]. Der völlige Verfall der Marine von 1713-1740 ist bereits -erwähnt (Band I, Seite 500). Der =Schiffsbestand= um 1741 betrug 1 Schiff -zu 90 Kanonen (42 Jahre alt), 5 zu 72 (3 davon zwischen 1715 und 1719 -erbaut), 8 zu 64 (davon 2 unbrauchbar, 2 im Bau), 15 zu 52-58, 13 zu 44, -1 zu 36, 6 zu 22, 2 zu 12-16 Kanonen. Weit über die Hälfte gehörten zur -Admiralität Amsterdam. Es hielt schwer, Mannschaften, besonders -Unteroffiziere, zu erhalten; die Schiffe waren schlecht im Stande, die -Offiziere ungeübt und überaltert. Während des Krieges wurden 12 -Linienschiffe und 5 leichte Fregatten gebaut, aber eine wesentliche -Unterstützung konnte die holländische Marine der englischen zu keiner -Zeit bieten. 1744 verlangte England auf Grund des seit langen Jahren -bestehenden Vertrages die Gestellung von 15 Linienschiffen und 5 schweren -Fregatten; doch war dies nur mühsam zu bewirken und auch nicht während -des ganzen Krieges durchzuführen. Der jüngste und tüchtigste Admiral -jener Zeit urteilt, daß die Schiffe von ihrer ungeübten Besatzung -schlecht bedient, daß die Kommandanten und Offiziere, ja selbst der -Flottenchef, ohne jede Erfahrung in Flottenmanövern seien. - - [41] Nach =de Jonge=, Teil IV, Seite 252 ff.; dort findet man die - Fortsetzung der inneren Geschichte der holländischen Marine nach - 1739. - - - Der Verlauf des Seekrieges[42]. - - Der Krieg in Westindien 1739-1744. - -Ende Oktober 1739 erklärte England den Krieg an Spanien. Schon im Sommer -hatte man mit der Mobilmachung begonnen, Mannschaften eingezogen, Schiffe -in Dienst gestellt, die auswärtigen Stationen verstärkt und -Kaperbriefe ausgegeben. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die -spanisch-amerikanischen Kolonien; hier war Spanien am leichtesten zu -verwunden, hier hoffte man auf reiche Beute. Man sendete eine Expedition -nach Westindien und eine nach dem Stillen Ozean; die letzte unter Kapitän -=George Anson= ging jedoch erst im Herbst 1740 ab, dagegen segelte der -Vizeadmiral =Edward Vernon= schon am 24. Juli 1739 =nach Westindien=. - - [42] Besonders benutzte Quellen: Clowes Band III; Lacour I; Mahan - Band I; Chab.-Arnault; Bonfils Band II; über die Angriffe auf - Küstenstädte auch Colomb. -- Die meisten englischen Quellen geben - für diesen Krieg =das Datum= noch nach altem Stil, die - französischen nach dem neuen. Bei unserer Schilderung ist die - letztere Methode gewählt und nach bestem Wissen durchgeführt. Es - sind jedoch Irrtümer, besonders bei weniger wichtigen Ereignissen, - nicht ausgeschlossen, da die englischen Quellen anscheinend ihre - Methode nicht immer genau durchgeführt haben. - - $Vernon$, geboren 1684 und seit 1706 Kapitän, stand in dem Rufe, die - Verhältnisse in Westindien, besonders die Schwächen der Spanier, genau - zu kennen, da er mehrere Jahre ein Schiff dort geführt hatte. Im - Parlament erklärte er wiederholt, er würde imstande sein, Puerto Belo - mit sechs Schiffen zu nehmen. Da er nun sehr populär, anderseits aber - durch Ausfälle gegen die Regierung dieser unbequem war, gab man ihm - jetzt das Kommando, um ihn für einige Zeit loszuwerden. Mit - Überspringung des Kontreadmiralgrades wurde er Vizeadmiral und führte - mehrere Jahre das Oberkommando in Westindien; nach England - zurückgekehrt, wurde er 1745 Admiral und Chef eines Geschwaders im - Kanal. In dieser Stellung protestierte er in schroffer Weise gegen - Verfügungen der Admiralität und veröffentlichte auch gehässige Artikel - über die Leitung der Marine. Obgleich er sonst ein tüchtiger und - eifriger Offizier war, wurde er 1746 von der Liste der Flaggoffiziere - gestrichen. Er starb 1757. - -Ihm unterstanden neun Schiffe, von denen jedoch vier an der spanischen -Küste abgezweigt wurden, um zurückerwarteten spanischen Silberschiffen -aufzulauern. Am 23. Oktober erreichte Vernon Jamaika und übernahm das -Kommando der Station. Auf die Nachricht hin, daß in =Puerto Belo= -- dem -Ausgangshafen der Silberflotte, auf der Landenge von Panama gelegen -- -die Bergwerksausbeute des letzten Jahres bereits von Panama zur -Einschiffung eingetroffen sei, segelte er am 5. November mit sechs -Schiffen -- 2 zu 70 Kanonen; 3 zu 60; 1 zu 50 -- und 200 Soldaten dahin -ab. In der Nacht vom 20. auf 21. November ankerte das Geschwader vor der -Bucht von Puerto Belo und nahm die Stadt am 22. - - $Die Einnahme von Puerto Belo Im November 1739.$ Die Stadt liegt an der - Südostecke einer kleinen Bucht, die westöstlich läuft, gleichmäßig etwa - zwei Seemeilen lang und eine Seemeile breit ist. Die Einfahrt wurde - beherrscht durch ein Fort auf der Nordostecke, die Stadt selber - schützten zwei Forts; die Befestigungen waren ziemlich stark. =Vernon= - beabsichtigte, sein Geschwader in Kiellinie in die Bucht segeln zu - lassen; die ersten drei Schiffe sollten das äußere Fort unter Abgabe - ihrer Breitseiten passieren und sich vor die Befestigungen der Stadt - legen, die anderen drei Schiffe, auf deren erstem sich der Admiral - befand, vor dem äußeren Fort ankern, alle ihre großen Boote, im Schlepp - und mit Soldaten bemannt, zu einer Landung bereit halten. Am 21. - morgens wehte jedoch östlicher Wind und der Plan konnte nicht genau - durchgeführt werden, da die Schiffe in die Bucht aufkreuzen mußten. Um - zwei Uhr nachmittags eröffneten die ersten drei Schiffe das Feuer auf - das Fort an der Einfahrt, das anfangs lebhaft, aber bald schwächer - antwortete. Der Admiral, der noch nicht ganz heran war, rief die Boote - zu sich und gab den Befehl zum Landen. Dann trat das Flaggschiff in den - Kampf ein, die Schützen in den Marsen vertrieben die Gegner aus den - unteren Batterien des Forts, die Gelandeten drangen ein und waren bald - Herren der ganzen Befestigung. Mittlerweile war es dunkel geworden, - ohne daß die drei ersten Schiffe bis zur Stadt hatten gelangen können; - sie waren nach Westen (aus der Bucht hinaus) getrieben und mußten vor - Anker gehen. Auch die Schiffe des Admirals ankerten jetzt; das - Flaggschiff und sein Hintermann wechselten während der Nacht mit den - Stadtforts Schüsse, die jedoch nicht viel Schaden taten. Am 22. morgens - gab =Vernon= Befehl an alle Schiffe, sich in der kommenden Nacht an - Puerto Belo heranzuwarpen[43]. Dieser neue Plan kam jedoch nicht zur - Ausführung, weil sich die Stadt nach längeren Unterhandlungen noch an - diesem Tage ergab. Der englische Verlust betrug nur sieben Tote und - einige Verwundete. (Genaueres über diese Unternehmung vgl. Clowes Seite - 55 und Colomb Seite 322.) - - [43] Warpen: Ein Schiff mit Hilfe von (Warp-) Ankern und Trossen - fortbewegen. - -Die Garnison zog mit vollen militärischen Ehren ab; Schonung der Stadt -und des Privateigentums wurde zugesichert. Im Hafen lagen nur einige -kleine Fahrzeuge, aber die Engländer erbeuteten etwa 10000 Dollar -Staatsgelder, die Vernon sofort an seine Leute verteilte; die -Befestigungen wurden geschleift. Im Dezember ging das Geschwader nach -Jamaika zurück. Der Erfolg erregte großen Jubel in England, und die -Regierung beschloß, möglichst bald noch einige Schiffe, zwei Regimenter -Infanterie, sechs neuaufgestellte Regimenter Seesoldaten nach Westindien -zu senden, sowie auch 3000 Mann von den nordamerikanischen Kolonien -dorthin zu ziehen, um Vernon weitere und größere Unternehmungen zu -ermöglichen. Es verging jedoch das ganze Jahr 1740, bis diese Verstärkung -eintraf. =Vernon= blieb auf die schwachen Kräfte angewiesen, die genau -seiner Forderung im Parlament entsprachen; er kam dadurch fast in eine -üble Lage. - - Im Sommer 1740 versuchte eine Abteilung von wenigen Soldaten, - unterstützt durch kleinere Schiffe der nordamerikanischen Station, von - Südcarolina aus die spanische Stadt $St. Augustine in Florida zu - nehmen$. Es wurden zwar zwei kleine Befestigungen am St. Johnsflusse - besetzt und vor der genannten Stadt auf einer Insel Fuß gefaßt, aber - das Unternehmen mußte doch aus Mangel an Streitkräften aufgegeben - werden. - -$Spanien$ scheint 1739 keine Seestreitkräfte von Bedeutung in Westindien -gehabt zu haben; was dort war, geleitete unter Admiral =Pizarro= die -Silberflotte dieses Jahres wohlbehalten heim. 1740 aber traf man -Vorbereitungen, die Kolonien zu schützen, und rief Frankreich, gemäß dem -bestehenden Vertrage, um Unterstützung an; der Kardinal =Fleury= sah sich -trotz seiner Friedensliebe durch die öffentliche Meinung gezwungen, -diesem Anspruch zu willfahren. Im Juli 1740 verließ ein starkes -spanisches Geschwader (wahrscheinlich 12 Linienschiffe) mit den Galeonen, -die jährlich nach Amerika zum Abholen der Silberschätze segelten, unter -Admiral =de Torres= Cadiz; es lief zunächst Ferrol an, traf im September -in Portoriko ein, besserte dort längere Zeit seine durch Sturm -beschädigten Schiffe aus, landete dann Truppen in Cartagena, ließ hier -sechs Schiffe unter =Don Blas de Leso= und ging endlich nach Havanna. - -$Frankreich$ sandte am 25. August von Toulon den Chef d'Escadre =de la -Rochalart= mit 12 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Westindien ab (im -Oktober in Martinique); ihm folgte am 1. September von Brest der -Vizeadmiral des Atlantik =d'Antin= mit 14 Linienschiffen und 5 Fregatten. -Von dem ersten Geschwader wurden in Gibraltar 4 Schiffe zurückgerufen, -auch das zweite zweigte einige Schiffe zum Kreuzen an der spanischen -Küste ab, von denen jedoch ein Teil bald wieder nachkam; die Vereinigung -beider Geschwader fand im Dezember in St. Domingo statt, wo nun im Januar -1741 =d'Antin= über etwa 22 Linienschiffe verfügte. Die -französisch-spanischen Streitkräfte in den westindischen Gewässern waren -mithin außerordentlich stark, gegen 40 Linienschiffe. - - Die Berichte über die Stärke und Bewegungen der französischen und - spanischen Geschwader lauten unbestimmt. Einige führen ausdrücklich an, - daß =d'Antin= die Spanier von Ferrol aus begleitet habe; dies stimmt - aber nicht mit den Ankunftszeiten in Westindien, doch könnten sie durch - einen Sturm, den auch die Franzosen erwähnen, getrennt sein. -- Aus - anderen Angaben muß man ferner schließen, daß außer =de Torres= noch - ein spanisches Geschwader von Cadiz direkt nach Cartagena gegangen ist - (5-6 Linienschiffe), und wir finden auch später sechs Linienschiffe in - diesem Hafen und 12 in Havanna. - -=Vernon= nahm nach Instandsetzung der Schiffe in Jamaika seine Tätigkeit -wieder auf. Er $beschoß$ im März 1740 aus Mörserbooten $Cartagena$, -allerdings mit nur wenig Erfolg, aber dann auch $Chagres$ (Landenge von -Panama) und diese Stadt ergab sich; eine Beute von über 70000 Pfund -Sterling fiel den Engländern in die Hände, die Befestigungen wurden -geschleift. Im Juni machte er von Jamaika aus vergeblich den Versuch, ein -spanisches Geschwader von 5 Schiffen (das eben erwähnte zweite Geschwader -von Cadiz?) abzufangen, wurde aber durch Mangel an Vorräten aller Art -festgehalten. Diese trafen zwar, von 2 Linienschiffen begleitet, im -September ein, zugleich mit Truppen aus Nordamerika, aber der Admiral -fühlte sich jetzt zu schwach, ohne die zugesagte große Verstärkung etwas -zu unternehmen, nachdem er die Ankunft des spanischen Geschwaders (de -Torres) in Cartagena und die des französischen (Rochalart) in Martinique -erfahren hatte. - -Die große Verstärkung hatte England im August verlassen, wurde aber durch -Sturm zurückgetrieben und dann zurückgehalten, weil sie den nach -Westindien entsandten französischen und spanischen Geschwadern gegenüber -zu schwach an Linienschiffen erschien. Erst Anfang Oktober lief sie unter -Kontreadmiral =Sir Chaloner Ogle= aus. Sie bestand aus 1 Schiff zu 80 -Kanonen, 20 Linienschiffen der dritten Klasse, 4 der vierten Klasse, -einigen Fregatten, Brandern und Mörserbooten; auf Transportern waren 9000 -Soldaten (die erwähnten 8 Regimenter Infanterie und Seesoldaten, sowie -technische Truppen) eingeschifft. Der Chef der Truppen, General =Lord -Cathart=, ein sehr tüchtiger Offizier, starb leider auf der Ausreise zu -Dominica, im Dezember; sein Nachfolger General =Thomas Wentworth= konnte -ihn nicht ersetzen. Am 20. Januar 1741 traf die Flotte in Jamaika ein; -eine derartig starke englische Macht war noch nie in Westindien -aufgetreten, sie hätte sehr viel ausrichten können. Laird Clowes führt -den Ausspruch eines älteren englischen Schriftstellers an: »Vernons Hände -waren nicht gebunden, wie die der Admirale in den europäischen Gewässern. -Wäre er sofort gegen Havanna vorgegangen, so würde er die Stadt vor der -Orkanzeit genommen haben. Seine Instruktionen wiesen stark darauf hin, -und seine Freunde in England rieten sehr dazu. Es wäre besser gewesen, -wenn er strikte Befehle in dieser Hinsicht gehabt hätte.« Von den -Franzosen drohte ihm in der Tat keine Gefahr mehr. Der Verlust Havannas -wäre ein großer Schlag für Spanien gewesen, aber die englischen Führer -wählten einen anderen Platz zum Angriff. - - Auf der Fahrt =Ogles= von Dominica nach Jamaika ereignete sich ein - $Zusammenstoß zwischen Engländern und Franzosen$. Auf der Höhe von Kap - Tiburon (Westende von Haiti) sichtete die englische Flotte am 18. - Januar 1741 vier große Schiffe; =Ogle= sandte sechs Linienschiffe zur - Erkundung ab. Die Fremden heißten ihre Flagge, aber die Engländer - argwöhnten, es seien Spanier, und gingen näher heran. Auf Anruf (um - zehn Uhr abends) in englischer, dann in französischer Sprache erfolgte - keine Antwort; nun griffen die sechs Engländer, weit schwerere Schiffe, - die vier Franzosen an und es wurde mehrere Stunden scharf gefochten. Am - andern Morgen entschuldigten die Engländer das Vorgehen mit dem - Ausbleiben der Antwort auf ihren Anruf; die Franzosen behaupteten aber, - Auskunft erteilt zu haben. -- =Ein ganz ähnlicher Fall= trug sich in - demselben Jahre in der Straße von Gibraltar zu. Vier Engländer stießen - auf drei Schiffe, die auf Anruf antworteten, sie seien Franzosen, die - aus Westindien zurückkämen. Als die Engländer ein Boot absandten, um - sich davon zu überzeugen, wurde das Anbordkommen nicht erlaubt; auch - hier folgte ein scharfes Gefecht von einigen Stunden[44]. - - [44] Näheres über diese beiden Fälle vgl. Clowes, Band III, Seite 64 - und 270; Lacour, I, Seite 132 und 133. - - Man kann über derartige Fälle kaum erstaunt sein. Bei der Haltung - Frankreichs im allgemeinen waren die englischen Offiziere gewiß nicht - geneigt, große Rücksicht auf die französischen Schiffe zu nehmen; die - Franzosen ihrerseits waren sicherlich berechtigt, barsche Anforderungen - zurückzuweisen. - -Die Anwesenheit der großen französischen Flotte in Westindien hatte für -Spanien nur den Nutzen, daß Vernon weder gegen die spanischen Kolonien -noch gegen =de Torres= etwas unternahm, bis die große Unterstützung -eintraf. Die französischen Quellen behaupten, daß =d'Antin= zwar den -Befehl gehabt habe, die nach Westindien segelnden Schiffe und die -Besitzungen der Spanier zu decken, aber nur zu fechten, wenn er selber -angegriffen würde. - -Englische Schriftsteller behaupten, der französische Admiral habe sich -allein durch den Zustand seiner Schiffe zur Untätigkeit gezwungen -gesehen; diese seien schlecht ausgerüstet und durch stürmisches Wetter -auf der Fahrt von Europa sowie später von Martinique nach Haiti sehr -beschädigt gewesen. d'Antin habe außerdem Rückberufungsbefehl erhalten, -als der Österreichische Erbfolgekrieg drohte; =Fleury= hätte den Bruch -mit England vermeiden wollen, das ja noch zwischen den Parteien -schwankte. Diese Auffassung scheint richtig zu sein; auch die -französischen Quellen heben den schlechten Zustand der Schiffe hervor, -auf denen außerdem das gelbe Fieber herrschte, und sprechen mit Bedauern -aus, Fleury habe bald nur noch dem bevorstehenden Landkriege -Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich hätte ja auch der französische -Admiral triftigen Grund gehabt, angriffsweise vorzugehen; hatten doch die -Engländer am Kap Tiburon die Feindseligkeiten eröffnet und auch sonst -französische Schiffe aufgebracht. Tatsächlich segelte =d'Antin= am 7. -Februar 1741 von Haiti nach Frankreich ab und ließ nur 6 Linienschiffe -unter =Comte de Roquefeuil= in Westindien zurück; er sah seine Aufgabe -als gelöst an und war auch wohl von der bevorstehenden Ankunft der großen -englischen Flotte unterrichtet. - -=Admiral Vernon= scheint noch keine bestimmten Pläne gehabt zu haben, als -Ogle zu ihm stieß; er hat wahrscheinlich solche mit dem =Lord Cathart= -beraten wollen. Gegen =Wentworth= faßte er von vornherein ein ungerechtes -Vorurteil, denn dieser war zwar nicht so fähig wie Cathart, aber doch von -bestem Willen beseelt. In einem Kriegsrate wurde beschlossen, zunächst -nach Haiti aufzukreuzen, um die Franzosen zu beobachten. Viele englische -Kritiker sehen hierin einen großen Fehler: »In drei Tagen hätte man von -Jamaika das unter dem Winde liegende Havanna erreichen können!« Hiergegen -erhebt Colomb mit Recht Einwendungen. In Cartagena befanden sich 6, in -Havanna 12 spanische Linienschiffe, bei Haiti 22 französische. Vernon -verfügte über 29 Linienschiffe, war also nicht imstande, die feindlichen -Seestreitkräfte zu beobachten oder gar in Schach zu halten und -gleichzeitig Havanna anzugreifen; von dem schlechten Zustande der -französischen Schiffe sowie von der Absicht d'Antins, abzusegeln, wußte -er nichts. So ging denn die englische Expedition Ende Januar von Jamaika -in See. Am 8. Februar wurde dem Admiral beim Kap Tiburon durch einen -Kreuzer gemeldet, die französische Flotte läge noch bei Aux Cayes -- dies -war ein infolge Nebels entstandener Irrtum --, aber am 12. überzeugte man -sich von der Abfahrt d'Antins. - -Nun ward auf Vernons Vorschlag im Kriegsrat ein $Angriff auf Cartagena$ -beschlossen. (Warum jetzt nicht auf Havanna? Sämtliche englische Quellen -schweigen hierüber, obgleich sie sich bis dahin mit diesem Plane -beschäftigen.) Mit Erlaubnis der französischen Behörden wurde auf Haiti -Wasser und Brennholz genommen und ein Linienschiff nebst kleineren -Fahrzeugen nach Cartagena gesandt, um einen Ankerplatz für die Flotte zu -suchen; diese folgte am 25. Februar, ankerte am 4. März in einer Bucht -westlich von der bedrohten Stadt und begann am 9. die Berennung. Das -Schicksal Cartagenas mußte nach den Erfolgen gegen Puerto Belo im -Vorjahre bei der großen Macht, die jetzt zur Verfügung stand, von -vornherein als besiegelt angesehen werden, aber trotz eines anfänglich -guten Verlaufes wurde das Unternehmen durch Mißhelligkeiten zwischen den -Führern der Land- und Seestreitkräfte, sowie auch infolge von Mißgriffen -beider zu einem verlustreichen Fehlschlag. - - $Der Angriff auf Cartagena, März-April 1741[45].$ =Die Stadt war stark - befestigt= und nur zu nehmen, ja nur wirksam zu beschießen, wenn die - Befestigungen niedergekämpft waren (siehe Plan). Flaches Wasser bis auf - etwa drei Seemeilen, sowie der Mangel an jeglichem Schutz gegen - nördliche und westliche Winde hinderten eine genügende Annäherung - unmittelbar von See aus; da die Boca grande für größere Schiffe zu - flach ist, mußte man durch die Boca chica einlaufen, die aber nur je - einem Schiffe den Durchgang gestattete. Diese Einfahrt wurde beherrscht - durch das Fort S. Luis (82 Kanonen und drei Mörser) nebst den - Außenwerken S. Felipe (acht Kanonen), S. Jago (15 Kanonen) und de - Chamba (vier Kanonen), ferner durch die Faschinenbatterie La Baradera - (15 Kanonen) mit einer kleineren (4 Kanonen) und durch das Fort S. José - (21 Kanonen) auf einer kleinen Insel. Von S. Luis nach S. José war eine - Balkensperre gelegt und hinter dieser vier Linienschiffe (Geschwader - Don Blas de Leso) mit den Breitseiten nach See zu verankert. -- Bei - dem Eingang in den inneren Hafen lagen die starke Befestigung Castillo - Grande (vier Bastionen mit 59 Kanonen) und die Batterie Mancinilla (12 - Kanonen); in dieser Einfahrt befindet sich eine flache Stelle, an deren - beiden Seiten große Schiffe versenkt waren. -- Die Stadt selber, auf - zwei Inseln gelegen und mit Wällen (300 Kanonen) umgeben, wurde gedeckt - durch das etwa 20 m hoch gelegene Fort S. Lazare, das allerdings von - einem unbefestigten Hügel eingesehen werden konnte. -- Die Garnison - zählte 4000 spanische Soldaten nebst einer größeren Zahl von Negern und - Indianern. - - [45] Eingehendere Schilderung vgl. Clowes, Band III, Seite 68, und - Colomb, Seite 338. - - =Die englische Streitmacht= bestand aus 29 Linienschiffen -- 8 zu 80, 5 - zu 70, 14 zu 60, 2 zu 50 Kanonen --, 11 Schiffen zu 20 Kanonen und - kleineren Fahrzeugen, 9 Brandern und Mörserbooten sowie vielen - Transportern; insgesamt 124 Segel mit einer Besatzung von 15000 Mann - und 12000 Soldaten. Auf dem Ankerplatz in der benachbarten Bucht - angelangt, ordnete =Vernon= für die leichteren Fahrzeuge Bewegungen an, - die auf eine Landung schließen ließen, so daß die Spanier Truppen aus - der Stadt dorthin zogen und Schanzen aufwarfen. Bis zum 9. März - unternahmen die Engländer nichts; die Gegner konnten ungestört ihre - Verteidigungsmaßregeln ausführen: die Sperre ziehen, die Linienschiffe - postieren, Schiffe versenken, die Batterien fertig armieren u. dgl. - Frühmorgens am genannten Tage setzte sich die englische Flotte in - Bewegung. Eine Division -- zehn Linienschiffe und sechs kleinere - Fahrzeuge unter =Sir Chaloner Ogle= -- war für den Angriff auf die - Außenforts von S. Luis bestimmt; durch Erkundungen war festgestellt, - daß man vor diesen auf Pistolenschußweite ankern konnte, ohne dem Feuer - des Hauptforts und der Befestigungen der Boca chica ausgesetzt zu sein. - Dieser Division folgte die zweite -- =Vernon= mit zehn Linienschiffen, - zehn kleineren Fahrzeugen und den Transportern voll Soldaten. Der Rest - der Flotte blieb unter Kommodore =Lestock= vorläufig vor Anker, um den - Anschein einer beabsichtigten Landung hier aufrecht zu erhalten. - -[Illustration: A. Fort S. Luis nebst Aussenforts. B. Baradera. C. S. -José. D. Castillo Grande. E. Mancinilla. F. S. Lazare. - -Cartagena.] - - Vier der schwersten Schiffe Ogles ankerten vor den Werken und brachten - diese bald zum Schweigen; Landungsabteilungen besetzten sie. Der - Verlust der Engländer war sehr gering; nur ein Schiff, dem das Ankertau - durchschossen war und das nicht schnell genug einen zweiten Anker - fallen ließ, trieb vor die Einfahrt und litt beträchtlich durch das - Feuer der dortigen Befestigungen. Im Laufe des 9. und 10. März landete - General =Wentworth= mit dem größten Teil der Soldaten, Geschützen und - Belagerungsmaterial auf der Insel Tierra Bomba, dann wurde ein Lager - aufgeschlagen und zwei Batterien -- eine Mörser- und eine Batterie - 24-Pfünder Schiffsgeschütze -- gegen S. Luis gebaut. Schon am 9. abends - begannen die Mörserboote das Fort zu beschießen, am 13. griff auch die - Mörserbatterie ein. Jetzt aber traten die ersten Mißhelligkeiten - zwischen den beiden Führern auf; Vernon beklagte sich über zu langsames - Fortschreiten der Unternehmung am Lande, der General über mangelhafte - Unterstützung durch die Flotte. Am Lande brachen bald nach der - Ausschiffung infolge ungünstiger Bodenverhältnisse und schlechter - Verpflegung Krankheiten aus, wodurch die Tätigkeit der Gelandeten - gelähmt wurde. Die Flotte war reichlich mit Wasser und frischem Fleisch - versehen, auch versorgte sie sich mit Schildkröten, vernachlässigte - aber die Truppen. =Vernon= ließ am 19. durch eine Landungsabteilung die - Batterie Baradera im Rücken angreifen und erstürmen, weil sie das Lager - unter Feuer nehmen konnte, die Kanonenbatterie gegen S. Luis wurde aber - trotzdem und obgleich der Admiral 500 Seeleute zur Mitarbeit stellte, - erst am 21. fertig. Vernons Ungeduld war berechtigt, denn die - stürmische Jahreszeit rückte heran, der Ankerplatz war völlig - ungeschützt, der Grund felsig, so daß die Ankertaue häufig - durchgescheuert wurden; auch war die Nachricht eingelaufen, =de Torres= - beabsichtige mit dem Havannageschwader, verstärkt durch das - französische (Comte de Roquefeuil), zum Entsatz heranzukommen. Er ließ - daher, nachdem die Landbatterien am 21. und 22. einen heftigen Kampf - mit S. Luis geführt hatten, am 23. sechs Linienschiffe -- mehr konnten - nicht zur Verwendung kommen -- das Feuer gegen S. Luis, S. José und - gegen die Schiffe hinter der Sperre aufnehmen. Drei von diesen litten - schwer und auch die übrigen wurden am 24. zurückgezogen. - - Aber am Lande war Bresche gelegt und S. Luis wurde am 25. leicht - gestürmt. Vernon hatte zur Ablenkung des Feindes eine Abteilung bei - Baradera landen lassen; als ihr Führer sah, daß die Spanier nach dem - Fall des Forts den Eindruck von Ratlosigkeit machten und sich - anschickten, die Schiffe hinter der Sperre zu versenken oder zu - verbrennen, ging er auf eigene Faust mit den Booten weiter, stürmte - ohne Schwierigkeit S. José, sprengte die Sperre und nahm eins der - Schiffe; den Spaniern gelang es, die andern zu vernichten. Vom 26. bis - 30. März lief dann die ganze englische Flotte in den sichern äußern - Hafen ein. Der Feind versenkte seine beiden letzten Linienschiffe im - Eingang zum inneren Hafen, sprengte Fort Mancinilla auf und räumte auch - Castillo Grande, das am 31. von den Engländern besetzt wurde. - - So lagen zwischen dem Angreifer und der Stadt nur noch die versenkten - Schiffe und das Fort S. Lazare; völliger Erfolg schien gesichert, wenn - man sofort kräftig weiter nachstieß. Aber es kam anders. Die gelandeten - Truppen hatten durch Krankheit sehr gelitten; schon am 25. März zählte - man 500 Tote und 1500 Kranke. =Wentworth= stand von jetzt an, gereizt - durch die Vernachlässigung und durch das abstoßende und herrische Wesen - Vernons, dem Admiral mürrisch und ablehnend gegenüber; dieser aber ließ - im weiteren Verlauf der Unternehmung gleichfalls seinen bisherigen, oft - wagehalsigen Schneid vermissen. - - So mangelte überall die Tatkraft und die Zeit ging verloren. Am 1. und - 2. April eröffneten zwar die Mörserboote vom inneren Hafen aus sowie - die Geschütze des Castillo Grande das Feuer auf die Stadt, und am 3. - gingen auch größere Schiffe durch die Enge, um eine Landung decken zu - können, aber erst am 5. und 6. wurde diese durch 5000 Mann der von - Tierra Bomba wieder eingeschifften Truppen ausgeführt, wahrscheinlich - innerhalb des Forts Mancinilla. Die Gelandeten lagerten auf einer Ebene - etwa eine Seemeile von S. Lazare entfernt. Die Landoffiziere hielten - den Bau einer Batterie für notwendig, und der General bat, die - Beschießung auch mit den Mörserbooten und einem Linienschiffe - aufzunehmen. Der Admiral erklärte, bei der geringen Wassertiefe sei es - nicht möglich, Schiffe nahe genug zur wirksamen Beschießung - heranzubringen (was nach den jetzigen Karten nicht zutrifft), man könne - das schwache Werk überhaupt mit Sturm nehmen. - - Es scheint, als ob Vernon der Ansicht war, die Truppen müßten jetzt - alles tun, während die Landoffiziere wohl mit Recht auf einen raschen - Erfolg nur bei Unterstützung durch die Flotte rechneten. Man verlor - drei Tage, in denen die Krankheiten unter den Soldaten, die ohne Zelte - und Gepäck sowie wiederum auf ungesundem Boden und fast ohne Wasser - lagerten, reißend zunahmen, während die Spanier Zeit gewannen, sich von - ihrer Bestürzung zu erholen und ihre Verteidigungsmittel zu verstärken; - an die Ausnutzung des Hügels, der das Fort überhöhte, scheint man - englischerseits nicht gedacht zu haben. Gereizt durch höhnische - Vorwürfe des Admirals, ließ =Wentworth= endlich, gegen die Ansicht der - meisten seiner Offiziere, am 9. April vor Tagesanbruch stürmen. Der - Angriff wurde trotz großer Tapferkeit mit einem Verluste von 179 Toten, - 459 Verwundeten und 16 Gefangenen zurückgeschlagen; es war ein - ungeeigneter Punkt zum Angriff gewählt, die Offiziere waren ungenügend - instruiert, die Sturmleitern erwiesen sich als zu kurz. - - Nach diesem Mißerfolg ging alle Tatkraft verloren. Erneuten Bitten der - Landoffiziere um Unterstützung durch die Schiffe gegenüber verhielt - sich =Vernon= taub und stumm. In einem stürmisch verlaufenden - Kriegsrat beider Waffen am 14. April wurde dann die sofortige - Einschiffung der Truppen beschlossen, von denen nur noch 3500 Mann - dienstfähig waren; sie erfolgte am 15. und 16. Am 16. ließ Vernon noch - durch das spanische Schiff, das in der Boca chica genommen und zu einer - schwimmenden Batterie hergerichtet war, die Stadt beschießen; es wurde - jedoch derartig beschädigt, daß es beim Zurückgehen sank. Vielleicht - sah sich der Admiral hierzu veranlaßt, um dem General die Unmöglichkeit - eines wirksamen Eingreifens mit den Schiffen zu beweisen. Nach der - Desarmierung und Zerstörung der genommenen Werke wurden die Truppen - eingeschifft und die Flotte segelte ab. - -Nur sechs spanische Linienschiffe und einige Werke hatte man zerstört, -während bei richtiger Verwendung der vereinten starken Streitkräfte -Cartagena hätte genommen werden müssen -- nach dem übereinstimmenden -Urteil der besten englischen Quellen; diese heben ferner hervor, es sei -nicht zu verstehen -- und auch scheinbar jetzt nicht mehr aufzuklären --, -weshalb man zunächst die Landung nur gegen einen Teil der Befestigung -gerichtet habe und dann nach den Erfolgen nicht tatkräftiger vorgegangen -sei, und weshalb die Flotte nicht größere Anstrengungen gemacht habe. -Vielleicht ist Vernon durch die Anwesenheit des spanischen und -französischen Geschwaders in Westindien bestimmt worden, seine Schiffe -nicht zu sehr einzusetzen. - -Am 19. Mai 1741 traf die Flotte wieder in Jamaika ein. Hier wurden 11 -Linienschiffe, darunter 7 zu 80 Kanonen, mit einem großen Konvoi von -Kauffahrern nach England zurückgesandt. =Vernon= behielt mithin 18 -Linienschiffe, und =Wentworth= hatte an Truppen nur noch 3000 Mann nebst -1000 in Jamaika ausgehobenen Negern. Trotzdem wurde der Beschluß zu einem -$Angriff auf Santiago de Cuba$ gefaßt. Der Gouverneur von Jamaika hatte -eine Expedition über den Isthmus von Panama vorgeschlagen, die englische -Regierung hätte den Angriff auf Havanna am liebsten gesehen, jedoch -sowohl die Seeoffiziere wie auch Wentworth hielten Santiago für den -geeignetsten Angriffspunkt, wohl weil dessen Landbefestigungen nur -schwach waren. - - Absicht der Regierung war es sicher, Kuba zu erobern und festzuhalten. - Man hatte schon Kolonisten Nordamerikas zur Übersiedlung dorthin - aufgefordert, und auch der Umstand spricht dafür, daß Vernon der Bucht, - in der er landete, ihren alten Namen »Cumberland harbour« wiedergab. Um - so auffallender ist es, daß die Führer ihren Stoß nicht auf Havanna - richteten; diese Stadt war damals noch mehr als jetzt das Herz der - Insel, Santiagos kommerzielle und strategische Bedeutung dagegen noch - gering. Bei dem nur verfügbaren schwachen Landungskorps scheint man - Havanna, wo auch 12 spanische Schiffe lagen, für zu stark gehalten zu - haben; man wollte wohl zunächst nur auf Kuba festen Fuß fassen und - Truppenverstärkungen abwarten, deren Ankunft in Aussicht stand. - -=Admiral Vernon= ließ 6 Linienschiffe zum Schutz Jamaikas zurück; mit 11 -sowie 12 kleineren Fahrzeugen und 40 Transportern, die 3400 Soldaten -führten, segelte er am 30. Juni nach Kuba; 3 noch mit Ausbesserungen -beschäftigte Linienschiffe sollten nachkommen. Am 13. Juli ankerte die -Flotte in der geräumigen und sicheren Bucht von Guantanamo, etwa 40 -Seemeilen östlich von Santiago; von hier aus sollte zu Lande gegen diese -Stadt vorgegangen werden, da ein Angriff von See aussichtslos erschien. - - =Die Einfahrt von Santiago de Cuba= war eng, befestigt und durch eine - Floßsperre geschlossen. Vor allem aber traten an einzelnen Stellen - häufig Wirbelwinde auf, so daß man wahrscheinlich genötigt gewesen - wäre, ein Schiff nach dem andern unter dem Feuer der (allerdings nicht - sehr starken) Befestigungen durch die Einfahrt hindurchzuwarpen. - -Dann wurden 6 Linienschiffe in eine Verteidigungsstellung am Eingang der -Bucht zum Schutz der Transporter gelegt, 5 abgezweigt, um Santiago zu -blockieren, und einige kleine Fahrzeuge zur Beobachtung des spanischen -Havanna-Geschwaders entsandt. Man hat diesen 12 spanischen Schiffen -gegenüber das ganze Unternehmen, insbesondere die Teilung der englischen -Streitkräfte, als gewagt bezeichnet, jedoch war die Gefahr, der sich -=Vernon= aussetzte, nicht bedeutend. Beabsichtigte =de Torres= während -der Abwesenheit Vernons Jamaika anzugreifen, so konnte dieser leicht -dorthin zurückkehren, weil Santiago über dem Winde von Jamaika liegt. Kam -die spanische Flotte heran, um der Kubaexpedition entgegenzutreten, so -waren bei gleicher numerischer Stärke die Engländer wohl sicher den -Spaniern überlegen; überrascht konnten sie nicht werden, weil die Gegner -gegen den Wind aufkreuzen mußten und die englischen Schiffe hier auch -nicht, wie z. B. im Hafen vor Cartagena, unbedingt an die Belagerung -gefesselt waren. Eine Vereinigung der Spanier mit den Franzosen von Haiti -her konnte gleichfalls verhindert werden. - -Der Angriff auf Santiago hatte aber noch weniger Erfolg als der auf -Cartagena. Die Landung ging zwar ohne jede Störung vor sich, auch zeigten -sich keine nennenswerten spanischen Truppen zwischen dem Landungsplatze -und der Stadt, aber dennoch drang man kaum halbwegs bis zu dieser vor. -Obgleich der Admiral Unterstützung durch die Flotte zusagte, erklärte es -der General in Übereinstimmung mit seinen Offizieren für unmöglich, -weiter vorzugehen: das Gelände sei zu dicht bewaldet; die Wege seien für -den Transport der Geschütze zu schlecht; die Leute litten zu sehr unter -Krankheiten. =Vernon= erkundete nochmals persönlich Santiago; er sah aber -die Unmöglichkeit ein, allein von See her etwas zu erreichen, und fand -auch keine geeignete Landungsstelle in der Nähe der Stadt. So mußte er -auch seinerseits das Unternehmen aufgeben. Ende November wurden die -Truppen wieder eingeschifft und die Flotte segelte nach Jamaika zurück; -an Krankheiten hatte die Expedition mehr Leute verloren, als -wahrscheinlich ein rasches, tatkräftiges und darum erfolgreiches Vorgehen -gekostet haben würde. - - Inwieweit bei diesem Mißerfolge das schlechte Verhältnis zwischen den - beiden Führern von Einfluß gewesen ist, läßt sich nicht ersehen. - =Vernon= hatte schon nach Cartagena um seine Ablösung gebeten und - wiederholte die Bitte jetzt unter lebhafter Beschuldigung =Wentworths=, - der »wechselnder als der Mond sei«. Trotzdem ließ man beide im - Kommando, tadelte sie nur in milder Weise und ermahnte sie zu besserem - Einvernehmen. - -$Angriffe der Engländer 1742 und 1743.$ Auch in den beiden nächsten -Jahren wurden noch einige ebenso erfolglose Angriffe auf Küstenstädte -angesetzt; wir können uns darüber kurz fassen, weil sie kaum -erwähnenswert sind[46]. Im Januar 1742 gebot =Wentworth= durch Nachschub -aus England wieder über etwa 3000 Mann; man plante jetzt eine Landung bei -=Puerto Belo=, um von dort nach =Panama= vorzudringen. Die Uneinigkeit -zwischen dem General und =Vernon= verzögerte die Ausführung, erst am 28. -März traf die Expedition in Puerto Belo ein; die Stadt wurde zwar leicht -besetzt, dann aber gab man das Unternehmen auf, weil die Landoffiziere es -für unausführbar erklärten. Auch ein ehemaliger Filibustierführer, der -als gut unterrichtet in den Verhältnissen mitgenommen war und der einige -Hundert Mosquito-Indianer (vom jetzigen Britisch-Honduras, den Engländern -wohlgesinnt) anwerben sollte, riet nach näherer Erkundung ab. - - [46] Eingehendere Schilderungen vgl. Clowes, Band III, Seite 78 und 85; - Colomb, Seite 346 und 351. - -Nach diesem Fehlschlage wurden endlich =Vernon= und =Wentworth -abberufen=, Vernon mit einem Teil der Truppen. Den Befehl auf der Station -übernahm =Admiral Ogle=, dem auch die zurückgebliebenen Soldaten -unterstellt wurden. Die einzigen Erfolge dieses Jahres waren die -Inbesitznahme und Besiedlung der Insel =Roatan= in der Honduras-Bucht und -die Abwehr eines Landungsversuchs der Spanier von Florida aus in -=Georgia=. Im Februar 1743 sandte Ogle den Kapitän =Knowles=, der sich -unter Vernon ausgezeichnet hatte und von diesem öfters mit wichtigen -Aufträgen betraut war, mit 5 größeren Schiffen (50-70 Kanonen) und 5 -kleineren gegen =La Guayra=. Die Vorbereitungen hatten jedoch lange -gedauert, so daß die Spanier Zeit gewannen, ihre vernachlässigten -Befestigungen zu verstärken. Der hohe Seegang unter der Küste hinderte -sowohl ein nahes Herangehen der Schiffe wie auch eine Landung. Eine -Beschießung am 18. Februar mußte abgebrochen werden; die Stadt und ihre -Verteidiger hatten zwar sehr gelitten, aber auch die angreifenden Schiffe -waren schwer beschädigt und büßten gegen 400 Tote und Verwundete ein. - -Nachdem =Knowles= seine Schiffe in Curaçao ausgebessert hatte, wandte er -sich gegen =Puerto Cabello=, das jedoch noch besser auf seinen Empfang -vorbereitet war. Die Hafeneinfahrt war gesperrt und wurde durch ein -starkes Fort beherrscht, zu dessen Unterstützung man noch zwei -Behelfsbatterien erbaut hatte. Die Besatzung zählte 300 Soldaten, 1200 -Seeleute von den im Hafen liegenden Schiffen sowie zahlreiche Neger und -Indianer, insgesamt gegen 5500 Mann. Knowles erachtete die -Behelfsbatterien für ungünstig angelegt und leicht zu nehmen, aber für -geeignet zur Verwendung gegen das Fort; er beschloß, sie zunächst zu -erobern. Sie wurden am 16. April beschossen, nachts landeten dann 400 -Matrosen, 400 Seesoldaten und 400 Landsoldaten. Die eine Batterie wurde -leicht gestürmt, als sie aber von den anderen Befestigungen Feuer -erhielten, trat Verwirrung unter den Gelandeten ein. Die Abteilungen -beschossen sich gegenseitig und gingen dann in wilder Flucht zu ihren -Booten zurück. Bei einer Beschießung am 24. verbrauchte man fast die -gesamte Munition, ohne die Befestigungen niederzukämpfen. Ende des -Monats segelte die Expedition nach Jamaika zurück. -- Dies war das letzte -derartige Unternehmen. - -Von 1744 an, als Frankreich offen in den Krieg eintrat, verlor Westindien -seine Bedeutung als größerer Kriegsschauplatz. Die Seestreitkräfte der -Gegner hielten sich hier bis 1747 ungefähr die Wage und erst 1748 -gewannen die Engländer das Übergewicht. (Vgl. »Der Krieg in den Kolonien. -Westindien«.) - -[Illustration: George Lord Anson.] - -$Der Kleine Krieg in Westindien.$ Infolge des Zusammenhaltens der -englischen Seestreitkräfte zu den fruchtlosen Angriffen auf spanische -Städte litt der englische Handel in den westindischen Gewässern sehr. -Zwar brachten auch englische Kreuzer und Kaper manche spanischen -Kauffahrer auf, aber bei dem umfangreicheren englischen Handel und der -weit größeren Zahl der spanischen Freibeuter fiel die Bilanz im Kleinen -Kriege doch zum Nachteil Englands aus. - - $Ansons[47] Zug 1740-1743$, berühmt wegen der Ausdauer seines Führers - unter den schwierigsten Verhältnissen. 1739 wurde beschlossen, die - spanischen Kolonien auch vom Stillen Ozean her anzugreifen. =Kapitän - Anson= sollte diese Expedition führen, doch lief sie, wohl infolge der - rückständigen Verwaltung der Marine, erst am 18. September 1740 aus. - Sie bestand aus dem Flaggschiff zu 60 (»Centurion«), 2 Schiffen zu 50, - 1 zu 40, 1 zu 28 Kanonen und einer Sloop; die Schiffe zu bemannen war - so schwierig gewesen, daß auf 500 ältere Halbinvaliden zurückgegriffen - werden mußte, die aber sämtlich auf der Reise starben. Das Geschwader - hatte eine Reihe der schwersten Stürme abzuwettern, als es Kap Hoorn in - der schlechtesten Jahreszeit umsegelte; es wurde zerstreut, das eine - 50-Kanonenschiff und das 40-Kanonenschiff gingen nach England zurück. - Das Flaggschiff erreichte am 11. Juni 1741 die Insel Fernandez (Küste - von Chile); es hatte 130 Kranke an Bord und schon 200 Mann begraben. - Hier stieß der Rest der Schiffe in ähnlichem Zustande zu ihm, das - 28-Kanonenschiff war jedoch an der chilenischen Küste gestrandet. - Nachdem die Besatzungen sich erholt hatten, begann Anson vor den - spanischen Kolonien zu kreuzen. Er machte verschiedene wertvolle Prisen - und plünderte die Stadt Payta. Im Dezember erreichte er die Insel Coiba - vor dem Golf von Panama. Seine Absicht war, den von Westindien - ausgehenden Unternehmungen die Hand zu reichen, als er aber von deren - Fehlschlagen die Nachricht erhielt, beschloß er, durch den Stillen - Ozean zu segeln, um der Galeone, die jährlich zwischen Manila und - Acapulco in Mexiko fuhr (daher oft »Acapulcoschiffe« genannt), den Weg - zu verlegen. Zunächst kreuzte er zu diesem Zwecke mit seinen zwei - Kriegsschiffen -- die Sloop war als seeuntüchtig aufgegeben -- und drei - seiner Prisen, die armiert worden waren, vor Acapulco. - - [47] =Lord George Anson=, geboren 1697, machte als Leutnant die - Operationen unter Norris und Byng in der Ostsee und im Mittelmeer - mit, wurde 1723 Kapitän. 1740-1743 führte er seine Reise um die - Welt aus, siegte als Vizeadmiral am 14. Mai 1747 bei Kap - Finisterre über de la Jonquière, wofür er zum Peer erhoben wurde, - war 1751 Erster Lord der Admiralität, kommandierte im - Siebenjährigen Kriege längere Zeit die Flotte; wurde 1761 Admiral - of the Fleet, starb 6. Juni 1762. -- Eine eingehendere Schilderung - obiger Reise z. B. in Clowes, Band III, Seite 320. - - Am 5. Mai 1742 setzte er den Kurs auf China, nachdem den Gefangenen die - Prisen überlassen waren. Bald mußte er auch das letzte Schiff wegen - Seeuntüchtigkeit verbrennen, und auf dem Flaggschiff brach der Skorbut - aus, der viele Opfer forderte. Nach einer Erholungszeit auf den - Ladronen erreichte =Anson= Macao, wo er überwinterte. Im Frühjahr 1743 - nahm er dann das Kreuzen gegen die Galeone bei den Philippinen wieder - auf, und es gelang ihm wirklich, diese am 20. Juli zu fangen. Nach - anderthalbstündigem, hartnäckigem Kampfe wurde sie genommen und in ihr - fast 1-1/2 Millionen Dollar Wert an Münze sowie Silberbarren gefunden. - Über China heimsegelnd, traf Anson am 15. Juni 1744 in Spithead ein. - Der Zug hatte zwar keine militärischen Erfolge, rief aber Schrecken und - Bestürzung in den spanischen Kolonien hervor; die Kenntnis der - ostasiatischen Gewässer wurde durch ihn erweitert, weshalb man ihn mehr - zu den Entdeckungsreisen rechnet. Hervorzuheben ist endlich, daß eine - große Zahl der an ihm beteiligten Seeoffiziere sich später im - Siebenjährigen Kriege hervorragend auszeichnete, wie es ihr Führer im - Österreichischen Erbfolgekriege getan. - - - Der Krieg in den europäischen Gewässern 1740-1744. - -Den Krieg mit Spanien führte =England= zunächst sehr lau. Wenn auch nach -der langen Friedenszeit in der Marine nicht alles so stand, wie es hätte -sein sollen, so besaß es doch eine derartige Übermacht, daß es wohl weit -tatkräftiger hätte vorgehen können. - -$1740. Vom Mittelmeer aus$ nahm der Kontreadmiral =Haddock= nach der -Kriegserklärung die Blockade von Cadiz auf, als er aber durch den Zustand -seiner Schiffe gezwungen war, im Frühjahr nach Port Mahon zu gehen, das -man außerdem von den spanischen Häfen am Mittelmeer bedroht glaubte, -fanden die in Cadiz liegenden spanischen Schiffe Gelegenheit zu -entschlüpfen; wie erwähnt, langten sie in Westindien teils direkt, teils -über Ferrol unter Admiral =de Torres= an. Im Juli, als man die Schwäche -der Spanier genauer erkannt hatte, wurde ein Teil der englischen -Mittelmeerflotte nach der Heimat zurückgezogen. - -$Von England aus$ wurde im April ein Geschwader entsandt, um die -heimkehrende Silberflotte abzufangen. Diese (Admiral =Pizarro=, vgl. -Seite 61) war jedoch durch ein ihr entgegengesandtes Schiff gewarnt, -setzte ihren Kurs auf Kap Ouessant und lief wohlbehalten in Santander -ein, während das englische Geschwader auf dem sonst üblichen Wege -Madeira-Cadiz kreuzte. Spanien entsandte gegen dieses eine stärkere -Macht, doch kehrten die Engländer unbelästigt nach dem Kanal zurück. In -Spithead war nach und nach eine starke Flotte unter dem Admiral of the -Fleet =Sir John Norris=[48] zusammengezogen -- 21 Linienschiffe zu 60-100 -Kanonen --, deren »geheime Order« aber auch jetzt noch unbekannt ist. -Einige Quellen glauben, Ferrol hätte angegriffen werden sollen, da man -die Anwesenheit der zahlreichen spanischen Schiffe dort mit einem Gerücht -in Verbindung gebracht habe, nach dem Spanien einen Einfall in Irland -zugunsten des Kronprätendenten =Jakobs= III. ins Werk setzen wollte. -Wahrscheinlicher ist es, daß die Flotte nur die Schiffahrt vor und in dem -Kanal sichern und für alle Fälle (auch gegen Angriffe von Frankreich?) -bereit gehalten werden sollte. Tatsächlich hat sie 1740 den Kanal nicht -verlassen. - - [48] Uns schon bekannt als Flottenführer zu Anfang des Jahrhunderts; - vgl. Band I, Namenverzeichnis. - -$1741$ lief =Norris mit der Kanalflotte= im Juli sowie im Oktober aus und -kreuzte an der Nordküste Spaniens, wobei jedoch nur einige kleinere -Prisen gemacht wurden. Im =Mittelmeer= schlugen sogar =zwei wichtige -Unternehmungen= fehl. Frankreich hatte im Juli in Toulon 12 Linienschiffe -(50-74 Kanonen) unter Lieutenant-Général =de Court= in Dienst gestellt, -um sich mit 16 spanischen Schiffen unter Admiral =Don José de Navarro= zu -vereinigen und dann 15000 Mann von Barcelona nach Norditalien zu führen -(vgl. Seite 51); die englische Flotte sollte dies hindern. Aber -=Haddocks= Kreuzer ließen die Spanier aus Cadiz entschlüpfen und -sichteten sie erst beim Cap de Gata. Als dann die Engländer herankamen -(am 19. Dezember neuen Stils), war die Vereinigung mit den Franzosen vor -Barcelona schon erfolgt. Der Kriegsrat auf der nur etwas über halb so -starken englischen Flotte glaubte sowohl von einem Angriff wie selbst von -weiterem Folgen absehen zu müssen, da man der Neutralität der Franzosen -nicht sicher war. Die französisch-spanische Flotte führte den -Truppentransport von Barcelona die französische und italienische Küste -entlang nach Genua und Toskana; sie ging dann nach Toulon, wo sie am 22. -Februar 1742 eintraf. - - Das französische Geschwader war, was Schiffe und Besatzungen - anbetrifft, in mangelhaftem Zustande. Die Verfassung des spanischen muß - aber, nach französischen Angaben, ganz trostlos gewesen sein: »Die - Schiffe verfallen; die Mannschaft halb nackt und halb verhungert; viele - Kranke; Monate waren nötig, um das Geschwader in einigermaßen - brauchbaren Zustand zu setzen.« - -Die englische Flotte war auch kaum imstande, den Handel wirksam zu -schützen. Da ist es nicht zu verwundern, daß die Fehlschläge im -Mittelmeer im Verein mit den Mißerfolgen der kostspieligen Unternehmungen -in Westindien, sowie der Verlust des Handels dort das englische Volk -gegen die laue Kriegführung =Walpoles= aufbrachten und dadurch dessen -Rücktritt herbeiführten. England trat jetzt offen für Österreich auf. - -$1742 und 1743$ gewann die Kriegführung im Mittelmeer etwas mehr Leben. -Im Februar 1742 traf eine bedeutende Verstärkung unter Kontreadmiral -=Lestock= ein, der das Kommando für den erkrankten Haddock übernahm, und -Spanien mußte die geplante Absendung eines neuen Truppentransportes -vorläufig aufgeben. Bald darauf, im Mai, wurde der Vizeadmiral =Mathews= -Oberbefehlshaber im Mittelmeer. Dieser führte nun während 22 Monaten eine -strenge $Blockade von Toulon$ durch, hinderte weiter die Verstärkung der -spanischen Armee in Italien und übte auch einen Druck auf das Königreich -beider Sizilien aus. Der Admiral lag mit der Flotte stets segelfertig in -Villafranca, eine Division unter =Lestock= blockierte von den Hyèrischen -Inseln aus Toulon; man erklärte, es gälte nur dem spanischen Geschwader -dort, aber man nahm auch dahin bestimmte französische Handelsschiffe weg. -Die Franzosen brachten die Befestigungen in Kriegszustand, zogen die -Schiffe in den innern Hafen zurück und sperrten die Einfahrt. - -Im Juli 1742 jagte ein englisches Linienschiff 5 spanische Galeren, die -Kriegsvorräte längs der Küste nach Italien bringen wollten, in den -französischen Hafen von $St. Tropez$ und vernichtete sie durch einen -Brander, als sie auf ihren Verfolger feuerten; wenige Monate später wurde -diese Stadt mit Beschießung bedroht, falls sie zwei dort eingelaufene -spanische Transporter beherbergen würde. »Die Vernachlässigung der -Marine«, so klagen französische Schriftsteller »hatte es dahin gebracht, -daß Frankreich dieses alles dulden mußte.« - -Wie erwähnt, hatte der König beider Sizilien Hilfstruppen für Spanien -nach Norditalien gesandt. Im Juli 1742 schickte Mathews den Kommodore -=William Martin= mit einem kleinen Geschwader, 4 Kriegsschiffe und 3 -Mörserboote, nach $Neapel$. Martin erschien dort am 19. August mit der -Forderung, diese Truppen zurückzurufen und verlangte unter Androhung -einer Beschießung der Stadt Antwort binnen einer halben Stunde. Der König -konnte nun zwar in der kurzen Frist nicht erreicht werden, da er auf -einem Landgute weilte, erfüllte aber schon am 20. das Verlangen. 1759 -bestieg er als =Karl= III. den spanischen Thron; die Erinnerung an die -Vergewaltigung in Neapel zog ihn nun in den beiden nächsten Kriegen auf -die Seite Frankreichs. -- =Martin= zerstörte bald darauf im genuesischen -=Alassio= Magazine für das spanische Heer. Ferner wurden durch englische -Schiffe spanische Transporter in den Häfen der katalonischen Küste -vernichtet; 1743 mußte ein Linienschiff im Hafen von Ajaccio in die Luft -gesprengt werden, um den Engländern nicht in die Hände zu fallen, und -=Genua= ward gezwungen, die Ladung von 15 spanischen Transportern, die -von Majorka aus in seinen Hafen eingelaufen waren, nach Corsica zu -schaffen, wo die Vorräte bis zum Friedensschluß lagerten. - -$1744.$ Endlich, im Jahre 1743, raffte $Frankreich$ sich auf, als es nach -=Fleurys= Tode das Bündnis mit Spanien erneuert hatte; man faßte sogar -nun $große Pläne für einen Seekrieg$: Vertreibung Englands aus dem -Mittelmeer, Wiedereroberung Minorkas und Gibraltars für Spanien; die -Vereinigung sämtlicher Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern, um -hier die Seeherrschaft zu erringen und durch einen Einfall in -Großbritannien die Familie Stuart wiedereinzusetzen, jedenfalls England -zum Zurückziehen seines Heeres vom Festlande zu zwingen. - -$Versuch einer Landung in England 1744.$ Im November 1743 begannen die -Rüstungen hierfür. Prinz =Karl Eduard= (vgl. Seite 53) sollte mit 16 -Bataillonen Infanterie und vier Schwadronen Dragoner -- insgesamt gegen -15 000 Mann -- unter dem Marschall Moritz von Sachsen in 32 Transportern -von Dünkirchen nach der Themsemündung, wenn möglich nach London, -übergeführt werden, der Lieutenant-Général =Comte de Roquefeuil= mit der -Brestflotte -- 19 Linienschiffe und 5 Fregatten -- die englischen -Seestreitkräfte festhalten, sowie Einschiffung und Überfahrt des Heeres -decken. Am 6. Februar 1744 verließ diese Flotte Brest, wurde aber etwa 10 -Tage durch Gegenwind beim Kap Lizard festgehalten. Ein englischer -Kreuzer, der vor Brest lag, hatte schon das Auslaufen des Feindes -gemeldet, ein Begleitschiff eines Konvois nach Westindien brachte wenige -Tage später die Nachricht von seinem Erscheinen vor dem Kanal nach -London. In England scheint man zwar vorher über den französischen Plan -nicht genauer unterrichtet gewesen zu sein, da man sich aber auf den -Krieg mit Frankreich vorbereitet hatte, so vermochte man rechtzeitig eine -überlegene Flotte an den Downs zusammenzuziehen; nämlich 49 Segel, -darunter 21 Linienschiffe von 60 Kanonen aufwärts. =Sir John Norris=, der -sie kommandierte, ging jedoch dem Feinde nicht entgegen, da er fürchtete, -dieser könne ihm bei Nacht oder unsichtigem Wetter vorbeilaufen. - -Am 27. Februar war =Roquefeuil= bei der Insel Wight; hier zweigte er, -seiner Order entsprechend, 4 Linienschiffe und eine Fregatte nach -Dünkirchen ab, denen insbesondere die Deckung der Einschiffung und -Überführung zugedacht war, er selber sollte die englischen Schiffe -festhalten. Am 4. (oder 5.) März ankerte er, durch mehrtägigen Sturm -aufgehalten, bei Dungeness. Hier trat ihm am nächsten Tage die englische -Flotte entgegen; zum Glück für die Franzosen war sie jedoch genötigt, -wegen schwachen Windes zu ankern, als sie schon auf sechs Seemeilen heran -war, weil die Flut einsetzte. Der sofort berufene Kriegsrat des -französischen Geschwaders beschloß, das Unternehmen aufzugeben. Bei -Eintritt der Ebbe und gleichzeitig der Dunkelheit ging man schleunigst -unter Segel und hatte das Glück, daß mit der Ebbe starker nordwestlicher -Wind aufkam, der bald zum Sturm wurde. Als =Norris= am andern Morgen die -Flucht des Gegners bemerkte, war keine Aussicht mehr, ihn einzuholen. Die -Franzosen erreichten, wenn auch mehr oder weniger vom Sturm beschädigt, -Brest; nur die Wetterverhältnisse hatten sie aus einer argen Klemme -befreit. Die nach Dünkirchen abgezweigten Schiffe waren am 29. Februar -dort angekommen und man hatte sogleich mit der Einschiffung der Truppen -begonnen. Die Leute mußten mit Fischerbooten und Küstenfahrzeugen an Bord -der auf der Rhede liegenden Transporter gebracht werden, was schon bei -mäßig starkem Wind und Seegang sehr gefährlich war. So richtete der Sturm -am 6. und 7. März natürlich viel Unheil an; mehrere Boote sowie auch -Transporter sanken oder wurden auf den Strand geworfen. Als die -Nachricht vom Rückzug der Flotte eintraf, schiffte man die Truppen wieder -aus und die Kriegsschiffe gingen nach Brest. - -So war der Plan eines Einfalls in England gescheitert; ähnlich wie die -früheren war er aussichtslos gewesen. Wenn auch England beträchtliche -Seestreitkräfte im Mittelmeer und in Westindien hatte, so verblieben ihm -doch genug, um Roquefeuil mit Erfolg entgegenzutreten. - -$Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.$ Im Mittelmeer war inzwischen -die erste Seeschlacht geschlagen. Lieutenant-Général =de Court= erhielt -im November 1743 Befehl, das spanische Geschwader nach Genua (oder nach -spanischen Häfen?) zu geleiten; Admiral =Navarro= war jedoch nicht -geneigt, in See zu gehen und auch die französische Flotte scheint noch -nicht bereit gewesen zu sein. Erst im Januar 1744 unternahm =de Court= -eine kurze Erkundungs- oder Übungsfahrt vor dem Hafen, bei der er von -=Mathews= höflich salutiert wurde. Dieser hatte kurz vorher in Turin, wo -er über gemeinsames Handeln mit dem Landheer beriet, die falsche -Nachricht erhalten, die Brestflotte sei in See gegangen und die -französisch-spanische Flotte wolle auslaufen, um sich mit ihr zu -vereinigen. Er zog deshalb alle Schiffe im Mittelmeer bei den Hyèrischen -Inseln zusammen, übernahm selber die Leitung der Blockade von Toulon und -trat der feindlichen Seemacht entgegen, die am 19. Februar auf die äußere -Rhede gegangen war und am 21. in See erschien. Der französische -Oberbefehlshaber hatte, wie der Admiral d'Antin 1740 in Westindien, -Anweisung, nur zu fechten, wenn er angegriffen würde; die Instruktionen -des englischen Admirals werden diesem dagegen auch den Angriff gestattet -haben. - -[Illustration: Admiral Thomas Mathews.] - -$Die englische Flotte$ unter =Thomas Mathews=[49] zählte 28 Linienschiffe -zu 60 Kanonen und darüber; die Vorhut führte Kontreadmiral =Rowley=, - - $Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.$ - -[Illustration: Plan zur Schlacht vor Toulon.] - - +----------------------------------------------------+ - | Englische Französisch-Spanische | - | [symbol] [symbol] [symbol] | - | Flotte Flotte | - +---------------+---------+----------------+---------+ - | Schiffe | Kanonen | Schiffe | Kanonen | - | | | | | - +===============+=========+================+=========+ - | | - | Vorhut | - |Castle | 70 |Borée | 64 | - |Warwick | 60 |Toulouse | 60 | - |Nassau | 70 |Duc d'Orleans | 74 | - |Barfleur | 90 |Espérance | 74 | - | (Adm. Rowley) | | (Adm. Gabaret) | | - |Caroline | 80 |Trident | 64 | - |Berwick | 70 |Alcion | 54 | - |Chichester | 80 |Aquilon | 48 | - |Boyne | 80 |Eole | 64 | - |Kingston | 60 | | | - | | - | Mitte | - |Dragon | 60 |Furieux | 60 | - |Bedford | 70 |Serieux | 64 | - |Somerset | 80 |Ferme | 74 | - |Princesa | 74 |Tigre | 50 | - |Norfolk | 80 |Terrible | 74 | - |Namur | 90 | (Adm. de Court)| | - | (Adm. Mathews)| |St. Esprit | 74 | - |Marlborough | 90 |Diamant | 50 | - |Dorsetshire | 80 |Solide | 64 | - |Essex | 70 |Oriente 1) | 60 | - |Rupert | 60 |America 1) | 60 | - |Royal Oak | 70 |Neptuno 1) | 60 | - | | - | Nachhut | - |Dunkirk | 60 |Poder | 60 | - |Cambridge | 80 |Constante | 70 | - |Torbay | 80 |Real Felipe | 114 | - |Neptune | 90 | (Adm. Navarro) | | - | (Adm. Lestock)| |Isabela | 80 | - |Russel | 80 |Hercules | 64 | - |Buckingham | 70 |Retiro | 54 | - |Elisabeth | 70 |Brillante | 60 | - |Revenge | 70 |S. Fernando | 64 | - | | |Sobiero | 60 | - - 1) Spanische Schiffe, die der Division de Court zugeteilt waren. - - Zu den Schiffen der Tabelle traten als nicht in die Schlachtlinie - eingestellt: bei den Engländern 5 Schiffe mit 50, 2 mit 40, 2 mit 20 - Kanonen und 2 Brander; bei den Verbündeten 4 Schiffe mit 20 Kanonen - und 3 Brander. - -die Nachhut Vizeadmiral =Lestock=[50]. $Die verbündete Flotte$ -unter =de Court=[51] bestand gleichfalls aus 28 Linienschiffen; die -Vorhut führte der Chef d'Escadre =Gabaret=, die Nachhut Admiral -=Navarro=. Diese bestand aus den spanischen Schiffen, von denen jedoch -drei der Mitte zugeteilt waren. Man sagt, de Court habe sie sämtlich -zwischen die französischen Schiffe verteilen wollen, doch sei Navarro -hierauf nicht eingegangen. An Zahl der Linienschiffe waren beide Flotten -gleich, aber die Engländer besaßen schwerere Schiffe und ihre -Überlegenheit wurde dadurch noch größer, daß sie über 4 Schiffe zu 50 -Kanonen, 2 zu 40, sowie 2 zu 20 (dazu 2 Brander) verfügten, die auf die -Divisionen verteilt waren, während die Gegner zwei Schiffe zu 50 Kanonen -in die Linie eingestellt hatten und außer der Linie nur 4 Schiffe zu 20 -Kanonen (sowie drei Brander) besaßen (vgl. die Angaben auf der Skizze der -Schlacht). Die Überlegenheit der Engländer kam aber nicht zur Geltung, da -sich ihre Nachhut nicht am Kampfe beteiligte. - - [49] =Thomas Mathews=, geb. 1676, Kapitän 1703, zeichnete sich im - Spanischen Erbfolgekriege aus, wurde 1742 Vizeadmiral, 1743 - Admiral; infolge der Schlacht vor Toulon durch kriegsgerichtlichen - Spruch aus der Marine entlassen. Er war ein tüchtiger Offizier von - vornehmem Charakter, gehorsam als Untergebener, fest, aber schroff - als Vorgesetzter. Ehe er das Kommando übernahm, hatte er das - Verlangen auf Abberufung Lestocks gestellt; das erfolgte - Versprechen ward vergessen oder nicht beachtet. - - [50] =Richard Lestock=, 1743 Kontre- und bald darauf Vizeadmiral, war - sehr von sich eingenommen, hart als Vorgesetzter, schwierig als - Untergebener, tapfer aber ohne weiten Blick; sehr unbeliebt in der - Marine, hatte er sich auch gleich beim Eintreffen Mathews - respektlos gegen diesen gezeigt. Nach der Schlacht vom Dienst - suspendiert und in Untersuchung gezogen, wurde er freigesprochen - und auch weiter verwendet und befördert. - - [51] =Labruyère de Court=, geb. 1666, Gardemarine 1684, Leutnant 1689, - Kapitän 1695, Chef d'Escadre 1715, Lieutenant-Général 1720, - Vizeadmiral 1750, war ein tüchtiger Offizier, hatte unter Duquesne - und Tourville gedient und in der Schlacht bei Malaga das - Flaggschiff geführt; jetzt aber zählte er 78 Jahre und hatte im - Laufe der letzten 34 Jahre nur ein Bordkommando gehabt. - - $Der Verlauf der Schlacht vor Toulon$[52]. Die französisch-spanische - Flotte hatte schon am 20. Februar auslaufen wollen, sah sich jedoch - durch den Zusammenstoß zweier Schiffe zum Wiederankern genötigt. Die - englische Flotte hatte an diesem Tage gleichfalls Anker gelichtet, - gegen schwachen westlichen Wind aufgekreuzt und abends wieder in der - Bucht von Hyères geankert. Am 21. gingen die Verbündeten in See; die - Engländer versuchten heranzukommen; dies war ihnen aber bei dem zu - schwachen, jetzt östlichen Winde mit schwerem westlichen Seegange nicht - möglich; sie konnten nicht einmal eine gute Ordnung einnehmen. Am Abend - gab =Mathews=, 4-5 Seemeilen vom Feinde entfernt, den Befehl zum - Beidrehen; =Lestock= stand mit der Nachhut noch weit von der Mitte ab, - dennoch folgte er dem Befehle, anstatt erst näher heranzusegeln. - Während der Nacht vergrößerte der Feind die Entfernung, ohne daß die - englischen Beobachtungsschiffe es bemerkten. Am 22. bei Tagesanbruch - standen die Engländer in loser Ordnung -- über neun Seemeilen vom - vordersten bis zum hintersten Schiffe -- etwa 12 Seemeilen SSO. vom Kap - Sicié und acht Seemeilen nordöstlich vom Gegner, der bei leichtem - östlichem Winde in Kiellinie über Steuerbordbug nach Süd steuerte. - =Lestock= mehrte nun allerdings sofort Segel, um zur Mitte - heranzukommen; da aber =Mathews= schon um 6-1/2 Uhr vormittags den - Befehl zum Segelmehren für die ganze Flotte gab, blieb die Nachhut auch - weiterhin etwa fünf Seemeilen von der Mitte ab. Um 8 Uhr folgte der - Befehl, über Steuerbordbug die Kiellinie zum Angriff zu bilden, und als - dieses Manöver, infolge des flauen Windes nur langsam und - unvollständig, um 11-1/2 Uhr von Vorhut und Mitte ausgeführt war, auch - das Signal »Angreifen«, wobei jedoch das für »Kiellinie« wehen blieb; - =Lestock= beantwortete das Signal »Angreifen« nicht. Die Verbündeten - waren in leidlich guter Ordnung, nur die Nachhut stand etwas zurück und - in dieser wieder die letzten fünf Schiffe. - - [52] Schilderung nach: Mahan, Band I; Lacour, Band I; Clowes, Band III, - in dem die genauesten Angaben und aus dem auch die Schiffsliste - entnommen ist. - - Langsam überholten die Engländer den Gegner. Um 1 Uhr nachmittags war - =Mathews= (»Namur«) querab von =Navarro= (»Real Felipe«) und =Rowley= - »Barfleur«) von =de Court= (»Terrible«). Jetzt hielt Mathews mit dem - Flaggschiff aus der Kiellinie ab und legte sich auf Pistolenschußweite - neben Navarro; er ward unterstützt durch seinen Vordermann »Norfolk« - und seinen Hintermann »Marlborough«, die »Constante« und »Isabela« - angriffen. Die Besorgnis, der Gegner könne sich dem Kampfe entziehen, - verleitete =Mathews= zum Angriff, ehe die Flotte in guter Ordnung und - ehe die Nachhut herangekommen war. Admiral =Rowley= folgte dem Beispiel - und hielt auf =de Court= ab, auch er wurde durch seine beiden - Hinterleute unterstützt; hier fochten also »Barfleur«, »Prinzeß - Carolina« und »Berwick« gegen »Terrible«, »Esprit« und »Diamant«. Das - Gefecht scheint jedoch ein laufendes gewesen zu sein (auch nicht auf so - nahe Entfernung wie bei Mathews), denn die Lücke zwischen Nachhut und - Mitte der Verbündeten vergrößerte sich; der Kampf der englischen - Schiffe mit den spanischen erfolgte dagegen mit kleiner Fahrt, und die - letzten fünf Spanier kamen infolgedessen nach und nach auf. - - Die sämtlichen übrigen englischen Schiffe beteiligten sich, wenig oder - gar nicht am Kampfe. Die drei Spitzenschiffe der Vorhut griffen nicht - an, denn sie wollten dadurch die Vorhut der Verbündeten hindern, zu - wenden und dann die englische Flotte von Luward her zu dublieren. Die - drei Schiffe hinter »Berwick« blieben auch in der Kiellinie und so weit - ab, daß sie nur ein wenig erfolgreiches Feuer mit den drei Spaniern - wechseln konnten, die als letzte der französischen Mitte zugeteilt - waren. Ebenso verfuhren die vier ersten Schiffe der englischen Mitte, - die nur anfangs auf die ebenerwähnten Spanier und dann auf »Poder« - feuerten; dieser scheint schwer beschädigt worden zu sein. Von den - letzten vier Schiffen der englischen Mitte (Dorsetshire und - Hinterleute) berichten die Quellen beim ersten Angriff nichts; da sie - ihren Platz in der Kiellinie nicht verließen und da ihre Gegner noch - nicht heranwaren, blieben sie wohl ganz untätig. - - Hervorzuheben ist das Verhalten des Kapitäns =Hawke=, des später - berühmten Flottenführers. Als Kommandant des »Berwick« hatte er den - weit schwächeren »Diamant« gegenüber, der dem Kampf auswich; als er nun - sah, daß »Poder« zwar lebhaft beschossen, aber doch nicht im Nahkampf - angegriffen war, verließ er seinen Platz in der Vorhut, segelte zu dem - genannten Schiffe nahe heran und zwang es zur Übergabe. Heiß war der - Kampf bei =Mathews=. Zwar trieb »Norfolk« den »Constante« nahezu als - Wrack aus der Linie und »Real Felipe« sowie »Isabela« erlitten großen - Verlust an Mannschaft, aber auch die englischen Schiffe wurden so - schwer in der Takelage beschädigt, daß sie ihren Vorteil nicht - ausnutzen konnten. Der Admiral gab einem Brander den Befehl, das - spanische Flaggschiff anzuzünden. Dieser ging unter furchtbarem Feuer - des Gegners vor, als er jedoch, schon fast sinkend, genötigt war, - selber zu schießen, um spanische Boote abzuwehren, geriet er durch das - eigene Feuer in Brand und flog auf, ehe er sein Opfer erreicht hatte. - - Etwa drei Stunden waren verflossen, seit Mathews den Kampf begonnen - hatte, da gab =de Court= seiner Vorhut und Mitte den Befehl zu wenden, - um den Spaniern Hilfe zu bringen; die englische Vorhut wendete - gleichfalls. Zu dieser Zeit waren die fünf letzten Spanier aufgesegelt - und griffen in das Gefecht bei ihrem Admiral ein; =Lestock=, der nun - auch näher herangelangt war, bemühte sich infolge zu flauen Windes mit - schwerer See vergeblich, dies zu hindern. Jetzt brach =Mathews= den - Kampf ab und gab das Signal, die Kiellinie über Backbordbug zu bilden; - er wollte vor allem die Ordnung herstellen, weil er eine Wiederaufnahme - des Kampfes durch die langsam herankommenden Franzosen erwartete. Das - Manöver erfolgte und führte zu einem Gefecht zwischen den letzten - Schiffen der englischen Mitte und den letzten Spaniern, als sie sich - auf entgegengesetzten Kursen begegneten. - - Die Franzosen, die beim Herankommen den entmasteten »Poder« - wiedergenommen hatten, waren in Unordnung geraten, und die spanischen - Schiffe lagen in einem wirren Haufen um ihren Admiral. Infolge des - flauen Windes hatten alle Manöver sehr viel Zeit gekostet: das Wenden - der Schiffe (viele hatten halsen müssen), das Abbrechen des Kampfes - seitens der Engländer (»Marlborough« mußte mit Booten weggeschleppt - werden), das Entwirren auf beiden Seiten. So brach die Nacht herein, - ehe die Ordnung hergestellt war, und der Kampf war zu Ende. - - Die Gegner lagen die Nacht über in Sicht voneinander. Am anderen Morgen - stieß das englische Schiff »SSomerset« auf das spanische »Hercules«; - beide waren von ihren Flotten versprengt. Der Engländer griff an, mußte - jedoch bald abbrechen, da einige Franzosen herankamen. - - Die =Verluste= waren =auf englischer Seite= nicht groß. Zwar waren drei - Schiffe stark beschädigt (Mathews mußte am nächsten Tage seine Flagge - auf einem anderen setzen), aber der Mannschaftsverlust war unbedeutend. - Von den hauptsächlich beteiligten Schiffen hatten die drei der Vorhut - etwa 80, die drei der Mitte 200 Tote und Verwundete (davon - »Marlborough« allein 160), darunter zwei Kommandanten. =Die Spanier= - verloren den »Poder«, der zwar zurückerobert war, aber am nächsten Tage - wegen Seeuntüchtigkeit verbrannt werden mußte; die am Kampf beteiligten - Schiffe hatten sehr gelitten, »Real Felipe« mußte geschleppt werden. - Der Mannschaftsverlust war sehr bedeutend, so hatten z. B. »Isabela« - 300, »Real Felipe« 500 Tote und Verwundete. Der Kommandant des - Flaggschiffes wurde schon bei Beginn des Kampfes schwer verwundet; nach - französischen Angaben verließ mit ihm auch der leicht getroffene - Admiral das Deck, und nur dem zweiten Kommandanten, einem französischen - Seeoffizier =de Lage=, soll der heldenmütige Widerstand des Schiffes zu - danken sein. Der =Verlust der Franzosen= ist nicht bekannt. Er wird - unbedeutend gewesen sein; die französischen Quellen bezeichnen nämlich - das Feuergefecht, das ihre Schiffe führten, als »ziemlich matt«, und - die englischen Schiffe, die mit ihnen fochten, haben ja auch nur - geringe Verluste gehabt. - -=Die Schlacht blieb taktisch unentschieden=; beide Flotten behaupteten -vorläufig das Feld. Meist wird sie als ein Sieg der Engländer bezeichnet, -doch nicht mit Recht. Allerdings gaben die Verbündeten die Fahrt nach -Genua auf -- falls sie diese überhaupt beabsichtigt haben --, aber sie -nahmen am 23. Februar Kurs nach Spanien, wobei die Franzosen zwischen den -Spaniern und dem Gegner segelten, und kamen unbelästigt nach Cartagena; -die französische Flotte ging dann im April gleichfalls ungestört nach -Toulon zurück, auf der Fahrt fielen ihr einige englische Kauffahrer in -die Hände. Hieraus sowie aus dem längeren Stilliegen der englischen -Flotte in Port Mahon leiten die Franzosen als Erfolg der Schlacht ab, daß -sie für einige Zeit die See freigemacht hätten. =Mathews= war nämlich am -23. dem Feinde gefolgt, gab dies aber am nächsten Tage auf. Er hatte -erfahren, daß in Spanien neue Verstärkungen für das Heer in Italien -zusammengezogen seien, und wollte diesen nicht dadurch den Weg freigeben, -daß er sich nach Süden abziehen ließ. Hätte er die Verfolgung -fortgesetzt, so wären ihm wahrscheinlich einige der in der Takelage -beschädigten Schiffe zum Opfer gefallen oder der Feind hätte sich aufs -neue zum Kampf stellen müssen, um diese zu decken. So aber zeigte sich -=Mathews= nur noch in der Bucht von Rosas und ging dann nach Port Mahon; -hier entsetzte er =Lestock= vom Kommando und sandte ihn nach England. - -$Die Bedeutung der Schlacht vor Toulon für die Seekriegsgeschichte$ liegt -nicht in ihren kriegerischen Ergebnissen, sondern in dem Einblick, den -sie in den Stand der Taktik (vgl. Seite 36) und in einige Verhältnisse -der Marinen gewährt. =In England= war man entrüstet über ihren geringen -Erfolg, und auf Drängen des Parlaments wurden Mathews, Lestock sowie elf -Kommandanten der Vorhut und Mitte in =kriegsgerichtliche -Untersuchung=[53] gezogen. Dem Flottenchef warf man grobe Verstöße gegen -die Gefechtsvorschriften vor. Diese verlangten bekanntlich, die Flotte in -Kiellinie neben die feindliche Linie zu führen, Spitze neben Spitze, und -dann Schiff gegen Schiff zum Angriff abzuhalten, jedes Schiff sollte bis -dahin auf seinem Platze in der Linie bleiben. =Mathews= hatte aber das -Beispiel für den Angriff gegeben, ehe Spitze gegen Spitze stand; durch -kriegsgerichtlichen Spruch wurde er kassiert. Allerdings hat er gegen den -Buchstaben der Vorschrift verstoßen, aber er handelte doch mit Überlegung -und würde voraussichtlich großen Erfolg gehabt haben, wenn seine -Untergebenen ihm sämtlich gefolgt wären. Der Augenblick zum Angriff war -sicher günstig gewählt. Die Schiffe beim spanischen Admiral waren dem -Angriff der ganzen englischen Mitte ausgesetzt; gegen das Zurückkommen -der Franzosen, das bei dem flauen Winde lange gewährt haben würde, deckte -die Vorhut, und die zurückgebliebenen spanischen Schiffe wären zur -Unterstützung zu spät gekommen, auch würde ihnen die englische Nachhut -entgegengetreten sein, wenn Lestock sofort mit raumem Winde abgehalten -hätte. Der Admiral wurde ein Opfer des Streites zwischen den Verteidigern -einer freieren Auffassung und denen der schematischen Befolgung der -taktischen Vorschriften, bei dem diese die Überhand behielten. Die -Verurteilung des Admirals =Mathews= trug aber dazu bei, daß von nun an -die englischen Flottenführer sich peinlich an den Wortlaut der -Vorschriften hielten, und =Clerk= (vgl. Quellenverzeichnis) sagt in -seinem berühmten Werke über Taktik mit Recht: »Dieses kriegsgerichtliche -Urteil muß als die eigentliche Quelle der späteren Mißerfolge zur See -angesehen werden.« Die erste Schlacht im nächsten Kriege (bei Minorka -1756) wird ein schlagendes Beispiel hierfür geben. -- Der Admiral -=Lestock= und die 11 Schiffskommandanten wurden der Nichtbefolgung der -Befehle oder der mangelhaften Beteiligung am Kampfe angeklagt. =Lestock= -führte an, daß die beiden Signale: »Kiellinie bilden (bzw. halten)« und -»Angreifen« gleichzeitig geweht hätten. Er habe mithin den zweiten Befehl -nicht ausführen können, ohne gegen den ersten zu verstoßen, auch sei ja -die Flotte noch nicht in der für den Angriff vorgeschriebenen Stellung -gewesen. Auf diese künstliche Verteidigung hin wurde er freigesprochen. - - [53] Näheres über diese berühmten Kriegsgerichte, mit Angabe weiterer - Quellen, vgl. Clowes, Band III, Seite 103. - - Die englischen Quellen urteilen schroff über =Lestock=. So schreibt - Clowes, Lestock habe sich wohl gesagt: »Laß =Mathews= tun, was er will; - wenn es auch zum Schaden ausschlägt, halte ich mich an die Vorschrift - und bin so sicher.« - -Von den =angeklagten Kapitänen= starb einer, ein anderer wurde -fahnenflüchtig, zwei (die von »Somerset« und »Princesa«) wurden -freigesprochen; sieben aber wurden entlassen oder im Dienstalter -zurückgesetzt. Von den Entlassenen stellte der König drei sofort wieder -an; es waren dies die Kommandanten der 3 Spitzenschiffe, die nicht -angegriffen hatten, um die französische Vorhut am Dublieren zu hindern. -Das schwächliche Verhalten der übrigen Angeschuldigten hat wohl -tatsächlich seinen Grund darin gehabt, daß sie bei der Wahl zwischen dem -Befolgen des Beispiels ihres Admirals und dem Festhalten an der Norm -nicht zum Entschluß kommen konnten; jedenfalls zeigt ihr Benehmen Mangel -an Verständnis für die Absichten ihres Führers und läßt zu dieser Zeit -den alten Schneid im englischen Offizierkorps vermissen. - - Hieraus sind $wichtige Lehren$ zu ziehen. =Mahan sagt= (Band I, Seite - 256 ff., hier gekürzt): »Die Untüchtigkeit der englischen Kommandanten, - die sich hier, aber auch bei anderen Gelegenheiten zeigte, erklärte zum - Teil, daß England aus seiner Überlegenheit zur See in diesem Kriege - nicht den vollen Nutzen zog. Man kann nun nicht annehmen, daß so viele - englische Seeleute aus Feigheit -- einer so niedern und seltenen - Untugend -- versagt haben; vielmehr trug Mangel an geistiger - Vorbereitung und an militärischer Leistungsfähigkeit die Schuld daran. - Dies gibt allen Offizieren die Lehre, wie notwendig es ist, im Frieden - den Geist durch das Überdenken der Lagen, in die sie im Kriege kommen - können, vorzubereiten und zu festigen, damit die Stunde des Kampfes sie - nicht unvorbereitet findet und vielleicht in Unehre bringt.« - - =Wir müssen wohl noch hinzufügen=, daß die Offiziere auch im Frieden - durch möglichst kriegsmäßige Gefechtsmanöver hierin zu unterstützen - sind. Die englischen Kommandanten in der Schlacht vor Toulon verstanden - die Absicht ihres Chefs nicht; Manöver im Frieden müssen anstreben, ein - gegenseitiges Verstehen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen - herbeizuführen, die Entschlußfähigkeit zu fördern, sowie endlich und - nicht am wenigsten dahin zu wirken, daß die formale Taktik nicht - verknöchert, sondern als eine angewandte im Geiste aller selbständigen - Führer lebt. - - =Mahan führt weiter an=: »Auch hat vielleicht das teilweise vorhandene - Übelwollen der Kommandanten gegen ihren schroffen Vorgesetzten - mitgewirkt. Es ist wohl am Platze, auf den Einfluß einer gewissen - Herzlichkeit und des Wohlwollens seitens der Vorgesetzten gegen ihre - Untergebenen hinzuweisen. Sie gehören vielleicht nicht notwendig zum - militärischen Erfolge, aber sie geben dem zu diesem nötigen Elemente - einen belebenden Hauch, der möglich macht, was sonst unmöglich wäre. - Sie erzeugen einen Grad von Hingebung und Heldentum, den die schärfste, - aber nicht so veredelte Manneszucht niemals erreicht. Zweifellos ist - dies natürliche Anlage beim Vorgesetzten; wohl das leuchtendste - Beispiel dieser Art unter den Seeleuten war Nelson.« - -Auch für die anderen Marinen bieten die Ereignisse der Schlacht -Bemerkenswertes. In =Frankreich= und in =Spanien= erregte ihr Verlauf -gleichfalls Entrüstung. Spanien beschwerte sich über ungenügende -Unterstützung seiner Schiffe durch die Franzosen. Der Admiral =de Court= -wandte dagegen ein, die Unordnung im spanischen Geschwader habe den -Angriff der Engländer überhaupt nur hervorgerufen, er habe dann Navarro -vor der Vernichtung bewahrt. Trotzdem wurde de Court vom Kommando -abgelöst und nicht mehr verwendet, wenn er auch noch 1750 den Titel des -Viceadmirals du Ponant erhielt. Gegenüber dem Schicksal Mathews und de -Courts wirkt der Umstand fast erheiternd, daß der spanische Admiral -=Navarro= »wegen seines Sieges« zum Vizeadmiral befördert wurde. - -Die völlige Untätigkeit der französischen Schiffe, die nicht selber -angegriffen wurden, bleibt allerdings auffällig. Keine Quelle spricht -sich über den Grund hierfür aus, nur =Lacour= deutet an, daß die -Kommandanten vielleicht unter dem Einfluß des Befehls für den Admiral -gestanden hätten: nur zu fechten, wenn er angegriffen werde. Dies wäre -seltsam, denn ihr Admiral war ja im Kampfe. Erwarteten sie nun trotzdem -ausdrücklichen Befehl zum Eingreifen; wagten sie ohne solchen nicht, die -Linie zu verlassen; hielten sie den Versuch, an den zu Luward stehenden -Feind heranzukommen, bei dem flauen Winde für aussichtslos? Einige -Quellen (Mahan; Chevalier I, vgl. Quellenverzeichnis) sagen, de Court -habe schon, ehe er später mit der ganzen Flotte wendete, der Vorhut -Befehl zum Wenden gegeben, um den Gegner zu dublieren. Wenn dies richtig -ist, warum befolgte =Gabaret=, der Führer der Vorhut, den Befehl nicht? -Hielt auch er es bei den Windverhältnissen für unausführbar oder sah er -sich tatsächlich durch das Verhalten der englischen Spitzenschiffe daran -gehindert? - -Vielleicht sprach ein anderer wichtiger Umstand bei dem Verhalten der -französischen Schiffe mit. Wir erwähnten schon, daß während der langen -Friedenszeit die Beförderung in der französischen Marine vollständig -stockte. Nun gibt Lacour (Seite 464 ff.) Personalangaben über die -Offiziere der in den Kriegen Ludwigs XV. verwendeten Schiffe. Danach war -bei Toulon der Admiral de Court 78 Jahre alt, Admiral Gabaret hatte eine -Dienstzeit von 56 Jahren, die eine Hälfte der Kommandanten eine solche -von 52, die andere von 40-45 Jahren; es kommen mithin, wenn man den -Diensteintritt mit 15 Jahren annimmt, Lebensalter von 70-67 und 55-60 -heraus, und wir wissen, daß die Offiziere seit langen Jahren wenig zur -See gefahren hatten. Da konnte man hervorragende Unternehmungslust von -den französischen Kommandanten allerdings wohl kaum erwarten. Der -englische Admiral Rowley war 54 Jahre alt; die Kommandanten, die sich -besonders auszeichneten, der des »Berwick« zählte 39, der des »Norfolk« -30 Jahre. - - - Der Krieg in den europäischen Gewässern 1744-1748. - -Erst nach der Schlacht vor Toulon erklärte Frankreich am 15. März 1744 -den Krieg, England antwortete am 29. Es forderte jetzt von Holland die -vertragsmäßige Hilfe, die jedoch nur schwach ausfiel[54]. - - [54] Vgl. Seite 59: Die Beteiligung der holländischen Marine an diesem - Kriege, sowohl im Verein mit der englischen wie auch selbständig, - war sehr unbedeutend; sie soll zu Ende dieser Schilderung des - Krieges in den europäischen Gewässern kurz zusammengefaßt werden. - -$Das Jahr 1744$ brachte weder im Atlantik noch im Mittelmeer Ereignisse -von Bedeutung, obgleich größere Flotten beider Gegner tätig waren. Von -England gingen im Frühjahr Verstärkungen nach Ostindien (Kommodore -=Barnet=), sowie nach Westindien (Vizeadmiral =Davers=) ab. Ferner -segelten im April ein Konvoi Kauffahrer und mehrere Transporter mit -Vorräten für die Mittelmeerflotte und die österreichisch-sardinische -Armee unter dem Schutz des Vizeadmirals =Hardy= mit 11 Linienschiffen -nach =Lissabon=; Hardy führte seine Schutzbefohlenen nach Lissabon, von -wo sie unter schwächeren Bedeckungen gruppenweise ihre verschiedenen Wege -einschlagen sollten, und kehrte im Mai nach England zurück; aber bald -nachdem er Lissabon verlassen hatte, wurden die Kauffahrer und -Transporter dort von einem französischen Brestgeschwader, 14 -Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre =Rochambeau=, blockiert. - -=Im Kanal= standen die englischen Seestreitkräfte, die den Handel in und -vor diesem Meere schützen sollten, unter dem Admiral =Sir John Balchen=. -Als Anfang August das holländische Hilfsgeschwader zu diesem stieß, -unternahm er mit 14 englischen und 8 holländischen Linienschiffen eine -Kreuztour vor dem Kanal, auf der am 23. August 6 reichbeladene -französische Westindienfahrer gefangen wurden. Anfang September erhielt -Balchen Kenntnis von der Blockade Lissabons, ging dorthin und führte die -Transporter nach =Gibraltar=; Rochambeau hatte beim Nahen der Engländer -die Blockade aufgegeben und war in Cadiz eingelaufen; Balchen segelte, -ohne auf den Feind zu stoßen, nach England zurück. - - Auf dieser Rückfahrt zerstreute ein schwerer Sturm am 13. Oktober 1744 - die Flotte, und =das Flaggschiff »Victory« ging mit der ganzen - Mannschaft verloren=. Es galt als das stolzeste und beste Kriegsschiff - jener Zeit, führte 110 Kanonen und gegen 1000 Mann, darunter 50 - Volontäre aus guten Familien. Der Unfall wurde vielfach auf - Konstruktionsfehler zurückgeführt und als ein Beispiel für die - Unhandlichkeit und Unsicherheit der großen Dreidecker angesehen. - Wahrscheinlich aber ist das Schiff auf Klippen in der Nähe von Alderney - gescheitert; man hat auf der Insel Notschüsse gehört. - -=Im Mittelmeer= hatte die englische Flotte ihre durch die Schlacht vor -Toulon erlittenen Beschädigungen in Mahon ausgebessert und dann die -Beobachtung der französischen Flotte in Toulon, die der spanischen in -Cartagena, die Unterbindung der Zufuhren nach Italien und vor allem auch -den Schutz des englischen Handels wieder aufgenommen; =Mathews= wurde im -September nach England zurückgerufen, und =Rowley= übernahm das Kommando. -In Spanien erwartete man um diese Zeit die Rückkehr der Silberflotte. Um -deren Eintreffen zu sichern, lief Ende September ein französisches -Geschwader von 16 Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre =Gabaret= von -Toulon aus; es sollte sich mit der spanischen Flotte oder mit -=Rochambeau= vereinigen. Rowley erhielt erst nach 14 Tagen hiervon -Nachricht; er ging mit einem Teil seiner Flotte zur spanischen Küste und -bis Gibraltar, fand hier die erwähnten Transporter, stieß aber nicht auf -den Feind. Scheinbar ist Rochambeau von Cadiz aus dem Toulongeschwader -entgegengegangen, infolge eines schweren Sturmes aber segelten beide nach -ihren Ausgangshäfen zurück, ehe sie sich getroffen hatten. Vom -Toulongeschwader wurde eine Division (Chevalier =de Caylus=) nach -Westindien abgezweigt. - - Die Angaben über 1744 und 1745 sind in den englischen wie in den - französischen Quellen ungenau und lückenhaft. So führen die englischen - Quellen und auch Troude den Admiral Gabaret als Chef des erwähnten - Geschwaders an, während er nach Lacour bereits am 21. Juni 1744 - gestorben ist, kurz nachdem er für de Court das Kommando in Toulon - übernommen hatte. Lacour sagt, der Minister Maurepas sei im Mai in - Toulon gewesen, um verschiedene Mängel abzustellen. Nach Gabarets Tode - habe er dann keinen neuen Oberbefehlshaber für das Mittelmeer ernannt, - sondern die Flotte hier in fünf selbständige Divisionen zu je 4-5 - Linienschiffen geteilt; diese Maßregel habe sich durch erfolgreiche - kleine Unternehmungen, Handelsschutz, Verbindung mit Italien u. dgl., - in den nächsten Jahren bewährt. Wenn dies richtig ist, so hat die - Streitkraft an der spanischen Küste 1744 vielleicht aus einigen dieser - Divisionen bestanden; es werden nämlich auch Entsendungen nach Cadiz - und Gibraltar erwähnt, sowie daß eine der Divisionen von de Caylus - geführt sei, von dessen Abfahrt nach Westindien vorhin berichtet wurde. - -$Im Jahre 1745$ fiel der englischen Flotte =im Mittelmeer= auch noch die -Beobachtung des französischen Geschwaders in Cadiz zu; sie wurde deshalb -in drei Hauptgeschwader zur Bewachung von Cadiz, Cartagena und der Küste -Italiens geteilt. Außerdem mußte sie eine größere Division (Vizeadmiral -=Townsend=) für Westindien abgeben. Diese Umstände erklären wohl, daß den -Franzosen, wie ihre Quellen sagen, in diesem Jahre verschiedene kleinere -Expeditionen nach der Küste Italiens geglückt sind. Ihr Landheer drang in -Norditalien siegreich vor, auch neapolitanische Truppen waren wieder im -Felde. Ferner trat =Genua= auf Frankreichs Seite; eine Division der -englischen Flotte beschoß deshalb einige Küstenplätze dieser Republik und -unterstützte die gegen sie aufgestandenen Corsicaner bei der Eroberung -von Bastia. - -Vom =Kanal und Atlantik= berichten die Quellen für das Jahr 1745 außer -Zusammenstößen zwischen einzelnen Schiffen oder ganz kleinen -Divisionen[55] wenig. Erwähnenswert ist, daß es den Franzosen auch von -Brest aus glückte, zweimal Verstärkungen an Kriegsschiffen nach -Westindien zu senden, deren eine einen großen Konvoi von Kauffahrern und -Transportern deckte; dagegen war es nicht gelungen, rechtzeitig eine -Unterstützung nach Nordamerika auslaufen zu lassen, um die bedrohte -Festung Louisbourg zu retten. Ferner fällt in dieses Jahr =die Erhebung -Schottlands=. Ihr Verlauf ist auf Seite 53 geschildert, hier sei das -seemännisch Bemerkenswerte hinzugefügt. - - [55] Die zahlreichen kleinen Gefechte, die bei der Ausübung des Kleinen - und Handelskrieges sowie auch bei der Beobachtung der - französischen Häfen durch die Engländer vorfielen, übergehen wir. - Man findet die bemerkenswertesten in den Spezialwerken, so z. B. - in Clowes, Kapitel »Minor actions«, und in Troude. - - $Prinz Karl Eduard In Schottland 1745.$ Der Prinz schiffte sich Mitte - Juni in St. Nazaire auf einem kleinen Fahrzeuge (»Dentelle«, 18 - Kanonen), mit nur wenigen Begleitern, mit Waffen für 2000 Mann und etwa - 2000 Lstrl. an Geldmitteln, ein. Ein für Freibeuterzwecke ausgerüstetes - Schiff der Königlichen Marine (»Elisabeth«, 64 Kanonen) sollte zum - Schutz dienen und schlug auch auf der Höhe von Brest den Angriff des - englischen Kreuzers »Lion« von 50 Kanonen ab; ohne weitere Belästigung - erreichte dann der Prinz im Juli Schottland. Seine anfänglichen Erfolge - sind bekannt, doch erhielt er von Frankreich zu geringe Unterstützung. - Die meisten der kleineren Fahrzeuge (Freibeuterschiffe), mit denen - seine Anhänger in Frankreich ihm Freiwillige sowie Hilfsmittel senden - wollten, wurden von den englischen Geschwadern weggefangen, die im - Kanal und an der schottischen Küste kreuzten; das Gros der Kanalflotte - unter =Admiral Vernon= beobachtete von den Downs aus Dünkirchen und - Calais auf eine ernstere Bedrohung durch Frankreich. Es gereicht aber - der englischen Marine nicht gerade zum Ruhme, daß es im Dezember 1745 - einer Flottille von 7 Fahrzeugen gelang, bei Montrose 700 Mann zu - landen und einen Angriff englischer Schiffe abzuweisen; auch im Mai - 1746 schlugen zwei Freibeuter kleine englische Kriegsschiffe aus dem - Felde und brachten einige schottische Rebellenführer nach Frankreich. - Im Herbst desselben Jahres holte ein französischer Freibeuter den - Prinzen von den Hebriden nach der Bretagne zurück; dies war der dritte - Versuch, den Prinzen zu retten. - -Die französischen Marineschriftsteller vertreten die Ansicht, daß für -Frankreich nie, weder zur Zeit Ludwigs XIV. noch später während der -Republik und des Kaiserreichs, eine so =günstige Gelegenheit zu einem -Einfall in England= sich geboten habe, wie bei dieser Erhebung -Schottlands; auch englische Autoren bezeichnen die damalige Lage als -gefährlich. England war von Truppen entblößt und in Belgien geschlagen; -die englischen Seestreitkräfte scheinen anfangs schwach und zerstreut -gewesen zu sein. (Der Oberbefehlshaber =Vernon=, allerdings durch seine -Opposition bekannt, sprach der Admiralität gegenüber spöttisch von »zwei -Flaggoffizieren in den Downs mit noch einem 40-Kanonenschiff, um damit -die Schlachtlinie zu bilden«.) Auch in Frankreich erhoben sich gewichtige -Stimmen für die Benutzung der günstigen Gelegenheit und für die -Ausführung des Planes von 1744. Vorbereitungen wenigstens wurden -getroffen. Lacour berichtet hierüber (A. a. O. Seite 158 ff; hier im -Auszuge): - -»Dem Prinzen Karl Eduard war von einflußreichen Personen gesagt, wenn er -in Schottland gelandet sei, so könne der König nicht umhin, ihn zu -unterstützen. Der Marschall de Noailles erklärte dem Könige, wenn er in -London wirklich die Messe lesen lassen wolle, so müsse er jetzt 30000 -Mann hinübersenden. -- Gegen 30000 Mann waren unter dem =Herzog von -Richelieu= bei Calais versammelt und man traf Vorbereitungen zur -Überführung, ja es scheint einige Male schon mit der Einschiffung -begonnen zu sein; =Voltaire= hatte einen Aufruf an das englische Volk -entworfen. -- Während 72 Stunden, vom 31. Dezember 1745 bis zum 3. Januar -1746, wehte SSO-Wind, den Weg freimachend von der englischen Flotte und -der Überfahrt günstig; Vernon schrieb in jener Zeit an den Kommandanten -von Deal, er würde nicht imstande sein, unter diesen Umständen die -Überfahrt der Franzosen zu hindern. Jetzt hatte aber weder der König, -noch die Minister, noch Richelieu mehr Interesse für den Plan, und im -Februar erklärte Moritz von Sachsen, daß Richelieu ihm von -unüberwindlichen Hindernissen berichtet und ihm die für das Unternehmen -bestimmten Truppen zurückgesandt habe.« - -Lacour schließt mit der Bemerkung, man höre in den Aufzeichnungen jener -Zeit das Echo der allgemeinen Entrüstung in Frankreich über das Aufgeben -des Planes. Nun, so ganz leicht wäre die Ausführung doch wohl nicht -gewesen und im Winter 1745/46 war es sicher schon zu spät. Um diese Zeit -hatte man in England die Verteidigung planmäßig geordnet; die Hauptflotte -lag in den Downs und je ein Geschwader in Plymouth, in der Themsemündung -sowie vor der schottischen Küste, abgezweigte Divisionen und einzelne -Kreuzer schwärmten auf See. - -$Im Jahre 1746$ stand der Krieg in Flandern für England schlecht; die -Franzosen hatten sich Belgiens bemächtigt und bedrohten Holland; dabei -hatte man von diesem Kriegsschauplatze Truppen gegen die Schotten -abberufen müssen. Man beabsichtigte deshalb, durch einen =Vorstoß gegen -die französische Küste= (=gegen Lorient=) französische Truppen aus -Flandern wegzuziehen und so gleichzeitig der öffentlichen Meinung -Rechnung zu tragen. Schon früher waren Vorbereitungen getroffen, den -Kolonisten in Amerika eine ansehnliche Hilfstruppe zu einem Angriff auf -Quebec zu senden. Frankreich erhielt hiervon Kenntnis und traf die -gleiche Maßregel, sandte zur Wiedereroberung Louisbourgs von Brest Ende -Juni 11 Linienschiffe unter dem =Duc d'Anville= nebst einem -Truppentransport ab, während die englische Expedition unterblieb. Um die -dadurch in England hervorgerufene Entrüstung zu besänftigen, erklärte die -Regierung, daß die für die Kolonie gesammelten Kräfte jetzt gegen -Frankreich selber verwendet werden würden. - -Nach einigen englischen Quellen ist es bis jetzt nicht aufgeklärt, -weshalb die Unterstützung für Amerika nicht entsendet wurde; andere -führen an, die Expedition sei zunächst durch »gewisse Umstände« verzögert -und später wegen zu weit vorgeschrittener Jahreszeit aufgegeben. Es ist -möglich, daß man zu Anfang des Jahres 1746, ehe der schottische Aufstand -niedergeschlagen war, Schiffe und Truppen der Heimat nicht zu entziehen -wagte, aber im April war Karl Eduards Sache durch die Niederlage bei -Culloden bereits völlig verloren und Frankreich hatte den Einfall in -England schon früher aufgegeben. Da ist es verwunderlich, daß die -Expedition nicht abging, ja daß man nicht einmal versuchte, die -französische Unternehmung zu verhindern, die doch ein Gegenstoß gegen die -beabsichtigte eigene sein sollte. Aber es wurde nichts Ernstliches gegen -das Sammeln der feindlichen Kriegsschiffe und Transporter getan, die in -verschiedenen Häfen ausgerüstet werden mußten. Nur durch ein Blockieren -von St. Malo ist ihr Zusammentritt um einige Wochen verzögert, gegen das -Auslaufen der großen Flotte im Juni wurde nicht vorgegangen. Daß England -hierzu nicht imstande gewesen wäre, kann man bei der Überlegenheit seiner -Marine kaum annehmen. Colomb (»naval warfare«) erblickt hierin wohl mit -Recht einen strategischen Fehler. Mit dem Vorstoß gegen Lorient wollte -man nun diesen einigermaßen wieder gut machen. - -Aber wäre der Angriff auch wirklich mit Erfolg gekrönt worden, so würde -es doch nur ein Ausgleich gegen etwa von den Franzosen in Amerika -errungene Vorteile gewesen sein, nur ein geringer Gewinn für die -überlegene Seemacht. Man wählte Lorient als geeignetsten Angriffspunkt, -da die Stadt einerseits nur schwach befestigt war und anderseits als -Hauptstapelplatz der französisch-ostindischen Kompagnie reiche Beute -versprach; man hoffte ferner, daß man von hier aus in der Bretagne den -protestantischen Teil der Bevölkerung (besonders in La Rochelle) zum -Aufstand bringen und dann, von der See her stets unterstützt, weiter in -die Provinz eindringen könne. Nicht genügend vorbereitet und mangelhaft -durchgeführt, schlug das Unternehmen völlig fehl. - - $Der englische Angriff auf Lorient 1746.$ In Portsmouth wurden auf 40 - Fahrzeugen 7000-8000 Mann unter Generalleutnant =St. Clair= - eingeschifft; =Admiral Lestock= deckte den Transport mit einem Teil der - Kanalflotte, sandte einige Schiffe zur Erkundung der Küste voraus und - folgte Mitte August mit dem Transport; er erreichte aber widriger Winde - halber erst Ende September die Insel de Groix. Nach französischen - Angaben hätte er leicht in die Bucht von Lorient einlaufen können, da - die Orte Port Louis und Lorient kaum befestigt und nur von wenigen - Kompagnien Küstenwache (Miliz) besetzt waren. Seestreitkräfte waren gar - nicht zur Stelle, in Brest scheint man weder das Passieren der - Erkundungsdivision, noch das der 50 Segel starken Flotte bemerkt zu - haben; die englischen Führer scheinen aber auch hiervon weder durch - ihre Behörden daheim noch durch Erkundung Kenntnis gehabt zu haben. Man - versuchte gar kein gewaltsames Eindringen, sondern landete am 1. - Oktober etwa 15 Kilometer westlich von Lorient an der Mündung des - Quimperlé. Der Kommandant der bedrohten Stadt bot in Eile alle - erreichbaren, wenn auch kaum regelrecht bewaffneten Milizen auf und - verstärkte die Befestigungen, war aber doch zur Übergabe geneigt, wenn - der Gegner vom Beutemachen absehen wollte. Die Engländer gingen hierauf - nicht ein, sondern rückten auf Lorient vor; sie kamen jedoch wegen - ungünstigen Geländes nur langsam vorwärts, und der Angriff stockte vor - der Stadt, weil jegliches Belagerungsmaterial fehlte. Am 7. Oktober - gaben sie die Berennung auf und schifften die Truppen wieder ein; wie - französische Angaben sagen, zum Erstaunen des Kommandanten, der gerade - beschlossen habe, die Stadt auf jede Bedingung hin zu übergeben. Als - Beispiel der mangelhaften Ausrüstung der englischen Expedition sei - erwähnt, daß der General auf seine Bitte um eine Karte der Bretagne - durch Eilboten eine solche der Gascogne erhielt. - - Darauf landeten die Engländer bei =Quiberon=, gaben aber auch hier nach - wenigen Tagen die Operationen auf, nur die Inseln =Houat= und =Hoedik= - wurden gebrandschatzt und ihre Befestigungen zerstört. Am 23. Oktober - ging die Flotte nach England zurück. - -Ruhm gewannen die Engländer bei diesem Unternehmen nicht. =Moritz von -Sachsen= erhielt allerdings Befehl, Truppen nach der Bretagne zu werfen, -doch inzwischen hatte er durch seinen Sieg bei =Rocoux= neue große -Erfolge errungen und fühlte die Schwächung nicht. Bemerkenswert ist die -berechtigte Klage französischer Quellen über die traurige maritime -Verfassung Frankreichs, infolge deren eine so wichtige Küstenstadt fast -widerstandslos gelassen war, und die nicht einmal starke feindliche -Flotte wochenlang unter der Küste bleiben und mehrfach landen konnte, -ohne von Brest oder Rochefort aus bedroht zu werden. - -=Im Mittelmeer= beherrschten 1746 die englischen Seestreitkräfte, -insgesamt etwa 30 Linienschiffe, die See und unterstützten das -österreichisch-sardinische Heer bei der Einnahme von Genua und dem -Vordringen in die Provence. Eine Flottille leichterer Fahrzeuge deckte im -Dezember den Übergang über den Grenzfluß =Var=, die gegen 20 -Linienschiffe starke Flotte zwang die =Lerinischen Inseln= zur Übergabe -und beschoß die Stadt =Antibes=, die vom Heere berannt wurde. Die -Franzosen setzten schleunigst die sehr vernachlässigte und nur schwach -besetzte Stadt Toulon in notdürftigen Verteidigungszustand. - -$Im Jahre 1747$ kam das Vordringen des verbündeten Heeres allerdings bald -zum Stehen, da sich =Genua= in ihrem Rücken wieder empörte. Der -=Marschall Belle-Isle= entsetzte dann am 3. Februar Antibes und trieb die -Gegner über den Var zurück. Auch gelang es, trotz der englischen Flotte -die Lerinischen Inseln im Mai wiederzunehmen, sowie einige Male über -Corsica auf kleinen Fahrzeugen nach Genua Unterstützung zu bringen. Im -allgemeinen blieben jedoch die Engländer bis zum Ende des Krieges -($1748$) Herren der See im Mittelmeer und hielten die spanischen und -französischen Kriegsschiffe in ihren Häfen fest. Zur Unterbindung des -Verkehrs zwischen Frankreich und Italien rüsteten sie eine große Anzahl -kleinerer Fahrzeuge aus, die dicht unter der Küste kreuzten. Die Marinen -ihrer Gegner unternahmen im Mittelmeer nichts. Französische Quellen -sagen: »1748 =war die Erschöpfung an Schiffen, Ausrüstungsgegenständen -jeder Art, sowie an Personal in Toulon vollständig=.« - -$Die beiden Seeschlachten bei Kap Finisterre 1747$[56]. Auch in den -atlantischen Gewässern wurde die französische Flotte in diesem Jahre -völlig lahmgelegt. Die englische Admiralität scheint von nun an über die -Absichten und Bewegungen des Feindes besser unterrichtet zu sein als -bisher und war auch imstande, ihm kräftig entgegenzutreten. Zunächst -hatten die Franzosen zwei Geschwader ausgerüstet, von denen das eine, 3 -Linienschiffe, 2 Fregatten, unter dem Chef d'Escadre =de la Jonquière= -etwa 30 Transporter von Brest nach Kanada begleiten, das andere, 3 -Linienschiffe und einige größere Schiffe der ostindischen Kompagnie unter -=Grout de St. George=, einem Offizier genannter Kompagnie, mit einigen -Kauffahrern von Lorient nach Ostindien segeln sollte. - - [56] Nach Clowes, Band III; Troude, Band I; Bonfils, Band II; Lacour, - Band I. - -Beide Geschwader gingen im März 1747 in See, wurden jedoch durch Sturm -genötigt, auf der Rhede von l'Ile d'Aix, zwischen der Mündung der -Charente und der Insel Oléron, einem beliebten Anker- und Sammelplatz für -größere Verbände, zu ankern. Sie beschlossen, der größeren Sicherheit -halber, von hier aus vorläufig gemeinsam weiter zu segeln und liefen am -10 Mai aus. Ein Linienschiff unter Kapitän =Bouvet de Lozier= und 4 -Ostindienfahrer des zweiten Geschwaders, die im Sturm abgekommen waren, -hatten die Reise fortgesetzt und erreichten Indien. Von England waren -Mitte April Vizeadmiral =George Anson= und Kontreadmiral =Peter Warren= -mit 17 Schiffen in See gegangen; sie kreuzten auf der Höhe von Kap -Finisterre und stießen am 14. Mai etwa 75 Seemeilen nordwestlich des Kaps -auf die Gegner. Auffallenderweise haben die sonst bisher stets so gut -unterrichteten Franzosen keine Kenntnis von der Anwesenheit Ansons in -den spanischen Gewässern gehabt und in dem nun folgenden, höchst -ungleichen Kampfe wurden sie vernichtend geschlagen. - - $Die erste Schlacht bei Kap Finisterre, 14. Mai 1747.$ Als die Gegner - einander sichteten, standen die Engländer bei nördlichem Winde östlich - von den Franzosen. =De la Jonquière= ließ durch eine Fregatte die - Stärke des Feindes feststellen und befahl dann den Kriegsschiffen sowie - den armierten Schiffen der Kompagnie, die Schlachtlinie zu bilden, der - Konvoi sollte unter Deckung der einen Fregatte, eines kleineren - Kriegsschiffes und eines Kompagnieschiffes mit raumem Winde das Weite - suchen. Seine Linie bestand aus einem Schiffe zu 74 Kanonen (dem - Flaggschiff Grouts), 1 zu 64 (das eigene Flaggschiff), 1 zu 52, 2 zu - 50, 1 zu 40 und 5 Kompagnieschiffen zu 18-30 Kanonen. - - Auch =Anson= hatte die Schlachtlinie angeordnet, sobald er aber die - Schwäche des Feindes erkannte, befahl er »allgemeine Jagd«; seine - Flotte -- 1 Schiff zu 90, 1 zu 74, 9 zu 60-66, 3 zu 56, 1 zu 40 Kanonen - sowie einige kleinere -- ging nun ohne besondere Ordnung so schnell wie - möglich an den Feind. Dieser blieb nicht lange in Ordnung; 2 - Kompagnieschiffe brachen sofort aus, 2 andere sowie auch ein - 50-Kanonenschiff strichen schon nach kurzem Kampfe die Flagge. So wurde - es den Engländern leicht, die feindliche Linie an verschiedenen Stellen - zu durchbrechen und den Rest der Franzosen von beiden Seiten - anzugreifen. =De la Jonquière= gab nun den Befehl zum Rückzug mit - raumem Winde; es folgte ein laufendes Gefecht in der Melée, in dem nach - bewundernswerter Gegenwehr innerhalb von drei Stunden sämtliche - französische Schiffe der Übermacht erlagen. Um 7 Uhr abends drehte - =Anson= bei, ließ aber bis zur völligen Dunkelheit durch drei Schiffe - den Konvoi verfolgen, wobei noch die beiden ausgebrochenen - Kompagnieschiffe, das kleine Kriegsschiff und 6 Fahrzeuge des Konvois - genommen wurden. - - =Der Verlust= der Franzosen betrug also 5 Linienschiffe, 1 Fregatte, 1 - Kriegsfahrzeug und 5 große Kompagnieschiffe. Von der tapferen Gegenwehr - zeugten die großen Beschädigungen der Schiffe und der Verlust von 800 - Toten und Verwundeten, unter den letzteren der Admiral und sein - Flaggkapitän. Auch die Engländer büßten 520 Mann ein, aber die auf den - feindlichen Schiffen gemachte Beute hatte einen Wert von 300 000 Lstrl. - -Die zweite Schlacht erfolgte im Herbst. Am 6. Oktober 1747 verließen 250 -nach Westindien bestimmte Kauffahrer die Rhede von l'Ile d'Aix; sie -wurden gedeckt durch ein Brestgeschwader von 8 Linienschiffen, 1 Fregatte -unter dem Chef d'Escadre =de l'Etanduère=[57]. Von England war am 20. -August eine Flotte, 14 Linienschiffe und einige Fregatten, unter -Kontreadmiral =Edward Hawke=[58] zum Abfangen des Konvois ausgesandt und -sichtete ihn in der Biscaya am 25. Oktober -- etwa 270 Seemeilen nördlich -vom Kap Finisterre auf 47° 49' Nordbreite. Der französische Admiral nahm -den Kampf gegen den weit überlegenen Gegner auf, opferte seine -Kriegsschiffe und rettete dadurch den Konvoi. - - [57] =Les Herbiers, Marquis de l'Etanduère=, geb. 1682, Gardemarine - 1697, Lieutenant 1705, Capitaine 1727, Chef d'Escadre 1745, - gestorben 1750. Er hatte unter den tüchtigsten Führern gedient: - Pointis, du Casse, Guay-Trouin (Zug nach Rio), 1741 in Westindien - mit Auszeichnung, 1744 bei Toulon. - - [58] =Sir Edward Hawke=, geb. 1705, Kapitän 1734, Kontreadmiral 1747, - Vizeadmiral 1748, Admiral 1757, Admiral of the Fleet 1768, vom - Dezember 1766 bis Januar 1771 Erster Lord der Admiralität, - gestorben als Vizeadmiral von England 1781. Tat sich schon als - Kommandant der »Berwick« bei Toulon hervor und zeichnete sich - später im Siebenjährigen Kriege als Flottenführer aus: Sieg bei - Quiberon über de Conflans 1759. Vielfach kommandierte er die - englische Hauptflotte vor der französischen Atlantikküste, und er - hat wohl den Grund für die strikte Durchführung der Blockade - gelegt, die in den napoleonischen Kriegen so großen Erfolg - davontrug. - - $Die zweite Schlacht bei Kap Finisterre, 25. Oktober 1747.$ =De - l'Etanduère= wußte um die Anwesenheit der englischen Flotte in der Nähe - von Kap Finisterre. Er steuerte deshalb nach Verlassen der - französischen Küste zunächst nordöstlich, um das Kap auf weitere - Entfernung als sonst üblich zu umsegeln, wurde jedoch von zwei - versprengten oder abgezweigten englischen Schiffen gesehen; diese - riefen =Hawke= herbei. Als sich die Gegner am 25. Oktober in der Frühe - sichteten, segelte der Konvoi mit raumem westlichen Winde zwischen zwei - deckenden Kolonnen, von denen die eine in Lee aus den 8 Linienschiffen, - die andere zu Luward aus einem 64-Kanonenschiff der westindischen - Kompagnie, der Fregatte und 6 gut segelnden Kauffahrern bestand; diese - Kolonnen sollten also wohl nur die große Zahl der Fahrzeuge - zusammenhalten. Der Admiral gab dem Konvoi und der Luvkolonne den - Befehl, sich in Lee der Linienschiffskolonnen zu begeben und dann nach - NO hin auszuweichen; mit den Linienschiffen bildete er die - Schlachtlinie über Steuerbordbug. - - Bei der großen Zahl der Kauffahrer erforderte dies Manöver längere - Zeit; die Linienschiffe mußten ihre Entfernungen voneinander erweitern, - um die Kauffahrer durchzulassen, und dann wieder schließen. So fanden - die Engländer Zeit, heranzukommen. =Hawke= hatte zuerst allgemeine Jagd - befohlen, bildete dann aber vorsichtshalber die Schlachtlinie, da man - viele große Schiffe sah; als er näher herankam und die geringe Zahl der - Kriegsschiffe erkannte, gab er wieder den Befehl zur allgemeinen Jagd. - Die Franzosen nahmen den Angriff unter Marssegeln auf, ihre vordersten - Schiffe braßten sogar back, um den hintern das Aufschließen zu - erleichtern. Die englische Flotte kam von hinten auf, ihre Schiffe - verteilten sich nach eigenem Gutdünken auf beide Seiten der - wohlgeordneten französischen Linie, bis diese in ihrer ganzen Länge - zwischen zwei Feuer genommen war. In der Linie lagen 1 Schiff zu 80 - Kanonen (das Flaggschiff), 4 zu 74, 2 zu 64 und 1 zu 50, während die - englische Flotte 1 Schiff zu 74, 1 zu 70, 10 zu 60-66 und 2 zu 50 - Kanonen zählte. Gegen diese Übermacht fochten die Franzosen mit einer - Ausdauer, die auch beim Gegner höchste Anerkennung fand. -- Gegen - Mittag hatten die vordersten englischen Schiffe das Feuer auf die - feindlichen Schlußschiffe eröffnet, erst um 4 Uhr nachmittags strich - das erste französische Schiff die Flagge, und es war 7 Uhr abends, als - 6 Schiffe, zerschossen und entmastet, genommen waren; dem Flaggschiff - und dem Vierundsiebziger gelang es sogar, sich aus dem Gefecht zu - ziehen und unbelästigt Brest zu erreichen, wobei das Flaggschiff - zeitweise von seinem Kameraden in Schlepp genommen wurde. - - =Der Verlust= an Mannschaften betrug auf französischer Seite 800, auf - englischer 712 Mann. Nach französischen Angaben haben die Franzosen - 1842 Schuß, die Engländer gegen 4000 abgegeben. Diese sollen viel - Kartätschen und Kettenkugeln (besonders wirksam gegen die Takelage), - verfeuert haben, Geschoßarten, von denen die Franzosen nur wenig an - Bord hatten. Die englischen Schiffe hatten gleichfalls so gelitten, daß - sie nicht daran denken konnten, den Konvoi zu verfolgen. =Admiral - Hawke= sandte jedoch sofort einen Schnellsegler nach Westindien, um - dort den Stationschef von der bevorstehenden Ankunft des Konvois zu - benachrichtigen, und so wurden immerhin durch Kriegsschiffe noch 20 - Kauffahrer (im Wert von 100 000 Lstrl.) und von Freibeutern weitere - zehn aufgebracht. - -=In den eben geschilderten Schlachten Ansons und Hawkes= siegten die -Engländer durch ihre Überlegenheit an Zahl, und die Führer handelten -richtig, wenn sie allgemeine Jagd anordneten. =Mahan= sagt hierzu: »Wenn -sich der Feind infolge einer Schlacht oder erheblicher Unterlegenheit zur -Flucht genötigt sieht, so soll man die Rücksicht auf eigene Ordnung bis -zu einem gewissen Grade außer acht lassen; der hierin vom Admiral -=Tourville= nach der Schlacht bei Beachy Head 1690 gemachte Fehler ist -dort erwähnt« (auch von uns, vgl. Band I, Seite 439). »Es kommt dann -darauf an, den Gegner zu überholen oder festzuhalten, und dies kann mit -Sicherheit nur erreicht werden, wenn man die schnellsten oder die zur -Verfolgung in günstigster Lage befindlichen eigenen Schiffe ihren Vorteil -ausnutzen läßt; diese werden die langsamsten Schiffe des Gegners -einholen, die dann verloren sind oder die Gesamtstreitmacht nötigen, sich -zu stellen.« - -Auch die französischen Admirale verfuhren in beiden Schlachten richtig, -wenn sie sich mit den Kampfschiffen zwischen ihre Schutzbefohlenen und -den Feind legten. =Jonquière= erreichte seinen Zweck nicht ganz, weil er -von verschiedenen Schiffen im Stich gelassen wurde; der glänzenden -Verteidigung =l'Etanduères= aber war die Rettung des wertvollen Konvois -zu danken. -- Daß die deckenden Geschwader so klein bemessen waren, -spricht nicht für die Leitung der französischen Marine oder bezeugt ihre -Schwäche. Im ersten Falle handelte es sich allerdings nur um kleine -Unterstützungen für die fernen Kriegsschauplätze, und solche waren in den -letztverflossenen Jahren häufig dem Gegner entgangen; im zweiten Falle -aber hätte man, durch den ersten Verlust gewitzigt, dem ungeheuer großen -Konvoi, der viel schwerer unbemerkt durchschlüpfen konnte, doch einen -stärkeren Schutz zuteil werden lassen müssen. - - Das Jahr 1747 brachte zwischen beiden Schlachten noch $weitere - bemerkenswerte Verluste der Franzosen$. Am 1. Juli 1747 stieß Kapitän - =Fox= mit 4 Linienschiffen und 2 schweren Fregatten in der Bucht von - Biscaya auf einen großen Konvoi heimkehrender französischer - Westindienfahrer, dem er schon seit Mai auflauerte. Der Führer der - Bedeckung (3 Linienschiffe und 1 Fregatte), Kapitän =Dubois de - Lamotte=, machte zwar zunächst Miene, durch Aufnahme des Kampfes den - Feind festzuhalten, führte diese Absicht aber nicht durch, sondern gab - den Kauffahrern den Befehl, sich auf eigene Faust zu bergen. Er räumte - mit seinen Kriegsschiffen das Feld und führte diese wohlbehalten nach - Brest, aber 47 seiner Schutzbefohlenen fielen den Engländern in die - Hände. -- Wenige Tage später jagte Admiral =Warren=, zweiter Admiral - auf Ansons Flotte, ein französisches Kriegsschiff nebst 5 - Handelsschiffen bei Kap Finisterre auf den Strand und nahm oder - verbrannte sie. - -Nach dem Verlust von 11 Linienschiffen in den beiden Schlachten scheint -=Frankreichs Marine auch im Atlantik erschöpft= gewesen zu sein, und es -zeigen sich dort keine Seestreitkräfte von Bedeutung mehr. Man hört nur --- es klingt fast wie ein Scherz -- von der Indienststellung eines zwei -Fregatten starken »fliegenden Geschwaders« zum Schutz der atlantischen -Küste. Diese kleine Macht fing zwar einige Freibeuter und bestand sogar -ein Gefecht mit stärkeren Kriegsschiffen, konnte aber selbstverständlich -nicht hindern, daß die eigenen Kaper genommen und der Handel schwer -geschädigt wurde. Nach der zweiten Schlacht bei Finisterre kreuzten -nämlich in den Jahren 1747 und auch $1748$ bis zum Friedensschluß stets -mehrere englische Geschwader, von Flandern bis Gibraltar verteilt, vor -der französischen und spanischen Küste. - - $Die Beteiligung der holländischen Marine am Kriege$ beschränkte sich - auf die europäischen Gewässer und bot tatsächlich kaum eine - Unterstützung für England[59]. Beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich - 1744 war dies berechtigt -- insbesondere infolge des französischen - Versuches, in Großbritannien zu landen --, auf Grund des alten - Vertrages von 1678 von Holland 23 Kriegsschiffe zur Unterstützung zu - fordern. Die Generalstaaten wollten dem Verlangen zwar entsprechen, - aber der traurige Zustand der Marine und der Geldmangel bei den - Admiralitäten erlaubten dies zunächst nicht. Erst Anfang August gingen - 8 Linienschiffe -- 1 zu 72, 1 zu 64, 6 zu 54 Kanonen -- unter dem - Leutnant-Admiral =Grave=, 2 Vize- und einem Kontreadmiral nach - Spithead; 4 Fregatten, die noch bereit waren, mußten in die Nordsee - gesandt werden, um die zurückerwarteten Ostindienfahrer aufzunehmen. - - [59] Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 182 ff. -- Den traurigen - Zustand der holländischen Marine um 1744 haben wir schon - geschildert. Vgl. Seite 59 und Band I, Seite 500. - - Kennzeichnend für die jetzige Bedeutungslosigkeit der holländischen - Marine ist, daß die Schiffe die englische Gösch auf dem Bugspriet - führten; allerdings sagte man, es geschehe nur, um Frankreich gegenüber - ausdrücklich hervorzuheben, die Schiffe seien ein vertragsmäßiges - Hilfsgeschwader, nicht aber Streitkräfte einer selbständig - kriegführenden Macht. (Also ein ähnliches Verhältnis wie das der - französischen Schiffe vor 1744 zu Spanien.) Die Linienschiffe machten - 1744 die Reise des Admirals =Balchen= in die spanischen Gewässer mit, - doch fielen drei bald aus, da sie wegen ihres schlechten Zustandes und - Krankheit an Bord Lissabon als Nothafen anlaufen mußten. Im Laufe des - nachfolgenden Winters wurde das holländische Kontingent nach und nach - wirklich auf 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten gebracht, der - Zustand der Schiffe war jedoch derart, daß sie sich nur einige Male und - noch nicht vollzählig an den Kreuzfahrten der englischen Geschwader - beteiligen konnten; meist lagen sie untätig in den Häfen, und schon im - April 1746 wurden mit Bewilligung Englands 8 Schiffe wieder - zurückgezogen. - - Das Verhältnis zwischen England und Holland in maritimen - Angelegenheiten war schlecht. Holland erhob Klage, daß die Engländer in - den auswärtigen Gewässern bei ihrer Jagd auf französische und spanische - Kauffahrer auch holländische belästigten; die holländischen - Seeoffiziere waren empört, daß ihre älteren Flaggoffiziere unter - jüngere englische gestellt wurden und warfen ihrem Chef zu großes - Entgegenkommen vor. Im Winter 1745/46 kehrte der Rest der Schiffe nach - Holland zurück und damit unterblieb die Gestellung eines - Hilfsgeschwaders vorläufig ganz, weil man die schwachen Kräfte - notwendig selber gebrauchte. -- Schon von 1745 an waren ältere - Linienschiffe (sogenannte »Ausleger«, d. i. wohl »Wachtschiffe«) nebst - kleineren Fahrzeugen in der Schelde stationiert, hier unter - österreichischer Flagge, wiederum nur als Hilfskräfte; als 1746 die - Franzosen näher an Holland herankamen, wurden diese vermehrt, nur unter - holländischer Flagge. Die anderen Küsteneinfahrten besetzte man - ähnlich; man zog dazu auch noch Schiffe der ostindischen Kompagnie und - sonst geeignete Kauffahrer heran. - - An eigentlichen Kriegsschiffen sind in den Jahren 1746 und 1747 einige - zwanzig im Dienst gewesen, von denen aber der größere Teil zum Schutze - des Handels in auswärtigen Gewässern Verwendung fand. An der eigenen - Küste kreuzten nur wenige (3 oder 5), so daß man sich genötigt sah, - 1747 England um Unterstützung durch ein Geschwader zu bitten, als man - einen französischen Angriff von Sas van Gent aus gegen Walcheren - befürchtete. =De Jonge= klagt: »Fremde Schiffe mußten herbeigerufen - werden, um Vlissingen, den Geburtsort unserer großen Admirale Ruyter, - Evertsen, Bankers, zu schützen!« Im Juli 1747 und im Januar 1748 - wurden nochmals kleine Geschwader von 6 Schiffen nach England gesandt, - die sich an Kreuzfahrten beteiligten. - - - Der Krieg in den Kolonien 1744-1748[60]. - -$Nordamerika.$ Mit der Kriegserklärung zwischen England und Frankreich -entbrannten sogleich wieder die Kämpfe unter ihren Kolonien in -Nordamerika. Die Franzosen waren hierbei die ersten auf dem Platze, -obgleich um 1744 Kanada nur 50000 weiße Einwohner gegen eine Million -- -in den vier Neuenglandstaaten allein schon 400000 -- in den englischen -Kolonien zählte. Auch die militärische Macht Frankreichs war gering. Der -Generalgouverneur von Kanada verfügte nur über 600 Soldaten und 1200 -Milizen; die Grenzforts hatte man zwar verstärkt, aber ernsten Angriffen -konnten sie kaum standhalten. Die Befestigungen Quebecs waren noch nicht -vollendet. Als wirklich starke Festung konnte nur Louisbourg auf der -Insel Breton gelten; hier standen 650 Soldaten und 800 Milizen. - - [60] Quellen vgl. Fußnote Seite 59; hierzu treten Zimmermann, Band II - und IV. -- Über die Stellung der kriegführenden Mächte in den - Kolonien um 1740 vgl. Seite 7 ff.; die Geschichte der Kolonien bis - 1740 vgl. Band I, Kapitel XII. - -Da aber die Kriegserklärung in Kanada weit früher bekannt wurde als in -Neuengland, glaubte der Kommandant von Louisbourg, =Duquesnel=, dem -Gegner durch Überraschung einen empfindlichen Schlag beibringen zu -können. Er ließ im Mai 1744 den englischen Militärposten =Canseau auf -Neuschottland= durch 400 Mann überrumpeln und die dortigen -Fischereianlagen zerstören; der Versuch, sich auch der Stadt Annapolis, -des ehemaligen Port Royal, zu bemächtigen, mißlang, die kleine Truppe -mußte abziehen, als ein englisches Kriegsschiff sowie Verstärkungen aus -Boston herankamen. Immerhin aber schien Neuschottland gefährdet, dessen -Kolonisten vielfach zu Frankreich neigten, und auch die Wegnahme -verschiedener englischer Handelsschiffe und Fischerfahrzeuge durch -französische Freibeuter erregte die englischen Kolonien. Sie hatten -anfangs keine kriegerischen Absichten und wären unter dem Einfluß -religiöser Streitigkeiten, Zwiste der Kolonien mit den Gouverneuren sowie -untereinander lieber neutral geblieben. Nur der Gouverneur von -Massachusetts-Maine (Hauptstadt Boston), =Shirley=, hatte in Voraussicht -eines Krieges Vorbereitungen getroffen und brachte jetzt auch die übrigen -Neuenglandstaaten zu einem =Angriff auf Louisbourg= zusammen. Man bat die -Regierung in England um Unterstützung durch Seestreitkräfte und zwar des -schnelleren Eintreffens wegen durch die in Westindien stationierten; -diesem Wunsche wurde entsprochen. - - $Die Einnahme von Louisbourg, Mai-Juni 1745.$ =Louisbourg= liegt am - Eingange eines kleinen vorzüglichen Hafens an der Ostküste der Insel - Breton. Die Umwallung der Stadt war für 148 Kanonen eingerichtet, von - denen man jedoch nur 64 aufgestellt hatte. Dazu traten 2 Batterien mit - 10 und 6 Mörsern, 2 Außenwerke mit 16 und 30 Kanonen (24-Pfünder), die - auch den Landzugang deckten, sowie 2 Batterien zu 35 und 34 Kanonen - (42-Pfünder), die den Hafen und seinen Eingang bestrichen und deren - eine auf einer kleinen Insel lag. Aber die Befestigungen auf der - Landseite waren noch nicht ganz fertig, und das schlechte Material - ihres Mauerwerkes konnte einer andauernden Beschießung nicht genügend - widerstehen. - - Die vier Neuenglandstaaten sammelten in Boston 4000 Mann Milizen unter - dem Befehl =Sir William Pepperels=, eines reichen Kaufmanns in Maine, - und führten diese, sobald die Nachricht vom Nahen eines Geschwaders - eingetroffen war, Anfang April 1745 auf 80 Fahrzeugen, gedeckt durch 11 - Freibeuter (zu je 20 Kanonen) nach Canseau. Hier wurden die Truppen - eingeübt, bis zu Ende des Monats Kommodore =Warren= mit 4 Schiffen (1 - zu 60, 3 zu 40 Kanonen) eintraf, zu denen im Laufe der Operationen noch - einige stießen. In den ersten Tagen des Mai landeten dann die Engländer - etwa vier Seemeilen südwestlich von Louisbourg in der Gabarusbucht; sie - wurden nicht weiter belästigt, nachdem das Feuer ihrer kleineren - Schiffe schwache feindliche Abteilungen vertrieben hatte. - - Die Verhältnisse lagen für die Franzosen sehr ungünstig. Zunächst - scheinen sie überrascht worden zu sein. In Frankreich hatte man zwar - von dem beabsichtigten Angriff Wind bekommen und sofort eine der - schnellsten Fregatten zur Benachrichtigung nach Louisbourg abgesandt, - aber diese wurde durch die Freibeuter Pepperels gehindert, die Festung - zu erreichen und ging nach Frankreich zurück. Ferner war einige Monate - vorher infolge schlechter Behandlung und ungenügender Löhnungszahlung - unter den französischen Soldaten eine nur mühsam unterdrückte Meuterei - entstanden; der Kommandant wagte nicht, die unzuverlässigen Leute dem - Feinde entgegenzuführen, um diesen am Landen und Festsetzen zu hindern. - Endlich befanden sich auch die Befestigungen der Stadt -- von den - Franzosen stolz das »amerikanische Dünkirchen« genannt -- keineswegs in - der Verfassung, die man nach den ungeheuren Ausgaben dafür (30 - Millionen?) hätte erwarten müssen. Die beiden letzten Umstände waren - dem Gouverneur Shirley bekannt und hatten ihn in seinem Plane bestärkt. - - Die englischen Truppen nahmen die Belagerung auf, während die Schiffe - den Hafen blockierten und jede Zufuhr abschnitten. =Warrens= Kräfte - bestanden bald aus 3 Schiffen zu 60, 1 zu 50, 3 zu 40 Kanonen und - mehreren kleineren, so daß er unbedingt Herr der See war. Er nahm - verschiedene Schiffe, so auch ein Linienschiff zu 64 Kanonen, das - Kriegsvorräte in die Stadt werfen sollte; dies war das einzige - Kriegsschiff, das zur Unterstützung von Frankreich kam, nachdem die - entsandte Fregatte die Nachricht vom Angriff dorthin überbracht hatte. - Wahrscheinlich sah man sich außerstande, mehr zu senden, teils weil die - Heimatshäfen blockiert wurden, teils weil in diesem Jahre zwei größere - Divisionen nach Westindien abgegangen waren. - - Warren versuchte, die Batterie auf der Insel mit Booten zu nehmen, aber - der erste Angriff scheiterte infolge von Nebel und der zweite wurde - blutig abgeschlagen, da die Franzosen die Besatzung beträchtlich - verstärkt hatten. Dagegen erbaute die Flotte gegenüber der Stadt an der - nur eine Seemeile breiten Einfahrt eine die Insel beherrschende - Batterie, und die Truppen nahmen einige Werke der Landseite ein. In der - Festung begannen Munition und Proviant knapp zu werden, auch erfuhr - man, daß auf eine Unterstützung von der Heimat nicht zu rechnen sei, - während die Belagerer Zufuhr an allem Nötigen erhielten. So - kapitulierte denn die Stadt am 26. Juni, als die Belagerer nach - wirksamer Beschießung einen allgemeinen Sturm vorbereiteten. Die - Berennung hatte 44 Tage gedauert, 600 Bomben und 9000 Kugeln waren - verfeuert; die Franzosen erlitten einen Verlust von 240 Toten, während - die Engländer nur 100 Mann einbüßten. - - Um Louisbourg besser als eigenen Stützpunkt verwerten zu können, - entfernten die Engländer die gefangenen Soldaten sowie die Einwohner, - schifften sie ein und landeten sie einige Monate später an der Küste - der Bretagne. -- In Anerkennung des Erfolges ward =Pepperel= die Würde - eines Baronets verliehen und Kommodore =Warren= zum Kontreadmiral - befördert. - -=Die Einnahme von Louisbourg= gilt als eins der besten Beispiele für -richtiges Zusammenwirken von Land- und Seestreitkräften bei Berennung -einer Küstenstadt. Jede Waffe blieb in ihrem Wirkungskreise: die -Landtruppen übernahmen die Hauptaufgabe; die Flotte versorgte, deckte und -unterstützte sie. Der Fall der Festung hatte =wichtige Folgen=. Für -England war es von großer Bedeutung, den Ausrüstungshafen für die -Freibeuter, den Stützpunkt zur Beherrschung des Eingangs in den -Lorenzgolf, genommen zu haben. Unter dem Eindruck des Erfolges -bewilligten nun auch die Mittelstaaten reiche Geldmittel für den Krieg; -das englische Parlament gestand den Kolonien den Ersatz ihrer Kosten für -das Unternehmen zu und zeigte sich jetzt geneigt, einen Angriff auf -Kanada tatkräftig zu unterstützen. Frankreich verlor mit der Stadt die -ganze Insel Breton, auch fiel eine große Zahl von Handelsschiffen, die -ohne Kenntnis der Ereignisse von Westindien nach Louisbourg kamen, in die -Hände des Gegners, eine Beute von 25 Millionen Lstrl. Quebec befand sich -in ernster Gefahr, seine Befestigungen wurden in Eile vervollständigt, -sowie Bündnisse mit Indianerstämmen abgeschlossen, auch bat man dringend -in Frankreich um Hilfe. - -Wie bereits erwähnt, führte die Absicht auf der einen Seite, den Erfolg -auszunützen, auf der andern, die Scharte auszuwetzen, $im Jahre 1746$ zu -Rüstungen in den Marinen Englands und Frankreichs. Während aber die -englische Unterstützung nicht abging, entsandte Frankreich, allerdings -verzögert, eine große Expedition. Unter dem Befehl des =Herzogs -d'Anville= verließen Ende Juni 1746 7 Schiffe zu 64 Kanonen, 4 zu 50-56, -3 Fregatten, 2 Korvetten und 52 Transporter mit 3500 Mann und reichem -Kriegsmaterial Frankreich; man wollte Louisbourg wiedererobern, mit Hilfe -der Kanadier ganz Akadien (vor allem Annapolis) wegnehmen und endlich -Boston angreifen. Als Sammelplatz der gesamten See- und Landstreitkräfte -war Chibouctu (das jetzige Halifax) bestimmt. Infolge verschiedener -Umstände schlug das Unternehmen fehl; zwei vorausgesandte Kriegsschiffe -trafen im Juli auf dem Sammelplatz ein, aber die große Flotte ließ lange -auf sich warten und war dann leistungsunfähig. - - $Die Expedition d'Anvilles nach Kanada 1746.$ D'Anville war wohl nicht - der geeignete Mann hierzu; zur Galerenflotte gehörig, deren Chef er - zuletzt gewesen war, stand er der Hochseeschiffahrt fern. Die - Ausrüstung der Expedition war sehr schlecht, teils infolge Geldmangels, - teils weil sie dem Intendanten übergeben war, der durch seine - Unzuverlässigkeit die erwähnte Meuterei in Louisbourg verschuldet - hatte. Die Flotte verließ am 22. Juni Frankreich, erreichte aber erst - am 10. September die Küste Neuschottlands. Hier wurde sie am 13. durch - einen schweren Sturm zerstreut, der zwei Fregatten bis in die Mitte des - Atlantiks trieb, von wo sie nach Frankreich zurückkehrten, einige - Schiffe wurden bis zu den Antillen verschlagen. Die übrigen ankerten am - 27. September vor Halifax. Sie befanden sich in traurigem Zustande; 800 - Soldaten und 1500 Matrosen lagen krank an Skorbut und Pocken, der Rest - konnte nicht vollen Dienst tun. =D'Anville= war am 25. einem Schlagfluß - erlegen, unter seinem Nachfolger =d'Estournelle= wurde zunächst in - einem Kriegsrate erwogen, ob man den Angriff auf Louisbourg durchführen - oder die Kräfte zu einem solchen auf Annapolis sowie zur Deckung von - Quebec teilen solle; der Streit hierüber erregte den erkrankten Chef - derart, daß er in Irrsinn verfiel und einen Selbstmordversuch machte. - Der auf ihn folgende Oberbefehlshaber =de la Jonquière= raffte sich - dann auf und führte Ende Oktober 4 Kriegsschiffe nebst einigen - Transportern mit 1100 Mann gegen =Annapolis=. Als er aber Kap Sable - umsegelte, litten die Schiffe sehr durch einen Sturm; er gab nun jede - weitere Unternehmung auf und ging nach Frankreich zurück, wo nach und - nach sämtliche Schiffe der Expedition, überfüllt mit Kranken, - eintrafen. - -Wenn so die Pläne Frankreichs scheiterten, Louisbourg wiederzunehmen und -in Akadia einzudringen, hatte doch auch England mit seinen Absichten für -das Jahr 1746 kein Glück. Unter Hinweis auf den allgemeinen Wunsch der -Neuengländer, Kanada zu erobern, war es dem Gouverneur =Shirley= -gelungen, die Kolonien und das Mutterland zu entschiedenem Vorgehen zu -bewegen; die Nachrichten über Frankreichs Rüstungen, sowie über Angriffe -der Kanadier auf die Grenzen hatten ihn dabei unterstützt. England -versprach die Entsendung einer starken Flotte mit Truppen, um Quebec -anzugreifen, gleichzeitig sollten die Milizen der Kolonien von New York -aus zu Lande gegen Kanada vorgehen. Aber die Flotte blieb eben aus, nur -einige Schiffe von Westindien unter Vizeadmiral =Townsend= trafen im -Frühjahr ein; =d'Anville= würde diesem weit überlegen gewesen sein, wenn -seine Flotte schlagfertig geblieben wäre. Als nun die französische -Expedition erschien, sahen sich die Kolonien genötigt, die bei Albany am -Hudson zum Vorstoß auf Kanada zusammengezogenen Milizen (10000 Mann) nach -Akadia und nach Boston zu werfen. Man vermochte aber trotzdem nicht, die -Kanadier völlig aus Neuschottland zu vertreiben, und mußte es außerdem -hinnehmen, daß die Grenzgebiete der Staaten New York, Connecticut und -Massachusetts durch die Franzosen sowie deren Indianerhorden fürchterlich -heimgesucht wurden. - -So war $im Frühjahr 1747$ die Lage für die Franzosen trotz ihrer geringen -Zahl und trotz des Fehlschlagens der großen Expedition nicht ungünstig; -kam jetzt rechtzeitig Hilfe aus Frankreich, so konnten die Pläne des -Jahres 1746 noch ausgeführt werden. Bekanntlich war man in Paris hierzu -entschlossen, aber das Geschwader =de la Jonquières= wurde bei Kap -Finisterre durch Anson vernichtet (14. Mai). Später war dann Frankreich -nicht mehr imstande, etwas für seine Kolonien zu tun, und Kanada hätte -einem ernstlichen Angriff nicht widerstehen können, aber ein solcher -erfolgte nicht; es kam in Nordamerika überhaupt nicht mehr zu größeren -Feindseligkeiten. Die Kolonien waren nach dem Verrauchen ihres ersten -Eifers ergrimmt über den Mangel an Unterstützung seitens des -Mutterlandes. Sie beschuldigten dieses sogar, die Eroberung von Kanada -gar nicht ernstlich zu wollen; tatsächlich scheint man in England durch -die ungünstige Lage der Dinge in Indien zu sehr in Anspruch genommen und -zum Frieden geneigt gewesen zu sein, um für Amerika noch weitere -Aufwendungen zu machen. - -Die Bedingungen des =Friedens zu Aachen= erregten die Entrüstung der -englischen Kolonisten, da das durch ihre Milizen eroberte Louisbourg -zurückgegeben wurde und nicht einmal die Grenzfragen Erledigung fanden. -Sie sahen den Frieden geradezu als auf ihre Kosten geschlossen an; es -soll allerdings in England die Ansicht laut geworden sein, daß nur die -Furcht vor der Nachbarschaft der Franzosen die Kolonien noch an das -Mutterland fessele, und daß man deshalb gut tue, sie nicht durch die -Eroberung Kanadas noch mächtiger und übermütiger zu machen. - -$Westindien.$ Wie bereits erwähnt (Seite 70), behielt Westindien nach -Ausbruch des förmlichen Krieges zwischen England und Frankreich 1744 als -Kriegsschauplatz nicht mehr die Bedeutung, die es während des Krieges -zwischen England und Spanien allein gehabt hatte. Engländer wie Franzosen -sandten zwar des öfteren nicht unbedeutende Seestreitkräfte in diese -Gewässer, doch hatte keine Partei jemals eine derartig überlegene Flotte -draußen, um größere Schläge zu planen. Es muß besonders für England -wundernehmen, daß es in den nächsten Jahren nicht imstande gewesen ist, -die volle Seeherrschaft zu erringen. Aber die Streitkräfte der -Jamaikastation waren meistens denen der Spanier bei Kuba und denen der -Franzosen bei Haiti nur eben gewachsen und die Antillenstation war häufig -sogar schwächer; von dieser wurden in den Jahren 1745 und 1746 mehrfach -Geschwader zur Verwendung in Nordamerika abgezweigt. - -So beschränkten sich denn die Gegner darauf, die eigenen Besitzungen, -sowie abgehende und ankommende Konvois zu decken und den Verkehr des -Feindes zu stören. Die Engländer waren wohl häufiger die Angreifer, und -es gelang ihnen auch zuweilen, größere französische Konvois zu nehmen -oder doch zu zerstreuen, mehrfach aber glückte es auch den Franzosen, -Handelsgeschwader hinaus- oder heimzuführen. Hierin zeichnete sich -besonders der Kapitän =de Conflans= aus; 1745 machten sie sogar einen -Angriff auf die Insel Anguilla und landeten 600 Mann, die jedoch von den -Einwohnern selber zur Wiedereinschiffung gezwungen wurden, obgleich diese -nur über 100 Bewaffnete geboten. Auf die Bewegungen der kleinen -Geschwader und der Konvois sowie auf die unbedeutenden Zusammenstöße -näher einzugehen, würde ermüden; man findet sie in den Spezialquellen (z. -B. Clowes, Band III, Troude, Band I, Lacour, Band I). =Der Kleine Krieg=, -die Schädigung des feindlichen Handels durch Freibeuter und einzelne -Kriegsschiffe, dürfte -- wie es bis 1744 der Fall gewesen, weil die -Engländer ihre Kräfte damals zu den Unternehmungen gegen spanische Städte -zusammenhielten -- weiter zu ihrem Nachteil ausgefallen sein, solange -sich die Seestreitkräfte der Gegner ungefähr die Wage hielten, da der -größere englische Handel eben mehr Angriffsgelegenheiten bot. - -Erst im letzten Jahre des Krieges wurde es anders, als die Marine -Frankreichs lahmgelegt war. =Das Jahr= 1748 bringt denn auch größere -Unternehmungen der Engländer, und zum ersten Male seit langer Zeit läßt -die spanische Flotte wieder von sich hören, und zwar Günstiges. - -$Angriffe der Engländer auf Port Louis und Santiago de Cuba.$ Im Februar -1748 verließ =Kontreadmiral Knowles= mit 7 Linienschiffen, 1 Schiff zu 50 -Kanonen und 2 kleineren Jamaika, um Santiago de Cuba anzugreifen. -Andauernde nördliche Winde hinderten ihn jedoch, dieses Ziel zu erreichen -und er wandte sich gegen =Port Louis= an der Südküste Haitis. Hier -konnten die Schiffe auf Pistolenschußweite an die Befestigungen -herangeführt werden und kämpften diese bald nieder. Den 257 Kanonen einer -Breitseite des englischen Geschwaders standen nur 78 in den Werken -gegenüber; der Angriff eines spanischen Branders wurde durch Boote -abgeschlagen, zwei andere Fahrzeuge dieser Art vernichtete man auf ihren -Liegeplätzen, ehe sie zum Angriff kamen. Die Stadt kapitulierte am 8. -März; die Angreifer hatten 70 Tote und Verwundete verloren, die Spanier -160 von den 600 Mann der Garnison. Dann segelte Knowles nach =Santiago de -Cuba=. Dies war stärker befestigt als zur Zeit der Berennung durch -Vernon. Trotzdem wollte Knowles die Einfahrt erzwingen, mochte auch -Vernon der Windverhältnisse wegen einen derartigen Versuch für -aussichtslos gehalten haben. Als jedoch die dazu bestimmten Schiffe -festgestellt hatten, daß die Einfahrt mittels einer Floßsperre und -dahinter bereitgehaltener Brander verteidigt war, gab man die Angriffe -auf und kehrte nach Jamaika zurück. - -$Das Gefecht vor Havanna, 1. Oktober 1748.$ Später erfuhr =Knowles=, daß -in Havanna die Silberflotte von Vera Cruz erwartet würde. Er ging mit 5 -Linienschiffen in See und kreuzte bei den Tortugasbänken. Kurz vorher -hatte ein nach England bestimmter Konvoi, gedeckt durch ein Linienschiff, -Jamaika verlassen und war wegen der Windverhältnisse gleichfalls durch -die Floridastraße gesegelt, anstatt wie üblich durch die Windwardpassage. -Dieser Konvoi traf am 29. September auf ein spanisches Geschwader; der -Führer des Linienschiffes befahl seinen Schutzbefohlenen, sich zu -zerstreuen, während er selber Knowles aufsuchte und auch schon am -nächsten Tage fand. Das englische Geschwader -- 1 Schiff zu 80 Kanonen -(das Flaggschiff), 1 zu 70, 4 zu 60, 1 zu 50 -- stieß am 1. Oktober -zwischen den genannten Bänken und Havanna auf das spanische -- 2 Schiffe -zu 74 Kanonen, 4 zu 64, 1 Fregatte zu 36 unter =Kontreadmiral Spinola= -- -griff sofort an und trug den Sieg davon. - - Die Spanier nahmen den Angriff in guter Ordnung, Kiellinie beim Winde, - auf, während von den Engländern zwei Schiffe noch zurückstanden; als um - 2 Uhr nachmittags das Nahgefecht begann, scheint der Kampf anfangs - nicht günstig für die Engländer verlaufen zu sein. Das englische - Flaggschiff wurde von dem spanischen so warm empfangen, daß es schon - nach einer halben Stunde die Linie verlassen mußte. Während es - ausbesserte, trieb durch Zufall auch ein beschädigtes spanisches Schiff - (64 Kanonen) in seine Nähe und wurde nun nach hartnäckiger Verteidigung - durch das weit überlegene englische genommen. Dieser Erfolg wird - besonders dem Umstande zugeschrieben, daß der Spanier dreimal durch - Mörserfeuer[61] des Engländers in Brand geschossen wurde. Inzwischen - hatten die zurückgebliebenen englischen Schiffe in den Kampf - eingegriffen und der spanische Admiral brach um 8 Uhr abends das - Gefecht ab. Die Spanier verloren 86 Tote und 197 Verwundete, die - Engländer 59 und 120. Erstere erreichten Havanna, büßten aber noch ein - zweites Schiff ein, das wegen seiner Beschädigungen vor dem Hafen - ankern und zwei Tage später verbrannt werden mußte, als sich die - Engländer näherten. - - [61] In einigen seltenen Fällen führten die englischen Schiffe einige - kleine Mörser -- »Coehorns« benannt nach ihrem Erfinder van - Coehoorn, einem holländischen Ingenieuroffizier, geb. 1641, gest. - 1704 -- so hatte auch hier das Flaggschiff acht derselben an Bord. - -Der Sieg war aber bei etwa gleichen Kräften für die Engländer ungewohnt -schwer zu erringen gewesen. =Admiral Knowles wurde= denn auch =vor ein -Kriegsgericht gestellt= unter der Anklage, angegriffen zu haben, ehe sein -Geschwader zusammen und in der vorgeschriebenen Ordnung gewesen sei (also -ähnlich wie =Mathews= bei Toulon). Er kam aber mit einem Verweise davon, -obgleich man ihm auch noch vorwarf, daß er nach dem Ausfall seines -Flaggschiffes nicht auf ein anderes Schiff übergegangen sei. - -Nach dem Gefecht kreuzte das Geschwader weiter, um die Silberflotte -abzufangen, bis der Befehl eintraf, die Feindseligkeiten wegen -bevorstehenden Friedensschlusses abzubrechen. - -$Ostindien$[62]. Hier stand Frankreichs Sache vor Ausbruch des Krieges -sehr günstig. Die französische Kompagnie schien der englischen den Rang -ablaufen zu wollen; um 1740 beschäftigte sie 40 Schiffe, und auch der -Handel mit China hatte bedeutend zugenommen. Ihr Besitz bei Pondichery -war unter dem Gouverneur =Dumas= in den Jahren 1739-1741 auf friedlichem -Wege durch Gewinnung der Stadt Karikal bei Negapatam sehr erweitert; die -Station Chandernagor am Ganges hatte unter =Dupleix= große Fortschritte -gemacht; die Inseln Isle de France und Bourbon waren unter -=Labourdonnaye= leistungsfähige Stützpunkte auf dem Wege nach Indien -geworden. 1741 übernahm Dupleix an Stelle des erkrankten Dumas die -Station Pondichery; in ihm und Labourdonnaye besaß Frankreich bei -Ausbruch des Krieges zwei hervorragende Männer in Indien. Wenn diese in -richtiger Weise zusammengearbeitet hätten und von der Heimat genügend -unterstützt worden wären, so hätten sie die englischen Niederlassungen -vielleicht zugrunde richten können, beides aber traf nicht zu. - - [62] Siehe die Anmerkung Seite 93. - - Bertrand François =Mahé de Labourdonnaye=, Offizier der ostindischen - Kompagnie und seit 1735 Gouverneur der Maskareneninseln, befand sich - 1740 in Frankreich. Da der Krieg mit England vorauszusehen war, stellte - er der Regierung vor, wie wichtig es sei, sich bei dessen Ausbruch mit - starken Seestreitkräften sofort die Herrschaft in den indischen - Gewässern zu sichern, um den Handel Englands lahmzulegen und die - englischen Besitzungen wegzunehmen. Die Regierung ging hierauf ein und - bewirkte, daß ihm die Kompagnie bei seiner Rückreise (April 1741) fünf - große wohl ausgerüstete Schiffe mit 1200 Seeleuten zur Verfügung - stellte. Dieses Geschwader sollte auch alsbald nützlich werden; mit - seiner Hilfe wurde im Dezember 1741 =Mahé= befreit, das auf Betreiben - der Engländer durch einige indische Fürsten bedroht war. Als aber - Labourdonnaye dann wieder in Isle de France eintraf, erhielt er Befehl, - die Schiffe nach Frankreich zurückzusenden. Die Kompagnie war nämlich - dem Kriege abgeneigt. Sie hoffte, sich mit der englischen Kompagnie - über Neutralität zu einigen; sie fürchtete auch wohl, von der eigenen - Regierung zu abhängig zu werden, wenn die Gouverneure, wie es bei - Labourdonnaye geschehen war, zuviel Gewalt über die Beamten der - Kompagnie erhielten. Die Regierung, schwankend, wie sie unter Ludwig - XV. stets war, ließ sich davon überzeugen, daß sich bei dem Interesse, - das beide Kompagnien am Frieden hätten, ein Kampf in Indien sicher - vermeiden lassen würde. So sah sich =Labourdonnaye= bei Ausbruch des - Krieges auf seine eigenen Kräfte angewiesen. - - Der Gouverneur =Joseph François Dupleix=, Sohn eines Direktors der - Kompagnie und in deren Verwaltungsdienste aufgewachsen, hatte - gleichfalls große Pläne. Er beabsichtigte, ohne die Handelsbeziehungen - außer acht zu lassen, in Indien ein Reich zu gründen, in dem Frankreich - über eine große Anzahl eingeborener Vasallenfürsten herrschen sollte. - Aber auch dieser Plan fand keinen Anklang bei der Kompagnie. Sie wollte - sich möglichst auf den Handel beschränken und fürchtete auch wohl, daß - ein derartiges Vorgehen die Erhaltung des Friedens unmöglich machen - würde. 1743 erhielt Dupleix den Befehl, alle Ausgaben für Bauten, - Befestigungen usw. tunlichst einzuschränken. So war auch er auf eigene - Kraft allein angewiesen; die von ihm auf höhere Anordnung 1744 - eingeleiteten Unterhandlungen mit dem englischen Gouverneur in Madras - behufs eines Neutralitätsabkommens wurden abgelehnt, da die Engländer - eine Flotte erwarteten. - -=Labourdonnaye und Dupleix= gerieten im Verlauf der Ereignisse durch eine -ernste Meinungsverschiedenheit über die Maßregeln zur Durchführung des -Kampfes in =Zwiespalt=. Labourdonnaye sah als Seeoffizier den Kampf um -die Seeherrschaft als die erste und wichtigste Aufgabe an, Dupleix hatte -mehr die Eroberungen am Lande im Auge. Es ist wohl sicher, daß die -Seeherrschaft nicht nur für den Krieg, sondern auch für die großen Pläne -Dupleix' überhaupt nötig war; auch ein französischer Autor, der sonst -diese Pläne hoch einschätzt, Henry Martin, sagt in seiner »Histoire de -France«: »Schwäche zur See war der Hauptgrund, der die Fortschritte -Dupleix' hemmte.« - -Anfangs waren beide Männer von feurigem Patriotismus beseelt, einig, und -beide bereiteten sich mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf den -Krieg vor. =Dupleix= befestigte auf eigene Faust und zum Teil auf eigene -Kosten Pondichery und knüpfte enge Verbindungen mit indischen Fürsten. -Der =Nabob von Carnatic= erklärte infolgedessen, daß Pondichery unter dem -Schutz des Mogul stehe und daß dieser jeden Angriff der Engländer auf -französische Besitzungen an der Koromandelküste verbiete, aber allerdings -auch die Franzosen hindern werde, gegen die englischen Niederlassungen -vorzugehen. =Labourdonnaye= hielt in Isle de France alle Schiffe an, -rüstete die dazu geeigneten so gut wie möglich zum Kriegsdienste aus und -bildete sich aus den Besatzungen Kriegsschiffsmatrosen sowie Soldaten -heran. Da dies jedoch geraume Zeit erforderte und da auch die Engländer -sich vorläufig noch nicht stark genug zum Angriff fühlten, verliefen $die -Jahre 1744 und 1745$ ohne besondere Ereignisse. Die englische Kompagnie -hatte wohl die Absicht gehabt, gegen Pondichery vorzugehen, gab sie -jedoch infolge der Drohung des Nabob von Carnatic auf; ein englisches -Geschwader unter =Kommodore Barnet=, das 4 Linienschiffe und 2 Fregatten -stark 1744 eingetroffen war, begnügte sich damit, im Golf von Bengalen -französische Schiffe aufzubringen und Pondichery von der See -abzuschneiden. - - Als =Anson= nach England zurückgekehrt war, sandte man =Barnet= den - Befehl, wenn möglich auch 1744 die spanische Galeone wegzufangen, die - jährlich zwischen Manila und Mexiko fuhr, wie es ersterem 1743 - geglückt. Die Verhältnisse in Indien gestatteten aber dem Kommodore - nicht, sich so weit zu entfernen, jedoch es gelang ihm im Januar 1745, - in der Bankastraße drei große Schiffe der französischen Kompagnie zu - nehmen, deren bevorstehende Rückkehr von China man erfahren hatte. - -$Im Jahre 1746$ aber fühlte sich =Labourdonnaye=, zu dem im Januar ein -Linienschiff und mehrere Schiffe der Kompagnie gestoßen waren, stark -genug zum Handeln. Im April verließ er Isle de France; in einem Zyklon -wurden seine Schiffe zwar übel zugerichtet, das Linienschiff völlig -entmastet, aber er besserte sie in der Bucht von Antougill auf Madagaskar -aus und erschien Ende Juni an der Koromandelküste. Hier kreuzte seit -einiger Zeit das englische Geschwader unter =Kommodore Peyton=, der nach -Barnets Tode den Befehl übernommen hatte, zwischen dem Fort St. David[63] -und Negapatam. Labourdonnaye beschloß, anzugreifen, obgleich seine -Schiffe, wenn auch zahlreicher, an Gefechtskraft weit zurückstanden, und -schlug den Gegner aus dem Felde. - - [63] Fort St. David deckte die Stadt Kudalur (englisch Cuddalore), - zwischen Pondichery und der neuen französischen Besitzung Karikal - gelegen; hier hatten die Engländer in einem der letzten Jahre eine - neue Niederlassung gegründet. - - $Gefecht bei Negapatam, 7. Juli 1746.$ Das französische Geschwader - zählte 1 Linienschiff zu 74 Kanonen und 8 Kompagnieschiffe: 1 zu 38, 1 - zu 36, 6 zu 30 Kanonen. Es ist schon früher erklärt (Seite 57), weshalb - man die Schiffe der Kompagnie trotz ihrer Größe nicht als vollwertige - Schlachtschiffe ansehen kann; an Zahl und Kaliber der Geschütze waren - sie weit unterlegen, dagegen hatte sie Labourdonnaye stark bemannt und - besonders auf Entern eingeübt. =Peyton= verfügte über 1 Schiff zu 60 - Kanonen, 3 zu 50, 1 zu 40 und 1 zu 20 Kanonen. =Labourdonnaye= lag am - 7. Juli vor Negapatam, einer holländischen Ansiedlung, zu Anker, und - ging sofort in See, als das englische Geschwader bei nördlichem Winde - zu Luward in Sicht kam. Er hatte die Absicht, den Enterkampf - herbeizuführen, konnte aber nicht herankommen, da sich =Peyton= mit - seinen besser segelnden Schiffen dicht am Winde hielt. So entspann sich - nur von 4 bis 7 Uhr nachmittags ein Feuergefecht auf mittlere - Entfernungen, in dem die Engländer etwa 60 und die Franzosen gegen 70 - Tote und Verwundete einbüßten; die Schiffe wurden wenig beschädigt. - =Peyton= räumte während der Nacht das Feld; er wurde später durch - seinen Nachfolger unter Arrest nach England gesandt, aber dort nicht - weiter zur Verantwortung gezogen. - -Das englische Geschwader gab dem französischen nicht nur den Weg nach -Pondichery frei, es ließ sogar Madras ohne Schutz, indem es nach Ceylon -segelte. =Labourdonnaye=, der auf seinen Schiffen bedeutende Gelder und -Vorräte für Pondichery an Bord hatte, ging nach diesem Hafen und trat mit -=Dupleix= über weitere Maßnahmen in Beratung. - -Von jetzt an wurde das Verhältnis zwischen den beiden Führern gespannt. -=Labourdonnaye= wollte vor allem die englischen Seestreitkräfte -vernichten. Er bat zu diesem Zweck um Überlassung von 60 schweren -Geschützen für seine Schiffe; Dupleix gab ihm nur leichte, weil er die -Werke der Stadt nicht zu sehr schwächen wollte. Das Geschwader lief am 4. -August aus, um die Engländer zu suchen. Die Gegner sichteten sich auch, -wieder vor =Negapatam=, am 17.; es kam aber zu keinem Zusammenstoß, -obgleich sie drei Tage in Sicht voneinander blieben, da =Peyton= -beständig auswich. Dieser ging dann auf die Rhede von Pulicat (nördlich -von Madras), lag dort längere Zeit untätig und segelte schließlich sogar -Anfang September nach Bengalen (bei den vorherrschenden Winden nach -Lee!), obgleich Madras inzwischen bedroht war. - -Labourdonnaye hatte bei seiner Rückkehr nach Pondichery den Vorschlag -gemacht, das Fort St. David anzugreifen; Dupleix hielt diesen Platz für -zu unwichtig und verlangte die Vernichtung des englischen Geschwaders -oder einen Angriff auf Madras; hiergegen wandte der Admiral wieder ein, -die Engländer wichen ihm zur See stets aus, so lange sie jedoch -gegenwärtig wären, sei ein Unternehmen gegen Madras zu gewagt -- es -scheint, als ob er doch die besseren Schiffe des Gegners gefürchtet habe. -Durch den Gouverneur mit seinem Rat vor die Wahl gestellt, entweder eine -der geforderten Aufgaben zu übernehmen oder sein Kommando niederzulegen, -entschloß sich Labourdonnaye endlich Ende August zum Angriff auf Madras. -Kurz vorher waren seine Schiffe -- er selber lag krank -- vor Madras -gewesen und hatten die Stadt kurze Zeit beschossen; da nun Peyton selbst -daraufhin nicht erschien, ja sogar nach Bengalen ging, von wo er des -Windes halber so leicht nicht zurückkommen konnte, brauchte Labourdonnaye -mit ihm nicht mehr zu rechnen. - -$Die Einnahme von Madras$ durch die Franzosen. 21. September 1746. Am 12. -September ging die Expedition von Pondichery ab, am 14. wurden 2000 Mann -(1000 Europäer und 1000 Indier) gelandet. Madras war in keiner Weise auf -eine Belagerung vorbereitet. Als das französische Geschwader in -Pondichery eintraf, bat der Gouverneur, =General Morse=, den Nabob von -Carnatic um Beistand, wie es vor zwei Jahren die Franzosen getan hatten; -der englische Agent verstieß aber derartig gegen die üblichen Formen, daß -er nur eine ausweichende Antwort erhielt und vom Nabob kein Verbot an die -Franzosen erging. Dennoch, obgleich auch das Fort St. Georg nur 300 Mann -Besatzung hatte, und man von den Seestreitkräften im Stich gelassen war, -lehnte der Gouverneur eine Übergabe zunächst ab und kapitulierte erst -nach mehrtägiger Beschießung am 21. September. Die Garnison und sämtliche -Engländer wurden kriegsgefangen, alle Waren und Güter wie Fort und Stadt -Eigentum der Franzosen. Aber bei Abschluß des Übergabevertrages hatte -Labourdonnaye durchblicken lassen, daß er geneigt sei, die Stadt gegen -ein Lösegeld zurückzugeben; nach der Übergabe begann er darüber mit Morse -zu verhandeln, trotzdem Dupleix und sein Rat in Pondichery dem Gedanken -auf das schärfste entgegentraten. =Diese Angelegenheit führte zum -völligen Bruch zwischen Labourdonnaye und Dupleix.= - - =Dupleix= hatte gerade am 21. September vom Nabob von Carnatic die - Weisung erhalten, die Belagerung sofort aufzuheben, widrigenfalls - dieser eingreifen würde. Er antwortete, er wolle Madras, sobald es - eingenommen sei, dem Nabob ausliefern; hiervon gab er dem Admiral - Kenntnis. Dieser hatte inzwischen dem Gouverneur den Sieg gemeldet und - hinzugefügt: »Wenn man die Stadt zerstöre, würden sich die Engländer an - einem anderen Platze niederlassen; sie zur französischen Kolonie zu - machen, verböte seine Instruktion von 1741, nach der er keine - Eroberungen behufs dauernder Inbesitznahme machen dürfe. Er sei für ein - Lösegeld; dieses wäre für die Kompagnie und auch für den siegreichen - Führer sowie seine Offiziere und Soldaten(!) ein großer Vorteil, und - der englische General sei bereit, es in Wechseln auf England zu - erlegen.« Dupleix wollte hiervon nichts hören. Er mußte fürchten, daß - England die Wechsel nicht einlösen und daß die nächste englische Flotte - die Stadt zurückerobern würde. Er wollte also diese zerstören und durch - Zurückgabe ihrer Trümmer dem Nabob gefällig sein, sowie den Engländern - schaden. Labourdonnaye setzte aber seine Verhandlungen fort, obgleich - Dupleix immer schärfere Sprache brauchte und sogar eine - neueingetroffene Verfügung der Kompagnie sandte, nach der der Admiral - zwar eine Stimme im Rat haben solle, aber verpflichtet sei, die - Beschlüsse dieser Körperschaft durchzuführen. Der Admiral erklärte - hierauf, er nähme nur Befehle vom Minister an; die Beamten, die der - Gouverneur zur Übernahme der Geschäfte in Madras gesandt hatte, setzte - er gefangen[64]. - - [64] Genaueres über diesen Streit, der schon während der Belagerung - begann und bis zum 18. Oktober dauerte, vgl. Zimmermann, Band II, - Seite 303 ff., und Band IV, Seite 177 ff. - - Abgesehen von der Meinungsverschiedenheit über das Schicksal der Stadt - und die Art der Kriegführung, haben sicher auch persönliche Beweggründe - zum Bruch zwischen den Führern beigetragen. Der Admiral wollte sich - nicht unter den Befehl des Rates stellen; der Gouverneur sah sich durch - Labourdonnaye in seiner Würde sowie in seinen Rechten verletzt und - seine ganze Politik dem Nabob gegenüber in Frage gestellt; auch ging - das Gerücht, der Admiral sei von den Engländern bestochen. - -=Dupleix= hatte nicht die Macht, seine Ansicht durchzusetzen, da die -Offiziere der Expedition zum Admiral hielten und auch die dreier -Linienschiffe, die am 8. Oktober von Frankreich ankamen, sowie die von -verschiedenen Kompagnieschiffen, die bisher bei Sumatra gekreuzt hatten, -auf dessen Seite traten. =Labourdonnaye= schloß am 27. September den -Vertrag über ein Lösegeld von 421 666 Lstrl. ab, der am 18. Oktober -bestätigt und dahin ergänzt wurde, daß Madras am 1. Januar 1747 -zurückzugeben sei. Der Admiral hatte sich beeilen müssen, da er der -Jahreszeit halber nicht länger an der Küste bleiben konnte; schon am 13. -Oktober waren in einem Sturme drei Schiffe gesunken und mehrere schwer -beschädigt. Nach notdürftiger Ausbesserung traf er dann am 27. Oktober -vor Pondichery ein; er war durch die erwähnten Verstärkungen trotz der -Verluste immer noch in der Lage, den Beschlüssen des Gouverneurs und des -Rates zu trotzen. Die Uneinigkeit dauerte fort. Um im nächsten Jahre dem -Feinde zur See wieder kräftig entgegentreten zu können, verlangte -Dupleix, die Schiffe sollten in Atchin überwintern; Labourdonnayes Plan -war, sie in Goa gründlich auszubessern und dort noch einige zum -Kriegsdienst auszurüsten. Da ihm der Gouverneur Geldmittel, Geschütze und -Leute zu diesem Zweck verweigerte, ging er mit den Schiffen seines -ursprünglichen Geschwaders über Isle de France nach Frankreich -zurück[65]. Die neu herausgekommenen Linienschiffe begaben sich zum -überwintern nach Atchin. - - [65] =Labourdonnaye= wurde in die Bastille gesetzt, aber nach drei - Jahren freigelassen. Die Bestechung konnte man ihm nicht - nachweisen; in England ist sie später aktenmäßig festgestellt - (40000 Lstrl.; vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303). In einer - Verteidigungsschrift regte L. noch die öffentliche Meinung gegen - Dupleix auf. Er starb 1753. - -=Dupleix= war jetzt Herr des eroberten Madras und blieb es während der -Dauer des Krieges trotz verschiedener Bedrohungen. Schon Ende des Monats -Oktober sandte der Nabob von Carnatic, durch die Engländer veranlaßt, ein -Heer von 10000 Mann, da die Franzosen keine Miene machten, die Stadt -auszuliefern; Dupleix würde dies getan haben, wenn Labourdonnaye die -Befestigungen geschleift hätte, so aber fürchtete er, daß sie wieder in -die Hand der Engländer fielen. Er befahl indes, einen Zusammenstoß mit -den Indern zu vermeiden. Als diese dann aber eine französische -Verstärkung von 1000 Mann auf ihrem Marsche von Pondichery nach Madras -angriffen, wurden sie am 4. November blutig zurückgewiesen; dies war der -erste entscheidende Sieg von Europäern über Truppen des Mogul. Nun fühlte -sich Dupleix sicher in Madras; er erklärte den Vertrag Labourdonnayes für -ungültig, beschlagnahmte aufs neue Vorräte und Waren und wies die -Engländer aus, die Frankreich nicht huldigten. Diese zogen nach Fort St. -David ab. - -$Angriff der Franzosen auf Fort St. David 1747.$ Hier und in der -benachbarten Stadt Cuddalore befand sich jetzt die englische Verwaltung -der Koromandelküste, und von hier aus wurde weiter gegen die Franzosen -beim Nabob intrigiert. =Dupleix= wollte deshalb diese letzten englischen -Plätze nehmen. Er sandte im Dezember 1746 von Pondichery 1600 Mann mit 12 -Geschützen ab; wider Willen mußte er den Befehl dem =General de Bury=, -als dem dienstältesten Offizier, übertragen, einem wenig befähigten und -überalterten Manne. Die Engländer verfügten nur über 300 Europäer und -1000 Inder; sie würden wohl unterlegen sein, aber de Bury ließ sich durch -den Nabob überfallen und zum Rückzug nötigen. - -Als $im Januar 1747$ die Schiffe von Atchin zurückkamen, hätte ein -Angriff wohl Erfolg gehabt, Dupleix sah aber, wohl im Hinblick auf die -geringe Befähigung seines Generals, vorläufig davon ab. Er benützte -zunächst die Anwesenheit der Schiffe zur Einschüchterung des Nabobs. -Dieser, trotz des letzten Erfolges entmutigt und des Krieges müde, ließ -sich auch bestimmen, auf die Rückgabe der Stadt Madras zu verzichten und -sich von den Engländern loszusagen. Nun erst beschloß Dupleix, -vorzugehen. Die Schiffe, die den englischen Seestreitkräften doch nicht -gewachsen gewesen wären, schickte er zwar nach Goa, aber er setzte beim -Rate die Ernennung eines jungen und befähigten Offiziers -- des Schweizer -=Paradis=, von Beruf Ingenieur -- zum Oberbefehlshaber durch und ließ ihn -am 13. März gegen St. David marschieren. Der günstige Augenblick war -jedoch verpaßt. Als die Truppen vor dem Fort erschienen, fanden sie auf -der Rhede ein starkes englisches Geschwader -- 3 Schiffe zu 60, 3 zu 50, -3 zu 40, 1 zu 20 Kanonen -- vor; zu den Schiffen in den bengalischen -Gewässern war nämlich kurz vorher eine Verstärkung unter =Kontreadmiral -Thomas Griffin= gestoßen, der auch den Oberbefehl an Peytons Stelle -übernommen hatte. Paradis mußte nach Pondichery zurück, das nun selber -bedroht schien. Die Engländer fühlten sich jedoch zu einem Vorgehen auf -dem Lande zu schwach und begnügten sich damit, die französischen -Besitzungen von der See abzuschneiden. Dupleix beorderte seine Schiffe in -Goa nach Isle de France, um dort Verstärkungen zu suchen. So verging das -Jahr 1747 ohne besondere Ereignisse. - -$Im Juni 1748$ erschien ein französisches Geschwader, 9 Schiffe stark, -von Isle de France an der Koromandelküste; es bestand aus den bei der -Insel bereits befindlichen Schiffen und den fünf, die unter dem Befehl -des Kapitäns =Bouvet de Lozier= der Vernichtung bei Kap Finisterre (vgl. -Seite 88) entgangen waren. Wieder überwog das englische Geschwader an -Gefechtswert, aber Bouvet gelang es, durch geschickte Manöver, den -englischen Führer =Griffin= zu täuschen. Er landete unbelästigt 300 Mann, -Vorräte sowie eine größere Geldsumme in Madras und kehrte dann nach Isle -de France zurück, weil er Kenntnis von der bevorstehenden Ankunft eines -weiteren starken englischen Geschwaders hatte. Während =Griffin= in See -gewesen war, um Bouvet zu treffen, hatte =Dupleix= den Versuch gemacht, -St. David zu überrumpeln; er mißlang, da der neue Kommandant, Major -Lawrence, kurz zuvor mit geringen Verstärkungen aus England eingetroffen, -auf seiner Hut gewesen war. - -$Angriff der Engländer auf Pondichery 1748.$ Jetzt wurde die Lage der -Franzosen in Indien bedenklich. Sie waren von Frankreich abgeschnitten -und konnten bei dem Zustand der Marine keine Verstärkung ihrer -Seestreitkräfte mehr erwarten; der Gegner beherrschte die See und sah -neuem Zuzug entgegen. Wäre der letzte Überfall auf St. David gelungen, so -hätten die Engländer wenigstens keinen Stützpunkt am Lande gehabt. Aber -=Dupleix= verlor den Mut nicht. Er befestigte Pondichery weiter und schuf -zwei Meilen von der Stadt einen wichtigen Außenposten, Ariancopan, den er -Paradis unterstellte. - -In England hatte der Fall von Madras Empörung erregt und nicht nur die -Kompagnie, sondern auch die Regierung zu großen Aufwendungen veranlaßt. -Ende 1747 ging =Kontreadmiral Boscawen= mit 10 Linienschiffen sowie 11 -Schiffen der Kompagnie, die viele Vorräte und 1500 Soldaten an Bord -hatten, in See; am Kap der Guten Hoffnung schlossen sich 6 Schiffe der -holländisch-ostindischen Kompagnie mit 400 Mann an. Eine derartig große -europäische Flotte hatte der Osten bisher noch nicht gesehen. - -=Boscawen sollte zunächst die Inseln Isle de France und Bourbon -wegnehmen.= Er erschien am 4. Juli 1748 vor Isle de France, da er jedoch -nach seinen Erkundungen die Insel für zu stark befestigt und besetzt -hielt, segelte er drei Tage später nach Indien weiter, zumal da die -Jahreszeit für Unternehmungen an der Koromandelküste schon reichlich -vorgerückt erschien. Allerdings hatte man in Isle de France alles -mögliche für die Befestigungen getan, aber es standen nur 500 Soldaten -und 1000 Seeleute zur Besetzung bereit; ein Angriff wäre mithin nicht -aussichtslos gewesen. Am 11. August erreichte die Flotte St. David und -vereinigte sich mit dem dort schon befindlichen Geschwader. Nachdem man -einige Schiffe von diesem, die schon lange draußen waren, heimgesandt und -einige andere zu besonderen Zwecken abgezweigt hatte, verfügte =Boscawen= -an Kriegsschiffen über 1 zu 74, 1 zu 64, 4 zu 60, 4 zu 50, 4 zu 8-24 -Kanonen und mit den vielen armierten Ostindienfahrern insgesamt über 30 -gefechtsfähige Segel. Am Lande standen, einschließlich der Seesoldaten -der Schiffe, gegen 5200 Mann Fußtruppen (darunter 3700 Europäer) und etwa -2000 eingeborene Reiter. =Dupleix= hatte nur 1800 Europäer und 3000 -Inder. Trotzdem wurde =der Angriff auf Pondichery= abgeschlagen. - - =Admiral Boscawen= leitete den Angriff am Lande. Am 18. August rückten - die Truppen von St. David gegen Pondichery vor und schlossen die Stadt - ein, die durch die Flotte unter =Kapitän Lisle= blockiert wurde. - =Dupleix= verteidigte sich mit größter Bravour und verlor auch den Mut - nicht, als Truppen des Nabob zu den Engländers stießen (wohl die schon - erwähnte indische Reiterei). Ein Angriff auf das Außenwerk Ariancopan - wurde blutig zurückgeschlagen und bei einem Ausfall aus ihm sogar der - tüchtigste englische Offizier, Major =Lawrence=, gefangen genommen; - leider fiel auch Paradis dabei. Das Fort mußte dann allerdings infolge - einer Explosion geräumt werden; die weitere Berennung der Stadt machte - jedoch keine Fortschritte, obgleich sich noch die Flotte an der - Beschießung beteiligte. Die Schiffe konnten des flachen Wassers halber - nicht nahe genug herankommen; die englischen Quellen schieben die - Schuld im übrigen auf die Unfähigkeit der Landoffiziere, insbesondere - der Ingenieure. Als die Regenzeit einsetzte und die Truppen schwer - unter Krankheit litten, mußten die Engländer die Belagerung aufgeben; - sie gingen am 14. Oktober nach St. David zurück. Die Franzosen hatten - 200 Europäer und 50 Eingeborene verloren, die Engländer büßten 1065 - Tote ein. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Belagerung der =Fähnrich - Clive=, der später so berühmte Gouverneur von Indien, zuerst von sich - reden machte. - -=Dieser Mißerfolg war ein großer Schlag für die Engländer.= Das Ansehen -der Franzosen, insbesondere des Generalgouverneurs Dupleix, wuchs bei den -eingeborenen Fürsten ungemein; viele dieser sandten Glückwünsche. -=Dupleix= rüstete nun seinerseits wieder zum Angriff. Zu Anfang $des -Jahres 1749$ trafen 200 Soldaten sowie einige Geldmittel von Frankreich -ein, auch kamen 7 Schiffe von Isle de France nach Madras; ehe jedoch die -Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, erhielt man Kenntnis vom -Friedensschluß. Die englische Flotte, die nach der Belagerung von -Pondichery während der schlechten Jahreszeit nach Atchin und Ceylon -gegangen war, kehrte im Januar 1749 gleichfalls nach St. David zurück; -sie beschränkte sich jedoch, von dem Frieden schon unterrichtet, auf die -Beobachtung des französischen Geschwaders in Madras. - -Im Frieden zu Aachen wurde, wie schon bekannt, =Madras gegen Louisbourg -an England ausgeliefert=. Die Übergabe erfolgte im August 1749 und war -ein schwerer Schlag für Dupleix, der schon bedeutende Mittel für bessere -Befestigung aufgewendet hatte. Die Engländer ernteten nun die Früchte -seiner Arbeit und besetzten auch sogleich noch den ehemalig -portugiesischen Platz Sao Tomé, vier Meilen südlich von Madras gelegen. - -$Im übrigen Indien$ waren kriegerische Ereignisse nicht vorgekommen. In -=Bengalen=, wo beide Völker Niederlassungen in naher Nachbarschaft -besaßen, hatte dies der Nabob des Moguls verhindert; er erhob von beiden -Seiten Kontributionen, von den Engländern etwa 100000 Lstrl. =Der Handel -der englisch-ostindischen Kompagnie= hatte sich während des Krieges sogar -gehoben, da die englischen Seestreitkräfte den der anderen Staaten -lahmlegten. Die englische Ausfuhr nach Indien stieg von 568000 Lstrl. -(1745) auf 834000 Lstrl. (1748). - - - Der Kleine Krieg. - -Über den Kampf um den Handel -- Schutz des eigenen, Schädigung des -feindlichen -- im Österreichischen Erbfolgekriege enthalten die Quellen -nicht so genaue Angaben wie bisher. Gelegentliche Andeutungen rufen den -Eindruck hervor, als ob diese Art der Kriegführung nach der langen -Friedenszeit auf beiden Seiten nicht mit der gleichen Tatkraft betrieben -worden sei wie in den früheren und auch wieder in den nächstfolgenden -Kriegen[66]. In Frankreich fehlt das planmäßige Vorgehen mit eigens dazu -gebildeten Divisionen, wie es die Minister Pontchartrin, Vater und Sohn, -in den Kriegen 1688-1697 und 1702-1713 vorbereitet hatten; die Marine war -bei ihrer jetzigen Schwäche durch die Bestrebungen zum Schutze der -Kolonien vollauf in Anspruch genommen. - - [66] Auch =Mahan=, der (Band I, Seite 126, 188 und 526) für seine - Betrachtungen »über den Wert des Kreuzerkrieges«, die wir in - unserem ersten Bande (Seite 304 und 471) teilweise wiedergegeben - haben, die sämtlichen früheren sowie späteren Kriege benutzt, - zieht hierbei den Österreichischen Erbfolgekrieg nicht heran. - -Auch England leistete im Kleinen Kriege nicht das, was man bei seiner -Überlegenheit zur See hätte erwarten können; hier lag der Grund wohl in -der zur Zeit herabgesetzten Leistungsfähigkeit der Marine. Der Kampf um -den Handel in Westindien wurde, wie erwähnt, englischerseits nicht mit -genügender Kraft durchgeführt, weil man bis 1744 die Seestreitkräfte zu -schließlich doch unfruchtbaren Unternehmungen gegen spanische -Niederlassungen zusammenhielt und weil man nach diesem Jahre den -vereinigten Gegnern nicht überlegen genug war, um die See zu beherrschen. - -Aber auch in den europäischen Gewässern waren die englischen -Seestreitkräfte sowohl während des Krieges mit Spanien allein, wie später -an der spanischen Küste und im Mittelmeer nicht imstande, den eigenen -Handel genügend zu schützen; im Kanal und in der Biscaya war dies ja bei -der günstigen Lage französischer Häfen als Stützpunkte für Kreuzer und -Freibeuter auch früher schon schwierig gewesen. Erst von 1747 an wurde es -überall leichter, als die Marine Frankreichs vom Meere verschwunden und -auch seine Kaper größtenteils weggefangen waren. »20000 Matrosen, die -Besatzungen der Freibeuter,« sagt Bonfils, »schmachteten in englischen -Gefängnissen.« Andrerseits war nach und nach frischeres Leben in die -englische Marine gekommen und man hatte die Zahl der für den Kleinen -Krieg besonders geeigneten Schiffe wesentlich vermehrt. - -Damit soll nun aber keineswegs gesagt sein, daß der Kampf um den Handel -keine bedeutende Rolle in diesem Kriege gespielt habe. Bei der -Schilderung der kriegerischen Ereignisse sind die Operationen und Kämpfe -um größere Konvois bereits zur Sprache gekommen. Von beiden Seiten -kreuzten außerdem zahlreiche Kriegsschiffe und Freibeuter, und in -Frankreich wurden, wie schon in den früheren Kriegen, Schiffe der -königlichen Marine Privatpersonen zu diesem Zwecke überlassen. =Die -Verluste an Handelsschiffen= bezeugen den bedeutenden Umfang des Kleinen -Krieges. =Es verloren=: die Spanier 1249, die Franzosen 2185 = 3434 -Schiffe. Die Engländer durch Spanier 1360, durch Franzosen 1878 = 3238 -Schiffe. Man darf jedoch aus diesen Angaben weder schließen, daß die -Gegner Englands tätiger gewesen seien, noch daß der englische Handel im -großen ganzen ebenso gelitten habe wie der seiner Feinde. Da -die Schiffahrt Englands weit bedeutender war, bot sie mehr -Angriffsgelegenheit, und aus gleichem Grunde steht die Zahl der -verlorenen Schiffe für England in einem ganz anderen Verhältnis zur -Gesamtzahl der Handelsfahrzeuge, als bei Spanien und Frankreich. Die -Schiffahrt dieser Länder war durch den Verlust nahezu lahmgelegt, ihr -Handel vernichtet, der englische durchaus nicht. Da ferner viele den -Spaniern abgenommene Schiffe einen ungeheuren Wert hatten, war der durch -die Prisen gemachte Gesamtgewinn Englands größer als sein Gesamtverlust; -man nennt einen Überschuß von 2 Millionen Lstrl. Ferner hemmte der -Ausfall der verlorenen Schiffe keineswegs den Handel des Landes; dieser -nahm sogar zu, je mehr der der andern Völker abnahm. Nach Zimmermann -(Band II, Seite 311) hatte der Gesamthandel Englands 1744 einen Wert von -17791000 Lstrl., im Jahre 1748 aber einen solchen von 20487000 Lstrl. - -Die Ergebnisse des Kleinen Krieges haben sicher dazu beigetragen, beide -Parteien dem Frieden geneigter zu machen. In Frankreich verschlechterten -sie die ohnehin schon bedenkliche Finanzlage noch wesentlich, aber auch -in England wurden trotz der günstigen Bilanz zwischen Gewinn und Verlust -sowie der Zunahme des Handels im allgemeinen die betroffenen Kreise des -Krieges müde. - - - Schlußbetrachtungen. - -Der besprochene Seekrieg ist der Anfang einer fast ununterbrochenen Reihe -von Kämpfen zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert, aus denen -England schließlich als Alleinherrscherin auf dem Meere und als erste -Kolonialmacht hervorging. Er brachte in letzter Beziehung noch keine -Ergebnisse von Bedeutung, wie denn der Österreichische Erbfolgekrieg -überhaupt nahezu ergebnislos blieb. Auch die Kriegführung selber in ihm -erweckt nicht das gleiche Interesse wie in den anderen großen -Seekriegen. Er regt aber doch zur Betrachtung verschiedener Punkte an, -die in geschichtlicher, insbesondere seekriegsgeschichtlicher Hinsicht -bemerkenswert und lehrreich sind. Im Nachstehenden soll versucht werden, -diesen kurz gerecht zu werden. - -$Das unmittelbare Eingreifen des Seekrieges in den Landkrieg$ war gering; -es beschränkte sich auf den Kriegsschauplatz in Norditalien. Gemeinsame -Waffentaten von Bedeutung, wie z. B. Angriffe auf Küstenstädte der See- -und Landstreitkräfte, sind jedoch auch hier nicht zu verzeichnen und -kommen nur im Kolonialkriege vor. Mehr tritt die Tätigkeit der Flotten -bei den Versuchen Spaniens und Frankreichs hervor, die Verbindung ihrer -in Italien fechtenden Truppen mit der Heimat aufrecht zu halten, sowie in -dem Bestreben Englands, dieses zu verhindern. Der Einfluß der -Seestreitkräfte auf den Verlauf des Landkrieges ist denn auch zu -bemerken. Eine französisch-spanische Flotte deckte im Winter 1741/42 das -erste Landen der Spanier in Italien. Aber schon das Versprechen Englands, -im Mittelmeere eine starke Flotte halten zu wollen, brachte Sardinien auf -die Seite Österreichs. Englische Geschwader hinderten dann tatsächlich -1742/43 den weiteren Nachschub von Verstärkungen für das spanische Heer -und zwangen Neapel, seine Hilfstruppen zurückzuziehen; dem Vordringen der -Spanier und Franzosen am Lande wurde um diese Zeit ein Ziel gesetzt. Nach -der für Englands Seemacht nicht ruhmreichen Seeschlacht von Toulon (1744) -dagegen, und als 1745 die verminderte englische Flotte im Mittelmeer ihre -Aufgaben nicht voll zu lösen vermochte, beteiligte sich Neapel wieder am -Kriege, und es gelang den Franzosen, ihr Heer in Italien auch über See zu -unterstützen; wir finden die französisch-spanisch-neapolitanischen -Truppen in Piemont und in der Lombardei im Vorteil. - -1746 vertreiben die Österreicher ihre Gegner aus Italien und bedrohen -sogar die Provence; allerdings hatten sie durch den Frieden mit Preußen -freiere Hand gewonnen, aber auch die englische Flotte trat in diesem -Jahre wesentlich verstärkt auf. In den meisten Schilderungen des Krieges -wird der Einfluß der englischen Seemacht nur in Hinsicht auf das -Verhalten Sardiniens und Neapels gewürdigt; es dürfte jedoch wohl kein -Zufall sein, daß die Kriegslage überhaupt stets dann für Österreich -günstiger stand, wenn die englische Flotte die See beherrschte. Wir -wollen jedoch nicht behaupten, daß der Einfluß der Seemacht hierbei den -Ausschlag gegeben habe. - -$Der mittelbare Einfluß des Seekrieges$ auf den großen europäischen -Landkrieg ist bedeutend gewesen. Alles in allem wurde Frankreich durch -den Mangel an einer starken und leistungsfähigen Marine gezwungen, die im -Landkriege errungenen Vorteile aufzugeben, während England seine Stellung -mit Hilfe der Seemacht rettete, obgleich es nicht einmal den besten -Gebrauch von ihr machte. Um dies zu erweisen, müssen wir zunächst auf -=die Verhältnisse Frankreichs vor dem Kriege= eingehen. In der langen -Friedenszeit hatte dieser Staat aufs neue begonnen, seinen Seehandel und -seinen Kolonialbesitz zu heben. Man behielt aber stets eine europäische -Gebietserweiterung im Auge und ließ sich dadurch bei der ersten -geeigneten Gelegenheit in einen Festlandskrieg verwickeln, obschon ein -gleichzeitiger Seekrieg mit England vorauszusehen war. Bei Ausbruch des -Österreichischen Erbfolgekrieges spielte schon der Kampf auf dem Meere -zwischen England und Spanien, und Frankreich war durch Vertrag gebunden, -Spanien zu decken, außerdem bedrohte die Eifersucht zwischen den -englischen und den französischen Kolonien stets den Frieden. Der große -Landkrieg sog dann die Hilfsquellen des Landes auf; man hatte aber, um -England nicht zu reizen, die Marine verfallen lassen und damit den -Seehandel und die Kolonien, die Haupthilfsquellen, des Schutzes beraubt. -Während des Krieges war man nicht imstande -- auch wohl aus Mangel an -Einsicht für die Bedeutung des Seekrieges kaum geneigt --, die Marine zu -stärken; diese brach schließlich zusammen. - -Da ist es kein Wunder, daß der Seekrieg für Frankreich so ungünstig -verlief, daß die Vernichtung des Handels und die dadurch beschleunigte -Erschöpfung des Landes sowie endlich der drohende Verlust der Kolonien -wesentlich zu einem Friedensschluß beitrugen, der bei den Erfolgen im -Landkriege eigentlich demütigend war. Hätte Frankreich eine Marine -besessen, die der englischen entgegentreten konnte, wenn sie dieser auch -nicht gewachsen war, so würde es dank seiner Gewalt über die -österreichischen Niederlande und über Maastricht günstigere -Friedensbedingungen haben durchsetzen können. - -$Die Kriegführung Frankreichs zur See$ entsprach der Schwäche seiner -Marine; sie mußte sich auf die Verteidigung beschränken. So finden wir -denn auch nur zwei ernstliche Versuche, zum Angriff überzugehen: das eine -Mal, als man noch vor der Kriegserklärung beabsichtigte, überraschend in -England einzufallen (1744), das andere Mal, als die starke Expedition -nach Nordamerika entsandt wurde (1746). Die Vorbereitung zu einem Einfall -in England (1745), um die Erhebung Schottlands zu unterstützen, ist -wahrscheinlich mehr als eine Demonstration anzusehen. Die Marine -beschränkte sich darauf, den eigenen Handel zu schützen, den englischen -zu schädigen und den Kolonien Verstärkungen zuzuführen. Selbst wenn die -Regierung der Seemacht höhere Aufgaben gestellt hätte und Führer von -hoher Begabung vorhanden gewesen wären, würde ein Kampf um die -Seeherrschaft kaum Erfolge erzielt haben, die von größerem Einfluß auf -den Krieg im allgemeinen sein konnten; wahrscheinlich wäre nur der -Zusammenbruch der Marine beschleunigt worden. Die untergeordneten -Aufgaben hat sie aber einige Jahre hindurch nahezu gelöst. - - Zwei neuere französische Marineschriftsteller äußern sich sehr - verschieden hierüber: =Lacour-Gayet= schreibt (Seite 189): »Was fehlte, - um die Führer von Verdienst und die tapfern Schiffsbesatzungen zum - Erfolge zu führen? Der feste Wille der Regierung, die Marine ihren Teil - an der großen Politik nehmen zu lassen! Man benutzte sie zu zwar - bemerkenswerten, aber untergeordneten Unternehmungen, wie die - Kreuzfahrten nach Westindien. Für die entscheidenden Kriegshandlungen - aber, wie den Einfall in England, die Wiedereroberung von Louisbourg, - die Kämpfe in Ostindien, schien man sie nur widerwillig heranzuziehen; - hier bewilligte man nur so ungenügende Mittel, daß das Mißlingen - vorauszusehen war.« - - Chabaud-Arnault sagt dagegen (Seite 158; hier gekürzt): »Die meisten - unserer Geschichtschreiber verurteilen den Minister, der die Verwendung - der Marine leitete. Sie gehen viel zu weit! Unsere Marine war infolge - der schändlichen Politik Fleurys völlig ungenügend für ihre wichtige - Aufgabe. Sie konnte nicht um die Seeherrschaft kämpfen und widmete sich - deshalb der einzig möglichen Kriegführung: der Begleitung von Konvois - und der Störung des feindlichen Handels. Hierbei ging sie zugrunde, - aber sie hatte Erfolge, die nicht zu verkennen sind. England wollte uns - die Kolonien nehmen; es ist ihm nicht gelungen und sein Handel ist zum - Teil vernichtet.« Die Auffassung Chabaud-Arnaults dürfte unserem - Erachten nach den Verhältnissen entsprechender sein. - -$Die Kriegführung Spaniens$ war durchaus schwächlich. In den europäischen -Gewässern verlautet mit Ausnahme der Truppenüberführung 1741 nach Italien -und der Schlacht vor Toulon 1744 nichts von spanischen Flotten oder -Geschwadern. Der Zustand der Marine muß trostlos gewesen sein. Welch eine -lange Zeit gebrauchte die Flotte in Toulon, um segelfertig zu werden, -obgleich die Franzosen sie mit Material, Mannschaften, ja selbst -Offizieren unterstützten! In Westindien stand es ähnlich. Von den nicht -unbedeutenden Kräften (18 Linienschiffe), die hier 1740 versammelt waren, -wurde nur ein Drittel dazu bestimmt, die bedrohten Besitzungen in -Mittelamerika zu decken; diese Schiffe (6) gingen in Cartagena verloren. -Der Rest lag fast tatenlos, sich gewissermaßen an die Franzosen in Haiti -anlehnend, in Havanna, nur auf den Schutz dieser Stadt und wohl auch auf -den eigenen bedacht. Von hier aus scheinen sie, wie das Zusammentreffen -mit den Engländern (1748) zeigt, in nächster Nähe gekreuzt zu haben, aber -sie machten nicht einmal den Versuch, einzugreifen, als der Feind vor -Santiago de Cuba stand. Infolge der Fehler der Engländer war Spanien -längere Zeit erfolgreich im Kleinen Kriege durch Freibeuter und auch, -besonders in den europäischen Gewässern, durch einzelne Kriegsschiffe; -von diesen fielen jedoch manche den Engländern zum Opfer. In mehreren -dieser Einzelgefechte haben sich übrigens spanische Schiffe tapfer -geschlagen, so auch das Geschwader vor Havanna. - -$Die Kriegführung Englands$ entsprach nicht seiner Überlegenheit zur See. -Die englische Marine war 1739 fast dreimal so stark als die spanische. -Trotzdem hatten die Angriffe auf spanische Niederlassungen in Westindien --- sonst richtig als die geeignetste Maßregel gegen Spanien ins Auge -gefaßt -- keine durchschlagenden Erfolge, im Mittelmeer wurde die -Verbindung Spaniens mit Italien nicht völlig abgeschnitten und selbst im -Kleinen Kriege war England nicht im Vorteil. Überall und besonders in -Westindien hätte man mit stärkeren Streitkräften auftreten müssen, um so -mehr, als man doch damit rechnen konnte und auch tatsächlich rechnete, -daß die Franzosen eingreifen würden. Als der Krieg mit Frankreich dann -wirklich ausbrach, war die Überlegenheit auf seiten Englands zwar nicht -mehr so groß, aber immer noch vorhanden und wuchs fortlaufend -beträchtlich; England trat aber auch weiterhin außerhalb des Kanals nur -selten mit genügender Kraft auf, und so währte es lange, bis die -englische Marine die See beherrschte. Erst im letzten Jahre des Krieges -vermochte England die französische Marine lahmzulegen, die Gegner von -ihren Kolonien sowie von Italien völlig abzuschließen und den Vorteil im -Kleinen Kriege ganz auf seine Seite zu bringen. - -Hierdurch wurde nun allerdings Frankreich zum Frieden bestimmt, aber auch -England wünschte ihn, da es seinen Verbündeten, Holland, arg gefährdet -sah und weil der Krieg schon bedeutende Kosten verursacht hatte; das Geld -begann knapp zu werden und jetzt versuchte sogar Holland bei ihm zu -borgen. England hatte in dem langen Kampfe den Handel und die Marinen der -Gegner für den Augenblick vernichtet; es mußte sich aber mit einem -Frieden begnügen, der ihm keine Gebietserweiterungen brachte, ja der -sogar die Hauptursachen des Krieges -- die Entlastung seiner Schiffahrt -von spanischem Drucke in Westindien, die Grenz- und Machtfragen zwischen -seinen und den französischen Kolonien in Nordamerika und in Ostindien -- -unerledigt ließ. Bei seiner Überlegenheit zur See hätte man erwarten -können, daß es England gelungen wäre, den eigenen Handel vor größeren -Verlusten zu schützen, den Kampf in Nordamerika und Ostindien zu einem -günstigen Austrag zu bringen, sowie den Gegnern wichtige Besitzungen in -Westindien abzunehmen und mit diesen als Pfand einen schnelleren, -jedenfalls aber vorteilhafteren Friedensschluß zu erzwingen. England -machte jedoch unter einer schwachen Regierung von seiner Seemacht nicht -den richtigen Gebrauch. Weder nach einem klaren strategischen Plane noch -mit voller Kraft wurde die Marine eingesetzt; eine mittelbare Bestätigung -dieser Behauptung wird uns der nächste Krieg bringen, in dem man unter -=William Pitts= Leitung den richtigen Weg einschlug. Hierzu kam, daß auch -die Leistungsfähigkeit der englischen Marine derzeit zu wünschen übrig -ließ. - - $Die Gründe für die Lähmung der englischen Marine$ sind also in ihrer - mangelhaften Verwendung und in ihrer derzeitigen geringeren - Leistungsfähigkeit zu suchen; hierüber noch einige Worte. Es zeigte - sich, daß England auf allen auswärtigen Kriegsschauplätzen mit - ungenügenden Kräften auftrat. Dies ist wohl für die ersten Jahre neben - der Abneigung Walpoles gegen den Krieg den unsicheren Zuständen in - England zuzuschreiben. Die Sache der Stuarts war noch lebendig und man - wagte nicht, die Heimat zu sehr von Truppen und Schiffen zu entblößen. - Hierbei sprach wahrscheinlich noch eine falsche Einschätzung der - spanischen und vor allem der französischen Marine mit, gegründet auf - die zahlenmäßige Stärke dieser ohne Rücksicht auf ihren geringen - inneren Wert. Bekannt ist Walpoles Erklärung vor dem Ausbruch des - Krieges 1739, England sei dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht - gewachsen. Außerdem stand für den König Hannover und damit der - Landkrieg im Vordergrund; sein dienstwilliges und schwaches Ministerium - fügte sich hierin, anstatt den Seekrieg in richtige Bahnen zu lenken - und ihn im richtigen Geist zu führen, selbst nicht, nachdem man die - Schwäche der feindlichen Marinen erkannt hatte. =William Pitts= - Auftreten schon in dieser Zeit zugunsten der wahren Interessen Englands - gegen die hannoversche Politik gab den Anlaß, daß der König so lange - zögerte, ihm eine leitende Stellung anzuvertrauen, obgleich die - öffentliche Meinung dies forderte. Seine Neigung, das Augenmerk - vorzugsweise auf den Landkrieg zu richten, wurde dann dadurch bestärkt, - daß Frankreich (seit 1745) den Hauptkriegsschauplatz in die - österreichischen Niederlande verlegte und Holland bedrohte; Länder, - die England ihm seines eigenen Handels wegen unter keinen Umständen - preisgeben wollte. Man erkannte nicht, daß gegen die Erfolge - Frankreichs hier gerade das beste Gegengewicht zu gewinnen war, wenn - man ihm wertvolle auswärtige Besitzungen als Pfand abgenommen hätte. - - Aber auch die Marine selber war nach der langen Friedenszeit nicht in - der Verfassung, in der sie hätte sein sollen. Die Verwaltung stand - nicht auf der Höhe. Die Zahl der Schiffe ist zwar ungemein groß und - wird immer größer, aber mehrfach zeigt sich, daß für die fernen - Gewässer bestimmte Geschwader weit später auslaufen, als ursprünglich - geplant war. -- Englische Quellen fügen oft hinzu: »wie gewöhnlich« -- - und auch in den heimischen Meeren scheinen die Flotten nicht immer - rechtzeitig bereit gewesen zu sein, so z. B. als im Jahre 1745 ein - Einfall der Franzosen drohte. Ferner war der Nachrichtendienst - mangelhaft, und so konnten französische Geschwader unbelästigt, ja - öfters unbemerkt auslaufen. Auch die anfängliche Überschätzung der - Gegner beruhte wohl hierauf. Die Franzosen waren stets weit besser - unterrichtet, wie schon unter Ludwig XIV. wohl durch die Anhänger der - Stuarts in England. Endlich fehlten im Offizierkorps zu dieser Zeit - vielfach der frische Geist und Schneid, die militärische Vorbildung für - den Krieg, ja sogar teilweise die Disziplin. Beweise hierfür liefern - die Kriegsgerichte über Admiral Lestock und die Kommandanten nach der - Schlacht vor Toulon, über Kommodore Peyton nach dem Gefecht bei - Negapatam und sein Verhalten nach diesem, sowie über Admiral Knowles - nach der Schlacht vor Havanna; ein ähnlicher Fall wie der Peytons - ereignete sich noch 1746 in Westindien, wo ein Kommodore (=Mitchel=) - dem Kampfe mit einem schwächeren französischen Geschwader auswich. - - Über diese Schwächen im englischen Offizierkorps haben wir uns schon - früher (vgl. Seite 80 ff.) näher ausgelassen und gleichfalls mehrfach - darauf hingewiesen, daß bei dem englischen Seeoffizier lange Zeit im - 18. Jahrhundert das Interesse für die seemännische Seite seines Berufes - die für die militärische überwog; gerade für die Zeit unmittelbar nach - den langen Friedensjahren trifft dies ganz besonders zu. Diese Mängel - haben sicher nicht nur in einzelnen Fällen ihre Wirkung gezeigt, - sondern auch im allgemeinen die Durchführung der Aufgaben der Marine - gelähmt, denn bessere Zustände in der Marine und infolgedessen bessere - Leistungen würden wohl auch die Tätigkeit des Ministeriums dahin - beeinflußt haben, die Seemacht richtiger und kräftiger auszunutzen. Ein - Läuterungsprozeß begann vor der Schlacht vor Toulon; seit 1747 ist ja - auch schon ein Fortschritt zu erkennen, sein Endergebnis kam jedoch - diesem Kriege nicht mehr zugute. - -Für die Geschichte der $Entwicklung der Taktik$ (vgl. Seite 36 ff.) -bringt dieser Krieg noch nicht viel Bemerkenswertes; nur zwei rangierte -Schlachten wurden geschlagen: Toulon 1744, Havanna 1748. Diese zeigen uns -aber die beschränkte Auffassung der Taktik in der englischen Marine, nach -beiden werden die Führer kriegsgerichtlich verurteilt, weil sie gegen den -Buchstaben der Vorschrift verstoßen haben. -- Die zwei Schlachten bei -Finisterre gereichen beiden Gegnern zur Ehre. Die englischen Führer -nutzen ihre Überlegenheit richtig dadurch aus, daß sie ohne Ordnung so -schnell wie möglich angreifen und die Melee herbeiführen; die -französischen Admirale halten mit eigener Aufopferung den Gegner fest, um -den ihnen anvertrauten Konvois die Möglichkeit der Rettung zu geben. - -$Angriffe auf die feindliche Küste$ fanden in diesem Kriege vielfach -statt und bestätigen die strategischen und taktischen Lehren, die sich -aus den früheren Kriegen ergeben haben[67]. - - [67] Im ersten Bande auf den Seiten 231, 300, 357, 484. Es ist dabei - auf das sehr lesenswerte Werk des Admirals Colomb »Naval warfare« - verwiesen, in dem »der Kampf um die Seeherrschaft« und »die - Bedingungen, unter denen Angriffe auf Feindesland von See aus - Erfolg haben« an der Hand von Beispielen aus den großen Seekriegen - kritisch beleuchtet worden. Auch nachstehenden Betrachtungen ist - dieses Werk (Kapitel VII, Seite 131, sowie Kapitel XV und XVI) - zugrunde gelegt. - -=Zu erfolgreichen Unternehmungen gegen die Seegrenze des Gegners ist -stets die Beherrschung des Meeres nötig.= Der letztbesprochene Krieg -bringt 1744 wieder einen Versuch Frankreichs, ein Heer nach England -überzuführen und hierzu durch die Flotte den Weg freimachen zu lassen. -Als ein vollwertiges Unternehmen, die Seeherrschaft vor der Überführung -zu erringen, kann jedoch dieser Fall nicht gelten; Colomb sagt -bezeichnend: »Es war nicht ein Fall von »Naval warfare«, sondern von -»Naval gambling«.« Denn wenn auch England nicht gerade eine Flotte in -Spithead versammelt hatte und auch nicht genau über den französischen -Plan unterrichtet war, so durfte Frankreich doch nicht annehmen, daß der -Gegner, der schon im Kriege mit Spanien und vor einem solchen mit -Frankreich stand, seine Küsten völlig unbewacht und unbeschützt gelassen -hätte. Zu einem ernsten Kampfe um die Seeherrschaft war aber die -französische Marine zu schwach, und selbst wenn man durch überraschendes -Auftreten Teile der noch nicht zusammengezogenen englischen Streitkräfte -vernichtet hätte, wäre der Erfolg eines Einfalles nicht gesichert -gewesen, da England im Winter vorher zu Wasser und zu Lande stark -gerüstet hatte. Tatsächlich trat ja auch eine überlegene Flotte der -französischen entgegen, und diese konnte von Glück sagen, daß sie heil -davonkam, durch die Witterungsverhältnisse begünstigt. Im Jahre 1745 -wurde der gleiche Plan gar nicht ins Werk gesetzt, weil England die See -beherrschte; dieses dagegen unternahm 1746 den aus anderen Gründen -erfolglosen Angriff auf Lorient ganz richtig, als die französische -Atlantikflotte zur Wiedereroberung Louisbourgs abwesend war. -- In den -Kolonien ging man gegen Küstenstädte nur vor, wenn der Angreifer sich vor -feindlichen Seestreitkräften sicher wußte. So nahm =Vernon= 1739/40 -Puerto Belo sowie Chagres und beschoß Cartagena, gab aber derartige -Unternehmungen auf, sobald er Kenntnis vom Eintreffen spanischer und -französischer Geschwader in Westindien erhielt. - -Als die englischen Seestreitkräfte wesentlich verstärkt waren und die -Franzosen die Station verlassen hatten, folgen in den Jahren 1741-1743 -neue Angriffe auf Küstenstädte, dann aber sehen die Engländer wieder bis -1748 (Angriffe auf Port Louis und auf Santiago de Cuba) davon ab, da sie -während dieser Zeit den Gegnern zur See nicht überlegen waren. Die -Ereignisse auf den andern Kriegsschauplätzen liefern gleiche Beispiele. -Die Engländer nehmen (1745) unter dem Schutz eines starken Geschwaders -Louisbourg in Nordamerika. Wäre eine französische Entsatzflotte während -der langdauernden Berennung herangekommen, so würde aus der belagernden -englischen Flotte eine belagerte geworden sein oder sie hätte die -gelandeten Truppen im Stich lassen müssen; die Franzosen wurden aber -durch Blockade in den Heimatshäfen festgehalten. In Ostindien -überwältigen die Franzosen (1746) Madras, weil das englische Geschwader -unter Peyton das Feld räumt -- schon wenn es nur in der Nähe geblieben -wäre, würde es den Angriff verhindert haben, sie müssen das Vorgehen -gegen St. David (1747) aufgeben, als der Gegner wider Erwarten zur See -auftritt; die Engländer greifen Pondichery an (1748), nachdem die -Franzosen die ostindischen Gewässer völlig geräumt hatten. - -=Bei der Eroberung von Küstenstädten fällt die Hauptaufgabe den -Landstreitkräften zu=; die Flotte deckt, versorgt und unterstützt diese. -Nach der Zusammenstellung Colombs haben Angriffe durch Seestreitkräfte -allein nur in Ausnahmefällen zur Übergabe eines Platzes geführt, so in -diesem Kriege bei Puerto Belo (1739), Chagres (1739) und Port Louis -(1748). Dabei lagen aber die Verhältnisse besonders günstig für den -Angreifer. Im ersten war die Besatzung schwach und entmutigt, in den -beiden andern konnten die Schiffe auf ganz nahe Entfernung an die -Befestigungen herangehen; in einer solchen Lage hatten aber zu jener Zeit -die Schiffe wegen der ungeheuren Überzahl an Geschützen den Befestigungen -gegenüber einen großen Vorteil. Die Angriffe auf La Guayra (1743), Puerto -Cabello (1743) und Port Louis (1748) durch die Flotte allein führten -nicht zur Übergabe. -- Beispiele eines gemeinsamen Angriffes von Land- -und Seestreitkräften sind die Berennungen von Cartagena (1741), Santiago -de Cuba (1741), Pondichery, Louisbourg und Madras. Besonders in den -beiden zuletzt genannten Fällen nahmen Flotte und Heer die ihnen -zukommende Aufgabe wahr und erzielten einen Erfolg. Wenn solcher in den -anderen Fällen ausblieb, so lag dies an Fehlern oder an mangelnder -Tatkraft bei der Berennung vom Lande her; Uneinigkeit zwischen den -einander gleichgestellten Führern der beiden Waffen sowie ungünstige -Klimaverhältnisse traten hinzu. Das Unternehmen der Engländer gegen -Lorient kann hier nicht herangezogen werden; es war schon in seiner -Anlage verfehlt und ermangelte jeder Energie. - -=Ein bemerkenswerter Ausspruch Colombs= sei noch angeführt. Er sagt -(Seite 359 ff., hier kurz zusammengefaßt): »Dieser Krieg bringt uns den -Anfang jener höheren Strategie, nicht an Ort und Stelle und unmittelbar -unsere (Englands) fernen Besitzungen zu schützen und unsere Flotten in -den fernen Meeren zu stärken, sondern mittelbar und in den heimischen -Gewässern dadurch, daß man die wichtigen europäischen Häfen des Gegners -bewacht und diesen hindert, Verstärkungen hinauszusenden. Von 1747 an -geschah dies und mit Erfolg; man hatte wohl eine Lehre aus dem Fehler -gezogen, den man 1746 begangen, indem man die große französische Flotte -nach Nordamerika auslaufen nach Nordamerika auslaufen ließ «. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Viertes Kapitel. - - Der Siebenjährige See- und Kolonial-Krieg zwischen England und - Frankreich (Spanien) 1756-1763. - - Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges. - -Die Friedensschlüsse von Dresden (1745 zwischen Österreich und Preußen) -und von Aachen (1748 zwischen den übrigen Gegnern im Österreichischen -Erbfolgekriege) trugen den Keim zu neuen Kämpfen in sich. - -=Österreich= wollte weder auf Schlesien verzichten noch Preußens -Großmachtstellung anerkennen; von gleichen Gefühlen der Eifersucht war -=Rußland= erfüllt. Besonders von ihm, wo seit der Thronbesteigung -=Elisabeths= die altrussische Partei am Ruder war, ging der Anstoß zu -einem neuen Kriege aus, schon 1749 versuchte man, Österreich, Sachsen, -sowie England zum Angriff auf Preußen zu bestimmen. Standen diese Mächte -auch seit 1748 im Bündnis unter sich und mit Rußland, so hatten sie doch -zunächst noch keine Neigung, sich aufs neue in einen Krieg zu stürzen. -=Friedrich= II. mußte in Frankreich seinen einzigen Bundesgenossen sehen, -er blieb deshalb nach 1748 in enger Verbindung und schloß noch 1753 einen -Handelsvertrag mit ihm. - -England zu gewinnen, erschien für Friedrich aussichtslos. =Georg= II. -blieb als Kurfürst von Hannover infolge der Machtentwicklung Preußens, -sowie des Streites um Ostfriesland sein Gegner, aber auch mit der -englischen Regierung bestanden Zwistigkeiten, da diese sich weigerte, -Schadenersatz für im letzten Kriege unrechtmäßig aufgebrachte -Handelsschiffe zu leisten. Das Verhältnis zwischen beiden Staaten spitzte -sich so zu, daß sie 1750 ihre Gesandten abberiefen, auch verpflichtete -sich England 1751, Sachsen auf vier Jahre Subsidien zu zahlen, wobei es -hauptsächlich den Schutz Hannovers gegen Preußen im Auge hatte. Während -nun aber der Bund zwischen Österreich, Rußland und Sachsen mit der -ausgesprochenen Absicht, Preußen zu vernichten, immer festere Gestalt -annahm, trat 1755 ein =völliger Umschwung in der Politik Englands und -Frankreichs= und damit in ihrer Stellung zu Preußen ein. - -Die Nebenbuhlerschaft dieser beiden Staaten um Seehandel und -Kolonialbesitz war der Anlaß. Nach dem Frieden von Aachen hatten die -Schiffahrt sowie die Kolonien Frankreichs wieder einen bedeutenden -Aufschwung genommen. Der Einfluß der Franzosen in Indien wuchs in einer -für England bedenklichen Weise; in Westindien versuchte Frankreich sich -in den alleinigen Besitz der sogenannten neutralen Inseln (Seite 9) zu -setzen; in Nordamerika wurden die gegenseitigen Beziehungen unhaltbar. -Hier nahmen auf beiden Seiten die Kolonisten ihre Sache selber in die -Hand; schon 1754 kam es zwischen ihnen zu Blutvergießen. Die englische -Regierung hatte nun zwar keine Neigung, wegen der nordamerikanischen -Fragen einen Krieg mit Frankreich zu beginnen[68], als aber dieses in den -Verhandlungen unannehmbare Bedingungen stellte, kam es überraschend -schnell zum Zusammenstoß. Im Frühjahr 1755 entbrannte zwischen den -Kolonien der offene Krieg, beide Staaten sandten starke, schon länger -vorbereitete, See- und Landstreitkräfte hinüber und England griff bereits -im Sommer den französischen Handel in den europäischen Gewässern an. Wenn -auch die Kriegserklärung erst im Frühjahr 1756 erfolgte, nachdem die -Franzosen Port Mahon angegriffen hatten (April), so war doch der $See- -und Kolonialkrieg$ schon im Gange, ehe der Siebenjährige Krieg auf dem -Festlande ausbrach. - - [68] Französische Geschichtschreiber sagen dagegen, England habe den - baldigen Ausbruch eines Krieges gewünscht, um sein Ziel, die - Vernichtung der französischen See- und Kolonialmacht, zu - erreichen, ehe die französische Flotte ausgebaut sei. Dies dürfte, - wenn auch nicht der Ansicht der damaligen Regierung, so doch wohl - der eines großen Teils des englischen Volkes entsprochen haben. - -England sah sich angesichts dieser Verhältnisse nach Bundesgenossen zum -Schutze Hannovers um. Im September 1755 wurde ein Vertrag mit Rußland -geschlossen, der England gegen Subsidien ein russisches Heer zur -Verfügung stellte. Dagegen ging das alte Bündnis mit Österreich in die -Brüche. Sein Hauptwert hatte für England stets darin gelegen, daß Belgien -(insbesondere Antwerpen) in österreichischem Besitze bliebe; Österreich -zeigte sich jetzt aber geneigt, diese Provinz an Frankreich abzutreten, -um dessen Hilfe gegen Preußen zu gewinnen. Gleichzeitig lockerte sich -auch das gute Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich. Dieses fühlte, -es könne in dem Kriege mit England nicht auf Preußens Unterstützung -rechnen. Friedrich II. durfte sich nicht an einem Kampfe um Hannover -beteiligen, da er dann den sofortigen Angriff Österreichs zu gewärtigen -hatte, zudem erfuhr er von den Verhandlungen Österreichs mit Frankreich. - -Unter diesen Verhältnissen machte nun England den Versuch, Preußen -wenigstens bedingungsweise für sich zu gewinnen, und Friedrich ging -darauf ein, als er von dem Abkommen zwischen England und Rußland Kenntnis -erhielt. So schlossen England und Preußen den Neutralitätsvertrag von -Westminster (Januar 1756), in dem beide Mächte sich Frieden und -Freundschaft gelobten und sich verpflichteten, ihre bisherigen -Verbündeten von Angriffen auf Gebiete des anderen -- also Rußland von -Preußen, Frankreich von Hannover -- abzuhalten. Dieses Abkommen sollte -mithin die letztgenannten Mächte einschränken, beförderte aber -tatsächlich $eine neue Gruppierung der Staaten$, auf die Österreich unter -Fürst Kaunitz schon lange hinarbeitete. Es gelang ihm, Rußland, Sachsen, -Schweden, sowie die meisten deutschen Fürsten zu einem Angriffskriege -gegen Preußen, auf dessen völlige Zerstücklung es abgesehen war, an sich -zu ziehen und diesem Bunde die Unterstützung Frankreichs zu sichern. Es -dauerte jedoch geraume Zeit, bis dies erreicht war; erst im Frühjahr 1757 -kam die Koalition zustande und erst im Sommer waren die Rüstungen überall -vollendet. - - Frankreichs bisheriger Politik widersprach dieses Bündnis völlig, - bezweckte es doch einen Krieg, der das österreichische Kaiserreich - stärken sollte, für dessen Demütigung und Schwächung Frankreich bisher - gekämpft hatte; es wurde auch nur durch die Hofpartei begünstigt. Als - Preis versprach Österreich Belgien; ein Teil dieser Provinz sollte an - Frankreich abgetreten werden, den Rest der in Parma regierende - spanische Infant Philipp gegen Überlassung seines bisherigen Besitzes - an Österreich erhalten. Noch mehr aber förderten persönliche Einflüsse - das Zustandekommen dieses Vertrages. Man benutzte den religiösen - Aberglauben Ludwigs XV., um ihn zu einem Kriege der beiden katholischen - Großmächte gegen die neuentstehende protestantische zu begeistern, auch - wurde die Pompadour, die durch den Spott Friedrichs II. gereizt war, - für den Plan gewonnen. Im Mai 1756 schlossen Österreich und Frankreich - zu Versailles ein Schutzbündnis als Antwort auf den - englisch-preußischen Neutralitätsvertrag, und im Mai 1757 verpflichtete - sich Frankreich, ein Heer nach Deutschland zu schicken, auch erklärte - es gleichzeitig den Krieg an Preußen. -- Bei der Teilung Preußens - sollte =Rußland= Ostpreußen erhalten, an =Schweden= sollte Pommern, an - =Sachsen= der Saalekreis sowie Magdeburg fallen, =Österreich= wollte - natürlich Schlesien behalten. -- Auch Rußland und Schweden erklärten - erst im Sommer 1757 den Krieg, nur das =Deutsche Reich= hatte dies auf - einen Notruf Sachsens schon im Januar getan und zwar an den »Kurfürsten - von Brandenburg«. - -=Friedrich der Große= hatte aber schon 1756 den als $der Siebenjährige -Krieg$ bekannten Kampf begonnen. Er war im Juli 1756 durch Holland von -der ihm drohenden Gefahr unterrichtet und hoffte mittels eines schnellen -Stoßes die Koalition zu sprengen, Österreich zu entmutigen, sowie dessen -Bundesgenossen abzuschrecken; 1756 nahm er Sachsen in Besitz und drang im -April 1757 in Böhmen ein. Ehe seine übrigen Gegner im Felde erschienen, -hatte er auch mit England einen festeren Bund geschlossen (Januar 1757). -Im Mai und Juni 1756 hatten England und Frankreich formelle -Kriegserklärungen gewechselt; in dem neuen Vertrage mit Preußen -verpflichtete sich England-Hannover, in Westfalen ein Heer aufzustellen, -eine starke Flotte in die Ostsee zu senden und jährlich eine Million -Lstrl. Subsidien zu zahlen; auch lieferte es Hilfsgelder an die wenigen -deutschen Fürsten, die zu Preußen standen. - - Dieser Vertrag war ein Verdienst des älteren =Pitt=, des späteren - Grafen von Chatham, Staatssekretärs des Auswärtigen, des Leiters der - englischen Politik vom November 1756 bis April 1757 und sodann vom Juni - 1757 bis Oktober 1761. Er war trotz mancher Gegensätze ein begeisterter - Verehrer Friedrichs II. und rechnete überdies ganz richtig, daß die im - deutschen Kriege angelegten Gelder in Nordamerika, sowie in Ostindien - Zinsen tragen würden. Mit dem Tode Georgs II. (Oktober 1760) schwand - sein Einfluß; Georg III. sah in ihm einen Feind der königlichen Rechte, - bald wurde die Strömung gegen ihn so stark, daß er (5. Oktober 1761) - sein Amt niederlegte, und damit hörten auch die Unterstützungen - Englands an Preußen auf. - -Durch dieses preußisch-englische Bündnis tritt =der Seekrieg zwischen -England und Frankreich in Verbindung mit dem Siebenjährigen Kriege=. Der -große König ward in seine gewaltigen Ringen durch englisches Geld sowie -auch durch Truppen wesentlich unterstützt, und Frankreich war genötigt, -neben dem Kampfe gegen Preußen einen See- und Kolonialkrieg zu führen und -seine Küsten gegen englische Angriffe zu schützen. Englands Nutzen aus -dieser Verbindung war jedoch noch größer, denn Frankreich verbrauchte im -Landkriege so viel von seiner Kraft, daß es dem Gegner auf und über See -nicht standhalten konnte. Die Truppen, die es zum Schutz seiner Küsten -zurückbehalten mußte, sowie die Geldmittel, die es notgedrungen und nur -widerwillig für den Seekrieg aufwandte, hätten in dem Kriege mit Preußen -keine ausschlaggebende Rolle gespielt; dagegen muß man allerdings auch -wohl anrechnen, daß Frankreich durch die Vernichtung seines Seehandels -und durch den Verlust seiner Kolonien infolge des Seekrieges stark -geschwächt und dadurch Preußen noch zur rechten Zeit von diesem -gefährlichen Gegner befreit wurde, als es nach Pitts Rücktritt 1761 von -England verlassen war. - -=In den See- und Kolonialkrieg trat auch Spanien ein=, allerdings erst -1762. England sowohl wie Frankreich hatten lange versucht, diesen Staat -zu einer engeren Verbindung zu bewegen; letzteres hatte ihm Minorka und -Hilfe zur Rückeroberung Gibraltars angeboten, Pitt sogar die freiwillige -Rückgabe dieses wichtigen Platzes, allerdings zu einer Zeit, 1757, als -die Sache Englands in Nordamerika schlecht stand. Solange Ferdinand VI. -regierte, war jedoch alles vergeblich, anfangs, weil der schwer -gemütskranke König ganz unter dem Einfluß der einsichtigen Königin stand, -dann, weil nach deren Tode alle Geschäfte ruhten. Erst als Karl III. den -Thron bestiegen hatte (1759), gelang es Choiseul, ihn für Frankreich zu -gewinnen und ihn zur Kriegserklärung an England am 1. Mai 1762 zu -bestimmen; England kam dem jedoch durch die eigene Kriegserklärung schon -im Januar zuvor. - - $Der Bourbonische Familienvertrag.$ Im ersten Bande ist (Seite 598) - fälschlich ein Defensivbündnis zwischen Spanien und Frankreich schon - mit diesem Namen belegt, während erst das jetzige vom 15. Oktober 1761, - dem auch die spanischen Sekundogenituren Neapel und Parma beitraten, - gewöhnlich so bezeichnet wird. In ihm garantierten sich sämtliche - Herrscherhäuser bourbonischen Stammes ihren gegenseitigen Besitz; der - Vertrag schuf ihnen die Grundlage für eine gemeinsame Politik bis zur - französischen Revolution. - - Karl III., bis 1759 König beider Sizilien, war ein Feind Englands, dem - er die Demütigung im Österreichischen Erbfolgekriege (s. Seite 73) - nicht vergessen konnte. Er gab die Neutralität auf, obgleich sie, wenn - auch vielfach von England verletzt, Spaniens Finanzen und Handel zur - Blüte gebracht hatte. Pitt erfuhr frühzeitig von den Verhandlungen und - wollte sofort den Krieg erklären, aber sein Einfluß genügte nicht mehr, - dies durchzusetzen. Als jedoch bald nach seinem Rücktritt die - Silberflotte des Jahres 1761 mit den für einen Krieg nötigen Mitteln - unversehrt eingelaufen war, trat Spanien so anmaßend auf, daß England - sich doch zur Kriegserklärung am 2. Januar 1762 genötigt sah. - -=Auch Portugal ward in den Krieg hineingezogen.= Frankreich und Spanien -forderten diesen Staat auf, ihrem Bunde gegen den »Tyrannen der See« -beizutreten und sich dadurch von England freizumachen, das ihm alles Geld -aus dem Lande zöge (vgl. über den englisch-portugiesischen -»Methuen-Vertrag«, Band I, Seite 490). Portugal ging aber nicht darauf -ein in der richtigen Ansicht, daß ein gutes Einvernehmen mit England ihm -nützlicher sei. Frankreich und Spanien fielen nun 1762 in das Land ein, -wurden aber mit englischer Hilfe zurückgeschlagen. - - Bei der alten Abneigung zwischen den beiden Staaten der Pyrenäischen - Halbinsel hatte Portugal einen Verbündeten nötig, der zu jeder Zeit - imstande und gewillt zu seinem Schutze, vor allem auch zu dem des so - wichtigen brasilianischen Handels, war. Auf England konnte es sich - verlassen, da für dessen Seemacht die Verfügung über die - portugiesischen Häfen eine große Bedeutung hatte. So blieb Portugal dem - bisherigen Verbündeten treu, obgleich es auch unter Verletzungen der - Neutralität durch England litt. Man gab an, das Bündnis mit England sei - rein defensiver Natur; Frankreich und Spanien erklärten es jedoch für - offensiv, da Englands Flotte nur durch die Benutzung der - portugiesischen Häfen imstande sei, zu allen Jahreszeiten die See zu - halten und dadurch ihren Handel sowie die Bewegungen ihrer Flotten zu - bedrohen. - -=Nur Holland blieb neutral= im See- wie im Landkriege. Es war sich seiner -Schwäche zu Wasser und zu Lande bewußt, auch sah es sich nicht bedroht, -da infolge des Bündnisses zwischen Frankreich und Österreich in diesem -Kriege Belgien nicht wie früher Streitobjekt war. Auf Einwirkung -Frankreichs hin band es sich aber auch nicht an den alten Schutzvertrag -mit England, was seinem Seehandel teuer zu stehen kam. - - - Der Verlauf des Siebenjährigen (Land-)Krieges. - -Dieser Landkrieg steht mit unserem Seekriege in keiner näheren -militärischen Beziehung. Wir wollen über seinen Verlauf jedoch soviel -sagen, als nötig erscheint, um bei der Betrachtung des Seekrieges zu -jedem Zeitpunkt den Stand des Landkriegs in Vergleich ziehen, sowie -beurteilen zu können, welche Leistungen er von den Gegnern im Seekriege -verlangte; auch ist dies notwendig für die Beteiligung der schwedischen -und russischen Marinen am Landkriege, die wir später (Kapitel VI, -»Nebenkriege«) behandeln werden. - - $1756.$ Friedrich II. wollte durch einen überraschenden Stoß in das - Herz Österreichs hinein die ihn bedrohende Koalition sprengen. Er brach - am 29. August in Sachsen ein, um sich dieses Land als Basis zu sichern. - Am 10. September schloß er das sächsische Heer bei Pirna ein und schlug - ein heranrückendes österreichisches am 1. Oktober bei Lobositz; ein - zweites, das Schlesien bedrohte, wurde durch Graf Schwerin - festgehalten. Die Sachsen ergaben sich am 14. Oktober, das ganze Land - kam nun bald in Besitz des Königs, aber infolge des unerwartet langen - Widerstandes war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten, um den Stoß - gegen den Hauptgegner noch unternehmen zu können; eine verhängnisvolle - Verzögerung, denn im Winter wurden seine Gegner einig und sammelten - ihre Kräfte. - - $1757.$ Unter Zurücklassung genügender Truppen zum Grenzschutz brach - König Friedrich mit der Hauptmacht im April in Böhmen ein. Am 6. Mai - wurde ein österreichisches Heer (Karl von Lothringen) geschlagen, in - die Festung Prag geworfen und dort berannt, dann ging Friedrich dem - unter Daun erscheinenden Entsatzheer entgegen, in der Hoffnung, durch - einen zweiten Sieg dem Kriege ein Ende zu machen. Da er aber die - Belagerung Prags aufrechterhielt, wurde er mit seinen unzureichenden - Kräften am 18. Juni bei Kolin geschlagen. Dies war seine erste und - zugleich seine folgenschwerste Niederlage, denn sie machte seinem - Vorwärtsdringen ein Ende; von jetzt an bedrohte man ihn von allen - Seiten, er konnte nur noch um den Bestand seines Staates kämpfen. - - Friedrich II. war zu schwach, um allen Gegnern gleichzeitig und gleich - kräftig entgegenzutreten, er strebte deshalb dahin, mit seiner - Hauptmacht stets an der bedrohtesten Stelle zu erscheinen, dann - errungene Vorteile durch die Grenzkorps festhalten zu lassen und sich - selber gegen die nächste größte Gefahr zu wenden. Seine Feldherrnkunst, - die Unterstützung durch tüchtige Generale, die Beherrschung der - kürzeren inneren Linien sowie die erstaunliche Marschfähigkeit seiner - Truppen ermöglichten ihm, die schwierigsten Lagen zu überwinden und die - Gegner schließlich zu ermüden, obgleich auch er schwere Niederlagen - erlitt. Zugute kam ihm, daß die Kräfte der Gegner nicht in einer Hand - und daß ihre Führer oft uneinig waren, endlich auch deren Langsamkeit. - Die Heere waren nach damaligem Brauch bei ihren Bewegungen an Magazine - gebunden; der große König machte sich zuweilen durch unmittelbare - Beitreibungen hiervon frei. Man sagt, er habe den Nutzen dieses - Verfahrens voll gewürdigt, aber nur im äußersten Notfalle davon - Gebrauch gemacht, um es nicht seine Gegner zu lehren, die ihn dann - erdrückt haben würden. - - 1757 hatten Friedrichs Feinde 500000 Mann aufgebracht, denen dieser nur - 250000 (einschließlich seiner Verbündeten und der Festungsbesatzungen) - entgegenstellen konnte. Die Russen drangen in Preußen ein, zwangen mit - Hilfe einer Flotte Memel zur Übergabe (5. Juli), siegten bei - Groß-Jägersdorf (30. August) und bedrohten Königsberg; sie mußten aber - im Herbst zurückgehen, da sie sich in dem verwüsteten Lande nicht - halten konnten. Ein Vorstoß der Schweden in Pommern wurde - zurückgeworfen. Die Franzosen griffen Westfalen an, schlugen die - Hannoveraner (Herzog von Cumberland) bei Hastenbeck (26. Juli) und - breiteten sich in Hannover und Braunschweig aus. Die Reichsarmee im - Verein mit einem französischen Korps unter Prinz Soubise hatte durch - einen Angriff über Thüringen auf Sachsen die Umklammerung Preußens - schließen sollen; ihr galt der erste Stoß des Königs. Er kam von Kolin - mit einem Teil des Heeres durch Sachsen heran -- der andere Teil deckte - Schlesien -- und zerstreute die Verbündeten durch den Sieg bei Roßbach - (5. November); dann befreite er durch die Schlacht bei Leuthen (5. - Dezember) das schon fast ganz verlorene Schlesien bis auf Schweidnitz. - Er hatte also in diesem Jahre seine Staaten sowie Sachsen behauptet. - Das hannoversche Heer wurde im Winter, jetzt auch durch englische - Truppen verstärkt, neu aufgestellt (Herzog Ferdinand von Braunschweig). - - $1758$ stellten die Verbündeten 320000 Mann auf. Österreich sollte - gegen Schlesien sowie Sachsen vorgehen, den Russen im Osten, den - Franzosen im Westen die Hand reichen; Friedrich verfügte über 236000 - Mann. Ferdinand von Braunschweig trieb im Februar die Franzosen über - den Rhein und siegte am 22. Juni bei Krefeld; wenn er auch dann durch - den Vormarsch eines französischen Korps von Hessen her zum Zurückgehen - gezwungen wurde, so behauptete er sich doch das Jahr über in Westfalen. - Ebenso wurden die Schweden, die fast schon Berlin erreicht hatten, bis - Ende des Jahres nach Stralsund zurückgetrieben. Nur die Russen hatten - im Januar Preußen besetzt und waren dann in Pommern bis Kolberg, in der - Mark bis Küstrin vorgedrungen. Friedrich selber eröffnete den Feldzug - mit der Eroberung von Schweidnitz, rückte in Mähren ein und belagerte - Olmütz. Das seine Verbindungen bedrohende Vorgehen der Österreicher - unter Daun zwang ihn, die Belagerung abzubrechen, doch gelang es ihm, - unbehindert Schlesien zu erreichen, um den Russen entgegenzutreten. - Diese wurden durch den Sieg bei Zorndorf am 25. August aus der Mark - sowie Pommern vertrieben und zogen sich bis hinter die Weichsel zurück. - Der König eilte nach Sachsen, wo Prinz Heinrich von der Reichsarmee und - Daun arg bedrängt war. Er zog diesen, dessen Verschanzungen - unangreifbar waren, durch Bedrohung seiner Magazine nach der Lausitz, - erlitt aber durch den Überfall bei Hochkirch (14. Oktober) eine schwere - Niederlage. Trotzdem entsetzte er das belagerte Neiße und verhinderte - Daun an einem zweiten Vorstoß auf Sachsen. Wieder hatte er seine - Staaten bis auf die Provinz Preußen erhalten und Schwedisch-Pommern - sowie Westdeutschland bis zum Rhein gewonnen. - - $1759$ stellten die Verbündeten 392000 Mann, Preußen und - England-Hannover 252000 auf. Die ersteren planten einen konzentrischen - Stoß auf Berlin: Russen und Österreicher von der Oder her, Reichsheer - und Franzosen über Sachsen, die Schweden von Norden, Franzosen über - Hannover; ein zweites österreichisches Heer (Daun) sollte den König im - Süden festhalten. Die vom Süden kommenden Franzosen besetzten schon am - 2. Januar Frankfurt a. M. und schlugen Herzog Ferdinand bei Bergen (13. - April). Dieser siegte jedoch bei Minden (1. August) über die von Westen - heranrückenden Franzosen, sowie im November über die Württemberger; er - behauptete das Jahr über Westfalen. Die Schweden breiteten sich in - Schwedisch-Pommern aus. Für Friedrich wurde dies Jahr das - unheilvollste. Er mußte abwarten, wo sein Eingreifen am nötigsten war - oder wo die Gegner sich eine Blöße gäben. Die Russen unter Soltikof und - die Österreicher unter Laudon vereinigten sich bei Frankfurt a. O.; der - General Wedell wurde von den ersteren bei Key (23. Juli) geschlagen. - Als der König dort hineilte, erlitt er die furchtbare Niederlage bei - Kunersdorf (12. August). Dresden ging an das Reichsheer verloren. Da - aber Daun und Soltikof nicht einig waren, versäumten sie die - Gelegenheit, Friedrich zu erdrücken. Prinz Heinrich hielt Daun, der - König Soltikof und Laudon fest, bis letztere im Oktober nach Polen - abzogen; ein Versuch des Königs, Dresden wiederzugewinnen, gelang - jedoch nicht. So blieben ein Teil Sachsens, Schwedisch-Pommern sowie - Preußen in der Gegner Hände; der Feldzug 1759 hatte außerdem des Königs - Heer stark gelichtet. - - $1760$ konnte Friedrich II. sein Feldheer nur auf 90000 Mann, dazu - 70000 unter Herzog Ferdinand, bringen, während die Verbündeten 430000 - zählten; dennoch verlief das Jahr verhältnismäßig günstig. Herzog - Ferdinand behauptete sich, wenn auch mit wechselndem Waffenglück, - weiter, und die Schweden machten keine Fortschritte; die Russen in - Pommern mußten eine Belagerung Kolbergs zu Wasser und zu Lande - aufgeben. In Schlesien und in Sachsen stand es anfangs schlimm; hier - standen Daun und das Reichsheer, dort strebten Russen und Laudon aufs - neue nach Vereinigung. Laudon schlug Fouqué bei Landshut. Der König - wandte sich von Sachsen nach Schlesien, Daun folgte ihm, kehrte dann - aber plötzlich zur Eroberung Dresdens zurück. Da jedoch Laudon Glatz - nahm, Breslau bedrohte, und die Russen gleichfalls im Anmarsch waren, - mußte der König doch nach Schlesien gehen. Unmittelbar rechts vor und - hinter ihm folgten zwei österreichische Korps (Daun und Lascy), während - Laudon ihm entgegenkam; doch der große Feldherr zerriß dieses Netz - durch den Sieg über Laudon bei Liegnitz am 15. August. Auch zu einer - völligen Vereinigung der Österreicher mit den Russen kam es nicht. Nur - eine abgezweigte russische Abteilung drang mit Lascy vereint bis Berlin - vor (Einnahme am 9. Oktober), mußte aber wieder abziehen, als der König - heranrückte; dieser trieb dann Daun, der inzwischen ganz Sachsen - besetzt hatte, durch den Sieg bei Torgau (3. November) wieder auf - Dresden zurück. Friedrich stand mithin nicht schlechter da als zu Ende - 1761. - - $1761$ waren die Streitkräfte der Gegner etwa die gleichen wie im - Vorjahre und auch der Plan der Verbündeten war nahezu derselbe. Größere - Ereignisse im Felde brachte das Jahr nicht. Der König konnte die - Vereinigung der Russen unter Butturlin und der Österreicher unter - Laudon in Schlesien nicht hindern, wich ihnen jedoch geschickt aus und - bezog endlich eine sichere Stellung im Lager von Bunzelwitz; - Uneinigkeit der feindlichen Feldherren führte zum Abzug der Russen. Es - gelang aber den Österreichern am 9. Oktober Schweidnitz, und den Russen - am 16. Dezember Kolberg zu nehmen; damit hatten sie in Schlesien sowie - Pommern festen Fuß gefaßt. - - $1762.$ Immer kleiner war das Gebiet geworden, das Friedrich noch - behauptete, und jetzt fielen durch Pitts Rücktritt auch die englischen - Hilfsgelder fort. Schon sahen die Gegner der Niederlage Preußens mit - Zuversicht entgegen, da wandte sich das Blatt. Nach dem Tode der - Kaiserin Elisabeth am 2. Januar schloß ihr Nachfolger Peter III. von - Rußland Frieden mit dem König (Petersburg, 6. Mai) und stellte ihm - sogar ein Hilfskorps unter Czernitschew in Schlesien zur Verfügung. - Friedrich griff Schweidnitz an, das Daun in einer festen Stellung auf - den Höhen bei Reichenbach deckte. Nach der Entthronung Peters wurde - Czernitschew zurückberufen, ließ sich aber bestimmen, unter - Geheimhaltung der Order noch einige Tage zu bleiben, damit Daun mit ihm - rechnen müsse. Der König siegte bei Burkersdorf am 21. Juli über diesen - und wies dann noch einen weiteren Entsatzversuch Dauns bei Reichenbach - am 16. August zurück. Am 9. Oktober fiel Schweidnitz, Schlesien war - wiedergewonnen. Prinz Heinrich hatte im Sommer in Sachsen die - Reichstruppen von den Österreichern getrennt und nach Franken - vertrieben; als sich beide in Böhmen wieder vereinigt hatten, schlug er - sie bei Freiburg (29. Oktober). Herzog Ferdinand erfocht über die von - Kassel aus vordringenden Franzosen zweimal einen Sieg bei Wilhelmsthal - am 24. Juni, bei Lutterberg am 23. Juli. Kaiserin Katharina von Rußland - zog sich vom Kriege zurück, bestätigte den Frieden Peters und räumte - Preußen. - - =Der Krieg war zu Ende!= England und Frankreich schlossen am 2. - November den =Präliminarfrieden zu Fontainebleau=. England gab dabei - Preußen völlig preis, es zog seine Truppen zurück und gestattete - Frankreich, Kleve, Wesel sowie Geldern besetzt zu halten. Nur der - Umstand, daß dieser Staat auch des kostspieligen Landkrieges müde war, - bewahrte Preußen vor den Folgen der englischen Treulosigkeit, denn - Österreich verzagte daran, allein Friedrich II. niederzuwerfen, schloß - Waffenstillstand und trat in Friedensverhandlungen ein. - -$Der Frieden zu Hubertusburg$, 15. Februar 1763, stellte den Besitzstand -vor dem Kriege wieder her: Österreich verzichtete auf Schlesien und -Glatz, Preußen räumte Sachsen. Friedrich II. versprach außerdem seine -Stimme für die Kaiserwahl des Erzherzogs Joseph. Des großen Königs -überlegener Geist, sowie die opferwillige Hingabe seines tapferen Volkes -hatten den preußischen Staat und mit ihm die Zukunft Deutschlands -gerettet. - - - Der allgemeine Verlauf des See- und Kolonialkrieges. - -Der Seekrieg spielte sich auf verschiedenen Schauplätzen -- in den -europäischen, den nordamerikanischen, den west- und ostindischen -Gewässern -- ab. Um aber stets über die ganze Kriegslage im klaren zu -sein, sowie auch weil England von Anfang an nach einem alle Schauplätze -umfassenden Plane vorging, erscheint es angebracht, zunächst den -allgemeinen Verlauf dieses Seekrieges etwas eingehender zu schildern, als -dies bisher bei anderen geschehen ist. - -=Kennzeichnung der Kriegführung seitens der Gegner.= Der vorherzusehende -Zusammenstoß zwischen England und Frankreich erfolgte nur wegen -Streitfragen auf oder über der See; dies wies deutlich genug auf den -wahren Kriegsschauplatz hin, und man hätte einen reinen Seekrieg zwischen -den beiden Mächten erwarten müssen. Aber nur England besaß eine starke -Flotte und erkannte das Richtige, =Frankreich= hatte Vorbereitungen für -einen Seekrieg versäumt und ließ sich außerdem durch den Landkrieg vom -Seekriege ablenken. Zu Anfang zeigten sich zwar Unternehmungslust und -Tatkraft auf seiten der Franzosen und sie hatten schon wichtige Erfolge -errungen, als sie 1757 in den Landkrieg eintraten. Durch die -überraschende Einnahme von Port Mahon, durch die Gewinnung Korsikas (wo -ihnen Genua zum eigenen Schutz gegen einen Aufstand die befestigten -Plätze übergeben hatte) besaßen sie im Verein mit Toulon eine starke -Stellung im Mittelmeer; in Nordamerika stand ihre Sache sehr günstig und -in Indien war ihre Lage mittelbar dadurch gestärkt, daß die Engländer um -ihren bengalischen Besitz mit den Eingeborenen in schwerem Kampfe lagen. -Frankreich hätte nun ernstlich dahin streben müssen, durch Bündnisse -seine Kraft zur See zu verstärken, Holland und Spanien zu gewinnen; dies -geschah oder gelang aber nicht. - - $Englands rücksichtsloses Auftreten$ gegen die neutralen Staaten, das - aus dem Gefühl seiner Macht zur See entsprang, gab hierzu Gelegenheit. - Daß Holland den alten Bund nicht erneuert hatte, vergalt England mit - harten Maßregeln gegen dessen Handel[69]. Es erklärte alle Häfen - Frankreichs in Blockadezustand und ordnete an, daß sämtliche nach dort - bestimmten Schiffe als gesetzliche Prisen zu nehmen wären. Ferner faßte - es den Begriff der Kriegskontrebande weit schärfer als bisher und hielt - sich nicht mehr an die mit Holland getroffene Abmachung »Frei Schiff« - -- »Frei Gut«, sondern legte Beschlag auf holländische Schiffe mit - französischer Ladung. Der holländische Handel mit französischen - Kolonien, ja sogar der nach den holländischen wurde arg belästigt; - Holland war genötigt, seine Kauffahrer durch starke Bedeckungen - geleiten zu lassen. Auch andere Staaten, so insbesondere Spanien, - litten unter Englands Vorgehen; der Versuch, Spanien zu gewinnen, - scheint aber erst von Choiseul ernstlich gemacht zu sein. - - [69] Näheres hierüber, so auch einzelne, besonders hervortretende - Fälle, vgl. de Jonge, Band IV, Seite 314 ff. - -Dagegen ließ sich Frankreich in den Siebenjährigen Landkrieg verwickeln, -der seine Mittel stark in Anspruch nahm, da es nicht nur die eigenen -Rüstungen, sondern auch die der deutschen Fürsten zahlen, sowie -Österreich mit Geld unterstützen mußte. Deshalb vernachlässigte es nun -trotz der ersten Erfolge seine schon an und für sich schwächere Marine -schmählich, anstatt die für diese durch die Einnahme von Port Mahon im -Lande hervorgerufene Begeisterung zu ihrer Hebung zu benutzen. So zeigen -sich denn auch Frankreichs Flotten nur einmal, 1759, im Kampfe um die -Seeherrschaft, und mit dem Verzicht auf diese gab es auch seine Kolonien -auf. Spaniens Hilfe kam zu spät, seine Kolonien teilten nur das Schicksal -der französischen. - - Es mag sein, daß bei der geringen Bevölkerung der französischen - Kolonien in Nordamerika gegenüber den englischen die Seemacht dort - nichts am Ausgang des Kampfes geändert haben würde; bei der Lage der - beiden Völker in Indien hing aber alles von der Beherrschung der See - ab. - - Ebenso ist es nicht sicher, ob Frankreich ohne den Landkrieg England - hätte erfolgreich gegenübertreten können. Die Marine war vor 1755 noch - nicht genügend vorbereitet, obgleich ein tüchtiger Marineminister für - sie gearbeitet hatte. Die etwaigen Bundesgenossen waren gleichfalls - schwach; Hollands Marine war unbedeutend, die spanische besaß zwar - eine stattliche Zahl von Linienschiffen, nach den früheren Leistungen - darf man aber zweifeln, ob ihr Wert der Zahl entsprach. - -=England= nutzte wohl anfangs seine überlegene Seemacht nicht mit der -nötigen Tatkraft und Umsicht aus, aber bald nach Pitts Amtsantritt im -November 1756 trat hierin eine Änderung ein; dieser erkannte, wo Englands -wahre Vorteile lagen. Auf dem Festlande führte er den Kampf gegen -Frankreich fast nur mit Geld, die Hauptkraft verwandte er auf den -Seekrieg. England beherrschte bald alle Gewässer, schnitt den Gegner von -den Kolonien ab und vernichtete dessen Handel; der eigene wuchs -infolgedessen. So wurde Frankreich die finanzielle Kraft zur Kriegführung -genommen, während England die Kosten leichter tragen konnte. - -=Ein Ausblick auf den Verlauf des Seekrieges= veranschaulicht -Vorstehendes. Als 1755 in Nordamerika zwischen den Kolonien der offene -Krieg ausgebrochen war, von den Mutterländern unterstützt, rüsteten beide -Gegner, wenn auch die Unterhandlungen noch fortliefen; England ließ -bereits im Sommer an den Küsten Frankreichs Kriegs- und Handelsschiffe -abfangen. Es geschah vielleicht, um den Gegner noch zum Nachgeben zu -bewegen, aber vor allem, um ihn in seinen Rüstungen zu stören; wurden -doch 500 Schiffe mit 6000 Seeleuten, also den Besatzungen von acht bis -zehn Linienschiffen entsprechend, genommen. Dagegen gelang es den -Franzosen 1756, durch Vorbereitung eines Einfalls in England die -Aufmerksamkeit des Gegners vom Mittelmeer abzulenken und dessen Schwäche -dort zur Eroberung von Port Mahon zu benutzen; der Versuch Englands, die -belagerte Stadt zu entsetzen, wurde durch die Schlacht von Minorka -vereitelt. Jetzt erst erklärte England den Krieg, entfaltete aber bald -seine Seemacht in durchgreifender Weise. - -=Der Plan für das Vorgehen der englischen Flotte= gipfelte in folgenden -Maßnahmen: - -1. Unterstützung des Kolonialkrieges in Nordamerika; - -2. die französischen Häfen am Atlantik, besonders Brest, wurden mit -überlegenen Kräften blockiert, so daß sich auslaufende Flotten oder -Geschwader schlagen mußten. - - Eine vollständige Blockade von Brest wurde in diesem Kriege zum ersten - Male planmäßig betrieben. Die Lage dieses Hafens erleichterte eine - solche. Wenn die Blockierenden durch schwere Westwinde zu ihrer - Unterbrechung gezwungen wurden, konnten auch die Blockierten nicht - auslaufen; die Engländer gingen dann nach einem ihrer Kanalhäfen, waren - aber sicher, mit östlichen Winden ihre Station wieder zu erreichen, ehe - eine große und mangelhaft gehandhabte Flotte wesentlichen Vorsprung - gewinnen konnte. Außer ihrem eigentlichen Zweck hatte nämlich eine - strenge Blockade noch eine wichtige Folge: Die französische Marine - wurde dauernd außerstand gesetzt, die Handhabung ihrer Schiffe und - Schiffsverbände zu üben; in diesen wie in den Kriegen zu Ende des - Jahrhunderts -- dargestellt in unserem fünften Abschnitt --, in denen - die Blockaden jahraus, jahrein meisterhaft durchgeführt wurden, waren - daher die Franzosen, selbst bei gleicher Stärke, beim Zusammentreffen - den Engländern nicht gewachsen, während diese gerade durch den - schwierigen Blockadedienst zu vorzüglichen Seeleuten herangebildet - wurden. - -3. Fliegende Geschwader unternahmen Angriffe auf Frankreichs Küsten, -bisweilen mit kleineren Landungen verbunden. Diese Vorstöße, deren Ziel -der Gegner nicht voraussehen konnte, sollten ihn zwingen, an vielen -Stellen Truppen bereit zu halten und damit dem Kriege in Deutschland zu -entziehen. - -4. In der Nähe von Gibraltar wurde eine Flotte gehalten, um die -Seestreitkräfte von Toulon zu hindern, sich mit der Atlantikflotte zu -vereinigen oder die auswärtigen Stationen zu verstärken. Dieser Teil der -englischen Streitmacht war zwar selbständig, hatte aber etwaigen -Anforderungen der Atlantikflotte Folge zu leisten. - - Auf die Wiedereroberung des Hafens von Port Mahon, ja selbst auf eine - Unterbindung des Verkehrs mit ihm, scheint man keinen Wert gelegt zu - haben. Der Besitz der Seeherrschaft im Mittelmeer spielte nicht die - Rolle wie in den früheren Kriegen, die Hauptinteressen lagen anderswo. - -5. Es wurden Züge gegen die französischen Besitzungen in Westindien sowie -Afrika unternommen und in Ostindien ein ständiges Geschwader unterhalten, -um die Herrschaft in jenen Meeren zu sichern, den Franzosen die -rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und ihren Handel zu vernichten. -Diese niemals ausgesetzte Tätigkeit nahm größeren Umfang an, als die -französische Marine (1759) lahmgelegt war und als durch Spaniens Eintritt -in den Krieg (1761) die Aussicht auf wertvolle Eroberungen sowie Beute -größer wurde. - -=Frankreich= versuchte in den ersten Jahren noch, seine auswärtigen -Stationen zu verstärken, sowie die Kolonien zu unterstützen, und kleinere -Geschwader schlüpften auch des öfteren, namentlich während der -Wintermonate, durch die Blockade. Dem aber machte Englands Übermacht nach -und nach ein Ende; selten nur noch gelang es, Kriegsschiffe oder Konvois -nach den Kolonien abzusenden. In den europäischen Gewässern hatte man -sich nach dem Vorstoß gegen Port Mahon auf den Kleinen Krieg mittels -einzelner Kriegsschiffe und Kaper beschränkt. Erst als zu Ende des Jahres -1758 der feurige =Choiseul= ans Ruder gekommen war, raffte man sich auf. -Herabgestimmt durch die Mißerfolge des Jahres im Landkriege, gereizt -durch die englischen Küstenangriffe, faßte man den Entschluß, alle Kraft -auf ein Ziel zu setzen und in Großbritannien zu landen; ein Plan, mit dem -man sich vom Beginn des Krieges an getragen hatte. Gleichzeitig sollten -Truppen nach Irland, England sowie Schottland geworfen und zu diesem -Zwecke die gesamte Streitmacht zusammengezogen werden. Aber die -Toulonflotte wurde auf dem Wege nach Brest von der englischen -Gibraltarflotte vernichtend geschlagen (bei Lagos, August 1759). Trotzdem -gab Choiseul den Plan nicht auf. Die Brestflotte lief aus, als die -Blockade durch stürmisches Wetter unterbrochen war, aber auch sie wurde -von dem rechtzeitig zurückkehrenden Gegner gestellt und aufgerieben. -(Schlacht in der Quiberonbucht, November 1759.) - -=England= errang inzwischen große Erfolge, da durch das Sammeln der -französischen Seestreitkräfte die anderen Kriegsschauplätze für das Jahr -1759 ganz ohne Unterstützung geblieben waren. Schon 1758 war die wichtige -Festung Louisbourg in Nordamerika gefallen; 1759 eroberte England auch -Quebec, in Westindien Guadeloupe, in Afrika Gorée und in Indien räumte -das französische Geschwader, nach mehreren nicht unbedingt verlorenen -Gefechten, das Feld, worauf bis Januar 1761 (Übergabe von Pondicherry) -ganz Französisch-Indien verloren ging. Die Streitkräfte Frankreichs -draußen mußten sich eben aufzehren. Die beiden großen Niederlagen 1759 -nahmen nun der französischen Marine jegliche Kraft, während England -infolge der geringen Beanspruchung daheim in den fernen Gewässern noch -tatkräftiger auftreten konnte. Spaniens Hilfe für Frankreich kam zu spät, -und auch das sonst erfolgreiche Streben Choiseuls, der 1761 das -Marineministerium mit übernahm, die Marine zu heben, konnte für diesen -Krieg keine Früchte mehr tragen. Nicht imstande, zur See etwas zu -unternehmen, griffen die Verbündeten (1762) Portugal zu Land an, wurden -jedoch mit Englands Unterstützung zurückgeschlagen. England dagegen nahm -im Jahre 1762 Frankreich noch Martinique, die Perle der Antillen und ein -wichtiger Stützpunkt für Freibeuterei, den Spaniern Havanna und die -Philippinen ab. Frankreich hatte alle Kolonien bis auf seinen Anteil an -Haiti verloren. - -Der Kleine Krieg gegen den Handel in allen Meeren spielte auch im -Siebenjährigen Kriege eine bemerkenswerte Rolle; er zeigte fast dieselbe -Eigenart wie in den früheren englisch-französischen Kämpfen. Obgleich er -wiederum von Frankreich mit großer Kühnheit und Ausdauer geführt wurde, -um so tatkräftiger, je mehr die Marine zurückging, brachte er schließlich -doch wie im österreichischen Erbfolgekriege den Niedergang des -französischen Handels bis zur Vernichtung, dagegen ein Aufblühen der -englischen Schiffahrt und Industrie. Damit wurde für Frankreich eine -wichtige Hilfsquelle verstopft, die für England desto reichlicher floß. - - - Der Friede zu Paris. 10. Februar 1763. - -Die Eroberung der Philippinen[70] war das letzte Ereignis dieses Krieges. -Neun Monate hatten genügt, um =Spanien= niederzuwerfen; es bat um -Frieden, und Frankreichs letzte Hoffnung war damit zertrümmert. -=Choiseul= hatte schon 1761 Friedensvorschläge gemacht; es war ihm aber -wahrscheinlich kaum Ernst damit und er wollte wohl nur England über seine -Verhandlungen mit Spanien täuschen. =Pitt= durchschaute jedoch diese -Absicht und war auch nicht gewillt, auf das Verlangen Frankreichs -einzugehen, Preußen ganz fallen zu lassen; er rechnete im Gegenteil -weiter damit, durch die Fortsetzung des Land- und Seekrieges Frankreich -als See- und Kolonialmacht völlig zu vernichten. 1762 waren nun beide -Gegner des Krieges müde, Frankreich war erschöpft und die englische -Regierung glaubte, gegen Pitts und seiner Anhänger Ansicht, mit der -augenblicklichen Vernichtung der feindlichen Flotten und Wegnahme der -Kolonien genügend erreicht zu haben. Die Friedensverhandlungen gingen -nach Pitts Rücktritt sogar von der schwachen englischen Regierung aus und -wurden trotz der glänzenden Erfolge mit unwürdiger Hast zu Ende geführt. -=Georg= III. und der nunmehrige Leiter der Politik, =Lord Bute=, -wünschten den Frieden aus anderen Gründen: Mangel an politischer -Einsicht, Abneigung gegen Friedrich II., Verlangen nach Frieden von -außen, um sich gegen Widersacher der Regierung im Lande wenden zu können. -Sie schlossen schon am 3. November 1762 einen =Präliminarfrieden zu -Fontainebleau= mit Frankreich und Spanien unter weit bescheideneren -Bedingungen[71] ab, als die Gegner erwarteten und England nötig gehabt -hätte; der Vertrag wurde am 10. Februar 1763 zu Paris bestätigt. - - [70] Clowes, Band III, Seite 238, setzt diese Eroberung (mit sonst - gleichen Monats- und Tagesangaben) wohl irrtümlich auf 1761 und - beschreibt sie unter den Ereignissen dieses Jahres im Gegensatz zu - allen anderen Geschichtsbüchern. - - [71] Die Bedingungen, soweit sie die Kolonien betrafen (und dies war - die Hauptsache), sehr genau in Zimmermann, Band II, sowie Band IV. - -$Die Friedensbedingungen.$ =Frankreich= gab alle Ansprüche auf Kanada, -Neuschottland und Neubraunschweig -- mit Kap Breton sowie den anderen -Inseln im St. Lorenzstrom -- auf; es trat das Ohiotal und das ganze -Gebiet östlich vom Mississippi an England ab. Es gab auch Minorka zurück, -und da es die Insel Spanien versprochen hatte, entschädigte es diesen -Staat durch die Gebiete Louisianas, westlich vom Mississippi, -einschließlich der Stadt New Orleans. Es war aus Nordamerika vertrieben. --- In Westindien erhielt Frankreich sämtliche Inseln bis auf Grenada -zurück. Die neutralen Inseln wurden geteilt: St. Lucia fiel an -Frankreich, St. Vincent, Tabago, Dominica an England. -- In Ostindien -bekam Frankreich Pondicherry nebst den Besitzungen an der Koromandelküste -wieder, die es 1749 besessen hatte, es mußte aber auf die seitdem hier -sowie in Orissa gemachten Erwerbungen und auf das Recht verzichten, in -Bengalen Befestigungen anzulegen und Truppen zu halten. Es konnte in -Indien wohl in beschränktem Maße Handel treiben, aber sein politischer -Einfluß -- der Traum eines großen Reiches hier -- war zu Ende. -- In -Afrika wurden die Niederlassungen im Senegal (mit Ausnahme von Gorée) an -England abgetreten. -- Das Recht, an den Küsten Neufundlands, sowie in -einigen Teilen des Lorenzgolfes zu fischen, ward Frankreich zugestanden -und ihm zu diesem Zweck die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon als -Fischerstationen belassen. -- Dünkirchen, der gefährliche Stützpunkt der -Freibeuterei, mußte, wie nach dem Aachener Frieden, wieder entfestigt -werden. - -=Spanien= bekam Havanna sowie die Philippinen zurück, trat aber Florida -an England ab und erhielt die französischen Teile von Louisiana. Von dem -beanspruchten Rechte der Fischerei bei Neufundland wurde es -ausgeschlossen. Es gestand zu, daß England in Honduras Holz holen dürfe, -und erklärte sich mit der Aburteilung der Prisenfälle in England -einverstanden. - -=England= kam mithin durch den Frieden in den Besitz eines -nordamerikanischen Reiches, das Kanada sowie die sämtlichen jetzigen -Vereinigten Staaten östlich des Mississippi umfaßte. Es gewann einige -westindische Inseln und Senegal. In Ostindien wurden der englischen -Kompagnie alle Eroberungen stillschweigend zugestanden; England war hier -unbedingt die Vormacht geworden. Fast noch wichtiger als diese -Gebietserweiterungen waren das Übergewicht zur See und das Ansehen, das -England durch den Krieg erlangt hatte. Aber England hätte weit -bedeutendere Forderungen durchsetzen können: solche, wie sie Pitt und -seine Anhänger wünschten, um Frankreich aus der Reihe der Kolonialmächte -zu streichen. Diese versuchten denn auch, die übereilten -Friedensvorschläge rückgängig zu machen, das Parlament war jedoch -größtenteils in der Hand der Regierung und bestätigte sie[72]. - - [72] Der Einfluß des Pariser Friedens auf die Beendigung des - Siebenjährigen Krieges ist bereits Seite 123 geschildert. - - $Captain Mahan äußert sich hierzu$ (Band I, Seite 309; hier gekürzt - wiedergegeben): =Pitt sagte=: Frankreich ist uns hauptsächlich als See- - und Kolonialmacht gefährlich. Was wir in dieser Hinsicht gewinnen, ist - uns durch den Schaden wertvoll, den Frankreich davon bat. =Jetzt läßt - man ihm die Möglichkeit, seine Marine wieder ins Leben zu rufen.= Die - Zurückgabe der Kolonien in West- und Ostindien sowie des Rechtes der - Fischerei in Nordamerika gaben Frankreich die Möglichkeit und den - Antrieb, Schiffahrt, Handel und Marine wieder herzustellen, und waren - geeignet, es von dem Pfade des Ehrgeizes auf dem Festlande, der so - günstig für das Wachsen der Macht Englands auf den Ozeanen gewesen war, - abzulenken. Die Opposition in England war auch der Ansicht, daß das - noch öde Florida ein schlechter Ersatz für das wichtige Havanna sei; - Portoriko war als solcher vorgeschlagen, Florida wurde angenommen. - - Das Ministerium rechtfertigte seine Nachgiebigkeit mit dem ungeheuren - Wachsen der Staatsschuld durch den Krieg (von 78 Millionen Lstrl. im - Jahre 1748 auf 122); aber gerade weil dieser Wechsel auf die Zukunft - gezogen war und sich dies durch die Erfolge im Kriege bewährt hatte, - mußte man beim Friedensschluß alles nehmen, was man erhalten konnte. - Auch brauchte England in dieser Hinsicht nicht in Sorge zu sein. Der - zunehmende Handel und die wachsende Industrie, für die der große - Kolonialbesitz ihm den Absatz sicherte, während im übrigen Europa - Seehandel und Industrie daniederlagen, boten ihm genügende Garantie. - Aber das Volk hatte keine Vertretung in der Regierung; der einzige - Mann, der der Ausnutzung der günstigen Lage gewachsen war, Pitt, stand - in Ungnade bei Hofe.« - -Frankreich war über die geringen Forderungen erstaunt. Man hätte hier das -reiche Martinique, Guadeloupe sowie das handelspolitisch und strategisch -wichtig gelegene St. Lucia[73] geopfert; Guadeloupe gab aber Lord Bute -sogar über den Kopf des Premierministers hin fort. Die ostindische -Kompagnie war empört, daß sie die fast nur auf ihre Kosten eroberten -Philippinen nicht behalten durfte; nicht einmal der volle Betrag der -auferlegten Kontribution wurde ihr von Spanien gezahlt. Die Entrüstung -auf Bute wuchs so rasch im Lande, daß er schon im April 1763 zurücktrat; -man sagte ihm sogar nach, er sei von Frankreich bestochen worden. - - [73] St. Lucia, zu Luward von Guadeloupe und Martinique gelegen, war - vorzüglich geeignet, diese wichtigen französischen Inseln zu - überwachen, wie sich 1782 zeigen sollte. - - - Die Streitmittel.[74] - -$Frankreich$ trat dank den Bemühungen der Minister =Maurepas= und -=Rouillé= mit einer größeren Zahl von Schiffen in den Siebenjährigen -Krieg ein als in den vorigen. - - [74] Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist - schon im Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt, dort sind auch - (Seite 33) die beiden Marinen auf ihren Wert an Material und - Personal verglichen. Wir beschränken uns hier deshalb fast ganz - auf Angaben über die Schiffsbestände und Schiffsverluste in diesem - Kriege. Diese Angaben stützen sich auf Charnock, Teil III, Seite - 174, 178, 183, 196, der auch die Namen der Schiffe angibt (über - Spanien ebenfalls). Die Verluste der drei Marinen vgl. auch Clowes - III, Seite 310 ff. (gleichfalls mit Namen). - -=Der Schiffsbestand= betrug 1756: 6 Schiffe zu 84 Kanonen, 29 zu 74, 3 zu -70, 29 zu 64, 5 zu 60, mithin 72 Linienschiffe; ferner 10 Schiffe zu 50 -sowie 6 zu 36-46 Kanonen, gewöhnlich Fregatten genannt, und an richtigen -Fregatten 17 zu 32 sowie 24 zu 22-26 Kanonen, endlich 12 Korvetten zu -10-16 Kanonen und etwa 100 kleinere Fahrzeuge. Fast alle diese Schiffe, -besonders aber die Linienschiffe, waren seit 1748 neu erbaut. - - Zu den Linienschiffen zählen von dieser Zeit an nur solche, die über 50 - Kanonen führen, doch stellte Frankreich noch manchmal 50-Kanonenschiffe - in die Linie ein (England nur sehr selten). Frankreich scheint auch in - diesem Kriege noch keine Dreidecker gehabt zu haben, dagegen die neuen, - sehr starken Zweidecker zu 84 Kanonen (vgl. Seite 12 und 14). Mehrere - Quellen geben für 1756 nur 60-70 Linienschiffe an. - -Auch die Zahl der =Seeoffiziere= war von 660 um 1740 wieder auf 900 -gewachsen, aber wie bei Beginn des vorigen Krieges fehlte ihnen die -Übung, und bei den Mannschaften war dies noch mehr der Fall. Die -traurigen Verhältnisse unter den späteren Ministern machten eine Stärkung -der Marine während des Krieges unmöglich; der Aufschwung unter =Choiseul= -(1761) kam zu spät. Im Siebenjährigen Kriege erhielt die königliche -Marine noch Unterstützung durch die Ostindische Kompagnie, deren Schiffe -und Offiziere jedoch nicht vollwertig waren (vgl. Seite 57). - -=Der Verlust an Schiffen= betrug 20 Linienschiffe und 34 Fregatten, vom -Feinde genommen, 14 und 22 Schiffe dieser Arten vernichtet oder sonst -verunglückt; eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge trat hinzu. Die Marine war -also um 1763 wieder bis auf 40 Linienschiffe und, trotz einiger -Neubauten, auf vielleicht 10 Fregatten zurückgegangen, wozu dann die 15 -Linienschiffe im Bau, die die Nation der Regierung schenkte, traten. - -$Spanien$ hatte gleichfalls seine Marine seit 1748 sehr verstärkt. 1759 -besaß es 49 Linienschiffe, nämlich: 2 zu 80 Kanonen, 6 zu 70, 30 zu 68, 8 -zu 60, 3 zu 58. Hinzu kamen 2 Schiffe zu 50 Kanonen, 22 Fregatten zu -22-30 und 14 Korvetten. Die Schiffe waren fast sämtlich neu, jedenfalls -die Linienschiffe erst nach 1750 erbaut. Es liegen aber keinerlei -Andeutungen vor, die darauf hinweisen, daß die Schiffe besser imstande -gehalten wären, noch daß das Personal auf einer höheren Stufe gestanden -habe, als bisher. Spanien verlor in dem Kriege 9 Linienschiffe sowie 5 -Fregatten, vom Feinde genommen, und beim Angriff auf Havanna (1762) -waren 3 Linienschiffe zur Sperrung der Einfahrt versenkt. - -In $England$ war der =Schiffsbestand= um $1756$: 5 Schiffe zu 100 -Kanonen, 10 zu 90, 6 zu 74, 27 zu 70, 5 zu 64, 36 zu 60, mithin 89 -Linienschiffe; 30 Schiffe zu 50 Kanonen sowie 38 zu 40-44 (die letzteren -oft Fregatten genannt); 59 Fregatten zu 20-24 Kanonen und viele kleinere -Fahrzeuge. Insgesamt 274 Segel. Der =Verlust= betrug 15 Linienschiffe -(aber nur eins vom Feinde genommen), 4 50-Kanonenschiffe, 3 zu 40 und 14 -zu 20-28 Kanonen. Trotz dieses Verlustes und obgleich während des Krieges -eine ziemlich große Zahl als abgenutzt aus den Listen gestrichen wurde, -war doch durch Neubau oder Einstellung genommener Schiffe der -=Gesamtbestand um 1763= auf 340 Segel gewachsen. Die schon früher -gegebene Tabelle (Seite 18) weist für 1762 an Linienschiffen 141 nach; -aus ihr ist ferner zu ersehen, daß besonders Schiffe der dritten Klasse -(zu 74 und 64 Kanonen) sowie Fregatten zu 28-38 Kanonen erbaut oder -eingestellt sind, während man die verlorenen 50- oder 44-Kanonenschiffe -nicht ersetzt hat. Auch begann man gegen Ende des Krieges in England nach -dem Muster genommener französischer großer Zweidecker solche zu 80 -Kanonen zu erbauen. - -Im Gegensatz zum vorhergegangenen Kriege würde die englische Marine nicht -überlegen gewesen sein, wenn das Bündnis zwischen Frankreich und Spanien -sofort in Kraft getreten wäre. Auch nach den niedrigsten Angaben hätten -diese Staaten über 100 Linienschiffe den englischen 89 (oder mit -Einschluß der 50-Kanonenschiffe 120) entgegenstellen können. Gegen -Frankreich allein trat England allerdings überlegen auf, und als Spanien -(1761) den Krieg erklärte, hatte die französische Marine schon die -angegebenen ungeheuren Verluste erlitten, die englische war dagegen -bedeutend gewachsen. - - - Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges.[75] - - Die Ereignisse vor der Kriegserklärung. - -$Die Reibungen in den Kolonien$ begannen schon unmittelbar nach dem -Frieden von Aachen. =In Westindien= besetzte der Gouverneur von -Martinique 1749 die neutrale Insel Tabago und räumte sie erst wieder, als -England sehr ernstlich Einsprache erhob; ein ähnlicher Fall ereignete -sich an der Westküste von =Afrika=. =In Ostindien= aber hatten die -Kompagnien und in =Nordamerika= die Kolonisten der beiden Länder den -Kampf trotz des Friedensschlusses eigentlich ununterbrochen fortgesetzt, -wie sich später bei der Schilderung des Krieges in den Kolonien ergeben -wird. Um 1755 war der Kampf, in Amerika schon beträchtlich von den -Mutterländern unterstützt, zu einem derartigen Umfange gediehen, daß die -Regierungen daheim Maßregeln ergriffen, die einen großen Krieg -unabwendbar erscheinen ließen. =Frankreich= bereitete in Brest sowie -Rochefort eine starke Expedition nach Kanada vor, und =England= rüstete -daraufhin gegen 35 Linienschiffe aus, warb oder preßte Seeleute und -ordnete die Aufstellung von 50 Kompagnien Seesoldaten an. - - [75] Besonders benutzte Quellen: Clowes, Band III; Lacour I; Mahan I; - Troude, Band I; Bonfils, Band II; für die politischen Verhältnisse - sowie den Krieg am Lande in den Kolonien Zimmermann. Band II und - IV. - -Am 3. Mai 1755 verließ Lieutenant-Général =Comte de Macnemara= Brest mit -einer Flotte von 20 Linienschiffen und 6 Fregatten. Von den -Linienschiffen waren jedoch nur 9 vollständig armiert, nämlich 6, die, zu -einem Geschwader vereint, dem genannten Admiral unmittelbar unterstellt -waren, und 3 zum Geschwader des Chef d'Escadre =Dubois de la Motte= -gehörige. Dieser Flaggoffizier war der Führer der eigentlichen Expedition -nach Kanada, und die ihm weiter unterstellten 11 Linienschiffe, die 12 -Bataillone Infanterie (unter Baron =Dieskau=) sowie Kriegsmaterial in die -Kolonie überführen sollten, waren nur als Flüten[76] armiert. Macnemara -ging mit seinen Linienschiffen sowie 3 Fregatten nach Brest zurück, -sobald er seine Aufgabe gelöst hatte und die Expedition sicher auf hoher -See wußte. Nun sollte er an den Küsten Frankreichs kreuzen. Er legte aber -krankheitshalber sein Kommando nieder und starb bald darauf, 65 Jahre -alt; das Geschwader kreuzte dann unter dem Befehle des Comte Du Guay. -=Dubois= segelte nach Nordamerika, zweigte bei Annäherung an die Küste 4 -Linienschiffe nach Louisbourg ab und führte den Rest nach Quebec; 3 -Schiffe waren im Nebel von ihm abgekommen, und nur diese stießen mit den -Engländern zusammen. - - [76] Es war in Frankreich üblich, Linienschiffe »en flûte« zu armieren, - wenn sie Truppen und Material nach den Kolonien brachten. Es waren - dann, um Raum zu gewinnen, nur 20-22 Kanonen aufgestellt, die - anderen wurden zurückgelassen oder in den Lasten verstaut. -- - Französische Quellen sagen, im vorliegenden Falle sei es auch aus - Sparsamkeit geschehen, sowie, um England nicht zu reizen. - -In England war man nur oberflächlich von der französischen Expedition -unterrichtet gewesen, hatte aber doch schon am 27. April den Vizeadmiral -=Edward Boscawen= mit 11 Linienschiffen, einer Fregatte sowie einigen -Transportern, die 2 Regimenter an Bord führten, nach Amerika gesandt. Als -die Stärke der Franzosen bekannt wurde, folgte am 11. Mai ein Nachschub -von 6 Linienschiffen unter Kontreadmiral =Francis Holburne=, die am 21. -Juni auf den Neufundlandbänken zu Boscawen stießen. Dieser war zwar mit -Dubois nicht zusammengetroffen, jedoch am 6. Juni den drei versprengten -Franzosen begegnet, hatte sie mit dem ganzen Geschwader gejagt und am 8. -zwei von ihnen, ein voll- und ein en flûte-armiertes Schiff, genommen; -dem dritten, einem guten Segler, gelang es, im Nebel nach Louisbourg zu -entkommen. Als Boscawen dann erfuhr, daß Dubois wohlbehalten Quebec -erreicht habe, ging er nach Halifax, da seine Mannschaft sehr unter -Krankheit litt; nur ein kleineres Geschwader unter Holburne blockierte -Louisbourg. Nach Ausschiffung der Truppen begab sich =Dubois= auf die -Rückreise und langte am 21. September in Brest an; auch den Schiffen in -Louisbourg gelang es, während eines Sturmes zu entschlüpfen und sich ihm -anzuschließen. Nun ging auch =Boscawen=, dessen Bleiben in den -nordamerikanischen Gewässern nicht mehr nötig erschien und der gegen 2000 -Mann an Krankheiten verloren hatte, mit Holburne nach England und traf am -4. November in Spithead ein; nur wenige Schiffe unter Kommodore =Spry= -überwinterten in Halifax. - - =Dubois= wäre ohne Zweifel zu schwach gewesen, um gegen Boscawen - aufzutreten, aber auch seine Instruktion verbot es ihm. Bemerkenswert - ist hier die Verschiedenheit der Befehle für die Führer. Die - französischen schrieben vor, jeden Zusammenstoß zu vermeiden, solange - es die Ehre der Flagge zuließe; =Boscawen= hatte Order, die Kolonie zu - schützen und das feindliche Geschwader anzugreifen, wo er es fände. Der - Erlaß dieses Befehls war sogar dem französischen Gesandten bekannt - gegeben. - -Die Wegnahme der beiden französischen Schiffe erregte in Frankreich große -Entrüstung, blieb aber nicht die einzige Gewalttat Englands vor der -Kriegserklärung. Im Sommer 1755 erhielt der Kontreadmiral =Sir Edward -Hawke= den Auftrag, mit einem starken Geschwader in der Biscaya zu -kreuzen und jedes französische Linienschiff zu nehmen; im August wurde -der Befehl auf alle feindlichen Kriegsschiffe, Kaper und Handelsschiffe -ausgedehnt. Der gleiche Befehl erging an das Mittelmeergeschwader. Bis -Ende des Jahres nahmen Hawke, später die Admirale =Byng= und -=Temple-West= 500 Handelsschiffe im Wert von über einer Million Lstrl., -sowie einige Kriegsschiffe; auf ihnen befanden sich 6000 französische -Seeleute und 1500 Soldaten, einschließlich der Besatzungen der in -Nordamerika genommenen Schiffe, in englischer Gefangenschaft. Diese -entsprachen den Besatzungen von wohl 10 Linienschiffen, bedingten also -einen schweren Verlust für Frankreich vor Eintritt in den Krieg. - -$Frankreich nimmt Minorka 1756.$ Trotz aller dieser Vorgänge und obgleich -sich die Stimmung des englischen Parlaments im November 1755 sehr -kriegerisch äußerte, setzte die französische Regierung die Verhandlungen -über die amerikanischen Streitfragen fort; sie zeigte sich sogar so -friedfertig, daß sie einen vor Brest genommenen englischen Kreuzer -zurückgab und dem englischen Mittelmeergeschwader das Anlaufen von Toulon -behufs Auffüllung von Vorräten gestattete. Hoffte man noch, den Frieden -zu erhalten, oder wollte man die Zeit zu einem plötzlichen Schlage -abwarten? Wie in den früheren Kriegen war in Frankreich große Stimmung -für einen überraschenden Einfall in Großbritannien; See- und -Landoffiziere sowie auch Private legten dem Marineminister Pläne zu einem -solchen vor[77]. Mit Beginn des Jahres 1756 wurden Truppen an der -Kanalküste zusammengezogen, und in Brest rüstete man eifrig. Es ist -fraglich, ob dies Ernst war, aber man rief damit in England wieder die -Furcht wach, die seit Ruyters Einfall hier so leicht die Gemüter erregte. -Sogar die Regierung erließ eine Proklamation, die selbst englische -Quellen (vgl. Laird Clowes, Band III, Seite 142) »foolish« nennen, an -die Bevölkerung über Maßregeln bei einer Landung der Franzosen. -Besonders aber wurde die Aufmerksamkeit Englands von den anderen -wahrscheinlichen Kriegsschauplätzen abgelenkt, so besonders vom -Mittelmeer. Der von allen früheren Strategen seit Drakes Zeiten längst -als einzig richtig anerkannte Grundsatz, das Land vor einem Einfall durch -entschieden angriffsweise Tätigkeit der Flotte zu schützen, geriet wieder -einmal in Vergessenheit. - - [77] Lacour I, Seite 244 ff., bringt einige dieser Pläne. - -Und nun wählte Frankreich das Mittelmeer zu einem plötzlichen Vorstoß. -Während man die Vorbereitungen im Norden möglichst geräuschvoll betrieb -und dabei kleine Geschwader oder Divisionen von dort nach den Kolonien -sandte, rüstete man in Toulon und Marseille ganz insgeheim eine mächtige -Expedition gegen Port Mahon aus, um diesen wichtigen Stützpunkt vor der -eigenen Küste den Engländern zu entreißen. Am 12. April 1756 ging der -Lieutenant-Général =Marquis de La Gallissonnière=[78] mit 12 -Linienschiffen und 5 Fregatten in See, er deckte eine Transportflotte von -176 Segeln mit 12000 Mann unter dem =Herzog von Richelieu=. Eine Woche -später wurde das Heer auf Minorka gelandet, Port Mahon berannt und von -der Flotte blockiert. Die erst spät zum Entsatz erscheinende englische -Flotte unter Vizeadmiral =John Byng= wurde abgewiesen; die Festung ergab -sich am 29. Juni. - - [78] =Roland Michel, Marquis de La Gallissonnière=, geboren 1693, trat - 1710 in die Marine, wurde, da er keine besondere Protektion besaß, - nur langsam befördert: 1726 Leutnant, 1738 Kapitän, 1750 Chef - d'Escadre, 1755 Lieutenant-Général. Er diente unter Gabaret und de - Court mit Auszeichnung im Österreichischen Erbfolgekriege; war - 1747-1750 Gouverneur von Kanada und sorgte für die Befestigungen - an dessen Grenzen; einige Jahre in Landstellungen der Marine, - führte er 1754 und 1755 Schulgeschwader im Mittelmeer und machte - sich verdient um Geschwaderübungen sowie Signalwesen. Er - kommandierte in der Schlacht bei Minorka 1756 und starb am 26. - Oktober desselben Jahres. Gallissonnière war ein tüchtiger - Offizier, aber doch kein höherer Führer und auch jetzt wohl zu - alt, sonst hätte er seinen Erfolg bei Minorka besser ausgenutzt. - -[Illustration: Marquis de La Gallissonnière.] - - $Die Eroberung von Port Mahon 1756.$ Die Expedition war sehr geheim - gehalten. Truppen, Artillerie-parks und Munition waren unter - mannigfachen Vorwänden in Toulon und Marseille gesammelt. Der - bezügliche Befehl erging an =Richelieu=, den derzeitigen - Oberbefehlshaber der Truppen an der Mittelmeerküste, erst am 16. März, - an Gallissonnière am 22., sonst hatten selbst die höheren See- und - Landoffiziere keine Kenntnis vom Zweck der Rüstungen. Die Schiffe waren - schnell und gut ausgerüstet, man hatte dazu Arbeiter aus Genua und - Venedig herangezogen. Die Einschiffung erfolgte vom 4. bis 8. April; - die Gesamtflotte ging am 10. in See; sie mußte zwar wegen Gegenwindes - wieder ankern, setzte aber am 12. die Reise fort und erreichte am 18. - Minorka, ohne von einem englischen Schiffe gesehen zu sein. Des - herrschenden Windes wegen wählte man Ciudadela als Landungsplatz; vom - 18. abends bis zum 20. wurden die Truppen ausgeschifft. - - Die Flotte blieb dann noch vor dieser Stadt liegen, um die Landung des - Trains zu decken. Man hat dies dem Admiral zum Vorwurf gemacht; er habe - die Deckung Fregatten überlassen können. Er versäumte nämlich dadurch - die Gelegenheit, einige englische Schiffe abzufangen, die in Port Mahon - lagen. Aus seiner Verteidigung[79] geht jedoch hervor, daß er sich - genau an die ihm gewordene Order gehalten hat. Diese lautete: »Die - Ausschiffungsstelle nicht zu verlassen, ehe der Marschall völlig zum - Angriff auf Port Mahon bereit sei; seine Kräfte nie zu teilen und nur - zum Schutz der Expedition zu verwenden.« Erst vom 24. April ab kreuzte - er dementsprechend vor der belagerten Stadt. - - [79] Näheres vgl. Lacour I, Seite 263. - - Marschall Richelieu besetzte die Stadt Port Mahon am 22. Die Garnison - hatte sich in das Fort San Felipe zurückgezogen; sie war nur schwach, - viele Offiziere befanden sich auf Heimatsurlaub und der sonst tüchtige - Gouverneur, General =Blakney=, war alt und krank. Auf dessen Anfrage, - was die Landung bezwecke, antwortete der Marschall: Das gleiche wie das - Wegnehmen französischer Schiffe durch die englische Flotte. Die - Beschießung des Forts und seiner Außenwerke begann erst am 11. Mai, da - das Gelände die Belagerungsarbeiten sehr erschwerte; auch war noch - Material verschiedener Art aus Frankreich nachzusenden. Man mußte mit - dessen Beschaffung eilen, da täglich die Verbindung mit der Heimat - durch englische Seestreitkräfte unterbrochen werden konnte. Eine - englische Flotte erschien gegen Ende des Monats, wurde aber - zurückgeschlagen. Die Besatzung kapitulierte nach tapferer Gegenwehr am - 29. Juni unter ehrenvollen Bedingungen; sie wurde auf französischen - Handelsschiffen nach Gibraltar gebracht. - -$Die Seeschlacht bei Minorka am 20. Mai 1756.$ In England hatte man mit -Rücksicht auf die französischen Rüstungen im Norden das Mittelmeer ganz -aus dem Auge gelassen, obgleich schon im Oktober 1755 das Gerücht von -einem Plane des Feindes gegen Port Mahon aufgetaucht war und Schiffe -genug zur Verfügung standen, um die nur schwache Mittelmeerstation zu -verstärken. Auch war die Gefahr einer Landung in England keineswegs -besonders drohend. Einige Kriegsschiffe, die im Januar 1756 Kauffahrer -aus dem Kanal geleitet hatten, stellten auf ihrer Rückreise fest, daß in -Brest sowie Rochefort nur 16 Linienschiffe bis zum Mai seeklar sein -würden. Bis dahin aber konnte man mit Sicherheit über 50 bis 60 -Linienschiffe verfügen. Erst am 6. April sandte man auf Drängen der -öffentlichen Meinung den Vizeadmiral =John Byng= und den Kontreadmiral -=Temple-West= nach dem Mittelmeer. Deren Flotte zählte aber nur 11 -Linienschiffe, obgleich schon um diese Zeit 27 im Kanal und der Biskaya -kreuzten und 28 in den Häfen lagen (außerdem waren gegen 40 Fregatten im -Dienst). Byngs Schiffe hatten ein Regiment zur Verstärkung Port Mahons an -Bord; um die Soldaten besser unterbringen zu können, waren die -Seesoldaten der Besatzungen zurückgelassen. Am 2. Mai traf der Admiral -in Gibraltar ein und erfuhr hier von dem bisherigen Befehlshaber im -Mittelmeer, Kommodore =George Edgcumbe=, die Landung der Franzosen. - - =Edgcumbe=, der nur drei Linienschiffe und einige kleinere - Kriegsfahrzeuge befehligte, hatte bei der Landung der Franzosen in Port - Mahon gelegen, wohin er genommene französische Kauffahrer gebracht - hatte; er hätte also leicht abgefangen werden können. Es gelang ihm - aber, nach Gibraltar zu entschlüpfen, nachdem er noch seine Seesoldaten - sowie eine Anzahl Seeleute der Garnison überwiesen hatte. Nur eins - seiner Schiffe wurde durch französische Fregatten in Palma blockiert - und erst durch die englische Flotte auf ihrer Fahrt nach Minorka - befreit. Die Division Edgcumbe trat zu Byngs Flotte, zwei ihrer - Linienschiffe finden wir in der Schlacht. - -=Admiral Byng= versuchte in Gibraltar als Ersatz für die fehlenden -Seesoldaten Landtruppen zu erhalten, der Gouverneur konnte jedoch bei der -Schwäche der Garnison diesem Wunsche nicht voll entsprechen. Am 8. Mai -ging die Flotte weiter und sichtete am 19. bei Tagesanbruch Minorka; Byng -sandte Fregatten voraus, um mit Fort Philippe in Signalverbindung zu -treten, mußte sie aber zurückziehen, als die französische Flotte -herankam. =La Gallissonnière= hatte am 17. durch eine Fregatte das Nahen -des Gegners erfahren und sich daraufhin dicht bei der Insel gehalten; da -der Wind vom 18. an nördlich war, blieb er nordöstlich der Stadt, um sich -die Luvstellung gegenüber dem Feinde zu sichern. Er benutzte die Zeit des -Wartens, um seine Schiffsbesatzungen vom Lande her zu verstärken. -=Richelieu= ließ am 18. mehrere Kompagnien auf Küstenfahrzeugen -einschiffen, aber infolge flauen Windes und grober See erreichten nur -einige von ihnen die Flotte; eins fiel sogar am 20. den Engländern in die -Hände. Der 19. Mai, teilweise nebelig und fast windstill, verging mit -Manövrieren der Flotten, um aneinander heranzukommen, wobei die Engländer -die Luvstellung zu gewinnen, die Franzosen sich diese sowie ihre Lage -zwischen dem Feinde und der Stadt zu erhalten suchten. Byng benutzte den -Tag, um die Besatzung schwachbemannter Linienschiffe durch Leute der -Fregatten zu ergänzen, sowie ein minderwertiges Schiff von 20 Kanonen zum -Brander vorzubereiten. Am 20. Mai bei Tagesanbruch war es noch unsichtig -und flau, als aber gegen Mittag der Wind nach Osten drehte und -auffrischte, griff Byng an. - -=Die englische Flotte zählte=: 1 Schiff zu 90 Kanonen (das Flaggschiff -Byngs »Ramillies«), 1 zu 74, 1 zu 68 (»Buckingham«, Flaggschiff -Temple-Wests), 8 zu 60-66, 2 zu 50, insgesamt 13 =Schiffe= mit 834 -Kanonen =in der Linie=; außerhalb dieser 1 Schiff zu 40, 3 zu 20, 1 zu 14 -Kanonen. Die =französische Flotte= zählte: 1 Schiff zu 84 Kanonen (das -Flaggschiff La Gallissonnières »Foudroyant«), 2 zu 74 (»Redoutable« und -»Couronne«, Flaggschiffe der Chefs d'Escadre de Glaudevez, Vorhut, und de -La Clue, Nachhut), weitere 2 zu 74, 5 zu 64, 2 zu 50, insgesamt 12 -=Schiffe= mit 760 Kanonen =in der Linie=; außerhalb der Linie 1 Schiff zu -46 sowie 4 zu 26 Kanonen. - - $Die Schilderung der Schlacht bei Minorka$ ist in den verschiedenen - Quellen nicht ganz gleich; diese weichen in den Angaben über - Windrichtung und Bug der Flotten während des Kampfes voneinander ab. - Das stellt aber nur den Kurs in Frage, denn über die Lage zueinander - und zum Winde stimmen die Quellen überein; einen Einfluß auf die - Beurteilung des Verlaufes der Schlacht haben die Abweichungen also - nicht. Die nachfolgende Darstellung versucht, alle sonstigen - Widersprüche möglichst in Einklang zu bringen; sie fällt nahezu mit der - Mahans (I, Seite 274) zusammen. - - Als es am 20. Mai morgens aufklarte, lagen die Franzosen bei östlichem - Winde mit SSO.-Kurs über Steuerbordbug zwischen den Engländern und der - Insel. =Byng= führte nun seine Flotte über Backbordbug an der - feindlichen vorüber, bis sie genau querab von ihr stand, und wendete - dann mit allen Schiffen zugleich; er verfuhr also genau nach der - englischen Instruktion für den Fall, daß man dem Feinde mit - entgegengesetztem Kurse begegnet (vgl. Seite 39). Beide Flotten lagen - jetzt querab voneinander über gleichen Bug, aber nicht parallel, - sondern in einem Winkel von 30 bis 40 Grad. Ihre Spitzenschiffe waren - etwa 2, die Schlußschiffe etwa 4 Seemeilen voneinander entfernt; die - französische Linie lag unter kleinen Segeln dicht beim Winde und - erwartete den Angriff, die englische steuerte raum auf sie zu. Als Byng - gegen 2 Uhr nachmittags das Signal zum »Angriff« gab, wie in der - Schlacht bei Toulon 1744, blieb das vorher gegebene Signal - »Gefechtslinie einnehmen« stehen (Lage I des Planes). Nun traten die - Nachteile der englischen Angriffsart im vollsten Maße ein, denn die - Schiffe konnten nicht annähernd gleichzeitig an den Feind kommen. - -[Illustration: Admiral The Hon. John Byng.] - - Auf das Angriffssignal hielten die Schiffe der Vorhut beinahe senkrecht - auf ihre entsprechenden Gegner in der französischen Linie ab; sie - mußten auf eigenes Feuer fast ganz verzichten, erhielten dagegen drei - furchtbare Breitseiten und wurden in der Takelage sehr beschädigt. Das - sechste Schiff von vorn, »Intrepid«, verlor die Vormarsstenge und - drehte in den Wind; damit brachte es die folgenden Schiffe in - Unordnung, die rechts und links vorbeisegeln mußten, um Linie zu - halten, und behinderte deren Feuer (Lage 2). Jetzt hätte Byng den - Hinterschiffen ein Beispiel geben und hart auf den Feind abhalten - müssen, aber eingedenk der Vorschrift und der Verurteilung Mathews nach - der Schlacht bei Toulon wagte er es nicht. Er sagte zu seinem - Flaggkapitän: »Sie sehen, daß ich vor »Louisa« und »Trident« (Schiffe, - die vor ihm sein sollten) bin. Ich kann doch als Admiral nicht - abhalten, als wenn ich ein einzelnes Schiff angreifen wollte? Es war - Mathews Unglück, daß er seine Streitmacht nicht zusammen heranführte; - das will ich vermeiden.« - - So staute sich der ganze Angriff und stockte. Inzwischen wichen die - französischen Spitzenschiffe aus, um den Nahkampf zu vermeiden; der - Rest der französischen Linie mehrte Segel, zog an der beschädigten - englischen Vorhut vorüber und überschüttete sie mit Feuer. Sie konnte - dies ohne Belästigung durch die übrigen englischen Schiffe ausführen, - da diese Segel geborgen hatten, um die Linie wieder herzustellen (Lage - 3). Die Franzosen halsten dann im Kontremarsch und nahmen über - Backbordbug ihre abwartende Stellung unter kleinen Segeln wieder ein. - Ein zweiter Angriff erfolgte aber nicht, da die englische Flotte durch - die Beschädigung der vordersten Schiffe zu sehr geschwächt war. =Byng= - zog sich auf die Südseite der Insel zurück; =Gallissonnière= verfolgte - ihn nicht. - - =Der Verlust= der Franzosen in dem etwa dreistündigen Kampfe betrug 38 - Tote und 184 Verwundete; nur ein Schiff war schwerer beschädigt. Die - Engländer büßten 45 Tote und 162 Verwundete ein, die auf die vordersten - sieben Schiffe entfielen; diese waren auch sehr zerschossen. - -[Illustration: Schlacht bei Minorka, 20. Mai 1756.] - -=Die Schlacht= muß wohl =taktisch unentschieden= genannt werden, =aber -der Erfolg= war doch auf =französischer Seite=. Im englischen Kriegsrate -kam man zu der Ansicht, man sei nicht imstande, die französische Flotte -nochmals anzugreifen, ja man würde durch eine neue Schlacht, wenn sie -ungünstig verliefe, sogar die Sicherheit Gibraltars sowie des Handels im -Mittelmeer aufs Spiel setzen. So ging =Byng nach Gibraltar= zurück; der -Entsatz Port Mahons war vereitelt. Die Franzosen fühlten sich jedoch -keineswegs vor dem Wiedererscheinen der dann wohl verstärkten englischen -Flotte sicher. =La Gallissonnière= blieb deshalb in der Nähe der Insel, -bis Port Mahon gefallen war, und drang danach auf schleunige Einschiffung -der Truppen. Diese erfolgte vom 4. bis 7. Juli; am 18. trafen das Gros -der Expedition, am 21. die letzten Nachzügler wieder in Toulon ein. -Tatsächlich erschien auch noch im Juli der englische Admiral =Hawke= bei -Minorka. - - $Das weitere Schicksal Port Mahons in diesem Kriege$ sei gleich hier - kurz berührt. Wenn Frankreich im Besitz einer leistungsfähigen Marine - gewesen wäre, so würde dieser Stützpunkt im Verein mit Toulon und - Korsika eine Stellung von Bedeutung gewesen sein. Da man aber den - Seekrieg bald nur schwächlich führte und seine Vorzüge nicht ausnutzen - konnte, so wurde für Port Mahon nichts getan. Man überließ es seinem - Schicksal; der Hafen war meistens blockiert und der Garnison mangelte - oft das Notwendigste; die Engländer hielten eine Wiedereroberung nicht - der Mühe wert. Beide Gegner waren überzeugt, daß Minorka beim - Friedensschluß doch an England zurückfallen würde. Nach Ausspruch eines - französischen Autors (Lacour I, Seite 277), plante man in Frankreich - schon vor Ausführung der Expedition, nach der Einnahme die enge - Einfahrt Port Mahons durch Verschüttung zu sperren, um den Hafen - überhaupt als Stützpunkt unbrauchbar zu machen; es lag wohl stets die - Absicht vor, bei vorteilhafter Gelegenheit Minorka an Spanien - zurückzugeben. - -$Die Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der Seetaktik$ -ist noch größer als die der Schlachten vor Malaga (1704) und vor Toulon -(1744). Sie gibt in geradezu vollkommener Weise ein Bild zu dem, was über -die Taktik des Zeitabschnittes gesagt ist. Der englische Admiral führt -seine Flotte genau nach den Gefechtsinstruktionen zum Angriff und -verharrt, wie seine Kommandanten, in der buchstäblichen Befolgung dieser -Vorschriften, obgleich der Verlauf des Kampfes, selbst nach seiner -eigenen Erkenntnis, ein Abweichen erfordert hätte. Auch die -unvermeidlichen Folgen der englischen Angriffsart, die bei dieser -Gelegenheit wegen des großen Winkels der beiden Gefechtslinien besonders -schwierig war, zeigen sich deutlich in allen Einzelheiten dieser -Schlacht. Die vordere Hälfte der englischen Linie, die in ungünstiger -Lage zunächst allein ins Gefecht eintritt, wird in ihrer -Bewegungsfähigkeit gelähmt; eins ihrer Schiffe bringt die hintere Hälfte -in Unordnung; infolge des Bestrebens, die Ordnung wiederherzustellen, -kommt diese überhaupt nicht zu ernstlichem Kampfe. - -Auch die Franzosen verfahren genau nach ihrer Taktik. Ihre vorderen -Schiffe weichen aus, ehe die Gegner zum Nahkampf heran sind; die hinteren -benutzen die Untätigkeit der gegenüberstehenden Feinde und ziehen in -vollster Ordnung unter Ausnutzung ihres Feuers an den schon beschädigten -Engländern vorüber; dann nimmt der französische Admiral außer Schußweite -eine neue Stellung ein und erwartet das Weitere. Der englische Admiral -fühlt sich aber zu schwach und bricht das Gefecht ab. -- Endlich ist auch -das Ergebnis der Schlacht so, wie es theoretisch beim Aufeinandertreffen -der beiden Taktiken sein muß. Die Schlacht bleibt unentschieden; die -Franzosen haben zwar mehrere feindliche Schiffe schwer beschädigt, aber -keins vernichtet oder genommen; die Engländer müssen in Rücksicht auf den -augenblicklichen Ausfall der Beschädigten von einem zweiten Angriff -absehen. (Wenn in diesem Falle ihr Mannschaftsverlust fast ebenso groß -war wie der der Franzosen, so ist dies wohl dem Umstande zuzuschreiben, -daß ihre Schiffe durch die Soldaten für Port Mahon überfüllt gewesen -sind.) - -Neuere französische Marineschriftsteller tadeln den Admiral La -Gallissonnière, daß er die Unordnung in der feindlichen Linie und die -dadurch hervorgerufene Trennung der hinteren Hälfte von der vorderen -nicht benutzt habe, mit den ihm folgenden Schiffen durch die Lücken auf -die Luvseite der vorderen englischen Hälfte zu gehen, um sie von beiden -Seiten anzugreifen; seine vorderen Schiffe hätten standhalten müssen und -durften nicht ausweichen. Dafür, daß nicht so verfahren sei, wird von -anderer Seite als Entschuldigung angeführt, die hinteren französischen -Schiffe seien zu sehr beschädigt gewesen, um ein solches Manöver -auszuführen, auch seien die Engländer durch die Soldaten an Bord so stark -bemannt gewesen, daß man französischerseits besser tat, einen Nah- oder -gar Enterkampf zu vermeiden. Der erste Grund muß hinfällig erscheinen, da -die fraglichen Schiffe nur wenig Feuer erhalten haben können; der zweite -hat vielleicht mitgewirkt. Die bestimmende Ursache aber für den Führer -wie den Oberbefehlshaber war die Hinneigung zur Vorsicht und damit zur -Defensive, die sich in allen Orders und Instruktionen von höchster Stelle -jenes Zeitabschnitts ausspricht und die damalige französische Taktik wie -Strategie kennzeichnet. Man strebte mehr danach, sich augenblickliche -Vorteile zu erhalten oder gemachte Eroberungen zu sichern, als durch -kräftiges Vorgehen Errungenes weiter auszunützen und vor allem die -feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten; »niemals wollte man viel aufs -Spiel setzen«. - -Dieser zuerst wohl auf strategischem Gebiet als Folge der schwächeren -Marine in den früheren Kriegen erwachte Gedanke hat wahrscheinlich ebenso -zur Ausbildung einer defensiven Taktik beigetragen, wie die Erkenntnis -der Schwächen in der englischen Taktik, die auf eine solche hinwiesen. -Auch bei Minorka hat La Gallissonnière wohl sicher von der Offensive -abgesehen, um seine Flotte zu schonen; daß er nach der Schlacht dem -geschwächten Gegner nicht folgte, um ihm weitere Verluste beizubringen, -geschah nach seiner eigenen Äußerung tatsächlich, um »seiner Instruktion -gemäß« das Landunternehmen nicht aus dem Auge zu lassen und zu dessen -Schutz seine Flotte möglichst stark und schlagfertig zu erhalten. - - Bei der allgemeinen Betrachtung des französischen Personals (Seite 43) - wurde betont, daß die Orders unter Louis XV. nicht dazu geeignet waren, - die Offiziere zu schneidigem Handeln zu erziehen. Schon während der - Landung hatte sich der Admiral die Gelegenheit entgehen lassen, die - englischen Schiffe im Hafen abzufangen, und jetzt nach der Schlacht - verfolgte er nicht. Ein französischer Autor (Lacour I, Seite 264) sagt - gerade bei Beschreibung der Minorka-Expedition: »Mais des instructions - trop timides ont souvent paralysé dans notre histoire maritime l'ésprit - d'initiative des chefs les plus capables.« - -=La Gallissonnière= fand volle Anerkennung und Billigung seines -Verfahrens; der Erfolg über das seemächtige England erregte in Frankreich -großen Jubel und Begeisterung für die Marine. Er erhielt das Großkreuz -des Ludwigsordens sowie eine hohe Pension; auch seine Ernennung zum -Marschall war in Aussicht genommen, doch starb er schon am 26. Oktober -1756. -- Der Admiral =Byng= dagegen wurde ein Opfer für die Fehler seiner -Regierung, die ihm zu schwache Streitmittel gegeben hatte, und des -Volksunwillens. Er wurde kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und -erschossen. - - $Das Kriegsgericht über Byng.$ Nach dem Eintreffen in Gibraltar wurde - der Admiral abberufen und in Untersuchung gezogen. Die - Hauptanklagepunkte waren, daß er nicht mit der ganzen Linie - angegriffen, sondern mit den der »Intrepid« folgenden Schiffen Segel - gemindert habe, um die Ordnung herzustellen. Gewiß wäre dies richtig - gewesen und hätte auch im allgemeinen wohl den Vorschriften - entsprochen, aber man hatte doch nach Toulon den Admiral Mathews - angeklagt, weil er aus der Linie gebrochen war, und ähnlich würde Byng - auch haben handeln müssen. Ferner wurde ihm vorgeworfen, daß er nach - notdürftiger Ausbesserung seiner Schiffe nicht bei Minorka geblieben - sei und alles versucht habe, Port Mahon zu unterstützen. Dies hatte ja - aber der Kriegsrat der Land- und Seeoffiziere für unmöglich erklärt. - - Er wurde verurteilt nach dem Kriegsartikel, der mit dem Tode diejenigen - bedrohte, die aus Feigheit, bösem Willen oder Nachlässigkeit es - unterließen, alles daran zu setzen, feindliche Schiffe zu nehmen oder - zu vernichten. Die Verurteilung zeigt, daß die englischen - Gefechtsvorschriften mangelhaft und hemmend waren, sowie daß die - meisten englischen Seeoffiziere dieser Zeit sie nur dem Buchstaben, - nicht dem Sinne nach auffaßten. Das Kriegsgericht empfahl nun zwar den - Angeklagten der Gnade des Königs, da er nicht aus Feigheit, noch mit - Kopflosigkeit gehandelt, sondern, wenn auch irrig, kühl und mit - Überlegung. Das Urteil wurde aber dennoch bestätigt, denn die Regierung - hatte das Mittelmeer vernachlässigt, jetzt war der Schaden da und der - Volksunwille groß; man brauchte einen Sündenbock. Nun hatte gar Byng, - als er auf der Ausreise in Gibraltar die Landung der Franzosen erfuhr, - in einem Bericht an die Admiralität die bisherige Vernachlässigung des - Mittelmeeres sowie die Schwäche seiner Flotte kritisiert. Der mehrfach - angezogene französische Autor (Lacour I, Seite 266) sagt treffend: - »Einen solchen Brief verzeiht man wohl einem siegreichen, aber nie - einem geschlagenen Admiral.« - - =Byng= war ein tapferer, see- und diensterfahrener, ehrenwerter Mann, - aber doch wohl kein bedeutender höherer Führer; sein Bericht über die - Schlacht enthielt zu viele Entschuldigungen und zeigte zu wenig - Selbstbewußtsein. Während der Untersuchung und bei seinem Tode trat er - jedoch würdig auf. Am 17. März 1757 wurde er in Spithead auf dem - Achterdeck des Linienschiffes »Monarch« erschossen.[80] - - [80] Näheres über Byngs Bericht, das Kriegsgericht und seinen Tod vgl. - Clowes, Band III, Seite 152-160. - - - Der Krieg In den europäischen Gewässern. - -=Am 17. Mai 1756=, wenige Tage vor der Schlacht bei Minorka, als die -Nachricht von der Landung der Franzosen auf dieser Insel eingetroffen -war, =erklärte England den Krieg=. - -$Das Jahr 1756$ brachte jedoch $in der Biskaya und im Kanal$ keine -Ereignisse von Bedeutung. $England$ hielt aus Besorgnis vor einer -Invasion seine Hauptmacht, die nach und nach auf über 50 Linienschiffe -sowie gegen 40 Fregatten gebracht wurde, in den Kanalhäfen zusammen. Von -hier aus beobachtete Ende Februar Admiral =Sir Edward Hawke= mit einem -ziemlich starken Geschwader Brest; vorher war es zwei französischen -Divisionen geglückt, nach Westindien auszulaufen. Diese Beobachtung, -später unter den Admiralen =Boscawen= und dann =Knowles=, wurde bis zum -November aufrechterhalten, doch man verringerte die dazu bestimmten -Kräfte allmählich, da im Sommer ein Leutnant durch eine kühne nächtliche -Bootsfahrt in den Hafen von Brest festgestellt hatte, daß dort nur wenige -Schiffe lägen. Bald darauf entschlüpften wieder zwei französische -Divisionen, die eine nach Westindien, die andere nach Westafrika. Die -starke Streitmacht Englands hatte also nicht einmal den Gegner von -seinen Kolonien abgeschnitten. =Frankreich= vermochte indessen, außer den -Entsendungen nach den Kolonien, nichts zu unternehmen. - - $Der Plan zu einer Invasion in England$ blieb in Frankreich während der - Jahre 1756-1759 rege, in jedem Jahre wurden Rüstungen dazu angeordnet. - Entweder konnte man aber die Mittel nicht aufbringen oder man betrieb - die Sache nicht ernstlich; die Schiffe, die in Dienst gestellt wurden, - gingen dann größtenteils nach den Kolonien. Im Jahre 1756 trug man sich - auch mit der Absicht, die normannischen Inseln, die so wichtigen - Vorposten Englands im Kanal, zu erobern, jedoch dies kam gleichfalls - nicht zur Ausführung. All diese Gedanken wurden jedoch 1759 aufgegeben, - als man sich stark genug glaubte, aber schon bei den ersten Schritten - zu ihrer Ausführung die schweren Niederlagen von Lagos und Quiberon - erlitt. - -$Im Mittelmeer$ verlief der Krieg 1756 schleppend. Admiral =Byng= traf -nach der Schlacht bei Minorka am 19. Juni in Gibraltar ein, fand hier -eine von England gesandte Verstärkung von 5 Linienschiffen und bereitete -die Rückkehr ins Mittelmeer vor. Am 3. Juli langte jedoch =Hawke= mit dem -Kontreadmiral Saunders an und brachte die Rückberufung Byngs sowie -Temple-Wests mit. Er übernahm das Kommando und führte die jetzt 21 -Linienschiffe starke Flotte nach Minorka, doch war es zu spät, um Port -Mahon zu retten oder auch nur den Rücktransport des französischen Heeres -anzugreifen. Hawke beschränkte sich darauf, den Hafen zu blockieren und -den Handel im Mittelmeer zu schützen. - -Die französische Toulonflotte zeigte sich nicht mehr, obgleich sie nach -Rückkehr von Minorka instandgesetzt wurde und im August 16 Linienschiffe -sowie 6 Fregatten zählte. So ganz unbedingt müssen jedoch die Engländer -die See nicht beherrscht haben, denn es gelang den Franzosen wiederholt, -Port Mahon zu verproviantieren sowie im November 3600 Mann von Antibes -nach Korsika zur Unterstützung Genuas gegen die Aufständischen -überzusetzen; genannte Republik übergab dann alle befestigten Hafenplätze -dieser Insel den Franzosen. Im Dezember kehrte Hawke mit einem Teil der -Flotte nach England zurück und überließ dem Kontreadmiral =Charles -Saunders= den Befehl auf der Mittelmeerstation. - -Auch $im Jahre 1757$ bieten die Operationen $im Mittelmeer$ wenig -Bemerkenswertes. Im März gingen 4 Linienschiffe unter Kapitän =Durevest= -von Toulon nach Nordamerika. =Saunders= hatte Nachricht davon erhalten -und lauerte ihnen in der Straße von Gibraltar mit 5 Linienschiffen auf. -Am 5. April um 5 Uhr nachmittags sichteten sich die Gegner; es kam bei -Einbruch der Dunkelheit zu einem zweistündigen Gefechte auf weitere -Entfernung, aber in der Nacht entschlüpften die Franzosen und erreichten -unbelästigt ihr Ziel (15. Juni in Louisbourg). Im Mai wurde die englische -Station unter dem Kommando des Vizeadmirals =Henry Osborne= wieder -verstärkt. Dieser nahm das Kreuzen wie im Vorjahre auf; er erschien im -Juni mit 14 Linienschiffen vor Toulon und landete auch einmal bei Bormes, -einem Küstenplatz östlich der Hyèren, zur gewaltsamen Eintreibung von -Schlachtvieh sowie frischem Proviant. - -In Toulon lagen nur 6 Linienschiffe unter dem Chef d'Escadre =de La -Clue=; man beabsichtigte, weitere 8 in Dienst zu stellen, aber es fehlte -an Material wie Mannschaften. Auch de La Clues Division, die über St. -Domingo nach Louisbourg segeln sollte, war erst im Oktober seeklar und -ging am 8. November in See. Der Admiral wagte jedoch wegen Osbornes -Anwesenheit dort nicht, die Straße von Gibraltar zu passieren, sondern -suchte Cartagena auf, um hier Verstärkungen zu erwarten; diese trafen -aber erst im nächsten Jahre ein. - -$Im Atlantik$ wurde es $1757$ etwas lebhafter. Obgleich die Engländer das -Kreuzen vor den französischen Häfen im Frühjahr wieder mit verstärkten -Kräften aufnahmen, gelang es doch drei Geschwadern, auszulaufen: Der Chef -d'Escadre =de Bauffremont= verließ am 30. Januar Brest mit 5 -Linienschiffen und einer Fregatte und traf am 23. Mai in Louisbourg ein; -Chef d'Escadre =Comte d'Aché= segelte am 4. Mai mit einem Linienschiff -sowie 7 großen Schiffen der Ostindischen Kompagnie nach Ostindien, er war -am 11. Dezember in Isle de France; Lieutenant-Général =Dubois de La -Motte= führte am 3. Mai 9 Linienschiffe nebst 4 Fregatten nach Louisbourg -und erreichte es am 19. Juni. Im weiteren Verlauf des Jahres entwickelte -aber England mehr Tatkraft, was sicher mit dem Eintritt Pitts in die -Regierung zusammenhängt. Es wurden Angriffe auf die feindliche Küste ins -Auge gefaßt, als Gegenstoß gegen französische Invasionspläne, mit denen -man in England immer noch rechnete. Ein =Angriff auf Rochefort= schlug -jedoch gänzlich fehl, was bei den bedeutenden Kosten, die er verursacht -hatte, großen Unwillen im englischen Volke erregte. - - $Angriff der Engländer auf Rochefort 1757.$ Man wählte diese Stadt, da - man hoffte, hier leicht die Docks, Magazine, Arsenale und Schiffe - zerstören zu können. Im Jahre 1754 hatte ein Kapitän =Clark=, der von - Gibraltar nach England reiste, die Stadt besucht und mit Erlaubnis der - Behörden sämtliche Anlagen besichtigt. Er fand die Befestigungen - fehlerhaft angelegt und seit sechzig bis achtzig Jahren vernachlässigt, - entwarf danach einen Angriffsplan und legte diesen jetzt, im Juli 1757, - =William Pitt= vor. Da nun ein verräterischer französischer Lotse, - Thierry, die Angaben Clarks bestätigte und weitere über L'Ile d'Aix, - die kleine befestigte Insel vor der Charente, von der die Reede von - Rochefort (gewöhnlich Reede von L'Ile d'Aix benannt), sowie die - Flußmündung beherrscht werden -- sowie über Fouras, ein Fort an der - Flußmündung, hinzufügte, glaubte man, hier leichtes Spiel zu haben. - - Insgeheim wurde eine Flotte von 16 Linienschiffen, zahlreichen - kleineren Fahrzeugen sowie Transportern mit 10000 Soldaten ausgerüstet; - die Flotte befehligten Admiral =Hawke=, Vizeadmiral =Knowles= und - Kontreadmiral =Broderick=, die Truppen standen unter Generalleutnant - =Sir John Mordaunt=. Die Expedition segelte am 8. September und - erschien am 20. überraschend in der Durchfahrt zwischen den Inseln - Oléron und Ré. Noch am selben Tage ging Knowles mit 2 Mörserbooten - gegen Ile d'Aix vor, zwei französische Schiffe, die auf der Rhede - lagen, liefen in die Charente ein und alarmierten. Am 23. wurden die - Befestigungen der Insel beschossen, leicht niedergekämpft, besetzt und - zerstört. In der Zwischenzeit suchten kleinere Fahrzeuge einen - geeigneten Landungsplatz auf dem Festlande. Sie fanden jedoch die - Landung überall schwierig, bei Widerstand sogar unmöglich; ein - Kriegsrat am 25. beschloß daher, von dem Unternehmen abzusehen. In - einer zweiten Versammlung am 28. wurde zwar doch der Angriff wieder ins - Auge gefaßt, obgleich der Gegner jetzt manche Verteidigungsmaßregeln - getroffen hatte, aber am 29. wehte heftiger Landwind, und man stand - abermals davon ab. Am 1. Oktober ging die Flotte unter Segel und traf - am 6. in Spithead ein. - - Nach französischen Auffassungen hätte das Unternehmen gelingen müssen. - So sagt ein Autor (Lacour I, der die Ereignisse Seite 305 genauer - beschreibt): »Die Macht der Engländer war stark genug, den Erfolg - sicherzustellen. Man fing 1757 eben an, die Insel Aix zu befestigen.... - Die Werke Rocheforts waren in dem Zustande, wie sie Clark beschrieben - hatte.... Im Fort Fouras war keine Batterie in Ordnung, und es lagen - nur 300 Mann dort.... Der Marinekommandant und der Intendant dieses - Hafens waren so überrascht und von der Einnahme der Stadt so überzeugt, - daß sie nur an die Rettung der Dokumente und Akten, nicht aber an - Verteidigungsmaßregeln dachten. (Rettung der Kassen wird nicht erwähnt, - in ihnen war wohl nichts?).... Aber was die Verteidiger aus - Kopflosigkeit sowie Kleinmut verfehlten, das hoben die Angreifer durch - Mangel an Tatkraft und schnellem Handeln auf. Der Befehlshaber der - Truppen, Generalleutnant =Langeron=, gewann Zeit, die Garnison von - Fouras zu verstärken, sowie an einigen Stellen am Strande Schanzen - aufzuwerfen, auch verstand er es, seine schwachen Kräfte stärker - erscheinen zu lassen; so wagten die Gegner nicht, etwas gegen das - Festland zu unternehmen.« - -Kurz nach der Rückkehr der Expedition ging Admiral =Hawke= am 22. Oktober -aufs neue mit 15 Linienschiffen in See, um die französische Flotte -abzufangen, die unter =Dubois de La Motte= von Louisbourg zurückerwartet -wurde. Seine Schiffe wurden jedoch in der Biskaya durch einen Sturm -zersprengt, und ehe sie sich wieder vereinigt hatten, lief der Gegner am -23. November in Brest ein. - -$Im Jahre 1758$ fanden in =England= schon im Winter große -Indienststellungen statt. Im Februar verließ Admiral =Boscawen= -Portsmouth mit einer Expedition von 20 Linienschiffen, 18 Fregatten, -vielen kleineren Fahrzeugen sowie über 100 Transportern mit 12000 Mann -(14000?), die Louisbourg nahm. Kleinere Geschwader gingen nach West- und -Ostindien sowie nach Westafrika ab. Die Admirale =Lord Anson= und =Hawke= -wurden zur Blockade von Brest und zur Beobachtung der Kanalhäfen -entsandt; man sammelte ein kleineres Geschwader unter Kommodore =Richard -Howe= sowie Truppen auf Wight zu Vorstößen gegen die feindliche Küste. -Endlich kreuzte Kommodore =Holmes= mit einigen Schiffen an der -holländischen Küste. - - Die Division Holmes griff durch die =Eroberung Emdens= unmittelbar in - den Siebenjährigen Krieg ein. Die Stadt war am 4. Juli 1757 von den - Franzosen besetzt, jetzt wurde sie im März 1758 mit Unterstützung der - Seestreitkräfte zurückerobert. - -=Frankreich= gelang es wiederum, von den atlantischen Häfen Verstärkungen -nach Kanada zu senden, und zwar während der Wintermonate, als der Gegner -die Blockade noch nicht in vollem Maße aufgenommen hatte oder sie auch -wegen der Stürme nicht streng durchführen konnte. In drei Abteilungen -- -unter Führung der Kapitäne =Des Gouttes=, =Beaussier de L'isle= und -=Comte de Du Chaffault= -- segelten insgesamt 9 Linienschiffe ab, von -denen aber nur 4 voll, die anderen als Flüten armiert waren, 2 Fregatten, -ein schweres Schiff der Indischen Kompagnie, sowie einige Transporter mit -Truppen und Kriegsmaterial. Im April sollte ein weiterer Transport von -Ile d'Aix aus folgen, wurde jedoch durch Hawke festgehalten. - - $Angriff auf französische Schiffe bei Ile d'Aix 1758.$ Am 3. April - erschien =Hawke= vor der Insel; auf der Rhede lagen 5 Linienschiffe, 2 - Fregatten und etwa 40 Transporter. Als er am 4. nachmittags herankam, - kappten die Franzosen ihre Ankertaue und setzten sich auf Strand. Die - Engländer mußten gleichfalls der geringen Wassertiefe halber ankern und - vermochten sich auch am 5. bei Flut nicht so weit zu nähern, daß sie - die feindlichen Schiffe hätten vernichten können. Die französischen - Kriegsschiffe erleichterten sich dann durch Überbordwerfen der Kanonen - und liefen in die Charente ein; ihre Gegner mußten sich damit begnügen, - die Bojen auf den Kanonen zu entfernen. Immerhin war die Abfahrt der - Verstärkung verhindert, was vielleicht die Eroberung Louisbourgs - erleichtert hat. - -Nun folgte =eine Reihe von Angriffen auf französische Kanalhäfen=. Ihr -Zweck war angeblich, zugunsten Friedrichs II. französische Truppen vom -Kriegsschauplatz in Deutschland abzuziehen, doch wollte wohl England, wie -in den früheren Kriegen, hierdurch die Ausgangshäfen der französischen -Freibeuterei vernichten. Der Flotte unter =Anson=, dem =Hawke= als -zweiter im Kommando zur Seite stand, fiel die Aufgabe zu, jede Störung -durch französische Seestreitkräfte von den atlantischen Häfen aus zu -hindern; zur Ausführung war unter =Howe= ein Geschwader von Schiffen -bestimmt, die besonders für die Küstengewässer geeignet waren; die -Landungstruppen, 14000 Mann, befehligte General =Herzog von Marlborough=, -an dessen Stelle im Juli General =Bligh= trat. Da die Ereignisse wenig -Bemerkenswertes bieten, sollen sie nur kurz behandelt werden[81]. - - [81] Genaueres bieten Clowes III, Seite 192-195; Lacour I, Seite - 312-317. - - $Angriffe auf französische Kanalhäfen 1758.$ =Howes= Geschwader zählte - 1 Linienschiff, 4 Schiffe zu 50 Kanonen, 10 Fregatten, 5 Sloops, 2 - Brander, 2 Mörserboote, viele kleine Fahrzeuge zu besonderen Zwecken - sowie 100 Transporter für die Truppen; die Schiffe hatten eine große - Zahl flachgehender Boote für Landungen an Bord. Am 1. Juni segelte - =Anson= von England, um sich mit Hawke vor Brest zu vereinen, bald - darauf ging Howe in See. Am 5. Juni nachmittags ankerte die Expedition - in einer Bucht 6 Seemeilen östlich von $St. Malo$, 3 Fregatten sowie 1 - Sloop setzten die dort befindliche Strandbatterie außer Gefecht und - vertrieben am Strande befindliche Truppen, so daß die Landung ohne - Verlust vor sich gehen konnte; sie war am 6. beendet und am 7. wurde - auf St. Malo marschiert. Die Einnahme der Stadt zeigte sich jedoch - undurchführbar, und am 11. sowie 12. schiffte man die Truppen wieder - ein, nachdem die Umgebung gebrandschatzt war; das Unternehmen hatte 30 - Tote und Verwundete gekostet. Durch ungünstigen Wind aufgehalten, - langte die Expedition erst am 26. vor $Le Havre$ an. Hier versuchte man - eine Landung nicht erst, da der Gegner zu gut vorbereitet war. Man - ankerte am 29. Juni zwei Seemeilen entfernt vor $Cherbourg$. Hier - vereitelte aufkommender Sturm die schon vorbereitete Landung. Da die - Wetteraussichten für die nächste Zeit ungünstig erschienen, und da auch - auf den überfüllten Schiffen Krankheiten ausgebrochen waren, ging - =Howe= nach Spithead zurück; eine französische Fregatte war während der - Unternehmungen genommen. - - In England wurden zunächst die Truppen zur Erholung ausgeschifft. Einen - Teil derselben sandte man später zum Heere in Deutschland, mit dem Rest - ging die Expedition am 1. August aufs neue in See. Am 6. wurde vor - $Cherbourg$ erkundet, am 7. und 8. in einer Bucht 6 Seemeilen westlich - der Stadt fast ungestört gelandet und diese dann ohne ernsten - Widerstand besetzt. Stadt sowie Werke waren von den Franzosen geräumt. - Man zerstörte nun die Befestigungen, Magazine und Schiffe im Hafen, - doch war der Erfolg mehr moralischer Art, da Cherbourg damals nur eine - unbedeutende Marinestation war; in kleinen Scharmützeln hatte man 20 - Tote sowie 30 Verwundete eingebüßt. Am 16. nahm man die Truppen wieder - an Bord und ankerte am 18. bei Portland, da aber der Regierung der - Erfolg nicht genügte, wandte man sich wieder gegen $St. Malo$. - - Am 4. September landete man in der Bucht von St. Lunaire, westlich der - Stadt, sah aber auch diesmal vom Angriff auf die Stadt ab und - beschränkte sich auf Brandschatzen. Da die genannte Bucht sehr felsigen - Grund hatte, und das Wetter bedrohlich aussah, erachtete der Kommodore - die Wiedereinschiffung hier für gefährlich; man wählte deshalb die - Bucht von $St. Cas$, aber der Marsch dahin brachte eine schwere - Niederlage. Aus Wäldchen und Hecken wurden die Truppen beschossen und - sahen sich plötzlich am 11. September durch eine stärkere feindliche - Streitmacht bedroht. In Eile wurde der Weg nach St. Cas fortgesetzt, - aber hier gelang es nur noch, etwa ein Drittel der Truppen in Ruhe und - Ordnung an Bord zu bringen, wobei man zuerst die Reiter und die - Artillerie einschiffte. Da griffen die Franzosen mit allen Waffen an, - und der Rückzug artete in Flucht aus. Der Gesamtverlust dieses - Unternehmens bezifferte sich auf 822 Tote, Verwundete und Gefangene; - darunter 4 Schiffskommandanten, die bei der Einschiffung befehligt - hatten. - - $Bemerkenswert$ ist, daß der »Sieg am 11. September« in der Bretagne - wie in ganz Frankreich großen Jubel erregte; er wurde gefeiert, in - Liedern besungen, und der =Herzog von Aiguillon=, der die Truppen von - Brest herangeführt hatte, war der Held des Tages. - -Die englische Hauptflotte unter =Anson= blockierte die französischen -Kriegshäfen bis Mitte September. Als dann die Angriffe auf die Kanalhäfen -aufgegeben wurden, ging sie heim und ließ ein kleineres Geschwader -zurück, das erst im Dezember eingezogen wurde. Im Oktober kam =Du -Chaffault= mit seiner Division -- 4 Linienschiffen, 2 davon als Flüten -armiert, dem Kompagnieschiff und einer Fregatte -- von Kanada; er wäre -wohl abgefangen worden, wenn die Blockade noch in vollem Umfange -bestanden hätte. So erlitt er nur durch Zufall Verluste. Er =traf= -nämlich vor dem Eingang des Kanals =mit Boscawen zusammen=, der mit einem -Teile seiner Flotte gleichfalls auf der Heimreise von Nordamerika war. -Zum Glück der Franzosen war diese durch einen Sturm versprengt; Boscawen -hatte nur 4 Linienschiffe und 3 Fregatten bei sich. Die Gegner sichteten -sich am 27. Oktober und es kam gegen Abend zu einem Gefecht, das jedoch -wegen stürmischen Windes und hoher See bald abgebrochen wurde. In der -Nacht kam Du Chaffault von seinen Schiffen ab und erreichte Rochefort. -Seine übrigen Schiffe wurden am 28. von Boscawen gejagt; das -Kompagnieschiff wurde aufgebracht, ein Linienschiff lief in Seenot -Bristol an und wurde dort mit Beschlag belegt, der Rest rettete sich nach -Brest. - -$Im Mittelmeer$ kreuzte $1758$ die englische Flotte unter Vizeadmiral -=Henry Osborne=. =De La Clue= lag seit November 1757 in Cartagena, wo er -Verstärkungen erwartete. Im Januar stießen 2 Linienschiffe nebst einer -Fregatte zu ihm, weitere 3 und eine Fregatte mußten noch in Toulon das -Eintreffen einer Division von der Levante, die Kauffahrer heimführte, -abwarten, um ihre Besatzungen zu ergänzen. Sie erschienen am 27. Februar -bei Cartagena und erhielten Befehl, vor dem Hafen zu bleiben, da de La -Clue nunmehr die Reise nach Westindien sofort antreten wollte. In der -Nacht aber wurden die Wartenden durch Sturm vertrieben und stießen am -anderen Morgen beim Kap de Gata auf Osborne. Sie wurden einzeln gejagt: 2 -Linienschiffe wurden genommen, das dritte auf den Strand getrieben, nur -die Fregatte entkam. Da nun in Toulon keine Schiffe mehr bereit waren und -de La Clue ohne Verstärkung die Ausfahrt aus dem Mittelmeer nicht wagen -konnte, rief man ihn nach Toulon zurück, wo er am 26. April eintraf. Daß -die geschilderten Bewegungen der Franzosen überhaupt möglich gewesen -waren, spricht nicht zugunsten der Engländer; Osborne verfügte insgesamt -über 14 Linienschiffe, je zwei zu 40 und 50 Kanonen, 6 Fregatten und 2 -Sloops. - -$Der Versuch der Franzosen, 1759 in England einzufallen$, macht dieses -Jahr zu einem entscheidenden im See- und Kolonialkriege. Zwei große -Niederlagen in den europäischen Gewässern brachten der französischen -Marine derartige Verluste, daß ihre Tätigkeit auf allen -Kriegsschauplätzen gelähmt war. Pläne zu einem Einfall in England -beschäftigten =Frankreich= bereits seit 1756. Die verflossenen Jahre -hatten nun erkennen lassen, daß man nicht imstande sei, in allen Meeren -zu kämpfen, ja daß die Geldmittel den doppelten Krieg auf dem Festlande -und auf der See überhaupt nicht erlaubten. Der eigene Handel lag -hoffnungslos danieder, während der englische aufblühte und diesem Lande -die Mittel zu reichlicher Unterstützung der Gegner Frankreichs lieferte. - -Diese Erwägung im Verein mit der Verstimmung über die Mißerfolge des -Jahres 1758 auf dem Lande brachten den feurigen =Choiseul=, der seit -November dieses Jahres Frankreich leitete, zu dem Entschlusse, die ganze -Kraft der Marine auf ein Ziel zu richten, auf den Einfall in England. Mit -dem Kriegsminister, =Marschall von Belle-Isle=, entwarf er folgenden -Plan[82]: Von Ostende aus sollten auf eigens dazu erbauten flachen -Fahrzeugen 20 000 Mann unter =General de Chevert= nach der Mündung des -Blackwater, nordöstlich von London, übergeführt werden; ein gleichstarkes -Heer unter dem =Herzog d'Aiguillon= sollte bei Vannes gesammelt, in der -Morbihanbucht[83] eingeschifft und in Schottland gelandet werden; ein -kleineres Korps endlich wollte man von Dünkirchen aus nach Irland werfen, -da man hier auf einen allgemeinen Aufstand rechnete. Die vereinigten -Seestreitkräfte von Brest und Toulon -- 35 bis 40 Linienschiffe -- waren -bestimmt, unter =Marschall de Conflans= zuerst die Expedition nach -Schottland zu führen und dann den Übergang nach England zu decken; für -die Überführung nach Irland waren nur einige Kriegsschiffe vorgesehen. -- -Schon im Winter 1758/59 wurde mit den Vorbereitungen zu diesem großen -Unternehmen begonnen, aber Beratungen über den Plan, Mangel an -Geldmitteln, sowie der schlechte Zustand der Werften und Arsenale -verzögerten die Ausführung; erst spät im Sommer glaubte man sich bereit. -Inzwischen aber war eine Hauptsache, die Vereinigung der Toulonflotte mit -den Streitkräften des Atlantik, durch die Schlacht bei Lagos verhindert, -und England hatte Zeit zu nachdrücklichsten Abwehrmaßregeln gefunden. - - [82] Näheres über die verschiedenen Entwürfe, die in den verflossenen - Jahren sowie jetzt in Erwägung gezogen sind, vgl. Lacour I, Seite - 293-303 sowie Seite 318 bis 322. Wir geben auch den nachstehenden - Plan nach dieser Quelle; andere französische oder englische - Angaben weichen nur unwesentlich ab. - - [83] $Morbihanbucht$ ist der Sammelname für die verschiedenen - Meerbusen, die östlich der Quiberonbai in das Land eindringen. - - Obgleich man sämtliche Schlachtschiffe in Brest zusammenziehen wollte, - hatte man zu Anfang 1759 den Chef d'Escadre =de Bompart= mit 8 - Linienschiffen und 3 Fregatten von Brest nach Westindien gesandt. Er - sollte Truppen nach den bedrohten Inseln bringen und dann sofort - zurückkehren. Durch die Ereignisse in Westindien wurde er zwar länger - aufgehalten, als vorauszusehen war; da sich die Expedition aber - verzögerte, so traf er noch vor deren Abgang in Brest wieder ein. - -In =England= erfuhr man bald von der Absicht Frankreichs, und die Furcht -vor der Invasion erregte wie gewöhnlich die Gemüter. Aber die leitenden -Kreise hatten doch in strategischer Hinsicht gelernt und der -einsichtsvolle =Pitt= stand an der Spitze. Man hielt nicht mehr, wie -bisher so oft, die Streitkräfte ängstlich an der eigenen Küste zusammen, -sondern verwendete sie jetzt ganz in der Art, wie sie in der Einleitung -zu diesem Kriege (vgl. Seite 125) geschildert ist. Ein Geschwader -(=Kommodore Boys=) kreuzte vor Dünkirchen und Ostende, eins -(=Kontreadmiral Rodney=) vor der Küste der Normandie; hinter diesen lag -ein Geschwader (=Admiral Thomas Smith= und =Kommodore Sir Piercy Brett=) -in den Downs. =Sir Edward Hawke= blockierte Brest, und das -Mittelmeergeschwader (=Admiral Edward Boscawen=) war verstärkt. Diese -Streitkräfte zur Beobachtung und Abwehr des Gegners in den europäischen -Gewässern gewannen im Laufe des Jahres mehr und mehr an Stärke. Genaue -Zahlen stehen uns leider nicht zu Gebote, doch mag als Anhalt dienen, daß -Hawke im Juni über 25 Linienschiffe (dazu 4 50-Kanonenschiffe) und -Boscawen über 13 (dazu 2 50-Kanonenschiffe) verfügte; die kleineren -Beobachtungsgeschwader waren aus nur wenigen Linienschiffen zu 60 -Kanonen, sonst aus 50-Kanonenschiffen und Fregatten zusammengesetzt. - - Aber auch die anderen Kriegsschauplätze wurden nicht vergessen. Nach - Nordamerika ging im Februar eine Flotte unter Vizeadmiral =Charles - Saunders= ab und brachte die dortigen Streitkräfte auf 20 Linienschiffe - (dazu 2 50-Kanonenschiffe); zur Verstärkung der sonstigen Stationen - waren schon im November 1758 8 Linienschiffe nach Westindien, 5 nach - Ostindien ausgelaufen. Ferner sandte man Truppen nach diesen drei - Kriegsschauplätzen sowie zum Festlandskriege; in England selber wurden - die Milizen aufgeboten. Da die Franzosen nur an den Einfall in England - dachten, blieben ihre Kolonien außer Westindien ohne Unterstützung und - die Engländer errangen überall große Erfolge. - -$Die Schlacht bei Lagos, 18. August 1759.$ In Toulon rüsteten =die -Franzosen= ein Geschwader von 12 Linienschiffen, darunter 2 -50-Kanonenschiffe, und 3 Fregatten aus, das der Chef d'Escadre =de La -Clue=[84] nach Brest führen sollte. Dies war bei der Überlegenheit der -Engländer eine schwierige Aufgabe, zumal diesen Gibraltar als -Beobachtungsplatz zur Verfügung stand, wenn die Blockade von Toulon nicht -durchführbar war. Gerade jetzt erwies sich die Wichtigkeit dieses -Wachtturmes am Ausgange des Mittelmeeres, und es ist sehr befremdend, daß -selbst der einsichtige Pitt noch 1757 die Rückgabe Gibraltars Spanien als -Preis für ein Bündnis angeboten hat. Die englische Mittelmeerflotte war -während des Winters und des Frühjahrs auf 13 Linienschiffe, 2 -50-Kanonenschiffe, 10 Fregatten, 2 Sloops und 2 Brander gebracht. - - [84] =De La Clue-Sabran= trat 1715 in die Marine, wurde 1727 Enseigne, - 1734 Lieutenant, 1742 Capitaine, war Schiffskommandant bei Toulon - (1744), wurde 1755 Chef d'Escadre und führte bei Minorka (1755) - die Nachhut. Bei Lagos schwer verwundet, wurde er nicht mehr aktiv - verwendet, schied aber erst 1764 mit der Pension eines - Lieutenant-Général aus dem Dienste. - -=Admiral Boscawen=[85] übernahm am 16. Mai das Kommando und blockierte -sofort Toulon streng; am 7. Juni ließ er sogar durch 3 Linienschiffe 2 -französische Fregatten auf der Äußeren Rhede angreifen, die englischen -Schiffe gerieten aber unter den Befestigungen in Windstille und litten -schwer. Um sie auszubessern, sowie um Wasser und Vorräte der Flotte zu -ergänzen, ging der Admiral Anfang Juli nach Gibraltar; er gebrauchte aber -die Vorsicht, auf der Höhe von Malaga, sowie vor Ceuta je eine Fregatte -auszulegen. - - [85] =R. Honorable Edward Boscawen=, geboren 1716, hatte sich schon im - österreichischen Erbfolgekriege bei Vernons Expedition in - Westindien und in der Schlacht bei Finisterre (1747) als - Kommandant, dann als Kontreadmiral und Befehlshaber in den - indischen Gewässern (vor Pondicherry 1748) ausgezeichnet. Im - Siebenjährigen Kriege war er als Vizeadmiral 1755 Chef der Station - in Nordamerika, 1756/57 leitete er zeitweise die Blockade von - Brest, 1758 nahm er als Admiral Louisbourg. Nach dem Siege von - Lagos wurde er zum »General of Marines« (nur ein Ehrentitel) - befördert. 1760 leitete er wieder (abwechselnd mit Hawke) die - Blockade von Brest; er starb am 10. Januar 1761. - -=De La Clue= verließ am 5. August, als seine Schiffe endlich segelfertig -und mit genügender Mannschaft versehen waren, Toulon, traf am 17. August -vor der Straße von Gibraltar ein und wurde hier durch die eine der -Fregatten gesichtet. Diese meldete den Feind schon um 7-1/2 Uhr abends in -Gibraltar. Der französische Admiral beabsichtigte, sich jedem -Zusammenstoße zu entziehen, aber Boscawen ging mit äußerster -Beschleunigung unter Segel und bereitete ihm, der von einem Teil seiner -Schiffe im Stich gelassen wurde, in einem Verfolgungsgefechte am 18. und -19. August eine schwere Niederlage. - - $Schilderung der Schlacht bei Lagos.$ =Boscawen= war nicht völlig - seeklar gewesen, sein Flaggschiff hatte nicht einmal Segel - untergeschlagen, dennoch gelang es, noch vor 10 Uhr nachts die Flotte - in zwei einige Seemeilen voneinander getrennten Gruppen in See zu - bringen. =De La Clue= hatte mit östlichem Winde die Straße in Kiellinie - passiert; er beabsichtigte nun, unter vollen Segeln mit westlichem - Kurse in die offene See zu steuern, um sich einer Verfolgung zu - entziehen. Er minderte auf dem Flaggschiff Segel und gab das Signal - für den neuen Kurs; als dies von den nächsten Hinterleuten beantwortet - war, löschte er die Admiralslaternen am Heck, mehrte Segel und steuerte - WNW. Die Kiellinie war wohl bisher nicht gut geschlossen gefahren, denn - die Segeleigenschaft der Schiffe war sehr verschieden, die des - Flaggschiffes besonders gut, und so kam es, daß die letzten 5 - Linienschiffe sowie die Fregatten das Signal nicht bemerkten; als sie - die Admiralslaternen aus Sicht verloren, steuerten sie NNW, um Cadiz zu - erreichen, da dieser Hafen durch einen früheren Befehl als Sammelpunkt - bei verloren gegangener Fühlung bezeichnet war. - - Am 18. August gegen 7 Uhr vormittags sichtete Boscawen mit seiner vorn - segelnden Gruppe, 8 Linienschiffen, de La Clue mit 7 Linienschiffen - unter vollen Segeln in Kiellinie; er gab seinen drei besten Seglern den - Befehl, Segel zu pressen und die letzten Schiffe der Franzosen - festzuhalten. Um 2-1/2 Uhr nachmittags kam der vorderste Engländer mit - dem hintersten Feinde ins Gefecht; zum Vorteil der Verfolger flaute der - Wind für die westlicher stehenden Schiffe ab, während die nachfolgenden - noch Wind genug hatten, so daß bis bald nach 4 Uhr die ganze Gruppe - Boscawens eingreifen konnte. - - Um 4-1/2 Uhr kam es zum Kampf zwischen den beiden Flaggschiffen, in dem - das englische, »Namur« mit 90 Kanonen, von dem französischen, »L'Océan« - mit 80 Kanonen, im Laufe einer halben Stunde durch Beschädigung der - Takelage außer Gefecht gesetzt wurde, so daß Boscawen auf ein anderes - Schiff gehen mußte. Hervorragend focht auch das letzte französische - Schiff, »Centaure«, mit 74 Kanonen unter Kapitän de Sabran, der 11 - Wunden davontrug; es hielt stundenlang gegen 5 englische Schiffe stand, - bis es wrack und halb voll Wasser die Flagge strich. Dieser Opfermut - gab den anderen Franzosen Gelegenheit, ihre Flucht fortzusetzen. - Boscawen warf später einigen seiner Kommandanten vor, nicht tatkräftig - genug eingegriffen zu haben, doch wurden sie anscheinend durch - Windstille zurückgehalten. Während der unsichtigen Nacht retteten sich - dann zwei Franzosen durch Ausbrechen aus ihrem Geschwader; der Rest - wurde am 19. in die Bucht von Lagos gejagt. Das Flaggschiff setzte sich - hier auf den Strand, die anderen ankerten unter den portugiesischen - Batterien. Boscawen, dessen zweite Gruppe (Vizeadmiral Broderick) nun - auch herangekommen war, nahm aber keine Rücksicht auf die Neutralität - Portugals und griff an; 2 feindliche Schiffe wurden genommen, 2 - verbrannt. Unter den letzteren war das Flaggschiff; den an beiden - Beinen schwer verwundeten Admiral hatten seine Leute vorher an Land - geschafft. - - =Der Verlust= der Franzosen betrug 5 Linienschiffe, sowie gegen 200 - Tote und Verwundete allein auf »Océan« und »Centaure«. Die Engländer - büßten 175 Mann ein, und zwar fast nur auf den Schiffen der ersten - Gruppe. Aber auch die entwichenen französischen Schiffe waren außer - Gefecht gesetzt. Die nach Cadiz gesegelten wurden hier bis zum Januar - 1760 blockiert gehalten; die beiden später geflohenen erreichten auf - Umwegen erst im Oktober Rochefort. - -=Die Schlacht bei Lagos= kostete Frankreich seine Mittelmeerflotte und -=ist bemerkenswert als gutes Beispiel eines reinen Verfolgungsgefechtes=. -Die französischen Streitkräfte waren den englischen an Schlachtschiffen -nur wenig unterlegen; es standen 12 Franzosen mit 806 Kanonen gegen 15 -Engländer mit 998. Dennoch handelte =de La Clue= richtig, wenn er ein -Zusammentreffen unbedingt zu vermeiden suchte; seine Aufgabe war, die -Flotte ungeschwächt und schnell zur Vereinigung nach Brest zu führen. -Sich dem Kampfe durch Einlaufen in Cadiz, dem von ihm für alle Fälle -angegebenen Sammelpunkt, zu entziehen, wäre zwecklos gewesen, da er dann -hier wie bislang in Toulon blockiert worden wäre. - -Er hätte aber für Zusammenhalten der Flotte sorgen müssen, in der Nacht -vor der Schlacht trennten sich jedoch die hintersten 5 Schiffe und -segelten nach Cadiz. Von älteren französischen Quellen werden die -Kommandanten dieser Schiffe des Ungehorsams, ja selbst der Feigheit, -beschuldigt, neuere Schriftsteller urteilen mit Recht milder. Der Admiral -mußte seine Absicht noch bei Tageslicht kundgeben oder hätte sich doch in -der dunkeln Nacht erst überzeugen müssen, ob sein Signal allgemein -verstanden sei, ehe er den beschleunigten Marsch antrat; bei dem noch -unvollständigen Signalsystem[86] war dies unbedingt notwendig. Er hätte -ferner schon vorher die Marschgeschwindigkeit der Flotte den langsamsten -Schiffen anpassen müssen, um einem Zurückbleiben dieser vorzubeugen. - - [86] Nach =Colomb=, Seite 139, gab es zu dieser Zeit in der - französischen Marine noch keine genauen Nachtkurssignale; der - Admiral konnte in vorliegendem Falle für seinen Zweck nur etwa - signalisieren: »Raum segeln über Backbordbug«. - -Den Nachteil, der einer Flotte durch ungleiche Marschfähigkeit ihrer -Schiffe erwächst, wenn sie sich dem Kampfe entziehen will, nützte -=Boscawen= richtig aus, als er am 17. folgte, ehe er seine Flotte -aufgeschlossen hatte, und als er am 18. August ohne Rücksicht auf Ordnung -durch seine schnellsten Schiffe die letzten des Gegners angreifen ließ, -um diesen überhaupt festzuhalten. Der Kommandant des hintersten -französischen Schiffes, Kapitän =de Sabran=, verdient das höchste Lob -dafür, daß er hierbei durch heldenmütige Verteidigung und Aufopferung so -viele Gegner festhielt, um seine Kameraden zu retten. - - =Kapitän de Sabran= wurde während seiner Gefangenschaft in Gibraltar - von den Engländern mit Auszeichnung behandelt und später in Toulon, in - Paris sowie am Hofe sehr gefeiert. Den übrigen Kommandanten warf die - öffentliche Meinung Ungeschick und Ungehorsam, ja sogar Feigheit und - Verrat vor. Auch =de La Clue= fiel in Ungnade. Nach älteren Quellen - soll er bald nach der Schlacht seinen Wunden erlegen sein, nach - englischen Angaben schon in Lagos. Dies muß ein Irrtum sein, denn - Lacour führt ausdrücklich an, er sei von =Choiseul=, der 1761 das - Marineministerium übernahm, milder beurteilt und habe erst 1764 den - Dienst verlassen. - -Bezeichnend ist endlich noch das Auftreten des englischen Admirals an der -Küste des neutralen Portugals; aber dieser Staat war so abhängig von -England, daß man keine Rücksicht zu nehmen brauchte. Es erfolgte auch -später nur eine förmliche Entschuldigung durch den englischen Gesandten; -dieser war aber durch Pitt angewiesen, dabei keinen Zweifel zu lassen, -daß man weder die genommenen Schiffe wieder ausliefern noch den Admiral -tadeln würde. - -$Das Auslaufen der französischen Brestflotte 1759.$ Am 3. Juli erschien -Kontreadmiral $Rodney vor Le Havre$ mit einem Linienschiffe, 4 -50-Kanonenschiffen, 5 Fregatten und 6 Mörserbooten, um die hier für die -Expedition gebauten flachen Transportfahrzeuge, sowie die angehäuften -Ausrüstungsgegenstände zu vernichten. Er überschüttete während 52 Stunden -Stadt und Hafen mit 1900 Bomben und 1100 Brandgeschossen. Die Einwohner -flüchteten; die Kauffahrer im Hafen, sowie die Magazine erlitten großen -Schaden, und die flachen Boote, die in einem benachbarten kleinen -Seinehafen Schutz gesucht hatten, wurden verbrannt, um sie nicht in -Feindeshand fallen zu lassen. - -=Admiral Hawke= hatte die Blockade von Brest im Juni mit 25 -Linienschiffen nebst zahlreichen Fregatten aufgenommen. Er ließ hierbei -seine leichten Schiffe dicht vor dem Hafen kreuzen, während er sich mit -den schweren in sicherer Entfernung von der Küste hielt. Später zweigte -er eine kleine Division unter =Kommodore Robert Duff= zur Beobachtung der -Morbihanbucht ab, wo sich die französische Expedition sammelte, und -sandte bald darauf noch eine zweite unter =Admiral Geary= vor die -Quiberonbucht, um dem von Westindien zurückerwarteten Geschwader de -Bompart (siehe Seite 148) den Weg nach Rochefort zu verlegen. Nur einmal -versuchten die Franzosen mit 4 Linienschiffen von Brest zur Morbihanbucht -durchzubrechen; diese mußten jedoch wieder umkehren, da die innere -Blockadelinie aufmerksam war und die Flotte heranrief. - -Diese kleine französische Division unter Kapitän =de Morogues= sollte die -unmittelbare Deckung des Transportes für den Einfall in England -übernehmen. An diesem hielt man nämlich immer noch fest, obgleich die -Rüstungen so langsam fortschritten, daß die Herbststürme herannahten, und -obgleich mit der Mittelmeerflotte nicht mehr gerechnet werden konnte. Der -Plan erlitt aber insofern eine Einschränkung, als von der Überführung -eines Heeres über den Kanal abgesehen und nur die große Landung in -Schottland, sowie die Diversion nach Irland im Auge behalten wurde. Auch -diese Einschränkung scheint erst spät beschlossen oder überhaupt nur die -Folge der weiteren Ereignisse gewesen zu sein, denn noch in einer -Verfügung an Admiral =Conflans= in Brest vom 13. September ist von dem -gegen England bestimmten Heere die Rede, als dessen Führer man jetzt den -Prinzen =Soubise= nannte. - - Das Mißgeschick bei Lagos sowie die sorgfältige Überwachung der Küsten - durch die Engländer hätte wohl von dem ganzen Unternehmen abmahnen - müssen. Aber man wünschte in Paris durch einen Erfolg auf dem Meere die - im Landkriege erlittenen Scharten auszuwetzen und dadurch einen - ehrenhaften Frieden herbeizuführen. Französische Quellen besagen, das - Aufgeben des Planes nach den großen Vorbereitungen wäre für Frankreich - ein volles Eingeständnis seiner maritimen Ohnmacht gewesen. Daraufhin - aber sich in ein fast aussichtsloses Wagnis zu stürzen, spricht nicht - für die Einsicht der leitenden Kreise. Doch kann dies kaum mehr - wundernehmen als die Bestimmung des Prinzen von Soubise, der sich bei - Roßbach ganz unfähig gezeigt hatte, zum Führer eines so schwierigen - Unternehmens. - -Im September hielt man das an der Morbihanbucht zusammengezogene Heer, -sowie die Flotte in Brest für schlagfertig und erteilte am 15. d. M. dem -Vizeadmiral der Levante, =Marschall de Conflans=[87], den Befehl, von -Brest in See zu gehen, die Truppen abzuholen und am Clyde oder an der -Ostküste Schottlands zu landen. Doch wieder traten Verzögerungen ein, -weil die Ansichten über die Ausführung des Planes auseinandergingen. Der -Marineminister =Berryer= erachtete den Admiral taktisch für nicht -geschickt genug, um das Vorgehen des Feindes zu hindern und die Überfahrt -der Transportflotte ohne entscheidenden Kampf zu sichern. Sein Plan war -daher, für die unmittelbare Begleitung der Transporter nur 6 -Linienschiffe zu bestimmen, die Flotte aber vorauszusenden, um die -Schlacht vorher zu schlagen; brachte diese einen entscheidenden Sieg, so -wäre der Weg frei, verlief sie ungünstig, so würde wenigstens der -Transport nicht gefährdet. - - [87] =Hubert de Brienne, Chevalier (später Comte) de Conflans=, trat - 1706 in die Marine ein, wurde bei dem damals schlechten Avancement - erst 1712 Enseigne, 1727 Lieutenant de vaisseau, 1735 Capitaine - (1747 Gouverneur von St. Domingue), 1748 Chef d'Escadre, 1752 - Lieutenant-Général, 1756 Vizeadmiral der Levante und 1758 - Marschall. Im Österreichischen Erbfolgekriege zeichnete er sich - dadurch aus, daß er mehrmals mit nur wenig Kriegsschiffen starke - Konvois von Kauffahrern oder Transportern glücklich nach und von - Westindien führte. Im Siebenjährigen Kriege Chef der Streitkräfte - am Atlantik, hatte er bisher keine Gelegenheit zu kriegerischer - Tätigkeit gehabt, da die verfügbaren Schiffe stets überseeisch - verwendet waren. Jetzt war er gegen 70 Jahre alt und, wenn auch - ein tüchtiger Offizier, seiner hohen Stellung und schweren Aufgabe - wohl kaum noch gewachsen; er starb am 22. Januar 1777 in Paris. - -=De Conflans= -- der sich übrigens stets darüber beklagt hatte, daß Heer -und Transporter nicht bei Brest gesammelt seien und daß er so bei -Benutzung einer günstigen Gelegenheit für das Auslaufen zu einem -zeitraubenden Umweg gezwungen sei -- war anderer Ansicht; er bestand -darauf, den Transport mit der ganzen Flotte zu begleiten und, wenn nötig, -auch so einen Angriff abzuschlagen. Am 14. Oktober erhielt er denn auch -eine neue Order (wörtlich bei Lacour I, Seite 366), die ihm freistellte, -»ganz nach seiner Ansicht und Erfahrung zu handeln«. Der Augenblick war -günstig, da die englische Flotte wegen eines Sturmes die Blockade für -kurze Zeit hatte aufgeben müssen. Aber Conflans zögerte immer noch und -zwar, wie er berichtete, weil die Ausrüstung der Flotte nicht -abgeschlossen und die Besatzungen nicht vollzählig, sowie zu wenig -eingeübt seien; die meisten Schiffe hatten seit drei Jahren den Hafen -nicht verlassen. Am 9. November sah sich die englische Flotte wiederum -durch das Wetter genötigt, die Blockade abzubrechen und nach Torbay zu -segeln; diese Gelegenheit benutzte das gerade vor Westindien anlangende -Geschwader =Bomparts=, um in Brest einzulaufen. Es zählte 8 Linienschiffe -und würde die Brestflotte auf 27 solcher gegenüber 23 der englischen -Blockadeflotte gebracht haben; Conflans zog sie aber hierzu nicht heran, -sondern füllte mit ihren seeerfahrenen Besatzungen seine Schiffe auf. -Diese Maßregel wird sehr verschieden beurteilt, muß aber wohl als -zweckentsprechend angesehen werden; sie läßt auf den traurigen Zustand -der übrigen Schiffe schließen. =Conflans= ging dann am 14. November mit -östlichem Winde in See und steuerte südwärts. - -Admiral =Hawke= hatte am 12. Torbay wieder verlassen, sobald das Wetter -besser geworden, war aber nochmals zur Umkehr gezwungen; er trat dann -auch am 14. die Fahrt nach Brest an und hörte vor dem Hafen, daß der -Feind im Süden mit östlichem Kurse gesehen sei; er schloß richtig, daß er -zur Quiberonbucht wolle, und folgte unter einem Preß von Segeln. - -$Die Schlacht bei Quiberon, 20. November 1759$[88]. Marschall =de -Conflans= hoffte zwar eine Schlacht zu vermeiden, mußte aber eine solche -sogar suchen, wenn er auf die englische Flotte stieß und dennoch die -Expedition mit den Transportern durchführen wollte; die Vereinigung -allein mit diesen in der Quiberonbucht würde sonst nur eine weitere -Blockade von Flotte und Konvoi zur Folge gehabt haben, nunmehr in =einem= -Hafen, also eine leichtere Aufgabe für den Gegner. In einem ausführlichen -Flottenbefehle betonte er, daß man wahrscheinlich bald mit dem Feinde -zusammenstoßen würde, und er erließ ausführlichste Gefechtsvorschriften -für alle möglichen Verhältnisse, unter denen dies erfolgen könnte. Stets -war mit tönenden Worten auf ein schneidiges Vorgehen hingewiesen. Mit -Vorstehendem aber stimmte der weitere Verlauf der Dinge durchaus nicht; -=Conflans= traf weder Maßregeln, um sich durch Aufklärer vor Überraschung -zu sichern, noch trat er dem Feind entgegen, als dieser erschien. -Südöstliche Winde hemmten die Fahrt der Flotte und versetzten sie -westlich; erst am 19. November abends stand sie etwa 70 Seemeilen -südwestlich von Belle-Ile. - - [88] Nach Troude I (dort Seite 381 ff. wörtlich der Flottenbefehl - Conflans' vor der Abfahrt, sowie dessen Bericht über seine - Absichten, als er den Gegner sichtete, und über den Verlauf der - Schlacht); Clowes III; Lacour I; Mahan I; Colomb. -- Die Schlacht - wird in Frankreich auch »=La bataille des Cardinaux=« genannt. - -Jetzt drehte der Wind nach Westen und Conflans nahm Kurs auf die -Quiberonbucht; da der Wind schnell auffrischte, mußte er aber kleine -Segel führen, um nicht während der Nacht vor der Einfahrt anzukommen. Bei -Tagesanbruch am 20. wurden voraus einige Segel gesichtet. Es war die -Division des Kommodore =Duff=, der die Quiberonbucht bewachte: 1 -Linienschiff, 4 50-Kanonenschiffe, sowie 3 oder 4 Fregatten. Duff hatte -hinter Belle-Ile vor Anker gelegen und war in wenigen Minuten, nach -Kappen der Ankertaue, unter Segel gegangen, als er durch eine vor der -Einfahrt kreuzende Fregatte das Nahen der Franzosen erfuhr. =Conflans=, -der in Brest stets Nachrichten von der Morbihanküste erhalten hatte, -schloß ganz richtig, daß er es nur mit Duff zu tun habe, und befahl -allgemeine Jagd. Die englische Division teilte sich; einige Schiffe -segelten über Backbordbug beim Winde nach Süden, die anderen unter Duff -hielten raum wieder auf die Küste zu. Diesen folgte Conflans mit Vorhut -und Mitte seiner Flotte, da sie den größeren Teil des Feindes ausmachten -und auf seinem Kurse lagen; gegen den kleineren Teil sandte er die -Nachhut. Bald darauf aber meldete diese zahlreiche Schiffe im NW und auch -das Flaggschiff sichtete sie; es war =Hawkes= Flotte, die unter vollen -Segeln herankam. Duff ging nun an den Wind und vereinigte sich mit Hawke; -Conflans rief seine Nachhut zurück und gab Befehl zum Bilden der -Kiellinie, sowie für Vorbereitung zum Gefecht. - -Wenn er wirklich zunächst die Absicht gehabt hatte, den Kampf auf offener -See anzunehmen, so gab er sie doch bald auf, da es mit allen Anzeichen -aufkommenden schweren Wetters hart aus WNW wehte und da die Flotte dicht -unter einer Leeküste einem überlegenen Feinde gegenüber in Lee stand. Er -entschloß sich, einzulaufen, in der sicheren Voraussetzung, daß Hawke -nicht wagen würde, bei den Wetterverhältnissen ohne Lotsen und genaue -Karten in das mit Bänken und Riffen besetzte Gewässer zu folgen. Er -hoffte noch unbehelligt hineinzukommen und wollte dann dicht unter dem -westlichen Ufer der Bucht ankern. So dachte er den Gegner, falls dieser -doch folgen sollte, zu zwingen, zum Angriff nun seinerseits die -Leestellung mit der Küste in Lee einzunehmen. Er setzte sich mit dem -Flaggschiff an die Spitze der Flotte, um sie zu führen; auf seinen Platz -für die Gefechtsformation in der Mitte beabsichtigte er erst später -wieder zu gehen. - -[Illustration: Admiral Edward Lord Hawke.] - -Aber keine seiner Voraussetzungen traf ein. Das Bilden der Linie dauerte -lange, die Engländer kamen schnell näher, und =Hawke= ließ sich keinen -Augenblick durch die vor ihm liegenden Gefahren beirren. Als erfahrener -Seemann würdigte er sie vollauf, aber er war ein ruhiger und tapferer -Mann und er schätzte den Schneid sowie die Erfahrung seiner, durch die -harte Schule langer Blockaden erprobten Offiziere und Mannschaften höher -ein als die der Franzosen; er wußte, daß sein Land die Vernichtung der -feindlichen Flotte erwartete -- wurde er doch, während er hier dieses -Werk vollbrachte, in England in effigie verbrannt, weil er diese aus -Brest hatte entschlüpfen lassen. Zweifellos rechnete er auch damit, daß -die vorausfahrenden Franzosen ihm als Lotsen dienen oder zuerst auf den -Grund kommen würden. Er nahm die Verfolgung auf, erreichte die feindliche -Flotte noch in der Einfahrt und setzte sie durch einen Kampf in der Melée -unter den schwierigsten Umständen -- Sturm, schwere See, sowie Leeküste; -eine ungeheure Zahl von Schiffen auf kleinem, gefährlichem Raum -- für -den weiteren Verlauf des Krieges außer Gefecht. - - $Die Stärke der Flotten$: - - ==================================================================== - Kanonenzahl |100| 90| 80| 74| 70| 64| 60| - ==================================================================== - Englische Schiffe | 1| 3| --| 7| 5| 2| 5| = 23 Linienschiffe - Französische Schiffe| --| --| 4| 6| 4| 7| --| = 21 " - - Hinzu traten auf englischer Seite: 4 50-Kanonenschiffe (Division Duff), - 6 Fregatten zu 28-36 Kanonen; auf französischer Seite: 2 oder 3 - Fregatten zu 30 Kanonen, 2 Korvetten mit 6 und 16 Kanonen. - - $Französische Flaggoffiziere$: Vorhut Chef d'Escadre =de Bauffremont=, - Prince de Linois; Mitte Marschall =de Conflans=; Nachhut Chef d'Escadre - =St. Andrée du Verger=. - - $Englische Flaggoffiziere$: Vizeadmiral =Sir Charles Hardy=; Admiral - =Hawke=; Kommodore =James Young=. - - $Der Verlauf des Kampfes$ wird in allen Quellen nur skizzenhaft - gegeben, ergänzt durch Schilderung der Schicksale einzelner Schiffe; - dies ist dadurch erklärlich, daß auf beiden Seiten bald jede Ordnung - aufhörte. Die englische Flotte stand beim Sichten des Feindes gegen 10 - Uhr vormittags WzS von Belle-Ile, die französische in SW dieser Insel - und näher bei ihr. =Hawke= bildete Dwarslinie, um seine hinteren - Schiffe aufkommen zu lassen, gab aber bald den 7 Schiffen, die dem - Feinde am nächsten waren, Befehl zur Jagd. Auf französischer Seite - dauerte das Bilden der Linie sowie das Aufnehmen der abgezweigten - Vorhut längere Zeit, in der die Engländer vor dem stürmischen Westwinde - schnell aufkamen. =Conflans= setzte dann schon frühzeitig so viel Segel - als möglich, und während der nun folgenden Jagd gingen infolge der - ungleichen Segelfähigkeit der Schiffe bald Fühlung und Ordnung in der - französischen Linie verloren; die Nachhut war überhaupt noch nicht ganz - herangekommen. - -[Illustration: Quiberonbucht.] - - Gegen 2-1/2 Uhr nachmittags passierte Conflans mit dem Flaggschiff die - Felsen =Les Cardinaux= und ging näher an den Wind, um in die - Quiberonbucht zu steuern; zu gleicher Zeit griff das vorderste - englische Schiff südlich von Belle-Ile das letzte französische an und - nach kurzer Frist waren 9 Engländer mit 4 oder 5 Franzosen der Nachhut - in einem laufenden Gefecht. Bald darauf drehte der zum Sturm mit - schweren Böen gewordene Wind nach NNW, wodurch die Ordnung der - französischen Linie noch mehr gestört und dem Rest der Engländer das - Herankommen erleichtert wurde; auch die letzten Schiffe der - französischen Mitte wurden nun angegriffen. Gegen 3-1/2 Uhr wendete - =Conflans= mit dem Flaggschiff, um sich nach der Mitte zu begeben, auch - heißte er für die anderen Schiffe das Signal, im Kontremarsch zu - wenden; er hoffte so eine geordnete Linie wieder herzustellen, scheint - also die Absicht gehabt zu haben, den Kampf aufzunehmen, um seine - Nachhut zu retten. Von diesem Augenblicke an ist es nicht mehr möglich, - den Verlauf des Gefechtes zu übersehen. Bei dem Versuche, dem Befehle - nachzukommen, trieben die französischen Schiffe in Haufen zusammen, und - immer mehr Engländer kamen heran; dabei ging der kurze Novembertag zu - Ende. - - In dem Dreieck zwischen den Bänken =Les Cardinaux= und =Le Four= sowie - der Insel =Dumet= fochten gegen 50 Schiffe in der Melée. Manche, - namentlich französische, sind wohl kaum zum Feuern gekommen, weil sie - sich gegenseitig behinderten, wie denn auch verschiedene Zusammenstöße - erfolgten; dazu kamen der schwere Sturm sowie die hohe See, die die - Manöver erschwerten und viele Schiffe zwangen, die Pforten der - untersten Batterie geschlossen zu halten. Die 7 Schiffe der - französischen Nachhut, die den Kampf wacker aufnahmen, hatten schon zu - Anfang schwer gelitten. =St. Andrée= fiel und ebenso sein Flaggkapitän - (sein Bruder), aber das Schiff strich erst um 4-1/2 Uhr die Flagge, als - es 200 Tote verloren hatte und fast wrack war; ein zweites war - genötigt, die Flagge zu streichen und zu ankern, da es jedoch des - schweren Wetters wegen vom Gegner nicht besetzt wurde, heißte es die - Flagge wieder und zog sich aus der Melée; ein drittes endlich floh - schwer beschädigt und sank vor der Loiremündung. Von der französischen - Vorhut kenterte ein von beiden Seiten hart bedrängtes Schiff, da in - einer schweren Bö das Wasser durch die Leepforten der untersten - Batterie hineinströmte; ein anderes wurde durch das Feuer des - englischen Flaggschiffes zum Sinken gebracht. - - Nach Eintritt der Dunkelheit löste sich das Gewühl. =Conflans= wollte - seine Flotte wieder ins offene Meer hinausführen, konnte sich jedoch - zuerst nicht aus dem Knäuel lösen, fürchtete dann, unklar von Le Four - zu kommen und ankerte in der Nähe dieser Bank. 7 Schiffe, unter ihnen - der Führer der Vorhut, =Bauffremont=, entwichen nach Süden und fanden - sich später vor Rochefort zusammen; 7 andere sowie die Fregatten - ankerten vor der Mündung der Vilaine. Admiral =Hawke=, der in der - Dunkelheit an keine Verfolgung denken konnte, ging ungefähr in der - Mitte des Kampfplatzes vor Anker, seinem Beispiele folgten aber nur die - Schiffe in seiner Nähe, die dies bemerkten. Das Nachtsignal zum Ankern, - zwei Kanonenschüsse, wurde nicht verstanden, da auch sonst noch - gefeuert wurde; so suchten die anderen Schiffe sich Ankerplätze nach - Belieben, einige gingen auch in See hinaus. - - Am 21. November bei Tagesanbruch hatte =Hawke= nicht viele Schiffe - beisammen und englische Quellen sagen, hier sei für die Franzosen - Gelegenheit gewesen, mit Übermacht aufzutreten. Dabei wird angenommen, - daß die sieben nach Süden entwichenen französischen Schiffe während der - Nacht in der Nähe, vielleicht südlich Le Four, vor Anker gelegen - hätten; nach Andeutung einer französischen Quelle (Lacour) scheint dies - der Fall gewesen zu sein, doch schweigen die anderen hierüber. - =Conflans= sah sich am Morgen fast allein nicht weit von Hawke liegen, - nur das Schiff der Nachhut, das die Flagge wieder geheißt hatte, war in - seiner Nähe; er glaubte nicht mehr entkommen zu können und setzte sein - Schiff in der Bucht von Croizic auf den Strand, wie es kurz vor ihm das - eben genannte Schiff getan. =Hawke= hatte tatsächlich ein Schiff gegen - diese beiden beordert, doch strandete dies auf Le Four, wo schon ein - anderes englisches seit dem Tage vorher festsaß. Weitere Versuche, den - Sieg auszunutzen, konnte Hawke des Wetters wegen am 21. noch nicht - machen und infolgedessen gelang es den französischen Schiffen vor der - Vilaine an diesem und dem folgenden Tage, nachdem sie sich durch - Überbordwerfen von Geschützen sowie Material möglichst erleichtert - hatten, die Barre vor dem Flusse zu überschreiten, diesen eine Strecke - hinaufzulaufen und sich so vor Angriffen von See her zu sichern. Als am - 22. das Wetter besser geworden war, wollte =Hawke= die Schiffe bei - Croizic verbrennen, die Franzosen zündeten sie aber selber an; es - wurde ihnen dadurch unmöglich, die wertvolle Artillerie des - Flaggschiffes zu bergen. - - $Beurteilung der Franzosen.$ Der 20. November 1759 war kein Ruhmestag - für diese, weder für den Admiral noch für die meisten Kommandanten. Daß - die französischen Seeoffiziere im allgemeinen tapfere Männer waren, wie - es bei dem Charakter ihres Volkes und bei ihrer Abstammung von dem - alten kriegerischen Adel von vornherein anzunehmen ist, beweist die - ehrenvolle Verteidigung der Nachhutschiffe, die noch unter einigermaßen - normalen Verhältnissen in den Kampf eintraten; aber fast allgemein - fehlte es ihnen an Umsicht und an Selbstvertrauen. In Frankreich wurden - dann auch Klagen erhoben, die von französischen Schriftstellern zum - Teil noch jetzt als begründet angesehen werden[89]. - - [89] Vgl. Lacour I, Seite 330 ff.; Verteidigungen der Betroffenen vgl. - Troude I, Seite 385 ff. und 399. - - Dem Admiral =Conflans= wirft man zunächst vor, daß er sich auf seinem - Marsche nicht gesichert habe; überrascht, habe er dann den Kopf - verloren. Er hätte -- wie es auch =de La Clue= bei Lagos hätte tun - müssen -- beim Ansteuern der Quiberonbucht die Geschwindigkeit der - Flotte nach der des langsamsten Schiffes regeln und vor allem die - Nachhut herankommen lassen müssen. Als diese angegriffen wurde, hätte - er sofort wenden sollen; vielleicht war dann noch Zeit, sie zu retten, - ehe die Gesamtmacht des Feindes in Gefechtsordnung auftreten konnte. - Oder er hätte sie opfern und seinen Plan, eine Verteidigungsstellung in - der Bucht einzunehmen, mit Mitte und Vorhut zur Ausführung bringen - müssen; durch den zu späten Versuch, dem Gegner entgegenzutreten, habe - er die völlige Unordnung der Flotte und damit deren Ohnmacht - hervorgerufen. Es wird dem Marschall endlich vorgeworfen, sein Schiff, - das gar nicht sehr gelitten hatte und ein vorzüglicher Segler war, - vorzeitig ohne Fluchtversuch auf den Strand gesetzt und später ohne - jeden Kampf verlassen zu haben. -- Den Chef der Vorhut, =Bauffremont=, - traf der Vorwurf der Indisziplin, sogar auch, wie zu allen Zeiten in - Frankreich bei Katastrophen üblich, der des »Verrates«, weil er »mit - seiner Division« den Marschall im Stich gelassen habe. Wörtlich trifft - dies aber nicht zu; die nach Rochefort geflüchteten Schiffe kamen - einzeln und teilweise vor Bauffremont dort an und zwar nicht nur - Schiffe der Vorhut, sondern auch solche der Mitte und der Nachhut, - ebenso wie sich die nach der Vilaine gesegelten aus allen drei - Divisionen zusammensetzten. Aus diesem Umstande geht hervor, daß jeder - französische Kommandant selbständig seine Rettung aus dem Gewirr - gesucht hat. Wohl aber hätte Bauffremont als Zweiter im Kommando am 21. - versuchen müssen, möglichst viel Schiffe zu sammeln und seinen Chef zu - unterstützen. -- Der gleiche Vorwurf der Indisziplin und des Mangels an - Tatkraft wurde allen =Kommandanten= gemacht. - - Diese Beschuldigungen sind gewiß nicht ganz unberechtigt, aber man muß - sich auch die Lage der französischen Offiziere vergegenwärtigen. Der - größere Teil der Schiffe ging zum ersten Male seit Jahren in See, die - Besatzungen waren ungeübt, die Flotte hatte noch niemals im Verbande - gesegelt, und nun sollten schwierige Manöver unter den ungünstigsten - Umständen ausgeführt werden. Welch ein Zustand mag dabei auf den - Schiffen geherrscht haben. Das niederdrückende Gefühl der Flucht vor - einem überlegenen Feinde trat hinzu; da kann es nicht wundernehmen, - wenn den Verantwortlichen die Nerven versagten und sie alles verloren - glaubten. Hinterher entschuldigten sie sich mit der Pflicht, in solcher - Lage wenigstens ihr Schiff dem Könige zu erhalten. Eine wirkliche - Untersuchung fand nicht statt, wohl weil die beiden Admirale dem Kreise - der Pompadour nahestanden; die öffentliche Meinung aber verhöhnte den - Oberbefehlshaber dadurch, daß sie die Schlacht »den Tag des Marschalls - de Conflans« nannte. Es war ein eigenartiger Zufall, daß das - Flaggschiff »Le Soleil Royal« hieß, wie das des Admirals Tourville, das - bei La Hogue verbrannt wurde, dessen Vernichtung jedoch der zwar - unglückliche, aber höchst ehrenvolle Kampf bei Cap Barfleur - vorhergegangen war. =De Conflans= zog sich vom Dienste zurück; - =Bauffremont= mußte, wohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung, bis - 1764 auf seine Beförderung zum Lieutenant-General warten. - -$Der Erfolg der Engländer$ -- mit einem Verluste von nur zwei -gestrandeten Schiffen, 50 Toten und etwa 250 Verwundeten erkauft -- =war -entscheidend=. Drei französische Schiffe waren gesunken, eins genommen -und zwei verbrannt, acht Schiffe nach Rochefort und sieben nebst den -Fregatten in die Vilaine geflüchtet. Diese konnten ebenfalls als verloren -gelten, da es erst nach langer Zeit gelang, sie paarweise wieder aus dem -Flusse zu bringen. Zwei Linienschiffe und zwei Fregatten passierten die -Barre im Januar 1761, zwei weitere am 28. November und die letzten erst -im April 1762. Alle erreichten Brest, obgleich die Engländer die Mündung -der Vilaine bewachten, doch waren sie kaum mehr kriegsbrauchbar[90]. Die -Schlacht bei Quiberon legte die französische Marine im Atlantik lahm, wie -es die bei Lagos für das Mittelmeer getan hatte; infolgedessen sah -Frankreich von der Expedition gegen England ab und löste das Heer bei -Morbihan auf. England war diese Sorge los und konnte sich mit größerer -Kraft dem Kriege in den Kolonien zuwenden. =Mahan= nennt Quiberon »das -Trafalgar des Siebenjährigen Krieges«, der französische Autor =Guérin= -»das La Hogue, aber ohne wie dort Ruhm und Ehre Frankreichs gewahrt zu -haben«. - - [90] Näheres über das Schicksal dieser Schiffe, die mit Geschick die - Blockade brachen, vgl. Lacour I, Seite 347, und Troude II, Seite - 403 und 415. Bei Troude, Seite 405, auch Bemerkenswertes über den - Versuch des Admirals Hawke, durch Verhandlungen in den Besitz der - Artillerie des »Soleil Royal« zu kommen und die Besatzung des - anderen gestrandeten Schiffes als kriegsgefangen ausgeliefert zu - erhalten. - -Die englische Flotte wurde wenige Tage nach der Schlacht noch durch 6 -Linienschiffe verstärkt, die auf die Nachricht vom Inseegehen des -Marschalls de Conflans von England abgesandt waren. =Hawke= zweigte Ende -November eine Division nach der Quiberonbucht ab, um die Vilaine zu -blockieren, eine zweite nach Rochefort, um die Schiffe dort zu -vernichten. Diese hatten sich jedoch so weit in die Charente -zurückgezogen, daß man ihnen ebensowenig wie denen in der Vilaine -beikommen konnte. Die Blockierung der atlantischen Küste wurde aber den -Winter über aufrechterhalten, an Hawkes Stelle bald durch Admiral -=Boscawen=. - -$Die Ereignisse der Jahre 1760-1762$ in den europäischen Gewässern können -wir kurz zusammenfassen. $Im Mittelmeer$ ging Admiral =Boscawen=, nachdem -er in Gibraltar ausgebessert hatte, mit 8 Linienschiffen nebst den bei -Lagos gemachten Prisen nach England zurück; er äußerte sich über seinen -Sieg: »Es war gut, aber es hätte besser sein können«. Vizeadmiral -=Broderick= blockierte mit dem Rest der Mittelmeerflotte die nach Cadiz -geflüchteten Franzosen; als er jedoch zu Ende des Jahres durch einen -Sturm gezwungen war, von der Küste abzustehen, brachen diese am 2. Januar -1760 aus und erreichten unbelästigt am 17. Toulon. Bald darauf übernahm -Vizeadmiral =Charles Saunders= die Mittelmeerflotte, beschränkte sich -aber auf die Sicherung des eigenen und die Störung des feindlichen -Handels. Wie schon angedeutet, scheint England nicht einmal Wert darauf -gelegt zu haben, die Verbindung Frankreichs mit Minorka zu verhindern. - -Im Jahre 1762, als =Spanien= in den Krieg eintrat, verstärkte England die -Mittelmeerflotte noch einmal erheblich. Sie kam aber auch jetzt kaum zur -Geltung, da sich weder die spanische noch die französische Flotte zeigte, -und brachte nur viele Kauffahrer auf. In diesem Jahre faßte Frankreich -unter Choiseuls Einfluß noch einmal den Plan zu größeren Kreuzfahrten von -Toulon aus, ja sogar zu einem Angriff auf Gibraltar. Vielleicht glaubte -man wirklich, einen solchen mit Spaniens Unterstützung unternehmen zu -können, vielleicht hoffte man auch nur, durch derartige Gerüchte einen -schnelleren und günstigeren Friedensschluß herbeizuführen; ähnliches war -auch in den nördlichen Gewässern im Gange. Nach dem Friedensschluß ging -der größere Teil der englischen Flotte heim; Kontreadmiral =Sir Piercy -Brett= nahm mit dem Rest =Minorka= wieder in Besitz. - -$In den atlantischen Gewässern$ waren $1760$ die englischen Streitkräfte -zur Blockade sowie zum Handelsschutz ähnlich verteilt wie im Vorjahre: -Kommodore =Brett= befehligte in den Downs und in der Nordsee; =Rodney= -kreuzte im Kanal; =Hawke= und =Boscawen=[91] bewachten wechselweise die -Quiberonbucht, die jetzt an Stelle Brests als Mittelpunkt des -Blockadebereichs Rochefort, Lorient und Brest angesehen wurde. Außerdem -verstärkte man die ostindische sowie die nordamerikanische Station und -nahm auf der westindischen die nötigen Ablösungen vor. Die Franzosen -hatten alle größeren Unternehmungen aufgegeben, nicht einmal -Verstärkungen nach den Kolonien gingen ab; nur vereinzelt liefen -Kriegsschiffe aus, um gegen den Handel des Gegners zu kreuzen. Die -englische Blockade zeitigte keine großen unmittelbaren Erfolge; sie -hinderte zwar Frankreichs Verbindung mit den Kolonien, brachte aber wenig -Beute, da der französische Handel schon völlig daniederlag; den kleinen -Freibeutern konnte sie das Handwerk nicht völlig legen. Aufzeichnungen -über Zusammenstöße zwischen den Kreuzern beider Parteien bringen die -Spezialwerke (z. B. Troude I und Laird Clowes III, Kap. »Minor Actions«). - - [91] Boscawen führte das Kommando vom Frühsommer bis August 1760; er - starb im Januar 1761. - - $Der Einfall der Franzosen in Irland 1760$ ist das einzige - bemerkenswerte Ereignis dieses Jahres; er war als Diversion geplant, - die gleichzeitig mit der großen Expedition gegen Schottland ins Werk - gesetzt werden sollte. Man hatte dazu in =Dünkirchen= 1300 Soldaten - unter General =Flobert= gesammelt und eine Flottille von 4 Fregatten - (zu 24-44 Kanonen), sowie 2 Korvetten (18 Kanonen) unter Kapitän - =Thurot= ausgerüstet. Dieser war ein Freibeuter von Ruf, 1726 als Sohn - eines kleinen Gastwirtes geboren, im Jesuitenseminar erzogen, dann als - Apotheker tätig und 1744 als Arzt auf einem Freibeuter in englische - Gefangenschaft geraten. Aus dieser entfloh er, widmete sich ganz der - Freibeuterei und erhielt wegen seiner Verdienste im Österreichischen - Erbfolgekriege ein Offizierspatent (als Transporterkapitän) in der - königlichen Marine. Beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges rüstete er - 2 Fregatten und 2 Korvetten aus, mit denen er vom 16. Juli 1756 bis - Februar 1759 ununterbrochen in der Nordsee sowie dem Kanal kreuzte, - mehrere Gefechte bestand und zahlreiche Prisen machte. Ihm war schon - eine Rolle bei dem geplanten Angriff auf die Kanalinseln (s. Seite 142) - zugedacht gewesen, jetzt wurde er mit der seemännischen Führung der - Expedition gegen Irland betraut, wo man mit einer Erhebung der - Bevölkerung rechnete. Er erhielt seine Instruktion am 17. Juni 1759, es - gelang ihm, am 15. Oktober auszulaufen, während das englische - Blockadegeschwader durch Sturm vertrieben war; also gerade zu der Zeit, - als man mit dem Inseegehen der großen Expedition rechnete. Um den Feind - zu täuschen, lief Thurot zuerst Gothenburg, dann Bergen an; auf der - stürmischen Reise wurde eine Korvette versprengt und eine Fregatte - genötigt, wegen Beschädigungen nach Frankreich zurückzukehren. - - Am 1. Januar 1760 ankerte er bei den Färöerinseln und erschien dann am - 25. bei Londonderry an der irischen Küste. Die Wetterverhältnisse - machten eine Landung unmöglich und auch die zweite Korvette wurde von - der Flottille getrennt, so daß die anderen Kapitäne Thurot beschworen, - das Unternehmen aufzugeben. Aber dieser blieb fest und ankerte nach - einer kurzen Erholung auf der Insel Islay am 19. Februar in - =Belfast-Lough=. Am 21. zwang General Flobert mit 600 Mann die nur - schwach besetzte Stadt Carrickfergus zur Übergabe. Thurot konnte ihn - aber nicht bewegen, gegen Belfast vorzugehen; dies wäre auch wohl ein - hoffnungsloses Wagnis gewesen, man hatte schon 30 Tote und 60 - Verwundete eingebüßt. Nachdem man Proviant beigetrieben und einige - kleine Fahrzeuge verbrannt hatte, wurde am 27. die Rückfahrt nach - Frankreich angetreten. Natürlich waren alle benachbarten irischen sowie - schottischen Häfen alarmiert und von Kingsale liefen 3 englische - Fregatten (zu 36 Kanonen) unter Kapitän =John Elliot= aus. Diese - stießen am 28. Februar in der Nähe der =Insel Man= auf die Franzosen; - zwei dieser strichen fast sogleich die Flagge, nur =Thurot= kämpfte mit - seinem Flaggschiff (44 Kanonen) tapfer, bis er fiel und seine Fregatte - dem Sinken nahe war. Er hat selbst bei den Engländern als ein - Freibeuter von ehrenhaftem Charakter gegolten, der stets Edelmut und - Menschlichkeit zeigte. - -Die Blockade wurde den Winter über aufrechterhalten, doch scheint man -$1761$ die Geschwader nach und nach verkleinert zu haben, so wurde z. B. -Admiral Rodney nach Westindien befehligt und durch einen Kommodore -ersetzt. Auch =Hawke= verließ im März mit dem größeren Teile seiner -Flotte die Biskaya, doch traf dafür eine neue Flotte mit einer besonderen -Aufgabe ein. - -$Die Einnahme von Belle-Ile, April/Mai 1761.$ Schon im Herbst 1760 befand -sich eine Flotte mit Landungstruppen in Ausrüstung, die man anfangs gegen -die Inseln Isle de France und Bourbon, später aber gegen die französische -Küste verwenden wollte. Durch den Tod König Georgs II. (27. Oktober) -traten jedoch Verzögerungen ein und Pitt verlor an Einfluß, so daß man -die Sache für dieses Jahr aufgab. Im Frühjahre 1761 wurde sie mit Erfolg, -allerdings auch mit großem Kraftaufwand, ins Werk gesetzt. Ein Geschwader -von 13 Linienschiffen nebst drei Fregatten wurde vor Brest stationiert, -um jede Störung von dort aus zu hindern, und eine Flotte von 15 -Linienschiffen, 8 Fregatten, 3 Sloops, 2 Brandern, 3 oder 4 Mörserbooten -und zahlreichen Transportern mit 10000 Mann segelte am 29. März (einige -der Schiffe etwas später) von St. Helens, Insel Wight, ab, um Belle-Ile -zu erobern. Die Flotte führte Kommodore =Augustus Keppel=, die Truppen -General =Hodgson=. Am 6. April sichtete man die Insel und Keppel zweigte -6 Fregatten ab, um sie von der Verbindung mit dem Festlande -abzuschneiden. Am 7. ankerte die Flotte vor dem Haupthafen Le Palais auf -der Nordostseite der Insel. Diese Stadt wurde durch eine Zitadelle nebst -einigen Außenwerken verteidigt, an anderen Landeplätzen lagen schwache -Forts oder Batterien; Erkundungen ergaben, daß die beste Landungsstelle -in einer kleinen Bucht an der Südostspitze der Insel sei. - -Hier warf man am 8. Truppen an Land, nachdem die Batterie niedergekämpft -war, sie fanden aber derartigen Widerstand, daß sie sich wieder -zurückziehen mußten; das Wetter hinderte dann 14 Tage lang einen neuen -Versuch. Dem Kommandanten von Belle-Ile, =Chevalier de Saint-Croix=, -standen nur zwei Regimenter nebst einigen Bataillonen Miliz zur -Verfügung, trotzdem benutzte man die Frist nicht, Verstärkungen vom -Festlande (Lorient) heranzuziehen; auch französische Quellen können nicht -angeben, ob man es nicht wagte oder nicht konnte. Am 22. landeten die -Engländer aufs neue an drei Stellen der Bucht, zwei Landungen waren nur -Scheinangriffe; die Franzosen wurden durch das Feuer der Flotte -vertrieben und mußten sich auf Le Palais zurückziehen. Die Angreifer -schritten nun zur regelrechten Belagerung der Stadt, am 13. Mai wurden -die Außenwerke genommen und vom 16. an die Zitadelle auf das heftigste -beschossen. Als am 7. Juni Bresche gelegt war und zum Sturm geschritten -werden sollte, kapitulierte St. Croix mit allen militärischen Ehren. Die -Angreifer verloren in den Kämpfen 310 Tote und 500 Verwundete, aber -außerdem viele Leute durch Krankheiten. - -Die englischen Quellen heben besonders hervor, daß bei diesem Unternehmen -stets völliges Einverständnis zwischen dem Admiral und dem General -geherrscht habe, ein bisher selten vorgekommener Fall. -- Die Insel blieb -bis zum Friedensschluß in den Händen der Engländer, diese hatten damit -einen Stützpunkt für die Blockade der atlantischen Häfen Frankreichs -gewonnen; französische Schriftsteller weisen darauf hin, daß Belle-Ile im -Verein mit den Kanalinseln ihren Gegnern einen Einfall in die Bretagne -möglich gemacht haben würde. - -Bald nach der Landung hier hatte Keppel den Kapitän =Sir Thomas Stanhope= -mit 7 Linienschiffen nach der Rhede von =Ile d'Aix= gesandt. Dieses -Geschwader fand dort zwar keine feindlichen Schiffe vor, zerstörte aber -am 21. und 22. Juni die Befestigungen der Insel. Der Versuch der -Franzosen, dies von der Charente aus mit Kanonenschaluppen zu hindern, -schlug fehl, ebenso ein Unternehmen im Dezember, die blockierenden -Engländer mit Brandern zu vertreiben. - -Für $das Jahr 1762$ sind keine Ereignisse von Bedeutung =in den -europäischen Gewässern= zu verzeichnen, obgleich Spanien im Januar auf -seiten Frankreichs in den Krieg eintrat. England beschloß, ohne Zaudern -auf das schärfste gegen den neuen Gegner vorzugehen und ihn an seiner -verwundbarsten Stelle, seinen Kolonien, anzufassen. Es sandte sofort eine -bedeutende Verstärkung nach Westindien, zog dort unter =Admiral Pocock= -eine Expedition gegen Havanna zusammen und schickte auch nach Ostindien -Streitkräfte, um die Philippinen anzugreifen. In Europa beschränkten sich -die Maßnahmen außer auf die Verstärkung der Mittelmeerflotte darauf, daß -man den größeren Teil der bisher für die Blockade der französischen -Küsten verwendeten Kräfte unter =Hawke=, später unter Admiral =Hardy=, in -den spanischen Gewässern stationierte. 8000 Mann wurden nach Lissabon -gesandt, mit deren Hilfe Portugal den Angriff der Franzosen und Spanier -zurückwies. - -Wie im Mittelmeer, so zeigte sich die spanische Marine auch nicht im -Atlantik. Wohl weil die Blockadegeschwader in der Biskaya schwächer als -bisher gehalten wurden, gelang es in diesem letzten Jahre des Krieges -nochmals zwei französischen Geschwadern, bei Sturm durchzuschlüpfen. Früh -im Jahre verließ der Chef d'Escadre =de Blenac= mit 7 Linienschiffen, 4 -Fregatten nebst 7 Bataillonen Infanterie Brest und segelte nach -Westindien; das englische Blockadegeschwader versuchte zwar, ihn -einzuholen, mußte jedoch die Verfolgung aufgeben, da die Proviantbestände -zu Ende gingen, und sich damit begnügen, den Admiral in Westindien von -der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis zu setzen. Im Mai lief -dann der Kapitän =de Ternay= mit 3 Linienschiffen, deren eins als -Transporter (Flüte) diente, 1 Fregatte und 600 Soldaten von Brest nach -Nordamerika aus und erreichte sein Ziel. Diese beiden letzten -Anstrengungen Frankreichs, den Kolonien Hilfe zu bringen, hatten aber auf -den Krieg in den fernen Gewässern keinen Einfluß mehr; dort war schon -alles verloren. - -=Pläne für einen Einfall in England= entwarf man auch noch in den Jahren -1761 und 1762. Es befinden sich Arbeiten darüber in den Archiven des -französischen Marineministeriums und ebenso in einem Briefwechsel -zwischen =Choiseul=, der im Oktober 1761 dieses Ministerium übernahm, und -dem Gouverneur der Bretagne, Herzog =d'Aiguillon=, der schon 1759 zum -Chef des Einfallheeres bestimmt gewesen war. - - Näheres über einige dieser Arbeiten findet man in Lacour I, Seite 354. - Ein Plan ist bemerkenswert, da er dem gleicht, der den Bestimmungen und - Bewegungen der französisch-spanischen Seestreitkräfte vor der Schlacht - von Trafalgar 1805 zugrunde lag. Aus den verschiedenen französischen - und spanischen Häfen sollten Geschwader zu Vorstößen in den kolonialen - Gewässern auslaufen, um England zur Teilung seiner Kräfte zu verleiten. - Sie sollten sich aber an einem bestimmten Termin in Ferrol vereinigen, - die in Europa verbliebenen Schiffe aufnehmen und dann dem Übergang - eines Heeres über den Kanal den Weg freimachen. - - - Der Krieg in den Kolonien[92]. - -$Nordamerika. 1748-1755.$ Hier blieben die englischen und die -französischen Kolonien nach dem Frieden von Aachen 1748 eigentlich im -Kriegszustande, während von ihren Mutterländern Verhandlungen über die -unerledigt gelassenen Grenz- sowie Machtbereichsfragen geführt wurden, -wie es beim Friedensschluß bestimmt war. =Die englischen Kolonien= mußten -Wert darauf legen, daß Neuschottland stärker von Engländern besiedelt und -die nicht zuverlässige alte französische Bevölkerung dort verdrängt -würde. Die englische Regierung sträubte sich anfangs dagegen, sowohl der -Kosten wegen als auch in der Besorgnis, Neuengland könne zu mächtig -werden; sie mußte aber doch nachgeben, bot nun Auswanderern nach -Neuschottland große Vorteile und baute 1749 die Festung =Halifax=. - - [92] Im Anschluß an die Ereignisse des Krieges 1744-1748 (S. 93 ff.); - Hauptquellen vgl. S. 131. - -Deren erster Gouverneur begann dann sofort, die Indianer auszurotten und -die französischen Ansiedler zum Anschluß an England oder zur Auswanderung -unter Verlust ihres Eigentums zu zwingen. Noch wichtiger war es, dem -Vordringen der Franzosen im Ohiotale Einhalt zu tun, das die Ausdehnung -der Neuenglandstaaten über das Alleghanygebirge nach Westen hin unmöglich -zu machen drohte, während den Nebenbuhlern die Aussicht erwuchs, durch -den Mississippi mit der Kolonie Louisiana in Verbindung zu treten und so -die englischen Kolonien ganz ein- und abzuschließen. Schon 1748 wurde -deshalb in Virginia die Ohiokompagnie gegründet, deren Agenten und -Kolonisten sich im Ohiogebiet zwischen den Flüssen Monongahela und -Kenewka festsetzten. - -=Die französischen Gouverneure in Kanada=, de la Gallissonnière (1747), -de la Jonquière (1749), de Menneville (1752), bemühten sich eifrig, die -französischen Interessen zu behaupten. - -Ihre Agenten waren im ganzen Hinterlande Neuenglands tätig und bemühten -sich, in Akadien die französischen Sympathien zu nähren; man baute sogar -Befestigungen auf der Landzunge zwischen Neuschottland und -Neubraunschweig, um das Vordringen der Engländer zu hindern, obgleich die -Friedensbedingungen das Gebiet bis auf einen nördlichen noch strittigen -Strich England zugesprochen hatten. Endlich wurde die Kette von Forts, -die sich von Quebec zum Mississippi -- am Ontario- und Eriesee, sowie am -Ohio und seinen Nebenflüssen entlang -- ziehen sollte, in den Jahren 1749 -bis 1754 weitergeführt und ausgebaut. Es würde zu weit führen, näher auf -die beiderseitigen Maßnahmen sowie auf die dabei vorgekommenen kleineren -Zusammenstöße einzugehen; von ihnen soll aber derjenige erwähnt werden, -der Frankreich für den Augenblick zum Herrn im Ohiotale machte und zum -Ausbruch des offenen Krieges führte. Bei ihm tritt auch zum ersten Male -=Washington= in der Geschichte auf. - - $Der erste Zusammenstoß im Ohiotale 1754.$ Im Jahre 1753 hatten sich - die Verhältnisse bereits soweit zugespitzt, daß die englische Regierung - gestattete, dem Eindringen der Franzosen in das Ohiogebiet mit Gewalt - entgegenzutreten. 1754 führte der =Milizmajor Washington= etwa 500 Mann - mit einigen Kanonen vor, um den Bau eines Forts der Ohiokompagnie am - Zusammenfluß des Alleghany und des Monongahela zu schützen, wo jetzt - =Pittsburg= liegt. Ehe er aber eintraf, hatten die Franzosen den Platz - überfallen und sich dort festgesetzt (Fort Duquesne). Sie sandten dann - Washington eine Abteilung mit der Forderung entgegen, das von - Frankreich beanspruchte Gebiet zu räumen; es kam zu einem Gefechte, in - dem der französische Führer fiel und 21 seiner Leute gefangen wurden. - Washington verschanzte sich nun in der Hoffnung auf Verstärkung, wurde - aber vom Fort Duquesne aus durch 600 Kanadier nebst 100 Indianern - angegriffen und am 3. Juli zur Übergabe gezwungen. - -Nach diesem Ereignis, das in ganz Europa Aufsehen erregte, war an einen -friedlichen Austrag der Streitigkeiten nicht mehr zu denken. =England= -brach zwar die Verhandlungen noch nicht ab, rüstete aber stark zur See, -und auf sein Betreiben faßten die nordamerikanischen Kolonien zum ersten -Male den Plan einer Bundesverfassung sowie ein gemeinsames Vorgehen in -ihrem Hinterlande ins Auge. Ende 1754 sandte die Regierung den =General -Braddock= mit zwei Regimentern nach Virginia. =Frankreich= tat zunächst -noch nichts, da die Kassen leer waren; man empfand aber wohl, daß Kanada -den vereinten englischen Kolonien nicht gewachsen[93] war und suchte -durch Fortführung der Verhandlungen Zeit zum Rüsten zu gewinnen. - - [93] Kanada zählte 1756 ungefähr 80000 Weiße gegen 425000 in den - Neuenglandstaaten, 457000 in den mittleren und 283000 in den - Südstaaten. Die letztgenannten kamen allerdings bei einem Kriege - nicht in Betracht, da sie der starken Negerbevölkerung wegen keine - Milizen ausrücken lassen konnten. In den mittleren Staaten lebten - gegen 70000, in den südlichen gar 178000 Farbige, in den - Nordstaaten nur 11000. - - =Frankreich= erbot sich im Januar 1755, die Verhältnisse dem Aachener - Frieden (1748) gemäß herzustellen, =England= verlangte den Utrechter - Frieden (1713) als Grundlage. Ersteres erklärte sich im Februar bereit, - auch das Ohiogebiet preiszugeben; ernst war es ihm jedoch kaum damit, - denn gleichzeitig wies es seinen Gouverneur an, die englischen Forts am - Kennebec zu nehmen. Die englische Regierung, die dies wußte und zum - Bruche entschlossen war, forderte jetzt, im März, daß Frankreich das - Ohiogebiet räume, die Forts am Niagara schleife, die Neutralisierung - des Ontario-, Erie- sowie des Champlainsees und auch des Südufers des - St. Lawrencegolfes bewillige, endlich den noch strittigen nördlichen - Teil von Neubraunschweig abtrete. Darauf konnte Frankreich nicht - eingehen, setzte aber die Verhandlungen noch fort. - -Der offene Krieg brach in Amerika bald aus. =Braddock=, der im Februar -1755 gelandet war, stellte im April im Verein mit den Gouverneuren der -wichtigsten Kolonien einen Kriegsplan auf, nach dem der Gouverneur von -Neuschottland die Gebiete bis zum Lawrencegolf besetzen, die Milizen von -New York und New Jersey, Crown Point (Fort St. Frederic, am Südende des -Champlainsees) nehmen, und der schon aus dem vorigen Kriege bekannte -Gouverneur von Boston, =Shirley=, Fort Niagara (an der Mündung des -Niagara in den Ontariosee) angreifen sollte, während Braddock mit der -Hauptmacht sich die Unterwerfung des Ohiogebietes vorbehielt. In -=Akadien= glückte der Plan. Im Juni wurden die französischen Forts auf -der Landzunge genommen und 7000 Einwohner, die den vollen Untertaneneid -verweigerten, unter Beschlagnahme ihres Eigentums, sowie ohne jede -weitere Fürsorge gewaltsam nach südlicheren Kolonien geschafft. -=Braddocks Zug= gegen das Fort Duquesne schlug jedoch völlig fehl; er -fiel am 9. Juli in einen Hinterhalt und kam mit einigen hundert Mann ums -Leben; ohne Washingtons Geschick wären alle verloren gewesen. - -Inzwischen hatten auch die Franzosen Unterstützung erhalten. Im Mai 1755 -hatte ein Geschwader unter =Dubois de la Motte= Truppen unter dem -deutschen General =Baron Dieskau= (mit ihm kam als neuer Gouverneur =de -Vaudreuil= nach Kanada) nach Louisbourg und Quebec gebracht, ohne daß das -englische Geschwader unter Boscawen es hatte hindern können. Diese -Verstärkung vereitelte auch die beiden anderen Vorstöße. =Der Zug gegen -Crown Point= war zwar vorgedrungen und hatte am oberen Hudson sowie am -Lake George Befestigungen angelegt, dann aber trat ihm Dieskau entgegen. -Zwar erlitt dieser eine Niederlage, in der er selber fiel, aber auch die -Engländer wurden so geschwächt, daß sie stehen blieben und nur ihr Lager, -Fort William Henry am Lake George, ausbauten. Infolgedessen kam auch =der -Zug gegen Fort Niagara= zum Stillstand. Hier hatte man den Ontariosee -erreicht, begnügte sich aber nun damit, die dort befindlichen englischen -Stationen, Oswego und Ontario, zu verstärken. - -=Frankreich= hatte sich also 1755 außer in Akadien überall behauptet, -obgleich es nur 2800 Reguläre und 5000 Milizen gegen 15000 Mann, worunter -etwa 7000 Reguläre, ins Feld führen konnte. - - Trotz alledem ward der Krieg noch nicht erklärt. In =England= erwog man - wiederum, ob nicht in den Kolonien bei weiterem Wachsen ihrer Macht - Selbständigkeitsgelüste auftreten würden. =Gouverneur Shirley= erklärte - aber, eine Vereinigung der Kolonien sei bei der Verschiedenheit der - Verfassung, der Interessen sowie der Stimmung in den einzelnen - unwahrscheinlich, auch könnten derartige Bestrebungen leicht durch die - Besatzungstruppen niedergehalten werden; es gelang ihm, die Regierung - zur Vertreibung der Franzosen aus Kanada zu bestimmen. =Shirley= - erhielt nun die oberste Leitung sämtlicher Milizen und faßte den - =Plan=, 1756 Quebec von zwei Seiten anzugreifen, sowie gleichzeitig - alle vorgeschobenen Forts der Franzosen im Westen zu nehmen. Die Mittel - der Kolonien würden jedoch hierzu trotz ihrer Wohlhabenheit und starken - Bevölkerung nicht hingereicht haben; den Milizen mangelten Übung und - gute Offiziere. In England zweifelte man auch an der Befähigung - Shirleys als Führer; man rief ihn deshalb unter dem Vorwande ab, seinen - Rat nötig zu haben, und ersetzte ihn 1756 durch den =Earl of Loudoun=. - Dieser sollte, unabhängig von den Gouverneuren, den Befehl über - sämtliche Streitkräfte übernehmen, aber auch die Eigenwilligkeit der - Kolonien brechen. Zu diesem Zweck erließ man Verfügungen, die in - bestehende Vorrechte eingriffen. Anderseits brachte Loudoun eine - Million Lstrl. mit, um den Kolonien die Kosten des Krieges 1755 zu - ersetzen, sowie Mittel und Offiziere zur Errichtung zweier königlicher - Regimenter. - - =Frankreich= hatte zwar nach dem Auftreten des Admirals Boscawen im - Juli 1755 die Verhandlungen abgebrochen, verhielt sich aber sonst doch - friedlich und ergriff nicht einmal Gegenmaßregeln, als England überall - französische Schiffe aufbrachte. Aber nach Nordamerika sandte man doch - Verstärkungen; im April 1756 traf General =Marquis de Montcalm= mit - drei Fregatten und drei Flüten dort ein, die 1500 Mann nebst - Kriegsmaterial und Geldmitteln erhielten. Der neue Oberbefehlshaber - fand ungünstige Verhältnisse vor. Der Feldzug hatte die Kolonie - erschöpft, da die Milizen der Bestellung der Felder entzogen gewesen - waren; zwischen diesen tüchtigen, aber wenig disziplinierten Kriegern - und den Regulären herrschte schlechtes Einvernehmen; die Beamten der - Kolonie wirtschafteten unredlich. - -$Das Jahr 1756$ brachte für England nur weitere Rückschläge. =Loudoun= -zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Statt schleunigst zu handeln, -lag er mit 10000 Soldaten und 7000 Milizen untätig in Albany. Die -englischen Seestreitkräfte waren nur schwach; die von Boscawen -zurückgelassenen Schiffe unter =Kommodore Spry= kreuzten zwar in den -Gewässern bei Louisbourg, es gelang ihnen aber nicht, die französischen -Schiffe mit Verstärkungen zu fassen. Der französische Oberbefehlshaber, -=Montcalm=, war dagegen sehr tätig. Von den Forts Crown Point, Frontenac -(am Niagara) und Niagara aus beunruhigte er die vorgeschobenen englischen -Posten und deren Rückverbindungen; er nahm sogar Oswego sowie Ontario, -wobei 1640 weiße Soldaten nebst 113 Kanonen und große Vorräte in seine -Hände fielen. So faßte er festen Fuß am Ontariosee und bereitete weitere -Angriffe vor, während verbündete Indianer die englischen Grenzgebiete -verwüsteten. - -Jetzt wäre es für Frankreich an der Zeit gewesen, Kanada mit aller Kraft -zu unterstützen, aber man hatte in Paris mehr Vorliebe für Pläne gegen -England in Europa und für den Krieg in Deutschland. Ganz ohne Erfolg -blieben Montcalms Bitten um Hilfe indessen nicht. Bekanntlich gelang es -im Frühjahr 1757 drei französischen Geschwadern mit Truppen und Material, -die Blockade zu brechen. =Bauffremont= traf am 23. Mai mit 4 -Linienschiffen, =Durevest= am 25. mit 4, und =Dubois de la Motte= am 19. -Juni mit 9 in Louisbourg ein; von nun an waren die französischen -Seestreitkräfte den englischen stets gewachsen, zuzeiten überlegen. -Dubois verfügte im Juni über 18 Linienschiffe und 5 Fregatten, während -die Engländer erst im Juli, nach Eintreffen einer Verstärkung, 15 -Linienschiffe zählten. - -$Der Hauptplan Loudouns für 1757$ ging denn auch durch die Überlegenheit -der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen -die Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt, -aber er hatte einen =Angriff auf Louisbourg= vorgeschlagen und dafür die -Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von New -York, Kontreadmiral =Sir Charles Hardy=, zum seemännischen Führer des -Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, aber -erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin französische -Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte das -Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit Exerzitien -und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte -Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man -Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu -gehen, so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall. - -Es fällt auf, daß =Dubois= diese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits -anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit -wieder den gemessenen Befehl, »Louisbourg nur zu verteidigen; die -feindlichen Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen -sei, daß der Erfolg unbedingt sicher stände«; er hatte außerdem viele -Kranke auf seinen Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich -die Verstärkung unter Vizeadmiral =Francis Holburne= ein, der den -Oberbefehl zur See übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der -Gegner erkunden und daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August -eingeschifft, um sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von -Louisbourg, zu landen. Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die -höhere und richtigere Angaben über die Stärke der Franzosen enthielten, -sah man doch von dem Unternehmen ab; die Truppen wurden wieder -ausgeschifft und teilweise nach New York zurückgeführt. - -=Auf den anderen Kriegsschauplätzen= brachte das Jahr 1757 den Engländern -nur Verluste. =Montcalm= hatte schon im Winter versucht, sich des Forts -William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und im August gelang es ihm, -dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die Operationen ein, da -er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, und da unter den -Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die Franzosen Herren -des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch nach Aufgabe des -Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes zu -leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten -Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige -Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die -englische Flotte bald heimsegelte. - -=Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm gelitten.= Er war am 26. -August vor Louisbourg erschienen, um in Person die Verhältnisse zu -erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois Miene machte, -herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von 4 Linienschiffen -vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe -brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um Dubois -durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber als die -Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg stand, -kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; die Flotte -wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach Norden -gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte -und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral -sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden; -er folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in -Halifax, die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im -Oktober auch =Admiral Dubois= die Station, er entging dem -Blockadegeschwader Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den -Gesundheitszustand auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er -nach seiner Ankunft 4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine -Epidemie ausbrach, die täglich 50-80 Opfer forderte. - -$England erobert Louisbourg 1758.$ In diesem Jahre wandten sich die -Verhältnisse zugunsten Englands: als =Pitt= ans Ruder gelangt war, der -gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die -englische Kriegführung. - - =Pitt= änderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun - wurde abberufen; alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten - Maßregeln wurden aufgegeben; den Milizoffizieren bewilligte man - gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt Kriegssteuern zu fordern, - ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung der Kosten so - viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. -- Pitt wandte sich mit - Erfolg an die Vaterlandsliebe der Kolonisten. - -=Pitt= entwarf mit =Benjamin Franklin=, der sich gerade in England -aufhielt, einen =Kriegsplan=: Mit einer Hauptmacht, einer starken Flotte -unter Admiral =Boscawen= nebst 12000 (14000?) Mann Landungstruppen, -sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, eine weitere -Expedition unter General =Abercromby= gleichzeitig gegen Crown Point und -eine dritte unter =John Forbes= gegen Fort Duquesne vorgehen. Die Kräfte -der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf 50000 Mann, Reguläre und -Milizen, veranschlagt. Aber auch =Frankreich= hatte in den Wintermonaten -Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen segelten 4 voll armierte -Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten ausgerüstete Linienschiffe, -sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie mit Truppen und -Vorräten nach Louisbourg und Kanada. - -Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England -auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000 -Soldaten, mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich -7000 Verteidiger insgesamt; =Montcalm= verfügte in Kanada über 6000 -Reguläre und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen -verteilt waren, sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr -angriffsweise vorgehen und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe -oder Friedensschluß für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere -Verstärkungen senden, aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der -Rhede von Ile d'Aix am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch -verlor Montcalm den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: »Wir -werden fechten und uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.« --- Trotz der üblen Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff -auf Louisbourg vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg -erzielt. - - $Die Einnahme von Louisbourg[94] 1758.$ Lage sowie Befestigungen der - Stadt sind bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt - besser im Stande als damals, besonders auf der Seefront, aber der - Gouverneur, Kapitän zur See =Chevalier Drucourt=, verfügte nur über - 3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen 5 Linienschiffe, davon - 3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier kleineren - Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe - hinter der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu - verankert. Die letzte Abteilung der obenerwähnten Verstärkung, Kapitän - =Du Chaffault=, war angelangt, als der Hafen schon gesperrt war; er gab - die für die Festung bestimmten Truppen sowie Vorräte ab und ging nach - Quebec weiter. - - [94] Nach Clowes III, Seite 183; Lacour I, Seite 361; Troude I, - Seite 369. - - Die englische Expedition unter =Admiral Boscawen= hatte im Februar - Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige - leichtere Schiffe sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit - 12000 Mann Landungstruppen. Diese befehligte Generalmajor =Jeffrey - Amherst=, unter ihm stand als Brigadegeneral =James Wolfe=, der spätere - Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch Sturm teilweise versprengt, - fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht wieder - zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen, - erst am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter - heftigem Feuer; an zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht, - an einer dritten setzte Wolfe Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote - kenterten und ihre Besatzungen teilweise ertranken und obwohl fast alle - Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten den Feind mit dem - Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle Truppen - ausgeschifft; -- zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die - Verbindung mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen. - - Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man - auch die Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe - hinter der Sperre belästigte die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde - das stärkste von ihnen in Brand geschossen, flog auf und entzündete - noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ Boscawen die beiden - letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen Feuers der - Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das - andere zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur - Entscheidung. Als Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in - den Hafen einzudringen, trat =Drucourt= in Verhandlungen ein und - übergab am 27. Juli die fast in Trümmern liegenden Befestigungen[95]; - gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, 1200 lagen krank. - Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden - kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner - der Stadt (wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich. - Die Engländer sollen nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist, - daß es einem französischen Freibeuter gelungen war, während der - Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch wieder zu verlassen. - - [95] 1760 zerstörten die Engländer die Befestigungen von Louisbourg - vollständig; sie sind nicht wieder erbaut, aber noch kenntlich. - -Mit Louisbourg fiel die ganze Insel =Kap Breton= und auch die -benachbarte, =St. Jean= (englischerseits später =Prince Edwards Insel= -benannt), und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes -offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein -Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der -Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch -vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil der -=General Amherst= durch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby zu -dessen Unterstützung abgerufen wurde. =Admiral Boscawen= ließ nach dem -Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen auf den -Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig zerstören, -die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen -Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile -der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter Kontreadmiral -=Durell= in Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der aus -Kanada heimkehrenden Division =Du Chaffault= zusammenstieß, ist bereits -erzählt (Seite 146). - -=Auf dem Landkriegsschauplatze 1758= hatte =General Abercromby= 15000 -Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George zusammengezogen, um Fort -Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordende dieses Sees, sowie -dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg nach Montreal zu bahnen. -=Montcalm=, der sich persönlich in Carillon befand, war zwar nur ein -Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen der Engländer auf dem -Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, diesen im Juli eine -Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig abzuschlagen, daß -sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter wagten. Nur -einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, 3000 Mann, -war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte Fort -Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten und mußte -sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg zog den -Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz auf -Frontenac angewiesen war. Brigadier =Forbes=, der Duquesne angreifen -sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren und -war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; von -Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte er -=Washington= mit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen und -aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg -benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst -übernahm den Oberbefehl an seiner Statt. - -$England erobert Quebec, 17. September 1759.$ Der teilweise Mißerfolg des -Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das -Parlament bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde -eine neue starke Flotte unter =Vizeadmiral Sir Charles Saunders= mit -Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem -Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien -alle ihre Kräfte auf. General =Stanwix= wurde mit der Unterwerfung des -Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; Brigadier -=Prideaux= erhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen; =Amherst= wies man -an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen; =Wolfe= sollte, -unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. -- =Montcalm= sah -jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach -Louisiana zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat, -was in seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee -mit 2000, die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000 -Mann Quebec zu verteidigen. - - =Montcalms= Bitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in - Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege - beschäftigt. 1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen - Freibeutern gelang es, 600 Rekruten sowie wenige Vorräte - hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, der König - sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern - gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände - fallen oder, falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada - steigern. - -Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall Erfolg. -Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherst nötigte -seinen Gegner, =Bourlamagne=, Carillon sowie Crown Point zu räumen; dann -allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am Flusse -Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe -nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des -Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen. - - $Die Einnahme von Quebec 1759.$ Das Gros der Flotte unter Admiral - =Saunders= hatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige - Schiffe unter =Kontreadmiral Holmes= bereits im Januar gesegelt waren, - um in Halifax Vorbereitungen für die Expedition zu treffen; diese - sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß der Schiffe Durells, - die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte 20 - Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander - und Mörserboote sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte - General =Wolfe= über 10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien - Artillerie; insgesamt 9200 Mann. Am 1. Juni ging die Expedition nach - dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die Insel Bic, etwa 120 - Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die Division =Durell=, - die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß - eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der - Insel Condres, etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell - zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe (wahrscheinlich die - schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß - abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen - Linienschiff (64 Kanonen) und führte die Flotte bis zur Insel - d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den Fluß in zwei Arme - teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen. - - =Montcalm= hatte zwar die Bojen und Marken des Fahrwassers entfernen - lassen, sonst aber nichts getan, um dem Gegner an geeigneten Stellen - entgegenzutreten, obgleich Brander und Kanonenboote vorbereitet waren. - Die Stadt, am linken Ufer gelegen, wurde nur durch die Zitadelle und - vor allem durch ein verschanztes Lager auf ihrer Nordostseite - verteidigt; das rechte Ufer war unbesetzt gelassen. Das Lager, in dem - fast das ganze französische Heer, 14000 Mann, stand, konnte der steilen - Ufer wegen vom Flusse her nicht angegriffen werden, auf der anderen - Seite war es durch die Täler der Flüsse Montmorency sowie St. Charles - gesichert; in dem letzteren lagen zwei armierte Hulks zur Verbindung - mit der Stadt. Zwischen Montcalm und dem Gouverneur =Vaudreuil=, einem - Seeoffizier, bestanden andauernd Zwistigkeiten. Montcalm wünschte - Maßregeln für einen etwaigen Rückzug zu treffen, Vaudreuil hielt dies - mit der Begründung für unnötig, daß der Gegner höchstens einige Häuser - der Stadt zerstören könne, wenn die ganze französische Macht vereinigt - sei. So waren außer dem Lager nur die Zitadelle und mehrere Punkte - stromaufwärts der Stadt besetzt, die zu einer Landung geeignet - schienen. - - Nach der Landung legte =Saunders= einige Linienschiffe und Fregatten - weiter stromauf der Stadt gegenüber an das rechte Ufer und =Wolfe= - landete dort (bei Point Levis) Soldaten. In der Nacht zum 29. Juni - schickten die Franzosen 7 Brander und Brandflöße gegen die Flotte, doch - diese hatte Vorbereitungen getroffen, und die gefahrdrohenden Fahrzeuge - wurden durch Boote unschädlich gemacht; ebenso mißlang den Franzosen am - 1. Juli der Versuch, mit schwimmenden Batterien die bei Point Levis - Gelandeten zu vertreiben. Der Angriff wurde durch das Feuer der dort - liegenden Schiffe abgewiesen. Wolfe baute hier eine Batterie, und in - wenigen Tagen lag der größte Teil der Stadt in Trümmern. Die - hochgelegene Zitadelle war aber nicht unter wirksames Feuer zu nehmen - und ein Sturm auf die Stadt der steilen Ufer wegen ausgeschlossen; - Montcalm ließ sich nicht herauslocken und wartete, daß sich der Feind - eine Blöße gäbe. Wolfe legte nun Batterien am Montmorency an und - beschoß von dort das Lager, doch auch dies blieb ohne Erfolg und zum - Sturm fand sich keine geeignete Stelle. Man sandte einige kleine - Schiffe an der Stadt vorbei, aber ein Landungsversuch dieser ward - abgeschlagen, ebenso ein endlich am 31. Juli doch unternommener Sturm - am Montmorency. Die Angreifer kamen nicht vorwärts, und die Zuversicht - der Verteidiger wuchs so, daß man 3000 von ihnen unter dem fähigsten - Offizier, =de Levis=, nach Montreal sandte, um Bourlamagne zu - verstärken. Montcalm hoffte jetzt, seine Stellung halten zu können, bis - die Herbststürme den Feind zum Abbruch der Belagerung nötigten; er - wurde in seiner Hoffnung durch die Nachricht bestärkt, daß Wolfe - fieberkrank daniederläge. - - Aber dieser dachte nicht an Rückzug. Weitere Erkundungen oberhalb der - Stadt wurden vorgenommen und eine derselben, von ihm in Person - geleitet, ließ einen zum Landen geeigneten Punkt im Westen der Stadt - finden. Die Flottille stromaufwärts wurde nun verstärkt und in der - Nacht des 4. September sandte man soviel Soldaten dorthin, als die - vorhandenen flachen Fahrzeuge sowie alle entbehrlichen Schiffsboote der - Flotte fassen konnten; um den Feind zu täuschen, setzte man in den - nächsten Tagen die Erkundungsfahrten fort. In der Nacht vom 12./13. - drangen dann die Boote weiter den Fluß hinauf vor und lockten dadurch - die zur Verteidigung des Ufers bestimmten Franzosen unter - =Bougainville=[96] mit sich. Eine Stunde vor Tagesanbruch aber wendeten - sie plötzlich und ruderten mit aller Kraft, jetzt unterstützt durch die - Strömung und die Ebbe, so schnell stromab zu dem beabsichtigten - Landungspunkte, daß die Franzosen am Ufer nicht folgen konnten. Mit - Tagesanbruch wurde unter Wolfes Führung gelandet, die Wache - überrumpelt, das steile Ufer erstiegen und oben eine kleine Batterie - genommen; bald standen die Engländer auf der Höhe vor den Toren der - Stadt. Jetzt erst erfuhr Montcalm, was geschehen war. Er eilte mit - einigen Truppen über den Charlesfluß herbei und sandte Befehl an - Bougainville, den Gegner im Rücken anzugreifen. Aber dieser konnte - seine Leute nicht schnell genug sammeln und Vaudreuil hielt den - größeren Teil des Heeres im Lager zurück, da die englische Flotte mit - den Seesoldaten in den noch vorhandenen Schiffsbooten eine - Scheinlandung am Montmorency unternahm. - - [96] =Louis Antoine de Bougainville=, später als Seefahrer berühmt, war - ursprünglich Jurist und 1755 Gesandtschaftssekretär in London; bei - Quebec Adjutant Montcalms; 1763 Kapitän zur See, umsegelte er - 1766-1769 die Erde und entdeckte den Salomons- sowie den - Bismarckarchipel; diente im nordamerikanischen Befreiungskriege - als Chef d'Escadre und wurde 1791 Lieutenant-Général. Während der - Revolution zog er sich zurück; er wurde von Napoleon zum Senator - ernannt und starb 1811. - - So hatte Montcalm um 10 Uhr vormittags nur 4500 Mann zur Verfügung; er - griff dennoch Wolfe an, um ihm keine Zeit zur Verschanzung sowie zur - Verstärkung zu lassen. Aber trotz der Tapferkeit des Generals und - seiner Offiziere schlugen die Engländer den Angriff ab; =Montcalm= - selber ward tödlich verwundet, der nächstälteste Offizier fiel und die - an den Kampf im offenen Gelände nicht gewöhnten Kanadier wichen in - Stadt und Lager zurück. Bei der herrschenden Verwirrung hätten die - Engländer mit kräftigem Nachdringen wohl das Lager nehmen können, aber - jetzt erschien Bougainville, und auch bei ihnen ging die Oberleitung - verloren, da =Wolfe= sowie dessen Nachfolger gefallen waren. - Bougainville war aber allein zu schwach zum Angriff, so daß sich die - Engländer in ihrer Stellung verschanzen und die Verbindung zwischen - Lager und Stadt durch den Bau einer Batterie unterbrechen konnten. - - =Vaudreuil= gab nach einem Kriegsrate Lager und Stadt auf und zog sich - auf Montreal hin zurück. In Quebec blieben nur 1700 Mann mit dem - Befehl, sich nach Erschöpfung ihrer Vorräte zu ergeben. Dies geschah - schon am 17. September, als die Engländer Miene machten, die - Beschießung vom Lande und von der Flotte aufzunehmen. Den Einwohnern - der Stadt sowie den Milizen war Erhaltung ihres Besitzes und - Religionsfreiheit zugesichert; nur die Soldaten wurden kriegsgefangen. - Vaudreuil traf auf seinem Marsche bald =de Levis=, der nach der Kunde - von dem Geschehenen stehen geblieben war. Dieser übernahm nun den - Oberbefehl und führte das Heer zum Entsatze Quebecs heran, ging aber - nach Montreal zurück, als er die Übergabe der Stadt erfuhr. - -Nach dem Falle Quebecs ging =Saunders= mit der Flotte nach England heim; -nur 5 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und Sloops verblieben unter -Kommodore =Lord Colville= in den amerikanischen Gewässern. Als die Flotte -den Lorenzstrom verlassen hatte, entschlüpften einige französische -Freibeuter, die sich vor der Belagerung stromaufwärts der Stadt verborgen -hatten. Diese brachten die Nachricht von den Ereignissen mit neuen Bitten -um schleunigste Hilfe nach Frankreich. - -$Letzter Kampf um Kanada. Montreal fällt 1760.$ General =de Levis=, der -nach Montcalms Tode den Oberbefehl übernahm, gab trotz der verzweifelten -Lage den Kampf nicht auf. Er zog alle verfügbaren Truppen bei Montreal -zusammen und beunruhigte von dort aus während des Winters die englischen -Posten. Im Frühjahr 1760 machte er sogar den Versuch, Quebec wieder zu -nehmen, da hier nur 3000 Engländer unter =General Murray= lagen. Er -führte 5000 Mann[97] auf Fahrzeugen verschiedener Art den Fluß hinunter, -landete etwas oberhalb der Stadt, schlug die Gegner zurück und schloß sie -ein. Dieser Erfolg wurde nur durch die Unentschlossenheit des Feindes -ermöglicht. Englischerseits hatte man geplant, die Franzosen in Montreal -zu erdrücken: Amherst sollte mit 11000 Mann vom Champlainsee vorrücken, -ihm zur Seite Oberst Havyland mit 5000 Mann und Murray von Quebec aus; -Colvilles Geschwader sollte wieder nach Quebec gehen, sobald die -Jahreszeit es erlaubte. De Levis war ihnen zuvorgekommen; die Stadt stand -schon vor dem Fall, als endlich am 15. Mai die ersten Schiffe eintrafen -und sofort den Kampf gegen die französischen Belagerungsbatterien -aufnahmen. - - [97] Nach Zimmermann, der wohl nur die regulären Soldaten zählt, denn - englische Angaben sprechen von 14000 Mann. - -Jetzt mußte de Levis nach Montreal zurück, er verstand es aber, noch -monatelang die Wege dorthin zu verteidigen. =Amherst= hatte nicht die -gerade, kaum noch streitig gemachte Straße nach Montreal eingeschlagen, -sondern war zum Ontariosee marschiert, auf dem man im Winter eine -Flottille von Segelkuttern und Ruderfahrzeugen gebildet hatte. Er nahm -hier und bei dem Vordringen flußabwärts nach und nach die letzten kleinen -französischen Posten und langte erst am 7. September vor Montreal an. Am -selben Tage erschienen auch =Havyland=, der Bougainville hatte -zurückdrängen müssen, und Murray, der nur langsam, von kleinen -Kriegsschiffen unterstützt, flußaufwärts hatte herankommen können. Jetzt -war allerdings das Schicksal der Franzosen entschieden. =De Levis= wollte -es zwar noch auf einen Kampf ankommen lassen, mußte sich aber auf -Vaudreuils Befehl am 8. September ergeben. Bald darauf fielen auch die -letzten Posten Frankreichs am Eriesee und Colvilles Schiffe säuberten den -St. Lawrencegolf von französischen Freibeutern, die noch zahlreich in den -verschiedenen Buchten gelegen hatten. Die Beamten und Offiziere Kanadas -mit ihren Angehörigen, sowie die Soldaten wurden nach Frankreich -geschafft; gegen 500 der angesehensten Ansiedler folgten ihnen, und -England begünstigte deren Abzug. =Kanada war für die Franzosen -verloren=[98]. - - [98] Ein abenteuerlicher Versuch Frankreichs, 1762 nochmals in - Neufundland Fuß zu fassen, soll zu Ende des »Kleinen Krieges« - geschildert werden. - - In Frankreich erregte der Verlust Kanadas die größte Empörung. Das Volk - wußte nicht, daß die Regierung schon lange damit gerechnet hatte; es - fühlte nur die Schmach und den Schmerz über die nutzlosen Opfer. Der - Hof beschloß deshalb, was schon früher hätte geschehen müssen, die - pflichtvergessenen Beamten zur Rechenschaft zu ziehen. Vaudreuil sowie - der Intendant und zahlreiche Beamte kamen in die Bastille; sie wurden - später verbannt oder sonst bestraft, auch mußten sie 11-1/2 Millionen - veruntreuter Gelder ersetzen. Frankreich hatte von 1749-1760 für Kanada - 123 Millionen aufgewendet; von 40 Millionen, die man der Kolonie - schuldig war, wurden nur 12 zurückgezahlt. Die Tapferkeit der Offiziere - dagegen fand Anerkennung; viele von ihnen fanden später noch eine - ehrenvolle Laufbahn. - -=England hatte ein Hauptziel des Krieges erreicht=; der sehnliche Wunsch -der Kolonien war erfüllt, ihrer Ausdehnung stand nichts mehr im Wege. -Allerdings erklärte die Regierung das Hinterland der Neuenglandstaaten -vom Alleghanygebirge bis zum Mississippi für Kronland, während es zu -diesen Kolonien hätte geschlagen werden müssen, da nach den alten -Chartres bei Gründung der Niederlassungen stets ein Landstreifen vom -Atlantik bis zum Stillen Ozean verliehen war. Aber die Staaten brauchten -doch ihre Männer sowie ihr Geld nicht mehr für Kriege gegen die Kanadier -zu verwenden und ein großer wirtschaftlicher Aufschwung mußte die Folge -sein. Ebenso zweifellos aber war eine außerordentliche Steigerung des -Selbstgefühls dieser schon so eifersüchtig über ihre Rechte wachenden -Kolonien. Es wurden deshalb auch in England beim Friedensschlusse Stimmen -laut, die rieten, Kanada an Frankreich zurückzugeben und lieber -Guadeloupe zu behalten. Frankreich erhielt aber nur die beiden kleinen -Inseln =Saint Pierre= und =Miquelon= an der Südküste Neufundlands als -Stützpunkte seiner Kabeljaufischerei zurück; sie gehören ihm noch heute. -Ihre Kolonie =Louisiana= traten die Franzosen an Spanien ab; =von -Nordamerika war Frankreich damit ausgeschlossen=. - -$Westindien 1755-1757.$ Dieser Kriegsschauplatz bietet in den ersten -Jahren des Krieges wenig Bemerkenswertes, obgleich auch hier schon bald -nach dem letzten Friedensschluß Streitigkeiten eintraten, so zunächst um -=die neutralen Inseln=. - - Wie bereits erwähnt, hatte man 1730 die Inseln Tabago, Sta. Lucia, St. - Vincent und Dominica als neutral erklärt. Beim Friedensschluß 1748 - erhielt Frankreich das Besitzrecht auf Sta. Lucia, wurde aber von - England stets gedrängt, die Insel wieder aufzugeben; anderseits machten - die Franzosen schon 1748 den Versuch, von Martinique aus Tabago zu - besetzen und zu befestigen, den sie nur auf ernstliche Vorstellungen - Englands unterließen. Im Frieden 1763 erhielt Frankreich aufs neue Sta. - Lucia zugesprochen, während die drei anderen neutralen Inseln an - England fielen; ebenso das bisher französische Grenada; Sta. Lucia kam - erst 1814 endgültig an England. - -Besonders eifersüchtig aber war England auf das Aufblühen der -französischen Inseln in den letzten Jahren, so daß =Frankreich= wohl auf -Angriffe gegen diese beim Ausbruch des Krieges gefaßt sein mußte. Es -wurden deshalb überall die Befestigungen verstärkt und neue angelegt. -1755 stellte man auf allen Inseln Miliz- und Negertruppen auf und rüstete -Kaperschiffe aus; um dem Mangel an Nahrungsmitteln vorzubeugen, wurden -die Häfen neutralen Schiffen geöffnet. Anfang 1756 sandte man von -Frankreich je ein Geschwader nach den beiden Stationen, St. Domingue und -Martinique für die Antillen, die Truppen sowie Vorräte hinausbringen und -den feindlichen Handel schädigen sollten. - -=England= dachte jedoch vorläufig noch nicht an Unternehmungen gegen die -feindlichen Kolonien; man hielt zunächst aus Besorgnis vor einer Invasion -die Seestreitkräfte in Europa zusammen. Man verstärkte zwar die beiden -westindischen Stationen (Jamaika und Barbados für die Kleinen Antillen) -aber auch nur mit dem Zwecke, den Handel des Gegners lahmzulegen und -seinen Inseln die Zufuhren abzuschneiden, in der Hoffnung, sie mit der -Zeit auszuhungern. - -Somit führte man nur den Kleinkrieg, denn keine Partei war zu größeren -Unternehmungen genügend stark. Aber auch in diesem war keine -ausgesprochen im Vorteile; wahrscheinlich litt England mehr, wie wir es -meistens bei Beginn der Kriege gesehen haben. Wenn auch die Engländer -viele Kauffahrer abfingen, so sorgten doch Holland und Spanien für die -Einfuhr und Ausfuhr der französischen Inseln, und das Lahmlegen des -französischen Handels wurde wenig fühlbar; anderseits fielen mehr -englische Schiffe in Feindeshand, weil Englands Schiffahrt beträchtlich -größer war als die der Franzosen und weil diese über mehr Freibeuter -verfügten. Namentlich im Jahre 1756 scheinen die Engländer in den -westlichen Gewässern schwere Verluste erlitten zu haben; die -Jamaikastation war nur schwach besetzt, und die Schiffe wurden aus Furcht -vor einem Angriff auf die Insel zusammengehalten. Außer Zusammenstößen -einzelner Schiffe kam es in den ersten Jahren nur zu einem größeren -Gefechte. - - $Seegefecht bei Le Cap[99] am 21. Oktober 1757.$ Im November 1756 war - ein französisches Geschwader unter Kapitän =de Kersaint= von 3 - Linienschiffen, 2 Fregatten und einer Korvette aus Brest über - Westafrika nach Westindien ausgelaufen und hatte nach Berühren von - Martinique im Sommer 1757 Le Cap erreicht; von hier sollte es einen - Konvoi Handelsschiffe nach Frankreich geleiten. Um dies zu hindern, - sandten die Engländer im Herbst von Jamaika den =Kapitän Forrest= mit - drei Linienschiffen zum Kreuzen vor Le Cap, Kersaint hatte aber hier - andere Schiffe vorgefunden und trat dem Gegner, wider dessen Erwarten, - am 21. Oktober mit Überlegenheit entgegen. Es standen - französischerseits 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 64, 1 zu 50, 1 zu 44 - und 2 zu 32 Kanonen gegen 1 Schiff zu 64 und 2 zu 60 englischerseits. - Als die Franzosen in Sicht kamen, rief Forrest die beiden anderen - Kommandanten zu sich an Bord und sagte ihnen: »Well, gentlemen, you see - they are come out to engage us«, worauf Kapitän =Suckling= antwortete: - »It would be a pity to disappoint them«. Dann griffen die Engländer um - 3-1/2 Uhr nachmittags an, wobei Suckling führte, und nach scharfem, - zweistündigem Kampfe mußte sich Kersaint mit seinem Schiffe durch eine - Fregatte aus dem Gefecht schleppen lassen, worauf auch die anderen - Franzosen abbrachen. - - [99] Hafenstadt an der Nordwestküste der Insel Haiti, im damaligen - französischen Teile St. Domingue und =Cap Français= genannt; jetzt - eigentlich Le Cap Haiti, oft aber nur Le Cap bezeichnet. Cap - Français war der Haupthafen für die französische St. - Dominguestation sowie Sammelplatz der französischen - Westindienfahrer vor ihrer Abreise im Konvoi nach Europa. - - Die Engländer verloren an Toten und Verwundeten 119 Mann; ihre Schiffe - waren in der Takelage so beschädigt, daß sie zum Ausbessern nach - Jamaika zurückfuhren. Die Franzosen sollen gegen 500 Mann verloren - haben; Kersaint konnte jedoch seinen Konvoi nach Frankreich führen und - hatte somit den strategischen Erfolg auf seiner Seite. Trotzdem gilt - das Gefecht bei den Engländern als eines der ruhmreichsten ihrer - Geschichte, und wohl mit Recht. Suckling war der Oheim Nelsons, und auf - seinem Schiff trat dieser ein. Als 48 Jahre später am gleichen Datum - Trafalgar geschlagen wurde, gedachte Nelson dieses Gefechtes und sah es - als eine gute Vorbedeutung an. - -$Im Jahre 1758$ brachte Pitts Einfluß auch in Westindien wie auf den -übrigen Kriegsschauplätzen durch Belebung der Tatkraft einen Umschwung -zugunsten Englands hervor. Zunächst erklärte dieses jegliche Zufuhr von -Lebensmitteln in französische Kolonien seitens spanischer oder -holländischer Schiffe für Neutralitätsbruch und handelte dementsprechend. -Zwar beschränkte man sich noch auf den kleinen Krieg, wohl weil die -Expedition gegen Louisbourg große Aufwendungen erforderte, aber man -übertraf den Gegner doch schon an Zahl der Streitkräfte. Frankreich -sandte 1758 nur insgesamt 6 Segel nach Westindien; ein größeres -Geschwader unter de La Clue wurde durch die Engländer im Mittelmeer -festgehalten. Gegen Ende des Jahres faßte man denn auch das Vorgehen -gegen die französischen Inseln ins Auge. - -$England nimmt Guadeloupe und andere Inseln 1759.$ Im November 1758 -segelten 8 Linienschiffe mit einem Transport von 8000 Soldaten nach -Barbados und traten hier im Januar 1759 unter den Befehl des =Kommodore -John Moore=, der nun über 10 Linienschiffe zu 60-80 Kanonen, 2 Schiffe zu -50 und 2 zu 44 Kanonen, sowie 4 Fregatten, 4 Sloops, 4 Mörserboote -verfügte. Am 13. Januar ging die Expedition in See und wandte sich -zunächst =gegen Martinique=, doch blieb dieser Vorstoß =erfolglos=. Am -15. ankerte die Flotte in der Bucht von Fort de France und am 16. -beschossen die kleineren Schiffe ein Fort sowie einige schwächere -Batterien an der zum Landen geeignetsten Stelle in der Bucht Cas des -navires, etwa 5 Seemeilen von der Stadt; es wurden auch 4500 Mann -gelandet. Als man aber erfuhr, daß die Stärke des Gegners einschließlich -Milizen 10000 Mann betrüge, schiffte man die Gelandeten wieder ein. Die -Flotte segelte nun vor den Hafen von St. Pierre, jedoch nur ein Schiff -ging am 19. näher heran, wohl nur zur Erkundung, und wechselte einige -Schüsse mit den Befestigungen. Dann aber ging =Moore gegen Guadeloupe= -vor und hier =mit Erfolg=. - - $Die Eroberung von Guadeloupe Januar/April 1759.$ Am 22. Januar - erschien die englische Flotte vor der Stadt =Basse-Terre=, auf - Basse-Terre, dem östlichen Teile der Insel Guadeloupe gelegen. Schon - am 23. wurden die Befestigungen durch sechs schwere Linienschiffe zum - Schweigen gebracht und am 24. legten die Mörserboote die Stadt fast in - Trümmer. Am gleichen Tage landeten die Truppen und besetzten sie, - rückten aber so langsam vor, daß die Franzosen Zeit hatten, sich in die - Berge zurückzuziehen. Es war überflüssig, die Schiffe dem Kampfe mit - den Befestigungen auszusetzen, denn man hätte gleich im Norden der - Stadt landen und diese einnehmen können, da sie nach Land zu nicht - befestigt war; noch weniger Zweck hatte die Beschießung durch die - Mörserboote. Moore ließ dann noch durch einige Schiffe am 23. Februar - =St. Louis=, auf Grande-Terre, dem westlichen Teil der Insel, nehmen, - aber der Kampf in den Bergen zog sich als Guerillakrieg noch lange hin; - die Franzosen ergaben sich erst am 23. April auf Basse-Terre und am 1. - Mai auf Grande-Terre. - -Auch dieser Erfolg wäre fast noch in Frage gestellt worden oder hätte -doch größere Opfer kosten können. Am 8. März war in Martinique der Chef -d'Escadre =de Bompart= mit 8 Linienschiffen und 3 Fregatten nebst Truppen -von Frankreich angekommen. =Moore= sah sich dadurch genötigt, mit seiner -Flotte in die Prinz-Rupert-Bucht (Dominica) zu gehen, um von hier aus die -Bewegungen Bomparts zu überwachen. Dieser wurde jedoch vom Gouverneur von -Martinique, =de Beauharnais=, der wohl für seine Insel fürchtete, sechs -Wochen lang festgehalten; als er am 23. April endlich segelte und bei -Guadeloupe erschien, war dessen Schicksal schon entschieden. Moore -versuchte vergeblich, seinen Gegner zu treffen; Bompart war sofort nach -Martinique zurückgegangen, segelte später nach St. Domingue, wo er -Truppen landete, und dann nach Frankreich zurück; hier traf er kurz vor -der Schlacht in der Quiberonbucht im November ein. - -Nach dem Fall von Guadeloupe =ergaben sich= die umliegenden kleineren -Inseln, =Marie-Galante=, =Les Saintes= und =Petite-Terre=, gleichfalls -den Engländern. Diese hatten nach Bomparts Abfahrt wieder die See frei, -waren durch die letzte Verstärkung sehr viel mächtiger geworden und -konnten mithin den kleinen Krieg mit gutem Erfolge führen. So blieb die -Lage auch 1761, wo weiter keine Ereignisse von Bedeutung vorfielen. - -$England nimmt Dominica 1761 und Martinique, sowie den Rest der -französischen Inseln 1762.$ Im Jahre 1761 verstärkten die Engländer ihre -westindischen Stationen weiter durch Schiffe -- besonders kleine -Linienschiffe, sowie 50 Kanonenschiffe und Fregatten -- und Truppen, die -in Nordamerika freigeworden waren. Der kleine Krieg gewann noch an Kraft -und von der Antillenstation aus besetzte man im April ohne jedes -Hindernis die neutrale Insel =Dominica=. Im Spätherbst trafen auch noch -Truppen von der Belle-Ile-Expedition ein. Am 22. November übernahm -Kontreadmiral =Rodney= bei den Antillen den Oberbefehl zu einem Angriff -auf Martinique. Er sandte sofort den bisherigen Stationschef, Kommodore -Douglas, mit einer Division ab, um die Insel von jeder Zufuhr -abzuschneiden, folgte mit der Hauptmacht am 5. Januar 1762 und vereinigte -sich am 7. mit Douglas bei der genannten Insel. =Am 1. März war -Martinique im Besitz der Engländer.= - - $Die Einnahme von Martinique Januar/Februar 1762.$ =Rodneys= - Streitmacht zählte 13 Linienschiffe zu 60-84 Kanonen, 4 50- und 3 - 44-Kanonenschiffe, 11 Fregatten, 5 Sloops, sowie 4 Mörserboote; auf 150 - Transportern waren gegen 14000 Mann unter General =Monkton= - eingeschifft. Bei dem schwierigen Gelände der Insel wäre es richtig - gewesen, zum Angriff auf die Stadt Fort de France, damals Fort Royal - genannt, in deren möglichster Nähe zu landen; dieser Umstand war aber - nicht genügend bekannt, und der Admiral wünschte, die Stadt ohne Kampf - mit ihren Seebefestigungen zu nehmen. Er sandte daher nur eine kleine - Division vor die Bucht von Fort de France, ließ einen Scheinangriff in - der Bucht von La Trinité machen und ging mit der Hauptmacht in die - Bucht von St. Anne. Hier wurden die schwachen Befestigungen bald - niedergekämpft und die Truppen gelandet. Nun aber stellte sich heraus, - daß der Marsch auf Fort de France sehr schwierig sein würde; man - schiffte daher wieder ein, und die ganze Flotte ging zur - Fort-de-France-Bucht. Am Vormittag des 16. Januar wurden die - Befestigungen zum Schweigen gebracht, dann landeten die Soldaten in der - Bucht Cas des Navires, 5 Seemeilen von der Stadt. Am Abend waren zwei - Drittel des Landungskorps ausgeschifft, der Rest sowie die Seesoldaten - folgten am nächsten Morgen. Gegen eine hartnäckige Verteidigung, die - jeden Fels und jeden Baum, sowie auch künstliche Hindernisse benutzte, - gelang es erst am 24., unterstützt durch die armierten Boote der - Flotte, bis an die Stadt vorzudringen. - - Am 25. begann die Beschießung der Zitadelle aus schnell aufgeworfenen - Batterien, aber erst am 4. Februar ergab sie sich. Am 13. - unterzeichnete der Gouverneur der Insel, der sich am 28. Februar von - Fort de France nach St. Pierre begeben hatte, einen Waffenstillstand - mit der Zusage, die Insel am 1. März zu übergeben, wenn er bis dahin - keine Unterstützung erhielte. Und so geschah es; ein auf dem Wege - befindliches französisches Geschwader kam 8 Tage zu spät. - -Schon während der Belagerung von Fort de France sandte =Rodney= kleinere -Divisionen gegen =Grenada= und =Sta. Lucia=, und auch diese Inseln mußten -sich ergeben. Dagegen gelang es ihm nicht, ein französisches Geschwader -abzufangen. 1762, als Spanien auf seine Seite getreten war, machte -Frankreich noch einen letzten Versuch, den Kolonien Hilfe zu bringen, und -der Chef d'Escadre =de Blenac= entschlüpfte aus Brest. Dieses Geschwader, -7 Linienschiffe und 4 Fregatten mit 7 Bataillonen, erschien am 8. März an -der Ostküste von Martinique. Das Blockadegeschwader vor Brest hatte zwar -Rodney von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis gesetzt, aber -sein Versuch, diesen zu treffen, schlug fehl. Blenac war schon am 10. -nach St. Domingue weiter gesegelt, als er sich vom Falle Guadeloupes -überzeugt hatte. - -Die Kolonie =St. Domingue= war noch allein in Frankreichs Besitz, doch -griff =Rodney= diese nicht an. Er erhielt die Nachricht vom Ausbruche des -Krieges mit Spanien, vom Eintreffen eines starken spanischen Geschwaders -in Havanna und mußte auf einen Angriff gegen Jamaika gefaßt sein. Er -warnte daher den Chef dieser Station und beorderte ihn zu einem -Zusammentreffen beim Kap St. Nicolas an der Nordwestspitze Haitis; er -wollte wohl dem neuen Gegner entgegentreten und gleichzeitig dessen -Vereinigung mit Blenac hindern. Ehe er aber selber seeklar war, traf am -26. März der Befehl für ihn und General Monkton ein, vorläufig nichts zu -unternehmen, sondern die Ankunft des Admirals =Sir George Pocock= -abzuwarten; dieser sei mit Verstärkungen unterwegs und solle ein großes, -vorläufig noch geheim gehaltenes Unternehmen führen. =Rodney= sandte nun -den Kommodore Douglas mit 10 Linienschiffen nach Jamaika, um die dortigen -Schiffe zur Vereinigung mit Pocock nach Kap St. Nicolas zu geleiten; er -schickte eine kleine Division für den Handelskrieg in die spanischen -Gewässer Mittel- und Südamerikas und erwartete mit dem Rest seiner Flotte -den neuen Oberbefehlshaber in Martinique. - -$England erobert Havanna. Juni/August 1762.$ Admiral =Pocock= traf am 20. -April in Barbados ein und übernahm am 26. in Martinique den Befehl. Er -ließ dann Rodney mit einigen Schiffen bei den Kleinen Antillen zurück und -trat am 6. Mai mit der Flotte den Marsch nach Havanna an. Diese Stadt war -das geheime Ziel; England beabsichtigte, gleich einen schweren Schlag -gegen Spanien zu führen. Nachdem Pocock am 8. Mai bei der Monastraße -einen Teil der Schiffe der Jamaikastation, die von Douglas zur -Beobachtung Blenacs dorthin abgezweigt waren, und am 23. beim Kap Nicolas -den Rest an sich gezogen hatte, zählte =seine Streitmacht=: 22 -Linienschiffe zu 60-90 Kanonen, 4 Schiffe zu 50 und 3 zu 40, 12 -Fregatten, 8 Sloops, 3 Mörserboote, Hospital- und Vorratsschiffe, sowie -zahlreiche Transporter, auf denen 15500 Mann unter dem General =Earl -George of Albemarle= eingeschifft waren; insgesamt gegen 200 Segel. - -=Pocock= wählte vom Kap St. Nicolas nach Havanna nicht den üblichen Weg -südlich der Insel Kuba, sondern den kürzeren durch den alten Bahamakanal. -Dieser ist navigatorisch für Segelschiffe schwieriger und galt damals -wegen der noch wenig genauen Karten als nicht ungefährlich, aber der -Admiral beabsichtigte, möglichst schnell und überraschend vor Havanna zu -erscheinen, sowie auch zu verhindern, daß der Stadt auf diesem Wege -Nachrichten und Unterstützung durch die Franzosen in St. Domingue -zugingen. Er benützte auf dieser Fahrt eine von Anson aufgenommene Karte, -auch sandte er Boote voraus, die gefährliche Stellen markierten. Am -Morgen des 6. Juni stand die Flotte 15 Seemeilen östlich von Havanna; die -Stadt wurde nach zehnwöchiger Belagerung genommen. - - $Die Einnahme von Havanna 1762.$ Noch am 6. Juni gab =Pocock= die - Anordnung für die Landung, die östlich der Stadt erfolgen sollte. Zu - ihrer Deckung blieb Kommodore =Keppel= mit 6 Linienschiffen und einigen - Fregatten zurück; der Admiral segelte mit der Hauptflotte vor die - Einfahrt des Hafens, in dem man 12 Linienschiffe zählte; drei waren im - Eingange versenkt. Havanna wurde nach See zu hauptsächlich durch das - starke, hochgelegene Fort Moro auf der Ostseite der Einfahrt und durch - ein Werk auf der Westseite verteidigt; nach Land zu waren die - Befestigungen nur unbedeutend. Am 7. morgens ließ Pocock durch die - Seesoldaten der Schiffe eine Scheinlandung, etwa vier Seemeilen - westlich der Stadt, ausführen, während =Albemarle= das ganze Heer sechs - Seemeilen östlich von Havanna zwischen den Flüssen Coximar und Boca Nao - landete. - - Hier fand man erst beim Vormarsch gegen Fort Moro, als man den Coximar - überschritt, Widerstand, der jedoch bald durch das Eingreifen der - Fregatten gebrochen wurde. Man begann dann sogleich mit der - regelrechten Berennung Moros. Um diese zu fördern, beschossen am 1. - Juli drei schwere Linienschiffe das Fort, mußten sich aber nach - sechsstündigem Kampfe, stark beschädigt mit einem Verluste von 42 - Toten und 130 Verwundeten, zurückziehen und das Niederkämpfen des - Forts der Belagerungsartillerie überlassen; am 30. Juli war Bresche - gelegt, und man nahm das Werk im Sturm. Nach weiterer Beschießung der - kleinen Befestigungen der Landseite, sowie der Stadt selber ergab sich - diese am 14. August. Den Engländern kostete die Belagerung 1790 Tote - und Verwundete; sie verloren außerdem viele Leute an Krankheiten in der - ungesunden Gegend bei ungünstigster Jahreszeit. - - Wegen dieses starken Verlustes wurden den Führern Vorwürfe gemacht: - =Pocock= habe die Schiffe unnötig dem Kampfe mit dem Fort ausgesetzt, - =Albemarle= ebenso unnötig das starke Werk als Angriffsobjekt gewählt, - auch ohnedies wäre die Stadt leicht zu nehmen gewesen und Moro dann von - selbst gefallen. Hervorgehoben wird das gute Einvernehmen zwischen den - Führern beider Waffen während des ganzen Unternehmens. - -Der Fall Havannas war ein Erfolg von großem, moralischem Werte Spanien -gegenüber und fügte diesem schweren Schaden zu; er brachte England aber -auch bedeutenden materiellen Gewinn. Die erbeuteten Gelder und Güter -hatten einen Wert von drei Millionen Lstrl; 9 Linienschiffe -- 5 zu 70, 4 -zu 60 Kanonen -- waren genommen, zwei noch auf Stapel liegende verbrannt; -drei nebst einer großen Galere hatten die Spanier versenkt. - -=Pocock= ging im November mit 4 Linienschiffen und einem Teil der Prisen -nach England, 5 weitere folgten etwas später mit dem Rest der genommenen -Schiffe. =Der große Krieg in Westindien war zu Ende=; zu einem -wahrscheinlich ins Auge gefaßten Angriff auf St. Domingue kam es infolge -des Präliminarfriedens vom 12. November 1762 nicht mehr. Frankreich -erhielt durch den Frieden von Paris seine Inseln bis auf Grenada zurück. -Sta. Lucia wurde ihm aufs neue zugesichert, aber die neutralen Inseln -Tabago, St. Vincent und Dominica fielen an England. Spanien bekam -gleichfalls Havanna wieder, trat aber Florida an England ab, wofür ihm -Frankreich Louisiana überließ. - -$Westafrika.$ Über dieses als Kriegsschauplatz ist nur wenig zu sagen. -Englands Hauptniederlassungen lagen am Golf von Guinea, nur wenige (zwei -Forts) an der Sierra-Leone-Küste, und in Senegambien besaß es fast gar -keinen Einfluß (ein Fort an der Mündung des Gambia). Hier war Frankreich -die vorherrschende Macht mit vielen Forts vom Kap Branco bis etwas -südlich vom Gambia; Hauptstützpunkte waren St. Louis am Senegal und Gorée -beim Kap Vert[100]. Stärkere Seestreitkräfte wurden von keinem der beiden -Länder hier gehalten; England scheint meist einige Kriegsschiffe an der -Guineaküste gehalten zu haben. - - [100] Genaueres über die Besitzungen beider Länder in Westafrika vgl. - Band I, Seite 619 ff., sowie Zimmermann, Band III, Seite 361 und - Band IV, Seite 217. - -Im Februar 1757 erschien der französische Kapitän =de Kersaint= auf -seinem Wege nach Westindien mit 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer -Korvette in den westafrikanischen Gewässern; er brachte einige englische -Sklavenschiffe auf und beunruhigte die Niederlassungen an der -Guineaküste, ein ernstlicher Angriff auf Cap Coast Castle wurde jedoch -abgeschlagen. =England= dagegen sandte 1758 kleinere Expeditionen hinaus, -um die französischen Niederlassungen wegzunehmen, und =bemächtigte sich -Senegambiens=. - - $Einnahme von Port Louis und Gorée 1758.$ Am 9. März 1758 verließ - =Kapitän Marsh= mit einem Linienschiff (64 Kanonen), einem - 50-Kanonenschiff, sowie drei kleineren zu 8, 16 und 20 Kanonen England, - erschien am 23. April vor der Mündung des Senegal, drang bei nur - geringem Widerstande durch Küsten- und Flußfahrzeuge über die Barre - nach =Port Louis= vor und zwang mit Hilfe vorher gewonnener - eingeborener Fürsten das Fort am 1. Mai zur Übergabe; mit ihm fielen - auch die anderen, weiter stromauf gelegenen Plätze. Es mutet seltsam - an, daß die Anregung zu diesem Kriegszuge von einem Quäker ausging, der - in Afrika ansässig gewesen war; dieser hatte auch die einheimischen - Fürsten gewonnen. Marsh versuchte dann im Mai vergeblich, das besser - befestigte Gorée zu nehmen. Aber schon am 28. Dezember trafen unter - Führung des Kommodore =Augustus Keppel= 3 Linienschiffe, je ein 50- und - ein 44-Kanonenschiff, verschiedene kleinere Fahrzeuge, zwei - Mörserboote, sowie Transporter mit Soldaten vor =Gorée= ein, und die - Niederlassung fiel bereits am nächsten Tage. (Näheres über diese - Vorgänge siehe Laird Clowes, Band III, Seite 186 ff.) - -Frankreich trat beim Friedensschluß Senegambien an England ab, erhielt -aber Gorée zurück. - -$Ostindien[101].$ =Ereignisse vor Ausbruch des Krieges.= Sicher bestand -nach dem Frieden von Aachen bei den Leitern der ostindischen Kompagnien -in London wie in Paris der Wunsch, neue Zerwürfnisse zu vermeiden, denn -der letzte Krieg hatte große Kosten verursacht und dem Handel sehr -geschadet. Aber die erfolgreiche Einmischung des französischen -Gouverneurs =Dupleix= in die Streitigkeiten der indischen Fürsten hatte -das frühere System der Kompagnien, von befestigten Niederlassungen aus -nur Handel zu treiben, unmöglich gemacht. Die Europäer hatten die -Überlegenheit ihrer Waffen zu gut kennen gelernt, um den indischen -Fürsten weiter nur als Bittende entgegenzutreten, und diese strebten -dahin, sich der unbesiegbaren Europäer gegen ihre einheimischen Feinde zu -bedienen. Wollten die Kompagnien also weiter Geschäfte machen, so mußten -sie Partei nehmen und ihren Freunden Waffen und Soldaten stellen. Wenn -nun die Kompagnien selbst noch in den ersten Jahren nicht miteinander im -Streit lagen, so unterstützte doch eine jede einheimische Fürsten, die -vielleicht mit den Schützlingen der anderen Krieg führten; so mußten bald -auch die Truppen der beiden Kompagnien in diese Kämpfe verwickelt werden. - - [101] Im Anschluß an Seite 97-107. -- Die Verhältnisse in Indien, die - sehr verwickelten Streitigkeiten der indischen Herrscher, in die - die englische und französische Kompagnie des eigenen Vorteils - halber eingriffen, geben wir nur soweit, als es zum Verständnis - der kriegerischen Unternehmen nötig erscheint, insbesondere, um - das Auftreten der Seestreitkräfte zu verstehen und zu würdigen. - Genaueres findet man in Zimmermann, Band III, Seite 311 und Band - IV, Seite 188 ff., wo die Geschichte der englischen und - französischen Kolonie in Indien von 1748 an fortgeführt wird. - Diese ist sehr lesenswert und man ersieht aus ihr, wie die - Kompagnien mit wenig hundert Mann Europäern und einigen tausend - Sepoys Einfluß über Staaten gewannen, deren Heere nach Zehn- ja - Hunderttausenden zählten. - -$Bis zum Jahre 1751$ zog =Frankreich= aus der Einmischung in indische -Angelegenheiten bei weitem =den größeren Vorteil=. =England= gewann zwar -1749 bei einer Thronfolgefrage im Staate Tanjore die Stadt =Devicotta=, -an der Mündung des Coleroon, etwa 30 Seemeilen südlich von Cuddalore, -aber dem Gouverneur von Pondicherry, =Dupleix=, gelang fast die -Verwirklichung seiner langgehegten Absicht, die Gründung eines -Vasallenstaats von großer Ausdehnung für Frankreich. Um das =Dekan= -- -ein Vizekönigreich des Großmogulstaats, das fast ganz Vorderindien -umfaßte und in viele kleine Gebiete, jedes unter einem Nabob, zerfiel -- -erhob sich 1749 gleichfalls ein Thronfolgestreit. Hier nahm Dupleix -Partei und wandte Politik wie Waffengewalt so geschickt an, daß sein -Schützling Sieger blieb. - -Dieser machte als Vizekönig des Dekan 1750 Dupleix zum Nabob der -Küstenstaaten von Masulipatam bis zum Kap Komorin, erweiterte das Gebiet -der französischen Kompagnie bei Pondicherry sowie bei Karikal und trat -ihr neues Land bei Masulipatam ab; auch erhielt der Gouverneur selber -reichen Landbesitz als Eigentum. Der Vizekönig huldigte ihm sogar am 26. -Dezember 1750 in Pondicherry, und sein Nachfolger dehnte 1751 durch ein -weiteres Zugeständnis die französische Macht an der Orissaküste aus. -Dupleix beherrschte tatsächlich den ganzen Süden Vorderindiens, da er als -mächtiger Nabob beratende Stimme in allen wichtigen Angelegenheiten -besaß, und da der Vizekönig wie die meisten anderen Nabobs seiner Hilfe -ihre Stellungen verdankten. Mit nur 800 Mann Europäer und 3000 Sepoys -hatte Dupleix seinen Einfluß über 35 Millionen Inder zur Herrschaft -gebracht; die Engländer waren an der Ostküste Vorderindiens lahmgelegt, -ihre völlige Austreibung schien nur noch eine Frage der Zeit. - -$Bis zum Jahre 1755$ gingen diese =Errungenschaften Frankreichs= jedoch -=wieder verloren=. Die Stellung Dupleix' und seines Verbündeten war nicht -fest genug, als sich 1751 England unmittelbar einmischte und in =Robert -Clive=[102] ein ebenbürtiger Gegner für Dupleix erwuchs. Der Vizekönig -besaß noch nicht die volle Herrschaft im ganzen Dekan; er hatte im Norden -mit widerspenstigen Fürsten zu schaffen und auch im Süden behauptete sich -der von ihm abgesetzte Nabob des Carnatic in einigen festen Städten. -Dieser gewann die Engländer für sich. Als der Vizekönig versuchte, ihn -mit Hilfe der Franzosen niederzuwerfen, unterstützten ihn die Engländer -von Madras, sowie von St. Davids aus mit Truppen. Hiermit war von Mitte -Juli 1751 =der Krieg zwischen den Kompagnien= entbrannt. Es folgten -zunächst vier Jahre des Kampfes im Carnatic, in denen mit wechselndem -Kriegsglück bald die eine, bald die andere Partei im Vorteil war, je -nachdem sich die unzuverlässigen indischen Fürsten gruppierten -- auch -die Mahratten an der Westküste Vorderindiens, die alten Feinde des -Mogulreiches, traten in den Kampf ein; zuerst auf englischer, später auf -französischer Seite. - - [102] =Robert Clive=, geboren 1725, kam 1743 als Beamter der jüngsten - Klasse (Schreiber) der Kompagnie nach Madras, ging aber bald zum - Kriegsdienst über und zeichnete sich schon als Fähnrich bei der - Belagerung von Pondicherry 1748 aus. Jetzt war er erst 26 Jahre - alt, aber mit scharfem, militärischem Blick begabt und in den - indischen Angelegenheiten sehr erfahren. Durch seine Erfolge in - Bengalen in diesem Kriege wurde er der Begründer der englischen - Macht in Indien. - -Wohl war die französische Kompagnie anfangs an Europäern wie an Sepoys -stärker, aber die Engländer zogen Truppen aus Bengalen heran, und ihre -Führer =Lawrence=, sowie =Clive= waren den Franzosen =d'Auteuil= und -=Law= (Sohn des berüchtigten Finanzmannes, s. Band I, Seite 595) weit -überlegen. Dupleix erhielt von der Heimat keine wesentlichen -Unterstützungen, auch mußte er seinen fähigsten Offizier, =de Bussy=, mit -einem Teil der Truppen abgeben, um den Vizekönig im Norden zu verstärken -und an dessen Hofe Frankreichs Vorteil gegen eine von England gewonnene -Partei wahrzunehmen. Zu Ende des Jahres 1752 stand es für die Franzosen -sehr schlecht; ein Unternehmen gegen St. Davids -- der erste unmittelbar -gegen die Engländer selber gerichtete Stoß -- wurde schon auf dem -Anmarsch mit großem Verluste zurückgewiesen. - -Anfang 1752 lagen im Carnatic nur noch 360 Franzosen gegen 700 Engländer -im Felde; die erste, jetzt erwartete, bedeutendere Verstärkung von der -Heimat, 700 Mann, blieb aus, da das Schiff unterwegs verbrannte. Dennoch -behauptete sich Dupleix das Jahr über und errang sogar einige Vorteile, -als Clive aus Gesundheitsrücksichten nach England gegangen war. Wegen -Mangels an Truppen sowie an Geld -- er hatte schon bedeutende Summen aus -eigenem Vermögen vorgeschossen --, sowie auf Drängen der Kompagnie, die -des kostspieligen Krieges müde war, trat Dupleix im Januar 1754 mit dem -Gouverneur von Madras, =Saunders=, in Unterhandlungen. Diese zerschlugen -sich aber schon nach wenigen Tagen, da dieser unter keinen Umständen -Dupleix als Nabob des Carnatic anerkennen wollte und auch erfahren hatte, -daß dessen Stellung in Paris schwer erschüttert sei. Dennoch verlor der -tapfere Mann nicht den Mut. Der Nabob von Tanjore, ein mächtiger Fürst, -schien geneigt, sich auf seine Seite zu schlagen, im Februar wurde ein -Sieg über die besten englischen Truppen erfochten und de Bussy hatte mit -dem neuen Vizekönig, dem zweiten Nachfolger des ersten Freundes der -Franzosen, ein vorzügliches Verhältnis hergestellt. Wiederum erhielt die -Kompagnie große Gebiete an der Orissaküste, =die vier Circars=, die durch -ein Einkommen von 400 000 Lstrl. genügende Geldmittel sicherten. So -schöpfte =Dupleix= neue Hoffnung, da wurde er am 1. August 1754 -=abberufen=. - - $Die Abberufung Dupleix'$ war die Folge von Verhandlungen, die schon - seit 1752 zwischen den Kompagnien unter Teilnahme der Regierungen - geführt wurden. Die englische Regierung machte Dupleix für alle Wirren - in Indien verantwortlich und forderte unter Androhung schärfster - Maßregeln seine Entfernung; auch Clive vertrat diesen Standpunkt - energisch, als er sich 1753/54 in England aufhielt. So lange draußen - alles gut ging, war die französische Regierung mit Dupleix ganz - zufrieden gewesen und die Kompagnie hatte über die schlechten - Geschäftsergebnisse hinweggesehen; als aber von 1752 an eine Hiobspost - nach der anderen eintraf und die Mittel zusammenschrumpften, ließ man - den tüchtigen Mann fallen. Bei seiner Abberufung erhielt er weder ihm - noch zustehende Gelder, noch die von ihm vorgeschossenen 6-7 Millionen - Francs, selbst die Einkünfte aus seinem Privatbesitz enthielt man ihm - vor, so daß er beinahe mittellos die Heimreise antreten mußte. Ohne daß - seine gerechten Ansprüche befriedigt waren, starb er 1764 verlassen und - vergessen, während man in England annahm und noch annimmt, daß die - Engländer in den nun noch folgenden Kämpfen wahrscheinlich aus Indien - verdrängt worden wären, wenn man Dupleix nicht abberufen hätte. - -In Europa waren die Regierungen sowie die Kompagnien übereingekommen, -beide Gouverneure abzuberufen und die Streitigkeiten durch besondere -Kommissäre zu schlichten. England ernannte aber den bisherigen Gouverneur -zu seinem Vertreter, während Frankreich einen früher in Bengalen tätig -gewesenen Beamten, =Godeheu=, der stets gegen Dupleix intrigiert hatte, -zum Kommissar bestellte. Dieser traf am 1. August 1754 mit 2000 Soldaten -in Pondicherry ein und übernahm schon am 2. die Geschäfte. Er wies sofort -die im Felde stehenden Befehlshaber an, die Feindseligkeiten -einzustellen, =schloß= am 26. Oktober einen Waffenstillstand und =im -Januar 1755= einen für die französische Kompagnie =höchst ungünstigen -Frieden=. - - $Godeheu$ folgte bei den Verhandlungen in keiner Hinsicht einer ihm von - Dupleix hinterlassenen Denkschrift, in der die politische wie die - militärische Lage dargestellt und die erforderlichen Maßnahmen - entwickelt waren; auch sah er darüber hinweg, daß England gegen die - Abmachung seinen früheren Gouverneur als Kommissar bestellt hatte. Er - lieferte die Gefangenen aus, begann die an Frankreich abgetretenen - Gebiete zu räumen und benachrichtigte den Vizekönig, daß er sich nicht - mehr in dessen Angelegenheiten mischen dürfe; er ließ de Bussy zwar - noch im Lager bei diesem, sandte ihm aber weder Truppen noch Geld. - - $Das Ergebnis der Verhandlungen$ war, daß sich beide Kompagnien - verpflichteten, sich nicht mehr in die Streitigkeiten der indischen - Fürsten zu mischen, auch keine Würden oder Ämter vom Großmogul - anzunehmen. =England= sollte St. George (Madras), St. Davids - (Cuddalore) und Devicotta, =Frankreich= Pondicherry, Carical und - Nizampatam behalten; das Gebiet von Masulipatam, das ansehnliche - Einkünfte lieferte, wurde geteilt. England behauptete somit alles, was - es besessen und hinzugewonnen, Frankreich gab an Besitz und an Einfluß - auf, was ihm Dupleix erworben hatte. In den Augen der indischen Fürsten - mußte dieser Friedensschluß als ein völliger Sieg Englands erscheinen. - -Schon im Februar 1755 sah =Godeheu= seine Aufgabe als erledigt an, gab -die Geschäfte an den neuen Gouverneur, =de Leyrit=, einen alten Beamten -der Kompagnie, ab und kehrte nach Frankreich zurück. De Leyrit hatte zwar -den Auftrag und die Absicht, Godeheus Politik fortzuführen, aber die -Ereignisse zwangen ihn bald in andere Bahnen, und die Verwicklungen -begannen abermals. - -$Die Jahre 1756/57.$ Schon im Februar 1755 brachen die Engländer den -Vertrag, indem sie dem Nabob von Carnatic, der nun von den Franzosen -nicht mehr bekämpft wurde, wiederum Soldaten stellten, um seine Macht zu -befestigen; =de Leyrit= nahm darauf auch seinerseits Partei, verstärkte -de Bussy und stellte die Räumung des Orissagebietes ein. Das alte Spiel -begann von neuem. Zwar traf =Clive=, zum Kommandanten von St. Davids -ernannt, 1755 mit einem Geschwader von 3 Linienschiffen, einem -50-Kanonenschiffe, einer Fregatte und einer Sloop unter Kontreadmiral -=Charles Watson= nebst Truppen in Indien ein, um im Einverständnis mit -dem Gouverneur von Madras von Bombay aus den Vizekönig des Dekan -anzugreifen, wozu auch die Unterstützung der Mahratten gewonnen war, aber -die Behörden in Bombay wollten mit Rücksicht auf den eben geschlossenen -Frieden nichts davon wissen. Sie benützten die Streitkräfte Clives lieber -zur Befestigung ihrer Macht an der Westküste durch Niederwerfung eines -Seeräuberstaates. - - $Der Seeräuber Angria$ war das Haupt einer Mahrattenfamilie, die seit - etwa 100 Jahren an der Westküste Vorderindiens Seeraub trieb und zu - großem Landbesitz gekommen war. Sie belästigte sowohl den europäischen - Handel wie den der Inder und griff selbst größere Kriegsschiffe an. - Jetzt verband sich die englische Kompagnie mit den übrigen Mahratten - zur Vernichtung Angrias. Schon im März 1755 nahmen ihre Schiffe den - nördlichsten Hafen des Seeräuberstaates, =Bencote= (später Fort - Victoria auf 18° Nordbreite), ein und im Januar 1756 gingen Clive und - Watson mit ihrer Kriegsflotte, einigen Schiffen der Kompagnie sowie - Fahrzeugen der Mahratten und einem Landungskorps gegen die Hauptstadt - =Geriah= (auf 16-1/2° Nordbreite) vor. Diese nebst ihren Befestigungen - mußte zwei Tage regelrecht beschossen werden, ehe sie sich am 14. - Februar ergab. Man erbeutete 100000 Lstrl. an barem Gelde, sowie 30000 - an Gütern, und verbrannte die Seeräuberflotte, die aus einigen größeren - Segelschiffen und zahlreichen Rudergaleren bestand. Die Engländer - behielten die ganze Beute und auch den festen Platz, da die Mahratten - sich unzuverlässig gezeigt hatten. - -Im Mai 1756 trafen Clive und Watson dann vor St. Davids ein, und der -Gouverneur von Madras wollte nun angriffsweise gegen die Franzosen -vorgehen, insbesondere gegen de Bussy, der durch englische Einwirkung zur -Zeit mit dem Vizekönig entzweit war. Dies wurde zwar durch die Ereignisse -in Bengalen verhindert, aber =der offene Krieg zwischen den Kompagnien= -brach gleichwohl =in Bengalen= wie =im Carnatic= aus. - -$England wirft Frankreich in Bengalen nieder 1756/57.$ Bengalen war lange -Zeit von einem Vizekönig -- wie der im Dekan ein ziemlich unabhängiger -Vasall des Großmogul -- regiert, der beide Kompagnien gleich begünstigte, -um seinen Vorteil daraus zu ziehen; während des vorigen Krieges hatte er -alle Feindseligkeiten zwischen ihnen verhindert. Im Jahre 1756 kam sein -Enkel auf den Thron, dem der wachsende Einfluß der Europäer ein Dorn im -Auge war. Dieser fiel schon im ersten Jahre über die Engländer her, nahm -die Faktorei Cosimbazar ein und griff am 18. Juni =Kalkutta= an, wo nur -260 englische Soldaten und 250 Milizen standen. Sie riefen die Holländer -in Chinsura, sowie die Franzosen in Chandernagore um Hilfe an, aber jene -lehnten rundweg ab, diese rieten Aufgabe der Stadt und Rückzug nach -Chandernagore. Die Engländer beschlossen nun allgemeine Flucht auf den -vorhandenen Schiffen. Zuerst sollten die Familien mit der wertvollsten -Habe an Bord gehen, aber man verlor den Kopf, und nur der Gouverneur -sowie die höheren Offiziere retteten sich. Bei dem Sturm der Inder auf -Kalkutta fielen 95 Engländer, die Soldaten flohen, und nach Einnahme der -Stadt kamen von den übriggebliebenen 146 Männern 123 in dem berüchtigten -Black Hole um; einem 18 Fuß langen und 14 Fuß breiten Raume, in dem sie -für eine Nacht eingesperrt waren. Der Vizekönig besetzte die Zitadelle -Fort William und zwang die Franzosen wie die Holländer zur Zahlung hoher -Summen. - -Auf die Nachricht von diesen Ereignissen, die im August 1756 in Madras -eintraf, beschloß man hier, vor allem in Bengalen Rache zu nehmen. -Schiffe, Mannschaft sowie tüchtige Offiziere, Clive und Lawrence, waren -vorhanden, aber zwei Monate dauerte der Streit der maßgebenden Personen -über die Stellung von Flotte und Heer zueinander, über den Oberbefehl, ja -sogar über die Verteilung der Beute. Hervorzuheben ist, daß Admiral -Watson die soeben erhaltene Anweisung, mit dem Geschwader nach England -zurückzukehren, in richtiger Würdigung der Verhältnisse in Indien nicht -befolgte. Erst am 16. Oktober segelte die Expedition ab. =Clive=, der die -Truppen führte, erhielt den Befehl, im April 1757 wieder in Madras zu -sein, weil in Europa der Krieg ausgebrochen war, und Frankreich -beabsichtigte, große Verstärkungen nach Pondicherry zu senden. =Watsons= -Geschwader zählte die obengenannten Kriegsschiffe (mit Ausnahme der -Sloop) und ein Mörserboot; Clive befehligte 906 englische und 1500 -indische Soldaten. - -An der Koromandelküste blieben nur die schwachen Besatzungen der festen -Plätze sowie einige Schiffe der Kompagnie zurück. Die Expedition war am -27. Dezember an der Mündung des Ganges versammelt, wo man die Flüchtlinge -von Kalkutta fand; dann drang man zu Wasser und zu Lande ohne erheblichen -Widerstand stromaufwärts vor, nahm am 2. Januar 1757 nach zweistündiger -Beschießung Kalkutta nebst Zitadelle und wenige Tage darauf die Stadt -Hugly, 30 Seemeilen weiter stromauf. Der Vizekönig war mit seinem -eigentlichen Heere noch nicht herangekommen, sondern versuchte, die -Franzosen vorher auf seine Seite zu ziehen. Diese zeigten sich -unschlüssig, da sie hofften, die Bedrängnis der Engländer wie im vorigen -Kriege zum Abschluß einer Neutralität ausbeuten zu können. Geschickt -hielt nun Clive die Franzosen mit Verhandlungen hin, bis er einen -bedeutenden Sieg über die Truppen des Vizekönigs errungen und diesen am -9. Februar zu einem Friedensschluß bewogen hatte, in dem England alle -früheren Vorrechte zurückerhielt. - -=Clive= hatte seine Aufgabe erfüllt und konnte nun nach Madras -zurückgehen. Er erachtete aber die Gelegenheit für günstig, die Franzosen -anzugreifen und schloß am 14. März 1757 im Verein mit =Watson= die Stadt -=Chandernagore= ein, die gut befestigt, aber nur von 446 Europäern und -300 Sepoys verteidigt war. Am 19. zerstörten die Boote der Flotte einige -diese bedrohende Brander; am 23. wurde die Stadt vom Lande wie vom Flusse -her beschossen, worauf die Franzosen sie übergaben. Damit war =die -französische Macht in Bengalen vernichtet= und der Kampf der Kompagnien -hier beendet. - - $Weitere Ereignisse in Bengalen bis 1763.$ =Clive= wollte jedoch noch - seine Stellung den indischen Fürsten gegenüber befestigen und blieb - deshalb in Bengalen, trotz mehrfacher, dringender Mahnungen aus Madras. - Er hatte einen Angriff des Vizekönigs zu erwarten, der über die - Einnahme von Chandernagore empört war und mit dem Rest der von dort - nach Bhagulpore, etwas weiter stromauf geflohenen Franzosen sowie mit - de Bussy im Dekan in Verbindung trat. Durch Verhandlungen und Intrigen - gelang es Clive, eine Verschwörung gegen den Vizekönig in dessen Lager - anzuzetteln und ihn mit nur 1000 Europäern nebst 2000 Sepoys gegen eine - zwanzigfache Übermacht bei Plassey vernichtend zu schlagen. Dann setzte - er einen England ergebenen Mann an dessen Stelle. - - =Die Schlacht bei Plassey am 23. Juni 1757 gilt als der Anfang der - englischen Herrschaft in Indien.= Noch fast das ganze Jahr 1758 über - hielt Clive seine Landstreitmacht in Bengalen zusammen, um die - Herrschaft des neuen Vizekönigs zu befestigen; erst im Oktober sandte - er 500 Europäer und 2000 Sepoys nach Vizagapatam an der Orissaküste. Er - selber ward jetzt zum Gouverneur von Bengalen ernannt, und damit weiter - unabkömmlich; bald wurde auch der Vizekönig ihm feindlich gesinnt. Als - im August 1759 sieben holländische Ostindienfahrer mit 1500 Soldaten - für die Niederlassung Chinsura vor dem Ganges eintrafen, mußte er - befürchten, daß der Vizekönig diese für seine Zwecke benützen würde. Er - verlangte deshalb, daß ihnen die Einfahrt in den Strom verboten wurde, - und als dies nicht geschah, ließ er sie auf ihrer Fahrt stromauf durch - englische Ostindienfahrer und durch seine Truppen wegnehmen; auch zwang - er die holländische Niederlassung zur Verpflichtung, keine - Befestigungen anzulegen sowie keine Truppen zu halten, und gab die - Schiffe nur gegen Zahlung einer Entschädigung zurück, die seine - Kriegskosten deckte. Alles dies geschah, obgleich England mit Holland - im Frieden war. - - Anfang 1760 kam =Clive= nach England, wo er als =Baron v. Plassey= zum - Peer von Irland ernannt und ins Parlament berufen wurde; sein Vermögen - zählte mehrere Millionen. Erst 1764 kehrte er infolge auftretender - Unruhen als =Generalgouverneur= und Chef aller Truppen nach Kalkutta - zurück, wo sich bis dahin seine Nachfolger, wenn auch unter schwierigen - Verhältnissen und mancherlei Kämpfen, behauptet hatten. 1767 ging Clive - aus Gesundheitsrücksichten abermals nach England; er wurde 1772 wegen - Mißbrauch seiner Gewalt in Indien zur Untersuchung gezogen, verteidigte - sich aber so glänzend, daß die Verhandlung niedergeschlagen und seine - großen Verdienste förmlich anerkannt wurden. Krank am Körper und - verbittert im Gemüt, ergab er sich dem Opiumgenuß und endete durch - Selbstmord am 22. November 1774. - -$In Vorderindien$ dagegen stand $1757$ die Sache der Engländer schlecht. -=De Leyrit= hatte Ende 1756 gleichfalls die Nachricht erhalten, daß man -daheim eine große Expedition ausrüste, um die Engländer aus Indien zu -vertreiben; er beschloß, schon vor Eintreffen derselben die Entsendung -der englischen Truppen nach Bengalen zum Vorgehen zu benutzen. Vom April -1757 an bemächtigte er sich verschiedener fester Plätze im Carnatic, und -auch =de Bussy=, der seine Stellung am Hofe des Vizekönigs trotz aller -englischer Umtriebe behauptet hatte, nahm englische Niederlassungen im -Norden genannter Provinz sowie an der Orissaküste fort, hier z. B. -Vizagapatam. De Bussy war dadurch verhindert, dem Rufe des Vizekönigs von -Bengalen Folge zu leisten; als ihm dies 1758 möglich gewesen wäre, wurde -er beordert, seine Truppen zu einem großen Schlage im Carnatic -heranzuführen, da die erwartete Expedition aus Frankreich eingetroffen -war. - -$Im Jahre 1758$ =gewinnt die Kriegführung zur See an Bedeutung=. Schon am -6. März 1757 waren 3 Schiffe der französisch-indischen Kompagnie mit 2 -Bataillonen von Lorient nach Isle de France gesegelt, hier vereinigte -sich der Gouverneur =Bouvet de Loziers= nebst drei weiteren -Kompagnieschiffen mit ihnen und landete die Truppen im August bei -Pondicherry, ohne Behinderung durch das englische Geschwader in Bengalen -oder eine eben für dieses in Bombay eingetroffene Verstärkung von 3 -Linienschiffen unter Kommodore =Charles Stevens=. Er kehrte dann nach -Isle de France zurück, um das Gros der Expedition zu erwarten. Dieses -verließ, durch Änderungen in seiner Zusammensetzung aufgehalten, erst am -2. Mai Lorient. Die Seestreitkräfte bestanden aus einem Linienschiffe und -6 (oder 10?) größeren Schiffen, sowie 2 Fregatten der Kompagnie unter dem -Chef d'Escadre =Comte d'Aché=; eingeschifft waren 1200 Soldaten unter -Generalleutnant =Comte de Lally=, der zum Oberbefehlshaber in Indien -ernannt war. - -Infolge ungünstiger Windverhältnisse -- man spricht auch von -Ungeschicklichkeit der Kommandanten --, sowie einer Epidemie an Bord, die -zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt in Rio de Janeiro zwang, erreichte -die Expedition erst am 16. Dezember Isle de France. Der Admiral stellte -hier aus den besten aller versammelten Schiffe ein Geschwader von 11 -Segeln zusammen, übte es in den dortigen Gewässern, ging dann nach Indien -und ankerte am 28. April 1758 vor der Stadt Cuddalore; er überraschte -hier zwei englische Fregatten, die genötigt waren, sich auf den Strand zu -setzen und zu verbrennen. Graf de Lally segelte auf 2 Schiffen (einem zu -74 Kanonen und einer Fregatte) mit seinem Stabe nach Pondicherry weiter, -um von hier aus Cuddalore zu Lande anzugreifen. - - =Comte de Lally=, Baron de Tollendale, ein Irländer von Geburt, der - England glühend haßte, galt im französischen Kriegsministerium als ein - hervorragender Offizier. Er hatte schon 1755 als einziges Mittel, - Englands Herr zu werden, eine Landung dort oder unbedingte Sicherung - Kanadas oder die Vertreibung des Gegners aus Indien empfohlen -- mit - anderen Worten, die Hauptkraft auf =ein= Ziel zu richten. Lange zögerte - man mit einem Entschlusse, als man endlich überzeugt war, daß England - unbedingt Kanada zu erobern strebte, wurden 3 Linienschiffe, mehrere - Schiffe der Kompagnie nebst 3000 Mann für Indien bestimmt. De Lally - erhielt den Oberbefehl, obgleich er den indischen Verhältnissen ganz - fremd war, auch wurden die an sich schon genügenden dafür bestimmten - Kräfte zugunsten des Krieges in Nordamerika auf die oben angegebene - Stärke von Schiffen und Truppen herabgesetzt. Es trat hinzu, daß - zwischen Lally und Aché das denkbar schlechteste Einvernehmen herrschte - und daß ihr dienstliches Verhältnis zueinander keineswegs genügend - geregelt war. - - Was Lallys Stellung in Indien anbetraf, so erteilte man ihm die - weitgehendste Vollmacht und stellte ihm als Hauptaufgabe die - Vertreibung der Engländer und die Hebung des Handels hin; er sollte - nicht etwa die Politik Dupleix' verfolgen, die doch de Leyrit sowie de - Bussy notgedrungen hatten wieder aufnehmen müssen. Da Lally außerdem - von schroffem, wenn auch ehrenwertem Charakter war, kann es nicht - wundernehmen, daß er dem Gouverneur von Pondicherry, sowie den Beamten - und Offizieren sehr ungelegen kam. In der Stadt angelangt, traf er - sofort seine Anordnungen, ohne jemand um Rat zu fragen. - -$Die Seeschlacht vor Cuddalore, 29. April 1758.$ Das englische Geschwader -in Indien führte jetzt Vizeadmiral =George Pocock=, da Watson im August -1757 gestorben war; er lag am 24. März in Madras, als die Verstärkung -unter Stevens zu ihm stieß. Am 17. April ging er in See, um Cuddalore vor -dem erwarteten französischen Geschwader zu schützen, traf aber erst am -29. vor der Stadt ein. =D'Aché= lichtete, als die Engländer zu Luward in -Sicht kamen, Anker, bildete die Kiellinie beim Winde -- der Wind war SO --- über Backbordbug und erwartete den Angriff. Dieser erfolgte genau nach -der englischen Gefechtsinstruktion (vgl. Seite 39) und =die Schlacht= -blieb infolgedessen, wie gewöhnlich, =unentschieden=, wurde =aber ein -strategischer Erfolg der Franzosen=. - - $Der Verlauf der Schlacht vor Cuddalore[103].$ Um 2-1/4 Uhr nachmittags - hatte auch =Pocock= etwa drei Seemeilen querab vom Feinde die Kiellinie - beim Winde über Backbordbug gebildet und steuerte nun mit seinem - Flaggschiff schräg auf das feindliche zu, um so sein Geschwader Spitze - auf Spitze und Flaggschiff gegen Flaggschiff auf nahe Entfernung neben - das feindliche zu legen. In den Gefechtslinien traten sich 9 - französische Schiffe mit 476 Kanonen und 7 englische mit 404 Kanonen in - folgender Reihenfolge, nach Zahl der Geschütze bezeichnet, entgegen: - - Die französische Linie: 58 54 44 56 74 (Flagge) 50 44 36 60 - Die englische " 60 50 56 64 (Flagge) 56 50 60 - - [103] Nach: Mahan I; Bonfils II; Clowes III; Troude I. - - Bei der scheinbaren Überlegenheit der Franzosen durch größere Zahl der - Schiffe und Kanonen muß man aber berücksichtigen, daß nur ihr - Flaggschiff der Königlichen Marine angehörte und daß die - Kompagnieschiffe aus verschiedenen Gründen (vgl. Seite 57) - Kriegsschiffen gleicher Größe an Gefechtskraft nicht ebenbürtig waren. - - Die Angriffsart brachte für die Engländer die ihr anhaftenden Nachteile - mit sich. Die vordersten vier Schiffe einschließlich des Flaggschiffes - kamen zwar gut an die feindliche Linie heran, hatten aber auf dem Wege - dahin fast deren ganzes Feuer auszuhalten, ohne es erwidern zu können, - bis sich etwa um 3-3/4 Uhr Pocock querab von Aché wieder an den Wind - legte und das Signal zum Nahgefecht gab. Die drei Schiffe hinter Pocock - traten nicht sogleich in dieses ein; sie waren beim Heransegeln etwas - zurückgeblieben, sei es durch Ungeschick, sei es dadurch, daß der - unmittelbare Hintermann des Admirals ein schlechter Segler war. Dies - konnte für die vorderen Schiffe bedenklich werden, doch auch in der - französischen Linie traten Mißstände hervor: das dritte Schiff von vorn - verlor sogleich sein Ruder und verließ die Linie; das kleine Schiff von - 36 Kanonen wurde durch eine Breitseite aus ihr vertrieben; das - Schlußschiff zu 60 Kanonen hatte sich von Anfang an nicht auf seinem - Posten, sondern weiter in Lee gehalten. Auf erneutes Signal Pococks - kamen die hinteren Schiffe zögernd näher, besonders das sechste zeigte - sich so langsam, daß das siebente endlich an ihm vorbeisegelte. Beim - Herankommen dieses großen Fahrzeuges scheint das schwache französische - Schiff zu 44 Kanonen etwas aus der Linie gewichen zu sein. Hinter - Pocock war so in der englischen Linie eine Lücke entstanden und sein - Schiff wurde auch vom Hintermann d'Achés beschossen, während es wie - seine Vorderleute unter langsamer Fahrt in scharfem Gefecht - weitersegelte. Gegen 6 Uhr kamen die beiden französischen Schiffe in - Sicht, die Lally nach Pondicherry gebracht hatten. - - Bis zu diesem Zeitpunkt sind die verschiedenen Angaben über den Verlauf - des Gefechtes wohl in Übereinstimmung zu bringen, über das nun folgende - Manöver des französischen Admirals weichen die Meinungen ab. =D'Aché= - erteilte nämlich jetzt den Befehl zum Halsen, wartete jedoch nicht ab, - bis das Signal beantwortet war, sondern führte das Manöver mit dem - Flaggschiff sofort aus. Die Schiffe hinter ihm folgten seinem - Beispiele, wobei sein dichtaufgeschlossener Hintermann Gelegenheit - hatte, dem englischen Flaggschiffe beim Vorbeisegeln nochmals eine - Breitseite zu geben; die Schiffe vor ihm brachen das Gefecht erst etwas - später ab, so daß die Ordnung der französischen Linie gestört war. - - Einige Quellen erzählen nun, d'Aché habe durch »gleichzeitiges Halsen« - aller Schiffe schnell die Linie über Steuerbordbug bilden, dann in der - Lücke der englischen Linie durchbrechen und so deren letzte Schiffe - abschneiden wollen; diese Absicht sei durch seine Ungeduld vereitelt. - Andere nehmen an, er habe das Gefecht abgebrochen, um die ausgefallenen - sowie die von Pondicherry kommenden Schiffe an sich zu ziehen und - weiter in Lee aufs neue den Angriff abzuwarten; er habe dazu den Befehl - »im Kontremarsch Halsen« gegeben. Diese Ansicht hat für sich, daß ein - derartiges Manöver fast ganz der späteren Taktik der Franzosen (vgl. - Seite 42) entsprechen würde, auch ist es bei dieser Annahme leichter zu - erklären, daß der Hintermann des Admirals »beim Vorbeisegeln« nochmals - eine Lage auf den englischen Admiral abgeben konnte. Tatsächlich wurde - das Gefecht durch das Manöver abgebrochen und nicht wieder aufgenommen, - denn die Nacht kam herauf. Aber auch sonst wäre =Pocock= zu einem - zweiten Angriffe nicht in der Lage gewesen, da seine vordersten Schiffe - zu sehr beschädigt waren -- eine weitere gewöhnliche Folge der - englischen Angriffsart; der schon gegebene Befehl zur Verfolgung des - Feindes mußte aus diesem Grunde widerrufen werden. - - =Der Verlust= der Engländer betrug nur 29 Tote, sowie 89 Verwundete; - der der Franzosen 162 und 360. Dieser große Unterschied war einerseits - die Folge der verschiedenen Taktik -- bekanntlich schossen die - Franzosen auf die Takelage, die Engländer auf den Rumpf --, anderseits - aber auch des Umstandes, daß die französischen Schiffe mit Soldaten - Lallys überfüllt waren. - - Erwähnt sei, daß =d'Aché= den Kommandanten seines letzten Schiffes - wegen Lauheit im Gefecht des Kommandos entsetzte, und daß auch von den - drei Kommandanten der letzten englischen Schiffe durch - kriegsgerichtlichen Spruch einer entlassen, ein zweiter vom Kommando - enthoben und der dritte auf ein Jahr im Dienstalter zurückgestellt - wurde. - -$Die Franzosen nehmen St. David 1758.$ Nach der Schlacht segelte =Pocock= -nach Sadras, um seine Schiffe auszubessern, gab also den Schutz von -Cuddalore auf. =D'Aché= ankerte zunächst bei Lampraavy, 20 Seemeilen -südlich von Pondicherry; -- hier ging ein Kompagnieschiff zu 74 Kanonen -verloren, das infolge beschädigten Ankergeschirrs strandete -- und -segelte dann nach Pondicherry; er stand also noch immer zwischen -Cuddalore und dem Feinde. =De Lally= hatte aber schon am 29. April -Truppen gegen diese Stadt in Bewegung gesetzt, nahm sie am 3. Mai und -schritt zur Belagerung des Forts St. David. Die Engländer verfügten hier -nur über 619 weiße und 1600 indische Soldaten, die Franzosen fast genau -über dieselbe Gesamtzahl, aber im umgekehrten Verhältnis. Am 16. begann -die Beschießung, bald fielen die Außenwerke, und am 2. Juni ergab sich -das Fort; die Besatzung wurde kriegsgefangen. - -Die Engländer räumten kurz darauf auch =Devicotta=; von wichtigeren -Plätzen behielten sie nur noch Madras und Trichinopoly. =Pocock= hatte -versucht, St. David zu entsetzen; er war am 10. Mai von Sadras in See -gegangen, infolge ungünstigen Windes aber erst am 30. bis auf die Höhe -von Pondicherry gekommen. D'Aché erhielt von de Lally den Auftrag, den -Gegner zu schlagen; er ging zwar in See, hielt sich aber zu Luward vom -Feinde und kehrte bald auf Verlangen der Behörden in Pondicherry -- de -Lally war nach St. David abgegangen -- zum Schutz dieser Stadt zurück. -Pocock hatte seinerseits nicht an den Feind herankommen können; als er am -6. Juni die Nachricht von dem bevorstehenden Falle St. Davids erhielt, -segelte er nach Madras, um wenigstens diesen Platz zu schützen. - -$Die Schlacht vor Negapatam am 3. August 1758.$ Nach der Einnahme von St. -David wäre es de Lally bei seiner großen Überlegenheit an Soldaten -wahrscheinlich leicht geworden, Madras zu erobern, und er forderte auch -d'Aché zur Mitwirkung hierbei auf; dieser lehnte jedoch mit der -Begründung ab, daß er in Ceylon Vorräte auffüllen müsse und dabei gegen -den englischen Handel kreuzen wolle. =De Lally= zog nun am 18. Juni gegen -Tanjore zu Felde, um hier eine alte Schuldforderung einzutreiben. Er -erreichte die Stadt erst am 18. Juli, wurde dann durch Verhandlungen -sowie kleine Teilzahlungen hingehalten, und als er endlich zum Sturme -schreiten wollte, erhielt er die Nachricht, daß das französische -Geschwader vor Negapatam geschlagen und Karikal, von wo aus sein Heer -allein verpflegt werden konnte, sowie Pondicherry in Gefahr seien. Er -ging deshalb am 10. August auf diese Stadt zurück. Am 17. Juli war -=Pocock= dort erschienen, und =d'Aché=, der so lange untätig gelegen -hatte, ging nun in See, anscheinend, um sich einem Kampfe zu entziehen, -und steuerte, von Pocock gefolgt, südwärts. Die nächsten Tage brachten -nur Manöver der beiden Geschwader, teils in Sicht, teils außer Sicht -voneinander, aber am 3. August erfolgte der Zusammenstoß. Die -Streitkräfte waren dieselben wie bei Cuddalore; französischerseits traten -die damals nach Pondicherry gesandten Schiffe jetzt an die Stelle des -gestrandeten und des kleinsten zu 36 Kanonen; wieder standen 9 Franzosen -gegen 7 Engländer. - - $Der Verlauf des Kampfes vor Negapatam.$ Am 3. August um 5 Uhr - vormittags sichtete Pocock den Gegner, der tags zuvor aus Sicht gewesen - war, zu Luward in Gefechtslinie vor Negapatam. Während er sein - Geschwader ordnete, wären infolge flauen Windes und zeitweiser Stille - fast seine beiden letzten Schiffe abgeschnitten. Um Mittag sprang - Seebrise auf, wodurch die Engländer die Luvstellung erhielten, und um - 12-1/2 Uhr griff Pocock in der üblichen Weise an. Es kam zu einem - zweieinhalbstündigen Kampfe, der zwar ganz nach Vorschrift begonnen, - aber nicht lange so durchgeführt zu sein scheint. Gleich nach dem - Zusammenstoß fing das vorderste französische Schiff am Kreuzmast Feuer, - mußte diesen kappen und wäre verloren gewesen, wenn sein Hintermann es - nicht gedeckt hätte. Dem französischen Admiralschiff wurde das Ruderrad - zerschossen, es trieb auf ein anderes, und auch hier legte sich ein - drittes zwischen diese beiden und den Gegner; die zwei - 44-Kanonenschiffe wurden bald aus der Linie vertrieben. So war die - französische Ordnung schnell gelöst und d'Aché, dessen Schiff gleich - nach Ausbesserung des Ruders in Brand geriet, gab gegen 2 Uhr - nachmittags den Befehl, das Gefecht abzubrechen. Die Schiffe hielten in - Unordnung ab. Pocock gab zwar den Befehl zur allgemeinen Jagd und - führte bis 3 Uhr noch ein laufendes Gefecht, aber die Franzosen - entkamen; einige englische Schiffe waren wieder so in der Takelage - zerschossen, daß man das Überbordgehen der Masten befürchten mußte. - =Der Verlust= der Engländer betrug 31 Tote und 166 Verwundete gegen 250 - bzw. 600 der Franzosen; beide Geschwaderchefs waren verwundet. - -=Die Schlacht vor Negapatam= muß als taktisch unentschieden bezeichnet -werden und schließt für die nächste Zeit den Seekrieg in Indien, der -französischerseits aufgegeben wurde. =D'Aché= ging nämlich nach -Pondicherry, fand hier auch noch Material zur Ausbesserung seiner -Schiffe, hielt es aber noch für nötig, diese zu kalfatern, was hier bei -Anwesenheit des Feindes nicht angängig war. Obgleich er Befehl hatte, -bis zum 15. Oktober in den indischen Gewässern zu bleiben, lehnte er die -erneute Aufforderung zu einem Angriff auf Madras ab und erklärte, er -dürfe die Schiffe in ihrem jetzigen Zustande weder einem neuen Kampfe -noch den Unbilden der schlechten Jahreszeit aussetzen, er müsse sie, die -so wichtig für Indien seien, erhalten. Trotz de Lallys Einsprache und den -Bitten der Behörden ging er am 3. September nach Isle de France in See. -Wahrscheinlich haben sein schlechtes Einvernehmen mit de Lally sowie die -Überzeugung von der Überlegenheit der englischen Seestreitkräfte zu -diesem Entschluß beigetragen. =Pocock= hatte nach der Schlacht vor -Karikal gelegen und dadurch wohl zum Abbruch der Belagerung von Tanjore -mitgewirkt, blieb aber sonst untätig; schon am 20. August ging er zum -Überwintern nach Bombay. Dies muß befremden, da er nichts von d'Achés -Absicht wußte, Indien zu verlassen, und da doch die englische Sache am -Lande recht ungünstig stand. Alle englischen Quellen übergehen diesen -Punkt! Während er in Trincomali auf Ceylon Wasser nahm, wurde ihm durch -eine Ausguckfregatte das Passieren der Franzosen auf ihrem Wege nach Isle -de France gemeldet; er ging sofort in See, konnte den Gegner aber nicht -mehr erreichen. - -$Niederlagen der Franzosen 1759.$ Obgleich von d'Aché im Stich gelassen -und durch Geldmangel gelähmt, gab =de Lally= seinen Plan nicht auf. Nach -Heranziehen de Bussys aus dem Dekan eroberte er im Oktober 1758 Arcot, -die Hauptstadt des Carnatic, um sich Geld zu verschaffen, und wenn er -auch hier fast nichts fand -- seine ganzen Mittel bestanden in 94000 -Rupien und das Heer allein kostete im Monat 40000 --, zog er doch Anfang -November mit 2700 Europäern sowie 5000 Sepoys =gegen Madras=, das durch -Major =Lawrence= mit 1760 Engländern nebst 2400 Indern besetzt war. Da -sich die Engländer in die Zitadelle, Fort George, zurückzogen, fiel die -Stadt sogleich, am 12. Dezember, in die Hände der Franzosen, die hier -eine Beute von 15 Millionen Francs gemacht haben sollen, von denen aber -nur 92000 in die amtliche Kasse geflossen sind. Infolge mangelnder -Mannszucht, ja des stillen Widerstandes vieler Offiziere, auch de Bussys, -der über die Abberufung von seiner so wichtigen Mission im Dekan empört -war, sowie der Tapferkeit der Engländer zog sich die Belagerung des Forts -lange hin. Im französischen Lager herrschte bald Mangel, während die -Belagerten trotz der Winterstürme über See aus Bengalen Zufuhren -erhielten. - -Am 16. Februar 1759 wollte de Lally einen Sturm wagen, da trafen in der -Stadt zwei englische Fregatten nebst 6 Fahrzeugen mit Soldaten, Munition -und Proviant von Bombay ein, so daß er die Belagerung abbrechen und das -schwere Geschütz im Stich lassen mußte. An der =Orissaküste= errangen die -Engländer gleichfalls Erfolge. Die im Oktober 1758 von Clive aus Bengalen -dort hingesandten Truppen schlugen die Franzosen im Dezember vernichtend -und zwangen im Januar 1759 in Masulipatam ihre Trümmer zur Übergabe. Der -Vizekönig vom Dekan trat jetzt auf seiten Englands, wies die Franzosen -aus seinem Reiche aus und teilte das ihnen früher überlassene Land, diese -wichtige Errungenschaft Dupleix', den Engländern zu. - -=De Lally= sah sich auf wenige feste Plätze außer Pondichery beschränkt -und für den Sommer 1759 zur Untätigkeit verdammt; seine letzte Hoffnung -war das Geschwader d'Achés, dessen Rückkehr längst fällig war. -Glücklicherweise vermochte auch der Gegner nichts zu unternehmen, denn -die Kompagnie sandte kein Geld, in der Meinung, daß die bengalische Beute -alles bezahlt mache. - -$Die Schlacht vor Porto Novo, 10. September 1759.$ =Pocock= hatte mit -seinem Geschwader am 7. April Bombay verlassen und kreuzte in Erwartung -des Gegners an der Koromandelküste; zu ihm stieß im Juni, von der Heimat -kommend, Kontreadmiral =Charles Stevens= mit 2 Linienschiffen. =D'Aché= -erschien erst im September wieder in Indien. Wenn er somit gerade ein -Jahr vom Felde seiner Tätigkeit entfernt blieb, so ist dies keineswegs -ihm allein zur Last zu legen. Bei seiner Ankunft in Isle de France im -Oktober 1758 fand er zwar 3 Linienschiffe vor, die von Frankreich mit -einigen wenigen Soldaten (90 oder 180 Mann), etwas Munition sowie 800000 -Francs für Indien angekommen waren, aber die Zustände auf Isle de France -und Bourbon waren derart, daß er sein Geschwader nur mit Mühe und in -langer Zeit wieder schlagfertig machen konnte. - - Auf Isle de France herrschte eine Hungersnot, die durch die Ankunft des - Geschwaders noch fühlbarer wurde. Der Admiral mußte im November 9 - Schiffe nach Kapstadt senden, um Nahrungsmittel zu holen; die dort - erlangten Vorräte genügten aber nicht im geringsten, so daß der - Gouverneur den Admiral des öftern bat, mit den Schiffen die Insel zu - verlassen. Es fehlte ferner an Ersatzmannschaften, an Munition sowie an - jeglichem Material; man war genötigt, aus Ankertauen Tauwerk für die - Takelage anzufertigen. Schließlich schleppte man einige Schiffe auf, um - mit deren Personal und Material den anderen auszuhelfen. -- Diese - Mißstände beweisen die Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit, mit denen - Frankreich den Seekrieg führte; man wollte in Indien stark auftreten - und hatte nichts zur Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner Streitmittel - vorgesehen. =D'Aché= schrieb nach seiner Ankunft in Port Louis: »Ich - verließ Indien, da es dort an allem mangelte, ich kam hier an und - geriet in noch größere Not.« Vor seiner Rückfahrt nach Indien - berichtete er: »Ich bin im Begriff, abzusegeln, um meine Besatzungen - vor dem Hungertode zu retten, aber man kann von dem Geschwader nichts - erwarten, wenn keine Hilfsmittel gesandt werden.« - -Am 17. Juli 1759 ging =d'Aché= endlich von Port Louis in See, lief -Bourbon sowie Madagaskar an, um sich noch nach Möglichkeit mit Vorräten -zu versehen, erreichte am 30. August Batticaloa auf Ceylon und stieß am -2. September an der Nordostspitze dieser Insel auf das englische -Geschwader. Wieder vergingen einige Tage mit Manövrieren; erst der 10. -September brachte =die dritte Schlacht zwischen Pocock und d'Aché= auf -der Höhe von Porto Novo. - - Vom $Verlauf der Schlacht vor Porto Novo$ bringen die Quellen beider - Völker nur Angaben über die Zusammenstöße einzelner Schiffe, jedoch - nichts über die Taktik[104]. Die =Streitmittel= bestanden auf - englischer Seite in 9 Schiffen zu 50-68 Kanonen nebst einer Fregatte, - auf französischer Seite in 4 Linienschiffen zu 64-74 Kanonen, 5 - Kompagnieschiffen zu 54-68 Kanonen, nebst 2 Fregatten. Wieder also - waren die Franzosen an Zahl der Schiffe wie der Geschütze überlegen, - und das Verhältnis der Königlichen Schiffe zu denen der Kompagnie hatte - sich günstiger gestaltet als in den beiden früheren Gefechten. Beide - Geschwader lagen in Kiellinie über Backbordbug, und die Engländer - griffen um 11 Uhr vormittags von Luward her an. Der Angriff scheint gut - gelungen zu sein, so daß der Kampf bald auf der ganzen Linie im Gange - war. Etwa um 4 Uhr hielt das französische Flaggschiff auf Befehl des - zweitältesten Offiziers ab -- der Kommandant war gefallen, der Admiral - zum Verbinden einer Wunde unter Deck gegangen -- und die übrigen - Schiffe folgten dem Beispiel in der Annahme, das Gefecht solle - abgebrochen werden. Die Engländer waren aber nicht imstande zu folgen, - da ihre vordersten Schiffe wie gewöhnlich stark beschädigt waren. Die - Nacht über lag das englische Geschwader in Gefechtslinie bei, die - beschädigten Schiffe besserten hinter ihr aus. Am nächsten Tage sahen - sich die Gegner nur auf weitere Entfernung und verloren sich gegen - Abend aus Sicht, da die Franzosen nach Norden aufkreuzten, während die - Engländer nach Süden segelten; letztere hatten dabei drei Schiffe im - Schlepp, waren also wohl nicht imstande, am Feinde zu bleiben. =Der - Verlust= betrug auf englischer Seite 569 Tote und Verwundete, auf - französischer gegen 1500. - - [104] So sagt z. B. Clowes, die Schlacht biete nichts taktisch - Bemerkenswertes; Bonfils schreibt, nähere Angaben seien nicht - vorhanden. - -Auch diese =Schlacht= blieb =taktisch unentschieden, beendete aber= durch -ihre Folgen =den Krieg= zugunsten der Engländer. =Pocock= besserte seine -Schiffe vor Negapatam notdürftig aus und segelte dann nach Madras. Auf -dem Wege hielt er sich den 27. September über vor Pondichery auf, dem -Gegner vergeblich den Kampf anbietend. Hierher war =d'Aché= gesegelt und -hatte seine Truppen gelandet; er erschien auch vor dem Hafen, aber wohl -nur, um nicht vor Anker angegriffen zu werden. So hatte =de Lally= zwar -eine kleine Verstärkung erhalten, Unterstützung durch die heißersehnte -Flotte sollte ihm jedoch nicht zuteil werden. =D'Aché= erklärte wiederum, -der Zustand seiner Schiffe erlaube ihm nicht, dem Feinde nochmals -entgegenzutreten, um so weniger, da dieser in nächster Zeit aufs neue -eine Verstärkung erwarte. Er gab zwar 900 Mann von den Schiffsbesatzungen -ab, ging aber am 30. September nach Isle de France unter Segel, und nach -seiner Abfahrt kamen =keine französischen Seestreitkräfte mehr nach -Indien=[105]. - - [105] Ein geringer Erfolg des =Comte d'Estaing= in den indischen - Gewässern 1759/60 soll bei Schilderung des Kleinen Krieges - erwähnt werden. - -Die Absicht, d'Achés Geschwader im Jahre 1760 dort wieder auftreten zu -lassen, hat wohl bestanden, aber man hielt es zurück, da es hieß, England -rüste eine Expedition gegen Isle de France aus (vgl. Seite 161). Außerdem -waren durch einen Orkan im Januar 1760 mehrere Schiffe kriegsunbrauchbar -geworden. =D'Aché= segelte dann im Dezember dieses Jahres mit dem -größeren Teile des Geschwaders nach Frankreich; die zurückbleibenden -Schiffe mußten wegen Mangels an Ankergeschirr auf den Strand geschleppt -werden. - - $Beurteilung d'Achés.$ Dieser Admiral -- geboren 1702, 1717 in die - Marine eingetreten, 1743 Kapitän, 1756 Chef d'Escadre -- wird von den - meisten französischen Schriftstellern zwar als ein tüchtiger Seemann, - aber als ungeeignet für höhere Stellungen bezeichnet; auch werden ihm - Kleinlichkeit und Halsstarrigkeit vorgeworfen. Diese soll er schon 1748 - dadurch gezeigt haben, daß er das Kommando eines Schiffes ablehnte, - das er »ohne Grund« als seeuntüchtig erklärt hatte, und auch beim - Antritt seines Kommandos nach Indien machte er Schwierigkeiten, da ihm - die Seestreitkräfte dort zu gering erschienen. Er hat nun wohl, - wenigstens im zweiten Falle, recht gehabt, aber sein Verhalten de Lally - gegenüber zum Schaden der allgemeinen Sache spricht allerdings nicht - für ihn. Sein Auftreten als Admiral darf dagegen nicht zu schroff - beurteilt werden. Der französische Grundsatz, das Geschwader nicht zu - gefährden, war ja falsch; denn was nützte die =Erhaltung= der Flotte, - wenn sie nicht =verwendet= wurde. Aber diese Ansicht entsprach dem - allgemeinen Bestreben in der französischen Marine jener Zeit (auch in - der Taktik) und war durch häufige dahin zielende Befehle und - Instruktionen hervorgerufen, die den Wagemut der höheren Führer - herabstimmen mußten. Sogar jetzt noch nennen einzelne französische - Autoren d'Achés Verfahren in dieser Hinsicht richtig, da er seine - Schiffe in Indien nicht hätte ausbessern können. Man muß ferner in - Betracht ziehen, daß sein Geschwader durch das Überwiegen von - Kompagnieschiffen dem englischen entschieden unterlegen war, und daß er - mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, um es schlagfertig zu - erhalten. - - Ein bedeutenderer Mann hätte sich wohl von all diesem freigemacht -- - =Suffren= überwand im nächsten Kriege die gleichen Schwierigkeiten -- - und mehr geleistet; gelang es doch selbst d'Aché, wenn er auftrat, dem - Gegner die Seeherrschaft streitig zu machen, und im letzten Jahre - erschien sein Geschwader durchaus nicht mehr als minderwertig. Zu - dieser Zeit war er aber wohl tatsächlich seiner Aufgabe nicht mehr - gewachsen. 1758 erklärte er in Port Louis, der mit der Verstärkung - herausgekommene Chef d'Escadre de L'Eguille wäre geeigneter zum - Oberbefehlshaber, er selber sei durch die vielen Widerwärtigkeiten - ermüdet. D'Aché wurde übrigens noch 1761 zum Lieutenant-Général und - 1770 zum Vizeadmiral des Atlantik befördert; er starb 1780. - -=Pocock= ging am 16. Oktober zum Überwintern nach Bombay, traf unterwegs -die herausgesandte Verstärkung von 4 Linienschiffen unter Kontreadmiral -Samuel Cornish und führte dann einen wertvollen Konvoi nach England. Auf -der Station verblieben jedoch unter =Cornish= und =Stevens= genügend -Schiffe, die in den nächsten Jahren erfolgreich in den Landkrieg -eingreifen konnten. - -$Der Zusammenbruch der französischen Macht in Indien 1760/61.$ Nach -d'Achés Abfahrt gingen die Engländer am Lande mit fast ununterbrochenem -Erfolge angriffsweise vor; sie erhielten ständig Verstärkungen aus der -Heimat, die Franzosen nie. Ihre Führer waren denen der Gegner überlegen; -de Lally war längere Zeit krank und de Bussy wurde im Januar 1760 -gefangen genommen, auch sank die Mannszucht bei den Franzosen. =Die -Engländer eroberten= im November 1759 Wandewash, im Februar 1760 Arcot, -im April Karikal und Cuddalore; wo es anging, wirkte das Geschwader -unmittelbar oder durch Landung von Mannschaften mit. Am 1. Mai schritten -sie zur Belagerung von =Pondichery=, das gleichzeitig vom Admiral -=Stevens= blockiert wurde; die Stadt verteidigte sich aber hartnäckig, -immer noch in der Hoffnung auf Entsatz durch d'Aché. Das englische -Geschwader hielt die Blockade auch im Winter aufrecht, verlor dabei -jedoch in einem Orkan am 1. Januar 1761 4 Linienschiffe, 2 Fregatten -sowie 2 kleinere Fahrzeuge mit insgesamt 1100 Mann Besatzung. Am 15. -Januar mußte die Stadt kapitulieren; sie wurde zerstört und 1100 Europäer -gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bald nach Pondichery fielen die letzten -festen Plätze im Carnatic. Im Februar hatte Admiral =Cornish= mit 4 -Linienschiffen die französische Stadt =Mahé= an der Malabarküste -genommen. - - $De Lally$ wurde gleichfalls kriegsgefangen. Bei seiner Abreise - verhöhnten ihn die eigenen Offiziere und Beamten. Sein Intendant, der - Beweise für die Mißwirtschaft und Untreue der Beamten gesammelt haben - soll, wurde erstochen. Später nach Paris zurückgekehrt, wollte de Lally - die Beamten anklagen, diese kamen ihm jedoch zuvor und wurden von den - Offizieren unterstützt; nach langem Prozeß wurde er 1766 wegen Verrates - an der Sache des Königs und der Kompagnie =enthauptet=. =De Leyrit=, - viele Beamte und auch =de Bussy= sollen große Vermögen erworben haben. - -=Frankreich hatte alles verloren=; der Traum eines französischen Indiens -war zu Ende. Wenn es auch beim Friedensschluß Pondichery mit den -dazugehörigen Küstenfaktoreien zurückerhielt, so waren doch die Plätze -der Befestigungen beraubt, verarmt und einflußlos geworden. =England war -Herr in Indien=, im Carnatic und in den ehemaligen französischen -Provinzen. In Bengalen erhielten zwar die Franzosen Chandernagore -gleichfalls zurück, aber auch hier durften sie keine Befestigungen -anlegen und mußten die von England eingesetzten Nabobs anerkennen. -Englands Stellung in Indien wurde nicht wieder erschüttert, selbst nicht -durch Suffrens Kraft und Führertalent im nächsten Kriege. - - $Die französisch-ostindische Kompagnie$ löste sich 1770 auf. Die - Regierung kaufte ihr schon 1764 die Inseln Isle de France und Bourbon, - sowie den Hafen von Lorient ab, hob 1769 ihr Monopol auf und gab allen - Franzosen den Handel nach Indien frei. Die Kompagnie soll von 1725-1769 - ein Kapital von 169 Millionen Francs verloren haben. - -$England erobert die Philippinen 1762.$ Wie bereits erwähnt, hatte -England bei Ausbruch des Krieges mit Spanien beschlossen, tatkräftig -gegen dessen Kolonien, insbesondere die Philippinen, vorzugehen. Die -Anregung dazu gab der Oberst, später General, =Sir William Draper=, ein -indischer Offizier. Er hatte von Indien aus einen Krankheitsurlaub in -Manila verbracht und dabei erkundet, daß im Vertrauen auf die -Entlegenheit dieser Kolonie die Befestigungen vernachlässigt waren. Mit -einem Regiment Infanterie sowie einer Kompagnie Artillerie wurde er -sodann nach Indien gesandt und hier auf dem Geschwader des Admiral -=Cornish= -- 8 Linienschiffe, 3 Fregatten und 2 Ostindienfahrer -- -eingeschifft; mit Einschluß der Schiffslandungsabteilungen standen ihm -2300 Mann zur Verfügung. - -Die Vorbereitungen in Indien wurden sehr schnell getroffen, auch sandte -man sogleich eine Fregatte voraus, die alle nach Manila bestimmten -Schiffe abfangen und so verhindern sollte, daß die Spanier gewarnt -würden. Am 1. August 1762 segelte die Expedition ab und traf am 23. -September vor Manila ein, wo der Ausbruch des Krieges noch gar nicht -bekannt war. Die Stadt wurde von nur 600 Soldaten mit 80 Kanonen -verteidigt, weigerte aber die Übergabe. Vom 24. bis 26. landeten die -Engländer trotz schwerer Brandung, aber sonst fast ohne Widerstand; -Batterien wurden aufgeworfen und durch diese, von flankierenden Fregatten -unterstützt, vom 29. an die Stadt beschossen. Am 5. Oktober war Bresche -gelegt; die Stadt fiel durch Sturm und die Zitadelle ergab sich. Die -Übergabebedingungen waren im allgemeinen günstig, aber die Stadt wurde -drei Stunden geplündert. In die Übergabe wurden ganz Luzon sowie die -übrigen Inseln eingeschlossen, doch beschränkte sich die Herrschaft der -Engländer tatsächlich auf die Küstenplätze, da die Spanier im Innern die -Übergabe nicht anerkannten und bis zum Friedensschluß einen Guerillakrieg -führten. Ebenso vermochten die Engländer von der bedungenen -Kriegskontribution, 4 Millionen Pesos, nur etwa die Hälfte zu erhalten; -sie wurde nie voll bezahlt. Dagegen fiel ihnen eine andere Beute zu. Der -Admiral hatte ein Schiff abgesandt, um das erwartete Acapulcoschiff[106] -abzufangen. Dies gelang zwar nicht, aber man traf das im August mit -Werten von fast 3 Millionen Pesos von Manila abgegangene Schiff und nahm -es. =Der Verlust= der Engländer vor Manila betrug nur 150 Tote und -Verwundete. - - [106] Bekanntlich lief jährlich ein Schiff mit Schätzen und Waren von - Manila nach Acapulco in Mexiko aus und umgekehrt kam von dort ein - Schiff mit Geld für die Waren, sowie mit der jährlichen - Subvention für die Kolonie von Acapulco nach Manila; diese nannte - man Acapulcoschiffe. - -Die Philippinen wurden beim Friedensschluß an Spanien zurückgegeben, zum -größten Unwillen der ostindischen Kompagnie, die hier fast die ganzen -Kosten der Expedition getragen hatte. - - - Der Kleine Krieg[107]. - -Wie in allen vorhergegangenen englisch-französischen Kriegen, so spielt -auch in diesem der Angriff auf den Handel des Gegners eine große Rolle, -und wiederum scheint es, als ob hierbei die Franzosen den größeren Erfolg -erzielt hätten, sogar in noch höherem Maße als früher; während im Kriege -1702-1713 Frankreich mehr Kauffahrer verlor als England, und 1739-1748 -der Verlust auf beiden Seiten, Spanien und Frankreich zusammengenommen, -ungefähr gleich war, stellt er sich im Siebenjährigen Kriege für England -sehr viel höher. - - [107] Vgl. hierzu das über den Handelskrieg, sowie über den Wert des - Kreuzerkrieges im ersten Bande, Seite 304 und Seite 471 Gesagte. - -- Hervorragende Zusammenstöße von Kriegsschiffen im Kleinen - Kriege sowie sonstige bemerkenswerte Angaben über diesen findet - man in den englischen und französischen Spezialwerken; so z. B. - Clowes III, Kapitel Minor actions, und Troude I. - - Die Umstände, die diese Kriegführung für Frankreich begünstigten, seien - kurz hervorgehoben. Die Häfen am Kanal, besonders Dünkirchen und St. - Malo, boten vorzügliche Stützpunkte für die Freibeuter, in Westindien - dienten Martinique und Guadeloupe dem gleichen Zweck; je mehr die - französische Schiffahrt durch den Angriff der Engländer niederging, um - so mehr wurde die Freibeuterei ein Erwerbszweig der Reeder sowie der - seemännischen Bevölkerung; das Lahmlegen der Kriegsmarine wies die - Regierung darauf hin, den Kreuzerkrieg durch ihre Schiffe betreiben zu - lassen -- wenn sie auch nicht wie in den Kriegen des vorigen - Abschnittes besondere Geschwader dazu aufstellte -- und die - Freibeuterei durch Überlassen von Schiffen sowie Personal zu - unterstützen. Vor allem aber kommt wiederum und in diesem Kriege mehr - als je zuvor in Betracht, daß die englische Handelsschiffahrt der - französischen an Zahl sehr überlegen war, also ein weit leichter zu - schädigendes Angriffsobjekt bot; auch wird englischerseits - hervorgehoben, daß viele Verluste dem Ungehorsam der Handelsschiffe - gegen die Anordnungen der sie begleitenden Kriegsschiffe zuzuschreiben - seien. - -Einige Angaben sollen den Umfang des Kleinen Krieges, sowie die Verluste -auf beiden Seiten veranschaulichen. Im Jahre 1755, vor Ausbruch des -Krieges, nahm England 500 französische Handelsschiffe im Werte von über -einer Million Lstrl; gegen 6000 Seeleute, einschließlich der Besatzungen -einiger Kriegsschiffe, wurden kriegsgefangen. Dieses Vorgehen sollte -Frankreich zum Nachgeben bewegen und ihm die Mobilmachung erschweren, -denn der Verlust an Seeleuten entsprach der Besatzung von 10 -Linienschiffen. Anderseits aber brachten in der Zeit vom Juni 1756 bis -Juni 1760 die französischen Freibeuter 2500, die englischen Kreuzer nur -950 feindliche Kauffahrer auf; bis 1761 waren 240 französische Kaper -weggefangen trotzdem Frankreich keine Geschwader mehr auf See hatte, -nahmen deren Kameraden in diesem Jahre noch 812 Handelsschiffe, über -dreimal so viel, als der eigene Verlust betrug; im Jahre 1762 fielen nur -120 französische Freibeuter und Kauffahrer den Engländern in die Hände. - -Im ganzen hat England während des Krieges über 4000 Handelsschiffe -verloren, 1400 davon wurden in Westindien und hauptsächlich von -Martinique aus genommen; der Verlust Frankreichs soll sehr viel geringer -gewesen sein, was die Anzahl der Fahrzeuge anbetrifft. Es ist dies aber -kein Beweis für den größeren materiellen Erfolg. Unter den Prisen, die -Frankreich machte, zählen viele kleinere und Küstenfahrzeuge, während die -Engländer größere, wertvollere Schiffe sowie Freibeuter fingen. Außerdem -stand der Verlust auf beiden Seiten in ganz anderem Verhältnis zur -Gesamtschiffahrt. Der Handel und die Freibeuterei Frankreichs wurden nach -und nach lahmgelegt. Ein französischer Autor (Troude) sagt: »1759 -verursachte die glückliche Ankunft des westindischen Konvois bei den -französischen Kaufleuten Überraschung und Freude; ein Zeichen, wie selten -ein solches Ereignis geworden war in Meeren, die Englands Geschwader -pflügten.« Der englische Handel aber blühte wie in den Jahren 1744-1748 -so auch gerade während dieses Krieges auf; 1760 und 1761 befuhren 8000 -englische Handelsschiffe die Meere. Der Seehandel und die gleichfalls -gedeihende Industrie lieferten reichlich die Mittel für den eigenen Krieg -wie für die Unterstützung der anderen Gegner Frankreichs. - -England vollendete die Vernichtung des französischen Handels durch die -Wegnahme der Kolonien, durch die Blockade der Häfen des Gegners und durch -sein Auftreten neutralen Mächten gegenüber. (Seite 124.) Es band sich -weder an den bisherigen Brauch hinsichtlich der als Kriegskontrebande -anzusehenden Güter noch an den alten Grundsatz »Frei Schiff -- frei Gut«, -sondern nahm neutrale Schiffe mit den Erzeugnissen französischer Kolonien -und sah die französischen Häfen als in Blockade befindlich an, auch ohne -daß eine solche tatsächlich bestand. Schon 1758 nahm England auf Grund -dieser Auffassung 176 neutrale Schiffe fort, namentlich spanische, aber -auch holländische. - - $Einige kleinere Expeditionen$, die den abenteuerlichen Zügen früherer - Kriege gleichen, seien noch angeführt. Im Jahre 1759 rüstete der - Brigadegeneral =d'Estaing=, bisher im indischen Heere de Lallys, in - =Isle de France= zwei Schiffe der Kompagnie aus, ging am 1. September - in See, nahm einen wertvollen englischen Ostindienfahrer in Maskat, - zerstörte dann am 14. Oktober das englische Fort Gombroon am Persischen - Golf und im Februar 1760 die Niederlassungen auf Sumatra. Nach einer - Kreuzfahrt von 22 Monaten kehrte er nach Port Louis zurück. - - Als Choiseul die Leitung der Marine übernommen hatte und mit Hilfe - Spaniens den Krieg zur See wieder zu beleben gedachte, unternahm er - einen =Versuch, in Nordamerika= nochmals =Fuß zu fassen=. England hatte - den größten Teil seiner Truppen von dort nach Westindien gezogen und - auch die Seestreitkräfte sehr verringert. Am 18. Mai 1762 entschlüpfte - Kapitän =de Ternay=, uns schon durch die Flottmachung und Überführung - der in der Vilaine nach der Schlacht von Quiberon eingeschlossenen - Schiffe bekannt, mit 2 Linienschiffen, einer Fregatte sowie einer Flüte - mit 570 Soldaten aus Brest. Er erschien am 20. Juni im Hafen von St. - John auf Neufundland, besetzte die Stadt und fügte von hier aus den - Engländern durch Aufbringen von Fischerfahrzeugen großen Schaden zu. - Bald allerdings blockierten ihn herbeigerufene englische Kriegsschiffe, - es gelang ihm aber doch, während eines Sturmes auszulaufen und - Frankreich wohlbehalten wieder zu erreichen. Die kleine französische - Garnison mußte sich allerdings am 18. September den von Louisbourg - herangerückten Truppen ergeben. -- Ohne Aussicht auf Beute unternommen, - ist dieser Zug lediglich ein Beweis kühnsten Wagemuts. - - Im gleichen Jahre bereitete Frankreich eine größere =Expedition gegen - Rio de Janeiro= vor, um Portugal für seine Begünstigung Englands zu - strafen. Als Chef des Geschwaders -- 9 Linienschiffe und 10 Transporter - mit Soldaten -- war Kapitän =Beaussier de l'Isle= bestimmt, als Führer - des Landungskorps =General d'Estaing=. Dieser erhielt den Oberbefehl, - er wurde gleichzeitig zum Chef d'Escadre ernannt und in das - Seeoffizierkorps eingereiht (im nächsten Kriege war er Flottenchef). In - seiner Instruktion wurde er auf das Beispiel Duguay-Trouins, 1712, - hingewiesen; es galt also in erster Linie, Beute zu machen, die hier ja - auch zu finden war. Im November 1762 fast segelfertig, wurde die - Expedition des bevorstehenden Friedensschlusses wegen zurückgehalten. - - Schließlich finden wir noch eine =englische Expedition= ähnlicher Art, - die ganz den Raubzügen zur Zeit der Königin Elisabeth entspricht. 1762 - rüstete eine Gesellschaft von Edelleuten und Handelsherren einen Zug - =gegen= die spanische Kolonie =Buenos Aires= aus. Mit zwei - Kriegsschiffen, eins zu 50, eins zu 28 Kanonen, von der Admiralität - gekauft, und 2 Transportern mit 500 Soldaten, traf ein Seeoffizier der - ostindischen Kompagnie, =Macnemara=, am 2. November im La Plata ein, - fand aber die Spanier besser vorbereitet, als er erwartet hatte. Zwei - Versuche, die Stadt Colonia zu nehmen, wurden abgeschlagen; bei dem - zweiten, am 6. Januar 1763, ging das größere Schiff in Flammen auf und - mit ihm fanden der Führer sowie 270 Mann ihren Tod, die anderen - entkamen nach Rio. - - - Schlußbetrachtungen. - -$Über Strategie[108].$ Der Zusammenstoß zwischen England und Frankreich -wegen maritimer sowie kolonialer Interessen war unvermeidlich und wurde -auch von beiden Staaten seit dem letzten Friedensschluß vorausgesehen. -=Frankreich= hatte deshalb während der Friedensjahre viel für seine -Marine getan, aber sie bis 1755 doch noch nicht der englischen ebenbürtig -machen können. Es gab aus diesem Grunde scheinbar überall nach, als in -Nordamerika und Ostindien die Reibungen zwischen den beiderseitigen -Kolonien bereits bis zum Kriege gediehen waren; vielleicht hatte man -wirklich die Hoffnung, den allgemeinen Krieg noch hinausschieben zu -können, vielleicht beabsichtigte man nur, einen günstigeren Augenblick -abzuwarten. - - [108] Bei dieser Betrachtung sei zur Ergänzung auf die Auslassungen - hingewiesen, die wir schon vor der Schilderung des - Kriegsverlaufes (Seite 123 ff.) über die Kriegführung der Gegner, - sowie ihre strategischen Pläne und Maßnahmen aus dem dort - angeführten Grunde genauer gegeben haben, als es bei den früheren - Kriegen geschehen ist. - -Nach französischer Auffassung suchte =England= dagegen den Krieg -herbeizuführen, ehe die feindliche Marine mächtiger wurde, und Englands -Forderungen bei den weiterlaufenden Verhandlungen sowie sein schon -ausgesprochen kriegerisches Auftreten gegen französische Kriegs- und -Handelsschiffe im Jahre 1755 lassen allerdings glaubhaft erscheinen, daß -es den Franzosen den Krieg aufzwingen wollte, falls diese nicht -bedingungslos nachgaben. Unter diesen Umständen hätte Frankreich seine -ganze Kraft auf den bevorstehenden Seekrieg richten müssen, um wenigstens -auf einem Kriegsschauplatze bald Erfolge zu erringen; zu einem klaren -Entschlusse in dieser Hinsicht kam man aber nicht. Zwar gelang es 1756 -die Aufmerksamkeit des Gegners abzulenken und durch überraschendes -Vorgehen ihm Minorka, den wichtigen Stützpunkt im Mittelmeer zu -entreißen; dann aber beschränkte man sich auf die Unterstützung der -Kolonien. Durch den altüberlieferten Wunsch auf Ausdehnung nach Osten -ließ sich ferner Frankreich verleiten, in den siebenjährigen -Festlandskrieg einzutreten und diesem seine Hauptaufmerksamkeit wie seine -Hauptkraft zuzuwenden, obgleich gerade jetzt, Anfang 1757, seine Sachen -in Nordamerika sowie in Westindien recht günstig standen. - -Auch England ergriff Partei in diesem Kriege, schon um das mit ihm -verbundene Kurfürstentum Hannover gegen Frankreich zu schützen, besonders -aber, weil sein Gegner dadurch eben vom Seekriege abgelenkt wurde; es -beteiligte sich jedoch am Landkriege fast nur durch die Hilfsgelder, die -es an Preußen und dessen Verbündete zahlte. Zur See entfalteten die -Engländer dagegen ihre ganze Macht nach einem einheitlichen strategischen -Plane, dessen Richtigkeit sich in den beiden letzten Jahren des -vorangegangenen Krieges gezeigt hatte. Sie blockierten die französischen -Seestreitkräfte in den atlantischen Häfen und hielten die in Toulon -versammelten von Gibraltar aus im Mittelmeere fest; liefen französische -Flotten aus, so stießen sie mit ihren seeentwöhnten Besatzungen auf -stärkere, durch den schweren Blockadedienst erprobte englische Kräfte. -Eine Vereinigung der französischen Flotten wurde so verhindert, und auch -der Weg nach den Kolonien ward ihnen verlegt, während Englands stets -wachsende Seemacht gestattete, in den fernen Gewässern nach und nach -immer stärker aufzutreten. - -Das Jahr 1757 brachte für England zwar noch keine Erfolge, sondern es -gelang Frankreich, die Machtmittel seiner Kolonien zu verstärken. In -Nordamerika waren die französischen Seestreitkräfte überlegen und -verhinderten größere Unternehmungen des Gegners. In Ostindien stand sogar -die englische Sache infolge des Krieges mit den Eingeborenen in Bengalen -recht schlecht; aus Vorderindien würden die Engländer wahrscheinlich ganz -vertrieben sein, wenn Frankreich seine Verstärkungen so bemessen hätte, -wie es ursprünglich beabsichtigt gewesen war. - -Aber schon 1758 wandte sich das Blatt, da die Unterstützung der Kolonien -französischerseits ungenügend wurde. In Nordamerika gewannen die -Engländer die Seeherrschaft, und der wichtigste Stützpunkt der Franzosen, -Louisbourg, fiel, wodurch der Verlust Kanadas bedingt war; in Ostindien -wurde zwar noch um die Seeherrschaft gekämpft und die Franzosen errangen -Erfolge am Lande, aber hier wie zur See schwanden ihre Kräfte dahin. Im -Jahre 1759 fiel dort Quebec, hier kamen alle Unternehmungen der Franzosen -auf dem Festlande zum Stillstand und ihre Seestreitkräfte räumten, völlig -erschöpft, zu Ende des Jahres endgültig die indischen Gewässer. Auch in -Westindien, wo sich die Gegner bis 1758 die Wage gehalten und auf den -kleinen Krieg beschränkt hatten, bekamen die Engländer in diesem Jahre -die Übermacht und eroberten 1759 Guadeloupe. - -Man sah in Frankreich endlich die Unmöglichkeit ein, auf allen -Kriegsschauplätzen mit Erfolg zu fechten, ja überhaupt den Land- und -Seekrieg gleichzeitig weiterzuführen, und war zu dem Entschlusse -gekommen, alle Seestreitkräfte zu einem Hauptschlage zusammenzuraffen. -Einsichtsvolle Männer hatten ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß -England als Frankreichs gefährlichster Gegner anzusehen sei, daß der -deutsche Krieg das Land nur an Geld und Menschen ruiniere, und daß ein -Einfall in England die einzige Möglichkeit sei, den unheilvollen Kampf -günstig zu beenden. Jetzt aber war es zu einem solchen Unternehmen zu -spät; von einer Überrumpelung des Gegners konnte keine Rede mehr sein, -und das Verhältnis der Stärke zur See hatte sich noch viel ungünstiger -für Frankreich gestaltet. Trotzdem es die fernen Gewässer aufgab, standen -ihm nur 12 Schlachtschiffe in Toulon und 21 in Brest zur Verfügung; -England konnte diesen, ohne seine anderen Aufgaben zu vernachlässigen, 15 -und 27 entgegenstellen und behielt dann noch Reserven übrig. Wie es mit -der Brauchbarkeit der französischen Streitkräfte bestellt war, zeigt der -Umstand, daß de Conflans die aus Westindien zurückgekehrten Schiffe, die -seiner Brestflotte dem Gegner an Zahl überlegen gemacht hätte, nicht -einstellte, sondern deren Besatzungen zum Auffüllen seiner Besatzungen -benutzte. Beide Teile der französischen Flotte wurden von ihren Gegnern -bei Lagos und Quiberon vernichtend geschlagen. - -Von nun an gab Frankreich alle größeren Unternehmungen zur See auf und -England heimste seine Ernte ein. 1760 fiel Montreal und damit Kanada, -1761 Pondichery, mit ihm Ostindien; in Westindien wurde 1762 Martinique -nebst fast allen übrigen französischen Inseln erobert; England gewann -1761 sogar einen Stützpunkt für seine Blockade an der feindlichen Küste -selbst durch die Einnahme der Insel d'Aix. Die letzte ferne Besitzung -Frankreichs, sein Teil der Insel Haiti, St. Domingue -- Senegambien war -schon 1758 verloren gegangen, -- wäre wohl nach Martinique an die Reihe -gekommen, wenn sich England nicht zunächst gegen Spanien, seinen neu -hinzugetretenen Feind, gewandt hätte. Diesem Staate kostete seine -Verbindung mit Frankreich, ehe es diesem irgendwie hatte nützen können, -1762 Havanna sowie die Philippinen. Außerdem war Frankreichs Seehandel -vernichtet und damit die Hauptquelle für die zur Kriegführung nötigen -Gelder versiegt; Englands Handel und Industrie wuchsen dagegen während -des Krieges und lieferten ihm reiche Mittel. - -=England= verdankte seine Erfolge nur der richtigen Verwendung seiner -überwältigenden Seemacht, die während des Krieges fortlaufend an Kraft -gewann; kaum je hat sich der Einfluß einer solchen durchschlagender -gezeigt, als in diesem großen See- $und$ Kolonialkriege. - -=Frankreich= unterlag, weil es seine Marine nicht genügend für den -unabwendbaren Waffengang vorbereitet hatte, und sie dann während des -Krieges vernachlässigte; wurde doch sogar im Februar 1757 ein tüchtiger -Marineminister seines Postens enthoben, bis 1761 durch ungeeignete -Persönlichkeiten ersetzt (vgl. S. 30), und der dann folgende Aufschwung -kam für diesen Krieg zu spät. Die vorhandenen Kräfte wurden aber auch nur -schwächlich verwendet. Hervorragende französische Schriftsteller schieben -die Schuld hierfür besonders den höheren Führern zu, doch geschieht dies -zu Unrecht. Einmal ist es Aufgabe der Regierung, tüchtige Männer auf die -wichtigen Posten zu stellen -- und tüchtige Offiziere besaß die Marine -zweifellos --, sowie diesen die nötigen Mittel in brauchbarem Zustande in -die Hand zu geben. Dann aber spricht für die Beschuldigten der Umstand, -den wir schon mehrfach berührt haben. Ihre Aufgaben waren meistens eng -begrenzt und ihre Instruktionen wiesen darauf hin, vorsichtig zu -verfahren, es nicht zu zweifelhaften Kämpfen kommen zu lassen, sondern -das kostspielige Material zu schonen. Nach solchen Bestimmungen handelten -=La Gallissonnière= nach der Schlacht bei Minorca 1756 und =Dubois de la -Motte= 1757 in Nordamerika, wenn sie ihre augenblickliche Überlegenheit -nicht ausnutzten. Derartige Mahnungen, schon im vorigen Kriege üblich, -mußten aber nach und nach den Schneid und den Wagemut der höheren Führer -überhaupt lähmen und sie auf stete Verteidigung hinführen; sie eigneten -sich die Gewohnheit an, freiwillig das Feld zu räumen, sobald es ihnen -ein Gegner, selbst ein schwächerer, in kühner Weise streitig machte, -obgleich doch sonst eine ängstliche Defensive wahrlich nicht dem -französischen Charakter entspricht. - -Nach diesen Leitsätzen handelten dann die Führer, auch wenn sie nicht -ausdrücklich darauf hingewiesen waren, so z. B. =de Conflans= bei -Quiberon 1759 und =d'Aché= in Indien 1758/59; bei diesen sprach auch noch -der berechtigte Mangel an Vertrauen auf ihre Streitkräfte mit. Diese von -der Oberleitung der französischen Marine in den Kriegen Ludwigs XV. -vertretene Auffassung, die den Admiralen aufgab, ihre Schiffe zu schonen, -beruht auf völligem Verkennen der Grundsätze für eine Kriegführung, die -durchschlagenden Erfolg erringen will, besonders einer solchen zur See. -Die Betrachtung der früheren Seekriege (im ersten Bande) lehrt, wie sich -die Strategie naturgemäß derartig entwickelte, daß die Niederwerfung der -feindlichen Seestreitkräfte und damit die Erringung der Seeherrschaft -immer mehr in den Vordergrund trat. - - Es ist auffallend, daß Frankreich fast stets den Seekrieg anders - aufgefaßt hat. Schon unter =Ludwig= XIV. zeigen sich Beispiele dafür - und auch unter =Ludwig= XVI. blieb es ähnlich, obgleich die Marine weit - stärker geworden war. Noch 1802 schrieb eine französische Autorität in - bezug auf Seekriegführung (A. Ramatuelle, Cours élémentaire de tactique - naval; Paris 1802): »Die französische Marine hat stets den Ruhm höher - geschätzt, eine Eroberung zu sichern oder zu halten, als den vielleicht - glänzenderen, aber tatsächlich weniger nützlichen, einige Schiffe zu - nehmen; sie hat sich damit mehr dem wahren Ziele genähert, das man sich - im Kriege steckt.« - - =Mahan=[109] sagt hierzu (gekürzt): »Die Richtigkeit dieses Schlusses - hängt von der Ansicht ab, die man vom wahren Zweck des Seekrieges hat. - Kommt es nur darauf an, eine Stellung an der Küste zu sichern, so wird - die Marine für diesen besonderen Zweck ein Teil der Armee und ordnet - sich deren Tätigkeit unter. Ist jedoch der wahre Zweck der, des Gegners - Seeherrschaft zu brechen, ihm die Verbindung mit sonstigen Besitzungen - abzuschneiden und seinen Handel abzugraben, so bildet dessen Marine das - Angriffsobjekt. Diesem Verfahren verdankt England seine Seeherrschaft; - hier sagte schon =Monk=, wer die See beherrschen wolle, müsse stets - angreifen. -- =Gallissonnière= hielt die Unterstützung der Belagerung - von Port Mahon für wichtiger als die Vernichtung der englischen Flotte; - England erhielt aber Minorca nur infolge seiner Seeherrschaft zurück. - Schon die Seeschlacht bei der Insel und die Einnahme der Festung hatte - im französischen Volke Begeisterung für die Flotte erregt; hätte - Gallissonnière dem Gegner auch noch 4 oder 5 Schiffe abgenommen, so - wäre dieselbe vielleicht gleich der von 1760 geworden und die Regierung - hätte sie schon damals zum Ausbau der Flotte ausnützen können.« - Allerdings hat der Erfolg damals, nach Äußerung eines französischen - Autors, auf den Marineminister so wenig Eindruck gemacht, »daß er es - für angebracht hielt, die Schiffe und Takelagen zu verkaufen, die wir - noch in unseren Häfen hatten«. - - [109] Mahan I, Seite 276. Dieser Autor läßt sich, dem Zwecke seines - Werkes entsprechend, überhaupt sehr eingehend über den hier - angeregten Punkt aus; vgl. z. B. Seite 73/75, 276/77, 324/25. - -Aber selbst wenn ein Staat die strategische Offensive nicht zu ergreifen -vermag, um die Seeherrschaft zu erringen -- in welcher Lage sich -Frankreich im besprochenen Kriege bald befand --, so muß er doch auch in -der strategischen Defensive gegen die feindlichen Streitkräfte vorgehen, -wo es irgend möglich ist; das Vermeiden des Kampfes, um die teuern -Schiffe zu schonen, kann auch hier keine Erfolge zeitigen. - -$Über Taktik.$ Die rangierten Schlachten dieses Krieges -- Minorca 1756, -Cuddalore sowie Negapatam 1758, Porto Novo 1759 -- liefern gute Beispiele -für die Taktik, die diesen Abschnitt kennzeichnet[110]. In ihnen folgen -die Engländer genau ihrer Gefechtsinstruktion -- gleichzeitiger Angriff -auf die ganze feindliche Linie unter strenger Aufrechterhaltung der -Ordnung --, deren Schwächen sich in jedem Falle deutlich zeigen. Sie sind -infolgedessen nie imstande, den Gegner niederzuwerfen, auch wenn sie ihn -durch Ungestüm erschüttert haben. Der Verlauf der Schlacht bei Minorca -führt über den Admiral wieder ein Kriegsgericht herbei, aus dessen Spruch -die engherzige Auffassung der Gefechtsinstruktion zu ersehen ist. Diese -große rangierte Schlacht zeigt auch zum ersten Male die französische -Taktik in ihrer vollen Eigenart: Das Erwarten des Angriffs in freiwillig -gewählter Leestellung; das Ausweichen der Spitze, sobald der Gegner zum -Nahkampf heran ist; das Vorbeiziehen der ganzen Linie an den vordersten, -schon beschädigten feindlichen Schiffen; das Einnehmen einer neuen -Stellung, um einem zweiten Angriff zu begegnen. Auch bei den drei Kämpfen -in Indien tritt die rein defensive Taktik der Franzosen, hier wohl noch -mehr im Widerspruch zum Volkscharakter, hervor. Wie schon mehrfach -angedeutet, entsprang diese nicht nur der Überlegung, die Schwächen der -englischen Angriffsart auszunutzen, sondern auch dem Bestreben, das -Material zu schonen; die Führer hielten sich für verpflichtet, -abzubrechen, ehe der Kampf eine zu ernste Wendung nahm. Da nun die -Engländer infolge starker Beschädigung eines Teiles ihrer Schiffe nie zum -zweiten Angriff schreiten konnten, so blieben die rangierten Schlachten -sämtlich unentschieden. - - [110] Über diese Taktik vgl. Seite 36 ff., sowie Seite 113. - -Die beiden großen und ausschlaggebenden, ja sogar für den Krieg -entscheidenden Kämpfe -- Lagos und Quiberon 1759 -- waren, wie die beiden -Entscheidungsschlachten bei Finisterre im vorhergegangenen Kriege, -Verfolgungsgefechte. In ihnen verdankten die Engländer dem Schneid ihrer -Admirale sowie der seemännisch-militärischen Tüchtigkeit ihrer Offiziere -und Mannschaften den Sieg; die Franzosen unterlagen infolge taktischer -Fehler ihrer Führer und der Minderwertigkeit des übrigen Personals. In -beiden Fällen zeigt sich der große Nachteil, der einer verfolgten Flotte -aus ungleicher Geschwindigkeit der Schiffe erwächst. Sie beweisen aber -auch, daß der Führer diesem Umstande Rechnung tragen muß; aus einem -Rückzuge wird sonst leicht eine regellose Flucht mit ihrem -niederdrückenden Einfluß; eine moralische Überlegenheit besitzt der -Verfolger ja schon von vornherein. Es tritt in diesen Schlachten auch -wieder die Richtigkeit des Grundsatzes hervor, daß der Verfolger eines -fliehenden Feindes auf die eigene Ordnung nur soweit Rücksicht nehmen -soll, als nötig ist, um den Schiffen gegenseitige Unterstützung zu -sichern; in beiden Fällen handelten die Engländer hiernach. - -$Die Angriffe auf feindliche Küsten$[111] in diesem Kriege bestätigen -weiter die schon früher gezogenen Lehren. =Die Eroberung Minorcas= 1756 -gelang, weil Frankreich die See beherrschte. Dies war nur eine Folge der -Nachlässigkeit Englands; hätte dessen Mittelmeerstation 12 anstatt 3 -Linienschiffe gezählt, so würde der Gegner wahrscheinlich nicht einmal -den Versuch gewagt haben. Dieser Fehler ist weder mit völliger Unkenntnis -noch mit Mangel an Kräften zu entschuldigen. -- In dem =Versuch -Frankreichs, in England zu landen=, 1759, findet Colomb vor allem einen -Verstoß gegen den Grundsatz des Seekrieges, daß ein solches Unternehmen -nur nach Eroberung der See nicht gleichzeitig mit dieser sicheren Erfolg -verspricht. =Colomb= führt aus (hier gekürzt): - -»Frankreich hatte Geschwader in Brest, Rochefort, Toulon und Westindien; -gute Anordnungen vorausgesetzt und von Fehlern sowie unglücklichen -Zufällen abgesehen, war Möglichkeit vorhanden, die getrennten englischen -Beobachtungsgeschwader einzeln mit Übermacht zu schlagen. Hieraufhin -mußte der Plan gemacht werden, reichten die Kräfte dazu nicht aus, so -genügten sie noch weniger zu dem Versuche, ein Heer angesichts anerkannt -überlegener Seestreitkräfte über das Meer zu führen. Glaubte man aber an -die Möglichkeit, daß der Transport unbelästigt durchschlüpfen könne, so -war es unnötig, ihn durch die Hauptflotte begleiten zu lassen. -- Bei der -Ausführung des Versuches treten weitere Fehler auf. Es war falsch, die -Transportmittel für den Teil der Invasion, der über den Kanal erfolgen -sollte, in Havre zu sammeln, wo sie leicht vom Gegner vernichtet werden -konnten (wie es tatsächlich durch Rodney geschah) und auch =de la Clue= -durfte für sein Geschwader auf dem Marsche von Toulon nach Brest nicht -Cadiz als Sammelpunkt bestimmen; dieser Umstand (zu große Nähe bei dem -englischen Beobachtungsposten Gibraltar) rief die anderen Fehler hervor, -die zu seiner Niederlage bei Lagos führten. Weshalb endlich ging =de -Conflans= zum Abholen des Transportes zur Quiberonbucht? Seine Aufgabe -wäre gewesen, die englische Flotte, als sie die Blockade hatte -unterbrechen müssen, zu suchen und sie möglichst fern von dem Transporte -zu engagieren. Mit den von Westindien zurückgekehrten Schiffen wäre er -dem Gegner überlegen gewesen, aber selbst wenn er geschlagen wäre, hätte -er denselben vielleicht so geschwächt, daß der Transport nun tatsächlich -unter dem Schutz der besonders dazu bestimmten Bedeckung das Ziel -unbelästigt hätte erreichen können. Dadurch aber, daß de Conflans zur -Quiberonbucht ging, zog er den Gegner gerade zum Transport hin und machte -dessen Segeln unmöglich.« - - [111] Anschließend an Seite 113 ff.; wie dort ist hier weiter dem Werke - Colombs, Kapitel VII, Seite 135 ff., und Kapitel XVI, Seite - 356 ff., gefolgt. - -Colombs Ausführung enthält viel Bemerkenswertes, sie rechnet aber auch -mit verschiedenen Umständen, die auf französischer Seite nicht vorlagen. -So wissen wir, daß Conflans die westindischen Schiffe aus berechtigtem -Grunde nicht zur Verstärkung seiner Flotte heranzog, daß das zur -besonderen Bedeckung des Transportes bestimmte Geschwader nicht von Brest -zur Quiberonbucht hatte gelangen können, und daß die Engländer diesen -Platz ebenfalls blockierten; hätte Conflans die Bedeckung nach seinem -Inseegehen abgezweigt, so wäre er um so viel Schiffe schwächer gewesen. --- Während der später noch vorgekommenen großen Landungen -- auf -Guadeloupe, Martinique und Belle-Ile -- waren die Engländer stets -unbestritten Herren der See ebenso bei den =Belagerungen von -Küstenstädten= -- Louisbourg, Havanna, Manila --, für deren Eroberung -dann naturgemäß den Landstreitkräften wieder die Hauptaufgabe zufiel. Mit -einfachen Beschießungen von Küstenplätzen (am Kanal) haben die Engländer -wohl stets die Schädigung des feindlichen Landes wie die Schwächung der -Freibeuterei bezweckt, wenn auch als Hauptgrund für die Bedrohung der -französischen Küsten das Ablenken Frankreichs vom deutschen Kriege -angegeben wird. - - * * * * * - -[Illustration] - - - Fünftes Kapitel. - - Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 1775-1783. - - Entstehung des Krieges[112]. - -$England und die Kolonien bis zu ihrer Erhebung.$ Bekanntlich fand die -Erwerbung Kanadas im Frieden von Paris keineswegs den Beifall aller -Politiker in England; viele hätten eine Erweiterung des englischen -Besitzes in Westindien lieber gesehen und betonten, die eigenen Kolonien -in Nordamerika könnten zu kräftig und selbstbewußt werden, wenn sie die -Nachbarschaft der Franzosen nicht mehr zu fürchten brauchten; erzeugten -sie doch fast alle ihre Bedürfnisse schon selber und ihre Abhängigkeit -von England verminderte sich stetig. Die öffentliche Meinung und die -meisten Staatsmänner teilten aber diese Befürchtung nicht, sie wollten -Frankreich aus Nordamerika verdrängen. =Pitt= war gleicher Ansicht, denn -er plante, Frankreich sämtlicher Kolonien zu berauben und es von der -Hochseefischerei auszuschließen, um ihm Antrieb und Grundlage zur -Aufstellung einer starken Marine zu nehmen. Auch der Amerikaner =Benjamin -Franklin= trat öffentlich für die Erwerbung Kanadas ein. Bei der -Verschiedenheit der englisch-amerikanischen Kolonien erklärte er es für -ausgeschlossen, daß diese jemals gemeinsame Sache gegen das Mutterland -machen würden, eher könne ein Aufgeben Kanadas sie zum Abfall führen. -Seine wahre Ansicht wird dies wohl kaum gewesen sein. - - [112] Hauptquellen zu dieser Betrachtung der politischen Verhältnisse: - Schlosser, »Geschichte des 18. und 19. Jahrhdts. bis zum Sturz - des französischen Kaiserreiches«, Band III und IV, sowie, - besonders für die englisch-amerikanischen Verhältnisse, - Zimmermann, »Europäische Kolonien«, Band II. - -Tatsächlich wuchs das Selbstvertrauen der Kolonisten außerordentlich nach -den Erfolgen, die sie während des Krieges und durch ihn erreicht hatten. -Sie zeigten sich zwar in allerhand Äußerlichkeiten dankbar für Englands -militärische und finanzielle Unterstützung -- sogar Massachusetts, die -ungefügigste der Kolonien, versicherte in einer Adresse dem Könige ewige -Treue, errichtete dem gefallenen General Lord Howe ein Denkmal und taufte -Fort Duquesne um in Pittsburg --, aber sie hielten eifersüchtig fest an -jedem ihrer wirklichen oder vermeintlichen Rechte dem Mutterlande -gegenüber und verlangten vor allem, das englische Parlament, in dem die -Kolonien nicht vertreten seien, solle auch keine Gesetze für sie machen, -sondern das ihren eigenen gesetzgebenden Körperschaften überlassen. Ganz -besonders sträubten sie sich gegen Zahlung direkter Steuern und erhoben -Einspruch gegen die Beschränkung ihres Handels sowie ihrer Industrie -zugunsten des Mutterlandes. - - $Die innere Lage der Kolonien$ ist bereits im ersten Bande (Seite 606) - erörtert. Im Laufe des 18. Jahrhunderts war sie großenteils nach den - Wünschen der Kolonisten gestaltet; diese regierten sich in der - Hauptsache selbständig. Die Gouverneure wurden zwar vom Könige ernannt, - da aber ihre Besoldung von den Kolonien gezahlt wurde und jährlich - bewilligt werden mußte, so waren sie von diesen abhängig; ähnlich - verhielt es sich mit den Richtern. Die stehenden Truppen beschränkten - sich auf schwache englische Besatzungen in den Forts, die - Kolonialmilizen traten für Englands Zwecke nur auf besondere Abmachung - sowie Soldzahlung ein. Die Zollbeamten allein wurden von England - ernannt und besoldet, über Zollvergehen urteilten nicht die - Geschworenen, sondern Admiralitâtsgerichte ab. - - Dieser Entwicklung der Dinge hatte man in England lange ihren Lauf - gelassen, da sich die Kolonien in manches fügten, das zu Englands - Vorteil diente, so in die Zoll-, Handels- und Schiffahrtsgesetze. - Schwierigkeiten ergaben sich naturgemäß häufig aus der - verschiedenartigen Stellung der Regierung und der Gouverneure zu diesen - Fragen. So hielt es der Minister =Walpole= zu Englands Nutzen für - vorteilhaft, die Kolonien sich frei entwickeln zu lassen; der tüchtige, - langjährige Gouverneur =Shirley=, uns von den beiden letzten Kriegen - her bekannt, verlangte dagegen tatkräftigeres Auftreten der Regierung, - Einführung direkter Steuern zur Besoldung der Beamten sowie eines - stehenden Heeres u. dgl. Während des letzten Krieges wurde 1756 der - =Earl of Loudoun= mit scharfen Anordnungen gegen Eigenmächtigkeiten der - Kolonien hinausgesandt, während =Pitt= später auf alle schroffen - Maßregeln verzichtete und einzig den Patriotismus der Neuengländer - anrief. - -Diese Meinungsverschiedenheiten gestalteten sich seit dem -Regierungsantritt =Georgs= III. zu ernsten Zerwürfnissen zwischen England -und den Kolonien. Wie der König Minister und Parlament seinem Willen -unterordnen wollte, so erstrebte er dies auch bei den Kolonien. Hier -sollte nicht nur die strenge Beachtung der bislang vielfach umgangenen -Handelsgesetze durchgeführt, sondern auch Geld zur Erhaltung eines -stehenden Heeres aufgebracht werden. Beides war an sich nicht -unberechtigt, denn bisher überschritten die Erhebungskosten der Zölle -deren Einkünfte um das Vierfache, und England hatte doch auch im Kriege -gegen Kanada ungeheure Geldopfer gebracht; aber die Maßnahmen Englands -führten Schritt für Schritt bis zur offenen Empörung seiner -Pflanzstaaten, die mit dem sog. =Theesturm in Boston= am 18. Dezember -1773 ihren Anfang nahm. - - $Die Streitigkeiten Englands mit den Kolonien$ waren in ihren - Hauptpunkten folgende: Unter dem Minister =Grenville= beschloß das - Parlament im April 1764 für die sämtlichen englischen Kolonien eine - Einfuhrsteuer auf verschiedene Produkte, deren Ertrag nebst »anderen - Abgaben« nach Anordnung des Parlamentes für die Auslagen verwendet - werden sollten, die England aus dem Schutze der Kolonien erwüchsen. - Als eine dieser »anderen Abgaben« war für Nordamerika die Einführung - einer Stempelsteuer in Aussicht genommen, falls die Kolonien nicht auf - andere Weise die nötigen Gelder aufbringen würden; gleichzeitig ward - strenge Durchführung der Handelsgesetze und scharfe Unterdrückung des - Schleichhandels angeordnet. In Amerika sträubte man sich gegen die - Maßnahmen der Zollbeamten und Massachusetts erklärte jede Steuer ohne - seine Einwilligung für ungesetzlich. Dennoch erließ England im Frühjahr - 1765 die Stempelakte. - - Darauf berief Massachusetts einen Kongreß von Deputierten aller 13 - Staaten nach New York, auf dem 9 Kolonien vertreten waren, einen - Protest gegen die Akte abfaßten und beschlossen, keine der besteuerten - Waren mehr zu kaufen, sowie sich den Stempelabgaben zu widersetzen. - Tatsächlich wurden beim Inkrafttreten des Gesetzes im November überall - die Stempelpapiere vernichtet, so daß die Gouverneure das Gesetz nicht - durchzuführen vermochten, da Gerichtsverfahren sowie Handel - stillstanden. Die Regierung in England, das Ministerium =Rockingham=, - sah sich 1766 genötigt, die Stempelakte und auch die neuen Zollgesetze - wieder aufzuheben, nicht am wenigsten auf das Drängen der - Kaufmannschaft und der klugen Vermittlung =Franklins=, des Agenten für - Pennsylvanien in London. - - Pitt wurde durch schweres körperliches Leiden in seinem Wirken für - einen Ausgleich behindert, und so gewann der Schatzkanzler =Townsend= - das Übergewicht im Ministerium und setzte im Mai 1767 ein neues - Zollgesetz auf Tee sowie andere Waren durch. Auch sein Nachfolger, - =Lord North=, hielt daran fest. Wieder weigerten sich die Kolonien, die - besteuerten Artikel zu kaufen, und die Stimmung ward noch erregter. - Schon forderten vereinzelte Stimmen Lossagung von England sowie - Widerstand mit den Waffen, und im Juni 1768 kam es bereits zum - Zusammenstoß englischer Zollpolizeibeamten mit leidenschaftlich - erregten Amerikanern -- sons of liberty, Söhne der Freiheit --, die - sich der Beschlagnahme eines Handelsschiffes widersetzten. - - Die englische Regierung schien jedoch Ernst machen zu wollen; im Sommer - 1768 wurden die Truppen in Boston verstärkt und man drohte mit - Verhaftung der Hauptagitatoren. Es ist wohl tatsächlich die letzte - Gelegenheit für England gewesen, durch völliges Nachgeben oder durch - äußerste Gewalt sich die Kolonien zu erhalten, aber keins von beiden - geschah. Die angedrohten Maßnahmen blieben Schreckschüsse, bei - Wiederaufhebung der Steuern 1769 ließ man anderseits die auf den Tee - bestehen, teils um den Grundsatz zu wahren, teils zugunsten der - ostindischen Kompagnie und hielt hierdurch die einmal erregte - Widersetzlichkeit wach. Mißhelligkeiten zwischen den Gouverneuren und - den Kolonisten an verschiedenen Orten kamen hinzu. - - Die Bewegung wurde in Boston sowie in New York, wo es schon zu - Reibungen mit dem durch Beschimpfung erbitterten Militär kam, immer - stürmischer und ergriff auch die anderen Provinzen. =Franklin=, der - bisher in England öffentlich versöhnlich gewirkt hatte, goß jetzt - dadurch Öl ins Feuer, daß er vertrauliche Briefe der Gouverneure und - England ergebener Personen, die schroffe Urteile über die Kolonien - enthielten, zur Kenntnisnahme nach Boston sandte. Endlich wurde der nur - geringe Teezoll der Anlaß zum Ausbruch offener Empörung. Wieder waren - die Kolonien einig geworden, keinen Tee zu kaufen, und als nun die - ostindische Kompagnie versuchte, ihn durch gewinnsüchtige Spekulanten - doch in den Handel zu bringen, trat man diesen überall entgegen. In den - meisten Staaten hinderte man nur die Ausschiffung, in dem demokratisch - schroffsten Massachusetts aber brauchte man Gewalt. Am 18. Dezember - 1773 drangen in Boston die »Söhne der Freiheit« als Indianer verkleidet - auf die Teeschiffe und warfen die Ladungen, 342 Kisten, über Bord. - -Diese Gewalttat der Kolonisten machte den Bruch mit dem Mutterlande -unheilbar; Regierung und öffentliche Meinung in England stimmten darin -überein, daß jetzt rücksichtslos, besonders gegen Massachusetts, -vorgegangen werden müsse. Das Parlament faßte im März 1774 drei -Beschlüsse: Sperrung des Hafens von Boston für alle Waren außer -Bedürfnissen des königlichen Dienstes; Aufhebung der demokratischen -Verfassung in Massachusetts und Einführung einer vorläufigen -Militärdiktatur; Ausdehnung der Grenzen Kanadas mit seiner -absolutistischen Verfassung auf Gebiete, die von den Neuenglandstaaten -beansprucht wurden. - -Zugleich ward =General Gage= mit vier Regimentern Mitte Mai als neuer -Gouverneur nach Boston gesandt; er schloß den Hafen, sperrte die Stadt -ab, verlegte die gesetzgebende Versammlung nach Salem und löste sie bald -hernach ganz auf. Die Einwohner von Massachusetts begannen jetzt, sich -überall zu widersetzen, den Engländern die Beschaffung von Lebensmitteln -zu erschweren und durch Anhäufung von Kriegsmaterial sowie Übungen der -Milizen den Kampf vorzubereiten; der gesetzgebende Körper forderte vor -seiner Auflösung die übrigen Kolonien auf, Deputierte zu einem -allgemeinen =Kongreß in Philadelphia= zu senden. - -Dieser Kongreß ward im September 1774 von zwölf Staaten[113] beschickt, -nur Georgia schloß sich erst im folgenden Jahre an. Ein Ausschuß der -bedeutendsten Männer des Kongresses verfaßte mit Mäßigung, großer -Beredsamkeit, sowie mit steter Berufung auf die englischen Gesetze eine -Anzahl von Staatsschriften, die eine Abhilfe der Mißstände, aber immer -noch auf loyalem Wege anbahnen sollten; sie erschienen im Herbst 1774. -Die wichtigsten sind: Eine Schilderung der Verhältnisse der in ihrer -Verfassung bedrohten Provinz Massachusetts; eine »Erklärung der Rechte -der Kolonien« nach Art der einst vom englischen Parlament gegen Karl I. -ergangenen »Petition of rights«; eine Bittschrift an den König; eine -Adresse an das englische Volk, in der zu beweisen versucht wurde, daß die -Amerikaner Verteidiger der Rechte aller Engländer gegen die Übergriffe -der Regierung seien. - - [113] =Die 13 Kolonien= seien nochmals aufgeführt: =Die vier - nördlichen=, die sogenannten »Neuenglandstaaten«, Newhampshire, - Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; =die fünf - mittleren=, New York, New Jersey, Delaware, Pennsylvanien, - Maryland; =die vier südlichen=, Virginien, Nord- und Südcarolina, - Georgien. In den Neuenglandstaaten war die Stimmung gegen das - Mutterland am schroffsten. - -In den Schriften lagen jedoch auch versteckte Drohungen, u. a. die -Erklärung, die Kolonien würden jede Verbindung mit England abbrechen, bis -ihren Beschwerden abgeholfen wäre. Der Kongreß sprach ferner den -Einwohnern von Boston seine Zustimmung für ihr bisheriges Auftreten aus -und ermutigte sie, den Widerstand fortzusetzen, auch wurden die Kanadier -aufgefordert, sich den Kolonien anzuschließen. In England fanden diese -Erklärungen und Petitionen kein Gehör, obgleich sie durch den -Handelsstand sowie durch Pitts Partei warm unterstützt wurden. Im übrigen -Europa, besonders in Frankreich, erregten sie große Begeisterung für die -Amerikaner. - -Der König wies die Bittschrift geringschätzig ab, und =das Parlament -erklärte im Februar 1775 Massachusetts für im Aufstande befindlich=, -untersagte allen Verkehr mit Neuengland, sowie die Ausübung der Fischerei -auf den Neufundlandbänken seitens der Amerikaner, um so deren Handel -lahmzulegen, und bewilligte 6000 Mann neue Truppen. Nun brachte zwar -=Lord North= noch den Zusatz durch, die Zwangsmaßregeln sollten -erlöschen, sobald eine Kolonie sich unterwerfe und einen festen -Steuerbetrag bewillige, aber diesen schwachen Versöhnungsversuch wiesen -die Amerikaner zurück und den Regierungsmaßregeln setzten sie Gewalt -entgegen. Die Mehrzahl des Volkes erklärte sich gegen England, nur -wenige, die sogenannten »Loyalisten« blieben ihm treu. England dagegen -gab seinen Beschlüssen keinen genügenden Nachdruck durch die Tat, sondern -hoffte immer noch durch bloße Drohungen Nachgiebigkeit zu erreichen und -ließ so dem Gegner Zeit zum Rüsten. Dies wurde besonders in Massachusetts -eifrig betrieben. Die Milizen wurden besser gegliedert; mit Hilfe fremder -Offiziere und vieler Amerikaner, die bisher im englischen Dienst -gestanden hatten, stellte man stehende Truppen auf; Arsenale, Waffen- und -Pulverfabriken wurden eingerichtet. Im Winter 1774/75 standen in -Massachusetts bereits so viel Amerikaner unter Waffen, daß sich General -=Gage= auf Boston beschränkt sah; in Newhampshire bemächtigten sich -(Dezember) die Milizen zweier kleiner Forts und in Rhode-Island nahmen -sie 40 Kanonen. - -Im Mai 1775 trat der Kongreß in Philadelphia wieder zusammen. Er sandte -nochmals Adressen an König und Parlament, traf aber gleichzeitig -Maßregeln für den Krieg. Es wurde die Ausgabe von drei Millionen -spanischer Dollars Papiergeld festgesetzt, jeder Verkehr mit England und -dessen anderen Kolonien verboten, sowie die Aufstellung eines -Nationalheeres angeordnet; zum Oberbefehlshaber ward am 16. Juni =George -Washington= ernannt -- der rechte Mann an der rechten Stelle. Tatsächlich -hatte =der Krieg= mit einem blutigen =Zusammenstoß bei Lexington= am -18./19. April =schon begonnen= und gleich darauf setzte Massachusetts -Truppen gegen Boston und gegen die Grenzen Kanadas in Marsch. Als der -Kongreß unter dem Einfluß des aus England zurückgekehrten Franklin, sowie -in sicherer Hoffnung auf französische Hilfe am 4. Juli 1776 die -=Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika= erklärte, dauerte -der Krieg bereits ein Jahr. - -$England, Frankreich und Spanien bis zum Aufstande der Kolonien.$ Wenn -man in England mit Recht über die Ergebnisse des Pariser Friedens (vgl. -Seite 127) mißgestimmt war, so hatte man doch in Frankreich noch mehr -Grund, mit dem Ausgange des letzten Krieges unzufrieden zu sein. Englands -Gewinn entsprach nahezu dem Verluste Frankreichs und dieses mußte die -Einbuße Spaniens, die Abtretung Floridas an den Sieger, auch noch durch -Überlassung Louisianas an seinen Verbündeten wettmachen. Der Ingrimm über -die erlittenen Niederlagen trat hinzu, um in Frankreich den Gedanken an -Wiedervergeltung in der Zukunft wachzuerhalten. Der =Herzog von -Choiseul= arbeitete auf dieses Ziel hin, solange er am Ruder blieb. Er -verstärkte die Streitmacht zu Wasser wie zu Lande und pflegte das Bündnis -mit Spanien (der Bourbonische Familienvertrag von 1761; vgl. Seite 119), -das auch diesem Staat durch die Familienbande zwischen den -Herrscherhäusern wie durch die Furcht vor Englands Seemacht nahelag; -hierzu trat der Haß wegen alter wie neuer Verluste an England -- Jamaika, -Gibraltar, Minorca, Florida. Für den letzten Krieg war das Bündnis zu -spät gekommen, aber bei rechtzeitiger Vorbereitung versprach es Erfolg. -Den beiden benachbarten Königreichen mit ihren vorzüglichen Kräften mußte -es gelingen, gemeinsam eine Seemacht aufzustellen, die der englischen -gewachsen war; vielleicht fanden dann auch schwächere Seestaaten den Mut, -sich gegen die Seeherrschaft Englands aufzulehnen. - -Nur die ungünstigen inneren Verhältnisse Englands bedingten es, daß dem -Siebenjährigen Kriege nicht sehr bald ein neuer Seekrieg mit den alten -Gegnern folgte. Französische Geschichtschreiber behaupten, England habe -den Ausbruch des genannten Krieges beschleunigt, um den Ausbau der -französischen Marine zu verhindern. Der gleiche Grund lag jetzt vor und -um so schwerwiegender, da man in England wußte, daß Frankreich und -Spanien entschlossen seien loszuschlagen, sobald man sich stark genug -fühle und eine günstige Gelegenheit sich biete. Auch hat es für England -nicht an Anlässen gefehlt. Solchen bot zunächst die Erwerbung Corsicas -durch Frankreich, dessen maritime Stellung im Mittelmeer dadurch sehr -gestärkt wurde. - - $Corsica von Frankreich erworben.$ Die kriegerischen Corsen waren, auf - die Unzugänglichkeit ihrer Gebirge trotzend, schon seit 1730 gegen die - aussaugende Herrschaft Genuas im Aufstande, der nicht ohne kaiserliche - oder französische Hilfe und dann immer nur auf kurze Zeit - niedergeworfen werden konnte. Müde der vergeblichen Kämpfe, trat - endlich die Republik im Vertrage vom Compiègne 1768 Corsica förmlich an - Frankreich ab; um Österreich und England gegenüber diese - Gebietserweiterung Frankreichs zu verschleiern, erfolgte sie in Form - eines Unterpfandes für aufgewandte Kriegskosten. Frankreich unterwarf - dann mit 30000 Mann in kurzer Zeit die Insel. =Pasquale Paoli=, der - tapfere Führer der Aufständischen, mußte 1769 nach England fliehen, wo - er begeistert aufgenommen wurde und von der Regierung eine Pension - erhielt. - -Wohl wies u. a. Burke auf die hierdurch für England geschaffene Gefahr -hin, und der Admiral Sir Charles Sounders erklärte im Unterhause, es wäre -besser, Frankreich den Krieg zu erklären, als ihm Corsica zu überlassen. -Die Regierung führte auch anfangs eine geharnischte Sprache, verschleppte -aber dann die Sache, bis Frankreich im sicheren Besitz war. Die Aufhebung -einer englischen Niederlassung auf den Falklandinseln hätte noch leichter -Anlaß zum Kriege geben können. - - $Englisch-spanischer Streit um die Falklandinseln.$ 1764 hatten die - Franzosen durch den Weltumsegler =Bougainville= auf diesen Inseln eine - Kolonie Port Louis gegründet, die Engländer folgten 1766 mit der - Niederlassung Port Egmont. Gegen beide erhob Spanien Einspruch, und - Frankreich holte seine Kolonisten wieder ab, die Engländer wurden mit - Gewalt vertrieben. Die Spanier verlangten von dem englischen - Befehlshaber dort die Räumung der Ansiedlung innerhalb von sechs - Monaten und erzwangen diese, ehe noch Weisung von London ergangen war, - im Juni 1770 mit fünf Fregatten und 1600 Mann; die schwache Garnison, - die keinen Widerstand hatte leisten können, ward nach England - geschickt. - -Dieser Gewaltakt erregte die öffentliche Meinung in England heftig, -während der corsicanische Zwischenfall mehr nur die Staatsmänner -beschäftigt hatte. =Choiseul= und die spanischen Minister erwarteten und -erhofften eine Kriegserklärung, da sie sich schon stark genug glaubten. -England rüstete auch eine Flotte von 40 Linienschiffen, zeigte sich aber -doch mit einer leichten Genugtuung zufrieden. König Karl III. mochte zwar -anfangs nicht nachgeben, aber Ludwig XV. wollte keinen Krieg, und -=Choiseul=, dessen Stellung durch die Freunde der Dubarry schon -erschüttert war, wurde im Dezember 1770 gestürzt. Sein Nachfolger, der -=Herzog d'Aiguillon=[114] -- der »Held von St. Cas« (vgl. Seite 146) --, -der nur den Willen des Königs ausführte, wurde schnell mit Lord North -einig, und England gab Port Egmont als zu kostspielig freiwillig auf. - - [114] Der =Herzog von d'Aiguillon= war als Günstling Louis' XV. schnell - bis zum Gouverneur der Bretagne gestiegen. Als solcher geriet er - durch gewissenlose Willkür in so schwere Händel mit dem - Parlament, daß er 1768 abberufen wurde. Durch die Dubarry ward er - Nachfolger Choiseuls. Sein Ministerium gilt als die äußerste - Entartung des »alten Regime«. Ludwig XVI. entließ ihn sofort. - -=Die Schwäche der englischen Politik=, die sich bei beiden Gelegenheiten -offenbarte, war =eine Folge der inneren Zwistigkeiten in England=, die ja -auch den übereilten Frieden von Paris verschuldet hatten. König =Georg= -III. strebte seit seiner Thronbesteigung (25. Oktober 1760) danach, eine -selbständige, persönliche Politik zu führen, besaß aber weder die -Geistes- noch die Charaktereigenschaften dazu. Er wollte die Macht der -Krone erweitern und das Parlament in ihr gefügiges Werkzeug verwandeln; -Männer von festem Charakter waren ihm zuwider, jede republikanische -Gesinnung verhaßt. Er verdrängte den tatkräftigen =Pitt= durch seinen -Günstling =Lord Bute=, der ihm ein gefügiges Werkzeug war. Dieser mußte -zwar gleich nach dem mißliebigen Friedensschlusse wieder zurücktreten, -aber das System blieb dasselbe. - -Viele dem Volke mißliebige Regierungsmaßregeln, so auch das schroffe -Vorgehen gegen die amerikanischen Kolonien, sind auf des Königs -persönliche Anregung zurückzuführen. Seiner inneren Politik folgte eine -Auflösung aller Parteiverhältnisse und statt fester langjähriger -Ministerregierungen wie bisher, fand ein ununterbrochener Wechsel statt; -erst =Lord North= blieb von 1770 an 12 Jahre im Amte. Immer lauter -erscholl im Lande der Ruf nach einer Reform der Volksvertretung, immer -heftiger wurden Regierung und Parlament angegriffen und gleichzeitig -spitzte sich der Streit mit den Kolonien immer mehr zu. - -Die englische Regierung war unter diesen Umständen weder kampflustig noch -fühlte sie sich kriegsbereit, und auch in Frankreich erlosch die -Kriegsneigung nach dem Falle Choiseuls bis zum Tode Ludwigs XV.; die -unfähige Regierung hatte auch hier genug mit den inneren Verhältnissen zu -tun. Doch ist es von Wichtigkeit, Choiseuls Pläne gegen England kennen zu -lernen, da man späterhin mehrfach auf sie zurückkam. - - $Choiseuls Pläne gegen England.$ =Choiseul= suchte nicht nur die - Streitmittel Frankreichs und Spaniens für die nächste günstige - Gelegenheit zur Abrechnung mit England bereitzustellen, sondern traf - auch sonst alle Maßnahmen für den Krieg. Da er Streitigkeiten Englands - mit seinen Kolonien voraussah, sandte er 1764 und 1766 einen - Seeoffizier nach Nordamerika, um die Küstenverhältnisse zu erforschen, - sowie 1767 den Baron =von Kalb=, den späteren amerikanischen General - und Freund Lafayettes, um sich über die Stimmung in den Kolonien zu - unterrichten. - - Vor allem aber ließ er Pläne für einen Einfall in England entwerfen. - Man findet in Lacour (I, Seite 416 ff.) verschiedene derselben, von - denen besonders zwei bemerkenswert sind. Auch nach England waren - Offiziere zur Untersuchung geeigneter Landungsplätze geschickt. Einer - dieser, ein Landoffizier =de Berille=, schlug nun vor, Spanien solle - für sich Demonstrationen oder Diversionen unternehmen, um die Nachteile - gemeinsamer Operationen auszuschalten, Frankreich aber an vier Stellen - -- Lime, Dartmouth, Fowey und Looe -- landen und auf Bristol - marschieren, um diesen wichtigen Handelsplatz zu nehmen, dann würde - London vom Könige und Parlament den Friedensschluß verlangen. Die - Expedition solle von den kleinen Häfen der Bretagne ausgehen und auf - Fischerfahrzeugen in einer der langen Nächte gegen Ende des Winters, - »plötzlich und heimlich wie Schmuggler« übergeführt werden, wenn ein - Sturm die englische Flotte vertrieben habe. - - Auch =Choiseul= selber entwarf einen Plan mit genauer Verteilung der - französischen Flotte, die dazu bis 1770 auf 80 Linienschiffe und 40 - Fregatten zu bringen sei; Spanien sollte 20 Linienschiffe dazu stellen - und gleichzeitig Portugal erobern. Ein ähnlicher Plan, und zwar der - bemerkenswerteste, stammte vom =Graf Broglie=, dem Bruder des berühmten - Marschalls. Wie Ludwig XV. sich ihm allein bekannte Agenten im Auslande - hielt -- man sagt, nur um das Vergnügen zu haben, besser unterrichtet - zu sein als seine Minister --, so hatte er auch Broglie heimlich mit - der Aufstellung eines Planes betraut und einen Ingenieuroffizier nach - England gesandt, der die Mündung der Themse sowie die Häfen, Arsenale - und die Marschwege nach London von der Küste von Cornwallis an - erkundete. - - Nach Broglies Entwurf sollte Spanien Jamaika und Nordamerika mit einer - Flotte bedrohen, mit einer andern Irland und gleichzeitig Gibraltar - angreifen, während Frankreich Seestreitkräfte von Toulon gegen Minorca - und Ostindien, von Brest gegen Schottland zu senden habe. Es waren dies - aber nur Diversionen. Zum Hauptangriff sollte das Gros der Brestflotte - 60000 Mann über den Kanal führen und sie zwischen Dungeness und - Beachyhead landen; der Marsch gegen London war tagweise festgelegt. - =Broglie= arbeitete den Plan 1763-1766 aus, legte ihn aber 1768 mit - Genehmigung des Königs Choiseul vor, wohl aus Furcht vor dessen Zorn - und auch, um nicht nur zum Vergnügen des Königs gearbeitet zu haben. - Choiseul billigte ihn, er wurde auch 1777 =Ludwig= XVI. unterbreitet, - und endlich nahm =Napoleon= I. Kenntnis von ihm. - - Eingehende Tabellen über die nötigen Streitkräfte und Transportmittel, - sowie über die Maßregeln, die England voraussichtlich zur Abwehr - ergreifen müsse, waren aufgestellt; wir geben einige Auszüge aus - ihnen[115]. - - [115] Wir geben diese Auszüge zum späteren Vergleich mit den - Vorbereitungen, die Napoleon I. 1803/05 für den Einfall in - England durch Aufstellung des sog. Lagers von Boulogne traf. - - Frankreich sollte stellen: - - für den Einfall 40 Liniensch., 20 Freg., 60000 Mann - " Schottland 6 " 800 " - " Minorca 10 " 10 " 15000 " - " Ostindien (dieselben Schiffe) 1500 " - ---------------------------------------------------------- - Insgesamt 50 Liniensch., 36 Freg., 77300 Mann. - - Spanien: - - Gegen Gibraltar 12 Liniensch., 8 Freg., 20000 Mann - " Westind. 15 " 10 " 12000 " - " Irland 15 " 20 " 15000 " - --------------------------------------------------- - Insgesamt 42 Liniensch., 28 Freg., 47000 Mann - - England brauche dagegen - - für den Einfall 45 Liniensch., 25 Freg. 40000 Mann - " Schottland 6 " 5-6000 " - " Minorca 4500 " - " Ostindien 10 " - - Gegen Gibraltar d. v. Minorca } 4000 Mann - " Westind. 20 } einige 8000 " - " Irland 15 } 10000 " - --------------------------------------------------- - Insgesamt 101 72000 Mann - - Die Truppen für den Einfall in England -- 54000 Mann Infanterie, 3000 - Kavallerie, 3000 technische Waffen, eingeteilt in vier Divisionen -- - sollten in Dünkirchen, Calais, Boulogne auf 130 Transportern - eingeschifft werden, in Dieppe und Havre auf 200, in Honfleur und - Cherbourg auf 110, in St. Malo und Morlaix auf 150 solchen. Die - Brestflotte, 40 Linienschiffe, hatte die englischen Seestreitkräfte in - den heimischen Gewässern, die mit Sicherung der ganzen Küste betraut - und nicht vereint sein würden, zu schlagen, um den Weg freizumachen. - - Es ist bemerkenswert, daß bei Ausbruch des Krieges 1778 in Frankreich - wie in Spanien das in diesem Plane verlangte Schiffsmaterial reichlich - vorhanden und daß auch die Stärke der englischen Marine richtig - eingeschätzt war. Wir werden dies aus den späteren Betrachtungen der - Streitmittel der Gegner in diesem Kriege ersehen. - -$Die Entstehung des Seekrieges zwischen Frankreich, Spanien, Holland und -England.$ Als =Ludwig= XVI. die Regierung antrat, näherten sich die -Unruhen in Nordamerika ihrem Höhepunkt. Der drohende Bruch zwischen -England und seinen Kolonien schien für Frankreich eine günstige -Gelegenheit, die erlittenen Verluste wettzumachen, und der Minister des -Äußern unter dem neuen König, =Graf von Vergennes=, der letzte tüchtige -Staatsmann des alten Regimes, war bereit, sie auszunützen. Er stützte -sich dabei auf weite Kreise des Volkes. Die französische Jugend der -höheren und höchsten Stände brannte darauf, die militärische Ehre des -Landes wiederherzustellen, und die sogenannte »aufgeklärte Gesellschaft«, -begeistert für die Gedanken Montesquieus und Rousseaus, hegte die wärmste -Teilnahme für die demokratischen Amerikaner. Die Erhebung der Kolonien -1775 erregte in Frankreich großen Jubel, und die geheimen Bemühungen der -Amerikaner um Frankreichs Hilfe hatten Erfolg, wenn auch zunächst nicht -offensichtlich. - -=Vergennes= neigte zwar schon Anfang 1776 zur erklärten Parteinahme gegen -England, aber der Finanzminister =Turgot=, mit durchgreifenden Reformen -in seinem Ressort beschäftigt, riet zum Abwarten. Er scheute die Kosten, -solange der Erfolg nicht ganz sicher schien, und äußerte die Ansicht, daß -schon der Kampf Englands mit seinen Kolonien Frankreich Vorteile bringen -würde. Er empfahl Beobachtung der Vorgänge in Großbritannien und -Nordamerika, weitere Stärkung der Marine, sowie Vorbereitungen für einen -Einfall in England und vorsichtige Unterstützung der Amerikaner mit -Kriegsmaterial. Seine Ansicht wurde von bedeutenden Männern geteilt, -aber nicht von der Hofpartei, und als er von dieser wegen seiner Reformen -gestürzt war (Mai 1776), die den privilegierten Ständen mißfielen, wurde -aus der heimlichen Parteinahme bald eine offene. Nach der -Unabhängigkeitserklärung traten an Stelle der bisherigen geheimen Agenten -wirkliche Bevollmächtigte der »Vereinigten Staaten von Nordamerika«. - -Im Dezember 1776 erschienen als solche =Benjamin Franklin=, =Silas Deane= -und =Lee= in Paris, um von der französischen Regierung die Anerkennung -des neuen Staates, sowie den Abschluß eines Bündnisses zu erlangen. Diese -Verhandlungen gingen zwar vorläufig nur durch Mittelspersonen, da die -französische Regierung noch nicht mit England brechen wollte -- auch der -neue Finanzminister =Necker= erklärte sich wegen der Finanznot gegen -unmittelbare Einmischung; man war noch nicht genügend gerüstet und große -militärische Erfolge hatten die Amerikaner bislang nicht aufzuweisen --, -aber sie hoben doch die Begeisterung für Amerika in Frankreich noch mehr. - - $Die amerikanischen Agenten in Frankreich.$ =Silas Dean=, ein Mitglied - des Kongresses, war schon vor dem Abfall der Kolonien als politischer - Agent und Handelskommissär nach Frankreich gekommen, wo er mit der - Regierung sowie Privaten unterhandelte, um Geld zu leihen, - Kriegsmaterial zu kaufen, Offiziere und Freiwillige zu werben; er - sammelte auch einen Kreis von Personen um sich, die von Begeisterung - für die Sache der Amerikaner, von Haß gegen England und von Kriegslust - erfüllt waren. Auf sein Betreiben gingen mit Erlaubnis der Regierung - reiche Geldmittel, Kriegsmaterial, durch dritte Hand von der Regierung - erhalten, sowie zahlreiche Offiziere nach Amerika. Die nach der - Unabhängigkeitserklärung eingetroffenen Gesandten gewannen die - öffentliche Meinung noch mehr für die amerikanische Sache. Ohne jede - Kenntnis der engherzigen religiösen und politischen Ansichten der - herrschenden Klasse in den Kolonien sah man in den Amerikanern Kämpfer - für religiöse Freiheit und politische Ideale, selbst die recht - nüchternen Nachrichten der nach Amerika gegangenen Offiziere blieben - unbeachtet. - - =Franklin= war der rechte Mann, diese Stimmung zu heben. Statt eines - klugen und berechnenden Diplomaten, wie er es war, sah man in dem mit - gesuchter Einfachheit, mit Ruhe und Milde auftretenden alten Manne das - Vorbild des vollendeten Philosophen. Er wurde der Mann des Tages; - Philosophen, junge Offiziere, Damen der Gesellschaft und Höflinge - drängten sich zu ihm. Immer mehr gab man dem Bestreben der Gesandten - nach, Frankreich zu offener Parteinahme zu bewegen, vernachlässigte die - Vorsicht bei den Unterstützungen und versuchte kaum noch, England durch - friedliche Versicherungen zu täuschen. Viele bedeutende Personen gingen - von oder über Frankreich nach Amerika, so der junge =Marquis de - Lafayette=, einer der glänzendsten und reichsten Edelleute, der in - Begleitung des schon als Agent Choiseuls erwähnten deutschen =Barons - von Kalb= und einer kleinen auserlesenen Schar auf eigenem Schiff - hinübersegelte; die Regierung sandte ihm mit Rücksicht auf England der - Form halber einen Haftbefehl nach und ließ ihn auch durch zwei - Kriegsschiffe verfolgen. Ihm folgten später der ehemalige preußische - Offizier und Adjutant Friedrichs II. =von Steuben=, der Pole - =Kosciusko= sowie verschiedene Franzosen, die sich nachher in den - Revolutions- sowie Napoleonischen Kriegen auszeichneten, z. B. - =Custine= und =Berthier=. - -Als dann am 4. Dezember 1777 die Nachricht von der Kapitulation des -englischen Generals =Burgoyne= bei Saratoga eintraf, schien der günstige -Augenblick gekommen, Englands Verlegenheit auszunutzen. =Vergennes= -empfing am 12. Dezember die Gesandten öffentlich, Frankreich erkannte am -6. Februar 1778 die neue Republik an, schloß mit ihr einen Handelsvertrag -und verpflichtete sich, sie mit seiner ganzen Kraft zu unterstützen, bis -sie ihre Unabhängigkeit errungen habe. Es stellte nur die Bedingung, daß -die Amerikaner nicht Frieden schließen dürften, ehe ihre Unabhängigkeit -gesichert sei, denn man nahm an, England werde um seine wertvollste -Kolonie bis aufs äußerste kämpfen und so schwere Schädigung erleiden. -Frankreich verzichtete dagegen feierlich für alle Zeiten auf jeden Besitz -in Nordamerika, womit auch der Wiedererwerb Kanadas ausgeschlossen war; -es behielt sich nur Eroberungen südlich der Bermudainseln, in Westindien, -vor. - -Dieser Vertrag wurde am 13. März an England bekanntgegeben mit dem -Zusatz, daß sich die Vereinigten Staaten bereits im Besitz ihrer -Unabhängigkeit befänden und daß Frankreich erwarte, England würde alles -vermeiden, was seinen Handel mit denselben stören könne. Dies war eine -ausgesprochene Kriegsdrohung, und England rief darauf ohne weiteres -seinen Gesandten ab, der Paris am 16. März ohne Abschied verließ. -Frankreich tat das gleiche am 17. Eine formelle Kriegserklärung erließ -keine der Parteien, auch nicht, als die kriegerischen Unternehmungen -begannen. Der König von Spanien versuchte noch zu vermitteln, von -Frankreich hierzu angeregt, und dieses beging den Fehler, nicht gleich -anzugreifen, obgleich es kriegsbereiter als England war. Der Krieg ward -erst im Juni von diesem eröffnet, doch war schon am 13. April eine -französische Flotte nach Amerika gesegelt. - -=Spanien= zur offenen Parteinahme zu bewegen, war bisher nicht gelungen. -Wenn auch die Minister den Krieg mit England wünschten, so war doch der -König nicht geneigt, eine Republik anzuerkennen, geschweige denn, sich -mit ihr zu verbünden, und so gab man vorläufig nur Geldunterstützungen -für die Amerikaner; man sollte überhaupt annehmen, daß es einer Macht, -die selber weitentlegene Kolonien besaß, nicht hätte ratsam erscheinen -dürfen, aufständische Kolonien eines anderen Staates zu unterstützen, -aber die Hoffnung Gibraltar, Minorca und vielleicht gar Jamaika -wiederzuerringen, ließ wohl über diesen Punkt hinwegsehen. Frankreich und -die spanischen Minister versuchten stetig weiter, den König umzustimmen, -jedoch noch im März 1779 blieb der König von Spanien selbst eigenhändigen -Briefen Ludwigs XVI. unzugänglich. Da benutzte man seine persönliche -Eitelkeit, machte ihn glauben, es sei seine Pflicht, zwischen Frankreich -und England zu vermitteln, und als dann seine Bemühungen an Englands -unannehmbaren Bedingungen scheiterten, hatte man ihn gewonnen. Am 12. -April 1779 unterzeichnete Spanien einen Vertrag mit Frankreich, -demzufolge ein gemeinsamer Einfall in England oder Irland unternommen und -Minorca erobert werden solle; beide Mächte verpflichteten sich, in keinen -Frieden oder Waffenstillstand zu willigen, ehe Gibraltar genommen sei. -Den Krieg erklärte Spanien erst am 16. Juni, um seine Rüstungen -inzwischen zu vollenden. - - $Ziele des spanisch-französischen Bündnisses.$ In dem Vertrage wurden - als Ziele des Krieges festgelegt: Für Spanien: die Wiedergewinnung von - Gibraltar, Minorca, Pensacola nebst der Küste von Florida längs des - Bahamakanales; Vertreibung der Engländer aus der Honduras- und - Campeche-Bucht. Für Frankreich: Aufhebung der Verpflichtungen, - Dünkirchen sowie die Niederlassungen in Ostindien nicht zu befestigen; - Eroberung Dominicas. - -An =Holland= erklärte England am 20. Dezember 1780 selber den Krieg, als -sein Versuch 1779, auf Grund des nun gerade hundert Jahre alten Vertrages -von den Niederlanden Unterstützung zu erhalten, wenn ein Einfall in -England drohe, am Widerstand der französischen Partei der Republik -gescheitert war. Dagegen hatten auch hier die Unterhändler Amerikas -Erfolg. In Amsterdam war es ihnen gelungen, Anleihen unterzubringen, ja -1779 im geheimen einen Handelsvertrag abzuschließen. England erhielt 1780 -Kenntnis davon und suchte nun einen Kriegsgrund, denn auf Hollands Hilfe -konnte man nicht mehr rechnen, als Gegner aber fiel es bei der Schwäche -seiner Marine nicht ins Gewicht, sein Handel und seine Kolonien boten -dagegen lohnende Angriffsobjekte. Als nun Holland der gegen England -gerichteten sogenannten »bewaffneten Neutralität der Ostseemächte« -beitreten wollte, war der Grund gefunden[116]. - - [116] Ein genaueres Eingehen auf diese Verhältnisse würde zu weit - führen. Es sei verwiesen auf allgemeine Geschichtswerke, z. B. - Schlosser, Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, Band 4, Seite - 293 ff. Vgl. auch Kirchhoff Band 1, Seite 317, über die - bewaffnete Neutralität, und de Jonge Band 4, Seite 379 ff., über - Reibungen auf See zwischen England und Holland vor der - Kriegserklärung. - - $Die bewaffnete Neutralität der Ostseemächte$ und ihre seerechtlichen - Forderungen. England hatte schon im vorigen Kriege das Recht - beansprucht, feindliches Gut in neutralen Schiffen wegzunehmen (vgl. - Seite 124 und 199). Dieser Grundsatz schädigte auch jetzt Holland und - die Ostseemächte schwer, in deren Hände während des Krieges ein großer - Teil des europäischen Handels überging; anderseits lag England daran, - gerade die Produkte der Ostsee, Schiffsmaterialien (Bauholz) und - Getreide, seinen Gegnern vorzuenthalten. Im Jahre 1780 traten auf - Anregung der Kaiserin =Katharina= II. Rußland, Dänemark und Schweden - zusammen und erließen eine Erklärung, in der gefordert wurde: - - 1. Neutrale Schiffe sollten das Recht haben, nicht nur nach - unblockierten Häfen, sondern auch von Hafen zu Hafen einer - kriegführenden Macht zu segeln (also den Küstenhandel dort im Gange zu - halten). - - 2. Das Eigentum der Untertanen einer kriegführenden Macht an Bord - neutraler Schiffe sollte unantastbar sein. (»Frei Schiff -- frei Gut«.) - - 3. Nur Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Kriegsmunition sollten als - Kontrebande gelten. (Dies schloß Lebensmittel und Schiffsmaterialien - aus, soweit sie nicht der Regierung eines Kriegführenden gehörten.) - - 4. Die Blockaden sollten eine entsprechende Seestreitmacht in nächster - Nähe des blockierten Hafens erfordern, um bindend zu sein. - - Die verbündeten Mächte verpflichteten sich, diesen Forderungen durch - Bereithaltung einer gemeinsamen Flotte von festgesetzter Mindeststärke - Nachdruck zu verleihen. Dem Vertrage schlossen sich am 8. Mai 1781 - Preußen und am 9. Oktober 1781 der Kaiser (mit Rücksicht auf die - österreichischen Niederlande) an, später traten auch Portugal sowie - Neapel bei. Frankreich und Spanien erklärten sich einverstanden. - - England versprach Rußland, dessen übrigens geringfügigen Handel zu - schonen und erhob zwar gegen die Erklärung keinen Widerspruch, dachte - aber auch nicht daran, sie zu beachten, was bei seiner Stärke zur See - kaum wundernehmen kann. Die Generalstaaten hatten sich nach langen - Verhandlungen am 20. November 1780 entschlossen, dem Bunde der - Ostseemächte beizutreten, ehe aber die Erklärung in Petersburg eintraf - (24. Dezember), erklärte England den Krieg. Rußland lehnte nun den - Beitritt Hollands -- und damit die Verpflichtung, für dasselbe - einzutreten -- mit der Begründung ab, daß dieser Staat nicht mehr - neutral sei; von England im geheimen beeinflußte Personen hatten dies - bewirkt. - -$Kennzeichnung und Bedeutung des Seekrieges von 1778.$ =Der Landkrieg in -Nordamerika= ist für uns nur soweit von Wichtigkeit, als Seestreitkräfte -unmittelbar in ihn eingriffen und durch ihn Flottenbewegungen -hervorgerufen wurden; wir werden ihn deshalb auch nicht eingehender -schildern, als die Berücksichtigung dieser Punkte fordert. =Der Seekrieg= -aber, der 1778 begann, =ist von großer Bedeutung für die -Seekriegsgeschichte=. Es ist ein Kampf, wie ihn das 18. Jahrhundert noch -nicht gesehen hatte. In den vorangegangenen Kriegen -- dem Spanischen, -dem Österreichischen Erbfolgekriege und dem Siebenjährigen -- war -Englands Macht zur See weit überlegen. Es fand in den beiden -erstgenannten auch noch den Beistand der holländischen Marine, und wenn -diese auch nur gering war, so glich er doch die Unterstützung Frankreichs -durch Spanien aus, und im Siebenjährigen Kriege blieb Holland wenigstens -neutral. Außerdem war England, besonders in den beiden letztgenannten -Kriegen, an keinem Landkriege beteiligt, während Frankreich durch einen -solchen abgelenkt und zu großen Opfern genötigt wurde. So war es England -stets gelungen, durch früher oder später einsetzendes kräftiges Vorgehen -die Marine Frankreichs niederzuwerfen und dann die Früchte unbedingter -Seeherrschaft zu ernten, indem es dem Gegner die Hilfsquellen verstopfte -und ihm seine fernen Besitzungen abnahm. - -Jetzt mußte England mit seinen abgefallenen Kolonien einen ernsten -Landkrieg führen und auch einen Teil seiner Seestreitkräfte in dessen -Dienst stellen; Frankreich dagegen war am Lande frei. Es war England -nicht geglückt, Verbündete zu finden, ja sogar die Anwerbung der durchaus -nötigen Hilfstruppen in Deutschland wurde bald durch Preußen und den -Kaiser eingeschränkt. Spanien trat diesmal beizeiten auf die Seite -Frankreichs, und die vereinten Marinen dieser Länder, beide in den -letzten Jahren wesentlich erstarkt, waren der englischen an Zahl der -Schiffe überlegen. Später kam dann noch Holland als Gegner Englands -hinzu, und dieses mußte auch mit den Kräften der »bewaffneten -Neutralität« bis zu einem gewissen Grade rechnen. Nicht zu unterschätzen -ist endlich die Schädigung der englischen Marine durch den Wegfall der -Seeleute aus den amerikanischen Kolonien, den man auf 18000 berechnet. - -England war in einer gefährlichen Lage; es mußte neben dem Kampfe um -Wiederherstellung seiner Oberhoheit in Nordamerika auch seine, während -der letzten hundert Jahre errungene Seeherrschaft verteidigen. Diese -Obmacht zu brechen, die außer auf einer starken Marine auf den Kolonien, -den Marinestationen draußen und dem Seehandel in allen Teilen der Welt -beruhte, war das Ziel der Gegner. England befand sich in diesem Kriege in -der Verteidigung und suchte seine außerheimischen Besitzungen überall -durch eine genügende Macht zu sichern. Da nun seine Seestreitkräfte denen -der Gegner zahlenmäßig anfangs unterlegen, später etwa gleich waren, -hatten die Gegner mehrfach auf einem der Kriegsschauplätze, meistens auf -dem europäischen, das Übergewicht. Englands Streitkräfte waren aber aus -einem Guß und lagen in einer Hand, die der Verbündeten verstanden sich -nicht immer und wurden oft getrennt zu Sonderzwecken eingesetzt; beides -Schwächen der meisten Bündnisse. Zudem war auch der innere Wert der -englischen Marine doch ein höherer als der der anderen, vornehmlich der -spanischen, und so ging England schließlich unbesiegt aus dem schweren -Kampfe hervor. - -In den vorhergegangenen Kriegen des 18. Jahrhunderts tritt zwar der große -Einfluß der unbeschränkten Seeherrschaft mehr hervor, das darauf fußende -stolze Auftreten Englands kennzeichnet ihn, aber der jetzt zu -besprechende ist seekriegsgeschichtlich bedeutungsvoller. Die -europäischen Gewässer von England bis Gibraltar, die Küsten Nordamerikas, -sowie West- und Ostindien bieten Kriegsschauplätze für große Flotten. Die -Strategie beider Parteien gibt Anlaß zu eingehenden Betrachtungen, und -auch in Hinsicht auf die Taktik bringt der Krieg viel Bemerkenswertes. -Auf allen Kriegsschauplätzen messen sich Flotten gleicher Stärke in -zahlreichen rangierten Schlachten, während die vorhergegangenen Kriege -deren nur wenige brachten. Gerade in den Kämpfen des Seekrieges 1778-1783 -erkennen wir deutlich die Entwicklung der Seetaktik, wie wir sie als eins -der Kennzeichen des IV. Abschnittes hingestellt haben. - - - Die Streitmittel. - - Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist bereits - im Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt, dort sind sie auch auf ihren - Wert miteinander verglichen unter Hervorhebung einiger gerade für den - vorliegenden Krieg bemerkenswerten Punkte. Wir können uns deshalb hier - fast ganz auf Angaben über die Schiffsbestände und Schiffsverluste, - sowie auf Hinweise betreffend die wichtigsten anderen Punkte - beschränken. - -$Frankreich.$ Den =Schiffsbestand= um 1778 kann man mit einiger -Sicherheit auf 70-80 Linienschiffe, 70 Fregatten und Korvetten, sowie -etwa 100 kleinere Fahrzeuge annehmen. Zur Verwendung überhaupt sind -während des ganzen Krieges 92 Linienschiffe gekommen: 6 des ersten Ranges -(110 Kanonen), 2 des zweiten (86 Kanonen), 84 des dritten (7 zu 80, 48 zu -74, 29 zu 64 Kanonen). Diese Zahl ist gleichzeitig niemals vorhanden -gewesen, in ihr sind Schiffe enthalten, die verloren gingen, und solche, -die neu erbaut wurden. =Der Verlust= betrug 18 Linienschiffe, sowie etwa -50 Fregatten und Korvetten; von den ersteren sind 12 vom Feinde -genommen, die übrigen vernichtet oder sonst verunglückt[117]. - - [117] Den Schiffsbestand für 1778 geben Chab.-Arnault zu 70 - Linienschiffen, Bonfils zu 72, Mahan zu 80 an. Die Angabe über - die zur Verwendung gelangten, sowie über die verlorenen sind - Charnock, Band 3, Seite 220 entnommen (dort mit Namen der - Schiffe); eine Liste der Verlorenen bringt auch Clowes, Band 4, - Seite 114. - -=Die Schiffe= waren fast sämtlich neu, vorzügliche Seeschiffe und auch -besser gehalten als in den vorangegangenen Kriegen, da Werften, sowie -Arsenale leistungsfähiger waren, doch scheint hierin nach der -Amtstätigkeit der beiden =Choiseul= schon wieder ein Rückschritt -eingetreten zu sein. Frankreich hatte jetzt auch Dreidecker (Schiffe -ersten Ranges), es stellte aber, wenn auch selten, noch immer -50-Kanonenschiffe in die Linie ein; seine Hauptkraft lag in Schiffen zu -74 Kanonen. Nur ein Bruchteil der Linienschiffe war gekupfert, und dies -gereichte ihnen zum Nachteil gegenüber den englischen durchweg -gekupferten, da die ungekupferten langsamer waren und dadurch häufig die -schnelleren behinderten. - -=Die Seeoffiziere= waren besonders theoretisch sehr gut ausgebildet. Ihre -Zahl reichte aber bei der Indienststellung während dieses Krieges nicht -aus, so daß man stark auf die Reserve aus der Handelsmarine (die -sogenannten »officiers bleus«, vgl. Seite 31) zurückgreifen und auch -Offiziere des Heeres in die Marine einstellen mußte. Auch an -=Mannschaften= mangelte es, obgleich die seemännische Bevölkerung -zugenommen hatte und gegen 67000 Mann in den Inskriptionslisten -verzeichnet waren. Besonders später nach Verlusten, hauptsächlich durch -Krankheiten infolge der schlechten gesundheitlichen Verhältnisse an Bord -hervorgerufen, mußte man Fremde (Malteser, Genueser, ja Albaneser) -anwerben, Seesoldaten sowie Mannschaften des Heeres an Stelle fehlender -Matrosen einschiffen. - -$Spanien$ besaß 1778 70 Linienschiffe: 2 zu 110 und 114 Kanonen, 2 zu 86, -7 zu 80, 48 zu 70-74, 11 zu 64. Hinzu traten 2 Schiffe zu 60, 2 zu 50, -sowie genügend Fregatten usw. Die Marine war mithin unter =Karl= III. -stattlich gewachsen, auch waren die Schiffe neu und gut gebaut. Aber alle -Quellen stimmen darin überein, daß es der spanischen Marine infolge der -sonstigen Verhältnisse im Lande an einer gesunden Organisation gefehlt -habe und daß, wie bisher, Werften und Arsenale nicht imstande gewesen -wären, die Schiffe gut auszurüsten. Ebenso sollen Offiziere wie -Mannschaften wie früher im allgemeinen minderwertig gewesen sein. =Der -Verlust= an Linienschiffen betrug 8, darunter 4 vom Feinde genommen, und -18 andere Kriegsfahrzeuge[118]. - - [118] Angaben nach Charnock, Seite 233. Mahan gibt für 1778 nur 60 - Linienschiffe an, Chab.-Arnault gar nur 50. Eine Verlustliste - auch in Clowes, Seite 115. - -=Holland= hatte kaum noch eine nennenswerte Marine. - - $Die innere Geschichte seiner Marine$ sei kurz berührt (anschließend an - Seite 59; zusammengestellt nach de Jonge, Band IV, Seite 282, 392, 432, - 472). =Wilhelm= IV., seit 1747 Statthalter, hatte versucht, die Marine - wieder zu heben. Er schuf Einrichtungen zu besserer wissenschaftlicher - Ausbildung der Seeoffiziere und sorgte für ihre Vermehrung, sowie - schnellere Beförderung. Er ernannte 5 Leutnantsadmirale, 6 Vize- und 8 - Kontreadmirale, so daß die Marine mehr Flaggoffiziere zählte als zur - Zeit ihres höchsten Glanzes. Er erstrebte ferner, die Admiralitäten von - ihren Schulden zu befreien und die Zahl der Schiffe zu vermehren. Man - faßte auch dahinzielende Beschlüsse, doch wurden diese weder während - der kurzen Regierung Wilhelms (bis 1751) noch unter der - vormundschaftlichen Regierung seiner Gemahlin =Anna= durchgeführt, und - nach deren Tode (1759) schlief die Teilnahme für die Marine wieder - völlig ein. - - So kam es, daß Holland bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, in dem - nur einige Schiffe zum Handelsschutz Verwendung fanden, nicht stärker - dastand als 1741 und daß 1772 der Schiffsbestand sogar nur noch 12 - Schiffe über 60 Kanonen (also zeitgemäße Linienschiffe), 14 zu 50-54, 6 - zu 44, 15 zu 36, 18 zu 20-24 und 1 zu 12 -- also insgesamt 66 Segel -- - betrug. =Wilhelm= V., der 1766 die Regierung selbständig übernahm, - versuchte den Bau der längst als notwendig erkannten Schiffe - durchzusetzen, aber erst 1778, als der Krieg zwischen England und - Frankreich ausbrach, beschlossen die Provinzen einstimmig, den Bau von - 24 Linienschiffen (aber noch von 50 Kanonen an aufwärts gerechnet). - -Im September 1780, also kurz ehe England den Krieg an Holland erklärte, -war man wegen Mangels an Geld und Mannschaften nur imstande, von dem eben -angeführten geringen Bestande 8 Schiffe zu 60-71 Kanonen, 10 zu 50-54, -sowie 11 Fregatten von 36-44 und 20 kleinere Fahrzeuge in Dienst zu -stellen. Der seit 1778 begonnene Bau von neuen Schiffen ging infolge -Geldmangels und zu geringer Leistungsfähigkeit der Werften nur langsam -vorwärts; erst 1783, vor dem Friedensschluß, zählte Holland im Bestande 9 -Schiffe zu 70-76 Kanonen, 23 zu 60-64, 14 zu 50-54, 26 zu 36 bis 40, 12 -zu 20 und 56 kleinere Fahrzeuge (Kutter, Advijsjagden und -Küstenfahrzeuge). Um diese in Dienst zu stellen, wären 31000 Mann nötig -gewesen; wirklich in Dienst waren jedoch nur 11 Linienschiffe über 60 -Kanonen, 11 über 50, 21 schwere Fregatten, 11 Korvetten, sowie sämtliche -kleineren Fahrzeuge mit einer Gesamtbesatzung von 19000 Mann. Man -beabsichtigte die ganze Flotte mobil zu machen, aber infolge des -Waffenstillstandes kam es nicht mehr dazu. =Der Verlust= an Schiffen im -Kriege betrug 4 Schiffe von 50-64 Kanonen und 5 von 16-38; 7 dieser -Fahrzeuge waren vom Feinde genommen. - -$Die bewaffnete Neutralität der Ostseemächte$ verpflichtete sich, an -Seestreitkräften bereit zu halten: - - ----------------------+-------+-------+-------+------- - Schiffe mit Kanonen | 70-76 | 60-66 | 40-50 | 20-38 - ======================+=======+=======+=======+======= - Rußland | 3 | 16 | 6 | 9 - | | | | - Dänemark | 6 | 6 | 4 | 9 - | | | | - Schweden | 6 | 8 | 3 | 11 - ----------------------+-------+-------+-------+------ - Gesamt 15 30 13 29 - ----------- - | - 45 Linienschiffe. - -$England$ hatte $1775$ einen =Schiffsbestand=[119]: von 131 -Linienschiffen: 4 zu 100 Kanonen, 17 zu 90 und 98, 99 zu 64-80, 11 zu 60, -16 Schiffe zu 54 und 4 zu 44; an Fregatten: 38 zu 32 und 36 Kanonen, 24 -zu 28, 7 zu 24, 13 Schiffe zu 22 und 20, 38 Sloops zu 8-18 Kanonen. -Insgesamt 269 Segel, zu denen noch eine große Zahl kleinerer Fahrzeuge -(cutter, adviceboats) traten. =Der Verlust= im Kriege betrug 13 -Linienschiffe (nur eins fiel in Feindeshand), 57 Schiffe von 20-50 -Kanonen (16 genommen) und 100 Sloops sowie kleinere Fahrzeuge (50 in -Feindeshand). Aber wiederum vermehrte England während des Krieges seine -Flotte derart, daß um $1788$ 174 Linienschiffe und insgesamt 450, ja mit -Einschluß der ganz kleinen Fahrzeuge 650 Segel vorhanden waren. - - [119] Vgl. Seite 18 die Tabellen mit den Angaben für 1775 und 1783. In - diesen großen Zahlen sind aber ohne Frage stets viele alte - Schiffe enthalten, die nicht mehr den Anforderungen genügten. -- - Die Verluste an Schiffen unter Angabe der Namen vgl. Clowes, Bd. - IV, Seite 109. - -Hervorzuheben ist dabei, daß der Zuwachs an Linienschiffen vorwiegend in -solchen zu 74 Kanonen (etwa 40 solcher) bestand; ferner waren die Schiffe -zu 44 und 50 Kanonen (auch etwa um 40), sowie die Fregatten mit über 30 -Kanonen (etwa um 50) besonders vermehrt. Die englischen =Seeoffiziere= -zeichneten sich vor den französischen besonders durch seemännische -Geschicklichkeit und Erfahrung, sowie infolge der vorhergegangenen -siegreichen Kriege durch Kühnheit und Selbstvertrauen aus. Für die -=Mannschaften= war gleichfalls vorzügliches Material vorhanden, hier aber -trat im Gegensatz zu Frankreich bei Beginn des Krieges, wie auch früher -stets, Mangel zutage, weil viele Seeleute mit den Handelsschiffen -abwesend waren; es mußte beim Pressen auf minderwertiges Personal -zurückgegriffen werden. - -Wenn wir =den Vergleich der Seestreitkräfte= (vgl. Kapitel II, Seite 33) -nochmals zusammenfassen, so ergibt sich, daß die Vorteile für Frankreich -und Spanien aus den neueren und besseren Schiffen durch die Tüchtigkeit -der englischen Besatzungen mehr als aufgewogen wurden; auch führte -England während des Krieges die Kupferung der Schiffe allgemein durch und -erreichte damit eine annähernd gleiche Geschwindigkeit dieser in den -Flotten. An Schiffszahl aber konnte England in diesem Kriege nicht -überlegen auftreten. Sein Gesamtschiffsbestand war zwar 1778 dem der -vereinigten Gegner gleich und überwog ihn 1783 bedeutend. Aber in keinem -Kriegsjahre hat England auch nur annähernd so viel Schiffe in Dienst -gestellt, wie der Bestand aufwies, während Frankreich und Spanien dies -taten. - -Es ist möglich, daß England durch Mangel an Geld, Material und Leuten -beschränkt wurde, wahrscheinlicher ist es jedoch, daß der Gesamtbestand -eine große Zahl von Fahrzeugen enthielt (namentlich unter den -Linienschiffen[120], die nicht mehr kriegsbrauchbar waren; ein Umstand, -der bei den neugegründeten Marinen der Gegner fortfiel. Da nun Englands -Strategie -- häufig als unrichtig beurteilt -- in diesem Kriege dahin -strebte, auf allen Kriegsschauplätzen stets einem Angriff gewachsen zu -sein, waren die Verbündeten in den europäischen Gewässern immer und auch -auf den überseeischen Schauplätzen bisweilen die Stärkeren. Man hatte in -England vor diesem Kriege, obgleich er lange vorauszusehen war, den -schon weit früher von Marineautoritäten aufgestellten Grundsatz aus dem -Auge gelassen, die Marine stets der vereinigten Seemacht der beiden -bourbonischen Königreiche gewachsen zu halten. - - [120] Wir werden ein Beispiel finden (Schlacht auf der Doggerbank - 1781), wo sich selbst unter den in Dienst gestellten - Linienschiffen anerkannt minderwertige befanden. - - $Eine Zusammenstellung der Indiensthaltungen$ während der Kriegsjahre - möge Vorstehendes veranschaulichen. Die Angaben über England sind einer - Tabelle aus Colomb, »Naval Warfare«, Seite 366 entnommen. Es ist die - einzige ihrer Art, die in den Quellen zu finden war, und auch sie ist - nach Angabe des Autors nur im allgemeinen genau, da infolge von - Konvoibegleitungen, Ablösungen ausbesserungsbedürftiger Schiffe usw. - beständig Verschiebungen vorkamen. Über Frankreich und Spanien war - keine solche Zusammenstellung zu finden (mit Ausnahme der Angabe über - Frankreich für das Jahr 1700, welche Lacour II, Seite 305 entnommen - ist); wir mußten die Zahlen nach den Angaben über die bei kriegerischen - Ereignissen zur Verwendung gelangten Schiffe annähernd errechnen. - - Die so geschätzten Zahlen werden zu niedrig sein, denn wie bei England - die Gesamtzahl der Schiffe auf den Stationen stets weit größer ist als - die bei den großen Unternehmungen genannte, ist es auch bei den - Verbündeten der Fall; auf beiden Seiten wurde eine gewisse Zahl von - Linienschiffen durch Ablösungsfahrten, Handelsschutz und Handelskrieg, - Schutz der Häfen usw. der Verwendung in den großen Schiffsverbänden - entzogen. Immerhin werden die Angaben einigermaßen zu einem Vergleiche - der von beiden Seiten aufgestellten Seestreitkräfte dienen können. - - =Englands Seestreitkräfte= (Linienschiffe). - ---------+----------+-------------+--------------+---------+--------- - Heimische|Mittelmeer|Westindien 1)|Nordamerika 2)|Ostindien|Insgesamt - Gewässer| | | | | - =========+==========+=============+==============+=========+========= - 1778: 48| 1 | 14 | 12 | 2 | 77 - 1779: 43| 2 | 30 | 10 | 8 | 93 - 1780: 43| 2 | 33 | 17 | 8 | 102 - 1781: 39| 1 | 44 | 19 | 12 | 115 - 1782: 35| 1 | 59 | 12 | 22 | 129 - - 1) In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen - (Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit - schwächere. - - 2) In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch - war auch Halifax besetzt. - - =Streitkräfte der Verbündeten.= - ------------------------+-----------+---------+-------+------+--------- - Brest bzw. |Toulon bzw.|West- | Nord- | Ost- |Ins- - spanische Küste |Mittelmeer |indien 1)|amerika|indien|gesamt 2) - ========================+===========+=========+=======+======+========= - 1778 Frankreich 32 | 5 | 23 | -- | 2 | 62 - 1779{Frankreich 30 | 5 | 25 | -- | 2 | 62} 118 - {Spanien 38 | -- | 18 | -- | -- | 56} - 1780{Frankreich 27 | 4 | 27 | 7 | 5 | 70} 123 - {Spanien 35 | -- | 18 | -- | -- | 53} - 1781{Frankreich 26 | ? | 29 | 8 | 11 | 74} 124 - {Spanien 32 | 3 | 15 | -- | -- | 50} - 1782{Frankreich 15(min.)| ? | 36 | -- | 13 |64(?)}109 - {Spanien 35 | -- | 20 | -- | -- |55 }(?) - - 1) Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf. - - 2) Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige - zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 - als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint - allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von - uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist. - -$Die Vereinigten Staaten von Nordamerika$[121] schufen während des -Krieges eine kleine Marine; der 22. Dezember 1775 gilt als ihr -Geburtstag. Der Kongreß befahl am 5. Oktober 1775 dem General -=Washington=, zwei vor Massachusetts zum Kreuzen gegen Zufuhren der -Engländer ausgerüstete Fahrzeuge in den Dienst der Allgemeinheit zu -nehmen, um zwei mit Waffen und Munition erwartete Schiffe abzufangen, da -dem Landheere besonders Pulver fehlte. Am 13. Oktober wurde dann eine -Kommission eingesetzt, um die Ausrüstung von weiteren vier Fahrzeugen in -die Wege zu leiten, und im November beschloß man, durch Aufbringen von -englischen Kriegs- sowie Handelsschiffen den Krieg auch zur See zu -führen. - -[121] Nach Spears, Band 1. Die Flottille, die für die Kämpfe auf dem - Champlainsee gebaut wurde, ist hier nicht berücksichtigt. - -Die Kommission ward dann zur festen Behörde für Angelegenheiten der -Marine und erließ organisatorische Bestimmungen für eine solche; am 11. -Dezember ordnete man den Bau von 5 Schiffen zu 32 Kanonen, 5 zu 28, 3 zu -26 an, die im März 1776 seeklar sein sollten. Sechs dieser Schiffe sind -niemals in See gegangen, sie wurden schon in den Bauhäfen von den -Engländern zerstört. Gleichzeitig wurden geeignete Handelsschiffe zu -Kriegszwecken eingerichtet -- 2 Vollschiffe zu 20 und 24 Kanonen, 2 -Briggs, 1 Sloop und 2 Schoner -- und am 22. Dezember 1775 die Offiziere -für diese ernannt, nämlich ein Kommodore, 4 Kapitäne, 5 Leutnants I. -Klasse (unter diesen der bald berühmte =John Paul Jones=), 8 II. Klasse. -An einem der nächsten Tage heißte auf dem Flaggschiff »Alfred« der erste -Offizier (=Jones=) eigenhändig die neue Flagge: 13 Streifen, abwechselnd -rot und weiß, mit dem britischen Union Jack[122]. Das kleine Geschwader -konnte jedoch des Eises wegen nicht vor dem 17. Februar 1776 zum ersten -Male in See gehen (zu einer Expedition gegen die Bahamainseln). Die 8 -Fahrzeuge führten insgesamt 110 Kanonen, als schwerste aber nur 9-Pfdr. -Zu Offizieren hatte man meist Personen ernannt, die sich schon auf den -kleinen Kreuzern der Küstenstaaten ausgezeichnet hatten, unter den -Mannschaften befanden sich dagegen viele Nichtseeleute, da die -seemännische Bevölkerung den Dienst auf Freibeutern vorzog. - - [122] Am 14. Juni 1776 änderte der Kongreß den Union Jack in ein blaues - Feld mit 13 weißen Sternen um, und wieder war es =Paul Jones=, - der die neue Flagge auf seinem Schiffe »Ranger« in Portsmouth - (Newhampshire) zum ersten Male und eigenhändig heißte. - -Als die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erfolgte, zählte die -Marine 24 Fahrzeuge aller Größen bis zur schweren Fregatte (32 Kanonen) -mit 422 Geschützen. Während der Kriegsjahre wurde sie nach Kräften durch -Neubau, Kauf und Einstellung genommener Fahrzeuge vermehrt, aber fast -alle Schiffe fielen dem Feinde in die Hände, wurden vernichtet oder -gingen sonst verloren; beim Friedensschluß waren nur noch 3 größere -Schiffe mit insgesamt 84 Geschützen vorhanden. =Der Verlust=[123] betrug -3 Schiffe zu 40-44 Kanonen, 13 zu 28-32, 6 zu 20-26, 11 zu 12-14 und 6 zu -4-10. Rühmend heben amerikanische Quellen hervor, daß kein Kriegsfahrzeug -von englischen Freibeutern genommen sei, während amerikanische Freibeuter -16 englische Kriegsschiffe genommen hätten. - - [123] Nach einer Liste Clowes IV, Seite 113, in der die Namen der - Schiffe und der Kommandanten, sowie die Ursache des Verlustes - angegeben sind. - -Verwendung fand die Marine nur in Verbindung mit Operationen am Lande -sowie im Kleinen Kriege; die Angaben über die Größe der Schiffe machen -dies selbstverständlich. Nach dem Kriege wurden die noch vorhandenen -Fahrzeuge verkauft, da die öffentliche Meinung gegen jede stehende Waffe -als eine monarchische Einrichtung war und auch deren Kosten scheute. Erst -1794 gaben die Schäden, die der Seehandel durch die Barbaresken erlitt, -Anlaß zur Gründung einer neuen Marine. - - - Der Krieg in Nordamerika bis 1778[124]. - -$Das Jahr 1775$ verlief für England ungünstig. Dies hatte in -Friedenszeiten in den Kolonien stets nur wenig Truppen, schwache -Garnisonen in einigen Städten sowie in den kleinen Forts, und selbst als -die Lage bedenklich wurde, sandte man nur geringe Verstärkungen hinaus, -obgleich die Kolonien 1775 schon gegen 2 Millionen weiße Einwohner -zählten. Es war für England auch nicht leicht, sofort größere Kräfte -aufzubieten. - - [124] =Hauptquellen=: Schlosser und Zimmermann (vgl. Fußnote Seite - 205); Clowes Band III; Spears Band I; Campbell Band V. -- Die - Angaben über die Stärke der Heere auf beiden Seiten in den - verschiedenen Quellen weichen oft sehr voneinander ab. Der Grund - mag darin liegen, daß die Zahlen bei der Unzuverlässigkeit der - amerikanischen Milizen sehr wechselten und daß ein - Kriegsschauplatz häufig dem andern aushalf; englischerseits - darin, daß der eine Autor nur die regulären Truppen zählt, der - andere die Milizen Kanadas und die Truppenkörper der sogenannten - Loyalisten mitrechnet. Wir geben die Zahlen nach sorgfältigster - Abwägung; bei der untergeordneten Bedeutung des Landkrieges für - uns dürften etwaige Irrtümer ohne Belang sein. - - Die englische Landarmee betrug 1774 nur 17500 Mann -- die Flotte war - mit 20000 Seeleuten bemannt; für 1775 waren gar nur 18000 ausgeworfen - --, für 1776 bewilligte das Parlament 55000 Soldaten, für die Marine - 28000 Mann, von denen die größere Zahl nach Amerika bestimmt war, aber - man vermochte sie nicht aufzustellen, da die Werbungen in - Großbritannien und Irland wenig Rekruten brachten. Nur unter Entblößung - der Heimat konnte man die nötigsten Verstärkungen hinaussenden, und der - Kriegsminister empfahl, die aufständischen Kolonien allein durch - Vernichtung ihres Handels sowie Zerstörung der Küstenstädte mürbe zu - machen. Hiervon wollte jedoch der König nichts wissen, sondern kaufte - für 1776 etwa 18000 Soldaten von den kleinen deutschen Fürsten; in den - nächsten Jahren bis zu 25000 insgesamt. Als Kurfürst von Hannover - sandte er ferner 2300 Hannoveraner nach Gibraltar und Minorca zur - Ablösung englischer Regimenter. Auf diese Weise wurden noch mehr - Truppen aufgestellt, als das Parlament bewilligt hatte, zum Teil aus - Mitteln, die Korporationen und Private zur Verfügung stellten. -- Wie - =Friedrich der Große= über den Menschenhandel in Deutschland dachte, - zeigte sein Ausspruch: »Es sei billig, wenn er für die durch sein Land - ziehenden Soldaten den Viehzoll erhebe, da sie doch wie Vieh verkauft - wären.« - -$Gefechte bei Lexington und Bunkershill.$ Als =General Gage= im Frühjahr -den Gouverneursposten in Boston übernahm, hatte er nur etwa 3500 Mann -zur Verfügung, während in Massachusetts schon 12 000 Mann unter Waffen -standen und eifrig weiter gerüstet wurde. Bei Concord, etwa 6 Stunden von -Boston, war ein Magazin eingerichtet; um es aufzuheben, entsandte Gage -Mitte April 800 Mann. Diese Truppe wies zwar auf dem Hinmarsche eine -kleine Abteilung Milizen blutig ab, die sich ihr in den Weg stellte, und -führte ihren Auftrag aus, wurde aber auf dem Rückmarsch durch große -Scharen der durch das erste Blutvergießen erregten Bevölkerung bei -=Lexington am 19. April= angegriffen, verlor 65 Tote, 180 Verwundete -sowie 28 Gefangene und würde vernichtet worden sein, wenn ihr nicht von -Boston 16 Kompagnien zu Hilfe gekommen wären. =Dieses Gefecht gilt als -der Anfang des Krieges=; Gage erklärte das Kriegsrecht, mußte sich aber -in Boston verschanzen, da die Stadt von jetzt an durch die Amerikaner -eingeschlossen wurde. - -Am 24. Mai trafen nun zwar die Generale =Howe=, =Clinton= und =Burgoyne= -mit Truppen ein, wodurch das Heer auf 10000 Mann kam, unternahmen aber -noch nichts. Dagegen erlitten die Engländer eine neue Niederlage. Als sie -auf der durch den Charles-River von Boston getrennten Landzunge eine die -Stadt beherrschende Höhe -- =Bunkershill= -- befestigen wollten (jetzt -erst!), kamen ihnen die Gegner zuvor. Die von diesen am =16. Juni= -angelegte Befestigung wurde nun allerdings am =17. Juni= von den -Engländern genommen, aber der Angriff kostete ihnen, trotz Unterstützung -durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe, 1054 Mann, einschließlich 89 -Offiziere, an Toten und Verwundeten, während die Amerikaner nur 449 Mann -einbüßten und sich -- wegen Munitionsmangels -- in guter Ordnung -zurückzogen. Nun trat =George Washington= an die Spitze des -amerikanischen Heeres und brachte es auf 20000 Mann, aber die Disziplin -ließ sehr viel zu wünschen übrig, und es mangelte an Kriegsmaterial jeder -Art. Die Engländer, über die im Oktober =Sir William Howe= den Oberbefehl -übernahm, versuchten nicht einmal, die Linie der Belagerer zu -durchbrechen, obgleich diese später kaum 9000 Mann zählten, als die -Milizen heimgingen, die ihren Dienst hinter sich hatten; sie hofften, -durch verschärfte Maßregeln -- Beschlagnahme aller amerikanischen Schiffe -und Waren, sowie Blockade aller Häfen -- die Kolonien zum Nachgeben zu -zwingen. - -$Vordringen der Amerikaner gegen Kanada.$ In dem eben begonnenen Kriege -war für beide Parteien die =Hudsonlinie= wichtig, die fast -ununterbrochene Wasserstraße, die durch den Hudson, den George-, den -Champlainsee und endlich den Richelieu-River von New York bis zum St. -Lawrencestrom unterhalb Montreals gebildet wird. In der größtenteils noch -unwegsamen Gegend bot sie den Weg für amerikanische Angriffe auf Kanada -sowie für englische von dort; von den Engländern völlig beherrscht, -setzte sie diese in den Stand, die gefährlichsten Kolonien -- die -Neuenglandstaaten -- von den weniger feindseligen mittleren -abzuschneiden. Deshalb und auch wohl in der Hoffnung, die widerstrebenden -Kanadier doch noch herüberzuziehen, =bemächtigten sich= im Mai die -Obersten =Arnold= und =Allen= von Massachusetts aus mit nur 270 Mann des -=Forts Ticonderoga=, an der Südspitze, und des =Forts Crownpoint= am -Westrande des Champlainsees. - -Von hier aus segelte =Arnold= in einem Schoner zur Nordspitze des -Champlainsees bis zu dessen Ausfluß, dem Richelieu-River, und nahm hier -das =Fort St. Johns=. Halten konnte er sich hier allerdings nicht, da -eine starke englische Truppe im Anmarsch war, die der Gouverneur von -Kanada, =General Carleton=, zur Verstärkung der Grenzforts abgesandt -hatte, aber er verbrannte vor seinem Rückzuge alle Fahrzeuge im Norden -des Sees und sicherte sich so Crownpoint und Ticonderoga. Der Kongreß, -der im Mai wieder zusammengetreten war und mit England verhandelte, war -zwar anfangs mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, gab aber später -Washington Befehl, Truppen für einen Einfall in Kanada bereitzustellen. -Am 4. September schiffte General =Montgomery= in Crownpoint 2-3000 Mann -ein, nahm Fort Chambly am Richelieu-River und zwang St. John am 3. -November zur Übergabe. Er zog dann weiter, besetzte am 13. November -=Montreal= ohne Kampf und ging den St. Lawrencestrom hinab gegen =Quebec= -vor; hier traf er auf =Arnold=. Dieser war während des Oktober durch die -Wälder vorgedrungen, wobei er infolge von Strapazen 500 Mann von 1200 -verlor, hatte am 13. November oberhalb Quebec den Strom überschritten und -dieselbe Höhe besetzt, die =Wolfe= 16 Jahre früher erklommen; Carleton -zählte nur 1500 Mann und war zu schwach, ihn zu vertreiben. Nach -Montgomerys Eintreffen, Anfang Dezember, ward die Stadt eingeschlossen. -Zu einer regelrechten Belagerung waren aber keine Mittel vorhanden, und -ein Sturm am 31. Dezember, bei dem Montgomery fiel, wurde abgeschlagen. -=Arnold= mußte sich nun begnügen, dem Feinde die Zufuhren vom Lande her -abzuschneiden; von See her tat dies das Eis. Die Kanadier zeigten keine -Neigung, von England abzufallen. - -$Das Jahr 1776$ brachte gleichfalls einige $bemerkenswerte Ereignisse zur -See$. Auf die Nachricht von dem ersten Blutvergießen bei Lexington -bemächtigten sich die Einwohner von Machias (Maine) mittels einer Sloop -eines bewaffneten Regierungsschoners, der mit Mastenhölzern beladene -Fahrzeuge nach Boston bringen sollte. Sie armierten mit seinen Kanonen -die besser segelnde Sloop und nahmen dann zwei Kriegsschoner, die von -Halifax zur Verhaftung des Rädelsführers der ersten Gewalttat geschickt -waren. Diese drei Fahrzeuge ließen sie gegen Schiffe kreuzen, die den -Engländers in Boston Proviant und Material brachten. In ähnlicher Weise -wurde bei Rhode-Island ein Kriegsschoner genommen, dessen Kommandant -wegen seiner Schroffheit beim Durchsuchen von Handelsschiffen verhaßt -war. Wie Maine sandten auch Massachusetts und Rhode-Island kleine Kreuzer -gegen die englischen Zufuhren aus; bald nahm der Kongreß diesen -Kaperkrieg in die Hand (vgl. Seite 225). Besonders erwünscht war das -Abfangen von Transportern mit Munition, da die eigenen Milizen hieran -Mangel litten. - -Diese Kreuzfahrten hatten mehr Erfolg[125] als man glauben sollte. -Allerdings kamen die englischen Zufuhrschiffe ohne Deckung, und es ist -kaum verständlich, weshalb die Engländer sich nicht besser vorsahen, da -sie doch in Boston ganz auf Zufuhren von See her angewiesen waren. Wie -stark ihre Seestreitkräfte an der Küste waren, ist leider nirgend zu -ersehen, nur Laird Clowes sagt, sie seien weder stark genug noch geeignet -gewesen, ihre Aufgabe zu erfüllen, und erst im Oktober habe der Chef der -Station, Admiral =Graves=, den Befehl erhalten, seinerseits amerikanische -Handelsschiffe aufzubringen. Um diese Zeit wurden schroffe Maßregeln -ergriffen und zu diesen gehörten =Expeditionen gegen Küstenstädte=, die -Feindseligkeiten begangen hatten. So bombardierte Kapitän Mouatt mit 4 -Kriegsschiffen am 16. Oktober Falmouth (jetzt Portland; Maine) und legte -es in Trümmer; später wurden noch andere Städte beschossen, z. B. Norfolk -in Virginia, das den Gouverneur vertrieben hatte. - - [125] Die Haupttaten dieser Kreuzer, wie auch der spätere - Freibeuterkrieg der Amerikaner sind eingehend und lesenswert - dargestellt in Spears Band I. - - Die Kunde von der barbarischen Beschießung der offenen Stadt Falmouth - traf am 31. Oktober gleichzeitig mit der Nachricht in Philadelphia ein, - daß England deutsche Truppen angeworben habe. Beides erhöhte die - Erbitterung in den Kolonien, so daß der Kongreß beschloß, eine Marine - zu schaffen und den Krieg auch zur See zu führen. - -$Das Jahr 1776$ brachte zunächst $die Räumung Bostons$. Die bisherige -Untätigkeit der Engländer hatte den Amerikanern Zeit zur Durchführung -ihrer Rüstungen gegeben; durch die von den Freibeutern gemachten Prisen -hatten sie Waffen und Munition erhalten. Im März fühlte sich =Washington= -stark genug, gegen Boston vorzugehen; =Howe= mußte, da Freibeuter und -Winterstürme die Zufuhr an Lebensmitteln abschnitten, am 17. März die -Stadt aufgeben. Er segelte auf 150 Fahrzeugen mit 7-8000 Mann nach -Halifax ab, und etwa 1500 englisch gesinnte Einwohner schlossen sich ihm -aus Furcht vor der Rache ihrer Landsleute an. Er überließ dabei dem -Gegner ansehnliche Kriegsvorräte und später fielen diesem auch noch viele -mit solchen beladene Schiffe in die Hände, die ohne Kenntnis von dem -Abzuge der Engländer einliefen. =Howe= wollte in Halifax die Ankunft -einer großen Verstärkung abwarten, die von England in Aussicht gestellt -war. - -=Der Kriegsplan für= 1776 war, mit der Hauptarmee von New York aus den -Hudson hinauf nach Albany vorzugehen, bis wohin der Fluß schiffbar war, -und dort einem von Kanada aus über die Seen geführten Angriff die Hand zu -bieten. Außerdem war ein kleinerer Vorstoß gegen die Carolinastaaten -geplant, da man hoffte, diese beiden südlichen Kolonien mit Unterstützung -der zahlreichen Englandfreunde dort leicht wieder gewinnen zu können; wie -aus Virginia hatten auch aus Nord- und Südcarolina die Gouverneure -flüchten müssen. Im Laufe des Sommers trafen gegen 30000 Mann, darunter -die deutschen Truppen, ein, so daß England einschließlich der kanadischen -Milizen und der Loyalisten über etwa 40000 Mann verfügte. Gleichzeitig -wurden die Seestreitkräfte vermehrt und unter den Befehl des -Vizeadmirals =Sir Richard Howe=, eines Bruders des Generals =Sir -William Howe=, gestellt; an schwereren Schiffen sandte man den -Küstenverhältnissen entsprechend nur kleinere Linienschiffe zu 64 Kanonen -und 50-Kanonenschiffe hinaus. Zahlreich scheint die Verstärkung nicht -gewesen zu sein, denn noch 1777/78 verfügte Howe nur über 7 oder 8 der -ersteren und 6 oder 7 der letzteren an der ganzen nordamerikanischen -Küste einschließlich Kanadas. Vor Darstellung der Begebnisse auf den -verschiedenen Kriegsschauplätzen, auf denen überall Seestreitkräfte -mitwirkten, sei das Nötigste über den =Fortgang der politischen -Verhältnisse= gesagt. - -$Die Unabhängigkeitserklärung der Kolonien$ war schon im Mai 1775 auf dem -Kongresse angeregt, und im Februar 1776 wurden sämtliche -Provinzialversammlungen aufgefordert, ihren Deputierten beim Kongreß -Vollmacht zur Zustimmung zu geben, als =Franklin= im Mai von England -heimkam, Nachrichten über die schroffe Haltung des Parlaments sowie der -maßgebenden Kreise dort mitbrachte und Mitglied des Kongresses ward, -wurde es ihm leicht, diese Angelegenheit zu fördern. Die Zerstörung der -Küstenstädte, die Anwerbung deutscher Truppen, maßlose Ausfälle der -englischen Presse hatten die Erbitterung weiter geschürt, während -anderseits die leicht erlangte Räumung Bostons sowie die Aussicht auf -Frankreichs Unterstützung die Zuversicht hoben. Eine Kolonie nach der -anderen entschied sich für die Lossagung vom Mutterlande. Ende Juni waren -zwar die Deputierten von New York, Delaware, Pennsylvanien und -Südcarolina, in welchen Provinzen besonders viele Loyalisten wohnten, -noch nicht gewonnen, aber der Kongreßausschuß, der die Angelegenheit -bearbeitete -- Jefferson, Adams, Franklin, Sherman und Livingston --, -wußte geschickt den Widerstand zu besiegen: Carolina fügte sich; Delaware -sandte noch einen Deputierten, der für den Abfall stimmte; zwei -Abgeordnete Pennsylvaniens blieben der Abstimmung fern. - -So erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit Stimmenmehrheit, und die -von =Jefferson= entworfene =Declaration of Independance= ward in -Abwesenheit der Abgeordneten New Yorks =am 4. Juli 1776= einstimmig -angenommen; aber auch die New Yorker unterzeichneten nachträglich. Man -schickte nun die Gesandtschaft nach Frankreich, um sich dessen Beistand -zu sichern, denn ein gewagter Schritt blieb der Abfall immerhin. Zwar -rechnete man auf die Stimmung bei einem Teil des englischen Volkes und -mit der Schwierigkeit der Kriegführung für England in dem schwer -zugänglichen Innern der Kolonien, aber die eigenen Verhältnisse lagen -auch nicht günstig. England hatte noch viele Anhänger und die übrigen -Einwohner waren größerenteils zu Opfern an Gut und Blut wenig geneigt; -für regelrechten Kriegsdienst waren sie weder begeistert noch geeignet, -und als Milizen gingen sie heim, wenn sie ihrer zwölfmonatlichen -Verpflichtung genügt hatten. Es fehlte an Mitteln; bares Geld war an und -für sich wenig im Lande, etwa nur 12 Millionen Dollars, und dem Kongreß -fehlte vorläufig jede gesetzliche Grundlage. Man suchte sich mit -Beschlagnahme des Vermögens von Verrätern und Verdächtigen zu helfen und -gab Papiergeld aus, aber die erste Quelle versiegte schnell und das -Papiergeld fiel bald im Werte[126]. Die Preise aller Waren stiegen; es -fehlte an Kleidung, Waffen und Unterhaltungsmitteln für das Heer. -=Washington= und seine Freunde kamen mehr und mehr zur Erkenntnis, daß -nur die Ausnutzung der weiten, wenig bevölkerten Gebiete und die -Aushungerung der Engländer den Freiheitskampf so lange hinhalten konnten, -bis irgendwelche Hilfe kam. Die meisten dieser ungünstigen Zustände -erhielten sich bis zum Ende des Krieges, und man kann wohl mit Recht -sagen, daß die Freiheit Amerikas nicht durch den Heldenmut des Volkes, -sondern durch die Einsicht, Tatkraft und Aufopferung einer kleinen Zahl -hervorragender Männer sowie durch die Hilfe Frankreichs errungen ist. - - [126] Nach Zimmermann, Band III, Seite 409 stand das Papier zum - Metallgelde Ende 1776 wie 2-1/2 : 1; 1778 wie 5-1/2 : 1; 1779 wie - 27-1/2 : 1; 1780 wie 55 : 1. - -$Der Angriff auf Charleston (Südcarolina) 28. Juni 1776$. Zuerst setzten -die Engländer die Expedition gegen Carolina ins Werk. Im Januar 1776 -segelten 2 50-Kanonenschiffe, 4 Fregatten zu 28 Kanonen, 4 kleinere -Fahrzeuge und ein Mörserboot unter Kommodore =Sir Peter Parker= nebst -1000 Soldaten unter =Lord Cornwallis= von England und trafen nach -stürmischer Überfahrt im Mai bei Kap Fear (Nordcarolina) ein. Hier befand -sich bereits General =Sir Henry Clinton=, der von =Howe= im Januar mit -2000 Mann dorthin gesandt war. Bei seiner Ankunft hatten sich die -Loyalisten zu erheben versucht, wurden aber von den Aufständischen -niedergehalten, und Clinton fühlte sich nicht stark genug, in das Land -einzudringen. Bei Ankunft der Verstärkung aus England übernahm er den -Oberbefehl und beschloß, Charleston anzugreifen. Die Expedition segelte -am 1. Juni weiter, ankerte am 4. außerhalb der Barre vor der Einfahrt zur -genannten Stadt, passierte die Barre vom 7. bis 10. Juni, griff am 28. -das Fort Moultrie an, das die Einfahrt deckte, vermochte es jedoch weder -von See her niederzukämpfen noch von Land aus zu erstürmen. - - $Der Verlauf des Angriffes$ war kurz folgender. (Nach Colomb, Seite - 417, mit Plan, und Clowes III, Seite 372, dort sehr eingehend.) Die - Haupteinfahrt, der Mainshipchannel, führt zunächst zwischen einer - langgestreckten nur an ihrem Südende passierbaren Barre, und - Morris-Island etwa fünf Seemeilen nördlich und wendet sich dann - zwischen der Nordspitze genannter Insel und Sullivan-Island, nahe unter - dieser, nach Westen der Stadt zu. Diese engste Stelle der Einfahrt ist - noch etwa 4 Seemeilen von der Stadt entfernt und wurde damals nur durch - ein Werk auf Sullivan-Island beherrscht -- später nach seinem jetzigen - Verteidiger =Fort Moultrie= genannt. Das Fort besaß Bastionen auf den - vier Ecken, die Wälle bestanden aus Sand und waren mit zusammengefügten - Palmstämmen bedeckt. Nur die Hauptfront, die nach Süden die Einfahrt - bestrich, und die Westfront waren fertig, die beiden anderen erst - notdürftig gegen Ersteigen gesichert. 28 Geschütze (18- und 9-Pfünder) - waren aufgestellt und zwar 21 in der Hauptfront; eine von Osten nach - Westen laufende Traverse deckte diese gegen Rückenfeuer, doch ein - Schutz gegen Enfilieren war nicht vorhanden und die Munition war sehr - knapp. Letzterer Umstand war jedoch den Angreifern nicht bekannt. - =Parker= ließ die tiefste Stelle der Barre ausloten und ausbojen; dann - erfolgte die Durchfahrt, die Fregatten und die Transporter ankerten am - 7. Juni innerhalb der Barre, ein 50-Kanonenschiff folgte erst am 10., - da es zur Erleichterung Geschütze hatte abgeben müssen, das zweite - 50-Kanonenschiff war noch nicht eingetroffen. - - Vom 9.-15. landete =Clinton= seine Truppen auf Long Island, einer - Insel, unmittelbar nördlich von Sullivan-Island. Man beabsichtigte, das - Fort aus den Schiffen zu beschießen und vom Lande her zu erstürmen. Die - Wasserrinne zwischen den Inseln war aber selbst bei niedrigstem - Wasserstande noch 7 Fuß tief, und da man keine Mittel zum Überschreiten - hatte, genügte ein kleiner, in niedrigem Gestrüpp liegender Trupp - Amerikaner, jede Mitwirkung der Gelandeten beim Angriff zu verhindern. - Die Verteidiger fanden noch Zeit, ihre Befestigungen zu verstärken, - denn der Angriff erfolgte erst am 28., da das zweite schwere Schiff - nicht vor dem 26. zur Stelle war und am 27. ungünstiger Nordwind wehte. - - Am genannten Tage legten sich die 50-Kanonenschiffe sowie 2 Fregatten - um 11 Uhr vorm. auf etwa 330 Meter Entfernung in Linie parallel der - Hauptfront und eröffneten ein schnelles, gutgerichtetes Feuer; sie - wurden durch das Mörserboot unterstützt. Die Entfernung war jedoch zu - groß, um Kartätschen verwenden zu können; die Vollkugeln drangen nicht - durch den Wall, wenn auch zuweilen 3 bis 4 gleichzeitige Breitseiten - diesen so erschütterten, daß die Verteidiger fürchteten, er würde nach - innen fallen; die Bomben des Mörserbootes richteten keinen Schaden an, - da sie entweder tief in den Sand eindrangen oder in einen Morast im - Innern des Werkes fielen. Das Mörserboot wurde überhaupt bald durch - Zusammenbrechen seiner Geschützbettung gefechtsunfähig. Die Amerikaner - unterhielten ein ruhiges, mit Rücksicht auf den geringen - Munitionsbestand sehr langsames Feuer nur auf die 50-Kanonenschiffe, - welche sehr in der Takelage beschädigt wurden und starke - Mannschaftsverluste erlitten. Die beiden anderen Fregatten sowie eine - Sloop hatten das Fort passieren und im Westen desselben ankern sollen, - um die kämpfenden Schiffe gegen Branderangriffe von der Stadt her zu - decken und um die Hauptfront zu enfilieren. Sie liefen jedoch sämtlich - auf einer Bank in der Mitte des Fahrwassers auf; zwei von ihnen kamen - nach einigen Stunden bei steigendem Wasser frei, aber eine Fregatte - mußte verbrannt werden, als der Kampf aufgegeben wurde. Nach Aussage - der Verteidiger würden ihre Leute von den Geschützen vertrieben sein, - wenn diese Schiffe die richtige Stellung eingenommen oder wenn die - anderen Kartätschen hätten verwenden können. So verloren sie nur durch - einige Schartentreffer 37 Tote und Verwundete, während der englische - Verlust 94 Mann betrug; Parker wurde leicht, sein Flaggkapitän tödlich - verwundet. Nach Eintritt völliger Dunkelheit, 9 Uhr abends, brach der - Kommodore den Kampf ab und ging auf seinen Ankerplatz an der Barre - zurück. - - =Parker= hat wohl auf einen leichteren Erfolg und auch bis zuletzt auf - Mitwirkung der Gelandeten gerechnet. Es wäre gar nicht nötig gewesen, - das Werk zu nehmen, um nach Charleston zu gelangen. Bei dem Angriff - 1780 liefen die Schiffe ohne Schwierigkeit an dem Fort vorbei und auch - bei dieser Gelegenheit hatten die Verteidiger ein Gleiches erwartet. - -Der Angriff wurde nicht erneuert, da die Schiffe sehr beschädigt und die -Munitionsvorräte fast erschöpft waren. Es wurde auch sonst kein Versuch -gemacht, sich ohne Rücksicht auf das Fort der Stadt zu bemächtigen; die -Führer erachteten doch wohl das Landungskorps für zu schwach, um sich in -der Kolonie halten zu können, da in dieser zahlreiche Milizen unter -General =Lee= zusammengezogen waren. Die Expedition segelte nach der -nötigsten Ausbesserung der Schiffe wieder ab und traf gerade rechtzeitig -am 4. August vor New York ein, um an der Einnahme dieser Stadt -teilzunehmen. - -$Der Angriff der Engländer von Kanada aus, 1776[127]$, hatte mehr Erfolg. -Im April ward =General Carleton= aus seiner gezwungenen Untätigkeit in -Quebec erlöst. Am 12. traf ein kleines Geschwader unter Kapitän =Charles -Douglas= mit einigen Transportern an der Mündung des St. Lawrencestromes -ein. Er preßte seine Schiffe durch das mürbe gewordene Eis den Fluß -hinauf und erschien am 6. Mai vor der Stadt. Die Amerikaner hatten -während des Winters unter Entbehrungen und Krankheiten schwer gelitten -und =Arnold= verfügte nur über 1500 Mann. Carleton drang nun vor und -Arnold wich langsam zurück; er traf am 3. Juli in Crownpoint ein, die -Engländer folgten bis St. Johns. Sie wollten auf der Hudsonlinie bis -Albany vorgehen, um hier dem Vorstoß von New York aus die Hand zu -reichen; dies erschien durchführbar, da das Heer in Kanada mit dem -Eintreffen der großen Verstärkungen aus Europa Ende Oktober fast 13000 -Mann betrug, während die Amerikaner nur schwache Kräfte bei Crownpoint -stehen hatten. Aber der Marsch an den Ufern des Champlainsees war wegen -der völligen Unwegsamkeit des Geländes unmöglich, man mußte den Wasserweg -wählen. Dies führte zu einem Kampfe um den See, und hierfür schufen sich -beide Parteien eine Flottille. Bei ihrem Rückzuge hatten die Amerikaner -sämtliche Fahrzeuge vom Norden mit sich genommen, so auch einen -englischen Schoner aus St. Johns; vorläufig beherrschten sie den See. - - [127] Eingehender, besonders auch über die Flottillen auf den - Binnenseen, vgl. Clowes III, Seite 357, und Spears I, Seite 84. - - $Die Flottillen auf dem Champlainsee.$ =Arnold= hatte durch Briefe - schon während seines Rückzuges den Bau von Fahrzeugen vorbereitet. Er - ließ Schiffszimmerleute, Segelmacher sowie Material von der Küste nach - Crownpoint kommen. Zwei Schoner zu 12 Kanonen waren bereits vorhanden; - nun wurden noch ein Schoner, eine Sloop zu 10 und 3 Galeonen zu 6-8 und - 8 Gondolas zu 3-5 Kanonen gebaut. Die 15 Fahrzeuge führten insgesamt 88 - Geschütze und waren mit 700 Mann, allerdings meist Nichtseeleuten, - bemannt. Die Galeren und Gondolas waren Ruderfahrzeuge, erstere auch - zum Segeln eingerichtet, und führten ein oder 2 schwerere Geschütze im - Bug. Die anderen Fahrzeuge hatten nur wenig schwere Geschütze (12- und - 18-Pfünder), meist nur 4-Pfünder oder 9-Pfünder; die Munition war - knapp. Die Schoner, die Sloop und 5 Gondolas waren Mitte August bereit. - - War es für die Amerikaner schwierig, Material und Personal zu - beschaffen, so konnten sie doch in genügend tiefem Wasser bauen. Den - Engländern hingegen standen zwar die genannten Bedürfnisse durch das - Geschwader in Quebec reichlich zur Verfügung, aber die Aufstellung im - See machte Schwierigkeiten. Der Wasserweg von Quebec war für größere - Fahrzeuge nur bis Fort Chambly am Richelieu-River, etwa zehn Seemeilen - unterhalb St. Johns, schiffbar. =Carleton= und =Douglas= ließen nun in - Quebec die Hölzer für zwei Schoner vorbereiten, sowie ein schon - fertiges Vollschiff von 180 tons wieder auseinandernehmen; dieses - Material wurde dann zu Wasser nach Chambly, von dort über Land nach St. - Johns gebracht, um hier die Fahrzeuge zusammenzusetzen. Anfang Oktober - waren bereit: 1 Schiff zu 18 Kanonen (12-Pfünder); zwei Schoner mit 14 - oder 12 (6-Pfünder); 1 floßartiges Blockschiff mit 6 (24-Pfünder), 12 - (6-Pfünder), 2 Haubitzen, allerdings ein sehr unhandliches Fahrzeug; 1 - Gondola und 12 Boote mit je einem Geschütz, 24-Pfünder bis zum - kleinsten Feldgeschütz hinab. Munition war reichlich vorhanden, und - unter der 1000 Mann starken Besatzung der Flottille befanden sich 8 - Offiziere nebst 700 ausgesuchten Matrosen der Kriegsschiffe in Quebec. - -Schon Anfang September erschien =Arnold= mit 8 Fahrzeugen vor St. Johns, -um den Gegner zu beobachten und das Fahrwasser zu sperren, er konnte sich -aber hier nicht halten, als die Engländer an den Ufern Batterien -errichteten. Er ging deshalb bis etwa 14 Seemeilen südlich des Forts -zurück und nahm hinter der Insel =Valcour= -- zwischen Grand-Island und -dem Weststrande des Sees, wo jetzt Platsburg liegt -- Stellung; hier -sammelten sich nach und nach die 15 Fahrzeuge seiner Flottille. Als am -10. Oktober Meldung vom Nahen des Feindes eintraf, riet der nächstälteste -Offizier, unter Segel zu gehen und ein Rückzugsgefecht zu führen, um -nicht von beiden Seiten angegriffen zu werden; Arnold glaubte jedoch, daß -er dann sicher vernichtet werden würde, da der Gegner durch Größe und -Schnelligkeit der Schiffe überlegen war. In der engen Straße, in der er -sich befand, war er gegen Norden durch eine Untiefe gedeckt, und glaubte -bei einem Angriffe von Süden günstige Aussichten für den Kampf zu haben, -da fast stets nördlicher Wind wehte, der Gegner also aufkreuzen mußte und -seine Fahrzeuge voraussichtlich ohne Ordnung und nur einzeln heranführen -konnte. In der Hauptsache kam es auch so. - -$Gefechte auf dem Champlainsee am 11. und 13. Oktober 1776.$ Am 11. -Oktober in der Frühe passierte =Carleton=, als seemännischer Führer unter -ihm Kommander =Pringle= mit der englischen Flottille die Straße zwischen -Grand- und Valcour-Island bei frischem Nordostwinde. Als er die -Amerikaner entdeckte, ging er gegen den Wind zum Angriff vor, aber das -Vollschiff vermochte in der Enge kaum zu manövrieren, und das Blockschiff -sowie die Gondolas kamen überhaupt nicht zum Kampf. =Arnold= ging ihm mit -einem Schoner und den Galeren entgegen, während die anderen Fahrzeuge in -Halbmondformation vor Anker blieben; es entspann sich ein blutiges -Gefecht, das von 10 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit -dauerte. Der vorderste englische Schoner mußte schwer beschädigt -zurückgehen, 3 Kanonenboote sanken, und die Engländer verloren gegen 40 -Mann. Die Amerikaner büßten den vorgeschickten Schoner, der auf Valcour -strandete, eine Gondola und 60 Mann ein, doch waren auch die anderen -Fahrzeuge beschädigt und die Munition erschöpft. - -Bei Einbruch der Nacht ankerte =Carleton= in einer die Straße im Süden -absperrenden Linie, um am nächsten Tage das Vernichtungswerk zu vollenden -oder die feindlichen Schiffe zur Übergabe zu zwingen. Über Land konnten -ihre Besatzungen nicht entweichen, da die englische Flottille von -Indianertrupps begleitet war, die schon vom Lande her mit Gewehrfeuer in -den Kampf eingegriffen und auf Valcour die Leute des gestrandeten -Schoners unter den üblichen Martern getötet und skalpiert hatten. -=Arnold= aber führte während der dunkeln Nacht und in nebeligen -Morgenstunden seine Schiffe, eins dicht hinter dem anderen, unbemerkt -durch die feindliche Linie und erreichte Schuylers Island, einige Meilen -südlicher, wo er durch Gegenwind zum Ankern gezwungen wurde. Zwar setzte -er noch am selben Tage die Flucht fort, ward aber am 13. Oktober von den -Engländern eingeholt und mußte nach hartnäckiger Gegenwehr eine Galere -und vier Gondolas verbrennen. Er deckte die Ausführung selbst mit einer -Galere und verließ diese erst, als auch sie gut in Brand war; mit den -Besatzungen erreichte er trotz der Indianer glücklich Crownpoint. So war -zwar die amerikanische Flottille nahezu vernichtet, aber das Vorgehen -der Engländer kam doch für dieses Jahr zum Stehen. Die Amerikaner zogen -sich nach Ticonderoga zurück; =Carleton= führte seine Truppen zunächst -nach Crownpoint, ging aber dann wieder nach St. John und bezog hier -Winterquartiere. Er hielt die Jahreszeit nicht mehr für geeignet, die -starke Stellung bei Ticonderoga anzugreifen. Der rechtzeitige Bau der -amerikanischen Flottille, die Schwierigkeit, selber eine solche -aufzustellen, aber auch wohl der hartnäckige Widerstand Arnolds hatten -den Plan der Engländer vereitelt. - -$Der Kampf der Hauptheere um New York, New Jersey und die -Narragansett-Bucht (Rhode-Island) 1776$ brachte den Engländern bedeutende -Erfolge. =General Howe= traf mit den Truppen aus Halifax am 29. Juni bei -Sandy Hook ein und landete am 3. Juli auf Staten Island; am 12. kam -=Vizeadmiral Howe= von England an und bald darauf auch die erwartete -große Verstärkung, die das englische Heer auf diesem Kriegsschauplatze -auf 24000 Mann brachte; etwa ein Drittel davon bestand aus Hessen. Am 3. -August stieß =Clinton= mit den 3000 Mann der Charlestonexpedition zu ihm. -=Washington= war von Boston mit 18000 Mann herangeeilt und hatte in der -Stadt New York sowie auf Long Island eine Verteidigungsstellung -eingenommen. Ehe jedoch =General Howe= die Feindseligkeiten eröffnete, -versuchte er nochmals durch ein Manifest an die Bevölkerung sowie durch -Verhandlungen mit dem Kongreß die Amerikaner zum Nachgeben zu bewegen; -vier Wochen gingen darüber hin, erst gegen Ende August schritt man zum -Angriff. =Admiral Howe= hatte gleich nach seiner Ankunft vier -Kriegsschiffe unter Kapitän =Hyde-Parker= 25 Seemeilen den Hudson -hinaufgeschickt, wohl zur gewaltsamen Erkundung; die Schiffe erhielten -schweres Feuer von Befestigungen auf beiden Seiten, ließen sich aber -dadurch nicht aufhalten. - -[Illustration: New York und Umgebung.] - - $Die Einnahme von Long Island, 22.-29. August 1776.$ Die Stadt New York - nahm damals nur die Spitze der Insel Manhattan ein, die vom Hudson, - hier Northriver genannt, im Westen, dem Eastriver, der Fortsetzung des - Long Island-Sound, im Osten, dem Harlemriver, der Verbindung zwischen - North- und Eastriver, und von der oberen Bucht von New York im Süden - umgrenzt wird; von der letzteren führen die Narrows, die Wasserstraße - zwischen Staten- und Long Island, zur unteren Bucht von New York - zwischen Staten Island und Sandy Hook. Diese Bucht war in den Händen - der englischen Seestreitkräfte, und Staten Island hatte leicht besetzt - werden können, da Washington die Insel wegen Mangel an Kräften nicht - mehr in den Bereich seiner Stellung gezogen hatte. Am Strande von - Manhattan, am North- und am Eastriver waren kleine Forts erbaut und - ebenso kleine Redouten im Norden der Stadt zwischen beiden Flüssen. - Etwa 18 Kilometer nördlich lagen zwei stärkere Werke am Hudson zur - Sperrung des Stromes -- Fort Washington am Ost- und Fort Lee am - Westufer --, die jedoch bei der Verteidigung der Stadt noch nicht in - Betracht kamen. Der Schlüssel der amerikanischen Stellung lag auf Long - Island New York gegenüber, wo der Strand den von Manhattan überhöhte. - =Washington= hatte deshalb hier eine Linie von Schanzen angelegt, die - sich mit ihren Flügeln an die Narrows und an den Eastriver lehnte; in - dieser lag die Hälfte seines Heeres (9000 Mann). Auch Governors Island, - eine kleine Insel in der oberen Bucht zwei Kilometer südlich der Stadt, - war besetzt, sie flankierte diese Linie. - - Am 22. August brachte =Howe= unter dem Schutze der Kriegsschiffe 15000 - Mann nebst 40 Feldgeschützen von Staten Island nach Long Island - hinüber. Er ging nach seiner Art sehr behutsam vor, so daß die Truppen, - nach und nach auf 25000 Mann verstärkt, erst am 27. der ganzen - feindlichen Linie gegenüber in Stellung waren. Die Amerikaner verloren - während dieser Tage in Scharmützeln gegen 1500 Mann; =Washington= ließ - sie durch 2000 ersetzen, da er einen Sturm erwartete und erhoffte; Howe - leitete aber den förmlichen Angriff ein. - - Am 27. versuchte Kommodore =Sir Peter Parker= mit drei schweren - Schiffen und zwei Fregatten in die obere Bucht aufzukreuzen, um die - feindliche Linie flankieren oder gar in den Rücken fassen zu können, - aber es gelang ihm weder an diesem noch an den beiden nächsten Tagen; - am 28. begannen am Lande die Belagerungsarbeiten. Da Washington sich - nicht imstande fühlte, hiergegen die Stellung zu halten, führte er in - der Nacht des 29. August seine Truppen über den breiten und - schnellfließenden Eastriver nach Manhattan und räumte auch Governors - Island; die Soldaten eines aus Fischern gebildeten Regimentes leisteten - dabei treffliche Dienste. Es war heller Mondschein, und wenn auch ein - nebeliger Morgen folgte, so ist es doch kaum verständlich, daß die - Engländer weder am Lande noch auf dem Wasser den Abzug bemerkten. - Dieser Tadel trifft besonders die Schiffe, denn leicht hätten sie durch - Boote mit umwickelten Riemen auch bei Nacht die Wasserstraße beobachten - können. Als der Nebel sich hob, sah man gerade die letzten Boote - hinüberfahren und feuerte noch einige wirkungslose Kanonenschüsse - hinterher. - -=Nach dem Rückzuge von Long Island= nahm =Washington= eine Stellung am -Harlemriver ein, die sich mit ihrem rechten Flügel an Fort Washington am -Ostufer des Hudson anlehnte; 4000 Mann blieben in New York. Wieder -unterhandelte =Howe= und traf erst am 13. September Maßnahmen zur -Eroberung der Stadt. Er sandte Schiffe gegen die Werke am North- und -Eastriver, teils als Diversionen, teils um das Übersetzen der Truppen -vorzubereiten; diese litten zwar wie bei der Erkundung im Juli nicht -unbedeutend, aber man konnte doch am 15. auf der Ostseite von Manhattan -landen, und =Washington= gewann die Überzeugung, daß die Befestigungen -Schiffe bei günstigem Winde nicht an der Durchfahrt aufhalten könnten, -und daß daher die Stadt nicht zu halten sei. Wiederum gelang es ihm, die -Garnison während der Nacht am Westrande der Insel unbemerkt zur -Hauptmacht heranzuziehen[128]. - - [128] =Clowes= sagt, Band III, Seite 385: »Diese Bewegung, eine Meile - vor der Front des Feindes, gelang infolge der Trägheit General - Howes und seiner Vorliebe für eine gute Mahlzeit; er war in - dieser Nacht von einer listigen amerikanischen Dame (a shrewd - lady) eingeladen.« Auch in allgemeinen Geschichtswerken wird dem - General Bequemlichkeit und daraus entsprungene Nachlässigkeit - vorgeworfen im schroffen Gegensatz zu seinem Bruder, dem Admiral. - -=Howe besetzte nun New York ohne Kampf=, befestigte sich hier und nahm am -12. Oktober die Offensive wieder auf. Da er die feindliche Stellung für -einen Frontangriff zu stark erachtete, bedrohte er sie durch Vorgehen vom -Long Island-Sound aus im Rücken. Diese Bewegungen nötigten =Washington= -zunächst zu einem Frontwechsel und schließlich, Anfang November, zum -Rückzuge über den Fluß nach New Jersey hinein; zwischen dem Hudson und -dem Sound konnte er sich nicht halten, da beide Wasserstraßen von den -englischen Schiffen beherrscht wurden. Aufs neue waren schwere Fregatten -an den Forts Washington und Lee vorübergelaufen, die Zufuhren über den -Hudson waren aber für sein Heer die wichtigsten. Bei diesem Rückzuge -trafen ihn zwei schwere Mißgeschicke. Sein Befehl, Fort Washington -rechtzeitig zu räumen, war nicht befolgt; das Werk ward am 16. November -vom General =Knyphausen= erstürmt, wobei 2700 Mann in Gefangenschaft -gerieten. Ferner kam auch der Führer einer Heeresabteilung von 7000 Mann -seinem Befehl, über den Fluß zu gehen, nicht rechtzeitig nach, sondern -blieb im Staate New York. - -So war =Washington=, mit nur 6000 Mann, nicht mehr imstande, eine gute -Stellung im Hudsontale bei Westpoint einzunehmen, sondern mußte eilig -durch New Jersey bis hinter den Delaware zurückgehen. Um diese Zeit -verließ ihn ein Teil der Milizen, deren Dienstzeit abgelaufen war; ebenso -ging es dem in New York zurückgebliebenen Korps. Als dieses ihn endlich -erreichte und auch noch einige Bataillone von Ticonderoga zu ihm gestoßen -waren, zählte sein Heer wieder nur 6000 Mann. =Howe besetzte New Jersey= -bis an den Delaware. - -Die Engländer bemächtigten sich ferner noch der =Narragansett-Bucht=, mit -ihren Inseln Rhode-Island, Conanicut und Prudence, sowie der Stadt -Newport. Am 1. Dezember 1776 ging ein Geschwader von fünf -50-Kanonenschiffen nebst acht kleineren Fahrzeugen unter =Sir Peter -Parker= mit 7000 Mann unter General =Clinton= nach dort ab und besetzte -Newport am 8. ohne Widerstand. Hierdurch ward den Amerikanern ein -wichtiger Ausgangspunkt für ihre Kreuzer gegen die englischen Zufuhren -genommen, die Engländer aber gewannen einen vorzüglichen Stützpunkt für -ihre Seestreitkräfte. Die Narragansett-Bucht war der geräumigste und -sicherste Ankerplatz an der ganzen Küste, zu jeder Zeit ohne Rücksicht -auf Ebbe und Flut zugängig; von ihr aus waren die wichtigsten Städte der -Kolonien -- Boston, New York, Philadelphia -- in wenigen Tagen zu -erreichen. - -Das Jahr 1776 hatte den Engländern also wesentliche Erfolge gebracht. Bei -ihrer Überlegenheit kann man diese aber kaum hoch einschätzen, und selbst -englische Quellen sagen, daß der Bathorden, den =Howe= erhielt, nie -leichter verdient war. Und noch im Dezember traten =Rückschläge= ein. -Anstatt die Erfolge auszunutzen und gegen Philadelphia vorzugehen, ließ -Howe Winterquartiere beziehen und erfreute sich selber der -Annehmlichkeiten New Yorks. Der Feind gewann Zeit zur Erholung und -Rüstung. - - Der Kongreß hatte eingesehen, daß die Schaffung eines stehenden Heeres - nötig sei, und ordnete als Kern eines solchen die Aufstellung einer - Anzahl Bataillone an, deren Mannschaften sich auf drei Jahre - verpflichteten. Die Offiziere wurden nicht mehr von den Soldaten - gewählt, sondern durch die einzelnen Staaten ernannt. Für Offiziere und - Soldaten wurden Prämien an Geld sowie Grundeigentum ausgesetzt, aber - man verschärfte auch die Dienstvorschriften, und Washington erhielt mit - dem Titel Brigadier-General größere Vollmachten. Doch alle diese - Beschlüsse trugen nur allmählich ihre Früchte, und es fehlte nach wie - vor an Geld. - -=Washington= zog bald aus der Sorglosigkeit der Engländer in ihren -Winterquartieren Nutzen. Am 25. Dezember ging er nachts über den -eistreibenden Delaware, überfiel =bei Trenton= drei hessische Regimenter, -machte gegen 1000 Gefangene und zog sich wieder zurück. Acht Tage später -erschien er nochmals am selben Orte; diesmal aber stieß er auf den -tüchtigen General Cornwallis, wich ihm indessen durch einen geschickten -Nachtmarsch aus und überraschte =bei Princetown= vier englische -Regimenter, denen er schwere Verluste beibrachte. Die Folge dieser Siege -sowie weiterer klug berechneter Bewegungen war, daß =Howe= seine Truppen -mehr auf die Stadt New York, bis nach New Brunswick, zurückzog und -=Washington= im mittleren, hügeligen Teile von New Jersey eine gute -Stellung einnehmen konnte, die den Weg von New York nach Philadelphia -flankierte. - -Für $1777$ hielt die englische Regierung an dem Kriegsplane des Vorjahres -fest und beauftragte =General Burgoyne=, der an Carletons Stelle getreten -war, wiederum mit einem $Angriff von Kanada aus$. Burgoyne brach Ende -Juni von St. Johns mit 10000 Mann -- 8000 Reguläre, darunter viele -Braunschweiger, der Rest kanadische Milizen und Loyalisten der -Neuenglandstaaten -- nebst einer starken Artillerie sowie Indianerhorden -auf und erschien am 2. Juli vor =Ticonderoga=. Die Amerikaner wurden bald -zum Rückzuge gezwungen, den sie unter großen Verlusten auf dem Wasserwege -antraten und bei dem die englische Seenflottille am 6. Juli den Rest der -amerikanischen vernichtete. Die erstere fand ferner nur noch Verwendung -zur Schaffung und Deckung eines Nachfuhrdepots auf dem Georgesee; -Burgoyne setzte seinen Marsch nicht auf dem Wasserwege fort, sondern -drang durch die Wildnis vor. Dies war fehlerhaft, denn er mußte -angesichts des allerdings nur schwachen Feindes -- anfangs unter -=Schuyler=, später unter =Gates= -- Wege bahnen, Bäume fällen und Brücken -über Flüsse, Moräste, Schluchten bauen. Er gelangte erst am 30. Juli nach -Fort Edward am Hudson, noch etwa 40 englische Meilen von =Albany= -entfernt. Hier mußte er längere Zeit verweilen, um die Verpflegung -sicherzustellen, wobei kleine abgezweigte Abteilungen empfindliche -Verluste erlitten; erst Mitte September drang er weiter vor. - -Am 19. stieß er bei =Stillwater= (20 Meilen von Albany) auf General -=Gates= mit 5000 Mann. Das Gefecht blieb zwar unentschieden, aber -=Burgoyne= wurde doch festgehalten und war mit Rücksicht auf die nach und -nach erlittenen Verluste, auf viele Kranke sowie Mangel an Proviant -genötigt, am 9. Oktober den Rückmarsch nach Fort Edward anzutreten. Man -beziffert seine Verluste auf 4000 Mann, worin aber wohl die kanadischen -Milizen eingerechnet sind, die ihn nach Stillwater größtenteils verlassen -hatten; auch die Indianer waren abgezogen. Am 10. Oktober wurde er bei -=Saratoga= mit nur noch 6-7000 Mann, darunter viele Kranke, vom Feinde -eingeschlossen; =Gates= hatte von Washington bedeutende Verstärkungen -erhalten und alle Übergänge über den Hudson vor und hinter den Engländern -besetzt. =Burgoyne= konnte auf Unterstützung von New York her nicht -hoffen; seit drei Wochen waren seine Leute auf halbe Rationen gesetzt und -dadurch erschöpft, der Proviant reichte nur noch auf 5-6 Tage. Er mußte -die Waffen strecken. Besonders wertvoll für den Gegner war die erbeutete -Artillerie. - -=Die Kapitulation bei Saratoga am 17. Oktober 1777= wurde dadurch -bedeutungsvoll, daß sie Frankreich auf die Seite der Amerikaner führte. -Sie wog reichlich die Erfolge auf, die Howe auf dem anderen -Kriegsschauplatze erzielte, und sie würde vermieden sein, wenn dieser -General dem Kriegsplane der Regierung entsprechend gehandelt hätte. - -$Der Angriff auf Philadelphia 1777.$ Der ausdrückliche Befehl für =Howe=, -den Hudson hinauf vorzudringen und Burgoyne die Hand zu reichen, war zwar -in London ausgefertigt, aber nicht rechtzeitig abgesandt worden[129]. -Howe hielt es nun aus politischen Gründen für richtiger, den Angriff auf -Philadelphia als Sitz des Kongresses und wegen der günstigen -Volksstimmung in Pennsylvanien zu erneuern. Aber auch diesen betrieb er -lässig, obgleich =Washington= anfangs nur schwach war. - - [129] =Vom Lord Germaine=, der an der Spitze des Kolonialamtes stand - und dem die Leitung des Krieges zufiel, wird wie von Howe gesagt, - daß er seine Pflichten sehr leicht genommen habe; häufig soll er - in Gesellschaften die eiligsten Depeschen ungelesen in die Tasche - gesteckt und dann vergessen haben. - - Der Zuzug zu Washingtons Heer blieb zunächst gering und es litt unter - mangelhafter Verpflegung sowie schlechten Quartieren; im März zählte es - nur 4500 Mann. Nun trafen allerdings aus Frankreich Geld, Material und - Menschen ein, so langte im Mai =Lafayette= mit seinen Begleitern an und - wurde sogleich zum amerikanischen General ernannt. Dies schuf aber auch - neue Schwierigkeiten. Die Milizen wollten nicht unter fremden Führern - dienen und viele amerikanische Offiziere traten aus. Es bedurfte großen - Taktes sowie unerschöpflicher Geduld auf seiten Washingtons, hier zu - vermitteln und die verschiedenen Elemente dem Gemeinwohle dienstbar zu - machen. - -Bis zum Juni blieb =Howe= in New York; als er dann den Vormarsch beginnen -wollte, war =Washington= gegen 10000 Mann stark geworden und ließ sich -nicht aus seiner festen Stellung zur offenen Schlacht hervorlocken. Trotz -seiner Übermacht von insgesamt 30000 Mann wagte der englische General ihn -nicht anzugreifen, scheute sich aber auch, mit dem Feinde in der Flanke -durch New Jersey auf Philadelphia vorzudringen; er beschloß, über See den -Delaware hinaufzugehen und segelte mit 14000 Mann in etwa 250 -Transportern am 23. Juli von Sandy Hook ab. =Admiral Howe= deckte den -Transport mit 5 Linienschiffen (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiffe und -10 kleineren Fahrzeugen; der Rest des Heeres blieb unter =Clinton= in -New York und auf Rhode-Island. =Washington=, der nicht annehmen konnte, -daß Howe von dem Plane der englischen Regierung abgehen würde, hielt die -Bewegung nur für eine scheinbare, um ihn aus der Stellung zu locken, und -rührte sich nicht. - -Am 31. Juli stand die englische Expedition vor der Delaware-Bucht; da der -Fluß unterhalb Philadelphias gesperrt war, beschloß man, am Nordende der -Chesapeake-Bucht zu landen. Infolge Gegenwindes und Stillen gelang dies -erst am 25. August und erst Anfang September begann der Vormarsch auf -genannte Stadt. =Washington=, der schließlich doch zu ihrer Deckung -herbeigeeilt war, hatte am =Brandywine=, einem bei Wilmington in den -Delaware fallenden Fluß, mit 14000 Mann Aufstellung genommen, ward aber -hier am 11. September umgangen und völlig geschlagen; das englische Heer -hatte nach seinem Abzuge aus New Jersey Verstärkung erhalten. Abermals -verfolgte Howe seinen Sieg nicht und die Amerikaner konnten sich wieder -sammeln. =Er besetzte= am 26. =Philadelphia=, wobei eine amerikanische -Fregatte vernichtet wurde; =Washington= zog sich in die nahen Wälder -zurück, machte am 3. Oktober noch einen erfolglosen Vorstoß und nahm dann -eine feste Stellung bei Valley-Forge, unweit Philadelphia ein. Auch -=Howe= bezog Winterquartiere. - -$Die englischen Seestreitkräfte$ hatten inzwischen auch noch den Delaware -als kürzesten Zufuhrweg für das Heer bei Philadelphia freigemacht. -=Admiral Howe= war nämlich am 14. Dezember mit dem Geschwader und den -Transportern von der Chesapeake-Bucht nach der Mündung des genannten -Flusses gegangen. In diesem hatte der Feind zwei Linien von Sperren -gelegt und durch Batterien am Ufer gedeckt; Howe sandte ein Linienschiff, -2 Fregatten und 2 Sloops den Fluß hinauf. Die unterste Sperre ward leicht -aufgeräumt und die Batterien genommen. Schwieriger war die Überwältigung -der oberen Stellung etwa 10 englische Meilen unterhalb Philadelphias. -Hier befanden sich auf dem Ostufer das Fort Redbank und am Westufer ein -Werk auf einer kleinen Insel, Mud-Island; zwei schwimmende Batterien -sowie eine Anzahl von Galeren und Branderflößen verstärkten die Linie. - -Ein Angriff der Engländer am 22. Oktober wurde sowohl zu Lande wie auf -dem Wasser abgeschlagen; das Linienschiff und eine Sloop kamen auf Grund -und wurden verbrannt. Man baute nun Batterien am Lande und armierte sie -mit Schiffsgeschützen. Mud-Island fiel jedoch am 15. November -hauptsächlich dadurch, daß die andere Sloop und eine schwimmende Batterie -mit schweren Geschützen am Westufer entlang segelten und die Kehle des -Werkes bedrohten; in der Nacht räumten die Amerikaner das Werk und gaben -auch Redbank am 21. auf. Die englischen Schiffe drangen nun nach -Philadelphia vor und vernichteten hier eine zweite Fregatte sowie fünf -kleinere Fahrzeuge der eben geschaffenen amerikanischen Marine. - -Unter Beihilfe der Kriegsschiffe hatte endlich noch General =Clinton= am -3. Oktober mit einigen Fregatten und 3000 Mann von New York =einen -Vorstoß den Hudson= hinauf unternommen. Er zerstörte leicht alle -Uferbefestigungen, Depots und Fahrzeuge, auch zwei Kriegsschiffe und kam -in einer Woche nach Westpoint; von hier gelangte ein Teil der Truppen auf -kleinen Fahrzeugen bis auf 40 englische Meilen an Albany heran, gerade -als =Burgoyne= von Stillwater den Rückzug antrat. Dieser hatte mehrere -Boten mit der Nachricht über seine Lage an Clinton abgesandt, von denen -allerdings nur einer sein Ziel erreichte. =Clinton= hielt sich aber für -weiteres Vorgehen zu schwach und kehrte nach New York zurück. -Verschiedene Autoren behaupten, er habe die Kapitulation von Saratoga -doch wohl hindern können. Jedenfalls zeigt sein leichtes Vordringen, daß -=Howe= mit seiner ganzen Macht die Vereinigung bei Albany erreicht haben -würde; er hätte es dann zwar auch mit Washingtons Heere zu tun gehabt, im -Besitze des Flusses aber seine Übermacht gut zur Geltung bringen können. - - $Der Nutzen der englischen Seestreitkräfte 1777$ war bei sämtlichen - Unternehmungen groß gewesen; sie hatten die Landtruppen an den Ort - ihrer Verwendung gebracht, deren rückwärtige Verbindungen gesichert und - auch in die Kämpfe eingegriffen. Daneben kreuzten einzelne - Kriegsschiffe gegen feindliche Handelsfahrzeuge und Kreuzer, nicht nur - an den Küsten Nordamerikas, sondern auch in den westindischen und - europäischen Gewässern; seit 1776 gab England auch Kaperbriefe aus. - -$Die amerikanischen Seestreitkräfte$[130] dehnten den Kleinen Krieg, der -1775 durch Freibeuter der einzelnen Staaten begonnen war, schon 1776 keck -weiter aus. Am 17. Februar 1776 verließ das erste amerikanische -Geschwader von 6 Fahrzeugen (vgl. Seite 225; 2 Schoner blieben zurück) -unter =Kommodore Hopkins= den Delaware und segelte =nach den -Bahama-Inseln=, um dort aufgespeicherte englische Kriegsvorräte -wegzunehmen. Auf der Insel Abaco bemächtigte sich Hopkins der -Küstenfahrzeuge und führte auf ihnen 300 Mann nach New Providence -hinüber, in der Hoffnung, diese Insel zu überraschen. Die Garnison war -jedoch auf ihrer Hut, so daß die Landung unter Deckung durch die größeren -Kriegsschiffe erzwungen werden mußte. Dann wurden die Forts erstürmt, -gegen hundert Kanonen sowie viel Material erbeutet und bei der Rückfahrt, -Mitte März, der Gouverneur nebst angesehenen Einwohnern als Geiseln -mitgenommen, da England alle auf amerikanischen Kaperschiffen gemachten -Gefangenen für Piraten erklärte und sie, wenn auch nicht gerade hängte, -doch sehr schlecht behandelte. - - [130] Die kecken Taten der kleinen Marine sind ausführlich und - lesenswert beschrieben in Spears Band I; die wichtigsten Gefechte - mit englischen Schiffen auch in Clowes Band IV, Minor actions - 1762-1792. Einiges werden wir bei Betrachtung des »Kleinen - Krieges« am Schluß des Kapitels bringen. - -Die Kriegsschiffe, zu denen bald Neubauten oder Neuerwerbungen traten, -wurden einzeln oder in Gruppen zum Kleinen Kriege verwendet, auch die -Zahl der Freibeuter wuchs ungemein. Beide machten den Engländern an der -Küste Nordamerikas und in Westindien viel zu schaffen, 1777 erschienen -sie sogar in der Biskaya und bei England. In Westindien fanden sie -Zuflucht auf den französischen und holländischen Inseln, in Europa -stützten sie sich auf französische Häfen. In diesen verkauften sie ihre -Prisen; um die Neutralität Frankreichs wenigstens scheinbar zu wahren, -ward der Kauf auf offener See abgeschlossen und das Geld dem -amerikanischen Gesandten in Paris ausgezahlt. Dieser Krieg führte zu -vielen Gefechten, in denen auch kleinere englische Kriegsschiffe genommen -wurden, doch büßte die schwache amerikanische Marine im Laufe der -späteren Jahre so viel Schiffe dabei ein, daß sie trotz aller Neubauten -nie größere Macht erlangen konnte. Der englische Handel erlitt jedoch -bedeutenden Schaden. In den Jahren 1776/77 wurden 560 englische -Kauffahrer aufgebracht, während die Engländer nur 60 Handelsschiffe und -24 Freibeuter wegnahmen. Auf den westindischen Inseln trat schließlich -Mangel an Sklaven und an Nahrungsmitteln ein; die Einfuhrartikel stiegen -sehr im Preise, die der Ausfuhr fielen entsprechend; die Versicherung der -Schiffe ging auf 23%. Der Gesamtschaden des Handels durch unmittelbaren -Verlust oder Behinderung betrug in diesen Jahren über 1-1/2 Millionen -Lstrl. - -$Das Jahr 1778 brachte bis zur Teilnahme Frankreichs am Kriege nichts von -Bedeutung.$ =General Howe= blieb auch noch im Frühjahr, bis auf kleinere -Vorstöße zur Verproviantierung, untätig in den Winterquartieren, obgleich -=Washingtons= Streitkräfte in traurigster Verfassung waren. Wo die -Engländer standen und wohin sie kamen, wandte sich nämlich die Mehrheit -der Bevölkerung von ihm ab; er erhielt von ihr weder Nachrichten noch -Lieferungen. Sein Heer verlor während des Winters so viel Leute durch -Krankheit und Fahnenflucht, daß es im Februar nur noch 5000 Waffenfähige -neben 4000 Kranken zählte, die kaum die nötigste Kleidung hatten. So -mußte auch er sich darauf beschränken, seine Truppen zu verstärken und zu -verbessern[131]. - - [131] Hierbei leistete der ehemalig preußische Offizier =von Steuben=, - der im Dezember 1777 eintraf und zum Inspekteur sowie Instrukteur - ernannt wurde, wesentliche Dienste. Ihm ist es hauptsächlich zu - danken, wenn aus den Milizen nach und nach ein leidlich - brauchbares Heer geschaffen wurde. - -Anfang Mai bekam er Nachrichten aus England, daß wegen des Erscheinens -einer französischen Flotte die plötzliche Räumung Philadelphias nötig -werden würde. Er zog daraufhin einen Teil seiner Kriegsschiffe in der -Delaware-Bucht zusammen und verlud sämtliche Vorräte der Truppen bei -Philadelphia bis auf den Bedarf für 14 Tage auf Transporter. - -=Der Rückzug der Engländer vom Delaware -- General Howe= leitete ihn -nicht mehr; er war am 24. Mai vom General =Clinton= im Oberbefehl -abgelöst und nach England gegangen -- trat tatsächlich schon im Juni als -eine Folge der veränderten politischen Verhältnisse ein. =Frankreich= -trat nach Saratoga offen auf die Seite der Amerikaner und sandte am 13. -April eine längst vorbereitete Flotte ab, die ihnen zunächst am Delaware -Luft schaffte. =England= machte zwar noch einen letzten Versuch zur -Versöhnung mit den Kolonien, jedoch gingen diese nicht mehr darauf ein, -sondern nahmen nach Eintreffen der französischen Hilfe den Krieg mit -erneuter Zuversicht wieder auf. - - $Der letzte Versuch Englands zur Versöhnung.$ In England hatte man - bislang sicher gehofft, den Aufstand bald niederzuschlagen. Die - öffentliche Meinung, empört über die erfolgreiche Freibeuterei der - Amerikaner, hieß alle harten Maßregeln der Regierung gut; nur die - strengsten Whigs, damals in heftigem Streit mit der Regierung, traten - für die Kolonien ein, erbitterten aber dadurch die große Menge nur noch - mehr. Die Niederlage von Saratoga führte jedoch einen völligen - Umschwung der öffentlichen Meinung herbei; man fand plötzlich die - Wünsche der Kolonien billig und forderte schleunigen Frieden. Auch der - König und die Regierung wurden nachgiebig, da Schwierigkeiten - finanzieller Art sowie für die Beschaffung weiterer Soldtruppen aus - Deutschland und endlich der Krieg mit Frankreich drohten. - - Im Februar 1778 brachte =Lord North= eine Anzahl Bills vor das - Parlament zur Bewilligung früherer Forderungen der Kolonien: Aufhebung - der Verfassungsänderungen sowie des Teezolles; Befreiung von Steuern - und Verwendung der Zolleinkünfte nach den Beschlüssen der Kolonien; - Bevollmächtigte sollten darüber mit dem Kongreß verhandeln. Diese - Beschlüsse verblüfften zwar sogar die Anhänger der Regierung, fanden - aber keinen ernstlichen Widerspruch und wurden am 11. März vom Könige - vollzogen. Doch die Demütigung war umsonst. Zwei Tage später übergab - Frankreich die bekannte Erklärung (vgl. Seite 217) in London und die - Gesandten wurden beiderseits abberufen. Der schwerkranke =Pitt= sprach - bei seinem letzten Auftreten im Oberhause am 7. April kurz vor seinem - Tode in einer gewaltigen Rede gegen die Unabhängigkeit der Kolonien und - entschied den Entschluß, auch mit Frankreich den Krieg aufzunehmen. - - Die trotzdem nach Amerika abgehenden Bevollmächtigten trafen im Mai in - Philadelphia ein. Obgleich sie ihre Vollmacht überschritten und - Vertretung der Kolonien im Parlament wie die Verpflichtung anboten, nie - wieder europäische Truppen herüberzusenden, fanden sie kein Gehör. Der - Kongreß hatte den Vertrag mit Frankreich unterzeichnet und bestand auf - der Unabhängigkeitserklärung. Während die Bevollmächtigten noch - unterhandelten, traf der Befehl zur Räumung Philadelphias ein, der ihre - Aufgabe wahrlich nicht förderte, da er den Amerikanern als ein Zeichen - der Schwäche Englands erscheinen mußte und ihnen den Rücken steifte. - Einige Quellen sagen, =North= habe die ganz aussichtslosen - Unterhandlungen nur wieder aufgenommen, um bei den Franzosen Mißtrauen - gegen die Amerikaner zu erwecken. - -Mit dem Auslaufen der französischen Flotte nach Amerika sind wir beim -=Beginn des großen Seekrieges= angelangt und wenden uns diesem zu. Den -weiteren Verlauf des Landkrieges flechten wir in die Schilderung des -Seekrieges ein, soweit es zum Verständnis der unmittelbaren Mitwirkung -von Seestreitkräften oder zur Beurteilung der durch ihn hervorgerufenen -Bewegungen großer Flotten nötig ist. - - - Der grosse Seekrieg[132]. - -$Über Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen.$ Der -Seekrieg spielte sich wie die letztvorhergegangenen auf vier Schauplätzen -ab: den europäischen, den nordamerikanischen, den west- und den -ostindischen Gewässern. In den früheren Kriegen war der erstgenannte der -wichtigste; der Verlauf hier war für den Krieg auf den anderen -ausschlaggebend. Wir konnten deshalb, ohne die Übersicht zu verlieren, -zunächst die Ereignisse auf diesem zusammengefaßt geben und dann in -gleicher Weise die auf den übrigen folgen lassen. Bei dem jetzt zu -besprechenden Kriege müssen wir einen anderen Weg wählen, da das Ringen -auf den verschiedenen Meeren gleich folgenschwer ist und eng ineinander -greift. Bei einer streng chronologisch durchgeführten Schilderung der -Ereignisse auf allen Kriegsschauplätzen zugleich würde nun aber infolge -des reichen Materials der strategische Faden verloren gehen, und so -bleibt nur eine Verbindung beider Wege übrig. Für eine solche geben =die -militärische Lage, sowie die Ziele der Gegner in den verschiedenen -Weltteilen= einen guten Anhalt. - - [132] Besonders benutzte Quellen: Mahan I; Clowes Band III (das - betreffende Kapitel ist auch hier von Kapitän Mahan bearbeitet, - aber später als dessen eigenes Werk, und weicht deshalb zuweilen - von diesem ab); Lacour II, Chevalier II, zwei Werke, die sich - wertvoll ergänzen; Campbell Band V und VII; Troude Band II; - Bonfils Band III. Die kleinen Begebenheiten findet man bei Clowes - erst im Bande IV, Kapitel »Minor actions 1763-1793«. - -=In Europa= beschränkte sich England im Gegensatz zu den früheren Kriegen -ganz auf die Verteidigung, da es bei dem Bestreben, auch in allen fernen -Meeren die Herrschaft zu wahren und Angriffen entgegenzutreten, hier den -Gegnern nicht gewachsen war. Diese hatten es auf Einfälle in England -sowie auf die Eroberung von Port Mahon und Gibraltar abgesehen; zum Glück -für England lag die erste Aufgabe Frankreich, die zweite Spanien mehr am -Herzen, und dieses Auseinandergehen der Ziele schwächte das -Zusammenwirken der Verbündeten. - -=In Nordamerika= handelte es sich für die Engländer um die Unterwerfung -der Kolonien. Sie waren 1778 im Besitze New Yorks, der Narragansettbucht, -Philadelphias und Kanadas. New York war politisch wertvoll als die größte -Stadt neben Boston und militärisch durch seine Lage am Ausgangspunkte der -Hudsonlinie. Die Narragansettbucht gab den besten Hafen der Küste, -vorzüglich gelegen zu ihrer Beherrschung. Der Besitz von Philadelphia -bildete jedoch eine Schwäche in der englischen Stellung, da das Heer hier -von dem in New York über Land getrennt und auch in Hinsicht auf Zufuhren -ganz auf die See angewiesen war; von dieser abgeschnitten, schwebte es in -der Luft. Hierher richtete denn auch Frankreich den ersten Stoß seiner -Flotte, und England mußte die mühsam errungene Stellung am Delaware -aufgeben, sobald es seine Seeherrschaft bedroht sah. Bei den späteren -Unternehmungen Englands gegen die südlichen Kolonien spielte der Besitz -der Chesapeakebucht eine ähnliche Rolle. Da an dieser keine Befestigungen -lagen, fiel sie der seebeherrschenden Partei zu und wurde deshalb -Streitobjekt für die beiderseitigen Flotten. Kanada zu erobern oder für -ihre Sache zu gewinnen, war den Amerikanern nicht gelungen, sie -versuchten dies auch nach 1777 nicht mehr -- vielleicht trauten sich die -neuen Verbündeten, Frankreich und Amerika, in dieser Beziehung nicht -recht -- und so blieb die Kolonie eine feste Basis für England. - -=In Westindien= war der Besitz der Engländer und der Franzosen auf den -Kleinen Antillen ungefähr gleich. Der Kampf entspann sich zunächst um -strategisch besonders wichtige Inseln (Dominica, Sta. Lucia); später -erstrebte Frankreich die Eroberung englischen Gebietes überhaupt, wohl -in der Hoffnung, sich hier ein großes Kolonialreich schaffen zu können. -Dieser Versuch ging auf Kosten des Kampfes in den europäischen Gewässern. -Auf den großen Inseln würde Spanien das Übergewicht gehabt haben, da es -Kuba, Portoriko und mit Frankreich gemeinschaftlich Haiti besaß, während -England nur Jamaika gehörte. Es trat jedoch nicht kräftig auf. -Verschiedene Pläne Frankreichs und Spaniens, zusammen gegen diese Insel -vorzugehen, kamen nicht zur Durchführung, und England hatte anderwärts zu -viel zu tun, um gegen spanische Besitzungen wirksam zu werden. Jamaika -lag außerdem so weit in Lee des Hauptkriegsschauplatzes, daß die Gegner -ungern eine größere Streitmacht dorthin führten. Spaniens Waffen machten -sich nur in dem Gebiete östlich von Mississippi, das damals Florida hieß -und in englischem Besitze war, sowie gegen die Bahamainseln fühlbar. Sein -Auftreten war hier, wie in den europäischen Gewässern das Vorgehen gegen -Gibraltar ein Ausfluß von Sonderinteressen, wodurch der gemeinsamen Sache -nur Kräfte entzogen wurden. - -=Die Kriegsschauplätze Nordamerika und Westindien= berührten sich, die -Ereignisse auf beiden griffen ineinander. Nicht nur ihre Nachbarschaft -bedingte dies, sondern auch die Wetterverhältnisse trugen dazu bei. Die -Winterstürme setzten in den nördlichen Breiten den Unternehmungen der -Seestreitkräfte eine Grenze, und in Westindien ließ man sie ungern -während der Orkanzeit; so fanden sie je nach der Jahreszeit an der Küste -der nördlichen Staaten, an der der südlichen oder in Westindien -Verwendung. Deshalb fallen bei Schilderung der Kämpfe diese beiden -Schauplätze zusammen. - -=In Ostindien= hatte England seit dem letzten Kriege seine Macht -wesentlich ausgebreitet und gestärkt. Es war aber ständig mit mächtigen -eingeborenen Feinden beschäftigt, und Frankreich hätte bei Ausbruch des -Krieges hieraus Nutzen ziehen können. Es tat dies nicht, während England -sofort mit Erfolg über die französischen Besitzungen herfiel. Die -Seestreitkräfte beider Parteien waren hier anfangs unbedeutend; von 1779 -an erhielten die englischen das Übergewicht, und mit ihrer Hilfe wurden -auch die holländischen Besitzungen genommen. Erst 1782 trat Frankreich -überlegen auf (Admiral =Suffren=) und es folgte ein Kampf um die -Seeherrschaft. Da die Ereignisse dieses Schauplatzes ganz für sich -dastehen, können sie und mit ihnen die auf dem Wege nach Indien (Kapland) -am Schlusse für alle Jahre zusammengefaßt betrachtet werden. - - $Die Einteilung für den Verlauf des Seekrieges$ wird nach vorstehendem - diese sein: - - =Die europäischen Gewässer= 1778. Die Franzosen vor dem Kanal. - - =Nordamerika und Westindien= 1778/79. Der Feldzug der ersten - französischen Flotte (d'Estaing). - - =Die europäischen Gewässer= 1779/80. Bedrohung der englischen Küste - durch die Verbündeten; Beginn der Belagerung von Gibraltar; die Festung - versorgt (Rodney). - - =Westindien und Nordamerika= 1780. Die zweite französische Flotte (de - Guichen) in Westindien; erstes Auftreten Rodneys; die französische - Hilfsarmee in Nordamerika. - - =Die europäischen Gewässer= 1781. Gibraltar aufs neue versorgt (Darby); - die Verbündeten vor dem Kanal; Eintreten Hollands in den Krieg. - - =Westindien und Nordamerika= 1781. Die dritte französische Flotte (de - Grasse) in Westindien; Kampf um die Chesapeakebucht und Fall von - Yorktown. - - =Europa= 1782. Die Verbündeten vor dem Kanal; der große Angriff auf - Gibraltar; Howe rettet die Festung endgültig. - - =Westindien= 1782. Rodney und de Grasse; der Krieg beendet. - - =Ostindien= 1778-1783. - -$Die Rüstungen der Gegner.$ =Frankreich= bereitete den Krieg frühzeitig -vor. Vom August 1775 an wurde zwischen Versailles und Madrid ein -Briefwechsel über gemeinsame Rüstungen geführt und solche auf den Werften -von Brest und Toulon sowie Cadiz und Ferrol begonnen. =Vergennes'= erste -Sorge war, zu verhindern, daß England wie im Jahre 1755 vor Ausbruch des -Krieges einen großen Schlag gegen den französischen Handel führe. Schon -1776 erhielt deshalb das kleine Geschwader, das jährlich in Brest zu -Übungszwecken zusammentrat, den Befehl, seine Fahrten auf die Gewässer -zwischen Ouessant und Finisterre zu beschränken und die Schiffe zu -beobachten, die England in diesem Jahre gegen amerikanische Kauffahrer -sowie Freibeuter kreuzen ließ. Im Jahre 1777 lag sogar in Brest eine -Flotte von 15 Linienschiffen seeklar, um einer etwa an der Küste -erscheinenden englischen entgegentreten zu können, und leichtere Schiffe -kreuzten außerdem wie im Vorjahre. Diese Flotte hielt man jedoch auf der -Reede fest, aus Furcht, daß schon ihr Auslaufen zu einer Kreuzfahrt Anlaß -zum Kriege geben könne. Im August wurde ein Fahrzeug nach den -Neufundlandbänken gesandt, um die Fischerflottillen zurückzurufen. Als -die Nachricht von Saratoga eintraf und man sich zum Kriege entschloß, -hatte Frankreich 48 Linienschiffe, 31 in Brest, 17 in Toulon, zur -Indienststellung bereit; bei dem Versuche, auch Spanien zum Losschlagen -zu bewegen, wurde diesem schon ein Plan zur Verwendung der vereinten -Kräfte mitgeteilt. =Vergennes= hob hierbei nochmals hervor, daß der Druck -der englischen Seemacht nicht länger zu ertragen sei. - - $Übergriffe der Engländer auf See.$ Die englischen Schiffe, die an - Frankreichs Küsten kreuzten, gingen mit größter Rücksichtslosigkeit - vor. Sie hielten alle Kauffahrer an und nahmen sie beim leisesten - Verdacht auf Kriegskontrebande, deren Begriff sie weit ausdehnten, in - Beschlag. 1777 und während der ersten Monate 1778, vor dem Ausbruch des - Krieges, brachten sie gegen 130 Fahrzeuge mit einem Werte von 16 - Millionen Franken auf. Sogar Kriegsschiffe hielten sie unter dem - Vorwand an, sich vergewissern zu müssen, ob es tatsächlich französische - wären, da die amerikanischen Freibeuter oft die französische Flagge - zeigten. 1776 waren sogar englische Schiffe in ihrem Übermut durch die - Formation des französischen Übungsgeschwaders hindurchgesegelt. - Frankreich ließ sich alles dies gefallen, um nur den Bruch noch - hinzuhalten. Die französischen Seeoffiziere waren darüber empört und - klagten mit Recht, daß die Anmaßung der Engländer infolgedessen immer - größer würde; verwunderlich ist, daß es nicht zu blutigen - Zusammenstößen kam, denn die Schiffe beider Völker waren beim Begegnen - stets gefechtsklar. Die Empörung in Frankreich über die Schärfe des - englischen Beobachtungsdienstes war übrigens ungerechtfertigt, denn man - unterstützte die Amerikaner mit Kriegsmaterial und gestattete ihren - Freibeutern den Aufenthalt in französischen Häfen. - -Als jedoch Spanien noch nicht am Kriege teilnehmen mochte, mußte -Frankreich allein seine weiteren Maßregeln treffen. Mit der Abberufung -der Gesandten (März 1778) erging der Befehl zur Indienststellung der -gebrauchsbereiten Schiffe. Im April schon konnten 12 Linienschiffe unter -Vizeadmiral =d'Estaing= von Toulon nach Nordamerika auslaufen, in Brest -waren im Juni 20 und im Juli 30 unter Lieutenant-General =Comte -d'Orvilliers= segelfertig. Man hatte ferner in den vorangegangenen -Monaten Truppen und Kriegsmaterial nach Westindien und vier Fregatten -nach Isle de France gesandt; 30000 Mann hatte man in der Normandie -zusammengezogen. Marschall =de Broglie= übernahm im Mai den Oberbefehl -über dieses Heer unter dem Vorwande, mit ihm Übungen zur Klärung -taktischer Fragen anzustellen. Frankreich war also gut gerüstet. - -=England= dagegen hatte seit dem letzten Kriege versäumt, seine -Seestreitmittel stets denen der vereinten beiden bourbonischen -Königreiche überlegen zu halten, die vorhandenen Schiffe waren auch nicht -so bereit, wie sie bei der Wahrscheinlichkeit eines Krieges hätten sein -müssen, und die Vorbereitungen für den Kampf begannen zu spät. Schuld -hieran wird dem Minister des Äußern, der die Nähe und Größe der Gefahr -unterschätzte oder der inneren Streitigkeiten halber verheimlichte, sowie -der Sorglosigkeit des Ersten Lords der Admiralität gegeben. - -=John, Earl of Sandwich=, bekleidete diesen Posten von Januar 1771 bis -März 1782. Für die Jahre 1776 und 1777 waren die Geldmittel der Marine -nur soweit erhöht, als es der amerikanische Krieg und das Kreuzen in den -europäischen Gewässern erforderte. Im November 1777 erklärte der Erste -Lord im Parlamente auf eine Klage der Opposition über die zu geringe -Stärke der Kanalflotte, er glaube nicht, daß Frankreich und Spanien -feindselige Gesinnungen hegten, im übrigen seien in der Heimat 42 Schiffe -in Dienst, 35 derselben bereit, sofort auszulaufen; er fühle sich zu der -Erklärung berechtigt, daß man damit den Flotten des Hauses Bourbon -gewachsen sei. Dies wäre, wie wir wissen, nicht der Fall gewesen, aber -auch gegen Frankreich allein konnte man sich kaum behaupten. Als nämlich -nach Abbruch des diplomatischen Verkehrs eine Flotte von 13 -Linienschiffen unter Admiral =Byron= für Amerika in Dienst gestellt war -und etwa 3 Schiffe unter den Admiralen =Barrington= nach Barbados, sowie -=Sir Peter Parker= nach Jamaika segelten, fand =Admiral Keppel= die -Kanalflotte bei Übernahme des Kommandos, nach seinem Ausdrucke mit -»Seemannsauge gemustert«, recht schwach vor; bei einem ersten Auslaufen -im Juni verfügte er nur über 21 und erst im Juli über 30 Schiffe. - - Also nicht einmal eine Übermacht Frankreich allein gegenüber war - vorhanden. =Byron= stand mit 13 Schiffen gegen =d'Estaing= mit 12; - =Keppel= mit 30 gegen =d'Orvilliers= mit 32. Schiffe sowie Werften - waren eben nicht in Ordnung; es sollen (nach Campbell) Monate nötig - gewesen sein, um das seit Jahren auf den Werften verrottende Material - zu sichten, Masten und Raaen zu flicken. Auch der Mannschaftsmangel war - groß, obgleich für 1778 vom Parlamente 60000 Mann (darunter 11000 - Seesoldaten) für die Marine bewilligt waren. Da der Krieg noch nicht - erklärt war, scheute man sich anfangs, zu scharfem Pressen zu - schreiten, man wollte lieber die Rückkehr der Handelsschiffe aus allen - Weltteilen im Frühjahr und Sommeranfang abwarten. Um wenigstens die - Flotte Byrons bald seeklar zu machen, mußten Leute sowie Material von - der Kanalflotte genommen werden. An Geldmitteln waren für 1778 fünf - Millionen bewilligt; sie umfaßten die Kosten für Indiensthaltungen, - Reparaturen sowie Neubauten und 1 Million Überschreitungen vom - Vorjahre. - -Bei Ausbruch des Krieges legten beide Parteien Beschlag auf die -Handelsschiffe des Gegners in ihren Häfen und hielten die eigenen zurück. -Letzteres geschah, um das Personal für die Kriegsschiffe zu gewinnen und -um sie selber nicht der Wegnahme auszusetzen. Das englische Volk, bisher -so stolz auf seine Marine, war empört über ihre hierdurch eingestandene -augenblickliche Schwäche. Kaufleute und Reeder tadelten die Admiralität -scharf; mit Recht, denn es mußten beispielsweise 100 Westindienfahrer -drei Monate auf Bedeckung warten, wodurch ein Schaden von 90000 Lstrl. -erwuchs und in Westindien Mangel am nötigsten eintrat. - -Bei dem unfertigen Zustande der Marine kann es nicht verwundern, daß -=England= weder den Krieg erklärte noch losschlug, obgleich es den -diplomatischen Verkehr abgebrochen hatte; wäre es in der Lage gewesen, -würde es sicher wie 1755 über Frankreichs Handel hergefallen sein. So -hielt man sogar Byrons Flotte bis zum Juni fest, um die heimischen -Gewässer nicht zu entblößen, und auch die Kanalflotte lief dann erst aus. -Gegen Frankreichs Truppen in der Normandie hatte England Milizen an den -Küsten aufgeboten, und schon im März war über Suez der Befehl nach -Ostindien gesandt, die französischen Besitzungen anzugreifen. Aber auch -=Frankreich= begann den Krieg nicht; man wollte vorläufig nur den -Amerikanern an Ort und Stelle Hilfe leisten, die Brestflotte bereithalten -und die Küsten durch Kreuzer bewachen lassen. Erst als =Keppel= -französische Kriegsschiffe aufgebracht hatte, erhielt =d'Orvilliers= -Befehl, dies zu vergelten. - - - Der Krieg in den europäischen Gewässern 1778. - -$Die Eröffnung des Krieges.$ Am 13. April ging die Flotte des -Vizeadmirals =d'Estaing= von Toulon mit versiegelten Ordres in See. Man -hatte verbreitet, sie sei nach Brest bestimmt; ein Mitglied der -amerikanischen Gesandtschaft in Paris, sowie der für die neue Republik -bestimmte Gesandte Frankreichs waren unter falschen Namen eingeschifft, -um das Ziel nicht zu verraten. Infolge ungünstigen Windes passierte sie -erst am 17. Mai die Straße von Gibraltar, und am 20. wurden 120 Seemeilen -westlich vom Kap St. Vincent die Ordres geöffnet. Die Flotte war nach -Amerika bestimmt und sollte von jetzt an schon die Feindseligkeiten gegen -englische Kriegs- wie Handelsschiffe beginnen. Eine englische Fregatte -war ihr von Gibraltar aus gefolgt, behielt sie noch weitere 150 Seemeilen -in Sicht und überbrachte am 7. Juni die Meldung in England. Am 8. -segelte dann die Flotte des Vizeadmirals =John Byron= gleichfalls nach -Amerika ab. - -Zu gleicher Zeit (am 8. oder 12. Juni) ging =Admiral Augustus -Keppel=[133] mit der Kanalflotte -- 21 Linienschiffe, 3 Fregatten, 2 -Kutter, ein Brander -- in See, um vor Brest zu kreuzen. Er hatte den -Befehl, die Brestflotte zu beobachten, den Kanal für die eigenen -Handelsschiffe offenzuhalten und die Vereinigung der Toulon- mit der -Brest-Flotte durch Waffengewalt zu verhindern. Am 17. Juni traf er vor -dem Kanal auf eine kleine französische Flottille, die Fregatten »La Belle -Poule«, Kapitän =de la Clocheterie=, »La Licorne«, die Korvette -»L'Hirondelle« und den Lugger »Le Coureur«. Wenn auch der Krieg noch -nicht erklärt war, hielt es =Keppel= doch für nötig, die Schiffe -anzuhalten, sowohl um zu verhindern, daß seine Bewegungen dem Gegner -bekannt würden, als auch um Nachrichten über diesen zu erhalten. Er jagte -die Fahrzeuge mit der ganzen Flotte und ließ sie durch vorauseilende -Fregatten auffordern, längsseit seines Flaggschiffes zu kommen. - - [133] $Augustus Keppel$, 1782 Viscount K., geboren 2. April 1725, 1744 - Kapitän, 1762 Kontreadmiral, 1770 Vizeadmiral, 1778 Admiral der - blauen und 1782 der weißen Flagge, gestorben 2. Oktober 1786, - führte schon im österreichischen Erbfolgekriege ein Linienschiff - und geriet durch Strandung bei Verfolgung eines französischen - Schiffes in Gefangenschaft. Als er 1754 mit einem kleinen - Geschwader zum Dei von Algier gesandt war und dieser seine - Verwunderung aussprach, daß der König von England ihm einen - bartlosen Knaben zur Unterhandlung schicke, antwortete er: »Wenn - die Weisheit nach der Länge des Bartes ginge, so würde man einen - Ziegenbock gewählt haben.« Als dann der Dei ihm mit dem Tode - drohte, sagte er, sein Geschwader würde für angemessene - Begräbnisfeierlichkeiten sorgen. Im Siebenjährigen Kriege führte - er 1758 die Expedition gegen Gorée, befehligte bei Quiberon ein - Schiff mit Auszeichnung, nahm 1761 die Insel Belle-Ile und war - 1762 zweiter im Kommando bei der Eroberung von Havanna. 1778 Chef - der Kanalflotte, schlug er die Schlacht bei Ouessant, nach - derselben wegen Verstoß gegen die Gefechtsinstruktion angeklagt, - aber freigesprochen, legte er sein Kommando nieder und blieb - unbeschäftigt, bis er nach dem Ministerwechsel vom 30. März 1782 - bis Dezember 1783 das Amt des Ersten Lords wahrnahm. - -»Licorne« tat dies, versuchte aber später zu entwischen, antwortete auf -Warnungsschüsse mit einer Breitseite und strich dann die Flagge. -»Hirondelle« entkam, »Coureur« ward bald genommen. »Belle Poule« führte -ein hartnäckiges laufendes Gefecht mit der englischen Fregatte »Arethusa« -und lief unter die französische Küste; hier konnten ihr die Engländer -nicht beikommen, und sie erreichte am 21. Juni Brest. Am 19. Juni nahm -=Keppel= noch die Fregatte »Pallas«. Aus den Papieren der Prisen ersah -er, daß die französische Flotte der seinigen überlegen war oder es doch -bald werden würde, er kehrte deshalb nach Spithead zurück, um -Verstärkungen an sich zu ziehen. - -Diese Wegnahme von Kriegsschiffen =sah man in Paris als Kriegserklärung -an=. Man bezeichnete sie als verräterisch und gegen das Völkerrecht -verstoßend, obgleich doch auch =d'Estaing= den Befehl hatte, die -Feindseligkeiten zu eröffnen. Spanien wurde benachrichtigt, daß -Frankreichs Geduld nunmehr erschöpft sei und man den Krieg beginne; -Kaperbriefe wurden ausgegeben und =d'Orvilliers= erhielt am 2. Juli den -Befehl, in See zu gehen. Aber trotz vorher erlassener Kabinettsordres, -deren hochgemute Worte auf eine besonders kräftige Verwendung der -Seestreitkräfte hatten schließen lassen und in denen den kommandierenden -Offizieren der Marine die größte Unerschrockenheit bei ihrem Auftreten -ans Herz gelegt wurde, war =die Instruktion für den Flottenchef= eine -recht beschränkte. Er sollte einen Monat kreuzen und als Repressalie -Kriegs- und Handelsschiffe aufbringen. Später, schon auf See, ging ihm -sogar in einer Verfügung vom 12. Juli noch die Mahnung zu, daß der König -bei der jetzt bekanntgewordenen Stärke der feindlichen Flotte sehr auf -die Klugheit des Admirals rechne; die Minister wälzten also die -Verantwortlichkeit ganz auf ihn ab. - - $Befehle Ludwigs XVI.$[134] In einem Schreiben des Marineministers - =Sartines= an =d'Orvilliers= vom 2. April 1778 findet man die Sätze: - »Sie (der Chef, die Flaggoffiziere und die Kommandanten) müssen sich - bewußt sein, daß die Augen Europas auf das erste Geschwader gerichtet - sind, das nach dem letzten Kriege unsere Häfen verläßt. Ihre Pflicht - ist es jetzt, der französischen Flotte wieder den alten Ruhm zu - verleihen, der sie einst umstrahlt hat. Nur durch die glänzendsten - Waffentaten können die letzten Unglücksfälle und Fehler gutgemacht - werden; die zur Verfügung stehenden Mittel sichern ihnen die - Überlegenheit, ihr Mut muß das übrige dazu tun....« »Aber in welche - Lage auch immer die Flotte kommen mag, der König erwartet, daß seine - Schiffe mit der größten Unerschrockenheit angreifen und sich stets bis - aufs äußerste verteidigen werden.« - - [134] Auszüge aus Chevalier II, Seite 80; Lacour II, Seite 120; Troude - II, Seite 3. - - In diesem Sinne folgt noch mehr, und =Troude= sagt hierzu richtig: »Wie - verschieden war diese Sprache von jener, die unsere Admirale im letzten - Kriege zu hören bekamen«; wir sind mehrfach auf die früheren Befehle - eingegangen, die stets zur Vorsicht mahnten. Diesen tapferen Worten - folgten aber bald wieder solche in abschwächender Tonart, so der - obenerwähnte Befehl, den =d'Orvilliers= vor dem Inseegehen erhielt. - Hierzu wurden die französischen Minister =Vergennes= und =Sartines= - durch die Erwägung gebracht, daß ein Fehlschlag beim ersten Auftreten - der Flotte sehr schädlich wäre. Wahrscheinlich überschätzten sie auch - die Stärke des Gegners. Man ließ sich durch die große Schiffszahl - Englands einschüchtern, ohne die ungünstigen Verhältnisse dort in - Rechnung zu ziehen -- obwohl der Mannschaftsmangel durch Berichte aus - London allerdings bekannt war -- auch glaubte man, daß =Byron= nur - einen Konvoi ins offene Meer zu führen habe und sich dann mit =Keppel= - vereinigen würde. - - In ihrem Hange zu ängstlicher Schonung der Seestreitkräfte wurden die - leitenden Personen durch hervorragende Seeoffiziere bestärkt. Diese - empfahlen, durch Zurückhalten der Flotte und durch die - Truppenansammlung England zu zwingen, seine Seestreitkräfte gleichfalls - zusammenzuhalten; dies müsse dann durch Entsendung zahlreicher Kreuzer - gegen den englischen Handel ausgenutzt werden. =D'Orvilliers= schlug - aber in einem Brief vom 22. Juni vor, mit der Flotte auszulaufen. Zwar - wollte auch er nicht zum entscheidenden Kampfe in den Kanal gehen, »wo - er keine Zufluchtshafen habe und durch die vorherrschenden Winde leicht - an der englischen Küste festgehalten werden könnte«, sondern eine - Kreuztour gegen den Handel vor demselben aufnehmen. Er wollte dabei - versuchen, die Vereinigung Byrons und Keppels zu verhindern, diese - gegebenenfalls einzeln schlagen, beiden vereint aber ausweichen. Ihm - schwebte die »Campagne au large« des Admirals =Tourville= 1691 vor, der - wochenlang die überlegene englische Flotte hinter sich herzog und - dadurch lähmte. (Vgl. Band I, Seite 441.) Diese Kreuztour sollte - gleichzeitig zur Ausbildung der Flotte dienen. Die ihm zugegangene - Instruktion -- sie hatte sich mit seinem obenerwähnten Briefe gekreuzt - -- entsprach also gewissermaßen seinem Gedanken, der Nachtrag vom 12. - Juli machte ihn aber für alle Folgen verantwortlich. - -=D'Orvilliers= antwortete auf den letzten Befehl, er werde, wie zuerst -angeordnet sei, einen Monat kreuzen, falls er nicht ausdrücklich -zurückgeworfen würde, und auch einen Kampf annehmen; nur falls =Keppel= -sehr überlegen aufträte, werde er ausweichen, dies könne aber unter -Umständen schwierig sein, wenn der Gegner den Kampf ernstlich suche. Es -ist bemerkenswert, daß die Flaggoffiziere und Kommandanten, als ihnen am -9. Juli der Befehl bekannt gegeben wurde, in den Chef drangen, er möge -die Erlaubnis nachsuchen, in den Kanal einzulaufen und den Feind, selbst -auf der Reede, anzugreifen. - -$Die Schlacht bei Ouessant 27. Juli 1778.$ =Admiral Keppel= lief am 9. -Juli zu einer zweiten Kreuzfahrt von Portsmouth mit 24 Linienschiffen aus -und auf dem Wege kanalabwärts stießen noch 6 von Plymouth zu ihm. Erregt -durch den Umstand, daß er das erste Mal das Feld hatte räumen müssen, -sowie durch die deshalb von der öffentlichen Meinung ihm gemachten -Vorwürfe, war er fest entschlossen, den Feind aufzusuchen und zum Kampfe -zu zwingen. =Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers=[135] war nach Empfang -seiner Instruktion durch Gegenwind einige Tage festgehalten, erst am 8. -Juli ging er mit 32 Linienschiffen in See, von denen jedoch drei als zu -schwach für die Linie erklärt und wie die Fregatten während der Schlacht -in Feuerlee von ihr gehalten wurden. Er nahm seinen Kurs nach dem -Kanaleingange und benützte die Fahrt zu taktischen Übungen. Mit deren -Ausfall war er durchaus nicht zufrieden, und es ist wohl anzunehmen, daß -dies im Verein mit der erhaltenen Mahnung sein Verhalten in der Schlacht -beeinflußt hat. - - [135] =Louis Guillonet, Comte d'Orvilliers=, geboren 1710, trat 1728 in - die Marine ein, wurde 1754 Kapitän, 1764 Chef d'Escadre, 1777 - Lieutenant-Général. Er hatte 1754 unter La Gallissonnière, 1757 - unter Dubois de la Motte gedient; 1772 befehligte er das - neueingerichtete Übungsgeschwader. 1775 Marinekommandant in - Brest, unterstützte er den Minister Sartines bei der - Neuorganisation der Marine. Von 1777 bis 1779 war er Chef der - Brestflotte. Er galt als ein vorzüglicher Taktiker, war aber - jetzt 68 Jahre alt. Auch seine körperliche Rüstigkeit ließ zu - wünschen übrig; im Januar 1778 nach Paris berufen, schrieb er, er - könne die Reise nur »wie ein Greis« in kurzen Tagestouren machen. - Infolge der Vorwürfe, die man ihm über die Führung der Flotte - 1778/79 machte, zog er sich in eine religiöse Anstalt zurück und - starb dort 1792. - -Am Nachmittage des 23. Juli sichteten sich die Gegner etwa 100 Seemeilen -westlich der Insel Ouessant; bei frischem WNW-Winde lagen die Franzosen -nordöstlich der Engländer, also in Lee von ihnen, aber während der Nacht -gewannen sie die Luvstellung nordwestlich des Gegners. Diese Lage -befriedigte beide Führer, denn =Keppel= sah sich zwischen dem Feinde und -Brest, während =d'Orvilliers= durch seine Luvstellung im Sinne seines -Befehles zu handeln vermochte, nämlich die See zu halten und doch nur zu -fechten, wenn er es für vorteilhaft hielt; er sollte aber sein Bedenken -bestätigt finden, daß dies bei einem kampfesmutigen Gegner nicht leicht -durchzuführen sei. In der Nacht waren außerdem drei seiner Schiffe von -der Flotte abgekommen, in Lee der Engländer geblieben und konnten bis zur -Schlacht nicht mehr herankommen, so daß bei dieser nur 27 Schiffe in der -Linie standen. - -Während der nächsten Tage manövrierten beide Teile in Sicht voneinander; -=Keppel=, um an den Feind heranzukommen, =d'Orvilliers= wahrscheinlich, -um dies zu verhindern. Zwar sagen französische Quellen, er habe sich nur -die Luvstellung wahren wollen, aber sie deuten auch an, daß seine -Geschwaderchefs ihn erst zu dem Entschlusse gebracht hätten, den Kampf -aufzunehmen. Am 27. Juli kam es zur Schlacht, die aber nur in einem zwei- -bis dreistündigen Feuergefecht im Passieren bestand. - - $Der Verlauf der Schlacht bei Ouessant$ kann in groben Zügen gegeben - werden, ohne auf Einzelheiten einzugehen; die für uns bemerkenswerten - Punkte treten trotzdem genügend hervor[136]. - - [136] Die genaueste und, wie es scheint, objektivste Schilderung findet - man in Clowes Band III, Seite 412. - - =Die englische Flotte= zählte 32 Linienschiffe: Vorhut, Vizeadmiral - =Sir Robert Harland=, 10 Schiffe; Mitte, =Keppel=, 11 Schiffe; Nachhut, - Vizeadmiral =Sir Hugh Palliser=, 11 Schiffe. =Die französische Flotte= - hatte 27 Schiffe in der Linie: Vorhut, Lieutenant-Général =Comte - Duchaffault=, 9 Schiffe; Mitte, =d'Orvilliers=, 9 Schiffe; Nachhut, - Lieutenant-Général =Duc de Chartres=, 9 Schiffe. - - Am 27. Juli wehte frischer westlicher Wind mit heftigen Regenböen. Bei - Tagesanbruch waren die Flotten etwa 6 Seemeilen voneinander entfernt, - beide lagen über Steuerbordbug, die französische »in Kiellinie beim - Winde« genau in der Windrichtung zu Luward der englischen; diese hatte - kurz vorher »alle Schiffe zugleich« gewendet, über den neuen Bug aber - die Kiellinie nicht wieder hergestellt, so daß sie in einer - Peilungslinie segelte, aus der jedoch durch abermals gleichzeitiges - Wenden sofort die Kiellinie über Backbord-Bug gebildet werden konnte. - =Keppel= hatte keine Zeit mit Ausrichten verlieren wollen, um schnell - an den Feind heranzukommen; auch befahl er allgemeine Jagd. Die Ordnung - in seiner Flotte war nicht gut, besonders der rechte Flügel (über - Steuerbordbug die Nachhut) war während der Nacht nach Lee geraten; sie - erhielt jetzt Befehl, möglichst Luv zu gewinnen. Um 9 Uhr vorm. ließ - =d'Orvilliers= im Kontremarsch, also ein Schiff nach dem anderen auf - der gleichen Stelle, halsen, um den Feind besser beobachten und seine - Stärke genauer erkunden zu können; er verlor hierdurch allerdings - beträchtlich an Luv, aber doch nicht so viel, daß er nicht unter - normalen Verhältnissen nach Belieben hätte den Kampf vermeiden oder - angreifen können, sobald es ihm günstig schien. - - Jetzt aber drehte der Wind südlicher, die englische Flotte konnte mehr - auf die französische zuhalten, stand um 10-1/4 Uhr in deren Kielwasser, - als sie eben die Kiellinie über Backbord-Bug gebildet hatte, und - =Keppel= wendete mit allen Schiffen zugleich; er segelte nun also - gleichfalls in Kiellinie über Backbord-Bug hinter seinem Gegner her. - =D'Orvilliers= mußte fürchten, daß seine letzten Schiffe eingeholt und - mit Übermacht angegriffen werden könnten, er ließ deshalb mit allen - Schiffen zugleich wenden, wodurch seine eigentliche Nachhut, der Herzog - von Chartres, zur Vorhut wurde, und segelte dem Feinde über - Steuerbordbug entgegen. Nun folgte ein Passiergefecht, bei dem die - Franzosen zu Luward standen, und zwar in leidlich guter Ordnung, - während die Engländer infolge der Jagd schlecht ausgerichtet waren; in - der Nachhut hinderten sich die Schiffe sogar gegenseitig im Feuer. - Keppel hatte nach der letzten Wendung das Signal »Schlachtlinie - bilden«, worauf diese ausgerichtet worden wäre, gar nicht gegeben, - sondern nur das zur Eröffnung des Kampfes. Während des Passierens - zielten die Franzosen, wie stets, besonders auf die Takelage, die - Engländer auf den Rumpf der Schiffe. - - Als die englische Vorhut gegen 1 Uhr die französische Linie passiert - hatte, ließ =Harland= sie wenden, um am Feinde zu bleiben, und =Keppel= - befahl der Mitte das gleiche, als sie soweit war. Da aber viele Schiffe - der beschädigten Takelage halber das Manöver nicht ausführen konnten - und ihr Halsen der nachfolgenden wegen schwierig und damit zeitraubend - wurde, entstand große Unordnung, besonders in der Mitte. Der Admiral - holte deshalb gegen 2 Uhr nachm. das Signal zum Gefecht nieder und - heißte »Schlachtlinie bilden«. Die Linien hatten sich passiert, der - Kampf war zu Ende. - - Gleichzeitig gab =d'Orvilliers= den Befehl zum Halsen in Kontremarsch. - Er wollte seine Linie aufs neue am Feinde vorüberführen und zwar in Lee - derselben; mit Recht versprach er sich großen Erfolg von seinem Feuer - auf die ungeordneten feindlichen Schiffe, und um so mehr, da er nun von - Lee aus auch seine untersten Batterien hätte gebrauchen können, deren - Pforten beim Passieren zu Luward der hohen See wegen hatten geschlossen - bleiben müssen. Dieser Befehl ward jedoch nicht sofort ausgeführt, denn - die Spitzenschiffe sahen das Signal nicht; der Führer der Vorhut, - =Herzog von Chartres=, segelte sogar mit seinem Flaggschiff längsseit - des Oberbefehlshabers, um nach dessen Absichten zu fragen. Dann erst - begann das Manöver gegen 1/2-3 Uhr, aber nun war die rechte Zeit - verpaßt; =Keppel= hatte seine Linie, wenigstens aus Vorhut und Mitte - wiederhergestellt und segelte auf einige beschädigt in Lee liegende - Schiffe zu, um sie zu decken. =D'Orvilliers= gab deshalb seine Absicht - auf, hielt ab und nahm weiter in Lee eine abwartende Stellung ein, also - entsprechend der alten französischen Taktik. - - =Keppel= hatte auch die Absicht, aufs neue anzugreifen, aber ihm fehlte - seine Nachhut. Die Schiffe dieser hatten sich auf das Signal zur - Herstellung der Ordnung vorschriftsmäßig auf das Flaggschiff ihres - Führers, =Palliser=, formiert, das etwa 2 Seemeilen zu Luward der Mitte - lag. =Palliser= aber führte sein Geschwader nicht heran, obgleich er - den Befehl dazu nicht nur durch Signal, sondern auch durch eine - Fregatte erhielt; er entschuldigte dies später damit, daß sein Schiff - nicht manövrierfähig gewesen wäre. Erst als =Keppel= die einzelnen - Schiffe der Vorhut zu sich rief, trafen sie nach und nach ein, jetzt - aber, gegen 7 Uhr, war es zu spät zur Wiederaufnahme des Kampfes - geworden. - - =Die Verluste= werden sehr verschieden angegeben. Die französischen - Quellen nennen für die Franzosen 163 Tote und 517 Verwundete, für die - Engländer 407 Tote, 789 Verwundete; die englischen geben für sich nur - 133 bzw. 373 zu und behaupten, der Gegner habe weit mehr verloren als - er zugestanden, erkennen jedoch die stärkere Beschädigung ihrer Schiffe - an. Bei der verschiedenartigen Verwendung der Artillerie auf beiden - Seiten ist anzunehmen, daß die Franzosen den größeren Verlust an Leuten - gehabt haben. - -=Die Schlacht blieb unentschieden.= In der folgenden Nacht entfernten -sich die Flotten voneinander; beide Parteien aber schrieben sich den Sieg -zu und behaupteten, der Gegner habe das Feld geräumt. Die Franzosen -sagten aus, sie hätten am Morgen des 28. Juli den Gegner nicht mehr -gesehen; er habe während der Nacht das Weite gesucht, ohne Lichter zu -zeigen. Die Engländer behaupten, sie hätten die Nacht über gefechtsbereit -gelegen; der Feind habe zur Täuschung drei Schiffe mit Admiralslichtern -in Geschwaderabstand voneinander liegen lassen, sei dann abgesegelt und -am anderen Morgen in der Richtung auf Ouessant nur noch von den -Mastspitzen gesehen worden. Tatsächlich sind beide Flotten in ihre Häfen -zurückgegangen, die französische traf am 29. Juli in Brest, die englische -am 31. in Plymouth ein. Daß =d'Orvilliers= nichts weiter unternahm, ist -leicht mit seiner Instruktion und mit der in der französischen Marine -herrschenden Auffassung von der Verwendung der Flotten zu erklären: Er -hatte die Ehre der Flagge gewahrt, seine Schiffe in brauchbarerem -Zustande als die des Gegners erhalten und diesen vorläufig außerstand -gesetzt, an der französischen Küste zu kreuzen. Er hatte durchgeführt, -was er versprochen, und auch die Leistungen seiner Schiffe waren besser -gewesen, als er nach dem Ausfall der Vorübungen erwartet hatte. Nun -wollte er die beiden versprengten Schiffe aufnehmen und dann ausbessern, -ehe er die Kreuzfahrt wieder aufnahm. Es ist mithin wohl möglich, daß -=er= das Feld geräumt hat. - - Die englische Behauptung gewinnt auch dadurch an Zuverlässigkeit, daß - sie sich auf Angaben stützt, die von vielen als Zeugen in der - Untersuchung gegen Keppel vernommenen Kommandanten unter eidlicher - Bekräftigung gemacht sind, während der französischen Schilderung wohl - nur die üblichen Berichte zugrunde liegen. - -Auch =Keppel= hatte insoweit seinen Zweck erreicht, als er den Feind zum -Kampfe nötigte. Es liegt auch kein Grund zum Zweifel an seiner Absicht -vor, diesen am Nachmittag wieder aufzunehmen. Es ist ihm allerdings -vorzuwerfen, daß er die Schiffe der Vorhut nicht gleich einzeln -heranrief, aber er hatte keine Meldung von Palliser über dessen -Manövrierunfähigkeit und wartete wohl von Minute zu Minute auf die -Befolgung seiner Befehle. Daß er es am folgenden Tage für aussichtslos -hielt, mit seinen beschädigten Schiffen den Feind einzuholen, und auch -für gefährlich, mit ihnen an der feindlichen Küste zu bleiben, ist als -berechtigt anzusehen. - -$Die öffentliche Meinung in beiden Ländern$ war mit dem Ergebnis der -Schlacht nicht zufrieden. =In Frankreich= hatte zwar zuerst die -Vertreibung des Gegners von der Küste großen Jubel erregt, als aber die -näheren Umstände bekannt wurden, fand man, daß viel mehr hätte erreicht -werden müssen. Man schob die Schuld auf den =Herzog von Chartres=, weil -er den Befehl des Flottenchefs nicht sofort ausgeführt habe; man -beschuldigte ihn des Ungehorsams, ja der Feigheit. Er wurde aus der -Marine entfernt. - - $Louis Philippe, Duc de Chartres$ -- nach seines Vaters Tode Herzog von - Orleans, während der Revolution als Bürger =Philippe Egalité= bekannt - --, war bestimmt, später Admiral von Frankreich zu werden. Er hatte - keine seemännische Erfahrung, weshalb man ihm in seinem Flaggkapitän, - dem Chef d'Escadre =de Lamotte-Picquet=, einen hervorragend tüchtigen - Seeoffizier zur Seite gestellt hatte; so wird er während der Schlacht - kaum von irgendwelchem Einfluß gewesen sein. Die neueren französischen - Marineautoren lehnen denn auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe - bestimmt ab. Wie man sagt, erfolgte seine Entfernung auf Betreiben der - Königin, und dies trug zur Vergrößerung der schon bestehenden Spannung - zwischen dieser und dem Herzoge bei, obgleich letzterer zum - Generaloberst der Husaren ernannt wurde -- ein für ihn neugeschaffener - Titel. - -In =England= war schon der erste Rückzug Keppels übel vermerkt worden. -Jetzt hatte man die Vernichtung des Gegners erwartet und der Ausfall der -Schlacht zog eine Flut von maritimen sowie von politischen Erörterungen -nach sich; je nach dem Parteistandpunkte der Kritiker richteten sich die -Vorwürfe gegen die Regierung und die Admiralität oder gegen =Keppel=, und -dieser ward schließlich im Januar 1779 in kriegsgerichtliche Untersuchung -gezogen. Wenn auch in allen Ehren freigesprochen, so legte er doch sein -Kommando nieder. - - $Kriegsgericht über Keppel.$ Der Admiral hatte =Palliser= nicht - angeschuldigt, war aber gezwungen, zu Äußerungen der Presse über die - Schlacht Stellung zu nehmen, und als er dabei das Verhalten seines - Untergebenen zur Sprache brachte, erhob dieser Anklage gegen ihn; diese - lautete auf zwei grobe Verstöße Keppels gegen die Gefechtsinstruktion - dadurch, daß er zum Angriff vorgegangen sei, ehe die Gefechtslinie - ordnungsmäßig gebildet war, sowie insofern, als er nach dem Passieren - der Flotten nicht den Angriff sofort erneuert habe, sondern sogar vom - Feinde fortgesegelt sei (wie bekannt zur Deckung einiger Schiffe), also - nicht alles zur Vernichtung des Gegners getan habe. - - =Keppel= wurde jedoch vom Kriegsgericht in allen Ehren freigesprochen; - die Mehrzahl der englischen Seeoffiziere und die öffentliche Meinung - standen gleichfalls auf seiner Seite. =Palliser= dagegen ward genötigt, - seinen Abschied zu nehmen. Er hatte versucht, sich damit zu - entschuldigen, daß er das Signal nicht gesehen habe und daß sein Schiff - bewegungsunfähig gewesen sei; beides wurde ihm widerlegt und ihm - außerdem vorgeworfen, wenn letzteres wirklich der Fall gewesen wäre, - hätte er dies seinem Chef melden und ihm die anderen Schiffe senden - müssen. Die Stimmung war derart, daß man nach Bekanntwerden des Urteils - zu Ehren Keppels Feuerwerke abbrannte, während der betrunkene Pöbel das - Haus Pallisers zerstörte und seinen Freunden die Fenster einwarf. - (Näheres über das Kriegsgericht vgl. Campbell Band V, Seite 432, und - Clowes Band III, Seite 423.) - -=Für die Geschichte der Seetaktik ist die Schlacht bei Ouessant -bemerkenswert= als ein wichtiges Glied in der Entwicklung der englischen -Taktik. Bei Toulon 1744 trat =Mathews= gleichfalls ins Gefecht, ehe er -die Linie gebildet hatte, da er fürchtete, daß ihm der Gegner sonst -entweichen könne; als das Ergebnis der Schlacht den Erwartungen nicht -entsprach, ward er für diesen Verstoß gegen die Gefechtsinstruktion aus -dem Dienste entlassen. Nach diesem Vorgange wagte =Byng= bei Minorca -trotz günstiger Gelegenheit nicht von der Vorschrift abzuweichen; er -wurde erschossen, weil er nicht alles zur Vernichtung des Feindes getan -habe. Beide Kriegsgerichte standen im englischen Offizierkorps noch gut -in Erinnerung, Keppel war selber ein Mitglied des zweiten gewesen. -Trotzdem griff er an, ohne die Linie völlig hergestellt zu haben, damit -der Feind sich ihm nicht entziehe. Ihn sprach das Kriegsgericht frei; die -meisten seiner Kommandanten hatten seinem Handeln mit der Begründung -zugestimmt, daß es sonst nicht zur Schlacht gekommen wäre. - -Ähnliches zeigt sich bei der Beurteilung der Unterführer. =Lestock=, der -seinen Chef bei Toulon im Stich gelassen hatte, wurde freigesprochen, da -er sich auf den Buchstaben der Instruktion berufen konnte, =Palliser= -wurde jetzt wegen des gleichen Verhaltens wenigstens gemaßregelt. Dies -sind doch Anzeichen, daß man in England die Notwendigkeit zu erkennen -begann, mit der buchstäblichen und schematischen Befolgung der -Gefechtsvorschriften zu brechen. Durchgedrungen war dieser Gedanke noch -nicht. =Keppel= war sich wohl bewußt, welche Gefahr er lief; er äußerte, -daß sein Handeln eine Frage um Leben und Tod für ihn sei. Auch das -Verhalten der Schiffe der Vorhut zeigt, daß eine freiere Auffassung noch -nicht genügend Platz gegriffen hatte, sonst würden sie ohne Befehl zur -Mitte gesegelt sein, wenn ihr Geschwaderchef bewegungsunfähig war. Es ist -übrigens bemerkenswert, daß =Keppel= nach der Schlacht befahl, in Zukunft -hätten auf das Signal »Schlachtlinie bilden« die einzelnen Schiffe auf -den Flottenchef und nicht wie bisher auf die Geschwaderchefs ihre Posten -in der Linie einzunehmen. - -Das Verhalten der Franzosen zeigt gleichfalls, wie schwer es ist, mit -eingewurzelten Überlieferungen zu brechen; sie blieben bei ihrer -defensiven Fechtart, wenn sie auch diesmal in der Luvstellung den Kampf -annahmen. Hierdurch waren sie beim Passieren imstande, den Nahkampf -herbeizuführen. Sie taten es nicht, obgleich sie der weniger geordneten -englischen Linie gegenüber wahrscheinlich großen Erfolg gehabt hätten; -sie blieben auch bei ihrem Feuer auf die Takelage, um dem Gegner die -Offensivkraft zu nehmen. =D'Orvilliers= hatte nach dem Passieren zwar den -richtigen Gedanken, dessen ungünstige Lage zum Angriff zu benutzen, die -Durchführung versprach jedoch nur bei sofortigem Beginn der Manöver -Erfolg und der Flottenchef war genötigt, seine Absicht erst den -Untergebenen klar zu machen, so fern lag diesen ein tatkräftiges -angriffsweises Vorgehen. Als sich inzwischen ein Teil der englischen -Flotte geordnet hatte, sah =d'Orvilliers= vom Angriff ab und nahm die -übliche Verteidigungsstellung ein. - -Die Schlacht zeigt endlich, daß es zur See einem ausdauernden Verfolger -oft gelingen wird, den Gegner zur Schlacht zu stellen, da für ihn -günstige Umstände eintreten können; hier wurde es den Engländern durch -die Windänderung möglich, obgleich sie in Lee standen. (Vgl. Hostes -Regeln, Seite 37.) - -$Weitere Ereignisse$ von Bedeutung brachte das Jahr $1778 in den -europäischen Gewässern$ nicht mehr. =D'Orvilliers= ging aufs neue am 17. -August mit 28 (29?) Linienschiffen zum Handelsschutz in See. Seine -Instruktion hielt sich jetzt ganz nach der vorsichtigen Art früherer -Zeiten, sie befahl ihm nicht gerade das Vermeiden, aber verbot ihm doch -das Suchen eines Kampfes; =Vergennes= schrieb, daß man es nicht für -richtig erachte, Schlachten herbeizuführen, »die doch oft nur Verluste -brächten«. Vielleicht ist man dabei von dem Gedanken geleitet, die Kräfte -für den Versuch einer Landung in England im nächsten Jahre zu erhalten. -Die Flotte kreuzte sechs Tage vor dem Eingange des Kanals, später -zwischen Ouessant und Finisterre und lief am 18. September wieder in -Brest ein. Bis in den November hinein kreuzten dann mit Ablösung einige -Linienschiffe bei Ouessant, Fregatten in der Biskaya und kleinere -Fahrzeuge in der Nordsee sowie an der portugiesischen Küste. =Keppel= war -gleichfalls vom 22. August bis zum 28. Oktober in See, meist am Eingange -des Kanals. Beide Parteien behaupten, der Gegner sei einem Zusammenstoß -ausgewichen. Die französische Flotte scheint, dem Befehle entsprechend, -den Kanal verlassen zu haben, als Keppel erschien, und in England wollte -man die schwache Heimflotte wahrscheinlich nicht zu weit von den eigenen -Küsten entfernen. - -$Die Kriegführung in den europäischen Gewässern 1778 zeigte auf beiden -Seiten keine Tatkraft.$ =In England= war dies eine Folge der mangelhaften -Vorbereitungen, man mußte sich ganz auf den Schutz der eigenen Gewässer -beschränken. Das Ausrüsten wie das Auslaufen der Toulonflotte erfuhr man -frühzeitig genug und war doch nicht imstande, Gegenmaßregeln zu -ergreifen. Hätte =d'Estaing= nicht so ungewöhnlich lange Zeit von Toulon -bis Gibraltar gebraucht, so würde er bei einer Bestimmung nach Brest -seine Vereinigung mit der Flotte dort ohne Zweifel unbelästigt erreicht -haben; nach Nordamerika beordert, wie es der Fall war, trat er mit Erfolg -auf und sein Erscheinen würde ohne die erwähnte lange Reise noch -verhängnisvoller für England geworden sein. Dies hätte seine Rüstungen -darauf einrichten müssen, daß es die Straße von Gibraltar sperren oder -sich wenigstens dort an die Toulonflotte hängen konnte. Die beim Beginn -fast eines jeden Krieges auftretende Furcht vor einer Invasion wirkte -übrigens mit, die englische Tatkraft zu lähmen; alle Schiffe wurden -vorläufig daheim festgehalten. Nach Entsendung =Byrons= war England dann -zu schwach, um aus den heimischen Gewässern herauszutreten. - -=Frankreich= hatte den Krieg besser vorbereitet und auch rechtzeitig -Befehle erlassen, um überall an erster Stelle im Felde erscheinen zu -können, aber nur der Vorstoß in Amerika wurde durchgeführt. Alle neueren -französischen Autoren stimmen, gestützt auf Aussprüche der -Marineautoritäten jener Zeit, darin überein: »Frankreich wäre imstande -gewesen, auch in Brest rechtzeitig eine den englischen Seestreitkräften -weit überlegene Flotte aufzustellen, Schiffe lagen genügend auf den -Werften bereit und an Leuten fehlte es nicht. Man hätte die Engländer in -den Häfen blockieren und über deren Handel herfallen müssen, wie diese -1755 getan hatten; das würde nicht nur große Beute gebracht, sondern -ihnen auch die Mobilmachung noch mehr erschwert haben. Vielleicht wäre -wirklich eine Invasion, jedenfalls aber die Wegnahme der Kanalinseln -ermöglicht worden. Die französische Marine sei für ein derartiges -Vorgehen mit äußerster Kraft begeistert gewesen.« - -In dem hierzu nötigen Umfange wurden die Rüstungen jedoch nicht -angeordnet. Überschätzte man die Kraft Englands, und glaubte man, ohne -die Mitwirkung Spaniens Großes nicht wagen zu dürfen? Aber auch mit den -vorgenommenen Rüstungen blieb Frankreich monatelang überlegen und durfte -angriffsweise vorgehen. Man konnte wenigstens =Byrons= Abfahrt nach -Nordamerika hindern; hierdurch würde =d'Estaing=, wenn er auch zur Lösung -seiner ersten Aufgabe zu spät kam, für sein weiteres Auftreten freiere -Hand gehabt haben. Statt dessen hielt man die Brestflotte zurück, solange -England sich nicht rührte, =Byron= konnte segeln und auch =Keppel= -erschien als erster auf dem Plane. Und selbst noch nach den ersten -Gewalttaten des englischen Admirals wäre es Zeit gewesen, loszuschlagen, -aber Wochen vergingen, bis =d'Orvilliers= den Befehl zum Auslaufen -erhielt, und nun war die feindliche Flotte ihm gewachsen. Der -französischen Regierung fehlte hier wieder, wie wir es in den früheren -Kriegen so oft gesehen haben, Verständnis dafür, daß ein -durchschlagender Erfolg gegen England nur durch eine kräftige Offensive, -hauptsächlich gegen die Seestreitkräfte des Gegners, zu erzielen war. Sie -hatte zwar oft große Pläne, führte dann aber die Kriege im allgemeinen -defensiv mit nur vereinzelten Offensivstößen -- wie hier in Nordamerika ---, über die sie die großen Ziele aus dem Auge verlor. So blieb auch der -Vorteil unbenutzt, den Frankreich in diesem Kriege durch bessere -Vorbereitung hatte, und dies war bei den großen Hilfsquellen Englands ein -schwerwiegender Fehler.[137] - - [137] Die neueren französischen Quellen, Lacour sowie Chevalier, äußern - sich sehr freimütig und ganz objektiv in diesem Sinne. - - - Der Krieg in Nordamerika und Westindien 1778/1779. - -$Die Räumung Philadelphias$ (anschließend an Seite 242). =General -Clinton= erhielt im Juni 1778 Befehl, die Stellung am Delaware zu räumen; -sie mußte als unhaltbar angesehen werden, sobald die französische Flotte -=d'Estaings= in den nordamerikanischen Gewässern auftrat und England die -Seeherrschaft streitig machte. Der Rückzug, vom =Admiral Howe= schon -vorbereitet, begann am 18. Juni und wurde über Land durch New Jersey -angetreten. Wenn man auch diesen Marsch angesichts des Feindes im -Vorjahre für zu gefährlich angesehen hatte, so mußte er jetzt doch -gewählt werden, denn der Transport der Truppen über See erschien noch -gewagter, da die französische Flotte jeden Tag erscheinen konnte. =Howe= -deckte den Übergang des Heeres über den Delaware und führte dann die -Transporter mit Material den Fluß hinab. Widriger Winde halber -beanspruchte dies die Zeit bis zum 28. Juni, ein frischer Wind führte -dann die Schiffe in kaum 48 Stunden nach Sandy Hook und auch =Clinton= -traf am 30. mit dem Heere dort ein. =Washington=, jetzt sehr verstärkt, -hatte zwar den Marsch beunruhigt, konnte ihn aber nicht aufhalten und -wagte auch keine entscheidende Schlacht. Von Sandy Hook wurden die -Truppen durch die Flotte bis zum 5. Juli nach New York übergeführt. Es -war die höchste Zeit. Schon am 29. Juni erhielt =Howe= durch ein -Postschiff die bestimmte Nachricht, daß =d'Estaing= unterwegs sei; das -Fahrzeug hatte ihn sogar gesichtet. Am 7. Juli meldete einer der vom -Admiral entsandten Kreuzer, daß er die Franzosen an der Küste gesehen -habe, und am 9. traf die Nachricht ein, daß sie tags zuvor in der -Delawarebucht geankert hätten. - -$Vizeadmiral Graf d'Estaing[138] traf zu spät ein$, er hätte sonst großen -Erfolg erringen können. Wie seine Fahrt von Toulon nach Gibraltar, so -hatte auch die über den Ozean außergewöhnlich lange gedauert. Seine -Order, die er am 20. Mai 120 Seemeilen westlich vom Kap St. Vincent -öffnete, trug ihm auf, von nun ab die Feindseligkeiten zu beginnen, nach -Nordamerika zu segeln und dort etwas zum Ruhme der französischen Flagge -sowie zu nennenswertem Vorteile der Amerikaner zu unternehmen. In erster -Linie war er angewiesen, die weit schwächere Flotte =Howes= in der -Delawarebucht zu suchen und zu vernichten; sollte sie schon abgesegelt -sein, so wäre sie zu verfolgen und anzugreifen, wo sich Gelegenheit -biete. Man nahm an, mit der Vernichtung der Seestreitkräfte sei auch das -englische Heer verloren. Nach Lösung dieser Aufgabe sollte der Admiral -den Umständen gemäß handeln, also etwa Angriffe der Amerikaner auf -Neubraunschweig unterstützen und ihre Küsten von Kreuzern sowie -Freibeutern reinhalten. Erlange die englische Flotte durch Verstärkungen -die Überlegenheit, so sollte =d'Estaing= Boston als Ausrüstungshafen und -Stützpunkt aufsuchen und bei passender Gelegenheit nach Westindien -(Kleine Antillenstation) segeln. Infolge der späten Ankunft ging die -günstigste Aussicht auf einen großen Erfolg verloren; das einzige -Ergebnis des Erscheinens vor der Delawarebucht war die Vernichtung zweier -englischer Ausguckfregatten, die sich dort überraschen ließen. - - [138] =Comte Charles-Henri-Théodat d'Estaing Du Saillans=, geboren - 1729, trat 1745 als Mousquetaire in das Heer ein, war 1748 Oberst - des Regimentes de Rouerque in der Armee des Marschalls von - Sachsen, diente 1756 als Brigadier unter de Lally in Indien und - kreuzte 1759/60 mit zwei Schiffen der ostindischen Kompagnie - gegen die Engländer. Als Generalleutnant der Armee sollte er 1762 - gegen Rio de Janeiro führen und wurde bei dieser Gelegenheit auch - Chef d'Escadre in der Marine (vgl. Siebenjährigen Krieg). 1763 - war er Lieutenant-Général in der Marine und Gouverneur der - Antillen. 1777 schuf man für ihn besonders die Stelle eines - dritten Vizeadmirals der amerikanischen und asiatischen Gewässer. - 1792 zum Admiral von Frankreich ernannt, wurde er zur Zeit der - Revolution in die Versammlung der Notabeln gewählt, zum - Befehlshaber der Nationalgarde von Versailles ernannt und spielte - eine Rolle im Prozeß der Königin. Später als verdächtig - verhaftet, ward er am 28. April 1794 guillotiniert. Im hier - besprochenen Kriege finden wir ihn 1778/79 in Nordamerika und - Westindien, 1780 als Chef des französischen Kontingentes der - spanisch-französischen Flotte unter Cordoba. Für 1783 war ihm die - Leitung einer Expedition gegen Havanna zugedacht. =D'Estaing= war - ein fähiger und feuriger Offizier, aber in der Marine unbeliebt. - Hier sah man ihn als Eindringling an und neidete ihm seine durch - Hofgunst erlangte schnelle Beförderung. Man warf ihm Mangel an - seemännischer Kenntnis vor, Bevorzugung der aus der Armee - stammenden Offiziere und daß er den Rat erfahrener Seeoffiziere - verschmähe. Manche seiner Mißerfolge sind auch diesem Umstande - zuzuschreiben. - -[Illustration: Comte d'Estaing.] - - $Die auffallend lange Reise der französischen Flotte$ wird vielfach dem - Admiral zur Last gelegt, seinem Mangel an seemännischer Erfahrung sowie - dem Umstande, daß er während der Fahrt durch unnötige Übungen viel Zeit - verloren habe. Es mag etwas Wahrheit hierin liegen, aber von anderer - Seite wird er mit der sehr ungleichen Segelfähigkeit seiner Schiffe - entschuldigt. Er selber hat berichtet, daß seine besten Segeler häufig - nur gereffte Marssegel hätten führen dürfen, wenn die schlechtesten mit - Gefahr für die Masten Segel gepreßt hätten. Die Behauptung, einige, - ihm übelgesinnte Kommandanten hätten absichtlich durch fehlerhaftes - Manövrieren sowie schlechtes Steuern die Fahrt aufgehalten, ist nach - neueren Forschungen haltlos. =D'Estaing= hat in allen Berichten, - Tagebüchern und Briefen stets den Eifer der Kapitäne anerkannt, - obgleich er ihnen sonst nicht wohlwollend gegenüberstand; er klagt - immer nur über die Schiffe. Eher ist anzunehmen, daß dieser Umstand gar - nicht so schwer ins Gewicht fiel, daß dagegen die mangelnde Erfahrung - der Offiziere im Segeln in großen Verbänden das Zusammenhalten der - Flotte erschwert hat. (Vgl. Lacour II über die Personalien und über - diese Reise d'Estaings.) - -Bei dem =Stärkeverhältnis der Flotten= war die Lage für Frankreich sehr -günstig. Die französischen Streitkräfte zählten 12 Linienschiffe, 1 zu 90 -Kanonen, 1 zu 80, 6 zu 74, 3 zu 64 und 1 zu 50, sowie vier Fregatten; -1000 Mann Infanterie waren für Landungen eingeschifft. Die englische -Flotte bestand aus 6 Schiffen zu 64 Kanonen, 3 zu 50, 2 zu 44 und einigen -Fregatten (in Halifax lagen noch drei oder vier kleinere Linienschiffe -nebst mehreren Fregatten). Von diesen befand sich aber nur ein Teil in -der Delawarebucht, der Rest lag in New York und in der Narragansettbai. -Wäre =d'Estaing= 10-12 Tage früher angekommen, so hätte er den durch die -Transportflotte noch behinderten Teil leicht vernichten können. Die dann -nur von dem anderen Teile beschützte Bucht von New York wäre darauf -voraussichtlich auch den Franzosen in die Hände gefallen und =Clintons= -Heer, von den französischen See- und den amerikanischen Landstreitkräften -in die Mitte genommen, zur Übergabe gezwungen gewesen. - -[Illustration: Richard Earl Howe.] - -$D'Estaings erfolgloser Angriff auf New York und Rhode-Island.$ Die -Überlegenheit der französischen Flotte hätte zwar auch jetzt noch -ausgenutzt werden können, aber =d'Estaing= war zu vorsichtig und zu -langsam, fand dagegen in seinem Gegner einen umsichtigen, tatkräftigen -und schnell entschlossenen Führer. =Admiral Sir Richard Howe=[139] hatte -inzwischen seine sämtlichen Schiffe in der unteren Bucht von New York -zusammengezogen, nur 4 Fregatten verblieben vor Newport an der -Narragansettbucht. Brander wurden hergestellt und die nicht vollzähligen -Schiffsbesatzungen durch zahlreich sich meldende Freiwillige der -Transport- und Handelsschiffe sowie des Heeres aufgefüllt. Schiffer und -Steuerleute von Kauffahrern liefen mit kleinen Fahrzeugen aus, um für New -York bestimmte Schiffe zu warnen. Sobald die Truppen Clintons am 5. Juli -nach der Stadt übergeführt waren, ließ der Admiral die Kriegsschiffe nach -einem bereits aufgestellten Plane eine Verteidigungsstellung bei Sandy -Hook einnehmen, die den Feind schon beim Einsegeln in die untere Bucht -mit starkem, enfilierenden Feuer bedrohte und später die ganze eigene -Kraft zur Verteidigung entfaltete. - - [139] =Sir Richard Howe=, Viscount (1788 Earl), geboren 1726, Kapitän - 1746, Kontreadmiral 1770, Vizeadmiral 1776, Admiral der blauen - Flagge 1782, der weißen 1787, Admiral of the Fleet 1796, - gestorben 5. August 1799, war ein erfahrener Seemann und ein - Admiral, der sich durch seine Eigenschaften -- - Entschlußfähigkeit, Tatkraft und Ausdauer -- gerade für die - defensive Kriegführung des Jahres 1778 eignete, indem er jeder - Bewegung des Gegners rechtzeitig entgegentrat. Nicht im - Einverständnis mit dem Ersten Lord (er war Whig und überhaupt - abgeneigt, gegen die Amerikaner zu fechten), ging er nach - Beendigung der Operationen 1778 nach England zurück. Er fand erst - 1782 nach dem Wechsel des Ministeriums wieder Verwendung und - verproviantierte Gibraltar. Im nächsten Kriege befehligte er von - 1793 an die Kanalflotte und errang am 1. Juni 1794 den glänzenden - Sieg bei Ouessant. Biographie von =J. Barrow=, The life of - Richard, Earl Howe (London 1838). - - $Für Howes Stellung vor New York$ (vgl. Plan von New York, Seite 235) - genügt eine kurze Schilderung, da es nicht zum Kampfe kam; sie ist - genau und lesenswert beschrieben in =Elkins=, Naval Battles. Der über - die Barre in die untere Bucht führende Kanal für tiefergehende Schiffe - läuft in der Richtung Ost-West rechtwinklig auf Sandy Hook zu und dicht - unter dieser Landspitze vorbei. =Howe= erbaute auf ihr eine Batterie - und legte seine Hauptmacht, 5 Schiffe zu 64 Kanonen, 1 zu 50 und einen - armierten Transporter, von Sandy Hook nach Westen in Linie. Die Schiffe - lagen jedoch nicht genau in Kiellinie, sondern ein jedes war etwas - nördlicher verankert als sein Vordermann, und hatte vom Heck aus einen - Anker querab Backbord-Bug ausgefahren. Die Franzosen konnten nur bei - westlichem Winde in Kiellinie passieren und den Kanal westwärts - hinaufsegeln, wenn dann die Engländer ihre Springankertaue festhielten - und die Bugankertaue fierten, so schwoiten sie mit der Breitseite nach - Osten und bestrichen sämtlich den Kanal, ohne sich gegenseitig im Feuer - zu hindern. Die Franzosen konnten das Feuer nicht erwidern und mußten - schwer leiden; gelang es ihnen trotzdem, querab von den Engländern zu - kommen, so brauchten diese nur die Springankertaue loszuwerfen, um - wieder die geschlossene Ost-West-Linie herzustellen, die an ihren - Flügeln nicht umgangen werden konnte. Hinter der Linie lagen als - Reserve ein 64-Kanonenschiff nebst einigen Fregatten; auf der Barre - selber, etwa 2-3 Seemeilen von der Landspitze, war ein 50-Kanonenschiff - nebst kleineren Fahrzeugen stationiert, um den Feind schon hier zu - enfilieren und sich dann zurückzuziehen; mit gleicher Bestimmung lagen - vier Galeren im Kanal querab von der Huk. Bei der großen Übermacht der - Franzosen blieb aber die Lage der Engländer immer gefährlich, und sie - mußten eines harten Kampfes, vielleicht der Vernichtung gewärtig sein, - wenn der Gegner zum Nahkampf herangelangte. - -Diese Vorbereitungen waren noch nicht beendet, als am 11. Juli die -Nachricht vom Nahen der französischen Flotte eintraf, doch blieb Zeit -genug, sie durchzuführen. =D'Estaing= hatte zwar die Absicht, seiner -Instruktion entsprechend die englische Flotte zu suchen, war aber erst am -10. Juli von der Delawarebucht aufgebrochen und ankerte am 11. abends -etwa 4 Seemeilen südlich von Sandy Hook unter der Küste, um den Angriff -auf =Howe= einzuleiten. Hier trat er mit =Washington= in Verbindung, der -gleichzeitig die Stadt New York angreifen wollte. Die Verhältnisse lagen -also noch günstig genug, um das englische Heer zur Übergabe zu zwingen, -aber =d'Estaing= glaubte, ohne Lotsen nicht in die Bucht von New York -eindringen zu können. Erst am 16. Juli trafen solche ein, erklärten -jedoch, daß ein Passieren der Barre für die schweren Schiffe mit einem -Tiefgange von 23 bis 25 Fuß unmöglich sei, da man selbst unter den -günstigsten Verhältnissen nur auf 22 Fuß Wasser rechnen könne. In den -nächsten Tagen von ihnen unter Aufsicht französischer Offiziere -vorgenommene Lotungen ergaben auch nur 22-1/2 Fuß. Ein am 20. Juli -zusammentretender Kriegsrat der Kommandanten, in dem den Lotsen ohne -Erfolg 150 000 Francs angeboten wurden, beschloß, daß unter diesen -Umständen sowie in Hinblick auf die starke Stellung der Engländer am -Einfahrtskanal von einem gewaltsamen Eindringen abgesehen werden müsse, -daß man sich dagegen im Verein mit dem amerikanischen Heere in Besitz der -Stadt Newport mit der seemännisch und strategisch wichtigen -Narragansettbucht setzen wolle. =Washington= hatte dies vorgeschlagen, -falls der Plan gegen New York nicht auszuführen sei. Am 22. Juli zeigte -sich die französische Flotte vormittags bei Sandy Hook, segelte aber -nachmittags nach Süden ab; =Howe= ließ ihr kleinere Fahrzeuge zur -Beobachtung folgen, da er zunächst nicht glaubte, daß sie den Angriff -aufgegeben habe. - - $Englische Berichte über die Lage$ besagen, daß ein Eindringen durchaus - möglich gewesen wäre. Infolge der Gezeiten sei vom 20. Juli an bei Flut - genügend Wasser auf der Barre gewesen, am Nachmittag des 22. bei - Springflut sogar 30 Fuß, und dabei habe der Wind aus günstigster - Richtung zum Einsegeln geweht; spätere Beobachtungen haben - festgestellt, daß genannte Wassertiefe bei Springflut gewöhnlich - vorhanden ist. Schon daß =Howe= nach genauen Lotungen so vorsorglich - seine Verteidigungsstellung einnahm, beweist, daß er ein Eindringen für - möglich hielt. Wenn die Lotsen anderer Ansicht waren, so ist dies - erklärlich, da sie bislang keine Gelegenheit gehabt hatten, mit so - schweren Schiffen zu rechnen, weil nur kleinere englische Linienschiffe - an der Küste stationiert gewesen waren; französische Angaben deuten - allerdings auch an, es seien Männer gewesen, die nicht warm zur - amerikanischen Sache hielten. Die englische Flotte hat am 22. mittags - den Angriff sicher erwartet. - -=D'Estaing= verlor so die zweite Gelegenheit zu einem durchschlagenden -Erfolg. Er wählte nun südlichen Kurs, um den Angriff auf Newport -vorläufig zu verschleiern, und setzte ihn bis zur Delawarebucht fort. -Nachdem ihn hier die englischen Beobachtungsfahrzeuge verlassen hatten, -steuerte er nach Norden und ankerte am 29. Juli drei Seemeilen südlich -von Rhode-Island. Er drang auch in die Narragansettbucht ein, sah sich -aber genötigt, sie wieder zu verlassen, ehe es ihm oder den -amerikanischen Truppen gelungen war, die Insel Rhode-Island nebst der -Stadt Newport zu nehmen und sich so festzusetzen. - - $Die Narragansettbucht$ an der Küste des Staates Rhode-Island wird nach - See zu durch die Inseln Rhode-Island und Conanicut abgeschlossen, so - daß drei Einfahrten entstehen. Die östlichste zwischen Rhode-Island und - dem Festlande ist oberhalb genannter Insel nicht schiffbar; die - mittlere zwischen den beiden Inseln ist die Haupteinfahrt und vereinigt - sich oberhalb Conanicut mit der westlichen, die durch diese Insel und - das westliche Festland gebildet wird. Die Stadt Newport liegt auf der - Westseite Rhode-Islands etwa 4 Seemeilen vom Anfang der Haupteinfahrt. - Ihr innerer Hafen wird durch die kleine Goatinsel geschützt, deren - Batterien mit denen auf Rhode-Island im Norden und Süden der Stadt die - Haupteinfahrt bestrichen; auf Conanicut befanden sich kleine Werke zur - Beherrschung der Westeinfahrt. - -Die englische Stellung an der Narragansettbucht befehligte =General Sir -Robert Pigot=, dem 5-6000 Mann, sowie 5 Fregatten, 2 Sloops und einige -Galeren unterstanden. Als =d'Estaing= vor der Haupteinfahrt geankert -hatte, erhielt er von dem amerikanischen General =Sullivan=, der auf dem -Festlande östlich der Bucht stand, die Nachricht, er sei noch nicht zum -Angriff bereit und erwarte noch Milizen. So ging die Überraschung -verloren und der Admiral mußte sich zunächst auf eine Art Blockade -beschränken, um das Entweichen der englischen Schiffe, sowie das -Einlaufen von Unterstützungen zu hindern. Am 30. Juli sandte er 2 -Linienschiffe unter dem Befehle des später berühmten Kapitäns =Suffren= -in die westliche Einfahrt; sie ankerten am Nordende dieser Insel, kaum -behindert von den Batterien auf Conanicut. Gleichzeitig drangen 2 -Fregatten, sowie eine Korvette in die östliche Einfahrt und zwangen hier -zwei englische Fregatten, eine Sloop sowie einige Galeren, sich zu -verbrennen, da sie nicht entrinnen konnten. =Pigot= rief jetzt seine -Truppen von Conanicut zurück und zog seine ganze Kraft um Newport -zusammen. Am 5. August durchsegelte =Suffren= die westliche und ankerte -am Nordende der Haupteinfahrt; an seiner Stelle übernahmen zwei weitere -Linienschiffe die Sperrung der Westeinfahrt. Der bei Newport befindliche -Rest der englischen Schiffe war nebst fünf Transportern somit -eingeschlossen; man versenkte sie zur Sicherung des inneren Hafens bei -der Goatinsel, doch nahm man vorher Geschütze nebst Munition an Land, und -die Besatzungen, gegen 1000 Mann, verstärkten die Garnison. -- Am 8. -August erfuhr =d'Estaing=, daß Sullivan zum Angriff bereit sei; er lief -nun mit den ihm verbliebenen 3 Linienschiffen, Schüsse mit den -Befestigungen wechselnd, durch die Haupteinfahrt, ankerte an deren -Nordende außerhalb des feindlichen Feuerbereichs in Linie und traf -Vorbereitungen, sich durch Springanker mit den Breitseiten nach See legen -und einen Angriff der englischen Flotte wirksam empfangen zu können. -=Sullivan= führte in der Nacht vom 8./9. August 10 000 Mann nebst -zahlreichen Feldgeschützen unter Deckung der dort liegenden Fregatten -über die östliche Einfahrt nach dem Nordende von Rhode-Island und am 9. -morgens landete der Admiral 4000 Soldaten sowie Seeleute auf Conanicut; -dieses Landungskorps sollte hier formiert, etwas eingeübt und im -gegebenen Augenblick zum gemeinsamen Angriff nach Rhode-Island gebracht -werden. Das Wetter am 9. war nebelig, als aber die Sonne durchbrach, sah -man die Schiffe vor der Westeinfahrt mit vollen Segeln in diese -einlaufen; die englische Flotte war in Sicht. =D'Estaing= schiffte sein -Landungskorps wieder ein und ließ die Schiffe quer zur Haupteinfahrt -legen. - -=Admiral Howe= hatte abermals schnell entschlossen gehandelt, auch war er -inzwischen um vier Schiffe verstärkt. Am 26. Juli war ein -50-Kanonenschiff, zu seinem Geschwader gehörig, von Westindien -eingetroffen, bald darauf stieß ein gleiches von Halifax zu ihm und am -30. Juli ein 74-Kanonenschiff; dieses war von Byrons herannahender Flotte -im Sturm abgesprengt. Zwei Tage vorher war noch ein 64-Kanonenschiff von -Halifax eingelaufen und hatte gemeldet, es habe die französische Flotte -am 27. nach Norden steuern sehen. Alle diese Schiffe hätten also dem -Feinde in die Hände fallen können. =Howe= faßte sofort den Entschluß, -Newport zu entsetzen. Er war auch bereits am 1. August seeklar, konnte -aber erst am 6. morgens die Barre bei Hochwasser passieren und erschien -am 9. vor Rhode-Island. =Seine Flotte zählte= jetzt 1 Schiff zu 74 -Kanonen, 7 zu 64, 5 zu 50, 2 zu 44, 4 Fregatten, 3 Sloops, 3 Brander, 2 -Mörserboote, 4 Galeren und einige Transporter mit Truppen, Proviant und -Munition. An Zahl der Schiffe von 50 Kanonen aufwärts war er so dem -Gegner gleich, aber dieser gebot doch über weit schwerere. Trotzdem hielt -=d'Estaing= seine Lage für gefährlich, da die vorherrschenden südlichen -Winde einen Angriff der Engländer, besonders ihrer Brander, begünstigten, -als daher der Wind in der Nacht vom 9. auf 10. August ausnahmsweise aus -NO wehte, ließ er um 7 Uhr morgens die Ankertaue kappen, ging in See und -steuerte auf =Howe= zu. Die Fregatten in der Osteinfahrt blieben zurück, -um Sullivans rückwärtige Verbindungen zu sichern. Der englische Admiral -hatte sich am 9. für einen Angriff zu schwach gefühlt und wollte aus -gleichem Grunde jetzt in der Leestellung, in der er seine Brander nicht -verwenden konnte, nicht fechten; er wich aus. Fast zwei Tage vergingen -nun mit Manövrieren. Am Nachmittage des 11. August wäre es beinahe zur -Schlacht gekommen, aber =ein Sturm trennte die Gegner und versprengte -ihre Flotten=. - - $Die Manöver der beiden Flotten.$ =Howe= steuerte beim Herauskommen der - Franzosen südlich in der Hoffnung, daß der Wind bald wieder nach Süden - drehen und ihm die Luvstellung geben würde; =d'Estaing= folgte, um den - Kampf zu erzwingen. Der Wind blieb aber ostnordöstlich und der Morgen - des 11. August fand beide Flotten über Steuerbordbug nach SO liegen, - die französische im Nordosten der englischen. =Howe= wollte sich nicht - zu weit von Rhode-Island abziehen lassen und bildete nachmittags die - Schlachtlinie über Backbordbug mit nördlichem Kurse; es ist sehr - bemerkenswert, daß er sein Flaggschiff verließ und sich auf einer - Fregatte einschiffte, um im Fall des Kampfes seine Flotte besser leiten - und so ihre Schwäche durch seine Geschicklichkeit ausgleichen zu - können[140]. =D'Estaing= legte seine Flotte gleichfalls über - Backbordbug (gegen 4 Uhr nachm.) und näherte sich nun schnell der - englischen, da seine schweren Schiffe bei dem zunehmenden Seegange - besser liefen und er auch raumer steuern konnte. Er hat scheinbar - beabsichtigt, an die englische Linie von hinten und von Lee aus - heranzugehen, um so die Zahl der anzugreifenden Gegner bestimmen und - auch seine untersten Batterien verwenden zu können; =Howe= ließ deshalb - eng auf die Mitte schließen. - - [140] Dies ist der erste derartige Fall. Die Franzosen ahmten ihn - später nach, aber das Verfahren wurde doch in beiden Marinen - wieder aufgegeben. =Mahan= bringt (Mahan I, Seite 338) eine - lesenswerte Betrachtung über die verschiedenen Plätze eines - Flottenchefs -- ob an der Spitze, in der Mitte oder ganz - außerhalb der Linie -- mit ihren Vor- und Nachteilen und - bezeichnet den hier in Frage stehenden Platz als den - ungeeignetsten, weil er den Admiral wahrscheinlich zum untätigen - Zuschauer des Kampfes mache und ihm die Möglichkeit nähme, durch - sein Beispiel zu wirken. - - Aber jetzt frischte der Wind sehr auf und schwere Regenböen setzten - ein. Als die französische Vorhut die englische Nachhut fast erreicht - hatte (gegen 6 Uhr), sah sich d'Estaing genötigt, in einer schweren Bö - mit dem Flaggschiffe beizudrehen. Die anderen Schiffe folgten seinem - Beispiele; die ganze Flotte lag unter Sturmsegeln bei. Bald wehte - schwerer Sturm. In der Nacht verlor das Flaggschiff Bugspriet, Besan- - sowie Fockmast und das Ruder wurde beschädigt; auch die anderen Schiffe - litten sehr und die Flotte wurde auseinandergesprengt. Der Sturm hielt - bis zum Nachmittag des 13. an. Um diese Zeit sah sich das Flaggschiff - ganz allein und wurde von einem unbeschädigten englischen - 50-Kanonenschiffe angegriffen; ebenso erging es einem völlig - entmasteten französischen 74-Kanonenschiff. Die Angegriffenen waren in - ihrem wracken Zustande kaum fähig, sich zu verteidigen, da die - beweglichen Gegner sie enfilierten, und nur der Einbruch der Nacht - rettete sie; das Flaggschiff kam seinem Gegner aus Sicht, das andere - erhielt Unterstützung. =D'Estaing= ankerte noch in der Nacht etwa 60 - Seemeilen östlich vom Kap May am Eingang zur Delawarebucht und am 14. - trafen die anderen Linienschiffe bei ihm ein, nur eins war nach Boston - gesegelt. -- Auch =Howes= Flotte hatte mit dicht gerefften Marssegeln - beigedreht und wurde gleichfalls auseinandergesprengt. Ein - 50-Kanonenschiff sah sich schwer bedrängt von einem französischen - Linienschiff, das jedoch beim Nahen anderer Engländer absegeln mußte; - eine Sloop und ein Mörserboot wurden aber genommen. Der Admiral mit - seiner Fregatte und nur zwei Linienschiffen sichtete am 15. die - Franzosen auf ihrem Ankerplatze und traf dann am 17. bei Sandy Hook mit - den übrigen Schiffen zusammen. Auch die englische Flotte war schwer - beschädigt, aber doch weniger als die französische. - -Nachdem =d'Estaing= seine Flotte nahe beim Eingang zur Delawarebucht -wieder gesammelt und die Sturmschäden notdürftig ausgebessert hatte, ging -er am 17. August nach Rhode-Island zurück und traf hier am 20. ein. -=Sullivan= hatte seine Truppen an die englische Stellung um Newport -herangeführt und seine Batterien schon bis auf 1500 Yards an die -feindlichen Werke vorgeschoben. Er bat nun den Admiral dringend, mit den -Schiffen die alte Stellung einzunehmen und aufs neue Leute zu landen, da -er allein zu einem Angriffe zu schwach sei. =D'Estaing= erklärte sich zu -der Landung bereit, aber nur, wenn der Erfolg innerhalb zweier Tage zu -erreichen sei. Er hatte erfahren, daß Byrons Ankunft bevorstehe, ja daß -einige von dessen Schiffen schon in New York angekommen seien, auch -hatten einige seiner Schiffe einen zu Howes Flotte nicht gehörenden -Dreidecker gesehen, wahrscheinlich Byrons Flaggschiff. Da nun ein so -schneller Erfolg nicht sicher stand, erklärte d'Estaing, er dürfe sich -mit seinen Schiffen dem Erscheinen eines stärkeren Feindes nicht -aussetzen, und seine Kommandanten pflichteten ihm bei; dies entsprach ja -auch völlig der Instruktion. =Am 22. segelte er nach Boston=. - - $Die Amerikaner ließen den Angriff auf Newport fallen.$ =General - Sullivan= zog zunächst geschickt seine schwere Artillerie auf das - Festland zurück und folgte dann, die Engländer abwehrend, mit den - Truppen; am 31. August war er in Sicherheit. Es war hohe Zeit gewesen, - denn am 1. September kamen von New York über See 4000 Engländer auf - Rhode-Island an. -- Empört über die Abfahrt =d'Estaings= erließ - =Sullivan= später einen Tagesbefehl, der die Bevölkerung der - Nordstaaten, sowie die Milizen aus diesen Kolonien gegen die Franzosen - aufbrachte; er hatte anscheinend vergessen, daß der Mißerfolg - größtenteils durch sein anfängliches Nichtbereitsein verschuldet war. - In Boston wurden sogar infolgedessen bei einem Volksauflauf zwei - französische Offiziere verwundet, von denen einer starb. Der Kongreß - machte diese Vorfälle durch eine Adresse an d'Estaing wieder gut, in - der er der französischen Flotte Dank für die bisherige Unterstützung - aussprach; auch gab man den französischen Offizieren ein großes - Festessen in Boston, ein richtiges Verbrüderungsfest, bei dem 25 - Trinksprüche ausgebracht wurden (vgl. Lacour, Seite 174, Fußnote). In - der Adresse wurde auch warm hervorgehoben, daß sich der französische - Admiral bereit erklärt habe, von Boston aus durch gelandete - Mannschaften einen Angriff auf New York zu unterstützen; ein sehr - leichtsinniges Versprechen, wie französische Quellen mit Recht sagen, - denn die Flotte würde die Mannschaften zur Verteidigung ihrer Stellung - in Boston sehr nötig gebraucht haben. - -$D'Estaing$ traf am 28. August $in Boston$ ein und ergriff sofort -Verteidigungsmaßregeln. Drei schwer beschädigte Linienschiffe nebst den -Fregatten legte er in den inneren Hafen, die übrigen nahmen in der -äußeren Bucht eine halbmondförmige Stellung mit den Breitseiten nach See -zu ein, die durch bereits vorhandene oder sofort aufgeworfene Batterien, -armiert mit den Geschützen und bemannt durch die Besatzungen der im -inneren Hafen liegenden Schiffe, auf den Inseln an der Einfahrt flankiert -wurde. Schon am 31. war das notwendigste fertig. Es war auch die höchste -Zeit, denn bald darauf erschien der unermüdliche Gegner. - -=Admiral Howe= sammelte seine Flotte am 17. August bei Sandy Hook und -ging schon am 22. wieder in See. =Pigot= hatte die Meldung gesandt, er -könne sich gegen die Amerikaner wohl halten, sei aber verloren, wenn die -französische Flotte aufs neue erscheine. Das englische Geschwader war -zusammengesetzt wie beim ersten Auslaufen, nur trat an die Stelle eines -schwer beschädigten Schiffes ein solches von =Byron=. Unterwegs hörte -Howe, daß d'Estaing nach Boston gesegelt sei und folgte ihm. Die -feindliche Stellung dort erschien ihm aber zu stark, und da er mit -Hinblick auf den Zustand seiner Schiffe sowie auf die Wetterverhältnisse -des herankommenden Herbstes auch eine längere Blockade für untunlich -erachtete, kehrte er nach New York zurück. Bei seinem Eintreffen hier am -11. September fand er sechs weitere Schiffe Byrons vor. Bald darauf gab -er sein Kommando an diesen ab. - - =Howe ging nach England.= Er hatte schon früher aus - Gesundheitsrücksichten die Erlaubnis hierzu erbeten und auch erhalten, - jetzt nach Byrons Ankunft glaubte er die englische Sache auf diesem - Kriegsschauplatze gesichert. Er kämpfte nur ungern gegen die - Amerikaner, und allein die bevorstehende Ankunft der Franzosen bewog - ihn zum Bleiben. Er war ferner, wie die meisten tüchtigen Seeoffiziere, - empört über die Nachlässigkeiten und Fehler der Admiralität und trat in - England schroff gegen den Ersten Lord auf, weshalb er auch erst nach - dessen Rücktritt 1782 wieder aktiv verwendet wurde. - -$D'Estaing segelt nach Westindien. Die Engländer folgen.$ Mit dem -Einlaufen der französischen Flotte in Boston und der Ankunft Byrons in -Nordamerika schlossen die größeren Unternehmungen der Seestreitkräfte auf -diesem Kriegsschauplatze für das Jahr 1778, denen allerdings auch der -Eintritt der schlechten Jahreszeit ein Ende gemacht haben würde. -=D'Estaing= mußte zunächst seine Schiffe gründlich ausbessern, bei dem -Mangel an Material in Boston eine schwierige Aufgabe. Der Kapitän -=Suffren= schlug nun vor, aus einigen gefechtsbereiten Schiffen eine -fliegende Division zu bilden und mit dieser Vorstöße gegen -Neubraunschweig zu machen. Die Instruktion für den Admiral empfahl dies -ja auch, aber doch mehr noch die Verwendung der Flotte in Westindien, -zumal bei Überlegenheit der englischen Flotte; =d'Estaing= entschied sich -hierfür und erwartete eine günstige Gelegenheit zum Segeln. Zunächst -mußte er zwar noch auf einen Angriff gefaßt sein, da es hieß, =Byron= sei -am 18. Oktober von New York in See gegangen, als dieser aber in den -nächsten vierzehn Tagen nicht erschien und ein baldiges Auslaufen auch -dadurch geboten war, daß man in Boston kaum noch Lebensmittel erhalten -konnte, wurden die gelandeten Geschütze sowie Mannschaften eingeschifft -und die Flotte seeklar gemacht. Am 2. November wehte ein schwerer Sturm, -so daß man annehmen konnte, die englische Flotte sei aus der Nähe -vertrieben. Kurz vorher waren amerikanische Freibeuter mit Prisen -eingelaufen, die Lebensmittel für das englische Heer geladen hatten. Die -Flotte wurde so wenigstens für die Reise versorgt und trat diese am 3. -November an. - -Vizeadmiral =John Byron= hatte am 8. Juni England mit 13 Linienschiffen --- 1 zu 90 Kanonen, 11 zu 74, 1 zu 64 -- und einer Fregatte verlassen. -Stürmische Gegenwinde versprengten auf der Reise die Flotte. Die Schiffe -waren mangelhaft bemannt, schlecht ausgerüstet -- das Tauwerk vielfach -nicht neu, sondern nur umgeschlagen -- und litten in den Stürmen schwer. -Nach 67 tägiger Reise traf das Flaggschiff allein bei Long Island ein und -sichtete hier die auf ihrer zweiten Fahrt nach Rhode-Island befindliche -französische Flotte. Gänzlich ohne Nachricht über die Lage in -Nordamerika, wagte Byron weder New York noch die Narragansettbucht -anzusteuern, sondern segelte nach Halifax; seine Schiffe sammelten sich -teils hier, teils in New York. Seine Ankunft gab nun zwar den Engländern -eine große Übermacht in den amerikanischen Gewässern, aber der Zustand, -in dem sich sowohl Byrons wie Howes Schiffe befanden, schloß größere -Unternehmungen vorläufig aus. =Byron= traf persönlich am 26. September in -New York ein, vermochte aber erst am 18. Oktober mit 16 Linienschiffen in -See zu gehen. Er nahm Kurs auf Boston, seine Schiffe wurden jedoch durch -den Sturm am 2. November aufs neue beschädigt und teils nach New York -teils nach der Narragansettbucht zurückgetrieben. So konnten die -Franzosen segeln. - -Das Auslaufen der englischen Flotte sollte anscheinend einer von New York -nach Westindien bestimmten Expedition den Weg freihalten. Da auch der -Landkrieg im nördlichen Amerika während des Winters zum Stillstand kam, -hatte =Clinton= Befehl erhalten, 5000 Mann nach Westindien abzugeben. Mit -diesen verließ ein Konvoi von Transportern am 4. November New York, -gedeckt durch zwei 64-, zwei 50-Kanonenschiffe, zwei Fregatten und ein -Mörserboot unter =Kommodore William Hotham=; diese Expedition segelte -gleichzeitig und parallel mit der französischen Flotte, ohne daß die eine -von der anderen wußte. Auf der Breite der Bermuda-Inseln fielen nach -einem Sturme drei versprengte Transporter den Franzosen in die Hände, -aber die Besatzungen verrieten ihren Bestimmungsort nicht. D'Estaing -nahm Antigua an, kreuzte auf seiner weiteren Reise zwei Tage bei dieser -Insel, ohne etwas von dem Konvoi zu sehen, und traf dann am 9. Dezember -in Martinique ein. Die englische Expedition erreichte am 10. Barbados. -Der Aufenthalt bei Antigua hat vielleicht dazu beigetragen, daß die -französische Flotte die Eroberung der Insel Sta. Lucia durch die -Engländer nicht hindern konnte. - -=Byron= segelte am 16. Dezember mit 10 Linienschiffen von der -Narragansettbucht ab und traf am 6. Januar 1779 in Sta. Lucia ein; damit -wurde für das Jahr 1779 Westindien zum Schauplatz des großen Seekrieges, -wo bisher nur geringe Streitkräfte der Gegner tätig gewesen waren. - - * * * * * - -$Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79$ brachte =in den nördlichen -Staaten= keine Ereignisse von Bedeutung. =Washington= war zwar dem von -Philadelphia abziehenden englischen Heere gefolgt und hatte dann eine -Stellung im Norden und Westen New Yorks bezogen, sah aber von einem -Angriff auf die Stadt ab, als die französische Flotte ihre Unterstützung -verweigerte. Er mußte seine ganze Kraft daransetzen, Rekruten zu werben, -den Kongreß zu Maßregeln zu bewegen, um die Offiziere an die Fahne zu -fesseln, und den Widerstand zu brechen, den ihm einige höhere Führer -entgegensetzten. Der General hielt um diese Zeit die amerikanische Sache -fast für verloren. Aber auch die englische Armee unternahm nichts von -Bedeutung, und so kam es zwischen den Hauptheeren nur zu kleineren -Zusammenstößen. An den Grenzen von Kanada verwüsteten von den Engländern -aufgereizte Indianer und Loyalistentrupps die amerikanischen Gebiete. -Auch 1779 änderte sich nichts; die Gegner lagen sich nur beobachtend -gegenüber. Zu erwähnen sind einige Unternehmungen der englischen -Seestreitkräfte; sie waren gegen die Stellung Washingtons und gegen die -Küstenstädte gerichtet, von denen die amerikanische Freibeuterei ausging. - - $Kleinere Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte$ (Näheres - hierüber vgl. Campbell, Band V, Seite 490 ff.). Am 30. Mai 1779 ging - eine Flottille von einem Linienschiff und vier kleineren Fahrzeugen - unter Kommodore =Sir George Collier= -- Befehlshaber der Station von - der Abfahrt Byrons bis zum Eintreffen des Vizeadmirals =Arbuthnot= am - 3. November -- den Hudson hinauf und zerstörte die Forts Stoney Point - und Verplanks Neck, die =Washington= an den beiden Ufern des Flusses - zur Sicherung des Verkehrs zwischen den Staaten östlich und westlich - des Hudson erbaut hatte. Washington sah sich dadurch gezwungen, seine - Stellung weiter nördlich in das hüglige Gelände bei Westpoint zu - verlegen. -- Im Juli führte =Collier= eine Expedition gegen die Städte - Newhaven, New London, Fairfield und andere an der Küste von Connecticut - und vernichtete zahlreiche Freibeuterschiffe, die von hier aus den - Verkehr New Yorks unsicher machten, sowie Arsenale und Magazine; einige - Orte wurden völlig eingeäschert. -- Ende Juli berannten die Amerikaner - mit Land- und Seestreitkräften einen starken Posten, den die Engländer - von Halifax aus an der Mündung des Penobscot, fast an der Grenze - zwischen Maine und Neubraunschweig, angelegt hatten. =Collier= erschien - am 13. August mit einem Linienschiffe, drei Fregatten und drei Sloops - zum Entsatz. Die ganze dort befindliche amerikanische Flottille, 3 - Schiffe von 24-32 Kanonen, 16 von 10-22 und eine große Zahl von - Transportern, ward vernichtet. - -=In den südlichen Staaten= erzielten die Engländer 1779 einige Erfolge. -Wie man von New York Verstärkungen nach Westindien abgezweigt hatte, so -hielt man im Norden die Winterruhe für geeignet, auch den im Jahre 1776 -gescheiterten Versuch zur Unterwerfung der Kolonien Carolina und Georgia -zu wiederholen. Am 27. November 1778 segelte =Oberst Campbell= mit einem -Truppentransport von New York, begleitet von einer Fregatte und drei -kleinen Fahrzeugen, unter =Kapitän Hyde Parker=; vier Wochen später ward -=Savannah (Georgia) in Besitz genommen=. Gleichzeitig rückte =General -Prevost= von der treugebliebenen Kolonie Florida vor, vereinigte sich mit -Campbell, übernahm den Oberbefehl und vertrieb die Amerikaner aus ganz -Georgia. Nun verstärkte der Kongreß die Truppen hier, und =General -Lincoln= trat den Engländern entgegen. Er hinderte deren Vordringen in -Carolina und zwang sie, von Charleston, wo sie am 11. Mai 1779 erschienen -waren, auf Savannah zurückzugehen. Dann trat für die heißen Sommermonate -Waffenruhe ein, bis im September =d'Estaing= mit der französischen Flotte -und dem amerikanischen Heere eine erfolglose Belagerung Savannahs -eröffnete, deren Verlauf später zur Darstellung gelangt. - -Im Mai 1779 unternahm =Kommodore Collier= eine Expedition =nach -Virginien=, wo die Amerikaner an den Küsten der Chesapeakebucht Material -für den Seekrieg anhäuften. Er verließ am 5. Mai mit einem Linienschiff, -einer Fregatte, einigen kleineren Fahrzeugen, sowie 2500 Soldaten New -York und erreichte am 9. Hampton. Hier blieb das Linienschiff, während -die anderen Fahrzeuge in die südlichen Flüsse der Bucht eindrangen. -Norfolk und Portsmouth, die wichtigsten Plätze, wurden besetzt, aber auch -der James- sowie der Yorkfluß heimgesucht. Eine große Zahl von kleineren -Kriegsschiffen, Freibeutern und Kauffahrern, sowie Vorräte für die -amerikanischen Heere fiel den Engländern in die Hände. Brauchbares ward -mitgenommen, alles übrige sowie Magazine und Arsenale zerstört. =Collier= -schlug vor, in Norfolk einen Waffenplatz zu errichten, um dem Gegner die -Chesapeakebucht als Zufuhrweg zu verlegen, aber =Clinton= scheint das -damals noch nicht für zweckmäßig gehalten zu haben. Er rief die -erfolgreiche Expedition schon Ende Mai zurück, wahrscheinlich hielt er -die obenerwähnten Vorstöße auf dem Hudson und an der Küste von -Connecticut zunächst für wichtiger. - - =Mit der Eroberung Georgias und dem Einfall in Virginien= setzte im - Jahre 1780 in den Südstaaten seitens der Engländer eine Kriegführung in - großem Maßstabe ein. Sie schloß mit der Übergabe des englischen Heeres - bei Yorktown (Oktober 1781), und diese Katastrophe beendete den Krieg. - =Mahan= urteilt hierüber (Clowes, Band III, Seite 442): »daß die - Aufnahme des Kampfes in den Südstaaten falsch gewesen sei; es sei - derselbe Fehler, aber in noch größerem Maße, begangen, den General Howe - gemacht, als er 1777 nach dem Delaware zog. Man habe das so schon - ungenügende Heer in zwei Teile gespaltet, die ohne unmittelbare - Verbindung gewesen wären.« Das Urteil ist richtig, denn die Verbindung - war nur gesichert, solange England die See beherrschte, da am Lande der - Feind zwischen den beiden Heeresteilen stand; die Seeherrschaft ward - aber den Engländern mehrfach, und gerade in entscheidenden - Augenblicken, mit Erfolg streitig gemacht. - -$Bemerkungen zu der Kriegführung in den nordamerikanischen Gewässern -1778.$ Bei der Beurteilung der Kriegführung in Europa (Seite 257) wurde -dargelegt, daß England selber verschuldet hat, wenn seine Lage in -Nordamerika durch das Erscheinen der französischen Flotte dort mißlich -wurde. Einen weiteren Fehler beging es dadurch, daß es New York und -Newport nicht durch Anlage von Befestigungen gegen jeden Angriff von See -aus unbedingt sicherte, was bei der damaligen Beschaffenheit der Schiffe -möglich war; man hätte sich dadurch sichere Stützpunkte für die eigenen -Seestreitkräfte geschaffen, deren Aufgaben sehr vereinfacht und auch das -Heer entlastet. Wie die Sache tatsächlich lag, hat England es nur der -Wachsamkeit, Schnelligkeit und Erfahrung seines Admirals zu verdanken, -daß es nicht folgenschwere Niederlagen erlitt. - -=Howe= erkannte die drohende Gefahr im Mai, einige Wochen nachdem die -französische Flotte Toulon verlassen hatte. Er mußte nun seine auf der -ganzen Küste verteilten Schiffe sammeln, den Troß eines ansehnlichen -Heeres einschiffen und den Delaware hinabführen, nach Sandy Hook segeln -und die Truppen von dort nach New York bringen, endlich eine -Verteidigungsstellung einnehmen. Er löste diese vielseitige Aufgabe, -indem er alles persönlich überwachte und durch seine Gegenwart den Eifer -wie die Leistungen der Offiziere und Mannschaften belebte; mit diesen -Eigenschaften bildete der Admiral einen scharfen Gegensatz zu seinem -Bruder, dem General. Er gewann seinem Gegner beständig Zeit ab. Vor dem -Delaware war =d'Estaing= 10 Tage gegen ihn im Rückstande, bei Sandy Hook -schon 12. Sobald dann die französische Flotte nach Süden segelte, ohne -anzugreifen, ließ =Howe= sie beobachten und rüstete sich schleunigst zu -ihrer Verfolgung; obgleich 6 Tage durch ungünstige Wind- und -Gezeitenverhältnisse in New York festgehalten, erschien er doch nur einen -Tag nach d'Estaings Einsegeln in der Narragansettbucht vor dieser. - -Seine Lage hier war vorzüglich. Die vorherrschenden Winde sicherten ihm -die Luvstellung, und schon beim Herauskreuzen wären die feindlichen -Schiffe der Gefahr ausgesetzt gewesen, einzeln angegriffen zu werden. -Mutvoll und auf seine seemännische Geschicklichkeit vertrauend, nahm Howe -auch die Gefahr in den Kauf, daß der Wind dem Feinde günstig sein könne. -Wenn dies auch eintrat, so war das Glück doch dem englischen Admiral -insofern hold, als ihm der Sturm zu Hilfe kam. Dann war seine Flotte -schon nach 10 Tagen wieder see- und gefechtsbereit, obgleich die meisten -der Schiffe seit zwei Jahren auf einer Station in Dienst gewesen waren, -auf der es an leistungsfähigen Werften mangelte. So schlug =Howe= durch -seine Tüchtigkeit =d'Estaing= auf allen Punkten; kaum ein Schuß war -gewechselt und trotzdem hatte die schwächere Flotte entschiedene Vorteile -errungen. Allerdings war der Führer der Franzosen dem englischen gerade -in Seemannschaft nicht gewachsen und ähnlich standen die Besatzungen der -beiden Flotten zueinander. Dies dürfte sich auch daraus ergeben, daß die -französischen Schiffe in den Stürmen mehr litten als die englischen, -obgleich sie weit später die heimischen Werften verlassen und doch Zeit -genug gehabt hatten, sich einzuüben. - -Die französische Expedition hätte den schwächern Engländern gegenüber -großen Erfolg haben können, wenn =d'Estaing= schneller und unternehmender -gewesen wäre, aber man darf diesen dennoch nicht zu hart beurteilen. -Inwieweit die lange Überfahrt seine Schuld ist, läßt sich kaum -entscheiden. Der Gegner gebot in Nordamerika immerhin über eine -bedeutende Macht und die französische Flotte mußte unbedingt geschlossen -an ihrem Ziele eintreffen; im Segeln in großen Verbänden hatten aber die -Franzosen keine Übung, da mußte das Zusammenhalten die Reise verzögern. -In welchem Zustande brachte denn =Byron= die Flotte der sonst an -Seemannschaft so überlegenen Engländer über den Ozean? Nur Glück war es, -daß nicht eine Anzahl seiner versprengten Schiffe dem Feinde in die Hände -fielen; allerdings hatte er sehr schlechtes Wetter. =D'Estaings= Zögern -bei Sandy Hook ist gleichfalls zu verstehen, denn er befand sich an einer -Küste, die der französischen Marine völlig unbekannt war. Bei dem -damaligen Stande des Kartenwesens konnte man Lotsen nicht entbehren, und -für solche rechtzeitig zu sorgen, wäre Sache der Amerikaner gewesen. - -=D'Estaing= mußte ferner zunächst mit =Washington= über ihr gemeinsames -Vorgehen in Verbindung treten, und da gerade dieser den Angriff auf New -York im Auge hatte, mußte der Admiral einen solchen mit Hilfe von Lotsen -für aussichtsvoll halten, und es kam dann kaum in Betracht, wenn einige -Tage mit den Vorbereitungen verloren gingen. Von dem Angriff sah -=d'Estaing= infolge der Weigerung der Lotsen sowie der Ergebnisse der -eigenen Auslotungen ab; die Annahme ist erlaubt, daß die meisten in -seiner Lage ebenso gehandelt hätten. Bemerkenswert ist, daß sogar ein -Seemann wie =Suffren= -- gleicherweise andere tüchtige Offiziere des -Kriegsrates -- nicht für den Angriff eingetreten ist. Hätte er es getan -wie bei Sta. Lucia 1779 in einer ganz ähnlichen Lage, so würde dies -sicher überliefert sein, zumal da der Admiral unbeliebt war und ihm -gerade Mangel in seemännischer Kenntnis vereint mit Nichtbeachtung -technischer Ratschläge vorgeworfen wurde. Ein =Nelson= und ein =Farragut= -haben allerdings gleich gefährliche Unternehmungen durchgeführt. - - Man hat sich gefragt, ob =d'Estaing= zum Aufgeben des Angriffes, der - schwere Opfer kosten und seine Flotte für lange Zeit lahmlegen konnte, - nicht auch durch andere Rücksichten als rein militärische bestimmt - worden sei. New York war der Mittelpunkt der englischen Macht, sein - Fall mußte den Krieg mit den Kolonien schnell dem Ende nähern. Dies lag - aber gar nicht im Interesse Frankreichs, da England dann ihm gegenüber - die Hände freibekommen hätte. Sicher ist, daß die französische - Regierung so dachte, mithin möglich, daß der Admiral geheime Weisungen - in diesem Sinne erhalten hatte. - -An der Verzögerung des Angriffes auf Newport war zunächst die -Unfertigkeit der Amerikaner schuld. Daß =d'Estaing= sich dadurch -hinhalten ließ und daß er das kaum begonnene Unternehmen beim Erscheinen -der englischen Flotte wieder aufgab, beruht wohl auf seiner -Unerfahrenheit zur See. Er war zweifellos ein tapferer und unternehmender -Soldat, unterschätzte jedoch hier sowie späterhin die Kraft seiner -Seestreitkräfte. Er wagte die nur schwache Stellung der Engländer ohne -Mitwirkung der amerikanischen Truppen nicht anzugreifen und fühlte sich -auf seinem Ankerplatz unsicher, obgleich ihm kaum eine Gefahr drohte; -tatsächlich hielt ja der erfahrene Seemann =Howe= die Stellung der -französischen Flotte für zu stark. Er hätte sicher seine Aufgabe -durchführen und dann erst bei günstigem Winde ausbrechen können. Auch daß -er nach dem Inseegehen den Gegner nicht zum Gefecht bringen konnte, ehe -der Sturm aufkam, scheint an seinem geringeren seemännischen Geschick -Howe gegenüber zu liegen. Seine spätere Vorsicht und das Absegeln nach -Westindien, als Byron erschien, entsprachen den erhaltenen Weisungen. -Diese englische Verstärkungsflotte hätte Frankreich schon in Europa -festhalten müssen und können (vgl. Seite 257). - -Wenn nun auch die französische Expedition nicht die erwarteten Erfolge -brachte, so nützte sie doch den Amerikanern. Sie zwang England zum -Aufgeben der Stellung am Delaware, schaffte dadurch =Washington= Luft und -ließ als ein Zeichen der Schwäche Englands dessen letzten Versuch zur -Versöhnung scheitern. Der Aufenthalt der französischen Flotte an der -Küste hielt ferner =Clinton= von tatkräftigem Vorgehen gegen Washington -ab und erleichterte die Versorgung der Kolonien mit Zufuhren über See. -Der den Engländern zugefügte unmittelbare Schaden -- die Vernichtung -einiger Kriegsschiffe, das Aufbringen von Transportern und -Handelsfahrzeugen -- war dagegen kaum nennenswert. - - * * * * * - -$In Westindien$ hatten beide Parteien auf ihren zwei Stationen -- -England: Hauptstützpunkt Barbados für die Kleinen Antillen und Jamaika; -Frankreich: Martinique für die kleinen Antillen und St. Domingue (Cap -Français)[141] -- nur geringe Streitkräfte, Fregatten und kleinere -Fahrzeuge. In Frühjahr 1778 sandte England die Admirale =Samuel -Barrington=[142] mit zwei Linienschiffen nach Barbados und =Sir Peter -Parker= mit einem solchen nach Jamaika. Diese sollten die -Feindseligkeiten erst auf Befehl beginnen, die Franzosen kamen ihnen aber -zuvor. - - [143] Cap Français oder Le Cap vgl. Fußnote Seite 176. - - [144] =Samuel Barrington=, geboren 1728, Kapitän 1747, Kontreadmiral - 1778, Vizeadmiral 1779, Admiral 1787, gestorben 1800. Als - tüchtiger Seeoffizier von schnellem Entschluß hatte er sich schon - im Siebenjährigen Kriege in verschiedenen Einzelgefechten - ausgezeichnet. - - Wie bereits erwähnt, spielten sich die größeren Ereignisse des Krieges - auf der Station der Kleinen Antillen ab. Bei den Großen Antillen wurde - nur der Kleine Krieg geführt, dessen Vorfälle -- Aufbringen von - Handelsschiffen, Einzelgefechte von Kriegsschiffen -- man in den - Spezialwerken der beiden Marinen findet. - -Am 17. August 1778 überbrachte eine Fregatte dem Generalgouverneur der -französischen Kleinen Antillen, =Marquis de Bouillé=, mit der Nachricht -von den ersten Gewalttaten der Engländer im Kanal den Befehl zur -=Eroberung Dominicas=. Diese vorher neutrale Insel war 1763 an England -gefallen, Frankreich wollte sich jetzt ihrer bemächtigen nicht nur zur -Erweiterung seines Besitzes, sondern auch um seine militärische Stellung -zu stärken, da sie zwischen den beiden wichtigsten französischen Inseln, -Martinique und Guadeloupe, in Sicht von diesen lag. Ihre Befestigungen -waren zwar stark, die Besatzung aber nur schwach. =Bouillé= segelte am 6. -September mit drei Fregatten, einer Korvette, 1200 Soldaten und 1000 -Freiwilligen, Kreolen und Farbigen, in wenigen Stunden von Martinique -nach der Hauptstadt Dominicas, Le Roseau jetzt Charlottetown, hinüber, -und der englische Gouverneur unterzeichnete schon am nächsten Tage die -Übergabe, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Gut gehaltene Werke mit -164 Kanonen sowie 48 Mörsern und reiche Vorräte fielen den Franzosen in -die Hände; sie waren jetzt im Besitz der vier in einer Linie liegenden -Inseln Sta. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe. - -$Der Kampf um Sta. Lucia.$ =Barrington= hatte auf ausdrücklichen Befehl -in Barbados auf Weisungen gewartet und auch nichts von dem schnell und -geheim vorbereiteten Unternehmen =Bouillés= erfahren, sonst hätte er es -wohl leicht verhindert, da er über zwei 74-Kanonenschiffe verfügte. Er -erwies sich als tüchtiger und schnell entschlossener Führer. Als am 10. -Dezember 1778 der Kommodore =Hotham= mit 7 Kriegsschiffen nebst dem -Transporte von New York eintraf, beließ =Barrington= die Truppen an Bord, -ging schon am 12. zum =Angriff auf Sta. Lucia= in See und sandte Kreuzer -voraus, um zu verhindern, daß durch Handelsschiffe Nachricht dorthin -gelange. Die Insel, gleichfalls früher neutral und 1763 an Frankreich -gefallen, war strategisch wichtig für England, da man von ihr aus leicht -Martinique mit dem Haupthafen der französischen Antillen, Fort Royal, -beobachten konnte. Sie wurde fast ohne Kampf am 13. und 14. Dezember -genommen. - -[Illustration: Samuel Barrington.] - - $Eroberung Sta. Lucias durch die Engländer.$ Am 13. Dezember 1778 - ankerte =Barrington= in der Bucht Cul de Sac auf der Westseite der - Insel, landete einen Teil der Truppen und besetzte die Batterien am - Strande sowie eine Höhe, die von Norden die Bucht beherrschte; die - schwache französische Besatzung konnte bei Räumung der Werke nicht - einmal die Geschütze vernageln. Am nächsten Tage bemächtigten sich die - Engländer ebenso leicht eines Werkes auf der Höhe Morne de La vierge im - Norden der benachbarten Bucht La Carenage (an der jetzt die Hauptstadt - der Insel, Castries, liegt). wodurch sie auch diesen Ankerplatz - beherrschten, und besetzten gleichfalls die damalige weiter im Innern - gelegene Hauptstadt Morne fortuné. Der französische Gouverneur zog sich - mit einigen hundert Soldaten und Milizen in die Berge zurück. - -Aber bereits am 14. Dezember abends erschien =Vizeadmiral d'Estaing= mit -den 12 Linienschiffen, die er von Nordamerika hergeführt hatte, und den -Fregatten de Bouillés. Er war am 9. in Martinique angelangt und hatte den -Oberbefehl zur See übernommen. Er sollte nicht Eroberungen machen, -sondern nur englische Inseln überfallen, deren Befestigungen schleifen, -Kriegsmaterial und Garnisonen hinwegführen. Hätte er nun sofort einen -Aufklärungsdienst angeordnet, wo er wußte, daß =Hotham= angelangt sei, -würde er die Wegnahme Sta. Lucias leicht haben hindern können. So erfuhr -er erst am 13. durch einen amerikanischen Freibeuter die Abfahrt der -Engländer von Barbados. Er ging nun mit etwa 3000 Soldaten und Milizen am -14. in See und sichtete abends das englische Geschwader bei Sta. Lucia, -das er auf dem Wege nach Grenada geglaubt hatte. Trotz seiner großen -Übermacht an Zahl und Stärke der Schiffe (vgl. Seite 260) vermochte er -die Insel nicht zurückzuerobern, da =Barrington= bereits festen Fuß -gefaßt hatte und sich jedem Angriffe zu Wasser wie zu Lande gewachsen -zeigte. - - $Erfolgloser Angriff der Franzosen auf Sta. Lucia.$ =Barrington= war - gerade in Besitz der Küste von La Vierge bis zum Südende des Cul de Sac - gelangt und beabsichtigte, seine Schiffe in die sicherere Bucht Le - Carenage zu legen, als eine Fregatte das Nahen der Franzosen meldete - und diese auch von den Höhen gesichtet wurden. Er legte nun während der - Nacht seine sieben Schiffe von über 50 Kanonen (nur zwei zu 74) in eine - Linie am Eingange des Cul de Sac, wobei er die an den Strand sich - anlehnenden Flügel durch Wahl der stärksten Schiffe und durch quer - gelegte Fregatten gegen Umgehung sicherte; die Soldaten setzten die - eben genommenen Werke in Gefechtsbereitschaft. =D'Estaing= steuerte am - 15. mit Tagesanbruch in die Bucht Le Carenage, um von hier aus den - französischen Garnisonen Hilfe zu bringen, ein lebhaftes Feuer von La - Vierge belehrte ihn erst, daß auch diese Bucht schon im Besitz des - Feindes sei, und daß es sich nicht um Entsatz, sondern um - Wiedereroberung der Insel handele. Er beschloß, das englische - Geschwader anzugreifen. Um 11-1/2 Uhr vormittags führte er seine Flotte - in großem Abstande an den englischen Schiffen vorüber, wechselte mit - ihnen Schüsse und wiederholte dieses Manöver einige Stunden später; - nennenswerte Verluste oder Beschädigungen erlitt keiner der Gegner, die - Engländer verloren nur drei Tote. - - Es ist nun wahrscheinlich, daß die Franzosen an diesem Tage wegen - Windstille unter Land nicht näher herankommen konnten, aber auf eine - günstige Gelegenheit hierzu war mit Sicherheit früher oder später zu - rechnen. Trotzdem entschied sich =d'Estaing=, die englische Stellung zu - Lande anzugreifen. Er ankerte in einer Bucht nördlich von Le Carenage, - schiffte die Landtruppen sowie etwa 4000 Mann der Flotte aus und - marschierte am 18. gegen La Vierge. Da aber der Hügel mit dem Fort auf - dem Ende einer niederen Landzunge lag, gerieten die Franzosen in ein - vernichtendes Feuer, und drei durch d'Estaing und de Bouillé persönlich - geführte, mit größtem Mute unternommene Angriffe wurden unter Verlust - von 41 Offizieren und 800 Mann an Toten und Verwundeten abgeschlagen. - Noch am Abend des 18. schiffte man sich wieder ein. Der Admiral zog nun - doch den Angriff des englischen Geschwaders in Betracht. Er ließ durch - eine Fregatte vor dem Cul de Sac die Windverhältnisse beobachten, und - als diese am 24. günstig erschienen, lichtete er Anker. =Barrington= - hatte aber die Frist benutzt, seine Schiffe weiter in die Bucht zu - legen, wohin die Seebrise seltener kam und wo er noch sicherer vor - Umgehung der Flügel war; auch die Zahl der Batterien am Lande war - vermehrt. =D'Estaing= erachtete jetzt wohl die feindliche Stellung für - zu stark oder den Tag zu weit vorgeschritten und nahm den alten - Ankerplatz wieder ein. Als er hier am 28. Dezember erfuhr, daß =Byron= - mit seiner Flotte in Westindien erwartet würde, gab er das Unternehmen - gegen Sta. Lucia vorläufig auf. - -=D'Estaing= segelte am 29. Dezember nach Martinique zurück und am 30. -unterzeichnete der französische Gouverneur die Übergabe von Sta. Lucia. -Die Insel blieb während des Krieges englischer Besitz und bewährte 1782 -ihre strategische Wichtigkeit; von ihr aus beobachtete =Rodney= die -französische Flotte vor seinem großen Siege. - -$D'Estaing erobert St. Martin, St. Barthélemy, St. Vincent und Grenada -1779.$ Die ersten Monate des Jahres verliefen ohne größere Ereignisse, -obgleich die Seestreitkräfte auf beiden Seiten ansehnlich verstärkt -wurden. Am 6. Januar traf =Vizeadmiral John Byron=[143] mit 10 -Linienschiffen von Nordamerika in Sta. Lucia ein und übernahm den -Oberbefehl; in der zweiten Hälfte des Februar führte ihm Kontreadmiral -=Joshua Rowley=, der im Dezember England mit einem Konvoi Kauffahrer -verlassen hatte, noch 7 Linienschiffe zu. Zu d'Estaings Flotte stieß am -12. Februar mit 4 Linienschiffen der Chef d'Escadre =Comte de Grasse=, -der am 14. Januar von Brest abgesegelt war. Die Gegner waren zu dieser -Zeit also annähernd gleich stark. Vorher hatte =d'Estaing= einen Erfolg -gehabt. Am 11. Januar war er aufs neue vor Sta. Lucia erschienen, als -aber seine Fregatten dort 15 Linienschiffe zählten und damit die Ankunft -Byrons feststellten, ging er nach Martinique zurück, doch ließ er $St. -Martin und St. Barthélemy$ durch kleine Schiffe überrumpeln. Am 26. April -traf eine neue französische Verstärkung von 2 Linienschiffen, 2 Fregatten -sowie 3 Korvetten unter dem Chef d'Escadre =Marquis de Vaudreuil= ein; -diese Division hatte schon im Dezember Brest verlassen, aber zunächst -einen Vorstoß gegen die englischen Besitzungen in Westafrika gemacht. - - [143] =John Byron=, der Großvater des Dichters Lord Byron, geboren - 1723, machte als Midshipman auf der Fregatte »Wager« =Ansons= - Weltumsegelung mit, litt aber schon 1741 in der Magelhaenstraße - Schiffbruch und geriet bis 1745 in spanische - Kriegsgefangenschaft; 1746 war er Kapitän. Im Siebenjährigen - Kriege schleifte er 1760 als Befehlshaber eines kleinen - Geschwaders die Befestigungen von Louisbourg und brachte - Freibeuter im Lorenzgolf auf, 1761 nahm er teil an der Expedition - gegen Belle-Ile. Von 1764 bis 1766 leitete er die Erdumsegelung - zweier Schiffe besonders zum Zweck der Erforschung der Südsee, - die aber wenig Ergebnis hatte. Er wurde 1775 Kontreadmiral, 1780 - Vizeadmiral der blauen Flagge. In der Schlacht bei Grenada erwarb - er keinen Ruhm und ging wieder nach Nordamerika. Er war ein - tüchtiger Seemann, aber kein Flottenchef, auch kein bedeutender - Entdecker und wurde später nicht mehr verwendet. 1780 ward er - Vizeadmiral der weißen Flagge und starb 1786. Über seine - Weltumsegelung vgl. Clowes Band IV, Seite 117. - -Auch =Byron= war im Januar vor Fort Royal erschienen, um den Feind -herauszulocken und ließ dann gegen französische Verstärkungen kreuzen; -beides ohne Erfolg. Anfang Juni mußte er Sta. Lucia auf längere Zeit -verlassen. Bei St. Christoffer hatte sich ein großer Konvoi von -Handelsfahrzeugen gesammelt, für dessen sichere Abfahrt er -verantwortlich war; mit Rücksicht auf die große französische Flotte begab -er sich mit sämtlichen Schiffen dorthin. - -=D'Estaing= erhielt hiervon Kenntnis und benutzte die Gelegenheit. Am 9. -Juni sandte er 2 Linienschiffe, 2 Fregatten und 6 kleinere Fahrzeuge mit -400 Soldaten gegen $St. Vincent$. Am 17. traf die Expedition bei der -Insel ein und bemächtigte sich leicht der Hauptstadt Kingstown. Wenn auch -die englische Garnison von 7 Kompagnien nicht als schwach gelten konnte, -so mußte doch der Gouverneur mit den Eingeborenen rechnen, die den -Engländern feindlich gesinnt waren, und den Franzosen ihre Hilfe -angeboten hatten. Am 27. Juni stieß nun noch eine dritte Verstärkung zur -französischen Flotte, der Chef d'Escadre =La Motte-Picquet=, der am 1. -Mai mit 4 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, 3 Fregatten und einem -großen Konvoi von Transportern (Zufuhren für die Flotte und die Inseln) -sowie Handelsschiffen Frankreich verlassen hatte. =D'Estaing= hielt sich -jetzt für stark genug, größeres zu unternehmen. Ohne den angekommenen -Schiffen nach der langen Reise Ruhe zu gönnen, ging er schon am 30. -Januar mit seiner ganzen Flotte von 24 Linienschiffen in See, um den -Hauptstützpunkt der Engländer, Barbados, anzugreifen; er hoffte, daß dann -auch Sta. Lucia fallen würde. Da jedoch der Wind für den Kurs nach dieser -Insel ungünstig war, bemächtigte er sich $Grenadas$. Am 2. Juli ankerte -er vor Georgetown, setzte 1200 Mann an Land und nahm, auch hier -persönlich führend, eine die Stadt beherrschende Höhe, nach der sich die -nur etwa 70 Mann starke Garnison zurückgezogen hatte. Am 4. ward die -Insel übergeben, eine Kriegssloop und 30 reichbeladene Kauffahrer fielen -den Franzosen in die Hände. - -$Die Schlacht bei Grenada, 6. Juli 1779.$ Aber schon am 5. Juli erhielt -=d'Estaing= die Nachricht, daß die englische Flotte St. Vincent passiert -habe und herankomme. =Byron= war am 6. Juni mit dem Konvoi von St. -Christoffer abgefahren, hatte ihn in Sicherheit gebracht und traf dann am -1. Juli in Sta. Lucia ein. Auf die Nachricht, St. Vincent sei gefallen -und Grenada bedroht, ging er am 3. in See, um diese Insel zu schützen; -von der letzten Verstärkung der Gegner wußte er noch nichts, von der -vorletzten wahrscheinlich nichts Genaues. Am 6. morgens langte er an der -Nordwestspitze Grenadas an und es kam noch am selben Tage zur Schlacht. - - $Die französische Flotte$ zählte nach Troude: 2 Schiffe zu 80 Kanonen, - 11 zu 74, 7 zu 64, 4 zu 50 und einige Fregatten; $die englische$ nach - Clowes: 1 Schiff zu 90, 11 zu 74, 1 zu 70, 7 zu 64, 1 zu 60, 1 Fregatte - als Signalwiederholer und 26 Transporter mit Truppen sowie - Kriegsmaterial. - -Als =d'Estaing= am 5. Juli das Nahen der englischen Flotte erfuhr, blieb -er vor Anker liegen, um nicht bei den nur leichten östlichen Winden durch -die Strömungen nach Lee vertrieben zu werden und so dem Gegner die -Annäherung an die Insel preiszugeben. Erst als dieser am 6. morgens gegen -6 Uhr in Sicht kam, befahl er, die Schlachtlinie beim Winde über -Backbordbug zu bilden; ein Schiff nach dem anderen lichtete Anker und -nahm seinen Platz in der Linie ein. =Barrington= konnte in dem Knäuel der -zu Anker liegenden Schiffe deren Zahl nicht feststellen, wollte die -scheinbare Unordnung zum Angriff ausnutzen, befahl deshalb »allgemeine -Jagd« und richtete diesen Vorstoß besonders auf die noch still liegenden -Schiffe. Seine eigene Flotte befand sich nicht in Gefechtslinie. Drei -Schiffe unter Kontreadmiral =Rowley= waren zur Bedeckung des Konvois -abgezweigt (s. Plan A. a.), da es an Fregatten mangelte; drei Schiffe -standen ziemlich weit in Lee der anderen (b.); auf den Befehl zur Jagd -eilten das Flaggschiff des Vizeadmirals =Barrington=, des Zweiten im -Kommando, nebst zwei anderen der Flotte voraus (c.). Aus diesen Umständen -erwuchsen große Nachteile. Die Voraussegelnden erhielten bei ihrer -Annäherung enfilierendes Feuer von sämtlichen Franzosen, die sich in -Linie setzten, konnten es kaum erwidern und wurden schwer beschädigt. Von -der weiter segelnden französischen Linie, die mit der englischen Flotte -beim Passieren sonst nur auf weite Entfernung Kugeln wechseln konnte, -wurden die drei in Lee stehenden englischen Schiffe sehr mitgenommen -(Plan A. zeigt die Lage gegen 8 Uhr vorm.). Infolge des nur leichten -Windes erreichten =Barringtons= Schiffe die Bucht erst, als auch das -letzte feindliche bereits unter Segel war; sie halsten nun und steuerten -gleichfalls über Backbordbug zu Luward der französischen Linie entlang. - -[Illustration: Grenada, 6. Juli 1779.] - -=Byron= sah jetzt, daß am Lande schon französische Flaggen wehten, er -also zum Entsatz zu spät komme und vor allem an den Schutz des Konvois -denken müsse. Er ließ seine übrigen Schiffe auf die Barringtons (B. c') -die Gefechtslinie regelrecht einrichten, um sich zwischen den Gegner und -den Konvoi zu legen, und gab Befehl zum Nahgefecht. Die Linie wurde -dadurch schneller gebildet, daß =Rowley= mit seinen drei Schiffen (oder -nur mit zwei derselben?) nicht den voraussegelnden Kameraden folgte, -sondern geradeswegs auf die französische Spitze zu hielt (a.-a'.) und -diese angriff, wobei aber zwei Schiffe arg zusammengeschossen, das eine -bei dem Versuch, sich vor die feindliche Spitze zu legen, fast zum Wrack -wurde. Die in Lee stehenden englischen Schiffe hatten so gelitten, daß -sie das Manöver nicht mitmachen konnten und beinahe bewegungsunfähig nach -Süden trieben (b'.). (Plan B. zeigt die Lage gegen 1 Uhr nachm.) -=D'Estaing= gab nun den Befehl, abzuhalten, um weiter in Lee die Linie -besser zu ordnen, da einige Schiffe außerhalb dieser standen. Er -erwartete dann einen neuen Angriff (C.-C.). =Byron= wagte einen solchen -jedoch nicht, denn sieben oder acht seiner Schiffe hatten schwer gelitten -(a'. b'. c'.), während die Franzosen in der Takelage kaum beschädigt -waren, auch wollte er sich in der Nähe des Konvois halten, der sonst -durch die feindlichen Fregatten gefährdet war; er blieb dicht am Winde -liegen. So endete der Kampf um 1 Uhr nachm. und wurde auch nicht wieder -aufgenommen. - -=Der Verlust= der Franzosen bezifferte sich auf 166 Tote und 763 -Verwundete, der der Engländer auf 183 Tote und 346 Verwundete; von diesen -fielen zwei Drittel auf die 6 besonders betroffenen Schiffe (b. u. c.). - -=D'Estaing= legte gegen 3 Uhr nachm. seine Flotte durch gleichzeitiges -Wenden aller Schiffe über Steuerbordbug (Kurs nach Süden), um in der Nähe -der Insel zu bleiben; =Byron= folgte dem Beispiel, um die im Süden -treibenden Schiffe (b'.) zu decken. Aber die Franzosen ließen diese -unbehelligt entkommen. Das eine rettete sich nach Jamaika, die beiden -anderen steuerten, nochmals von der feindlichen Linie beschossen, nach -Norden, wohin auch das beschädigte Spitzenschiff (a'.) entwich. Während -der Nacht und am anderen Morgen ankerte =d'Estaing= wieder vor -Georgetown, und =Byron= nahm Kurs nach St. Christoffer, wohin er den -Konvoi schon früher beordert hatte. Nur ein oder zwei Transporter fielen -am 7 Juli in die Hände der Franzosen. - - $Beurteilung der Schlacht bei Grenada.$ Es war ein =Fehler=, daß von - der =englischen Flotte= drei Schiffe (b.) ausfielen. Bei der - Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Zusammenstoßes mit dem Feinde - mußte die Flotte geschlossen bleiben, und dies bot keine Schwierigkeit, - da sie mit Rücksicht auf den langsamern Konvoi nur mit beschränkter - Geschwindigkeit segeln konnte. Ferner brauchte =Byron= nicht - anzugreifen, ehe die Ordnung hergestellt war. Er hatte frühmorgens die - Luvstellung, konnte fest mit Auffrischen des Windes rechnen und der - Feind mußte sich ihm stellen. Wollte =d'Estaing= einen Kampf unbedingt - vermeiden, so hätte er seine Eroberung und voraussichtlich auch - langsamere Schiffe im Stich lassen müssen. Endlich hat auch wohl - =Barrington= den Befehl zur Jagd zu wörtlich aufgefaßt. - - Auch =d'Estaing= werden =Fehler= nachgewiesen, die ihn um einen großen - Erfolg gebracht haben. Schon gegen Ende des ersten Abschnitts der - Schlacht, als er seine Linie gebildet hatte, konnte er durch Wenden im - Kontremarsch und Durchbrechen der lockeren feindlichen Linie einen - entscheidenden Sieg herbeiführen. In seinem Bericht führt er aus, er - habe dies unterlassen, weil andernfalls mehrere seiner Schiffe in Lee - hätten abgeschnitten werden können. Hierauf wurde erwidert, seine Linie - hätte besser sein können, wenn er schon am 5. in See gegangen wäre. Um - Mittag des 6. lag er dann mit 24 kampfbereiten Schiffen 17 oder 18 - Engländern gegenüber, von denen einige so beschädigt waren (c'.), daß - die übrigen in Manöver und Fahrt auf sie Rücksicht nehmen mußten; - außerdem hatte =Byron= drei gefechtsunfähige Schiffe im Süden (b'.) und - ein oder zwei (a'.)' im Norden zu schützen. Dies auszunutzen, standen - dem französischen Admiral drei Wege offen. Er konnte vorwärts segeln, - im Kontremarsch wenden, sich zwischen den Gegner und den Konvoi setzen - und seine Fregatten auf letzteren werfen; dies fürchtete =Byron=, wie - er berichtet hat. Er konnte ferner mit allen Schiffen zugleich wenden, - angreifen und so einen Entscheidungskampf herbeiführen. Von beiden - Maßregeln hat ihn wiederum die Rücksicht auf die in Lee stehenden - Schiffe abgehalten. Endlich konnte er, als seine neue Linie (C.-C.) - gebildet war, sofort nach Süden steuern, um die Engländer dort (b'.) - abzuschneiden. Dieses Manöver bot den größten Vorteil. Es hätte den - englischen General bewogen, wie er selbst zugibt, unter gewagten - Umständen, nämlich ohne Rücksicht auf das Mitkommen der beschädigten - Schiffe (c'.), anzugreifen, und die überlegene französische Flotte - hätte leicht zu gleicher Zeit das bewegungslose Schiff im Norden (a'.), - sowie den Konvoi durch die Fregatten angreifen können. - - =Suffren=, der keineswegs ein persönlicher Gegner =d'Estaings= war, hat - erklärt: »Wäre des Admirals Seemannschaft seinem Mute gleich gewesen, - so würden wir nicht vier entmastete Schiffe haben entkommen lassen.« - Das Verhalten d'Estaings ist aber auch wohl durch die damals in der - französischen Marine herrschende Ansicht über die Kriegführung zur See - beeinflußt; ein Punkt, auf den wir sogleich und später noch öfter - zurückkommen werden. - -=Die Schlacht bei Grenada war ein Sieg der Franzosen=, denn die englische -Flotte wurde durch die Beschädigung einiger Schiffe für längere Zeit -lahmgelegt und die Eroberung Grenadas gesichert, =aber ihr Erfolg wäre -weit größer gewesen=, wenn =d'Estaing= seine Überlegenheit und die Fehler -des Gegners besser ausgenutzt hätte. In dieser Hinsicht ist sie =von -Bedeutung für die Seekriegsgeschichte=. Sie zeigt deutlich die schon -mehrfach erwähnte Neigung der Franzosen in jener Zeit für eine -Defensivtaktik, selbst unter so günstigen Verhältnissen wie hier weichen -sie nicht davon ab. Und gerade die Schlacht bei Grenada erweist den engen -Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und der Auffassung über die -strategischen Aufgaben der Seestreitkräfte, wie sie damals bei der -Regierung und bei den Seeoffizieren in Frankreich vorherrschte. Man -begnügte sich mit Aufgaben und Erfolgen in beschränktem Maße, ließ aber -das wichtigste und richtigste Ziel, die Vernichtung der feindlichen -Marine, außer Augen. Bei Grenada sah =d'Estaing= seine Pflicht nur darin, -die Eroberung der Insel sicherzustellen, schonte seine Flotte und -unternahm nichts weiter, obgleich sich Gelegenheit bot, durch schwere -Schädigung der englischen Flotte die Seeherrschaft in den westindischen -Gewässern zu erringen. Ein ähnlich hervorragendes Beispiel gab uns die -Schlacht bei Minorka (1756). - - $Ramatuelle$, =ein Seetaktiker= (vgl. Quellenverzeichnis), der in - diesem Kriege diente, zur Zeit Napoleons schrieb und wohl die - herrschende Auffassung wiedergibt, sagt: »Die französische Marine hat - stets den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen, - aber in Wahrheit bedeutungsloseren vorgezogen, einige Schiffe zu - nehmen, und damit hat sie sich mehr dem wahren Ziele genähert, das man - sich in einem Kriege setzen soll. Was würde der Verlust einiger Schiffe - den Engländern bedeutet haben? Der wesentliche Punkt war, sie in ihrem - Besitze, der Quelle ihres Reichtums und ihrer Seemacht, anzugreifen!« - =Ramatuelle= führt als einen Beweis für seinen Ausspruch gerade die - Schlacht von Grenada an. Nun können gewiß Fälle eintreten, wo man - einen augenblicklichen sicheren militärischen Erfolg zugunsten eines - größeren aufgibt, aber wieder gerade bei Grenada trifft dies nicht zu. - An der Erhaltung der kleinen Insel lag wenig, sie wäre mit Erringung - der Seeherrschaft auch gesichert gewesen; diese hätte ferner die - Eroberung weiterer Inseln, sowie die Lahmlegung des englischen Handels - ermöglicht. Schon früher (S. 204) ist eine Äußerung Mahans über diesen - Ausspruch Ramatuelles angeführt. - - Im übrigen hatte =d'Estaing= im Gegensatz zu La Gallissonnière bei - Minorka gar nicht den Befehl, englische Inseln zu erobern, sondern er - sollte ihnen nur den Wert als Stützpunkte der Gegner nehmen; aber ihm - lag wohl viel an dem Besitze von Grenada, da diese Eroberung sein - einziger Erfolg bisher war und auch bleiben sollte. - -$D'Estaing verläßt Westindien.$ =Byron= ging nach St. Christoffer zum -Ausbessern. Dies machte große Schwierigkeiten, da die Admiralität wie -überall auf den auswärtigen Stationen nicht vorgesorgt hatte. Trotz der -Geschicklichkeit, mit der die englischen Seeoffiziere jener Zeit auch -unter den ungünstigsten Umständen ihre Schiffe wieder seefähig zu machen -verstanden, war die Flotte zu längerer Untätigkeit verdammt. =D'Estaing= -zog hieraus nur geringen Nutzen. Anstatt dem Feinde zu folgen, um ihm -noch mehr Abbruch zu tun und sich dann gegen andere Inseln zu wenden, -begnügte er sich damit, die Grenadinen zu besetzen. Am 15. Juli ging er -dann in See, lief am 19. Guadeloupe an und beorderte einen hier für die -Reise nach Europa gesammelten Konvoi, ihm zu folgen. Er erschien auch vor -St. Christoffer, wagte aber keinen Angriff, da er die Engländer in -Verteidigungsstellung fand, gestützt auf Batterien am Lande, und machte -selbst keinen Versuch, sich zweier Schiffe zu bemächtigen, die bei der -holländischen Insel Saba lagen; in seinem Berichte sagte er: »Weil er im -Gegensatze zu den Engländern eine neutrale Flagge achte.« Er paradierte -nur am 23. und 24. Juli in Gefechtslinie vor St. Christoffer und führte -dann den Konvoi nach Haiti; am 31. traf er in Cap Français ein. Hier fand -er den ausdrücklichen Befehl vor, mit den 1778 von Toulon ausgelaufenen -Schiffen nach Brest zurückzukehren, die nachgekommenen Verstärkungen aber -in Westindien zu belassen. Nun war ihm schon im Frühjahr eine Bitte des -amerikanischen Generals Lincoln, unterstützt durch den französischen -Konsul in Charleston, zugegangen, er möge nach Georgia kommen, um bei der -Vertreibung der Engländer aus den Südstaaten mitzuwirken; er hatte damals -geantwortet, daß er Westindien noch nicht verlassen könne. Jetzt wurde -die Bitte in dringendster Form erneuert, auch hörte er, das amerikanische -Volk murre über die Franzosen: diese hätten wohl die Hilfe Bostons zur -Ausbesserung der Schiffe gern angenommen, nachher aber die amerikanische -Sache im Stich gelassen. Er glaubte der allgemeinen Sache zu nützen, wenn -er jetzt der Bitte Folge leiste, ja sogar, falls das Unternehmen in -Georgia nicht lange dauere oder es sonst günstiger erschiene, mit -=Washington= im Norden zu operieren versuche. Trotz seines Befehles ging -er also mit 22 Linienschiffen am 25. August nach Savannah in See. - -Hiermit fanden die größeren Ereignisse in Westindien für 1779 ihr Ende. -=Byron= segelte im August nach England; =Barrington=, bei Grenada -verwundet, war schon früher heimgekehrt. =Kontreadmiral Hyde Parker= -übernahm das Kommando der Antillenstation bis zum März 1780; dann traf -Admiral =Rodney= mit einer Flotte ein und der Kampf auf diesem -Kriegsschauplatze begann wieder. - - $Einige kleinere Ereignisse in Westindien$ sind noch zu erwähnen. Schon - im September 1778 hatten sich die Franzosen von Cap Français aus der - nahegelegenen kleinen =Turk-Inseln= bemächtigt, die von Engländern - besiedelt waren. -- Durch die Abfahrt =d'Estaings= erlangten diese die - Überlegenheit und behielten sie auch, als im November und Dezember ein - Teil der französischen Flotte von Savannah zurückkehrte. =Hyde Parker= - verfügte in Sta. Lucia über etwa 17 Linienschiffe, während =de La - Motte-Picquet= Mitte Dezember in Martinique nur 6 oder 7 hatte, von - denen sogar einige zeitweise außer Dienst gestellt waren. Hyde Parker - überwachte Fort Royal, und es gelang ihm, am 18. Dezember vor diesem - Hafen einen Konvoi von 26 Transportern und Handelsschiffen zu - überraschen und auseinander zu sprengen, der im Oktober mit nur einer - Fregatte von Marseille gesegelt war. Er würde alle Fahrzeuge genommen - oder vernichtet haben, wenn ihm nicht =La Motte= mit drei in aller Eile - seeklar gemachten Linienschiffen kühn entgegengetreten wäre. Durch - einen vierstündigen =Kampf in der Bucht von Fort Royal=, in den auch - die Befestigungen eingriffen, ermöglichte dieser 12 Fahrzeugen das - Einlaufen, 10 wurden vom Feinde genommen, vier gerieten auf den Strand - und wurden verbrannt, doch hatte man die Ladungen retten können. -- Am - 21. Dezember nahm Admiral =Rowley= mit einer Division Linienschiffe bei - =Guadeloupe= drei französische Fregatten, die mit Truppen von Savannah - zurückkamen. - - $Spanien$ hatte durch Entsendung von zwei Geschwadern zu 6 und 10 - Linienschiffen nebst Transportern mit Truppen und Kriegsmaterial im - Februar und März 1779 die Stationen in Westindien schon vor der - Kriegserklärung verstärkt. Wenige Tage nach dieser begann von - Portoriko, Kuba und dem Festlande aus der Kleine Krieg; die Befehle - hierzu müssen also schon längere Zeit vorher ergangen sein. Ihm trat - =Admiral Sir Peter Parker= von Jamaika aus entgegen, obgleich er nur - ein Linienschiff, ein 50-Kanonenschiff und 8 Fregatten oder Sloops zur - Verfügung hatte. Er ließ sogar im Oktober den stark befestigten Ort - =Omoa= an der Hondurasküste, einen Stützpunkt der Spanier für den - Kleinen Krieg, nehmen; zwei Silbergaleonen und verschiedene Kauffahrer - mit einem Gesamtwert von drei Millionen Dollars wurden dabei erbeutet. - Die Spanier bemächtigten sich dagegen der englischen - Handelsniederlassungen am Mississippi. - - (Näheres über diese kleineren Ereignisse vgl. Campbell Band V, Seite - 453, 503, 514; Chevalier II, Seite 155; Lacour II, Seite 326.) - -$D'Estaing vor Savannah.$ Der Kampf in den Südstaaten Nordamerikas war im -Mai 1779 zum Stillstande gekommen; die Engländer unter =Prevost= hatten -sich auf Savannah und Umgegend zurückgezogen, die Amerikaner unter -=Lincoln= lagen in Charleston. Am 31. August 1779 erschien nun -=d'Estaing= mit 21 Linienschiffen, 8 Fregatten und 3 Korvetten vor -Savannah; später stießen 6 kleine amerikanische Kriegsfahrzeuge (zu 14-20 -Kanonen) und 7 Galeren zu ihm. Er trat mit =Lincoln= in Verbindung, -wollte aber nur wenige Tage an der Küste bleiben und versprach zunächst -noch keine Mitwirkung. Als jedoch ein Sturm am 2. September mehrere -seiner Schiffe beschädigte, glaubte er, daß ihre Ausbesserung zu lange -dauern würde, um dann noch nach den Nordstaaten segeln zu können, und -erklärte sich nun zu einem gemeinsamen Angriff auf Savannah bereit. - -Doch =Lincoln= hatte nicht mehr auf die Flotte gerechnet und traf erst -Mitte September ein. Durch diese Verzögerung gewann =Prevost= Zeit, seine -Kräfte sämtlich in Savannah zusammenzuziehen, die Stadt besser zu -befestigen sowie Schiffe in der Einfahrt zu versenken. =D'Estaing= -landete am 13. September Truppen nebst Belagerungsmaterial, sandte -kleinere Fahrzeuge den Fluß hinauf und forderte am 16. die Stadt zur -Übergabe auf. =Prevost= jedoch lehnte ab; er war überzeugt, daß sich die -feindliche Flotte in dieser Jahreszeit nicht mehr lange an der Küste -halten könne. Schon die Landung machte wegen Mangels an geeigneten -Fahrzeugen und der Unwissenheit der amerikanischen Lotsen große -Schwierigkeiten. So bewilligte man den Engländern zunächst einen -Waffenstillstand, und erst am 23. begannen die Belagerungsarbeiten unter -=d'Estaings= Leitung. Da aber die Witterung immer ungünstiger wurde, so -schritt man schon am 9. Oktober, zu frühzeitig, zum Sturme. Auch hier -führte der Admiral in eigener Person, wurde verwundet und mit einem -Verluste von 1200 Mann, von denen 63 Offiziere sowie 580 Mann auf die -Franzosen fielen, abgeschlagen. Am 18. hob =d'Estaing= die Belagerung -auf, deckte noch den Rückzug der Amerikaner, und traf dann die -Vorbereitungen zum Inseegehen; hierzu wurde die Flotte schon am 28. -Oktober durch einen Sturm gezwungen. - - $Die Rückfahrt der französischen Flotte$ gestaltete sich sehr - ungünstig. =D'Estaing= segelte mit den 12 Linienschiffen, die er 1778 - aus Toulon geführt hatte, nach Brest. Der Sturm sprengte sie aber - derart auseinander, daß der Admiral nur mit 2 Schiffen am 7. Dezember - dort ankam; zwei trafen am 9. ein, vier gingen über Cadiz nach Toulon, - zwei erreichten Rochefort und eins Lorient, ein Schiff endlich lief - beschädigt in Havanna ein. =De Grasse= war mit 7 Schiffen nach Haiti - bestimmt, sollte aber vorher die Chesapeakebucht behufs - Verproviantierung anlaufen. Diese Schiffe gingen aber fast alle - geradeswegs nach Westindien; vier erreichten vereinzelt Anfang Dezember - Martinique, zwei trafen über Cap Français später dort ein. Nur eins war - zur Chesapeakebucht gesegelt und kam dann im Januar in Fort Royal an; - es wurde von der Höhe Haitis an durch Engländer gejagt. =La - Motte-Picquet= war mit 3 Schiffen nach Martinique bestimmt gewesen; - diese ankerten dort einzeln zwischen dem 20. und 27. November. Die nach - Westindien bestimmten Geschwader hatten die von den Inseln - mitgenommenen Truppen (2-3000 Mann) an Bord; 4 Fregatten mit Soldaten - fielen, wie wir schon hörten, am 21. Dezember dem englischen Admiral - =Rowley= in die Hände. - -So endete auch das letzte Unternehmen =d'Estaings= kläglich; der einzige -unmittelbare Erfolg war die Wegnahme einiger Kriegs- und Handelsfahrzeuge -vor Savannah. Aber es brachte doch =einen strategischen Vorteil=: das -Aufgeben der wichtigen Narragansettbucht seitens der Engländer. Auf die -Nachricht hin, daß die französische Flotte von Westindien zur -amerikanischen Küste unterwegs sei, räumte =Clinton= fluchtartig unter -Zurücklassen von Geschützen und Material Rhode-Island; durch die -Expedition nach Georgien geschwächt, fürchtete er, die Stellung nicht -halten zu können. Schon 1780 landeten die Franzosen in diesem »besten -Hafen und Flottenstützpunkt an der nordamerikanischen Küste« (Ausspruch -des Admirals =Rodney=) ein Hilfskorps. - -$Rückblick auf den Krieg in Westindien 1778/79.$ Beide Gegner waren auf -diesem Schauplatz bei Ausbruch des Krieges kaum vorbereitet, aber beide -hatten dort tüchtige Männer an der Spitze. Der französische Gouverneur -der Kleinen Antillen, =Bouillé=, erhielt Befehl, sich der Insel Dominica -bei günstiger Gelegenheit zu bemächtigen, und tat dies sofort im August -1778. Der englische Admiral =Barrington= machte den Verlust durch die -Eroberung Sta. Lucias wett. Beide Inseln waren zwar gut befestigt, aber -nur schwach besetzt gewesen. Bei Sta. Lucia fällt dies auf, denn die -Franzosen hätten leicht die Garnison verstärken können, wenn sie von der -Einnahme Dominicas absahen. So gab es nur einen Austausch, bei dem aber -wohl die Engländer gewannen. - - Eine gute französische Quelle (Chevalier) sagt: »Die französische - Regierung habe besonderen Wert auf die Erwerbung Dominicas gelegt, weil - diese Insel zwischen Martinique und Guadeloupe lag, so den - französischen Besitz abrundete und auch leichter zu verteidigen war. - Die Regierung sei ferner überzeugt gewesen, daß England beim - Friedensschluß alles daran setzen würde, Sta. Lucia zu erhalten, und - daß dann leicht eine Einigung erzielt werden könne, wenn man jetzt die - eine Insel nähme, die andere dem Gegner überließe; jede Partei würde - beim Friedensschlusse eben behalten, was sie schon besäße.« Von großem - Selbstbewußtsein zeugt diese Auffassung nicht, aber wir wissen, daß - Frankreich im Anfange des Krieges noch nicht die Absicht hatte, in - Westindien Eroberungen zu machen. - -Durch die Ankunft =d'Estaings= wurden die Franzosen dann weit überlegen, -und dieser Admiral hätte Sta. Lucia wieder gewinnen können. Der Versuch -mißlang infolge seiner falschen und wechselnden Maßnahmen, die wiederum -durch seine Neigung bedingt waren, den Wert der Seegeltung zu -unterschätzen und das Hauptgewicht auf die Verwendung der -Landstreitkräfte zu legen. Er hätte durch Vernichtung des schwachen -englischen Geschwaders die Seeherrschaft erringen müssen, dann wäre auch -die Insel gefallen. So machte er nur einen schwächlichen Versuch hierzu, -und gab auch diesen auf, als er von der bevorstehenden Ankunft =Byrons= -hörte. Es ist kennzeichnend für =d'Estaing=, daß er als Oberbefehlshaber -einer großen Flotte die Operationen am Lande selber leitete und den -Angriff hier wie bei späteren Gelegenheiten sogar in Person führte; er -war eben in erster Linie Landsoldat, allerdings ein tüchtiger und -wagemutiger. - - Wir wissen, daß die Seeoffiziere bei der Bedrohung von New York und - Newport 1778 nicht auf ein kräftigeres Einsetzen der Flotte drangen. - Hier in Westindien war es anders. =Kapitän Suffren= stellte dem Admiral - in einer mit großem militärischen Takte verfaßten Denkschrift - (eingehend in Chevalier II, Seite 130, und Lacour II, Seite 187) vor, - wie unrichtig und gefährlich die Landung sei. Mit der Vernichtung der - englischen Schiffe erreiche man den Fall der Insel sicherer, so aber - setze man die Flotte durch Entfernung des Chefs und Schwächung der - Besatzungen einer großen Gefahr aus, falls die englischen - Seestreitkräfte Verstärkung erhielten. -- Diesen Rat, sowie den anderer - erfahrener Seeoffiziere ließ =d'Estaing= außer acht, aber doch gab er - wohl den Angriff am Lande nur aus Besorgnis um die Flotte so schnell - wieder auf. - -Mit dem Erscheinen =Byrons= (Januar 1779) wurden die Seestreitkräfte der -Gegner nahezu gleich, und die Engländer konnten ihren Besitz von Sta. -Lucia als gesichert ansehen. Bald aber wurde der englische Admiral durch -die Deckung des nach Europa bestimmten Konvois in Anspruch genommen, eine -Verpflichtung, die häufig an die Flottenchefs jener Zeit, besonders die -englischen, herantrat und sie von ihren rein militärischen Aufgaben -abzog; Byron mußte seine ganze Flotte dazu verwenden, denn bei der Stärke -der feindlichen Seemacht würde die Abzweigung eines Teiles diesen oder -den Rest gefährdet haben. Die günstige Gelegenheit benutzte =d'Estaing= -zur Wegnahme St. Vincents und Grenadas, und =Byrons= Rückkehr zum Entsatz -führte zur Schlacht bei Grenada, die für die Seeherrschaft hätte -entscheidend werden können. Der englische Admiral verlor aber seine -Aussichten auf Erfolg durch unvorsichtigen Angriff und der französische -nutzte weder in der Schlacht die Fehler, noch nach derselben die -erreichte Schwächung des Gegners aus. =D'Estaing= verließ dann -Westindien. Hierbei folgte er allerdings teilweise einem Befehle, er -verstieß jedoch gegen diesen dadurch, daß er mit der ganzen Flotte -absegelte und so dem Feinde die See völlig freigab. Man sollte fast -glauben, daß er sich zu dem Plane eines Zusammenwirkens mit Lincoln oder -Washington in Nordamerika durch seine Vorliebe für Landunternehmungen -bestimmen ließ, um so mehr, als er dort mit englischen Seestreitkräften -kaum zu rechnen hatte. Vor Savannah erwies er sich zwar als mutiger -Landsoldat, ließ aber bald die Sache aus Besorgnis um die Flotte fallen. - -=Frankreich= hat für den Krieg in Westindien eine starke Macht -aufgeboten, was um so bemerkenswerter ist, als es für das Jahr 1779 auch -in den europäischen Gewässern ein großes Unternehmen, einen Einfall in -England, plante. Aber der ganze =Erfolg in Westindien= bestand in der -Eroberung einiger Inseln, die mit Ausnahme Dominicas von geringer -Bedeutung waren; dafür hatte man das strategisch wichtige Sta. Lucia -geopfert. - - Der Vorwurf für den Mißerfolg der beiden Jahre in Nordamerika und - Westindien trifft =d'Estaing=, der auch selber in Briefen und Berichten - seinem Grame darüber Ausdruck gibt. Ältere französische Quellen - behaupten, er sei von seinen Untergebenen nicht genügend unterstützt - worden, neuere widersprechen dem und äußern sogar, dieser Grund sei in - Frankreich bei Mißerfolgen stets angeführt; bekannt ist, wie man dort - in ähnlichen Lagen häufig sogar die Anschuldigung des »Verrates« - findet. Hiergegen spricht auch, daß der Admiral stets günstig über - Offiziere sowie Mannschaften berichtet und von den ersteren mehrere zur - Auszeichnung oder Beförderung eingegeben hat. Richtiger ist wohl ein - Ausspruch anderer Autoren: »Man hätte dem tüchtigen Soldaten eine große - Laufbahn im Heere sichern, ihn aber nicht gleich mit einem hohen Range - in der Marine anstellen sollen; für wichtige Aufgaben geeignete - Seeoffiziere waren genügend vorhanden.« Es wird versucht, den Fehler - der Regierung dadurch zu entschuldigen, daß sie der öffentlichen - Meinung zuliebe gehandelt habe; nach den Mißerfolgen des letzten - Krieges seien Stimmen laut geworden, die eine Auffrischung des - Seeoffizierkorps durch bewährte Landoffiziere befürworteten. - -=Ein wichtiger Erfolg=, den =d'Estaing= durch seinen Zug nach Savannah -und die Bedrohung der Engländer an der amerikanischen Küste errang, war -die Räumung der Narragansettbucht durch diese; nach =Rodney= »der größte -Fehler, den England begehen konnte«. Kapitän =Mahan= sagt (Clowes Band -III, Seite 442) in Erweiterung seines Ausspruches (vgl. Seite 269) über -den strategischen Fehler, den England durch die Eröffnung des Krieges in -den Südstaaten gemacht habe, »der Fall von Savannah würde ein Glück für -England gewesen sein, da man dann die Unternehmungen dort wohl aufgegeben -hätte.« So aber bestärkte die leichte Abwehr der Gefahr den General -Clinton in seinen Plänen; sobald die Abfahrt der französischen Flotte -sicher war, ging er im Dezember 1779 persönlich mit Admiral =Arbuthnot= -zur Eroberung Charlestons von New York in See. - -$Westafrika.$ Im Zusammenhang mit Westindien muß ein französischer -Vorstoß erwähnt werden, den der =Marquis de Vaudreuil= 1779 auf seiner -Fahrt zu =d'Estaing= hier ausführte. Er verließ am 25. Dezember 1778 mit -2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 3 Korvetten Frankreich; auf einigen -Transportern waren Truppen unter dem =Herzog von Lauzun=, einem beliebten -Hofmann, aber tüchtigen Soldaten, eingeschifft. Am 30. Januar 1779 wurde -die englische Besitzung St. Louis am Senegal zur Übergabe gezwungen. Die -Fregatten bemächtigten sich dann der Kontore am Gambia, an der -Sierra-Leone -- sowie an der Guineaküste bis zum Voltaflusse. =Vaudreuil= -segelte mit dem Geschwader am 5. März nach Westindien weiter, =Lauzun= -sicherte die Eroberungen und kehrte dann nach Frankreich zurück. - - - Der Krieg in den europäischen Gewässern 1779/80. - -$Im Jahre 1779$ wurde die Lage Englands sehr ernst, denn am 12. April -schlossen Frankreich und Spanien ein Bündnis ab. In diesem wurde eine -gemeinsame Kriegführung für das laufende Jahr vereinbart, die eine -unmittelbare Bedrohung Englands vorsah. Es ist bereits erwähnt (Seite -214), daß schon unter =Choiseul= eingehende Pläne für einen Einfall in -England ausgearbeitet waren, und mit Ausbruch des neuen Krieges traten -wiederum tüchtige Offiziere mit solchen hervor. - - Ein Irländer, =Graf de Wall=, wollte in Irland landen und hier eine - Revolution erregen. Oberst =Dumouriez=, Kommandant von Brest (der - spätere Sieger von Jemappes), schlug vor, 12000 Mann auf einer Flotte - von Kriegsschiffen, aber ohne Transporter von Cherbourg nach Wight - hinüberzuwerfen. Ein ehemaliger englischer Seeoffizier und Anhänger der - Stuarts, =Hamilton=, legte mehrere Pläne vor, die verschiedene Punkte - der englischen Küste im Auge hatten. Der schon erwähnte Entwurf des - Grafen =Broglie= und andere mehr wurden wieder erwogen. Hier soll nicht - näher auf sie eingegangen werden. Genaueres findet man in Lacour II, - Seite 233 ff., wo auch der jetzige Plan erörtert ist. - -Die französische Regierung, die schon seit 1776 mit Spanien über ein -gemeinsames Vorgehen gegen England verhandelte, prüfte all diese -Vorschläge. Bemerkenswert ist, daß =Broglie= sowie anfangs auch -=Vergennes= nicht für ein gemeinsames Wirken, sondern für gleichzeitiges, -aber getrenntes Vorgehen eintraten; sie wollten damit die umständlichen -Vorverhandlungen sowie die Schwierigkeiten vermeiden, die sich der -Kommandoführung verbündeter Streitkräfte erfahrungsmäßig entgegenstellen. -Sie drangen nicht durch, aber ihre Bedenken erwiesen sich später als -richtig. Zunächst nahmen die Verhandlungen so viel Zeit in Anspruch, daß -der Vertrag erst am 12. April zum Abschluß kam; Spanien, dem mehr an der -Eroberung Gibraltars und Minorkas gelegen war, wollte anfangs überhaupt -nur Geldmittel beitragen, stellte dann aber doch wenigstens die Hälfte -der gemeinsamen Flotte; auch stimmte man in Madrid für den Angriff auf -Irland. Schließlich einigte man sich dahin, daß eine den englischen -Streitkräften in den europäischen Gewässern überlegene Flotte -gemeinschaftlich versammelt werden sollte und daß Frankreich ein Heer -aufzustellen habe, um es auf Wight oder bei Portsmouth zu landen. -Frankreich trieb zur Eile, um die versäumte Zeit wieder einzubringen, und -nun wurde in beiden Ländern lebhaft gerüstet; Spanien war darin noch so -weit zurück, daß es seine Kriegserklärung bis zum 16. Juni hinausschieben -mußte, aber auch Frankreich wurde erst spät fertig. - -=Die Rüstungen= waren allerdings sehr umfangreich. Jeder Staat bestimmte -für die gemeinsame Flotte etwa 36 Linienschiffe; dabei hatte Frankreich -mit den kürzlich nachgesandten Verstärkungen über 25 solcher in -Westindien sowie einige in Toulon, und auch von Spanien war im März eine -größere Zahl (16?) nach den Antillen sowie Mittelamerika gesandt. Man -nahm an, mit über 60 Schiffen der feindlichen Flotte sehr überlegen zu -sein und schätzte diese ganz richtig auf etwa 40 Linienschiffe. Obgleich -in England für 1779 reiche Geldmittel -- 4-1/2 Millionen Lstrl., -einschließlich der Neubauten -- sowie 70000 Mann (einschließlich 17500 -Seesoldaten) für die Marine bewilligt waren, standen für die heimischen -Gewässer nur 43 Linienschiffe zur Verfügung, denn auch von hier waren im -Winter und Frühjahr Verstärkungen nach den auswärtigen Stationen -abgegangen, und andere Schiffe befanden sich als Konvoibegleiter oder als -vereinzelte Ablösungen unterwegs; insgesamt hatte England etwa 93 -Linienschiffe im Dienst (vgl. Tabelle Seite 224). - -Frankreich zog bei St. Malo und bei Havre je 20000 Mann sowie die nötigen -Transporter zusammen. Das Heer stand unter dem =General Graf de Vaux=, -der am 21. Juni =seine Instruktion= erhielt. Nach dieser sollten sich die -beiden Transportflotten bei Cherbourg vereinigen und dann bei Gosport, -Portsmouth gegenüber, die Truppen landen; wenn dies nicht ausführbar sei, -solle die Insel Wight besetzt, hier ein befestigtes Lager für 10 000 Mann -eingerichtet werden, das Gros des Heeres nach Übereinkunft mit dem Chef -der Seemacht eine Landung an geeigneter Stelle der Küste zwischen Wight -und Bristol versuchen. Den Oberbefehl über die gemeinsame Flotte erhielt -=Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers= und als Treffpunkt wurde die -Insel Sisargas, westlich von Coruña bestimmt; schon bei Abschluß des -Vertrages hatte Frankreich verlangt, die Vereinigung müsse so frühzeitig -stattfinden, daß noch mindestens 14 Tage vor Beginn der Operationen zur -Verfügung ständen, um die Ordre de Bataille aufzustellen sowie Übungen -vorzunehmen. Ende Mai hielt man es in Versailles für die höchste Zeit, -der eigenen Flotte den Befehl zum Auslaufen zu geben, damit sie nicht in -Brest vom Gegner blockiert werde; da Spanien am 16. Juni den Krieg -erklärte, durfte man annehmen, daß dieses gleichfalls bereit sei. So -begannen im Juni die Bewegungen der großen Flotten, denn auch die -englische zeigte sich in See; nach Keppels Rücktritt hatte =Admiral Sir -Charles Hardy= den Oberbefehl erhalten. - - In den ersten Monaten des Jahres fanden nur =kleine Zusammenstöße= - zwischen einzelnen Schiffen oder kleineren Gruppen statt, wenn solche - sich bei Ausübung des Handelskrieges oder bei Erkundungen begegneten. - Hervorzuheben ist ein Versuch der Franzosen, sich der =Kanalinseln= zu - bemächtigen. Am 21. April sollte eine Flottille kleinerer Kriegsschiffe - Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann von St. Malo nach Jersey führen. - Stürmischer Wind trieb sie zurück und ein Landungsversuch am 1. Mai - scheiterte gleichfalls an den Wetterverhältnissen sowie am Widerstande - der Engländer. Am 11. erschienen die Franzosen nochmals; jetzt waren - aber überlegene englische Seestreitkräfte herangekommen, die nicht nur - den Angriff zurückwiesen, sondern sogar die französischen Schiffe in - der Cancalebucht fast sämtlich vernichteten. -- Über die in diese Zeit - fallenden kühnen Unternehmen des amerikanischen Freibeuterführers =Paul - Jones= soll beim »Kleinen Kriege« berichtet werden. - - Hervorzuheben ist, daß die französische Regierung an sämtliche - Kriegsschiffe Befehl erließ, die unter Kapitän =James Cook= auf einer - Entdeckungsfahrt befindlichen Schiffe als befreundet zu behandeln, da - ihre Tätigkeit allen Völkern zum Nutzen gereiche. - -$Die französisch-spanische Flotte an der englischen Küste 1779[144].$ -=D'Orvilliers= ging am 4. Juni mit 28 Linienschiffen von Brest nach -Sisargas in See, 2 folgten etwas später. Als der Befehl zum Auslaufen -eintraf, fehlten der Flotte noch 4000 Seeleute, an deren Stelle der -Admiral die Matrosen anderer Schiffe in Brest sowie 2000 Soldaten an Bord -nahm. Am 11. Juni traf er an der verabredeten Stelle ein, aber erst gegen -Ende des Monats stießen 8 Spanier von Coruña zu ihm. Um diese Zeit trat -auf der französischen Flotte eine Epidemie auf, die schnell um sich -griff. Mitte Juli zählte man 500 Kranke am Lande in Coruña und 2000 -Dienstunbrauchbare an Bord. Am 23. Juli endlich traf der spanische -Oberbefehlshaber =Generalleutnant Don Luis de Cordoba= mit 28 -Linienschiffen ein, aber es stellte sich heraus, daß man diesem erst ganz -kürzlich von Paris ein französisches Signalbuch nach Cadiz gesandt habe; -zur Übersetzung war jetzt keine Zeit mehr, und man mußte notdürftig ein -gemeinsames Signalsystem zusammenstellen. Hiermit sowie mit Anordnung der -Ordre de Bataille gingen mehrere Tage hin. Erst am 30. Juli konnte die -Flotte den Marsch nach dem Norden antreten; sieben günstige Sommerwochen -waren seit der Ankunft der französischen Schiffe verloren und die Hälfte -ihrer Wasser- und Proviantvorräte war verbraucht. =D'Orvilliers= suchte -in Paris darum nach, ihm Ersatz hierfür sowie Reserveankergeschirr -nachzusenden, da die Flotte voraussichtlich an der englischen Küste wegen -des oft eintretenden Nebels und wegen der Strömungen häufig werde ankern -müssen. - - [144] Chevalier II und Lacour II bringen eine genaue, sehr - unparteiische Beurteilung dieser erfolglosen Operation. - - $Die Ordre de Bataille.$ =Das französische Kontingent= zählte: 2 - Schiffe zu 110 und 114 Kanonen, 4 zu 80, 14 zu 74, 10 zu 64; =das - spanische=: 1 Schiff zu 120, 6 zu 80, 23 zu 74, 2 zu 70, 4 zu 60. Diese - 66 Linienschiffe waren eingeteilt in: 1. Die Hauptflotte unter - =d'Orvilliers=; 3 Geschwader zu je 9 französischen und 6 spanischen - Schiffen. 2. Das Beobachtungsgeschwader, 16 spanische Schiffe unter - =Cordoba=. 3. Das leichte Geschwader, 3 Franzosen und 2 Spanier unter - Lieutenant-Général =de Latouche=. Etwa 14 Fregatten und Korvetten sowie - 9 Brander und Mörserboote waren auf die Geschwader verteilt; ein - Hospitalschiff und einige Flüten mit Material folgten der Flotte. Die - Segelordnung findet man in Lacour II, Seite 261; die Namen der Schiffe, - auch die der englischen, führt Campbell Band V, Seite 466 an. - -Admiral =Hardy=[145] ging am 16. Juni von Portsmouth mit dem Befehle in -See, zwischen 25 und 50 Seemeilen südwestlich der Scilly-Inseln zu -kreuzen. Er führte 35 Linienschiffe der Kanalflotte -- 9 zu 90-100 -Kanonen, 22 zu 74, 4 zu 64 --, 7 Fregatten, 6 Brander und einige kleinere -Fahrzeuge; der Rest der Kanalflotte, etwa 8 Linienschiffe, befand sich in -den Haupthäfen oder kreuzte an der französischen Kanalküste. - - [145] =Sir Charles Hardy=, geboren um 1716, in die Marine eingetreten - 1731, wurde 1737 Leutnant, 1741 Kapitän, 1755 Gouverneur von New - York, 1756 Kontre-, 1762 Vizeadmiral, 1770 Admiral. Er nahm teil - an den drei Kriegen seiner Zeit. Im Siebenjährigen diente er mit - Auszeichnung 1757/58 an der nordamerikanischen Küste (unter - Boscawen vor Louisbourg), 1761/62 an der französischen (unter - Hawke bei Quiberon); er starb 1780. - -Es ist unverständlich, weshalb England nicht rechtzeitig die französische -Flotte in Brest blockiert und so die Vereinigung der Gegner verhindert -hat, da doch Spaniens Eintreten in den Krieg seit Monaten vorauszusehen -war. Es hätte selbst später noch die eigene Flotte hinter der -französischen her zur spanischen Küste senden können; wie die Sache lag, -würde sie dort wochenlang die Überlegenheit besessen haben. Dieser zweite -Fehler ist allerdings verzeihlich, da die Regierung unter dem Druck der -öffentlichen Meinung die englische Küste und den Kanaleingang nicht -entblößen durfte; mit der Blockade von Brest wäre aber auch der Kanal -gedeckt gewesen. England konnte von Glück sagen, daß die französische -Flotte sich nicht vor den Kanal gelegt hatte, um die spanische zu -erwarten, dort hätte sie wahrscheinlich große Handelsflotten abgefangen, -die zurückerwartet wurden; so erreichten ein Konvoi von den Antillen, -einer von Jamaika (gegen 200 Fahrzeuge) und 8 große Ostindienfahrer -unbehelligt die Häfen Englands und Schottlands. - - $Die Furcht vor einer Invasion$ war in England wieder einmal sehr groß, - doch diesmal wohl berechtigter als je zuvor. Am 9. Juli befahl die - Regierung, beim Drohen einer feindlichen Landung alle Pferde und - sämtliches Schlachtvieh ins Innere zu treiben; der Hafen von Plymouth - ward durch eine Balkensperre geschützt und Schiffe zum Versenken bereit - gehalten; große Besorgnis herrschte für die zurückerwarteten Konvois. - Viele Einwohner flüchteten von der Küste; man erzählt, daß bei einem - Gottesdienste in einem Küstenorte plötzlich eine Panik ausgebrochen sei - und alle Teilnehmer bis auf den Pfarrer sowie den Bezirksgeneral nebst - seinen Offizieren und Soldaten aus der Kirche geflohen seien. Die - Militärs hielten die Lage indessen nicht für bedrohlich, und so konnte - noch der später als Stratege berühmte Admiral =Jervis=, der beim - Erscheinen der Verbündeten ein Schiff der Kanalflotte befehligte, - seiner Schwester schreiben: »Es sei demütigend für England, daß der - Feind den Kanal beherrsche, aber über den Gedanken an eine Invasion - müsse er lachen.« - -Die Flotte der Verbündeten fand auf ihrer Fahrt das schönste Wetter und -hätte südwestlich von Ouessant, wo sie mehrere Tage durch Gegenwind -aufgehalten wurde, die erbetenen Vorräte übernehmen können; man sandte -aber nur einige Fahrzeuge mit Reserverundhölzern und vertröstete sie -sonst auf spätere Zeit im Kanal. Am 11. August passierte sie Ouessant, am -14. Lizard und erschien am 17. vor Plymouth, wo ihr ein englisches -Linienschiff in die Hände fiel, das sie für Engländer gehalten hatte. Die -beiden großen Flotten hatten sich nicht gesichtet und wußten auch nichts -weiter voneinander. - -Jetzt stand also die überlegene französisch-spanische Macht zwischen der -englischen und deren Häfen. =D'Orvilliers= beabsichtigte dem Plane für -die Landung entsprechend, den Kanal nach der englischen Flotte bis Wight -abzusuchen, sich in Besitz der Rhede von St. Hellens an der Nordostküste -dieser Insel zu setzen und dann =Cordobas= Geschwader nach Cherbourg zu -senden, um die Überfahrt der Transportflotte zu decken. Er wollte mit der -Hauptmacht den Gegner zur See im Schach halten, ihn schlagen oder in -seine Häfen einschließen. Das französische Landungsheer stand um diese -Zeit für die Einschiffung auf 100 Transportern bereit, während man in -England zur Abwehr neben den Milizen nur über wenig reguläre Soldaten -verfügte, da man eine ansehnliche Truppenzahl zur Unterdrückung von -Unruhen in Irland halten mußte; zudem war die verbündete Flotte auch nach -Abzweigung =Cordobas= noch der englischen weit überlegen. Diese -Gelegenheit, so günstig wie nie zuvor, um endlich einmal die Invasion -wirklich durchzuführen, blieb jedoch unbenutzt. Vor Plymouth erhielt -nämlich =d'Orvilliers= die Weisung, nicht Wight, sondern die Umgegend von -Falmouth als Landungsstelle zu benutzen. Mit Recht wandte der Admiral -dagegen ein, daß die große Flotte dort keinen sichern Ankerplatz habe, um -sich stets zur Deckung der Landung bereit zu halten, und ein solcher sei -um so nötiger, als das günstige Sommerwetter zu Ende gehe. Während er -eine Antwort auf diesen Einwurf erwartete, kam ein mehrtägiger Oststurm -auf und trieb ihn aus dem Kanal. Am 22. August benutzte er ruhiges -Wetter, die Bestände an Wasser und Proviant zwischen den Schiffen -auszugleichen und erhielt so die Flotte in ihrer Gesamtheit bis zum 20. -September verwendungsfähig. Am 25. traf die Nachricht ein, daß die -englische Flotte bei den Scillys kreuze. - -Ein Kriegsrat der Flaggoffiziere entschied einstimmig dahin, daß es bei -dem schon fast unhaltbar gewordenen Gesundheitszustande sowie dem -drohenden Proviant- und Wassermangel unmöglich sei, nochmals in den Kanal -einzulaufen. Man beschloß, den Feind zu suchen und zur Schlacht zu -zwingen; wäre dies bis zum 8. September nicht zu erreichen, so sollte das -französische Kontingent nach Brest, das spanische nach Cadiz -zurückkehren. Dementsprechend wurde gehandelt. Am 31. August (nach allen -französischen Quellen, nach Clowes am 29.) sichtete man die englische -Flotte, die auf der Rückfahrt nach dem Kanal begriffen war. -=D'Orvilliers= versuchte heranzukommen, aber =Hardy= wich der fast -doppelten Übermacht aus, wobei ihn die Windverhältnisse begünstigten. Am -1. November konnten die Engländer ihr Einlaufen in Plymouth als gesichert -ansehen und am 3. ankerten sie vor Portsmouth. Noch einmal erschien -=d'Orvilliers= die Aussicht auf einen Teilerfolg. Als er am 31. die -Fruchtlosigkeit einer weiteren Verfolgung erkannte, kamen im Westen 15 -Schiffe in Sicht; sofort jagte er sie, aber sie erwiesen sich als ein -Konvoi holländischer Handelsfahrzeuge. Er kreuzte dann noch am Eingange -des Kanals, bis er als Antwort auf seinen Bericht über den Beschluß des -Kriegsrates Befehl erhielt, mit der Gesamtflotte nach Brest zu kommen. Am -14. September traf er dort ein und gab am 21. den Oberbefehl an -Lieutenant-Général =Du Chaffault= ab. - - $Der Zustand der französischen Flotte$ war tatsächlich so traurig, daß - die meisten Schiffe wegen Mangels an dienstbrauchbaren Leuten kaum noch - manövrieren konnten. Schon Ende August und Anfang September mußten acht - von ihnen nach Brest geschickt werden. Unter ihnen befand sich das - Flaggschiff, das von 1100 Mann Besatzung 560 Dienstunfähige zählte; - einem 80-Kanonenschiff fehlten von 800 Mann 500; ein Schiff zu 74 - Kanonen hatte schon 70 Tote begraben und noch 529 Kranke. Auf vielen - der Schiffe, die bis zuletzt die See hielten, war ein Krankenbestand - von 2-300 Mann. (Nähere Angaben s. Chevalier II. Seite 171.) - -=Die Operationen der großen Flotte waren für 1779 beendet.= Die -französische Regierung hatte zwar die Absicht, die Flotte nach Auffüllung -der Besatzungen sowie der Vorräte wieder auslaufen zu lassen, und auch an -General =de Vaux= ergingen neue Erlasse für Unternehmungen, zu denen man -die Flotte zu Anfang Oktober bereit glaubte. Aber ein Kriegsrat der -französischen und spanischen Flaggoffiziere (3. Oktober) stellte fest, -daß man wegen des augenblicklich großen Mannschaftsmangels, hauptsächlich -bedingt durch die vielen Erkrankungen in der französischen Marine, sowie -wegen notwendiger Ausbesserung der spanischen Schiffe nichts unternehmen -könne. - -=Cordoba= segelte am 9. November mit dem Beobachtungsgeschwader nach -Spanien. Die übrigen spanischen Schiffe verblieben unter =de Gaston= bis -Januar 1780 in ihren Verbänden der Gesamtflotte; für diese bestand die -Ordre de Bataille weiter, damit sie im nächsten Frühjahr zeitig bereit -wäre. Sie bezog Winterquartiere und die Lager des Landheeres wurden im -November gleichfalls aufgelöst. Der ganze =Erfolg der Kampagne=, die von -den Verbündeten mit Aufbietung aller Kräfte und ungeheuren Kosten ins -Werk gesetzt war und die auch viele Menschenleben gefordert hatte, -obgleich kaum ein Schuß gefallen war, bestand in der Erbeutung eines -Linienschiffes, einiger zwanzig Kauffahrer und in etwa 1100 Gefangenen. -Zwar hatte man England in Schrecken gesetzt und dessen Flotte gezwungen, -das Feld zu räumen, aber von einer Beherrschung des Kanals, deren sich -=d'Orvilliers= in einem seiner Berichte rühmte, kann keine Rede sein. - - Dem greisen Admiral =d'Orvilliers=, der seinen einzigen Sohn, einen - Leutnant, an der Epidemie verloren hatte, wurde natürlich von der - öffentlichen Meinung die Hauptschuld an den Mißerfolgen aufgebürdet, - die doch in erster Linie durch andere Gründe bedingt waren. Schwer - gebeugt zog er sich für den Rest seines Lebens in eine religiöse - Anstalt zurück; bei seinem streng christlichen Charakter war ihm der - Ausweg versagt, den =Villeneuve= nach Trafalgar im Selbstmord fand. - -$Das Jahr 1780$ brachte in den europäischen Gewässern keine -Unternehmungen der Hauptflotten gegeneinander. Es kam jetzt zur Geltung, -daß die Verbündeten verschiedene Ziele im Auge hatten. Beide wollten zwar -England erniedrigen, aber Frankreich erstrebte dies in Westindien und -Nordamerika, während Spanien Gibraltar und Minorka besonders -berücksichtigte. So kamen sie überein, den Einfall in England vorläufig -aufzugeben, aber den Gegner in Nordamerika und Ostindien im Schach zu -halten, in Westindien angriffsweise vorzugehen, sowie Gibraltar zu -nehmen. Diesem Plane entsprechend gestalteten sie ihre $Rüstungen für -1780[146]$. - - [146] Vgl. auch die Tabellen Seite 224 mit dem Hinweis auf ihre nur - bedingte Zuverlässigkeit, besonders was die spanische Marine - anbetrifft. - -=Spanien= hatte zu Beginn des Jahres 20 Schiffe in Cadiz unter =Cordoba=, -5 bei Algeciras, 11 kreuzten beim Kap St. Vincent; da man erfahren hatte, -daß England Zufuhren nach Gibraltar senden wolle, rief man auch =de -Gaston= mit seinen 21 Schiffen von Brest zurück. Er verlor hiervon am -16./17. Januar sieben bei St. Vincent und sandte Ende April zwölf unter -Admiral =Solano= nach Westindien, wo sich schon einige Schiffe befanden; -wahrscheinlich waren auch noch verschiedene in den Mittelmeerhäfen -stationiert. Spanien wird somit im Anfang des Jahres etwas über 60 -Linienschiffe und nach dem Verluste bei St. Vincent etwas unter dieser -Zahl im Dienst gehabt haben. - -=Frankreich= schloß den aus Brest absegelnden Spaniern 4 Linienschiffe -an, sandte Anfang Februar 16 unter =de Guichen= nach Westindien, wo sich -schon 10 oder 12 unter =de Grasse= und =La Motte-Picquet= befanden; im -Mai führte =de Ternay= 7 nebst einer Hilfsarmee nach Nordamerika. - -Da sich nun einige Schiffe (2?) in Toulon und schon im Januar von dieser -Station 4 bei der spanischen Flotte in Cadiz befanden, 3 in Ostindien -lagen, 2 nach dort abgingen und endlich 12 unter =Du Chaffault= das ganze -Jahr über in Brest verblieben, während im Laufe des Sommers noch 9 von -hier nach Cadiz segelten, so kann man die Gesamtindienststellung auf -mindestens 70 Linienschiffe annehmen. - - Selbstverständlich vermochte Frankreich infolge des großen Abganges an - Toten und Schwererkrankten auf =d'Orvilliers=' Flotte noch weniger als - im Vorjahre für diese Indienststellungen genügend Seeleute - aufzubringen; man mußte noch mehr als früher mit Soldaten aushelfen und - überwies zu diesem Zwecke zwei Regimenter des Heeres an die Marine. - -=England= blieb auch 1780 seinem Grundsatz treu, auf allen fernen -Kriegsschauplätzen einem Angriff gewachsen zu sein, in Europa seine -Küsten zu decken und den Kanal im Interesse des Handels zu beherrschen. -Für dieses Jahr waren 7-1/2 Millionen Lstrl. (einschließlich Neubauten, -sowie 1-1/2 Millionen Überschreitung des Vorjahres) und 85000 Mann -(einschließlich 18700 Seesoldaten) bewilligt. Im Sommer befanden sich 102 -Linienschiffe im Dienst, deren Verteilung aus der Tabelle Seite 224 zu -ersehen ist. - -$Im Mittelmeer$ waren $in den Jahren 1778-1779$ keine Kriegsereignisse -vorgefallen, solange sich nur England und Frankreich gegenüberstanden. -Letzteres war durch sein Vorgehen im Kanal, Nordamerika und Westindien so -in Anspruch genommen, daß England sich in Minorka und Gibraltar nicht -bedroht sah; beide Staaten hielten im Mittelmeere nur geringe Kräfte zum -Schutz des Handels. Als aber Spanien in den Krieg eintrat, begann es -bereits im Juli 1779 =die Belagerung Gibraltars= und ließ diesem Platze -durch einige Linienschiffe, sowie zahlreiche Fregatten von Algeciras aus -die Zufuhren abschneiden. Wie schon erwähnt, war 1780 die Eroberung -Gibraltars die Hauptaufgabe der spanischen Marine und eine große Macht -wurde dafür bestimmt: =Cordoba= hatte in Cadiz 31 spanische und 4 -französische Linienschiffe, 5 lagen in Algeciras; =Gaston= sollte mit 21 -spanischen und 4 französischen zu ihm stoßen. Aber dennoch glückte es -England, die belagerte Stadt mit Vorräten zu versehen. - -$Rodney[147] siegt bei St. Vincent und versorgt Gibraltar. Januar 1780.$ -Schon im Oktober 1779 hatte man in England beschlossen, den Admiral =Sir -George Rodney= mit einigen Linienschiffen zur Übernahme des Kommandos -nach Westindien zu senden; da die französische Flotte in Brest -Winterquartiere bezogen hatte, nahm man nun die Gelegenheit wahr, mit der -Ausreise dieses bewährten Führers die Versorgung Gibraltars und Minorkas -zu verbinden. Der Admiral verließ am 29. Dezember mit 22 Linienschiffen, -14 Fregatten und einigen kleineren Fahrzeugen Plymouth. Nur fünf der -ersteren hatte man für Westindien bestimmt, die übrigen gehörten der -Kanalflotte an und waren Rodney nur unterstellt, um einen großen Konvoi -zu decken. Dieser bestand aus Transportern mit Truppen, Kriegsmaterial -sowie Proviant für Gibraltar und Minorka, und aus Handelsschiffen, die -zur portugiesischen Küste oder nach Westindien segeln wollten; die -letzteren zweigten sich am 7. Januar 1780 unter Deckung eines -Linienschiffes nebst 4 Fregatten ab. - - [149] =Sir George Bridges Rodney=, 1782 Baron R., geboren 16. Februar - 1718, Kapitän 1742, Kontreadmiral 1759, Vizeadmiral 1762, Admiral - 1778, gestorben 24. Mai 1792, diente als Kommandant eines - Linienschiffes im österreichischen Erbfolgekriege (bei Finisterre - 1747 unter Hawke) und im Siebenjährigen Kriege (bei Louisbourg - 1759 unter Boscawen), führte 1759/60 ein Geschwader zur - Blockierung der französischen Kanalhäfen, beschoß Havre, erhielt - 1761 den Befehl auf der Antillenstation, nahm 1762 Martinique. - Leichtsinnig in seinem Lebenswandel, hielt er sich bei Ausbruch - des Krieges 1778 wegen seiner Schulden in England in Paris auf. - Der französische Marschall =de Biron= hörte, daß =Rodney= sich - rühme, er würde mit der französischen Flotte schon fertig werden, - wenn er nur nach England könne, und bezahlte in einer Anwandlung - von Ritterlichkeit sowie nationalem Kitzel dessen Schulden. Nun - nach England zurückgekehrt, erhielt Rodney das obenerwähnte - Kommando, und damit begann der glorreiche Teil der Laufbahn - dieses tüchtigen und mutigen Mannes, der damals schon 62 Jahre - zählte und schwer unter der Gicht litt. Seine Schlachten, - besonders in Westindien ausgefochten, sein Geschick als Stratege - und Taktiker und -- sein Glück, werden wir bald kennen lernen. - Biographische Angaben: =Mundy=, The life and correspondence of - the late Admiral R. (London 1830.) - -Die Flotte stieß am 8. auf ein spanisches Geschwader -- ein Linienschiff, -4 Fregatten, 2 Korvetten -- nebst 12 Transportern mit Proviant für die -Cadizflotte und nahm nach kurzer Jagd alle Fahrzeuge; das Linienschiff -wurde, mit Engländern bemannt, angewiesen, die genommenen -Proviantfahrzeuge nach Gibraltar zu geleiten. Auf der Weiterreise erhielt -=Rodney= von einem Kauffahrer die Nachricht, daß auf der Höhe von =Kap -St. Vincent= ein spanisches Geschwader kreuze, und als am 16. das Kap -passiert war, kamen um 1 Uhr nachmittags 13 Segel in Sicht; =Rodney= -steuerte sofort in gut gehaltener Formation auf sie zu. Es waren 11 -Linienschiffe und 2 Fregatten unter dem Admiral =Don Juan de Langara=, -ein Teil der Cadizflotte, die mit spanischer Sorglosigkeit schlecht -geschlossen fuhren. Ihr Führer verlor die Zeit damit, zu sammeln, die -Gefechtslinie zu bilden, sowie durch Signale die Ansicht der Kommandanten -über weiteres Verhalten einzuholen, und nahm dann erst Kurs auf Cadiz, -wofür der Wind günstig war. - -=Rodney= gab nun Befehl zur »Allgemeinen Jagd« mit der Weisung, von Lee -her anzugreifen, um sich so zwischen den Feind und die Küste zu setzen; -das zuerst herankommende Schiff sollte das letzte feindliche angreifen, -das zweite das vorletzte usw. Um 4 Uhr nachmittags schon waren die vier -vordersten Engländer im Gefecht, um 4-3/4 Uhr flog ein spanisches Schiff -von 74 Kanonen auf und um 6 Uhr strich ein zweites die Flagge. Jetzt -wurde es schnell dunkel, aber der Kampf tobte weiter und um 2 Uhr morgens -ergab sich der vorderste Spanier. Nur 4 Linienschiffe und die Fregatten -entkamen; das Flaggschiff von 80 Kanonen, sowie 5 74-Kanonenschiffe -wurden genommen. Auf einem der letzteren überwältigte später die -Besatzung, die zur Bedienung herangezogen werden mußte, die wenigen -Engländer, ein zweites strandete und fiel gleichfalls den Spaniern wieder -zu. Es wehte nämlich während der Nacht bei hoher See so stark, daß selbst -die größeren englischen Schiffe sich nur mit Mühe von den Klippen von San -Lucar freihalten konnten. - -Diese Schlacht, die den Siegern nur 39 Tote und 102 Verwundete kostete, -zeigte die Tüchtigkeit =Rodneys=, der gerade an diesem Tage schwer unter -der Gicht litt. Zwar war der Feind sehr unterlegen und wurde überrascht, -aber dennoch blieb es eine kühne Tat, bei dem drohenden Wetter auf einer -Leeküste kurz vor Einbruch der Nacht anzugreifen. Es war um so gewagter, -als man wußte, daß =Cordobas= Streitkräfte in diesen Gewässern 35 -Linienschiffe zählten. Dieser hatte auch tatsächlich mit den anderen 24 -in Erwartung der Engländer gleichfalls vor der Straße von Gibraltar -gekreuzt und war eben erst in Cadiz eingelaufen, um einige in einem -Sturme beschädigte Schiffe auszubessern. =Rodney= wurde ferner dadurch -vom Glück begünstigt, daß =Gaston=, der ihm von Brest aus entgegentreten -sollte, zu lange im Hafen festgehalten und dann durch die -Witterungsverhältnisse auf der Fahrt gehemmt wurde. =Rodney= erreichte -unbelästigt Gibraltar, konnte aber widriger Winde halber erst am 26. -Januar auf der Rhede ankern. Die fünf spanischen Blockadeschiffe zogen -sich unter die Werke bei Algeciras zurück und die Engländer landeten -ungestört Truppen sowie Vorräte. Die Transporter für Minorka waren schon -vor dem Einlaufen in die Bucht unter Deckung von 3 Linienschiffen -weitergesandt; sobald diese dann wieder eintrafen, ging =Rodney= am 13. -Februar in den Atlantik zurück. Nach drei Tagen entließ er die Schiffe -der Kanalflotte und steuerte selber mit 4 Linienschiffen nach Westindien. -Gibraltar und Minorka waren auf ein Jahr versorgt. - - Die unter Admiral =Digby= nach England segelnden Schiffe stießen am 23. - Februar auf 15 französische Transporter, die unter Bedeckung durch 2 - Linienschiffe und eine Fregatte nach Ostindien unterwegs waren. Drei - Transporter sowie das Schiff des ältesten Kapitäns, der sich mutig - opferte, wurden genommen, die anderen entkamen während der Nacht. - -=Cordoba= rührte sich weder während des langen Aufenthalts der Engländer -vor Gibraltar noch bei deren Rückfahrt durch die Straße. Er mochte wohl -seinen, zur Zeit noch teilweise beschädigten Schiffen nicht allzuviel -zutrauen. Nach der Vernichtung =Langaras= konnte er auch nicht mehr mit -Überlegenheit auftreten, zumal das Geschwader =Gastons= erst am 23. -Februar eintraf; es hatte schweres Wetter in der Biskaya gehabt und -längere Zeit in Ferrol behufs notdürftiger Ausbesserung gelegen. - - Der Befehlshaber der vier französischen Schiffe bei der spanischen - Flotte äußerte sich sehr absprechend über diese. Die Besatzungen seien - ungeschickt in der Bedienung der Schiffe und die Offiziere unerfahren, - aber auch nachlässig im Segeln in großen Verbänden. Auch für =Cordobas= - Tatkraft spricht nicht gerade die Erzählung eines spanischen Autors: - Nach diesem traf die Meldung, daß die Engländer Gibraltar wieder - verlassen hätten, den Admiral in der Kirche. Er sagte: »Es ist gut! - Geduld. Gott will es. Diesmal haben die Engländer Glück, ein anderes - Mal werden wir es haben.« Ein Epigramm jener Zeit nannte ihn »el gran - santulario«. - -Rodneys Sieg erregte in England große Freude. Der Erste Lord schrieb ihm, -er habe mehr Linienschiffe genommen als in irgendeiner Schlacht der -beiden letzten Kriege erbeutet worden wären. Der Admiral schrieb seinen -Erfolg dem Umstande zu, daß ein Teil seiner Schiffe gekupfert und dadurch -imstande gewesen sei, den Gegner einzuholen und festzuhalten. Er legte -deshalb der Admiralität ans Herz, diese Maßnahme schnell allgemein -durchzuführen, und der Erste Lord antwortete ihm: »Ich höre Sie laut nach -gekupferten Schiffen rufen und bin entschlossen, to stop your mouth; you -shall have copper enough.« Die Kupferung wurde dann auch beschleunigt. - -$Der weitere Verlauf des Krieges in Europa 1780.$ Die Versorgung -Gibraltars blieb der einzige englische Vorstoß in diesem Jahre, ja das -einzige hervortretende Ereignis überhaupt, obgleich es schon im Februar -zu Ende war, also zu einer Zeit, in der sonst die großen Unternehmungen -kaum begannen. England, seiner Sorge um Gibraltar ledig, hielt die -schwachen Streitkräfte, 43 Linienschiffe, in den nördlichen Gewässern -zurück und auch die Verbündeten unternahmen nichts Ernstes, obgleich sie -in Cadiz über eine große Zahl von Schiffen verfügten, im Herbst sogar -über eine ungeheure Macht. Die Bewegungen der Gegner seien hier kurz -dargestellt. - -Der englische Admiral =Francis Geary=, der im Mai für den verstorbenen -Admiral =Hardy= die Kanalflotte übernommen hatte, trat am 8. Juni mit 30 -Linienschiffen eine Kreuzfahrt zum Schutze des Handels im Kanal an. -Anfang Juli stieß er auf einen französischen Konvoi von 30 nach -Westindien bestimmten Kauffahrern, konnte aber wegen einbrechender Nacht -und aufkommenden Nebels nur 12 von ihnen nehmen. Am 18. August war diese -Fahrt beendet und bald darauf ging der Oberbefehl auf Vizeadmiral =George -Darby= über, der ihn auch während des Jahres 1781 führte. Von nun an -kreuzten einzelne Kriegsschiffe, kleinere Verbände, sowie zahlreiche -Kaper im Kanal und hinunter bis zur portugiesischen Küste. - -=Die Verbündeten= zogen stärkere Streitkräfte in Cadiz zusammen; -Frankreich suchte Spanien zu einer entscheidenden Unternehmung zu -bewegen, aber dieser Staat versteifte sich auf die Belagerung von -Gibraltar. Das einzige, wozu er sich verstand, war die Entsendung des -Admirals =Don Josef de Solano= mit 12 Linienschiffen, einigen Fregatten, -sowie gegen 12000 Mann nebst starkem Artilleriematerial auf 83 -Transportern Ende April nach Westindien. Auch dann blieb =Cordoba= noch -29 Linienschiffe stark und Gibraltar war von Algeciras aus durch 5 -solcher unmittelbar blockiert. Da zu diesen noch 8 oder 9 französische zu -rechnen sind und im Juli weitere 5 von Brest eintrafen, so verfügten die -Verbündeten schon Mitte dieses Monates hier über eine große Flotte. - - In =Brest= behielt Frankreich das ganze Jahr über 12-15 Linienschiffe - unter Lieutenant-Général =Du Chaffault= als ein Beobachtungsgeschwader; - dies ist jedoch niemals vereint in See gegangen, sondern ließ nur - einzelne Schiffe kreuzen. - -=Cordobas Unternehmungen= blieben aber ganz auf die südlichen Gewässer -beschränkt. Erst im Juli erhielt er den Befehl, mit einer größeren Macht -in See zu gehen; er sollte zwischen Kap St. Vincent und Vigo bis auf 150 -Seemeilen von der Küste entfernt kreuzen, um dem Treiben englischer -Kriegsschiffe und Freibeuter ein Ende zu machen, die zwischen Ferrol und -Cadiz die Verbindung fast ganz unterbrochen hatten und den -französisch-spanischen Handel störten. Am 31. Juli lief er mit 22 -Schiffen aus und hatte das Glück, am 8. August auf 36° 40' nördlicher -Breite und 15° Westlänge (Greenwich) einen englischen Konvoi von 67 -Fahrzeugen zu treffen, die nach Ost- und Westindien bestimmt und durch -ein Linienschiff sowie zwei Fregatten gedeckt waren; nur die -Kriegsschiffe und 12 Handelsschiffe entkamen, mit 55 Prisen im Werte von -1-1/2 Millionen Lstrl. und 2865 Gefangenen lief =Cordoba= am 29. August -wieder in Cadiz ein. Der Schlag traf England um so härter, da ein Teil -der Schiffe mit Zufuhren für die Truppen und Schiffe in den Kolonien -beladen waren. Dies blieb aber auch der einzige Erfolg der Verbündeten, -obgleich Frankreich den Vizeadmiral =d'Estaing= nach Spanien sandte, um -mehr Tatkraft in die Kriegführung zu bringen. - - $D'Estaings Mission in Spanien.$ Der Vizeadmiral traf im Juni 1780 in - Madrid ein und versuchte mit Unterstützung des französischen Gesandten - dahin zu wirken, daß man die große Flotte nicht nur im Dienste der - Belagerung von Gibraltar belasse, in dem sie nach französischer Ansicht - überhaupt nichts Ausschlaggebendes nützen könnte. Aber lange - Verhandlungen hatten keinen Erfolg. =D'Estaing= traf dann am 26. - September in Cadiz ein, begab sich von dort in das Lager von Gibraltar, - fand die Aussicht auf eine erfolgreiche Berennung der durch ihre Lage - fast uneinnehmbaren Stadt sehr gering und ward in seiner Ansicht noch - bestärkt, daß die Flotte hier nichts nützen könne. Er trat lebhaft für - deren anderweitige Verwendung ein, beispielsweise zu einem Angriff auf - Minorka, aber wieder vergeblich. -- Er hatte Befehl, nach Eintreffen - der französischen Streitkräfte von Westindien, die für die zweite - Hälfte des September nach Cadiz beordert waren, die Gesamtflotte - Frankreichs nach Brest zu führen, falls Spanien bis dahin nicht einer - anderen Verwendung zugestimmt habe. - -Am 1. Oktober trafen noch einige Schiffe vor Brest in Cadiz ein und am -24. kamen das Geschwader =de Guichens=, sowie die selbständige Division -=de La Motte-Picquets= von Westindien an; jetzt waren etwa 40 -französische Linienschiffe dort vereint. Da es =d'Estaing= nicht gelang, -Spanien zu entschlossenerem Handeln zu bewegen und er keinen Nutzen in -einem längeren Aufenthalt der französischen Schiffe bei Cadiz sah, traf -er Anstalt, diese gemäß der erhaltenen Weisung nach Frankreich -zurückzuführen. Die Jahreszeit war schon weit vorgeschritten, denn die -Schiffe aus Westindien waren über einen Monat später angekommen, als man -erwartet hatte und die meisten hatten eine gründliche Ausbesserung nach -ihrer fast zweijährigen Abwesenheit nötig. Unter =de Guichen= waren 95 -Schiffe mit Zucker und Kaffee angekommen. =D'Estaing= ließ von diesen die -ins Mittelmeer bestimmten durch Kapitän =Suffren= mit 5 Linienschiffen -nach Toulon geleiten, während er mit dem Gros der Flotte am 7. November -nach Norden segelte. Er kreuzte noch kurze Zeit beim Kap St. Vincent und -traf am 5. Januar 1781 in Brest ein. - -$Bemerkungen zu dem Kriege in Europa 1779/80.$ Während sich 1779 in -Westindien etwa gleichstarke Kräfte gegenüberstanden, befand sich -=England= in den heimischen Gewässern in großer Bedrängnis, als die -Flotte der Verbündeten auftrat; niemals seit Ruyters Zeit war die Gefahr -eines Einfalles so groß gewesen wie jetzt. Zwei Fehler der Regierung -hatten dies verschuldet. Erstens hatte man in den Friedensjahren -versäumt, die Marine einem möglichen, ja wahrscheinlichen Zusammenwirken -der beiden bourbonischen Königreiche gewachsen zu erhalten, zweitens -mußte die Vereinigung der beiden feindlichen Flotten jetzt verhindert -werden. Daß diese Unterlassungen sich nicht rächten, ist nur den -Mißgriffen der Verbündeten zu danken; diese seien hier nochmals kurz -zusammengefaßt. - - Die französische Flotte ging mit unvollständiger Bemannung und - Ausrüstung in See, um nicht vom Feinde in ihren Häfen blockiert zu - werden. Die spanische brauchte sieben Wochen bis zur Vereinigung und - dann verging noch eine Woche mit Maßnahmen, die man vorher hätte - erledigen können. Französischerseits unterließ man ferner die - Ergänzung der während des langen Wartens aufgebrauchten Vorräte. Ein - weiterer schwerer Fehler war der befohlene Wechsel des Angriffspunktes. - Dadurch ging die günstige Gelegenheit zur Landung unwiederbringlich - verloren, und Krankheit sowie Mangel auf der Flotte bereiteten - schließlich dem Unternehmen ein unrühmliches Ende. Auch hier bestätigte - sich wieder, daß es grundfalsch ist, eine vor dem Feinde stehende - Macht, und ganz besonders eine Seestreitmacht, ganz von Hause her - leiten zu wollen. Gerade im vorliegenden Falle war der Gegenbefehl - durchaus verkehrt und somit =d'Orvilliers=' Einwendungen völlig - berechtigt; die erhaltene Weisung einfach nicht zu beachten, lag nicht - in seinem Charakter. Dies hätten auch wohl nur wenige Führer gewagt, - ein =Nelson= oder =Bonaparte= würden es wahrscheinlich getan haben. - -Die Führer der großen Flotte zeigten sich allerdings auch nicht ihrer -Aufgabe gewachsen, doch fällt dies gleichfalls den Regierungen zur Last, -die sie an die verantwortlichen Stellen setzten. =D'Orvilliers= war ein -tüchtiger Offizier, aber 68 Jahre alt und kein Charakter, der die Jahre -vergessen ließ; er nannte sich außerdem selber »einen gebrechlichen -Greis«. Es fehlten ihm Entschlußfähigkeit und Kühnheit, die unter -schwierigen Umständen vieles wagen, um alles zu gewinnen. - - Bezeichnend sind die Aussprüche zweier anderer Autoren (Chevalier II, - Seite 136 A. a. O.): »=D'Orvilliers= wollte 1778 bei westlichem Winde - nicht in den Kanal einlaufen, da er dann bei schlechtem Wetter oder - nach unglücklichem Kampfe nicht wieder herauskönne; 1779 hinderte ihn - östlicher Wind am Einlaufen. Welch ein Wind war denn nun günstig?« -- - (Lacour II, Seite 254): »Man sagt, daß sich =d'Orvilliers= während des - Feldzuges 1779 stets gefragt habe: »Was geschieht, wenn ich besiegt - werde«, aber niemals: »Was erfolgt, wenn ich siege.« - -Nicht anders lag es mit =Cordoba=. Dieser war sogar 73 Jahre alt, und -=d'Estaing=, der 1780 mit ihm verhandeln mußte, berichtete, er habe -bisher nur gegen die Barbaresken gefochten und sei, selbst nach Ansicht -spanischer Offiziere, eine Persönlichkeit ohne jede Bedeutung, ohne -Tatkraft und Kühnheit. Beide Führer waren allerdings auch nicht vom Glück -begünstigt, und die Wetterverhältnisse waren mehrfach gegen sie, aber es -gilt als alte Erfahrung, daß dem Wagemutigen das Glück hold ist; denn wer -auch unter ungünstigen Verhältnissen seine Absicht durchzusetzen strebt, -kommt einem günstigen Umschwung gewissermaßen entgegen. -- Infolge der -Fehler der Verbündeten blieb das große Unternehmen 1779 ein Schlag ins -Wasser; =Lacour= sagt von ihm: »Si le sujet n'était pas si triste, on -penserait à la montagne en mal d'enfant, qui met au monde une souris.« - -Die Kriegführung des Jahres 1779 zeigt deutlich =eine der Schwächen der -Allianzen=[148]. Durch seine Nachlässigkeit in den Rüstungen lähmt der -eine Verbündete den anderen. Im Jahre 1780 zeigt sich die Hauptgefahr für -jedes Bündnis, die Verschiedenheit der Interessen und Ziele. Frankreich -bindet sich noch stärker als vorher in Westindien, Spanien verbeißt sich -in die Belagerung von Gibraltar. Der Oberbefehlshaber, Admiral =Cordoba=, -löst in diesem Jahre aber nicht einmal die einfache Aufgabe, die -belagerte Stadt von See her abzuschließen. Es gelingt =Rodney= mit weit -schwächeren Kräften, Gibraltar zu versorgen; bei dieser Gelegenheit zeigt -sich, daß dem Mutigen auch das Glück hold ist. Die Wetterverhältnisse -legen die Seestreitkräfte des Gegners lahm und begünstigen ihn. Er trifft -dann auf den Konvoi und einen Teil der spanischen Flotte, der ohne -Unterstützung ist. Daß das englische Geschwader die Stürme überstand, -während die Schiffe des Gegners arg beschädigt wurden, war allerdings der -Überlegenheit der Engländer in Seemannschaft zu danken. - - [148] Hierüber vgl. das in Band I, Seite 356 Ausgeführte. - - $Ausbruch des Krieges zwischen England und Holland 1780.$ Am 20. - Dezember erklärte England den Krieg an Holland. Schon weit früher war - es zu Reibungen gekommen. Seit Ausbruch des Englisch-Amerikanischen - Krieges wurde die holländische Schiffahrt durch die Untersuchungen - seitens englischer Kriegsschiffe arg belästigt und noch mehr seit - Beginn des Kriegs mit Frankreich. Am 31. Dezember 1779 ereignete sich - bereits ein Vorfall ernster Art. Ein englisches Geschwader von 5 - Linienschiffen und einigen Fregatten unter Kapitän =Charles Feilding= - begegnete im Kanal einem großen holländischen Konvoi, geleitet durch 2 - Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kontreadmiral =van Byland=. Der - englische Kommodore verlangte die Untersuchung der Schiffe. Der - holländische Admiral verweigerte sie und ließ Gewehrfeuer auf die Boote - richten, die trotzdem zu den Handelsschiffen fuhren. Nun eröffneten die - englischen Schiffe das Feuer auf die holländischen und diese ergaben - sich in ihr Schicksal; der Admiral strich sogar die Flagge. Davon - machte =Feilding= nun zwar keinen Gebrauch, aber er führte 12 - Kauffahrer nach Portsmouth, die dort kondemniert wurden, da sie nach - englischer Angabe tatsächlich Kontrebande an Bord hatten. - - Gleichzeitig mit der Kriegserklärung sandte England den Befehl nach - Ost- und Westindien, die holländischen Schiffe sowie Besitzungen - wegzunehmen; es soll sogar diese Weisung schon früher erlassen haben, - da die englischen Kriegsschiffe überall so frühzeitig über den - holländischen Handel herfielen, daß Ende Januar 1781 bereits 200 - Kauffahrer im Werte von 15 Millionen Gulden aufgebracht waren. Am 30. - Dezember 1781 ward das erste holländische Kriegsschiff von 54 Kanonen - durch zwei englische 74-Kanonenschiffe im Kanal genommen. (Näheres über - die Belästigungen des holländischen Handels, die dadurch - hervorgerufenen Reibungen und die militärischen Maßnahmen Hollands - findet man in =de Jonge=, Band 4, Seite 379 ff.) - - - Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1780. - -$Westindien.$ Im Beginn des Jahres 1780 lag der englische Admiral =Hyde -Parker= mit etwa 16 Linienschiffen in Sta. Lucia, während sich die -französischen Divisionen =de Grasse= und =de La Motte-Picquet=, 10 oder -11 Schiffe, in Martinique befanden; beide Parteien unternahmen -Kreuzfahrten gegen Handelsschiffe und Transporter. =De La Motte= hatte -von Haus Befehl erhalten, seine eigentliche Station bei St. Domingue -gegen die Engländer in Jamaika einzunehmen, war aber von =de Grasse= und -dem Gouverneur wegen der Überlegenheit des Gegners bisher auf der -Antillenstation zurückgehalten; erst als die Nachricht vom Nahen der -starken Flotte unter =de Guichen= eintraf, ließ man ihn absegeln. Auf der -Reise hatte er einen Zusammenstoß mit einem englischen Geschwader, blieb -aber sonst den großen Ereignissen des Jahres fern. Ebenso auch die -schwache englische Jamaikastation unter =Sir Peter Parker=; beide fanden -nur Verwendung zum Kleinen Kriege im nordwestlichen Teile der -westindischen Gewässer. - - $Gefecht bei Monte Christi, 20. März 1780.$ =La Motte-Picquet= verließ - am 13. März mit zwei Schiffen zu 74 Kanonen, einem zu 64, einem zu 50 - und einer Fregatte Martinique nebst einem Konvoi für Cap Français. Am - 20. März stieß er nicht weit von seinem Ziele bei Monte Christi - (Nordküste von Haiti) auf den Kapitän =Cornwallis=, der sich mit drei - schwachen Schiffen der Jamaikastation auf einer der üblichen - Kreuzfahrten in den dortigen Gewässern befand. Es kam zu einem - Gefechte, das von 5 Uhr nachmittags bis mitternacht und den ganzen - nächsten Tag über dauerte. Dann brach =La Motte= ab, da drei andere - Engländer in Sicht kamen, und segelte nach Cap Français, wohin sein - Konvoi schon vorausgegangen war. Der Zusammenstoß ist bemerkenswert, - weil man aus seinem Verlaufe wiederum ersehen kann, wie die - französischen Führer jener Zeit fast immer nur die Lösung ihrer Aufgabe - anstrebten, sonst aber ihre Schiffe schonten. =De La Motte=, ohne - Zweifel ein mutiger Mann und tüchtiger Offizier, hatte nur den Schutz - des Konvois im Auge; zu diesem Zwecke griff er zwar selber an, führte - aber den Kampf nicht bis zur Entscheidung durch, obgleich er weit - überlegen war. =Cornwallis= befehligte ein Schiff zu 64 Kanonen, eins - zu 50 und eins zu 44, und die später in Sicht kommenden waren auch nur - ein 64-Kanonenschiff, nebst 2 Fregatten. (Näheres über das Gefecht vgl. - Clowes III, Seite 474; Troude II, Seite 66.) - -=De La Motte= geleitete später verschiedene Konvois, nach Europa -bestimmte, von Cap Français, dem üblichen Sammelplatze, aus, so weit in -den Atlantik, bis sie vor feindlichen Kreuzern sicher schienen; am 13. -August trat er, erhaltenem Befehle gemäß, die Heimfahrt an und traf Ende -Oktober in Cadiz ein. - -$De Guichen und Rodney in Westindien 1780.$ =Lieutenant-Général de -Guichen=[149] hatte am 3. Februar Brest mit 16 Linienschiffen und 4 -Fregatten -- nach Angabe der französischen Quellen schlecht ausgerüstet --- nebst einem Konvoi von 83 Segeln verlassen; er traf am 22. März in -Martinique ein und vereinigte sich mit =de Grasse=. Er war entrüstet, -nicht auch =La Motte= vorzufinden, da er dann dem Gegner sehr überlegen -gewesen wäre. Seine Order wies ihn an, auf der Reise besonders den Konvoi -zu hüten, weil es in den Kolonien sehr an Nahrungsmitteln sowie anderen -Bedürfnissen mangele, in Westindien dann »die Seeherrschaft zu erringen«; -von etwa genommenen Inseln solle er einzig Sta. Lucia besetzen, auf -anderen nur die Befestigungen und Magazine zerstören. Der Befehl enthielt -aber wieder den lähmenden Zusatz: »Die See zu halten, soweit es die -Stärke des Gegners erlaube, ohne die eigenen Kräfte zu sehr einzusetzen.« -Der Admiral hoffte nun, Sta. Lucia überraschen zu können; er schiffte -deshalb nur seine Kranken aus und ging schon am 23. März wieder in See. -Er fand aber =Hyde Parker= mit seinen 16 Schiffen in der Gros-Islet-Bucht -derartig verankert, daß er keinen Angriff wagte und nach Fort Royal -zurücksegelte. Eine ähnlich günstige Gelegenheit, Sta. Lucia zu nehmen, -kam nicht wieder; am 27. März vereinigte sich =Rodney=, von seiner -spanischen Expedition angekommen, mit =Hyde Parker=, und die nun 20 oder -21 Linienschiffe starke englische Flotte war der französischen ungefähr -gleich. - - [149] =Luc Urbain de Bouexic, Comte de Guichen=, geboren 21. Juni 1712, - Garde marine 1730, Lieutenant 1746, Capitaine 1756, Chef - d'Escadre 1776, Lieut.-Général 1779, gestorben 13. Januar 1790, - war viel zur See gefahren und hatte sich in den beiden letzten - Kriegen sehr hervorgetan. 1778 führte er bei Ouessant eine - Division der Mitte, 1779 die Vorhut der großen Flotte - d'Orvilliers'. Er galt für sehr tüchtig in der Führung eines - Geschwaders, aber auch für einen Typ der vorsichtigen taktischen - Schule, außerdem war er jetzt 68 Jahre alt. Nach seinen drei - Schlachten mit =Rodney=, der ihn als Gegner hoch einschätzte, - stand er 1781/82 in der französisch-spanischen Flotte unter - =Cordoba=. Am 12. Dezember 1781 wurde er im Atlantik bei - Begleitung eines Konvois von Admiral Kempenfelt mit schwächeren - Kräften geschlagen. - - $Die Stärke der Gegner.$ =Die englische Flotte= bestand aus: der - Vorhut, Kontreadmiral =Hyde Parker=, dem Flaggschiff zu 90 Kanonen, 4 - Schiffen zu 74, 2 zu 64, 1 Fregatte; der Mitte, =Rodney=, Flaggschiff - zu 90, 3 zu 74, 1 zu 70, 2 zu 64, 3 Fregatten; der Nachhut, - Kontreadmiral =Rowley=, 4 zu 74, 1 zu 64, 1 zu 60, 1 zu 50 Kanonen - (dieses sollte im Notfalle die Linie verlängern), 1 Fregatte. - - =Die französische Flotte= zählte: Vorhut, Chef d'Escadre =Comte de - Sade=, Flaggschiff zu 80 Kanonen, 3 Schiffe zu 74, 2 zu 60, 1 zu 60; - Mitte, =de Guichen=, Flaggschiff zu 80, 4 zu 74, 3 zu 64; Nachhut, Chef - d'Escadre =Comte de Grasse=, 6 Schiffe zu 74, 1 zu 64; hinzu traten 5 - Fregatten und 1 Korvette. - -$Die drei Gefechte bei Martinique 1780.$ Schon am 2. April zeigte sich -=Rodney= vor Fort Royal, da =Guichen= aber nicht aus dem Hafen kam, ging -er nach Sta. Lucia zurück und ließ den Feind durch Fregatten beobachten. -Der französische Admiral war mit dem Gouverneur =de Bouillé=, der sich -mit 3000 Mann auf der Flotte einschiffte, übereingekommen, bei günstiger -Gelegenheit unbemerkt in See zu gehen, zunächst einen nach St. Domingue -bestimmten Konvoi eine Strecke nach Norden zu geleiten und dann den -Angriff auf die englischen Inseln zu beginnen. In der Nacht des 13. April -verließ die französische Flotte den Hafen, aber die englische folgte -sofort. Schon am 16. sichteten sich beide in Lee der Insel Martinique; -die englische kam von Südosten heran, als die französische gegen -Nordostpassat auf den Kanal zwischen Martinique und Dominica zu -aufkreuzte. - -[Illustration: de Guichen.] - -In den nun folgenden Manövern zur Gewinnung der Luvstellung hatten die -Engländer den Erfolg für sich. Bei Tagesanbruch am 17. April stand die -englische Flotte etwa 12 Seemeilen östlich der französischen, und etwa 20 -Seemeilen westlich vom Eingange des genannten Kanals erfolgte =die erste -Schlacht=. Sie blieb =unentschieden=, ist =aber bemerkenswert für die -Geschichte der Seetaktik=. Rodney versucht in ihr, abweichend von der -bisherigen Angriffsart, einen Teil des Gegners überlegen anzugreifen; es -mißlingt jedoch, da seine Untergebenen die Absicht nicht verstehen. Sie -wurde dann in alter Weise zu Ende geführt und brachte die bekannten -Folgen: Die Engländer standen nach dem ersten Zusammenstoß wegen der -Beschädigung der Schiffe von weiterem Kampfe ab, und auch der -französische Admiral drang im Hinblick auf den einschränkenden Zusatz zu -seiner Instruktion nicht auf seine Fortsetzung bis zur Entscheidung. - -[Illustration: Martinique, 17. April 1780.] - - $Die erste Schlacht bei Martinique am 17. April 1780[150].$ Bei - Tagesanbruch lag die französische Flotte unter östlichem Winde in - Kiellinie über Steuerbordbug mit etwa SSO-Kurs, die englische steuerte - über Steuerbordbug nördlich. Rodney stellte die über Nacht etwas - verloren gegangene Ordnung her und schloß die Entfernungen zwischen den - Schiffen von zwei auf eine Kabellänge. Beide Flotten steuerten also - einen parallelen, aber nahezu entgegengesetzten Kurs; es war für die zu - Luward stehenden Engländer Gelegenheit, sich mit ihrer enggeschlossenen - Linie überwältigend auf die hintere Hälfte der etwas - auseinandergezogenen französischen zu werfen und diese niederzukämpfen, - ehe die vordere Hälfte wenden und zur Hilfe herankommen konnte. Dies - war Rodneys Absicht. Er machte sie um 8 Uhr vormittags durch Signal - bekannt -- bereits früher scheint er durch Zusätze zur - Gefechtsinstruktion derartige Manöver vorbereitet zu haben. Um 8-1/2 - Uhr kommandierte er dann »Linksum« und hielt mit vollen Segeln in - Dwarslinie auf den Gegner zu. - - [150] Wir folgen hauptsächlich der Schilderung in Clowes III, Seite - 453, geschrieben von =Captain Mahan=, als der neuesten und - eingehendsten. Unsere anderen Quellen, auch Mahan in »Seemacht« - I, weichen von dieser darin ab, daß nach ihnen die Schlacht über - Steuerbordbug geschlagen wurde. Dies hat jedoch auf ihren Verlauf - und für die Beurteilung der von =Rodney= angestrebten Taktik - keinen Einfluß. - - =Guichen= erkannte die Gefahr und ließ alle Schiffe zugleich halsen, so - daß der Stoß nur die vordere Hälfte getroffen haben würde, der die - hintere leicht Unterstützung bringen konnte. =Rodney= bildete darauf - die Kiellinie über Steuerbordbug, um sein Manöver am anderen Ende der - feindlichen Linie zu versuchen (vgl. Plan, Lage 1). Er öffnete jetzt - zwar die Abstände wieder auf 2 Kabellängen, blieb aber immer noch - geschlossener als der Gegner; die beiden Flotten lagen nun von neuem - auf entgegengesetzten Kursen. Um 10-1/4 Uhr war Rodney mit seinem - Flaggschiff querab von dem de Guichens, gab Befehl, mit allen Schiffen - zugleich zu halsen, und ließ, als dies geschehen und die Linie wieder - gut ausgerichtet war, etwa um 11 Uhr mehr nach Backbord, also schräg - auf den Feind zu, steuern. Um 11-3/4 erfolgten schnell hintereinander - die Signale: »Gerade auf den Feind abhalten; ein jedes Schiff auf - seinen Gegner in der feindlichen Linie (dies war ein Signal gemäß - seines Zusatzes zur Gefechtsinstruktion); Nahgefecht.« Rodney nahm - dabei an, daß die Admirale und Kommandanten seiner um 8 Uhr - bekanntgegebenen Absicht entsprechend das Schiff angreifen würden, das - ihnen »augenblicklich« in der feindlichen Linie gegenüberstand. - - Jetzt aber machte sich das Kleben am bisherigen Brauch, an dem - buchstäblichen Befolgen der Gefechtsinstruktion, geltend. Der - Kommandant des Spitzenschiffes, Kapitän =Carkett=, glaubte, er müsse - das feindliche Spitzenschiff angreifen, steuerte auf dieses zu und zog - seine drei Hintermänner einschließlich des Admirals der Vorhut, =Hyde - Parker=, hinter sich her. Diese 4 Schiffe eröffneten gegen 1 Uhr - nachmittags das Feuer, zunächst auf weitere Entfernung; die übrigen - führten den Angriff richtiger aus, besonders die drei letzten der - Vorhut, obgleich sie von ihrem Admiral den Befehl erhielten, in der - Linie zu bleiben und ihm zu folgen. Es scheint demnach, als ob auch - =Hyde Parker= die Absicht des Flottenchefs nicht verstanden habe. - =Rodney= griff mit dem Flaggschiff etwas nach 1 Uhr in nächster Nähe - an. Er war auf das zweite Schiff (64 Kanonen) hinter dem feindlichen - Flaggschiffe gestoßen, trieb dies aus der Linie und ebenso das - folgende, das die Lücken schließen wollte (Plan, Lage 2). Wohl während - des Kampfes den Weichenden etwas nachdrängend, sah er sich plötzlich um - 2-1/2 Uhr in Lee der feindlichen Linie und deren Flaggschiff zu Luward; - er rief seine beiden Vordermänner zur Unterstützung näher heran. - - So wurde der Kampf an dieser Stelle ziemlich heiß, und =Guichen= gewann - den Eindruck, daß =Rodney= hier durchbrechen wolle. Dies ist indes kaum - anzunehmen, da die Engländer bisher nicht viel vom Doublieren hielten; - Rodney war wohl nur durch Zufall nach Lee geraten. Guichen gab deshalb - gegen 4 Uhr den Befehl, mit allen Schiffen zugleich zu halsen, um den - Durchbruch zu verhindern und weiter in Lee aufs neue Stellung zu - nehmen. Da das Manöver ziemlich viel Raum erforderte, faßte =Rodney= es - als Rückzug auf, er folgte aber nicht, wohl weil die Ordnung seiner - Linie gestört war und das Flaggschiff sehr gelitten hatte; es hatte - Fockmast sowie Großraa verloren und 80 Schüsse in den Rumpf erhalten, - von diesen 3 unter Wasser, so daß es während der nächsten 24 Stunden - nur mit Mühe flott erhalten werden konnte. Der Kampf fand um 4-1/4 Uhr - nachmittags sein Ende und die Flotten trennten sich. - - =Die Verluste= bezifferten sich englischerseits auf 120 Tote und 354 - Verwundete, französischerseits auf 222 bzw. 537. Die englischen Schiffe - waren in der Takelage wesentlich mehr beschädigt als die französischen. - - Soweit die Schilderung, die besonders auf englischen Angaben, Berichten - und Auslassungen =Rodneys= beruht, da die französischen sehr dürftig - sind. =Rodney= erklärte später, diese Schlacht sei die beste - Gelegenheit seines Lebens für einen großen Schlag gewesen; sein Plan - würde Erfolg gehabt haben, wenn er richtig durchgeführt worden wäre. Er - war mit seinen Untergebenen sehr unzufrieden und lobte nur 5 - Kommandanten: seinen Flaggkapitän, die Führer der drei Vorhutschiffe - und einen Kommandanten der Nachhut, der wie er selber nahe an den Feind - herangegangen war. Dem Führer des Spitzenschiffes sowie dem Admiral - =Hyde Parker= warf er die bereits hervorgehobenen Fehler vor, allen - übrigen, daß sie ihre Schiffe nicht scharf genug ins Gefecht gebracht - hätten. Auch Admiral =Rowley= traf sein Vorwurf, die Signale nicht - genau befolgt zu haben. - - Dies verhielt sich so: dem Schiffe der Nachhut, das dicht herangegangen - war, hatte beim Aufdrehen zum Kampfe das Ruder versagt und es war über - den falschen Bug zum Gefecht gekommen. Als darauf einige Franzosen - wendeten, tat =Rowley= das gleiche. (Alle diese Schiffe legten sich - übrigens bald wieder über Backbordbug.) Hierin sah Rodney einen Fehler, - Rowley wandte aber ganz richtig dagegen ein, daß er mit seinem Manöver - der Weisung entsprochen habe, wonach der Hauptangriff auf den hinteren - Teil der feindlichen Linie gerichtet werden sollte. Rodneys Darlegungen - wurden zwar nicht veröffentlicht, aber doch durch Privatbriefe und - Gespräche bekannt. Der Kommandant des Spitzenschiffes, Kapitän - =Carkett=, schrieb daraufhin an den Admiral, und dessen Antworten geben - neben seinen Berichten genauen Aufschluß über seine Absicht; man - ersieht aus ihnen auch, daß eben Mangel an Verständnis im englischen - Offizierkorps den Plan des Admirals vereitelte. (Vgl. Clowes III, Seite - 460 ff.) - -Nach der Schlacht segelte =Guichen= nach Guadeloupe, um Verwundete und -Kranke auszuschiffen. =Rodney= besserte auf See notdürftig aus und folgte -dann dem Gegner, um sich zwischen ihm und Martinique zu halten, war aber -bald genötigt, bei Sta. Lucia zu ankern, da er Wasser nehmen mußte. Er -verlor jedoch die Absicht, die Rückkehr der Franzosen nach Fort Royal, -ihrem besten Hafen und Ausrüstungsplatze, zu hindern, nicht aus dem Auge. -Er ließ Fregatten östlich sowie westlich von Martinique kreuzen und -erhielt so rechtzeitig Nachricht, sobald der Feind sich rührte. =Guichen= -verließ an einem der ersten Maitage Guadeloupe und steuerte östlich von -Martinique zu einem neuen Versuche gegen Sta. Lucia südlich. - -=De Bouillé= hatte sich mit einem Teile der Landungstruppen auf Fregatten -eingeschifft, die der Flotte um einige Stunden voraussegelten, als er -jedoch am 9. Mai in der Straße zwischen Martinique und Sta. Lucia ankam, -sah er die englischen Schiffe schon aus der Gros-Islet-Bucht -herauskommen. So traten sich die beiden Flotten südöstlich der -erstgenannten Insel wiederum entgegen und manövrierten dann, beide mit -großem Geschick, 10 Tage lang in Sicht voneinander. Franzosen wie -Engländer behaupten eine Schlacht gesucht zu haben, aber der Gegner sei -ausgewichen oder habe günstige Gelegenheiten zum Angriff nicht benutzt. - -Ein vorurteilsfreier Vergleich zeigt, daß beide hiermit nur bedingt recht -haben, am meisten noch die Engländer. Da die Franzosen während der ganzen -Zeit (eine Stunde am 15. Mai ausgenommen) die Luvstellung in dem -regelmäßig wehenden Passat innehatten, ist ihre Behauptung unhaltbar, es -sei unmöglich gewesen, den Feind zur Schlacht zu bringen, denn die Flucht -hat dieser nie ergriffen. =Guichen= ging häufig, gewöhnlich wenn -nachmittags der Passat am stetigsten wehte, näher an die Engländer heran, -nahm aber den Nahkampf nie auf; wahrscheinlich wollte er, wie üblich, -seine Flotte schonen und rechnete damit, dem Feinde nach und nach oder -bei ganz besonders günstiger Gelegenheit Abbruch zu tun. =Rodney= nahm -den auf weitere Entfernung angebotenen Kampf nie auf, um seine Munition -nicht zu verschleudern, auch wollte er wohl nach englischem Brauch nur -aus der Luvstellung fechten; er suchte also diese zu erreichen, wobei er -gleichzeitig den Feind sowohl von dessen Stützpunkt wie auch von seinem -Angriffsobjekt abdrängte. Beide Male aber, als die Umstände ihm eine -Gelegenheit zum Angriff boten, benutzte er sie auch; man kann mithin -nicht sagen, daß er jedem Zusammenstoß grundsätzlich ausgewichen sei. - - $Die Gefechte bei Martinique am 15. und 19. Mai 1780.$ Am 15. Mai - nachmittags kam =Guichen= etwas näher als gewöhnlich heran; beide - Flotten lagen bei Ostwind über Steuerbordbug mit SSO-Kurs. Schon war - das französische Spitzenschiff etwa querab von der englischen Mitte - imstande, das Feuer zu eröffnen, da drehte der Wind schnell auf SSO, so - daß sämtliche Schiffe etwa SW anlagen. =Rodney= benützte dies, wendete - im Kontremarsch und führte seine Flotte nach Osten; er würde die - feindliche Spitze zu Luward passiert haben, wenn nicht auch =Guichen= - sofort mit allen Schiffen zugleich gehalst und gleichfalls östlich - gesteuert hätte (also in einer Linie, in der sich seine Schiffe etwa - SSO peilten). Die englische Flotte stand somit gewissermaßen windwärts - der französischen, aber noch hinter ihr zurück, und es war nur eine - Frage der Geschwindigkeit, ob sie herankommen würde. - - Aber schon nach einer Stunde sprang der Wind auf Ost zurück. =Guichen= - ging nun an den Wind und legte seine Schiffe schnell wieder in - Kiellinie über Steuerbordbug (Kurs SSO); =Rodney=, der die Kiellinie - durch Abhalten im Kontremarsch über Backbordbug (Kurs NNO) bildete, - stieß mit seiner Spitze auf die Mitte der französischen Linie. Die - englischen Schiffe hielten dann nacheinander auf NNW ab, und so glitten - die Flotten aneinander vorüber. Die Engländer hätten vielleicht - Gelegenheit zum Durchbrechen gehabt, doch war die französische Linie - wohl zu gut geschlossen, und so kam es nur zu einem Feuergefecht der - englischen Vorhut mit der französischen Nachhut auf nähere Entfernung, - wobei die Franzosen wie gewöhnlich die feindliche Takelage als Ziel - wählten. Als die Nacht hereinbrach, trennten sich die Gegner. - (Genaueres vgl. Clowes III und Troude II.) - - Am 19. Mai nachmittags begegneten sich die Flotten über verschiedenem - Bug liegend, die Franzosen zu Luward, so nahe, daß =Rodney= wiederum - mit seiner Spitze auf das fünfte französische Schiff stieß, und es - folgte ein ganz gleiches Passiergefecht. Nach französischen Angaben - soll =Rodney= dann mit seiner Vorhut, sobald diese das Schlußschiff des - Gegners passiert hatte, die französische Linie hinten zu doublieren - versucht, aber davon abgelassen haben, als =Guichen= Vorhut und Mitte, - alle Schiffe zugleich, wenden ließ, um seiner Nachhut zu Hilfe zu - kommen. Zu einem zweiten Zusammenstoß kam es auch diesmal wegen - einbrechender Dunkelheit nicht. (Vgl. Troude II, Bonfils III.) - - =Die Verluste= in diesen beiden Gefechten betragen englischerseits 68 - Tote und 213 Verwundete, französischerseits waren sie wahrscheinlich um - so viel größer als die englischen wie in der Schlacht am 17. April. - -Der letzte Zusammenstoß am 19. Mai fand etwa 120 Seemeilen östlich von -Martinique statt und beweist sicher, daß =Rodney= nicht vor dem Feinde -gewichen war, denn er hatte ihn um diese Strecke nach Luward getrieben. -Jetzt aber sahen sich beide Flotten genötigt, ihre Unternehmungen -abzubrechen; die französische hatte nur noch für 6 Tage Wasser und -Proviant, von der englischen bedurften mehrere Schiffe einer sorgfältigen -Ausbesserung, endlich waren die Besatzungen durch die fortwährende -Gefechtsbereitschaft sowie die vielen Segelmanöver überanstrengt[151]. -=Rodney= sandte am 20. Mai die vier schadhaftesten Schiffe nach Sta. -Lucia und segelte mit den übrigen nach Barbados, =Guichen= ging nach Fort -Royal; sie erreichten ihr Ziel am 22. Beide konnten Erfolge verzeichnen, -aber nur negative. Der erstere hatte Angriffe auf englische Inseln -verhindert, letzterer entscheidende Schlachten vermieden und doch die -feindliche Flotte für einige Zeit geschwächt. - - [151] Rodney schrieb an seine Frau, daß Offiziere und Leute 14 Tage - hindurch kaum zum Schlafen gekommen seien; nur das herrliche - Passatwetter habe das Ertragen der Anstrengungen ermöglicht. - =Guichen=, der außerdem am 17. April einen Sohn verloren hatte, - bat um seine Ablösung, da sein Gesundheitszustand es nicht - erlaube, weiterhin derartige Strapazen und andauernde - Verantwortung zu übernehmen. - -$De Guichen verläßt Westindien.$ Die Unternehmungen der Flotten waren für -1780 zu Ende, obgleich sich die Lage durch das Auftreten spanischer -Seestreitkräfte scheinbar sehr zugunsten der Franzosen änderte. Anfang -Juni erhielt =Guichen= durch eine spanische Fregatte die Nachricht vom -Nahen der Flotte unter =Don Solano= -- 12 Linienschiffe, einige Fregatten -und 83 Transporter mit 12000 Soldaten, starker Artillerie sowie -reichlichem Kriegsmaterial --, die am 28. April Cadiz verlassen hatte -(Seite 295). Auch =Rodney= hatte hiervon erfahren und sofort eine -Beobachtungskette von Barbados bis Barbuda ausgelegt, auch beschleunigte -er die Instandsetzung seines Geschwaders und ging am 7. Juni mit 17 -Linienschiffen in See, um östlich von Martinique zu kreuzen. Er kam -jedoch zu spät. =Solano= war bei seiner Fahrt nach dieser Insel etwa 150 -Seemeilen windwärts von ihr auf eine der englischen Fregatten gestoßen, -hatte deshalb den Kurs nördlich um Guadeloupe herum genommen und traf am -9. Juni westlich von Dominika auf =Guichen=, der ihm mit 15 -Linienschiffen entgegengekommen war. Die Kriegsschiffe der Verbündeten -ankerten dann in Fort Royal, die spanischen Transporter vor Basse-Terre. - -Die Verbündeten verfügten jetzt über 34 Linienschiffe gegen 22 englische, -sowie über eine ungemein starke Truppenmacht. Das englische Westindien -schwebte in großer Gefahr, es schien leicht für den Gegner, Sta. Lucia -und Jamaika zu erobern; der Gewinn dieser Insel war auch wohl Spaniens -Absicht bei Entsendung der Flotte, während Frankreich in erster Linie den -Besitz der Kleinen Antillen erstrebte. Aber die Übermacht wurde nicht -benutzt. Vergebens bemühten sich =Guichen= und =Bouillé=, den spanischen -Admiral zu gemeinsamem Vorgehen zu bewegen. =Solano= erklärte, er habe -Befehl, nach Havanna zu segeln, ja er verlangte, daß die französische -Flotte ihn sicher dorthin geleite. Die spanische Expedition befand sich -allerdings in traurigem Zustande; auf den überfüllten und unreinlichen -Transportern war eine Epidemie ausgebrochen, so daß die Soldaten zunächst -einige Zeit zur Erholung ausgeschifft werden mußten. - -=Guichen= sollte im Spätherbst die in St. Domingue sich sammelnden -Westindienfahrer mit seiner Flotte nach Europa geleiten und entschloß -sich, schon früher die Kleinen Antillen zu verlassen, um Solanos Wunsch -zu erfüllen. Er segelte am 5. Juli mit den in Martinique gesammelten -Handelsschiffen ab, geleitete die Spanier bis zum Ostende von Kuba und -ging dann nach Cap Français. Hier fand er Briefe des französischen -Gesandten bei den Vereinigten Staaten, sowie =Lafayettes= und -=Washingtons= vor, in denen er dringend ersucht wurde, nach Nordamerika -zu kommen; er lehnte dies jedoch mit Hinweis auf seine Order ab. Am 16. -August trat er mit dem größeren Teile der Flotte die Heimfahrt nach -Europa an, wohin die Division =La Motte= wenige Tage vorher schon -abgesegelt war, und traf wie diese am 24. Oktober in Cadiz ein (Seite -296). 9 Linienschiffe verblieben in Westindien. - -$Rodney segelt nach Nordamerika und kehrt zurück.$ Der englische Admiral -hatte sich nach der Ankunft der Spanier beobachtend verhalten, da er für -Angriffsunternehmungen zu schwach war. Zwar hatte man auch ihm -Verstärkungen zugedacht, sie aber nicht oder doch nicht rechtzeitig -abgeschickt. Ein an Admiral =Arbuthnot= in Nordamerika gegebener Befehl, -Schiffe nach Westindien zu senden, erreichte diesen nicht, da ein Unfall -das überbringende Schiff traf; eine Division von 5 Linienschiffen war -durch widrige Winde drei Monate lang (!?) in England festgehalten und -langte erst am 12. Juli in Sta. Lucia an. Nun rührte sich =Rodney=. Er -ließ 5 Schiffe unter Kommodore =Hotham= als Schutz der Kleinen Antillen -zurück und geleitete selber mit der Hauptflotte (am 17. Juli) den -Sommerkonvoi von Handelsschiffen der Windwardinseln nach St. Christoffer, -von wo diese nebst denen der Leewardinseln unter dem Schutz zweier -Linienschiffe nach England abgingen. Unterwegs erhielt er Kenntnis von -der Fahrt der Franzosen und Spanier nach Kuba, von deren Uneinigkeit und -dem schlechten Zustande der spanischen Expedition. - -Da nun =Guichen= den großen Konvoi mit sich führte und die schlimmste -Jahreszeit für Wirbelstürme bevorstand, glaubte =Rodney= annehmen zu -können, daß nur ein kleiner Teil der französischen Kräfte bei St. -Domingue bleiben würde und daß größere Unternehmungen der Verbündeten -nicht mehr zu befürchten wären. Anderseits nahm er aber auch an, daß nur -ein Teil der Franzosen den Konvoi nach Europa geleiten, ein anderer -jedoch nach Nordamerika segeln würde. Er beschloß, gleichfalls während -der Orkanmonate dort zu operieren und wurde hierin durch die Nachricht -bestärkt, daß ein französisches Geschwader (=de Ternay= vgl. Seite 291) -am 12. Juli in der Narragansettbucht eingetroffen sei. Ende Juli sandte -er 10 Linienschiffe zur Unterstützung des Admirals =Sir Peter Parker= -gegen etwaige Vorstöße der Verbündeten von Kuba oder St. Domingue nach -Jamaika und segelte im August mit 12 (14?) nach dem Norden. Auf der Fahrt -trat er mit dem englischen Heere in Charleston in Verbindung und traf -dann am 14. September in New York ein. Diese Teilung der Flotte =Rodneys= -war bei der Ungewißheit über die Bewegungen der Gegner =ein großes=, -durch nichts berechtigtes =Wagnis=; falls =Guichen= mit allen seinen -Kräften gegen Jamaika oder nach Nordamerika gegangen wäre, so wäre keiner -der beiden Teile der englischen Flotte ihm gewachsen gewesen. - -In Nordamerika richtete =Rodney= nichts aus, wie wir später sehen werden. -Am 16. November 1780 ging er mit 9 Schiffen wieder nach Westindien unter -Segel und traf am 6. Dezember in Barbados ein. Im Oktober hatten -=schwere Wirbelstürme= Westindien, besonders Barbados, Sta. Lucia sowie -Jamaika heimgesucht; 13 englische Kriegsschiffe -- 2 Linienschiffe, 6 -Fregatten, 5 Sloops -- gingen unter, viele andere wurden entmastet und -fast alle Vorräte vernichtet, so daß die Schäden kaum ausgebessert werden -konnten. =Rodney= hörte bei seiner Ankunft, daß auf St. Vincent die -Befestigungen zerstört seien und machte am 15. Dezember den Versuch, sich -dieser Insel zu bemächtigen, fand aber die Nachricht übertrieben. Im -Januar 1781 traf dann ein Geschwader von 8 Linienschiffen unter -Kontreadmiral =Sir Samuel Hood= nebst Transportern bei ihm ein. Jetzt -konnten die beschädigten Schiffe wieder instand gesetzt werden und -=Rodney= verfügte über 21 Linienschiffe -- 2 zu 90 Kanonen, 1 zu 80, 15 -zu 74, 3 zu 64 --. Am 27. Januar erfuhr er den Ausbruch des Krieges mit -Holland und erhielt Befehl, gegen dessen Besitzungen vorzugehen. - -$Die Eroberung Pensacolas$, die im Herbst 1780 eingeleitet wurde, war ein -=kleiner Erfolg der Verbündeten=. Der Chef d'Escadre =de Monteil=, der -das von der französischen Flotte zurückgelassene Geschwader, 5 Schiffe zu -74 und 4 zu 64 Kanonen, befehligte, hatte Auftrag, bei geeigneter -Gelegenheit mit =Solano= zusammenzuwirken. Die Spanier waren aber zu -größeren Unternehmungen zunächst nicht gewillt oder nicht imstande, -obgleich der französische Admiral mit 5 Linienschiffen nach Havanna kam, -während seine anderen 4 die Station in Martinique übernahmen. Endlich -wurde im Oktober eine gemeinsame Expedition unter =Solanos= Oberbefehl -nach Florida ins Werk gesetzt, um einen Angriff der Spanier von Louisiana -her auf Pensacola zu unterstützen. Das Unternehmen schritt jedoch nur -langsam vorwärts, und erst am 9. Mai 1781 ergab sich die Stadt, ein -Erfolg, der für den Großen Krieg ohne jede Bedeutung war. Die Franzosen -wären besser zum Handelsschutze in den Gewässern von Haiti geblieben. -=Monteil= traf am 10. Juli 1781 wieder in Cap Français ein und trat im -August zu der Flotte des Admirals =de Grasse=, ehe diese nach dem Norden -segelte. - - * * * * * - -$In Nordamerika$ brachte das Jahr $1780$ keine Ereignisse zur See. Die -Engländer hatten zwar zeitweise ziemlich starke Geschwader dort, -verwendeten sie aber nur zum Festhalten des französischen und im Dienste -des Landkrieges, den wir jetzt kurz weiter verfolgen müssen. Ende 1779 -lagen sich die Hauptheere bei New York fast nur beobachtend gegenüber -(Seite 268), und die Engländer hatten im Süden den Angriff auf Savannah -abgeschlagen. Nach diesem Erfolge setzte dann ein kräftiger =Angriff der -Engländer in den Südstaaten= ein. Während im Norden der Winter zur -Waffenruhe zwang, stellte sich =General Clinton= in Person an die Spitze -einer Expedition =gegen Charleston=. Er übergab den Oberbefehl in New -York an den General von Knyphausen und ging am 26. Dezember 1779 mit -einem Geschwader unter =Vizeadmiral Arbuthnot=, dem Chef der -nordamerikanischen Station -- 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 3 zu 64, 1 zu 50, -2 zu 44, 6 Fregatten, Transporter mit 7750 Soldaten --, in See. Infolge -einer langen und stürmischen Überfahrt, auf der die Schiffe auseinander -kamen, war die Expedition erst Ende Januar 1780 in Savannah versammelt. -Hier zog =Clinton= Nachrichten über die Verhältnisse ein, beorderte die -dort befindlichen Truppen zum Vormarsch auf Charleston und ging am 10. -Februar wieder unter Segel. Am 11. und 12. landeten dann die Truppen an -der Mündung des Edistoflusses, etwa 30 km südlich der Stadt, und rückten -vor. Eine regelrechte Berennung folgte, bis der amerikanische General -=Lincoln= am 11. Mai =Charleston= übergab. - - $Die Eroberung von Charleston, Frühjahr 1780.$ Während 1776 der Angriff - auf die Stadt (vgl. Seite 231) ganz auf den Seestreitkräften beruhte, - die nach Niederkämpfen der Befestigungen an der Einfahrt gegen - Charleston vorgehen sollten, eröffnete man diesmal die förmliche - Belagerung, während das Geschwader nur unterstützend eingriff. Die - Stadt war gut geschützt. Das Fort Moultrie an der engsten Stelle der - Einfahrt, das 1776 die feindliche Flotte zurückgewiesen hatte, zählte - jetzt 40 Kanonen; bei der Art des diesmaligen Angriffes kam es jedoch - kaum in Betracht, ebensowenig eine kleine Flottille amerikanischer - sowie französischer Kriegsschiffe (Fregatten und kleinere Fahrzeuge), - die bei Ankunft der Engländer bei dem Fort lag. Hinter der engen Stelle - der Einfahrt wendet sich das Fahrwasser nach Westen auf die Stadt zu, - die auf einer Landspitze zwischen den Flüssen Ashley und Cooper liegt; - diese vereinigen sich hier und decken die Stadt auf der Ost- sowie der - Südwestseite. Die Hauptbefestigungen befanden sich im Norden und - Nordwesten auf der Landzunge. Die Küste im Süden Charlestons besteht - aus verschiedenen, durch Creeks und Wasserläufe getrennten Inseln; von - diesen liegt Morris-Island an der engsten Stelle der Einfahrt, an sie - schließen sich westlich bis zum rechten Ufer des Ashley-Flusses, also - der Stadt gegenüber, James-Island und südlich St. Johns-Island. - - Die angreifenden Truppen marschierten vom Edisto über diese Inseln - gegen die Stadt. Als die Ausschiffung des Belagerungskorps beendet war, - wurden die schweren Linienschiffe nach New York zurückgesandt, die - übrigen Fahrzeuge passierten die Barre, worauf sich die feindliche - Flottille in den Cooperfluß zurückzog und zum Teil versenkt wurde. Am - 29. März überschritt das Heer den Ashley; den Übergang deckten und - ermöglichten die Boote des Geschwaders, die sich durch die Wasserläufe - zwischen den Inseln dorthin begeben hatten. Am 9. April eröffnete dann - =Clinton= die erste Parallele gegen die Nordfront der Stadt. Am - gleichen Tage passierte =Arbuthnot= bei Flut und günstigem Winde mit - den Schiffen die Einfahrt, wobei Fort Moultrie diesen nur wenig Schaden - zufügte, und ankerte im Süden der Stadt nördlich vor der Jamesinsel. - Die Schiffe erhielten zwar Feuer, beantworteten dieses aber nicht, - obgleich die Geschosse sie erreichten, und der Feind schwieg bald, da - er sie außer Schußweite glaubte. Charleston war so bis auf die - Ostseite, den Cooperfluß, eingeschlossen. Ein Versuch, mit den - Schiffsbooten auch in diesen einzudringen, wurde durch Sperren sowie - Batterien verhindert, aber den Landungsabteilungen der Schiffe gelang - es, am 7. Mai Fort Moultrie vom Rücken her zur Übergabe zu zwingen. Die - Belagerung nahm ihren Verlauf, auch der Cooperfluß ward im Norden der - Stadt gesperrt, und nachdem am 6. Mai die dritte Parallele - fertiggestellt war, ergab sich Charleston am 11. - -Mit der Übergabe der Stadt wurden gegen 7000 Mann, darunter über 1000 -amerikanische und französische Seeleute, kriegsgefangen; 5 amerikanische, -sowie 2 französische Kriegsschiffe fielen dem Sieger in die Hände, 3 -wurden vernichtet. =Clinton= segelte am 5. Juni nach New York, 4-5000 -Mann unter =General Cornwallis= zurücklassend. Dieser geschickte -Befehlshaber brachte schnell Südcarolina zur Ruhe und entsandte seinen -Unterführer, =Lord Rawdon=, nach Nordcarolina hinein. Jetzt stellte diese -Provinz im Verein mit Virginia 6000 Milizen unter General =Gates= ins -Feld, und von Washingtons Heer traf =Baron von Kalb= mit 2000 Regulären -ein. Infolgedessen und weil sich Rawdon grobe Ausschreitungen, -Erpressungen sowie Verheerungen hatte zuschulden kommen lassen, brach die -Empörung in Südcarolina aufs neue aus. =Gates= drang nun im Juli in diese -Provinz vor, wurde aber von =Cornwallis= am 18. August bei Camden mit -weit geringeren Kräften vernichtend geschlagen (Kalb fiel hier), und -dieser rückte in Nordcarolina ein. Er kam Ende September bis zur Stadt -Charlotte, wurde dann aber durch schwierige Kämpfe mit zahlreichen -kleinen feindlichen Schwärmen, sowie durch Unruhen im Rücken am weiteren -Vorgehen gehindert. - -Als endlich am 8. Oktober ein abgezweigter Teil seines Heeres unter -Oberst =Ferguson=, der unvorsichtig in die gebirgige Gegend der Kolonie -vorgedrungen war, bei Kingsmountain teils vernichtet, teils -gefangengenommen war, mußte =Cornwallis= nach Südcarolina in der Richtung -auf Charleston zurückgehen; er traf Ende Oktober bei Winsborough ein und -nahm hier Stellung. Der Kongreß ernannte den sehr tüchtigen General -=Greene= zum Oberbefehlshaber im Süden; dieser sammelte ein Heer und -führte es nach Charlotte. Damit waren die größeren Operationen auf diesem -Kriegsschauplatze für 1780 beendet. =Greene= fühlte sich zum Angriff -nicht stark genug und auch =Cornwallis= sah sich zur Untätigkeit -gezwungen, bis sich seine durch Strapazen und Entbehrungen entkräfteten -Soldaten erholt hatten und Verstärkungen aus New York eingetroffen waren. -Bis dies eintrat, Mitte Dezember, blieb die Macht der Engländer auf -Charleston beschränkt. - -=In den nördlichen Kolonien= änderte sich in den ersten Monaten des -Jahres 1780 nichts. =Knyphausen= mußte sich während der Abwesenheit -=Clintons= mit einem Teile des Heeres auf die Verteidigung New Yorks -beschränken, aber auch =Washington= blieb in der festen Stellung bei -Westpoint, da er nach wie vor Mangel an Offizieren, Soldaten, Geld und -Vorräten litt; die Fahnenflucht in seinem Heere war groß. So konnte er -auch die günstige Gelegenheit zu einem Angriff auf New York nicht -benutzen, als im Januar 1780 die Flüsse mit einer Eisdecke belegt waren, -die schwere Artillerie trug und dem Verteidiger eine Unterstützung durch -seine Seestreitkräfte nahm. =Clintons= Rückkehr verstärkte die Macht der -Engländer, aber auch die Amerikaner erhielten eine lang erhoffte -Unterstützung, denn am 11. Juli 1780 traf das französische Geschwader -unter dem Chef d'Escadre =de Ternay= -- 1 Schiff zu 84 Kanonen, 2 zu 74, -4 zu 64, 2 Fregatten -- nebst 6000 auserlesenen Soldaten unter General -=Graf Rochambeau= bei Rhode-Island ein. - - $Seegefecht bei den Bermuda-Inseln, Juni 1780.$ =De Ternay= verließ am - 2. Mai Brest. Am 20. Juni stieß er bei den Bermudas auf ein englisches - Geschwader unter =Kapitän Cornwallis= -- 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 2 zu - 64, 1 zu 50 und eine Fregatte --, das von Jamaika bis hierher - Kauffahrer geleitet hatte. Der französische Admiral näherte sich zwar - in Schlachtlinie dem Feinde, aber nur in der Absicht, diesen von seinen - Truppentransportern abzuhalten; zugleich versuchte er, ein vom - englischen Geschwader getrenntes Schiff abzuschneiden. =Cornwallis=, - der seiner Unterlegenheit halber keinen Kampf wagen durfte, wenn er - auch die Luvstellung hatte, manövrierte, um das bedrohte Schiff zu - retten; als ihm dies gelungen war, brach er das Feuergefecht ab, zu dem - es während des Manövrierens mehrfach gekommen war, und =de Ternay= nahm - seinen Kurs nach Nordamerika wieder auf. Es ist ihm vorgeworfen, daß er - die Gelegenheit nicht ausgenützt habe, und auch seine Offiziere - äußerten ihre Unzufriedenheit darüber, aber er hat in diesem Falle wohl - mit Recht die sichere und schnelle Weiterbeförderung des Transportes - für wichtiger gehalten. (Clowes III, Seite 474, beschreibt das sonst - belanglose Gefecht sehr genau, um die wirklich geschickten Manöver des - englischen Führers hervorzuheben.) - -Jetzt zeigte sich der Fehler, den =Clinton= 1779 durch das übereilte -Aufgeben von Rhode-Island gemacht hatte. Das französische Geschwader fand -in der Narragansettbucht einen sicheren Hafen und Stützpunkt, sowie die -beste Gelegenheit, Truppen zu landen und mit Washingtons Heer zu -vereinigen. Aber im Jahre 1780 sollte dies noch keine Folgen haben. =De -Ternay= und =Rochambeau= waren zunächst bemüht, ihre Stellung durch -Ausbau der Befestigungen gegen einen Angriff von See aus zu sichern. Auch -hatte das Landungskorps nach der langen Seereise viele Kranke, und einige -Transporter mit etwa 350 Mann, die vom Geschwader abgekommen waren, -fehlten noch. Die Sicherung der Stellung erwies sich bald als sehr nötig, -denn die englische Flotte erhielt am 13. Juli eine wesentliche -Verstärkung durch Kontreadmiral =Thomas Graves=, der von England mit 6 -Linienschiffen in New York anlangte; =Arbuthnot= verfügte in diesem Hafen -jetzt über ein Schiff zu 98 Kanonen, 6 zu 74 und 3 zu 64. - - =Admiral Graves= war von Portsmouth fast zu gleicher Zeit wie de Ternay - von Brest mit der Aufgabe in See gegangen, der französischen Expedition - den Weg zu verlegen. Obgleich er durch westliche Stürme 14 Tage in - Plymouth festgehalten wurde, erreichte er doch nur 24 Stunden nach den - Franzosen die amerikanische Küste. - -Die Engländer wollten die Franzosen noch vor der Vereinigung mit den -Amerikanern angreifen. Ihre Flotte erschien am 21. Juli zur Erkundung vor -Rhode-Island, vermied aber einen Angriff, und =Clinton= traf -Vorbereitungen, Truppen dorthin zu führen. Hierdurch gewannen die Gegner -Zeit. Die Franzosen verstärkten die Befestigungen weiter; =Washington= -machte die größten Anstrengungen zur Vermehrung seines Heeres, beorderte -Truppen zur Vereinigung mit den Franzosen und entfaltete eine regere -Tätigkeit vor New York. Infolgedessen stand =Clinton= von der Expedition -ab, zu der die Soldaten bereits eingeschifft waren. Die Verbündeten -blieben gleichfalls untätig, wahrscheinlich erwarteten sie die Ankunft de -Guichens oder doch eines Teiles seiner Flotte. =De Ternay= hatte am 3. -August ein Schiff mit der Bitte um Unterstützung nach Cap Français -gesandt; die Botschaft traf aber dort erst ein, als =de Guichen= schon -abgesegelt war, und =Monteil= konnte sie nicht entziffern, da ihm der -Schlüssel fehlte. Als das zurückkehrende Schiff dies meldete, wurde am -28. Oktober der Sohn des Generals Rochambeau nach Frankreich geschickt, -um dort um Hilfe zu bitten. - -Am 14. September 1780 traf =Rodney= von Westindien ein, so daß nun die -englische Flotte in New York mehr als 20 Linienschiffe zählte; mit einer -solchen Macht hätte die französische Expedition sicher vernichtet werden -können. Aber Rodney bewies hier nicht seine sonstige Schneidigkeit, wohl -weil er infolge des plötzlichen Klimawechsels ganz besonders schwer unter -der Gicht litt. Er ließ zwar die feindliche Stellung nochmals erkunden, -tat dies aber nicht selbst, sondern begnügte sich mit der Meldung, daß -sie zu stark sei. Der französischen Flotte war es allerdings 1779 -gelungen, trotz der Befestigungen in die Narragansettbucht einzulaufen, -aber die Werke waren jetzt auch bedeutend vermehrt und wurden durch 7 -Linienschiffe unterstützt, so daß die Franzosen selber ihre Stellung für -uneinnehmbar hielten. Dennoch zeigte diese Schwächen auf, und Admiral -=Graves= war der Ansicht, ein kühner Angriff würde Erfolg haben; er trat -lebhaft für einen solchen ein, drang aber nicht durch[152]. - - [152] Näheres über die französische Stellung und ihre Schwächen vgl. - Mahan I, Seite 381/82. -- =Graves= war 1801 zweiter im Kommando - unter =Nelson= bei dem ähnlichen, aber noch schwierigeren - Unternehmen gegen Kopenhagen. - -Am 16. November trat =Rodney= mit 9 Linienschiffen die Rückfahrt nach -Westindien an, 12 blieben unter dem Oberbefehl von Admiral =Arbuthnot= -auf der Station zurück. Dieser ließ nun von der Gardinerbucht aus -- am -Ostende von Long-Island und etwa 35 Seemeilen von Rhode-Island gelegen -- -die Franzosen durch Fregatten bewachen, und hier sammelte sich die -Flotte, wenn man eine Bewegung des Gegners vermutete; dieser verhielt -sich jedoch ruhig. Am 22. September waren =Washington=, =Rochambeau= und -=de Ternay= in Hartford, der Hauptstadt des Staates Connecticut, zu einer -Beratung zusammengetreten und hatten beschlossen, mit allen Kräften New -York anzugreifen. Sie erkannten aber, daß dazu eine »unbedingte und -andauernde« Seeherrschaft nötig und daher eine Verstärkung der -Seestreitkräfte abzuwarten sei; daraufhin wurde dann die Bitte um eine -solche nach Paris gesandt. Auch die Engländer unternahmen nichts, sie -benützten wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden zu Unternehmungen im -Süden. Ende Dezember ging =General Leslie= mit Truppen nach Charleston -ab, und =General Arnold=, als amerikanischer Offizier uns schon bekannt, -führte eine Expedition nach Virginia. -- Am 15. Dezember starb =de -Ternay=, für ihn ward Kapitän =Des Touches= stellvertretender Kommandeur -des französischen Geschwaders. - - $Arnolds Verrat.$ Als =Washington= nach Eintreffen der französischen - Expedition lebhafter gegen New York vorging, drohte der amerikanischen - Sache eine große Gefahr. General =Benedikt Arnold=, der sich in den - ersten Jahren des Krieges besonders ausgezeichnet hatte und hoch in - Washingtons Achtung stand, war nach der Einnahme von Philadelphia 1778 - dort als Gouverneur eingesetzt, um in der im allgemeinen wenig - patriotisch gesinnten Stadt wieder geordnete Zustände herzustellen. Er - zog sich bei dieser schwierigen Aufgabe den Haß der Bevölkerung derart - zu, daß seine Gegner ihn wegen Unterschlagung von Geldern anklagten und - das Kriegsgericht ihn mit einem Verweise bestrafte, worauf er sein Amt - niederlegte. - - =Washington= stellte ihn zwar bald darauf wieder an, aber er blieb - verbittert und sann auf Rache. Als nun der Oberbefehlshaber gegen New - York vorging und =Arnold= inzwischen in Westpoint befehligte, trat er - mit =Clinton= in Verbindung, um die wichtige Stellung den Engländern - auszuliefern. Der Plan wurde jedoch vereitelt, denn der englische Major - Andrée, der die Verhandlungen führte, fiel den Amerikanern in die Hände - und =Washington= konnte rechtzeitig Gegenmaßregeln ergreifen. =Andrée= - wurde trotz aller Bemühungen Clintons zu seinen Gunsten als Spion - gehängt; =Arnold= floh zu den Engländern, ward von diesen als General - verwendet und zeigte sich von nun an, wie häufig Renegaten, von - besonderm Haß gegen seine Landsleute, sowie besonderem Eifer für die - englische Sache erfüllt. (Näheres hierüber vgl. Schlosser, 18. und 19. - Jahrh., Band III, Seite 494 ff.) - -$Rückblick auf den Krieg in Westindien und Nordamerika 1780.$ Die -Schwäche von Bündnissen, die in den verschiedenartigen Endzwecken der -Verbündeten, sowie in ihren widerstreitenden Ansichten über die Wege zum -Ziel ihre Erklärung findet, zeigt sich besonders auf diesen -Kriegsschauplätzen. Frankreich hatte für 1780 von einem größeren Vorstoß -gegen England in Europa abgesehen, um den Gegner hauptsächlich in -Westindien anzugreifen und zu gleicher Zeit die Amerikaner kräftig zu -unterstützen. Beides aber wurde mit ungenügenden Mitteln unternommen und -blieb deshalb ohne Erfolg. - -$Frankreich rechnete in Westindien$ wohl auf eine starke Unterstützung -durch Spanien. Da es allein dort gegen 28 Linienschiffe ins Feld führte, -hätten die Verbündeten mit Überlegenheit auftreten können, wenn das -spanische Kontingent rechtzeitig und leistungsfähig eingetroffen wäre. So -aber fand =de Guichen= zunächst fast gleichstarke englische Kräfte vor, -und er war nicht der Mann kühnen Wagemutes, sondern vorsichtigen -Handelns, worin er durch seine Order noch bestärkt wurde, und seine Pläne -zur Eroberung englischer Inseln scheiterten an der Geschicklichkeit und -Entschlossenheit seines Gegners Rodney. Als dann =Solano= eintraf, hatte -er weder den Willen, noch die Fähigkeit, sich mit den Franzosen zu großen -Unternehmungen zu vereinen, er bedurfte im Gegenteil deren Schutz und zog -sie dadurch, früher als ursprünglich beabsichtigt war, vom Felde ihrer -Tätigkeit ab. - - Frankreich war zu Anfang des Jahres nicht imstande, allein eine größere - Macht in Westindien aufzustellen. Die Expedition nach Nordamerika - sollte abgehen, in Brest mußte ein Beobachtungsgeschwader verbleiben, - und man hatte sich verpflichtet, die spanische Flotte in Cadiz zu - verstärken. Dies hielt man wohl für nötig, um den lauen Bundesgenossen - anzuspornen. Als später noch über weitere Schiffe verfügt werden - konnte, lohnte es nicht mehr, diese nach Westindien zu senden. Dagegen - muß es wundernehmen, daß die Division =La Motte-Picquet= nicht Guichen - unterstellt, sondern vor dessen Ankunft nach St. Domingue beordert - wurde. Da man angriffsweise vorgehen wollte, mußte man auch alle Kräfte - zusammenziehen und von dem Schutze des Handels in den westlichen - Gewässern absehen; wurden dann bedeutende Erfolge bei den Kleinen - Antillen erzielt, so hätte dies den Schaden aufgewogen, wahrscheinlich - aber auch schon die wenigen Schiffe der englischen Jamaikastation - überhaupt festgehalten. - -=Guichen= ging dann nach Europa zurück, ohne etwas erreicht zu haben. -Infolge seiner Vorsicht war es nicht einmal zu ernstem Kampfe gekommen. -Wenn er nun, wie d'Estaing 1779, von seiner Order abgewichen und nach -Nordamerika gesegelt wäre, oder doch einen Teil der Flotte dahin -abgezweigt hätte, so hätte wenigstens dort die große französische Rüstung -Nutzen gebracht. Der von den Spaniern und den zurückgebliebenen Franzosen -Ende 1780 eingeleitete Erfolg in Florida und die Eroberung Pensacolas im -Mai 1781 waren von keiner Bedeutung für den Krieg; ein französischer -Autor (Lacour) nennt sie bezeichnend »dem Feinde versetzte Nadelstiche«. - -$England$ konnte bei seinem Grundsatz, überall einem Angriff gewachsen zu -sein, $in Westindien$ nicht überlegen auftreten. Sein Admiral =Rodney= -mußte sich deshalb darauf beschränken, dort den Gegner zu beobachten. Er -hielt ihn mit Geschick im Schach und tat auch sein Bestes, wenigstens -einen ernsten Waffengang herbeizuführen, allerdings vergeblich. Wäre die -Verstärkung für ihn statt erst am 12. Juli einige Monate früher -angekommen, wie es beabsichtigt war, so hätte es sich noch mehr gezeigt, -daß die französische Flotte für ihre Aufgabe zu schwach war. - -Rodneys Teilung der Flotte, um sowohl Jamaika zu decken, wie in -Nordamerika aufzutreten, nachdem Guichen die Kleinen Antillen verlassen -hatte, muß dagegen als ein strategischer Fehler, jedenfalls als ein -großes Wagnis angesehen werden. Leicht konnte ein Teil vernichtet werden, -wenn die ganze französische Flotte gegen ihn stand, und deren Bewegungen -waren unbekannt, ja Rodney war der Überzeugung, daß der größere Teil -ihrer Schiffe nach dem Norden segeln würde. - -$Frankreich$ hätte $in Nordamerika$ gleichfalls stärker auftreten müssen. -Man hatte auch ein Heer von 12000 Mann hinüberführen wollen, war aber -wegen Mangels an Transportmitteln auf die Hälfte hinunter gegangen, denn -die Expedition nach Westindien hatte alles aufgebraucht. Wahrscheinlich -wäre es aber doch möglich gewesen, mehr als 6000 Mann einzuschiffen, -wenigstens hat =de Ternay= über die Mitnahme eines unnütz großen Trosses -geklagt. Wenn auch das französische Landungskorps vielleicht mehr wert -war als das ganze amerikanische Heer von Regulären und Milizen, so waren -doch nach Ansicht =Washingtons= und =Rochambeaus= beide vereint nicht -stark genug zu angriffsweisem Vorgehen. Dabei sprach der Umstand mit, daß -die Seestreitkräfte denen des Gegners nicht gewachsen waren; diese -Schwäche gefährdete sogar die ganze Expedition, solange Rodney -- zu -ihrem Glück untätig -- an der Küste weilte. Man hielt also zurück, um -Verstärkungen zu erwarten. - -Weshalb wurden nun solche nicht gesandt? Während des Sommers gingen noch -Schiffe von Brest zur Cadizflotte ab, obgleich man sich doch überzeugt -haben mußte, daß Spanien zu nichts zu bringen sei, sondern an der -Belagerung von Gibraltar halte; zu einer Unterstützung dieser, von der -sich Frankreich nicht einmal einen Nutzen versprach, war die Cadizflotte -schon stark genug, und mit dem Beobachtungsgeschwader in Brest war sie -auch der englischen Flotte in Europa gewachsen. Warum wurde nicht Guichen -oder doch ein Teil seiner Schiffe nach Nordamerika beordert, wie es -Washington und Rochambeau erhofften und selbst Rodney annahm? Wohl nicht -mit Unrecht wird vermutet (so von Mahan), daß Frankreich gar nicht die -Absicht gehabt habe, die Amerikaner zu dieser Zeit schon kräftiger zu -unterstützen, da es keinen Vorteil darin erblickte, den Landkrieg schnell -zu beenden, selbst nicht zuungunsten Englands; dieses hätte dann ja seine -Machtmittel für den Seekrieg zusammenfassen können. - - Die später zur Verfügung stehenden Schiffe wären, wie oben schon - gesagt, nach Westindien wohl zu spät gekommen, aber in Nordamerika - konnten sie noch von Nutzen sein. Nicht seekriegsgeschichtliche Werke - (wie z. B. Schlosser und Zimmermann) und ebenso Mahan I geben an, man - hätte beabsichtigt, eine zweite Division dorthin zu senden, sie sei - aber von den Engländern blockiert gehalten. Tatsächlich kreuzte ja die - englische Kanalflotte vom 8. Juni bis 18. August. Aber in keinem der - französischen oder englischen Seekriegswerke wird erwähnt, daß die - Absendung einer Verstärkung beabsichtigt und dann verhindert gewesen - sei; nicht einmal Clowes erwähnt dergleichen, obwohl der Krieg hier - auch von Mahan bearbeitet ist. - -=England= hatte infolge der rechtzeitigen Ankunft der Verstärkung unter -Graves in Nordamerika stets genügend Schiffe, um die Gegner wenigstens im -Schach zu halten. Wäre genannter Admiral früher von England gesegelt und -=Arbuthnot= dann mit seiner durch ihn erlangten Überlegenheit der -französischen Expedition entgegengetreten, ehe sie die Narragansettbucht -erreichte, so hätte deren Schwäche an Kriegsschiffen sich schwer rächen -können. - - Nirgend ist zu ersehen, weshalb =Graves= nicht früher abgesandt wurde, - obgleich man wohl sicher in England wußte, daß Frankreich in - Nordamerika eingreifen wollte. Der Umstand, daß er vierzehn Tage durch - stürmische Gegenwinde festgehalten wurde, gibt keine genügende - Erklärung; mit einer derartigen Verspätung mußte man rechnen. Ähnlich - verhält es sich mit der bei Westindien erwähnten Verstärkung für - Rodney, deren Abfahrt gar »drei Monate« durch Windverhältnisse - verzögert worden sein soll. Es ist anzunehmen, daß beide Geschwader - nicht rechtzeitig segelfertig gewesen sind. - -Als dann =Rodney= eintraf, machte er von seiner großen Überlegenheit -keinen Gebrauch. Dies wird mit seinem Gesundheitszustande entschuldigt, -aber dann ist es unverständlich, weshalb =Arbuthnot= nun nicht für -tatkräftiges Handeln eintrat, sondern anscheinend davon abgeraten hat. -Vielleicht wird dies durch die Andeutung erklärt, die man in einer -englischen Quelle (Clowes) findet, Arbuthnot habe deutlich und in -ungehöriger Weise seinem Mißvergnügen über die Ankunft des älteren -Admirals Ausdruck gegeben, der ihm durch sein Erscheinen den Oberbefehl -abnahm und die Prisengelder auf der einträglichen Station kürzte. - -Die Schwäche der Franzosen zur See auf diesem Kriegsschauplatze bedingt -es, daß der $Landkrieg in Nordamerika$ 1780 trotz des französischen -Hilfsheeres im großen und ganzen einen für die Engländer günstigen -Verlauf nahm. Ihr Vorstoß im Süden kam zwar zum Stocken, die ersten -Erfolge hier hatten aber auf die Amerikaner niederdrückend, auf die -Engländer belebend gewirkt. Letztere hofften, die Carolinas und Virginien -ganz in ihre Hand zu bekommen und damit einen großen Schritt zur -Niederkämpfung des Aufstandes zu tun; die Gefahr, die in der Trennung -der beiden Kriegsschauplätze lag, die nur zu Wasser miteinander in -Verbindung standen, war bei der Schwäche der Gegner zur See in diesem -Jahre noch nicht hervorgetreten. - -Mit =Amerika stand es Ende 1780 schlecht=. Bei vielen Kolonisten war die -erste Begeisterung erloschen, und das englische Heer erhielt im -allgemeinen mehr Unterstützung als das amerikanische; trotz aller Verbote -führten ihm die Farmer Vorräte zu, während Washington solche nur durch -gewaltsame Beitreibung erhielt. Von 36000 Mann, die der Kongreß für -dieses Jahr in Aussicht genommen hatte, waren nie mehr als 18000 -aufzubringen, die Milizen blieben unzuverlässig und liefen nach jeder -Schlappe auseinander, dabei war kein Geld vorhanden und die Truppen -blieben oft monatelang ohne Sold, obgleich Frankreich mit einem Geschenk -von 6 Millionen und einem Darlehen von 10 Millionen Francs einsprang. Im -Dezember meuterte sogar ein Teil, und Clinton machte den Versuch, -Washingtons Truppen durch Versprechungen für sich zu gewinnen, aber -hierauf gingen die Leute doch nicht ein, sondern hängten die Agenten. Das -Jahr 1780, in dem die amerikanische Sache wohl am bedenklichsten stand, -zeigt deutlich, daß die Befreiung der Kolonien weniger der allgemeinen -Begeisterung der Bevölkerung als der Tatkraft und Ausdauer einzelner -Männer zu verdanken ist. Doch =diese Ausdauer ward belohnt=; die -englische Regierung war nicht imstande, noch mehr für den Landkrieg -aufzuwenden. Schon war die Schuldenlast sehr gewachsen (1781 kam sie auf -198 Millionen Lstrl.), und der Seekrieg stellte immer größere -Anforderungen, da nun Holland als Gegner hinzutrat und auch der -»Bewaffneten Neutralität« Aufmerksamkeit geschenkt, der gute Wille der -Machthaber in Rußland erkauft werden mußte. Schon regte sich im -englischen Volke der Wunsch nach Frieden mit den Kolonien. - - - Der Krieg in Europa 1781. - -In den europäischen Gewässern drehte sich die Kriegführung in diesem -Jahre um zwei Hauptpunkte, nämlich um den Schutz des Handels und um den -Angriff oder die Verteidigung von Gibraltar sowie Minorka. Obgleich -=England= noch stärker rüstete als im vorhergegangenen Jahre -- es waren -vom Parlamente 90000 Mann (einschließlich 20000 Seesoldaten) sowie gegen -9 Millionen Lstrl. für die Marine bewilligt -- und im Sommer insgesamt -115 Linienschiffe im Dienst hatte, standen doch wie 1780 nur etwa 40 für -die heimischen Gewässer zur Verfügung. Eine Gefahr von seiten der -»bewaffneten Neutralität« hielt England allerdings durch diplomatische -Künste von sich fern, und Hollands Marine war zu schwach, um als Gegner -eine ernste Rolle zu spielen, aber immerhin sah sich England weiter auf -die Verteidigung angewiesen. - -Auch die Rüstungen der =Verbündeten=[153] erreichten die Stärke des -Vorjahres, ja übertrafen sie wohl, wenigstens was =Frankreich= -anbetrifft. Hier waren um die Mitte des Jahres zum mindesten 75 -Linienschiffe im Dienst und in =Spanien= wahrscheinlich gegen 50. - - [153] Vgl. die Fußnote Seite 291 über die Ungenauigkeit der - Zahlenangaben. - - =Frankreich= sandte im März 20 Linienschiffe unter =Admiral de Grasse= - nach Westindien, wo sich bereits 9 befanden (zur Hälfte in St. - Domingue, zur Hälfte in Martinique); zu gleicher Zeit segelten 5 nach - Ostindien unter =Kommodore Suffren= zur Verstärkung der 6 dort - befindlichen; in Nordamerika waren 7 stationiert und eins trat hinzu; - im Juli führte =de Guichen= 19 nach Cadiz, und man muß annehmen, daß - trotzdem einige Schiffe in Brest verblieben. =Spanien= hatte wenigstens - 30 Linienschiffe in Cadiz und Algeciras, gegen 15 in Westindien und - Zentralamerika und einige in Ferrol sowie in Cartagena. - -Da aber Frankreich auch für dieses Jahr hauptsächlich die überseeischen -Kriegsschauplätze im Auge hatte, blieben in Europa nicht genügend -Streitkräfte zurück, um allein angriffsweise vorzugehen, und eine -Vereinigung mit der spanischen Seemacht trat erst im Juli und nur für -kurze Zeit ein. Bis dahin, sowie nach Trennung war England jedem -einzelnen der Verbündeten gewachsen und dementsprechend spielten sich die -Ereignisse im großen und ganzen zu seinen Gunsten ab. Vergeblich hatte -Frankreich versucht, Spanien sowie Holland zu einem frühzeitigen -Zusammenziehen der Flotten und zu gemeinsamem Vorgehen im Kanal zu -bewegen. Holland war neben dem Schutze seines Handels und seiner Küsten -dazu nicht imstande; Spanien hatte einzig Gibraltar im Auge ohne -Verständnis dafür, daß der Belagerung kein größerer Dienst geleistet -werden könne als durch die Niederkämpfung der englischen Flotte. Dieses -Ziel aber scheint Frankreich für 1781 im Auge gehabt zu haben, um dadurch -dem Handel Englands den Garaus zu machen, sowie seinen Verkehr mit den -auswärtigen Besitzungen und Stationen zu unterbinden; von der Absicht -einer Invasion, von Zusammenziehen eines Landungsheeres berichten die -Quellen nichts. - -$Admiral Darby versorgt Gibraltar, April 1781.$ Die Belagerung dieser -Festung, die später (1782) geschildert werden soll, machte zwar keine -Fortschritte, aber die Stadt hatte seit der Versorgung durch =Rodney= im -Januar 1780 keine Zufuhren mehr erhalten und litt Mangel; schon seit -Oktober waren die Rationen vorsichtshalber herabgesetzt. Englands erste -Sorge war deshalb, der Not abzuhelfen. Vizeadmiral =George Darby=, Chef -der Kanalflotte, ging am 13. März mit 28 Linienschiffen und einem großen -Konvoi nach auswärts segelnder Kauffahrer von Portsmouth in See; ein für -Ostindien bestimmtes Geschwader von 5 Linienschiffen unter Kommodore -=George Johnstone=, gleichfalls mit einem Konvoi, schloß sich bis Kap -Finisterre an. Die Fahrt erlitt eine Verzögerung von einigen Tagen, da -Darby an der irischen Küste auf die in Cork gesammelten Transporter für -Gibraltar und Minorka warten mußte. Doch dies gereichte ihm zum Glück. - -Am 22. März verließ nämlich Admiral =de Grasse= Brest mit 26 -Linienschiffen, von denen 20 nach Westindien, eins nach Nordamerika und 5 -unter Kommodore =Suffren= nach Ostindien bestimmt waren. Durch einen -Zusammenstoß Darbys mit ihm wäre die Versorgung Gibraltars ernstlich -gefährdet worden. So kam es nur zwischen den Geschwadern Suffrens und -Johnstones am 16. April auf der Rhede von Porto Praya zum Kampfe; die -Engländer gaben infolgedessen den beabsichtigten Angriff auf die -Kapkolonie auf. =Darby= aber erreichte, ohne auf einen Feind zu stoßen, -am 11. April Kap Spartel. Die große spanische Flotte, etwa 30 -Linienschiffe unter =Don Luis de Cordoba=, war zwar in See gewesen, hatte -sich jedoch auf die Nachricht vom Nahen der Engländer wieder auf Cadiz -zurückgezogen, wo Darbys Ausguckschiffe sie ruhig vor Anker liegen sahen. -Der spanische Admiral scheint nicht gewagt zu haben, dem durch die -Transporter noch behinderten Gegner entgegenzutreten. Der englische -Admiral ließ Cadiz durch Fregatten beobachten, blieb mit der Hauptflotte -unter Segel und sandte seine Nachhut unter Kontreadmiral =Sir Lockhart -Roß= mit den Transportern nach Gibraltar; gleichzeitig gingen einige für -Minorka bestimmte Vorratsschiffe dorthin ab. - - =Admiral Roß= wurde zwar von den Belagerungsbatterien mit heftigem - Feuer empfangen und auch von kleinen Kanonenbooten angegriffen, die - eigens für die Belagerung erbaut, sowohl zum Rudern wie zum Segeln - eingerichtet und mit einem besonders langen, daher weittragenden - 26-Pfünder armiert waren. Seine Kriegsschiffe erlitten jedoch keinen - wesentlichen Schaden und die Transporter konnten unbehelligt gelöscht - werden. - -Am 19. April vereinigte sich die Nachhut wieder mit der Flotte, die dann -die Rückfahrt antrat und am 22. Mai Portsmouth erreichte. Gibraltar war -nun auf längere Zeit versorgt. Auch auf der Heimreise stieß =Darby= auf -keinen Gegner. - -$Admiral de La Motte-Picquet nimmt einen englischen Konvoi.$ (Die =Beute -Rodneys in Westindien=.) Wie erwähnt, hatte Frankreich für dieses Jahr -den Handelskrieg besonders ins Auge gefaßt, für den auch jetzt wieder -höhere Seeoffiziere eintraten, und zwar unter Hinweis darauf, daß der -Kampf gegen den englischen Handel nicht wie bisher durch einzelne -Kriegsschiffe und Freibeuter, sondern wie zu den Zeiten =Jean Barts= und -seiner Schüler durch Geschwader geführt werden müsse. Im Januar hatte -auch eine kleine Division eine Kreuzfahrt vor dem Kanal unternommen, -diese war aber nur von kurzer Dauer und blieb ohne Erfolg. - -Später sprach der bewährte und in diesem Dienst erfahrene Chef d'Escadre -=de La Motte-Picquet= aufs neue dafür, als sich im April eine besonders -gute Gelegenheit bot. Man hatte erfahren, daß von Westindien der -Kommodore =Hotham= mit nur 4 Linienschiffen einen Konvoi geleite, der -Rodneys Beute vom Januar auf der holländischen Insel St. Eustache nach -England führte. La Motte erbat und erhielt die Erlaubnis, diesen -abzufangen, obgleich der Marineminister anfangs Bedenken trug, weil -Darbys Rückkehr zur gleichen Zeit in Aussicht stand. So ging La Motte am -24. April mit 6 starken Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Kuttern in See, -um auf der Linie Azoren-Scillys gegen englische Konvois zu kreuzen. Das -Glück war ihm hold, und er traf am 2. Mai auf den genannten wertvollen -Transport, nahm von 30 Fahrzeugen 22, die einen Wert von 5 Millionen -Francs hatten, und führte sie nach Brest. Hotham konnte es nicht -hindern, rettete aber seine Kriegsschiffe. =Darby= erhielt auf der -Heimreise Nachricht hiervon und zweigte sofort 8 Linienschiffe zur -Verfolgung der Franzosen ab, erreichte diese jedoch nicht mehr; nur ein -französisches, von seinem Geschwader abgekommenes Linienschiff hatte am -14. und 15. Mai dicht vor Brest ein Gefecht mit dem vordersten der -Verfolger zu bestehen, lief aber glücklich ein. - -$Die Verbündeten greifen Minorka an und erscheinen im Kanal 1781.$ -Spanien, verdrossen über die Verproviantierung Gibraltars, beabsichtigte -durch die Eroberung Minorkas einen Gegenstoß zu führen und ersuchte -Frankreich um Mitwirkung; dieses sagte zu, wohl in der Hoffnung, dadurch -auch ein gemeinsames Auftreten im Kanal zu erreichen. Am 25. Juni führte -Lieutenant-Général =de Guichen= 19 Linienschiffe[154] nach Cadiz und trat -unter den Oberbefehl des Admirals =de Cordoba=, dem nun 49 Linienschiffe, -sowie gegen 20 Fregatten und kleinere Fahrzeuge zur Verfügung standen. -Mit der Unterstellung seines Admirals unter den spanischen brachte -Frankreich dem guten Einvernehmen ein großes Opfer, da man doch aus den -Berichten der Flaggoffiziere in den Vorjahren die geringe -Leistungsfähigkeit Cordobas kannte. Die mächtige Flotte verließ am 23. -Juli Cadiz, führte die gegen Minorka bestimmte Expedition ins Mittelmeer, -bis sie vor englischen Kreuzern sicher erschien, und trat dann die Fahrt -nach dem Kanal an. Minorka ward leicht besetzt und auch die Zitadelle von -Port Mahon fiel im Februar 1782; der Verlust dieses Stützpunktes war -jedoch für England nicht von Bedeutung, da es in diesem Kriege das -Mittelmeer nicht zu behaupten vermochte. - - [154] Lacour II spricht im Gegensatz zu sämtlichen anderen Quellen von - 24 Linienschiffen, gibt dann aber die Gesamtstärke auch nur auf - 49 an. - - $Die Eroberung Minorkas durch Spanien 1781/82.$ Die Insel mit ihrem - trefflichen Hafen =Port Mahon= war bisher von beiden Parteien außer - acht gelassen. England war nicht imstande, auch im Mittelmeer eine - starke Flotte zu halten, und infolgedessen war dieser Stützpunkt für - die Verbündeten gleichfalls ohne Wichtigkeit gewesen. Aber Spanien - reizte es stets, den Platz im Besitze Englands zu sehen, und der - spanische wie der französische Handel litten immerhin durch die - feindlichen Freibeuter, die von hier aus ihr Handwerk betrieben. Man - hoffte bei der Eroberung leichtes Spiel zu haben; die Engländer hatten - zwar Port Mahon stark befestigt, aber der Kommandant, General =Murray=, - verfügte nur über etwa 3000 Mann, ein englisches und zwei hannoversche - Bataillone sowie gegen 200 Seeleute. Die spanische Expedition bestand - aus 9 Kriegsschiffen unter Admiral =Buonaventura Moreno=, zu denen vor - Cartagena noch 3 Linienschiffe stießen, und 11000 Mann vom - Belagerungsheere vor Gibraltar unter dem =Herzog von Crillon=, einem - Franzosen in spanischen Diensten. Da keine Störung durch englische - Schiffe zu befürchten war, wählte man nicht, wie die Franzosen 1756, - den weiter entfernten Hafen von Ciudadela zur Ausschiffung, sondern - landete am 8. August gleichzeitig etwa 3-4 Seemeilen im Norden und im - Süden Port Mahons. Man hoffte so, den Gegner zu überraschen, aber es - gelang Murray doch, seine Außenposten heranzuziehen und reichlich - Proviant in die Zitadelle Fort San Felipe zu schaffen. Dahin zog er - sich zurück, da seine Kräfte nicht ausreichten, auch die sonstigen - Befestigungen der Stadt zu besetzen. - - Die Franzosen fanden in dieser reiche Beute: Bargeld im Werte von 25000 - Goldpiastern, Ladungen der durch Freibeuter aufgebrachten Prisen, - Getreidemagazine, Waffen, Munitionsvorräte, sowie Material zum - Ausbessern von Schiffen in solchen Mengen, wie sie in den Häfen von - Cadiz, Cartagena und Ferrol zusammen nicht vorhanden waren -- nach - Ausspruch Morenos --, ein bedenkliches Zeugnis für die spanischen - Kriegshäfen. =Crillon= schloß die Zitadelle ein, denn zu einer - regelrechten Belagerung war er nicht ausgerüstet, da man die Expedition - auf Überraschung angelegt hatte. Der förmliche Angriff begann erst im - Oktober, nachdem die Belagerungsgeschütze sowie Verstärkungen von - Barcelona und auch 4000 Franzosen von Toulon eingetroffen waren. Die - Angriffsmacht zählte jetzt 16000 Mann mit 109 schweren Kanonen und 36 - Mörsern. Trotzdem kapitulierte =Murray= erst am 4. Februar 1782, nur - durch Hunger und Krankheit überwunden. Seine Leute litten schwer unter - Skorbut und Dysenterie, bei der Übergabe waren nur noch 660 Mann - dienstfähig und auch von diesen nur 100 ganz gesund, 415 Mann waren - aber allein für die Besatzung der notwendigen Wachen erforderlich, es - konnten also keine Ablösungen eintreten. Das Belagerungsheer zog dann - im Mai wieder vor Gibraltar. =Crillon= wurde »wegen seines Erfolges« - zum Oberbefehlshaber hier ernannt und mit dem Titel »Herzog von Mahon« - ausgezeichnet. - -=Cordoba= steuerte mit der mächtigen Flotte vom Kap St. Vincent aus nach -Norden, jedoch in größerer Entfernung vom Lande, damit die Engländer -nicht durch Kauffahrer unter der Küste Nachricht erhielten, aber seine -Hoffnung, die feindliche Flotte in der Biskaya anzutreffen, erfüllte sich -nicht. Vor dem Kanaleingange breitete er seine Schiffe, insbesondere die -leichten, von Ouessant bis zu den Scillys aus, um den ganzen Kanal unter -Beobachtung zu halten. In England hatte man tatsächlich keine Nachricht. -Admiral =Darby= war nach zeitraubender Instandsetzung seiner Flotte am 1. -August wieder mit 30 Linienschiffen in See gegangen, da um diese Zeit die -Rückkehr der großen Konvois bevorstand. Infolge widriger Winde stand er -erst bei Kap Lizard, als er durch ein Handelsschiff von der Nähe des -Feindes erfuhr. Unfähig, der Übermacht entgegenzutreten, ging er nach -Torbay und nahm hier am Eingange der Bucht eine Verteidigungsstellung -ein. - -Den Verbündeten bot sich jetzt Gelegenheit, mit einem Schlage den größten -Teil der englischen Seestreitkräfte zu vernichten. =Guichen=, der in -Person die Stellung des Feindes erkundet hatte, sprach sich in einem -Kriegsrate der Flaggoffiziere begeistert für rücksichtslosesten Angriff -aus und =La Motte-Picquet= sowie der spanische Admiral =Don Vincent Droz= -schlossen sich ihm mit Entschiedenheit an. Aber =Cordoba= war anderer -Ansicht, und als der Chef =d'Escadre de Bausset=, ein besonders -leidenschaftlicher Anhänger des Handelskrieges, dafür eintrat, den Kampf -zu meiden und statt dessen lieber die englischen Konvois abzufangen, -stimmte er ihm zu, und seinem Beispiele folgten die übrigen spanischen -Flaggoffiziere. Cordoba führte jedoch auch diese Aufgabe nicht durch; -möglich, daß er die herankommende Zeit der Herbststürme fürchtete, da wie -1779 seine Schiffe in schlechter Verfassung waren und der -Gesundheitszustand der Besatzungen zu wünschen übrig ließ. Am 5. -September gab er in der Nähe von Ouessant Befehl zur Auflösung der Flotte -trotz der Bitten Guichens, wenigstens noch einige Zeit gegen die -englischen Konvois und zum Schutz gleichfalls erwarteter französischer -zu kreuzen. Er segelte mit seinen 30 Schiffen, sowie 9 französischen nach -Cadiz und entließ =Guichen= mit dem Rest nach Brest. - -$Hollands Eintreten in den Krieg. Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. -August 1781.$ =Holland=[155] hatte mit Ausbruch des Krieges, Ende -Dezember 1780, seinen Handelsschiffen verboten, ohne Erlaubnis die -Heimatshäfen zu verlassen; teils um sie vor Aufbringen durch die -Engländer zu bewahren, teils um ihre Besatzungen für die Kriegsschiffe -heranziehen zu können. Ferner wurde zur Warnung schleunigst an alle -Kriegsschiffe in fernen Gewässern, sowie an die Kolonien die Nachricht -vom Ausbruch des Krieges gesandt; die Botschaft traf jedoch an den -meisten Orten zu spät ein. Von den 69 Kriegsschiffen Hollands befanden -sich 51 im Dienst oder doch zu sofortiger Indienststellung bereit. Aber -schon bald fielen einige in Feindeshand, andere wurden im Auslande vom -Gegner blockiert gehalten, so daß in Holland selber im Januar 1781 nur 33 -Schiffe -- darunter 11 Linienschiffe, nämlich 2 zu 70 und 74 Kanonen, 2 -zu 60 und 68, 7 zu 50-54 -- bereitstanden, und auch diese waren nur -mangelhaft ausgerüstet und bemannt. Der Versuch, fertige Schiffe in den -Staaten der »Bewaffneten Neutralität«, besonders in Dänemark und -Schweden, zu kaufen, scheiterte wohl infolge englischer Einwirkung. - - [155] Anschließend an Seite 298, (Ende Europäische Gewässer 1780), - Kleindruck. Über die jetzt hier folgenden Verhältnisse und - Ereignisse, sowie über Zusammenstöße einzelner holländischer - Schiffe mit englischen sehr genaue Angaben in de Jonge, Band IV, - Seite 474 ff. - -[Illustration: Johan Arnold Zoutman.] - -So war es im Frühjahr weder möglich, englische Konvois von Bremen und -Hamburg abzufangen, noch für die übliche Frühjahrsfahrt der eigenen -Handelsschiffe nach der Ostsee eine genügend starke Begleitung -aufzustellen, obgleich auch die Engländer in der Nordsee nur geringe -Streitkräfte hatten. Erst im Juni wagte man es, den Ostseekonvoi -abzusenden, und es sammelten sich nach und nach im Vliestrome 70 -Kauffahrer. Das Zusammenziehen des Begleitgeschwaders verzögerte sich, -und erst am 1. August konnte die Reise unter Führung des Schout biy Nacht -=Johan Arnold Zoutman= angetreten werden; selbst jetzt noch fehlten zwei -Linienschiffe zu 74 und 60 Kanonen, durch widrige Winde zurückgehalten, -die bei dem Zusammentreffen mit dem Feinde voraussichtlich von großem -Nutzen gewesen wären. - -Englischerseits hatte der Vizeadmiral =Hyde Parker= im Juni mit 5 -Linienschiffen einen Konvoi von 500 Segeln in die Ostsee geführt und kam -Ende Juli mit 200 Handelsschiffen in die Nordsee zurück; hier stieß noch -ein Linienschiff zu ihm, das ihm mit der Nachricht vom Sammeln der -Holländer entgegengeschickt war. - -=Zoutman und Hyde Parker= trafen am 5. August =auf der Doggerbank= in -einer Schlacht zusammen, die von beiden Admiralen in einer so einfachen, -an alte Zeiten erinnernden Art durchgeführt wurde, daß sie fast -belustigend wirken könnte, wenn der Kampf nicht so überaus blutig gewesen -wäre. - - $Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781[156].$ Beide - Geschwader zählten 7 Schiffe in der Linie, die sich in folgender - Reihenfolge gegenüberstanden: - - die holländischen: 54 Kanonen, 74, 40, 54, 68*, 54, 68 } * Die Flagg- - die englischen: 74 " 44, 60, 74*, 80, 50, 64 } schiffe - - [158] Besonders benützte Quellen: Clowes, Band III, Seite 505 ff.; de - Jonge, Band IV, Seite 514 ff. In letzterer ist die Schlacht sehr - genau mit Eingehen auf den Kampf der einzelnen Schiffe - beschrieben. - - Von den englischen Schiffen waren nur die zu 74 Kanonen gute, neue - Fahrzeuge; die übrigen stammten aus alten Beständen und man hatte sie - ihres Zustandes halber sogar mit leichteren Kalibern armieren müssen, - als ihrer Klasse entsprach. Dennoch standen englischerseits in einer - Breitseite 223 Geschütze gegen 206 holländischerseits und das - Geschoßgewicht einer Lage war 4347 Pfund gegen 3474. - - Die englische Linie ward durch 4, die holländische durch 5 schwere - Fregatten unterstützt, die sich bei Beginn der Schlacht dicht in - Feuerlee ihrer Schlachtschiffe hielten. Auf beiden Seiten deckten - einige Fregatten sowie kleinere Fahrzeuge die Konvois, die weiterab auf - der dem Kampfe abgewandten Seite segelten. Als Hyde Parker zum Angriff - schritt, gab er seinem Konvoi sofort Befehl, nach England - weiterzufahren. - - Bei Tagesanbruch sichteten sich die Gegner. Es wehte frisch von - Nordost, aber die See war glatt; die Holländer hatten die Leestellung. - =Zoutman= bildete die »Kiellinie beim Winde« über Steuerbordbug mit - einer Kabellänge Zwischenraum zwischen den Schiffen. Er führte nur - Mars- und Vorsegel, woraus hervorging, daß er den Angriff erwartete. - =Parker= befahl trotzdem, und obgleich er den ganzen langen Sommertag - vor sich hatte, zunächst »allgemeine Jagd«; er wollte sich den Kampf um - keinen Preis entgehen lassen; er war immer noch erbittert über Rodneys - Vorwurf nach der Schlacht am 17. April 1780, sowie darüber, daß die - Admiralität ihm vorgeworfen hatte, er habe als stellvertretender - Oberbefehlshaber in Westindien, von Byrons Heimreise bis zu Rodneys - Ankunft, nicht schneidig genug gehandelt. So jagten die englischen - Schiffe auf den Feind zu, wobei die schlechteren Segler alles beisetzen - mußten und nicht Zeit hatten, Vorbereitungen zum Gefecht zutreffen. Um - 6-1/4 Uhr vormittags wurde der Befehl gegeben, Dwarslinie zu bilden; - jetzt kam Ordnung in die Aufstellung, aber die langsameren Schiffe - waren noch beschäftigt, ihr Leesegelsgut zu bergen, als kurz vor 8 Uhr - der Befehl zum Nahkampf folgte. - - Die holländischen Schiffe erwarteten den Angriff in einer Ordnung wie - bei der Parade. Die Besatzungen standen auf ihren Gefechtsstationen, - die Seesoldaten auf Deck mit geschultertem Gewehr. Kein Schuß fiel bei - der Annäherung der Engländer, die man doch unter verheerendes - Enfilierfeuer hätte nehmen können. Erst als sie etwa auf Schiffslänge - zum Kampfe aufdrehten, =Parker= um 8 Uhr den ersten Schuß feuerte und - die rote Flagge heißte, gab auch =Zoutman= das Signal zum Eröffnen des - Feuers. Der englische Admiral hatte nach üblicher Weise seine Linie so - herangeführt, daß er mit seinem Flaggschiff, dem vierten von vorn, das - feindliche, das fünfte von vorn, angriff. Da beide Geschwader tadellos - ausgerichtet waren, hatten nunmehr anfangs das letzte englische Schiff - und das vorderste holländische keinen Gegner, später griffen diese dann - in ihrer Nähe ein, und so waren die Engländer vorn, die Holländer - hinten im Nachteil. Bis 11 Uhr wurde auf das erbittertste gefochten. - Jetzt war das holländische Schlußschiff durch seine zwei Gegner fast - außer Gefecht gesetzt und Parker segelte nun, gefolgt von den - Hinterleuten, zwischen seinem schwer beschädigten Vordermann und der - feindlichen Linie hindurch auf, um das Gleichgewicht vorn herzustellen. - Das Manöver wurde unter heftigstem Kugelwechsel ausgeführt und brachte - die englische Linie in Unordnung. Um diese wieder herzustellen, ging - =Parker= mit seinen Schiffen höher an den Wind, konnte aber seine - Absicht nicht durchführen, da die Takelagen sehr zerschossen waren. - =Zoutman= blieb noch eine halbe Stunde liegen, »um das Feld behauptet - zu haben«, und nahm dann Verbindung mit seinem Konvoi, den er gegen 10 - Uhr nach Texel zurückgeschickt hatte; ihm zu folgen, waren die - Engländer vorläufig nicht imstande. - - =Der Verlust= der Engländer in dem dreieinhalbstündigen Kampfe betrug - 104 Tote und 339 Verwundete, mehr als in größeren Schlachten dieses - Krieges, in denen sich 20-30 Schiffe auf jeder Seite gegenüberstanden. - Die Holländer verloren gar 142 Tote und 403 Verwundete. Beide Gegner - hatten auf den Rumpf der Schiffe gefeuert, so waren die Beschädigungen - in den Takelagen nicht schwer, wenn sie auch für kurze Zeit die - Manövrierfähigkeit behinderten. Kein Schiff war genommen; nur ein - holländisches (das letzte in der Linie) sank auf der Weiterfahrt, doch - konnte die Besatzung bis auf wenige Schwerverwundete gerettet werden. - - $Beurteilung der Führer.$ Beide Admirale zeigten, daß ihre taktische - Befähigung nicht auf der Höhe der Zeit stand. =Parkers= Angriff war - übereilt und unvorteilhaft angesetzt. Er schob aber die Schuld seines - Mißerfolges auf die Schiffe und erklärte dem Könige, der das Geschwader - besuchte: »Ich wünsche Ew. Majestät bessere Schiffe und jüngere - Admirale. Ich bin zu alt.« Der sonst so brave Offizier verscholl bald - darauf mit seinem Schiffe, als er zur Übernahme des Oberbefehles nach - Ostindien segelte. -- =Zoutman= war ein vielbefahrener Seemann, hatte - aber infolge der Tatlosigkeit der holländischen Marine in den letzten - Kriegen und ihres Verfalles in seinen 44 Dienstjahren keine Gelegenheit - gehabt, Erfahrungen im Kriege sowie in der Führung größerer Verbände zu - sammeln. Aber er, seine Offiziere und Leute haben mit der alten - holländischen Tapferkeit und Hartnäckigkeit gefochten, die Ehre ihrer - Flagge aufrecht erhalten und sich die Anerkennung ihres Volkes sowie - ihrer Gegner errungen. - -=Die Schlacht auf der Doggerbank= ist nach vorstehendem wohl =taktisch -unentschieden= zu nennen, sie war =aber ein strategischer Erfolg der -Engländer=, denn ihr Konvoi erreichte sein Ziel, während der holländische -die Reise aufgeben mußte. Auch unternahm Holland in diesem Jahre nichts -weiter. - -$Vernichtung eines französischen Konvois für Westindien, Dezember 1781.$ -Der Schluß des Jahres brachte Frankreich noch einen Mißerfolg, der von -größerer Bedeutung war als alle bisherigen Ereignisse in Europa. Schon -seit dem Sommer bestand die Absicht, der Flotte in Westindien -Mannschaften, Vorräte, Kriegsmaterial sowie einige Linienschiffe behufs -Ablösung anderer zu senden, aber erst spät im Jahre waren die Transporter -mit dem Material bereit. Am 10. Dezember verließ =de Guichen= mit 19 -Linienschiffen Brest. Er sollte die Transporter sowie zahlreiche -Handelsschiffe, insgesamt 150 Segel, in die offene See geleiten, dann 5 -Schiffe mit den Fahrzeugen für Westindien und 2 mit solchen für Ostindien -entlassen, selber aber mit 12 nach Cadiz gehen. - -In England war man von dem Plane unterrichtet und sandte schon am 2. -Dezember den Admiral =Richard Kempenfelt= in See; in der Annahme, daß die -Bedeckung des Konvois nicht stark sein werde, gab man ihm nur 12 -Linienschiffe mit. Am 12. Dezember nachmittags trafen sich die Gegner -etwa 150 Seemeilen südwestlich von Ouessant bei frischem Winde mit -Hagelböen; die Engländer standen zu Luward. - -Der sonst so vorsichtige französische Admiral hatte eine grobe -Nachlässigkeit dadurch begangen, daß er mit seinen Kriegsschiffen in Lee -voraus von dem Konvoi segelte. Infolge des unsichtigen Wetters bemerkte -er die englische Flotte erst zu spät, als es plötzlich aufklarte. -Obgleich er nun sofort ihr entgegenzutreten suchte, so hatte sie doch -bereits den Konvoi erreicht, zersprengte ihn und nahm angesichts der -feindlichen Übermacht 24 Fahrzeuge. Der Rest floh nach der französischen -Küste und auch 9 der genommenen entwischten während der Nacht, aber 15 -wurden nach England gebracht, fast nur Transporter, die 1400 Mann und -viel Material an Bord führten. Am nächsten Tage versuchte =Guichen= den -Kampf zu erzwingen, =Kempenfelt= wich jedoch mit Rücksicht auf seine -Schwäche aus; nur zwischen einigen Schiffen wurden Schüsse gewechselt. -Mehrere Tage darauf zerstreute ein Sturm die französische Flotte, die -noch auf der Suche nach Versprengten des Konvois geblieben war, und -mehrere Schiffe, unter ihnen das Flaggschiff, wurden halb entmastet. Von -der ganzen Expedition gelangten nur 2 Linienschiffe und 5 Handelsschiffe -unter dem Chef d'Escadre =de Vaudreuil= nach Westindien, auch einige der -nach Ostindien bestimmten Schiffe erreichten ihr Ziel. Der Admiral =de -Guichen= bat nach diesem Fehlschlage um seinen Abschied, wurde jedoch -wegen seiner bisherigen Verdienste im Kommando der Brestflotte belassen. - -$Ein Rückblick auf die Ereignisse in den europäischen Gewässern 1781$ -zeigt, daß England im Vorteil blieb, obgleich die Verbündeten stärker -waren. Es verlor Minorka, für diesen Krieg keine Sache von Bedeutung, und -büßte die Beute ein, die den Holländern in Westindien abgenommen war. -Diese Verluste wurden aber reichlich aufgewogen durch die Zerstreuung des -für Westindien bestimmten französischen Konvois, der für den Handel -Frankreichs und die Schlagfertigkeit seiner Flotte dort so wichtig war, -und durch die Verproviantierung Gibraltars sowie den Umstand, daß der -Handel im Kanal unangetastet blieb. Wie in den beiden Vorjahren, war das -materielle Übergewicht der Verbündeten infolge ihrer Uneinigkeit und -ihres Mangels an Tatkraft nicht zur Geltung gekommen. Da sich ihre -Streitkräfte nicht rechtzeitig vereinigten, gelang es England, an Brest -und Cadiz vorüber Gibraltar Zufuhr zu senden. - -Ein Wagnis blieb dies immerhin, denn als =Darby= absegelte, war =de -Grasse= noch in Brest, und Cordoba in Cadiz war ihm überlegen; wenn es -sich nur um eine Seeschlacht gehandelt hätte, so brauchte man allerdings -die spanische Flotte nicht nach ihrer Schiffszahl einzuschätzen, aber -eine andere Sache war es doch, einen großen Konvoi sicher nach einem Orte -dicht bei dem feindlichen Stützpunkt zu führen und dort zu löschen. -- -Die später im Kanal erscheinende mächtige Flotte der Verbündeten, die -hauptsächlich den englischen Handel vernichten sollte -- gewiß ein -verständigeres, weil leichter erreichbares Ziel als eine Invasion --, -blieb untätig; sie griff weder die schwächeren Seestreitkräfte Englands -an, durch deren Überwindung sie ihr Ziel am sichersten erreicht hätte, -noch verweilte sie lange genug, um wenigstens einigen Erfolg gegen -englische Konvois zu haben. Diese Tatlosigkeit ist vor allem den Spaniern -zuzuschreiben, und es soll denn auch das Fehlschlagen des kostspieligen -Unternehmens dem guten Einvernehmen zwischen den verbündeten Staaten sehr -geschadet haben. - -=England= hat 1781 auf diesem Kriegsschauplatze mit 40 Schiffen 70 der -Gegner einschließlich Hollands in Schach gehalten, aber es hätte -vielleicht doch noch mehr erreichen können. Schon zu jener Zeit ist -innerhalb und außerhalb des Parlamentes die Frage aufgeworfen, ob es -nicht richtiger gewesen wäre, die Zufuhr für Gibraltar aufzuschieben und -=Darby= statt dessen zum Abfangen des schwächeren Geschwaders unter =de -Grasse= zu entsenden; durch Vernichtung dieser wären die Pläne -Frankreichs in Westindien und Nordamerika für 1781 vereitelt worden. An -leitender Stelle hat man aber wohl die andere Aufgabe für dringender -gehalten, obgleich durch ihre Lösung der größere Teil der Kanalflotte -aufs Spiel gesetzt wurde, auch war, wie der ganze Krieg zeigt, Englands -Strategie überhaupt nicht darauf bedacht, den Feind von den entlegenen -Kriegsschauplätzen fernzuhalten, trotzdem daß ein derartiges Verfahren -schon seit langem von allen hervorragenden Seeoffizieren für das allein -Richtige erklärt wurde. Wenn man ferner zum Abfangen der Flotte -=Guichens= eine stärkere als die =Kempenfelts= entsandt hätte, so hätte -man nicht nur den Transport festhalten, sondern auch durch Vernichtung -der ersteren der französischen Marine einen schweren Schlag zufügen -können; die Kanalflotte war hierzu stark genug und außerdem lagen Schiffe -bereit, die schon im Januar 1782 unter Rodney nach Westindien segelten. - - - Westindien und Nordamerika 1781. - -$Rodney erobert St. Eustache, St. Martin und Saba[157].$ Zu Anfang des -Jahres verfügte =Rodney= in Sta. Lucia über 22 Linienschiffe, während -Frankreich nur 4 in Martinique stationiert hatte. Am 27. Januar trafen -die Nachricht vom Ausbruch des Krieges mit Holland und der Befehl ein, -die holländischen Besitzungen anzugreifen. =Rodney= bestimmte 6 -Linienschiffe zur Überwachung von Martinique und ging mit der Hauptflotte -sowie einem Landungskorps unter General =Vaughan= am 30. Januar in See. -Sein erstes Ziel war die Insel =St. Eustache=. - - [157] Sehr eingehend geschildert in de Jonge, Band IV, Seite 458 ff. - - In $St. Eustache$ konnte man auf große Beute rechnen. Seit Ausbruch des - Krieges war diese Insel unter ihrer neutralen Flagge der - Haupthandelsplatz Westindiens für alle Völker geworden, und Waren - befanden sich hier stets in solchen Mengen angehäuft, daß die - zahlreichen Lagerhäuser sie nicht fassen konnten. Sie wurde auch - dadurch von militärischer Bedeutung, daß die Amerikaner, sowie die - französischen Inseln ihre Kriegsbedürfnisse zum großen Teil von dort - bezogen. Die Engländer waren bei ihrem eigenen großen Handel weniger - auf die Insel angewiesen, sahen sich aber durch die politische Haltung - der Holländer benachteiligt. So erhielt z. B. die französische Flotte - von St. Eustache Handwerker und Material, als sie nach der Schlacht am - 17. April 1780 Martinique nicht zum Ausbessern erreichen konnte, - während den Engländern, die nach dem großen Orkan im Oktober desselben - Jahres Tauwerk kaufen wollten, erklärt wurde, es sei keins am Markte; - tatsächlich fand man aber nach der Eroberung eine große Menge vor, die - dort schon lange lagerte. - -Als die englische Flotte am 4. Februar vor der Insel erschien, war dem -Gouverneur der Ausbruch des Krieges noch nicht bekannt; nicht in der Lage -Widerstand zu leisten, kapitulierte er noch am selben Tage. Eine -holländische Fregatte, die der Ehre der Flagge halber einige Schüsse -abgab, einige kleinere Kriegsfahrzeuge, 150 Kauffahrer sowie die Waren am -Lande fielen in die Hände der Engländer, ebenso wurde ein Konvoi von 30 -Handelsfahrzeugen nebst dem begleitenden Linienschiffe, der am Tage -vorher die Reise nach Europa angetreten hatte, noch abgefangen. Die -Gesamtbeute hatte einen Wert von über drei Millionen Lstrl. =Rodney= -bemächtigte sich dann noch der Nachbarinseln =St. Martin= und =Saba=, -später, am 15. März, auch der französischen Insel St. Barthélemy. Auf den -genommenen Inseln blieb die holländische Flagge wehen; hierdurch -getäuscht, liefen in der nächsten Zeit noch verschiedene holländische, -französische, sowie amerikanische Schiffe ein und wurden gleichfalls -genommen. Die nicht englischen Einwohner, besonders die Holländer, -verschickte man zwangsweise nach anderen Inseln, um den eroberten ihre -bisherige Bedeutung zu nehmen; zu gleichem Zwecke wurden die Lagerhäuser -zerstört oder wenigstens abgedeckt. - - =Rodney= versteigerte einen Teil der Beute öffentlich an Engländer, - Franzosen und Dänen. Den Rest sandte er auf 30 Handelsschiffen, gedeckt - durch Kommodore =Hotham= mit 4 Linienschiffen, nach England; wir hörten - schon, daß dieser Konvoi am 2. Mai an der europäischen Küste fast ganz - dem französischen Admiral =de La Motte-Picquet= in die Hände fiel. - =Rodney= und =Vaughan= haben bei der Beschlagnahme weder holländisches - Privateigentum noch neutrale Waren geschont, die nicht zur - Kriegskontrebande zählten. Ihr Auftreten erregte denn auch überall - Entrüstung. Selbst in England und sogar im Parlament sind sie - angegriffen; aber ohne weiteres Ergebnis, sie behielten ungestört ihre - reichen Prisenanteile. - -Es sei hier gleich erwähnt, daß die Engländer in den Monaten Februar und -März von Barbados aus auch die holländischen Besitzungen in =Guayana= -wegnahmen; =in Curaçao= dagegen, wo der Ausbruch des Krieges rechtzeitig -bekannt geworden war, trafen die Holländer genügende Vorbereitungen zur -Abwehr und blieben infolgedessen unbelästigt. Der holländische Handel -litt überall sehr durch englische Kreuzer und Freibeuter. - -$Admiral de Grasse in Westindien 1781. Zusammenstoß mit Hood bei -Martinique.$ Etwa eine Woche nach der Besetzung der Insel St. Eustache -brachte ein Handelsschiff die Nachricht dorthin, daß es am 31. Dezember -1780 in der Biskaya einen großen, für Westindien bestimmten französischen -Konvoi unter Geleit von 8 oder 10 Linienschiffen gesehen habe. =Rodney= -sandte daraufhin am 12. Februar den Kontreadmiral =Sir Samuel Hood= mit -11 Schiffen nach Martinique, um sich mit den dort schon befindlichen 6 zu -vereinigen und dann zu Luward genannter Insel zu kreuzen. Er erklärte es -für notwendig, selber behufs Durchführung von Maßregeln zur Sicherung der -Beute und der Insel noch bei St. Eustache zu bleiben und behielt zwei -Schiffe zurück. Die Nachricht über den Konvoi erwies sich bald darauf als -falsch, aber der Befehl für =Hood= blieb bestehen, nur wurde er -angewiesen, sich in Lee von Martinique zu halten. Er machte hiergegen -geltend, daß er dann leicht nach Lee vertrieben werden könne, aber -=Rodney= erklärte, daß es nach seinen Erfahrungen wohl durchführbar sei, -sich wochenlang dicht vor dem französischen Hafen zu halten und daß dann -die Schiffe, die zeitweise zum Wasser- oder Proviantauffüllen nach Sta. -Lucia gesandt werden müßten, leicht wieder zur Flotte stoßen könnten, -falls ein feindliches Geschwader von Europa ankäme. Bald aber sollte sich -die Berechtigung von Hoods Einwurf zeigen. - -=Lieutenant-Général de Grasse=[158] hatte am 22. März Brest mit 26 -Linienschiffen verlassen. Bei den Azoren zweigte er 5 von ihnen nach -Ostindien, 1 nach Nordamerika ab und segelte mit 20 nebst einem großen -Konvoi von Transportern und Handelsschiffen nach Westindien weiter; zur -Beschleunigung der Reise ließ er die schlechtesten Segler des Konvois von -Kriegsschiffen in Schlepp nehmen. Die Flotte sichtete Martinique am 28. -April und vernahm am Abend bei Point de Salines, der Südspitze der Insel, -von der Anwesenheit der englischen. Zur größeren Sicherheit seines -Konvois drehte =de Grasse= die Nacht über bei, setzte die Fahrt am -anderen Morgen fort und stieß gegen Mittag mit =Hood= zusammen[159], der -seine Ankunft erfahren hatte. Der Konvoi erreichte an diesem Tage Fort -Royal unbehelligt, da sich die englische Flotte nicht zwischen ihn und -den Hafen schieben konnte. Zu einer entscheidenden Schlacht nutzte aber -=de Grasse= seine Überlegenheit nicht aus; ihm war an dem sicheren -Einlaufen seiner Schutzbefohlenen zunächst mehr gelegen. - - [158] =François Joseph Paul Chevalier= (später Comte) - =de Grasse-Tilly=, geboren 13. September 1722, Garde-Marine 1739, - Lieutenant 1754, Capitaine 1762, Chef d'Escadre 1778, - Lieutenant-Général 22. März 1781, gestorben 11. Januar 1788. Er - hatte sich in den beiden letzten Kriegen als tüchtiger Offizier - bewährt, ohne jedoch besonders hervorzutreten. 1779 diente er - unter =d'Estaing=, 1780 unter =de Guichen= in Westindien. - Französische Quellen nennen ihn »tapfer, unterrichtet und - erfahren, aber mehr theoretisch als praktisch beanlagt; wohl - geeignet zum Geschwaderchef, aber nicht zum Führer großer - Flotten«. Wir werden sehen, daß er bei der Abfahrt von Westindien - nach Nordamerika Scharfblick, Schnelligkeit und Tatkraft zeigte. - Bei Dominica 1782 geschlagen und gefangen genommen, schob er alle - Schuld auf seine Untergebenen. Seine Taktlosigkeit hierbei sowie - seine Anfechtung des kriegsgerichtlichen Spruches zog ihm die - Mißachtung seiner Kameraden und die Ungnade des Königs zu. - - [159] =Sir Samuel Hood= (1782 Baron, 1796 Viscount), geboren 1724, - Kapitän 1756, Kontreadmiral 1780, Vizeadmiral 1787, Admiral der - blauen Flagge 1794, der weißen 1799, gestorben 27. Januar 1816. - Er nahm am Siebenjährigen Kriege als Leutnant und später als - Kommandant einer Fregatte mit Auszeichnung teil. Er war ein sehr - tüchtiger Admiral, wohl befähigt zur Führung großer Flotten. Er - stand 1781 in Nordamerika unter =Graves= und 1782 unter =Rodney= - in Westindien; beiden wies er verschiedene Fehler nach. 1782 - zeichnete er sich als Oberbefehlshaber bei St. Christopher in - strategischer und taktischer Hinsicht aus. Im nächsten Kriege - (1793 bis 1802) befehligte er 1793/94 die Mittelmeerflotte und - besetzte 1793 Toulon. - - $Das Gefecht bei Martinique am 29. April 1781.$ Die französische Flotte - zählte 20 Linienschiffe -- eins zu 100 Kanonen, 3 zu 80, 15 zu 74, 1 zu - 64 -- 3 Fregatten und 2 Kutter, die englische 18 Linienschiffe -- 1 zu - 90, 1 zu 80, 12 zu 74, 1 zu 70, 3 zu 64 --, 1 Fregatte und 1 Sloop. Es - muß hervorgehoben werden, daß von den französischen Linienschiffen nur - etwa die Hälfte, die englischen jedoch sämtlich gekupfert waren; - Rodneys Vorstellungen in dieser Hinsicht hatten Erfolg gehabt. - - Am 29. April in der Frühe rundete =de Grasse= die Südspitze von - Martinique bei östlichem Winde (Passat); =Hood= konnte dies nicht - hindern, da er zu weit in Lee stand. Der französische Konvoi segelte - unter der Küste nach Norden, von der Flotte in Lee gedeckt. Die - englische Flotte kam dieser mit südlichem Kurse entgegen, wendete gegen - 10-1/2 Uhr vormittags, so daß nun beide parallel steuerten, wobei die - französische Vorhut etwa querab von der englischen Mitte stand. Gegen - 11 Uhr eröffneten die Franzosen das Feuer, die Engländer antworteten - jedoch der großen Entfernung halber nicht. Um 11-3/4 Uhr befanden sich - beide Linien vor der Bucht von Fort Royal, die englische Spitze näherte - sich zu sehr ihrem nördlichen Strande und =Hood= wendete deshalb mit - der ganzen Flotte, alle Schiffe zugleich. Der französische Konvoi war - jetzt imstande, in die Bucht einzulaufen. =De Grasse= sah seine - Schutzbefohlenen in Sicherheit; er halste alle Schiffe zugleich, und um - diese Zeit hängten sich die vier im Hafen befindlichen Linienschiffe -- - 1 zu 74 Kanonen, 3 zu 64 -- ihm an. Beide Flotten steuerten nun - südlich, die Engländer in der Leestellung, aber es standen jetzt 24 - Franzosen gegen 18 Engländer. Die Manöver hatten die Gegner einander - näher gebracht, auch die Engländer nahmen das Feuer auf. - -[Illustration: de Grasse.] - - Gegen Mittag drehte =Hood= unter Marssegeln bei, des Angriffs gewärtig, - da er selber nicht näher an den Feind herankommen konnte. Die beiden - Flaggschiffe lagen querab voneinander, das Gefecht ward allgemein, aber - immer noch auf so weite Entfernung, daß nur wenige Schüsse ihr Ziel - erreichten. Da die Franzosen weiter segelten und ihre vordersten - Schiffe die englische Spitze überholten, nahm auch =Hood= um 1 Uhr die - Fahrt wieder auf. Als gegen 1-1/2 Uhr die beiden Spitzen vor dem Kanal - zwischen Martinique und Sta. Lucia anlangten, hier frischeren Wind - erhielten und vorliefen, befahl =Hood= seiner Flotte, sich geschlossen - zu halten und das Feuer abzubrechen; der Kampf der Spitzen setzte sich - aber noch einige Zeit fort und die vier vordersten Engländer hatten - dabei 8 Franzosen abzuwehren. =Hood= scheint sich dann nach - Wiederherstellung der Ordnung außer Schußweite gehalten und versucht zu - haben, den Feind von der Küste abzuziehen, sowie die Luvstellung zu - gewinnen. Aber auch =de Grasse= schritt nicht zum Angriff; es ist - anzunehmen, daß er sich nicht weiter von der Insel entfernen wollte, - ehe nicht sämtliche Fahrzeuge des Konvois einen sicheren Ankerplatz bei - Fort Royal erreicht hätten. - - =Der Verlust= an diesem Tage betrug auf französischer Seite 18 Tote und - 56 Verwundete (ein englischer Autor gibt allerdings die Zahlen 119 und - 150), auf englischer 39 Tote und 162 Verwundete. Die französischen - Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die vier - vordersten beträchtlich beschädigt; Hood mußte eins derselben nach St. - Eustache senden. - -Seiner Sorge um den Konvoi ledig und durch 4 Schiffe aus Martinique -verstärkt, während 4 englische Schiffe am 29. beschädigt waren, -beabsichtigte =de Grasse= am 30. April eine Schlacht herbeizuführen. -Jetzt aber hatte =Hood= keinen Anlaß mehr, sich einem so ungleichen -Kampfe, zumal in der Leestellung, auszusetzen. Er versuchte zwar, die -Luvstellung zu gewinnen, ließ aber den Feind nie nahe herankommen. Mit -seinen gekupferten Schiffen hatte er es in der Hand, die Entfernung zu -bestimmen; wenn die Franzosen die Jagd ernstlich aufnahmen, blieben ihre -ungekupferten zurück. Am Abend gab =Hood= das Spiel auf und nahm Kurs -nach Norden; er segelte nicht nach Sta. Lucia, da er befürchtete, daß -seine beschädigten Schiffe es bei der starken westlichen Strömung nicht -erreichen würden. =De Grasse= ankerte am 6. Mai vor Fort Royal. - - $Das Verhalten der beiden Admirale$ am 29. und 30. April ist einer - kurzen Betrachtung wert, um so mehr, da die beiderseitigen Autoren - mehrfach angeben, der Gegner sei einem Kampfe ausgewichen. Nun ist aber - wohl als sicher anzunehmen, daß =Hood= am ersten Tage den Kampf - erstrebt hat: Anfangs versuchte er an den Feind heranzukommen, später - bot er diesem Gelegenheit zum Angriff. Dies war eigentlich gewagt, da - der Gegner Verstärkung erhalten hatte. Am zweiten Tage hielt er weiter - das Feld, wahrscheinlich um abzuwarten, ob nicht der Zufall ihn in die - Lage setzen würde, einen Teil der französischen Flotte anzugreifen. - Seine seemännische Tüchtigkeit, sowie der Umstand, daß er durchgehends - über gekupferte Schiffe verfügte, erlaubten ihm das gewagte Spiel; ein - solches war es immerhin, denn leicht konnte er genötigt werden, seine - beschädigten Schiffe im Stich zu lassen oder ihrethalben eine - allgemeine Schlacht anzunehmen. =De Grasse= war am ersten Tage zu - vorsichtig, aber nach dem bekannten französischen Brauche sah er wohl - seine nächste Aufgabe in der unbedingten Sicherung des Konvois. - -=De Grasse= ging schon am 8. Mai zu einem =Angriff auf Sta. Lucia= -wiederum in See. Es lag den Franzosen besonders daran, sich in Besitz der -Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze dieser Insel, dem üblichen Ankerplatz -der englischen Flotten zur Beobachtung Martiniques, zu setzen. Der -Admiral hielt sich mit der Flotte zu Luward der Bucht, um jederzeit einem -nahenden Gegner entgegentreten zu können, und der kriegerische Gouverneur -von Martinique, =de Bouillé=, landete während der Nacht mit 1200 Mann. -Man fand aber die von =Rodney= angelegten Befestigungen zu stark, um -sich in kurzer Zeit festsetzen zu können, schiffte die Gelandeten wieder -ein und kehrte nach Fort Royal zurück. - -$Eroberung von Tabago.$ Am 8. Mai wurde auch eine Expedition gegen diese -Insel entsandt. Sie zählte 2 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und -1300 Soldaten unter Kapitän =d'Albert de Rions=. Am 22. Mai erfuhr =de -Grasse=, daß die Flotte Rodneys auf der Fahrt nach Süden, wahrscheinlich -nach Barbados, gesichtet sei. Besorgt um die Tabagoexpedition, ging er am -25. mit der Flotte in See und nahm 3000 Soldaten mit. =Rodney= hatte von -der Ankunft der französischen Flotte in Westindien erst durch ein Schiff -Kenntnis erhalten, das nach dem Gefecht bei Martinique beschädigt in St. -Eustache eingetroffen war. Er segelte sobald als möglich mit seinen -beiden unversehrten Schiffen, sowie dem in Eile ausgebesserten ab, traf -am 11. Mai bei Antigua auf =Hood= und führte nun die Flotte nach -Barbados, denn er fürchtete für diesen Hauptstützpunkt, der durch einen -Orkan verwüstet war und ohne seinen Schutz einem Angriffe kaum hätte -widerstehen können. Hier erfuhr er den Vorstoß der Franzosen gegen Tabago -und sandte am 29. Mai den Kontreadmiral =Drake= mit 6 Linienschiffen -dahin ab. Dieser sichtete am 30. die Flotte de Grasses und kehrte sofort, -eine Zeitlang verfolgt, nach Barbados zurück, wo er am 3. Juni morgens -eintraf. Jetzt setzte sich =Rodney= mit der ganzen Flotte in Bewegung, -aber es war zu spät. Am 4. in Sicht der bedrohten Insel angelangt, erfuhr -er, daß diese bereits am 2. Juni kapituliert habe. - - $Die Besetzung Tabagos$ war den Franzosen leicht gelungen. Am 24. Mai - landete die erste Expedition; der englische Gouverneur zog sich mit - seinen schwachen Kräften -- 400 Regulären, 500 Milizen, 6 Geschützen -- - in die Berge zurück. Am 30. wurden dann die Soldaten ausgeschifft, die - mit der Flotte kamen, und der Gouverneur sah sich genötigt, der großen - Macht gegenüber die Waffen zu strecken, zumal seine Leute übermüdet und - entmutigt waren. - -Die Oberbefehlshaber, beide tüchtige Admirale, standen sich nun einander -gegenüber, =de Grasse= mit 23 und =Rodney= mit 20 Linienschiffen, aber es -kam nicht zum Kampfe. =Rodney= stand zu Luward, griff jedoch nicht an. Er -erklärte später, die Besorgnis, nach einer vielleicht ungünstig -verlaufenen großen Schlacht mit den beschädigten Schiffen durch den -starken westlichen Strom nach Lee vertrieben zu werden, habe ihn vom -Angriff abgehalten; er würde dann in die schwierigen Gewässer der -Grenadinen, die wie auch St. Vincent in französischem Besitze waren, -geraten und der Gegner möglicherweise zwischen ihn und Barbados gekommen -sein. Er segelte nach der genannten Insel zurück. =De Grasse= verfolgte -nicht. Zufrieden mit der Einnahme Tabagos, lief er die Eroberungen des -Jahres 1779, Grenada sowie St. Vincent, an, überzeugte sich von ihrem -guten Verteidigungszustande und ankerte am 18. Juni bei Martinique. - -$De Grasse segelt nach Nordamerika, Hood folgt ihm.$ Der französische -Admiral verließ am 5. Juni 1781 Fort Royal mit seiner ganzen Flotte von -24 Linienschiffen, um 200 Handelsfahrzeuge nach Cap Français auf St. -Domingue zu geleiten, wo er am 16. eintraf; unterwegs war eins seiner -Linienschiffe infolge einer Explosion verbrannt. Hier fand er Briefe -=Washingtons=, =Rochambeaus= sowie =Barras=', des Geschwaderchefs in -Nordamerika, vor, in denen er dringend gebeten wurde, Unterstützung an -Schiffen, Soldaten und Geldmitteln (mindestens 1200000 Francs) nach der -Chesapeake- oder der Narragansettbucht zu senden, da ihre Lage -verzweifelt sei. Obgleich er Befehl hatte, 9 oder 10 Schiffe, die sich -schon seit 1778 in Westindien befanden, als Deckung des Konvois nach -Europa heimzusenden, entschloß er sich, mit der ganzen Flotte -- noch -verstärkt durch die 5 Schiffe der St. Dominguestation, die am 10. Juli -von der Expedition gegen Pensacola (s. Seite 307) zurückkamen -- während -der Orkanzeit nach der Chesapeakebucht zu gehen. Von diesem Entschluß -sandte er sofort Nachricht an Barras, so daß dieser wie die genannten -Generale schon am 15. August Kenntnis erhielten. Er schrieb dabei an -diesen, er möge ganz nach eigenem Ermessen handeln, sich mit ihm -vereinigen oder selbständig zum allgemeinen Nutzen vorgehen. Die -Vorbereitungen zur Abfahrt dauerten jedoch einige Zeit. - -Der Gouverneur von St. Domingue stellte 3200 Mann nebst einigen Feld- und -Belagerungsgeschützen erst, als ihm zur Sicherung seiner Kolonie ein -spanisches Geschwader von Kuba zugesagt war; das nötige Geld war in der -französischen Kolonie nicht aufzubringen, es mußte von Havanna bezogen -werden, wo zwar die Staatskassen leer waren, aber Privatleute die -verlangte Summe vorschußweise lieferten. Am 5. August ging =de Grasse= -mit 28 Linienschiffen in See. Um nicht durch Transporter aufgehalten zu -werden, waren die Truppen auf den Kriegsschiffen untergebracht, und um -den Marsch möglichst lange geheimzuhalten, wählte der Admiral den Weg -durch den wenig befahrenen Bahamakanal. Am 30. August 1781 ankerte die -französische Flotte im Eingange der Chesapeakebucht. - -=Rodney= erhielt von den Plänen und Bewegungen der Franzosen nicht -genügend Kenntnis, um volle Maßregeln ergreifen zu können. Er faßte die -Wahrscheinlichkeit ins Auge, daß der Kriegsschauplatz während der -Orkanmonate in die nördlichen Gewässer verlegt werden würde, und schickte -deshalb am 7. Juli Befehl an den Stationschef in New York, Admiral -=Graves=, zwischen diesem Hafen und der Chesapeakebucht Kreuzer zu -halten, die etwa von ihm gesandten Verstärkungen Nachrichten übermitteln -könnten. Als er dann am 9. Juli die Abfahrt der französischen Flotte von -Martinique nach St. Domingue erfuhr, befahl er dem Admiral =Hood=, sich -für Nordamerika bereit zu machen. Er teilte ihm aber nur 15 Linienschiffe -zu, da er gehört hatte, daß auch =de Grasse= nicht mehr dorthin senden, -sondern mit dem Rest seiner Flotte den Konvoi nach Europa geleiten würde. -Zwei Schiffe zweigte er zum Schutze von Handelsfahrzeugen nach Jamaika -ab, jedoch mit dem Befehl an den dortigen Chef, =Sir Peter Parker=, sie -und mit ihnen noch einige seiner Schiffe sofort nach Amerika -nachzusenden. Mit 2 oder 3 wohl einer Grundausbesserung bedürftigen -Schiffen ging =Rodney= selber aus Gesundheitsrücksichten =nach England=. - -=Hood= segelte, durch verschiedene belanglose Umstände aufgehalten, am -10. August von Antigua mit 14 Linienschiffen nach der Chesapeakebucht ab. -Kurz vorher war eine Brigg mit der Bitte =Graves=' um Unterstützung -eingetroffen. Sie wurde am 6. August mit der Nachricht von Hoods Kommen -zurückgesandt, fiel aber in Feindeshand. So blieb =Graves= im Gegensatz -zu seinen Gegnern lange ohne jede Kenntnis der Vorgänge, denn auch eine -am 7. Juli abgesandte Nachricht hatte ihn nicht erreicht. Das Schiff -langte zwar in New York an, traf aber den auf einer Kreuzfahrt -befindlichen Admiral nicht und ging verloren, als es ihn suchte. Eine -Abschrift dieser Nachricht fand =Graves= erst am 16. August in New York -vor, das Kommen Hoods erfuhr er erst kurz vor dessen Ankunft am 28. -August. - -Mit der Abfahrt der Flotten wurde für 1781 Nordamerika Kriegsschauplatz. -In Westindien begannen die Operationen erst wieder nach der Rückkehr de -Grasses. - -$In Nordamerika$ war der Landkrieg zu Ende des Jahres 1780 sowohl im -Norden wie in den Carolinas zum Stillstande gekommen. Die Verbündeten -wagten nicht, ohne weitere Unterstützung von Frankreich etwas gegen New -York zu unternehmen (vgl. Seite 311); die Engländer hatten ihre Erfolge -im Süden aufgeben und sich auf Winnsborough zurückziehen müssen, um -Verstärkungen zu erwarten (Seite 309). Das französische Geschwader von 7 -Linienschiffen lag unter Kapitän =Des Touches= in der Narragansettbucht -und wurde von dem englischen Admiral =Arbuthnot= mit 12 (?) -Linienschiffen von New York und der Gardinerbucht (Long Island) aus -beobachtet. - -Um die Jahreswende aber kam wieder Leben in den Krieg im Süden. General -=Clinton= benutzte wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden zu -kräftigerem Auftreten dort, indem er im Dezember 1780 den General -=Leslie= mit Verstärkungen nach Charleston und gleichzeitig den General -=Arnold= zu einem Angriff auf Virginien entsandte. Die Ereignisse auf dem -südlichen Kriegsschauplatze im Jahre 1781 wurden entscheidend für den -Kampf Englands mit seinen Kolonien, und die Beherrschung des Meeres -spielte bei ihnen die Hauptrolle, so daß wir die Unternehmungen am Lande -und zu Wasser nicht voneinander trennen können[160]. - - [160] Auf die Ereignisse am Lande soll nur soweit eingegangen werden, - als es nötig erscheint, um die Tätigkeit der Seestreitkräfte - sowie den Verlauf des ganzen Krieges beurteilen zu können; ihre - Schilderung wird deshalb nicht vollständig, selbst nicht immer - ganz genau sein. - -$Cornwallis dringt nach Virginien vor. Frühjahr 1781.$ Sobald =Leslie= -mit 3000 Mann in Charleston eingetroffen war, zog =Cornwallis= einen Teil -dieser Truppen an sich und brach dann von seinem Winterlager aufs neue -gegen Nordcarolina auf; =Leslie= folgte mit dem Reste. Der amerikanische -General =Greene= fühlte sich mit seinen Milizen und schlecht geschulten -Soldaten diesen regulären Truppen im Felde nicht gewachsen; er ließ einen -Teil seines Heeres unter General =Morgan= den Kleinen Krieg in -Südcarolina führen, den er selbst an der Grenze von Nordcarolina -aufnehmen wollte. Morgan näherte sich unvorsichtig der englischen -Hauptmacht. =Cornwallis= sandte, um dies zu benutzen, den Oberst -=Parleton= mit einem großen Teil seiner Truppen gegen ihn; dieser aber, -der seinen Gegner unterschätzte, ließ sich zu einem übereilten Angriff -verleiten und wurde am 7. Januar bei Cowpens vernichtend geschlagen. - -Als sich dann =Cornwallis= und =Leslie= am 18. Januar vereinigt hatten, -schritten sie zur Verfolgung Morgans. Zur Beschleunigung des Marsches -ließen sie den ganzen Troß zurück, was ihnen später große Verlegenheiten -bereitete und doch die Vereinigung Morgans mit Greene nicht hinderte. -Auch der Versuch, das feindliche Heer von Virginien abzuschneiden, -mißlang; es erreichte den Grenzfluß am 14. Februar und =Cornwallis= mußte -wegen Erschöpfung seiner Truppen zurückgehen. =Greene= rückte nach, -vermied aber eine Schlacht, obgleich er durch Milizen aus Virginien, -Nord- und Südcarolina auf 6000 Mann verstärkt war. Das Gerücht gab seine -Zahl gar auf 10000 Mann an; trotzdem griff =ihn Cornwallis= am 15. März -bei Guilfords-Court an und siegte. Aber auch die Engländer hatten große -Verluste und waren wegen Mangel an allem genötigt, den Rückzug auf -Wilmington an der Küste fortzusetzen, wo Cornwallis für derartige Fälle -von Charleston aus Depots hatte anlegen lassen. Im Inneren von -Südcarolina stand noch ein kleines englisches Heer unter =Lord Rawdon=; -gegen dieses wandte sich Greene. - - Es sei hier gleich erwähnt, daß dieser kleine Krieg nicht zur - Entscheidung beitrug. =Rawdon= verteidigte sich gut, mußte aber - schließlich doch auf Charleston zurückgehen und ward hier - eingeschlossen, als sich der Hauptkrieg nach Virginien zog und die - beiden Carolinas sowie Georgien ganz den Amerikanern zufielen. - -=Cornwallis= hatte nun die Wahl, nach Erholung seiner Truppen aufs neue -um die Herrschaft in Carolina zu kämpfen oder nach Virginia zu -marschieren und der dort operierenden Expedition die Hand zu reichen. Er -wählte das letztere, da er sich für ersteres zu schwach fühlte und -außerdem den Kampf um das Chesapeakegebiet für wichtiger hielt. Er -überließ =Rawdon= seinem Schicksal. Nach 18tägiger Ruhe trat er am 25. -April den Marsch an, vereinigte sich am 20. Mai in Petersburg mit den -Truppen des Generals =Arnold= und übernahm den Oberbefehl. - - =Clinton= war mit dem von =Cornwallis= auf eigene Faust unternommenen - Zuge durchaus nicht einverstanden. Er schrieb: »Operationen im - Chesapeakegebiete sind so lange mit großer Gefahr verknüpft, als wir - nicht einer ununterbrochenen Seeherrschaft sicher sind. Ich zittere vor - den verhängnisvollen Folgen, die daraus entstehen können.« In den - Carolinas auf Charleston zurückgetrieben, war die englische Macht nur - noch auf zwei Stellen konzentriert, in New York und an der - Chesapeakebucht. Da New Jersey und Pennsylvanien in der Hand der Gegner - waren, hing die Verbindung der beiden Kriegsschauplätze vollständig von - der Offenhaltung des Seeverkehres ab. Aber trotz seines ungünstigen - Urteils über das Vorgehen =Cornwallis=' hatte ja =Clinton= selber schon - eine starke Abteilung im Chesapeakegebiete aufs Spiel gesetzt! - -$Die englische Expedition gegen Virginia. Erste Seeschlacht vor der -Chesapeakebucht, 16. März 1781.$ Ende Dezember 1780 ging =Arnold= mit -1600 Mann nach der Chesapeakebucht, drang den Jamesfluß hinauf, verheerte -das Land, ohne nennenswerten Widerstand zu finden und setzte sich dann in -Portsmouth, einem als maritimem Stützpunkt geeigneten Platze, fest. -=Washington= bat Rochambeau und Des Touches, den schwachen amerikanischen -Kräften in Virginien Unterstützung zu bringen. Die Gelegenheit hierzu -erschien nicht ungünstig, da das englische Geschwader augenblicklich -geschwächt war. =Arbuthnot= hatte nämlich drei seiner Schiffe in See -gehabt, um drei französische abzufangen, die zur Aufnahme eines von -Europa erwarteten Transportes ausgelaufen waren. In einem Sturme wurden -zwei der englischen Schiffe entmastet und das dritte strandete, während -die französischen vor Ausbruch des Unwetters wieder einlaufen konnten. -Aber gerade dieses Mißgeschick der Gegner bestimmte =Des Touches=, nicht -sein ganzes Geschwader den Unbilden der Jahreszeit auszusetzen; er sandte -nur ein Linienschiff nebst 2 Fregatten am 9. Februar zur Chesapeakebucht. -Diese richteten aber nichts aus, da sich =Arnolds= kleinere Fahrzeuge in -den Flüssen verbargen; sie kehrten Ende des Monats zur Flotte zurück, -wobei ihnen allerdings eine von Charleston kommende Fregatte in die Hände -fiel. Inzwischen hatte =Washington= aber doch die französischen Führer zu -einem gemeinsamen Unternehmen gegen =Arnold= gewonnen. - -[Illustration: Chesapeakebucht 16. März 1781.] - -Die Amerikaner setzten =Lafayette= mit 1200 Mann nach Virginien in -Bewegung und =Des Touches= ging am 8. März bei Einbruch der Nacht mit -seinem ganzen Geschwader, sowie 1100 französischen Soldaten in See. -=Arbuthnot=, der seeklar am Eingange der Gardinerbucht lag, folgte -sofort. Da seine Schiffe sämtlich gekupfert waren, von den französischen -nur drei, vielleicht auch infolge größerer seemännischer -Geschicklichkeit, überholte er den Gegner. Am 16. März 6 Uhr vorm. -meldete eine Fregatte, daß dieser 2-3 Seemeilen achteraus stehe; wegen -nebligen Wetters hatte man ihn bislang nicht gesehen. Zu dieser Zeit -lagen die Geschwader etwa 40 Seemeilen nordöstlich vom Eingange der -Chesapeakebucht; der Wind war westlich, so daß sie nicht unmittelbar in -die Bucht einlaufen konnten und das englische Geschwader stand zwischen -der Einfahrt und dem französischen (Plan A, A'). =Arbuthnot= drehte -sofort um und steuerte nach Norden auf den Feind zu; nach einigen -Manövern bei beständig umspringendem Winde kam es bald nach Mittag zur -Schlacht. - - $Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 16. März 1781[161].$ Beide - Geschwader zählten 8 Schiffe in der Linie, und zwar das englische ein - Schiff zu 98 Kanonen, 3 zu 74, 3 zu 64, 1 zu 50 und das französische - ein Schiff zu 84, 2 zu 74, 4 zu 64, 1 zu 44; hierzu traten 4 englische - und 3 französische Fregatten. Die Engländer waren also an Geschützen - nicht unwesentlich überlegen. - - [161] Nach Clowes III, Seite 489, und Mahan I, Seite 372, deren Angaben - in den Hauptsachen mit den französischen Quellen übereinstimmen. - - Bald nachdem die Engländer den Kurs nach Norden aufgenommen hatten, - drehte der Wind nach Nord, wodurch die Franzosen in die Luvstellung - kamen. =Des Touches= bildete nun die Gefechtslinie über Steuerbordbug, - steuerte also östlich; =Arbuthnot= folgte seinem Beispiele. Der Wind - drehte weiter, bis er gegen Mittag auf NO stehen blieb und stürmisch - mit aufkommender hoher See wurde. Die bessere Segelfähigkeit der - englischen Schiffe brachte sie nach und nach näher an die französischen - heran, so daß =des Touches= seine Nachhut bedroht sah (Plan B, B'). Um - dieser Gefahr entgegenzutreten, legte er sein Geschwader über den - anderen Bug und ging dem Feinde entgegen. Da er noch Zeit genug hatte, - führte er das Manöver im Kontremarsch aus. Er wollte nach französischem - Brauche den unvermeidlichen Kampf in der Leestellung aufnehmen, was in - diesem Falle auch den Vorteil bot, daß die Schiffe die untersten - Batterien verwenden konnten, die in der Luvstellung des starken - Überliegens halber die Pforten geschlossen halten mußten. Er zog nun - mit seiner Linie vor der Spitze der englischen vorüber und steuerte - dann westlich. - - =Arbuthnot= segelte zunächst weiter, bis er etwa 2 Uhr nachmittags - querab vom Feinde war, halste dann im Kontremarsch (C, C') und ging an - ihn heran. Die Franzosen eröffneten schon das Feuer, während die - Engländer noch ihr Manöver ausführten, und um 2-1/2 Uhr lagen beide - Linien im Gefecht. Der englische Admiral hatte das Signal zum - »Nahgefecht« nicht geheißt, dagegen das für »Gefechtslinie« wehen - lassen. Infolgedessen zögerten die hinteren Schiffe mit dem Nahangriff, - und die bekannten Nachteile der englischen Taktik traten schroff - hervor: die drei vorderen Engländer hatten beim Herangehen schweres - Enfilierfeuer auszuhalten, kamen früher sowie auf nähere Entfernung zum - Kampf als die hinteren (D, D') und litten sehr. =Des Touches= nützte - dies aus. Er befahl seinen vorderen Schiffen, auszuweichen, führte die - übrigen unter lebhaftem Feuer an der englischen Spitze vorüber, halste - im Kontremarsch und segelte nach Osten ab (E'). =Arbuthnot= hatte zwar - die Absicht, ihm zu folgen, aber seine vordersten Schiffe waren - augenblicklich manövrierunfähig, er mußte auf seinem westlichen Kurse - bleiben (E). So endete der Kampf. - - =Die Verluste= betrugen auf englischer Seite 30 Tote und 73 Verwundete, - auf französischer 73 und 112. - -=Die Schlacht= blieb =taktisch unentschieden=, da sie nicht bis zum -äußersten durchgefochten wurde; doch war sie =ein strategischer Erfolg -der Engländer=. Ihre Flotte lief während der Nacht in die Bucht ein, =Des -Touches= segelte nach Rhode-Island zurück, da sich der Kriegsrat am 17. -dahin entschied, daß man die Landung der Truppen nicht ausführen könne. - -In Hinsicht auf $die Seekriegsgeschichte$ ist die Schlacht ein gutes -Beispiel zu unseren fortlaufenden Betrachtungen über die Taktik der -beiden Gegner und die Strategie der Franzosen. =Arbuthnot= war stärker, -tat aber dem Feinde keinen Abbruch. Dies war eine Folge der alten -englischen Angriffsart, die um so mehr hervortrat, als der Admiral das -Signal, die Linie zu halten, hatte wehen lassen. Dies wurde ihm auch zum -Vorwurf gemacht, und es ergibt sich daraus, daß man es in England mehr -und mehr als fehlerhaft erkannte, unbedingt die Ordnung zu wahren. -- -=Des Touches= verfuhr seinerseits nach der französischen Defensivtaktik, -er wählte sogar freiwillig die Leestellung und nutzte dann auch die -günstige Lage geschickt aus. Den errungenen Vorteil aber, die Lahmlegung -von drei feindlichen Schiffen, verfolgte er nicht. Hätte er den Kampf -wieder aufgenommen, so würde er wahrscheinlich seine Aufgabe haben lösen -können; die dem französischen Offizierkorps anerzogene Scheu vor -entscheidenden Kämpfen hielt ihn aber davon ab. - - Allerdings machte man =Des Touches= Vorwürfe über sein Verhalten, und - weder ihm noch seinen Kommandanten wurde Anerkennung für das geschickt - geführte Gefecht zuteil. Wie tief aber die vorsichtige Kriegführung im - französischen Offizierkorps eingewurzelt war, zeigt der Bericht des - Admiral =Barras=, der kurz nach der Schlacht an =Des Touches=' Stelle - trat und sich für diesen verwandte. Er schrieb, nachdem er den - taktischen Erfolg hervorgehoben hatte: »Daß die Engländer ihre - strategische Aufgabe lösten, war eine Folge ihrer Überlegenheit und - noch mehr des Umstandes, daß dieselbe eine rein defensive war. Es ist - ein Grundsatz im Kriege, viel zu wagen, um die eigene Lage zu - verteidigen, aber sehr wenig, um die des Gegners anzugreifen. Des - Touches' Aufgabe war eine rein offensive, und er tat recht, sie - aufzugeben, da es unwahrscheinlich war, daß er den überlegenen Gegner - nicht nur schlüge, sondern auch völlig vernichte[162].« =Mahan= bemerkt - hierzu (Clowes III, Seite 493) sehr treffend: »=Diese Erhebung der - Defensive über die Offensive, dieses hemmende Rechnen mit - Möglichkeiten, diese Scheu vor Wagnissen erklären die geringen Erfolge - der Franzosen in diesem Kriege.=« - - [162] Näheres hierüber vgl. Lacour II, Seite 362 und Chevalier II, - Seite 237. - -=Des Touches= erreichte am 18. März die Narragansettbucht, Anfang April -stieß ein Linienschiff mit Munition, sowie 600 Soldaten von Frankreich zu -ihm, und am 10. Mai langte auf einer Fregatte der Chef d'Escadre =de -Barras= an, der den Oberbefehl übernahm. Auch =Arbuthnot= traf bald nach -der Schlacht wieder in New York ein und begab sich auf seine -Beobachtungsstellung in der Gardinerbucht; am 2. Juli wurde er durch den -Kontreadmiral =Sir Thomas Graves= im Kommando abgelöst. - -$Virginia wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges, Sommer -1781.$ =Des Touches= überließ durch seinen Rückzug den Engländern die -Chesapeakebucht und =Clinton= sandte sofort (Ende März) den General -=Phillips= mit 2000 Mann dorthin. Dieser übernahm den Oberbefehl, segelte -während des Monats April den Jamesfluß hinauf, landete an verschiedenen -Stellen, trieb die amerikanischen Milizen auseinander und verwüstete das -Land planmäßig. Anfang Mai ging er wieder flußabwärts und erhielt am 7. -Mai von =Cornwallis=, der jetzt aus Carolina herangekommen war, Befehl, -sich mit ihm in Petersburg zu vereinigen. =Lafayette= war =Phillips= -beobachtend gefolgt und versuchte vergeblich, Petersburg vor diesem zu -erreichen, entzog sich aber doch dem Angriff durch =Cornwallis=. Die -Vereinigung der englischen Heere fand am 20. Mai statt, nachdem -=Phillips= kurz vorher einem Fieber erlegen war. Schon am 24. überschritt -=Cornwallis= den Jamesfluß, um =Lafayette= anzugreifen, der vor Richmond -Stellung genommen hatte. Dieser wich jedoch weiter aus und erhielt bald -darauf Verstärkung. - -=Cornwallis= blieb bei Williamsburg stehen, um die Halbinsel zwischen dem -James- und dem Yorkflusse zu halten. Hier bekam er Befehl, einen Teil -seines Heeres an =Clinton= zurückzusenden, der sich in New York unsicher -fühlte. Es zeigte sich jetzt also die Folge seines Fehlers, daß er die so -schon kaum genügenden Kräfte auf zwei nur über See in Verbindung stehende -Kriegsschauplätze verteilt hatte. =Cornwallis= wollte nun auf Portsmouth -zurückgehen, um dem Meere näher zu sein. Beim Übergang über den Jamesfluß -wurde er von =Lafayette= angegriffen; der nur noch die Nachhut vor sich -zu haben glaubte und eine schwere Niederlage erlitt. =Cornwallis= erhielt -jetzt mit dem Widerruf des letzten Befehls den Auftrag, sich in Yorktown -am Südufer in Gloucester am Nordufer des Yorkflusses festzusetzen und die -Halbinsel zu behaupten. Er verfügte dazu über etwa 7000 Mann, 1 Schiff zu -50 Kanonen und einige kleinere Fahrzeuge; ihm gegenüber lag =Lafayette= -mit etwa 1800 Regulären und 3000 Milizen (Ende August). Hier sollte sich -der Landkrieg entscheiden, da die Verbündeten bald mit weitüberlegenen -Kräften auftraten. - -Mit dem Admiral =Barras= war der Sohn des Generals =Rochambeau= von -seiner Sendung nach Frankreich zurückgekehrt und hatte berichtet, =de -Grasse= habe Befehl, während der Orkanzeit von Westindien nach -Nordamerika Schiffe zu senden. Daraufhin kamen =Washington= und -=Rochambeau= am 21. Mai zusammen, um einen Kriegsplan aufzustellen. Man -zog den Angriff auf New York, sowie eine große Expedition nach Virginia -in Erwägung und entschied sich für letztere, hauptsächlich in der -Annahme, daß =de Grasse= nach den Erfahrungen =d'Estaings= vor New York -lieber in der Chesapeakebucht bleiben würde. Man beschloß, sofort die -französischen Truppen zu den amerikanischen am Hudson heranzuziehen, um -so zu beiden Unternehmungen bereit zu sein, falls =de Grasse= wider -Erwarten den Angriff auf New York vorziehe. - -Nach einer zweiten Beratung am 20. Juni ward dann eine Fregatte nach -Westindien gesandt, um dem Admiral Kenntnis von den Plänen zu bringen und -ihn um baldiges Kommen zu bitten. Dieses Schiff nahm auch amerikanische -Lotsen mit; =Barras=, der mit =de Grasse= gleichzeitig Frankreich -verlassen hatte, war von diesem hierzu beauftragt worden. Die Fregatte -traf bekanntlich den Admiral in Cap Français und kam schon am 15. August -mit der Nachricht zurück, daß er Anfang August nach der Chesapeakebucht -unter Segel gehen werde. Inzwischen war Ende Juli die Vereinigung am -Hudson erfolgt, und man verstärkte die Tätigkeit vor New York, um Clinton -über den eigentlichen Plan zu täuschen. Am 19. August traten dann -plötzlich 2000 Amerikaner und 4000 Franzosen den Marsch nach Virginia an -und erreichten am 3. September Philadelphia. Hier erhielt man zunächst -die beunruhigende Nachricht, daß =Hood= von Westindien in New York -angekommen sei, aber gleich darauf erfuhr man =de Grasses= Eintreffen vor -der Chesapeakebucht und stand schon am 5. September mit ihm in -Verbindung. - -Das französische Geschwader in der Narragansettbucht, 8 Linienschiffe und -4 Fregatten, ging am 25. August nach der Chesapeakebucht in See; es -führte auf 18 Transportern Truppen nebst einem Belagerungspark mit sich. -=Barras= hatte anfangs Bedenken geäußert: er könne mit =Graves= in New -York, der außerdem noch Verstärkung aus England entgegensehe, oder mit -der aus Westindien sicher zu erwartenden englischen Flotte -zusammenstoßen; =de Grasse= sei aber mit 24 Linienschiffen auch ohne ihn -jedem Gegner gewachsen und habe ihm ja, wohl aus diesem Grunde, freie -Hand gelassen. Da wolle er lieber eine Diversion gegen Neufundland -unternehmen. Er fügte sich jedoch später, nahm aber der Sicherheit halber -seinen Kurs nach Süden weit von der Küste und steuerte die Bucht erst auf -der Breite vom Kap Henry an. So traf er dort unbelästigt, aber erst am -10. September ein, als die Lage in der Hauptsache bereits entschieden -war. - - =Barras=' Einwurf war durchaus berechtigt, denn =Graves= war stark - genug, ihn mit seinem Transporte zurückzuweisen, wie es =Arbuthnot= mit - =Des Touches= geglückt war; er traf auch tatsächlich früher vor der - Bucht ein als Barras. Mit Rücksicht auf =Graves=' Stärke hatte man - sogar kurze Zeit vorher daran gedacht, das französische Geschwader nach - Boston zurückzuziehen. - -$De Grasse und Hood treffen ein. Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht, -5. September 1781.$ Admiral =Hood= war am 25. August vor der Bucht -angelangt. Da man aber in New York nichts von seinem Kommen wußte, fand -er keine Nachrichten über die Lage vor, segelte weiter und ankerte am 28. -bei Sandy Hook. Am Abend dieses Tages erfuhr man in New York die Abfahrt -der Franzosen von Rhode-Island. Admiral =Graves= kam mit 5 Linienschiffen -und einem 50-Kanonenschiffe, die allein völlig seebereit waren, aus dem -Hafen, übernahm den Oberbefehl und segelte am 31. August zur Verfolgung -ab. Man wußte jetzt, daß das Heer der Verbündeten im Eilmarsch nach dem -Süden zog, auch wollte man versuchen, =Barras= und =de Grasse= einzeln zu -schlagen; letzteren schätzte man, wie auch =Rodney= getan hatte, auf nur -etwa 14 Schiffe. - -=De Grasse= erreichte die Chesapeakebai am 30. August und ankerte in der -Lynnhavenbucht hinter Kap Henry. Er ließ trotz des weiten Weges die -mitgebrachten 3300 Soldaten durch die Ruderboote der Flotte nach dem -Jamesflusse befördern und dort landen, auch sandte er 4 Linienschiffe -mit, um diese Überführung zu decken, die englischen Schiffe im Yorkflusse -festzuhalten und um dem englischen Heere unter Cornwallis den Rückzug -über den Jamesfluß zu verlegen. - -=Lafayette= wurde durch die Gelandeten auf 8000 Mann verstärkt und rückte -bis Williamsburg vor. Am 5. September früh erhielt =de Grasse= eine -Bitte =Washingtons=, seine Truppen von Philadelphia nach Virginien -überzusetzen; der Admiral bestimmte hierfür auch 7 Linienschiffe, wollte -jedoch zuvor noch die Rückkehr der entsandten Boote abwarten. Um 9 Uhr -vormittags meldete ihm eine Ausguckfregatte das Nahen einer großen -Flotte. Man hielt diese zunächst für das Geschwader Barras' mit den -Transportern, entnahm aber bald aus der Anzahl der schweren Schiffe, daß -es Engländer sein müßten. =De Grasse= beschloß, ihnen vor der Bucht -entgegenzutreten und ging um Mittag in See, als die Ebbe einsetzte. -=Graves= war seinerseits auf das peinlichste überrascht, auf eine -überlegene Flotte zu stoßen, zögerte aber keinen Augenblick mit dem -Angriff. Die Schwerfälligkeit der englischen Methode ließ jedoch seine -Tapferkeit zuschanden werden. - -[Illustration: Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.] - - $Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 5. September 1781[163].$ =Die - französische Flotte= zählte 24 Linienschiffe und zwar: 1 Schiff zu 104 - Kanonen (»Ville de Paris«, das größte und schönste Schiff jener Zeit), - 3 zu 80, 17 zu 74, 3 zu 64; die englische Flotte zählte 19 Schiffe: 2 - zu 90, 12 zu 74, 1 zu 70, 4 zu 64, 1 zu 50 (dieses stand nicht in der - Linie). - - [165] Besonders benutzte Quellen: Clowes III, Seite 497; Bonfils III, - Seite 209; Troude II, Seite 108. Clowes gibt auch Näheres über - die von Hood an der Führung der englischen Flotte später geübte - Kritik. - - Die Mündung der Bucht vom Kap Charles bis Kap Henry ist etwa 10 - Seemeilen breit; die Haupteinfahrt befindet sich zwischen - letztgenanntem Kap und einer 3 Seemeilen entfernten Bank, dem - Mittelgrunde. Als die englische Flotte gesichtet wurde, segelte sie von - Norden mit südwestlichem Kurse auf die Einfahrt zu und bildete bei der - Annäherung Kiellinie. Der Wind war NNO, viele der französischen Schiffe - mußten beim Inseegehen einige Schläge machen, um das Kap Henry zu - passieren; die Bildung der Linie dauerte infolgedessen längere Zeit, - und sie war anfangs weder gut geschlossen noch ausgerichtet. =De - Grasse= steuerte über Steuerbordbug beim Winde nach Osten; um 2 Uhr - nachmittags stand seine Vorhut querab von der Mitte der Engländer. - - Nun halste =Graves= mit allen Schiffen zugleich, so daß die beiden - Linien parallel etwa 3 Seemeilen voneinander entfernt über gleichen Bug - lagen, wartete ab, bis das feindliche Flaggschiff querab von dem seinen - war (Plan: Lage A, A') und setzte sich dann wieder in Fahrt. Um 2-1/2 - Uhr gab er dem Spitzenschiff Befehl, auf die Spitze des Gegners - zuzuhalten; da die anderen Schiffe im Kielwasser des Spitzenschiffes - bleiben mußten, näherte sich die englische Linie der feindlichen in - einem spitzen Winkel. Um 3-3/4 Uhr heißte der Admiral das Signal zum - Angriff, ließ aber das für »Kiellinie« wehen. Die Engländer befanden - sich also genau in der Lage (B, B'), die sich bei Betrachtung der - Taktik (Seite 41) als überaus ungünstig herausgestellt hat, und die - Folgen blieben nicht aus. Die vorderen Schiffe kamen früher ins - Gefecht, die folgenden erst nach und nach, ja überhaupt nur bis zum - zwölften; diese zwölf aber hatten längere Zeit Enfilierfeuer - auszuhalten, ohne es ernstlich erwidern zu können. In diesem besonderen - Falle ergab sich hieraus noch ein weiterer Übelstand. Der Admiral, - sowie einige Schiffe vor ihm luvten während der Annäherung zeitweise - an, um ihre Breitseiten abgeben zu können, hierdurch wurde die Ordnung - gestört und die Schiffe behinderten sich gegenseitig, Umstände, die - sich bei anderen Schlachten als eine Folge dieser Art des Angriffs - herausstellten, wenn Schiffe durch Havarien aufgehalten wurden (vgl. - Minorka, Seite 137). Nach dem Schiffsjournal des Flaggschiffes hat - =Graves= mehrere Male das Signal »Kiellinie« niedergeholt, es aber - immer wieder geheißt. Der Führer der Nachhut, =Hood=, hat das - Niederholen um 5-1/2 Uhr, dicht vor Ende des Kampfes, zum ersten Male - erkannt. Die letzten 7 Schiffe kamen überhaupt nicht mehr zum Gefecht, - was =Hood= eben diesem Umstande neben dem zu schrägen Heranführen - zuschrieb. Um die genannte Zeit nämlich gab =de Grasse= seinen - vordersten Schiffen Befehl, langsam abzuhalten, denn er glaubte sie - gefährdet, weil seine hinteren Schiffe ziemlich weit in Lee standen. - =Graves= aber blieb dicht am Winde liegen, und so endete der Kampf - gegen Sonnenuntergang. =Hood= schrieb am nächsten Tage eine Kritik über - die Führung, die auch veröffentlicht wurde. Sie gipfelte in den - erwähnten Punkten und zog den Schluß, daß ohne diese Fehler die - feindliche Vorhut hätte vernichtet werden können. - - =Die Verluste= betrugen auf französischer Seite nach eigener Angabe 200 - Tote und Verwundete, auf englischer 336; auch waren wie gewöhnlich die - vorderen englischen Schiffe, besonders fünf von ihnen, stark - beschädigt. - -Nach vorstehender Schilderung ist auch =diese Schlacht ein besonders -gutes Beispiel für die Taktik der beiden Gegner. Strategisch= war sie -=ein Erfolg der Franzosen=. =Graves= hatte wohl die Absicht, den Kampf zu -erneuern, sah aber wegen der Beschädigung mehrerer seiner Schiffe davon -ab. Er hielt sich bis zum 9. September in Sicht der Franzosen, am 10. -mußte er ein 74-Kanonenschiff verbrennen, da es nicht mehr flott zu -halten war, und als ihm am 13. eine Fregatte meldete, daß die -französische Flotte noch verstärkt in der Bucht läge, segelte er nach New -York ab, wo er am 19. eintraf. - - =Hood= war auch mit dem Verfahren nach der Schlacht nicht - einverstanden. Nach seiner Ansicht hätte man unmittelbar nach Abbruch - des Kampfes in die Bucht einlaufen und hier eine Verteidigungsstellung - einnehmen müssen; der Feind würde dann wahrscheinlich von einem - Angriffe abgesehen haben. Als er dann am 13. September von =Graves= um - seine Ansicht befragt wurde, antwortete er, er könne wirklich keinen - Rat in der traurigen Lage geben, in die man sich selber gebracht habe. - -=De Grasse= hatte sich während der Tage nach der Schlacht beobachtend und -abwartend verhalten; ihm lag in erster Linie daran, das erwartete -Geschwader =Barras=' sicher aufzunehmen. Am 10. September segelte er nach -der Chesapeakebucht, da er wegen seiner Boote in Sorge war und auch den -Vormarsch des Landheeres unterstützen wollte. Als er am 11. einlief, fand -er die Boote und =Barras= in Lynnhavenbucht vor. - -$Cornwallis ergibt sich in Yorktown, Oktober 1781.$ Inzwischen hatten die -Generale am Nordende der Chesapeakebucht alle Fahrzeuge gesammelt, deren -sie habhaft werden konnten und mit ihnen 2000 Mann nach Süden befördert; -der Rest setzte den Marsch zu Lande fort und wurde dann teilweise durch -französische Fregatten von Annapolis aus weitergeführt. Am 25. September -war die ganze Macht der Verbündeten, 14000 Mann, bei Williamsburg vereint -und rückte am 26. gegen Yorktown vor; die Stadt ward eingeschlossen und -auch Gloucester berannt. Um diese Zeit erfuhr =de Grasse=, daß =Graves= -Verstärkungen erhalten habe. Er wollte auslaufen, da er dessen Erscheinen -erwartete, aber =Washington= ersuchte ihn zu bleiben, damit =Cornwallis= -keine Möglichkeit habe zu entschlüpfen. So hielt sich die Flotte nur zum -Inseegehen bereit. - -=Cornwallis= war nun auch vom Meere abgeschnitten. Von seinen Truppen -- -7250 Soldaten und 850 Seeleute, die in den Werken Schiffsgeschütze der -Flottille bedienten -- lagen ungefähr 1500 Mann krank, Lebensmittel wie -Munition wurden knapp; auch ein Versuch, sich von Norfolk über den -Yorkfluß nach Gloucester zu ziehen, schlug fehl, da ein Sturm die Boote -der Flottille vernichtete. In der Nacht vom 14./15. Oktober nahmen die -Belagerer zwei wichtige Außenforts. Am 18. trat =Cornwallis= in -Unterhandlungen und =übergab= am 19. =Oktober Yorktown=. Das englische -Heer ward kriegsgefangen; 22 Fahnen, 160 Kanonen, 8 Mörser, sowie einige -kleinere Kriegsschiffe fielen den Siegern in die Hände. Um die -»Loyalisten« zu retten, die unter ihm dienten und die von den Amerikanern -als Verräter behandelt worden wären, bedingte sich =Cornwallis= aus, daß -ein Schiff mit ihnen an Bord undurchsucht nach New York segeln dürfte, -von wo es dann zurückkehren und sich den Gegnern überliefern mußte. Noch -größer war der moralische Erfolg des Sieges. Er belebte den gesunkenen -Mut der Amerikaner, gab in England der Opposition und den -Friedensfreunden eine neue Waffe und trug selbst zum Sturz des -Ministeriums bei. =Mit dem Falle von Yorktown war der Krieg in -Nordamerika gewissermaßen beendet.= - -$Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück.$ Kurz nach Ankunft der -englischen Flotte in New York stießen Kontreadmiral =Digby=, der den -Oberbefehl der Station übernehmen sollte, von England mit 3 -Linienschiffen, sowie die beiden von =Rodney= nach Jamaika entsandten -Schiffe zu ihr. Ein neuer Versuch zum Entsatz Yorktowns wurde -beschlossen. =Graves=, der für das Kommando der Jamaikastation bestimmt -war, behielt vorläufig den Oberbefehl und erschien am 25. Oktober mit 27 -Linienschiffen, sowie 6000 Mann bei Kap Henry; auf die Nachricht von -=Cornwallis=' Schicksal kehrte er jedoch nach New York zurück, ohne einen -Angriff auf die französische Flotte gemacht zu haben. Er ging dann auf -seine neue Station; =Hood= segelte am 5. November mit 18 Linienschiffen -nach Westindien und traf am 5. Dezember in Barbados ein. - -=De Grasse= ging am 4. November mit seiner ganzen Flotte, einschließlich -des Geschwaders Barras', in See; nur einige Fregatten blieben zurück. Er -zweigte 4 Linienschiffe ab, um die von St. Domingue mitgenommenen -Soldaten wieder dorthin zu führen und dann den bei seiner Abfahrt -zurückgelassenen Konvoi nach Europa zu geleiten. Mit dem Gros traf er am -26. November in Fort Royal ein. - - =Washington= hatte =de Grasse= ersucht, noch einen Angriff auf - Charleston oder auf Wilmington zu unterstützen. Der Admiral erklärte, - seinem Befehle gemäß möglichst bald nach Westindien segeln zu müssen; - ein Unternehmen gegen erstgenannte Stadt würde zu langwierig werden, zu - einem solchen gegen Wilmington stelle er sich zur Verfügung, wenn es - vor dem 1. November begonnen werden könne. Da jedoch die Amerikaner bis - dahin nicht bereit waren, segelte er mit dem Versprechen ab, im - nächsten Jahre wiederzukommen. - -$Die Franzosen erobern St. Eustache zurück, 26. November 1781.$ Der -Gouverneur von Martinique, =Marquis de Bouillé=, hatte erfahren, daß die -Engländer seit der Abfahrt der Flotten nach Nordamerika in St. Eustache -alle Vorsicht gegen einen Angriff außer acht ließen. Er ging am 16. -November mit 2 Fregatten, einer Korvette und 1200 Mann auf einigen -Handelsschiffen in See, landete in der Nacht vom 25./26. etwa 6 Seemeilen -von der Stadt und rückte auf diese vor. Am 26. um 6 Uhr morgens -überraschte er einen Teil der englischen Garnison auf dem Exerzierplatze -und drang mit den Flüchtenden in das Fort ein; die übrigen Engländer -wurden in der Stadt und in den Kasernen gefangen genommen. Außer etwa 700 -Soldaten fiel ein Teil der Beute =Rodneys= in die Hände der Sieger, die -sie den Holländern zurückgaben. Von St. Eustache aus bemächtigte sich -=Bouillé= dann auch der Inseln =St. Martin= und =Saba=; nach Fort Royal -zurückkehrend, fand er =de Grasse= dort vor. - -$Beurteilung der Kriegführung in Westindien und Nordamerika 1781.$ =In -Westindien= traf =Rodney= zu Anfang des Jahres auf keinen nennenswerten -Widerstand, und so wurde es ihm leicht, sich der holländischen -Besitzungen zu bemächtigen. Zu sehr um die Sicherung der Beute besorgt, -trug er dann aber der Änderung der Lage keine Rechnung, die durch die -Ankunft der großen Flotte nebst Konvoi unter =de Grasse= entstand. Es war -falsch, =Hood= in Lee der Insel Martinique zu stationieren; =de Grasse= -erhielt dadurch Gelegenheit, den Konvoi nach Fort Royal zu führen. -=Rodney= selber würde wohl anders gehandelt haben. =Hood= konnte nur der -erhaltenen Weisung folgen und, als es ihm nicht gelungen war, seine -schwächeren Kräfte in günstiger Lage zum Kampfe zu bringen, seinen -Oberbefehlshaber wieder aufsuchen. Hierdurch ging Zeit verloren, und den -Franzosen glückte die Wegnahme von =Tabago=. - -Später war =Rodney= als der Schwächere stets nur imstande, den Gegner in -Schach zuhalten und die anderen Inseln, besonders Barbados, zu decken. -Wenn er endlich nur einen Teil der Flotte nach Nordamerika sandte, auf -die unsichere Annahme hin, der Gegner habe ein gleiches getan, so war -auch dies ein Fehler, ist jedoch damit zu entschuldigen, daß die -englischen Admirale stets der öffentlichen Meinung zuliebe großes Gewicht -auf die Sicherung von Konvois legen mußten. - -=De Grasse= trat in Westindien nicht so tatkräftig auf, wie es die Stärke -seiner Flotte erlaubt hätte. Bei Martinique war er =Hood= gegenüber zu -besorgt um den Konvoi, später =Rodney= gegenüber um die Sicherheit der -eroberten Inseln. Es war eben wieder das vorsichtige Handeln der -französischen Führer jener Zeit. Hätte er seine Überlegenheit zur -Erringung der Seeherrschaft eingesetzt, würde er vielleicht sämtliche -Antilleninseln erobert haben; so blieb die feindliche Flotte unversehrt, -und Tabago war der einzige Erfolg. Anders zeigte sich =de Grasse= beim -Antritt seiner Fahrt nach Nordamerika. - -=In Nordamerika= waren die Engländer durch die Expedition nach Virginia -in eine gefährliche Lage geraten. Anfangs befanden sie sich hier -allerdings im Vorteil, und auch der erste Versuch der Verbündeten, ihre -Lage zu bessern, schlug fehl, da der französische Admiral =Des Touches= -trotz des im allgemeinen erfolgreichen Zusammenstoßes mit =Arbuthnot= -seine Aufgabe nicht durchführte. Das Vordringen der Engländer in -Virginien erhöhte die schon vorhandene Kriegsmüdigkeit in den Kolonien. -Der Zeitpunkt schien nicht fern, wo der Kongreß den Krieg hätte beenden -müssen, wenn nicht Hilfe kam. Diese sollte die große französische Flotte -bringen und den Umstand benutzen, daß die Engländer zur Verbindung -zwischen den beiden Kriegsschauplätzen ganz auf den Seeweg angewiesen -waren, um sie auf einem derselben überlegen und überraschend anzugreifen. - -Ganz richtig wählten =Washington= und =Rochambeau= hierzu Virginien. Hier -war die englische Stellung schwächer als im Norden, man konnte durch -scheinbare Bedrohung von New York den Gegner über den wahren -Angriffspunkt täuschen, bis die Flotte die Verbindung unterbrach. Die -Chesapeakebucht lag außerdem Westindien näher und ihre Wassertiefen -machten sie geeigneter für ein Mitwirken der Seestreitkräfte. Auch =de -Grasse= erkannte die Lage richtig und führte seine Aufgabe mit -Entschlossenheit und Tatkraft durch. Er erhob keine Einwände, die -Verzögerungen gebracht hätten, sondern beschaffte schnell die verlangten -Geldmittel und Truppen und nahm von Seestreitkräften alles mit, was zu -erlangen war, obgleich dadurch ein großer Konvoi zurückbleiben mußte. - - =Mahan= (I, Seite 379) sagt hierzu: »Dieser Vorfall beleuchtet eine - Schwäche eines handeltreibenden Volkes mit parlamentarischer Regierung - dem reinen Militärstaat gegenüber. So schrieb ein Offizier jener Zeit, - wenn die britische Regierung eine derartige Maßnahme (d. i. - Zurückhaltung des Konvois) gebilligt oder ein englischer Admiral sie - angeordnet hätte, so wäre die erstere gestürzt und letzterer gehängt - worden.« Wie eben erwähnt, hatte =Rodney= seine Flotte durch - Konvoibegleitungen geschwächt. - -So war =de Grasse= rechtzeitig in genügender Stärke zur Stelle, -beschäftigte dann =Graves= mit Kaltblütigkeit, bis Barras zu ihm stieß, -und unterstützte schließlich die Operationen des Heeres. Die französische -Flotte trug in erster Linie zum Falle von Yorktown und damit zur -Beendigung des Krieges in Nordamerika bei. - - =De Grasse= fand volle Anerkennung in Amerika. Der Kongreß sprach ihm - seinen Dank aus und schenkte ihm vier der eroberten Kanonen, die der - Admiral später vor seinem Schlosse de Tilly im Departement Seine et - Oise aufstellte. Noch mehr mußte ihn die Anerkennung =Washingtons= - befriedigen, dieses tüchtigen Kriegs- und Staatsmannes, der wie niemand - sonst die Hilfsquellen seines Landes, sowie die Schwierigkeit des - Kampfes kannte. Dieser schrieb ihm nach der Übergabe von Yorktown: »Die - Übergabe...., wofür die Ehre Eurer Exzellenz gebührt, ist unserer - hoffnungsvollsten Erwartung vorausgeeilt.« Er bittet dann um weitere - Unterstützung und fährt fort: »Die Überlegenheit der Engländer zur See - vor Ihrer Ankunft gab ihnen entscheidende Vorteile durch den schnellen - Transport von Truppen und Vorräten, während die Märsche, die unsere - Verstärkungen machen mußten, sie der Gefahr aussetzten, einzeln - geschlagen zu werden. Es hängt von Ew. Exzellenz ab, den Krieg zu - beenden.« Als =de Grasse= diese Aufforderung ablehnte, aber auf das - nächste Jahr verwies, nahm =Washington= dies an und fügte hinzu: »Ich - brauche Ew. Exzellenz gegenüber nicht auf die unabweisbare - Notwendigkeit einer so starken Seestreitkraft zurückzukommen, die Ihnen - die unbedingte Überlegenheit sichert.... Sie werden bemerkt haben, daß - bei allen Anstrengungen des Landheeres der Marine stets das - entscheidende Wort in dem gegenwärtigen Kampfe zufällt.« -- =Mahan= I, - Seite 383-386, bringt weitere Auszüge aus Briefen =Washingtons=, auch - an andere Personen, die bezeugen, welch hohen Wert er der Kriegführung - zur See beimaß. - -Der ungünstige Verlauf der englischen Unternehmungen ist zunächst der -Teilung der Kräfte für Westindien und Nordamerika zuzuschreiben, eine -Folge der Strategie Englands, auf allen Kriegsschauplätzen stets einem -Angriffe gewachsen zu sein. Wir wollen hierauf in der Schlußbesprechung -des Krieges eingehen. Schlechte Leitung und wirkliches Mißgeschick traten -hinzu. - -=Graves=' Geschwader hätte um einige Schiffe der Jamaikastation stärker -sein können, wenn =Rodneys= Befehle genau befolgt wären. Es waren -unglückliche Zufälle, daß =Graves= die Nachrichten aus Westindien nicht -erhielt, sonst wäre er wohl rechtzeitig vor der Chesapeakebucht gewesen. -Vielleicht war es ein Fehler, daß er selbst mit der ganzen Flotte New -York zu einer Jahreszeit verließ, zu der er auch ohne weiteres die -Flotten aus Westindien erwarten konnte, aber ihm war von England aus das -Abfangen eines französischen Konvois dringend empfohlen. - -Als er dann nach der Chesapeakebucht ging, wußte er von =Barras=' -Auslaufen und hätte außer Sicht von Land kreuzen müssen, um zunächst -diesen abzufangen. Wäre dies, wie wahrscheinlich, geglückt, so würde das -feindliche Heer vor Yorktown kein Belagerungsmaterial gehabt haben und -die französische Flotte späterhin nicht so überlegen gewesen sein. Daß -=de Grasse= überhaupt schon und in solcher Stärke angelangt war, wußte er -allerdings nicht. Die vor der Bucht stationierten Kreuzer hatten -geankert, statt unter Segel zu bleiben; sie wurden durch die Franzosen -überrascht, einer genommen, der andere in die Bucht gejagt. Sicher hätte -=Graves=, sobald er Nachricht erhalten, sich zuerst gegen =Barras= -gewendet. So wäre vielleicht der schnelle Fall Yorktowns verhindert und -bei dem schon hervortretenden Mißtrauen der Amerikaner gegen Frankreich, -sowie der Kriegsmüdigkeit dieser manches anders gekommen. - - - Der Krieg in Europa 1782. - -=Der Wechsel des Ministeriums in England im März= 1782 brachte den Krieg -in Nordamerika zum Stillstand. Wenn auch der König stets fest -entschlossen blieb, die Unabhängigkeit der Kolonien nicht anzuerkennen -und die Einmischung Frankreichs, sowie Spaniens nicht zu dulden, zeigte -sich doch die öffentliche Meinung durch die ungeheuren Kriegskosten, -durch das zweimalige Erscheinen überlegener feindlicher Flotten an -Englands Küsten und durch mancherlei andere Vorfälle umgestimmt. Die -Staatsschuld war auf 198 Millionen Lstrl. angewachsen, man mußte 300000 -Soldaten und Seeleute besolden, sowie große Flotten im Dienst halten; die -Zivilliste war, obgleich stark erhöht, überschritten und es war bekannt, -daß große Summen aus ihr zur Gewinnung von Parlamentsmitgliedern für die -Regierung verwendet wurden. Dabei sah man weder in Nordamerika noch zur -See durchschlagende Erfolge. All dies erweckte im Volk den Wunsch nach -Frieden mit den Kolonien; diese Stimmung wurde von Agenten sowie Freunden -der Amerikaner genährt und ergriff immer weitere Kreise. Zudem traf dicht -vor Eröffnung des Parlaments im Herbst 1781 die Nachricht von der -Kapitulation des Heeres bei Yorktown ein. - -Nach allem, was man bisher von dem jämmerlichen Zustande der -amerikanischen Truppen, dem Geldmangel und der geringen Neigung der -Kolonisten gehört hatte, für den Krieg Opfer zu bringen, kam die Kunde -doppelt unerwartet; selbst der Premierminister, =Lord North=, war völlig -niedergeschlagen. Der König verharrte allerdings auf seinem Standpunkte, -und in der Thronrede vom 27. November verlautete nichts über den Frieden, -aber im Volke schwand jede Neigung zum Kriege, wenigstens für den mit den -Kolonien. Als dann noch der Verlust Minorkas und der westindischen Inseln -bekannt wurde, hatte die Opposition im Parlamente freies Spiel. Die -Politik der Regierung, die Verwaltungen des Heeres und der Marine, sowie -die ganze Kriegführung wurden schonungslos angegriffen und die -Einstellung des Kampfes in Nordamerika verlangt. Im März 1782 mußte das -Ministerium einem solchen der Whigs weichen. Dieses stand unter der -Leitung des =Marquis of Rockingham=, und der Admiral =Augustus Keppel= -wurde Erster Lord der Admiralität an Stelle des =Earl of Sandwich=, der -besonders hart, und zwar auch von höheren Seeoffizieren, angegriffen war. -Als am 1. Juli, nach dem Tode Rockinghams, der =Graf von Shelburne= -(Lansdown) an die Spitze trat, kam Sir =William Pitt= (der Jüngere) ins -Kabinett und gewann sofort großen Einfluß, bis er im Dezember 1783 -tatsächlich die Leitung übernahm. - -Die Opposition erreichte zunächst, daß der Oberbefehlshaber in Amerika -Befehl erhielt, sich auf das Halten der noch besetzten Plätze -- New -York, Charleston, Savannah -- zu beschränken. Da nun auch die Amerikaner -ohne die französische Flotte keinen Angriff wagten, trat =im Landkriege= -eine Art =Waffenstillstand= ein. =Der Seekrieg= gegen die drei -europäischen Mächte, der in England weit populärer war, ward dagegen mit -aller Kraft fortgesetzt; er spielte sich besonders in West- und Ostindien -ab. Schon im Januar segelte =Rodney= mit 12 Linienschiffen nach -Westindien. - - $Indienststellungen 1782.$ (Vgl. die Listen Seite 224.) =In England= - waren für 1782 der Marine 100000 Mann, einschließlich 21000 - Seesoldaten, sowie etwa 7-1/4 Millionen Lstrl. bewilligt. Im Sommer - befanden sich 129 Linienschiffe im Dienst, von denen 35 in den - heimischen Gewässern und 59 in den westindischen stationiert waren. - =Frankreich und Spanien= verfügten in Europa über wenigstens 50 - Linienschiffe und würden auch in Westindien mit 58 dem Feinde gewachsen - gewesen sein, wenn ihre Flotten zusammengewirkt hätten. In Ostindien - standen 22 englische gegen 13 französische Schiffe. =Holland= hatte im - Oktober 16 Linienschiffe in Dienst. - -=Der Krieg in den europäischen Gewässern= drehte sich 1782 wie im -Vorjahre um die Seeherrschaft am Eingange des Kanals und um Gibraltar. -Port Mahon fiel schon am 5. Februar den Spaniern in die Hände (vgl. Seite -319), und die hier verwendeten Truppen wurden nun zur Belagerung von -Gibraltar mit herangezogen. Neben der engen Einschließung dieser Festung -von See her planten Frankreich und Spanien auch in diesem Jahre mit ihrer -Hauptseemacht in den nördlichen Gewässern aufzutreten; zu dieser sollten -holländische Schiffe stoßen. Ein Unternehmen gegen die englische Küste -scheint nicht beabsichtigt gewesen zu sein, sondern nur das Abfangen von -Konvois sowie Militärtransporten und das Festhalten der englischen Flotte -zugunsten der Belagerung von Gibraltar. - -Schon am 11. Februar verließ Admiral =de Guichen=, sobald die Schiffe -ihre im Dezember erlittenen Beschädigungen ausgebessert hatten, mit 16 -Linienschiffen, von denen 2 nur als Flüten armiert waren, und 11 -Fregatten Brest. Drei Linienschiffe waren nebst einem großen Konvoi mit -Vorräten für das dortige Geschwader nach Westindien, zwei nach Ostindien -bestimmt; sie trennten sich an der spanischen Küste von der Flotte. Hier -ward auch am 15. Februar =La Motte-Picquet= mit 4 Linienschiffen -abgezweigt, um in der Biskaya und vor dem Kanal zu kreuzen; er machte -einige Prisen, erlitt aber schon am 23. in einem schweren Sturme arge -Schäden und lief am 26. wieder in Brest ein. Am Wiederauslaufen wurde er -bald durch überlegene englische Kräfte gehindert. =Guichen= erreichte am -11. Februar mit 5 Schiffen Cadiz und trat unter den Oberbefehl des -spanischen Admirals =Cordoba=, der hier mit 27 Linienschiffen lag; 11 -spanische, sowie 2 französische befanden sich außerdem unter Admiral -=Moreno= bei Algeciras. - -Die englische Kanalflotte, die insgesamt nur 35 Linienschiffe zählte, -während sie mit einer feindlichen Macht von gegen 60, einschließlich der -holländischen, rechnen mußte, eröffnete den Feldzug mit vorsichtigen -kleinen Operationen, je nachdem die Schiffe bereit wurden. Den Oberbefehl -führte =Lord Howe=, der durch den Wechsel im Ministerium aus seiner -langen Untätigkeit erlöst war; unter ihm befehligten die tüchtigen -Admirale =Barrington= und =Kempenfelt=. Der erstere kreuzte in der -zweiten Hälfte des April mit 12 Linienschiffen vor dem Kanal, um die -Franzosen in Brest festzuhalten, feindliche Konvois abzufangen und den -eigenen Handel zu schützen. Er hatte einen nicht unbedeutenden Erfolg. - - $Barrington vernichtet einen Transport für Ostindien.$ Am 20. April - 1782 mittags sichtete der Admiral südwestlich von Ouessant 18 - französische Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial für Ostindien, - die durch 3 Linienschiffe (eins als Flüte armiert) nebst einer Fregatte - geleitet wurden, und jagte sie. Die Franzosen flohen zur Küste zurück, - aber das Linienschiff »Pegasus« von 74 Kanonen wurde am Abend vom - Kapitän =Jervis=, dem später berühmten Admiral, mit dem »Foudroyant« - von 80 Kanonen, der den anderen Engländern weit voraus war, eingeholt - und nach einem dreistündigen Nachtgefecht genommen. =Jervis= fing dann - noch 13 Transporter und ein anderes englisches Schiff bemächtigte sich - des als Flüte armierten Linienschiffes. Wie der Verlust des Konvois - überhaupt, so war die Wegnahme dieses Schiffes im besonderen ein - harter Schlag für den in Ostindien schwer ringenden Admiral =Suffren=, - denn es führte Rundhölzer für vier Linienschiffe an Bord. =Jervis= - erhielt für seinen Erfolg den Bathorden, der Kommandant des »Pegasus« - ward aus dem Dienste entlassen. Man war in Frankreich über seine - Niederlage empört, da man sich bisher schmeichelte, in Einzelgefechten - von annähernd gleichstarken Schiffen meist den Sieg davongetragen zu - haben. Der Verurteilte fand aber in der Marine Verteidiger, die auf die - ungünstigen Verhältnisse hinwiesen, unter denen er gefochten habe: »Das - Schiff sei erst am 11. April auf die Rhede gegangen, kaum ausgerüstet - und so mangelhaft bemannt, daß ein junger Unterleutnant die unterste - schwerste, Batterie befehligt habe; der Kapitän habe erst am 13. das - Kommando übernommen und schon am 19. in See gehen müssen.« Es sind dies - wohl zu beachtende Umstände für die Beurteilung der französischen - Marine jener Zeit. - -Als =Barrington= Ende April nach Portsmouth zurückgekehrt war, ging -=Kempenfelt= mit 8 Linienschiffen zum Kreuzen in See. - -Anfang Mai erfuhr man in England, Holland beabsichtige, in Texel ein -größeres Geschwader zu sammeln, das nach auswärts bestimmte -Handelsschiffe geleiten und sich dann mit der französisch-spanischen -Flotte vereinigen solle. Die holländischen Handelsschiffe für die Ostsee, -die durch die Schlacht auf der Doggerbank im August 1781 zurückgetrieben -waren, hatten bislang nicht segeln können, da man ihnen keine genügende -Begleitung zu geben vermochte, und heimgekehrte West- sowie -Ostindienfahrer warteten in den norwegischen Häfen auf Abholen; der -holländische Handel lag brach, nur den nach Westindien bestimmten -Schiffen war es Anfang April gelungen, durch die Nordsee abzusegeln. Ehe -nun aber das holländische Geschwader -- durch verspätete Fertigstellung -der Schiffe und weiter durch widrige Windverhältnisse aufgehalten -- -völlig versammelt war, erschien =Lord Howe= mit 12 Linienschiffen an der -Küste und verhinderte dessen Auslaufen während mehrerer Wochen, bis eine -an Bord der Schiffe ausbrechende Epidemie ihn zwang, nach Portsmouth -zurückzugehen. Hier stieß =Kempenfelt= zu ihm, der seine Kreuztour -aufgegeben hatte, wahrscheinlich weil die große Flotte der Verbündeten -nahte. England hielt aber weiter die Nordsee unter Beobachtung, so daß -die Holländer nicht wagten, ihr Geschwader auslaufen zu lassen, während -die englischen Handelsschiffe unbelästigt die Nordsee passierten; die -holländischen Ostseefahrer segelten später teilweise unter schwedischer -Flagge und durch schwedische Kriegsschiffe geleitet. - -$Die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal, Sommer 1782.$ =Admiral -Cordoba= hatte während des Monats April mit seiner Flotte -- 27 -spanischen und 5 französischen Linienschiffen -- vor der Straße von -Gibraltar gekreuzt, am 4. Juni trat er die Fahrt nach dem Norden an; die -bislang in Brest blockierten französischen Schiffe sollten sich -anschließen und man rechnete auch auf die Holländer. Am 25. traf die -Flotte auf einen englischen Konvoi von 27 Fahrzeugen, der nach -Neufundland sowie Kanada bestimmt und von 4 Kriegsschiffen geleitet war; -es gelang ihr aber nur, 17 Handelsschiffe zu nehmen. Am 8. Juli stieß =La -Motte-Picquet= bei Ouessant mit 8 Linienschiffen zu ihr; sie war nun 40 -Schlachtschiffe stark. In England erwartete man den großen -Westindienkonvoi unter Deckung des bisherigen Chefs der Jamaikastation, -=Sir Peter Parker=, mit nur 3 Linienschiffen und entsandte am 2. Juli -=Lord Howe= mit 22, um ihn aufzunehmen. - -Die Gegner sichteten sich am 12. Juli westlich der Scillyinseln. -=Cordoba= suchte den Kampf, aber =Howe= wich aus. Während der nun -folgenden Jagd kam nur =La Motte=, dem ein selbständiges Geschwader von 4 -Franzosen und 4 Spaniern unterstellt war, näher an den Feind heran; -während der Nacht verlor man diesen aber aus Sicht und fand ihn nicht -wieder. Die Verbündeten schrieben dies der größeren Schnelligkeit der -englischen, sämtlich gekupferten Schiffe zu, tatsächlich aber hat =Howe= -seine Flotte zwischen den Scillys und Kap Landsend hindurch nach Westen -geführt. Er setzte sich so zwischen den Feind und den erwarteten Konvoi -und lief Ende Juli, als Cordoba durch stürmisches Wetter nach Süden -vertrieben war, mit den Handelsfahrzeugen unbelästigt in den Kanal ein; -auf der Rückfahrt stießen noch 9 Linienschiffe zu ihm, die wahrscheinlich -bei Howes Abfahrt in der Nordsee waren. =Cordoba= kreuzte noch einige -Wochen, hauptsächlich in der Biskaya, und traf dann am 6. September in -Cadiz ein. So war auch in diesem Jahre das Auftreten der großen Flotte -der Verbündeten im Norden ohne jede Bedeutung geblieben. Die -französischen Offiziere klagten mit Recht darüber, daß man die Verfolgung -nicht bis zu den Häfen des Gegners durchgeführt habe; wie die Sache lag, -hätte man ihn sogar von diesen abgeschnitten, und eine Vereinigung mit -den Holländern wäre wahrscheinlich auch möglich gewesen. - - $Die Tätigkeit der holländischen Marine 1782$ sei kurz berührt. - (Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 561 ff.) Als man in Holland - Gewißheit hatte, daß die Flotte der Verbündeten vor dem Kanal - erscheinen würde, lief am 7. Juli ein Geschwader von einem Linienschiff - zu 74 Kanonen, 6 zu 60-68, 9 zu 54, sowie 9 schweren Fregatten unter - =Vizeadmiral Hartsinck= von Texel aus. Es geleitete Westindienfahrer - durch die Nordsee, bis sie ihre Reise um Schottland unter dem Schutze - einiger Fregatten voraussichtlich ungefährdet fortsetzen konnten. Es - kreuzte und übte dann in diesem Meere. Prisen fielen ihm nicht in die - Hände, weil England seine Handelsschiffe zurückhielt. Ein abgezweigter - Teil holte die in Norwegen angesammelten Kauffahrer ab, ein anderer - führte solche nach der Ostsee. Mitte August kehrte =Hartsinck= zum - Auffüllen von Proviant nach Texel zurück und ward dann wieder durch die - Engländer blockiert. Als England im September alle verfügbaren Schiffe - nach Gibraltar gesandt hatte, beabsichtigte man, auf Ersuchen - Frankreichs ein Geschwader nach Brest zu schicken, das im nächsten - Jahre mit den Verbündeten zusammenwirken sollte. Der schlechte Zustand - der Schiffe, sowie Uneinigkeit zwischen den beiden großen Parteien im - Lande gerade in betreff dieser Sache verzögerte die Abfahrt, und - schließlich wagte man sie nicht mehr, weil man ein Zusammentreffen mit - der von Gibraltar zurückkommenden englischen Flotte fürchtete. - -$Lord Howe segelt mit Zufuhren nach Gibraltar.$ Nach Rückkehr von seiner -Kanalfahrt erhielt der Admiral den Auftrag, eine Expedition -vorzubereiten, um Gibraltar Truppen und Vorräte zuzuführen; die Festung -war seit der Fahrt =Darbys= im April 1781 ohne jede Unterstützung -geblieben. Für diese wichtige und gefährliche Aufgabe wurden die gesamte -Kanalflotte -- 34 Linienschiffe, ein Dutzend Kreuzer, einige Brander --, -sowie 31 Transporter in Portsmouth zusammengezogen. Schon am 11. -September ging die Flotte in See; etwa 100 Kauffahrer, Konvois für alle -fernen Meere, schlossen sich ihr an. - - $Der Untergang des »Royal George«.$ Die Ausrüstung dieser Flotte - brachte der englischen Marine einen empfindlichen Verlust. Die Schiffe - waren viel in See gewesen und vielfach ausbesserungsbedürftig, es - gebrach aber an Zeit, sie in Trockendocks aufzunehmen. So wurde unter - anderen der »Royal George«, ein Schiff mit 100 Kanonen, Flaggschiff des - Admirals =Kempenfelt=, am 29. August auf der Rhede von Spithead auf die - Seite gelegt, um einige Arbeiten an Unterwasserteilen vorzunehmen; ein - Manöver, das nur bei stillem Wetter und ruhigem Wasser ausgeführt - werden darf. Die Lage der schadhaften Stelle verlangte ein ungewöhnlich - weites Überlegen und der Zufall führte eine Katastrophe herbei. Es war - Löhnungszahltag dicht vor der Abreise und infolgedessen befanden sich - außer der 8-900 Köpfe starken Besatzung zahlreiche Frauen und Kinder - der Leute, sowie Händler an Bord, so daß durch das Gewicht und die - Bewegungen der vielen Menschen die Gefahr des Kenterns vergrößert - wurde. Ungefähr um 10 Uhr vormittags, während der Admiral in der Kajüte - mit Schreiben beschäftigt war und der größere Teil der Anwesenden sich - unter Deck befand, warf eine plötzliche starke Bö das Schiff auf die - Seite; das Wasser drang in die offenen Pforten ein, und es sank - schnell. Der Admiral, mehrere Offiziere, sowie die meisten der unter - Deck befindlichen Personen, insgesamt 900-1000 Menschen, ertranken; ein - längsseit liegendes Proviantfahrzeug ward mit in die Tiefe gezogen. - Dieser Unglücksfall, der mehrfach als Beweis für die mangelhafte - Seefähigkeit der großen Dreidecker angeführt wird, findet sich - anschaulich dargestellt in Kapitän =Marryats= Romane »the Kings Own«. - -$Der große, erfolglose Angriff auf Gibraltar, September 1782[164].$ Zwei -Tage nachdem =Howe= England verlassen hatte, spielte sich die berühmte -Schlußszene der Belagerung von Gibraltar ab. Seit Juli 1779 hielten die -Spanier diese Feste zu Lande und von Algeciras aus auch zu Wasser -eingeschlossen, aber trotzdem war es zweimal englischen Flotten gelungen, -sie mit Vorräten und Truppen zu unterstützen. Auch der Angriff vom Lande -her machte keine Fortschritte, obgleich Spanien nach und nach gegen 30000 -Mann dazu heranzog und auf der Landzunge, die den Felsen mit dem -Festlande verbindet, mächtige Belagerungswerke erbaute. Der englische -Kommandant, =George Augustus Elliot=, leitete den Widerstand mit Geschick -und Tapferkeit. Zu der Zeit, als Admiral =Darby= 1781 Verstärkungen -brachte, wurde die Stadt drei Wochen lang täglich mit 4-5000 Geschossen -überschüttet und, nachdem so 75000 Vollkugeln und 25000 Bomben verfeuert -waren, gab man noch wochenlang täglich 600 Schuß ab. - - [164] Besonders benutzte Quellen: Campbell Band VII, Seite 60; - Chevalier II, Seite 336; gerade in diesem Werke sehr eingehend - behandelt. - -Aber die Besatzung hatte vom 12. April bis Ende Juni nur 53 Tote und 260 -Verwundete eingebüßt. Die Stadt lag zwar in Trümmern, doch war dies ohne -Bedeutung, denn die Verteidiger fanden an verschiedenen Stellen des -Felsens in Lagern sichere Unterkunft. Am 27. November 1781 gelang es -ihnen, durch einen Ausfall der ganzen Garnison unter =Elliots= -persönlicher Führung den Gegner zu überraschen, der jetzt seine -Parallelen weit genug vorgeschoben glaubte; in kurzer Zeit waren die -Geschütze vernagelt, die Werke aufgesprengt und verbrannt, die -Angriffsarbeiten von mehreren Monaten vernichtet. Spanien verdoppelte -seine Anstrengungen. Man war zu der Überzeugung gelangt, daß die Festung -durch Angriff vom Lande her allein nicht bezwungen werden könnte. Zu -einem gleichzeitigen Vorgehen von See aus wollte man aber die -Hochseeflotte nicht einsetzen; die feindliche Stellung war weit stärker -befestigt, armiert und bemannt, als zu jener Zeit, wo =Rooke= mit der -englischen Flotte sich Gibraltars bemächtigte. Man baute deshalb nach -Entwürfen des französischen Ingenieurobersten =Chevalier d'Arçon= 10 -mächtige schwimmende Batterien, die 152 schwere Geschütze führten; sie -waren Anfang September fertiggestellt. - - $Die schwimmenden Batterien$ waren 6 bis 1400 tons große Seeschiffe, - die außen mit einer vierfachen Polsterung von Holz, Sand, Kork sowie - ungegerbten Häuten und mit einer schrägen Holzbedachung versehen - wurden, auf der eine Decke von altem Tauwerk und Fellen lag. Um eine - Wirkung glühender Kugeln zu hindern, war durch die mit der Panzerung 5 - Fuß dicken Bordwände ein vielverzweigtes Kanal- und Röhrensystem - gezogen, durch das von einem Reservoir aus beständig Wasser spülte. Die - Polsterung sollte so stets ganz mit Wasser durchtränkt gehalten werden - und einschlagende Kugeln selber ihr Ablöschen hervorrufen, indem sie - die Röhren verletzten; auch die Dächer konnten berieselt werden. Die - Schiffe waren mit schweren, neugegossenen Bronzekanonen armiert; fünf - von ihnen führten 18-24 Geschütze in zwei, fünf 6-11 in einer Batterie, - und es war etwa die Hälfte der Zahl als Reserve zum Auswechseln an Bord - gegeben. Die Kanonen wurden nur auf einer Seite der Schiffe - aufgestellt; Ballast auf der anderen hielt diese auf ebenem Kiel, so - boten die 10 Batterien dem Gegner eine Breitseite von 152 Geschützen - dar. - - Der Bau in der Bucht von Algeciras war im Februar beschlossen, schritt - aber nach spanischer Art nur langsam vorwärts. Erst Anfang September - war er mit einem Kostenaufwande von 2 Millionen Piastern beendet. Bei - der Probe zeigte sich, daß die Bewässerungsanlagen nicht richtig - arbeiteten, das Wasser drang in die Schiffe und die Kanäle mußten - teilweise verstopft werden. Der Erfinder bat um Zeit für - Verbesserungen, aber der =Herzog von Crillon= verweigerte sie ihm. - (Vorstehendes sehr eingehend in Chevalier II, Seite 337.) - -Auch sonst wurden Vorbereitungen zu einem überwältigenden Angriffe -getroffen. 30 (40?) Kanonenboote und 30 (40?) Mörserboote, sowie 300 -große Ruderboote waren gesammelt, um den schwimmenden Batterien während -des Kampfes Ersatzmannschaften und Munition zuzuführen. In den Werken auf -der Landzunge standen 186 Geschütze; die von Minorka zurückkehrenden -spanischen Truppen, sowie 10000 Franzosen hatten das Belagerungsheer, das -jetzt vom =Herzog von Crillon=, dem Eroberer Minorkas, befehligt wurde, -auf über 40000 Mann gebracht. Endlich sollte die Flotte =Cordobas= den -Angriff gegen jede Störung von See her decken, wenn erforderlich, auch -unterstützen. - -Gibraltar war im Norden und Westen wie schon früher durch eine Umwallung -mit zahlreichen Batterien gedeckt (vgl. Skizze im Bande I, Seite 526). -Diese erste Verteidigungslinie war aber jetzt weit stärker und wurde -durch eine zweite, höher gelegene und zum Teil in den Fels gehauene -unterstützt; die Werke, die den Gibraltarfelsen selber zu einer -uneinnehmbaren Feste machen, sind während dieser Belagerung begonnen. Die -Wasserfront ward durch starke Forts auf den beiden Molen flankiert, und -etwa in ihrer Mitte, etwas nördlicher, befand sich ein größeres Werk, die -Kings-Bastion. In den Befestigungen standen 280 Geschütze. Die Besatzung -betrug 7000 Mann auserlesener Truppen[165], im besonderen vorzüglicher -Artilleristen; 12 Kanonenboote, mit je einem schweren Geschütze, besetzt -mit Mannschaften einiger bei Gibraltar stationierter Fregatten und -kleinerer Kriegsschiffe, standen zur Verfügung. - - [165] Etwa zwei Drittel von diesen waren Hannoveraner, die Stammtruppen - der jetzigen Regimenter: Füsilierregiment Prinz Albrecht von - Preußen (Hannoversches) Nr. 73, Infanterieregiment v. - Voigts-Rhetz (3. Hannoversches) Nr. 79 und des Jägerbataillons - Nr. 10, denen zur Erinnerung an die ruhmreiche Verteidigung von - Gibraltar als Abzeichen ein hellblaues Band mit der Inschrift - »Gibraltar« am rechten Unterarm verliehen ist. - -Das ganze militärische Europa erwartete mit Spannung den Ausgang des so -lange vorbereiteten Angriffes. Neutrale Mächte sandten höhere Offiziere -dorthin; zwei französische Prinzen erschienen, um die erwartete -Katastrophe zu verherrlichen, denn die Verbündeten zweifelten nicht am -Erfolge. - -Nach Eintreffen der großen Flotte in Cadiz am 6. September wurde die -Ausführung des Angriffes beschlossen. =Cordoba= ging schon am 9. in See -und ankerte am 12. bei Algeciras, wo nun 48 Linienschiffe der Verbündeten -vereinigt waren. Am 13. erfolgte der Angriff, aber schon am 8. hatte der -Kampf begonnen, und es ist kennzeichnend für =General Elliot=, daß dies -von seiner Seite ausging. - - $Schilderung des Angriffes auf Gibraltar.$ Als =Elliot= erkannt hatte, - daß ein Angriff starker Kräfte bevorstand, überschüttete er während des - 8. September die feindlichen Werke derartig mit Geschossen, daß sie - außer Gefecht gesetzt wurden. Die Spanier eröffneten jedoch schon am 9. - aus einer neuen Batterie von 64 Kanonen ein heftiges Feuer auf die - Stadt, und das eigentliche Blockadegeschwader unter =Moreno= beteiligte - sich, indem es in Linie an der Wasserfront vorübersegelte. Das - Bombardement aus den Landwerken ward bis zum 12. fortgeführt. Gegen 8 - Uhr vormittags am 13. September setzten sich die schwimmenden Batterien - in Bewegung und die Landwerke nahmen das Feuer wieder auf. Admiral - =Moreno= ankerte mit dem stärksten der Batterieschiffe »La Pastora« auf - etwa 1200 m Entfernung vor der Kings-Bastion, vier andere gingen - südlich und fünf nördlich von ihm vor Anker. - - So lagen die 10 Fahrzeuge in einer Linie von der Nordmole bis fast zur - Südmole; sie begannen den Kampf um 10 Uhr. Entschieden war diese - Aufstellung fehlerhaft. Nach dem Plane =d'Arçons= sollten sie massiert - von der Höhe der Nordmole aus angreifen, um ihr Feuer möglichst - zusammenzuhalten und mit dem der Landwerke zu vereinigen, selber aber - nur wenigen feindlichen Geschützen ausgesetzt zu sein. Jetzt jedoch - boten sie Ziele für die ganze Wasserfront, deren südlicher Teil vom - Feuer der Landwerke nicht erreicht werden konnte. Ein zweiter - verhängnisvoller Fehler wurde dadurch gemacht, daß die bei Algeciras - liegenden Mörser- und Kanonenboote nicht eingriffen, und gerade diese - hätten die Wasserfront beschäftigen, womöglich flankieren sollen; nur - einige Kanonenboote erschienen für kurze Zeit. Endlich nahmen auch - keine Schiffe der großen Flotte teil, die gleichfalls den Gegner hätten - ablenken sollen. - - Es folgte nun ein heftiger Geschützkampf. Anfangs widerstanden die - schwimmenden Batterien den Geschossen, auch den glühenden Kugeln, die - von den Engländern mit Vorliebe verwendet wurden. Aber am Nachmittage - gerieten doch »La Pastora«, sowie ihr Nebenschiff »La Talla Piedra«, - von einem Prinzen von Nassau befehligt, in Brand. Man konnte das - langsame Umsichgreifen des Brandes nicht hindern, so daß »Talla Piedra« - sich genötigt sah, um 3 Uhr ihr Feuer zu vermindern und um 5 Uhr ganz - einzustellen. Der Prinz von Nassau bat, sein Schiff wegzuschleppen, - machte auch den Versuch, es aus dem Gefecht zu warpen, es fehlte ihm - jedoch an Matrosen. Um 5 Uhr brachen auch die spanischen Landwerke den - Kampf ab; =d'Arçon= behauptete später, es habe ihnen an Munition - gefehlt, ihre Geschütze seien überhaupt schlecht bedient und schlecht - gerichtet worden. Die übrigen schwimmenden Batterien hatten noch wenig - gelitten, aber ihr Rückzug ward doch befohlen, um sie zu retten. Für - diesen waren jedoch gar keine Vorkehrungen getroffen, und man sah sich - schließlich gezwungen, ihr Verlassen und Verbrennen anzuordnen; auf - Notsignale sandte die Flotte Boote zum Abholen der Besatzungen. In die - nun entstehende Verwirrung brachen gegen 2 Uhr morgens die englischen - Kanonenboote unter Führung des Kapitäns =Curtis=, des ältesten - Seeoffiziers in Gibraltar, ein. Sie flankierten mit ihrem Feuer die - spanische Linie, vermehrten die Unordnung auf den fast nur mit Soldaten - besetzten Fahrzeugen und trieben die rettenden Boote zurück. Bei - Sonnenaufgang flog eins der Batterieschiffe in die Luft, drei weitere - traf bald das gleiche Schicksal, die anderen standen in Flammen. Die - Engländer stellten jetzt das Feuer ein und taten ihr Bestes zur Rettung - der Gegner; sie bargen unter eigener Gefahr gegen 400 Mann. Der Rest - der Batterien flog im Laufe des 14. September auch noch auf. - - =Der Verlust= der Spanier soll allein auf den schwimmenden Batterien - 1500 Tote, Verwundete und Gefangene betragen haben. Die Engländer - büßten nur 65 Tote und 188 Verwundete ein; ihre Werke hatten im - Verhältniß zu dem auf sie gerichteten Feuer nur wenig gelitten. - - $Beurteilung des Angriffes.$ Die schwimmenden Batterien sind nach der - Katastrophe vielfach als verfehlt bezeichnet. Besonders höhere - spanische Offiziere, so auch =Crillon=, erklärten, niemals Vertrauen zu - ihnen gehabt zu haben. Weshalb wartete er aber nicht ab, bis sie - leistungsfähiger geworden waren? Er konnte während der Monate September - und Oktober noch immer auf günstige Witterung für den Angriff rechnen, - und die große Flotte war zur Stelle, um einer etwa erscheinenden - englischen entgegenzutreten. Das Mißlingen des Unternehmens, wenigstens - sein trostloser Ausgang, ist anderen Umständen zuzuschreiben. =Crillon= - hat (nach Chevalier) zu kurzer Hand den Tag des Angriffes festgesetzt - und ungenügende Bestimmungen getroffen. Infolgedessen lagen die - Batterien falsch und die Mörser- sowie die Kanonenboote fehlten; die - Spanier behaupteten zwar, die See sei zu rauh für diese gewesen, aber - einzelne waren doch erschienen und hatten sich auch am Kampf beteiligt. - Es war ferner nichts vorgesehen, um die Batterien aus dem Gefechte - ziehen zu können. Endlich waren die Führer der Flotte nicht zu Rate - gezogen und gar nicht oder doch zu spät vom Angriff in Kenntnis - gesetzt. =Chevalier= stützt sich bei diesen Behauptungen allerdings - besonders auf Berichte =d'Arçons=, also eines beteiligten Zeugen, aber - seine Aussagen werden auch durch das Journal eines französischen - Schiffes der Flotte bestätigt. (Chevalier II, Seite 348.) - -Der Angriff wurde nach vorstehendem nicht nur ein Fehlschlag, sondern -sogar eine empfindliche Niederlage der Spanier; man mußte sich vorläufig -wieder auf den Versuch beschränken, Gibraltar auszuhungern. Dies hätte -gelingen müssen, da man über 48 Linienschiffe verfügte, aber die -Seegewandtheit der Engländer machte auch diese Hoffnung zuschanden. - -$Lord Howe versorgt Gibraltar, Oktober 1782.$ Die Fahrt des Admirals war -bis zur spanischen Küste sehr langsam, teils weil er Gegenwind traf, -teils weil er sorgsam auf das Zusammenbleiben des wichtigen Transportes -hielt; bei Kap Finisterre waren aber auch sämtliche 183 Segel noch -vereint. Hier entließ er die Konvois und erreichte mit der Flotte sowie -den 31 Transportern am 8. Oktober Kap St. Vincent. Dort erhielt er am 10. -die Nachricht von den Ereignissen bei Gibraltar, sowie von der -Anwesenheit der feindlichen Flotte bei Algeciras. Er gab nun den -Unterführern seine Absichten bekannt und ließ den Kapitänen der -Transportschiffe genaue Angaben über die Wind- und Stromverhältnisse bei -Gibraltar zukommen, damit sie ihre Ankerplätze leicht und sicher -erreichen könnten. Am 11. mittags lief er bei westlichem Winde in die -Straße ein. Die Transporter segelten voran, die Flotte folgte in drei -Geschwadern; sie war also zu Luward jener und somit imstande, sie zu -verteidigen. Um 6 Uhr nachmittags standen die Proviantschiffe vor dem -Eingang der Bucht von Gibraltar, aber nur 4 Fahrzeugen nebst einem -Linienschiffe gelang das Einlaufen, die übrigen hatten die Vorschriften -nicht befolgt und wurden durch den Strom ins Mittelmeer versetzt. Die -Flotte mußte ihnen folgen. - -=Cordoba= lag seit Anfang Oktober zum sofortigen Auslaufen bereit. Am 10. -fielen schwere Böen ein. Mehrere Schiffe trieben vor ihren Ankern und -stießen zusammen; das Flaggschiff des Admirals =Moreno= strandete bei -Gibraltar und wurde von den Engländern genommen; ein anderes -Linienschiff, sowie eine Fregatte trieben ins Mittelmeer. Sei es, weil -einzelne Schiffe beschädigt waren, sei es -- wie französisch-spanische -Berichte sagen -- weil in der Bucht von Algeciras völlige Windstille -herrschte, tatsächlich unternahm =Cordoba= nichts gegen das Einlaufen der -vier Transporter und ging auch erst am 13. Oktober mit 46 Linienschiffen, -darunter 14 oder 15 Franzosen, in See. Besorgt um das Schicksal der -vertriebenen Schiffe steuerte er östlich, anstatt den Engländern die -Rückkehr in die Straße zu verlegen; =Howe= stand um diese Zeit etwa 30 -Seemeilen im Osten von Gibraltar. Zwei Tage manövrierten nun die Flotten -bei leichtem westlichen Winde und zeitweisem Nebel, oft aus Sicht -voneinander. Am 15. kam Ostwind auf und =Howe= steuerte unbemerkt vom -Feinde westlich, die Transporter wieder voraussendend. Am 16. abends -waren 18 von diesen, am 18. alle in Gibraltar angelangt; außerdem wurden -Soldaten gelandet, die auf einzelnen Linienschiffen untergebracht waren, -und dem Gouverneur auf dessen Bitte noch ein Brander mit 1500 Barrel -Pulver überlassen. =Gibraltar war aufs neue reichlich versorgt.= - -Der spanische Admiral hatte erst am 16. Oktober den Kurs nach Westen -aufgenommen, als er am 19. vor Gibraltar erschien, trat die englische -Flotte gerade ihre Heimreise an. Er folgte ihr in einer Schlachtlinie, in -der die Schiffe nach ihrer Geschwindigkeit rangiert waren, die -schnelleren voran. - -$Das Seetreffen bei Kap Spartel am 20. Oktober 1782. Ende des Seekrieges -in den europäischen Gewässern.$ =Howe= wollte der Strömungen wegen nicht -in der Straße von Gibraltar fechten und erwartete den Gegner außerhalb. -=Cordoba= stand bei nördlichem Winde zu Luward und hielt am 20. Oktober -gegen Sonnenuntergang zum Angriff ab. Er hatte Befehl gegeben, den Kampf -zu beginnen, sobald man auf zwei Kabellängen an den Gegner heran wäre. -=La Motte-Picquet= eröffnete in der hellen Mondnacht mit der Vorhut das -Feuer auf die englische Vorhut in der befohlenen Entfernung; die Mitte -war noch nicht so nahe heran und die Nachhut, 12 Schiffe unter =de -Guichen=, stand weit achteraus. Ehe diese herankam, mehrte =Howe= Segel -und brach das Gefecht ab. Er hatte mit seiner Mitte der großen -Entfernung halber das Feuer der feindlichen Schiffe gar nicht erwidert, -seine Nachhut kam jedoch beim Absegeln noch zum Geschützkampf. Der großen -Übermacht wollte sich der englische Admiral nicht aussetzen; er hat den -Gegner wohl nur herankommen lassen, weil er mit der Möglichkeit rechnete, -infolge günstiger Umstände ihn teilweise zu schlagen. =La Motte= wagte -mit seinen wenigen Schiffen nicht am Feinde zu bleiben, =Cordoba= -sammelte um Mitternacht die Flotte und folgte weiter. - - =Die Verluste= bezifferten sich bei den Engländern auf 68 Tote und 268 - Verwundete, bei den Verbündeten auf 60 und 320. - -Am nächsten Tage waren die Gegner etwa 12 Seemeilen voneinander entfernt. -=Cordoba= gab sich jedoch keine Mühe, näher heranzukommen, sondern -segelte am 22. nach Cadiz. =Howe= zweigte 8 Linienschiffe für Westindien -ab und erreichte dann am 14. November Portsmouth. - -Die größeren Flottenunternehmungen in den europäischen Gewässern waren -damit nicht nur für das Jahr 1782, sondern für den Krieg überhaupt zu -Ende. - -$Über die Kriegführung in Europa 1782$ ist wenig zu sagen. Das Auftreten -der großen Flotte der Verbündeten in den nördlichen Gewässern war ebenso -schwächlich wie im Vorjahre. Sie brachte einen Teil eines englischen -Konvois auf und beherrschte zum Schutze des eigenen Handels während der -Monate Juni bis August den Eingang des Kanals, sowie die Biskaya, machte -aber keine ernstlichen Versuche zur Vernichtung der schwächeren -feindlichen Seemacht. Wieder trifft die Hauptschuld die Spanier, die den -größeren Teil der Flotte gestellt hatten und in deren Hand der Oberbefehl -lag. Mit Recht sagt ein französischer Autor (Lacour II, Seite 382) über -Cordoba, es sei zu beklagen, daß Männer wie =Guichen= und =La -Motte-Picquet= stets an einen Führer gebunden gewesen wären, der keinen -Plan durchgeführt habe -- falls er überhaupt einen gehabt hätte. - -Die weit schwächere englische Flotte hatte schon vorher den äußerst -wichtigen Transport für Ostindien aufgebracht, die Streitmacht Hollands -festgehalten und dessen Handel unterbunden. Als die Verbündeten dann auf -der See erschienen, gelang es =Lord Howe= doch, den Jamaikakonvoi sicher -einzuholen. Der Schaden für Handel und für Militärtransporte war auf -beiden Seiten etwa gleich; der Ruhm der erfolgreicheren Verwendung ihrer -Seestreitkräfte gebührt also England als der schwächeren Partei. Hierbei -ist allerdings darauf hinzuweisen, daß Howes Aufgabe ein Wagnis war, denn -die größere Hälfte der Kanalflotte wurde einem übermächtigen Feinde -gegenüber aufs Spiel gesetzt. - -Die Expedition nach Gibraltar war ein noch gefahrvolleres Unternehmen. -Bei ihr entwickelte =Lord Howe= dieselben Fähigkeiten, die er 1778/79 in -Nordamerika gezeigt hatte, seemännische Tüchtigkeit vereint mit klarem -Blick und schnellem Entschluß. Er hielt seine Kräfte zusammen und behielt -sie in der Hand, durch geschicktes Manövrieren löste er seine Aufgabe, -vermied aber den Kampf mit dem überlegenen Feinde. =Cordoba= dagegen -versagte auch bei dieser Gelegenheit. - - Einige $Aussprüche neuerer französischer Autoren$ zu diesen Vorgängen - sind bemerkenswert. =Chevalier= schreibt (II, Seite 358, hier gekürzt): - »Die Eigenschaften, die =Lord Howe= bei dieser kurzen Kampagne - entfaltete, entsprachen voll der Aufgabe, die er zu lösen hatte. Seine - Operation, eine der schönsten dieses Krieges, verdient das gleiche Lob - wie ein Sieg. Wenn auch die englische Flotte durch die Verhältnisse - begünstigt wurde -- und es ist selten, daß derartige Unternehmungen - ohne Glück gelingen --, so haben doch vor allem der richtige Blick des - Führers, die Sicherheit seines Urteils und seine schnelle - Entschlußfähigkeit den Erfolg herbeigeführt.« - - =Lacour= schreibt (II, Seite 447): »Daß die Flotte der Verbündeten - mehrere Tage hindurch in der Straße von Gibraltar manövriert hat, ohne - die englische zu erreichen, daß es dieser gelungen ist, stets - auszuweichen und ihre Vorräte zu landen, daß =Howe= die Straße - unbelästigt wieder verlassen konnte, alles dies erscheint bei der - Beschränktheit des Schauplatzes, auf dem sich die Ereignisse einer - Woche abspielten, kaum glaubhaft.« - - =Chevalier= weist gerade bei dieser Gelegenheit auf den höheren Stand - der englischen Marine im allgemeinen hin und erklärt damit manche - Erfolge der Engländer, sowie manche Fehlschläge der Franzosen in diesem - Kriege. Er sagt: »Unter den 34 Schiffen der englischen Flotte befand - sich keins jener Fahrzeuge, die den Oberbefehlshaber in der - Durchführung seiner Absichten hindern. Alle waren gekupfert und von - nahezu gleicher Geschwindigkeit. =Howe= hatte dadurch, wenn auch nicht - die Gewißheit, so doch die größte Aussicht, einen Kampf nach Belieben - aufnehmen oder vermeiden zu können. Der gleiche Vorteil zeigte sich - auch bei anderen Gelegenheiten in diesem Kriege. Er konnte sich ferner - auf seine Kommandanten verlassen. Es kamen keine Trennungen, keine - Zusammenstöße und Havarien, kurz keine jener Vorfälle vor, die den - Oberbefehlshaber so oft zwingen, anders zu handeln, als er beabsichtigt - hatte. Man kann nicht umhin, sich dabei der Ereignisse zu erinnern, die - der französischen Flotte des Admirals =de Grasse= vom 9. bis 12. April - 1782 so schwere Ungelegenheiten bereiteten.« Der Autor führt diese dann - kurz an; wir werden sie bald bei der Schilderung des Krieges in - Westindien (Schlachten bei Dominica) kennen lernen. - - - Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1782. - -Im November 1781 waren =de Grasse= von Nordamerika mit 32 Linienschiffen -in Martinique und im Dezember =Hood= in Barbados mit 18 eingetroffen; am -26. November hatte der Gouverneur von Martinique die Insel St. Eustache -wiedergenommen. - -Die Franzosen planten nun weitere Eroberungen. Der Gouverneur =de -Bouillé= schiffte sich mit 6000 Mann auf der Flotte ein, und =de Grasse= -lief mit dieser, 26 Linienschiffe stark, am 26. Dezember aus, um Barbados -anzugreifen; der Rest der Flotte blieb zu Ausbesserungen vorläufig -zurück. Er kreuzte mehrere Tage gegen starken böigen Passat vergeblich an -und ging am 3. Januar wieder nach Fort Royal. Am 5. Januar 1782 brach die -Expedition abermals auf, jetzt aber =gegen St. Christopher= (englisch St. -Kitts). Sie landete hier am 11. ohne Widerstand auf Basseterre, dem -Südteile der Insel. Die einschließlich einiger Milizen kaum 1000 Mann -starke englische Garnison unter dem Gouverneur General =Shirley= zog sich -nach Brimstonhill, einem befestigten Hügel im Nordwesten der Insel, -zurück, den =Bouillé= nicht stürmen konnte, sondern regelrecht belagern -mußte. Die Einwohner der Insel erklärten sich neutral und unter gleichen -Bedingungen ergab sich das naheliegende Nevis. Die französische Flotte -blieb auf der Rhede von Basseterre. - -Admiral =Hood= erhielt am 14. Januar in Barbados die Nachricht von -=Shirley=, daß die französische Flotte am 10. in der Nähe von St. -Christopher gesehen und ein Angriff zu befürchten sei. Er ging sofort mit -22 Linienschiffen in See, erfuhr am 16. die Landung und ankerte am 21. -bei Antigua, wo er nähere Auskunft erhielt und 700 Soldaten an Bord nahm. -Trotz seiner Unterlegenheit beschloß er, die bedrohte Insel zu entsetzen. -Es gelang ihm nicht, aber sein Versuch zeugt von hervorragendem -militärischem Blicke und großer seemännischer Geschicklichkeit. Englische -wie französische Autoren stellen =Hoods= Manöver denen eines =Nelson= und -=Suffren= gleich. - -[Illustration: Samuel Hood.] - -$Die Schlacht bei St. Christopher, 25. Januar 1782[166].$ =Hood= -unterrichtete die Unterführer eingehend über seine Absichten, verließ -dann am 23. Januar nachmittags Antigua und steuerte nach Nevis hinüber; -er mußte diese Insel südlich passieren, da der Kanal zwischen ihr und St. -Christopher für Linienschiffe zu flach war. Er hoffte die Franzosen bei -Tagesanbruch auf ihrem Ankerplatze zu überraschen, auf dem sie keine -Verteidigungsstellung eingenommen hatten, sondern 3-4 Reihen tief lagen; -er wollte dann seine Schiffe in Linie zu Luward an der Masse der -feindlichen vorüberführen und dieses wiederholen, durch Halsen und Wenden -einen Kreis laufend. Der Plan scheiterte infolge des Zusammenstoßes -zweier Schiffe während der Nacht; die Fahrt wurde durch die -unvermeidliche Ausbesserung mehrere Stunden aufgehalten und die Flotte am -24. morgens von feindlichen Fregatten gesichtet, ehe sie die Südspitze -von Nevis passiert hatte, was erst um 1 Uhr mittags geschah. - - [166] Hauptquellen: Mahan I, Clowes III, Chevalier II, Lacour II, deren - Angaben in den Hauptsachen übereinstimmen. - -=De Grasse= lichtete um 3 Uhr nachmittags Anker und ging ihr entgegen. Er -glaubte, Hood wolle bei Sandy Hook, einer Rhede nahe Brimstonhill, -ankern, um der Besatzung dort Hilfe zu senden, auch war er für 4 Schiffe -besorgt, die er von Martinique erwartete. =Hood= steuerte nun gegen -Sonnenuntergang südlich, zog sich scheinbar zurück, manövrierte aber -während der Nacht so, daß er bei Tagesanbruch des 25. Januar dicht unter -der Küste von Nevis zwischen dieser Insel und den etwa 9 Seemeilen -entfernten Franzosen, die sich nicht nahe unter Land gehalten hatten, und -bei ONO-Wind zu Luward von ihnen stand. Seine Absicht war jetzt, auf dem -bisherigen Ankerplatz der Franzosen eine Verteidigungsstellung -einzunehmen. Auch von dort aus konnte er die Engländer am Lande -unterstützen und lag, falls =de Grasse= nach Sandy Hook ging, zwischen -ihm und Martinique; so war es möglich, dem Gegner die Zufuhren -abzuschneiden, auf die dieser durchaus angewiesen war, da die kleine -Insel auf längere Zeit soviel Truppen nicht zu ernähren vermochte. - - Hoods Plan war bei seiner Unterlegenheit immerhin gewagt. Aber der - Admiral erwartete Rodney mit einer Flotte, der vielleicht rechtzeitig - ankam, und England brauchte nach der Niederlage in Nordamerika einen - Erfolg. So mußte man auf gut Glück etwas wagen, und Hood kannte sich, - seine Offiziere -- sowie auch den Gegner. - -=Hood= bildete die Gefechtslinie eng geschlossen über Backbordbug und -nahm um 10 Uhr vorm. Kurs nach Basseterre; er wurde vom Glück begünstigt, -da der Wind auf OSO ging, so daß er raum steuern konnte. Die Franzosen -lagen um diese Zeit über Steuerbordbug nach Süden, wendeten und hielten -in Staffel auf den Feind zu (Plan I A--A zeigt die englische Linie um 10 -Uhr, A'--A' die französische), kamen aber nicht mehr, wie sie wohl -beabsichtigt hatten, mit ihrer ganzen Linie querab von der englischen zum -Angriff. Um 2 Uhr nachmittags waren die vordersten Engländer so weit, daß -Hood ihnen das Signal zum Ankern geben konnte; er befahl, dies mit Spring -auf den Ankern auszuführen, um die Schiffe sofort mit den Breitseiten -nach See legen zu können. Um 2-1/2 Uhr war die französische Vorhut auf -Kanonenschußweite an die englische Mitte heran, und das Feuer begann. =De -Grasse= war aber nicht imstande, seinen Gegner festzuhalten; die -englischen Schiffe erreichten sämtlich den Ankerplatz. - - Durch den Angriff der Franzosen war also besonders die hintere Hälfte - der englischen Linie bedroht, die, wie häufig bei langen Kolonnen, - nicht so gut Schiff hinter Schiff aufgeschlossen fuhr. =Hood= nahm - jedoch hierauf keine Rücksicht, gab vielmehr der vorderen Hälfte den - Befehl, Segel zu mehren, und um 3-1/2 Uhr ankerten die ersten Schiffe, - um 4 Uhr das Flaggschiff. Die vier letzten Schiffe waren - zurückgeblieben, da das vorderste schlecht segelte. In die so - entstandene Lücke versuchte =de Grasse= mit seinem Flaggschiff »Ville - de Paris« von 104 Kanonen einzubrechen, um die Nachzügler - abzuschneiden, aber das letzte englische Schiff vor der Lücke, - »Kanada«, 74 Kanonen, unter Kapitän =Cornwallis=, dem Bruder des - Generals, warf alle Segel back, und sackte quer vor dem mächtigen - Gegner achteraus; seine beiden Vordermänner blieben gleichfalls zur - Unterstützung zurück (Plan I, B-B, B'-B'). So wurde der Durchbruch - verhindert; die letzten 7 englischen Schiffe setzten ihre Fahrt trotz - arger Bedrängnis unter beständigem Gefecht fort und kamen Schiff nach - Schiff zu Anker, wobei nun die schon verankerten Schiffe in den Kampf - eingriffen. So konnte die vordere Hälfte der englischen Linie, - gewissermaßen gedeckt durch den Kampf der hintern, unbelästigt ihre - Ankerplätze einnehmen, ebenso diese, ihrerseits unterstützt durch das - Feuer der ersteren. =De Grasse= lief noch an der feindlichen Linie - entlang, gab sein Feuer ab und steuerte dann nach Süden. - -[Illustration: I. Schlacht bei Christopher, 25. Januar 1782. - -II. Ankergefecht am 26. Januar 1782.] - -$Das Ankergefecht am 26. Januar 1782.$ Der Ankerplatz Hoods war nicht -genau der gleiche, wie ihn de Grasse innegehabt hatte (s. Plan II), aber -er beherrschte diesen. Die Nacht vom 25./26. Januar wurde benutzt, die in -Eile eingenommene Ankerordnung zu verbessern und zu verstärken; so wurden -drei Schiffe der Nachhut zwischen das Spitzenschiff und die Küste -gelegt, um jedes Umgehen der Linie hier auszuschließen. =Hood= durfte -nun seine Stellung als stark betrachten. - - Sein linker Flügel lehnte sich an die Küste. Von hier zog sich die - Linie in ost-westlicher Richtung bis zum 16. Schiff, dem Flaggschiff, - und bog dann in scharfer Kurve um, so daß die letzten Schiffe in der - Richtung Nord-Süd lagen (Plan II, A--A). Die Stellung vom Rücken her - anzugreifen, war bei den Windverhältnissen kaum möglich, und beim - Frontangriff hatten die Engländer den Vorteil, daß Beschädigungen der - Takelage für sie ohne Bedeutung waren, für die angreifenden Schiffe - aber verhängnisvoll werden konnten. - -=De Grasse= hätte wohl seinen früheren Ankerplatz wieder einnehmen -können, aber dieser lag in Lee des Feindes und war auch für eine große -Flotte nicht günstig. Er beschloß anzugreifen; durch Ankunft der Schiffe -von Martinique standen ihm schon am nächsten Tage mindestens 27, -vielleicht bereits 29 Linienschiffe zur Verfügung. Am 26. Januar steuerte -er in Kiellinie auf den linken Flügel der englischen Stellung zu (Plan II -B-B). Infolge plötzlich schralenden Windes traf das Spitzenschiff[167] um -8-1/2 Uhr vorm. erst auf das dritte englische vom Flügel und erhielt die -Breitseiten von vier Gegnern, so daß man die Plankenstücke seiner -Bordwände herausfliegen sah, dann lief es die englische Linie entlang. -Die anderen Schiffe folgten, einige nahe, andere in weiterer Entfernung; -»Ville de Paris« kam sehr dicht heran und verlangsamte auch auf kurze -Zeit ihre Fahrt. Das Feuergefecht war äußerst heftig, der Pulverrauch -hüllte die Schiffe oft völlig ein, aber die englische Stellung blieb -unerschüttert und =de Grasse= führte seine Flotte wieder nach See zu. Ein -zweiter Angriff am Nachmittage, nur gegen Mitte und rechten Flügel der -Engländer gerichtet, blieb ebenso erfolglos. - - [167] Dieses Schiff befehligte Kapitän =d'Albert de Rions=, nach - Suffrens Ansicht der tüchtigste Offizier der Marine; er hatte - sich schon mit Suffren unter d'Estaing ausgezeichnet, und wir - werden ihm noch öfter begegnen. - -=Die Verluste am 25. und 26. Januar= betrugen englischerseits 72 Tote und -244 Verwundete, französischerseits 107 und 207. - -Während der nächsten Wochen kreuzte nun die französische Flotte zu -Luward, drohte fast täglich mit einem Angriff und gab auch Feuer auf -weite Entfernung ab. =Hood= war somit zwar blockiert, konnte aber auf dem -Lande eingreifen, was er auch mit etwa 1200 Mann versuchte. =Bouillés= -Macht war jedoch zu stark, und die Gelandeten mußten schon nach 24 -Stunden wieder eingeschifft werden. =Brimstonhill kapitulierte am 13. -Februar.= - -=Hood= hatte am 1. Februar durch =Kempenfelt= Nachricht erhalten, daß die -französische Verstärkung für Westindien von ihm zerstreut sei (s. Seite -322). Dies hob seine Hoffnung auf das Gelingen seines kühnen -Unternehmens, wenn nur Rodney bald einträfe. Jetzt aber nach der -Waffenstreckung der Truppen am Lande mußte er befürchten, daß =Bouillé= -Batterien gegen die Flotte erbaue, und an das Verlassen seines -Ankerplatzes denken. Dies konnte aber nur mit großer Vorsicht ausgeführt -werden, denn die französische Flotte war auf 32 Linienschiffe -angewachsen; es waren außer dem letzten der 4 Schiffe von Martinique am -2. Februar noch die beiden Linienschiffe zu ihr gestoßen, die nach der -Zerstreuung des Konvois durch =Kempenfelt= die Fahrt fortgesetzt hatten. -Doch eine Gelegenheit bot sich bald. Am 14. führte =de Grasse= seine -Flotte unter die Küste von Nevis, um aus Transportern, die hier am 13. -von Martinique eingetroffen waren, seine fast erschöpften -Proviantbestände zu ergänzen. In der folgenden Nacht kappten die -Engländer die Ankertaue, ließen aber auf deren Bojen Laternen brennen, um -die Ausguckfregatten des Feindes zu täuschen, und segelten nördlich um -St. Christopher herum nach Antigua, wo sie am 19. Februar eintrafen. =De -Grasse= hielt eine Verfolgung für aussichtslos, ankerte zunächst bei -Basseterre, ging aber bald darauf nach Martinique, um nicht von diesem -Stützpunkt abgeschnitten zu werden, wenn =Rodney= einträfe; er erreichte -Fort Royal am 26. Februar. - - Auf der Rückfahrt nach Martinique ließ =de Grasse= am 22. Februar die - Insel =Montserrat= besetzen. England hatte kurz vorher weitere Verluste - erlitten, da sich eine französische Division leichter Schiffe am 22. - Januar =Demeraras=, sowie am 5. und 8. Februar =Berbices= und - =Essequibos= bemächtigte. - -$Beurteilung der Admirale Hood und de Grasse.$ =Hoods= kühnes Vorgehen, -mit Geistesgegenwart und Geschick durchgeführt, war trotz des mangelnden -Erfolges eine glänzende seemännische Tat. An und für sich lohnte der -Entsatz der Insel wohl kaum das Wagnis, aber er war nicht unmöglich, und -England brauchte um diese Zeit Erfolge. =Hood= hatte vor der -Chesapeakebucht (Seite 339) ähnlich handeln wollen; hätte er dort den -Oberbefehl geführt, so wäre =Cornwallis= vielleicht gerettet worden. Dem -Admiral =de Grasse= wird vorgeworfen, daß er seine gewaltige -Überlegenheit -- vom 1. bis 13. Februar 32 Linienschiffe gegen 22 -- -nicht ausgenützt habe. Er habe gewußt, daß =Rodney= mit 12-15 Schiffen -nahe, während die französische Flotte keine Verstärkungen mehr zu -erwarten hatte, mithin hätte er =Hood= vorher vernichten müssen; der -Besitz von St. Christopher habe erst in zweiter Linie gestanden. Der -Vorwurf ist berechtigt. Gewiß war die englische Stellung sehr stark und -wäre mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt worden. Aber sie wurde doch -nicht wie die des Admiral =Barrington= bei Sta. Lucia 1778 durch Werke am -Lande geschützt, und dort riet der tüchtige =Suffren= dem -Oberbefehlshaber =d'Estaing=, unbedingt anzugreifen, ehe der Gegner -Verstärkung erhielte; er erachtete den Erfolg für sicher. (Vgl. Seite -283.) - - Die Verhältnisse lagen bei Sta. Lucia ganz ähnlich, und =Suffren - äußerte sich= damals in einer für den jetzigen Fall geradezu - =prophetischen Weise=. Er schrieb: »Trotz der geringen Ergebnisse der - Beschießungen am 25. September (1781) können wir auf Erfolg rechnen. - Der einzige Weg dafür ist aber ein kräftiger Angriff auf das feindliche - Geschwader, das sich bei unserer Überlegenheit trotz der Batterien am - Lande nicht halten kann, »wenn wir längsseit der feindlichen Schiffe - gehen oder auf deren Bojen ankern«. Wenn wir zögern, können tausend - Umstände den Feind retten. =Er kann die Nacht benützen, um zu - entwischen.=« - -=De Grasses= Verhalten entspricht wieder ganz der bekannten Auffassung in -der französischen Marine jener Zeit, die, wie erwähnt, ein französischer -Taktiker in dem Ausspruche kennzeichnete: »Unsere Marine hat stets den -Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen aber -praktisch wertloseren vorgezogen, einige Schiffe zu nehmen.« Die -Erwägung, daß die Seestreitkräfte des Feindes der ausschlaggebende Faktor -seien und deshalb sein eigentliches Angriffsobjekt bilden müßten, lag ihm -bei dieser fast allgemeinen Auffassung fern. So hatten die Franzosen -einige Inseln genommen, aber die feindliche Flotte blieb intakt, und -infolgedessen fand die französische Überlegenheit in den westindischen -Gewässern bald ein Ende. - -=Admiral Rodney= hatte am 15. Januar England mit 12 Linienschiffen -verlassen, war am 19. Februar in Barbados eingetroffen und vereinigte -sich am 25. bei Antigua mit Hood, der im Begriff war, nach Barbados zu -segeln. Die Gesamtflotte folgte nun den Franzosen, kam jedoch zu spät, um -ihnen den Weg nach Martinique zu verlegen, und ging nach Sta. Lucia. Hier -stießen noch 3 Linienschiffe von England zu ihr, so daß =Rodney= jetzt -über 37 Linienschiffe und 11 Fregatten verfügte. Als er dann erfuhr, daß -de Grasse einen großen Konvoi erwarte, ließ er eine Hälfte seiner Flotte -östlich vor der Durchfahrt zwischen Dominica und Martinique, die andere -vor der zwischen Martinique und Sta. Lucia kreuzen. Der erwartete Konvoi -hatte mit =de Guichen= im Februar Frankreich verlassen. Sein Führer -navigierte mit Umsicht, er passierte die Desiraden nördlich, steuerte -dann zwischen Guadeloupe und Dominica durch und erreichte so unbelästigt -Fort Royal am 20. März. =De Grasse= sah durch die Begleitschiffe seine -Flotte auf 35 Linienschiffe, einschließlich 2 50-Kanonenschiffe, und 5 -Fregatten verstärkt. =Rodney= nahm Stellung bei Sta. Lucia in der -Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze der Insel. - -$Der Plan der Verbündeten, Jamaika zu erobern$, hatte schon lange -bestanden; in diesem Jahre sollte er ausgeführt werden. Man wollte bei -Cap Français (Haiti) 50 Linienschiffe und 20000 Mann vereinigen. Aus -Spanien war bereits im Januar eine Division Linienschiffe nebst -Transportern mit 4000 Soldaten dahin abgegangen, zu ihr sollte die Flotte -in Havanna unter Admiral Solano stoßen. =De Grasse= war beauftragt, seine -Gesamtflotte nebst allen auf den Kleinen Antillen entbehrlichen Truppen -dorthin zu führen und den Oberbefehl zu übernehmen; er mußte aber erst -den erwähnten Konvoi erwarten, da seine Schiffe von Vorräten entblößt und -die Magazine in Martinique leer waren. Die Aufgabe war schwierig, denn -der von ihm zu deckende Transport von Truppen und Kriegsmaterial, dem -sich noch nach Europa bestimmte Handelsschiffe anschlossen, zählte 150 -Segel. De Grasse beabsichtigte nicht direkten Kurs nach Haiti zu nehmen, -sondern wollte nahe den Kleinen Antillen entlang steuern, um die eigenen -und die neutralen Inseln stets als Zufluchtsort für den Konvoi benutzen -zu können. - -=Rodney= mußte also jetzt die Vereinigung der feindlichen Kräfte bei -Haiti hindern; er zog deshalb zwischen den nur 30 Seemeilen voneinander -entfernten Ankerplätzen der beiden Flotten eine Kette von Fregatten, um -sofort Nachricht vom Inseegehen des Gegners zu erhalten. Jetzt zeigte -sich die strategische Bedeutung Sta. Lucias für die Engländer. Bei ihrem -eigentlichen Stützpunkte, Barbados, wären sie zu weit ab gewesen, um mit -Aussicht auf Nutzen die Verfolgung aufzunehmen, und bei einem Kreuzen vor -Fort Royal würde es nicht möglich gewesen sein, stets die Wasser- und -Proviantbestände aufgefüllt zu halten; in der Gros-Islet-Bucht dagegen -konnte die Flotte in unmittelbarer Nähe des Feindes immer seeklar liegen. -=De Grasse= mußte die Fehler seiner Vorgänger büßen; =Rodney= zog den -Nutzen von =Barringtons= Scharfblick und Schneid. - -$Die erste Schlacht bei Dominica, 9. April 1782[168].$ Am 5. April -erhielt =Rodney= die Nachricht, daß die französischen Soldaten -eingeschifft würden, und am 8., bald nach Tagesanbruch, erfuhr er, daß -der Feind den Hafen verlasse. Da dies bei der großen Zahl der Schiffe -Zeit in Anspruch nahm und Rodney auch schon mittags frei vom Hafen die -Verfolgung aufnehmen konnte, sichteten die Engländer bereits bei -Sonnenuntergang von den Toppen aus die Franzosen und kamen dann während -der Nacht beträchtlich auf. Am 9. bei Tagesanbruch lag der größere Teil -der französischen Flotte nebst dem Konvoi bekalmt unter der -Nordwestspitze von Dominica; nur etwa 15 Linienschiffe waren frei von der -Insel und kreuzten gegen frischen Passat vor dem Eingange des Kanals -zwischen Les Saintes und Dominica. Auch die englische Flotte lag in -Stille etwa 12 Seemeilen westlich der feindlichen, bald aber erhielten -etwa 8 Schiffe ihrer Vorhut, Admiral =Hood=, einen leichten Windhauch aus -SO, der sie von der Hauptflotte fort und auf 2 französische Schiffe zu -führte, die während der Nacht stark nach Lee geraten waren und jetzt in -Stille nördlich der englischen Flotte lagen. Hood hätte sie -abgeschnitten, wenn sie nicht auch einen Windstoß aus NW erhalten hätten, -mit dessen Hilfe sie östlich segelten; sie erreichten später ihre -Hauptflotte. Zur selben Zeit wie Hood bekamen auch die französischen -Schiffe unter der Insel eins nach dem andern leichten Luftzug vom Lande -her und setzten sich in Bewegung (s. Plan I a); die englische Hauptflotte -blieb vorläufig noch in Stille liegen (I b). - - [168] Hauptquellen für beide Schlachten bei Dominica vgl. Fußnote - Seite 355. - -=De Grasse= sah ein, daß er in Verbindung mit dem Konvoi eine Schlacht -nicht vermeiden könne. Er gab deshalb diesem den Befehl, unter dem -Schutze der beiden 50-Kanonenschiffe nach Basseterre hinüberzulaufen. - -Mit der Flotte wollte er dann zwischen Guadeloupe und Dominica -aufkreuzen. Er hoffte so den Feind hinter sich her vom Konvoi abzuziehen -und glaubte, mit seinen besser gebauten Schiffen auch die Verfolgung -abwerfen zu können; so würden sowohl Flotte wie Konvoi unbelästigt ihr -Ziel erreichen. - - $Die Rettung des Konvois gelang.$ Während sich das Gefecht entspann, - segelten die Fahrzeuge unbelästigt nach Norden und waren schon um 2 Uhr - nachmittags aus Sicht. Von Guadeloupe erreichten sie später glücklich - Haiti. - -Je weiter =Hood= vorrückte, um so frischer ward der Wind, bis er den -Kanal von Les Saintes gut offen sah und den Passat erhielt (I e). Da nun -einerseits die beiden abgekommenen Schiffe noch nicht aus ihrer -gefährlichen Lage heraus waren (I d), anderseits die 8 Schiffe Hoods -weit von ihrer Flotte entfernt standen, gab =de Grasse= seinen schon im -Passat kreuzenden 15 Schiffen -- es waren die französische Vorhut unter -Chef d'Escadre =de Vaudreuil=, sowie 3 Schiffe der Mitte -- den Befehl, -diesen Teil der Engländer anzugreifen. Es entspann sich ein Gefecht auf -halbe Kanonenschußweite, das von 9-3/4-10-1/2 Uhr vorm. dauerte und in -das nach und nach auf beiden Seiten noch einige Schiffe eingriffen, die -den Passat erreicht hatten. - - =Hood= mußte bald beidrehen, um sich nicht zu weit von der Hauptflotte - zu entfernen. Die französischen Schiffe steuerten in Linie auf das - Schlußschiff der Engländer zu, liefen dann an der englischen Linie - entlang, wendeten nacheinander und wiederholten das Manöver; sie - segelten also eine Ellipse zu Luward des Feindes ab (I e). =Vaudreuil= - wählte diese Entfernung, da er fürchtete, daß auf einer näheren die - Takelagen seiner Schiffe zu sehr durch das Feuer der Karronaden leiden - würden, mit denen die englischen Schiffe ausgerüstet waren. (Vgl. - Kapitel II, Seite 21 ff.) - -[Illustration: Erste Schlacht bei Dominica 9. April 1782.] - -Während dieses Gefechtes hatte sich =Rodney= mit etwa 8 Schiffen der -englischen Mitte unter sorgfältiger Benutzung der schwachen Windstöße -näher an Land herangearbeitet, die dort frischere Brise abgefangen und -steuerte dann gegen 10-1/2 Uhr nach Norden (Plan II a); der Rest seiner -Flotte lag immer noch nahezu fest (II b). Als =Vaudreuil= dies sah, brach -er das Gefecht ab und segelte nach Süden, damit Rodney sich nicht -zwischen ihn und =de Grasse= schieben könne. Um 11-1/2 Uhr aber griff er -=Hood= aufs neue und in gleicher Weise an, da auch die französische Mitte -und Nachhut den Kampf aufnahmen. Diese eröffneten nämlich jetzt das Feuer -auf =Rodney=, aber auf so weite Entfernung, daß die Engländer es nur -schwach erwiderten (II c). Als dann =de Grasse= um 1-1/4 Uhr nachm. auch -die englische Nachhut herankommen sah, ließ er das Gefecht überall -abbrechen und begann mit der ganzen Flotte in den Kanal aufzukreuzen; ein -Schiff wurde wegen Beschädigungen in der Takelage nach Basseterre -gesandt, um die Bewegungen der Flotte nicht zu behindern. Auch =Rodney= -sammelte seine Schiffe und drehte für die Nacht zum Ausbessern bei. Er -bildete aber zu diesem Zwecke seine Formation in »Kehrt«, so daß die -Vorhut zur Nachhut wurde, denn nur die Vorhutschiffe hatten gelitten, -zwei von ihnen sogar beträchtlich, sie blieben aber trotzdem bei der -Flotte. - -$Kritik der Schlacht vom 9. April.$ Wieder muß man fragen: warum hat =de -Grasse= nicht die Gelegenheit benutzt, einen Teil der englischen Flotte -zu vernichten? =Vaudreuil= stand anfangs mit 15 Schiffen gegen 8, und -auch später war das Verhältnis ähnlich. Warum griff er nicht von hinten -auf beiden Seiten an, der Wind war ihm günstig und =Hood= hatte keine -Aussicht auf baldige Unterstützung. Im zweiten Teile des Kampfes standen -gar insgesamt 33 Franzosen gegen höchstens 20 Engländer, denn 16 -englische Schiffe -- die ganze Nachhut und 4 der Mitte -- vermochten -nicht, einzugreifen. Wären Hoods Schiffe vernichtet worden, so war -=Rodney= lahmgelegt, und =de Grasse= konnte seine Aufgabe durchführen. - -Die Franzosen verloren am 12. April nur 5 Schiffe und doch war die -Schlacht für sie eine entscheidende Niederlage. Zu erklären ist dies nur -dadurch, daß der französische Admiral es für seine wichtigste Aufgabe -hielt, die Flotte unversehrt zu erhalten. Der Angriff auf den gefährdeten -Teil des Feindes sollte dann wohl nur diese Schiffe in ihrer -Bewegungsfähigkeit so weit schädigen, daß sie an der Verfolgung nicht -teilnehmen konnten oder sie doch aufhielten. Es ist nirgend zu ersehen, -ob =Vaudreuil= nach eigener Überlegung oder auf Anordnung den Kampf so -vorsichtig geführt hat. Das erste ist möglich, wenn er die fast -allgemeine französische Auffassung teilte, doch das zweite ist wohl -wahrscheinlicher. Wenn er aber wußte, daß =de Grasse= nicht entscheidend -schlagen, sondern sogar sich der Verfolgung entziehen wollte, war sein -Bestreben richtig, außerhalb der Wirkung der Karronaden zu bleiben. - -$Die zweite Schlacht bei Dominica$ (häufig $Les Saintes$ genannt[169]) -$am 12. April 1782$. Dreimal hatte das Glück =de Grasse= zu einem großen -Erfolge vergeblich die Hand geboten -- am 29. April 1781 stand er bei -Martinique mit 24 Schiffen gegen 18, im Januar 1782 bei St. Christopher -mit 30 gegen 22 und am 9. April mit 33 gegen 20 --, jetzt aber verließ es -ihn. =Rodney= setzte am 10. die Verfolgung beharrlich fort, auf günstige -Zwischenfälle hoffend, und diese traten ein. Am 10. April morgens konnten -die Engländer die französische Flotte noch von Deck aus sehen, bei -Tagesanbruch am 11. nur noch von den Toppen der Masten; =de Grasse= -schien sich wirklich seinem Verfolger zu entziehen. - - [169] Die Engländer nennen die Schlacht »=Les Saintes=« oder »=am - 12. April=«, die französischen sowie die deutschen - Geschichtswerke »=Dominica=«. - - Wenn in diesem Falle die französische Flotte der englischen an - Schnelligkeit überlegen war und nicht durch ungekupferte Schiffe - aufgehalten wurde, so liegt dies daran, daß sie gerade beim - Aufkreuzen, zumal gegen flauen Wind, die größere Segelfähigkeit zu - entfalten vermochte, die sie infolge besserer Bauart ihrer Schiffe - besaß. - -Aber es kam anders. In der Nacht vom 10. auf 11. stießen zwei Schiffe -zusammen, »Jason« und »Zélée«; so daß das erste nach Guadeloupe geschickt -werden mußte. Im Laufe des 11. sah sich dann =de Grasse= gezwungen, einen -Teil seines Vorsprunges aufzugeben, um zwei Schiffe, »Magnanime« und -»Zélée«, wieder an sich zu ziehen, die zu weit nach Lee geraten waren. -»Zélée« schien ein Unglücksschiff zu sein. Es war schon unter Dominica am -9. April von der Flotte abgekommen, in der Nacht vom 11./12. stieß es -wiederum zusammen und dieses Mal sogar mit dem Flaggschiff »Ville de -Paris«; die Wache hatte ein junger Unterleutnant gehabt -- ein die -Verhältnisse in der französischen Marine kennzeichnender Umstand. Die -Takelage des Flaggschiffes ward etwas beschädigt, »Zélée« aber verlor -Bugspriet und Fockmast, so daß eine Fregatte sie nach Guadeloupe -schleppen mußte. Der französischen Flotte fehlten nun außer den beiden -50-Kanonenschiffen, die den Konvoi begleiteten, bereits 3 Linienschiffe. -Der Zusammenstoß hatte außerdem die Flotte in Unordnung gebracht und -aufgehalten. - -Am nächsten Tage kam es durch die Wiederherstellung der Ordnung sowie -Manöver zur Deckung der »Zélée«, deren Verbindung mit dem Schlepper fast -bis Tagesanbruch gedauert hatte, zum Zusammenstoß mit dem Verfolger. Er -wurde die größte rangierte Schlacht des Krieges, ja des Jahrhunderts bis -zu dieser Zeit. Sie wurde am gleichen Tage geschlagen wie die heißeste -dieses Krieges in Ostindien; die Sonne hatte sich noch nicht über den -erschöpften Geschwadern der Admirale =Suffren= und =Hughes= bei -Providien, an der Küste Ceylons südlich von Trincomali, gesenkt, als ihre -ersten Strahlen die Flotten bei Les Saintes beschienen. (Der -Zeitunterschied zwischen den beiden Orten beträgt 9-1/2 Stunden.) - - Die Schlachtordnungen der Flotten. - - Beide sind in »Kehrt« angegeben, da die Flotten so ins Gefecht traten. - - =Die englische Flotte=: - - =Vorhut= =Mitte= =Nachhut= - - Marlborough 74 America 64 Prince William 64 - - Arrogant 74 Hercules 74 Magnificent 74 - - Alcide 74 Protée 64 Centaur 74 - - Nonsuch 64 Resolution 74 Belliqueux 64 - - Conqueror 74 Agamemnon 64 Warrior 74 - - Princesa 1) 70 Duke 98 Monarch 74 - - Prince George 98 Formidable 2) 98 Barfleur 3) 98 - - Torbay 74 Namur 90 Valiant 74 - - Anson 64 St. Albans 64 Yarmouth 64 - - Fame 74 Canada 74 Montagu 74 - - Russel 74 Repulse 64 Alfred 74 - - Ajax 74 Royal Oak 74 - - Bedford 74 - - 1) Flaggschiff des Kontreadmirals =Francis Samuel Drake=. - - 2) Flaggschiff des Admirals =Sir George Bridges Rodney=. - - 3) Flaggschiff des Kontreadmirals =Sir Samuel Hood=. - - =Die französische Flotte.= - - =Vorhut= =Mitte= =Nachhut= - - Hercule 74 [170]Hector 74 Diadème 74 - - Souverain 74 [170]César 74 Destin 74 - - Palmier 74 |----- Magnanime 74 - - Northumberland 74 Dauphin-Royal 70 Réfléchi 64 - - Neptune 74 Languedoc 80 Conquérant 74 - - Auguste 1) 80 [170]Ville de Paris 2) 104 Magnifique 74 - - [170]Ardent 64 Couronne 80 Triomphant 3) 80 - - Scipion 74 Eveillé 64 Burgoyne 74 - - Brave 74 Sceptre 74 Duc de Bourgogne 80 - - Citoyen 74 [170]Glorieux 74 Marseillais 74 - - |----- Pluton 74 - - 1) Flaggschiff des Chef d'Escadre =De Bougainville=. - - 2) Flaggschiff des Lieutenant-Général =Comte de Grasse=. - - 3) Flaggschiff des Chef d'Escadre =De Vaudreuil=. - - |----- Hinter »Glorieux« durchbrach =Rodney= und hinter »César« - =Hood= die französische Linie. - - [170] Die fünf Schiffe wurden von den Engländern genommen. - -Am 12. April mit Tagesanbruch, gegen 5-1/2 Uhr, steuerte die englische -Flotte bei SO-Wind südlich; sie lag über Steuerbordbug mit »Kiellinie in -Kehrt«, so daß also die eigentliche Vorhut (Geschwader Hood) zur Nachhut -wurde. Man sah die französische Flotte in NO, gleichfalls über -Steuerbordbug bei OSO-Wind, aber in einer breiten Masse liegend (Plan I -a); sie war durch ungünstige Zufälle sehr auseinandergekommen. Ihre -östlichsten Schiffe befanden sich 8-10 Seemeilen von den westlichsten -entfernt; unter diesen befand sich das Flaggschiff »Ville de Paris«, das -etwa 10 Seemeilen von Rodneys Flaggschiff stand. Noch westlicher sah man -»Zélée« im Schlepp der Fregatte (b). =Rodney= ließ sofort seine 4 letzten -Schiffe auf diese abhalten (c), wohl um de Grasse zu ihrer Deckung nach -Lee zu locken. Mit seiner Flotte wendete er, alle Schiffe zugleich, und -bildete dann wieder die Kiellinie beim Winde über Backbordbug, also mit -Kurs ONO (d). Sein Plan gelang. - -=De Grasse= gab gegen 6 Uhr Befehl, abzuhalten, Segel zu mehren und -gleichzeitig die Schlachtlinie über Steuerbordbug »in Kehrt« herzustellen -(e). Gegen 7 Uhr rief =Rodney= die jagenden Schiffe zurück und ließ seine -Linie auf eine Kabellänge Entfernung zwischen den Schiffen schließen. -Gleichzeitig hatte =de Grasse= erkannt, daß er die Luvstellung verlieren -würde, wenn er wie bisher weiter raum steuerte; er ging wieder an den -Wind, der um diese Zeit nach Ost drehte. So begann ein Rennen zwischen -den beiden Flotten um die Luvstellung; die französische lag über -Steuerbordbug etwa SSO (f), die englische über Backbordbug etwa NNO (f'), -aber die erste war noch nicht gut ausgerichtet, als der unvermeidliche -Zusammenstoß erfolgte. - - Rodney hatte auch während des Aufkreuzens an den letzten Tagen von Zeit - zu Zeit nach Möglichkeit ausrichten lassen, jetzt wurde die - Gefechtslinie bald in guter Ordnung hergestellt. =De Grasse= dagegen - wurde es schwer, die Formation einzunehmen, da die Schiffe so weit - verstreut waren; als der Zusammenstoß erfolgte, hatten noch nicht - sämtliche Schiffe der Vorhut und Nachhut ihre Posten eingenommen (Plan - II, V. und N.). =Vaudreuil=, der die Nachhut befehligte, also zuletzt - ins Gefecht kam und alles gut übersehen konnte, schrieb später: »Wir - bildeten unsere Linie unter Gewehrfeuer.« - -[Illustration: Schlacht bei Dominica 12. April 1782.] - -Aus Besorgnis um »Zélée« hatte =de Grasse= entgegen seiner sonstigen -Vorsicht die Bewegungen hastig und unüberlegt ausgeführt. Es lag in -seiner Hand, den Zusammenstoß zu verzögern, bis er besser geordnet war, -wenn er länger unter kleinen Segeln blieb und nicht so weit abhielt. Dies -soll nach Augenzeugen überhaupt nicht nötig gewesen sein; »Zélée« lief im -Schlepp 5-6 Knoten Fahrt, und =Rodney= würde sich gehütet haben, seine -Schiffe länger hinter ihr herlaufen zu lassen, sobald die französische -Flotte nur Anstalt zum Kampf machte. Ferner war es falsch, daß die Flotte -über Steuerbordbug nach Süden ging, da man erfahrungsmäßig unter Dominica -flaue umspringende Winde antraf, während in der Mitte des Kanals frischer -Passat wehte. All diese Umstände sind dem Admiral später zum Vorwurf -gemacht. - -Die führenden französischen Schiffe erreichten und passierten zuerst den -Punkt, in dem sich die schnell zusammenführenden Kurse der Flotten -schnitten. Das englische Spitzenschiff »Marlborough« traf auf das achte -Schiff der feindlichen Linie »Scipion«, dessen Hintermann »Brave« um -7-3/4 Uhr vormittags das Feuer eröffnete. Da ein Durchbrechen nicht -beabsichtigt war, hielt »Marlborough« auf Signal Rodneys ab und lief in -Lee der feindlichen Linie entlang; ihm folgten die übrigen Schiffe im -Kielwasser (Plan II). Die Schlacht wurde damit zu einem Passiergefecht, -das gewöhnlich keine Entscheidung bringt, und dies entsprach auch wohl -der Absicht des französischen Admirals. Da aber die Schiffe bei flauem -Winde nur 3-4 Knoten liefen, wurde der Kampf heftiger als sonst bei -dieser Gefechtsart[171], ferner gab =de Grasse= seiner Spitze Befehl, bis -SSW abzuhalten und brachte so seine bisher ganz unbeschäftigte Vorhut ins -Gefecht. Er wurde sich aber doch jetzt bewußt, daß dieser Kurs die Flotte -in die Region des flauen, umspringenden Windes führen und ihr -voraussichtlich die Luvstellung kosten würde; diese war jedoch unbedingt -nötig, wenn er sich ohne entscheidende Schlacht der Verfolgung entziehen -wollte. =De Grasse= gab deshalb um 8-1/2 Uhr Befehl, gleichzeitig zu -halsen, und bald darauf, als dies nicht ausgeführt wurde, im Kontremarsch -zu halsen, jedoch auch dieses Kommando wurde nicht befolgt. - - [171] Wie langsam das Passieren der Flotten verlief, beweist die - Angabe, daß Rodneys Flaggschiff, das 18. der Linie, erst um 8-1/2 - Uhr, und Hoods Schiff gar erst gegen 9-1/2 Uhr das Feuer - eröffnete. - - Ein gleichzeitiges Halsen hätte die französischen Schiffe in eine - geradezu verhängnisvolle Lage gebracht; da die Flotten so nahe - beieinander lagen, würden sie bei dem flauen Winde alle zugleich lange - Zeit einem vernichtenden Enfilierfeuer von hinten ausgesetzt gewesen - sein. Der Kommandant des Schlußschiffes »Pluton«, Kapitän d'=Albert de - Rions=, der das Manöver hätte beginnen müssen, sah das Signal, hielt es - aber aus genanntem Grunde für einen Irrtum und befolgte es nicht; auch - sein Geschwaderchef =Vaudreuil=, der nun auf Ausführung hätte dringen - müssen, sowie noch andere Kommandanten scheinen gleicher Ansicht - gewesen zu sein. Das zweite Signal ward für einen Augenblick vom - Spitzenschiff gesehen, das hier beginnen mußte, aber bald durch - Pulverdampf verhüllt. Der Kommandant dieses Schiffes wollte die - Verantwortung nicht übernehmen, da er seiner Sache nicht ganz sicher - war; auch bei diesem Manöver wären die französischen Schiffe, eins nach - dem anderen, dem Enfilierfeuer aus nächster Nähe ausgesetzt gewesen. - -Einige Minuten nach 9 Uhr trat nun das Gefürchtete ein. Der Wind sprang -plötzlich auf SSO und kam allen französischen Schiffen, die noch nicht -abgehalten hatten, fast von vorn, so daß sie etwa SW steuern mußten, um -volle Segel zu behalten. Sie lagen nun nicht mehr in Kiellinie, sondern -mit dem Bug auf die feindliche Linie zu (Plan III), während den -Engländern frei stand, ihren Kurs beizubehalten oder anzuluven; auch ging -die Fühlung zwischen den französischen Schiffen verloren und es -entstanden Lücken. =Rodney= war um diese Zeit querab vom vierten Schiff -hinter de Grasse, und hier war eine besonders große Lücke, da das fünfte -Schiff hinter dem französischen Flaggschiffe, »Diadème«, alle Segel back -bekommen hatte. In diesen Zwischenraum, also hinter »Glorieux«, brach -Rodney mit dem »Formidable« ein, gefolgt von den nächsten fünf Schiffen, -und kurze Zeit darauf drang das letzte Schiff der englischen Mitte, -»Bedford«, hinter dem »César« durch eine Lücke, hinter ihm die ganze -Nachhut unter =Hood=. Der Vordermann Rodneys, der »Duke«, ging nach dem -Beispiel seines Admirals hinter dem »Réfléchi« durch. =Rodney= hatte beim -Durchbruch das Signal »Schlachtlinie« niedergeholt. - - Die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen litten natürlich - sehr. Infolge von Rodneys Manöver stauten sich die vier Schiffe - »Diadème«, »Destin«, »Magnanime«, »Réfléchi« zu einem Haufen, in den - die durchbrechende Kolonne das Feuer ihrer Backbordbatterien und »Duke« - das seiner Steuerbordbatterie schmetterten; also 7 Schiffe, worunter 3 - Dreidecker. Die Steuerbordbatterien der Kolonne entluden sich auf - »Glorieux«, der alle Masten verlor. Unter dem Feuer der Kolonne Hoods - hatten besonders »César« sowie dessen Vordermann »Hector« zu - leiden.[172] - - [172] Die später von den Engländern genommenen Schiffe sind im Plan III - und IV mit einem kleinen Kreuz bezeichnet. - -[Illustration: Schlacht bei Dominica, 12 April 1782.] - -Die französische Linie war somit an zwei Stellen von Kolonnen -durchbrochen und nach Lee gedrängt. Die ganze englische Vorhut sowie 5 -Schiffe der Mitte waren weiter gelaufen; die vordersten Schiffe der -Vorhut müssen zur Zeit des Durchbruches bereits das Ende der -französischen Linie passiert haben. Auffallend ist, daß diese 16 Schiffe -keinen Befehl zum Wenden erhielten, um dem Feinde zu folgen; der Admiral -der Vorhut hätte ihn auch selber geben können, da das Signal -»Schlachtlinie« nicht mehr wehte. Keine englische Quelle äußert sich -hierüber, es wird nur erwähnt, daß das 11. Schiff »Russel« und das 12. -»America« aus eigenem Antriebe gewendet hätten. Dieses wendete zurück, -da kein Signal kam, »Russel« blieb auf dem neuen Kurse und konnte -infolgedessen später bei der Verfolgung der »Ville de Paris« kräftig -eingreifen. Auch die englische Flotte war in drei Gruppen geteilt, und -beide Oberbefehlshaber strebten nun, ihre Kräfte wieder zu sammeln; das -Feuer hatte im allgemeinen zwischen 10-1/2 und 11 Uhr aufgehört, nur die -letzten Schiffe der englischen Nachhut scheinen es bis gegen Mittag noch -unterhalten zu haben. - -=Rodney= wendete nach dem Durchbruch mit seiner Gruppe und gab gegen -11-1/2 Uhr auch der Vorhut Befehl hierzu. Das Manöver erlitt jedoch -erhebliche Verzögerung, da die Takelagen beschädigt waren und der Wind -flau und unbeständig wehte; =Hood= war mit der Nachhut nach dem -Durchbruch anstatt sogleich zur Mitte zu steuern, am Winde geblieben und -bald in Stille geraten. Als gegen 1 Uhr nachmittags etwas frischere Brise -von Osten aufkam und den Pulverrauch vertrieb, lagen die beiden Flotten, -wie aus Plan IV ersichtlich: die französische Vorhut (V) stand etwa zwei -Seemeilen zu Luward der Gruppe bei de Grasse (M), die Nachhut (N) etwa 4 -Seemeilen in Lee von dieser; die englische Flotte bot ein ähnliches Bild -(V^1, M^1, N^1). Zwischen beiden Flotten lagen die französischen Schiffe -»Glorieux«, »César«, »Hector« fast bewegungslos. - -=De Grasse= gab im Laufe des Nachmittags wiederholt Befehl, die Ordnung -auf die am meisten in Lee befindlichen Schiffe wieder herzustellen, aber -ohne Erfolg. Die drei Gruppen näherten sich wohl etwas, ein wirkliches -Sammeln kam jedoch nicht mehr zustande; die Beschädigungen und der -schwache Wind mögen es vereitelt haben, die Schiffe konnten wohl raum -segeln, aber schlecht manövrieren, vielleicht hat auch der Eindruck der -Niederlage das Seinige dabei getan. =Rodney= hat, als um 1 Uhr Wind -aufkam und man die Lage übersehen konnte, keine Maßregeln zur Ausnützung -des bisherigen Erfolges ergriffen; er heißte zwar das Signal -»Nahgefecht«, holte es aber bald wieder nieder. Er scheint mit dem -Flaggschiff längere Zeit dem Feinde nur unter kleinen Segeln gefolgt zu -sein, und viele seiner Schiffe taten das gleiche. So näherten sich die -englischen Gruppen wohl dem Gegner, aber eine scharfe Verfolgung trat -nicht ein. Dennoch fielen fünf Franzosen vorausgeeilten Engländern in die -Hände. Etwa um 4 Uhr wurden die obengenannten drei vereinzelten Schiffe -und auch ein schlechter Segler der Vorhut, »Ardent«, genommen, und gegen -6 Uhr strich das Flaggschiff »Ville de Paris« nach tapferster Gegenwehr -die Flagge vor »Barfleur« und »Russel«; es soll um diese Zeit von 9 -englischen Schiffen umgeben gewesen sein. - -Die Nacht brach nun herein. Der Chef d'Escadre =de Vaudreuil= übernahm -auf französischer Seite den Oberbefehl. Er mehrte auf »Triomphant« Segel, -hielt ab und befahl, ihm zu folgen, doch konnte der aufzunehmende Kurs -nur durch Zuruf von Schiff zu Schiff weitergegeben werden. =Rodney= ließ -um 6-3/4 Uhr die Linie über Steuerbordbug bilden und beidrehen. - -=Der Verlust= der Engländer betrug 243 Tote, darunter 2 Kommandanten, und -816 Verwundete; der der Franzosen ist nirgend verzeichnet, doch sagen -ihre eigenen Quellen, er sei viel stärker gewesen. Acht Kommandanten -waren gefallen und 5 Schiffe verloren; der Zufall wollte, daß sich auf -dem Flaggschiffe reiche Geldmittel und auf den anderen der größere Teil -der Artillerie für die Expedition gegen Jamaika befand. Diese 5 in der -Schlacht genommenen Schiffe, sowie zwei weitere, die später Hood in die -Hände fielen, sind aber nie nach England gekommen; »César« flog noch in -der Nacht auf und die anderen sind sämtlich in Westindien oder auf der -Fahrt nach England, stark beschädigt wie sie waren, in stürmischem Wetter -untergegangen. - - $Die französischen Verluste$ müssen sehr viel höher gewesen sein. - Während der stärkste Verlust auf einem englischen Schiffe (»Duke«) 73 - Mann betrug, sind mit »César« allein 400 Franzosen umgekommen, und - Troude schreibt, »Ville de Paris« habe 400 Tote und 600 Verwundete - gehabt; die Engländer seien beim Anbordkommen vor Entsetzen starr - gewesen. Dieses Mißverhältnis ist nicht allein dadurch bedingt, daß die - Franzosen wieder besonders auf die Takelage gefeuert hatten, sondern - auch durch die zweifellos bessere Artillerie der Engländer. Ihre - Schiffe führten Karronaden, deren große Vorteile im Nahgefecht wir - kennen; ihre Geschütze waren teilweise mit Hammerschlössern versehen, - die Zielen und Abfeuern durch denselben Mann erlaubten; neue - Vorrichtungen an den Lafetten gestatteten schnelleres Richten. Daß die - französische Marine die englischen Verbesserungen noch nicht eingeführt - hatte, war eine um so gröbere Nachlässigkeit des Ministeriums, als - Offiziere wie Suffren auf Vervollkommnungen der Artillerie gedrungen - hatten, so auf Einführung von Haubitzen auf Oberdeck für - Kartätschfeuer, also etwas Ähnliches wie die Karronaden, die Sache war - aber verschleppt worden. Ferner häufte auch der Umstand die Verluste - der Franzosen, daß auf ihren Schiffen sich 5400 Soldaten befanden, die - nun als Kanonenfutter dienten. - -$Kritik der Schlacht am 12. April[173].$ Gerade diese Schlacht ist bis -zur Jetztzeit Gegenstand eingehender Besprechung gewesen. Sie war nach -langer Zeit die größte rangierte Schlacht und gewann besondere Bedeutung -für die Seetaktik, da in ihr durch Brechen mit dem langjährigen Schema -eine große Entscheidung herbeigeführt wurde; wir wissen, daß mit ihr das -Wiederaufleben der Taktik beginnt. Wir wollen die hauptsächlichsten -Auslassungen bedeutender Autoren der neueren Zeit kurz zusammenfassen. - - [173] Es sei besonders verwiesen auf Mahan I, Clowes Band III, - Chevalier II. Von diesen behandelt der erste besonders den - Durchbruch Rodneys, der zweite die Kritik Hoods über Rodneys - fehlerhaftes Verhalten nach dem Durchbruch, der dritte die - Führung der französischen Flotte und das deswegen abgehaltene - Kriegsgericht über de Grasse und die von diesem angeschuldigten - Offiziere. - -$Rodneys Durchbruch.$ Es ist gestritten worden, ob es richtig war, die -feindliche Linie zu durchbrechen, oder ob =Rodney= nicht besser seinen -Kurs fortgesetzt, die feindliche Nachhut mit seiner ganzen Linie -beschossen, dann mit seiner Spitze hinter ihr gewendet und die letzten -Schiffe zwischen zwei Feuer genommen hätte. Die feindliche Linie von -hinten von beiden Seiten anzugreifen, ist allerdings unter anderen -Umständen von Vorteil, aber ob es hier möglich war, bleibt fraglich. Die -englische Linie hatte schon längere Zeit im Gefechte gelegen und nicht -alle Schiffe hätten schnell wenden und dann den Gegner einholen können; -es wäre wahrscheinlich bei einem Passiergefechte geblieben, ähnlich wie -bei Ouessant (1778), nach dem die Engländer höchstens die Luvstellung -gewonnen hätten. Zuzugeben ist nun allerdings, daß der Durchbruch der -Kolonne Rodneys den letzten elf Franzosen den Rückzug nach Lee freigab, -nachdem sie nur von der englischen Vorhut beschossen waren, während diese -das Feuer der ganzen französischen Linie erhielt, dafür aber waren sie -durch das Ausweichen nach Lee für einen längeren und wichtigen Zeitraum -außer Gefecht gesetzt und wären nicht imstande gewesen, dem Reste ihrer -Flotte Hilfe zu bringen; die Engländer konnten diesen mit erdrückender -Überzahl angreifen, da sie die Luvstellung gewonnen hatten, während die -elf französischen Schiffe hoffnungslos in Lee lagen. - -Dadurch, daß auch =Hood= durchbrach, wurde die Sache nur wenig anders. -Die Gruppe der sechs Schiffe bei =de Grasse= war von dem vorderen und dem -hinteren Teile der Flotte abgeschnitten und gleichfalls nach Lee -getrieben; die französische Linie war in drei Teile getrennt, die sich -nur schwer wieder vereinigen konnten, und man darf auch den moralischen -Eindruck nicht unterschätzen, der hierdurch entstand. Dazu kommt nun die -größere Ausnutzung des Feuers seitens der durchbrechenden Schiffe. Beim -Passiergefecht würden unter gleichen Umständen Breitseiten abgegeben und -empfangen sein, hier erhielten die französischen Schiffe an den -Durchbruchsstellen nacheinander das Feuer aller Schiffe der -durchbrechenden Kolonne, und diese hätten sogar die Kanonen beider Seiten -zur Verwendung bringen können; tatsächlich tat es nur »Formidable«, da -die Backbordbatterien der anderen nicht bereit waren. =Rodneys Manöver= -hatte also zur Folge: die Gewinnung der Luvstellung und damit die -Möglichkeit zum angriffsweisen Vorgehen; die Vereinigung des Feuers auf -einen Teil der feindlichen Schlachtordnung; das Auseinandersprengen und -Verwirren dieser. Es ist kein stichhaltiger Einwurf, daß sich die -Franzosen bei geschickterem Manövrieren früher wieder hätten vereinigen -können; ein Unternehmen, das beim Gelingen Vorteil verspricht, verliert -dadurch nicht an Wert, daß es vom Gegner pariert werden kann. - -Sicher ist wohl, daß =Rodney= den Durchbruch nicht vorher beabsichtigt -hat, sondern nur die günstige Gelegenheit -- den raumenden Wind und die -sich bietende Lücke -- wahrnahm. Der Admiral soll sogar dabei gar nicht -eigenem Antriebe, sondern nur einem Drucke seines Stabschefs, Kapitän -=Sir Charles Douglas=, gefolgt sein; gewichtige Beweisgründe, die dessen -Sohn beibringt, scheinen dies zu bestätigen. Sie dürften indessen doch -mit Vorsicht aufzunehmen sein, denn zweifellos hat Rodney die von =Clerk= -aufgestellten taktischen Grundsätze (vgl. Seite 44) gekannt und -gebilligt, und dieser sieht den Durchbruch mit der eigenen Mitte vor. -Wohl ist es möglich, daß Douglas die Anregung gegeben, aber -unwahrscheinlich, daß es längerer Vorstellungen bedurft hätte, zu denen -überdies nicht einmal die Zeit vorhanden war. - - $Rodneys eigene Ansicht über die Schlacht ist bemerkenswert.$ Er hielt - nur wenig von seinem Siege am 12. April und würde es vorgezogen haben, - seinen Ruf auf die Taktik zu gründen, die er in der Schlacht bei - Martinique am 17. April 1780 hatte anwenden wollen. Er war überzeugt, - daß die damals gebotene Gelegenheit, mit einer schwächeren Flotte einen - tüchtigen Führer (er hielt =de Guichen= für den Besten der Franzosen) - zu schlagen, ihm ohne die Fehler seiner Kommandanten größeren Ruhm - erworben haben würde. Das Schicksal fügte es sonderbar. Sein Ruhm - gründet sich auf der allerdings glänzenden Schlacht am 12. April 1782, - an der aber seine Fähigkeiten den geringsten Anteil hatten, und die - Haupttat seines Lebens, in der Verdienst sowie Erfolg sich entsprachen, - nämlich die Vernichtung der spanischen Flotte =Langaras= beim Kap St. - Vincent am 16. Januar 1779, ist kaum noch bekannt. Übrigens schrieb - auch im letzterwähnten Falle das Tagesgeschwätz dem Kommandanten des - Flaggschiffes das Verdienst zu, doch ist dies zweifellos widerlegt. - (Vorstehendes nach Mahan I, Seite 488.) - -$Das Unterlassen der Verfolgung$ am 12. April bezeichnete =Hood= als -einen großen Fehler Rodneys. Er war der Ansicht, daß 20 Schiffe hätten -genommen werden können, wenn nach dem Durchbruch »Allgemeine Jagd« -befohlen und man dem Gegner unter vollen Segeln auch während der Nacht -auf den Fersen geblieben wäre; der obengenannte Chef des Stabes -pflichtete ihm bei. Diese beiden erfahrenen Offiziere haben dann auch am -nächsten Tage versucht, den Admiral zur Aufnahme der Verfolgung zu -bewegen, aber er soll freundlich geantwortet haben: »Come, we have done -handsomely as it is.« =Rodney= rechtfertigte später die unterlassene -Verfolgung mit dem Hinweis auf die vielfachen Schiffsschäden und -sonstigen Folgen der heißen Schlacht, auch legte er nahe, daß der Erfolg -in der Nacht zweifelhaft gewesen sein würde, weil der Feind »in einer -geschlossenen Masse von 26 Schiffen« abgezogen sei. Dies war nun -allerdings nicht der Fall, wie sich zeigen wird, und =Hood= hatte wohl -recht, wenn er eine tatkräftige Verfolgung unmittelbar nach der Schlacht -oder doch am nächsten Tage für erfolgreich hielt. Dennoch erscheint es -gewagt, Rodney unbedingt zu verurteilen; Hood war zwar ein hervorragender -Führer und die Folgen gaben ihm recht, aber Rat sowie Kritik sind -jederzeit leicht, und die volle Verantwortung fühlt nur der, auf dessen -Schultern sie ruht. - -$De Grasse wurde$ in Frankreich $sehr angegriffen$. Man gab ihm zu, daß -er mit 2246 Kanonen auf 30 Schiffen gegen 2674 Geschütze auf 36 sehr im -Nachteil gewesen sei, aber die Hauptschuld an der Niederlage maß man doch -seinem Verhalten bei. - - Die Unterlegenheit geben die Engländer nicht voll zu. =Douglas=, der - sich besonders mit Artillerie beschäftigte, meinte, die Franzosen - hätten nicht nur die besseren Schiffe gehabt, sondern das Gewicht der - Batterien auf ihren 30 Schiffen habe dem der 36 Engländer gegenüber - zwei 74-Kanonenschiffe aufgewogen. - -Am 9. April habe er trotz günstiger Umstände mit Rücksicht auf seine -Aufgabe eine Schlacht vermieden und am 12. seine Flotte so geführt, daß -es zu einer solchen unter nachteiligen Verhältnissen kommen mußte. Es -wurden dann die schon besprochenen Fehler aufgeführt: Unnötige Besorgnis -um »Zélée« und das dadurch verursachte Aufgeben des bereits gewonnenen -Luvraumes; Herangehen an den Feind, ehe die Linie gebildet war; Wahl des -falschen Buges. Der Admiral versuchte, die Schuld auf einen Teil seiner -Untergebenen abzuwälzen, die seine Befehle nicht befolgt und ihn später -im Stich gelassen hätten. Erst zu Beginn des Jahres 1784 konnten alle -Angeklagten und Zeugen vor dem Kriegsgerichte erscheinen. Das Ergebnis -der Verhandlungen war, daß fast alle vom Admiral Angeklagten gänzlich -gerechtfertigt hervorgingen und nur einige unter Zugeständnis mildernder -Umstände gelinde bestraft wurden; dem Admiral jedoch legte das Gericht -die genannten Mißgriffe zur Last. =De Grasse= schädigte durch sein -Auftreten nach der Niederlage und nach dem Urteilsspruche selber den -Ruhm, den er sich in Nordamerika zweifellos erworben hatte. - - $De Grasse$ ging als Gefangener mit Rodney nach Jamaika und ward im Mai - nach England gesandt. Dort wurde er sowohl von den Seeoffizieren wie - von der Bevölkerung mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit behandelt, die - der Sieger einem immerhin tapferen Besiegten gern erweist. Diese - Behandlung scheint er ziemlich würdelos aufgenommen und auch zu den - Gegnern gehässig über seine Untergebenen geurteilt zu haben. Er tat - dies ferner nicht nur in dienstlichen Berichten, sondern auch in - Flugschriften, die er von England aus durch ganz Europa versandte. So - war es kein Wunder, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich nach seinem - eigenen Ausspruch »keine Hand fand, die sich ihm entgegenstreckte«. - Gegen die Urteile des Kriegsgerichts legte er in einem Briefe an den - Marineminister Berufung ein und forderte eine neue Untersuchung. Der - Minister antwortete im Namen des Königs ziemlich schroff. Nachdem er - die Widersprüche in den Flugschriften mit den Ergebnissen der - Untersuchung besprochen sowie dem Admiral den Vorwurf gemacht hatte, - leichtfertig den Ruf seiner Offiziere gefährdet zu haben, schloß er: - »Seine Majestät ist mit Ihnen sehr unzufrieden und verbietet Ihnen, vor - ihm zu erscheinen; ich füge den Rat hinzu, daß Sie sich in Ihre Provinz - zurückziehen.« =De Grasse= starb 1788. - -$Die Folgen der Schlacht bei Dominica.$ =De Vaudreuil= hatte am Morgen -des 13. April nur 11 Linienschiffe um sich, von denen er eins sogleich -nach Cap Français voraussandte. Mit den übrigen kreuzte er einige Tage -bei Haiti, um Versprengte aufzunehmen, und es stießen auch noch 6 Schiffe -zu ihm. Auf der Fahrt sind also niemals mehr als 16 Schiffe vereint -gewesen. Bei seiner Ankunft in Cap Français waren schon 3 Linienschiffe -dort eingetroffen, auch fand der Admiral den Konvoi nebst den zwei -50-Kanonenschiffen, sowie =Solano= mit 15 spanischen Linienschiffen vor; -15-20 000 Mann Landtruppen waren versammelt. In den ersten Tagen des Mai -langte Chef d'Escadre =de Bougainville= mit 5 Linienschiffen an, die er -nach der Schlacht zur Wiederinstandsetzung nach Curaçao geführt hatte. - -=Rodney= kreuzte nach der Schlacht mehrere Tage bei Guadeloupe in der -Hoffnung, noch versprengte Franzosen zu fangen. Er war oft durch -Windstille behindert, aber =Hood= behauptet, man würde 50 Seemeilen -westlicher genügend Wind zur Verfolgung gefunden haben. Erst am 17. April -zweigte =Rodney= den Admiral =Hood= mit 10 Linienschiffen nach Norden ab, -während er mit der Hauptflotte nach Jamaika segelte. =Hood= eilte zur -Mona-Passage, zwischen Portoriko und Haiti, und fing hier am 19. die -beiden Linienschiffe ab, die vor der Schlacht die französische Flotte -verlassen hatten; auch zwei diese begleitenden Fregatten fielen in seine -Hände. =Vaudreuil= selber hatte erst am 18. den Kanal passiert; es ist -also anzunehmen, daß die französische Flotte schwer gelitten haben würde, -wenn =Rodney= die Verfolgung mit voller Kraft rechtzeitig aufgenommen -hätte. =Hood= verfehlte nicht, dies in dem Berichte über seinen Fang dem -Oberbefehlshaber nahezulegen. Hier scheint also =Rodney= seine Aufgabe, -Jamaika zu schützen, höher gestellt zu haben, als die Ausnutzung der -Gelegenheit, die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten. - -=Jamaika war allerdings gerettet.= Die Führer der Verbündeten sahen von -der Expedition ab, obgleich sie über 40 Linienschiffe in Cap Français -verfügten. Sie unternahmen auch sonst nichts von größerer Bedeutung, nur -ließ der Gouverneur von Kuba am 6. Mai durch 3 Fregatten und 60 -Transporter mit Soldaten die =Bahamainseln= besetzen. Auch =der -moralische Eindruck= des Sieges war groß; in England erregte er maßlose -Freude, in Frankreich große Niedergeschlagenheit und hat wohl hier die -Neigung zum Friedensschluß gefördert. Die namentlich früher in -Geschichtswerken viel verbreitete Ansicht, der Sieg habe den für England -günstigen Frieden herbeigeführt, da durch ihn die französische Marine zum -Kampf um die Seeherrschaft unfähig geworden sei, trifft nicht zu; die -Verbündeten blieben im Gegenteil unmittelbar nach der Schlacht in -Westindien noch überlegen. Die Engländer hätten wohl Jamaika behaupten, -aber schwerlich die anderen Inseln mit Waffengewalt wiedergewinnen -können, die ihnen der Friedensschluß zurückgab. Anders wäre es gewesen, -wenn =Rodney= die französische Flotte vernichtet hätte. - -$Der Krieg in Westindien war zu Ende$ nicht nur für das Jahr 1782, -sondern überhaupt. =Vaudreuil= sandte von Cap Français über 200 -Kauffahrer in 2 Konvois unter starker Bedeckung nach Europa und segelte -am 4. Juli, nur 2 Linienschiffe zurücklassend, mit dem Rest der Flotte, -16 Schiffen, nach Nordamerika; ein Linienschiff nebst 2 Fregatten war -schon kurz vorher abgesandt, um englische Niederlassungen in der -Hudsonbucht zu brandschatzen. Die Spanier gingen nach ihren Stationen -zurück. =Rodney= wurde am 10. Juli durch =Admiral Hugh Pigot= abgelöst. - - $Rodney$ fiel als strenger Tory trotz seiner Verdienste dem - Ministerwechsel zum Opfer. Allerdings ward seine Abberufung auf die - Nachricht vom letzten Siege widerrufen, aber die Verfügung traf in - Jamaika erst ein, als der Admiral bereits abgesegelt war. Rodney hat - während der 2-1/2 Jahre seines Kommandos den Gegnern 12 Linienschiffe - abgenommen, darunter den einzigen Dreidecker, der je einem Feinde in - die Hände gefallen ist, und fünf vernichtet; er hat ferner einen - französischen, einen spanischen und einen holländischen Admiral - gefangen genommen. Für seinen letzten Erfolg ward er mit der Peerswürde - und einer Pension belohnt; er starb 1792. - - Auch $Hood$ wurde zum Peer erhoben; ihm werden wir im ersten Teile des - nächsten Krieges wieder begegnen, wo er sich die höchste Bewunderung - =Nelsons= erwarb. - -=Pigot= segelte mit dem größten Teile seiner Flotte nach New York, um die -französische im Auge zu behalten. Beide Flotten kehrten nochmals nach -Westindien zurück, aber nur im Kleinen Kriege stießen sie noch zusammen. - -$Über die Kriegführung in Westindien 1782$ ist nicht mehr viel zu sagen. -Anfangs hatten die Franzosen das Übergewicht, später waren die Engländer -wenigstens jenen allein überlegen. Beide nutzten es nicht aus, um die -unbedingte Seeherrschaft zu erringen. So eroberten die Franzosen zwar -eine größere Zahl englischer Inseln, doch waren diese sämtlich nur von -untergeordneter Bedeutung. Die Engländer vereitelten den Hauptplan der -Gegner, Jamaika zu erobern, da jedoch deren vereinte Seemacht überlegen -blieb und leicht noch verstärkt werden konnte, sahen sie sich weiter auf -die Verteidigung beschränkt und mußten ihre Bewegungen denen des Feindes -anpassen. Zu ihrem Glück haben die Niederlage bei Dominica, der -Fehlschlag des Unternehmens gegen Gibraltar und auch wohl die -Friedensunterhandlungen zwischen England und seinen Kolonien die Tatkraft -der Verbündeten gelähmt. - -$In Nordamerika brachte das Jahr 1782 keine Ereignisse von Bedeutung -mehr.$ =Der Landkrieg= war nach der Kapitulation von Yorktown fast -eingeschlafen; die englischen Befehlshaber hatten Weisung erhalten, sich -auf die Behauptung der noch besetzten Plätze zu beschränken, und auch die -Amerikaner nutzten ihren Erfolg nicht aus. Zu einem Angriff auf New York -fühlten sie sich zu schwach. - - Die Lage der amerikanischen Finanzen war schlimmer als je. Von 9 - Millionen Dollars, die der Kongreß für dies Jahr brauchte, ließen sich - höchstens fünf den Einzelstaaten auferlegen; der Rest mußte durch - Anleihen beschafft werden. Zur Sicherung schlug der Kongreß die - Einführung eines Zolles für alle Kolonien vor, aber mehrere Staaten - lehnten sie ab, und von den fünf Millionen ging nur eine halbe ein. - Zwar traf von Frankreich im Januar 1782 nochmals eine Unterstützung ein - und auch die Anleihe in Holland brachte Gelder, aber alles waren nur - Tropfen auf den heißen Stein. Die Truppen litten Mangel und - =Washington= hatte die größte Mühe, sie zu beruhigen und - zusammenzuhalten. - -Auch =zur See= ereignete sich nichts von Bedeutung[174]. =Pigot=, der am -4. September in New York eingetroffen war, ging Ende Oktober nach -Westindien zurück, weil man wußte, daß die Verbündeten den Plan gegen -Jamaika noch nicht endgültig aufgegeben hatten. Er segelte nach Barbados, -ließ aber =Hood= mit 13 Linienschiffen bei Haiti kreuzen. =Vaudreuil=, -der am 10. August in Boston geankert, eine feste Verteidigungsstellung -eingenommen und dann seine Schiffe gründlich überholt hatte, segelte am -24. Dezember nach Puerto Cabello, um sich hier mit der spanischen Flotte -zu vereinigen; er führte 4000 Mann vom Heere Rochambeaus mit sich. - - [174] Die kleine französische Flottille, die zur Hudsonbucht gesandt - war, plünderte unter Kapitän La Pérouse, dem später verschollenen - Entdecker, einige englische Pelzhandelsniederlassungen. - - - Die Friedens-Präliminarien. - -Die zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Paris vom 30. -November 1782, und die zu Versailles vom 30. Januar 1783 zwischen England -und den beiden Königreichen vereinbarten Vorbedingungen des Friedens, in -die für Holland wenigstens Waffenstillstand eingeschlossen war, machten -dem Seekriege in den europäischen, sowie den westindischen Gewässern ein -Ende; nur in Ostindien dauerte der Streit noch fort. - -=Für das Jahr 1783= hatten die Verbündeten abermals =die Eroberung -Jamaikas geplant=. Man rechnete mit etwa 40 englischen Linienschiffen in -Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen. =Vaudreuil= (22 -Schiffe) sollte sich mit =Solano= (12 Schiffe) in Puerto Cabello -vereinigen und =d'Estaing= 15 spanische, sowie 15 französische Schiffe -nebst einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten -Maßnahmen hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren -Durchführung trat der Präliminarfriede in Kraft. - -=D'Estaing= erschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember 1782 -in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von 7000 Soldaten -an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa -abzusendende Expeditionskorps bilden sollten. =Vaudreuils= Schiffe trafen -von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem 26. Februar -in Puerto Cabello ein, aber =Solano= blieb aus, da ihn der Gouverneur von -Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders nicht abfahren -lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von Puerto -Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auch =Pigot= und =Hood= -segelten nach England. - - Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte noch - $ein bedeutsames Ereignis$. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel - auf der Rhede vor Anker lag, erschien eines Tages eine unbekannte - Fregatte. =Vaudreuil= gab einer der seinigen den Befehl zur Jagd, doch - brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das unbekannte Schiff - konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen Flotte - erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte - »Albemarle«, und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß -- =Nelson=! - - - Der Krieg in Ostindien. - -In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine -äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber -erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit -dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen. - -$Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges[175].$ Im Pariser -Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durch -=Dupleix= in Indien geschaffenen Macht -- an der Westküste Vorderindiens -Mahé; an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges -Chandernagore -- zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt -werden und waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen -Kompagnie erweiterte sich dagegen beständig, besonders während der kurzen -Zeit, in der =Clive= nochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765 -bis Januar 1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten -(Erpressungen, Ausbeutung von Monopolen) einigermaßen abzustellen und -neue Länder zu erwerben. Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren -Schutz seine Einkünfte und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen, -Bahar, Orissa, sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein -ununterbrochenes Gebiet vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so -eine politische und militärische Macht geworden war, für die England -eintreten mußte, und da die Verwaltung immer noch zu wünschen übrig ließ, -wurde im Februar 1773 vom Parlament das »Regulationsgesetz« erlassen, das -die Gesellschaftsrechte einschränkte: die Regierung ernannte von jetzt an -Gouverneure und Verwaltungsräte, setzte ein königliches Obergericht in -Kalkutta ein und beschränkte die Dividende auf 6-8%; der Statthalter von -Bengalen ward zum Generalgouverneur von ganz Britisch-Indien bestellt. -Der erste, der den Posten bekleidete, war =Sir Warren Hastings= -1773-1785. - - [175] Im Anschluß an Seite 182 ff. Wie dort und aus den gleichen - Gründen (Seite 182, Anmerkung) sind die Ereignisse am Lande nur - gekürzt gegeben. Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 429 ff. - -[Illustration: P. A. de Suffren.] - -Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher zu -Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der -allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen -Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren -der Sultan von Mysore, =Haidar Ali=, und die Mahratten, eine Anzahl -kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet -dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im -südwestlichen Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus; -sie drangen jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten -1762-1763 von Bengalen aus mit ihnen Krieg führen. =Haidar Ali=, -ursprünglich ein Offizier des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759 -der Herrschaft dieses Landes bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch -Eroberung der kleinen Staaten an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u. -a.) erweitert. Er bedrohte ganz Südindien und die englischen Besitzungen -an der Malabar-, wie die an der Koromandelküste. Die Engländer im Bunde -mit dem Vizekönig vom Dekan, sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher -im Carnatic, erklärten ihm deshalb 1766 den Krieg, wurden aber infolge -der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten zurückgeworfen. =Haidar Ali= -verwüstete den Carnatic und erschien sogar zweimal vor Madras; sie -hielten es daher für ratsamer, 1769 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm -zu schließen. In den Jahren 1773-1776 kam es zu Besitzstreitigkeiten -zwischen der Präsidentschaft Bombay und den Mahratten. - -Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich -gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da deren -Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen -Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies trat ein. - -$Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich.$ Am 7. Juli 1778 -ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt. =Hastings= ließ sofort -die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore -und Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery -zu nehmen. Am 8. August trafen General =Munro= mit 16000 Mann und am 10. -Kommodore =Vernon= mit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie -und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitän -=de Tronjoly= mit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem -Feinde entgegen und es kam zum Gefecht. - - $Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778.$ Das englische - Geschwader zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1 - zu 18, und das französische 1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3 - Ostindienfahrer mit 20-26 Geschützen; die gesamten Seestreitkräfte der - beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen Gefechte, - einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei leichtem - Winde, ohne besondere Erfolge. - -Nach unentschiedenem Kampfe segelte =Vernon= nördlich, um den Feind -fortzulocken, =Tronjoly= folgte jedoch nicht. Das englische Geschwader -kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das -französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France. -Pondichery, nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab -sich nach hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen -militärischen Ehren. - -Mitte 1779 traf Kontreadmiral =Sir Edward Hughes=[176] mit 5 -Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst -wieder im Januar 1781. - - [176] =Sir Edward Hughes=, 1748 Kapitän, 1778 Kontre-, 1780 - Vizeadmiral, 1793 Admiral der blauen Flagge, gestorben 1794, war - ein tüchtiger Seemann von großer Tapferkeit und Hartnäckigkeit, - der aber an weiterem militärischen Blick und taktischem Geschick - seinem späteren Gegner in Indien, =Suffren=, nicht gewachsen war, - wie sich noch zeigen wird. - - Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger - aufzutreten. Anfang 1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen - hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkung =d'Estaings= nach Westindien - gesandt (vgl. Seite 276); ein zweites, im Frühjahr 1780 nach Indien - bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika geschickt (vgl. - Seite 291). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die - Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6 - Linienschiffe gebracht. Um diese Zeit übernahm Kommodore =Comte - d'Orves= hier den Oberbefehl, blieb jedoch über ein Jahr lang untätig, - weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren und seine Instruktion ihm - ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon auftrug. - -$England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten.$ Französische -Seestreitkräfte hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen -können. Bei Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten -erschienen, um die Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur -Überlassung eines Hafens an der Westküste zu bestimmen. =Hastings= -entschloß sich daraufhin schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus -Truppen gegen die Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die -Präsidentschaft Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe -ward jedoch im Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und -diese Niederlage schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von -Bengalen unter dem tüchtigen Oberst =Goddard=, das im Januar in Surat -ankam, errang zwar 1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch -nicht ausnutzen, da die englischen Truppen an anderer Stelle schwer -bedrängt wurden. - -Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen -Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurch =Haidar Ali=, in dessen -Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste -erbittert. Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit -den Mahratten in Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst -starker Artillerie in den Carnatic ein. General =Munro= war so wenig -vorbereitet und traf so schlechte Anordnungen, daß er im September -Kanonen und Troß im Stich lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte; -eine Abteilung von 3000 Mann wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den -ganzen Carnatic in seiner Gewalt und die festen Plätze eingeschlossen; -ganz Südindien wäre so für England verloren gewesen, wenn nicht -=Hastings= von Bengalen Hilfe geschickt hätte. Der von hier am 5. -November in Madras eingetroffene General =Eyre Coote=, ein hervorragender -Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im Januar 1781 vor, um -den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte auch Erfolg, mußte -aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte angekommen und -in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, auf dem -Rückmarsche =Haidar= zur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; der Sultan -folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn -schließlich in Cuddalore fest. - -$Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte -d'Orves.$ Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die -gar nicht bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die -Erlaubnis, nach Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das -Geschwader keinen großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl -nicht aufgehoben sei und die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu -schlecht versorgt wären, um etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu -können. =D'Orves= verließ am 14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3 -Fregatten Port Louis, traf am 27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte -dann in der Nähe von Pondichery. =Hughes= lag mit dem englischen -Geschwader im Winterlager in Bombay, =d'Orves= hatte mithin freie Hand. -Trotzdem ging er nicht auf den Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam -Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, seine Instruktion verbiete ihm -dies, auch habe er nur noch Proviant für die Rückreise und müsse im April -zur Vereinigung mit einem aus Frankreich kommenden Geschwader in Isle de -France sein. Am 13. Februar segelte er ab und traf am 31. März, -tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in Port Louis ein. Eine -ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren Schlag zu -versetzen, war damit verloren gegangen. - - Wohl mit Recht sagt =Chevalier= (II, Seite 380), =d'Orves= hätte sich - sicher in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der - holländischen Negapatam Proviant für einen Monat verschaffen können, - und Cuddalore wäre, zu Lande und zu Wasser eingeschlossen, sowie von - Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen. - -Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel sowie -Krankheiten, und =Eyre Coote= würde genötigt gewesen sein, sich auf -Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader -wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und -anderseits glaubte =Haidar= ihn so geschwächt, daß er seine bisherige -vorsichtige Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto -Novo eine Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine -Niederlage, die ihn zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen -aus Bengalen folgte =Coote= und errang im August weitere Erfolge; ganz -aus dem Carnatic ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben. - -Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen, =die Engländer -nahmen= im November 1781 nach kurzer Belagerung =Negapatam= und am 12. -Januar 1782 =Trincomali= auf Ceylon, den einzigen sicheren Hafen an der -Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen bot. - -Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder. -=D'Orves= erfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter Kapitän =Suffren= -unterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz -der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es -fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe. =Suffren= traf erst am 25. -Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, die -Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader -instand gesetzt werden. =Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt der Kampf in -Ostindien eine hohe Bedeutung in der Seekriegsgeschichte[177].= - - [177] Die Ereignisse in Indien sind in unseren Hauptquellen: Lacour II, - Chevalier II, Mahan I, mit großer Sorgfalt behandelt. Lacour - bringt viele Auszüge aus Briefen und Berichten Suffrens, - Chevalier beschreibt die Schlachten sehr genau und Mahan gibt - eingehende Kritiken in taktischer wie strategischer Hinsicht. Wir - haben versucht, bei möglichster Kürze allen gerecht zu werden. - -$Suffren[180] rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie -1781.$ Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der -Kapkolonie bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die -Kapkolonie war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die -französischen Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von -dort. England schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des Admirals -=Darby= auf seiner Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen -nebst 35 teilweise armierten Transportern mit Truppen unter Kommodore -=George Johnstone= ab, und Frankreich schloß der Flotte, die unter =de -Grasse= am 22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8 -Transportern unter Kapitän =Suffren= an, auf denen 1000 Mann Infanterie, -sowie eine Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader -trennten sich an der spanischen Küste von ihren Flotten. - - [178] =Suffren de Saint Tropez=, Pierre Andrée, Chevalier (später - Bailli) de, war am 17. Juli 1729 auf dem Schlosse St. Cannat bei - Marseille geboren, trat 1743 in die Marine ein, ward Leutnant - 1756, Kapitän 1772, Chef d'Escadre 1782, Lieutenant-Général 1783, - Vizeadmiral (in einer für ihn geschaffenen vierten Stelle) 1784, - er starb am 8. Dezember 1788; sein plötzlicher Tod kam nicht - unerwartet, da er zum Schlagfluß neigte, doch tauchte später das - Gerücht auf, er sei in einem Duell gefallen, das durch seine - Tätigkeit in Indien veranlaßt sei. Er erhielt seine Feuertaufe - bei Toulon 1744 und nahm an der Schlacht bei Finisterre teil, im - nächsten Kriege an denen bei Minorka und Lagos. Als - Malteserritter ging er in Friedenszeiten zeitweise zum Dienste - nach Malta und machte hier Züge gegen die Barbaresken mit. In - unserem Kriege fanden wir ihn 1778/79 als hervorragenden Offizier - unter d'Estaing in Westindien und Nordamerika. Seinen höchsten - Ruhm gewann er jetzt in Indien. Seine Taten dort beschreiben Roux - sowie Troublet (vgl. Quellenverzeichnis). - -=Johnstone= ankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der -portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant -zu nehmen, und auch =Suffren= lief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl, -seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen -und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten -ausgebessert werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als -er nun am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er -beim Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in -Sicht. Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als -erster zu erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er -die Gelegenheit zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den -Brauch der französischen Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen -Aufgabe unter möglichster Schonung der Schiffe im Auge zu halten, -entschloß er sich zum Kampf, obgleich er seinen Nachrichten gemäß den -Feind für stärker hielt, als dieser war. Er erkannte klar, daß am Kap wie -in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung bringe, und daß danach -gehandelt werden müsse, wo sich eine Gelegenheit zur Schwächung der -feindlichen Kräfte biete. - - Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781. =Das englische - Geschwader= zählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3 - 50-Kanonenschiffe, 3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14-20 - Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und 10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen; - =das französische= 2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 und 1 10-Kanonenkorvette. - - =Johnstone= hatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich - zwar nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen - Feind, obwohl er von der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben - soll. Die schweren Schiffe lagen in unregelmäßiger Linie, die Fregatten - und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel (Plan a), die - Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das - Flaggschiff (Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark - behindert, und der Kommodore begab sich deshalb beim Nahen des Feindes - auf ein anderes Schiff (»Hero«, 74 Kanonen, Plan c). 1500 Mann des - Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum Fischen oder auf - Urlaub am Lande, als der Feind um 9-1/2 Uhr vormittags in Sicht kam. - -[Illustration: Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.] - - =Suffren= hatte ein gekupfertes Schiff (»Artésien«, 64 Kanonen) - vorausgeschickt, den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8-3/4 Uhr den - Feind. Der Chef gab kurz entschlossen den Befehl: »Vorbereitung zum - Gefecht vor Anker«. Er kehrte sich nicht an die Neutralität des Hafens, - war er doch selber gefangen genommen worden, als Admiral =de la Clue= - 1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt wurde. - Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, die - etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er - hoch beim Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit - nach Lee getrieben sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die - Überraschung voll auszunutzen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff - (zufällig auch »Héros«, 74 Kanonen) an die Spitze der drei anderen - Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m - querab des »Hero«; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas - nach 11 Uhr das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann (»Annibal«, - 74) ankerte so nahe vor ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter - auslaufen lassen mußte, wodurch es querab von einem anderen Engländer - (»Monmouth«, 64; Plan d) kam. - - Der Kommandant des »Annibal« hatte zum Wassernehmen klarmachen und - Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die - Neutralität achten würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe, - begann er die Vorbereitungen zum Gefecht zu spät, und so konnte sein - Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend auftreten. Das dritte - Schiff, »Artésien«, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer für ein - Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr - Versehen mit dem Leben. Auf »Artésien« war infolge Ausfalles des - Kommandanten der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit - dem Ostindienfahrer aus dem Hafen (Plan e, e' e''), die beiden - zurückgebliebenen Franzosen (»Sphinx« und »Vengent«, 64) rundeten die - Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten dann nicht hoch - genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht (f, - f'). So hatten »Héros« und »Annibal« fast allein das englische Feuer - auszuhalten, an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und - Gewehren beteiligten; sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern. - =Suffren= kappte deshalb gegen Mittag das Ankertau und »Annibal« - folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die Masten über Bord und er - mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der Kommodore - ließ ihn durch »Sphinx« in Schlepp nehmen. =Suffren= bildete dann auf - See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach - dem Kap fortzusetzen. - - =Johnstone= berief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den - Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem - Feinde. Eins seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen - Fockmast und »Monmouth« blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück. - Der englische Admiral wagte auch nicht, weit zu folgen, da er dann nur - schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er vergessen, seinem - Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was er in - dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er - 1-1/2 Kanonenschußweite vom Feinde bei. Am anderen Morgen war =Suffren= - aus Sicht, und Johnstone ging nach Porto Praya zurück. - - =Die Verluste= betragen auf englischer Seite 36 Tote und 130 - Verwundete, auf französischer 105 und 204. - - $Beurteilung der Führer.$ Nach eigenem Ausspruch wollte =Suffren= - »durch Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der - Wurzel abschneiden und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit - in Indien sichern, aus der vielleicht ein guter Friede hervorgehen - könne«.[179] Er bekundete damit, wie auch später in Indien, sein - Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der - feindlichen Streitkräfte; schon =d'Estaing= gegenüber in Westindien war - er hierfür eingetreten. Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein - Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte ihm Feuer nach beiden Seiten, - und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert hätten, würde er - wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb an - einen Freund: »Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen; - man hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.« - - [179] =Suffren= suchte aber doch in seinem Berichte wegen des Bruches - der Neutralität sich zu rechtfertigen. Er schrieb, man könne den - Ankerplatz keinen Hafen, nicht einmal eine Bucht nennen, es sei - ein offener Meeresstrand. Er führte auch die Fälle auf, in denen - die Engländer früher ähnlich gehandelt hätten. Diese - Entschuldigung war nicht nötig, denn trotz der Verwicklungen, die - mit Portugal entstanden, war die Regierung über den Erfolg so - erfreut, daß =Suffren= zum Chef d'Escadre ernannt wurde, doch - erhielt er die Nachricht erst nach fast einem Jahre. - - Von den französischen Kommandanten hat der des »Annibal« seine - Nachlässigkeit vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der - Mißgriff des »Artésien« ist durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die - Kommandanten der beiden anderen Schiffe trifft der Vorwurf, daß sie - die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden haben, - aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die - Lage zu übersehen. - - =Johnstone= erscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage - überraschen ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem - Kampfe noch später durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder - gut. Er soll wenig praktische Erfahrung gehabt und dies wichtige - Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige Kritiken über die - Admirale =Howe= und =Keppel=, Gegner der Admiralität, veröffentlicht - hatte. - -=Suffren= erreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber -er gewann doch einen großen Vorsprung. Während =Johnstone= 14 Tage zum -Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem Kap -fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die -Kapkolonie bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche -seemännische Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen -Weg geschleppt werden. =Johnstone= erschien 14 Tage später vor Kapstadt, -wagte aber nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene -holländische Ostindienfahrer in der Saldanhabucht, die von Kapstadt -dorthin gegangen waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von -hier entschlüpfen zu können, wenn sich das englische Geschwader vor der -Tafelbai zeige. =Suffren= ging zwar in See, als =Johnstone= gemeldet -wurde, dieser hatte aber schon die Heimfahrt nach England angetreten und -3 Linienschiffe nach Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August, -nachdem er sich von der Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt -hatte, nach Isle de France. Hier traf er am 25. Oktober ein und =Graf -d'Orves= ging am 17. Dezember mit der Gesamtflotte nach Indien in See; -auf Transportern wurden 3000 Soldaten, alles was auf den Maskarenen -verfügbar war, unter =General Du Chemin= mitgeführt. Am 22. Januar ward -ein englisches 50-Kanonenschiff genommen und in die Flotte eingestellt; -am 8. Februar starb d'Orves und =Suffren übernahm den Oberbefehl=. - -$Die Lage der beiden Flotten in Indien.$ Es standen sich zwei tüchtige -Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes -verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische -Geschicklichkeit der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische -Wissen der Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein -falsches System so lange unterdrückt waren. - -=Die französische Flotte zählte= bei Beginn der Unternehmungen 3 74-, 7 -64- und 2 50-Kanonenschiffe, =die englische=, zu der inzwischen die von -Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, 2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64- -und 1 50-Kanonenschiff. - -=Suffren= war also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch an -Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem Admiral -=Hughes= überlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote, -während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielen -angreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff -erfolgen würde. - -Dagegen war =Suffren= ohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen -Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor allem der -wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt -gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen Ort -zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer -gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußte =Hughes= entgegentreten, -er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu machen -oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf nur -unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen Gründen -mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß Trincomali -noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen war. -Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein hervorragendes -Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft. - -$Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.$ =Suffren= erschien am 15. -Februar vor Madras, unter dessen Kanonen =Hughes= vor Anker lag, -verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen -Angriff und steuerte südlich; =Hughes= folgte in der Nacht, weil er für -Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die -feindlichen Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen -etwa 12 Seemeilen östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A -a). Er jagte den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische -Prisen, das sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord. -=Suffren= versuchte zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch -nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten -während der Nacht bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar -befanden sie sich auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte -zwischen Madras und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in der -=Suffren= mit der alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil -des Feindes mit Übermacht angriff. - - $Die Schlacht bei Sadras.$ Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen - Böen, die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer - (Plan B, a). =Hughes= bildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b); - er rechnete mit einem baldigen Einsetzen der Seebrise, die ihm die - Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind blieb jedoch aus - und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung - besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei, - da der Feind schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug - an den Wind und erwartete den Angriff. Seine Linie war jetzt besser - geschlossen, nur das letzte Schiff »Exeter« stand zurück (c); man kann - nicht recht einsehen, weshalb =Hughes= die Linie nicht über Backbordbug - gebildet hat, dann konnte leicht auf »Exeter« aufgeschlossen werden. - - =Suffren= griff um 1/2-4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach - Möglichkeit die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem - Flaggschiff »Héros« an die Spitze, steuerte auf das letzte englische - Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. Beim sechsten - englischen Schiffe stoppte er um 4-1/2 Uhr, signalisierte für das ganze - Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab - drei Schiffen (dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er - beabsichtigte also mit seinen 12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu - dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt. Der - Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich auf - halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern - entgegentreten zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen - wenden sollten; seine Kommandanten verstanden dies aber nicht und - blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. Von den drei dazu beorderten - Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des Feindes; - später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht - oder neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den - »Exeter«, der schon das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte, - sich jedoch wacker wehrte. Beim Herankommen des dritten Gegners fragte - der Master den Kommodore =Richard King=, dessen Stander auf »Exeter« - wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: »Nichts, aber fechten, - bis wir sinken.« Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf alle Schiffe - über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die - Möglichkeit zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel. =Suffren=, der - auch so schon eingesehen hatte, daß der Kampf keine Entscheidung - bringen würde, brach das Gefecht ab. Die Flotten trennten sich; - =Suffren= steuerte nach NO, =Hughes= nach Süden. - - =Der Verlust= betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten - des Flaggschiffes »Superb« und des »Exeter«, und 83 Verwundete, - französischerseits 30 und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig - gelitten, von den englischen waren die beiden ebengenannten stark - beschädigt. - -[Illustration: Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.] - - =Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten=; diese hätten - näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral auch nicht das - Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier, - Kapitän =de Tromelin=, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte - zwar die Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung. - Ferner war sein Schiff unter den nach Lee befohlenen und er kannte den - Plan =Suffrens=. Dieser hatte ihm zehn Tage vor der Schlacht - geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit den - überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe. - Falls dann =Tromelin= die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen - Maßregeln ergreifen, da er am besten übersehen könne, wie viel Schiffe - für den Angriff von Lee verfügbar seien. Zum Zweck der Eroberung von - Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht erwünscht. Ganz - ohne Schuld ist jedoch auch =Suffren= nicht. Er nahm die Spitze, da - sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen - Tageszeit wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese - Stellungnahme wirkte zwar nicht notwendig, aber doch sehr - natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie die nachfolgenden - Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen - Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und - Kampfeslust haben =Suffren= wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach - zeigen wird. - - Admiral =Hughes= durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward - angegriffen zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu - entschuldigen. Er hatte über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar - die Seebrise von SO gegen 11 Uhr vormittags einzusetzen pflegt. - -Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am -Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte -der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie -französische Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des -mangelhaften Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des -Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um -Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte. -=Hughes= ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach -Trincomali. - -=Die Schlacht bei Sadras= war aber doch =ein Erfolg Suffrens=, er konnte -mit =Haidar Ali= in Verbindung treten und dessen Tatkraft wieder beleben. -Schon am 19. Februar traf der französische Agent beim Sultan mit der -Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie sehr günstige -Friedensbedingungen geboten habe, =Haidar= würde aber nicht darauf -eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs jetzt erhielte. -Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen -Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, sobald -es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land an -Frankreich abtreten. =Suffren=, der am 21. Februar der leichteren -Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun -am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, wo -=Tippu Sahib=, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine -englische Abteilung vernichtet hatte. =Am 4. April kapitulierte -Cuddalore.= - -$Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782.$ =Suffren= bat von Porto -Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen -dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader -an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne, -so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er -aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe -abzuschneiden, die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch -nicht. =Hughes= hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras -gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf -seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8. -April sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich -steuerte, er setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu -verstärken. Am 10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene -Transporter ab und am 12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß -die schnellsten feindlichen Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er -mußte sich somit zur Schlacht entschließen. Die Flotten befanden sich auf -der Höhe der kleinen Felseninsel Providien, etwas südlich von -Trincomali[180]. - - [180] Dieselbe Ursache, die Gefahr des Abschneidens von Schiffen, zwang - am gleichen Tage =de Grasse= zur Annahme der verhängnisvollen - Schlacht bei Dominica. - -[Illustration: Die Schlacht bei Providien, 12. April 1782.] - - $Die Schlacht bei Providien.$ Die Flotten waren die gleichen wie bei - Sadras, die englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt. - Es standen also 12 Franzosen gegen 11 Engländer, erstere etwa 6 - Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem Winde. Um 9 Uhr - vormittags bildete =Hughes= die Gefechtslinie über Backbordbug, Kurs - WNW, =Suffren= tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die - Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan - A, a); =Hughes= erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; =Suffren= - beabsichtigte, seine Linie Schiff gegen Schiff an die feindliche - heranzuführen, nur das überschießende zwölfte sollte das letzte - englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem - englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der - Franzosen, in der außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an - den Feind herankam als die Mitte oder gar die Nachhut, sowie daß - sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, dem - Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können. - Die drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie - gegen 1 Uhr die ersten Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie - blieben auch in diesem Abstande vom Feinde, obgleich der Admiral - befahl, näher heranzugehen. - - =Suffren= dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff (»Héros«, - 74) bis auf Pistolenschußweite an das englische (»Superb«, 74) heran, - heißte das Signal für »Nahgefecht« (1-1/2 Uhr) und drehte auf. Sein - Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen nach und nach ihre richtigen - Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten Schiffe weit vom - Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind - gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem - Sinne nach befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher. - Die französische Flotte bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe - ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). Das Hauptgefecht entspann - sich beim englischen Flaggschiff. »Héros« hatte wegen Beschädigungen in - der Takelage nicht gleich querab von »Superb« zum Stehen gebracht - werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen - Vordermann (»Monmouth«, 64); sein Hintermann »L'Orient« nahm den Platz - neben »Superb« ein. »Monmouth« wurde entmastet und trieb aus der Linie; - da »Héros« unwillkürlich nachdrängte, kam er vor »Superb« zu liegen. So - wurde dieses Schiff durch »Héros« mit den Heckgeschützen von vorn - beschossen, während es mit »L'Orient« und dessen Hintermann, der auf - des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag (Plan B); - es litt schwer. Gegen 3-1/2 Uhr gab =Hughes= den Befehl, zugleich zu - halsen und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der - Küste mit ihren Korallenriffen zu sehr näherte. =Suffren= folgte dem - Beispiele und erneute den Befehl zum Angriff mit der besonderen Weisung - an ein Schiff, den »Monmouth« zu nehmen, der hilflos zwischen den - beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen - Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann - Vorsprung, und es gelang einem ihrer Schiffe, den »Monmouth« in Schlepp - zu nehmen und in Lee der englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es - nicht wieder. Schwere Gewitterböen gaben den Schiffen genug mit sich - selbst zu tun, namentlich den französischen, die in Unordnung geraten - waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere sogar - gewendet hatten. =Suffren=, der um 5-1/2 Uhr von seinem beschädigten - Flaggschiffe auf ein anderes übergegangen war, gab um 6-1/2 Uhr den - Befehl, das Gefecht abzubrechen. - - Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein. - Beide Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit - Rücksicht auf die Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr - genötigt zu ankern, wo sie waren. »Héros« kam, nach Lee getrieben, - dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch einer Fregatte, - ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht bei - umspringendem Winde der gefährlichen Lage. - - =Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357 - Verwundete, auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein - 104 bzw. 198 auf »Monmouth« und »Superb«, während sich der französische - Verlust gleichmäßiger auf alle Schiffe verteilte. Auf den fünf - hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, aber auch die - Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein - Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer - gewesen war als das französische[181]. - - [181] =Chevalier= (II, Seite 409) gibt die Verluste der einzelnen - französischen wie englischen Schiffe an; Troude (Band II, Seite - 179) schildert kurz die Beteiligung der verschiedenen - französischen Schiffe am Kampfe. Beide Autoren behandeln die - späteren Schlachten Suffrens in gleicher Weise. - -=Die Schlacht blieb unentschieden=; beide Parteien ankerten darauf etwa 2 -Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier 6 Tage -liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete -=Suffren= Anker und bot dem Gegner den Kampf an, =Hughes= nahm ihn mit -Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff (»Monmouth«) nicht an; ihn -anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte -verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn -ausschlaggebend war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all -seiner Kommandanten verlassen konnte[182]. Am 20. April segelte er nach -Batticaloa, etwa 60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in -holländischem Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende -französische Zufuhren decken, sowie englische abfangen. =Hughes= lief am -28. April in Trincomali ein. - - [182] Suffren führte ferner an: der Ankerplatz der Engländer zwischen - den Bänken sei für einen Angriff zu gefährlich gewesen, drei - französische Schiffe hätten bereits beim Ankern am 12. April - Korallenriffe berührt; es sei nur noch für ein Gefecht Munition - vorhanden gewesen; es habe ihm an Mannschaften sowie an - Reserverundhölzern gemangelt, wofür er Abhilfe in Batticaloa - erwartete. Über seine Kommandanten berichtete Suffren, daß er - nichts leisten könne, wenn nicht 5 oder 6 abgelöst würden. - -$Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ =Suffren= fand in -Batticaloa Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2 -Linienschiffe einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm -Mannschaften, Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie -Rundhölzer fehlten, und er nur noch für eine größere Schlacht Munition -hatte, obschon ein großer Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen -haben würde, nahm er die Verantwortung auf sich, zu bleiben. Zu seinen -Offizieren äußerte er, er wolle lieber seine Schiffe vor den Mauern von -Madras untergehen lassen, als das Feld räumen. Dem Gouverneur der -Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle de France, das Ausrüsten dort -und die Rückfahrt nach Indien würden 6 Monate in Anspruch nehmen, die bei -der Lage der Dinge in Indien für die französische Sache verhängnisvoll -werden würden; er könne an Ort und Stelle die Verhältnisse besser -beurteilen als der Minister in Versailles. - -Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige -Bedarfsgegenstände erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der -dänischen Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig -Fregatten kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen -bereit; fast wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach -Madras bestimmten englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die -Verfolgung abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali -zwischen sich und Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein -französischer Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar. -=Suffren= segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit -Lebensmitteln vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen -Madras und Trincomali; es glückte ihm, einige englische Transporter -aufzubringen. - -Am 20. Juni ging =Suffren= nach Cuddalore, um mit dem französischen -General und =Haidar-Ali= in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte sich -sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des -Generals =Du Chemin=; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen, -seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt -=Haidar= viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu -treten, sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der -Admiral hatte nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an -der Küste aufhalte, und beschlossen, vor allem den Kampf um die -Seeherrschaft zum Austrag zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe, -wollte er Negapatam angreifen. Zu diesem Unternehmen schiffte er 700 -Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und =Haidar= zog gleichfalls Truppen -zusammen, aber der Kampf zur See blieb in Suffrens Augen die Hauptsache; -die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig zur Auffüllung der -Schiffsbesatzungen dienen. - -Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die -Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem -entblößt war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen -hatte, konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren -sechs Monate lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das -Aufbringen von Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um -größere gekupferte Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch -länger dauern würde. - -=Hughes= hatte acht Wochen zur Ausbesserung des »Monmouth« gebraucht; -Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, um schon als -vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte er nach -Negapatam. =Suffren= verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete am 5. um 1 -Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging um 3 Uhr in -See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; es war die -Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen Windstille, -gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, und es kam -zur Schlacht. - - $Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ Ein französisches - 64-Kanonenschiff hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie - die Kreuzmarsstänge verloren und war am 6. noch nicht wieder - kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten in Lee der - Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide - Gegner steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu - Luward. Um 10-1/2 Uhr vormittags hielt =Hughes= in üblicher Weise zum - Angriff ab und um 11 Uhr lagen die beiden Flotten in parallelen Linien - Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische Nachhut war, wie so - häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt (Plan, - Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer - Seite das vierte Schiff von vorn (»Brillant«, 64) den Großmast, mußte - sich in Lee seiner Linie bergen (a) und blieb dann zurück (a'); auf - englischer Seite wurde das Spitzenschiff »Hero«, 64, b) so beschädigt, - daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte nach Negapatam. - Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte. - - Um 1 Uhr nachmittags sprang der Wind plötzlich auf SSO; die meisten - Schiffe beider Flotten fielen nach der dem Feinde abgewendeten Seite - ab, die Engländer nach Steuerbord, die Franzosen nach Backbord; von - ersteren blieben jedoch das 4. und 5. (»Burford«, 70 und »Sultan«, 74), - sowie das 8. und 10. (»Worcester«, 64 und »Eagle«, 64) über Backbordbug - liegen, und von letzteren drehten das 3. (»Sévère«, 64) und der - beschädigt zurückgebliebene »Brillant« nach Steuerbord. Diese 6 Schiffe - lagen also zwischen den beiden Flotten (Stellung II), und es kam zu - Teilgefechten. »Sultan« griff »Sévère« an, woran sich »Burford« auf - weitere Entfernung beteiligte, und das französische Schiff strich auf - Befehl des Kommandanten dem überlegenen Feinde gegenüber bald die - Flagge. Als dann aber »Sultan« und auch »Burford« das Feuer einstellten - und abhielten, heißte der Franzose die Flagge wieder und enfilierte den - »Sultan« von hinten. Offiziere und Mannschaften hatten die feige - Ergebung nicht anerkannt, der erste Offizier übernahm das Kommando; das - Schiff vereinigte sich dann mit seiner Flotte (Stellung III, a). - »Brillant« kam ins Gefecht mit den beiden anderen Engländern, wurde - aber von =Suffren= selber (»Héros«, 74) und »Annibal« (50) befreit (b). - Der französische Admiral hatte bald nach dem Abfallen seine Schiffe - durch Halsen über Steuerbordbug legen lassen, um die Bedrängten zu - unterstützen; wenn die dem »Brillant« am nächsten stehenden »Artésien« - und »Vengeur« (c) rechtzeitig Segel gemehrt hätten, so hätten sie - voraussichtlich den »Eagle« nehmen können. =Hughes= hatte nach dem - Abfallen den Befehl zum Halsen und den zur »Allgemeinen Jagd« gegeben, - da sich aber zwei Schiffe manövrierunfähig meldeten, widerrief er ihn, - sammelte seine Schiffe über Steuerbordbug und führte sie nach Westen. - =Suffren= tat ein gleiches, erreichte aber den Feind nicht mehr; die - letzten Schüsse fielen gegen 3 Uhr. Abends ankerten die Engländer vor - Negapatam, die Franzosen etwa 10 Seemeilen nördlicher. - - =Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 178 Tote und 601 - Verwundete, auf englischer 77 und 223; die englischen Schiffe hatten - wie gewöhnlich mehr in der Takelage gelitten. Der auffallend größere - Verlust der Franzosen ist wohl der Überfüllung ihrer Schiffe mit - Soldaten zuzuschreiben. - -[Illustration: Schlacht bei Negapatam, 6. Juli 1782.] - -=Die Schlacht bei Negapatam war ein Mißerfolg Suffrens.= Er hatte die -größeren Verluste, ohne den Gegner vernichtet oder wenigstens von -Negapatam vertrieben zu haben. Wieder traf zum Teil einige seiner -Kommandanten die Schuld, und seine Geduld war jetzt erschöpft; er -entfernte drei von ihrem Kommando. Am 7. Juli verlangte =Hughes= durch -einen Parlamentär die Übergabe des »Sévère«, weil er die Flagge -gestrichen habe. =Suffren= hatte sie wohl eine Zeitlang vermißt, dies -aber mit Abschießen der Flaggleine erklärt. Erst jetzt erfuhr er die -Feigheit des Kommandanten und den dadurch verursachten Bruch des -Kriegsrechts. Er gab indessen dem Verlangen des englischen Admirals nicht -Folge, schickte aber den Kommandanten sofort nach Frankreich, wo ihn der -König kassierte. Er entsetzte aber auch die Kommandanten des »Artésien« -und des »Vengeur«, der beiden Spitzenschiffe, am 12. von ihrem Kommando; -der eine hatte schon bei Porto Praya, der andere am 16. Februar versagt. -Der Kommandant des »Ajax«, der vor der letzten Schlacht sein Schiff nicht -schnell genug instandgesetzt, legte sein Kommando freiwillig (?) aus -Gesundheitsrücksichten nieder. - - =Suffren= entschuldigte sich in seinem Berichte, daß er nicht schon - früher habe Strenge walten lassen, aber selbst als Admiral sei er nicht - berechtigt, Kommandanten abzusetzen, und er sei nicht Flaggoffizier - (wenigstens wußte er es noch nicht). Der König billigte seine Maßnahmen - und ging durch Dienstentlassung von drei anderen Kapitänen sogar noch - weiter. - - =Suffren= hat aber doch wohl zuweilen unter dem augenblicklichen - Eindruck eines Mißerfolges seine Untergebenen zu schroff beurteilt. - Mehrere der Angegriffenen hatten sich während ihrer früheren Dienstzeit - als tüchtig bewiesen, und er selber lobt bei einer Gelegenheit solche, - die er bei einer anderen scharf verurteilt hat und umgekehrt. Wenn sie - seine Absichten nicht durchführten, so lag dies zum Teil wohl daran, - daß sie als Anhänger des alten Brauches kein Verständnis dafür hatten. - -$Suffren erobert Trincomali.$ =Suffren= segelte am 8. Juli nach Cuddalore -und stellte hier seine Schiffe mit bewundernswertem Geschick wieder her. -Es fehlten allein 19 Marsstängen, außerdem Untermasten, Raaen, Tauwerk -sowie Segel, und in Cuddalore war kein Material vorhanden. Aber mit den -Rundhölzern der Fregatten und kleineren Schiffen setzte man die -Linienschiffe, mit solchen englischer Prisen die Fregatten instand; -andere Spieren wurden von der Straße von Malakka geholt. Ferner riß man -Häuser nieder, um das Holz zum Ausbessern der Schiffsrümpfe zu verwenden. -Die Arbeiten mußten auf offener Rhede mit häufig schwerer See ausgeführt -werden, aber sie wurden gefördert unter dem Auge des Oberbefehlshabers, -der »trotz seiner Körperfülle« ohne Rast zu angestrengter Tätigkeit -ermunterte. Schon am 18. Juli war die Flotte wieder see- und -gefechtsklar. - -Der Admiral hatte erfahren, daß von Isle de France 2 Linienschiffe, 1 -Fregatte, sowie Transporter mit Lebensmitteln, Munition und 600 Soldaten -unterwegs seien und daß zwei große Konvois mit 5000 Mann unter General -=de Bussy=, dem Mitstreiter des Gouverneurs Dupleix im Siebenjährigen -Kriege, von Frankreich erwartet würden[183]. Vom Angriff auf Negapatam -sah er wegen der Nähe der englischen Flotte vorläufig ab, beschloß den -Verstärkungen entgegenzugehen und sich Trincomalis zu bemächtigen. Vorher -jedoch fand die beabsichtigte Besprechung mit =Haidar Ali= statt, der mit -einem großen Teile seines Heeres bis in die Nähe von Cuddalore -herangerückt war. - - [183] Frankreich schickte Ende 1781 und Anfang 1782 verschiedentlich - Verstärkungen nach Indien, von denen aber mehrere in Feindeshand - fielen. Vgl. z. B. Seite 323 und 345. - - $Die Verhältnisse im Landkriege$ gestalteten sich zugunsten Englands. - Die Mahratten hatten im Mai 1782 Frieden geschlossen, der allerdings - erst im Dezember ratifiziert wurde. Infolgedessen drangen die Engländer - von Bombay aus an der Westküste vor und =Haidar= glaubte sich genötigt, - entweder auf den auch ihm angebotenen Frieden einzugehen oder sein Heer - zur Verteidigung des eigenen Landes aus dem Carnatic zurückzuziehen; - von den französischen Truppen konnte er Unterstützung nicht erwarten, - da sie kaum genügten, Cuddalore zu halten. Bei Zusammenkünften am 26. - und 29. Juli, bei denen Haidar dem von ihm hochgeschätzten Admiral - große Ehren erwies, gelang es nun =Suffren=, den Sultan durch Hinweis - auf die Ankunft =de Bussys= zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen. - =Haidar= schickte seinen Sohn =Tippu Sahib= zur Malabarküste und blieb - mit der Hauptmacht im Carnatic. - -=Suffren= ging dann am 1. August in See und erreichte am 9. Batticaloa; -von Cuddalore hatte er 600 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie -Artillerie mitgenommen. Am 21. stieß die erstgenannte Verstärkung zu ihm, -am 24. segelte er nach Trincomali, in der Nacht vom 26./27. wurden 2300 -Mann gelandet, am 27. und 28. Batterien von Schiffsgeschützen errichtet -und am 29. das Feuer gegen die beiden Forts eröffnet, die die Stadt -verteidigten. Schon am 30. August begannen Verhandlungen. =Suffren=, der -die Ankunft =Hughes=' erwarten mußte, bewilligte der etwa 1000 Engländer -und 600 Sepoys starken Besatzung Abzug mit allen Ehren, worauf die Forts -am 31. übergeben und die Abziehenden nach Madras geschickt wurden. -=Suffren= schiffte sofort die von den Schiffen entnommenen Mannschaften -und Geschütze wieder ein, ließ jedoch eine starke Garnison zurück, so daß -er aller Sorge um den Platz enthoben war. - -$Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ =Hughes= hatte nach -der letzten Schlacht in Negapatam mit dem Ausbessern begonnen, war aber -am 20. Juli nach Madras gegangen, um mit dem dort vorrätigen Material die -Arbeiten besser auszuführen. Am 12. August waren sie nahezu beendet, es -unterliegt aber keinem Zweifel, daß dies bei der Übung der Engländer -früher der Fall gewesen wäre, wenn der Admiral den gleichen Eifer -entfaltet hätte wie sein Gegner; so ging er auch erst am 20. in See, -obgleich er um die Abfahrt der Franzosen nach dem Süden wußte, und traf -dann am 2. September vor Trincomali ein, um wenige Tage zu spät zur -Rettung dieses Platzes durch eine, wenn auch vielleicht nur -unentschiedene Schlacht. Diese kurze Zeit hätte er sicher erübrigen -können; jetzt gab ihm nicht einmal ein voller Sieg die Gewißheit, -Trincomali wiederzunehmen. - -Als die englische Flotte erschien, ging =Suffren= ihr entgegen: zum -Kampfe um die Seeherrschaft, zumal, da er wußte, daß dem Gegner bald eine -ansehnliche Verstärkung in Aussicht stehe. - - $Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ Die französische - Flotte zählte jetzt 14 Linienschiffe, außerdem hatte =Suffren= eine - schwere 36-Kanonenfregatte, einen genommenen englischen - Ostindienfahrer, eingestellt. Die englische bestand aus 12 - Linienschiffen; in Madras war ein Schiff der unter Kapitän =Bickerton= - erwarteten Verstärkung zu ihr gestoßen, das in einem Sturme von den - anderen abgekommen war. - - Am 2. September nachmittags wurde das Nahen der Engländer in Trincomali - gemeldet; =Suffren= ging am 3. in aller Frühe in See. Die englische - Flotte kam um diese Zeit bei frischem SW-Winde SSO auf den Hafen - zusteuernd in Sicht, drehte aber ab, als sie die französische Flagge am - Lande wehen und die feindliche Flotte aus dem Hafen kommen sah. - =Hughes= hatte keineswegs die Absicht, den Kampf zu vermeiden, obgleich - der Gegner zu Luvard stand, aber er wollte diesen vorher möglichst weit - von dem Hafen abziehen, um etwa in der Schlacht beschädigten Schiffen - die Rückkehr dorthin zu erschweren. Er scheint aber auch darauf - gerechnet zu haben, daß der Feind bei längerem Folgen in Unordnung - geraten und dann übereilt angreifen würde, wenn er ihm erst am - Nachmittage den Kampf anböte; er kannte die ungleiche Segelfähigkeit - der feindlichen Schiffe, von denen nur die Hälfte gekupfert war, sowie - deren Kommandanten, die an Geschicklichkeit den seinigen nicht - gleichstanden. - -[Illustration: Schlacht bei Trincomali, 3. September 1782.] - - Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter - häufiger Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den - langsamsten Schiffen ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu - Zeit die Ordnung zu verbessern. Die Franzosen folgten mit vollen Segeln - und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich auch =Suffren= durch - zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, mühsame - Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe. - »Signal folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie - ab, als ob sie unentschlossen wären, was zu tun sei,« berichtete - Hughes. Als =Suffren= um 2 Uhr nachmittags endlich etwa 25 Seemeilen - von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner heran war, der - ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem - Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals - die Linie zu verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und - Fehler dabei machten die Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral, - dem die Geduld ausging, gab um 2-1/2 Uhr Befehl, zum Herangehen auf - Pistolenschußweite wieder abzuhalten. - - =Suffren= hoffte, daß trotz der Unordnung jedes Schiff seinen Gegner in - der feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der - überschießenden Schiffe seiner Linie, ein Linienschiff und die - Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her dublieren sollten. - Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu geben, - hatte =Suffren= einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die - Besatzung seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch - nicht zum Nahangriff abgehalten hatte, das Signal zur Eröffnung des - Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und diesem Beispiele folgten die - anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite vom - Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch - schwerer, die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe - hielten bei dem Versuche, auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus, - einige drehten auch wohl zu früh auf, und so bildete sich eine - ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht - eingreifen konnte (Plan B, a). - - Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die - Schiffe gegenseitig maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her - angreifen sollten, unterließen dies, weil die englische Nachhut von - Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den Kampf mit den beiden - letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald - abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die - Fregatte allein zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74) - und nur 2 andere des Kampf mit 7 Engländern zu führen, die nach und - nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste und hinterste - Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten abgaben. - Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des »Héros« in - Fetzen, das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff - steuerlos[186], später, um 6 Uhr, ging der Großmast über Bord; ein - anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, das dritte war - ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur - teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu - Anfang wäre es wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren. - - [186] Man erzählt, daß die Flagge des »Héros« auf kurze Zeit - verschwand, weil die Flaggleine abgeschossen war. Empört bei dem - Gedanken, daß man glauben könne, er habe die Flagge gestrichen, - rief =Suffren=: »Weiße Flaggen! (Die Nationalflagge mit den - Lilien.) Weiße Flaggen! Man bedecke mein Schiff mit weißen - Flaggen.« - - Um 1/2-6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle - Schiffe zugleich, und fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des - französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten Schiffe verloren - gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der übrigen - Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch - auch beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht - möglich war. Da die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der - Abstand zwischen den Flotten, und die französische Vorhut, die jetzt zu - Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen die Kämpfenden zu - schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). =Hughes= - hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; =Suffren= ließ die - beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu. - - =Die Verluste= der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten, - und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote - und 178 Verwundete allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich - im Kampf gestanden hatten. Auf beiden Seiten waren 3-4 Schiffe schwer - beschädigt. - - =Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten.= In seinem - Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, »um nichts Schlimmeres zu - sagen«, den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen. - Dieses Mal traf jedoch auch ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene - Eile. Er hatte eben als Mann von großen Fähigkeiten auch seine Fehler, - und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. Aber hätte er nicht - so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum Kampfe - gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt - wurde. - - Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle - de France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden, - und der Admiral bewilligte es, wie er berichtete, »mit Freuden«. - -Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die =Suffren= mit Hinblick -auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere Zeit -ausbessern. =Hughes= ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September -eintraf; =Suffren= suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens -strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe (»Lorient«, 74) -infolge nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht -wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material, -besonders die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der -Flotte ein. - -$Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis zur -Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783.$ =Suffren= erhielt in Trincomali die -Nachricht vom Tode des Generals =Du Chemin=. Dessen Nachfolger, Oberst -=d'Hoffelize=, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore kaum -noch halten könne, weil =Haidar Ali= aus Mangel an Lebensmitteln in dem -völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen vermöge; -eine Berennung der Stadt durch =Eyre Coote= stünde bevor. - -Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch diesmal -wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See und -erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines -ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff (»Bizarre«, 64). Die -Verhältnisse fand man nicht so schlecht vor; =Eyre Coote= hatte sich auf -die Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das -Erscheinen der französischen Flotte voraussah -- gewissermaßen ein Erfolg -der Franzosen durch die Schlacht. - -Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und steht auf -die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. Die schwere -See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, also auch -die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. Außerdem ist -der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden gegnerischen -Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt ebenso -gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren war, sah sich -=Hughes= genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, um sich dort mit -der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober wurde er durch -einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und segelte dann gleich -nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore =Sir Richard Bickerton= -mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. Er hatte England am 6. Februar -verlassen, war schon in Bombay gewesen, ging jetzt sofort dorthin zurück -und langte am 28. November an, während die Schiffe =Hughes=' erst eins -nach dem andern, teilweise schwer durch den Sturm beschädigt, eintrafen. -Die englische Flotte blieb dann bis zum Frühjahr in diesem Hafen. - -=Suffren= hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es in -dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen bot. -Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle -Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu -erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen -Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort -leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die -Verstärkung unter General =de Bussy= ihn hier treffen wolle, ein -bestimmter Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte -der Admiral keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900 -Franzosen und Holländer, 600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte -waren genügend vorhanden. - - $Die Verzögerung der französischen Verstärkung.$ Während England auf - die Nachricht von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6 - Linienschiffen unter =Bickerton= entsandte, machte Frankreich - verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, besonders an Truppen, - nach Indien zu schicken. General =Bussy= verließ heimlich im November - 1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den - Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen - Konvoi unter =de Guichen= ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich - von den Engländern zersprengt und nur zwei Transporter gelangten nach - Teneriffa. Einen Teil der von ihnen mitgeführten Soldaten ließ =Bussy= - im Kapland zum Schutz gegen =Bickerton=, um dessen Kommen er wußte. Er - erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von dort die - Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden - Mannschaften zu =Suffren=, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er - selber erwartete weitere Verstärkungen in Port Louis. Eine von ihnen - blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April 1782 in der Biskaya vom - Admiral =Barrington= abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe unter - Kapitän =de Peynier=, die schon im Februar mit der Flotte =de Guichens= - Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das - Kapland, ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten. - Die Krankheit herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France, - und obgleich sie Anfang November erloschen war, ging =Bussy= doch erst - am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich um vorher noch ein - Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und überhaupt nicht - mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege. - -Das lange Ausbleiben =Bussys= einerseits und die Ankunft =Bickertons= -anderseits hatten auf =Haidar Ali= einen ungünstigen Eindruck gemacht; -nur mit Mühe gelang es =Suffren=, ihn nochmals zur Weiterführung des -Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober die Küste -verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am 24. erhielt -er die Nachricht, daß =Bussy= wegen der erwähnten Epidemie seine Abfahrt -auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten Furcht, daß der -Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß er baldigste Rückkehr -nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren hatte, daß die -englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging am 20. Dezember in See -und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der Orissaküste ein. Hier, 500 -Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen Wind zur Fahrt nach -dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen Küstenfahrer und -Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff und eine -Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele Prisen -aufgebracht. Wäre =Bussy= jetzt gekommen -- es wäre möglich gewesen, da -die Epidemie Anfang November erloschen war --, so hätte er bei voller -Beherrschung der See durch =Suffren= im Carnatic mit starker -Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den -Indern Madras genommen worden, ehe =Hughes= erschien. - -Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren -Schlag erlitten; =Haidar Ali= war am 7. Dezember gestorben. Sobald -=Suffren= dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, um -mit =Tippu Sahib= in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar -Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die -Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem -Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen -etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu -behaupten; am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst -=d'Hoffelize= war inzwischen mit französischen Truppen näher an das Lager -Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; die -Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile -ausnutzen, weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen -griffen sie von Westen her unter General =Mathews= wieder mit Erfolg an. -Als =Tippu= sich nun dorthin wenden wollte, gelang es =Suffren= wiederum, -durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn -zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der -Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen -Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals -instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt, -fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die -abgezweigten Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9. -März kam endlich =de Bussy= an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte -und 35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten -eingeschifft waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die -Abfahrt der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung -vorausgesandte Korvette vom Feinde abgefangen war. - -=Bussy= übernahm nun den =Oberbefehl= zu Lande und zu Wasser. Es war die -höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die Engländer -weitere Fortschritte im Westen machten und =Tippu= sich schon dorthin in -Marsch gesetzt hatte. =D'Hoffelize=, der ihm auf dringende Bitten ein -Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, mußte sich -in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, ihn so -schnell wie möglich zu verstärken. Da =Hughes= täglich mit 18 -Linienschiffen zu erwarten war, =Suffren= augenblicklich aber nur über 13 -verfügte, weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den -Vorschlag, mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie -den schnellsten Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich -nach Cuddalore zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die -Soldaten am 16. in Porto Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat -am 4. April die Rückfahrt nach Trincomali an, um die Schiffe weiter -instand zu setzen und um sich bei dem jetzt bald eintretenden -Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte zu halten, wenn diese -anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kapitän =Peynier= -an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten englischen -Konvoi zurück. - -Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die -englische Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil =Hughes= -nach Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division =Peynier= -abzufangen; dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20. -unbehelligt Trincomali. Am 12. Mai war hier der Befehl =Bussys= -eingetroffen, ihm mit der ganzen Flotte den Rest der Vorräte zu bringen. -Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit noch nicht seeklar, und =Suffren= -wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe einzusetzen. Er hatte recht -damit, denn am 24. Mai passierte die englische Flotte Trincomali mit -Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; wahrscheinlich -beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische ihn -verlassen hätte. =Suffren= rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er -nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2 -Fregatten mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm -Nachrichten über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni -zurück. - -$Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788.$ Die Verhältnisse am Lande -standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. =Sultan Tippu= -war es zwar gelungen, das Heer des Generals =Mathews= im April zur -Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er war -nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier -der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. =Bussy= hatte sich -wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die -vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch =Hughes= verstärkt waren, -wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General -sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze -Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, =Suffren= -solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis -habe, daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen -Flotte blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen, -diese Nachricht rechtzeitig zu erhalten? =Suffren= aber zögerte nicht, -die Verantwortung auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter -Segel und seine Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20 -Seemeilen südlich von Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und -Transporter befanden sich dicht unter der Küste in der Nähe des -englischen Heeres, von dem Bussy am gleichen Tage in einem, allerdings -sehr verlustreichen, Gefechte in die Stadt zurückgeworfen war. Alles hing -jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, und es folgte =die fünfte und letzte -Schlacht zwischen Suffren und Hughes=, vor der es ersterem noch gelang, -die Besatzungen seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen. - - $Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783.$ =Die englische Flotte= - zählte 18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu - 64, 2 zu 50; die =französische= 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60, - 2 zu 50. - - Beim Erscheinen =Suffrens= verlegte =Hughes= seinen Ankerplatz auf etwa - 5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte - südlich von ihm. Am 14. Juli ging =Suffren= wieder unter Segel, kam - aber infolge flauer und umspringender Winde erst am 16. auf etwa 10 - Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete auch =Hughes= Anker und - steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm lag mehr - daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des - Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren - der Flotten bei westlichem Winde hin, aber =Suffren= ließ sich hierbei - nicht weit von der Küste abziehen. Er bat den General =Bussy= um - Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen -- diese zählten meist - nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem noch zur Hälfte aus - Soldaten oder Sepoys -- ankerte am Abend dicht vor Cuddalore und nahm - während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann - das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff - heranzukommen, gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung - nicht, weil die sämtlich gekupferten englischen Schiffe besser - segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich blieb, entschloß sich - =Hughes= endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung - anzunehmen; er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem - Kurse. =Suffren= führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ - um 3-1/2 Uhr nachmittags zum Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der - Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich bei dieser Art des Angriffes - war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte schärfer als - zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite - 232) schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig - abgehalten hätten, um den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die - Franzosen jedoch auf Signal ihres Admirals stets gefolgt wären, bis es - um 6-1/2 Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete. - - =Die Verluste= betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434 - Verwundete, auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei - beiden Parteien keine besonders großen Beschädigungen erlitten zu - haben. - - =Es ist bemerkenswert=, daß =Suffren= den Kampf von einer Fregatte aus - leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der - besseren Übersicht wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe - befehlige; die gleiche Weisung war auch an andere französische Admirale - ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, falls er es für - nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus - ebensogut leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch - durch sein Beispiel im Gefechte zu nützen[185]. - - [185] Bereits früher (Seite 264) wurde darauf hingewiesen, daß auch der - englische Admiral =Howe= sich am 11. August 1778 vor einer - (voraussichtlichen) Schlacht auf eine Fregatte begab, sowie auf - Mahans Auslassungen über den Platz des Flottenführers. - - =Suffren= wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch - ab, daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er - hatte zwar in Trincomali verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben, - deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe die Nachhut bilden und mit - ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, während die - übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard - aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation - segelte die Flotte auch am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr; - =Suffren= hat doch wohl nach den bisherigen Erfahrungen mit seinen - Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches Manöver - durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht über seine - Untergebenen. - -=Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg Suffrens.= =Hughes= lag -während der kommenden Nacht bei, ging aber dann nach Madras; als Gründe -hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, Wassermangel und die -Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten 1100 Mann, also -fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft hatte, -weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten ließ. Er stand -mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher, -daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen -Feinde gegenüber stark erschüttert war. =Suffren= hatte am 21. Juni -morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach -der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er -hatte mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen -und dann durch die Schlacht ganz vertrieben. - -$Das Ende des Krieges.$ Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der -belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der -französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder -zurückkommen, und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen -am Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: »Ich bin ratlos -seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die -Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.« Aus dieser Verlegenheit -wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die -Nachricht des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf -nichtamtlichen Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten -Behörden beider Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die -Feindseligkeiten einzustellen. - -Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen =Tippu= frei zu -bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für ihren -Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit, -mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber -jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. =Bussy= zog nach Eintritt -des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück, -=Tippu= räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem -im März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten -Eroberungen zurück. =Die Herrschaft Englands in Indien war gesichert.= - - $Suffrens Rückreise nach Frankreich$ glich einem Triumphzuge. Er trat - sie am 9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes »Héros« von - Trincomali aus an. In Isle de France ward er von der französischen - Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen auf das höchste geehrt, - besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer - zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte =Hughes'=, deren - Kommandanten sich mit dem Kommodore =King= an der Spitze beeilten, ihm - ihren Besuch abzustatten. Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach - einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. In der Provence, in Paris - sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich als - Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der - dritten Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4. - April 1784 schuf der König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die - nach seinem Tode wieder eingehen sollte. Die Provence überreichte ihm - eine Medaille mit der Inschrift: »Das Kapland beschützt; Trincomali - genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche - Schlachten.« Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen - überreichen. - -Ein kurzer $Rückblick auf den Seekrieg in Indien$ erscheint als Pflicht -gegen den =Admiral Suffren=, dessen Tätigkeit man als die -bemerkenswerteste und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen -großen Krieges bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für -Frankreich in Indien eine besonders gute Gelegenheit bot, England -anzugreifen. Hierzu hätte man aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden -müssen, die imstande war, die Seeherrschaft zu erringen, wodurch dann -auch die indischen Gegner Englands in ihrem Kampfe unterstützt und -ermutigt worden wären, sowie durch Lagern von Vorräten in Isle de France -und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen müssen, daß die Flotte in den -indischen Gewässern stets leistungsfähig blieb. - -Dies geschah nicht. Obgleich die Verbündeten von 1779 an in den -europäischen Gewässern den Engländern stets überlegen und in den -westindischen mindestens gewachsen waren, hatte man von Ende 1779 bis zum -Oktober 1781 nur 6 Linienschiffe in Isle de France, die noch dazu an -allem Mangel litten. Der Oberbefehlshaber, =Graf d'Orves=, war nicht der -Mann, unter solchen Umständen den etwa gleich starken Engländern -tatkräftig entgegenzutreten; er machte zwar Anfang 1781 einen schwachen -Versuch dazu, blieb aber dann untätig. Erst nach der Ankunft =Suffrens= -verfügte Frankreich von 1782 an über Kräfte, die der Wichtigkeit des -Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen, und dieser Admiral verstand -es, sie zu verwenden. In dem Bewußtsein, daß alles auf die Beherrschung -der See ankomme, brach er mit der bisherigen französischen Strategie zur -See und schlug mit der Bekämpfung der feindlichen Seestreitkräfte den -einzig richtigen Weg zur Lösung seiner anderen Aufgaben ein. Überzeugt -von der Notwendigkeit, das Geschwader ununterbrochen auf der Station zu -halten, ließ er nicht nur den schlechten Zustand seiner Schiffe, die -Unzufriedenheit seiner Offiziere, sondern sogar den ausdrücklichen Befehl -der Regierung unberücksichtigt, nach Isle de France zu gehen. Trotz -Mangel an Personal und Material hielt er durch außergewöhnliche Maßregeln -die Flotte schlagfertig, schuf sich in Trincomali einen Stützpunkt und -verstand es, die anderen Gegner Englands stets wieder zu ermutigen. Er -hätte es verdient, mehr zu erreichen. Aber er wurde von der Heimat zu -wenig unterstützt, obgleich er nicht einmal um Schlachtschiffe, sondern -nur um Mannschafts- und Materialersatz, sowie um leichte, schnelle -Schiffe bat, mit denen er den Kreuzerkrieg zur Versorgung seines -Geschwaders unterhalten wollte. Ferner führten die französischen Generale -den Landkrieg nicht mit gleicher Tatkraft; =Bussy= machte den Ruhm -zuschanden, den er sich im vorangegangenen Kriege erworben hatte. Endlich -fand der Admiral keine Unterstützung durch seine Kommandanten. Wären -diese Männer gewesen, wie sie später =Nelson= oder auch nur wie sie jetzt -=Hughes= besaß, so würde er voraussichtlich das englische Geschwader -vernichtet haben, solange es noch schwächer war. Ob die allgemeinen -Verhältnisse des ganzen Krieges es zugelassen hätten, die englische Macht -in Ostindien zu überwältigen, dürfte zweifelhaft sein; =Suffrens= -Hoffnung aber war, durch Herstellung eines Übergewichtes auf diesem -Kriegsschauplatze einen günstigen Frieden herbeizuführen. - -Der englische Admiral =Hughes= hat in dem langen Ringen stets die -Geschicklichkeit, Überlegung und Voraussicht eines tüchtigen Seemannes -gezeigt, gepaart mit hohem Mute sowie der Entschlossenheit, nicht zu -weichen; er war ein vorzüglicher Vertreter des englischen -Durchschnittsseeoffiziers im 18. Jahrhundert. Als höherer selbständiger -Führer war er aber dem Gegner nicht gewachsen; dessen Genie und richtige -Beurteilung der militärischen Lage fehlten ihm. So ist ihm schon von der -zeitgenössischen Kritik vorgeworfen, auf seiner Fahrt nach Trincomali in -den Tagen vor der Schlacht bei Providien, die französische Flotte nicht -angegriffen zu haben, trotzdem sie stets in Lee gestanden hätte und in so -lockerer Ordnung gesegelt sei, daß er die Schiffe einzeln hätte -überwältigen können. Tatsache ist, daß durch sein Zaudern nach der -Schlacht bei Negapatam Trincomali verloren ging, und daß er nach der -Schlacht vor Cuddalore die Deckung der Stadt aufgab, obgleich sich die -französische Flotte in nicht besserer Verfassung befand als die seine. -Diese Kurzsichtigkeit würde verhängnisvoll geworden sein, wenn der Krieg -fortgeführt wäre. =Suffren= sah das Vertreiben des stärkeren Gegners von -diesem Platze als seine höchste Leistung in Indien an. - - - Der Kleine Krieg. - -In den früheren englisch-französischen Kriegen errang England schließlich -stets die Seeherrschaft und konnte dann seine ganze Kraft zur Vernichtung -des feindlichen Handels einsetzen; selbst wenn Frankreich den Kampf mit -der Flotte freiwillig aufgegeben und seine Seestreitkräfte ganz in den -Dienst des Kreuzerkrieges gestellt hatte, endete dieser doch immer mit -dem völligen Brachliegen des Seehandels für die schwächere Macht. Im -Kriege 1775-1783 behaupteten aber beide Parteien bis zum Ende die See, -und der Handelskrieg spielte infolgedessen keine so hervortretende und -einflußreiche Rolle. Vernachlässigt wurde er aber keineswegs. Die Schläge -gegen größere Konvois traten als militärische Unternehmungen von -Bedeutung hervor, daneben aber bedrohten Kreuzer sowie Freibeuter beider -Parteien die Schiffahrt der Gegner in allen Meeren, und es kam zu -zahlreichen Gefechten zwischen diesen[186]. Leider bringen unsere Quellen -nicht wie bei den früheren Kriegen genauere Angaben über die Zahl der -Schiffe, die sich die Gegner fortnahmen, aber Andeutungen in -französischen wie englischen Werken lassen schließen, daß die Verluste -beider Nationen sehr bedeutend gewesen sind und sich etwa die Wage -gehalten haben; von seiten Hollands wird ausdrücklich zugegeben[187], daß -sein Schaden ungeheuer gewesen sei, und sich die schon im Verfall -begriffene ostindische Kompagnie von ihm nicht wieder erholt habe. Es -wird zwar nirgend ausgesprochen, ist aber wohl sicher anzunehmen, daß die -Störung des Handels mit ihren mittelbaren und unmittelbaren Verlusten zur -Beendigung auch dieses Krieges beigetragen habe. - - [186] Die bemerkenswertesten dieser Einzelgefechte, in denen Führer und - Besatzungen ganz besonders Mut sowie Geschicklichkeit zeigen - konnten, sind mit besonderer Vorliebe in den Spezialwerken - geschildert. Vgl.: Clowes, Band IV (Kapitel Minor actions); - Troude, Band II; de Jonge, Band IV, Seite 663 ff. Engländer wie - Franzosen behaupten, gerade in den Kämpfen Schiff gegen Schiff - dem Gegner überlegen gewesen zu sein. - - [187] De Jonge, Band IV, Seite 683. - - Nur =Laird Clowes= bringt (Band III, Seite 396) eine für sein Werk von - der berühmten Seeversicherungsgesellschaft »Lloyd« -- schon zu jener - Zeit eine Art Börse der englischen Kaufleute, Rheder, Seeversicherer - usw. -- aufgestellte Tabelle über die Verluste Englands und seiner - Gegner in den einzelnen Kriegsjahren. Nach dieser haben die Engländer - in den Jahren 1776-1783 2200 Handelsschiffe sowie 75 Freibeuter - eingebüßt und 1100 bzw. 215 der Feinde genommen. -- Wie in den früheren - Kriegen erklärt die Übermacht des englischen Seehandels den größeren - Verlust, dieser war aber eben deshalb auch leichter zu tragen. - -=Der Kreuzerkrieg der Amerikaner=[188] verdient noch eine kurze -Betrachtung, weil sie trotz ihrer geringen Seemacht darin Hervorragendes -geleistet haben. Bekanntlich ließen die einzelnen Kolonien schon von 1775 -an kleinere Fahrzeuge an ihren Küsten kreuzen, um dem englischen Heere -die Zufuhren an Kriegsmaterial wegzufangen und diese eigenen Truppen -zuzuführen; aus diesen Anfängen entstand die kleine Marine. Diese ward -dann auch weiter fast ausschließlich im Kleinen Kriege verwendet, zu ihr -traten zahlreiche Freibeuter. Einzeln und in kleinen Verbänden taten die -Schiffe den Engländern an der amerikanischen Küste, aber besonders auch -in den westindischen Gewässern großen Abbruch, wobei sie sich auf -französische, spanische und holländische Häfen stützten. - - [188] Eingehend geschildert in =Spears=. -- Vergleiche auch die Angaben - über die amerikanische Marine und ihren Kreuzerkrieg Seite 225 - und 241. - - Nach amerikanischen Angaben (Spears, Band I, Seite 217) sind in den - westindischen Gewässern sowie an der westafrikanischen Küste bis Ende - 1777 173 amerikanische Freibeuter mit 2550 Kanonen und 13 800 Seeleuten - tätig gewesen und haben 559 englische Handelsschiffe im Werte von 2-1/2 - Millionen Lstrl. aufgebracht; 34 derselben wurden weggefangen. - -Schon im Herbst 1776 trat auch der erste amerikanische Kreuzer in den -europäischen Gewässern auf. Eine Brigg mit 16 Kanonen brachte =Franklin= -nach Frankreich und kreuzte dann in der Biskaya. In den folgenden Jahren -waren mehrere Kriegsschiffe tätig, teils von Amerika herübergekommen, -teils in französischen Häfen beschafft; auch Freibeuter traten auf. Es -ist bemerkenswert, wie sich diese Fahrzeuge auszurüsten und ihre Prisen -zu verwerten wußten, trotzdem Frankreich noch mit England im Frieden war, -wie sie ihre Ausrüstung auf See an Bord nahmen und ihre Prisen vor den -französischen Häfen verkauften. Es waren nur kleine Schiffe, und der -Schaden blieb gering, den sie dem englischen Handel zufügten, aber sie -beunruhigten ihn und bedrohten sogar offene Küstenplätze Schottlands und -Irlands, eine ungeheure Keckheit der großen Seemacht Englands gegenüber. -Am berühmtesten sind die Taten des Kapitäns =Paul Jones=, der durch sie -=ein Nationalheld= Amerikas geworden ist. - - $Auftreten des amerikanischen Kapitäns John Paul Jones in den - europäischen Gewässern.$ =Paul Jones=, 1747 in Schottland geboren, kam - als Geschäftsreisender nach den Kolonien, blieb dort, fuhr als - Steuermann auf Sklavenschiffen und ward unter den ersten Offizieren der - neuen Marine am 22. Dezember 1775 als Leutnant 1. Klasse angestellt. Im - August 1776 zum Kapitän ernannt, führte er mit großem Erfolge eine - Brigg in den heimischen Gewässern, erhielt 1777 das Kommando des - kleinen Schiffes »Ranger« (18 Kanonen, 135 Mann) und heißte bei der - Indienststellung am 14. Juni eigenhändig zum ersten Male die eben - eingeführte »Stern- und Streifenflagge« der Vereinigten Staaten. Im - November verließ er Amerika, machte auf der Überfahrt zwei Prisen und - traf am 2. Dezember in Nantes ein. Von dort führte er einige - amerikanische Handelsschiffe nach Lorient, die sich hier einem - französischen nach Westindien bestimmten Konvoi anschließen sollten, - und bei dieser Gelegenheit ward die neue Flagge zum ersten Male von - französischen Kriegsschiffen salutiert. Am 10. April 1778 trat er von - Brest aus eine Kreuzfahrt um Irland an. Auf dieser brachte er - verschiedene Prisen auf, versuchte am 22. die im Hafen von Whitehaven, - südlich vom Clyde, liegenden Schiffe zu verbrennen, wobei er allerdings - nur geringen Erfolg hatte, und landete dann auf der Insel St. Mary im - Solway Firth, um Lord Selkirk in seiner Besitzung aufzuheben und als - Geisel gegen die schlechte Behandlung gefangener Freibeuter durch die - Engländer fortzuführen. Der Lord war abwesend, aber die Amerikaner - erbeuteten dessen Familiensilber; =Jones= kaufte es später seinen - Leuten ab und sandte es dem Eigentümer zurück. Am 24. April zwang er - vor Belfast Lough die englische Sloop »Drake« (20 Kanonen, 154 Mann) in - einem heftigen Gefechte zum Streichen der Flagge und segelte dann - nördlich um Irland nach Brest zurück. - -[Illustration: Captain John Paul Jones.] - - Eine zweite Fahrt konnte =Jones= wegen Geldmangels erst im Sommer 1779 - antreten. Er verfügte jetzt über einen ehemaligen französischen - Ostindienfahrer, »Bonhomme Richard« (42 Kanonen), als Flaggschiff, eine - amerikanische Fregatte, »Alliance« (32 Kanonen), unter einem - französischen Seeoffizier =Landais=, zwei mit 30 und 12 Kanonen - armierte Kauffahrer »Pallas« und »Vengeance« und einen - 18-Kanonenkutter. Die Flottille ging am 14. August zusammen mit 2 - französischen Freibeutern von Lorient in See. =Jones= besaß aber nur - geringe Machtbefugnisse über die anderen Fahrzeuge, deren Befehlshaber - sich unbotmäßig zeigten. Die Freibeuter verließen ihn gänzlich und auch - Landais ging eigene Wege, sobald es ihm gutdünkte; er hatte seine - Laufbahn in der französischen Marine verfehlt, zeigte ein überspanntes - Benehmen und war empört, daß er nicht den Oberbefehl erhalten hatte. - - Die Fahrt ging um Irland und Schottland herum; bis zum 21. September - wurden 17 Prisen gemacht. Die Küstenbevölkerung Schottlands war in - größter Aufregung, aber =Jones= konnte seine Absicht, Leith eine - Kontribution aufzulegen, nicht durchführen, da seine Unterführer den - Gehorsam versagten. - - Am 23. September stieß die bis auf den Kutter vereinte Flottille - südlich von Flamborough Head vor der Mündung des Humber auf einen - englischen Ostseekonvoi. Die begleitende Fregatte »Serapis« (44 - Kanonen, 264 Mann), Kapitän =Pearson=, sowie ein armierter Kauffahrer - »Countess of Scarborough« (20 Kanonen) traten den Amerikanern mutig - entgegen. =Jones= befahl, die Schlachtlinie zu bilden, aber =Landais= - verweigerte dies ausdrücklich und »Vengeance« war zu weit entfernt; so - kamen nur das Flaggschiff und »Pallas« gegen 7-1/2 Uhr abends ins - Gefecht. Diese zwang nach zweistündigem Kampfe das kleinere englische - Schiff zum Streichen der Flagge. - - In dem Kampfe zwischen »Serapis« und »Bonhomme Richard«[189] wurde - dieser durch die überlegene Artillerie des Gegners bald völlig außer - Gefecht gesetzt und das Schiff derartig im Rumpfe durchlöchert, daß es - zu sinken drohte. =Jones= ging deshalb dem Feinde längsseit und errang - in blutigem Kampfe, in dem sein Flaggschiff 116, die »Serapis« 126 Mann - einbüßte, durch seine persönliche Hartnäckigkeit und Kaltblütigkeit - schließlich den Sieg. »Serapis« strich um 10-1/2 Uhr nachts die Flagge - und wurde von den Amerikanern besetzt; »Bonbomme Richard« sank am - folgenden Tage. - - [189] Bis in Einzelheiten gehende Schilderungen dieses bemerkenswerten - Gefechtes bringen Spears (Band I, Seite 242) und Clowes (Band IV, - Seite 35). - - =Landais= hatte nur den Kampfplatz umsegelt und Breitseiten auf die - englischen Schiffe abgegeben; er hat aber auch auf das Flaggschiff - Jones' gefeuert, und zwar nach eigner Aussage mit Absicht, um es in - Feindeshand fallen zu lassen, dann wiederzunehmen und die »Serapis« - gleichfalls zu erobern. - - Der englische Konvoi hatte sich während des Gefechtes retten können, - und =Pearson= wurde deshalb trotz des Verlustes seines Schiffes in den - Ritterstand erhoben. - - =Jones= führte seine Flottille nebst den Prisen nach Texel und von dort - Ende Dezember trotz der englischen Kreuzer durch den Kanal nach - Lorient, wo sie aufgelöst wurde. England erklärte ihn für einen - Seeräuber und setzte einen Preis von 10000 Lstrl. auf seinen Kopf. In - Paris überhäufte man ihn mit Ehren, und in Amerika ward er als Admiral - an die Spitze der Marine gestellt, als er 1780 zurückkehrte. 1788 trat - er als Kontreadmiral der baltischen Flotte in russischen Dienst. Da - aber englische Offiziere nicht unter ihm dienen wollten, wurde er zur - Flotte des Schwarzen Meeres versetzt und zeichnete sich hier gegen die - Türken aus. 1789 wurde er jedoch durch Intrigen verdrängt, lebte dann - in Holland und Frankreich, wo er 1792 fast vergessen zu Paris starb. Es - ist ungerecht, =Jones= als einen in französischem Solde stehenden - Verräter an der englischen Sache hinzustellen, wie es einige englische - und auch deutsche Werke tun; er war ebenso amerikanischer Bürger wie - viele andere noch in England geborene Amerikaner. (Biographie Jones' - von =Abbot=, Washington 1875.) - -Die kleine amerikanische Kriegsmarine ging in dem Handelskriege zugrunde; -beim Friedensschluß waren nur noch 3 Schiffe mit zusammen 84 Kanonen -vorhanden. Aber durch die von ihr genommenen Schiffe -- nach Spears -während des ganzen Krieges 800 an der Zahl -- sind zum Teil die Mittel an -Kriegsmaterial und Geld zur Durchführung des Landkrieges aufgebracht. - - - Der Frieden von Versailles. - -Bekanntlich setzte die Opposition in England nach der Kapitulation von -Yorktown, dem Verluste verschiedener westindischer Inseln sowie Minorkas -im März 1782 einen Ministerwechsel durch und der Landkrieg in Nordamerika -geriet ins Stocken. Die neue Regierung trat aber auch in -Friedensverhandlungen mit =Franklin= in Paris ein, obgleich der -amerikanische Staatsmann neben der Unabhängigkeit der Kolonien auch die -Abtretung Kanadas forderte; zu Franklin kamen später noch die Agenten -=Adams=, =Jay= und =Laurens=. Die Besprechungen wurden dadurch -erleichtert, daß England die Hände gegen seine europäischen Gegner -freizubekommen strebte, und die Amerikaner erkannten, daß Frankreich sie -nur zum Werkzeug ihrer eigenen Politik machen wollte. - - $Frankreich$ wollte die Vereinigten Staaten nicht zu stark werden - lassen, sondern ein Gleichgewicht zwischen ihrer und Englands Macht in - Nordamerika geschaffen sehen. Es war daher gegen die Überlassung - Kanadas, des Gebietes der großen Seen, der Seefischereien und des - Mississippitales an die Amerikaner und arbeitete in diesem Sinne gegen - sie. Das Gebiet des Mississippi wollte es Spanien und damit seinem - eigenen Einflusse sichern, die Fischereien aber als Schule für die - Marine behalten. - -Die Amerikaner ließen deshalb ihre Forderung auf Kanada und andere -englische Besitzungen im Norden fallen, bestanden aber auf ihrer -Ausdehnung nach Westen sowie auf ausgedehnten Fischereirechten, und -England gab hierin, sowie in seinen Ansprüchen auf alte Schulden nach. Am -30. November 1782 ward der =vorläufige Frieden zwischen England und den -Vereinigten Staaten= ohne Wissen Frankreichs abgeschlossen. Da sich der -Kongreß früher verpflichtet hatte, Friedensverhandlungen nur mit -Zustimmung Frankreichs zu führen, nannten die Agenten die Abmachungen -»Provisional-Artikel«, die nur dann zu einem endgültigen Frieden führen -könnten, wenn Frankreich an ihm beteiligt sei. - -Tatsächlich trat aber Amerika jetzt vom Kriege zurück, und Frankreich, -mit dem England seit dem Amtsantritt =Shelburnes= im Juli gleichfalls in -Verhandlung getreten war, mußte nachgeben. Es hatte bei der Lauheit -Spaniens und der Schwäche Hollands nichts mehr zu hoffen, war überdies in -Finanznöten und ging schon seiner schweren inneren Krisis entgegen. Am -20. Januar 1783 ward =der Präliminarfriede zwischen England und -Frankreich-Spanien= unterzeichnet. - -Hierbei ließ Frankreich Holland im Stich, wo man im Vertrauen auf diesen -Verbündeten frühere günstige Anerbieten Englands abgelehnt hatte. Es -wurde nur in den Waffenstillstand eingeschlossen und =der vorläufige -Friede zwischen Holland und England= kam erst am 2. September 1783 -zustande. - - $Über den Einfluß der Schlacht von Dominica auf den Friedensschluß$ - findet man häufig die Ansicht, sie habe die französische Marine so - geschwächt, daß jene nicht mehr um die Seeherrschaft hätte kämpfen - können. Dies ist sehr übertrieben. Anders wäre es gewesen, wenn - =Rodney= seinen Sieg ausgenützt und die französische Westindienflotte - vernichtet hätte, aber diese verlor ja nur 5 Linienschiffe. Die - Niederlage mag wohl dazu beigetragen haben, Frankreich dem Frieden - geneigt zu machen, aber die günstigen Friedensbedingungen, die England - erlangte, waren nicht die Folge einer Demütigung Frankreichs zur See, - sondern seiner finanziellen Notlage. In England rief der glänzende Sieg - bei der augenblicklich ungünstigen Lage zwar großen Jubel im Volke - hervor, aber eine derartige Bedeutung legte man ihm in den leitenden - Kreisen nicht zu. Dies geht aus den Parlamentsverhandlungen im Februar - 1783 über die Frage hervor, ob die Friedensbedingungen der - militärischen Lage entsprochen hätten, oder ob es richtiger gewesen - wäre, den Krieg fortzusetzen. Die Regierung führte an, daß England nur - 100 Linienschiffe bereit habe, während Frankreich und Spanien 140 - aufstellen könnten; auch sei zu befürchten gewesen, daß die Verbündeten - 1783 Jamaika erobert hätten, doch war dies nur die Beweisführung einer - Partei, die durchaus den Frieden wünschte. Admiral =Keppel=, der von - seinem Amte als Erster Lord der Admiralität zurücktrat, weil er die - Friedensbedingungen nicht billigte, bestritt die Richtigkeit der obigen - Zahlen für beide Parteien, und auch die englischen Staatsmänner mußten - zu dieser Zeit gelernt haben, die beiderseitigen Marinen nicht nur nach - der Zahl der Schiffe einzuschätzen. So war auch die Gefahr für Jamaika - von seiten der Friedensfreunde übertrieben, aber wahrscheinlich wäre es - England nicht gelungen, mit Waffengewalt die anderen Inseln wieder zu - erobern, die ihm der Friede zurückgab. - -$Die Friedensbedingungen.$ =Die Vereinigten Staaten= wurden als -unabhängig anerkannt. Sie erhielten die westlich gelegenen Gebiete -einschließlich des Mississippitales, sowie das Recht, bei Neufundland und -im St. Lorenzgolfe die Fischerei mitzubetreiben, während die Engländer -vom Fischen an der amerikanischen Küste ausgeschlossen wurden. - -=Frankreich= gab an England die eroberten westindischen Inseln bis auf -Tabago zurück und erhielt dagegen Sta. Lucia, sowie seine -Handelsniederlassungen in Ostindien, unter den gleichen Bedingungen wie -1763, wieder. Auch behielt es das Recht der Fischerei in den -obengenannten Gewässern sowie die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon -am Eingang zum Lorenzgolfe als Stützpunkte; in Westafrika fiel ihm die -Senegal-, England die Gambiamündung zu. Endlich wurde Frankreich von der -alten demütigenden Verpflichtung entbunden, Dünkirchen nach der Seeseite -unbefestigt zu lassen. - -=Spanien= räumte die Bahamainseln und gestand endlich den Engländern das -langumstrittene Recht zu, von der Honduras- und Campecheküste Holz -auszuführen. Es behielt Florida und Minorka, aber von einer Rückgabe -Gibraltars war nicht die Rede. =Holland= bekam zwar Trincomali wieder, -Negapatam gab England jedoch nicht heraus. - -Abgesehen vom Verluste seiner amerikanischen Kolonien hat der Krieg -mithin =England= nicht so große Opfer gekostet, als zu erwarten stand. -Der Verlust von Minorka hätte größere Bedeutung gehabt, wenn Spaniens -Seemacht stark genug gewesen wäre, den Platz zu halten; so wie die Dinge -lagen, fiel die Insel im nächsten Kriege doch wieder in Englands Hände. -Frankreichs Gewinn durch den Krieg, der ihm 1200 Millionen Francs -gekostet haben soll, war nur die unbedeutende Insel Tabago und das -Bewußtsein, zum ersten Male England gegenüber die See gehalten zu haben. - -=Der endgültige Friede= zwischen den beiden Königreichen, den Vereinigten -Staaten und England ward am 3. September 1783 zu Versailles -unterzeichnet; der zwischen England und Holland fand am 10. Mai 1784 zu -Paris seine Bestätigung. - - - Schlußbetrachtungen. - -$Über die Strategie der Gegner.$ Der Krieg 1778-1783 war ein reiner -Seekrieg und wohl der an Ereignissen reichste, der je ausgefochten ist. -England, Frankreich und Spanien spannten ihre maritimen Kräfte bis aufs -äußerste an, in allen Meeren maßen sich große Flotten, gegen 20 -Schlachten fanden statt. Und doch brachte der Krieg keinem der Länder -wesentliche Vor- oder Nachteile, außer daß England durch ihn in dem -Landkriege mit seinen nordamerikanischen Kolonien unterlag. Dies war die -Folge einer mangelhaften Strategie auf beiden Seiten. Die Entstehung des -Krieges, die Ziele der Verbündeten sowie die allgemeine militärische Lage -beider Parteien wurden bereits bei Beginn seiner Darstellung -erörtert[190] und auf die einzelnen Abschnitte seines Verlaufes folgte -stets eine kritische Besprechung; es erscheint aber wünschenswert, zum -Schluß nochmals =die Kriegführung der Gegner im großen= zu -betrachten[191]. - - [190] Vgl. »Entstehung des Krieges«, Seite 215; »Kennzeichnung des - Krieges«, Seite 218; »Anordnung der Schilderung nach den - Kriegsschauplätzen«, Seite 243. - - [191] Mahan (Band I, Kapitel XIV, Kritische Besprechung des Seekrieges - von 1778) benutzt diesen Krieg zur Darlegung verschiedener - wichtiger Grundsätze der Strategie, gegen die auf beiden Seiten - verstoßen sei. Wir bringen in nachstehendem einiges aus den sehr - lesenswerten Auslassungen, ohne sie jedoch auch nur annähernd zu - erschöpfen. - -=Das eigentliche Ziel der Verbündeten= war, früher erlittene Demütigungen -zu rächen und die tyrannische Herrschaft zu brechen, die England auf dem -Ozean sich anmaßte. Frankreich gedachte dabei, seinen Besitz in -Westindien zu vermehren und in Ostindien wieder überwiegenden Einfluß zu -gewinnen; Spanien hoffte, Gibraltar, Minorka, Florida und womöglich auch -Jamaika zurückzuerhalten. Die Herrschaft Englands beruhte auf seiner -großen aktiven und latenten Seemacht, auf seiner Kriegsmarine und seinem -Seehandel, seinen Marinestationen und Kolonien in allen Teilen der Welt. -Hierin lagen mithin auch die Angriffspunkte für die Gegner. Infolge des -Aufstandes der Amerikaner sah sich England mit Verlust seiner damals -wichtigsten Kolonie bedroht; verlor es diese, so büßte es auch eine Reihe -von Häfen ein und dadurch entstand eine Lücke in der Kette seiner -Stützpunkte zwischen Kanada und Westindien; seine Flotte hatte es aber -durch Frankreich und Spanien wenigstens in der Zahl der Schiffe überholen -lassen. Die Gelegenheit zum Angriff war also für die Gegner günstig. - -Die nächste Frage bildete nun =die Wahl der Angriffsobjekte seitens der -Verbündeten=: der Hauptpunkte, die man nie aus dem Auge lassen durfte, -und der Ziele zweiter Ordnung, die die Verteidigung ablenken und ihre -Kräfte zersplittern sollten. Da der Hauptzweck der Verbündeten nicht war, -den Amerikanern zu nutzen, sondern England zu schaden, gebot die -militärische Politik, jene nur soweit zu unterstützen, daß sie den Krieg -fortsetzen konnten. England in seinen anderen Kolonien mit Erfolg -anzugreifen, erforderte unbedingte Seeherrschaft, aber nicht nur an Ort -und Stelle, sondern überhaupt, denn keine der beiden Parteien besaß in -den fernen Meeren so leistungsfähige Stützpunkte, daß die Flotten dort -auf die Dauer see- und gefechtsbereit erhalten werden konnten; die -Kolonien selber waren noch auf Zufuhren aus Europa angewiesen. Amerika -und die anderen Kolonien eigneten sich also nur zu Diversionen, während -als Hauptangriffspunkte England als Basis seiner Flotte und diese selber, -sowohl als Streitmacht an und für sich wie als Sicherung der Verbindung -mit den auswärtigen Kriegsschauplätzen anzusehen waren. Hier mit -Übermacht aufzutreten, ward den Verbündeten dadurch erleichtert, daß -England sich entschloß, seine Streitkräfte in weitgehendem Maße zu -verteilen, um überall einem Angriffe entgegentreten zu können. - -=Diese Maßnahme Englands= fordert zur Kritik heraus; um sie mit -Sicherheit durchzuführen, wäre Überlegenheit an Streitkräften nötig -gewesen. Man konnte nie wissen, wohin der Gegner den Hauptstoß richten -würde; dies ist ein Nachteil der Verteidigung, der im Seekriege besonders -hervortritt, da marschierende Flotten keine Spuren hinterlassen. Jede -ferne Station hätte stark besetzt gehalten werden und außerdem jeder von -Europa auslaufenden feindlichen Flotte eine derartig starke eigene -angehängt werden müssen, daß man auf dem bedrohten Punkte überlegen war. -Dies konnte aber die schwächere Partei nicht durchführen und England -setzte sich mit seinem Entschluß der Gefahr aus, an irgendeiner Stelle -mit Übermacht angegriffen zu werden. Im großen und ganzen ist es ihm -gelungen, dem Gegner auf den fernen Kriegsschauplätzen mit genügenden -Kräften entgegenzutreten, jedoch nicht immer. In Westindien mußten sich -seine Flotten mehrfach unter die Kanonen von Landbefestigungen -zurückziehen und konnten den Verlust einiger Inseln nicht hindern; in -Nordamerika entschied das Übergewicht der französischen Seestreitkräfte -1781 den Landkrieg. Dieses hatten die Franzosen dadurch erlangt, daß -ihrer Flotte (=de Grasse=) beim Verlassen Westindiens nur ein Teil der -englischen folgte, um Westindien und den dortigen Handel nicht ganz -preiszugeben; ein sprechendes Beispiel für die Schwäche der englischen -Strategie. In den heimischen Gewässern aber war England stets weit -unterlegen. Seine Flotte hier war sogar zu schwach, auch nur die -Verteidigung der eigenen Küsten sicherzustellen; nur infolge der -mangelnden Tatkraft der Gegner hat sie diese Aufgabe lösen und auch noch -Vorstöße machen können. - -=Eine richtigere Strategie Englands= wäre wohl gewesen, den Hauptangriff -auf die feindlichen Seestreitkräfte zu richten; diese aber waren am -sichersten vor ihren eigenen Häfen zu finden; England konnte dabei den -Vorteil ausnützen, daß seine Flotte eine gemeinschaftliche Basis hatte, -in einer Hand lag und aus einem Guß war. Es mußte die europäischen -Gewässer, Nordamerika und Westindien als =einen= Kriegsschauplatz ansehen -und mit seiner Hauptmacht die Vereinigung der Gegner zu hindern, deren -Plänen gleich bei ihrem Auslaufen entgegenzutreten suchen. Um hierzu in -Europa die nötigen Kräfte zu haben, hätte man allerdings die auswärtigen -Angriffspunkte durch Schwächung der Geschwader dort bis zu einem gewissen -Grade aufs Spiel setzen müssen, jedoch konnte man dies in Nordamerika -durch eine gegen jeden Seeangriff genügende Befestigung der -Hauptstützpunkte, New York und Newport, zum Teil ausgleichen. Mit einem -derartigen Auftreten vor den feindlichen Häfen soll keineswegs auf eine -strenge Blockade hingewiesen sein, mit der eitlen Hoffnung, jeden Vorstoß -zu verhindern oder jeden Konvoi abzufangen, sondern auf die Aufgabe, -jeder großen ausgelaufenen Flotte auf den Fersen zu folgen und sie mit -Übermacht zu schlagen[192]. Dem Landkriege in Nordamerika wäre dies -gleichfalls zugute gekommen, denn die Amerikaner konnten sich nur mit -Hilfe der französischen Marine, sowie durch Zufuhren aus Europa halten -und endlich wurde auf diese Weise leichter den Gegnern die Versorgung -ihrer Stützpunkte draußen erschwert. Um es nochmals hervorzuheben, auch -England mußte als erstes Ziel die Vernichtung der feindlichen -Seestreitkräfte ansehen. - - [194] Nach diesem Gesichtspunkte handelten die Engländer in den - späteren Kriegen (vgl. Mahan, Band I, Seite 512), aber auch schon - in den beiden vorhergegangenen war ihm Rechnung getragen (vgl. in - unseren Betrachtungen Seite 115 den Ausspruch Colombs, und Seite - 125 »Das Vorgehen der englischen Flotte«). - -Es ist allerdings fraglich, ob die englische Regierung der Volksmeinung -gegenüber, der sie stets hat Rechnung tragen müssen, Kolonien und Handel -scheinbar im Stich lassen durfte, wenn auch ihr Verhalten tatsächlich nur -deren Verteidigung schon in den europäischen Gewässern bezweckt hätte. - -=Wie lösten nun die Verbündeten ihre Aufgabe?= Frankreich hatte den Krieg -vorbereitet und begann den Feldzug 1778 mit einer Diversion nach -Nordamerika (=d'Estaing=), die sich später gegen Westindien wenden -sollte, es hatte aber nicht genügend gerüstet, um in diesem Jahre schon -in Europa kräftig auftreten zu können; nicht einmal das Auslaufen einer -englischen Flotte unter =Byron= nach dem bedrohten Punkte vermochte es zu -hindern. 1779 verstärkte es seine Kräfte in Westindien und bereitete mit -Spanien vereint einen Einfall in England vor. Das Unternehmen schlug -fehl, weil Spanien zu spät fertig war und dann dem Oberbefehlshaber -=d'Orvilliers= die nötige Tatkraft mangelte. Von 1780 an machte sich die -Verschiedenheit der Interessen geltend; Frankreich legte ein zu großes -Gewicht auf den westindischen Kriegsschauplatz und Spanien auf die -Eroberung von Gibraltar. Dieses war ein Nebenziel ohne Einfluß auf den -Großen Krieg und hätte leichter sowie sicherer durch Lösung der -Hauptaufgabe, Vernichtung der feindlichen Seemacht, erreicht werden -können; Frankreich gab trotz besserer Einsicht hierin nach. So brachten -denn die weiteren Kriegsjahre den Verbündeten außer der gleichfalls -belanglosen Eroberung von Minorka in Europa keine Erfolge, obgleich ihre -Flotte stets bedeutend überlegen war; allerdings führte auch noch ein -unfähiger Admiral (=Cordoba=) den Oberbefehl. Man unternahm nichts -Ernstes mehr gegen England und seine Kanalflotte. Dieser gelang es sogar, -in jedem Jahre Gibraltar zu verstärken und mehrfach die Verbindung der -Gegner mit anderen Kriegsschauplätzen zu stören. Die Kraft der englischen -Marine infolge ihres inneren Wertes sowie der Kühnheit und -Geschicklichkeit ihrer Admirale, die sich hierbei zeigte, dürfte ein -Beweis sein, daß eine Strategie Englands, wie sie oben geschildert ist, -trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegner wahrscheinlich Erfolg -gehabt hätte. - -In Westindien besaß Frankreich mehrfach die Übermacht, nützte sie jedoch -nicht aus. Es bemächtigte sich verschiedener Inseln, dachte dann aber nur -an deren Schutz, obgleich die Leichtigkeit der Eroberungen darauf hätte -hinweisen müssen, daß nach Erringung der unbedingten Seeherrschaft auch -die anderen englischen Inseln bald gefallen wären. Wollte Frankreich den -Kampf in Westindien über den Rahmen einer Diversion hinausgehen lassen, -so konnte es noch mehr Mittel darauf verwenden; die Flotte der -Verbündeten in Europa wäre zu dem, wozu man sie verwandte, stark genug -geblieben. Doch auch ohne dies hätten die Gegner Englands auf diesem -Kriegsschauplatze eine große Übermacht entfalten können, wenn Spanien -seine Pflicht tat. Aber die Flotte =Solanos=, die 1780 dort erschien, -konnte oder wollte sich nicht an französischen Unternehmungen beteiligen. -Sie lag untätig in Havanna, nur auf den Schutz der gar nicht bedrohten -eigenen Kolonien bedacht, und trat nur einmal zur Eroberung Floridas -hervor; ein Unternehmen von reinstem Sonderinteresse, das wie eine -Einnahme von Gibraltar gar keinen Einfluß auf den Großen Krieg hatte. Der -mit großen Mitteln ins Werk gesetzte gemeinsame Angriff auf Jamaika 1782 -kam nicht zur Ausführung; schon der moralische Eindruck der Niederlage -der Franzosen bei Dominica genügte, davon Abstand nehmen zu lassen. - -In den gleichen Fehler, der von der obersten Leitung im großen gemacht -wurde, verfielen aber auch die französischen Führer der verschiedenen -Flotten bei der Durchführung ihrer Aufgaben. Mit Ausnahme =Suffrens= in -Ostindien[193] und =de Grasses= bei seinem Auftreten in Nordamerika 1781 -beharrten sie auf dem Standpunkte, der sich in allen Kriegen des vierten -Abschnittes gezeigt hat: Sie schonten ihre Schiffe und vermieden -Entscheidungsschlachten, obgleich sich ihnen mehrfach Gelegenheit bot, -den feindlichen Seestreitkräften einen schweren Schlag zu versetzen; nach -Erfolgen traten sie meist strategisch in die Defensive, und taktisch -defensiv war das Verhalten der verbündeten Flotten eigentlich bei allen -Begegnungen mit dem Feinde. Über die spanischen Admirale in dieser -Hinsicht zu sprechen, lohnt sich überhaupt nicht, und das Nachgeben -Frankreichs Spanien gegenüber äußert sich darin am bezeichnendsten, daß -es von 1780 an den Oberbefehl der gemeinsamen Flotte in Europa =Cordoba= -überließ, obgleich es dessen Unfähigkeit wohl erkannt hatte. - - [193] Diesen Kriegsschauplatz haben wir zu unseren Betrachtungen hier - nicht herangezogen. Bei seiner großen Entfernung von den anderen - sowie von den Heimatshäfen stand er selbständig da und das für - ihn Bemerkenswerte haben wir Seite 402 bereits gebracht. - -=Die Flotten boten überall das Mittel zur Entscheidung.= England hätte -selbst in der Verteidigung mehr erreichen können, wenn es die eigenen -Seestreitkräfte zur Vernichtung der feindlichen zusammengehalten hätte. -Die militärische Politik der Verbündeten muß jedoch noch schärfer -verurteilt werden. Ihnen stand es frei, nach Vereinigung ihrer Kräfte -- -und diese hinderte der Gegner nicht -- in der Offensive zu wählen, wo sie -überwältigend schlagen wollten. Sie faßten ja auch große Pläne, besonders -Frankreich, führten sie aber nicht durch, Nebenzwecke lenkten sie ab. -Diese liefen auseinander -- eine Schwäche, die Bündnissen häufig anhaftet ---, und bei ihrer Durchführung gab Frankreich des guten Einvernehmens -halber nach, in der Hoffnung, Spanien doch noch seinen Plänen geneigt zu -machen; Spaniens Verhalten dagegen streifte, wenigstens 1780 in -Westindien, fast an Treulosigkeit. =Mahan= schreibt: »Wie machten sich -die Verbündeten ihre großen Vorteile zunutze? Indem sie an den Rändern -des britischen Reiches herumnagten und sich am Felsen von Gibraltar die -Köpfe einstießen.« Wir können im Sinne Mahans hinzufügen: »Anstatt vor -allem die feindlichen Flotten zu vernichten.« - - Bei Beurteilung der Leistungen der Verbündeten muß aber auch wohl in - Betracht gezogen werden, was über den inneren Wert ihrer Marinen gesagt - ist (vgl. Seite 33 ff. und Seite 220 ff.). Der französischen Marine - fehlte es an Offizieren und Seeleuten, wodurch die Qualität ihrer - Schiffsbesatzungen beträchtlich herabgesetzt wurde. Dieser Umstand wird - unter anderem schon dadurch gekennzeichnet, daß die Seereisen - französischer Flotten meist weit längere Zeit in Anspruch nahmen, und - daß die Schiffe in Stürmen sehr viel mehr litten als die der Engländer. - Die spanische Marine stand noch schlechter da. - -So brachte der Krieg den Verbündeten nur überall Fehlschläge. Mahan -schließt seine Betrachtungen mit den Worten: »Die Absicht der Verbündeten -war, zugefügtes Unrecht zu rächen und der tyrannischen Herrschaft ein -Ende zu machen, die England sich auf dem Ozean anmaßte. Die Rache, die -sie genommen, brachte ihnen selber wenig Nutzen. Sie hatten, wie die -damalige Generation annahm, England durch die Befreiung Amerikas -geschädigt, aber sie hatten weder in Gibraltar noch in Jamaika das ihnen -widerfahrene Unrecht gut gemacht; die englische Flotte war von ihnen -nicht derart mitgenommen worden, daß sich dadurch ihr hochmütiges -Selbstvertrauen vermindert hätte; die bewaffnete Neutralität der -nordischen Mächte hatte man fruchtlos im Sande verlaufen lassen, und die -englische Seeherrschaft wurde bald ebenso tyrannisch und noch -schrankenloser wie je zuvor.« - -$Über Taktik[194].$ Während der österreichische Erbfolgekrieg nur zwei -und der Siebenjährige Krieg nur vier rangierte Schlachten brachte, kann -man von den 1778-1783 erfolgten Zusammenstößen wohl vierzehn als solche -ansehen. Sie liefern uns viel Bemerkenswertes für den Stand der Taktik in -der Zeit des vierten Abschnittes. Nach Schilderung einer jeden finden -sich die hierfür wichtigen Punkte hervorgehoben, da aber mit diesem -Kriege die Periode abschließt, ist es angebracht, sie noch einmal -zusammenzustellen. - - [194] Anschließend an die Entwicklung der Taktik im zweiten Kapitel - (Seite 36-44), sowie an die Auslassungen darüber nach dem - Österreichischen Erbfolgekriege (Seite 113) und nach dem - Siebenjährigen Kriege (Seite 204). - -In allen Schlachten, mit Ausnahme derer auf dem ostindischen -Kriegsschauplatze, tritt die Neigung =der Franzosen= hervor, in der -Abwehr zu fechten; niemals sind sie die Angreifer. Wenn sie =die -Luvstellung= einnehmen, so wollen sie in ihr nur einen ernsten Kampf -vermeiden, nicht sie zum Angriff ausnutzen. Gelang es dann den Engländern -an sie heranzukommen, so kam es zum Passiergefechte -- =Ouessant=, 27. -Juli 1778; =Martinique=, 15. und 19. Mai 1780; =Dominica=, 12. April 1782 --- oder zum laufenden Gefechte -- =Martinique=, 29. April 1781. Beides -sind Kampfarten, die nur selten eine Entscheidung herbeiführen. - -Wenn sie =in der Leestellung= waren, so warteten sie den Angriff ab und -nutzten auch etwaige Übermacht -- =Chesapeakebucht=, 5. September 1781 -- -oder besonders günstige Umstände -- =Grenada=, 6. Juli 1779 -- nicht zu -einem Vorstoße aus, vermieden also auch hier die Entscheidung. Einige -Fälle dieser Lage der Flotten zueinander bringen uns für die -verschiedenartige Taktik der Gegner treffliche Beispiele, die den vierten -Abschnitt kennzeichnen, besonders die Schlachten vor der -=Chesapeakebucht= am 16. März und am 5. September 1781. Der Verlauf eines -derartigen Kampfes ist bekannt: die Franzosen erwarten den Feind unter -kleinen Segeln (einmal, in der ersten Schlacht vor der Chesapeakebucht, -geben sie hierzu sogar die Luvstellung freiwillig auf), die Engländer -greifen die ganze Linie, Schiff gegen Schiff, an, erhalten beim -Heransegeln schweres Feuer in ungünstiger Lage, kommen aber selten zum -Nahkampfe, weil die Franzosen vorher Segel mehren, das Gefecht abbrechen -und weiter in Lee die abwartende Stellung wieder einnehmen. Da die -Engländer wegen Beschädigung eines Teils ihrer Schiffe keinen zweiten -Angriff wagen mögen, werden die Schlachten nicht durchgefochten. -- Mit -Recht bezeichnet man also diesen Zeitraum als den der »unentschiedenen -Schlachten«. - -Der Krieg bringt aber auch den Anfang zu einer =Änderung der Taktik= auf -beiden Seiten. =Rodney= versucht bei =Martinique=, 17. April 1780, seinen -Angriff mit Übermacht nur auf den hinteren Teil der feindlichen Linie zu -richten. Es mißlingt und der Kampf entspinnt sich fast in der alten -Weise, aber der Versuch bewirkt doch, daß sein Gegner in dieser Schlacht, -=Guichen=, sich später ihm gegenüber stets die Luvstellung bewahrt. - -=Suffren= bricht in Ostindien völlig mit der bisherigen französischen -Taktik; wie er strategisch stets die Vernichtung des Gegners als erstes -Ziel im Auge hatte, so bevorzugte er auch taktisch den Angriff. Er suchte -dann in seiner ersten Schlacht, =Sadras= am 17. Februar 1782, von Luward -her den Feind durch Dublieren von hinten mit Überlegenheit anzugreifen. -Auch ihm gelingt es nicht und er sieht bei späteren Begegnungen davon ab, -aber er wählt, wenn möglich, die Luvstellung und greift an -- -=Providien=, 12. April; =Trincomali=, 3. September 1782; =Cuddalore=, 20. -Juni 1783 --, wobei er dann allerdings nach der unvollkommenen englischen -Weise verfährt. Da sein Gegner, =Hughes=, bei dem Zusammemtoß vor -=Negapatam=, am 6. Juli 1782, diese Form gleichfalls anwendet, enden auch -die Schlachten in Ostindien ohne durchschlagende Entscheidung. - -Die Versuche Rodneys und Suffrens, neue Gedanken in der Taktik zur -Geltung zu bringen, scheiterten an dem Verhalten ihrer Unterführer; -befangen in der alten Anschauung, gingen diese auf die Absichten ihrer -Oberbefehlshaber nicht ein. - -Nur zwei Zusammenstöße der Gegner in diesem Kriege bringen einen vollen -Erfolg, und zwar zugunsten der Engländer. In der schon als Passiergefecht -genannten Schlacht bei =Dominica=, 12. April 1782, durchbricht die Flotte -Rodneys die feindliche Linie an drei Stellen und gewinnt dadurch an den -Durchbruchspunkten ein verhängnisvolles Übergewicht für ihre Artillerie. -Zwar ist der Durchbruch wohl kaum schon beim Ansetzen des Angriffes -beabsichtigt gewesen, aber die Engländer -- Oberbefehlshaber wie -Unterführer -- weichen doch von dem alten starren Schema ab, indem sie -die günstige Gelegenheit benutzen. Daß in England überhaupt eine freiere -Auslegung der Gefechtsinstruktion aufkam, beweist die Beurteilung zweier -Admirale im Gegensatz zu kriegsgerichtlichen Sprüchen in vorangegangenen -Kriegen. =Keppel= wurde freigesprochen, als er nach =Ouessant= angeklagt -war, den Kampf vor Herstellung einer guten Ordnung begonnen zu haben, -=Arbuthnot= dagegen wurde ein Vorwurf daraus gemacht, daß er in der -Schlacht vor der =Chesapeakebucht=, am 16. März 1781, zu viel Wert auf -die Erhaltung einer solchen gelegt habe. - -Die zweite der entscheidenden Schlachten war keine rangierte, sondern das -von =Rodney= mit Umsicht und Kühnheit durchgeführte Verfolgungsgefecht -bei =Kap St. Vincent= am 16. Januar 1780. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Sechstes Kapitel. - - Nebenkriege 1740-1793. - - Kämpfe mit den Barbaresken. Schwedisch-Russischer Krieg 1741-1743. Die - schwedische und russische Marine im Siebenjährigen Kriege. - Russisch-Türkische Kriege 1768-1774 und 1787-1791. - Schwedisch-Russischer Krieg 1788-1790. - - - Kämpfe mit den Barbaresken[195]. - -Auch noch während der Zeit des vierten Abschnittes belästigten die -Fahrzeuge der Raubstaaten Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis die -Schiffahrt im Mittelmeer, und die Marinen der größeren Seestaaten traten, -besonders in Friedenszeiten, zum Schutze ihres Handels in Tätigkeit; die -Malteserritter sahen in der Unterdrückung des Seeraubes die Fortsetzung -ihrer ursprünglichen Aufgabe des Kampfes gegen die Ungläubigen. Aber wie -früher hatte das Auftreten der europäischen Staaten keine dauernden -Erfolge, die Barbaresken brachen immer wieder die ihnen durch -Demonstrationen oder Strafexpeditionen aufgezwungenen Verträge. Es wird -genügen, die Tätigkeit der beteiligten Marinen kurz anzuführen. - - [195] Anschließend an Band I, Seite 592/593. Näheres findet man in den - Spezialwerken der verschiedenen Völker, z. B.: Clowes, Band III; - Lacour I, Bonfils, Band II; de Jonge, Band IV. De Jonge - beschreibt alle die holländische Marine betreffenden Ereignisse - sehr eingehend; aus diesen Schilderungen ergibt sich klar, wie - sich die Kämpfe im allgemeinen abspielten. - -=England= hielt stets Schiffe in solcher Zahl an der afrikanischen Küste -und im Mittelmeer überhaupt, daß -- wie seine Quellen sagen -- der Handel -nicht so litt wie im 17. Jahrhundert, und daß es nicht nötig war, größere -Expeditionen zu entsenden; es wird nur eine solche unter =Kommodore -Keppel= 1751 nach Algier erwähnt, die schwebenden Verhandlungen Nachdruck -geben sollte[196]. Die Barbaresken scheuten mit Recht die Seemacht -Englands. - - [196] Das energische Auftreten Keppels wird durch die Anekdote - gekennzeichnet, die in den Personalien dieses Admirals bereits - erwähnt ist (Seite 249). - -=Holland= scheint weit mehr Mühe gehabt zu haben, seine Schiffahrt zu -schützen, obgleich es sich soweit demütigte, den Herrschern der -Barbareskenreiche in der Form von Geschenken einen nahezu regelmäßigen -Tribut zu zahlen; zwischen ihm und den einzelnen Raubstaaten, besonders -Marokko und Algerien, kam es mehrfach zur förmlichen Kriegserklärung. Man -war genötigt, ständig kleine Geschwader von Linienschiffen und Fregatten -im Mittelmeer zu halten, seine Konvois stets zu decken und -verschiedentlich Expeditionen zu entsenden, um seinen Forderungen -Nachdruck zu geben. Zu größeren Waffentaten kam es jedoch nicht. - -=Frankreich= dagegen, das im übrigen auch stets einzelne Schiffe und -kleinere Verbände im östlichen wie im westlichen Mittelmeer kreuzen ließ, -entsandte mehrfach Strafexpeditionen, die schärfer vorgingen. Im Juni -1765 beschoß der Chef d'Escadre =Graf Du Chaffault= mit einem -Linienschiffe, 4 Fregatten, 2 Mörserbooten und 2 kleineren Fahrzeugen die -Städte Sale und Larache an der Westküste Marokkos; der Versuch, mit den -Schiffsbooten in einen Fluß nahe der letztgenannten Stadt einzudringen, -um dort liegende Raubschiffe zu zerstören, ward aber unter Verlust von -300 Mann zurückgeschlagen. Als Frankreich 1769 mit der Besetzung Corsicas -einen guten Stützpunkt im Mittelmeer gewann, sah der Bei von Tunis darin -eine Gefahr für seine Interessen, d. h. den Seeraub; er versuchte England -aufzureizen und erregte so Frankreichs Zorn. 1770 beschoß der Kapitän -=Graf de Broves= mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Mörserbooten im -Juni die Städte Biserta und Susa, worauf der Bei um Frieden bat. - -=Spanien= unternahm 1775 sogar eine Expedition mit einer starken Flotte -und einem Landungskorps von 25000 Mann gegen die Stadt Algier. Man -landete auch, aber das schlecht geleitete Unternehmen schlug unter großen -Verlusten fehl. - - - Der Schwedisch-Russische Krieg 1741-1743[197]. - -Bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges fürchtete Frankreich, -daß Rußland für Österreich Partei nehmen würde, und suchte ihm Schweden -auf den Hals zu hetzen, um es anderweitig zu beschäftigen. Seine Ränke -fanden guten Boden, weil die im schwedischen Reichstage herrschende, -kriegerische Adelspartei der »Hüte« in den seit dem Tode der Kaiserin -Anna zerfahrenen inneren Verhältnissen Rußlands, sowie in dem nach Peter -des Großen Tode eingetretenen Verfall der russischen Marine eine günstige -Gelegenheit zu finden glaubte, die im Frieden von Nystad (1721) -aufgegebenen Provinzen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelien und -damit die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen. Obgleich Schweden -selber im Innern durch jahrzehntelange Zwiste der französisch gesinnten -Partei der »Hüte« und der russisch gesinnten der »Mützen« sehr geschwächt -war, gelang es doch der ersteren, den Reichstag am 4. August 1741 zu -einer übereilten Kriegserklärung zu bestimmen. - - [197] Kirchhoff, Band I, schildert die Kriege in der Ostsee bis in - Einzelheiten genau; die Darstellung folgt ihm in der Hauptsache. - In seinem Werke findet man auch die eingehende innere Geschichte - der Marinen Rußlands, Schwedens und Dänemarks, ähnlich wie sie - hier für die der Westmächte fortlaufend gegeben wird. - -Bei dem mangelhaften Zustand der Flotten auf beiden Seiten hatten die -Unternehmungen zur See wenig Bedeutung; es genügt deshalb, den Krieg ganz -kurz zu fassen. - - $Die Streitmittel[198].$ =Die russische Marine= zählte zwar 1736 36 - Linienschiffe, 12 Fregatten und etwa 250 Galeren für den Schärenkrieg, - aber die Fahrzeuge waren in schlechter Verfassung und es mangelte an - Seeleuten, da es eine Handelsflotte kaum gab; 1740 war von den für die - Linienschiffe nötigen 9000 Mann kaum die Hälfte vorhanden. - - [198] Angaben über die nordischen Marinen in der früheren Zeit siehe - Band 1, Seite 582 ff. - - =Die schwedische Marine= besaß 1734 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und - einige 30 Fahrzeuge für den Küstenkrieg. - -In Voraussicht des kommenden Krieges war der schwedische Vizeadmiral =von -Rajalin= schon im Mai 1741 mit 10 Linienschiffen und 4 Fregatten von -Karlskrona nach den Aspöinseln südlich von Frederikshamn an der -finnländischen Küste gesegelt, wo er Verstärkungen erwarten sollte. -Infolge schlechter Verpflegung brach aber bald auf der Flotte eine -Epidemie aus, der bis Anfang August über 700 Mann erlagen. Da außerdem -der Krankenbestand mehr als 2000 Mann betrug, waren die Schiffe völlig -gefechtsunfähig; zum Glück zeigte sich die russische Flotte nicht. -=Rajalin= unternahm nichts und kehrte im Oktober nach Karlskrona zurück; -die inzwischen eingetroffene Schärenflottille folgte ihm, ohne irgendwie -verwendet worden zu sein. Nur schwedische Kreuzer waren im Skagerrak und -in der Ostsee durch Aufbringen von Schiffen mit Zufuhren für Rußland von -Nutzen gewesen. - - $Im Landkriege$ hatte Rußland 1741 einen Erfolg zu verzeichnen. General - =Keith= -- der spätere preußische Feldmarschall -- drang Ende August in - Finnland ein, schlug die Schweden bei Wilmanstrand und erstürmte diese - wichtige Grenzfestung. Beide Heere bezogen dann Winterquartiere. Im - Februar 1742 plante der Feldmarschall Lacy von Narwa aus über das Eis - in Finnland bei Frederikshamn einzufallen. Eintretendes Tauwetter - verhinderte die Ausführung und das Eindringen von Karelien aus ward - durch Unruhen im Heere längere Zeit hingehalten; erst Ende Juni begann - der Feldmarschall längs der Küste vorzurücken, wobei er mit den - Seestreitkräften in Verbindung zu bleiben strebte. - -$1742$ hatten die schwedischen Seestreitkräfte ebensowenig Erfolg. Zwar -sammelte sich im Sommer wiederum eine Flotte von 12 Linienschiffen nebst -6 Fregatten unter Vizeadmiral =Sjöstjerna=, sowie eine Schärenflottille -bei den Aspöinseln, abermals jedoch schwächte Krankheit die Besatzungen. -Als dann der am Lande befehligende =General Löwenhaupt= die Forderung -stellte, den russischen Seestreitkräften -- 12 Linienschiffe und 40 -Galeren -- entgegenzutreten, die das von Wiborg her vordringende -feindliche Heer begleiteten, wagte der Admiral dies nicht. Er segelte mit -dem Hochseegeschwader nach Hangö-Udde und berief auch die Flottille zu -sich, als die russische Hochseeflotte dort erschien. =Löwenhaupt= -leistete nirgend ernstlichen Widerstand, sondern wich von Ort zu Ort -zurück; so konnten die Russen ohne Kampf das befestigte Frederikshamn -besetzen und im September mit 17000 Mann das schwedische Hauptheer von -12000 Mann, das westlich von Helsingfors zu Lande und zu Wasser -eingeschlossen war, zur Übergabe zwingen. Sie drangen dann noch unter -=Keith= bis Abo vor. - -Durch einen nach der Kapitulation geschlossenen Waffenstillstand wurden -die schwedischen Seestreitkräfte frei und kehrten nach Schweden zurück. -Man sandte nun ein Geschwader nach der Nordsee, um 6 russischen -Linienschiffen entgegenzutreten, die in Archangel ausgerüstet waren; -diese sahen sich genötigt, umzukehren. Die Russen benutzten aber die -Abwesenheit der schwedischen Flotte, sich im Herbst noch der -Aalandsinseln zu bemächtigen. - -Im Frühjahr $1743$ setzten sich die Schweden durch rasches Vorgehen -wieder in Besitz dieser Inseln und sammelten hier 30 Galeren; ein -Versuch, nach Osten vorzudringen, ward aber durch =Keith= mit 30 Galeren -von Abo aus verhindert. Im Juni kam dann =Lacy= mit 50 Galeren bis -Hangö-Udde heran, konnte sich jedoch nicht mit =Keith= vereinigen, weil -inzwischen die schwedische Flotte von 16 Linienschiffen unter Admiral -=von Utfall= hier erschienen war. Bald aber zeigte sich auch der -russische Admiral =Golowin= mit 17 Linienschiffen bei Hangö, =Utfall= -ließ sich von ihm zur Verfolgung bis Reval verlocken und die Vereinigung -der beiden russischen Schärenflottillen fand statt. =Lacy= hatte nun über -70 Galeren mit 20000 Mann gegenüber den 30 schwedischen, während sich die -beiderseitigen Hochseeflotten in Schach hielten. - -Schweden mußte jetzt wie zu Ende des Nordischen Krieges eine Verwüstung -der eigenen Küsten befürchten und war deshalb zu Verhandlungen bereit. Am -18. August 1743 ward der =Frieden zu Abo= geschlossen, in dem Schweden -die Grenzfestungen Wilmanstrand, Nyslot und Frederikshamn, sowie Finnland -bis zum Kymeneflusse abtrat. - -Der Krieg hatte Schweden 11 Millionen Taler und große Menschenopfer -gekostet; auf der Hochseeflotte waren 6000 und auf der Schärenflottille -1500 Mann allein Krankheiten erlegen. Die Gründe seiner Mißerfolge liegen -in der Uneinigkeit der Führer am Lande infolge der Parteizwiste in -Schweden, die bei einigen Führern hart an Verrat streiften, sowie in dem -Mangel eines einheitlichen Zusammenwirkens der Land- und Seestreitkräfte; -auf russischer Seite ist dagegen ein planmäßiges Hand in Hand Gehen der -beiden Waffen zu erkennen. - - $Ein Zusammenstoß Schwedens mit Dänemark$ ward durch russische Hilfe - verhindert. In Schweden war nach langen Wahlkämpfen Herzog =Adolf - Friedrich von Holstein-Lübeck= zum Thronfolger erwählt. Da auch der - Kronprinz von Dänemark zur Wahl gestanden hatte, begann Dänemark im - Sommer 1743 zu einem Einfall in Schweden zu rüsten. Dieses bat nach dem - Friedensschluß Rußland um Unterstützung und eine russische - Galerenflottille mit 10000 Mann nahm Winterquartiere zwischen Nyköping - und Westerwik. Darauf stand Dänemark von seinem Vorhaben ab. - - - Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen - Kriege 1756-1763. - -Die Beteiligung der beiden Marinen an diesem Kriege war sehr gering. - -=Die Hochseeflotten= wurden nur zu Demonstrationen und zur Beschießung -Kolbergs benutzt. Als 1758 eine englische Flotte in der Ostsee zu -erwarten war, vereinigten sich im Juni ein schwedisches, sowie ein -russisches Geschwader mit einem dänischen in der Kjögebucht und blieben -dort bis zum Herbst liegen. 1759 trat eine schwedisch-russische Flotte -zusammen, die Swinemünde blockierte und die Einnahme der Insel Usedom -unterstützte, als man sichere Nachricht erhalten hatte, daß die Engländer -nicht kommen würden. 1760 ging eine verbündete Flotte der drei -Ostseemächte schon nach einer vierzehntägigen Kreuzfahrt wieder -auseinander. Das russische Geschwader von 27 Schiffen, unter =Admiral -Mischakow=, durch 8 schwedische verstärkt, erhielt dann Befehl, Kolberg -zu bombardieren und dort 8000 Mann zu landen; das Unternehmen hatte aber -keinen Erfolg. Auch 1761 erschien Ende August eine russisch-schwedische -Flotte von 40 Schiffen vor der belagerten Stadt und beteiligte sich an -der Beschießung, doch erst am 16. Dezember ergab sich Kolberg aus -Hungersnot. - -Es war ein Glück für =Friedrich den Großen=, daß Schweden und Rußland mit -ihren Flotten nicht Landungen in größerem Maße an den pommerschen oder -mecklenburgischen Küsten unternahmen. Dagegen hätte das versprochene -Auftreten englischer Seestreitkräfte in der Ostsee durch Erschwerung der -Zufuhren für Schweden und Rußland dem König große Erleichterung gebracht. - -=Ein Teil der schwedischen Schärenflotte= erhielt vorteilhaftere -Verwendung. 1757 ging eine Flottille von 4 Galeren und 2 Geschützprähmen -mit einer Besatzung von 1000 Mann nach Pommern hinüber und wurde 1758 -noch durch einige Fahrzeuge verstärkt. Mehrfach unterstützte sie -Unternehmungen der Landtruppen, beschoß die Befestigungen bei Peenemünde, -griff die Fähre bei Anklam an und räumte im Fahrwasser von Swinemünde -versenkte Fahrzeuge fort. Sie lief dann in die Haffs ein, um eine in -Stettin gebildete preußische Flottille von 4 Galeren, 4 Galioten und -einigen Barkassen mit insgesamt 700 Mann zu vernichten. - -Diese stellte sich am 11. September in der Enge zwischen dem Großen und -dem Kleinen Haff beim =Reppiner Haken= der schwedischen, die z. Z. 4 -Galeren, 4 Halbgaleren und 3 Schaluppen zählte. Die Preußen lagen zu -Anker, ihre Galeren in der Mitte, je 2 Galioten auf den Flügeln, die -Barkassen dahinter. Die Schweden griffen an und gingen sogleich zum -Entern über, weil sie die Überlegenheit der feindlichen Artillerie -erkannt hatten. Die preußische Flottille mußte die Ankertaue kappen, um -nach Osten zu entkommen, auf der Verfolgung wurden 8 Fahrzeuge mit 106 -Kanonen, 26 Offizieren und 640 Mann genommen; die Überlegenheit der -Schweden an Mannschaften und ihre größere seemännische Geschicklichkeit -hatten den Ausschlag gegeben. - -Trotz dieser Niederlage stellte Preußen eine neue Flottille von 2 -flachgehenden Fregatten mit je 12 18-Pfündern und kleineren Schiffen auf, -die auch im weiteren Verlauf des Krieges einige schwedische Fahrzeuge -nahmen. - - $Über die Stellung Friedrich des Großen$ zur Schaffung einer Flotte, - über die Gründe hierfür, die Vorschläge, die dem Könige gemacht wurden, - und dessen Entscheide darauf gibt =Kirchhoff= (Band I, Seite 311-317) - lesenswerte Angaben. Es sei daraus hier nur erwähnt, daß Friedrich nach - seinem berühmten Testament von 1752 die Schaffung einer Flotte neben - dem Halten eines starken Heeres für nicht angebracht erachtete, weil - das Land zu arm und sein Hauptgegner zunächst Österreich sei. Man muß - bedenken, daß der König beim Regierungsantritt nichts von - Seestreitkräften vorfand und daß eine neugegründete Flotte bis zum - Beginn der von ihm sicher vorausgesehenen Kriege kaum leistungsfähig - werden konnte. Nachher lagen ihm andere Aufgaben zur Erhaltung und - Stärkung seines Staates näher. - - - Die russisch-türkischen Kriege 1768-1774 und 1787-1791. - -$Der Krieg 1768-1774.$ Die Versuche der Kaiserin =Katharina= II., das -polnische Reich ganz ihrem Willen zu unterwerfen, erregte die Besorgnis -der Türkei, die von Frankreich und Österreich noch gesteigert wurde, um -dadurch Rußland von Polen abzuziehen. 1768 erklärte die Pforte den Krieg. - -Rußland hatte im Österreichisch-Russisch-Türkischen Kriege 1736-1739 Asow -gewonnen und war so ans Schwarze Meer gelangt; =Katharina= (1762-1796) -begann am Don eine Flotte zu bauen, wie es schon =Peter der Große= -geplant hatte[199]. Diese war allerdings zum ersten Kriege noch nicht -bereit, aber die russische Ostseeflotte sollte in diesem für das -Mittelmeer eine Rolle spielen. - - [199] Vgl. Band I, Seite 583. - - $Der Hauptkrieg am Lande$ in Europa ist für diese Darstellung ohne - Bedeutung; er verlief zum Nachteil der Türken. Diese drangen zwar 1769 - gegen die russische Grenze vor, wurden aber am Dnjestr geschlagen, und - die Russen eroberten 1770 die Moldau sowie die Walachei und 1771 die - Krim. Im Juni dieses Jahres trat ein Waffenstillstand ein, die - Friedensverhandlungen führten aber nicht zum Ziel. 1773 wurde der Krieg - an der Donau fortgesetzt, bis die Türkei nach einer schweren Niederlage - im Juni 1774 zum Frieden bereit war. - -=Im Mittelmeere= geriet nämlich die Türkei durch Aufstände in -Griechenland, Ägypten und Syrien, die von Rußland unterstützt wurden, in -Bedrängnis. - -=Katharina= sandte im Oktober 1769 eine Flotte von 12 Linienschiffen, 12 -Fregatten nebst Transportern mit einigen Bataillonen Infanterie zum -Mittelmeer. Den Oberbefehl führte dem Namen nach =Alexej Orlow=, ein -Günstling der Kaiserin, der gar keine maritime Kenntnis besaß, in -Wahrheit =Admiral Spiridoff=, unterstützt durch seinen Flaggkapitän, -Kontreadmiral =Greigh=, und seinen Vizeadmiral =Elphinstone=; beide waren -Engländer, wie auch sonst viele Seeoffiziere dieser Nation in der -russischen Flotte dienten. - -=Die türkische Flotte= zählte einige 20 Linienschiffe, die an sich wohl -besser waren als die russischen, aber Offizieren wie Besatzungen fehlte -jede Ausbildung; nur eine geringe Zahl von Angehörigen der -Barbareskenstaaten waren seemännisch-militärisch brauchbar. - -=Orlow= traf im April 1770 in Griechenland ein und landete die Soldaten -auf dem Peloponnes. Hier hatten sich die Mainoten des Taygetus erhoben, -durch russische Agenten aufgewiegelt; sie drangen nun mit den Russen im -Peloponnes vor, wobei viele Grausamkeiten an türkischen Einwohnern in -Mistra und Kalamaka verübt wurden. Man erreichte nicht viel; Methone und -Koroni auf der Südwestspitze der Halbinsel wurden vergeblich belagert. -Die Türken, durch Albanesen vom Festlande her verstärkt, unterdrückten -nach und nach den Aufstand, besonders nachdem Ende Mai die schwachen -russischen Truppen wieder eingeschifft waren. - -Eine herangekommene türkische Flotte ward dagegen durch die russische -gezwungen, sich unter die Kanonen von Nauplia zu legen und hier am 15. -und 16. Mai beschossen; sie zog sich dann in den Archipel zurück, wo auf -einigen Inseln Aufstände ausgebrochen waren. =Orlow= folgte ihr nach -Einschiffung der Truppen, fand sie nach längerem Suchen -- 16 -Linienschiffe, 6 (9?) Fregatten und 11 kleinere Fahrzeuge stark -- in der -Straße von Chios und vernichtete sie völlig =in der Bucht von Tscheschme= -am nahen Festlande. - - $Die Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme, 5. Juli 1770.$ - Gejagt von den Russen, hatte die türkische Flotte am 5. Juli am - Eingange der unverteidigten Bucht geankert; der befehligende - Kapudan-Pascha begab sich sofort an Land, »um den Bau von Schanzen zu - veranlassen« und überließ das Admiralschiff dem Algerier =Hassan=. - =Spiridoff= enterte dieses mit seinem Flaggschiffe; während des Kampfes - fingen beide Feuer, das türkische flog auf, das russische verbrannte. - =Hassan=, der sich heldenmütig verteidigt hatte, kam mit dem Leben - davon und tat später lange Jahre hindurch als Kapudan-Pascha viel zur - Hebung der türkischen Marine. Die übrigen türkischen Schiffe kappten - ihre Ankertaue und trieben in völliger Verwirrung eng zusammengedrängt - zum Ende der Bucht. Die Russen richteten schnell drei Fahrzeuge als - Brander zu; mit diesen, durch englische Offiziere geführt und beim - Angriff durch das Feuer der Flotte gedeckt, wurden noch in der - folgenden Nacht fast alle türkischen Schiffe verbrannt oder - aufgesprengt; gegen 8000 Mann fanden ihren Tod. Ein Linienschiff und 5 - kleinere Fahrzeuge wurden genommen. - -=Orlow= nutzte den Sieg nicht weiter aus, obgleich =Elphinstone= riet, -bis Konstantinopel vorzudringen und auch am 26. Juli mit 3 Linienschiffen -und 4 Fregatten bei der Verfolgung zweier türkischer Linienschiffe die -Befestigungen am Eingange der Dardanellen passierte. (Kum Kaleh und -Seddil Bahr.) Er scheint dann aber nur bis Kepes Burun gelangt zu sein, -weil die durch einen französischen Offizier kürzlich verstärkten Werke -an der Enge (Kilid Bahr und Kaleh Sultanie) zu mächtig waren; es steht -dahin, ob nicht der gesamten Flotte ein weiteres Vordringen doch gelungen -wäre. - -Die russische Flotte trat hierauf noch im Mittelmeer auf. In Akka hatte -sich ein Beduinenscheich, =Daher=, und in Ägypten der Pascha =Ali Bey= -gegen den Sultan erhoben; beide vereint führten Krieg gegen die Paschas -von Damaskus und Saïda. =Orlow= unterstützte sie beim Angriff auf -Küstenstädte, z. B. Jaffa, Beirut und Damiette, konnte aber ihr -schließliches Unterliegen nicht hindern. Im allgemeinen beschränkte sich -die Tätigkeit der Flotte sonst auf den Kreuzerkrieg. Im Januar 1775 -kehrte sie nach der Ostsee zurück. Hin- und Rückreise brachten bei der -Unerfahrenheit der Besatzungen viele Fährnisse, hatten aber doch wie der -Aufenthalt im Mittelmeer überhaupt die Ausbildung der russischen -Ostseeflotte sehr gefördert. - -=Der Frieden von Kücük-Kainardschi=, 21. Juli 1774, war für Rußlands -Stellung am Schwarzen Meere und die Entwicklung seiner Seemacht dort von -großer Bedeutung. Es erhielt Asow, Kertsch mit der Festung Jenikale und -Kinburn an der Einfahrt zu dem Mündungsgebiet des Dnjepr und Bug -Otschakow gegenüber, das noch türkisch blieb; ferner wurde ihm das Recht -der freien Schiffahrt in den türkischen Gewässern, selbst in den -Dardanellen, zugestanden. Die Moldau und die Walachei gab es zurück und -die Krim wurde für unabhängig erklärt. - - * * * * * - -$Der Krieg 1787-1791.$ 1783 trat der Khan der Krim sein Gebiet gegen ein -Jahrgeld an =Katharina= ab. Die Türkei war darüber erbittert, und da -Rußland sich auch in Georgien festzusetzen suchte, erklärte sie im August -1787 wiederum den Krieg. Obgleich die russische Ostseeflotte seit 1774 -sehr erstarkt und auch im Schwarzen Meere eine neue Seemacht geschaffen -war, spielten doch deren Streitkräfte in diesem Kriege keine große Rolle. -Die Anführung ihrer wenigen Waffentaten wird genügen. - - $Der Verlauf des Landkrieges.$ Österreich war durch Verträge zu - Rußlands Beistand verpflichtet; der Kaiser versuchte zunächst - vergeblich zu vermitteln und trat dann Februar 1788 in den Krieg ein. - Die österreichischen Truppen fochten an den türkischen Grenzen von - Kroatien bis Galizien, das Hauptheer an der Donau, rechts und links - davon selbständig das kroatische, slawonische, banater, siebenbürger - und galizische Korps, die Russen schlossen sich vom linken Flügel bis - zum Schwarzen Meere an. Wenn auch mit wechselndem Waffenglück gekämpft - wurde, so blieb doch der Enderfolg den Verbündeten. Die wichtigen - Festungen Jassy (September), Otschakow (Dezember 1788), Belgrad - (September), Bender (November 1789) und Orsova (April 1790) nebst - anderen wurden genommen; Bessarabien, die Walachei sowie ein Teil von - Serbien fielen in ihre Hände. Auf Vermittlung Preußens und Englands - schloß Österreich am 23. September 1790 Waffenstillstand und am 4. - April den =Frieden zu Sistowa=, in dem es seine Eroberungen zurückgab. - Rußland setzte den Krieg fort, eroberte Ismail an der unteren Donau - (Dezember 1790) und drang im April 1791 über diesen Fluß vor. Nach - einer empfindlichen Niederlage bei Tultscha (9. Juni) schloß die Türkei - am 9. Januar 1792 den =Frieden zu Jassy=. - -=Die russische Ostseeflotte= sollte auch in diesem Kriege kräftig im -Mittelmeere eingreifen, wurde aber durch den Ausbruch des Kampfes mit -Schweden im Norden zurückgehalten. =Die Schwarze Meer-Flotte= war aber -schon kampfkräftig. Am Dnjepr war 1778 die Stadt Cherson als Kriegshafen -gegründet[200] und 1788 standen hier 19 Schiffe von 36 bis 66 Kanonen in -Dienst, während noch 11 an der Werft lagen; hierzu trat eine starke -Flottille von kleinen Segelfahrzeugen und Ruderkanonenbooten für den -Küstenkrieg. Rußland war jetzt der Türkei an Seestreitkräften gewachsen. - - [200] Der Kriegshafen ward 1788 nach Nikolajew am Bug verlegt. - -Als die =Belagerung von Otschakow= im Mai 1788 aufgenommen wurde, -erhielten die Hochseeflotte unter Kontreadmiral =Paul Jones= -- dem -bekannten amerikanischen Freibeuterführer (vgl. Seite 406) -- und die -Küstenflottille unter dem =Prinzen von Nassau-Siegen= Befehl, die Stadt -von der See abzuschließen. Sie lieferten der türkischen Flotte unter dem -Kapudan-Pascha =Gazi-Hassan= verschiedene Gefechte und vernichteten am -28. und 29. Juni einen großen Teil von ihr. Vom 12. Juli an war die -Festung von der See abgeschnitten und blieb es, obgleich die türkische -Flotte später noch einmal erschien, bis zum erfolgreichen Sturm im -Dezember, den die Ruderflotte durch ihr Feuer von See her mit vorbereitet -hatte. - -$1791$ sandten die Türken eine Flotte von 18 Linienschiffen und 12 -Fregatten ins Schwarze Meer, um die russische Seemacht dort anzugreifen. -Es kam zuerst am 19. Juli unweit =Jenikale= zu einer unentschiedenen -Schlacht, später vertrieb dann Admiral =Uschakow= durch siegreiche -Gefechte am 8. und 9. September die Türken. - -Bei der =Belagerung von Ismail= zu Ende des Krieges schloß die -Küstenflottille die Stadt von der See ab. - -=Im Frieden von Jassy=, 9. Januar 1792, gab Rußland zwar seine sonstigen -Eroberungen zurück, behielt aber die Krim und die Küste bis zum Dnjestr -mit der Festung Otschakow; =Rußlands Stellung am Schwarzen Meere war -damit fest begründet=. - - - Der Schwedisch-Russische Krieg 1788-1790[201]. - -=Gustav III. von Schweden= (1771-1792) hatte seit langem geplant, unter -günstigen Umständen Dänemark und Rußland anzugreifen, um durch -kriegerischen Ruhm wie Gustav Adolf Macht und Ansehen zu erringen, -insbesondere die auf dem Festlande verlorenen Provinzen wieder zu -erobern. Die Verwicklungen Rußlands mit der Türkei erschienen ihm -geeignet, zunächst gegen diesen Staat vorzugehen. Er knüpfte mit England -und der Türkei Verhandlungen wegen Lieferungen von Subsidien an, aber ehe -diese noch zu einem Abschluß gekommen waren, beschloß er, loszuschlagen, -durch Umtriebe der =Kaiserin Katharina II.= hierzu gereizt. Diese -betrachtete die seit längerer Zeit mit französischem Gelde betriebene -Rüstung der schwedischen Marine mit Recht als gegen sich gerichtet und -schürte deshalb den Streit der Parteien in Schweden; da sie ferner die -Eroberung Finnlands stets im Auge hatte, wirkte sie auch hier zuungunsten -Schwedens auf den Adel des Landes ein, der sich mit dem Gedanken eines -Abfalls von Schweden trug. Bei einer Reise =Gustavs= in Finnland 1787 -zeigte sich klar, daß die aufrührerische Bewegung unter dem Adel und den -Offizieren des schwedisch-finnländischen Heeres große Fortschritte -gemacht hatte; ein Umstand, der den König gleichfalls bewog, den Krieg -sobald als möglich zu beginnen. - - [201] Hauptquelle: Kirchhoff, vgl. die Anmerkung zu Seite 418. Das Werk - behandelt besonders auch die Ereignisse des Schärenkrieges sehr - eingehend, die hier kürzer gefaßt sind. - -Da der Norden Rußlands infolge des Türkenkrieges fast ganz von Truppen -entblößt war, hoffte =Gustav= mit einem plötzlichen Schlage Großes zu -erreichen; sein Plan war, Petersburg zu überrumpeln. Bei Oranienbaum in -Ingermanland wollte er 20000 Mann landen und gleichzeitig von Finnland -aus vordringen. Der Krieg ward aber ohne genügende Vorbereitung und ohne -Rückhalt begonnen. Die Streitmittel waren nicht rechtzeitig fertig und -die fremde Unterstützung entsprach nicht der Erwartung. Die Türkei hatte -die ersten Ausgaben erstatten und später jährlich eine Million Piaster -zuschießen wollen, machte dies aber davon abhängig, daß Schweden die -Abfahrt russischer Schiffe nach dem Mittelmeer hindere; erst 1789 ward -ein Subsidienvertrag in sehr abgeschwächter Form geschlossen. England -zahlte überhaupt nichts. - - $Die Seestreitkräfte Rußlands.$ =Die Hochseeflotte= in den nördlichen - Gewässern hatte unter =Katharina= einen großen Aufschwung genommen; sie - zählte 1788 nahezu 50 Linienschiffe nebst einem Dutzend Fregatten. Die - in Kronstadt, Reval und Archangel stationierten Schiffe befanden sich - in gutem Ausrüstungszustande. Als Offiziere und Unteroffiziere dienten - viele Ausländer, besonders Briten; der englische Admiral =Knowles= - hatte die Ausbildung der Seeoffiziere mit gutem Erfolge geleitet. Die - Besatzungen ließen jedoch noch immer zu wünschen übrig, da bei den - Nationalrussen nur wenig Neigung und Anlage zum Seedienste vorhanden - war; die Flotte, die 1788 auftrat, war zum großen Teile mit eben - ausgehobenen Leuten ohne jede Seeerfahrung bemannt. - - Schon im Herbst 1787 war mit den Vorbereitungen zu einer Expedition ins - Mittelmeer begonnen, die wie im Türkenkriege 1768 Truppen und - Kriegsmaterial für einen Aufstand in Griechenland mit sich führen - sollte; infolgedessen war die Indienststellung der Flotte bei Ausbruch - des Krieges mit Schweden erleichtert. - - Rußland verfügte ferner über bedeutende Reste der früher großen - =Galeren- und Schärenflottille=, doch waren die Fahrzeuge so - verwahrlost, daß sie im ersten Kriegsjahre kaum verwendet werden - konnten. - - $Die Seestreitkräfte Schwedens.$ =Die Hochseeflotte= war nach dem - letzten Kriege wegen Geldmangels so heruntergekommen, daß man 1765 nur - noch 10 brauchbare Linienschiffe besaß, und erst von 1767 an, besonders - aber seit der Thronbesteigung =Gustavs III.= ward ihr wieder die nötige - Fürsorge zuteil. 1788 zählte sie 26 Linienschiffe von 64-74 Kanonen und - 13 Fregatten, die sich in gutem Zustande befanden; sie war in - Karlskrona stationiert, ein kleineres Geschwader ständig nach - Gothenburg abgezweigt. Zu einer beabsichtigten jährlichen - Indienststellung von Übungsgeschwadern hatten meist die Mittel nicht - gereicht, aber für die wissenschaftliche Ausbildung der Offiziere - hatte man viel getan und einige von ihnen in fremde Marinen - abkommandiert, um Erfahrungen zu sammeln. - - Der =Küstenflottille= hatte man schon seit 1756 besondere - Aufmerksamkeit geschenkt. Man hatte sie unter der Bezeichnung - »Armeeflotte« ganz von der Hochseeflotte abgezweigt und im Laufe der - Jahre neben den alten Galeren -- nach Mittelmeermuster mit Masten zum - Niederlegen und mit 1 oder 2 Geschützen -- durch verschiedene neue - Typen ergänzt[202]. Besonders traten verschiedene Klassen größerer - Segelfahrzeuge hinzu, die eine feste Takelage (die größeren - Vollschiffstakelung) besaßen, 4-24 schwere Geschütze führten und deren - Batterien sowie Ruderreihen eingedeckt waren. An Ruderfahrzeugen mit - Hilfstakelage zum Niederlegen waren Kanonenschaluppen mit 2 und - Kanonenbarkassen mit einem schweren Geschütz eingeführt. - - [202] Kirchhoff gibt Band I, Seite 328 ff., lesenswerte Angaben über - die Entwicklung der Armeeflotte, sowie über die verschiedenen - Schiffstypen. - - 1788 zählte die Armeeflotte in ihrem schwedischen Geschwader zu - Stockholm: 28 Galeren nebst je einem großen Beiboot und 30 Schaluppen; - in dem finnländischen Geschwader zu Sweaborg: 15 Fahrzeuge des neuen - Segeltyps, 8 Mörserbarkassen; 40 Schaluppen und 15 Kanonenbarkassen. Zu - jedem Geschwader gehörten 2 Fregatten sowie ein großer Troß von anderen - Fahrzeugen, die bei dem mangelnden Raum an Bord der stark bemannten - Ruderschiffe zum Unterbringen von Munition, Proviant, Wasser und - Kranken stets folgen mußten. - -$Der Aufmarsch der Schweden 1788.$ Im März ließ =Katharina= in Stockholm -bekanntgeben, daß sie eine Flotte ins Mittelmeer zu senden beabsichtige, -und =Gustav= befahl daraufhin die Indienststellung der Flotte; 12 -Linienschiffe nebst 5 Fregatten sollten Ende Mai seeklar sein. Als der -russische Gesandte am 18. Mai nach dem Zwecke dieser Maßnahme fragte, -erhielt er am 23. die gereizte Antwort, er habe innerhalb 8 Tagen -Stockholm zu verlassen, und schon am 22. bekam die finnländische -Hauptmacht Marschbefehl an die russische Grenze; 15000 Mann sammelten -sich am Kymeneflusse. - -=Die Hochseeflotte= lief in voller Stärke mit 3500 Soldaten am 9. Juni -unter =Herzog Karl von Södermanland=, dem Bruder des Königs, von -Karlskrona aus, unter ihm befehligte als Flottenchef Admiral =Graf -Wrangel=. Gegen Ostwind aufkreuzend, gelangte sie erst am 21. bis zur -Insel Dagö am Eingang zum Finnischen Meere und stieß hier auf ein -russisches Geschwader von 3 Dreideckern und 4 Fregatten unter Admiral -=van Dessen=. Diese Schiffe waren bestimmt, der noch in Kronstadt -ausrüstenden Mittelmeerflotte Vorräte vorauszuführen; man hatte sie so -zeitig abgesandt, weil die Dreidecker während des Passierens der Drogden -bei Kopenhagen die Materialien auf Fregatten abgeben mußten. =Herzog -Karl= hatte noch keinen Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten und -ließ Dessen ungehindert vorbei -- eine grobe Nachlässigkeit der -Oberleitung, da ein überraschender Bruch mit Rußland beabsichtigt war. Am -28. Juni traf die Flotte bei Hangö ein. - -=Die Schärenflottille von Stockholm= war schon Ende Mai in See gegangen. -Sie führte auf Transportern 9000 Soldaten mit sich, und der König -=Gustav= begleitete sie. Gleichfalls durch Gegenwinde aufgehalten, -erreichte sie erst am 2. Juli Helsingfors, wo die Truppen gelandet -wurden. =Die gesamte schwedische Landmacht= in Finnland betrug Anfang -Juli gegen 44000 Mann, in Schweden standen noch 14000 und in Pommern -4000. - -Inzwischen hatte =König Gustav= an =Katharina= ein Ultimatum mit kaum -glaublichen Forderungen gesandt: Strenge Bestrafung des russischen -Gesandten wegen seiner Umtriebe, Herausgabe der in den Friedensschlüssen -von Nystad und Abo abgetretenen Landesteile, Überlassung der Krim an die -Türkei. Die Kaiserin wies es schroff zurück, obgleich Petersburg in -großer Gefahr schwebte, denn =die russische Landmacht= war sehr gering; -in der Umgebung der Hauptstadt standen nur 8000 Mann, die während des -ganzen ersten Kriegsjahres kaum auf das Doppelte verstärkt werden -konnten. In Finnland vermochte man dem Feinde nicht mehr als 10000 Mann -entgegenzustellen; die Festungen waren ungenügend besetzt und in -schlechtem Zustande. =Die Hochseeflotte= war noch nicht kriegsbereit und -=die Küstenflottille= wurde es in diesem Jahre überhaupt nicht. - -Ein schnelles und tatkräftiges Vorgehen der Schweden würde verhängnisvoll -geworden sein, aber sie hatten schon viel Zeit verloren und waren auch -weiterhin nicht vom Glück begünstigt. - -$Die Operationen der Hochseeflotten 1788.$ Die schwedische Flotte erhielt -am 6. Juli die Nachricht von der Kriegserklärung. Am 8. langte sie vor -Sweaborg an und ward hier auf 15 Linienschiffe und 11 Fregatten -verstärkt, ging aber erst am 14. wieder in See, um den Feind im Osten zu -suchen. Am 17. Juli trat ihr der aus dem ersten türkischen Kriege -bekannte russische Admiral =Greigh= mit 17 Linienschiffen (1 zu 108, 16 -zu 66-74 Kanonen) und 8 Fregatten -- die Expedition nach dem Mittelmeer, -die dieser Admiral führen sollte, war natürlich aufgegeben -- etwa 30 -Seemeilen westlich der Insel Hogland entgegen, und es kam zur rangierten -Schlacht. - - $Die Schlacht bei Hogland, 17. Juli 1788.$ Die russische Flotte stand - bei östlichem Winde zu Luward; die Gegner sichteten sich zwischen 9 und - 10 Uhr vormittags. Nach verschiedenen Manövern lag die schwedische - gegen 4 Uhr nachmittags in Kiellinie über Steuerbordbug beim Winde und - die russische griff in gleicher Formation und über denselben Bug - liegend in der bekannten englischen Art an, so daß sich der Kampf - beider Linien Schiff gegen Schiff entspann, wobei sich wie gewöhnlich - die Vorhuten und Mitten näher standen als die Nachhuten. Da die Russen - 2 Linienschiffe mehr zählten, hatten die Schweden 5 40-Kanonenfregatten - (von ihnen oft Linienfregatten genannt) in die Linie eingestellt; die - Russen hingen eine solche der ihrigen an; es standen 1450 russische - gegen 1290 schwedische Geschütze im Gefecht. Der Kampf war heiß; - mehrere russische Schiffe mußten beschädigt hinter ihre Linie - geschleppt werden, aber auch das schwedische Flaggschiff wurde fast - manövrierunfähig. - - Um 8 Uhr abends ließ =Herzog Karl= alle Schiffe zugleich halsen, weil - die Spitze sich den Bänken vor der estländischen Küste zu sehr näherte, - und =Greigh= folgte diesem Beispiele. Des flauen Windes halber konnte - das Manöver mit den beschädigten Schiffen nur schwer ausgeführt werden, - beide Linien verloren ihre Ordnung; dadurch gerieten sowohl ein - russisches wie ein schwedisches Schiff zwischen mehrere feindliche und - mußten die Flagge streichen. Um 10 Uhr abends endete der Kampf und die - Flotten trennten sich während der Nacht. - - =Der Verlust= betrug auf schwedischer Seite 130 Tote und 340 - Verwundete, auf russischer fast 1000 Mann. - -=Die Schlacht blieb unentschieden.= Die Schweden schrieben sich den Sieg -zu, weil der Gegner wegen der Beschädigung seiner Schiffe den Angriff -nicht erneuert habe, obgleich er zu Luward stand. Die Russen sagten, der -Feind habe das Feld geräumt. Es war tatsächlich =ein strategischer Erfolg -der Russen=, denn die Schweden unterließen den Angriff zur See auf -Petersburg, weil sie erkannt hatten, daß ihre Flotte der feindlichen -nicht so unbedingt überlegen sei, wie man bisher angenommen hatte. - -Die russische Flotte ging nach der Schlacht zum Ausbessern bis zur Insel -Seskär, 40 Seemeilen westlich von Kronstadt, zurück; hier vermochte sie -Zufuhren zu erhalten und die Verbindung Petersburgs mit den Festungen -Wiborg und Frederikshamn zu sichern. Die Schweden segelten nach Sweaborg, -um Vorräte, vor allem Munition, aufzufüllen, die jedoch von der Heimat -kommen mußten, da man versäumt hatte, in Helsingfors Depots anzulegen. -=Greigh= erschien bald wieder, überraschte am 6. August eine schwedische -Erkundungsdivision und nahm ihr ein Linienschiff ab. Er segelte dann nach -Reval, ließ aber 8 Linienschiffe vor Sweaborg, die den Gegner -beobachteten und der finnländischen Küste die Zufuhren von See her -erschwerten. Die schwedische Flotte blieb für dieses Jahr untätig. - -$Der Schären- und Landkrieg 1788.$ Die Armeeflotte ging erst am 26. Juli --- 2 Fregatten, 15 der großen Küstensegler, 18 Galeren und 36 -Kanonenschaluppen stark -- mit 6000 Soldaten nach Osten vor. Man wollte -Frederikshamn durch das Landheer und eine Landung angreifen. Die Stadt -wurde auch am 3. August eingeschlossen und wäre sicher gefallen, wenn -nicht =eine Empörung im Landheere= den König gezwungen hätte, die -Belagerung aufzugeben. Der größere Teil der Offiziere gehörte der -Oppositionspartei in Schweden an, die den ohne Zustimmung der Stände -begonnenen Angriffskrieg für verfassungswidrig erklärte. Sie forderten -die Rückberufung der Armee, und der König sah sich genötigt, diese hinter -den Kymene zurückzuziehen; die Flottille ward nach Westen bis Borgaa -gesandt, wo man die Landungstruppen ausschiffte. Die Meuterer gingen noch -weiter. Nach einer Versammlung in Anjala -- nach der sie sich den -=Anjalabund= nannten -- traten sie mit =Katharina= in Verhandlung und -schlossen einen Waffenstillstand ab. =Gustav= reiste zu seiner eigenen -Sicherheit am 27. August nach Stockholm; die Nachricht von einem -dänischen Angriff auf Schweden gab ihm guten Vorwand dazu. =Herzog Karl=, -der den Oberbefehl übernahm, bestätigte den Vertrag des Anjalabundes. - -=Der Krieg war= am Lande =zu Ende= und bald auch zur See. =Greigh= -blockierte bis Ende Oktober die finnländische Küste. Er hatte inzwischen -Hangö-Udde besetzt und sperrte hier die Schären ab, so daß auch auf -diesem Wege die westlich dieser Halbinsel gesammelten Zufuhren von -Schweden nicht nach Helsingfors-Sweaborg gelangen konnten; sie wurden -schließlich zu Lande über die Halbinsel geschafft und dann wieder -verladen. Mit Beginn des früh einsetzenden Winters ging Greigh nach -Kronstadt zurück. Die nun freigewordene schwedische Flotte segelte am 19. -November nach Karlskrona; die Schiffe mußten schon ausgeeist werden und -am Tage darauf fror der Hafen vor Sweaborg ganz zu. - - $Dänemarks Angriff auf Schweden 1788.$ Nach einem älteren - Bündnisvertrage war Dänemark verpflichtet, 6 Linienschiffe sowie 12000 - Mann Landtruppen für Rußland zu stellen und auch dem Gegner in den - Rücken zu fallen, wenn es von Schweden angegriffen würde. Als nun 1788 - der Krieg ausbrach, kam die dänische Regierung ihrer Verpflichtung zwar - nicht sofort und völlig nach, aber sie ließ doch im September von - Norwegen aus Truppen in Schweden einrücken; die ersten Schüsse waren an - der Grenze schon Ende Juni gefallen. Sie erklärte dabei, es sei kein - Krieg Dänemarks gegen Schweden, die verwendeten Soldaten seien nur - Hilfstruppen Rußlands. Ähnliche Auslegungen von Unterstützungen hat - schon der österreichische Erbfolgekrieg gebracht (vgl. z. B. Seite 48). - Dem weiteren Vordringen der Dänen machte aber das persönliche - Erscheinen und tatkräftige Auftreten =König Gustavs= in Gothenburg ein - Ende, um so leichter, da England und Preußen die Auffassung Dänemarks - nicht teilten und mit ihrem Einschreiten drohten. - -=Die Verwicklung mit Dänemark geriet König Gustav zum Glück.= Die neue, -durch Rußland heraufbeschworene Gefahr brachte die Stände auf seine -Seite; die Umtriebe des Anjalabundes scheiterten in Schweden; Bauern, -Bürger und Geistlichkeit erklärten sich für den König, diesem ward das -Recht zugestanden, auch Angriffskriege selbständig zu erklären; die -Vorrechte der Krone wurden erweitert und der Krieg gegen Rußland ward -volkstümlich. - -$Das russische Geschwader van Dessen$ in Kopenhagen nahm an dem -dänischen Angriffe nicht teil. Dagegen landete es, noch mit den -Umschiffungsarbeiten begriffen, Anfang August Mannschaften bei -Helsingborg und plünderte einige Ortschaften; anderseits aber wurden -später zwei seiner Fregatten im Skagerrak von drei schwedischen genommen, -denen dabei viel Kriegsmaterial in die Hände fiel. =Dessen= trat dann -seine Reise zum Mittelmeer an, kehrte jedoch in der Nordsee um, als ihm -bekanntgeworden war, daß er in englischen Häfen keinerlei Unterstützung -finden würde. Zu ihm stießen 4 Linienschiffe nebst 2 Fregatten von -Archangel, und er überwinterte darauf in Kopenhagen. Es ist -unverständlich, daß er nicht zurückgerufen wurde, als man die Expedition -ins Mittelmeer aufgab; man scheint ihn fast daheim vergessen zu haben. - -$Die Gründe der schwedischen Mißerfolge 1788.$ Die Mißerfolge sind in -erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, daß der an sich gute Plan, -Petersburg anzugreifen, nicht früh genug durchgeführt wurde; erlaubten -dies die Verhältnisse nicht, so waren eben die Vorbereitungen ungenügend. -Er ist auch später nicht umsichtig und tatkräftig verfolgt worden, noch -Anfang Juli wäre es aussichtsreich gewesen, die unfertige russische -Flotte bei Kronstadt anzugreifen, und die Armeeflotte hätte mit den um -diese Zeit in Sweaborg vorhandenen Truppen weiter östlich landen müssen. -Nach den ersten Mißerfolgen erlahmte dann Schwedens Tatkraft gänzlich; -die Offensive schlug völlig in Defensive um; besonders bei der -Hochseeflotte, die infolge ungenügender Vorbereitungen durch Mangel an -Munition längere Zeit lahmgelegt war. Rechtzeitige Erfolge hätten -belebend gewirkt, vielleicht sogar den Ausbruch der offenen Meuterei im -finnländischen Heere gehindert. - - * * * * * - -$Die Tätigkeit der Hochseeflotten 1789.$ =Die schwedische Flotte= war -Ende Mai seeklar, litt aber noch an Mannschaftsmangel; erst am 6. Juli -ging =Herzog Karl= mit 21 Linienschiffen, 9 Linien- und 5 kleineren -Fregatten in See. Seine Aufgabe war, die Vereinigung der russischen -Flotten von Kronstadt und Kopenhagen zu verhindern, sowie die Überführung -der Truppen von Vorpommern nach Schweden zu sichern. Während er bis zum -11. zwischen Schonen, Rügen und Seeland kreuzte, wurden die Soldaten nach -Schweden übergeführt. Das russische Geschwader =van Dessens= lag neben -einem dänischen in der Kjögebucht; es anzugreifen, verbot der Umstand, -daß die Friedensverhandlungen mit Dänemark noch nicht abgeschlossen -waren. =Herzog Karl= hielt sich dann östlich von Bornholm und erfuhr hier -am 23. Juli, daß man die Kronstadtflotte bei Gotland gesehen habe. - -=Diese russische Hauptflotte= unter Admiral =Tschitschagoff= zählte 21 -Linienschiffe, darunter 3 Dreidecker, und 10 Fregatten. Sie war schon -seit Ende Juni in See und hatte sich Anfang Juli vor Hangö Udde gezeigt. -Nach den schlechten Erfahrungen des Vorjahres hatten aber die Schweden -hier Befestigungen angelegt, und die Russen machten keinen ernsten -Versuch, sich dieser wichtigen Stellung zu bemächtigen, sondern segelten -nach Westen weiter. - -Am 25. Juli sichteten sich die Gegner etwa 50 Seemeilen südöstlich der -Insel Öland und die schwedische Flotte suchte nun der russischen den Weg -nach der Kjögebucht zu verlegen. Abends waren beide einander ziemlich -nahe, da aber der Wind sehr heftig wurde, blieben sie die Nacht über in -Gefechtslinie parallel zueinander liegen. Am 26. Juli kam es zur -=Schlacht bei Öland=, die jedoch unentschieden blieb. Die Schweden -standen zu Luward und =Herzog Karl= griff an. Da er aber von seiner -Nachhut im Stich gelassen[203] wurde und =Tschitschagoff= durch Abhalten -beständig auswich, kam es nur zweimal zum ernsteren Zusammenstoß zwischen -den Vorhuten und Mitten; die Schlacht endete mit Eintritt der Dunkelheit -ohne große Verluste auf beiden Seiten. An den beiden nächsten Tagen -gelang es den Schweden überhaupt nicht, an den Feind heranzukommen, -ebensowenig am 30. Juli, als sich die Gegner nochmals bei Bornholm -sichteten; der russische Admiral wollte eben einen Entscheidungskampf vor -seiner Vereinigung mit =Dessen= vermeiden. Als dann der Wind für dessen -Herankommen günstig wurde, lief =Herzog Karl= in Karlskrona ein, um nicht -durch den übermächtigen Feind von diesem Stützpunkte abgeschnitten zu -werden; zudem litten seine Besatzungen schwer unter Krankheiten. Am 2. -August sollte auf Befehl des Königs eine Division von 3 Linienschiffen -und 3 Fregatten nach Finnland auslaufen, mußte aber umkehren, weil sie -die Russen vor dem Hafen antraf. - - [203] Das Verhalten der Nachhut grenzte hart an Verrat. Der Führer, - Admiral =Liljehorn=, nahm seinen Posten nicht ein, er rief sogar - einige seiner Schiffe zurück, die den Kampf suchten. - Wahrscheinlich war sein und einiger seiner Kommandanten Verhalten - Folge der Parteizwiste in Schweden; er ward kriegsgerichtlich zum - Tode verurteilt, aber vom Könige zu Dienstentlassung begnadigt. - -=Karlskrona war blockiert.= =Tschitschagoff= hatte sich mit =Dessen= -vereinigt und verfügte jetzt über 33 Linienschiffe, darunter 6 -Dreidecker, nebst 13 Fregatten; er hielt die Blockade bis Ende August -aufrecht und segelte dann zum Finnischen Meerbusen. Nun erst konnte die -schwedische Division in See gehen. Ihre Bestimmung war, eine russische -Stellung bei Porkala zu nehmen, die den Verkehr in den Schären hinderte, -da sie aber bald auf eine größere Zahl russischer Schiffe stieß, kehrte -sie unverrichteter Dinge zurück. - -=Herzog Karl= ersetzte seine Kranken durch Landrekruten, lief aber erst -auf wiederholten Befehl Mitte Oktober aus und kreuzte dann nur auf -Übungsfahrten in der südlichen Ostsee; als er erfahren hatte, daß neun -russische Schiffe in Reval aufgelegt hätten und der Rest nach Kronstadt -gesegelt sei, kehrte er am 21. Oktober nach Karlskrona zurück. - -$Der Landkrieg 1789.$ Nach einem harten Winter begann =der Feldzug in -Finnland= erst im Juni und wurde dann mit wechselndem Waffenglück -geführt. Das schwedische Hauptheer unter =König Gustav= stand am -Kymeneflusse, ein kleineres unter Oberst =von Stedingk= weiter nördlich -in Savolaks. Hier überschritten die Russen Anfang Juni die Grenze und -drängten ihre Gegner zurück. Der König war am 25. Juni über den Grenzfluß -gegangen und siegreich vorgedrungen, ging aber dann der Lage im Norden -halber wieder bis Likala nahe Frederikshamn zurück; durch weiteres -Vorgehen gegen Wilmanstrand und Wiborg hätte er voraussichtlich Stedingk -entlastet und selber mehr erreicht; später wurden durch das Vorgehen des -Hauptheeres tatsächlich die Russen im Norden zum Rückzuge gezwungen und -der Oberst konnte wieder vorrücken. Bald aber gelang es dem Feinde, die -Verbindungstruppe zwischen dem Hauptheere und Stedingk zu schlagen, und -so dieses in der Flanke zu bedrohen. Der König wich darauf bis zum -Kymene, und nach der Schärenschlacht im Svensksunde, am 24. August, sogar -über den Fluß zurück, weil die Russen schon westlich von seiner Mündung -landeten. - -Bei Eintritt der Winterruhe war die Stellung der Heere nahezu die gleiche -wie im Frühjahr. - -$Die Operationen der Schärenflotten.$ =Das schwedische -Stockholmgeschwader= litt wie die Hochseeflotte unter Mannschaftsmangel. -Im Juni und Juli ging es nach und nach zur finnländischen Küste, wobei es -Truppen geleitete; diese Transporte erforderten große Vorsicht, weil die -russische Hochseeflotte die nördliche Ostsee und den Finnischen Busen -beherrschte. Dieses Galerengeschwader erreichte eine Stärke von 30 -Fahrzeugen mit 1650 Seeleuten und 6700 Soldaten. =Das Sveaborggeschwader= -wurde Anfang Juni abteilungsweise bis zum Svensksunde, etwa 10 Seemeilen -südwestlich von Frederikshamn vorgeschoben; hier verfügte der -=Oberadmiral Graf Ehrensvärd= über 86 armierte Fahrzeuge mit rund 5600 -Mann Land- und Seetruppen. - -Das weitere Vorgehen des Stockholmgeschwaders nach Osten ward aber durch -den Feind erschwert. Die Russen hatten sich zwar der Stellung bei Hangö -nicht wieder bemächtigen können, weil die Schweden sie befestigt hatten, -sich aber eine ähnliche auf der Halbinsel Porkala, 20 Seemeilen westlich -von Sweaborg, geschaffen und sperrten hier das Schärenfahrwasser, das sie -außerdem durch Schiffe ihrer Hochseeflotte an der ganzen Küste, besonders -in der Nähe von Helsingfors, beunruhigten. Die Schweden besetzten deshalb -eine große Zahl von Wachtstellen, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, -wodurch Ehrensvärd sehr geschwächt und verhindert wurde, auf dem rechten -Flügel des Landheeres weiter nach Osten vorzudringen. - -=Die russische Küstenflottille= war in diesem Jahre rechtzeitig bereit -und fast doppelt so stark als die schwedische beim Svensksunde. Sie -erschien Mitte August dort; das Hauptgeschwader von 78 Fahrzeugen führte -der =Prinz von Nassau-Siegen=, den man nach seinen Erfolgen im Schwarzen -Meere nach Norden berufen hatte; ein zweites von 29 Fahrzeugen befehligte -Admiral =Kruse=. - -Dieser Macht konnte =Ehrensvärd= nur 48 Schiffe entgegenstellen. Nassau -plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen durch Kruse -im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die $Schärenschlacht im -Svensksunde$. =Ehrensvärd= hatte das Fahrwasser im Osten notdürftig durch -Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen stationiert, -seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform verankert. Hier -griff =Kruse= am 24. August an, wurde aber abgewiesen. Der schwedische -Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen zurückzuziehen, er -erhielt jedoch von =König Gustav=, der dem Kampfe am Lande beigewohnt, -ausdrücklichen Befehl, =Nassau= entgegenzutreten, der jetzt nach -Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht mußten die -Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition ausging. Der Feind -verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung Svartholm, etwa 20 -Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses. - -Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische -über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt. -Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der -Landung westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische -Landheer genötigt, über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala -ward erst wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen -Hochseeflotte am 23. Oktober die Küste verließen; Mitte September hatten -sie noch eine schwedische Küstendivision im Barösunde angegriffen. - -=Die Kriegführung= 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. Für ihr -Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des -rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären -unentbehrlich. Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei -Porkala getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man -zunächst von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf -Wachstationen zu verzetteln. Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den -Schutz der Schärenflotte übernehmen und zu diesem Zwecke alles -daransetzen müssen, frühzeitig im Finnischen Meerbusen aufzutreten, um -hier die Seeherrschaft zu erringen. =Tschitschagoff= handelte mithin -richtig, wenn er =Herzog Karl= in der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht -festhielt, bis er überlegen war. Daß Rußland zu Lande nicht tatkräftiger -vorging, scheint an der Unfertigkeit seines Heeres gelegen zu haben; -=Potemkin=, der gegen die Türken kommandierte, weigerte sich hartnäckig, -Truppen nach dem Norden abzugeben. - - * * * * * - -$Der Kriegsplan Schwedens 1790$ ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche -=König Gustavs=, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, hatte -=Katharina= mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der -Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte -sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs -über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von -diesem selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. =Gustav= -war empört und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf -Petersburg die Entscheidung schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im -allgemeinen Karlskrona am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und -Kronstadt erst am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die -eigenen Streitkräfte so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in -Reval und Kronstadt getrennt liegenden Geschwader der russischen -Hochseeflotte, sowie die auf Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt -verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte vor ihrer Vereinigung einzeln -zu vernichten; dann sollte bei Petersburg gelandet werden. - -Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor der -Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und Wiborg -nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung der -feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß -überraschend sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem -Vorgehen zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar -oder Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien -einzubrechen und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte, -nördlich und an der Küste mit je einem kleineren Korps. - -=Der Angriff am Lande= verzögerte sich aber, da der König aus politischen -Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die -Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch -Ende Mai zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der -Unternehmungen zur See. - -$Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790.$ =Die schwedische -Flotte= verließ unter =Herzog Karl von Södermanland= -- Chef des Stabes -Kontreadmiral =Nordenskjöld= -- 21 Linienschiffe und 13 Fregatten stark -am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren 2 Fregatten, eine Brigg -und ein Schoner in See gegangen und hatten am 17. die Stadt Raagervik, -das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich von Reval zur -Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse und -andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, aber den -Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein baldiges -Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten -überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte -erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und -ankerte am 12. bei Raagervik. - -=Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790.= Admiral =Tschitschagoff= hatte 8 -Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich von der -Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten nach -See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so fast die -ganze Bucht. =Herzog Karl= griff diese Stellung am 13. Mai an, indem er -bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, an -der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des -starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß -erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie -war schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der -Leeküste wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast -beständig manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich -nur auf 3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während -diese das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind -während des Kampfes zum Sturm wurde, gab =Herzog Karl= den Befehl zum -Abbrechen des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und -8 Fregatten, die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte -dann vor der Bucht. - -=Die Verluste= der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden verloren -auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie ins Feuer -gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe -gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen -und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen; -ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, gleichfalls auf -Grund geraten und ward von den Russen genommen. - -Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt die -Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter mit -Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch -leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. =Herzog -Karl= schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen -Ausbesserung nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine -Verstärkung von 2 Linienschiffen und einer Fregatte. Er blieb bis zum -24. Mai vor Reval, ging dann nach der Insel Hogland und von hier erst am -31. auf Befehl des Königs gegen Kronstadt vor. =Tschitschagoffs= Flotte -ließ man im Rücken, nachdem man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit -gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu vervollständigen. =Herzog Karl= und -Admiral =Nordenskjöld= sollen dies allerdings gemißbilligt haben. - -$Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790.$ =In Schweden= waren -durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, 27 -Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und -Mörserbarkassen und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht -wurde bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen. - -=Angriff auf Frederikshamn.= Am 14. Mai erschien =König Gustav= mit etwa -100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille von -Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen -Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien -unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben -den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der -König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch -knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte mit -der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten -Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends -zurückzogen. Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19. -Mai, das allerdings nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie -die Hochseeflotte vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere -Versuche auf und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter -nach Osten vor, am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte, -passierte am 2. Juni die Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im -Björkösunde etwa 30 Seemeilen südlich dieser Stadt; sie hatte durch -Zuzüge von Westen nach und nach fast ihre volle Stärke, 282 armierte -Fahrzeuge, erreicht. - -=Gustav= entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der -Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch -die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden. - -$Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790.$ Schon -während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem -Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und =Herzog -Karl= hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den -Ankerplatz erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am -3. Juni kam es zur Schlacht. - - $Die Stärke der Flotten.$ =Die russische= unter =Vizeadmiral Kruse= - zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74 - Kanonen und 13 Fregatten. Die Schiffe waren in guter Verfassung, die - Besatzungen jedoch noch nicht ausgebildet. Die =schwedische= bestand - aus 21 Linienschiffen zu 64-74 Kanonen und 13 Fregatten. Zwei schwere - Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch standen in dieser - nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des - Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren - Fregatten wurde eine leichte Division gebildet, die selbständig an - geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen sollte. - -Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand =Kruse= bei leichtem östlichen Winde -etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug -in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher -Weise Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4-1/2 Uhr begann -der Kampf der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen -erst später ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung. -Manöver der Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr, -auch scheint =Kruse= einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am -Nachmittage kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über -Backbordbug, aber jetzt die Schweden zu Luward und =Herzog Karl= griff um -2-1/2 Uhr an. Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde -abhielt, kam es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten. - -=Herzog Karl= erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von -Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen -wollte. Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am -Abend Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte -es hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen -konnten. Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine -Entscheidung herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht -standhielt; nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie. -Die Flotten hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis -auf 12-15 Seemeilen genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8 -Uhr abends zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann -der nördlichen Küste zu nahe kamen. - -Wesentliche =Verluste= hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht gebracht, -nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt. - -Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral =Tschitschagoff= mit der -Revalflotte -- 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten --- in Sicht und =Herzog Karl= mußte sich vor allen Dingen aus dem engen -Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte zu -werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber nicht -gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, daß -dann auch =König Gustav= mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde weichen -und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen würde. -Dementsprechend berichtete er. - -Dem Rückzuge der Schweden folgte =Kruse=, der die Revalflotte gleichfalls -gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es war -ein Glück für =Herzog Karl=, daß der Wind während der Nacht abflaute und -auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war es diesig, so -daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten und -deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge, -erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die -Bucht von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte -am 6. morgens in deren Eingange. - -Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten -schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert. - -$Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch.$ -Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg -beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel -Biskopö im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen -Punkten und durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird -aber das Fahrwasser auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei -Krosserort sowie auf eine zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt. -Hinter diesen Durchfahrten wurden die Schiffe der Hochseeflotte -- 21 -Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge -- in Verteidigungslinien -verankert. - -Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden Insel -Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt -1-1/2, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße von -Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier lag die -schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann -Besatzung[204]. - - [204] Die Zahlenangaben über die Stärken der Küstenflottillen schwanken - in den Quellen sehr. Wir geben sie durchweg nach Kirchhoff. - Obenstehende Angabe erscheint sehr hoch, denn nach derselben - Quelle besaß Schweden 1790 überhaupt nur 285 armierte Fahrzeuge - und die pommersche Abteilung scheint nicht in Wiborg gewesen zu - sein. Nach dem Durchbruch fanden sich dann nach Kirchhoff nur 195 - im Svensksunde zusammen, obgleich nicht mehr als 21 verloren - gegangen waren. - -Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem -Oberbefehl des Admirals =Tschitschagoff=, 30 Linienschiffe und 20 -Fregatten stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen -von der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten -sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den -Björkösund unter dem Prinzen =von Nassau=. Anfangs waren es nur 49 -Fahrzeuge aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte -von Kronstadt wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7 -Fregatten und 74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48 -Fahrzeuge. - -Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der -nächsten Wochen immer gefährdeter. =Tschitschagoff= legte nach genauem -Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen -und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter -abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem -Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des =Königs Gustav= vom -11.-20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten, -um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das -Fahrwasser beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen -mit ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser -ein, da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am -29. Juni ging =Nassau= gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis -zur engsten Stelle zurück. - -Unter diesen Umständen mußte =Gustav= alles daransetzen, sich aus seiner -unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung -verschiedener Pläne ward =der Durchbruch mit beiden Flotten= in der engen -Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde beschlossen. =Herzog -Karl= hatte schon früher wiederholt hierzu geraten, ehe die Einschließung -so eng geworden war, der König aber wies es schroff zurück, weil er es -für feige hielt. - - $Der Durchbruch am 3. Juli 1790.$ Der Plan zum Durchbruch war genau - ausgearbeitet. Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus - dem Björkösunde in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der - Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, sowie die - Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht mit - der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4-1/2 - Uhr abbrachen, um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der - Feind nicht, vielleicht wollte er den Leuten nach dem nächtlichen - Kampfe Ruhe gönnen. - - Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten - vorbereitet; die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn - festgemacht, so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die - Takelage zu schicken und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes zu - erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre Ankerplätze und setzten - sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. Um - 7-1/2 Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort. - Hier lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer - zum Fahrwasser. Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr - Feuer mit solchem Erfolge abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge - bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff passierte; von den etwa - 4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3-400 unverwundet geblieben sein. - Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten in - Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch - behindert. - - Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See - erreicht haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten - wäre. Beim Passieren von Krosserort wurden ein Linienschiff und eine - Fregatte durch einen eigenen Brander in Flammen gesetzt und flogen auf; - der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande sein Fahrzeug ohne - Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche liefen - verschiedene Schiffe auf Grund. - -=Nach dem geglückten Durchbruch= nahm =die schwedische Hochseeflotte= -Kurs auf Hogland. Die russische begann erst gegen 10 Uhr vormittags zur -Verfolgung unter Segel zu gehen. =Tschitschagoff= scheint das Vorgehen -der Schweden längere Zeit nur für ein Scheinmanöver gehalten und den -eigentlichen Angriff in dem breiteren östlichen Fahrwasser erwartet zu -haben; dann dauerte auch das Ankerlichten und Formieren der Flotte -unverständlich lange. So gewann =Herzog Karl= einen großen Vorsprung und -erreichte am 5. Juli abends die Rhede von Sweaborg; nur zwischen den -vordersten russischen und einigen zurückgebliebenen schwedischen Schiffen -kam es zum Kampfe, wobei zwei der letzteren genommen wurden. - -=Die schwedische Schärenflotte= folgte zunächst der Hochseeflotte, hielt -dann aber früher zur Küste ab und erreichte die Aspöschären. Auf dem Wege -dorthin ward sie von einer Fregattendivisjon angegriffen, die bisher etwa -10 Seemeilen westlich der Wiborgbucht beim Pitkepasse das -Schärenfahrwasser gesperrt und auch tatsächlich den Zuzug einiger -Abteilungen schwedischer Fahrzeuge gehindert hatte. Diese Division brach -in die Küstenflotte ein und zwang eine große Zahl von Fahrzeugen, die -Flagge zu streichen, konnte aber nur einige von ihnen in Besitz nehmen. - -=Der Verlust der Schweden= betrug in der Hochseeflotte 7 Linienschiffe, 3 -Fregatten und 4000 Mann, in der Küstenflotte 21 Kriegs- und 30 -Transportfahrzeuge, sowie rund 2000 Mann. Der Verlust der letzteren würde -sicher noch viel größer gewesen sein, wenn der Gegner im Björkösunde -sofort nachgedrängt hätte. Aber dies geschah erst spät und die vordersten -Fahrzeuge hielten sich dann bei den festgekommenen schwedischen Schiffen -auf. - -=Die Russen= büßten 4-5000 Mann ein und 11 ihrer Linienschiffe waren so -beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht verwendet werden konnten, -einige wurden sogar völlig unbrauchbar. - -$Die zweite Schlacht im Svensksunde am 9. Juli 1790$ war das letzte -größere Ereignis des Krieges. Die schwedische Hochseeflotte -- 14 -Linienschiffe, 9 Fregatten -- ward von der russischen -- 19 Linienschiffe --- in Sweaborg blockiert. Mit der Küstenflotte hatte sich =König Gustav= -von den Aspöschären in den Svensksund zurückgezogen; sie zählte am 8. -Juli 195 armierte Fahrzeuge mit 450 schweren Geschützen und 14000 Mann. - -Sie nahm hier eine ähnliche Verteidigungsstellung ein wie 1789 unter -=Ehrensvärd= (vgl. Seite 433) und wurde am 9. Juli durch =Nassau= von -Frederikshamn aus mit 160 Fahrzeugen angegriffen. Sie war zwar den Russen -an Zahl überlegen, aber deren Schiffe waren im allgemeinen größer, -schwerer armiert und stärker bemannt, sie führten 850 schwere Geschütze -und 18500 Mann. - -=Nassau= ließ den Nordostausgang des Sundes nur durch schwache Kräfte -beobachten und richtete den Angriff gegen die Hauptmacht des Gegners im -Südwesteingange, aus dem die Schweden im Jahre vorher durchgebrochen -waren. Er führte bei südwestlichem Winde die Flotte in 3 Kolonnen an die -schwedische Stellung heran. Die mittlere, 20 der größten Schiffe, ankerte -vor der Mitte der feindlichen Linie, die beiden anderen vor deren -Flügeln. Um 9-1/2 Uhr vormittags begann der Kampf, und schon nach zwei -Stunden sah sich der russische linke Flügel zum Rückzuge genötigt. Dies -war um so verhängnisvoller, als der schwedische rechte Flügel einen -Winkel mit seiner Mitte und dem linken bildete, mithin imstande war, die -russische Mitte in der Flanke zu bedrohen. Zwar stießen die Gewichenen -nochmals vor, aber wieder vergeblich, da die Schweden hier jetzt -Verstärkung durch die Kräfte am Nordosteingange erhalten hatten, die -nicht angegriffen waren. - -Durch das Flankenfeuer der Schweden sah sich auch die russische Mitte -gegen 4 Uhr nachmittags zum Rückzuge genötigt, und der rechte Flügel -schloß sich an, da auch sein Gegner verstärkt worden war. Der Rückzug -gelang den Ruderfahrzeugen verhältnismäßig gut, aber die größeren Segler -konnten mit ihren zerschossenen Takelagen nur schwer gegen den Wind -aufkreuzen. Durch Zusammentreiben entstand ein Gewirr, in das die -schwedischen Kanonenschaluppen bis 10 Uhr abends hineinfeuerten; viele -Russen kamen auf Grund oder trieben an den Strand. Die Nacht brachte eine -Pause, aber am nächsten Morgen nahmen die Schweden die Verfolgung wieder -auf und verjagten den Feind auch aus den Aspöschären, in die er sich -zurückgezogen hatte; in Einzelgefechten wurden noch viele Fahrzeuge -genommen. - -=Der Verlust der Russen= betrug 5 Fregatten, 48 Fahrzeuge, 3000 Tote und -Verwundete, sowie 6500 Gefangene; die Schweden büßten nach eigener Angabe -nur etwa 300 Mann ein. - -$Die Kriegführung des Jahres 1790$ zeigt auf schwedischer Seite ähnliche -Fehler wie im Vorjahre. Wieder ließ man die zu dem beabsichtigten -überraschenden Angriff günstige Zeit verstreichen. Hierdurch, sowie durch -die Untätigkeit der Hochseeflotte nach der Schlacht bei Reval und durch -das lange Verweilen der Schärenflotte vor Frederikshamn gewann Rußland -Zeit, seine Rüstungen zu vollenden. Schwere Mißgriffe waren es, daß man -die Revalflotte nicht zu vernichten suchte und später die gesamten Kräfte -in Wiborg einschließen ließ. Diese Fehler werden zum größten Teile dem -Könige zur Last gelegt, und wohl mit Recht. Er faßte große, ganz richtige -Pläne, führte sie aber nicht tatkräftig durch und schadete seiner Sache -durch persönliches Eingreifen, das oft militärische Einsicht vermissen -ließ. - -Die Russen verfuhren wie im Vorjahre richtig, indem sie sich -zurückhielten, namentlich auf See, bis sie stark genug waren. Als einen -Fehler muß man jedoch den Angriff beim Svensksunde bezeichnen, da sie dem -Gegner alle Zufuhren abschneiden, auf den benachbarten Inseln Batterien -einrichten und ihn so allmählich vernichten konnten, aber der Prinz von -Nassau war zu siegesgewiß und wollte den Jahrestag der Krönung seiner -Kaiserin durch einen großen Erfolg verherrlichen. - -=Der Friede zu Werelä, 14. August 1790.= Die Niederlage beim Svensksunde -machte tiefen Eindruck auf =Katharina=, und sie zeigte sich jetzt zu -Unterhandlungen bereit. Sie verzichtete auf die demütigenden Forderungen -einer Abbitte durch =König Gustav=, sowie einer Einmischung in die -inneren Verhältnisse Schwedens. Schon am 14. August ward in Werelä der -Friede geschlossen, nach dem der Besitzstand in Finnland wie vor dem -Kriege hergestellt wurde. - -Der blutige und kostspielige Krieg -- er hatte Schweden 50000 Mann, 15 -Linienschiffe, sowie 23 Millionen Taler gekostet -- brachte keinem der -beiden Völker einen Vorteil, nur =König Gustav= hatte durch ihn eine -bessere Stellung in seinem Lande gewonnen. Das Selbstbewußtsein der -Schweden war erstarkt, weil sie sich dem mächtigen Gegner gewachsen -gezeigt hatten; dies war doch aber nur infolge von dessen Ablenkung durch -die Türken möglich gewesen. Rußland hatte dagegen bewiesen, daß es auch -als Seemacht auftreten konnte, und =Katharina= zog aus ihrem Freiwerden -im Norden Nutzen für ihre Pläne im Westen und Süden. - -Dieser Nebenkrieg erscheint besonders dadurch bemerkenswert, daß in ihm -die Unternehmungen am Lande infolge der geographischen Verhältnisse fast -völlig abhängig von dem Küsten- und damit auch von dem Seekriege waren; -=die Beherrschung der See gab den Ausschlag=. - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Seekriege 1739-1793. - - Zeit Seite - - 1739-1748 Der Englisch-Spanische Krieg und der Österreichische - Erbfolgekrieg 45 - - 1756-1763 Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg zwischen - England und Frankreich (Spanien) 116 - - 1775-1783 Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 207 - - 1739-1793 Kämpfe mit den Barbaresken 417 - - 1741-1743 Schwedisch-Russischer Krieg 418 - - 1756-1763 Die schwedische und die russische Marine im - Siebenjährigen Kriege 421 - - 1768-1774 Russisch-Türkischer Krieg 422 - - 1787-1791 Russisch-Türkischer Krieg 424 - - 1788-1790 Schwedisch-Russischer Krieg 425 - - - Seeschlachten. - - Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte. - - Im Spanisch-Englischen und im Österreichischen Erbfolgekriege - 1739-1748. - - 1739 22. November Puerto Belo erobert (Vernon) 60 - - 1740 Spanische Städte in Mittelamerika beschossen 62 - - 1741 März Cartagena angegriffen (Vernon) 64 - - 1741 Juli Santiago de Cuba angegriffen (Vernon) 67 - - 1743 Februar/Mai La Guayra, Puerto Cabello beschossen 69 - - 1744 22. Februar Schlacht vor Toulon (Mathews; de Court) 75 - - 1745 Mai/Juni Louisbourg erobert (Warren und Peperrel) 93 - - 1746 7. Juli Gefecht bei Negapatam (Labourdonnaye; Peyton) 101 - - 1746 21. September Madras erobert (Labourdonnaye) 102 - - 1746 Oktober Lorient angegriffen (Lestock) 87 - - 1747 14. Mai Erste Schlacht bei Kap Finisterre (Anson; de La - Jonquière) 89 - - 1747 25. Oktober Zweite Schlacht bei Kap Finisterre (Hawke; de - L'Etanduère) 90 - - 1748 August Pondichery angegriffen (Boscawen) 105 - - 1748 1. Oktober Gefecht vor Havanna (Knowles; Spinola) 98 - - - Im Siebenjährigen Kriege 1756-1763. - - 1756 April Minorka erobert (La Gallissonnière) 133 - - 1756 20. Mai Schlacht bei Minorka (La Gallissonnière; Byng) 135 - - 1756 September Rochefort angegriffen (Hawke) 143 - - 1757 21. Oktober Gefecht bei Le Cap, Westindien (Forrest; - Kersaint) 176 - - 1758 29. April Schlacht bei Cuddalore (Pocock; d'Aché) 189 - - 1758 27. Juli Louisbourg erobert (Boscawen) 169 - - 1758 3. August Schlacht vor Negapatam (Pocock; d'Aché) 192 - - 1758 Angriffe auf französische Häfen 145 - - 1758-1762 Eroberung der französischen Inseln in - Westindien 177 - - 1759 3. Juli Le Havre beschossen (Rodney) 151 - - 1759 18. August Schlacht bei Lagos (Boscawen; de La Clue) 148 - - 1759 10. September Schlacht bei Porto Novo (Pocock; d'Aché) 194 - - 1759 21. September Quebec erobert (Sounders und Wolfe) 171 - - 1759 20. November Schlacht bei Quiberon (Hawke; de Conflans) 154 - - 1761 Januar Pondichery erobert 196 - - 1761 April/Mai Belle-Isle erobert (Keppel) 161 - - 1762 Juni/Juli Havanna erobert (Pocock und Albemarle) 180 - - 1762 Sept./Okt. Manila erobert (Cornish und Draper) 197 - - - Im Nordamerikanischen Freiheitskriege 1775-1783. - - 1776 März Angriff auf die Bahamainseln (Hopkins) 241 - - 1776 28. Juni Charleston angegriffen (Peter Parker) 231 - - 1776 August Long Island erobert (Howe) 235 - - 1778 27. Juli Schlacht bei Ouessant (Keppel; d'Orvilliers) 251 - - 1778 August Newport (Narragansettbucht) angegriffen - (d'Estaing) 263 - - 1778 13. Dezember Sta. Lucia erobert (Barrington) 273 - - 1778 15./18. Dez. Versuch der Wiedereroberung (d'Estaing) 274 - - 1779 April/Mai Kanalinseln (Jersey) angegriffen 287 - - 1779 6. Juli Schlacht bei Grenada (d'Estaing; Byron) 276 - - 1779 18. Dezember Gefecht bei Martinique (Hyde-Parker; - La Motte-Picquet) 281 - - 1779 Dezember Savannah angegriffen (d'Estaing) 281 - - 1780 16. Januar Schlacht bei Kap St. Vincent (Rodney; Langara) 293 - - 1780 20. März Gefecht bei Monte Christi (La Motte-Picquet; - Cornwallis) 299 - - 1780 17. April Schlacht bei Martinique (Rodney; de Guichen) 301 - - 1780 11. Mai Charleston erobert (Clinton und Arbuthnot) 308 - - 1780 15. u. 19. Mai Gefechte bei Martinique (Rodney; de Guichen) 304 - - 1780 20. Juni Gefecht bei den Bermudainseln (de Ternay; - Cornwallis) 309 - - 1781 16. März Erste Schlacht vor der Chesapeakebucht - (Arbuthnot; Des Touches) 333 - - 1781 16. April Schlacht von Porto Praya (Suffren; Johnstone) 382 - - 1781 29. April Gefecht bei Martinique (de Grasse; Hood) 327 - - 1781 5. August Schlacht auf der Doggerbank (Hyde-Parker; - Zoutman) 321 - - 1781 5. September Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht - (de Grasse; Graves) 338 - - 1781 12. September Vernichtung eines französischen Konvois - (Kempenfelt; de Guichen) 323 - - 1782 25. Januar Schlacht bei St. Christopher (St. Kitts) - (Hood; de Grasse) 355 - - 1782 26. Januar Ankergefecht bei St. Christopher (St. Kitts) - (Hood; de Grasse) 357 - - 1782 4. Februar Minorka von Spanien erobert 318 - - 1782 17. Februar Schlacht bei Sadras (Suffren; Hughes) 385 - - 1782 9. April Schlacht bei Dominica (Rodney; de Grasse) 361 - - 1782 12. April Schlacht bei Dominica (Les Saintes) (Rodney; - de Grasse) 363 - - 1782 12. April Schlacht bei Providien (Suffren; Hughes) 388 - - 1782 6. Juli Schlacht bei Negapatam (Suffren; Hughes) 390 - - 1782 3. September Schlacht bei Trincomali (Suffren; Hughes) 394 - - 1782 13. September Der große Angriff der Spanier auf Gibraltar 350 - - 1782 20. Oktober Gefecht bei Kap Spartel (Howe; Cordoba) 352 - - 1783 20. Juni Schlacht bei Cuddalore (Suffren; Hughes) 400 - - - In den Nebenkriegen 1740-1793. - - 1758 11. September Gefecht einer schwedischen und einer - preußischen Flottille beim Reppiner Haken 421 - - 1760 u. 1761 Kolberg durch Schweden und Russen beschossen 421 - - 1761 Juni Sale und Larache durch Franzosen beschossen - (Du Chaffault) 418 - - 1770 Juni Biserta und Susa desgleichen (De Broves) 418 - - 1770 5. Juli Vernichtung der türkischen Flotte vor - Tscheschme (Orlow) 423 - - 1788 28./29. Juni Siege der russischen Flotte über die türkische - vor Otschakow 425 - - 1788 17. Juli Schlacht bei Hogland (Herzog Karl von - Södermanland; Greigh) 428 - - 1789 26. Juli Schlacht bei Öland (Herzog Karl; - Tschitschakoff) 431 - - 1789 24. August Schärenschlacht im Svensksunde (Ehrensvärd; - Prinz von Nassau) 433 - - 1790 17. März Raagervik (Baltisch Port) überrumpelt 435 - - 1790 13. Mai Schlacht vor Reval (Herzog Karl; - Tschitschakoff) 435 - - 1790 15. Mai Frederikshamn angegriffen (König Gustav III.) 436 - - 1790 3./4. Juni Schlacht in der Kronstädter Bucht (Herzog - Karl; Kruse) 436 - - 1790 3. Juli Durchbruch der schwedischen Flotte aus der - Wiborgbucht 438 - - 1790 9. Juli Schärenschlacht im Svensksunde (König Gustav; - Prinz von Nassau) 440 - - 1791 19. Juli, - 8./9. September Siege der russischen Flotte über die türkische - im Schwarzen Meere 425 - -[Illustration] - - * * * * * - -[Illustration] - - - Sach- und Namenverzeichnis. - - =$A$bo=, Frieden zwischen Rußland und Schweden (1743) 420. - - =Aché=, Comte de, franz. Admiral, in Indien im Siebenj. Kriege 143; - Schlachten bei Cuddalore (1758) 189, Negapatam 192, Porto Novo (1759) - 194; Beurteilung 195; 203. - - =Admirale=, Dienstgrade der englischen 25, der französischen 33. - - =Admiralität=, engl. 24. - - =Aiguillon=, Herzog von, franz. General 146; 147; 163; Premierminister - (1770) 213. - - =Aix, Ile d'=, Angriffe auf (1758) 145; (1761) 162. - - =Amherst=, engl. General im Siebenj. Kriege 169; 170. - - =Angria=, indischer Seeräuber (1755) 186. - - =Anjalabund=, Empörung schwed. Offiziere (1788) 429. - - =Anson=, engl. Admiral, 17; Weltumsegelung und Personalien 70; Schlacht - bei Finisterre (1747) 88; 144 ff. - - =Antin, d'=, franz. Admiral in Westindien (1740) 51. - - =Anville=, Herzog von, franz. Admiral, Expedition nach Kanada (1746) 95. - - =Arbuthnot=, engl. Admiral (1780): vor Charleston 307; in New York 310; - Beurteilung 314; (1781): 331; 333; Schlacht vor der Chesapeakebucht - 334; 342. - - =Arçon, d'=, franz. Genieoffizier, Erbauer der schwimmenden Batterien - vor Gibraltar 349. - - =Arnold=, nordamer. General (1775): 227; Einfall in Kanada 228; (1776) - auf dem Champlainsee 233 ff.; (1780) sein Verrat, tritt in engl. - Dienst 311; (1781): 331; 332; Einfall in Virginia 333. - - =Artillerie=, Stand der, 1740-1793, 19 ff. - - =Assientovertrag= 3; 45. - - - =$B$ahamainseln= von den Amerikanern gebrandschatzt (1776) 241. - - =Barras=, franz. Admiral, in Nordamerika (1781) 330; 335; 336; 337. - - =Barrington=, engl. Admiral (1778): 247; Oberbefehl in Westindien - (Personalien) 272; erobert und verteidigt Sta. Lucia 274 ff; (1779): - bei Grenada 276; 280; 283; (1782): vernichtet einen franz. Konvoi - 345; 346. - - =Batterien=, schwimmende, vor Gibraltar (1782) 349 ff. - - =Belle-Ile= erobert (1761) 161. - - =Bengalen=, Ausdehnung der engl. Macht 186 ff. - - =Bermudainseln=, Seegefecht (1780) 309. - - =Berryer=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 30. - - =Bompart=, franz. Admiral (1759) 153; 178. - - =Boote=, Schiffsbeiboote 16. - - =Boscawen=, engl. Admiral, vor Pondichery (1748) 105; im Siebenj. - Kriege 132; 141; 146; 148; bei Lagos (1759), Personalien 149 ff.; - 159; 160; erobert Louisbourg (1758) 169; 170. - - =Boston=, Teesturm (1773) 208; von England geräumt (1773) 208. - - =Bougainville=, franz. Admiral (Personalien) 173. - - =Bouillé=, franz. General, Gouverneur von Martinique, (1778): erobert - Dominica 272; 283; 303; 305; 328; (1781): erobert St. Eustache 341; - (1782): St. Christopher 355 ff. - - =Bourbonischer= Familienvertrag (1761) 119. - - =Burgoyne=, engl. General in Kanada 227; kapituliert bei Saratoga - (1777) 238; 241. - - =Bouvet de Lozier=, franz. Seeoffizier 88; 105. - - =Brandywine=, Landgefecht (1777) 240. - - =Breton, Kap=, Insel 170. - - =Bunkershill=, Landgefecht (1775) 227. - - =Bussy=, franz. General in Indien, im Siebenj. Kriege: 184; 188; 193; - 196; (1782): 393; 398 ff.; 401; 403. - - =Byng=, engl. Admiral, in Schlacht bei Minorca (1758) 135 ff.; - Kriegsgericht und Tod 140. - - =Byron=, engl. Admiral (1778): 247; 249; 257; 266; 268; - (1779): Oberbefehl in Westindien (Personalien) 275; Schlacht bei - Grenada 276; 280; Beurteilung 283. - - - =$C$ap Français= (Cap Haïti oder Le Cap), Stadt auf Haïti, ihre - Bedeutung, Gefecht (1757) 176. - - =Cap Haïti=, siehe vorstehend. - - =Carleton=, engl. General in Nordamerika 228; auf dem Champlainsee - (1776) 233 ff. - - =Cartagena= (Westindien) beschossen (1740) 62; belagert (1741) 64. - - =Castries=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 32. - - =Chagres= erobert (1740) 62. - - =Champlainsee=, Kämpfe auf dem (1776) 233 ff. - - =Chandernagore= 9; erobert (1757) 187; (1778) 378. - - =Charleston=, Angriff auf (1776) 231; erobert (1780) 308. - - =Chartres=, Louis Philippe, Herzog von, franz. Admiral, bei Ouessant - (1778) 252 ff. - - =Cherbourg=, erobert (1758) 145. - - =Chesapeakebucht=, zwei Schlachten, taktisch bemerkenswert (1781) 334 - und 338. - - =Choiseul=, Herzog von, franz. Premierminister, Amtstätigkeit als - Marineminister 30; im Siebenj. Kriege 119; 126; 127; 147; 212 ff.; - seine Pläne zur Invasion von England 214. - - =Chronometer=, Einführung der 16; 17. - - =Clerk=, Werk über Seetaktik 44. - - =Clinton=, engl. General in Nordamerika, (1775): 227; 231; 237; 239; - 240; 241; (1778/79): Oberbefehlshaber, räumt Philadelphia 242; 258; - 269; 272; räumt die Narragansettbucht 282; (1780): erobert Charleston - 307; (1781): 331; 336. - - =Clive=, engl. General und Gouverneur in Indien, seine Tätigkeit (1751 - bis 1767) 183-188; (1765/1767) 377. - - =Coehorns=, kleine Mörser 98. - - =Conflans, de=, franz. Admiral 97; im Siebenj. Kriege 147; 152; bei - Quiberon (1759) 153 ff.; 203; 206. - - =Cook=, James, Entdeckungsreise 17. - - =Cordoba, Don Luis de=, span. Admiral (1779): 287; im Kanal 289; - (1780): Oberbefehl der span. franz. Flotte 291; 292; nimmt einen - englischen Konvoi 295; Beurteilung 297; (1781): in Cadiz 317; vor dem - Kanal 318, 319; (1782): 345; vor dem Kanal 346 ff.; vor Gibraltar 350 - ff.; Gefecht bei Kap Spartel 352. - - =Cornish=, engl. Admiral 196; 197; erobert Philippinen (1762) 198. - - =Cornwallis, Charles, Marquis=, engl. General in Nordamerika (1775) - 231; (1780) Oberbefehl in Carolina 308; (1781) dringt in Virginia ein - 331; 335 ff.; kapituliert bei Yorktown 339. - - =Cornwallis=, William, engl. Admiral (1780), Gefecht bei Monte-Christi - 299 und bei den Bermudainseln 309; 356. - - =Corsica=, von Frankreich erworben (1768) 212. - - =Court, Labruyère de=, franz. Admiral 72; bei Toulon (1744) 75 ff.; - Personalien 77; 81; 82. - - =Crillon=, Herzog von, franz. General in spanischem Dienst, erobert - Minorka (1781/82) 318; Oberbefehl vor Gibraltar (1782) 349. - - =Crownpoint=, Fort 228; 233. - - =Cuddalore= (Fort St. David vgl. dort) 101; von Franzosen angegriffen - (1747) 104/05; Seeschlacht bei (1758) 189; von Franzosen erobert 191; - von Franzosen erobert (1782) 387; von Engländern angegriffen (1783) - 397; Seeschlacht (1783) 400. - - - =$D$änemark=, greift Schweden an (1788) 430. - - =Darby=, engl. Admiral, Oberbefehl im Kanal (1780) 295; versorgt - Gibraltar (1781) 316; Kanal 319. - - =Dessen, van=, russischer Admiral (1786) 427; 430; 432. - - =Des Touches=, franz. Admiral, Oberbefehl in Nordamerika (1780) 310; - (1781): 331; 333; Schlacht vor der Chesapeakebucht 334; 335; 342. - - =Digby=, engl. Admiral (1780) 294. - - =Doggerbank=, Seeschlacht zwischen Engländern und Franzosen (1781) 320. - - =Dominica=, neutrale Insel 9; von den Engländern erobert (1761) 178; - von Frankreich erobert (1778) 272; Seeschlachten (1782) am 9. und am - 12. April (Les Saintes, taktisch bemerkenswert, Rodneys Durchbruch) - 361-373; Folgen der Schlacht 373; über Einfluß der Schlacht auf den - Friedensschluß 408. - - =Dubois de La Motte=, französischer Admiral im Siebenj. Kriege 91; - 132/33; 143; 144; 165; 167 ff.; 203. - - =Dublieren= 37. - - =Du Chaffault=, franz. Admiral 144; 146; 169; 290; 295; beschießt - marrokkanische Städte (1765) 418. - - =Duquesne=, Fort, von England erobert (1754) 164; umgetauft in Pittsburg - 208. - - =Dumas=, franz. Gouverneur in Indien 99. - - =Dupleix=, franz. Gouverneur in Indien (1741) 99 ff: seine Tätigkeit - und Erfolge (1748-1754) 182-185. - - - =$E$hrensvärd=, Graf, schwedischer Admiral, Schlacht im Svensksunde - (1789) 433. - - =Elliot=, englischer General, verteidigt Gibraltar (1779-1783) 348 ff. - - =Elphinstone=, englischer Admiral in russischem Dienst (Mittelmeer - 1769) 423. - - =En flûte=, armierte Schiffe 132. - - =Enfilieren= 39. - - =England= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 bis - 1748: 46 ff.; (1739-1744) 59, 71. In Europa (1744-1748) 80-92; die - französische Flotte lahmgelegt (1747) 88; in den Kolonien: - Nordamerika 93, Westindien 97, Ostindien 99; der Handelskrieg 107. - Englands Strategie 111; Gründe die seine Marine lähmten 112. Der - Friede zu Aachen (1748) 55. - - Im Kriege 1756-1763: 116 ff.; Plan für die Verwendung der Flotte - 125. Der Krieg in Europa (1755) 132, 133; (1756/57) 141 ff.; (1758) - Angriff auf die französische Küste 144; (1759) die französische - Flotte lahmgelegt, (1760-1762) dieselbe blockiert 159 ff. Der Krieg - in den Kolonien: in Nordamerika Frankreich aus Kanada vertrieben 163 - bis 175; in Westindien die französischen Inseln fast sämtlich sowie - Havanna genommen 175-182; in Ostindien die französische Macht völlig - gebrochen, das britisch-indische Reich begründet 182-196; die - Philippinen erobert 197. Der Handelskrieg (Erfolge und Verluste) 198. - Englands Strategie 200. Der Friede zu Paris (1763) 127. - - Im Kriege 1775-1783: Zerwürfnis mit den nordamerikanischen Kolonien - bis zu deren Abfall (1775) 207; Verhältnis zu Frankreich Spanien, - Holland bis zum Ausbruch des Seekrieges (1778) 211. Der Krieg mit den - Kolonien (1775-1778) 226 bis 242; Kapitulation bei Saratoga (1777) - 239; letzter Versöhnungsversuch (1778) 243. -- Frankreich tritt in - den Krieg ein 243; England zum Seekriege schlecht vorbereitet, - Rüstungen (1778) 246. -- Der Krieg auf den verschiedenen - Schauplätzen: Europa (1778) 248, Strategie 257; Amerika und - Westindien (1778/79), Auftreten der französischen Flotte (d'Estaing), - England erobert Sta. Lucia, verliert Grenada 258, Strategie 270, 283; - Europa (1779/80) Rüstungen, die spanisch-französische Flotte im Kanal - (1779) 287, Gibraltar versorgt (Rodney 1780) 292, die Verbündeten - untätig (1780) 294, Strategie 296; Amerika und Westindien (1780), die - zweite franz. Flotte (de Guichen) dort, Kämpfe de Guichens mit Rodney - um Sta. Lucia 298, erobert Charleston 307, Strategie 312; Europa - (1781) Rüstungen 315, Gibraltar versorgt (Darby) 316, die franz. - span. Flotte im Kanal 319, Ausbruch des Krieges mit Holland 320, - Strategie 323; Westindien und Amerika (1781), Rodney erobert - holländische Inseln, die dritte französische Flotte (de Grasse) - trifft ein, England verliert Tabago, England dringt in Virginia ein - 332, das Heer kapituliert bei Yorktown 340, Strategie 341; Europa - (1782), der Wechsel im Ministerium bringt das Ende des Krieges in - Nordamerika 344, Rüstungen 344, die französisch-spanische Flotte vor - dem Kanal 346, der große Angriff auf Gibraltar abgeschlagen 348, - Gibraltar versorgt (Howe) 351, Strategie 353; Westindien (1782), - England verliert St. Christopher 354, Plan der Verbündeten zur - Eroberung Jamaikas durch Rodneys Sieg bei Dominica vereitelt 360, - Strategie 374. -- In Ostindien: Ausdehnung der engl. Macht - (1763-1778) 376, Frankreich benutzt die damit verbundenen Kämpfe erst - spät (1782) zum Angriff 380; Lage der gegnerischen Flotten in Indien - 384; die Kämpfe Hughes und Suffrens um die Seeherrschaft 385, - Strategie 402. -- Englands Handelskrieg (Verluste) 404. Der Friede - von Versailles (1783) 407. Allgemeine Betrachtung der Strategie - Englands (1778-1783) 409. - - =Englands Marine= vgl. »Marinen«. - - =Entdeckungsreisen= 17. - - =Estaing=, d', franz. Admiral 200; (1778): 247; 249; 257; Fahrt nach - Nordamerika (Personalien) 258; vor New York 260; in der - Narragansettbucht 262, 264; segelt nach Westindien 266; Beurteilung - 270; greift Sta. Lucia an 274; (1779): erobert Grenada und andere - Inseln 275; Schlacht bei Grenada 276; 280; vor Savannah 281; - Beurteilung 283; (1780) in Spanien 296; (1783) ebenso 376. - - =Eyre-Coote=, engl. General in Indien (1779) 379 ff.; 397. - - - =$F$alklandsinseln.= Streit zwischen England und Spanien (1770) 212. - - =Finisterre=, Kap, zwei Seeschlachten (1747) 88 ff. und 91. - - =Fleury=, franz. Premierminister 3; 61; 63; 73. - - =Forrest=, engl. Seeoffizier, Gefecht bei Le Cap (1757) 176. - - =Franklin=, Benjamin, 169; 207; 209; in Paris (1776) 216 ff.; 230; 407. - - =Frankreich= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 - bis 1748: 47 ff.; deckt spanische Flotten (1739) 61, (1741) 72, - (1744) führt es zur Schlacht vor Toulon 75; Versuch einer Landung in - England (1744) 74; seine Flotte durch England blockiert und (1747) - durch die beiden Schlachten bei Finisterre lahmgelegt 82-91. Kämpfe - in Nordamerika 93; in Westindien 97; in Ostindien 99; Verluste im - Handelskriege 107. Frankreichs Strategie 110. Der Frieden von Aachen - (1748) 55. - - Im Kriege 1756-1763: 116 ff.; Kennzeichnung der Kriegführung - Frankreichs 124, 126; Reibungen mit England in den Kolonien 131; - großer Verlust an Handelsschiffen (1755) 133; Frankreich erobert - Minorka (1756) 133; die französischen Küsten angegriffen (1757/58) - 143; der Versuch, in England einzufallen, endet mit völligem - Zusammenbruch der Flotte (1759) 147. Der Krieg in Nordamerika führt - wegen mangelnder Unterstützung von der Heimat zum Verlust von Kanada - 163-175, der in Westindien zum Verlust der meisten Inseln 175-182. - Wachsen der französischen Macht in Ostindien (1748-1754) und völliger - Niederbruch im Kriege mit England 182-197. Verluste im Handelskriege - 198. Frankreichs Strategie 200. Der Frieden zu Paris (1763) 127. - - Im Kriege 1775-1783: Frankreich bereitet Krieg gegen England vor - 211; schließt Familienvertrag mit Spanien (1761) 212; gewinnt Corsica - (1769) 212; verbündet sich mit den nordamerikanischen Kolonien (1778) - 216; Ziele des französisch-spanischen Bündnisses 218; Rüstungen 246. - -- Der Krieg auf den verschiedenen Schauplätzen: Europa (1778) 248, - Strategie 257; in Nordamerika und Westindien (1778/79) Frankreichs - erste Flotte (d'Estaing) dort, Sta. Lucia geht verloren, Grenada - gewonnen 258-282, Strategie 270, 283; Europa (1779/80) Rüstungen, die - französisch-spanische Flotte erfolglos im Kanal, später untätig 286, - Strategie 296; Westindien und Nordamerika (1780), die zweite Flotte - (de Guichen) tritt auf, Kämpfe mit Rodney um Sta. Lucia, Sendung - eines Hilfsheeres nach Nordamerika 298-311, Strategie 312; Europa - (1781) Rüstungen, die französisch-spanische Flotte im Kanal ohne - Erfolg 315 bis 319, Strategie 323; Westindien und Nordamerika (1781), - Auftreten der dritten Flotte (de Grasse) dort, Tabago wird genommen - und der Landkrieg in Amerika bis zur Kapitulation des englischen - Heeres bei Yorktown unterstützt 325-341, Strategie 341; Europa - (1782), die Verbündeten nochmals vor dem Kanal ohne Erfolg, dann - untätig vor Gibraltar 346, Strategie 353; Westindien (1782), St. - Christopher wird genommen, aber der Plan, Jamaika zu erobern, durch - Rodneys Sieg bei Dominica vereitelt 360-374, Strategie 374. -- - Ostindien: Frankreich benutzt die ungünstige Lage Englands erst spät - (1782) zum Angriff 380; Suffren rettet die Kapkolonie 381; Lage der - gegnerischen Flotten, in Indien 384; die Kämpfe Suffrens und Hughes - um die Seeherrschaft 385-402; Strategie in Indien 402. Frankreichs - Verluste im Handelskriege 404. Der Frieden von Versailles (1783) 407. - Die Strategie Frankreichs (1778-1783) im ganzen betrachtet 409. -- - Frankreichs Marine vgl. »Marinen«. - - =Frederikshamn=, von Gustav III. erfolglos angegriffen (1789) 429 - (1790) 436. - - =Fregatten=, Entwicklung der 14. - - =Friedensschlüsse= und ihre Bedingungen: Aachen 1748 (Österreich. - Erbfolgekrieg) 55, 96, 106; Hubertusburg 1763 (Siebenj. Landkrieg) - 123, Paris 1763 (Siebenj. Seekrieg) 127; Versailles 1783 (zwischen - England -- Frankreich, Spanien, Vereinigte Staaten) 407; Paris 1784 - (England -- Holland) 409; Abo 1783 (Schweden -- Rußland) 420; - Kücük-Kainardschi 1774 und Jassi 1792 (Rußland -- Türkei 424; Werelä - 1790 (Schweden -- Rußland) 441. - - =Friedrich= II. =von Preußen= 5; 47 ff.; 49 ff.; im Siebenj. Kriege - 116 ff.; 120 ff.; 421; sein Standpunkt zur Schaffung einer Flotte - 422. - - - =$G$abaret=, franz. Admiral, bei Toulon (1744) 77 ff.; 82; 83. - - =Gage=, engl. General in Nordamerika (1775) 210; 211; 226. - - =Gates=, amerik. General, bei Saratoga (1777) 238; in Carolina (1780) - 309. - - =Georg= II. =von England= 45 ff.; 51 ff.; 116 ff. - - =Georg= III. =von England= 119; 128; Standpunkt gegenüber den amerik. - Kolonien 208-211; innere Politik 213. - - =Gibraltar= belagert (1779) 292; durch Rodney versorgt (1779) 293, - durch Darby (1780) 316, durch Howe (1782) Verlauf der Belagerung und - der große erfolglose Angriff mit schwimmenden Batterien (1782) 348 - bis 351. - - =Granaten=, Hand- 21. - - =Grasse=, Comte de, franz. Admiral (1779): 275; 282; 291; 298; - (1781): Oberbefehl in Westindien (Personalien), Gefecht bei - Martinique 326; 328; erobert Tabago 329; segelt nach Nordamerika 329; - 337; Schlacht vor der Chesapeakebucht 338; segelt nach Westindien - 340; Beurteilung 341 ff.; Anerkennung durch Washington 342; (1782): - in Westindien 354; Schlachten bei St. Christopher 355 ff.; - Beurteilung 359; Schlachten bei Dominica 361-371; Gefangenschaft und - weiteres Schicksal 372. - - =Graves=, engl. Admiral, in Nordamerika (1775) 229; (1780) 310, 311; - (1781) 316; 331; Oberbefehl 337; (1781) Schlacht vor der - Chesapeakebucht 338; 343. - - =Greene=, amerik. General (1780/81) 309; 331; 332. - - =Greigh=, russischer Admiral (engl. Seeoffizier), im Mittelmeer (1769) - 423; in der Ostsee (1788), Schlacht bei Hogland 428, 429. - - =Grenada=, von Franzosen erobert (1779) 275; Seeschlacht 276 ff. - - =Grout de St. George=, franz. Seeoffizier (1747) bei Finisterre 88. - - =Guadeloupe=, von England erobert (1779) 177. - - =Guayana=, von England erobert (1781) 325. - - =Guichen=, Comte de, franz. Admiral (1780): Oberbefehl in Westindien - 291; 296; Personalien 299; Schlacht bei Martinique gegen Rodney (17. - April) 300; Gefecht am 15. und 19. Mai dort 304; verläßt Westindien - 305; Beurteilung 312; (1781): 316; unter Cordoba vor dem Kanal 318, - 319; verliert einen Konvoi 322; (1782): 345. - - =Gustav III. von Schweden.= Krieg mit Rußland 1788-1790. (1788): 425; - Plan gegen Petersburg 426; 427; seine schroffen Forderungen Katharina - II. gegenüber 428; in Finnland (Empörung der Offiziere) 429, 430; - (1789): in Finnland 432, 433; (1790): Plan gegen Petersburg 434; vor - Frederikshamn 436; 437; in der Wyborgbucht 438 ff.; im Svensksunde - 440; seine Erfolge des Krieges 440. - - - =$H$addock=, engl. Admiral, im Mittelmeer (1740) 71; 72. - - =Haidar Ali=, Herrscher von Mysore (Indien) im Kampfe mit England (von - 1766 an) 377; 378; 379; 387; 390; 393; 398; Tod 399. - - =Halifax=, 164; 167. - - =Hardy=, engl. Admiral (1757) 167; Oberbefehl im Kanal (1779) 287; - Personalien 288; 290; 295. - - =Hastings=, Sir Warren, erster engl. Generalgouverneur in Indien - (1773) 377; erobert die franz. Besitzungen (1778) 378; 379. - - =Havanna=, Seegefecht (1748) 98; von England erobert (1762) 180. - - =Havre= beschossen (1758) 145; (1759) 151. - - =Hawke=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 78; (1747) bei Finisterre - (Personalien) 89; im Siebenj. Kriege 133; 138; 141; 142; Angriff auf - Rochefort (1757) 143; 144; 148; 152; bei Quiberon (1759) 153 ff.; - 160; 161. - - =Hogland=, Schlacht zwischen Schweden und Rußland (1788) 428. - - =Holburne=, engl. Admiral (1757) 167 ff. - - =Holland= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff.; (1740-1748) 48; - Beteiligung am Seekriege 92; (1756 bis 1763) bleibt neutral 120; - (1775 bis 1783) Gründe für die Verwicklung in den Krieg 218; Ausbruch - des Krieges mit England (1780) 298; seine Flotte geschlagen und - blockiert (1780) 320; Tätigkeit derselben (1782) 347; Frieden mit - England zu Paris (1784) 409. -- Stand der Marine vgl. »Marinen«. - - =Hood=, Samuel, engl. Admiral, in Westindien (1780) 307; (1781): - Gefecht bei Martinique (Personalien) 326; in Nordamerika 331; 337; in - der Schlacht vor der Chesapeakebucht 339; nach Westindien 340; - Schlachten bei St. Christopher 355 ff.; Beurteilung 359; bei - Dominica 361 und 372; 376. - - =Hopkins=, amerik. Kommodore, Führer des ersten Geschwaders der - Vereinigten Staaten, brandschatzt Bahamainseln (1746) 241. - - =Hoste=, Werk über Seetaktik 37 ff. - - =Hotham=, engl. Admiral (1778) 267; 273; 306; verliert einen Konvoi - (1781) 317; 325. - - =Howe, Richard=, Earl, engl. Admiral (1758): 144; 145; (1776): - Oberbefehl in Nordamerika 230; vor New York 235 ff.; 239; 240; - (1778): deckt Rückzug von Philadelphia 258; verteidigt New York - (Personalien) 260; entsetzt die Narragansettbucht 264; abgelöst 266; - Beurteilung 270; (1782): Oberbefehl der Kanalflotte 345; 346; 347; - versorgt Gibraltar 347 ff.; Gefecht bei Kap Spartel 352; Beurteilung - 353, 354. - - =Howe, William=, engl. General in Nordamerika (1775): 227; räumt Boston - 229; (1776): erobert New York 235; 238; (1777): erobert Philadelphia - 239; 241; (1778): abberufen 242. - - =Hubertusburg=, Friede zwischen den Landmächten (1763) 123. - - =Hudson-Linie=, deren Bedeutung 227. - - =Hughes=, engl. Admiral (1779): Oberbefehl in Indien 378; (1782): seine - Kämpfe mit Suffren, Schlacht bei Sadras 385; bei Providien 387; bei - Negapatam 390; bei Trincomali 394; 397 ff.; bei Cuddalore (1783) 400; - Beurteilung 404. - - =Hydar-Ali=, siehe Haidar Ali. - - =Hyde-Parker=, engl. Admiral, vor New York (1776) 235; in Westindien: - Gefecht vor Martinique (1779) 281; 298; 302; Schlacht auf der - Doggerbank (1781) 320; Beurteilung 322. - - - =$J$amaika=, Plan der Verbündeten zur Eroberung (1782) 360; aufgegeben - 374; ebenso (1783) 376. - - =Jassi=, Frieden zwischen Rußland und Türkei (1792) 424/25. - - =Jenkins=, engl. Seemann, der Vorfall mit Js. Ohr (1731) 46. - - =Jervis=, engl. Admiral, später Lord Vincent, erstes Auftreten (1782) - 345; seine Äußerung über Invasion in England 288. - - =Johnstone=, engl. Admiral, soll Kapland erobern (1781) 316/17; Schlacht - vor Porto Praya 381 ff. - - =Jones=, John Paul, amerik. Freibeuter 225; in den europäischen Gewässern - (1776) Personalien 406; in russischem Dienste (1788) 425. - - - =$K$alkutta= von den Indern erobert (1756) 186; von den Engländern - wiedergenommen (1757) 187. - - =Kanada= für Frankreich verloren (1760) 175. - - =Kanonen=, Kaliber, Bedienung, Verteilung an Bord (1740-1793) 19 bis 24. - - =Kapland= durch Suffren gerettet (1781) 384. - - =Karl= III. von Spanien 4; 119; 213; 217. - - =Karl= VI., Deutscher Kaiser 5. - - =Karl Albrecht= von Bayern 47; 50 ff. - - =Karl Eduard=, Prätendent (der junge) für den englischen Thron, sein - Einfall in Schottland (1745) 53, 74, 84. - - =Karronaden= 21. - - =Katharina= II. von Rußland, Kriege mit der Türkei 422 ff.; Krieg mit - Schweden 1788-1790: 426; 429; ihre schroffen Forderungen 434; zum - Frieden geneigt 441; ihr Erfolg im Kriege 442. - - =Keith=, russischer General (1742) 420. - - =Kempenfelt=, engl. Admiral, vernichtet einen franz. Konvoi (1781) 322; - 345; 346; ertrinkt auf »Royal George« 348. - - =Keppel=, engl. Admiral 161; 180; 182; nimmt franz. Kriegsschiffe im - Kanal (1778) Personalien 249; Schlacht bei Ouessant (1778), - Kriegsgericht über ihn 251 ff.; 256; 257; Erster Lord der Admiralität - (1782) 344; legt sein Amt nieder 409. - - =Kersaint=, franz. Admiral, Gefecht bei Le Cap (1757) 176; 181. - - =Knowles=, engl. Admiral 69; 97; Gefecht vor Havanna (1748) 98; - Kriegsgericht über ihn 99. - - =Kolberg=, durch Schweden und Russen beschossen (1760/61) 421. - - =Kolonien=, ihre strategische Bedeutung, ihr Umfang (1740) 7. Innere - Verhältnisse der engl. nordamerik. Kolonien und ihre Streitfragen mit - England bis zum Aufstand (1775) 207 ff. -- =Kämpfe in den Kolonien=: - (1739-1748) 49; 54; Nordamerika 93; Westindien 59, 97; Ostindien 99. - (1756 bis 1763) Nordamerika 163, Westindien 175, Westafrika 181, - Ostindien 182. (1775-1778) 226; (1778 bis 1782) Westindien und - Nordamerika 258, 298, 324, 354; Westafrika 285; Ostindien 376. - - =Kontremarsch=, Wenden oder Halsen im, 38. - - =Kreuzerkrieg= 1739-1748: 70; 107; 1756-1763: 198; 1775-1783: 404. - - =Kriege des Abschnittes=, vgl. Verzeichnis Seite 443; =Kennzeichnung= - der: 4 ff.; Englisch-Spanischer (1739) 45 ff.; Österr. Erbfolgekrieg - (1740-1748) 47; Siebenj. Krieg (1756-1763) 116; Nordamer. - Freiheitskrieg (1775-1783) 215; 219. Vgl. auch Strategie. - - =Kronstädter Bucht=, Schlacht (1790) 436. - - =Kruse=, russisch. Admiral, Schlacht im Svensksunde (1789) 433; - Schlacht in der Kronstädter Bucht 436. - - =Kücük-Kainardschi=, Friede zwisch. Rußland u. Türkei (1774) 424. - - - =$L$abourdonnaye, de=, franz. Admiral in Indien (1744) 99 ff. - - =La Bruyère= vgl. Court. - - =La Clue, de=, franz. Admiral 143; 146; bei Lagos (1759) Personalien - 149 ff; 205; 206. - - =Lacy=, russisch. General (1743) 420. - - =Lafayette=, Marquis, Franzose in nordamerik. Dienst 216; 239; in - Virginia (1781) 333; 335 ff.; 337. - - =La Gallissonnière, de=, franz. Admiral, erobert Minorka (1756), - Personalien 134; Schlacht bei Minorka 135, 139, 140; 164; 203; 204. - - =Lagos=, Schlacht (1759) 148 ff. - - =La Guayra=, angegriffen (1743) 69. - - =La Jonquière=, de, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) 88; 96. - - =Lally=, Comte de, franz. General in Indien (1757) 189; 191; 192; 193; - 196; 197. - - =La Motte, Dubois de=, vgl. Dubois. - - =La Motte-Picquet, de=, franz. Admiral 254; Gefecht vor Martinique - (1779) 281, 282; 291; 296; 298; Gefecht bei Monte-Christi (1780) 299; - nimmt einen engl. Konvoi (1781) 317; 319; 345; 346; 347; 352. - - =Langara=, span. Admiral, Schlacht bei Kap Vincent (1780) 293. - - =Le Cap=, vgl. Cap Français, Seegefecht (1757) 176. - - =Lee=, amerik. General (1776) 232. - - =Leestellung=, Vor- und Nachteile 41. - - =Les Saintes=, Seeschlacht (1782), vgl. Dominica zweite Schlacht. - - =Lestock=, engl. Admiral, in Westindien (1741) 65; 73; bei Toulon - (1744) 77 ff.; Kriegsgericht über ihn 80; gegen Lorient (1746) 87. - - =L'Etanduère, de=, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) 89. - - =Lexington=, Landgefecht (1775) 227. - - =Leyrit, de=, franz. Gouverneur in Indien (1755) 185; 188. - - =Linienschiffe=, Vergrößerung u. Verbesserung 11; 15; 17. - - =Long Island=, von England erobert (1776) 235. - - =Lorient=, angegriffen (1746) 87. - - =Loudoun=, Earl, engl. General in Nordamerika (1756) 166 ff.; 208. - - =Louisbourg=, erobert (1745) 93; zurückgegeben 106; 132; 167; erobert - (1758) 168 ff. - - =Löwenhaupt=, schwedischer General (1741) 419/20. - - =Ludwig XVI.= von Frankreich 215; seine Befehle für die Flotte (1778) - 250. - - =Luvstellung=, Vor- und Nachteile 39. - - - =$M$adras= von Frankreich erobert (1746) 102; zurückgegeben 106; - belagert (1759) 193; von Haidar Ali bedroht (1769) 378. - - =Mahé=, franz. Stadt an der Westküste Vorderindiens, von England - erobert (1761) 197; (1779) 379. - - =Manila=, von England erobert (1762) 197. - - =Mannschaften= der Marinen siehe Personal. - - =Maria Theresia= von Österreich 5; 47 ff; 49 ff. - - =Marinen.= - - Entwicklung 1740-1793, der englischen 17 ff.; 24 ff.; der französ. - 27 ff.; Vergleich beider 33. Gründe der Lähmung der engl. Flotte im - Kriege 1739-1748 112. - - =Schiffsbestände=: - - =Englische Marine.= Bestand 1740 (Verluste 1740-1748) 58; Bestand 1756 - (Verluste 1756-1763) 131; Bestand 1775 (Verluste 1775-1783) 222; - Indienststellungen 1775-1783 224. - - =Französische Marine=, Bestand 1744 (Verluste 1744-1748) 57; Bestand - 1756 (Verluste 1756-1763) 130; Bestand 1778 (Verluste 1778 bis 1783) - 220; Indienststellungen 1778-1783 224. - - =Holländische Marine=, Bestand 1741 59; Beteiligung am Kriege 1744-1748 - 92; Bestand 1780 (Verluste 1780-1783) 221. - - =Nordamerikanische Marine=, Gründung 1775 (Verluste 1775 bis 1783) 225; - ihre Tätigkeit im Freiheitskriege 241; ihr Kreuzerkrieg 405. - - =Russische Marine=, Bestand 1740 419; 1788 426. - - =Schwedische Marine=, Bestand 1734 419; Stärke und Organisation 1788 - 426. - - =Spanische Marine=, Bestand 1739 (Verluste 1739-1748) 57; Bestand 1759 - (Verluste 1762-1763) 130; Bestand 1779(Verluste 1779-1783) 221; - Indienststellungen 1779-1783 224. - - =Türkische Marine=, Bestand 1768 423. Siehe auch unter »Personal der - Marinen«. - - =Martin=, engl. Admiral, vor Neapel (1742) 73. - - =Martinique= 177; von England erobert (1762) 179; Gefecht (1779) 281; - Schlacht (1780) 301; Gefechte 304; Gefecht (1781) 327. - - =Mathews=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 75 ff.; Personalien 77; - Kriegsgericht über ihn 80. - - =Maurepas=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 27. - - =Minorka=, von Frankreich erobert (1756) 133; Seeschlacht 135; weiteres - Schicksal im Siebenj. Kriege 138, 160; 205; von Spanien angegriffen - (1781) 318, vgl. Port Mahon. - - =Montcalm=, Marquis de, franz. General in Kanada (1756) 166 ff.; - 168 ff.; 171 ff. - - =Monte Christi= (Haiti), Seegefecht (1780) 299. - - =Montreal= von England erobert (1760) 174; (1775) 228. - - =Morbihanbucht=, Erklärung 147; 152. - - =Moreno=, span. Admiral vor Gibraltar (1782) 345; 350. - - =Moritz von Sachsen=, 87. - - =Moultrie=, Fort bei Charleston, angegriffen (1776) 231; genommen - (1780) 308. - - - =$N$arragansettbucht=, militär. Bedeutung, von England besetzt (1776) - 237; Beschreibung, von Franzosen angegriffen (1778) 262; von England - geräumt (1779) 282; Landung des franz. Hilfskorps (1780) 310. - - =Nassau-Siegen=, Prinz von, russischer Admiral, im Mittelmeer (1788) - 425; in der Ostsee (1789), Schlacht im Svensksunde 433; ebenso (1790) - 440. - - =Nautik=, Fortschritte 16. - - =Navarro=, span. Admiral, 72; bei Toulon (1744) 75 ff.; 82. - - =Negapatam= (Indien), Seegefecht (1746) 101; Schlacht (1758) 192; - Schlacht (1782) 391. - - =Nelson=, erstes Auftreten (1783) 376. - - =Neutrale Inseln= (Westindien) 9; 175. - - =Neutralität der Ostseemächte=, bewaffnete (1780), ihre Ziele 218; ihre - Streitkräfte 222. - - =Newport=, vgl. Narragansettbucht. - - =New York= von England erobert (1776) 235; von Frankreich bedroht 260. - - =Nordamerika=, europäische Kolonien dort (1740) 8; Kämpfe dort bis - (1763) vgl. »Kolonien«, siehe »Vereinigte Staaten«. - - =Norris=, engl. Admiral 72; 74. - - =North, Lord=, engl. Premierminister (1770-1782), Stellung zu den - amerik. Kolonien 209-211; 213; lenkt den Kolonien gegenüber ein 243; - gestürzt 344. - - - =$O$ffizierkorps=, See-, siehe unter Personal. - - =Ogle=, Sir Chaloner, engl. Admiral, in Westindien (1740) 62-69. - - =Öland=, Schlacht (1789) 431. - - =Orleans, Louis Philipp=, Herzog von, vgl. Chartres. - - =Orlow=, Alexej, russischer Admiral, im Mittelmeer (1769) 422; Schlacht - bei Tscheschme 423. - - =Orves, Comte= d', franz. Admiral in Indien (1779) 379; 403. - - =Orvilliers, Comte= d', franz. Admiral, (1778) 247; im Kanal (seine - Instruktion) 250; Schlacht bei Ouessant (Personalien) 251 ff.; 256; - 257; (1779) Oberbefehl der französisch-spanischen Flotte 287; im - Kanal 289; Beurteilung 297. - - =Österreich= in den Kriegen des Zeitabschnittes 5 ff.; (1740) 47; - (1756) 116 ff.; 424; vgl. auch Maria Theresia. - - =Ostindien=, europäische Kolonien (1740) 9; Kämpfe derselben vgl. - Kolonien; militärische Bedeutung für den Krieg 1778-1783 245. - - =Ostindische Kompagnien= vgl. vorstehend. Ferner: =Französische= K.: - Wachsen ihrer Macht unter Dupleix (1741-1754) 99 ff.; 182; ihre - Auflösung (1770) 197. -- =Englische= K.: 99; 182 ff.; Ausdehnung - ihrer Macht in Bengalen 187; 198; Kämpfe mit Eingeborenen (1763-1778) - 376; Neuorganisierung (1773) 377. -- =Holländische= K.: 405. - - =Otschakow=, (1788) von Rußland erobert, Seegefechte 425. - - =Ouessant=, Seeschlacht(1778) 251 ff.; Vernichtung eines franz. Konvois - (1781) 322. - - - =$P$alliser=, engl. Admiral, schuldhaftes Verhalten bei Ouessant (1778) - 252 und 255. - - =Paoli=, korsikanischer Freiheitsheld (1769) 212. - - =Paris=, Friede zwischen England und Frankreich (1763) 127, zwischen - England und Holland (1784) 409. - - =Parker Peter=, engl. Admiral, Angriff auf Charleston (1776) 231 ff.; - besetzt die Narragansettbucht 237; in Westindien (1778-1782) 247; - 272; 281; 298; 330; 347. - - =Pensacola=, von Spanien erobert (1781) 307. - - =Pepperel=, Milizoffizier der engl. Kolonien, erobert Louisbourg (1745) - 94. - - =Personal der Marinen. Englische Marine=: 25; 33; 58; 113; 223. - =Französische=: 28; 33; 57; 130; 221. Vergleich beider 33. - =Spanische=: 58; 130; 221. =Holländische=: 59; 221. =Russische= 419; - 426. =Schwedische= 426; =Türkische= 423. - - =Philadelphia=, Kongreß der Vereinigten Staaten und dessen Forderungen - (1774) 210; von England erobert (1777) 239; geräumt (1778) 258. - - =Philippinen=, von England erobert (1762) 197. - - =Pitt=, William, =sen.=, Graf von Chatham, engl. Premierminister 47; - während des Siebenj. Krieges: 118; 127; Stellungnahme zum Pariser - Frieden (1763) 129; 143; 148; 169; 177. Während des Aufstandes der - nordamerik. Kolonien: 207; 210; letztes Auftreten und Tod (1778) 243. - - =Pitt=, William, =jun.=, tritt ins Ministerium (1782) 344. - - =Pittsburg= 164. - - =Pizarro=, spanischer Admiral (1740) 61; 71. - - =Plassey=, Schlacht in Bengalen (1757) begründet das britisch-indische - Reich 188. - - =Pocock=, engl. Admiral 163; erobert Havanna (1762) 180; Schlachten bei - Cuddalore (1758) 189, bei Negapatam (1758) 192; bei Porto Novo (1759) - 194; 195. - - =Pondichery= 9; belagert (1748) 105; erobert (1761) 196; erobert, - Seegefecht (1778) 378. - - =Port Louis= (Haiti) angegriffen (1748) 97. - - =Port Mahon=, von Franzosen erobert (1756) 137; weiteres Schicksal im - Siebenj. Kriege 138; von Spanien erobert (1782) 318. - - =Porto Novo=, Schlacht (1759) 194. - - =Porto Praya= (Capverden), Schlacht (1781) 382. - - =Portugal=, im Siebenj. Kriege 120. - - =Pragmatische Sanktion= 5. - - =Preußen= in den Kriegen des Zeitabschnittes 5 ff.; 47; 116 ff.; 421. - Vgl. auch Friedrich II. - - =Princetown=, Landgefecht (1776) 238. - - =Providien=, Schlacht (1782) 387. - - =Puerto Belo= erobert (1739) 60; 69. - - =Puerto Cabello=, angegriffen (1743) 69. - - - =$Q$uebec=, von England erobert (1759) 171; von Amerikanern belagert - (1775) 228; 233. - - =Quiberonbucht=, Schlacht (1759) 154. - - - =$R$aagervik= (Baltisch Port) von Schweden überrumpelt (1790) 435. - - =Rajalin=, schwed. Admiral (1741) 419. - - =Ramatuelle=, franz. Seeoffizier, Taktiker 279. - - =Reppiner Haken=, Seegefecht (1758) 421. - - =Rhode Island=, vgl. Narragansettbucht. - - =Richelieu, Herzog von=, franz. General 85; erobert Minorka (1756) 134. - - =Rion, de=, franz. Admiral, erobert Tabago (1781) 329; 358; 367. - - =Rochambeau, Comte de=, franz. General, Chef des Hilfskorps in - Nordamerika (1780) 309; 311; 312; 330; 336; 342. - - =Rochefort=, angegriffen (1757) 143. - - =Rodney=, engl. Admiral 10; 44; 148; vor Havre (1759) 151; 161; erobert - die franz. westindischen Inseln (1762) 179; Personalien 292; Sieg bei - Kap St. Vincent, versorgt Gibraltar (1780) 293; in Westindien 299; - Schlachten bei Martinique gegen Guichen 300, 304, 305; segelt nach - Nordamerika und zurück 306; Beurteilung 313/14. Erobert St. Eustache - (1781) 324; 326; 329; 330; Beurteilung 342. Schlachten bei Dominica - (1782), sein Durchbruch der feindlichen Linie 361-372; nach England - zurückgerufen, seine Gesamterfolge 374; über seine Taktik 415/16. - - =Roquefeuil, Comte de=, franz. Admiral, im Kanal (1744) 74. - - =Rouillé=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 29. - - =Reval=, Schlacht (1790) 435. - - =Rowley, Joshua=, engl. Admiral 275; bei Grenada (1778) 277; 281; 282; - bei Martinique (1780) 303. - - =Rowley, William=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 77 ff.; 82; 83. - - »=Royal George=«, engl. Linienschiff, Untergang auf der Rhede von - Spithead (1782) 348. - - =Rußland=, in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) 47; (1756) - 116 ff.; (1741-1743) 418; (1756-1763) 421; (1787-1791) 424-442. Sein - Festsetzen am Schwarzen Meere 424, 425. Vgl. auch »Katharina II.«. - Seine Marine vgl. »Marinen« und »Personal«. - - - =$S$adras=, Schlacht (1782, taktisch bemerkenswert) 385. - - =Santiago de Cuba=, angegriffen (1741) 67; (1748) 97. - - =Saratoga=, Kapitulation des engl. Heeres (1777) 239; Folgen derselben - 242/43. - - =Sartines=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 31. - - =Savannah=, von England besetzt (1778) 269; von Frankreich angegriffen - (1779) 281. - - =Schiffe=, Weiterentwicklung der, 11 bis 19; (Kupferung 16; - Kauffahrteischiffe 16; Schiffsklassen 17). - - =Schlachten=. =See=schlachten vgl. Verzeichnis S. 443. - =Land=schlachten, die mit dem Seekriege in näherer Verbindung stehen: - Plassey (Indien 1757) begründet Englands Herrschaft in Bengalen 188. - Im nordamerikanischen Freiheitskriege: Lexington und Bunkershill - (1775) 229; New York erobert (1776) 235; Trenton, Princetown (1776) - 238; Stillwater, Saratoga (1777) 238; Brandywine, Philadelphia - erobert (1777) 240; Kapitulation von Yorktown (1781) 339. - - =Schmuggelhandel=, engl., in Westindien, gibt Anlaß zum Kriege (1739) - 3; 45. - - =Schwarzes Meer=, Rußlands Festsetzung dort 424/25. - - =Schweden= in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) 47; (1756) 118; - (1741-1743) 418; (1756-1763) 421; (1788-1790) 425-442. Vgl. auch - Gustav III. Seine Marine vgl. »Marinen« und »Personal«. - - =Seeherrschaft=, der Kampf um sie wird wichtiger 7. - - =Seeoffizierkorps=, Englisches: Ersatz, Dienstgrade, Beförderung 25; - Französisches: Dienstgrade 33, Ersatz 35. Vergleich beider 34. Vgl. - auch »Personal«. - - =Seeschlachten=, Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte vgl. »Schlachten«. - - =Seetaktik=, vgl. Taktik. - - =Senegambien=, von England erobert (1758) 182; von Frankreich erobert - (1779) 285; Teilung (1783) 409. - - =Shelburne=, Graf (Lansdown), engl. Premierminister (1782) 344; 408. - - =Shirley=, engl. Gouverneur von Massachusetts, im österreichischen - Erbfolgekrieg 93; 96; im Siebenj. Kriege 165; 166; 208. - - =Silberflotten=, spanische 45. - - =Sjöstjerna=, schwed. Admiral (1741) 419. - - =Södermanland=, Herzog Karl, von, schwed. Admiral 427; Schlacht bei - Hogland (1788) 428; Schlacht bei Öland (1789) 431; (1790): Schlacht - bei Reval 435, Schlacht in der Kronstädterbucht 436, in der - Wyborgbucht blockiert und Durchbruch 439 ff. - - =Solano=, span. Admiral, in Westindien (1780) 291; 295; 305; erobert - Pensacola 307; (1783) 376. - - =Sounders=, engl. Admiral 142; 159; erobert Quebec (1759) 171 ff. - - =Spanien= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 bis - 1748: 45; 49; (1739) 61 ff.; (1744) 73, 81; (1748) 111; sein - Handelskrieg (Verluste) 107; Strategie 111; Friede zu Aachen (1748) - 55. -- Im Kriege 1756-1763: Familienvertrag mit Frankreich (1761) - treibt es in den Krieg 119; verliert (1762) Havanna 180 und die - Philippinen 197; Friede zu Paris (1763) 128. -- Im Kriege 1775-1783: - Streit mit England wegen der Falklandsinseln (1770) 212; versucht - zwischen Frankreich und England zu vermitteln, tritt dann in den - Krieg Frankreichs ein (1779) 217; Ziele der Verbündeten 218; - Rüstungen (1779) 286; die spanisch-französische Flotte im Kanal 287; - beginnt die Belagerung von Gibraltar 292; sendet Flotte zur Eroberung - von Jamaika (1780), die aber die französische im Stich läßt 305; - erobert Pensacola (1781) 307; Rüstungen (1781) 315; erobert (1781/82) - Minorka 318; spanisch-französische Flotte im Kanal (1781) 319; - Rüstungen (1782) 344; die gemeinsame Flotte vor dem Kanal 346; - erfolgloser großer Angriff auf Gibraltar 348; Friede von Versailles - (1783) 409. -- Spaniens Strategie 409 ff. -- Stärke usw. der - spanischen Marine vgl. »Marinen«. - - =Spartel, Kap=, Gefecht (1782) 352 ff. - - =Spinola=, span. Admiral, Schlacht bei Havanna (1748) 98. - - =Spiridoff=, russ. Admiral, im Mittelmeer (1769) 423. - - =St. Christopher=, Westindien, von Frankreich erobert (1782) 354; zwei - Schlachten (1782) 355 ff. - - =St. Davids= (Fort bei Cuddalore, vgl. dort) 101; von Frankreich - angegriffen (1747) 104, 105; erobert (1758) 191; ebenso (1782); von - England belagert (1783) 397. - - =St. Eustache= (Westindien) von England erobert (1781; Rodneys große - Beute) 324; von Frankreich zurückgenommen 341. - - =St. Johns=, Fort in Nordamerika 228; 233. - - =St. Kitts=, vgl. St. Christopher. - - =Sta. Lucia=, Westindien, neutrale Insel 9; fällt an Frankreich (1763) - 175; von England erobert (1778), seine strategische Bedeutung 273; - von Frankreich angegriffen 274 und (1781) 328. - - =St. Malo= beschossen (1753) 145, 146. - - =St. Martin=, Westindien, von Frankreich erobert (1779) 275. - - =St. Vincent=, Kap, Schlacht (1780) 293. - - =St. Vincent=, Westindien, neutrale Insel 9; fällt an England (1763) - 175; von Frankreich erobert (1779) 276. - - =Steuben, von=, amerikan. General, Organisator des Heeres (1777) 242. - - =Strategie= zur See, gewinnt an Umfang 7; die französische - Defensivstrategie 43. -- Strategie im Kriege 1739-1748: Einfluss des - Seekrieges auf den Landkrieg 108; die Kriegführung der Gegner 110; - Angriffe auf feindliche Küsten erfordern die Seeherrschaft 114. -- Im - Kriege 1756-1763: die Kriegführung der Gegner 123, 200; Angriffe auf - Küsten 205; Belagerung von Küstenstädten 260. -- Im Kriege 1775-1783: - Kennzeichnung des Krieges 219; Lage auf den verschiedenen - Kriegsschauplätzen 244. Beurteilung der Strategie auf diesen in den - einzelnen Jahren: Europa (1778) 257; in Nordamerika (1778) 270; - Amerika und Westindien (1779/80) 283, Fehler Englands, den Landkrieg - in den Südstaaten aufzunehmen 269, franz. Ansicht über Seestrategie - und Taktik 279, Englands Fehler, die Narragansettbucht aufzugeben - 284; Europa (1779/80) 296; Westindien und Nordamerika (1780) 312; - Europa (1781) 323; Westindien und Nordamerika (1781) 344; Westindien - (1782) 374; Ostindien (1778-1783) 402. -- Allgemeine Besprechung der - Strategie (1778-1783). Aufgaben der Gegner und wie sie dieselben - lösten 409 ff. -- Strategie im Schwedisch-Russischen Kriege (1788 bis - 1790) 430; 434; 441. - - =Suffren=, franz. Admiral 10; 44; unter d'Estaing in Nordamerika und - Westindien (1778) 263; 267; 271; 283; 296. Segelt nach Ostindien - (1781) 316/17; 346; 359; 380; Schlacht vor Porto Praya (1781). - Personalien, rettet das Kapland 381 ff.; Oberbefehl in Indien (1782) - 384; Schlachten in Indien (1782): bei Sadras 385, Providien 387, - Negapatam 391, erobert Trincomali 393, bei Trincomali 394; 399 ff.; - (1783) Schlacht bei Cuddalore, Entsatz der Stadt 400; 401. Rückkehr - nach Frankreich, seine Beurteilung 402 ff. Seine Maßnahmen zur - Instandhaltung der Schiffe 393. - - =Svensksund=, zwei Schärenschlachten (1789) 433, (1790) 440. - - - =$T$abago=, Westindien, neutrale Insel 9; von Frankreich kurze Zeit - besetzt (1749) 131; fällt an England (1763) 175; v. Frankreich - erobert (1781) 329. - - =Takelage=, Verbesserung der 13. - - =Taktik.=, Fortentwicklung 9; Stand um 1740 36 ff.; Nachteile der engl. - Angriffsart, die franz. Defensivtaktik 41 ff.; Einfluß der franz. - Strategie auf diese 43; 279; unentschiedene Defensivschlachten 43. -- - Über Taktik in den einzelnen Kriegen: (1740-1748) 113; bei Eroberung - von Küstenstädten fällt die Hauptaufgabe dem Landheere zu 115; - (1756-1763) 204; (1775-1783) 414. -- Schlachten bemerkenswert für - Erkennung und Beurteilung der verschiedenen Taktik der Gegner: Toulon - (1744) 80; Minorka (1756) 139; Ouessant (1778) 255; Grenada (1779) - 279; Chesapeakebucht (1781) 334, 338. Schlachten, in denen vom alten - Brauch abgewichen wurde: Martinique (1780, Rodney) 301; Dominica - (1782, Rodney) 363; Sadras (1782, Suffren) 385. - - =Ternay, de=, franz. Admiral, Einfall in Neufundland (1762) 200; segelt - mit dem Hilfskorps nach Nordamerika (1780) 291, 306; Gefecht bei den - Bermudainseln, landet bei Rhode Island (Narragansettbucht) 309, 311, - 313. - - =Thurot=, franz. Freibeuter, Einfall in Irland (1760) 160. - - =Ticonderoga=, Fort in Nordamerika 170, 228, 238. - - =Tippu Sahib= (Herrscher von Misore, Indien), im Kampf mit England 387, - 399, 400. - - =Torres=, spanischer Admiral in Westindien (1740) 61, 63, 66, 68, 71. - - =Toulon=, von England blockiert (1742 bis 1743) 73; Seeschlacht (1744) - 75; ihre Bedeutung 80. - - =Trenton=, Landgefecht (1776) 238. - - =Trincomali= (Ceylon), (1782) von England erobert 380, von Frankreich - erobert 393; Seeschlacht 394. - - =Tscheschme=, Vernichtung der türkischen Flotte durch die russische - (1770) 423. - - =Tschitschakoff=, russisch. Admiral, Schlacht bei Öland (1789) 431; - blockiert Karlskrona 432; Schlacht bei Reval (1790) 435, 437; - blockiert die schwed. Flotte in Wyborg, Durchbruch derselben 438. - - =Türkei=, Kriege (1768-1774) 422; (1788-1791) 424; seine Marine vgl. - »Marinen«. - - - =$U$tfall=, schwed. Admiral (1743) 420. - - - =$V$audreuil, Comte de=, franz. Admiral, Gouverneur von Kanada - (1755-1760) bis zu dessen Eroberung 166, 172 ff. - - =Vaudreuil=, Sohn des Vorstehenden, franz. Admiral 275; in Westafrika - (1778) 285; in der Schlacht bei Dominica (1782) 362-374; Oberbefehl - in Westindien, segelt nach Boston 374; nach Puerto Cabello 375; nach - Europa (1783) 376. - - =Vaughan=, engl. General, erobert St. Eustache (1781) 324. - - =Vereinigte Staaten von Nordamerika.= Innere Verhältnisse der - nordamerikanischen Kolonien, ihre Zerwürfnisse mit England 207; der - Kongress der Kolonien, seine Forderungen (1774) 210; die - Unabhängigkeitserklärung 211; von Frankreich anerkannt (1778) 217. -- - Der Krieg (1775-1778) 226-242; Kapitulation des englisches Heeres bei - Saratoga (1777) 239; letzter Versuch Englands zur Versöhnung (1778) - 243. Frankreich sendet eine Flotte zur Unterstützung (1778) 243, 258; - Verlauf des Krieges (1778/79) ungünstig 268; französisches Hilfsheer - trifft ein (1780) 309; schlechte Lage der Amerikaner (Ende 1780) 315; - Virginia wird Hauptkriegsschauplatz (1781), die französische Flotte - beherrscht die See, Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown - 331; Ende des Landkrieges (1782) 340, 344. -- Der Kreuzerkrieg der - Amerikaner 225, 241, 405. Der Friede von Versailles (1783) 407. -- - Die amerikanische Marine vgl. »Marinen«. - - =Vergennes, Comte de=, franz. Premierminister, nimmt den Krieg mit - England auf (1778) 215 ff.; 250; seine Ansicht über den Wert von - Seeschlachten 256, 285. - - =Vernon=, engl. Admiral, in Westindien (1739) 60-69; im Kanal (1745) - 85. - - =Versailles=, Frieden zu (1783) 407. - - »=Victory=«, engl. Linienschiff, Untergang (1744) 83. - - =Voltaire=, Aufruf an das engl. Volk (1745) 85. - - - =$W$affen= (1740-1793) 19-24. - - =Walpole=, engl. Premierminister 46 ff., 72, 208. - - =Warren=, engl. Admiral in Nordamerika 88, 91; erobert Louisbourg - (1745) 94. - - =Washington=, amerik. General, erobert Fort Duquesne (1754) 164; - Oberbefehlshaber des Heeres der Vereinigten Staaten (1775) 211, 227, - 229, 231; verliert New York (1776) 235; siegreich in New Jersey 238; - bei Brandywine geschlagen, verliert Philadelphia (1777) 240; - (1778/79): 262, 268; (1780): 306, 311; (1781): 330, 336, 338, 341; - seine Anerkennung für de Grasse 342; seine Ansicht über Bedeutung der - Seemacht 343. - - =Watson=, engl. Admiral, in Indien, gegen den Seeräuber Angria (1755) - 186; erobert Kalkutta (1757) 187. - - =Wentworth=, engl. General, in Westindien (1740) 62-69. - - =Werelä=, Friede zwischen Schweden und Rußland (1790) 441. - - =Werften=, Verbesserung der 16. - - =Westindien=, europäische Kolonien dort 8; englischer Schmuggelhandel - gibt Anlaß zum Kriege (1739) 3, 45; Westindiens militärische - Bedeutung im Kriege (1778-1783) 244; Kämpfe in Westindien vgl. - »Kolonien«. - - =Westminster=, Vertrag zwischen England und Preussen (1756) 117. - - =Wiborg=, Blockade und Durchbruch der schwed. Flotte (1790) 439. - - =Wolfe=, engl. General 169; nimmt Quebec (1759) 171 ff. - - - =$Z$outman=, holländ. Admiral, Schlacht auf der Doggerbank (1781) 320; - Beurteilung 322. - -[Illustration] - - E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68-71. - - * * * * * - -Anmerkungen zur Transkription: - -Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert. - -Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=) und fett gedruckter -Text mit Dollarzeichen ($Text$) markiert. - -Die Tabellen auf den Seiten 22, 23 und 215 wurden wegen ihrer Größe -geteilt. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, -ZWEITER BAND *** - -***** This file should be named 63857-0.txt or 63857-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/8/5/63857/ - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this ebook. - -Title: Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band - -Author: Rudolph Rittmeyer - -Release Date: November 23, 2020 [EBook #63857] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Peter Becker, Jens Nordmann and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This transcription - was produced from images generously made available by - Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, -ZWEITER BAND *** -</pre> -<div class="figcenter"> - <img src="images/frontispiz.jpg" width="386" height="600" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="frontispiz" id="frontispiz"></a> -<p class="caption">George Brydges Rodney</p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<h1>Seekriege und Seekriegswesen</h1> - -<p class="title">in ihrer<br /><br /> - -<span style="font-size: 150%;">weltgeschichtlichen Entwicklung</span><br /><br /> - -<span style="font-size: 110%;">Mit besonderer Berücksichtigung der großen Seekriege -des XVII. und XVIII. Jahrhunderts</span><br /><br /> - -von<br /><br /> - -<span style="font-size: 150%;">Rudolph Rittmeyer</span><br /> - -Kontre-Admiral z. D.<br /><br /></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_title.jpg" width="100" height="57" - alt="title deco" - title="title deco" /> -</div> - -<p class="title"><br /><span style="font-size: 125%;">Zweiter Band</span><br /> - -<span style="font-size: 110%;">Von 1739–1793</span><br /> - -Mit zahlreichen Porträts, Abbildungen und Skizzen<br /><br /> - -<span style="font-size: 125%;">Berlin 1911</span><br /> - -<span style="font-size: 110%;"><em class="gesperrt">Ernst Siegfried Mittler und Sohn</em></span><br /> - -Königliche Hofbuchhandlung<br /><br /></p> - -<p class="title">Alle Rechte aus dem Gesetz vom 19. Juni 1901 -sowie das Übersetzungsrecht sind vorbehalten.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_iii" id="Page_iii">[iii]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_piii.jpg" width="607" height="104" - alt="deco_piii" - title="deco_piii" /> -</div> - -<h2>Vorwort zum zweiten Bande.</h2> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_piii.jpg" width="50" height="50" - alt="D" - title="D" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">D</span>ie günstige Beurteilung des ersten Bandes hat mich bestimmt, -den zweiten nach den gleichen Grundsätzen zu bearbeiten. -Auch Einteilung und Anordnung des Stoffes sind die gleichen -geblieben, um Übersicht und Nachschlagen zu erleichtern.</span></p> - -<p>Mein Bestreben ging und geht vor allem dahin, die besten Quellen der -verschiedenen Völker über die Tätigkeit ihrer Marinen, die naturgemäß -manches für eine allgemeine Seekriegsgeschichte nicht Notwendige enthalten -und mehr oder weniger national gefärbt erscheinen, sorgsam zu prüfen -sowie gegeneinander abzuwägen, um eine möglichst objektiv gehaltene Darstellung -der Seekriege in ihren wichtigsten Ereignissen geben zu können.</p> - -<p>Je weiter aber die Geschichte fortschreitet, um so reichlicher fließen -die Quellen; infolgedessen hat die Bearbeitung des zweiten Bandes mehr -Zeit erfordert, als ich voraussetzte. Auch beanspruchte die Schilderung der Seekriege -größeren Raum, als ich für sie in Aussicht genommen hatte, insbesondere -der See- und Kolonialkrieg Englands gegen seine aufständischen Kolonien in -Nordamerika, sowie gegen Frankreich, Spanien und Holland, der ereignisreichste -und wohl lehrreichste Seekrieg, der je ausgefochten wurde. Ich habe -deshalb den zweiten Band auf die Darstellung der Ereignisse von 1739–1793 -beschränken müssen. Auch dieser Zeitraum ist gewissermaßen in sich abgeschlossen, -weil er die großen Seekriege umfaßt, die in erster Linie dem -Kolonialbesitz gelten.</p> - -<p>Wie im ersten Bande und aus den gleichen, dort im Vorworte angeführten -Gründen habe ich die Kriege, die für die allgemeine Geschichte, -sowie für die Entwicklung des Seekriegswesens von geringerer Bedeutung -sind, unter der Bezeichnung „Nebenkriege“ nur kurz behandelt. Diejenigen, -die sich in der Ostsee abspielen, sind zwar für uns Deutsche wohl bemerkenswert, -aber ich habe doch von ihrer ausführlicheren Darstellung absehen zu<span class="pagenum"><a name="Page_iv" id="Page_iv">[iv]</a></span> -können geglaubt, weil Vizeadmiral Kirchhoff in seinem 1907 und 1908 -erschienenen Werke „Seemacht in der Ostsee“ diese Vorgänge eingehend -schildert und dabei auch die innere Geschichte der nordischen Marinen in -ähnlicher Weise behandelt, wie ich es bei der englischen, französischen und -holländischen getan habe.</p> - -<p>Mein dritter Band soll dann die Zeit von 1793–1815 bringen, hauptsächlich -die beiden großen Seekriege Englands gegen die erste Republik -und das erste Kaiserreich der Franzosen, die von tiefgehendem Einfluß auf -die Landkriege dieser bewegten Jahre gewesen sind. Mit ihnen schließen -die Seekriege der Periode der reinen Segelschiffahrt, soweit sie von größerer -Bedeutung gewesen sind, ab.</p> - -<p>Möchte mir nach Beendigung des dritten Bandes noch Zeit und Kraft -verbleiben, das Werk bis zur Gegenwart fortzuführen.</p> - -<p class="left"><em class="gesperrt">Hannover</em>, Herbst 1910.</p> - -<p class="right"><span style="margin-right: 2.5em;">Rittmeyer</span><br /> - -Kontre-Admiral z. D.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_v" id="Page_v">[v]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_pv.jpg" width="600" height="145" - alt="deco_pv" - title="deco_pv" /> -</div> - -<h2>Inhaltsverzeichnis.</h2> - -<table summary="ToC"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Vorwort</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_iii">III</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Wichtigste Quellen-Literatur</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_xiv">XIV</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Verzeichnis der Abbildungen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_xix">XIX</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"><span style="font-size: 120%;">Vierter Abschnitt.</span><br /> -<span style="font-size: 150%;">Die Zeit von 1739–1793.</span></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Erstes Kapitel: Einleitung</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_1">1–10</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Kennzeichen des Abschnittes</em> S. <a href="#Page_2">2</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Geschichtlicher Überblick über denselben</em> S. <a href="#Page_3">3–6</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Seine Bedeutung für die Seekriegsgeschichte und -für die Entwicklung des Seekriegswesens</em>: Erweiterung der -Strategie <a href="#Page_7">7</a>. — Umfang und Bedeutung der Kolonien 1740 <a href="#Page_7">7</a>. — Entwicklung -der Taktik und der Streitmittel <a href="#Page_9">9</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Zweites Kapitel: Die Entwicklung des Seewesens von 1740–1793</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_11">11–44</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Weiterentwicklung der Schiffe.</em> Vergrößerung der Linienschiffe. -Vervollkommnung der Takelage. Herausbildung des Fregattentyps. -Kupferung. Farbenanstrich. Beiboote. Werften <a href="#Page_11">11–16</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Kauffahrteischiffe</em> S. <a href="#Page_16">16</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Fortschritte in der Nautik.</em> Chronometer. Hilfstafeln. Entdeckungsreisen <a href="#Page_17">17</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Schiffsklassen</em>: Schiffsbestände in der englischen Marine nach -solchen um 1752, 1762, 1775, 1783, 1792. Schiffe zu besonderen Zwecken <a href="#Page_17">17–19</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Waffen</em>: Bedienung der Kanonen, die gebräuchlichen Kaliber und ihre -Verteilung an Bord. Einführung der Karronaden. Handwaffen, Handgranaten. <a href="#Page_19">19–23</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal.</em> -In England: Admiralität, Offiziers-Ersatz, und Beförderung. -Offiziersgrade. Mannschaft. Das Leben an Bord <a href="#Page_24">24–27</a>. — In Frankreich: -Amtstätigkeit der Marineminister Maurepas, Rouillé, Choiseul, Sartines,<span class="pagenum"><a name="Page_vi" id="Page_vi">[vi]</a></span> -Castries <a href="#Page_28">28–32</a>. — Offiziersgrade <a href="#Page_33">33</a>. — Vergleich der englischen und -französischen Marine <a href="#Page_33">33–36</a>. — Uniformen <a href="#Page_36">36</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die Taktik.</em> Hostes Werk über Taktik <a href="#Page_36">36–38</a>. — Die englische -Gefechtsinstruktion. Vor- und Nachteile der Luvstellung <a href="#Page_39">39</a>. — Die Leestellung -<a href="#Page_41">41</a>. — Die englische Angriffs- und die französische Abwehrtaktik -<a href="#Page_41">41–44</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Drittes Kapitel: Der Englisch-Spanische Krieg 1739 und der Österreichische -Erbfolgekrieg 1740–1748</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_45">45–115</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die Anlässe zum Kriege.</em> Der englische Schmuggelhandel in -Westindien (der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr) <a href="#Page_45">45–46</a>. — Englands -Kriegserklärung an Spanien <a href="#Page_47">47</a>. — Tod Kaiser Karls VI.; Pragmatische -Sanktion; Gruppierung der Staaten im österreichischen Erbfolgekriege -<a href="#Page_47">47–48</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_45">45–48</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der allgemeine Verlauf des Krieges.</em> Der Englisch-Spanische -Seekrieg 1739–1744 <a href="#Page_49">49</a>. — Der österreichische Erbfolgekrieg -am Lande 1740–1746 <a href="#Page_49">49–53</a>. — Die Erhebung Schottlands 1743 <a href="#Page_53">53</a>. -— Ende des Krieges 54. — Der See- und Kolonialkrieg <a href="#Page_54">54–55</a>. — Der -Frieden zu Aachen 1748 <a href="#Page_55">55</a>, die Friedensbedingungen <a href="#Page_56">56</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_49">49–56</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die Streitmittel.</em> Der Schiffsbestand in Frankreich 1740; die -Schiffe der Compagnie des Indes; der Verlust an Schiffen während des -Krieges <a href="#Page_57">57</a>. — Zustand der spanischen Marine, Verluste <a href="#Page_57">57</a>. — Der -Schiffsbestand in England 1739 und 1744, Verluste <a href="#Page_58">58</a>. — Zustand der -holländischen Marine <a href="#Page_59">59</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_57">57–59</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Verlauf des Seekrieges. Der Krieg in Westindien</em> -1739–1744: Admiral Vernon erobert Puerto Belo 22. November -1739 <a href="#Page_60">60</a>. — Französische Geschwader in Westindien <a href="#Page_61">61</a>. — Vernon erobert -Chagres 1740 <a href="#Page_62">62</a>. — Zusammenstoß englischer und französischer -Schiffe <a href="#Page_63">63</a>. — Erfolglose Angriffe auf Cartagena und Santiago de Cuba 1741 -<a href="#Page_64">64–68</a>. — Englische Angriffe 1742/43 <a href="#Page_69">69</a>. — Der Kleine Krieg. — Ansons -Zug 1740–1743 <a href="#Page_70">70</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_60">60–71</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den europäischen Gewässern</em> 1740 -bis 1744. Die Engländer vor Toulon und Neapel 1742/43 <a href="#Page_72">72</a>. — Versuch -einer Landung in England 1744 <a href="#Page_74">74</a>. — Die Schlacht vor Toulon 22. Februar -1744 (de Court gegen Mathews) <a href="#Page_75">75</a>; ihre Bedeutung für die Seekriegsgeschichte -(Beurteilung der Gegner; Kriegsgericht über Mathews u. a.) -<a href="#Page_80">80–82</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_71">71–82</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den europäischen Gewässern</em> 1744–1748. -Bewegungen der Flotten 1744/45 <a href="#Page_82">82</a>. — Die Erhebung Schottlands, von -Frankreich nicht benutzt <a href="#Page_84">84</a>. — Angriff auf Lorient, Landung bei Quiberon -1746 <a href="#Page_86">86</a>. — England herrscht im Mittelmeer von 1746 an <a href="#Page_87">87</a>. — -Siege der Engländer bei Kap Finisterre 14. Mai und 25. Oktober 1747 (Admiral -Anson gegen de La Jonquière und Admiral Hawke gegen L'Etanduère) -<a href="#Page_88">88–90</a>. — Frankreich erschöpft 1747 <a href="#Page_91">91</a>. — Beteiligung der holländischen -Marine am Seekriege <a href="#Page_92">92</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_82">82–92</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den Kolonien</em> 1744–1748. <em class="gesperrt">Nordamerika.</em> -Louisbourg erobert 1745 <a href="#Page_93">93</a>. — Erfolglose französische Expedition unter -d'Anville 1746 <a href="#Page_95">95</a>. — Die Angriffe der englischen Kolonisten auf Kanada -stocken bis zum Friedensschluß <a href="#Page_96">96</a>. — <em class="gesperrt">Westindien.</em> Angriffe auf -Port Louis und Santiago de Cuba, Gefecht vor Havanna 1748 (Admiral<span class="pagenum"><a name="Page_vii" id="Page_vii">[vii]</a></span> -Knowles) <a href="#Page_97">97</a>. — <em class="gesperrt">Ostindien</em>. Ausdehnung der französischen Macht; Dupleix -und Labourdonnaye <a href="#Page_99">99</a>. — Gefecht bei Negapatam 7. Juli 1746 <a href="#Page_101">101</a>. — -Einnahme von Madras <a href="#Page_102">102</a>. — Zwist der französischen Führer <a href="#Page_103">103</a>. — -Angriff auf St. David 1747 <a href="#Page_104">104</a>. — Angriff auf Pondichery (Admiral -Boscawen) 1748 <a href="#Page_105">105</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_93">93–106</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Kleine Krieg gegen den Handel</em> 1739–1748 (Verluste -an Handelsschiffen) <a href="#Page_107">107</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_107">107–108</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Schlußbetrachtungen.</em> Einfluß des Seekrieges auf den Landkrieg -<a href="#Page_108">108</a>. — Beurteilung der Kriegführung der Gegner <a href="#Page_110">110</a>. — Gründe, -die die englische Flotte lähmten <a href="#Page_112">112</a>. — Taktik <a href="#Page_113">113</a>. — Über Angriffe -auf feindliche Küsten <a href="#Page_114">114</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_108">108–115</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Viertes Kapitel: Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg zwischen -England und Frankreich (Spanien) 1756–1763</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_116">116–206</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des</em> -<em class="gesperrt">Krieges.</em> Anlässe zum Kriege und Gruppierung der Staaten <a href="#Page_116">116–120</a>. -— Verhältnis des Seekrieges zum gleichzeitigen Siebenjährigen Festlandskriege -<a href="#Page_119">119</a>. — Der Bourbonische Familienvertrag <a href="#Page_119">119</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_116">116–120</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Verlauf des Festlandskrieges</em> <a href="#Page_120">120</a>. — Frieden -zu Hubertusburg 15. Februar 1763 <a href="#Page_123">123</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_120">120–123</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Allgemeiner Verlauf des Seekrieges</em>, Kennzeichnung -der Kriegführung der Gegner <a href="#Page_123">123</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_123">123–127</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2">Frieden zu Paris 10. Februar 1763 <a href="#Page_127">127</a>. — Friedensbedingungen -(Frankreich aus Nordamerika verdrängt, in Ostindien lahmgelegt) <a href="#Page_128">128</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_127">127–129</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die Streitmittel.</em> Schiffsbestand in Frankreich 1756; über -die Offiziere; Schiffsverluste während des Krieges <a href="#Page_130">130</a>. — Gleiche Angaben -über Spanien und England <a href="#Page_130">130</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_130">130–131</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges. Ereignisse -vor der Kriegserklärung.</em> Reibungen in den Kolonien -<a href="#Page_130">130</a>. — Französische und englische Expedition nach Nordamerika 1755 -<a href="#Page_132">132</a>. — Französische Schiffe in der Biscaya aufgebracht 1755 <a href="#Page_133">133</a>. — -Frankreich nimmt Minorka 1756. Belagerung von Port Mahon <a href="#Page_133">133</a>. — -Seeschlacht bei Minorka (La Gallissonnière gegen Byng) 20. März 1756 -<a href="#Page_135">135–138</a>. — Das weitere Schicksal Port Mahons während des Krieges -<a href="#Page_138">138</a>. — Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der Seetaktik -<a href="#Page_139">139</a>. — Kriegsgericht über Admiral Byng <a href="#Page_141">141</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_131">131–141</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den europäischen Gewässern.</em> Erklärung -des Krieges. Bewegungen der Flotten im Atlantik und Mittelmeer 1756 -<a href="#Page_141">141</a>. — Ebenso 1757. England versucht die französischen Geschwader in -Europa festzuhalten, aber drei laufen von Brest nach Amerika aus <a href="#Page_142">142</a>. — -Erfolgloser Angriff der Engländer auf Rochefort, September 1757 <a href="#Page_143">143</a>. — -Blockade der französischen Häfen und Angriffe auf diese 1758 <a href="#Page_145">145</a>. — Plan -Frankreichs, in England einzufallen 1759 <a href="#Page_147">147</a>. — Verteilung der englischen -Flotte <a href="#Page_148">148</a>. — Auslaufen der Toulonflotte unter de La Clue und ihre -Vernichtung bei Lagos durch Boscawen 18. August 1759 <a href="#Page_149">149</a>. — Le Havre -beschossen <a href="#Page_151">151</a>. — Auslaufen der Brestflotte unter de Conflans <a href="#Page_151">151</a>. — -Ihre Vernichtung bei Quiberon durch Hawke 20. November 1759 <a href="#Page_154">154</a>. — -Die französische Marine lahmgelegt <a href="#Page_159">159</a>. — Ereignisse 1760–1762, französischer -Einfall in Irland (Freibeuter Thurot) 1760 <a href="#Page_160">160</a>. — Einnahme von -Belle-Ile (Keppel) <a href="#Page_161">161</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_141">141–163</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den Kolonien. Nordamerika.</em> Verhältnis -der englischen und französischen Kolonien zueinander <a href="#Page_163">163</a>. — Erster -Zusammenstoß im Ohiotale <a href="#Page_164">164</a>. — Ausbruch des offenen Krieges <a href="#Page_165">165</a>. — -Ereignisse 1755–1757 <a href="#Page_166">166</a>. — Eintreffen von Seestreitkräften 1757 <a href="#Page_167">167</a>. — -Eroberung von Louisbourg (General Amherst, Admiral Boscawen) 1758 -<a href="#Page_169">169</a>. — Ereignisse auf dem Festlande 1758 <a href="#Page_170">170</a>. — Eroberung von -Quebec (General Wolfe, Admiral Sounders) 1759 <a href="#Page_171">171</a>. — Letzter Kampf um -Kanada 1760. Versuch der Franzosen, Quebec wiederzunehmen, Montreal -fällt, Kanada für Frankreich verloren <a href="#Page_174">174</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_163">163–198</a><span class="pagenum"><a name="Page_viii" id="Page_viii">[viii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Westindien</em>: Lage der Gegner; zunächst nur Kleiner Krieg -<a href="#Page_176">176</a>. — Seegefecht bei Le Cap, Haïti, 1757 <a href="#Page_176">176</a>. — England erobert die -französischen Inseln (Admiral Rodney) 1758–1762 <a href="#Page_177">177–179</a>. — Havanna -erobert 1762 (Admiral Pocock) <a href="#Page_180">180</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Westafrika.</em> England bemächtigt sich Senegambiens 1758 <a href="#Page_182">182</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Ostindien.</em> Ausdehnung der französischen Macht unter Dupleix -<a href="#Page_182">182</a>. — Unglücklicher Krieg mit der englischen Kompagnie 1751 <a href="#Page_183">183</a>. — -Dupleix abberufen 1754 <a href="#Page_184">184</a>. — Frieden der Kompagnien 1755 <a href="#Page_185">185</a>. — -Neuer Krieg 1756 <a href="#Page_185">185</a>. — Der Seeräuber Angria <a href="#Page_186">186</a>. — Englands -Ausbreitung in Bengalen unter Clive, Frankreich dort vertrieben <a href="#Page_186">186</a>. — -Ereignisse in Vorderindien 1757 <a href="#Page_188">188</a>. — Seeschlacht vor Cuddalore 29. April -1759 (Pocock gegen d'Aché) <a href="#Page_189">189</a>. — Die Franzosen nehmen St. David <a href="#Page_191">191</a>. -— Seeschlacht vor Negapatam 3. August 1758 <a href="#Page_192">192</a>. — Niederlagen der -Franzosen am Lande 1759 <a href="#Page_192">192</a>. — Seeschlacht vor Porto Novo 10. September -1759; Frankreich gibt die See preis <a href="#Page_194">194</a>. — Beurteilung d'Achés -<a href="#Page_195">195</a>. — Pondichery erobert 1761; Zusammenbruch der französischen -Macht in Indien <a href="#Page_196">196</a>. — Manila von England erobert 1762 <a href="#Page_197">197</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Kleine Krieg gegen den Handel</em>: Verluste der Gegner -<a href="#Page_198">198</a>. — Französische Expedition gegen Neufundland, englische gegen -Buenos Aires 1762 <a href="#Page_200">200</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_198">198–200</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Schlußbetrachtungen</em>: über <em class="gesperrt">Strategie</em>; Rückblick auf -den Krieg; politische und militärische Fehler Frankreichs; richtiges Vorgehen -Englands <a href="#Page_200">200</a>. — Über <em class="gesperrt">Taktik</em> <a href="#Page_204">204</a>. — Über Angriffe auf -feindliche Küsten <a href="#Page_205">205</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_200">200–206</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Fünftes Kapitel: Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 1775–1783</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_207">207–416</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Entstehung des Krieges. England und die Kolonien -bis zu ihrer Erhebung</em>: Die inneren Verhältnisse der Kolonien -<a href="#Page_206">206</a>. — Ihre Streitfragen mit England <a href="#Page_208">208</a>. — Der Teesturm in Boston. -18. Dezember 1773 <a href="#Page_209">209</a>. — Erklärungen des Kongresses von Philadelphia -1774 <a href="#Page_210">210</a>. — Bruch mit England <a href="#Page_211">211</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_207">207–211</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">England, Frankreich, Spanien bis zum Ausbruch -des Seekrieges</em> 1778. Fragen, die den Frieden bedrohten (Frankreich -besetzt Corsica 1768; Spanien vertreibt England von den Falklandsinseln) -<a href="#Page_212">212</a>. — Englands lähmende innere Verhältnisse unter Georg III. <a href="#Page_213">213</a>. — -Choiseuls Pläne gegen England <a href="#Page_214">214</a>. — Kriegsneigung in Frankreich; -die amerikanischen Agenten (Franklin) in Paris <a href="#Page_215">215</a>. — Bruch mit England -1778 <a href="#Page_217">217</a>. — Spaniens Beitritt 1779 (Ziele des französisch-spanischen -Bündnisses) <a href="#Page_217">217</a>. — Englands Kriegserklärung an Holland 1780; die „bewaffnete -Neutralität der Ostseemächte“ und ihre Ziele <a href="#Page_218">218</a>. — Kennzeichnung -und Bedeutung des Seekrieges von 1778 <a href="#Page_219">219</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_211">211–220</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die Streitmittel.</em> Frankreichs und Spaniens Schiffsbestand 1778, -Verluste während des Krieges, Wert des Materials und Personals <a href="#Page_220">220</a>. — -Innere Geschichte der Marine Hollands von 1747 an, Stand derselben 1778, -Verluste <a href="#Page_221">221</a>. — Streitkräfte der „bewaffneten Neutralität“ <a href="#Page_222">222</a>. — -Englands Marine <a href="#Page_222">222</a>. — Vergleich der Seestreitkräfte <a href="#Page_223">223</a>. — Indiensthaltungen -auf beiden Seiten in den einzelnen Kriegsjahren <a href="#Page_224">224</a>. — Gründung -der nordamerikanischen Marine <a href="#Page_225">225</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_220">220–226</a><span class="pagenum"><a name="Page_ix" id="Page_ix">[ix]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Nordamerika bis</em> 1778. Erstes Gefecht bei -Lexington 19. April 1775; englische Verstärkungen unter Howe treffen -ein; Erstürmung von Bunkershill 17. Juni <a href="#Page_226">226</a>. — Vordringen der Amerikaner -auf Quebec (Arnold) <a href="#Page_227">227</a>. — Ereignisse zur See 1775 <a href="#Page_228">228</a>. — -Howe räumt Boston März 1776 <a href="#Page_229">229</a>. — Die Unabhängigkeitserklärung der -Kolonien, Juli <a href="#Page_230">230</a>. — Der Angriff der Engländer auf Charleston, Juni -<a href="#Page_231">231</a>. — Ihr Vordringen von Kanada aus; die Seenflottillen, Gefechte auf -dem Champlainsee 11./13. Oktober <a href="#Page_233">233</a>. — Howe erobert Long-Island, -besetzt New York und die Narragansettbucht August/Dezember <a href="#Page_235">235</a>. — -Washington in New Jersey siegreich Dezember 1776 <a href="#Page_238">238</a>. — Burgoyne -dringt 1777 von Kanada aus vor, wird 10. Oktober bei Saratoga zur Kapitulation -gezwungen <a href="#Page_238">238</a>. — Howe schlägt Washington bei Brandywine -11. und erobert Philadelphia 26. September <a href="#Page_239">239</a>. — Tätigkeit der englischen -Seestreitkräfte 1777, Vorstoß auf dem Hudson <a href="#Page_240">240</a>. — Der Handelskrieg der -Amerikaner 1775/78 <a href="#Page_241">241</a>. — Clinton, Howes Nachfolger, räumt Philadelphia -1778; letzter Versuch Englands zur Versöhnung mit den Kolonien <a href="#Page_242">242</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_226">226–243</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der große Seekrieg.</em> Militärische Lage und Ziele der Gegner -auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen; Anordnung der Schilderung -des Krieges <a href="#Page_243">243</a>. — Vorgänge und Rüstungen vor Ausbruch des Krieges -<a href="#Page_246">246</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_243">243–248</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in den europäischen Gewässern</em> 1778. -Die französische Toulonflotte (d'Estaing) segelt nach Amerika; Keppel -(Personalien) nimmt französische Kriegsschiffe im Kanal <a href="#Page_248">248</a>. — Die -Brestflotte läuft unter d'Orvilliers aus; Befehle Ludwigs XVI. <a href="#Page_250">250</a>. — -Schlacht bei Ouessant 27. Juli 1778 (Keppel gegen d'Orvilliers) <a href="#Page_251">251</a>. — -Die öffentliche Meinung in beiden Ländern (Entlassung des Herzog von Chartres; -Kriegsgericht über Keppel) <a href="#Page_254">254</a>. — Bedeutung der Schlacht für -die Seetaktik <a href="#Page_255">255</a>. — Beurteilung der Kriegführung des Jahres 1778 -in Europa <a href="#Page_257">257</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_248">248–258</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Nordamerika und Westindien</em> 1778/79. -Die Engländer gehen vom Delaware auf New York zurück; eine französische -Flotte (d'Estaing) trifft ein <a href="#Page_258">258</a>. — Howe und d'Estaing vor New York -<a href="#Page_260">260</a>. — D'Estaing bedroht die Narragansettbucht <a href="#Page_262">262</a>. — Howe und -d'Estaing vor derselben; Sturm zerstreut die Flotten <a href="#Page_264">264</a>. — D'Estaing -in Boston, segelt nach Westindien <a href="#Page_266">266</a>. — Byron folgt ihm von New York -<a href="#Page_267">267</a>. — Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79, englische Expeditionen -an den Küsten (Savannah besetzt) <a href="#Page_268">268</a>. — Beurteilung Howes und -d'Estaings <a href="#Page_270">270</a>. —Westindien 1778: die Franzosen (de Bouillé) erobern -Dominica, die Engländer (Barrington) Sta. Lucia <a href="#Page_272">272</a>. — D'Estaing -greift Sta. Lucia an <a href="#Page_274">274</a>. — 1779: d'Estaing besetzt Grenada und andere -Inseln <a href="#Page_275">275</a>. — Schlacht bei Grenada 6. Juli (Byron, Personalien <a href="#Page_275">275</a>, -gegen d'Estaing) <a href="#Page_276">276</a>. — Kritik der Schlacht <a href="#Page_278">278</a>. — D'Estaing verläßt -Westindien <a href="#Page_280">280</a>. — Kleinere Ereignisse dort (Gefecht vor Fort Royal, -Martinique) <a href="#Page_281">281</a>. — D'Estaing greift Savannah an und segelt nach Frankreich<span class="pagenum"><a name="Page_x" id="Page_x">[x]</a></span> -<a href="#Page_282">282</a>. — Beurteilung des Krieges in Westindien 1778/79 <a href="#Page_283">283</a>. — Ereignisse -in <em class="gesperrt">Westafrika</em> 1779 <a href="#Page_285">285</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_258">258–285</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Europa</em> 1779/80. Kriegsplan und Rüstungen der -Verbündeten 1779 S. <a href="#Page_285">285</a>. — Angriff auf die Kanalinseln S. <a href="#Page_287">287</a>. — Vereinigung -und Stärke der französisch-spanischen Flotte (d'Orvilliers und -Cordoba) S. 2<a href="#Page_287">287</a>. — Die englische Flotte unter Hardy (Personalien), Furcht -in England vor Invasion S. <a href="#Page_288">288</a>. — Die Flotte der Verbündeten im Kanal, -gelähmt durch Gegenorder und schlechten Zustand der Schiffe S. <a href="#Page_289">289</a>. — -Rückfahrt derselben S. <a href="#Page_290">290</a>. — Verteilung der Seestreitkräfte 1780 S. <a href="#Page_292">292</a>. — -Rodney (Personalien) siegt 16. Januar bei Kap St. Vincent über Langara und -versorgt Gibraltar S. <a href="#Page_293">293</a>. — Eine spanische Flotte (Solano) segelt nach -Westindien; Cordoba nimmt einen englischen Konvoi, sonst trotz starker -Flotte untätig S. <a href="#Page_295">295</a>. — D'Estaing in Spanien vergeblich bemüht, den Krieg -zu beleben S. <a href="#Page_296">296</a>. — Kritik des Krieges 1779/80 in Europa S. <a href="#Page_296">296</a>. — Ausbruch -des Krieges mit Holland S. <a href="#Page_298">298</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_285">285–298</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Westindien und Nordamerika</em> 1780. -Gefecht bei Monte Christi (Haiti) 20. März 1780 <a href="#Page_299">299</a>. — De Guichen -(Personalien) und Rodney treffen in Westindien ein <a href="#Page_299">299</a>. — Stärke der -Flotten <a href="#Page_300">300</a>. — Die Schlacht bei Martinique 17. April (Rodneys Versuch -zu einer neuen Taktik) <a href="#Page_301">301</a>. — Gefechte bei Martinique 15. und 19. Mai -<a href="#Page_304">304</a>. — Eine spanische Flotte (Solano) trifft ein, bleibt aber untätig -<a href="#Page_305">305</a>. — Guichen segelt nach Europa, Rodney nach Nordamerika <a href="#Page_306">306</a>. -— Solano erobert Pensacola <a href="#Page_307">307</a>. — In Nordamerika erobern die Engländer -(Clinton) Charleston <a href="#Page_308">308</a>. — Kämpfe in Carolina <a href="#Page_309">309</a>. — Gefecht -bei Bermudainseln (de Ternay gegen Cornwallis) <a href="#Page_309">309</a>. — Ankunft französischer -Truppen (Rochambeau) bei Rhode-Island, Rodney nach Westindien -zurück <a href="#Page_310">310</a>. — Arnold fällt in Virginia ein (sein Verrat an der -amerikanischen Sache) <a href="#Page_311">311</a>. — Kritik des Krieges in Westindien und -Nordamerika <a href="#Page_312">312</a>. — Schlechte Lage der Amerikaner Ende 1780 <a href="#Page_315">315</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_298">298–315</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Europa</em> 1781. Rüstungen <a href="#Page_315">315</a>. — Admiral -Darby versorgt wiederum Gibraltar <a href="#Page_316">316</a>. — La Motte-Picquet nimmt -einen englischen Konvoi mit der Beute Rodneys von St. Eustache <a href="#Page_319">319</a>. -— Die Verbündeten erobern Minorka und kreuzen wiederum erfolglos vor -dem Kanal <a href="#Page_318">318</a>. — Holland tritt in den Krieg ein, Schlacht auf der Doggerbank -(Hyde-Parker gegen Zoutman) 5. August <a href="#Page_320">320</a>. — Kempenfelt vernichtet -einen für Westindien bestimmten Konvoi (de Guichen) <a href="#Page_322">322</a>. -— Kritik des Krieges in Europa <a href="#Page_323">323</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_315">315–324</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Westindien und Nordamerika</em> 1781. -Rodney erobert St. Eustache und macht reiche Beute <a href="#Page_324">324</a>. — De Grasse -trifft ein (Personalien), Hood (Personalien) tritt ihm bei Martinique entgegen -29. April <a href="#Page_325">325</a>. — De Grasse erobert Tabago <a href="#Page_329">329</a>. — Segelt nach -Nordamerika <a href="#Page_329">329</a>. — Hood folgt <a href="#Page_331">331</a>. — Lage in Nordamerika, Cornwallis -dringt von Carolina gegen Virginia vor <a href="#Page_331">331</a>. — Arnold fällt von -der Chesapeakebucht in Virginia ein <a href="#Page_332">332</a>. — Das französische Geschwader -(Des Touches) kommt von der Narragansettbucht, um Arnold abzuschneiden; -trifft auf das englische (Arbuthnot) <a href="#Page_333">333</a>. — Erste Schlacht vor der Chesapeakebucht -(taktisch bemerkenswert) <a href="#Page_334">334</a>. — Virginia wird der entscheidende -Schauplatz des Landkrieges; die englischen Heere vereinigen sich, -die Amerikaner rücken von New York heran <a href="#Page_335">335</a>. — De Grasse und Hood -treffen ein <a href="#Page_337">337</a>. — Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht (de Grasse -gegen Graves; taktisch bemerkenswert) 5. September 1781 <a href="#Page_338">338</a>. — -Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown (Cornwallis); der Landkrieg -beendet <a href="#Page_339">339</a>. — Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück<span class="pagenum"><a name="Page_xi" id="Page_xi">[xi]</a></span> -<a href="#Page_340">340</a>. — Die Franzosen erobern St. Eustache <a href="#Page_341">341</a>. — Kritik des Krieges -1781 in Westindien und Nordamerika <a href="#Page_341">341</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_324">324–343</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Europa</em> 1782. Der Wechsel im englischen Ministerium -führt zur Einstellung des Krieges in Nordamerika <a href="#Page_343">343</a>. — Rüstungen -und erste Bewegungen der Flotten <a href="#Page_344">344</a>. — Vernichtung eines -französischen Transportes für Ostindien durch Barrington <a href="#Page_345">345</a>. — Die -französisch-spanische Flotte (Cordoba, Guichen) erfolglos vor dem Kanal -<a href="#Page_346">346</a>. — Tätigkeit der holländischen Flotte 1782 <a href="#Page_347">347</a>. — Untergang des -„Royal George“ <a href="#Page_348">348</a>. — Die Belagerung von Gibraltar, Bau schwimmender -Batterien (d'Arçon) <a href="#Page_348">348</a>. — Der große Angriff auf die Stadt 13. September -<a href="#Page_350">350</a>. — Howe versorgt Gibraltar <a href="#Page_351">351</a>. — Seetreffen bei Kap Spartel (Howe -gegen Cordoba) <a href="#Page_352">352</a>. — Kritik des Krieges 1782 in Europa <a href="#Page_353">353</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_343">343–354</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Westindien und Nordamerika</em> 1782. -Hood und de Grasse in Westindien; Landung der Franzosen auf St. Christoffer -(St. Kitts) <a href="#Page_354">354</a>. — Schlacht bei St. Christoffer 25. Januar <a href="#Page_355">355</a>. — -Ankergefecht dort 26. Januar <a href="#Page_357">357</a>. — Beurteilung Hoods und de Grasses -<a href="#Page_359">359</a>. — Rodney trifft in Westindien ein <a href="#Page_360">360</a>. — Plan der Verbündeten, -Jamaika zu erobern; erste Schlacht bei Dominica (Rodney gegen de Grasse) -9. April <a href="#Page_360">360</a>. — Rodney verfolgt die französische Flotte, Unfälle derselben -<a href="#Page_364">364</a>. — Zweite Schlacht bei Dominica (Les Saintes; taktisch bemerkenswert, -Rodney durchbricht die feindliche Linie) <a href="#Page_366">366</a>. — De Grasses Gefangennahme -<a href="#Page_369">369</a>. — Kritik der Schlacht <a href="#Page_370">370</a>. — Rodney unterläßt die Verfolgung -<a href="#Page_372">372</a>. — De Grasses Beurteilung in Frankreich, sein weiteres -Schicksal <a href="#Page_372">372</a>. — Bewegungen der Flotten nach der Schlacht <a href="#Page_373">373</a>. — -Folgen der Schlacht <a href="#Page_374">374</a>. — Der Krieg in Westindien zu Ende (Rodney -abberufen); Kritik desselben <a href="#Page_374">374</a>. — Lage in Nordamerika Ende 1782 <a href="#Page_375">375</a>. -— Der Plan der Verbündeten gegen Jamaika für 1783 kommt infolge der -Friedenspräliminarien nicht mehr zur Ausführung <a href="#Page_375">375</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_354">354–376</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Krieg in Ostindien</em> 1778–1783. Vorgänge in Indien 1763 -bis 1778 <a href="#Page_376">376</a>. — Ausbruch des Krieges; die Engländer nehmen Chandernagore -und Masulipatam; Seegefecht vor Pondichery 10. August 1778 -<a href="#Page_378">378</a>. — England verstärkt die Station (Admiral Hughes, Personalien) <a href="#Page_378">378</a>. -— England im Kampfe mit Haidar Ali und den Mahratten 1778–1781 <a href="#Page_379">379</a>. -— Die Franzosen benützen diese Lage nicht, Untätigkeit ihres Geschwaders -(d'Orves) <a href="#Page_380">380</a>. — Die Engländer besetzen die holländischen Plätze Negapatam -1780 und Trincomali (Ceylon) 1781 <a href="#Page_380">380</a>. — Ein französisches -Geschwader (Suffren, Personalien) und ein englisches (Johnstone) segeln -von Europa zur Kapkolonie 1781 <a href="#Page_380">380</a>. — Die Schlacht vor Porto Praya -(Kapverdeninseln; Suffren gegen Johnstone) 16. April 1781 <a href="#Page_382">382</a>. — Beurteilung -der Führer <a href="#Page_383">383</a>. — Suffren versorgt die Kapkolonie, Johnstone -kommt zu spät <a href="#Page_384">384</a>. — Suffren und Hughes in Indien, ihre Lage und -ihre Aufgaben <a href="#Page_384">384</a>. — Die Schlacht bei Sadras 17. Februar 1782 (taktisch -bemerkenswert; Suffren greift Hughes' Linie hinten mit Übermacht an, -wird aber von seinen Kommandanten nicht unterstützt) <a href="#Page_385">385</a>. — Suffren -erreicht Pondichery, tritt mit Haidar Ali in Verbindung, Cuddalore kapituliert -<a href="#Page_387">387</a>. — Hughes segelt nach Trincomali, Suffren folgt; die Schlacht bei -Providien 12. April 1782 <a href="#Page_388">388</a>. — Suffren befolgt den Befehl, Indien zu -verlassen, nicht <a href="#Page_390">390</a>. — Die Schlacht bei Negapatam 6. Juli 1782 S <a href="#Page_391">391</a>. — -Suffren enthebt drei Kommandanten ihres Kommandos <a href="#Page_393">393</a>. — Seine -geschickten Maßnahmen zur Instandsetzung der Flotte <a href="#Page_393">393</a>. — Der Landkrieg -günstig für England <a href="#Page_394">394</a>. — Hughes geht im Oktober 1782 nach Bombay -und erhält Verstärkungen <a href="#Page_397">397</a>. — Verzögerung der französischen -Verstärkungen unter General de Bussy <a href="#Page_398">398</a>. — Suffren segelt im Oktober<span class="pagenum"><a name="Page_xii" id="Page_xii">[xii]</a></span> -nach Atchin, kehrt aber schon im Januar 1783 zur Koromandelküste zurück -<a href="#Page_398">398</a>. — Tod Haidar Alis; Bussy trifft ein; Suffren rüstet in Trincomali aus -<a href="#Page_399">399</a>. — Hughes kommt im April zur Koromandelküste zurück, die Engländer -schließen Cuddalore zu Lande und zu Wasser ein; Suffren erscheint -zum Entsatz <a href="#Page_400">400</a>. — Die Schlacht bei Cuddalore 20. Juni 1783 <a href="#Page_400">400</a>. — -Ende des Krieges; Suffrens Rückreise nach Frankreich ein Triumphzug <a href="#Page_402">402</a>. — -Kritik des Krieges in Ostindien <a href="#Page_403">403</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_376">376–404</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Kleine Krieg</em> im allgemeinen <a href="#Page_404">404</a>. — Der Kreuzerkrieg -der Amerikaner <a href="#Page_405">405</a>. — Kapitän Paul Jones in den europäischen Gewässern -<a href="#Page_406">406</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_404">404–407</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Frieden von Versailles</em> 3. September 1783 <a href="#Page_407">407</a>. — -Uebertriebene Ansicht von der Wirkung der Schlacht von Dominica auf -den Friedensschluß <a href="#Page_408">408</a>. — Die Friedensbedingungen <a href="#Page_409">409</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_407">407–409</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Schlußbetrachtungen über Strategie</em>: die Ziele der -Verbündeten und die sich daraus für sie ergebenden Angriffsobjekte <a href="#Page_410">410</a>. -— Fehlerhafte Strategie Englands, überall einem Angriff gewachsen zu -sein <a href="#Page_411">411</a>. — Fehler der Verbündeten, die Kräfte zu zersplittern und nicht -um die Seeherrschaft im großen zu kämpfen <a href="#Page_412">412</a>. — Aussprüche Mahans -hierzu <a href="#Page_414">414</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_409">409–415</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Über Taktik</em>: Die vielen rangierten Schlachten des Krieges bieten -reiches Material zur Beurteilung des Standes der Taktik im vierten Abschnitte -414. — Rodneys und Suffrens Versuche zur Änderung derselben <a href="#Page_415">415</a>.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Sechstes Kapitel: Nebenkriege 1740–1793</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_417">417–442</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Kämpfe mit den Barbaresken.</em> Englands, Hollands, Frankreichs -und Spaniens Maßnahmen gegen den Seeraub <a href="#Page_417">417</a>. — Beschießung -afrikanischer Städte durch die Franzosen <a href="#Page_418">418</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_417">417–418</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Schwedisch-Russische Krieg</em> 1741–1743. Anlaß -des Krieges <a href="#Page_418">418</a>. — Die Streitmittel der Gegner <a href="#Page_419">419</a>. — Der Verlauf -des Krieges <a href="#Page_419">419</a>. — Frieden von Abo 18. August 1743 <a href="#Page_420">420</a>. — Ein Zusammenstoß -Dänemarks mit Schweden durch Rußland verhindert <a href="#Page_420">420</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_418">418–420</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Die schwedische und die russische Marine im -Siebenjährigen Kriege</em> 1756–1763. Aufstellung gemeinsamer -Flotten der nordischen Staaten zur Abwehr der englischen; Beschießungen -von Kolberg 1760 und 1761 <a href="#Page_421">421</a>. — Tätigkeit der schwedischen Schärenflotte -an der pommerschen Küste; Gefecht beim Reppiner Haken gegen -eine preußische Flottille am 11. September 1758 <a href="#Page_421">421</a>. — Stellung Friedrichs -des Großen zur Schaffung einer Flotte <a href="#Page_422">422</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_421">421–422</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Russisch-Türkische Krieg</em> 1768–1774. Anlaß zum -Kriege <a href="#Page_422">422</a>. — Die russische Ostseeflotte unter Alexej Orlow (nebst -Spiridoff und Elphinstone) in Griechenland 1770; Vernichtung der türkischen -Flotte bei Tscheschme 5. Juli 1770 <a href="#Page_423">423</a>. — Orlow an der syrischen -Küste; der Frieden von Kücük-Kainardschi, 21. Juli 1774, wichtig für Rußlands -Stellung am Schwarzen Meere <a href="#Page_424">424</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_422">422–424</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Russisch-Türkische Krieg</em> 1787–1791. Anlaß zum -Kriege; der Verlauf des Landkrieges <a href="#Page_424">424</a>. — Tätigkeit der russischen -Schwarze-Meer-Flotte (Unterstützung der Belagerung von Otschakow 1788, -Vertreibung der türkischen Flotte aus dem Schwarzen Meere 1791); der -Friede von Jassi begründet Rußlands feste Stellung am Schwarzen Meere -9. Januar 1792 <a href="#Page_425">425</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_424">424–425</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td2"><em class="gesperrt">Der Schwedisch-Russische Krieg</em> 1788–1790. Anlässe -zum Kriege; König Gustavs Plan gegen Petersburg <a href="#Page_425">425</a>. — Die Seestreitmittel -der Gegner (die „Armeeflotte“ Schwedens) <a href="#Page_426">426</a>. — Der Aufmarsch -der Schweden 1788 <a href="#Page_427">427</a>. — König Gustavs Ultimatum mit schroffen -Forderungen an Kaiserin Katharina; die Bewegungen der Hochseeflotten; -Schlacht bei Hogland (Herzog Karl von Södermanland gegen Greigh) 17. Juli -1788 <a href="#Page_428">428</a>. — Der Schären- und Landkrieg 1788; König Gustav III. muß -die Belagerung von Frederikshamn wegen Empörung im Heere (Anjalabund) -aufgeben <a href="#Page_429">429</a>. — Erfolgloser Angriff Dänemarks auf Schweden 1788 <a href="#Page_430">430</a>. -— Gründe der schwedischen Mißerfolge <a href="#Page_430">430</a>. — Die Tätigkeit der Hochseeflotten -1789; Schlacht bei Öland (Herzog Karl gegen Tschitschakoff) -26. Juli 1789 <a href="#Page_431">431</a>. — Die schwedische Flotte in Karlskrona blockiert -<a href="#Page_431">431</a>. — Der Land- und Schärenkrieg 1789 <a href="#Page_432">432</a>. — Die Schärenschlacht -im Svensksunde 24. August <a href="#Page_433">433</a>. — Kritik des Jahres 1789 <a href="#Page_434">434</a>. — -Friedensunterhandlungen scheitern an Katharinas Forderungen; neuer -Plan Gustavs für den Angriff auf Petersburg 1790 <a href="#Page_434">434</a>. — Die Schweden -überrumpeln Raagervik 17. März <a href="#Page_435">435</a>. — Die Schlacht bei Reval (Herzog -Karl gegen Tschitschakoff) 13. Mai 1790 <a href="#Page_435">435</a>. — Die schwedische Küstenflotte -greift Frederikshamn 15./19. Mai erfolglos an und dringt bis zur Wiborgbucht -vor <a href="#Page_436">436</a>. — Seeschlacht in der Kronstädter Bucht 3./4. Juni (Herzog -Karl gegen Kruse) <a href="#Page_436">436</a>. — Die schwedische Hochseeflotte zieht sich in -die Wiborgbucht zurück und wird nebst der Küstenflotte durch Tschitschakoff -und Kruse blockiert <a href="#Page_438">438</a>. — Durchbruch der Schweden 3. Juli 1790 <a href="#Page_439">439</a>. -— Zweite Schlacht im Svensksunde 9. Juli; eine schwere Niederlage der -Russen <a href="#Page_440">440</a>. — Kritik des Jahres 1790 <a href="#Page_441">441</a>. — Der Frieden zu Werelä -14. August 1790; die Ergebnisse des Krieges <a href="#Page_441">441</a>.</td> - <td class="td3"><a href="#Page_425">425–442</a><span class="pagenum"><a name="Page_xiii" id="Page_xiii">[xiii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Verzeichnis der Seekriege und Seeschlachten</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_443">443</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td1"><b>Sach- und Namenverzeichnis</b></td> - <td class="page"><a href="#Page_446">446</a></td> - </tr> -</table> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_pxiii.jpg" width="200" height="107" - alt="deco_pxiii" - title="deco_pxiii" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xiv" id="Page_xiv">[xiv]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_pxiv.jpg" width="600" height="89" - alt="deco_pxiv" - title="deco_pxiv" /> -</div> - -<h2>Wichtigste Quellen-Literatur.</h2> - -<h3>A. Werke allgemeinen Inhalts<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>.</h3> - -<table summary="pxiv"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a name="FNAnker_2_2" id="FNAnker_2_2"></a><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">W. Laird Clowes</em>: The Royal Navy. A history of the earliest -time to the present. London 1897–1901. 6 Bde.</td> - <td class="tdc">Clowes III,<br />IV.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band III 1715–1783. Band IV Minor Operations, Voyages and Discoveries 1763–1792.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">P. H. Colomb</em>, Rearadmiral: Naval warfare. Its ruling -principals and practice historically treated. London 1891.</td> - <td class="tdc">Colomb.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Campbell</em><a name="FNAnker_3_3" id="FNAnker_3_3"></a><a href="#Fussnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a> und seine Fortsetzer: Lives of the British -Admirals: containing an accurate Naval History from the earliest periods. London 1817. 8 Bde.</td> - <td class="tdc">Campbell.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band IV bis 1756, V bis 1779, VII bis 1801. In neueren Werken -oft benutzt, namentlich hinsichtlich Zahlenangaben.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">A. T. Mahan</em>, Captain U. Navy: Der Einfluss der Seemacht -auf die Geschichte. Erster Band 1660–1783. Übersetzung -Berlin 1898.</td> - <td class="tdc">Mahan I.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">C. Chabaud-Arnault</em>, Capitaine de Fregatte: Histoire -des flottes militaires. Paris et Nancy 1889.</td> - <td class="tdc">Chab.-<br />Arnault.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">O. Troude</em> (publié par <em class="gesperrt">P. Levot</em>): Batailles navales de La -France. Paris 1867/68. 4 Bde.</td> - <td class="tdc">Troude I,<br />II.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band I 520–1778, Band II 1778–1795.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Comte de La Peyrouse Bonfils</em>: Histoire de la Marine -Française. Paris 1843. 3 Bde. Bd. I 1643–1778, Bd. II 1778–1789.</td> - <td class="tdc">Bonfils I,<br />II.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">L. Guérin</em>: Histoire maritime de France. Paris 1851.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xv" id="Page_xv">[xv]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">In neueren Werken oft angezogen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a href="#Fussnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a><em class="gesperrt">J. C. de Jonge</em>: Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. -Haarlem 1858. 10 Bde.</td> - <td class="tdc">de Jonge.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band IV 1707–1783.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">F. C. Duro</em>: Armada Espagnola desde la unión de los reinós -de la Castilla y de Leon et Aragon. Madrid 1895–1903. 9 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Genaueste Geschichte der spanischen Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. R. Spears</em>: The history of our navy from its origin to the -present day. 1775–1897. 4 Bde. New York 1897.</td> - <td class="tdc">Spears.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band I enthält die erste Gründung einer Marine der Vereinigten -Staaten und deren Verwendung im Befreiungskriege 1775–1783.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">E. Maclay</em>: A history of the United States navy from 1775 -to 1902. 3 Bde. London 1894, 1902.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Wie vorstehend.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">C. A. Gyllengranat</em>: Sveriges sjökrigshistoria i sammandrag. -Carlskrona 1840. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">P. O. Bäckström</em>: Svenska Flottans Historia. Stockholm 1884.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Sir G. Clarke</em>: Russia's Sea-Power past and present or of -the Rise of the Russian Navy. London 1898.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">F. T. Jane</em>: The imperial Russian Navy, its Past, Present and -Future. London 1899.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">O. Wesselage</em>: Kurze Geschichte der russischen Seegefechte in -zwei Jahrhunderten 1656–1858. Petersburg 1893–1895. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">In russischer Sprache.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Kirchhoff</em>, Vizeadmiral z. D.: Seemacht in der Ostsee. Ihre -Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 17. und -18. Jahrhundert. Kiel 1907.</td> - <td class="tdc">Kirchhoff.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Behandelt eingehend die schwedischen, dänischen und russischen -Kriege und bringt sehr genaue Angaben über die innere Geschichte -der nordischen Marinen.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">A. Zimmermann</em>: Die europäischen Kolonien. Ihre Entstehung, -Entwicklung, Erfolge und Aussichten. Berlin -1896–1903. 5 Bde.</td> - <td class="tdc">Zimmermann.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Band I Portugal und Spanien; Band II und III England; Band IV -Frankreich; Band V Holland. Bemerkenswert für die Kriege der -europäischen Völker gegeneinander in den Kolonien, besonders für die Kämpfe am Lande.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_1" id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, „Wichtigste Quellenliteratur“, -XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, -Steinitz, Schomberg, Southey, Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten XXI dort.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_2" id="Fussnote_2_2"></a><a href="#FNAnker_2_2"><span class="label">[2]</span></a> Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren Inhalt -bereits im ersten Bande XVIII ff. näher besprochen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_3_3" id="Fussnote_3_3"></a><a href="#FNAnker_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von 1873 -angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten unter gleichem Titel.</p></div></div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xvi" id="Page_xvi">[xvi]</a></span></p> - -<h3>B. Werke besonderen Inhalts.</h3> - -<h4>I. Seekriegsgeschichtlichen Inhalts.</h4> - -<table summary="pxvi"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">E. Chevalier</em>: Histoire de la marine française depuis les débuts -de la monarchie jusqu'au traité de paix de 1763. Paris 1902.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Histoire de la marine française pendant la guerre -de l'indépendance américaine. Paris 1877.</td> - <td class="tdc">Chevalier II.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">G. Lacour-Gayet</em>: La marine militaire de la France sous -le règne de Louis XV. Paris 1902.</td> - <td class="tdc">Lacour I.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: La marine militaire de la France sous le règne -de Louis XVI. Paris 1905.</td> - <td class="tdc">Lacour II.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Die Werke Chevaliers und Lacour-Gayets sind wichtig für die -Kriege des zweiten Bandes. Sie sind weit objektiver gehalten als -die älteren französischen Quellen und sie ergänzen sich in wertvoller -Weise. Chevalier beschreibt, besonders in seinem zweiten Buche, -die Operationen und Schlachten genauer. Lacour-Gayet hält sich -allgemeiner, bringt aber viele Angaben, Briefe und Berichte, die -Auskunft über die inneren Verhältnisse der französischen Marine -geben; seine Bücher enthalten auch vollzählige Listen über die verwendeten -Flotten und Geschwader mit Angabe von Personalien -sämtlicher auf diesen befindlichen Offizieren.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Ch. Ekins</em>: Naval battles 1744–1814. London 1824.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">E. K. Rawson</em>: Twenty famous naval battles, Salamis to -Santiago. London 1900. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Drinkwater</em>: A history of the siège of Gibraltar 1779–1783. -With a description and account of that garrison from the -earliest times. London 1905. (Neudruck einer Ausgabe von 1786.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Roux</em>: Le Bailli de Suffren dans l'Inde. Marseille 1862.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">H. Moris</em>: Journal de bord du Bailli de Suffren dans l'Inde -1781–1784. Avec préface par le Vice-amiral Jurien de la Gravière. Paris 1888.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Trublet</em>: Histoire de la campagne de l'Inde par l'escadre -française, sous les ordres de M. le Bailli de Suffren 1781–1783. Paris 1892.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">G. v. Schantz</em>: Historia öfver Kriget emellan Sverige och -Ryssland 1788–1790. Stockholm 1817 und 1818. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">R. Ungermann</em>: Der russisch-türkische Krieg 1768–1774. -Wien und Leipzig 1906.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<h4>II. Biographischen Inhalts.</h4> - -<table summary="pxvii_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">A. Barbou</em>: Les grands marins de France. Histoire populaire -de la marine française depuis les temps anciens jusqu'à nos jours. Paris 1885.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Kurz gefaßt, gut illustriert.<span class="pagenum"><a name="Page_xvii" id="Page_xvii">[xvii]</a></span></td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Vicomte de Noailles</em>: Marines et soldats français en -Amérique pendant la guerre de l'indépendance des États-Unis 1778–1783. Paris 1903.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. K. Laughton</em>: From Howard to Nelson. Twelve sailors. -London 1900. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Der zweite Band enthält Aufsätze über Anson, Hawke, Boscawen, -Rodney, Howe, Hood. (Jervis, Nelson.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Barrow</em>: The life of Lord Anson. London 1839.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: The life of Richard Earl Howe. London 1838.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Burrows</em>: The life of Edward Lord Hawke. London 1883.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">D. Hannay</em>: Rodney. London 1903. (2. Aufl.)</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Mundy</em>: The life and correspondence of the late admiral Lord -Rodney. London 1830. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<h4>III. Taktischen und strategischen Inhalts.</h4> - -<table summary="pxvii_2"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><a name="FNAnker_4_4" id="FNAnker_4_4"></a><a href="#Fussnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a><em class="gesperrt">P. Hoste</em>: L'Art des armées navales ou traité des évolutions -navales. Lyon 1697.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Bigot de Morogues</em>: Tactique navale ou traité des évolutions -et des signaux. Paris 1763.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Bourdé de Villehue</em>: Le manoeuvrier ou essai sur la -théorie et la pratique des mouvements du navire et des évolutions navales. Paris 1769.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Clerk</em>: An essay on naval tactics systematical and historical -with explanatory plates. 2. Edition. Edinburgh 1804.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Die erste Auflage erschien 1790, war aber schon 1782 in wenigen -Exemplaren gedruckt und der Inhalt überhaupt einigen englischen -Seeoffizieren bekannt. — Der Verfasser zeigt an der Hand der Beschreibung -von 14 Schlachten die Nachteile der bis dahin gebräuchlichen -Angriffstaktik und macht Vorschläge, wie der Gegner an einer -Stelle überlegen anzugreifen sei.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">A. Ramatuelle</em>: Cours élémentaire de tactic navale, dédié à -Bonaparte. Paris 1802.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Verfasser diente in der französischen Marine in den Kriegen -des vierten Abschnittes.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xviii" id="Page_xviii">[xviii]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Julien Corbett</em>: Fighting Instructions 1530–1816. -Publications of the Navy Records Society. Vol. XXIX. London 1905.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Die Entwicklung der Gefechtsvorschriften in der englischen Marine.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Derselbe</em>: Signals and Instructions 1776–1794. Ebendort -Vol. XXXV. 1909.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Ein Aufsatz, in dem der Verfasser nach neuesten Forschungen -bisherige Ansichten, auch seine eigenen, über die Entwicklung der Seetaktik teilweise modifiziert.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Glatzel</em>, Kapitän zur See: Die Entwicklung der Seetaktik in -der Zeit Rodneys und Howes. Marine-Rundschau 1909, Heft IV.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Bespricht vorstehenden Aufsatz Clerks.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Julien Corbett</em>: England in the seven years war, a study -in combined strategy. New York 1907. 2 Bde.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5"><b>Strategische Betrachtungen</b> enthalten ferner in reichem Maße die -oben schon erwähnten Werke von <em class="gesperrt">Colomb</em> und <em class="gesperrt">Mahan</em>, letzteres -auch solche über <b>Taktik</b>.</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnote:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_4_4" id="Fussnote_4_4"></a><a href="#FNAnker_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Vgl. Anmerkung zu Seite XIV.</p></div></div> - -<h4>IV. Technischen Inhalts.</h4> - -<table summary="pxviii"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdc">Abkürzung, im<br />Text gebraucht:</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">L. Arenhold</em>, Marinemaler und Kapitänleutnant der Reserve: -Die historische Entwicklung der Schiffstypen vom römischen -Kriegsschiff bis zur Gegenwart. Kiel und Leipzig 1891.</td> - <td class="tdc">Arenhold.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">30 Heliogravüren mit erläuterndem Text veranschaulichen die -Entwicklung des Schiffbaues, der Takelage und der Armierung.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">J. Charnock</em>: A history of marine architecture, including an -enlarged and progressive view of the nautical regulations and -naval history, both civil and military, of all nations, especially -of Great-Britain. London 1800–1802. 2 Bde.</td> - <td class="tdc">Charnock.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">In den besten neueren Werken über Seekriegsgeschichte als Quelle -für Entwicklung des Seewesens oft benutzt. Auch bemerkenswert -für die Kriege des vierten Abschnittes wegen genauer Angaben über -die Seestreitkräfte der Gegner hinsichtlich ihrer Schiffsbestände -(mit Namen der Schiffe) vor und nach den Kriegen, sowie über die -Verluste während derselben.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">A. Jal</em>: Archéologie navale. Paris 1840. 2 Bde.</td> - <td> <span class="pagenum"><a name="Page_xix" id="Page_xix">[xix]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Tj. Schwarz</em>: Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5">Enthält bemerkenswerte Angaben über die Entwicklung der Segellinienschiffe.</td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td5"><b>Angaben über Schiffe, Waffen</b> usw. enthalten ferner die oben angeführten -Werke von <em class="gesperrt">Laird-Clowes</em> (Kapitel civil history), -<em class="gesperrt">Colomb</em> (Kapitel V über Schiffsklassen), <em class="gesperrt">Troude</em> (Band I, -Introduction); solche über <b>Organisation und Personal</b> (innere Geschichte -der Marinen), die Werke von <em class="gesperrt">Laird Clowes</em> (englische -Marine), <em class="gesperrt">de Jonge</em> (holländische Marine), <em class="gesperrt">Chabaud-Arnault</em> -und <em class="gesperrt">Lacour-Gayet</em> (französische Marine), <em class="gesperrt">Kirchhoff</em> -(dänische, schwedische, russische Marine).</td> - <td> </td> - </tr> -</table> - -<hr class="chap" /> - -<h2>Verzeichnis der Abbildungen.</h2> - -<h3>Bildnisse.</h3> - -<table summary="pxix"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">George Brydges Rodney.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. -London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#frontispiz">Titelbild</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">George Lord Anson.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. -London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_70">70</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Admiral Thomas Mathews.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. -Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_75">75</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Marquis de La Gallissonnière.</em> Nach einer alten Lithographie nach -A. Maurin</td> - <td class="page"><a href="#Page_134">134</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Admiral The Hon. John Byng.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. -Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_137">137</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Admiral The Hon. John Byng.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. -Bd. III. London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_155">155</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Comte d'Estaing.</em> Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin</td> - <td class="page"><a href="#Page_259">259</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Richard Earl Howe.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. -London 1898. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_260">260</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Samuel Barrington.</em> Nach John Campbell, Life of the British Admirals. -Bd. IV. London 1812. C. J. Barrington</td> - <td class="page"><a href="#Page_273">273</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">De Guichen.</em> Nach <em class="gesperrt">Vicomte de Noailles</em>: Marines et soldats -français en Amérique pendant la guerre de l'indépendance des États-Unis -1778–1783. Paris 1903</td> - <td class="page"><a href="#Page_300">300</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Johan Arnold Zoutman.</em> Nach J. C. de Jonge, Geschiedenis van het -Nederlandsche Zeewezen. 2. Aufl., Bd. IV. Haarlem 1861. A. C. Kruseman</td> - <td class="page"><a href="#Page_320">320</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">De Grasse.</em> Nach einer alten Lithographie nach A. Maurin</td> - <td class="page"><a href="#Page_327">327</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Samuel Hood.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. IV. London 1899. -Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_355">355</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">P. A. de Suffren.</em> Nach G. Lacour-Gayet, La Marine Militaire de la France -sous le règne de Louis XVI. Paris 1905. Honoré & Champion</td> - <td class="page"><a href="#Page_377">377</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Captain John Paul Jones.</em> Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. IV. -London 1899. Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_406">406</a></td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_xx" id="Page_xx">[xx]</a></span></p> - -<h3>Abbildungen von Schiffen.</h3> - -<table summary="pxx_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Englisches Linienschiff „The Terrible 74“.</em> Den Franzosen 1747 -abgenommen. Nach Laird Clowes, The Royal Navy. Bd. III. London 1898. -Sampson, Low, Marston & Co. Ltd.</td> - <td class="page"><a href="#Page_12">12</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Heck eines französischen Linienschiffes.</em> Aus Tjard Schwarz, -Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler & Sohn</td> - <td class="page"><a href="#Page_12">12</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Französisches Linienschiff</em> „Sans Pareil“, 1770. Aus Tjard Schwarz, -Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler & Sohn</td> - <td class="page"><a href="#Page_13">13</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.</em> Aus -Tjard Schwarz, Das Linienschiff einst und jetzt. Berlin 1903. E. Mittler -& Sohn</td> - <td class="page"><a href="#Page_20">20</a></td> - </tr> -</table> - -<h3>Schlachtpläne und Uebersichtsskizzen.<br /> -<span style="font-size: 75%;">(Nach Skizzen des Verfassers.)</span></h3> - -<table summary="pxx_1"> - <tr> - <td> </td> - <td class="tdr">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Skizze zur Erläuterung der Taktik</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_41">41</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Hafen von Cartagena</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_65">65</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht vor Toulon</em>, 22. Februar 1744</td> - <td class="page"><a href="#Page_76">76</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Minorka</em>, 20. Mai 1756</td> - <td class="page"><a href="#Page_138">138</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Die Quiberonbucht</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_156">156</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">New York und Umgebung</em></td> - <td class="page"><a href="#Page_235">235</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Grenada</em>, 6. Juli 1779</td> - <td class="page"><a href="#Page_277">277</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Martinique</em>, 17. April 1780</td> - <td class="page"><a href="#Page_301">301</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht vor der Chesapeakebucht</em>, 16. März 1781</td> - <td class="page"><a href="#Page_333">333</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht vor der Chesapeakebucht</em>, 5. September 1781</td> - <td class="page"><a href="#Page_338">338</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei St. Christoffer</em> (St. Kitts), 25. Januar, und <em class="gesperrt">Ankergefecht</em>, -26. Januar 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_357">357</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Dominica</em>, 9. April 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_362">362</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Dominica</em> (Les Saintes), 12. April 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_366">366</a> u. <a href="#Page_368">368</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht vor Porto Praya</em>, 16. April 1781</td> - <td class="page"><a href="#Page_382">382</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Sadras</em>, 17. Februar 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_386">386</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Providien</em>, 12. April 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_388">388</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Negapatam</em>, 6. Juli 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_392">392</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="td4"><em class="gesperrt">Schlacht bei Trincomali</em>, 3. September 1782</td> - <td class="page"><a href="#Page_395">395</a></td> - </tr> -</table> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_pxx.jpg" width="150" height="81" - alt="deco_pxiii" - title="deco_pxiii" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[1]</a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<h2><span style="font-size: 75%;">Vierter Abschnitt.</span><br /> -Die Zeit von 1739–1793.</h2> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[2]</a></span></p> - -<p class="title"><span style="font-size: 125%;">Kennzeichen des Abschnittes.</span></p> - -<p>Vergrößerung der Schlachtschiffe bei gleicher Kanonenzahl; größere Gleichmäßigkeit -innerhalb der verschiedenen Klassen; Bevorzugung der bisherigen -Linienschiffe mittlerer Größe; Verbesserung und Vermehrung der Fahrzeuge -zu besonderen Zwecken, Einführung schwererer Fregatten. — Die Taktik -wird schematisch gehandhabt und führt zu meist unentschiedenen Schlachten, -erst gegen das Ende des Abschnittes gewinnt sie neues Leben. — Die Meere der -Kolonien werden in den Seekrieg mit einbegriffen, das Bereich der Strategie -wird dadurch erweitert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p003.jpg" width="607" height="104" - alt="deco_p003" - title="deco_p003" /> -</div> - -<h3>Erstes Kapitel.</h3> - -<h4>Einleitung.<br /> -Geschichtlicher Überblick über den Abschnitt<a name="FNAnker_5_5" id="FNAnker_5_5"></a><a href="#Fussnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>.<br /> -Seine Bedeutung für die Entwicklung des Seekriegswesens.</h4> - -<div class="figleftcap"> - <img src="images/cap_p003.jpg" width="50" height="50" - alt="G" - title="G" /></div> - -<p><span style="margin-left: -1em;"><span class="invisible">G</span><b>eschichtlicher Überblick.</b> Der dritte Abschnitt, die Zeit von -1648–1739 umfassend, zeitigte bis zum Frieden von Utrecht<a name="FNAnker_6_6" id="FNAnker_6_6"></a><a href="#Fussnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a> -fünf große Seekriege. Ihr letzter, der Spanische Erbfolgekrieg -1702–1713, hatte England zum Gebieter der Meere gemacht. Die -Zeit von 1713–1739<a name="FNAnker_7_7" id="FNAnker_7_7"></a><a href="#Fussnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a> brachte infolge der Friedenspolitik der Minister -<em class="gesperrt">Walpole</em> in England und <em class="gesperrt">Fleury</em> in Frankreich keine großen Seekriege, -obgleich Zündstoff für Zusammenstöße der Großstaaten am Weltmeere -genügend vorhanden war: Zwischen Spanien-Frankreich einerseits -und England-Holland anderseits schärften sich seit Erhebung der Bourbonen -auf den spanischen Thron die handelspolitischen Gegensätze bedenklich.</span></p> - -<p>Die im Frieden von Utrecht zwischen Spanien und England über den -Handel in Westindien und Spanisch-Amerika geschlossenen Verträge waren -auf die Dauer unhaltbar. Die Zugeständnisse, die Spanien gemacht hatte -(Assientovertrag), konnten England nicht genügen; sie riefen bald eine -unrechtmäßige Ausnutzung seitens der Engländer — einen weitgehenden -Schmuggelhandel — und dadurch ebenso ungesetzliche Gewaltmaßregeln -der Spanier hervor. Diese Reibungen bildeten eine stete Bedrohung des -Friedens. Anderseits hatte Spanien 1733 auch Frankreich große Vorteile -im Handelsverkehr gewährt. In Frankreich wuchs die Einsicht von der -Notwendigkeit maritimer Ausdehnung. Während der Friedensjahre nahm -der französische Seehandel schnell zu und die Kolonien blühten auf; in<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span> -Westindien erlangten sie das Übergewicht über die englischen und in Ostindien -bildete sich ein französisch-indisches Reich, ähnlich dem jetzigen englischen. -Das englische Volk aber war gewillt, jede Nebenbuhlerschaft auf der See -und über der See zu unterdrücken. Zwischen Frankreich und England harrte -ferner der Streit um die Vormacht in Nordamerika des Austrages; nicht -einmal die Grenzen zwischen den beiderseitigen Kolonien waren hier endgültig -festgesetzt und auch über den Besitz des nördlichen Teiles von Neu-Braunschweig -war noch keine Entscheidung getroffen. Spanien sowohl wie -Frankreich mußte es endlich ein Dorn im Auge sein, Gibraltar und Minorka -als Stützpunkte zur Beherrschung des Mittelmeeres und seines Ausganges -im Besitze Englands zu sehen.</p> - -<p>Anlässe zum Kriege waren also zur Genüge vorhanden, und wir wissen -(vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_598">598</a>), daß sich Frankreich und Spanien in einem geheimen -Defensivbündnisse verständigt hatten, bei geeigneter Gelegenheit gemeinsam -gegen England vorzugehen; 1735 hatten diese Staaten ja bereits das Königreich -Beider Sizilien unter bourbonischen Einfluß gebracht. So zeigt uns -denn der vierte Abschnitt in dem kurzen Zeitraum von 43 Jahren <em class="gesperrt">drei -große Seekriege</em>. In diesen treten sich als Hauptgegner England -und Frankreich gegenüber, Spanien sowie Holland spielen eine Nebenrolle: -Hollands Seestreitkräfte waren sehr zurückgegangen, und auch die Spaniens, -die zwar unter den Bourbonen (besonders unter Karl III. 1759–1788) wieder -an Stärke gewannen, erreichten nicht die Bedeutung der französischen und -englischen Seegeltung.</p> - -<p>Die Reibungen in den westindischen Gewässern führten 1739 zu einem -Kriege zwischen England und Spanien und eröffneten die großen Kämpfe -zur See, die sich wie die letzten Kriege des vorigen Abschnittes an <em class="gesperrt">große -Landkriege</em> anschlossen.</p> - -<p>Um das Jahr 1740 befand sich Europa in einem politischen Zustande, -der bedeutende Umwälzungen ahnen ließ. Seit dem Spanischen Erbfolgekriege -lag die Summe der politischen Weisheit in der Erhaltung des europäischen -Gleichgewichtes zwischen den Großmächten Österreich, England, -Frankreich, Holland, und nach dem Utrechter Frieden waren diese -Staaten bestrebt, den seitdem geschaffenen Zustand zu erhalten; diese -Sorge führte dann aber gerade zwei große europäische Kriege herbei. -Neben den Fragen maritimer Bedeutung bedrohten auch andere, für die -allgemeinen Interessen noch wichtigere das so ängstlich gehütete Gleichgewicht -und damit den Frieden. Frankreichs Bestreben war weiter auf die -Erwerbung der österreichischen Niederlande (Belgien) und auf die Sicherung -Lothringens gerichtet, auf das es schon durch einen Erbschaftsvertrag mit -König <em class="gesperrt">Stanislaus Leszczynski</em> Beschlag gelegt hatte, und stieß so -mit den Interessen Deutschlands, besonders Österreichs, durch die Absicht -auf Belgien aber auch mit denen Hollands, ja sogar Englands, zusammen. -In Deutschland hatte sich ferner eine immer schärfere Spannung zwischen -Österreich und Preußen herausgebildet, und im Osten erhob sich drohend<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span> -die anschwellende russische Macht; das polnische Reich war im Verfall, und die -Türkei wurde immer schwächer.</p> - -<p>Durch den Tod des Kaisers <em class="gesperrt">Karl</em> VI. (Oktober 1740) kamen die Ereignisse -ins Rollen. Zwar hatten fast alle Staaten die „<em class="gesperrt">Pragmatische -Sanktion</em>“ (vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_594">594</a> ff.) anerkannt, durch die dem Hause -Habsburg — der Kaisertochter <em class="gesperrt">Maria Theresia</em> — der Bestand seiner -sämtlichen Lande gesichert war, aber nach dem Tode des Kaisers traten -dennoch verschiedene Mächte mit Erbansprüchen hervor. So entbrannte -<em class="gesperrt">der Österreichische Erbfolgekrieg</em> (1740–1748), in dem -Österreich mit England, Holland und Spanien gegen Bayern, Preußen -(Erster und Zweiter Schlesischer Krieg) und Frankreich focht; auch die -anderen Staaten schlossen sich einer der Parteien an, und der schon begonnene -Seekrieg zwischen Spanien und England lief weiter. Der Kampf um das -Gleichgewicht fand dann seine Fortsetzung und seinen Höhepunkt im -<em class="gesperrt">Siebenjährigen Kriege</em> 1756–1763, in dem jedoch die Gruppierung -der Staaten eine ganz andere war. Die Eifersucht auf das zu Bedeutung -gelangte Preußen führte jetzt Rußland sowie auch Frankreich (hier hatten -allerdings noch andere Umstände ebenso großen Einfluß) auf die Seite -Österreichs, um dem Werden eines kraftvollen Staates im wiederaufstrebenden -Deutschland rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben, während England durch -den jetzt zur endgültigen Entscheidung drängenden Kampf seiner Kolonien -in Nordamerika mit den französischen, sowie durch des Königs Interesse -an Hannover auf die Seite Preußens getrieben wurde; wiederum beteiligten -sich auch andere Staaten am Kriege<a name="FNAnker_8_8" id="FNAnker_8_8"></a><a href="#Fussnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a>. In diesen beiden Kriegen war England -bestrebt, die Kräfte Frankreichs an den Festlandskrieg zu fesseln, indem -es dessen Gegnern die Mittel zum Kampfe lieferte, und diesen Umstand sowie -die Schwäche der französischen Marine zu benutzen, die eigene Seeherrschaft -zu festigen und seinen Kolonialbesitz zu erweitern.</p> - -<p>Im Österreichischen Erbfolgekriege fügte England den feindlichen Seestreitkräften -empfindliche Verluste zu und errang auch Vorteile in Nordamerika, -während Frankreich in Ostindien glücklicher war; die englische -Seemacht wurde aber in diesem Kriege durch verschiedene Umstände an -der Entfaltung ihrer ganzen Kraft behindert. Im Siebenjährigen Kriege -hatte England dagegen vollen Erfolg mit seinen Plänen. Dieser Krieg brachte -ihm die Herrschaft über Kanada unter Verdrängung Frankreichs aus Nordamerika, -sowie Erweiterung seines Besitzes in Westindien; den großen -Unternehmungen Frankreichs in Ostindien wurde ein Ende gemacht; die -französischen Seestreitkräfte waren vernichtend geschlagen. Spanien, das -verspätet Frankreich Hilfe zu bringen versuchte, wurde in dessen Sturz -hineingezogen. Gleichzeitig hatte im Landkriege <em class="gesperrt">Friedrich der Große</em><span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span> -Preußens Stellung als Großmacht gefestigt; die beiden germanisch-protestantischen -Mächte behaupteten den Sieg.</p> - -<p>Der dritte große Seekrieg unseres vierten Abschnittes schließt sich -an den <em class="gesperrt">Nordamerikanischen Freiheitskrieg</em> 1775–1783 an, -in dem Frankreich sowie Spanien auf die Seite der aufständischen Kolonien -traten und in dem Holland durch England selbst zu den Gegnern gedrängt -wurde. Der Krieg wurde so ein Seekrieg in allen Meeren, es handelte sich -für England nicht nur um die Herrschaft über seine Kolonien, sondern auch -um die Erhaltung seiner Obmacht zur See.</p> - -<p>Frankreichs Kraft war jetzt nicht durch einen Landkrieg in Europa -abgelenkt, England selber mußte einen solchen in Amerika führen, und -dabei waren die Marinen Frankreichs sowie Spaniens wesentlich erstarkt. -Dieser Krieg war denn auch für England sehr gefahrdrohend und brachte -ihm keine Erfolge. Zwar hielten seine Seestreitkräfte den vereinten feindlichen -das Gegengewicht, blieben eigentlich die überlegenen, und ein letzter -Versuch der Franzosen, in Ostindien wieder die Übermacht zu gewinnen, -wurde vereitelt, aber die nordamerikanischen Kolonien erlangten ihre Unabhängigkeit -(hauptsächlich durch die Unterstützung der französischen Flotte) -und Minorka ging verloren. Die Tatsache endlich, daß die französische Flotte -in diesem Kriege die See gehalten hatte, war von großer Bedeutung. Das -französische Volk wandte sich mit lebhafterem Interesse dem Seewesen zu; -Aufschwung des Seehandels, der Kolonien, sowie Pflege der Marine waren -die Folge. In der Marine herrschten Selbstvertrauen und Streben; sie würde -in einem neuen Seekriege eine wuchtige Waffe geworden sein, wenn nicht -die Revolution gerade für sie die verhängnisvollsten Folgen gehabt hätte.</p> - -<p>Am Ende unseres Abschnittes war gegen die Zeit des Westfälischen -Friedens <em class="gesperrt">eine völlige Umgestaltung Europas</em> abgeschlossen. -Das kolonienreiche Spanien, die Militärmacht Schweden und das seemächtige -Holland waren aus der Reihe der maßgebenden Staaten gestrichen; zwei neue -Mächte, Preußen und Rußland, waren schnell aufgestiegen und bildeten -jetzt mit den alten, England, Frankreich und Österreich, die Vorherrschaft -der fünf Großmächte, von denen die Politik des Weltteils abhing. — England -begann sich zu einem außereuropäischen Weltreich auszudehnen und die -Vereinigten Staaten von Nordamerika waren als eine anglo-germanische -und protestantische Macht entstanden.</p> - -<p class="small"><b>Nebenkriege</b>, wie wir weiter die Seekriege nennen wollen, die nicht von ausschlaggebender -Bedeutung für die allgemeine Weltgeschichte und für die Entwicklung des -Seekriegswesens waren, sind im vierten Abschnitt folgende:</p> - -<p class="small">Der Russisch-Schwedische Krieg 1741–1743, der im Zusammenhange mit dem Österreichischen -Erbfolgekriege steht; die Beteiligung der schwedischen sowie der russischen -Seestreitkräfte am Siebenjährigen Kriege; die Russisch-Türkischen Kriege von 1768–1774 -und von 1787–1792; der Russisch-Schwedische Krieg 1788–1790.</p> - -<p class="small">Diese Nebenkriege werden im Kapitel VI besprochen.</p> - -<p><b>Bedeutung des Abschnittes für die Seekriegsgeschichte und für die Entwicklung -des Seekriegswesens.</b> Die großen Seekriege dieses Abschnittes<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span> -haben eine bezeichnende Eigenschaft, die sie von den früheren unterscheidet. -Bisher<a name="FNAnker_9_9" id="FNAnker_9_9"></a><a href="#Fussnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a> hatten die Kämpfe in den Gewässern der Kolonien nur den Charakter -des Kleinen Krieges. Sie bestanden in Angriffen auf die Niederlassungen -und den Handel dort behufs Schädigung des Feindes sowie eigener Bereicherung; -die dazu verwendeten Seestreitkräfte waren nur gering. Von -nun an aber, und in den Kriegen dieses Abschnittes ganz besonders, bleiben -die Ereignisse in den fernen Meeren nicht mehr nur Ausläufer des in Europa -und seinen Gewässern ausgefochtenen Entscheidungskampfes; die Weltgeschichte -ist nicht mehr die Geschichte Europas, sondern die der atlantischen -Welt.</p> - -<p>Die Kolonien hatten eine höhere und stetig wachsende Bedeutung für -die europäischen Staaten gewonnen, sie bildeten einen Teil der Gesamtstaaten, -von dem die Vermehrung des Nationalwohlstandes abhing. Sie -erzeugten in regelmäßigem Anbau Produkte, die der europäische Markt -nicht mehr missen konnte und waren als Abnehmer heimischer Erzeugnisse -unentbehrlich geworden; es wurde aus diesem Grunde notwendig, den Verkehr -zwischen ihnen und dem Mutterlande auch im Kriege zu behaupten. -Deshalb schließen sich an den Hauptkriegsschauplatz in den europäischen -Gewässern überseeische Schauplätze an, ja diese werden zuweilen die wichtigeren, -und zwischen beiden muß die Verbindung aufrechterhalten werden, -da von der Kraftquelle in der Heimat die Leistungen draußen abhängen. -Alle diese Gründe rufen den Kampf um die Seeherrschaft im weitesten Sinne -hervor und der <em class="gesperrt">Strategie zur See wird damit ein größerer -Spielraum angewiesen</em>.</p> - -<p>Es erscheint nun auffällig, daß erst in dem letzten der drei Seekriege -große Flotten auftreten; dies war hauptsächlich eine Folge der Schwäche -der französischen Marine. In Frankreich war zwar der Aufschwung des -Seehandels und der Kolonien während der Friedensjahre seit 1713 volkstümlich, -aber die Regierung stand ihm kalt und mißtrauisch gegenüber. -Sie ließ die Marine mehr und mehr verfallen, ja noch während der beiden -ersten Kriege wurde wenig für sie getan; der Landkrieg sog die Hilfsquellen -auf. Die vorhandenen Seestreitkräfte wurden außerdem zersplittert, Frankreich -führte diese Seekriege lau und ohne strategisches Verständnis für ihre -Wichtigkeit. Erst nach den maritimen Niederlagen und Verlusten im Siebenjährigen -Kriege hob man auf Drängen des Volkes die Marine und sie trat -nun im letzten großen Kriege, im Verein mit der gleichfalls erstarkten -spanischen, mächtiger und tatkräftiger auf als je zuvor. Dieser Krieg wurde -zwischen den europäischen Gegnern zu einem reinen Seekriege mit großen -Flotten in allen Meeren.</p> - -<p class="small"><b>Die Bedeutung der Kolonien.</b> Im ersten Bande (Kapitel XII) ist eine kurze Geschichte -der Kolonien gegeben, um deren Umfang, ihren Wert für die Besitzer und ihre -innere Kraft um 1740 zu veranschaulichen; die Weiterentwicklung ihrer Verhältnisse<span class="pagenumsmall"><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span> -wird bei jedem der nun folgenden Kriege berührt werden. Bei der Wichtigkeit, die die -Kolonien für sie haben, soll hier nochmals die Stellung der Gegner außerhalb Europas -vor Augen geführt werden; der Einfluß der Kolonien auf die Strategie ergibt sich daraus.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">In Nord-Amerika</em> besaß <em class="gesperrt">England</em> 13 Kolonien, die späteren „Vereinigten -Staaten“: Die vier nördlichen oder Neuengland-Staaten: Newhampshire, Massachusetts -mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die fünf mittleren: New York, New Jersey, -Delaware, Pennsylvanien, Maryland; die vier südlichen: Virginien, Nord- und Südcarolina, -Georgia. Diese Kolonien hatten 1740 schon eine Bevölkerung von etwa -1200000 Weißen und 200000 Negern, die schnell weiter zunahm (1760: 1385000 -Weiße, 310000 Neger; 1770 insgesamt 2312000 und 1780 2943000 Seelen). Die -Einwohner waren Ackerbauer, Kaufleute, sowie Seeleute und hingen noch mit Begeisterung -am Mutterlande, wenn sie auch im wesentlichen auf sich angewiesen waren -und sich selbst regierten. An einer solchen Bevölkerung, die außerdem auf die Franzosen -sowie die Kanadier sehr eifersüchtig war, und an einem in jeder Beziehung ertragsfähigen -Lande mit langer Seeküste und guten Häfen, in dem schon viel für die Entwicklung -des Seewesens getan war (für Kriegsflotten voll leistungsfähige Werften gab -es allerdings noch nicht), hatte England in den beiden ersten Kriegen eine sichere Basis -auf der westlichen Halbkugel.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Frankreich</em> besaß Kanada und <em class="gesperrt">Louisiana</em>, worin das ganze Ohio- und -Mississippi-Tal als notwendiges Glied zwischen dem St. Lorenz-Strom und dem Golf von -Mexiko einbegriffen war. Dieses Zwischengebiet war jedoch nur schwach besetzt, und -England erkannte Frankreichs Anspruch darauf nicht an. Die Stärke der französischen -Stellung lag in Kanada, das 1740 etwa 50000 Weiße zählte (1760 etwa 80000). Die -Ansiedler beschäftigten sich hier nur soweit mit Handel und Landwirtschaft, wie es -für ihre unmittelbaren Bedürfnisse nötig war, in erster Linie lebten sie von der Jagd und dem -Waffendienst. Eine militärische und mönchische Regierung hemmte Unternehmungslust -sowie freie Verbindung zu gemeinsamen Zielen; selbst die für die Schiffahrt im -Innern nötigen Fahrzeuge mußte man größerenteils in den englischen Kolonien kaufen. -Kanada bot so und auch infolge der weiteren Entfernung von Westindien sowie seines -rauhen Winterklimas vom militärisch-seemännischen Standpunkte aus für Frankreich -weit weniger Nutzen als die englischen Kolonien für England; ein Vorteil Kanadas war -wohl, daß es unter einheitlicher Verwaltung stand, während die englischen Provinzen -nur lose zusammenhingen und nicht immer einig waren.</p> - -<p class="small">Bei der Schwäche der Bevölkerung und den geringen Hilfsmitteln des Landes lag -das Geschick Kanadas in einem Kriege ganz in der Unterstützung durch die Seemacht -Frankreichs, die sich entweder in unmittelbarer Beherrschung der benachbarten Gewässer -oder in der Ablenkung des Gegners durch Bedrohung anderer Punkte äußern -mußte. Von großer Bedeutung war hierbei der St. Lorenz-Strom, der den Zutritt bis -zum Herzen des Landes gewährte; Neufundland und Neuschottland hatte Frankreich -zwar schon verloren, aber es besaß in der Insel Breton mit der starken Feste Louisbourg -noch den Schlüssel zum St. Lorenz-Golf. Im dritten, dem amerikanischen Befreiungskriege, -gehörte Kanada England. Es bot ihm in Halifax einen Stützpunkt für die Seestreitkräfte -und bildete für die anderen aufständischen Kolonien, da diese es weder -zum Anschluß bringen noch erobern konnten, eine Grenze, die stets bewacht werden -mußte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Spanien</em> besaß 1740 in Nordamerika außer Mexiko nur Florida, ungenau begrenzte -weite Gebiete um die Halbinsel gleichen Namens; diese Kolonie blieb (auch -als sie später in englischem Besitz war) während der Kriege von geringer Bedeutung.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">In Westindien, Mittel- und Südamerika</em> hatte <em class="gesperrt">Spanien</em> die -unter dem Namen „Spanisch-Amerika“ bekannten Länder im Besitz, sowie die Inseln -Kuba, Portoriko und vier Fünftel von Haïti; Kuba mit etwa 140000, Haïti mit 400000 -Einwohnern aller Farben. <em class="gesperrt">Frankreich</em> besaß Guadeloupe (10000 Weiße, 50000 -Neger), Martinique (24000 bzw. 60000), ein Fünftel von Haïti (40000, 230000) sowie<span class="pagenumsmall"><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span> -die kleineren Inseln Grenada, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix und -auf dem Festlande Cayenne. Zu <em class="gesperrt">England</em> gehörten Jamaika (etwa 10000 Weiße), -Barbados (20000 Weiße, 69000 Neger) sowie die kleineren Inseln Nevis, Antigua, Montserrat, -Barbados, Anguilla, die Virgin-Inseln, die Bermudas und die Bahamas (alle zusammen -vielleicht 15000 Weiße). Man ersieht, daß die Einwohnerzahl der französischen -Inseln die der englischen beträchtlich übertraf. Auf dem Festlande besaß England an -der Küste von Honduras Niederlassungen (z. B. Belize, die Insel Roatan, am Kap Honduras, -1739 erworben), die besonders als Stationen für Holzausfuhr dienten.</p> - -<p class="small">Die Inseln Dominica, St. Lucia, St. Vincent und Tabago, auf die sowohl England -wie Frankreich Anspruch gemacht hatten, waren vorläufig (1730) als „<em class="gesperrt">neutrale -Inseln</em>“, den Indianern gehörig, erklärt.</p> - -<p class="small">Man sollte nun annehmen, daß die Eroberung der fruchtbaren Inseln vom Gegner -ein Hauptziel geworden wäre, aber mit Ausnahme des spanischen Wunsches, Jamaika -dauernd wiederzugewinnen, scheinen solche Pläne nie ernstlich gehegt zu sein. Das -zur See mächtigere England wurde wohl durch die größere Masse des Volkes mehr auf -Nordamerika hingewiesen und die kleineren westindischen Inseln, aus denen der englische -Besitz hauptsächlich bestand, sind einzeln zu klein, um sie ohne unbedingte Seeherrschaft -erfolgreich behaupten zu können; hiermit aber konnten die Gegner Englands -nicht rechnen. So wurde gegen die Inseln von beiden Seiten mehr der kleine -Krieg geführt; man sah sie gewissermaßen wie Schiffe oder Konvois mit feindlichem -Gute an. Sie gehen häufig von einer Hand in die andere über; sie werden angegriffen, -um sie zu brandschatzen; die Garnisonen werden gefangen genommen und die Befestigungen -zerstört, um den feindlichen Seestreitkräften ihre Stützpunkte zu rauben. Die -beim Friedensschluß etwa noch besetzten werden aber meist wieder zurückgegeben; -nur das Schicksal der sogenannten neutralen Inseln entscheidet sich in den Kriegen -unseres Zeitabschnittes; sie wurden zwischen England und Frankreich verteilt. Die -Tatsache aber, daß jede der großen Mächte in Westindien, diesem Brennpunkte des -Handels, Besitzungen hatte, zog kleine Geschwader, wie auch besonders im dritten -Kriege große Flotten dorthin; eine große Zahl der Seekämpfe spielt sich hier ab.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">In Ostindien</em> besaß <em class="gesperrt">England</em> als Hauptniederlassungen Bombay, Madras -und Kalkutta; <em class="gesperrt">Frankreich</em> Mahé, Pondichery und Chandernagore (am Ganges). -Dieser Staat hatte großen Vorteil durch Besitz der Inseln Isle de France und Bourbon, -die als Zwischenstationen auf dem Wege nach Indien, sowie als Stützpunkte in der Nähe -dieses Landes dienten. Beide Staaten wurden in Indien nur durch ihre Kompagnien -vertreten. Diese waren zwar um 1740 noch nicht sehr stark, strebten aber gerade in -dem hier behandelten Zeitabschnitt wetteifernd dahin, ihre Macht auszudehnen, und -hinter ihnen standen die Regierungen ihrer Mutterländer; die Kriege wurden deshalb -auch hier von Bedeutung und berührten gleichfalls die Philippinen, die einzige Besitzung -<em class="gesperrt">Spaniens</em> im fernen Osten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die holländischen Kolonien</em> — in Westindien nur unbedeutend, in -Ostindien, mit Ausnahme eines Kontors in Negapatam, auf die Inselwelt beschränkt — -wurden erst im dritten großen Kriege in den Streit verwickelt, als Holland gegen England -stand; sie spielten aber auch dann nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig wurde -allein <em class="gesperrt">das Kapland</em>, das nun den Franzosen als eine weitere Station auf dem Wege -nach Indien zur Verfügung stand.</p> - -<p class="small">Die sonstigen Besitzungen der Staaten <em class="gesperrt">in Afrika</em> waren lediglich Handelsstationen -ohne militärischen Wert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Kriege des vierten Abschnittes sind ferner -beachtenswert für die Fortentwicklung der Taktik.</em> -Die Engländer treten in sie ein mit rein schematischer Durchführung gewisser -kühner, aber unvorteilhafter Angriffsregeln, die außerdem sowohl den Oberbefehlshaber<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span> -wie die Unterführer binden und lähmen. Die Franzosen bauen -gegen diese Angriffe eine Verteidigungstaktik auf, mit Verwertung der jetzt -auch erkannten Vorteile der Leestellung, führen diese aber gleichfalls nur -schematisch durch, anstatt errungene Vorteile durch angriffsweises Vorgehen -auszunutzen. Die Folge war, daß fast alle Schlachten unentschieden blieben. -Erst gegen das Ende des Zeitabschnittes brechen bedeutende Führer beider -Völker (<em class="gesperrt">Rodney</em> und <em class="gesperrt">Suffren</em>) mit dem Schematismus, und es kommt -neues Leben in die Taktik; wie im dritten Abschnitt erscheint dann auch -wieder ein aufsehenerregendes Werk (das des Schotten Clerk) über -seetaktische Fragen.</p> - -<p>In der <em class="gesperrt">Entwicklung der Streitmittel</em>, der Schiffe und -der Artillerie, zeitigt der Abschnitt nur wenige hervorragende Änderungen. -Die Klassen der Schlachtschiffe werden in sich gleichmäßiger und man verwendet -als solche in erster Linie Schiffe der bisherigen mittleren Größe (zu -74 Kanonen); die Fahrzeuge zu besonderen Zwecken werden bedeutend vermehrt, -schwerere Fregatten erbaut. An Geschützen führen die Engländer -die Karronaden als eine für den Nahkampf besonders wirksame Waffe ein.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p010.jpg" width="150" height="81" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_5_5" id="Fussnote_5_5"></a><a href="#FNAnker_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Zu den geschichtlichen und politischen Betrachtungen hier, sowie bei Schilderung -der Kriege sind besonders benützt: Schlosser, Geschichte des XVIII. und XIX. Jahrhunderts, -Band II–IV; Spamers Weltgeschichte Band VII; Mahan I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_6_6" id="Fussnote_6_6"></a><a href="#FNAnker_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Bedingungen des Friedens vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_496">496</a>; Ergebnisse des Spanischen -Erbfolgekrieges für die Teilnehmer Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_575">575</a> und auch <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_159">159</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_7_7" id="Fussnote_7_7"></a><a href="#FNAnker_7_7"><span class="label">[7]</span></a> Ebendort Kapitel X und XI.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_8_8" id="Fussnote_8_8"></a><a href="#FNAnker_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Auf die Geschichte dieser zwei großen Landkriege — auf ihre Ursachen eingehender, -auf ihren Verlauf, soweit es nötig erscheint — werden wir bei der Betrachtung -der sie begleitenden Seekriege zurückkommen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_9_9" id="Fussnote_9_9"></a><a href="#FNAnker_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Vgl. Band I, Seiten <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_472">472</a>, <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_483">483</a>, -<a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_562">562</a>, <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_574">574</a>.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p011.jpg" width="600" height="102" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Zweites Kapitel.</span><br /> -Die Entwicklung des Seekriegswesens von 1740–1793.</h3> - -<p class="title"><b>Schiffe, Nautik</b> (Entdeckungen), <b>Schiffsklassen, Waffen, -Personal</b> (Organisation der Marine), <b>Taktik</b>.</p> - -<p class="small">Die Betrachtungen schließen an das zweite Kapitel des dritten Abschnittes (Band I, -Seite 161–188) an. Wie dort und aus dem gleichen Grunde sind in erster Linie die -englischen Verhältnisse zugrunde gelegt; wichtige Abweichungen in anderen Marinen -sind jedoch angeführt oder aus den Angaben über „die Streitmittel“ vor jedem -Kriege zu ersehen.</p> - -<p class="small">Als <b>Hauptquellen</b> dienten: Clowes III; Charnock III; Arenhold; Troude I; Colomb, -Kapitel V; Schwarz. (Vgl. Quellenverzeichnis.)</p> - -<h4>Schiffe, Nautik, Schiffsklassen.</h4> - -<p>Wir haben im ersten Bande die Entwicklung des Einzelschiffes und die -Einteilung der Schiffe in Klassen eingehend verfolgt und kamen schließlich -zu dem Ergebnis, daß um 1739 in beiden Hinsichten ein gewisser Abschluß -erreicht war. Die weitere Zeit der Segelschiffahrt bringt nur noch Vervollkommnungen -des Einzelschiffes, dessen Typ — besonders der des Schlacht- -(Linien-)schiffes — feststand, und Verschiebungen in der Klasseneinteilung. -Beides vollzieht sich weiter in den uns schon bekannten Richtungen: Anstreben -besserer See- und Segelfähigkeit des Einzelschiffes, sowie Vergrößerung -des Raumgehalts bei gleicher Kanonenzahl; Herbeiführen von -Gleichmäßigkeit der Schiffe einer Klasse, Bevorzugung der ehemaligen -Mittelklasse der Linienschiffe (Nichtvermehrung der sehr schweren, Abstoßung -der kleineren), sowie Vermehrung der Fahrzeuge zu besonderen -Zwecken.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p012_1.jpg" width="600" height="214" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p012_1" id="fig_p012_1"></a> -<p class="caption">Englisches Linienschiff „The Terrible 74“. Den Franzosen 1747 abgenommen.</p> -</div> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p012_2.jpg" width="350" height="447" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p012_2" id="fig_p012_2"></a> -<p class="caption">Heck eines französischen Linienschiffes.</p> -</div> - -<p><b>Die Linienschiffe.</b> Schon im 17. Jahrhundert hatte Frankreich die -Führung im Schiffbau übernommen. Hier beschäftigte man sich zuerst -wissenschaftlich mit Untersuchungen über Stabilität und Manövrierkunst. -Auf Anregung der Académie des Sciences in Paris nahmen hervorragende -Gelehrte ein reges Interesse an der Theorie des Schiffbaues, und die -Schiffbauingenieure wurden sorgfältig ausgebildet. Auch noch im 18. Jahrhundert<span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span> -benutzten die Engländer gern eroberte französische Schiffe als -Muster bei ihren Neubauten und stellten sie stets in ihre Schlachtflotte -ein, während die Franzosen erbeutete englische Linienschiffe nur als Begleitschiffe -aufbrauchten. Die wissenschaftliche Behandlung des Schiffbaues -führte zur Vergrößerung der Schiffe, um sie seefähiger zu machen, zur Verbesserung -der Formen unter und über Wasser, um die Segelkraft zur Fortbewegung -und zum Manövrieren besser auszunutzen; nach Theorie und -Erfahrung wurden die Verhältnisse der Hauptmaße des Schiffskörpers und -der Takelage zu einander festgesetzt. -An Stelle der vollen Formen des Vorschiffes -treten schärfere Linien; das -Heck wird gefälliger und weniger massiv, -doch verschwindet hier die eigentliche -Schiffsform unter überreichem bildnerischen -Schmuck, sowie den Anbauten, -die zugunsten einer bequemen -Ausgestaltung der Wohnräume für -den Kommandanten und die Offiziere, -selbst auf Kosten der Armierung, angebracht -wurden.</p> - -<p>Als ein Zeichen der allmählichen -Vergrößerung der Schiffe sei erwähnt, -daß die Franzosen in der Zeit nach dem -ersten Kriege, in den Jahren 1748 bis -1756, Zweidecker bis zu 84 Kanonen -bauten, während in England Schiffe zu -80 Kanonen bis 1760 noch Dreidecker -waren; dann folgte man auch hier -dem Beispiele und zwar nach dem Muster eines erbeuteten Fahrzeuges. Die -Dreidecker blieben stets schlechtere Seeschiffe. Sie mußten oft bei starkem -Winde oder schwerem Seegange die Pforten der untersten Batterie schließen -und sind mehrfach, selbst im Hafen bei Bodenreinigungen, gekentert. Sie<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span> -blieben jedoch gebräuchlich, namentlich als Flaggschiffe, da sie immerhin -mächtige Gefechtseinheiten waren und Platz zur Unterbringung der Geschwaderstäbe -boten.</p> - -<p>In der Anordnung der Takelage war man schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts -bei dem Linienschiffe fast zur vollendeten Vollschiffstakelung -gelangt: drei Masten und ein weitausladendes Bugspriet mit einem kleinen -Maste; an den Masten und am Bugspriet Raasegel, am Kreuz- (Besan-) Maste -ein großes Lateinsegel; auch Oberleesegel wurden schon gefahren<a name="FNAnker_10_10" id="FNAnker_10_10"></a><a href="#Fussnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a>. Im Laufe -des Jahrhunderts erschienen nun der Klüverbaum und die Vorsegel, die den -kleinen Mast auf dem Bugspriet verdrängten, jedoch es blieben noch Raasegel -am Klüverbaum (bis 1790), sowie am Bugspriet (bis 1815), da sie einem -entmasteten Schiffe etwas mehr Steuerfähigkeit verliehen; zwischen den -Masten traten Stagsegel auf. Das Lateinsegel am Kreuzmast wurde zum -Besan, indem der untere Teil der langen Raa wegfiel und das Segel hier am -Maste befestigt wurde; später wird der Rest der Raa zur Gaffel und für den -unteren Rand des Segels tritt der Besansbaum zum Ausholen hinzu. Jetzt<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span> -wird es auch gebräuchlich, die Flagge, die bisher an einem Flaggstock am -Heck gefahren wurde, an der Besansgaffel zu heißen. Um 1790 endlich waren -Oberbramsegel, sowie Unter- und Bram-Leesegel ziemlich allgemein eingeführt.</p> - -<p>Im vierten Abschnitt wurden Schiffstypen erreicht, die allen Anforderungen -genügten, wie die Blockaden beweisen, mit denen die Engländer -bald darauf jahraus, jahrein die französischen Häfen geschlossen hielten. -Als ein auf der Höhe seiner Zeit stehendes Linienschiff sei der französische -Zweidecker „Sans Pareil“ — 84 Kanonen, gebaut 1770 — abgebildet. Dieses -Schiff soll vorzüglich see-, sowie manövrierfähig gewesen sein und konnte -auch in schwerem Wetter die unterste Batterie gebrauchen; es wurde von -den Engländern genommen und als Vorbild benutzt. Gleichzeitige 74-Kanonenschiffe -sollen ebensogut gewesen sein.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p013.jpg" width="600" height="456" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p013" id="fig_p013"></a> -<p class="caption">Französisches Linienschiff „Sans Pareil“, 1770.</p> -</div> - -<p><b>Die Fregatten.</b> Bis 1745 hatte man im allgemeinen nur Linienschiffe, -zu denen bis 1756 noch die 50-Kanonenschiffe rechneten, ferner Zweidecker -mit 40 Kanonen, zuweilen und besonders in Frankreich als Fregatten bezeichnet, -20-Kanonenschiffe, auch Fregatten genannt, und noch kleinere -Fahrzeuge. Dann entwickelte sich die wirkliche Fregatte; ein Schiffstyp -von größerer Geschwindigkeit als Linienschiffe und Kauffahrer, von dem -aber doch auch eine nicht unbedeutende Gefechtskraft verlangt wurde<a name="FNAnker_11_11" id="FNAnker_11_11"></a><a href="#Fussnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a>, -um mit Erfolg als Aufklärungsschiffe der Flotten sowie im Handelskriege -gegen Kaper dienen zu können. Die 40- oder 44-Kanonenzweidecker waren -hierzu zu unbeholfen (diese Fahrzeuge wurden nach Einführung schwerer -Fregatten ihrer Wohnlichkeit halber gern im Kolonialdienst verwendet), die -20-Kanonenschiffe zu schwach. Die neuen Fregatten führten ihre Hauptartillerie -auf dem Hauptdeck, eingedeckt durch das Oberdeck, auf dem -leichtere Geschütze standen. Etwa um 1748 wurden Fregatten mit 28 und -32 Kanonen gebaut, bald darauf auch solche mit 36. Sie führten bis 1780 -nur 12-Pfünder in der Batterie, dann erhielten sie 18-Pfünder und es traten -auch Schiffe mit 38 Kanonen hinzu; ganz schwere Fregatten mit 40–44 Geschützen -erscheinen erst um die Wende des 18. Jahrhunderts.</p> - -<p><b>Die ständige Vergrößerung der Schiffe</b> in allen Klassen zeigt die auf -Seite 15 gegebene Tabelle für England, in der jedoch einige Zwischenstufen -nicht aufgenommen sind, da sie gegen das Ende des Abschnittes nur noch -schwach vertreten waren.</p> - -<p class="small">Diese Tabelle, deren Angaben sich an die im ersten Bande Seite 178 für 1727 aufgeführten -anschließen, ist nach Clowes III, Seite 9, 12, 335, zusammengestellt. Die -Angaben für 1741 sind die in England als Bauvorschrift festgesetzten. Derartige Vorschriften -waren von 1713 bis 1745 mehrfach erlassen, um Gleichmäßigkeit im Schiffsmaterial -zu erzielen; dann aber sah man ein, daß durch zu eingehende Bestimmungen</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span></p> - -<p class="title"><em class="gesperrt">Größenverhältnisse englischer Schiffe.</em></p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p15"> - <tr> - <td class="td6" rowspan="2">Anzahl<br />Kanonen</td> - <td class="td6" rowspan="2"></td> - <td class="td6" rowspan="2"></td> - <td class="td6" rowspan="2"></td> - <td class="td7" rowspan="2">Jahr des<br />Baues</td> - <td class="td7" rowspan="2">Tonnen-<br />Gehalt</td> - <td class="td8">Länge</td> - <td class="td8">Breite</td> - <td class="td8">Tiefgang</td> - <td colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td9" colspan="3">in englische Fuß abgerundet</td> - <td colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td12" rowspan="3">100</td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">1872</td> - <td class="td16">175</td> - <td class="td16">50</td> - <td class="td16">21</td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="td11" rowspan="6"></td> - <td class="tdc" rowspan="6">Dreidecker</td> - <td> </td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">1756</td> - <td class="td16">2047</td> - <td class="td16">178</td> - <td class="td16">52</td> - <td class="td16">22</td> - <td> </td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td13">1789</td> - <td class="td13">2297</td> - <td class="td13">190</td> - <td class="td13">52</td> - <td class="td13">22</td> - <td> </td> - <td> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td12" rowspan="3">90–98</td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td12" rowspan="3"></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">1679</td> - <td class="td16">168</td> - <td class="td16">48</td> - <td class="td16">20</td> - <td class="td11" rowspan="6"></td> - <td class="tdc" rowspan="6">Linienschiffe</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">1761</td> - <td class="td16">1827</td> - <td class="td16">176</td> - <td class="td16">49</td> - <td class="td16">21</td> - </tr> - <tr> - <td class="td13">1768</td> - <td class="td13">1947</td> - <td class="td13">178</td> - <td class="td13">50</td> - <td class="td13">21</td> - </tr> - <tr> - <td class="td17">70</td> - <td class="td17"></td> - <td class="td17"></td> - <td class="td17"></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">1291</td> - <td class="td16">154</td> - <td class="td16">44</td> - <td class="td16">19</td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="td11" rowspan="6"></td> - <td class="tdc" rowspan="6">Zweidecker</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">74</td> - <td></td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td></td> - <td class="td16">1759</td> - <td class="td16">1556</td> - <td class="td16">166</td> - <td class="td16">46</td> - <td class="td16">20</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td13">1790</td> - <td class="td13">1836</td> - <td class="td13">176</td> - <td class="td13">49</td> - <td class="td13">20</td> - </tr> - <tr> - <td class="td17">60</td> - <td class="td17"></td> - <td class="td17"></td> - <td class="td17"></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">1123</td> - <td class="td16">147</td> - <td class="td16">42</td> - <td class="td16">18</td> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">64</td> - <td></td> - <td class="td10" style="border-bottom: 3px double black;" rowspan="2"></td> - <td></td> - <td class="td16">1763</td> - <td class="td16">1380</td> - <td class="td16">159</td> - <td class="td16">45</td> - <td class="td16">19</td> - </tr> - <tr> - <td class="td14"></td> - <td class="td14"></td> - <td class="td14"></td> - <td class="td15">1782</td> - <td class="td15">1521</td> - <td class="td15">163</td> - <td class="td15">45</td> - <td class="td15">18</td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="tdc" rowspan="2">Linien-<br />schiff</td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">968</td> - <td class="td16">140</td> - <td class="td16">40</td> - <td class="td16">17</td> - <td rowspan="6"></td> - <td class="td11" rowspan="6"></td> - <td class="tdc" rowspan="6">Zweidecker</td> - <td rowspan="6"> </td> - <td rowspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">50</td> - <td></td> - <td class="td16">1752</td> - <td class="td16">1046</td> - <td class="td16">146</td> - <td class="td16">36</td> - <td class="td16">17</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td13">1765</td> - <td class="td13">1053</td> - <td class="td13">151</td> - <td class="td13">40</td> - <td class="td13">18</td> - </tr> - <tr> - <td class="td18" rowspan="3">44</td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td class="td18" rowspan="3"></td> - <td class="td16">1741</td> - <td class="td16">706</td> - <td class="td16">126</td> - <td class="td16">36</td> - <td class="td16">15</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">1759</td> - <td class="td16">856</td> - <td class="td16">141</td> - <td class="td16">37</td> - <td class="td16">16</td> - </tr> - <tr> - <td class="td15">1774</td> - <td class="td15">886</td> - <td class="td15">140</td> - <td class="td15">38</td> - <td class="td15">16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">38</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1780</td> - <td class="td16">940</td> - <td class="td16">141</td> - <td class="td16">38</td> - <td class="td16">11</td> - <td rowspan="8"></td> - <td class="td11" rowspan="8"></td> - <td class="tdc" rowspan="8">Fregatten</td> - <td rowspan="8"> </td> - <td rowspan="8"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="3"></td> - <td class="td13">1782</td> - <td class="td13">1062</td> - <td class="td13">150</td> - <td class="td13">40</td> - <td class="td13">13</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">36</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1757</td> - <td class="td16">718</td> - <td class="td16">128</td> - <td class="td16">36</td> - <td class="td16">12</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="3"></td> - <td class="td13">1786</td> - <td class="td13">839</td> - <td class="td13">141</td> - <td class="td13">39</td> - <td class="td13">14</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">32</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1757</td> - <td class="td16">667</td> - <td class="td16">128</td> - <td class="td16">34</td> - <td class="td16">12</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="3"></td> - <td class="td13">1783</td> - <td class="td13">779</td> - <td class="td13">131</td> - <td class="td13">36</td> - <td class="td13">13</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">28</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1757</td> - <td class="td16">599</td> - <td class="td16">118</td> - <td class="td16">34</td> - <td class="td16">11</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="3"></td> - <td class="td15">1785</td> - <td class="td15">594</td> - <td class="td15">121</td> - <td class="td15">33</td> - <td class="td15">11</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">20</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1757</td> - <td class="td16">430</td> - <td class="td16">108</td> - <td class="td16">30</td> - <td class="td16">10</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td class="tdc" rowspan="2">Postships</td> - <td rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="3"></td> - <td class="td13">1776</td> - <td class="td13">429</td> - <td class="td13">108</td> - <td class="td13">30</td> - <td class="td13">10</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">14</td> - <td colspan="3"></td> - <td class="td16">1746</td> - <td class="td16">276</td> - <td class="td16"> 91</td> - <td class="td16">26</td> - <td class="td16">12</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td class="tdc" rowspan="2">Sloops</td> - <td rowspan="2"> </td> - <td rowspan="2"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td14"></td> - <td class="td14" colspan="3"></td> - <td class="td15">1776</td> - <td class="td15">429</td> - <td class="td15">108</td> - <td class="td15">30</td> - <td class="td15">10</td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span></p> - -<p class="noindentsf">Verbesserungen gehemmt würden. Die Angaben für die späteren Jahre sind die Maße -von ihrer Zeit besonders typischen Schiffen (Clowes führt die Namen an), die in England -erbaut oder den Spaniers und Franzosen abgenommen waren.</p> - -<p><b>Verbesserungen im Schiffbau.</b> 1761 ward der erste Versuch gemacht, -den <em class="gesperrt">Schiffsboden mit Kupferplatten</em> zu belegen, um ihn -gegen den Bohrwurm zu schützen; 1785 war diese Maßnahme in der englischen -Marine durchgeführt, während die französische darin noch zurückstand. Es -brachte den unerwarteten Vorteil mit sich, den Anwuchs von Algen und -Muscheln zu verringern; die Schiffe büßten hierdurch weniger an Schnelligkeit -ein und bedurften seltener einer Bodenreinigung. Allerdings wurde der Bau -des Schiffsrumpfes schwieriger sowie teurer, da alle Bolzen unter Wasser -aus Kupfer hergestellt werden mußten, weil eiserne infolge des galvanischen -Stromes zwischen Kupfer und Eisen leicht zerstört worden wären. <em class="gesperrt">Die -Pumpen</em> zur Entleerung des Schiffsbodens wurden etwa um 1764 verbessert, -so daß sie ihre Aufgabe mit weniger Arbeitskraft schneller und gründlicher -lösten; dies war von gutem Einfluß auf den Gesundheitszustand an -Bord. 1772 führte man sogar schon <em class="gesperrt">Destillationsapparate</em> ein, -die jedoch nur geringe Mengen von Trinkwasser liefern konnten. Zum -<em class="gesperrt">Farbenanstrich</em> pflegte man für den Schiffsrumpf Schwarz mit -gelblich-weißen Batteriegängen (d. s. die Planken, in denen die Geschützpforten -eingeschnitten waren), für die Rundhölzer (Masten, Raaen, Gaffeln -usw.) Gelb zu wählen.</p> - -<p>In Hinsicht auf die <em class="gesperrt">Beiboote</em> trat noch keine Änderung ein (siehe -Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_166">166</a>). Sie wurden weiter auf Deck eingesetzt und blieben teilweise -sehr groß, da man sie häufig zum Fischen gekappter Anker nötig hatte. -Erst als im Anfang des 19. Jahrhunderts Ankerketten gebräuchlich wurden -und die Boote bei deren großem Gewicht zum Ankerfischen nicht mehr -tauglich waren, wurden sie kleiner; um diese Zeit erschienen auch die Bootsdavids -zum Heißen der Boote an den Schiffsseiten. Die Boote waren gut -besegelt und waren dadurch sowie durch ihre Größe zu tagelangen Entsendungen -geeignet. <em class="gesperrt">Die Werften</em> wurden immer leistungsfähiger, besonders -auch, weil man den Dienst auf ihnen besser regelte, für jedes Schiff -eine besondere Schiffskammer zur Aufbewahrung seines Materials anlegte -und die Angestellten sorgsamer auswählte, sowie besser bezahlte.</p> - -<p><b>Die Kauffahrteischiffe</b> des 18. Jahrhunderts waren selten größer als -800 tons. Sie wurden etwas schmaler als die Kriegsschiffe gebaut, führten -meistens immer noch einige Kanonen und wurden häufig im Anstrich den -Kriegsschiffen ähnlich gehalten (mit Batteriegängen), um Kaper abzuschrecken. -Beim Bau solcher Fahrzeuge, die besonders für den <em class="gesperrt">Kaperdienst</em> bestimmt -waren, legte man Wert auf Schnelligkeit, worin sich frühzeitig die -englisch-nordamerikanischen Kolonien hervortaten.</p> - -<p>Für <b>die Nautik</b> ist zu erwähnen, daß die Ortsbestimmung auf See dadurch -sehr erleichtert wurde, daß man von 1772 an brauchbare Chronometer anfertigte -(vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_167">167</a>), daß die nautischen Hilfstafeln vervollkommnet,<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span> -die Leuchttürme vermehrt und mit bessern Lichtern versehen, die Seekarten -fortlaufend vervollständigt wurden. <em class="gesperrt">Wissenschaftliche Seereisen</em> -trugen hierzu bei. 1736 konstruierte <em class="gesperrt">Harrison</em> einen Chronometer, -der auf einer Reise nach und von Westindien trotz schlechten -Wetters nur 1<sup>m</sup> 56<sup>s</sup> verlor. Ein weiter verbessertes Instrument bewährte -sich auf einer Entdeckungsreise des belgischen Kapitäns <em class="gesperrt">Byron</em> in -die Südsee 1764–1766. Auch die Franzosen sandten Schiffe zur Erprobung -von Chronometern aus (<em class="gesperrt">Fleurien</em> 1769, <em class="gesperrt">Borda</em> 1771 und 1774). Etwa -von 1772 an werden Chronometer an Bord der Kriegsschiffe allgemeiner -eingeführt.</p> - -<p class="small">Die wissenschaftlichen Reisen beschränkten sich nicht auf geographische und -hydrographische Forschungen in den bereits bekannten Gewässern; es wurden auch -planmäßige <b>Entdeckungsreisen</b> unternommen. Da ihre Ergebnisse mehr geographisch -als politisch oder militärisch wichtig sind, seien nur die hervorragendsten kurz -erwähnt. Durch russische Seeleute wurden von 1728 an die Nord- und Ostküsten -Asiens besucht; der Däne <em class="gesperrt">Bering</em> erforschte in russischem Dienste 1725 das Meer -von Kamtschatka, durchfuhr 1728 die nach ihm benannte Straße und besuchte 1741 -die Nordwestküste Amerikas. Die Reise des englischen Admirals <em class="gesperrt">Anson</em> 1739–1741 -brachte die genauere Kenntnis der Marianen-Inseln. Von französischen Seeoffizieren -entdeckte <em class="gesperrt">Bougainville</em>, der erste Weltumsegler Frankreichs, 1756–1759 die -Salomon-Inseln und den Bismarck-Archipel, <em class="gesperrt">Kerguelen</em> 1771–1774 die nach -ihm benannten Inseln, <em class="gesperrt">Lapérouse</em> erforschte 1785–1788 die japanischen und -koreanischen Gewässer.</p> - -<p class="small">Am meisten ist aber dem englischen Kapitän <em class="gesperrt">James Cook</em> zu verdanken, der -schon 1764–1767 die Küste von Neufundland aufgenommen hatte. Nach Tahiti zur -Beobachtung des Venusdurchganges gesandt, umfuhr er 1769–1771 Neuseeland und -stellte damit fest, daß diese Insel entgegen der bisherigen Annahme nicht der Ausläufer -eines südpolaren Festlandes sei; er erforschte die Ostküste Australiens und fand die -Torresstraße, deren erste Entdeckung unbekannt geblieben war (vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_75">75</a>). -Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Regierung auf Botanybay als geeignet zur Kolonisation, -die dann 1788 durch Hinführung der ersten Sträflinge begann. 1772 umsegelte -er die Erde von West nach Ost zwischen 60 und 70° südlicher Breite und -stellte fest, daß sich kein südpolarer Kontinent bis in die gemäßigte Zone erstrecke. -1776–1779 entdeckte er den Cook-Archipel, sowie die Sandwich-Inseln und erforschte -beim Suchen nach einer Nordwestpassage die Nordwestküste Amerikas nebst dem nördlichen -Teile des Stillen Ozeans bis zur Beringstraße. Durch ihn besonders wurde ein -klares Bild von der Begrenzung dieses Weltmeeres sowie der in ihm liegenden Ländermassen -und Inselgruppen gewonnen.</p> - -<p class="small">Diese wissenschaftlichen und Entdeckungsreisen waren für englische wie -französische Seeoffiziere eine gute Schule. Die an ihnen beteiligten Kapitäne -und Offiziere haben sich fast durchgängig auch in den Kriegen hervorgetan. -Bemerkenswert ist, daß beide Völker bei Ausbruch eines Krieges feindliche -Schiffe, die zur Zeit auf einer derartigen Reise begriffen waren, ausdrücklich -als neutral und unverletzbar erklärten.</p> - -<p><b>Schiffsklassen</b> (englisch: rates; französisch: rangs). Aus der auf Seite 18 -gegebenen Tabelle über die Bestände der <b>englischen Marine</b> in verschiedenen -Jahren ergibt sich folgendes (vgl. auch Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_178">178</a>): Die mittelstarken -<em class="gesperrt">Linienschiffe</em> kommen immer mehr als Hauptschlachtschiffe</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span></p> - -<p class="title"><em class="gesperrt">Bestände der englischen Marine nach Schiffsklassen.</em></p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p18"> - <tr> - <td class="td6" colspan="3" rowspan="2">Klasse</td> - <td class="td7" rowspan="2">Kanonenzahl</td> - <td class="td8" colspan="7">Anzahl der Schiffe im Jahre</td> - </tr> - <tr> - <td class="td9" colspan="3">1752<a href="#Fussnote_1_2" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td9">1762<a href="#Fussnote_2_1" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td9">1775<a href="#Fussnote_1_2" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td9">1783<a href="#Fussnote_2_1" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td9">1792<a href="#Fussnote_1_2" class="fnanchor">1)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> I</td> - <td colspan="2"></td> - <td class="td16">100</td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"> 5</td> - <td class="td16"> 5</td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 5</td> - <td class="td16"> 5</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> II</td> - <td colspan="2"></td> - <td class="td16">98 und 90</td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"> 13</td> - <td class="td16"> 16<a href="#Fussnote_3_1" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="td16"> 17<a href="#Fussnote_3_1" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="td16"> 20<a href="#Fussnote_3_1" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="td16"> 16</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">III</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16">64–80</td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"> 47</td> - <td class="td16"> 88</td> - <td class="td16"> 99</td> - <td class="td16">141</td> - <td class="td16">107</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">In Klasse III</td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td16"> 74<a href="#Fussnote_4_1" class="fnanchor">4)</a></td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td16"> 37</td> - <td class="td16"> 57</td> - <td class="td16"> 81</td> - <td class="td16"> 66</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">waren enthalten</td> - <td class="td16"> 64<a href="#Fussnote_4_1" class="fnanchor">4)</a></td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc">?</td> - <td class="td16"> 30</td> - <td class="td16"> 32</td> - <td class="td16"> 49</td> - <td class="td16"> 39</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12">IV</td> - <td class="td12"></td> - <td class="td12"></td> - <td class="td13">60</td> - <td class="td13" colspan="2"></td> - <td class="td12"> 67<a href="#Fussnote_5_1" class="fnanchor">5)</a></td> - <td class="td13"> 32</td> - <td class="td13"> 11</td> - <td class="td13"> 8</td> - <td class="td13"> 1</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="4">Gesamtzahl der Linienschiffe</td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc">132</td> - <td class="td16">141</td> - <td class="td16">131</td> - <td class="td16">174</td> - <td class="td16">129</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="11"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">IV</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 50<a href="#Fussnote_6_1" class="fnanchor">6)</a></td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc">—</td> - <td class="td16"> 24</td> - <td class="td16"> 12</td> - <td class="td16"> 23</td> - <td class="td16"> 17</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="4"> V</td> - <td class="td10" rowspan="4"></td> - <td rowspan="4"></td> - <td class="td16"> 44<a href="#Fussnote_6_1" class="fnanchor">6)</a></td> - <td class="td16" rowspan="4"></td> - <td class="td11" rowspan="4"></td> - <td class="tdc" rowspan="4">39</td> - <td class="td16"> 21</td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 30</td> - <td class="td16"> 22</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16"> 38<a href="#Fussnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td16"> 2</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16"> 7</td> - <td class="td16"> 7</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16"> 36<a href="#Fussnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 3</td> - <td class="td16"> 17</td> - <td class="td16"> 14</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16"> 32<a href="#Fussnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td16"> 34</td> - <td class="td16"> 35</td> - <td class="td16"> 61</td> - <td class="td16"> 47</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="3">VI<br />(Post ships)</td> - <td class="td10" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="td16"> 28<a href="#Fussnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td16" rowspan="3"></td> - <td class="td11" rowspan="3"></td> - <td class="tdc" rowspan="3">39</td> - <td class="td16"> 23</td> - <td class="td16"> 24</td> - <td class="td16"> 33</td> - <td class="td16"> 28</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16"> 24<a href="#Fussnote_7_1" class="fnanchor">7)</a></td> - <td class="td16"> 21</td> - <td class="td16"> 7</td> - <td class="td16"> 12</td> - <td class="td16"> 6</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">20–22</td> - <td class="td16"> 13</td> - <td class="td16"> 13</td> - <td class="td16"> 15</td> - <td class="td16"> 7</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Sloops</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 8–18<a href="#Fussnote_8_1" class="fnanchor">8)</a></td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"> 34</td> - <td class="td16"> 57</td> - <td class="td16"> 38</td> - <td class="td16"> 85</td> - <td class="td16"> 42</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Brander</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> </td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"> ?</td> - <td class="td16"> 11</td> - <td class="td16"> 1</td> - <td class="td16"> 17</td> - <td class="td16"> 9</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12">Mörserboote</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td13"> </td> - <td class="td13" colspan="2"></td> - <td class="td12"> 4</td> - <td class="td13"> 14</td> - <td class="td13"> 2</td> - <td class="td13"> 4</td> - <td class="td13"> 2</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="4">Gesamtzahl der Nichtlinienschiffe</td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc">116</td> - <td class="td16">224</td> - <td class="td16">139</td> - <td class="td16">304</td> - <td class="td16">201</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" colspan="4"><b>Insgesamt</b></td> - <td class="td16" colspan="2"></td> - <td class="tdc"><b>248</b></td> - <td class="td16"><b>365</b></td> - <td class="td16"><b>270</b></td> - <td class="td16"><b>478</b></td> - <td class="td16"><b>330</b></td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Die Tabelle, anschließend an die Band I Seite 178 gegebene, ist zusammengestellt -nach Clowes III, Seite 7 und 328.</p> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_2" id="Fussnote_1_2"></a><span class="label">1)</span> Bestände gegen das Ende einer Friedenszeit,</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_1" id="Fussnote_2_1"></a><span class="label">2)</span> im letzten Jahre eines Krieges.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_3_1" id="Fussnote_3_1"></a><span class="label">3)</span> In dieser Zahl ist ein (oder einige wenige) Schiff zu 84 Kanonen einbegriffen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_4_1" id="Fussnote_4_1"></a><span class="label">4)</span> Diese Angaben im Kleindruck zeigen, wie sehr die Unterklassen verschwinden; -von 1775 an fast gänzlich.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_5_1" id="Fussnote_5_1"></a><span class="label">5)</span> Da 1752 die 50-Kanonenschiffe noch zur Linie zählten, so sind sie für dieses Jahr -hier mit einbegriffen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_6_1" id="Fussnote_6_1"></a><span class="label">6)</span> Die Schiffe zu 50 und 44 Kanonen waren Zweidecker; als Nichtschlachtschiffe -und da sie auch nicht als Fregatten gelten konnten, fanden sie besonders Verwendung -in den Kolonien, zu kleineren Unternehmungen usw.; sie waren bequem zum Stationsdienst -in Friedenszeiten und bedurften nur geringer Besatzung. Ihre Zahl geht deshalb -der sonstigen Richtung entgegen nicht zurück.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_7_1" id="Fussnote_7_1"></a><span class="label">7)</span> Schiffe des neuen Fregattentypes.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_8_1" id="Fussnote_8_1"></a><span class="label">8)</span> Die größeren Sloops hatten Vollschiffstakelage.</p></div></div> - -<p class="noindent">in Gebrauch; ihre Zahl wächst beständig, während die Zahl der Dreidecker -sich gleich bleibt und die der leichteren Linienschiffe abnimmt. Zum -Linienschiff wird bis 1752 noch das 50-Kanonenschiff gerechnet, dann nur -noch das zu 60 Kanonen (in Frankreich zu 56), doch verschwindet auch<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span> -dieses allmählich und von 1763, Ende des Siebenjährigen Krieges, an -bildet das zu 64 Kanonen die untere Grenze. Unterstufen in den einzelnen -Klassen fallen nach und nach fort. Die Zahl der <em class="gesperrt">Nebenschiffe</em> — -zum Aufklärungs-, Nachrichten-, Seepolizeidienst usw. — wächst ungemein, -ganz besonders die des sich neuentwickelnden <em class="gesperrt">Fregattentypus</em>. -Die Mörserboote und Brander<a name="FNAnker_12_12" id="FNAnker_12_12"></a><a href="#Fussnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a> erreichen bei weitem nicht die Zahl früherer -Zeiten. Aus der Tabelle ist endlich das Wachsen der englischen Marine -im allgemeinen, sowie während eines jeden Krieges im besonderen zu -entnehmen.</p> - -<p><b>In Frankreich</b> (vgl. Troude I, Seite 19 ff.) teilte eine Verfügung von 1758 -die Schiffe in folgende Klassen: A. Linienschiffe I Rang (Dreidecker) zu 110, -100 und 90 Kanonen; II zu 74 und 70; III zu 66, 60 und 50. B. Nichtlinienschiffe -IV zu 50, 46 und 40; diese werden auch bisweilen schon zu den Fregatten -gerechnet, jedoch die zu 50 noch häufig und auch später noch ab und zu -in die Linie eingestellt; V zu 32 und 30, gleichfalls oft als Fregatten bezeichnet. -Fregatten zu 24 und 20, Korvetten zu 16 und 12 Kanonen. — Später -fanden öfters Verschiebungen statt, die den Zweck hatten, Unterklassen zu -vermindern und die Grenze des Linienschiffes hinaufzusetzen. So fehlen z. B. -um 1765 die Schiffe zu 70, und die Klasse II setzt sich aus 80- und 74-Kanonenschiffen -zusammen; 1786 wurde verfügt, als Schlachtschiffe nur solche zu -118, 110, 80 und 74 Kanonen zu erbauen. 1780 traten auch hier wie in -England Fregatten zu 38 (ja sogar zu 40) Kanonen auf. Die Verfügungen -scheinen jedoch niemals streng durchgeführt zu sein, jedenfalls waren stets -größere Restbestände von den nach älteren Vorschriften erbauten Schiffen -vorhanden. <b>In Spanien</b> lehnte sich der Schiffbau eng an den französischen -an.</p> - -<p class="small"><b>Dreidecker</b> scheint Frankreich in den Kriegen 1739–1748, sowie 1756–1763 nicht -gehabt oder sie doch nicht zur Verwendung gebracht zu haben, obgleich solche unter -Ludwig XIV. schon reichlich vorhanden waren. Im ersten Kriege werden nämlich bei -den Flotten nur Schiffe bis zu 80, beim zweiten bis zu 84 Kanonen aufgeführt, und diese -waren Zweidecker. Bei dem Aufschwung der Marine, der um 1761 einsetzte, sind aber -jedenfalls wieder Dreidecker (über 90 Kanonen) erbaut.</p> - -<h4>Die Waffen<a name="FNAnker_13_13" id="FNAnker_13_13"></a><a href="#Fussnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a>.</h4> - -<p><b>Die Kanonen</b>, die im vorigen Abschnitt geschildert sind (Band I, -Seite 168ff.), erfuhren keine wesentlichen Änderungen. Man gab den -Rohren mehr Hintergewicht, um das starke Bucken beim Schuß zu vermeiden, -und brachte einige Verbesserungen an den Lafetten (Bruststück -sowie Schwanzstück) und an den Pforten an, um die Geschütze weiter nach<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span> -vorn oder hinten richten zu können. Sonst blieben die Lafetten so primitiv -wie bisher, und die Geschütze bedurften daher einer zahlreichen Bedienung.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p020.jpg" width="400" height="269" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p020" id="fig_p020"></a> -<p class="caption">Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Bedienung der Geschütze.</b> Die Lafetten, aus schweren hölzernen Seitenwänden, -liefen auf Blockrädern. Der Rückstoß beim Schuß wurde von dem schweren Brooktau -und den Seitentaljen aufgenommen, deren Länge so bemessen war, daß sich nach -dem Rücklauf des Geschützes die Mündung des Rohres etwa 2 Fuß innerhalb der -Bordwand befand; in dieser Stellung wurde ausgewischt, geladen und dann das Geschütz -mit den Seitentaljen wieder ausgerannt, d. h. wieder dicht an die Bordwand -gezogen. Zum ersten Laden mußte die Lafette mittels der Einholtalje eingerannt, -d. h. in die Ladestellung gezogen, zum Nehmen der Seitenrichtung mußte sie mit Handspaken -herumgeworfen werden, die unter den hintern Teil der Lafettenwände gestemmt -wurden. Zum Nehmen der Höhenrichtung wurde das Bodenstück des Rohres mit denselben -Spaken gehoben -oder gesenkt -und dann durch -einen Keil festgelegt. -In einer -Batterie war auf -jeder Seite nur ein -Geschütz um das -andere mit Mannschaft -besetzt, da man -gewöhnlich -nur nach einer Seite -feuerte; die Mannschaft -der anderen -Seite bediente auf -das Kommando -„an die Steuerbord- -(Backbord-) Kanonen“ -die freien Geschütze -der feuernden -Seite. Sollten -beide Seiten in Tätigkeit -treten, so sprang auf das Kommando „dubliert“ die Hälfte der Bedienung -eines jeden Geschützes an das nebenstehende unbesetzte. — Ein 32-Pfünder brauchte -15 Mann zur Bedienung; in einer Batterie mit 30 Kanonen waren also 210 Mann -beschäftigt. Da ist es nicht erstaunlich, daß zuweilen ungeheure Verluste eintraten, -wenn ein Schiff im Nahkampfe eine wohlgezielte Breitseite des Feindes in die -Batterien erhielt. Bei Trafalgar z. B. wurden auf dem spanischen Dreidecker „Santa -Ana“ durch eine solche 400 Mann außer Gefecht gesetzt.</p> - -<p>Um 1780 wurde an Stelle der Zündung mittels Lunte ein <em class="gesperrt">Flintensteinschloß</em> -eingeführt, das der zielende Mann selber abfeuern -konnte. Die <em class="gesperrt">gebräuchlichsten Kaliber</em> blieben die gleichen: -42-Pfünder, 32-, 24-, 18-, 12-, 9-, 4-, 3-und ½-Pfünder; vom 24-Pfünder abwärts -bis zum 6-Pfünder waren Rohre verschiedener Schwere und Länge vorhanden. -Die Ladungen sind früher angegeben (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_168">168</a>). Der ½-Pfünder -— Swiffel oder auch Patereroe genannt — war ein Geschütz, das auf der -Oberdecksbrustwehr (der Reeling) stand. Zuweilen, jedoch sehr selten,<span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span> -verwendete man eine Art kleiner Mörser für Brandgeschosse, nach ihrem -Erfinder, einem holländischen Ingenieuroffizier, Coehoorn benannt.</p> - -<p class="small"><b>In Frankreich</b> führte man 36-Pfünder, 24-, 18-, 12-, 8-, 6- und 4-Pfünder; der 48-Pfünder -war hier schon fortgefallen, auch in England wurde der 42-Pfünder später -nur noch wenig verwendet. Wie bereits früher (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_169">169</a>) erklärt ist, war der -englische 32-Pfünder etwa dem französischen 36-Pfünder gleich und die sonstigen englischen -Kaliber den gleichlautenden französischen etwas überlegen. Das Flintensteinschloß -ist in Frankreich erst 1802 allgemein geworden und auch die Verbesserungen der -Lafetten fanden hier erst später Eingang.</p> - -<p><b>Die Handwaffen</b> blieben die im ersten Bande (Seite 169) angeführten. -Es traten <em class="gesperrt">Handgranaten</em> hinzu, die nach den Etats der englischen -Schiffe eine gewisse Rolle spielten; 1745 waren für das Linienschiff 200 Stück -vorgesehen und auch in Frankreich hatte dieses etwa 30 Grenadiere, die -beim „Klar Schiff zum Gefecht“ je 3 Granaten erhielten.</p> - -<p><b>Die Verteilung der Geschütze</b> nach Anzahl und Kaliber an Bord der -verschiedenen Klassen von Schiffen zeigt einige wichtige Veränderungen -gegen früher. Im ersten Bande (Seite 170) sind die Angaben hierüber für 1719 -gebracht; in umstehender Tabelle folgen solche für 1765. Nach den für -1743, 1757 sowie 1792 vorhandenen Aufzeichnungen<a name="FNAnker_14_14" id="FNAnker_14_14"></a><a href="#Fussnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a> muß man annehmen, -daß die Armierungsart von 1719 noch im Kriege 1739–1748 zutraf und daß -die jetzt gegebene für die beiden nächsten Kriege Gültigkeit hat. Früher -galten der 42-Pfünder (48-Pfünder), sowie der 32-Pfünder (36-Pfünder) -als <em class="gesperrt">schwere</em>, der 24-Pfünder bis 9-Pfünder als <em class="gesperrt">mittlere</em> und -die kleineren Geschütze als <em class="gesperrt">leichte Artillerie</em>. Ein Vergleich der -Angaben für 1765 mit denen für 1719 zeigt nun, daß auf den Schiffen -die Kaliber der Mittelartillerie gewachsen sind. An Stelle des 6-Pfünders -ist häufig der 9-Pfünder oder gar der 12-Pfünder getreten. Ganz besonders -aber ist dies bei den mittleren Linienschiffen — nunmehr Hauptschlachtschiffen -— der Fall; hier tritt z. B. beim 74-Kanonenschiff der 24-Pfünder -oder der 18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders, beim 64-Kanonenschiff der -18-Pfünder an Stelle des 9-Pfünders. Die Schiffe zu 74 Geschützen sind so -groß geworden, daß sie in ihren untersten Batterien sogar schwere Artillerie -führen können, während sie früher nur 24-Pfünder hatten. Auch die Mittelartillerie -der 50- und 44-Kanonenschiffe ist zu höheren Kalibern übergegangen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ein Vergleich der englischen mit der französischen</em> -Tabelle zeigt, daß vom 80-Kanonenschiff aufwärts die Schlachtschiffe -der Franzosen an Artillerie überlegen waren, da sie mehr mittlere -und schwere Geschütze führten. Auch wurden die französischen Schiffe -weit stärker bemannt.</p> - -<p><b>Die Einführung der Karronade</b><a name="FNAnker_15_15" id="FNAnker_15_15"></a><a href="#Fussnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a> verstärkte gegen das Ende dieses -Zeitabschnittes die Schiffsartillerie wesentlich. Dies war ein Kammergeschütz</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span></p> - -<table summary="p22"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="23"><em class="gesperrt">Verteilung der Geschütze auf englischen Schiffen</em> 1765.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td6" rowspan="2">Schiffe<br />mit<br />Kanonen</td> - <td class="td8" colspan="12">Batterie</td> - <td class="td8" colspan="7"> </td> - <td class="td7" rowspan="2">Besatzungs-<br />Stärke</td> - </tr> - <tr> - <td class="td9" colspan="4">Unterste</td> - <td class="td9" colspan="4">Mittlere</td> - <td class="td9" colspan="4">Oberste</td> - <td class="td9" colspan="3">Quarterdeck</td> - <td class="td9" colspan="4">Back</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 100<a href="#Fussnote_1_3" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">30–42</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td class="td19" colspan="3">28–24</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td class="td19" colspan="3">30–12</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">10–6</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 841</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 100<a href="#Fussnote_2_3" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">28–42</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">28–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">28–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">12–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">4–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 743 (?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 90</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">26–32</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">26–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">26–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">10–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 743</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 80</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">26–32</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">26–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">24– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 4–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="2">—</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 724</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 74<a href="#Fussnote_1_3" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">28–32</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">30–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">12–9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">4–9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td16" rowspan="2"> 594</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 74<a href="#Fussnote_2_3" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">28–32</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">28–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">14–9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">4–9</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 64</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">26–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">26–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr">10–9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">2–9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 494</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 50</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">22–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">22–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 4–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 345</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 44</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">20–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">22– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 297</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td16" colspan="4"></td> - <td class="td19" colspan="3"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td19"></td> - <td class="td21" colspan="5"></td> - <td></td> - <td class="td16"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 38</td> - <td class="td16" rowspan="4"></td> - <td class="td11" rowspan="4"></td> - <td class="tdc" colspan="2" rowspan="4">erst 1780<br />eingeführt<br />die neuen<br />Fregatten</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">28–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdc" colspan="5">12–9-Pfdr.</td> - <td></td> - <td class="td16"> 297</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 36</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">26–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 8–6</td> - <td class="tdc">Pfdr.</td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdc">Pfdr.</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 297</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 32</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">26–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 4–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19">2–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 257</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 28</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">24– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 4–6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="2">—</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 198</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 24<a href="#Fussnote_3_2" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">2–9</td> - <td class="tdc">Pfdr.</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">20– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdr"> 2–3</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="2">—</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 158</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 20</td> - <td class="td16" rowspan="2"></td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td class="tdc" colspan="2" rowspan="2">Sloops</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">20– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdc" colspan="2">—</td> - <td class="td16" colspan="2">—</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 158</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 14</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">14– 9</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19"></td> - <td class="tdc" colspan="2">—</td> - <td class="td16" colspan="2">—</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="td16"> 124</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="23"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="23"><em class="gesperrt">Verteilung auf französischen Schiffen</em> 1765<br />(nach Troude I, Seite 20).</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"></td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td16" colspan="4"></td> - <td class="td19" colspan="3"></td> - <td class="tdc"></td> - <td class="td19"></td> - <td class="td21" colspan="5"></td> - <td></td> - <td class="td16"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">116</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">32–36</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - <td class="td19" colspan="3">34–24</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - <td class="td19" colspan="3">34–12</td> - <td class="tdc">-Pfdr.</td> - <td class="td16" colspan="7">16–8-Pfdr.</td> - <td class="td16">1260</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">110</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">32–36</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">34–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">34–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">—</td> - <td class="td16">1180</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 90</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">30–36</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">30–24</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td19" colspan="3">30–12</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">—</td> - <td class="td16">1070</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2"> 80</td> - <td class="td16" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdr" rowspan="2">30–36</td> - <td class="tdc" rowspan="2">„</td> - <td class="td19" rowspan="2">30–</td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdr">24</td> - <td class="tdl">-oder</td> - <td class="td19" rowspan="2">18–</td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdr">12</td> - <td class="tdl">-oder</td> - <td class="td16" rowspan="2" colspan="7">—</td> - <td class="td16" rowspan="2"> 940</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">18</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - <td class="tdr"> 8</td> - <td class="tdl">-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 74</td> - <td class="td16"></td> - <td></td> - <td class="tdr">28–36</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">30–18</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">16–8-Pfdr.</td> - <td class="td16"> 734</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2"> 64</td> - <td class="td16" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdr" rowspan="2">26–24</td> - <td class="tdc" rowspan="2">„</td> - <td class="td16" colspan="4" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" colspan="4">18-oder</td> - <td class="td16" colspan="7" rowspan="2">16–6 „ </td> - <td class="td16" rowspan="2"> 589</td> - </tr> - <tr> - <td class="td19" colspan="4">28–12-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2"> 50</td> - <td class="td16" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdc" colspan="2">24-oder</td> - <td class="td16" colspan="4" rowspan="2">—</td> - <td class="td19" colspan="3" rowspan="2">26–12</td> - <td class="tdc" rowspan="2">„</td> - <td class="td16" colspan="7" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" rowspan="2"> 430</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">24–18</td> - <td>-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2"> 30</td> - <td class="td16" rowspan="5"></td> - <td class="td11" rowspan="5"></td> - <td class="tdc" colspan="2" rowspan="5">Fregatten</td> - <td class="td16" colspan="4" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" colspan="4">12-oder</td> - <td class="td16" colspan="7" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" rowspan="2"> 220</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16" colspan="4">26– 8-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 24</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">24– 8</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">—</td> - <td class="td16"> 210</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" rowspan="2"> 20</td> - <td class="td16" colspan="4" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" colspan="4">8-oder</td> - <td class="td16" colspan="7" rowspan="2">—</td> - <td class="td16" rowspan="2"> 150 (?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16" colspan="4">20– 6-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 16</td> - <td class="td16" rowspan="2"></td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td class="tdc" colspan="2" rowspan="2">Korvetten</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">16– 6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">—</td> - <td class="td16"> 120 (?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc"> 12</td> - <td class="td16" colspan="4">—</td> - <td class="td19" colspan="3">12– 4</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="td16" colspan="7">—</td> - <td class="td16"> 100 (?)</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_3" id="Fussnote_1_3"></a><span class="label">1)</span> Großer Typ.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_3" id="Fussnote_2_3"></a><span class="label">2)</span> Kleiner Typ.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_3_2" id="Fussnote_3_2"></a><span class="label">3)</span> Alter Typ.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span></p> - -<p class="noindent">mit bedeutend kürzerem und auch leichterem Rohr, als die Kanone von -gleichem Kaliber hatte. Man konnte nun ohne Überlastung auf kleineren -Fahrzeugen stärkere Kaliber als bisher aufstellen und auf großen Schiffen -mehrere Geschütze dieser Art der alten Bestückung auf dem Oberdeck -hinzufügen; infolge ihres geringen Gewichtes waren die Karronaden sehr viel -leichter und somit schneller zu bedienen. Zwar war ihre Schußweite bedeutend -geringer als die der Kanonen, aber ihr Geschoß rief infolge seiner -geringeren Geschwindigkeit eine größere Splitterwirkung beim Durchschlagen -der Bordwand hervor. Die Karronade war hierdurch eine besonders -für den Nahkampf geeignete Waffe, um so mehr, da auch ihre Kartätschladung -bei der Verwendbarkeit starker Kaliber große Wirkung gegen -Mannschaft und Takelage hatte.</p> - -<p class="small">Die Karronade ist von dem englischen General <em class="gesperrt">Robert Melville</em> erfunden; -wegen der großen Wirkung gegen Holzziele taufte dieser sie „smasher“ (Zertrümmerer). -Das erste Geschütz — in den Eisenwerken der Carron-Kompagnie (daher der -Name) am Fluß Carron in Schottland etwa 1774 gegossen — hatte etwa das Gewicht des -12-Pfünders, war kürzer als der 6-Pfünder, aber von größerem Kaliber als die 42-Pfünder-Kanonen. -Da man sie für Schiffsgeschütze als zu schwer erachtete, fertigte die Fabrik -Karronaden entsprechend den 24-, 18- und 12-Pfündern an. Sie wurden sofort für -Freibeuter in dem bald darauf ausbrechenden Kriege beliebt, aber auch auf Fregatten -und kleineren Fahrzeugen der Marine erprobt.</p> - -<p>Die Karronade fand schnell Eingang in England, da die englische Taktik -stets den Nahkampf suchte. Schon im Juli 1779 wurde die Aufstellung des -neuen Geschützes auf allen Schiffen verfügt.</p> - -<p class="title"><em class="gesperrt">Es sollten an Karronaden führen</em>:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p23"> - <tr> - <td class="td20">Schiffe mit Kanonen</td> - <td class="td8">100</td> - <td class="td8">98 od. 90</td> - <td class="td8">74 od. 64</td> - <td class="td8">50</td> - <td class="td8">44</td> - <td class="td8">38</td> - <td class="td8">36</td> - <td class="td8">32</td> - <td class="td8">28</td> - <td class="td8">24</td> - <td class="td8">14–20</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Auf d. Kampagne</td> - <td class="td16">8–12-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–12-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–12-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–12-Pfdr.</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Quarterdeck</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">2–24-Pfdr.</td> - <td class="td16">8–18-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–18-Pfdr.</td> - <td class="td16">4–18-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–18-Pfdr.</td> - <td class="td16">4–18-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–12-Pfdr.</td> - <td class="td16">6–12-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12">Back</td> - <td class="td13">2–12-Pfdr.</td> - <td class="td13">4–12-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–12-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–24-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–18-Pfdr.</td> - <td class="td13">4–18-Pfdr.</td> - <td class="td13">4–18-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–18-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–18-Pfdr.</td> - <td class="td13">4–12-Pfdr.</td> - <td class="td13">2–12-Pfdr.</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">Neue Gesamtzahl</td> - <td class="td16">110</td> - <td class="td16">108 od. 100</td> - <td class="td16">82 od. 72</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td16">54</td> - <td class="td16">48</td> - <td class="td16">44</td> - <td class="td16">40</td> - <td class="td16">34</td> - <td class="td16">34</td> - <td class="td16">22–28</td> - </tr> -</table> - -<p>Die Karronaden zählten aber bei der Bezeichnung der Schiffe nicht mit, -d. h. es wurde das 100-Kanonenschiff weiter so benannt, obgleich es -jetzt 110 Geschütze führte, ebenso die 38-Kanonenfregatte trotz ihrer -nunmehr 48 Geschütze usw. — Die Einführung ging schnell vor sich, schon -im Januar 1781 waren 600 Karronaden auf den Schiffen in Verwendung, -besonders 18- und 12-Pfünder, aber bald auch schon einige 32-Pfünder. -Die neue Waffe spielte in den letzten Jahren des dritten Krieges bereits<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span> -eine wichtige Rolle und wurde deshalb weiter entwickelt. Vorstehende Verfügung -über die Zahl behielt lange Gültigkeit, aber die Kaliber wuchsen -schnell. Schon 1782 erhielten die Fregatten 24-Pfünder an Stelle der 18-Pfünder -und bald wurden auf den schweren Schlachtschiffen 68-Pfünder, -auf den mittleren 42- und 32-Pfünder statt der 12-Pfünder eingeführt; -die leichteren Fahrzeuge tauschten sogar ihre sämtlichen Kanonen bis auf -zwei Jagdgeschütze in Karronaden um.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Frankreich</em>, und ebenso in anderen Staaten, führte man die -neue Waffe erst nach 1783 ein; auch dies ist erklärlich, da die französische -Taktik bislang den Nahkampf zu vermeiden strebte.</p> - -<h4>Entwicklung der Marinen. Organisation und Personal.</h4> - -<p class="small">Im ersten Bande (Seite 179) ist die Entstehung eines ständigen <em class="gesperrt">Kriegsschiffs-Personals</em> -(insbesondere auch der Deck- und Unteroffizierkorps der -verschiedenen Dienstzweige) und dann fortlaufend bei der Besprechung der Streitmittel -vor jedem Kriege die innere <em class="gesperrt">Organisation</em> der drei großen Marinen von -1648–1739 dargelegt. Beides war in diesem Zeitraum zu einem gewissen Abschluß -gelangt, später erfolgen nur noch geringe Änderungen. Wir können daher -die innere Geschichte für den vorliegenden nur kurzen Zeitabschnitt hier gleich zusammenfassen, -so daß wir von jedem Kriege nur die notwendigen Angaben zu machen -brauchen. Wir können uns auch hier auf die Marinen Englands und Frankreichs beschränken. -Holland hatte um 1740 keine Marine von Bedeutung mehr (vgl. Band I, -Seite 498) und tritt von nun an, wie Spanien bisher schon und auch weiterhin, nur noch -als Verbündeter auf; kurze Angaben über Holland, Spanien und die nordischen Mächte -folgen vor den einzelnen Kriegen.</p> - -<p><b>In England</b><a name="FNAnker_16_16" id="FNAnker_16_16"></a><a href="#Fussnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> wird seit 1689 (vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_419">419</a>) die Gesamtleitung -der Marine, das Amt des früheren Lordhighadmirals, von einer Kommission -verwaltet, der <em class="gesperrt">Admiralität</em> (Board of Admiralty). An der Spitze steht -der „Erste Lord der Admiralität“ (nicht immer ein Seeoffizier), die Geschäfte -sind an die übrigen Mitglieder der Kommission verteilt, von denen aber einige -stets Seeoffiziere sein müssen (die Naval Lords) und die technischen und -militärischen Angelegenheiten regeln. Bei der Ständigkeit dieser Art der -Verwaltung, unterstützt durch den guten Einfluß des in Marineangelegenheiten -erfahrenen Volkes, ist die Entwicklung der Kriegsflotte auf dem -einmal eingeschlagenen Wege stetig fortgeschritten, wenn auch zuzeiten -durch Partei- und Hofgunst wenig geeignete Personen in die wichtigsten -Stellen kamen. Die ununterbrochene Zunahme und Verbesserung des -Materials ist bereits geschildert, aber auch der Vervollkommnung des -Dienstbetriebes sowie des Personals wurde die nötige Aufmerksamkeit -zuteil. Während bis dahin jeder höhere Befehlshaber <em class="gesperrt">Vorschriften -über den Dienstbetrieb</em> für die ihm unterstellten Streitkräfte -erließ, wurden 1731 nach den bisherigen Erfahrungen „The king's regulations<span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span> -and Admiraly Instructions“ veröffentlicht, die, fortlaufend zeitgemäß geändert, -bis jetzt in Kraft sind.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Offiziersersatz</em> war geregelt. Schon 1728 war in Portsmouth -eine Vorbildungsschule (Naval academy) gegründet. Aber nicht alle Offiziersaspiranten -besuchten diese; im Gegenteil soll bis 1794 eine andere Art des -Eintritts beliebter und vorteilhafter gewesen sein. Admirale und Kapitäne -hatten die Erlaubnis, eine große Zahl „Domestics“ sowie „Servants“ mit -sich zu führen und sie nahmen nun darunter junge Leute (als „page“, gewissermaßen -als „Junker“) an Bord, um sie zu Seeoffizieren auszubilden. -Anderseits wurde diese Erlaubnis durch Mitnahme höchst überflüssiger Personen: -Schneider, Barbiere, Musikanten usw. mißbraucht. <em class="gesperrt">Die Offiziersgrade</em> -waren: Admiral of the Fleet; Admiral der weißen und der blauen -Flagge; Vize- und Kontreadmirale der roten, weißen und blauen Flagge; -Kapitän; Master and Commander; Lieutenant; Midshipman.</p> - -<p class="small">Über die Herkunft der Bezeichnung der Admirale nach den verschiedenen Flaggen -und ihr damit verbundenes Anciennitätsverhältnis ist schon im ersten Bande (Seite 221) -gesprochen. Der Master and Commander, der jetzige Commander (Korvettenkapitän), -ist nicht zu verwechseln mit dem Master des Navigationsdienstzweiges (ebendort -Seite 182). Dieser blieb noch lange nur ein Warrant officer wie die Deckoffiziere, wenn -er auch zur Offiziersmesse gehörte; jener war ein älterer Leutnant, der kleinere Fahrzeuge -(Sloops, Mörserboote, Brander, armierte Kauffahrer usw.) befehligte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Beförderung</em> erfolgte bis zum Kapitän nach Wahl. Hierbei -spielte natürlich Protektion eine große Rolle; man findet Kapitäne, die -mit einem Alter von einigen zwanzig Jahren, ja bis zu achtzehn hinunter, -in diesen Dienstrang aufrückten, von denen übrigens viele sich später besonders -hervortaten. Der Kapitän erhielt dann eine feste Stellung in der -Rangliste (daher der Ausdruck „Postcaptain“, d. i. posted Captain) und -seine Beförderung zum Kontreadmiral usw. erfolgte nach der Anciennität. -Da es ursprünglich nur neun Admirale gab, je einen der angeführten Grade, -waren nach der langen Friedenszeit die Kapitäne so alt geworden, daß eine -Verjüngung des höheren Offizierkorps notwendig erschien. Von 1743 an -wurden deshalb die Admiralsstellungen andauernd vermehrt. Um nun auch -die Möglichkeit zu haben, tüchtige Männer eher zu Flaggoffizieren zu befördern, -ernannte man von 1747 an Kapitäne, die zu alt oder sonst ungeeignet -zur aktiven Verwendung in höheren Stellen erschienen, zu überzähligen -Admiralen (vulgo Yellow Admirals) oder überging sie bei der Beförderung. -Auch dies leistete natürlich der Protektion Vorschub, erregte Unzufriedenheit -und führte selbst zu Klagen beim Parlamente, aber auf diese Weise und im -Verein mit der Beförderung nach Wahl bis zum Kapitän erreichte man, daß -tüchtige Männer jung in hohe Stellung kamen: Es wurden z. B. Admiral -<em class="gesperrt">Barrington</em> mit 18 Jahren Kapitän, <em class="gesperrt">Howe</em> mit 20 und mit 39 Kontreadmiral; -<em class="gesperrt">Jervis</em> erreichte diese Chargen mit 26 und 43, <em class="gesperrt">Nelson</em> mit -21 und 39 Jahren. Die Seeoffiziere gingen in Friedenszeiten häufig in fremde -Kriegsdienste oder zur Kauffahrteimarine und blieben so in Übung; wie schon<span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span> -früher für Offiziere, so wurde jetzt auch für Masters sowie für Ärzte die -Stellung auf Halbsold eingeführt, um sich für Kriegszeiten genügenden Ersatz -zu sichern.</p> - -<p><b>Die Mannschaft</b>, Matrosen und Seesoldaten<a name="FNAnker_17_17" id="FNAnker_17_17"></a><a href="#Fussnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a>, wurden wie früher angeworben. -Hiermit kam man jedoch niemals aus, obgleich England über so -viele Seeleute verfügte, und es mußte stets zum Pressen gegriffen werden. -Beim Ausbruch eines Krieges waren diese auf den Kauffahrteischiffen über -die ganze Erde verstreut, aber auch während der Kriege ging der Seehandel -fort und der beliebte Dienst als Freibeuter entzog der Marine die Leute. -Um dem Kriegsschiffsdienst mehr Anziehungskraft zu geben, sowie um die -Härte des Pressens zu mildern, wurden viele Gesetze erlassen in bezug auf: -Höheres Handgeld; reichlichere und regelmäßigere Löhnungszahlung und -Prisengelder; bessere Verpflegung sowie sonstige Fürsorge; die Möglichkeit -für die Leute, Heimatszahlungen an ihre Angehörigen zu machen; Befreiung -gewisser Lebensalter und Berufe (z. B. Anwärter auf die Offizierslaufbahn -in der Handelsmarine) vom Gepreßtwerden.</p> - -<p class="small"><b>Über das Leben an Bord.</b> Der Dienst an Bord der Kriegsschiffe blieb seiner Härten -halber lange noch unbeliebt und die Unzufriedenheit der Leute war häufig groß. In -den Kriegsjahren 1756–1763 soll die Fahnenflucht sehr stark gewesen sein; für -1774–1780 werden 42000 Fälle dieses Vergehens angegeben, und auf einigen Schiffen -kam es zur Meuterei. Anderseits wurden den Mannschaften einzelner Schiffe oder -Schiffsverbände von der Regierung oder von den reichen Handelsstädten öfters für -besondere Leistungen außergewöhnliche Zuschüsse zugewendet.</p> - -<p class="small">Wie selbst Offiziere jener Zeit über das Leben an Bord urteilten, erfahren wir durch -Laird Clowes (Band III, Seite 21; entnommen aus „Seamans Letters“, hier gekürzt). -Ein Kapitän <em class="gesperrt">Edward Thompson</em> schreibt um 1756 an einen jungen Verwandten, -der als Midshipman eintreten will: „An Bord hast du keine Hintertür zum Entschlüpfen, -keine fühlende Brust, um dich auszusprechen. Du vertauschst einen guten Tisch gegen -keinen, ein Bett gegen eine Hängematte an einem Orte, wo es nie Tag wird und wohin -nie frische Luft kommt; dein Licht ist bei Tag wie bei Nacht eine elende Kerze. Die -Nahrung ist gesalzen und oft schlecht, wenn du Abwechslung haben willst, so mußt du -sie dir selber kochen; halte dir stets wenigstens Tee und Zucker, zu weiterem ist kein -Platz, da du nur eine Kiste und die Hängematte hast.... Schlechte Gesellschaft ist -Gift für die Jugend, auf den Schiffen findest du den Auswurf der Gefängnisse; der -Verurteilte hat die Wahl zwischen Gehängtwerden oder Anbordgehen.... Du wirst -etwas äußerliche Religion finden, Sonntagsgottesdienst, aber die Gemeinde wird durch -den Bootsmann zusammengetrieben, der dabei weder Flüche noch Schläge spart.“ —</p> - -<p class="small">In einem anderen Briefe schreibt <em class="gesperrt">Thompson</em> über die damals gebräuchliche Behandlung -eines Midshipman: „Der fast unerträglichen Verhältnisse, die ihn erwarten, sind -so viele, daß nur der Umstand, daß auch die höchsten Offiziere sie durchgemacht haben, -sie erdulden läßt. Und dabei ist es ein ganz falscher Gedanke, daß junge Leute eine<span class="pagenumsmall"><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span> -schroffe Behandlung und niedere Dienstverrichtungen durchmachen müssen, um tüchtige -Offiziere zu werden. Man kann das durch andere Mittel erreichen und ihnen dabei -das Leben angenehm gestalten.... Die Beförderung zum Leutnant ist wie die Verwandlung -einer häßlichen Made zum schillernden Schmetterling.... Die meisten unserer -Kapitäne sind Leute ohne Erziehung. Gewiß müssen junge Leute gehorchen lernen, -aber die Kapitäne brauchen nicht gemein zu werden; durch die jetzige Behandlung wird -auch ihre Autorität geschädigt. Die jungen Leute müssen eine eigene Messe haben und -von den Offizieren unterstützt werden....“ Als ein Zeichen aber, daß es nach und nach -doch besser wurde, dient eine andere Äußerung des Briefschreibers: „Im letzten Kriege -genügten ein Primchen Tabak, ein Tauende und eine Auswahl von Flüchen zum Leutnant, -jetzt aber streben alle nach Bildung und guten Formen; von Verweichlichung -dadurch ist nicht die Rede, ich glaube im Gegenteil, die jetzigen Offiziere werden den -Veteranen von 1692 im Dienste in gleicher Weise überlegen sein, wie es der Gebildete -stets dem Ungebildeten ist.“</p> - -<p class="small">Wie man sieht, bezieht sich das Vorstehende auf die Verhältnisse des Offizierersatzes; -wie mögen die der Mannschaft gewesen sein? Auch hierüber folge eine Andeutung -<em class="gesperrt">Thompsons</em>: „Ein Linienschiff mit 480 Mann Besatzung, von denen 225 -den Gefängnissen entnommen oder vom Abschaum der Straßen gepreßt waren, schiffte -1756 nach nur einigen Monaten Kreuzen im Kanal 320 Kranke aus; neubemannt segelte -es nach New York und traf hier mit 159 Dienstunfähigen ein.“ (Wir werden nach 1779 -in der französischen Flotte d'<em class="gesperrt">Orvilliers</em> Ähnliches kennen lernen.) Dabei waren -derartige Zustände keineswegs unabänderliche Folgen der Verhältnisse jener Zeit — -langer Seereisen, unvollkommener Einrichtung der Schiffe, ungesunder Dauernahrungsmittel, -verdorbenen Wassers u. dgl. —, denn sorgsame Kommandanten verstanden es, -sie zu vermeiden. <em class="gesperrt">Cook</em> z. B. verlor auf den beiden letzten mehrjährigen Reisen von -seinen zwei Schiffen nur 4 oder 5 Mann durch Krankheiten.</p> - -<p>In <b>Frankreich</b><a name="FNAnker_18_18" id="FNAnker_18_18"></a><a href="#Fussnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> lagen die Verhältnisse weit ungünstiger für eine gesunde -Entwicklung der Marine. Wir hörten (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_503">503</a>), daß diese während -der Regentschaft (1715–1723) arg in Verfall geriet und daß auch <em class="gesperrt">Maurepas</em>, -der von 1723 mit Eifer und Umsicht dem Ministerium vorstand, nicht -viel zur Wiederbelebung beitragen konnte, weil Kardinal <em class="gesperrt">Fleury</em>, der -Leiter der Politik 1723–1743, dieses Streben nicht unterstützte, um nicht -Englands Eifersucht zu erregen. Auch von 1740–1760 wurde der Kriegsflotte -von höchster Stelle keine Förderung zuteil. Niemals bewilligte man die -nötigen Geldmittel; nach Ausspruch französischer Autoren machte die verschwenderische -Hofhaltung die Quellen versiegen, aus denen die Marine -schöpfen sollte. Die Entwicklung der Seemacht Frankreichs war eben im -Gegensatz zu England, wo Volk und Parlament mitsprachen, zu sehr von -der Person des Ministers abhängig, der zu dieser Zeit niemals ein Seeoffizier -war und dessen Wahl wieder unter dem Einfluß anderer Ratgeber des Königs -stand, des Premierministers oder der Hofpartei, und so wurde die Tätigkeit -selbst tüchtiger Marineminister gelähmt. Auch die schnelle Aufeinanderfolge -der Kriege hinderte eine Reform der Kriegsflotte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[28]</a></span></p> - -<p>Ebenso war die Organisation der Marine für deren Entwicklung und -Leistung ungünstig. Wieder im Gegensatz zu England, wo Seeoffiziere in -der Admiralität sowie in den Kriegshäfen die Oberleitung auch der technischen -Angelegenheiten hatten, lagen diese in Frankreich in den Händen von Verwaltungsbeamten, -ohne daß Seeoffiziere genügenden Einfluß besaßen. In -den Kriegshäfen unterstanden dem „Commandant de la Marine“ (dem ältesten -anwesenden Seeoffizier) nur die in Dienst gestellten Schiffe und die Hafenverteidigung; -ein Intendant leitete alles übrige, neben der eigentlichen Verwaltung -auch die Werften und Arsenale, den Bau, die Unterhaltung, Ausrüstung -und Bemannung der Schiffe. Die zu diesen Zweigen kommandierten -Offiziere, an ihrer Spitze der „Capitaine de Port“ (Oberwerftdirektor), waren -allein dem Intendanten unterstellt; ja sogar die Verwaltungsbeamten an -Bord waren unabhängig von den Seeoffizieren, so brauchten sie z. B. nicht -einmal die Erlaubnis zum Anlandgehen von ihrem Kommandanten einzuholen. -Diese Verhältnisse riefen unheilvolle Eifersucht und Streitigkeiten -zwischen den Seeoffizieren (Officiers d'épée) und den Beamten (Officiers de -plume) hervor.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Colbert</em> hatte sich (1689) genötigt gesehen, in Hinsicht auf den damaligen Stand -des Seeoffizierkorps den Beamten eine so weit gehende Macht einzuräumen. Als aber -das Offizierkorps sich hob, mußten Reibungen eintreten, und diese nahmen im Laufe -der Zeit immer mehr zu, da in der Verwaltung Nachlässigkeit sowie Unredlichkeit einriß -(die Stellen wurden sogar käuflich) und die militärischen Behörden in allem schlecht -bedient wurden. Sämtliche Militärschriftsteller klagten über die große Macht der -Beamten; mit Recht, denn Offizieren, die Leben und Ehre einsetzen und die verantwortlich -für das Wohl und Wehe ihrer Untergebenen sind, gebührt die Oberaufsicht und -die Mitwirkung bei Erhaltung der Schlagfertigkeit ihrer Waffe.</p> - -<p>Die Minister versuchten allerdings wiederholt, die Organisation zu verbessern. -Aber jeder von ihnen hatte neue Ideen, die sich oft schroff entgegenstanden, -und so brachten die wechselnden Bestimmungen mehr Unsicherheit -als Nutzen.</p> - -<p>Wie bisher wollen wir die Hauptpunkte der inneren Marinegeschichte -Frankreichs an der Hand der <b>Amtstätigkeit der verschiedenen Minister</b> betrachten. -<em class="gesperrt">Graf von Maurepas</em>, Marineminister von 1723–1749, -schuf manches Gute. Der Mannschaftsersatz<a name="FNAnker_19_19" id="FNAnker_19_19"></a><a href="#Fussnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a> der Matrosen sollte, wie -wir wissen, durch Inskribierte der seemännischen Bevölkerung gedeckt -werden, die Einrichtung war aber arg vernachlässigt worden. Bei der Bestechlichkeit -der Beamten konnten sich Leute, die über einige Mittel verfügten, -loskaufen, und dieser Übelstand machte sich um so fühlbarer, als sich -infolge des Daniederliegens des Handels in den letzten Kriegen vor 1713 die -Hafenstädte entvölkerten; der Mannschaftsmangel hatte dann zum Pressen -und zu sonstigen harten Maßnahmen gegen den Rest der Inskribierten geführt<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[29]</a></span> -und hierdurch den Abzug der Küstenbevölkerung noch vermehrt. Dank -einer milderen Behandlung durch <em class="gesperrt">Maurepas</em>, vereint mit der Wiederbelebung -des Handels, kehrten viele der Abgezogenen zurück und in die -Inskription kam wieder Ordnung, so daß bei Ausbruch des Krieges 1744 -die Bemannung der Schiffe leichter wurde als in den vorhergegangenen -Kämpfen. Auch die Zahl der Chargen — Offiziere, Deck- und Unteroffiziere — -reichte für die nur geringen Indienststellungen aus, obgleich sie in den Jahrzehnten -der Friedenszeit sehr herabgegangen war; für die Seeoffiziere z. B. -von 1140 im Jahre 1696 auf 660 in 1744.</p> - -<p><em class="gesperrt">Maurepas</em> tat viel für die wissenschaftliche sowie praktische Ausbildung -der Offiziere; er machte ferner die Stellung des Commandant de la -marine in den Kriegshäfen, deren Inhaber bisher häufig wechselte, zu einer -festen und hob dadurch dessen Einfluß dem Intendanten gegenüber wenigstens -etwas. In der Hauptsache aber, eine schlagfertige Flotte zu schaffen, hatte -er keinen Erfolg. Seine Absicht war, eine solche von 60 Linienschiffen (40 in -Brest, 20 in Toulon) aufzustellen; diese, zwar nicht übermäßig stark, aber -aus guten Schiffen bestehend, sollte der Kern einer maritimen Verbindung -mit Spanien (vielleicht auch Holland) gegen England sein. Er erhielt jedoch -nicht die Mittel zur Durchführung dieses Planes. Das Marinebudget, das -unter Ludwig XIV. selbst in Friedenszeiten nie unter 14 Millionen Francs -gefallen war, betrug während seiner Amtsführung acht, und als er vor Ausbruch -des Krieges 1744 20 Millionen verlangte, bekam er nur zehn.</p> - -<p>Um 1740 besaß Frankreich 45–50 Linienschiffe über 50 Kanonen und -15–20 schwere Fregatten. Die Schiffe waren großenteils nicht gut im Stande, -den Werften fehlten fähige Arbeiter, Arsenale und Magazine waren leer. In -dem stark zusammengeschmolzenen Offizierkorps hatte seit vierzig Jahren -die Beförderung gestockt; viele Offiziere waren zu alt für ihren Dienstgrad, -andere einzig durch Protektion hochgekommen. Infolge der nur geringen -Indienststellungen während der Friedensjahre fehlte den Chargen, höheren -sowie niederen, die praktische Erfahrung. Frankreich trat so in den Österreichischen -Erbfolgekrieg mit einer schwachen Marine ein; der Krieg brachte -große Verluste an Schiffen, doch wurden diese durch Neubauten zum Teil -ersetzt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Minister de Rouillé</em>, 1749–1755, arbeitete ganz im Sinne -seines Vorgängers weiter. Unter ihm wurden 38 Linienschiffe gebaut oder -gründlich ausgebessert; ihm standen auch mehr Mittel, 17½ Millionen jährlich, -zur Verfügung. Er schaffte die Galeerenflotte, eine unnütze und teure Waffe, -ab, und stellte deren Offiziere in die Hochseeflotte ein. Die Académie -de Marine in Brest wurde gegründet, ein Verein von Offizieren sowie -Marinebeamten aller Dienstzweige und Grade, in dem wissenschaftliche -Vorträge mit Besprechung gehalten wurden. Diese Einrichtung legte den -Grund zu dem wissenschaftlichen Streben in der französischen Marine während -der kommenden Jahre bis 1793. Auch der nächste Minister <em class="gesperrt">Machault -d'Arnauville</em> führte die Neubauten, jetzt mit einem Budget von 31 Millionen,<span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[30]</a></span> -fort, so daß die Marine 1755 schon 63 Linienschiffe zählte; das Offizierkorps -war wieder auf 900 Köpfe angewachsen. Frankreich trat so in den -Siebenjährigen Krieg weit mächtiger ein, als in den vorhergegangenen. Aber -als dieser eben begonnen hatte, fiel der tüchtige Minister Hofintrigen zum -Opfer (Februar 1757) und es folgten ihm, ein jeder nur für wenige Monate, -zwei Männer, die der Stellung in so schwerer Zeit nicht gewachsen waren.</p> - -<p>Als dann der Krieg gerade sehr schlecht stand, wurde <em class="gesperrt">de Berryer</em> -mit dem Amte betraut (1. November 1758). Von diesem sagt ein französischer -Autor (Chabaud-Arnault, Seite 161): „Wenn Ludwig XV. den Triumph der -Gegner gewollt hätte, so hätte er keine bessere Wahl treffen können. Ein -Günstling der Pompadour, sittenlos, hart, hochmütig und dabei den Marineangelegenheiten -völlig fremd, war er nur darauf bedacht, die Ausgaben zugunsten -der verschwenderischen Hofhaltung einzuschränken. Im vollen -Kriege stellte er die Arbeiten auf den Werften ein, ließ die Arsenale leer, -ja verkaufte sogar Material; Offiziere, Beamte, Matrosen und Arbeiter gerieten -in Not. Den Offizieren verbot er, in den Dienst der Freibeuterei zu -treten, wie es in den früheren Kriegen üblich gewesen, wenn die Kriegsmarine -lahmgelegt war, er rühmte aber ihnen gegenüber, die er doch selber zur Untätigkeit -verdammte, die Taten der Officiers bleus (Hilfsoffiziere, worüber -Näheres später).“ Und diesem Manne standen gerade Mittel zur Verfügung, -wie sonst nie unter Ludwig XV., nämlich 1758 42 Millionen und 1759 gar 57. -Trotz der schweren Niederlagen der Marine während seiner Verwaltung hielt -sich <em class="gesperrt">de Berryer</em> durch die Gunst der Pompadour bis 1761.</p> - -<p>Unter dem <em class="gesperrt">Herzog von Choiseul-Amboise</em>, der seit November -1758 das Ministerium des Äußern führte und 1761 auch das des -Krieges sowie der Marine übernahm, setzte ein lebhafter <em class="gesperrt">Aufschwung -der letzteren</em> ein. Während der Kriegsjahre bis 1763 konnte zwar nicht -mehr viel geleistet werden, doch war es möglich, 15 Linienschiffe (zu 50 bis -90 Kanonen) auf Stapel zu legen; das Volk selber rief infolge der letzten -schweren Niederlagen nach einer starken Flotte und auf Antrieb des feurigen -Ministers beschaffte das gesamte Frankreich — Provinzen, Städte, Privatpersonen -— durch eine Sammlung die nötigen Geldmittel hierzu. Nach dem -Kriege setzte Choiseul dann durchgreifende Reformen ins Werk. 1766 gab -er das Amt an seinen Vetter <em class="gesperrt">Choiseul-Praslin</em> ab, der ganz in seinem -Sinne weiter wirkte, so daß man die Tätigkeit beider bis 1770, wo sie sich -infolge von Intrigen der Gräfin Dubarry aus dem öffentlichen Leben zurückzogen, -als einheitlich betrachten kann. Den Verwaltungsbeamten wurde -ein Teil ihrer Machtbefugnis und Vorrechte genommen, den Seeoffizieren — -insbesondere dem Commandant de la marine sowie dem Capitaine du port in -den Kriegshäfen — mehr Einfluß auf Instandhaltung, Ausrüstung, Armierung -und Bemannung der Schiffe eingeräumt. Es wurde ein festes Korps von -Schiffbauingenieuren gegründet, das allerdings, wie der Schiffbau überhaupt, -dem Intendanten unterstellt blieb. Aus dem Offizierkorps wurden viele zu -alte oder unfähige Personen entfernt, auch die Stellen vermehrt, und so<span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[31]</a></span> -günstigere Beförderungsverhältnisse geschaffen; die Marineschule wurde vergrößert -und verbessert. Doch blieb man dabei, nur Adelige als Gardes de -marine (Offiziersaspiranten) einzustellen.</p> - -<p>Wir wissen (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_504">504</a>504), daß die Marine in den Kriegen des -17. Jahrhunderts eine wertvolle Unterstützung durch den Eintritt von Offizieren -der Handelsmarine („officiers bleus“) fand, daß diesen aber nach -und nach durch die eigentlichen Seeoffiziere („officiers rouges“ oder „nobles“) -der Dienst verleidet worden war. Es wurde jetzt versucht, diese Einrichtung -wieder zu beleben. Junge Leute guter nichtadeliger Familien erzog man -in der Kriegsmarine für den Dienst in der Handelsmarine im Frieden, also -gewissermaßen zu Reserveoffizieren, von denen die besten ganz in die Kriegsflotte -übernommen werden sollten; bei dem Stolz der Adeligen blieb jedoch -das Verhältnis zwischen den beiden Kategorien schlecht. In der Art des -Matrosenersatzes trat keine Änderung ein, aber in der Fürsorge für Invalide, -Witwen und Waisen wurde manches getan; auch milderte man die Strafgesetze -und arbeitete die Bestimmungen über den Dienstbetrieb eingehender -aus. Gleichzeitig Kriegsminister, verleibte <em class="gesperrt">Choiseul-Amboise</em> die -Seetruppen dem Heere ein und zog Landtruppen für die Besatzungen der -Schiffe, die Kriegshafengarnisonen, sowie die Kolonien heran, jedoch schon -<em class="gesperrt">Choiseul-Praslin</em> machte dies rückgängig und gründete wieder -drei Brigaden Seetruppen zu je acht Kompagnien — eine Bombardier-, -vier Kanonier- und Füsilierkompagnien — als „corps royal d'artillerie et -d'infanterie de marine“ unter dem Befehle von Seeoffizieren. Das Marinebudget -betrug unter den beiden Choiseuls, nach und nach wachsend, 1763 -16½ und 1770 26½ Millionen. Zu den Kriegshäfen Toulon, Brest, Rochefort -trat 1762 L'Orient. Die Werften wurden sehr gehoben und Magazine und -Arsenale gefüllt; ferner wurde auch Schiffsbauholz in Vorrat beschafft, an -dem es bisher meist gemangelt hatte, so daß man die Neubauten oft in zu -grünem Holze hatte herstellen müssen.</p> - -<p class="small">Von 1771–1774 folgten dann zwei Minister, von denen die französischen Quellen -sagen, daß es ihnen glücklicherweise an Zeit gefehlt habe, ihre Organisation (von 1772) -durchzuführen. Sie beabsichtigten nämlich, die 3 Brigaden der Seetruppen auf 8 für die -sämtlichen Marinemannschaften zu vermehren. Jeder Brigade sollte dann eine Anzahl -Schiffe aller Größen zur Instandhaltung und Besetzung zugeteilt werden. Durch -Schaffung dieser kleineren Verbände, in denen auch die Beförderungen getrennt erfolgen -sollten, hoffte man den allgemeinen Korpsgeist der Seeoffiziere zu brechen, der häufig -den in Marineangelegenheiten völlig unerfahrenen Ministern unbequem geworden war.</p> - -<p>1774 erhielt <em class="gesperrt">Gabriel de Sartines</em> das Ministerium. Dieser führte -1776 nicht nur die Organisation der Choiseuls wieder ein, sondern er schoß -in dem Bestreben, den Militärs mehr Einfluß zu geben, sogar über das Ziel -hinaus. Auf den Werften wurde auch der Schiffbau ganz dem Capitaine -du port unterstellt, der Intendant behielt nur die Verwaltung des Inventars -und Materials. Der Commandant de la marine wurde der direkte Vorgesetzte -des Capitaine du port, aber auch berechtigt, die Magazine usw. zu besichtigen. -Sogar auf den Schiffen traten Seeoffiziere an Stelle der Verwaltungsbeamten.<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[32]</a></span> -Dies ging zu weit. Gewiß ist es richtig, Seeoffizieren die Oberaufsicht über -die Arbeiten auf den Werften usw. zu geben, also über die Schlagfertigkeit -der Flotte, aber man darf sie nicht mit zuviel Einzelheiten belasten und -muß den Technikern eine gewisse Selbständigkeit lassen. Mit der Übernahme -der ganzen Verwaltung an Bord durch die Offiziere machte man -gleichfalls schlechte Erfahrungen: die Abrechnungen der Schiffe zeigten die -größte Unordnung.</p> - -<p>Von 1765 bis 1778 waren also drei Organisationen in Kraft gewesen; der -neuen Marine fehlte mithin eine gesunde Unterlage. Aber immerhin besaß -Frankreich im dritten Krieg 1778 eine starke Flotte von gegen 80 guten Linienschiffen -und hatte — noch ein Verdienst <em class="gesperrt">Choiseuls</em> — seine militärische -Stellung im Mittelmeer durch die Gewinnung Korsikas (1768) wesentlich -verstärkt. Die Geldmittel für die Marine (die für die Kolonien, als demselben -Minister unterstehend, stets darin eingeschlossen) waren seit dem Regierungsantritt -Ludwigs XVI. (1774) gewachsen, der die Seegeltung hochschätzte. -<em class="gesperrt">Sartines</em> erhielt schon 1776 35 Millionen Francs und im folgenden Jahre -45. Während der Kriegsjahre wurden reichliche Mittel bewilligt: 1778 85 Millionen, -1779 131½, 1780 144 — und außerdem im ersten dieser Jahre 16, -in den beiden andern je 25 Millionen Schulden gemacht. Im letzten Kriegsjahre -1782 verbrauchte die Marine gegen 200 Millionen Francs<a name="FNAnker_20_20" id="FNAnker_20_20"></a><a href="#Fussnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a>. Infolge -von Reibungen mit dem Finanzminister <em class="gesperrt">Necker</em> legte <em class="gesperrt">Sartines</em> im -Oktober 1780 sein Amt nieder.</p> - -<p>Der neue Minister <em class="gesperrt">Marquis de Castries</em>, ein tüchtiger Landoffizier, -entwickelte in den beiden letzten Kriegsjahren große Tatkraft, wurde -deshalb 1783 noch zum Marschall ernannt und traf nach dem Friedensschluß -sofort Vorbereitungen für den nächsten Waffengang. Er erließ 1784 -neue Organisationsbestimmungen, die den Verwaltungsbeamten wieder -größere Selbständigkeit gaben und ihnen auch die frühere Tätigkeit an -Bord wieder zuwiesen.</p> - -<p class="small">Dies war also die vierte Organisation innerhalb zwanzig Jahren; alle bezweckten -ein richtiges Zusammenwirken der Offiziere und Beamten zu erreichen und die Reibungen -zwischen ihnen zu vermindern. Doch glückte dies erst, als man 1799 in jedem -Kriegshafen einen Préfet maritime (Seepräfekt) ernannte, dem alle Dienstzweige, die -militärischen wie die der Verwaltung, unterstanden.</p> - -<p>Die neue Organisation brachte auch wieder Verbesserungen der Gesetze -über die Inskription zugunsten der Bevölkerung. <em class="gesperrt">de Castries</em> erweiterte -ferner die Werften und begann den Bau des Schutzdeiches in Cherbourg, -um dem Lande endlich einen brauchbaren Kriegshafen am Kanal zu schaffen. -Die Schiffe wurden gut gehalten und auch die Kupferung war seit 1785 allgemein -geworden. 1789 besaß Frankreich gegen 80 vorzügliche Linienschiffe -zu 64–118 Kanonen und 70 Fregatten zu 28–44; das Personal war tüchtig,<span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[33]</a></span> -besonders die Schiffsartillerie. Als Castries 1787 sein Amt infolge von Zerwürfnissen -mit dem Finanzminister <em class="gesperrt">Calonne</em> niederlegte, stand die Marine -gediegener da wie je zuvor, aber die Revolution vernichtete das Geschaffene, -ehe es sich bewähren konnte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Offiziersgrade der französischen Marine</em> waren -bis zur Revolution: Amiral de France, Vice-Amiral, Lieutenant-Général, -Chef d'Escadre, Capitaine de vaisseau, Capitaine de frégate, Lieutenant de -vaisseau, Enseigne, Garde-marine.</p> - -<p class="small">Der Admiral von Frankreich war stets ein Prinz von Geblüt, häufig schon als Kind -dazu ernannt, unter Ludwig XIV. mehrfach einer seiner illegitimen Söhne oder ihrer -Nachkommen. Selten waren sie zu Seeleuten erzogen und haben sie eine Flotte geführt. -Die Vizeadmirale entsprachen den Volladmiralen anderer Marinen. Ursprünglich gab -es nur einen für die Atlantikflotte (Vizeadmiral du Ponant) und einen für das Mittelmeer -(du Levante), deren Verwendung aber nicht an ihre Station gebunden war; 1777 -wurde noch ein dritter (der west- und ostindischen Meere) und später noch ein vierter -hinzugefügt. Sie rangierten hinter den Marschällen von Frankreich und erhielten oft -diesen Rang. Die Generalleutnants entsprachen den Vizeadmiralen, die Chefs d'Escadre -den Kontreadmiralen der englischen Marine. Es gab auch neben den eigentlichen Kapitänen -noch solche de brûlot (Brander) und de flûte (Transporter), sowie Lieutenants -de frégate, doch waren dies Chargen, die nicht ein jeder durchmachte, sondern in denen -besonders die Officiers bleus verwendet wurden. Ältere Kapitäne erhielten den Rang -eines Divisionschefs. In den Werken von Lacour-Gayet (vgl. Quellenverzeichnis) findet -man Personalangaben über die Offiziere der betreffenden Zeit, aus denen die Daten ihrer -Beförderungen und damit die Beförderungsverhältnisse zu entnehmen sind.</p> - -<p><b>Vergleich der englischen und französischen Marine</b><a name="FNAnker_21_21" id="FNAnker_21_21"></a><a href="#Fussnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a>. Was das <em class="gesperrt">Material</em> -anbetrifft, war England beim Beginn eines jeden der drei Kriege an Zahl der -Schiffe überlegen. Diese Überlegenheit trat dann im Verlauf der Kämpfe -noch mehr hervor, nur bei Beginn des dritten Krieges waren Frankreich -und Spanien zusammen etwas stärker. Frankreich hatte allerdings stets die -besser konstruierten Fahrzeuge; infolge der großen Verluste und der kurzen -Lebensdauer der aus grünem Holze erbauten Schiffe war es häufiger zu -Neubauten genötigt. Diesem Umstande ist aber kein zu großes Gewicht -beizulegen. Zwar führen die Engländer mehrfach die besseren Segeleigenschaften -der französischen Schiffe an, aber ebenso oft heben die Franzosen -die größere Geschwindigkeit der englischen hervor; im dritten Kriege führen -sie dies darauf zurück, daß England schon viele gekupferte Schiffe gehabt -hätte. Vor allem aber wird die seemännische Tüchtigkeit der Engländer -die Vorteile der besser gebauten Fahrzeuge auf französischer Seite aufgehoben -haben; eine geschulte Besatzung holt eben mehr aus ihrem Schiffe heraus. -Ebenso ist die Behauptung der Engländer, daß die Franzosen durch schwerere -Kaliber in der Artillerie überlegen gewesen seien, sehr einzuschränken. Nach -unseren Tabellen trifft es nur bei den Schiffen über 80 Kanonen zu, und die -Hauptkraft der Flotten lag stets in den nächstniedrigeren Klassen; im dritten<span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[34]</a></span> -Kriege hatten die Engländer außerdem den Vorteil der Karronaden<a name="FNAnker_22_22" id="FNAnker_22_22"></a><a href="#Fussnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a>. Im -großen und ganzen kann man das Material als gleich gut auf beiden Seiten -annehmen, den Ausschlag im Kampfe gab — wie wohl fast in jedem Kriege -zu Lande und zu Wasser — bei annähernd gleicher Stärke die Tüchtigkeit -der Mannschaft.</p> - -<p>In Hinsicht auf <em class="gesperrt">das Personal</em> war aber die englische Marine stets -überlegen. Für <em class="gesperrt">die Mannschaft</em> stand ihr die große Zahl der befahrenen -Seeleute des Landes zur Verfügung. England hatte ferner auch während -der langen Friedenszeit stets viele Schiffe im Dienst und erhielt sich so einen -Stamm von geübtem Kriegsschiffspersonal. Später folgten dann die Kriege -schnell aufeinander, und in diesen wurde alles aufgeboten, was an Schiffen -vorhanden; auch war der harte Dienst langer Blockaden eine vortreffliche -Schule. Mangel an Mannschaften trat allerdings trotzdem auf (Seite 26), und -das dadurch notwendige wahllose Pressen brachte viel minderwertiges, ja -schlechtes Material, ein Umstand, der wohl die erwähnten Übelstände — -schlechten Gesundheitszustand an Bord, Mißvergnügen, starke Fahnenflucht — -mit verschuldet hat.</p> - -<p>In Frankreich lagen die Verhältnisse weit ungünstiger. Hier deckte -die Einrichtung der Inskription den Bedarf an Matrosen nur im ersten Kriege, -in dem die Indienststellungen gering waren. Wie schon früher, entvölkerten -sich dann die Küsten während der Kriege, wenn der Seehandel daniederlag, -und erholten sich nur langsam wieder; so standen z. B. 1701 87000 und 1776 -nur 67000 Inskribierte in den Listen, obgleich gerade zu dieser Zeit die -Schiffahrt aufgeblüht war. Beim Beginn des zweiten Krieges fielen die -Besatzungen von 500 Handels-, sowie einiger Kriegsschiffe, die England -unmittelbar vorher aufgebracht hatte, gegen 5000 befahrene Seeleute aus, -und im dritten Kriege stellte Frankreich so viel Schiffe in Dienst, daß zum -Ersatz von Matrosen stark auf die Seetruppen, ja sogar auf das Heer zurückgegriffen -werden mußte; für die Schiffe in Toulon warb man auch Fremde -von den Küsten des Mittelmeeres an. Das französische Personal hatte außerdem -im allgemeinen auch nicht die gleiche Übung und Erfahrung wie das englische -und erhielt sie selbst während der Kriege nicht, denn in Friedenszeiten waren -zu wenig Kriegsschiffe im Dienst, und in den beiden ersten Kriegen ward die -Flotte bald lahmgelegt; es wurden dann weniger Schiffe in Dienst gestellt -und die ausgerüsteten sahen sich vom Gegner in den Häfen festgehalten. -Dies trifft für den dritten Krieg zwar nicht zu, aber in diesem reichte eben -der Ersatz an befahrenen Seeleuten überhaupt nicht.</p> - -<p>Die zu geringe Verwendung im praktischen Seedienst zeitigte natürlich -auch im französischen <em class="gesperrt">Offizierkorps</em> bedenkliche Folgen. Vor Ausbruch -des zweiten Krieges sollen z. B. von den 900 Seeoffizieren nur 200 eingeschifft -gewesen sein, während der Rest nur acht- oder zehnmal im Jahre -eine vierundzwanzigstündige Wache auf einem der Schiffe im Hafen tat;<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[35]</a></span> -da kann es nicht wundernehmen, daß sie den englischen in Übung und Erfahrung -sehr nachstanden. Vor dem dritten Kriege wurden allerdings Übungsgeschwader -im Dienst gehalten, diese waren jedoch so klein, daß nur wenige -Offiziere daraus Nutzen ziehen konnten. Im übrigen scheinen, wie die Geschichte -des Seewesens zeigt, die germanischen Völker noch mehr natürliche -Begabung für den Seedienst zu haben als die romanischen. Wir haben ferner -schon darauf hingewiesen (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_319">319</a> und <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_506">506</a>), daß und aus welchem -Grunde sich das französische Seeoffizierkorps ganz anders herausbildete als -das englische, daß bei dem Verschmelzen des Soldaten mit dem Seemann -im Franzosen der erste, im Engländer der letzte überwog.</p> - -<p>In England konnte ein jeder ohne Rücksicht auf Herkunft höhere -Stellungen erreichen. Die schon erwähnte harte Erziehung dort, die häufige -Verwendung an Bord machte die englischen Offiziere zu kühnen und erfahrenen -Seeleuten, aber mit wenig Neigung für Wissenschaft und Theorie, zu „Teerjacken“, -wie die Engländer selber sagen; da sie viel zur See fuhren, aber nicht -immer kriegerische Verwendung fanden, wurden hervorragende Leistungen -in Seemannschaft ihr Stolz, militärische, die mehr auf Theorie begründet -waren, wie z. B. Taktik, lagen ihnen ferner. In Frankreich ergänzte sich das -Offizierkorps nur aus Adligen, gerade hier eine hervorragend kriegerische -Kaste; bis 1789 gab es besondere Beamte, die die adlige Herkunft der -Offizieraspiranten zu prüfen hatten. Eine sorgfältigere Erziehung und auch -wohl der Volkscharakter führten außerdem die französischen Offiziere dahin, -sich mehr mit wissenschaftlichen Studien zu beschäftigen, und die Seltenheit -der Einschiffungen gab ihnen die Zeit hierzu. So stand das französische Seeoffizierkorps -dem englischen in seemännischer Praxis unbedingt nach, war -ihm aber theoretisch überlegen. Letzteres zeigt sich während der nächsten -Kriege besonders in der Taktik: die Engländer hielten im Kampfe an einem -alten Brauche fest, die Franzosen gründeten hierauf eine überlegte Taktik. -Einen größeren Nutzen zogen sie aber hieraus nicht, da ihre Taktik die einer -zu vorsichtigen Abwehr gegen ein kräftiges, allerdings oft unbedachtes -Draufgehen blieb.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Von der wissenschaftlichen Beschäftigung der französischen -Offiziere</em> gibt uns die Akademie ein Beispiel; wir sehen weiter -noch, daß sich verschiedene Offiziere literarisch über Seetaktik betätigten. Die Bewertung -der Theorie ging aber zu weit. <em class="gesperrt">Chabaud-Arnault</em> sagt (Seite 196) -von den Offizieren um 1778: „Sie waren mutig, eifrig und besser unterrichtet als die -anderer Marinen. Vielleicht waren sie zu gelehrt in dem Sinne, daß ihnen, durchdrungen -von den Regeln der Theorie, häufig die Initiative fehlte, unter gewissen Umständen mit -den Regeln zu brechen, wenn es sich darum handelte, einen Erfolg auszunutzen oder die -Folgen einer Schlappe abzuschwächen.“ Die Engländer verfielen übrigens in den -gleichen Fehler, aber aus Mangel an theoretischer Beschäftigung mit der Taktik; -auch sie wagten nicht, von den althergebrachten Regeln abzuweichen. Dieser Fehler -ist aber bei den Franzosen auch sicher eine Folge der von höchster Stelle angeordneten -Kriegführung. Eine lange durchgeführte defensive Strategie, der häufig ausdrücklich -gegebene Befehl, die Schiffe zu erhalten und zu schonen, konnte nicht zur Entwicklung -von Unternehmungsgeist im Offizierkorps führen und hat auch zum Aufbau<span class="pagenumsmall"><a name="Page_36" id="Page_36">[36]</a></span> -einer reinen Abwehrtaktik beigetragen. Der größere Wagemut auf englischer Seite und -das vorsichtige Zurückhalten auf französischer ist in vielen Fällen schließlich auch -darauf zurückzuführen, daß infolge der verschiedenen Beförderungsart die höheren -Führer der Franzosen in weit höherem Lebensalter standen.</p> - -<p class="small">Ältere französische Schriftsteller sagen, <em class="gesperrt">die Disziplin im französischen -Offizierkorps</em> sei mangelhaft gewesen, besonders zur Zeit des dritten Krieges, -neuere stellen dies in Abrede, geben aber folgende Punkte zu, die dem Geiste der -Unterordnung schädlich waren: der Geburts- und Klassenstolz der Offiziere brachte -ein Gefühl der Gleichberechtigung aller Dienstgrade hervor. Admirale, Kommandanten, -Offiziere und Seekadetten bildeten eine Waffe; „sie duzten sich wie Hinz -und Kunz“. Bei der Handhabung des Schiffes sprach der Untergebene seine Meinung -aus, und der Vorgesetzte gab oft nach, um nicht unbeliebt zu werden. — Wie zur -Zeit <em class="gesperrt">Colberts</em> stellte man wieder Offiziere der Armee mit ihrem Dienstgrade in die -Marine, was die Seeoffiziere empörte und der Kameradschaft schadete. — Der Adelsstolz -der officiers rouges stieß die officiers bleus vor den Kopf. Dies zeigte sich besonders im -dritten Kriege, als im französischen Volke bereits revolutionäre Gedanken auftauchten.</p> - -<p><b>Uniformen.</b> In die hier geschilderte Zeit fällt die Einführung von Uniformen -für die Seeoffiziere und Deckoffiziere. Bis dahin scheint zwar eine -gewisse gleichartige Tracht Mode gewesen zu sein — in Frankreich war eine -Uniform für die Gardesmarines vorgeschrieben, in Dänemark schon 1723 -auch für die Offiziere —, aber genaue Vorschriften erschienen in England<a name="FNAnker_23_23" id="FNAnker_23_23"></a><a href="#Fussnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a> -erst um 1748 und 1787, in Frankreich 1763. Überall wurde Blau mit goldenem -Besatz gewählt, wie es noch jetzt üblich ist. Der Anzug der Matrosen blieb -noch weiter ungeregelt; in England konnten die Leute ihren Anzug vom -Staate kaufen, waren aber nicht dazu verpflichtet. Wahrscheinlich hat auch -bei den Matrosen eine Mode geherrscht, wie es ja nach alten Bildern selbst -in der Handelsmarine der Fall gewesen zu sein scheint, auch wird der Einfluß -der Vorgesetzten eine gewisse Gleichmäßigkeit, wenigstens auf den -einzelnen Schiffen, erzielt haben.</p> - -<h4>Die Taktik.</h4> - -<p>Wir haben die Entwicklung der Taktik während der Zeit von 1648 bis -1740 verfolgt<a name="FNAnker_24_24" id="FNAnker_24_24"></a><a href="#Fussnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a> und wollen nun hier zunächst ihren Stand zu Beginn des -neuen Zeitabschnittes betrachten. Am geeignetsten hierzu ist <em class="gesperrt">das Werk -des Jesuitenpaters Paul Hoste</em>. Dieser war längere Zeit Kaplan -des französischen Admirals <em class="gesperrt">Tourville</em>; als Professor der Mathematik -am Kgl. Seminar in Toulon veröffentlichte er 1697 das Buch „L'art des -armées navales ou traité des évolutions navales“ (vgl. Quellenverzeichnis); -es ist wohl anzunehmen, daß in diesem mehr oder weniger die Gedanken -genannten Admirals, des letzten großen Taktikers in den Kriegen des -17. Jahrhunderts, enthalten sind. <em class="gesperrt">Hoste</em> stellt Grundsätze und Lehren -für die Führung von Flotten auf und erläutert sie durch die Beschreibungen -wichtiger Schlachten und sonstiger Ereignisse dieser Kriege. Von 1697 bis<span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[37]</a></span> -1740 ist nur ein Seekrieg geführt und in diesem nur eine Schlacht geschlagen -(Malaga 1704); das geschickt aufgebaute und durchdachte Werk gibt wahrscheinlich -auch noch den theoretischen Stand der Seetaktik um 1740; es ist -später die Grundlage zu ihrer weiteren theoretischen Entwicklung im 18. Jahrhundert -gewesen und bis zum Ende der Segelschiffahrt von anderen Schriftstellern -vielfach benutzt und ausgelegt, aber im Grunde wenig geändert worden.</p> - -<p class="small"><b>Hostes Werk über Taktik</b> bespricht die geeignetste Gefechtsordnung, die Vorteile -der Luvstellung; verschiedene Marsch- (auch Rückzugs-) Ordnungen; Übergänge aus -einer Ordnung in eine andere; besondere Manöver wie Geschwaderwechsel, Herstellung -der Ordnungen bei Windänderung, Gewinnen der Luvstellung sowie Hindern des -Gegners daran, Maßnahmen beim Forcieren oder Verteidigen einer Enge; besondere -Lagen im Gefecht, Erzwingen oder Vermeiden des Kampfes, teilweises Dublieren des -Gegners und Maßregeln dagegen<a name="FNAnker_25_25" id="FNAnker_25_25"></a><a href="#Fussnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a>, Durchbrechen der feindlichen Linie. Diese Betrachtungen -sind besonders für Seeoffiziere sehr lesenswert; für unsere Zwecke genügen -die unmittelbar auf den Kampf bezüglichen Ausführungen.</p> - -<p class="small">Als <em class="gesperrt">Gefechtsordnung</em> empfiehlt das Werk <em class="gesperrt">die Kiellinie der -Schlachtschiffe dicht beim Winde</em> unter kleinen Segeln, so daß die -Schiffe eben gut steuerfähig bleiben. Die übrigen Fahrzeuge, Fregatten und Brander, -sollen sich außerhalb der Linie etwa 1½ Seemeilen entfernt in Feuerlee<a name="FNAnker_26_26" id="FNAnker_26_26"></a><a href="#Fussnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> zur Verwendung -bereit halten; die Fregatten zur Unterstützung, z. B. zum Schleppen, schwer -beschädigter Schlachtschiffe und für besondere Aufgaben. Von den <em class="gesperrt">Marsch</em>- und -<em class="gesperrt">Ankerordnungen</em> wird verlangt, daß sie einen schnellen Übergang in die Gefechtsordnung -gestatten. Als geeignetste Marschordnung bei Erwartung eines Zusammenstoßes -mit dem Feinde gilt eine Linie, in der sich die Schiffe so peilen, d. h. so -zueinander liegen, daß sie sofort in Kiellinie beim Winde liegen, sobald sie über den -einen oder den anderen Bug an den Wind gehen.</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">Luvstellung</em><a name="FNAnker_27_27" id="FNAnker_27_27"></a><a href="#Fussnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a> erscheint am besten für das Gefecht geeignet, da man -aus ihr jederzeit zum Angriff übergehen kann und weil sie auch sonst viele Vorteile für -den Kampf bietet. Ebenso gilt noch <em class="gesperrt">der Angriff</em> mit der ganzen Linie zugleich -auf die ganze Länge des Gegners unter gemeinsamer Führung des Höchstkommandierenden -als der gebräuchlichste. An Beispielen der großen Führer in den Kriegen des 17. Jahrhunderts -weist <em class="gesperrt">Hoste</em> auf verschiedene Mittel hin, um an einer Stelle die Übermacht -zu gewinnen. So gestattet er, den Kampf geschwaderweise zu führen, wodurch oft entscheidende -Gefechte herbeigeführt würden, hebt aber die Schwierigkeit der Wiedervereinigung -der Flotte hervor. Verfügt die Luvflotte über eine größere Schiffszahl als -der Gegner, so soll sie die hinten überschießenden Schiffe ihrer Linie dazu benutzen, -die Schlußschiffe des Feindes von Lee her anzugreifen und so zu dublieren. Er ist gegen -ein Dublieren der feindlichen Spitze, weil die damit betrauten Schiffe, falls sie durch -Beschädigungen bewegungslos werden, dem Feuer der ganzen feindlichen Linie ausgesetzt -sind, wenn diese im weiteren Verlaufe des Kampfes an ihnen vorüberzieht. Eine schwächere -Leeflotte soll sich gegen das Dublieren dadurch schützen, daß sie ihre Linie durch Vergrößerung -der Entfernungen zwischen den einzelnen Schiffen oder besser durch Freilassen einer -Lücke verlängert, die dann aber durch Fregatten und Brander gedeckt werden muß.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Eine Flotte in Leestellung</em>, die kämpfen will, soll sich hart am Gegner -halten. Vielleicht bringt ihr eine Windänderung die Luvstellung oder es bietet sich -infolge besonderer Zufälle eine Gelegenheit, den Feind aus der sonst dazu ungünstigen -Leestellung her zum Kampfe zu zwingen (z. B. Havarien feindlicher Schiffe). Ist sie<span class="pagenumsmall"><a name="Page_38" id="Page_38">[38]</a></span> -überlegen, so kann sie dies durch einen Angriff mit ihren schnellsten Schiffen herbeiführen; -diese halten den Feind fest, bis der Rest herankommt. Einen Angriff nimmt -auch sie in Kiellinie beim Winde auf. Bei größerer Schiffszahl vermag sie den Feind -hinten zu dublieren; zu diesem Zwecke weicht sie während des Kampfes nach Lee aus, -ihre hinten überschießenden Schiffe machen das Manöver jedoch nicht mit, sondern -setzen sich auf die Luvseite der letzten Schiffe der feindlichen Linie, wenn diese den -Ausweichenden nachdrängt. Gegen ein solches Manöver soll sich eine schwächere Luvflotte -dadurch schützen, daß sie nicht die ganze Linie der Leeflotte angreift, sondern -nur, je nach der eigenen Schiffszahl, deren hintere Schiffe.</p> - -<p class="small">Für eine Leeflotte, aber nur für diese, sieht das Werk auch ein Durchbrechen der -feindlichen Linie vor. Sie soll dazu über den beabsichtigten Durchbruchspunkt hinaussegeln -und dann im Kontremarsch wenden<a name="FNAnker_28_28" id="FNAnker_28_28"></a><a href="#Fussnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a>. Die Schiffe, die durchgebrochen sind, -wenden darauf zu Luward der feindlichen Linie wiederum, und so sind die Schiffe des -Gegners hinter dem Durchbruchspunkte dubliert. <em class="gesperrt">Hoste</em> hält aber dieses Durchbrechen -nicht für unbedingt empfehlenswert. Der Gegner kann es vereiteln, wenn er sofort mit -allen Schiffen zugleich über den andern Bug geht; es wird gefährlich, wenn der Feind -einige Schiffe durchbrechen läßt und dann wendet, denn nun sehen sich die durchgebrochenen -dubliert. Das Manöver sei nur ratsam, wenn man eine größere Gefahr vermeiden -will (z. B. auf eine Leeküste gedrängt, um abgeschnittene Kameraden zu befreien -u. dgl.); auch wenn in der feindlichen Linie eine Lücke vorhanden ist — sei es -infolge geringerer Schiffszahl, sei es nach Niederkämpfen einiger —, sollen die dadurch -unbeschäftigten eigenen Schiffe durch die Lücke brechen und den Feind hinten dublieren.</p> - -<p>Das Werk zeigt uns, wie dargelegt, einen hohen theoretischen Stand -der Taktik, wohl geeignet, darauf weiter zu bauen. In der Praxis lag jedoch -die Sache anders. Vom zweiten Englisch-Holländischen Kriege (1665–1667) -an finden wir zwar in allen großen Schlachten Flottenführer, die versuchen, -an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, sei es schon durch Ansetzen -des Angriffes, sei es durch Ausnutzen von Blößen, die der Gegner während -der Schlacht zeigt. Wir nennen <em class="gesperrt">Monck</em>, <em class="gesperrt">Ruyter</em>, <em class="gesperrt">du Quesne</em>, -die in diesem Bestreben von ihren Unterführern, <em class="gesperrt">d'Estrées</em>, <em class="gesperrt">Bankers</em>, -<em class="gesperrt">den Haën</em>, <em class="gesperrt">Nesmond</em>, durch selbständige Manöver unterstützt wurden. -Die aus diesen Beispielen zu ziehenden Lehren waren jedoch noch nicht -Allgemeingut geworden, selbst die Gefechtsinstruktionen jener Zeit standen -nicht auf der Höhe der Hosteschen Abhandlungen; es ist auch nicht anzunehmen, -daß sich die Seeoffiziere jener Zeit, insbesondere die englischen -„Teerjacken“, im allgemeinen mit ihnen beschäftigt hätten.</p> - -<p>Die älteste eingehendere <em class="gesperrt">Gefechtsinstruktion in England</em><a name="FNAnker_29_29" id="FNAnker_29_29"></a><a href="#Fussnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a> -ist von 1665. Sie weist im allgemeinen auf den „Angriff« von Luward<span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[39]</a></span> -her, über denselben Bug wie der Gegner liegend und mit der ganzen eigenen -Linie auf die ganze feindliche zugleich“ hin. Sie sagt nämlich: „Erwartet -der Feind, in Lee stilliegend, den Angriff, so soll ein jedes Geschwader<a name="FNAnker_30_30" id="FNAnker_30_30"></a><a href="#Fussnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a> -das entsprechende des Gegners angreifen. Begegnet die Flotte der feindlichen -auf entgegengesetztem Kurse, so soll sie so weit laufen, bis ihre Vorhut -querab von der Nachhut des Feindes ist; dann soll sie mit allen Schiffen -zugleich wenden, so daß sie nun über den gleichen Bug parallel und querab -von ihm (bereit zu vorstehender Angriffsart) liegt. — Steht die Flotte über -gleichen Bug in Lee, so soll die Vorhut die feindliche Linie durchbrechen -und deren hintere Schiffe von Luward her angreifen; Mitte und Nachhut -sollen die vorderen Schiffe des Feindes beobachten und die Nachhut unterstützen.“ -Bald darauf wurde einem selbständigen Durchbrechen seitens -der Geschwaderchefs, ja selbst der Schiffskommandanten, in günstigen -Augenblicken das Wort geredet und ihnen überhaupt mehr Freiheit gegeben, -aber dann kam nach und nach in der Instruktion doch immer stärker das -Streben zum Ausdruck, die ganze „Kiellinie beim Winde“ in strengster -Ordnung, Spitze gegen Spitze und Schiff gegen Schiff von Luward her zum -Angriff heranzuführen.</p> - -<p class="small"><b>Die Vor- und Nachteile der Luvstellung</b> (vgl. Band 1, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_184">184</a>): Die Luvflotte -kann jederzeit angreifen, die Gefechtsentfernung bestimmen, sowie leichter zum Entern -gelangen; sie kann leicht die feindliche Linie durchbrechen und einen Teil von ihr abschneiden; -sie kann den Gegner hinten dublieren; ihre Brander kommen besser zur -Verwendung. Der Pulverrauch zieht nicht über die Schiffe hin und brennende Rückstände -aus den Geschützen gefährden sie nicht. — Die Nachteile der Luvstellung bestehen -darin, daß die Schiffe häufig infolge des Überliegens bei starkem Winde oder -wegen schwerer See die Pforten der untersten Batterie, in der die schwersten Geschütze -stehen, auf der dem Feinde zugewandten Leeseite geschlossen halten müssen. Beim -Herangehen zum Angriff sind die Schiffe dem Enfilierfeuer<a name="FNAnker_31_31" id="FNAnker_31_31"></a><a href="#Fussnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a> ausgesetzt, während sie -nur ihre Buggeschütze verwerten können. Es wird stets schwierig sein, ein Gefecht -abzubrechen, da sich hierzu die Flotte nach Luward hin vom Feinde entfernen muß, -beschädigte Schiffe werden aber vielleicht nicht mehr wenden oder höher am Winde -steuern können; diese treiben dann dem Feinde entgegen, der sie völlig vernichtet, falls -sie nicht dadurch unterstützt werden, daß man das Gefecht fortsetzt.</p> - -<p>Um 1691 sind die Bestimmungen über Durchbrechen ganz fortgefallen; -kein Geschwader und kein Schiff darf ohne Befehl seinen Platz verlassen; -streng wird darauf hingewiesen, den Angriff genau Spitze auf Spitze anzusetzen. -Der Wortlaut der Instruktion machte es dem Oberbefehlshaber fast -unmöglich, seine Flotte so heranzuführen, daß er von vornherein an einer -Stelle die Übermacht gewann, und ebenso war ausgeschlossen, dies später -durch Initiative der Unterführer zu erreichen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[40]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ein Dublieren</em> des Feindes durch unbeschäftigte Schiffe, wie es <em class="gesperrt">Hoste</em> -empfiehlt, war in England auch früher niemals vorgesehen. Man soll wegen der Gefahr -des gegenseitigen Beschießens der eigenen Schiffe das Dublieren hier ungünstig beurteilt -haben, da die Engländer möglichst nahe an den Feind heranzugehen pflegten. Die -Franzosen, die weitere Gefechtsentfernungen bevorzugten, hielten mehr vom Dublieren.</p> - -<p>In dieser Änderung der Instruktion sahen sämtliche Marineschriftsteller -bisher einen argen <em class="gesperrt">Rückschritt in der Taktik</em> gegen die Zeit der -obenerwähnten hervorragenden Führer. Nur <em class="gesperrt">Corbett</em> sagt<a name="FNAnker_32_32" id="FNAnker_32_32"></a><a href="#Fussnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a>, es sei ein -natürlicher Rückgang in ein defensiveres Verfahren nach einer Zeit wagemütigen -Vorgehens seitens bedeutender Männer gewesen; man sei mit der -Erkenntnis der Gefahren, die außergewöhnliche Manöver mit sich brächten -(wie sie auch Hoste anführe), zu der wohlüberlegten Überzeugung gekommen, -daß diejenige Flotte die größte Aussicht auf Erfolg habe, die am längsten ihre -Formation hielte. <em class="gesperrt">Corbetts</em> Auslassungen werden teilweise richtig sein, -aber er will doch wohl auch das englische Seeoffizierkorps jener Zeit gegen -den Vorwurf in Schutz nehmen, es habe die Taktik vernachlässigt. Sollte -dieser Vorwurf nicht doch berechtigt sein?</p> - -<p>Wir haben bei der Kennzeichnung der Offizierkorps der beiden großen -Marinen erwähnt, daß in England wenig Neigung zu militärisch-theoretischen -Studien vorhanden war. Stolz auf ihre seemännische Tüchtigkeit, glaubten -die englischen Seeoffiziere ihr Ziel, das Niederschmettern des Feindes „im -Kampf Schiff gegen Schiff“, jederzeit zu erreichen. Die Beispiele der großen -Führer bis zur Schlacht von Kap Barfleur-La Hogue (1692) gerieten in Vergessenheit, -und es ist fraglich, ob <em class="gesperrt">Hostes</em> Werk in weiteren englischen -Kreisen bekannt war; erst etwa 1762 erschien eine vollständige Übersetzung -in englischer Sprache. Die lange Friedenszeit 1713–1739 gab auch keinen -Anlaß zur Beschäftigung mit taktischen Fragen; Übungsflotten kannte man -noch nicht<a name="FNAnker_33_33" id="FNAnker_33_33"></a><a href="#Fussnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a>. So führten die Engländer lange Zeit ihre Schlachten nach den -Buchstaben ihrer Gefechtsinstruktion: Rücksichtsloses Draufgehen in starrer -Ordnung, Kampf Schiff gegen Schiff in nächster Nähe. Sie richteten auch -stets ihr Feuer auf den Rumpf der feindlichen Schiffe, also auf die durch -Geschütze und Mannschaft dargestellte Gefechtskraft, während es häufig -zweckmäßiger gewesen wäre, die Takelage, also die Bewegungsfähigkeit der -Gegner, als Ziel zu wählen. Zum Beharren bei dieser unvollkommenen Taktik -trugen verschiedene Kriegsgerichtsurteile bei über Führer, die von der Vorschrift -abgewichen waren. Die bekanntesten dieser Gerichtserkenntnisse sind -die nach den Schlachten vor Toulon (1744) und bei Minorka (1756); aus ihrer -Besprechung wird sich ergeben, welch eine beschränkte Auffassung für die -Verwendung von taktischen Regeln im englischen Seeoffizierkorps herrschte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[41]</a></span></p> - -<p>Wir wissen, daß die französischen Seeoffiziere im Gegensatz zu den englischen -mehr für die militärische Seite ihres Berufes veranlagt waren und sich -mehr mit theoretischen Studien beschäftigten<a name="FNAnker_34_34" id="FNAnker_34_34"></a><a href="#Fussnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a>. So entstand gegen die -schematische Angriffsart der Engländer nun eine <em class="gesperrt">Abwehrtaktik der -Franzosen</em>. Diese nutzte die bisher wenig beachteten Vorteile aus, die -eine Leestellung bietet. Die Franzosen sind aber nicht nur aus diesen Gründen -zur Wahl einer Defensivtaktik gekommen, -sondern dabei sehr durch -ihre Strategie beeinflußt worden.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p041.jpg" width="325" height="608" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p041" id="fig_p041"></a> -<p class="caption">Zur englischen Angriffsart.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Vor- und Nachteile der Leestellung.</b> -Die Flotte in der Leestellung kann den -Kampf nicht erzwingen und ist einem -Angriff gegenüber auf die Verteidigung -angewiesen, wenn sie sich nicht zurückziehen -will. Ein Durchbrechen oder ein -Dublieren des Gegners ist für sie schwieriger -als für eine Luvflotte. Sie kann aber fast bei -jedem Wetter ihre untersten Batterien gebrauchen, -da die Luvseiten der Schiffe -dem Feinde zugewandt sind; auch kann -sie die Angreifer beim Herankommen mit -den Breitseiten beschießen. Sie deckt -leichter ihre beschädigten Schiffe, hält -leichter ihre Ordnung aufrecht und kann -jederzeit das Gefecht abbrechen, da der -Feind mit stärker beschädigten Schiffen -nicht imstande sein wird, sofort und in -guter Ordnung zu folgen.</p> - -<p>Die Luvstellung ist mithin geeigneter -zum Angriff, die Leestellung zur Abwehr, -und es ist, wie in der Kriegführung stets, -auch hier die Verteidigung materiell, der -Angriff moralisch stärker (nach einem Ausspruche -des Generals <em class="gesperrt">v. Clausewitz</em>).</p> - -<p><em class="gesperrt">Die englische Angriffsart -bringt große Übelstände -mit sich.</em> Wenn der -Angreifer abhält, um an die feindliche -Linie heranzugehen und sich dann dieser auf nahe Entfernung Schiff gegen -Schiff nun auch unter gekürzten Segeln wieder parallel zu legen, so sind -seine Schiffe längere Zeit dem Enfilierfeuer von vorn ausgesetzt, das sie nur<span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[42]</a></span> -mit wenig Geschützen erwidern können (vgl. Plan, Lage 1). Nun liegt aber -der Angegriffene nicht ganz still, er hat wenigstens soviel Bewegung, daß die -Schiffe steuerfähig bleiben. Die angreifenden Schiffe müssen also schräg -herangehen, um auf die ihnen in der feindlichen Linie entsprechenden Gegner -zu stoßen; hierdurch wird die Dauer der ungünstigen Lage verlängert (Lage 2). -Ferner ist es für Segelschiffe sehr schwierig, in einer solchen Stellung zueinander -(nicht mehr in Kiellinie, sondern in einer Peilungslinie zum Kurse — -Lage 2a-a) eine gut ausgerichtete Linie innezuhalten, und da nun auch -das eine oder das andere Schiff in der Takelage beschädigt werden wird, ist -es wahrscheinlich, daß nicht alle Schiffe gleichzeitig ihren Platz zum Nahkampfe -einnehmen; der Angriff erfolgt also nicht gleichmäßig.</p> - -<p>Dies ist nun aber nur von formeller Bedeutung, in der Praxis gestaltet -sich der Angriff noch ungünstiger. Die Luvflotte will dem Feinde den Weg -abschneiden, ihn festhalten und zum Kampfe zwingen. Sie wird also schon -von weiterer Entfernung an vor die Spitze des Feindes halten. Bei der -Schwierigkeit, dies in einer Peilungslinie durchzuführen sowie um ein längeres -Enfiliertwerden zu vermeiden, wird sie in Kiellinie bleiben, bis sie nahe genug -zum Angriff durch Abhalten ist (Lage 3). Dieses Schrägheranführen in Kiellinie -hat zwei Mißstände im Gefolge, die einen gleichzeitigen Angriff ausschließen, -häufig denselben überhaupt lähmen. 1. Die ersten Schiffe werden -stets früher zum Nahgefecht kommen als ihre Hinterleute, weit früher aber -noch als die letzten der Linie. 2. Wenn ein Schiff der Linie, z. B. in der Mitte -(Lage 4 a). vor dem Abhalten zum Angriff durch Beschädigungen lahmgelegt -wird, so hält es seine Hinterleute auf und zwingt sie zum Ausweichen; die -Linie wird gestaucht und die Ordnung gestört.</p> - -<p>Die Schwierigkeit, den Angriff auf der ganzen Linie gleichzeitig durchzuführen -und die ungünstige Lage des Angriffes machten die Franzosen sich -zunutze. Sie ließen den bisher allgemein anerkannten Grundsatz fallen, vor -der Schlacht die Luvstellung zu erstreben; sie gingen sogar zuweilen freiwillig -nach Lee, um in (Kiellinie beim Winde) den Angriff aufzunehmen. -Sie richteten dann, wie sie es schon früher gern getan hatten, ihr Feuer auf -die Takelage, die Bewegungsfähigkeit des Feindes, ein großes, bereits auf -weitere Entfernungen mit Erfolg zu beschießendes Ziel. Sie warteten dann -aber nicht den Angriff auf der ganzen Linie ab, sondern wichen einem -allgemeinen Kampf aus, wenn nur erst die feindliche Spitze herangekommen -und genügend geschädigt war.</p> - -<p>Meist zogen sie unter schnell vermehrten Segeln ihre ganze Linie an den -vordersten feindlichen Schiffen, die dann schon durch das beim Herangehen -erhaltene Feuer in ihrer Bewegungsfähigkeit beschränkt waren, vorüber und -überschütteten sie mit Geschossen; dann nahmen sie in Lee aufs neue Stellung -und warteten in gleich günstiger Lage wie beim ersten Angriff das Weitere -ab<a name="FNAnker_35_35" id="FNAnker_35_35"></a><a href="#Fussnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a>. Sie konnten infolge des zwischen den Flotten lagernden Pulverrauchs<span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[43]</a></span> -gewöhnlich ihr Manöver unbemerkt beginnen und auch in guter Ordnung -durchführen, da ihre Schiffe noch unbeschädigt waren. Die Engländer aber -sahen von einem zweiten Angriff ab, weil ihre Spitzenschiffe durch die Beschädigungen -in der Takelage nicht mehr voll gefechtsfähig waren; häufig -wurde eine englische Flotte dadurch sogar auf längere Zeit lahmgelegt. Es -blieb bei dem einen Zusammenstoß, und die Flotten trennten sich.</p> - -<p>Hier ist <em class="gesperrt">der Einfluß der Strategie der Franzosen auf -ihre Taktik</em> zu erkennen. Diese hätte weiter dahin ausgebildet werden -können, daß man nach der Schwächung des Gegners zum Angriff überging, -um noch größeren Erfolg auf dem Schlachtfeld zu erreichen. Die Franzosen -begnügten sich aber damit, den Angriff unter Schonung der eigenen Schiffe -abgeschlagen zu haben.</p> - -<p>Wie schon meist zur Zeit <em class="gesperrt">Ludwigs</em> XIV. kämpfte Frankreich auch -später nie um die Seeherrschaft im großen Sinne; den Seestreitkräften wurden -nur bestimmte Ziele gesetzt: eine Eroberung zu sichern; eine Landung zu -decken; ähnlichen Vorhaben des Gegners entgegenzutreten, häufig mit dem -ausdrücklichen Befehle, „die kostbaren und schwer zu ersetzenden Schiffe -zu schonen“. Die Flottenführer wurden somit darauf hingewiesen, Zusammenstöße -möglichst zu vermeiden und, wenn sie zum Kampfe gezwungen waren, -jedenfalls nicht zuviel aufs Spiel zu setzen. <em class="gesperrt">Diese Auffassung</em> wurde -bei ihnen zum Grundsatz; ein französischer Autor sagt sogar: „Man sah -es fast als ein Unglück an, wenn man mit dem Feinde zusammenstieß.“ -Deshalb bevorzugten die Franzosen nun auch die taktische Defensive, bauten -ihre Abwehrtaktik aus der Leestellung auf und führten diese dann schematisch -durch, ohne etwaige Erfolge auszunutzen. Auch ihre Gefechtsinstruktion -sah die Aufrechterhaltung der Ordnung als Hauptsache an und verbot streng, -die Linie ohne Befehl zu verlassen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Lange Zeit blieben beide Gegner bei ihrem Schema. Die Schlacht bei -<em class="gesperrt">Malaga</em> (1704) gilt als die erste, in der sich die englische Angriffsform -zeigt; in der Schlacht bei <em class="gesperrt">Minorka</em> (1756) tritt das französische Abwehrverfahren -zuerst deutlich hervor; als die letzten Fälle, in denen die beiden -Taktiken sich noch einmal ausgesprochen gegenüberstehen, werden die -Schlachten vor der <em class="gesperrt">Chesapeakebucht</em> 1781 (am 16. April und am -5. September) angesehen. Die dazwischenliegende Zeit nennt man wohl -<em class="gesperrt">die Zeit der unentschiedenen oder der französischen -Defensivschlachten</em>. Dies ist zutreffend, denn in allen Kämpfen -zwischen annähernd gleichen Streitkräften begnügten sich die Franzosen mit -der Abwehr, und die Schlachten brachten taktisch keine Entscheidung.</p> - -<p>Die angreifenden Engländer erreichten nie ihren Zweck, den Feind zu -vernichten, aber auch die Franzosen erfochten nie einen vollen Sieg. Bei<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[44]</a></span> -der eigenartigen Verwendung des Geschützfeuers auf jeder Seite, der ihr -eigentümlichen Taktik entsprechend, hatten die Franzosen meist den größeren -Verlust an Menschen, während auf englischer Seite stets die Schiffe bedeutend -mehr litten.</p> - -<p>Erst gegen das Ende des hier behandelten Zeitabschnittes tritt bei -beiden Gegnern wieder der Gedanke auf, sich mit der ganzen Kraft auf einen -Teil des Feindes zu werfen. Der englische Admiral <em class="gesperrt">Rodney</em> versucht bei -<em class="gesperrt">Martinique</em> (17. April 1780) von Luward her nur die feindliche Mitte -und Nachhut anzugreifen. Von seinen an die alte Kampfart gewöhnten -Unterführern nicht verstanden, gelingt es ihm zwar nicht, aber sein Gegner -sucht von nun ab wieder die Luvstellung; allerdings geschieht dies nicht zum -Angriff, sondern weiter zum Vermeiden größerer Entscheidungen. Derselbe -Führer durchbricht bei <em class="gesperrt">Dominica</em> (1782) von Luward her mit seiner Mitte -die feindliche Flotte und dubliert den abgeschnittenen Teil mit großem -Erfolge. Möglich, daß er zu diesem Manöver nur durch ein Umspringen des -Windes gezwungen wurde, aber dessen Vorteile wurden jedenfalls erkannt, -und dies führte dahin, daß man in England wieder Signale für „Durchbrechen“ -annahm. Zu derselben Zeit weicht auch der französische Admiral <em class="gesperrt">Suffren</em> -in den indischen Gewässern von der bisherigen Defensivtaktik ab; er wählt die -Luvstellung zum Angriff und sucht eine gleichstarke englische Flotte hinten -zu dublieren.</p> - -<p>Die vorstehenden Darlegungen über die Taktik sollen die späteren Schilderungen -der Schlachten, sowie ihre Besprechungen erleichtern. Sie erweisen -aber auch jetzt schon die Kennzeichnung des vierten Abschnittes: -„Die Taktik wird lange schematisch gehandhabt, aber gegen das Ende erwacht -neues Leben in ihr“, als richtig. Jetzt erschien das epochemachende -Werk des Schotten <em class="gesperrt">Clerk</em> (vgl. Quellenverzeichnis) und zwar 1782 in -wenigen Exemplaren gedruckt, 1790 in erster großer Auflage. Wir werden -uns damit im nächsten Abschnitt beschäftigen, weisen aber hier schon darauf -hin, daß der Verfasser die Maßnahmen zur Konzentration der Kraft in der -Schlacht behandelt, sowie daß er seine Gedanken bereits vor dem Erscheinen -des Buches englischen Seeoffizieren, unter diesen auch <em class="gesperrt">Rodney</em>, mitgeteilt -hatte.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p044.jpg" width="200" height="176" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_10_10" id="Fussnote_10_10"></a><a href="#FNAnker_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Siehe Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_166">166</a>, die Abbildung des „Royal Louis“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_11_11" id="Fussnote_11_11"></a><a href="#FNAnker_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Mit der Bezeichnung „<em class="gesperrt">Fregatte</em>“ verband sich vom Mittelalter her, auch schon -bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im Gegensatz zur Gefechtskraft, -nach und nach trat für sie jedoch die Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. -Ueber die allmähliche Entwicklung des Begriffes „Fregatte“ vgl. auch Band I im Sachregister -unter diesem Stichworte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_12_12" id="Fussnote_12_12"></a><a href="#FNAnker_12_12"><span class="label">[12]</span></a> Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister unter den betreffenden -Stichworten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_13_13" id="Fussnote_13_13"></a><a href="#FNAnker_13_13"><span class="label">[13]</span></a> Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel „Civil history“ 1714–1762 und 1762 -bis 1792; Troude I „Introduction“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_14_14" id="Fussnote_14_14"></a><a href="#FNAnker_14_14"><span class="label">[14]</span></a> Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind noch die Angaben -für 1765 entnommen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_15_15" id="Fussnote_15_15"></a><a href="#FNAnker_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur Aufstellung der -Karronaden Clowes III, Seite 333 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_16_16" id="Fussnote_16_16"></a><a href="#FNAnker_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den Kapiteln -„Civil history“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_17_17" id="Fussnote_17_17"></a><a href="#FNAnker_17_17"><span class="label">[17]</span></a> Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der Seesoldaten an -Bord war ihre Verwendung als besonders gut ausgebildete Gewehrschützen, als Kern -der Landungsabteilungen und auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, -Seite 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel als Seesoldaten -annehmen können. Die Seesoldatenregimenter bildeten eine stehende Truppe, -von der die Schiffe bei der Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr -Matrosenkorps neu zusammengestellt wurde.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_18_18" id="Fussnote_18_18"></a><a href="#FNAnker_18_18"><span class="label">[18]</span></a> Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. Arnault, -gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II ausführlicher, auch in Hinsicht auf -die Bestimmungen für die Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und -Choiseul: diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149–211.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_19_19" id="Fussnote_19_19"></a><a href="#FNAnker_19_19"><span class="label">[19]</span></a> Die in Frankreich vorhandenen <em class="gesperrt">Seetruppen</em>, Seesoldaten-, Kanonier- -und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) gewissermaßen stehende Truppen, -wurden aber hier von Seeoffizieren befehligt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_20_20" id="Fussnote_20_20"></a><a href="#FNAnker_20_20"><span class="label">[20]</span></a> Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über die englische -Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs im Vorjahre, wurden für -1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 4½, 1780 7½, 1781 8, 1782 7½.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_21_21" id="Fussnote_21_21"></a><a href="#FNAnker_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere Geschichte -der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten benützt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_22_22" id="Fussnote_22_22"></a><a href="#FNAnker_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr hervorgehoben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_23_23" id="Fussnote_23_23"></a><a href="#FNAnker_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_24_24" id="Fussnote_24_24"></a><a href="#FNAnker_24_24"><span class="label">[24]</span></a> Vgl. Band I, Sachregister unter „Taktik“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_25_25" id="Fussnote_25_25"></a><a href="#FNAnker_25_25"><span class="label">[25]</span></a> Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_26_26" id="Fussnote_26_26"></a><a href="#FNAnker_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_27_27" id="Fussnote_27_27"></a><a href="#FNAnker_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_28_28" id="Fussnote_28_28"></a><a href="#FNAnker_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Beim „<em class="gesperrt">Wenden im Kontremarsch</em>“ drehen von vorn beginnend die Schiffe -eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen sind, wo das erste gewendet -hat; so bleiben die Kiellinie und die Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim „<em class="gesperrt">Wenden -zugleich</em>“ drehen die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim Erhalten des -Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher in „Kehrt“, die Schiffe sind auch -nicht mehr in Kiellinie, sondern müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend -wird auch das „<em class="gesperrt">Halsen</em>“ auf beide Weisen ausgeführt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_29_29" id="Fussnote_29_29"></a><a href="#FNAnker_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die Engländer in den -Schlachten der nächsten Kriege stets die Angreifenden waren und dadurch die Taktik -der Franzosen beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser Instruktion -<em class="gesperrt">Corbett</em> „Fighting instructions“ (vgl. Quellenverzeichnis).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_30_30" id="Fussnote_30_30"></a><a href="#FNAnker_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei Geschwader: Vorhut, -Mitte, Nachhut, geteilt wurde.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_31_31" id="Fussnote_31_31"></a><a href="#FNAnker_31_31"><span class="label">[31]</span></a> <em class="gesperrt">Enfilierfeuer</em> ist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die ganze Länge -des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach in den Batterien und in der Takelage -mehr Schaden anrichten als solche, die das Schiff seitlich treffen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_32_32" id="Fussnote_32_32"></a><a href="#FNAnker_32_32"><span class="label">[32]</span></a> In <em class="gesperrt">Corbett</em> „England in the Mediterranean“ (vgl. Quellenverzeichnis, Band I) -und in „Fighting Instructions“, eben angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., -schon genauer, auch Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_532">532</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_33_33" id="Fussnote_33_33"></a><a href="#FNAnker_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren nur klein -und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die Offiziere in der Handhabung des -Schiffes üben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_34_34" id="Fussnote_34_34"></a><a href="#FNAnker_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch bald <em class="gesperrt">weitere -Werke über Taktik</em>. Kapitän <em class="gesperrt">Bigot de Morogues</em>, der erste Direktor -der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch „Tactique navale ou traité des -évolutions et des signaux“, das Hostes Werk ersetzen sollte. — Ein Offizier der -französisch-ostindischen Kompagnie, <em class="gesperrt">Bourdé de Villehuet</em>, schrieb 1765 das -Buch „Le Manoeuvrier“ usw. (beide vgl. Quellenverzeichnis).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_35_35" id="Fussnote_35_35"></a><a href="#FNAnker_35_35"><span class="label">[35]</span></a> Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, so nutzte -doch <em class="gesperrt">Ruyter</em> in der Schlacht bei Stromboli 1676 die Leestellung in ähnlicher Weise -aus, wie es jetzt die französische Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in -richtiger Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_378">378</a>).</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[45]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p045.jpg" width="600" height="126" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Drittes Kapitel.</span><br /> -Der Englisch-Spanische Krieg 1739 -und der Österreichische Erbfolgekrieg 1740–1748.</h3> - -<p class="title">Die Anlässe zum Kriege. Die Gruppierung der Staaten.</p> - -<p><b>Der Englisch-Spanische Krieg</b> wurde, wie schon angedeutet, durch Gegensätze -in den Handelsinteressen beider Völker in Beziehung zu Amerika hervorgerufen. -Im Frieden von <em class="gesperrt">Utrecht</em> war den Engländern die Einfuhr von -Negern in Spanisch-Amerika (der Assientovertrag)[A] sowie die Entsendung -eines Schiffes bestimmter Ladefähigkeit zu dem Markte von <em class="gesperrt">Puerto-Belo</em>[A] -gestattet. Diese Zugeständnisse genügten weder ihren Wünschen -noch dem Verkehrsbedürfnis der spanischen Kolonien. Infolgedessen entwickelte -sich bald ein beträchtlicher englischer Schmuggelhandel<a name="FNAnker_36_36" id="FNAnker_36_36"></a><a href="#Fussnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a>, der die -spanische Regierung in ihren Einkünften schwer schädigte und in ihrem Stolz -tief kränkte. Sie begann deshalb die Zügel straffer anzuziehen, alte und -strengere Bestimmungen wieder hervorzuholen und sie in schroffster Weise -durchzuführen<a name="FNAnker_37_37" id="FNAnker_37_37"></a><a href="#Fussnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a>.</p> - -<p class="small"><b>Der englische Schmuggelhandel</b> war schon 1728 ebenso bedeutend wie der regelmäßige -Handel Spaniens mit seinen Kolonien. Deshalb lockerte die bourbonische -Regierung wenigstens ihren eigenen Untertanen gegenüber das alte Absperrungssystem -etwas und gestattete 1728 in <em class="gesperrt">Guipuzcoa</em> (einer der baskischen Provinzen) die -Gründung einer Handelsgesellschaft für die Kolonien. Auch den Franzosen gewährte -man 1733 bedeutende Vorteile dort, wodurch der schon erwähnte Aufschwung des -Seehandels und der Kolonien wesentlich gefördert wurde. Anderseits verloren durch -diese Maßnahmen die berühmten <em class="gesperrt">Silberflotten</em>, die so lange ein Hauptangriffsobjekt -der Feinde Spaniens gewesen waren, an Bedeutung; 1748 wurden ihre regelmäßigen -Fahrten eingestellt, 1778 fuhr die letzte. England und Holland gegenüber -hielt man jedoch die Absperrung aufrecht und führte sie sogar wieder schärfer durch. -Das Puerto-Belo-Schiff, die Fahrzeuge im Negerhandelsdienst und besonders auch die -Schiffe, die unter dem Vorwande einer Ausbesserung oder Ausrüstung die spanischen -Niederlassungen anliefen, wurden peinlich überwacht und untersucht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[46]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Nun</em> war es aber unmöglich, die lange Küste mit ihren vielen Einläufen genügend -abzusperren; die englischen Seeleute und Händler schreckten in ihrem Streben nach -Gewinn weder vor Strafen zurück noch nahmen sie Rücksicht auf die spanische Empfindlichkeit, -und Spaniens Macht war nicht stark genug, um die englische Regierung zu -einer Unterstützung zu nötigen. So wurde der schwächere Staat zur Anwendung gesetzwidriger -Mittel getrieben; man ermächtigte Kriegs- und Zollschiffe, oder erlaubte es -ihnen wenigstens, englische Schiffe auch auf hoher See anzuhalten und zu untersuchen. -Bei den gesetzlichen und bei den ungesetzlichen Durchsuchungen ließen sich aber die -Ausführenden infolge des spanischen Charakters und des alten Hasses gegen die Eindringlinge -zu Beleidigungen und unberechtigten Gewalttaten hinreißen. Das Unrecht -lag auf beiden Seiten; es war die Fortsetzung des alten Zustandes: „no peace beyond -the line“. (Drakes Grundsatz, vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_80">80</a> und <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_95">95</a>.)</p> - -<p>Dieses Vorgehen Spaniens rief im englischen Volke lebhafte Erregung -hervor, und als die Vorstellungen, die der Minister <em class="gesperrt">Walpole</em> beständig und -besonders im Jahre 1737 in Madrid gemacht hatte, keinen Erfolg erzielten, -reichten die westindischen Kaufleute 1738 dem Unterhause eine Denkschrift -ein, in der sie sich eindringlich über die Verluste beklagten, die ihnen durch -die Beschlagnahme von Schiffen sowie durch die Belästigung des Handels -überhaupt erwachsen seien; für die Zeit von 1729–1738 wurde die Wegnahme -von 52 Schiffen im Werte von 140000 Pfund Sterling angeführt. Auch auf -die unmenschliche Behandlung englischer Schiffsbesatzungen wies man hin.</p> - -<p class="small">Das größte Aufsehen erregte <b>der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr</b>, der 1731 in der -Presse zur Sprache kam: »Das Schiff „Rebekka“ wurde im April 1731 auf der Reise -von Jamaika nach England in der Nähe Havannas von einem spanischen Zollkutter -angehalten, in roher Weise durchsucht, der Kapitän mißhandelt und mit dem Tode -bedroht. Heldenmütig erduldete er alles und bestand auf seinem Rechte. Als die Spanier -keine Schmuggelartikel gefunden hatten, rissen sie ihm ein Ohr ab und warfen es ihm -mit den Worten ins Gesicht: „Bringe dies deinem König und erzähle ihm alles«. Endlich -nahmen sie die astronomischen Instrumente fort, so daß er sein Schiff kaum heimführen -konnte. Die Schiffsbesatzung könne den Vorfall beeidigen.“</p> - -<p class="small">Diese Angelegenheit kam 1738 im Parlament wieder zur Sprache. <em class="gesperrt">Jenkins</em> -selber wurde vorgeführt und legte das Ohr auf den Tisch des Hauses nieder; auf die -Frage, wie ihm bei der Sache zumute gewesen sei, antwortete er: „Ich empfahl mein -Leben Gott, meine Sache dem englischen Volke.“ jedenfalls ein hochgemuter Ausspruch -in dem Munde eines damaligen Schiffsführers. Gegner des Krieges behaupteten denn -auch, die ganze Rolle sei ihm einstudiert und er werde sein Ohr wohl näher zu Hause -und nicht ohne Grund (nämlich am Pranger) verloren haben; jedenfalls diente aber -der Vorfall zur Erregung des Parlaments sowie der öffentlichen Meinung und hat geschichtliche -Bedeutung erlangt.</p> - -<p>Die Denkschrift forderte, daß ernstlich, nötigenfalls feindlich, gegen -Spanien vorgegangen würde. <em class="gesperrt">Walpole</em> wünschte jedoch keinen Krieg und -erklärte, daß durch einen solchen nichts gewonnen werde. Spanien würde -ein Auftreten, wie es im Parlament zur Sprache gekommen, nicht gewagt -haben, wenn es nicht von stärkeren Mächten ermutigt sei, und England wäre -dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen; auch übertrieben -die englischen Kaufleute und Rheder in blinder Leidenschaft die gerügten -Mißstände. Er gab dem Parlamente hinhaltende Versprechungen und knüpfte -nochmals (1738) Verhandlungen mit Spanien an. Dieses Verfahren genügte<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[47]</a></span> -aber der öffentlichen Meinung nicht und die Presse verbreitete weiter die -übertriebensten Gerüchte. In Spanien ging man auch nur widerwillig auf -die Verhandlungen ein und wurde um so eigensinniger, je heftiger England -auftrat, veranlaßt durch Personen der Kriegspartei gegen Walpoles Absicht.</p> - -<p>Endlich zwang die Opposition im Parlament, geführt von <em class="gesperrt">William -Pitt</em>, 1739 den Minister, Spanien ein <em class="gesperrt">Ultimatum</em> zu stellen. Es bestand -in dem Verlangen einer völligen Verzichtleistung auf das Durchsuchungsrecht -und der Anerkennung verschiedener Ansprüche Englands in Nordamerika -(eine günstigere Grenzregulierung zwischen der neugegründeten Kolonie -Georgia und dem spanischen Florida, dem Recht für England, Holz von der -Campechebai auszuführen u. dgl.). Als diese Forderungen abgelehnt wurden, -erfolgte die <em class="gesperrt">Kriegserklärung</em> im Oktober 1739. Die Feindseligkeiten -wurden sofort von seiten Englands eröffnet. Schon im Jahre darauf entbrannte -der Österreichische Erbfolgekrieg, der gemeinsam mit dem Englisch-Spanischen -zu betrachten sein wird.</p> - -<p><b>Der Österreichische Erbfolgekrieg</b>, einschließlich der <em class="gesperrt">beiden ersten -Schlesischen Kriege</em> wurde durch den Tod Kaiser <em class="gesperrt">Karls</em> VI. (1740) -hervorgerufen. Die Politik dieses Herrschers lief seit Jahren darauf hinaus, -die gesamten Länder des Hauses Habsburg seiner Tochter <em class="gesperrt">Maria Theresia</em> -zu sichern („Pragmatische Sanktion“, vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_594">594</a> ff.), und -er hatte hierfür auch die Zustimmung der meisten europäischen Staaten erreicht. -Als aber <em class="gesperrt">Maria Theresia</em> zur Regierung kam, zeigte sich, daß -die <em class="gesperrt">Pragmatische Sanktion</em> nichts als ein Stück Papier war. Die -offenbare Schwäche Österreichs, dessen Geld- und Wehrverhältnisse sehr im -argen lagen, reizte die Begehrlichkeit verschiedener Staaten; überall meldeten -sich Erbansprüche. Preußen machte sein Recht auf Teile von Schlesien -geltend; Bayern, das stets gegen die Sanktion protestiert hatte, verlangte -ganz Österreich; Spanien forderte die ehemalig spanischen Provinzen in -Norditalien. Auch Sachsen hielt sich für erbberechtigt und Sardinien dachte -die Lombardei zu gewinnen. Der Kurfürst von Bayern, <em class="gesperrt">Karl Albrecht</em>, -strebte außerdem nach der Kaiserwürde.</p> - -<p><em class="gesperrt">König Friedrich II. von Preußen</em>, der soeben den Thron -bestiegen hatte, war stark genug, allein vorzugehen, und nahm sofort von -Schlesien Besitz (1740). Bayern, selbst nicht kräftig genug zum Kampfe -gegen Österreich, gewann nach längeren Unterhandlungen (1741) die -Unterstützung Frankreichs; dieses hoffte Österreich zu schwächen und die -eigene Macht nach Osten auszudehnen. Spanien schloß sich sofort an; -später traten auch Preußen, Kurpfalz und Kurköln, sowie Sachsen für die -ersten Jahre des Krieges, auf seiten Bayerns. Frankreich veranlaßte endlich -Schweden zu einem Krieg mit Rußland, um diesen Staat an einer Betätigung -zugunsten Österreichs zu hindern<a name="FNAnker_38_38" id="FNAnker_38_38"></a><a href="#Fussnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[48]</a></span></p> - -<p>Jedoch auch Österreich gewann Bundesgenossen. Die Stimmung in -England neigte zugunsten Österreichs, und dies war natürlich, denn England -stand bereits im Kampfe mit Spanien, einem der Gegner Österreichs, und -ein Wachsen der Macht Frankreichs, etwa durch die Erwerbung Belgiens, -lag keineswegs in Englands Wünschen. Das Aufblühen des französischen -Seehandels und der Kolonien Frankreichs in Ost- und Westindien verfolgte -man mit Besorgnis; in Nordamerika lag der Kampf um die Grenzen der beiderseitigen -Besitzungen gewissermaßen in der Luft. König <em class="gesperrt">Georg</em> II. war zunächst -zur Unterstützung Österreichs bereit, da er als Kurfürst von Hannover -eifersüchtig auf Preußens Wachsen sah. Bald aber glaubte er sein Kurfürstentum -durch Preußens Bündnis mit Frankreich bedroht, wollte sich deshalb -neutral halten und erklärte sich für die Kaiserwahl Karl Alberts. Infolge des -nicht gerade günstigen Verlaufes des Seekrieges mit Spanien, und da die -englische Flotte die Überführung eines spanischen Heeres nach Oberitalien -(1741) nicht gehindert hatte, wuchs jedoch die Opposition gegen <em class="gesperrt">Walpole</em>; -er mußte sein Amt niederlegen (Februar 1742), und nun trat England durch -Geldhilfe und die Stellung eines Heeres in Belgien offen für Österreich ein. -Unter Englands Einfluß tat Holland das gleiche; hier fürchtete man die alte -Gefahr, Frankreich als Nachbar und dadurch die belgischen Seestädte als -Nebenbuhler im Handel zu bekommen<a name="FNAnker_39_39" id="FNAnker_39_39"></a><a href="#Fussnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a>. Auch Sardinien, später (1743) -Sachsen und endlich selbst Rußland (1744) wurden durch England für Österreich -gewonnen.</p> - -<p>So war nach und nach ein allgemeiner europäischer Krieg entstanden, -der neben dem Englisch-Spanischen Seekriege einen Englisch-Französischen -See- und Kolonialkrieg mit sich brachte.</p> - -<p class="small">Als sehr bemerkenswert muß hier <b>eine eigentümliche Auffassung internationaler -Beziehungen</b> jener Zeit erwähnt werden. Während der ersten Jahre führte Frankreich -den Krieg gegen Österreich nur zur Unterstützung Bayerns, und England sowie Spanien -traten auch nur als Helfer Maria Theresias auf. Eine Kriegserklärung Frankreichs -an Österreich und England erfolgte erst 1744, an Holland gar erst 1747; obgleich ihre -Heere schon vorher gegeneinander fochten, betrachteten sich doch diese Staaten nicht -als im Kriegszustand, sondern, mit Ausnahme der im Felde stehenden Truppen, als -noch im Frieden befindlich. Ebenso galt es auf See. Zwischen Frankreich und Spanien -bestand ein Defensivbündnis, nach dem Frankreich in bestimmten Fällen (siehe auch -Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_598">598</a>) Spanien eine Hilfsflotte zu stellen hatte.</p> - -<p class="small">Diese Hilfe sollte allerdings keine Feindseligkeit gegen England in sich schließen, -die den Frieden zwischen England und Frankreich verletzte. Französische Kriegsschiffe -waren danach, so lange sie mit der spanischen Flotte den Abmachungen des Vertrages -gemäß zusammenwirkten, Feinde Englands, nicht aber der französische Staat und -seine sonstigen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Auf Grund dieses Vertrages sandte -nun Frankreich schon 1740 ein Geschwader nach Westindien, mit dem Befehl, die -spanischen Schiffe und Kolonien zu schützen; 1741 deckten französische Kriegsschiffe<span class="pagenumsmall"><a name="Page_49" id="Page_49">[49]</a></span> -im Verein mit der spanischen Flotte einen Truppentransport von Spanien nach Italien -und Frankreich gewährte dann der spanischen Flotte Unterschlupf in Toulon; 1744 -wurde, sogar noch ehe der Krieg erklärt war, die erste Seeschlacht vor Toulon mit den -Engländern geschlagen, als eine französische Flotte die spanische nach Spanien begleitete. -Da mutet es denn seltsam an, wenn sich französische Geschichtsschreiber mit -großem Ernst über einzelne Angriffe englischer Schiffe auf französische vor 1744 unter -dem Einwurfe beklagen, daß kein offener Krieg bestanden hätte; anderseits hatte ja -allerdings England diese eigentümliche Auffassung in dem französisch-spanischen Vertrage -gewissermaßen dadurch als berechtigt anerkannt, daß es aus dem beschriebenen -Auftreten der französischen Seestreitkräfte keinen casus belli machte.</p> - -<h4>Der allgemeine Verlauf des Krieges.</h4> - -<p>Da der Seekrieg nur in loser Verbindung mit dem großen europäischen -Landkriege stand, so genügt es, über diesen einen Überblick zu geben. Ein -solcher ist jedoch wünschenswert, um zu zeigen, inwieweit die Gegner im -Seekriege durch den Landkrieg in Anspruch genommen waren und inwieweit -der erste auf den zweiten einwirkte; auch werden dabei die Gründe -für die Gruppierung der Staaten etwas klarer werden. Der Verlauf des -Seekrieges wird hierbei zunächst nur angedeutet werden.</p> - -<p class="small"><b>Der Englisch-Spanische Seekrieg 1739–1744</b> wurde nur von den Engländern -angriffsweise geführt, die in erster Linie gegen die spanischen Besitzungen in Westindien -vorgingen; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden. Schon im Juli 1739, -noch vor der Kriegserklärung, lief die erste Expedition aus, und die Jahre 1739–1744 -brachten dann eine Reihe von Angriffen auf die wichtigsten spanisch-westindischen -Küstenstädte. Mit ungenügenden Mitteln unternommen und nicht tatkräftig durchgeführt, -blieben sie jedoch sämtlich ohne entscheidenden Erfolg. In den europäischen -Gewässern beschränkte sich die Tätigkeit der englischen Marine auf die Überwachung -der spanischen Küsten — um die feindlichen Kriegsschiffe und Freibeuter festzuhalten, -sowie den Handel zu unterbinden — und auf die Aufgaben, die der Landkrieg in Italien -für die Seestreitkräfte im Mittelmeer brachte; aber auch hierin war man nicht überall -und nicht andauernd glücklich. Selbst im kleinen Kriege errang England keine Vorteile; -die Spanier fügten in den westindischen und in den europäischen Gewässern dem -viel bedeutenderen englischen Seehandel mehr Schaden zu als sie von England überhaupt -erleiden konnten. Der Schutz, den die französische Marine der spanischen zuteil -werden ließ, lähmte allerdings wohl etwas die Tätigkeit der englischen, aber noch mehr -trugen verschiedene andere selbstverschuldete Übelstände dazu bei, daß England -bis zum Jahre 1744, als der förmliche Krieg mit Frankreich ausbrach, Spanien gegenüber -noch nichts erreicht hatte.</p> - -<p><b>Der Österreichische Erbfolgekrieg von 1740–1748</b> (einschließlich des -<em class="gesperrt">ersten Schlesischen Krieges</em>). Im November 1740 rückte -<em class="gesperrt">Friedrich</em> II. in Schlesien ein, bot aber gleichzeitig <em class="gesperrt">Maria Theresia</em> -gegen Abtretung dieser Provinz die Hilfe seiner Waffen und Geldunterstützung -zur Erhaltung ihres übrigen Erbes sowie auch seine Stimme für die Kaiserwahl -ihres Gemahls <em class="gesperrt">Franz Stephan</em> an. Die hochherzige Frau wies -das Anerbieten schroff zurück. Da in Schlesien nur wenige Truppen standen -und die Festungen verwahrlost waren, bekam Friedrich die Provinz in kurzer -Zeit bis auf <em class="gesperrt">Neiße</em> in seine Hand und schlug auch den Feldmarschall<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[50]</a></span> -<em class="gesperrt">Neipperg</em>, der von Böhmen heranrückte, wieder aus dem Lande -(<em class="gesperrt">Schlacht bei Mollwitz</em>, 17. April 1741).</p> - -<p>Den ersten Angriff auf Österreich hätte man wohl von <em class="gesperrt">Karl Albert -von Bayern</em>, dem Haupterbprätendenten, erwarten müssen, doch fand -dieser nicht sofort die erwünschte Unterstützung durch Frankreich. Der -Kardinal <em class="gesperrt">Fleury</em> hätte zwar gern in Deutschland drei bis vier größere -Staaten gesehen, unter sich uneinig und keine der französischen Macht gewachsen, -dennoch zögerte er lange, einzugreifen. Nach den Erfolgen Preußens -kam jedoch der <em class="gesperrt">Vertrag von Nymphenburg</em> (Mai 1741) zwischen -Frankreich, Spanien und Bayern zustande, in dem Frankreich versprach, für -Bayern ein Heer zu stellen, Hilfsgelder zu zahlen und die Wahl des Kurfürsten -zum Kaiser zu unterstützen; diesem Vertrage schlossen sich im August -Preußen und Sachsen an. <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. sicherte sich dadurch französische -Hilfe gegen Hannover. <em class="gesperrt">Georg</em> II. <em class="gesperrt">von England</em> hatte hier Truppen -zusammengezogen, sah aber jetzt von einem Eingreifen ab und versuchte -zwischen Österreich und Preußen zu vermitteln. <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. war den -Sommer 1741 in Schlesien stehen geblieben, mit Vermehrung und Verbesserung -seiner Reiterei beschäftigt, und hielt so die vorläufig einzige österreichische -Feldarmee in Schach. Erst als <em class="gesperrt">Neipperg</em> aufs neue vorrückte, brach auch -er wieder auf (September); es kam aber nicht zum Schlagen, sondern man -schloß eine geheime Konvention (<em class="gesperrt">Klein-Schellendorf</em>, 9. Oktober) -ab, nach der Preußen die eroberte Provinz bis zur Neiße behielt. <em class="gesperrt">Maria -Theresia</em> gab nach, um Neippergs Heer gegen ihre anderen Gegner frei -zu bekommen.</p> - -<p>Bayern und Franzosen waren nämlich im Sommer 1741 in Österreich bis -nahe vor Wien eingedrungen. Dann zog der größere Teil ihres Heeres nach -Böhmen und auch die Sachsen rückten dort ein; gemeinsam wurde Prag -erobert und <em class="gesperrt">Karl Albert</em> hier zum König gekrönt (Dezember 1741). -Bald darauf wurde Karl Albert zum Deutschen Kaiser erwählt und in Frankfurt -gekrönt (12. Februar 1742). <em class="gesperrt">Maria Theresia</em> hatte aber Zeit zum -Rüsten gewonnen und vor allem Ungarn durch Zusicherung größerer Selbstständigkeit -zu außerordentlichen Leistungen bewogen. Der ungarische Heerbann, -durch reguläre Truppen unterstützt, eroberte unter <em class="gesperrt">Khevenhüller</em> -Oberösterreich zurück und drang in Bayern ein (12. Februar 1742 in München). -Ein zweites Heer unter <em class="gesperrt">Karl von Lothringen</em> hatte weniger Erfolg. -Zur Deckung Prags war es zu spät gekommen und <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. hatte -wieder die Waffen ergriffen, weil Österreich die Konvention nicht geheim -gehalten hatte.</p> - -<p>Der König drang im Frühjahr 1742 durch Mähren bis nahe vor Wien vor. -Zwar mußte er, von den Sachsen schlecht unterstützt, wieder nach Böhmen -zurückgehen, als <em class="gesperrt">Karl von Lothringen</em>, durch Truppen Khevenhüllers -verstärkt, heranrückte, aber dann schlug er seinen Gegner, der sich -zwischen ihn und Prag schieben wollte, bei <em class="gesperrt">Czaslau und Chotusitz</em> -(17. Mai 1742). Diesen Erfolg benützte <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. unter nachdrücklicher<span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[51]</a></span> -Vermittlung Englands sofort, um sich durch raschen <em class="gesperrt">Friedensschluß</em> -(<em class="gesperrt">Breslau</em>, 11. Juni 1742) Schlesien zu sichern. Von Preußen -nicht mehr bedroht, erzwangen die Österreicher den Abzug ihrer Gegner aus -Böhmen, die Prag im Dezember 1742 räumten. Sie eroberten dann auch -Bayern zurück (Frühjahr 1743), wo die Verbündeten wieder vorgedrungen -waren; die Franzosen zogen ab, die bayerischen Truppen wurden in neutrale -Quartiere verwiesen.</p> - -<p>Um diese Zeit gingen nach <em class="gesperrt">Walpoles</em> Rücktritt auch England und -Holland tatkräftig für Österreich vor. <em class="gesperrt">Georg</em> II. zog (April 1743) in Belgien -englische, holländische, österreichische und hessische Truppen zusammen, -die sogenannte „Pragmatische Armee“, führte sie rheinaufwärts, trieb durch -den Sieg bei <em class="gesperrt">Dettingen</em> (27. Juni 1743) ein neu eingedrungenes französisches -Heer (<em class="gesperrt">Herzog von Noailles</em>) über den Rhein zurück und -nahm Worms ein; später ging die pragmatische Armee nach den Niederlanden. -Der „Wanderkaiser“ <em class="gesperrt">Karl</em> VII. saß verlassen in Frankfurt.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Italien</em> behauptete die österreichische Sache das Gleichgewicht. -Im Anfang des Jahres 1742 waren die Spanier in <em class="gesperrt">Genua</em> und <em class="gesperrt">Toskana</em> -gelandet, unbehindert durch englische Seestreitkräfte, da eine französische -Flotte die spanische begleitete. Zu ihrer Unterstützung kamen Truppen des -Königreichs Beider Sizilien heran, aber England erzwang deren Rückberufung -durch eine Flottendemonstration vor <em class="gesperrt">Neapel</em> (August 1742). Schon im -Februar 1742 hatte sich Sardinien für Österreich erklärt; König <em class="gesperrt">Karl Emanuel</em>, -der anfangs zu Frankreich-Spanien neigte, ließ sich von England -durch Hilfsgelder und das Versprechen, im Mittelmeer eine starke Flotte zu -halten, sowie von Österreich durch Zusicherung von Gebietsteilen im Mailändischen -gewinnen. Nun besetzten zwar überlegene französisch-spanische -Streitkräfte im Winter 1742/43 Savoyen, vermochten aber weder in Norditalien, -noch in Toskana weiter vorzudringen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die englische Flotte</em> hinderte ferner Landungen der Spanier in Genua -und blockierte die spanische Flotte vom Mai 1742 bis zum Mai 1744 in Toulon. Kardinal -<em class="gesperrt">Fleury</em> konnte hieraus, sowie aus dem Verhalten Sardiniens und Neapels den Lohn -für seine Vernachlässigung der Marine entnehmen.</p> - -<p><b>Neue Bündnisse.</b> Die Erfolge des Jahres 1743 führten Österreich, England -und Sardinien zu engerem Zusammenschluß. Im <em class="gesperrt">Traktat zu Worms</em> -(13. September 1743 im Hauptquartier Georgs II.) erkannte Sardinien die -pragmatische Sanktion an und erhielt dafür einen Teil der Lombardei; England -verpflichtete sich zur Stellung einer starken Flotte und zur Zahlung von -200000 Pfund Sterling; gegenseitig garantierten sich die Staaten ihren Besitz -von 1739, also „<em class="gesperrt">vor</em> dem Frieden von Breslau“. Ferner schlossen Österreich -und Sachsen (Dezember 1743), sowie Sachsen und Rußland (Februar 1744) ein -Defensivbündnis. Auch die Gegner blieben nicht untätig. Frankreich erneuerte -nach Fleurys Tode seinen Vertrag mit Spanien: Mailand und Parma -sollten als eine weitere Sekundogenitur, wie es Neapel schon war, an Spanien -fallen; Gibraltar und Port Mahon wollte man zurückerobern und sonstigen<span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[52]</a></span> -englischen Übergriffen (in Westindien und Florida) steuern. <em class="gesperrt">Frankreich</em> -begünstigte außerdem die Vorbereitungen des letzten Stuart Karl Eduard -für eine Erhebung in Schottland und <em class="gesperrt">erklärte jetzt den Krieg</em> an -England (März 1744, nach der Seeschlacht vor Toulon) und an Österreich -(April). Auch <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. rüstete zu neuem Waffengange; durch den -Wormser Traktat sah er sich im Besitze Schlesiens bedroht, der Vertrag -Österreichs mit Sachsen richtete seine Spitze offenbar gegen ihn und eine -Spannung mit Georg II. über den Besitz Ostfrieslands trat hinzu. Sein Versuch, -die deutschen Fürsten unter preußisch-bayerischer Führung zu einigen, -um die fremden Mächte von Deutschland auszuschließen, war fehlgeschlagen, -nun schloß er (<em class="gesperrt">Paris</em> 5. Juni 1744) ein neues Bündnis mit Frankreich „zum -Schutze Kaiser Karls VII.“; ein ähnlicher Vertrag mit Bayern und Kurpfalz -war vorhergegangen (<em class="gesperrt">Frankfurter Union</em>, 22. Mai).</p> - -<p><b>Der Krieg von 1744–1746</b> (<em class="gesperrt">einschließlich des Zweiten -Schlesischen Krieges</em>). Frankreich führte im Jahre 1744 den -Krieg nur lau. In Belgien wurden unter Ludwigs XV. persönlicher Führung -einige Städte genommen; ein zweites Heer am Oberrhein wagte jedoch nicht, -diesen Fluß zu überschreiten, sondern zog die Bayern zu sich herüber. Dagegen -gingen die Österreicher (<em class="gesperrt">Karl von Lothringen</em>) über den Rhein -und drangen im Elsaß vor. Ludwig kam zwar mit der Hälfte des flandernschen -Heeres heran, aber seine Erkrankung lähmte die Unternehmungen. Jetzt -eröffnete <em class="gesperrt">Friedrich</em> II. den Feldzug. Er rückte durch Sachsen und aus -Schlesien in Böhmen ein. Die Österreicher wurden dadurch gezwungen, -über den Rhein zurückzugehen und auch Bayern zu räumen, aber nur langsam -folgten die Franzosen und die Bayern nach. Unbehindert konnte Karl von -Lothringen sein Heer nach Böhmen führen und Friedrich wurde unter großen -Verlusten nach Schlesien zurückgedrängt (Dezember 1744). In Süddeutschland -kam es im Winter 1744/45 noch zu einigen Kämpfen. Als aber Kaiser -Karl gestorben war (Januar 1745), stimmte sein Sohn der pragmatischen -Sanktion sowie der Kaiserwahl Franz Stephans zu und schloß Frieden mit -Österreich (April); auch die Franzosen räumten Deutschland (Juli) und -verlegten den Hauptkriegsschauplatz nach Belgien.</p> - -<p class="small">Vielleicht wäre es für Frankreich richtiger gewesen, Österreich in seinem entfernt -liegenden und schwer zu verteidigenden Besitze, Belgien, hauptsächlich anzugreifen. -Mit dem Vordringen über den Rhein und durch Deutschland hin reichte man aber -Preußen die Hand, dessen militärische Macht sich zum ersten Male zeigte. In Belgien -dagegen hätte der französische Angriff auch die Seemächte empfindlich getroffen, die -stets auf das Eindringen der Franzosen eifersüchtig waren. So ist es wohl unterlassen, -um den förmlichen Krieg mit diesen noch zu vermeiden. Als es aber später geschah, -hat es sicher dazu beigetragen, die Tätigkeit der englischen Marine, in den fernen Gewässern -besonders, zu lähmen; man wandte in England nun dem Landkriege mehr -Aufmerksamkeit zu, als richtig war.</p> - -<p><b>Friedrich II.</b> stand 1745 allein da; Österreich und Sachsen schlossen im -März einen neuen Vertrag zu einem Einfall in Schlesien. Jetzt bewies der -König seine Größe und vereitelte durch die Siege über Erzherzog Karl bei<span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[53]</a></span> -<em class="gesperrt">Hohenfriedberg</em> (4. Juni 1745) und <em class="gesperrt">Soor</em> (30. September) den Einfall. -Als dann die Gegner wieder in Schlesien einbrechen und gleichzeitig mit der -sächsischen Hauptmacht, verstärkt durch die am Rhein freigewordenen -österreichischen Truppen, von Dresden her die Mark angreifen wollten, -schlug er Karl von Lothringen aufs neue bei <em class="gesperrt">Katholisch-Hennersdorf</em>, -23./24. November, und marschierte auf Dresden; Lothringen folgte. -<em class="gesperrt">Leopold von Dessau</em>, der das andere feindliche Heer zu beobachten -hatte, griff dieses inzwischen auf ausdrücklichen Befehl des Königs trotz -seiner schwächeren Kräfte an und schlug es vernichtend bei <em class="gesperrt">Kesselsdorf</em> -(15. Dezember), als der König bei Meißen und Karl bei Dresden angekommen -waren. Dieser ging dann mit den Trümmern des geschlagenen -Heeres nach Böhmen zurück; Friedrich zog in Dresden ein. Er zwang hierdurch -Sachsen zum Nachgeben und auch Österreich war nicht geneigt, -den Krieg allein fortzuführen. Am 25. Dezember 1745 wurde <em class="gesperrt">der Friede -von Dresden</em> geschlossen; der König behielt Schlesien und erkannte -dafür Franz Stephan an, der schon am 13. September als <em class="gesperrt">Franz</em> I. zum -Kaiser gewählt und am 4. Oktober gekrönt war. <em class="gesperrt">Der Krieg in -Deutschland war zu Ende.</em></p> - -<p>Auch anderwärts stand die österreichische Sache ungünstig. Im Frühjahr -1745 waren die Franzosen mit starker Macht in <em class="gesperrt">Belgien</em> aufgetreten. -Sie nahmen wichtige Städte ein und der Marschall <em class="gesperrt">Moritz von Sachsen</em> -siegte bei Fontenay (11. April) über den Herzog von Cumberland; am -21. Februar besetzten die Franzosen Brüssel und bedrohten Holland selbst.</p> - -<p class="small">Im Mittelmeer fand am 22. Februar 1744 die <em class="gesperrt">Seeschlacht vor Toulon</em> -statt, als die französische Flotte die spanische von genanntem Hafen nach der italienischen -oder spanischen Küste geleiten wollte. Sie blieb unentschieden.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Norditalien</em> eroberte ein französisch-spanisch-neapolitanisches -Heer 1745 Piemont und fast die ganze Lombardei. Erst als nach dem Frieden -von Dresden Österreichs Truppen in Deutschland frei wurden, konnte es -in Italien das Gleichgewicht wieder herstellen. Das österreichisch-sardinische -Heer vertrieb 1746 die Franzosen, die Spanier gingen von Genua aus -in die Heimat zurück; die Sieger besetzten diese Stadt und drangen sogar -in die Provence ein, in beidem von der englischen Flotte unterstützt. Ein -von Frankreich begünstigter Aufstand in Genua rief sie dann aber zurück, -und eine neue Belagerung dieser Stadt mußte aufgegeben werden, als die -Franzosen wieder über Nizza (1747) vordrangen.</p> - -<p><b>Die Erhebung Schottlands.</b> Der Niedergang der österreichischen Sache -in Belgien hing mit der Gefahr zusammen, die dem Hause Hannover in England -durch eine Erhebung der Schotten zugunsten der Stuarts drohte. -<em class="gesperrt">Jakob</em> III. lebte nach seinem letzten Ringen um die Krone Großbritanniens -(1708; vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_522">522</a>) in Rom. Von hier ging 1743 sein Sohn <em class="gesperrt">Karl -Eduard</em> (gewöhnlich „der junge Prätendent“ genannt) nach Paris, um -mit Frankreichs Hilfe einen neuen Versuch zu wagen; der Kampf Englands -mit den Bourbons, die geringe Beliebtheit des Hauses Hannover in England,<span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[54]</a></span> -die Anhänglichkeit der Schotten an die Stuarts, sowie ihre Abneigung gegen -eine Verbindung mit England ließen die Gelegenheit günstig erscheinen. -Frankreich war dem Unternehmen geneigt, das England vom Festlandskriege -abziehen mußte und wollte 1744 14 000 Mann nach Schottland übersetzen, -aber diese Expedition — das einzige Angriffsunternehmen Frankreichs zur -See in diesem Kriege — scheiterte infolge verzögerter Ausrüstung, ungünstiger -Wetterverhältnisse und der Übermacht der englischen Seestreitkräfte.</p> - -<p>Erst im Juli 1745 kam Karl Eduard mit nur wenigen Begleitern nach -Schottland. Verschiedene Clans standen für ihn auf. England war völlig -überrascht und hatte nur wenige Truppen zur Verfügung; seine schwachen -Garnisonen räumten Schottland. Der Prinz bemächtigte sich Edinburghs -(im September), rückte in England ein, schlug ein englisches Korps und drang -bis auf acht Tagemärsche an London heran. Das englische Volk zeigte sich -meist gleichgültig, teilweise sogar feindlich gegen die eigene Dynastie, deren -Lage bei dem Mangel an Truppen gefährdet erschien, um so mehr da eine -französische Landung vorbereitet wurde. In London begann der Kredit zu -wanken, die Bank wurde fast gestürmt. Aber jetzt weigerten sich die Schotten -weiterzumarschieren. Karl Eduard mußte nach Schottland zurück und wurde -bei <em class="gesperrt">Culloden</em> (16. April 1746) vom <em class="gesperrt">Herzog von Cumberland</em> -vernichtend geschlagen. Dieser war mit Truppen von Belgien herübergerufen; -meist Hessen im Solde Hollands, das nach altem Vertrag verpflichtet war, -England bei drohendem Einfall Truppen zu stellen. Der letzte Versuch der -Stuarts war gescheitert, <em class="gesperrt">Karl Eduard</em> irrte fünf Monate umher und floh -dann nach Frankreich; aber sein Aufstand war doch von lähmendem Einfluß -auf Englands Kriegführung zur See gewesen.</p> - -<p><b>Das Ende des Erbfolgekrieges.</b> Die Franzosen machten 1746 immer -raschere Fortschritte in <em class="gesperrt">Belgien</em>; alle wichtigen Städte, auch Antwerpen -und Namur, fielen in ihre Hände; <em class="gesperrt">Moritz von Sachsen</em> erfocht bei -<em class="gesperrt">Rocourt</em> (11. Oktober 1746) einen zweiten glänzenden Sieg über Cumberland -und Karl von Lothringen. 1747 siegten die Franzosen nochmals bei -<em class="gesperrt">Maastricht</em> (2. Juli) und nahmen Bergen op Zoom (16. September); -am 11. Mai 1748 fiel auch Maastricht. Schon vor Einnahme dieser wichtigsten -Festung waren Friedensunterhandlungen im Gange, und als jetzt die Franzosen -mit dem Einbruch in Holland drohten, kam es zum Frieden, zunächst zwischen -Frankreich und England-Holland.</p> - -<p class="small">In dem <b>See- und Kolonialkriege Englands gegen Frankreich und Spanien 1744–1748</b> -behauptete England schließlich das Übergewicht. Wie Spanien schon bisher, so war -auch <em class="gesperrt">Frankreich</em> infolge der Schwäche seiner Marine genötigt, sich in der Verteidigung -zu halten. Wie schon erwähnt, hatte es nur einmal, noch vor der Kriegserklärung, -einen Offensivstoß versucht (einen Einfall in England zugunsten Karl -Eduards), der aber nur bei völliger Überraschung des Gegners hätte gelingen können. -Später beschränkte sich Frankreich auf den Schutz seiner Kolonien und auf den kleinen -Krieg gegen den feindlichen Handel. <em class="gesperrt">England</em> führte den Seekrieg zunächst nicht -energischer als bisher gegen Spanien allein. Die Tätigkeit seiner Seemacht wurde durch -verschiedene Umstände gelähmt — Vernachlässigung der Marine während der langen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_55" id="Page_55">[55]</a></span> -Friedenszeit, Mangel an frischem Geiste in ihr, vor allem aber durch unrichtige und -schwächliche Verwendung der überlegenen Flotte —, und so blieb natürlich der Erfolg -aus. Es gelang nicht, die feindlichen Häfen zu sperren und so die Gegner von ihren -Kolonien abzuschneiden.</p> - -<p class="small">In Westindien, worauf die Franzosen den Hauptwert legten, und wo auch die -Spanier den größeren Teil ihrer Seestreitkräfte hielten, vermochten die Engländer -nichts auszurichten; in Nordamerika eroberten zwar die englischen Kolonisten, von -der Flotte unterstützt, die wichtige Festung <em class="gesperrt">Louisbourg</em> und hielten sie bis zum -Friedensschluß, mehr errangen sie jedoch nicht, da sie keine Unterstützung erhielten; -in Ostindien gelang es sogar den Franzosen, <em class="gesperrt">Madras</em> (1746) zu nehmen und den -englischen Angriff auf Pondicherry (1748) abzuschlagen und so bei den indischen Fürsten -das Ansehen Frankreichs über das Englands zu heben. Selbst im kleinen Kriege war -England nicht imstande, seine Handelsschiffahrt vor großen Verlusten durch Freibeuter -und einzelne Kriegsschiffe der Gegner zu bewahren, wenn es auch deren Handel -gleichfalls großen Schaden zufügte.</p> - -<p class="small">Erst nach und nach, besonders vom Jahre 1747 an, wurde es besser. Die englische -Marine erstarkte dauernd an Zahl der Schiffe und innerem Wert, die der Gegner gingen -abwärts infolge von Verlusten und von Vernachlässigung, die französische Seemacht -wurde schließlich durch die Vernichtung von zwei stattlichen Geschwadern in den -<em class="gesperrt">Seeschlachten bei Kap Finisterre</em> (im Mai und Oktober 1747) völlig -lahmgelegt; auch die Freibeuter ihrer Gegner hatten die Engländer nach und nach -größtenteils weggefangen. Jetzt war England imstande, Frankreich und Spanien von -ihren Kolonien gänzlich abzuschließen, ihren Handel fast völlig zu vernichten, dagegen -den eigenen Seehandel wirksam zu schützen, der übrigens in seiner Gesamtheit trotz -der Verluste mit dem Schwinden des feindlichen stets zugenommen hatte.</p> - -<p class="small">Diese Umstände trugen wesentlich dazu bei, Frankreich dem Frieden geneigt zu -machen.</p> - -<p><b>Der Frieden zu Aachen 1748</b> beschloß den für alle Beteiligten ergebnis- -und aussichtslosen Krieg.</p> - -<p>Frankreich hatte zwar Ruhm und Eroberungen in den Niederlanden -geerntet, aber mit jedem Jahre wuchs die Geldverlegenheit der Regierung -und die Not des Volkes, die überwiegend die erwerbenden Klassen traf; das -Land war erschöpft. Frankreich trug die Last des Krieges auch für seine -Verbündeten, die häufige Anwesenheit des Königs bei den Heeren vermehrte -die Kosten noch, während von den gewaltigen Brandschatzungen in Feindesland -nichts in die öffentlichen Kassen floß. Der französische Seehandel litt -schwer und sah sich nach den Unfällen der Marine im letzten Jahre ebenso -wie die Kolonien immer mehr der englischen Seemacht preisgegeben. Selbst -die Behauptung der Eroberungen in den Niederlanden schien unsicher, da -die Seemächte noch während der Friedensverhandlungen im Verein mit -Österreich und Sardinien beträchtliche Streitkräfte in den Niederlanden -und in Italien aufstellten, um unter allen Umständen die Erhaltung Hollands -durchzusetzen. Sogar Rußland ließ, von England und Österreich gewonnen, -ein Heer in englischem Solde nach dem Rhein marschieren.</p> - -<p>Aber auch die Seemächte waren zum Frieden geneigt. Holland sah -sich durch einen französischen Einfall bedroht, England mußte zugunsten -seiner Handelsübermacht unbedingt Holland halten und durfte aus demselben -Grunde auch die österreichischen Niederlande nicht in französischen Händen<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[56]</a></span> -lassen, mußte also Frieden schließen, so lange dies dadurch noch zu verhindern -war. Die Seemächte trugen, wie früher, die Gesamtkosten; in erster Linie -England, dessen Staatsschuld trotz großer Erhöhung der Steuern schon von -50 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1739 auf 78 Millionen angewachsen war. -Österreich und die kleineren Staaten vermochten nicht ohne das Geld der -Seemächte weiter zu kämpfen, und so einigten sich zunächst England und -Holland im geheimen mit Frankreich über die Grundlagen des Friedens -(30. April 1748); die Bundesgenossen wollte man, wenn erforderlich, zur Beistimmung -zwingen.</p> - -<p>Nach den <em class="gesperrt">Friedensbedingungen</em> beurteilt, ist wohl nie ein -Krieg mit so vielen Kämpfen und so bedeutenden Verlusten an Geld und Blut -so ergebnislos verlaufen wie dieser. Im wesentlichen wurde der Besitzstand -vor dem Kriege wiederhergestellt und die Eroberungen zurückgegeben. -Für Österreich wurde die pragmatische Sanktion, für das Haus Hannover -die britische Thronfolge und für Preußen der Besitz von Schlesien gewährleistet. -Österreich mußte Parma und Piacenza als eine zweite Sekundogenitur -an Spanien, mailändisches Gebiet an Sardinien abtreten; seine Niederlande, -in denen wie früher die Barrierefestungen von Holland mitbesetzt -werden sollten, erhielt es zurück. Frankreich und England tauschten Madras -und Louisbourg wieder aus und die Abmachungen über die neutralen Inseln -in Westindien (vgl. Seite <a href="#Page_9">9</a>) wurden erneuert. Frankreich verpflichtete -sich aufs neue, Dünkirchen nach der Seeseite nicht zu befestigen und Glieder -der Familie Stuart weder zu unterstützen, noch auch in seinem Lande zu -dulden.</p> - -<p>Dagegen blieb die Grenzfrage zwischen den englischen und französischen -Kolonien in Nordamerika, besonders in Neubraunschweig, sowie über das -Besiedlungsrecht im Ohiotal ungeregelt. Ebenso wurden die Hauptstreitpunkte -zwischen England und Spanien nicht aus der Welt geschafft: das -Recht zur Untersuchung englischer Schiffe durch die Spanier wurde nicht -aufgehoben; die geforderte Entschädigung englischer Rheder sowie die Abgrenzung -zwischen Florida und Georgia sollten auf diplomatischem Wege -geregelt werden und man wußte doch, wie wenig dabei herauskommen würde. -Nur der Assientovertrag wurde auf vier Jahre erneuert.</p> - -<p class="small">Als <em class="gesperrt">wichtige politische Folge</em> des Krieges, hervorgerufen durch das -fortgesetzte Mißgeschick im Felde, erscheint die Wahl des Prinzen <em class="gesperrt">Wilhelm von -Nassau</em>, Statthalters von Friesland und Geldern, zum <em class="gesperrt">Statthalter</em> aller sieben -Provinzen, zum Generalkapitän und <em class="gesperrt">Admiralgeneral</em> seitens der alten Volkspartei, -womit die sogenannte zweite statthalterlose Zeit ihr Ende fand.</p> - -<p>Der Frieden wurde von Frankreich und den Seemächten am 18. Oktober -1748 unterzeichnet; Österreich trat am 23. Oktober bei und Preußen, Spanien, -Sardinien schlossen sich an. Da Maria Theresia nur gezwungen auf Schlesien -verzichtete und da die wichtigsten Fragen zwischen England und Frankreich-Spanien -unberührt gelassen waren, <em class="gesperrt">trug der Friede den Keim -zu neuem Kriege in sich</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[57]</a></span></p> - -<h4>Die Streitmittel<a name="FNAnker_40_40" id="FNAnker_40_40"></a><a href="#Fussnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a>.</h4> - -<p><b>Frankreich.</b> Die Quellenangaben über den <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> um -1740 schwanken. Man kann ihn zu 45–50 Linienschiffen (von 50 Kanonen -und darüber) und zu 15–20 großen Fregatten (hierunter wohl auch -Schiffe mit 40–50 Kanonen verstanden), sowie etwa 50 kleineren Schiffen -und Fahrzeugen annehmen. Hinzu traten im Mittelmeer 60 Galeeren, auf -die man aber kaum noch Wert legte. Unter den Linienschiffen scheinen sich -keine mit über 80 Kanonen (Dreidecker) befunden zu haben; jedenfalls sind -solche im Kriege nicht zur Verwendung gekommen. Die Schiffe waren großenteils -in schlechtem Zustande, die Werften nicht leistungsfähig, die Arsenale -und Magazine leer.</p> - -<p>Die Zahl der <em class="gesperrt">Offiziere, Deck- und Unteroffiziere</em> war -zwar in den letzten Jahrzehnten sehr verringert, reichte jedoch für die Schiffe -aus, die in Dienst gestellt wurden. Ebenso machte sich kein Mangel an <em class="gesperrt">Mannschaften</em> -fühlbar, da die Inskription wieder geregelt war. Infolge der -seltenen Indienststellungen im Frieden und später im Kriege fehlte jedoch -dem Gesamtpersonal die Übung.</p> - -<p class="small">Eine Unterstützung, besonders auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, fand die -Marine in den großen <em class="gesperrt">Schiffen der Compagnie des Indes</em>, die mehr -Kanonen (bis zu 60) an Bord nehmen konnten, als sie gewöhnlich führten (20–30). -Man darf sie aber nicht als vollwertige Kriegsschiffe betrachten; darauf gebaut, viel -Ladung und wenig Geschütze an Bord zu nehmen, vermochten sie im umgekehrten -Falle nur wenig Segel zu führen. Auf größeren Seereisen konnten sie nur 30–38 Kanonen -führen und auch nur Kanonen der Mittelartillerie (8-Pfünder, 12-Pfünder, vereinzelt -18-Pfünder). Die Offiziere der Kompagnie waren gute Seeleute, aber keine -Seeoffiziere; die Mannschaft war noch weniger militärisch geübt; die Disziplin ließ -bei beiden zu wünschen übrig.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust an Schiffen</em> während des Krieges betrug: 22 Linienschiffe, -4 Schiffe zu 40–46 Kanonen, 13 zu 24–32, 7 zu 20 Kanonen, 9 kleinere -Fahrzeuge; insgesamt 55 Segel. Einige Neubauten traten hinzu, und so war -<em class="gesperrt">der Schiffsbestand um</em> 1748: 31 Linienschiffe und 8 im Bau.</p> - -<p><b>Spanien</b> besaß um 1739 kaum 40 <em class="gesperrt">Linienschiffe</em>. Unter diesen -befanden sich einige sehr gute Neubauten, aber auch manche, die nicht als -vollwertig gelten konnten, da sie für die Überführung der Schätze Amerikas -eigentlich nur gegen Freibeuter armiert waren. Chabaud-Arnault (siehe -<a href="#Page_xiv">Quellenverzeichnis</a>) gibt 50 Linienschiffe an, von denen jedoch nur etwa die<span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[58]</a></span> -Hälfte brauchbar gewesen sei. Beiden Angaben entspricht der Umstand, -daß nach der Schilderung der kriegerischen Ereignisse 20 bis höchstens -30 Linienschiffe gleichzeitig tätig waren. Die spanischen <em class="gesperrt">Seeoffiziere</em> -bewiesen sich tapfer, aber als Seeleute vielfach unfähig; die <em class="gesperrt">Mannschaften</em> -wurden aus allen Berufsarten gepreßt, schlecht gekleidet, -verpflegt und bezahlt. Die Werften waren wenig leistungsfähig.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Schiffsverluste</em> betrugen: 17 Linienschiffe und 5 Fregatten; -die spanische Marine stand mithin beim Schluß des Krieges noch weit schwächer -da als die französische.</p> - -<p><b>England.</b> Die völlige Vernachlässigung der französischen Marine von -1714 an wirkte dahin, daß man auch in England den Werften, der Erhaltung -und dem Neubau der Schiffe nicht die bisherige Sorge zuwandte. Aber immerhin -betrug 1739 <em class="gesperrt">der Bestand</em> in Dienst gestellter oder zu Indienststellung -bereiter Schiffe: 2 zu 100 Kanonen, 3 zu 90, 11 zu 80, 16 zu 70, 44 zu 50–60 -Kanonen; also 81 Linienschiffe. Dazu traten 35 Fregatten zu 30–44 -Kanonen und eine Menge kleinerer Fahrzeuge. Im ganzen waren 140 -<em class="gesperrt">Schiffe mit mehr als je</em> 20 <em class="gesperrt">Kanonen</em> vorhanden. Die Hilfsmittel -des Landes machten es leicht, die Flotte zu verstärken; schon 1744, -beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich, waren 90 Linienschiffe und -84 Fregatten mit mehr als 20 Kanonen bereit.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust im Kriege</em> betrug: 13 Linienschiffe (nur zwei vom -Feinde genommen), 10 Schiffe zu 20–44 Kanonen (2 davon genommen), -24 kleinere (4 genommen). Aber obgleich auch noch während des Krieges -eine große Zahl von Schiffen als abgenutzt ausgemerzt wurde, war infolge -von Neubau und Einstellung genommener Schiffe <em class="gesperrt">der Schiffsbestand -um</em> 1748 gewachsen auf: 4 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 18 zu 80, 24 -zu 70, 6 zu 64, 33 zu 60, 36 zu 50 Kanonen; also 131 Linienschiffe. Weiter -waren vorhanden: 42 Fregatten zu 44 und 84 zu 20–36 Kanonen und eine -Menge kleiner Fahrzeuge; insgesamt zählte die Marine 313 Segel.</p> - -<p class="small">Die Fregatten mit 30–36 Kanonen waren sämtlich dem Feinde abgenommen -worden; England selber hatte also noch keine „eigentliche Fregatte“ gebaut. <em class="gesperrt">Bemerkenswert</em> -ist ferner das Anwachsen der Zahl der Schiffe zwischen 20 und -44 Kanonen. Es war dies die Folge einer Denkschrift des alten Admirals <em class="gesperrt">Sir John -Norris</em> (siehe Band I), die auf den Mangel an Schiffen zum Schutz des Seehandels -hinwies, als dieser große Verluste durch Freibeuter und Kreuzer erlitt, obgleich Englands -„Flotten“ die See beherrschten.</p> - -<p>Hieraus ergibt sich die große <em class="gesperrt">Übermacht Englands</em> Frankreich -und Spanien gegenüber schon um 1744; Spaniens Marine allein war in dem -Kriege 1739–1744 der englischen gegenüber kaum zu rechnen und hatte -bis 1777 schon mehrere Linienschiffe verloren (bei Cartagena, 1771, 6 sowie -einige in Einzelgefechten beim kleinen Kriege in den europäischen Gewässern). -Die französischen Schiffe und auch die neueren spanischen waren zwar -teilweise den englischen der gleichen Klasse an Stärke der Armierung (Kaliber) -überlegen, aber dafür war das englische Personal, wie erwähnt (Kapitel II),<span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[59]</a></span> -tüchtiger. Augenfällig aber ist das Überwiegen Englands gegen Ende des -Krieges. Die Verbündeten hatten zusammen 38 Linienschiffe verloren und -konnten trotz einiger Neubauten den 131 Schlachtschiffen der Engländer -kaum über 50 entgegenstellen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Troude</em> (Teil I, Seite 323) beziffert den französischen Verlust auf nur 18 Linienschiffe; -er hat vielleicht die Schiffe der indischen Kompagnie nicht mitgerechnet, denn -Lacour-Gayet, eine neuere Quelle, gibt wie Charnock 22 an. — Chabaud-Arnault schreibt, -1747 seien 50 Linienschiffe vorhanden gewesen, davon neun im Bau. Wenn Frankreich -auch wirklich zehn mehr gehabt hat, als Charnock angibt, so bleibt doch immer die -große Übermacht Englands zu Ende des Krieges bestehen; übrigens führt auch hier -Lacour nur 40 an, einschließlich zehn im Bau.</p> - -<p><b>Holland</b><a name="FNAnker_41_41" id="FNAnker_41_41"></a><a href="#Fussnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a>. Der völlige Verfall der Marine von 1713–1740 ist bereits -erwähnt (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_500">500</a>). Der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> um 1741 betrug -1 Schiff zu 90 Kanonen (42 Jahre alt), 5 zu 72 (3 davon zwischen 1715 und -1719 erbaut), 8 zu 64 (davon 2 unbrauchbar, 2 im Bau), 15 zu 52–58, 13 zu -44, 1 zu 36, 6 zu 22, 2 zu 12–16 Kanonen. Weit über die Hälfte gehörten -zur Admiralität Amsterdam. Es hielt schwer, Mannschaften, besonders -Unteroffiziere, zu erhalten; die Schiffe waren schlecht im Stande, die Offiziere -ungeübt und überaltert. Während des Krieges wurden 12 Linienschiffe und -5 leichte Fregatten gebaut, aber eine wesentliche Unterstützung konnte die -holländische Marine der englischen zu keiner Zeit bieten. 1744 verlangte -England auf Grund des seit langen Jahren bestehenden Vertrages die Gestellung -von 15 Linienschiffen und 5 schweren Fregatten; doch war dies nur -mühsam zu bewirken und auch nicht während des ganzen Krieges durchzuführen. -Der jüngste und tüchtigste Admiral jener Zeit urteilt, daß die -Schiffe von ihrer ungeübten Besatzung schlecht bedient, daß die Kommandanten -und Offiziere, ja selbst der Flottenchef, ohne jede Erfahrung in Flottenmanövern -seien.</p> - -<h4>Der Verlauf des Seekrieges<a name="FNAnker_42_42" id="FNAnker_42_42"></a><a href="#Fussnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a>.</h4> - -<h5>Der Krieg in Westindien 1739–1744.</h5> - -<p>Ende Oktober 1739 erklärte England den Krieg an Spanien. Schon im -Sommer hatte man mit der Mobilmachung begonnen, Mannschaften eingezogen, -Schiffe in Dienst gestellt, die auswärtigen Stationen verstärkt und -Kaperbriefe ausgegeben. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die spanisch-amerikanischen -Kolonien; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden, hier<span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[60]</a></span> -hoffte man auf reiche Beute. Man sendete eine Expedition nach Westindien -und eine nach dem Stillen Ozean; die letzte unter Kapitän <em class="gesperrt">George Anson</em> -ging jedoch erst im Herbst 1740 ab, dagegen segelte der Vizeadmiral <em class="gesperrt">Edward -Vernon</em> schon am 24. Juli 1739 <em class="gesperrt">nach Westindien</em>.</p> - -<p class="small"><b>Vernon</b>, geboren 1684 und seit 1706 Kapitän, stand in dem Rufe, die Verhältnisse -in Westindien, besonders die Schwächen der Spanier, genau zu kennen, da er mehrere -Jahre ein Schiff dort geführt hatte. Im Parlament erklärte er wiederholt, er würde -imstande sein, Puerto Belo mit sechs Schiffen zu nehmen. Da er nun sehr populär, -anderseits aber durch Ausfälle gegen die Regierung dieser unbequem war, gab man -ihm jetzt das Kommando, um ihn für einige Zeit loszuwerden. Mit Überspringung -des Kontreadmiralgrades wurde er Vizeadmiral und führte mehrere Jahre das Oberkommando -in Westindien; nach England zurückgekehrt, wurde er 1745 Admiral und -Chef eines Geschwaders im Kanal. In dieser Stellung protestierte er in schroffer Weise -gegen Verfügungen der Admiralität und veröffentlichte auch gehässige Artikel über -die Leitung der Marine. Obgleich er sonst ein tüchtiger und eifriger Offizier war, wurde -er 1746 von der Liste der Flaggoffiziere gestrichen. Er starb 1757.</p> - -<p>Ihm unterstanden neun Schiffe, von denen jedoch vier an der spanischen -Küste abgezweigt wurden, um zurückerwarteten spanischen Silberschiffen -aufzulauern. Am 23. Oktober erreichte Vernon Jamaika und übernahm das -Kommando der Station. Auf die Nachricht hin, daß in <em class="gesperrt">Puerto Belo</em> — -dem Ausgangshafen der Silberflotte, auf der Landenge von Panama gelegen — -die Bergwerksausbeute des letzten Jahres bereits von Panama zur Einschiffung -eingetroffen sei, segelte er am 5. November mit sechs Schiffen — -2 zu 70 Kanonen; 3 zu 60; 1 zu 50 — und 200 Soldaten dahin ab. In der -Nacht vom 20. auf 21. November ankerte das Geschwader vor der Bucht von -Puerto Belo und nahm die Stadt am 22.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Puerto Belo Im November 1739.</b> Die Stadt liegt an der Südostecke -einer kleinen Bucht, die westöstlich läuft, gleichmäßig etwa zwei Seemeilen lang -und eine Seemeile breit ist. Die Einfahrt wurde beherrscht durch ein Fort auf der -Nordostecke, die Stadt selber schützten zwei Forts; die Befestigungen waren ziemlich -stark. <em class="gesperrt">Vernon</em> beabsichtigte, sein Geschwader in Kiellinie in die Bucht segeln zu -lassen; die ersten drei Schiffe sollten das äußere Fort unter Abgabe ihrer Breitseiten -passieren und sich vor die Befestigungen der Stadt legen, die anderen drei Schiffe, -auf deren erstem sich der Admiral befand, vor dem äußeren Fort ankern, alle ihre großen -Boote, im Schlepp und mit Soldaten bemannt, zu einer Landung bereit halten. Am -21. morgens wehte jedoch östlicher Wind und der Plan konnte nicht genau durchgeführt -werden, da die Schiffe in die Bucht aufkreuzen mußten. Um zwei Uhr nachmittags -eröffneten die ersten drei Schiffe das Feuer auf das Fort an der Einfahrt, das anfangs -lebhaft, aber bald schwächer antwortete. Der Admiral, der noch nicht ganz heran war, -rief die Boote zu sich und gab den Befehl zum Landen. Dann trat das Flaggschiff in -den Kampf ein, die Schützen in den Marsen vertrieben die Gegner aus den unteren -Batterien des Forts, die Gelandeten drangen ein und waren bald Herren der ganzen -Befestigung. Mittlerweile war es dunkel geworden, ohne daß die drei ersten Schiffe -bis zur Stadt hatten gelangen können; sie waren nach Westen (aus der Bucht hinaus) -getrieben und mußten vor Anker gehen. Auch die Schiffe des Admirals ankerten jetzt; -das Flaggschiff und sein Hintermann wechselten während der Nacht mit den Stadtforts -Schüsse, die jedoch nicht viel Schaden taten. Am 22. morgens gab <em class="gesperrt">Vernon</em> Befehl -an alle Schiffe, sich in der kommenden Nacht an Puerto Belo heranzuwarpen<a name="FNAnker_43_43" id="FNAnker_43_43"></a><a href="#Fussnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a>. Dieser<span class="pagenumsmall"><a name="Page_61" id="Page_61">[61]</a></span> -neue Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, weil sich die Stadt nach längeren Unterhandlungen -noch an diesem Tage ergab. Der englische Verlust betrug nur sieben Tote -und einige Verwundete. (Genaueres über diese Unternehmung vgl. Clowes Seite 55 -und Colomb Seite 322.)</p> - -<p>Die Garnison zog mit vollen militärischen Ehren ab; Schonung der Stadt -und des Privateigentums wurde zugesichert. Im Hafen lagen nur einige kleine -Fahrzeuge, aber die Engländer erbeuteten etwa 10000 Dollar Staatsgelder, -die Vernon sofort an seine Leute verteilte; die Befestigungen wurden geschleift. -Im Dezember ging das Geschwader nach Jamaika zurück. Der -Erfolg erregte großen Jubel in England, und die Regierung beschloß, möglichst -bald noch einige Schiffe, zwei Regimenter Infanterie, sechs neuaufgestellte -Regimenter Seesoldaten nach Westindien zu senden, sowie auch -3000 Mann von den nordamerikanischen Kolonien dorthin zu ziehen, um -Vernon weitere und größere Unternehmungen zu ermöglichen. Es verging -jedoch das ganze Jahr 1740, bis diese Verstärkung eintraf. <em class="gesperrt">Vernon</em> blieb -auf die schwachen Kräfte angewiesen, die genau seiner Forderung im Parlament -entsprachen; er kam dadurch fast in eine üble Lage.</p> - -<p class="small">Im Sommer 1740 versuchte eine Abteilung von wenigen Soldaten, unterstützt -durch kleinere Schiffe der nordamerikanischen Station, von Südcarolina aus die -spanische Stadt <b>St. Augustine in Florida zu nehmen</b>. Es wurden zwar zwei kleine Befestigungen -am St. Johnsflusse besetzt und vor der genannten Stadt auf einer Insel -Fuß gefaßt, aber das Unternehmen mußte doch aus Mangel an Streitkräften aufgegeben -werden.</p> - -<p><b>Spanien</b> scheint 1739 keine Seestreitkräfte von Bedeutung in Westindien -gehabt zu haben; was dort war, geleitete unter Admiral <em class="gesperrt">Pizarro</em> die Silberflotte -dieses Jahres wohlbehalten heim. 1740 aber traf man Vorbereitungen, -die Kolonien zu schützen, und rief Frankreich, gemäß dem bestehenden Vertrage, -um Unterstützung an; der Kardinal <em class="gesperrt">Fleury</em> sah sich trotz seiner -Friedensliebe durch die öffentliche Meinung gezwungen, diesem Anspruch zu -willfahren. Im Juli 1740 verließ ein starkes spanisches Geschwader (wahrscheinlich -12 Linienschiffe) mit den Galeonen, die jährlich nach Amerika zum -Abholen der Silberschätze segelten, unter Admiral <em class="gesperrt">de Torres</em> Cadiz; es -lief zunächst Ferrol an, traf im September in Portoriko ein, besserte dort -längere Zeit seine durch Sturm beschädigten Schiffe aus, landete dann Truppen -in Cartagena, ließ hier sechs Schiffe unter <em class="gesperrt">Don Blas de Leso</em> und ging -endlich nach Havanna.</p> - -<p><b>Frankreich</b> sandte am 25. August von Toulon den Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de la -Rochalart</em> mit 12 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Westindien ab (im -Oktober in Martinique); ihm folgte am 1. September von Brest der Vizeadmiral -des Atlantik <em class="gesperrt">d'Antin</em> mit 14 Linienschiffen und 5 Fregatten. Von -dem ersten Geschwader wurden in Gibraltar 4 Schiffe zurückgerufen, auch -das zweite zweigte einige Schiffe zum Kreuzen an der spanischen Küste ab, -von denen jedoch ein Teil bald wieder nachkam; die Vereinigung beider -Geschwader fand im Dezember in St. Domingo statt, wo nun im Januar 1741 -<em class="gesperrt">d'Antin</em> über etwa 22 Linienschiffe verfügte. Die französisch-spanischen<span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[62]</a></span> -Streitkräfte in den westindischen Gewässern waren mithin außerordentlich -stark, gegen 40 Linienschiffe.</p> - -<p class="small">Die Berichte über die Stärke und Bewegungen der französischen und spanischen -Geschwader lauten unbestimmt. Einige führen ausdrücklich an, daß <em class="gesperrt">d'Antin</em> die -Spanier von Ferrol aus begleitet habe; dies stimmt aber nicht mit den Ankunftszeiten -in Westindien, doch könnten sie durch einen Sturm, den auch die Franzosen erwähnen, -getrennt sein. — Aus anderen Angaben muß man ferner schließen, daß außer <em class="gesperrt">de Torres</em> -noch ein spanisches Geschwader von Cadiz direkt nach Cartagena gegangen ist (5–6 -Linienschiffe), und wir finden auch später sechs Linienschiffe in diesem Hafen und -12 in Havanna.</p> - -<p><em class="gesperrt">Vernon</em> nahm nach Instandsetzung der Schiffe in Jamaika seine Tätigkeit -wieder auf. Er <b>beschoß</b> im März 1740 aus Mörserbooten <b>Cartagena</b>, allerdings -mit nur wenig Erfolg, aber dann auch <b>Chagres</b> (Landenge von Panama) -und diese Stadt ergab sich; eine Beute von über 70000 Pfund Sterling fiel den -Engländern in die Hände, die Befestigungen wurden geschleift. Im Juni machte -er von Jamaika aus vergeblich den Versuch, ein spanisches Geschwader von -5 Schiffen (das eben erwähnte zweite Geschwader von Cadiz?) abzufangen, -wurde aber durch Mangel an Vorräten aller Art festgehalten. Diese trafen -zwar, von 2 Linienschiffen begleitet, im September ein, zugleich mit Truppen -aus Nordamerika, aber der Admiral fühlte sich jetzt zu schwach, ohne die -zugesagte große Verstärkung etwas zu unternehmen, nachdem er die Ankunft -des spanischen Geschwaders (de Torres) in Cartagena und die des französischen -(Rochalart) in Martinique erfahren hatte.</p> - -<p>Die große Verstärkung hatte England im August verlassen, wurde aber -durch Sturm zurückgetrieben und dann zurückgehalten, weil sie den nach -Westindien entsandten französischen und spanischen Geschwadern gegenüber -zu schwach an Linienschiffen erschien. Erst Anfang Oktober lief sie unter -Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Chaloner Ogle</em> aus. Sie bestand aus 1 Schiff zu -80 Kanonen, 20 Linienschiffen der dritten Klasse, 4 der vierten Klasse, einigen -Fregatten, Brandern und Mörserbooten; auf Transportern waren 9000 Soldaten -(die erwähnten 8 Regimenter Infanterie und Seesoldaten, sowie technische -Truppen) eingeschifft. Der Chef der Truppen, General <em class="gesperrt">Lord Cathart</em>, -ein sehr tüchtiger Offizier, starb leider auf der Ausreise zu Dominica, im -Dezember; sein Nachfolger General <em class="gesperrt">Thomas Wentworth</em> konnte ihn -nicht ersetzen. Am 20. Januar 1741 traf die Flotte in Jamaika ein; eine derartig -starke englische Macht war noch nie in Westindien aufgetreten, sie hätte -sehr viel ausrichten können. Laird Clowes führt den Ausspruch eines älteren -englischen Schriftstellers an: „Vernons Hände waren nicht gebunden, wie die -der Admirale in den europäischen Gewässern. Wäre er sofort gegen Havanna -vorgegangen, so würde er die Stadt vor der Orkanzeit genommen haben. -Seine Instruktionen wiesen stark darauf hin, und seine Freunde in England -rieten sehr dazu. Es wäre besser gewesen, wenn er strikte Befehle in dieser -Hinsicht gehabt hätte.“ Von den Franzosen drohte ihm in der Tat keine -Gefahr mehr. Der Verlust Havannas wäre ein großer Schlag für Spanien -gewesen, aber die englischen Führer wählten einen anderen Platz zum Angriff.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[63]</a></span></p> - -<p class="small">Auf der Fahrt <em class="gesperrt">Ogles</em> von Dominica nach Jamaika ereignete sich ein <b>Zusammenstoß -zwischen Engländern und Franzosen</b>. Auf der Höhe von Kap Tiburon (Westende -von Haiti) sichtete die englische Flotte am 18. Januar 1741 vier große Schiffe; <em class="gesperrt">Ogle</em> -sandte sechs Linienschiffe zur Erkundung ab. Die Fremden heißten ihre Flagge, aber -die Engländer argwöhnten, es seien Spanier, und gingen näher heran. Auf Anruf (um -zehn Uhr abends) in englischer, dann in französischer Sprache erfolgte keine Antwort; -nun griffen die sechs Engländer, weit schwerere Schiffe, die vier Franzosen an und es -wurde mehrere Stunden scharf gefochten. Am andern Morgen entschuldigten die Engländer -das Vorgehen mit dem Ausbleiben der Antwort auf ihren Anruf; die Franzosen -behaupteten aber, Auskunft erteilt zu haben. — <em class="gesperrt">Ein ganz ähnlicher Fall</em> -trug sich in demselben Jahre in der Straße von Gibraltar zu. Vier Engländer stießen -auf drei Schiffe, die auf Anruf antworteten, sie seien Franzosen, die aus Westindien -zurückkämen. Als die Engländer ein Boot absandten, um sich davon zu überzeugen, -wurde das Anbordkommen nicht erlaubt; auch hier folgte ein scharfes Gefecht von -einigen Stunden<a name="FNAnker_44_44" id="FNAnker_44_44"></a><a href="#Fussnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a>.</p> - -<p class="small">Man kann über derartige Fälle kaum erstaunt sein. Bei der Haltung Frankreichs -im allgemeinen waren die englischen Offiziere gewiß nicht geneigt, große Rücksicht -auf die französischen Schiffe zu nehmen; die Franzosen ihrerseits waren sicherlich berechtigt, -barsche Anforderungen zurückzuweisen.</p> - -<p>Die Anwesenheit der großen französischen Flotte in Westindien hatte -für Spanien nur den Nutzen, daß Vernon weder gegen die spanischen -Kolonien noch gegen <em class="gesperrt">de Torres</em> etwas unternahm, bis die große Unterstützung -eintraf. Die französischen Quellen behaupten, daß <em class="gesperrt">d'Antin</em> -zwar den Befehl gehabt habe, die nach Westindien segelnden Schiffe und -die Besitzungen der Spanier zu decken, aber nur zu fechten, wenn er selber -angegriffen würde.</p> - -<p>Englische Schriftsteller behaupten, der französische Admiral habe sich -allein durch den Zustand seiner Schiffe zur Untätigkeit gezwungen gesehen; -diese seien schlecht ausgerüstet und durch stürmisches Wetter auf der Fahrt -von Europa sowie später von Martinique nach Haiti sehr beschädigt gewesen. -d'Antin habe außerdem Rückberufungsbefehl erhalten, als der Österreichische -Erbfolgekrieg drohte; <em class="gesperrt">Fleury</em> hätte den Bruch mit England vermeiden -wollen, das ja noch zwischen den Parteien schwankte. Diese Auffassung -scheint richtig zu sein; auch die französischen Quellen heben den schlechten -Zustand der Schiffe hervor, auf denen außerdem das gelbe Fieber herrschte, -und sprechen mit Bedauern aus, Fleury habe bald nur noch dem bevorstehenden -Landkriege Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich hätte ja auch der -französische Admiral triftigen Grund gehabt, angriffsweise vorzugehen; hatten -doch die Engländer am Kap Tiburon die Feindseligkeiten eröffnet und auch -sonst französische Schiffe aufgebracht. Tatsächlich segelte <em class="gesperrt">d'Antin</em> am -7. Februar 1741 von Haiti nach Frankreich ab und ließ nur 6 Linienschiffe -unter <em class="gesperrt">Comte de Roquefeuil</em> in Westindien zurück; er sah seine Aufgabe -als gelöst an und war auch wohl von der bevorstehenden Ankunft der -großen englischen Flotte unterrichtet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[64]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Vernon</em> scheint noch keine bestimmten Pläne gehabt -zu haben, als Ogle zu ihm stieß; er hat wahrscheinlich solche mit dem <em class="gesperrt">Lord -Cathart[</em> beraten wollen. Gegen <em class="gesperrt">Wentworth</em> faßte er von vornherein -ein ungerechtes Vorurteil, denn dieser war zwar nicht so fähig wie Cathart, -aber doch von bestem Willen beseelt. In einem Kriegsrate wurde beschlossen, -zunächst nach Haiti aufzukreuzen, um die Franzosen zu beobachten. Viele -englische Kritiker sehen hierin einen großen Fehler: „In drei Tagen hätte man -von Jamaika das unter dem Winde liegende Havanna erreichen können!“ -Hiergegen erhebt Colomb mit Recht Einwendungen. In Cartagena befanden -sich 6, in Havanna 12 spanische Linienschiffe, bei Haiti 22 französische. -Vernon verfügte über 29 Linienschiffe, war also nicht imstande, die feindlichen -Seestreitkräfte zu beobachten oder gar in Schach zu halten und gleichzeitig -Havanna anzugreifen; von dem schlechten Zustande der französischen Schiffe -sowie von der Absicht d'Antins, abzusegeln, wußte er nichts. So ging denn -die englische Expedition Ende Januar von Jamaika in See. Am 8. Februar -wurde dem Admiral beim Kap Tiburon durch einen Kreuzer gemeldet, die -französische Flotte läge noch bei Aux Cayes — dies war ein infolge Nebels -entstandener Irrtum —, aber am 12. überzeugte man sich von der Abfahrt -d'Antins.</p> - -<p>Nun ward auf Vernons Vorschlag im Kriegsrat ein <b>Angriff auf Cartagena</b> -beschlossen. (Warum jetzt nicht auf Havanna? Sämtliche englische Quellen -schweigen hierüber, obgleich sie sich bis dahin mit diesem Plane beschäftigen.) -Mit Erlaubnis der französischen Behörden wurde auf Haiti Wasser und Brennholz -genommen und ein Linienschiff nebst kleineren Fahrzeugen nach Cartagena -gesandt, um einen Ankerplatz für die Flotte zu suchen; diese folgte am -25. Februar, ankerte am 4. März in einer Bucht westlich von der bedrohten -Stadt und begann am 9. die Berennung. Das Schicksal Cartagenas mußte -nach den Erfolgen gegen Puerto Belo im Vorjahre bei der großen Macht, die -jetzt zur Verfügung stand, von vornherein als besiegelt angesehen werden, -aber trotz eines anfänglich guten Verlaufes wurde das Unternehmen durch -Mißhelligkeiten zwischen den Führern der Land- und Seestreitkräfte, sowie -auch infolge von Mißgriffen beider zu einem verlustreichen Fehlschlag.</p> - -<p class="small"><b>Der Angriff auf Cartagena, März–April 1741<a name="FNAnker_45_45" id="FNAnker_45_45"></a><a href="#Fussnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a>.</b> <em class="gesperrt">Die Stadt war stark befestigt</em> -und nur zu nehmen, ja nur wirksam zu beschießen, wenn die Befestigungen -niedergekämpft waren (siehe Plan). Flaches Wasser bis auf etwa drei Seemeilen, sowie der -Mangel an jeglichem Schutz gegen nördliche und westliche Winde hinderten eine genügende -Annäherung unmittelbar von See aus; da die Boca grande für größere Schiffe -zu flach ist, mußte man durch die Boca chica einlaufen, die aber nur je einem Schiffe -den Durchgang gestattete. Diese Einfahrt wurde beherrscht durch das Fort Luis -(82 Kanonen und drei Mörser) nebst den Außenwerken Felipe (acht Kanonen), Jago -(15 Kanonen) und de Chamba (vier Kanonen), ferner durch die Faschinenbatterie -La Baradera (15 Kanonen) mit einer kleineren (4 Kanonen) und durch das Fort José -(21 Kanonen) auf einer kleinen Insel. Von Luis nach José war eine Balkensperre -gelegt und hinter dieser vier Linienschiffe (Geschwader Don Blas de Leso) mit den<span class="pagenumsmall"><a name="Page_65" id="Page_65">[65]</a></span> -Breitseiten nach See zu verankert. — Bei dem Eingang in den inneren Hafen lagen die -starke Befestigung Castillo Grande (vier Bastionen mit 59 Kanonen) und die Batterie -Mancinilla (12 Kanonen); in dieser Einfahrt befindet sich eine flache Stelle, an deren -beiden Seiten große Schiffe versenkt waren. — Die -Stadt selber, auf zwei Inseln gelegen und mit -Wällen (300 Kanonen) umgeben, wurde gedeckt -durch das etwa 20 m hoch gelegene Fort Lazare, -das allerdings von einem unbefestigten Hügel eingesehen -werden konnte. — Die Garnison zählte -4000 spanische Soldaten nebst einer größeren Zahl -von Negern und Indianern.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p065.jpg" width="300" height="290" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p065" id="fig_p065"></a> -<p class="caption">A. Fort Luis nebst Aussenforts. B. Baradera.<br /> -C. José. D. Castillo Grande. E. Mancinilla.<br />F. Lazare.<br /><br />Cartagena.</p> -</div> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die englische Streitmacht</em> bestand -aus 29 Linienschiffen — 8 zu 80, 5 zu 70, 14 zu 60, -2 zu 50 Kanonen —, 11 Schiffen zu 20 Kanonen -und kleineren Fahrzeugen, 9 Brandern und Mörserbooten -sowie vielen Transportern; insgesamt -124 Segel mit einer Besatzung von 15000 Mann -und 12000 Soldaten. Auf dem Ankerplatz in der -benachbarten Bucht angelangt, ordnete <em class="gesperrt">Vernon</em> -für die leichteren Fahrzeuge Bewegungen an, die -auf eine Landung schließen ließen, so daß die Spanier Truppen aus der Stadt -dorthin zogen und Schanzen aufwarfen. Bis zum 9. März unternahmen die Engländer -nichts; die Gegner konnten ungestört ihre Verteidigungsmaßregeln ausführen: -die Sperre ziehen, die Linienschiffe postieren, Schiffe versenken, die Batterien -fertig armieren u. dgl. Frühmorgens am genannten Tage setzte sich die englische Flotte -in Bewegung. Eine Division — zehn Linienschiffe und sechs kleinere Fahrzeuge unter -<em class="gesperrt">Sir Chaloner Ogle</em> — war für den Angriff auf die Außenforts von Luis bestimmt; -durch Erkundungen war festgestellt, daß man vor diesen auf Pistolenschußweite -ankern konnte, ohne dem Feuer des Hauptforts und der Befestigungen der Boca chica -ausgesetzt zu sein. Dieser Division folgte die zweite — <em class="gesperrt">Vernon</em> mit zehn Linienschiffen, -zehn kleineren Fahrzeugen und den Transportern voll Soldaten. Der Rest der -Flotte blieb unter Kommodore <em class="gesperrt">Lestock</em> vorläufig vor Anker, um den Anschein -einer beabsichtigten Landung hier aufrecht zu erhalten.</p> - -<p class="small">Vier der schwersten Schiffe Ogles ankerten vor den Werken und brachten diese -bald zum Schweigen; Landungsabteilungen besetzten sie. Der Verlust der Engländer -war sehr gering; nur ein Schiff, dem das Ankertau durchschossen war und das nicht -schnell genug einen zweiten Anker fallen ließ, trieb vor die Einfahrt und litt beträchtlich -durch das Feuer der dortigen Befestigungen. Im Laufe des 9. und 10. März landete -General <em class="gesperrt">Wentworth</em> mit dem größten Teil der Soldaten, Geschützen und Belagerungsmaterial -auf der Insel Tierra Bomba, dann wurde ein Lager aufgeschlagen -und zwei Batterien — eine Mörser- und eine Batterie 24-Pfünder Schiffsgeschütze — -gegen Luis gebaut. Schon am 9. abends begannen die Mörserboote das Fort zu beschießen, -am 13. griff auch die Mörserbatterie ein. Jetzt aber traten die ersten Mißhelligkeiten -zwischen den beiden Führern auf; Vernon beklagte sich über zu langsames -Fortschreiten der Unternehmung am Lande, der General über mangelhafte Unterstützung -durch die Flotte. Am Lande brachen bald nach der Ausschiffung infolge -ungünstiger Bodenverhältnisse und schlechter Verpflegung Krankheiten aus, wodurch -die Tätigkeit der Gelandeten gelähmt wurde. Die Flotte war reichlich mit Wasser -und frischem Fleisch versehen, auch versorgte sie sich mit Schildkröten, vernachlässigte -aber die Truppen. <em class="gesperrt">Vernon</em> ließ am 19. durch eine Landungsabteilung die Batterie -Baradera im Rücken angreifen und erstürmen, weil sie das Lager unter Feuer nehmen -konnte, die Kanonenbatterie gegen Luis wurde aber trotzdem und obgleich der -Admiral 500 Seeleute zur Mitarbeit stellte, erst am 21. fertig. Vernons Ungeduld war<span class="pagenumsmall"><a name="Page_66" id="Page_66">[66]</a></span> -berechtigt, denn die stürmische Jahreszeit rückte heran, der Ankerplatz war völlig -ungeschützt, der Grund felsig, so daß die Ankertaue häufig durchgescheuert wurden; -auch war die Nachricht eingelaufen, <em class="gesperrt">de Torres</em> beabsichtige mit dem Havannageschwader, -verstärkt durch das französische (Comte de Roquefeuil), zum Entsatz -heranzukommen. Er ließ daher, nachdem die Landbatterien am 21. und 22. einen -heftigen Kampf mit Luis geführt hatten, am 23. sechs Linienschiffe — mehr konnten -nicht zur Verwendung kommen — das Feuer gegen Luis, José und gegen die Schiffe -hinter der Sperre aufnehmen. Drei von diesen litten schwer und auch die übrigen -wurden am 24. zurückgezogen.</p> - -<p class="small">Aber am Lande war Bresche gelegt und Luis wurde am 25. leicht gestürmt. -Vernon hatte zur Ablenkung des Feindes eine Abteilung bei Baradera landen lassen; -als ihr Führer sah, daß die Spanier nach dem Fall des Forts den Eindruck von Ratlosigkeit -machten und sich anschickten, die Schiffe hinter der Sperre zu versenken -oder zu verbrennen, ging er auf eigene Faust mit den Booten weiter, stürmte ohne -Schwierigkeit José, sprengte die Sperre und nahm eins der Schiffe; den Spaniern -gelang es, die andern zu vernichten. Vom 26. bis 30. März lief dann die ganze englische -Flotte in den sichern äußern Hafen ein. Der Feind versenkte seine beiden letzten -Linienschiffe im Eingang zum inneren Hafen, sprengte Fort Mancinilla auf und räumte -auch Castillo Grande, das am 31. von den Engländern besetzt wurde.</p> - -<p class="small">So lagen zwischen dem Angreifer und der Stadt nur noch die versenkten Schiffe -und das Fort Lazare; völliger Erfolg schien gesichert, wenn man sofort kräftig weiter -nachstieß. Aber es kam anders. Die gelandeten Truppen hatten durch Krankheit -sehr gelitten; schon am 25. März zählte man 500 Tote und 1500 Kranke. <em class="gesperrt">Wentworth</em> -stand von jetzt an, gereizt durch die Vernachlässigung und durch das abstoßende und -herrische Wesen Vernons, dem Admiral mürrisch und ablehnend gegenüber; dieser aber -ließ im weiteren Verlauf der Unternehmung gleichfalls seinen bisherigen, oft wagehalsigen -Schneid vermissen.</p> - -<p class="small">So mangelte überall die Tatkraft und die Zeit ging verloren. Am 1. und 2. April -eröffneten zwar die Mörserboote vom inneren Hafen aus sowie die Geschütze des Castillo -Grande das Feuer auf die Stadt, und am 3. gingen auch größere Schiffe durch die Enge, -um eine Landung decken zu können, aber erst am 5. und 6. wurde diese durch 5000 Mann -der von Tierra Bomba wieder eingeschifften Truppen ausgeführt, wahrscheinlich innerhalb -des Forts Mancinilla. Die Gelandeten lagerten auf einer Ebene etwa eine Seemeile -von Lazare entfernt. Die Landoffiziere hielten den Bau einer Batterie für notwendig, -und der General bat, die Beschießung auch mit den Mörserbooten und einem Linienschiffe -aufzunehmen. Der Admiral erklärte, bei der geringen Wassertiefe sei es nicht -möglich, Schiffe nahe genug zur wirksamen Beschießung heranzubringen (was nach den -jetzigen Karten nicht zutrifft), man könne das schwache Werk überhaupt mit Sturm nehmen.</p> - -<p class="small">Es scheint, als ob Vernon der Ansicht war, die Truppen müßten jetzt alles tun, -während die Landoffiziere wohl mit Recht auf einen raschen Erfolg nur bei Unterstützung -durch die Flotte rechneten. Man verlor drei Tage, in denen die Krankheiten unter den -Soldaten, die ohne Zelte und Gepäck sowie wiederum auf ungesundem Boden und fast -ohne Wasser lagerten, reißend zunahmen, während die Spanier Zeit gewannen, sich -von ihrer Bestürzung zu erholen und ihre Verteidigungsmittel zu verstärken; an die -Ausnutzung des Hügels, der das Fort überhöhte, scheint man englischerseits nicht -gedacht zu haben. Gereizt durch höhnische Vorwürfe des Admirals, ließ <em class="gesperrt">Wentworth</em> -endlich, gegen die Ansicht der meisten seiner Offiziere, am 9. April vor Tagesanbruch -stürmen. Der Angriff wurde trotz großer Tapferkeit mit einem Verluste von -179 Toten, 459 Verwundeten und 16 Gefangenen zurückgeschlagen; es war ein ungeeigneter -Punkt zum Angriff gewählt, die Offiziere waren ungenügend instruiert, die -Sturmleitern erwiesen sich als zu kurz.</p> - -<p class="small">Nach diesem Mißerfolg ging alle Tatkraft verloren. Erneuten Bitten der Landoffiziere -um Unterstützung durch die Schiffe gegenüber verhielt sich <em class="gesperrt">Vernon</em> taub<span class="pagenumsmall"><a name="Page_67" id="Page_67">[67]</a></span> -und stumm. In einem stürmisch verlaufenden Kriegsrat beider Waffen am 14. April -wurde dann die sofortige Einschiffung der Truppen beschlossen, von denen nur noch -3500 Mann dienstfähig waren; sie erfolgte am 15. und 16. Am 16. ließ Vernon noch -durch das spanische Schiff, das in der Boca chica genommen und zu einer schwimmenden -Batterie hergerichtet war, die Stadt beschießen; es wurde jedoch derartig beschädigt, -daß es beim Zurückgehen sank. Vielleicht sah sich der Admiral hierzu veranlaßt, um -dem General die Unmöglichkeit eines wirksamen Eingreifens mit den Schiffen zu beweisen. -Nach der Desarmierung und Zerstörung der genommenen Werke wurden die -Truppen eingeschifft und die Flotte segelte ab.</p> - -<p>Nur sechs spanische Linienschiffe und einige Werke hatte man zerstört, -während bei richtiger Verwendung der vereinten starken Streitkräfte Cartagena -hätte genommen werden müssen — nach dem übereinstimmenden Urteil -der besten englischen Quellen; diese heben ferner hervor, es sei nicht zu verstehen -— und auch scheinbar jetzt nicht mehr aufzuklären —, weshalb man -zunächst die Landung nur gegen einen Teil der Befestigung gerichtet habe -und dann nach den Erfolgen nicht tatkräftiger vorgegangen sei, und weshalb -die Flotte nicht größere Anstrengungen gemacht habe. Vielleicht ist Vernon -durch die Anwesenheit des spanischen und französischen Geschwaders in -Westindien bestimmt worden, seine Schiffe nicht zu sehr einzusetzen.</p> - -<p>Am 19. Mai 1741 traf die Flotte wieder in Jamaika ein. Hier wurden -11 Linienschiffe, darunter 7 zu 80 Kanonen, mit einem großen Konvoi von -Kauffahrern nach England zurückgesandt. <em class="gesperrt">Vernon</em> behielt mithin 18 -Linienschiffe, und <em class="gesperrt">Wentworth</em> hatte an Truppen nur noch 3000 Mann -nebst 1000 in Jamaika ausgehobenen Negern. Trotzdem wurde der Beschluß -zu einem <b>Angriff auf Santiago de Cuba</b> gefaßt. Der Gouverneur von Jamaika -hatte eine Expedition über den Isthmus von Panama vorgeschlagen, die englische -Regierung hätte den Angriff auf Havanna am liebsten gesehen, jedoch -sowohl die Seeoffiziere wie auch Wentworth hielten Santiago für den geeignetsten -Angriffspunkt, wohl weil dessen Landbefestigungen nur schwach waren.</p> - -<p class="small">Absicht der Regierung war es sicher, Kuba zu erobern und festzuhalten. Man hatte -schon Kolonisten Nordamerikas zur Übersiedlung dorthin aufgefordert, und auch der -Umstand spricht dafür, daß Vernon der Bucht, in der er landete, ihren alten Namen -„Cumberland harbour“ wiedergab. Um so auffallender ist es, daß die Führer ihren -Stoß nicht auf Havanna richteten; diese Stadt war damals noch mehr als jetzt das -Herz der Insel, Santiagos kommerzielle und strategische Bedeutung dagegen noch -gering. Bei dem nur verfügbaren schwachen Landungskorps scheint man Havanna, -wo auch 12 spanische Schiffe lagen, für zu stark gehalten zu haben; man wollte wohl -zunächst nur auf Kuba festen Fuß fassen und Truppenverstärkungen abwarten, deren -Ankunft in Aussicht stand.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Vernon</em> ließ 6 Linienschiffe zum Schutz Jamaikas zurück; -mit 11 sowie 12 kleineren Fahrzeugen und 40 Transportern, die 3400 Soldaten -führten, segelte er am 30. Juni nach Kuba; 3 noch mit Ausbesserungen beschäftigte -Linienschiffe sollten nachkommen. Am 13. Juli ankerte die Flotte -in der geräumigen und sicheren Bucht von Guantanamo, etwa 40 Seemeilen -östlich von Santiago; von hier aus sollte zu Lande gegen diese Stadt vorgegangen -werden, da ein Angriff von See aussichtslos erschien.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[68]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Einfahrt von Santiago de Cuba</em> war eng, befestigt und durch -eine Floßsperre geschlossen. Vor allem aber traten an einzelnen Stellen häufig Wirbelwinde -auf, so daß man wahrscheinlich genötigt gewesen wäre, ein Schiff nach dem andern -unter dem Feuer der (allerdings nicht sehr starken) Befestigungen durch die Einfahrt -hindurchzuwarpen.</p> - -<p>Dann wurden 6 Linienschiffe in eine Verteidigungsstellung am Eingang -der Bucht zum Schutz der Transporter gelegt, 5 abgezweigt, um Santiago zu -blockieren, und einige kleine Fahrzeuge zur Beobachtung des spanischen -Havanna-Geschwaders entsandt. Man hat diesen 12 spanischen Schiffen -gegenüber das ganze Unternehmen, insbesondere die Teilung der englischen -Streitkräfte, als gewagt bezeichnet, jedoch war die Gefahr, der sich <em class="gesperrt">Vernon</em> -aussetzte, nicht bedeutend. Beabsichtigte <em class="gesperrt">de Torres</em> während der Abwesenheit -Vernons Jamaika anzugreifen, so konnte dieser leicht dorthin -zurückkehren, weil Santiago über dem Winde von Jamaika liegt. Kam die -spanische Flotte heran, um der Kubaexpedition entgegenzutreten, so waren -bei gleicher numerischer Stärke die Engländer wohl sicher den Spaniern überlegen; -überrascht konnten sie nicht werden, weil die Gegner gegen den Wind -aufkreuzen mußten und die englischen Schiffe hier auch nicht, wie z. B. im -Hafen vor Cartagena, unbedingt an die Belagerung gefesselt waren. Eine -Vereinigung der Spanier mit den Franzosen von Haiti her konnte gleichfalls -verhindert werden.</p> - -<p>Der Angriff auf Santiago hatte aber noch weniger Erfolg als der auf -Cartagena. Die Landung ging zwar ohne jede Störung vor sich, auch zeigten -sich keine nennenswerten spanischen Truppen zwischen dem Landungsplatze -und der Stadt, aber dennoch drang man kaum halbwegs bis zu dieser vor. -Obgleich der Admiral Unterstützung durch die Flotte zusagte, erklärte es der -General in Übereinstimmung mit seinen Offizieren für unmöglich, weiter -vorzugehen: das Gelände sei zu dicht bewaldet; die Wege seien für den Transport -der Geschütze zu schlecht; die Leute litten zu sehr unter Krankheiten. -<em class="gesperrt">Vernon</em> erkundete nochmals persönlich Santiago; er sah aber die Unmöglichkeit -ein, allein von See her etwas zu erreichen, und fand auch keine geeignete -Landungsstelle in der Nähe der Stadt. So mußte er auch seinerseits -das Unternehmen aufgeben. Ende November wurden die Truppen wieder -eingeschifft und die Flotte segelte nach Jamaika zurück; an Krankheiten -hatte die Expedition mehr Leute verloren, als wahrscheinlich ein rasches, -tatkräftiges und darum erfolgreiches Vorgehen gekostet haben würde.</p> - -<p class="small">Inwieweit bei diesem Mißerfolge das schlechte Verhältnis zwischen den beiden -Führern von Einfluß gewesen ist, läßt sich nicht ersehen. <em class="gesperrt">Vernon</em> hatte schon nach -Cartagena um seine Ablösung gebeten und wiederholte die Bitte jetzt unter lebhafter -Beschuldigung <em class="gesperrt">Wentworths</em>, der „wechselnder als der Mond sei“. Trotzdem -ließ man beide im Kommando, tadelte sie nur in milder Weise und ermahnte sie zu -besserem Einvernehmen.</p> - -<p><b>Angriffe der Engländer 1742 und 1743.</b> Auch in den beiden nächsten -Jahren wurden noch einige ebenso erfolglose Angriffe auf Küstenstädte angesetzt; -wir können uns darüber kurz fassen, weil sie kaum erwähnenswert<span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[69]</a></span> -sind<a name="FNAnker_46_46" id="FNAnker_46_46"></a><a href="#Fussnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a>. Im Januar 1742 gebot <em class="gesperrt">Wentworth</em> durch Nachschub aus England -wieder über etwa 3000 Mann; man plante jetzt eine Landung bei <em class="gesperrt">Puerto -Belo</em>, um von dort nach <em class="gesperrt">Panama</em> vorzudringen. Die Uneinigkeit zwischen -dem General und <em class="gesperrt">Vernon</em> verzögerte die Ausführung, erst am 28. März traf -die Expedition in Puerto Belo ein; die Stadt wurde zwar leicht besetzt, dann -aber gab man das Unternehmen auf, weil die Landoffiziere es für unausführbar -erklärten. Auch ein ehemaliger Filibustierführer, der als gut unterrichtet -in den Verhältnissen mitgenommen war und der einige Hundert Mosquito-Indianer -(vom jetzigen Britisch-Honduras, den Engländern wohlgesinnt) anwerben -sollte, riet nach näherer Erkundung ab.</p> - -<p>Nach diesem Fehlschlage wurden endlich <em class="gesperrt">Vernon</em> und <em class="gesperrt">Wentworth -abberufen</em>, Vernon mit einem Teil der Truppen. Den Befehl auf der -Station übernahm <em class="gesperrt">Admiral Ogle</em>, dem auch die zurückgebliebenen Soldaten -unterstellt wurden. Die einzigen Erfolge dieses Jahres waren die Inbesitznahme -und Besiedlung der Insel <em class="gesperrt">Roatan</em> in der Honduras-Bucht -und die Abwehr eines Landungsversuchs der Spanier von Florida aus in -<em class="gesperrt">Georgia</em>. Im Februar 1743 sandte Ogle den Kapitän <em class="gesperrt">Knowles</em>, der -sich unter Vernon ausgezeichnet hatte und von diesem öfters mit wichtigen -Aufträgen betraut war, mit 5 größeren Schiffen (50–70 Kanonen) und 5 kleineren -gegen <em class="gesperrt">La Guayra</em>. Die Vorbereitungen hatten jedoch lange gedauert, -so daß die Spanier Zeit gewannen, ihre vernachlässigten Befestigungen zu -verstärken. Der hohe Seegang unter der Küste hinderte sowohl ein nahes -Herangehen der Schiffe wie auch eine Landung. Eine Beschießung am 18. Februar -mußte abgebrochen werden; die Stadt und ihre Verteidiger hatten zwar -sehr gelitten, aber auch die angreifenden Schiffe waren schwer beschädigt und -büßten gegen 400 Tote und Verwundete ein.</p> - -<p>Nachdem <em class="gesperrt">Knowles</em> seine Schiffe in Curaçao ausgebessert hatte, wandte -er sich gegen <em class="gesperrt">Puerto Cabello</em>, das jedoch noch besser auf seinen -Empfang vorbereitet war. Die Hafeneinfahrt war gesperrt und wurde durch -ein starkes Fort beherrscht, zu dessen Unterstützung man noch zwei Behelfsbatterien -erbaut hatte. Die Besatzung zählte 300 Soldaten, 1200 Seeleute von -den im Hafen liegenden Schiffen sowie zahlreiche Neger und Indianer, insgesamt -gegen 5500 Mann. Knowles erachtete die Behelfsbatterien für ungünstig -angelegt und leicht zu nehmen, aber für geeignet zur Verwendung -gegen das Fort; er beschloß, sie zunächst zu erobern. Sie wurden am 16. April -beschossen, nachts landeten dann 400 Matrosen, 400 Seesoldaten und 400 -Landsoldaten. Die eine Batterie wurde leicht gestürmt, als sie aber von den -anderen Befestigungen Feuer erhielten, trat Verwirrung unter den Gelandeten -ein. Die Abteilungen beschossen sich gegenseitig und gingen dann in wilder -Flucht zu ihren Booten zurück. Bei einer Beschießung am 24. verbrauchte -man fast die gesamte Munition, ohne die Befestigungen niederzukämpfen.<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[70]</a></span> -Ende des Monats segelte die Expedition nach Jamaika zurück. — Dies war -das letzte derartige Unternehmen.</p> - -<p>Von 1744 an, als Frankreich offen in den Krieg eintrat, verlor Westindien -seine Bedeutung als größerer Kriegsschauplatz. Die Seestreitkräfte -der Gegner hielten sich hier bis 1747 ungefähr die Wage und erst 1748 gewannen -die Engländer das Übergewicht. (Vgl. „Der Krieg in den Kolonien. -Westindien“.)</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p070.jpg" width="300" height="369" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p070" id="fig_p070"></a> -<p class="caption">George Lord Anson.</p> -</div> - -<p><b>Der Kleine Krieg in Westindien.</b> Infolge des Zusammenhaltens der -englischen Seestreitkräfte zu den fruchtlosen Angriffen auf spanische Städte -litt der englische Handel in -den westindischen Gewässern -sehr. Zwar brachten auch -englische Kreuzer und Kaper -manche spanischen Kauffahrer -auf, aber bei dem -umfangreicheren englischen -Handel und der weit größeren -Zahl der spanischen -Freibeuter fiel die Bilanz im -Kleinen Kriege doch zum -Nachteil Englands aus.</p> - -<p class="small"><b>Ansons<a name="FNAnker_47_47" id="FNAnker_47_47"></a><a href="#Fussnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> Zug 1740–1743</b>, -berühmt wegen der Ausdauer -seines Führers unter den schwierigsten -Verhältnissen. 1739 -wurde beschlossen, die spanischen -Kolonien auch vom Stillen -Ozean her anzugreifen. <em class="gesperrt">Kapitän -Anson</em> sollte diese -Expedition führen, doch lief sie, -wohl infolge der rückständigen -Verwaltung der Marine, erst -am 18. September 1740 aus. Sie -bestand aus dem Flaggschiff -zu 60 („Centurion“), 2 Schiffen -zu 50, 1 zu 40, 1 zu 28 Kanonen und einer Sloop; die Schiffe zu bemannen war so -schwierig gewesen, daß auf 500 ältere Halbinvaliden zurückgegriffen werden mußte, -die aber sämtlich auf der Reise starben. Das Geschwader hatte eine Reihe der schwersten -Stürme abzuwettern, als es Kap Hoorn in der schlechtesten Jahreszeit umsegelte; es -wurde zerstreut, das eine 50-Kanonenschiff und das 40-Kanonenschiff gingen nach<span class="pagenumsmall"><a name="Page_71" id="Page_71">[71]</a></span> -England zurück. Das Flaggschiff erreichte am 11. Juni 1741 die Insel Fernandez (Küste -von Chile); es hatte 130 Kranke an Bord und schon 200 Mann begraben. Hier stieß -der Rest der Schiffe in ähnlichem Zustande zu ihm, das 28-Kanonenschiff war jedoch -an der chilenischen Küste gestrandet. Nachdem die Besatzungen sich erholt hatten, -begann Anson vor den spanischen Kolonien zu kreuzen. Er machte verschiedene wertvolle -Prisen und plünderte die Stadt Payta. Im Dezember erreichte er die Insel Coiba -vor dem Golf von Panama. Seine Absicht war, den von Westindien ausgehenden Unternehmungen -die Hand zu reichen, als er aber von deren Fehlschlagen die Nachricht -erhielt, beschloß er, durch den Stillen Ozean zu segeln, um der Galeone, die jährlich -zwischen Manila und Acapulco in Mexiko fuhr (daher oft „Acapulcoschiffe“ genannt), -den Weg zu verlegen. Zunächst kreuzte er zu diesem Zwecke mit seinen zwei Kriegsschiffen -— die Sloop war als seeuntüchtig aufgegeben — und drei seiner Prisen, die -armiert worden waren, vor Acapulco.</p> - -<p class="small">Am 5. Mai 1742 setzte er den Kurs auf China, nachdem den Gefangenen die Prisen -überlassen waren. Bald mußte er auch das letzte Schiff wegen Seeuntüchtigkeit verbrennen, -und auf dem Flaggschiff brach der Skorbut aus, der viele Opfer forderte. -Nach einer Erholungszeit auf den Ladronen erreichte <em class="gesperrt">Anson</em> Macao, wo er überwinterte. -Im Frühjahr 1743 nahm er dann das Kreuzen gegen die Galeone bei den -Philippinen wieder auf, und es gelang ihm wirklich, diese am 20. Juli zu fangen. Nach -anderthalbstündigem, hartnäckigem Kampfe wurde sie genommen und in ihr fast -1½ Millionen Dollar Wert an Münze sowie Silberbarren gefunden. Über China heimsegelnd, -traf Anson am 15. Juni 1744 in Spithead ein. Der Zug hatte zwar keine militärischen -Erfolge, rief aber Schrecken und Bestürzung in den spanischen Kolonien -hervor; die Kenntnis der ostasiatischen Gewässer wurde durch ihn erweitert, weshalb -man ihn mehr zu den Entdeckungsreisen rechnet. Hervorzuheben ist endlich, daß -eine große Zahl der an ihm beteiligten Seeoffiziere sich später im Siebenjährigen Kriege -hervorragend auszeichnete, wie es ihr Führer im Österreichischen Erbfolgekriege -getan.</p> - -<h5>Der Krieg in den europäischen Gewässern 1740–1744.</h5> - -<p>Den Krieg mit Spanien führte <em class="gesperrt">England</em> zunächst sehr lau. Wenn -auch nach der langen Friedenszeit in der Marine nicht alles so stand, wie es -hätte sein sollen, so besaß es doch eine derartige Übermacht, daß es wohl -weit tatkräftiger hätte vorgehen können.</p> - -<p><b>1740. Vom Mittelmeer aus</b> nahm der Kontreadmiral <em class="gesperrt">Haddock</em> nach -der Kriegserklärung die Blockade von Cadiz auf, als er aber durch den Zustand -seiner Schiffe gezwungen war, im Frühjahr nach Port Mahon zu gehen, -das man außerdem von den spanischen Häfen am Mittelmeer bedroht glaubte, -fanden die in Cadiz liegenden spanischen Schiffe Gelegenheit zu entschlüpfen; -wie erwähnt, langten sie in Westindien teils direkt, teils über Ferrol unter -Admiral <em class="gesperrt">de Torres</em> an. Im Juli, als man die Schwäche der Spanier genauer -erkannt hatte, wurde ein Teil der englischen Mittelmeerflotte nach der Heimat -zurückgezogen.</p> - -<p><b>Von England aus</b> wurde im April ein Geschwader entsandt, um die -heimkehrende Silberflotte abzufangen. Diese (Admiral <em class="gesperrt">Pizarro</em>, vgl. -Seite 61) war jedoch durch ein ihr entgegengesandtes Schiff gewarnt, setzte -ihren Kurs auf Kap Ouessant und lief wohlbehalten in Santander ein, während -das englische Geschwader auf dem sonst üblichen Wege Madeira-Cadiz kreuzte. -Spanien entsandte gegen dieses eine stärkere Macht, doch kehrten die Engländer<span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[72]</a></span> -unbelästigt nach dem Kanal zurück. In Spithead war nach und nach -eine starke Flotte unter dem Admiral of the Fleet <em class="gesperrt">Sir John Norris</em><a name="FNAnker_48_48" id="FNAnker_48_48"></a><a href="#Fussnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> -zusammengezogen — 21 Linienschiffe zu 60–100 Kanonen —, deren „geheime -Order“ aber auch jetzt noch unbekannt ist. Einige Quellen glauben, Ferrol -hätte angegriffen werden sollen, da man die Anwesenheit der zahlreichen -spanischen Schiffe dort mit einem Gerücht in Verbindung gebracht habe, -nach dem Spanien einen Einfall in Irland zugunsten des Kronprätendenten -<em class="gesperrt">Jakobs</em> III. ins Werk setzen wollte. Wahrscheinlicher ist es, daß die -Flotte nur die Schiffahrt vor und in dem Kanal sichern und für alle Fälle -(auch gegen Angriffe von Frankreich?) bereit gehalten werden sollte. Tatsächlich -hat sie 1740 den Kanal nicht verlassen.</p> - -<p><b>1741</b> lief <em class="gesperrt">Norris mit der Kanalflotte</em> im Juli sowie im Oktober -aus und kreuzte an der Nordküste Spaniens, wobei jedoch nur einige kleinere -Prisen gemacht wurden. Im <em class="gesperrt">Mittelmeer</em> schlugen sogar <em class="gesperrt">zwei wichtige -Unternehmungen</em> fehl. Frankreich hatte im Juli in Toulon 12 Linienschiffe -(50–74 Kanonen) unter Lieutenant-Général <em class="gesperrt">de Court</em> in Dienst -gestellt, um sich mit 16 spanischen Schiffen unter Admiral <em class="gesperrt">Don José -de Navarro</em> zu vereinigen und dann 15000 Mann von Barcelona nach -Norditalien zu führen (vgl. Seite <a href="#Page_51">51</a>); die englische Flotte sollte dies hindern. -Aber <em class="gesperrt">Haddocks</em> Kreuzer ließen die Spanier aus Cadiz entschlüpfen und -sichteten sie erst beim Cap de Gata. Als dann die Engländer herankamen -(am 19. Dezember neuen Stils), war die Vereinigung mit den Franzosen vor -Barcelona schon erfolgt. Der Kriegsrat auf der nur etwas über halb so starken -englischen Flotte glaubte sowohl von einem Angriff wie selbst von weiterem -Folgen absehen zu müssen, da man der Neutralität der Franzosen nicht -sicher war. Die französisch-spanische Flotte führte den Truppentransport -von Barcelona die französische und italienische Küste entlang nach Genua -und Toskana; sie ging dann nach Toulon, wo sie am 22. Februar 1742 eintraf.</p> - -<p class="small">Das französische Geschwader war, was Schiffe und Besatzungen anbetrifft, in -mangelhaftem Zustande. Die Verfassung des spanischen muß aber, nach französischen -Angaben, ganz trostlos gewesen sein: „Die Schiffe verfallen; die Mannschaft halb -nackt und halb verhungert; viele Kranke; Monate waren nötig, um das Geschwader -in einigermaßen brauchbaren Zustand zu setzen.«</p> - -<p>Die englische Flotte war auch kaum imstande, den Handel wirksam zu -schützen. Da ist es nicht zu verwundern, daß die Fehlschläge im Mittelmeer -im Verein mit den Mißerfolgen der kostspieligen Unternehmungen in -Westindien, sowie der Verlust des Handels dort das englische Volk gegen die -laue Kriegführung <em class="gesperrt">Walpoles</em> aufbrachten und dadurch dessen Rücktritt -herbeiführten. England trat jetzt offen für Österreich auf.</p> - -<p><b>1742 und 1743</b> gewann die Kriegführung im Mittelmeer etwas mehr -Leben. Im Februar 1742 traf eine bedeutende Verstärkung unter Kontreadmiral<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[73]</a></span> -<em class="gesperrt">Lestock</em> ein, der das Kommando für den erkrankten Haddock -übernahm, und Spanien mußte die geplante Absendung eines neuen Truppentransportes -vorläufig aufgeben. Bald darauf, im Mai, wurde der Vizeadmiral -<em class="gesperrt">Mathews</em> Oberbefehlshaber im Mittelmeer. Dieser führte nun während -22 Monaten eine strenge <b>Blockade von Toulon</b> durch, hinderte weiter die Verstärkung -der spanischen Armee in Italien und übte auch einen Druck auf das -Königreich beider Sizilien aus. Der Admiral lag mit der Flotte stets segelfertig -in Villafranca, eine Division unter <em class="gesperrt">Lestock</em> blockierte von den -Hyèrischen Inseln aus Toulon; man erklärte, es gälte nur dem spanischen -Geschwader dort, aber man nahm auch dahin bestimmte französische Handelsschiffe -weg. Die Franzosen brachten die Befestigungen in Kriegszustand, -zogen die Schiffe in den innern Hafen zurück und sperrten die Einfahrt.</p> - -<p>Im Juli 1742 jagte ein englisches Linienschiff 5 spanische Galeren, -die Kriegsvorräte längs der Küste nach Italien bringen wollten, in den -französischen Hafen von <b>St. Tropez</b> und vernichtete sie durch einen Brander, -als sie auf ihren Verfolger feuerten; wenige Monate später wurde diese Stadt -mit Beschießung bedroht, falls sie zwei dort eingelaufene spanische Transporter -beherbergen würde. „Die Vernachlässigung der Marine“, so klagen -französische Schriftsteller „hatte es dahin gebracht, daß Frankreich dieses -alles dulden mußte.“</p> - -<p>Wie erwähnt, hatte der König beider Sizilien Hilfstruppen für Spanien -nach Norditalien gesandt. Im Juli 1742 schickte Mathews den Kommodore -<em class="gesperrt">William Martin</em> mit einem kleinen Geschwader, 4 Kriegsschiffe und -3 Mörserboote, nach <b>Neapel</b>. Martin erschien dort am 19. August mit der -Forderung, diese Truppen zurückzurufen und verlangte unter Androhung -einer Beschießung der Stadt Antwort binnen einer halben Stunde. Der -König konnte nun zwar in der kurzen Frist nicht erreicht werden, da er auf -einem Landgute weilte, erfüllte aber schon am 20. das Verlangen. 1759 bestieg -er als <em class="gesperrt">Karl</em> III. den spanischen Thron; die Erinnerung an die Vergewaltigung -in Neapel zog ihn nun in den beiden nächsten Kriegen auf die Seite Frankreichs. -— <em class="gesperrt">Martin</em> zerstörte bald darauf im genuesischen <em class="gesperrt">Alassio</em> Magazine -für das spanische Heer. Ferner wurden durch englische Schiffe spanische -Transporter in den Häfen der katalonischen Küste vernichtet; 1743 mußte -ein Linienschiff im Hafen von Ajaccio in die Luft gesprengt werden, um -den Engländern nicht in die Hände zu fallen, und <em class="gesperrt">Genua</em> ward gezwungen, -die Ladung von 15 spanischen Transportern, die von Majorka aus in seinen -Hafen eingelaufen waren, nach Corsica zu schaffen, wo die Vorräte bis zum -Friedensschluß lagerten.</p> - -<p><b>1744.</b> Endlich, im Jahre 1743, raffte <b>Frankreich</b> sich auf, als es nach -<em class="gesperrt">Fleurys</em> Tode das Bündnis mit Spanien erneuert hatte; man faßte sogar -nun <b>große Pläne für einen Seekrieg</b>: Vertreibung Englands aus dem Mittelmeer, -Wiedereroberung Minorkas und Gibraltars für Spanien; die Vereinigung -sämtlicher Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern, um hier -die Seeherrschaft zu erringen und durch einen Einfall in Großbritannien<span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[74]</a></span> -die Familie Stuart wiedereinzusetzen, jedenfalls England zum Zurückziehen -seines Heeres vom Festlande zu zwingen.</p> - -<p><b>Versuch einer Landung in England 1744.</b> Im November 1743 begannen -die Rüstungen hierfür. Prinz <em class="gesperrt">Karl Eduard</em> (vgl. Seite <a href="#Page_53">53</a>) sollte mit -16 Bataillonen Infanterie und vier Schwadronen Dragoner — insgesamt -gegen 15 000 Mann — unter dem Marschall Moritz von Sachsen in 32 Transportern -von Dünkirchen nach der Themsemündung, wenn möglich nach -London, übergeführt werden, der Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Comte de Roquefeuil</em> -mit der Brestflotte — 19 Linienschiffe und 5 Fregatten — die englischen -Seestreitkräfte festhalten, sowie Einschiffung und Überfahrt des -Heeres decken. Am 6. Februar 1744 verließ diese Flotte Brest, wurde aber -etwa 10 Tage durch Gegenwind beim Kap Lizard festgehalten. Ein englischer -Kreuzer, der vor Brest lag, hatte schon das Auslaufen des Feindes gemeldet, -ein Begleitschiff eines Konvois nach Westindien brachte wenige Tage später -die Nachricht von seinem Erscheinen vor dem Kanal nach London. In England -scheint man zwar vorher über den französischen Plan nicht genauer -unterrichtet gewesen zu sein, da man sich aber auf den Krieg mit Frankreich -vorbereitet hatte, so vermochte man rechtzeitig eine überlegene Flotte an -den Downs zusammenzuziehen; nämlich 49 Segel, darunter 21 Linienschiffe -von 60 Kanonen aufwärts. <em class="gesperrt">Sir John Norris</em>, der sie kommandierte, -ging jedoch dem Feinde nicht entgegen, da er fürchtete, dieser könne ihm -bei Nacht oder unsichtigem Wetter vorbeilaufen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p075.jpg" width="300" height="392" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p075" id="fig_p075"></a> -<p class="caption">Admiral Thomas Mathews.</p> -</div> - -<p>Am 27. Februar war <em class="gesperrt">Roquefeuil</em> bei der Insel Wight; hier zweigte -er, seiner Order entsprechend, 4 Linienschiffe und eine Fregatte nach Dünkirchen -ab, denen insbesondere die Deckung der Einschiffung und Überführung -zugedacht war, er selber sollte die englischen Schiffe festhalten. -Am 4. (oder 5.) März ankerte er, durch mehrtägigen Sturm aufgehalten, -bei Dungeness. Hier trat ihm am nächsten Tage die englische Flotte entgegen; -zum Glück für die Franzosen war sie jedoch genötigt, wegen schwachen -Windes zu ankern, als sie schon auf sechs Seemeilen heran war, weil die Flut -einsetzte. Der sofort berufene Kriegsrat des französischen Geschwaders -beschloß, das Unternehmen aufzugeben. Bei Eintritt der Ebbe und gleichzeitig -der Dunkelheit ging man schleunigst unter Segel und hatte das -Glück, daß mit der Ebbe starker nordwestlicher Wind aufkam, der bald zum -Sturm wurde. Als <em class="gesperrt">Norris</em> am andern Morgen die Flucht des Gegners bemerkte, -war keine Aussicht mehr, ihn einzuholen. Die Franzosen erreichten, wenn -auch mehr oder weniger vom Sturm beschädigt, Brest; nur die Wetterverhältnisse -hatten sie aus einer argen Klemme befreit. Die nach Dünkirchen abgezweigten -Schiffe waren am 29. Februar dort angekommen und man hatte sogleich -mit der Einschiffung der Truppen begonnen. Die Leute mußten mit Fischerbooten -und Küstenfahrzeugen an Bord der auf der Rhede liegenden Transporter -gebracht werden, was schon bei mäßig starkem Wind und Seegang sehr gefährlich -war. So richtete der Sturm am 6. und 7. März natürlich viel Unheil -an; mehrere Boote sowie auch Transporter sanken oder wurden auf den<span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[75]</a></span> -Strand geworfen. Als die Nachricht vom Rückzug der Flotte eintraf, schiffte -man die Truppen wieder aus und die Kriegsschiffe gingen nach Brest.</p> - -<p>So war der Plan eines Einfalls in England gescheitert; ähnlich wie die -früheren war er aussichtslos gewesen. Wenn auch England beträchtliche -Seestreitkräfte im Mittelmeer und in Westindien hatte, so verblieben ihm -doch genug, um Roquefeuil mit Erfolg entgegenzutreten.</p> - -<p><b>Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.</b> Im Mittelmeer war inzwischen -die erste Seeschlacht geschlagen. Lieutenant-Général <em class="gesperrt">de Court</em> erhielt -im November 1743 Befehl, das spanische Geschwader nach Genua (oder -nach spanischen Häfen?) zu geleiten; -Admiral <em class="gesperrt">Navarro</em> war -jedoch nicht geneigt, in See zu -gehen und auch die französische -Flotte scheint noch nicht bereit gewesen -zu sein. Erst im Januar 1744 -unternahm <em class="gesperrt">de Court</em> eine kurze -Erkundungs- oder Übungsfahrt vor -dem Hafen, bei der er von <em class="gesperrt">Mathews</em> -höflich salutiert wurde. Dieser -hatte kurz vorher in Turin, wo er -über gemeinsames Handeln mit -dem Landheer beriet, die falsche -Nachricht erhalten, die Brestflotte -sei in See gegangen und die französisch-spanische -Flotte wolle auslaufen, -um sich mit ihr zu vereinigen. -Er zog deshalb alle Schiffe -im Mittelmeer bei den Hyèrischen -Inseln zusammen, übernahm selber -die Leitung der Blockade von -Toulon und trat der feindlichen -Seemacht entgegen, die am 19. Februar auf die äußere Rhede gegangen war -und am 21. in See erschien. Der französische Oberbefehlshaber hatte, wie -der Admiral d'Antin 1740 in Westindien, Anweisung, nur zu fechten, wenn -er angegriffen würde; die Instruktionen des englischen Admirals werden -diesem dagegen auch den Angriff gestattet haben.</p> - -<p><b>Die englische Flotte</b> unter <em class="gesperrt">Thomas Mathews</em><a name="FNAnker_49_49" id="FNAnker_49_49"></a><a href="#Fussnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> zählte 28 Linienschiffe -zu 60 Kanonen und darüber; die Vorhut führte Kontreadmiral <em class="gesperrt">Rowley</em>,</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[76]</a></span></p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p076.jpg" width="267" height="600" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p076" id="fig_p076"></a> -<p class="caption">Plan zur Schlacht vor Toulon.</p> -</div> - -<table summary="p76"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="5"><b>Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="td22">Englische</td> - <td class="td17"></td> - <td class="td17" colspan="2">Französisch-Spanische</td> - <td class="td23"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td16"><img src="images/deco_p076_1.jpg" width="23" height="10" - alt="deco" - title="deco" /></td> - <td></td> - <td class="tdc"><img src="images/deco_p076_2.jpg" width="19" height="10" - alt="deco" - title="deco" /></td> - <td class="tdc"><img src="images/deco_p076_3.jpg" width="20" height="10" - alt="deco" - title="deco" /></td> - <td class="td24"></td> -</tr> - <tr> - <td class="td13">Flotte</td> - <td class="td12"></td> - <td class="td12" colspan="2">Flotte</td> - <td class="td25"></td> - </tr> - <tr> - <td class="td9">Schiffe</td> - <td class="td9">Kanonen</td> - <td class="td9" colspan="2">Schiffe</td> - <td class="td26">Kanonen</td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5">Vorhut</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Castle</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Borée</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Warwick</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td28" colspan="2">Toulouse</td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Nassau</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Duc d'Orleans</td> - <td class="td27"> 74</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Barfleur</td> - <td class="td16">90</td> - <td class="td28" colspan="2">Espérance</td> - <td class="td27"> 74</td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">(Adm. Rowley)</td> - <td class="td16"> </td> - <td class="td16" colspan="2">(Adm. Gabaret)</td> - <td class="td27"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Caroline</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Trident</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Berwick</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Alcion</td> - <td class="td27"> 54</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Chichester</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Aquilon</td> - <td class="td27"> 48</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Boyne</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Eole</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Kingston</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td28" colspan="2"> </td> - <td class="td27"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5">Mitte</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Dragon</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td28" colspan="2">Furieux</td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Bedford</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Serieux</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Somerset</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Ferme</td> - <td class="td27"> 74</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Princesa</td> - <td class="td16">74</td> - <td class="td28" colspan="2">Tigre</td> - <td class="td27"> 50</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Norfolk</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Terrible</td> - <td class="td27"> 74</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Namur</td> - <td class="td16">90</td> - <td class="td16" colspan="2">(Adm. de Court)</td> - <td class="td27"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">(Adm. Mathews)</td> - <td class="td16"> </td> - <td class="td28" colspan="2">St. Esprit</td> - <td class="td27"> 74</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Marlborough</td> - <td class="td16">90</td> - <td class="td28" colspan="2">Diamant</td> - <td class="td27"> 50</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Dorsetshire</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Solide</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Essex</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Oriente<a href="#Fussnote_1_4" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Rupert</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td28" colspan="2">America<a href="#Fussnote_1_4" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Royal Oak</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Neptuno<a href="#Fussnote_1_4" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td27" colspan="5">Nachhut</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Dunkirk</td> - <td class="td16">60</td> - <td class="td28" colspan="2">Poder</td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Cambridge</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Constante</td> - <td class="td27"> 70</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Torbay</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Real Felipe</td> - <td class="td27">114</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Neptune</td> - <td class="td16">90</td> - <td class="td16" colspan="2">(Adm. Navarro)</td> - <td class="td27"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="td16">(Adm. Lestock)</td> - <td class="td16"> </td> - <td class="td28" colspan="2">Isabela</td> - <td class="td27"> 80</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Russel</td> - <td class="td16">80</td> - <td class="td28" colspan="2">Hercules</td> - <td class="td27"> 64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Buckingham</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Retiro</td> - <td class="td27">54</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Elisabeth</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Brillante</td> - <td class="td27"> 60</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28">Revenge</td> - <td class="td16">70</td> - <td class="td28" colspan="2">Fernando</td> - <td class="td27">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="td28"> </td> - <td class="td16"> </td> - <td class="td28" colspan="2">Sobiero</td> - <td class="td27">60</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_4" id="Fussnote_1_4"></a><span class="label">1)</span> Spanische Schiffe, die der Division de Court zugeteilt waren.</p> - -<p>Zu den Schiffen der Tabelle traten als nicht in die Schlachtlinie -eingestellt: bei den Engländern 5 Schiffe mit 50, 2 mit 40, 2 mit 20 -Kanonen und 2 Brander; bei den Verbündeten 4 Schiffe mit 20 Kanonen und 3 -Brander.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[77]</a></span></p> - -<p class="noindent">die Nachhut Vizeadmiral <em class="gesperrt">Lestock</em><a name="FNAnker_50_50" id="FNAnker_50_50"></a><a href="#Fussnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a>. <b>Die verbündete Flotte</b> unter -<em class="gesperrt">de Court</em><a name="FNAnker_51_51" id="FNAnker_51_51"></a><a href="#Fussnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a> bestand gleichfalls aus 28 Linienschiffen; die Vorhut führte -der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Gabaret</em>, die Nachhut Admiral <em class="gesperrt">Navarro</em>. Diese -bestand aus den spanischen Schiffen, von denen jedoch drei der Mitte zugeteilt -waren. Man sagt, de Court habe sie sämtlich zwischen die französischen -Schiffe verteilen wollen, doch sei Navarro hierauf nicht eingegangen. An -Zahl der Linienschiffe waren beide Flotten gleich, aber die Engländer besaßen -schwerere Schiffe und ihre Überlegenheit wurde dadurch noch größer, -daß sie über 4 Schiffe zu 50 Kanonen, 2 zu 40, sowie 2 zu 20 (dazu 2 Brander) -verfügten, die auf die Divisionen verteilt waren, während die Gegner zwei -Schiffe zu 50 Kanonen in die Linie eingestellt hatten und außer der Linie -nur 4 Schiffe zu 20 Kanonen (sowie drei Brander) besaßen (vgl. die Angaben -auf der Skizze der Schlacht). Die Überlegenheit der Engländer kam aber -nicht zur Geltung, da sich ihre Nachhut nicht am Kampfe beteiligte.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf der Schlacht vor Toulon</b><a name="FNAnker_52_52" id="FNAnker_52_52"></a><a href="#Fussnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a>. Die französisch-spanische Flotte hatte -schon am 20. Februar auslaufen wollen, sah sich jedoch durch den Zusammenstoß -zweier Schiffe zum Wiederankern genötigt. Die englische Flotte hatte an diesem Tage -gleichfalls Anker gelichtet, gegen schwachen westlichen Wind aufgekreuzt und abends -wieder in der Bucht von Hyères geankert. Am 21. gingen die Verbündeten in See; -die Engländer versuchten heranzukommen; dies war ihnen aber bei dem zu schwachen, -jetzt östlichen Winde mit schwerem westlichen Seegange nicht möglich; sie konnten -nicht einmal eine gute Ordnung einnehmen. Am Abend gab <em class="gesperrt">Mathews</em>, 4–5 Seemeilen -vom Feinde entfernt, den Befehl zum Beidrehen; <em class="gesperrt">Lestock</em> stand mit der -Nachhut noch weit von der Mitte ab, dennoch folgte er dem Befehle, anstatt erst näher -heranzusegeln. Während der Nacht vergrößerte der Feind die Entfernung, ohne daß -die englischen Beobachtungsschiffe es bemerkten. Am 22. bei Tagesanbruch standen -die Engländer in loser Ordnung — über neun Seemeilen vom vordersten bis zum hintersten -Schiffe — etwa 12 Seemeilen SSO. vom Kap Sicié und acht Seemeilen nordöstlich -vom Gegner, der bei leichtem östlichem Winde in Kiellinie über Steuerbordbug -nach Süd steuerte. <em class="gesperrt">Lestock</em> mehrte nun allerdings sofort Segel, um zur Mitte heranzukommen; -da aber <em class="gesperrt">Mathews</em> schon um 6½ Uhr vormittags den Befehl zum Segelmehren -für die ganze Flotte gab, blieb die Nachhut auch weiterhin etwa fünf Seemeilen -von der Mitte ab. Um 8 Uhr folgte der Befehl, über Steuerbordbug die Kiellinie zum -Angriff zu bilden, und als dieses Manöver, infolge des flauen Windes nur langsam und -unvollständig, um 11½ Uhr von Vorhut und Mitte ausgeführt war, auch das Signal<span class="pagenumsmall"><a name="Page_78" id="Page_78">[78]</a></span> -„Angreifen“, wobei jedoch das für „Kiellinie“ wehen blieb; <em class="gesperrt">Lestock</em> beantwortete das -Signal „Angreifen“ nicht. Die Verbündeten waren in leidlich guter Ordnung, nur die -Nachhut stand etwas zurück und in dieser wieder die letzten fünf Schiffe.</p> - -<p class="small">Langsam überholten die Engländer den Gegner. Um 1 Uhr nachmittags war -<em class="gesperrt">Mathews</em> („Namur“) querab von <em class="gesperrt">Navarro</em> („Real Felipe“) und <em class="gesperrt">Rowley</em> -„Barfleur“) von <em class="gesperrt">de Court</em> („Terrible“). Jetzt hielt Mathews mit dem Flaggschiff -aus der Kiellinie ab und legte sich auf Pistolenschußweite neben Navarro; er ward -unterstützt durch seinen Vordermann „Norfolk“ und seinen Hintermann „Marlborough“, -die „Constante“ und „Isabela“ angriffen. Die Besorgnis, der Gegner könne sich dem -Kampfe entziehen, verleitete <em class="gesperrt">Mathews</em> zum Angriff, ehe die Flotte in guter Ordnung -und ehe die Nachhut herangekommen war. Admiral <em class="gesperrt">Rowley</em> folgte dem Beispiel -und hielt auf <em class="gesperrt">de Court</em> ab, auch er wurde durch seine beiden Hinterleute unterstützt; -hier fochten also „Barfleur“, „Prinzeß Carolina“ und „Berwick“ gegen „Terrible“, -„Esprit“ und „Diamant“. Das Gefecht scheint jedoch ein laufendes gewesen zu sein -(auch nicht auf so nahe Entfernung wie bei Mathews), denn die Lücke zwischen -Nachhut und Mitte der Verbündeten vergrößerte sich; der Kampf der englischen Schiffe -mit den spanischen erfolgte dagegen mit kleiner Fahrt, und die letzten fünf Spanier -kamen infolgedessen nach und nach auf.</p> - -<p class="small">Die sämtlichen übrigen englischen Schiffe beteiligten sich, wenig oder gar nicht am -Kampfe. Die drei Spitzenschiffe der Vorhut griffen nicht an, denn sie wollten dadurch -die Vorhut der Verbündeten hindern, zu wenden und dann die englische Flotte von -Luward her zu dublieren. Die drei Schiffe hinter „Berwick“ blieben auch in der Kiellinie -und so weit ab, daß sie nur ein wenig erfolgreiches Feuer mit den drei Spaniern wechseln -konnten, die als letzte der französischen Mitte zugeteilt waren. Ebenso verfuhren die vier -ersten Schiffe der englischen Mitte, die nur anfangs auf die ebenerwähnten Spanier -und dann auf „Poder“ feuerten; dieser scheint schwer beschädigt worden zu sein. Von -den letzten vier Schiffen der englischen Mitte (Dorsetshire und Hinterleute) berichten -die Quellen beim ersten Angriff nichts; da sie ihren Platz in der Kiellinie nicht verließen -und da ihre Gegner noch nicht heranwaren, blieben sie wohl ganz untätig.</p> - -<p class="small">Hervorzuheben ist das Verhalten des Kapitäns <em class="gesperrt">Hawke</em>, des später berühmten -Flottenführers. Als Kommandant des „Berwick“ hatte er den weit schwächeren -„Diamant“ gegenüber, der dem Kampf auswich; als er nun sah, daß „Poder“ zwar -lebhaft beschossen, aber doch nicht im Nahkampf angegriffen war, verließ er seinen -Platz in der Vorhut, segelte zu dem genannten Schiffe nahe heran und zwang es zur -Übergabe. Heiß war der Kampf bei <em class="gesperrt">Mathews</em>. Zwar trieb „Norfolk“ den „Constante“ -nahezu als Wrack aus der Linie und „Real Felipe“ sowie „Isabela“ erlitten großen -Verlust an Mannschaft, aber auch die englischen Schiffe wurden so schwer in der Takelage -beschädigt, daß sie ihren Vorteil nicht ausnutzen konnten. Der Admiral gab einem -Brander den Befehl, das spanische Flaggschiff anzuzünden. Dieser ging unter furchtbarem -Feuer des Gegners vor, als er jedoch, schon fast sinkend, genötigt war, selber -zu schießen, um spanische Boote abzuwehren, geriet er durch das eigene Feuer in Brand -und flog auf, ehe er sein Opfer erreicht hatte.</p> - -<p class="small">Etwa drei Stunden waren verflossen, seit Mathews den Kampf begonnen hatte, -da gab <em class="gesperrt">de Court</em> seiner Vorhut und Mitte den Befehl zu wenden, um den Spaniern -Hilfe zu bringen; die englische Vorhut wendete gleichfalls. Zu dieser Zeit waren die -fünf letzten Spanier aufgesegelt und griffen in das Gefecht bei ihrem Admiral ein; -<em class="gesperrt">Lestock</em>, der nun auch näher herangelangt war, bemühte sich infolge zu flauen -Windes mit schwerer See vergeblich, dies zu hindern. Jetzt brach <em class="gesperrt">Mathews</em> den -Kampf ab und gab das Signal, die Kiellinie über Backbordbug zu bilden; er wollte -vor allem die Ordnung herstellen, weil er eine Wiederaufnahme des Kampfes durch -die langsam herankommenden Franzosen erwartete. Das Manöver erfolgte und führte -zu einem Gefecht zwischen den letzten Schiffen der englischen Mitte und den letzten -Spaniern, als sie sich auf entgegengesetzten Kursen begegneten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[79]</a></span></p> - -<p class="small">Die Franzosen, die beim Herankommen den entmasteten „Poder“ wiedergenommen -hatten, waren in Unordnung geraten, und die spanischen Schiffe lagen in einem wirren -Haufen um ihren Admiral. Infolge des flauen Windes hatten alle Manöver sehr viel -Zeit gekostet: das Wenden der Schiffe (viele hatten halsen müssen), das Abbrechen des -Kampfes seitens der Engländer („Marlborough“ mußte mit Booten weggeschleppt -werden), das Entwirren auf beiden Seiten. So brach die Nacht herein, ehe die Ordnung -hergestellt war, und der Kampf war zu Ende.</p> - -<p class="small">Die Gegner lagen die Nacht über in Sicht voneinander. Am anderen Morgen -stieß das englische Schiff „SSomerset“ auf das spanische „Hercules“; beide waren -von ihren Flotten versprengt. Der Engländer griff an, mußte jedoch bald abbrechen, -da einige Franzosen herankamen.</p> - -<p class="small">Die <em class="gesperrt">Verluste</em> waren <em class="gesperrt">auf englischer Seite</em> nicht groß. Zwar waren -drei Schiffe stark beschädigt (Mathews mußte am nächsten Tage seine Flagge auf einem -anderen setzen), aber der Mannschaftsverlust war unbedeutend. Von den hauptsächlich -beteiligten Schiffen hatten die drei der Vorhut etwa 80, die drei der Mitte 200 Tote -und Verwundete (davon „Marlborough“ allein 160), darunter zwei Kommandanten. -<em class="gesperrt">Die Spanier</em> verloren den „Poder“, der zwar zurückerobert war, aber am nächsten -Tage wegen Seeuntüchtigkeit verbrannt werden mußte; die am Kampf beteiligten -Schiffe hatten sehr gelitten, „Real Felipe“ mußte geschleppt werden. Der Mannschaftsverlust -war sehr bedeutend, so hatten z. B. „Isabela“ 300, „Real Felipe“ 500 Tote und -Verwundete. Der Kommandant des Flaggschiffes wurde schon bei Beginn des Kampfes -schwer verwundet; nach französischen Angaben verließ mit ihm auch der leicht getroffene -Admiral das Deck, und nur dem zweiten Kommandanten, einem französischen -Seeoffizier <em class="gesperrt">de Lage</em>, soll der heldenmütige Widerstand des Schiffes zu danken sein. -Der <em class="gesperrt">Verlust der Franzosen</em> ist nicht bekannt. Er wird unbedeutend gewesen -sein; die französischen Quellen bezeichnen nämlich das Feuergefecht, das ihre Schiffe -führten, als „ziemlich matt“, und die englischen Schiffe, die mit ihnen fochten, haben -ja auch nur geringe Verluste gehabt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht blieb taktisch unentschieden</em>; beide -Flotten behaupteten vorläufig das Feld. Meist wird sie als ein Sieg der Engländer -bezeichnet, doch nicht mit Recht. Allerdings gaben die Verbündeten -die Fahrt nach Genua auf — falls sie diese überhaupt beabsichtigt haben —, -aber sie nahmen am 23. Februar Kurs nach Spanien, wobei die Franzosen -zwischen den Spaniern und dem Gegner segelten, und kamen unbelästigt nach -Cartagena; die französische Flotte ging dann im April gleichfalls ungestört -nach Toulon zurück, auf der Fahrt fielen ihr einige englische Kauffahrer in -die Hände. Hieraus sowie aus dem längeren Stilliegen der englischen Flotte -in Port Mahon leiten die Franzosen als Erfolg der Schlacht ab, daß sie für -einige Zeit die See freigemacht hätten. <em class="gesperrt">Mathews</em> war nämlich am 23. dem -Feinde gefolgt, gab dies aber am nächsten Tage auf. Er hatte erfahren, daß -in Spanien neue Verstärkungen für das Heer in Italien zusammengezogen -seien, und wollte diesen nicht dadurch den Weg freigeben, daß er sich nach -Süden abziehen ließ. Hätte er die Verfolgung fortgesetzt, so wären ihm wahrscheinlich -einige der in der Takelage beschädigten Schiffe zum Opfer gefallen -oder der Feind hätte sich aufs neue zum Kampf stellen müssen, um diese zu -decken. So aber zeigte sich <em class="gesperrt">Mathews</em> nur noch in der Bucht von Rosas -und ging dann nach Port Mahon; hier entsetzte er <em class="gesperrt">Lestock</em> vom Kommando -und sandte ihn nach England.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[80]</a></span></p> - -<p><b>Die Bedeutung der Schlacht vor Toulon für die Seekriegsgeschichte</b> liegt -nicht in ihren kriegerischen Ergebnissen, sondern in dem Einblick, den sie in -den Stand der Taktik (vgl. Seite <a href="#Page_36">36</a>) und in einige Verhältnisse der Marinen -gewährt. <em class="gesperrt">In England</em> war man entrüstet über ihren geringen Erfolg, -und auf Drängen des Parlaments wurden Mathews, Lestock sowie elf Kommandanten -der Vorhut und Mitte in <em class="gesperrt">kriegsgerichtliche Untersuchung</em><a name="FNAnker_53_53" id="FNAnker_53_53"></a><a href="#Fussnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a> -gezogen. Dem Flottenchef warf man grobe Verstöße gegen die -Gefechtsvorschriften vor. Diese verlangten bekanntlich, die Flotte in Kiellinie -neben die feindliche Linie zu führen, Spitze neben Spitze, und dann -Schiff gegen Schiff zum Angriff abzuhalten, jedes Schiff sollte bis dahin auf -seinem Platze in der Linie bleiben. <em class="gesperrt">Mathews</em> hatte aber das Beispiel für -den Angriff gegeben, ehe Spitze gegen Spitze stand; durch kriegsgerichtlichen -Spruch wurde er kassiert. Allerdings hat er gegen den Buchstaben der Vorschrift -verstoßen, aber er handelte doch mit Überlegung und würde voraussichtlich -großen Erfolg gehabt haben, wenn seine Untergebenen ihm sämtlich -gefolgt wären. Der Augenblick zum Angriff war sicher günstig gewählt. Die -Schiffe beim spanischen Admiral waren dem Angriff der ganzen englischen -Mitte ausgesetzt; gegen das Zurückkommen der Franzosen, das bei dem -flauen Winde lange gewährt haben würde, deckte die Vorhut, und die zurückgebliebenen -spanischen Schiffe wären zur Unterstützung zu spät gekommen, -auch würde ihnen die englische Nachhut entgegengetreten sein, wenn Lestock -sofort mit raumem Winde abgehalten hätte. Der Admiral wurde ein Opfer -des Streites zwischen den Verteidigern einer freieren Auffassung und denen -der schematischen Befolgung der taktischen Vorschriften, bei dem diese die -Überhand behielten. Die Verurteilung des Admirals <em class="gesperrt">Mathews</em> trug aber -dazu bei, daß von nun an die englischen Flottenführer sich peinlich an den -Wortlaut der Vorschriften hielten, und <em class="gesperrt">Clerk</em> (vgl. Quellenverzeichnis) sagt -in seinem berühmten Werke über Taktik mit Recht: „Dieses kriegsgerichtliche -Urteil muß als die eigentliche Quelle der späteren Mißerfolge zur See -angesehen werden.“ Die erste Schlacht im nächsten Kriege (bei Minorka -1756) wird ein schlagendes Beispiel hierfür geben. — Der Admiral <em class="gesperrt">Lestock</em> -und die 11 Schiffskommandanten wurden der Nichtbefolgung der Befehle -oder der mangelhaften Beteiligung am Kampfe angeklagt. <em class="gesperrt">Lestock</em> führte -an, daß die beiden Signale: „Kiellinie bilden (bzw. halten)“ und „Angreifen“ -gleichzeitig geweht hätten. Er habe mithin den zweiten Befehl nicht ausführen -können, ohne gegen den ersten zu verstoßen, auch sei ja die Flotte -noch nicht in der für den Angriff vorgeschriebenen Stellung gewesen. Auf -diese künstliche Verteidigung hin wurde er freigesprochen.</p> - -<p class="small">Die englischen Quellen urteilen schroff über <em class="gesperrt">Lestock</em>. So schreibt Clowes, -Lestock habe sich wohl gesagt: „Laß <em class="gesperrt">Mathews</em> tun, was er will; wenn es auch zum -Schaden ausschlägt, halte ich mich an die Vorschrift und bin so sicher.“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[81]</a></span></p> - -<p>Von den <em class="gesperrt">angeklagten Kapitänen</em> starb einer, ein anderer -wurde fahnenflüchtig, zwei (die von „Somerset“ und „Princesa“) wurden -freigesprochen; sieben aber wurden entlassen oder im Dienstalter zurückgesetzt. -Von den Entlassenen stellte der König drei sofort wieder an; es waren -dies die Kommandanten der 3 Spitzenschiffe, die nicht angegriffen hatten, -um die französische Vorhut am Dublieren zu hindern. Das schwächliche Verhalten -der übrigen Angeschuldigten hat wohl tatsächlich seinen Grund darin -gehabt, daß sie bei der Wahl zwischen dem Befolgen des Beispiels ihres Admirals -und dem Festhalten an der Norm nicht zum Entschluß kommen konnten; -jedenfalls zeigt ihr Benehmen Mangel an Verständnis für die Absichten ihres -Führers und läßt zu dieser Zeit den alten Schneid im englischen Offizierkorps -vermissen.</p> - -<p class="small">Hieraus sind <b>wichtige Lehren</b> zu ziehen. <em class="gesperrt">Mahan sagt</em> (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_256">256</a> ff., -hier gekürzt): „Die Untüchtigkeit der englischen Kommandanten, die sich hier, aber -auch bei anderen Gelegenheiten zeigte, erklärte zum Teil, daß England aus seiner -Überlegenheit zur See in diesem Kriege nicht den vollen Nutzen zog. Man kann nun -nicht annehmen, daß so viele englische Seeleute aus Feigheit — einer so niedern und -seltenen Untugend — versagt haben; vielmehr trug Mangel an geistiger Vorbereitung -und an militärischer Leistungsfähigkeit die Schuld daran. Dies gibt allen Offizieren -die Lehre, wie notwendig es ist, im Frieden den Geist durch das Überdenken der -Lagen, in die sie im Kriege kommen können, vorzubereiten und zu festigen, damit -die Stunde des Kampfes sie nicht unvorbereitet findet und vielleicht in Unehre bringt.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Wir müssen wohl noch hinzufügen</em>, daß die Offiziere auch im -Frieden durch möglichst kriegsmäßige Gefechtsmanöver hierin zu unterstützen sind. -Die englischen Kommandanten in der Schlacht vor Toulon verstanden die Absicht -ihres Chefs nicht; Manöver im Frieden müssen anstreben, ein gegenseitiges Verstehen -zwischen Vorgesetzten und Untergebenen herbeizuführen, die Entschlußfähigkeit zu -fördern, sowie endlich und nicht am wenigsten dahin zu wirken, daß die formale Taktik -nicht verknöchert, sondern als eine angewandte im Geiste aller selbständigen -Führer lebt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Mahan führt weiter an</em>: „Auch hat vielleicht das teilweise vorhandene -Übelwollen der Kommandanten gegen ihren schroffen Vorgesetzten mitgewirkt. Es -ist wohl am Platze, auf den Einfluß einer gewissen Herzlichkeit und des Wohlwollens -seitens der Vorgesetzten gegen ihre Untergebenen hinzuweisen. Sie gehören vielleicht -nicht notwendig zum militärischen Erfolge, aber sie geben dem zu diesem nötigen -Elemente einen belebenden Hauch, der möglich macht, was sonst unmöglich wäre. Sie -erzeugen einen Grad von Hingebung und Heldentum, den die schärfste, aber nicht so -veredelte Manneszucht niemals erreicht. Zweifellos ist dies natürliche Anlage beim -Vorgesetzten; wohl das leuchtendste Beispiel dieser Art unter den Seeleuten war -Nelson.“</p> - -<p>Auch für die anderen Marinen bieten die Ereignisse der Schlacht Bemerkenswertes. -In <em class="gesperrt">Frankreich</em> und in <em class="gesperrt">Spanien</em> erregte ihr Verlauf gleichfalls -Entrüstung. Spanien beschwerte sich über ungenügende Unterstützung -seiner Schiffe durch die Franzosen. Der Admiral <em class="gesperrt">de Court</em> wandte dagegen -ein, die Unordnung im spanischen Geschwader habe den Angriff der Engländer -überhaupt nur hervorgerufen, er habe dann Navarro vor der Vernichtung -bewahrt. Trotzdem wurde de Court vom Kommando abgelöst und nicht -mehr verwendet, wenn er auch noch 1750 den Titel des Viceadmirals du Ponant<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[82]</a></span> -erhielt. Gegenüber dem Schicksal Mathews und de Courts wirkt der Umstand -fast erheiternd, daß der spanische Admiral <em class="gesperrt">Navarro</em> „wegen seines Sieges“ -zum Vizeadmiral befördert wurde.</p> - -<p>Die völlige Untätigkeit der französischen Schiffe, die nicht selber angegriffen -wurden, bleibt allerdings auffällig. Keine Quelle spricht sich über -den Grund hierfür aus, nur <em class="gesperrt">Lacour</em> deutet an, daß die Kommandanten -vielleicht unter dem Einfluß des Befehls für den Admiral gestanden hätten: -nur zu fechten, wenn er angegriffen werde. Dies wäre seltsam, denn ihr Admiral -war ja im Kampfe. Erwarteten sie nun trotzdem ausdrücklichen Befehl -zum Eingreifen; wagten sie ohne solchen nicht, die Linie zu verlassen; hielten -sie den Versuch, an den zu Luward stehenden Feind heranzukommen, bei -dem flauen Winde für aussichtslos? Einige Quellen (Mahan; Chevalier I, -vgl. Quellenverzeichnis) sagen, de Court habe schon, ehe er später mit der -ganzen Flotte wendete, der Vorhut Befehl zum Wenden gegeben, um den -Gegner zu dublieren. Wenn dies richtig ist, warum befolgte <em class="gesperrt">Gabaret</em>, -der Führer der Vorhut, den Befehl nicht? Hielt auch er es bei den Windverhältnissen -für unausführbar oder sah er sich tatsächlich durch das Verhalten -der englischen Spitzenschiffe daran gehindert?</p> - -<p>Vielleicht sprach ein anderer wichtiger Umstand bei dem Verhalten der -französischen Schiffe mit. Wir erwähnten schon, daß während der langen -Friedenszeit die Beförderung in der französischen Marine vollständig stockte. -Nun gibt Lacour (Seite 464 ff.) Personalangaben über die Offiziere der in den -Kriegen Ludwigs XV. verwendeten Schiffe. Danach war bei Toulon der -Admiral de Court 78 Jahre alt, Admiral Gabaret hatte eine Dienstzeit von -56 Jahren, die eine Hälfte der Kommandanten eine solche von 52, die andere -von 40–45 Jahren; es kommen mithin, wenn man den Diensteintritt mit -15 Jahren annimmt, Lebensalter von 70–67 und 55–60 heraus, und wir -wissen, daß die Offiziere seit langen Jahren wenig zur See gefahren hatten. -Da konnte man hervorragende Unternehmungslust von den französischen -Kommandanten allerdings wohl kaum erwarten. Der englische Admiral Rowley -war 54 Jahre alt; die Kommandanten, die sich besonders auszeichneten, -der des „Berwick“ zählte 39, der des „Norfolk“ 30 Jahre.</p> - -<h5>Der Krieg in den europäischen Gewässern 1744–1748.</h5> - -<p>Erst nach der Schlacht vor Toulon erklärte Frankreich am 15. März 1744 -den Krieg, England antwortete am 29. Es forderte jetzt von Holland die vertragsmäßige -Hilfe, die jedoch nur schwach ausfiel<a name="FNAnker_54_54" id="FNAnker_54_54"></a><a href="#Fussnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a>.</p> - -<p><b>Das Jahr 1744</b> brachte weder im Atlantik noch im Mittelmeer Ereignisse -von Bedeutung, obgleich größere Flotten beider Gegner tätig waren. Von -England gingen im Frühjahr Verstärkungen nach Ostindien (Kommodore<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[83]</a></span> -<em class="gesperrt">Barnet</em>), sowie nach Westindien (Vizeadmiral <em class="gesperrt">Davers</em>) ab. Ferner segelten -im April ein Konvoi Kauffahrer und mehrere Transporter mit Vorräten -für die Mittelmeerflotte und die österreichisch-sardinische Armee unter dem -Schutz des Vizeadmirals <em class="gesperrt">Hardy</em> mit 11 Linienschiffen nach <em class="gesperrt">Lissabon</em>; -Hardy führte seine Schutzbefohlenen nach Lissabon, von wo sie unter -schwächeren Bedeckungen gruppenweise ihre verschiedenen Wege einschlagen -sollten, und kehrte im Mai nach England zurück; aber bald nachdem er Lissabon -verlassen hatte, wurden die Kauffahrer und Transporter dort von einem -französischen Brestgeschwader, 14 Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre -<em class="gesperrt">Rochambeau</em>, blockiert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Kanal</em> standen die englischen Seestreitkräfte, die den Handel in -und vor diesem Meere schützen sollten, unter dem Admiral <em class="gesperrt">Sir John Balchen</em>. -Als Anfang August das holländische Hilfsgeschwader zu diesem stieß, -unternahm er mit 14 englischen und 8 holländischen Linienschiffen eine Kreuztour -vor dem Kanal, auf der am 23. August 6 reichbeladene französische Westindienfahrer -gefangen wurden. Anfang September erhielt Balchen Kenntnis -von der Blockade Lissabons, ging dorthin und führte die Transporter nach -<em class="gesperrt">Gibraltar</em>; Rochambeau hatte beim Nahen der Engländer die Blockade -aufgegeben und war in Cadiz eingelaufen; Balchen segelte, ohne auf den Feind -zu stoßen, nach England zurück.</p> - -<p class="small">Auf dieser Rückfahrt zerstreute ein schwerer Sturm am 13. Oktober 1744 die Flotte, -und <em class="gesperrt">das Flaggschiff „Victory“ ging mit der ganzen Mannschaft -verloren</em>. Es galt als das stolzeste und beste Kriegsschiff jener Zeit, -führte 110 Kanonen und gegen 1000 Mann, darunter 50 Volontäre aus guten Familien. -Der Unfall wurde vielfach auf Konstruktionsfehler zurückgeführt und als ein Beispiel -für die Unhandlichkeit und Unsicherheit der großen Dreidecker angesehen. Wahrscheinlich -aber ist das Schiff auf Klippen in der Nähe von Alderney gescheitert; man -hat auf der Insel Notschüsse gehört.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Mittelmeer</em> hatte die englische Flotte ihre durch die Schlacht -vor Toulon erlittenen Beschädigungen in Mahon ausgebessert und dann die -Beobachtung der französischen Flotte in Toulon, die der spanischen in Cartagena, -die Unterbindung der Zufuhren nach Italien und vor allem auch den -Schutz des englischen Handels wieder aufgenommen; <em class="gesperrt">Mathews</em> wurde im -September nach England zurückgerufen, und <em class="gesperrt">Rowley</em> übernahm das Kommando. -In Spanien erwartete man um diese Zeit die Rückkehr der Silberflotte. -Um deren Eintreffen zu sichern, lief Ende September ein französisches -Geschwader von 16 Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Gabaret</em> -von Toulon aus; es sollte sich mit der spanischen Flotte oder mit <em class="gesperrt">Rochambeau</em> -vereinigen. Rowley erhielt erst nach 14 Tagen hiervon Nachricht; er -ging mit einem Teil seiner Flotte zur spanischen Küste und bis Gibraltar, -fand hier die erwähnten Transporter, stieß aber nicht auf den Feind. Scheinbar -ist Rochambeau von Cadiz aus dem Toulongeschwader entgegengegangen, -infolge eines schweren Sturmes aber segelten beide nach ihren Ausgangshäfen -zurück, ehe sie sich getroffen hatten. Vom Toulongeschwader wurde eine -Division (Chevalier <em class="gesperrt">de Caylus</em>) nach Westindien abgezweigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[84]</a></span></p> - -<p class="small">Die Angaben über 1744 und 1745 sind in den englischen wie in den französischen -Quellen ungenau und lückenhaft. So führen die englischen Quellen und auch Troude -den Admiral Gabaret als Chef des erwähnten Geschwaders an, während er nach Lacour -bereits am 21. Juni 1744 gestorben ist, kurz nachdem er für de Court das Kommando -in Toulon übernommen hatte. Lacour sagt, der Minister Maurepas sei im Mai in Toulon -gewesen, um verschiedene Mängel abzustellen. Nach Gabarets Tode habe er dann -keinen neuen Oberbefehlshaber für das Mittelmeer ernannt, sondern die Flotte hier -in fünf selbständige Divisionen zu je 4–5 Linienschiffen geteilt; diese Maßregel habe -sich durch erfolgreiche kleine Unternehmungen, Handelsschutz, Verbindung mit Italien -u. dgl., in den nächsten Jahren bewährt. Wenn dies richtig ist, so hat die Streitkraft -an der spanischen Küste 1744 vielleicht aus einigen dieser Divisionen bestanden; es -werden nämlich auch Entsendungen nach Cadiz und Gibraltar erwähnt, sowie daß -eine der Divisionen von de Caylus geführt sei, von dessen Abfahrt nach Westindien -vorhin berichtet wurde.</p> - -<p><b>Im Jahre 1745</b> fiel der englischen Flotte <em class="gesperrt">im Mittelmeer</em> auch -noch die Beobachtung des französischen Geschwaders in Cadiz zu; sie -wurde deshalb in drei Hauptgeschwader zur Bewachung von Cadiz, -Cartagena und der Küste Italiens geteilt. Außerdem mußte sie eine größere -Division (Vizeadmiral <em class="gesperrt">Townsend</em>) für Westindien abgeben. Diese Umstände -erklären wohl, daß den Franzosen, wie ihre Quellen sagen, in diesem -Jahre verschiedene kleinere Expeditionen nach der Küste Italiens geglückt -sind. Ihr Landheer drang in Norditalien siegreich vor, auch neapolitanische -Truppen waren wieder im Felde. Ferner trat <em class="gesperrt">Genua</em> auf Frankreichs Seite; -eine Division der englischen Flotte beschoß deshalb einige Küstenplätze dieser -Republik und unterstützte die gegen sie aufgestandenen Corsicaner bei der -Eroberung von Bastia.</p> - -<p>Vom <em class="gesperrt">Kanal und Atlantik</em> berichten die Quellen für das Jahr -1745 außer Zusammenstößen zwischen einzelnen Schiffen oder ganz kleinen -Divisionen<a name="FNAnker_55_55" id="FNAnker_55_55"></a><a href="#Fussnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a> wenig. Erwähnenswert ist, daß es den Franzosen auch von Brest -aus glückte, zweimal Verstärkungen an Kriegsschiffen nach Westindien zu -senden, deren eine einen großen Konvoi von Kauffahrern und Transportern -deckte; dagegen war es nicht gelungen, rechtzeitig eine Unterstützung nach -Nordamerika auslaufen zu lassen, um die bedrohte Festung Louisbourg zu -retten. Ferner fällt in dieses Jahr <em class="gesperrt">die Erhebung Schottlands</em>. -Ihr Verlauf ist auf Seite 53 geschildert, hier sei das seemännisch Bemerkenswerte -hinzugefügt.</p> - -<p class="small"><b>Prinz Karl Eduard In Schottland 1745.</b> Der Prinz schiffte sich Mitte Juni in St. -Nazaire auf einem kleinen Fahrzeuge („Dentelle“, 18 Kanonen), mit nur wenigen -Begleitern, mit Waffen für 2000 Mann und etwa 2000 Lstrl. an Geldmitteln, ein. -Ein für Freibeuterzwecke ausgerüstetes Schiff der Königlichen Marine („Elisabeth“, -64 Kanonen) sollte zum Schutz dienen und schlug auch auf der Höhe von Brest den Angriff -des englischen Kreuzers „Lion“ von 50 Kanonen ab; ohne weitere Belästigung erreichte -dann der Prinz im Juli Schottland. Seine anfänglichen Erfolge sind bekannt, doch<span class="pagenumsmall"><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span> -erhielt er von Frankreich zu geringe Unterstützung. Die meisten der kleineren Fahrzeuge -(Freibeuterschiffe), mit denen seine Anhänger in Frankreich ihm Freiwillige -sowie Hilfsmittel senden wollten, wurden von den englischen Geschwadern weggefangen, -die im Kanal und an der schottischen Küste kreuzten; das Gros der Kanalflotte unter -<em class="gesperrt">Admiral Vernon</em> beobachtete von den Downs aus Dünkirchen und Calais auf -eine ernstere Bedrohung durch Frankreich. Es gereicht aber der englischen Marine -nicht gerade zum Ruhme, daß es im Dezember 1745 einer Flottille von 7 Fahrzeugen -gelang, bei Montrose 700 Mann zu landen und einen Angriff englischer -Schiffe abzuweisen; auch im Mai 1746 schlugen zwei Freibeuter kleine englische -Kriegsschiffe aus dem Felde und brachten einige schottische Rebellenführer nach -Frankreich. Im Herbst desselben Jahres holte ein französischer Freibeuter den Prinzen -von den Hebriden nach der Bretagne zurück; dies war der dritte Versuch, den -Prinzen zu retten.</p> - -<p>Die französischen Marineschriftsteller vertreten die Ansicht, daß für -Frankreich nie, weder zur Zeit Ludwigs XIV. noch später während der Republik -und des Kaiserreichs, eine so <em class="gesperrt">günstige Gelegenheit zu einem -Einfall in England</em> sich geboten habe, wie bei dieser Erhebung Schottlands; -auch englische Autoren bezeichnen die damalige Lage als gefährlich. -England war von Truppen entblößt und in Belgien geschlagen; die englischen -Seestreitkräfte scheinen anfangs schwach und zerstreut gewesen zu sein. -(Der Oberbefehlshaber <em class="gesperrt">Vernon</em>, allerdings durch seine Opposition bekannt, -sprach der Admiralität gegenüber spöttisch von „zwei Flaggoffizieren in den -Downs mit noch einem 40-Kanonenschiff, um damit die Schlachtlinie zu -bilden“.) Auch in Frankreich erhoben sich gewichtige Stimmen für die Benutzung -der günstigen Gelegenheit und für die Ausführung des Planes von -1744. Vorbereitungen wenigstens wurden getroffen. Lacour berichtet -hierüber (A. a. O. Seite 158 ff; hier im Auszuge):</p> - -<p>„Dem Prinzen Karl Eduard war von einflußreichen Personen gesagt, -wenn er in Schottland gelandet sei, so könne der König nicht umhin, ihn zu -unterstützen. Der Marschall de Noailles erklärte dem Könige, wenn er in London -wirklich die Messe lesen lassen wolle, so müsse er jetzt 30000 Mann -hinübersenden. — Gegen 30000 Mann waren unter dem <em class="gesperrt">Herzog von -Richelieu</em> bei Calais versammelt und man traf Vorbereitungen zur Überführung, -ja es scheint einige Male schon mit der Einschiffung begonnen zu -sein; <em class="gesperrt">Voltaire</em> hatte einen Aufruf an das englische Volk entworfen. — -Während 72 Stunden, vom 31. Dezember 1745 bis zum 3. Januar 1746, wehte -SSO-Wind, den Weg freimachend von der englischen Flotte und der Überfahrt -günstig; Vernon schrieb in jener Zeit an den Kommandanten von Deal, -er würde nicht imstande sein, unter diesen Umständen die Überfahrt der -Franzosen zu hindern. Jetzt hatte aber weder der König, noch die Minister, -noch Richelieu mehr Interesse für den Plan, und im Februar erklärte Moritz -von Sachsen, daß Richelieu ihm von unüberwindlichen Hindernissen berichtet -und ihm die für das Unternehmen bestimmten Truppen zurückgesandt -habe.“</p> - -<p>Lacour schließt mit der Bemerkung, man höre in den Aufzeichnungen -jener Zeit das Echo der allgemeinen Entrüstung in Frankreich über das Aufgeben<span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[86]</a></span> -des Planes. Nun, so ganz leicht wäre die Ausführung doch wohl nicht -gewesen und im Winter 1745/46 war es sicher schon zu spät. Um diese Zeit -hatte man in England die Verteidigung planmäßig geordnet; die Hauptflotte -lag in den Downs und je ein Geschwader in Plymouth, in der Themsemündung -sowie vor der schottischen Küste, abgezweigte Divisionen und einzelne -Kreuzer schwärmten auf See.</p> - -<p><b>Im Jahre 1746</b> stand der Krieg in Flandern für England schlecht; die -Franzosen hatten sich Belgiens bemächtigt und bedrohten Holland; dabei -hatte man von diesem Kriegsschauplatze Truppen gegen die Schotten abberufen -müssen. Man beabsichtigte deshalb, durch einen <em class="gesperrt">Vorstoß gegen -die französische Küste</em> (<em class="gesperrt">gegen Lorient</em>) französische Truppen -aus Flandern wegzuziehen und so gleichzeitig der öffentlichen Meinung Rechnung -zu tragen. Schon früher waren Vorbereitungen getroffen, den Kolonisten -in Amerika eine ansehnliche Hilfstruppe zu einem Angriff auf Quebec -zu senden. Frankreich erhielt hiervon Kenntnis und traf die gleiche Maßregel, -sandte zur Wiedereroberung Louisbourgs von Brest Ende Juni 11 Linienschiffe -unter dem <em class="gesperrt">Duc d'Anville</em> nebst einem Truppentransport ab, -während die englische Expedition unterblieb. Um die dadurch in England -hervorgerufene Entrüstung zu besänftigen, erklärte die Regierung, daß die -für die Kolonie gesammelten Kräfte jetzt gegen Frankreich selber verwendet -werden würden.</p> - -<p>Nach einigen englischen Quellen ist es bis jetzt nicht aufgeklärt, weshalb -die Unterstützung für Amerika nicht entsendet wurde; andere führen an, die -Expedition sei zunächst durch „gewisse Umstände“ verzögert und später -wegen zu weit vorgeschrittener Jahreszeit aufgegeben. Es ist möglich, daß -man zu Anfang des Jahres 1746, ehe der schottische Aufstand niedergeschlagen -war, Schiffe und Truppen der Heimat nicht zu entziehen wagte, aber im April -war Karl Eduards Sache durch die Niederlage bei Culloden bereits völlig verloren -und Frankreich hatte den Einfall in England schon früher aufgegeben. -Da ist es verwunderlich, daß die Expedition nicht abging, ja daß man nicht -einmal versuchte, die französische Unternehmung zu verhindern, die doch -ein Gegenstoß gegen die beabsichtigte eigene sein sollte. Aber es wurde nichts -Ernstliches gegen das Sammeln der feindlichen Kriegsschiffe und Transporter -getan, die in verschiedenen Häfen ausgerüstet werden mußten. Nur durch -ein Blockieren von St. Malo ist ihr Zusammentritt um einige Wochen verzögert, -gegen das Auslaufen der großen Flotte im Juni wurde nicht vorgegangen. -Daß England hierzu nicht imstande gewesen wäre, kann man bei -der Überlegenheit seiner Marine kaum annehmen. Colomb („naval warfare“) -erblickt hierin wohl mit Recht einen strategischen Fehler. Mit dem Vorstoß -gegen Lorient wollte man nun diesen einigermaßen wieder gut machen.</p> - -<p>Aber wäre der Angriff auch wirklich mit Erfolg gekrönt worden, so würde -es doch nur ein Ausgleich gegen etwa von den Franzosen in Amerika errungene -Vorteile gewesen sein, nur ein geringer Gewinn für die überlegene Seemacht. -Man wählte Lorient als geeignetsten Angriffspunkt, da die Stadt einerseits nur<span class="pagenum"><a name="Page_87" id="Page_87">[87]</a></span> -schwach befestigt war und anderseits als Hauptstapelplatz der französisch-ostindischen -Kompagnie reiche Beute versprach; man hoffte ferner, daß man -von hier aus in der Bretagne den protestantischen Teil der Bevölkerung (besonders -in La Rochelle) zum Aufstand bringen und dann, von der See her stets -unterstützt, weiter in die Provinz eindringen könne. Nicht genügend vorbereitet -und mangelhaft durchgeführt, schlug das Unternehmen völlig fehl.</p> - -<p class="small"><b>Der englische Angriff auf Lorient 1746.</b> In Portsmouth wurden auf 40 Fahrzeugen -7000–8000 Mann unter Generalleutnant <em class="gesperrt">St. Clair</em> eingeschifft; <em class="gesperrt">Admiral -Lestock</em> deckte den Transport mit einem Teil der Kanalflotte, sandte einige Schiffe -zur Erkundung der Küste voraus und folgte Mitte August mit dem Transport; er erreichte -aber widriger Winde halber erst Ende September die Insel de Groix. Nach -französischen Angaben hätte er leicht in die Bucht von Lorient einlaufen können, da -die Orte Port Louis und Lorient kaum befestigt und nur von wenigen Kompagnien -Küstenwache (Miliz) besetzt waren. Seestreitkräfte waren gar nicht zur Stelle, in Brest -scheint man weder das Passieren der Erkundungsdivision, noch das der 50 Segel starken -Flotte bemerkt zu haben; die englischen Führer scheinen aber auch hiervon weder -durch ihre Behörden daheim noch durch Erkundung Kenntnis gehabt zu haben. Man -versuchte gar kein gewaltsames Eindringen, sondern landete am 1. Oktober etwa -15 Kilometer westlich von Lorient an der Mündung des Quimperlé. Der Kommandant -der bedrohten Stadt bot in Eile alle erreichbaren, wenn auch kaum regelrecht bewaffneten -Milizen auf und verstärkte die Befestigungen, war aber doch zur Übergabe geneigt, -wenn der Gegner vom Beutemachen absehen wollte. Die Engländer gingen hierauf -nicht ein, sondern rückten auf Lorient vor; sie kamen jedoch wegen ungünstigen Geländes -nur langsam vorwärts, und der Angriff stockte vor der Stadt, weil jegliches -Belagerungsmaterial fehlte. Am 7. Oktober gaben sie die Berennung auf und schifften -die Truppen wieder ein; wie französische Angaben sagen, zum Erstaunen des Kommandanten, -der gerade beschlossen habe, die Stadt auf jede Bedingung hin zu übergeben. -Als Beispiel der mangelhaften Ausrüstung der englischen Expedition sei erwähnt, daß -der General auf seine Bitte um eine Karte der Bretagne durch Eilboten eine solche -der Gascogne erhielt.</p> - -<p class="small">Darauf landeten die Engländer bei <em class="gesperrt">Quiberon</em>, gaben aber auch hier nach -wenigen Tagen die Operationen auf, nur die Inseln <em class="gesperrt">Houat</em> und <em class="gesperrt">Hoedik</em> wurden -gebrandschatzt und ihre Befestigungen zerstört. Am 23. Oktober ging die Flotte nach -England zurück.</p> - -<p>Ruhm gewannen die Engländer bei diesem Unternehmen nicht. <em class="gesperrt">Moritz -von Sachsen</em> erhielt allerdings Befehl, Truppen nach der Bretagne zu -werfen, doch inzwischen hatte er durch seinen Sieg bei <em class="gesperrt">Rocoux</em> neue -große Erfolge errungen und fühlte die Schwächung nicht. Bemerkenswert -ist die berechtigte Klage französischer Quellen über die traurige maritime -Verfassung Frankreichs, infolge deren eine so wichtige Küstenstadt fast -widerstandslos gelassen war, und die nicht einmal starke feindliche Flotte -wochenlang unter der Küste bleiben und mehrfach landen konnte, ohne von -Brest oder Rochefort aus bedroht zu werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Mittelmeer</em> beherrschten 1746 die englischen Seestreitkräfte, -insgesamt etwa 30 Linienschiffe, die See und unterstützten das österreichisch-sardinische -Heer bei der Einnahme von Genua und dem Vordringen in die -Provence. Eine Flottille leichterer Fahrzeuge deckte im Dezember den Übergang -über den Grenzfluß <em class="gesperrt">Var</em>, die gegen 20 Linienschiffe starke Flotte<span class="pagenum"><a name="Page_88" id="Page_88">[88]</a></span> -zwang die <em class="gesperrt">Lerinischen Inseln</em> zur Übergabe und beschoß die Stadt -<em class="gesperrt">Antibes</em>, die vom Heere berannt wurde. Die Franzosen setzten schleunigst -die sehr vernachlässigte und nur schwach besetzte Stadt Toulon in notdürftigen -Verteidigungszustand.</p> - -<p><b>Im Jahre 1747</b> kam das Vordringen des verbündeten Heeres allerdings -bald zum Stehen, da sich <em class="gesperrt">Genua</em> in ihrem Rücken wieder empörte. Der -<em class="gesperrt">Marschall Belle-Isle</em> entsetzte dann am 3. Februar Antibes und -trieb die Gegner über den Var zurück. Auch gelang es, trotz der englischen -Flotte die Lerinischen Inseln im Mai wiederzunehmen, sowie einige Male -über Corsica auf kleinen Fahrzeugen nach Genua Unterstützung zu bringen. -Im allgemeinen blieben jedoch die Engländer bis zum Ende des Krieges -(<b>1748</b>) Herren der See im Mittelmeer und hielten die spanischen und französischen -Kriegsschiffe in ihren Häfen fest. Zur Unterbindung des Verkehrs -zwischen Frankreich und Italien rüsteten sie eine große Anzahl kleinerer -Fahrzeuge aus, die dicht unter der Küste kreuzten. Die Marinen ihrer Gegner -unternahmen im Mittelmeer nichts. Französische Quellen sagen: „1748 <em class="gesperrt">war -die Erschöpfung an Schiffen, Ausrüstungsgegenständen -jeder Art, sowie an Personal in Toulon vollständig</em>.“</p> - -<p><b>Die beiden Seeschlachten bei Kap Finisterre 1747</b><a name="FNAnker_56_56" id="FNAnker_56_56"></a><a href="#Fussnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a>. Auch in den atlantischen -Gewässern wurde die französische Flotte in diesem Jahre völlig -lahmgelegt. Die englische Admiralität scheint von nun an über die Absichten -und Bewegungen des Feindes besser unterrichtet zu sein als bisher und war -auch imstande, ihm kräftig entgegenzutreten. Zunächst hatten die Franzosen -zwei Geschwader ausgerüstet, von denen das eine, 3 Linienschiffe, 2 Fregatten, -unter dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de la Jonquière</em> etwa 30 Transporter von -Brest nach Kanada begleiten, das andere, 3 Linienschiffe und einige größere -Schiffe der ostindischen Kompagnie unter <em class="gesperrt">Grout de St. George</em>, -einem Offizier genannter Kompagnie, mit einigen Kauffahrern von Lorient -nach Ostindien segeln sollte.</p> - -<p>Beide Geschwader gingen im März 1747 in See, wurden jedoch durch -Sturm genötigt, auf der Rhede von l'Ile d'Aix, zwischen der Mündung der -Charente und der Insel Oléron, einem beliebten Anker- und Sammelplatz für -größere Verbände, zu ankern. Sie beschlossen, der größeren Sicherheit halber, -von hier aus vorläufig gemeinsam weiter zu segeln und liefen am 10 Mai aus. -Ein Linienschiff unter Kapitän <em class="gesperrt">Bouvet de Lozier</em> und 4 Ostindienfahrer -des zweiten Geschwaders, die im Sturm abgekommen waren, hatten -die Reise fortgesetzt und erreichten Indien. Von England waren Mitte April -Vizeadmiral <em class="gesperrt">George Anson</em> und Kontreadmiral <em class="gesperrt">Peter Warren</em> -mit 17 Schiffen in See gegangen; sie kreuzten auf der Höhe von Kap Finisterre -und stießen am 14. Mai etwa 75 Seemeilen nordwestlich des Kaps auf die -Gegner. Auffallenderweise haben die sonst bisher stets so gut unterrichteten<span class="pagenum"><a name="Page_89" id="Page_89">[89]</a></span> -Franzosen keine Kenntnis von der Anwesenheit Ansons in den spanischen Gewässern -gehabt und in dem nun folgenden, höchst ungleichen Kampfe wurden -sie vernichtend geschlagen.</p> - -<p class="small"><b>Die erste Schlacht bei Kap Finisterre, 14. Mai 1747.</b> Als die Gegner einander sichteten, -standen die Engländer bei nördlichem Winde östlich von den Franzosen. <em class="gesperrt">De la -Jonquière</em> ließ durch eine Fregatte die Stärke des Feindes feststellen und befahl -dann den Kriegsschiffen sowie den armierten Schiffen der Kompagnie, die Schlachtlinie -zu bilden, der Konvoi sollte unter Deckung der einen Fregatte, eines kleineren -Kriegsschiffes und eines Kompagnieschiffes mit raumem Winde das Weite suchen. -Seine Linie bestand aus einem Schiffe zu 74 Kanonen (dem Flaggschiff Grouts), 1 zu -64 (das eigene Flaggschiff), 1 zu 52, 2 zu 50, 1 zu 40 und 5 Kompagnieschiffen zu -18–30 Kanonen.</p> - -<p class="small">Auch <em class="gesperrt">Anson</em> hatte die Schlachtlinie angeordnet, sobald er aber die Schwäche des -Feindes erkannte, befahl er „allgemeine Jagd“; seine Flotte — 1 Schiff zu 90, 1 zu 74, -9 zu 60–66, 3 zu 56, 1 zu 40 Kanonen sowie einige kleinere — ging nun ohne besondere -Ordnung so schnell wie möglich an den Feind. Dieser blieb nicht lange in Ordnung; -2 Kompagnieschiffe brachen sofort aus, 2 andere sowie auch ein 50-Kanonenschiff -strichen schon nach kurzem Kampfe die Flagge. So wurde es den Engländern leicht, -die feindliche Linie an verschiedenen Stellen zu durchbrechen und den Rest der Franzosen -von beiden Seiten anzugreifen. <em class="gesperrt">De la Jonquière</em> gab nun den Befehl zum -Rückzug mit raumem Winde; es folgte ein laufendes Gefecht in der Melée, in dem nach -bewundernswerter Gegenwehr innerhalb von drei Stunden sämtliche französische Schiffe -der Übermacht erlagen. Um 7 Uhr abends drehte <em class="gesperrt">Anson</em> bei, ließ aber bis zur völligen -Dunkelheit durch drei Schiffe den Konvoi verfolgen, wobei noch die beiden ausgebrochenen -Kompagnieschiffe, das kleine Kriegsschiff und 6 Fahrzeuge des Konvois -genommen wurden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Franzosen betrug also 5 Linienschiffe, 1 Fregatte, 1 Kriegsfahrzeug -und 5 große Kompagnieschiffe. Von der tapferen Gegenwehr zeugten die -großen Beschädigungen der Schiffe und der Verlust von 800 Toten und Verwundeten, -unter den letzteren der Admiral und sein Flaggkapitän. Auch die Engländer büßten -520 Mann ein, aber die auf den feindlichen Schiffen gemachte Beute hatte einen Wert -von 300 000 Lstrl.</p> - -<p>Die zweite Schlacht erfolgte im Herbst. Am 6. Oktober 1747 verließen -250 nach Westindien bestimmte Kauffahrer die Rhede von l'Ile d'Aix; -sie wurden gedeckt durch ein Brestgeschwader von 8 Linienschiffen, -1 Fregatte unter dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de l'Etanduère</em><a name="FNAnker_57_57" id="FNAnker_57_57"></a><a href="#Fussnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a>. Von England -war am 20. August eine Flotte, 14 Linienschiffe und einige Fregatten, unter -Kontreadmiral <em class="gesperrt">Edward Hawke</em><a name="FNAnker_58_58" id="FNAnker_58_58"></a><a href="#Fussnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a> zum Abfangen des Konvois ausgesandt<span class="pagenum"><a name="Page_90" id="Page_90">[90]</a></span> -und sichtete ihn in der Biscaya am 25. Oktober — etwa 270 Seemeilen -nördlich vom Kap Finisterre auf 47° 49′ Nordbreite. Der französische -Admiral nahm den Kampf gegen den weit überlegenen Gegner auf, -opferte seine Kriegsschiffe und rettete dadurch den Konvoi.</p> - -<p class="small"><b>Die zweite Schlacht bei Kap Finisterre, 25. Oktober 1747.</b> <em class="gesperrt">De l'Etanduère</em> -wußte um die Anwesenheit der englischen Flotte in der Nähe von Kap Finisterre. Er -steuerte deshalb nach Verlassen der französischen Küste zunächst nordöstlich, um -das Kap auf weitere Entfernung als sonst üblich zu umsegeln, wurde jedoch von zwei -versprengten oder abgezweigten englischen Schiffen gesehen; diese riefen <em class="gesperrt">Hawke</em> -herbei. Als sich die Gegner am 25. Oktober in der Frühe sichteten, segelte der Konvoi -mit raumem westlichen Winde zwischen zwei deckenden Kolonnen, von denen die -eine in Lee aus den 8 Linienschiffen, die andere zu Luward aus einem 64-Kanonenschiff -der westindischen Kompagnie, der Fregatte und 6 gut segelnden Kauffahrern bestand; -diese Kolonnen sollten also wohl nur die große Zahl der Fahrzeuge zusammenhalten. -Der Admiral gab dem Konvoi und der Luvkolonne den Befehl, sich in Lee der Linienschiffskolonnen -zu begeben und dann nach NO hin auszuweichen; mit den Linienschiffen -bildete er die Schlachtlinie über Steuerbordbug.</p> - -<p class="small">Bei der großen Zahl der Kauffahrer erforderte dies Manöver längere Zeit; die -Linienschiffe mußten ihre Entfernungen voneinander erweitern, um die Kauffahrer -durchzulassen, und dann wieder schließen. So fanden die Engländer Zeit, heranzukommen. -<em class="gesperrt">Hawke</em> hatte zuerst allgemeine Jagd befohlen, bildete dann aber vorsichtshalber -die Schlachtlinie, da man viele große Schiffe sah; als er näher herankam und die -geringe Zahl der Kriegsschiffe erkannte, gab er wieder den Befehl zur allgemeinen Jagd. -Die Franzosen nahmen den Angriff unter Marssegeln auf, ihre vordersten Schiffe braßten -sogar back, um den hintern das Aufschließen zu erleichtern. Die englische Flotte kam -von hinten auf, ihre Schiffe verteilten sich nach eigenem Gutdünken auf beide Seiten -der wohlgeordneten französischen Linie, bis diese in ihrer ganzen Länge zwischen zwei -Feuer genommen war. In der Linie lagen 1 Schiff zu 80 Kanonen (das Flaggschiff), -4 zu 74, 2 zu 64 und 1 zu 50, während die englische Flotte 1 Schiff zu 74, 1 zu 70, 10 zu -60–66 und 2 zu 50 Kanonen zählte. Gegen diese Übermacht fochten die Franzosen -mit einer Ausdauer, die auch beim Gegner höchste Anerkennung fand. — Gegen Mittag -hatten die vordersten englischen Schiffe das Feuer auf die feindlichen Schlußschiffe -eröffnet, erst um 4 Uhr nachmittags strich das erste französische Schiff die Flagge, -und es war 7 Uhr abends, als 6 Schiffe, zerschossen und entmastet, genommen waren; -dem Flaggschiff und dem Vierundsiebziger gelang es sogar, sich aus dem Gefecht zu -ziehen und unbelästigt Brest zu erreichen, wobei das Flaggschiff zeitweise von seinem -Kameraden in Schlepp genommen wurde.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> an Mannschaften betrug auf französischer Seite 800, auf englischer -712 Mann. Nach französischen Angaben haben die Franzosen 1842 Schuß, die -Engländer gegen 4000 abgegeben. Diese sollen viel Kartätschen und Kettenkugeln -(besonders wirksam gegen die Takelage), verfeuert haben, Geschoßarten, von denen -die Franzosen nur wenig an Bord hatten. Die englischen Schiffe hatten gleichfalls -so gelitten, daß sie nicht daran denken konnten, den Konvoi zu verfolgen. <em class="gesperrt">Admiral -Hawke</em> sandte jedoch sofort einen Schnellsegler nach Westindien, um dort den -Stationschef von der bevorstehenden Ankunft des Konvois zu benachrichtigen, und -so wurden immerhin durch Kriegsschiffe noch 20 Kauffahrer (im Wert von 100 000 Lstrl.) -und von Freibeutern weitere zehn aufgebracht.</p> - -<p><em class="gesperrt">In den eben geschilderten Schlachten Ansons und -Hawkes</em> siegten die Engländer durch ihre Überlegenheit an Zahl, und die -Führer handelten richtig, wenn sie allgemeine Jagd anordneten. <em class="gesperrt">Mahan</em><span class="pagenum"><a name="Page_91" id="Page_91">[91]</a></span> -sagt hierzu: „Wenn sich der Feind infolge einer Schlacht oder erheblicher -Unterlegenheit zur Flucht genötigt sieht, so soll man die Rücksicht auf eigene -Ordnung bis zu einem gewissen Grade außer acht lassen; der hierin vom -Admiral <em class="gesperrt">Tourville</em> nach der Schlacht bei Beachy Head 1690 gemachte -Fehler ist dort erwähnt“ (auch von uns, vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_439">439</a>). „Es kommt -dann darauf an, den Gegner zu überholen oder festzuhalten, und dies kann -mit Sicherheit nur erreicht werden, wenn man die schnellsten oder die zur -Verfolgung in günstigster Lage befindlichen eigenen Schiffe ihren Vorteil -ausnutzen läßt; diese werden die langsamsten Schiffe des Gegners einholen, -die dann verloren sind oder die Gesamtstreitmacht nötigen, sich zu stellen.“</p> - -<p>Auch die französischen Admirale verfuhren in beiden Schlachten richtig, -wenn sie sich mit den Kampfschiffen zwischen ihre Schutzbefohlenen und -den Feind legten. <em class="gesperrt">Jonquière</em> erreichte seinen Zweck nicht ganz, weil er -von verschiedenen Schiffen im Stich gelassen wurde; der glänzenden Verteidigung -<em class="gesperrt">l'Etanduères</em> aber war die Rettung des wertvollen Konvois -zu danken. — Daß die deckenden Geschwader so klein bemessen waren, -spricht nicht für die Leitung der französischen Marine oder bezeugt -ihre Schwäche. Im ersten Falle handelte es sich allerdings nur um -kleine Unterstützungen für die fernen Kriegsschauplätze, und solche waren -in den letztverflossenen Jahren häufig dem Gegner entgangen; im zweiten -Falle aber hätte man, durch den ersten Verlust gewitzigt, dem ungeheuer -großen Konvoi, der viel schwerer unbemerkt durchschlüpfen konnte, doch -einen stärkeren Schutz zuteil werden lassen müssen.</p> - -<p class="small">Das Jahr 1747 brachte zwischen beiden Schlachten noch <b>weitere bemerkenswerte -Verluste der Franzosen</b>. Am 1. Juli 1747 stieß Kapitän <em class="gesperrt">Fox</em> mit 4 Linienschiffen -und 2 schweren Fregatten in der Bucht von Biscaya auf einen großen Konvoi heimkehrender -französischer Westindienfahrer, dem er schon seit Mai auflauerte. Der Führer -der Bedeckung (3 Linienschiffe und 1 Fregatte), Kapitän <em class="gesperrt">Dubois de Lamotte</em>, -machte zwar zunächst Miene, durch Aufnahme des Kampfes den Feind festzuhalten, -führte diese Absicht aber nicht durch, sondern gab den Kauffahrern den Befehl, sich -auf eigene Faust zu bergen. Er räumte mit seinen Kriegsschiffen das Feld und führte -diese wohlbehalten nach Brest, aber 47 seiner Schutzbefohlenen fielen den Engländern -in die Hände. — Wenige Tage später jagte Admiral <em class="gesperrt">Warren</em>, zweiter Admiral auf -Ansons Flotte, ein französisches Kriegsschiff nebst 5 Handelsschiffen bei Kap Finisterre -auf den Strand und nahm oder verbrannte sie.</p> - -<p>Nach dem Verlust von 11 Linienschiffen in den beiden Schlachten scheint -<em class="gesperrt">Frankreichs Marine auch im Atlantik erschöpft</em> gewesen -zu sein, und es zeigen sich dort keine Seestreitkräfte von Bedeutung -mehr. Man hört nur — es klingt fast wie ein Scherz — von der Indienststellung -eines zwei Fregatten starken „fliegenden Geschwaders“ zum Schutz -der atlantischen Küste. Diese kleine Macht fing zwar einige Freibeuter und -bestand sogar ein Gefecht mit stärkeren Kriegsschiffen, konnte aber selbstverständlich -nicht hindern, daß die eigenen Kaper genommen und der Handel -schwer geschädigt wurde. Nach der zweiten Schlacht bei Finisterre kreuzten -nämlich in den Jahren 1747 und auch <b>1748</b> bis zum Friedensschluß stets<span class="pagenum"><a name="Page_92" id="Page_92">[92]</a></span> -mehrere englische Geschwader, von Flandern bis Gibraltar verteilt, vor der -französischen und spanischen Küste.</p> - -<p class="small"><b>Die Beteiligung der holländischen Marine am Kriege</b> beschränkte sich auf die europäischen -Gewässer und bot tatsächlich kaum eine Unterstützung für England<a name="FNAnker_59_59" id="FNAnker_59_59"></a><a href="#Fussnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a>. Beim -Ausbruch des Krieges mit Frankreich 1744 war dies berechtigt — insbesondere infolge -des französischen Versuches, in Großbritannien zu landen —, auf Grund des alten Vertrages -von 1678 von Holland 23 Kriegsschiffe zur Unterstützung zu fordern. Die -Generalstaaten wollten dem Verlangen zwar entsprechen, aber der traurige Zustand -der Marine und der Geldmangel bei den Admiralitäten erlaubten dies zunächst nicht. -Erst Anfang August gingen 8 Linienschiffe — 1 zu 72, 1 zu 64, 6 zu 54 Kanonen — -unter dem Leutnant-Admiral <em class="gesperrt">Grave</em>, 2 Vize- und einem Kontreadmiral nach Spithead; -4 Fregatten, die noch bereit waren, mußten in die Nordsee gesandt werden, um die -zurückerwarteten Ostindienfahrer aufzunehmen.</p> - -<p class="small">Kennzeichnend für die jetzige Bedeutungslosigkeit der holländischen Marine ist, -daß die Schiffe die englische Gösch auf dem Bugspriet führten; allerdings sagte man, -es geschehe nur, um Frankreich gegenüber ausdrücklich hervorzuheben, die Schiffe -seien ein vertragsmäßiges Hilfsgeschwader, nicht aber Streitkräfte einer selbständig -kriegführenden Macht. (Also ein ähnliches Verhältnis wie das der französischen Schiffe -vor 1744 zu Spanien.) Die Linienschiffe machten 1744 die Reise des Admirals <em class="gesperrt">Balchen</em> -in die spanischen Gewässer mit, doch fielen drei bald aus, da sie wegen ihres schlechten -Zustandes und Krankheit an Bord Lissabon als Nothafen anlaufen mußten. Im Laufe -des nachfolgenden Winters wurde das holländische Kontingent nach und nach wirklich -auf 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten gebracht, der Zustand der Schiffe war -jedoch derart, daß sie sich nur einige Male und noch nicht vollzählig an den Kreuzfahrten -der englischen Geschwader beteiligen konnten; meist lagen sie untätig in den -Häfen, und schon im April 1746 wurden mit Bewilligung Englands 8 Schiffe wieder -zurückgezogen.</p> - -<p class="small">Das Verhältnis zwischen England und Holland in maritimen Angelegenheiten -war schlecht. Holland erhob Klage, daß die Engländer in den auswärtigen Gewässern -bei ihrer Jagd auf französische und spanische Kauffahrer auch holländische belästigten; -die holländischen Seeoffiziere waren empört, daß ihre älteren Flaggoffiziere unter jüngere -englische gestellt wurden und warfen ihrem Chef zu großes Entgegenkommen vor. -Im Winter 1745/46 kehrte der Rest der Schiffe nach Holland zurück und damit unterblieb -die Gestellung eines Hilfsgeschwaders vorläufig ganz, weil man die schwachen Kräfte -notwendig selber gebrauchte. — Schon von 1745 an waren ältere Linienschiffe (sogenannte -„Ausleger“, d. i. wohl „Wachtschiffe“) nebst kleineren Fahrzeugen in der -Schelde stationiert, hier unter österreichischer Flagge, wiederum nur als Hilfskräfte; -als 1746 die Franzosen näher an Holland herankamen, wurden diese vermehrt, nur -unter holländischer Flagge. Die anderen Küsteneinfahrten besetzte man ähnlich; man -zog dazu auch noch Schiffe der ostindischen Kompagnie und sonst geeignete Kauffahrer -heran.</p> - -<p class="small">An eigentlichen Kriegsschiffen sind in den Jahren 1746 und 1747 einige zwanzig -im Dienst gewesen, von denen aber der größere Teil zum Schutze des Handels in auswärtigen -Gewässern Verwendung fand. An der eigenen Küste kreuzten nur wenige -(3 oder 5), so daß man sich genötigt sah, 1747 England um Unterstützung durch ein -Geschwader zu bitten, als man einen französischen Angriff von Sas van Gent aus gegen -Walcheren befürchtete. <em class="gesperrt">De Jonge</em> klagt: <span class="pagenumsmall"><a name="Page_93" id="Page_93">[93]</a></span>„Fremde Schiffe mußten herbeigerufen -werden, um Vlissingen, den Geburtsort unserer großen Admirale Ruyter, Evertsen, -Bankers, zu schützen!“ Im Juli 1747 und im Januar 1748 wurden nochmals kleine -Geschwader von 6 Schiffen nach England gesandt, die sich an Kreuzfahrten beteiligten.</p> - -<h5>Der Krieg in den Kolonien 1744–1748<a name="FNAnker_60_60" id="FNAnker_60_60"></a><a href="#Fussnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a>.</h5> - -<p><b>Nordamerika.</b> Mit der Kriegserklärung zwischen England und Frankreich -entbrannten sogleich wieder die Kämpfe unter ihren Kolonien in Nordamerika. -Die Franzosen waren hierbei die ersten auf dem Platze, obgleich um 1744 -Kanada nur 50000 weiße Einwohner gegen eine Million — in den vier Neuenglandstaaten -allein schon 400000 — in den englischen Kolonien zählte. -Auch die militärische Macht Frankreichs war gering. Der Generalgouverneur -von Kanada verfügte nur über 600 Soldaten und 1200 Milizen; die Grenzforts -hatte man zwar verstärkt, aber ernsten Angriffen konnten sie kaum standhalten. -Die Befestigungen Quebecs waren noch nicht vollendet. Als wirklich -starke Festung konnte nur Louisbourg auf der Insel Breton gelten; hier -standen 650 Soldaten und 800 Milizen.</p> - -<p>Da aber die Kriegserklärung in Kanada weit früher bekannt wurde als in -Neuengland, glaubte der Kommandant von Louisbourg, <em class="gesperrt">Duquesnel</em>, -dem Gegner durch Überraschung einen empfindlichen Schlag beibringen zu -können. Er ließ im Mai 1744 den englischen Militärposten <em class="gesperrt">Canseau auf -Neuschottland</em> durch 400 Mann überrumpeln und die dortigen -Fischereianlagen zerstören; der Versuch, sich auch der Stadt Annapolis, des -ehemaligen Port Royal, zu bemächtigen, mißlang, die kleine Truppe mußte -abziehen, als ein englisches Kriegsschiff sowie Verstärkungen aus Boston -herankamen. Immerhin aber schien Neuschottland gefährdet, dessen Kolonisten -vielfach zu Frankreich neigten, und auch die Wegnahme verschiedener -englischer Handelsschiffe und Fischerfahrzeuge durch französische Freibeuter -erregte die englischen Kolonien. Sie hatten anfangs keine kriegerischen Absichten -und wären unter dem Einfluß religiöser Streitigkeiten, Zwiste der -Kolonien mit den Gouverneuren sowie untereinander lieber neutral geblieben. -Nur der Gouverneur von Massachusetts-Maine (Hauptstadt Boston), <em class="gesperrt">Shirley</em>, -hatte in Voraussicht eines Krieges Vorbereitungen getroffen und brachte -jetzt auch die übrigen Neuenglandstaaten zu einem <em class="gesperrt">Angriff auf Louisbourg</em> -zusammen. Man bat die Regierung in England um Unterstützung -durch Seestreitkräfte und zwar des schnelleren Eintreffens wegen durch die -in Westindien stationierten; diesem Wunsche wurde entsprochen.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Louisbourg, Mai–Juni 1745.</b> <em class="gesperrt">Louisbourg</em> liegt am -Eingange eines kleinen vorzüglichen Hafens an der Ostküste der Insel Breton. Die -Umwallung der Stadt war für 148 Kanonen eingerichtet, von denen man jedoch nur -64 aufgestellt hatte. Dazu traten 2 Batterien mit 10 und 6 Mörsern, 2 Außenwerke -mit 16 und 30 Kanonen (24-Pfünder), die auch den Landzugang deckten, sowie 2 Batterien -zu 35 und 34 Kanonen (42-Pfünder), die den Hafen und seinen Eingang bestrichen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_94" id="Page_94">[94]</a></span> -und deren eine auf einer kleinen Insel lag. Aber die Befestigungen auf der -Landseite waren noch nicht ganz fertig, und das schlechte Material ihres Mauerwerkes -konnte einer andauernden Beschießung nicht genügend widerstehen.</p> - -<p class="small">Die vier Neuenglandstaaten sammelten in Boston 4000 Mann Milizen unter -dem Befehl <em class="gesperrt">Sir William Pepperels</em>, eines reichen Kaufmanns in Maine, -und führten diese, sobald die Nachricht vom Nahen eines Geschwaders eingetroffen -war, Anfang April 1745 auf 80 Fahrzeugen, gedeckt durch 11 Freibeuter -(zu je 20 Kanonen) nach Canseau. Hier wurden die Truppen eingeübt, bis zu Ende -des Monats Kommodore <em class="gesperrt">Warren</em> mit 4 Schiffen (1 zu 60, 3 zu 40 Kanonen) eintraf, -zu denen im Laufe der Operationen noch einige stießen. In den ersten Tagen des Mai -landeten dann die Engländer etwa vier Seemeilen südwestlich von Louisbourg in der -Gabarusbucht; sie wurden nicht weiter belästigt, nachdem das Feuer ihrer kleineren -Schiffe schwache feindliche Abteilungen vertrieben hatte.</p> - -<p class="small">Die Verhältnisse lagen für die Franzosen sehr ungünstig. Zunächst scheinen sie -überrascht worden zu sein. In Frankreich hatte man zwar von dem beabsichtigten -Angriff Wind bekommen und sofort eine der schnellsten Fregatten zur Benachrichtigung -nach Louisbourg abgesandt, aber diese wurde durch die Freibeuter Pepperels gehindert, -die Festung zu erreichen und ging nach Frankreich zurück. Ferner war einige Monate -vorher infolge schlechter Behandlung und ungenügender Löhnungszahlung unter den -französischen Soldaten eine nur mühsam unterdrückte Meuterei entstanden; der -Kommandant wagte nicht, die unzuverlässigen Leute dem Feinde entgegenzuführen, -um diesen am Landen und Festsetzen zu hindern. Endlich befanden sich auch die Befestigungen -der Stadt — von den Franzosen stolz das „amerikanische Dünkirchen“ -genannt — keineswegs in der Verfassung, die man nach den ungeheuren Ausgaben -dafür (30 Millionen?) hätte erwarten müssen. Die beiden letzten Umstände waren -dem Gouverneur Shirley bekannt und hatten ihn in seinem Plane bestärkt.</p> - -<p class="small">Die englischen Truppen nahmen die Belagerung auf, während die Schiffe den -Hafen blockierten und jede Zufuhr abschnitten. <em class="gesperrt">Warrens</em> Kräfte bestanden bald -aus 3 Schiffen zu 60, 1 zu 50, 3 zu 40 Kanonen und mehreren kleineren, so daß er unbedingt -Herr der See war. Er nahm verschiedene Schiffe, so auch ein Linienschiff -zu 64 Kanonen, das Kriegsvorräte in die Stadt werfen sollte; dies war das -einzige Kriegsschiff, das zur Unterstützung von Frankreich kam, nachdem die entsandte -Fregatte die Nachricht vom Angriff dorthin überbracht hatte. Wahrscheinlich -sah man sich außerstande, mehr zu senden, teils weil die Heimatshäfen -blockiert wurden, teils weil in diesem Jahre zwei größere Divisionen nach Westindien -abgegangen waren.</p> - -<p class="small">Warren versuchte, die Batterie auf der Insel mit Booten zu nehmen, aber der erste -Angriff scheiterte infolge von Nebel und der zweite wurde blutig abgeschlagen, da die -Franzosen die Besatzung beträchtlich verstärkt hatten. Dagegen erbaute die Flotte -gegenüber der Stadt an der nur eine Seemeile breiten Einfahrt eine die Insel beherrschende -Batterie, und die Truppen nahmen einige Werke der Landseite ein. In der Festung -begannen Munition und Proviant knapp zu werden, auch erfuhr man, daß auf eine -Unterstützung von der Heimat nicht zu rechnen sei, während die Belagerer Zufuhr -an allem Nötigen erhielten. So kapitulierte denn die Stadt am 26. Juni, als die Belagerer -nach wirksamer Beschießung einen allgemeinen Sturm vorbereiteten. Die -Berennung hatte 44 Tage gedauert, 600 Bomben und 9000 Kugeln waren verfeuert; -die Franzosen erlitten einen Verlust von 240 Toten, während die Engländer nur 100 Mann -einbüßten.</p> - -<p class="small">Um Louisbourg besser als eigenen Stützpunkt verwerten zu können, entfernten -die Engländer die gefangenen Soldaten sowie die Einwohner, schifften sie ein und -landeten sie einige Monate später an der Küste der Bretagne. — In Anerkennung des -Erfolges ward <em class="gesperrt">Pepperel</em> die Würde eines Baronets verliehen und Kommodore -<em class="gesperrt">Warren</em> zum Kontreadmiral befördert.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_95" id="Page_95">[95]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die Einnahme von Louisbourg</em> gilt als eins der besten Beispiele -für richtiges Zusammenwirken von Land- und Seestreitkräften bei -Berennung einer Küstenstadt. Jede Waffe blieb in ihrem Wirkungskreise: -die Landtruppen übernahmen die Hauptaufgabe; die Flotte versorgte, deckte -und unterstützte sie. Der Fall der Festung hatte <em class="gesperrt">wichtige Folgen</em>. -Für England war es von großer Bedeutung, den Ausrüstungshafen für die -Freibeuter, den Stützpunkt zur Beherrschung des Eingangs in den Lorenzgolf, -genommen zu haben. Unter dem Eindruck des Erfolges bewilligten nun auch -die Mittelstaaten reiche Geldmittel für den Krieg; das englische Parlament -gestand den Kolonien den Ersatz ihrer Kosten für das Unternehmen zu und -zeigte sich jetzt geneigt, einen Angriff auf Kanada tatkräftig zu unterstützen. -Frankreich verlor mit der Stadt die ganze Insel Breton, auch fiel eine große -Zahl von Handelsschiffen, die ohne Kenntnis der Ereignisse von Westindien -nach Louisbourg kamen, in die Hände des Gegners, eine Beute von 25 Millionen -Lstrl. Quebec befand sich in ernster Gefahr, seine Befestigungen wurden -in Eile vervollständigt, sowie Bündnisse mit Indianerstämmen abgeschlossen, -auch bat man dringend in Frankreich um Hilfe.</p> - -<p>Wie bereits erwähnt, führte die Absicht auf der einen Seite, den Erfolg -auszunützen, auf der andern, die Scharte auszuwetzen, <b>im Jahre 1746</b> zu -Rüstungen in den Marinen Englands und Frankreichs. Während aber die -englische Unterstützung nicht abging, entsandte Frankreich, allerdings verzögert, -eine große Expedition. Unter dem Befehl des <em class="gesperrt">Herzogs d'Anville</em> -verließen Ende Juni 1746 7 Schiffe zu 64 Kanonen, 4 zu 50–56, -3 Fregatten, 2 Korvetten und 52 Transporter mit 3500 Mann und reichem -Kriegsmaterial Frankreich; man wollte Louisbourg wiedererobern, mit Hilfe -der Kanadier ganz Akadien (vor allem Annapolis) wegnehmen und endlich -Boston angreifen. Als Sammelplatz der gesamten See- und Landstreitkräfte -war Chibouctu (das jetzige Halifax) bestimmt. Infolge verschiedener Umstände -schlug das Unternehmen fehl; zwei vorausgesandte Kriegsschiffe trafen -im Juli auf dem Sammelplatz ein, aber die große Flotte ließ lange auf sich -warten und war dann leistungsunfähig.</p> - -<p class="small"><b>Die Expedition d'Anvilles nach Kanada 1746.</b> D'Anville war wohl nicht der geeignete -Mann hierzu; zur Galerenflotte gehörig, deren Chef er zuletzt gewesen war, -stand er der Hochseeschiffahrt fern. Die Ausrüstung der Expedition war sehr schlecht, -teils infolge Geldmangels, teils weil sie dem Intendanten übergeben war, der durch seine -Unzuverlässigkeit die erwähnte Meuterei in Louisbourg verschuldet hatte. Die Flotte -verließ am 22. Juni Frankreich, erreichte aber erst am 10. September die Küste Neuschottlands. -Hier wurde sie am 13. durch einen schweren Sturm zerstreut, der zwei -Fregatten bis in die Mitte des Atlantiks trieb, von wo sie nach Frankreich zurückkehrten, -einige Schiffe wurden bis zu den Antillen verschlagen. Die übrigen ankerten -am 27. September vor Halifax. Sie befanden sich in traurigem Zustande; 800 Soldaten -und 1500 Matrosen lagen krank an Skorbut und Pocken, der Rest konnte nicht vollen -Dienst tun. <em class="gesperrt">D'Anville</em> war am 25. einem Schlagfluß erlegen, unter seinem Nachfolger -<em class="gesperrt">d'Estournelle</em> wurde zunächst in einem Kriegsrate erwogen, ob man -den Angriff auf Louisbourg durchführen oder die Kräfte zu einem solchen auf Annapolis -sowie zur Deckung von Quebec teilen solle; der Streit hierüber erregte den erkrankten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_96" id="Page_96">[96]</a></span> -Chef derart, daß er in Irrsinn verfiel und einen Selbstmordversuch machte. Der auf -ihn folgende Oberbefehlshaber <em class="gesperrt">de la Jonquière</em> raffte sich dann auf und -führte Ende Oktober 4 Kriegsschiffe nebst einigen Transportern mit 1100 Mann gegen -<em class="gesperrt">Annapolis</em>. Als er aber Kap Sable umsegelte, litten die Schiffe sehr durch einen -Sturm; er gab nun jede weitere Unternehmung auf und ging nach Frankreich zurück, -wo nach und nach sämtliche Schiffe der Expedition, überfüllt mit Kranken, eintrafen.</p> - -<p>Wenn so die Pläne Frankreichs scheiterten, Louisbourg wiederzunehmen -und in Akadia einzudringen, hatte doch auch England mit seinen Absichten -für das Jahr 1746 kein Glück. Unter Hinweis auf den allgemeinen Wunsch -der Neuengländer, Kanada zu erobern, war es dem Gouverneur <em class="gesperrt">Shirley</em> -gelungen, die Kolonien und das Mutterland zu entschiedenem Vorgehen zu -bewegen; die Nachrichten über Frankreichs Rüstungen, sowie über Angriffe -der Kanadier auf die Grenzen hatten ihn dabei unterstützt. England versprach -die Entsendung einer starken Flotte mit Truppen, um Quebec anzugreifen, -gleichzeitig sollten die Milizen der Kolonien von New York aus zu -Lande gegen Kanada vorgehen. Aber die Flotte blieb eben aus, nur einige -Schiffe von Westindien unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Townsend</em> trafen im Frühjahr -ein; <em class="gesperrt">d'Anville</em> würde diesem weit überlegen gewesen sein, wenn seine -Flotte schlagfertig geblieben wäre. Als nun die französische Expedition erschien, -sahen sich die Kolonien genötigt, die bei Albany am Hudson zum Vorstoß -auf Kanada zusammengezogenen Milizen (10000 Mann) nach Akadia und -nach Boston zu werfen. Man vermochte aber trotzdem nicht, die Kanadier -völlig aus Neuschottland zu vertreiben, und mußte es außerdem hinnehmen, -daß die Grenzgebiete der Staaten New York, Connecticut und Massachusetts -durch die Franzosen sowie deren Indianerhorden fürchterlich heimgesucht -wurden.</p> - -<p>So war <b>im Frühjahr 1747</b> die Lage für die Franzosen trotz ihrer geringen -Zahl und trotz des Fehlschlagens der großen Expedition nicht ungünstig; -kam jetzt rechtzeitig Hilfe aus Frankreich, so konnten die Pläne des Jahres -1746 noch ausgeführt werden. Bekanntlich war man in Paris hierzu entschlossen, -aber das Geschwader <em class="gesperrt">de la Jonquières</em> wurde bei Kap Finisterre -durch Anson vernichtet (14. Mai). Später war dann Frankreich nicht -mehr imstande, etwas für seine Kolonien zu tun, und Kanada hätte einem -ernstlichen Angriff nicht widerstehen können, aber ein solcher erfolgte nicht; -es kam in Nordamerika überhaupt nicht mehr zu größeren Feindseligkeiten. -Die Kolonien waren nach dem Verrauchen ihres ersten Eifers ergrimmt über -den Mangel an Unterstützung seitens des Mutterlandes. Sie beschuldigten -dieses sogar, die Eroberung von Kanada gar nicht ernstlich zu wollen; tatsächlich -scheint man in England durch die ungünstige Lage der Dinge in Indien -zu sehr in Anspruch genommen und zum Frieden geneigt gewesen zu -sein, um für Amerika noch weitere Aufwendungen zu machen.</p> - -<p>Die Bedingungen des <em class="gesperrt">Friedens zu Aachen</em> erregten die Entrüstung -der englischen Kolonisten, da das durch ihre Milizen eroberte Louisbourg -zurückgegeben wurde und nicht einmal die Grenzfragen Erledigung -fanden. Sie sahen den Frieden geradezu als auf ihre Kosten geschlossen an;<span class="pagenum"><a name="Page_97" id="Page_97">[97]</a></span> -es soll allerdings in England die Ansicht laut geworden sein, daß nur die -Furcht vor der Nachbarschaft der Franzosen die Kolonien noch an das Mutterland -fessele, und daß man deshalb gut tue, sie nicht durch die Eroberung -Kanadas noch mächtiger und übermütiger zu machen.</p> - -<p><b>Westindien.</b> Wie bereits erwähnt (Seite 70), behielt Westindien nach -Ausbruch des förmlichen Krieges zwischen England und Frankreich 1744 -als Kriegsschauplatz nicht mehr die Bedeutung, die es während des Krieges -zwischen England und Spanien allein gehabt hatte. Engländer wie Franzosen -sandten zwar des öfteren nicht unbedeutende Seestreitkräfte in diese Gewässer, -doch hatte keine Partei jemals eine derartig überlegene Flotte draußen, um -größere Schläge zu planen. Es muß besonders für England wundernehmen, -daß es in den nächsten Jahren nicht imstande gewesen ist, die volle Seeherrschaft -zu erringen. Aber die Streitkräfte der Jamaikastation waren -meistens denen der Spanier bei Kuba und denen der Franzosen bei Haiti nur -eben gewachsen und die Antillenstation war häufig sogar schwächer; von -dieser wurden in den Jahren 1745 und 1746 mehrfach Geschwader zur Verwendung -in Nordamerika abgezweigt.</p> - -<p>So beschränkten sich denn die Gegner darauf, die eigenen Besitzungen, -sowie abgehende und ankommende Konvois zu decken und den Verkehr -des Feindes zu stören. Die Engländer waren wohl häufiger die Angreifer, -und es gelang ihnen auch zuweilen, größere französische Konvois zu nehmen -oder doch zu zerstreuen, mehrfach aber glückte es auch den Franzosen, -Handelsgeschwader hinaus- oder heimzuführen. Hierin zeichnete sich besonders -der Kapitän <em class="gesperrt">de Conflans</em> aus; 1745 machten sie sogar einen Angriff -auf die Insel Anguilla und landeten 600 Mann, die jedoch von den Einwohnern -selber zur Wiedereinschiffung gezwungen wurden, obgleich diese nur -über 100 Bewaffnete geboten. Auf die Bewegungen der kleinen Geschwader -und der Konvois sowie auf die unbedeutenden Zusammenstöße näher einzugehen, -würde ermüden; man findet sie in den Spezialquellen (z. B. Clowes, -Band III, Troude, Band I, Lacour, Band I). <em class="gesperrt">Der Kleine Krieg</em>, die -Schädigung des feindlichen Handels durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe, -dürfte — wie es bis 1744 der Fall gewesen, weil die Engländer ihre -Kräfte damals zu den Unternehmungen gegen spanische Städte zusammenhielten -— weiter zu ihrem Nachteil ausgefallen sein, solange sich die Seestreitkräfte -der Gegner ungefähr die Wage hielten, da der größere englische -Handel eben mehr Angriffsgelegenheiten bot.</p> - -<p>Erst im letzten Jahre des Krieges wurde es anders, als die Marine Frankreichs -lahmgelegt war. <em class="gesperrt">Das Jahr</em> 1748 bringt denn auch größere Unternehmungen -der Engländer, und zum ersten Male seit langer Zeit läßt die -spanische Flotte wieder von sich hören, und zwar Günstiges.</p> - -<p><b>Angriffe der Engländer auf Port Louis und Santiago de Cuba.</b> Im -Februar 1748 verließ <em class="gesperrt">Kontreadmiral Knowles</em> mit 7 Linienschiffen, -1 Schiff zu 50 Kanonen und 2 kleineren Jamaika, um Santiago<span class="pagenum"><a name="Page_98" id="Page_98">[98]</a></span> -de Cuba anzugreifen. Andauernde nördliche Winde hinderten ihn -jedoch, dieses Ziel zu erreichen und er wandte sich gegen <em class="gesperrt">Port Louis</em> -an der Südküste Haitis. Hier konnten die Schiffe auf Pistolenschußweite -an die Befestigungen herangeführt werden und kämpften diese bald nieder. -Den 257 Kanonen einer Breitseite des englischen Geschwaders standen nur -78 in den Werken gegenüber; der Angriff eines spanischen Branders wurde -durch Boote abgeschlagen, zwei andere Fahrzeuge dieser Art vernichtete -man auf ihren Liegeplätzen, ehe sie zum Angriff kamen. Die Stadt kapitulierte -am 8. März; die Angreifer hatten 70 Tote und Verwundete verloren, die -Spanier 160 von den 600 Mann der Garnison. Dann segelte Knowles nach -<em class="gesperrt">Santiago de Cuba</em>. Dies war stärker befestigt als zur Zeit der Berennung -durch Vernon. Trotzdem wollte Knowles die Einfahrt erzwingen, mochte -auch Vernon der Windverhältnisse wegen einen derartigen Versuch für aussichtslos -gehalten haben. Als jedoch die dazu bestimmten Schiffe festgestellt -hatten, daß die Einfahrt mittels einer Floßsperre und dahinter bereitgehaltener -Brander verteidigt war, gab man die Angriffe auf und kehrte nach Jamaika -zurück.</p> - -<p><b>Das Gefecht vor Havanna, 1. Oktober 1748.</b> Später erfuhr <em class="gesperrt">Knowles</em>, -daß in Havanna die Silberflotte von Vera Cruz erwartet würde. Er ging -mit 5 Linienschiffen in See und kreuzte bei den Tortugasbänken. Kurz vorher -hatte ein nach England bestimmter Konvoi, gedeckt durch ein Linienschiff, -Jamaika verlassen und war wegen der Windverhältnisse gleichfalls durch die -Floridastraße gesegelt, anstatt wie üblich durch die Windwardpassage. -Dieser Konvoi traf am 29. September auf ein spanisches Geschwader; der -Führer des Linienschiffes befahl seinen Schutzbefohlenen, sich zu zerstreuen, -während er selber Knowles aufsuchte und auch schon am nächsten Tage fand. -Das englische Geschwader — 1 Schiff zu 80 Kanonen (das Flaggschiff), -1 zu 70, 4 zu 60, 1 zu 50 — stieß am 1. Oktober zwischen den genannten -Bänken und Havanna auf das spanische — 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 4 zu 64, -1 Fregatte zu 36 unter <em class="gesperrt">Kontreadmiral Spinola</em> — griff sofort an -und trug den Sieg davon.</p> - -<p class="small">Die Spanier nahmen den Angriff in guter Ordnung, Kiellinie beim Winde, auf, -während von den Engländern zwei Schiffe noch zurückstanden; als um 2 Uhr nachmittags -das Nahgefecht begann, scheint der Kampf anfangs nicht günstig für die -Engländer verlaufen zu sein. Das englische Flaggschiff wurde von dem spanischen -so warm empfangen, daß es schon nach einer halben Stunde die Linie verlassen mußte. -Während es ausbesserte, trieb durch Zufall auch ein beschädigtes spanisches Schiff -(64 Kanonen) in seine Nähe und wurde nun nach hartnäckiger Verteidigung durch -das weit überlegene englische genommen. Dieser Erfolg wird besonders dem Umstande -zugeschrieben, daß der Spanier dreimal durch Mörserfeuer<a name="FNAnker_61_61" id="FNAnker_61_61"></a><a href="#Fussnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a> des Engländers in Brand -geschossen wurde. Inzwischen hatten die zurückgebliebenen englischen Schiffe in<span class="pagenumsmall"><a name="Page_99" id="Page_99">[99]</a></span> -den Kampf eingegriffen und der spanische Admiral brach um 8 Uhr abends das Gefecht -ab. Die Spanier verloren 86 Tote und 197 Verwundete, die Engländer 59 und 120. -Erstere erreichten Havanna, büßten aber noch ein zweites Schiff ein, das wegen seiner -Beschädigungen vor dem Hafen ankern und zwei Tage später verbrannt werden mußte, -als sich die Engländer näherten.</p> - -<p>Der Sieg war aber bei etwa gleichen Kräften für die Engländer ungewohnt -schwer zu erringen gewesen. <em class="gesperrt">Admiral Knowles wurde</em> denn auch -<em class="gesperrt">vor ein Kriegsgericht gestellt</em> unter der Anklage, angegriffen -zu haben, ehe sein Geschwader zusammen und in der vorgeschriebenen Ordnung -gewesen sei (also ähnlich wie <em class="gesperrt">Mathews</em> bei Toulon). Er kam aber -mit einem Verweise davon, obgleich man ihm auch noch vorwarf, daß er -nach dem Ausfall seines Flaggschiffes nicht auf ein anderes Schiff übergegangen -sei.</p> - -<p>Nach dem Gefecht kreuzte das Geschwader weiter, um die Silberflotte -abzufangen, bis der Befehl eintraf, die Feindseligkeiten wegen bevorstehenden -Friedensschlusses abzubrechen.</p> - -<p><b>Ostindien</b><a name="FNAnker_62_62" id="FNAnker_62_62"></a><a href="#Fussnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a>. Hier stand Frankreichs Sache vor Ausbruch des Krieges -sehr günstig. Die französische Kompagnie schien der englischen den Rang -ablaufen zu wollen; um 1740 beschäftigte sie 40 Schiffe, und auch der Handel -mit China hatte bedeutend zugenommen. Ihr Besitz bei Pondichery war -unter dem Gouverneur <em class="gesperrt">Dumas</em> in den Jahren 1739–1741 auf friedlichem -Wege durch Gewinnung der Stadt Karikal bei Negapatam sehr erweitert; -die Station Chandernagor am Ganges hatte unter <em class="gesperrt">Dupleix</em> große Fortschritte -gemacht; die Inseln Isle de France und Bourbon waren unter -<em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> leistungsfähige Stützpunkte auf dem Wege nach -Indien geworden. 1741 übernahm Dupleix an Stelle des erkrankten Dumas -die Station Pondichery; in ihm und Labourdonnaye besaß Frankreich bei -Ausbruch des Krieges zwei hervorragende Männer in Indien. Wenn diese in -richtiger Weise zusammengearbeitet hätten und von der Heimat genügend -unterstützt worden wären, so hätten sie die englischen Niederlassungen -vielleicht zugrunde richten können, beides aber traf nicht zu.</p> - -<p class="small">Bertrand François <em class="gesperrt">Mahé de Labourdonnaye</em>, Offizier der ostindischen -Kompagnie und seit 1735 Gouverneur der Maskareneninseln, befand sich 1740 in -Frankreich. Da der Krieg mit England vorauszusehen war, stellte er der Regierung -vor, wie wichtig es sei, sich bei dessen Ausbruch mit starken Seestreitkräften sofort -die Herrschaft in den indischen Gewässern zu sichern, um den Handel Englands lahmzulegen -und die englischen Besitzungen wegzunehmen. Die Regierung ging hierauf -ein und bewirkte, daß ihm die Kompagnie bei seiner Rückreise (April 1741) fünf große -wohl ausgerüstete Schiffe mit 1200 Seeleuten zur Verfügung stellte. Dieses Geschwader -sollte auch alsbald nützlich werden; mit seiner Hilfe wurde im Dezember 1741 <em class="gesperrt">Mahé</em> -befreit, das auf Betreiben der Engländer durch einige indische Fürsten bedroht war. -Als aber Labourdonnaye dann wieder in Isle de France eintraf, erhielt er Befehl, die -Schiffe nach Frankreich zurückzusenden. Die Kompagnie war nämlich dem Kriege -abgeneigt. Sie hoffte, sich mit der englischen Kompagnie über Neutralität zu einigen;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_100" id="Page_100">[100]</a></span> -sie fürchtete auch wohl, von der eigenen Regierung zu abhängig zu werden, wenn die -Gouverneure, wie es bei Labourdonnaye geschehen war, zuviel Gewalt über die Beamten -der Kompagnie erhielten. Die Regierung, schwankend, wie sie unter Ludwig XV. -stets war, ließ sich davon überzeugen, daß sich bei dem Interesse, das beide Kompagnien -am Frieden hätten, ein Kampf in Indien sicher vermeiden lassen würde. So sah -sich <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> bei Ausbruch des Krieges auf seine eigenen Kräfte -angewiesen.</p> - -<p class="small">Der Gouverneur <em class="gesperrt">Joseph François Dupleix</em>, Sohn eines Direktors der -Kompagnie und in deren Verwaltungsdienste aufgewachsen, hatte gleichfalls große -Pläne. Er beabsichtigte, ohne die Handelsbeziehungen außer acht zu lassen, in Indien -ein Reich zu gründen, in dem Frankreich über eine große Anzahl eingeborener Vasallenfürsten -herrschen sollte. Aber auch dieser Plan fand keinen Anklang bei der Kompagnie. -Sie wollte sich möglichst auf den Handel beschränken und fürchtete auch wohl, daß -ein derartiges Vorgehen die Erhaltung des Friedens unmöglich machen würde. 1743 -erhielt Dupleix den Befehl, alle Ausgaben für Bauten, Befestigungen usw. tunlichst -einzuschränken. So war auch er auf eigene Kraft allein angewiesen; die von ihm auf -höhere Anordnung 1744 eingeleiteten Unterhandlungen mit dem englischen Gouverneur -in Madras behufs eines Neutralitätsabkommens wurden abgelehnt, da die Engländer -eine Flotte erwarteten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Labourdonnaye und Dupleix</em> gerieten im Verlauf der Ereignisse -durch eine ernste Meinungsverschiedenheit über die Maßregeln zur -Durchführung des Kampfes in <em class="gesperrt">Zwiespalt</em>. Labourdonnaye sah als Seeoffizier -den Kampf um die Seeherrschaft als die erste und wichtigste Aufgabe -an, Dupleix hatte mehr die Eroberungen am Lande im Auge. Es ist wohl -sicher, daß die Seeherrschaft nicht nur für den Krieg, sondern auch für die -großen Pläne Dupleix' überhaupt nötig war; auch ein französischer Autor, -der sonst diese Pläne hoch einschätzt, Henry Martin, sagt in seiner „Histoire -de France“: „Schwäche zur See war der Hauptgrund, der die Fortschritte -Dupleix' hemmte.“</p> - -<p>Anfangs waren beide Männer von feurigem Patriotismus beseelt, einig, -und beide bereiteten sich mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf -den Krieg vor. <em class="gesperrt">Dupleix</em> befestigte auf eigene Faust und zum Teil auf -eigene Kosten Pondichery und knüpfte enge Verbindungen mit indischen -Fürsten. Der <em class="gesperrt">Nabob von Carnatic</em> erklärte infolgedessen, daß -Pondichery unter dem Schutz des Mogul stehe und daß dieser jeden Angriff -der Engländer auf französische Besitzungen an der Koromandelküste verbiete, -aber allerdings auch die Franzosen hindern werde, gegen die englischen -Niederlassungen vorzugehen. <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> hielt in Isle de France -alle Schiffe an, rüstete die dazu geeigneten so gut wie möglich zum Kriegsdienste -aus und bildete sich aus den Besatzungen Kriegsschiffsmatrosen -sowie Soldaten heran. Da dies jedoch geraume Zeit erforderte und da auch -die Engländer sich vorläufig noch nicht stark genug zum Angriff fühlten, -verliefen <b>die Jahre 1744 und 1745</b> ohne besondere Ereignisse. Die englische -Kompagnie hatte wohl die Absicht gehabt, gegen Pondichery vorzugehen, -gab sie jedoch infolge der Drohung des Nabob von Carnatic auf; ein englisches -Geschwader unter <em class="gesperrt">Kommodore Barnet</em>, das 4 Linienschiffe und -2 Fregatten stark 1744 eingetroffen war, begnügte sich damit, im Golf von<span class="pagenum"><a name="Page_101" id="Page_101">[101]</a></span> -Bengalen französische Schiffe aufzubringen und Pondichery von der See -abzuschneiden.</p> - -<p class="small">Als <em class="gesperrt">Anson</em> nach England zurückgekehrt war, sandte man <em class="gesperrt">Barnet</em> den Befehl, -wenn möglich auch 1744 die spanische Galeone wegzufangen, die jährlich zwischen -Manila und Mexiko fuhr, wie es ersterem 1743 geglückt. Die Verhältnisse in Indien -gestatteten aber dem Kommodore nicht, sich so weit zu entfernen, jedoch es gelang -ihm im Januar 1745, in der Bankastraße drei große Schiffe der französischen Kompagnie -zu nehmen, deren bevorstehende Rückkehr von China man erfahren hatte.</p> - -<p><b>Im Jahre 1746</b> aber fühlte sich <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em>, zu dem im -Januar ein Linienschiff und mehrere Schiffe der Kompagnie gestoßen waren, -stark genug zum Handeln. Im April verließ er Isle de France; in einem -Zyklon wurden seine Schiffe zwar übel zugerichtet, das Linienschiff völlig -entmastet, aber er besserte sie in der Bucht von Antougill auf Madagaskar -aus und erschien Ende Juni an der Koromandelküste. Hier kreuzte seit -einiger Zeit das englische Geschwader unter <em class="gesperrt">Kommodore Peyton</em>, -der nach Barnets Tode den Befehl übernommen hatte, zwischen dem Fort -St. David<a name="FNAnker_63_63" id="FNAnker_63_63"></a><a href="#Fussnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a> und Negapatam. Labourdonnaye beschloß, anzugreifen, obgleich -seine Schiffe, wenn auch zahlreicher, an Gefechtskraft weit zurückstanden, -und schlug den Gegner aus dem Felde.</p> - -<p class="small"><b>Gefecht bei Negapatam, 7. Juli 1746.</b> Das französische Geschwader zählte 1 Linienschiff -zu 74 Kanonen und 8 Kompagnieschiffe: 1 zu 38, 1 zu 36, 6 zu 30 Kanonen. -Es ist schon früher erklärt (Seite 57), weshalb man die Schiffe der Kompagnie trotz -ihrer Größe nicht als vollwertige Schlachtschiffe ansehen kann; an Zahl und Kaliber -der Geschütze waren sie weit unterlegen, dagegen hatte sie Labourdonnaye stark bemannt -und besonders auf Entern eingeübt. <em class="gesperrt">Peyton</em> verfügte über 1 Schiff zu -60 Kanonen, 3 zu 50, 1 zu 40 und 1 zu 20 Kanonen. <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> lag am -7. Juli vor Negapatam, einer holländischen Ansiedlung, zu Anker, und ging sofort -in See, als das englische Geschwader bei nördlichem Winde zu Luward in Sicht kam. -Er hatte die Absicht, den Enterkampf herbeizuführen, konnte aber nicht herankommen, -da sich <em class="gesperrt">Peyton</em> mit seinen besser segelnden Schiffen dicht am Winde hielt. So entspann -sich nur von 4 bis 7 Uhr nachmittags ein Feuergefecht auf mittlere Entfernungen, -in dem die Engländer etwa 60 und die Franzosen gegen 70 Tote und Verwundete einbüßten; -die Schiffe wurden wenig beschädigt. <em class="gesperrt">Peyton</em> räumte während der Nacht -das Feld; er wurde später durch seinen Nachfolger unter Arrest nach England gesandt, -aber dort nicht weiter zur Verantwortung gezogen.</p> - -<p>Das englische Geschwader gab dem französischen nicht nur den Weg nach -Pondichery frei, es ließ sogar Madras ohne Schutz, indem es nach Ceylon -segelte. <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em>, der auf seinen Schiffen bedeutende Gelder -und Vorräte für Pondichery an Bord hatte, ging nach diesem Hafen und trat -mit <em class="gesperrt">Dupleix</em> über weitere Maßnahmen in Beratung.</p> - -<p>Von jetzt an wurde das Verhältnis zwischen den beiden Führern gespannt. -<em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> wollte vor allem die englischen Seestreitkräfte -vernichten. Er bat zu diesem Zweck um Überlassung von 60 schweren<span class="pagenum"><a name="Page_102" id="Page_102">[102]</a></span> -Geschützen für seine Schiffe; Dupleix gab ihm nur leichte, weil er die Werke -der Stadt nicht zu sehr schwächen wollte. Das Geschwader lief am 4. August -aus, um die Engländer zu suchen. Die Gegner sichteten sich auch, wieder -vor <em class="gesperrt">Negapatam</em>, am 17.; es kam aber zu keinem Zusammenstoß, obgleich -sie drei Tage in Sicht voneinander blieben, da <em class="gesperrt">Peyton</em> beständig -auswich. Dieser ging dann auf die Rhede von Pulicat (nördlich von Madras), -lag dort längere Zeit untätig und segelte schließlich sogar Anfang September -nach Bengalen (bei den vorherrschenden Winden nach Lee!), obgleich Madras -inzwischen bedroht war.</p> - -<p>Labourdonnaye hatte bei seiner Rückkehr nach Pondichery den Vorschlag -gemacht, das Fort St. David anzugreifen; Dupleix hielt diesen Platz -für zu unwichtig und verlangte die Vernichtung des englischen Geschwaders -oder einen Angriff auf Madras; hiergegen wandte der Admiral wieder ein, -die Engländer wichen ihm zur See stets aus, so lange sie jedoch gegenwärtig -wären, sei ein Unternehmen gegen Madras zu gewagt — es scheint, als ob er -doch die besseren Schiffe des Gegners gefürchtet habe. Durch den Gouverneur -mit seinem Rat vor die Wahl gestellt, entweder eine der geforderten Aufgaben -zu übernehmen oder sein Kommando niederzulegen, entschloß sich Labourdonnaye -endlich Ende August zum Angriff auf Madras. Kurz vorher waren -seine Schiffe — er selber lag krank — vor Madras gewesen und hatten die -Stadt kurze Zeit beschossen; da nun Peyton selbst daraufhin nicht erschien, -ja sogar nach Bengalen ging, von wo er des Windes halber so leicht nicht -zurückkommen konnte, brauchte Labourdonnaye mit ihm nicht mehr zu -rechnen.</p> - -<p><b>Die Einnahme von Madras</b> durch die Franzosen. 21. September 1746. -Am 12. September ging die Expedition von Pondichery ab, am 14. wurden -2000 Mann (1000 Europäer und 1000 Indier) gelandet. Madras war in keiner -Weise auf eine Belagerung vorbereitet. Als das französische Geschwader -in Pondichery eintraf, bat der Gouverneur, <em class="gesperrt">General Morse</em>, den Nabob -von Carnatic um Beistand, wie es vor zwei Jahren die Franzosen getan hatten; -der englische Agent verstieß aber derartig gegen die üblichen Formen, daß -er nur eine ausweichende Antwort erhielt und vom Nabob kein Verbot an die -Franzosen erging. Dennoch, obgleich auch das Fort St. Georg nur 300 Mann -Besatzung hatte, und man von den Seestreitkräften im Stich gelassen war, -lehnte der Gouverneur eine Übergabe zunächst ab und kapitulierte erst -nach mehrtägiger Beschießung am 21. September. Die Garnison und sämtliche -Engländer wurden kriegsgefangen, alle Waren und Güter wie Fort und Stadt -Eigentum der Franzosen. Aber bei Abschluß des Übergabevertrages hatte -Labourdonnaye durchblicken lassen, daß er geneigt sei, die Stadt gegen ein -Lösegeld zurückzugeben; nach der Übergabe begann er darüber mit Morse -zu verhandeln, trotzdem Dupleix und sein Rat in Pondichery dem Gedanken -auf das schärfste entgegentraten. <em class="gesperrt">Diese Angelegenheit führte -zum völligen Bruch zwischen Labourdonnaye und -Dupleix.</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_103" id="Page_103">[103]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Dupleix</em> hatte gerade am 21. September vom Nabob von Carnatic die Weisung -erhalten, die Belagerung sofort aufzuheben, widrigenfalls dieser eingreifen würde. Er -antwortete, er wolle Madras, sobald es eingenommen sei, dem Nabob ausliefern; hiervon -gab er dem Admiral Kenntnis. Dieser hatte inzwischen dem Gouverneur den Sieg -gemeldet und hinzugefügt: „Wenn man die Stadt zerstöre, würden sich die Engländer -an einem anderen Platze niederlassen; sie zur französischen Kolonie zu machen, verböte -seine Instruktion von 1741, nach der er keine Eroberungen behufs dauernder -Inbesitznahme machen dürfe. Er sei für ein Lösegeld; dieses wäre für die Kompagnie -und auch für den siegreichen Führer sowie seine Offiziere und Soldaten(!) ein großer -Vorteil, und der englische General sei bereit, es in Wechseln auf England zu erlegen.“ -Dupleix wollte hiervon nichts hören. Er mußte fürchten, daß England die Wechsel -nicht einlösen und daß die nächste englische Flotte die Stadt zurückerobern würde. -Er wollte also diese zerstören und durch Zurückgabe ihrer Trümmer dem Nabob gefällig -sein, sowie den Engländern schaden. Labourdonnaye setzte aber seine Verhandlungen -fort, obgleich Dupleix immer schärfere Sprache brauchte und sogar eine neueingetroffene -Verfügung der Kompagnie sandte, nach der der Admiral zwar eine -Stimme im Rat haben solle, aber verpflichtet sei, die Beschlüsse dieser Körperschaft -durchzuführen. Der Admiral erklärte hierauf, er nähme nur Befehle vom Minister -an; die Beamten, die der Gouverneur zur Übernahme der Geschäfte in Madras gesandt -hatte, setzte er gefangen<a name="FNAnker_64_64" id="FNAnker_64_64"></a><a href="#Fussnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a>.</p> - -<p class="small">Abgesehen von der Meinungsverschiedenheit über das Schicksal der Stadt und -die Art der Kriegführung, haben sicher auch persönliche Beweggründe zum Bruch -zwischen den Führern beigetragen. Der Admiral wollte sich nicht unter den Befehl des -Rates stellen; der Gouverneur sah sich durch Labourdonnaye in seiner Würde sowie -in seinen Rechten verletzt und seine ganze Politik dem Nabob gegenüber in Frage -gestellt; auch ging das Gerücht, der Admiral sei von den Engländern bestochen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Dupleix</em> hatte nicht die Macht, seine Ansicht durchzusetzen, da die -Offiziere der Expedition zum Admiral hielten und auch die dreier Linienschiffe, -die am 8. Oktober von Frankreich ankamen, sowie die von verschiedenen -Kompagnieschiffen, die bisher bei Sumatra gekreuzt hatten, auf dessen Seite -traten. <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> schloß am 27. September den Vertrag über -ein Lösegeld von 421 666 Lstrl. ab, der am 18. Oktober bestätigt und dahin -ergänzt wurde, daß Madras am 1. Januar 1747 zurückzugeben sei. Der Admiral -hatte sich beeilen müssen, da er der Jahreszeit halber nicht länger an -der Küste bleiben konnte; schon am 13. Oktober waren in einem Sturme -drei Schiffe gesunken und mehrere schwer beschädigt. Nach notdürftiger -Ausbesserung traf er dann am 27. Oktober vor Pondichery ein; er war durch -die erwähnten Verstärkungen trotz der Verluste immer noch in der Lage, -den Beschlüssen des Gouverneurs und des Rates zu trotzen. Die Uneinigkeit -dauerte fort. Um im nächsten Jahre dem Feinde zur See wieder kräftig entgegentreten -zu können, verlangte Dupleix, die Schiffe sollten in Atchin überwintern; -Labourdonnayes Plan war, sie in Goa gründlich auszubessern und -dort noch einige zum Kriegsdienst auszurüsten. Da ihm der Gouverneur -Geldmittel, Geschütze und Leute zu diesem Zweck verweigerte, ging er mit -den Schiffen seines ursprünglichen Geschwaders über Isle de France nach<span class="pagenum"><a name="Page_104" id="Page_104">[104]</a></span> -Frankreich zurück<a name="FNAnker_65_65" id="FNAnker_65_65"></a><a href="#Fussnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a>. Die neu herausgekommenen Linienschiffe begaben sich -zum überwintern nach Atchin.</p> - -<p><em class="gesperrt">Dupleix</em> war jetzt Herr des eroberten Madras und blieb es während -der Dauer des Krieges trotz verschiedener Bedrohungen. Schon Ende des -Monats Oktober sandte der Nabob von Carnatic, durch die Engländer veranlaßt, -ein Heer von 10000 Mann, da die Franzosen keine Miene machten, -die Stadt auszuliefern; Dupleix würde dies getan haben, wenn Labourdonnaye -die Befestigungen geschleift hätte, so aber fürchtete er, daß sie wieder -in die Hand der Engländer fielen. Er befahl indes, einen Zusammenstoß mit -den Indern zu vermeiden. Als diese dann aber eine französische Verstärkung -von 1000 Mann auf ihrem Marsche von Pondichery nach Madras angriffen, -wurden sie am 4. November blutig zurückgewiesen; dies war der erste entscheidende -Sieg von Europäern über Truppen des Mogul. Nun fühlte sich -Dupleix sicher in Madras; er erklärte den Vertrag Labourdonnayes für ungültig, -beschlagnahmte aufs neue Vorräte und Waren und wies die Engländer -aus, die Frankreich nicht huldigten. Diese zogen nach Fort St. David ab.</p> - -<p><b>Angriff der Franzosen auf Fort St. David 1747.</b> Hier und in der benachbarten -Stadt Cuddalore befand sich jetzt die englische Verwaltung der Koromandelküste, -und von hier aus wurde weiter gegen die Franzosen beim Nabob -intrigiert. <em class="gesperrt">Dupleix</em> wollte deshalb diese letzten englischen Plätze nehmen. -Er sandte im Dezember 1746 von Pondichery 1600 Mann mit 12 Geschützen -ab; wider Willen mußte er den Befehl dem <em class="gesperrt">General de Bury</em>, als dem -dienstältesten Offizier, übertragen, einem wenig befähigten und überalterten -Manne. Die Engländer verfügten nur über 300 Europäer und 1000 Inder; sie -würden wohl unterlegen sein, aber de Bury ließ sich durch den Nabob überfallen -und zum Rückzug nötigen.</p> - -<p>Als <b>im Januar 1747</b> die Schiffe von Atchin zurückkamen, hätte ein Angriff -wohl Erfolg gehabt, Dupleix sah aber, wohl im Hinblick auf die geringe -Befähigung seines Generals, vorläufig davon ab. Er benützte zunächst die -Anwesenheit der Schiffe zur Einschüchterung des Nabobs. Dieser, trotz des -letzten Erfolges entmutigt und des Krieges müde, ließ sich auch bestimmen, -auf die Rückgabe der Stadt Madras zu verzichten und sich von den Engländern -loszusagen. Nun erst beschloß Dupleix, vorzugehen. Die Schiffe, die den englischen -Seestreitkräften doch nicht gewachsen gewesen wären, schickte er -zwar nach Goa, aber er setzte beim Rate die Ernennung eines jungen und -befähigten Offiziers — des Schweizer <em class="gesperrt">Paradis</em>, von Beruf Ingenieur — -zum Oberbefehlshaber durch und ließ ihn am 13. März gegen St. David marschieren. -Der günstige Augenblick war jedoch verpaßt. Als die Truppen vor -dem Fort erschienen, fanden sie auf der Rhede ein starkes englisches Geschwader —<span class="pagenum"><a name="Page_105" id="Page_105">[105]</a></span> -3 Schiffe zu 60, 3 zu 50, 3 zu 40, 1 zu 20 Kanonen — vor; zu den -Schiffen in den bengalischen Gewässern war nämlich kurz vorher eine Verstärkung -unter <em class="gesperrt">Kontreadmiral Thomas Griffin</em> gestoßen, der -auch den Oberbefehl an Peytons Stelle übernommen hatte. Paradis mußte -nach Pondichery zurück, das nun selber bedroht schien. Die Engländer -fühlten sich jedoch zu einem Vorgehen auf dem Lande zu schwach und begnügten -sich damit, die französischen Besitzungen von der See abzuschneiden. -Dupleix beorderte seine Schiffe in Goa nach Isle de France, um dort Verstärkungen -zu suchen. So verging das Jahr 1747 ohne besondere Ereignisse.</p> - -<p><b>Im Juni 1748</b> erschien ein französisches Geschwader, 9 Schiffe stark, von -Isle de France an der Koromandelküste; es bestand aus den bei der Insel -bereits befindlichen Schiffen und den fünf, die unter dem Befehl des Kapitäns -<em class="gesperrt">Bouvet de Lozier</em> der Vernichtung bei Kap Finisterre (vgl. Seite <a href="#Page_88">88</a>) -entgangen waren. Wieder überwog das englische Geschwader an Gefechtswert, -aber Bouvet gelang es, durch geschickte Manöver, den englischen Führer -<em class="gesperrt">Griffin</em> zu täuschen. Er landete unbelästigt 300 Mann, Vorräte sowie -eine größere Geldsumme in Madras und kehrte dann nach Isle de France -zurück, weil er Kenntnis von der bevorstehenden Ankunft eines weiteren -starken englischen Geschwaders hatte. Während <em class="gesperrt">Griffin</em> in See gewesen -war, um Bouvet zu treffen, hatte <em class="gesperrt">Dupleix</em> den Versuch gemacht, St. David -zu überrumpeln; er mißlang, da der neue Kommandant, Major Lawrence, -kurz zuvor mit geringen Verstärkungen aus England eingetroffen, auf seiner -Hut gewesen war.</p> - -<p><b>Angriff der Engländer auf Pondichery 1748.</b> Jetzt wurde die Lage der -Franzosen in Indien bedenklich. Sie waren von Frankreich abgeschnitten -und konnten bei dem Zustand der Marine keine Verstärkung ihrer Seestreitkräfte -mehr erwarten; der Gegner beherrschte die See und sah neuem Zuzug -entgegen. Wäre der letzte Überfall auf St. David gelungen, so hätten die -Engländer wenigstens keinen Stützpunkt am Lande gehabt. Aber <em class="gesperrt">Dupleix</em> -verlor den Mut nicht. Er befestigte Pondichery weiter und schuf zwei Meilen von -der Stadt einen wichtigen Außenposten, Ariancopan, den er Paradis unterstellte.</p> - -<p>In England hatte der Fall von Madras Empörung erregt und nicht nur die -Kompagnie, sondern auch die Regierung zu großen Aufwendungen veranlaßt. -Ende 1747 ging <em class="gesperrt">Kontreadmiral Boscawen</em> mit 10 Linienschiffen -sowie 11 Schiffen der Kompagnie, die viele Vorräte und 1500 Soldaten an -Bord hatten, in See; am Kap der Guten Hoffnung schlossen sich 6 Schiffe der -holländisch-ostindischen Kompagnie mit 400 Mann an. Eine derartig große -europäische Flotte hatte der Osten bisher noch nicht gesehen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Boscawen sollte zunächst die Inseln Isle de France -und Bourbon wegnehmen.</em> Er erschien am 4. Juli 1748 vor Isle de -France, da er jedoch nach seinen Erkundungen die Insel für zu stark befestigt -und besetzt hielt, segelte er drei Tage später nach Indien weiter, zumal da -die Jahreszeit für Unternehmungen an der Koromandelküste schon reichlich -vorgerückt erschien. Allerdings hatte man in Isle de France alles mögliche<span class="pagenum"><a name="Page_106" id="Page_106">[106]</a></span> -für die Befestigungen getan, aber es standen nur 500 Soldaten und 1000 Seeleute -zur Besetzung bereit; ein Angriff wäre mithin nicht aussichtslos gewesen. -Am 11. August erreichte die Flotte St. David und vereinigte sich mit dem -dort schon befindlichen Geschwader. Nachdem man einige Schiffe von diesem, -die schon lange draußen waren, heimgesandt und einige andere zu besonderen -Zwecken abgezweigt hatte, verfügte <em class="gesperrt">Boscawen</em> an Kriegsschiffen über -1 zu 74, 1 zu 64, 4 zu 60, 4 zu 50, 4 zu 8–24 Kanonen und mit den vielen -armierten Ostindienfahrern insgesamt über 30 gefechtsfähige Segel. Am -Lande standen, einschließlich der Seesoldaten der Schiffe, gegen 5200 Mann -Fußtruppen (darunter 3700 Europäer) und etwa 2000 eingeborene Reiter. -<em class="gesperrt">Dupleix</em> hatte nur 1800 Europäer und 3000 Inder. Trotzdem wurde <em class="gesperrt">der -Angriff auf Pondichery</em> abgeschlagen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Admiral Boscawen</em> leitete den Angriff am Lande. Am 18. August rückten -die Truppen von St. David gegen Pondichery vor und schlossen die Stadt ein, die -durch die Flotte unter <em class="gesperrt">Kapitän Lisle</em> blockiert wurde. <em class="gesperrt">Dupleix</em> verteidigte -sich mit größter Bravour und verlor auch den Mut nicht, als Truppen des Nabob zu -den Engländers stießen (wohl die schon erwähnte indische Reiterei). Ein Angriff auf -das Außenwerk Ariancopan wurde blutig zurückgeschlagen und bei einem Ausfall -aus ihm sogar der tüchtigste englische Offizier, Major <em class="gesperrt">Lawrence</em>, gefangen genommen; -leider fiel auch Paradis dabei. Das Fort mußte dann allerdings infolge einer -Explosion geräumt werden; die weitere Berennung der Stadt machte jedoch keine -Fortschritte, obgleich sich noch die Flotte an der Beschießung beteiligte. Die Schiffe -konnten des flachen Wassers halber nicht nahe genug herankommen; die englischen -Quellen schieben die Schuld im übrigen auf die Unfähigkeit der Landoffiziere, insbesondere -der Ingenieure. Als die Regenzeit einsetzte und die Truppen schwer unter -Krankheit litten, mußten die Engländer die Belagerung aufgeben; sie gingen am 14. Oktober -nach St. David zurück. Die Franzosen hatten 200 Europäer und 50 Eingeborene -verloren, die Engländer büßten 1065 Tote ein. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Belagerung -der <em class="gesperrt">Fähnrich Clive</em>, der später so berühmte Gouverneur von Indien, -zuerst von sich reden machte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Dieser Mißerfolg war ein großer Schlag für die -Engländer.</em> Das Ansehen der Franzosen, insbesondere des Generalgouverneurs -Dupleix, wuchs bei den eingeborenen Fürsten ungemein; viele -dieser sandten Glückwünsche. <em class="gesperrt">Dupleix</em> rüstete nun seinerseits wieder -zum Angriff. Zu Anfang <b>des Jahres 1749</b> trafen 200 Soldaten sowie einige -Geldmittel von Frankreich ein, auch kamen 7 Schiffe von Isle de France nach -Madras; ehe jedoch die Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, erhielt -man Kenntnis vom Friedensschluß. Die englische Flotte, die nach der -Belagerung von Pondichery während der schlechten Jahreszeit nach Atchin -und Ceylon gegangen war, kehrte im Januar 1749 gleichfalls nach St. David -zurück; sie beschränkte sich jedoch, von dem Frieden schon unterrichtet, -auf die Beobachtung des französischen Geschwaders in Madras.</p> - -<p>Im Frieden zu Aachen wurde, wie schon bekannt, <em class="gesperrt">Madras gegen -Louisbourg an England ausgeliefert</em>. Die Übergabe erfolgte -im August 1749 und war ein schwerer Schlag für Dupleix, der schon bedeutende -Mittel für bessere Befestigung aufgewendet hatte. Die Engländer<span class="pagenum"><a name="Page_107" id="Page_107">[107]</a></span> -ernteten nun die Früchte seiner Arbeit und besetzten auch sogleich noch den -ehemalig portugiesischen Platz Sao Tomé, vier Meilen südlich von Madras -gelegen.</p> - -<p><b>Im übrigen Indien</b> waren kriegerische Ereignisse nicht vorgekommen. In -<em class="gesperrt">Bengalen</em>, wo beide Völker Niederlassungen in naher Nachbarschaft besaßen, -hatte dies der Nabob des Moguls verhindert; er erhob von beiden Seiten -Kontributionen, von den Engländern etwa 100000 Lstrl. <em class="gesperrt">Der Handel -der englisch-ostindischen Kompagnie</em> hatte sich während -des Krieges sogar gehoben, da die englischen Seestreitkräfte den der anderen -Staaten lahmlegten. Die englische Ausfuhr nach Indien stieg von 568000 Lstrl. -(1745) auf 834000 Lstrl. (1748).</p> - -<h5>Der Kleine Krieg.</h5> - -<p>Über den Kampf um den Handel — Schutz des eigenen, Schädigung -des feindlichen — im Österreichischen Erbfolgekriege enthalten die Quellen -nicht so genaue Angaben wie bisher. Gelegentliche Andeutungen rufen -den Eindruck hervor, als ob diese Art der Kriegführung nach der langen -Friedenszeit auf beiden Seiten nicht mit der gleichen Tatkraft betrieben -worden sei wie in den früheren und auch wieder in den nächstfolgenden -Kriegen<a name="FNAnker_66_66" id="FNAnker_66_66"></a><a href="#Fussnote_66_66" class="fnanchor">[66]</a>. In Frankreich fehlt das planmäßige Vorgehen mit eigens dazu -gebildeten Divisionen, wie es die Minister Pontchartrin, Vater und Sohn, -in den Kriegen 1688–1697 und 1702–1713 vorbereitet hatten; die Marine -war bei ihrer jetzigen Schwäche durch die Bestrebungen zum Schutze der -Kolonien vollauf in Anspruch genommen.</p> - -<p>Auch England leistete im Kleinen Kriege nicht das, was man bei seiner -Überlegenheit zur See hätte erwarten können; hier lag der Grund wohl in -der zur Zeit herabgesetzten Leistungsfähigkeit der Marine. Der Kampf -um den Handel in Westindien wurde, wie erwähnt, englischerseits nicht -mit genügender Kraft durchgeführt, weil man bis 1744 die Seestreitkräfte -zu schließlich doch unfruchtbaren Unternehmungen gegen spanische Niederlassungen -zusammenhielt und weil man nach diesem Jahre den vereinigten -Gegnern nicht überlegen genug war, um die See zu beherrschen.</p> - -<p>Aber auch in den europäischen Gewässern waren die englischen Seestreitkräfte -sowohl während des Krieges mit Spanien allein, wie später an -der spanischen Küste und im Mittelmeer nicht imstande, den eigenen Handel -genügend zu schützen; im Kanal und in der Biscaya war dies ja bei der -günstigen Lage französischer Häfen als Stützpunkte für Kreuzer und Freibeuter -auch früher schon schwierig gewesen. Erst von 1747 an wurde es -überall leichter, als die Marine Frankreichs vom Meere verschwunden und -auch seine Kaper größtenteils weggefangen waren. „20000 Matrosen, die<span class="pagenum"><a name="Page_108" id="Page_108">[108]</a></span> -Besatzungen der Freibeuter,“ sagt Bonfils, „schmachteten in englischen -Gefängnissen.“ Andrerseits war nach und nach frischeres Leben in die -englische Marine gekommen und man hatte die Zahl der für den Kleinen -Krieg besonders geeigneten Schiffe wesentlich vermehrt.</p> - -<p>Damit soll nun aber keineswegs gesagt sein, daß der Kampf um den -Handel keine bedeutende Rolle in diesem Kriege gespielt habe. Bei der -Schilderung der kriegerischen Ereignisse sind die Operationen und Kämpfe -um größere Konvois bereits zur Sprache gekommen. Von beiden Seiten -kreuzten außerdem zahlreiche Kriegsschiffe und Freibeuter, und in Frankreich -wurden, wie schon in den früheren Kriegen, Schiffe der königlichen -Marine Privatpersonen zu diesem Zwecke überlassen. <em class="gesperrt">Die Verluste -an Handelsschiffen</em> bezeugen den bedeutenden Umfang des Kleinen -Krieges. <em class="gesperrt">Es verloren</em>: die Spanier 1249, die Franzosen 2185 = 3434 -Schiffe. Die Engländer durch Spanier 1360, durch Franzosen 1878 = 3238 -Schiffe. Man darf jedoch aus diesen Angaben weder schließen, daß die Gegner -Englands tätiger gewesen seien, noch daß der englische Handel im großen -ganzen ebenso gelitten habe wie der seiner Feinde. Da die Schiffahrt Englands -weit bedeutender war, bot sie mehr Angriffsgelegenheit, und aus -gleichem Grunde steht die Zahl der verlorenen Schiffe für England in einem -ganz anderen Verhältnis zur Gesamtzahl der Handelsfahrzeuge, als bei -Spanien und Frankreich. Die Schiffahrt dieser Länder war durch den Verlust -nahezu lahmgelegt, ihr Handel vernichtet, der englische durchaus nicht. -Da ferner viele den Spaniern abgenommene Schiffe einen ungeheuren Wert -hatten, war der durch die Prisen gemachte Gesamtgewinn Englands größer -als sein Gesamtverlust; man nennt einen Überschuß von 2 Millionen Lstrl. -Ferner hemmte der Ausfall der verlorenen Schiffe keineswegs den Handel -des Landes; dieser nahm sogar zu, je mehr der der andern Völker abnahm. -Nach Zimmermann (Band II, Seite 311) hatte der Gesamthandel Englands -1744 einen Wert von 17791000 Lstrl., im Jahre 1748 aber einen solchen -von 20487000 Lstrl.</p> - -<p>Die Ergebnisse des Kleinen Krieges haben sicher dazu beigetragen, -beide Parteien dem Frieden geneigter zu machen. In Frankreich verschlechterten -sie die ohnehin schon bedenkliche Finanzlage noch wesentlich, aber -auch in England wurden trotz der günstigen Bilanz zwischen Gewinn und -Verlust sowie der Zunahme des Handels im allgemeinen die betroffenen -Kreise des Krieges müde.</p> - -<h5>Schlußbetrachtungen.</h5> - -<p>Der besprochene Seekrieg ist der Anfang einer fast ununterbrochenen -Reihe von Kämpfen zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert, -aus denen England schließlich als Alleinherrscherin auf dem Meere und als -erste Kolonialmacht hervorging. Er brachte in letzter Beziehung noch keine -Ergebnisse von Bedeutung, wie denn der Österreichische Erbfolgekrieg überhaupt -nahezu ergebnislos blieb. Auch die Kriegführung selber in ihm erweckt<span class="pagenum"><a name="Page_109" id="Page_109">[109]</a></span> -nicht das gleiche Interesse wie in den anderen großen Seekriegen. Er regt -aber doch zur Betrachtung verschiedener Punkte an, die in geschichtlicher, -insbesondere seekriegsgeschichtlicher Hinsicht bemerkenswert und lehrreich -sind. Im Nachstehenden soll versucht werden, diesen kurz gerecht zu werden.</p> - -<p><b>Das unmittelbare Eingreifen des Seekrieges in den Landkrieg</b> war gering; -es beschränkte sich auf den Kriegsschauplatz in Norditalien. Gemeinsame -Waffentaten von Bedeutung, wie z. B. Angriffe auf Küstenstädte der See- -und Landstreitkräfte, sind jedoch auch hier nicht zu verzeichnen und kommen -nur im Kolonialkriege vor. Mehr tritt die Tätigkeit der Flotten bei den -Versuchen Spaniens und Frankreichs hervor, die Verbindung ihrer in Italien -fechtenden Truppen mit der Heimat aufrecht zu halten, sowie in dem Bestreben -Englands, dieses zu verhindern. Der Einfluß der Seestreitkräfte -auf den Verlauf des Landkrieges ist denn auch zu bemerken. Eine französisch-spanische -Flotte deckte im Winter 1741/42 das erste Landen der Spanier -in Italien. Aber schon das Versprechen Englands, im Mittelmeere eine starke -Flotte halten zu wollen, brachte Sardinien auf die Seite Österreichs. Englische -Geschwader hinderten dann tatsächlich 1742/43 den weiteren Nachschub -von Verstärkungen für das spanische Heer und zwangen Neapel, -seine Hilfstruppen zurückzuziehen; dem Vordringen der Spanier und Franzosen -am Lande wurde um diese Zeit ein Ziel gesetzt. Nach der für Englands -Seemacht nicht ruhmreichen Seeschlacht von Toulon (1744) dagegen, und -als 1745 die verminderte englische Flotte im Mittelmeer ihre Aufgaben -nicht voll zu lösen vermochte, beteiligte sich Neapel wieder am Kriege, und -es gelang den Franzosen, ihr Heer in Italien auch über See zu unterstützen; -wir finden die französisch-spanisch-neapolitanischen Truppen in Piemont -und in der Lombardei im Vorteil.</p> - -<p>1746 vertreiben die Österreicher ihre Gegner aus Italien und bedrohen -sogar die Provence; allerdings hatten sie durch den Frieden mit Preußen -freiere Hand gewonnen, aber auch die englische Flotte trat in diesem Jahre -wesentlich verstärkt auf. In den meisten Schilderungen des Krieges wird -der Einfluß der englischen Seemacht nur in Hinsicht auf das Verhalten -Sardiniens und Neapels gewürdigt; es dürfte jedoch wohl kein Zufall sein, -daß die Kriegslage überhaupt stets dann für Österreich günstiger stand, -wenn die englische Flotte die See beherrschte. Wir wollen jedoch nicht -behaupten, daß der Einfluß der Seemacht hierbei den Ausschlag gegeben habe.</p> - -<p><b>Der mittelbare Einfluß des Seekrieges</b> auf den großen europäischen -Landkrieg ist bedeutend gewesen. Alles in allem wurde Frankreich durch -den Mangel an einer starken und leistungsfähigen Marine gezwungen, die -im Landkriege errungenen Vorteile aufzugeben, während England seine -Stellung mit Hilfe der Seemacht rettete, obgleich es nicht einmal den besten -Gebrauch von ihr machte. Um dies zu erweisen, müssen wir zunächst auf -<em class="gesperrt">die Verhältnisse Frankreichs vor dem Kriege</em> eingehen. -In der langen Friedenszeit hatte dieser Staat aufs neue begonnen, -seinen Seehandel und seinen Kolonialbesitz zu heben. Man behielt aber<span class="pagenum"><a name="Page_110" id="Page_110">[110]</a></span> -stets eine europäische Gebietserweiterung im Auge und ließ sich dadurch -bei der ersten geeigneten Gelegenheit in einen Festlandskrieg verwickeln, -obschon ein gleichzeitiger Seekrieg mit England vorauszusehen war. Bei -Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges spielte schon der Kampf -auf dem Meere zwischen England und Spanien, und Frankreich war durch -Vertrag gebunden, Spanien zu decken, außerdem bedrohte die Eifersucht -zwischen den englischen und den französischen Kolonien stets den Frieden. -Der große Landkrieg sog dann die Hilfsquellen des Landes auf; man hatte -aber, um England nicht zu reizen, die Marine verfallen lassen und damit -den Seehandel und die Kolonien, die Haupthilfsquellen, des Schutzes beraubt. -Während des Krieges war man nicht imstande — auch wohl aus Mangel -an Einsicht für die Bedeutung des Seekrieges kaum geneigt —, die Marine -zu stärken; diese brach schließlich zusammen.</p> - -<p>Da ist es kein Wunder, daß der Seekrieg für Frankreich so ungünstig -verlief, daß die Vernichtung des Handels und die dadurch beschleunigte -Erschöpfung des Landes sowie endlich der drohende Verlust der Kolonien -wesentlich zu einem Friedensschluß beitrugen, der bei den Erfolgen im Landkriege -eigentlich demütigend war. Hätte Frankreich eine Marine besessen, -die der englischen entgegentreten konnte, wenn sie dieser auch nicht gewachsen -war, so würde es dank seiner Gewalt über die österreichischen Niederlande -und über Maastricht günstigere Friedensbedingungen haben durchsetzen -können.</p> - -<p><b>Die Kriegführung Frankreichs zur See</b> entsprach der Schwäche seiner -Marine; sie mußte sich auf die Verteidigung beschränken. So finden wir -denn auch nur zwei ernstliche Versuche, zum Angriff überzugehen: das eine -Mal, als man noch vor der Kriegserklärung beabsichtigte, überraschend -in England einzufallen (1744), das andere Mal, als die starke Expedition -nach Nordamerika entsandt wurde (1746). Die Vorbereitung zu einem Einfall -in England (1745), um die Erhebung Schottlands zu unterstützen, ist -wahrscheinlich mehr als eine Demonstration anzusehen. Die Marine beschränkte -sich darauf, den eigenen Handel zu schützen, den englischen zu -schädigen und den Kolonien Verstärkungen zuzuführen. Selbst wenn die -Regierung der Seemacht höhere Aufgaben gestellt hätte und Führer von -hoher Begabung vorhanden gewesen wären, würde ein Kampf um die Seeherrschaft -kaum Erfolge erzielt haben, die von größerem Einfluß auf den -Krieg im allgemeinen sein konnten; wahrscheinlich wäre nur der Zusammenbruch -der Marine beschleunigt worden. Die untergeordneten Aufgaben -hat sie aber einige Jahre hindurch nahezu gelöst.</p> - -<p class="small">Zwei neuere französische Marineschriftsteller äußern sich sehr verschieden hierüber: -<em class="gesperrt">Lacour-Gayet</em> schreibt (Seite 189): „Was fehlte, um die Führer von Verdienst -und die tapfern Schiffsbesatzungen zum Erfolge zu führen? Der feste Wille der Regierung, -die Marine ihren Teil an der großen Politik nehmen zu lassen! Man benutzte -sie zu zwar bemerkenswerten, aber untergeordneten Unternehmungen, wie die Kreuzfahrten -nach Westindien. Für die entscheidenden Kriegshandlungen aber, wie den -Einfall in England, die Wiedereroberung von Louisbourg, die Kämpfe in Ostindien,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_111" id="Page_111">[111]</a></span> -schien man sie nur widerwillig heranzuziehen; hier bewilligte man nur so ungenügende -Mittel, daß das Mißlingen vorauszusehen war.“</p> - -<p class="small">Chabaud-Arnault sagt dagegen (Seite 158; hier gekürzt): „Die meisten unserer -Geschichtschreiber verurteilen den Minister, der die Verwendung der Marine leitete. -Sie gehen viel zu weit! Unsere Marine war infolge der schändlichen Politik Fleurys -völlig ungenügend für ihre wichtige Aufgabe. Sie konnte nicht um die Seeherrschaft -kämpfen und widmete sich deshalb der einzig möglichen Kriegführung: der Begleitung -von Konvois und der Störung des feindlichen Handels. Hierbei ging sie zugrunde, -aber sie hatte Erfolge, die nicht zu verkennen sind. England wollte uns die Kolonien -nehmen; es ist ihm nicht gelungen und sein Handel ist zum Teil vernichtet.“ Die -Auffassung Chabaud-Arnaults dürfte unserem Erachten nach den Verhältnissen entsprechender -sein.</p> - -<p><b>Die Kriegführung Spaniens</b> war durchaus schwächlich. In den europäischen -Gewässern verlautet mit Ausnahme der Truppenüberführung 1741 nach Italien -und der Schlacht vor Toulon 1744 nichts von spanischen Flotten oder Geschwadern. -Der Zustand der Marine muß trostlos gewesen sein. Welch -eine lange Zeit gebrauchte die Flotte in Toulon, um segelfertig zu werden, -obgleich die Franzosen sie mit Material, Mannschaften, ja selbst Offizieren -unterstützten! In Westindien stand es ähnlich. Von den nicht unbedeutenden -Kräften (18 Linienschiffe), die hier 1740 versammelt waren, wurde -nur ein Drittel dazu bestimmt, die bedrohten Besitzungen in Mittelamerika -zu decken; diese Schiffe (6) gingen in Cartagena verloren. Der Rest lag -fast tatenlos, sich gewissermaßen an die Franzosen in Haiti anlehnend, in -Havanna, nur auf den Schutz dieser Stadt und wohl auch auf den eigenen -bedacht. Von hier aus scheinen sie, wie das Zusammentreffen mit den Engländern -(1748) zeigt, in nächster Nähe gekreuzt zu haben, aber sie machten -nicht einmal den Versuch, einzugreifen, als der Feind vor Santiago de Cuba -stand. Infolge der Fehler der Engländer war Spanien längere Zeit erfolgreich -im Kleinen Kriege durch Freibeuter und auch, besonders in den europäischen -Gewässern, durch einzelne Kriegsschiffe; von diesen fielen jedoch manche -den Engländern zum Opfer. In mehreren dieser Einzelgefechte haben sich -übrigens spanische Schiffe tapfer geschlagen, so auch das Geschwader vor -Havanna.</p> - -<p><b>Die Kriegführung Englands</b> entsprach nicht seiner Überlegenheit zur See. -Die englische Marine war 1739 fast dreimal so stark als die spanische. Trotzdem -hatten die Angriffe auf spanische Niederlassungen in Westindien — sonst -richtig als die geeignetste Maßregel gegen Spanien ins Auge gefaßt — -keine durchschlagenden Erfolge, im Mittelmeer wurde die Verbindung Spaniens -mit Italien nicht völlig abgeschnitten und selbst im Kleinen Kriege war -England nicht im Vorteil. Überall und besonders in Westindien hätte man -mit stärkeren Streitkräften auftreten müssen, um so mehr, als man doch -damit rechnen konnte und auch tatsächlich rechnete, daß die Franzosen -eingreifen würden. Als der Krieg mit Frankreich dann wirklich ausbrach, -war die Überlegenheit auf seiten Englands zwar nicht mehr so groß, aber -immer noch vorhanden und wuchs fortlaufend beträchtlich; England trat -aber auch weiterhin außerhalb des Kanals nur selten mit genügender Kraft<span class="pagenum"><a name="Page_112" id="Page_112">[112]</a></span> -auf, und so währte es lange, bis die englische Marine die See beherrschte. -Erst im letzten Jahre des Krieges vermochte England die französische Marine -lahmzulegen, die Gegner von ihren Kolonien sowie von Italien völlig abzuschließen -und den Vorteil im Kleinen Kriege ganz auf seine Seite zu bringen.</p> - -<p>Hierdurch wurde nun allerdings Frankreich zum Frieden bestimmt, -aber auch England wünschte ihn, da es seinen Verbündeten, Holland, arg -gefährdet sah und weil der Krieg schon bedeutende Kosten verursacht hatte; -das Geld begann knapp zu werden und jetzt versuchte sogar Holland bei -ihm zu borgen. England hatte in dem langen Kampfe den Handel und die -Marinen der Gegner für den Augenblick vernichtet; es mußte sich aber mit -einem Frieden begnügen, der ihm keine Gebietserweiterungen brachte, ja -der sogar die Hauptursachen des Krieges — die Entlastung seiner Schiffahrt -von spanischem Drucke in Westindien, die Grenz- und Machtfragen -zwischen seinen und den französischen Kolonien in Nordamerika und in -Ostindien — unerledigt ließ. Bei seiner Überlegenheit zur See hätte man -erwarten können, daß es England gelungen wäre, den eigenen Handel vor -größeren Verlusten zu schützen, den Kampf in Nordamerika und Ostindien -zu einem günstigen Austrag zu bringen, sowie den Gegnern wichtige Besitzungen -in Westindien abzunehmen und mit diesen als Pfand einen schnelleren, -jedenfalls aber vorteilhafteren Friedensschluß zu erzwingen. England machte -jedoch unter einer schwachen Regierung von seiner Seemacht nicht den -richtigen Gebrauch. Weder nach einem klaren strategischen Plane noch -mit voller Kraft wurde die Marine eingesetzt; eine mittelbare Bestätigung -dieser Behauptung wird uns der nächste Krieg bringen, in dem man unter -<em class="gesperrt">William Pitts</em> Leitung den richtigen Weg einschlug. Hierzu kam, -daß auch die Leistungsfähigkeit der englischen Marine derzeit zu wünschen -übrig ließ.</p> - -<p class="small"><b>Die Gründe für die Lähmung der englischen Marine</b> sind also in ihrer mangelhaften -Verwendung und in ihrer derzeitigen geringeren Leistungsfähigkeit zu suchen; hierüber -noch einige Worte. Es zeigte sich, daß England auf allen auswärtigen Kriegsschauplätzen -mit ungenügenden Kräften auftrat. Dies ist wohl für die ersten Jahre neben -der Abneigung Walpoles gegen den Krieg den unsicheren Zuständen in England zuzuschreiben. -Die Sache der Stuarts war noch lebendig und man wagte nicht, die Heimat -zu sehr von Truppen und Schiffen zu entblößen. Hierbei sprach wahrscheinlich noch -eine falsche Einschätzung der spanischen und vor allem der französischen Marine mit, -gegründet auf die zahlenmäßige Stärke dieser ohne Rücksicht auf ihren geringen inneren -Wert. Bekannt ist Walpoles Erklärung vor dem Ausbruch des Krieges 1739, England -sei dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen. Außerdem stand für -den König Hannover und damit der Landkrieg im Vordergrund; sein dienstwilliges -und schwaches Ministerium fügte sich hierin, anstatt den Seekrieg in richtige Bahnen -zu lenken und ihn im richtigen Geist zu führen, selbst nicht, nachdem man die Schwäche -der feindlichen Marinen erkannt hatte. <em class="gesperrt">William Pitts</em> Auftreten schon in dieser -Zeit zugunsten der wahren Interessen Englands gegen die hannoversche Politik gab -den Anlaß, daß der König so lange zögerte, ihm eine leitende Stellung anzuvertrauen, -obgleich die öffentliche Meinung dies forderte. Seine Neigung, das Augenmerk vorzugsweise -auf den Landkrieg zu richten, wurde dann dadurch bestärkt, daß Frankreich -(seit 1745) den Hauptkriegsschauplatz in die österreichischen Niederlande verlegte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_113" id="Page_113">[113]</a></span> -und Holland bedrohte; Länder, die England ihm seines eigenen Handels -wegen unter keinen Umständen preisgeben wollte. Man erkannte nicht, daß gegen die -Erfolge Frankreichs hier gerade das beste Gegengewicht zu gewinnen war, wenn man ihm -wertvolle auswärtige Besitzungen als Pfand abgenommen hätte.</p> - -<p class="small">Aber auch die Marine selber war nach der langen Friedenszeit nicht in der Verfassung, -in der sie hätte sein sollen. Die Verwaltung stand nicht auf der Höhe. Die -Zahl der Schiffe ist zwar ungemein groß und wird immer größer, aber mehrfach zeigt -sich, daß für die fernen Gewässer bestimmte Geschwader weit später auslaufen, als -ursprünglich geplant war. — Englische Quellen fügen oft hinzu: „wie gewöhnlich“ — -und auch in den heimischen Meeren scheinen die Flotten nicht immer rechtzeitig bereit -gewesen zu sein, so z. B. als im Jahre 1745 ein Einfall der Franzosen drohte. Ferner -war der Nachrichtendienst mangelhaft, und so konnten französische Geschwader unbelästigt, -ja öfters unbemerkt auslaufen. Auch die anfängliche Überschätzung der -Gegner beruhte wohl hierauf. Die Franzosen waren stets weit besser unterrichtet, wie -schon unter Ludwig XIV. wohl durch die Anhänger der Stuarts in England. Endlich -fehlten im Offizierkorps zu dieser Zeit vielfach der frische Geist und Schneid, die militärische -Vorbildung für den Krieg, ja sogar teilweise die Disziplin. Beweise hierfür -liefern die Kriegsgerichte über Admiral Lestock und die Kommandanten nach der Schlacht -vor Toulon, über Kommodore Peyton nach dem Gefecht bei Negapatam und sein Verhalten -nach diesem, sowie über Admiral Knowles nach der Schlacht vor Havanna; ein ähnlicher -Fall wie der Peytons ereignete sich noch 1746 in Westindien, wo ein Kommodore -(<em class="gesperrt">Mitchel</em>) dem Kampfe mit einem schwächeren französischen Geschwader auswich.</p> - -<p class="small">Über diese Schwächen im englischen Offizierkorps haben wir uns schon früher -(vgl. Seite <a href="#Page_80">80</a> ff.) näher ausgelassen und gleichfalls mehrfach darauf hingewiesen, daß -bei dem englischen Seeoffizier lange Zeit im 18. Jahrhundert das Interesse für die seemännische -Seite seines Berufes die für die militärische überwog; gerade für die Zeit -unmittelbar nach den langen Friedensjahren trifft dies ganz besonders zu. Diese Mängel -haben sicher nicht nur in einzelnen Fällen ihre Wirkung gezeigt, sondern auch im allgemeinen -die Durchführung der Aufgaben der Marine gelähmt, denn bessere Zustände -in der Marine und infolgedessen bessere Leistungen würden wohl auch die Tätigkeit des -Ministeriums dahin beeinflußt haben, die Seemacht richtiger und kräftiger auszunutzen. -Ein Läuterungsprozeß begann vor der Schlacht vor Toulon; seit 1747 ist ja auch schon ein -Fortschritt zu erkennen, sein Endergebnis kam jedoch diesem Kriege nicht mehr zugute.</p> - -<p>Für die Geschichte der <b>Entwicklung der Taktik</b> (vgl. Seite <a href="#Page_36">36</a> ff.) bringt -dieser Krieg noch nicht viel Bemerkenswertes; nur zwei rangierte Schlachten -wurden geschlagen: Toulon 1744, Havanna 1748. Diese zeigen uns aber die -beschränkte Auffassung der Taktik in der englischen Marine, nach beiden -werden die Führer kriegsgerichtlich verurteilt, weil sie gegen den Buchstaben -der Vorschrift verstoßen haben. — Die zwei Schlachten bei Finisterre gereichen -beiden Gegnern zur Ehre. Die englischen Führer nutzen ihre Überlegenheit -richtig dadurch aus, daß sie ohne Ordnung so schnell wie möglich angreifen -und die Melee herbeiführen; die französischen Admirale halten mit eigener -Aufopferung den Gegner fest, um den ihnen anvertrauten Konvois die Möglichkeit -der Rettung zu geben.</p> - -<p><b>Angriffe auf die feindliche Küste</b> fanden in diesem Kriege vielfach statt -und bestätigen die strategischen und taktischen Lehren, die sich aus den -früheren Kriegen ergeben haben<a name="FNAnker_67_67" id="FNAnker_67_67"></a><a href="#Fussnote_67_67" class="fnanchor">[67]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_114" id="Page_114">[114]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Zu erfolgreichen Unternehmungen gegen die Seegrenze -des Gegners ist stets die Beherrschung des -Meeres nötig.</em> Der letztbesprochene Krieg bringt 1744 wieder einen -Versuch Frankreichs, ein Heer nach England überzuführen und hierzu durch -die Flotte den Weg freimachen zu lassen. Als ein vollwertiges Unternehmen, -die Seeherrschaft vor der Überführung zu erringen, kann jedoch dieser Fall -nicht gelten; Colomb sagt bezeichnend: »Es war nicht ein Fall von „Naval -warfare“, sondern von „Naval gambling«.“ Denn wenn auch England nicht -gerade eine Flotte in Spithead versammelt hatte und auch nicht genau über -den französischen Plan unterrichtet war, so durfte Frankreich doch nicht -annehmen, daß der Gegner, der schon im Kriege mit Spanien und vor einem -solchen mit Frankreich stand, seine Küsten völlig unbewacht und unbeschützt -gelassen hätte. Zu einem ernsten Kampfe um die Seeherrschaft war aber die -französische Marine zu schwach, und selbst wenn man durch überraschendes -Auftreten Teile der noch nicht zusammengezogenen englischen Streitkräfte -vernichtet hätte, wäre der Erfolg eines Einfalles nicht gesichert gewesen, da -England im Winter vorher zu Wasser und zu Lande stark gerüstet hatte. -Tatsächlich trat ja auch eine überlegene Flotte der französischen entgegen, -und diese konnte von Glück sagen, daß sie heil davonkam, durch die Witterungsverhältnisse -begünstigt. Im Jahre 1745 wurde der gleiche Plan gar nicht -ins Werk gesetzt, weil England die See beherrschte; dieses dagegen unternahm -1746 den aus anderen Gründen erfolglosen Angriff auf Lorient ganz -richtig, als die französische Atlantikflotte zur Wiedereroberung Louisbourgs -abwesend war. — In den Kolonien ging man gegen Küstenstädte nur vor, -wenn der Angreifer sich vor feindlichen Seestreitkräften sicher wußte. So -nahm <em class="gesperrt">Vernon</em> 1739/40 Puerto Belo sowie Chagres und beschoß Cartagena, -gab aber derartige Unternehmungen auf, sobald er Kenntnis vom Eintreffen -spanischer und französischer Geschwader in Westindien erhielt.</p> - -<p>Als die englischen Seestreitkräfte wesentlich verstärkt waren und die -Franzosen die Station verlassen hatten, folgen in den Jahren 1741–1743 -neue Angriffe auf Küstenstädte, dann aber sehen die Engländer wieder bis -1748 (Angriffe auf Port Louis und auf Santiago de Cuba) davon ab, da sie -während dieser Zeit den Gegnern zur See nicht überlegen waren. Die Ereignisse -auf den andern Kriegsschauplätzen liefern gleiche Beispiele. Die Engländer -nehmen (1745) unter dem Schutz eines starken Geschwaders Louisbourg -in Nordamerika. Wäre eine französische Entsatzflotte während der -langdauernden Berennung herangekommen, so würde aus der belagernden -englischen Flotte eine belagerte geworden sein oder sie hätte die gelandeten -Truppen im Stich lassen müssen; die Franzosen wurden aber durch Blockade -in den Heimatshäfen festgehalten. In Ostindien überwältigen die Franzosen<span class="pagenum"><a name="Page_115" id="Page_115">[115]</a></span> -(1746) Madras, weil das englische Geschwader unter Peyton das Feld räumt — -schon wenn es nur in der Nähe geblieben wäre, würde es den Angriff verhindert -haben, sie müssen das Vorgehen gegen St. David (1747) aufgeben, als der -Gegner wider Erwarten zur See auftritt; die Engländer greifen Pondichery -an (1748), nachdem die Franzosen die ostindischen Gewässer völlig geräumt -hatten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bei der Eroberung von Küstenstädten fällt die -Hauptaufgabe den Landstreitkräften zu</em>; die Flotte deckt, -versorgt und unterstützt diese. Nach der Zusammenstellung Colombs haben -Angriffe durch Seestreitkräfte allein nur in Ausnahmefällen zur Übergabe -eines Platzes geführt, so in diesem Kriege bei Puerto Belo (1739), Chagres -(1739) und Port Louis (1748). Dabei lagen aber die Verhältnisse besonders -günstig für den Angreifer. Im ersten war die Besatzung schwach und entmutigt, -in den beiden andern konnten die Schiffe auf ganz nahe Entfernung -an die Befestigungen herangehen; in einer solchen Lage hatten aber zu jener -Zeit die Schiffe wegen der ungeheuren Überzahl an Geschützen den Befestigungen -gegenüber einen großen Vorteil. Die Angriffe auf La Guayra (1743), -Puerto Cabello (1743) und Port Louis (1748) durch die Flotte allein führten -nicht zur Übergabe. — Beispiele eines gemeinsamen Angriffes von Land- und -Seestreitkräften sind die Berennungen von Cartagena (1741), Santiago de -Cuba (1741), Pondichery, Louisbourg und Madras. Besonders in den beiden -zuletzt genannten Fällen nahmen Flotte und Heer die ihnen zukommende -Aufgabe wahr und erzielten einen Erfolg. Wenn solcher in den anderen -Fällen ausblieb, so lag dies an Fehlern oder an mangelnder Tatkraft bei der -Berennung vom Lande her; Uneinigkeit zwischen den einander gleichgestellten -Führern der beiden Waffen sowie ungünstige Klimaverhältnisse traten hinzu. -Das Unternehmen der Engländer gegen Lorient kann hier nicht herangezogen -werden; es war schon in seiner Anlage verfehlt und ermangelte jeder Energie.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ein bemerkenswerter Ausspruch Colombs</em> sei noch angeführt. -Er sagt (Seite 359 ff., hier kurz zusammengefaßt): „Dieser Krieg bringt uns den Anfang -jener höheren Strategie, nicht an Ort und Stelle und unmittelbar unsere (Englands) -fernen Besitzungen zu schützen und unsere Flotten in den fernen Meeren zu -stärken, sondern mittelbar und in den heimischen Gewässern dadurch, daß man die -wichtigen europäischen Häfen des Gegners bewacht und diesen hindert, Verstärkungen -hinauszusenden. Von 1747 an geschah dies und mit Erfolg; man hatte wohl eine Lehre -aus dem Fehler gezogen, den man 1746 begangen, indem man die große französische -nach Nordamerika auslaufen ließ “.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p115.jpg" width="150" height="154" - alt="deco_p010" - title="deco_p010" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_36_36" id="Fussnote_36_36"></a><a href="#FNAnker_36_36"><span class="label">[36]</span></a> Vgl. diese Punkte betreffend Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_576">576</a>, -<a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_598">598</a>, <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_601">601</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_37_37" id="Fussnote_37_37"></a><a href="#FNAnker_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Zimmermann, Band II, Seite 192–205, schildert die englisch-spanischen -Verhältnisse von 1713–1739 genauer.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_38_38" id="Fussnote_38_38"></a><a href="#FNAnker_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743 wird später als „Nebenkrieg“ -besonders besprochen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_39_39" id="Fussnote_39_39"></a><a href="#FNAnker_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Seit dem Westfälischen Frieden war es stets ein Ziel der holländischen und -der englischen Politik, die Sperrung der Schelde gegen freie Schiffahrt aufrecht zu erhalten -und deshalb zu hindern, daß Antwerpen in französischen Besitz komme. Auch -Englands Handel schien dadurch bedroht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_40_40" id="Fussnote_40_40"></a><a href="#FNAnker_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist schon im -Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt; dort sind auch (Seite 33 ff.) die Marinen auf ihren -inneren Wert — Material und Personal betreffend — gegeneinander abgewogen. So -genügen hier die Angaben über den Schiffsbestand zur Zeit des zu besprechenden Krieges. -Diese sind hauptsächlich nach Charnock, Teil III, zusammengestellt. Charnock gibt -für den Anfang des Krieges nur summarische Mitteilungen, für die Verluste und den -Bestand um 1748 Namen und Kanonenzahl der Schiffe. Ähnliche Zusammenstellungen -über den Verlust von Schiffen wie in Charnock — englische, französische, spanische, -auch mit den Schiffsnamen — sind in „Clowes“, Teil III, Seite 310, zu finden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_41_41" id="Fussnote_41_41"></a><a href="#FNAnker_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Nach <em class="gesperrt">de Jonge</em>, Teil IV, Seite 252 ff.; dort findet man die Fortsetzung -der inneren Geschichte der holländischen Marine nach 1739.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_42_42" id="Fussnote_42_42"></a><a href="#FNAnker_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Clowes Band III; Lacour I; Mahan Band I; -Chab.-Arnault; Bonfils Band II; über die Angriffe auf Küstenstädte auch Colomb. — -Die meisten englischen Quellen geben für diesen Krieg <em class="gesperrt">das Datum</em> noch nach altem -Stil, die französischen nach dem neuen. Bei unserer Schilderung ist die letztere Methode -gewählt und nach bestem Wissen durchgeführt. Es sind jedoch Irrtümer, besonders -bei weniger wichtigen Ereignissen, nicht ausgeschlossen, da die englischen Quellen -anscheinend ihre Methode nicht immer genau durchgeführt haben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_43_43" id="Fussnote_43_43"></a><a href="#FNAnker_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Warpen: Ein Schiff mit Hilfe von (Warp-) Ankern und Trossen fortbewegen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_44_44" id="Fussnote_44_44"></a><a href="#FNAnker_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Näheres über diese beiden Fälle vgl. Clowes, Band III, Seite 64 und 270; -Lacour, I, Seite 132 und 133.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_45_45" id="Fussnote_45_45"></a><a href="#FNAnker_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Eingehendere Schilderung vgl. Clowes, Band III, Seite 68, und Colomb, Seite 338.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_46_46" id="Fussnote_46_46"></a><a href="#FNAnker_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Eingehendere Schilderungen vgl. Clowes, Band III, Seite 78 und 85; Colomb, -Seite 346 und 351.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_47_47" id="Fussnote_47_47"></a><a href="#FNAnker_47_47"><span class="label">[47]</span></a> <em class="gesperrt">Lord George Anson</em>, geboren 1697, machte als Leutnant die Operationen -unter Norris und Byng in der Ostsee und im Mittelmeer mit, wurde 1723 -Kapitän. 1740–1743 führte er seine Reise um die Welt aus, siegte als Vizeadmiral -am 14. Mai 1747 bei Kap Finisterre über de la Jonquière, wofür er zum Peer erhoben -wurde, war 1751 Erster Lord der Admiralität, kommandierte im Siebenjährigen Kriege -längere Zeit die Flotte; wurde 1761 Admiral of the Fleet, starb 6. Juni 1762. — Eine -eingehendere Schilderung obiger Reise z. B. in Clowes, Band III, Seite 320.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_48_48" id="Fussnote_48_48"></a><a href="#FNAnker_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Uns schon bekannt als Flottenführer zu Anfang des Jahrhunderts; vgl. Band I, -Namenverzeichnis.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_49_49" id="Fussnote_49_49"></a><a href="#FNAnker_49_49"><span class="label">[49]</span></a> <em class="gesperrt">Thomas Mathews</em>, geb. 1676, Kapitän 1703, zeichnete sich im Spanischen -Erbfolgekriege aus, wurde 1742 Vizeadmiral, 1743 Admiral; infolge der Schlacht vor -Toulon durch kriegsgerichtlichen Spruch aus der Marine entlassen. Er war ein tüchtiger -Offizier von vornehmem Charakter, gehorsam als Untergebener, fest, aber schroff als -Vorgesetzter. Ehe er das Kommando übernahm, hatte er das Verlangen auf Abberufung -Lestocks gestellt; das erfolgte Versprechen ward vergessen oder nicht beachtet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_50_50" id="Fussnote_50_50"></a><a href="#FNAnker_50_50"><span class="label">[50]</span></a> <em class="gesperrt">Richard Lestock</em>, 1743 Kontre- und bald darauf Vizeadmiral, war sehr -von sich eingenommen, hart als Vorgesetzter, schwierig als Untergebener, tapfer aber -ohne weiten Blick; sehr unbeliebt in der Marine, hatte er sich auch gleich beim Eintreffen -Mathews respektlos gegen diesen gezeigt. Nach der Schlacht vom Dienst suspendiert -und in Untersuchung gezogen, wurde er freigesprochen und auch weiter verwendet -und befördert.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_51_51" id="Fussnote_51_51"></a><a href="#FNAnker_51_51"><span class="label">[51]</span></a> <em class="gesperrt">Labruyère de Court</em>, geb. 1666, Gardemarine 1684, Leutnant 1689, -Kapitän 1695, Chef d'Escadre 1715, Lieutenant-Général 1720, Vizeadmiral 1750, war -ein tüchtiger Offizier, hatte unter Duquesne und Tourville gedient und in der Schlacht -bei Malaga das Flaggschiff geführt; jetzt aber zählte er 78 Jahre und hatte im Laufe -der letzten 34 Jahre nur ein Bordkommando gehabt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_52_52" id="Fussnote_52_52"></a><a href="#FNAnker_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Schilderung nach: Mahan, Band I; Lacour, Band I; Clowes, Band III, in dem -die genauesten Angaben und aus dem auch die Schiffsliste entnommen ist.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_53_53" id="Fussnote_53_53"></a><a href="#FNAnker_53_53"><span class="label">[53]</span></a> Näheres über diese berühmten Kriegsgerichte, mit Angabe weiterer Quellen, -vgl. Clowes, Band III, Seite 103.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_54_54" id="Fussnote_54_54"></a><a href="#FNAnker_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Vgl. Seite <a href="#Page_59">59</a>: Die Beteiligung der holländischen Marine an diesem Kriege, -sowohl im Verein mit der englischen wie auch selbständig, war sehr unbedeutend; sie -soll zu Ende dieser Schilderung des Krieges in den europäischen Gewässern kurz zusammengefaßt -werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_55_55" id="Fussnote_55_55"></a><a href="#FNAnker_55_55"><span class="label">[55]</span></a> Die zahlreichen kleinen Gefechte, die bei der Ausübung des Kleinen und Handelskrieges -sowie auch bei der Beobachtung der französischen Häfen durch die Engländer -vorfielen, übergehen wir. Man findet die bemerkenswertesten in den Spezialwerken, -so z. B. in Clowes, Kapitel „Minor actions“, und in Troude.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_56_56" id="Fussnote_56_56"></a><a href="#FNAnker_56_56"><span class="label">[56]</span></a> Nach Clowes, Band III; Troude, Band I; Bonfils, Band II; Lacour, Band I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_57_57" id="Fussnote_57_57"></a><a href="#FNAnker_57_57"><span class="label">[57]</span></a> <em class="gesperrt">Les Herbiers, Marquis de l'Etanduère</em>, geb. 1682, Gardemarine -1697, Lieutenant 1705, Capitaine 1727, Chef d'Escadre 1745, gestorben 1750. -Er hatte unter den tüchtigsten Führern gedient: Pointis, du Casse, Guay-Trouin (Zug -nach Rio), 1741 in Westindien mit Auszeichnung, 1744 bei Toulon.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_58_58" id="Fussnote_58_58"></a><a href="#FNAnker_58_58"><span class="label">[58]</span></a> <em class="gesperrt">Sir Edward Hawke</em>, geb. 1705, Kapitän 1734, Kontreadmiral 1747, -Vizeadmiral 1748, Admiral 1757, Admiral of the Fleet 1768, vom Dezember 1766 bis -Januar 1771 Erster Lord der Admiralität, gestorben als Vizeadmiral von England 1781. -Tat sich schon als Kommandant der „Berwick“ bei Toulon hervor und zeichnete sich -später im Siebenjährigen Kriege als Flottenführer aus: Sieg bei Quiberon über de -Conflans 1759. Vielfach kommandierte er die englische Hauptflotte vor der französischen -Atlantikküste, und er hat wohl den Grund für die strikte Durchführung der Blockade -gelegt, die in den napoleonischen Kriegen so großen Erfolg davontrug.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_59_59" id="Fussnote_59_59"></a><a href="#FNAnker_59_59"><span class="label">[59]</span></a> Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 182 ff. — Den traurigen Zustand -der holländischen Marine um 1744 haben wir schon geschildert. Vgl. Seite <a href="#Page_59">59</a> und Band I, -Seite 500.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_60_60" id="Fussnote_60_60"></a><a href="#FNAnker_60_60"><span class="label">[60]</span></a> Quellen vgl. Fußnote Seite 59; hierzu treten Zimmermann, Band II und IV. — -Über die Stellung der kriegführenden Mächte in den Kolonien um 1740 vgl. Seite <a href="#Page_7">7</a> ff.; -die Geschichte der Kolonien bis 1740 vgl. Band I, Kapitel <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_599">XII</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_61_61" id="Fussnote_61_61"></a><a href="#FNAnker_61_61"><span class="label">[61]</span></a> In einigen seltenen Fällen führten die englischen Schiffe einige kleine Mörser -— „Coehorns“ benannt nach ihrem Erfinder van Coehoorn, einem holländischen Ingenieuroffizier, -geb. 1641, gest. 1704 — so hatte auch hier das Flaggschiff acht derselben -an Bord.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_62_62" id="Fussnote_62_62"></a><a href="#FNAnker_62_62"><span class="label">[62]</span></a> Siehe die Anmerkung Seite 93.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_63_63" id="Fussnote_63_63"></a><a href="#FNAnker_63_63"><span class="label">[63]</span></a> Fort St. David deckte die Stadt Kudalur (englisch Cuddalore), zwischen Pondichery -und der neuen französischen Besitzung Karikal gelegen; hier hatten die Engländer -in einem der letzten Jahre eine neue Niederlassung gegründet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_64_64" id="Fussnote_64_64"></a><a href="#FNAnker_64_64"><span class="label">[64]</span></a> Genaueres über diesen Streit, der schon während der Belagerung begann und -bis zum 18. Oktober dauerte, vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303 ff., und Band IV, -Seite 177 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_65_65" id="Fussnote_65_65"></a><a href="#FNAnker_65_65"><span class="label">[65]</span></a> <em class="gesperrt">Labourdonnaye</em> wurde in die Bastille gesetzt, aber nach drei Jahren -freigelassen. Die Bestechung konnte man ihm nicht nachweisen; in England ist sie -später aktenmäßig festgestellt (40000 Lstrl.; vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303). -In einer Verteidigungsschrift regte L. noch die öffentliche Meinung gegen Dupleix -auf. Er starb 1753.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_66_66" id="Fussnote_66_66"></a><a href="#FNAnker_66_66"><span class="label">[66]</span></a> Auch <em class="gesperrt">Mahan</em>, der (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_126">126</a>, -<a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_188">188</a>188 und <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_526">526</a>) für seine Betrachtungen -„über den Wert des Kreuzerkrieges“, die wir in unserem ersten Bande (Seite 304 und -471) teilweise wiedergegeben haben, die sämtlichen früheren sowie späteren Kriege -benutzt, zieht hierbei den Österreichischen Erbfolgekrieg nicht heran.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_67_67" id="Fussnote_67_67"></a><a href="#FNAnker_67_67"><span class="label">[67]</span></a> Im ersten Bande auf den Seiten <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_231">231</a>, <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_300">300</a>, -<a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_357">357</a>, <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_484">484</a>. Es ist dabei auf das -sehr lesenswerte Werk des Admirals Colomb „Naval warfare“ verwiesen, in dem „der -Kampf um die Seeherrschaft“ und „die Bedingungen, unter denen Angriffe auf Feindesland -von See aus Erfolg haben“ an der Hand von Beispielen aus den großen Seekriegen -kritisch beleuchtet worden. Auch nachstehenden Betrachtungen ist dieses Werk -(Kapitel VII, Seite 131, sowie Kapitel XV und XVI) zugrunde gelegt.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_116" id="Page_116">[116]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p116.jpg" width="600" height="144" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Viertes Kapitel.</span><br /> -Der Siebenjährige See- und Kolonial-Krieg zwischen -England und Frankreich (Spanien) 1756–1763.</h3> - -<h4>Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges.</h4> - -<p>Die Friedensschlüsse von Dresden (1745 zwischen Österreich und Preußen) -und von Aachen (1748 zwischen den übrigen Gegnern im Österreichischen -Erbfolgekriege) trugen den Keim zu neuen Kämpfen in sich.</p> - -<p><em class="gesperrt">Österreich</em> wollte weder auf Schlesien verzichten noch Preußens -Großmachtstellung anerkennen; von gleichen Gefühlen der Eifersucht war -<em class="gesperrt">Rußland</em> erfüllt. Besonders von ihm, wo seit der Thronbesteigung <em class="gesperrt">Elisabeths</em> -die altrussische Partei am Ruder war, ging der Anstoß zu einem -neuen Kriege aus, schon 1749 versuchte man, Österreich, Sachsen, sowie -England zum Angriff auf Preußen zu bestimmen. Standen diese Mächte -auch seit 1748 im Bündnis unter sich und mit Rußland, so hatten sie doch -zunächst noch keine Neigung, sich aufs neue in einen Krieg zu stürzen. -<em class="gesperrt">Friedrich</em> II. mußte in Frankreich seinen einzigen Bundesgenossen sehen, -er blieb deshalb nach 1748 in enger Verbindung und schloß noch 1753 einen -Handelsvertrag mit ihm.</p> - -<p>England zu gewinnen, erschien für Friedrich aussichtslos. <em class="gesperrt">Georg</em> II. -blieb als Kurfürst von Hannover infolge der Machtentwicklung Preußens, -sowie des Streites um Ostfriesland sein Gegner, aber auch mit der englischen -Regierung bestanden Zwistigkeiten, da diese sich weigerte, Schadenersatz -für im letzten Kriege unrechtmäßig aufgebrachte Handelsschiffe zu leisten. -Das Verhältnis zwischen beiden Staaten spitzte sich so zu, daß sie 1750 -ihre Gesandten abberiefen, auch verpflichtete sich England 1751, Sachsen -auf vier Jahre Subsidien zu zahlen, wobei es hauptsächlich den Schutz -Hannovers gegen Preußen im Auge hatte. Während nun aber der Bund -zwischen Österreich, Rußland und Sachsen mit der ausgesprochenen Absicht, -Preußen zu vernichten, immer festere Gestalt annahm, trat 1755 ein <em class="gesperrt">völliger -Umschwung in der Politik Englands und Frankreichs</em> -und damit in ihrer Stellung zu Preußen ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_117" id="Page_117">[117]</a></span></p> - -<p>Die Nebenbuhlerschaft dieser beiden Staaten um Seehandel und Kolonialbesitz -war der Anlaß. Nach dem Frieden von Aachen hatten die Schiffahrt -sowie die Kolonien Frankreichs wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen. -Der Einfluß der Franzosen in Indien wuchs in einer für England -bedenklichen Weise; in Westindien versuchte Frankreich sich in den alleinigen -Besitz der sogenannten neutralen Inseln (Seite 9) zu setzen; in Nordamerika -wurden die gegenseitigen Beziehungen unhaltbar. Hier nahmen auf beiden -Seiten die Kolonisten ihre Sache selber in die Hand; schon 1754 kam es -zwischen ihnen zu Blutvergießen. Die englische Regierung hatte nun zwar -keine Neigung, wegen der nordamerikanischen Fragen einen Krieg mit Frankreich -zu beginnen<a name="FNAnker_68_68" id="FNAnker_68_68"></a><a href="#Fussnote_68_68" class="fnanchor">[68]</a>, als aber dieses in den Verhandlungen unannehmbare -Bedingungen stellte, kam es überraschend schnell zum Zusammenstoß. -Im Frühjahr 1755 entbrannte zwischen den Kolonien der offene Krieg, beide -Staaten sandten starke, schon länger vorbereitete, See- und Landstreitkräfte -hinüber und England griff bereits im Sommer den französischen Handel in -den europäischen Gewässern an. Wenn auch die Kriegserklärung erst im -Frühjahr 1756 erfolgte, nachdem die Franzosen Port Mahon angegriffen -hatten (April), so war doch der <b>See- und Kolonialkrieg</b> schon im Gange, ehe -der Siebenjährige Krieg auf dem Festlande ausbrach.</p> - -<p>England sah sich angesichts dieser Verhältnisse nach Bundesgenossen -zum Schutze Hannovers um. Im September 1755 wurde ein Vertrag mit -Rußland geschlossen, der England gegen Subsidien ein russisches Heer zur -Verfügung stellte. Dagegen ging das alte Bündnis mit Österreich in die Brüche. -Sein Hauptwert hatte für England stets darin gelegen, daß Belgien (insbesondere -Antwerpen) in österreichischem Besitze bliebe; Österreich zeigte -sich jetzt aber geneigt, diese Provinz an Frankreich abzutreten, um dessen -Hilfe gegen Preußen zu gewinnen. Gleichzeitig lockerte sich auch das gute -Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich. Dieses fühlte, es könne in dem -Kriege mit England nicht auf Preußens Unterstützung rechnen. Friedrich II. -durfte sich nicht an einem Kampfe um Hannover beteiligen, da er dann den -sofortigen Angriff Österreichs zu gewärtigen hatte, zudem erfuhr er von den -Verhandlungen Österreichs mit Frankreich.</p> - -<p>Unter diesen Verhältnissen machte nun England den Versuch, Preußen -wenigstens bedingungsweise für sich zu gewinnen, und Friedrich ging darauf -ein, als er von dem Abkommen zwischen England und Rußland Kenntnis -erhielt. So schlossen England und Preußen den Neutralitätsvertrag von -Westminster (Januar 1756), in dem beide Mächte sich Frieden und Freundschaft -gelobten und sich verpflichteten, ihre bisherigen Verbündeten von -Angriffen auf Gebiete des anderen — also Rußland von Preußen, Frankreich<span class="pagenum"><a name="Page_118" id="Page_118">[118]</a></span> -von Hannover — abzuhalten. Dieses Abkommen sollte mithin die letztgenannten -Mächte einschränken, beförderte aber tatsächlich <b>eine neue -Gruppierung der Staaten</b>, auf die Österreich unter Fürst Kaunitz schon lange -hinarbeitete. Es gelang ihm, Rußland, Sachsen, Schweden, sowie die meisten -deutschen Fürsten zu einem Angriffskriege gegen Preußen, auf dessen -völlige Zerstücklung es abgesehen war, an sich zu ziehen und diesem Bunde -die Unterstützung Frankreichs zu sichern. Es dauerte jedoch geraume Zeit, -bis dies erreicht war; erst im Frühjahr 1757 kam die Koalition zustande -und erst im Sommer waren die Rüstungen überall vollendet.</p> - -<p class="small">Frankreichs bisheriger Politik widersprach dieses Bündnis völlig, bezweckte es -doch einen Krieg, der das österreichische Kaiserreich stärken sollte, für dessen Demütigung -und Schwächung Frankreich bisher gekämpft hatte; es wurde auch nur durch -die Hofpartei begünstigt. Als Preis versprach Österreich Belgien; ein Teil dieser Provinz -sollte an Frankreich abgetreten werden, den Rest der in Parma regierende spanische -Infant Philipp gegen Überlassung seines bisherigen Besitzes an Österreich erhalten. -Noch mehr aber förderten persönliche Einflüsse das Zustandekommen dieses Vertrages. -Man benutzte den religiösen Aberglauben Ludwigs XV., um ihn zu einem Kriege der -beiden katholischen Großmächte gegen die neuentstehende protestantische zu begeistern, -auch wurde die Pompadour, die durch den Spott Friedrichs II. gereizt war, für -den Plan gewonnen. Im Mai 1756 schlossen Österreich und Frankreich zu Versailles -ein Schutzbündnis als Antwort auf den englisch-preußischen Neutralitätsvertrag, und -im Mai 1757 verpflichtete sich Frankreich, ein Heer nach Deutschland zu schicken, -auch erklärte es gleichzeitig den Krieg an Preußen. — Bei der Teilung Preußens sollte -<em class="gesperrt">Rußland</em> Ostpreußen erhalten, an <em class="gesperrt">Schweden</em> sollte Pommern, an <em class="gesperrt">Sachsen</em> -der Saalekreis sowie Magdeburg fallen, <em class="gesperrt">Österreich</em> wollte natürlich Schlesien -behalten. — Auch Rußland und Schweden erklärten erst im Sommer 1757 den Krieg, -nur das <em class="gesperrt">Deutsche Reich</em> hatte dies auf einen Notruf Sachsens schon im Januar -getan und zwar an den „Kurfürsten von Brandenburg“.</p> - -<p><em class="gesperrt">Friedrich der Große</em> hatte aber schon 1756 den als <b>der Siebenjährige -Krieg</b> bekannten Kampf begonnen. Er war im Juli 1756 durch Holland -von der ihm drohenden Gefahr unterrichtet und hoffte mittels eines schnellen -Stoßes die Koalition zu sprengen, Österreich zu entmutigen, sowie dessen -Bundesgenossen abzuschrecken; 1756 nahm er Sachsen in Besitz und drang -im April 1757 in Böhmen ein. Ehe seine übrigen Gegner im Felde erschienen, -hatte er auch mit England einen festeren Bund geschlossen (Januar 1757). -Im Mai und Juni 1756 hatten England und Frankreich formelle Kriegserklärungen -gewechselt; in dem neuen Vertrage mit Preußen verpflichtete -sich England-Hannover, in Westfalen ein Heer aufzustellen, eine starke Flotte -in die Ostsee zu senden und jährlich eine Million Lstrl. Subsidien zu zahlen; -auch lieferte es Hilfsgelder an die wenigen deutschen Fürsten, die zu Preußen -standen.</p> - -<p class="small">Dieser Vertrag war ein Verdienst des älteren <em class="gesperrt">Pitt</em>, des späteren Grafen von -Chatham, Staatssekretärs des Auswärtigen, des Leiters der englischen Politik vom November -1756 bis April 1757 und sodann vom Juni 1757 bis Oktober 1761. Er war trotz -mancher Gegensätze ein begeisterter Verehrer Friedrichs II. und rechnete überdies -ganz richtig, daß die im deutschen Kriege angelegten Gelder in Nordamerika, sowie -in Ostindien Zinsen tragen würden. Mit dem Tode Georgs II. (Oktober 1760) schwand<span class="pagenumsmall"><a name="Page_119" id="Page_119">[119]</a></span> -sein Einfluß; Georg III. sah in ihm einen Feind der königlichen Rechte, bald wurde -die Strömung gegen ihn so stark, daß er (5. Oktober 1761) sein Amt niederlegte, und -damit hörten auch die Unterstützungen Englands an Preußen auf.</p> - -<p>Durch dieses preußisch-englische Bündnis tritt <em class="gesperrt">der Seekrieg -zwischen England und Frankreich in Verbindung mit -dem Siebenjährigen Kriege</em>. Der große König ward in seine -gewaltigen Ringen durch englisches Geld sowie auch durch Truppen wesentlich -unterstützt, und Frankreich war genötigt, neben dem Kampfe gegen -Preußen einen See- und Kolonialkrieg zu führen und seine Küsten gegen -englische Angriffe zu schützen. Englands Nutzen aus dieser Verbindung -war jedoch noch größer, denn Frankreich verbrauchte im Landkriege so viel -von seiner Kraft, daß es dem Gegner auf und über See nicht standhalten -konnte. Die Truppen, die es zum Schutz seiner Küsten zurückbehalten mußte, -sowie die Geldmittel, die es notgedrungen und nur widerwillig für den Seekrieg -aufwandte, hätten in dem Kriege mit Preußen keine ausschlaggebende -Rolle gespielt; dagegen muß man allerdings auch wohl anrechnen, daß Frankreich -durch die Vernichtung seines Seehandels und durch den Verlust seiner -Kolonien infolge des Seekrieges stark geschwächt und dadurch Preußen noch -zur rechten Zeit von diesem gefährlichen Gegner befreit wurde, als es nach -Pitts Rücktritt 1761 von England verlassen war.</p> - -<p><em class="gesperrt">In den See- und Kolonialkrieg trat auch Spanien -ein</em>, allerdings erst 1762. England sowohl wie Frankreich hatten lange -versucht, diesen Staat zu einer engeren Verbindung zu bewegen; letzteres -hatte ihm Minorka und Hilfe zur Rückeroberung Gibraltars angeboten, -Pitt sogar die freiwillige Rückgabe dieses wichtigen Platzes, allerdings zu -einer Zeit, 1757, als die Sache Englands in Nordamerika schlecht stand. -Solange Ferdinand VI. regierte, war jedoch alles vergeblich, anfangs, weil -der schwer gemütskranke König ganz unter dem Einfluß der einsichtigen -Königin stand, dann, weil nach deren Tode alle Geschäfte ruhten. Erst als -Karl III. den Thron bestiegen hatte (1759), gelang es Choiseul, ihn für Frankreich -zu gewinnen und ihn zur Kriegserklärung an England am 1. Mai 1762 -zu bestimmen; England kam dem jedoch durch die eigene Kriegserklärung -schon im Januar zuvor.</p> - -<p class="small"><b>Der Bourbonische Familienvertrag.</b> Im ersten Bande ist (Seite 598) fälschlich -ein Defensivbündnis zwischen Spanien und Frankreich schon mit diesem Namen belegt, -während erst das jetzige vom 15. Oktober 1761, dem auch die spanischen Sekundogenituren -Neapel und Parma beitraten, gewöhnlich so bezeichnet wird. In ihm garantierten -sich sämtliche Herrscherhäuser bourbonischen Stammes ihren gegenseitigen -Besitz; der Vertrag schuf ihnen die Grundlage für eine gemeinsame Politik bis zur -französischen Revolution.</p> - -<p class="small">Karl III., bis 1759 König beider Sizilien, war ein Feind Englands, dem er die -Demütigung im Österreichischen Erbfolgekriege (s. Seite <a href="#Page_73">73</a>) nicht vergessen konnte. -Er gab die Neutralität auf, obgleich sie, wenn auch vielfach von England verletzt, -Spaniens Finanzen und Handel zur Blüte gebracht hatte. Pitt erfuhr frühzeitig von -den Verhandlungen und wollte sofort den Krieg erklären, aber sein Einfluß genügte -nicht mehr, dies durchzusetzen. Als jedoch bald nach seinem Rücktritt die Silberflotte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_120" id="Page_120">[120]</a></span> -des Jahres 1761 mit den für einen Krieg nötigen Mitteln unversehrt eingelaufen war, -trat Spanien so anmaßend auf, daß England sich doch zur Kriegserklärung am 2. Januar -1762 genötigt sah.</p> - -<p><em class="gesperrt">Auch Portugal ward in den Krieg hineingezogen.</em> -Frankreich und Spanien forderten diesen Staat auf, ihrem Bunde gegen den -„Tyrannen der See“ beizutreten und sich dadurch von England freizumachen, -das ihm alles Geld aus dem Lande zöge (vgl. über den englisch-portugiesischen -„Methuen-Vertrag“, Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_490">490</a>). Portugal ging aber nicht darauf ein -in der richtigen Ansicht, daß ein gutes Einvernehmen mit England ihm -nützlicher sei. Frankreich und Spanien fielen nun 1762 in das Land ein, -wurden aber mit englischer Hilfe zurückgeschlagen.</p> - -<p class="small">Bei der alten Abneigung zwischen den beiden Staaten der Pyrenäischen Halbinsel -hatte Portugal einen Verbündeten nötig, der zu jeder Zeit imstande und gewillt zu -seinem Schutze, vor allem auch zu dem des so wichtigen brasilianischen Handels, war. -Auf England konnte es sich verlassen, da für dessen Seemacht die Verfügung über die -portugiesischen Häfen eine große Bedeutung hatte. So blieb Portugal dem bisherigen -Verbündeten treu, obgleich es auch unter Verletzungen der Neutralität durch England -litt. Man gab an, das Bündnis mit England sei rein defensiver Natur; Frankreich und -Spanien erklärten es jedoch für offensiv, da Englands Flotte nur durch die Benutzung -der portugiesischen Häfen imstande sei, zu allen Jahreszeiten die See zu halten und -dadurch ihren Handel sowie die Bewegungen ihrer Flotten zu bedrohen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nur Holland blieb neutral</em> im See- wie im Landkriege. Es -war sich seiner Schwäche zu Wasser und zu Lande bewußt, auch sah es sich -nicht bedroht, da infolge des Bündnisses zwischen Frankreich und Österreich -in diesem Kriege Belgien nicht wie früher Streitobjekt war. Auf Einwirkung -Frankreichs hin band es sich aber auch nicht an den alten Schutzvertrag -mit England, was seinem Seehandel teuer zu stehen kam.</p> - -<h4>Der Verlauf des Siebenjährigen (Land-)Krieges.</h4> - -<p>Dieser Landkrieg steht mit unserem Seekriege in keiner näheren militärischen -Beziehung. Wir wollen über seinen Verlauf jedoch soviel sagen, -als nötig erscheint, um bei der Betrachtung des Seekrieges zu jedem Zeitpunkt -den Stand des Landkriegs in Vergleich ziehen, sowie beurteilen zu -können, welche Leistungen er von den Gegnern im Seekriege verlangte; -auch ist dies notwendig für die Beteiligung der schwedischen und russischen -Marinen am Landkriege, die wir später (Kapitel VI, „Nebenkriege“) behandeln -werden.</p> - -<p class="small"><b>1756.</b> Friedrich II. wollte durch einen überraschenden Stoß in das Herz Österreichs -hinein die ihn bedrohende Koalition sprengen. Er brach am 29. August in Sachsen -ein, um sich dieses Land als Basis zu sichern. Am 10. September schloß er das sächsische -Heer bei Pirna ein und schlug ein heranrückendes österreichisches am 1. Oktober bei -Lobositz; ein zweites, das Schlesien bedrohte, wurde durch Graf Schwerin festgehalten. -Die Sachsen ergaben sich am 14. Oktober, das ganze Land kam nun bald in Besitz des -Königs, aber infolge des unerwartet langen Widerstandes war die Jahreszeit zu weit -vorgeschritten, um den Stoß gegen den Hauptgegner noch unternehmen zu können; -eine verhängnisvolle Verzögerung, denn im Winter wurden seine Gegner einig und -sammelten ihre Kräfte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_121" id="Page_121">[121]</a></span></p> - -<p class="small"><b>1757.</b> Unter Zurücklassung genügender Truppen zum Grenzschutz brach König -Friedrich mit der Hauptmacht im April in Böhmen ein. Am 6. Mai wurde ein österreichisches -Heer (Karl von Lothringen) geschlagen, in die Festung Prag geworfen und -dort berannt, dann ging Friedrich dem unter Daun erscheinenden Entsatzheer entgegen, -in der Hoffnung, durch einen zweiten Sieg dem Kriege ein Ende zu machen. -Da er aber die Belagerung Prags aufrechterhielt, wurde er mit seinen unzureichenden -Kräften am 18. Juni bei Kolin geschlagen. Dies war seine erste und zugleich seine -folgenschwerste Niederlage, denn sie machte seinem Vorwärtsdringen ein Ende; von -jetzt an bedrohte man ihn von allen Seiten, er konnte nur noch um den Bestand seines -Staates kämpfen.</p> - -<p class="small">Friedrich II. war zu schwach, um allen Gegnern gleichzeitig und gleich kräftig -entgegenzutreten, er strebte deshalb dahin, mit seiner Hauptmacht stets an der bedrohtesten -Stelle zu erscheinen, dann errungene Vorteile durch die Grenzkorps festhalten -zu lassen und sich selber gegen die nächste größte Gefahr zu wenden. Seine -Feldherrnkunst, die Unterstützung durch tüchtige Generale, die Beherrschung der -kürzeren inneren Linien sowie die erstaunliche Marschfähigkeit seiner Truppen ermöglichten -ihm, die schwierigsten Lagen zu überwinden und die Gegner schließlich zu ermüden, -obgleich auch er schwere Niederlagen erlitt. Zugute kam ihm, daß die Kräfte -der Gegner nicht in einer Hand und daß ihre Führer oft uneinig waren, endlich auch -deren Langsamkeit. Die Heere waren nach damaligem Brauch bei ihren Bewegungen -an Magazine gebunden; der große König machte sich zuweilen durch unmittelbare Beitreibungen -hiervon frei. Man sagt, er habe den Nutzen dieses Verfahrens voll gewürdigt, -aber nur im äußersten Notfalle davon Gebrauch gemacht, um es nicht seine Gegner -zu lehren, die ihn dann erdrückt haben würden.</p> - -<p class="small">1757 hatten Friedrichs Feinde 500000 Mann aufgebracht, denen dieser nur -250000 (einschließlich seiner Verbündeten und der Festungsbesatzungen) entgegenstellen -konnte. Die Russen drangen in Preußen ein, zwangen mit Hilfe einer Flotte -Memel zur Übergabe (5. Juli), siegten bei Groß-Jägersdorf (30. August) und bedrohten -Königsberg; sie mußten aber im Herbst zurückgehen, da sie sich in dem verwüsteten -Lande nicht halten konnten. Ein Vorstoß der Schweden in Pommern wurde zurückgeworfen. -Die Franzosen griffen Westfalen an, schlugen die Hannoveraner (Herzog -von Cumberland) bei Hastenbeck (26. Juli) und breiteten sich in Hannover und Braunschweig -aus. Die Reichsarmee im Verein mit einem französischen Korps unter Prinz -Soubise hatte durch einen Angriff über Thüringen auf Sachsen die Umklammerung -Preußens schließen sollen; ihr galt der erste Stoß des Königs. Er kam von Kolin mit einem -Teil des Heeres durch Sachsen heran — der andere Teil deckte Schlesien — und zerstreute -die Verbündeten durch den Sieg bei Roßbach (5. November); dann befreite er -durch die Schlacht bei Leuthen (5. Dezember) das schon fast ganz verlorene Schlesien -bis auf Schweidnitz. Er hatte also in diesem Jahre seine Staaten sowie Sachsen behauptet. -Das hannoversche Heer wurde im Winter, jetzt auch durch englische Truppen -verstärkt, neu aufgestellt (Herzog Ferdinand von Braunschweig).</p> - -<p class="small"><b>1758</b> stellten die Verbündeten 320000 Mann auf. Österreich sollte gegen Schlesien -sowie Sachsen vorgehen, den Russen im Osten, den Franzosen im Westen die Hand -reichen; Friedrich verfügte über 236000 Mann. Ferdinand von Braunschweig trieb -im Februar die Franzosen über den Rhein und siegte am 22. Juni bei Krefeld; wenn -er auch dann durch den Vormarsch eines französischen Korps von Hessen her zum -Zurückgehen gezwungen wurde, so behauptete er sich doch das Jahr über in Westfalen. -Ebenso wurden die Schweden, die fast schon Berlin erreicht hatten, bis Ende des Jahres -nach Stralsund zurückgetrieben. Nur die Russen hatten im Januar Preußen besetzt -und waren dann in Pommern bis Kolberg, in der Mark bis Küstrin vorgedrungen. -Friedrich selber eröffnete den Feldzug mit der Eroberung von Schweidnitz, rückte in -Mähren ein und belagerte Olmütz. Das seine Verbindungen bedrohende Vorgehen der -Österreicher unter Daun zwang ihn, die Belagerung abzubrechen, doch gelang es ihm,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_122" id="Page_122">[122]</a></span> -unbehindert Schlesien zu erreichen, um den Russen entgegenzutreten. Diese wurden -durch den Sieg bei Zorndorf am 25. August aus der Mark sowie Pommern vertrieben -und zogen sich bis hinter die Weichsel zurück. Der König eilte nach Sachsen, wo Prinz -Heinrich von der Reichsarmee und Daun arg bedrängt war. Er zog diesen, dessen Verschanzungen -unangreifbar waren, durch Bedrohung seiner Magazine nach der Lausitz, -erlitt aber durch den Überfall bei Hochkirch (14. Oktober) eine schwere Niederlage. -Trotzdem entsetzte er das belagerte Neiße und verhinderte Daun an einem zweiten -Vorstoß auf Sachsen. Wieder hatte er seine Staaten bis auf die Provinz Preußen erhalten -und Schwedisch-Pommern sowie Westdeutschland bis zum Rhein gewonnen.</p> - -<p class="small"><b>1759</b> stellten die Verbündeten 392000 Mann, Preußen und England-Hannover -252000 auf. Die ersteren planten einen konzentrischen Stoß auf Berlin: Russen und -Österreicher von der Oder her, Reichsheer und Franzosen über Sachsen, die Schweden -von Norden, Franzosen über Hannover; ein zweites österreichisches Heer (Daun) sollte -den König im Süden festhalten. Die vom Süden kommenden Franzosen besetzten schon -am 2. Januar Frankfurt a. M. und schlugen Herzog Ferdinand bei Bergen (13. April). -Dieser siegte jedoch bei Minden (1. August) über die von Westen heranrückenden Franzosen, -sowie im November über die Württemberger; er behauptete das Jahr über Westfalen. -Die Schweden breiteten sich in Schwedisch-Pommern aus. Für Friedrich wurde -dies Jahr das unheilvollste. Er mußte abwarten, wo sein Eingreifen am nötigsten war -oder wo die Gegner sich eine Blöße gäben. Die Russen unter Soltikof und die Österreicher -unter Laudon vereinigten sich bei Frankfurt a. O.; der General Wedell wurde -von den ersteren bei Key (23. Juli) geschlagen. Als der König dort hineilte, erlitt er -die furchtbare Niederlage bei Kunersdorf (12. August). Dresden ging an das Reichsheer -verloren. Da aber Daun und Soltikof nicht einig waren, versäumten sie die Gelegenheit, -Friedrich zu erdrücken. Prinz Heinrich hielt Daun, der König Soltikof und Laudon -fest, bis letztere im Oktober nach Polen abzogen; ein Versuch des Königs, Dresden -wiederzugewinnen, gelang jedoch nicht. So blieben ein Teil Sachsens, Schwedisch-Pommern -sowie Preußen in der Gegner Hände; der Feldzug 1759 hatte außerdem des -Königs Heer stark gelichtet.</p> - -<p class="small"><b>1760</b> konnte Friedrich II. sein Feldheer nur auf 90000 Mann, dazu 70000 unter -Herzog Ferdinand, bringen, während die Verbündeten 430000 zählten; dennoch verlief -das Jahr verhältnismäßig günstig. Herzog Ferdinand behauptete sich, wenn auch mit -wechselndem Waffenglück, weiter, und die Schweden machten keine Fortschritte; die -Russen in Pommern mußten eine Belagerung Kolbergs zu Wasser und zu Lande aufgeben. -In Schlesien und in Sachsen stand es anfangs schlimm; hier standen Daun und -das Reichsheer, dort strebten Russen und Laudon aufs neue nach Vereinigung. Laudon -schlug Fouqué bei Landshut. Der König wandte sich von Sachsen nach Schlesien, -Daun folgte ihm, kehrte dann aber plötzlich zur Eroberung Dresdens zurück. Da jedoch -Laudon Glatz nahm, Breslau bedrohte, und die Russen gleichfalls im Anmarsch waren, -mußte der König doch nach Schlesien gehen. Unmittelbar rechts vor und hinter ihm -folgten zwei österreichische Korps (Daun und Lascy), während Laudon ihm entgegenkam; -doch der große Feldherr zerriß dieses Netz durch den Sieg über Laudon bei Liegnitz -am 15. August. Auch zu einer völligen Vereinigung der Österreicher mit den Russen kam -es nicht. Nur eine abgezweigte russische Abteilung drang mit Lascy vereint bis Berlin -vor (Einnahme am 9. Oktober), mußte aber wieder abziehen, als der König heranrückte; -dieser trieb dann Daun, der inzwischen ganz Sachsen besetzt hatte, durch den Sieg bei -Torgau (3. November) wieder auf Dresden zurück. Friedrich stand mithin nicht schlechter -da als zu Ende 1761.</p> - -<p class="small"><b>1761</b> waren die Streitkräfte der Gegner etwa die gleichen wie im Vorjahre und -auch der Plan der Verbündeten war nahezu derselbe. Größere Ereignisse im Felde brachte -das Jahr nicht. Der König konnte die Vereinigung der Russen unter Butturlin und der -Österreicher unter Laudon in Schlesien nicht hindern, wich ihnen jedoch geschickt -aus und bezog endlich eine sichere Stellung im Lager von Bunzelwitz; Uneinigkeit der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_123" id="Page_123">[123]</a></span> -feindlichen Feldherren führte zum Abzug der Russen. Es gelang aber den Österreichern -am 9. Oktober Schweidnitz, und den Russen am 16. Dezember Kolberg zu nehmen; -damit hatten sie in Schlesien sowie Pommern festen Fuß gefaßt.</p> - -<p class="small"><b>1762.</b> Immer kleiner war das Gebiet geworden, das Friedrich noch behauptete, -und jetzt fielen durch Pitts Rücktritt auch die englischen Hilfsgelder fort. Schon sahen -die Gegner der Niederlage Preußens mit Zuversicht entgegen, da wandte sich das Blatt. -Nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth am 2. Januar schloß ihr Nachfolger Peter III. -von Rußland Frieden mit dem König (Petersburg, 6. Mai) und stellte ihm sogar ein -Hilfskorps unter Czernitschew in Schlesien zur Verfügung. Friedrich griff Schweidnitz -an, das Daun in einer festen Stellung auf den Höhen bei Reichenbach deckte. Nach -der Entthronung Peters wurde Czernitschew zurückberufen, ließ sich aber bestimmen, -unter Geheimhaltung der Order noch einige Tage zu bleiben, damit Daun mit ihm rechnen -müsse. Der König siegte bei Burkersdorf am 21. Juli über diesen und wies dann noch -einen weiteren Entsatzversuch Dauns bei Reichenbach am 16. August zurück. Am -9. Oktober fiel Schweidnitz, Schlesien war wiedergewonnen. Prinz Heinrich hatte im -Sommer in Sachsen die Reichstruppen von den Österreichern getrennt und nach Franken -vertrieben; als sich beide in Böhmen wieder vereinigt hatten, schlug er sie bei Freiburg -(29. Oktober). Herzog Ferdinand erfocht über die von Kassel aus vordringenden Franzosen -zweimal einen Sieg bei Wilhelmsthal am 24. Juni, bei Lutterberg am 23. Juli. -Kaiserin Katharina von Rußland zog sich vom Kriege zurück, bestätigte den Frieden -Peters und räumte Preußen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Krieg war zu Ende!</em> England und Frankreich schlossen am 2. November -den <em class="gesperrt">Präliminarfrieden zu Fontainebleau</em>. England gab -dabei Preußen völlig preis, es zog seine Truppen zurück und gestattete Frankreich, -Kleve, Wesel sowie Geldern besetzt zu halten. Nur der Umstand, daß dieser Staat auch -des kostspieligen Landkrieges müde war, bewahrte Preußen vor den Folgen der englischen -Treulosigkeit, denn Österreich verzagte daran, allein Friedrich II. niederzuwerfen, -schloß Waffenstillstand und trat in Friedensverhandlungen ein.</p> - -<p><b>Der Frieden zu Hubertusburg</b>, 15. Februar 1763, stellte den Besitzstand -vor dem Kriege wieder her: Österreich verzichtete auf Schlesien und Glatz, -Preußen räumte Sachsen. Friedrich II. versprach außerdem seine Stimme -für die Kaiserwahl des Erzherzogs Joseph. Des großen Königs überlegener -Geist, sowie die opferwillige Hingabe seines tapferen Volkes hatten den -preußischen Staat und mit ihm die Zukunft Deutschlands gerettet.</p> - -<h4>Der allgemeine Verlauf des See- und Kolonialkrieges.</h4> - -<p>Der Seekrieg spielte sich auf verschiedenen Schauplätzen — in den -europäischen, den nordamerikanischen, den west- und ostindischen Gewässern -— ab. Um aber stets über die ganze Kriegslage im klaren zu sein, -sowie auch weil England von Anfang an nach einem alle Schauplätze umfassenden -Plane vorging, erscheint es angebracht, zunächst den allgemeinen -Verlauf dieses Seekrieges etwas eingehender zu schildern, als dies bisher -bei anderen geschehen ist.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kennzeichnung der Kriegführung seitens der -Gegner.</em> Der vorherzusehende Zusammenstoß zwischen England und -Frankreich erfolgte nur wegen Streitfragen auf oder über der See; dies wies -deutlich genug auf den wahren Kriegsschauplatz hin, und man hätte einen -reinen Seekrieg zwischen den beiden Mächten erwarten müssen. Aber nur<span class="pagenum"><a name="Page_124" id="Page_124">[124]</a></span> -England besaß eine starke Flotte und erkannte das Richtige, <em class="gesperrt">Frankreich</em> -hatte Vorbereitungen für einen Seekrieg versäumt und ließ sich außerdem -durch den Landkrieg vom Seekriege ablenken. Zu Anfang zeigten sich zwar -Unternehmungslust und Tatkraft auf seiten der Franzosen und sie hatten -schon wichtige Erfolge errungen, als sie 1757 in den Landkrieg eintraten. -Durch die überraschende Einnahme von Port Mahon, durch die Gewinnung -Korsikas (wo ihnen Genua zum eigenen Schutz gegen einen Aufstand die -befestigten Plätze übergeben hatte) besaßen sie im Verein mit Toulon eine -starke Stellung im Mittelmeer; in Nordamerika stand ihre Sache sehr günstig -und in Indien war ihre Lage mittelbar dadurch gestärkt, daß die Engländer -um ihren bengalischen Besitz mit den Eingeborenen in schwerem Kampfe -lagen. Frankreich hätte nun ernstlich dahin streben müssen, durch Bündnisse -seine Kraft zur See zu verstärken, Holland und Spanien zu gewinnen; dies -geschah oder gelang aber nicht.</p> - -<p class="small"><b>Englands rücksichtsloses Auftreten</b> gegen die neutralen Staaten, das aus dem -Gefühl seiner Macht zur See entsprang, gab hierzu Gelegenheit. Daß Holland den alten -Bund nicht erneuert hatte, vergalt England mit harten Maßregeln gegen dessen Handel<a name="FNAnker_69_69" id="FNAnker_69_69"></a><a href="#Fussnote_69_69" class="fnanchor">[69]</a>. -Es erklärte alle Häfen Frankreichs in Blockadezustand und ordnete an, daß sämtliche -nach dort bestimmten Schiffe als gesetzliche Prisen zu nehmen wären. Ferner faßte -es den Begriff der Kriegskontrebande weit schärfer als bisher und hielt sich nicht mehr -an die mit Holland getroffene Abmachung „Frei Schiff“ — „Frei Gut«, sondern legte -Beschlag auf holländische Schiffe mit französischer Ladung. Der holländische Handel -mit französischen Kolonien, ja sogar der nach den holländischen wurde arg belästigt; -Holland war genötigt, seine Kauffahrer durch starke Bedeckungen geleiten zu lassen. -Auch andere Staaten, so insbesondere Spanien, litten unter Englands Vorgehen; der -Versuch, Spanien zu gewinnen, scheint aber erst von Choiseul ernstlich gemacht zu sein.</p> - -<p>Dagegen ließ sich Frankreich in den Siebenjährigen Landkrieg verwickeln, -der seine Mittel stark in Anspruch nahm, da es nicht nur die eigenen Rüstungen, -sondern auch die der deutschen Fürsten zahlen, sowie Österreich mit Geld -unterstützen mußte. Deshalb vernachlässigte es nun trotz der ersten Erfolge -seine schon an und für sich schwächere Marine schmählich, anstatt die für -diese durch die Einnahme von Port Mahon im Lande hervorgerufene Begeisterung -zu ihrer Hebung zu benutzen. So zeigen sich denn auch Frankreichs -Flotten nur einmal, 1759, im Kampfe um die Seeherrschaft, und mit dem -Verzicht auf diese gab es auch seine Kolonien auf. Spaniens Hilfe kam zu -spät, seine Kolonien teilten nur das Schicksal der französischen.</p> - -<p class="small">Es mag sein, daß bei der geringen Bevölkerung der französischen Kolonien in -Nordamerika gegenüber den englischen die Seemacht dort nichts am Ausgang des -Kampfes geändert haben würde; bei der Lage der beiden Völker in Indien hing aber -alles von der Beherrschung der See ab.</p> - -<p class="small">Ebenso ist es nicht sicher, ob Frankreich ohne den Landkrieg England hätte -erfolgreich gegenübertreten können. Die Marine war vor 1755 noch nicht genügend vorbereitet, -obgleich ein tüchtiger Marineminister für sie gearbeitet hatte. Die etwaigen -Bundesgenossen waren gleichfalls schwach; Hollands Marine war unbedeutend, die<span class="pagenum"><a name="Page_125" id="Page_125">[125]</a></span> -spanische besaß zwar eine stattliche Zahl von Linienschiffen, nach den früheren Leistungen -darf man aber zweifeln, ob ihr Wert der Zahl entsprach.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> nutzte wohl anfangs seine überlegene Seemacht nicht mit -der nötigen Tatkraft und Umsicht aus, aber bald nach Pitts Amtsantritt -im November 1756 trat hierin eine Änderung ein; dieser erkannte, wo Englands -wahre Vorteile lagen. Auf dem Festlande führte er den Kampf gegen Frankreich -fast nur mit Geld, die Hauptkraft verwandte er auf den Seekrieg. England -beherrschte bald alle Gewässer, schnitt den Gegner von den Kolonien -ab und vernichtete dessen Handel; der eigene wuchs infolgedessen. So wurde -Frankreich die finanzielle Kraft zur Kriegführung genommen, während England -die Kosten leichter tragen konnte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ein Ausblick auf den Verlauf des Seekrieges</em> veranschaulicht -Vorstehendes. Als 1755 in Nordamerika zwischen den Kolonien -der offene Krieg ausgebrochen war, von den Mutterländern unterstützt, -rüsteten beide Gegner, wenn auch die Unterhandlungen noch fortliefen; -England ließ bereits im Sommer an den Küsten Frankreichs Kriegs- und -Handelsschiffe abfangen. Es geschah vielleicht, um den Gegner noch zum -Nachgeben zu bewegen, aber vor allem, um ihn in seinen Rüstungen zu stören; -wurden doch 500 Schiffe mit 6000 Seeleuten, also den Besatzungen von acht -bis zehn Linienschiffen entsprechend, genommen. Dagegen gelang es den -Franzosen 1756, durch Vorbereitung eines Einfalls in England die Aufmerksamkeit -des Gegners vom Mittelmeer abzulenken und dessen Schwäche dort -zur Eroberung von Port Mahon zu benutzen; der Versuch Englands, die -belagerte Stadt zu entsetzen, wurde durch die Schlacht von Minorka vereitelt. -Jetzt erst erklärte England den Krieg, entfaltete aber bald seine Seemacht -in durchgreifender Weise.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Plan für das Vorgehen der englischen Flotte</em> -gipfelte in folgenden Maßnahmen:</p> - -<p>1. Unterstützung des Kolonialkrieges in Nordamerika;</p> - -<p>2. die französischen Häfen am Atlantik, besonders Brest, wurden mit -überlegenen Kräften blockiert, so daß sich auslaufende Flotten oder Geschwader -schlagen mußten.</p> - -<p class="small">Eine vollständige Blockade von Brest wurde in diesem Kriege zum ersten Male -planmäßig betrieben. Die Lage dieses Hafens erleichterte eine solche. Wenn die Blockierenden -durch schwere Westwinde zu ihrer Unterbrechung gezwungen wurden, konnten -auch die Blockierten nicht auslaufen; die Engländer gingen dann nach einem ihrer -Kanalhäfen, waren aber sicher, mit östlichen Winden ihre Station wieder zu erreichen, -ehe eine große und mangelhaft gehandhabte Flotte wesentlichen Vorsprung gewinnen -konnte. Außer ihrem eigentlichen Zweck hatte nämlich eine strenge Blockade noch -eine wichtige Folge: Die französische Marine wurde dauernd außerstand gesetzt, die -Handhabung ihrer Schiffe und Schiffsverbände zu üben; in diesen wie in den Kriegen -zu Ende des Jahrhunderts — dargestellt in unserem fünften Abschnitt —, in denen die -Blockaden jahraus, jahrein meisterhaft durchgeführt wurden, waren daher die Franzosen, -selbst bei gleicher Stärke, beim Zusammentreffen den Engländern nicht gewachsen, -während diese gerade durch den schwierigen Blockadedienst zu vorzüglichen Seeleuten -herangebildet wurden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_126" id="Page_126">[126]</a></span></p> - -<p>3. Fliegende Geschwader unternahmen Angriffe auf Frankreichs Küsten, -bisweilen mit kleineren Landungen verbunden. Diese Vorstöße, deren Ziel -der Gegner nicht voraussehen konnte, sollten ihn zwingen, an vielen Stellen -Truppen bereit zu halten und damit dem Kriege in Deutschland zu entziehen.</p> - -<p>4. In der Nähe von Gibraltar wurde eine Flotte gehalten, um die Seestreitkräfte -von Toulon zu hindern, sich mit der Atlantikflotte zu vereinigen -oder die auswärtigen Stationen zu verstärken. Dieser Teil der englischen -Streitmacht war zwar selbständig, hatte aber etwaigen Anforderungen der -Atlantikflotte Folge zu leisten.</p> - -<p class="small">Auf die Wiedereroberung des Hafens von Port Mahon, ja selbst auf eine Unterbindung -des Verkehrs mit ihm, scheint man keinen Wert gelegt zu haben. Der Besitz -der Seeherrschaft im Mittelmeer spielte nicht die Rolle wie in den früheren Kriegen, -die Hauptinteressen lagen anderswo.</p> - -<p>5. Es wurden Züge gegen die französischen Besitzungen in Westindien -sowie Afrika unternommen und in Ostindien ein ständiges Geschwader unterhalten, -um die Herrschaft in jenen Meeren zu sichern, den Franzosen die -rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden und ihren Handel zu vernichten. -Diese niemals ausgesetzte Tätigkeit nahm größeren Umfang an, als die französische -Marine (1759) lahmgelegt war und als durch Spaniens Eintritt in -den Krieg (1761) die Aussicht auf wertvolle Eroberungen sowie Beute größer -wurde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> versuchte in den ersten Jahren noch, seine auswärtigen -Stationen zu verstärken, sowie die Kolonien zu unterstützen, und kleinere -Geschwader schlüpften auch des öfteren, namentlich während der Wintermonate, -durch die Blockade. Dem aber machte Englands Übermacht nach -und nach ein Ende; selten nur noch gelang es, Kriegsschiffe oder Konvois -nach den Kolonien abzusenden. In den europäischen Gewässern hatte man -sich nach dem Vorstoß gegen Port Mahon auf den Kleinen Krieg mittels -einzelner Kriegsschiffe und Kaper beschränkt. Erst als zu Ende des Jahres 1758 -der feurige <em class="gesperrt">Choiseul</em> ans Ruder gekommen war, raffte man sich auf. -Herabgestimmt durch die Mißerfolge des Jahres im Landkriege, gereizt durch -die englischen Küstenangriffe, faßte man den Entschluß, alle Kraft auf ein -Ziel zu setzen und in Großbritannien zu landen; ein Plan, mit dem man sich -vom Beginn des Krieges an getragen hatte. Gleichzeitig sollten Truppen -nach Irland, England sowie Schottland geworfen und zu diesem Zwecke -die gesamte Streitmacht zusammengezogen werden. Aber die Toulonflotte -wurde auf dem Wege nach Brest von der englischen Gibraltarflotte vernichtend -geschlagen (bei Lagos, August 1759). Trotzdem gab Choiseul den -Plan nicht auf. Die Brestflotte lief aus, als die Blockade durch stürmisches -Wetter unterbrochen war, aber auch sie wurde von dem rechtzeitig zurückkehrenden -Gegner gestellt und aufgerieben. (Schlacht in der Quiberonbucht, -November 1759.)</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> errang inzwischen große Erfolge, da durch das Sammeln -der französischen Seestreitkräfte die anderen Kriegsschauplätze für das<span class="pagenum"><a name="Page_127" id="Page_127">[127]</a></span> -Jahr 1759 ganz ohne Unterstützung geblieben waren. Schon 1758 war die -wichtige Festung Louisbourg in Nordamerika gefallen; 1759 eroberte England -auch Quebec, in Westindien Guadeloupe, in Afrika Gorée und in Indien -räumte das französische Geschwader, nach mehreren nicht unbedingt verlorenen -Gefechten, das Feld, worauf bis Januar 1761 (Übergabe von Pondicherry) -ganz Französisch-Indien verloren ging. Die Streitkräfte Frankreichs -draußen mußten sich eben aufzehren. Die beiden großen Niederlagen -1759 nahmen nun der französischen Marine jegliche Kraft, während England -infolge der geringen Beanspruchung daheim in den fernen Gewässern noch -tatkräftiger auftreten konnte. Spaniens Hilfe für Frankreich kam zu spät, -und auch das sonst erfolgreiche Streben Choiseuls, der 1761 das Marineministerium -mit übernahm, die Marine zu heben, konnte für diesen Krieg -keine Früchte mehr tragen. Nicht imstande, zur See etwas zu unternehmen, -griffen die Verbündeten (1762) Portugal zu Land an, wurden jedoch mit -Englands Unterstützung zurückgeschlagen. England dagegen nahm im Jahre -1762 Frankreich noch Martinique, die Perle der Antillen und ein wichtiger -Stützpunkt für Freibeuterei, den Spaniern Havanna und die Philippinen ab. -Frankreich hatte alle Kolonien bis auf seinen Anteil an Haiti verloren.</p> - -<p>Der Kleine Krieg gegen den Handel in allen Meeren spielte auch im Siebenjährigen -Kriege eine bemerkenswerte Rolle; er zeigte fast dieselbe Eigenart -wie in den früheren englisch-französischen Kämpfen. Obgleich er wiederum -von Frankreich mit großer Kühnheit und Ausdauer geführt wurde, um so -tatkräftiger, je mehr die Marine zurückging, brachte er schließlich doch wie -im österreichischen Erbfolgekriege den Niedergang des französischen Handels -bis zur Vernichtung, dagegen ein Aufblühen der englischen Schiffahrt und -Industrie. Damit wurde für Frankreich eine wichtige Hilfsquelle verstopft, -die für England desto reichlicher floß.</p> - -<h4>Der Friede zu Paris. 10. Februar 1763.</h4> - -<p>Die Eroberung der Philippinen<a name="FNAnker_70_70" id="FNAnker_70_70"></a><a href="#Fussnote_70_70" class="fnanchor">[70]</a> war das letzte Ereignis dieses Krieges. -Neun Monate hatten genügt, um <em class="gesperrt">Spanien</em> niederzuwerfen; es bat um -Frieden, und Frankreichs letzte Hoffnung war damit zertrümmert. <em class="gesperrt">Choiseul</em> -hatte schon 1761 Friedensvorschläge gemacht; es war ihm aber wahrscheinlich -kaum Ernst damit und er wollte wohl nur England über seine -Verhandlungen mit Spanien täuschen. <em class="gesperrt">Pitt</em> durchschaute jedoch diese -Absicht und war auch nicht gewillt, auf das Verlangen Frankreichs einzugehen, -Preußen ganz fallen zu lassen; er rechnete im Gegenteil weiter damit, -durch die Fortsetzung des Land- und Seekrieges Frankreich als See- und -Kolonialmacht völlig zu vernichten. 1762 waren nun beide Gegner des Krieges -müde, Frankreich war erschöpft und die englische Regierung glaubte, gegen -Pitts und seiner Anhänger Ansicht, mit der augenblicklichen Vernichtung<span class="pagenum"><a name="Page_128" id="Page_128">[128]</a></span> -der feindlichen Flotten und Wegnahme der Kolonien genügend erreicht zu -haben. Die Friedensverhandlungen gingen nach Pitts Rücktritt sogar von -der schwachen englischen Regierung aus und wurden trotz der glänzenden -Erfolge mit unwürdiger Hast zu Ende geführt. <em class="gesperrt">Georg</em> III. und der nunmehrige -Leiter der Politik, <em class="gesperrt">Lord Bute</em>, wünschten den Frieden aus anderen -Gründen: Mangel an politischer Einsicht, Abneigung gegen Friedrich II., -Verlangen nach Frieden von außen, um sich gegen Widersacher der Regierung -im Lande wenden zu können. Sie schlossen schon am 3. November 1762 -einen <em class="gesperrt">Präliminarfrieden zu Fontainebleau</em> mit Frankreich -und Spanien unter weit bescheideneren Bedingungen<a name="FNAnker_71_71" id="FNAnker_71_71"></a><a href="#Fussnote_71_71" class="fnanchor">[71]</a> ab, als die Gegner erwarteten -und England nötig gehabt hätte; der Vertrag wurde am 10. Februar -1763 zu Paris bestätigt.</p> - -<p><b>Die Friedensbedingungen.</b> <em class="gesperrt">Frankreich</em> gab alle Ansprüche auf -Kanada, Neuschottland und Neubraunschweig — mit Kap Breton sowie den -anderen Inseln im St. Lorenzstrom — auf; es trat das Ohiotal und das ganze -Gebiet östlich vom Mississippi an England ab. Es gab auch Minorka zurück, -und da es die Insel Spanien versprochen hatte, entschädigte es diesen Staat -durch die Gebiete Louisianas, westlich vom Mississippi, einschließlich der -Stadt New Orleans. Es war aus Nordamerika vertrieben. — In Westindien -erhielt Frankreich sämtliche Inseln bis auf Grenada zurück. Die neutralen -Inseln wurden geteilt: St. Lucia fiel an Frankreich, St. Vincent, Tabago, -Dominica an England. — In Ostindien bekam Frankreich Pondicherry nebst -den Besitzungen an der Koromandelküste wieder, die es 1749 besessen hatte, -es mußte aber auf die seitdem hier sowie in Orissa gemachten Erwerbungen -und auf das Recht verzichten, in Bengalen Befestigungen anzulegen und -Truppen zu halten. Es konnte in Indien wohl in beschränktem Maße Handel -treiben, aber sein politischer Einfluß — der Traum eines großen Reiches hier — -war zu Ende. — In Afrika wurden die Niederlassungen im Senegal (mit -Ausnahme von Gorée) an England abgetreten. — Das Recht, an den Küsten -Neufundlands, sowie in einigen Teilen des Lorenzgolfes zu fischen, ward -Frankreich zugestanden und ihm zu diesem Zweck die kleinen Inseln St. Pierre -und Miquelon als Fischerstationen belassen. — Dünkirchen, der gefährliche -Stützpunkt der Freibeuterei, mußte, wie nach dem Aachener Frieden, wieder -entfestigt werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> bekam Havanna sowie die Philippinen zurück, trat aber -Florida an England ab und erhielt die französischen Teile von Louisiana. -Von dem beanspruchten Rechte der Fischerei bei Neufundland wurde es -ausgeschlossen. Es gestand zu, daß England in Honduras Holz holen dürfe, -und erklärte sich mit der Aburteilung der Prisenfälle in England einverstanden.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> kam mithin durch den Frieden in den Besitz eines nordamerikanischen -Reiches, das Kanada sowie die sämtlichen jetzigen Vereinigten<span class="pagenum"><a name="Page_129" id="Page_129">[129]</a></span> -Staaten östlich des Mississippi umfaßte. Es gewann einige westindische -Inseln und Senegal. In Ostindien wurden der englischen Kompagnie -alle Eroberungen stillschweigend zugestanden; England war hier unbedingt -die Vormacht geworden. Fast noch wichtiger als diese Gebietserweiterungen -waren das Übergewicht zur See und das Ansehen, das England durch den -Krieg erlangt hatte. Aber England hätte weit bedeutendere Forderungen -durchsetzen können: solche, wie sie Pitt und seine Anhänger wünschten, um -Frankreich aus der Reihe der Kolonialmächte zu streichen. Diese versuchten -denn auch, die übereilten Friedensvorschläge rückgängig zu machen, das -Parlament war jedoch größtenteils in der Hand der Regierung und bestätigte -sie<a name="FNAnker_72_72" id="FNAnker_72_72"></a><a href="#Fussnote_72_72" class="fnanchor">[72]</a>.</p> - -<p class="small"><b>Captain Mahan äußert sich hierzu</b> (Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_309">309</a>; hier gekürzt wiedergegeben): -<em class="gesperrt">Pitt sagte</em>: Frankreich ist uns hauptsächlich als See- und Kolonialmacht gefährlich. -Was wir in dieser Hinsicht gewinnen, ist uns durch den Schaden wertvoll, den Frankreich -davon bat. <em class="gesperrt">Jetzt läßt man ihm die Möglichkeit, seine Marine -wieder ins Leben zu rufen.</em> Die Zurückgabe der Kolonien in West- und -Ostindien sowie des Rechtes der Fischerei in Nordamerika gaben Frankreich die Möglichkeit -und den Antrieb, Schiffahrt, Handel und Marine wieder herzustellen, und waren -geeignet, es von dem Pfade des Ehrgeizes auf dem Festlande, der so günstig für das -Wachsen der Macht Englands auf den Ozeanen gewesen war, abzulenken. Die Opposition -in England war auch der Ansicht, daß das noch öde Florida ein schlechter Ersatz für -das wichtige Havanna sei; Portoriko war als solcher vorgeschlagen, Florida wurde angenommen.</p> - -<p class="small">Das Ministerium rechtfertigte seine Nachgiebigkeit mit dem ungeheuren Wachsen -der Staatsschuld durch den Krieg (von 78 Millionen Lstrl. im Jahre 1748 auf 122); aber -gerade weil dieser Wechsel auf die Zukunft gezogen war und sich dies durch die Erfolge -im Kriege bewährt hatte, mußte man beim Friedensschluß alles nehmen, was man -erhalten konnte. Auch brauchte England in dieser Hinsicht nicht in Sorge zu sein. -Der zunehmende Handel und die wachsende Industrie, für die der große Kolonialbesitz -ihm den Absatz sicherte, während im übrigen Europa Seehandel und Industrie daniederlagen, -boten ihm genügende Garantie. Aber das Volk hatte keine Vertretung in der -Regierung; der einzige Mann, der der Ausnutzung der günstigen Lage gewachsen war, -Pitt, stand in Ungnade bei Hofe.“</p> - -<p>Frankreich war über die geringen Forderungen erstaunt. Man hätte -hier das reiche Martinique, Guadeloupe sowie das handelspolitisch und -strategisch wichtig gelegene St. Lucia<a name="FNAnker_73_73" id="FNAnker_73_73"></a><a href="#Fussnote_73_73" class="fnanchor">[73]</a> geopfert; Guadeloupe gab aber -Lord Bute sogar über den Kopf des Premierministers hin fort. Die ostindische -Kompagnie war empört, daß sie die fast nur auf ihre Kosten eroberten Philippinen -nicht behalten durfte; nicht einmal der volle Betrag der auferlegten -Kontribution wurde ihr von Spanien gezahlt. Die Entrüstung auf Bute -wuchs so rasch im Lande, daß er schon im April 1763 zurücktrat; man sagte -ihm sogar nach, er sei von Frankreich bestochen worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_130" id="Page_130">[130]</a></span></p> - -<h4>Die Streitmittel.<a name="FNAnker_74_74" id="FNAnker_74_74"></a><a href="#Fussnote_74_74" class="fnanchor">[74]</a></h4> - -<p><b>Frankreich</b> trat dank den Bemühungen der Minister <em class="gesperrt">Maurepas</em> und -<em class="gesperrt">Rouillé</em> mit einer größeren Zahl von Schiffen in den Siebenjährigen Krieg -ein als in den vorigen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Schiffsbestand</em> betrug 1756: 6 Schiffe zu 84 Kanonen, -29 zu 74, 3 zu 70, 29 zu 64, 5 zu 60, mithin 72 Linienschiffe; ferner 10 Schiffe -zu 50 sowie 6 zu 36–46 Kanonen, gewöhnlich Fregatten genannt, und an -richtigen Fregatten 17 zu 32 sowie 24 zu 22–26 Kanonen, endlich 12 Korvetten -zu 10–16 Kanonen und etwa 100 kleinere Fahrzeuge. Fast alle diese -Schiffe, besonders aber die Linienschiffe, waren seit 1748 neu erbaut.</p> - -<p class="small">Zu den Linienschiffen zählen von dieser Zeit an nur solche, die über 50 Kanonen -führen, doch stellte Frankreich noch manchmal 50-Kanonenschiffe in die Linie ein -(England nur sehr selten). Frankreich scheint auch in diesem Kriege noch keine Dreidecker -gehabt zu haben, dagegen die neuen, sehr starken Zweidecker zu 84 Kanonen -(vgl. Seite <a href="#Page_12">12</a> und <a href="#Page_14">14</a>). Mehrere Quellen geben für 1756 nur 60–70 Linienschiffe an.</p> - -<p>Auch die Zahl der <em class="gesperrt">Seeoffiziere</em> war von 660 um 1740 wieder auf -900 gewachsen, aber wie bei Beginn des vorigen Krieges fehlte ihnen die -Übung, und bei den Mannschaften war dies noch mehr der Fall. Die traurigen -Verhältnisse unter den späteren Ministern machten eine Stärkung der Marine -während des Krieges unmöglich; der Aufschwung unter <em class="gesperrt">Choiseul</em> (1761) -kam zu spät. Im Siebenjährigen Kriege erhielt die königliche Marine noch -Unterstützung durch die Ostindische Kompagnie, deren Schiffe und Offiziere -jedoch nicht vollwertig waren (vgl. Seite <a href="#Page_57">57</a>).</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust an Schiffen</em> betrug 20 Linienschiffe und 34 Fregatten, -vom Feinde genommen, 14 und 22 Schiffe dieser Arten vernichtet -oder sonst verunglückt; eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge trat hinzu. Die -Marine war also um 1763 wieder bis auf 40 Linienschiffe und, trotz einiger -Neubauten, auf vielleicht 10 Fregatten zurückgegangen, wozu dann die -15 Linienschiffe im Bau, die die Nation der Regierung schenkte, traten.</p> - -<p><b>Spanien</b> hatte gleichfalls seine Marine seit 1748 sehr verstärkt. 1759 besaß -es 49 Linienschiffe, nämlich: 2 zu 80 Kanonen, 6 zu 70, 30 zu 68, 8 zu -60, 3 zu 58. Hinzu kamen 2 Schiffe zu 50 Kanonen, 22 Fregatten zu 22–30 -und 14 Korvetten. Die Schiffe waren fast sämtlich neu, jedenfalls die Linienschiffe -erst nach 1750 erbaut. Es liegen aber keinerlei Andeutungen vor, -die darauf hinweisen, daß die Schiffe besser imstande gehalten wären, noch -daß das Personal auf einer höheren Stufe gestanden habe, als bisher. Spanien -verlor in dem Kriege 9 Linienschiffe sowie 5 Fregatten, vom Feinde genommen,<span class="pagenum"><a name="Page_131" id="Page_131">[131]</a></span> -und beim Angriff auf Havanna (1762) waren 3 Linienschiffe zur -Sperrung der Einfahrt versenkt.</p> - -<p>In <b>England</b> war der <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> um <b>1756</b>: 5 Schiffe zu -100 Kanonen, 10 zu 90, 6 zu 74, 27 zu 70, 5 zu 64, 36 zu 60, mithin -89 Linienschiffe; 30 Schiffe zu 50 Kanonen sowie 38 zu 40–44 (die -letzteren oft Fregatten genannt); 59 Fregatten zu 20–24 Kanonen und -viele kleinere Fahrzeuge. Insgesamt 274 Segel. Der <em class="gesperrt">Verlust</em> betrug -15 Linienschiffe (aber nur eins vom Feinde genommen), 4 50-Kanonenschiffe, -3 zu 40 und 14 zu 20–28 Kanonen. Trotz dieses Verlustes und obgleich -während des Krieges eine ziemlich große Zahl als abgenutzt aus den Listen -gestrichen wurde, war doch durch Neubau oder Einstellung genommener -Schiffe der <em class="gesperrt">Gesamtbestand um 1763</em> auf 340 Segel gewachsen. -Die schon früher gegebene Tabelle (Seite 18) weist für 1762 an Linienschiffen -141 nach; aus ihr ist ferner zu ersehen, daß besonders Schiffe der dritten -Klasse (zu 74 und 64 Kanonen) sowie Fregatten zu 28–38 Kanonen erbaut -oder eingestellt sind, während man die verlorenen 50- oder 44-Kanonenschiffe -nicht ersetzt hat. Auch begann man gegen Ende des Krieges in England nach -dem Muster genommener französischer großer Zweidecker solche zu 80 -Kanonen zu erbauen.</p> - -<p>Im Gegensatz zum vorhergegangenen Kriege würde die englische Marine -nicht überlegen gewesen sein, wenn das Bündnis zwischen Frankreich und -Spanien sofort in Kraft getreten wäre. Auch nach den niedrigsten Angaben -hätten diese Staaten über 100 Linienschiffe den englischen 89 (oder mit -Einschluß der 50-Kanonenschiffe 120) entgegenstellen können. Gegen Frankreich -allein trat England allerdings überlegen auf, und als Spanien (1761) -den Krieg erklärte, hatte die französische Marine schon die angegebenen -ungeheuren Verluste erlitten, die englische war dagegen bedeutend gewachsen.</p> - -<h4>Der Verlauf des See- und Kolonialkrieges.<a name="FNAnker_75_75" id="FNAnker_75_75"></a><a href="#Fussnote_75_75" class="fnanchor">[75]</a></h4> - -<h5>Die Ereignisse vor der Kriegserklärung.</h5> - -<p><b>Die Reibungen in den Kolonien</b> begannen schon unmittelbar nach dem -Frieden von Aachen. <em class="gesperrt">In Westindien</em> besetzte der Gouverneur von -Martinique 1749 die neutrale Insel Tabago und räumte sie erst wieder, als -England sehr ernstlich Einsprache erhob; ein ähnlicher Fall ereignete sich -an der Westküste von <em class="gesperrt">Afrika</em>. <em class="gesperrt">In Ostindien</em> aber hatten die Kompagnien -und in <em class="gesperrt">Nordamerika</em> die Kolonisten der beiden Länder den -Kampf trotz des Friedensschlusses eigentlich ununterbrochen fortgesetzt, -wie sich später bei der Schilderung des Krieges in den Kolonien ergeben wird. -Um 1755 war der Kampf, in Amerika schon beträchtlich von den Mutterländern -unterstützt, zu einem derartigen Umfange gediehen, daß die Regierungen<span class="pagenum"><a name="Page_132" id="Page_132">[132]</a></span> -daheim Maßregeln ergriffen, die einen großen Krieg unabwendbar -erscheinen ließen. <em class="gesperrt">Frankreich</em> bereitete in Brest sowie Rochefort eine -starke Expedition nach Kanada vor, und <em class="gesperrt">England</em> rüstete daraufhin -gegen 35 Linienschiffe aus, warb oder preßte Seeleute und ordnete die Aufstellung -von 50 Kompagnien Seesoldaten an.</p> - -<p>Am 3. Mai 1755 verließ Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Comte de Macnemara</em> -Brest mit einer Flotte von 20 Linienschiffen und 6 Fregatten. Von den Linienschiffen -waren jedoch nur 9 vollständig armiert, nämlich 6, die, zu einem Geschwader -vereint, dem genannten Admiral unmittelbar unterstellt waren, -und 3 zum Geschwader des Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Dubois de la Motte</em> gehörige. -Dieser Flaggoffizier war der Führer der eigentlichen Expedition nach -Kanada, und die ihm weiter unterstellten 11 Linienschiffe, die 12 Bataillone -Infanterie (unter Baron <em class="gesperrt">Dieskau</em>) sowie Kriegsmaterial in die Kolonie -überführen sollten, waren nur als Flüten<a name="FNAnker_76_76" id="FNAnker_76_76"></a><a href="#Fussnote_76_76" class="fnanchor">[76]</a> armiert. Macnemara ging mit -seinen Linienschiffen sowie 3 Fregatten nach Brest zurück, sobald er seine -Aufgabe gelöst hatte und die Expedition sicher auf hoher See wußte. Nun -sollte er an den Küsten Frankreichs kreuzen. Er legte aber krankheitshalber -sein Kommando nieder und starb bald darauf, 65 Jahre alt; das Geschwader -kreuzte dann unter dem Befehle des Comte Du Guay. <em class="gesperrt">Dubois</em> segelte -nach Nordamerika, zweigte bei Annäherung an die Küste 4 Linienschiffe -nach Louisbourg ab und führte den Rest nach Quebec; 3 Schiffe waren im -Nebel von ihm abgekommen, und nur diese stießen mit den Engländern zusammen.</p> - -<p>In England war man nur oberflächlich von der französischen Expedition -unterrichtet gewesen, hatte aber doch schon am 27. April den Vizeadmiral -<em class="gesperrt">Edward Boscawen</em> mit 11 Linienschiffen, einer Fregatte sowie einigen -Transportern, die 2 Regimenter an Bord führten, nach Amerika gesandt. -Als die Stärke der Franzosen bekannt wurde, folgte am 11. Mai ein Nachschub -von 6 Linienschiffen unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Francis Holburne</em>, die -am 21. Juni auf den Neufundlandbänken zu Boscawen stießen. Dieser war -zwar mit Dubois nicht zusammengetroffen, jedoch am 6. Juni den drei versprengten -Franzosen begegnet, hatte sie mit dem ganzen Geschwader gejagt -und am 8. zwei von ihnen, ein voll- und ein en flûte-armiertes Schiff, genommen; -dem dritten, einem guten Segler, gelang es, im Nebel nach Louisbourg -zu entkommen. Als Boscawen dann erfuhr, daß Dubois wohlbehalten -Quebec erreicht habe, ging er nach Halifax, da seine Mannschaft sehr unter -Krankheit litt; nur ein kleineres Geschwader unter Holburne blockierte -Louisbourg. Nach Ausschiffung der Truppen begab sich <em class="gesperrt">Dubois</em> auf die -Rückreise und langte am 21. September in Brest an; auch den Schiffen in<span class="pagenum"><a name="Page_133" id="Page_133">[133]</a></span> -Louisbourg gelang es, während eines Sturmes zu entschlüpfen und sich ihm -anzuschließen. Nun ging auch <em class="gesperrt">Boscawen</em>, dessen Bleiben in den nordamerikanischen -Gewässern nicht mehr nötig erschien und der gegen 2000 Mann -an Krankheiten verloren hatte, mit Holburne nach England und traf am -4. November in Spithead ein; nur wenige Schiffe unter Kommodore <em class="gesperrt">Spry</em> -überwinterten in Halifax.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Dubois</em> wäre ohne Zweifel zu schwach gewesen, um gegen Boscawen aufzutreten, -aber auch seine Instruktion verbot es ihm. Bemerkenswert ist hier die Verschiedenheit -der Befehle für die Führer. Die französischen schrieben vor, jeden Zusammenstoß -zu vermeiden, solange es die Ehre der Flagge zuließe; <em class="gesperrt">Boscawen</em> hatte -Order, die Kolonie zu schützen und das feindliche Geschwader anzugreifen, wo er es -fände. Der Erlaß dieses Befehls war sogar dem französischen Gesandten bekannt -gegeben.</p> - -<p>Die Wegnahme der beiden französischen Schiffe erregte in Frankreich -große Entrüstung, blieb aber nicht die einzige Gewalttat Englands vor der -Kriegserklärung. Im Sommer 1755 erhielt der Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Edward -Hawke</em> den Auftrag, mit einem starken Geschwader in der Biscaya zu -kreuzen und jedes französische Linienschiff zu nehmen; im August wurde -der Befehl auf alle feindlichen Kriegsschiffe, Kaper und Handelsschiffe ausgedehnt. -Der gleiche Befehl erging an das Mittelmeergeschwader. Bis Ende -des Jahres nahmen Hawke, später die Admirale <em class="gesperrt">Byng</em> und <em class="gesperrt">Temple-West</em> -500 Handelsschiffe im Wert von über einer Million Lstrl., sowie einige -Kriegsschiffe; auf ihnen befanden sich 6000 französische Seeleute und -1500 Soldaten, einschließlich der Besatzungen der in Nordamerika genommenen -Schiffe, in englischer Gefangenschaft. Diese entsprachen den Besatzungen -von wohl 10 Linienschiffen, bedingten also einen schweren Verlust für Frankreich -vor Eintritt in den Krieg.</p> - -<p><b>Frankreich nimmt Minorka 1756.</b> Trotz aller dieser Vorgänge und obgleich -sich die Stimmung des englischen Parlaments im November 1755 sehr -kriegerisch äußerte, setzte die französische Regierung die Verhandlungen über -die amerikanischen Streitfragen fort; sie zeigte sich sogar so friedfertig, daß -sie einen vor Brest genommenen englischen Kreuzer zurückgab und dem -englischen Mittelmeergeschwader das Anlaufen von Toulon behufs Auffüllung -von Vorräten gestattete. Hoffte man noch, den Frieden zu erhalten, oder -wollte man die Zeit zu einem plötzlichen Schlage abwarten? Wie in den früheren -Kriegen war in Frankreich große Stimmung für einen überraschenden Einfall -in Großbritannien; See- und Landoffiziere sowie auch Private legten -dem Marineminister Pläne zu einem solchen vor<a name="FNAnker_77_77" id="FNAnker_77_77"></a><a href="#Fussnote_77_77" class="fnanchor">[77]</a>. Mit Beginn des Jahres 1756 -wurden Truppen an der Kanalküste zusammengezogen, und in Brest rüstete -man eifrig. Es ist fraglich, ob dies Ernst war, aber man rief damit in England -wieder die Furcht wach, die seit Ruyters Einfall hier so leicht die Gemüter -erregte. Sogar die Regierung erließ eine Proklamation, die selbst englische -Quellen (vgl. Laird Clowes, Band III, Seite 142) „foolish“ nennen, an die<span class="pagenum"><a name="Page_134" id="Page_134">[134]</a></span> -Bevölkerung über Maßregeln bei einer Landung der Franzosen. Besonders -aber wurde die Aufmerksamkeit Englands von den anderen wahrscheinlichen -Kriegsschauplätzen abgelenkt, so besonders vom Mittelmeer. Der von allen -früheren Strategen seit Drakes Zeiten längst als einzig richtig anerkannte -Grundsatz, das Land vor einem Einfall durch entschieden angriffsweise -Tätigkeit der Flotte zu schützen, geriet wieder einmal in Vergessenheit.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p134.jpg" width="300" height="335" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p134" id="fig_p134"></a> -<p class="caption">Marquis de La Gallissonnière.</p> -</div> - -<p>Und nun wählte Frankreich das Mittelmeer zu einem plötzlichen Vorstoß. -Während man die Vorbereitungen im Norden möglichst geräuschvoll betrieb -und dabei kleine Geschwader oder Divisionen von dort nach den Kolonien -sandte, rüstete man in Toulon und Marseille ganz insgeheim eine mächtige -Expedition gegen Port Mahon aus, um diesen wichtigen Stützpunkt vor der -eigenen Küste den Engländern -zu entreißen. Am 12. April 1756 -ging der Lieutenant-Général -<em class="gesperrt">Marquis de La Gallissonnière</em><a name="FNAnker_78_78" id="FNAnker_78_78"></a><a href="#Fussnote_78_78" class="fnanchor">[78]</a> -mit 12 Linienschiffen -und 5 Fregatten in See, -er deckte eine Transportflotte -von 176 Segeln mit 12000 Mann -unter dem <em class="gesperrt">Herzog von -Richelieu</em>. Eine Woche -später wurde das Heer auf -Minorka gelandet, Port Mahon -berannt und von der Flotte -blockiert. Die erst spät zum -Entsatz erscheinende englische -Flotte unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">John -Byng</em> wurde abgewiesen; die -Festung ergab sich am 29. Juni.</p> - -<p class="small"><b>Die Eroberung von Port Mahon -1756.</b> Die Expedition war sehr geheim -gehalten. Truppen, Artillerie-parks -und Munition waren unter mannigfachen Vorwänden in Toulon und Marseille -gesammelt. Der bezügliche Befehl erging an <em class="gesperrt">Richelieu</em>, den derzeitigen Oberbefehlshaber -der Truppen an der Mittelmeerküste, erst am 16. März, an Gallissonnière<span class="pagenum"><a name="Page_135" id="Page_135">[135]</a></span> -am 22., sonst hatten selbst die höheren See- und Landoffiziere keine Kenntnis -vom Zweck der Rüstungen. Die Schiffe waren schnell und gut ausgerüstet, -man hatte dazu Arbeiter aus Genua und Venedig herangezogen. Die Einschiffung -erfolgte vom 4. bis 8. April; die Gesamtflotte ging am 10. in See; sie mußte zwar wegen -Gegenwindes wieder ankern, setzte aber am 12. die Reise fort und erreichte am 18. -Minorka, ohne von einem englischen Schiffe gesehen zu sein. Des herrschenden Windes -wegen wählte man Ciudadela als Landungsplatz; vom 18. abends bis zum 20. wurden die -Truppen ausgeschifft.</p> - -<p class="small">Die Flotte blieb dann noch vor dieser Stadt liegen, um die Landung des Trains -zu decken. Man hat dies dem Admiral zum Vorwurf gemacht; er habe die Deckung -Fregatten überlassen können. Er versäumte nämlich dadurch die Gelegenheit, einige -englische Schiffe abzufangen, die in Port Mahon lagen. Aus seiner Verteidigung<a name="FNAnker_79_79" id="FNAnker_79_79"></a><a href="#Fussnote_79_79" class="fnanchor">[79]</a> -geht jedoch hervor, daß er sich genau an die ihm gewordene Order gehalten hat. Diese -lautete: „Die Ausschiffungsstelle nicht zu verlassen, ehe der Marschall völlig zum Angriff -auf Port Mahon bereit sei; seine Kräfte nie zu teilen und nur zum Schutz der Expedition -zu verwenden.“ Erst vom 24. April ab kreuzte er dementsprechend vor der -belagerten Stadt.</p> - -<p class="small">Marschall Richelieu besetzte die Stadt Port Mahon am 22. Die Garnison hatte -sich in das Fort San Felipe zurückgezogen; sie war nur schwach, viele Offiziere befanden -sich auf Heimatsurlaub und der sonst tüchtige Gouverneur, General <em class="gesperrt">Blakney</em>, -war alt und krank. Auf dessen Anfrage, was die Landung bezwecke, antwortete der -Marschall: Das gleiche wie das Wegnehmen französischer Schiffe durch die englische -Flotte. Die Beschießung des Forts und seiner Außenwerke begann erst am 11. Mai, -da das Gelände die Belagerungsarbeiten sehr erschwerte; auch war noch Material verschiedener -Art aus Frankreich nachzusenden. Man mußte mit dessen Beschaffung eilen, -da täglich die Verbindung mit der Heimat durch englische Seestreitkräfte unterbrochen -werden konnte. Eine englische Flotte erschien gegen Ende des Monats, wurde aber -zurückgeschlagen. Die Besatzung kapitulierte nach tapferer Gegenwehr am 29. Juni -unter ehrenvollen Bedingungen; sie wurde auf französischen Handelsschiffen nach -Gibraltar gebracht.</p> - -<p><b>Die Seeschlacht bei Minorka am 20. Mai 1756.</b> In England hatte man -mit Rücksicht auf die französischen Rüstungen im Norden das Mittelmeer -ganz aus dem Auge gelassen, obgleich schon im Oktober 1755 das Gerücht -von einem Plane des Feindes gegen Port Mahon aufgetaucht war und Schiffe -genug zur Verfügung standen, um die nur schwache Mittelmeerstation zu -verstärken. Auch war die Gefahr einer Landung in England keineswegs -besonders drohend. Einige Kriegsschiffe, die im Januar 1756 Kauffahrer -aus dem Kanal geleitet hatten, stellten auf ihrer Rückreise fest, daß in Brest -sowie Rochefort nur 16 Linienschiffe bis zum Mai seeklar sein würden. Bis -dahin aber konnte man mit Sicherheit über 50 bis 60 Linienschiffe verfügen. -Erst am 6. April sandte man auf Drängen der öffentlichen Meinung den -Vizeadmiral <em class="gesperrt">John Byng</em> und den Kontreadmiral <em class="gesperrt">Temple-West</em> -nach dem Mittelmeer. Deren Flotte zählte aber nur 11 Linienschiffe, obgleich -schon um diese Zeit 27 im Kanal und der Biskaya kreuzten und 28 in den -Häfen lagen (außerdem waren gegen 40 Fregatten im Dienst). Byngs Schiffe -hatten ein Regiment zur Verstärkung Port Mahons an Bord; um die Soldaten -besser unterbringen zu können, waren die Seesoldaten der Besatzungen<span class="pagenum"><a name="Page_136" id="Page_136">[136]</a></span> -zurückgelassen. Am 2. Mai traf der Admiral in Gibraltar ein und erfuhr hier -von dem bisherigen Befehlshaber im Mittelmeer, Kommodore <em class="gesperrt">George -Edgcumbe</em>, die Landung der Franzosen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Edgcumbe</em>, der nur drei Linienschiffe und einige kleinere Kriegsfahrzeuge -befehligte, hatte bei der Landung der Franzosen in Port Mahon gelegen, wohin er genommene -französische Kauffahrer gebracht hatte; er hätte also leicht abgefangen werden -können. Es gelang ihm aber, nach Gibraltar zu entschlüpfen, nachdem er noch seine -Seesoldaten sowie eine Anzahl Seeleute der Garnison überwiesen hatte. Nur eins seiner -Schiffe wurde durch französische Fregatten in Palma blockiert und erst durch die -englische Flotte auf ihrer Fahrt nach Minorka befreit. Die Division Edgcumbe trat zu -Byngs Flotte, zwei ihrer Linienschiffe finden wir in der Schlacht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Byng</em> versuchte in Gibraltar als Ersatz für die fehlenden -Seesoldaten Landtruppen zu erhalten, der Gouverneur konnte jedoch bei -der Schwäche der Garnison diesem Wunsche nicht voll entsprechen. Am -8. Mai ging die Flotte weiter und sichtete am 19. bei Tagesanbruch Minorka; -Byng sandte Fregatten voraus, um mit Fort Philippe in Signalverbindung -zu treten, mußte sie aber zurückziehen, als die französische Flotte herankam. -<em class="gesperrt">La Gallissonnière</em> hatte am 17. durch eine Fregatte das Nahen -des Gegners erfahren und sich daraufhin dicht bei der Insel gehalten; da -der Wind vom 18. an nördlich war, blieb er nordöstlich der Stadt, um sich -die Luvstellung gegenüber dem Feinde zu sichern. Er benutzte die Zeit des -Wartens, um seine Schiffsbesatzungen vom Lande her zu verstärken. <em class="gesperrt">Richelieu</em> -ließ am 18. mehrere Kompagnien auf Küstenfahrzeugen einschiffen, -aber infolge flauen Windes und grober See erreichten nur einige von ihnen -die Flotte; eins fiel sogar am 20. den Engländern in die Hände. Der 19. Mai, -teilweise nebelig und fast windstill, verging mit Manövrieren der Flotten, -um aneinander heranzukommen, wobei die Engländer die Luvstellung zu -gewinnen, die Franzosen sich diese sowie ihre Lage zwischen dem Feinde -und der Stadt zu erhalten suchten. Byng benutzte den Tag, um die Besatzung -schwachbemannter Linienschiffe durch Leute der Fregatten zu ergänzen, -sowie ein minderwertiges Schiff von 20 Kanonen zum Brander vorzubereiten. -Am 20. Mai bei Tagesanbruch war es noch unsichtig und flau, als aber gegen -Mittag der Wind nach Osten drehte und auffrischte, griff Byng an.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p137.jpg" width="300" height="386" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p137" id="fig_p137"></a> -<p class="caption">Admiral The Hon. John Byng.</p> -</div> - -<p><em class="gesperrt">Die englische Flotte zählte</em>: 1 Schiff zu 90 Kanonen (das -Flaggschiff Byngs „Ramillies“), 1 zu 74, 1 zu 68 („Buckingham“, Flaggschiff -Temple-Wests), 8 zu 60–66, 2 zu 50, insgesamt 13 <em class="gesperrt">Schiffe</em> mit 834 Kanonen -<em class="gesperrt">in der Linie</em>; außerhalb dieser 1 Schiff zu 40, 3 zu 20, 1 zu 14 Kanonen. -Die <em class="gesperrt">französische Flotte</em> zählte: 1 Schiff zu 84 Kanonen -(das Flaggschiff La Gallissonnières „Foudroyant“), 2 zu 74 („Redoutable“ und -„Couronne“, Flaggschiffe der Chefs d'Escadre de Glaudevez, Vorhut, und de -La Clue, Nachhut), weitere 2 zu 74, 5 zu 64, 2 zu 50, insgesamt 12 <em class="gesperrt">Schiffe</em> -mit 760 Kanonen <em class="gesperrt">in der Linie</em>; außerhalb der Linie 1 Schiff zu 46 sowie -4 zu 26 Kanonen.</p> - -<p class="small"><b>Die Schilderung der Schlacht bei Minorka</b> ist in den verschiedenen Quellen nicht -ganz gleich; diese weichen in den Angaben über Windrichtung und Bug der Flotten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_137" id="Page_137">[137]</a></span> -während des Kampfes voneinander ab. Das stellt aber nur den Kurs in Frage, denn -über die Lage zueinander und zum Winde stimmen die Quellen überein; einen Einfluß -auf die Beurteilung des Verlaufes der Schlacht haben die Abweichungen also nicht. -Die nachfolgende Darstellung versucht, alle sonstigen Widersprüche möglichst in Einklang -zu bringen; sie fällt nahezu mit der Mahans (I, Seite 274) zusammen.</p> - -<p class="small">Als es am 20. Mai morgens aufklarte, lagen die Franzosen bei östlichem Winde -mit SSO.-Kurs über Steuerbordbug zwischen den Engländern und der Insel. <em class="gesperrt">Byng</em> -führte nun seine Flotte über Backbordbug an der feindlichen vorüber, bis sie genau -querab von ihr stand, und wendete dann mit allen Schiffen zugleich; er verfuhr also genau -nach der englischen Instruktion für den Fall, daß man dem Feinde mit entgegengesetztem -Kurse begegnet (vgl. Seite <a href="#Page_39">39</a>). Beide Flotten lagen jetzt querab voneinander über -gleichen Bug, aber nicht parallel, sondern in einem Winkel von 30 bis 40 Grad. Ihre -Spitzenschiffe waren etwa 2, die Schlußschiffe -etwa 4 Seemeilen voneinander -entfernt; die französische Linie lag unter -kleinen Segeln dicht beim Winde und -erwartete den Angriff, die englische -steuerte raum auf sie zu. Als Byng -gegen 2 Uhr nachmittags das Signal -zum „Angriff“ gab, wie in der Schlacht -bei Toulon 1744, blieb das vorher gegebene -Signal „Gefechtslinie einnehmen“ -stehen (Lage I des Planes). Nun -traten die Nachteile der englischen Angriffsart -im vollsten Maße ein, denn -die Schiffe konnten nicht annähernd -gleichzeitig an den Feind kommen.</p> - -<p class="small">Auf das Angriffssignal hielten die -Schiffe der Vorhut beinahe senkrecht -auf ihre entsprechenden Gegner in der -französischen Linie ab; sie mußten auf -eigenes Feuer fast ganz verzichten, erhielten -dagegen drei furchtbare Breitseiten -und wurden in der Takelage sehr -beschädigt. Das sechste Schiff von -vorn, „Intrepid“, verlor die Vormarsstenge -und drehte in den Wind; damit -brachte es die folgenden Schiffe in Unordnung, -die rechts und links vorbeisegeln -mußten, um Linie zu halten, und behinderte deren Feuer (Lage 2). Jetzt -hätte Byng den Hinterschiffen ein Beispiel geben und hart auf den Feind abhalten -müssen, aber eingedenk der Vorschrift und der Verurteilung Mathews nach der Schlacht -bei Toulon wagte er es nicht. Er sagte zu seinem Flaggkapitän: »Sie sehen, daß -ich vor „Louisa“ und „Trident« (Schiffe, die vor ihm sein sollten) bin. Ich kann -doch als Admiral nicht abhalten, als wenn ich ein einzelnes Schiff angreifen wollte? -Es war Mathews Unglück, daß er seine Streitmacht nicht zusammen heranführte; -das will ich vermeiden.“</p> - -<p class="small">So staute sich der ganze Angriff und stockte. Inzwischen wichen die französischen -Spitzenschiffe aus, um den Nahkampf zu vermeiden; der Rest der französischen Linie -mehrte Segel, zog an der beschädigten englischen Vorhut vorüber und überschüttete -sie mit Feuer. Sie konnte dies ohne Belästigung durch die übrigen englischen Schiffe -ausführen, da diese Segel geborgen hatten, um die Linie wieder herzustellen (Lage 3). -Die Franzosen halsten dann im Kontremarsch und nahmen über Backbordbug ihre<span class="pagenumsmall"><a name="Page_138" id="Page_138">[138]</a></span> -abwartende Stellung unter kleinen Segeln wieder ein. Ein zweiter Angriff erfolgte -aber nicht, da die englische Flotte durch die Beschädigung der vordersten Schiffe zu -sehr geschwächt war. <em class="gesperrt">Byng</em> zog sich auf die Südseite der Insel zurück; <em class="gesperrt">Gallissonnière</em> -verfolgte ihn nicht.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Franzosen in dem etwa dreistündigen Kampfe betrug -38 Tote und 184 Verwundete; nur ein Schiff war schwerer beschädigt. Die Engländer -büßten 45 Tote und 162 Verwundete ein, die auf die vordersten sieben Schiffe entfielen; -diese waren auch sehr zerschossen.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p138.jpg" width="600" height="493" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p138" id="fig_p138"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Minorka, 20. Mai 1756.</p> -</div> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht</em> muß wohl <em class="gesperrt">taktisch unentschieden</em> genannt -werden, <em class="gesperrt">aber der Erfolg</em> war doch auf <em class="gesperrt">französischer -Seite</em>. Im englischen Kriegsrate kam man zu der Ansicht, man sei nicht -imstande, die französische Flotte nochmals anzugreifen, ja man würde durch -eine neue Schlacht, wenn sie ungünstig verliefe, sogar die Sicherheit Gibraltars -sowie des Handels im Mittelmeer aufs Spiel setzen. So ging <em class="gesperrt">Byng nach -Gibraltar</em> zurück; der Entsatz Port Mahons war vereitelt. Die -Franzosen fühlten sich jedoch keineswegs vor dem Wiedererscheinen der -dann wohl verstärkten englischen Flotte sicher. <em class="gesperrt">La Gallissonnière</em> -blieb deshalb in der Nähe der Insel, bis Port Mahon gefallen war, und drang -danach auf schleunige Einschiffung der Truppen. Diese erfolgte vom 4. bis -7. Juli; am 18. trafen das Gros der Expedition, am 21. die letzten Nachzügler -wieder in Toulon ein. Tatsächlich erschien auch noch im Juli der -englische Admiral <em class="gesperrt">Hawke</em> bei Minorka.</p> - -<p class="small"><b>Das weitere Schicksal Port Mahons in diesem Kriege</b> sei gleich hier kurz berührt. -Wenn Frankreich im Besitz einer leistungsfähigen Marine gewesen wäre, so würde dieser<span class="pagenumsmall"><a name="Page_139" id="Page_139">[139]</a></span> -Stützpunkt im Verein mit Toulon und Korsika eine Stellung von Bedeutung gewesen -sein. Da man aber den Seekrieg bald nur schwächlich führte und seine Vorzüge nicht -ausnutzen konnte, so wurde für Port Mahon nichts getan. Man überließ es seinem -Schicksal; der Hafen war meistens blockiert und der Garnison mangelte oft das Notwendigste; -die Engländer hielten eine Wiedereroberung nicht der Mühe wert. Beide -Gegner waren überzeugt, daß Minorka beim Friedensschluß doch an England zurückfallen -würde. Nach Ausspruch eines französischen Autors (Lacour I, Seite 277), plante -man in Frankreich schon vor Ausführung der Expedition, nach der Einnahme die enge -Einfahrt Port Mahons durch Verschüttung zu sperren, um den Hafen überhaupt als -Stützpunkt unbrauchbar zu machen; es lag wohl stets die Absicht vor, bei vorteilhafter -Gelegenheit Minorka an Spanien zurückzugeben.</p> - -<p><b>Die Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der Seetaktik</b> -ist noch größer als die der Schlachten vor Malaga (1704) und vor Toulon -(1744). Sie gibt in geradezu vollkommener Weise ein Bild zu dem, was über -die Taktik des Zeitabschnittes gesagt ist. Der englische Admiral führt seine -Flotte genau nach den Gefechtsinstruktionen zum Angriff und verharrt, -wie seine Kommandanten, in der buchstäblichen Befolgung dieser Vorschriften, -obgleich der Verlauf des Kampfes, selbst nach seiner eigenen Erkenntnis, -ein Abweichen erfordert hätte. Auch die unvermeidlichen Folgen der englischen -Angriffsart, die bei dieser Gelegenheit wegen des großen Winkels der -beiden Gefechtslinien besonders schwierig war, zeigen sich deutlich in allen -Einzelheiten dieser Schlacht. Die vordere Hälfte der englischen Linie, die -in ungünstiger Lage zunächst allein ins Gefecht eintritt, wird in ihrer Bewegungsfähigkeit -gelähmt; eins ihrer Schiffe bringt die hintere Hälfte in Unordnung; -infolge des Bestrebens, die Ordnung wiederherzustellen, kommt -diese überhaupt nicht zu ernstlichem Kampfe.</p> - -<p>Auch die Franzosen verfahren genau nach ihrer Taktik. Ihre vorderen -Schiffe weichen aus, ehe die Gegner zum Nahkampf heran sind; die hinteren -benutzen die Untätigkeit der gegenüberstehenden Feinde und ziehen in vollster -Ordnung unter Ausnutzung ihres Feuers an den schon beschädigten Engländern -vorüber; dann nimmt der französische Admiral außer Schußweite -eine neue Stellung ein und erwartet das Weitere. Der englische Admiral -fühlt sich aber zu schwach und bricht das Gefecht ab. — Endlich ist auch -das Ergebnis der Schlacht so, wie es theoretisch beim Aufeinandertreffen -der beiden Taktiken sein muß. Die Schlacht bleibt unentschieden; die Franzosen -haben zwar mehrere feindliche Schiffe schwer beschädigt, aber keins -vernichtet oder genommen; die Engländer müssen in Rücksicht auf den -augenblicklichen Ausfall der Beschädigten von einem zweiten Angriff absehen. -(Wenn in diesem Falle ihr Mannschaftsverlust fast ebenso groß war -wie der der Franzosen, so ist dies wohl dem Umstande zuzuschreiben, daß -ihre Schiffe durch die Soldaten für Port Mahon überfüllt gewesen sind.)</p> - -<p>Neuere französische Marineschriftsteller tadeln den Admiral La Gallissonnière, -daß er die Unordnung in der feindlichen Linie und die dadurch -hervorgerufene Trennung der hinteren Hälfte von der vorderen nicht benutzt -habe, mit den ihm folgenden Schiffen durch die Lücken auf die Luvseite<span class="pagenum"><a name="Page_140" id="Page_140">[140]</a></span> -der vorderen englischen Hälfte zu gehen, um sie von beiden Seiten anzugreifen; -seine vorderen Schiffe hätten standhalten müssen und durften nicht -ausweichen. Dafür, daß nicht so verfahren sei, wird von anderer Seite als -Entschuldigung angeführt, die hinteren französischen Schiffe seien zu sehr -beschädigt gewesen, um ein solches Manöver auszuführen, auch seien die -Engländer durch die Soldaten an Bord so stark bemannt gewesen, daß man -französischerseits besser tat, einen Nah- oder gar Enterkampf zu vermeiden. -Der erste Grund muß hinfällig erscheinen, da die fraglichen Schiffe nur wenig -Feuer erhalten haben können; der zweite hat vielleicht mitgewirkt. Die -bestimmende Ursache aber für den Führer wie den Oberbefehlshaber war -die Hinneigung zur Vorsicht und damit zur Defensive, die sich in allen Orders -und Instruktionen von höchster Stelle jenes Zeitabschnitts ausspricht und -die damalige französische Taktik wie Strategie kennzeichnet. Man strebte -mehr danach, sich augenblickliche Vorteile zu erhalten oder gemachte Eroberungen -zu sichern, als durch kräftiges Vorgehen Errungenes weiter auszunützen -und vor allem die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten; „niemals -wollte man viel aufs Spiel setzen“.</p> - -<p>Dieser zuerst wohl auf strategischem Gebiet als Folge der schwächeren -Marine in den früheren Kriegen erwachte Gedanke hat wahrscheinlich -ebenso zur Ausbildung einer defensiven Taktik beigetragen, wie die Erkenntnis -der Schwächen in der englischen Taktik, die auf eine solche hinwiesen. -Auch bei Minorka hat La Gallissonnière wohl sicher von der Offensive -abgesehen, um seine Flotte zu schonen; daß er nach der Schlacht dem geschwächten -Gegner nicht folgte, um ihm weitere Verluste beizubringen, -geschah nach seiner eigenen Äußerung tatsächlich, um „seiner Instruktion -gemäß“ das Landunternehmen nicht aus dem Auge zu lassen und zu dessen -Schutz seine Flotte möglichst stark und schlagfertig zu erhalten.</p> - -<p class="small">Bei der allgemeinen Betrachtung des französischen Personals (Seite 43) wurde -betont, daß die Orders unter Louis XV. nicht dazu geeignet waren, die Offiziere zu schneidigem -Handeln zu erziehen. Schon während der Landung hatte sich der Admiral die -Gelegenheit entgehen lassen, die englischen Schiffe im Hafen abzufangen, und jetzt -nach der Schlacht verfolgte er nicht. Ein französischer Autor (Lacour I, Seite 264) -sagt gerade bei Beschreibung der Minorka-Expedition: „Mais des instructions trop timides -ont souvent paralysé dans notre histoire maritime l'ésprit d'initiative des chefs les -plus capables.“</p> - -<p><em class="gesperrt">La Gallissonnière</em> fand volle Anerkennung und Billigung seines -Verfahrens; der Erfolg über das seemächtige England erregte in Frankreich -großen Jubel und Begeisterung für die Marine. Er erhielt das Großkreuz -des Ludwigsordens sowie eine hohe Pension; auch seine Ernennung zum -Marschall war in Aussicht genommen, doch starb er schon am 26. Oktober 1756. -— Der Admiral <em class="gesperrt">Byng</em> dagegen wurde ein Opfer für die Fehler seiner Regierung, -die ihm zu schwache Streitmittel gegeben hatte, und des Volksunwillens. -Er wurde kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und erschossen.</p> - -<p class="small"><b>Das Kriegsgericht über Byng.</b> Nach dem Eintreffen in Gibraltar wurde der Admiral -abberufen und in Untersuchung gezogen. Die Hauptanklagepunkte waren, daß er<span class="pagenumsmall"><a name="Page_141" id="Page_141">[141]</a></span> -nicht mit der ganzen Linie angegriffen, sondern mit den der „Intrepid“ folgenden -Schiffen Segel gemindert habe, um die Ordnung herzustellen. Gewiß wäre dies richtig -gewesen und hätte auch im allgemeinen wohl den Vorschriften entsprochen, aber man -hatte doch nach Toulon den Admiral Mathews angeklagt, weil er aus der Linie gebrochen -war, und ähnlich würde Byng auch haben handeln müssen. Ferner wurde ihm vorgeworfen, -daß er nach notdürftiger Ausbesserung seiner Schiffe nicht bei Minorka geblieben -sei und alles versucht habe, Port Mahon zu unterstützen. Dies hatte ja aber -der Kriegsrat der Land- und Seeoffiziere für unmöglich erklärt.</p> - -<p class="small">Er wurde verurteilt nach dem Kriegsartikel, der mit dem Tode diejenigen bedrohte, -die aus Feigheit, bösem Willen oder Nachlässigkeit es unterließen, alles daran -zu setzen, feindliche Schiffe zu nehmen oder zu vernichten. Die Verurteilung zeigt, -daß die englischen Gefechtsvorschriften mangelhaft und hemmend waren, sowie daß -die meisten englischen Seeoffiziere dieser Zeit sie nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne -nach auffaßten. Das Kriegsgericht empfahl nun zwar den Angeklagten der Gnade -des Königs, da er nicht aus Feigheit, noch mit Kopflosigkeit gehandelt, sondern, wenn -auch irrig, kühl und mit Überlegung. Das Urteil wurde aber dennoch bestätigt, denn -die Regierung hatte das Mittelmeer vernachlässigt, jetzt war der Schaden da und der -Volksunwille groß; man brauchte einen Sündenbock. Nun hatte gar Byng, als er auf -der Ausreise in Gibraltar die Landung der Franzosen erfuhr, in einem Bericht an die -Admiralität die bisherige Vernachlässigung des Mittelmeeres sowie die Schwäche seiner -Flotte kritisiert. Der mehrfach angezogene französische Autor (Lacour I, Seite 266) -sagt treffend: „Einen solchen Brief verzeiht man wohl einem siegreichen, aber nie einem -geschlagenen Admiral.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Byng</em> war ein tapferer, see- und diensterfahrener, ehrenwerter Mann, aber doch -wohl kein bedeutender höherer Führer; sein Bericht über die Schlacht enthielt zu viele -Entschuldigungen und zeigte zu wenig Selbstbewußtsein. Während der Untersuchung -und bei seinem Tode trat er jedoch würdig auf. Am 17. März 1757 wurde er in Spithead -auf dem Achterdeck des Linienschiffes „Monarch“ erschossen.<a name="FNAnker_80_80" id="FNAnker_80_80"></a><a href="#Fussnote_80_80" class="fnanchor">[80]</a></p> - -<h5>Der Krieg In den europäischen Gewässern.</h5> - -<p><em class="gesperrt">Am 17. Mai 1756</em>, wenige Tage vor der Schlacht bei Minorka, als die -Nachricht von der Landung der Franzosen auf dieser Insel eingetroffen war, -<em class="gesperrt">erklärte England den Krieg</em>.</p> - -<p><b>Das Jahr 1756</b> brachte jedoch <b>in der Biskaya und im Kanal</b> keine Ereignisse -von Bedeutung. <b>England</b> hielt aus Besorgnis vor einer Invasion seine -Hauptmacht, die nach und nach auf über 50 Linienschiffe sowie gegen 40 Fregatten -gebracht wurde, in den Kanalhäfen zusammen. Von hier aus beobachtete -Ende Februar Admiral <em class="gesperrt">Sir Edward Hawke</em> mit einem ziemlich -starken Geschwader Brest; vorher war es zwei französischen Divisionen -geglückt, nach Westindien auszulaufen. Diese Beobachtung, später unter den -Admiralen <em class="gesperrt">Boscawen</em> und dann <em class="gesperrt">Knowles</em>, wurde bis zum November -aufrechterhalten, doch man verringerte die dazu bestimmten Kräfte allmählich, -da im Sommer ein Leutnant durch eine kühne nächtliche Bootsfahrt -in den Hafen von Brest festgestellt hatte, daß dort nur wenige Schiffe -lägen. Bald darauf entschlüpften wieder zwei französische Divisionen, die -eine nach Westindien, die andere nach Westafrika. Die starke Streitmacht<span class="pagenum"><a name="Page_142" id="Page_142">[142]</a></span> -Englands hatte also nicht einmal den Gegner von seinen Kolonien abgeschnitten. -<em class="gesperrt">Frankreich</em> vermochte indessen, außer den Entsendungen -nach den Kolonien, nichts zu unternehmen.</p> - -<p class="small"><b>Der Plan zu einer Invasion in England</b> blieb in Frankreich während der Jahre -1756–1759 rege, in jedem Jahre wurden Rüstungen dazu angeordnet. Entweder konnte -man aber die Mittel nicht aufbringen oder man betrieb die Sache nicht ernstlich; die -Schiffe, die in Dienst gestellt wurden, gingen dann größtenteils nach den Kolonien. -Im Jahre 1756 trug man sich auch mit der Absicht, die normannischen Inseln, die so -wichtigen Vorposten Englands im Kanal, zu erobern, jedoch dies kam gleichfalls nicht -zur Ausführung. All diese Gedanken wurden jedoch 1759 aufgegeben, als man sich stark -genug glaubte, aber schon bei den ersten Schritten zu ihrer Ausführung die schweren -Niederlagen von Lagos und Quiberon erlitt.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b> verlief der Krieg 1756 schleppend. Admiral <em class="gesperrt">Byng</em> -traf nach der Schlacht bei Minorka am 19. Juni in Gibraltar ein, fand hier -eine von England gesandte Verstärkung von 5 Linienschiffen und bereitete -die Rückkehr ins Mittelmeer vor. Am 3. Juli langte jedoch <em class="gesperrt">Hawke</em> mit dem -Kontreadmiral Saunders an und brachte die Rückberufung Byngs sowie -Temple-Wests mit. Er übernahm das Kommando und führte die jetzt -21 Linienschiffe starke Flotte nach Minorka, doch war es zu spät, um Port Mahon -zu retten oder auch nur den Rücktransport des französischen Heeres anzugreifen. -Hawke beschränkte sich darauf, den Hafen zu blockieren und den -Handel im Mittelmeer zu schützen.</p> - -<p>Die französische Toulonflotte zeigte sich nicht mehr, obgleich sie nach -Rückkehr von Minorka instandgesetzt wurde und im August 16 Linienschiffe -sowie 6 Fregatten zählte. So ganz unbedingt müssen jedoch die Engländer -die See nicht beherrscht haben, denn es gelang den Franzosen wiederholt, -Port Mahon zu verproviantieren sowie im November 3600 Mann von Antibes -nach Korsika zur Unterstützung Genuas gegen die Aufständischen überzusetzen; -genannte Republik übergab dann alle befestigten Hafenplätze -dieser Insel den Franzosen. Im Dezember kehrte Hawke mit einem Teil der -Flotte nach England zurück und überließ dem Kontreadmiral <em class="gesperrt">Charles -Saunders</em> den Befehl auf der Mittelmeerstation.</p> - -<p>Auch <b>im Jahre 1757</b> bieten die Operationen <b>im Mittelmeer</b> wenig Bemerkenswertes. -Im März gingen 4 Linienschiffe unter Kapitän <em class="gesperrt">Durevest</em> -von Toulon nach Nordamerika. <em class="gesperrt">Saunders</em> hatte Nachricht davon erhalten -und lauerte ihnen in der Straße von Gibraltar mit 5 Linienschiffen -auf. Am 5. April um 5 Uhr nachmittags sichteten sich die Gegner; es kam -bei Einbruch der Dunkelheit zu einem zweistündigen Gefechte auf weitere -Entfernung, aber in der Nacht entschlüpften die Franzosen und erreichten -unbelästigt ihr Ziel (15. Juni in Louisbourg). Im Mai wurde die englische -Station unter dem Kommando des Vizeadmirals <em class="gesperrt">Henry Osborne</em> -wieder verstärkt. Dieser nahm das Kreuzen wie im Vorjahre auf; er erschien -im Juni mit 14 Linienschiffen vor Toulon und landete auch einmal bei -Bormes, einem Küstenplatz östlich der Hyèren, zur gewaltsamen Eintreibung -von Schlachtvieh sowie frischem Proviant.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_143" id="Page_143">[143]</a></span></p> - -<p>In Toulon lagen nur 6 Linienschiffe unter dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de La -Clue</em>; man beabsichtigte, weitere 8 in Dienst zu stellen, aber es fehlte an -Material wie Mannschaften. Auch de La Clues Division, die über St. Domingo -nach Louisbourg segeln sollte, war erst im Oktober seeklar und ging am -8. November in See. Der Admiral wagte jedoch wegen Osbornes Anwesenheit -dort nicht, die Straße von Gibraltar zu passieren, sondern suchte Cartagena -auf, um hier Verstärkungen zu erwarten; diese trafen aber erst im nächsten -Jahre ein.</p> - -<p><b>Im Atlantik</b> wurde es <b>1757</b> etwas lebhafter. Obgleich die Engländer -das Kreuzen vor den französischen Häfen im Frühjahr wieder mit verstärkten -Kräften aufnahmen, gelang es doch drei Geschwadern, auszulaufen: Der -Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Bauffremont</em> verließ am 30. Januar Brest mit -5 Linienschiffen und einer Fregatte und traf am 23. Mai in Louisbourg ein; Chef -d'Escadre <em class="gesperrt">Comte d'Aché</em> segelte am 4. Mai mit einem Linienschiff sowie -7 großen Schiffen der Ostindischen Kompagnie nach Ostindien, er war am -11. Dezember in Isle de France; Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Dubois de La -Motte</em> führte am 3. Mai 9 Linienschiffe nebst 4 Fregatten nach Louisbourg -und erreichte es am 19. Juni. Im weiteren Verlauf des Jahres entwickelte -aber England mehr Tatkraft, was sicher mit dem Eintritt Pitts in die Regierung -zusammenhängt. Es wurden Angriffe auf die feindliche Küste ins -Auge gefaßt, als Gegenstoß gegen französische Invasionspläne, mit denen -man in England immer noch rechnete. Ein <em class="gesperrt">Angriff auf Rochefort</em> -schlug jedoch gänzlich fehl, was bei den bedeutenden Kosten, die er verursacht -hatte, großen Unwillen im englischen Volke erregte.</p> - -<p class="small"><b>Angriff der Engländer auf Rochefort 1757.</b> Man wählte diese Stadt, da man hoffte, -hier leicht die Docks, Magazine, Arsenale und Schiffe zerstören zu können. Im Jahre -1754 hatte ein Kapitän <em class="gesperrt">Clark</em>, der von Gibraltar nach England reiste, die Stadt -besucht und mit Erlaubnis der Behörden sämtliche Anlagen besichtigt. Er fand die -Befestigungen fehlerhaft angelegt und seit sechzig bis achtzig Jahren vernachlässigt, -entwarf danach einen Angriffsplan und legte diesen jetzt, im Juli 1757, <em class="gesperrt">William -Pitt</em> vor. Da nun ein verräterischer französischer Lotse, Thierry, die Angaben Clarks -bestätigte und weitere über L'Ile d'Aix, die kleine befestigte Insel vor der Charente, -von der die Reede von Rochefort (gewöhnlich Reede von L'Ile d'Aix benannt), sowie die -Flußmündung beherrscht werden — sowie über Fouras, ein Fort an der Flußmündung, -hinzufügte, glaubte man, hier leichtes Spiel zu haben.</p> - -<p class="small">Insgeheim wurde eine Flotte von 16 Linienschiffen, zahlreichen kleineren Fahrzeugen -sowie Transportern mit 10000 Soldaten ausgerüstet; die Flotte befehligten -Admiral <em class="gesperrt">Hawke</em>, Vizeadmiral <em class="gesperrt">Knowles</em> und Kontreadmiral <em class="gesperrt">Broderick</em>, die -Truppen standen unter Generalleutnant <em class="gesperrt">Sir John Mordaunt</em>. Die Expedition -segelte am 8. September und erschien am 20. überraschend in der Durchfahrt zwischen -den Inseln Oléron und Ré. Noch am selben Tage ging Knowles mit 2 Mörserbooten -gegen Ile d'Aix vor, zwei französische Schiffe, die auf der Rhede lagen, liefen in die -Charente ein und alarmierten. Am 23. wurden die Befestigungen der Insel beschossen, -leicht niedergekämpft, besetzt und zerstört. In der Zwischenzeit suchten kleinere Fahrzeuge -einen geeigneten Landungsplatz auf dem Festlande. Sie fanden jedoch die Landung -überall schwierig, bei Widerstand sogar unmöglich; ein Kriegsrat am 25. beschloß daher, -von dem Unternehmen abzusehen. In einer zweiten Versammlung am 28. wurde zwar -doch der Angriff wieder ins Auge gefaßt, obgleich der Gegner jetzt manche Verteidigungsmaßregeln<span class="pagenumsmall"><a name="Page_144" id="Page_144">[144]</a></span> -getroffen hatte, aber am 29. wehte heftiger Landwind, und man stand abermals -davon ab. Am 1. Oktober ging die Flotte unter Segel und traf am 6. in Spithead ein.</p> - -<p class="small">Nach französischen Auffassungen hätte das Unternehmen gelingen müssen. So -sagt ein Autor (Lacour I, der die Ereignisse Seite 305 genauer beschreibt): „Die Macht -der Engländer war stark genug, den Erfolg sicherzustellen. Man fing 1757 eben an, die -Insel Aix zu befestigen... Die Werke Rocheforts waren in dem Zustande, wie sie Clark -beschrieben hatte... Im Fort Fouras war keine Batterie in Ordnung, und es lagen nur -300 Mann dort... Der Marinekommandant und der Intendant dieses Hafens waren -so überrascht und von der Einnahme der Stadt so überzeugt, daß sie nur an die Rettung -der Dokumente und Akten, nicht aber an Verteidigungsmaßregeln dachten. (Rettung -der Kassen wird nicht erwähnt, in ihnen war wohl nichts?)... Aber was die Verteidiger -aus Kopflosigkeit sowie Kleinmut verfehlten, das hoben die Angreifer durch -Mangel an Tatkraft und schnellem Handeln auf. Der Befehlshaber der Truppen, Generalleutnant -<em class="gesperrt">Langeron</em>, gewann Zeit, die Garnison von Fouras zu verstärken, -sowie an einigen Stellen am Strande Schanzen aufzuwerfen, auch verstand er es, seine -schwachen Kräfte stärker erscheinen zu lassen; so wagten die Gegner nicht, etwas gegen -das Festland zu unternehmen.“</p> - -<p>Kurz nach der Rückkehr der Expedition ging Admiral <em class="gesperrt">Hawke</em> am -22. Oktober aufs neue mit 15 Linienschiffen in See, um die französische Flotte -abzufangen, die unter <em class="gesperrt">Dubois de La Motte</em> von Louisbourg zurückerwartet -wurde. Seine Schiffe wurden jedoch in der Biskaya durch einen -Sturm zersprengt, und ehe sie sich wieder vereinigt hatten, lief der Gegner -am 23. November in Brest ein.</p> - -<p><b>Im Jahre 1758</b> fanden in <em class="gesperrt">England</em> schon im Winter große Indienststellungen -statt. Im Februar verließ Admiral <em class="gesperrt">Boscawen</em> Portsmouth mit -einer Expedition von 20 Linienschiffen, 18 Fregatten, vielen kleineren Fahrzeugen -sowie über 100 Transportern mit 12000 Mann (14000?), die Louisbourg -nahm. Kleinere Geschwader gingen nach West- und Ostindien sowie -nach Westafrika ab. Die Admirale <em class="gesperrt">Lord Anson</em> und <em class="gesperrt">Hawke</em> wurden -zur Blockade von Brest und zur Beobachtung der Kanalhäfen entsandt; -man sammelte ein kleineres Geschwader unter Kommodore <em class="gesperrt">Richard -Howe</em> sowie Truppen auf Wight zu Vorstößen gegen die feindliche Küste. -Endlich kreuzte Kommodore <em class="gesperrt">Holmes</em> mit einigen Schiffen an der holländischen -Küste.</p> - -<p class="small">Die Division Holmes griff durch die <em class="gesperrt">Eroberung Emdens</em> unmittelbar in -den Siebenjährigen Krieg ein. Die Stadt war am 4. Juli 1757 von den Franzosen besetzt, -jetzt wurde sie im März 1758 mit Unterstützung der Seestreitkräfte zurückerobert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> gelang es wiederum, von den atlantischen Häfen Verstärkungen -nach Kanada zu senden, und zwar während der Wintermonate, -als der Gegner die Blockade noch nicht in vollem Maße aufgenommen hatte -oder sie auch wegen der Stürme nicht streng durchführen konnte. In drei -Abteilungen — unter Führung der Kapitäne <em class="gesperrt">Des Gouttes</em>, <em class="gesperrt">Beaussier -de L'isle</em> und <em class="gesperrt">Comte de Du Chaffault</em> — segelten insgesamt -9 Linienschiffe ab, von denen aber nur 4 voll, die anderen als Flüten armiert -waren, 2 Fregatten, ein schweres Schiff der Indischen Kompagnie, sowie -einige Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial. Im April sollte ein<span class="pagenum"><a name="Page_145" id="Page_145">[145]</a></span> -weiterer Transport von Ile d'Aix aus folgen, wurde jedoch durch Hawke -festgehalten.</p> - -<p class="small"><b>Angriff auf französische Schiffe bei Ile d'Aix 1758.</b> Am 3. April erschien <em class="gesperrt">Hawke</em> -vor der Insel; auf der Rhede lagen 5 Linienschiffe, 2 Fregatten und etwa 40 Transporter. -Als er am 4. nachmittags herankam, kappten die Franzosen ihre Ankertaue und setzten -sich auf Strand. Die Engländer mußten gleichfalls der geringen Wassertiefe halber -ankern und vermochten sich auch am 5. bei Flut nicht so weit zu nähern, daß sie die -feindlichen Schiffe hätten vernichten können. Die französischen Kriegsschiffe erleichterten -sich dann durch Überbordwerfen der Kanonen und liefen in die Charente -ein; ihre Gegner mußten sich damit begnügen, die Bojen auf den Kanonen zu entfernen. -Immerhin war die Abfahrt der Verstärkung verhindert, was vielleicht die Eroberung -Louisbourgs erleichtert hat.</p> - -<p>Nun folgte <em class="gesperrt">eine Reihe von Angriffen auf französische -Kanalhäfen</em>. Ihr Zweck war angeblich, zugunsten Friedrichs II. -französische Truppen vom Kriegsschauplatz in Deutschland abzuziehen, -doch wollte wohl England, wie in den früheren Kriegen, hierdurch die Ausgangshäfen -der französischen Freibeuterei vernichten. Der Flotte unter -<em class="gesperrt">Anson</em>, dem <em class="gesperrt">Hawke</em> als zweiter im Kommando zur Seite stand, fiel die -Aufgabe zu, jede Störung durch französische Seestreitkräfte von den atlantischen -Häfen aus zu hindern; zur Ausführung war unter <em class="gesperrt">Howe</em> ein -Geschwader von Schiffen bestimmt, die besonders für die Küstengewässer -geeignet waren; die Landungstruppen, 14000 Mann, befehligte General -<em class="gesperrt">Herzog von Marlborough</em>, an dessen Stelle im Juli General -<em class="gesperrt">Bligh</em> trat. Da die Ereignisse wenig Bemerkenswertes bieten, sollen sie -nur kurz behandelt werden<a name="FNAnker_81_81" id="FNAnker_81_81"></a><a href="#Fussnote_81_81" class="fnanchor">[81]</a>.</p> - -<p class="small"><b>Angriffe auf französische Kanalhäfen 1758.</b> <em class="gesperrt">Howes</em> Geschwader zählte 1 Linienschiff, -4 Schiffe zu 50 Kanonen, 10 Fregatten, 5 Sloops, 2 Brander, 2 Mörserboote, viele -kleine Fahrzeuge zu besonderen Zwecken sowie 100 Transporter für die Truppen; die -Schiffe hatten eine große Zahl flachgehender Boote für Landungen an Bord. Am 1. Juni -segelte <em class="gesperrt">Anson</em> von England, um sich mit Hawke vor Brest zu vereinen, bald darauf -ging Howe in See. Am 5. Juni nachmittags ankerte die Expedition in einer Bucht -6 Seemeilen östlich von <b>St. Malo</b>, 3 Fregatten sowie 1 Sloop setzten die dort befindliche -Strandbatterie außer Gefecht und vertrieben am Strande befindliche Truppen, so daß -die Landung ohne Verlust vor sich gehen konnte; sie war am 6. beendet und am 7. wurde -auf St. Malo marschiert. Die Einnahme der Stadt zeigte sich jedoch undurchführbar, -und am 11. sowie 12. schiffte man die Truppen wieder ein, nachdem die Umgebung gebrandschatzt -war; das Unternehmen hatte 30 Tote und Verwundete gekostet. Durch ungünstigen -Wind aufgehalten, langte die Expedition erst am 26. vor <b>Le Havre</b> an. Hier -versuchte man eine Landung nicht erst, da der Gegner zu gut vorbereitet war. Man -ankerte am 29. Juni zwei Seemeilen entfernt vor <b>Cherbourg</b>. Hier vereitelte aufkommender -Sturm die schon vorbereitete Landung. Da die Wetteraussichten für die nächste -Zeit ungünstig erschienen, und da auch auf den überfüllten Schiffen Krankheiten ausgebrochen -waren, ging <em class="gesperrt">Howe</em> nach Spithead zurück; eine französische Fregatte war -während der Unternehmungen genommen.</p> - -<p class="small">In England wurden zunächst die Truppen zur Erholung ausgeschifft. Einen Teil -derselben sandte man später zum Heere in Deutschland, mit dem Rest ging die Expedition -am 1. August aufs neue in See. Am 6. wurde vor <b>Cherbourg</b> erkundet, am 7.<span class="pagenumsmall"><a name="Page_146" id="Page_146">[146]</a></span> -und 8. in einer Bucht 6 Seemeilen westlich der Stadt fast ungestört gelandet und diese -dann ohne ernsten Widerstand besetzt. Stadt sowie Werke waren von den Franzosen -geräumt. Man zerstörte nun die Befestigungen, Magazine und Schiffe im Hafen, doch -war der Erfolg mehr moralischer Art, da Cherbourg damals nur eine unbedeutende -Marinestation war; in kleinen Scharmützeln hatte man 20 Tote sowie 30 Verwundete -eingebüßt. Am 16. nahm man die Truppen wieder an Bord und ankerte am 18. bei -Portland, da aber der Regierung der Erfolg nicht genügte, wandte man sich wieder -gegen <b>St. Malo</b>.</p> - -<p class="small">Am 4. September landete man in der Bucht von St. Lunaire, westlich der Stadt, -sah aber auch diesmal vom Angriff auf die Stadt ab und beschränkte sich auf Brandschatzen. -Da die genannte Bucht sehr felsigen Grund hatte, und das Wetter bedrohlich -aussah, erachtete der Kommodore die Wiedereinschiffung hier für gefährlich; man -wählte deshalb die Bucht von <b>St. Cas</b>, aber der Marsch dahin brachte eine schwere -Niederlage. Aus Wäldchen und Hecken wurden die Truppen beschossen und sahen -sich plötzlich am 11. September durch eine stärkere feindliche Streitmacht bedroht. -In Eile wurde der Weg nach St. Cas fortgesetzt, aber hier gelang es nur noch, etwa -ein Drittel der Truppen in Ruhe und Ordnung an Bord zu bringen, wobei man zuerst -die Reiter und die Artillerie einschiffte. Da griffen die Franzosen mit allen Waffen an, -und der Rückzug artete in Flucht aus. Der Gesamtverlust dieses Unternehmens bezifferte -sich auf 822 Tote, Verwundete und Gefangene; darunter 4 Schiffskommandanten, -die bei der Einschiffung befehligt hatten.</p> - -<p class="small"><b>Bemerkenswert</b> ist, daß der „Sieg am 11. September“ in der Bretagne wie in -ganz Frankreich großen Jubel erregte; er wurde gefeiert, in Liedern besungen, und -der <em class="gesperrt">Herzog von Aiguillon</em>, der die Truppen von Brest herangeführt hatte, -war der Held des Tages.</p> - -<p>Die englische Hauptflotte unter <em class="gesperrt">Anson</em> blockierte die französischen -Kriegshäfen bis Mitte September. Als dann die Angriffe auf die Kanalhäfen -aufgegeben wurden, ging sie heim und ließ ein kleineres Geschwader zurück, -das erst im Dezember eingezogen wurde. Im Oktober kam <em class="gesperrt">Du Chaffault</em> -mit seiner Division — 4 Linienschiffen, 2 davon als Flüten armiert, dem -Kompagnieschiff und einer Fregatte — von Kanada; er wäre wohl abgefangen -worden, wenn die Blockade noch in vollem Umfange bestanden hätte. -So erlitt er nur durch Zufall Verluste. Er <em class="gesperrt">traf</em> nämlich vor dem Eingang -des Kanals <em class="gesperrt">mit Boscawen zusammen</em>, der mit einem Teile seiner -Flotte gleichfalls auf der Heimreise von Nordamerika war. Zum Glück der -Franzosen war diese durch einen Sturm versprengt; Boscawen hatte nur -4 Linienschiffe und 3 Fregatten bei sich. Die Gegner sichteten sich am -27. Oktober und es kam gegen Abend zu einem Gefecht, das jedoch wegen -stürmischen Windes und hoher See bald abgebrochen wurde. In der Nacht -kam Du Chaffault von seinen Schiffen ab und erreichte Rochefort. Seine -übrigen Schiffe wurden am 28. von Boscawen gejagt; das Kompagnieschiff -wurde aufgebracht, ein Linienschiff lief in Seenot Bristol an und wurde -dort mit Beschlag belegt, der Rest rettete sich nach Brest.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b> kreuzte <b>1758</b> die englische Flotte unter Vizeadmiral -<em class="gesperrt">Henry Osborne</em>. <em class="gesperrt">De La Clue</em> lag seit November 1757 in Cartagena, -wo er Verstärkungen erwartete. Im Januar stießen 2 Linienschiffe nebst -einer Fregatte zu ihm, weitere 3 und eine Fregatte mußten noch in Toulon -das Eintreffen einer Division von der Levante, die Kauffahrer heimführte,<span class="pagenum"><a name="Page_147" id="Page_147">[147]</a></span> -abwarten, um ihre Besatzungen zu ergänzen. Sie erschienen am 27. Februar -bei Cartagena und erhielten Befehl, vor dem Hafen zu bleiben, da de La Clue -nunmehr die Reise nach Westindien sofort antreten wollte. In der Nacht -aber wurden die Wartenden durch Sturm vertrieben und stießen am anderen -Morgen beim Kap de Gata auf Osborne. Sie wurden einzeln gejagt: 2 Linienschiffe -wurden genommen, das dritte auf den Strand getrieben, nur die -Fregatte entkam. Da nun in Toulon keine Schiffe mehr bereit waren und -de La Clue ohne Verstärkung die Ausfahrt aus dem Mittelmeer nicht wagen -konnte, rief man ihn nach Toulon zurück, wo er am 26. April eintraf. Daß die -geschilderten Bewegungen der Franzosen überhaupt möglich gewesen waren, -spricht nicht zugunsten der Engländer; Osborne verfügte insgesamt über -14 Linienschiffe, je zwei zu 40 und 50 Kanonen, 6 Fregatten und 2 Sloops.</p> - -<p><b>Der Versuch der Franzosen, 1759 in England einzufallen</b>, macht dieses -Jahr zu einem entscheidenden im See- und Kolonialkriege. Zwei große -Niederlagen in den europäischen Gewässern brachten der französischen -Marine derartige Verluste, daß ihre Tätigkeit auf allen Kriegsschauplätzen -gelähmt war. Pläne zu einem Einfall in England beschäftigten <em class="gesperrt">Frankreich</em> -bereits seit 1756. Die verflossenen Jahre hatten nun erkennen lassen, -daß man nicht imstande sei, in allen Meeren zu kämpfen, ja daß die Geldmittel -den doppelten Krieg auf dem Festlande und auf der See überhaupt -nicht erlaubten. Der eigene Handel lag hoffnungslos danieder, während -der englische aufblühte und diesem Lande die Mittel zu reichlicher Unterstützung -der Gegner Frankreichs lieferte.</p> - -<p>Diese Erwägung im Verein mit der Verstimmung über die Mißerfolge -des Jahres 1758 auf dem Lande brachten den feurigen <em class="gesperrt">Choiseul</em>, der -seit November dieses Jahres Frankreich leitete, zu dem Entschlusse, die -ganze Kraft der Marine auf ein Ziel zu richten, auf den Einfall in England. -Mit dem Kriegsminister, <em class="gesperrt">Marschall von Belle-Isle</em>, entwarf er -folgenden Plan<a name="FNAnker_82_82" id="FNAnker_82_82"></a><a href="#Fussnote_82_82" class="fnanchor">[82]</a>: Von Ostende aus sollten auf eigens dazu erbauten flachen -Fahrzeugen 20 000 Mann unter <em class="gesperrt">General de Chevert</em> nach der Mündung -des Blackwater, nordöstlich von London, übergeführt werden; ein -gleichstarkes Heer unter dem <em class="gesperrt">Herzog d'Aiguillon</em> sollte bei Vannes -gesammelt, in der Morbihanbucht<a name="FNAnker_83_83" id="FNAnker_83_83"></a><a href="#Fussnote_83_83" class="fnanchor">[83]</a> eingeschifft und in Schottland gelandet -werden; ein kleineres Korps endlich wollte man von Dünkirchen aus nach -Irland werfen, da man hier auf einen allgemeinen Aufstand rechnete. Die -vereinigten Seestreitkräfte von Brest und Toulon — 35 bis 40 Linienschiffe — -waren bestimmt, unter <em class="gesperrt">Marschall de Conflans</em> zuerst die Expedition -nach Schottland zu führen und dann den Übergang nach England zu decken;<span class="pagenum"><a name="Page_148" id="Page_148">[148]</a></span> -für die Überführung nach Irland waren nur einige Kriegsschiffe vorgesehen. — -Schon im Winter 1758/59 wurde mit den Vorbereitungen zu diesem großen -Unternehmen begonnen, aber Beratungen über den Plan, Mangel an Geldmitteln, -sowie der schlechte Zustand der Werften und Arsenale verzögerten -die Ausführung; erst spät im Sommer glaubte man sich bereit. Inzwischen -aber war eine Hauptsache, die Vereinigung der Toulonflotte mit den Streitkräften -des Atlantik, durch die Schlacht bei Lagos verhindert, und England -hatte Zeit zu nachdrücklichsten Abwehrmaßregeln gefunden.</p> - -<p class="small">Obgleich man sämtliche Schlachtschiffe in Brest zusammenziehen wollte, hatte -man zu Anfang 1759 den Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Bompart</em> mit 8 Linienschiffen und -3 Fregatten von Brest nach Westindien gesandt. Er sollte Truppen nach den bedrohten -Inseln bringen und dann sofort zurückkehren. Durch die Ereignisse in Westindien -wurde er zwar länger aufgehalten, als vorauszusehen war; da sich die Expedition aber -verzögerte, so traf er noch vor deren Abgang in Brest wieder ein.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">England</em> erfuhr man bald von der Absicht Frankreichs, und die -Furcht vor der Invasion erregte wie gewöhnlich die Gemüter. Aber die -leitenden Kreise hatten doch in strategischer Hinsicht gelernt und der einsichtsvolle -<em class="gesperrt">Pitt</em> stand an der Spitze. Man hielt nicht mehr, wie bisher so -oft, die Streitkräfte ängstlich an der eigenen Küste zusammen, sondern -verwendete sie jetzt ganz in der Art, wie sie in der Einleitung zu diesem -Kriege (vgl. Seite <a href="#Page_125">125</a>) geschildert ist. Ein Geschwader (<em class="gesperrt">Kommodore -Boys</em>) kreuzte vor Dünkirchen und Ostende, eins (<em class="gesperrt">Kontreadmiral -Rodney</em>) vor der Küste der Normandie; hinter diesen lag ein Geschwader -(<em class="gesperrt">Admiral Thomas Smith</em> und <em class="gesperrt">Kommodore Sir Piercy -Brett</em>) in den Downs. <em class="gesperrt">Sir Edward Hawke</em> blockierte Brest, und -das Mittelmeergeschwader (<em class="gesperrt">Admiral Edward Boscawen</em>) war -verstärkt. Diese Streitkräfte zur Beobachtung und Abwehr des Gegners -in den europäischen Gewässern gewannen im Laufe des Jahres mehr und -mehr an Stärke. Genaue Zahlen stehen uns leider nicht zu Gebote, doch mag -als Anhalt dienen, daß Hawke im Juni über 25 Linienschiffe (dazu 4 50-Kanonenschiffe) -und Boscawen über 13 (dazu 2 50-Kanonenschiffe) verfügte; -die kleineren Beobachtungsgeschwader waren aus nur wenigen Linienschiffen -zu 60 Kanonen, sonst aus 50-Kanonenschiffen und Fregatten zusammengesetzt.</p> - -<p class="small">Aber auch die anderen Kriegsschauplätze wurden nicht vergessen. Nach Nordamerika -ging im Februar eine Flotte unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Charles Saunders</em> ab -und brachte die dortigen Streitkräfte auf 20 Linienschiffe (dazu 2 50-Kanonenschiffe); -zur Verstärkung der sonstigen Stationen waren schon im November 1758 8 Linienschiffe -nach Westindien, 5 nach Ostindien ausgelaufen. Ferner sandte man Truppen nach -diesen drei Kriegsschauplätzen sowie zum Festlandskriege; in England selber wurden -die Milizen aufgeboten. Da die Franzosen nur an den Einfall in England dachten, blieben -ihre Kolonien außer Westindien ohne Unterstützung und die Engländer errangen überall -große Erfolge.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Lagos, 18. August 1759.</b> In Toulon rüsteten <em class="gesperrt">die Franzosen</em> -ein Geschwader von 12 Linienschiffen, darunter 2 50-Kanonenschiffe,<span class="pagenum"><a name="Page_149" id="Page_149">[149]</a></span> -und 3 Fregatten aus, das der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de La Clue</em><a name="FNAnker_84_84" id="FNAnker_84_84"></a><a href="#Fussnote_84_84" class="fnanchor">[84]</a> nach -Brest führen sollte. Dies war bei der Überlegenheit der Engländer eine -schwierige Aufgabe, zumal diesen Gibraltar als Beobachtungsplatz zur Verfügung -stand, wenn die Blockade von Toulon nicht durchführbar war. Gerade -jetzt erwies sich die Wichtigkeit dieses Wachtturmes am Ausgange des Mittelmeeres, -und es ist sehr befremdend, daß selbst der einsichtige Pitt noch 1757 -die Rückgabe Gibraltars Spanien als Preis für ein Bündnis angeboten hat. -Die englische Mittelmeerflotte war während des Winters und des Frühjahrs -auf 13 Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 10 Fregatten, 2 Sloops und 2 Brander -gebracht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Boscawen</em><a name="FNAnker_85_85" id="FNAnker_85_85"></a><a href="#Fussnote_85_85" class="fnanchor">[85]</a> übernahm am 16. Mai das Kommando -und blockierte sofort Toulon streng; am 7. Juni ließ er sogar durch 3 Linienschiffe -2 französische Fregatten auf der Äußeren Rhede angreifen, die englischen -Schiffe gerieten aber unter den Befestigungen in Windstille und litten -schwer. Um sie auszubessern, sowie um Wasser und Vorräte der Flotte zu -ergänzen, ging der Admiral Anfang Juli nach Gibraltar; er gebrauchte aber -die Vorsicht, auf der Höhe von Malaga, sowie vor Ceuta je eine Fregatte -auszulegen.</p> - -<p><em class="gesperrt">De La Clue</em> verließ am 5. August, als seine Schiffe endlich segelfertig -und mit genügender Mannschaft versehen waren, Toulon, traf am 17. August -vor der Straße von Gibraltar ein und wurde hier durch die eine der Fregatten -gesichtet. Diese meldete den Feind schon um 7½ Uhr abends in Gibraltar. -Der französische Admiral beabsichtigte, sich jedem Zusammenstoße -zu entziehen, aber Boscawen ging mit äußerster Beschleunigung unter Segel -und bereitete ihm, der von einem Teil seiner Schiffe im Stich gelassen wurde, -in einem Verfolgungsgefechte am 18. und 19. August eine schwere Niederlage.</p> - -<p class="small"><b>Schilderung der Schlacht bei Lagos.</b> <em class="gesperrt">Boscawen</em> war nicht völlig seeklar gewesen, -sein Flaggschiff hatte nicht einmal Segel untergeschlagen, dennoch gelang es, -noch vor 10 Uhr nachts die Flotte in zwei einige Seemeilen voneinander getrennten -Gruppen in See zu bringen. <em class="gesperrt">De La Clue</em> hatte mit östlichem Winde die Straße in -Kiellinie passiert; er beabsichtigte nun, unter vollen Segeln mit westlichem Kurse in -die offene See zu steuern, um sich einer Verfolgung zu entziehen. Er minderte auf dem<span class="pagenumsmall"><a name="Page_150" id="Page_150">[150]</a></span> -Flaggschiff Segel und gab das Signal für den neuen Kurs; als dies von den nächsten -Hinterleuten beantwortet war, löschte er die Admiralslaternen am Heck, mehrte Segel -und steuerte WNW. Die Kiellinie war wohl bisher nicht gut geschlossen gefahren, -denn die Segeleigenschaft der Schiffe war sehr verschieden, die des Flaggschiffes besonders -gut, und so kam es, daß die letzten 5 Linienschiffe sowie die Fregatten das -Signal nicht bemerkten; als sie die Admiralslaternen aus Sicht verloren, steuerten sie -NNW, um Cadiz zu erreichen, da dieser Hafen durch einen früheren Befehl als Sammelpunkt -bei verloren gegangener Fühlung bezeichnet war.</p> - -<p class="small">Am 18. August gegen 7 Uhr vormittags sichtete Boscawen mit seiner vorn segelnden -Gruppe, 8 Linienschiffen, de La Clue mit 7 Linienschiffen unter vollen Segeln in Kiellinie; -er gab seinen drei besten Seglern den Befehl, Segel zu pressen und die letzten -Schiffe der Franzosen festzuhalten. Um 2½ Uhr nachmittags kam der vorderste Engländer -mit dem hintersten Feinde ins Gefecht; zum Vorteil der Verfolger flaute der -Wind für die westlicher stehenden Schiffe ab, während die nachfolgenden noch Wind -genug hatten, so daß bis bald nach 4 Uhr die ganze Gruppe Boscawens eingreifen -konnte.</p> - -<p class="small">Um 4½ Uhr kam es zum Kampf zwischen den beiden Flaggschiffen, in dem das -englische, „Namur“ mit 90 Kanonen, von dem französischen, „L'Océan“ mit 80 Kanonen, -im Laufe einer halben Stunde durch Beschädigung der Takelage außer Gefecht gesetzt -wurde, so daß Boscawen auf ein anderes Schiff gehen mußte. Hervorragend focht -auch das letzte französische Schiff, „Centaure“, mit 74 Kanonen unter Kapitän de -Sabran, der 11 Wunden davontrug; es hielt stundenlang gegen 5 englische Schiffe stand, -bis es wrack und halb voll Wasser die Flagge strich. Dieser Opfermut gab den anderen -Franzosen Gelegenheit, ihre Flucht fortzusetzen. Boscawen warf später einigen seiner -Kommandanten vor, nicht tatkräftig genug eingegriffen zu haben, doch wurden sie -anscheinend durch Windstille zurückgehalten. Während der unsichtigen Nacht retteten -sich dann zwei Franzosen durch Ausbrechen aus ihrem Geschwader; der Rest wurde am -19. in die Bucht von Lagos gejagt. Das Flaggschiff setzte sich hier auf den Strand, -die anderen ankerten unter den portugiesischen Batterien. Boscawen, dessen zweite -Gruppe (Vizeadmiral Broderick) nun auch herangekommen war, nahm aber keine -Rücksicht auf die Neutralität Portugals und griff an; 2 feindliche Schiffe wurden genommen, -2 verbrannt. Unter den letzteren war das Flaggschiff; den an beiden Beinen -schwer verwundeten Admiral hatten seine Leute vorher an Land geschafft.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Franzosen betrug 5 Linienschiffe, sowie gegen 200 Tote und -Verwundete allein auf „Océan“ und „Centaure“. Die Engländer büßten 175 Mann -ein, und zwar fast nur auf den Schiffen der ersten Gruppe. Aber auch die entwichenen -französischen Schiffe waren außer Gefecht gesetzt. Die nach Cadiz gesegelten wurden -hier bis zum Januar 1760 blockiert gehalten; die beiden später geflohenen erreichten -auf Umwegen erst im Oktober Rochefort.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Lagos</em> kostete Frankreich seine Mittelmeerflotte -und <em class="gesperrt">ist bemerkenswert als gutes Beispiel eines -reinen Verfolgungsgefechtes</em>. Die französischen Streitkräfte -waren den englischen an Schlachtschiffen nur wenig unterlegen; es standen -12 Franzosen mit 806 Kanonen gegen 15 Engländer mit 998. Dennoch handelte -<em class="gesperrt">de La Clue</em> richtig, wenn er ein Zusammentreffen unbedingt zu vermeiden -suchte; seine Aufgabe war, die Flotte ungeschwächt und schnell zur -Vereinigung nach Brest zu führen. Sich dem Kampfe durch Einlaufen in -Cadiz, dem von ihm für alle Fälle angegebenen Sammelpunkt, zu entziehen, -wäre zwecklos gewesen, da er dann hier wie bislang in Toulon blockiert -worden wäre.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_151" id="Page_151">[151]</a></span></p> - -<p>Er hätte aber für Zusammenhalten der Flotte sorgen müssen, in der Nacht -vor der Schlacht trennten sich jedoch die hintersten 5 Schiffe und segelten -nach Cadiz. Von älteren französischen Quellen werden die Kommandanten -dieser Schiffe des Ungehorsams, ja selbst der Feigheit, beschuldigt, neuere -Schriftsteller urteilen mit Recht milder. Der Admiral mußte seine Absicht -noch bei Tageslicht kundgeben oder hätte sich doch in der dunkeln Nacht -erst überzeugen müssen, ob sein Signal allgemein verstanden sei, ehe er den -beschleunigten Marsch antrat; bei dem noch unvollständigen Signalsystem<a name="FNAnker_86_86" id="FNAnker_86_86"></a><a href="#Fussnote_86_86" class="fnanchor">[86]</a> -war dies unbedingt notwendig. Er hätte ferner schon vorher die Marschgeschwindigkeit -der Flotte den langsamsten Schiffen anpassen müssen, um -einem Zurückbleiben dieser vorzubeugen.</p> - -<p>Den Nachteil, der einer Flotte durch ungleiche Marschfähigkeit ihrer -Schiffe erwächst, wenn sie sich dem Kampfe entziehen will, nützte <em class="gesperrt">Boscawen</em> -richtig aus, als er am 17. folgte, ehe er seine Flotte aufgeschlossen -hatte, und als er am 18. August ohne Rücksicht auf Ordnung durch seine -schnellsten Schiffe die letzten des Gegners angreifen ließ, um diesen überhaupt -festzuhalten. Der Kommandant des hintersten französischen Schiffes, Kapitän -<em class="gesperrt">de Sabran</em>, verdient das höchste Lob dafür, daß er hierbei durch -heldenmütige Verteidigung und Aufopferung so viele Gegner festhielt, um -seine Kameraden zu retten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Kapitän de Sabran</em> wurde während seiner Gefangenschaft in Gibraltar -von den Engländern mit Auszeichnung behandelt und später in Toulon, in Paris sowie -am Hofe sehr gefeiert. Den übrigen Kommandanten warf die öffentliche Meinung -Ungeschick und Ungehorsam, ja sogar Feigheit und Verrat vor. Auch <em class="gesperrt">de La Clue</em> -fiel in Ungnade. Nach älteren Quellen soll er bald nach der Schlacht seinen Wunden -erlegen sein, nach englischen Angaben schon in Lagos. Dies muß ein Irrtum sein, denn -Lacour führt ausdrücklich an, er sei von <em class="gesperrt">Choiseul</em>, der 1761 das Marineministerium -übernahm, milder beurteilt und habe erst 1764 den Dienst verlassen.</p> - -<p>Bezeichnend ist endlich noch das Auftreten des englischen Admirals an -der Küste des neutralen Portugals; aber dieser Staat war so abhängig von -England, daß man keine Rücksicht zu nehmen brauchte. Es erfolgte auch -später nur eine förmliche Entschuldigung durch den englischen Gesandten; -dieser war aber durch Pitt angewiesen, dabei keinen Zweifel zu lassen, daß -man weder die genommenen Schiffe wieder ausliefern noch den Admiral -tadeln würde.</p> - -<p><b>Das Auslaufen der französischen Brestflotte 1759.</b> Am 3. Juli erschien -Kontreadmiral <b>Rodney vor Le Havre</b> mit einem Linienschiffe, 4 50-Kanonenschiffen, -5 Fregatten und 6 Mörserbooten, um die hier für die Expedition -gebauten flachen Transportfahrzeuge, sowie die angehäuften Ausrüstungsgegenstände -zu vernichten. Er überschüttete während 52 Stunden Stadt -und Hafen mit 1900 Bomben und 1100 Brandgeschossen. Die Einwohner<span class="pagenum"><a name="Page_152" id="Page_152">[152]</a></span> -flüchteten; die Kauffahrer im Hafen, sowie die Magazine erlitten großen -Schaden, und die flachen Boote, die in einem benachbarten kleinen Seinehafen -Schutz gesucht hatten, wurden verbrannt, um sie nicht in Feindeshand -fallen zu lassen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Hawke</em> hatte die Blockade von Brest im Juni mit -25 Linienschiffen nebst zahlreichen Fregatten aufgenommen. Er ließ hierbei -seine leichten Schiffe dicht vor dem Hafen kreuzen, während er sich mit -den schweren in sicherer Entfernung von der Küste hielt. Später zweigte -er eine kleine Division unter <em class="gesperrt">Kommodore Robert Duff</em> zur Beobachtung -der Morbihanbucht ab, wo sich die französische Expedition -sammelte, und sandte bald darauf noch eine zweite unter <em class="gesperrt">Admiral -Geary</em> vor die Quiberonbucht, um dem von Westindien zurückerwarteten -Geschwader de Bompart (siehe Seite <a href="#Page_148">148</a>) den Weg nach Rochefort zu verlegen. -Nur einmal versuchten die Franzosen mit 4 Linienschiffen von Brest -zur Morbihanbucht durchzubrechen; diese mußten jedoch wieder umkehren, -da die innere Blockadelinie aufmerksam war und die Flotte heranrief.</p> - -<p>Diese kleine französische Division unter Kapitän <em class="gesperrt">de Morogues</em> -sollte die unmittelbare Deckung des Transportes für den Einfall in England -übernehmen. An diesem hielt man nämlich immer noch fest, obgleich die -Rüstungen so langsam fortschritten, daß die Herbststürme herannahten, -und obgleich mit der Mittelmeerflotte nicht mehr gerechnet werden konnte. -Der Plan erlitt aber insofern eine Einschränkung, als von der Überführung -eines Heeres über den Kanal abgesehen und nur die große Landung in Schottland, -sowie die Diversion nach Irland im Auge behalten wurde. Auch diese -Einschränkung scheint erst spät beschlossen oder überhaupt nur die Folge -der weiteren Ereignisse gewesen zu sein, denn noch in einer Verfügung an -Admiral <em class="gesperrt">Conflans</em> in Brest vom 13. September ist von dem gegen England -bestimmten Heere die Rede, als dessen Führer man jetzt den Prinzen -<em class="gesperrt">Soubise</em> nannte.</p> - -<p class="small">Das Mißgeschick bei Lagos sowie die sorgfältige Überwachung der Küsten durch -die Engländer hätte wohl von dem ganzen Unternehmen abmahnen müssen. Aber -man wünschte in Paris durch einen Erfolg auf dem Meere die im Landkriege erlittenen -Scharten auszuwetzen und dadurch einen ehrenhaften Frieden herbeizuführen. Französische -Quellen besagen, das Aufgeben des Planes nach den großen Vorbereitungen -wäre für Frankreich ein volles Eingeständnis seiner maritimen Ohnmacht gewesen. -Daraufhin aber sich in ein fast aussichtsloses Wagnis zu stürzen, spricht nicht für die -Einsicht der leitenden Kreise. Doch kann dies kaum mehr wundernehmen als die -Bestimmung des Prinzen von Soubise, der sich bei Roßbach ganz unfähig gezeigt hatte, -zum Führer eines so schwierigen Unternehmens.</p> - -<p>Im September hielt man das an der Morbihanbucht zusammengezogene -Heer, sowie die Flotte in Brest für schlagfertig und erteilte am 15. d. M. -dem Vizeadmiral der Levante, <em class="gesperrt">Marschall de Conflans</em><a name="FNAnker_87_87" id="FNAnker_87_87"></a><a href="#Fussnote_87_87" class="fnanchor">[87]</a>, den Befehl,<span class="pagenum"><a name="Page_153" id="Page_153">[153]</a></span> -von Brest in See zu gehen, die Truppen abzuholen und am Clyde oder an der -Ostküste Schottlands zu landen. Doch wieder traten Verzögerungen ein, -weil die Ansichten über die Ausführung des Planes auseinandergingen. Der -Marineminister <em class="gesperrt">Berryer</em> erachtete den Admiral taktisch für nicht geschickt -genug, um das Vorgehen des Feindes zu hindern und die Überfahrt der -Transportflotte ohne entscheidenden Kampf zu sichern. Sein Plan war daher, -für die unmittelbare Begleitung der Transporter nur 6 Linienschiffe zu bestimmen, -die Flotte aber vorauszusenden, um die Schlacht vorher zu schlagen; -brachte diese einen entscheidenden Sieg, so wäre der Weg frei, verlief sie -ungünstig, so würde wenigstens der Transport nicht gefährdet.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Conflans</em> — der sich übrigens stets darüber beklagt hatte, daß -Heer und Transporter nicht bei Brest gesammelt seien und daß er so bei -Benutzung einer günstigen Gelegenheit für das Auslaufen zu einem zeitraubenden -Umweg gezwungen sei — war anderer Ansicht; er bestand darauf, -den Transport mit der ganzen Flotte zu begleiten und, wenn nötig, auch so -einen Angriff abzuschlagen. Am 14. Oktober erhielt er denn auch eine neue -Order (wörtlich bei Lacour I, Seite 366), die ihm freistellte, „ganz nach seiner -Ansicht und Erfahrung zu handeln“. Der Augenblick war günstig, da die -englische Flotte wegen eines Sturmes die Blockade für kurze Zeit hatte aufgeben -müssen. Aber Conflans zögerte immer noch und zwar, wie er berichtete, -weil die Ausrüstung der Flotte nicht abgeschlossen und die Besatzungen nicht -vollzählig, sowie zu wenig eingeübt seien; die meisten Schiffe hatten seit -drei Jahren den Hafen nicht verlassen. Am 9. November sah sich die englische -Flotte wiederum durch das Wetter genötigt, die Blockade abzubrechen -und nach Torbay zu segeln; diese Gelegenheit benutzte das gerade vor Westindien -anlangende Geschwader <em class="gesperrt">Bomparts</em>, um in Brest einzulaufen. -Es zählte 8 Linienschiffe und würde die Brestflotte auf 27 solcher gegenüber -23 der englischen Blockadeflotte gebracht haben; Conflans zog sie aber hierzu -nicht heran, sondern füllte mit ihren seeerfahrenen Besatzungen seine Schiffe -auf. Diese Maßregel wird sehr verschieden beurteilt, muß aber wohl als -zweckentsprechend angesehen werden; sie läßt auf den traurigen Zustand -der übrigen Schiffe schließen. <em class="gesperrt">Conflans</em> ging dann am 14. November mit -östlichem Winde in See und steuerte südwärts.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p155.jpg" width="300" height="449" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p155" id="fig_p155"></a> -<p class="caption">Admiral Edward Lord Hawke.</p> -</div> - -<p>Admiral <em class="gesperrt">Hawke</em> hatte am 12. Torbay wieder verlassen, sobald das -Wetter besser geworden, war aber nochmals zur Umkehr gezwungen; er -trat dann auch am 14. die Fahrt nach Brest an und hörte vor dem Hafen,<span class="pagenum"><a name="Page_154" id="Page_154">[154]</a></span> -daß der Feind im Süden mit östlichem Kurse gesehen sei; er schloß richtig, -daß er zur Quiberonbucht wolle, und folgte unter einem Preß von Segeln.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Quiberon, 20. November 1759</b><a name="FNAnker_88_88" id="FNAnker_88_88"></a><a href="#Fussnote_88_88" class="fnanchor">[88]</a>. Marschall <em class="gesperrt">de Conflans</em> -hoffte zwar eine Schlacht zu vermeiden, mußte aber eine solche -sogar suchen, wenn er auf die englische Flotte stieß und dennoch die Expedition -mit den Transportern durchführen wollte; die Vereinigung allein -mit diesen in der Quiberonbucht würde sonst nur eine weitere Blockade -von Flotte und Konvoi zur Folge gehabt haben, nunmehr in <em class="gesperrt">einem</em> Hafen, -also eine leichtere Aufgabe für den Gegner. In einem ausführlichen Flottenbefehle -betonte er, daß man wahrscheinlich bald mit dem Feinde zusammenstoßen -würde, und er erließ ausführlichste Gefechtsvorschriften für alle -möglichen Verhältnisse, unter denen dies erfolgen könnte. Stets war mit -tönenden Worten auf ein schneidiges Vorgehen hingewiesen. Mit Vorstehendem -aber stimmte der weitere Verlauf der Dinge durchaus nicht; <em class="gesperrt">Conflans</em> -traf weder Maßregeln, um sich durch Aufklärer vor Überraschung zu sichern, -noch trat er dem Feind entgegen, als dieser erschien. Südöstliche Winde -hemmten die Fahrt der Flotte und versetzten sie westlich; erst am 19. November -abends stand sie etwa 70 Seemeilen südwestlich von Belle-Ile.</p> - -<p>Jetzt drehte der Wind nach Westen und Conflans nahm Kurs auf die -Quiberonbucht; da der Wind schnell auffrischte, mußte er aber kleine Segel -führen, um nicht während der Nacht vor der Einfahrt anzukommen. Bei -Tagesanbruch am 20. wurden voraus einige Segel gesichtet. Es war die Division -des Kommodore <em class="gesperrt">Duff</em>, der die Quiberonbucht bewachte: 1 Linienschiff, -4 50-Kanonenschiffe, sowie 3 oder 4 Fregatten. Duff hatte hinter Belle-Ile vor -Anker gelegen und war in wenigen Minuten, nach Kappen der Ankertaue, -unter Segel gegangen, als er durch eine vor der Einfahrt kreuzende Fregatte -das Nahen der Franzosen erfuhr. <em class="gesperrt">Conflans</em>, der in Brest stets Nachrichten -von der Morbihanküste erhalten hatte, schloß ganz richtig, daß er es nur -mit Duff zu tun habe, und befahl allgemeine Jagd. Die englische Division -teilte sich; einige Schiffe segelten über Backbordbug beim Winde nach Süden, -die anderen unter Duff hielten raum wieder auf die Küste zu. Diesen folgte -Conflans mit Vorhut und Mitte seiner Flotte, da sie den größeren Teil des -Feindes ausmachten und auf seinem Kurse lagen; gegen den kleineren Teil -sandte er die Nachhut. Bald darauf aber meldete diese zahlreiche Schiffe im -NW und auch das Flaggschiff sichtete sie; es war <em class="gesperrt">Hawkes</em> Flotte, die -unter vollen Segeln herankam. Duff ging nun an den Wind und vereinigte -sich mit Hawke; Conflans rief seine Nachhut zurück und gab Befehl zum -Bilden der Kiellinie, sowie für Vorbereitung zum Gefecht.</p> - -<p>Wenn er wirklich zunächst die Absicht gehabt hatte, den Kampf auf -offener See anzunehmen, so gab er sie doch bald auf, da es mit allen Anzeichen<span class="pagenum"><a name="Page_155" id="Page_155">[155]</a></span> -aufkommenden schweren Wetters hart aus WNW wehte und da die Flotte -dicht unter einer Leeküste einem überlegenen Feinde gegenüber in Lee stand. -Er entschloß sich, einzulaufen, in der sicheren Voraussetzung, daß Hawke -nicht wagen würde, bei den Wetterverhältnissen ohne Lotsen und genaue -Karten in das mit Bänken und Riffen besetzte Gewässer zu folgen. Er hoffte -noch unbehelligt hineinzukommen und wollte dann dicht unter dem westlichen -Ufer der Bucht ankern. So dachte er den Gegner, falls dieser doch -folgen sollte, zu zwingen, zum Angriff nun seinerseits die Leestellung -mit der Küste in Lee einzunehmen. -Er setzte sich mit -dem Flaggschiff an die Spitze -der Flotte, um sie zu führen; -auf seinen Platz für die Gefechtsformation -in der Mitte -beabsichtigte er erst später -wieder zu gehen.</p> - -<p>Aber keine seiner Voraussetzungen -traf ein. Das Bilden -der Linie dauerte lange, -die Engländer kamen schnell -näher, und <em class="gesperrt">Hawke</em> ließ sich -keinen Augenblick durch die -vor ihm liegenden Gefahren -beirren. Als erfahrener Seemann -würdigte er sie vollauf, -aber er war ein ruhiger und -tapferer Mann und er schätzte -den Schneid sowie die Erfahrung -seiner, durch die harte -Schule langer Blockaden erprobten -Offiziere und Mannschaften -höher ein als die -der Franzosen; er wußte, daß -sein Land die Vernichtung der -feindlichen Flotte erwartete — -wurde er doch, während er hier dieses Werk vollbrachte, in England -in effigie verbrannt, weil er diese aus Brest hatte entschlüpfen lassen. -Zweifellos rechnete er auch damit, daß die vorausfahrenden Franzosen -ihm als Lotsen dienen oder zuerst auf den Grund kommen würden. Er -nahm die Verfolgung auf, erreichte die feindliche Flotte noch in der Einfahrt -und setzte sie durch einen Kampf in der Melée unter den schwierigsten -Umständen — Sturm, schwere See, sowie Leeküste; eine ungeheure Zahl -von Schiffen auf kleinem, gefährlichem Raum — für den weiteren Verlauf -des Krieges außer Gefecht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_156" id="Page_156">[156]</a></span></p> - -<table class="sfont" summary="p156"> - <tr> - <td class="tdl" colspan="10"><b>Die Stärke der Flotten</b>:</td> -</tr> - <tr> - <td class="td29">Kanonenzahl</td> - <td class="td7">100</td> - <td class="td7">90</td> - <td class="td7">80</td> - <td class="td7">74</td> - <td class="td7">70</td> - <td class="td7">64</td> - <td class="td7">60</td> - <td class="td7" colspan="2"> </td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">Englische Schiffe</td> - <td class="td16"> 1</td> - <td class="td16"> 3</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16"> 7</td> - <td class="td16"> 5</td> - <td class="td16"> 2</td> - <td class="td16"> 5</td> - <td class="td16">= 23</td> - <td class="tdc">Linienschiffe</td> -</tr> - <tr> - <td class="tdl">Französische Schiffe</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 6</td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 7</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">= 21</td> - <td class="tdc">„</td> -</tr> -</table> - -<p class="small">Hinzu traten auf englischer Seite: 4 50-Kanonenschiffe (Division Duff), 6 Fregatten -zu 28–36 Kanonen; auf französischer Seite: 2 oder 3 Fregatten zu 30 Kanonen, -2 Korvetten mit 6 und 16 Kanonen.</p> - -<p class="small"><b>Französische Flaggoffiziere</b>: Vorhut Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Bauffremont</em>, -Prince de Linois; Mitte Marschall <em class="gesperrt">de Conflans</em>; Nachhut Chef d'Escadre <em class="gesperrt">St. -Andrée du Verger</em>.</p> - -<p class="small"><b>Englische Flaggoffiziere</b>: Vizeadmiral <em class="gesperrt">Sir Charles Hardy</em>; Admiral -<em class="gesperrt">Hawke</em>; Kommodore <em class="gesperrt">James Young</em>.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p156.jpg" width="600" height="393" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p156" id="fig_p156"></a> -<p class="caption">Quiberonbucht.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Der Verlauf des Kampfes</b> wird in allen Quellen nur skizzenhaft gegeben, ergänzt -durch Schilderung der Schicksale einzelner Schiffe; dies ist dadurch erklärlich, daß -auf beiden Seiten bald jede Ordnung aufhörte. Die englische Flotte stand beim Sichten -des Feindes gegen 10 Uhr vormittags WzS von Belle-Ile, die französische in SW -dieser Insel und näher bei ihr. <em class="gesperrt">Hawke</em> bildete Dwarslinie, um seine hinteren Schiffe -aufkommen zu lassen, gab aber bald den 7 Schiffen, die dem Feinde am nächsten waren, -Befehl zur Jagd. Auf französischer Seite dauerte das Bilden der Linie sowie das Aufnehmen -der abgezweigten Vorhut längere Zeit, in der die Engländer vor dem stürmischen -Westwinde schnell aufkamen. <em class="gesperrt">Conflans</em> setzte dann schon frühzeitig so viel Segel -als möglich, und während der nun folgenden Jagd gingen infolge der ungleichen Segelfähigkeit -der Schiffe bald Fühlung und Ordnung in der französischen Linie verloren; -die Nachhut war überhaupt noch nicht ganz herangekommen.</p> - -<p class="small">Gegen 2½ Uhr nachmittags passierte Conflans mit dem Flaggschiff die Felsen -<em class="gesperrt">Les Cardinaux</em> und ging näher an den Wind, um in die Quiberonbucht zu steuern; -zu gleicher Zeit griff das vorderste englische Schiff südlich von Belle-Ile das letzte -französische an und nach kurzer Frist waren 9 Engländer mit 4 oder 5 Franzosen der -Nachhut in einem laufenden Gefecht. Bald darauf drehte der zum Sturm mit schweren -Böen gewordene Wind nach NNW, wodurch die Ordnung der französischen Linie noch -mehr gestört und dem Rest der Engländer das Herankommen erleichtert wurde; auch<span class="pagenumsmall"><a name="Page_157" id="Page_157">[157]</a></span> -die letzten Schiffe der französischen Mitte wurden nun angegriffen. Gegen 3½ Uhr -wendete <em class="gesperrt">Conflans</em> mit dem Flaggschiff, um sich nach der Mitte zu begeben, auch -heißte er für die anderen Schiffe das Signal, im Kontremarsch zu wenden; er hoffte so -eine geordnete Linie wieder herzustellen, scheint also die Absicht gehabt zu haben, -den Kampf aufzunehmen, um seine Nachhut zu retten. Von diesem Augenblicke an ist -es nicht mehr möglich, den Verlauf des Gefechtes zu übersehen. Bei dem Versuche, -dem Befehle nachzukommen, trieben die französischen Schiffe in Haufen zusammen, -und immer mehr Engländer kamen heran; dabei ging der kurze Novembertag -zu Ende.</p> - -<p class="small">In dem Dreieck zwischen den Bänken <em class="gesperrt">Les Cardinaux</em> und <em class="gesperrt">Le Four</em> sowie -der Insel <em class="gesperrt">Dumet</em> fochten gegen 50 Schiffe in der Melée. Manche, namentlich französische, -sind wohl kaum zum Feuern gekommen, weil sie sich gegenseitig behinderten, -wie denn auch verschiedene Zusammenstöße erfolgten; dazu kamen der schwere Sturm -sowie die hohe See, die die Manöver erschwerten und viele Schiffe zwangen, die Pforten -der untersten Batterie geschlossen zu halten. Die 7 Schiffe der französischen Nachhut, -die den Kampf wacker aufnahmen, hatten schon zu Anfang schwer gelitten. <em class="gesperrt">St. Andrée</em> -fiel und ebenso sein Flaggkapitän (sein Bruder), aber das Schiff strich erst um 4½ Uhr -die Flagge, als es 200 Tote verloren hatte und fast wrack war; ein zweites war genötigt, -die Flagge zu streichen und zu ankern, da es jedoch des schweren Wetters wegen vom -Gegner nicht besetzt wurde, heißte es die Flagge wieder und zog sich aus der Melée; -ein drittes endlich floh schwer beschädigt und sank vor der Loiremündung. Von der -französischen Vorhut kenterte ein von beiden Seiten hart bedrängtes Schiff, da in einer -schweren Bö das Wasser durch die Leepforten der untersten Batterie hineinströmte; -ein anderes wurde durch das Feuer des englischen Flaggschiffes zum Sinken gebracht.</p> - -<p class="small">Nach Eintritt der Dunkelheit löste sich das Gewühl. <em class="gesperrt">Conflans</em> wollte seine -Flotte wieder ins offene Meer hinausführen, konnte sich jedoch zuerst nicht aus dem -Knäuel lösen, fürchtete dann, unklar von Le Four zu kommen und ankerte in der Nähe -dieser Bank. 7 Schiffe, unter ihnen der Führer der Vorhut, <em class="gesperrt">Bauffremont</em>, entwichen -nach Süden und fanden sich später vor Rochefort zusammen; 7 andere sowie -die Fregatten ankerten vor der Mündung der Vilaine. Admiral <em class="gesperrt">Hawke</em>, der in der -Dunkelheit an keine Verfolgung denken konnte, ging ungefähr in der Mitte des -Kampfplatzes vor Anker, seinem Beispiele folgten aber nur die Schiffe in seiner -Nähe, die dies bemerkten. Das Nachtsignal zum Ankern, zwei Kanonenschüsse, -wurde nicht verstanden, da auch sonst noch gefeuert wurde; so suchten die anderen -Schiffe sich Ankerplätze nach Belieben, einige gingen auch in See hinaus.</p> - -<p class="small">Am 21. November bei Tagesanbruch hatte <em class="gesperrt">Hawke</em> nicht viele Schiffe beisammen -und englische Quellen sagen, hier sei für die Franzosen Gelegenheit gewesen, mit Übermacht -aufzutreten. Dabei wird angenommen, daß die sieben nach Süden entwichenen -französischen Schiffe während der Nacht in der Nähe, vielleicht südlich Le Four, vor -Anker gelegen hätten; nach Andeutung einer französischen Quelle (Lacour) scheint -dies der Fall gewesen zu sein, doch schweigen die anderen hierüber. <em class="gesperrt">Conflans</em> sah -sich am Morgen fast allein nicht weit von Hawke liegen, nur das Schiff der Nachhut, -das die Flagge wieder geheißt hatte, war in seiner Nähe; er glaubte nicht mehr entkommen -zu können und setzte sein Schiff in der Bucht von Croizic auf den Strand, -wie es kurz vor ihm das eben genannte Schiff getan. <em class="gesperrt">Hawke</em> hatte tatsächlich ein -Schiff gegen diese beiden beordert, doch strandete dies auf Le Four, wo schon ein anderes -englisches seit dem Tage vorher festsaß. Weitere Versuche, den Sieg auszunutzen, -konnte Hawke des Wetters wegen am 21. noch nicht machen und infolgedessen gelang -es den französischen Schiffen vor der Vilaine an diesem und dem folgenden Tage, nachdem -sie sich durch Überbordwerfen von Geschützen sowie Material möglichst erleichtert -hatten, die Barre vor dem Flusse zu überschreiten, diesen eine Strecke hinaufzulaufen -und sich so vor Angriffen von See her zu sichern. Als am 22. das Wetter besser geworden -war, wollte <em class="gesperrt">Hawke</em> die Schiffe bei Croizic verbrennen, die Franzosen zündeten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_158" id="Page_158">[158]</a></span> -sie aber selber an; es wurde ihnen dadurch unmöglich, die wertvolle Artillerie -des Flaggschiffes zu bergen.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung der Franzosen.</b> Der 20. November 1759 war kein Ruhmestag für -diese, weder für den Admiral noch für die meisten Kommandanten. Daß die französischen -Seeoffiziere im allgemeinen tapfere Männer waren, wie es bei dem Charakter -ihres Volkes und bei ihrer Abstammung von dem alten kriegerischen Adel von vornherein -anzunehmen ist, beweist die ehrenvolle Verteidigung der Nachhutschiffe, die noch -unter einigermaßen normalen Verhältnissen in den Kampf eintraten; aber fast allgemein -fehlte es ihnen an Umsicht und an Selbstvertrauen. In Frankreich wurden dann auch -Klagen erhoben, die von französischen Schriftstellern zum Teil noch jetzt als begründet -angesehen werden<a name="FNAnker_89_89" id="FNAnker_89_89"></a><a href="#Fussnote_89_89" class="fnanchor">[89]</a>.</p> - -<p class="small">Dem Admiral <em class="gesperrt">Conflans</em> wirft man zunächst vor, daß er sich auf seinem Marsche -nicht gesichert habe; überrascht, habe er dann den Kopf verloren. Er hätte — wie es -auch <em class="gesperrt">de La Clue</em> bei Lagos hätte tun müssen — beim Ansteuern der Quiberonbucht -die Geschwindigkeit der Flotte nach der des langsamsten Schiffes regeln und vor allem -die Nachhut herankommen lassen müssen. Als diese angegriffen wurde, hätte er sofort -wenden sollen; vielleicht war dann noch Zeit, sie zu retten, ehe die Gesamtmacht des -Feindes in Gefechtsordnung auftreten konnte. Oder er hätte sie opfern und seinen -Plan, eine Verteidigungsstellung in der Bucht einzunehmen, mit Mitte und Vorhut -zur Ausführung bringen müssen; durch den zu späten Versuch, dem Gegner entgegenzutreten, -habe er die völlige Unordnung der Flotte und damit deren Ohnmacht hervorgerufen. -Es wird dem Marschall endlich vorgeworfen, sein Schiff, das gar nicht sehr gelitten -hatte und ein vorzüglicher Segler war, vorzeitig ohne Fluchtversuch auf den -Strand gesetzt und später ohne jeden Kampf verlassen zu haben. — Den Chef der -Vorhut, <em class="gesperrt">Bauffremont</em>, traf der Vorwurf der Indisziplin, sogar auch, wie zu allen -Zeiten in Frankreich bei Katastrophen üblich, der des „Verrates“, weil er „mit seiner -Division“ den Marschall im Stich gelassen habe. Wörtlich trifft dies aber nicht zu; die -nach Rochefort geflüchteten Schiffe kamen einzeln und teilweise vor Bauffremont dort -an und zwar nicht nur Schiffe der Vorhut, sondern auch solche der Mitte und der -Nachhut, ebenso wie sich die nach der Vilaine gesegelten aus allen drei Divisionen zusammensetzten. -Aus diesem Umstande geht hervor, daß jeder französische Kommandant -selbständig seine Rettung aus dem Gewirr gesucht hat. Wohl aber hätte Bauffremont -als Zweiter im Kommando am 21. versuchen müssen, möglichst viel Schiffe zu sammeln -und seinen Chef zu unterstützen. — Der gleiche Vorwurf der Indisziplin und des Mangels -an Tatkraft wurde allen <em class="gesperrt">Kommandanten</em> gemacht.</p> - -<p class="small">Diese Beschuldigungen sind gewiß nicht ganz unberechtigt, aber man muß sich -auch die Lage der französischen Offiziere vergegenwärtigen. Der größere Teil der Schiffe -ging zum ersten Male seit Jahren in See, die Besatzungen waren ungeübt, die Flotte -hatte noch niemals im Verbande gesegelt, und nun sollten schwierige Manöver unter -den ungünstigsten Umständen ausgeführt werden. Welch ein Zustand mag dabei auf -den Schiffen geherrscht haben. Das niederdrückende Gefühl der Flucht vor einem -überlegenen Feinde trat hinzu; da kann es nicht wundernehmen, wenn den Verantwortlichen -die Nerven versagten und sie alles verloren glaubten. Hinterher entschuldigten -sie sich mit der Pflicht, in solcher Lage wenigstens ihr Schiff dem Könige zu -erhalten. Eine wirkliche Untersuchung fand nicht statt, wohl weil die beiden Admirale -dem Kreise der Pompadour nahestanden; die öffentliche Meinung aber verhöhnte den -Oberbefehlshaber dadurch, daß sie die Schlacht „den Tag des Marschalls de Conflans“ -nannte. Es war ein eigenartiger Zufall, daß das Flaggschiff „Le Soleil Royal“ hieß, -wie das des Admirals Tourville, das bei La Hogue verbrannt wurde, dessen Vernichtung -jedoch der zwar unglückliche, aber höchst ehrenvolle Kampf bei Cap Barfleur<span class="pagenumsmall"><a name="Page_159" id="Page_159">[159]</a></span> -vorhergegangen war. <em class="gesperrt">De Conflans</em> zog sich vom Dienste zurück; <em class="gesperrt">Bauffremont</em> -mußte, wohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung, bis 1764 auf -seine Beförderung zum Lieutenant-General warten.</p> - -<p><b>Der Erfolg der Engländer</b> — mit einem Verluste von nur zwei gestrandeten -Schiffen, 50 Toten und etwa 250 Verwundeten erkauft — <em class="gesperrt">war entscheidend</em>. -Drei französische Schiffe waren gesunken, eins genommen -und zwei verbrannt, acht Schiffe nach Rochefort und sieben nebst den Fregatten -in die Vilaine geflüchtet. Diese konnten ebenfalls als verloren gelten, -da es erst nach langer Zeit gelang, sie paarweise wieder aus dem Flusse zu -bringen. Zwei Linienschiffe und zwei Fregatten passierten die Barre im -Januar 1761, zwei weitere am 28. November und die letzten erst im April 1762. -Alle erreichten Brest, obgleich die Engländer die Mündung der Vilaine bewachten, -doch waren sie kaum mehr kriegsbrauchbar<a name="FNAnker_90_90" id="FNAnker_90_90"></a><a href="#Fussnote_90_90" class="fnanchor">[90]</a>. Die Schlacht bei -Quiberon legte die französische Marine im Atlantik lahm, wie es die bei -Lagos für das Mittelmeer getan hatte; infolgedessen sah Frankreich von der -Expedition gegen England ab und löste das Heer bei Morbihan auf. England -war diese Sorge los und konnte sich mit größerer Kraft dem Kriege in den -Kolonien zuwenden. <em class="gesperrt">Mahan</em> nennt Quiberon „das Trafalgar des Siebenjährigen -Krieges“, der französische Autor <em class="gesperrt">Guérin</em> „das La Hogue, aber ohne -wie dort Ruhm und Ehre Frankreichs gewahrt zu haben“.</p> - -<p>Die englische Flotte wurde wenige Tage nach der Schlacht noch durch -6 Linienschiffe verstärkt, die auf die Nachricht vom Inseegehen des Marschalls -de Conflans von England abgesandt waren. <em class="gesperrt">Hawke</em> zweigte -Ende November eine Division nach der Quiberonbucht ab, um die Vilaine -zu blockieren, eine zweite nach Rochefort, um die Schiffe dort zu vernichten. -Diese hatten sich jedoch so weit in die Charente zurückgezogen, daß man -ihnen ebensowenig wie denen in der Vilaine beikommen konnte. Die Blockierung -der atlantischen Küste wurde aber den Winter über aufrechterhalten, -an Hawkes Stelle bald durch Admiral <em class="gesperrt">Boscawen</em>.</p> - -<p><b>Die Ereignisse der Jahre 1760–1762</b> in den europäischen Gewässern -können wir kurz zusammenfassen. <b>Im Mittelmeer</b> ging Admiral <em class="gesperrt">Boscawen</em>, -nachdem er in Gibraltar ausgebessert hatte, mit 8 Linienschiffen -nebst den bei Lagos gemachten Prisen nach England zurück; er äußerte -sich über seinen Sieg: „Es war gut, aber es hätte besser sein können“. Vizeadmiral -<em class="gesperrt">Broderick</em> blockierte mit dem Rest der Mittelmeerflotte die nach -Cadiz geflüchteten Franzosen; als er jedoch zu Ende des Jahres durch einen -Sturm gezwungen war, von der Küste abzustehen, brachen diese am 2. Januar -1760 aus und erreichten unbelästigt am 17. Toulon. Bald darauf übernahm -Vizeadmiral <em class="gesperrt">Charles Saunders</em> die Mittelmeerflotte, beschränkte<span class="pagenum"><a name="Page_160" id="Page_160">[160]</a></span> -sich aber auf die Sicherung des eigenen und die Störung des feindlichen -Handels. Wie schon angedeutet, scheint England nicht einmal Wert darauf -gelegt zu haben, die Verbindung Frankreichs mit Minorka zu verhindern.</p> - -<p>Im Jahre 1762, als <em class="gesperrt">Spanien</em> in den Krieg eintrat, verstärkte England -die Mittelmeerflotte noch einmal erheblich. Sie kam aber auch jetzt kaum -zur Geltung, da sich weder die spanische noch die französische Flotte zeigte, und -brachte nur viele Kauffahrer auf. In diesem Jahre faßte Frankreich unter -Choiseuls Einfluß noch einmal den Plan zu größeren Kreuzfahrten von Toulon -aus, ja sogar zu einem Angriff auf Gibraltar. Vielleicht glaubte man wirklich, -einen solchen mit Spaniens Unterstützung unternehmen zu können, vielleicht -hoffte man auch nur, durch derartige Gerüchte einen schnelleren und günstigeren -Friedensschluß herbeizuführen; ähnliches war auch in den nördlichen -Gewässern im Gange. Nach dem Friedensschluß ging der größere -Teil der englischen Flotte heim; Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Piercy Brett</em> -nahm mit dem Rest <em class="gesperrt">Minorka</em> wieder in Besitz.</p> - -<p><b>In den atlantischen Gewässern</b> waren <b>1760</b> die englischen Streitkräfte zur -Blockade sowie zum Handelsschutz ähnlich verteilt wie im Vorjahre: Kommodore -<em class="gesperrt">Brett</em> befehligte in den Downs und in der Nordsee; <em class="gesperrt">Rodney</em> kreuzte -im Kanal; <em class="gesperrt">Hawke</em> und <em class="gesperrt">Boscawen</em><a name="FNAnker_91_91" id="FNAnker_91_91"></a><a href="#Fussnote_91_91" class="fnanchor">[91]</a> bewachten wechselweise die -Quiberonbucht, die jetzt an Stelle Brests als Mittelpunkt des Blockadebereichs -Rochefort, Lorient und Brest angesehen wurde. Außerdem verstärkte -man die ostindische sowie die nordamerikanische Station und nahm -auf der westindischen die nötigen Ablösungen vor. Die Franzosen hatten -alle größeren Unternehmungen aufgegeben, nicht einmal Verstärkungen -nach den Kolonien gingen ab; nur vereinzelt liefen Kriegsschiffe aus, um -gegen den Handel des Gegners zu kreuzen. Die englische Blockade zeitigte -keine großen unmittelbaren Erfolge; sie hinderte zwar Frankreichs Verbindung -mit den Kolonien, brachte aber wenig Beute, da der französische Handel -schon völlig daniederlag; den kleinen Freibeutern konnte sie das Handwerk -nicht völlig legen. Aufzeichnungen über Zusammenstöße zwischen den -Kreuzern beider Parteien bringen die Spezialwerke (z. B. Troude I und -Laird Clowes III, Kap. „Minor Actions“).</p> - -<p class="small"><b>Der Einfall der Franzosen in Irland 1760</b> ist das einzige bemerkenswerte Ereignis -dieses Jahres; er war als Diversion geplant, die gleichzeitig mit der großen Expedition -gegen Schottland ins Werk gesetzt werden sollte. Man hatte dazu in <em class="gesperrt">Dünkirchen</em> -1300 Soldaten unter General <em class="gesperrt">Flobert</em> gesammelt und eine Flottille von 4 Fregatten -(zu 24–44 Kanonen), sowie 2 Korvetten (18 Kanonen) unter Kapitän <em class="gesperrt">Thurot</em> ausgerüstet. -Dieser war ein Freibeuter von Ruf, 1726 als Sohn eines kleinen Gastwirtes -geboren, im Jesuitenseminar erzogen, dann als Apotheker tätig und 1744 als Arzt auf -einem Freibeuter in englische Gefangenschaft geraten. Aus dieser entfloh er, widmete -sich ganz der Freibeuterei und erhielt wegen seiner Verdienste im Österreichischen -Erbfolgekriege ein Offizierspatent (als Transporterkapitän) in der königlichen Marine. -Beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges rüstete er 2 Fregatten und 2 Korvetten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_161" id="Page_161">[161]</a></span> -aus, mit denen er vom 16. Juli 1756 bis Februar 1759 ununterbrochen in der Nordsee -sowie dem Kanal kreuzte, mehrere Gefechte bestand und zahlreiche Prisen machte. -Ihm war schon eine Rolle bei dem geplanten Angriff auf die Kanalinseln (s. Seite <a href="#Page_142">142</a>) -zugedacht gewesen, jetzt wurde er mit der seemännischen Führung der Expedition -gegen Irland betraut, wo man mit einer Erhebung der Bevölkerung rechnete. Er erhielt -seine Instruktion am 17. Juni 1759, es gelang ihm, am 15. Oktober auszulaufen, während -das englische Blockadegeschwader durch Sturm vertrieben war; also gerade zu der -Zeit, als man mit dem Inseegehen der großen Expedition rechnete. Um den Feind zu -täuschen, lief Thurot zuerst Gothenburg, dann Bergen an; auf der stürmischen Reise -wurde eine Korvette versprengt und eine Fregatte genötigt, wegen Beschädigungen nach -Frankreich zurückzukehren.</p> - -<p class="small">Am 1. Januar 1760 ankerte er bei den Färöerinseln und erschien dann am 25. bei -Londonderry an der irischen Küste. Die Wetterverhältnisse machten eine Landung -unmöglich und auch die zweite Korvette wurde von der Flottille getrennt, so daß die -anderen Kapitäne Thurot beschworen, das Unternehmen aufzugeben. Aber dieser -blieb fest und ankerte nach einer kurzen Erholung auf der Insel Islay am 19. Februar -in <em class="gesperrt">Belfast-Lough</em>. Am 21. zwang General Flobert mit 600 Mann die nur schwach -besetzte Stadt Carrickfergus zur Übergabe. Thurot konnte ihn aber nicht bewegen, -gegen Belfast vorzugehen; dies wäre auch wohl ein hoffnungsloses Wagnis gewesen, -man hatte schon 30 Tote und 60 Verwundete eingebüßt. Nachdem man Proviant beigetrieben -und einige kleine Fahrzeuge verbrannt hatte, wurde am 27. die Rückfahrt -nach Frankreich angetreten. Natürlich waren alle benachbarten irischen sowie schottischen -Häfen alarmiert und von Kingsale liefen 3 englische Fregatten (zu 36 Kanonen) -unter Kapitän <em class="gesperrt">John Elliot</em> aus. Diese stießen am 28. Februar in der Nähe der -<em class="gesperrt">Insel Man</em> auf die Franzosen; zwei dieser strichen fast sogleich die Flagge, nur -<em class="gesperrt">Thurot</em> kämpfte mit seinem Flaggschiff (44 Kanonen) tapfer, bis er fiel und seine -Fregatte dem Sinken nahe war. Er hat selbst bei den Engländern als ein Freibeuter -von ehrenhaftem Charakter gegolten, der stets Edelmut und Menschlichkeit zeigte.</p> - -<p>Die Blockade wurde den Winter über aufrechterhalten, doch scheint -man <b>1761</b> die Geschwader nach und nach verkleinert zu haben, so wurde -z. B. Admiral Rodney nach Westindien befehligt und durch einen Kommodore -ersetzt. Auch <em class="gesperrt">Hawke</em> verließ im März mit dem größeren Teile seiner Flotte -die Biskaya, doch traf dafür eine neue Flotte mit einer besonderen Aufgabe -ein.</p> - -<p><b>Die Einnahme von Belle-Ile, April/Mai 1761.</b> Schon im Herbst 1760 -befand sich eine Flotte mit Landungstruppen in Ausrüstung, die man anfangs -gegen die Inseln Isle de France und Bourbon, später aber gegen die französische -Küste verwenden wollte. Durch den Tod König Georgs II. (27. Oktober) -traten jedoch Verzögerungen ein und Pitt verlor an Einfluß, so daß man die -Sache für dieses Jahr aufgab. Im Frühjahre 1761 wurde sie mit Erfolg, -allerdings auch mit großem Kraftaufwand, ins Werk gesetzt. Ein Geschwader -von 13 Linienschiffen nebst drei Fregatten wurde vor Brest stationiert, -um jede Störung von dort aus zu hindern, und eine Flotte von 15 Linienschiffen, -8 Fregatten, 3 Sloops, 2 Brandern, 3 oder 4 Mörserbooten und zahlreichen -Transportern mit 10000 Mann segelte am 29. März (einige der Schiffe -etwas später) von St. Helens, Insel Wight, ab, um Belle-Ile zu erobern. Die -Flotte führte Kommodore <em class="gesperrt">Augustus Keppel</em>, die Truppen General -<em class="gesperrt">Hodgson</em>. Am 6. April sichtete man die Insel und Keppel zweigte 6 Fregatten<span class="pagenum"><a name="Page_162" id="Page_162">[162]</a></span> -ab, um sie von der Verbindung mit dem Festlande abzuschneiden. -Am 7. ankerte die Flotte vor dem Haupthafen Le Palais auf der Nordostseite -der Insel. Diese Stadt wurde durch eine Zitadelle nebst einigen Außenwerken -verteidigt, an anderen Landeplätzen lagen schwache Forts oder -Batterien; Erkundungen ergaben, daß die beste Landungsstelle in einer -kleinen Bucht an der Südostspitze der Insel sei.</p> - -<p>Hier warf man am 8. Truppen an Land, nachdem die Batterie niedergekämpft -war, sie fanden aber derartigen Widerstand, daß sie sich wieder -zurückziehen mußten; das Wetter hinderte dann 14 Tage lang einen neuen -Versuch. Dem Kommandanten von Belle-Ile, <em class="gesperrt">Chevalier de Saint-Croix</em>, -standen nur zwei Regimenter nebst einigen Bataillonen Miliz zur -Verfügung, trotzdem benutzte man die Frist nicht, Verstärkungen vom -Festlande (Lorient) heranzuziehen; auch französische Quellen können nicht -angeben, ob man es nicht wagte oder nicht konnte. Am 22. landeten die Engländer -aufs neue an drei Stellen der Bucht, zwei Landungen waren nur -Scheinangriffe; die Franzosen wurden durch das Feuer der Flotte vertrieben -und mußten sich auf Le Palais zurückziehen. Die Angreifer schritten nun -zur regelrechten Belagerung der Stadt, am 13. Mai wurden die Außenwerke -genommen und vom 16. an die Zitadelle auf das heftigste beschossen. Als -am 7. Juni Bresche gelegt war und zum Sturm geschritten werden sollte, -kapitulierte St. Croix mit allen militärischen Ehren. Die Angreifer verloren -in den Kämpfen 310 Tote und 500 Verwundete, aber außerdem viele Leute -durch Krankheiten.</p> - -<p>Die englischen Quellen heben besonders hervor, daß bei diesem Unternehmen -stets völliges Einverständnis zwischen dem Admiral und dem -General geherrscht habe, ein bisher selten vorgekommener Fall. — Die Insel -blieb bis zum Friedensschluß in den Händen der Engländer, diese hatten -damit einen Stützpunkt für die Blockade der atlantischen Häfen Frankreichs -gewonnen; französische Schriftsteller weisen darauf hin, daß Belle-Ile im -Verein mit den Kanalinseln ihren Gegnern einen Einfall in die Bretagne -möglich gemacht haben würde.</p> - -<p>Bald nach der Landung hier hatte Keppel den Kapitän <em class="gesperrt">Sir Thomas -Stanhope</em> mit 7 Linienschiffen nach der Rhede von <em class="gesperrt">Ile d'Aix</em> gesandt. -Dieses Geschwader fand dort zwar keine feindlichen Schiffe vor, zerstörte -aber am 21. und 22. Juni die Befestigungen der Insel. Der Versuch der -Franzosen, dies von der Charente aus mit Kanonenschaluppen zu hindern, -schlug fehl, ebenso ein Unternehmen im Dezember, die blockierenden Engländer -mit Brandern zu vertreiben.</p> - -<p>Für <b>das Jahr 1762</b> sind keine Ereignisse von Bedeutung <em class="gesperrt">in den europäischen -Gewässern</em> zu verzeichnen, obgleich Spanien im Januar -auf seiten Frankreichs in den Krieg eintrat. England beschloß, ohne Zaudern -auf das schärfste gegen den neuen Gegner vorzugehen und ihn an seiner -verwundbarsten Stelle, seinen Kolonien, anzufassen. Es sandte sofort eine -bedeutende Verstärkung nach Westindien, zog dort unter <em class="gesperrt">Admiral</em><span class="pagenum"><a name="Page_163" id="Page_163">[163]</a></span> -<em class="gesperrt">Pocock</em> eine Expedition gegen Havanna zusammen und schickte auch nach -Ostindien Streitkräfte, um die Philippinen anzugreifen. In Europa beschränkten -sich die Maßnahmen außer auf die Verstärkung der Mittelmeerflotte -darauf, daß man den größeren Teil der bisher für die Blockade der -französischen Küsten verwendeten Kräfte unter <em class="gesperrt">Hawke</em>, später unter -Admiral <em class="gesperrt">Hardy</em>, in den spanischen Gewässern stationierte. 8000 Mann -wurden nach Lissabon gesandt, mit deren Hilfe Portugal den Angriff der -Franzosen und Spanier zurückwies.</p> - -<p>Wie im Mittelmeer, so zeigte sich die spanische Marine auch nicht im -Atlantik. Wohl weil die Blockadegeschwader in der Biskaya schwächer als -bisher gehalten wurden, gelang es in diesem letzten Jahre des Krieges nochmals -zwei französischen Geschwadern, bei Sturm durchzuschlüpfen. Früh -im Jahre verließ der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Blenac</em> mit 7 Linienschiffen, -4 Fregatten nebst 7 Bataillonen Infanterie Brest und segelte nach Westindien; -das englische Blockadegeschwader versuchte zwar, ihn einzuholen, -mußte jedoch die Verfolgung aufgeben, da die Proviantbestände zu Ende -gingen, und sich damit begnügen, den Admiral in Westindien von der bevorstehenden -Ankunft Blenacs in Kenntnis zu setzen. Im Mai lief dann der -Kapitän <em class="gesperrt">de Ternay</em> mit 3 Linienschiffen, deren eins als Transporter -(Flüte) diente, 1 Fregatte und 600 Soldaten von Brest nach Nordamerika -aus und erreichte sein Ziel. Diese beiden letzten Anstrengungen Frankreichs, -den Kolonien Hilfe zu bringen, hatten aber auf den Krieg in den fernen -Gewässern keinen Einfluß mehr; dort war schon alles verloren.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pläne für einen Einfall in England</em> entwarf man -auch noch in den Jahren 1761 und 1762. Es befinden sich Arbeiten darüber -in den Archiven des französischen Marineministeriums und ebenso in einem -Briefwechsel zwischen <em class="gesperrt">Choiseul</em>, der im Oktober 1761 dieses Ministerium -übernahm, und dem Gouverneur der Bretagne, Herzog <em class="gesperrt">d'Aiguillon</em>, -der schon 1759 zum Chef des Einfallheeres bestimmt gewesen war.</p> - -<p class="small">Näheres über einige dieser Arbeiten findet man in Lacour I, Seite 354. Ein Plan -ist bemerkenswert, da er dem gleicht, der den Bestimmungen und Bewegungen der -französisch-spanischen Seestreitkräfte vor der Schlacht von Trafalgar 1805 zugrunde -lag. Aus den verschiedenen französischen und spanischen Häfen sollten Geschwader -zu Vorstößen in den kolonialen Gewässern auslaufen, um England zur Teilung seiner -Kräfte zu verleiten. Sie sollten sich aber an einem bestimmten Termin in Ferrol vereinigen, -die in Europa verbliebenen Schiffe aufnehmen und dann dem Übergang eines -Heeres über den Kanal den Weg freimachen.</p> - -<h5>Der Krieg in den Kolonien<a name="FNAnker_92_92" id="FNAnker_92_92"></a><a href="#Fussnote_92_92" class="fnanchor">[92]</a>.</h5> - -<p><b>Nordamerika. 1748–1755.</b> Hier blieben die englischen und die französischen -Kolonien nach dem Frieden von Aachen 1748 eigentlich im Kriegszustande, -während von ihren Mutterländern Verhandlungen über die unerledigt<span class="pagenum"><a name="Page_164" id="Page_164">[164]</a></span> -gelassenen Grenz- sowie Machtbereichsfragen geführt wurden, wie -es beim Friedensschluß bestimmt war. <em class="gesperrt">Die englischen Kolonien</em> -mußten Wert darauf legen, daß Neuschottland stärker von Engländern besiedelt -und die nicht zuverlässige alte französische Bevölkerung dort verdrängt -würde. Die englische Regierung sträubte sich anfangs dagegen, sowohl -der Kosten wegen als auch in der Besorgnis, Neuengland könne zu -mächtig werden; sie mußte aber doch nachgeben, bot nun Auswanderern -nach Neuschottland große Vorteile und baute 1749 die Festung <em class="gesperrt">Halifax</em>.</p> - -<p>Deren erster Gouverneur begann dann sofort, die Indianer auszurotten -und die französischen Ansiedler zum Anschluß an England oder zur Auswanderung -unter Verlust ihres Eigentums zu zwingen. Noch wichtiger war -es, dem Vordringen der Franzosen im Ohiotale Einhalt zu tun, das die Ausdehnung -der Neuenglandstaaten über das Alleghanygebirge nach Westen -hin unmöglich zu machen drohte, während den Nebenbuhlern die Aussicht -erwuchs, durch den Mississippi mit der Kolonie Louisiana in Verbindung -zu treten und so die englischen Kolonien ganz ein- und abzuschließen. Schon -1748 wurde deshalb in Virginia die Ohiokompagnie gegründet, deren Agenten -und Kolonisten sich im Ohiogebiet zwischen den Flüssen Monongahela und -Kenewka festsetzten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die französischen Gouverneure in Kanada</em>, de -la Gallissonnière (1747), de la Jonquière (1749), de Menneville (1752), bemühten -sich eifrig, die französischen Interessen zu behaupten.</p> - -<p>Ihre Agenten waren im ganzen Hinterlande Neuenglands tätig und -bemühten sich, in Akadien die französischen Sympathien zu nähren; man -baute sogar Befestigungen auf der Landzunge zwischen Neuschottland und -Neubraunschweig, um das Vordringen der Engländer zu hindern, obgleich -die Friedensbedingungen das Gebiet bis auf einen nördlichen noch strittigen -Strich England zugesprochen hatten. Endlich wurde die Kette von Forts, -die sich von Quebec zum Mississippi — am Ontario- und Eriesee, sowie am -Ohio und seinen Nebenflüssen entlang — ziehen sollte, in den Jahren 1749 -bis 1754 weitergeführt und ausgebaut. Es würde zu weit führen, näher auf -die beiderseitigen Maßnahmen sowie auf die dabei vorgekommenen kleineren -Zusammenstöße einzugehen; von ihnen soll aber derjenige erwähnt werden, -der Frankreich für den Augenblick zum Herrn im Ohiotale machte und zum -Ausbruch des offenen Krieges führte. Bei ihm tritt auch zum ersten Male -<em class="gesperrt">Washington</em> in der Geschichte auf.</p> - -<p class="small"><b>Der erste Zusammenstoß im Ohiotale 1754.</b> Im Jahre 1753 hatten sich die Verhältnisse -bereits soweit zugespitzt, daß die englische Regierung gestattete, dem Eindringen -der Franzosen in das Ohiogebiet mit Gewalt entgegenzutreten. 1754 führte der -<em class="gesperrt">Milizmajor Washington</em> etwa 500 Mann mit einigen Kanonen vor, um den -Bau eines Forts der Ohiokompagnie am Zusammenfluß des Alleghany und des -Monongahela zu schützen, wo jetzt <em class="gesperrt">Pittsburg</em> liegt. Ehe er aber eintraf, hatten die -Franzosen den Platz überfallen und sich dort festgesetzt (Fort Duquesne). Sie sandten -dann Washington eine Abteilung mit der Forderung entgegen, das von Frankreich -beanspruchte Gebiet zu räumen; es kam zu einem Gefechte, in dem der französische<span class="pagenumsmall"><a name="Page_165" id="Page_165">[165]</a></span> -Führer fiel und 21 seiner Leute gefangen wurden. Washington verschanzte sich nun -in der Hoffnung auf Verstärkung, wurde aber vom Fort Duquesne aus durch 600 Kanadier -nebst 100 Indianern angegriffen und am 3. Juli zur Übergabe gezwungen.</p> - -<p>Nach diesem Ereignis, das in ganz Europa Aufsehen erregte, war an -einen friedlichen Austrag der Streitigkeiten nicht mehr zu denken. <em class="gesperrt">England</em> -brach zwar die Verhandlungen noch nicht ab, rüstete aber stark zur See, -und auf sein Betreiben faßten die nordamerikanischen Kolonien zum ersten -Male den Plan einer Bundesverfassung sowie ein gemeinsames Vorgehen in -ihrem Hinterlande ins Auge. Ende 1754 sandte die Regierung den <em class="gesperrt">General -Braddock</em> mit zwei Regimentern nach Virginia. <em class="gesperrt">Frankreich</em> tat -zunächst noch nichts, da die Kassen leer waren; man empfand aber wohl, -daß Kanada den vereinten englischen Kolonien nicht gewachsen<a name="FNAnker_93_93" id="FNAnker_93_93"></a><a href="#Fussnote_93_93" class="fnanchor">[93]</a> war und -suchte durch Fortführung der Verhandlungen Zeit zum Rüsten zu gewinnen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Frankreich</em> erbot sich im Januar 1755, die Verhältnisse dem Aachener -Frieden (1748) gemäß herzustellen, <em class="gesperrt">England</em> verlangte den Utrechter Frieden (1713) -als Grundlage. Ersteres erklärte sich im Februar bereit, auch das Ohiogebiet preiszugeben; -ernst war es ihm jedoch kaum damit, denn gleichzeitig wies es seinen Gouverneur -an, die englischen Forts am Kennebec zu nehmen. Die englische Regierung, -die dies wußte und zum Bruche entschlossen war, forderte jetzt, im März, daß Frankreich -das Ohiogebiet räume, die Forts am Niagara schleife, die Neutralisierung des -Ontario-, Erie- sowie des Champlainsees und auch des Südufers des St. Lawrencegolfes -bewillige, endlich den noch strittigen nördlichen Teil von Neubraunschweig abtrete. -Darauf konnte Frankreich nicht eingehen, setzte aber die Verhandlungen noch fort.</p> - -<p>Der offene Krieg brach in Amerika bald aus. <em class="gesperrt">Braddock</em>, der im -Februar 1755 gelandet war, stellte im April im Verein mit den Gouverneuren -der wichtigsten Kolonien einen Kriegsplan auf, nach dem der Gouverneur -von Neuschottland die Gebiete bis zum Lawrencegolf besetzen, die Milizen -von New York und New Jersey, Crown Point (Fort St. Frederic, am Südende -des Champlainsees) nehmen, und der schon aus dem vorigen Kriege bekannte -Gouverneur von Boston, <em class="gesperrt">Shirley</em>, Fort Niagara (an der Mündung des -Niagara in den Ontariosee) angreifen sollte, während Braddock mit der -Hauptmacht sich die Unterwerfung des Ohiogebietes vorbehielt. In <em class="gesperrt">Akadien</em> -glückte der Plan. Im Juni wurden die französischen Forts auf der Landzunge -genommen und 7000 Einwohner, die den vollen Untertaneneid verweigerten, -unter Beschlagnahme ihres Eigentums, sowie ohne jede weitere Fürsorge -gewaltsam nach südlicheren Kolonien geschafft. <em class="gesperrt">Braddocks Zug</em> gegen -das Fort Duquesne schlug jedoch völlig fehl; er fiel am 9. Juli in einen Hinterhalt -und kam mit einigen hundert Mann ums Leben; ohne Washingtons -Geschick wären alle verloren gewesen.</p> - -<p>Inzwischen hatten auch die Franzosen Unterstützung erhalten. Im -Mai 1755 hatte ein Geschwader unter <em class="gesperrt">Dubois de la Motte</em> Truppen<span class="pagenum"><a name="Page_166" id="Page_166">[166]</a></span> -unter dem deutschen General <em class="gesperrt">Baron Dieskau</em> (mit ihm kam als neuer -Gouverneur <em class="gesperrt">de Vaudreuil</em> nach Kanada) nach Louisbourg und Quebec -gebracht, ohne daß das englische Geschwader unter Boscawen es hatte hindern -können. Diese Verstärkung vereitelte auch die beiden anderen Vorstöße. -<em class="gesperrt">Der Zug gegen Crown Point</em> war zwar vorgedrungen und hatte -am oberen Hudson sowie am Lake George Befestigungen angelegt, dann -aber trat ihm Dieskau entgegen. Zwar erlitt dieser eine Niederlage, in der er -selber fiel, aber auch die Engländer wurden so geschwächt, daß sie stehen -blieben und nur ihr Lager, Fort William Henry am Lake George, ausbauten. -Infolgedessen kam auch <em class="gesperrt">der Zug gegen Fort Niagara</em> zum Stillstand. -Hier hatte man den Ontariosee erreicht, begnügte sich aber nun damit, -die dort befindlichen englischen Stationen, Oswego und Ontario, zu verstärken.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte sich also 1755 außer in Akadien überall behauptet, -obgleich es nur 2800 Reguläre und 5000 Milizen gegen 15000 Mann, worunter -etwa 7000 Reguläre, ins Feld führen konnte.</p> - -<p class="small">Trotz alledem ward der Krieg noch nicht erklärt. In <em class="gesperrt">England</em> erwog man -wiederum, ob nicht in den Kolonien bei weiterem Wachsen ihrer Macht Selbständigkeitsgelüste -auftreten würden. <em class="gesperrt">Gouverneur Shirley</em> erklärte aber, eine Vereinigung -der Kolonien sei bei der Verschiedenheit der Verfassung, der Interessen sowie der Stimmung -in den einzelnen unwahrscheinlich, auch könnten derartige Bestrebungen leicht -durch die Besatzungstruppen niedergehalten werden; es gelang ihm, die Regierung -zur Vertreibung der Franzosen aus Kanada zu bestimmen. <em class="gesperrt">Shirley</em> erhielt nun -die oberste Leitung sämtlicher Milizen und faßte den <em class="gesperrt">Plan</em>, 1756 Quebec von zwei -Seiten anzugreifen, sowie gleichzeitig alle vorgeschobenen Forts der Franzosen im Westen -zu nehmen. Die Mittel der Kolonien würden jedoch hierzu trotz ihrer Wohlhabenheit -und starken Bevölkerung nicht hingereicht haben; den Milizen mangelten Übung und -gute Offiziere. In England zweifelte man auch an der Befähigung Shirleys als Führer; -man rief ihn deshalb unter dem Vorwande ab, seinen Rat nötig zu haben, und ersetzte -ihn 1756 durch den <em class="gesperrt">Earl of Loudoun</em>. Dieser sollte, unabhängig von den Gouverneuren, -den Befehl über sämtliche Streitkräfte übernehmen, aber auch die Eigenwilligkeit -der Kolonien brechen. Zu diesem Zweck erließ man Verfügungen, die in bestehende -Vorrechte eingriffen. Anderseits brachte Loudoun eine Million Lstrl. mit, -um den Kolonien die Kosten des Krieges 1755 zu ersetzen, sowie Mittel und Offiziere -zur Errichtung zweier königlicher Regimenter.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte zwar nach dem Auftreten des Admirals Boscawen im -Juli 1755 die Verhandlungen abgebrochen, verhielt sich aber sonst doch friedlich und -ergriff nicht einmal Gegenmaßregeln, als England überall französische Schiffe aufbrachte. -Aber nach Nordamerika sandte man doch Verstärkungen; im April 1756 -traf General <em class="gesperrt">Marquis de Montcalm</em> mit drei Fregatten und drei Flüten dort -ein, die 1500 Mann nebst Kriegsmaterial und Geldmitteln erhielten. Der neue Oberbefehlshaber -fand ungünstige Verhältnisse vor. Der Feldzug hatte die Kolonie erschöpft, -da die Milizen der Bestellung der Felder entzogen gewesen waren; zwischen diesen tüchtigen, -aber wenig disziplinierten Kriegern und den Regulären herrschte schlechtes Einvernehmen; -die Beamten der Kolonie wirtschafteten unredlich.</p> - -<p><b>Das Jahr 1756</b> brachte für England nur weitere Rückschläge. <em class="gesperrt">Loudoun</em> -zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Statt schleunigst zu handeln, -lag er mit 10000 Soldaten und 7000 Milizen untätig in Albany. Die englischen<span class="pagenum"><a name="Page_167" id="Page_167">[167]</a></span> -Seestreitkräfte waren nur schwach; die von Boscawen zurückgelassenen -Schiffe unter <em class="gesperrt">Kommodore Spry</em> kreuzten zwar in den Gewässern -bei Louisbourg, es gelang ihnen aber nicht, die französischen Schiffe mit -Verstärkungen zu fassen. Der französische Oberbefehlshaber, <em class="gesperrt">Montcalm</em>, -war dagegen sehr tätig. Von den Forts Crown Point, Frontenac (am Niagara) -und Niagara aus beunruhigte er die vorgeschobenen englischen Posten und -deren Rückverbindungen; er nahm sogar Oswego sowie Ontario, wobei 1640 -weiße Soldaten nebst 113 Kanonen und große Vorräte in seine Hände fielen. -So faßte er festen Fuß am Ontariosee und bereitete weitere Angriffe vor, -während verbündete Indianer die englischen Grenzgebiete verwüsteten.</p> - -<p>Jetzt wäre es für Frankreich an der Zeit gewesen, Kanada mit aller -Kraft zu unterstützen, aber man hatte in Paris mehr Vorliebe für Pläne -gegen England in Europa und für den Krieg in Deutschland. Ganz ohne -Erfolg blieben Montcalms Bitten um Hilfe indessen nicht. Bekanntlich gelang -es im Frühjahr 1757 drei französischen Geschwadern mit Truppen und Material, -die Blockade zu brechen. <em class="gesperrt">Bauffremont</em> traf am 23. Mai mit 4 Linienschiffen, -<em class="gesperrt">Durevest</em> am 25. mit 4, und <em class="gesperrt">Dubois de la Motte</em> am -19. Juni mit 9 in Louisbourg ein; von nun an waren die französischen Seestreitkräfte -den englischen stets gewachsen, zuzeiten überlegen. Dubois -verfügte im Juni über 18 Linienschiffe und 5 Fregatten, während die Engländer -erst im Juli, nach Eintreffen einer Verstärkung, 15 Linienschiffe -zählten.</p> - -<p><b>Der Hauptplan Loudouns für 1757</b> ging denn auch durch die Überlegenheit -der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen die -Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt, aber -er hatte einen <em class="gesperrt">Angriff auf Louisbourg</em> vorgeschlagen und dafür -die Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von -New York, Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Charles Hardy</em>, zum seemännischen -Führer des Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, -aber erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin -französische Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte -das Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit -Exerzitien und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte -Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man -Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu gehen, -so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall.</p> - -<p>Es fällt auf, daß <em class="gesperrt">Dubois</em> diese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits -anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit -wieder den gemessenen Befehl, „Louisbourg nur zu verteidigen; die feindlichen -Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen sei, daß -der Erfolg unbedingt sicher stände“; er hatte außerdem viele Kranke auf seinen -Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich die Verstärkung unter -Vizeadmiral <em class="gesperrt">Francis Holburne</em> ein, der den Oberbefehl zur See -übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der Gegner erkunden<span class="pagenum"><a name="Page_168" id="Page_168">[168]</a></span> -und daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August eingeschifft, um -sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von Louisbourg, zu landen. -Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die höhere und richtigere Angaben -über die Stärke der Franzosen enthielten, sah man doch von dem Unternehmen -ab; die Truppen wurden wieder ausgeschifft und teilweise nach -New York zurückgeführt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Auf den anderen Kriegsschauplätzen</em> brachte das -Jahr 1757 den Engländern nur Verluste. <em class="gesperrt">Montcalm</em> hatte schon im Winter -versucht, sich des Forts William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und -im August gelang es ihm, dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die -Operationen ein, da er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, -und da unter den Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die -Franzosen Herren des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch -nach Aufgabe des Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes -zu leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten -Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige -Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die -englische Flotte bald heimsegelte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm -gelitten.</em> Er war am 26. August vor Louisbourg erschienen, um in Person -die Verhältnisse zu erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois -Miene machte, herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von -4 Linienschiffen vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe -brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um -Dubois durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber -als die Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg -stand, kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; -die Flotte wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach -Norden gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte -und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral -sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden; er -folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in Halifax, -die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im Oktober -auch <em class="gesperrt">Admiral Dubois</em> die Station, er entging dem Blockadegeschwader -Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den Gesundheitszustand -auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er nach seiner Ankunft -4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine Epidemie ausbrach, die täglich -50–80 Opfer forderte.</p> - -<p><b>England erobert Louisbourg 1758.</b> In diesem Jahre wandten sich die -Verhältnisse zugunsten Englands: als <em class="gesperrt">Pitt</em> ans Ruder gelangt war, der -gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die englische -Kriegführung.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Pitt</em> änderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun wurde abberufen; -alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten Maßregeln wurden aufgegeben;<span class="pagenumsmall"><a name="Page_169" id="Page_169">[169]</a></span> -den Milizoffizieren bewilligte man gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt -Kriegssteuern zu fordern, ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung -der Kosten so viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. — Pitt wandte sich mit Erfolg -an die Vaterlandsliebe der Kolonisten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pitt</em> entwarf mit <em class="gesperrt">Benjamin Franklin</em>, der sich gerade in -England aufhielt, einen <em class="gesperrt">Kriegsplan</em>: Mit einer Hauptmacht, einer -starken Flotte unter Admiral <em class="gesperrt">Boscawen</em> nebst 12000 (14000?) Mann -Landungstruppen, sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, -eine weitere Expedition unter General <em class="gesperrt">Abercromby</em> gleichzeitig gegen -Crown Point und eine dritte unter <em class="gesperrt">John Forbes</em> gegen Fort Duquesne -vorgehen. Die Kräfte der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf -50000 Mann, Reguläre und Milizen, veranschlagt. Aber auch <em class="gesperrt">Frankreich</em> -hatte in den Wintermonaten Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen -segelten 4 voll armierte Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten -ausgerüstete Linienschiffe, sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie -mit Truppen und Vorräten nach Louisbourg und Kanada.</p> - -<p>Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England -auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000 Soldaten, -mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich 7000 Verteidiger -insgesamt; <em class="gesperrt">Montcalm</em> verfügte in Kanada über 6000 Reguläre -und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen verteilt waren, -sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr angriffsweise vorgehen -und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe oder Friedensschluß -für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere Verstärkungen senden, -aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der Rhede von Ile d'Aix -am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch verlor Montcalm -den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: „Wir werden fechten und -uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.“ — Trotz der üblen -Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff auf Louisbourg -vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg erzielt.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Louisbourg<a name="FNAnker_94_94" id="FNAnker_94_94"></a><a href="#Fussnote_94_94" class="fnanchor">[94]</a> 1758.</b> Lage sowie Befestigungen der Stadt sind -bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt besser im Stande als -damals, besonders auf der Seefront, aber der Gouverneur, Kapitän zur See <em class="gesperrt">Chevalier -Drucourt</em>, verfügte nur über 3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen -5 Linienschiffe, davon 3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier -kleineren Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe hinter -der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu verankert. Die letzte Abteilung -der obenerwähnten Verstärkung, Kapitän <em class="gesperrt">Du Chaffault</em>, war angelangt, -als der Hafen schon gesperrt war; er gab die für die Festung bestimmten Truppen sowie -Vorräte ab und ging nach Quebec weiter.</p> - -<p>Die englische Expedition unter <em class="gesperrt">Admiral Boscawen</em> hatte im Februar -Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige leichtere Schiffe -sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit 12000 Mann Landungstruppen. -Diese befehligte Generalmajor <em class="gesperrt">Jeffrey Amherst</em>, unter ihm stand als Brigadegeneral -<em class="gesperrt">James Wolfe</em>, der spätere Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch<span class="pagenumsmall"><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span> -Sturm teilweise versprengt, fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht -wieder zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen, erst -am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter heftigem Feuer; an -zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht, an einer dritten setzte Wolfe -Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote kenterten und ihre Besatzungen teilweise -ertranken und obwohl fast alle Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten -den Feind mit dem Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle -Truppen ausgeschifft; — zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die Verbindung -mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen.</p> - -<p class="small">Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man auch die -Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe hinter der Sperre belästigte -die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde das stärkste von ihnen in Brand -geschossen, flog auf und entzündete noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ -Boscawen die beiden letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen -Feuers der Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das andere -zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur Entscheidung. Als -Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in den Hafen einzudringen, trat -<em class="gesperrt">Drucourt</em> in Verhandlungen ein und übergab am 27. Juli die fast in Trümmern -liegenden Befestigungen<a name="FNAnker_95_95" id="FNAnker_95_95"></a><a href="#Fussnote_95_95" class="fnanchor">[95]</a>; gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, -1200 lagen krank. Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden -kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner der Stadt -(wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich. Die Engländer sollen -nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist, daß es einem französischen Freibeuter -gelungen war, während der Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch -wieder zu verlassen.</p> - -<p>Mit Louisbourg fiel die ganze Insel <em class="gesperrt">Kap Breton</em> und auch die benachbarte, -<em class="gesperrt">St. Jean</em> (englischerseits später <em class="gesperrt">Prince Edwards Insel</em> benannt), -und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes -offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein -Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der -Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch -vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil der -<em class="gesperrt">General Amherst</em> durch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby -zu dessen Unterstützung abgerufen wurde. <em class="gesperrt">Admiral Boscawen</em> -ließ nach dem Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen -auf den Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig -zerstören, die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen -Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile -der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter Kontreadmiral -<em class="gesperrt">Durell</em> in Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der -aus Kanada heimkehrenden Division <em class="gesperrt">Du Chaffault</em> zusammenstieß, -ist bereits erzählt (Seite 146).</p> - -<p><em class="gesperrt">Auf dem Landkriegsschauplatze 1758</em> hatte <em class="gesperrt">General -Abercromby</em> 15000 Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George -zusammengezogen, um Fort Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordende<span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span> -dieses Sees, sowie dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg -nach Montreal zu bahnen. <em class="gesperrt">Montcalm</em>, der sich persönlich in Carillon -befand, war zwar nur ein Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen -der Engländer auf dem Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, -diesen im Juli eine Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig -abzuschlagen, daß sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter -wagten. Nur einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, -3000 Mann, war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte -Fort Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten -und mußte sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg -zog den Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz -auf Frontenac angewiesen war. Brigadier <em class="gesperrt">Forbes</em>, der Duquesne angreifen -sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren -und war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; -von Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte er -<em class="gesperrt">Washington</em> mit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen -und aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg -benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst -übernahm den Oberbefehl an seiner Statt.</p> - -<p><b>England erobert Quebec, 17. September 1759.</b> Der teilweise Mißerfolg -des Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das Parlament -bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde eine -neue starke Flotte unter <em class="gesperrt">Vizeadmiral Sir Charles Saunders</em> -mit Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem -Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien -alle ihre Kräfte auf. General <em class="gesperrt">Stanwix</em> wurde mit der Unterwerfung des -Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; Brigadier -<em class="gesperrt">Prideaux</em> erhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen; <em class="gesperrt">Amherst</em> -wies man an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen; <em class="gesperrt">Wolfe</em> -sollte, unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. — <em class="gesperrt">Montcalm</em> -sah jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach Louisiana -zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat, was in -seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee mit 2000, -die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000 Mann -Quebec zu verteidigen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Montcalms</em> Bitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in -Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege beschäftigt. -1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen Freibeutern gelang es, 600 Rekruten -sowie wenige Vorräte hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, -der König sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern -gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände fallen oder, -falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada steigern.</p> - -<p>Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall -Erfolg. Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherst<span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span> -nötigte seinen Gegner, <em class="gesperrt">Bourlamagne</em>, Carillon sowie Crown Point zu -räumen; dann allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am -Flusse Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe -nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des -Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Quebec 1759.</b> Das Gros der Flotte unter Admiral <em class="gesperrt">Saunders</em> -hatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige Schiffe unter <em class="gesperrt">Kontreadmiral -Holmes</em> bereits im Januar gesegelt waren, um in Halifax Vorbereitungen -für die Expedition zu treffen; diese sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß -der Schiffe Durells, die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte -20 Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander und Mörserboote -sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte General <em class="gesperrt">Wolfe</em> über -10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien Artillerie; insgesamt 9200 Mann. -Am 1. Juni ging die Expedition nach dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die -Insel Bic, etwa 120 Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die Division -<em class="gesperrt">Durell</em>, die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß -eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der Insel Condres, -etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe -(wahrscheinlich die schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß -abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen Linienschiff (64 Kanonen) -und führte die Flotte bis zur Insel d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den -Fluß in zwei Arme teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Montcalm</em> hatte zwar die Bojen und Marken des Fahrwassers entfernen -lassen, sonst aber nichts getan, um dem Gegner an geeigneten Stellen entgegenzutreten, -obgleich Brander und Kanonenboote vorbereitet waren. Die Stadt, am linken -Ufer gelegen, wurde nur durch die Zitadelle und vor allem durch ein verschanztes Lager -auf ihrer Nordostseite verteidigt; das rechte Ufer war unbesetzt gelassen. Das Lager, -in dem fast das ganze französische Heer, 14000 Mann, stand, konnte der steilen Ufer -wegen vom Flusse her nicht angegriffen werden, auf der anderen Seite war es durch -die Täler der Flüsse Montmorency sowie St. Charles gesichert; in dem letzteren lagen -zwei armierte Hulks zur Verbindung mit der Stadt. Zwischen Montcalm und dem -Gouverneur <em class="gesperrt">Vaudreuil</em>, einem Seeoffizier, bestanden andauernd Zwistigkeiten. -Montcalm wünschte Maßregeln für einen etwaigen Rückzug zu treffen, Vaudreuil hielt -dies mit der Begründung für unnötig, daß der Gegner höchstens einige Häuser der -Stadt zerstören könne, wenn die ganze französische Macht vereinigt sei. So waren -außer dem Lager nur die Zitadelle und mehrere Punkte stromaufwärts der Stadt besetzt, -die zu einer Landung geeignet schienen.</p> - -<p class="small">Nach der Landung legte <em class="gesperrt">Saunders</em> einige Linienschiffe und Fregatten weiter -stromauf der Stadt gegenüber an das rechte Ufer und <em class="gesperrt">Wolfe</em> landete dort (bei Point -Levis) Soldaten. In der Nacht zum 29. Juni schickten die Franzosen 7 Brander und -Brandflöße gegen die Flotte, doch diese hatte Vorbereitungen getroffen, und die gefahrdrohenden -Fahrzeuge wurden durch Boote unschädlich gemacht; ebenso mißlang den -Franzosen am 1. Juli der Versuch, mit schwimmenden Batterien die bei Point Levis -Gelandeten zu vertreiben. Der Angriff wurde durch das Feuer der dort liegenden Schiffe -abgewiesen. Wolfe baute hier eine Batterie, und in wenigen Tagen lag der größte Teil der -Stadt in Trümmern. Die hochgelegene Zitadelle war aber nicht unter wirksames Feuer -zu nehmen und ein Sturm auf die Stadt der steilen Ufer wegen ausgeschlossen; Montcalm -ließ sich nicht herauslocken und wartete, daß sich der Feind eine Blöße gäbe. -Wolfe legte nun Batterien am Montmorency an und beschoß von dort das Lager, doch -auch dies blieb ohne Erfolg und zum Sturm fand sich keine geeignete Stelle. Man sandte -einige kleine Schiffe an der Stadt vorbei, aber ein Landungsversuch dieser ward abgeschlagen,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span> -ebenso ein endlich am 31. Juli doch unternommener Sturm am Montmorency. -Die Angreifer kamen nicht vorwärts, und die Zuversicht der Verteidiger wuchs so, -daß man 3000 von ihnen unter dem fähigsten Offizier, <em class="gesperrt">de Levis</em>, nach Montreal -sandte, um Bourlamagne zu verstärken. Montcalm hoffte jetzt, seine Stellung halten -zu können, bis die Herbststürme den Feind zum Abbruch der Belagerung nötigten; -er wurde in seiner Hoffnung durch die Nachricht bestärkt, daß Wolfe fieberkrank daniederläge.</p> - -<p class="small">Aber dieser dachte nicht an Rückzug. Weitere Erkundungen oberhalb der Stadt -wurden vorgenommen und eine derselben, von ihm in Person geleitet, ließ einen zum -Landen geeigneten Punkt im Westen der Stadt finden. Die Flottille stromaufwärts -wurde nun verstärkt und in der Nacht des 4. September sandte man soviel Soldaten -dorthin, als die vorhandenen flachen Fahrzeuge sowie alle entbehrlichen Schiffsboote -der Flotte fassen konnten; um den Feind zu täuschen, setzte man in den nächsten Tagen -die Erkundungsfahrten fort. In der Nacht vom 12./13. drangen dann die Boote weiter -den Fluß hinauf vor und lockten dadurch die zur Verteidigung des Ufers bestimmten -Franzosen unter <em class="gesperrt">Bougainville</em><a name="FNAnker_96_96" id="FNAnker_96_96"></a><a href="#Fussnote_96_96" class="fnanchor">[96]</a> mit sich. Eine Stunde vor Tagesanbruch aber -wendeten sie plötzlich und ruderten mit aller Kraft, jetzt unterstützt durch die Strömung -und die Ebbe, so schnell stromab zu dem beabsichtigten Landungspunkte, daß -die Franzosen am Ufer nicht folgen konnten. Mit Tagesanbruch wurde unter Wolfes -Führung gelandet, die Wache überrumpelt, das steile Ufer erstiegen und oben eine -kleine Batterie genommen; bald standen die Engländer auf der Höhe vor den Toren -der Stadt. Jetzt erst erfuhr Montcalm, was geschehen war. Er eilte mit einigen Truppen -über den Charlesfluß herbei und sandte Befehl an Bougainville, den Gegner im Rücken -anzugreifen. Aber dieser konnte seine Leute nicht schnell genug sammeln und Vaudreuil -hielt den größeren Teil des Heeres im Lager zurück, da die englische Flotte mit den Seesoldaten -in den noch vorhandenen Schiffsbooten eine Scheinlandung am Montmorency -unternahm.</p> - -<p class="small">So hatte Montcalm um 10 Uhr vormittags nur 4500 Mann zur Verfügung; er griff -dennoch Wolfe an, um ihm keine Zeit zur Verschanzung sowie zur Verstärkung zu -lassen. Aber trotz der Tapferkeit des Generals und seiner Offiziere schlugen die Engländer -den Angriff ab; <em class="gesperrt">Montcalm</em> selber ward tödlich verwundet, der nächstälteste -Offizier fiel und die an den Kampf im offenen Gelände nicht gewöhnten Kanadier -wichen in Stadt und Lager zurück. Bei der herrschenden Verwirrung hätten die Engländer -mit kräftigem Nachdringen wohl das Lager nehmen können, aber jetzt erschien -Bougainville, und auch bei ihnen ging die Oberleitung verloren, da <em class="gesperrt">Wolfe</em> sowie -dessen Nachfolger gefallen waren. Bougainville war aber allein zu schwach zum Angriff, -so daß sich die Engländer in ihrer Stellung verschanzen und die Verbindung -zwischen Lager und Stadt durch den Bau einer Batterie unterbrechen konnten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Vaudreuil</em> gab nach einem Kriegsrate Lager und Stadt auf und zog sich -auf Montreal hin zurück. In Quebec blieben nur 1700 Mann mit dem Befehl, sich nach -Erschöpfung ihrer Vorräte zu ergeben. Dies geschah schon am 17. September, als die -Engländer Miene machten, die Beschießung vom Lande und von der Flotte aufzunehmen. -Den Einwohnern der Stadt sowie den Milizen war Erhaltung ihres Besitzes -und Religionsfreiheit zugesichert; nur die Soldaten wurden kriegsgefangen. Vaudreuil -traf auf seinem Marsche bald <em class="gesperrt">de Levis</em>, der nach der Kunde von dem Geschehenen -stehen geblieben war. Dieser übernahm nun den Oberbefehl und führte das Heer zum<span class="pagenumsmall"><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span> -Entsatze Quebecs heran, ging aber nach Montreal zurück, als er die Übergabe der Stadt -erfuhr.</p> - -<p>Nach dem Falle Quebecs ging <em class="gesperrt">Saunders</em> mit der Flotte nach England -heim; nur 5 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und Sloops verblieben -unter Kommodore <em class="gesperrt">Lord Colville</em> in den amerikanischen Gewässern. -Als die Flotte den Lorenzstrom verlassen hatte, entschlüpften einige französische -Freibeuter, die sich vor der Belagerung stromaufwärts der Stadt -verborgen hatten. Diese brachten die Nachricht von den Ereignissen mit -neuen Bitten um schleunigste Hilfe nach Frankreich.</p> - -<p><b>Letzter Kampf um Kanada. Montreal fällt 1760.</b> General <em class="gesperrt">de Levis</em>, -der nach Montcalms Tode den Oberbefehl übernahm, gab trotz der verzweifelten -Lage den Kampf nicht auf. Er zog alle verfügbaren Truppen bei Montreal -zusammen und beunruhigte von dort aus während des Winters die englischen -Posten. Im Frühjahr 1760 machte er sogar den Versuch, Quebec wieder zu -nehmen, da hier nur 3000 Engländer unter <em class="gesperrt">General Murray</em> lagen. -Er führte 5000 Mann<a name="FNAnker_97_97" id="FNAnker_97_97"></a><a href="#Fussnote_97_97" class="fnanchor">[97]</a> auf Fahrzeugen verschiedener Art den Fluß hinunter, -landete etwas oberhalb der Stadt, schlug die Gegner zurück und schloß sie -ein. Dieser Erfolg wurde nur durch die Unentschlossenheit des Feindes ermöglicht. -Englischerseits hatte man geplant, die Franzosen in Montreal zu -erdrücken: Amherst sollte mit 11000 Mann vom Champlainsee vorrücken, -ihm zur Seite Oberst Havyland mit 5000 Mann und Murray von Quebec aus; -Colvilles Geschwader sollte wieder nach Quebec gehen, sobald die -Jahreszeit es erlaubte. De Levis war ihnen zuvorgekommen; die Stadt -stand schon vor dem Fall, als endlich am 15. Mai die ersten Schiffe eintrafen -und sofort den Kampf gegen die französischen Belagerungsbatterien aufnahmen.</p> - -<p>Jetzt mußte de Levis nach Montreal zurück, er verstand es aber, noch -monatelang die Wege dorthin zu verteidigen. <em class="gesperrt">Amherst</em> hatte nicht die -gerade, kaum noch streitig gemachte Straße nach Montreal eingeschlagen, -sondern war zum Ontariosee marschiert, auf dem man im Winter eine Flottille -von Segelkuttern und Ruderfahrzeugen gebildet hatte. Er nahm hier und -bei dem Vordringen flußabwärts nach und nach die letzten kleinen französischen -Posten und langte erst am 7. September vor Montreal an. Am -selben Tage erschienen auch <em class="gesperrt">Havyland</em>, der Bougainville hatte zurückdrängen -müssen, und Murray, der nur langsam, von kleinen Kriegsschiffen -unterstützt, flußaufwärts hatte herankommen können. Jetzt war allerdings -das Schicksal der Franzosen entschieden. <em class="gesperrt">De Levis</em> wollte es zwar noch -auf einen Kampf ankommen lassen, mußte sich aber auf Vaudreuils Befehl -am 8. September ergeben. Bald darauf fielen auch die letzten Posten Frankreichs -am Eriesee und Colvilles Schiffe säuberten den St. Lawrencegolf von -französischen Freibeutern, die noch zahlreich in den verschiedenen Buchten -gelegen hatten. Die Beamten und Offiziere Kanadas mit ihren Angehörigen,<span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span> -sowie die Soldaten wurden nach Frankreich geschafft; gegen 500 der angesehensten -Ansiedler folgten ihnen, und England begünstigte deren Abzug. -<em class="gesperrt">Kanada war für die Franzosen verloren</em><a name="FNAnker_98_98" id="FNAnker_98_98"></a><a href="#Fussnote_98_98" class="fnanchor">[98]</a>.</p> - -<p class="small">In Frankreich erregte der Verlust Kanadas die größte Empörung. Das Volk wußte -nicht, daß die Regierung schon lange damit gerechnet hatte; es fühlte nur die Schmach -und den Schmerz über die nutzlosen Opfer. Der Hof beschloß deshalb, was schon früher -hätte geschehen müssen, die pflichtvergessenen Beamten zur Rechenschaft zu ziehen. -Vaudreuil sowie der Intendant und zahlreiche Beamte kamen in die Bastille; sie wurden -später verbannt oder sonst bestraft, auch mußten sie 11½ Millionen veruntreuter Gelder -ersetzen. Frankreich hatte von 1749–1760 für Kanada 123 Millionen aufgewendet; -von 40 Millionen, die man der Kolonie schuldig war, wurden nur 12 zurückgezahlt. -Die Tapferkeit der Offiziere dagegen fand Anerkennung; viele von ihnen fanden später -noch eine ehrenvolle Laufbahn.</p> - -<p><em class="gesperrt">England hatte ein Hauptziel des Krieges erreicht</em>; -der sehnliche Wunsch der Kolonien war erfüllt, ihrer Ausdehnung stand nichts -mehr im Wege. Allerdings erklärte die Regierung das Hinterland der Neuenglandstaaten -vom Alleghanygebirge bis zum Mississippi für Kronland, -während es zu diesen Kolonien hätte geschlagen werden müssen, da nach -den alten Chartres bei Gründung der Niederlassungen stets ein Landstreifen -vom Atlantik bis zum Stillen Ozean verliehen war. Aber die Staaten brauchten -doch ihre Männer sowie ihr Geld nicht mehr für Kriege gegen die Kanadier -zu verwenden und ein großer wirtschaftlicher Aufschwung mußte die Folge -sein. Ebenso zweifellos aber war eine außerordentliche Steigerung des Selbstgefühls -dieser schon so eifersüchtig über ihre Rechte wachenden Kolonien. -Es wurden deshalb auch in England beim Friedensschlusse Stimmen laut, -die rieten, Kanada an Frankreich zurückzugeben und lieber Guadeloupe zu -behalten. Frankreich erhielt aber nur die beiden kleinen Inseln <em class="gesperrt">Saint -Pierre</em> und <em class="gesperrt">Miquelon</em> an der Südküste Neufundlands als Stützpunkte -seiner Kabeljaufischerei zurück; sie gehören ihm noch heute. Ihre Kolonie -<em class="gesperrt">Louisiana</em> traten die Franzosen an Spanien ab; <em class="gesperrt">von Nordamerika -war Frankreich damit ausgeschlossen</em>.</p> - -<p><b>Westindien 1755–1757.</b> Dieser Kriegsschauplatz bietet in den ersten -Jahren des Krieges wenig Bemerkenswertes, obgleich auch hier schon bald -nach dem letzten Friedensschluß Streitigkeiten eintraten, so zunächst um -<em class="gesperrt">die neutralen Inseln</em>.</p> - -<p class="small">Wie bereits erwähnt, hatte man 1730 die Inseln Tabago, Sta. Lucia, St. Vincent -und Dominica als neutral erklärt. Beim Friedensschluß 1748 erhielt Frankreich das -Besitzrecht auf Sta. Lucia, wurde aber von England stets gedrängt, die Insel wieder -aufzugeben; anderseits machten die Franzosen schon 1748 den Versuch, von Martinique -aus Tabago zu besetzen und zu befestigen, den sie nur auf ernstliche Vorstellungen -Englands unterließen. Im Frieden 1763 erhielt Frankreich aufs neue Sta. Lucia zugesprochen, -während die drei anderen neutralen Inseln an England fielen; ebenso das -bisher französische Grenada; Sta. Lucia kam erst 1814 endgültig an England.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span></p> - -<p>Besonders eifersüchtig aber war England auf das Aufblühen der französischen -Inseln in den letzten Jahren, so daß <em class="gesperrt">Frankreich</em> wohl auf -Angriffe gegen diese beim Ausbruch des Krieges gefaßt sein mußte. Es wurden -deshalb überall die Befestigungen verstärkt und neue angelegt. 1755 stellte -man auf allen Inseln Miliz- und Negertruppen auf und rüstete Kaperschiffe -aus; um dem Mangel an Nahrungsmitteln vorzubeugen, wurden die Häfen -neutralen Schiffen geöffnet. Anfang 1756 sandte man von Frankreich je -ein Geschwader nach den beiden Stationen, St. Domingue und Martinique für -die Antillen, die Truppen sowie Vorräte hinausbringen und den feindlichen -Handel schädigen sollten.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> dachte jedoch vorläufig noch nicht an Unternehmungen -gegen die feindlichen Kolonien; man hielt zunächst aus Besorgnis vor einer -Invasion die Seestreitkräfte in Europa zusammen. Man verstärkte zwar die -beiden westindischen Stationen (Jamaika und Barbados für die Kleinen Antillen) -aber auch nur mit dem Zwecke, den Handel des Gegners lahmzulegen -und seinen Inseln die Zufuhren abzuschneiden, in der Hoffnung, sie mit der -Zeit auszuhungern.</p> - -<p>Somit führte man nur den Kleinkrieg, denn keine Partei war zu größeren -Unternehmungen genügend stark. Aber auch in diesem war keine ausgesprochen -im Vorteile; wahrscheinlich litt England mehr, wie wir es meistens -bei Beginn der Kriege gesehen haben. Wenn auch die Engländer viele Kauffahrer -abfingen, so sorgten doch Holland und Spanien für die Einfuhr und -Ausfuhr der französischen Inseln, und das Lahmlegen des französischen -Handels wurde wenig fühlbar; anderseits fielen mehr englische Schiffe in -Feindeshand, weil Englands Schiffahrt beträchtlich größer war als die der -Franzosen und weil diese über mehr Freibeuter verfügten. Namentlich im -Jahre 1756 scheinen die Engländer in den westlichen Gewässern schwere Verluste -erlitten zu haben; die Jamaikastation war nur schwach besetzt, und -die Schiffe wurden aus Furcht vor einem Angriff auf die Insel zusammengehalten. -Außer Zusammenstößen einzelner Schiffe kam es in den ersten -Jahren nur zu einem größeren Gefechte.</p> - -<p class="small"><b>Seegefecht bei Le Cap<a name="FNAnker_99_99" id="FNAnker_99_99"></a><a href="#Fussnote_99_99" class="fnanchor">[99]</a> am 21. Oktober 1757.</b> Im November 1756 war ein französisches -Geschwader unter Kapitän <em class="gesperrt">de Kersaint</em> von 3 Linienschiffen, 2 Fregatten -und einer Korvette aus Brest über Westafrika nach Westindien ausgelaufen -und hatte nach Berühren von Martinique im Sommer 1757 Le Cap erreicht; von hier -sollte es einen Konvoi Handelsschiffe nach Frankreich geleiten. Um dies zu hindern, -sandten die Engländer im Herbst von Jamaika den <em class="gesperrt">Kapitän Forrest</em> mit drei -Linienschiffen zum Kreuzen vor Le Cap, Kersaint hatte aber hier andere Schiffe vorgefunden -und trat dem Gegner, wider dessen Erwarten, am 21. Oktober mit Überlegenheit -entgegen. Es standen französischerseits 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 64,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span> -1 zu 50, 1 zu 44 und 2 zu 32 Kanonen gegen 1 Schiff zu 64 und 2 zu 60 englischerseits. -Als die Franzosen in Sicht kamen, rief Forrest die beiden anderen Kommandanten zu -sich an Bord und sagte ihnen: „Well, gentlemen, you see they are come out to engage us“, -worauf Kapitän <em class="gesperrt">Suckling</em> antwortete: „It would be a pity to disappoint them“. -Dann griffen die Engländer um 3½ Uhr nachmittags an, wobei Suckling führte, und -nach scharfem, zweistündigem Kampfe mußte sich Kersaint mit seinem Schiffe durch -eine Fregatte aus dem Gefecht schleppen lassen, worauf auch die anderen Franzosen -abbrachen.</p> - -<p class="small">Die Engländer verloren an Toten und Verwundeten 119 Mann; ihre Schiffe waren -in der Takelage so beschädigt, daß sie zum Ausbessern nach Jamaika zurückfuhren. -Die Franzosen sollen gegen 500 Mann verloren haben; Kersaint konnte jedoch seinen -Konvoi nach Frankreich führen und hatte somit den strategischen Erfolg auf seiner -Seite. Trotzdem gilt das Gefecht bei den Engländern als eines der ruhmreichsten ihrer -Geschichte, und wohl mit Recht. Suckling war der Oheim Nelsons, und auf seinem -Schiff trat dieser ein. Als 48 Jahre später am gleichen Datum Trafalgar geschlagen -wurde, gedachte Nelson dieses Gefechtes und sah es als eine gute Vorbedeutung an.</p> - -<p><b>Im Jahre 1758</b> brachte Pitts Einfluß auch in Westindien wie auf den -übrigen Kriegsschauplätzen durch Belebung der Tatkraft einen Umschwung -zugunsten Englands hervor. Zunächst erklärte dieses jegliche Zufuhr von -Lebensmitteln in französische Kolonien seitens spanischer oder holländischer -Schiffe für Neutralitätsbruch und handelte dementsprechend. Zwar beschränkte -man sich noch auf den kleinen Krieg, wohl weil die Expedition -gegen Louisbourg große Aufwendungen erforderte, aber man übertraf den -Gegner doch schon an Zahl der Streitkräfte. Frankreich sandte 1758 nur -insgesamt 6 Segel nach Westindien; ein größeres Geschwader unter de La Clue -wurde durch die Engländer im Mittelmeer festgehalten. Gegen Ende des -Jahres faßte man denn auch das Vorgehen gegen die französischen Inseln -ins Auge.</p> - -<p><b>England nimmt Guadeloupe und andere Inseln 1759.</b> Im November 1758 -segelten 8 Linienschiffe mit einem Transport von 8000 Soldaten nach Barbados -und traten hier im Januar 1759 unter den Befehl des <em class="gesperrt">Kommodore -John Moore</em>, der nun über 10 Linienschiffe zu 60–80 Kanonen, 2 Schiffe -zu 50 und 2 zu 44 Kanonen, sowie 4 Fregatten, 4 Sloops, 4 Mörserboote verfügte. -Am 13. Januar ging die Expedition in See und wandte sich zunächst -<em class="gesperrt">gegen Martinique</em>, doch blieb dieser Vorstoß <em class="gesperrt">erfolglos</em>. Am -15. ankerte die Flotte in der Bucht von Fort de France und am 16. beschossen -die kleineren Schiffe ein Fort sowie einige schwächere Batterien an der zum -Landen geeignetsten Stelle in der Bucht Cas des navires, etwa 5 Seemeilen -von der Stadt; es wurden auch 4500 Mann gelandet. Als man aber erfuhr, -daß die Stärke des Gegners einschließlich Milizen 10000 Mann betrüge, -schiffte man die Gelandeten wieder ein. Die Flotte segelte nun vor den Hafen -von St. Pierre, jedoch nur ein Schiff ging am 19. näher heran, wohl nur zur -Erkundung, und wechselte einige Schüsse mit den Befestigungen. Dann aber -ging <em class="gesperrt">Moore gegen Guadeloupe</em> vor und hier <em class="gesperrt">mit Erfolg</em>.</p> - -<p class="small"><b>Die Eroberung von Guadeloupe Januar/April 1759.</b> Am 22. Januar erschien die -englische Flotte vor der Stadt <em class="gesperrt">Basse-Terre</em>, auf Basse-Terre, dem östlichen Teile<span class="pagenumsmall"><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span> -der Insel Guadeloupe gelegen. Schon am 23. wurden die Befestigungen durch sechs -schwere Linienschiffe zum Schweigen gebracht und am 24. legten die Mörserboote -die Stadt fast in Trümmer. Am gleichen Tage landeten die Truppen und besetzten -sie, rückten aber so langsam vor, daß die Franzosen Zeit hatten, sich in die Berge zurückzuziehen. -Es war überflüssig, die Schiffe dem Kampfe mit den Befestigungen auszusetzen, -denn man hätte gleich im Norden der Stadt landen und diese einnehmen können, -da sie nach Land zu nicht befestigt war; noch weniger Zweck hatte die Beschießung -durch die Mörserboote. Moore ließ dann noch durch einige Schiffe am 23. Februar -<em class="gesperrt">St. Louis</em>, auf Grande-Terre, dem westlichen Teil der Insel, nehmen, aber der Kampf -in den Bergen zog sich als Guerillakrieg noch lange hin; die Franzosen ergaben sich -erst am 23. April auf Basse-Terre und am 1. Mai auf Grande-Terre.</p> - -<p>Auch dieser Erfolg wäre fast noch in Frage gestellt worden oder hätte -doch größere Opfer kosten können. Am 8. März war in Martinique der Chef -d'Escadre <em class="gesperrt">de Bompart</em> mit 8 Linienschiffen und 3 Fregatten nebst Truppen -von Frankreich angekommen. <em class="gesperrt">Moore</em> sah sich dadurch genötigt, mit seiner -Flotte in die Prinz-Rupert-Bucht (Dominica) zu gehen, um von hier aus die -Bewegungen Bomparts zu überwachen. Dieser wurde jedoch vom Gouverneur -von Martinique, <em class="gesperrt">de Beauharnais</em>, der wohl für seine Insel fürchtete, -sechs Wochen lang festgehalten; als er am 23. April endlich segelte und bei -Guadeloupe erschien, war dessen Schicksal schon entschieden. Moore versuchte -vergeblich, seinen Gegner zu treffen; Bompart war sofort nach Martinique -zurückgegangen, segelte später nach St. Domingue, wo er Truppen -landete, und dann nach Frankreich zurück; hier traf er kurz vor der Schlacht -in der Quiberonbucht im November ein.</p> - -<p>Nach dem Fall von Guadeloupe <em class="gesperrt">ergaben sich</em> die umliegenden -kleineren Inseln, <em class="gesperrt">Marie-Galante</em>, <em class="gesperrt">Les Saintes</em> und <em class="gesperrt">Petite-Terre</em>, -gleichfalls den Engländern. Diese hatten nach Bomparts Abfahrt -wieder die See frei, waren durch die letzte Verstärkung sehr viel mächtiger -geworden und konnten mithin den kleinen Krieg mit gutem Erfolge führen. -So blieb die Lage auch 1761, wo weiter keine Ereignisse von Bedeutung -vorfielen.</p> - -<p><b>England nimmt Dominica 1761 und Martinique, sowie den Rest der französischen -Inseln 1762.</b> Im Jahre 1761 verstärkten die Engländer ihre westindischen -Stationen weiter durch Schiffe — besonders kleine Linienschiffe, -sowie 50 Kanonenschiffe und Fregatten — und Truppen, die in Nordamerika -freigeworden waren. Der kleine Krieg gewann noch an Kraft und von der -Antillenstation aus besetzte man im April ohne jedes Hindernis die neutrale -Insel <em class="gesperrt">Dominica</em>. Im Spätherbst trafen auch noch Truppen von der Belle-Ile-Expedition -ein. Am 22. November übernahm Kontreadmiral <em class="gesperrt">Rodney</em> -bei den Antillen den Oberbefehl zu einem Angriff auf Martinique. Er sandte -sofort den bisherigen Stationschef, Kommodore Douglas, mit einer Division -ab, um die Insel von jeder Zufuhr abzuschneiden, folgte mit der Hauptmacht -am 5. Januar 1762 und vereinigte sich am 7. mit Douglas bei der genannten -Insel. <em class="gesperrt">Am 1. März war Martinique im Besitz der Engländer.</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Martinique Januar/Februar 1762.</b> <em class="gesperrt">Rodneys</em> Streitmacht -zählte 13 Linienschiffe zu 60–84 Kanonen, 4 50- und 3 44-Kanonenschiffe, 11 Fregatten, -5 Sloops, sowie 4 Mörserboote; auf 150 Transportern waren gegen 14000 Mann -unter General <em class="gesperrt">Monkton</em> eingeschifft. Bei dem schwierigen Gelände der Insel wäre -es richtig gewesen, zum Angriff auf die Stadt Fort de France, damals Fort Royal genannt, -in deren möglichster Nähe zu landen; dieser Umstand war aber nicht genügend -bekannt, und der Admiral wünschte, die Stadt ohne Kampf mit ihren Seebefestigungen -zu nehmen. Er sandte daher nur eine kleine Division vor die Bucht von Fort de France, -ließ einen Scheinangriff in der Bucht von La Trinité machen und ging mit der Hauptmacht -in die Bucht von St. Anne. Hier wurden die schwachen Befestigungen bald -niedergekämpft und die Truppen gelandet. Nun aber stellte sich heraus, daß der Marsch -auf Fort de France sehr schwierig sein würde; man schiffte daher wieder ein, und die -ganze Flotte ging zur Fort-de-France-Bucht. Am Vormittag des 16. Januar wurden -die Befestigungen zum Schweigen gebracht, dann landeten die Soldaten in der Bucht -Cas des Navires, 5 Seemeilen von der Stadt. Am Abend waren zwei Drittel des -Landungskorps ausgeschifft, der Rest sowie die Seesoldaten folgten am nächsten Morgen. -Gegen eine hartnäckige Verteidigung, die jeden Fels und jeden Baum, sowie auch künstliche -Hindernisse benutzte, gelang es erst am 24., unterstützt durch die armierten -Boote der Flotte, bis an die Stadt vorzudringen.</p> - -<p class="small">Am 25. begann die Beschießung der Zitadelle aus schnell aufgeworfenen Batterien, -aber erst am 4. Februar ergab sie sich. Am 13. unterzeichnete der Gouverneur der Insel, -der sich am 28. Februar von Fort de France nach St. Pierre begeben hatte, einen -Waffenstillstand mit der Zusage, die Insel am 1. März zu übergeben, wenn er bis dahin -keine Unterstützung erhielte. Und so geschah es; ein auf dem Wege befindliches französisches -Geschwader kam 8 Tage zu spät.</p> - -<p>Schon während der Belagerung von Fort de France sandte <em class="gesperrt">Rodney</em> -kleinere Divisionen gegen <em class="gesperrt">Grenada</em> und <em class="gesperrt">Sta. Lucia</em>, und auch diese -Inseln mußten sich ergeben. Dagegen gelang es ihm nicht, ein französisches -Geschwader abzufangen. 1762, als Spanien auf seine Seite getreten war, -machte Frankreich noch einen letzten Versuch, den Kolonien Hilfe zu bringen, -und der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Blenac</em> entschlüpfte aus Brest. Dieses Geschwader, -7 Linienschiffe und 4 Fregatten mit 7 Bataillonen, erschien am -8. März an der Ostküste von Martinique. Das Blockadegeschwader vor Brest -hatte zwar Rodney von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis -gesetzt, aber sein Versuch, diesen zu treffen, schlug fehl. Blenac war schon -am 10. nach St. Domingue weiter gesegelt, als er sich vom Falle Guadeloupes -überzeugt hatte.</p> - -<p>Die Kolonie <em class="gesperrt">St. Domingue</em> war noch allein in Frankreichs Besitz, -doch griff <em class="gesperrt">Rodney</em> diese nicht an. Er erhielt die Nachricht vom Ausbruche -des Krieges mit Spanien, vom Eintreffen eines starken spanischen Geschwaders -in Havanna und mußte auf einen Angriff gegen Jamaika gefaßt sein. -Er warnte daher den Chef dieser Station und beorderte ihn zu einem Zusammentreffen -beim Kap St. Nicolas an der Nordwestspitze Haitis; er wollte -wohl dem neuen Gegner entgegentreten und gleichzeitig dessen Vereinigung -mit Blenac hindern. Ehe er aber selber seeklar war, traf am 26. März der -Befehl für ihn und General Monkton ein, vorläufig nichts zu unternehmen, -sondern die Ankunft des Admirals <em class="gesperrt">Sir George Pocock</em> abzuwarten; -dieser sei mit Verstärkungen unterwegs und solle ein großes, vorläufig noch<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span> -geheim gehaltenes Unternehmen führen. <em class="gesperrt">Rodney</em> sandte nun den Kommodore -Douglas mit 10 Linienschiffen nach Jamaika, um die dortigen Schiffe -zur Vereinigung mit Pocock nach Kap St. Nicolas zu geleiten; er schickte -eine kleine Division für den Handelskrieg in die spanischen Gewässer Mittel- -und Südamerikas und erwartete mit dem Rest seiner Flotte den neuen Oberbefehlshaber -in Martinique.</p> - -<p><b>England erobert Havanna. Juni/August 1762.</b> Admiral <em class="gesperrt">Pocock</em> traf -am 20. April in Barbados ein und übernahm am 26. in Martinique den Befehl. -Er ließ dann Rodney mit einigen Schiffen bei den Kleinen Antillen zurück -und trat am 6. Mai mit der Flotte den Marsch nach Havanna an. Diese Stadt -war das geheime Ziel; England beabsichtigte, gleich einen schweren Schlag -gegen Spanien zu führen. Nachdem Pocock am 8. Mai bei der Monastraße -einen Teil der Schiffe der Jamaikastation, die von Douglas zur Beobachtung -Blenacs dorthin abgezweigt waren, und am 23. beim Kap Nicolas den Rest -an sich gezogen hatte, zählte <em class="gesperrt">seine Streitmacht</em>: 22 Linienschiffe -zu 60–90 Kanonen, 4 Schiffe zu 50 und 3 zu 40, 12 Fregatten, 8 Sloops, -3 Mörserboote, Hospital- und Vorratsschiffe, sowie zahlreiche Transporter, -auf denen 15500 Mann unter dem General <em class="gesperrt">Earl George of Albemarle</em> -eingeschifft waren; insgesamt gegen 200 Segel.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pocock</em> wählte vom Kap St. Nicolas nach Havanna nicht den üblichen -Weg südlich der Insel Kuba, sondern den kürzeren durch den alten Bahamakanal. -Dieser ist navigatorisch für Segelschiffe schwieriger und galt damals -wegen der noch wenig genauen Karten als nicht ungefährlich, aber der Admiral -beabsichtigte, möglichst schnell und überraschend vor Havanna zu -erscheinen, sowie auch zu verhindern, daß der Stadt auf diesem Wege Nachrichten -und Unterstützung durch die Franzosen in St. Domingue zugingen. -Er benützte auf dieser Fahrt eine von Anson aufgenommene Karte, auch -sandte er Boote voraus, die gefährliche Stellen markierten. Am Morgen des -6. Juni stand die Flotte 15 Seemeilen östlich von Havanna; die Stadt wurde -nach zehnwöchiger Belagerung genommen.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Havanna 1762.</b> Noch am 6. Juni gab <em class="gesperrt">Pocock</em> die Anordnung -für die Landung, die östlich der Stadt erfolgen sollte. Zu ihrer Deckung blieb Kommodore -<em class="gesperrt">Keppel</em> mit 6 Linienschiffen und einigen Fregatten zurück; der Admiral -segelte mit der Hauptflotte vor die Einfahrt des Hafens, in dem man 12 Linienschiffe -zählte; drei waren im Eingange versenkt. Havanna wurde nach See zu hauptsächlich -durch das starke, hochgelegene Fort Moro auf der Ostseite der Einfahrt und durch -ein Werk auf der Westseite verteidigt; nach Land zu waren die Befestigungen nur unbedeutend. -Am 7. morgens ließ Pocock durch die Seesoldaten der Schiffe eine Scheinlandung, -etwa vier Seemeilen westlich der Stadt, ausführen, während <em class="gesperrt">Albemarle</em> -das ganze Heer sechs Seemeilen östlich von Havanna zwischen den Flüssen Coximar -und Boca Nao landete.</p> - -<p class="small">Hier fand man erst beim Vormarsch gegen Fort Moro, als man den Coximar -überschritt, Widerstand, der jedoch bald durch das Eingreifen der Fregatten gebrochen -wurde. Man begann dann sogleich mit der regelrechten Berennung Moros. Um diese -zu fördern, beschossen am 1. Juli drei schwere Linienschiffe das Fort, mußten sich -aber nach sechsstündigem Kampfe, stark beschädigt mit einem Verluste von 42 Toten<span class="pagenumsmall"><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span> -und 130 Verwundeten, zurückziehen und das Niederkämpfen des Forts der Belagerungsartillerie -überlassen; am 30. Juli war Bresche gelegt, und man nahm das Werk im Sturm. -Nach weiterer Beschießung der kleinen Befestigungen der Landseite, sowie der Stadt -selber ergab sich diese am 14. August. Den Engländern kostete die Belagerung 1790 -Tote und Verwundete; sie verloren außerdem viele Leute an Krankheiten in der ungesunden -Gegend bei ungünstigster Jahreszeit.</p> - -<p class="small">Wegen dieses starken Verlustes wurden den Führern Vorwürfe gemacht: <em class="gesperrt">Pocock</em> -habe die Schiffe unnötig dem Kampfe mit dem Fort ausgesetzt, <em class="gesperrt">Albemarle</em> ebenso -unnötig das starke Werk als Angriffsobjekt gewählt, auch ohnedies wäre die Stadt leicht -zu nehmen gewesen und Moro dann von selbst gefallen. Hervorgehoben wird das gute -Einvernehmen zwischen den Führern beider Waffen während des ganzen Unternehmens.</p> - -<p>Der Fall Havannas war ein Erfolg von großem, moralischem Werte -Spanien gegenüber und fügte diesem schweren Schaden zu; er brachte England -aber auch bedeutenden materiellen Gewinn. Die erbeuteten Gelder und -Güter hatten einen Wert von drei Millionen Lstrl; 9 Linienschiffe — 5 zu 70, -4 zu 60 Kanonen — waren genommen, zwei noch auf Stapel liegende verbrannt; -drei nebst einer großen Galere hatten die Spanier versenkt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pocock</em> ging im November mit 4 Linienschiffen und einem Teil der -Prisen nach England, 5 weitere folgten etwas später mit dem Rest der genommenen -Schiffe. <em class="gesperrt">Der große Krieg in Westindien war zu -Ende</em>; zu einem wahrscheinlich ins Auge gefaßten Angriff auf St. Domingue -kam es infolge des Präliminarfriedens vom 12. November 1762 nicht mehr. -Frankreich erhielt durch den Frieden von Paris seine Inseln bis auf Grenada -zurück. Sta. Lucia wurde ihm aufs neue zugesichert, aber die neutralen -Inseln Tabago, St. Vincent und Dominica fielen an England. Spanien bekam -gleichfalls Havanna wieder, trat aber Florida an England ab, wofür ihm -Frankreich Louisiana überließ.</p> - -<p><b>Westafrika.</b> Über dieses als Kriegsschauplatz ist nur wenig zu sagen. -Englands Hauptniederlassungen lagen am Golf von Guinea, nur wenige (zwei -Forts) an der Sierra-Leone-Küste, und in Senegambien besaß es fast gar keinen -Einfluß (ein Fort an der Mündung des Gambia). Hier war Frankreich die vorherrschende -Macht mit vielen Forts vom Kap Branco bis etwas südlich vom -Gambia; Hauptstützpunkte waren St. Louis am Senegal und Gorée beim -Kap Vert<a name="FNAnker_100_100" id="FNAnker_100_100"></a><a href="#Fussnote_100_100" class="fnanchor">[100]</a>. Stärkere Seestreitkräfte wurden von keinem der beiden Länder -hier gehalten; England scheint meist einige Kriegsschiffe an der Guineaküste -gehalten zu haben.</p> - -<p>Im Februar 1757 erschien der französische Kapitän <em class="gesperrt">de Kersaint</em> -auf seinem Wege nach Westindien mit 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer -Korvette in den westafrikanischen Gewässern; er brachte einige englische -Sklavenschiffe auf und beunruhigte die Niederlassungen an der Guineaküste, -ein ernstlicher Angriff auf Cap Coast Castle wurde jedoch abgeschlagen. -<em class="gesperrt">England</em> dagegen sandte 1758 kleinere Expeditionen hinaus, um die französischen<span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span> -Niederlassungen wegzunehmen, und <em class="gesperrt">bemächtigte sich -Senegambiens</em>.</p> - -<p class="small"><b>Einnahme von Port Louis und Gorée 1758.</b> Am 9. März 1758 verließ <em class="gesperrt">Kapitän -Marsh</em> mit einem Linienschiff (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiff, sowie drei -kleineren zu 8, 16 und 20 Kanonen England, erschien am 23. April vor der Mündung -des Senegal, drang bei nur geringem Widerstande durch Küsten- und Flußfahrzeuge -über die Barre nach <em class="gesperrt">Port Louis</em> vor und zwang mit Hilfe vorher gewonnener eingeborener -Fürsten das Fort am 1. Mai zur Übergabe; mit ihm fielen auch die anderen, -weiter stromauf gelegenen Plätze. Es mutet seltsam an, daß die Anregung zu diesem -Kriegszuge von einem Quäker ausging, der in Afrika ansässig gewesen war; dieser hatte -auch die einheimischen Fürsten gewonnen. Marsh versuchte dann im Mai vergeblich, -das besser befestigte Gorée zu nehmen. Aber schon am 28. Dezember trafen unter -Führung des Kommodore <em class="gesperrt">Augustus Keppel</em> 3 Linienschiffe, je ein 50- und ein -44-Kanonenschiff, verschiedene kleinere Fahrzeuge, zwei Mörserboote, sowie Transporter -mit Soldaten vor <em class="gesperrt">Gorée</em> ein, und die Niederlassung fiel bereits am nächsten Tage. -(Näheres über diese Vorgänge siehe Laird Clowes, Band III, Seite 186 ff.)</p> - -<p>Frankreich trat beim Friedensschluß Senegambien an England ab, erhielt -aber Gorée zurück.</p> - -<p><b>Ostindien<a name="FNAnker_101_101" id="FNAnker_101_101"></a><a href="#Fussnote_101_101" class="fnanchor">[101]</a>.</b> <em class="gesperrt">Ereignisse vor Ausbruch des Krieges.</em> -Sicher bestand nach dem Frieden von Aachen bei den Leitern der ostindischen -Kompagnien in London wie in Paris der Wunsch, neue Zerwürfnisse zu vermeiden, -denn der letzte Krieg hatte große Kosten verursacht und dem Handel -sehr geschadet. Aber die erfolgreiche Einmischung des französischen Gouverneurs -<em class="gesperrt">Dupleix</em> in die Streitigkeiten der indischen Fürsten hatte das -frühere System der Kompagnien, von befestigten Niederlassungen aus nur -Handel zu treiben, unmöglich gemacht. Die Europäer hatten die Überlegenheit -ihrer Waffen zu gut kennen gelernt, um den indischen Fürsten -weiter nur als Bittende entgegenzutreten, und diese strebten dahin, sich der -unbesiegbaren Europäer gegen ihre einheimischen Feinde zu bedienen. Wollten -die Kompagnien also weiter Geschäfte machen, so mußten sie Partei nehmen -und ihren Freunden Waffen und Soldaten stellen. Wenn nun die Kompagnien -selbst noch in den ersten Jahren nicht miteinander im Streit lagen, so unterstützte -doch eine jede einheimische Fürsten, die vielleicht mit den Schützlingen -der anderen Krieg führten; so mußten bald auch die Truppen der -beiden Kompagnien in diese Kämpfe verwickelt werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span></p> - -<p><b>Bis zum Jahre 1751</b> zog <em class="gesperrt">Frankreich</em> aus der Einmischung in -indische Angelegenheiten bei weitem <em class="gesperrt">den größeren Vorteil</em>. <em class="gesperrt">England</em> -gewann zwar 1749 bei einer Thronfolgefrage im Staate Tanjore die -Stadt <em class="gesperrt">Devicotta</em>, an der Mündung des Coleroon, etwa 30 Seemeilen südlich -von Cuddalore, aber dem Gouverneur von Pondicherry, <em class="gesperrt">Dupleix</em>, -gelang fast die Verwirklichung seiner langgehegten Absicht, die Gründung -eines Vasallenstaats von großer Ausdehnung für Frankreich. Um das <em class="gesperrt">Dekan</em> -— ein Vizekönigreich des Großmogulstaats, das fast ganz Vorderindien -umfaßte und in viele kleine Gebiete, jedes unter einem Nabob, zerfiel — erhob -sich 1749 gleichfalls ein Thronfolgestreit. Hier nahm Dupleix Partei und -wandte Politik wie Waffengewalt so geschickt an, daß sein Schützling Sieger blieb.</p> - -<p>Dieser machte als Vizekönig des Dekan 1750 Dupleix zum Nabob der -Küstenstaaten von Masulipatam bis zum Kap Komorin, erweiterte das Gebiet -der französischen Kompagnie bei Pondicherry sowie bei Karikal und trat ihr -neues Land bei Masulipatam ab; auch erhielt der Gouverneur selber reichen -Landbesitz als Eigentum. Der Vizekönig huldigte ihm sogar am 26. Dezember -1750 in Pondicherry, und sein Nachfolger dehnte 1751 durch ein weiteres Zugeständnis -die französische Macht an der Orissaküste aus. Dupleix beherrschte -tatsächlich den ganzen Süden Vorderindiens, da er als mächtiger Nabob beratende -Stimme in allen wichtigen Angelegenheiten besaß, und da der Vizekönig -wie die meisten anderen Nabobs seiner Hilfe ihre Stellungen verdankten. -Mit nur 800 Mann Europäer und 3000 Sepoys hatte Dupleix seinen Einfluß -über 35 Millionen Inder zur Herrschaft gebracht; die Engländer waren an -der Ostküste Vorderindiens lahmgelegt, ihre völlige Austreibung schien nur -noch eine Frage der Zeit.</p> - -<p><b>Bis zum Jahre 1755</b> gingen diese <em class="gesperrt">Errungenschaften Frankreichs</em> -jedoch <em class="gesperrt">wieder verloren</em>. Die Stellung Dupleix' und seines -Verbündeten war nicht fest genug, als sich 1751 England unmittelbar einmischte -und in <em class="gesperrt">Robert Clive</em><a name="FNAnker_102_102" id="FNAnker_102_102"></a><a href="#Fussnote_102_102" class="fnanchor">[102]</a> ein ebenbürtiger Gegner für Dupleix -erwuchs. Der Vizekönig besaß noch nicht die volle Herrschaft im ganzen -Dekan; er hatte im Norden mit widerspenstigen Fürsten zu schaffen und auch -im Süden behauptete sich der von ihm abgesetzte Nabob des Carnatic in -einigen festen Städten. Dieser gewann die Engländer für sich. Als der Vizekönig -versuchte, ihn mit Hilfe der Franzosen niederzuwerfen, unterstützten -ihn die Engländer von Madras, sowie von St. Davids aus mit Truppen. Hiermit -war von Mitte Juli 1751 <em class="gesperrt">der Krieg zwischen den Kompagnien</em> -entbrannt. Es folgten zunächst vier Jahre des Kampfes im Carnatic, -in denen mit wechselndem Kriegsglück bald die eine, bald die andere Partei<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span> -im Vorteil war, je nachdem sich die unzuverlässigen indischen Fürsten gruppierten -— auch die Mahratten an der Westküste Vorderindiens, die alten -Feinde des Mogulreiches, traten in den Kampf ein; zuerst auf englischer, -später auf französischer Seite.</p> - -<p>Wohl war die französische Kompagnie anfangs an Europäern wie an -Sepoys stärker, aber die Engländer zogen Truppen aus Bengalen heran, -und ihre Führer <em class="gesperrt">Lawrence</em>, sowie <em class="gesperrt">Clive</em> waren den Franzosen <em class="gesperrt">d'Auteuil</em> -und <em class="gesperrt">Law</em> (Sohn des berüchtigten Finanzmannes, s. Band I, -Seite 595) weit überlegen. Dupleix erhielt von der Heimat keine wesentlichen -Unterstützungen, auch mußte er seinen fähigsten Offizier, <em class="gesperrt">de Bussy</em>, mit -einem Teil der Truppen abgeben, um den Vizekönig im Norden zu verstärken -und an dessen Hofe Frankreichs Vorteil gegen eine von England gewonnene -Partei wahrzunehmen. Zu Ende des Jahres 1752 stand es für die Franzosen -sehr schlecht; ein Unternehmen gegen St. Davids — der erste unmittelbar -gegen die Engländer selber gerichtete Stoß — wurde schon auf dem Anmarsch -mit großem Verluste zurückgewiesen.</p> - -<p>Anfang 1752 lagen im Carnatic nur noch 360 Franzosen gegen 700 Engländer -im Felde; die erste, jetzt erwartete, bedeutendere Verstärkung von der -Heimat, 700 Mann, blieb aus, da das Schiff unterwegs verbrannte. Dennoch -behauptete sich Dupleix das Jahr über und errang sogar einige Vorteile, als -Clive aus Gesundheitsrücksichten nach England gegangen war. Wegen -Mangels an Truppen sowie an Geld — er hatte schon bedeutende Summen aus -eigenem Vermögen vorgeschossen —, sowie auf Drängen der Kompagnie, die -des kostspieligen Krieges müde war, trat Dupleix im Januar 1754 mit dem -Gouverneur von Madras, <em class="gesperrt">Saunders</em>, in Unterhandlungen. Diese zerschlugen -sich aber schon nach wenigen Tagen, da dieser unter keinen Umständen -Dupleix als Nabob des Carnatic anerkennen wollte und auch erfahren -hatte, daß dessen Stellung in Paris schwer erschüttert sei. Dennoch -verlor der tapfere Mann nicht den Mut. Der Nabob von Tanjore, ein mächtiger -Fürst, schien geneigt, sich auf seine Seite zu schlagen, im Februar wurde -ein Sieg über die besten englischen Truppen erfochten und de Bussy hatte -mit dem neuen Vizekönig, dem zweiten Nachfolger des ersten Freundes der -Franzosen, ein vorzügliches Verhältnis hergestellt. Wiederum erhielt die -Kompagnie große Gebiete an der Orissaküste, <em class="gesperrt">die vier Circars</em>, die -durch ein Einkommen von 400 000 Lstrl. genügende Geldmittel sicherten. -So schöpfte <em class="gesperrt">Dupleix</em> neue Hoffnung, da wurde er am 1. August 1754 -<em class="gesperrt">abberufen</em>.</p> - -<p class="small"><b>Die Abberufung Dupleix'</b> war die Folge von Verhandlungen, die schon seit 1752 -zwischen den Kompagnien unter Teilnahme der Regierungen geführt wurden. Die -englische Regierung machte Dupleix für alle Wirren in Indien verantwortlich und -forderte unter Androhung schärfster Maßregeln seine Entfernung; auch Clive vertrat -diesen Standpunkt energisch, als er sich 1753/54 in England aufhielt. So lange draußen -alles gut ging, war die französische Regierung mit Dupleix ganz zufrieden gewesen -und die Kompagnie hatte über die schlechten Geschäftsergebnisse hinweggesehen; -als aber von 1752 an eine Hiobspost nach der anderen eintraf und die Mittel zusammenschrumpften,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span> -ließ man den tüchtigen Mann fallen. Bei seiner Abberufung erhielt er -weder ihm noch zustehende Gelder, noch die von ihm vorgeschossenen 6–7 Millionen -Francs, selbst die Einkünfte aus seinem Privatbesitz enthielt man ihm vor, so daß er -beinahe mittellos die Heimreise antreten mußte. Ohne daß seine gerechten Ansprüche -befriedigt waren, starb er 1764 verlassen und vergessen, während man in England annahm -und noch annimmt, daß die Engländer in den nun noch folgenden Kämpfen wahrscheinlich -aus Indien verdrängt worden wären, wenn man Dupleix nicht abberufen hätte.</p> - -<p>In Europa waren die Regierungen sowie die Kompagnien übereingekommen, -beide Gouverneure abzuberufen und die Streitigkeiten durch besondere -Kommissäre zu schlichten. England ernannte aber den bisherigen -Gouverneur zu seinem Vertreter, während Frankreich einen früher in Bengalen -tätig gewesenen Beamten, <em class="gesperrt">Godeheu</em>, der stets gegen Dupleix intrigiert -hatte, zum Kommissar bestellte. Dieser traf am 1. August 1754 mit 2000 -Soldaten in Pondicherry ein und übernahm schon am 2. die Geschäfte. Er -wies sofort die im Felde stehenden Befehlshaber an, die Feindseligkeiten einzustellen, -<em class="gesperrt">schloß</em> am 26. Oktober einen Waffenstillstand und <em class="gesperrt">im Januar -1755</em> einen für die französische Kompagnie <em class="gesperrt">höchst ungünstigen -Frieden</em>.</p> - -<p class="small"><b>Godeheu</b> folgte bei den Verhandlungen in keiner Hinsicht einer ihm von Dupleix -hinterlassenen Denkschrift, in der die politische wie die militärische Lage dargestellt -und die erforderlichen Maßnahmen entwickelt waren; auch sah er darüber hinweg, daß -England gegen die Abmachung seinen früheren Gouverneur als Kommissar bestellt -hatte. Er lieferte die Gefangenen aus, begann die an Frankreich abgetretenen Gebiete -zu räumen und benachrichtigte den Vizekönig, daß er sich nicht mehr in dessen Angelegenheiten -mischen dürfe; er ließ de Bussy zwar noch im Lager bei diesem, sandte -ihm aber weder Truppen noch Geld.</p> - -<p class="small"><b>Das Ergebnis der Verhandlungen</b> war, daß sich beide Kompagnien verpflichteten, -sich nicht mehr in die Streitigkeiten der indischen Fürsten zu mischen, auch keine -Würden oder Ämter vom Großmogul anzunehmen. <em class="gesperrt">England</em> sollte St. George -(Madras), St. Davids (Cuddalore) und Devicotta, <em class="gesperrt">Frankreich</em> Pondicherry, Carical -und Nizampatam behalten; das Gebiet von Masulipatam, das ansehnliche Einkünfte -lieferte, wurde geteilt. England behauptete somit alles, was es besessen und hinzugewonnen, -Frankreich gab an Besitz und an Einfluß auf, was ihm Dupleix erworben -hatte. In den Augen der indischen Fürsten mußte dieser Friedensschluß als ein völliger -Sieg Englands erscheinen.</p> - -<p>Schon im Februar 1755 sah <em class="gesperrt">Godeheu</em> seine Aufgabe als erledigt an, -gab die Geschäfte an den neuen Gouverneur, <em class="gesperrt">de Leyrit</em>, einen alten -Beamten der Kompagnie, ab und kehrte nach Frankreich zurück. De Leyrit -hatte zwar den Auftrag und die Absicht, Godeheus Politik fortzuführen, -aber die Ereignisse zwangen ihn bald in andere Bahnen, und die Verwicklungen -begannen abermals.</p> - -<p><b>Die Jahre 1756/57.</b> Schon im Februar 1755 brachen die Engländer den -Vertrag, indem sie dem Nabob von Carnatic, der nun von den Franzosen nicht -mehr bekämpft wurde, wiederum Soldaten stellten, um seine Macht zu befestigen; -<em class="gesperrt">de Leyrit</em> nahm darauf auch seinerseits Partei, verstärkte de -Bussy und stellte die Räumung des Orissagebietes ein. Das alte Spiel begann -von neuem. Zwar traf <em class="gesperrt">Clive</em>, zum Kommandanten von St. Davids ernannt,<span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span> -1755 mit einem Geschwader von 3 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, -einer Fregatte und einer Sloop unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Charles Watson</em> -nebst Truppen in Indien ein, um im Einverständnis mit dem Gouverneur -von Madras von Bombay aus den Vizekönig des Dekan anzugreifen, wozu -auch die Unterstützung der Mahratten gewonnen war, aber die Behörden in -Bombay wollten mit Rücksicht auf den eben geschlossenen Frieden nichts -davon wissen. Sie benützten die Streitkräfte Clives lieber zur Befestigung -ihrer Macht an der Westküste durch Niederwerfung eines Seeräuberstaates.</p> - -<p class="small"><b>Der Seeräuber Angria</b> war das Haupt einer Mahrattenfamilie, die seit etwa 100 Jahren -an der Westküste Vorderindiens Seeraub trieb und zu großem Landbesitz gekommen -war. Sie belästigte sowohl den europäischen Handel wie den der Inder und griff -selbst größere Kriegsschiffe an. Jetzt verband sich die englische Kompagnie mit den -übrigen Mahratten zur Vernichtung Angrias. Schon im März 1755 nahmen ihre Schiffe -den nördlichsten Hafen des Seeräuberstaates, <em class="gesperrt">Bencote</em> (später Fort Victoria auf -18° Nordbreite), ein und im Januar 1756 gingen Clive und Watson mit ihrer Kriegsflotte, -einigen Schiffen der Kompagnie sowie Fahrzeugen der Mahratten und einem Landungskorps -gegen die Hauptstadt <em class="gesperrt">Geriah</em> (auf 16½° Nordbreite) vor. Diese nebst ihren -Befestigungen mußte zwei Tage regelrecht beschossen werden, ehe sie sich am 14. Februar -ergab. Man erbeutete 100000 Lstrl. an barem Gelde, sowie 30000 an Gütern, -und verbrannte die Seeräuberflotte, die aus einigen größeren Segelschiffen und zahlreichen -Rudergaleren bestand. Die Engländer behielten die ganze Beute und auch den -festen Platz, da die Mahratten sich unzuverlässig gezeigt hatten.</p> - -<p>Im Mai 1756 trafen Clive und Watson dann vor St. Davids ein, und der -Gouverneur von Madras wollte nun angriffsweise gegen die Franzosen vorgehen, -insbesondere gegen de Bussy, der durch englische Einwirkung zur Zeit -mit dem Vizekönig entzweit war. Dies wurde zwar durch die Ereignisse in -Bengalen verhindert, aber <em class="gesperrt">der offene Krieg zwischen den Kompagnien</em> -brach gleichwohl <em class="gesperrt">in Bengalen</em> wie <em class="gesperrt">im Carnatic</em> aus.</p> - -<p><b>England wirft Frankreich in Bengalen nieder 1756/57.</b> Bengalen war -lange Zeit von einem Vizekönig — wie der im Dekan ein ziemlich unabhängiger -Vasall des Großmogul — regiert, der beide Kompagnien gleich begünstigte, -um seinen Vorteil daraus zu ziehen; während des vorigen Krieges hatte er -alle Feindseligkeiten zwischen ihnen verhindert. Im Jahre 1756 kam sein -Enkel auf den Thron, dem der wachsende Einfluß der Europäer ein Dorn im -Auge war. Dieser fiel schon im ersten Jahre über die Engländer her, nahm -die Faktorei Cosimbazar ein und griff am 18. Juni <em class="gesperrt">Kalkutta</em> an, wo nur -260 englische Soldaten und 250 Milizen standen. Sie riefen die Holländer in -Chinsura, sowie die Franzosen in Chandernagore um Hilfe an, aber jene -lehnten rundweg ab, diese rieten Aufgabe der Stadt und Rückzug nach -Chandernagore. Die Engländer beschlossen nun allgemeine Flucht auf den -vorhandenen Schiffen. Zuerst sollten die Familien mit der wertvollsten Habe -an Bord gehen, aber man verlor den Kopf, und nur der Gouverneur sowie die -höheren Offiziere retteten sich. Bei dem Sturm der Inder auf Kalkutta fielen -95 Engländer, die Soldaten flohen, und nach Einnahme der Stadt kamen von -den übriggebliebenen 146 Männern 123 in dem berüchtigten Black Hole um; -einem 18 Fuß langen und 14 Fuß breiten Raume, in dem sie für eine Nacht<span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span> -eingesperrt waren. Der Vizekönig besetzte die Zitadelle Fort William und -zwang die Franzosen wie die Holländer zur Zahlung hoher Summen.</p> - -<p>Auf die Nachricht von diesen Ereignissen, die im August 1756 in Madras -eintraf, beschloß man hier, vor allem in Bengalen Rache zu nehmen. Schiffe, -Mannschaft sowie tüchtige Offiziere, Clive und Lawrence, waren vorhanden, -aber zwei Monate dauerte der Streit der maßgebenden Personen über die -Stellung von Flotte und Heer zueinander, über den Oberbefehl, ja sogar über -die Verteilung der Beute. Hervorzuheben ist, daß Admiral Watson die soeben -erhaltene Anweisung, mit dem Geschwader nach England zurückzukehren, -in richtiger Würdigung der Verhältnisse in Indien nicht befolgte. Erst am -16. Oktober segelte die Expedition ab. <em class="gesperrt">Clive</em>, der die Truppen führte, -erhielt den Befehl, im April 1757 wieder in Madras zu sein, weil in Europa der -Krieg ausgebrochen war, und Frankreich beabsichtigte, große Verstärkungen -nach Pondicherry zu senden. <em class="gesperrt">Watsons</em> Geschwader zählte die obengenannten -Kriegsschiffe (mit Ausnahme der Sloop) und ein Mörserboot; Clive -befehligte 906 englische und 1500 indische Soldaten.</p> - -<p>An der Koromandelküste blieben nur die schwachen Besatzungen der -festen Plätze sowie einige Schiffe der Kompagnie zurück. Die Expedition war -am 27. Dezember an der Mündung des Ganges versammelt, wo man die -Flüchtlinge von Kalkutta fand; dann drang man zu Wasser und zu Lande -ohne erheblichen Widerstand stromaufwärts vor, nahm am 2. Januar 1757 -nach zweistündiger Beschießung Kalkutta nebst Zitadelle und wenige -Tage darauf die Stadt Hugly, 30 Seemeilen weiter stromauf. Der Vizekönig -war mit seinem eigentlichen Heere noch nicht herangekommen, sondern versuchte, -die Franzosen vorher auf seine Seite zu ziehen. Diese zeigten sich unschlüssig, -da sie hofften, die Bedrängnis der Engländer wie im vorigen Kriege -zum Abschluß einer Neutralität ausbeuten zu können. Geschickt hielt nun -Clive die Franzosen mit Verhandlungen hin, bis er einen bedeutenden Sieg -über die Truppen des Vizekönigs errungen und diesen am 9. Februar zu einem -Friedensschluß bewogen hatte, in dem England alle früheren Vorrechte -zurückerhielt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Clive</em> hatte seine Aufgabe erfüllt und konnte nun nach Madras zurückgehen. -Er erachtete aber die Gelegenheit für günstig, die Franzosen anzugreifen -und schloß am 14. März 1757 im Verein mit <em class="gesperrt">Watson</em> die Stadt -<em class="gesperrt">Chandernagore</em> ein, die gut befestigt, aber nur von 446 Europäern -und 300 Sepoys verteidigt war. Am 19. zerstörten die Boote der Flotte einige -diese bedrohende Brander; am 23. wurde die Stadt vom Lande wie vom Flusse -her beschossen, worauf die Franzosen sie übergaben. Damit war <em class="gesperrt">die französische -Macht in Bengalen vernichtet</em> und der Kampf -der Kompagnien hier beendet.</p> - -<p class="small"><b>Weitere Ereignisse in Bengalen bis 1763.</b> <em class="gesperrt">Clive</em> wollte jedoch noch seine Stellung -den indischen Fürsten gegenüber befestigen und blieb deshalb in Bengalen, trotz mehrfacher, -dringender Mahnungen aus Madras. Er hatte einen Angriff des Vizekönigs zu -erwarten, der über die Einnahme von Chandernagore empört war und mit dem Rest<span class="pagenumsmall"><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span> -der von dort nach Bhagulpore, etwas weiter stromauf geflohenen Franzosen sowie mit -de Bussy im Dekan in Verbindung trat. Durch Verhandlungen und Intrigen gelang -es Clive, eine Verschwörung gegen den Vizekönig in dessen Lager anzuzetteln und ihn -mit nur 1000 Europäern nebst 2000 Sepoys gegen eine zwanzigfache Übermacht bei -Plassey vernichtend zu schlagen. Dann setzte er einen England ergebenen Mann an dessen -Stelle.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Plassey am 23. Juni 1757 gilt als der Anfang -der englischen Herrschaft in Indien.</em> Noch fast das ganze Jahr -1758 über hielt Clive seine Landstreitmacht in Bengalen zusammen, um die Herrschaft -des neuen Vizekönigs zu befestigen; erst im Oktober sandte er 500 Europäer und 2000 -Sepoys nach Vizagapatam an der Orissaküste. Er selber ward jetzt zum Gouverneur -von Bengalen ernannt, und damit weiter unabkömmlich; bald wurde auch der Vizekönig -ihm feindlich gesinnt. Als im August 1759 sieben holländische Ostindienfahrer -mit 1500 Soldaten für die Niederlassung Chinsura vor dem Ganges eintrafen, mußte -er befürchten, daß der Vizekönig diese für seine Zwecke benützen würde. Er verlangte -deshalb, daß ihnen die Einfahrt in den Strom verboten wurde, und als dies nicht geschah, -ließ er sie auf ihrer Fahrt stromauf durch englische Ostindienfahrer und durch seine -Truppen wegnehmen; auch zwang er die holländische Niederlassung zur Verpflichtung, -keine Befestigungen anzulegen sowie keine Truppen zu halten, und gab die Schiffe nur -gegen Zahlung einer Entschädigung zurück, die seine Kriegskosten deckte. Alles dies -geschah, obgleich England mit Holland im Frieden war.</p> - -<p class="small">Anfang 1760 kam <em class="gesperrt">Clive</em> nach England, wo er als <em class="gesperrt">Baron v. Plassey</em> zum -Peer von Irland ernannt und ins Parlament berufen wurde; sein Vermögen zählte mehrere -Millionen. Erst 1764 kehrte er infolge auftretender Unruhen als <em class="gesperrt">Generalgouverneur</em> -und Chef aller Truppen nach Kalkutta zurück, wo sich bis dahin seine -Nachfolger, wenn auch unter schwierigen Verhältnissen und mancherlei Kämpfen, behauptet -hatten. 1767 ging Clive aus Gesundheitsrücksichten abermals nach England; -er wurde 1772 wegen Mißbrauch seiner Gewalt in Indien zur Untersuchung gezogen, -verteidigte sich aber so glänzend, daß die Verhandlung niedergeschlagen und seine großen -Verdienste förmlich anerkannt wurden. Krank am Körper und verbittert im Gemüt, -ergab er sich dem Opiumgenuß und endete durch Selbstmord am 22. November 1774.</p> - -<p><b>In Vorderindien</b> dagegen stand <b>1757</b> die Sache der Engländer schlecht. -<em class="gesperrt">De Leyrit</em> hatte Ende 1756 gleichfalls die Nachricht erhalten, daß man -daheim eine große Expedition ausrüste, um die Engländer aus Indien zu vertreiben; -er beschloß, schon vor Eintreffen derselben die Entsendung der englischen -Truppen nach Bengalen zum Vorgehen zu benutzen. Vom April 1757 -an bemächtigte er sich verschiedener fester Plätze im Carnatic, und auch -<em class="gesperrt">de Bussy</em>, der seine Stellung am Hofe des Vizekönigs trotz aller englischer -Umtriebe behauptet hatte, nahm englische Niederlassungen im Norden genannter -Provinz sowie an der Orissaküste fort, hier z. B. Vizagapatam. -De Bussy war dadurch verhindert, dem Rufe des Vizekönigs von Bengalen -Folge zu leisten; als ihm dies 1758 möglich gewesen wäre, wurde er beordert, -seine Truppen zu einem großen Schlage im Carnatic heranzuführen, da die -erwartete Expedition aus Frankreich eingetroffen war.</p> - -<p><b>Im Jahre 1758</b> <em class="gesperrt">gewinnt die Kriegführung zur See an -Bedeutung</em>. Schon am 6. März 1757 waren 3 Schiffe der französisch-indischen -Kompagnie mit 2 Bataillonen von Lorient nach Isle de France -gesegelt, hier vereinigte sich der Gouverneur <em class="gesperrt">Bouvet de Loziers</em> nebst -drei weiteren Kompagnieschiffen mit ihnen und landete die Truppen im<span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span> -August bei Pondicherry, ohne Behinderung durch das englische Geschwader -in Bengalen oder eine eben für dieses in Bombay eingetroffene Verstärkung -von 3 Linienschiffen unter Kommodore <em class="gesperrt">Charles Stevens</em>. Er kehrte -dann nach Isle de France zurück, um das Gros der Expedition zu erwarten. -Dieses verließ, durch Änderungen in seiner Zusammensetzung aufgehalten, -erst am 2. Mai Lorient. Die Seestreitkräfte bestanden aus einem Linienschiffe -und 6 (oder 10?) größeren Schiffen, sowie 2 Fregatten der Kompagnie unter -dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Comte d'Aché</em>; eingeschifft waren 1200 Soldaten -unter Generalleutnant <em class="gesperrt">Comte de Lally</em>, der zum Oberbefehlshaber in -Indien ernannt war.</p> - -<p>Infolge ungünstiger Windverhältnisse — man spricht auch von Ungeschicklichkeit -der Kommandanten —, sowie einer Epidemie an Bord, die zu -einem sechswöchentlichen Aufenthalt in Rio de Janeiro zwang, erreichte die -Expedition erst am 16. Dezember Isle de France. Der Admiral stellte hier -aus den besten aller versammelten Schiffe ein Geschwader von 11 Segeln zusammen, -übte es in den dortigen Gewässern, ging dann nach Indien und -ankerte am 28. April 1758 vor der Stadt Cuddalore; er überraschte hier zwei -englische Fregatten, die genötigt waren, sich auf den Strand zu setzen und -zu verbrennen. Graf de Lally segelte auf 2 Schiffen (einem zu 74 Kanonen -und einer Fregatte) mit seinem Stabe nach Pondicherry weiter, um von hier -aus Cuddalore zu Lande anzugreifen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Comte de Lally</em>, Baron de Tollendale, ein Irländer von Geburt, der England -glühend haßte, galt im französischen Kriegsministerium als ein hervorragender Offizier. -Er hatte schon 1755 als einziges Mittel, Englands Herr zu werden, eine Landung dort -oder unbedingte Sicherung Kanadas oder die Vertreibung des Gegners aus Indien -empfohlen — mit anderen Worten, die Hauptkraft auf <em class="gesperrt">ein</em> Ziel zu richten. Lange zögerte -man mit einem Entschlusse, als man endlich überzeugt war, daß England unbedingt -Kanada zu erobern strebte, wurden 3 Linienschiffe, mehrere Schiffe der Kompagnie -nebst 3000 Mann für Indien bestimmt. De Lally erhielt den Oberbefehl, obgleich er -den indischen Verhältnissen ganz fremd war, auch wurden die an sich schon genügenden -dafür bestimmten Kräfte zugunsten des Krieges in Nordamerika auf die oben angegebene -Stärke von Schiffen und Truppen herabgesetzt. Es trat hinzu, daß zwischen Lally und -Aché das denkbar schlechteste Einvernehmen herrschte und daß ihr dienstliches Verhältnis -zueinander keineswegs genügend geregelt war.</p> - -<p class="small">Was Lallys Stellung in Indien anbetraf, so erteilte man ihm die weitgehendste -Vollmacht und stellte ihm als Hauptaufgabe die Vertreibung der Engländer und die -Hebung des Handels hin; er sollte nicht etwa die Politik Dupleix' verfolgen, die doch -de Leyrit sowie de Bussy notgedrungen hatten wieder aufnehmen müssen. Da Lally -außerdem von schroffem, wenn auch ehrenwertem Charakter war, kann es nicht wundernehmen, -daß er dem Gouverneur von Pondicherry, sowie den Beamten und Offizieren -sehr ungelegen kam. In der Stadt angelangt, traf er sofort seine Anordnungen, ohne -jemand um Rat zu fragen.</p> - -<p><b>Die Seeschlacht vor Cuddalore, 29. April 1758.</b> Das englische Geschwader -in Indien führte jetzt Vizeadmiral <em class="gesperrt">George Pocock</em>, da Watson im -August 1757 gestorben war; er lag am 24. März in Madras, als die Verstärkung -unter Stevens zu ihm stieß. Am 17. April ging er in See, um Cuddalore vor -dem erwarteten französischen Geschwader zu schützen, traf aber erst am<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span> -29. vor der Stadt ein. <em class="gesperrt">D'Aché</em> lichtete, als die Engländer zu Luward in -Sicht kamen, Anker, bildete die Kiellinie beim Winde — der Wind war SO — -über Backbordbug und erwartete den Angriff. Dieser erfolgte genau nach -der englischen Gefechtsinstruktion (vgl. Seite <a href="#Page_39">39</a>) und <em class="gesperrt">die Schlacht</em> -blieb infolgedessen, wie gewöhnlich, <em class="gesperrt">unentschieden</em>, wurde <em class="gesperrt">aber -ein strategischer Erfolg der Franzosen</em>.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf der Schlacht vor Cuddalore<a name="FNAnker_103_103" id="FNAnker_103_103"></a><a href="#Fussnote_103_103" class="fnanchor">[103]</a>.</b> Um 2¼ Uhr nachmittags hatte auch -<em class="gesperrt">Pocock</em> etwa drei Seemeilen querab vom Feinde die Kiellinie beim Winde über -Backbordbug gebildet und steuerte nun mit seinem Flaggschiff schräg auf das feindliche -zu, um so sein Geschwader Spitze auf Spitze und Flaggschiff gegen Flaggschiff -auf nahe Entfernung neben das feindliche zu legen. In den Gefechtslinien traten sich -9 französische Schiffe mit 476 Kanonen und 7 englische mit 404 Kanonen in folgender -Reihenfolge, nach Zahl der Geschütze bezeichnet, entgegen:</p> - -<table cellpadding="2" summary="p190"> - <tr> - <td class="tdl">Die französische</td> - <td class="tdc">Linie:</td> - <td class="tdc">58</td> - <td class="tdc">54</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdr">74</td> - <td class="tdl">(Flagge)</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">36</td> - <td class="tdc">60</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Die englische</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">60</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdc">64</td> - <td class="tdl">(Flagge)</td> - <td class="tdc">56</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">60</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Bei der scheinbaren Überlegenheit der Franzosen durch größere Zahl der Schiffe -und Kanonen muß man aber berücksichtigen, daß nur ihr Flaggschiff der Königlichen -Marine angehörte und daß die Kompagnieschiffe aus verschiedenen Gründen (vgl. Seite <a href="#Page_57">57</a>) -Kriegsschiffen gleicher Größe an Gefechtskraft nicht ebenbürtig waren.</p> - -<p class="small">Die Angriffsart brachte für die Engländer die ihr anhaftenden Nachteile mit sich. -Die vordersten vier Schiffe einschließlich des Flaggschiffes kamen zwar gut an die -feindliche Linie heran, hatten aber auf dem Wege dahin fast deren ganzes Feuer auszuhalten, -ohne es erwidern zu können, bis sich etwa um 3¾ Uhr Pocock querab von -Aché wieder an den Wind legte und das Signal zum Nahgefecht gab. Die drei Schiffe -hinter Pocock traten nicht sogleich in dieses ein; sie waren beim Heransegeln etwas -zurückgeblieben, sei es durch Ungeschick, sei es dadurch, daß der unmittelbare Hintermann -des Admirals ein schlechter Segler war. Dies konnte für die vorderen Schiffe -bedenklich werden, doch auch in der französischen Linie traten Mißstände hervor: -das dritte Schiff von vorn verlor sogleich sein Ruder und verließ die Linie; das kleine -Schiff von 36 Kanonen wurde durch eine Breitseite aus ihr vertrieben; das Schlußschiff -zu 60 Kanonen hatte sich von Anfang an nicht auf seinem Posten, sondern weiter in Lee -gehalten. Auf erneutes Signal Pococks kamen die hinteren Schiffe zögernd näher, besonders -das sechste zeigte sich so langsam, daß das siebente endlich an ihm vorbeisegelte. -Beim Herankommen dieses großen Fahrzeuges scheint das schwache französische Schiff -zu 44 Kanonen etwas aus der Linie gewichen zu sein. Hinter Pocock war so in der englischen -Linie eine Lücke entstanden und sein Schiff wurde auch vom Hintermann d'Achés -beschossen, während es wie seine Vorderleute unter langsamer Fahrt in scharfem Gefecht -weitersegelte. Gegen 6 Uhr kamen die beiden französischen Schiffe in Sicht, die Lally -nach Pondicherry gebracht hatten.</p> - -<p class="small">Bis zu diesem Zeitpunkt sind die verschiedenen Angaben über den Verlauf des -Gefechtes wohl in Übereinstimmung zu bringen, über das nun folgende Manöver des -französischen Admirals weichen die Meinungen ab. <em class="gesperrt">D'Aché</em> erteilte nämlich jetzt den -Befehl zum Halsen, wartete jedoch nicht ab, bis das Signal beantwortet war, sondern -führte das Manöver mit dem Flaggschiff sofort aus. Die Schiffe hinter ihm folgten seinem -Beispiele, wobei sein dichtaufgeschlossener Hintermann Gelegenheit hatte, dem englischen -Flaggschiffe beim Vorbeisegeln nochmals eine Breitseite zu geben; die Schiffe vor ihm -brache365 -n das Gefecht erst etwas später ab, so daß die Ordnung der französischen Linie -gestört war.</p> - -<p class="small">Einige Quellen erzählen nun, d'Aché habe durch „gleichzeitiges Halsen“ aller -Schiffe schnell die Linie über Steuerbordbug bilden, dann in der Lücke der englischen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_191" id="Page_191">[191]</a></span> -Linie durchbrechen und so deren letzte Schiffe abschneiden wollen; diese Absicht sei -durch seine Ungeduld vereitelt. Andere nehmen an, er habe das Gefecht abgebrochen, -um die ausgefallenen sowie die von Pondicherry kommenden Schiffe an sich zu ziehen -und weiter in Lee aufs neue den Angriff abzuwarten; er habe dazu den Befehl „im -Kontremarsch Halsen“ gegeben. Diese Ansicht hat für sich, daß ein derartiges Manöver -fast ganz der späteren Taktik der Franzosen (vgl. Seite <a href="#Page_42">42</a>) entsprechen würde, auch ist -es bei dieser Annahme leichter zu erklären, daß der Hintermann des Admirals „beim -Vorbeisegeln“ nochmals eine Lage auf den englischen Admiral abgeben konnte. Tatsächlich -wurde das Gefecht durch das Manöver abgebrochen und nicht wieder aufgenommen, -denn die Nacht kam herauf. Aber auch sonst wäre <em class="gesperrt">Pocock</em> zu einem -zweiten Angriffe nicht in der Lage gewesen, da seine vordersten Schiffe zu sehr beschädigt -waren — eine weitere gewöhnliche Folge der englischen Angriffsart; der schon gegebene -Befehl zur Verfolgung des Feindes mußte aus diesem Grunde widerrufen werden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Engländer betrug nur 29 Tote, sowie 89 Verwundete; der -der Franzosen 162 und 360. Dieser große Unterschied war einerseits die Folge der verschiedenen -Taktik — bekanntlich schossen die Franzosen auf die Takelage, die Engländer -auf den Rumpf —, anderseits aber auch des Umstandes, daß die französischen Schiffe -mit Soldaten Lallys überfüllt waren.</p> - -<p class="small">Erwähnt sei, daß <em class="gesperrt">d'Aché</em> den Kommandanten seines letzten Schiffes wegen -Lauheit im Gefecht des Kommandos entsetzte, und daß auch von den drei Kommandanten -der letzten englischen Schiffe durch kriegsgerichtlichen Spruch einer entlassen, -ein zweiter vom Kommando enthoben und der dritte auf ein Jahr im Dienstalter zurückgestellt -wurde.</p> - -<p><b>Die Franzosen nehmen St. David 1758.</b> Nach der Schlacht segelte <em class="gesperrt">Pocock</em> -nach Sadras, um seine Schiffe auszubessern, gab also den Schutz von Cuddalore -auf. <em class="gesperrt">D'Aché</em> ankerte zunächst bei Lampraavy, 20 Seemeilen südlich von -Pondicherry; — hier ging ein Kompagnieschiff zu 74 Kanonen verloren, -das infolge beschädigten Ankergeschirrs strandete — und segelte dann nach -Pondicherry; er stand also noch immer zwischen Cuddalore und dem Feinde. -<em class="gesperrt">De Lally</em> hatte aber schon am 29. April Truppen gegen diese Stadt in -Bewegung gesetzt, nahm sie am 3. Mai und schritt zur Belagerung des Forts -St. David. Die Engländer verfügten hier nur über 619 weiße und 1600 indische -Soldaten, die Franzosen fast genau über dieselbe Gesamtzahl, aber im umgekehrten -Verhältnis. Am 16. begann die Beschießung, bald fielen die Außenwerke, -und am 2. Juni ergab sich das Fort; die Besatzung wurde kriegsgefangen.</p> - -<p>Die Engländer räumten kurz darauf auch <em class="gesperrt">Devicotta</em>; von wichtigeren -Plätzen behielten sie nur noch Madras und Trichinopoly. <em class="gesperrt">Pocock</em> -hatte versucht, St. David zu entsetzen; er war am 10. Mai von Sadras in See -gegangen, infolge ungünstigen Windes aber erst am 30. bis auf die Höhe von -Pondicherry gekommen. D'Aché erhielt von de Lally den Auftrag, den Gegner -zu schlagen; er ging zwar in See, hielt sich aber zu Luward vom Feinde und -kehrte bald auf Verlangen der Behörden in Pondicherry — de Lally war nach -St. David abgegangen — zum Schutz dieser Stadt zurück. Pocock hatte -seinerseits nicht an den Feind herankommen können; als er am 6. Juni die -Nachricht von dem bevorstehenden Falle St. Davids erhielt, segelte er nach -Madras, um wenigstens diesen Platz zu schützen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_192" id="Page_192">[192]</a></span></p> - -<p><b>Die Schlacht vor Negapatam am 3. August 1758.</b> Nach der Einnahme -von St. David wäre es de Lally bei seiner großen Überlegenheit an Soldaten -wahrscheinlich leicht geworden, Madras zu erobern, und er forderte auch -d'Aché zur Mitwirkung hierbei auf; dieser lehnte jedoch mit der Begründung -ab, daß er in Ceylon Vorräte auffüllen müsse und dabei gegen den englischen -Handel kreuzen wolle. <em class="gesperrt">De Lally</em> zog nun am 18. Juni gegen Tanjore -zu Felde, um hier eine alte Schuldforderung einzutreiben. Er erreichte die -Stadt erst am 18. Juli, wurde dann durch Verhandlungen sowie kleine Teilzahlungen -hingehalten, und als er endlich zum Sturme schreiten wollte, erhielt -er die Nachricht, daß das französische Geschwader vor Negapatam geschlagen -und Karikal, von wo aus sein Heer allein verpflegt werden konnte, -sowie Pondicherry in Gefahr seien. Er ging deshalb am 10. August auf diese -Stadt zurück. Am 17. Juli war <em class="gesperrt">Pocock</em> dort erschienen, und <em class="gesperrt">d'Aché</em>, -der so lange untätig gelegen hatte, ging nun in See, anscheinend, um sich -einem Kampfe zu entziehen, und steuerte, von Pocock gefolgt, südwärts. -Die nächsten Tage brachten nur Manöver der beiden Geschwader, teils in -Sicht, teils außer Sicht voneinander, aber am 3. August erfolgte der Zusammenstoß. -Die Streitkräfte waren dieselben wie bei Cuddalore; französischerseits -traten die damals nach Pondicherry gesandten Schiffe jetzt an -die Stelle des gestrandeten und des kleinsten zu 36 Kanonen; wieder standen -9 Franzosen gegen 7 Engländer.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf des Kampfes vor Negapatam.</b> Am 3. August um 5 Uhr vormittags -sichtete Pocock den Gegner, der tags zuvor aus Sicht gewesen war, zu Luward in Gefechtslinie -vor Negapatam. Während er sein Geschwader ordnete, wären infolge flauen Windes -und zeitweiser Stille fast seine beiden letzten Schiffe abgeschnitten. Um Mittag sprang -Seebrise auf, wodurch die Engländer die Luvstellung erhielten, und um 12½ Uhr griff -Pocock in der üblichen Weise an. Es kam zu einem zweieinhalbstündigen Kampfe, -der zwar ganz nach Vorschrift begonnen, aber nicht lange so durchgeführt zu sein scheint. -Gleich nach dem Zusammenstoß fing das vorderste französische Schiff am Kreuzmast -Feuer, mußte diesen kappen und wäre verloren gewesen, wenn sein Hintermann es nicht -gedeckt hätte. Dem französischen Admiralschiff wurde das Ruderrad zerschossen, es -trieb auf ein anderes, und auch hier legte sich ein drittes zwischen diese beiden und den -Gegner; die zwei 44-Kanonenschiffe wurden bald aus der Linie vertrieben. So war die -französische Ordnung schnell gelöst und d'Aché, dessen Schiff gleich nach Ausbesserung -des Ruders in Brand geriet, gab gegen 2 Uhr nachmittags den Befehl, das Gefecht abzubrechen. -Die Schiffe hielten in Unordnung ab. Pocock gab zwar den Befehl zur allgemeinen -Jagd und führte bis 3 Uhr noch ein laufendes Gefecht, aber die Franzosen -entkamen; einige englische Schiffe waren wieder so in der Takelage zerschossen, daß -man das Überbordgehen der Masten befürchten mußte. <em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Engländer -betrug 31 Tote und 166 Verwundete gegen 250 bzw. 600 der Franzosen; beide -Geschwaderchefs waren verwundet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht vor Negapatam</em> muß als taktisch unentschieden -bezeichnet werden und schließt für die nächste Zeit den Seekrieg -in Indien, der französischerseits aufgegeben wurde. <em class="gesperrt">D'Aché</em> ging nämlich -nach Pondicherry, fand hier auch noch Material zur Ausbesserung seiner -Schiffe, hielt es aber noch für nötig, diese zu kalfatern, was hier bei Anwesenheit -des Feindes nicht angängig war. Obgleich er Befehl hatte, bis<span class="pagenum"><a name="Page_193" id="Page_193">[193]</a></span> -zum 15. Oktober in den indischen Gewässern zu bleiben, lehnte er die erneute -Aufforderung zu einem Angriff auf Madras ab und erklärte, er dürfe die -Schiffe in ihrem jetzigen Zustande weder einem neuen Kampfe noch den -Unbilden der schlechten Jahreszeit aussetzen, er müsse sie, die so wichtig -für Indien seien, erhalten. Trotz de Lallys Einsprache und den Bitten der -Behörden ging er am 3. September nach Isle de France in See. Wahrscheinlich -haben sein schlechtes Einvernehmen mit de Lally sowie die Überzeugung -von der Überlegenheit der englischen Seestreitkräfte zu diesem Entschluß -beigetragen. <em class="gesperrt">Pocock</em> hatte nach der Schlacht vor Karikal gelegen und -dadurch wohl zum Abbruch der Belagerung von Tanjore mitgewirkt, blieb -aber sonst untätig; schon am 20. August ging er zum Überwintern nach -Bombay. Dies muß befremden, da er nichts von d'Achés Absicht wußte, -Indien zu verlassen, und da doch die englische Sache am Lande recht ungünstig -stand. Alle englischen Quellen übergehen diesen Punkt! Während -er in Trincomali auf Ceylon Wasser nahm, wurde ihm durch eine Ausguckfregatte -das Passieren der Franzosen auf ihrem Wege nach Isle de France -gemeldet; er ging sofort in See, konnte den Gegner aber nicht mehr erreichen.</p> - -<p><b>Niederlagen der Franzosen 1759.</b> Obgleich von d'Aché im Stich gelassen -und durch Geldmangel gelähmt, gab <em class="gesperrt">de Lally</em> seinen Plan nicht auf. -Nach Heranziehen de Bussys aus dem Dekan eroberte er im Oktober 1758 -Arcot, die Hauptstadt des Carnatic, um sich Geld zu verschaffen, und wenn -er auch hier fast nichts fand — seine ganzen Mittel bestanden in 94000 Rupien -und das Heer allein kostete im Monat 40000 —, zog er doch Anfang November -mit 2700 Europäern sowie 5000 Sepoys <em class="gesperrt">gegen Madras</em>, das durch -Major <em class="gesperrt">Lawrence</em> mit 1760 Engländern nebst 2400 Indern besetzt war. -Da sich die Engländer in die Zitadelle, Fort George, zurückzogen, fiel die -Stadt sogleich, am 12. Dezember, in die Hände der Franzosen, die hier eine -Beute von 15 Millionen Francs gemacht haben sollen, von denen aber nur -92000 in die amtliche Kasse geflossen sind. Infolge mangelnder Mannszucht, -ja des stillen Widerstandes vieler Offiziere, auch de Bussys, der über -die Abberufung von seiner so wichtigen Mission im Dekan empört war, sowie -der Tapferkeit der Engländer zog sich die Belagerung des Forts lange hin. -Im französischen Lager herrschte bald Mangel, während die Belagerten trotz -der Winterstürme über See aus Bengalen Zufuhren erhielten.</p> - -<p>Am 16. Februar 1759 wollte de Lally einen Sturm wagen, da trafen in -der Stadt zwei englische Fregatten nebst 6 Fahrzeugen mit Soldaten, Munition -und Proviant von Bombay ein, so daß er die Belagerung abbrechen und das -schwere Geschütz im Stich lassen mußte. An der <em class="gesperrt">Orissaküste</em> errangen -die Engländer gleichfalls Erfolge. Die im Oktober 1758 von Clive aus Bengalen -dort hingesandten Truppen schlugen die Franzosen im Dezember vernichtend -und zwangen im Januar 1759 in Masulipatam ihre Trümmer zur Übergabe. -Der Vizekönig vom Dekan trat jetzt auf seiten Englands, wies die Franzosen -aus seinem Reiche aus und teilte das ihnen früher überlassene Land, diese -wichtige Errungenschaft Dupleix', den Engländern zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_194" id="Page_194">[194]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">De Lally</em> sah sich auf wenige feste Plätze außer Pondichery beschränkt -und für den Sommer 1759 zur Untätigkeit verdammt; seine letzte Hoffnung -war das Geschwader d'Achés, dessen Rückkehr längst fällig war. Glücklicherweise -vermochte auch der Gegner nichts zu unternehmen, denn die -Kompagnie sandte kein Geld, in der Meinung, daß die bengalische Beute -alles bezahlt mache.</p> - -<p><b>Die Schlacht vor Porto Novo, 10. September 1759.</b> <em class="gesperrt">Pocock</em> hatte mit -seinem Geschwader am 7. April Bombay verlassen und kreuzte in Erwartung -des Gegners an der Koromandelküste; zu ihm stieß im Juni, von der Heimat -kommend, Kontreadmiral <em class="gesperrt">Charles Stevens</em> mit 2 Linienschiffen. -<em class="gesperrt">D'Aché</em> erschien erst im September wieder in Indien. Wenn er somit gerade -ein Jahr vom Felde seiner Tätigkeit entfernt blieb, so ist dies keineswegs -ihm allein zur Last zu legen. Bei seiner Ankunft in Isle de France im Oktober -1758 fand er zwar 3 Linienschiffe vor, die von Frankreich mit einigen wenigen -Soldaten (90 oder 180 Mann), etwas Munition sowie 800000 Francs für Indien -angekommen waren, aber die Zustände auf Isle de France und Bourbon -waren derart, daß er sein Geschwader nur mit Mühe und in langer Zeit wieder -schlagfertig machen konnte.</p> - -<p class="small">Auf Isle de France herrschte eine Hungersnot, die durch die Ankunft des Geschwaders -noch fühlbarer wurde. Der Admiral mußte im November 9 Schiffe nach Kapstadt -senden, um Nahrungsmittel zu holen; die dort erlangten Vorräte genügten aber -nicht im geringsten, so daß der Gouverneur den Admiral des öftern bat, mit den Schiffen -die Insel zu verlassen. Es fehlte ferner an Ersatzmannschaften, an Munition sowie an -jeglichem Material; man war genötigt, aus Ankertauen Tauwerk für die Takelage anzufertigen. -Schließlich schleppte man einige Schiffe auf, um mit deren Personal und -Material den anderen auszuhelfen. — Diese Mißstände beweisen die Unfähigkeit und -Kurzsichtigkeit, mit denen Frankreich den Seekrieg führte; man wollte in Indien stark -auftreten und hatte nichts zur Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner Streitmittel vorgesehen. -<em class="gesperrt">D'Aché</em> schrieb nach seiner Ankunft in Port Louis: „Ich verließ Indien, -da es dort an allem mangelte, ich kam hier an und geriet in noch größere Not.“ Vor -seiner Rückfahrt nach Indien berichtete er: „Ich bin im Begriff, abzusegeln, um meine -Besatzungen vor dem Hungertode zu retten, aber man kann von dem Geschwader nichts -erwarten, wenn keine Hilfsmittel gesandt werden.“</p> - -<p>Am 17. Juli 1759 ging <em class="gesperrt">d'Aché</em> endlich von Port Louis in See, lief Bourbon -sowie Madagaskar an, um sich noch nach Möglichkeit mit Vorräten zu versehen, -erreichte am 30. August Batticaloa auf Ceylon und stieß am 2. September -an der Nordostspitze dieser Insel auf das englische Geschwader. -Wieder vergingen einige Tage mit Manövrieren; erst der 10. September -brachte <em class="gesperrt">die dritte Schlacht zwischen Pocock und d'Aché</em> -auf der Höhe von Porto Novo.</p> - -<p class="small">Vom <b>Verlauf der Schlacht vor Porto Novo</b> bringen die Quellen beider Völker nur -Angaben über die Zusammenstöße einzelner Schiffe, jedoch nichts über die Taktik<a name="FNAnker_104_104" id="FNAnker_104_104"></a><a href="#Fussnote_104_104" class="fnanchor">[104]</a>. -Die <em class="gesperrt">Streitmittel</em> bestanden auf englischer Seite in 9 Schiffen zu 50–68 Kanonen -nebst einer Fregatte, auf französischer Seite in 4 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_195" id="Page_195">[195]</a></span> -5 Kompagnieschiffen zu 54–68 Kanonen, nebst 2 Fregatten. Wieder also waren die -Franzosen an Zahl der Schiffe wie der Geschütze überlegen, und das Verhältnis der -Königlichen Schiffe zu denen der Kompagnie hatte sich günstiger gestaltet als in den -beiden früheren Gefechten. Beide Geschwader lagen in Kiellinie über Backbordbug, -und die Engländer griffen um 11 Uhr vormittags von Luward her an. Der Angriff -scheint gut gelungen zu sein, so daß der Kampf bald auf der ganzen Linie im Gange -war. Etwa um 4 Uhr hielt das französische Flaggschiff auf Befehl des zweitältesten -Offiziers ab — der Kommandant war gefallen, der Admiral zum Verbinden einer Wunde -unter Deck gegangen — und die übrigen Schiffe folgten dem Beispiel in der Annahme, -das Gefecht solle abgebrochen werden. Die Engländer waren aber nicht imstande -zu folgen, da ihre vordersten Schiffe wie gewöhnlich stark beschädigt waren. Die -Nacht über lag das englische Geschwader in Gefechtslinie bei, die beschädigten Schiffe -besserten hinter ihr aus. Am nächsten Tage sahen sich die Gegner nur auf weitere -Entfernung und verloren sich gegen Abend aus Sicht, da die Franzosen nach Norden -aufkreuzten, während die Engländer nach Süden segelten; letztere hatten dabei drei -Schiffe im Schlepp, waren also wohl nicht imstande, am Feinde zu bleiben. <em class="gesperrt">Der -Verlust</em> betrug auf englischer Seite 569 Tote und Verwundete, auf französischer -gegen 1500.</p> - -<p>Auch diese <em class="gesperrt">Schlacht</em> blieb <em class="gesperrt">taktisch unentschieden, beendete -aber</em> durch ihre Folgen <em class="gesperrt">den Krieg</em> zugunsten der Engländer. -<em class="gesperrt">Pocock</em> besserte seine Schiffe vor Negapatam notdürftig aus und segelte -dann nach Madras. Auf dem Wege hielt er sich den 27. September über -vor Pondichery auf, dem Gegner vergeblich den Kampf anbietend. Hierher -war <em class="gesperrt">d'Aché</em> gesegelt und hatte seine Truppen gelandet; er erschien auch -vor dem Hafen, aber wohl nur, um nicht vor Anker angegriffen zu werden. -So hatte <em class="gesperrt">de Lally</em> zwar eine kleine Verstärkung erhalten, Unterstützung -durch die heißersehnte Flotte sollte ihm jedoch nicht zuteil werden. <em class="gesperrt">D'Aché</em> -erklärte wiederum, der Zustand seiner Schiffe erlaube ihm nicht, dem Feinde -nochmals entgegenzutreten, um so weniger, da dieser in nächster Zeit aufs -neue eine Verstärkung erwarte. Er gab zwar 900 Mann von den Schiffsbesatzungen -ab, ging aber am 30. September nach Isle de France unter Segel, -und nach seiner Abfahrt kamen <em class="gesperrt">keine französischen Seestreitkräfte -mehr nach Indien</em><a name="FNAnker_105_105" id="FNAnker_105_105"></a><a href="#Fussnote_105_105" class="fnanchor">[105]</a>.</p> - -<p>Die Absicht, d'Achés Geschwader im Jahre 1760 dort wieder auftreten -zu lassen, hat wohl bestanden, aber man hielt es zurück, da es hieß, England -rüste eine Expedition gegen Isle de France aus (vgl. Seite <a href="#Page_161">161</a>). Außerdem -waren durch einen Orkan im Januar 1760 mehrere Schiffe kriegsunbrauchbar -geworden. <em class="gesperrt">D'Aché</em> segelte dann im Dezember dieses Jahres mit dem größeren -Teile des Geschwaders nach Frankreich; die zurückbleibenden Schiffe mußten -wegen Mangels an Ankergeschirr auf den Strand geschleppt werden.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung d'Achés.</b> Dieser Admiral — geboren 1702, 1717 in die Marine eingetreten, -1743 Kapitän, 1756 Chef d'Escadre — wird von den meisten französischen -Schriftstellern zwar als ein tüchtiger Seemann, aber als ungeeignet für höhere Stellungen -bezeichnet; auch werden ihm Kleinlichkeit und Halsstarrigkeit vorgeworfen. Diese -soll er schon 1748 dadurch gezeigt haben, daß er das Kommando eines Schiffes ablehnte,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_196" id="Page_196">[196]</a></span> -das er „ohne Grund“ als seeuntüchtig erklärt hatte, und auch beim Antritt seines Kommandos -nach Indien machte er Schwierigkeiten, da ihm die Seestreitkräfte dort zu -gering erschienen. Er hat nun wohl, wenigstens im zweiten Falle, recht gehabt, aber -sein Verhalten de Lally gegenüber zum Schaden der allgemeinen Sache spricht allerdings -nicht für ihn. Sein Auftreten als Admiral darf dagegen nicht zu schroff beurteilt -werden. Der französische Grundsatz, das Geschwader nicht zu gefährden, war ja falsch; -denn was nützte die <em class="gesperrt">Erhaltung</em> der Flotte, wenn sie nicht <em class="gesperrt">verwendet</em> wurde. -Aber diese Ansicht entsprach dem allgemeinen Bestreben in der französischen Marine -jener Zeit (auch in der Taktik) und war durch häufige dahin zielende Befehle und Instruktionen -hervorgerufen, die den Wagemut der höheren Führer herabstimmen mußten. -Sogar jetzt noch nennen einzelne französische Autoren d'Achés Verfahren in dieser Hinsicht -richtig, da er seine Schiffe in Indien nicht hätte ausbessern können. Man muß -ferner in Betracht ziehen, daß sein Geschwader durch das Überwiegen von Kompagnieschiffen -dem englischen entschieden unterlegen war, und daß er mit großen Schwierigkeiten -zu kämpfen hatte, um es schlagfertig zu erhalten.</p> - -<p class="small">Ein bedeutenderer Mann hätte sich wohl von all diesem freigemacht — <em class="gesperrt">Suffren</em> -überwand im nächsten Kriege die gleichen Schwierigkeiten — und mehr geleistet; -gelang es doch selbst d'Aché, wenn er auftrat, dem Gegner die Seeherrschaft streitig -zu machen, und im letzten Jahre erschien sein Geschwader durchaus nicht mehr als -minderwertig. Zu dieser Zeit war er aber wohl tatsächlich seiner Aufgabe nicht mehr -gewachsen. 1758 erklärte er in Port Louis, der mit der Verstärkung herausgekommene -Chef d'Escadre de L'Eguille wäre geeigneter zum Oberbefehlshaber, er selber sei durch -die vielen Widerwärtigkeiten ermüdet. D'Aché wurde übrigens noch 1761 zum Lieutenant-Général -und 1770 zum Vizeadmiral des Atlantik befördert; er starb 1780.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pocock</em> ging am 16. Oktober zum Überwintern nach Bombay, traf -unterwegs die herausgesandte Verstärkung von 4 Linienschiffen unter Kontreadmiral -Samuel Cornish und führte dann einen wertvollen Konvoi nach -England. Auf der Station verblieben jedoch unter <em class="gesperrt">Cornish</em> und <em class="gesperrt">Stevens</em> -genügend Schiffe, die in den nächsten Jahren erfolgreich in den Landkrieg -eingreifen konnten.</p> - -<p><b>Der Zusammenbruch der französischen Macht in Indien 1760/61.</b> Nach -d'Achés Abfahrt gingen die Engländer am Lande mit fast ununterbrochenem -Erfolge angriffsweise vor; sie erhielten ständig Verstärkungen aus der Heimat, -die Franzosen nie. Ihre Führer waren denen der Gegner überlegen; de Lally -war längere Zeit krank und de Bussy wurde im Januar 1760 gefangen genommen, -auch sank die Mannszucht bei den Franzosen. <em class="gesperrt">Die Engländer -eroberten</em> im November 1759 Wandewash, im Februar 1760 Arcot, im -April Karikal und Cuddalore; wo es anging, wirkte das Geschwader unmittelbar -oder durch Landung von Mannschaften mit. Am 1. Mai schritten -sie zur Belagerung von <em class="gesperrt">Pondichery</em>, das gleichzeitig vom Admiral -<em class="gesperrt">Stevens</em> blockiert wurde; die Stadt verteidigte sich aber hartnäckig, -immer noch in der Hoffnung auf Entsatz durch d'Aché. Das englische Geschwader -hielt die Blockade auch im Winter aufrecht, verlor dabei jedoch -in einem Orkan am 1. Januar 1761 4 Linienschiffe, 2 Fregatten sowie 2 kleinere -Fahrzeuge mit insgesamt 1100 Mann Besatzung. Am 15. Januar mußte die -Stadt kapitulieren; sie wurde zerstört und 1100 Europäer gerieten in Kriegsgefangenschaft. -Bald nach Pondichery fielen die letzten festen Plätze im<span class="pagenum"><a name="Page_197" id="Page_197">[197]</a></span> -Carnatic. Im Februar hatte Admiral <em class="gesperrt">Cornish</em> mit 4 Linienschiffen die -französische Stadt <em class="gesperrt">Mahé</em> an der Malabarküste genommen.</p> - -<p class="small"><b>De Lally</b> wurde gleichfalls kriegsgefangen. Bei seiner Abreise verhöhnten ihn -die eigenen Offiziere und Beamten. Sein Intendant, der Beweise für die Mißwirtschaft -und Untreue der Beamten gesammelt haben soll, wurde erstochen. Später nach Paris -zurückgekehrt, wollte de Lally die Beamten anklagen, diese kamen ihm jedoch zuvor -und wurden von den Offizieren unterstützt; nach langem Prozeß wurde er 1766 wegen -Verrates an der Sache des Königs und der Kompagnie <em class="gesperrt">enthauptet</em>. <em class="gesperrt">De Leyrit</em>, -viele Beamte und auch <em class="gesperrt">de Bussy</em> sollen große Vermögen erworben haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich hatte alles verloren</em>; der Traum eines französischen -Indiens war zu Ende. Wenn es auch beim Friedensschluß Pondichery -mit den dazugehörigen Küstenfaktoreien zurückerhielt, so waren doch -die Plätze der Befestigungen beraubt, verarmt und einflußlos geworden. -<em class="gesperrt">England war Herr in Indien</em>, im Carnatic und in den ehemaligen -französischen Provinzen. In Bengalen erhielten zwar die Franzosen -Chandernagore gleichfalls zurück, aber auch hier durften sie keine Befestigungen -anlegen und mußten die von England eingesetzten Nabobs anerkennen. -Englands Stellung in Indien wurde nicht wieder erschüttert, selbst -nicht durch Suffrens Kraft und Führertalent im nächsten Kriege.</p> - -<p class="small"><b>Die französisch-ostindische Kompagnie</b> löste sich 1770 auf. Die Regierung kaufte -ihr schon 1764 die Inseln Isle de France und Bourbon, sowie den Hafen von Lorient ab, -hob 1769 ihr Monopol auf und gab allen Franzosen den Handel nach Indien frei. Die -Kompagnie soll von 1725–1769 ein Kapital von 169 Millionen Francs verloren haben.</p> - -<p><b>England erobert die Philippinen 1762.</b> Wie bereits erwähnt, hatte England -bei Ausbruch des Krieges mit Spanien beschlossen, tatkräftig gegen dessen -Kolonien, insbesondere die Philippinen, vorzugehen. Die Anregung dazu -gab der Oberst, später General, <em class="gesperrt">Sir William Draper</em>, ein indischer -Offizier. Er hatte von Indien aus einen Krankheitsurlaub in Manila verbracht -und dabei erkundet, daß im Vertrauen auf die Entlegenheit dieser Kolonie -die Befestigungen vernachlässigt waren. Mit einem Regiment Infanterie -sowie einer Kompagnie Artillerie wurde er sodann nach Indien gesandt und -hier auf dem Geschwader des Admiral <em class="gesperrt">Cornish</em> — 8 Linienschiffe, 3 Fregatten -und 2 Ostindienfahrer — eingeschifft; mit Einschluß der Schiffslandungsabteilungen -standen ihm 2300 Mann zur Verfügung.</p> - -<p>Die Vorbereitungen in Indien wurden sehr schnell getroffen, auch sandte -man sogleich eine Fregatte voraus, die alle nach Manila bestimmten Schiffe -abfangen und so verhindern sollte, daß die Spanier gewarnt würden. Am -1. August 1762 segelte die Expedition ab und traf am 23. September vor -Manila ein, wo der Ausbruch des Krieges noch gar nicht bekannt war. Die -Stadt wurde von nur 600 Soldaten mit 80 Kanonen verteidigt, weigerte aber -die Übergabe. Vom 24. bis 26. landeten die Engländer trotz schwerer Brandung, -aber sonst fast ohne Widerstand; Batterien wurden aufgeworfen und durch -diese, von flankierenden Fregatten unterstützt, vom 29. an die Stadt beschossen. -Am 5. Oktober war Bresche gelegt; die Stadt fiel durch Sturm -und die Zitadelle ergab sich. Die Übergabebedingungen waren im allgemeinen<span class="pagenum"><a name="Page_198" id="Page_198">[198]</a></span> -günstig, aber die Stadt wurde drei Stunden geplündert. In die Übergabe -wurden ganz Luzon sowie die übrigen Inseln eingeschlossen, doch beschränkte -sich die Herrschaft der Engländer tatsächlich auf die Küstenplätze, da die -Spanier im Innern die Übergabe nicht anerkannten und bis zum Friedensschluß -einen Guerillakrieg führten. Ebenso vermochten die Engländer von -der bedungenen Kriegskontribution, 4 Millionen Pesos, nur etwa die Hälfte -zu erhalten; sie wurde nie voll bezahlt. Dagegen fiel ihnen eine andere Beute -zu. Der Admiral hatte ein Schiff abgesandt, um das erwartete Acapulcoschiff<a name="FNAnker_106_106" id="FNAnker_106_106"></a><a href="#Fussnote_106_106" class="fnanchor">[106]</a> -abzufangen. Dies gelang zwar nicht, aber man traf das im August -mit Werten von fast 3 Millionen Pesos von Manila abgegangene Schiff und -nahm es. <em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Engländer vor Manila betrug nur 150 Tote -und Verwundete.</p> - -<p>Die Philippinen wurden beim Friedensschluß an Spanien zurückgegeben, -zum größten Unwillen der ostindischen Kompagnie, die hier fast die ganzen -Kosten der Expedition getragen hatte.</p> - -<h5>Der Kleine Krieg<a name="FNAnker_107_107" id="FNAnker_107_107"></a><a href="#Fussnote_107_107" class="fnanchor">[107]</a>.</h5> - -<p>Wie in allen vorhergegangenen englisch-französischen Kriegen, so spielt -auch in diesem der Angriff auf den Handel des Gegners eine große Rolle, -und wiederum scheint es, als ob hierbei die Franzosen den größeren Erfolg -erzielt hätten, sogar in noch höherem Maße als früher; während im Kriege -1702–1713 Frankreich mehr Kauffahrer verlor als England, und 1739–1748 -der Verlust auf beiden Seiten, Spanien und Frankreich zusammengenommen, -ungefähr gleich war, stellt er sich im Siebenjährigen Kriege für England -sehr viel höher.</p> - -<p class="small">Die Umstände, die diese Kriegführung für Frankreich begünstigten, seien kurz -hervorgehoben. Die Häfen am Kanal, besonders Dünkirchen und St. Malo, boten vorzügliche -Stützpunkte für die Freibeuter, in Westindien dienten Martinique und Guadeloupe -dem gleichen Zweck; je mehr die französische Schiffahrt durch den Angriff der -Engländer niederging, um so mehr wurde die Freibeuterei ein Erwerbszweig der Reeder -sowie der seemännischen Bevölkerung; das Lahmlegen der Kriegsmarine wies die Regierung -darauf hin, den Kreuzerkrieg durch ihre Schiffe betreiben zu lassen — wenn -sie auch nicht wie in den Kriegen des vorigen Abschnittes besondere Geschwader dazu -aufstellte — und die Freibeuterei durch Überlassen von Schiffen sowie Personal zu -unterstützen. Vor allem aber kommt wiederum und in diesem Kriege mehr als je zuvor -in Betracht, daß die englische Handelsschiffahrt der französischen an Zahl sehr überlegen -war, also ein weit leichter zu schädigendes Angriffsobjekt bot; auch wird englischerseits<span class="pagenumsmall"><a name="Page_199" id="Page_199">[199]</a></span> -hervorgehoben, daß viele Verluste dem Ungehorsam der Handelsschiffe gegen die -Anordnungen der sie begleitenden Kriegsschiffe zuzuschreiben seien.</p> - -<p>Einige Angaben sollen den Umfang des Kleinen Krieges, sowie die Verluste -auf beiden Seiten veranschaulichen. Im Jahre 1755, vor Ausbruch des Krieges, -nahm England 500 französische Handelsschiffe im Werte von über einer -Million Lstrl; gegen 6000 Seeleute, einschließlich der Besatzungen einiger -Kriegsschiffe, wurden kriegsgefangen. Dieses Vorgehen sollte Frankreich -zum Nachgeben bewegen und ihm die Mobilmachung erschweren, denn der -Verlust an Seeleuten entsprach der Besatzung von 10 Linienschiffen. Anderseits -aber brachten in der Zeit vom Juni 1756 bis Juni 1760 die französischen -Freibeuter 2500, die englischen Kreuzer nur 950 feindliche Kauffahrer auf; -bis 1761 waren 240 französische Kaper weggefangen trotzdem Frankreich -keine Geschwader mehr auf See hatte, nahmen deren Kameraden in diesem -Jahre noch 812 Handelsschiffe, über dreimal so viel, als der eigene Verlust -betrug; im Jahre 1762 fielen nur 120 französische Freibeuter und Kauffahrer -den Engländern in die Hände.</p> - -<p>Im ganzen hat England während des Krieges über 4000 Handelsschiffe -verloren, 1400 davon wurden in Westindien und hauptsächlich von Martinique -aus genommen; der Verlust Frankreichs soll sehr viel geringer gewesen -sein, was die Anzahl der Fahrzeuge anbetrifft. Es ist dies aber kein -Beweis für den größeren materiellen Erfolg. Unter den Prisen, die Frankreich -machte, zählen viele kleinere und Küstenfahrzeuge, während die Engländer -größere, wertvollere Schiffe sowie Freibeuter fingen. Außerdem stand der -Verlust auf beiden Seiten in ganz anderem Verhältnis zur Gesamtschiffahrt. -Der Handel und die Freibeuterei Frankreichs wurden nach und nach lahmgelegt. -Ein französischer Autor (Troude) sagt: „1759 verursachte die glückliche -Ankunft des westindischen Konvois bei den französischen Kaufleuten -Überraschung und Freude; ein Zeichen, wie selten ein solches Ereignis geworden -war in Meeren, die Englands Geschwader pflügten.“ Der englische -Handel aber blühte wie in den Jahren 1744–1748 so auch gerade während -dieses Krieges auf; 1760 und 1761 befuhren 8000 englische Handelsschiffe -die Meere. Der Seehandel und die gleichfalls gedeihende Industrie lieferten -reichlich die Mittel für den eigenen Krieg wie für die Unterstützung der -anderen Gegner Frankreichs.</p> - -<p>England vollendete die Vernichtung des französischen Handels durch -die Wegnahme der Kolonien, durch die Blockade der Häfen des Gegners -und durch sein Auftreten neutralen Mächten gegenüber. (Seite 124.) Es -band sich weder an den bisherigen Brauch hinsichtlich der als Kriegskontrebande -anzusehenden Güter noch an den alten Grundsatz „Frei Schiff — frei -Gut“, sondern nahm neutrale Schiffe mit den Erzeugnissen französischer -Kolonien und sah die französischen Häfen als in Blockade befindlich an, -auch ohne daß eine solche tatsächlich bestand. Schon 1758 nahm England -auf Grund dieser Auffassung 176 neutrale Schiffe fort, namentlich spanische, -aber auch holländische.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_200" id="Page_200">[200]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Einige kleinere Expeditionen</b>, die den abenteuerlichen Zügen früherer Kriege -gleichen, seien noch angeführt. Im Jahre 1759 rüstete der Brigadegeneral <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, -bisher im indischen Heere de Lallys, in <em class="gesperrt">Isle de France</em> zwei Schiffe der Kompagnie -aus, ging am 1. September in See, nahm einen wertvollen englischen Ostindienfahrer -in Maskat, zerstörte dann am 14. Oktober das englische Fort Gombroon am Persischen -Golf und im Februar 1760 die Niederlassungen auf Sumatra. Nach einer Kreuzfahrt -von 22 Monaten kehrte er nach Port Louis zurück.</p> - -<p class="small">Als Choiseul die Leitung der Marine übernommen hatte und mit Hilfe Spaniens -den Krieg zur See wieder zu beleben gedachte, unternahm er einen <em class="gesperrt">Versuch, in -Nordamerika</em> nochmals <em class="gesperrt">Fuß zu fassen</em>. England hatte den größten Teil -seiner Truppen von dort nach Westindien gezogen und auch die Seestreitkräfte sehr -verringert. Am 18. Mai 1762 entschlüpfte Kapitän <em class="gesperrt">de Ternay</em>, uns schon durch -die Flottmachung und Überführung der in der Vilaine nach der Schlacht von Quiberon -eingeschlossenen Schiffe bekannt, mit 2 Linienschiffen, einer Fregatte sowie einer Flüte -mit 570 Soldaten aus Brest. Er erschien am 20. Juni im Hafen von St. John auf Neufundland, -besetzte die Stadt und fügte von hier aus den Engländern durch Aufbringen -von Fischerfahrzeugen großen Schaden zu. Bald allerdings blockierten ihn herbeigerufene -englische Kriegsschiffe, es gelang ihm aber doch, während eines Sturmes auszulaufen -und Frankreich wohlbehalten wieder zu erreichen. Die kleine französische -Garnison mußte sich allerdings am 18. September den von Louisbourg herangerückten -Truppen ergeben. — Ohne Aussicht auf Beute unternommen, ist dieser Zug lediglich -ein Beweis kühnsten Wagemuts.</p> - -<p class="small">Im gleichen Jahre bereitete Frankreich eine größere <em class="gesperrt">Expedition gegen -Rio de Janeiro</em> vor, um Portugal für seine Begünstigung Englands zu strafen. -Als Chef des Geschwaders — 9 Linienschiffe und 10 Transporter mit Soldaten — war -Kapitän <em class="gesperrt">Beaussier de l'Isle</em> bestimmt, als Führer des Landungskorps <em class="gesperrt">General -d'Estaing</em>. Dieser erhielt den Oberbefehl, er wurde gleichzeitig zum Chef d'Escadre -ernannt und in das Seeoffizierkorps eingereiht (im nächsten Kriege war er Flottenchef). -In seiner Instruktion wurde er auf das Beispiel Duguay-Trouins, 1712, hingewiesen; -es galt also in erster Linie, Beute zu machen, die hier ja auch zu finden war. Im November -1762 fast segelfertig, wurde die Expedition des bevorstehenden Friedensschlusses -wegen zurückgehalten.</p> - -<p class="small">Schließlich finden wir noch eine <em class="gesperrt">englische Expedition</em> ähnlicher Art, -die ganz den Raubzügen zur Zeit der Königin Elisabeth entspricht. 1762 rüstete eine -Gesellschaft von Edelleuten und Handelsherren einen Zug <em class="gesperrt">gegen</em> die spanische Kolonie -<em class="gesperrt">Buenos Aires</em> aus. Mit zwei Kriegsschiffen, eins zu 50, eins zu 28 Kanonen, -von der Admiralität gekauft, und 2 Transportern mit 500 Soldaten, traf ein Seeoffizier -der ostindischen Kompagnie, <em class="gesperrt">Macnemara</em>, am 2. November im La Plata ein, -fand aber die Spanier besser vorbereitet, als er erwartet hatte. Zwei Versuche, die -Stadt Colonia zu nehmen, wurden abgeschlagen; bei dem zweiten, am 6. Januar 1763, -ging das größere Schiff in Flammen auf und mit ihm fanden der Führer sowie 270 Mann -ihren Tod, die anderen entkamen nach Rio.</p> - -<h5>Schlußbetrachtungen.</h5> - -<p><b>Über Strategie<a name="FNAnker_108_108" id="FNAnker_108_108"></a><a href="#Fussnote_108_108" class="fnanchor">[108]</a>.</b> Der Zusammenstoß zwischen England und Frankreich -wegen maritimer sowie kolonialer Interessen war unvermeidlich und wurde -auch von beiden Staaten seit dem letzten Friedensschluß vorausgesehen.<span class="pagenum"><a name="Page_201" id="Page_201">[201]</a></span> -<em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte deshalb während der Friedensjahre viel für seine -Marine getan, aber sie bis 1755 doch noch nicht der englischen ebenbürtig -machen können. Es gab aus diesem Grunde scheinbar überall nach, als in -Nordamerika und Ostindien die Reibungen zwischen den beiderseitigen -Kolonien bereits bis zum Kriege gediehen waren; vielleicht hatte man wirklich -die Hoffnung, den allgemeinen Krieg noch hinausschieben zu können, vielleicht -beabsichtigte man nur, einen günstigeren Augenblick abzuwarten.</p> - -<p>Nach französischer Auffassung suchte <em class="gesperrt">England</em> dagegen den Krieg -herbeizuführen, ehe die feindliche Marine mächtiger wurde, und Englands -Forderungen bei den weiterlaufenden Verhandlungen sowie sein schon ausgesprochen -kriegerisches Auftreten gegen französische Kriegs- und Handelsschiffe -im Jahre 1755 lassen allerdings glaubhaft erscheinen, daß es den Franzosen -den Krieg aufzwingen wollte, falls diese nicht bedingungslos nachgaben. -Unter diesen Umständen hätte Frankreich seine ganze Kraft auf den bevorstehenden -Seekrieg richten müssen, um wenigstens auf einem Kriegsschauplatze -bald Erfolge zu erringen; zu einem klaren Entschlusse in dieser Hinsicht -kam man aber nicht. Zwar gelang es 1756 die Aufmerksamkeit des Gegners -abzulenken und durch überraschendes Vorgehen ihm Minorka, den wichtigen -Stützpunkt im Mittelmeer zu entreißen; dann aber beschränkte man -sich auf die Unterstützung der Kolonien. Durch den altüberlieferten Wunsch -auf Ausdehnung nach Osten ließ sich ferner Frankreich verleiten, in den -siebenjährigen Festlandskrieg einzutreten und diesem seine Hauptaufmerksamkeit -wie seine Hauptkraft zuzuwenden, obgleich gerade jetzt, Anfang -1757, seine Sachen in Nordamerika sowie in Westindien recht günstig standen.</p> - -<p>Auch England ergriff Partei in diesem Kriege, schon um das mit ihm verbundene -Kurfürstentum Hannover gegen Frankreich zu schützen, besonders -aber, weil sein Gegner dadurch eben vom Seekriege abgelenkt wurde; es -beteiligte sich jedoch am Landkriege fast nur durch die Hilfsgelder, die es -an Preußen und dessen Verbündete zahlte. Zur See entfalteten die Engländer -dagegen ihre ganze Macht nach einem einheitlichen strategischen -Plane, dessen Richtigkeit sich in den beiden letzten Jahren des vorangegangenen -Krieges gezeigt hatte. Sie blockierten die französischen Seestreitkräfte -in den atlantischen Häfen und hielten die in Toulon versammelten -von Gibraltar aus im Mittelmeere fest; liefen französische Flotten aus, so -stießen sie mit ihren seeentwöhnten Besatzungen auf stärkere, durch den -schweren Blockadedienst erprobte englische Kräfte. Eine Vereinigung der -französischen Flotten wurde so verhindert, und auch der Weg nach den -Kolonien ward ihnen verlegt, während Englands stets wachsende Seemacht -gestattete, in den fernen Gewässern nach und nach immer stärker aufzutreten.</p> - -<p>Das Jahr 1757 brachte für England zwar noch keine Erfolge, sondern -es gelang Frankreich, die Machtmittel seiner Kolonien zu verstärken. In -Nordamerika waren die französischen Seestreitkräfte überlegen und verhinderten -größere Unternehmungen des Gegners. In Ostindien stand sogar -die englische Sache infolge des Krieges mit den Eingeborenen in Bengalen<span class="pagenum"><a name="Page_202" id="Page_202">[202]</a></span> -recht schlecht; aus Vorderindien würden die Engländer wahrscheinlich ganz -vertrieben sein, wenn Frankreich seine Verstärkungen so bemessen hätte, -wie es ursprünglich beabsichtigt gewesen war.</p> - -<p>Aber schon 1758 wandte sich das Blatt, da die Unterstützung der Kolonien -französischerseits ungenügend wurde. In Nordamerika gewannen die -Engländer die Seeherrschaft, und der wichtigste Stützpunkt der Franzosen, -Louisbourg, fiel, wodurch der Verlust Kanadas bedingt war; in Ostindien -wurde zwar noch um die Seeherrschaft gekämpft und die Franzosen errangen -Erfolge am Lande, aber hier wie zur See schwanden ihre Kräfte dahin. Im -Jahre 1759 fiel dort Quebec, hier kamen alle Unternehmungen der Franzosen -auf dem Festlande zum Stillstand und ihre Seestreitkräfte räumten, völlig -erschöpft, zu Ende des Jahres endgültig die indischen Gewässer. Auch in -Westindien, wo sich die Gegner bis 1758 die Wage gehalten und auf den -kleinen Krieg beschränkt hatten, bekamen die Engländer in diesem Jahre die -Übermacht und eroberten 1759 Guadeloupe.</p> - -<p>Man sah in Frankreich endlich die Unmöglichkeit ein, auf allen Kriegsschauplätzen -mit Erfolg zu fechten, ja überhaupt den Land- und Seekrieg -gleichzeitig weiterzuführen, und war zu dem Entschlusse gekommen, alle -Seestreitkräfte zu einem Hauptschlage zusammenzuraffen. Einsichtsvolle -Männer hatten ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß England als Frankreichs -gefährlichster Gegner anzusehen sei, daß der deutsche Krieg das Land -nur an Geld und Menschen ruiniere, und daß ein Einfall in England die einzige -Möglichkeit sei, den unheilvollen Kampf günstig zu beenden. Jetzt aber war -es zu einem solchen Unternehmen zu spät; von einer Überrumpelung des -Gegners konnte keine Rede mehr sein, und das Verhältnis der Stärke zur See -hatte sich noch viel ungünstiger für Frankreich gestaltet. Trotzdem es die -fernen Gewässer aufgab, standen ihm nur 12 Schlachtschiffe in Toulon und -21 in Brest zur Verfügung; England konnte diesen, ohne seine anderen Aufgaben -zu vernachlässigen, 15 und 27 entgegenstellen und behielt dann noch -Reserven übrig. Wie es mit der Brauchbarkeit der französischen Streitkräfte -bestellt war, zeigt der Umstand, daß de Conflans die aus Westindien zurückgekehrten -Schiffe, die seiner Brestflotte dem Gegner an Zahl überlegen -gemacht hätte, nicht einstellte, sondern deren Besatzungen zum Auffüllen -seiner Besatzungen benutzte. Beide Teile der französischen Flotte wurden -von ihren Gegnern bei Lagos und Quiberon vernichtend geschlagen.</p> - -<p>Von nun an gab Frankreich alle größeren Unternehmungen zur See auf -und England heimste seine Ernte ein. 1760 fiel Montreal und damit Kanada, -1761 Pondichery, mit ihm Ostindien; in Westindien wurde 1762 Martinique -nebst fast allen übrigen französischen Inseln erobert; England gewann 1761 -sogar einen Stützpunkt für seine Blockade an der feindlichen Küste selbst -durch die Einnahme der Insel d'Aix. Die letzte ferne Besitzung Frankreichs, -sein Teil der Insel Haiti, St. Domingue — Senegambien war schon 1758 verloren -gegangen, — wäre wohl nach Martinique an die Reihe gekommen, wenn -sich England nicht zunächst gegen Spanien, seinen neu hinzugetretenen<span class="pagenum"><a name="Page_203" id="Page_203">[203]</a></span> -Feind, gewandt hätte. Diesem Staate kostete seine Verbindung mit Frankreich, -ehe es diesem irgendwie hatte nützen können, 1762 Havanna sowie die -Philippinen. Außerdem war Frankreichs Seehandel vernichtet und damit die -Hauptquelle für die zur Kriegführung nötigen Gelder versiegt; Englands -Handel und Industrie wuchsen dagegen während des Krieges und lieferten -ihm reiche Mittel.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> verdankte seine Erfolge nur der richtigen Verwendung -seiner überwältigenden Seemacht, die während des Krieges fortlaufend an -Kraft gewann; kaum je hat sich der Einfluß einer solchen durchschlagender -gezeigt, als in diesem großen See- <b>und</b> Kolonialkriege.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> unterlag, weil es seine Marine nicht genügend für den -unabwendbaren Waffengang vorbereitet hatte, und sie dann während des -Krieges vernachlässigte; wurde doch sogar im Februar 1757 ein tüchtiger -Marineminister seines Postens enthoben, bis 1761 durch ungeeignete Persönlichkeiten -ersetzt (vgl. 30), und der dann folgende Aufschwung kam für -diesen Krieg zu spät. Die vorhandenen Kräfte wurden aber auch nur schwächlich -verwendet. Hervorragende französische Schriftsteller schieben die Schuld -hierfür besonders den höheren Führern zu, doch geschieht dies zu Unrecht. -Einmal ist es Aufgabe der Regierung, tüchtige Männer auf die wichtigen -Posten zu stellen — und tüchtige Offiziere besaß die Marine zweifellos —, -sowie diesen die nötigen Mittel in brauchbarem Zustande in die Hand zu geben. -Dann aber spricht für die Beschuldigten der Umstand, den wir schon mehrfach -berührt haben. Ihre Aufgaben waren meistens eng begrenzt und ihre -Instruktionen wiesen darauf hin, vorsichtig zu verfahren, es nicht zu zweifelhaften -Kämpfen kommen zu lassen, sondern das kostspielige Material zu -schonen. Nach solchen Bestimmungen handelten <em class="gesperrt">La Gallissonnière</em> -nach der Schlacht bei Minorca 1756 und <em class="gesperrt">Dubois de la Motte</em> 1757 in -Nordamerika, wenn sie ihre augenblickliche Überlegenheit nicht ausnutzten. -Derartige Mahnungen, schon im vorigen Kriege üblich, mußten aber nach -und nach den Schneid und den Wagemut der höheren Führer überhaupt -lähmen und sie auf stete Verteidigung hinführen; sie eigneten sich die Gewohnheit -an, freiwillig das Feld zu räumen, sobald es ihnen ein Gegner, selbst -ein schwächerer, in kühner Weise streitig machte, obgleich doch sonst eine -ängstliche Defensive wahrlich nicht dem französischen Charakter entspricht.</p> - -<p>Nach diesen Leitsätzen handelten dann die Führer, auch wenn sie nicht -ausdrücklich darauf hingewiesen waren, so z. B. <em class="gesperrt">de Conflans</em> bei Quiberon -1759 und <em class="gesperrt">d'Aché</em> in Indien 1758/59; bei diesen sprach auch noch -der berechtigte Mangel an Vertrauen auf ihre Streitkräfte mit. Diese von -der Oberleitung der französischen Marine in den Kriegen Ludwigs XV. vertretene -Auffassung, die den Admiralen aufgab, ihre Schiffe zu schonen, beruht -auf völligem Verkennen der Grundsätze für eine Kriegführung, die -durchschlagenden Erfolg erringen will, besonders einer solchen zur See. Die -Betrachtung der früheren Seekriege (im ersten Bande) lehrt, wie sich die -Strategie naturgemäß derartig entwickelte, daß die Niederwerfung der feindlichen<span class="pagenum"><a name="Page_204" id="Page_204">[204]</a></span> -Seestreitkräfte und damit die Erringung der Seeherrschaft immer mehr -in den Vordergrund trat.</p> - -<p class="small">Es ist auffallend, daß Frankreich fast stets den Seekrieg anders aufgefaßt hat. -Schon unter <em class="gesperrt">Ludwig</em> XIV. zeigen sich Beispiele dafür und auch unter <em class="gesperrt">Ludwig</em> XVI. -blieb es ähnlich, obgleich die Marine weit stärker geworden war. Noch 1802 schrieb -eine französische Autorität in bezug auf Seekriegführung (A. Ramatuelle, Cours élémentaire -de tactique naval; Paris 1802): „Die französische Marine hat stets den Ruhm -höher geschätzt, eine Eroberung zu sichern oder zu halten, als den vielleicht glänzenderen, -aber tatsächlich weniger nützlichen, einige Schiffe zu nehmen; sie hat sich damit mehr -dem wahren Ziele genähert, das man sich im Kriege steckt.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Mahan</em><a name="FNAnker_109_109" id="FNAnker_109_109"></a><a href="#Fussnote_109_109" class="fnanchor">[109]</a> sagt hierzu (gekürzt): „Die Richtigkeit dieses Schlusses hängt von -der Ansicht ab, die man vom wahren Zweck des Seekrieges hat. Kommt es nur darauf -an, eine Stellung an der Küste zu sichern, so wird die Marine für diesen besonderen -Zweck ein Teil der Armee und ordnet sich deren Tätigkeit unter. Ist jedoch der wahre -Zweck der, des Gegners Seeherrschaft zu brechen, ihm die Verbindung mit sonstigen -Besitzungen abzuschneiden und seinen Handel abzugraben, so bildet dessen Marine -das Angriffsobjekt. Diesem Verfahren verdankt England seine Seeherrschaft; hier -sagte schon <em class="gesperrt">Monk</em>, wer die See beherrschen wolle, müsse stets angreifen. — <em class="gesperrt">Gallissonnière</em> -hielt die Unterstützung der Belagerung von Port Mahon für wichtiger -als die Vernichtung der englischen Flotte; England erhielt aber Minorca nur infolge -seiner Seeherrschaft zurück. Schon die Seeschlacht bei der Insel und die Einnahme -der Festung hatte im französischen Volke Begeisterung für die Flotte erregt; hätte -Gallissonnière dem Gegner auch noch 4 oder 5 Schiffe abgenommen, so wäre dieselbe vielleicht -gleich der von 1760 geworden und die Regierung hätte sie schon damals zum -Ausbau der Flotte ausnützen können.“ Allerdings hat der Erfolg damals, nach Äußerung -eines französischen Autors, auf den Marineminister so wenig Eindruck gemacht, „daß -er es für angebracht hielt, die Schiffe und Takelagen zu verkaufen, die wir noch in unseren -Häfen hatten“.</p> - -<p>Aber selbst wenn ein Staat die strategische Offensive nicht zu ergreifen -vermag, um die Seeherrschaft zu erringen — in welcher Lage sich Frankreich -im besprochenen Kriege bald befand —, so muß er doch auch in der strategischen -Defensive gegen die feindlichen Streitkräfte vorgehen, wo es irgend -möglich ist; das Vermeiden des Kampfes, um die teuern Schiffe zu schonen, -kann auch hier keine Erfolge zeitigen.</p> - -<p><b>Über Taktik.</b> Die rangierten Schlachten dieses Krieges — Minorca 1756, -Cuddalore sowie Negapatam 1758, Porto Novo 1759 — liefern gute Beispiele -für die Taktik, die diesen Abschnitt kennzeichnet<a name="FNAnker_110_110" id="FNAnker_110_110"></a><a href="#Fussnote_110_110" class="fnanchor">[110]</a>. In ihnen folgen die -Engländer genau ihrer Gefechtsinstruktion — gleichzeitiger Angriff auf die -ganze feindliche Linie unter strenger Aufrechterhaltung der Ordnung —, -deren Schwächen sich in jedem Falle deutlich zeigen. Sie sind infolgedessen -nie imstande, den Gegner niederzuwerfen, auch wenn sie ihn durch Ungestüm -erschüttert haben. Der Verlauf der Schlacht bei Minorca führt über den -Admiral wieder ein Kriegsgericht herbei, aus dessen Spruch die engherzige -Auffassung der Gefechtsinstruktion zu ersehen ist. Diese große rangierte<span class="pagenum"><a name="Page_205" id="Page_205">[205]</a></span> -Schlacht zeigt auch zum ersten Male die französische Taktik in ihrer vollen -Eigenart: Das Erwarten des Angriffs in freiwillig gewählter Leestellung; das -Ausweichen der Spitze, sobald der Gegner zum Nahkampf heran ist; das -Vorbeiziehen der ganzen Linie an den vordersten, schon beschädigten feindlichen -Schiffen; das Einnehmen einer neuen Stellung, um einem zweiten -Angriff zu begegnen. Auch bei den drei Kämpfen in Indien tritt die rein -defensive Taktik der Franzosen, hier wohl noch mehr im Widerspruch zum -Volkscharakter, hervor. Wie schon mehrfach angedeutet, entsprang diese -nicht nur der Überlegung, die Schwächen der englischen Angriffsart auszunutzen, -sondern auch dem Bestreben, das Material zu schonen; die Führer -hielten sich für verpflichtet, abzubrechen, ehe der Kampf eine zu ernste Wendung -nahm. Da nun die Engländer infolge starker Beschädigung eines Teiles -ihrer Schiffe nie zum zweiten Angriff schreiten konnten, so blieben die rangierten -Schlachten sämtlich unentschieden.</p> - -<p>Die beiden großen und ausschlaggebenden, ja sogar für den Krieg entscheidenden -Kämpfe — Lagos und Quiberon 1759 — waren, wie die beiden -Entscheidungsschlachten bei Finisterre im vorhergegangenen Kriege, Verfolgungsgefechte. -In ihnen verdankten die Engländer dem Schneid ihrer -Admirale sowie der seemännisch-militärischen Tüchtigkeit ihrer Offiziere und -Mannschaften den Sieg; die Franzosen unterlagen infolge taktischer Fehler -ihrer Führer und der Minderwertigkeit des übrigen Personals. In beiden -Fällen zeigt sich der große Nachteil, der einer verfolgten Flotte aus ungleicher -Geschwindigkeit der Schiffe erwächst. Sie beweisen aber auch, daß der -Führer diesem Umstande Rechnung tragen muß; aus einem Rückzuge wird -sonst leicht eine regellose Flucht mit ihrem niederdrückenden Einfluß; eine -moralische Überlegenheit besitzt der Verfolger ja schon von vornherein. -Es tritt in diesen Schlachten auch wieder die Richtigkeit des Grundsatzes hervor, -daß der Verfolger eines fliehenden Feindes auf die eigene Ordnung nur -soweit Rücksicht nehmen soll, als nötig ist, um den Schiffen gegenseitige -Unterstützung zu sichern; in beiden Fällen handelten die Engländer hiernach.</p> - -<p><b>Die Angriffe auf feindliche Küsten</b><a name="FNAnker_111_111" id="FNAnker_111_111"></a><a href="#Fussnote_111_111" class="fnanchor">[111]</a> in diesem Kriege bestätigen weiter -die schon früher gezogenen Lehren. <em class="gesperrt">Die Eroberung Minorcas</em> 1756 -gelang, weil Frankreich die See beherrschte. Dies war nur eine Folge der -Nachlässigkeit Englands; hätte dessen Mittelmeerstation 12 anstatt 3 Linienschiffe -gezählt, so würde der Gegner wahrscheinlich nicht einmal den Versuch -gewagt haben. Dieser Fehler ist weder mit völliger Unkenntnis noch -mit Mangel an Kräften zu entschuldigen. — In dem <em class="gesperrt">Versuch Frankreichs, in England -zu landen</em>, 1759, findet Colomb vor allem einen -Verstoß gegen den Grundsatz des Seekrieges, daß ein solches Unternehmen -nur nach Eroberung der See nicht gleichzeitig mit dieser sicheren Erfolg -verspricht. <em class="gesperrt">Colomb</em> führt aus (hier gekürzt):</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_206" id="Page_206">[206]</a></span></p> - -<p>„Frankreich hatte Geschwader in Brest, Rochefort, Toulon und Westindien; -gute Anordnungen vorausgesetzt und von Fehlern sowie unglücklichen -Zufällen abgesehen, war Möglichkeit vorhanden, die getrennten englischen -Beobachtungsgeschwader einzeln mit Übermacht zu schlagen. Hieraufhin -mußte der Plan gemacht werden, reichten die Kräfte dazu nicht aus, so genügten -sie noch weniger zu dem Versuche, ein Heer angesichts anerkannt -überlegener Seestreitkräfte über das Meer zu führen. Glaubte man aber an -die Möglichkeit, daß der Transport unbelästigt durchschlüpfen könne, so war -es unnötig, ihn durch die Hauptflotte begleiten zu lassen. — Bei der Ausführung -des Versuches treten weitere Fehler auf. Es war falsch, die Transportmittel -für den Teil der Invasion, der über den Kanal erfolgen sollte, in Havre zu -sammeln, wo sie leicht vom Gegner vernichtet werden konnten (wie es tatsächlich -durch Rodney geschah) und auch <em class="gesperrt">de la Clue</em> durfte für sein Geschwader -auf dem Marsche von Toulon nach Brest nicht Cadiz als Sammelpunkt -bestimmen; dieser Umstand (zu große Nähe bei dem englischen Beobachtungsposten -Gibraltar) rief die anderen Fehler hervor, die zu seiner Niederlage -bei Lagos führten. Weshalb endlich ging <em class="gesperrt">de Conflans</em> zum Abholen -des Transportes zur Quiberonbucht? Seine Aufgabe wäre gewesen, die englische -Flotte, als sie die Blockade hatte unterbrechen müssen, zu suchen und -sie möglichst fern von dem Transporte zu engagieren. Mit den von Westindien -zurückgekehrten Schiffen wäre er dem Gegner überlegen gewesen, aber selbst -wenn er geschlagen wäre, hätte er denselben vielleicht so geschwächt, daß der -Transport nun tatsächlich unter dem Schutz der besonders dazu bestimmten -Bedeckung das Ziel unbelästigt hätte erreichen können. Dadurch aber, daß -de Conflans zur Quiberonbucht ging, zog er den Gegner gerade zum -Transport hin und machte dessen Segeln unmöglich.“</p> - -<p>Colombs Ausführung enthält viel Bemerkenswertes, sie rechnet aber auch -mit verschiedenen Umständen, die auf französischer Seite nicht vorlagen. -So wissen wir, daß Conflans die westindischen Schiffe aus berechtigtem -Grunde nicht zur Verstärkung seiner Flotte heranzog, daß das zur besonderen -Bedeckung des Transportes bestimmte Geschwader nicht von Brest zur -Quiberonbucht hatte gelangen können, und daß die Engländer diesen Platz -ebenfalls blockierten; hätte Conflans die Bedeckung nach seinem Inseegehen -abgezweigt, so wäre er um so viel Schiffe schwächer gewesen. — Während -der später noch vorgekommenen großen Landungen — auf Guadeloupe, -Martinique und Belle-Ile — waren die Engländer stets unbestritten Herren -der See ebenso bei den <em class="gesperrt">Belagerungen von Küstenstädten</em> — -Louisbourg, Havanna, Manila —, für deren Eroberung dann naturgemäß den -Landstreitkräften wieder die Hauptaufgabe zufiel. Mit einfachen Beschießungen -von Küstenplätzen (am Kanal) haben die Engländer wohl stets -die Schädigung des feindlichen Landes wie die Schwächung der Freibeuterei -bezweckt, wenn auch als Hauptgrund für die Bedrohung der französischen -Küsten das Ablenken Frankreichs vom deutschen Kriege angegeben wird.</p> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_68_68" id="Fussnote_68_68"></a><a href="#FNAnker_68_68"><span class="label">[68]</span></a> Französische Geschichtschreiber sagen dagegen, England habe den baldigen -Ausbruch eines Krieges gewünscht, um sein Ziel, die Vernichtung der französischen -See- und Kolonialmacht, zu erreichen, ehe die französische Flotte ausgebaut sei. Dies -dürfte, wenn auch nicht der Ansicht der damaligen Regierung, so doch wohl der eines -großen Teils des englischen Volkes entsprochen haben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_69_69" id="Fussnote_69_69"></a><a href="#FNAnker_69_69"><span class="label">[69]</span></a> Näheres hierüber, so auch einzelne, besonders hervortretende Fälle, vgl. de Jonge, -Band IV, Seite 314 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_70_70" id="Fussnote_70_70"></a><a href="#FNAnker_70_70"><span class="label">[70]</span></a> Clowes, Band III, Seite 238, setzt diese Eroberung (mit sonst gleichen Monats- -und Tagesangaben) wohl irrtümlich auf 1761 und beschreibt sie unter den Ereignissen -dieses Jahres im Gegensatz zu allen anderen Geschichtsbüchern.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_71_71" id="Fussnote_71_71"></a><a href="#FNAnker_71_71"><span class="label">[71]</span></a> Die Bedingungen, soweit sie die Kolonien betrafen (und dies war die Hauptsache), -sehr genau in Zimmermann, Band II, sowie Band IV.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_72_72" id="Fussnote_72_72"></a><a href="#FNAnker_72_72"><span class="label">[72]</span></a> Der Einfluß des Pariser Friedens auf die Beendigung des Siebenjährigen Krieges -ist bereits Seite 123 geschildert.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_73_73" id="Fussnote_73_73"></a><a href="#FNAnker_73_73"><span class="label">[73]</span></a> St. Lucia, zu Luward von Guadeloupe und Martinique gelegen, war vorzüglich -geeignet, diese wichtigen französischen Inseln zu überwachen, wie sich 1782 zeigen sollte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_74_74" id="Fussnote_74_74"></a><a href="#FNAnker_74_74"><span class="label">[74]</span></a> Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist schon im -Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt, dort sind auch (Seite 33) die beiden Marinen auf -ihren Wert an Material und Personal verglichen. Wir beschränken uns hier deshalb -fast ganz auf Angaben über die Schiffsbestände und Schiffsverluste in diesem Kriege. -Diese Angaben stützen sich auf Charnock, Teil III, Seite 174, 178, 183, 196, der auch -die Namen der Schiffe angibt (über Spanien ebenfalls). Die Verluste der drei Marinen -vgl. auch Clowes III, Seite 310 ff. (gleichfalls mit Namen).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_75_75" id="Fussnote_75_75"></a><a href="#FNAnker_75_75"><span class="label">[75]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Clowes, Band III; Lacour I; Mahan I; Troude, -Band I; Bonfils, Band II; für die politischen Verhältnisse sowie den Krieg am Lande -in den Kolonien Zimmermann. Band II und IV.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_76_76" id="Fussnote_76_76"></a><a href="#FNAnker_76_76"><span class="label">[76]</span></a> Es war in Frankreich üblich, Linienschiffe „en flûte“ zu armieren, wenn sie -Truppen und Material nach den Kolonien brachten. Es waren dann, um Raum zu -gewinnen, nur 20–22 Kanonen aufgestellt, die anderen wurden zurückgelassen oder -in den Lasten verstaut. — Französische Quellen sagen, im vorliegenden Falle sei es auch -aus Sparsamkeit geschehen, sowie, um England nicht zu reizen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_77_77" id="Fussnote_77_77"></a><a href="#FNAnker_77_77"><span class="label">[77]</span></a> Lacour I, Seite 244 ff., bringt einige dieser Pläne.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_78_78" id="Fussnote_78_78"></a><a href="#FNAnker_78_78"><span class="label">[78]</span></a> <em class="gesperrt">Roland Michel, Marquis de La Gallissonnière</em>, geboren -1693, trat 1710 in die Marine, wurde, da er keine besondere Protektion besaß, nur langsam -befördert: 1726 Leutnant, 1738 Kapitän, 1750 Chef d'Escadre, 1755 Lieutenant-Général. -Er diente unter Gabaret und de Court mit Auszeichnung im Österreichischen -Erbfolgekriege; war 1747–1750 Gouverneur von Kanada und sorgte für die Befestigungen -an dessen Grenzen; einige Jahre in Landstellungen der Marine, führte er 1754 -und 1755 Schulgeschwader im Mittelmeer und machte sich verdient um Geschwaderübungen -sowie Signalwesen. Er kommandierte in der Schlacht bei Minorka 1756 und -starb am 26. Oktober desselben Jahres. Gallissonnière war ein tüchtiger Offizier, -aber doch kein höherer Führer und auch jetzt wohl zu alt, sonst hätte er seinen Erfolg -bei Minorka besser ausgenutzt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_79_79" id="Fussnote_79_79"></a><a href="#FNAnker_79_79"><span class="label">[79]</span></a> Näheres vgl. Lacour I, Seite 263.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_80_80" id="Fussnote_80_80"></a><a href="#FNAnker_80_80"><span class="label">[80]</span></a> Näheres über Byngs Bericht, das Kriegsgericht und seinen Tod vgl. Clowes, -Band III, Seite 152–160.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_81_81" id="Fussnote_81_81"></a><a href="#FNAnker_81_81"><span class="label">[81]</span></a> Genaueres bieten Clowes III, Seite 192–195; Lacour I, Seite 312–317.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_82_82" id="Fussnote_82_82"></a><a href="#FNAnker_82_82"><span class="label">[82]</span></a> Näheres über die verschiedenen Entwürfe, die in den verflossenen Jahren -sowie jetzt in Erwägung gezogen sind, vgl. Lacour I, Seite 293–303 sowie Seite 318 -bis 322. Wir geben auch den nachstehenden Plan nach dieser Quelle; andere französische -oder englische Angaben weichen nur unwesentlich ab.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_83_83" id="Fussnote_83_83"></a><a href="#FNAnker_83_83"><span class="label">[83]</span></a> <b>Morbihanbucht</b> ist der Sammelname für die verschiedenen Meerbusen, die -östlich der Quiberonbai in das Land eindringen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_84_84" id="Fussnote_84_84"></a><a href="#FNAnker_84_84"><span class="label">[84]</span></a> <em class="gesperrt">De La Clue-Sabran</em> trat 1715 in die Marine, wurde 1727 Enseigne, 1734 -Lieutenant, 1742 Capitaine, war Schiffskommandant bei Toulon (1744), wurde 1755 -Chef d'Escadre und führte bei Minorka (1755) die Nachhut. Bei Lagos schwer verwundet, -wurde er nicht mehr aktiv verwendet, schied aber erst 1764 mit der Pension -eines Lieutenant-Général aus dem Dienste.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_85_85" id="Fussnote_85_85"></a><a href="#FNAnker_85_85"><span class="label">[85]</span></a> <em class="gesperrt">R. Honorable Edward Boscawen</em>, geboren 1716, hatte sich schon -im österreichischen Erbfolgekriege bei Vernons Expedition in Westindien und in der -Schlacht bei Finisterre (1747) als Kommandant, dann als Kontreadmiral und Befehlshaber -in den indischen Gewässern (vor Pondicherry 1748) ausgezeichnet. Im Siebenjährigen -Kriege war er als Vizeadmiral 1755 Chef der Station in Nordamerika, 1756/57 -leitete er zeitweise die Blockade von Brest, 1758 nahm er als Admiral Louisbourg. Nach -dem Siege von Lagos wurde er zum „General of Marines“ (nur ein Ehrentitel) befördert. -1760 leitete er wieder (abwechselnd mit Hawke) die Blockade von Brest; er starb am -10. Januar 1761.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_86_86" id="Fussnote_86_86"></a><a href="#FNAnker_86_86"><span class="label">[86]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Colomb</em>, Seite 139, gab es zu dieser Zeit in der französischen Marine -noch keine genauen Nachtkurssignale; der Admiral konnte in vorliegendem Falle für -seinen Zweck nur etwa signalisieren: „Raum segeln über Backbordbug“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_87_87" id="Fussnote_87_87"></a><a href="#FNAnker_87_87"><span class="label">[87]</span></a> <em class="gesperrt">Hubert de Brienne, Chevalier (später Comte) de Conflans</em>, -trat 1706 in die Marine ein, wurde bei dem damals schlechten Avancement -erst 1712 Enseigne, 1727 Lieutenant de vaisseau, 1735 Capitaine (1747 Gouverneur -von St. Domingue), 1748 Chef d'Escadre, 1752 Lieutenant-Général, 1756 Vizeadmiral -der Levante und 1758 Marschall. Im Österreichischen Erbfolgekriege zeichnete er sich -dadurch aus, daß er mehrmals mit nur wenig Kriegsschiffen starke Konvois von Kauffahrern -oder Transportern glücklich nach und von Westindien führte. Im Siebenjährigen -Kriege Chef der Streitkräfte am Atlantik, hatte er bisher keine Gelegenheit -zu kriegerischer Tätigkeit gehabt, da die verfügbaren Schiffe stets überseeisch verwendet -waren. Jetzt war er gegen 70 Jahre alt und, wenn auch ein tüchtiger Offizier, seiner -hohen Stellung und schweren Aufgabe wohl kaum noch gewachsen; er starb am -22. Januar 1777 in Paris.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_88_88" id="Fussnote_88_88"></a><a href="#FNAnker_88_88"><span class="label">[88]</span></a> Nach Troude I (dort Seite 381 ff. wörtlich der Flottenbefehl Conflans' vor -der Abfahrt, sowie dessen Bericht über seine Absichten, als er den Gegner sichtete, und -über den Verlauf der Schlacht); Clowes III; Lacour I; Mahan I; Colomb. — Die Schlacht -wird in Frankreich auch „<em class="gesperrt">La bataille des Cardinaux</em>“ genannt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_89_89" id="Fussnote_89_89"></a><a href="#FNAnker_89_89"><span class="label">[89]</span></a> Vgl. Lacour I, Seite 330 ff.; Verteidigungen der Betroffenen vgl. Troude I, -Seite 385 ff. und 399.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_90_90" id="Fussnote_90_90"></a><a href="#FNAnker_90_90"><span class="label">[90]</span></a> Näheres über das Schicksal dieser Schiffe, die mit Geschick die Blockade brachen, -vgl. Lacour I, Seite 347, und Troude II, Seite 403 und 415. Bei Troude, Seite 405, -auch Bemerkenswertes über den Versuch des Admirals Hawke, durch Verhandlungen -in den Besitz der Artillerie des „Soleil Royal“ zu kommen und die Besatzung des anderen -gestrandeten Schiffes als kriegsgefangen ausgeliefert zu erhalten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_91_91" id="Fussnote_91_91"></a><a href="#FNAnker_91_91"><span class="label">[91]</span></a> Boscawen führte das Kommando vom Frühsommer bis August 1760; er starb -im Januar 1761.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_92_92" id="Fussnote_92_92"></a><a href="#FNAnker_92_92"><span class="label">[92]</span></a> Im Anschluß an die Ereignisse des Krieges 1744–1748 (93 ff.); Hauptquellen -vgl. 131.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_93_93" id="Fussnote_93_93"></a><a href="#FNAnker_93_93"><span class="label">[93]</span></a> Kanada zählte 1756 ungefähr 80000 Weiße gegen 425000 in den Neuenglandstaaten, -457000 in den mittleren und 283000 in den Südstaaten. Die letztgenannten -kamen allerdings bei einem Kriege nicht in Betracht, da sie der starken Negerbevölkerung -wegen keine Milizen ausrücken lassen konnten. In den mittleren Staaten lebten gegen -70000, in den südlichen gar 178000 Farbige, in den Nordstaaten nur 11000.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_94_94" id="Fussnote_94_94"></a><a href="#FNAnker_94_94"><span class="label">[94]</span></a> Nach Clowes III, Seite 183; Lacour I, Seite 361; Troude I, Seite 369.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_95_95" id="Fussnote_95_95"></a><a href="#FNAnker_95_95"><span class="label">[95]</span></a> 1760 zerstörten die Engländer die Befestigungen von Louisbourg vollständig; -sie sind nicht wieder erbaut, aber noch kenntlich.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_96_96" id="Fussnote_96_96"></a><a href="#FNAnker_96_96"><span class="label">[96]</span></a> <em class="gesperrt">Louis Antoine de Bougainville</em>, später als Seefahrer berühmt, -war ursprünglich Jurist und 1755 Gesandtschaftssekretär in London; bei Quebec Adjutant -Montcalms; 1763 Kapitän zur See, umsegelte er 1766–1769 die Erde und entdeckte den -Salomons- sowie den Bismarckarchipel; diente im nordamerikanischen Befreiungskriege -als Chef d'Escadre und wurde 1791 Lieutenant-Général. Während der Revolution -zog er sich zurück; er wurde von Napoleon zum Senator ernannt und starb 1811.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_97_97" id="Fussnote_97_97"></a><a href="#FNAnker_97_97"><span class="label">[97]</span></a> Nach Zimmermann, der wohl nur die regulären Soldaten zählt, denn englische -Angaben sprechen von 14000 Mann.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_98_98" id="Fussnote_98_98"></a><a href="#FNAnker_98_98"><span class="label">[98]</span></a> Ein abenteuerlicher Versuch Frankreichs, 1762 nochmals in Neufundland -Fuß zu fassen, soll zu Ende des „Kleinen Krieges“ geschildert werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_99_99" id="Fussnote_99_99"></a><a href="#FNAnker_99_99"><span class="label">[99]</span></a> Hafenstadt an der Nordwestküste der Insel Haiti, im damaligen französischen -Teile St. Domingue und <em class="gesperrt">Cap Français</em> genannt; jetzt eigentlich Le Cap Haiti, -oft aber nur Le Cap bezeichnet. Cap Français war der Haupthafen für die französische -St. Dominguestation sowie Sammelplatz der französischen Westindienfahrer vor ihrer -Abreise im Konvoi nach Europa.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_100_100" id="Fussnote_100_100"></a><a href="#FNAnker_100_100"><span class="label">[100]</span></a> Genaueres über die Besitzungen beider Länder in Westafrika vgl. Band I, -Seite 619 ff., sowie Zimmermann, Band III, Seite 361 und Band IV, Seite 217.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_101_101" id="Fussnote_101_101"></a><a href="#FNAnker_101_101"><span class="label">[101]</span></a> Im Anschluß an Seite 97–107. — Die Verhältnisse in Indien, die sehr verwickelten -Streitigkeiten der indischen Herrscher, in die die englische und französische -Kompagnie des eigenen Vorteils halber eingriffen, geben wir nur soweit, als es zum -Verständnis der kriegerischen Unternehmen nötig erscheint, insbesondere, um das Auftreten -der Seestreitkräfte zu verstehen und zu würdigen. Genaueres findet man in -Zimmermann, Band III, Seite 311 und Band IV, Seite 188 ff., wo die Geschichte der -englischen und französischen Kolonie in Indien von 1748 an fortgeführt wird. Diese -ist sehr lesenswert und man ersieht aus ihr, wie die Kompagnien mit wenig hundert -Mann Europäern und einigen tausend Sepoys Einfluß über Staaten gewannen, deren -Heere nach Zehn- ja Hunderttausenden zählten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_102_102" id="Fussnote_102_102"></a><a href="#FNAnker_102_102"><span class="label">[102]</span></a> <em class="gesperrt">Robert Clive</em>, geboren 1725, kam 1743 als Beamter der jüngsten Klasse -(Schreiber) der Kompagnie nach Madras, ging aber bald zum Kriegsdienst über und -zeichnete sich schon als Fähnrich bei der Belagerung von Pondicherry 1748 aus. Jetzt -war er erst 26 Jahre alt, aber mit scharfem, militärischem Blick begabt und in den -indischen Angelegenheiten sehr erfahren. Durch seine Erfolge in Bengalen in diesem -Kriege wurde er der Begründer der englischen Macht in Indien.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_103_103" id="Fussnote_103_103"></a><a href="#FNAnker_103_103"><span class="label">[103]</span></a> Nach: Mahan I; Bonfils II; Clowes III; Troude I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_104_104" id="Fussnote_104_104"></a><a href="#FNAnker_104_104"><span class="label">[104]</span></a> So sagt z. B. Clowes, die Schlacht biete nichts taktisch Bemerkenswertes; -Bonfils schreibt, nähere Angaben seien nicht vorhanden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_105_105" id="Fussnote_105_105"></a><a href="#FNAnker_105_105"><span class="label">[105]</span></a> Ein geringer Erfolg des <em class="gesperrt">Comte d'Estaing</em> in den indischen Gewässern -1759/60 soll bei Schilderung des Kleinen Krieges erwähnt werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_106_106" id="Fussnote_106_106"></a><a href="#FNAnker_106_106"><span class="label">[106]</span></a> Bekanntlich lief jährlich ein Schiff mit Schätzen und Waren von Manila nach -Acapulco in Mexiko aus und umgekehrt kam von dort ein Schiff mit Geld für die Waren, -sowie mit der jährlichen Subvention für die Kolonie von Acapulco nach Manila; diese -nannte man Acapulcoschiffe.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_107_107" id="Fussnote_107_107"></a><a href="#FNAnker_107_107"><span class="label">[107]</span></a> Vgl. hierzu das über den Handelskrieg, sowie über den Wert des Kreuzerkrieges -im ersten Bande, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_304">304</a> und Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_471">471</a> Gesagte. — Hervorragende Zusammenstöße -von Kriegsschiffen im Kleinen Kriege sowie sonstige bemerkenswerte Angaben über -diesen findet man in den englischen und französischen Spezialwerken; so z. B. Clowes III, -Kapitel Minor actions, und Troude I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_108_108" id="Fussnote_108_108"></a><a href="#FNAnker_108_108"><span class="label">[108]</span></a> Bei dieser Betrachtung sei zur Ergänzung auf die Auslassungen hingewiesen, -die wir schon vor der Schilderung des Kriegsverlaufes (Seite 123 ff.) über die Kriegführung -der Gegner, sowie ihre strategischen Pläne und Maßnahmen aus dem dort -angeführten Grunde genauer gegeben haben, als es bei den früheren Kriegen geschehen ist.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_109_109" id="Fussnote_109_109"></a><a href="#FNAnker_109_109"><span class="label">[109]</span></a> Mahan I, Seite 276. Dieser Autor läßt sich, dem Zwecke seines Werkes entsprechend, -überhaupt sehr eingehend über den hier angeregten Punkt aus; vgl. z. B. -Seite 73/75, 276/77, 324/25.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_110_110" id="Fussnote_110_110"></a><a href="#FNAnker_110_110"><span class="label">[110]</span></a> Über diese Taktik vgl. Seite <a href="#Page_36">36</a> ff., sowie Seite <a href="#Page_113">113</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_111_111" id="Fussnote_111_111"></a><a href="#FNAnker_111_111"><span class="label">[111]</span></a> Anschließend an Seite 113 ff.; wie dort ist hier weiter dem Werke Colombs, -Kapitel VII, Seite 135 ff., und Kapitel XVI, Seite 356 ff., gefolgt.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_207" id="Page_207">[207]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p207.jpg" width="600" height="92" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Fünftes Kapitel.</span><br /> -Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 1775–1783.</h3> - -<h4>Entstehung des Krieges<a name="FNAnker_112_113" id="FNAnker_112_113"></a><a href="#Fussnote_112_113" class="fnanchor">[112]</a>.</h4> - -<p><b>England und die Kolonien bis zu ihrer Erhebung.</b> Bekanntlich fand die -Erwerbung Kanadas im Frieden von Paris keineswegs den Beifall aller -Politiker in England; viele hätten eine Erweiterung des englischen Besitzes in -Westindien lieber gesehen und betonten, die eigenen Kolonien in Nordamerika -könnten zu kräftig und selbstbewußt werden, wenn sie die Nachbarschaft -der Franzosen nicht mehr zu fürchten brauchten; erzeugten sie -doch fast alle ihre Bedürfnisse schon selber und ihre Abhängigkeit von England -verminderte sich stetig. Die öffentliche Meinung und die meisten Staatsmänner -teilten aber diese Befürchtung nicht, sie wollten Frankreich aus -Nordamerika verdrängen. <em class="gesperrt">Pitt</em> war gleicher Ansicht, denn er plante, Frankreich -sämtlicher Kolonien zu berauben und es von der Hochseefischerei auszuschließen, -um ihm Antrieb und Grundlage zur Aufstellung einer starken -Marine zu nehmen. Auch der Amerikaner <em class="gesperrt">Benjamin Franklin</em> trat -öffentlich für die Erwerbung Kanadas ein. Bei der Verschiedenheit der -englisch-amerikanischen Kolonien erklärte er es für ausgeschlossen, daß -diese jemals gemeinsame Sache gegen das Mutterland machen würden, eher -könne ein Aufgeben Kanadas sie zum Abfall führen. Seine wahre Ansicht -wird dies wohl kaum gewesen sein.</p> - -<p>Tatsächlich wuchs das Selbstvertrauen der Kolonisten außerordentlich -nach den Erfolgen, die sie während des Krieges und durch ihn erreicht hatten. -Sie zeigten sich zwar in allerhand Äußerlichkeiten dankbar für Englands -militärische und finanzielle Unterstützung — sogar Massachusetts, die ungefügigste -der Kolonien, versicherte in einer Adresse dem Könige ewige<span class="pagenum"><a name="Page_208" id="Page_208">[208]</a></span> -Treue, errichtete dem gefallenen General Lord Howe ein Denkmal und taufte -Fort Duquesne um in Pittsburg —, aber sie hielten eifersüchtig fest an jedem -ihrer wirklichen oder vermeintlichen Rechte dem Mutterlande gegenüber -und verlangten vor allem, das englische Parlament, in dem die Kolonien -nicht vertreten seien, solle auch keine Gesetze für sie machen, sondern das -ihren eigenen gesetzgebenden Körperschaften überlassen. Ganz besonders -sträubten sie sich gegen Zahlung direkter Steuern und erhoben Einspruch -gegen die Beschränkung ihres Handels sowie ihrer Industrie zugunsten des -Mutterlandes.</p> - -<p class="small"><b>Die innere Lage der Kolonien</b> ist bereits im ersten Bande (Seite 606) erörtert. -Im Laufe des 18. Jahrhunderts war sie großenteils nach den Wünschen der Kolonisten -gestaltet; diese regierten sich in der Hauptsache selbständig. Die Gouverneure wurden -zwar vom Könige ernannt, da aber ihre Besoldung von den Kolonien gezahlt wurde -und jährlich bewilligt werden mußte, so waren sie von diesen abhängig; ähnlich verhielt -es sich mit den Richtern. Die stehenden Truppen beschränkten sich auf schwache -englische Besatzungen in den Forts, die Kolonialmilizen traten für Englands Zwecke -nur auf besondere Abmachung sowie Soldzahlung ein. Die Zollbeamten allein wurden -von England ernannt und besoldet, über Zollvergehen urteilten nicht die Geschworenen, -sondern Admiralitâtsgerichte ab.</p> - -<p class="small">Dieser Entwicklung der Dinge hatte man in England lange ihren Lauf gelassen, -da sich die Kolonien in manches fügten, das zu Englands Vorteil diente, so in die Zoll-, -Handels- und Schiffahrtsgesetze. Schwierigkeiten ergaben sich naturgemäß häufig -aus der verschiedenartigen Stellung der Regierung und der Gouverneure zu diesen -Fragen. So hielt es der Minister <em class="gesperrt">Walpole</em> zu Englands Nutzen für vorteilhaft, die -Kolonien sich frei entwickeln zu lassen; der tüchtige, langjährige Gouverneur <em class="gesperrt">Shirley</em>, -uns von den beiden letzten Kriegen her bekannt, verlangte dagegen tatkräftigeres Auftreten -der Regierung, Einführung direkter Steuern zur Besoldung der Beamten sowie -eines stehenden Heeres u. dgl. Während des letzten Krieges wurde 1756 der <em class="gesperrt">Earl -of Loudoun</em> mit scharfen Anordnungen gegen Eigenmächtigkeiten der Kolonien -hinausgesandt, während <em class="gesperrt">Pitt</em> später auf alle schroffen Maßregeln verzichtete und -einzig den Patriotismus der Neuengländer anrief.</p> - -<p>Diese Meinungsverschiedenheiten gestalteten sich seit dem Regierungsantritt -<em class="gesperrt">Georgs</em> III. zu ernsten Zerwürfnissen zwischen England und den -Kolonien. Wie der König Minister und Parlament seinem Willen unterordnen -wollte, so erstrebte er dies auch bei den Kolonien. Hier sollte nicht -nur die strenge Beachtung der bislang vielfach umgangenen Handelsgesetze -durchgeführt, sondern auch Geld zur Erhaltung eines stehenden Heeres -aufgebracht werden. Beides war an sich nicht unberechtigt, denn bisher -überschritten die Erhebungskosten der Zölle deren Einkünfte um das Vierfache, -und England hatte doch auch im Kriege gegen Kanada ungeheure -Geldopfer gebracht; aber die Maßnahmen Englands führten Schritt für -Schritt bis zur offenen Empörung seiner Pflanzstaaten, die mit dem sog. -<em class="gesperrt">Theesturm in Boston</em> am 18. Dezember 1773 ihren Anfang nahm.</p> - -<p class="small"><b>Die Streitigkeiten Englands mit den Kolonien</b> waren in ihren Hauptpunkten folgende: -Unter dem Minister <em class="gesperrt">Grenville</em> beschloß das Parlament im April 1764 für die sämtlichen -englischen Kolonien eine Einfuhrsteuer auf verschiedene Produkte, deren Ertrag -nebst „anderen Abgaben“ nach Anordnung des Parlamentes für die Auslagen verwendet -werden sollten, die England aus dem Schutze der Kolonien erwüchsen. Als<span class="pagenumsmall"><a name="Page_209" id="Page_209">[209]</a></span> -eine dieser „anderen Abgaben“ war für Nordamerika die Einführung einer Stempelsteuer -in Aussicht genommen, falls die Kolonien nicht auf andere Weise die nötigen -Gelder aufbringen würden; gleichzeitig ward strenge Durchführung der Handelsgesetze -und scharfe Unterdrückung des Schleichhandels angeordnet. In Amerika sträubte -man sich gegen die Maßnahmen der Zollbeamten und Massachusetts erklärte jede -Steuer ohne seine Einwilligung für ungesetzlich. Dennoch erließ England im Frühjahr -1765 die Stempelakte.</p> - -<p class="small">Darauf berief Massachusetts einen Kongreß von Deputierten aller 13 Staaten -nach New York, auf dem 9 Kolonien vertreten waren, einen Protest gegen die Akte -abfaßten und beschlossen, keine der besteuerten Waren mehr zu kaufen, sowie sich -den Stempelabgaben zu widersetzen. Tatsächlich wurden beim Inkrafttreten des Gesetzes -im November überall die Stempelpapiere vernichtet, so daß die Gouverneure -das Gesetz nicht durchzuführen vermochten, da Gerichtsverfahren sowie Handel stillstanden. -Die Regierung in England, das Ministerium <em class="gesperrt">Rockingham</em>, sah sich -1766 genötigt, die Stempelakte und auch die neuen Zollgesetze wieder aufzuheben, -nicht am wenigsten auf das Drängen der Kaufmannschaft und der klugen Vermittlung -<em class="gesperrt">Franklins</em>, des Agenten für Pennsylvanien in London.</p> - -<p class="small">Pitt wurde durch schweres körperliches Leiden in seinem Wirken für einen Ausgleich -behindert, und so gewann der Schatzkanzler <em class="gesperrt">Townsend</em> das Übergewicht -im Ministerium und setzte im Mai 1767 ein neues Zollgesetz auf Tee sowie andere Waren -durch. Auch sein Nachfolger, <em class="gesperrt">Lord North</em>, hielt daran fest. Wieder weigerten -sich die Kolonien, die besteuerten Artikel zu kaufen, und die Stimmung ward noch -erregter. Schon forderten vereinzelte Stimmen Lossagung von England sowie Widerstand -mit den Waffen, und im Juni 1768 kam es bereits zum Zusammenstoß -englischer Zollpolizeibeamten mit leidenschaftlich erregten Amerikanern — sons -of liberty, Söhne der Freiheit —, die sich der Beschlagnahme eines Handelsschiffes -widersetzten.</p> - -<p class="small">Die englische Regierung schien jedoch Ernst machen zu wollen; im Sommer 1768 -wurden die Truppen in Boston verstärkt und man drohte mit Verhaftung der Hauptagitatoren. -Es ist wohl tatsächlich die letzte Gelegenheit für England gewesen, durch -völliges Nachgeben oder durch äußerste Gewalt sich die Kolonien zu erhalten, aber -keins von beiden geschah. Die angedrohten Maßnahmen blieben Schreckschüsse, bei -Wiederaufhebung der Steuern 1769 ließ man anderseits die auf den Tee bestehen, teils -um den Grundsatz zu wahren, teils zugunsten der ostindischen Kompagnie und hielt -hierdurch die einmal erregte Widersetzlichkeit wach. Mißhelligkeiten zwischen den -Gouverneuren und den Kolonisten an verschiedenen Orten kamen hinzu.</p> - -<p class="small">Die Bewegung wurde in Boston sowie in New York, wo es schon zu Reibungen mit -dem durch Beschimpfung erbitterten Militär kam, immer stürmischer und ergriff auch -die anderen Provinzen. <em class="gesperrt">Franklin</em>, der bisher in England öffentlich versöhnlich -gewirkt hatte, goß jetzt dadurch Öl ins Feuer, daß er vertrauliche Briefe der Gouverneure -und England ergebener Personen, die schroffe Urteile über die Kolonien enthielten, -zur Kenntnisnahme nach Boston sandte. Endlich wurde der nur geringe Teezoll der -Anlaß zum Ausbruch offener Empörung. Wieder waren die Kolonien einig geworden, -keinen Tee zu kaufen, und als nun die ostindische Kompagnie versuchte, ihn durch gewinnsüchtige -Spekulanten doch in den Handel zu bringen, trat man diesen überall -entgegen. In den meisten Staaten hinderte man nur die Ausschiffung, in dem demokratisch -schroffsten Massachusetts aber brauchte man Gewalt. Am 18. Dezember 1773 drangen -in Boston die „Söhne der Freiheit“ als Indianer verkleidet auf die Teeschiffe und warfen -die Ladungen, 342 Kisten, über Bord.</p> - -<p>Diese Gewalttat der Kolonisten machte den Bruch mit dem Mutterlande -unheilbar; Regierung und öffentliche Meinung in England stimmten -darin überein, daß jetzt rücksichtslos, besonders gegen Massachusetts, vorgegangen<span class="pagenum"><a name="Page_210" id="Page_210">[210]</a></span> -werden müsse. Das Parlament faßte im März 1774 drei Beschlüsse: -Sperrung des Hafens von Boston für alle Waren außer Bedürfnissen des -königlichen Dienstes; Aufhebung der demokratischen Verfassung in Massachusetts -und Einführung einer vorläufigen Militärdiktatur; Ausdehnung der -Grenzen Kanadas mit seiner absolutistischen Verfassung auf Gebiete, die -von den Neuenglandstaaten beansprucht wurden.</p> - -<p>Zugleich ward <em class="gesperrt">General Gage</em> mit vier Regimentern Mitte Mai als -neuer Gouverneur nach Boston gesandt; er schloß den Hafen, sperrte die Stadt -ab, verlegte die gesetzgebende Versammlung nach Salem und löste sie bald -hernach ganz auf. Die Einwohner von Massachusetts begannen jetzt, sich -überall zu widersetzen, den Engländern die Beschaffung von Lebensmitteln -zu erschweren und durch Anhäufung von Kriegsmaterial sowie Übungen -der Milizen den Kampf vorzubereiten; der gesetzgebende Körper forderte -vor seiner Auflösung die übrigen Kolonien auf, Deputierte zu einem allgemeinen -<em class="gesperrt">Kongreß in Philadelphia</em> zu senden.</p> - -<p>Dieser Kongreß ward im September 1774 von zwölf Staaten<a name="FNAnker_113_114" id="FNAnker_113_114"></a><a href="#Fussnote_113_114" class="fnanchor">[113]</a> beschickt, -nur Georgia schloß sich erst im folgenden Jahre an. Ein Ausschuß der bedeutendsten -Männer des Kongresses verfaßte mit Mäßigung, großer Beredsamkeit, -sowie mit steter Berufung auf die englischen Gesetze eine Anzahl -von Staatsschriften, die eine Abhilfe der Mißstände, aber immer noch auf -loyalem Wege anbahnen sollten; sie erschienen im Herbst 1774. Die wichtigsten -sind: Eine Schilderung der Verhältnisse der in ihrer Verfassung -bedrohten Provinz Massachusetts; eine „Erklärung der Rechte der Kolonien“ -nach Art der einst vom englischen Parlament gegen Karl I. ergangenen -„Petition of rights“; eine Bittschrift an den König; eine Adresse an das -englische Volk, in der zu beweisen versucht wurde, daß die Amerikaner -Verteidiger der Rechte aller Engländer gegen die Übergriffe der Regierung -seien.</p> - -<p>In den Schriften lagen jedoch auch versteckte Drohungen, u. a. die -Erklärung, die Kolonien würden jede Verbindung mit England abbrechen, -bis ihren Beschwerden abgeholfen wäre. Der Kongreß sprach ferner den -Einwohnern von Boston seine Zustimmung für ihr bisheriges Auftreten aus -und ermutigte sie, den Widerstand fortzusetzen, auch wurden die Kanadier -aufgefordert, sich den Kolonien anzuschließen. In England fanden diese -Erklärungen und Petitionen kein Gehör, obgleich sie durch den Handelsstand -sowie durch Pitts Partei warm unterstützt wurden. Im übrigen -Europa, besonders in Frankreich, erregten sie große Begeisterung für die -Amerikaner.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_211" id="Page_211">[211]</a></span></p> - -<p>Der König wies die Bittschrift geringschätzig ab, und <em class="gesperrt">das Parlament -erklärte im Februar 1775 Massachusetts für im -Aufstande befindlich</em>, untersagte allen Verkehr mit Neuengland, -sowie die Ausübung der Fischerei auf den Neufundlandbänken seitens der -Amerikaner, um so deren Handel lahmzulegen, und bewilligte 6000 Mann -neue Truppen. Nun brachte zwar <em class="gesperrt">Lord North</em> noch den Zusatz durch, -die Zwangsmaßregeln sollten erlöschen, sobald eine Kolonie sich unterwerfe -und einen festen Steuerbetrag bewillige, aber diesen schwachen Versöhnungsversuch -wiesen die Amerikaner zurück und den Regierungsmaßregeln setzten -sie Gewalt entgegen. Die Mehrzahl des Volkes erklärte sich gegen England, -nur wenige, die sogenannten „Loyalisten“ blieben ihm treu. England dagegen -gab seinen Beschlüssen keinen genügenden Nachdruck durch die Tat, -sondern hoffte immer noch durch bloße Drohungen Nachgiebigkeit zu erreichen -und ließ so dem Gegner Zeit zum Rüsten. Dies wurde besonders in -Massachusetts eifrig betrieben. Die Milizen wurden besser gegliedert; mit -Hilfe fremder Offiziere und vieler Amerikaner, die bisher im englischen Dienst -gestanden hatten, stellte man stehende Truppen auf; Arsenale, Waffen- und -Pulverfabriken wurden eingerichtet. Im Winter 1774/75 standen in Massachusetts -bereits so viel Amerikaner unter Waffen, daß sich General <em class="gesperrt">Gage</em> -auf Boston beschränkt sah; in Newhampshire bemächtigten sich (Dezember) -die Milizen zweier kleiner Forts und in Rhode-Island nahmen sie 40 Kanonen.</p> - -<p>Im Mai 1775 trat der Kongreß in Philadelphia wieder zusammen. Er -sandte nochmals Adressen an König und Parlament, traf aber gleichzeitig -Maßregeln für den Krieg. Es wurde die Ausgabe von drei Millionen spanischer -Dollars Papiergeld festgesetzt, jeder Verkehr mit England und dessen anderen -Kolonien verboten, sowie die Aufstellung eines Nationalheeres angeordnet; -zum Oberbefehlshaber ward am 16. Juni <em class="gesperrt">George Washington</em> ernannt -— der rechte Mann an der rechten Stelle. Tatsächlich hatte <em class="gesperrt">der -Krieg</em> mit einem blutigen <em class="gesperrt">Zusammenstoß bei Lexington</em> am -18./19. April <em class="gesperrt">schon begonnen</em> und gleich darauf setzte Massachusetts -Truppen gegen Boston und gegen die Grenzen Kanadas in Marsch. Als der -Kongreß unter dem Einfluß des aus England zurückgekehrten Franklin, -sowie in sicherer Hoffnung auf französische Hilfe am 4. Juli 1776 die <em class="gesperrt">Unabhängigkeit -der Vereinigten Staaten von Amerika</em> -erklärte, dauerte der Krieg bereits ein Jahr.</p> - -<p><b>England, Frankreich und Spanien bis zum Aufstande der Kolonien.</b> -Wenn man in England mit Recht über die Ergebnisse des Pariser Friedens -(vgl. Seite <a href="#Page_127">127</a>) mißgestimmt war, so hatte man doch in Frankreich noch -mehr Grund, mit dem Ausgange des letzten Krieges unzufrieden zu sein. -Englands Gewinn entsprach nahezu dem Verluste Frankreichs und dieses -mußte die Einbuße Spaniens, die Abtretung Floridas an den Sieger, auch noch -durch Überlassung Louisianas an seinen Verbündeten wettmachen. Der Ingrimm -über die erlittenen Niederlagen trat hinzu, um in Frankreich den -Gedanken an Wiedervergeltung in der Zukunft wachzuerhalten. Der<span class="pagenum"><a name="Page_212" id="Page_212">[212]</a></span> -<em class="gesperrt">Herzog von Choiseul</em> arbeitete auf dieses Ziel hin, solange er am -Ruder blieb. Er verstärkte die Streitmacht zu Wasser wie zu Lande und -pflegte das Bündnis mit Spanien (der Bourbonische Familienvertrag von -1761; vgl. Seite <a href="#Page_119">119</a>), das auch diesem Staat durch die Familienbande zwischen -den Herrscherhäusern wie durch die Furcht vor Englands Seemacht nahelag; -hierzu trat der Haß wegen alter wie neuer Verluste an England — Jamaika, -Gibraltar, Minorca, Florida. Für den letzten Krieg war das Bündnis zu -spät gekommen, aber bei rechtzeitiger Vorbereitung versprach es Erfolg. -Den beiden benachbarten Königreichen mit ihren vorzüglichen Kräften -mußte es gelingen, gemeinsam eine Seemacht aufzustellen, die der englischen -gewachsen war; vielleicht fanden dann auch schwächere Seestaaten den Mut, -sich gegen die Seeherrschaft Englands aufzulehnen.</p> - -<p>Nur die ungünstigen inneren Verhältnisse Englands bedingten es, daß -dem Siebenjährigen Kriege nicht sehr bald ein neuer Seekrieg mit den alten -Gegnern folgte. Französische Geschichtschreiber behaupten, England habe -den Ausbruch des genannten Krieges beschleunigt, um den Ausbau der -französischen Marine zu verhindern. Der gleiche Grund lag jetzt vor und um -so schwerwiegender, da man in England wußte, daß Frankreich und Spanien -entschlossen seien loszuschlagen, sobald man sich stark genug fühle und eine -günstige Gelegenheit sich biete. Auch hat es für England nicht an Anlässen -gefehlt. Solchen bot zunächst die Erwerbung Corsicas durch Frankreich, -dessen maritime Stellung im Mittelmeer dadurch sehr gestärkt wurde.</p> - -<p class="small"><b>Corsica von Frankreich erworben.</b> Die kriegerischen Corsen waren, auf die Unzugänglichkeit -ihrer Gebirge trotzend, schon seit 1730 gegen die aussaugende Herrschaft -Genuas im Aufstande, der nicht ohne kaiserliche oder französische Hilfe und dann -immer nur auf kurze Zeit niedergeworfen werden konnte. Müde der vergeblichen -Kämpfe, trat endlich die Republik im Vertrage vom Compiègne 1768 Corsica förmlich -an Frankreich ab; um Österreich und England gegenüber diese Gebietserweiterung -Frankreichs zu verschleiern, erfolgte sie in Form eines Unterpfandes für aufgewandte -Kriegskosten. Frankreich unterwarf dann mit 30000 Mann in kurzer Zeit die Insel. -<em class="gesperrt">Pasquale Paoli</em>, der tapfere Führer der Aufständischen, mußte 1769 nach England -fliehen, wo er begeistert aufgenommen wurde und von der Regierung eine Pension -erhielt.</p> - -<p>Wohl wies u. a. Burke auf die hierdurch für England geschaffene Gefahr -hin, und der Admiral Sir Charles Sounders erklärte im Unterhause, es wäre -besser, Frankreich den Krieg zu erklären, als ihm Corsica zu überlassen. -Die Regierung führte auch anfangs eine geharnischte Sprache, verschleppte -aber dann die Sache, bis Frankreich im sicheren Besitz war. Die Aufhebung -einer englischen Niederlassung auf den Falklandinseln hätte noch leichter -Anlaß zum Kriege geben können.</p> - -<p class="small"><b>Englisch-spanischer Streit um die Falklandinseln.</b> 1764 hatten die Franzosen -durch den Weltumsegler <em class="gesperrt">Bougainville</em> auf diesen Inseln eine Kolonie Port Louis -gegründet, die Engländer folgten 1766 mit der Niederlassung Port Egmont. Gegen -beide erhob Spanien Einspruch, und Frankreich holte seine Kolonisten wieder ab, die -Engländer wurden mit Gewalt vertrieben. Die Spanier verlangten von dem englischen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_213" id="Page_213">[213]</a></span> -Befehlshaber dort die Räumung der Ansiedlung innerhalb von sechs Monaten und -erzwangen diese, ehe noch Weisung von London ergangen war, im Juni 1770 mit fünf -Fregatten und 1600 Mann; die schwache Garnison, die keinen Widerstand hatte leisten -können, ward nach England geschickt.</p> - -<p>Dieser Gewaltakt erregte die öffentliche Meinung in England heftig, -während der corsicanische Zwischenfall mehr nur die Staatsmänner beschäftigt -hatte. <em class="gesperrt">Choiseul</em> und die spanischen Minister erwarteten und -erhofften eine Kriegserklärung, da sie sich schon stark genug glaubten. England -rüstete auch eine Flotte von 40 Linienschiffen, zeigte sich aber doch -mit einer leichten Genugtuung zufrieden. König Karl III. mochte zwar -anfangs nicht nachgeben, aber Ludwig XV. wollte keinen Krieg, und <em class="gesperrt">Choiseul</em>, -dessen Stellung durch die Freunde der Dubarry schon erschüttert -war, wurde im Dezember 1770 gestürzt. Sein Nachfolger, der <em class="gesperrt">Herzog -d'Aiguillon</em><a name="FNAnker_114_115" id="FNAnker_114_115"></a><a href="#Fussnote_114_115" class="fnanchor">[114]</a> — der „Held von St. Cas“ (vgl. Seite <a href="#Page_146">146</a>) —, der nur -den Willen des Königs ausführte, wurde schnell mit Lord North einig, und -England gab Port Egmont als zu kostspielig freiwillig auf.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schwäche der englischen Politik</em>, die sich bei -beiden Gelegenheiten offenbarte, war <em class="gesperrt">eine Folge der inneren -Zwistigkeiten in England</em>, die ja auch den übereilten Frieden -von Paris verschuldet hatten. König <em class="gesperrt">Georg</em> III. strebte seit seiner Thronbesteigung -(25. Oktober 1760) danach, eine selbständige, persönliche Politik -zu führen, besaß aber weder die Geistes- noch die Charaktereigenschaften -dazu. Er wollte die Macht der Krone erweitern und das Parlament in ihr -gefügiges Werkzeug verwandeln; Männer von festem Charakter waren ihm -zuwider, jede republikanische Gesinnung verhaßt. Er verdrängte den tatkräftigen -<em class="gesperrt">Pitt</em> durch seinen Günstling <em class="gesperrt">Lord Bute</em>, der ihm ein gefügiges -Werkzeug war. Dieser mußte zwar gleich nach dem mißliebigen -Friedensschlusse wieder zurücktreten, aber das System blieb dasselbe.</p> - -<p>Viele dem Volke mißliebige Regierungsmaßregeln, so auch das schroffe -Vorgehen gegen die amerikanischen Kolonien, sind auf des Königs persönliche -Anregung zurückzuführen. Seiner inneren Politik folgte eine Auflösung -aller Parteiverhältnisse und statt fester langjähriger Ministerregierungen -wie bisher, fand ein ununterbrochener Wechsel statt; erst <em class="gesperrt">Lord North</em> -blieb von 1770 an 12 Jahre im Amte. Immer lauter erscholl im Lande der -Ruf nach einer Reform der Volksvertretung, immer heftiger wurden -Regierung und Parlament angegriffen und gleichzeitig spitzte sich der Streit -mit den Kolonien immer mehr zu.</p> - -<p>Die englische Regierung war unter diesen Umständen weder kampflustig -noch fühlte sie sich kriegsbereit, und auch in Frankreich erlosch die<span class="pagenum"><a name="Page_214" id="Page_214">[214]</a></span> -Kriegsneigung nach dem Falle Choiseuls bis zum Tode Ludwigs XV.; die -unfähige Regierung hatte auch hier genug mit den inneren Verhältnissen -zu tun. Doch ist es von Wichtigkeit, Choiseuls Pläne gegen England kennen -zu lernen, da man späterhin mehrfach auf sie zurückkam.</p> - -<p class="small"><b>Choiseuls Pläne gegen England.</b> <em class="gesperrt">Choiseul</em> suchte nicht nur die Streitmittel -Frankreichs und Spaniens für die nächste günstige Gelegenheit zur Abrechnung mit -England bereitzustellen, sondern traf auch sonst alle Maßnahmen für den Krieg. Da -er Streitigkeiten Englands mit seinen Kolonien voraussah, sandte er 1764 und 1766 -einen Seeoffizier nach Nordamerika, um die Küstenverhältnisse zu erforschen, sowie -1767 den Baron <em class="gesperrt">von Kalb</em>, den späteren amerikanischen General und Freund -Lafayettes, um sich über die Stimmung in den Kolonien zu unterrichten.</p> - -<p class="small">Vor allem aber ließ er Pläne für einen Einfall in England entwerfen. Man findet -in Lacour (I, Seite 416 ff.) verschiedene derselben, von denen besonders zwei bemerkenswert -sind. Auch nach England waren Offiziere zur Untersuchung geeigneter -Landungsplätze geschickt. Einer dieser, ein Landoffizier <em class="gesperrt">de Berille</em>, schlug nun -vor, Spanien solle für sich Demonstrationen oder Diversionen unternehmen, um die -Nachteile gemeinsamer Operationen auszuschalten, Frankreich aber an vier Stellen — -Lime, Dartmouth, Fowey und Looe — landen und auf Bristol marschieren, um diesen -wichtigen Handelsplatz zu nehmen, dann würde London vom Könige und Parlament -den Friedensschluß verlangen. Die Expedition solle von den kleinen Häfen der Bretagne -ausgehen und auf Fischerfahrzeugen in einer der langen Nächte gegen Ende des Winters, -„plötzlich und heimlich wie Schmuggler“ übergeführt werden, wenn ein Sturm die -englische Flotte vertrieben habe.</p> - -<p class="small">Auch <em class="gesperrt">Choiseul</em> selber entwarf einen Plan mit genauer Verteilung der französischen -Flotte, die dazu bis 1770 auf 80 Linienschiffe und 40 Fregatten zu bringen sei; -Spanien sollte 20 Linienschiffe dazu stellen und gleichzeitig Portugal erobern. Ein ähnlicher -Plan, und zwar der bemerkenswerteste, stammte vom <em class="gesperrt">Graf Broglie</em>, dem -Bruder des berühmten Marschalls. Wie Ludwig XV. sich ihm allein bekannte Agenten -im Auslande hielt — man sagt, nur um das Vergnügen zu haben, besser unterrichtet -zu sein als seine Minister —, so hatte er auch Broglie heimlich mit der Aufstellung eines -Planes betraut und einen Ingenieuroffizier nach England gesandt, der die Mündung -der Themse sowie die Häfen, Arsenale und die Marschwege nach London von der Küste -von Cornwallis an erkundete.</p> - -<p class="small">Nach Broglies Entwurf sollte Spanien Jamaika und Nordamerika mit einer Flotte -bedrohen, mit einer andern Irland und gleichzeitig Gibraltar angreifen, während Frankreich -Seestreitkräfte von Toulon gegen Minorca und Ostindien, von Brest gegen Schottland -zu senden habe. Es waren dies aber nur Diversionen. Zum Hauptangriff -sollte das Gros der Brestflotte 60000 Mann über den Kanal führen und sie -zwischen Dungeness und Beachyhead landen; der Marsch gegen London war tagweise -festgelegt. <em class="gesperrt">Broglie</em> arbeitete den Plan 1763–1766 aus, legte ihn aber 1768 -mit Genehmigung des Königs Choiseul vor, wohl aus Furcht vor dessen Zorn und -auch, um nicht nur zum Vergnügen des Königs gearbeitet zu haben. Choiseul billigte -ihn, er wurde auch 1777 <em class="gesperrt">Ludwig</em> XVI. unterbreitet, und endlich nahm -<em class="gesperrt">Napoleon</em> I. Kenntnis von ihm.</p> - -<p class="small">Eingehende Tabellen über die nötigen Streitkräfte und Transportmittel, sowie -über die Maßregeln, die England voraussichtlich zur Abwehr ergreifen müsse, waren -aufgestellt; wir geben einige Auszüge aus ihnen<a name="FNAnker_115_116" id="FNAnker_115_116"></a><a href="#Fussnote_115_116" class="fnanchor">[115]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_215" id="Page_215">[215]</a></span></p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p215_1"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="8">Frankreich sollte stellen:</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc" colspan="6">England brauche dagegen</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">für</td> - <td class="tdl">den Einfall</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">Liniensch.,</td> - <td class="tdc">20</td> - <td class="tdc">Freg.,</td> - <td class="tdc">60000</td> - <td class="tdc">Mann</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc">45</td> - <td class="tdc">Liniensch.,</td> - <td class="tdc">25</td> - <td class="tdc">Freg.,</td> - <td class="tdc">40000</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Schottland</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> 800</td> - <td class="tdc">„</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> 6</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">5–6000</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Minorca</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">15000</td> - <td class="tdc">„</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> 4500</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="td12">„</td> - <td class="td30">Ostindien</td> - <td class="td30" colspan="4">(dieselben Schiffe)</td> - <td class="td12"> 1500</td> - <td class="td12">„</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - <td class="tdc"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl" colspan="2">Insgesamt</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">Liniensch.,</td> - <td class="tdc">36</td> - <td class="tdc">36 Freg.,</td> - <td class="tdc">77300</td> - <td class="tdc">Mann.</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td colspan="6"> </td> - </tr> -</table> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p215_2"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="8">Spanien:</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td colspan="6"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">Gegen</td> - <td class="tdl">Gibraltar</td> - <td class="tdc">12</td> - <td class="tdc">Liniensch.,</td> - <td class="tdc"> 8</td> - <td class="tdc">Freg.,</td> - <td class="tdc">20000</td> - <td class="tdc">Mann</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc">d. v. Minorca</td> - <td class="td11" rowspan="3"></td> - <td rowspan="3"></td> - <td class="tdc" rowspan="3">einige</td> - <td class="tdc"> 4000</td> - <td class="tdc">Mann</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Westind.</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">10</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">12000</td> - <td class="tdc">„</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc"> 20</td> - <td class="tdc"> 8000</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdl">Irland</td> - <td class="tdc">15</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">20</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">15000</td> - <td class="tdc">„</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc"> 15</td> - <td class="tdc">10000</td> - <td class="tdc">„</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="15"></td> - </tr> - <tr> - <td class="td31" colspan="2">Insgesamt</td> - <td class="td17">42</td> - <td class="td17">Liniensch.,</td> - <td class="td17">28</td> - <td class="td17">Freg.,</td> - <td class="td17">47000</td> - <td class="td17">Mann</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="td17">101</td> - <td class="td17" colspan="3"> </td> - <td class="td17">72000</td> - <td class="td17">Mann</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Die Truppen für den Einfall in England — 54000 Mann Infanterie, 3000 Kavallerie, -3000 technische Waffen, eingeteilt in vier Divisionen — sollten in Dünkirchen, Calais, -Boulogne auf 130 Transportern eingeschifft werden, in Dieppe und Havre auf 200, -in Honfleur und Cherbourg auf 110, in St. Malo und Morlaix auf 150 solchen. Die Brestflotte, -40 Linienschiffe, hatte die englischen Seestreitkräfte in den heimischen Gewässern, -die mit Sicherung der ganzen Küste betraut und nicht vereint sein würden, zu schlagen, -um den Weg freizumachen.</p> - -<p class="small">Es ist bemerkenswert, daß bei Ausbruch des Krieges 1778 in Frankreich wie in -Spanien das in diesem Plane verlangte Schiffsmaterial reichlich vorhanden und daß -auch die Stärke der englischen Marine richtig eingeschätzt war. Wir werden dies aus -den späteren Betrachtungen der Streitmittel der Gegner in diesem Kriege ersehen.</p> - -<p><b>Die Entstehung des Seekrieges zwischen Frankreich, Spanien, Holland -und England.</b> Als <em class="gesperrt">Ludwig</em> XVI. die Regierung antrat, näherten sich die -Unruhen in Nordamerika ihrem Höhepunkt. Der drohende Bruch zwischen -England und seinen Kolonien schien für Frankreich eine günstige Gelegenheit, -die erlittenen Verluste wettzumachen, und der Minister des Äußern -unter dem neuen König, <em class="gesperrt">Graf von Vergennes</em>, der letzte tüchtige -Staatsmann des alten Regimes, war bereit, sie auszunützen. Er stützte -sich dabei auf weite Kreise des Volkes. Die französische Jugend der höheren -und höchsten Stände brannte darauf, die militärische Ehre des Landes -wiederherzustellen, und die sogenannte „aufgeklärte Gesellschaft“, begeistert -für die Gedanken Montesquieus und Rousseaus, hegte die wärmste Teilnahme -für die demokratischen Amerikaner. Die Erhebung der Kolonien -1775 erregte in Frankreich großen Jubel, und die geheimen Bemühungen der -Amerikaner um Frankreichs Hilfe hatten Erfolg, wenn auch zunächst nicht -offensichtlich.</p> - -<p><em class="gesperrt">Vergennes</em> neigte zwar schon Anfang 1776 zur erklärten Parteinahme -gegen England, aber der Finanzminister <em class="gesperrt">Turgot</em>, mit durchgreifenden -Reformen in seinem Ressort beschäftigt, riet zum Abwarten. Er -scheute die Kosten, solange der Erfolg nicht ganz sicher schien, und äußerte -die Ansicht, daß schon der Kampf Englands mit seinen Kolonien Frankreich -Vorteile bringen würde. Er empfahl Beobachtung der Vorgänge in Großbritannien -und Nordamerika, weitere Stärkung der Marine, sowie Vorbereitungen -für einen Einfall in England und vorsichtige Unterstützung der -Amerikaner mit Kriegsmaterial. Seine Ansicht wurde von bedeutenden<span class="pagenum"><a name="Page_216" id="Page_216">[216]</a></span> -Männern geteilt, aber nicht von der Hofpartei, und als er von dieser wegen -seiner Reformen gestürzt war (Mai 1776), die den privilegierten Ständen -mißfielen, wurde aus der heimlichen Parteinahme bald eine offene. Nach -der Unabhängigkeitserklärung traten an Stelle der bisherigen geheimen -Agenten wirkliche Bevollmächtigte der „Vereinigten Staaten von Nordamerika“.</p> - -<p>Im Dezember 1776 erschienen als solche <em class="gesperrt">Benjamin Franklin</em>, -<em class="gesperrt">Silas Deane</em> und <em class="gesperrt">Lee</em> in Paris, um von der französischen Regierung -die Anerkennung des neuen Staates, sowie den Abschluß eines Bündnisses -zu erlangen. Diese Verhandlungen gingen zwar vorläufig nur durch Mittelspersonen, -da die französische Regierung noch nicht mit England brechen -wollte — auch der neue Finanzminister <em class="gesperrt">Necker</em> erklärte sich wegen der -Finanznot gegen unmittelbare Einmischung; man war noch nicht genügend -gerüstet und große militärische Erfolge hatten die Amerikaner bislang nicht -aufzuweisen —, aber sie hoben doch die Begeisterung für Amerika in Frankreich -noch mehr.</p> - -<p class="small"><b>Die amerikanischen Agenten in Frankreich.</b> <em class="gesperrt">Silas Dean</em>, ein Mitglied des -Kongresses, war schon vor dem Abfall der Kolonien als politischer Agent und Handelskommissär -nach Frankreich gekommen, wo er mit der Regierung sowie Privaten unterhandelte, -um Geld zu leihen, Kriegsmaterial zu kaufen, Offiziere und Freiwillige zu -werben; er sammelte auch einen Kreis von Personen um sich, die von Begeisterung für -die Sache der Amerikaner, von Haß gegen England und von Kriegslust erfüllt waren. -Auf sein Betreiben gingen mit Erlaubnis der Regierung reiche Geldmittel, Kriegsmaterial, -durch dritte Hand von der Regierung erhalten, sowie zahlreiche Offiziere nach Amerika. -Die nach der Unabhängigkeitserklärung eingetroffenen Gesandten gewannen die öffentliche -Meinung noch mehr für die amerikanische Sache. Ohne jede Kenntnis der engherzigen -religiösen und politischen Ansichten der herrschenden Klasse in den Kolonien -sah man in den Amerikanern Kämpfer für religiöse Freiheit und politische Ideale, selbst -die recht nüchternen Nachrichten der nach Amerika gegangenen Offiziere blieben unbeachtet.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Franklin</em> war der rechte Mann, diese Stimmung zu heben. Statt eines klugen -und berechnenden Diplomaten, wie er es war, sah man in dem mit gesuchter Einfachheit, -mit Ruhe und Milde auftretenden alten Manne das Vorbild des vollendeten Philosophen. -Er wurde der Mann des Tages; Philosophen, junge Offiziere, Damen der Gesellschaft -und Höflinge drängten sich zu ihm. Immer mehr gab man dem Bestreben der Gesandten -nach, Frankreich zu offener Parteinahme zu bewegen, vernachlässigte die -Vorsicht bei den Unterstützungen und versuchte kaum noch, England durch friedliche -Versicherungen zu täuschen. Viele bedeutende Personen gingen von oder über Frankreich -nach Amerika, so der junge <em class="gesperrt">Marquis de Lafayette</em>, einer der glänzendsten -und reichsten Edelleute, der in Begleitung des schon als Agent Choiseuls erwähnten -deutschen <em class="gesperrt">Barons von Kalb</em> und einer kleinen auserlesenen Schar auf eigenem -Schiff hinübersegelte; die Regierung sandte ihm mit Rücksicht auf England der Form -halber einen Haftbefehl nach und ließ ihn auch durch zwei Kriegsschiffe verfolgen. -Ihm folgten später der ehemalige preußische Offizier und Adjutant Friedrichs II. -<em class="gesperrt">von Steuben</em>, der Pole <em class="gesperrt">Kosciusko</em> sowie verschiedene Franzosen, die sich -nachher in den Revolutions- sowie Napoleonischen Kriegen auszeichneten, z. B. -<em class="gesperrt">Custine</em> und <em class="gesperrt">Berthier</em>.</p> - -<p>Als dann am 4. Dezember 1777 die Nachricht von der Kapitulation des -englischen Generals <em class="gesperrt">Burgoyne</em> bei Saratoga eintraf, schien der günstige<span class="pagenum"><a name="Page_217" id="Page_217">[217]</a></span> -Augenblick gekommen, Englands Verlegenheit auszunutzen. <em class="gesperrt">Vergennes</em> -empfing am 12. Dezember die Gesandten öffentlich, Frankreich erkannte -am 6. Februar 1778 die neue Republik an, schloß mit ihr einen Handelsvertrag -und verpflichtete sich, sie mit seiner ganzen Kraft zu unterstützen, -bis sie ihre Unabhängigkeit errungen habe. Es stellte nur die Bedingung, -daß die Amerikaner nicht Frieden schließen dürften, ehe ihre Unabhängigkeit -gesichert sei, denn man nahm an, England werde um seine wertvollste Kolonie -bis aufs äußerste kämpfen und so schwere Schädigung erleiden. Frankreich -verzichtete dagegen feierlich für alle Zeiten auf jeden Besitz in Nordamerika, -womit auch der Wiedererwerb Kanadas ausgeschlossen war; es behielt sich -nur Eroberungen südlich der Bermudainseln, in Westindien, vor.</p> - -<p>Dieser Vertrag wurde am 13. März an England bekanntgegeben mit -dem Zusatz, daß sich die Vereinigten Staaten bereits im Besitz ihrer Unabhängigkeit -befänden und daß Frankreich erwarte, England würde alles -vermeiden, was seinen Handel mit denselben stören könne. Dies war eine -ausgesprochene Kriegsdrohung, und England rief darauf ohne weiteres seinen -Gesandten ab, der Paris am 16. März ohne Abschied verließ. Frankreich tat -das gleiche am 17. Eine formelle Kriegserklärung erließ keine der Parteien, -auch nicht, als die kriegerischen Unternehmungen begannen. Der König -von Spanien versuchte noch zu vermitteln, von Frankreich hierzu angeregt, -und dieses beging den Fehler, nicht gleich anzugreifen, obgleich es kriegsbereiter -als England war. Der Krieg ward erst im Juni von diesem eröffnet, -doch war schon am 13. April eine französische Flotte nach Amerika gesegelt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> zur offenen Parteinahme zu bewegen, war bisher nicht gelungen. -Wenn auch die Minister den Krieg mit England wünschten, so war -doch der König nicht geneigt, eine Republik anzuerkennen, geschweige -denn, sich mit ihr zu verbünden, und so gab man vorläufig nur Geldunterstützungen -für die Amerikaner; man sollte überhaupt annehmen, daß es -einer Macht, die selber weitentlegene Kolonien besaß, nicht hätte ratsam -erscheinen dürfen, aufständische Kolonien eines anderen Staates zu unterstützen, -aber die Hoffnung Gibraltar, Minorca und vielleicht gar Jamaika -wiederzuerringen, ließ wohl über diesen Punkt hinwegsehen. Frankreich -und die spanischen Minister versuchten stetig weiter, den König umzustimmen, -jedoch noch im März 1779 blieb der König von Spanien selbst -eigenhändigen Briefen Ludwigs XVI. unzugänglich. Da benutzte man seine -persönliche Eitelkeit, machte ihn glauben, es sei seine Pflicht, zwischen -Frankreich und England zu vermitteln, und als dann seine Bemühungen an -Englands unannehmbaren Bedingungen scheiterten, hatte man ihn gewonnen. -Am 12. April 1779 unterzeichnete Spanien einen Vertrag mit Frankreich, -demzufolge ein gemeinsamer Einfall in England oder Irland unternommen -und Minorca erobert werden solle; beide Mächte verpflichteten sich, in keinen -Frieden oder Waffenstillstand zu willigen, ehe Gibraltar genommen sei. -Den Krieg erklärte Spanien erst am 16. Juni, um seine Rüstungen inzwischen -zu vollenden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_218" id="Page_218">[218]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Ziele des spanisch-französischen Bündnisses.</b> In dem Vertrage wurden als Ziele -des Krieges festgelegt: Für Spanien: die Wiedergewinnung von Gibraltar, Minorca, -Pensacola nebst der Küste von Florida längs des Bahamakanales; Vertreibung der -Engländer aus der Honduras- und Campeche-Bucht. Für Frankreich: Aufhebung der -Verpflichtungen, Dünkirchen sowie die Niederlassungen in Ostindien nicht zu befestigen; -Eroberung Dominicas.</p> - -<p>An <em class="gesperrt">Holland</em> erklärte England am 20. Dezember 1780 selber den Krieg, -als sein Versuch 1779, auf Grund des nun gerade hundert Jahre alten Vertrages -von den Niederlanden Unterstützung zu erhalten, wenn ein Einfall -in England drohe, am Widerstand der französischen Partei der Republik -gescheitert war. Dagegen hatten auch hier die Unterhändler Amerikas Erfolg. -In Amsterdam war es ihnen gelungen, Anleihen unterzubringen, ja 1779 im -geheimen einen Handelsvertrag abzuschließen. England erhielt 1780 Kenntnis -davon und suchte nun einen Kriegsgrund, denn auf Hollands Hilfe konnte -man nicht mehr rechnen, als Gegner aber fiel es bei der Schwäche seiner -Marine nicht ins Gewicht, sein Handel und seine Kolonien boten dagegen -lohnende Angriffsobjekte. Als nun Holland der gegen England gerichteten -sogenannten „bewaffneten Neutralität der Ostseemächte“ beitreten wollte, -war der Grund gefunden<a name="FNAnker_116_117" id="FNAnker_116_117"></a><a href="#Fussnote_116_117" class="fnanchor">[116]</a>.</p> - -<p class="small"><b>Die bewaffnete Neutralität der Ostseemächte</b> und ihre seerechtlichen Forderungen. -England hatte schon im vorigen Kriege das Recht beansprucht, feindliches Gut in -neutralen Schiffen wegzunehmen (vgl. Seite <a href="#Page_124">124</a> und <a href="#Page_199">199</a>). Dieser Grundsatz schädigte -auch jetzt Holland und die Ostseemächte schwer, in deren Hände während des Krieges -ein großer Teil des europäischen Handels überging; anderseits lag England daran, gerade -die Produkte der Ostsee, Schiffsmaterialien (Bauholz) und Getreide, seinen Gegnern -vorzuenthalten. Im Jahre 1780 traten auf Anregung der Kaiserin <em class="gesperrt">Katharina</em> II. -Rußland, Dänemark und Schweden zusammen und erließen eine Erklärung, in der gefordert -wurde:</p> - -<p class="small">1. Neutrale Schiffe sollten das Recht haben, nicht nur nach unblockierten Häfen, -sondern auch von Hafen zu Hafen einer kriegführenden Macht zu segeln (also den Küstenhandel -dort im Gange zu halten).</p> - -<p class="small">2. Das Eigentum der Untertanen einer kriegführenden Macht an Bord neutraler -Schiffe sollte unantastbar sein. („Frei Schiff — frei Gut“.)</p> - -<p class="small">3. Nur Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Kriegsmunition sollten als Kontrebande -gelten. (Dies schloß Lebensmittel und Schiffsmaterialien aus, soweit sie nicht -der Regierung eines Kriegführenden gehörten.)</p> - -<p class="small">4. Die Blockaden sollten eine entsprechende Seestreitmacht in nächster Nähe -des blockierten Hafens erfordern, um bindend zu sein.</p> - -<p class="small">Die verbündeten Mächte verpflichteten sich, diesen Forderungen durch Bereithaltung -einer gemeinsamen Flotte von festgesetzter Mindeststärke Nachdruck zu verleihen. -Dem Vertrage schlossen sich am 8. Mai 1781 Preußen und am 9. Oktober 1781 -der Kaiser (mit Rücksicht auf die österreichischen Niederlande) an, später traten auch -Portugal sowie Neapel bei. Frankreich und Spanien erklärten sich einverstanden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_219" id="Page_219">[219]</a></span></p> - -<p class="small">England versprach Rußland, dessen übrigens geringfügigen Handel zu schonen -und erhob zwar gegen die Erklärung keinen Widerspruch, dachte aber auch nicht daran, -sie zu beachten, was bei seiner Stärke zur See kaum wundernehmen kann. Die Generalstaaten -hatten sich nach langen Verhandlungen am 20. November 1780 entschlossen, -dem Bunde der Ostseemächte beizutreten, ehe aber die Erklärung in Petersburg eintraf -(24. Dezember), erklärte England den Krieg. Rußland lehnte nun den Beitritt -Hollands — und damit die Verpflichtung, für dasselbe einzutreten — mit der Begründung -ab, daß dieser Staat nicht mehr neutral sei; von England im geheimen beeinflußte -Personen hatten dies bewirkt.</p> - -<p><b>Kennzeichnung und Bedeutung des Seekrieges von 1778.</b> <em class="gesperrt">Der Landkrieg -in Nordamerika</em> ist für uns nur soweit von Wichtigkeit, als -Seestreitkräfte unmittelbar in ihn eingriffen und durch ihn Flottenbewegungen -hervorgerufen wurden; wir werden ihn deshalb auch nicht eingehender schildern, -als die Berücksichtigung dieser Punkte fordert. <em class="gesperrt">Der Seekrieg</em> -aber, der 1778 begann, <em class="gesperrt">ist von großer Bedeutung für die Seekriegsgeschichte</em>. -Es ist ein Kampf, wie ihn das 18. Jahrhundert -noch nicht gesehen hatte. In den vorangegangenen Kriegen — dem Spanischen, -dem Österreichischen Erbfolgekriege und dem Siebenjährigen — -war Englands Macht zur See weit überlegen. Es fand in den beiden erstgenannten -auch noch den Beistand der holländischen Marine, und wenn diese -auch nur gering war, so glich er doch die Unterstützung Frankreichs durch -Spanien aus, und im Siebenjährigen Kriege blieb Holland wenigstens neutral. -Außerdem war England, besonders in den beiden letztgenannten Kriegen, -an keinem Landkriege beteiligt, während Frankreich durch einen solchen -abgelenkt und zu großen Opfern genötigt wurde. So war es England stets -gelungen, durch früher oder später einsetzendes kräftiges Vorgehen die -Marine Frankreichs niederzuwerfen und dann die Früchte unbedingter Seeherrschaft -zu ernten, indem es dem Gegner die Hilfsquellen verstopfte und -ihm seine fernen Besitzungen abnahm.</p> - -<p>Jetzt mußte England mit seinen abgefallenen Kolonien einen ernsten -Landkrieg führen und auch einen Teil seiner Seestreitkräfte in dessen Dienst -stellen; Frankreich dagegen war am Lande frei. Es war England nicht geglückt, -Verbündete zu finden, ja sogar die Anwerbung der durchaus nötigen -Hilfstruppen in Deutschland wurde bald durch Preußen und den Kaiser eingeschränkt. -Spanien trat diesmal beizeiten auf die Seite Frankreichs, und -die vereinten Marinen dieser Länder, beide in den letzten Jahren wesentlich -erstarkt, waren der englischen an Zahl der Schiffe überlegen. Später kam -dann noch Holland als Gegner Englands hinzu, und dieses mußte auch mit -den Kräften der „bewaffneten Neutralität“ bis zu einem gewissen Grade -rechnen. Nicht zu unterschätzen ist endlich die Schädigung der englischen -Marine durch den Wegfall der Seeleute aus den amerikanischen Kolonien, -den man auf 18000 berechnet.</p> - -<p>England war in einer gefährlichen Lage; es mußte neben dem Kampfe -um Wiederherstellung seiner Oberhoheit in Nordamerika auch seine, während -der letzten hundert Jahre errungene Seeherrschaft verteidigen. Diese Obmacht<span class="pagenum"><a name="Page_220" id="Page_220">[220]</a></span> -zu brechen, die außer auf einer starken Marine auf den Kolonien, den -Marinestationen draußen und dem Seehandel in allen Teilen der Welt beruhte, -war das Ziel der Gegner. England befand sich in diesem Kriege in der Verteidigung -und suchte seine außerheimischen Besitzungen überall durch eine -genügende Macht zu sichern. Da nun seine Seestreitkräfte denen der Gegner -zahlenmäßig anfangs unterlegen, später etwa gleich waren, hatten die Gegner -mehrfach auf einem der Kriegsschauplätze, meistens auf dem europäischen, -das Übergewicht. Englands Streitkräfte waren aber aus einem Guß -und lagen in einer Hand, die der Verbündeten verstanden sich nicht -immer und wurden oft getrennt zu Sonderzwecken eingesetzt; beides -Schwächen der meisten Bündnisse. Zudem war auch der innere Wert -der englischen Marine doch ein höherer als der der anderen, vornehmlich -der spanischen, und so ging England schließlich unbesiegt aus dem schweren -Kampfe hervor.</p> - -<p>In den vorhergegangenen Kriegen des 18. Jahrhunderts tritt zwar der -große Einfluß der unbeschränkten Seeherrschaft mehr hervor, das darauf -fußende stolze Auftreten Englands kennzeichnet ihn, aber der jetzt zu besprechende -ist seekriegsgeschichtlich bedeutungsvoller. Die europäischen -Gewässer von England bis Gibraltar, die Küsten Nordamerikas, sowie West- -und Ostindien bieten Kriegsschauplätze für große Flotten. Die Strategie -beider Parteien gibt Anlaß zu eingehenden Betrachtungen, und auch in Hinsicht -auf die Taktik bringt der Krieg viel Bemerkenswertes. Auf allen Kriegsschauplätzen -messen sich Flotten gleicher Stärke in zahlreichen rangierten -Schlachten, während die vorhergegangenen Kriege deren nur wenige brachten. -Gerade in den Kämpfen des Seekrieges 1778–1783 erkennen wir deutlich -die Entwicklung der Seetaktik, wie wir sie als eins der Kennzeichen des -IV. Abschnittes hingestellt haben.</p> - -<h4>Die Streitmittel.</h4> - -<p class="small">Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist bereits im -Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt, dort sind sie auch auf ihren Wert miteinander verglichen -unter Hervorhebung einiger gerade für den vorliegenden Krieg bemerkenswerten -Punkte. Wir können uns deshalb hier fast ganz auf Angaben über die Schiffsbestände -und Schiffsverluste, sowie auf Hinweise betreffend die wichtigsten anderen Punkte -beschränken.</p> - -<p><b>Frankreich.</b> Den <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em> um 1778 kann man mit einiger -Sicherheit auf 70–80 Linienschiffe, 70 Fregatten und Korvetten, sowie -etwa 100 kleinere Fahrzeuge annehmen. Zur Verwendung überhaupt sind -während des ganzen Krieges 92 Linienschiffe gekommen: 6 des ersten Ranges -(110 Kanonen), 2 des zweiten (86 Kanonen), 84 des dritten (7 zu 80, 48 zu 74, -29 zu 64 Kanonen). Diese Zahl ist gleichzeitig niemals vorhanden gewesen, -in ihr sind Schiffe enthalten, die verloren gingen, und solche, die neu erbaut -wurden. <em class="gesperrt">Der Verlust</em> betrug 18 Linienschiffe, sowie etwa 50 Fregatten<span class="pagenum"><a name="Page_221" id="Page_221">[221]</a></span> -und Korvetten; von den ersteren sind 12 vom Feinde genommen, die übrigen -vernichtet oder sonst verunglückt<a name="FNAnker_117_118" id="FNAnker_117_118"></a><a href="#Fussnote_117_118" class="fnanchor">[117]</a>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schiffe</em> waren fast sämtlich neu, vorzügliche Seeschiffe und -auch besser gehalten als in den vorangegangenen Kriegen, da Werften, sowie -Arsenale leistungsfähiger waren, doch scheint hierin nach der Amtstätigkeit -der beiden <em class="gesperrt">Choiseul</em> schon wieder ein Rückschritt eingetreten zu sein. -Frankreich hatte jetzt auch Dreidecker (Schiffe ersten Ranges), es stellte -aber, wenn auch selten, noch immer 50-Kanonenschiffe in die Linie ein; -seine Hauptkraft lag in Schiffen zu 74 Kanonen. Nur ein Bruchteil der -Linienschiffe war gekupfert, und dies gereichte ihnen zum Nachteil gegenüber -den englischen durchweg gekupferten, da die ungekupferten langsamer -waren und dadurch häufig die schnelleren behinderten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Seeoffiziere</em> waren besonders theoretisch sehr gut ausgebildet. -Ihre Zahl reichte aber bei der Indienststellung während dieses Krieges -nicht aus, so daß man stark auf die Reserve aus der Handelsmarine (die sogenannten -„officiers bleus“, vgl. Seite <a href="#Page_31">31</a>) zurückgreifen und auch Offiziere -des Heeres in die Marine einstellen mußte. Auch an <em class="gesperrt">Mannschaften</em> -mangelte es, obgleich die seemännische Bevölkerung zugenommen hatte und -gegen 67000 Mann in den Inskriptionslisten verzeichnet waren. Besonders -später nach Verlusten, hauptsächlich durch Krankheiten infolge der schlechten -gesundheitlichen Verhältnisse an Bord hervorgerufen, mußte man Fremde -(Malteser, Genueser, ja Albaneser) anwerben, Seesoldaten sowie Mannschaften -des Heeres an Stelle fehlender Matrosen einschiffen.</p> - -<p><b>Spanien</b> besaß 1778 70 Linienschiffe: 2 zu 110 und 114 Kanonen, 2 zu -86, 7 zu 80, 48 zu 70–74, 11 zu 64. Hinzu traten 2 Schiffe zu 60, 2 zu 50, -sowie genügend Fregatten usw. Die Marine war mithin unter <em class="gesperrt">Karl</em> III. -stattlich gewachsen, auch waren die Schiffe neu und gut gebaut. Aber alle -Quellen stimmen darin überein, daß es der spanischen Marine infolge der -sonstigen Verhältnisse im Lande an einer gesunden Organisation gefehlt habe und -daß, wie bisher, Werften und Arsenale nicht imstande gewesen wären, die Schiffe -gut auszurüsten. Ebenso sollen Offiziere wie Mannschaften wie früher im allgemeinen -minderwertig gewesen sein. <em class="gesperrt">Der Verlust</em> an Linienschiffen betrug -8, darunter 4 vom Feinde genommen, und 18 andere Kriegsfahrzeuge<a name="FNAnker_118_119" id="FNAnker_118_119"></a><a href="#Fussnote_118_119" class="fnanchor">[118]</a>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Holland</em> hatte kaum noch eine nennenswerte Marine.</p> - -<p class="small"><b>Die innere Geschichte seiner Marine</b> sei kurz berührt (anschließend an Seite 59; -zusammengestellt nach de Jonge, Band IV, Seite 282, 392, 432, 472). <em class="gesperrt">Wilhelm</em> IV., -seit 1747 Statthalter, hatte versucht, die Marine wieder zu heben. Er schuf Einrichtungen -zu besserer wissenschaftlicher Ausbildung der Seeoffiziere und sorgte für ihre Vermehrung, -sowie schnellere Beförderung. Er ernannte 5 Leutnantsadmirale, 6 Vize<span class="pagenumsmall"><a name="Page_222" id="Page_222">[222]</a></span>- und -8 Kontreadmirale, so daß die Marine mehr Flaggoffiziere zählte als zur Zeit ihres -höchsten Glanzes. Er erstrebte ferner, die Admiralitäten von ihren Schulden zu befreien -und die Zahl der Schiffe zu vermehren. Man faßte auch dahinzielende Beschlüsse, -doch wurden diese weder während der kurzen Regierung Wilhelms (bis 1751) noch -unter der vormundschaftlichen Regierung seiner Gemahlin <em class="gesperrt">Anna</em> durchgeführt, und -nach deren Tode (1759) schlief die Teilnahme für die Marine wieder völlig ein.</p> - -<p class="small">So kam es, daß Holland bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, in dem nur -einige Schiffe zum Handelsschutz Verwendung fanden, nicht stärker dastand als 1741 -und daß 1772 der Schiffsbestand sogar nur noch 12 Schiffe über 60 Kanonen (also zeitgemäße -Linienschiffe), 14 zu 50–54, 6 zu 44, 15 zu 36, 18 zu 20–24 und 1 zu 12 — also -insgesamt 66 Segel — betrug. <em class="gesperrt">Wilhelm</em> V., der 1766 die Regierung selbständig -übernahm, versuchte den Bau der längst als notwendig erkannten Schiffe durchzusetzen, -aber erst 1778, als der Krieg zwischen England und Frankreich ausbrach, beschlossen -die Provinzen einstimmig, den Bau von 24 Linienschiffen (aber noch von 50 Kanonen -an aufwärts gerechnet).</p> - -<p>Im September 1780, also kurz ehe England den Krieg an Holland erklärte, -war man wegen Mangels an Geld und Mannschaften nur imstande, -von dem eben angeführten geringen Bestande 8 Schiffe zu 60–71 Kanonen, -10 zu 50–54, sowie 11 Fregatten von 36–44 und 20 kleinere Fahrzeuge in -Dienst zu stellen. Der seit 1778 begonnene Bau von neuen Schiffen ging infolge -Geldmangels und zu geringer Leistungsfähigkeit der Werften nur langsam -vorwärts; erst 1783, vor dem Friedensschluß, zählte Holland im Bestande -9 Schiffe zu 70–76 Kanonen, 23 zu 60–64, 14 zu 50–54, 26 zu 36 -bis 40, 12 zu 20 und 56 kleinere Fahrzeuge (Kutter, Advijsjagden und Küstenfahrzeuge). -Um diese in Dienst zu stellen, wären 31000 Mann nötig gewesen; -wirklich in Dienst waren jedoch nur 11 Linienschiffe über 60 Kanonen, 11 über -50, 21 schwere Fregatten, 11 Korvetten, sowie sämtliche kleineren Fahrzeuge mit -einer Gesamtbesatzung von 19000 Mann. Man beabsichtigte die ganze Flotte -mobil zu machen, aber infolge des Waffenstillstandes kam es nicht mehr dazu. -<em class="gesperrt">Der Verlust</em> an Schiffen im Kriege betrug 4 Schiffe von 50–64 Kanonen -und 5 von 16–38; 7 dieser Fahrzeuge waren vom Feinde genommen.</p> - -<p><b>Die bewaffnete Neutralität der Ostseemächte</b> verpflichtete sich, an Seestreitkräften -bereit zu halten:</p> - -<table summary="p222"> - <tr> - <td class="td18">Schiffe mit Kanonen</td> - <td class="td32">70–76</td> - <td class="td32">60–66</td> - <td class="td32">40–50</td> - <td class="td32">20–38</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Rußland</td> - <td class="td16"> 3</td> - <td class="td16">16</td> - <td class="td16"> 6</td> - <td class="td16"> 9</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Dänemark</td> - <td class="td16"> 6</td> - <td class="td16"> 6</td> - <td class="td16"> 4</td> - <td class="td16"> 9</td> - </tr> - <tr> - <td class="td30">Schweden</td> - <td class="td13"> 6</td> - <td class="td13"> 8</td> - <td class="td13"> 3</td> - <td class="td13">11</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">Gesamt</td> - <td class="td16">15</td> - <td class="td16">30</td> - <td class="td16">13</td> - <td class="td16">29</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="5"></td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="td21" colspan="2"></td> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td></td> - <td class="tdc" colspan="2">45 Linienschiffe.</td> - <td></td> - <td></td> - </tr> -</table> - -<p><b>England</b> hatte <b>1775</b> einen <em class="gesperrt">Schiffsbestand</em><a name="FNAnker_119_120" id="FNAnker_119_120"></a><a href="#Fussnote_119_120" class="fnanchor">[119]</a>: von 131 Linienschiffen: -4 zu 100 Kanonen, 17 zu 90 und 98, 99 zu 64–80, 11 zu 60, 16 Schiffe<span class="pagenum"><a name="Page_223" id="Page_223">[223]</a></span> -zu 54 und 4 zu 44; an Fregatten: 38 zu 32 und 36 Kanonen, 24 zu 28, 7 zu -24, 13 Schiffe zu 22 und 20, 38 Sloops zu 8–18 Kanonen. Insgesamt 269 -Segel, zu denen noch eine große Zahl kleinerer Fahrzeuge (cutter, adviceboats) -traten. <em class="gesperrt">Der Verlust</em> im Kriege betrug 13 Linienschiffe (nur eins fiel -in Feindeshand), 57 Schiffe von 20–50 Kanonen (16 genommen) und -100 Sloops sowie kleinere Fahrzeuge (50 in Feindeshand). Aber wiederum -vermehrte England während des Krieges seine Flotte derart, daß um <b>1788</b> -174 Linienschiffe und insgesamt 450, ja mit Einschluß der ganz kleinen -Fahrzeuge 650 Segel vorhanden waren.</p> - -<p>Hervorzuheben ist dabei, daß der Zuwachs an Linienschiffen vorwiegend -in solchen zu 74 Kanonen (etwa 40 solcher) bestand; ferner waren die Schiffe -zu 44 und 50 Kanonen (auch etwa um 40), sowie die Fregatten mit über -30 Kanonen (etwa um 50) besonders vermehrt. Die englischen <em class="gesperrt">Seeoffiziere</em> -zeichneten sich vor den französischen besonders durch seemännische -Geschicklichkeit und Erfahrung, sowie infolge der vorhergegangenen -siegreichen Kriege durch Kühnheit und Selbstvertrauen aus. Für die <em class="gesperrt">Mannschaften</em> -war gleichfalls vorzügliches Material vorhanden, hier aber trat -im Gegensatz zu Frankreich bei Beginn des Krieges, wie auch früher stets, -Mangel zutage, weil viele Seeleute mit den Handelsschiffen abwesend waren; -es mußte beim Pressen auf minderwertiges Personal zurückgegriffen werden.</p> - -<p>Wenn wir <em class="gesperrt">den Vergleich der Seestreitkräfte</em> (vgl. -Kapitel II, Seite <a href="#Page_33">33</a>) nochmals zusammenfassen, so ergibt sich, daß die -Vorteile für Frankreich und Spanien aus den neueren und besseren Schiffen -durch die Tüchtigkeit der englischen Besatzungen mehr als aufgewogen -wurden; auch führte England während des Krieges die Kupferung der Schiffe -allgemein durch und erreichte damit eine annähernd gleiche Geschwindigkeit -dieser in den Flotten. An Schiffszahl aber konnte England in diesem -Kriege nicht überlegen auftreten. Sein Gesamtschiffsbestand war zwar 1778 -dem der vereinigten Gegner gleich und überwog ihn 1783 bedeutend. Aber -in keinem Kriegsjahre hat England auch nur annähernd so viel Schiffe in -Dienst gestellt, wie der Bestand aufwies, während Frankreich und Spanien -dies taten.</p> - -<p>Es ist möglich, daß England durch Mangel an Geld, Material und Leuten -beschränkt wurde, wahrscheinlicher ist es jedoch, daß der Gesamtbestand -eine große Zahl von Fahrzeugen enthielt (namentlich unter den Linienschiffen<a name="FNAnker_120_121" id="FNAnker_120_121"></a><a href="#Fussnote_120_121" class="fnanchor">[120]</a>, -die nicht mehr kriegsbrauchbar waren; ein Umstand, der bei -den neugegründeten Marinen der Gegner fortfiel. Da nun Englands Strategie -— häufig als unrichtig beurteilt — in diesem Kriege dahin strebte, auf allen -Kriegsschauplätzen stets einem Angriff gewachsen zu sein, waren die Verbündeten -in den europäischen Gewässern immer und auch auf den überseeischen -Schauplätzen bisweilen die Stärkeren. Man hatte in England vor<span class="pagenum"><a name="Page_224" id="Page_224">[224]</a></span> -diesem Kriege, obgleich er lange vorauszusehen war, den schon weit früher -von Marineautoritäten aufgestellten Grundsatz aus dem Auge gelassen, die -Marine stets der vereinigten Seemacht der beiden bourbonischen Königreiche -gewachsen zu halten.</p> - -<p class="small"><b>Eine Zusammenstellung der Indiensthaltungen</b> während der Kriegsjahre möge -Vorstehendes veranschaulichen. Die Angaben über England sind einer Tabelle aus -Colomb, „Naval Warfare“, Seite 366 entnommen. Es ist die einzige ihrer Art, die in -den Quellen zu finden war, und auch sie ist nach Angabe des Autors nur im allgemeinen -genau, da infolge von Konvoibegleitungen, Ablösungen ausbesserungsbedürftiger Schiffe -usw. beständig Verschiebungen vorkamen. Über Frankreich und Spanien war keine -solche Zusammenstellung zu finden (mit Ausnahme der Angabe über Frankreich für -das Jahr 1700, welche Lacour II, Seite 305 entnommen ist); wir mußten die Zahlen -nach den Angaben über die bei kriegerischen Ereignissen zur Verwendung gelangten -Schiffe annähernd errechnen.</p> - -<p class="small">Die so geschätzten Zahlen werden zu niedrig sein, denn wie bei England die Gesamtzahl -der Schiffe auf den Stationen stets weit größer ist als die bei den großen Unternehmungen -genannte, ist es auch bei den Verbündeten der Fall; auf beiden Seiten -wurde eine gewisse Zahl von Linienschiffen durch Ablösungsfahrten, Handelsschutz -und Handelskrieg, Schutz der Häfen usw. der Verwendung in den großen Schiffsverbänden -entzogen. Immerhin werden die Angaben einigermaßen zu einem Vergleiche -der von beiden Seiten aufgestellten Seestreitkräfte dienen können.</p> - -<table summary="p224_1"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="6"><em class="gesperrt">Englands Seestreitkräfte</em> (Linienschiffe).</td> - </tr> - <tr> - <td class="td18">Heimische Gewässer</td> - <td class="td32">Mittelmeer</td> - <td class="td32">Westindien<a href="#Fussnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td32">Nordamerika<a href="#Fussnote_2_4" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="td32">Ostindien</td> - <td class="td32">Insgesamt</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1778: 48</td> - <td class="td16">1</td> - <td class="td16">14</td> - <td class="td16">12</td> - <td class="td16"> 2</td> - <td class="td16"> 77</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1779: 43</td> - <td class="td16">2</td> - <td class="td16">30</td> - <td class="td16">10</td> - <td class="td16"> 8</td> - <td class="td16"> 93</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1780: 43</td> - <td class="td16">2</td> - <td class="td16">33</td> - <td class="td16">17</td> - <td class="td16"> 8</td> - <td class="td16">102</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1781: 39</td> - <td class="td16">1</td> - <td class="td16">44</td> - <td class="td16">19</td> - <td class="td16">12</td> - <td class="td16">115</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc">1782: 35</td> - <td class="td16">1</td> - <td class="td16">59</td> - <td class="td16">12</td> - <td class="td16">22</td> - <td class="td16">129</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_5" id="Fussnote_1_5"></a><span class="label">1)</span> In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen (Barbados) -und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit schwächere.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_4" id="Fussnote_2_4"></a><span class="label">2)</span> In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch war auch -Halifax besetzt.</p></div></div> - -<table summary="p224_1"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="6"><em class="gesperrt">Streitkräfte der Verbündeten.</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="td18" colspan="5">Brest bzw.<br />spanische Küste</td> - <td class="td32">Toulon bzw.<br />Mittelmeer</td> - <td class="td32">Westindien<a href="#Fussnote_1_5" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="td32">Nordamerika</td> - <td class="td32">Ostindien</td> - <td class="td32" colspan="5">Insgesamt<a href="#Fussnote_2_4" class="fnanchor">2)</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr">1778</td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdl">32</td> - <td class="td16">5</td> - <td class="td16">23</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16"> 2</td> - <td class="td19">62</td> - <td></td> - <td></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">1779</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdl">30</td> - <td class="td16">5</td> - <td class="td16">25</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16"> 2</td> - <td class="td19">62</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdl" rowspan="2">118</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Spanien</td> - <td class="tdl">38</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">18</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td19">56</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td19"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">1780</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdl">27</td> - <td class="td16">4</td> - <td class="td16">27</td> - <td class="td16">7</td> - <td class="td16"> 5</td> - <td class="td19">70</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdl" rowspan="2">123</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Spanien</td> - <td class="tdl">35</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">18</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td19">53</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td19"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">1781</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdl">26</td> - <td class="td16">?</td> - <td class="td16">29</td> - <td class="td16">8</td> - <td class="td16">11</td> - <td class="td19">74</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdl" rowspan="2">125</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Spanien</td> - <td class="tdl">32</td> - <td class="td16">3</td> - <td class="td16">15</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td19">50</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="tdl"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td16"></td> - <td class="td19"></td> - <td></td> - <td></td> - <td class="tdl"></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdr" rowspan="2">1782</td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="td10" rowspan="2"></td> - <td class="tdl">Frankreich</td> - <td class="tdl">15(min.)</td> - <td class="td16">?</td> - <td class="td16">36</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">13</td> - <td class="td19">64(?)</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td rowspan="2"></td> - <td class="tdl" rowspan="2">109(?)</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Spanien</td> - <td class="tdl">35</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">20</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td16">—</td> - <td class="td19">55</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_6" id="Fussnote_1_6"></a><span class="label">1)</span> Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_5" id="Fussnote_2_5"></a><span class="label">2)</span> Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige zuzurechnen. So -gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe -an; diese Zahl erscheint allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses -Jahr von uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_225" id="Page_225">[225]</a></span></p> - -<p><b>Die Vereinigten Staaten von Nordamerika</b><a name="FNAnker_121_122" id="FNAnker_121_122"></a><a href="#Fussnote_121_122" class="fnanchor">[121]</a> schufen während des Krieges -eine kleine Marine; der 22. Dezember 1775 gilt als ihr Geburtstag. Der Kongreß -befahl am 5. Oktober 1775 dem General <em class="gesperrt">Washington</em>, zwei vor -Massachusetts zum Kreuzen gegen Zufuhren der Engländer ausgerüstete -Fahrzeuge in den Dienst der Allgemeinheit zu nehmen, um zwei mit Waffen -und Munition erwartete Schiffe abzufangen, da dem Landheere besonders -Pulver fehlte. Am 13. Oktober wurde dann eine Kommission eingesetzt, -um die Ausrüstung von weiteren vier Fahrzeugen in die Wege zu leiten, -und im November beschloß man, durch Aufbringen von englischen Kriegs- -sowie Handelsschiffen den Krieg auch zur See zu führen.</p> - -<p>Die Kommission ward dann zur festen Behörde für Angelegenheiten -der Marine und erließ organisatorische Bestimmungen für eine solche; am -11. Dezember ordnete man den Bau von 5 Schiffen zu 32 Kanonen, 5 zu 28, -3 zu 26 an, die im März 1776 seeklar sein sollten. Sechs dieser Schiffe sind -niemals in See gegangen, sie wurden schon in den Bauhäfen von den Engländern -zerstört. Gleichzeitig wurden geeignete Handelsschiffe zu Kriegszwecken -eingerichtet — 2 Vollschiffe zu 20 und 24 Kanonen, 2 Briggs, 1 Sloop -und 2 Schoner — und am 22. Dezember 1775 die Offiziere für diese ernannt, -nämlich ein Kommodore, 4 Kapitäne, 5 Leutnants I. Klasse (unter diesen -der bald berühmte <em class="gesperrt">John Paul Jones</em>), 8 II. Klasse. An einem der nächsten -Tage heißte auf dem Flaggschiff „Alfred“ der erste Offizier (<em class="gesperrt">Jones</em>) -eigenhändig die neue Flagge: 13 Streifen, abwechselnd rot und weiß, mit -dem britischen Union Jack<a name="FNAnker_122_123" id="FNAnker_122_123"></a><a href="#Fussnote_122_123" class="fnanchor">[122]</a>. Das kleine Geschwader konnte jedoch des -Eises wegen nicht vor dem 17. Februar 1776 zum ersten Male in See gehen -(zu einer Expedition gegen die Bahamainseln). Die 8 Fahrzeuge führten insgesamt -110 Kanonen, als schwerste aber nur 9-Pfdr. Zu Offizieren hatte -man meist Personen ernannt, die sich schon auf den kleinen Kreuzern der -Küstenstaaten ausgezeichnet hatten, unter den Mannschaften befanden sich -dagegen viele Nichtseeleute, da die seemännische Bevölkerung den Dienst -auf Freibeutern vorzog.</p> - -<p>Als die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erfolgte, zählte die -Marine 24 Fahrzeuge aller Größen bis zur schweren Fregatte (32 Kanonen) -mit 422 Geschützen. Während der Kriegsjahre wurde sie nach Kräften -durch Neubau, Kauf und Einstellung genommener Fahrzeuge vermehrt, -aber fast alle Schiffe fielen dem Feinde in die Hände, wurden vernichtet oder -gingen sonst verloren; beim Friedensschluß waren nur noch 3 größere -Schiffe mit insgesamt 84 Geschützen vorhanden. <em class="gesperrt">Der Verlust</em><a name="FNAnker_123_124" id="FNAnker_123_124"></a><a href="#Fussnote_123_124" class="fnanchor">[123]</a> betrug<span class="pagenum"><a name="Page_226" id="Page_226">[226]</a></span> -3 Schiffe zu 40–44 Kanonen, 13 zu 28–32, 6 zu 20–26, 11 zu 12–14 und -6 zu 4–10. Rühmend heben amerikanische Quellen hervor, daß kein Kriegsfahrzeug -von englischen Freibeutern genommen sei, während amerikanische -Freibeuter 16 englische Kriegsschiffe genommen hätten.</p> - -<p>Verwendung fand die Marine nur in Verbindung mit Operationen am -Lande sowie im Kleinen Kriege; die Angaben über die Größe der Schiffe -machen dies selbstverständlich. Nach dem Kriege wurden die noch vorhandenen -Fahrzeuge verkauft, da die öffentliche Meinung gegen jede stehende -Waffe als eine monarchische Einrichtung war und auch deren Kosten scheute. -Erst 1794 gaben die Schäden, die der Seehandel durch die Barbaresken erlitt, -Anlaß zur Gründung einer neuen Marine.</p> - -<h4>Der Krieg in Nordamerika bis 1778<a name="FNAnker_124_125" id="FNAnker_124_125"></a><a href="#Fussnote_124_125" class="fnanchor">[124]</a>.</h4> - -<p><b>Das Jahr 1775</b> verlief für England ungünstig. Dies hatte in Friedenszeiten -in den Kolonien stets nur wenig Truppen, schwache Garnisonen in -einigen Städten sowie in den kleinen Forts, und selbst als die Lage bedenklich -wurde, sandte man nur geringe Verstärkungen hinaus, obgleich die Kolonien -1775 schon gegen 2 Millionen weiße Einwohner zählten. Es war für England -auch nicht leicht, sofort größere Kräfte aufzubieten.</p> - -<p class="small">Die englische Landarmee betrug 1774 nur 17500 Mann — die Flotte war mit -20000 Seeleuten bemannt; für 1775 waren gar nur 18000 ausgeworfen —, für 1776 bewilligte -das Parlament 55000 Soldaten, für die Marine 28000 Mann, von denen die größere -Zahl nach Amerika bestimmt war, aber man vermochte sie nicht aufzustellen, da die -Werbungen in Großbritannien und Irland wenig Rekruten brachten. Nur unter Entblößung -der Heimat konnte man die nötigsten Verstärkungen hinaussenden, und der -Kriegsminister empfahl, die aufständischen Kolonien allein durch Vernichtung ihres -Handels sowie Zerstörung der Küstenstädte mürbe zu machen. Hiervon wollte jedoch -der König nichts wissen, sondern kaufte für 1776 etwa 18000 Soldaten von den kleinen -deutschen Fürsten; in den nächsten Jahren bis zu 25000 insgesamt. Als Kurfürst von -Hannover sandte er ferner 2300 Hannoveraner nach Gibraltar und Minorca zur Ablösung -englischer Regimenter. Auf diese Weise wurden noch mehr Truppen aufgestellt, als -das Parlament bewilligt hatte, zum Teil aus Mitteln, die Korporationen und Private -zur Verfügung stellten. — Wie <em class="gesperrt">Friedrich der Große</em> über den Menschenhandel -in Deutschland dachte, zeigte sein Ausspruch: „Es sei billig, wenn er für die durch sein -Land ziehenden Soldaten den Viehzoll erhebe, da sie doch wie Vieh verkauft wären.“</p> - -<p><b>Gefechte bei Lexington und Bunkershill.</b> Als <em class="gesperrt">General Gage</em> im -Frühjahr den Gouverneursposten in Boston übernahm, hatte er nur etwa<span class="pagenum"><a name="Page_227" id="Page_227">[227]</a></span> -3500 Mann zur Verfügung, während in Massachusetts schon 12 000 Mann -unter Waffen standen und eifrig weiter gerüstet wurde. Bei Concord, etwa -6 Stunden von Boston, war ein Magazin eingerichtet; um es aufzuheben, entsandte -Gage Mitte April 800 Mann. Diese Truppe wies zwar auf dem Hinmarsche -eine kleine Abteilung Milizen blutig ab, die sich ihr in den Weg stellte, -und führte ihren Auftrag aus, wurde aber auf dem Rückmarsch durch große -Scharen der durch das erste Blutvergießen erregten Bevölkerung bei <em class="gesperrt">Lexington -am 19. April</em> angegriffen, verlor 65 Tote, 180 Verwundete sowie -28 Gefangene und würde vernichtet worden sein, wenn ihr nicht von Boston -16 Kompagnien zu Hilfe gekommen wären. <em class="gesperrt">Dieses Gefecht gilt als -der Anfang des Krieges</em>; Gage erklärte das Kriegsrecht, mußte sich -aber in Boston verschanzen, da die Stadt von jetzt an durch die Amerikaner -eingeschlossen wurde.</p> - -<p>Am 24. Mai trafen nun zwar die Generale <em class="gesperrt">Howe</em>, <em class="gesperrt">Clinton</em> und -<em class="gesperrt">Burgoyne</em> mit Truppen ein, wodurch das Heer auf 10000 Mann kam, -unternahmen aber noch nichts. Dagegen erlitten die Engländer eine neue -Niederlage. Als sie auf der durch den Charles-River von Boston getrennten -Landzunge eine die Stadt beherrschende Höhe — <em class="gesperrt">Bunkershill</em> — befestigen -wollten (jetzt erst!), kamen ihnen die Gegner zuvor. Die von diesen am -<em class="gesperrt">16. Juni</em> angelegte Befestigung wurde nun allerdings am <em class="gesperrt">17. Juni</em> von den Engländern -genommen, aber der Angriff kostete ihnen, trotz Unterstützung durch -das Feuer ihrer Kriegsschiffe, 1054 Mann, einschließlich 89 Offiziere, an Toten -und Verwundeten, während die Amerikaner nur 449 Mann einbüßten und sich — wegen -Munitionsmangels — in guter Ordnung zurückzogen. Nun trat <em class="gesperrt">George -Washington</em> an die Spitze des amerikanischen Heeres und brachte es -auf 20000 Mann, aber die Disziplin ließ sehr viel zu wünschen übrig, und es -mangelte an Kriegsmaterial jeder Art. Die Engländer, über die im Oktober -<em class="gesperrt">Sir William Howe</em> den Oberbefehl übernahm, versuchten nicht einmal, -die Linie der Belagerer zu durchbrechen, obgleich diese später kaum 9000 Mann -zählten, als die Milizen heimgingen, die ihren Dienst hinter sich hatten; sie -hofften, durch verschärfte Maßregeln — Beschlagnahme aller amerikanischen -Schiffe und Waren, sowie Blockade aller Häfen — die Kolonien zum Nachgeben -zu zwingen.</p> - -<p><b>Vordringen der Amerikaner gegen Kanada.</b> In dem eben begonnenen -Kriege war für beide Parteien die <em class="gesperrt">Hudsonlinie</em> wichtig, die fast ununterbrochene -Wasserstraße, die durch den Hudson, den George-, den Champlainsee -und endlich den Richelieu-River von New York bis zum St. Lawrencestrom -unterhalb Montreals gebildet wird. In der größtenteils noch unwegsamen -Gegend bot sie den Weg für amerikanische Angriffe auf Kanada sowie -für englische von dort; von den Engländern völlig beherrscht, setzte sie diese -in den Stand, die gefährlichsten Kolonien — die Neuenglandstaaten — von -den weniger feindseligen mittleren abzuschneiden. Deshalb und auch wohl -in der Hoffnung, die widerstrebenden Kanadier doch noch herüberzuziehen, -<em class="gesperrt">bemächtigten sich</em> im Mai die Obersten <em class="gesperrt">Arnold</em> und <em class="gesperrt">Allen</em> von<span class="pagenum"><a name="Page_228" id="Page_228">[228]</a></span> -Massachusetts aus mit nur 270 Mann des <em class="gesperrt">Forts Ticonderoga</em>, an -der Südspitze, und des <em class="gesperrt">Forts Crownpoint</em> am Westrande des Champlainsees.</p> - -<p>Von hier aus segelte <em class="gesperrt">Arnold</em> in einem Schoner zur Nordspitze des -Champlainsees bis zu dessen Ausfluß, dem Richelieu-River, und nahm hier das -<em class="gesperrt">Fort St. Johns</em>. Halten konnte er sich hier allerdings nicht, da eine starke -englische Truppe im Anmarsch war, die der Gouverneur von Kanada, -<em class="gesperrt">General Carleton</em>, zur Verstärkung der Grenzforts abgesandt hatte, -aber er verbrannte vor seinem Rückzuge alle Fahrzeuge im Norden des Sees und -sicherte sich so Crownpoint und Ticonderoga. Der Kongreß, der im Mai wieder -zusammengetreten war und mit England verhandelte, war zwar anfangs mit -diesem Vorgehen nicht einverstanden, gab aber später Washington Befehl, -Truppen für einen Einfall in Kanada bereitzustellen. Am 4. September schiffte -General <em class="gesperrt">Montgomery</em> in Crownpoint 2–3000 Mann ein, nahm Fort -Chambly am Richelieu-River und zwang St. John am 3. November zur Übergabe. -Er zog dann weiter, besetzte am 13. November <em class="gesperrt">Montreal</em> ohne -Kampf und ging den St. Lawrencestrom hinab gegen <em class="gesperrt">Quebec</em> vor; hier -traf er auf <em class="gesperrt">Arnold</em>. Dieser war während des Oktober durch die Wälder vorgedrungen, -wobei er infolge von Strapazen 500 Mann von 1200 verlor, hatte -am 13. November oberhalb Quebec den Strom überschritten und dieselbe -Höhe besetzt, die <em class="gesperrt">Wolfe</em> 16 Jahre früher erklommen; Carleton zählte nur -1500 Mann und war zu schwach, ihn zu vertreiben. Nach Montgomerys Eintreffen, -Anfang Dezember, ward die Stadt eingeschlossen. Zu einer regelrechten -Belagerung waren aber keine Mittel vorhanden, und ein Sturm am -31. Dezember, bei dem Montgomery fiel, wurde abgeschlagen. <em class="gesperrt">Arnold</em> -mußte sich nun begnügen, dem Feinde die Zufuhren vom Lande her abzuschneiden; -von See her tat dies das Eis. Die Kanadier zeigten keine Neigung, -von England abzufallen.</p> - -<p><b>Das Jahr 1776</b> brachte gleichfalls einige <b>bemerkenswerte Ereignisse zur -See</b>. Auf die Nachricht von dem ersten Blutvergießen bei Lexington bemächtigten -sich die Einwohner von Machias (Maine) mittels einer Sloop eines bewaffneten -Regierungsschoners, der mit Mastenhölzern beladene Fahrzeuge -nach Boston bringen sollte. Sie armierten mit seinen Kanonen die besser -segelnde Sloop und nahmen dann zwei Kriegsschoner, die von Halifax zur -Verhaftung des Rädelsführers der ersten Gewalttat geschickt waren. Diese -drei Fahrzeuge ließen sie gegen Schiffe kreuzen, die den Engländers in -Boston Proviant und Material brachten. In ähnlicher Weise wurde bei -Rhode-Island ein Kriegsschoner genommen, dessen Kommandant wegen -seiner Schroffheit beim Durchsuchen von Handelsschiffen verhaßt war. -Wie Maine sandten auch Massachusetts und Rhode-Island kleine Kreuzer -gegen die englischen Zufuhren aus; bald nahm der Kongreß diesen -Kaperkrieg in die Hand (vgl. Seite <a href="#Page_225">225</a>). Besonders erwünscht war das -Abfangen von Transportern mit Munition, da die eigenen Milizen hieran -Mangel litten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_229" id="Page_229">[229]</a></span></p> - -<p>Diese Kreuzfahrten hatten mehr Erfolg<a name="FNAnker_125_126" id="FNAnker_125_126"></a><a href="#Fussnote_125_126" class="fnanchor">[125]</a> als man glauben sollte. Allerdings -kamen die englischen Zufuhrschiffe ohne Deckung, und es ist kaum verständlich, -weshalb die Engländer sich nicht besser vorsahen, da sie doch in -Boston ganz auf Zufuhren von See her angewiesen waren. Wie stark ihre Seestreitkräfte -an der Küste waren, ist leider nirgend zu ersehen, nur Laird -Clowes sagt, sie seien weder stark genug noch geeignet gewesen, ihre Aufgabe -zu erfüllen, und erst im Oktober habe der Chef der Station, Admiral -<em class="gesperrt">Graves</em>, den Befehl erhalten, seinerseits amerikanische Handelsschiffe aufzubringen. -Um diese Zeit wurden schroffe Maßregeln ergriffen und zu diesen -gehörten <em class="gesperrt">Expeditionen gegen Küstenstädte</em>, die Feindseligkeiten -begangen hatten. So bombardierte Kapitän Mouatt mit 4 Kriegsschiffen -am 16. Oktober Falmouth (jetzt Portland; Maine) und legte es in -Trümmer; später wurden noch andere Städte beschossen, z. B. Norfolk in -Virginia, das den Gouverneur vertrieben hatte.</p> - -<p class="small">Die Kunde von der barbarischen Beschießung der offenen Stadt Falmouth traf -am 31. Oktober gleichzeitig mit der Nachricht in Philadelphia ein, daß England deutsche -Truppen angeworben habe. Beides erhöhte die Erbitterung in den Kolonien, so daß -der Kongreß beschloß, eine Marine zu schaffen und den Krieg auch zur See zu führen.</p> - -<p><b>Das Jahr 1776</b> brachte zunächst <b>die Räumung Bostons</b>. Die bisherige -Untätigkeit der Engländer hatte den Amerikanern Zeit zur Durchführung -ihrer Rüstungen gegeben; durch die von den Freibeutern gemachten Prisen -hatten sie Waffen und Munition erhalten. Im März fühlte sich <em class="gesperrt">Washington</em> -stark genug, gegen Boston vorzugehen; <em class="gesperrt">Howe</em> mußte, da Freibeuter -und Winterstürme die Zufuhr an Lebensmitteln abschnitten, am 17. März -die Stadt aufgeben. Er segelte auf 150 Fahrzeugen mit 7–8000 Mann nach -Halifax ab, und etwa 1500 englisch gesinnte Einwohner schlossen sich ihm -aus Furcht vor der Rache ihrer Landsleute an. Er überließ dabei dem Gegner -ansehnliche Kriegsvorräte und später fielen diesem auch noch viele mit -solchen beladene Schiffe in die Hände, die ohne Kenntnis von dem Abzuge -der Engländer einliefen. <em class="gesperrt">Howe</em> wollte in Halifax die Ankunft einer großen -Verstärkung abwarten, die von England in Aussicht gestellt war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Kriegsplan für</em> 1776 war, mit der Hauptarmee von New York -aus den Hudson hinauf nach Albany vorzugehen, bis wohin der Fluß schiffbar -war, und dort einem von Kanada aus über die Seen geführten Angriff die -Hand zu bieten. Außerdem war ein kleinerer Vorstoß gegen die Carolinastaaten -geplant, da man hoffte, diese beiden südlichen Kolonien mit Unterstützung -der zahlreichen Englandfreunde dort leicht wieder gewinnen zu -können; wie aus Virginia hatten auch aus Nord- und Südcarolina die Gouverneure -flüchten müssen. Im Laufe des Sommers trafen gegen 30000 Mann, -darunter die deutschen Truppen, ein, so daß England einschließlich der kanadischen -Milizen und der Loyalisten über etwa 40000 Mann verfügte. Gleichzeitig -wurden die Seestreitkräfte vermehrt und unter den Befehl des Vizeadmirals<span class="pagenum"><a name="Page_230" id="Page_230">[230]</a></span> -<em class="gesperrt">Sir Richard Howe</em>, eines Bruders des Generals <em class="gesperrt">Sir William -Howe</em>, gestellt; an schwereren Schiffen sandte man den Küstenverhältnissen -entsprechend nur kleinere Linienschiffe zu 64 Kanonen und -50-Kanonenschiffe hinaus. Zahlreich scheint die Verstärkung nicht gewesen -zu sein, denn noch 1777/78 verfügte Howe nur über 7 oder 8 der ersteren und -6 oder 7 der letzteren an der ganzen nordamerikanischen Küste einschließlich -Kanadas. Vor Darstellung der Begebnisse auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, -auf denen überall Seestreitkräfte mitwirkten, sei das Nötigste -über den <em class="gesperrt">Fortgang der politischen Verhältnisse</em> gesagt.</p> - -<p><b>Die Unabhängigkeitserklärung der Kolonien</b> war schon im Mai 1775 auf -dem Kongresse angeregt, und im Februar 1776 wurden sämtliche Provinzialversammlungen -aufgefordert, ihren Deputierten beim Kongreß Vollmacht zur -Zustimmung zu geben, als <em class="gesperrt">Franklin</em> im Mai von England heimkam, Nachrichten -über die schroffe Haltung des Parlaments sowie der maßgebenden -Kreise dort mitbrachte und Mitglied des Kongresses ward, wurde es ihm leicht, -diese Angelegenheit zu fördern. Die Zerstörung der Küstenstädte, die Anwerbung -deutscher Truppen, maßlose Ausfälle der englischen Presse hatten die -Erbitterung weiter geschürt, während anderseits die leicht erlangte Räumung -Bostons sowie die Aussicht auf Frankreichs Unterstützung die Zuversicht -hoben. Eine Kolonie nach der anderen entschied sich für die Lossagung vom -Mutterlande. Ende Juni waren zwar die Deputierten von New York, Delaware, -Pennsylvanien und Südcarolina, in welchen Provinzen besonders viele -Loyalisten wohnten, noch nicht gewonnen, aber der Kongreßausschuß, der -die Angelegenheit bearbeitete — Jefferson, Adams, Franklin, Sherman und -Livingston —, wußte geschickt den Widerstand zu besiegen: Carolina fügte -sich; Delaware sandte noch einen Deputierten, der für den Abfall stimmte; -zwei Abgeordnete Pennsylvaniens blieben der Abstimmung fern.</p> - -<p>So erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit Stimmenmehrheit, und -die von <em class="gesperrt">Jefferson</em> entworfene <em class="gesperrt">Declaration of Independance</em> -ward in Abwesenheit der Abgeordneten New Yorks <em class="gesperrt">am 4. Juli 1776</em> einstimmig -angenommen; aber auch die New Yorker unterzeichneten nachträglich. -Man schickte nun die Gesandtschaft nach Frankreich, um sich dessen Beistand -zu sichern, denn ein gewagter Schritt blieb der Abfall immerhin. Zwar rechnete -man auf die Stimmung bei einem Teil des englischen Volkes und mit der -Schwierigkeit der Kriegführung für England in dem schwer zugänglichen -Innern der Kolonien, aber die eigenen Verhältnisse lagen auch nicht günstig. -England hatte noch viele Anhänger und die übrigen Einwohner waren -größerenteils zu Opfern an Gut und Blut wenig geneigt; für regelrechten -Kriegsdienst waren sie weder begeistert noch geeignet, und als Milizen gingen -sie heim, wenn sie ihrer zwölfmonatlichen Verpflichtung genügt hatten. Es -fehlte an Mitteln; bares Geld war an und für sich wenig im Lande, etwa nur -12 Millionen Dollars, und dem Kongreß fehlte vorläufig jede gesetzliche Grundlage. -Man suchte sich mit Beschlagnahme des Vermögens von Verrätern und -Verdächtigen zu helfen und gab Papiergeld aus, aber die erste Quelle versiegte<span class="pagenum"><a name="Page_231" id="Page_231">[231]</a></span> -schnell und das Papiergeld fiel bald im Werte<a name="FNAnker_126_127" id="FNAnker_126_127"></a><a href="#Fussnote_126_127" class="fnanchor">[126]</a>. Die Preise aller Waren stiegen; -es fehlte an Kleidung, Waffen und Unterhaltungsmitteln für das Heer. -<em class="gesperrt">Washington</em> und seine Freunde kamen mehr und mehr zur Erkenntnis, daß -nur die Ausnutzung der weiten, wenig bevölkerten Gebiete und die Aushungerung -der Engländer den Freiheitskampf so lange hinhalten konnten, bis -irgendwelche Hilfe kam. Die meisten dieser ungünstigen Zustände erhielten -sich bis zum Ende des Krieges, und man kann wohl mit Recht sagen, daß die -Freiheit Amerikas nicht durch den Heldenmut des Volkes, sondern durch die -Einsicht, Tatkraft und Aufopferung einer kleinen Zahl hervorragender Männer -sowie durch die Hilfe Frankreichs errungen ist.</p> - -<p><b>Der Angriff auf Charleston (Südcarolina) 28. Juni 1776</b>. Zuerst setzten -die Engländer die Expedition gegen Carolina ins Werk. Im Januar 1776 -segelten 2 50-Kanonenschiffe, 4 Fregatten zu 28 Kanonen, 4 kleinere Fahrzeuge -und ein Mörserboot unter Kommodore <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em> nebst -1000 Soldaten unter <em class="gesperrt">Lord Cornwallis</em> von England und trafen nach -stürmischer Überfahrt im Mai bei Kap Fear (Nordcarolina) ein. Hier befand -sich bereits General <em class="gesperrt">Sir Henry Clinton</em>, der von <em class="gesperrt">Howe</em> im Januar -mit 2000 Mann dorthin gesandt war. Bei seiner Ankunft hatten sich die -Loyalisten zu erheben versucht, wurden aber von den Aufständischen niedergehalten, -und Clinton fühlte sich nicht stark genug, in das Land einzudringen. -Bei Ankunft der Verstärkung aus England übernahm er den Oberbefehl und -beschloß, Charleston anzugreifen. Die Expedition segelte am 1. Juni weiter, -ankerte am 4. außerhalb der Barre vor der Einfahrt zur genannten Stadt, -passierte die Barre vom 7. bis 10. Juni, griff am 28. das Fort Moultrie an, -das die Einfahrt deckte, vermochte es jedoch weder von See her niederzukämpfen -noch von Land aus zu erstürmen.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf des Angriffes</b> war kurz folgender. (Nach Colomb, Seite 417, mit Plan, -und Clowes III, Seite 372, dort sehr eingehend.) Die Haupteinfahrt, der Mainshipchannel, -führt zunächst zwischen einer langgestreckten nur an ihrem Südende passierbaren Barre, -und Morris-Island etwa fünf Seemeilen nördlich und wendet sich dann zwischen der -Nordspitze genannter Insel und Sullivan-Island, nahe unter dieser, nach Westen der -Stadt zu. Diese engste Stelle der Einfahrt ist noch etwa 4 Seemeilen von der Stadt entfernt -und wurde damals nur durch ein Werk auf Sullivan-Island beherrscht — später -nach seinem jetzigen Verteidiger <em class="gesperrt">Fort Moultrie</em> genannt. Das Fort besaß Bastionen -auf den vier Ecken, die Wälle bestanden aus Sand und waren mit zusammengefügten -Palmstämmen bedeckt. Nur die Hauptfront, die nach Süden die Einfahrt bestrich, und -die Westfront waren fertig, die beiden anderen erst notdürftig gegen Ersteigen gesichert. -28 Geschütze (18- und 9-Pfünder) waren aufgestellt und zwar 21 in der Hauptfront; -eine von Osten nach Westen laufende Traverse deckte diese gegen Rückenfeuer, -doch ein Schutz gegen Enfilieren war nicht vorhanden und die Munition war sehr knapp. -Letzterer Umstand war jedoch den Angreifern nicht bekannt. <em class="gesperrt">Parker</em> ließ die tiefste -Stelle der Barre ausloten und ausbojen; dann erfolgte die Durchfahrt, die Fregatten und -die Transporter ankerten am 7. Juni innerhalb der Barre, ein 50-Kanonenschiff folgte -erst am 10., da es zur Erleichterung Geschütze hatte abgeben müssen, das zweite 50-Kanonenschiff -war noch nicht eingetroffen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_232" id="Page_232">[232]</a></span></p> - -<p class="small">Vom 9.–15. landete <em class="gesperrt">Clinton</em> seine Truppen auf Long Island, einer Insel, unmittelbar -nördlich von Sullivan-Island. Man beabsichtigte, das Fort aus den Schiffen -zu beschießen und vom Lande her zu erstürmen. Die Wasserrinne zwischen den Inseln -war aber selbst bei niedrigstem Wasserstande noch 7 Fuß tief, und da man keine Mittel zum -Überschreiten hatte, genügte ein kleiner, in niedrigem Gestrüpp liegender Trupp -Amerikaner, jede Mitwirkung der Gelandeten beim Angriff zu verhindern. Die Verteidiger -fanden noch Zeit, ihre Befestigungen zu verstärken, denn der Angriff erfolgte -erst am 28., da das zweite schwere Schiff nicht vor dem 26. zur Stelle war und am 27. ungünstiger -Nordwind wehte.</p> - -<p class="small">Am genannten Tage legten sich die 50-Kanonenschiffe sowie 2 Fregatten um 11 Uhr -vorm. auf etwa 330 Meter Entfernung in Linie parallel der Hauptfront und eröffneten -ein schnelles, gutgerichtetes Feuer; sie wurden durch das Mörserboot unterstützt. Die -Entfernung war jedoch zu groß, um Kartätschen verwenden zu können; die Vollkugeln -drangen nicht durch den Wall, wenn auch zuweilen 3 bis 4 gleichzeitige Breitseiten diesen -so erschütterten, daß die Verteidiger fürchteten, er würde nach innen fallen; die Bomben -des Mörserbootes richteten keinen Schaden an, da sie entweder tief in den Sand eindrangen -oder in einen Morast im Innern des Werkes fielen. Das Mörserboot wurde überhaupt -bald durch Zusammenbrechen seiner Geschützbettung gefechtsunfähig. Die Amerikaner -unterhielten ein ruhiges, mit Rücksicht auf den geringen Munitionsbestand sehr langsames -Feuer nur auf die 50-Kanonenschiffe, welche sehr in der Takelage beschädigt -wurden und starke Mannschaftsverluste erlitten. Die beiden anderen Fregatten sowie -eine Sloop hatten das Fort passieren und im Westen desselben ankern sollen, um die -kämpfenden Schiffe gegen Branderangriffe von der Stadt her zu decken und um die -Hauptfront zu enfilieren. Sie liefen jedoch sämtlich auf einer Bank in der Mitte des Fahrwassers -auf; zwei von ihnen kamen nach einigen Stunden bei steigendem Wasser frei, -aber eine Fregatte mußte verbrannt werden, als der Kampf aufgegeben wurde. Nach -Aussage der Verteidiger würden ihre Leute von den Geschützen vertrieben sein, wenn -diese Schiffe die richtige Stellung eingenommen oder wenn die anderen Kartätschen -hätten verwenden können. So verloren sie nur durch einige Schartentreffer 37 Tote und -Verwundete, während der englische Verlust 94 Mann betrug; Parker wurde leicht, sein -Flaggkapitän tödlich verwundet. Nach Eintritt völliger Dunkelheit, 9 Uhr abends, -brach der Kommodore den Kampf ab und ging auf seinen Ankerplatz an der Barre -zurück.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Parker</em> hat wohl auf einen leichteren Erfolg und auch bis zuletzt auf Mitwirkung -der Gelandeten gerechnet. Es wäre gar nicht nötig gewesen, das Werk zu nehmen, -um nach Charleston zu gelangen. Bei dem Angriff 1780 liefen die Schiffe ohne Schwierigkeit -an dem Fort vorbei und auch bei dieser Gelegenheit hatten die Verteidiger ein -Gleiches erwartet.</p> - -<p>Der Angriff wurde nicht erneuert, da die Schiffe sehr beschädigt und -die Munitionsvorräte fast erschöpft waren. Es wurde auch sonst kein Versuch -gemacht, sich ohne Rücksicht auf das Fort der Stadt zu bemächtigen; die -Führer erachteten doch wohl das Landungskorps für zu schwach, um -sich in der Kolonie halten zu können, da in dieser zahlreiche Milizen unter -General <em class="gesperrt">Lee</em> zusammengezogen waren. Die Expedition segelte nach der -nötigsten Ausbesserung der Schiffe wieder ab und traf gerade rechtzeitig am -4. August vor New York ein, um an der Einnahme dieser Stadt teilzunehmen.</p> - -<p><b>Der Angriff der Engländer von Kanada aus, 1776<a name="FNAnker_127_128" id="FNAnker_127_128"></a><a href="#Fussnote_127_128" class="fnanchor">[127]</a></b>, hatte mehr Erfolg. Im -April ward <em class="gesperrt">General Carleton</em> aus seiner gezwungenen Untätigkeit in<span class="pagenum"><a name="Page_233" id="Page_233">[233]</a></span> -Quebec erlöst. Am 12. traf ein kleines Geschwader unter Kapitän <em class="gesperrt">Charles -Douglas</em> mit einigen Transportern an der Mündung des St. Lawrencestromes -ein. Er preßte seine Schiffe durch das mürbe gewordene Eis den -Fluß hinauf und erschien am 6. Mai vor der Stadt. Die Amerikaner hatten -während des Winters unter Entbehrungen und Krankheiten schwer gelitten -und <em class="gesperrt">Arnold</em> verfügte nur über 1500 Mann. Carleton drang nun vor und -Arnold wich langsam zurück; er traf am 3. Juli in Crownpoint ein, die Engländer -folgten bis St. Johns. Sie wollten auf der Hudsonlinie bis Albany -vorgehen, um hier dem Vorstoß von New York aus die Hand zu reichen; dies -erschien durchführbar, da das Heer in Kanada mit dem Eintreffen der großen -Verstärkungen aus Europa Ende Oktober fast 13000 Mann betrug, während -die Amerikaner nur schwache Kräfte bei Crownpoint stehen hatten. Aber -der Marsch an den Ufern des Champlainsees war wegen der völligen Unwegsamkeit -des Geländes unmöglich, man mußte den Wasserweg wählen. Dies -führte zu einem Kampfe um den See, und hierfür schufen sich beide Parteien -eine Flottille. Bei ihrem Rückzuge hatten die Amerikaner sämtliche Fahrzeuge -vom Norden mit sich genommen, so auch einen englischen Schoner -aus St. Johns; vorläufig beherrschten sie den See.</p> - -<p class="small"><b>Die Flottillen auf dem Champlainsee.</b> <em class="gesperrt">Arnold</em> hatte durch Briefe schon während -seines Rückzuges den Bau von Fahrzeugen vorbereitet. Er ließ Schiffszimmerleute, -Segelmacher sowie Material von der Küste nach Crownpoint kommen. Zwei Schoner -zu 12 Kanonen waren bereits vorhanden; nun wurden noch ein Schoner, eine Sloop zu -10 und 3 Galeonen zu 6–8 und 8 Gondolas zu 3–5 Kanonen gebaut. Die 15 Fahrzeuge -führten insgesamt 88 Geschütze und waren mit 700 Mann, allerdings meist Nichtseeleuten, -bemannt. Die Galeren und Gondolas waren Ruderfahrzeuge, erstere auch zum -Segeln eingerichtet, und führten ein oder 2 schwerere Geschütze im Bug. Die anderen -Fahrzeuge hatten nur wenig schwere Geschütze (12- und 18-Pfünder), meist nur 4-Pfünder -oder 9-Pfünder; die Munition war knapp. Die Schoner, die Sloop und 5 Gondolas waren -Mitte August bereit.</p> - -<p class="small">War es für die Amerikaner schwierig, Material und Personal zu beschaffen, so -konnten sie doch in genügend tiefem Wasser bauen. Den Engländern hingegen standen -zwar die genannten Bedürfnisse durch das Geschwader in Quebec reichlich zur Verfügung, -aber die Aufstellung im See machte Schwierigkeiten. Der Wasserweg von Quebec war -für größere Fahrzeuge nur bis Fort Chambly am Richelieu-River, etwa zehn Seemeilen -unterhalb St. Johns, schiffbar. <em class="gesperrt">Carleton</em> und <em class="gesperrt">Douglas</em> ließen nun in Quebec die -Hölzer für zwei Schoner vorbereiten, sowie ein schon fertiges Vollschiff von 180 tons -wieder auseinandernehmen; dieses Material wurde dann zu Wasser nach Chambly, von -dort über Land nach St. Johns gebracht, um hier die Fahrzeuge zusammenzusetzen. -Anfang Oktober waren bereit: 1 Schiff zu 18 Kanonen (12-Pfünder); zwei Schoner mit -14 oder 12 (6-Pfünder); 1 floßartiges Blockschiff mit 6 (24-Pfünder), 12 (6-Pfünder), 2 Haubitzen, -allerdings ein sehr unhandliches Fahrzeug; 1 Gondola und 12 Boote mit je einem -Geschütz, 24-Pfünder bis zum kleinsten Feldgeschütz hinab. Munition war reichlich -vorhanden, und unter der 1000 Mann starken Besatzung der Flottille befanden sich -8 Offiziere nebst 700 ausgesuchten Matrosen der Kriegsschiffe in Quebec.</p> - -<p>Schon Anfang September erschien <em class="gesperrt">Arnold</em> mit 8 Fahrzeugen vor -St. Johns, um den Gegner zu beobachten und das Fahrwasser zu sperren, -er konnte sich aber hier nicht halten, als die Engländer an den Ufern Batterien -errichteten. Er ging deshalb bis etwa 14 Seemeilen südlich des Forts zurück<span class="pagenum"><a name="Page_234" id="Page_234">[234]</a></span> -und nahm hinter der Insel <em class="gesperrt">Valcour</em> — zwischen Grand-Island und dem -Weststrande des Sees, wo jetzt Platsburg liegt — Stellung; hier sammelten -sich nach und nach die 15 Fahrzeuge seiner Flottille. Als am 10. Oktober -Meldung vom Nahen des Feindes eintraf, riet der nächstälteste Offizier, unter -Segel zu gehen und ein Rückzugsgefecht zu führen, um nicht von beiden -Seiten angegriffen zu werden; Arnold glaubte jedoch, daß er dann sicher vernichtet -werden würde, da der Gegner durch Größe und Schnelligkeit der -Schiffe überlegen war. In der engen Straße, in der er sich befand, war er gegen -Norden durch eine Untiefe gedeckt, und glaubte bei einem Angriffe von Süden -günstige Aussichten für den Kampf zu haben, da fast stets nördlicher Wind -wehte, der Gegner also aufkreuzen mußte und seine Fahrzeuge voraussichtlich -ohne Ordnung und nur einzeln heranführen konnte. In der Hauptsache kam -es auch so.</p> - -<p><b>Gefechte auf dem Champlainsee am 11. und 13. Oktober 1776.</b> Am -11. Oktober in der Frühe passierte <em class="gesperrt">Carleton</em>, als seemännischer Führer -unter ihm Kommander <em class="gesperrt">Pringle</em> mit der englischen Flottille die Straße -zwischen Grand- und Valcour-Island bei frischem Nordostwinde. Als er die -Amerikaner entdeckte, ging er gegen den Wind zum Angriff vor, aber das -Vollschiff vermochte in der Enge kaum zu manövrieren, und das Blockschiff -sowie die Gondolas kamen überhaupt nicht zum Kampf. <em class="gesperrt">Arnold</em> ging ihm -mit einem Schoner und den Galeren entgegen, während die anderen Fahrzeuge -in Halbmondformation vor Anker blieben; es entspann sich ein blutiges -Gefecht, das von 10 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit -dauerte. Der vorderste englische Schoner mußte schwer beschädigt -zurückgehen, 3 Kanonenboote sanken, und die Engländer verloren gegen -40 Mann. Die Amerikaner büßten den vorgeschickten Schoner, der auf -Valcour strandete, eine Gondola und 60 Mann ein, doch waren auch die -anderen Fahrzeuge beschädigt und die Munition erschöpft.</p> - -<p>Bei Einbruch der Nacht ankerte <em class="gesperrt">Carleton</em> in einer die Straße im -Süden absperrenden Linie, um am nächsten Tage das Vernichtungswerk zu -vollenden oder die feindlichen Schiffe zur Übergabe zu zwingen. Über Land -konnten ihre Besatzungen nicht entweichen, da die englische Flottille von -Indianertrupps begleitet war, die schon vom Lande her mit Gewehrfeuer in -den Kampf eingegriffen und auf Valcour die Leute des gestrandeten Schoners -unter den üblichen Martern getötet und skalpiert hatten. <em class="gesperrt">Arnold</em> aber -führte während der dunkeln Nacht und in nebeligen Morgenstunden seine -Schiffe, eins dicht hinter dem anderen, unbemerkt durch die feindliche Linie -und erreichte Schuylers Island, einige Meilen südlicher, wo er durch Gegenwind -zum Ankern gezwungen wurde. Zwar setzte er noch am selben Tage die -Flucht fort, ward aber am 13. Oktober von den Engländern eingeholt und -mußte nach hartnäckiger Gegenwehr eine Galere und vier Gondolas verbrennen. -Er deckte die Ausführung selbst mit einer Galere und verließ diese -erst, als auch sie gut in Brand war; mit den Besatzungen erreichte er trotz -der Indianer glücklich Crownpoint. So war zwar die amerikanische Flottille<span class="pagenum"><a name="Page_235" id="Page_235">[235]</a></span> -nahezu vernichtet, aber das Vorgehen der Engländer kam doch für dieses -Jahr zum Stehen. Die Amerikaner zogen sich nach Ticonderoga zurück; -<em class="gesperrt">Carleton</em> führte seine Truppen zunächst nach Crownpoint, ging aber dann -wieder nach St. John und bezog hier Winterquartiere. Er hielt die Jahreszeit -nicht mehr für geeignet, die starke Stellung bei Ticonderoga anzugreifen. Der -rechtzeitige Bau der amerikanischen Flottille, die Schwierigkeit, selber eine -solche aufzustellen, aber auch wohl der hartnäckige Widerstand Arnolds hatten -den Plan der Engländer vereitelt.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p235.jpg" width="300" height="295" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p235" id="fig_p235"></a> -<p class="caption">New York und Umgebung.</p> -</div> - -<p><b>Der Kampf der Hauptheere um New York, New Jersey und die Narragansett-Bucht -(Rhode-Island) 1776</b> brachte den Engländern bedeutende -Erfolge. <em class="gesperrt">General Howe</em> traf mit den Truppen aus Halifax am 29. Juni -bei Sandy Hook ein und landete am 3. Juli auf Staten Island; am 12. kam -<em class="gesperrt">Vizeadmiral Howe</em> von England an und bald darauf auch die erwartete -große Verstärkung, die das -englische Heer auf diesem Kriegsschauplatze -auf 24000 Mann brachte; etwa -ein Drittel davon bestand aus Hessen. -Am 3. August stieß <em class="gesperrt">Clinton</em> mit den -3000 Mann der Charlestonexpedition -zu ihm. <em class="gesperrt">Washington</em> war von -Boston mit 18000 Mann herangeeilt und -hatte in der Stadt New York sowie auf -Long Island eine Verteidigungsstellung -eingenommen. Ehe jedoch <em class="gesperrt">General -Howe</em> die Feindseligkeiten eröffnete, -versuchte er nochmals durch ein Manifest -an die Bevölkerung sowie durch -Verhandlungen mit dem Kongreß die -Amerikaner zum Nachgeben zu bewegen; -vier Wochen gingen darüber hin, erst gegen Ende August schritt man -zum Angriff. <em class="gesperrt">Admiral Howe</em> hatte gleich nach seiner Ankunft vier -Kriegsschiffe unter Kapitän <em class="gesperrt">Hyde-Parker</em> 25 Seemeilen den Hudson -hinaufgeschickt, wohl zur gewaltsamen Erkundung; die Schiffe erhielten -schweres Feuer von Befestigungen auf beiden Seiten, ließen sich aber dadurch -nicht aufhalten.</p> - -<p class="small"><b>Die Einnahme von Long Island, 22.–29. August 1776.</b> Die Stadt New York nahm -damals nur die Spitze der Insel Manhattan ein, die vom Hudson, hier Northriver genannt, -im Westen, dem Eastriver, der Fortsetzung des Long Island-Sound, im Osten, dem Harlemriver, -der Verbindung zwischen North- und Eastriver, und von der oberen Bucht von -New York im Süden umgrenzt wird; von der letzteren führen die Narrows, die Wasserstraße -zwischen Staten- und Long Island, zur unteren Bucht von New York zwischen -Staten Island und Sandy Hook. Diese Bucht war in den Händen der englischen Seestreitkräfte, -und Staten Island hatte leicht besetzt werden können, da Washington die Insel -wegen Mangel an Kräften nicht mehr in den Bereich seiner Stellung gezogen hatte. Am -Strande von Manhattan, am North- und am Eastriver waren kleine Forts erbaut und<span class="pagenumsmall"><a name="Page_236" id="Page_236">[236]</a></span> -ebenso kleine Redouten im Norden der Stadt zwischen beiden Flüssen. Etwa 18 Kilometer -nördlich lagen zwei stärkere Werke am Hudson zur Sperrung des Stromes — Fort -Washington am Ost- und Fort Lee am Westufer —, die jedoch bei der Verteidigung der -Stadt noch nicht in Betracht kamen. Der Schlüssel der amerikanischen Stellung lag auf -Long Island New York gegenüber, wo der Strand den von Manhattan überhöhte. -<em class="gesperrt">Washington</em> hatte deshalb hier eine Linie von Schanzen angelegt, die sich mit -ihren Flügeln an die Narrows und an den Eastriver lehnte; in dieser lag die Hälfte seines -Heeres (9000 Mann). Auch Governors Island, eine kleine Insel in der oberen Bucht -zwei Kilometer südlich der Stadt, war besetzt, sie flankierte diese Linie.</p> - -<p class="small">Am 22. August brachte <em class="gesperrt">Howe</em> unter dem Schutze der Kriegsschiffe 15000 Mann -nebst 40 Feldgeschützen von Staten Island nach Long Island hinüber. Er ging nach seiner -Art sehr behutsam vor, so daß die Truppen, nach und nach auf 25000 Mann verstärkt, -erst am 27. der ganzen feindlichen Linie gegenüber in Stellung waren. Die Amerikaner -verloren während dieser Tage in Scharmützeln gegen 1500 Mann; <em class="gesperrt">Washington</em> ließ -sie durch 2000 ersetzen, da er einen Sturm erwartete und erhoffte; Howe leitete aber den -förmlichen Angriff ein.</p> - -<p class="small">Am 27. versuchte Kommodore <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em> mit drei schweren Schiffen -und zwei Fregatten in die obere Bucht aufzukreuzen, um die feindliche Linie flankieren -oder gar in den Rücken fassen zu können, aber es gelang ihm weder an diesem noch an -den beiden nächsten Tagen; am 28. begannen am Lande die Belagerungsarbeiten. Da -Washington sich nicht imstande fühlte, hiergegen die Stellung zu halten, führte er in -der Nacht des 29. August seine Truppen über den breiten und schnellfließenden Eastriver -nach Manhattan und räumte auch Governors Island; die Soldaten eines aus -Fischern gebildeten Regimentes leisteten dabei treffliche Dienste. Es war heller Mondschein, -und wenn auch ein nebeliger Morgen folgte, so ist es doch kaum verständlich, daß -die Engländer weder am Lande noch auf dem Wasser den Abzug bemerkten. Dieser -Tadel trifft besonders die Schiffe, denn leicht hätten sie durch Boote mit umwickelten -Riemen auch bei Nacht die Wasserstraße beobachten können. Als der Nebel sich hob, -sah man gerade die letzten Boote hinüberfahren und feuerte noch einige wirkungslose -Kanonenschüsse hinterher.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nach dem Rückzuge von Long Island</em> nahm <em class="gesperrt">Washington</em> -eine Stellung am Harlemriver ein, die sich mit ihrem rechten Flügel an -Fort Washington am Ostufer des Hudson anlehnte; 4000 Mann blieben in -New York. Wieder unterhandelte <em class="gesperrt">Howe</em> und traf erst am 13. September -Maßnahmen zur Eroberung der Stadt. Er sandte Schiffe gegen die Werke -am North- und Eastriver, teils als Diversionen, teils um das Übersetzen der -Truppen vorzubereiten; diese litten zwar wie bei der Erkundung im Juli nicht -unbedeutend, aber man konnte doch am 15. auf der Ostseite von Manhattan -landen, und <em class="gesperrt">Washington</em> gewann die Überzeugung, daß die Befestigungen -Schiffe bei günstigem Winde nicht an der Durchfahrt aufhalten könnten, -und daß daher die Stadt nicht zu halten sei. Wiederum gelang es ihm, die -Garnison während der Nacht am Westrande der Insel unbemerkt zur Hauptmacht -heranzuziehen<a name="FNAnker_128_129" id="FNAnker_128_129"></a><a href="#Fussnote_128_129" class="fnanchor">[128]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_237" id="Page_237">[237]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Howe besetzte nun New York ohne Kampf</em>, befestigte -sich hier und nahm am 12. Oktober die Offensive wieder auf. Da er die feindliche -Stellung für einen Frontangriff zu stark erachtete, bedrohte er sie durch -Vorgehen vom Long Island-Sound aus im Rücken. Diese Bewegungen -nötigten <em class="gesperrt">Washington</em> zunächst zu einem Frontwechsel und schließlich, -Anfang November, zum Rückzuge über den Fluß nach New Jersey hinein; -zwischen dem Hudson und dem Sound konnte er sich nicht halten, da beide -Wasserstraßen von den englischen Schiffen beherrscht wurden. Aufs neue -waren schwere Fregatten an den Forts Washington und Lee vorübergelaufen, -die Zufuhren über den Hudson waren aber für sein Heer die wichtigsten. Bei -diesem Rückzuge trafen ihn zwei schwere Mißgeschicke. Sein Befehl, Fort -Washington rechtzeitig zu räumen, war nicht befolgt; das Werk ward am -16. November vom General <em class="gesperrt">Knyphausen</em> erstürmt, wobei 2700 Mann -in Gefangenschaft gerieten. Ferner kam auch der Führer einer Heeresabteilung -von 7000 Mann seinem Befehl, über den Fluß zu gehen, nicht rechtzeitig nach, -sondern blieb im Staate New York.</p> - -<p>So war <em class="gesperrt">Washington</em>, mit nur 6000 Mann, nicht mehr imstande, -eine gute Stellung im Hudsontale bei Westpoint einzunehmen, sondern mußte -eilig durch New Jersey bis hinter den Delaware zurückgehen. Um diese Zeit -verließ ihn ein Teil der Milizen, deren Dienstzeit abgelaufen war; ebenso ging -es dem in New York zurückgebliebenen Korps. Als dieses ihn endlich erreichte -und auch noch einige Bataillone von Ticonderoga zu ihm gestoßen waren, -zählte sein Heer wieder nur 6000 Mann. <em class="gesperrt">Howe besetzte New Jersey</em> -bis an den Delaware.</p> - -<p>Die Engländer bemächtigten sich ferner noch der <em class="gesperrt">Narragansett-Bucht</em>, -mit ihren Inseln Rhode-Island, Conanicut und Prudence, sowie -der Stadt Newport. Am 1. Dezember 1776 ging ein Geschwader von fünf -50-Kanonenschiffen nebst acht kleineren Fahrzeugen unter <em class="gesperrt">Sir Peter -Parker</em> mit 7000 Mann unter General <em class="gesperrt">Clinton</em> nach dort ab und besetzte -Newport am 8. ohne Widerstand. Hierdurch ward den Amerikanern ein wichtiger -Ausgangspunkt für ihre Kreuzer gegen die englischen Zufuhren genommen, -die Engländer aber gewannen einen vorzüglichen Stützpunkt für ihre -Seestreitkräfte. Die Narragansett-Bucht war der geräumigste und sicherste -Ankerplatz an der ganzen Küste, zu jeder Zeit ohne Rücksicht auf Ebbe und -Flut zugängig; von ihr aus waren die wichtigsten Städte der Kolonien — -Boston, New York, Philadelphia — in wenigen Tagen zu erreichen.</p> - -<p>Das Jahr 1776 hatte den Engländern also wesentliche Erfolge gebracht. -Bei ihrer Überlegenheit kann man diese aber kaum hoch einschätzen, -und selbst englische Quellen sagen, daß der Bathorden, den -<em class="gesperrt">Howe</em> erhielt, nie leichter verdient war. Und noch im Dezember traten -<em class="gesperrt">Rückschläge</em> ein. Anstatt die Erfolge auszunutzen und gegen Philadelphia -vorzugehen, ließ Howe Winterquartiere beziehen und erfreute sich -selber der Annehmlichkeiten New Yorks. Der Feind gewann Zeit zur Erholung -und Rüstung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_238" id="Page_238">[238]</a></span></p> - -<p class="small">Der Kongreß hatte eingesehen, daß die Schaffung eines stehenden Heeres nötig sei, -und ordnete als Kern eines solchen die Aufstellung einer Anzahl Bataillone an, deren -Mannschaften sich auf drei Jahre verpflichteten. Die Offiziere wurden nicht mehr von den -Soldaten gewählt, sondern durch die einzelnen Staaten ernannt. Für Offiziere und Soldaten -wurden Prämien an Geld sowie Grundeigentum ausgesetzt, aber man verschärfte -auch die Dienstvorschriften, und Washington erhielt mit dem Titel Brigadier-General -größere Vollmachten. Doch alle diese Beschlüsse trugen nur allmählich ihre Früchte, -und es fehlte nach wie vor an Geld.</p> - -<p><em class="gesperrt">Washington</em> zog bald aus der Sorglosigkeit der Engländer in ihren -Winterquartieren Nutzen. Am 25. Dezember ging er nachts über den eistreibenden -Delaware, überfiel <em class="gesperrt">bei Trenton</em> drei hessische Regimenter, -machte gegen 1000 Gefangene und zog sich wieder zurück. Acht Tage später -erschien er nochmals am selben Orte; diesmal aber stieß er auf den tüchtigen -General Cornwallis, wich ihm indessen durch einen geschickten Nachtmarsch -aus und überraschte <em class="gesperrt">bei Princetown</em> vier englische Regimenter, denen -er schwere Verluste beibrachte. Die Folge dieser Siege sowie weiterer klug -berechneter Bewegungen war, daß <em class="gesperrt">Howe</em> seine Truppen mehr auf die Stadt -New York, bis nach New Brunswick, zurückzog und <em class="gesperrt">Washington</em> im -mittleren, hügeligen Teile von New Jersey eine gute Stellung einnehmen -konnte, die den Weg von New York nach Philadelphia flankierte.</p> - -<p>Für <b>1777</b> hielt die englische Regierung an dem Kriegsplane des Vorjahres -fest und beauftragte <em class="gesperrt">General Burgoyne</em>, der an Carletons -Stelle getreten war, wiederum mit einem <b>Angriff von Kanada aus</b>. Burgoyne -brach Ende Juni von St. Johns mit 10000 Mann — 8000 Reguläre, darunter -viele Braunschweiger, der Rest kanadische Milizen und Loyalisten der Neuenglandstaaten -— nebst einer starken Artillerie sowie Indianerhorden auf und -erschien am 2. Juli vor <em class="gesperrt">Ticonderoga</em>. Die Amerikaner wurden bald zum -Rückzuge gezwungen, den sie unter großen Verlusten auf dem Wasserwege -antraten und bei dem die englische Seenflottille am 6. Juli den Rest der -amerikanischen vernichtete. Die erstere fand ferner nur noch Verwendung -zur Schaffung und Deckung eines Nachfuhrdepots auf dem Georgesee; Burgoyne -setzte seinen Marsch nicht auf dem Wasserwege fort, sondern drang -durch die Wildnis vor. Dies war fehlerhaft, denn er mußte angesichts des -allerdings nur schwachen Feindes — anfangs unter <em class="gesperrt">Schuyler</em>, später -unter <em class="gesperrt">Gates</em> — Wege bahnen, Bäume fällen und Brücken über Flüsse, -Moräste, Schluchten bauen. Er gelangte erst am 30. Juli nach Fort Edward -am Hudson, noch etwa 40 englische Meilen von <em class="gesperrt">Albany</em> entfernt. Hier -mußte er längere Zeit verweilen, um die Verpflegung sicherzustellen, wobei -kleine abgezweigte Abteilungen empfindliche Verluste erlitten; erst Mitte -September drang er weiter vor.</p> - -<p>Am 19. stieß er bei <em class="gesperrt">Stillwater</em> (20 Meilen von Albany) auf General -<em class="gesperrt">Gates</em> mit 5000 Mann. Das Gefecht blieb zwar unentschieden, aber <em class="gesperrt">Burgoyne</em> -wurde doch festgehalten und war mit Rücksicht auf die nach und -nach erlittenen Verluste, auf viele Kranke sowie Mangel an Proviant genötigt,<span class="pagenum"><a name="Page_239" id="Page_239">[239]</a></span> -am 9. Oktober den Rückmarsch nach Fort Edward anzutreten. Man beziffert -seine Verluste auf 4000 Mann, worin aber wohl die kanadischen Milizen eingerechnet -sind, die ihn nach Stillwater größtenteils verlassen hatten; auch die -Indianer waren abgezogen. Am 10. Oktober wurde er bei <em class="gesperrt">Saratoga</em> mit -nur noch 6–7000 Mann, darunter viele Kranke, vom Feinde eingeschlossen; -<em class="gesperrt">Gates</em> hatte von Washington bedeutende Verstärkungen erhalten und alle -Übergänge über den Hudson vor und hinter den Engländern besetzt. <em class="gesperrt">Burgoyne</em> -konnte auf Unterstützung von New York her nicht hoffen; seit drei -Wochen waren seine Leute auf halbe Rationen gesetzt und dadurch erschöpft, -der Proviant reichte nur noch auf 5–6 Tage. Er mußte die Waffen strecken. -Besonders wertvoll für den Gegner war die erbeutete Artillerie.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Kapitulation bei Saratoga am 17. Oktober 1777</em> -wurde dadurch bedeutungsvoll, daß sie Frankreich auf die Seite der Amerikaner -führte. Sie wog reichlich die Erfolge auf, die Howe auf dem anderen -Kriegsschauplatze erzielte, und sie würde vermieden sein, wenn dieser General -dem Kriegsplane der Regierung entsprechend gehandelt hätte.</p> - -<p><b>Der Angriff auf Philadelphia 1777.</b> Der ausdrückliche Befehl für <em class="gesperrt">Howe</em>, -den Hudson hinauf vorzudringen und Burgoyne die Hand zu reichen, war -zwar in London ausgefertigt, aber nicht rechtzeitig abgesandt worden<a name="FNAnker_129_130" id="FNAnker_129_130"></a><a href="#Fussnote_129_130" class="fnanchor">[129]</a>. Howe -hielt es nun aus politischen Gründen für richtiger, den Angriff auf Philadelphia -als Sitz des Kongresses und wegen der günstigen Volksstimmung in Pennsylvanien -zu erneuern. Aber auch diesen betrieb er lässig, obgleich <em class="gesperrt">Washington</em> -anfangs nur schwach war.</p> - -<p class="small">Der Zuzug zu Washingtons Heer blieb zunächst gering und es litt unter mangelhafter -Verpflegung sowie schlechten Quartieren; im März zählte es nur 4500 Mann. Nun -trafen allerdings aus Frankreich Geld, Material und Menschen ein, so langte im Mai -<em class="gesperrt">Lafayette</em> mit seinen Begleitern an und wurde sogleich zum amerikanischen General -ernannt. Dies schuf aber auch neue Schwierigkeiten. Die Milizen wollten nicht unter -fremden Führern dienen und viele amerikanische Offiziere traten aus. Es bedurfte -großen Taktes sowie unerschöpflicher Geduld auf seiten Washingtons, hier zu vermitteln -und die verschiedenen Elemente dem Gemeinwohle dienstbar zu machen.</p> - -<p>Bis zum Juni blieb <em class="gesperrt">Howe</em> in New York; als er dann den Vormarsch beginnen -wollte, war <em class="gesperrt">Washington</em> gegen 10000 Mann stark geworden und -ließ sich nicht aus seiner festen Stellung zur offenen Schlacht hervorlocken. -Trotz seiner Übermacht von insgesamt 30000 Mann wagte der englische General -ihn nicht anzugreifen, scheute sich aber auch, mit dem Feinde in der -Flanke durch New Jersey auf Philadelphia vorzudringen; er beschloß, über -See den Delaware hinaufzugehen und segelte mit 14000 Mann in etwa -250 Transportern am 23. Juli von Sandy Hook ab. <em class="gesperrt">Admiral Howe</em> deckte -den Transport mit 5 Linienschiffen (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiffe -und 10 kleineren Fahrzeugen; der Rest des Heeres blieb unter <em class="gesperrt">Clinton</em><span class="pagenum"><a name="Page_240" id="Page_240">[240]</a></span> -in New York und auf Rhode-Island. <em class="gesperrt">Washington</em>, der nicht annehmen -konnte, daß Howe von dem Plane der englischen Regierung abgehen würde, -hielt die Bewegung nur für eine scheinbare, um ihn aus der Stellung zu locken, -und rührte sich nicht.</p> - -<p>Am 31. Juli stand die englische Expedition vor der Delaware-Bucht; da -der Fluß unterhalb Philadelphias gesperrt war, beschloß man, am Nordende -der Chesapeake-Bucht zu landen. Infolge Gegenwindes und Stillen gelang dies -erst am 25. August und erst Anfang September begann der Vormarsch auf -genannte Stadt. <em class="gesperrt">Washington</em>, der schließlich doch zu ihrer Deckung -herbeigeeilt war, hatte am <em class="gesperrt">Brandywine</em>, einem bei Wilmington in den -Delaware fallenden Fluß, mit 14000 Mann Aufstellung genommen, ward aber -hier am 11. September umgangen und völlig geschlagen; das englische Heer -hatte nach seinem Abzuge aus New Jersey Verstärkung erhalten. Abermals -verfolgte Howe seinen Sieg nicht und die Amerikaner konnten sich wieder -sammeln. <em class="gesperrt">Er besetzte</em> am 26. <em class="gesperrt">Philadelphia</em>, wobei eine amerikanische -Fregatte vernichtet wurde; <em class="gesperrt">Washington</em> zog sich in die nahen -Wälder zurück, machte am 3. Oktober noch einen erfolglosen Vorstoß und -nahm dann eine feste Stellung bei Valley-Forge, unweit Philadelphia ein. -Auch <em class="gesperrt">Howe</em> bezog Winterquartiere.</p> - -<p><b>Die englischen Seestreitkräfte</b> hatten inzwischen auch noch den Delaware -als kürzesten Zufuhrweg für das Heer bei Philadelphia freigemacht. <em class="gesperrt">Admiral -Howe</em> war nämlich am 14. Dezember mit dem Geschwader und den -Transportern von der Chesapeake-Bucht nach der Mündung des genannten -Flusses gegangen. In diesem hatte der Feind zwei Linien von Sperren gelegt -und durch Batterien am Ufer gedeckt; Howe sandte ein Linienschiff, 2 Fregatten -und 2 Sloops den Fluß hinauf. Die unterste Sperre ward leicht aufgeräumt -und die Batterien genommen. Schwieriger war die Überwältigung -der oberen Stellung etwa 10 englische Meilen unterhalb Philadelphias. Hier -befanden sich auf dem Ostufer das Fort Redbank und am Westufer ein Werk -auf einer kleinen Insel, Mud-Island; zwei schwimmende Batterien sowie eine -Anzahl von Galeren und Branderflößen verstärkten die Linie.</p> - -<p>Ein Angriff der Engländer am 22. Oktober wurde sowohl zu Lande wie -auf dem Wasser abgeschlagen; das Linienschiff und eine Sloop kamen auf -Grund und wurden verbrannt. Man baute nun Batterien am Lande und armierte -sie mit Schiffsgeschützen. Mud-Island fiel jedoch am 15. November -hauptsächlich dadurch, daß die andere Sloop und eine schwimmende Batterie -mit schweren Geschützen am Westufer entlang segelten und die Kehle des -Werkes bedrohten; in der Nacht räumten die Amerikaner das Werk und -gaben auch Redbank am 21. auf. Die englischen Schiffe drangen nun nach -Philadelphia vor und vernichteten hier eine zweite Fregatte sowie fünf kleinere -Fahrzeuge der eben geschaffenen amerikanischen Marine.</p> - -<p>Unter Beihilfe der Kriegsschiffe hatte endlich noch General <em class="gesperrt">Clinton</em> -am 3. Oktober mit einigen Fregatten und 3000 Mann von New York <em class="gesperrt">einen -Vorstoß den Hudson</em> hinauf unternommen. Er zerstörte leicht alle<span class="pagenum"><a name="Page_241" id="Page_241">[241]</a></span> -Uferbefestigungen, Depots und Fahrzeuge, auch zwei Kriegsschiffe und kam -in einer Woche nach Westpoint; von hier gelangte ein Teil der Truppen auf -kleinen Fahrzeugen bis auf 40 englische Meilen an Albany heran, gerade als -<em class="gesperrt">Burgoyne</em> von Stillwater den Rückzug antrat. Dieser hatte mehrere -Boten mit der Nachricht über seine Lage an Clinton abgesandt, von denen -allerdings nur einer sein Ziel erreichte. <em class="gesperrt">Clinton</em> hielt sich aber für weiteres -Vorgehen zu schwach und kehrte nach New York zurück. Verschiedene -Autoren behaupten, er habe die Kapitulation von Saratoga doch wohl hindern -können. Jedenfalls zeigt sein leichtes Vordringen, daß <em class="gesperrt">Howe</em> mit seiner -ganzen Macht die Vereinigung bei Albany erreicht haben würde; er hätte es -dann zwar auch mit Washingtons Heere zu tun gehabt, im Besitze des Flusses -aber seine Übermacht gut zur Geltung bringen können.</p> - -<p class="small"><b>Der Nutzen der englischen Seestreitkräfte 1777</b> war bei sämtlichen Unternehmungen -groß gewesen; sie hatten die Landtruppen an den Ort ihrer Verwendung gebracht, deren -rückwärtige Verbindungen gesichert und auch in die Kämpfe eingegriffen. Daneben -kreuzten einzelne Kriegsschiffe gegen feindliche Handelsfahrzeuge und Kreuzer, nicht -nur an den Küsten Nordamerikas, sondern auch in den westindischen und europäischen -Gewässern; seit 1776 gab England auch Kaperbriefe aus.</p> - -<p><b>Die amerikanischen Seestreitkräfte</b><a name="FNAnker_130_131" id="FNAnker_130_131"></a><a href="#Fussnote_130_131" class="fnanchor">[130]</a> dehnten den Kleinen Krieg, der -1775 durch Freibeuter der einzelnen Staaten begonnen war, schon 1776 keck -weiter aus. Am 17. Februar 1776 verließ das erste amerikanische Geschwader -von 6 Fahrzeugen (vgl. Seite <a href="#Page_225">225</a>; 2 Schoner blieben zurück) unter <em class="gesperrt">Kommodore -Hopkins</em> den Delaware und segelte <em class="gesperrt">nach den Bahama-Inseln</em>, -um dort aufgespeicherte englische Kriegsvorräte wegzunehmen. -Auf der Insel Abaco bemächtigte sich Hopkins der Küstenfahrzeuge und -führte auf ihnen 300 Mann nach New Providence hinüber, in der Hoffnung, -diese Insel zu überraschen. Die Garnison war jedoch auf ihrer Hut, so daß die -Landung unter Deckung durch die größeren Kriegsschiffe erzwungen werden -mußte. Dann wurden die Forts erstürmt, gegen hundert Kanonen sowie viel -Material erbeutet und bei der Rückfahrt, Mitte März, der Gouverneur nebst -angesehenen Einwohnern als Geiseln mitgenommen, da England alle auf -amerikanischen Kaperschiffen gemachten Gefangenen für Piraten erklärte -und sie, wenn auch nicht gerade hängte, doch sehr schlecht behandelte.</p> - -<p>Die Kriegsschiffe, zu denen bald Neubauten oder Neuerwerbungen traten, -wurden einzeln oder in Gruppen zum Kleinen Kriege verwendet, auch die Zahl -der Freibeuter wuchs ungemein. Beide machten den Engländern an der Küste -Nordamerikas und in Westindien viel zu schaffen, 1777 erschienen sie sogar -in der Biskaya und bei England. In Westindien fanden sie Zuflucht auf den -französischen und holländischen Inseln, in Europa stützten sie sich auf französische -Häfen. In diesen verkauften sie ihre Prisen; um die Neutralität -Frankreichs wenigstens scheinbar zu wahren, ward der Kauf auf offener See<span class="pagenum"><a name="Page_242" id="Page_242">[242]</a></span> -abgeschlossen und das Geld dem amerikanischen Gesandten in Paris ausgezahlt. -Dieser Krieg führte zu vielen Gefechten, in denen auch kleinere englische -Kriegsschiffe genommen wurden, doch büßte die schwache amerikanische -Marine im Laufe der späteren Jahre so viel Schiffe dabei ein, daß sie trotz -aller Neubauten nie größere Macht erlangen konnte. Der englische Handel -erlitt jedoch bedeutenden Schaden. In den Jahren 1776/77 wurden 560 englische -Kauffahrer aufgebracht, während die Engländer nur 60 Handelsschiffe -und 24 Freibeuter wegnahmen. Auf den westindischen Inseln trat schließlich -Mangel an Sklaven und an Nahrungsmitteln ein; die Einfuhrartikel stiegen -sehr im Preise, die der Ausfuhr fielen entsprechend; die Versicherung der -Schiffe ging auf 23%. Der Gesamtschaden des Handels durch unmittelbaren -Verlust oder Behinderung betrug in diesen Jahren über 1½ Millionen -Lstrl.</p> - -<p><b>Das Jahr 1778 brachte bis zur Teilnahme Frankreichs am Kriege nichts -von Bedeutung.</b> <em class="gesperrt">General Howe</em> blieb auch noch im Frühjahr, bis auf -kleinere Vorstöße zur Verproviantierung, untätig in den Winterquartieren, -obgleich <em class="gesperrt">Washingtons</em> Streitkräfte in traurigster Verfassung waren. -Wo die Engländer standen und wohin sie kamen, wandte sich nämlich die -Mehrheit der Bevölkerung von ihm ab; er erhielt von ihr weder Nachrichten -noch Lieferungen. Sein Heer verlor während des Winters so viel Leute durch -Krankheit und Fahnenflucht, daß es im Februar nur noch 5000 Waffenfähige -neben 4000 Kranken zählte, die kaum die nötigste Kleidung hatten. So mußte -auch er sich darauf beschränken, seine Truppen zu verstärken und zu verbessern<a name="FNAnker_131_132" id="FNAnker_131_132"></a><a href="#Fussnote_131_132" class="fnanchor">[131]</a>.</p> - -<p>Anfang Mai bekam er Nachrichten aus England, daß wegen des Erscheinens -einer französischen Flotte die plötzliche Räumung Philadelphias -nötig werden würde. Er zog daraufhin einen Teil seiner Kriegsschiffe in der -Delaware-Bucht zusammen und verlud sämtliche Vorräte der Truppen bei -Philadelphia bis auf den Bedarf für 14 Tage auf Transporter.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Rückzug der Engländer vom Delaware — General -Howe</em> leitete ihn nicht mehr; er war am 24. Mai vom General <em class="gesperrt">Clinton</em> -im Oberbefehl abgelöst und nach England gegangen — trat tatsächlich -schon im Juni als eine Folge der veränderten politischen Verhältnisse ein. -<em class="gesperrt">Frankreich</em> trat nach Saratoga offen auf die Seite der Amerikaner und -sandte am 13. April eine längst vorbereitete Flotte ab, die ihnen zunächst am -Delaware Luft schaffte. <em class="gesperrt">England</em> machte zwar noch einen letzten Versuch -zur Versöhnung mit den Kolonien, jedoch gingen diese nicht mehr darauf -ein, sondern nahmen nach Eintreffen der französischen Hilfe den Krieg mit -erneuter Zuversicht wieder auf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_243" id="Page_243">[243]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Der letzte Versuch Englands zur Versöhnung.</b> In England hatte man bislang -sicher gehofft, den Aufstand bald niederzuschlagen. Die öffentliche Meinung, empört -über die erfolgreiche Freibeuterei der Amerikaner, hieß alle harten Maßregeln der Regierung -gut; nur die strengsten Whigs, damals in heftigem Streit mit der Regierung, -traten für die Kolonien ein, erbitterten aber dadurch die große Menge nur noch mehr. -Die Niederlage von Saratoga führte jedoch einen völligen Umschwung der öffentlichen -Meinung herbei; man fand plötzlich die Wünsche der Kolonien billig und forderte schleunigen -Frieden. Auch der König und die Regierung wurden nachgiebig, da Schwierigkeiten -finanzieller Art sowie für die Beschaffung weiterer Soldtruppen aus Deutschland -und endlich der Krieg mit Frankreich drohten.</p> - -<p class="small">Im Februar 1778 brachte <em class="gesperrt">Lord North</em> eine Anzahl Bills vor das Parlament -zur Bewilligung früherer Forderungen der Kolonien: Aufhebung der Verfassungsänderungen -sowie des Teezolles; Befreiung von Steuern und Verwendung der Zolleinkünfte -nach den Beschlüssen der Kolonien; Bevollmächtigte sollten darüber mit dem -Kongreß verhandeln. Diese Beschlüsse verblüfften zwar sogar die Anhänger der Regierung, -fanden aber keinen ernstlichen Widerspruch und wurden am 11. März vom -Könige vollzogen. Doch die Demütigung war umsonst. Zwei Tage später übergab Frankreich -die bekannte Erklärung (vgl. Seite <a href="#Page_217">217</a>) in London und die Gesandten wurden -beiderseits abberufen. Der schwerkranke <em class="gesperrt">Pitt</em> sprach bei seinem letzten Auftreten im -Oberhause am 7. April kurz vor seinem Tode in einer gewaltigen Rede gegen die Unabhängigkeit -der Kolonien und entschied den Entschluß, auch mit Frankreich den Krieg -aufzunehmen.</p> - -<p class="small">Die trotzdem nach Amerika abgehenden Bevollmächtigten trafen im Mai in Philadelphia -ein. Obgleich sie ihre Vollmacht überschritten und Vertretung der Kolonien im -Parlament wie die Verpflichtung anboten, nie wieder europäische Truppen herüberzusenden, -fanden sie kein Gehör. Der Kongreß hatte den Vertrag mit Frankreich unterzeichnet -und bestand auf der Unabhängigkeitserklärung. Während die Bevollmächtigten -noch unterhandelten, traf der Befehl zur Räumung Philadelphias ein, der ihre Aufgabe -wahrlich nicht förderte, da er den Amerikanern als ein Zeichen der Schwäche Englands -erscheinen mußte und ihnen den Rücken steifte. Einige Quellen sagen, <em class="gesperrt">North</em> habe -die ganz aussichtslosen Unterhandlungen nur wieder aufgenommen, um bei den Franzosen -Mißtrauen gegen die Amerikaner zu erwecken.</p> - -<p>Mit dem Auslaufen der französischen Flotte nach Amerika sind wir beim -<em class="gesperrt">Beginn des großen Seekrieges</em> angelangt und wenden uns diesem -zu. Den weiteren Verlauf des Landkrieges flechten wir in die Schilderung des -Seekrieges ein, soweit es zum Verständnis der unmittelbaren Mitwirkung von -Seestreitkräften oder zur Beurteilung der durch ihn hervorgerufenen Bewegungen -großer Flotten nötig ist.</p> - -<h4>Der grosse Seekrieg<a name="FNAnker_132_133" id="FNAnker_132_133"></a><a href="#Fussnote_132_133" class="fnanchor">[132]</a>.</h4> - -<p><b>Über Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen.</b> Der Seekrieg -spielte sich wie die letztvorhergegangenen auf vier Schauplätzen ab: den<span class="pagenum"><a name="Page_244" id="Page_244">[244]</a></span> -europäischen, den nordamerikanischen, den west- und den ostindischen Gewässern. -In den früheren Kriegen war der erstgenannte der wichtigste; der -Verlauf hier war für den Krieg auf den anderen ausschlaggebend. Wir konnten -deshalb, ohne die Übersicht zu verlieren, zunächst die Ereignisse auf diesem -zusammengefaßt geben und dann in gleicher Weise die auf den übrigen folgen -lassen. Bei dem jetzt zu besprechenden Kriege müssen wir einen anderen -Weg wählen, da das Ringen auf den verschiedenen Meeren gleich folgenschwer -ist und eng ineinander greift. Bei einer streng chronologisch durchgeführten -Schilderung der Ereignisse auf allen Kriegsschauplätzen zugleich würde nun -aber infolge des reichen Materials der strategische Faden verloren gehen, und -so bleibt nur eine Verbindung beider Wege übrig. Für eine solche geben <em class="gesperrt">die -militärische Lage, sowie die Ziele der Gegner in den -verschiedenen Weltteilen</em> einen guten Anhalt.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Europa</em> beschränkte sich England im Gegensatz zu den früheren -Kriegen ganz auf die Verteidigung, da es bei dem Bestreben, auch in allen -fernen Meeren die Herrschaft zu wahren und Angriffen entgegenzutreten, hier -den Gegnern nicht gewachsen war. Diese hatten es auf Einfälle in England -sowie auf die Eroberung von Port Mahon und Gibraltar abgesehen; zum Glück -für England lag die erste Aufgabe Frankreich, die zweite Spanien mehr am -Herzen, und dieses Auseinandergehen der Ziele schwächte das Zusammenwirken -der Verbündeten.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Nordamerika</em> handelte es sich für die Engländer um die Unterwerfung -der Kolonien. Sie waren 1778 im Besitze New Yorks, der Narragansettbucht, -Philadelphias und Kanadas. New York war politisch wertvoll -als die größte Stadt neben Boston und militärisch durch seine Lage am Ausgangspunkte -der Hudsonlinie. Die Narragansettbucht gab den besten Hafen -der Küste, vorzüglich gelegen zu ihrer Beherrschung. Der Besitz von Philadelphia -bildete jedoch eine Schwäche in der englischen Stellung, da das Heer -hier von dem in New York über Land getrennt und auch in Hinsicht auf Zufuhren -ganz auf die See angewiesen war; von dieser abgeschnitten, schwebte -es in der Luft. Hierher richtete denn auch Frankreich den ersten Stoß seiner -Flotte, und England mußte die mühsam errungene Stellung am Delaware aufgeben, -sobald es seine Seeherrschaft bedroht sah. Bei den späteren Unternehmungen -Englands gegen die südlichen Kolonien spielte der Besitz der -Chesapeakebucht eine ähnliche Rolle. Da an dieser keine Befestigungen lagen, -fiel sie der seebeherrschenden Partei zu und wurde deshalb Streitobjekt für -die beiderseitigen Flotten. Kanada zu erobern oder für ihre Sache zu gewinnen, -war den Amerikanern nicht gelungen, sie versuchten dies auch nach 1777 -nicht mehr — vielleicht trauten sich die neuen Verbündeten, Frankreich und -Amerika, in dieser Beziehung nicht recht — und so blieb die Kolonie eine -feste Basis für England.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Westindien</em> war der Besitz der Engländer und der Franzosen -auf den Kleinen Antillen ungefähr gleich. Der Kampf entspann sich zunächst -um strategisch besonders wichtige Inseln (Dominica, Sta. Lucia); später erstrebte<span class="pagenum"><a name="Page_245" id="Page_245">[245]</a></span> -Frankreich die Eroberung englischen Gebietes überhaupt, wohl in -der Hoffnung, sich hier ein großes Kolonialreich schaffen zu können. Dieser -Versuch ging auf Kosten des Kampfes in den europäischen Gewässern. Auf -den großen Inseln würde Spanien das Übergewicht gehabt haben, da es Kuba, -Portoriko und mit Frankreich gemeinschaftlich Haiti besaß, während England -nur Jamaika gehörte. Es trat jedoch nicht kräftig auf. Verschiedene Pläne -Frankreichs und Spaniens, zusammen gegen diese Insel vorzugehen, kamen -nicht zur Durchführung, und England hatte anderwärts zu viel zu tun, um -gegen spanische Besitzungen wirksam zu werden. Jamaika lag außerdem -so weit in Lee des Hauptkriegsschauplatzes, daß die Gegner ungern eine größere -Streitmacht dorthin führten. Spaniens Waffen machten sich nur in dem -Gebiete östlich von Mississippi, das damals Florida hieß und in englischem -Besitze war, sowie gegen die Bahamainseln fühlbar. Sein Auftreten war hier, -wie in den europäischen Gewässern das Vorgehen gegen Gibraltar ein Ausfluß -von Sonderinteressen, wodurch der gemeinsamen Sache nur Kräfte entzogen -wurden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Kriegsschauplätze Nordamerika und Westindien</em> -berührten sich, die Ereignisse auf beiden griffen ineinander. Nicht -nur ihre Nachbarschaft bedingte dies, sondern auch die Wetterverhältnisse -trugen dazu bei. Die Winterstürme setzten in den nördlichen Breiten den -Unternehmungen der Seestreitkräfte eine Grenze, und in Westindien ließ man -sie ungern während der Orkanzeit; so fanden sie je nach der Jahreszeit an der -Küste der nördlichen Staaten, an der der südlichen oder in Westindien Verwendung. -Deshalb fallen bei Schilderung der Kämpfe diese beiden Schauplätze -zusammen.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Ostindien</em> hatte England seit dem letzten Kriege seine Macht -wesentlich ausgebreitet und gestärkt. Es war aber ständig mit mächtigen eingeborenen -Feinden beschäftigt, und Frankreich hätte bei Ausbruch des Krieges -hieraus Nutzen ziehen können. Es tat dies nicht, während England sofort mit -Erfolg über die französischen Besitzungen herfiel. Die Seestreitkräfte beider -Parteien waren hier anfangs unbedeutend; von 1779 an erhielten die englischen -das Übergewicht, und mit ihrer Hilfe wurden auch die holländischen Besitzungen -genommen. Erst 1782 trat Frankreich überlegen auf (Admiral -<em class="gesperrt">Suffren</em>) und es folgte ein Kampf um die Seeherrschaft. Da die Ereignisse -dieses Schauplatzes ganz für sich dastehen, können sie und mit ihnen die -auf dem Wege nach Indien (Kapland) am Schlusse für alle Jahre zusammengefaßt -betrachtet werden.</p> - -<p class="small"><b>Die Einteilung für den Verlauf des Seekrieges</b> wird nach vorstehendem -diese sein:</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die europäischen Gewässer</em> 1778. Die Franzosen vor dem Kanal.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Nordamerika und Westindien</em> 1778/79. Der Feldzug der ersten französischen -Flotte (d'Estaing).</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die europäischen Gewässer</em> 1779/80. Bedrohung der englischen Küste -durch die Verbündeten; Beginn der Belagerung von Gibraltar; die Festung versorgt -(Rodney).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_246" id="Page_246">[246]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Westindien und Nordamerika</em> 1780. Die zweite französische Flotte -(de Guichen) in Westindien; erstes Auftreten Rodneys; die französische Hilfsarmee in -Nordamerika.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die europäischen Gewässer</em> 1781. Gibraltar aufs neue versorgt -(Darby); die Verbündeten vor dem Kanal; Eintreten Hollands in den Krieg.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Westindien und Nordamerika</em> 1781. Die dritte französische Flotte -(de Grasse) in Westindien; Kampf um die Chesapeakebucht und Fall von Yorktown.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Europa</em> 1782. Die Verbündeten vor dem Kanal; der große Angriff auf Gibraltar; -Howe rettet die Festung endgültig.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Westindien</em> 1782. Rodney und de Grasse; der Krieg beendet.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Ostindien</em> 1778–1783.</p> - -<p><b>Die Rüstungen der Gegner.</b> <em class="gesperrt">Frankreich</em> bereitete den Krieg frühzeitig -vor. Vom August 1775 an wurde zwischen Versailles und Madrid ein -Briefwechsel über gemeinsame Rüstungen geführt und solche auf den Werften -von Brest und Toulon sowie Cadiz und Ferrol begonnen. <em class="gesperrt">Vergennes'</em> -erste Sorge war, zu verhindern, daß England wie im Jahre 1755 vor Ausbruch -des Krieges einen großen Schlag gegen den französischen Handel führe. -Schon 1776 erhielt deshalb das kleine Geschwader, das jährlich in Brest zu -Übungszwecken zusammentrat, den Befehl, seine Fahrten auf die Gewässer -zwischen Ouessant und Finisterre zu beschränken und die Schiffe zu beobachten, -die England in diesem Jahre gegen amerikanische Kauffahrer sowie Freibeuter -kreuzen ließ. Im Jahre 1777 lag sogar in Brest eine Flotte von 15 -Linienschiffen seeklar, um einer etwa an der Küste erscheinenden englischen -entgegentreten zu können, und leichtere Schiffe kreuzten außerdem wie im -Vorjahre. Diese Flotte hielt man jedoch auf der Reede fest, aus Furcht, daß -schon ihr Auslaufen zu einer Kreuzfahrt Anlaß zum Kriege geben könne. -Im August wurde ein Fahrzeug nach den Neufundlandbänken gesandt, um -die Fischerflottillen zurückzurufen. Als die Nachricht von Saratoga eintraf -und man sich zum Kriege entschloß, hatte Frankreich 48 Linienschiffe, 31 in -Brest, 17 in Toulon, zur Indienststellung bereit; bei dem Versuche, auch -Spanien zum Losschlagen zu bewegen, wurde diesem schon ein Plan zur Verwendung -der vereinten Kräfte mitgeteilt. <em class="gesperrt">Vergennes</em> hob hierbei nochmals -hervor, daß der Druck der englischen Seemacht nicht länger zu ertragen -sei.</p> - -<p class="small"><b>Übergriffe der Engländer auf See.</b> Die englischen Schiffe, die an Frankreichs -Küsten kreuzten, gingen mit größter Rücksichtslosigkeit vor. Sie hielten alle Kauffahrer -an und nahmen sie beim leisesten Verdacht auf Kriegskontrebande, deren Begriff sie -weit ausdehnten, in Beschlag. 1777 und während der ersten Monate 1778, vor dem Ausbruch -des Krieges, brachten sie gegen 130 Fahrzeuge mit einem Werte von 16 Millionen -Franken auf. Sogar Kriegsschiffe hielten sie unter dem Vorwand an, sich vergewissern -zu müssen, ob es tatsächlich französische wären, da die amerikanischen Freibeuter oft -die französische Flagge zeigten. 1776 waren sogar englische Schiffe in ihrem Übermut -durch die Formation des französischen Übungsgeschwaders hindurchgesegelt. Frankreich -ließ sich alles dies gefallen, um nur den Bruch noch hinzuhalten. Die französischen -Seeoffiziere waren darüber empört und klagten mit Recht, daß die Anmaßung der Engländer -infolgedessen immer größer würde; verwunderlich ist, daß es nicht zu blutigen -Zusammenstößen kam, denn die Schiffe beider Völker waren beim Begegnen stets<span class="pagenumsmall"><a name="Page_247" id="Page_247">[247]</a></span> -gefechtsklar. Die Empörung in Frankreich über die Schärfe des englischen Beobachtungsdienstes -war übrigens ungerechtfertigt, denn man unterstützte die Amerikaner mit -Kriegsmaterial und gestattete ihren Freibeutern den Aufenthalt in französischen Häfen.</p> - -<p>Als jedoch Spanien noch nicht am Kriege teilnehmen mochte, mußte -Frankreich allein seine weiteren Maßregeln treffen. Mit der Abberufung der -Gesandten (März 1778) erging der Befehl zur Indienststellung der gebrauchsbereiten -Schiffe. Im April schon konnten 12 Linienschiffe unter Vizeadmiral -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> von Toulon nach Nordamerika auslaufen, in Brest waren im -Juni 20 und im Juli 30 unter Lieutenant-General <em class="gesperrt">Comte d'Orvilliers</em> -segelfertig. Man hatte ferner in den vorangegangenen Monaten Truppen und -Kriegsmaterial nach Westindien und vier Fregatten nach Isle de France gesandt; -30000 Mann hatte man in der Normandie zusammengezogen. Marschall -<em class="gesperrt">de Broglie</em> übernahm im Mai den Oberbefehl über dieses Heer unter -dem Vorwande, mit ihm Übungen zur Klärung taktischer Fragen anzustellen. -Frankreich war also gut gerüstet.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> dagegen hatte seit dem letzten Kriege versäumt, seine Seestreitmittel -stets denen der vereinten beiden bourbonischen Königreiche -überlegen zu halten, die vorhandenen Schiffe waren auch nicht so bereit, -wie sie bei der Wahrscheinlichkeit eines Krieges hätten sein müssen, und die -Vorbereitungen für den Kampf begannen zu spät. Schuld hieran wird dem -Minister des Äußern, der die Nähe und Größe der Gefahr unterschätzte oder -der inneren Streitigkeiten halber verheimlichte, sowie der Sorglosigkeit des -Ersten Lords der Admiralität gegeben.</p> - -<p><em class="gesperrt">John, Earl of Sandwich</em>, bekleidete diesen Posten von Januar -1771 bis März 1782. Für die Jahre 1776 und 1777 waren die Geldmittel der -Marine nur soweit erhöht, als es der amerikanische Krieg und das Kreuzen -in den europäischen Gewässern erforderte. Im November 1777 erklärte der -Erste Lord im Parlamente auf eine Klage der Opposition über die zu geringe -Stärke der Kanalflotte, er glaube nicht, daß Frankreich und Spanien feindselige -Gesinnungen hegten, im übrigen seien in der Heimat 42 Schiffe in Dienst, -35 derselben bereit, sofort auszulaufen; er fühle sich zu der Erklärung berechtigt, -daß man damit den Flotten des Hauses Bourbon gewachsen sei. -Dies wäre, wie wir wissen, nicht der Fall gewesen, aber auch gegen Frankreich -allein konnte man sich kaum behaupten. Als nämlich nach Abbruch des -diplomatischen Verkehrs eine Flotte von 13 Linienschiffen unter Admiral -<em class="gesperrt">Byron</em> für Amerika in Dienst gestellt war und etwa 3 Schiffe unter den -Admiralen <em class="gesperrt">Barrington</em> nach Barbados, sowie <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em> -nach Jamaika segelten, fand <em class="gesperrt">Admiral Keppel</em> die Kanalflotte bei -Übernahme des Kommandos, nach seinem Ausdrucke mit „Seemannsauge -gemustert“, recht schwach vor; bei einem ersten Auslaufen im Juni verfügte -er nur über 21 und erst im Juli über 30 Schiffe.</p> - -<p class="small">Also nicht einmal eine Übermacht Frankreich allein gegenüber war vorhanden. -<em class="gesperrt">Byron</em> stand mit 13 Schiffen gegen <em class="gesperrt">d'Estaing</em> mit 12; <em class="gesperrt">Keppel</em> mit 30 gegen -<em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> mit 32. Schiffe sowie Werften waren eben nicht in Ordnung; es sollen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_248" id="Page_248">[248]</a></span> -(nach Campbell) Monate nötig gewesen sein, um das seit Jahren auf den Werften verrottende -Material zu sichten, Masten und Raaen zu flicken. Auch der Mannschaftsmangel -war groß, obgleich für 1778 vom Parlamente 60000 Mann (darunter 11000 Seesoldaten) -für die Marine bewilligt waren. Da der Krieg noch nicht erklärt war, scheute -man sich anfangs, zu scharfem Pressen zu schreiten, man wollte lieber die Rückkehr der -Handelsschiffe aus allen Weltteilen im Frühjahr und Sommeranfang abwarten. Um -wenigstens die Flotte Byrons bald seeklar zu machen, mußten Leute sowie Material von -der Kanalflotte genommen werden. An Geldmitteln waren für 1778 fünf Millionen bewilligt; -sie umfaßten die Kosten für Indiensthaltungen, Reparaturen sowie Neubauten -und 1 Million Überschreitungen vom Vorjahre.</p> - -<p>Bei Ausbruch des Krieges legten beide Parteien Beschlag auf die Handelsschiffe -des Gegners in ihren Häfen und hielten die eigenen zurück. Letzteres -geschah, um das Personal für die Kriegsschiffe zu gewinnen und um sie selber -nicht der Wegnahme auszusetzen. Das englische Volk, bisher so stolz auf -seine Marine, war empört über ihre hierdurch eingestandene augenblickliche -Schwäche. Kaufleute und Reeder tadelten die Admiralität scharf; mit Recht, -denn es mußten beispielsweise 100 Westindienfahrer drei Monate auf Bedeckung -warten, wodurch ein Schaden von 90000 Lstrl. erwuchs und in Westindien -Mangel am nötigsten eintrat.</p> - -<p>Bei dem unfertigen Zustande der Marine kann es nicht verwundern, daß -<em class="gesperrt">England</em> weder den Krieg erklärte noch losschlug, obgleich es den diplomatischen -Verkehr abgebrochen hatte; wäre es in der Lage gewesen, würde -es sicher wie 1755 über Frankreichs Handel hergefallen sein. So hielt man -sogar Byrons Flotte bis zum Juni fest, um die heimischen Gewässer nicht -zu entblößen, und auch die Kanalflotte lief dann erst aus. Gegen Frankreichs -Truppen in der Normandie hatte England Milizen an den Küsten aufgeboten, -und schon im März war über Suez der Befehl nach Ostindien gesandt, die -französischen Besitzungen anzugreifen. Aber auch <em class="gesperrt">Frankreich</em> begann -den Krieg nicht; man wollte vorläufig nur den Amerikanern an Ort und Stelle -Hilfe leisten, die Brestflotte bereithalten und die Küsten durch Kreuzer -bewachen lassen. Erst als <em class="gesperrt">Keppel</em> französische Kriegsschiffe aufgebracht -hatte, erhielt <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> Befehl, dies zu vergelten.</p> - -<h5>Der Krieg in den europäischen Gewässern 1778.</h5> - -<p><b>Die Eröffnung des Krieges.</b> Am 13. April ging die Flotte des Vizeadmirals -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> von Toulon mit versiegelten Ordres in See. Man hatte verbreitet, -sie sei nach Brest bestimmt; ein Mitglied der amerikanischen Gesandtschaft -in Paris, sowie der für die neue Republik bestimmte Gesandte Frankreichs -waren unter falschen Namen eingeschifft, um das Ziel nicht zu verraten. -Infolge ungünstigen Windes passierte sie erst am 17. Mai die Straße von Gibraltar, -und am 20. wurden 120 Seemeilen westlich vom Kap St. Vincent die -Ordres geöffnet. Die Flotte war nach Amerika bestimmt und sollte von jetzt -an schon die Feindseligkeiten gegen englische Kriegs- wie Handelsschiffe beginnen. -Eine englische Fregatte war ihr von Gibraltar aus gefolgt, behielt sie -noch weitere 150 Seemeilen in Sicht und überbrachte am 7. Juni die Meldung<span class="pagenum"><a name="Page_249" id="Page_249">[249]</a></span> -in England. Am 8. segelte dann die Flotte des Vizeadmirals <em class="gesperrt">John Byron</em> -gleichfalls nach Amerika ab.</p> - -<p>Zu gleicher Zeit (am 8. oder 12. Juni) ging <em class="gesperrt">Admiral Augustus -Keppel</em><a name="FNAnker_133_134" id="FNAnker_133_134"></a><a href="#Fussnote_133_134" class="fnanchor">[133]</a> mit der Kanalflotte — 21 Linienschiffe, 3 Fregatten, 2 Kutter, -ein Brander — in See, um vor Brest zu kreuzen. Er hatte den Befehl, die -Brestflotte zu beobachten, den Kanal für die eigenen Handelsschiffe offenzuhalten -und die Vereinigung der Toulon- mit der Brest-Flotte durch Waffengewalt -zu verhindern. Am 17. Juni traf er vor dem Kanal auf eine kleine -französische Flottille, die Fregatten „La Belle Poule“, Kapitän <em class="gesperrt">de la Clocheterie</em>, -„La Licorne“, die Korvette „L'Hirondelle“ und den Lugger -„Le Coureur“. Wenn auch der Krieg noch nicht erklärt war, hielt es <em class="gesperrt">Keppel</em> -doch für nötig, die Schiffe anzuhalten, sowohl um zu verhindern, daß seine -Bewegungen dem Gegner bekannt würden, als auch um Nachrichten über -diesen zu erhalten. Er jagte die Fahrzeuge mit der ganzen Flotte und ließ sie -durch vorauseilende Fregatten auffordern, längsseit seines Flaggschiffes zu -kommen.</p> - -<p>„Licorne“ tat dies, versuchte aber später zu entwischen, antwortete auf -Warnungsschüsse mit einer Breitseite und strich dann die Flagge. „Hirondelle“ -entkam, „Coureur“ ward bald genommen. „Belle Poule“ führte ein -hartnäckiges laufendes Gefecht mit der englischen Fregatte „Arethusa“ und -lief unter die französische Küste; hier konnten ihr die Engländer nicht beikommen, -und sie erreichte am 21. Juni Brest. Am 19. Juni nahm <em class="gesperrt">Keppel</em> -noch die Fregatte „Pallas“. Aus den Papieren der Prisen ersah er, daß die -französische Flotte der seinigen überlegen war oder es doch bald werden würde, -er kehrte deshalb nach Spithead zurück, um Verstärkungen an sich zu ziehen.</p> - -<p>Diese Wegnahme von Kriegsschiffen <em class="gesperrt">sah man in Paris als Kriegserklärung -an</em>. Man bezeichnete sie als verräterisch und gegen das Völkerrecht -verstoßend, obgleich doch auch <em class="gesperrt">d'Estaing</em> den Befehl hatte, die -Feindseligkeiten zu eröffnen. Spanien wurde benachrichtigt, daß Frankreichs -Geduld nunmehr erschöpft sei und man den Krieg beginne; Kaperbriefe<span class="pagenum"><a name="Page_250" id="Page_250">[250]</a></span> -wurden ausgegeben und <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> erhielt am 2. Juli den Befehl, in -See zu gehen. Aber trotz vorher erlassener Kabinettsordres, deren hochgemute -Worte auf eine besonders kräftige Verwendung der Seestreitkräfte hatten -schließen lassen und in denen den kommandierenden Offizieren der Marine -die größte Unerschrockenheit bei ihrem Auftreten ans Herz gelegt wurde, -war <em class="gesperrt">die Instruktion für den Flottenchef</em> eine recht beschränkte. -Er sollte einen Monat kreuzen und als Repressalie Kriegs- und Handelsschiffe -aufbringen. Später, schon auf See, ging ihm sogar in einer Verfügung vom -12. Juli noch die Mahnung zu, daß der König bei der jetzt bekanntgewordenen -Stärke der feindlichen Flotte sehr auf die Klugheit des Admirals rechne; die -Minister wälzten also die Verantwortlichkeit ganz auf ihn ab.</p> - -<p class="small"><b>Befehle Ludwigs XVI.</b><a name="FNAnker_134_135" id="FNAnker_134_135"></a><a href="#Fussnote_134_135" class="fnanchor">[134]</a> In einem Schreiben des Marineministers <em class="gesperrt">Sartines</em> an -<em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> vom 2. April 1778 findet man die Sätze: „Sie (der Chef, die Flaggoffiziere -und die Kommandanten) müssen sich bewußt sein, daß die Augen Europas auf -das erste Geschwader gerichtet sind, das nach dem letzten Kriege unsere Häfen verläßt. -Ihre Pflicht ist es jetzt, der französischen Flotte wieder den alten Ruhm zu verleihen, -der sie einst umstrahlt hat. Nur durch die glänzendsten Waffentaten können die letzten -Unglücksfälle und Fehler gutgemacht werden; die zur Verfügung stehenden Mittel -sichern ihnen die Überlegenheit, ihr Mut muß das übrige dazu tun...“ „Aber in welche -Lage auch immer die Flotte kommen mag, der König erwartet, daß seine Schiffe mit der -größten Unerschrockenheit angreifen und sich stets bis aufs äußerste verteidigen -werden.“</p> - -<p class="small">In diesem Sinne folgt noch mehr, und <em class="gesperrt">Troude</em> sagt hierzu richtig: „Wie verschieden -war diese Sprache von jener, die unsere Admirale im letzten Kriege zu hören -bekamen“; wir sind mehrfach auf die früheren Befehle eingegangen, die stets zur Vorsicht -mahnten. Diesen tapferen Worten folgten aber bald wieder solche in abschwächender -Tonart, so der obenerwähnte Befehl, den <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> vor dem Inseegehen erhielt. -Hierzu wurden die französischen Minister <em class="gesperrt">Vergennes</em> und <em class="gesperrt">Sartines</em> durch die -Erwägung gebracht, daß ein Fehlschlag beim ersten Auftreten der Flotte sehr schädlich -wäre. Wahrscheinlich überschätzten sie auch die Stärke des Gegners. Man ließ sich durch -die große Schiffszahl Englands einschüchtern, ohne die ungünstigen Verhältnisse dort -in Rechnung zu ziehen — obwohl der Mannschaftsmangel durch Berichte aus London -allerdings bekannt war — auch glaubte man, daß <em class="gesperrt">Byron</em> nur einen Konvoi ins offene -Meer zu führen habe und sich dann mit <em class="gesperrt">Keppel</em> vereinigen würde.</p> - -<p class="small">In ihrem Hange zu ängstlicher Schonung der Seestreitkräfte wurden die leitenden -Personen durch hervorragende Seeoffiziere bestärkt. Diese empfahlen, durch Zurückhalten -der Flotte und durch die Truppenansammlung England zu zwingen, seine Seestreitkräfte -gleichfalls zusammenzuhalten; dies müsse dann durch Entsendung zahlreicher -Kreuzer gegen den englischen Handel ausgenutzt werden. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> schlug aber -in einem Brief vom 22. Juni vor, mit der Flotte auszulaufen. Zwar wollte auch er nicht -zum entscheidenden Kampfe in den Kanal gehen, „wo er keine Zufluchtshafen habe und -durch die vorherrschenden Winde leicht an der englischen Küste festgehalten werden -könnte“, sondern eine Kreuztour gegen den Handel vor demselben aufnehmen. Er -wollte dabei versuchen, die Vereinigung Byrons und Keppels zu verhindern, diese gegebenenfalls -einzeln schlagen, beiden vereint aber ausweichen. Ihm schwebte die „Campagne -au large“ des Admirals <em class="gesperrt">Tourville</em> 1691 vor, der wochenlang die überlegene -englische Flotte hinter sich herzog und dadurch lähmte. (Vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_441">441</a>.) Diese -Kreuztour sollte gleichzeitig zur Ausbildung der Flotte dienen. Die ihm zugegangene<span class="pagenumsmall"><a name="Page_251" id="Page_251">[251]</a></span> -Instruktion — sie hatte sich mit seinem obenerwähnten Briefe gekreuzt — entsprach -also gewissermaßen seinem Gedanken, der Nachtrag vom 12. Juli machte ihn aber für -alle Folgen verantwortlich.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> antwortete auf den letzten Befehl, er werde, wie zuerst -angeordnet sei, einen Monat kreuzen, falls er nicht ausdrücklich zurückgeworfen -würde, und auch einen Kampf annehmen; nur falls <em class="gesperrt">Keppel</em> sehr -überlegen aufträte, werde er ausweichen, dies könne aber unter Umständen -schwierig sein, wenn der Gegner den Kampf ernstlich suche. Es ist bemerkenswert, -daß die Flaggoffiziere und Kommandanten, als ihnen am 9. Juli -der Befehl bekannt gegeben wurde, in den Chef drangen, er möge die Erlaubnis -nachsuchen, in den Kanal einzulaufen und den Feind, selbst auf der -Reede, anzugreifen.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Ouessant 27. Juli 1778.</b> <em class="gesperrt">Admiral Keppel</em> -lief am 9. Juli zu einer zweiten Kreuzfahrt von Portsmouth mit 24 -Linienschiffen aus und auf dem Wege kanalabwärts stießen noch 6 von -Plymouth zu ihm. Erregt durch den Umstand, daß er das erste Mal das Feld -hatte räumen müssen, sowie durch die deshalb von der öffentlichen Meinung -ihm gemachten Vorwürfe, war er fest entschlossen, den Feind aufzusuchen und -zum Kampfe zu zwingen. <em class="gesperrt">Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers</em><a name="FNAnker_135_136" id="FNAnker_135_136"></a><a href="#Fussnote_135_136" class="fnanchor">[135]</a> -war nach Empfang seiner Instruktion durch Gegenwind einige -Tage festgehalten, erst am 8. Juli ging er mit 32 Linienschiffen in See, von -denen jedoch drei als zu schwach für die Linie erklärt und wie die Fregatten -während der Schlacht in Feuerlee von ihr gehalten wurden. Er nahm seinen -Kurs nach dem Kanaleingange und benützte die Fahrt zu taktischen Übungen. -Mit deren Ausfall war er durchaus nicht zufrieden, und es ist wohl anzunehmen, -daß dies im Verein mit der erhaltenen Mahnung sein Verhalten in der Schlacht -beeinflußt hat.</p> - -<p>Am Nachmittage des 23. Juli sichteten sich die Gegner etwa 100 Seemeilen -westlich der Insel Ouessant; bei frischem WNW-Winde lagen die Franzosen -nordöstlich der Engländer, also in Lee von ihnen, aber während der -Nacht gewannen sie die Luvstellung nordwestlich des Gegners. Diese Lage -befriedigte beide Führer, denn <em class="gesperrt">Keppel</em> sah sich zwischen dem Feinde und -Brest, während <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> durch seine Luvstellung im Sinne seines -Befehles zu handeln vermochte, nämlich die See zu halten und doch nur zu<span class="pagenum"><a name="Page_252" id="Page_252">[252]</a></span> -fechten, wenn er es für vorteilhaft hielt; er sollte aber sein Bedenken bestätigt -finden, daß dies bei einem kampfesmutigen Gegner nicht leicht durchzuführen -sei. In der Nacht waren außerdem drei seiner Schiffe von der Flotte abgekommen, -in Lee der Engländer geblieben und konnten bis zur Schlacht nicht -mehr herankommen, so daß bei dieser nur 27 Schiffe in der Linie standen.</p> - -<p>Während der nächsten Tage manövrierten beide Teile in Sicht voneinander; -<em class="gesperrt">Keppel</em>, um an den Feind heranzukommen, <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> wahrscheinlich, -um dies zu verhindern. Zwar sagen französische Quellen, er habe -sich nur die Luvstellung wahren wollen, aber sie deuten auch an, daß seine -Geschwaderchefs ihn erst zu dem Entschlusse gebracht hätten, den Kampf -aufzunehmen. Am 27. Juli kam es zur Schlacht, die aber nur in einem zwei- bis -dreistündigen Feuergefecht im Passieren bestand.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf der Schlacht bei Ouessant</b> kann in groben Zügen gegeben werden, ohne -auf Einzelheiten einzugehen; die für uns bemerkenswerten Punkte treten trotzdem -genügend hervor<a name="FNAnker_136_137" id="FNAnker_136_137"></a><a href="#Fussnote_136_137" class="fnanchor">[136]</a>.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die englische Flotte</em> zählte 32 Linienschiffe: Vorhut, Vizeadmiral <em class="gesperrt">Sir -Robert Harland</em>, 10 Schiffe; Mitte, <em class="gesperrt">Keppel</em>, 11 Schiffe; Nachhut, Vizeadmiral -<em class="gesperrt">Sir Hugh Palliser</em>, 11 Schiffe. <em class="gesperrt">Die französische Flotte</em> hatte 27 Schiffe -in der Linie: Vorhut, Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Comte Duchaffault</em>, 9 Schiffe; Mitte, -<em class="gesperrt">d'Orvilliers</em>, 9 Schiffe; Nachhut, Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Duc de Chartres</em>, -9 Schiffe.</p> - -<p class="small">Am 27. Juli wehte frischer westlicher Wind mit heftigen Regenböen. Bei Tagesanbruch -waren die Flotten etwa 6 Seemeilen voneinander entfernt, beide lagen über -Steuerbordbug, die französische „in Kiellinie beim Winde“ genau in der Windrichtung -zu Luward der englischen; diese hatte kurz vorher „alle Schiffe zugleich“ gewendet, -über den neuen Bug aber die Kiellinie nicht wieder hergestellt, so daß sie in einer Peilungslinie -segelte, aus der jedoch durch abermals gleichzeitiges Wenden sofort die Kiellinie -über Backbord-Bug gebildet werden konnte. <em class="gesperrt">Keppel</em> hatte keine Zeit mit Ausrichten -verlieren wollen, um schnell an den Feind heranzukommen; auch befahl er allgemeine -Jagd. Die Ordnung in seiner Flotte war nicht gut, besonders der rechte Flügel -(über Steuerbordbug die Nachhut) war während der Nacht nach Lee geraten; sie erhielt -jetzt Befehl, möglichst Luv zu gewinnen. Um 9 Uhr vorm. ließ <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> im -Kontremarsch, also ein Schiff nach dem anderen auf der gleichen Stelle, halsen, um den -Feind besser beobachten und seine Stärke genauer erkunden zu können; er verlor hierdurch -allerdings beträchtlich an Luv, aber doch nicht so viel, daß er nicht unter normalen -Verhältnissen nach Belieben hätte den Kampf vermeiden oder angreifen können, sobald -es ihm günstig schien.</p> - -<p class="small">Jetzt aber drehte der Wind südlicher, die englische Flotte konnte mehr auf die -französische zuhalten, stand um 10¼ Uhr in deren Kielwasser, als sie eben die Kiellinie -über Backbord-Bug gebildet hatte, und <em class="gesperrt">Keppel</em> wendete mit allen Schiffen zugleich; -er segelte nun also gleichfalls in Kiellinie über Backbord-Bug hinter seinem Gegner her. -<em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> mußte fürchten, daß seine letzten Schiffe eingeholt und mit Übermacht -angegriffen werden könnten, er ließ deshalb mit allen Schiffen zugleich wenden, wodurch -seine eigentliche Nachhut, der Herzog von Chartres, zur Vorhut wurde, und segelte dem -Feinde über Steuerbordbug entgegen. Nun folgte ein Passiergefecht, bei dem die Franzosen -zu Luward standen, und zwar in leidlich guter Ordnung, während die Engländer -infolge der Jagd schlecht ausgerichtet waren; in der Nachhut hinderten sich die Schiffe<span class="pagenumsmall"><a name="Page_253" id="Page_253">[253]</a></span> -sogar gegenseitig im Feuer. Keppel hatte nach der letzten Wendung das Signal „Schlachtlinie -bilden“, worauf diese ausgerichtet worden wäre, gar nicht gegeben, sondern nur das -zur Eröffnung des Kampfes. Während des Passierens zielten die Franzosen, wie stets, -besonders auf die Takelage, die Engländer auf den Rumpf der Schiffe.</p> - -<p class="small">Als die englische Vorhut gegen 1 Uhr die französische Linie passiert hatte, ließ -<em class="gesperrt">Harland</em> sie wenden, um am Feinde zu bleiben, und <em class="gesperrt">Keppel</em> befahl der Mitte das -gleiche, als sie soweit war. Da aber viele Schiffe der beschädigten Takelage halber das -Manöver nicht ausführen konnten und ihr Halsen der nachfolgenden wegen schwierig -und damit zeitraubend wurde, entstand große Unordnung, besonders in der Mitte. Der -Admiral holte deshalb gegen 2 Uhr nachm. das Signal zum Gefecht nieder und heißte -„Schlachtlinie bilden“. Die Linien hatten sich passiert, der Kampf war zu Ende.</p> - -<p class="small">Gleichzeitig gab <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> den Befehl zum Halsen in Kontremarsch. Er -wollte seine Linie aufs neue am Feinde vorüberführen und zwar in Lee derselben; mit -Recht versprach er sich großen Erfolg von seinem Feuer auf die ungeordneten feindlichen -Schiffe, und um so mehr, da er nun von Lee aus auch seine untersten Batterien -hätte gebrauchen können, deren Pforten beim Passieren zu Luward der hohen See wegen -hatten geschlossen bleiben müssen. Dieser Befehl ward jedoch nicht sofort ausgeführt, -denn die Spitzenschiffe sahen das Signal nicht; der Führer der Vorhut, <em class="gesperrt">Herzog -von Chartres</em>, segelte sogar mit seinem Flaggschiff längsseit des Oberbefehlshabers, -um nach dessen Absichten zu fragen. Dann erst begann das Manöver gegen ½3 Uhr, -aber nun war die rechte Zeit verpaßt; <em class="gesperrt">Keppel</em> hatte seine Linie, wenigstens aus Vorhut -und Mitte wiederhergestellt und segelte auf einige beschädigt in Lee liegende Schiffe -zu, um sie zu decken. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> gab deshalb seine Absicht auf, hielt ab und nahm -weiter in Lee eine abwartende Stellung ein, also entsprechend der alten französischen Taktik.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Keppel</em> hatte auch die Absicht, aufs neue anzugreifen, aber ihm fehlte seine -Nachhut. Die Schiffe dieser hatten sich auf das Signal zur Herstellung der Ordnung -vorschriftsmäßig auf das Flaggschiff ihres Führers, <em class="gesperrt">Palliser</em>, formiert, das etwa 2 Seemeilen -zu Luward der Mitte lag. <em class="gesperrt">Palliser</em> aber führte sein Geschwader nicht heran, -obgleich er den Befehl dazu nicht nur durch Signal, sondern auch durch eine Fregatte -erhielt; er entschuldigte dies später damit, daß sein Schiff nicht manövrierfähig gewesen -wäre. Erst als <em class="gesperrt">Keppel</em> die einzelnen Schiffe der Vorhut zu sich rief, trafen sie nach -und nach ein, jetzt aber, gegen 7 Uhr, war es zu spät zur Wiederaufnahme des Kampfes -geworden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> werden sehr verschieden angegeben. Die französischen Quellen -nennen für die Franzosen 163 Tote und 517 Verwundete, für die Engländer 407 Tote, -789 Verwundete; die englischen geben für sich nur 133 bzw. 373 zu und behaupten, der -Gegner habe weit mehr verloren als er zugestanden, erkennen jedoch die stärkere Beschädigung -ihrer Schiffe an. Bei der verschiedenartigen Verwendung der Artillerie auf beiden -Seiten ist anzunehmen, daß die Franzosen den größeren Verlust an Leuten gehabt haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht blieb unentschieden.</em> In der folgenden Nacht -entfernten sich die Flotten voneinander; beide Parteien aber schrieben sich -den Sieg zu und behaupteten, der Gegner habe das Feld geräumt. Die Franzosen -sagten aus, sie hätten am Morgen des 28. Juli den Gegner nicht mehr -gesehen; er habe während der Nacht das Weite gesucht, ohne Lichter zu -zeigen. Die Engländer behaupten, sie hätten die Nacht über gefechtsbereit -gelegen; der Feind habe zur Täuschung drei Schiffe mit Admiralslichtern in -Geschwaderabstand voneinander liegen lassen, sei dann abgesegelt und am -anderen Morgen in der Richtung auf Ouessant nur noch von den Mastspitzen -gesehen worden. Tatsächlich sind beide Flotten in ihre Häfen zurückgegangen, -die französische traf am 29. Juli in Brest, die englische am 31. in Plymouth ein.<span class="pagenum"><a name="Page_254" id="Page_254">[254]</a></span> -Daß <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> nichts weiter unternahm, ist leicht mit seiner Instruktion -und mit der in der französischen Marine herrschenden Auffassung von -der Verwendung der Flotten zu erklären: Er hatte die Ehre der Flagge gewahrt, -seine Schiffe in brauchbarerem Zustande als die des Gegners erhalten -und diesen vorläufig außerstand gesetzt, an der französischen Küste zu -kreuzen. Er hatte durchgeführt, was er versprochen, und auch die Leistungen -seiner Schiffe waren besser gewesen, als er nach dem Ausfall der Vorübungen -erwartet hatte. Nun wollte er die beiden versprengten Schiffe aufnehmen und -dann ausbessern, ehe er die Kreuzfahrt wieder aufnahm. Es ist mithin wohl -möglich, daß <em class="gesperrt">er</em> das Feld geräumt hat.</p> - -<p class="small">Die englische Behauptung gewinnt auch dadurch an Zuverlässigkeit, daß sie sich -auf Angaben stützt, die von vielen als Zeugen in der Untersuchung gegen Keppel vernommenen -Kommandanten unter eidlicher Bekräftigung gemacht sind, während der -französischen Schilderung wohl nur die üblichen Berichte zugrunde liegen.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">Keppel</em> hatte insoweit seinen Zweck erreicht, als er den Feind -zum Kampfe nötigte. Es liegt auch kein Grund zum Zweifel an seiner Absicht -vor, diesen am Nachmittag wieder aufzunehmen. Es ist ihm allerdings vorzuwerfen, -daß er die Schiffe der Vorhut nicht gleich einzeln heranrief, aber -er hatte keine Meldung von Palliser über dessen Manövrierunfähigkeit und -wartete wohl von Minute zu Minute auf die Befolgung seiner Befehle. Daß -er es am folgenden Tage für aussichtslos hielt, mit seinen beschädigten Schiffen -den Feind einzuholen, und auch für gefährlich, mit ihnen an der feindlichen -Küste zu bleiben, ist als berechtigt anzusehen.</p> - -<p><b>Die öffentliche Meinung in beiden Ländern</b> war mit dem Ergebnis der -Schlacht nicht zufrieden. <em class="gesperrt">In Frankreich</em> hatte zwar zuerst die Vertreibung -des Gegners von der Küste großen Jubel erregt, als aber die näheren -Umstände bekannt wurden, fand man, daß viel mehr hätte erreicht werden -müssen. Man schob die Schuld auf den <em class="gesperrt">Herzog von Chartres</em>, weil -er den Befehl des Flottenchefs nicht sofort ausgeführt habe; man beschuldigte -ihn des Ungehorsams, ja der Feigheit. Er wurde aus der Marine entfernt.</p> - -<p class="small"><b>Louis Philippe, Duc de Chartres</b> — nach seines Vaters Tode Herzog von Orleans, -während der Revolution als Bürger <em class="gesperrt">Philippe Egalité</em> bekannt —, war bestimmt, -später Admiral von Frankreich zu werden. Er hatte keine seemännische Erfahrung, -weshalb man ihm in seinem Flaggkapitän, dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Lamotte-Picquet</em>, -einen hervorragend tüchtigen Seeoffizier zur Seite gestellt hatte; so wird -er während der Schlacht kaum von irgendwelchem Einfluß gewesen sein. Die neueren -französischen Marineautoren lehnen denn auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestimmt -ab. Wie man sagt, erfolgte seine Entfernung auf Betreiben der Königin, und dies -trug zur Vergrößerung der schon bestehenden Spannung zwischen dieser und dem Herzoge -bei, obgleich letzterer zum Generaloberst der Husaren ernannt wurde — ein für ihn neugeschaffener -Titel.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">England</em> war schon der erste Rückzug Keppels übel vermerkt -worden. Jetzt hatte man die Vernichtung des Gegners erwartet und der Ausfall -der Schlacht zog eine Flut von maritimen sowie von politischen Erörterungen -nach sich; je nach dem Parteistandpunkte der Kritiker richteten<span class="pagenum"><a name="Page_255" id="Page_255">[255]</a></span> -sich die Vorwürfe gegen die Regierung und die Admiralität oder gegen -<em class="gesperrt">Keppel</em>, und dieser ward schließlich im Januar 1779 in kriegsgerichtliche -Untersuchung gezogen. Wenn auch in allen Ehren freigesprochen, so legte er -doch sein Kommando nieder.</p> - -<p class="small"><b>Kriegsgericht über Keppel.</b> Der Admiral hatte <em class="gesperrt">Palliser</em> nicht angeschuldigt, -war aber gezwungen, zu Äußerungen der Presse über die Schlacht Stellung zu nehmen, -und als er dabei das Verhalten seines Untergebenen zur Sprache brachte, erhob dieser -Anklage gegen ihn; diese lautete auf zwei grobe Verstöße Keppels gegen die Gefechtsinstruktion -dadurch, daß er zum Angriff vorgegangen sei, ehe die Gefechtslinie -ordnungsmäßig gebildet war, sowie insofern, als er nach dem Passieren der Flotten nicht -den Angriff sofort erneuert habe, sondern sogar vom Feinde fortgesegelt sei (wie bekannt -zur Deckung einiger Schiffe), also nicht alles zur Vernichtung des Gegners getan habe.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Keppel</em> wurde jedoch vom Kriegsgericht in allen Ehren freigesprochen; die -Mehrzahl der englischen Seeoffiziere und die öffentliche Meinung standen gleichfalls auf -seiner Seite. <em class="gesperrt">Palliser</em> dagegen ward genötigt, seinen Abschied zu nehmen. Er hatte -versucht, sich damit zu entschuldigen, daß er das Signal nicht gesehen habe und daß sein -Schiff bewegungsunfähig gewesen sei; beides wurde ihm widerlegt und ihm außerdem -vorgeworfen, wenn letzteres wirklich der Fall gewesen wäre, hätte er dies seinem Chef -melden und ihm die anderen Schiffe senden müssen. Die Stimmung war derart, daß man -nach Bekanntwerden des Urteils zu Ehren Keppels Feuerwerke abbrannte, während der -betrunkene Pöbel das Haus Pallisers zerstörte und seinen Freunden die Fenster einwarf. -(Näheres über das Kriegsgericht vgl. Campbell Band V, Seite 432, und Clowes Band III, -Seite 423.)</p> - -<p><em class="gesperrt">Für die Geschichte der Seetaktik ist die Schlacht -bei Ouessant bemerkenswert</em> als ein wichtiges Glied in der -Entwicklung der englischen Taktik. Bei Toulon 1744 trat <em class="gesperrt">Mathews</em> -gleichfalls ins Gefecht, ehe er die Linie gebildet hatte, da er fürchtete, daß ihm -der Gegner sonst entweichen könne; als das Ergebnis der Schlacht den Erwartungen -nicht entsprach, ward er für diesen Verstoß gegen die Gefechtsinstruktion -aus dem Dienste entlassen. Nach diesem Vorgange wagte <em class="gesperrt">Byng</em> -bei Minorca trotz günstiger Gelegenheit nicht von der Vorschrift abzuweichen; -er wurde erschossen, weil er nicht alles zur Vernichtung des Feindes getan -habe. Beide Kriegsgerichte standen im englischen Offizierkorps noch gut in -Erinnerung, Keppel war selber ein Mitglied des zweiten gewesen. Trotzdem -griff er an, ohne die Linie völlig hergestellt zu haben, damit der Feind sich -ihm nicht entziehe. Ihn sprach das Kriegsgericht frei; die meisten seiner -Kommandanten hatten seinem Handeln mit der Begründung zugestimmt, -daß es sonst nicht zur Schlacht gekommen wäre.</p> - -<p>Ähnliches zeigt sich bei der Beurteilung der Unterführer. <em class="gesperrt">Lestock</em>, -der seinen Chef bei Toulon im Stich gelassen hatte, wurde freigesprochen, da -er sich auf den Buchstaben der Instruktion berufen konnte, <em class="gesperrt">Palliser</em> -wurde jetzt wegen des gleichen Verhaltens wenigstens gemaßregelt. Dies sind -doch Anzeichen, daß man in England die Notwendigkeit zu erkennen begann, -mit der buchstäblichen und schematischen Befolgung der Gefechtsvorschriften -zu brechen. Durchgedrungen war dieser Gedanke noch nicht. <em class="gesperrt">Keppel</em> war -sich wohl bewußt, welche Gefahr er lief; er äußerte, daß sein Handeln eine -Frage um Leben und Tod für ihn sei. Auch das Verhalten der Schiffe der Vorhut<span class="pagenum"><a name="Page_256" id="Page_256">[256]</a></span> -zeigt, daß eine freiere Auffassung noch nicht genügend Platz gegriffen -hatte, sonst würden sie ohne Befehl zur Mitte gesegelt sein, wenn ihr Geschwaderchef -bewegungsunfähig war. Es ist übrigens bemerkenswert, daß <em class="gesperrt">Keppel</em> -nach der Schlacht befahl, in Zukunft hätten auf das Signal „Schlachtlinie -bilden“ die einzelnen Schiffe auf den Flottenchef und nicht wie bisher auf die -Geschwaderchefs ihre Posten in der Linie einzunehmen.</p> - -<p>Das Verhalten der Franzosen zeigt gleichfalls, wie schwer es ist, mit -eingewurzelten Überlieferungen zu brechen; sie blieben bei ihrer defensiven -Fechtart, wenn sie auch diesmal in der Luvstellung den Kampf annahmen. -Hierdurch waren sie beim Passieren imstande, den Nahkampf herbeizuführen. -Sie taten es nicht, obgleich sie der weniger geordneten englischen Linie -gegenüber wahrscheinlich großen Erfolg gehabt hätten; sie blieben auch bei -ihrem Feuer auf die Takelage, um dem Gegner die Offensivkraft zu nehmen. -<em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> hatte nach dem Passieren zwar den richtigen Gedanken, -dessen ungünstige Lage zum Angriff zu benutzen, die Durchführung versprach -jedoch nur bei sofortigem Beginn der Manöver Erfolg und der Flottenchef -war genötigt, seine Absicht erst den Untergebenen klar zu machen, so fern -lag diesen ein tatkräftiges angriffsweises Vorgehen. Als sich inzwischen ein -Teil der englischen Flotte geordnet hatte, sah <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> vom Angriff -ab und nahm die übliche Verteidigungsstellung ein.</p> - -<p>Die Schlacht zeigt endlich, daß es zur See einem ausdauernden Verfolger oft -gelingen wird, den Gegner zur Schlacht zu stellen, da für ihn günstige Umstände -eintreten können; hier wurde es den Engländern durch die Windänderung -möglich, obgleich sie in Lee standen. (Vgl. Hostes Regeln, Seite <a href="#Page_37">37</a>.)</p> - -<p><b>Weitere Ereignisse</b> von Bedeutung brachte das Jahr <b>1778 in den europäischen -Gewässern</b> nicht mehr. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> ging aufs neue am -17. August mit 28 (29?) Linienschiffen zum Handelsschutz in See. Seine -Instruktion hielt sich jetzt ganz nach der vorsichtigen Art früherer Zeiten, -sie befahl ihm nicht gerade das Vermeiden, aber verbot ihm doch das Suchen -eines Kampfes; <em class="gesperrt">Vergennes</em> schrieb, daß man es nicht für richtig erachte, -Schlachten herbeizuführen, „die doch oft nur Verluste brächten“. Vielleicht -ist man dabei von dem Gedanken geleitet, die Kräfte für den Versuch einer -Landung in England im nächsten Jahre zu erhalten. Die Flotte kreuzte sechs -Tage vor dem Eingange des Kanals, später zwischen Ouessant und Finisterre -und lief am 18. September wieder in Brest ein. Bis in den November hinein -kreuzten dann mit Ablösung einige Linienschiffe bei Ouessant, Fregatten in -der Biskaya und kleinere Fahrzeuge in der Nordsee sowie an der portugiesischen -Küste. <em class="gesperrt">Keppel</em> war gleichfalls vom 22. August bis zum 28. Oktober -in See, meist am Eingange des Kanals. Beide Parteien behaupten, der Gegner -sei einem Zusammenstoß ausgewichen. Die französische Flotte scheint, dem -Befehle entsprechend, den Kanal verlassen zu haben, als Keppel erschien, -und in England wollte man die schwache Heimflotte wahrscheinlich nicht zu -weit von den eigenen Küsten entfernen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_257" id="Page_257">[257]</a></span></p> - -<p><b>Die Kriegführung in den europäischen Gewässern 1778 zeigte auf beiden -Seiten keine Tatkraft.</b> <em class="gesperrt">In England</em> war dies eine Folge der mangelhaften -Vorbereitungen, man mußte sich ganz auf den Schutz der eigenen Gewässer -beschränken. Das Ausrüsten wie das Auslaufen der Toulonflotte erfuhr man -frühzeitig genug und war doch nicht imstande, Gegenmaßregeln zu ergreifen. -Hätte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> nicht so ungewöhnlich lange Zeit von Toulon bis Gibraltar -gebraucht, so würde er bei einer Bestimmung nach Brest seine Vereinigung -mit der Flotte dort ohne Zweifel unbelästigt erreicht haben; nach Nordamerika -beordert, wie es der Fall war, trat er mit Erfolg auf und sein Erscheinen -würde ohne die erwähnte lange Reise noch verhängnisvoller für England -geworden sein. Dies hätte seine Rüstungen darauf einrichten müssen, daß es -die Straße von Gibraltar sperren oder sich wenigstens dort an die Toulonflotte -hängen konnte. Die beim Beginn fast eines jeden Krieges auftretende Furcht -vor einer Invasion wirkte übrigens mit, die englische Tatkraft zu lähmen; -alle Schiffe wurden vorläufig daheim festgehalten. Nach Entsendung -<em class="gesperrt">Byrons</em> war England dann zu schwach, um aus den heimischen Gewässern -herauszutreten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> hatte den Krieg besser vorbereitet und auch rechtzeitig -Befehle erlassen, um überall an erster Stelle im Felde erscheinen zu können, -aber nur der Vorstoß in Amerika wurde durchgeführt. Alle neueren französischen -Autoren stimmen, gestützt auf Aussprüche der Marineautoritäten -jener Zeit, darin überein: „Frankreich wäre imstande gewesen, auch in Brest -rechtzeitig eine den englischen Seestreitkräften weit überlegene Flotte aufzustellen, -Schiffe lagen genügend auf den Werften bereit und an Leuten fehlte -es nicht. Man hätte die Engländer in den Häfen blockieren und über deren -Handel herfallen müssen, wie diese 1755 getan hatten; das würde nicht nur -große Beute gebracht, sondern ihnen auch die Mobilmachung noch mehr -erschwert haben. Vielleicht wäre wirklich eine Invasion, jedenfalls aber die -Wegnahme der Kanalinseln ermöglicht worden. Die französische Marine sei -für ein derartiges Vorgehen mit äußerster Kraft begeistert gewesen.“</p> - -<p>In dem hierzu nötigen Umfange wurden die Rüstungen jedoch nicht -angeordnet. Überschätzte man die Kraft Englands, und glaubte man, ohne -die Mitwirkung Spaniens Großes nicht wagen zu dürfen? Aber auch mit den -vorgenommenen Rüstungen blieb Frankreich monatelang überlegen und -durfte angriffsweise vorgehen. Man konnte wenigstens <em class="gesperrt">Byrons</em> Abfahrt -nach Nordamerika hindern; hierdurch würde <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, wenn er auch -zur Lösung seiner ersten Aufgabe zu spät kam, für sein weiteres Auftreten -freiere Hand gehabt haben. Statt dessen hielt man die Brestflotte zurück, -solange England sich nicht rührte, <em class="gesperrt">Byron</em> konnte segeln und auch <em class="gesperrt">Keppel</em> -erschien als erster auf dem Plane. Und selbst noch nach den ersten Gewalttaten -des englischen Admirals wäre es Zeit gewesen, loszuschlagen, aber Wochen -vergingen, bis <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> den Befehl zum Auslaufen erhielt, und nun -war die feindliche Flotte ihm gewachsen. Der französischen Regierung fehlte -hier wieder, wie wir es in den früheren Kriegen so oft gesehen haben, Verständnis<span class="pagenum"><a name="Page_258" id="Page_258">[258]</a></span> -dafür, daß ein durchschlagender Erfolg gegen England nur durch eine -kräftige Offensive, hauptsächlich gegen die Seestreitkräfte des Gegners, zu -erzielen war. Sie hatte zwar oft große Pläne, führte dann aber die Kriege im -allgemeinen defensiv mit nur vereinzelten Offensivstößen — wie hier in Nordamerika -—, über die sie die großen Ziele aus dem Auge verlor. So blieb auch der -Vorteil unbenutzt, den Frankreich in diesem Kriege durch bessere Vorbereitung -hatte, und dies war bei den großen Hilfsquellen Englands ein schwerwiegender -Fehler.<a name="FNAnker_137_138" id="FNAnker_137_138"></a><a href="#Fussnote_137_138" class="fnanchor">[137]</a></p> - -<h5>Der Krieg in Nordamerika und Westindien 1778/1779.</h5> - -<p><b>Die Räumung Philadelphias</b> (anschließend an Seite 242). <em class="gesperrt">General -Clinton</em> erhielt im Juni 1778 Befehl, die Stellung am Delaware zu räumen; -sie mußte als unhaltbar angesehen werden, sobald die französische Flotte <em class="gesperrt">d'Estaings</em> -in den nordamerikanischen Gewässern auftrat und England die -Seeherrschaft streitig machte. Der Rückzug, vom <em class="gesperrt">Admiral Howe</em> schon -vorbereitet, begann am 18. Juni und wurde über Land durch New Jersey -angetreten. Wenn man auch diesen Marsch angesichts des Feindes im Vorjahre -für zu gefährlich angesehen hatte, so mußte er jetzt doch gewählt werden, -denn der Transport der Truppen über See erschien noch gewagter, da die -französische Flotte jeden Tag erscheinen konnte. <em class="gesperrt">Howe</em> deckte den Übergang -des Heeres über den Delaware und führte dann die Transporter mit -Material den Fluß hinab. Widriger Winde halber beanspruchte dies die Zeit -bis zum 28. Juni, ein frischer Wind führte dann die Schiffe in kaum 48 Stunden -nach Sandy Hook und auch <em class="gesperrt">Clinton</em> traf am 30. mit dem Heere dort ein. -<em class="gesperrt">Washington</em>, jetzt sehr verstärkt, hatte zwar den Marsch beunruhigt, -konnte ihn aber nicht aufhalten und wagte auch keine entscheidende Schlacht. -Von Sandy Hook wurden die Truppen durch die Flotte bis zum 5. Juli nach -New York übergeführt. Es war die höchste Zeit. Schon am 29. Juni erhielt -<em class="gesperrt">Howe</em> durch ein Postschiff die bestimmte Nachricht, daß <em class="gesperrt">d'Estaing</em> -unterwegs sei; das Fahrzeug hatte ihn sogar gesichtet. Am 7. Juli meldete -einer der vom Admiral entsandten Kreuzer, daß er die Franzosen an der Küste -gesehen habe, und am 9. traf die Nachricht ein, daß sie tags zuvor in der -Delawarebucht geankert hätten.</p> - -<p><b>Vizeadmiral Graf d'Estaing<a name="FNAnker_138_139" id="FNAnker_138_139"></a><a href="#Fussnote_138_139" class="fnanchor">[138]</a> traf zu spät ein</b>, er hätte sonst großen Erfolg -erringen können. Wie seine Fahrt von Toulon nach Gibraltar, so hatte auch<span class="pagenum"><a name="Page_259" id="Page_259">[259]</a></span> -die über den Ozean außergewöhnlich lange gedauert. Seine Order, die er am -20. Mai 120 Seemeilen westlich vom Kap St. Vincent öffnete, trug ihm auf, -von nun ab die Feindseligkeiten zu beginnen, nach Nordamerika zu segeln und -dort etwas zum Ruhme der französischen Flagge sowie zu nennenswertem -Vorteile der Amerikaner zu unternehmen. In erster Linie war er angewiesen, -die weit schwächere Flotte <em class="gesperrt">Howes</em> in der Delawarebucht zu suchen und -zu vernichten; sollte sie schon abgesegelt sein, so wäre sie zu verfolgen und -anzugreifen, wo sich Gelegenheit biete. Man nahm an, mit der Vernichtung -der Seestreitkräfte sei auch das englische Heer verloren. Nach Lösung dieser -Aufgabe sollte der Admiral den Umständen gemäß handeln, also etwa Angriffe -der Amerikaner auf Neubraunschweig unterstützen und ihre Küsten von -Kreuzern sowie Freibeutern reinhalten. -Erlange die englische Flotte -durch Verstärkungen die Überlegenheit, -so sollte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> Boston -als Ausrüstungshafen und Stützpunkt -aufsuchen und bei passender -Gelegenheit nach Westindien (Kleine -Antillenstation) segeln. Infolge der -späten Ankunft ging die günstigste -Aussicht auf einen großen Erfolg -verloren; das einzige Ergebnis des -Erscheinens vor der Delawarebucht -war die Vernichtung zweier englischer -Ausguckfregatten, die sich dort überraschen -ließen.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p259.jpg" width="300" height="354" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p259" id="fig_p259"></a> -<p class="caption">Comte d'Estaing.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Die auffallend lange Reise der -französischen Flotte</b> wird vielfach dem -Admiral zur Last gelegt, seinem Mangel -an seemännischer Erfahrung sowie dem -Umstande, daß er während der Fahrt -durch unnötige Übungen viel Zeit verloren habe. Es mag etwas Wahrheit hierin -liegen, aber von anderer Seite wird er mit der sehr ungleichen Segelfähigkeit seiner -Schiffe entschuldigt. Er selber hat berichtet, daß seine besten Segeler häufig nur -gereffte Marssegel hätten führen dürfen, wenn die schlechtesten mit Gefahr für die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_260" id="Page_260">[260]</a></span> -Masten Segel gepreßt hätten. Die Behauptung, einige, ihm übelgesinnte Kommandanten -hätten absichtlich durch fehlerhaftes Manövrieren sowie schlechtes Steuern die Fahrt -aufgehalten, ist nach neueren Forschungen haltlos. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> hat in allen Berichten, -Tagebüchern und Briefen stets den Eifer der Kapitäne anerkannt, obgleich er ihnen -sonst nicht wohlwollend gegenüberstand; er klagt immer nur über die Schiffe. Eher ist -anzunehmen, daß dieser Umstand gar nicht so schwer ins Gewicht fiel, daß dagegen die -mangelnde Erfahrung der Offiziere im Segeln in großen Verbänden das Zusammenhalten -der Flotte erschwert hat. (Vgl. Lacour II über die Personalien und über diese Reise -d'Estaings.)</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p260.jpg" width="300" height="376" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p260" id="fig_p260"></a> -<p class="caption">Richard Earl Howe.</p> -</div> - -<p>Bei dem <em class="gesperrt">Stärkeverhältnis der Flotten</em> war die Lage für -Frankreich sehr günstig. Die französischen Streitkräfte zählten 12 Linienschiffe, -1 zu 90 Kanonen, 1 zu 80, -6 zu 74, 3 zu 64 und 1 zu 50, -sowie vier Fregatten; 1000 Mann -Infanterie waren für Landungen -eingeschifft. Die englische Flotte -bestand aus 6 Schiffen zu 64 -Kanonen, 3 zu 50, 2 zu 44 und -einigen Fregatten (in Halifax -lagen noch drei oder vier kleinere -Linienschiffe nebst mehreren -Fregatten). Von diesen befand -sich aber nur ein Teil in der Delawarebucht, -der Rest lag in New -York und in der Narragansettbai. -Wäre <em class="gesperrt">d'Estaing</em> 10–12 Tage -früher angekommen, so hätte -er den durch die Transportflotte -noch behinderten Teil leicht vernichten -können. Die dann nur von -dem anderen Teile beschützte -Bucht von New York wäre darauf -voraussichtlich auch den Franzosen -in die Hände gefallen und -<em class="gesperrt">Clintons</em> Heer, von den französischen See- und den amerikanischen -Landstreitkräften in die Mitte genommen, zur Übergabe gezwungen gewesen.</p> - -<p><b>D'Estaings erfolgloser Angriff auf New York und Rhode-Island.</b> Die Überlegenheit -der französischen Flotte hätte zwar auch jetzt noch ausgenutzt -werden können, aber <em class="gesperrt">d'Estaing</em> war zu vorsichtig und zu langsam, fand -dagegen in seinem Gegner einen umsichtigen, tatkräftigen und schnell entschlossenen -Führer. <em class="gesperrt">Admiral Sir Richard Howe</em><a name="FNAnker_139_140" id="FNAnker_139_140"></a><a href="#Fussnote_139_140" class="fnanchor">[139]</a> hatte inzwischen<span class="pagenum"><a name="Page_261" id="Page_261">[261]</a></span> -seine sämtlichen Schiffe in der unteren Bucht von New York zusammengezogen, -nur 4 Fregatten verblieben vor Newport an der Narragansettbucht. -Brander wurden hergestellt und die nicht vollzähligen Schiffsbesatzungen -durch zahlreich sich meldende Freiwillige der Transport- und Handelsschiffe -sowie des Heeres aufgefüllt. Schiffer und Steuerleute von Kauffahrern liefen -mit kleinen Fahrzeugen aus, um für New York bestimmte Schiffe zu warnen. -Sobald die Truppen Clintons am 5. Juli nach der Stadt übergeführt waren, -ließ der Admiral die Kriegsschiffe nach einem bereits aufgestellten Plane eine -Verteidigungsstellung bei Sandy Hook einnehmen, die den Feind schon beim -Einsegeln in die untere Bucht mit starkem, enfilierenden Feuer bedrohte und -später die ganze eigene Kraft zur Verteidigung entfaltete.</p> - -<p class="small"><b>Für Howes Stellung vor New York</b> (vgl. Plan von New York, Seite <a href="#Page_235">235</a>) genügt eine -kurze Schilderung, da es nicht zum Kampfe kam; sie ist genau und lesenswert beschrieben -in <em class="gesperrt">Elkins</em>, Naval Battles. Der über die Barre in die untere Bucht führende Kanal für -tiefergehende Schiffe läuft in der Richtung Ost-West rechtwinklig auf Sandy Hook zu -und dicht unter dieser Landspitze vorbei. <em class="gesperrt">Howe</em> erbaute auf ihr eine Batterie und legte -seine Hauptmacht, 5 Schiffe zu 64 Kanonen, 1 zu 50 und einen armierten Transporter, -von Sandy Hook nach Westen in Linie. Die Schiffe lagen jedoch nicht genau in Kiellinie, -sondern ein jedes war etwas nördlicher verankert als sein Vordermann, und hatte -vom Heck aus einen Anker querab Backbord-Bug ausgefahren. Die Franzosen konnten -nur bei westlichem Winde in Kiellinie passieren und den Kanal westwärts hinaufsegeln, -wenn dann die Engländer ihre Springankertaue festhielten und die Bugankertaue fierten, -so schwoiten sie mit der Breitseite nach Osten und bestrichen sämtlich den Kanal, ohne -sich gegenseitig im Feuer zu hindern. Die Franzosen konnten das Feuer nicht erwidern -und mußten schwer leiden; gelang es ihnen trotzdem, querab von den Engländern zu -kommen, so brauchten diese nur die Springankertaue loszuwerfen, um wieder die geschlossene -Ost-West-Linie herzustellen, die an ihren Flügeln nicht umgangen werden -konnte. Hinter der Linie lagen als Reserve ein 64-Kanonenschiff nebst einigen Fregatten; -auf der Barre selber, etwa 2–3 Seemeilen von der Landspitze, war ein 50-Kanonenschiff -nebst kleineren Fahrzeugen stationiert, um den Feind schon hier zu enfilieren und sich -dann zurückzuziehen; mit gleicher Bestimmung lagen vier Galeren im Kanal querab -von der Huk. Bei der großen Übermacht der Franzosen blieb aber die Lage der Engländer -immer gefährlich, und sie mußten eines harten Kampfes, vielleicht der Vernichtung -gewärtig sein, wenn der Gegner zum Nahkampf herangelangte.</p> - -<p>Diese Vorbereitungen waren noch nicht beendet, als am 11. Juli die -Nachricht vom Nahen der französischen Flotte eintraf, doch blieb Zeit genug, -sie durchzuführen. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> hatte zwar die Absicht, seiner Instruktion -entsprechend die englische Flotte zu suchen, war aber erst am 10. Juli von der -Delawarebucht aufgebrochen und ankerte am 11. abends etwa 4 Seemeilen -südlich von Sandy Hook unter der Küste, um den Angriff auf <em class="gesperrt">Howe</em> einzuleiten.<span class="pagenum"><a name="Page_262" id="Page_262">[262]</a></span> -Hier trat er mit <em class="gesperrt">Washington</em> in Verbindung, der gleichzeitig -die Stadt New York angreifen wollte. Die Verhältnisse lagen also noch günstig -genug, um das englische Heer zur Übergabe zu zwingen, aber <em class="gesperrt">d'Estaing</em> -glaubte, ohne Lotsen nicht in die Bucht von New York eindringen zu können. -Erst am 16. Juli trafen solche ein, erklärten jedoch, daß ein Passieren der -Barre für die schweren Schiffe mit einem Tiefgange von 23 bis 25 Fuß unmöglich -sei, da man selbst unter den günstigsten Verhältnissen nur auf 22 Fuß -Wasser rechnen könne. In den nächsten Tagen von ihnen unter Aufsicht -französischer Offiziere vorgenommene Lotungen ergaben auch nur 22½ Fuß. -Ein am 20. Juli zusammentretender Kriegsrat der Kommandanten, in dem -den Lotsen ohne Erfolg 150 000 Francs angeboten wurden, beschloß, daß -unter diesen Umständen sowie in Hinblick auf die starke Stellung der Engländer -am Einfahrtskanal von einem gewaltsamen Eindringen abgesehen -werden müsse, daß man sich dagegen im Verein mit dem amerikanischen -Heere in Besitz der Stadt Newport mit der seemännisch und strategisch -wichtigen Narragansettbucht setzen wolle. <em class="gesperrt">Washington</em> hatte dies vorgeschlagen, -falls der Plan gegen New York nicht auszuführen sei. Am 22. Juli -zeigte sich die französische Flotte vormittags bei Sandy Hook, segelte aber -nachmittags nach Süden ab; <em class="gesperrt">Howe</em> ließ ihr kleinere Fahrzeuge zur Beobachtung -folgen, da er zunächst nicht glaubte, daß sie den Angriff aufgegeben habe.</p> - -<p class="small"><b>Englische Berichte über die Lage</b> besagen, daß ein Eindringen durchaus möglich -gewesen wäre. Infolge der Gezeiten sei vom 20. Juli an bei Flut genügend Wasser auf -der Barre gewesen, am Nachmittag des 22. bei Springflut sogar 30 Fuß, und dabei habe -der Wind aus günstigster Richtung zum Einsegeln geweht; spätere Beobachtungen haben -festgestellt, daß genannte Wassertiefe bei Springflut gewöhnlich vorhanden ist. Schon -daß <em class="gesperrt">Howe</em> nach genauen Lotungen so vorsorglich seine Verteidigungsstellung einnahm, -beweist, daß er ein Eindringen für möglich hielt. Wenn die Lotsen anderer Ansicht -waren, so ist dies erklärlich, da sie bislang keine Gelegenheit gehabt hatten, mit so -schweren Schiffen zu rechnen, weil nur kleinere englische Linienschiffe an der Küste -stationiert gewesen waren; französische Angaben deuten allerdings auch an, es seien -Männer gewesen, die nicht warm zur amerikanischen Sache hielten. Die englische Flotte -hat am 22. mittags den Angriff sicher erwartet.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> verlor so die zweite Gelegenheit zu einem durchschlagenden -Erfolg. Er wählte nun südlichen Kurs, um den Angriff auf Newport vorläufig -zu verschleiern, und setzte ihn bis zur Delawarebucht fort. Nachdem ihn hier -die englischen Beobachtungsfahrzeuge verlassen hatten, steuerte er nach -Norden und ankerte am 29. Juli drei Seemeilen südlich von Rhode-Island. -Er drang auch in die Narragansettbucht ein, sah sich aber genötigt, sie wieder -zu verlassen, ehe es ihm oder den amerikanischen Truppen gelungen war, -die Insel Rhode-Island nebst der Stadt Newport zu nehmen und sich so festzusetzen.</p> - -<p class="small"><b>Die Narragansettbucht</b> an der Küste des Staates Rhode-Island wird nach See zu -durch die Inseln Rhode-Island und Conanicut abgeschlossen, so daß drei Einfahrten entstehen. -Die östlichste zwischen Rhode-Island und dem Festlande ist oberhalb genannter -Insel nicht schiffbar; die mittlere zwischen den beiden Inseln ist die Haupteinfahrt und -vereinigt sich oberhalb Conanicut mit der westlichen, die durch diese Insel und das westliche<span class="pagenumsmall"><a name="Page_263" id="Page_263">[263]</a></span> -Festland gebildet wird. Die Stadt Newport liegt auf der Westseite Rhode-Islands -etwa 4 Seemeilen vom Anfang der Haupteinfahrt. Ihr innerer Hafen wird durch die -kleine Goatinsel geschützt, deren Batterien mit denen auf Rhode-Island im Norden und -Süden der Stadt die Haupteinfahrt bestrichen; auf Conanicut befanden sich kleine -Werke zur Beherrschung der Westeinfahrt.</p> - -<p>Die englische Stellung an der Narragansettbucht befehligte <em class="gesperrt">General -Sir Robert Pigot</em>, dem 5–6000 Mann, sowie 5 Fregatten, 2 Sloops -und einige Galeren unterstanden. Als <em class="gesperrt">d'Estaing</em> vor der Haupteinfahrt -geankert hatte, erhielt er von dem amerikanischen General <em class="gesperrt">Sullivan</em>, -der auf dem Festlande östlich der Bucht stand, die Nachricht, er sei noch -nicht zum Angriff bereit und erwarte noch Milizen. So ging die Überraschung -verloren und der Admiral mußte sich zunächst auf eine Art -Blockade beschränken, um das Entweichen der englischen Schiffe, sowie das -Einlaufen von Unterstützungen zu hindern. Am 30. Juli sandte er 2 Linienschiffe -unter dem Befehle des später berühmten Kapitäns <em class="gesperrt">Suffren</em> in die -westliche Einfahrt; sie ankerten am Nordende dieser Insel, kaum behindert -von den Batterien auf Conanicut. Gleichzeitig drangen 2 Fregatten, sowie -eine Korvette in die östliche Einfahrt und zwangen hier zwei englische Fregatten, -eine Sloop sowie einige Galeren, sich zu verbrennen, da sie nicht -entrinnen konnten. <em class="gesperrt">Pigot</em> rief jetzt seine Truppen von Conanicut zurück -und zog seine ganze Kraft um Newport zusammen. Am 5. August durchsegelte -<em class="gesperrt">Suffren</em> die westliche und ankerte am Nordende der Haupteinfahrt; -an seiner Stelle übernahmen zwei weitere Linienschiffe die Sperrung -der Westeinfahrt. Der bei Newport befindliche Rest der englischen Schiffe -war nebst fünf Transportern somit eingeschlossen; man versenkte sie -zur Sicherung des inneren Hafens bei der Goatinsel, doch nahm man vorher -Geschütze nebst Munition an Land, und die Besatzungen, gegen 1000 Mann, -verstärkten die Garnison. — Am 8. August erfuhr <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, daß -Sullivan zum Angriff bereit sei; er lief nun mit den ihm verbliebenen -3 Linienschiffen, Schüsse mit den Befestigungen wechselnd, durch die -Haupteinfahrt, ankerte an deren Nordende außerhalb des feindlichen Feuerbereichs -in Linie und traf Vorbereitungen, sich durch Springanker mit -den Breitseiten nach See legen und einen Angriff der englischen Flotte -wirksam empfangen zu können. <em class="gesperrt">Sullivan</em> führte in der Nacht vom -8./9. August 10 000 Mann nebst zahlreichen Feldgeschützen unter Deckung -der dort liegenden Fregatten über die östliche Einfahrt nach dem Nordende -von Rhode-Island und am 9. morgens landete der Admiral 4000 Soldaten -sowie Seeleute auf Conanicut; dieses Landungskorps sollte hier -formiert, etwas eingeübt und im gegebenen Augenblick zum gemeinsamen -Angriff nach Rhode-Island gebracht werden. Das Wetter am 9. war -nebelig, als aber die Sonne durchbrach, sah man die Schiffe vor der Westeinfahrt -mit vollen Segeln in diese einlaufen; die englische Flotte war in Sicht. -<em class="gesperrt">D'Estaing</em> schiffte sein Landungskorps wieder ein und ließ die Schiffe -quer zur Haupteinfahrt legen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_264" id="Page_264">[264]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Howe</em> hatte abermals schnell entschlossen gehandelt, -auch war er inzwischen um vier Schiffe verstärkt. Am 26. Juli war ein -50-Kanonenschiff, zu seinem Geschwader gehörig, von Westindien eingetroffen, -bald darauf stieß ein gleiches von Halifax zu ihm und am 30. Juli -ein 74-Kanonenschiff; dieses war von Byrons herannahender Flotte im Sturm -abgesprengt. Zwei Tage vorher war noch ein 64-Kanonenschiff von Halifax -eingelaufen und hatte gemeldet, es habe die französische Flotte am 27. nach -Norden steuern sehen. Alle diese Schiffe hätten also dem Feinde in die Hände -fallen können. <em class="gesperrt">Howe</em> faßte sofort den Entschluß, Newport zu entsetzen. -Er war auch bereits am 1. August seeklar, konnte aber erst am 6. morgens -die Barre bei Hochwasser passieren und erschien am 9. vor Rhode-Island. -<em class="gesperrt">Seine Flotte zählte</em> jetzt 1 Schiff zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 5 zu 50, -2 zu 44, 4 Fregatten, 3 Sloops, 3 Brander, 2 Mörserboote, 4 Galeren und einige -Transporter mit Truppen, Proviant und Munition. An Zahl der Schiffe -von 50 Kanonen aufwärts war er so dem Gegner gleich, aber dieser gebot -doch über weit schwerere. Trotzdem hielt <em class="gesperrt">d'Estaing</em> seine Lage für gefährlich, -da die vorherrschenden südlichen Winde einen Angriff der Engländer, -besonders ihrer Brander, begünstigten, als daher der Wind in der Nacht -vom 9. auf 10. August ausnahmsweise aus NO wehte, ließ er um 7 Uhr -morgens die Ankertaue kappen, ging in See und steuerte auf <em class="gesperrt">Howe</em> zu. -Die Fregatten in der Osteinfahrt blieben zurück, um Sullivans rückwärtige -Verbindungen zu sichern. Der englische Admiral hatte sich am 9. für einen -Angriff zu schwach gefühlt und wollte aus gleichem Grunde jetzt in der Leestellung, -in der er seine Brander nicht verwenden konnte, nicht fechten; -er wich aus. Fast zwei Tage vergingen nun mit Manövrieren. Am Nachmittage -des 11. August wäre es beinahe zur Schlacht gekommen, aber <em class="gesperrt">ein -Sturm trennte die Gegner und versprengte ihre -Flotten</em>.</p> - -<p class="small"><b>Die Manöver der beiden Flotten.</b> <em class="gesperrt">Howe</em> steuerte beim Herauskommen der Franzosen -südlich in der Hoffnung, daß der Wind bald wieder nach Süden drehen und ihm die -Luvstellung geben würde; <em class="gesperrt">d'Estaing</em> folgte, um den Kampf zu erzwingen. Der Wind -blieb aber ostnordöstlich und der Morgen des 11. August fand beide Flotten über Steuerbordbug -nach SO liegen, die französische im Nordosten der englischen. <em class="gesperrt">Howe</em> wollte -sich nicht zu weit von Rhode-Island abziehen lassen und bildete nachmittags die Schlachtlinie -über Backbordbug mit nördlichem Kurse; es ist sehr bemerkenswert, daß er sein -Flaggschiff verließ und sich auf einer Fregatte einschiffte, um im Fall des Kampfes seine -Flotte besser leiten und so ihre Schwäche durch seine Geschicklichkeit ausgleichen zu -können<a name="FNAnker_140_141" id="FNAnker_140_141"></a><a href="#Fussnote_140_141" class="fnanchor">[140]</a>. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> legte seine Flotte gleichfalls über Backbordbug (gegen 4 Uhr -nachm.) und näherte sich nun schnell der englischen, da seine schweren Schiffe bei dem<span class="pagenumsmall"><a name="Page_265" id="Page_265">[265]</a></span> -zunehmenden Seegange besser liefen und er auch raumer steuern konnte. Er hat scheinbar -beabsichtigt, an die englische Linie von hinten und von Lee aus heranzugehen, um -so die Zahl der anzugreifenden Gegner bestimmen und auch seine untersten Batterien -verwenden zu können; <em class="gesperrt">Howe</em> ließ deshalb eng auf die Mitte schließen.</p> - -<p class="small">Aber jetzt frischte der Wind sehr auf und schwere Regenböen setzten ein. Als die -französische Vorhut die englische Nachhut fast erreicht hatte (gegen 6 Uhr), sah sich -d'Estaing genötigt, in einer schweren Bö mit dem Flaggschiffe beizudrehen. Die anderen -Schiffe folgten seinem Beispiele; die ganze Flotte lag unter Sturmsegeln bei. Bald wehte -schwerer Sturm. In der Nacht verlor das Flaggschiff Bugspriet, Besan- sowie Fockmast -und das Ruder wurde beschädigt; auch die anderen Schiffe litten sehr und die Flotte -wurde auseinandergesprengt. Der Sturm hielt bis zum Nachmittag des 13. an. Um -diese Zeit sah sich das Flaggschiff ganz allein und wurde von einem unbeschädigten -englischen 50-Kanonenschiffe angegriffen; ebenso erging es einem völlig entmasteten -französischen 74-Kanonenschiff. Die Angegriffenen waren in ihrem wracken Zustande -kaum fähig, sich zu verteidigen, da die beweglichen Gegner sie enfilierten, und nur der -Einbruch der Nacht rettete sie; das Flaggschiff kam seinem Gegner aus Sicht, das andere -erhielt Unterstützung. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> ankerte noch in der Nacht etwa 60 Seemeilen -östlich vom Kap May am Eingang zur Delawarebucht und am 14. trafen die anderen -Linienschiffe bei ihm ein, nur eins war nach Boston gesegelt. — Auch <em class="gesperrt">Howes</em> Flotte -hatte mit dicht gerefften Marssegeln beigedreht und wurde gleichfalls auseinandergesprengt. -Ein 50-Kanonenschiff sah sich schwer bedrängt von einem französischen Linienschiff, -das jedoch beim Nahen anderer Engländer absegeln mußte; eine Sloop und ein -Mörserboot wurden aber genommen. Der Admiral mit seiner Fregatte und nur zwei -Linienschiffen sichtete am 15. die Franzosen auf ihrem Ankerplatze und traf dann am -17. bei Sandy Hook mit den übrigen Schiffen zusammen. Auch die englische Flotte war -schwer beschädigt, aber doch weniger als die französische.</p> - -<p>Nachdem <em class="gesperrt">d'Estaing</em> seine Flotte nahe beim Eingang zur Delawarebucht -wieder gesammelt und die Sturmschäden notdürftig ausgebessert hatte, -ging er am 17. August nach Rhode-Island zurück und traf hier am 20. ein. -<em class="gesperrt">Sullivan</em> hatte seine Truppen an die englische Stellung um Newport -herangeführt und seine Batterien schon bis auf 1500 Yards an die feindlichen -Werke vorgeschoben. Er bat nun den Admiral dringend, mit den Schiffen -die alte Stellung einzunehmen und aufs neue Leute zu landen, da er allein -zu einem Angriffe zu schwach sei. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> erklärte sich zu der Landung -bereit, aber nur, wenn der Erfolg innerhalb zweier Tage zu erreichen sei. -Er hatte erfahren, daß Byrons Ankunft bevorstehe, ja daß einige von dessen -Schiffen schon in New York angekommen seien, auch hatten einige seiner -Schiffe einen zu Howes Flotte nicht gehörenden Dreidecker gesehen, wahrscheinlich -Byrons Flaggschiff. Da nun ein so schneller Erfolg nicht sicher -stand, erklärte d'Estaing, er dürfe sich mit seinen Schiffen dem Erscheinen -eines stärkeren Feindes nicht aussetzen, und seine Kommandanten pflichteten -ihm bei; dies entsprach ja auch völlig der Instruktion. <em class="gesperrt">Am 22. segelte -er nach Boston</em>.</p> - -<p class="small"><b>Die Amerikaner ließen den Angriff auf Newport fallen.</b> <em class="gesperrt">General Sullivan</em> -zog zunächst geschickt seine schwere Artillerie auf das Festland zurück und folgte dann, -die Engländer abwehrend, mit den Truppen; am 31. August war er in Sicherheit. Es -war hohe Zeit gewesen, denn am 1. September kamen von New York über See 4000 Engländer -auf Rhode-Island an. — Empört über die Abfahrt <em class="gesperrt">d'Estaings</em> erließ <em class="gesperrt">Sullivan</em> -später einen Tagesbefehl, der die Bevölkerung der Nordstaaten, sowie die Milizen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_266" id="Page_266">[266]</a></span> -aus diesen Kolonien gegen die Franzosen aufbrachte; er hatte anscheinend vergessen, -daß der Mißerfolg größtenteils durch sein anfängliches Nichtbereitsein verschuldet war. -In Boston wurden sogar infolgedessen bei einem Volksauflauf zwei französische Offiziere -verwundet, von denen einer starb. Der Kongreß machte diese Vorfälle durch eine Adresse -an d'Estaing wieder gut, in der er der französischen Flotte Dank für die bisherige Unterstützung -aussprach; auch gab man den französischen Offizieren ein großes Festessen -in Boston, ein richtiges Verbrüderungsfest, bei dem 25 Trinksprüche ausgebracht wurden -(vgl. Lacour, Seite 174, Fußnote). In der Adresse wurde auch warm hervorgehoben, daß -sich der französische Admiral bereit erklärt habe, von Boston aus durch gelandete Mannschaften -einen Angriff auf New York zu unterstützen; ein sehr leichtsinniges Versprechen, -wie französische Quellen mit Recht sagen, denn die Flotte würde die Mannschaften zur -Verteidigung ihrer Stellung in Boston sehr nötig gebraucht haben.</p> - -<p><b>D'Estaing</b> traf am 28. August <b>in Boston</b> ein und ergriff sofort Verteidigungsmaßregeln. -Drei schwer beschädigte Linienschiffe nebst den Fregatten -legte er in den inneren Hafen, die übrigen nahmen in der äußeren Bucht eine -halbmondförmige Stellung mit den Breitseiten nach See zu ein, die durch -bereits vorhandene oder sofort aufgeworfene Batterien, armiert mit den -Geschützen und bemannt durch die Besatzungen der im inneren Hafen -liegenden Schiffe, auf den Inseln an der Einfahrt flankiert wurde. Schon -am 31. war das notwendigste fertig. Es war auch die höchste Zeit, denn -bald darauf erschien der unermüdliche Gegner.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Howe</em> sammelte seine Flotte am 17. August bei Sandy -Hook und ging schon am 22. wieder in See. <em class="gesperrt">Pigot</em> hatte die Meldung gesandt, -er könne sich gegen die Amerikaner wohl halten, sei aber verloren, wenn die -französische Flotte aufs neue erscheine. Das englische Geschwader war zusammengesetzt -wie beim ersten Auslaufen, nur trat an die Stelle eines schwer -beschädigten Schiffes ein solches von <em class="gesperrt">Byron</em>. Unterwegs hörte Howe, daß -d'Estaing nach Boston gesegelt sei und folgte ihm. Die feindliche Stellung -dort erschien ihm aber zu stark, und da er mit Hinblick auf den Zustand seiner -Schiffe sowie auf die Wetterverhältnisse des herankommenden Herbstes auch -eine längere Blockade für untunlich erachtete, kehrte er nach New York zurück. -Bei seinem Eintreffen hier am 11. September fand er sechs weitere Schiffe -Byrons vor. Bald darauf gab er sein Kommando an diesen ab.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Howe ging nach England.</em> Er hatte schon früher aus Gesundheitsrücksichten -die Erlaubnis hierzu erbeten und auch erhalten, jetzt nach Byrons Ankunft -glaubte er die englische Sache auf diesem Kriegsschauplatze gesichert. Er kämpfte nur -ungern gegen die Amerikaner, und allein die bevorstehende Ankunft der Franzosen -bewog ihn zum Bleiben. Er war ferner, wie die meisten tüchtigen Seeoffiziere, empört -über die Nachlässigkeiten und Fehler der Admiralität und trat in England schroff gegen -den Ersten Lord auf, weshalb er auch erst nach dessen Rücktritt 1782 wieder aktiv verwendet -wurde.</p> - -<p><b>D'Estaing segelt nach Westindien. Die Engländer folgen.</b> Mit dem Einlaufen -der französischen Flotte in Boston und der Ankunft Byrons in Nordamerika -schlossen die größeren Unternehmungen der Seestreitkräfte auf diesem -Kriegsschauplatze für das Jahr 1778, denen allerdings auch der Eintritt der -schlechten Jahreszeit ein Ende gemacht haben würde. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> mußte -zunächst seine Schiffe gründlich ausbessern, bei dem Mangel an Material in<span class="pagenum"><a name="Page_267" id="Page_267">[267]</a></span> -Boston eine schwierige Aufgabe. Der Kapitän <em class="gesperrt">Suffren</em> schlug nun vor, -aus einigen gefechtsbereiten Schiffen eine fliegende Division zu bilden und -mit dieser Vorstöße gegen Neubraunschweig zu machen. Die Instruktion für -den Admiral empfahl dies ja auch, aber doch mehr noch die Verwendung -der Flotte in Westindien, zumal bei Überlegenheit der englischen Flotte; -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> entschied sich hierfür und erwartete eine günstige Gelegenheit zum -Segeln. Zunächst mußte er zwar noch auf einen Angriff gefaßt sein, da es hieß, -<em class="gesperrt">Byron</em> sei am 18. Oktober von New York in See gegangen, als dieser aber in -den nächsten vierzehn Tagen nicht erschien und ein baldiges Auslaufen auch -dadurch geboten war, daß man in Boston kaum noch Lebensmittel erhalten -konnte, wurden die gelandeten Geschütze sowie Mannschaften eingeschifft und -die Flotte seeklar gemacht. Am 2. November wehte ein schwerer Sturm, -so daß man annehmen konnte, die englische Flotte sei aus der Nähe vertrieben. -Kurz vorher waren amerikanische Freibeuter mit Prisen eingelaufen, die -Lebensmittel für das englische Heer geladen hatten. Die Flotte wurde so -wenigstens für die Reise versorgt und trat diese am 3. November an.</p> - -<p>Vizeadmiral <em class="gesperrt">John Byron</em> hatte am 8. Juni England mit 13 Linienschiffen -— 1 zu 90 Kanonen, 11 zu 74, 1 zu 64 — und einer Fregatte verlassen. -Stürmische Gegenwinde versprengten auf der Reise die Flotte. Die -Schiffe waren mangelhaft bemannt, schlecht ausgerüstet — das Tauwerk vielfach -nicht neu, sondern nur umgeschlagen — und litten in den Stürmen -schwer. Nach 67 tägiger Reise traf das Flaggschiff allein bei Long Island ein -und sichtete hier die auf ihrer zweiten Fahrt nach Rhode-Island befindliche -französische Flotte. Gänzlich ohne Nachricht über die Lage in Nordamerika, -wagte Byron weder New York noch die Narragansettbucht anzusteuern, -sondern segelte nach Halifax; seine Schiffe sammelten sich teils hier, teils in -New York. Seine Ankunft gab nun zwar den Engländern eine große Übermacht -in den amerikanischen Gewässern, aber der Zustand, in dem sich sowohl -Byrons wie Howes Schiffe befanden, schloß größere Unternehmungen vorläufig -aus. <em class="gesperrt">Byron</em> traf persönlich am 26. September in New York ein, vermochte -aber erst am 18. Oktober mit 16 Linienschiffen in See zu gehen. Er -nahm Kurs auf Boston, seine Schiffe wurden jedoch durch den Sturm am -2. November aufs neue beschädigt und teils nach New York teils nach der -Narragansettbucht zurückgetrieben. So konnten die Franzosen segeln.</p> - -<p>Das Auslaufen der englischen Flotte sollte anscheinend einer von New -York nach Westindien bestimmten Expedition den Weg freihalten. Da auch der -Landkrieg im nördlichen Amerika während des Winters zum Stillstand kam, -hatte <em class="gesperrt">Clinton</em> Befehl erhalten, 5000 Mann nach Westindien abzugeben. -Mit diesen verließ ein Konvoi von Transportern am 4. November New York, -gedeckt durch zwei 64-, zwei 50-Kanonenschiffe, zwei Fregatten und ein -Mörserboot unter <em class="gesperrt">Kommodore William Hotham</em>; diese Expedition -segelte gleichzeitig und parallel mit der französischen Flotte, ohne daß die -eine von der anderen wußte. Auf der Breite der Bermuda-Inseln fielen nach -einem Sturme drei versprengte Transporter den Franzosen in die Hände, aber<span class="pagenum"><a name="Page_268" id="Page_268">[268]</a></span> -die Besatzungen verrieten ihren Bestimmungsort nicht. D'Estaing nahm -Antigua an, kreuzte auf seiner weiteren Reise zwei Tage bei dieser Insel, ohne -etwas von dem Konvoi zu sehen, und traf dann am 9. Dezember in Martinique -ein. Die englische Expedition erreichte am 10. Barbados. Der Aufenthalt bei -Antigua hat vielleicht dazu beigetragen, daß die französische Flotte die -Eroberung der Insel Sta. Lucia durch die Engländer nicht hindern konnte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Byron</em> segelte am 16. Dezember mit 10 Linienschiffen von der Narragansettbucht -ab und traf am 6. Januar 1779 in Sta. Lucia ein; damit wurde -für das Jahr 1779 Westindien zum Schauplatz des großen Seekrieges, wo bisher -nur geringe Streitkräfte der Gegner tätig gewesen waren.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79</b> brachte <em class="gesperrt">in den nördlichen -Staaten</em> keine Ereignisse von Bedeutung. <em class="gesperrt">Washington</em> war zwar -dem von Philadelphia abziehenden englischen Heere gefolgt und hatte dann -eine Stellung im Norden und Westen New Yorks bezogen, sah aber von einem -Angriff auf die Stadt ab, als die französische Flotte ihre Unterstützung verweigerte. -Er mußte seine ganze Kraft daransetzen, Rekruten zu werben, den -Kongreß zu Maßregeln zu bewegen, um die Offiziere an die Fahne zu fesseln, -und den Widerstand zu brechen, den ihm einige höhere Führer entgegensetzten. -Der General hielt um diese Zeit die amerikanische Sache fast für -verloren. Aber auch die englische Armee unternahm nichts von Bedeutung, und -so kam es zwischen den Hauptheeren nur zu kleineren Zusammenstößen. -An den Grenzen von Kanada verwüsteten von den Engländern aufgereizte -Indianer und Loyalistentrupps die amerikanischen Gebiete. Auch 1779 -änderte sich nichts; die Gegner lagen sich nur beobachtend gegenüber. Zu -erwähnen sind einige Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte; sie -waren gegen die Stellung Washingtons und gegen die Küstenstädte gerichtet, -von denen die amerikanische Freibeuterei ausging.</p> - -<p class="small"><b>Kleinere Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte</b> (Näheres hierüber vgl. -Campbell, Band V, Seite 490 ff.). Am 30. Mai 1779 ging eine Flottille von einem Linienschiff -und vier kleineren Fahrzeugen unter Kommodore <em class="gesperrt">Sir George Collier</em> — -Befehlshaber der Station von der Abfahrt Byrons bis zum Eintreffen des Vizeadmirals -<em class="gesperrt">Arbuthnot</em> am 3. November — den Hudson hinauf und zerstörte die Forts Stoney -Point und Verplanks Neck, die <em class="gesperrt">Washington</em> an den beiden Ufern des Flusses zur -Sicherung des Verkehrs zwischen den Staaten östlich und westlich des Hudson erbaut -hatte. Washington sah sich dadurch gezwungen, seine Stellung weiter nördlich in das -hüglige Gelände bei Westpoint zu verlegen. — Im Juli führte <em class="gesperrt">Collier</em> eine Expedition -gegen die Städte Newhaven, New London, Fairfield und andere an der Küste von -Connecticut und vernichtete zahlreiche Freibeuterschiffe, die von hier aus den Verkehr -New Yorks unsicher machten, sowie Arsenale und Magazine; einige Orte wurden völlig -eingeäschert. — Ende Juli berannten die Amerikaner mit Land- und Seestreitkräften -einen starken Posten, den die Engländer von Halifax aus an der Mündung des Penobscot, -fast an der Grenze zwischen Maine und Neubraunschweig, angelegt hatten. <em class="gesperrt">Collier</em> -erschien am 13. August mit einem Linienschiffe, drei Fregatten und drei Sloops zum -Entsatz. Die ganze dort befindliche amerikanische Flottille, 3 Schiffe von 24–32 -Kanonen, 16 von 10-22 und eine große Zahl von Transportern, ward vernichtet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_269" id="Page_269">[269]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">In den südlichen Staaten</em> erzielten die Engländer 1779 einige -Erfolge. Wie man von New York Verstärkungen nach Westindien abgezweigt -hatte, so hielt man im Norden die Winterruhe für geeignet, auch den im -Jahre 1776 gescheiterten Versuch zur Unterwerfung der Kolonien Carolina -und Georgia zu wiederholen. Am 27. November 1778 segelte <em class="gesperrt">Oberst -Campbell</em> mit einem Truppentransport von New York, begleitet von einer -Fregatte und drei kleinen Fahrzeugen, unter <em class="gesperrt">Kapitän Hyde Parker</em>; -vier Wochen später ward <em class="gesperrt">Savannah (Georgia) in Besitz genommen</em>. -Gleichzeitig rückte <em class="gesperrt">General Prevost</em> von der treugebliebenen -Kolonie Florida vor, vereinigte sich mit Campbell, übernahm den -Oberbefehl und vertrieb die Amerikaner aus ganz Georgia. Nun verstärkte -der Kongreß die Truppen hier, und <em class="gesperrt">General Lincoln</em> trat den Engländern -entgegen. Er hinderte deren Vordringen in Carolina und zwang sie, von Charleston, -wo sie am 11. Mai 1779 erschienen waren, auf Savannah zurückzugehen. -Dann trat für die heißen Sommermonate Waffenruhe ein, bis im September -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> mit der französischen Flotte und dem amerikanischen Heere -eine erfolglose Belagerung Savannahs eröffnete, deren Verlauf später zur Darstellung -gelangt.</p> - -<p>Im Mai 1779 unternahm <em class="gesperrt">Kommodore Collier</em> eine Expedition -<em class="gesperrt">nach Virginien</em>, wo die Amerikaner an den Küsten der Chesapeakebucht -Material für den Seekrieg anhäuften. Er verließ am 5. Mai mit einem -Linienschiff, einer Fregatte, einigen kleineren Fahrzeugen, sowie 2500 Soldaten -New York und erreichte am 9. Hampton. Hier blieb das Linienschiff, während -die anderen Fahrzeuge in die südlichen Flüsse der Bucht eindrangen. Norfolk -und Portsmouth, die wichtigsten Plätze, wurden besetzt, aber auch der James- -sowie der Yorkfluß heimgesucht. Eine große Zahl von kleineren Kriegsschiffen, -Freibeutern und Kauffahrern, sowie Vorräte für die amerikanischen Heere fiel -den Engländern in die Hände. Brauchbares ward mitgenommen, alles übrige -sowie Magazine und Arsenale zerstört. <em class="gesperrt">Collier</em> schlug vor, in Norfolk einen -Waffenplatz zu errichten, um dem Gegner die Chesapeakebucht als Zufuhrweg -zu verlegen, aber <em class="gesperrt">Clinton</em> scheint das damals noch nicht für zweckmäßig -gehalten zu haben. Er rief die erfolgreiche Expedition schon Ende Mai -zurück, wahrscheinlich hielt er die obenerwähnten Vorstöße auf dem Hudson -und an der Küste von Connecticut zunächst für wichtiger.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Mit der Eroberung Georgias und dem Einfall in Virginien</em> -setzte im Jahre 1780 in den Südstaaten seitens der Engländer eine Kriegführung in -großem Maßstabe ein. Sie schloß mit der Übergabe des englischen Heeres bei Yorktown -(Oktober 1781), und diese Katastrophe beendete den Krieg. <em class="gesperrt">Mahan</em> urteilt hierüber -(Clowes, Band III, Seite 442): „daß die Aufnahme des Kampfes in den Südstaaten falsch -gewesen sei; es sei derselbe Fehler, aber in noch größerem Maße, begangen, den General -Howe gemacht, als er 1777 nach dem Delaware zog. Man habe das so schon ungenügende -Heer in zwei Teile gespaltet, die ohne unmittelbare Verbindung gewesen wären.“ Das -Urteil ist richtig, denn die Verbindung war nur gesichert, solange England die See beherrschte, -da am Lande der Feind zwischen den beiden Heeresteilen stand; die Seeherrschaft -ward aber den Engländern mehrfach, und gerade in entscheidenden Augenblicken, -mit Erfolg streitig gemacht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_270" id="Page_270">[270]</a></span></p> - -<p><b>Bemerkungen zu der Kriegführung in den nordamerikanischen Gewässern -1778.</b> Bei der Beurteilung der Kriegführung in Europa (Seite 257) wurde dargelegt, -daß England selber verschuldet hat, wenn seine Lage in Nordamerika -durch das Erscheinen der französischen Flotte dort mißlich wurde. Einen -weiteren Fehler beging es dadurch, daß es New York und Newport nicht durch -Anlage von Befestigungen gegen jeden Angriff von See aus unbedingt sicherte, -was bei der damaligen Beschaffenheit der Schiffe möglich war; man hätte sich -dadurch sichere Stützpunkte für die eigenen Seestreitkräfte geschaffen, deren -Aufgaben sehr vereinfacht und auch das Heer entlastet. Wie die Sache tatsächlich -lag, hat England es nur der Wachsamkeit, Schnelligkeit und Erfahrung -seines Admirals zu verdanken, daß es nicht folgenschwere Niederlagen -erlitt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Howe</em> erkannte die drohende Gefahr im Mai, einige Wochen nachdem -die französische Flotte Toulon verlassen hatte. Er mußte nun seine auf der -ganzen Küste verteilten Schiffe sammeln, den Troß eines ansehnlichen Heeres -einschiffen und den Delaware hinabführen, nach Sandy Hook segeln und die -Truppen von dort nach New York bringen, endlich eine Verteidigungsstellung -einnehmen. Er löste diese vielseitige Aufgabe, indem er alles persönlich überwachte -und durch seine Gegenwart den Eifer wie die Leistungen der Offiziere -und Mannschaften belebte; mit diesen Eigenschaften bildete der Admiral einen -scharfen Gegensatz zu seinem Bruder, dem General. Er gewann seinem Gegner -beständig Zeit ab. Vor dem Delaware war <em class="gesperrt">d'Estaing</em> 10 Tage gegen ihn im -Rückstande, bei Sandy Hook schon 12. Sobald dann die französische Flotte -nach Süden segelte, ohne anzugreifen, ließ <em class="gesperrt">Howe</em> sie beobachten und rüstete -sich schleunigst zu ihrer Verfolgung; obgleich 6 Tage durch ungünstige Wind- -und Gezeitenverhältnisse in New York festgehalten, erschien er doch nur einen -Tag nach d'Estaings Einsegeln in der Narragansettbucht vor dieser.</p> - -<p>Seine Lage hier war vorzüglich. Die vorherrschenden Winde sicherten -ihm die Luvstellung, und schon beim Herauskreuzen wären die feindlichen -Schiffe der Gefahr ausgesetzt gewesen, einzeln angegriffen zu werden. Mutvoll -und auf seine seemännische Geschicklichkeit vertrauend, nahm Howe auch -die Gefahr in den Kauf, daß der Wind dem Feinde günstig sein könne. Wenn -dies auch eintrat, so war das Glück doch dem englischen Admiral insofern -hold, als ihm der Sturm zu Hilfe kam. Dann war seine Flotte schon nach -10 Tagen wieder see- und gefechtsbereit, obgleich die meisten der Schiffe seit -zwei Jahren auf einer Station in Dienst gewesen waren, auf der es an leistungsfähigen -Werften mangelte. So schlug <em class="gesperrt">Howe</em> durch seine Tüchtigkeit -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> auf allen Punkten; kaum ein Schuß war gewechselt und trotzdem -hatte die schwächere Flotte entschiedene Vorteile errungen. Allerdings war -der Führer der Franzosen dem englischen gerade in Seemannschaft nicht -gewachsen und ähnlich standen die Besatzungen der beiden Flotten zueinander. -Dies dürfte sich auch daraus ergeben, daß die französischen Schiffe in den -Stürmen mehr litten als die englischen, obgleich sie weit später die heimischen -Werften verlassen und doch Zeit genug gehabt hatten, sich einzuüben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_271" id="Page_271">[271]</a></span></p> - -<p>Die französische Expedition hätte den schwächern Engländern gegenüber -großen Erfolg haben können, wenn <em class="gesperrt">d'Estaing</em> schneller und unternehmender -gewesen wäre, aber man darf diesen dennoch nicht zu hart beurteilen. -Inwieweit die lange Überfahrt seine Schuld ist, läßt sich kaum entscheiden. -Der Gegner gebot in Nordamerika immerhin über eine bedeutende -Macht und die französische Flotte mußte unbedingt geschlossen an ihrem -Ziele eintreffen; im Segeln in großen Verbänden hatten aber die Franzosen -keine Übung, da mußte das Zusammenhalten die Reise verzögern. In welchem -Zustande brachte denn <em class="gesperrt">Byron</em> die Flotte der sonst an Seemannschaft so -überlegenen Engländer über den Ozean? Nur Glück war es, daß nicht eine -Anzahl seiner versprengten Schiffe dem Feinde in die Hände fielen; allerdings -hatte er sehr schlechtes Wetter. <em class="gesperrt">D'Estaings</em> Zögern bei Sandy Hook -ist gleichfalls zu verstehen, denn er befand sich an einer Küste, die der französischen -Marine völlig unbekannt war. Bei dem damaligen Stande des Kartenwesens -konnte man Lotsen nicht entbehren, und für solche rechtzeitig zu -sorgen, wäre Sache der Amerikaner gewesen.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> mußte ferner zunächst mit <em class="gesperrt">Washington</em> über ihr -gemeinsames Vorgehen in Verbindung treten, und da gerade dieser den Angriff -auf New York im Auge hatte, mußte der Admiral einen solchen mit Hilfe von -Lotsen für aussichtsvoll halten, und es kam dann kaum in Betracht, wenn -einige Tage mit den Vorbereitungen verloren gingen. Von dem Angriff sah -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> infolge der Weigerung der Lotsen sowie der Ergebnisse der -eigenen Auslotungen ab; die Annahme ist erlaubt, daß die meisten in seiner -Lage ebenso gehandelt hätten. Bemerkenswert ist, daß sogar ein Seemann -wie <em class="gesperrt">Suffren</em> — gleicherweise andere tüchtige Offiziere des Kriegsrates — -nicht für den Angriff eingetreten ist. Hätte er es getan wie bei Sta. Lucia -1779 in einer ganz ähnlichen Lage, so würde dies sicher überliefert sein, zumal -da der Admiral unbeliebt war und ihm gerade Mangel in seemännischer Kenntnis -vereint mit Nichtbeachtung technischer Ratschläge vorgeworfen wurde. -Ein <em class="gesperrt">Nelson</em> und ein <em class="gesperrt">Farragut</em> haben allerdings gleich gefährliche Unternehmungen -durchgeführt.</p> - -<p class="small">Man hat sich gefragt, ob <em class="gesperrt">d'Estaing</em> zum Aufgeben des Angriffes, der schwere -Opfer kosten und seine Flotte für lange Zeit lahmlegen konnte, nicht auch durch andere -Rücksichten als rein militärische bestimmt worden sei. New York war der Mittelpunkt -der englischen Macht, sein Fall mußte den Krieg mit den Kolonien schnell dem Ende -nähern. Dies lag aber gar nicht im Interesse Frankreichs, da England dann ihm gegenüber -die Hände freibekommen hätte. Sicher ist, daß die französische Regierung so dachte, -mithin möglich, daß der Admiral geheime Weisungen in diesem Sinne erhalten hatte.</p> - -<p>An der Verzögerung des Angriffes auf Newport war zunächst die Unfertigkeit -der Amerikaner schuld. Daß <em class="gesperrt">d'Estaing</em> sich dadurch hinhalten -ließ und daß er das kaum begonnene Unternehmen beim Erscheinen der -englischen Flotte wieder aufgab, beruht wohl auf seiner Unerfahrenheit zur -See. Er war zweifellos ein tapferer und unternehmender Soldat, unterschätzte -jedoch hier sowie späterhin die Kraft seiner Seestreitkräfte. Er wagte die -nur schwache Stellung der Engländer ohne Mitwirkung der amerikanischen<span class="pagenum"><a name="Page_272" id="Page_272">[272]</a></span> -Truppen nicht anzugreifen und fühlte sich auf seinem Ankerplatz unsicher, -obgleich ihm kaum eine Gefahr drohte; tatsächlich hielt ja der erfahrene Seemann -<em class="gesperrt">Howe</em> die Stellung der französischen Flotte für zu stark. Er hätte -sicher seine Aufgabe durchführen und dann erst bei günstigem Winde ausbrechen -können. Auch daß er nach dem Inseegehen den Gegner nicht zum -Gefecht bringen konnte, ehe der Sturm aufkam, scheint an seinem geringeren -seemännischen Geschick Howe gegenüber zu liegen. Seine spätere Vorsicht -und das Absegeln nach Westindien, als Byron erschien, entsprachen den erhaltenen -Weisungen. Diese englische Verstärkungsflotte hätte Frankreich -schon in Europa festhalten müssen und können (vgl. Seite <a href="#Page_257">257</a>).</p> - -<p>Wenn nun auch die französische Expedition nicht die erwarteten Erfolge -brachte, so nützte sie doch den Amerikanern. Sie zwang England zum Aufgeben -der Stellung am Delaware, schaffte dadurch <em class="gesperrt">Washington</em> Luft und -ließ als ein Zeichen der Schwäche Englands dessen letzten Versuch zur Versöhnung -scheitern. Der Aufenthalt der französischen Flotte an der Küste hielt -ferner <em class="gesperrt">Clinton</em> von tatkräftigem Vorgehen gegen Washington ab und -erleichterte die Versorgung der Kolonien mit Zufuhren über See. Der den Engländern -zugefügte unmittelbare Schaden — die Vernichtung einiger Kriegsschiffe, -das Aufbringen von Transportern und Handelsfahrzeugen — war dagegen -kaum nennenswert.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>In Westindien</b> hatten beide Parteien auf ihren zwei Stationen — England: -Hauptstützpunkt Barbados für die Kleinen Antillen und Jamaika; Frankreich: -Martinique für die kleinen Antillen und St. Domingue (Cap Français)<a name="FNAnker_141_142" id="FNAnker_141_142"></a><a href="#Fussnote_141_142" class="fnanchor">[141]</a> — nur -geringe Streitkräfte, Fregatten und kleinere Fahrzeuge. In Frühjahr 1778 -sandte England die Admirale <em class="gesperrt">Samuel Barrington</em><a name="FNAnker_142_143" id="FNAnker_142_143"></a><a href="#Fussnote_142_143" class="fnanchor">[142]</a> mit zwei -Linienschiffen nach Barbados und <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em> mit einem solchen -nach Jamaika. Diese sollten die Feindseligkeiten erst auf Befehl beginnen, -die Franzosen kamen ihnen aber zuvor.</p> - -<p class="small">Wie bereits erwähnt, spielten sich die größeren Ereignisse des Krieges auf der -Station der Kleinen Antillen ab. Bei den Großen Antillen wurde nur der Kleine Krieg -geführt, dessen Vorfälle — Aufbringen von Handelsschiffen, Einzelgefechte von Kriegsschiffen -— man in den Spezialwerken der beiden Marinen findet.</p> - -<p>Am 17. August 1778 überbrachte eine Fregatte dem Generalgouverneur -der französischen Kleinen Antillen, <em class="gesperrt">Marquis de Bouillé</em>, mit der -Nachricht von den ersten Gewalttaten der Engländer im Kanal den Befehl -zur <em class="gesperrt">Eroberung Dominicas</em>. Diese vorher neutrale Insel war 1763 -an England gefallen, Frankreich wollte sich jetzt ihrer bemächtigen nicht nur -zur Erweiterung seines Besitzes, sondern auch um seine militärische Stellung zu<span class="pagenum"><a name="Page_273" id="Page_273">[273]</a></span> -stärken, da sie zwischen den beiden wichtigsten französischen Inseln, Martinique -und Guadeloupe, in Sicht von diesen lag. Ihre Befestigungen waren -zwar stark, die Besatzung aber nur schwach. <em class="gesperrt">Bouillé</em> segelte am 6. September -mit drei Fregatten, einer Korvette, 1200 Soldaten und 1000 Freiwilligen, -Kreolen und Farbigen, in wenigen Stunden von Martinique nach der Hauptstadt -Dominicas, Le Roseau jetzt Charlottetown, hinüber, und der englische -Gouverneur unterzeichnete schon am nächsten Tage die Übergabe, um unnützes -Blutvergießen zu vermeiden. Gut gehaltene Werke mit 164 Kanonen -sowie 48 Mörsern und reiche Vorräte fielen den Franzosen in die Hände; sie -waren jetzt im Besitz der vier -in einer Linie liegenden Inseln -Sta. Lucia, Martinique, Dominica, -Guadeloupe.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p273.jpg" width="300" height="362" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p273" id="fig_p273"></a> -<p class="caption">Samuel Barrington.</p> -</div> - -<p><b>Der Kampf um Sta. Lucia.</b> -<em class="gesperrt">Barrington</em> hatte auf ausdrücklichen -Befehl in Barbados -auf Weisungen gewartet und -auch nichts von dem schnell und -geheim vorbereiteten Unternehmen -<em class="gesperrt">Bouillés</em> erfahren, -sonst hätte er es wohl leicht -verhindert, da er über zwei -74-Kanonenschiffe verfügte. Er -erwies sich als tüchtiger und -schnell entschlossener Führer. -Als am 10. Dezember 1778 der -Kommodore <em class="gesperrt">Hotham</em> mit -7 Kriegsschiffen nebst dem -Transporte von New York eintraf, -beließ <em class="gesperrt">Barrington</em> -die Truppen an Bord, ging -schon am 12. zum <em class="gesperrt">Angriff auf Sta. Lucia</em> in See und sandte -Kreuzer voraus, um zu verhindern, daß durch Handelsschiffe Nachricht -dorthin gelange. Die Insel, gleichfalls früher neutral und 1763 an Frankreich -gefallen, war strategisch wichtig für England, da man von ihr aus leicht -Martinique mit dem Haupthafen der französischen Antillen, Fort Royal, -beobachten konnte. Sie wurde fast ohne Kampf am 13. und 14. Dezember -genommen.</p> - -<p class="small"><b>Eroberung Sta. Lucias durch die Engländer.</b> Am 13. Dezember 1778 ankerte <em class="gesperrt">Barrington</em> -in der Bucht Cul de Sac auf der Westseite der Insel, landete einen Teil der -Truppen und besetzte die Batterien am Strande sowie eine Höhe, die von Norden die -Bucht beherrschte; die schwache französische Besatzung konnte bei Räumung der Werke -nicht einmal die Geschütze vernageln. Am nächsten Tage bemächtigten sich die Engländer -ebenso leicht eines Werkes auf der Höhe Morne de La vierge im Norden der -benachbarten Bucht La Carenage (an der jetzt die Hauptstadt der Insel, Castries, liegt).<span class="pagenumsmall"><a name="Page_274" id="Page_274">[274]</a></span> -wodurch sie auch diesen Ankerplatz beherrschten, und besetzten gleichfalls die damalige -weiter im Innern gelegene Hauptstadt Morne fortuné. Der französische Gouverneur zog -sich mit einigen hundert Soldaten und Milizen in die Berge zurück.</p> - -<p>Aber bereits am 14. Dezember abends erschien <em class="gesperrt">Vizeadmiral -d'Estaing</em> mit den 12 Linienschiffen, die er von Nordamerika hergeführt -hatte, und den Fregatten de Bouillés. Er war am 9. in Martinique angelangt -und hatte den Oberbefehl zur See übernommen. Er sollte nicht Eroberungen -machen, sondern nur englische Inseln überfallen, deren Befestigungen schleifen, -Kriegsmaterial und Garnisonen hinwegführen. Hätte er nun sofort einen -Aufklärungsdienst angeordnet, wo er wußte, daß <em class="gesperrt">Hotham</em> angelangt sei, -würde er die Wegnahme Sta. Lucias leicht haben hindern können. So erfuhr -er erst am 13. durch einen amerikanischen Freibeuter die Abfahrt der Engländer -von Barbados. Er ging nun mit etwa 3000 Soldaten und Milizen am -14. in See und sichtete abends das englische Geschwader bei Sta. Lucia, das -er auf dem Wege nach Grenada geglaubt hatte. Trotz seiner großen Übermacht -an Zahl und Stärke der Schiffe (vgl. Seite <a href="#Page_260">260</a>) vermochte er die Insel -nicht zurückzuerobern, da <em class="gesperrt">Barrington</em> bereits festen Fuß gefaßt hatte -und sich jedem Angriffe zu Wasser wie zu Lande gewachsen zeigte.</p> - -<p class="small"><b>Erfolgloser Angriff der Franzosen auf Sta. Lucia.</b> <em class="gesperrt">Barrington</em> war gerade in -Besitz der Küste von La Vierge bis zum Südende des Cul de Sac gelangt und beabsichtigte, -seine Schiffe in die sicherere Bucht Le Carenage zu legen, als eine Fregatte das Nahen -der Franzosen meldete und diese auch von den Höhen gesichtet wurden. Er legte nun -während der Nacht seine sieben Schiffe von über 50 Kanonen (nur zwei zu 74) in eine -Linie am Eingange des Cul de Sac, wobei er die an den Strand sich anlehnenden Flügel -durch Wahl der stärksten Schiffe und durch quer gelegte Fregatten gegen Umgehung -sicherte; die Soldaten setzten die eben genommenen Werke in Gefechtsbereitschaft. -<em class="gesperrt">D'Estaing</em> steuerte am 15. mit Tagesanbruch in die Bucht Le Carenage, um von hier -aus den französischen Garnisonen Hilfe zu bringen, ein lebhaftes Feuer von La Vierge -belehrte ihn erst, daß auch diese Bucht schon im Besitz des Feindes sei, und daß es sich -nicht um Entsatz, sondern um Wiedereroberung der Insel handele. Er beschloß, das -englische Geschwader anzugreifen. Um 11½ Uhr vormittags führte er seine Flotte in -großem Abstande an den englischen Schiffen vorüber, wechselte mit ihnen Schüsse und -wiederholte dieses Manöver einige Stunden später; nennenswerte Verluste oder Beschädigungen -erlitt keiner der Gegner, die Engländer verloren nur drei Tote.</p> - -<p class="small">Es ist nun wahrscheinlich, daß die Franzosen an diesem Tage wegen Windstille -unter Land nicht näher herankommen konnten, aber auf eine günstige Gelegenheit hierzu -war mit Sicherheit früher oder später zu rechnen. Trotzdem entschied sich <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, -die englische Stellung zu Lande anzugreifen. Er ankerte in einer Bucht nördlich von Le -Carenage, schiffte die Landtruppen sowie etwa 4000 Mann der Flotte aus und marschierte -am 18. gegen La Vierge. Da aber der Hügel mit dem Fort auf dem Ende einer niederen -Landzunge lag, gerieten die Franzosen in ein vernichtendes Feuer, und drei durch -d'Estaing und de Bouillé persönlich geführte, mit größtem Mute unternommene Angriffe -wurden unter Verlust von 41 Offizieren und 800 Mann an Toten und Verwundeten abgeschlagen. -Noch am Abend des 18. schiffte man sich wieder ein. Der Admiral zog nun -doch den Angriff des englischen Geschwaders in Betracht. Er ließ durch eine Fregatte -vor dem Cul de Sac die Windverhältnisse beobachten, und als diese am 24. günstig erschienen, -lichtete er Anker. <em class="gesperrt">Barrington</em> hatte aber die Frist benutzt, seine Schiffe -weiter in die Bucht zu legen, wohin die Seebrise seltener kam und wo er noch sicherer -vor Umgehung der Flügel war; auch die Zahl der Batterien am Lande war vermehrt.<span class="pagenumsmall"><a name="Page_275" id="Page_275">[275]</a></span> -<em class="gesperrt">D'Estaing</em> erachtete jetzt wohl die feindliche Stellung für zu stark oder den Tag zu -weit vorgeschritten und nahm den alten Ankerplatz wieder ein. Als er hier am 28. Dezember -erfuhr, daß <em class="gesperrt">Byron</em> mit seiner Flotte in Westindien erwartet würde, gab er das -Unternehmen gegen Sta. Lucia vorläufig auf.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> segelte am 29. Dezember nach Martinique zurück und -am 30. unterzeichnete der französische Gouverneur die Übergabe von Sta. -Lucia. Die Insel blieb während des Krieges englischer Besitz und bewährte -1782 ihre strategische Wichtigkeit; von ihr aus beobachtete <em class="gesperrt">Rodney</em> die -französische Flotte vor seinem großen Siege.</p> - -<p><b>D'Estaing erobert St. Martin, St. Barthélemy, St. Vincent und Grenada -1779.</b> Die ersten Monate des Jahres verliefen ohne größere Ereignisse, obgleich -die Seestreitkräfte auf beiden Seiten ansehnlich verstärkt wurden. -Am 6. Januar traf <em class="gesperrt">Vizeadmiral John Byron</em><a name="FNAnker_143_144" id="FNAnker_143_144"></a><a href="#Fussnote_143_144" class="fnanchor">[143]</a> mit 10 Linienschiffen -von Nordamerika in Sta. Lucia ein und übernahm den Oberbefehl; -in der zweiten Hälfte des Februar führte ihm Kontreadmiral <em class="gesperrt">Joshua -Rowley</em>, der im Dezember England mit einem Konvoi Kauffahrer verlassen -hatte, noch 7 Linienschiffe zu. Zu d'Estaings Flotte stieß am 12. Februar -mit 4 Linienschiffen der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Comte de Grasse</em>, der am -14. Januar von Brest abgesegelt war. Die Gegner waren zu dieser Zeit also -annähernd gleich stark. Vorher hatte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> einen Erfolg gehabt. -Am 11. Januar war er aufs neue vor Sta. Lucia erschienen, als aber seine -Fregatten dort 15 Linienschiffe zählten und damit die Ankunft Byrons feststellten, -ging er nach Martinique zurück, doch ließ er <b>St. Martin und St. Barthélemy</b> -durch kleine Schiffe überrumpeln. Am 26. April traf eine neue französische -Verstärkung von 2 Linienschiffen, 2 Fregatten sowie 3 Korvetten unter -dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Marquis de Vaudreuil</em> ein; diese Division hatte -schon im Dezember Brest verlassen, aber zunächst einen Vorstoß gegen die -englischen Besitzungen in Westafrika gemacht.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">Byron</em> war im Januar vor Fort Royal erschienen, um den Feind -herauszulocken und ließ dann gegen französische Verstärkungen kreuzen; -beides ohne Erfolg. Anfang Juni mußte er Sta. Lucia auf längere Zeit verlassen. -Bei St. Christoffer hatte sich ein großer Konvoi von Handelsfahrzeugen<span class="pagenum"><a name="Page_276" id="Page_276">[276]</a></span> -gesammelt, für dessen sichere Abfahrt er verantwortlich war; mit Rücksicht -auf die große französische Flotte begab er sich mit sämtlichen Schiffen dorthin.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> erhielt hiervon Kenntnis und benutzte die Gelegenheit. -Am 9. Juni sandte er 2 Linienschiffe, 2 Fregatten und 6 kleinere Fahrzeuge -mit 400 Soldaten gegen <b>St. Vincent</b>. Am 17. traf die Expedition bei der Insel -ein und bemächtigte sich leicht der Hauptstadt Kingstown. Wenn auch die -englische Garnison von 7 Kompagnien nicht als schwach gelten konnte, so -mußte doch der Gouverneur mit den Eingeborenen rechnen, die den Engländern -feindlich gesinnt waren, und den Franzosen ihre Hilfe angeboten hatten. Am -27. Juni stieß nun noch eine dritte Verstärkung zur französischen Flotte, -der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em>, der am 1. Mai mit 4 Linienschiffen, -einem 50-Kanonenschiffe, 3 Fregatten und einem großen Konvoi von -Transportern (Zufuhren für die Flotte und die Inseln) sowie Handelsschiffen -Frankreich verlassen hatte. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> hielt sich jetzt für stark genug, -größeres zu unternehmen. Ohne den angekommenen Schiffen nach der langen -Reise Ruhe zu gönnen, ging er schon am 30. Januar mit seiner ganzen Flotte -von 24 Linienschiffen in See, um den Hauptstützpunkt der Engländer, Barbados, -anzugreifen; er hoffte, daß dann auch Sta. Lucia fallen würde. Da -jedoch der Wind für den Kurs nach dieser Insel ungünstig war, bemächtigte -er sich <b>Grenadas</b>. Am 2. Juli ankerte er vor Georgetown, setzte 1200 Mann an -Land und nahm, auch hier persönlich führend, eine die Stadt beherrschende -Höhe, nach der sich die nur etwa 70 Mann starke Garnison zurückgezogen -hatte. Am 4. ward die Insel übergeben, eine Kriegssloop und 30 reichbeladene -Kauffahrer fielen den Franzosen in die Hände.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Grenada, 6. Juli 1779.</b> Aber schon am 5. Juli erhielt -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> die Nachricht, daß die englische Flotte St. Vincent passiert -habe und herankomme. <em class="gesperrt">Byron</em> war am 6. Juni mit dem Konvoi von St. -Christoffer abgefahren, hatte ihn in Sicherheit gebracht und traf dann am -1. Juli in Sta. Lucia ein. Auf die Nachricht, St. Vincent sei gefallen und Grenada -bedroht, ging er am 3. in See, um diese Insel zu schützen; von der letzten -Verstärkung der Gegner wußte er noch nichts, von der vorletzten wahrscheinlich -nichts Genaues. Am 6. morgens langte er an der Nordwestspitze Grenadas -an und es kam noch am selben Tage zur Schlacht.</p> - -<p class="small"><b>Die französische Flotte</b> zählte nach Troude: 2 Schiffe zu 80 Kanonen, 11 zu 74, -7 zu 64, 4 zu 50 und einige Fregatten; <b>die englische</b> nach Clowes: 1 Schiff zu 90, 11 zu 74, -1 zu 70, 7 zu 64, 1 zu 60, 1 Fregatte als Signalwiederholer und 26 Transporter mit Truppen -sowie Kriegsmaterial.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">d'Estaing</em> am 5. Juli das Nahen der englischen Flotte erfuhr, -blieb er vor Anker liegen, um nicht bei den nur leichten östlichen Winden durch -die Strömungen nach Lee vertrieben zu werden und so dem Gegner die Annäherung -an die Insel preiszugeben. Erst als dieser am 6. morgens gegen 6 Uhr -in Sicht kam, befahl er, die Schlachtlinie beim Winde über Backbordbug zu -bilden; ein Schiff nach dem anderen lichtete Anker und nahm seinen Platz in -der Linie ein. <em class="gesperrt">Barrington</em> konnte in dem Knäuel der zu Anker liegenden<span class="pagenum"><a name="Page_277" id="Page_277">[277]</a></span> -Schiffe deren Zahl nicht feststellen, wollte die scheinbare Unordnung zum -Angriff ausnutzen, befahl deshalb „allgemeine Jagd“ und richtete diesen -Vorstoß besonders auf die noch still liegenden Schiffe. Seine eigene Flotte -befand sich nicht in Gefechtslinie. Drei Schiffe unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Rowley</em> -waren zur Bedeckung des Konvois abgezweigt (s. Plan A. a.), da es an Fregatten -mangelte; drei Schiffe standen ziemlich weit in Lee der anderen (b.); -auf den Befehl zur Jagd eilten das Flaggschiff des Vizeadmirals <em class="gesperrt">Barrington</em>, -des Zweiten im Kommando, nebst zwei anderen der Flotte voraus (c.). -Aus diesen Umständen erwuchsen große Nachteile. Die Voraussegelnden erhielten -bei ihrer Annäherung enfilierendes Feuer von sämtlichen Franzosen, -die sich in Linie setzten, konnten es kaum erwidern und wurden schwer -beschädigt. Von der weiter segelnden französischen Linie, die mit der englischen -Flotte beim Passieren sonst nur auf weite Entfernung Kugeln wechseln -konnte, wurden die drei in Lee stehenden englischen Schiffe sehr mitgenommen -(Plan A. zeigt die Lage gegen 8 Uhr vorm.). Infolge des nur leichten Windes -erreichten <em class="gesperrt">Barringtons</em> Schiffe die Bucht erst, als auch das letzte feindliche -bereits unter Segel war; sie halsten nun und steuerten gleichfalls über -Backbordbug zu Luward der französischen Linie entlang.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p277.jpg" width="600" height="501" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p277" id="fig_p277"></a> -<p class="caption">Grenada, 6. Juli 1779.</p> -</div> - -<p><em class="gesperrt">Byron</em> sah jetzt, daß am Lande schon französische Flaggen wehten, -er also zum Entsatz zu spät komme und vor allem an den Schutz des Konvois -denken müsse. Er ließ seine übrigen Schiffe auf die Barringtons (B. c′) die -Gefechtslinie regelrecht einrichten, um sich zwischen den Gegner und den -Konvoi zu legen, und gab Befehl zum Nahgefecht. Die Linie wurde dadurch -schneller gebildet, daß <em class="gesperrt">Rowley</em> mit seinen drei Schiffen (oder nur mit zwei -derselben?) nicht den voraussegelnden Kameraden folgte, sondern geradeswegs<span class="pagenum"><a name="Page_278" id="Page_278">[278]</a></span> -auf die französische Spitze zu hielt (a.-a′.) und diese angriff, wobei aber zwei -Schiffe arg zusammengeschossen, das eine bei dem Versuch, sich vor die feindliche -Spitze zu legen, fast zum Wrack wurde. Die in Lee stehenden englischen -Schiffe hatten so gelitten, daß sie das Manöver nicht mitmachen konnten und -beinahe bewegungsunfähig nach Süden trieben (b′.). (Plan B. zeigt die Lage -gegen 1 Uhr nachm.) <em class="gesperrt">D'Estaing</em> gab nun den Befehl, abzuhalten, um -weiter in Lee die Linie besser zu ordnen, da einige Schiffe außerhalb dieser -standen. Er erwartete dann einen neuen Angriff (C.-C.). <em class="gesperrt">Byron</em> wagte -einen solchen jedoch nicht, denn sieben oder acht seiner Schiffe hatten schwer -gelitten (a′. b′. c′.), während die Franzosen in der Takelage kaum beschädigt -waren, auch wollte er sich in der Nähe des Konvois halten, der sonst durch -die feindlichen Fregatten gefährdet war; er blieb dicht am Winde liegen. So -endete der Kampf um 1 Uhr nachm. und wurde auch nicht wieder aufgenommen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Franzosen bezifferte sich auf 166 Tote und 763 Verwundete, -der der Engländer auf 183 Tote und 346 Verwundete; von diesen -fielen zwei Drittel auf die 6 besonders betroffenen Schiffe (b. u. c.).</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> legte gegen 3 Uhr nachm. seine Flotte durch gleichzeitiges -Wenden aller Schiffe über Steuerbordbug (Kurs nach Süden), um in der Nähe -der Insel zu bleiben; <em class="gesperrt">Byron</em> folgte dem Beispiel, um die im Süden treibenden -Schiffe (b′.) zu decken. Aber die Franzosen ließen diese unbehelligt entkommen. -Das eine rettete sich nach Jamaika, die beiden anderen steuerten, nochmals -von der feindlichen Linie beschossen, nach Norden, wohin auch das beschädigte -Spitzenschiff (a′.) entwich. Während der Nacht und am anderen Morgen -ankerte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> wieder vor Georgetown, und <em class="gesperrt">Byron</em> nahm Kurs nach -St. Christoffer, wohin er den Konvoi schon früher beordert hatte. Nur ein -oder zwei Transporter fielen am 7 Juli in die Hände der Franzosen.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung der Schlacht bei Grenada.</b> Es war ein <em class="gesperrt">Fehler</em>, daß von der <em class="gesperrt">englischen -Flotte</em> drei Schiffe (b.) ausfielen. Bei der Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen -Zusammenstoßes mit dem Feinde mußte die Flotte geschlossen bleiben, und dies -bot keine Schwierigkeit, da sie mit Rücksicht auf den langsamern Konvoi nur mit beschränkter -Geschwindigkeit segeln konnte. Ferner brauchte <em class="gesperrt">Byron</em> nicht anzugreifen, -ehe die Ordnung hergestellt war. Er hatte frühmorgens die Luvstellung, konnte fest -mit Auffrischen des Windes rechnen und der Feind mußte sich ihm stellen. Wollte -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> einen Kampf unbedingt vermeiden, so hätte er seine Eroberung und -voraussichtlich auch langsamere Schiffe im Stich lassen müssen. Endlich hat auch wohl -<em class="gesperrt">Barrington</em> den Befehl zur Jagd zu wörtlich aufgefaßt.</p> - -<p class="small">Auch <em class="gesperrt">d'Estaing</em> werden <em class="gesperrt">Fehler</em> nachgewiesen, die ihn um einen großen -Erfolg gebracht haben. Schon gegen Ende des ersten Abschnitts der Schlacht, als er -seine Linie gebildet hatte, konnte er durch Wenden im Kontremarsch und Durchbrechen -der lockeren feindlichen Linie einen entscheidenden Sieg herbeiführen. In seinem Bericht -führt er aus, er habe dies unterlassen, weil andernfalls mehrere seiner Schiffe in Lee hätten -abgeschnitten werden können. Hierauf wurde erwidert, seine Linie hätte besser sein -können, wenn er schon am 5. in See gegangen wäre. Um Mittag des 6. lag er dann mit -24 kampfbereiten Schiffen 17 oder 18 Engländern gegenüber, von denen einige so beschädigt -waren (c′.), daß die übrigen in Manöver und Fahrt auf sie Rücksicht nehmen -mußten; außerdem hatte <em class="gesperrt">Byron</em> drei gefechtsunfähige Schiffe im Süden (b′.) und ein<span class="pagenumsmall"><a name="Page_279" id="Page_279">[279]</a></span> -oder zwei (a′.)′ im Norden zu schützen. Dies auszunutzen, standen dem französischen -Admiral drei Wege offen. Er konnte vorwärts segeln, im Kontremarsch wenden, sich -zwischen den Gegner und den Konvoi setzen und seine Fregatten auf letzteren werfen; -dies fürchtete <em class="gesperrt">Byron</em>, wie er berichtet hat. Er konnte ferner mit allen Schiffen zugleich -wenden, angreifen und so einen Entscheidungskampf herbeiführen. Von beiden Maßregeln -hat ihn wiederum die Rücksicht auf die in Lee stehenden Schiffe abgehalten. -Endlich konnte er, als seine neue Linie (C.-C.) gebildet war, sofort nach Süden steuern, -um die Engländer dort (b′.) abzuschneiden. Dieses Manöver bot den größten Vorteil. -Es hätte den englischen General bewogen, wie er selbst zugibt, unter gewagten Umständen, -nämlich ohne Rücksicht auf das Mitkommen der beschädigten Schiffe (c′.), -anzugreifen, und die überlegene französische Flotte hätte leicht zu gleicher Zeit das -bewegungslose Schiff im Norden (a′.), sowie den Konvoi durch die Fregatten angreifen -können.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em>, der keineswegs ein persönlicher Gegner <em class="gesperrt">d'Estaings</em> war, hat -erklärt: „Wäre des Admirals Seemannschaft seinem Mute gleich gewesen, so würden -wir nicht vier entmastete Schiffe haben entkommen lassen.“ Das Verhalten d'Estaings -ist aber auch wohl durch die damals in der französischen Marine herrschende Ansicht über -die Kriegführung zur See beeinflußt; ein Punkt, auf den wir sogleich und später noch -öfter zurückkommen werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Grenada war ein Sieg der Franzosen</em>, -denn die englische Flotte wurde durch die Beschädigung einiger -Schiffe für längere Zeit lahmgelegt und die Eroberung Grenadas gesichert, -<em class="gesperrt">aber ihr Erfolg wäre weit größer gewesen</em>, wenn <em class="gesperrt">d'Estaing</em> -seine Überlegenheit und die Fehler des Gegners besser ausgenutzt hätte. In -dieser Hinsicht ist sie <em class="gesperrt">von Bedeutung für die Seekriegsgeschichte</em>. -Sie zeigt deutlich die schon mehrfach erwähnte Neigung der -Franzosen in jener Zeit für eine Defensivtaktik, selbst unter so günstigen -Verhältnissen wie hier weichen sie nicht davon ab. Und gerade die Schlacht -bei Grenada erweist den engen Zusammenhang zwischen diesem Verhalten -und der Auffassung über die strategischen Aufgaben der Seestreitkräfte, wie -sie damals bei der Regierung und bei den Seeoffizieren in Frankreich vorherrschte. -Man begnügte sich mit Aufgaben und Erfolgen in beschränktem -Maße, ließ aber das wichtigste und richtigste Ziel, die Vernichtung der feindlichen -Marine, außer Augen. Bei Grenada sah <em class="gesperrt">d'Estaing</em> seine Pflicht nur -darin, die Eroberung der Insel sicherzustellen, schonte seine Flotte und -unternahm nichts weiter, obgleich sich Gelegenheit bot, durch schwere -Schädigung der englischen Flotte die Seeherrschaft in den westindischen -Gewässern zu erringen. Ein ähnlich hervorragendes Beispiel gab uns die -Schlacht bei Minorka (1756).</p> - -<p class="small"><b>Ramatuelle</b>, <em class="gesperrt">ein Seetaktiker</em> (vgl. Quellenverzeichnis), der in diesem -Kriege diente, zur Zeit Napoleons schrieb und wohl die herrschende Auffassung wiedergibt, -sagt: „Die französische Marine hat stets den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem -vielleicht glänzenderen, aber in Wahrheit bedeutungsloseren vorgezogen, einige Schiffe -zu nehmen, und damit hat sie sich mehr dem wahren Ziele genähert, das man sich in -einem Kriege setzen soll. Was würde der Verlust einiger Schiffe den Engländern bedeutet -haben? Der wesentliche Punkt war, sie in ihrem Besitze, der Quelle ihres Reichtums -und ihrer Seemacht, anzugreifen!“ <em class="gesperrt">Ramatuelle</em> führt als einen Beweis für seinen -Ausspruch gerade die Schlacht von Grenada an. Nun können gewiß Fälle eintreten,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_280" id="Page_280">[280]</a></span> -wo man einen augenblicklichen sicheren militärischen Erfolg zugunsten eines größeren -aufgibt, aber wieder gerade bei Grenada trifft dies nicht zu. An der Erhaltung der -kleinen Insel lag wenig, sie wäre mit Erringung der Seeherrschaft auch gesichert gewesen; -diese hätte ferner die Eroberung weiterer Inseln, sowie die Lahmlegung des englischen -Handels ermöglicht. Schon früher (204) ist eine Äußerung Mahans über diesen Ausspruch -Ramatuelles angeführt.</p> - -<p class="small">Im übrigen hatte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> im Gegensatz zu La Gallissonnière bei Minorka gar -nicht den Befehl, englische Inseln zu erobern, sondern er sollte ihnen nur den Wert als -Stützpunkte der Gegner nehmen; aber ihm lag wohl viel an dem Besitze von Grenada, -da diese Eroberung sein einziger Erfolg bisher war und auch bleiben sollte.</p> - -<p><b>D'Estaing verläßt Westindien.</b> <em class="gesperrt">Byron</em> ging nach St. Christoffer zum -Ausbessern. Dies machte große Schwierigkeiten, da die Admiralität wie -überall auf den auswärtigen Stationen nicht vorgesorgt hatte. Trotz der -Geschicklichkeit, mit der die englischen Seeoffiziere jener Zeit auch unter den -ungünstigsten Umständen ihre Schiffe wieder seefähig zu machen verstanden, -war die Flotte zu längerer Untätigkeit verdammt. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> zog hieraus -nur geringen Nutzen. Anstatt dem Feinde zu folgen, um ihm noch mehr -Abbruch zu tun und sich dann gegen andere Inseln zu wenden, begnügte er -sich damit, die Grenadinen zu besetzen. Am 15. Juli ging er dann in See, -lief am 19. Guadeloupe an und beorderte einen hier für die Reise nach Europa -gesammelten Konvoi, ihm zu folgen. Er erschien auch vor St. Christoffer, -wagte aber keinen Angriff, da er die Engländer in Verteidigungsstellung fand, -gestützt auf Batterien am Lande, und machte selbst keinen Versuch, sich -zweier Schiffe zu bemächtigen, die bei der holländischen Insel Saba lagen; in -seinem Berichte sagte er: „Weil er im Gegensatze zu den Engländern eine -neutrale Flagge achte.“ Er paradierte nur am 23. und 24. Juli in Gefechtslinie -vor St. Christoffer und führte dann den Konvoi nach Haiti; am 31. traf -er in Cap Français ein. Hier fand er den ausdrücklichen Befehl vor, mit den -1778 von Toulon ausgelaufenen Schiffen nach Brest zurückzukehren, die nachgekommenen -Verstärkungen aber in Westindien zu belassen. Nun war ihm -schon im Frühjahr eine Bitte des amerikanischen Generals Lincoln, unterstützt -durch den französischen Konsul in Charleston, zugegangen, er möge -nach Georgia kommen, um bei der Vertreibung der Engländer aus den Südstaaten -mitzuwirken; er hatte damals geantwortet, daß er Westindien noch -nicht verlassen könne. Jetzt wurde die Bitte in dringendster Form erneuert, -auch hörte er, das amerikanische Volk murre über die Franzosen: diese hätten -wohl die Hilfe Bostons zur Ausbesserung der Schiffe gern angenommen, nachher -aber die amerikanische Sache im Stich gelassen. Er glaubte der allgemeinen -Sache zu nützen, wenn er jetzt der Bitte Folge leiste, ja sogar, falls -das Unternehmen in Georgia nicht lange dauere oder es sonst günstiger erschiene, -mit <em class="gesperrt">Washington</em> im Norden zu operieren versuche. Trotz seines -Befehles ging er also mit 22 Linienschiffen am 25. August nach Savannah -in See.</p> - -<p>Hiermit fanden die größeren Ereignisse in Westindien für 1779 ihr Ende. -<em class="gesperrt">Byron</em> segelte im August nach England; <em class="gesperrt">Barrington</em>, bei Grenada<span class="pagenum"><a name="Page_281" id="Page_281">[281]</a></span> -verwundet, war schon früher heimgekehrt. <em class="gesperrt">Kontreadmiral Hyde -Parker</em> übernahm das Kommando der Antillenstation bis zum März 1780; -dann traf Admiral <em class="gesperrt">Rodney</em> mit einer Flotte ein und der Kampf auf diesem -Kriegsschauplatze begann wieder.</p> - -<p class="small"><b>Einige kleinere Ereignisse in Westindien</b> sind noch zu erwähnen. Schon im September -1778 hatten sich die Franzosen von Cap Français aus der nahegelegenen kleinen -<em class="gesperrt">Turk-Inseln</em> bemächtigt, die von Engländern besiedelt waren. — Durch die Abfahrt -<em class="gesperrt">d'Estaings</em> erlangten diese die Überlegenheit und behielten sie auch, als im -November und Dezember ein Teil der französischen Flotte von Savannah zurückkehrte. -<em class="gesperrt">Hyde Parker</em> verfügte in Sta. Lucia über etwa 17 Linienschiffe, während <em class="gesperrt">de La -Motte-Picquet</em> Mitte Dezember in Martinique nur 6 oder 7 hatte, von denen -sogar einige zeitweise außer Dienst gestellt waren. Hyde Parker überwachte Fort Royal, -und es gelang ihm, am 18. Dezember vor diesem Hafen einen Konvoi von 26 Transportern -und Handelsschiffen zu überraschen und auseinander zu sprengen, der im Oktober -mit nur einer Fregatte von Marseille gesegelt war. Er würde alle Fahrzeuge genommen -oder vernichtet haben, wenn ihm nicht <em class="gesperrt">La Motte</em> mit drei in aller Eile seeklar -gemachten Linienschiffen kühn entgegengetreten wäre. Durch einen vierstündigen -<em class="gesperrt">Kampf in der Bucht von Fort Royal</em>, in den auch die Befestigungen eingriffen, -ermöglichte dieser 12 Fahrzeugen das Einlaufen, 10 wurden vom Feinde genommen, -vier gerieten auf den Strand und wurden verbrannt, doch hatte man die Ladungen -retten können. — Am 21. Dezember nahm Admiral <em class="gesperrt">Rowley</em> mit einer Division Linienschiffe -bei <em class="gesperrt">Guadeloupe</em> drei französische Fregatten, die mit Truppen von Savannah -zurückkamen.</p> - -<p class="small"><b>Spanien</b> hatte durch Entsendung von zwei Geschwadern zu 6 und 10 Linienschiffen -nebst Transportern mit Truppen und Kriegsmaterial im Februar und März 1779 die -Stationen in Westindien schon vor der Kriegserklärung verstärkt. Wenige Tage nach -dieser begann von Portoriko, Kuba und dem Festlande aus der Kleine Krieg; die Befehle -hierzu müssen also schon längere Zeit vorher ergangen sein. Ihm trat <em class="gesperrt">Admiral Sir -Peter Parker</em> von Jamaika aus entgegen, obgleich er nur ein Linienschiff, ein 50-Kanonenschiff -und 8 Fregatten oder Sloops zur Verfügung hatte. Er ließ sogar im Oktober -den stark befestigten Ort <em class="gesperrt">Omoa</em> an der Hondurasküste, einen Stützpunkt der Spanier -für den Kleinen Krieg, nehmen; zwei Silbergaleonen und verschiedene Kauffahrer mit -einem Gesamtwert von drei Millionen Dollars wurden dabei erbeutet. Die Spanier bemächtigten -sich dagegen der englischen Handelsniederlassungen am Mississippi.</p> - -<p class="small">(Näheres über diese kleineren Ereignisse vgl. Campbell Band V, Seite 453, 503, -514; Chevalier II, Seite 155; Lacour II, Seite 326.)</p> - -<p><b>D'Estaing vor Savannah.</b> Der Kampf in den Südstaaten Nordamerikas -war im Mai 1779 zum Stillstande gekommen; die Engländer unter <em class="gesperrt">Prevost</em> -hatten sich auf Savannah und Umgegend zurückgezogen, die Amerikaner -unter <em class="gesperrt">Lincoln</em> lagen in Charleston. Am 31. August 1779 erschien nun -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> mit 21 Linienschiffen, 8 Fregatten und 3 Korvetten vor Savannah; -später stießen 6 kleine amerikanische Kriegsfahrzeuge (zu 14–20 Kanonen) -und 7 Galeren zu ihm. Er trat mit <em class="gesperrt">Lincoln</em> in Verbindung, wollte aber -nur wenige Tage an der Küste bleiben und versprach zunächst noch keine -Mitwirkung. Als jedoch ein Sturm am 2. September mehrere seiner Schiffe -beschädigte, glaubte er, daß ihre Ausbesserung zu lange dauern würde, um -dann noch nach den Nordstaaten segeln zu können, und erklärte sich nun zu -einem gemeinsamen Angriff auf Savannah bereit.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_282" id="Page_282">[282]</a></span></p> - -<p>Doch <em class="gesperrt">Lincoln</em> hatte nicht mehr auf die Flotte gerechnet und traf -erst Mitte September ein. Durch diese Verzögerung gewann <em class="gesperrt">Prevost</em> Zeit, -seine Kräfte sämtlich in Savannah zusammenzuziehen, die Stadt besser zu -befestigen sowie Schiffe in der Einfahrt zu versenken. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> landete -am 13. September Truppen nebst Belagerungsmaterial, sandte kleinere Fahrzeuge -den Fluß hinauf und forderte am 16. die Stadt zur Übergabe auf. -<em class="gesperrt">Prevost</em> jedoch lehnte ab; er war überzeugt, daß sich die feindliche Flotte -in dieser Jahreszeit nicht mehr lange an der Küste halten könne. Schon die -Landung machte wegen Mangels an geeigneten Fahrzeugen und der Unwissenheit -der amerikanischen Lotsen große Schwierigkeiten. So bewilligte -man den Engländern zunächst einen Waffenstillstand, und erst am 23. begannen -die Belagerungsarbeiten unter <em class="gesperrt">d'Estaings</em> Leitung. Da aber die -Witterung immer ungünstiger wurde, so schritt man schon am 9. Oktober, -zu frühzeitig, zum Sturme. Auch hier führte der Admiral in eigener Person, -wurde verwundet und mit einem Verluste von 1200 Mann, von denen 63 Offiziere -sowie 580 Mann auf die Franzosen fielen, abgeschlagen. Am 18. hob -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> die Belagerung auf, deckte noch den Rückzug der Amerikaner, -und traf dann die Vorbereitungen zum Inseegehen; hierzu wurde die Flotte -schon am 28. Oktober durch einen Sturm gezwungen.</p> - -<p class="small"><b>Die Rückfahrt der französischen Flotte</b> gestaltete sich sehr ungünstig. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> -segelte mit den 12 Linienschiffen, die er 1778 aus Toulon geführt hatte, nach Brest. -Der Sturm sprengte sie aber derart auseinander, daß der Admiral nur mit 2 Schiffen -am 7. Dezember dort ankam; zwei trafen am 9. ein, vier gingen über Cadiz nach Toulon, -zwei erreichten Rochefort und eins Lorient, ein Schiff endlich lief beschädigt in -Havanna ein. <em class="gesperrt">De Grasse</em> war mit 7 Schiffen nach Haiti bestimmt, sollte aber vorher -die Chesapeakebucht behufs Verproviantierung anlaufen. Diese Schiffe gingen aber -fast alle geradeswegs nach Westindien; vier erreichten vereinzelt Anfang Dezember -Martinique, zwei trafen über Cap Français später dort ein. Nur eins war zur Chesapeakebucht -gesegelt und kam dann im Januar in Fort Royal an; es wurde von der Höhe -Haitis an durch Engländer gejagt. <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> war mit 3 Schiffen nach -Martinique bestimmt gewesen; diese ankerten dort einzeln zwischen dem 20. und -27. November. Die nach Westindien bestimmten Geschwader hatten die von den -Inseln mitgenommenen Truppen (2–3000 Mann) an Bord; 4 Fregatten mit Soldaten -fielen, wie wir schon hörten, am 21. Dezember dem englischen Admiral <em class="gesperrt">Rowley</em> -in die Hände.</p> - -<p>So endete auch das letzte Unternehmen <em class="gesperrt">d'Estaings</em> kläglich; der -einzige unmittelbare Erfolg war die Wegnahme einiger Kriegs- und Handelsfahrzeuge -vor Savannah. Aber es brachte doch <em class="gesperrt">einen strategischen -Vorteil</em>: das Aufgeben der wichtigen Narragansettbucht seitens der Engländer. -Auf die Nachricht hin, daß die französische Flotte von Westindien zur -amerikanischen Küste unterwegs sei, räumte <em class="gesperrt">Clinton</em> fluchtartig unter -Zurücklassen von Geschützen und Material Rhode-Island; durch die Expedition -nach Georgien geschwächt, fürchtete er, die Stellung nicht halten zu -können. Schon 1780 landeten die Franzosen in diesem „besten Hafen und -Flottenstützpunkt an der nordamerikanischen Küste“ (Ausspruch des Admirals -<em class="gesperrt">Rodney</em>) ein Hilfskorps.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_283" id="Page_283">[283]</a></span></p> - -<p><b>Rückblick auf den Krieg in Westindien 1778/79.</b> Beide Gegner waren -auf diesem Schauplatz bei Ausbruch des Krieges kaum vorbereitet, aber -beide hatten dort tüchtige Männer an der Spitze. Der französische Gouverneur -der Kleinen Antillen, <em class="gesperrt">Bouillé</em>, erhielt Befehl, sich der Insel Dominica bei -günstiger Gelegenheit zu bemächtigen, und tat dies sofort im August 1778. -Der englische Admiral <em class="gesperrt">Barrington</em> machte den Verlust durch die Eroberung -Sta. Lucias wett. Beide Inseln waren zwar gut befestigt, aber nur schwach -besetzt gewesen. Bei Sta. Lucia fällt dies auf, denn die Franzosen hätten -leicht die Garnison verstärken können, wenn sie von der Einnahme Dominicas -absahen. So gab es nur einen Austausch, bei dem aber wohl die Engländer -gewannen.</p> - -<p class="small">Eine gute französische Quelle (Chevalier) sagt: „Die französische Regierung habe -besonderen Wert auf die Erwerbung Dominicas gelegt, weil diese Insel zwischen Martinique -und Guadeloupe lag, so den französischen Besitz abrundete und auch leichter zu -verteidigen war. Die Regierung sei ferner überzeugt gewesen, daß England beim -Friedensschluß alles daran setzen würde, Sta. Lucia zu erhalten, und daß dann leicht -eine Einigung erzielt werden könne, wenn man jetzt die eine Insel nähme, die andere -dem Gegner überließe; jede Partei würde beim Friedensschlusse eben behalten, was -sie schon besäße.“ Von großem Selbstbewußtsein zeugt diese Auffassung nicht, aber -wir wissen, daß Frankreich im Anfange des Krieges noch nicht die Absicht hatte, in -Westindien Eroberungen zu machen.</p> - -<p>Durch die Ankunft <em class="gesperrt">d'Estaings</em> wurden die Franzosen dann weit -überlegen, und dieser Admiral hätte Sta. Lucia wieder gewinnen können. Der -Versuch mißlang infolge seiner falschen und wechselnden Maßnahmen, die -wiederum durch seine Neigung bedingt waren, den Wert der Seegeltung zu -unterschätzen und das Hauptgewicht auf die Verwendung der Landstreitkräfte -zu legen. Er hätte durch Vernichtung des schwachen englischen Geschwaders -die Seeherrschaft erringen müssen, dann wäre auch die Insel -gefallen. So machte er nur einen schwächlichen Versuch hierzu, und gab auch -diesen auf, als er von der bevorstehenden Ankunft <em class="gesperrt">Byrons</em> hörte. Es ist -kennzeichnend für <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, daß er als Oberbefehlshaber einer großen -Flotte die Operationen am Lande selber leitete und den Angriff hier wie bei -späteren Gelegenheiten sogar in Person führte; er war eben in erster Linie -Landsoldat, allerdings ein tüchtiger und wagemutiger.</p> - -<p class="small">Wir wissen, daß die Seeoffiziere bei der Bedrohung von New York und Newport -1778 nicht auf ein kräftigeres Einsetzen der Flotte drangen. Hier in Westindien war -es anders. <em class="gesperrt">Kapitän Suffren</em> stellte dem Admiral in einer mit großem militärischen -Takte verfaßten Denkschrift (eingehend in Chevalier II, Seite 130, und Lacour -II, Seite 187) vor, wie unrichtig und gefährlich die Landung sei. Mit der Vernichtung -der englischen Schiffe erreiche man den Fall der Insel sicherer, so aber setze -man die Flotte durch Entfernung des Chefs und Schwächung der Besatzungen einer -großen Gefahr aus, falls die englischen Seestreitkräfte Verstärkung erhielten. — Diesen -Rat, sowie den anderer erfahrener Seeoffiziere ließ <em class="gesperrt">d'Estaing</em> außer acht, aber doch -gab er wohl den Angriff am Lande nur aus Besorgnis um die Flotte so schnell wieder auf.</p> - -<p>Mit dem Erscheinen <em class="gesperrt">Byrons</em> (Januar 1779) wurden die Seestreitkräfte -der Gegner nahezu gleich, und die Engländer konnten ihren Besitz von<span class="pagenum"><a name="Page_284" id="Page_284">[284]</a></span> -Sta. Lucia als gesichert ansehen. Bald aber wurde der englische Admiral durch -die Deckung des nach Europa bestimmten Konvois in Anspruch genommen, -eine Verpflichtung, die häufig an die Flottenchefs jener Zeit, besonders die -englischen, herantrat und sie von ihren rein militärischen Aufgaben abzog; -Byron mußte seine ganze Flotte dazu verwenden, denn bei der Stärke -der feindlichen Seemacht würde die Abzweigung eines Teiles diesen oder den -Rest gefährdet haben. Die günstige Gelegenheit benutzte <em class="gesperrt">d'Estaing</em> zur -Wegnahme St. Vincents und Grenadas, und <em class="gesperrt">Byrons</em> Rückkehr zum Entsatz -führte zur Schlacht bei Grenada, die für die Seeherrschaft hätte entscheidend -werden können. Der englische Admiral verlor aber seine Aussichten -auf Erfolg durch unvorsichtigen Angriff und der französische nutzte -weder in der Schlacht die Fehler, noch nach derselben die erreichte Schwächung -des Gegners aus. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> verließ dann Westindien. Hierbei folgte er -allerdings teilweise einem Befehle, er verstieß jedoch gegen diesen dadurch, -daß er mit der ganzen Flotte absegelte und so dem Feinde die See völlig freigab. -Man sollte fast glauben, daß er sich zu dem Plane eines Zusammenwirkens -mit Lincoln oder Washington in Nordamerika durch seine Vorliebe -für Landunternehmungen bestimmen ließ, um so mehr, als er dort mit englischen -Seestreitkräften kaum zu rechnen hatte. Vor Savannah erwies er sich -zwar als mutiger Landsoldat, ließ aber bald die Sache aus Besorgnis um die -Flotte fallen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> hat für den Krieg in Westindien eine starke Macht aufgeboten, -was um so bemerkenswerter ist, als es für das Jahr 1779 auch in den -europäischen Gewässern ein großes Unternehmen, einen Einfall in England, -plante. Aber der ganze <em class="gesperrt">Erfolg in Westindien</em> bestand in der Eroberung -einiger Inseln, die mit Ausnahme Dominicas von geringer Bedeutung -waren; dafür hatte man das strategisch wichtige Sta. Lucia geopfert.</p> - -<p class="small">Der Vorwurf für den Mißerfolg der beiden Jahre in Nordamerika und Westindien -trifft <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, der auch selber in Briefen und Berichten seinem Grame darüber -Ausdruck gibt. Ältere französische Quellen behaupten, er sei von seinen Untergebenen -nicht genügend unterstützt worden, neuere widersprechen dem und äußern sogar, -dieser Grund sei in Frankreich bei Mißerfolgen stets angeführt; bekannt ist, wie man -dort in ähnlichen Lagen häufig sogar die Anschuldigung des „Verrates“ findet. Hiergegen -spricht auch, daß der Admiral stets günstig über Offiziere sowie Mannschaften -berichtet und von den ersteren mehrere zur Auszeichnung oder Beförderung eingegeben -hat. Richtiger ist wohl ein Ausspruch anderer Autoren: „Man hätte dem tüchtigen -Soldaten eine große Laufbahn im Heere sichern, ihn aber nicht gleich mit einem hohen -Range in der Marine anstellen sollen; für wichtige Aufgaben geeignete Seeoffiziere waren -genügend vorhanden.“ Es wird versucht, den Fehler der Regierung dadurch zu entschuldigen, -daß sie der öffentlichen Meinung zuliebe gehandelt habe; nach den Mißerfolgen -des letzten Krieges seien Stimmen laut geworden, die eine Auffrischung des -Seeoffizierkorps durch bewährte Landoffiziere befürworteten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ein wichtiger Erfolg</em>, den <em class="gesperrt">d'Estaing</em> durch seinen Zug -nach Savannah und die Bedrohung der Engländer an der amerikanischen -Küste errang, war die Räumung der Narragansettbucht durch diese; nach -<em class="gesperrt">Rodney</em> „der größte Fehler, den England begehen konnte“. Kapitän<span class="pagenum"><a name="Page_285" id="Page_285">[285]</a></span> -<em class="gesperrt">Mahan</em> sagt (Clowes Band III, Seite 442) in Erweiterung seines Ausspruches -(vgl. Seite <a href="#Page_269">269</a>) über den strategischen Fehler, den England durch -die Eröffnung des Krieges in den Südstaaten gemacht habe, „der Fall von -Savannah würde ein Glück für England gewesen sein, da man dann die Unternehmungen -dort wohl aufgegeben hätte.“ So aber bestärkte die leichte Abwehr -der Gefahr den General Clinton in seinen Plänen; sobald die Abfahrt -der französischen Flotte sicher war, ging er im Dezember 1779 persönlich -mit Admiral <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> zur Eroberung Charlestons von New York in See.</p> - -<p><b>Westafrika.</b> Im Zusammenhang mit Westindien muß ein französischer -Vorstoß erwähnt werden, den der <em class="gesperrt">Marquis de Vaudreuil</em> 1779 auf -seiner Fahrt zu <em class="gesperrt">d'Estaing</em> hier ausführte. Er verließ am 25. Dezember 1778 -mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 3 Korvetten Frankreich; auf einigen -Transportern waren Truppen unter dem <em class="gesperrt">Herzog von Lauzun</em>, einem -beliebten Hofmann, aber tüchtigen Soldaten, eingeschifft. Am 30. Januar -1779 wurde die englische Besitzung St. Louis am Senegal zur Übergabe gezwungen. -Die Fregatten bemächtigten sich dann der Kontore am Gambia, -an der Sierra-Leone — sowie an der Guineaküste bis zum Voltaflusse. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> -segelte mit dem Geschwader am 5. März nach Westindien weiter, -<em class="gesperrt">Lauzun</em> sicherte die Eroberungen und kehrte dann nach Frankreich zurück.</p> - -<h5>Der Krieg in den europäischen Gewässern 1779/80.</h5> - -<p><b>Im Jahre 1779</b> wurde die Lage Englands sehr ernst, denn am 12. April -schlossen Frankreich und Spanien ein Bündnis ab. In diesem wurde eine -gemeinsame Kriegführung für das laufende Jahr vereinbart, die eine unmittelbare -Bedrohung Englands vorsah. Es ist bereits erwähnt (Seite 214), -daß schon unter <em class="gesperrt">Choiseul</em> eingehende Pläne für einen Einfall in England -ausgearbeitet waren, und mit Ausbruch des neuen Krieges traten wiederum -tüchtige Offiziere mit solchen hervor.</p> - -<p class="small">Ein Irländer, <em class="gesperrt">Graf de Wall</em>, wollte in Irland landen und hier eine Revolution -erregen. Oberst <em class="gesperrt">Dumouriez</em>, Kommandant von Brest (der spätere Sieger von -Jemappes), schlug vor, 12000 Mann auf einer Flotte von Kriegsschiffen, aber ohne -Transporter von Cherbourg nach Wight hinüberzuwerfen. Ein ehemaliger englischer -Seeoffizier und Anhänger der Stuarts, <em class="gesperrt">Hamilton</em>, legte mehrere Pläne vor, die -verschiedene Punkte der englischen Küste im Auge hatten. Der schon erwähnte Entwurf -des Grafen <em class="gesperrt">Broglie</em> und andere mehr wurden wieder erwogen. Hier soll nicht näher -auf sie eingegangen werden. Genaueres findet man in Lacour II, Seite 233 ff., wo auch -der jetzige Plan erörtert ist.</p> - -<p>Die französische Regierung, die schon seit 1776 mit Spanien über ein -gemeinsames Vorgehen gegen England verhandelte, prüfte all diese Vorschläge. -Bemerkenswert ist, daß <em class="gesperrt">Broglie</em> sowie anfangs auch <em class="gesperrt">Vergennes</em> -nicht für ein gemeinsames Wirken, sondern für gleichzeitiges, aber -getrenntes Vorgehen eintraten; sie wollten damit die umständlichen Vorverhandlungen -sowie die Schwierigkeiten vermeiden, die sich der Kommandoführung -verbündeter Streitkräfte erfahrungsmäßig entgegenstellen. Sie<span class="pagenum"><a name="Page_286" id="Page_286">[286]</a></span> -drangen nicht durch, aber ihre Bedenken erwiesen sich später als richtig. -Zunächst nahmen die Verhandlungen so viel Zeit in Anspruch, daß der Vertrag -erst am 12. April zum Abschluß kam; Spanien, dem mehr an der Eroberung -Gibraltars und Minorkas gelegen war, wollte anfangs überhaupt nur Geldmittel -beitragen, stellte dann aber doch wenigstens die Hälfte der gemeinsamen -Flotte; auch stimmte man in Madrid für den Angriff auf Irland. -Schließlich einigte man sich dahin, daß eine den englischen Streitkräften in -den europäischen Gewässern überlegene Flotte gemeinschaftlich versammelt -werden sollte und daß Frankreich ein Heer aufzustellen habe, um es auf -Wight oder bei Portsmouth zu landen. Frankreich trieb zur Eile, um die versäumte -Zeit wieder einzubringen, und nun wurde in beiden Ländern lebhaft -gerüstet; Spanien war darin noch so weit zurück, daß es seine Kriegserklärung -bis zum 16. Juni hinausschieben mußte, aber auch Frankreich wurde erst -spät fertig.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Rüstungen</em> waren allerdings sehr umfangreich. Jeder Staat -bestimmte für die gemeinsame Flotte etwa 36 Linienschiffe; dabei hatte -Frankreich mit den kürzlich nachgesandten Verstärkungen über 25 solcher -in Westindien sowie einige in Toulon, und auch von Spanien war im März eine -größere Zahl (16?) nach den Antillen sowie Mittelamerika gesandt. Man -nahm an, mit über 60 Schiffen der feindlichen Flotte sehr überlegen zu sein -und schätzte diese ganz richtig auf etwa 40 Linienschiffe. Obgleich in England -für 1779 reiche Geldmittel — 4½ Millionen Lstrl., einschließlich der -Neubauten — sowie 70000 Mann (einschließlich 17500 Seesoldaten) für die -Marine bewilligt waren, standen für die heimischen Gewässer nur 43 Linienschiffe -zur Verfügung, denn auch von hier waren im Winter und Frühjahr -Verstärkungen nach den auswärtigen Stationen abgegangen, und andere -Schiffe befanden sich als Konvoibegleiter oder als vereinzelte Ablösungen -unterwegs; insgesamt hatte England etwa 93 Linienschiffe im Dienst (vgl. -Tabelle Seite 224).</p> - -<p>Frankreich zog bei St. Malo und bei Havre je 20000 Mann sowie die -nötigen Transporter zusammen. Das Heer stand unter dem <em class="gesperrt">General -Graf de Vaux</em>, der am 21. Juni <em class="gesperrt">seine Instruktion</em> erhielt. Nach -dieser sollten sich die beiden Transportflotten bei Cherbourg vereinigen und -dann bei Gosport, Portsmouth gegenüber, die Truppen landen; wenn dies -nicht ausführbar sei, solle die Insel Wight besetzt, hier ein befestigtes Lager -für 10 000 Mann eingerichtet werden, das Gros des Heeres nach Übereinkunft -mit dem Chef der Seemacht eine Landung an geeigneter Stelle der Küste -zwischen Wight und Bristol versuchen. Den Oberbefehl über die gemeinsame -Flotte erhielt <em class="gesperrt">Lieutenant-Général Comte d'Orvilliers</em> und -als Treffpunkt wurde die Insel Sisargas, westlich von Coruña bestimmt; schon -bei Abschluß des Vertrages hatte Frankreich verlangt, die Vereinigung müsse -so frühzeitig stattfinden, daß noch mindestens 14 Tage vor Beginn der Operationen -zur Verfügung ständen, um die Ordre de Bataille aufzustellen sowie -Übungen vorzunehmen. Ende Mai hielt man es in Versailles für die höchste<span class="pagenum"><a name="Page_287" id="Page_287">[287]</a></span> -Zeit, der eigenen Flotte den Befehl zum Auslaufen zu geben, damit sie nicht -in Brest vom Gegner blockiert werde; da Spanien am 16. Juni den Krieg erklärte, -durfte man annehmen, daß dieses gleichfalls bereit sei. So begannen -im Juni die Bewegungen der großen Flotten, denn auch die englische zeigte -sich in See; nach Keppels Rücktritt hatte <em class="gesperrt">Admiral Sir Charles -Hardy</em> den Oberbefehl erhalten.</p> - -<p class="small">In den ersten Monaten des Jahres fanden nur <em class="gesperrt">kleine Zusammenstöße</em> -zwischen einzelnen Schiffen oder kleineren Gruppen statt, wenn solche sich bei Ausübung -des Handelskrieges oder bei Erkundungen begegneten. Hervorzuheben ist ein -Versuch der Franzosen, sich der <em class="gesperrt">Kanalinseln</em> zu bemächtigen. Am 21. April -sollte eine Flottille kleinerer Kriegsschiffe Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann von St. -Malo nach Jersey führen. Stürmischer Wind trieb sie zurück und ein Landungsversuch -am 1. Mai scheiterte gleichfalls an den Wetterverhältnissen sowie am Widerstande der -Engländer. Am 11. erschienen die Franzosen nochmals; jetzt waren aber überlegene -englische Seestreitkräfte herangekommen, die nicht nur den Angriff zurückwiesen, -sondern sogar die französischen Schiffe in der Cancalebucht fast sämtlich vernichteten. -— Über die in diese Zeit fallenden kühnen Unternehmen des amerikanischen Freibeuterführers -<em class="gesperrt">Paul Jones</em> soll beim „Kleinen Kriege“ berichtet werden.</p> - -<p class="small">Hervorzuheben ist, daß die französische Regierung an sämtliche Kriegsschiffe -Befehl erließ, die unter Kapitän <em class="gesperrt">James Cook</em> auf einer Entdeckungsfahrt befindlichen -Schiffe als befreundet zu behandeln, da ihre Tätigkeit allen Völkern zum Nutzen -gereiche.</p> - -<p><b>Die französisch-spanische Flotte an der englischen Küste 1779<a name="FNAnker_144_145" id="FNAnker_144_145"></a><a href="#Fussnote_144_145" class="fnanchor">[144]</a>.</b> -<em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> ging am 4. Juni mit 28 Linienschiffen von Brest nach -Sisargas in See, 2 folgten etwas später. Als der Befehl zum Auslaufen eintraf, -fehlten der Flotte noch 4000 Seeleute, an deren Stelle der Admiral die Matrosen -anderer Schiffe in Brest sowie 2000 Soldaten an Bord nahm. Am 11. Juni traf -er an der verabredeten Stelle ein, aber erst gegen Ende des Monats stießen -8 Spanier von Coruña zu ihm. Um diese Zeit trat auf der französischen Flotte -eine Epidemie auf, die schnell um sich griff. Mitte Juli zählte man 500 Kranke -am Lande in Coruña und 2000 Dienstunbrauchbare an Bord. Am 23. Juli -endlich traf der spanische Oberbefehlshaber <em class="gesperrt">Generalleutnant Don -Luis de Cordoba</em> mit 28 Linienschiffen ein, aber es stellte sich heraus, -daß man diesem erst ganz kürzlich von Paris ein französisches Signalbuch nach -Cadiz gesandt habe; zur Übersetzung war jetzt keine Zeit mehr, und man -mußte notdürftig ein gemeinsames Signalsystem zusammenstellen. Hiermit -sowie mit Anordnung der Ordre de Bataille gingen mehrere Tage hin. Erst -am 30. Juli konnte die Flotte den Marsch nach dem Norden antreten; sieben -günstige Sommerwochen waren seit der Ankunft der französischen Schiffe -verloren und die Hälfte ihrer Wasser- und Proviantvorräte war verbraucht. -<em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> suchte in Paris darum nach, ihm Ersatz hierfür sowie -Reserveankergeschirr nachzusenden, da die Flotte voraussichtlich an der -englischen Küste wegen des oft eintretenden Nebels und wegen der Strömungen -häufig werde ankern müssen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_288" id="Page_288">[288]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Die Ordre de Bataille.</b> <em class="gesperrt">Das französische Kontingent</em> zählte: 2 Schiffe -zu 110 und 114 Kanonen, 4 zu 80, 14 zu 74, 10 zu 64; <em class="gesperrt">das spanische</em>: 1 Schiff -zu 120, 6 zu 80, 23 zu 74, 2 zu 70, 4 zu 60. Diese 66 Linienschiffe waren eingeteilt -in: 1. Die Hauptflotte unter <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em>; 3 Geschwader zu je 9 französischen -und 6 spanischen Schiffen. 2. Das Beobachtungsgeschwader, 16 spanische -Schiffe unter <em class="gesperrt">Cordoba</em>. 3. Das leichte Geschwader, 3 Franzosen und 2 Spanier unter -Lieutenant-Général <em class="gesperrt">de Latouche</em>. Etwa 14 Fregatten und Korvetten sowie -9 Brander und Mörserboote waren auf die Geschwader verteilt; ein Hospitalschiff und -einige Flüten mit Material folgten der Flotte. Die Segelordnung findet man in Lacour II, -Seite 261; die Namen der Schiffe, auch die der englischen, führt Campbell Band V, -Seite 466 an.</p> - -<p>Admiral <em class="gesperrt">Hardy</em><a name="FNAnker_145_146" id="FNAnker_145_146"></a><a href="#Fussnote_145_146" class="fnanchor">[145]</a> ging am 16. Juni von Portsmouth mit dem Befehle -in See, zwischen 25 und 50 Seemeilen südwestlich der Scilly-Inseln zu kreuzen. -Er führte 35 Linienschiffe der Kanalflotte — 9 zu 90–100 Kanonen, 22 zu 74, -4 zu 64 —, 7 Fregatten, 6 Brander und einige kleinere Fahrzeuge; der Rest -der Kanalflotte, etwa 8 Linienschiffe, befand sich in den Haupthäfen oder -kreuzte an der französischen Kanalküste.</p> - -<p>Es ist unverständlich, weshalb England nicht rechtzeitig die französische -Flotte in Brest blockiert und so die Vereinigung der Gegner verhindert hat, -da doch Spaniens Eintreten in den Krieg seit Monaten vorauszusehen war. -Es hätte selbst später noch die eigene Flotte hinter der französischen her zur -spanischen Küste senden können; wie die Sache lag, würde sie dort wochenlang -die Überlegenheit besessen haben. Dieser zweite Fehler ist allerdings -verzeihlich, da die Regierung unter dem Druck der öffentlichen Meinung die -englische Küste und den Kanaleingang nicht entblößen durfte; mit der -Blockade von Brest wäre aber auch der Kanal gedeckt gewesen. England -konnte von Glück sagen, daß die französische Flotte sich nicht vor den Kanal -gelegt hatte, um die spanische zu erwarten, dort hätte sie wahrscheinlich große -Handelsflotten abgefangen, die zurückerwartet wurden; so erreichten ein -Konvoi von den Antillen, einer von Jamaika (gegen 200 Fahrzeuge) und -8 große Ostindienfahrer unbehelligt die Häfen Englands und Schottlands.</p> - -<p class="small"><b>Die Furcht vor einer Invasion</b> war in England wieder einmal sehr groß, doch -diesmal wohl berechtigter als je zuvor. Am 9. Juli befahl die Regierung, beim Drohen -einer feindlichen Landung alle Pferde und sämtliches Schlachtvieh ins Innere zu treiben; -der Hafen von Plymouth ward durch eine Balkensperre geschützt und Schiffe zum -Versenken bereit gehalten; große Besorgnis herrschte für die zurückerwarteten Konvois. -Viele Einwohner flüchteten von der Küste; man erzählt, daß bei einem Gottesdienste -in einem Küstenorte plötzlich eine Panik ausgebrochen sei und alle Teilnehmer bis -auf den Pfarrer sowie den Bezirksgeneral nebst seinen Offizieren und Soldaten aus der -Kirche geflohen seien. Die Militärs hielten die Lage indessen nicht für bedrohlich, und -so konnte noch der später als Stratege berühmte Admiral <em class="gesperrt">Jervis</em>, der beim Erscheinen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_289" id="Page_289">[289]</a></span> -der Verbündeten ein Schiff der Kanalflotte befehligte, seiner Schwester -schreiben: „Es sei demütigend für England, daß der Feind den Kanal beherrsche, aber -über den Gedanken an eine Invasion müsse er lachen.“</p> - -<p>Die Flotte der Verbündeten fand auf ihrer Fahrt das schönste Wetter -und hätte südwestlich von Ouessant, wo sie mehrere Tage durch Gegenwind -aufgehalten wurde, die erbetenen Vorräte übernehmen können; man sandte -aber nur einige Fahrzeuge mit Reserverundhölzern und vertröstete sie sonst -auf spätere Zeit im Kanal. Am 11. August passierte sie Ouessant, am 14. -Lizard und erschien am 17. vor Plymouth, wo ihr ein englisches Linienschiff -in die Hände fiel, das sie für Engländer gehalten hatte. Die beiden großen -Flotten hatten sich nicht gesichtet und wußten auch nichts weiter voneinander.</p> - -<p>Jetzt stand also die überlegene französisch-spanische Macht zwischen -der englischen und deren Häfen. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> beabsichtigte dem Plane -für die Landung entsprechend, den Kanal nach der englischen Flotte bis Wight -abzusuchen, sich in Besitz der Rhede von St. Hellens an der Nordostküste -dieser Insel zu setzen und dann <em class="gesperrt">Cordobas</em> Geschwader nach Cherbourg -zu senden, um die Überfahrt der Transportflotte zu decken. Er wollte mit -der Hauptmacht den Gegner zur See im Schach halten, ihn schlagen oder in -seine Häfen einschließen. Das französische Landungsheer stand um diese Zeit -für die Einschiffung auf 100 Transportern bereit, während man in England zur -Abwehr neben den Milizen nur über wenig reguläre Soldaten verfügte, da man -eine ansehnliche Truppenzahl zur Unterdrückung von Unruhen in Irland halten -mußte; zudem war die verbündete Flotte auch nach Abzweigung <em class="gesperrt">Cordobas</em> -noch der englischen weit überlegen. Diese Gelegenheit, so günstig wie nie -zuvor, um endlich einmal die Invasion wirklich durchzuführen, blieb jedoch -unbenutzt. Vor Plymouth erhielt nämlich <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> die Weisung, -nicht Wight, sondern die Umgegend von Falmouth als Landungsstelle zu -benutzen. Mit Recht wandte der Admiral dagegen ein, daß die große Flotte -dort keinen sichern Ankerplatz habe, um sich stets zur Deckung der Landung -bereit zu halten, und ein solcher sei um so nötiger, als das günstige Sommerwetter -zu Ende gehe. Während er eine Antwort auf diesen Einwurf erwartete, -kam ein mehrtägiger Oststurm auf und trieb ihn aus dem Kanal. Am 22. August -benutzte er ruhiges Wetter, die Bestände an Wasser und Proviant -zwischen den Schiffen auszugleichen und erhielt so die Flotte in ihrer Gesamtheit -bis zum 20. September verwendungsfähig. Am 25. traf die Nachricht ein, -daß die englische Flotte bei den Scillys kreuze.</p> - -<p>Ein Kriegsrat der Flaggoffiziere entschied einstimmig dahin, daß es bei -dem schon fast unhaltbar gewordenen Gesundheitszustande sowie dem -drohenden Proviant- und Wassermangel unmöglich sei, nochmals in den -Kanal einzulaufen. Man beschloß, den Feind zu suchen und zur Schlacht zu -zwingen; wäre dies bis zum 8. September nicht zu erreichen, so sollte das -französische Kontingent nach Brest, das spanische nach Cadiz zurückkehren. -Dementsprechend wurde gehandelt. Am 31. August (nach allen französischen -Quellen, nach Clowes am 29.) sichtete man die englische Flotte, die auf der<span class="pagenum"><a name="Page_290" id="Page_290">[290]</a></span> -Rückfahrt nach dem Kanal begriffen war. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> versuchte heranzukommen, -aber <em class="gesperrt">Hardy</em> wich der fast doppelten Übermacht aus, wobei -ihn die Windverhältnisse begünstigten. Am 1. November konnten die Engländer -ihr Einlaufen in Plymouth als gesichert ansehen und am 3. ankerten -sie vor Portsmouth. Noch einmal erschien <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> die Aussicht auf -einen Teilerfolg. Als er am 31. die Fruchtlosigkeit einer weiteren Verfolgung -erkannte, kamen im Westen 15 Schiffe in Sicht; sofort jagte er sie, aber sie -erwiesen sich als ein Konvoi holländischer Handelsfahrzeuge. Er kreuzte dann -noch am Eingange des Kanals, bis er als Antwort auf seinen Bericht über den -Beschluß des Kriegsrates Befehl erhielt, mit der Gesamtflotte nach Brest zu -kommen. Am 14. September traf er dort ein und gab am 21. den Oberbefehl -an Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Du Chaffault</em> ab.</p> - -<p class="small"><b>Der Zustand der französischen Flotte</b> war tatsächlich so traurig, daß die meisten -Schiffe wegen Mangels an dienstbrauchbaren Leuten kaum noch manövrieren konnten. -Schon Ende August und Anfang September mußten acht von ihnen nach Brest geschickt -werden. Unter ihnen befand sich das Flaggschiff, das von 1100 Mann Besatzung -560 Dienstunfähige zählte; einem 80-Kanonenschiff fehlten von 800 Mann 500; ein -Schiff zu 74 Kanonen hatte schon 70 Tote begraben und noch 529 Kranke. Auf vielen -der Schiffe, die bis zuletzt die See hielten, war ein Krankenbestand von 2–300 Mann. -(Nähere Angaben s. Chevalier II. Seite 171.)</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Operationen der großen Flotte waren für 1779 -beendet.</em> Die französische Regierung hatte zwar die Absicht, die Flotte -nach Auffüllung der Besatzungen sowie der Vorräte wieder auslaufen zu -lassen, und auch an General <em class="gesperrt">de Vaux</em> ergingen neue Erlasse für Unternehmungen, -zu denen man die Flotte zu Anfang Oktober bereit glaubte. -Aber ein Kriegsrat der französischen und spanischen Flaggoffiziere (3. Oktober) -stellte fest, daß man wegen des augenblicklich großen Mannschaftsmangels, -hauptsächlich bedingt durch die vielen Erkrankungen in der französischen -Marine, sowie wegen notwendiger Ausbesserung der spanischen -Schiffe nichts unternehmen könne.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cordoba</em> segelte am 9. November mit dem Beobachtungsgeschwader -nach Spanien. Die übrigen spanischen Schiffe verblieben unter <em class="gesperrt">de Gaston</em> -bis Januar 1780 in ihren Verbänden der Gesamtflotte; für diese bestand die -Ordre de Bataille weiter, damit sie im nächsten Frühjahr zeitig bereit wäre. -Sie bezog Winterquartiere und die Lager des Landheeres wurden im November -gleichfalls aufgelöst. Der ganze <em class="gesperrt">Erfolg der Kampagne</em>, die -von den Verbündeten mit Aufbietung aller Kräfte und ungeheuren Kosten -ins Werk gesetzt war und die auch viele Menschenleben gefordert hatte, obgleich -kaum ein Schuß gefallen war, bestand in der Erbeutung eines Linienschiffes, -einiger zwanzig Kauffahrer und in etwa 1100 Gefangenen. Zwar -hatte man England in Schrecken gesetzt und dessen Flotte gezwungen, -das Feld zu räumen, aber von einer Beherrschung des Kanals, deren sich -<em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> in einem seiner Berichte rühmte, kann keine Rede sein.</p> - -<p class="small">Dem greisen Admiral <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em>, der seinen einzigen Sohn, einen Leutnant, -an der Epidemie verloren hatte, wurde natürlich von der öffentlichen Meinung die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_291" id="Page_291">[291]</a></span> -Hauptschuld an den Mißerfolgen aufgebürdet, die doch in erster Linie durch andere -Gründe bedingt waren. Schwer gebeugt zog er sich für den Rest seines Lebens in eine -religiöse Anstalt zurück; bei seinem streng christlichen Charakter war ihm der Ausweg -versagt, den <em class="gesperrt">Villeneuve</em> nach Trafalgar im Selbstmord fand.</p> - -<p><b>Das Jahr 1780</b> brachte in den europäischen Gewässern keine Unternehmungen -der Hauptflotten gegeneinander. Es kam jetzt zur Geltung, -daß die Verbündeten verschiedene Ziele im Auge hatten. Beide wollten -zwar England erniedrigen, aber Frankreich erstrebte dies in Westindien und -Nordamerika, während Spanien Gibraltar und Minorka besonders berücksichtigte. -So kamen sie überein, den Einfall in England vorläufig aufzugeben, -aber den Gegner in Nordamerika und Ostindien im Schach zu halten, in -Westindien angriffsweise vorzugehen, sowie Gibraltar zu nehmen. Diesem -Plane entsprechend gestalteten sie ihre <b>Rüstungen für 1780<a name="FNAnker_146_147" id="FNAnker_146_147"></a><a href="#Fussnote_146_147" class="fnanchor">[146]</a></b>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> hatte zu Beginn des Jahres 20 Schiffe in Cadiz unter <em class="gesperrt">Cordoba</em>, -5 bei Algeciras, 11 kreuzten beim Kap St. Vincent; da man erfahren -hatte, daß England Zufuhren nach Gibraltar senden wolle, rief man auch -<em class="gesperrt">de Gaston</em> mit seinen 21 Schiffen von Brest zurück. Er verlor hiervon am -16./17. Januar sieben bei St. Vincent und sandte Ende April zwölf unter -Admiral <em class="gesperrt">Solano</em> nach Westindien, wo sich schon einige Schiffe befanden; -wahrscheinlich waren auch noch verschiedene in den Mittelmeerhäfen -stationiert. Spanien wird somit im Anfang des Jahres etwas über 60 Linienschiffe -und nach dem Verluste bei St. Vincent etwas unter dieser Zahl im -Dienst gehabt haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> schloß den aus Brest absegelnden Spaniern 4 Linienschiffe -an, sandte Anfang Februar 16 unter <em class="gesperrt">de Guichen</em> nach Westindien, -wo sich schon 10 oder 12 unter <em class="gesperrt">de Grasse</em> und <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> -befanden; im Mai führte <em class="gesperrt">de Ternay</em> 7 nebst einer Hilfsarmee -nach Nordamerika.</p> - -<p>Da sich nun einige Schiffe (2?) in Toulon und schon im Januar von -dieser Station 4 bei der spanischen Flotte in Cadiz befanden, 3 in Ostindien -lagen, 2 nach dort abgingen und endlich 12 unter <em class="gesperrt">Du Chaffault</em> das -ganze Jahr über in Brest verblieben, während im Laufe des Sommers noch -9 von hier nach Cadiz segelten, so kann man die Gesamtindienststellung -auf mindestens 70 Linienschiffe annehmen.</p> - -<p class="small">Selbstverständlich vermochte Frankreich infolge des großen Abganges an Toten -und Schwererkrankten auf <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em>' Flotte noch weniger als im Vorjahre für -diese Indienststellungen genügend Seeleute aufzubringen; man mußte noch mehr als -früher mit Soldaten aushelfen und überwies zu diesem Zwecke zwei Regimenter des -Heeres an die Marine.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> blieb auch 1780 seinem Grundsatz treu, auf allen fernen -Kriegsschauplätzen einem Angriff gewachsen zu sein, in Europa seine Küsten -zu decken und den Kanal im Interesse des Handels zu beherrschen. Für<span class="pagenum"><a name="Page_292" id="Page_292">[292]</a></span> -dieses Jahr waren 7½ Millionen Lstrl. (einschließlich Neubauten, sowie -1½ Millionen Überschreitung des Vorjahres) und 85000 Mann (einschließlich -18700 Seesoldaten) bewilligt. Im Sommer befanden sich 102 Linienschiffe -im Dienst, deren Verteilung aus der Tabelle Seite 224 zu ersehen ist.</p> - -<p><b>Im Mittelmeer</b> waren <b>in den Jahren 1778–1779</b> keine Kriegsereignisse -vorgefallen, solange sich nur England und Frankreich gegenüberstanden. -Letzteres war durch sein Vorgehen im Kanal, Nordamerika und Westindien -so in Anspruch genommen, daß England sich in Minorka und Gibraltar -nicht bedroht sah; beide Staaten hielten im Mittelmeere nur geringe Kräfte -zum Schutz des Handels. Als aber Spanien in den Krieg eintrat, begann es -bereits im Juli 1779 <em class="gesperrt">die Belagerung Gibraltars</em> und ließ diesem -Platze durch einige Linienschiffe, sowie zahlreiche Fregatten von Algeciras -aus die Zufuhren abschneiden. Wie schon erwähnt, war 1780 die Eroberung -Gibraltars die Hauptaufgabe der spanischen Marine und eine große Macht -wurde dafür bestimmt: <em class="gesperrt">Cordoba</em> hatte in Cadiz 31 spanische und 4 französische -Linienschiffe, 5 lagen in Algeciras; <em class="gesperrt">Gaston</em> sollte mit 21 spanischen -und 4 französischen zu ihm stoßen. Aber dennoch glückte es England, -die belagerte Stadt mit Vorräten zu versehen.</p> - -<p><b>Rodney<a name="FNAnker_147_148" id="FNAnker_147_148"></a><a href="#Fussnote_147_148" class="fnanchor">[147]</a> siegt bei St. Vincent und versorgt Gibraltar. Januar 1780.</b> -Schon im Oktober 1779 hatte man in England beschlossen, den Admiral -<em class="gesperrt">Sir George Rodney</em> mit einigen Linienschiffen zur Übernahme des -Kommandos nach Westindien zu senden; da die französische Flotte in Brest -Winterquartiere bezogen hatte, nahm man nun die Gelegenheit wahr, mit -der Ausreise dieses bewährten Führers die Versorgung Gibraltars und -Minorkas zu verbinden. Der Admiral verließ am 29. Dezember mit 22 Linienschiffen, -14 Fregatten und einigen kleineren Fahrzeugen Plymouth. Nur -fünf der ersteren hatte man für Westindien bestimmt, die übrigen gehörten -der Kanalflotte an und waren Rodney nur unterstellt, um einen großen -Konvoi zu decken. Dieser bestand aus Transportern mit Truppen, Kriegsmaterial<span class="pagenum"><a name="Page_293" id="Page_293">[293]</a></span> -sowie Proviant für Gibraltar und Minorka, und aus Handelsschiffen, -die zur portugiesischen Küste oder nach Westindien segeln wollten; die -letzteren zweigten sich am 7. Januar 1780 unter Deckung eines Linienschiffes -nebst 4 Fregatten ab.</p> - -<p>Die Flotte stieß am 8. auf ein spanisches Geschwader — ein Linienschiff, -4 Fregatten, 2 Korvetten — nebst 12 Transportern mit Proviant für die -Cadizflotte und nahm nach kurzer Jagd alle Fahrzeuge; das Linienschiff -wurde, mit Engländern bemannt, angewiesen, die genommenen Proviantfahrzeuge -nach Gibraltar zu geleiten. Auf der Weiterreise erhielt <em class="gesperrt">Rodney</em> -von einem Kauffahrer die Nachricht, daß auf der Höhe von <em class="gesperrt">Kap St. Vincent</em> -ein spanisches Geschwader kreuze, und als am 16. das Kap passiert -war, kamen um 1 Uhr nachmittags 13 Segel in Sicht; <em class="gesperrt">Rodney</em> steuerte -sofort in gut gehaltener Formation auf sie zu. Es waren 11 Linienschiffe -und 2 Fregatten unter dem Admiral <em class="gesperrt">Don Juan de Langara</em>, ein -Teil der Cadizflotte, die mit spanischer Sorglosigkeit schlecht geschlossen -fuhren. Ihr Führer verlor die Zeit damit, zu sammeln, die Gefechtslinie zu -bilden, sowie durch Signale die Ansicht der Kommandanten über weiteres -Verhalten einzuholen, und nahm dann erst Kurs auf Cadiz, wofür der Wind -günstig war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rodney</em> gab nun Befehl zur „Allgemeinen Jagd“ mit der Weisung, -von Lee her anzugreifen, um sich so zwischen den Feind und die Küste zu -setzen; das zuerst herankommende Schiff sollte das letzte feindliche angreifen, -das zweite das vorletzte usw. Um 4 Uhr nachmittags schon waren -die vier vordersten Engländer im Gefecht, um 4¾ Uhr flog ein spanisches -Schiff von 74 Kanonen auf und um 6 Uhr strich ein zweites die Flagge. Jetzt -wurde es schnell dunkel, aber der Kampf tobte weiter und um 2 Uhr morgens -ergab sich der vorderste Spanier. Nur 4 Linienschiffe und die Fregatten -entkamen; das Flaggschiff von 80 Kanonen, sowie 5 74-Kanonenschiffe -wurden genommen. Auf einem der letzteren überwältigte später die Besatzung, -die zur Bedienung herangezogen werden mußte, die wenigen Engländer, -ein zweites strandete und fiel gleichfalls den Spaniern wieder zu. -Es wehte nämlich während der Nacht bei hoher See so stark, daß selbst -die größeren englischen Schiffe sich nur mit Mühe von den Klippen von -San Lucar freihalten konnten.</p> - -<p>Diese Schlacht, die den Siegern nur 39 Tote und 102 Verwundete kostete, -zeigte die Tüchtigkeit <em class="gesperrt">Rodneys</em>, der gerade an diesem Tage schwer unter -der Gicht litt. Zwar war der Feind sehr unterlegen und wurde überrascht, -aber dennoch blieb es eine kühne Tat, bei dem drohenden Wetter auf einer -Leeküste kurz vor Einbruch der Nacht anzugreifen. Es war um so gewagter, -als man wußte, daß <em class="gesperrt">Cordobas</em> Streitkräfte in diesen Gewässern 35 Linienschiffe -zählten. Dieser hatte auch tatsächlich mit den anderen 24 in Erwartung -der Engländer gleichfalls vor der Straße von Gibraltar gekreuzt und war -eben erst in Cadiz eingelaufen, um einige in einem Sturme beschädigte Schiffe -auszubessern. <em class="gesperrt">Rodney</em> wurde ferner dadurch vom Glück begünstigt, daß<span class="pagenum"><a name="Page_294" id="Page_294">[294]</a></span> -<em class="gesperrt">Gaston</em>, der ihm von Brest aus entgegentreten sollte, zu lange im Hafen -festgehalten und dann durch die Witterungsverhältnisse auf der Fahrt gehemmt -wurde. <em class="gesperrt">Rodney</em> erreichte unbelästigt Gibraltar, konnte aber -widriger Winde halber erst am 26. Januar auf der Rhede ankern. Die fünf -spanischen Blockadeschiffe zogen sich unter die Werke bei Algeciras zurück -und die Engländer landeten ungestört Truppen sowie Vorräte. Die Transporter -für Minorka waren schon vor dem Einlaufen in die Bucht unter Deckung -von 3 Linienschiffen weitergesandt; sobald diese dann wieder eintrafen, -ging <em class="gesperrt">Rodney</em> am 13. Februar in den Atlantik zurück. Nach drei Tagen -entließ er die Schiffe der Kanalflotte und steuerte selber mit 4 Linienschiffen -nach Westindien. Gibraltar und Minorka waren auf ein Jahr versorgt.</p> - -<p class="small">Die unter Admiral <em class="gesperrt">Digby</em> nach England segelnden Schiffe stießen am 23. Februar -auf 15 französische Transporter, die unter Bedeckung durch 2 Linienschiffe und eine -Fregatte nach Ostindien unterwegs waren. Drei Transporter sowie das Schiff des ältesten -Kapitäns, der sich mutig opferte, wurden genommen, die anderen entkamen während -der Nacht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cordoba</em> rührte sich weder während des langen Aufenthalts der -Engländer vor Gibraltar noch bei deren Rückfahrt durch die Straße. Er -mochte wohl seinen, zur Zeit noch teilweise beschädigten Schiffen nicht allzuviel -zutrauen. Nach der Vernichtung <em class="gesperrt">Langaras</em> konnte er auch nicht mehr -mit Überlegenheit auftreten, zumal das Geschwader <em class="gesperrt">Gastons</em> erst am -23. Februar eintraf; es hatte schweres Wetter in der Biskaya gehabt und längere -Zeit in Ferrol behufs notdürftiger Ausbesserung gelegen.</p> - -<p class="small">Der Befehlshaber der vier französischen Schiffe bei der spanischen Flotte äußerte -sich sehr absprechend über diese. Die Besatzungen seien ungeschickt in der Bedienung -der Schiffe und die Offiziere unerfahren, aber auch nachlässig im Segeln in großen Verbänden. -Auch für <em class="gesperrt">Cordobas</em> Tatkraft spricht nicht gerade die Erzählung eines -spanischen Autors: Nach diesem traf die Meldung, daß die Engländer Gibraltar wieder -verlassen hätten, den Admiral in der Kirche. Er sagte: „Es ist gut! Geduld. Gott -will es. Diesmal haben die Engländer Glück, ein anderes Mal werden wir es haben.“ -Ein Epigramm jener Zeit nannte ihn „el gran santulario“.</p> - -<p>Rodneys Sieg erregte in England große Freude. Der Erste Lord schrieb -ihm, er habe mehr Linienschiffe genommen als in irgendeiner Schlacht der -beiden letzten Kriege erbeutet worden wären. Der Admiral schrieb seinen -Erfolg dem Umstande zu, daß ein Teil seiner Schiffe gekupfert und dadurch -imstande gewesen sei, den Gegner einzuholen und festzuhalten. Er legte -deshalb der Admiralität ans Herz, diese Maßnahme schnell allgemein durchzuführen, -und der Erste Lord antwortete ihm: „Ich höre Sie laut nach gekupferten -Schiffen rufen und bin entschlossen, to stop your mouth; you shall -have copper enough.“ Die Kupferung wurde dann auch beschleunigt.</p> - -<p><b>Der weitere Verlauf des Krieges in Europa 1780.</b> Die Versorgung Gibraltars -blieb der einzige englische Vorstoß in diesem Jahre, ja das einzige hervortretende -Ereignis überhaupt, obgleich es schon im Februar zu Ende war, -also zu einer Zeit, in der sonst die großen Unternehmungen kaum begannen. -England, seiner Sorge um Gibraltar ledig, hielt die schwachen Streitkräfte,<span class="pagenum"><a name="Page_295" id="Page_295">[295]</a></span> -43 Linienschiffe, in den nördlichen Gewässern zurück und auch die Verbündeten -unternahmen nichts Ernstes, obgleich sie in Cadiz über eine große -Zahl von Schiffen verfügten, im Herbst sogar über eine ungeheure Macht. -Die Bewegungen der Gegner seien hier kurz dargestellt.</p> - -<p>Der englische Admiral <em class="gesperrt">Francis Geary</em>, der im Mai für den verstorbenen -Admiral <em class="gesperrt">Hardy</em> die Kanalflotte übernommen hatte, trat am -8. Juni mit 30 Linienschiffen eine Kreuzfahrt zum Schutze des Handels im -Kanal an. Anfang Juli stieß er auf einen französischen Konvoi von 30 nach -Westindien bestimmten Kauffahrern, konnte aber wegen einbrechender -Nacht und aufkommenden Nebels nur 12 von ihnen nehmen. Am 18. August -war diese Fahrt beendet und bald darauf ging der Oberbefehl auf Vizeadmiral -<em class="gesperrt">George Darby</em> über, der ihn auch während des Jahres 1781 -führte. Von nun an kreuzten einzelne Kriegsschiffe, kleinere Verbände, -sowie zahlreiche Kaper im Kanal und hinunter bis zur portugiesischen Küste.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verbündeten</em> zogen stärkere Streitkräfte in Cadiz zusammen; -Frankreich suchte Spanien zu einer entscheidenden Unternehmung zu bewegen, -aber dieser Staat versteifte sich auf die Belagerung von Gibraltar. -Das einzige, wozu er sich verstand, war die Entsendung des Admirals <em class="gesperrt">Don -Josef de Solano</em> mit 12 Linienschiffen, einigen Fregatten, sowie gegen -12000 Mann nebst starkem Artilleriematerial auf 83 Transportern Ende -April nach Westindien. Auch dann blieb <em class="gesperrt">Cordoba</em> noch 29 Linienschiffe -stark und Gibraltar war von Algeciras aus durch 5 solcher unmittelbar blockiert. -Da zu diesen noch 8 oder 9 französische zu rechnen sind und im Juli -weitere 5 von Brest eintrafen, so verfügten die Verbündeten schon Mitte -dieses Monates hier über eine große Flotte.</p> - -<p class="small">In <em class="gesperrt">Brest</em> behielt Frankreich das ganze Jahr über 12–15 Linienschiffe unter -Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Du Chaffault</em> als ein Beobachtungsgeschwader; dies ist jedoch -niemals vereint in See gegangen, sondern ließ nur einzelne Schiffe kreuzen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cordobas Unternehmungen</em> blieben aber ganz auf die südlichen -Gewässer beschränkt. Erst im Juli erhielt er den Befehl, mit einer -größeren Macht in See zu gehen; er sollte zwischen Kap St. Vincent und -Vigo bis auf 150 Seemeilen von der Küste entfernt kreuzen, um dem Treiben -englischer Kriegsschiffe und Freibeuter ein Ende zu machen, die zwischen -Ferrol und Cadiz die Verbindung fast ganz unterbrochen hatten und den -französisch-spanischen Handel störten. Am 31. Juli lief er mit 22 Schiffen -aus und hatte das Glück, am 8. August auf 36° 40′ nördlicher Breite und -15° Westlänge (Greenwich) einen englischen Konvoi von 67 Fahrzeugen zu -treffen, die nach Ost- und Westindien bestimmt und durch ein Linienschiff -sowie zwei Fregatten gedeckt waren; nur die Kriegsschiffe und 12 Handelsschiffe -entkamen, mit 55 Prisen im Werte von 1½ Millionen Lstrl. und 2865 Gefangenen -lief <em class="gesperrt">Cordoba</em> am 29. August wieder in Cadiz ein. Der Schlag -traf England um so härter, da ein Teil der Schiffe mit Zufuhren für die -Truppen und Schiffe in den Kolonien beladen waren. Dies blieb aber auch -der einzige Erfolg der Verbündeten, obgleich Frankreich den Vizeadmiral<span class="pagenum"><a name="Page_296" id="Page_296">[296]</a></span> -<em class="gesperrt">d'Estaing</em> nach Spanien sandte, um mehr Tatkraft in die Kriegführung -zu bringen.</p> - -<p class="small"><b>D'Estaings Mission in Spanien.</b> Der Vizeadmiral traf im Juni 1780 in Madrid ein -und versuchte mit Unterstützung des französischen Gesandten dahin zu wirken, daß -man die große Flotte nicht nur im Dienste der Belagerung von Gibraltar belasse, in -dem sie nach französischer Ansicht überhaupt nichts Ausschlaggebendes nützen könnte. -Aber lange Verhandlungen hatten keinen Erfolg. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> traf dann am 26. September -in Cadiz ein, begab sich von dort in das Lager von Gibraltar, fand die Aussicht -auf eine erfolgreiche Berennung der durch ihre Lage fast uneinnehmbaren Stadt sehr -gering und ward in seiner Ansicht noch bestärkt, daß die Flotte hier nichts nützen könne. -Er trat lebhaft für deren anderweitige Verwendung ein, beispielsweise zu einem Angriff -auf Minorka, aber wieder vergeblich. — Er hatte Befehl, nach Eintreffen der französischen -Streitkräfte von Westindien, die für die zweite Hälfte des September nach -Cadiz beordert waren, die Gesamtflotte Frankreichs nach Brest zu führen, falls Spanien -bis dahin nicht einer anderen Verwendung zugestimmt habe.</p> - -<p>Am 1. Oktober trafen noch einige Schiffe vor Brest in Cadiz ein und -am 24. kamen das Geschwader <em class="gesperrt">de Guichens</em>, sowie die selbständige -Division <em class="gesperrt">de La Motte-Picquets</em> von Westindien an; jetzt waren -etwa 40 französische Linienschiffe dort vereint. Da es <em class="gesperrt">d'Estaing</em> nicht -gelang, Spanien zu entschlossenerem Handeln zu bewegen und er keinen -Nutzen in einem längeren Aufenthalt der französischen Schiffe bei Cadiz -sah, traf er Anstalt, diese gemäß der erhaltenen Weisung nach Frankreich -zurückzuführen. Die Jahreszeit war schon weit vorgeschritten, denn die -Schiffe aus Westindien waren über einen Monat später angekommen, als -man erwartet hatte und die meisten hatten eine gründliche Ausbesserung -nach ihrer fast zweijährigen Abwesenheit nötig. Unter <em class="gesperrt">de Guichen</em> -waren 95 Schiffe mit Zucker und Kaffee angekommen. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> ließ -von diesen die ins Mittelmeer bestimmten durch Kapitän <em class="gesperrt">Suffren</em> mit -5 Linienschiffen nach Toulon geleiten, während er mit dem Gros der Flotte -am 7. November nach Norden segelte. Er kreuzte noch kurze Zeit beim -Kap St. Vincent und traf am 5. Januar 1781 in Brest ein.</p> - -<p><b>Bemerkungen zu dem Kriege in Europa 1779/80.</b> Während sich 1779 -in Westindien etwa gleichstarke Kräfte gegenüberstanden, befand sich <em class="gesperrt">England</em> -in den heimischen Gewässern in großer Bedrängnis, als die Flotte -der Verbündeten auftrat; niemals seit Ruyters Zeit war die Gefahr eines -Einfalles so groß gewesen wie jetzt. Zwei Fehler der Regierung hatten dies -verschuldet. Erstens hatte man in den Friedensjahren versäumt, die Marine -einem möglichen, ja wahrscheinlichen Zusammenwirken der beiden bourbonischen -Königreiche gewachsen zu erhalten, zweitens mußte die Vereinigung -der beiden feindlichen Flotten jetzt verhindert werden. Daß diese -Unterlassungen sich nicht rächten, ist nur den Mißgriffen der Verbündeten -zu danken; diese seien hier nochmals kurz zusammengefaßt.</p> - -<p class="small">Die französische Flotte ging mit unvollständiger Bemannung und Ausrüstung -in See, um nicht vom Feinde in ihren Häfen blockiert zu werden. Die spanische brauchte -sieben Wochen bis zur Vereinigung und dann verging noch eine Woche mit Maßnahmen, -die man vorher hätte erledigen können. Französischerseits unterließ man ferner die<span class="pagenumsmall"><a name="Page_297" id="Page_297">[297]</a></span> -Ergänzung der während des langen Wartens aufgebrauchten Vorräte. Ein weiterer -schwerer Fehler war der befohlene Wechsel des Angriffspunktes. Dadurch ging die -günstige Gelegenheit zur Landung unwiederbringlich verloren, und Krankheit sowie -Mangel auf der Flotte bereiteten schließlich dem Unternehmen ein unrühmliches Ende. -Auch hier bestätigte sich wieder, daß es grundfalsch ist, eine vor dem Feinde stehende -Macht, und ganz besonders eine Seestreitmacht, ganz von Hause her leiten zu wollen. -Gerade im vorliegenden Falle war der Gegenbefehl durchaus verkehrt und somit <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em>' -Einwendungen völlig berechtigt; die erhaltene Weisung einfach nicht zu -beachten, lag nicht in seinem Charakter. Dies hätten auch wohl nur wenige Führer -gewagt, ein <em class="gesperrt">Nelson</em> oder <em class="gesperrt">Bonaparte</em> würden es wahrscheinlich getan haben.</p> - -<p>Die Führer der großen Flotte zeigten sich allerdings auch nicht ihrer -Aufgabe gewachsen, doch fällt dies gleichfalls den Regierungen zur Last, -die sie an die verantwortlichen Stellen setzten. <em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> war ein -tüchtiger Offizier, aber 68 Jahre alt und kein Charakter, der die Jahre vergessen -ließ; er nannte sich außerdem selber „einen gebrechlichen Greis“. -Es fehlten ihm Entschlußfähigkeit und Kühnheit, die unter schwierigen -Umständen vieles wagen, um alles zu gewinnen.</p> - -<p class="small">Bezeichnend sind die Aussprüche zweier anderer Autoren (Chevalier II, Seite 136 -A. a. O.): „<em class="gesperrt">D'Orvilliers</em> wollte 1778 bei westlichem Winde nicht in den Kanal -einlaufen, da er dann bei schlechtem Wetter oder nach unglücklichem Kampfe nicht -wieder herauskönne; 1779 hinderte ihn östlicher Wind am Einlaufen. Welch ein Wind -war denn nun günstig?“ — (Lacour II, Seite 254): »Man sagt, daß sich <em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> -während des Feldzuges 1779 stets gefragt habe: „Was geschieht, wenn ich besiegt werde“, -aber niemals: „Was erfolgt, wenn ich siege.“</p> - -<p>Nicht anders lag es mit <em class="gesperrt">Cordoba</em>. Dieser war sogar 73 Jahre alt, -und <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, der 1780 mit ihm verhandeln mußte, berichtete, er habe -bisher nur gegen die Barbaresken gefochten und sei, selbst nach Ansicht -spanischer Offiziere, eine Persönlichkeit ohne jede Bedeutung, ohne Tatkraft -und Kühnheit. Beide Führer waren allerdings auch nicht vom Glück -begünstigt, und die Wetterverhältnisse waren mehrfach gegen sie, aber es -gilt als alte Erfahrung, daß dem Wagemutigen das Glück hold ist; denn wer -auch unter ungünstigen Verhältnissen seine Absicht durchzusetzen strebt, -kommt einem günstigen Umschwung gewissermaßen entgegen. — Infolge -der Fehler der Verbündeten blieb das große Unternehmen 1779 ein Schlag -ins Wasser; <em class="gesperrt">Lacour</em> sagt von ihm: „Si le sujet n'était pas si triste, on -penserait à la montagne en mal d'enfant, qui met au monde une souris.“</p> - -<p>Die Kriegführung des Jahres 1779 zeigt deutlich <em class="gesperrt">eine der -Schwächen der Allianzen</em><a name="FNAnker_148_149" id="FNAnker_148_149"></a><a href="#Fussnote_148_149" class="fnanchor">[148]</a>. Durch seine Nachlässigkeit in den -Rüstungen lähmt der eine Verbündete den anderen. Im Jahre 1780 zeigt -sich die Hauptgefahr für jedes Bündnis, die Verschiedenheit der Interessen -und Ziele. Frankreich bindet sich noch stärker als vorher in Westindien, -Spanien verbeißt sich in die Belagerung von Gibraltar. Der Oberbefehlshaber, -Admiral <em class="gesperrt">Cordoba</em>, löst in diesem Jahre aber nicht einmal die -einfache Aufgabe, die belagerte Stadt von See her abzuschließen. Es gelingt<span class="pagenum"><a name="Page_298" id="Page_298">[298]</a></span> -<em class="gesperrt">Rodney</em> mit weit schwächeren Kräften, Gibraltar zu versorgen; bei dieser -Gelegenheit zeigt sich, daß dem Mutigen auch das Glück hold ist. Die Wetterverhältnisse -legen die Seestreitkräfte des Gegners lahm und begünstigen ihn. -Er trifft dann auf den Konvoi und einen Teil der spanischen Flotte, der ohne -Unterstützung ist. Daß das englische Geschwader die Stürme überstand, -während die Schiffe des Gegners arg beschädigt wurden, war allerdings der -Überlegenheit der Engländer in Seemannschaft zu danken.</p> - -<p class="small"><b>Ausbruch des Krieges zwischen England und Holland 1780.</b> Am 20. Dezember -erklärte England den Krieg an Holland. Schon weit früher war es zu Reibungen gekommen. -Seit Ausbruch des Englisch-Amerikanischen Krieges wurde die holländische -Schiffahrt durch die Untersuchungen seitens englischer Kriegsschiffe arg belästigt und -noch mehr seit Beginn des Kriegs mit Frankreich. Am 31. Dezember 1779 ereignete -sich bereits ein Vorfall ernster Art. Ein englisches Geschwader von 5 Linienschiffen -und einigen Fregatten unter Kapitän <em class="gesperrt">Charles Feilding</em> begegnete im Kanal -einem großen holländischen Konvoi, geleitet durch 2 Linienschiffe und 2 Fregatten -unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">van Byland</em>. Der englische Kommodore verlangte die Untersuchung -der Schiffe. Der holländische Admiral verweigerte sie und ließ Gewehrfeuer -auf die Boote richten, die trotzdem zu den Handelsschiffen fuhren. Nun eröffneten -die englischen Schiffe das Feuer auf die holländischen und diese ergaben sich in ihr -Schicksal; der Admiral strich sogar die Flagge. Davon machte <em class="gesperrt">Feilding</em> nun zwar -keinen Gebrauch, aber er führte 12 Kauffahrer nach Portsmouth, die dort kondemniert -wurden, da sie nach englischer Angabe tatsächlich Kontrebande an Bord hatten.</p> - -<p class="small">Gleichzeitig mit der Kriegserklärung sandte England den Befehl nach Ost- und -Westindien, die holländischen Schiffe sowie Besitzungen wegzunehmen; es soll sogar -diese Weisung schon früher erlassen haben, da die englischen Kriegsschiffe überall so -frühzeitig über den holländischen Handel herfielen, daß Ende Januar 1781 bereits -200 Kauffahrer im Werte von 15 Millionen Gulden aufgebracht waren. Am 30. Dezember -1781 ward das erste holländische Kriegsschiff von 54 Kanonen durch zwei englische -74-Kanonenschiffe im Kanal genommen. (Näheres über die Belästigungen des -holländischen Handels, die dadurch hervorgerufenen Reibungen und die militärischen -Maßnahmen Hollands findet man in <em class="gesperrt">de Jonge</em>, Band 4, Seite 379 ff.)</p> - -<h5>Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1780.</h5> - -<p><b>Westindien.</b> Im Beginn des Jahres 1780 lag der englische Admiral <em class="gesperrt">Hyde -Parker</em> mit etwa 16 Linienschiffen in Sta. Lucia, während sich die -französischen Divisionen <em class="gesperrt">de Grasse</em> und <em class="gesperrt">de La Motte-Picquet</em>, -10 oder 11 Schiffe, in Martinique befanden; beide Parteien unternahmen -Kreuzfahrten gegen Handelsschiffe und Transporter. <em class="gesperrt">De La Motte</em> -hatte von Haus Befehl erhalten, seine eigentliche Station bei St. Domingue -gegen die Engländer in Jamaika einzunehmen, war aber von <em class="gesperrt">de Grasse</em> -und dem Gouverneur wegen der Überlegenheit des Gegners bisher auf der -Antillenstation zurückgehalten; erst als die Nachricht vom Nahen der starken -Flotte unter <em class="gesperrt">de Guichen</em> eintraf, ließ man ihn absegeln. Auf der Reise -hatte er einen Zusammenstoß mit einem englischen Geschwader, blieb aber -sonst den großen Ereignissen des Jahres fern. Ebenso auch die schwache -englische Jamaikastation unter <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em>; beide fanden nur -Verwendung zum Kleinen Kriege im nordwestlichen Teile der westindischen -Gewässer.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_299" id="Page_299">[299]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Gefecht bei Monte Christi, 20. März 1780.</b> <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> verließ am -13. März mit zwei Schiffen zu 74 Kanonen, einem zu 64, einem zu 50 und einer Fregatte -Martinique nebst einem Konvoi für Cap Français. Am 20. März stieß er nicht weit -von seinem Ziele bei Monte Christi (Nordküste von Haiti) auf den Kapitän <em class="gesperrt">Cornwallis</em>, -der sich mit drei schwachen Schiffen der Jamaikastation auf einer der -üblichen Kreuzfahrten in den dortigen Gewässern befand. Es kam zu einem Gefechte, -das von 5 Uhr nachmittags bis mitternacht und den ganzen nächsten Tag über dauerte. -Dann brach <em class="gesperrt">La Motte</em> ab, da drei andere Engländer in Sicht kamen, und segelte -nach Cap Français, wohin sein Konvoi schon vorausgegangen war. Der Zusammenstoß -ist bemerkenswert, weil man aus seinem Verlaufe wiederum ersehen kann, wie die französischen -Führer jener Zeit fast immer nur die Lösung ihrer Aufgabe anstrebten, sonst -aber ihre Schiffe schonten. <em class="gesperrt">De La Motte</em>, ohne Zweifel ein mutiger Mann und -tüchtiger Offizier, hatte nur den Schutz des Konvois im Auge; zu diesem Zwecke griff -er zwar selber an, führte aber den Kampf nicht bis zur Entscheidung durch, obgleich -er weit überlegen war. <em class="gesperrt">Cornwallis</em> befehligte ein Schiff zu 64 Kanonen, eins zu -50 und eins zu 44, und die später in Sicht kommenden waren auch nur ein 64-Kanonenschiff, -nebst 2 Fregatten. (Näheres über das Gefecht vgl. Clowes III, Seite 474; Troude II, -Seite 66.)</p> - -<p><em class="gesperrt">De La Motte</em> geleitete später verschiedene Konvois, nach Europa -bestimmte, von Cap Français, dem üblichen Sammelplatze, aus, so weit in den -Atlantik, bis sie vor feindlichen Kreuzern sicher schienen; am 13. August trat -er, erhaltenem Befehle gemäß, die Heimfahrt an und traf Ende Oktober in -Cadiz ein.</p> - -<p><b>De Guichen und Rodney in Westindien 1780.</b> <em class="gesperrt">Lieutenant-Général -de Guichen</em><a name="FNAnker_149_150" id="FNAnker_149_150"></a><a href="#Fussnote_149_150" class="fnanchor">[149]</a> hatte am 3. Februar Brest mit 16 Linienschiffen und -4 Fregatten — nach Angabe der französischen Quellen schlecht ausgerüstet — -nebst einem Konvoi von 83 Segeln verlassen; er traf am 22. März in Martinique -ein und vereinigte sich mit <em class="gesperrt">de Grasse</em>. Er war entrüstet, nicht auch -<em class="gesperrt">La Motte</em> vorzufinden, da er dann dem Gegner sehr überlegen gewesen -wäre. Seine Order wies ihn an, auf der Reise besonders den Konvoi zu hüten, -weil es in den Kolonien sehr an Nahrungsmitteln sowie anderen Bedürfnissen -mangele, in Westindien dann „die Seeherrschaft zu erringen“; von etwa -genommenen Inseln solle er einzig Sta. Lucia besetzen, auf anderen nur die -Befestigungen und Magazine zerstören. Der Befehl enthielt aber wieder den -lähmenden Zusatz: „Die See zu halten, soweit es die Stärke des Gegners erlaube, -ohne die eigenen Kräfte zu sehr einzusetzen.“ Der Admiral hoffte nun, -Sta. Lucia überraschen zu können; er schiffte deshalb nur seine Kranken<span class="pagenum"><a name="Page_300" id="Page_300">[300]</a></span> -aus und ging schon am 23. März wieder in See. Er fand aber <em class="gesperrt">Hyde Parker</em> -mit seinen 16 Schiffen in der Gros-Islet-Bucht derartig verankert, daß -er keinen Angriff wagte und nach Fort Royal zurücksegelte. Eine ähnlich -günstige Gelegenheit, Sta. Lucia zu nehmen, kam nicht wieder; am 27. März -vereinigte sich <em class="gesperrt">Rodney</em>, von seiner spanischen Expedition angekommen, -mit <em class="gesperrt">Hyde Parker</em>, und die nun 20 oder 21 Linienschiffe starke englische -Flotte war der französischen ungefähr gleich.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p300.jpg" width="300" height="370" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p300" id="fig_p300"></a> -<p class="caption">de Guichen.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Die Stärke der Gegner.</b> <em class="gesperrt">Die englische Flotte</em> bestand aus: der Vorhut, -Kontreadmiral <em class="gesperrt">Hyde Parker</em>, dem Flaggschiff zu 90 Kanonen, 4 Schiffen zu 74, -2 zu 64, 1 Fregatte; der Mitte, <em class="gesperrt">Rodney</em>, Flaggschiff zu 90, 3 zu 74, 1 zu 70, 2 zu -64, 3 Fregatten; der Nachhut, Kontreadmiral -<em class="gesperrt">Rowley</em>, 4 zu 74, 1 zu 64, -1 zu 60, 1 zu 50 Kanonen (dieses sollte -im Notfalle die Linie verlängern), -1 Fregatte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die französische Flotte</em> -zählte: Vorhut, Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Comte -de Sade</em>, Flaggschiff zu 80 Kanonen, -3 Schiffe zu 74, 2 zu 60, 1 zu 60; -Mitte, <em class="gesperrt">de Guichen</em>, Flaggschiff zu -80, 4 zu 74, 3 zu 64; Nachhut, Chef -d'Escadre <em class="gesperrt">Comte de Grasse</em>, -6 Schiffe zu 74, 1 zu 64; hinzu traten -5 Fregatten und 1 Korvette.</p> - -<p><b>Die drei Gefechte bei Martinique -1780.</b> Schon am 2. April -zeigte sich <em class="gesperrt">Rodney</em> vor Fort -Royal, da <em class="gesperrt">Guichen</em> aber nicht -aus dem Hafen kam, ging er nach -Sta. Lucia zurück und ließ den -Feind durch Fregatten beobachten. -Der französische Admiral war mit -dem Gouverneur <em class="gesperrt">de Bouillé</em>, der -sich mit 3000 Mann auf der Flotte einschiffte, übereingekommen, bei günstiger -Gelegenheit unbemerkt in See zu gehen, zunächst einen nach St. Domingue -bestimmten Konvoi eine Strecke nach Norden zu geleiten und dann den Angriff -auf die englischen Inseln zu beginnen. In der Nacht des 13. April verließ -die französische Flotte den Hafen, aber die englische folgte sofort. Schon am -16. sichteten sich beide in Lee der Insel Martinique; die englische kam von -Südosten heran, als die französische gegen Nordostpassat auf den Kanal -zwischen Martinique und Dominica zu aufkreuzte.</p> - -<p>In den nun folgenden Manövern zur Gewinnung der Luvstellung hatten -die Engländer den Erfolg für sich. Bei Tagesanbruch am 17. April stand die -englische Flotte etwa 12 Seemeilen östlich der französischen, und etwa 20 Seemeilen -westlich vom Eingange des genannten Kanals erfolgte <em class="gesperrt">die erste -Schlacht</em>. Sie blieb <em class="gesperrt">unentschieden</em>, ist <em class="gesperrt">aber bemerkenswert</em><span class="pagenum"><a name="Page_301" id="Page_301">[301]</a></span> -<em class="gesperrt">für die Geschichte der Seetaktik</em>. Rodney versucht -in ihr, abweichend von der bisherigen Angriffsart, einen Teil des Gegners -überlegen anzugreifen; es mißlingt jedoch, da seine Untergebenen die Absicht -nicht verstehen. Sie wurde dann in alter Weise zu Ende geführt und brachte -die bekannten Folgen: Die Engländer standen nach dem ersten Zusammenstoß -wegen der Beschädigung der Schiffe von weiterem Kampfe ab, und auch der -französische Admiral drang im Hinblick auf den einschränkenden Zusatz zu -seiner Instruktion nicht auf seine Fortsetzung bis zur Entscheidung.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p301.jpg" width="400" height="467" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p301" id="fig_p301"></a> -<p class="caption">Martinique, 17. April 1780.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Die erste Schlacht -bei Martinique am -17. April 1780<a name="FNAnker_150_151" id="FNAnker_150_151"></a><a href="#Fussnote_150_151" class="fnanchor">[150]</a>.</b> Bei -Tagesanbruch lag die -französische Flotte unter -östlichem Winde in -Kiellinie über Steuerbordbug -mit etwa SSO-Kurs, -die englische -steuerte über Steuerbordbug -nördlich. -Rodney stellte die -über Nacht etwas verloren -gegangene Ordnung -her und schloß -die Entfernungen zwischen -den Schiffen von -zwei auf eine Kabellänge. -Beide Flotten -steuerten also einen -parallelen, aber nahezu -entgegengesetzten -Kurs; es war für die -zu Luward stehenden -Engländer Gelegenheit, -sich mit ihrer -enggeschlossenen Linie -überwältigend auf die -hintere Hälfte der -etwas auseinandergezogenen -französischen -zu werfen und diese niederzukämpfen, ehe die vordere Hälfte wenden und zur Hilfe -herankommen konnte. Dies war Rodneys Absicht. Er machte sie um 8 Uhr vormittags -durch Signal bekannt — bereits früher scheint er durch Zusätze zur Gefechtsinstruktion -derartige Manöver vorbereitet zu haben. Um 8½ Uhr kommandierte er -dann „Linksum“ und hielt mit vollen Segeln in Dwarslinie auf den Gegner zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_302" id="Page_302">[302]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Guichen</em> erkannte die Gefahr und ließ alle Schiffe zugleich halsen, so daß -der Stoß nur die vordere Hälfte getroffen haben würde, der die hintere leicht Unterstützung -bringen konnte. <em class="gesperrt">Rodney</em> bildete darauf die Kiellinie über Steuerbordbug, -um sein Manöver am anderen Ende der feindlichen Linie zu versuchen (vgl. Plan, Lage 1). -Er öffnete jetzt zwar die Abstände wieder auf 2 Kabellängen, blieb aber immer noch -geschlossener als der Gegner; die beiden Flotten lagen nun von neuem auf entgegengesetzten -Kursen. Um 10¼ Uhr war Rodney mit seinem Flaggschiff querab von dem -de Guichens, gab Befehl, mit allen Schiffen zugleich zu halsen, und ließ, als dies geschehen -und die Linie wieder gut ausgerichtet war, etwa um 11 Uhr mehr nach Backbord, -also schräg auf den Feind zu, steuern. Um 11¾ erfolgten schnell hintereinander -die Signale: „Gerade auf den Feind abhalten; ein jedes Schiff auf seinen Gegner in -der feindlichen Linie (dies war ein Signal gemäß seines Zusatzes zur Gefechtsinstruktion); -Nahgefecht.“ Rodney nahm dabei an, daß die Admirale und Kommandanten seiner -um 8 Uhr bekanntgegebenen Absicht entsprechend das Schiff angreifen würden, das -ihnen „augenblicklich“ in der feindlichen Linie gegenüberstand.</p> - -<p class="small">Jetzt aber machte sich das Kleben am bisherigen Brauch, an dem buchstäblichen -Befolgen der Gefechtsinstruktion, geltend. Der Kommandant des Spitzenschiffes, -Kapitän <em class="gesperrt">Carkett</em>, glaubte, er müsse das feindliche Spitzenschiff angreifen, steuerte -auf dieses zu und zog seine drei Hintermänner einschließlich des Admirals der Vorhut, -<em class="gesperrt">Hyde Parker</em>, hinter sich her. Diese 4 Schiffe eröffneten gegen 1 Uhr nachmittags -das Feuer, zunächst auf weitere Entfernung; die übrigen führten den Angriff richtiger -aus, besonders die drei letzten der Vorhut, obgleich sie von ihrem Admiral den Befehl -erhielten, in der Linie zu bleiben und ihm zu folgen. Es scheint demnach, als ob auch -<em class="gesperrt">Hyde Parker</em> die Absicht des Flottenchefs nicht verstanden habe. <em class="gesperrt">Rodney</em> -griff mit dem Flaggschiff etwas nach 1 Uhr in nächster Nähe an. Er war auf das zweite -Schiff (64 Kanonen) hinter dem feindlichen Flaggschiffe gestoßen, trieb dies aus der -Linie und ebenso das folgende, das die Lücken schließen wollte (Plan, Lage 2). Wohl -während des Kampfes den Weichenden etwas nachdrängend, sah er sich plötzlich um -2½ Uhr in Lee der feindlichen Linie und deren Flaggschiff zu Luward; er rief seine -beiden Vordermänner zur Unterstützung näher heran.</p> - -<p class="small">So wurde der Kampf an dieser Stelle ziemlich heiß, und <em class="gesperrt">Guichen</em> gewann -den Eindruck, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> hier durchbrechen wolle. Dies ist indes kaum anzunehmen, -da die Engländer bisher nicht viel vom Doublieren hielten; Rodney war wohl nur durch -Zufall nach Lee geraten. Guichen gab deshalb gegen 4 Uhr den Befehl, mit allen Schiffen -zugleich zu halsen, um den Durchbruch zu verhindern und weiter in Lee aufs neue -Stellung zu nehmen. Da das Manöver ziemlich viel Raum erforderte, faßte <em class="gesperrt">Rodney</em> -es als Rückzug auf, er folgte aber nicht, wohl weil die Ordnung seiner Linie gestört -war und das Flaggschiff sehr gelitten hatte; es hatte Fockmast sowie Großraa verloren -und 80 Schüsse in den Rumpf erhalten, von diesen 3 unter Wasser, so daß es -während der nächsten 24 Stunden nur mit Mühe flott erhalten werden konnte. Der -Kampf fand um 4¼ Uhr nachmittags sein Ende und die Flotten trennten sich.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> bezifferten sich englischerseits auf 120 Tote und 354 Verwundete, -französischerseits auf 222 bzw. 537. Die englischen Schiffe waren in der -Takelage wesentlich mehr beschädigt als die französischen.</p> - -<p class="small">Soweit die Schilderung, die besonders auf englischen Angaben, Berichten und -Auslassungen <em class="gesperrt">Rodneys</em> beruht, da die französischen sehr dürftig sind. <em class="gesperrt">Rodney</em> -erklärte später, diese Schlacht sei die beste Gelegenheit seines Lebens für einen großen -Schlag gewesen; sein Plan würde Erfolg gehabt haben, wenn er richtig durchgeführt -worden wäre. Er war mit seinen Untergebenen sehr unzufrieden und lobte nur 5 Kommandanten: -seinen Flaggkapitän, die Führer der drei Vorhutschiffe und einen Kommandanten -der Nachhut, der wie er selber nahe an den Feind herangegangen war. Dem -Führer des Spitzenschiffes sowie dem Admiral <em class="gesperrt">Hyde Parker</em> warf er die bereits -hervorgehobenen Fehler vor, allen übrigen, daß sie ihre Schiffe nicht scharf genug ins<span class="pagenumsmall"><a name="Page_303" id="Page_303">[303]</a></span> -Gefecht gebracht hätten. Auch Admiral <em class="gesperrt">Rowley</em> traf sein Vorwurf, die Signale -nicht genau befolgt zu haben.</p> - -<p class="small">Dies verhielt sich so: dem Schiffe der Nachhut, das dicht herangegangen war, -hatte beim Aufdrehen zum Kampfe das Ruder versagt und es war über den falschen Bug -zum Gefecht gekommen. Als darauf einige Franzosen wendeten, tat <em class="gesperrt">Rowley</em> das -gleiche. (Alle diese Schiffe legten sich übrigens bald wieder über Backbordbug.) Hierin -sah Rodney einen Fehler, Rowley wandte aber ganz richtig dagegen ein, daß er mit -seinem Manöver der Weisung entsprochen habe, wonach der Hauptangriff auf den -hinteren Teil der feindlichen Linie gerichtet werden sollte. Rodneys Darlegungen wurden -zwar nicht veröffentlicht, aber doch durch Privatbriefe und Gespräche bekannt. Der -Kommandant des Spitzenschiffes, Kapitän <em class="gesperrt">Carkett</em>, schrieb daraufhin an den -Admiral, und dessen Antworten geben neben seinen Berichten genauen Aufschluß -über seine Absicht; man ersieht aus ihnen auch, daß eben Mangel an Verständnis im -englischen Offizierkorps den Plan des Admirals vereitelte. (Vgl. Clowes III, Seite 460 ff.)</p> - -<p>Nach der Schlacht segelte <em class="gesperrt">Guichen</em> nach Guadeloupe, um Verwundete -und Kranke auszuschiffen. <em class="gesperrt">Rodney</em> besserte auf See notdürftig -aus und folgte dann dem Gegner, um sich zwischen ihm und Martinique zu -halten, war aber bald genötigt, bei Sta. Lucia zu ankern, da er Wasser nehmen -mußte. Er verlor jedoch die Absicht, die Rückkehr der Franzosen nach Fort -Royal, ihrem besten Hafen und Ausrüstungsplatze, zu hindern, nicht aus dem -Auge. Er ließ Fregatten östlich sowie westlich von Martinique kreuzen und -erhielt so rechtzeitig Nachricht, sobald der Feind sich rührte. <em class="gesperrt">Guichen</em> -verließ an einem der ersten Maitage Guadeloupe und steuerte östlich von -Martinique zu einem neuen Versuche gegen Sta. Lucia südlich.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Bouillé</em> hatte sich mit einem Teile der Landungstruppen auf -Fregatten eingeschifft, die der Flotte um einige Stunden voraussegelten, als -er jedoch am 9. Mai in der Straße zwischen Martinique und Sta. Lucia ankam, -sah er die englischen Schiffe schon aus der Gros-Islet-Bucht herauskommen. -So traten sich die beiden Flotten südöstlich der erstgenannten Insel wiederum -entgegen und manövrierten dann, beide mit großem Geschick, 10 Tage lang -in Sicht voneinander. Franzosen wie Engländer behaupten eine Schlacht -gesucht zu haben, aber der Gegner sei ausgewichen oder habe günstige Gelegenheiten -zum Angriff nicht benutzt.</p> - -<p>Ein vorurteilsfreier Vergleich zeigt, daß beide hiermit nur bedingt recht -haben, am meisten noch die Engländer. Da die Franzosen während der ganzen -Zeit (eine Stunde am 15. Mai ausgenommen) die Luvstellung in dem regelmäßig -wehenden Passat innehatten, ist ihre Behauptung unhaltbar, es sei -unmöglich gewesen, den Feind zur Schlacht zu bringen, denn die Flucht hat -dieser nie ergriffen. <em class="gesperrt">Guichen</em> ging häufig, gewöhnlich wenn nachmittags -der Passat am stetigsten wehte, näher an die Engländer heran, nahm aber -den Nahkampf nie auf; wahrscheinlich wollte er, wie üblich, seine Flotte -schonen und rechnete damit, dem Feinde nach und nach oder bei ganz besonders -günstiger Gelegenheit Abbruch zu tun. <em class="gesperrt">Rodney</em> nahm den auf -weitere Entfernung angebotenen Kampf nie auf, um seine Munition nicht zu -verschleudern, auch wollte er wohl nach englischem Brauch nur aus der Luvstellung -fechten; er suchte also diese zu erreichen, wobei er gleichzeitig den<span class="pagenum"><a name="Page_304" id="Page_304">[304]</a></span> -Feind sowohl von dessen Stützpunkt wie auch von seinem Angriffsobjekt abdrängte. -Beide Male aber, als die Umstände ihm eine Gelegenheit zum Angriff -boten, benutzte er sie auch; man kann mithin nicht sagen, daß er jedem Zusammenstoß -grundsätzlich ausgewichen sei.</p> - -<p class="small"><b>Die Gefechte bei Martinique am 15. und 19. Mai 1780.</b> Am 15. Mai nachmittags -kam <em class="gesperrt">Guichen</em> etwas näher als gewöhnlich heran; beide Flotten lagen bei Ostwind -über Steuerbordbug mit SSO-Kurs. Schon war das französische Spitzenschiff etwa -querab von der englischen Mitte imstande, das Feuer zu eröffnen, da drehte der Wind -schnell auf SSO, so daß sämtliche Schiffe etwa SW anlagen. <em class="gesperrt">Rodney</em> benützte dies, -wendete im Kontremarsch und führte seine Flotte nach Osten; er würde die feindliche -Spitze zu Luward passiert haben, wenn nicht auch <em class="gesperrt">Guichen</em> sofort mit allen Schiffen -zugleich gehalst und gleichfalls östlich gesteuert hätte (also in einer Linie, in der sich -seine Schiffe etwa SSO peilten). Die englische Flotte stand somit gewissermaßen windwärts -der französischen, aber noch hinter ihr zurück, und es war nur eine Frage der Geschwindigkeit, -ob sie herankommen würde.</p> - -<p class="small">Aber schon nach einer Stunde sprang der Wind auf Ost zurück. <em class="gesperrt">Guichen</em> ging nun -an den Wind und legte seine Schiffe schnell wieder in Kiellinie über Steuerbordbug -(Kurs SSO); <em class="gesperrt">Rodney</em>, der die Kiellinie durch Abhalten im Kontremarsch über -Backbordbug (Kurs NNO) bildete, stieß mit seiner Spitze auf die Mitte der französischen -Linie. Die englischen Schiffe hielten dann nacheinander auf NNW ab, und so glitten -die Flotten aneinander vorüber. Die Engländer hätten vielleicht Gelegenheit zum -Durchbrechen gehabt, doch war die französische Linie wohl zu gut geschlossen, und -so kam es nur zu einem Feuergefecht der englischen Vorhut mit der französischen -Nachhut auf nähere Entfernung, wobei die Franzosen wie gewöhnlich die feindliche -Takelage als Ziel wählten. Als die Nacht hereinbrach, trennten sich die Gegner. (Genaueres -vgl. Clowes III und Troude II.)</p> - -<p class="small">Am 19. Mai nachmittags begegneten sich die Flotten über verschiedenem Bug -liegend, die Franzosen zu Luward, so nahe, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> wiederum mit seiner Spitze -auf das fünfte französische Schiff stieß, und es folgte ein ganz gleiches Passiergefecht. -Nach französischen Angaben soll <em class="gesperrt">Rodney</em> dann mit seiner Vorhut, sobald diese das -Schlußschiff des Gegners passiert hatte, die französische Linie hinten zu doublieren versucht, -aber davon abgelassen haben, als <em class="gesperrt">Guichen</em> Vorhut und Mitte, alle Schiffe -zugleich, wenden ließ, um seiner Nachhut zu Hilfe zu kommen. Zu einem zweiten -Zusammenstoß kam es auch diesmal wegen einbrechender Dunkelheit nicht. (Vgl. -Troude II, Bonfils III.)</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> in diesen beiden Gefechten betragen englischerseits 68 Tote -und 213 Verwundete, französischerseits waren sie wahrscheinlich um so viel größer -als die englischen wie in der Schlacht am 17. April.</p> - -<p>Der letzte Zusammenstoß am 19. Mai fand etwa 120 Seemeilen östlich -von Martinique statt und beweist sicher, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> nicht vor dem Feinde -gewichen war, denn er hatte ihn um diese Strecke nach Luward getrieben. -Jetzt aber sahen sich beide Flotten genötigt, ihre Unternehmungen abzubrechen; -die französische hatte nur noch für 6 Tage Wasser und Proviant, -von der englischen bedurften mehrere Schiffe einer sorgfältigen Ausbesserung, -endlich waren die Besatzungen durch die fortwährende Gefechtsbereitschaft -sowie die vielen Segelmanöver überanstrengt<a name="FNAnker_151_152" id="FNAnker_151_152"></a><a href="#Fussnote_151_152" class="fnanchor">[151]</a>. <em class="gesperrt">Rodney</em> sandte am<span class="pagenum"><a name="Page_305" id="Page_305">[305]</a></span> -20. Mai die vier schadhaftesten Schiffe nach Sta. Lucia und segelte mit den -übrigen nach Barbados, <em class="gesperrt">Guichen</em> ging nach Fort Royal; sie erreichten -ihr Ziel am 22. Beide konnten Erfolge verzeichnen, aber nur negative. Der -erstere hatte Angriffe auf englische Inseln verhindert, letzterer entscheidende -Schlachten vermieden und doch die feindliche Flotte für einige Zeit geschwächt.</p> - -<p><b>De Guichen verläßt Westindien.</b> Die Unternehmungen der Flotten waren -für 1780 zu Ende, obgleich sich die Lage durch das Auftreten spanischer Seestreitkräfte -scheinbar sehr zugunsten der Franzosen änderte. Anfang Juni -erhielt <em class="gesperrt">Guichen</em> durch eine spanische Fregatte die Nachricht vom Nahen -der Flotte unter <em class="gesperrt">Don Solano</em> — 12 Linienschiffe, einige Fregatten und -83 Transporter mit 12000 Soldaten, starker Artillerie sowie reichlichem -Kriegsmaterial —, die am 28. April Cadiz verlassen hatte (Seite 295). Auch -<em class="gesperrt">Rodney</em> hatte hiervon erfahren und sofort eine Beobachtungskette von -Barbados bis Barbuda ausgelegt, auch beschleunigte er die Instandsetzung -seines Geschwaders und ging am 7. Juni mit 17 Linienschiffen in See, um -östlich von Martinique zu kreuzen. Er kam jedoch zu spät. <em class="gesperrt">Solano</em> war -bei seiner Fahrt nach dieser Insel etwa 150 Seemeilen windwärts von ihr auf -eine der englischen Fregatten gestoßen, hatte deshalb den Kurs nördlich um -Guadeloupe herum genommen und traf am 9. Juni westlich von Dominika -auf <em class="gesperrt">Guichen</em>, der ihm mit 15 Linienschiffen entgegengekommen war. Die -Kriegsschiffe der Verbündeten ankerten dann in Fort Royal, die spanischen -Transporter vor Basse-Terre.</p> - -<p>Die Verbündeten verfügten jetzt über 34 Linienschiffe gegen 22 englische, -sowie über eine ungemein starke Truppenmacht. Das englische Westindien -schwebte in großer Gefahr, es schien leicht für den Gegner, Sta. Lucia und -Jamaika zu erobern; der Gewinn dieser Insel war auch wohl Spaniens Absicht -bei Entsendung der Flotte, während Frankreich in erster Linie den Besitz der -Kleinen Antillen erstrebte. Aber die Übermacht wurde nicht benutzt. Vergebens -bemühten sich <em class="gesperrt">Guichen</em> und <em class="gesperrt">Bouillé</em>, den spanischen Admiral -zu gemeinsamem Vorgehen zu bewegen. <em class="gesperrt">Solano</em> erklärte, er habe Befehl, -nach Havanna zu segeln, ja er verlangte, daß die französische Flotte ihn -sicher dorthin geleite. Die spanische Expedition befand sich allerdings in -traurigem Zustande; auf den überfüllten und unreinlichen Transportern war -eine Epidemie ausgebrochen, so daß die Soldaten zunächst einige Zeit zur -Erholung ausgeschifft werden mußten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Guichen</em> sollte im Spätherbst die in St. Domingue sich sammelnden -Westindienfahrer mit seiner Flotte nach Europa geleiten und entschloß sich, -schon früher die Kleinen Antillen zu verlassen, um Solanos Wunsch zu erfüllen. -Er segelte am 5. Juli mit den in Martinique gesammelten Handelsschiffen ab, -geleitete die Spanier bis zum Ostende von Kuba und ging dann nach Cap -Français. Hier fand er Briefe des französischen Gesandten bei den Vereinigten<span class="pagenum"><a name="Page_306" id="Page_306">[306]</a></span> -Staaten, sowie <em class="gesperrt">Lafayettes</em> und <em class="gesperrt">Washingtons</em> vor, in denen er -dringend ersucht wurde, nach Nordamerika zu kommen; er lehnte dies jedoch -mit Hinweis auf seine Order ab. Am 16. August trat er mit dem größeren -Teile der Flotte die Heimfahrt nach Europa an, wohin die Division <em class="gesperrt">La -Motte</em> wenige Tage vorher schon abgesegelt war, und traf wie diese am -24. Oktober in Cadiz ein (Seite 296). 9 Linienschiffe verblieben in Westindien.</p> - -<p><b>Rodney segelt nach Nordamerika und kehrt zurück.</b> Der englische -Admiral hatte sich nach der Ankunft der Spanier beobachtend verhalten, da -er für Angriffsunternehmungen zu schwach war. Zwar hatte man auch ihm -Verstärkungen zugedacht, sie aber nicht oder doch nicht rechtzeitig abgeschickt. -Ein an Admiral <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> in Nordamerika gegebener Befehl, -Schiffe nach Westindien zu senden, erreichte diesen nicht, da ein Unfall das -überbringende Schiff traf; eine Division von 5 Linienschiffen war durch -widrige Winde drei Monate lang (!?) in England festgehalten und langte -erst am 12. Juli in Sta. Lucia an. Nun rührte sich <em class="gesperrt">Rodney</em>. Er ließ 5 Schiffe -unter Kommodore <em class="gesperrt">Hotham</em> als Schutz der Kleinen Antillen zurück und -geleitete selber mit der Hauptflotte (am 17. Juli) den Sommerkonvoi von -Handelsschiffen der Windwardinseln nach St. Christoffer, von wo diese nebst -denen der Leewardinseln unter dem Schutz zweier Linienschiffe nach England -abgingen. Unterwegs erhielt er Kenntnis von der Fahrt der Franzosen und -Spanier nach Kuba, von deren Uneinigkeit und dem schlechten Zustande der -spanischen Expedition.</p> - -<p>Da nun <em class="gesperrt">Guichen</em> den großen Konvoi mit sich führte und die -schlimmste Jahreszeit für Wirbelstürme bevorstand, glaubte <em class="gesperrt">Rodney</em> annehmen -zu können, daß nur ein kleiner Teil der französischen Kräfte bei -St. Domingue bleiben würde und daß größere Unternehmungen der Verbündeten -nicht mehr zu befürchten wären. Anderseits nahm er aber auch an, -daß nur ein Teil der Franzosen den Konvoi nach Europa geleiten, ein anderer -jedoch nach Nordamerika segeln würde. Er beschloß, gleichfalls während der -Orkanmonate dort zu operieren und wurde hierin durch die Nachricht bestärkt, -daß ein französisches Geschwader (<em class="gesperrt">de Ternay</em> vgl. Seite <a href="#Page_291">291</a>) am -12. Juli in der Narragansettbucht eingetroffen sei. Ende Juli sandte er -10 Linienschiffe zur Unterstützung des Admirals <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em> -gegen etwaige Vorstöße der Verbündeten von Kuba oder St. Domingue nach -Jamaika und segelte im August mit 12 (14?) nach dem Norden. Auf der Fahrt -trat er mit dem englischen Heere in Charleston in Verbindung und traf dann -am 14. September in New York ein. Diese Teilung der Flotte <em class="gesperrt">Rodneys</em> -war bei der Ungewißheit über die Bewegungen der Gegner <em class="gesperrt">ein großes</em>, -durch nichts berechtigtes <em class="gesperrt">Wagnis</em>; falls <em class="gesperrt">Guichen</em> mit allen seinen -Kräften gegen Jamaika oder nach Nordamerika gegangen wäre, so wäre -keiner der beiden Teile der englischen Flotte ihm gewachsen gewesen.</p> - -<p>In Nordamerika richtete <em class="gesperrt">Rodney</em> nichts aus, wie wir später sehen -werden. Am 16. November 1780 ging er mit 9 Schiffen wieder nach Westindien -unter Segel und traf am 6. Dezember in Barbados ein. Im Oktober<span class="pagenum"><a name="Page_307" id="Page_307">[307]</a></span> -hatten <em class="gesperrt">schwere Wirbelstürme</em> Westindien, besonders Barbados, -Sta. Lucia sowie Jamaika heimgesucht; 13 englische Kriegsschiffe — 2 Linienschiffe, -6 Fregatten, 5 Sloops — gingen unter, viele andere wurden entmastet -und fast alle Vorräte vernichtet, so daß die Schäden kaum ausgebessert -werden konnten. <em class="gesperrt">Rodney</em> hörte bei seiner Ankunft, daß auf St. Vincent -die Befestigungen zerstört seien und machte am 15. Dezember den Versuch, -sich dieser Insel zu bemächtigen, fand aber die Nachricht übertrieben. Im -Januar 1781 traf dann ein Geschwader von 8 Linienschiffen unter Kontreadmiral -<em class="gesperrt">Sir Samuel Hood</em> nebst Transportern bei ihm ein. Jetzt konnten -die beschädigten Schiffe wieder instand gesetzt werden und <em class="gesperrt">Rodney</em> verfügte -über 21 Linienschiffe — 2 zu 90 Kanonen, 1 zu 80, 15 zu 74, 3 zu 64 —. -Am 27. Januar erfuhr er den Ausbruch des Krieges mit Holland und erhielt -Befehl, gegen dessen Besitzungen vorzugehen.</p> - -<p><b>Die Eroberung Pensacolas</b>, die im Herbst 1780 eingeleitet wurde, war ein -<em class="gesperrt">kleiner Erfolg der Verbündeten</em>. Der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Monteil</em>, -der das von der französischen Flotte zurückgelassene Geschwader, -5 Schiffe zu 74 und 4 zu 64 Kanonen, befehligte, hatte Auftrag, bei -geeigneter Gelegenheit mit <em class="gesperrt">Solano</em> zusammenzuwirken. Die Spanier waren -aber zu größeren Unternehmungen zunächst nicht gewillt oder nicht imstande, -obgleich der französische Admiral mit 5 Linienschiffen nach Havanna kam, -während seine anderen 4 die Station in Martinique übernahmen. Endlich -wurde im Oktober eine gemeinsame Expedition unter <em class="gesperrt">Solanos</em> Oberbefehl -nach Florida ins Werk gesetzt, um einen Angriff der Spanier von Louisiana -her auf Pensacola zu unterstützen. Das Unternehmen schritt jedoch nur langsam -vorwärts, und erst am 9. Mai 1781 ergab sich die Stadt, ein Erfolg, der -für den Großen Krieg ohne jede Bedeutung war. Die Franzosen wären besser -zum Handelsschutze in den Gewässern von Haiti geblieben. <em class="gesperrt">Monteil</em> -traf am 10. Juli 1781 wieder in Cap Français ein und trat im August zu der -Flotte des Admirals <em class="gesperrt">de Grasse</em>, ehe diese nach dem Norden segelte.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>In Nordamerika</b> brachte das Jahr <b>1780</b> keine Ereignisse zur See. Die -Engländer hatten zwar zeitweise ziemlich starke Geschwader dort, verwendeten -sie aber nur zum Festhalten des französischen und im Dienste des Landkrieges, -den wir jetzt kurz weiter verfolgen müssen. Ende 1779 lagen sich die -Hauptheere bei New York fast nur beobachtend gegenüber (Seite 268), und -die Engländer hatten im Süden den Angriff auf Savannah abgeschlagen. Nach -diesem Erfolge setzte dann ein kräftiger <em class="gesperrt">Angriff der Engländer -in den Südstaaten</em> ein. Während im Norden der Winter zur Waffenruhe -zwang, stellte sich <em class="gesperrt">General Clinton</em> in Person an die Spitze einer -Expedition <em class="gesperrt">gegen Charleston</em>. Er übergab den Oberbefehl in New York -an den General von Knyphausen und ging am 26. Dezember 1779 mit einem -Geschwader unter <em class="gesperrt">Vizeadmiral Arbuthnot</em>, dem Chef der nordamerikanischen -Station — 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 3 zu 64, 1 zu 50, 2 zu -44, 6 Fregatten, Transporter mit 7750 Soldaten —, in See. Infolge einer langen<span class="pagenum"><a name="Page_308" id="Page_308">[308]</a></span> -und stürmischen Überfahrt, auf der die Schiffe auseinander kamen, war die -Expedition erst Ende Januar 1780 in Savannah versammelt. Hier zog <em class="gesperrt">Clinton</em> -Nachrichten über die Verhältnisse ein, beorderte die dort befindlichen -Truppen zum Vormarsch auf Charleston und ging am 10. Februar wieder unter -Segel. Am 11. und 12. landeten dann die Truppen an der Mündung des -Edistoflusses, etwa 30 km südlich der Stadt, und rückten vor. Eine regelrechte -Berennung folgte, bis der amerikanische General <em class="gesperrt">Lincoln</em> am -11. Mai <em class="gesperrt">Charleston</em> übergab.</p> - -<p class="small"><b>Die Eroberung von Charleston, Frühjahr 1780.</b> Während 1776 der Angriff auf -die Stadt (vgl. Seite <a href="#Page_231">231</a>) ganz auf den Seestreitkräften beruhte, die nach Niederkämpfen -der Befestigungen an der Einfahrt gegen Charleston vorgehen sollten, eröffnete man -diesmal die förmliche Belagerung, während das Geschwader nur unterstützend eingriff. -Die Stadt war gut geschützt. Das Fort Moultrie an der engsten Stelle der Einfahrt, -das 1776 die feindliche Flotte zurückgewiesen hatte, zählte jetzt 40 Kanonen; bei der -Art des diesmaligen Angriffes kam es jedoch kaum in Betracht, ebensowenig eine kleine -Flottille amerikanischer sowie französischer Kriegsschiffe (Fregatten und kleinere -Fahrzeuge), die bei Ankunft der Engländer bei dem Fort lag. Hinter der engen Stelle -der Einfahrt wendet sich das Fahrwasser nach Westen auf die Stadt zu, die auf einer -Landspitze zwischen den Flüssen Ashley und Cooper liegt; diese vereinigen sich hier -und decken die Stadt auf der Ost- sowie der Südwestseite. Die Hauptbefestigungen -befanden sich im Norden und Nordwesten auf der Landzunge. Die Küste im Süden -Charlestons besteht aus verschiedenen, durch Creeks und Wasserläufe getrennten Inseln; -von diesen liegt Morris-Island an der engsten Stelle der Einfahrt, an sie schließen sich -westlich bis zum rechten Ufer des Ashley-Flusses, also der Stadt gegenüber, James-Island -und südlich St. Johns-Island.</p> - -<p class="small">Die angreifenden Truppen marschierten vom Edisto über diese Inseln gegen die -Stadt. Als die Ausschiffung des Belagerungskorps beendet war, wurden die schweren -Linienschiffe nach New York zurückgesandt, die übrigen Fahrzeuge passierten die -Barre, worauf sich die feindliche Flottille in den Cooperfluß zurückzog und zum Teil -versenkt wurde. Am 29. März überschritt das Heer den Ashley; den Übergang deckten -und ermöglichten die Boote des Geschwaders, die sich durch die Wasserläufe zwischen -den Inseln dorthin begeben hatten. Am 9. April eröffnete dann <em class="gesperrt">Clinton</em> die erste -Parallele gegen die Nordfront der Stadt. Am gleichen Tage passierte <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> -bei Flut und günstigem Winde mit den Schiffen die Einfahrt, wobei Fort Moultrie -diesen nur wenig Schaden zufügte, und ankerte im Süden der Stadt nördlich vor der -Jamesinsel. Die Schiffe erhielten zwar Feuer, beantworteten dieses aber nicht, obgleich -die Geschosse sie erreichten, und der Feind schwieg bald, da er sie außer Schußweite -glaubte. Charleston war so bis auf die Ostseite, den Cooperfluß, eingeschlossen. -Ein Versuch, mit den Schiffsbooten auch in diesen einzudringen, wurde durch Sperren -sowie Batterien verhindert, aber den Landungsabteilungen der Schiffe gelang es, am -7. Mai Fort Moultrie vom Rücken her zur Übergabe zu zwingen. Die Belagerung nahm -ihren Verlauf, auch der Cooperfluß ward im Norden der Stadt gesperrt, und nachdem -am 6. Mai die dritte Parallele fertiggestellt war, ergab sich Charleston am 11.</p> - -<p>Mit der Übergabe der Stadt wurden gegen 7000 Mann, darunter über -1000 amerikanische und französische Seeleute, kriegsgefangen; 5 amerikanische, -sowie 2 französische Kriegsschiffe fielen dem Sieger in die Hände, -3 wurden vernichtet. <em class="gesperrt">Clinton</em> segelte am 5. Juni nach New York, 4–5000 -Mann unter <em class="gesperrt">General Cornwallis</em> zurücklassend. Dieser geschickte -Befehlshaber brachte schnell Südcarolina zur Ruhe und entsandte seinen<span class="pagenum"><a name="Page_309" id="Page_309">[309]</a></span> -Unterführer, <em class="gesperrt">Lord Rawdon</em>, nach Nordcarolina hinein. Jetzt stellte -diese Provinz im Verein mit Virginia 6000 Milizen unter General <em class="gesperrt">Gates</em> ins -Feld, und von Washingtons Heer traf <em class="gesperrt">Baron von Kalb</em> mit 2000 Regulären -ein. Infolgedessen und weil sich Rawdon grobe Ausschreitungen, Erpressungen -sowie Verheerungen hatte zuschulden kommen lassen, brach die -Empörung in Südcarolina aufs neue aus. <em class="gesperrt">Gates</em> drang nun im Juli in diese -Provinz vor, wurde aber von <em class="gesperrt">Cornwallis</em> am 18. August bei Camden mit -weit geringeren Kräften vernichtend geschlagen (Kalb fiel hier), und dieser -rückte in Nordcarolina ein. Er kam Ende September bis zur Stadt Charlotte, -wurde dann aber durch schwierige Kämpfe mit zahlreichen kleinen feindlichen -Schwärmen, sowie durch Unruhen im Rücken am weiteren Vorgehen gehindert.</p> - -<p>Als endlich am 8. Oktober ein abgezweigter Teil seines Heeres unter -Oberst <em class="gesperrt">Ferguson</em>, der unvorsichtig in die gebirgige Gegend der Kolonie -vorgedrungen war, bei Kingsmountain teils vernichtet, teils gefangengenommen -war, mußte <em class="gesperrt">Cornwallis</em> nach Südcarolina in der Richtung auf -Charleston zurückgehen; er traf Ende Oktober bei Winsborough ein und -nahm hier Stellung. Der Kongreß ernannte den sehr tüchtigen General -<em class="gesperrt">Greene</em> zum Oberbefehlshaber im Süden; dieser sammelte ein Heer und -führte es nach Charlotte. Damit waren die größeren Operationen auf diesem -Kriegsschauplatze für 1780 beendet. <em class="gesperrt">Greene</em> fühlte sich zum Angriff nicht -stark genug und auch <em class="gesperrt">Cornwallis</em> sah sich zur Untätigkeit gezwungen, -bis sich seine durch Strapazen und Entbehrungen entkräfteten Soldaten -erholt hatten und Verstärkungen aus New York eingetroffen waren. Bis dies -eintrat, Mitte Dezember, blieb die Macht der Engländer auf Charleston -beschränkt.</p> - -<p><em class="gesperrt">In den nördlichen Kolonien</em> änderte sich in den ersten -Monaten des Jahres 1780 nichts. <em class="gesperrt">Knyphausen</em> mußte sich während der -Abwesenheit <em class="gesperrt">Clintons</em> mit einem Teile des Heeres auf die Verteidigung -New Yorks beschränken, aber auch <em class="gesperrt">Washington</em> blieb in der festen -Stellung bei Westpoint, da er nach wie vor Mangel an Offizieren, Soldaten, -Geld und Vorräten litt; die Fahnenflucht in seinem Heere war groß. So konnte -er auch die günstige Gelegenheit zu einem Angriff auf New York nicht benutzen, -als im Januar 1780 die Flüsse mit einer Eisdecke belegt waren, die -schwere Artillerie trug und dem Verteidiger eine Unterstützung durch seine -Seestreitkräfte nahm. <em class="gesperrt">Clintons</em> Rückkehr verstärkte die Macht der -Engländer, aber auch die Amerikaner erhielten eine lang erhoffte Unterstützung, -denn am 11. Juli 1780 traf das französische Geschwader unter dem -Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Ternay</em> — 1 Schiff zu 84 Kanonen, 2 zu 74, 4 zu 64, -2 Fregatten — nebst 6000 auserlesenen Soldaten unter General <em class="gesperrt">Graf -Rochambeau</em> bei Rhode-Island ein.</p> - -<p class="small"><b>Seegefecht bei den Bermuda-Inseln, Juni 1780.</b> <em class="gesperrt">De Ternay</em> verließ am 2. Mai -Brest. Am 20. Juni stieß er bei den Bermudas auf ein englisches Geschwader unter -<em class="gesperrt">Kapitän Cornwallis</em> — 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 2 zu 64, 1 zu 50 und eine -Fregatte —, das von Jamaika bis hierher Kauffahrer geleitet hatte. Der französische<span class="pagenumsmall"><a name="Page_310" id="Page_310">[310]</a></span> -Admiral näherte sich zwar in Schlachtlinie dem Feinde, aber nur in der Absicht, diesen -von seinen Truppentransportern abzuhalten; zugleich versuchte er, ein vom englischen -Geschwader getrenntes Schiff abzuschneiden. <em class="gesperrt">Cornwallis</em>, der seiner Unterlegenheit -halber keinen Kampf wagen durfte, wenn er auch die Luvstellung hatte, manövrierte, -um das bedrohte Schiff zu retten; als ihm dies gelungen war, brach er das -Feuergefecht ab, zu dem es während des Manövrierens mehrfach gekommen war, und -<em class="gesperrt">de Ternay</em> nahm seinen Kurs nach Nordamerika wieder auf. Es ist ihm vorgeworfen, -daß er die Gelegenheit nicht ausgenützt habe, und auch seine Offiziere äußerten ihre -Unzufriedenheit darüber, aber er hat in diesem Falle wohl mit Recht die sichere und -schnelle Weiterbeförderung des Transportes für wichtiger gehalten. (Clowes III, Seite 474, -beschreibt das sonst belanglose Gefecht sehr genau, um die wirklich geschickten -Manöver des englischen Führers hervorzuheben.)</p> - -<p>Jetzt zeigte sich der Fehler, den <em class="gesperrt">Clinton</em> 1779 durch das übereilte -Aufgeben von Rhode-Island gemacht hatte. Das französische Geschwader -fand in der Narragansettbucht einen sicheren Hafen und Stützpunkt, sowie -die beste Gelegenheit, Truppen zu landen und mit Washingtons Heer zu -vereinigen. Aber im Jahre 1780 sollte dies noch keine Folgen haben. <em class="gesperrt">De -Ternay</em> und <em class="gesperrt">Rochambeau</em> waren zunächst bemüht, ihre Stellung -durch Ausbau der Befestigungen gegen einen Angriff von See aus zu sichern. -Auch hatte das Landungskorps nach der langen Seereise viele Kranke, und -einige Transporter mit etwa 350 Mann, die vom Geschwader abgekommen -waren, fehlten noch. Die Sicherung der Stellung erwies sich bald als sehr nötig, -denn die englische Flotte erhielt am 13. Juli eine wesentliche Verstärkung -durch Kontreadmiral <em class="gesperrt">Thomas Graves</em>, der von England mit 6 Linienschiffen -in New York anlangte; <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> verfügte in diesem Hafen -jetzt über ein Schiff zu 98 Kanonen, 6 zu 74 und 3 zu 64.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Admiral Graves</em> war von Portsmouth fast zu gleicher Zeit wie de Ternay -von Brest mit der Aufgabe in See gegangen, der französischen Expedition den Weg -zu verlegen. Obgleich er durch westliche Stürme 14 Tage in Plymouth festgehalten -wurde, erreichte er doch nur 24 Stunden nach den Franzosen die amerikanische Küste.</p> - -<p>Die Engländer wollten die Franzosen noch vor der Vereinigung mit -den Amerikanern angreifen. Ihre Flotte erschien am 21. Juli zur Erkundung -vor Rhode-Island, vermied aber einen Angriff, und <em class="gesperrt">Clinton</em> traf Vorbereitungen, -Truppen dorthin zu führen. Hierdurch gewannen die Gegner -Zeit. Die Franzosen verstärkten die Befestigungen weiter; <em class="gesperrt">Washington</em> -machte die größten Anstrengungen zur Vermehrung seines Heeres, beorderte -Truppen zur Vereinigung mit den Franzosen und entfaltete eine regere Tätigkeit -vor New York. Infolgedessen stand <em class="gesperrt">Clinton</em> von der Expedition ab, -zu der die Soldaten bereits eingeschifft waren. Die Verbündeten blieben gleichfalls -untätig, wahrscheinlich erwarteten sie die Ankunft de Guichens oder doch -eines Teiles seiner Flotte. <em class="gesperrt">De Ternay</em> hatte am 3. August ein Schiff mit -der Bitte um Unterstützung nach Cap Français gesandt; die Botschaft traf -aber dort erst ein, als <em class="gesperrt">de Guichen</em> schon abgesegelt war, und <em class="gesperrt">Monteil</em> -konnte sie nicht entziffern, da ihm der Schlüssel fehlte. Als das zurückkehrende -Schiff dies meldete, wurde am 28. Oktober der Sohn des Generals Rochambeau -nach Frankreich geschickt, um dort um Hilfe zu bitten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_311" id="Page_311">[311]</a></span></p> - -<p>Am 14. September 1780 traf <em class="gesperrt">Rodney</em> von Westindien ein, so daß nun -die englische Flotte in New York mehr als 20 Linienschiffe zählte; mit einer -solchen Macht hätte die französische Expedition sicher vernichtet werden -können. Aber Rodney bewies hier nicht seine sonstige Schneidigkeit, wohl -weil er infolge des plötzlichen Klimawechsels ganz besonders schwer unter -der Gicht litt. Er ließ zwar die feindliche Stellung nochmals erkunden, tat -dies aber nicht selbst, sondern begnügte sich mit der Meldung, daß sie zu stark -sei. Der französischen Flotte war es allerdings 1779 gelungen, trotz der -Befestigungen in die Narragansettbucht einzulaufen, aber die Werke waren -jetzt auch bedeutend vermehrt und wurden durch 7 Linienschiffe unterstützt, -so daß die Franzosen selber ihre Stellung für uneinnehmbar hielten. Dennoch -zeigte diese Schwächen auf, und Admiral <em class="gesperrt">Graves</em> war der Ansicht, ein -kühner Angriff würde Erfolg haben; er trat lebhaft für einen solchen ein, drang -aber nicht durch<a name="FNAnker_152_153" id="FNAnker_152_153"></a><a href="#Fussnote_152_153" class="fnanchor">[152]</a>.</p> - -<p>Am 16. November trat <em class="gesperrt">Rodney</em> mit 9 Linienschiffen die Rückfahrt -nach Westindien an, 12 blieben unter dem Oberbefehl von Admiral <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> -auf der Station zurück. Dieser ließ nun von der Gardinerbucht aus — -am Ostende von Long-Island und etwa 35 Seemeilen von Rhode-Island -gelegen — die Franzosen durch Fregatten bewachen, und hier sammelte sich -die Flotte, wenn man eine Bewegung des Gegners vermutete; dieser verhielt -sich jedoch ruhig. Am 22. September waren <em class="gesperrt">Washington</em>, <em class="gesperrt">Rochambeau</em> -und <em class="gesperrt">de Ternay</em> in Hartford, der Hauptstadt des Staates Connecticut, -zu einer Beratung zusammengetreten und hatten beschlossen, mit allen -Kräften New York anzugreifen. Sie erkannten aber, daß dazu eine „unbedingte -und andauernde“ Seeherrschaft nötig und daher eine Verstärkung -der Seestreitkräfte abzuwarten sei; daraufhin wurde dann die Bitte um eine -solche nach Paris gesandt. Auch die Engländer unternahmen nichts, sie -benützten wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden zu Unternehmungen -im Süden. Ende Dezember ging <em class="gesperrt">General Leslie</em> mit Truppen nach -Charleston ab, und <em class="gesperrt">General Arnold</em>, als amerikanischer Offizier uns -schon bekannt, führte eine Expedition nach Virginia. — Am 15. Dezember -starb <em class="gesperrt">de Ternay</em>, für ihn ward Kapitän <em class="gesperrt">Des Touches</em> stellvertretender -Kommandeur des französischen Geschwaders.</p> - -<p class="small"><b>Arnolds Verrat.</b> Als <em class="gesperrt">Washington</em> nach Eintreffen der französischen Expedition -lebhafter gegen New York vorging, drohte der amerikanischen Sache eine große -Gefahr. General <em class="gesperrt">Benedikt Arnold</em>, der sich in den ersten Jahren des Krieges -besonders ausgezeichnet hatte und hoch in Washingtons Achtung stand, war nach der -Einnahme von Philadelphia 1778 dort als Gouverneur eingesetzt, um in der im allgemeinen -wenig patriotisch gesinnten Stadt wieder geordnete Zustände herzustellen. -Er zog sich bei dieser schwierigen Aufgabe den Haß der Bevölkerung derart zu, daß -seine Gegner ihn wegen Unterschlagung von Geldern anklagten und das Kriegsgericht -ihn mit einem Verweise bestrafte, worauf er sein Amt niederlegte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_312" id="Page_312">[312]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Washington</em> stellte ihn zwar bald darauf wieder an, aber er blieb verbittert -und sann auf Rache. Als nun der Oberbefehlshaber gegen New York vorging und -<em class="gesperrt">Arnold</em> inzwischen in Westpoint befehligte, trat er mit <em class="gesperrt">Clinton</em> in Verbindung, -um die wichtige Stellung den Engländern auszuliefern. Der Plan wurde jedoch vereitelt, -denn der englische Major Andrée, der die Verhandlungen führte, fiel den Amerikanern -in die Hände und <em class="gesperrt">Washington</em> konnte rechtzeitig Gegenmaßregeln ergreifen. -<em class="gesperrt">Andrée</em> wurde trotz aller Bemühungen Clintons zu seinen Gunsten als Spion gehängt; -<em class="gesperrt">Arnold</em> floh zu den Engländern, ward von diesen als General verwendet und zeigte -sich von nun an, wie häufig Renegaten, von besonderm Haß gegen seine Landsleute, -sowie besonderem Eifer für die englische Sache erfüllt. (Näheres hierüber vgl. Schlosser, -18. und 19. Jahrh., Band III, Seite 494 ff.)</p> - -<p><b>Rückblick auf den Krieg in Westindien und Nordamerika 1780.</b> Die -Schwäche von Bündnissen, die in den verschiedenartigen Endzwecken der -Verbündeten, sowie in ihren widerstreitenden Ansichten über die Wege zum -Ziel ihre Erklärung findet, zeigt sich besonders auf diesen Kriegsschauplätzen. -Frankreich hatte für 1780 von einem größeren Vorstoß gegen England in -Europa abgesehen, um den Gegner hauptsächlich in Westindien anzugreifen -und zu gleicher Zeit die Amerikaner kräftig zu unterstützen. Beides aber -wurde mit ungenügenden Mitteln unternommen und blieb deshalb ohne Erfolg.</p> - -<p><b>Frankreich rechnete in Westindien</b> wohl auf eine starke Unterstützung -durch Spanien. Da es allein dort gegen 28 Linienschiffe ins Feld führte, -hätten die Verbündeten mit Überlegenheit auftreten können, wenn das -spanische Kontingent rechtzeitig und leistungsfähig eingetroffen wäre. -So aber fand <em class="gesperrt">de Guichen</em> zunächst fast gleichstarke englische Kräfte vor, -und er war nicht der Mann kühnen Wagemutes, sondern vorsichtigen Handelns, -worin er durch seine Order noch bestärkt wurde, und seine Pläne zur -Eroberung englischer Inseln scheiterten an der Geschicklichkeit und Entschlossenheit -seines Gegners Rodney. Als dann <em class="gesperrt">Solano</em> eintraf, hatte er -weder den Willen, noch die Fähigkeit, sich mit den Franzosen zu großen -Unternehmungen zu vereinen, er bedurfte im Gegenteil deren Schutz und zog -sie dadurch, früher als ursprünglich beabsichtigt war, vom Felde ihrer Tätigkeit -ab.</p> - -<p class="small">Frankreich war zu Anfang des Jahres nicht imstande, allein eine größere Macht -in Westindien aufzustellen. Die Expedition nach Nordamerika sollte abgehen, in Brest -mußte ein Beobachtungsgeschwader verbleiben, und man hatte sich verpflichtet, die -spanische Flotte in Cadiz zu verstärken. Dies hielt man wohl für nötig, um den lauen -Bundesgenossen anzuspornen. Als später noch über weitere Schiffe verfügt werden -konnte, lohnte es nicht mehr, diese nach Westindien zu senden. Dagegen muß es wundernehmen, -daß die Division <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> nicht Guichen unterstellt, sondern -vor dessen Ankunft nach St. Domingue beordert wurde. Da man angriffsweise vorgehen -wollte, mußte man auch alle Kräfte zusammenziehen und von dem Schutze des -Handels in den westlichen Gewässern absehen; wurden dann bedeutende Erfolge bei -den Kleinen Antillen erzielt, so hätte dies den Schaden aufgewogen, wahrscheinlich -aber auch schon die wenigen Schiffe der englischen Jamaikastation überhaupt festgehalten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Guichen</em> ging dann nach Europa zurück, ohne etwas erreicht zu haben. -Infolge seiner Vorsicht war es nicht einmal zu ernstem Kampfe gekommen.<span class="pagenum"><a name="Page_313" id="Page_313">[313]</a></span> -Wenn er nun, wie d'Estaing 1779, von seiner Order abgewichen und nach -Nordamerika gesegelt wäre, oder doch einen Teil der Flotte dahin abgezweigt -hätte, so hätte wenigstens dort die große französische Rüstung Nutzen gebracht. -Der von den Spaniern und den zurückgebliebenen Franzosen Ende -1780 eingeleitete Erfolg in Florida und die Eroberung Pensacolas im Mai 1781 -waren von keiner Bedeutung für den Krieg; ein französischer Autor (Lacour) -nennt sie bezeichnend „dem Feinde versetzte Nadelstiche“.</p> - -<p><b>England</b> konnte bei seinem Grundsatz, überall einem Angriff gewachsen -zu sein, <b>in Westindien</b> nicht überlegen auftreten. Sein Admiral <em class="gesperrt">Rodney</em> -mußte sich deshalb darauf beschränken, dort den Gegner zu beobachten. -Er hielt ihn mit Geschick im Schach und tat auch sein Bestes, wenigstens -einen ernsten Waffengang herbeizuführen, allerdings vergeblich. Wäre die -Verstärkung für ihn statt erst am 12. Juli einige Monate früher angekommen, -wie es beabsichtigt war, so hätte es sich noch mehr gezeigt, daß die französische -Flotte für ihre Aufgabe zu schwach war.</p> - -<p>Rodneys Teilung der Flotte, um sowohl Jamaika zu decken, wie in Nordamerika -aufzutreten, nachdem Guichen die Kleinen Antillen verlassen hatte, -muß dagegen als ein strategischer Fehler, jedenfalls als ein großes Wagnis -angesehen werden. Leicht konnte ein Teil vernichtet werden, wenn die ganze -französische Flotte gegen ihn stand, und deren Bewegungen waren unbekannt, -ja Rodney war der Überzeugung, daß der größere Teil ihrer Schiffe nach -dem Norden segeln würde.</p> - -<p><b>Frankreich</b> hätte <b>in Nordamerika</b> gleichfalls stärker auftreten müssen. -Man hatte auch ein Heer von 12000 Mann hinüberführen wollen, war aber -wegen Mangels an Transportmitteln auf die Hälfte hinunter gegangen, denn -die Expedition nach Westindien hatte alles aufgebraucht. Wahrscheinlich -wäre es aber doch möglich gewesen, mehr als 6000 Mann einzuschiffen, -wenigstens hat <em class="gesperrt">de Ternay</em> über die Mitnahme eines unnütz großen Trosses -geklagt. Wenn auch das französische Landungskorps vielleicht mehr wert war -als das ganze amerikanische Heer von Regulären und Milizen, so waren doch -nach Ansicht <em class="gesperrt">Washingtons</em> und <em class="gesperrt">Rochambeaus</em> beide vereint -nicht stark genug zu angriffsweisem Vorgehen. Dabei sprach der Umstand -mit, daß die Seestreitkräfte denen des Gegners nicht gewachsen waren; diese -Schwäche gefährdete sogar die ganze Expedition, solange Rodney — zu -ihrem Glück untätig — an der Küste weilte. Man hielt also zurück, um Verstärkungen -zu erwarten.</p> - -<p>Weshalb wurden nun solche nicht gesandt? Während des Sommers -gingen noch Schiffe von Brest zur Cadizflotte ab, obgleich man sich doch -überzeugt haben mußte, daß Spanien zu nichts zu bringen sei, sondern an -der Belagerung von Gibraltar halte; zu einer Unterstützung dieser, von der -sich Frankreich nicht einmal einen Nutzen versprach, war die Cadizflotte -schon stark genug, und mit dem Beobachtungsgeschwader in Brest war sie -auch der englischen Flotte in Europa gewachsen. Warum wurde nicht -Guichen oder doch ein Teil seiner Schiffe nach Nordamerika beordert, wie<span class="pagenum"><a name="Page_314" id="Page_314">[314]</a></span> -es Washington und Rochambeau erhofften und selbst Rodney annahm? -Wohl nicht mit Unrecht wird vermutet (so von Mahan), daß Frankreich gar -nicht die Absicht gehabt habe, die Amerikaner zu dieser Zeit schon kräftiger -zu unterstützen, da es keinen Vorteil darin erblickte, den Landkrieg schnell -zu beenden, selbst nicht zuungunsten Englands; dieses hätte dann ja seine -Machtmittel für den Seekrieg zusammenfassen können.</p> - -<p class="small">Die später zur Verfügung stehenden Schiffe wären, wie oben schon gesagt, nach -Westindien wohl zu spät gekommen, aber in Nordamerika konnten sie noch von Nutzen -sein. Nicht seekriegsgeschichtliche Werke (wie z. B. Schlosser und Zimmermann) -und ebenso Mahan I geben an, man hätte beabsichtigt, eine zweite Division dorthin zu -senden, sie sei aber von den Engländern blockiert gehalten. Tatsächlich kreuzte ja -die englische Kanalflotte vom 8. Juni bis 18. August. Aber in keinem der französischen -oder englischen Seekriegswerke wird erwähnt, daß die Absendung einer Verstärkung -beabsichtigt und dann verhindert gewesen sei; nicht einmal Clowes erwähnt dergleichen, -obwohl der Krieg hier auch von Mahan bearbeitet ist.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> hatte infolge der rechtzeitigen Ankunft der Verstärkung -unter Graves in Nordamerika stets genügend Schiffe, um die Gegner wenigstens -im Schach zu halten. Wäre genannter Admiral früher von England gesegelt -und <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> dann mit seiner durch ihn erlangten Überlegenheit der -französischen Expedition entgegengetreten, ehe sie die Narragansettbucht -erreichte, so hätte deren Schwäche an Kriegsschiffen sich schwer rächen können.</p> - -<p class="small">Nirgend ist zu ersehen, weshalb <em class="gesperrt">Graves</em> nicht früher abgesandt wurde, obgleich -man wohl sicher in England wußte, daß Frankreich in Nordamerika eingreifen -wollte. Der Umstand, daß er vierzehn Tage durch stürmische Gegenwinde festgehalten -wurde, gibt keine genügende Erklärung; mit einer derartigen Verspätung mußte man -rechnen. Ähnlich verhält es sich mit der bei Westindien erwähnten Verstärkung für -Rodney, deren Abfahrt gar „drei Monate“ durch Windverhältnisse verzögert worden -sein soll. Es ist anzunehmen, daß beide Geschwader nicht rechtzeitig segelfertig gewesen -sind.</p> - -<p>Als dann <em class="gesperrt">Rodney</em> eintraf, machte er von seiner großen Überlegenheit -keinen Gebrauch. Dies wird mit seinem Gesundheitszustande entschuldigt, -aber dann ist es unverständlich, weshalb <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> nun nicht für tatkräftiges -Handeln eintrat, sondern anscheinend davon abgeraten hat. Vielleicht -wird dies durch die Andeutung erklärt, die man in einer englischen -Quelle (Clowes) findet, Arbuthnot habe deutlich und in ungehöriger Weise -seinem Mißvergnügen über die Ankunft des älteren Admirals Ausdruck gegeben, -der ihm durch sein Erscheinen den Oberbefehl abnahm und die Prisengelder -auf der einträglichen Station kürzte.</p> - -<p>Die Schwäche der Franzosen zur See auf diesem Kriegsschauplatze -bedingt es, daß der <b>Landkrieg in Nordamerika</b> 1780 trotz des französischen -Hilfsheeres im großen und ganzen einen für die Engländer günstigen Verlauf -nahm. Ihr Vorstoß im Süden kam zwar zum Stocken, die ersten Erfolge -hier hatten aber auf die Amerikaner niederdrückend, auf die Engländer belebend -gewirkt. Letztere hofften, die Carolinas und Virginien ganz in ihre -Hand zu bekommen und damit einen großen Schritt zur Niederkämpfung<span class="pagenum"><a name="Page_315" id="Page_315">[315]</a></span> -des Aufstandes zu tun; die Gefahr, die in der Trennung der beiden Kriegsschauplätze -lag, die nur zu Wasser miteinander in Verbindung standen, war -bei der Schwäche der Gegner zur See in diesem Jahre noch nicht hervorgetreten.</p> - -<p>Mit <em class="gesperrt">Amerika stand es Ende 1780 schlecht</em>. Bei vielen -Kolonisten war die erste Begeisterung erloschen, und das englische Heer -erhielt im allgemeinen mehr Unterstützung als das amerikanische; trotz aller -Verbote führten ihm die Farmer Vorräte zu, während Washington solche nur -durch gewaltsame Beitreibung erhielt. Von 36000 Mann, die der Kongreß -für dieses Jahr in Aussicht genommen hatte, waren nie mehr als 18000 aufzubringen, -die Milizen blieben unzuverlässig und liefen nach jeder Schlappe -auseinander, dabei war kein Geld vorhanden und die Truppen blieben oft -monatelang ohne Sold, obgleich Frankreich mit einem Geschenk von 6 Millionen -und einem Darlehen von 10 Millionen Francs einsprang. Im Dezember -meuterte sogar ein Teil, und Clinton machte den Versuch, Washingtons -Truppen durch Versprechungen für sich zu gewinnen, aber hierauf gingen -die Leute doch nicht ein, sondern hängten die Agenten. Das Jahr 1780, -in dem die amerikanische Sache wohl am bedenklichsten stand, zeigt deutlich, -daß die Befreiung der Kolonien weniger der allgemeinen Begeisterung der -Bevölkerung als der Tatkraft und Ausdauer einzelner Männer zu verdanken -ist. Doch <em class="gesperrt">diese Ausdauer ward belohnt</em>; die englische Regierung -war nicht imstande, noch mehr für den Landkrieg aufzuwenden. Schon war -die Schuldenlast sehr gewachsen (1781 kam sie auf 198 Millionen Lstrl.), und -der Seekrieg stellte immer größere Anforderungen, da nun Holland als Gegner -hinzutrat und auch der „Bewaffneten Neutralität“ Aufmerksamkeit geschenkt, -der gute Wille der Machthaber in Rußland erkauft werden mußte. Schon -regte sich im englischen Volke der Wunsch nach Frieden mit den Kolonien.</p> - -<h5>Der Krieg in Europa 1781.</h5> - -<p>In den europäischen Gewässern drehte sich die Kriegführung in diesem -Jahre um zwei Hauptpunkte, nämlich um den Schutz des Handels und um -den Angriff oder die Verteidigung von Gibraltar sowie Minorka. Obgleich -<em class="gesperrt">England</em> noch stärker rüstete als im vorhergegangenen Jahre — es waren -vom Parlamente 90000 Mann (einschließlich 20000 Seesoldaten) sowie gegen -9 Millionen Lstrl. für die Marine bewilligt — und im Sommer insgesamt -115 Linienschiffe im Dienst hatte, standen doch wie 1780 nur etwa 40 für -die heimischen Gewässer zur Verfügung. Eine Gefahr von seiten der „bewaffneten -Neutralität“ hielt England allerdings durch diplomatische Künste -von sich fern, und Hollands Marine war zu schwach, um als Gegner eine ernste -Rolle zu spielen, aber immerhin sah sich England weiter auf die Verteidigung -angewiesen.</p> - -<p>Auch die Rüstungen der <em class="gesperrt">Verbündeten</em><a name="FNAnker_153_154" id="FNAnker_153_154"></a><a href="#Fussnote_153_154" class="fnanchor">[153]</a> erreichten die Stärke -des Vorjahres, ja übertrafen sie wohl, wenigstens was <em class="gesperrt">Frankreich</em><span class="pagenum"><a name="Page_316" id="Page_316">[316]</a></span> -anbetrifft. Hier waren um die Mitte des Jahres zum mindesten 75 Linienschiffe -im Dienst und in <em class="gesperrt">Spanien</em> wahrscheinlich gegen 50.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Frankreich</em> sandte im März 20 Linienschiffe unter <em class="gesperrt">Admiral de Grasse</em> -nach Westindien, wo sich bereits 9 befanden (zur Hälfte in St. Domingue, zur Hälfte -in Martinique); zu gleicher Zeit segelten 5 nach Ostindien unter <em class="gesperrt">Kommodore -Suffren</em> zur Verstärkung der 6 dort befindlichen; in Nordamerika waren 7 stationiert -und eins trat hinzu; im Juli führte <em class="gesperrt">de Guichen</em> 19 nach Cadiz, und man muß -annehmen, daß trotzdem einige Schiffe in Brest verblieben. <em class="gesperrt">Spanien</em> hatte -wenigstens 30 Linienschiffe in Cadiz und Algeciras, gegen 15 in Westindien und -Zentralamerika und einige in Ferrol sowie in Cartagena.</p> - -<p>Da aber Frankreich auch für dieses Jahr hauptsächlich die überseeischen -Kriegsschauplätze im Auge hatte, blieben in Europa nicht genügend Streitkräfte -zurück, um allein angriffsweise vorzugehen, und eine Vereinigung -mit der spanischen Seemacht trat erst im Juli und nur für kurze Zeit ein. -Bis dahin, sowie nach Trennung war England jedem einzelnen der Verbündeten -gewachsen und dementsprechend spielten sich die Ereignisse im -großen und ganzen zu seinen Gunsten ab. Vergeblich hatte Frankreich versucht, -Spanien sowie Holland zu einem frühzeitigen Zusammenziehen der -Flotten und zu gemeinsamem Vorgehen im Kanal zu bewegen. Holland war -neben dem Schutze seines Handels und seiner Küsten dazu nicht imstande; -Spanien hatte einzig Gibraltar im Auge ohne Verständnis dafür, daß der -Belagerung kein größerer Dienst geleistet werden könne als durch die Niederkämpfung -der englischen Flotte. Dieses Ziel aber scheint Frankreich für 1781 -im Auge gehabt zu haben, um dadurch dem Handel Englands den Garaus -zu machen, sowie seinen Verkehr mit den auswärtigen Besitzungen und -Stationen zu unterbinden; von der Absicht einer Invasion, von Zusammenziehen -eines Landungsheeres berichten die Quellen nichts.</p> - -<p><b>Admiral Darby versorgt Gibraltar, April 1781.</b> Die Belagerung dieser -Festung, die später (1782) geschildert werden soll, machte zwar keine Fortschritte, -aber die Stadt hatte seit der Versorgung durch <em class="gesperrt">Rodney</em> im Januar -1780 keine Zufuhren mehr erhalten und litt Mangel; schon seit Oktober waren -die Rationen vorsichtshalber herabgesetzt. Englands erste Sorge war deshalb, -der Not abzuhelfen. Vizeadmiral <em class="gesperrt">George Darby</em>, Chef der Kanalflotte, -ging am 13. März mit 28 Linienschiffen und einem großen Konvoi nach auswärts -segelnder Kauffahrer von Portsmouth in See; ein für Ostindien bestimmtes -Geschwader von 5 Linienschiffen unter Kommodore <em class="gesperrt">George -Johnstone</em>, gleichfalls mit einem Konvoi, schloß sich bis Kap Finisterre -an. Die Fahrt erlitt eine Verzögerung von einigen Tagen, da Darby an der -irischen Küste auf die in Cork gesammelten Transporter für Gibraltar und -Minorka warten mußte. Doch dies gereichte ihm zum Glück.</p> - -<p>Am 22. März verließ nämlich Admiral <em class="gesperrt">de Grasse</em> Brest mit 26 Linienschiffen, -von denen 20 nach Westindien, eins nach Nordamerika und 5 unter -Kommodore <em class="gesperrt">Suffren</em> nach Ostindien bestimmt waren. Durch einen Zusammenstoß -Darbys mit ihm wäre die Versorgung Gibraltars ernstlich gefährdet -worden. So kam es nur zwischen den Geschwadern Suffrens und<span class="pagenum"><a name="Page_317" id="Page_317">[317]</a></span> -Johnstones am 16. April auf der Rhede von Porto Praya zum Kampfe; die -Engländer gaben infolgedessen den beabsichtigten Angriff auf die Kapkolonie -auf. <em class="gesperrt">Darby</em> aber erreichte, ohne auf einen Feind zu stoßen, am 11. April -Kap Spartel. Die große spanische Flotte, etwa 30 Linienschiffe unter <em class="gesperrt">Don -Luis de Cordoba</em>, war zwar in See gewesen, hatte sich jedoch auf die -Nachricht vom Nahen der Engländer wieder auf Cadiz zurückgezogen, wo -Darbys Ausguckschiffe sie ruhig vor Anker liegen sahen. Der spanische -Admiral scheint nicht gewagt zu haben, dem durch die Transporter noch -behinderten Gegner entgegenzutreten. Der englische Admiral ließ Cadiz -durch Fregatten beobachten, blieb mit der Hauptflotte unter Segel und sandte -seine Nachhut unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Lockhart Roß</em> mit den Transportern -nach Gibraltar; gleichzeitig gingen einige für Minorka bestimmte -Vorratsschiffe dorthin ab.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Admiral Roß</em> wurde zwar von den Belagerungsbatterien mit heftigem Feuer -empfangen und auch von kleinen Kanonenbooten angegriffen, die eigens für die Belagerung -erbaut, sowohl zum Rudern wie zum Segeln eingerichtet und mit einem besonders -langen, daher weittragenden 26-Pfünder armiert waren. Seine Kriegsschiffe -erlitten jedoch keinen wesentlichen Schaden und die Transporter konnten unbehelligt -gelöscht werden.</p> - -<p>Am 19. April vereinigte sich die Nachhut wieder mit der Flotte, die dann -die Rückfahrt antrat und am 22. Mai Portsmouth erreichte. Gibraltar war -nun auf längere Zeit versorgt. Auch auf der Heimreise stieß <em class="gesperrt">Darby</em> auf -keinen Gegner.</p> - -<p><b>Admiral de La Motte-Picquet nimmt einen englischen Konvoi.</b> (Die -<em class="gesperrt">Beute Rodneys in Westindien</em>.) Wie erwähnt, hatte Frankreich -für dieses Jahr den Handelskrieg besonders ins Auge gefaßt, für den auch -jetzt wieder höhere Seeoffiziere eintraten, und zwar unter Hinweis darauf, -daß der Kampf gegen den englischen Handel nicht wie bisher durch einzelne -Kriegsschiffe und Freibeuter, sondern wie zu den Zeiten <em class="gesperrt">Jean Barts</em> und -seiner Schüler durch Geschwader geführt werden müsse. Im Januar hatte -auch eine kleine Division eine Kreuzfahrt vor dem Kanal unternommen, -diese war aber nur von kurzer Dauer und blieb ohne Erfolg.</p> - -<p>Später sprach der bewährte und in diesem Dienst erfahrene Chef -d'Escadre <em class="gesperrt">de La Motte-Picquet</em> aufs neue dafür, als sich im April -eine besonders gute Gelegenheit bot. Man hatte erfahren, daß von Westindien -der Kommodore <em class="gesperrt">Hotham</em> mit nur 4 Linienschiffen einen Konvoi geleite, -der Rodneys Beute vom Januar auf der holländischen Insel St. Eustache -nach England führte. La Motte erbat und erhielt die Erlaubnis, diesen abzufangen, -obgleich der Marineminister anfangs Bedenken trug, weil Darbys -Rückkehr zur gleichen Zeit in Aussicht stand. So ging La Motte am 24. April -mit 6 starken Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Kuttern in See, um auf der -Linie Azoren-Scillys gegen englische Konvois zu kreuzen. Das Glück war ihm -hold, und er traf am 2. Mai auf den genannten wertvollen Transport, nahm -von 30 Fahrzeugen 22, die einen Wert von 5 Millionen Francs hatten, und führte<span class="pagenum"><a name="Page_318" id="Page_318">[318]</a></span> -sie nach Brest. Hotham konnte es nicht hindern, rettete aber seine Kriegsschiffe. -<em class="gesperrt">Darby</em> erhielt auf der Heimreise Nachricht hiervon und zweigte -sofort 8 Linienschiffe zur Verfolgung der Franzosen ab, erreichte diese jedoch -nicht mehr; nur ein französisches, von seinem Geschwader abgekommenes -Linienschiff hatte am 14. und 15. Mai dicht vor Brest ein Gefecht mit dem -vordersten der Verfolger zu bestehen, lief aber glücklich ein.</p> - -<p><b>Die Verbündeten greifen Minorka an und erscheinen im Kanal 1781.</b> -Spanien, verdrossen über die Verproviantierung Gibraltars, beabsichtigte -durch die Eroberung Minorkas einen Gegenstoß zu führen und ersuchte -Frankreich um Mitwirkung; dieses sagte zu, wohl in der Hoffnung, dadurch -auch ein gemeinsames Auftreten im Kanal zu erreichen. Am 25. Juni führte -Lieutenant-Général <em class="gesperrt">de Guichen</em> 19 Linienschiffe<a name="FNAnker_154_155" id="FNAnker_154_155"></a><a href="#Fussnote_154_155" class="fnanchor">[154]</a> nach Cadiz und trat -unter den Oberbefehl des Admirals <em class="gesperrt">de Cordoba</em>, dem nun 49 Linienschiffe, -sowie gegen 20 Fregatten und kleinere Fahrzeuge zur Verfügung standen. -Mit der Unterstellung seines Admirals unter den spanischen brachte Frankreich -dem guten Einvernehmen ein großes Opfer, da man doch aus den Berichten -der Flaggoffiziere in den Vorjahren die geringe Leistungsfähigkeit -Cordobas kannte. Die mächtige Flotte verließ am 23. Juli Cadiz, führte die -gegen Minorka bestimmte Expedition ins Mittelmeer, bis sie vor englischen -Kreuzern sicher erschien, und trat dann die Fahrt nach dem Kanal an. -Minorka ward leicht besetzt und auch die Zitadelle von Port Mahon fiel im -Februar 1782; der Verlust dieses Stützpunktes war jedoch für England nicht -von Bedeutung, da es in diesem Kriege das Mittelmeer nicht zu behaupten -vermochte.</p> - -<p class="small"><b>Die Eroberung Minorkas durch Spanien 1781/82.</b> Die Insel mit ihrem trefflichen -Hafen <em class="gesperrt">Port Mahon</em> war bisher von beiden Parteien außer acht gelassen. England -war nicht imstande, auch im Mittelmeer eine starke Flotte zu halten, und infolgedessen -war dieser Stützpunkt für die Verbündeten gleichfalls ohne Wichtigkeit gewesen. Aber -Spanien reizte es stets, den Platz im Besitze Englands zu sehen, und der spanische wie -der französische Handel litten immerhin durch die feindlichen Freibeuter, die von -hier aus ihr Handwerk betrieben. Man hoffte bei der Eroberung leichtes Spiel zu haben; -die Engländer hatten zwar Port Mahon stark befestigt, aber der Kommandant, General -<em class="gesperrt">Murray</em>, verfügte nur über etwa 3000 Mann, ein englisches und zwei hannoversche -Bataillone sowie gegen 200 Seeleute. Die spanische Expedition bestand aus 9 Kriegsschiffen -unter Admiral <em class="gesperrt">Buonaventura Moreno</em>, zu denen vor Cartagena -noch 3 Linienschiffe stießen, und 11000 Mann vom Belagerungsheere vor Gibraltar -unter dem <em class="gesperrt">Herzog von Crillon</em>, einem Franzosen in spanischen Diensten. Da -keine Störung durch englische Schiffe zu befürchten war, wählte man nicht, wie die -Franzosen 1756, den weiter entfernten Hafen von Ciudadela zur Ausschiffung, sondern -landete am 8. August gleichzeitig etwa 3–4 Seemeilen im Norden und im Süden Port -Mahons. Man hoffte so, den Gegner zu überraschen, aber es gelang Murray doch, seine -Außenposten heranzuziehen und reichlich Proviant in die Zitadelle Fort San Felipe -zu schaffen. Dahin zog er sich zurück, da seine Kräfte nicht ausreichten, auch die -sonstigen Befestigungen der Stadt zu besetzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_319" id="Page_319">[319]</a></span></p> - -<p class="small">Die Franzosen fanden in dieser reiche Beute: Bargeld im Werte von 25000 Goldpiastern, -Ladungen der durch Freibeuter aufgebrachten Prisen, Getreidemagazine, -Waffen, Munitionsvorräte, sowie Material zum Ausbessern von Schiffen in solchen -Mengen, wie sie in den Häfen von Cadiz, Cartagena und Ferrol zusammen nicht vorhanden -waren — nach Ausspruch Morenos —, ein bedenkliches Zeugnis für die spanischen -Kriegshäfen. <em class="gesperrt">Crillon</em> schloß die Zitadelle ein, denn zu einer regelrechten -Belagerung war er nicht ausgerüstet, da man die Expedition auf Überraschung angelegt -hatte. Der förmliche Angriff begann erst im Oktober, nachdem die Belagerungsgeschütze -sowie Verstärkungen von Barcelona und auch 4000 Franzosen von Toulon -eingetroffen waren. Die Angriffsmacht zählte jetzt 16000 Mann mit 109 schweren -Kanonen und 36 Mörsern. Trotzdem kapitulierte <em class="gesperrt">Murray</em> erst am 4. Februar 1782, -nur durch Hunger und Krankheit überwunden. Seine Leute litten schwer unter Skorbut -und Dysenterie, bei der Übergabe waren nur noch 660 Mann dienstfähig und auch von -diesen nur 100 ganz gesund, 415 Mann waren aber allein für die Besatzung der notwendigen -Wachen erforderlich, es konnten also keine Ablösungen eintreten. Das Belagerungsheer -zog dann im Mai wieder vor Gibraltar. <em class="gesperrt">Crillon</em> wurde „wegen seines -Erfolges“ zum Oberbefehlshaber hier ernannt und mit dem Titel „Herzog von Mahon“ -ausgezeichnet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cordoba</em> steuerte mit der mächtigen Flotte vom Kap St. Vincent aus -nach Norden, jedoch in größerer Entfernung vom Lande, damit die Engländer -nicht durch Kauffahrer unter der Küste Nachricht erhielten, aber seine Hoffnung, -die feindliche Flotte in der Biskaya anzutreffen, erfüllte sich nicht. -Vor dem Kanaleingange breitete er seine Schiffe, insbesondere die leichten, -von Ouessant bis zu den Scillys aus, um den ganzen Kanal unter Beobachtung -zu halten. In England hatte man tatsächlich keine Nachricht. Admiral -<em class="gesperrt">Darby</em> war nach zeitraubender Instandsetzung seiner Flotte am 1. August -wieder mit 30 Linienschiffen in See gegangen, da um diese Zeit die Rückkehr -der großen Konvois bevorstand. Infolge widriger Winde stand er erst bei -Kap Lizard, als er durch ein Handelsschiff von der Nähe des Feindes erfuhr. -Unfähig, der Übermacht entgegenzutreten, ging er nach Torbay und nahm -hier am Eingange der Bucht eine Verteidigungsstellung ein.</p> - -<p>Den Verbündeten bot sich jetzt Gelegenheit, mit einem Schlage den -größten Teil der englischen Seestreitkräfte zu vernichten. <em class="gesperrt">Guichen</em>, der -in Person die Stellung des Feindes erkundet hatte, sprach sich in einem -Kriegsrate der Flaggoffiziere begeistert für rücksichtslosesten Angriff aus und -<em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> sowie der spanische Admiral <em class="gesperrt">Don Vincent -Droz</em> schlossen sich ihm mit Entschiedenheit an. Aber <em class="gesperrt">Cordoba</em> war -anderer Ansicht, und als der Chef <em class="gesperrt">d'Escadre de Bausset</em>, ein besonders -leidenschaftlicher Anhänger des Handelskrieges, dafür eintrat, den Kampf -zu meiden und statt dessen lieber die englischen Konvois abzufangen, stimmte -er ihm zu, und seinem Beispiele folgten die übrigen spanischen Flaggoffiziere. -Cordoba führte jedoch auch diese Aufgabe nicht durch; möglich, daß er die -herankommende Zeit der Herbststürme fürchtete, da wie 1779 seine Schiffe -in schlechter Verfassung waren und der Gesundheitszustand der Besatzungen -zu wünschen übrig ließ. Am 5. September gab er in der Nähe von Ouessant -Befehl zur Auflösung der Flotte trotz der Bitten Guichens, wenigstens noch -einige Zeit gegen die englischen Konvois und zum Schutz gleichfalls erwarteter<span class="pagenum"><a name="Page_320" id="Page_320">[320]</a></span> -französischer zu kreuzen. Er segelte mit seinen 30 Schiffen, sowie -9 französischen nach Cadiz und entließ <em class="gesperrt">Guichen</em> mit dem Rest nach Brest.</p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p320.jpg" width="300" height="370" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p320" id="fig_p320"></a> -<p class="caption">Johan Arnold Zoutman.</p> -</div> - -<p><b>Hollands Eintreten in den Krieg. Die Schlacht auf der Doggerbank, -5. August 1781.</b> <em class="gesperrt">Holland</em><a name="FNAnker_155_156" id="FNAnker_155_156"></a><a href="#Fussnote_155_156" class="fnanchor">[155]</a> hatte mit Ausbruch des Krieges, Ende Dezember -1780, seinen Handelsschiffen verboten, ohne Erlaubnis die Heimatshäfen -zu verlassen; teils um sie vor Aufbringen durch die Engländer zu bewahren, -teils um ihre Besatzungen für die Kriegsschiffe heranziehen zu können. Ferner -wurde zur Warnung schleunigst an alle Kriegsschiffe in fernen Gewässern, -sowie an die Kolonien die Nachricht vom Ausbruch des Krieges gesandt; die -Botschaft traf jedoch an den -meisten Orten zu spät ein. Von -den 69 Kriegsschiffen Hollands -befanden sich 51 im Dienst oder -doch zu sofortiger Indienststellung -bereit. Aber schon bald -fielen einige in Feindeshand, -andere wurden im Auslande vom -Gegner blockiert gehalten, so -daß in Holland selber im Januar -1781 nur 33 Schiffe — darunter -11 Linienschiffe, nämlich 2 zu -70 und 74 Kanonen, 2 zu 60 -und 68, 7 zu 50–54 — bereitstanden, -und auch diese waren -nur mangelhaft ausgerüstet und -bemannt. Der Versuch, fertige -Schiffe in den Staaten der „Bewaffneten -Neutralität“, besonders -in Dänemark und Schweden, -zu kaufen, scheiterte wohl infolge -englischer Einwirkung.</p> - -<p>So war es im Frühjahr weder möglich, englische Konvois von Bremen -und Hamburg abzufangen, noch für die übliche Frühjahrsfahrt der eigenen -Handelsschiffe nach der Ostsee eine genügend starke Begleitung aufzustellen, -obgleich auch die Engländer in der Nordsee nur geringe Streitkräfte hatten. -Erst im Juni wagte man es, den Ostseekonvoi abzusenden, und es sammelten -sich nach und nach im Vliestrome 70 Kauffahrer. Das Zusammenziehen des -Begleitgeschwaders verzögerte sich, und erst am 1. August konnte die Reise -unter Führung des Schout biy Nacht <em class="gesperrt">Johan Arnold Zoutman</em> angetreten -werden; selbst jetzt noch fehlten zwei Linienschiffe zu 74 und 60<span class="pagenum"><a name="Page_321" id="Page_321">[321]</a></span> -Kanonen, durch widrige Winde zurückgehalten, die bei dem Zusammentreffen -mit dem Feinde voraussichtlich von großem Nutzen gewesen wären.</p> - -<p>Englischerseits hatte der Vizeadmiral <em class="gesperrt">Hyde Parker</em> im Juni mit -5 Linienschiffen einen Konvoi von 500 Segeln in die Ostsee geführt und kam -Ende Juli mit 200 Handelsschiffen in die Nordsee zurück; hier stieß noch ein -Linienschiff zu ihm, das ihm mit der Nachricht vom Sammeln der Holländer -entgegengeschickt war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Zoutman und Hyde Parker</em> trafen am 5. August <em class="gesperrt">auf der -Doggerbank</em> in einer Schlacht zusammen, die von beiden Admiralen -in einer so einfachen, an alte Zeiten erinnernden Art durchgeführt wurde, daß -sie fast belustigend wirken könnte, wenn der Kampf nicht so überaus blutig -gewesen wäre.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781<a name="FNAnker_156_157" id="FNAnker_156_157"></a><a href="#Fussnote_156_157" class="fnanchor">[156]</a>.</b> Beide Geschwader zählten -7 Schiffe in der Linie, die sich in folgender Reihenfolge gegenüberstanden:</p> - -<table class="sfont" cellpadding="2" summary="p321"> - <tr> - <td class="tdl">die holländischen:</td> - <td class="tdc">54</td> - <td class="tdc">Kanonen,</td> - <td class="tdc">70</td> - <td class="tdc">40</td> - <td class="tdc">54</td> - <td class="tdc"> 68*</td> - <td class="tdc">54</td> - <td class="tdc">68</td> - <td class="td11" rowspan="2"></td> - <td class="tdc" rowspan="2">* Die Flaggschiffe</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">die englischen:</td> - <td class="tdc">74</td> - <td class="tdc">„</td> - <td class="tdc">44</td> - <td class="tdc">60</td> - <td class="tdc"> 74*</td> - <td class="tdc">80</td> - <td class="tdc">50</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> -</table> - -<p class="small">Von den englischen Schiffen waren nur die zu 74 Kanonen gute, neue Fahrzeuge; -die übrigen stammten aus alten Beständen und man hatte sie ihres Zustandes halber -sogar mit leichteren Kalibern armieren müssen, als ihrer Klasse entsprach. Dennoch -standen englischerseits in einer Breitseite 223 Geschütze gegen 206 holländischerseits -und das Geschoßgewicht einer Lage war 4347 Pfund gegen 3474.</p> - -<p class="small">Die englische Linie ward durch 4, die holländische durch 5 schwere Fregatten unterstützt, -die sich bei Beginn der Schlacht dicht in Feuerlee ihrer Schlachtschiffe hielten. -Auf beiden Seiten deckten einige Fregatten sowie kleinere Fahrzeuge die Konvois, -die weiterab auf der dem Kampfe abgewandten Seite segelten. Als Hyde Parker zum -Angriff schritt, gab er seinem Konvoi sofort Befehl, nach England weiterzufahren.</p> - -<p class="small">Bei Tagesanbruch sichteten sich die Gegner. Es wehte frisch von Nordost, aber -die See war glatt; die Holländer hatten die Leestellung. <em class="gesperrt">Zoutman</em> bildete die -„Kiellinie beim Winde“ über Steuerbordbug mit einer Kabellänge Zwischenraum -zwischen den Schiffen. Er führte nur Mars- und Vorsegel, woraus hervorging, daß er -den Angriff erwartete. <em class="gesperrt">Parker</em> befahl trotzdem, und obgleich er den ganzen langen -Sommertag vor sich hatte, zunächst „allgemeine Jagd“; er wollte sich den Kampf -um keinen Preis entgehen lassen; er war immer noch erbittert über Rodneys Vorwurf -nach der Schlacht am 17. April 1780, sowie darüber, daß die Admiralität ihm vorgeworfen -hatte, er habe als stellvertretender Oberbefehlshaber in Westindien, von Byrons -Heimreise bis zu Rodneys Ankunft, nicht schneidig genug gehandelt. So jagten die -englischen Schiffe auf den Feind zu, wobei die schlechteren Segler alles beisetzen mußten -und nicht Zeit hatten, Vorbereitungen zum Gefecht zutreffen. Um 6¼ Uhr vormittags -wurde der Befehl gegeben, Dwarslinie zu bilden; jetzt kam Ordnung in die Aufstellung, -aber die langsameren Schiffe waren noch beschäftigt, ihr Leesegelsgut zu bergen, als kurz -vor 8 Uhr der Befehl zum Nahkampf folgte.</p> - -<p class="small">Die holländischen Schiffe erwarteten den Angriff in einer Ordnung wie bei der -Parade. Die Besatzungen standen auf ihren Gefechtsstationen, die Seesoldaten auf -Deck mit geschultertem Gewehr. Kein Schuß fiel bei der Annäherung der Engländer, -die man doch unter verheerendes Enfilierfeuer hätte nehmen können. Erst als sie etwa -auf Schiffslänge zum Kampfe aufdrehten, <em class="gesperrt">Parker</em> um 8 Uhr den ersten Schuß feuerte<span class="pagenumsmall"><a name="Page_322" id="Page_322">[322]</a></span> -und die rote Flagge heißte, gab auch <em class="gesperrt">Zoutman</em> das Signal zum Eröffnen des Feuers. -Der englische Admiral hatte nach üblicher Weise seine Linie so herangeführt, daß er -mit seinem Flaggschiff, dem vierten von vorn, das feindliche, das fünfte von vorn, angriff. -Da beide Geschwader tadellos ausgerichtet waren, hatten nunmehr anfangs das -letzte englische Schiff und das vorderste holländische keinen Gegner, später griffen -diese dann in ihrer Nähe ein, und so waren die Engländer vorn, die Holländer hinten -im Nachteil. Bis 11 Uhr wurde auf das erbittertste gefochten. Jetzt war das holländische -Schlußschiff durch seine zwei Gegner fast außer Gefecht gesetzt und Parker segelte -nun, gefolgt von den Hinterleuten, zwischen seinem schwer beschädigten Vordermann -und der feindlichen Linie hindurch auf, um das Gleichgewicht vorn herzustellen. Das -Manöver wurde unter heftigstem Kugelwechsel ausgeführt und brachte die englische -Linie in Unordnung. Um diese wieder herzustellen, ging <em class="gesperrt">Parker</em> mit seinen Schiffen -höher an den Wind, konnte aber seine Absicht nicht durchführen, da die Takelagen -sehr zerschossen waren. <em class="gesperrt">Zoutman</em> blieb noch eine halbe Stunde liegen, „um das -Feld behauptet zu haben“, und nahm dann Verbindung mit seinem Konvoi, den er -gegen 10 Uhr nach Texel zurückgeschickt hatte; ihm zu folgen, waren die Engländer -vorläufig nicht imstande.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Engländer in dem dreieinhalbstündigen Kampfe betrug -104 Tote und 339 Verwundete, mehr als in größeren Schlachten dieses Krieges, in denen -sich 20–30 Schiffe auf jeder Seite gegenüberstanden. Die Holländer verloren gar -142 Tote und 403 Verwundete. Beide Gegner hatten auf den Rumpf der Schiffe gefeuert, -so waren die Beschädigungen in den Takelagen nicht schwer, wenn sie auch -für kurze Zeit die Manövrierfähigkeit behinderten. Kein Schiff war genommen; nur -ein holländisches (das letzte in der Linie) sank auf der Weiterfahrt, doch konnte die -Besatzung bis auf wenige Schwerverwundete gerettet werden.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung der Führer.</b> Beide Admirale zeigten, daß ihre taktische Befähigung -nicht auf der Höhe der Zeit stand. <em class="gesperrt">Parkers</em> Angriff war übereilt und unvorteilhaft -angesetzt. Er schob aber die Schuld seines Mißerfolges auf die Schiffe und erklärte -dem Könige, der das Geschwader besuchte: „Ich wünsche Ew. Majestät bessere Schiffe -und jüngere Admirale. Ich bin zu alt.“ Der sonst so brave Offizier verscholl bald darauf -mit seinem Schiffe, als er zur Übernahme des Oberbefehles nach Ostindien segelte. — -<em class="gesperrt">Zoutman</em> war ein vielbefahrener Seemann, hatte aber infolge der Tatlosigkeit -der holländischen Marine in den letzten Kriegen und ihres Verfalles in seinen 44 Dienstjahren -keine Gelegenheit gehabt, Erfahrungen im Kriege sowie in der Führung größerer -Verbände zu sammeln. Aber er, seine Offiziere und Leute haben mit der alten holländischen -Tapferkeit und Hartnäckigkeit gefochten, die Ehre ihrer Flagge aufrecht erhalten -und sich die Anerkennung ihres Volkes sowie ihrer Gegner errungen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht auf der Doggerbank</em> ist nach vorstehendem -wohl <em class="gesperrt">taktisch unentschieden</em> zu nennen, sie war <em class="gesperrt">aber ein -strategischer Erfolg der Engländer</em>, denn ihr Konvoi erreichte -sein Ziel, während der holländische die Reise aufgeben mußte. Auch -unternahm Holland in diesem Jahre nichts weiter.</p> - -<p><b>Vernichtung eines französischen Konvois für Westindien, Dezember 1781.</b> -Der Schluß des Jahres brachte Frankreich noch einen Mißerfolg, der von -größerer Bedeutung war als alle bisherigen Ereignisse in Europa. Schon seit -dem Sommer bestand die Absicht, der Flotte in Westindien Mannschaften, -Vorräte, Kriegsmaterial sowie einige Linienschiffe behufs Ablösung anderer -zu senden, aber erst spät im Jahre waren die Transporter mit dem Material -bereit. Am 10. Dezember verließ <em class="gesperrt">de Guichen</em> mit 19 Linienschiffen Brest. -Er sollte die Transporter sowie zahlreiche Handelsschiffe, insgesamt 150 Segel,<span class="pagenum"><a name="Page_323" id="Page_323">[323]</a></span> -in die offene See geleiten, dann 5 Schiffe mit den Fahrzeugen für Westindien -und 2 mit solchen für Ostindien entlassen, selber aber mit 12 nach Cadiz gehen.</p> - -<p>In England war man von dem Plane unterrichtet und sandte schon am -2. Dezember den Admiral <em class="gesperrt">Richard Kempenfelt</em> in See; in der Annahme, -daß die Bedeckung des Konvois nicht stark sein werde, gab man ihm -nur 12 Linienschiffe mit. Am 12. Dezember nachmittags trafen sich die -Gegner etwa 150 Seemeilen südwestlich von Ouessant bei frischem Winde -mit Hagelböen; die Engländer standen zu Luward.</p> - -<p>Der sonst so vorsichtige französische Admiral hatte eine grobe Nachlässigkeit -dadurch begangen, daß er mit seinen Kriegsschiffen in Lee voraus -von dem Konvoi segelte. Infolge des unsichtigen Wetters bemerkte er die -englische Flotte erst zu spät, als es plötzlich aufklarte. Obgleich er nun sofort -ihr entgegenzutreten suchte, so hatte sie doch bereits den Konvoi erreicht, -zersprengte ihn und nahm angesichts der feindlichen Übermacht 24 Fahrzeuge. -Der Rest floh nach der französischen Küste und auch 9 der genommenen entwischten -während der Nacht, aber 15 wurden nach England gebracht, fast nur -Transporter, die 1400 Mann und viel Material an Bord führten. Am nächsten -Tage versuchte <em class="gesperrt">Guichen</em> den Kampf zu erzwingen, <em class="gesperrt">Kempenfelt</em> -wich jedoch mit Rücksicht auf seine Schwäche aus; nur zwischen einigen -Schiffen wurden Schüsse gewechselt. Mehrere Tage darauf zerstreute ein -Sturm die französische Flotte, die noch auf der Suche nach Versprengten des -Konvois geblieben war, und mehrere Schiffe, unter ihnen das Flaggschiff, -wurden halb entmastet. Von der ganzen Expedition gelangten nur 2 Linienschiffe -und 5 Handelsschiffe unter dem Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Vaudreuil</em> -nach Westindien, auch einige der nach Ostindien bestimmten Schiffe erreichten -ihr Ziel. Der Admiral <em class="gesperrt">de Guichen</em> bat nach diesem Fehlschlage -um seinen Abschied, wurde jedoch wegen seiner bisherigen Verdienste im -Kommando der Brestflotte belassen.</p> - -<p><b>Ein Rückblick auf die Ereignisse in den europäischen Gewässern 1781</b> -zeigt, daß England im Vorteil blieb, obgleich die Verbündeten stärker waren. -Es verlor Minorka, für diesen Krieg keine Sache von Bedeutung, und büßte -die Beute ein, die den Holländern in Westindien abgenommen war. Diese -Verluste wurden aber reichlich aufgewogen durch die Zerstreuung des für Westindien -bestimmten französischen Konvois, der für den Handel Frankreichs -und die Schlagfertigkeit seiner Flotte dort so wichtig war, und durch die Verproviantierung -Gibraltars sowie den Umstand, daß der Handel im Kanal -unangetastet blieb. Wie in den beiden Vorjahren, war das materielle Übergewicht -der Verbündeten infolge ihrer Uneinigkeit und ihres Mangels an Tatkraft -nicht zur Geltung gekommen. Da sich ihre Streitkräfte nicht rechtzeitig -vereinigten, gelang es England, an Brest und Cadiz vorüber Gibraltar Zufuhr -zu senden.</p> - -<p>Ein Wagnis blieb dies immerhin, denn als <em class="gesperrt">Darby</em> absegelte, war <em class="gesperrt">de Grasse</em> -noch in Brest, und Cordoba in Cadiz war ihm überlegen; wenn es sich -nur um eine Seeschlacht gehandelt hätte, so brauchte man allerdings die<span class="pagenum"><a name="Page_324" id="Page_324">[324]</a></span> -spanische Flotte nicht nach ihrer Schiffszahl einzuschätzen, aber eine andere -Sache war es doch, einen großen Konvoi sicher nach einem Orte dicht bei dem -feindlichen Stützpunkt zu führen und dort zu löschen. — Die später im Kanal -erscheinende mächtige Flotte der Verbündeten, die hauptsächlich den englischen -Handel vernichten sollte — gewiß ein verständigeres, weil leichter -erreichbares Ziel als eine Invasion —, blieb untätig; sie griff weder die -schwächeren Seestreitkräfte Englands an, durch deren Überwindung sie ihr -Ziel am sichersten erreicht hätte, noch verweilte sie lange genug, um wenigstens -einigen Erfolg gegen englische Konvois zu haben. Diese Tatlosigkeit ist vor -allem den Spaniern zuzuschreiben, und es soll denn auch das Fehlschlagen -des kostspieligen Unternehmens dem guten Einvernehmen zwischen den -verbündeten Staaten sehr geschadet haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> hat 1781 auf diesem Kriegsschauplatze mit 40 Schiffen 70 -der Gegner einschließlich Hollands in Schach gehalten, aber es hätte vielleicht -doch noch mehr erreichen können. Schon zu jener Zeit ist innerhalb und -außerhalb des Parlamentes die Frage aufgeworfen, ob es nicht richtiger gewesen -wäre, die Zufuhr für Gibraltar aufzuschieben und <em class="gesperrt">Darby</em> statt dessen -zum Abfangen des schwächeren Geschwaders unter <em class="gesperrt">de Grasse</em> zu entsenden; -durch Vernichtung dieser wären die Pläne Frankreichs in Westindien -und Nordamerika für 1781 vereitelt worden. An leitender Stelle hat man -aber wohl die andere Aufgabe für dringender gehalten, obgleich durch ihre -Lösung der größere Teil der Kanalflotte aufs Spiel gesetzt wurde, auch -war, wie der ganze Krieg zeigt, Englands Strategie überhaupt nicht darauf -bedacht, den Feind von den entlegenen Kriegsschauplätzen fernzuhalten, -trotzdem daß ein derartiges Verfahren schon seit langem von allen hervorragenden -Seeoffizieren für das allein Richtige erklärt wurde. Wenn man ferner -zum Abfangen der Flotte <em class="gesperrt">Guichens</em> eine stärkere als die <em class="gesperrt">Kempenfelts</em> -entsandt hätte, so hätte man nicht nur den Transport festhalten, -sondern auch durch Vernichtung der ersteren der französischen Marine einen -schweren Schlag zufügen können; die Kanalflotte war hierzu stark genug -und außerdem lagen Schiffe bereit, die schon im Januar 1782 unter Rodney -nach Westindien segelten.</p> - -<h5>Westindien und Nordamerika 1781.</h5> - -<p><b>Rodney erobert St. Eustache, St. Martin und Saba<a name="FNAnker_157_158" id="FNAnker_157_158"></a><a href="#Fussnote_157_158" class="fnanchor">[157]</a>.</b> Zu Anfang des -Jahres verfügte <em class="gesperrt">Rodney</em> in Sta. Lucia über 22 Linienschiffe, während -Frankreich nur 4 in Martinique stationiert hatte. Am 27. Januar trafen die -Nachricht vom Ausbruch des Krieges mit Holland und der Befehl ein, die -holländischen Besitzungen anzugreifen. <em class="gesperrt">Rodney</em> bestimmte 6 Linienschiffe -zur Überwachung von Martinique und ging mit der Hauptflotte sowie -einem Landungskorps unter General <em class="gesperrt">Vaughan</em> am 30. Januar in See. -Sein erstes Ziel war die Insel <em class="gesperrt">St. Eustache</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_325" id="Page_325">[325]</a></span></p> - -<p class="small">In <b>St. Eustache</b> konnte man auf große Beute rechnen. Seit Ausbruch des Krieges -war diese Insel unter ihrer neutralen Flagge der Haupthandelsplatz Westindiens für -alle Völker geworden, und Waren befanden sich hier stets in solchen Mengen angehäuft, -daß die zahlreichen Lagerhäuser sie nicht fassen konnten. Sie wurde auch dadurch -von militärischer Bedeutung, daß die Amerikaner, sowie die französischen Inseln ihre -Kriegsbedürfnisse zum großen Teil von dort bezogen. Die Engländer waren bei ihrem -eigenen großen Handel weniger auf die Insel angewiesen, sahen sich aber durch die -politische Haltung der Holländer benachteiligt. So erhielt z. B. die französische Flotte -von St. Eustache Handwerker und Material, als sie nach der Schlacht am 17. April -1780 Martinique nicht zum Ausbessern erreichen konnte, während den Engländern, -die nach dem großen Orkan im Oktober desselben Jahres Tauwerk kaufen wollten, -erklärt wurde, es sei keins am Markte; tatsächlich fand man aber nach der Eroberung -eine große Menge vor, die dort schon lange lagerte.</p> - -<p>Als die englische Flotte am 4. Februar vor der Insel erschien, war dem -Gouverneur der Ausbruch des Krieges noch nicht bekannt; nicht in der Lage -Widerstand zu leisten, kapitulierte er noch am selben Tage. Eine holländische -Fregatte, die der Ehre der Flagge halber einige Schüsse abgab, einige kleinere -Kriegsfahrzeuge, 150 Kauffahrer sowie die Waren am Lande fielen in die -Hände der Engländer, ebenso wurde ein Konvoi von 30 Handelsfahrzeugen -nebst dem begleitenden Linienschiffe, der am Tage vorher die Reise nach -Europa angetreten hatte, noch abgefangen. Die Gesamtbeute hatte einen -Wert von über drei Millionen Lstrl. <em class="gesperrt">Rodney</em> bemächtigte sich dann noch -der Nachbarinseln <em class="gesperrt">St. Martin</em> und <em class="gesperrt">Saba</em>, später, am 15. März, auch -der französischen Insel St. Barthélemy. Auf den genommenen Inseln blieb -die holländische Flagge wehen; hierdurch getäuscht, liefen in der nächsten -Zeit noch verschiedene holländische, französische, sowie amerikanische Schiffe -ein und wurden gleichfalls genommen. Die nicht englischen Einwohner, -besonders die Holländer, verschickte man zwangsweise nach anderen Inseln, -um den eroberten ihre bisherige Bedeutung zu nehmen; zu gleichem Zwecke -wurden die Lagerhäuser zerstört oder wenigstens abgedeckt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Rodney</em> versteigerte einen Teil der Beute öffentlich an Engländer, Franzosen -und Dänen. Den Rest sandte er auf 30 Handelsschiffen, gedeckt durch Kommodore -<em class="gesperrt">Hotham</em> mit 4 Linienschiffen, nach England; wir hörten schon, daß dieser Konvoi -am 2. Mai an der europäischen Küste fast ganz dem französischen Admiral <em class="gesperrt">de La Motte-Picquet</em> -in die Hände fiel. <em class="gesperrt">Rodney</em> und <em class="gesperrt">Vaughan</em> haben bei der Beschlagnahme -weder holländisches Privateigentum noch neutrale Waren geschont, die nicht -zur Kriegskontrebande zählten. Ihr Auftreten erregte denn auch überall Entrüstung. -Selbst in England und sogar im Parlament sind sie angegriffen; aber ohne weiteres -Ergebnis, sie behielten ungestört ihre reichen Prisenanteile.</p> - -<p>Es sei hier gleich erwähnt, daß die Engländer in den Monaten Februar -und März von Barbados aus auch die holländischen Besitzungen in <em class="gesperrt">Guayana</em> -wegnahmen; <em class="gesperrt">in Curaçao</em> dagegen, wo der Ausbruch des Krieges rechtzeitig -bekannt geworden war, trafen die Holländer genügende Vorbereitungen -zur Abwehr und blieben infolgedessen unbelästigt. Der holländische Handel -litt überall sehr durch englische Kreuzer und Freibeuter.</p> - -<p><b>Admiral de Grasse in Westindien 1781. Zusammenstoß mit Hood bei -Martinique.</b> Etwa eine Woche nach der Besetzung der Insel St. Eustache<span class="pagenum"><a name="Page_326" id="Page_326">[326]</a></span> -brachte ein Handelsschiff die Nachricht dorthin, daß es am 31. Dezember 1780 -in der Biskaya einen großen, für Westindien bestimmten französischen Konvoi -unter Geleit von 8 oder 10 Linienschiffen gesehen habe. <em class="gesperrt">Rodney</em> sandte -daraufhin am 12. Februar den Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Samuel Hood</em> mit -11 Schiffen nach Martinique, um sich mit den dort schon befindlichen 6 zu -vereinigen und dann zu Luward genannter Insel zu kreuzen. Er erklärte es -für notwendig, selber behufs Durchführung von Maßregeln zur Sicherung -der Beute und der Insel noch bei St. Eustache zu bleiben und behielt zwei -Schiffe zurück. Die Nachricht über den Konvoi erwies sich bald darauf als -falsch, aber der Befehl für <em class="gesperrt">Hood</em> blieb bestehen, nur wurde er angewiesen, -sich in Lee von Martinique zu halten. Er machte hiergegen geltend, daß er -dann leicht nach Lee vertrieben werden könne, aber <em class="gesperrt">Rodney</em> erklärte, daß -es nach seinen Erfahrungen wohl durchführbar sei, sich wochenlang dicht vor -dem französischen Hafen zu halten und daß dann die Schiffe, die zeitweise zum -Wasser- oder Proviantauffüllen nach Sta. Lucia gesandt werden müßten, -leicht wieder zur Flotte stoßen könnten, falls ein feindliches Geschwader von -Europa ankäme. Bald aber sollte sich die Berechtigung von Hoods Einwurf -zeigen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lieutenant-Général de Grasse</em><a name="FNAnker_158_159" id="FNAnker_158_159"></a><a href="#Fussnote_158_159" class="fnanchor">[158]</a> hatte am 22. März Brest -mit 26 Linienschiffen verlassen. Bei den Azoren zweigte er 5 von ihnen nach -Ostindien, 1 nach Nordamerika ab und segelte mit 20 nebst einem großen -Konvoi von Transportern und Handelsschiffen nach Westindien weiter; zur -Beschleunigung der Reise ließ er die schlechtesten Segler des Konvois von -Kriegsschiffen in Schlepp nehmen. Die Flotte sichtete Martinique am 28. April -und vernahm am Abend bei Point de Salines, der Südspitze der Insel, von der -Anwesenheit der englischen. Zur größeren Sicherheit seines Konvois drehte -<em class="gesperrt">de Grasse</em> die Nacht über bei, setzte die Fahrt am anderen Morgen fort -und stieß gegen Mittag mit <em class="gesperrt">Hood</em> zusammen<a name="FNAnker_159_160" id="FNAnker_159_160"></a><a href="#Fussnote_159_160" class="fnanchor">[159]</a>, der seine Ankunft erfahren -hatte. Der Konvoi erreichte an diesem Tage Fort Royal unbehelligt, da sich<span class="pagenum"><a name="Page_327" id="Page_327">[327]</a></span> -die englische Flotte nicht zwischen ihn und den Hafen schieben konnte. Zu -einer entscheidenden Schlacht nutzte aber <em class="gesperrt">de Grasse</em> seine Überlegenheit -nicht aus; ihm war an dem sicheren Einlaufen seiner Schutzbefohlenen zunächst -mehr gelegen.</p> - -<p class="small"><b>Das Gefecht bei Martinique am 29. April 1781.</b> Die französische Flotte zählte -20 Linienschiffe — eins zu 100 Kanonen, 3 zu 80, 15 zu 74, 1 zu 64 — 3 Fregatten und -2 Kutter, die englische 18 Linienschiffe — 1 zu 90, 1 zu 80, 12 zu 74, 1 zu 70, 3 zu 64 —, -1 Fregatte und 1 Sloop. Es muß hervorgehoben werden, daß von den französischen -Linienschiffen nur etwa die Hälfte, die englischen jedoch sämtlich gekupfert waren; -Rodneys Vorstellungen in dieser Hinsicht hatten Erfolg gehabt.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p327.jpg" width="300" height="339" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p327" id="fig_p327"></a> -<p class="caption">de Grasse.</p> -</div> - -<p class="small">Am 29. April in der Frühe rundete <em class="gesperrt">de Grasse</em> die Südspitze von Martinique -bei östlichem Winde (Passat); <em class="gesperrt">Hood</em> konnte dies nicht hindern, da er zu weit in Lee -stand. Der französische Konvoi -segelte unter der Küste nach Norden, -von der Flotte in Lee gedeckt. Die -englische Flotte kam dieser mit -südlichem Kurse entgegen, wendete -gegen 10½ Uhr vormittags, so daß -nun beide parallel steuerten, wobei -die französische Vorhut etwa querab -von der englischen Mitte stand. -Gegen 11 Uhr eröffneten die Franzosen -das Feuer, die Engländer antworteten -jedoch der großen Entfernung -halber nicht. Um 11¾ Uhr -befanden sich beide Linien vor der -Bucht von Fort Royal, die englische -Spitze näherte sich zu sehr ihrem -nördlichen Strande und <em class="gesperrt">Hood</em> -wendete deshalb mit der ganzen -Flotte, alle Schiffe zugleich. Der -französische Konvoi war jetzt imstande, -in die Bucht einzulaufen. -<em class="gesperrt">De Grasse</em> sah seine Schutzbefohlenen -in Sicherheit; er halste -alle Schiffe zugleich, und um diese -Zeit hängten sich die vier im Hafen befindlichen Linienschiffe — 1 zu 74 Kanonen, -3 zu 64 — ihm an. Beide Flotten steuerten nun südlich, die Engländer in der Leestellung, -aber es standen jetzt 24 Franzosen gegen 18 Engländer. Die Manöver hatten -die Gegner einander näher gebracht, auch die Engländer nahmen das Feuer auf.</p> - -<p class="small">Gegen Mittag drehte <em class="gesperrt">Hood</em> unter Marssegeln bei, des Angriffs gewärtig, da -er selber nicht näher an den Feind herankommen konnte. Die beiden Flaggschiffe -lagen querab voneinander, das Gefecht ward allgemein, aber immer noch auf so weite -Entfernung, daß nur wenige Schüsse ihr Ziel erreichten. Da die Franzosen weiter -segelten und ihre vordersten Schiffe die englische Spitze überholten, nahm auch <em class="gesperrt">Hood</em> -um 1 Uhr die Fahrt wieder auf. Als gegen 1½ Uhr die beiden Spitzen vor dem Kanal<span class="pagenumsmall"><a name="Page_328" id="Page_328">[328]</a></span> -zwischen Martinique und Sta. Lucia anlangten, hier frischeren Wind erhielten und -vorliefen, befahl <em class="gesperrt">Hood</em> seiner Flotte, sich geschlossen zu halten und das Feuer abzubrechen; -der Kampf der Spitzen setzte sich aber noch einige Zeit fort und die vier vordersten -Engländer hatten dabei 8 Franzosen abzuwehren. <em class="gesperrt">Hood</em> scheint sich dann -nach Wiederherstellung der Ordnung außer Schußweite gehalten und versucht zu haben, -den Feind von der Küste abzuziehen, sowie die Luvstellung zu gewinnen. Aber auch -<em class="gesperrt">de Grasse</em> schritt nicht zum Angriff; es ist anzunehmen, daß er sich nicht weiter -von der Insel entfernen wollte, ehe nicht sämtliche Fahrzeuge des Konvois einen sicheren -Ankerplatz bei Fort Royal erreicht hätten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> an diesem Tage betrug auf französischer Seite 18 Tote und -56 Verwundete (ein englischer Autor gibt allerdings die Zahlen 119 und 150), auf englischer -39 Tote und 162 Verwundete. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, -von den englischen waren die vier vordersten beträchtlich beschädigt; Hood mußte -eins derselben nach St. Eustache senden.</p> - -<p>Seiner Sorge um den Konvoi ledig und durch 4 Schiffe aus Martinique -verstärkt, während 4 englische Schiffe am 29. beschädigt waren, beabsichtigte -<em class="gesperrt">de Grasse</em> am 30. April eine Schlacht herbeizuführen. Jetzt aber hatte -<em class="gesperrt">Hood</em> keinen Anlaß mehr, sich einem so ungleichen Kampfe, zumal in der -Leestellung, auszusetzen. Er versuchte zwar, die Luvstellung zu gewinnen, -ließ aber den Feind nie nahe herankommen. Mit seinen gekupferten Schiffen -hatte er es in der Hand, die Entfernung zu bestimmen; wenn die Franzosen -die Jagd ernstlich aufnahmen, blieben ihre ungekupferten zurück. Am -Abend gab <em class="gesperrt">Hood</em> das Spiel auf und nahm Kurs nach Norden; er segelte -nicht nach Sta. Lucia, da er befürchtete, daß seine beschädigten Schiffe es -bei der starken westlichen Strömung nicht erreichen würden. <em class="gesperrt">De Grasse</em> -ankerte am 6. Mai vor Fort Royal.</p> - -<p class="small"><b>Das Verhalten der beiden Admirale</b> am 29. und 30. April ist einer kurzen Betrachtung -wert, um so mehr, da die beiderseitigen Autoren mehrfach angeben, der Gegner -sei einem Kampfe ausgewichen. Nun ist aber wohl als sicher anzunehmen, daß <em class="gesperrt">Hood</em> -am ersten Tage den Kampf erstrebt hat: Anfangs versuchte er an den Feind heranzukommen, -später bot er diesem Gelegenheit zum Angriff. Dies war eigentlich gewagt, -da der Gegner Verstärkung erhalten hatte. Am zweiten Tage hielt er weiter das Feld, -wahrscheinlich um abzuwarten, ob nicht der Zufall ihn in die Lage setzen würde, einen -Teil der französischen Flotte anzugreifen. Seine seemännische Tüchtigkeit, sowie der -Umstand, daß er durchgehends über gekupferte Schiffe verfügte, erlaubten ihm das -gewagte Spiel; ein solches war es immerhin, denn leicht konnte er genötigt werden, -seine beschädigten Schiffe im Stich zu lassen oder ihrethalben eine allgemeine Schlacht -anzunehmen. <em class="gesperrt">De Grasse</em> war am ersten Tage zu vorsichtig, aber nach dem bekannten -französischen Brauche sah er wohl seine nächste Aufgabe in der unbedingten -Sicherung des Konvois.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> ging schon am 8. Mai zu einem <em class="gesperrt">Angriff auf Sta. -Lucia</em> wiederum in See. Es lag den Franzosen besonders daran, sich in -Besitz der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze dieser Insel, dem üblichen -Ankerplatz der englischen Flotten zur Beobachtung Martiniques, zu setzen. -Der Admiral hielt sich mit der Flotte zu Luward der Bucht, um jederzeit einem -nahenden Gegner entgegentreten zu können, und der kriegerische Gouverneur -von Martinique, <em class="gesperrt">de Bouillé</em>, landete während der Nacht mit 1200 Mann. -Man fand aber die von <em class="gesperrt">Rodney</em> angelegten Befestigungen zu stark, um<span class="pagenum"><a name="Page_329" id="Page_329">[329]</a></span> -sich in kurzer Zeit festsetzen zu können, schiffte die Gelandeten wieder ein -und kehrte nach Fort Royal zurück.</p> - -<p><b>Eroberung von Tabago.</b> Am 8. Mai wurde auch eine Expedition gegen -diese Insel entsandt. Sie zählte 2 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und -1300 Soldaten unter Kapitän <em class="gesperrt">d'Albert de Rions</em>. Am 22. Mai erfuhr -<em class="gesperrt">de Grasse</em>, daß die Flotte Rodneys auf der Fahrt nach Süden, wahrscheinlich -nach Barbados, gesichtet sei. Besorgt um die Tabagoexpedition, -ging er am 25. mit der Flotte in See und nahm 3000 Soldaten mit. <em class="gesperrt">Rodney</em> -hatte von der Ankunft der französischen Flotte in Westindien erst durch ein -Schiff Kenntnis erhalten, das nach dem Gefecht bei Martinique beschädigt in -St. Eustache eingetroffen war. Er segelte sobald als möglich mit seinen beiden -unversehrten Schiffen, sowie dem in Eile ausgebesserten ab, traf am 11. Mai -bei Antigua auf <em class="gesperrt">Hood</em> und führte nun die Flotte nach Barbados, denn er -fürchtete für diesen Hauptstützpunkt, der durch einen Orkan verwüstet war -und ohne seinen Schutz einem Angriffe kaum hätte widerstehen können. -Hier erfuhr er den Vorstoß der Franzosen gegen Tabago und sandte am -29. Mai den Kontreadmiral <em class="gesperrt">Drake</em> mit 6 Linienschiffen dahin ab. Dieser -sichtete am 30. die Flotte de Grasses und kehrte sofort, eine Zeitlang verfolgt, -nach Barbados zurück, wo er am 3. Juni morgens eintraf. Jetzt setzte sich -<em class="gesperrt">Rodney</em> mit der ganzen Flotte in Bewegung, aber es war zu spät. Am -4. in Sicht der bedrohten Insel angelangt, erfuhr er, daß diese bereits am -2. Juni kapituliert habe.</p> - -<p class="small"><b>Die Besetzung Tabagos</b> war den Franzosen leicht gelungen. Am 24. Mai landete -die erste Expedition; der englische Gouverneur zog sich mit seinen schwachen Kräften -— 400 Regulären, 500 Milizen, 6 Geschützen — in die Berge zurück. Am 30. wurden -dann die Soldaten ausgeschifft, die mit der Flotte kamen, und der Gouverneur sah -sich genötigt, der großen Macht gegenüber die Waffen zu strecken, zumal seine Leute -übermüdet und entmutigt waren.</p> - -<p>Die Oberbefehlshaber, beide tüchtige Admirale, standen sich nun einander -gegenüber, <em class="gesperrt">de Grasse</em> mit 23 und <em class="gesperrt">Rodney</em> mit 20 Linienschiffen, aber -es kam nicht zum Kampfe. <em class="gesperrt">Rodney</em> stand zu Luward, griff jedoch nicht -an. Er erklärte später, die Besorgnis, nach einer vielleicht ungünstig verlaufenen -großen Schlacht mit den beschädigten Schiffen durch den starken -westlichen Strom nach Lee vertrieben zu werden, habe ihn vom Angriff abgehalten; -er würde dann in die schwierigen Gewässer der Grenadinen, die wie auch -St. Vincent in französischem Besitze waren, geraten und der Gegner möglicherweise -zwischen ihn und Barbados gekommen sein. Er segelte nach der genannten -Insel zurück. <em class="gesperrt">De Grasse</em> verfolgte nicht. Zufrieden mit der Einnahme -Tabagos, lief er die Eroberungen des Jahres 1779, Grenada sowie St. Vincent, -an, überzeugte sich von ihrem guten Verteidigungszustande und ankerte am -18. Juni bei Martinique.</p> - -<p><b>De Grasse segelt nach Nordamerika, Hood folgt ihm.</b> Der französische -Admiral verließ am 5. Juni 1781 Fort Royal mit seiner ganzen Flotte von -24 Linienschiffen, um 200 Handelsfahrzeuge nach Cap Français auf St. Domingue<span class="pagenum"><a name="Page_330" id="Page_330">[330]</a></span> -zu geleiten, wo er am 16. eintraf; unterwegs war eins seiner Linienschiffe -infolge einer Explosion verbrannt. Hier fand er Briefe <em class="gesperrt">Washingtons</em>, -<em class="gesperrt">Rochambeaus</em> sowie <em class="gesperrt">Barras</em>', des Geschwaderchefs in Nordamerika, -vor, in denen er dringend gebeten wurde, Unterstützung an Schiffen, -Soldaten und Geldmitteln (mindestens 1200000 Francs) nach der Chesapeake- -oder der Narragansettbucht zu senden, da ihre Lage verzweifelt sei. Obgleich -er Befehl hatte, 9 oder 10 Schiffe, die sich schon seit 1778 in Westindien befanden, -als Deckung des Konvois nach Europa heimzusenden, entschloß er -sich, mit der ganzen Flotte — noch verstärkt durch die 5 Schiffe der St. Dominguestation, -die am 10. Juli von der Expedition gegen Pensacola (s. Seite <a href="#Page_307">307</a>) -zurückkamen — während der Orkanzeit nach der Chesapeakebucht zu gehen. -Von diesem Entschluß sandte er sofort Nachricht an Barras, so daß dieser wie -die genannten Generale schon am 15. August Kenntnis erhielten. Er schrieb -dabei an diesen, er möge ganz nach eigenem Ermessen handeln, sich mit ihm -vereinigen oder selbständig zum allgemeinen Nutzen vorgehen. Die Vorbereitungen -zur Abfahrt dauerten jedoch einige Zeit.</p> - -<p>Der Gouverneur von St. Domingue stellte 3200 Mann nebst einigen Feld- -und Belagerungsgeschützen erst, als ihm zur Sicherung seiner Kolonie ein -spanisches Geschwader von Kuba zugesagt war; das nötige Geld war in der -französischen Kolonie nicht aufzubringen, es mußte von Havanna bezogen -werden, wo zwar die Staatskassen leer waren, aber Privatleute die verlangte -Summe vorschußweise lieferten. Am 5. August ging <em class="gesperrt">de Grasse</em> mit 28 -Linienschiffen in See. Um nicht durch Transporter aufgehalten zu werden, -waren die Truppen auf den Kriegsschiffen untergebracht, und um den Marsch -möglichst lange geheimzuhalten, wählte der Admiral den Weg durch den -wenig befahrenen Bahamakanal. Am 30. August 1781 ankerte die französische -Flotte im Eingange der Chesapeakebucht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rodney</em> erhielt von den Plänen und Bewegungen der Franzosen nicht -genügend Kenntnis, um volle Maßregeln ergreifen zu können. Er faßte die -Wahrscheinlichkeit ins Auge, daß der Kriegsschauplatz während der Orkanmonate -in die nördlichen Gewässer verlegt werden würde, und schickte deshalb -am 7. Juli Befehl an den Stationschef in New York, Admiral <em class="gesperrt">Graves</em>, -zwischen diesem Hafen und der Chesapeakebucht Kreuzer zu halten, die -etwa von ihm gesandten Verstärkungen Nachrichten übermitteln könnten. -Als er dann am 9. Juli die Abfahrt der französischen Flotte von Martinique -nach St. Domingue erfuhr, befahl er dem Admiral <em class="gesperrt">Hood</em>, sich für Nordamerika -bereit zu machen. Er teilte ihm aber nur 15 Linienschiffe zu, da er -gehört hatte, daß auch <em class="gesperrt">de Grasse</em> nicht mehr dorthin senden, sondern mit -dem Rest seiner Flotte den Konvoi nach Europa geleiten würde. Zwei Schiffe -zweigte er zum Schutze von Handelsfahrzeugen nach Jamaika ab, jedoch mit -dem Befehl an den dortigen Chef, <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em>, sie und mit ihnen -noch einige seiner Schiffe sofort nach Amerika nachzusenden. Mit 2 oder -3 wohl einer Grundausbesserung bedürftigen Schiffen ging <em class="gesperrt">Rodney</em> selber -aus Gesundheitsrücksichten <em class="gesperrt">nach England</em>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_331" id="Page_331">[331]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Hood</em> segelte, durch verschiedene belanglose Umstände aufgehalten, -am 10. August von Antigua mit 14 Linienschiffen nach der Chesapeakebucht -ab. Kurz vorher war eine Brigg mit der Bitte <em class="gesperrt">Graves</em>' um Unterstützung -eingetroffen. Sie wurde am 6. August mit der Nachricht von Hoods Kommen -zurückgesandt, fiel aber in Feindeshand. So blieb <em class="gesperrt">Graves</em> im Gegensatz -zu seinen Gegnern lange ohne jede Kenntnis der Vorgänge, denn auch eine am -7. Juli abgesandte Nachricht hatte ihn nicht erreicht. Das Schiff langte zwar -in New York an, traf aber den auf einer Kreuzfahrt befindlichen Admiral -nicht und ging verloren, als es ihn suchte. Eine Abschrift dieser Nachricht -fand <em class="gesperrt">Graves</em> erst am 16. August in New York vor, das Kommen Hoods -erfuhr er erst kurz vor dessen Ankunft am 28. August.</p> - -<p>Mit der Abfahrt der Flotten wurde für 1781 Nordamerika Kriegsschauplatz. -In Westindien begannen die Operationen erst wieder nach der Rückkehr -de Grasses.</p> - -<p><b>In Nordamerika</b> war der Landkrieg zu Ende des Jahres 1780 sowohl im -Norden wie in den Carolinas zum Stillstande gekommen. Die Verbündeten -wagten nicht, ohne weitere Unterstützung von Frankreich etwas gegen -New York zu unternehmen (vgl. Seite <a href="#Page_311">311</a>); die Engländer hatten ihre Erfolge -im Süden aufgeben und sich auf Winnsborough zurückziehen müssen, um Verstärkungen -zu erwarten (Seite 309). Das französische Geschwader von -7 Linienschiffen lag unter Kapitän <em class="gesperrt">Des Touches</em> in der Narragansettbucht -und wurde von dem englischen Admiral <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> mit 12 (?) Linienschiffen -von New York und der Gardinerbucht (Long Island) aus beobachtet.</p> - -<p>Um die Jahreswende aber kam wieder Leben in den Krieg im Süden. -General <em class="gesperrt">Clinton</em> benutzte wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden -zu kräftigerem Auftreten dort, indem er im Dezember 1780 den General -<em class="gesperrt">Leslie</em> mit Verstärkungen nach Charleston und gleichzeitig den General -<em class="gesperrt">Arnold</em> zu einem Angriff auf Virginien entsandte. Die Ereignisse auf dem -südlichen Kriegsschauplatze im Jahre 1781 wurden entscheidend für den -Kampf Englands mit seinen Kolonien, und die Beherrschung des Meeres spielte -bei ihnen die Hauptrolle, so daß wir die Unternehmungen am Lande und zu -Wasser nicht voneinander trennen können<a name="FNAnker_160_161" id="FNAnker_160_161"></a><a href="#Fussnote_160_161" class="fnanchor">[160]</a>.</p> - -<p><b>Cornwallis dringt nach Virginien vor. Frühjahr 1781.</b> Sobald <em class="gesperrt">Leslie</em> -mit 3000 Mann in Charleston eingetroffen war, zog <em class="gesperrt">Cornwallis</em> einen -Teil dieser Truppen an sich und brach dann von seinem Winterlager aufs neue -gegen Nordcarolina auf; <em class="gesperrt">Leslie</em> folgte mit dem Reste. Der amerikanische -General <em class="gesperrt">Greene</em> fühlte sich mit seinen Milizen und schlecht geschulten -Soldaten diesen regulären Truppen im Felde nicht gewachsen; er ließ einen -Teil seines Heeres unter General <em class="gesperrt">Morgan</em> den Kleinen Krieg in Südcarolina<span class="pagenum"><a name="Page_332" id="Page_332">[332]</a></span> -führen, den er selbst an der Grenze von Nordcarolina aufnehmen wollte. -Morgan näherte sich unvorsichtig der englischen Hauptmacht. <em class="gesperrt">Cornwallis</em> -sandte, um dies zu benutzen, den Oberst <em class="gesperrt">Parleton</em> mit einem -großen Teil seiner Truppen gegen ihn; dieser aber, der seinen Gegner unterschätzte, -ließ sich zu einem übereilten Angriff verleiten und wurde am 7. Januar -bei Cowpens vernichtend geschlagen.</p> - -<p>Als sich dann <em class="gesperrt">Cornwallis</em> und <em class="gesperrt">Leslie</em> am 18. Januar vereinigt -hatten, schritten sie zur Verfolgung Morgans. Zur Beschleunigung des Marsches -ließen sie den ganzen Troß zurück, was ihnen später große Verlegenheiten -bereitete und doch die Vereinigung Morgans mit Greene nicht hinderte. Auch -der Versuch, das feindliche Heer von Virginien abzuschneiden, mißlang; es -erreichte den Grenzfluß am 14. Februar und <em class="gesperrt">Cornwallis</em> mußte wegen -Erschöpfung seiner Truppen zurückgehen. <em class="gesperrt">Greene</em> rückte nach, vermied -aber eine Schlacht, obgleich er durch Milizen aus Virginien, Nord- und Südcarolina -auf 6000 Mann verstärkt war. Das Gerücht gab seine Zahl gar auf -10000 Mann an; trotzdem griff <em class="gesperrt">ihn Cornwallis</em> am 15. März bei Guilfords-Court -an und siegte. Aber auch die Engländer hatten große Verluste -und waren wegen Mangel an allem genötigt, den Rückzug auf Wilmington an -der Küste fortzusetzen, wo Cornwallis für derartige Fälle von Charleston aus -Depots hatte anlegen lassen. Im Inneren von Südcarolina stand noch ein -kleines englisches Heer unter <em class="gesperrt">Lord Rawdon</em>; gegen dieses wandte sich Greene.</p> - -<p class="small">Es sei hier gleich erwähnt, daß dieser kleine Krieg nicht zur Entscheidung beitrug. -<em class="gesperrt">Rawdon</em> verteidigte sich gut, mußte aber schließlich doch auf Charleston zurückgehen -und ward hier eingeschlossen, als sich der Hauptkrieg nach Virginien zog und die -beiden Carolinas sowie Georgien ganz den Amerikanern zufielen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cornwallis</em> hatte nun die Wahl, nach Erholung seiner Truppen aufs -neue um die Herrschaft in Carolina zu kämpfen oder nach Virginia zu marschieren -und der dort operierenden Expedition die Hand zu reichen. Er -wählte das letztere, da er sich für ersteres zu schwach fühlte und außerdem -den Kampf um das Chesapeakegebiet für wichtiger hielt. Er überließ <em class="gesperrt">Rawdon</em> -seinem Schicksal. Nach 18tägiger Ruhe trat er am 25. April den Marsch -an, vereinigte sich am 20. Mai in Petersburg mit den Truppen des Generals -<em class="gesperrt">Arnold</em> und übernahm den Oberbefehl.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Clinton</em> war mit dem von <em class="gesperrt">Cornwallis</em> auf eigene Faust unternommenen -Zuge durchaus nicht einverstanden. Er schrieb: „Operationen im Chesapeakegebiete -sind so lange mit großer Gefahr verknüpft, als wir nicht einer ununterbrochenen Seeherrschaft -sicher sind. Ich zittere vor den verhängnisvollen Folgen, die daraus entstehen -können.“ In den Carolinas auf Charleston zurückgetrieben, war die englische -Macht nur noch auf zwei Stellen konzentriert, in New York und an der Chesapeakebucht. -Da New Jersey und Pennsylvanien in der Hand der Gegner waren, hing die Verbindung -der beiden Kriegsschauplätze vollständig von der Offenhaltung des Seeverkehres ab. -Aber trotz seines ungünstigen Urteils über das Vorgehen <em class="gesperrt">Cornwallis</em>' hatte ja -<em class="gesperrt">Clinton</em> selber schon eine starke Abteilung im Chesapeakegebiete aufs Spiel gesetzt!</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p333.jpg" width="400" height="314" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p333" id="fig_p333"></a> -<p class="caption">Chesapeakebucht 16. März 1781.</p> -</div> - -<p><b>Die englische Expedition gegen Virginia. Erste Seeschlacht vor der -Chesapeakebucht, 16. März 1781.</b> Ende Dezember 1780 ging <em class="gesperrt">Arnold</em> mit<span class="pagenum"><a name="Page_333" id="Page_333">[333]</a></span> -1600 Mann nach der Chesapeakebucht, drang den Jamesfluß hinauf, verheerte -das Land, ohne nennenswerten Widerstand zu finden und setzte sich -dann in Portsmouth, einem als maritimem Stützpunkt geeigneten Platze, fest. -<em class="gesperrt">Washington</em> bat Rochambeau und Des Touches, den schwachen amerikanischen -Kräften in Virginien Unterstützung zu bringen. Die Gelegenheit -hierzu erschien nicht ungünstig, da das englische Geschwader augenblicklich -geschwächt war. <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> hatte nämlich drei seiner Schiffe in See -gehabt, um drei französische abzufangen, die zur Aufnahme eines von Europa -erwarteten Transportes ausgelaufen waren. In einem Sturme wurden zwei -der englischen Schiffe entmastet und das dritte strandete, während die französischen -vor Ausbruch des Unwetters wieder einlaufen konnten. Aber gerade -dieses Mißgeschick der Gegner bestimmte <em class="gesperrt">Des Touches</em>, nicht sein -ganzes Geschwader -den Unbilden der -Jahreszeit auszusetzen; -er sandte -nur ein Linienschiff -nebst 2 Fregatten -am 9. Februar zur -Chesapeakebucht. -Diese richteten aber -nichts aus, da sich -<em class="gesperrt">Arnolds</em> kleinere -Fahrzeuge in den -Flüssen verbargen; -sie kehrten Ende des -Monats zur Flotte -zurück, wobei ihnen -allerdings eine von -Charleston kommende -Fregatte in die Hände fiel. Inzwischen hatte <em class="gesperrt">Washington</em> aber -doch die französischen Führer zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen -<em class="gesperrt">Arnold</em> gewonnen.</p> - -<p>Die Amerikaner setzten <em class="gesperrt">Lafayette</em> mit 1200 Mann nach Virginien in -Bewegung und <em class="gesperrt">Des Touches</em> ging am 8. März bei Einbruch der Nacht -mit seinem ganzen Geschwader, sowie 1100 französischen Soldaten in See. -<em class="gesperrt">Arbuthnot</em>, der seeklar am Eingange der Gardinerbucht lag, folgte -sofort. Da seine Schiffe sämtlich gekupfert waren, von den französischen nur -drei, vielleicht auch infolge größerer seemännischer Geschicklichkeit, überholte -er den Gegner. Am 16. März 6 Uhr vorm. meldete eine Fregatte, daß -dieser 2–3 Seemeilen achteraus stehe; wegen nebligen Wetters hatte man -ihn bislang nicht gesehen. Zu dieser Zeit lagen die Geschwader etwa 40 Seemeilen -nordöstlich vom Eingange der Chesapeakebucht; der Wind war westlich, -so daß sie nicht unmittelbar in die Bucht einlaufen konnten und das englische<span class="pagenum"><a name="Page_334" id="Page_334">[334]</a></span> -Geschwader stand zwischen der Einfahrt und dem französischen -(Plan A, A′). <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> drehte sofort um und steuerte nach Norden auf -den Feind zu; nach einigen Manövern bei beständig umspringendem Winde -kam es bald nach Mittag zur Schlacht.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 16. März 1781<a name="FNAnker_161_162" id="FNAnker_161_162"></a><a href="#Fussnote_161_162" class="fnanchor">[161]</a>.</b> Beide Geschwader -zählten 8 Schiffe in der Linie, und zwar das englische ein Schiff zu 98 Kanonen, 3 zu 74, -3 zu 64, 1 zu 50 und das französische ein Schiff zu 84, 2 zu 74, 4 zu 64, 1 zu 44; hierzu -traten 4 englische und 3 französische Fregatten. Die Engländer waren also an Geschützen -nicht unwesentlich überlegen.</p> - -<p class="small">Bald nachdem die Engländer den Kurs nach Norden aufgenommen hatten, drehte -der Wind nach Nord, wodurch die Franzosen in die Luvstellung kamen. <em class="gesperrt">Des Touches</em> -bildete nun die Gefechtslinie über Steuerbordbug, steuerte also östlich; <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> -folgte seinem Beispiele. Der Wind drehte weiter, bis er gegen Mittag auf NO stehen -blieb und stürmisch mit aufkommender hoher See wurde. Die bessere Segelfähigkeit -der englischen Schiffe brachte sie nach und nach näher an die französischen heran, -so daß <em class="gesperrt">des Touches</em> seine Nachhut bedroht sah (Plan B, B′). Um dieser Gefahr -entgegenzutreten, legte er sein Geschwader über den anderen Bug und ging dem Feinde -entgegen. Da er noch Zeit genug hatte, führte er das Manöver im Kontremarsch aus. -Er wollte nach französischem Brauche den unvermeidlichen Kampf in der Leestellung -aufnehmen, was in diesem Falle auch den Vorteil bot, daß die Schiffe die untersten -Batterien verwenden konnten, die in der Luvstellung des starken Überliegens halber -die Pforten geschlossen halten mußten. Er zog nun mit seiner Linie vor der Spitze der -englischen vorüber und steuerte dann westlich.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Arbuthnot</em> segelte zunächst weiter, bis er etwa 2 Uhr nachmittags querab -vom Feinde war, halste dann im Kontremarsch (C, C′) und ging an ihn heran. Die -Franzosen eröffneten schon das Feuer, während die Engländer noch ihr Manöver ausführten, -und um 2½ Uhr lagen beide Linien im Gefecht. Der englische Admiral hatte -das Signal zum „Nahgefecht“ nicht geheißt, dagegen das für „Gefechtslinie“ wehen -lassen. Infolgedessen zögerten die hinteren Schiffe mit dem Nahangriff, und die bekannten -Nachteile der englischen Taktik traten schroff hervor: die drei vorderen Engländer -hatten beim Herangehen schweres Enfilierfeuer auszuhalten, kamen früher -sowie auf nähere Entfernung zum Kampf als die hinteren (D, D′) und litten sehr. <em class="gesperrt">Des -Touches</em> nützte dies aus. Er befahl seinen vorderen Schiffen, auszuweichen, führte -die übrigen unter lebhaftem Feuer an der englischen Spitze vorüber, halste im Kontremarsch -und segelte nach Osten ab (E′). <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> hatte zwar die Absicht, ihm -zu folgen, aber seine vordersten Schiffe waren augenblicklich manövrierunfähig, er -mußte auf seinem westlichen Kurse bleiben (E). So endete der Kampf.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betrugen auf englischer Seite 30 Tote und 73 Verwundete, -auf französischer 73 und 112.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht</em> blieb <em class="gesperrt">taktisch unentschieden</em>, da sie -nicht bis zum äußersten durchgefochten wurde; doch war sie <em class="gesperrt">ein strategischer -Erfolg der Engländer</em>. Ihre Flotte lief während der -Nacht in die Bucht ein, <em class="gesperrt">Des Touches</em> segelte nach Rhode-Island zurück, -da sich der Kriegsrat am 17. dahin entschied, daß man die Landung der -Truppen nicht ausführen könne.</p> - -<p>In Hinsicht auf <b>die Seekriegsgeschichte</b> ist die Schlacht ein gutes Beispiel -zu unseren fortlaufenden Betrachtungen über die Taktik der beiden Gegner<span class="pagenum"><a name="Page_335" id="Page_335">[335]</a></span> -und die Strategie der Franzosen. <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> war stärker, tat aber dem -Feinde keinen Abbruch. Dies war eine Folge der alten englischen Angriffsart, -die um so mehr hervortrat, als der Admiral das Signal, die Linie zu halten, -hatte wehen lassen. Dies wurde ihm auch zum Vorwurf gemacht, und es ergibt -sich daraus, daß man es in England mehr und mehr als fehlerhaft erkannte, -unbedingt die Ordnung zu wahren. — <em class="gesperrt">Des Touches</em> verfuhr seinerseits -nach der französischen Defensivtaktik, er wählte sogar freiwillig die Leestellung -und nutzte dann auch die günstige Lage geschickt aus. Den errungenen -Vorteil aber, die Lahmlegung von drei feindlichen Schiffen, verfolgte er nicht. -Hätte er den Kampf wieder aufgenommen, so würde er wahrscheinlich seine -Aufgabe haben lösen können; die dem französischen Offizierkorps anerzogene -Scheu vor entscheidenden Kämpfen hielt ihn aber davon ab.</p> - -<p class="small">Allerdings machte man <em class="gesperrt">Des Touches</em> Vorwürfe über sein Verhalten, und -weder ihm noch seinen Kommandanten wurde Anerkennung für das geschickt geführte -Gefecht zuteil. Wie tief aber die vorsichtige Kriegführung im französischen Offizierkorps -eingewurzelt war, zeigt der Bericht des Admiral <em class="gesperrt">Barras</em>, der kurz nach der -Schlacht an <em class="gesperrt">Des Touches</em>' Stelle trat und sich für diesen verwandte. Er schrieb, -nachdem er den taktischen Erfolg hervorgehoben hatte: „Daß die Engländer ihre -strategische Aufgabe lösten, war eine Folge ihrer Überlegenheit und noch mehr des -Umstandes, daß dieselbe eine rein defensive war. Es ist ein Grundsatz im Kriege, viel -zu wagen, um die eigene Lage zu verteidigen, aber sehr wenig, um die des Gegners anzugreifen. -Des Touches' Aufgabe war eine rein offensive, und er tat recht, sie aufzugeben, -da es unwahrscheinlich war, daß er den überlegenen Gegner nicht nur schlüge, sondern -auch völlig vernichte<a name="FNAnker_162_163" id="FNAnker_162_163"></a><a href="#Fussnote_162_163" class="fnanchor">[162]</a>.“ <em class="gesperrt">Mahan</em> bemerkt hierzu (Clowes III, Seite 493) sehr treffend: -„<em class="gesperrt">Diese Erhebung der Defensive über die Offensive, dieses -hemmende Rechnen mit Möglichkeiten, diese Scheu vor -Wagnissen erklären die geringen Erfolge der Franzosen -in diesem Kriege.</em>“</p> - -<p><em class="gesperrt">Des Touches</em> erreichte am 18. März die Narragansettbucht, Anfang -April stieß ein Linienschiff mit Munition, sowie 600 Soldaten von Frankreich -zu ihm, und am 10. Mai langte auf einer Fregatte der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de -Barras</em> an, der den Oberbefehl übernahm. Auch <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> traf -bald nach der Schlacht wieder in New York ein und begab sich auf seine -Beobachtungsstellung in der Gardinerbucht; am 2. Juli wurde er durch -den Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Thomas Graves</em> im Kommando abgelöst.</p> - -<p><b>Virginia wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges, Sommer 1781.</b> -<em class="gesperrt">Des Touches</em> überließ durch seinen Rückzug den Engländern die -Chesapeakebucht und <em class="gesperrt">Clinton</em> sandte sofort (Ende März) den General -<em class="gesperrt">Phillips</em> mit 2000 Mann dorthin. Dieser übernahm den Oberbefehl, -segelte während des Monats April den Jamesfluß hinauf, landete an verschiedenen -Stellen, trieb die amerikanischen Milizen auseinander und verwüstete -das Land planmäßig. Anfang Mai ging er wieder flußabwärts und erhielt am -7. Mai von <em class="gesperrt">Cornwallis</em>, der jetzt aus Carolina herangekommen war, -Befehl, sich mit ihm in Petersburg zu vereinigen. <em class="gesperrt">Lafayette</em> war <em class="gesperrt">Phillips</em> -beobachtend gefolgt und versuchte vergeblich, Petersburg vor diesem<span class="pagenum"><a name="Page_336" id="Page_336">[336]</a></span> -zu erreichen, entzog sich aber doch dem Angriff durch <em class="gesperrt">Cornwallis</em>. -Die Vereinigung der englischen Heere fand am 20. Mai statt, nachdem -<em class="gesperrt">Phillips</em> kurz vorher einem Fieber erlegen war. Schon am 24. überschritt -<em class="gesperrt">Cornwallis</em> den Jamesfluß, um <em class="gesperrt">Lafayette</em> anzugreifen, der vor -Richmond Stellung genommen hatte. Dieser wich jedoch weiter aus und erhielt -bald darauf Verstärkung.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cornwallis</em> blieb bei Williamsburg stehen, um die Halbinsel zwischen -dem James- und dem Yorkflusse zu halten. Hier bekam er Befehl, einen -Teil seines Heeres an <em class="gesperrt">Clinton</em> zurückzusenden, der sich in New York unsicher -fühlte. Es zeigte sich jetzt also die Folge seines Fehlers, daß er die -so schon kaum genügenden Kräfte auf zwei nur über See in Verbindung -stehende Kriegsschauplätze verteilt hatte. <em class="gesperrt">Cornwallis</em> wollte nun auf -Portsmouth zurückgehen, um dem Meere näher zu sein. Beim Übergang -über den Jamesfluß wurde er von <em class="gesperrt">Lafayette</em> angegriffen; der nur noch -die Nachhut vor sich zu haben glaubte und eine schwere Niederlage erlitt. -<em class="gesperrt">Cornwallis</em> erhielt jetzt mit dem Widerruf des letzten Befehls den -Auftrag, sich in Yorktown am Südufer in Gloucester am Nordufer des Yorkflusses -festzusetzen und die Halbinsel zu behaupten. Er verfügte dazu über -etwa 7000 Mann, 1 Schiff zu 50 Kanonen und einige kleinere Fahrzeuge; -ihm gegenüber lag <em class="gesperrt">Lafayette</em> mit etwa 1800 Regulären und 3000 Milizen -(Ende August). Hier sollte sich der Landkrieg entscheiden, da die Verbündeten -bald mit weitüberlegenen Kräften auftraten.</p> - -<p>Mit dem Admiral <em class="gesperrt">Barras</em> war der Sohn des Generals <em class="gesperrt">Rochambeau</em> -von seiner Sendung nach Frankreich zurückgekehrt und hatte berichtet, -<em class="gesperrt">de Grasse</em> habe Befehl, während der Orkanzeit von Westindien nach -Nordamerika Schiffe zu senden. Daraufhin kamen <em class="gesperrt">Washington</em> und -<em class="gesperrt">Rochambeau</em> am 21. Mai zusammen, um einen Kriegsplan aufzustellen. -Man zog den Angriff auf New York, sowie eine große Expedition nach Virginia -in Erwägung und entschied sich für letztere, hauptsächlich in der Annahme, -daß <em class="gesperrt">de Grasse</em> nach den Erfahrungen <em class="gesperrt">d'Estaings</em> vor New York -lieber in der Chesapeakebucht bleiben würde. Man beschloß, sofort die -französischen Truppen zu den amerikanischen am Hudson heranzuziehen, -um so zu beiden Unternehmungen bereit zu sein, falls <em class="gesperrt">de Grasse</em> wider -Erwarten den Angriff auf New York vorziehe.</p> - -<p>Nach einer zweiten Beratung am 20. Juni ward dann eine Fregatte -nach Westindien gesandt, um dem Admiral Kenntnis von den Plänen zu -bringen und ihn um baldiges Kommen zu bitten. Dieses Schiff nahm auch -amerikanische Lotsen mit; <em class="gesperrt">Barras</em>, der mit <em class="gesperrt">de Grasse</em> gleichzeitig -Frankreich verlassen hatte, war von diesem hierzu beauftragt worden. Die -Fregatte traf bekanntlich den Admiral in Cap Français und kam schon am -15. August mit der Nachricht zurück, daß er Anfang August nach der Chesapeakebucht -unter Segel gehen werde. Inzwischen war Ende Juli die Vereinigung -am Hudson erfolgt, und man verstärkte die Tätigkeit vor New York, -um Clinton über den eigentlichen Plan zu täuschen. Am 19. August traten<span class="pagenum"><a name="Page_337" id="Page_337">[337]</a></span> -dann plötzlich 2000 Amerikaner und 4000 Franzosen den Marsch nach -Virginia an und erreichten am 3. September Philadelphia. Hier erhielt man -zunächst die beunruhigende Nachricht, daß <em class="gesperrt">Hood</em> von Westindien in New York -angekommen sei, aber gleich darauf erfuhr man <em class="gesperrt">de Grasses</em> Eintreffen vor -der Chesapeakebucht und stand schon am 5. September mit ihm in Verbindung.</p> - -<p>Das französische Geschwader in der Narragansettbucht, 8 Linienschiffe -und 4 Fregatten, ging am 25. August nach der Chesapeakebucht in See; -es führte auf 18 Transportern Truppen nebst einem Belagerungspark mit sich. -<em class="gesperrt">Barras</em> hatte anfangs Bedenken geäußert: er könne mit <em class="gesperrt">Graves</em> in -New York, der außerdem noch Verstärkung aus England entgegensehe, -oder mit der aus Westindien sicher zu erwartenden englischen Flotte zusammenstoßen; -<em class="gesperrt">de Grasse</em> sei aber mit 24 Linienschiffen auch ohne ihn -jedem Gegner gewachsen und habe ihm ja, wohl aus diesem Grunde, freie -Hand gelassen. Da wolle er lieber eine Diversion gegen Neufundland unternehmen. -Er fügte sich jedoch später, nahm aber der Sicherheit halber seinen -Kurs nach Süden weit von der Küste und steuerte die Bucht erst auf der -Breite vom Kap Henry an. So traf er dort unbelästigt, aber erst am 10. September -ein, als die Lage in der Hauptsache bereits entschieden war.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Barras</em>' Einwurf war durchaus berechtigt, denn <em class="gesperrt">Graves</em> war stark genug, -ihn mit seinem Transporte zurückzuweisen, wie es <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> mit <em class="gesperrt">Des Touches</em> -geglückt war; er traf auch tatsächlich früher vor der Bucht ein als Barras. Mit Rücksicht -auf <em class="gesperrt">Graves</em>' Stärke hatte man sogar kurze Zeit vorher daran gedacht, das französische -Geschwader nach Boston zurückzuziehen.</p> - -<p><b>De Grasse und Hood treffen ein. Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht, -5. September 1781.</b> Admiral <em class="gesperrt">Hood</em> war am 25. August vor der Bucht angelangt. -Da man aber in New York nichts von seinem Kommen wußte, -fand er keine Nachrichten über die Lage vor, segelte weiter und ankerte am -28. bei Sandy Hook. Am Abend dieses Tages erfuhr man in New York die Abfahrt -der Franzosen von Rhode-Island. Admiral <em class="gesperrt">Graves</em> kam mit 5 Linienschiffen -und einem 50-Kanonenschiffe, die allein völlig seebereit waren, -aus dem Hafen, übernahm den Oberbefehl und segelte am 31. August zur -Verfolgung ab. Man wußte jetzt, daß das Heer der Verbündeten im Eilmarsch -nach dem Süden zog, auch wollte man versuchen, <em class="gesperrt">Barras</em> und -<em class="gesperrt">de Grasse</em> einzeln zu schlagen; letzteren schätzte man, wie auch <em class="gesperrt">Rodney</em> -getan hatte, auf nur etwa 14 Schiffe.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> erreichte die Chesapeakebai am 30. August und ankerte -in der Lynnhavenbucht hinter Kap Henry. Er ließ trotz des weiten Weges -die mitgebrachten 3300 Soldaten durch die Ruderboote der Flotte nach -dem Jamesflusse befördern und dort landen, auch sandte er 4 Linienschiffe -mit, um diese Überführung zu decken, die englischen Schiffe im Yorkflusse -festzuhalten und um dem englischen Heere unter Cornwallis den Rückzug -über den Jamesfluß zu verlegen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Lafayette</em> wurde durch die Gelandeten auf 8000 Mann verstärkt -und rückte bis Williamsburg vor. Am 5. September früh erhielt <em class="gesperrt">de Grasse</em><span class="pagenum"><a name="Page_338" id="Page_338">[338]</a></span> -eine Bitte <em class="gesperrt">Washingtons</em>, seine Truppen von Philadelphia nach Virginien -überzusetzen; der Admiral bestimmte hierfür auch 7 Linienschiffe, wollte -jedoch zuvor noch die Rückkehr der entsandten Boote abwarten. Um 9 Uhr -vormittags meldete ihm eine Ausguckfregatte das Nahen einer großen Flotte. -Man hielt diese zunächst für das Geschwader Barras' mit den Transportern, -entnahm aber bald aus der Anzahl der schweren Schiffe, daß es Engländer -sein müßten. <em class="gesperrt">De Grasse</em> beschloß, ihnen vor der Bucht entgegenzutreten -und ging um Mittag in See, als die Ebbe einsetzte. <em class="gesperrt">Graves</em> war seinerseits -auf das peinlichste überrascht, auf eine überlegene Flotte zu stoßen, -zögerte aber keinen Augenblick mit dem Angriff. Die Schwerfälligkeit der -englischen Methode ließ jedoch seine Tapferkeit zuschanden werden.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p338.jpg" width="400" height="318" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p338" id="fig_p338"></a> -<p class="caption">Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Die Schlacht -vor der Chesapeakebucht -am 5. September 1781<a name="FNAnker_163_164" id="FNAnker_163_164"></a><a href="#Fussnote_163_164" class="fnanchor">[163]</a>.</b> <em class="gesperrt">Die -französische -Flotte</em> zählte -24 Linienschiffe -und zwar: 1 Schiff -zu 104 Kanonen -(„Ville de Paris“, -das größte und -schönste Schiff -jener Zeit), 3 zu 80, -17 zu 74, 3 zu 64; -die englische Flotte -zählte 19 Schiffe: -2 zu 90, 12 zu 74, -1 zu 70, 4 zu 64, -1 zu 50 (dieses stand -nicht in der Linie).</p> - -<p class="small">Die Mündung -der Bucht vom Kap -Charles bis Kap -Henry ist etwa 10 Seemeilen breit; die Haupteinfahrt befindet sich zwischen letztgenanntem -Kap und einer 3 Seemeilen entfernten Bank, dem Mittelgrunde. Als die englische Flotte -gesichtet wurde, segelte sie von Norden mit südwestlichem Kurse auf die Einfahrt zu und -bildete bei der Annäherung Kiellinie. Der Wind war NNO, viele der französischen Schiffe -mußten beim Inseegehen einige Schläge machen, um das Kap Henry zu passieren; die Bildung -der Linie dauerte infolgedessen längere Zeit, und sie war anfangs weder gut geschlossen -noch ausgerichtet. <em class="gesperrt">De Grasse</em> steuerte über Steuerbordbug beim Winde nach Osten; -um 2 Uhr nachmittags stand seine Vorhut querab von der Mitte der Engländer.</p> - -<p class="small">Nun halste <em class="gesperrt">Graves</em> mit allen Schiffen zugleich, so daß die beiden Linien parallel -etwa 3 Seemeilen voneinander entfernt über gleichen Bug lagen, wartete ab, bis das -feindliche Flaggschiff querab von dem seinen war (Plan: Lage A, A′) und setzte sich -dann wieder in Fahrt. Um 2½ Uhr gab er dem Spitzenschiff Befehl, auf die Spitze -des Gegners zuzuhalten; da die anderen Schiffe im Kielwasser des Spitzenschiffes bleiben<span class="pagenumsmall"><a name="Page_339" id="Page_339">[339]</a></span> -mußten, näherte sich die englische Linie der feindlichen in einem spitzen Winkel. Um -3¾ Uhr heißte der Admiral das Signal zum Angriff, ließ aber das für „Kiellinie“ wehen. -Die Engländer befanden sich also genau in der Lage (B, B′), die sich bei Betrachtung -der Taktik (Seite 41) als überaus ungünstig herausgestellt hat, und die Folgen blieben -nicht aus. Die vorderen Schiffe kamen früher ins Gefecht, die folgenden erst nach -und nach, ja überhaupt nur bis zum zwölften; diese zwölf aber hatten längere Zeit -Enfilierfeuer auszuhalten, ohne es ernstlich erwidern zu können. In diesem besonderen -Falle ergab sich hieraus noch ein weiterer Übelstand. Der Admiral, sowie einige Schiffe -vor ihm luvten während der Annäherung zeitweise an, um ihre Breitseiten abgeben -zu können, hierdurch wurde die Ordnung gestört und die Schiffe behinderten sich -gegenseitig, Umstände, die sich bei anderen Schlachten als eine Folge dieser Art des -Angriffs herausstellten, wenn Schiffe durch Havarien aufgehalten wurden (vgl. Minorka, -Seite 137). Nach dem Schiffsjournal des Flaggschiffes hat <em class="gesperrt">Graves</em> mehrere Male -das Signal „Kiellinie“ niedergeholt, es aber immer wieder geheißt. Der Führer der -Nachhut, <em class="gesperrt">Hood</em>, hat das Niederholen um 5½ Uhr, dicht vor Ende des Kampfes, -zum ersten Male erkannt. Die letzten 7 Schiffe kamen überhaupt nicht mehr zum -Gefecht, was <em class="gesperrt">Hood</em> eben diesem Umstande neben dem zu schrägen Heranführen -zuschrieb. Um die genannte Zeit nämlich gab <em class="gesperrt">de Grasse</em> seinen vordersten Schiffen -Befehl, langsam abzuhalten, denn er glaubte sie gefährdet, weil seine hinteren Schiffe -ziemlich weit in Lee standen. <em class="gesperrt">Graves</em> aber blieb dicht am Winde liegen, und so endete -der Kampf gegen Sonnenuntergang. <em class="gesperrt">Hood</em> schrieb am nächsten Tage eine Kritik über -die Führung, die auch veröffentlicht wurde. Sie gipfelte in den erwähnten Punkten und -zog den Schluß, daß ohne diese Fehler die feindliche Vorhut hätte vernichtet werden können.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betrugen auf französischer Seite nach eigener Angabe 200 Tote -und Verwundete, auf englischer 336; auch waren wie gewöhnlich die vorderen englischen -Schiffe, besonders fünf von ihnen, stark beschädigt.</p> - -<p>Nach vorstehender Schilderung ist auch <em class="gesperrt">diese Schlacht ein besonders -gutes Beispiel für die Taktik der beiden Gegner. Strategisch</em> -war sie <em class="gesperrt">ein Erfolg der Franzosen</em>. <em class="gesperrt">Graves</em> hatte wohl die Absicht, den -Kampf zu erneuern, sah aber wegen der Beschädigung mehrerer seiner Schiffe -davon ab. Er hielt sich bis zum 9. September in Sicht der Franzosen, am 10. -mußte er ein 74-Kanonenschiff verbrennen, da es nicht mehr flott zu halten war, -und als ihm am 13. eine Fregatte meldete, daß die französische Flotte noch -verstärkt in der Bucht läge, segelte er nach New York ab, wo er am 19. eintraf.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Hood</em> war auch mit dem Verfahren nach der Schlacht nicht einverstanden. -Nach seiner Ansicht hätte man unmittelbar nach Abbruch des Kampfes in die Bucht -einlaufen und hier eine Verteidigungsstellung einnehmen müssen; der Feind würde -dann wahrscheinlich von einem Angriffe abgesehen haben. Als er dann am 13. September -von <em class="gesperrt">Graves</em> um seine Ansicht befragt wurde, antwortete er, er könne wirklich -keinen Rat in der traurigen Lage geben, in die man sich selber gebracht habe.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> hatte sich während der Tage nach der Schlacht beobachtend -und abwartend verhalten; ihm lag in erster Linie daran, das erwartete -Geschwader <em class="gesperrt">Barras</em>' sicher aufzunehmen. Am 10. September -segelte er nach der Chesapeakebucht, da er wegen seiner Boote in Sorge war -und auch den Vormarsch des Landheeres unterstützen wollte. Als er am -11. einlief, fand er die Boote und <em class="gesperrt">Barras</em> in Lynnhavenbucht vor.</p> - -<p><b>Cornwallis ergibt sich in Yorktown, Oktober 1781.</b> Inzwischen hatten -die Generale am Nordende der Chesapeakebucht alle Fahrzeuge gesammelt, -deren sie habhaft werden konnten und mit ihnen 2000 Mann nach Süden<span class="pagenum"><a name="Page_340" id="Page_340">[340]</a></span> -befördert; der Rest setzte den Marsch zu Lande fort und wurde dann teilweise -durch französische Fregatten von Annapolis aus weitergeführt. Am 25. September -war die ganze Macht der Verbündeten, 14000 Mann, bei Williamsburg vereint und -rückte am 26. gegen Yorktown vor; die Stadt ward eingeschlossen und auch Gloucester -berannt. Um diese Zeit erfuhr <em class="gesperrt">de Grasse</em>, daß <em class="gesperrt">Graves</em> Verstärkungen -erhalten habe. Er wollte auslaufen, da er dessen Erscheinen erwartete, aber -<em class="gesperrt">Washington</em> ersuchte ihn zu bleiben, damit <em class="gesperrt">Cornwallis</em> keine Möglichkeit -habe zu entschlüpfen. So hielt sich die Flotte nur zum Inseegehen bereit.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cornwallis</em> war nun auch vom Meere abgeschnitten. Von seinen -Truppen — 7250 Soldaten und 850 Seeleute, die in den Werken Schiffsgeschütze -der Flottille bedienten — lagen ungefähr 1500 Mann krank, Lebensmittel -wie Munition wurden knapp; auch ein Versuch, sich von Norfolk -über den Yorkfluß nach Gloucester zu ziehen, schlug fehl, da ein Sturm die -Boote der Flottille vernichtete. In der Nacht vom 14./15. Oktober nahmen -die Belagerer zwei wichtige Außenforts. Am 18. trat <em class="gesperrt">Cornwallis</em> in -Unterhandlungen und <em class="gesperrt">übergab</em> am 19. <em class="gesperrt">Oktober Yorktown</em>. -Das englische Heer ward kriegsgefangen; 22 Fahnen, 160 Kanonen, 8 Mörser, -sowie einige kleinere Kriegsschiffe fielen den Siegern in die Hände. Um die -„Loyalisten“ zu retten, die unter ihm dienten und die von den Amerikanern -als Verräter behandelt worden wären, bedingte sich <em class="gesperrt">Cornwallis</em> aus, -daß ein Schiff mit ihnen an Bord undurchsucht nach New York segeln dürfte, -von wo es dann zurückkehren und sich den Gegnern überliefern mußte. -Noch größer war der moralische Erfolg des Sieges. Er belebte den gesunkenen -Mut der Amerikaner, gab in England der Opposition und den Friedensfreunden -eine neue Waffe und trug selbst zum Sturz des Ministeriums bei. -<em class="gesperrt">Mit dem Falle von Yorktown war der Krieg in Nordamerika -gewissermaßen beendet.</em></p> - -<p><b>Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück.</b> Kurz nach Ankunft -der englischen Flotte in New York stießen Kontreadmiral <em class="gesperrt">Digby</em>, -der den Oberbefehl der Station übernehmen sollte, von England mit 3 Linienschiffen, -sowie die beiden von <em class="gesperrt">Rodney</em> nach Jamaika entsandten Schiffe -zu ihr. Ein neuer Versuch zum Entsatz Yorktowns wurde beschlossen. -<em class="gesperrt">Graves</em>, der für das Kommando der Jamaikastation bestimmt war, -behielt vorläufig den Oberbefehl und erschien am 25. Oktober mit 27 Linienschiffen, -sowie 6000 Mann bei Kap Henry; auf die Nachricht von <em class="gesperrt">Cornwallis</em>' -Schicksal kehrte er jedoch nach New York zurück, ohne einen Angriff -auf die französische Flotte gemacht zu haben. Er ging dann auf seine -neue Station; <em class="gesperrt">Hood</em> segelte am 5. November mit 18 Linienschiffen nach -Westindien und traf am 5. Dezember in Barbados ein.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> ging am 4. November mit seiner ganzen Flotte, einschließlich -des Geschwaders Barras', in See; nur einige Fregatten blieben zurück. Er zweigte -4 Linienschiffe ab, um die von St. Domingue mitgenommenen Soldaten wieder -dorthin zu führen und dann den bei seiner Abfahrt zurückgelassenen Konvoi -nach Europa zu geleiten. Mit dem Gros traf er am 26. November in Fort Royal ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_341" id="Page_341">[341]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Washington</em> hatte <em class="gesperrt">de Grasse</em> ersucht, noch einen Angriff auf Charleston oder -auf Wilmington zu unterstützen. Der Admiral erklärte, seinem Befehle gemäß möglichst -bald nach Westindien segeln zu müssen; ein Unternehmen gegen erstgenannte Stadt würde -zu langwierig werden, zu einem solchen gegen Wilmington stelle er sich zur Verfügung, wenn -es vor dem 1. November begonnen werden könne. Da jedoch die Amerikaner bis dahin -nicht bereit waren, segelte er mit dem Versprechen ab, im nächsten Jahre wiederzukommen.</p> - -<p><b>Die Franzosen erobern St. Eustache zurück, 26. November 1781.</b> Der -Gouverneur von Martinique, <em class="gesperrt">Marquis de Bouillé</em>, hatte erfahren, -daß die Engländer seit der Abfahrt der Flotten nach Nordamerika in St. -Eustache alle Vorsicht gegen einen Angriff außer acht ließen. Er ging am -16. November mit 2 Fregatten, einer Korvette und 1200 Mann auf einigen -Handelsschiffen in See, landete in der Nacht vom 25./26. etwa 6 Seemeilen -von der Stadt und rückte auf diese vor. Am 26. um 6 Uhr morgens überraschte -er einen Teil der englischen Garnison auf dem Exerzierplatze und -drang mit den Flüchtenden in das Fort ein; die übrigen Engländer wurden -in der Stadt und in den Kasernen gefangen genommen. Außer etwa 700 Soldaten -fiel ein Teil der Beute <em class="gesperrt">Rodneys</em> in die Hände der Sieger, die sie -den Holländern zurückgaben. Von St. Eustache aus bemächtigte sich -<em class="gesperrt">Bouillé</em> dann auch der Inseln <em class="gesperrt">St. Martin</em> und <em class="gesperrt">Saba</em>; nach Fort -Royal zurückkehrend, fand er <em class="gesperrt">de Grasse</em> dort vor.</p> - -<p><b>Beurteilung der Kriegführung in Westindien und Nordamerika 1781.</b> -<em class="gesperrt">In Westindien</em> traf <em class="gesperrt">Rodney</em> zu Anfang des Jahres auf keinen -nennenswerten Widerstand, und so wurde es ihm leicht, sich der holländischen -Besitzungen zu bemächtigen. Zu sehr um die Sicherung der Beute besorgt, -trug er dann aber der Änderung der Lage keine Rechnung, die durch -die Ankunft der großen Flotte nebst Konvoi unter <em class="gesperrt">de Grasse</em> entstand. -Es war falsch, <em class="gesperrt">Hood</em> in Lee der Insel Martinique zu stationieren; <em class="gesperrt">de -Grasse</em> erhielt dadurch Gelegenheit, den Konvoi nach Fort Royal zu -führen. <em class="gesperrt">Rodney</em> selber würde wohl anders gehandelt haben. <em class="gesperrt">Hood</em> -konnte nur der erhaltenen Weisung folgen und, als es ihm nicht gelungen -war, seine schwächeren Kräfte in günstiger Lage zum Kampfe zu bringen, -seinen Oberbefehlshaber wieder aufsuchen. Hierdurch ging Zeit verloren, -und den Franzosen glückte die Wegnahme von <em class="gesperrt">Tabago</em>.</p> - -<p>Später war <em class="gesperrt">Rodney</em> als der Schwächere stets nur imstande, den Gegner in -Schach zuhalten und die anderen Inseln, besonders Barbados, zu decken. Wenn -er endlich nur einen Teil der Flotte nach Nordamerika sandte, auf die unsichere -Annahme hin, der Gegner habe ein gleiches getan, so war auch dies ein Fehler, ist -jedoch damit zu entschuldigen, daß die englischen Admirale stets der öffentlichen -Meinung zuliebe großes Gewicht auf die Sicherung von Konvois legen mußten.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> trat in Westindien nicht so tatkräftig auf, wie es die Stärke -seiner Flotte erlaubt hätte. Bei Martinique war er <em class="gesperrt">Hood</em> gegenüber zu besorgt -um den Konvoi, später <em class="gesperrt">Rodney</em> gegenüber um die Sicherheit der -eroberten Inseln. Es war eben wieder das vorsichtige Handeln der französischen -Führer jener Zeit. Hätte er seine Überlegenheit zur Erringung der -Seeherrschaft eingesetzt, würde er vielleicht sämtliche Antilleninseln erobert<span class="pagenum"><a name="Page_342" id="Page_342">[342]</a></span> -haben; so blieb die feindliche Flotte unversehrt, und Tabago war der einzige Erfolg. -Anders zeigte sich <em class="gesperrt">de Grasse</em> beim Antritt seiner Fahrt nach Nordamerika.</p> - -<p><em class="gesperrt">In Nordamerika</em> waren die Engländer durch die Expedition nach -Virginia in eine gefährliche Lage geraten. Anfangs befanden sie sich hier -allerdings im Vorteil, und auch der erste Versuch der Verbündeten, ihre Lage -zu bessern, schlug fehl, da der französische Admiral <em class="gesperrt">Des Touches</em> trotz -des im allgemeinen erfolgreichen Zusammenstoßes mit <em class="gesperrt">Arbuthnot</em> seine -Aufgabe nicht durchführte. Das Vordringen der Engländer in Virginien erhöhte -die schon vorhandene Kriegsmüdigkeit in den Kolonien. Der Zeitpunkt -schien nicht fern, wo der Kongreß den Krieg hätte beenden müssen, wenn -nicht Hilfe kam. Diese sollte die große französische Flotte bringen und den -Umstand benutzen, daß die Engländer zur Verbindung zwischen den beiden -Kriegsschauplätzen ganz auf den Seeweg angewiesen waren, um sie auf einem -derselben überlegen und überraschend anzugreifen.</p> - -<p>Ganz richtig wählten <em class="gesperrt">Washington</em> und <em class="gesperrt">Rochambeau</em> hierzu -Virginien. Hier war die englische Stellung schwächer als im Norden, man -konnte durch scheinbare Bedrohung von New York den Gegner über den -wahren Angriffspunkt täuschen, bis die Flotte die Verbindung unterbrach. -Die Chesapeakebucht lag außerdem Westindien näher und ihre Wassertiefen -machten sie geeigneter für ein Mitwirken der Seestreitkräfte. Auch <em class="gesperrt">de -Grasse</em> erkannte die Lage richtig und führte seine Aufgabe mit Entschlossenheit -und Tatkraft durch. Er erhob keine Einwände, die Verzögerungen -gebracht hätten, sondern beschaffte schnell die verlangten Geldmittel und -Truppen und nahm von Seestreitkräften alles mit, was zu erlangen war, obgleich -dadurch ein großer Konvoi zurückbleiben mußte.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Mahan</em> (I, Seite 379) sagt hierzu: „Dieser Vorfall beleuchtet eine Schwäche -eines handeltreibenden Volkes mit parlamentarischer Regierung dem reinen Militärstaat -gegenüber. So schrieb ein Offizier jener Zeit, wenn die britische Regierung eine -derartige Maßnahme (d. i. Zurückhaltung des Konvois) gebilligt oder ein englischer -Admiral sie angeordnet hätte, so wäre die erstere gestürzt und letzterer gehängt worden.“ -Wie eben erwähnt, hatte <em class="gesperrt">Rodney</em> seine Flotte durch Konvoibegleitungen geschwächt.</p> - -<p>So war <em class="gesperrt">de Grasse</em> rechtzeitig in genügender Stärke zur Stelle, beschäftigte -dann <em class="gesperrt">Graves</em> mit Kaltblütigkeit, bis Barras zu ihm stieß, und -unterstützte schließlich die Operationen des Heeres. Die französische Flotte -trug in erster Linie zum Falle von Yorktown und damit zur Beendigung des -Krieges in Nordamerika bei.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">De Grasse</em> fand volle Anerkennung in Amerika. Der Kongreß sprach ihm -seinen Dank aus und schenkte ihm vier der eroberten Kanonen, die der Admiral später -vor seinem Schlosse de Tilly im Departement Seine et Oise aufstellte. Noch mehr -mußte ihn die Anerkennung <em class="gesperrt">Washingtons</em> befriedigen, dieses tüchtigen Kriegs- -und Staatsmannes, der wie niemand sonst die Hilfsquellen seines Landes, sowie die -Schwierigkeit des Kampfes kannte. Dieser schrieb ihm nach der Übergabe von Yorktown: -„Die Übergabe...., wofür die Ehre Eurer Exzellenz gebührt, ist unserer -hoffnungsvollsten Erwartung vorausgeeilt.“ Er bittet dann um weitere Unterstützung -und fährt fort: „Die Überlegenheit der Engländer zur See vor Ihrer Ankunft gab ihnen -entscheidende Vorteile durch den schnellen Transport von Truppen und Vorräten,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_343" id="Page_343">[343]</a></span> -während die Märsche, die unsere Verstärkungen machen mußten, sie der Gefahr aussetzten, -einzeln geschlagen zu werden. Es hängt von Ew. Exzellenz ab, den Krieg -zu beenden.“ Als <em class="gesperrt">de Grasse</em> diese Aufforderung ablehnte, aber auf das nächste -Jahr verwies, nahm <em class="gesperrt">Washington</em> dies an und fügte hinzu: „Ich brauche Ew. -Exzellenz gegenüber nicht auf die unabweisbare Notwendigkeit einer so starken Seestreitkraft -zurückzukommen, die Ihnen die unbedingte Überlegenheit sichert.... -Sie werden bemerkt haben, daß bei allen Anstrengungen des Landheeres der Marine -stets das entscheidende Wort in dem gegenwärtigen Kampfe zufällt.“ — <em class="gesperrt">Mahan</em> I, -Seite 383–386, bringt weitere Auszüge aus Briefen <em class="gesperrt">Washingtons</em>, auch an andere -Personen, die bezeugen, welch hohen Wert er der Kriegführung zur See beimaß.</p> - -<p>Der ungünstige Verlauf der englischen Unternehmungen ist zunächst -der Teilung der Kräfte für Westindien und Nordamerika zuzuschreiben, eine -Folge der Strategie Englands, auf allen Kriegsschauplätzen stets einem Angriffe -gewachsen zu sein. Wir wollen hierauf in der Schlußbesprechung des -Krieges eingehen. Schlechte Leitung und wirkliches Mißgeschick traten hinzu.</p> - -<p><em class="gesperrt">Graves</em>' Geschwader hätte um einige Schiffe der Jamaikastation -stärker sein können, wenn <em class="gesperrt">Rodneys</em> Befehle genau befolgt wären. Es -waren unglückliche Zufälle, daß <em class="gesperrt">Graves</em> die Nachrichten aus Westindien -nicht erhielt, sonst wäre er wohl rechtzeitig vor der Chesapeakebucht gewesen. -Vielleicht war es ein Fehler, daß er selbst mit der ganzen Flotte New York -zu einer Jahreszeit verließ, zu der er auch ohne weiteres die Flotten aus Westindien -erwarten konnte, aber ihm war von England aus das Abfangen eines -französischen Konvois dringend empfohlen.</p> - -<p>Als er dann nach der Chesapeakebucht ging, wußte er von <em class="gesperrt">Barras</em>' -Auslaufen und hätte außer Sicht von Land kreuzen müssen, um zunächst -diesen abzufangen. Wäre dies, wie wahrscheinlich, geglückt, so würde das -feindliche Heer vor Yorktown kein Belagerungsmaterial gehabt haben und -die französische Flotte späterhin nicht so überlegen gewesen sein. Daß <em class="gesperrt">de -Grasse</em> überhaupt schon und in solcher Stärke angelangt war, wußte er -allerdings nicht. Die vor der Bucht stationierten Kreuzer hatten geankert, -statt unter Segel zu bleiben; sie wurden durch die Franzosen überrascht, einer -genommen, der andere in die Bucht gejagt. Sicher hätte <em class="gesperrt">Graves</em>, sobald -er Nachricht erhalten, sich zuerst gegen <em class="gesperrt">Barras</em> gewendet. So wäre vielleicht -der schnelle Fall Yorktowns verhindert und bei dem schon hervortretenden -Mißtrauen der Amerikaner gegen Frankreich, sowie der Kriegsmüdigkeit dieser -manches anders gekommen.</p> - -<h5>Der Krieg in Europa 1782.</h5> - -<p><em class="gesperrt">Der Wechsel des Ministeriums in England im März</em> -1782 brachte den Krieg in Nordamerika zum Stillstand. Wenn auch -der König stets fest entschlossen blieb, die Unabhängigkeit der Kolonien -nicht anzuerkennen und die Einmischung Frankreichs, sowie Spaniens nicht -zu dulden, zeigte sich doch die öffentliche Meinung durch die ungeheuren -Kriegskosten, durch das zweimalige Erscheinen überlegener feindlicher -Flotten an Englands Küsten und durch mancherlei andere Vorfälle umgestimmt. -Die Staatsschuld war auf 198 Millionen Lstrl. angewachsen, man<span class="pagenum"><a name="Page_344" id="Page_344">[344]</a></span> -mußte 300000 Soldaten und Seeleute besolden, sowie große Flotten im Dienst -halten; die Zivilliste war, obgleich stark erhöht, überschritten und es war bekannt, -daß große Summen aus ihr zur Gewinnung von Parlamentsmitgliedern -für die Regierung verwendet wurden. Dabei sah man weder in Nordamerika -noch zur See durchschlagende Erfolge. All dies erweckte im Volk den Wunsch -nach Frieden mit den Kolonien; diese Stimmung wurde von Agenten sowie -Freunden der Amerikaner genährt und ergriff immer weitere Kreise. Zudem -traf dicht vor Eröffnung des Parlaments im Herbst 1781 die Nachricht von -der Kapitulation des Heeres bei Yorktown ein.</p> - -<p>Nach allem, was man bisher von dem jämmerlichen Zustande der amerikanischen -Truppen, dem Geldmangel und der geringen Neigung der Kolonisten -gehört hatte, für den Krieg Opfer zu bringen, kam die Kunde doppelt -unerwartet; selbst der Premierminister, <em class="gesperrt">Lord North</em>, war völlig niedergeschlagen. -Der König verharrte allerdings auf seinem Standpunkte, und in -der Thronrede vom 27. November verlautete nichts über den Frieden, aber -im Volke schwand jede Neigung zum Kriege, wenigstens für den mit den -Kolonien. Als dann noch der Verlust Minorkas und der westindischen Inseln -bekannt wurde, hatte die Opposition im Parlamente freies Spiel. Die Politik -der Regierung, die Verwaltungen des Heeres und der Marine, sowie die ganze -Kriegführung wurden schonungslos angegriffen und die Einstellung des -Kampfes in Nordamerika verlangt. Im März 1782 mußte das Ministerium -einem solchen der Whigs weichen. Dieses stand unter der Leitung des <em class="gesperrt">Marquis -of Rockingham</em>, und der Admiral <em class="gesperrt">Augustus Keppel</em> -wurde Erster Lord der Admiralität an Stelle des <em class="gesperrt">Earl of Sandwich</em>, -der besonders hart, und zwar auch von höheren Seeoffizieren, angegriffen -war. Als am 1. Juli, nach dem Tode Rockinghams, der <em class="gesperrt">Graf von Shelburne</em> -(Lansdown) an die Spitze trat, kam Sir <em class="gesperrt">William Pitt</em> (der -Jüngere) ins Kabinett und gewann sofort großen Einfluß, bis er im Dezember -1783 tatsächlich die Leitung übernahm.</p> - -<p>Die Opposition erreichte zunächst, daß der Oberbefehlshaber in Amerika -Befehl erhielt, sich auf das Halten der noch besetzten Plätze — New York, -Charleston, Savannah — zu beschränken. Da nun auch die Amerikaner ohne -die französische Flotte keinen Angriff wagten, trat <em class="gesperrt">im Landkriege</em> -eine Art <em class="gesperrt">Waffenstillstand</em> ein. <em class="gesperrt">Der Seekrieg</em> gegen die drei -europäischen Mächte, der in England weit populärer war, ward dagegen -mit aller Kraft fortgesetzt; er spielte sich besonders in West- und Ostindien -ab. Schon im Januar segelte <em class="gesperrt">Rodney</em> mit 12 Linienschiffen nach Westindien.</p> - -<p class="small"><b>Indienststellungen 1782.</b> (Vgl. die Listen Seite 224.) <em class="gesperrt">In England</em> waren für -1782 der Marine 100000 Mann, einschließlich 21000 Seesoldaten, sowie etwa 7¼ Millionen -Lstrl. bewilligt. Im Sommer befanden sich 129 Linienschiffe im Dienst, von denen -35 in den heimischen Gewässern und 59 in den westindischen stationiert waren. <em class="gesperrt">Frankreich -und Spanien</em> verfügten in Europa über wenigstens 50 Linienschiffe und -würden auch in Westindien mit 58 dem Feinde gewachsen gewesen sein, wenn ihre -Flotten zusammengewirkt hätten. In Ostindien standen 22 englische gegen 13 französische -Schiffe. <em class="gesperrt">Holland</em> hatte im Oktober 16 Linienschiffe in Dienst.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_345" id="Page_345">[345]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Der Krieg in den europäischen Gewässern</em> drehte sich -1782 wie im Vorjahre um die Seeherrschaft am Eingange des Kanals und um -Gibraltar. Port Mahon fiel schon am 5. Februar den Spaniern in die Hände -(vgl. Seite <a href="#Page_319">319</a>), und die hier verwendeten Truppen wurden nun zur Belagerung -von Gibraltar mit herangezogen. Neben der engen Einschließung dieser -Festung von See her planten Frankreich und Spanien auch in diesem Jahre -mit ihrer Hauptseemacht in den nördlichen Gewässern aufzutreten; zu dieser -sollten holländische Schiffe stoßen. Ein Unternehmen gegen die englische -Küste scheint nicht beabsichtigt gewesen zu sein, sondern nur das Abfangen -von Konvois sowie Militärtransporten und das Festhalten der englischen Flotte -zugunsten der Belagerung von Gibraltar.</p> - -<p>Schon am 11. Februar verließ Admiral <em class="gesperrt">de Guichen</em>, sobald die Schiffe -ihre im Dezember erlittenen Beschädigungen ausgebessert hatten, mit 16 -Linienschiffen, von denen 2 nur als Flüten armiert waren, und 11 Fregatten -Brest. Drei Linienschiffe waren nebst einem großen Konvoi mit Vorräten für -das dortige Geschwader nach Westindien, zwei nach Ostindien bestimmt; -sie trennten sich an der spanischen Küste von der Flotte. Hier ward auch am -15. Februar <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> mit 4 Linienschiffen abgezweigt, um -in der Biskaya und vor dem Kanal zu kreuzen; er machte einige Prisen, erlitt -aber schon am 23. in einem schweren Sturme arge Schäden und lief am 26. -wieder in Brest ein. Am Wiederauslaufen wurde er bald durch überlegene -englische Kräfte gehindert. <em class="gesperrt">Guichen</em> erreichte am 11. Februar mit -5 Schiffen Cadiz und trat unter den Oberbefehl des spanischen Admirals -<em class="gesperrt">Cordoba</em>, der hier mit 27 Linienschiffen lag; 11 spanische, sowie 2 französische -befanden sich außerdem unter Admiral <em class="gesperrt">Moreno</em> bei Algeciras.</p> - -<p>Die englische Kanalflotte, die insgesamt nur 35 Linienschiffe zählte, -während sie mit einer feindlichen Macht von gegen 60, einschließlich der -holländischen, rechnen mußte, eröffnete den Feldzug mit vorsichtigen kleinen -Operationen, je nachdem die Schiffe bereit wurden. Den Oberbefehl führte -<em class="gesperrt">Lord Howe</em>, der durch den Wechsel im Ministerium aus seiner langen -Untätigkeit erlöst war; unter ihm befehligten die tüchtigen Admirale <em class="gesperrt">Barrington</em> -und <em class="gesperrt">Kempenfelt</em>. Der erstere kreuzte in der zweiten Hälfte -des April mit 12 Linienschiffen vor dem Kanal, um die Franzosen in Brest -festzuhalten, feindliche Konvois abzufangen und den eigenen Handel zu -schützen. Er hatte einen nicht unbedeutenden Erfolg.</p> - -<p class="small"><b>Barrington vernichtet einen Transport für Ostindien.</b> Am 20. April 1782 mittags -sichtete der Admiral südwestlich von Ouessant 18 französische Transporter mit Truppen -und Kriegsmaterial für Ostindien, die durch 3 Linienschiffe (eins als Flüte armiert) -nebst einer Fregatte geleitet wurden, und jagte sie. Die Franzosen flohen zur Küste -zurück, aber das Linienschiff „Pegasus“ von 74 Kanonen wurde am Abend vom -Kapitän <em class="gesperrt">Jervis</em>, dem später berühmten Admiral, mit dem „Foudroyant“ von 80 Kanonen, -der den anderen Engländern weit voraus war, eingeholt und nach einem dreistündigen -Nachtgefecht genommen. <em class="gesperrt">Jervis</em> fing dann noch 13 Transporter und ein anderes -englisches Schiff bemächtigte sich des als Flüte armierten Linienschiffes. Wie der -Verlust des Konvois überhaupt, so war die Wegnahme dieses Schiffes im besonderen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_346" id="Page_346">[346]</a></span> -ein harter Schlag für den in Ostindien schwer ringenden Admiral <em class="gesperrt">Suffren</em>, denn -es führte Rundhölzer für vier Linienschiffe an Bord. <em class="gesperrt">Jervis</em> erhielt für seinen Erfolg -den Bathorden, der Kommandant des „Pegasus“ ward aus dem Dienste entlassen. -Man war in Frankreich über seine Niederlage empört, da man sich bisher schmeichelte, -in Einzelgefechten von annähernd gleichstarken Schiffen meist den Sieg davongetragen -zu haben. Der Verurteilte fand aber in der Marine Verteidiger, die auf die ungünstigen -Verhältnisse hinwiesen, unter denen er gefochten habe: „Das Schiff sei erst am 11. April -auf die Rhede gegangen, kaum ausgerüstet und so mangelhaft bemannt, daß ein junger -Unterleutnant die unterste schwerste, Batterie befehligt habe; der Kapitän habe erst -am 13. das Kommando übernommen und schon am 19. in See gehen müssen.“ Es sind -dies wohl zu beachtende Umstände für die Beurteilung der französischen Marine jener Zeit.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Barrington</em> Ende April nach Portsmouth zurückgekehrt war, -ging <em class="gesperrt">Kempenfelt</em> mit 8 Linienschiffen zum Kreuzen in See.</p> - -<p>Anfang Mai erfuhr man in England, Holland beabsichtige, in Texel ein -größeres Geschwader zu sammeln, das nach auswärts bestimmte Handelsschiffe -geleiten und sich dann mit der französisch-spanischen Flotte vereinigen -solle. Die holländischen Handelsschiffe für die Ostsee, die durch die -Schlacht auf der Doggerbank im August 1781 zurückgetrieben waren, hatten -bislang nicht segeln können, da man ihnen keine genügende Begleitung zu -geben vermochte, und heimgekehrte West- sowie Ostindienfahrer warteten in -den norwegischen Häfen auf Abholen; der holländische Handel lag brach, nur -den nach Westindien bestimmten Schiffen war es Anfang April gelungen, -durch die Nordsee abzusegeln. Ehe nun aber das holländische Geschwader -— durch verspätete Fertigstellung der Schiffe und weiter durch widrige Windverhältnisse -aufgehalten — völlig versammelt war, erschien <em class="gesperrt">Lord Howe</em> -mit 12 Linienschiffen an der Küste und verhinderte dessen Auslaufen während -mehrerer Wochen, bis eine an Bord der Schiffe ausbrechende Epidemie ihn -zwang, nach Portsmouth zurückzugehen. Hier stieß <em class="gesperrt">Kempenfelt</em> zu ihm, -der seine Kreuztour aufgegeben hatte, wahrscheinlich weil die große Flotte -der Verbündeten nahte. England hielt aber weiter die Nordsee unter Beobachtung, -so daß die Holländer nicht wagten, ihr Geschwader auslaufen zu -lassen, während die englischen Handelsschiffe unbelästigt die Nordsee passierten; -die holländischen Ostseefahrer segelten später teilweise unter schwedischer -Flagge und durch schwedische Kriegsschiffe geleitet.</p> - -<p><b>Die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal, Sommer 1782.</b> <em class="gesperrt">Admiral -Cordoba</em> hatte während des Monats April mit seiner Flotte — 27 -spanischen und 5 französischen Linienschiffen — vor der Straße von Gibraltar -gekreuzt, am 4. Juni trat er die Fahrt nach dem Norden an; die bislang in -Brest blockierten französischen Schiffe sollten sich anschließen und man -rechnete auch auf die Holländer. Am 25. traf die Flotte auf einen englischen -Konvoi von 27 Fahrzeugen, der nach Neufundland sowie Kanada bestimmt -und von 4 Kriegsschiffen geleitet war; es gelang ihr aber nur, 17 Handelsschiffe -zu nehmen. Am 8. Juli stieß <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> bei Ouessant -mit 8 Linienschiffen zu ihr; sie war nun 40 Schlachtschiffe stark. In England -erwartete man den großen Westindienkonvoi unter Deckung des bisherigen<span class="pagenum"><a name="Page_347" id="Page_347">[347]</a></span> -Chefs der Jamaikastation, <em class="gesperrt">Sir Peter Parker</em>, mit nur 3 Linienschiffen -und entsandte am 2. Juli <em class="gesperrt">Lord Howe</em> mit 22, um ihn aufzunehmen.</p> - -<p>Die Gegner sichteten sich am 12. Juli westlich der Scillyinseln. <em class="gesperrt">Cordoba</em> -suchte den Kampf, aber <em class="gesperrt">Howe</em> wich aus. Während der nun folgenden -Jagd kam nur <em class="gesperrt">La Motte</em>, dem ein selbständiges Geschwader von 4 Franzosen -und 4 Spaniern unterstellt war, näher an den Feind heran; während der -Nacht verlor man diesen aber aus Sicht und fand ihn nicht wieder. Die Verbündeten -schrieben dies der größeren Schnelligkeit der englischen, sämtlich -gekupferten Schiffe zu, tatsächlich aber hat <em class="gesperrt">Howe</em> seine Flotte zwischen -den Scillys und Kap Landsend hindurch nach Westen geführt. Er setzte sich -so zwischen den Feind und den erwarteten Konvoi und lief Ende Juli, als -Cordoba durch stürmisches Wetter nach Süden vertrieben war, mit den Handelsfahrzeugen -unbelästigt in den Kanal ein; auf der Rückfahrt stießen noch -9 Linienschiffe zu ihm, die wahrscheinlich bei Howes Abfahrt in der Nordsee -waren. <em class="gesperrt">Cordoba</em> kreuzte noch einige Wochen, hauptsächlich in der -Biskaya, und traf dann am 6. September in Cadiz ein. So war auch in diesem -Jahre das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten im Norden ohne jede -Bedeutung geblieben. Die französischen Offiziere klagten mit Recht darüber, -daß man die Verfolgung nicht bis zu den Häfen des Gegners durchgeführt -habe; wie die Sache lag, hätte man ihn sogar von diesen abgeschnitten, und -eine Vereinigung mit den Holländern wäre wahrscheinlich auch möglich gewesen.</p> - -<p class="small"><b>Die Tätigkeit der holländischen Marine 1782</b> sei kurz berührt. (Genaueres vgl. -de Jonge, Band IV, Seite 561 ff.) Als man in Holland Gewißheit hatte, daß die Flotte -der Verbündeten vor dem Kanal erscheinen würde, lief am 7. Juli ein Geschwader -von einem Linienschiff zu 74 Kanonen, 6 zu 60–68, 9 zu 54, sowie 9 schweren Fregatten -unter <em class="gesperrt">Vizeadmiral Hartsinck</em> von Texel aus. Es geleitete Westindienfahrer -durch die Nordsee, bis sie ihre Reise um Schottland unter dem Schutze einiger Fregatten -voraussichtlich ungefährdet fortsetzen konnten. Es kreuzte und übte dann in diesem -Meere. Prisen fielen ihm nicht in die Hände, weil England seine Handelsschiffe zurückhielt. -Ein abgezweigter Teil holte die in Norwegen angesammelten Kauffahrer ab, -ein anderer führte solche nach der Ostsee. Mitte August kehrte <em class="gesperrt">Hartsinck</em> zum -Auffüllen von Proviant nach Texel zurück und ward dann wieder durch die Engländer -blockiert. Als England im September alle verfügbaren Schiffe nach Gibraltar gesandt -hatte, beabsichtigte man, auf Ersuchen Frankreichs ein Geschwader nach Brest zu -schicken, das im nächsten Jahre mit den Verbündeten zusammenwirken sollte. Der -schlechte Zustand der Schiffe, sowie Uneinigkeit zwischen den beiden großen Parteien -im Lande gerade in betreff dieser Sache verzögerte die Abfahrt, und schließlich wagte -man sie nicht mehr, weil man ein Zusammentreffen mit der von Gibraltar zurückkommenden -englischen Flotte fürchtete.</p> - -<p><b>Lord Howe segelt mit Zufuhren nach Gibraltar.</b> Nach Rückkehr von -seiner Kanalfahrt erhielt der Admiral den Auftrag, eine Expedition vorzubereiten, -um Gibraltar Truppen und Vorräte zuzuführen; die Festung war -seit der Fahrt <em class="gesperrt">Darbys</em> im April 1781 ohne jede Unterstützung geblieben. -Für diese wichtige und gefährliche Aufgabe wurden die gesamte Kanalflotte — -34 Linienschiffe, ein Dutzend Kreuzer, einige Brander —, sowie 31 Transporter -in Portsmouth zusammengezogen. Schon am 11. September ging die Flotte in -See; etwa 100 Kauffahrer, Konvois für alle fernen Meere, schlossen sich ihr an.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_348" id="Page_348">[348]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Der Untergang des „Royal George“.</b> Die Ausrüstung dieser Flotte brachte der -englischen Marine einen empfindlichen Verlust. Die Schiffe waren viel in See gewesen -und vielfach ausbesserungsbedürftig, es gebrach aber an Zeit, sie in Trockendocks aufzunehmen. -So wurde unter anderen der „Royal George“, ein Schiff mit 100 Kanonen, -Flaggschiff des Admirals <em class="gesperrt">Kempenfelt</em>, am 29. August auf der Rhede von Spithead -auf die Seite gelegt, um einige Arbeiten an Unterwasserteilen vorzunehmen; ein -Manöver, das nur bei stillem Wetter und ruhigem Wasser ausgeführt werden darf. Die -Lage der schadhaften Stelle verlangte ein ungewöhnlich weites Überlegen und der -Zufall führte eine Katastrophe herbei. Es war Löhnungszahltag dicht vor der Abreise -und infolgedessen befanden sich außer der 8–900 Köpfe starken Besatzung zahlreiche -Frauen und Kinder der Leute, sowie Händler an Bord, so daß durch das Gewicht und -die Bewegungen der vielen Menschen die Gefahr des Kenterns vergrößert wurde. Ungefähr -um 10 Uhr vormittags, während der Admiral in der Kajüte mit Schreiben beschäftigt -war und der größere Teil der Anwesenden sich unter Deck befand, warf eine -plötzliche starke Bö das Schiff auf die Seite; das Wasser drang in die offenen Pforten -ein, und es sank schnell. Der Admiral, mehrere Offiziere, sowie die meisten der unter -Deck befindlichen Personen, insgesamt 900–1000 Menschen, ertranken; ein längsseit -liegendes Proviantfahrzeug ward mit in die Tiefe gezogen. Dieser Unglücksfall, der -mehrfach als Beweis für die mangelhafte Seefähigkeit der großen Dreidecker angeführt -wird, findet sich anschaulich dargestellt in Kapitän <em class="gesperrt">Marryats</em> Romane „the Kings -Own“.</p> - -<p><b>Der große, erfolglose Angriff auf Gibraltar, September 1782<a name="FNAnker_164_165" id="FNAnker_164_165"></a><a href="#Fussnote_164_165" class="fnanchor">[164]</a>.</b> Zwei Tage -nachdem <em class="gesperrt">Howe</em> England verlassen hatte, spielte sich die berühmte Schlußszene -der Belagerung von Gibraltar ab. Seit Juli 1779 hielten die Spanier -diese Feste zu Lande und von Algeciras aus auch zu Wasser eingeschlossen, -aber trotzdem war es zweimal englischen Flotten gelungen, sie mit Vorräten -und Truppen zu unterstützen. Auch der Angriff vom Lande her machte keine -Fortschritte, obgleich Spanien nach und nach gegen 30000 Mann dazu heranzog -und auf der Landzunge, die den Felsen mit dem Festlande verbindet, -mächtige Belagerungswerke erbaute. Der englische Kommandant, <em class="gesperrt">George -Augustus Elliot</em>, leitete den Widerstand mit Geschick und Tapferkeit. -Zu der Zeit, als Admiral <em class="gesperrt">Darby</em> 1781 Verstärkungen brachte, wurde die -Stadt drei Wochen lang täglich mit 4–5000 Geschossen überschüttet und, -nachdem so 75000 Vollkugeln und 25000 Bomben verfeuert waren, gab man -noch wochenlang täglich 600 Schuß ab.</p> - -<p>Aber die Besatzung hatte vom 12. April bis Ende Juni nur 53 Tote und -260 Verwundete eingebüßt. Die Stadt lag zwar in Trümmern, doch war dies -ohne Bedeutung, denn die Verteidiger fanden an verschiedenen Stellen des -Felsens in Lagern sichere Unterkunft. Am 27. November 1781 gelang es ihnen, -durch einen Ausfall der ganzen Garnison unter <em class="gesperrt">Elliots</em> persönlicher Führung -den Gegner zu überraschen, der jetzt seine Parallelen weit genug vorgeschoben -glaubte; in kurzer Zeit waren die Geschütze vernagelt, die Werke aufgesprengt -und verbrannt, die Angriffsarbeiten von mehreren Monaten vernichtet. -Spanien verdoppelte seine Anstrengungen. Man war zu der Überzeugung -gelangt, daß die Festung durch Angriff vom Lande her allein nicht bezwungen<span class="pagenum"><a name="Page_349" id="Page_349">[349]</a></span> -werden könnte. Zu einem gleichzeitigen Vorgehen von See aus wollte man aber -die Hochseeflotte nicht einsetzen; die feindliche Stellung war weit stärker -befestigt, armiert und bemannt, als zu jener Zeit, wo <em class="gesperrt">Rooke</em> mit der englischen -Flotte sich Gibraltars bemächtigte. Man baute deshalb nach Entwürfen des -französischen Ingenieurobersten <em class="gesperrt">Chevalier d'Arçon</em> 10 mächtige -schwimmende Batterien, die 152 schwere Geschütze führten; sie waren Anfang -September fertiggestellt.</p> - -<p class="small"><b>Die schwimmenden Batterien</b> waren 6 bis 1400 tons große Seeschiffe, die außen -mit einer vierfachen Polsterung von Holz, Sand, Kork sowie ungegerbten Häuten und -mit einer schrägen Holzbedachung versehen wurden, auf der eine Decke von altem -Tauwerk und Fellen lag. Um eine Wirkung glühender Kugeln zu hindern, war durch -die mit der Panzerung 5 Fuß dicken Bordwände ein vielverzweigtes Kanal- und Röhrensystem -gezogen, durch das von einem Reservoir aus beständig Wasser spülte. Die -Polsterung sollte so stets ganz mit Wasser durchtränkt gehalten werden und einschlagende -Kugeln selber ihr Ablöschen hervorrufen, indem sie die Röhren verletzten; auch -die Dächer konnten berieselt werden. Die Schiffe waren mit schweren, neugegossenen -Bronzekanonen armiert; fünf von ihnen führten 18–24 Geschütze in zwei, fünf 6–11 -in einer Batterie, und es war etwa die Hälfte der Zahl als Reserve zum Auswechseln -an Bord gegeben. Die Kanonen wurden nur auf einer Seite der Schiffe aufgestellt; -Ballast auf der anderen hielt diese auf ebenem Kiel, so boten die 10 Batterien dem -Gegner eine Breitseite von 152 Geschützen dar.</p> - -<p class="small">Der Bau in der Bucht von Algeciras war im Februar beschlossen, schritt aber -nach spanischer Art nur langsam vorwärts. Erst Anfang September war er mit einem -Kostenaufwande von 2 Millionen Piastern beendet. Bei der Probe zeigte sich, daß -die Bewässerungsanlagen nicht richtig arbeiteten, das Wasser drang in die Schiffe und -die Kanäle mußten teilweise verstopft werden. Der Erfinder bat um Zeit für Verbesserungen, -aber der <em class="gesperrt">Herzog von Crillon</em> verweigerte sie ihm. (Vorstehendes sehr -eingehend in Chevalier II, Seite 337.)</p> - -<p>Auch sonst wurden Vorbereitungen zu einem überwältigenden Angriffe -getroffen. 30 (40?) Kanonenboote und 30 (40?) Mörserboote, sowie 300 große -Ruderboote waren gesammelt, um den schwimmenden Batterien während -des Kampfes Ersatzmannschaften und Munition zuzuführen. In den Werken -auf der Landzunge standen 186 Geschütze; die von Minorka zurückkehrenden -spanischen Truppen, sowie 10000 Franzosen hatten das Belagerungsheer, das -jetzt vom <em class="gesperrt">Herzog von Crillon</em>, dem Eroberer Minorkas, befehligt -wurde, auf über 40000 Mann gebracht. Endlich sollte die Flotte <em class="gesperrt">Cordobas</em> -den Angriff gegen jede Störung von See her decken, wenn erforderlich, auch -unterstützen.</p> - -<p>Gibraltar war im Norden und Westen wie schon früher durch eine Umwallung -mit zahlreichen Batterien gedeckt (vgl. Skizze im Bande I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_526">526</a>). -Diese erste Verteidigungslinie war aber jetzt weit stärker und wurde durch -eine zweite, höher gelegene und zum Teil in den Fels gehauene unterstützt; -die Werke, die den Gibraltarfelsen selber zu einer uneinnehmbaren Feste -machen, sind während dieser Belagerung begonnen. Die Wasserfront ward -durch starke Forts auf den beiden Molen flankiert, und etwa in ihrer Mitte, -etwas nördlicher, befand sich ein größeres Werk, die Kings-Bastion. In den -Befestigungen standen 280 Geschütze. Die Besatzung betrug 7000 Mann<span class="pagenum"><a name="Page_350" id="Page_350">[350]</a></span> -auserlesener Truppen<a name="FNAnker_165_166" id="FNAnker_165_166"></a><a href="#Fussnote_165_166" class="fnanchor">[165]</a>, im besonderen vorzüglicher Artilleristen; 12 Kanonenboote, -mit je einem schweren Geschütze, besetzt mit Mannschaften einiger -bei Gibraltar stationierter Fregatten und kleinerer Kriegsschiffe, standen zur -Verfügung.</p> - -<p>Das ganze militärische Europa erwartete mit Spannung den Ausgang des -so lange vorbereiteten Angriffes. Neutrale Mächte sandten höhere Offiziere -dorthin; zwei französische Prinzen erschienen, um die erwartete Katastrophe -zu verherrlichen, denn die Verbündeten zweifelten nicht am Erfolge.</p> - -<p>Nach Eintreffen der großen Flotte in Cadiz am 6. September wurde die -Ausführung des Angriffes beschlossen. <em class="gesperrt">Cordoba</em> ging schon am 9. in See -und ankerte am 12. bei Algeciras, wo nun 48 Linienschiffe der Verbündeten -vereinigt waren. Am 13. erfolgte der Angriff, aber schon am 8. hatte der -Kampf begonnen, und es ist kennzeichnend für <em class="gesperrt">General Elliot</em>, daß -dies von seiner Seite ausging.</p> - -<p class="small"><b>Schilderung des Angriffes auf Gibraltar.</b> Als <em class="gesperrt">Elliot</em> erkannt hatte, daß ein Angriff -starker Kräfte bevorstand, überschüttete er während des 8. September die feindlichen -Werke derartig mit Geschossen, daß sie außer Gefecht gesetzt wurden. Die -Spanier eröffneten jedoch schon am 9. aus einer neuen Batterie von 64 Kanonen ein -heftiges Feuer auf die Stadt, und das eigentliche Blockadegeschwader unter <em class="gesperrt">Moreno</em> -beteiligte sich, indem es in Linie an der Wasserfront vorübersegelte. Das Bombardement -aus den Landwerken ward bis zum 12. fortgeführt. Gegen 8 Uhr vormittags am 13. September -setzten sich die schwimmenden Batterien in Bewegung und die Landwerke -nahmen das Feuer wieder auf. Admiral <em class="gesperrt">Moreno</em> ankerte mit dem stärksten der -Batterieschiffe „La Pastora“ auf etwa 1200 m Entfernung vor der Kings-Bastion, vier -andere gingen südlich und fünf nördlich von ihm vor Anker.</p> - -<p class="small">So lagen die 10 Fahrzeuge in einer Linie von der Nordmole bis fast zur Südmole; -sie begannen den Kampf um 10 Uhr. Entschieden war diese Aufstellung fehlerhaft. -Nach dem Plane <em class="gesperrt">d'Arçons</em> sollten sie massiert von der Höhe der Nordmole aus angreifen, -um ihr Feuer möglichst zusammenzuhalten und mit dem der Landwerke zu -vereinigen, selber aber nur wenigen feindlichen Geschützen ausgesetzt zu sein. Jetzt -jedoch boten sie Ziele für die ganze Wasserfront, deren südlicher Teil vom Feuer der -Landwerke nicht erreicht werden konnte. Ein zweiter verhängnisvoller Fehler wurde -dadurch gemacht, daß die bei Algeciras liegenden Mörser- und Kanonenboote nicht -eingriffen, und gerade diese hätten die Wasserfront beschäftigen, womöglich flankieren -sollen; nur einige Kanonenboote erschienen für kurze Zeit. Endlich nahmen auch keine -Schiffe der großen Flotte teil, die gleichfalls den Gegner hätten ablenken sollen.</p> - -<p class="small">Es folgte nun ein heftiger Geschützkampf. Anfangs widerstanden die schwimmenden -Batterien den Geschossen, auch den glühenden Kugeln, die von den Engländern -mit Vorliebe verwendet wurden. Aber am Nachmittage gerieten doch „La -Pastora“, sowie ihr Nebenschiff „La Talla Piedra“, von einem Prinzen von Nassau -befehligt, in Brand. Man konnte das langsame Umsichgreifen des Brandes nicht hindern, -so daß „Talla Piedra“ sich genötigt sah, um 3 Uhr ihr Feuer zu vermindern und um 5 Uhr -ganz einzustellen. Der Prinz von Nassau bat, sein Schiff wegzuschleppen, machte auch<span class="pagenumsmall"><a name="Page_351" id="Page_351">[351]</a></span> -den Versuch, es aus dem Gefecht zu warpen, es fehlte ihm jedoch an Matrosen. Um -5 Uhr brachen auch die spanischen Landwerke den Kampf ab; <em class="gesperrt">d'Arçon</em> behauptete -später, es habe ihnen an Munition gefehlt, ihre Geschütze seien überhaupt schlecht -bedient und schlecht gerichtet worden. Die übrigen schwimmenden Batterien hatten -noch wenig gelitten, aber ihr Rückzug ward doch befohlen, um sie zu retten. Für diesen -waren jedoch gar keine Vorkehrungen getroffen, und man sah sich schließlich gezwungen, -ihr Verlassen und Verbrennen anzuordnen; auf Notsignale sandte die Flotte Boote -zum Abholen der Besatzungen. In die nun entstehende Verwirrung brachen gegen -2 Uhr morgens die englischen Kanonenboote unter Führung des Kapitäns <em class="gesperrt">Curtis</em>, -des ältesten Seeoffiziers in Gibraltar, ein. Sie flankierten mit ihrem Feuer die spanische -Linie, vermehrten die Unordnung auf den fast nur mit Soldaten besetzten Fahrzeugen -und trieben die rettenden Boote zurück. Bei Sonnenaufgang flog eins der Batterieschiffe -in die Luft, drei weitere traf bald das gleiche Schicksal, die anderen standen -in Flammen. Die Engländer stellten jetzt das Feuer ein und taten ihr Bestes zur Rettung -der Gegner; sie bargen unter eigener Gefahr gegen 400 Mann. Der Rest der Batterien -flog im Laufe des 14. September auch noch auf.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Spanier soll allein auf den schwimmenden Batterien 1500 Tote, -Verwundete und Gefangene betragen haben. Die Engländer büßten nur 65 Tote und -188 Verwundete ein; ihre Werke hatten im Verhältniß zu dem auf sie gerichteten -Feuer nur wenig gelitten.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung des Angriffes.</b> Die schwimmenden Batterien sind nach der Katastrophe -vielfach als verfehlt bezeichnet. Besonders höhere spanische Offiziere, so auch <em class="gesperrt">Crillon</em>, -erklärten, niemals Vertrauen zu ihnen gehabt zu haben. Weshalb wartete er aber nicht -ab, bis sie leistungsfähiger geworden waren? Er konnte während der Monate September -und Oktober noch immer auf günstige Witterung für den Angriff rechnen, und die große -Flotte war zur Stelle, um einer etwa erscheinenden englischen entgegenzutreten. Das -Mißlingen des Unternehmens, wenigstens sein trostloser Ausgang, ist anderen Umständen -zuzuschreiben. <em class="gesperrt">Crillon</em> hat (nach Chevalier) zu kurzer Hand den Tag des Angriffes -festgesetzt und ungenügende Bestimmungen getroffen. Infolgedessen lagen die Batterien -falsch und die Mörser- sowie die Kanonenboote fehlten; die Spanier behaupteten zwar, -die See sei zu rauh für diese gewesen, aber einzelne waren doch erschienen und hatten sich -auch am Kampf beteiligt. Es war ferner nichts vorgesehen, um die Batterien aus dem -Gefechte ziehen zu können. Endlich waren die Führer der Flotte nicht zu Rate gezogen -und gar nicht oder doch zu spät vom Angriff in Kenntnis gesetzt. <em class="gesperrt">Chevalier</em> stützt -sich bei diesen Behauptungen allerdings besonders auf Berichte <em class="gesperrt">d'Arçons</em>, also -eines beteiligten Zeugen, aber seine Aussagen werden auch durch das Journal eines -französischen Schiffes der Flotte bestätigt. (Chevalier II, Seite 348.)</p> - -<p>Der Angriff wurde nach vorstehendem nicht nur ein Fehlschlag, sondern -sogar eine empfindliche Niederlage der Spanier; man mußte sich vorläufig -wieder auf den Versuch beschränken, Gibraltar auszuhungern. Dies hätte -gelingen müssen, da man über 48 Linienschiffe verfügte, aber die Seegewandtheit -der Engländer machte auch diese Hoffnung zuschanden.</p> - -<p><b>Lord Howe versorgt Gibraltar, Oktober 1782.</b> Die Fahrt des Admirals -war bis zur spanischen Küste sehr langsam, teils weil er Gegenwind traf, teils -weil er sorgsam auf das Zusammenbleiben des wichtigen Transportes hielt; -bei Kap Finisterre waren aber auch sämtliche 183 Segel noch vereint. Hier -entließ er die Konvois und erreichte mit der Flotte sowie den 31 Transportern -am 8. Oktober Kap St. Vincent. Dort erhielt er am 10. die Nachricht von den -Ereignissen bei Gibraltar, sowie von der Anwesenheit der feindlichen Flotte -bei Algeciras. Er gab nun den Unterführern seine Absichten bekannt und ließ<span class="pagenum"><a name="Page_352" id="Page_352">[352]</a></span> -den Kapitänen der Transportschiffe genaue Angaben über die Wind- und -Stromverhältnisse bei Gibraltar zukommen, damit sie ihre Ankerplätze leicht -und sicher erreichen könnten. Am 11. mittags lief er bei westlichem Winde -in die Straße ein. Die Transporter segelten voran, die Flotte folgte in drei -Geschwadern; sie war also zu Luward jener und somit imstande, sie zu verteidigen. -Um 6 Uhr nachmittags standen die Proviantschiffe vor dem Eingang -der Bucht von Gibraltar, aber nur 4 Fahrzeugen nebst einem Linienschiffe -gelang das Einlaufen, die übrigen hatten die Vorschriften nicht befolgt -und wurden durch den Strom ins Mittelmeer versetzt. Die Flotte mußte -ihnen folgen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Cordoba</em> lag seit Anfang Oktober zum sofortigen Auslaufen bereit. -Am 10. fielen schwere Böen ein. Mehrere Schiffe trieben vor ihren Ankern und -stießen zusammen; das Flaggschiff des Admirals <em class="gesperrt">Moreno</em> strandete bei -Gibraltar und wurde von den Engländern genommen; ein anderes Linienschiff, -sowie eine Fregatte trieben ins Mittelmeer. Sei es, weil einzelne Schiffe beschädigt -waren, sei es — wie französisch-spanische Berichte sagen — weil in -der Bucht von Algeciras völlige Windstille herrschte, tatsächlich unternahm -<em class="gesperrt">Cordoba</em> nichts gegen das Einlaufen der vier Transporter und ging auch -erst am 13. Oktober mit 46 Linienschiffen, darunter 14 oder 15 Franzosen, -in See. Besorgt um das Schicksal der vertriebenen Schiffe steuerte er östlich, -anstatt den Engländern die Rückkehr in die Straße zu verlegen; <em class="gesperrt">Howe</em> -stand um diese Zeit etwa 30 Seemeilen im Osten von Gibraltar. Zwei Tage -manövrierten nun die Flotten bei leichtem westlichen Winde und zeitweisem -Nebel, oft aus Sicht voneinander. Am 15. kam Ostwind auf und <em class="gesperrt">Howe</em> -steuerte unbemerkt vom Feinde westlich, die Transporter wieder voraussendend. -Am 16. abends waren 18 von diesen, am 18. alle in Gibraltar angelangt; -außerdem wurden Soldaten gelandet, die auf einzelnen Linienschiffen -untergebracht waren, und dem Gouverneur auf dessen Bitte noch ein Brander -mit 1500 Barrel Pulver überlassen. <em class="gesperrt">Gibraltar war aufs neue -reichlich versorgt.</em></p> - -<p>Der spanische Admiral hatte erst am 16. Oktober den Kurs nach Westen -aufgenommen, als er am 19. vor Gibraltar erschien, trat die englische Flotte -gerade ihre Heimreise an. Er folgte ihr in einer Schlachtlinie, in der die Schiffe -nach ihrer Geschwindigkeit rangiert waren, die schnelleren voran.</p> - -<p><b>Das Seetreffen bei Kap Spartel am 20. Oktober 1782. Ende des Seekrieges -in den europäischen Gewässern.</b> <em class="gesperrt">Howe</em> wollte der Strömungen wegen nicht -in der Straße von Gibraltar fechten und erwartete den Gegner außerhalb. -<em class="gesperrt">Cordoba</em> stand bei nördlichem Winde zu Luward und hielt am 20. Oktober -gegen Sonnenuntergang zum Angriff ab. Er hatte Befehl gegeben, den Kampf -zu beginnen, sobald man auf zwei Kabellängen an den Gegner heran wäre. -<em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> eröffnete in der hellen Mondnacht mit der Vorhut -das Feuer auf die englische Vorhut in der befohlenen Entfernung; die Mitte -war noch nicht so nahe heran und die Nachhut, 12 Schiffe unter <em class="gesperrt">de Guichen</em>, -stand weit achteraus. Ehe diese herankam, mehrte <em class="gesperrt">Howe</em> Segel und<span class="pagenum"><a name="Page_353" id="Page_353">[353]</a></span> -brach das Gefecht ab. Er hatte mit seiner Mitte der großen Entfernung halber -das Feuer der feindlichen Schiffe gar nicht erwidert, seine Nachhut kam jedoch -beim Absegeln noch zum Geschützkampf. Der großen Übermacht wollte sich -der englische Admiral nicht aussetzen; er hat den Gegner wohl nur herankommen -lassen, weil er mit der Möglichkeit rechnete, infolge günstiger Umstände -ihn teilweise zu schlagen. <em class="gesperrt">La Motte</em> wagte mit seinen wenigen -Schiffen nicht am Feinde zu bleiben, <em class="gesperrt">Cordoba</em> sammelte um Mitternacht -die Flotte und folgte weiter.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verluste</em> bezifferten sich bei den Engländern auf 68 Tote und 268 Verwundete, -bei den Verbündeten auf 60 und 320.</p> - -<p>Am nächsten Tage waren die Gegner etwa 12 Seemeilen voneinander -entfernt. <em class="gesperrt">Cordoba</em> gab sich jedoch keine Mühe, näher heranzukommen, -sondern segelte am 22. nach Cadiz. <em class="gesperrt">Howe</em> zweigte 8 Linienschiffe für Westindien -ab und erreichte dann am 14. November Portsmouth.</p> - -<p>Die größeren Flottenunternehmungen in den europäischen Gewässern -waren damit nicht nur für das Jahr 1782, sondern für den Krieg überhaupt -zu Ende.</p> - -<p class="small"><b>Über die Kriegführung in Europa 1782</b> ist wenig zu sagen. Das Auftreten -der großen Flotte der Verbündeten in den nördlichen Gewässern war ebenso -schwächlich wie im Vorjahre. Sie brachte einen Teil eines englischen Konvois -auf und beherrschte zum Schutze des eigenen Handels während der Monate -Juni bis August den Eingang des Kanals, sowie die Biskaya, machte aber keine -ernstlichen Versuche zur Vernichtung der schwächeren feindlichen Seemacht. -Wieder trifft die Hauptschuld die Spanier, die den größeren Teil der Flotte -gestellt hatten und in deren Hand der Oberbefehl lag. Mit Recht sagt ein -französischer Autor (Lacour II, Seite 382) über Cordoba, es sei zu beklagen, -daß Männer wie <em class="gesperrt">Guichen</em> und <em class="gesperrt">La Motte-Picquet</em> stets an einen -Führer gebunden gewesen wären, der keinen Plan durchgeführt habe — falls -er überhaupt einen gehabt hätte.</p> - -<p>Die weit schwächere englische Flotte hatte schon vorher den äußerst -wichtigen Transport für Ostindien aufgebracht, die Streitmacht Hollands festgehalten -und dessen Handel unterbunden. Als die Verbündeten dann auf der -See erschienen, gelang es <em class="gesperrt">Lord Howe</em> doch, den Jamaikakonvoi sicher einzuholen. -Der Schaden für Handel und für Militärtransporte war auf beiden -Seiten etwa gleich; der Ruhm der erfolgreicheren Verwendung ihrer Seestreitkräfte -gebührt also England als der schwächeren Partei. Hierbei ist allerdings -darauf hinzuweisen, daß Howes Aufgabe ein Wagnis war, denn die größere -Hälfte der Kanalflotte wurde einem übermächtigen Feinde gegenüber aufs -Spiel gesetzt.</p> - -<p>Die Expedition nach Gibraltar war ein noch gefahrvolleres Unternehmen. -Bei ihr entwickelte <em class="gesperrt">Lord Howe</em> dieselben Fähigkeiten, die er 1778/79 -in Nordamerika gezeigt hatte, seemännische Tüchtigkeit vereint mit klarem -Blick und schnellem Entschluß. Er hielt seine Kräfte zusammen und behielt -sie in der Hand, durch geschicktes Manövrieren löste er seine Aufgabe, vermied<span class="pagenum"><a name="Page_354" id="Page_354">[354]</a></span> -aber den Kampf mit dem überlegenen Feinde. <em class="gesperrt">Cordoba</em> dagegen versagte -auch bei dieser Gelegenheit.</p> - -<p class="small">Einige <b>Aussprüche neuerer französischer Autoren</b> zu diesen Vorgängen sind bemerkenswert. -<em class="gesperrt">Chevalier</em> schreibt (II, Seite 358, hier gekürzt): „Die Eigenschaften, -die <em class="gesperrt">Lord Howe</em> bei dieser kurzen Kampagne entfaltete, entsprachen voll der Aufgabe, -die er zu lösen hatte. Seine Operation, eine der schönsten dieses Krieges, verdient -das gleiche Lob wie ein Sieg. Wenn auch die englische Flotte durch die Verhältnisse -begünstigt wurde — und es ist selten, daß derartige Unternehmungen ohne Glück -gelingen —, so haben doch vor allem der richtige Blick des Führers, die Sicherheit seines -Urteils und seine schnelle Entschlußfähigkeit den Erfolg herbeigeführt.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Lacour</em> schreibt (II, Seite 447): „Daß die Flotte der Verbündeten mehrere Tage -hindurch in der Straße von Gibraltar manövriert hat, ohne die englische zu erreichen, -daß es dieser gelungen ist, stets auszuweichen und ihre Vorräte zu landen, daß <em class="gesperrt">Howe</em> -die Straße unbelästigt wieder verlassen konnte, alles dies erscheint bei der Beschränktheit -des Schauplatzes, auf dem sich die Ereignisse einer Woche abspielten, kaum glaubhaft.“</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Chevalier</em> weist gerade bei dieser Gelegenheit auf den höheren Stand der -englischen Marine im allgemeinen hin und erklärt damit manche Erfolge der Engländer, -sowie manche Fehlschläge der Franzosen in diesem Kriege. Er sagt: „Unter den -34 Schiffen der englischen Flotte befand sich keins jener Fahrzeuge, die den Oberbefehlshaber -in der Durchführung seiner Absichten hindern. Alle waren gekupfert und von -nahezu gleicher Geschwindigkeit. <em class="gesperrt">Howe</em> hatte dadurch, wenn auch nicht die Gewißheit, -so doch die größte Aussicht, einen Kampf nach Belieben aufnehmen oder vermeiden zu -können. Der gleiche Vorteil zeigte sich auch bei anderen Gelegenheiten in diesem Kriege. -Er konnte sich ferner auf seine Kommandanten verlassen. Es kamen keine Trennungen, -keine Zusammenstöße und Havarien, kurz keine jener Vorfälle vor, die den Oberbefehlshaber -so oft zwingen, anders zu handeln, als er beabsichtigt hatte. Man kann nicht -umhin, sich dabei der Ereignisse zu erinnern, die der französischen Flotte des Admirals -<em class="gesperrt">de Grasse</em> vom 9. bis 12. April 1782 so schwere Ungelegenheiten bereiteten.“ Der -Autor führt diese dann kurz an; wir werden sie bald bei der Schilderung des Krieges -in Westindien (Schlachten bei Dominica) kennen lernen.</p> - -<h5>Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1782.</h5> - -<p>Im November 1781 waren <em class="gesperrt">de Grasse</em> von Nordamerika mit 32 Linienschiffen -in Martinique und im Dezember <em class="gesperrt">Hood</em> in Barbados mit 18 eingetroffen; -am 26. November hatte der Gouverneur von Martinique die Insel -St. Eustache wiedergenommen.</p> - -<p>Die Franzosen planten nun weitere Eroberungen. Der Gouverneur <em class="gesperrt">de -Bouillé</em> schiffte sich mit 6000 Mann auf der Flotte ein, und <em class="gesperrt">de Grasse</em> -lief mit dieser, 26 Linienschiffe stark, am 26. Dezember aus, um Barbados anzugreifen; -der Rest der Flotte blieb zu Ausbesserungen vorläufig zurück. Er -kreuzte mehrere Tage gegen starken böigen Passat vergeblich an und ging -am 3. Januar wieder nach Fort Royal. Am 5. Januar 1782 brach die Expedition -abermals auf, jetzt aber <em class="gesperrt">gegen St. Christopher</em> (englisch -St. Kitts). Sie landete hier am 11. ohne Widerstand auf Basseterre, dem Südteile -der Insel. Die einschließlich einiger Milizen kaum 1000 Mann starke -englische Garnison unter dem Gouverneur General <em class="gesperrt">Shirley</em> zog sich -nach Brimstonhill, einem befestigten Hügel im Nordwesten der Insel, zurück, -den <em class="gesperrt">Bouillé</em> nicht stürmen konnte, sondern regelrecht belagern mußte.<span class="pagenum"><a name="Page_355" id="Page_355">[355]</a></span> -Die Einwohner der Insel erklärten sich neutral und unter gleichen Bedingungen -ergab sich das naheliegende Nevis. Die französische Flotte blieb auf der Rhede -von Basseterre.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p355.jpg" width="300" height="391" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p355" id="fig_p355"></a> -<p class="caption">Samuel Hood.</p> -</div> - -<p>Admiral <em class="gesperrt">Hood</em> erhielt am 14. Januar in Barbados die Nachricht von -<em class="gesperrt">Shirley</em>, daß die französische Flotte am 10. in der Nähe von St. Christopher -gesehen und ein Angriff zu befürchten sei. Er ging sofort mit 22 -Linienschiffen in See, erfuhr am 16. die Landung und ankerte am 21. bei -Antigua, wo er nähere Auskunft erhielt und 700 Soldaten an Bord nahm. -Trotz seiner Unterlegenheit beschloß er, die bedrohte Insel zu entsetzen. Es -gelang ihm nicht, aber sein -Versuch zeugt von hervorragendem -militärischem Blicke und -großer seemännischer Geschicklichkeit. -Englische wie französische -Autoren stellen <em class="gesperrt">Hoods</em> -Manöver denen eines <em class="gesperrt">Nelson</em> -und <em class="gesperrt">Suffren</em> gleich.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei St. Christopher, -25. Januar 1782<a name="FNAnker_166_167" id="FNAnker_166_167"></a><a href="#Fussnote_166_167" class="fnanchor">[166]</a>.</b> -<em class="gesperrt">Hood</em> unterrichtete die Unterführer -eingehend über seine -Absichten, verließ dann am -23. Januar nachmittags Antigua -und steuerte nach Nevis -hinüber; er mußte diese -Insel südlich passieren, da -der Kanal zwischen ihr und -St. Christopher für Linienschiffe -zu flach war. Er hoffte -die Franzosen bei Tagesanbruch -auf ihrem Ankerplatze -zu überraschen, auf dem sie -keine Verteidigungsstellung eingenommen -hatten, sondern 3–4 Reihen tief lagen; er wollte dann seine Schiffe -in Linie zu Luward an der Masse der feindlichen vorüberführen und dieses -wiederholen, durch Halsen und Wenden einen Kreis laufend. Der Plan -scheiterte infolge des Zusammenstoßes zweier Schiffe während der Nacht; -die Fahrt wurde durch die unvermeidliche Ausbesserung mehrere Stunden -aufgehalten und die Flotte am 24. morgens von feindlichen Fregatten gesichtet, -ehe sie die Südspitze von Nevis passiert hatte, was erst um 1 Uhr -mittags geschah.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_356" id="Page_356">[356]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> lichtete um 3 Uhr nachmittags Anker und ging ihr entgegen. -Er glaubte, Hood wolle bei Sandy Hook, einer Rhede nahe Brimstonhill, -ankern, um der Besatzung dort Hilfe zu senden, auch war er für 4 Schiffe -besorgt, die er von Martinique erwartete. <em class="gesperrt">Hood</em> steuerte nun gegen Sonnenuntergang -südlich, zog sich scheinbar zurück, manövrierte aber während der -Nacht so, daß er bei Tagesanbruch des 25. Januar dicht unter der Küste von -Nevis zwischen dieser Insel und den etwa 9 Seemeilen entfernten Franzosen, -die sich nicht nahe unter Land gehalten hatten, und bei ONO-Wind zu Luward -von ihnen stand. Seine Absicht war jetzt, auf dem bisherigen Ankerplatz der -Franzosen eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Auch von dort aus konnte -er die Engländer am Lande unterstützen und lag, falls <em class="gesperrt">de Grasse</em> nach -Sandy Hook ging, zwischen ihm und Martinique; so war es möglich, dem -Gegner die Zufuhren abzuschneiden, auf die dieser durchaus angewiesen war, -da die kleine Insel auf längere Zeit soviel Truppen nicht zu ernähren vermochte.</p> - -<p class="small">Hoods Plan war bei seiner Unterlegenheit immerhin gewagt. Aber der Admiral -erwartete Rodney mit einer Flotte, der vielleicht rechtzeitig ankam, und England -brauchte nach der Niederlage in Nordamerika einen Erfolg. So mußte man auf gut -Glück etwas wagen, und Hood kannte sich, seine Offiziere — sowie auch den Gegner.</p> - -<p><em class="gesperrt">Hood</em> bildete die Gefechtslinie eng geschlossen über Backbordbug und -nahm um 10 Uhr vorm. Kurs nach Basseterre; er wurde vom Glück begünstigt, -da der Wind auf OSO ging, so daß er raum steuern konnte. Die -Franzosen lagen um diese Zeit über Steuerbordbug nach Süden, wendeten -und hielten in Staffel auf den Feind zu (Plan I A—A zeigt die englische Linie -um 10 Uhr, A′—A′ die französische), kamen aber nicht mehr, wie sie wohl -beabsichtigt hatten, mit ihrer ganzen Linie querab von der englischen zum -Angriff. Um 2 Uhr nachmittags waren die vordersten Engländer so weit, daß -Hood ihnen das Signal zum Ankern geben konnte; er befahl, dies mit Spring -auf den Ankern auszuführen, um die Schiffe sofort mit den Breitseiten nach -See legen zu können. Um 2½ Uhr war die französische Vorhut auf Kanonenschußweite -an die englische Mitte heran, und das Feuer begann. <em class="gesperrt">De Grasse</em> -war aber nicht imstande, seinen Gegner festzuhalten; die englischen Schiffe -erreichten sämtlich den Ankerplatz.</p> - -<p class="small">Durch den Angriff der Franzosen war also besonders die hintere Hälfte der englischen -Linie bedroht, die, wie häufig bei langen Kolonnen, nicht so gut Schiff hinter -Schiff aufgeschlossen fuhr. <em class="gesperrt">Hood</em> nahm jedoch hierauf keine Rücksicht, gab vielmehr -der vorderen Hälfte den Befehl, Segel zu mehren, und um 3½ Uhr ankerten die ersten -Schiffe, um 4 Uhr das Flaggschiff. Die vier letzten Schiffe waren zurückgeblieben, -da das vorderste schlecht segelte. In die so entstandene Lücke versuchte <em class="gesperrt">de Grasse</em> -mit seinem Flaggschiff „Ville de Paris“ von 104 Kanonen einzubrechen, um die Nachzügler -abzuschneiden, aber das letzte englische Schiff vor der Lücke, „Kanada“, 74 -Kanonen, unter Kapitän <em class="gesperrt">Cornwallis</em>, dem Bruder des Generals, warf alle Segel back, -und sackte quer vor dem mächtigen Gegner achteraus; seine beiden Vordermänner -blieben gleichfalls zur Unterstützung zurück (Plan I, B-B, B′-B′). So wurde der Durchbruch -verhindert; die letzten 7 englischen Schiffe setzten ihre Fahrt trotz arger Bedrängnis -unter beständigem Gefecht fort und kamen Schiff nach Schiff zu Anker, wobei<span class="pagenumsmall"><a name="Page_357" id="Page_357">[357]</a></span> -nun die schon verankerten Schiffe in den Kampf eingriffen. So konnte die vordere -Hälfte der englischen Linie, gewissermaßen gedeckt durch den Kampf der hintern, -unbelästigt ihre Ankerplätze einnehmen, ebenso diese, ihrerseits unterstützt durch -das Feuer der ersteren. <em class="gesperrt">De Grasse</em> lief noch an der feindlichen Linie entlang, gab -sein Feuer ab und steuerte dann nach Süden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p357.jpg" width="447" height="600" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p357" id="fig_p357"></a> -<p class="caption">I. Schlacht bei Christopher, 25. Januar 1782.<br /> -II. Ankergefecht am 26. Januar 1782.</p> -</div> - -<p><b>Das Ankergefecht am 26. Januar 1782.</b> Der Ankerplatz Hoods war -nicht genau der gleiche, wie ihn de Grasse innegehabt hatte (s. Plan II), aber -er beherrschte diesen. Die Nacht vom 25./26. Januar wurde benutzt, die in -Eile eingenommene Ankerordnung zu verbessern und zu verstärken; so wurden -drei Schiffe der Nachhut zwischen das Spitzenschiff und die Küste gelegt,<span class="pagenum"><a name="Page_358" id="Page_358">[358]</a></span> -um jedes Umgehen der Linie hier auszuschließen. <em class="gesperrt">Hood</em> durfte nun seine -Stellung als stark betrachten.</p> - -<p class="small">Sein linker Flügel lehnte sich an die Küste. Von hier zog sich die Linie in ost-westlicher -Richtung bis zum 16. Schiff, dem Flaggschiff, und bog dann in scharfer -Kurve um, so daß die letzten Schiffe in der Richtung Nord-Süd lagen (Plan II, A—A). -Die Stellung vom Rücken her anzugreifen, war bei den Windverhältnissen kaum möglich, -und beim Frontangriff hatten die Engländer den Vorteil, daß Beschädigungen der -Takelage für sie ohne Bedeutung waren, für die angreifenden Schiffe aber verhängnisvoll -werden konnten.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> hätte wohl seinen früheren Ankerplatz wieder einnehmen -können, aber dieser lag in Lee des Feindes und war auch für eine große Flotte -nicht günstig. Er beschloß anzugreifen; durch Ankunft der Schiffe von Martinique -standen ihm schon am nächsten Tage mindestens 27, vielleicht bereits -29 Linienschiffe zur Verfügung. Am 26. Januar steuerte er in Kiellinie auf -den linken Flügel der englischen Stellung zu (Plan II B-B). Infolge plötzlich -schralenden Windes traf das Spitzenschiff<a name="FNAnker_167_168" id="FNAnker_167_168"></a><a href="#Fussnote_167_168" class="fnanchor">[167]</a> um 8½ Uhr vorm. erst auf das -dritte englische vom Flügel und erhielt die Breitseiten von vier Gegnern, so -daß man die Plankenstücke seiner Bordwände herausfliegen sah, dann lief -es die englische Linie entlang. Die anderen Schiffe folgten, einige nahe, andere -in weiterer Entfernung; „Ville de Paris“ kam sehr dicht heran und verlangsamte -auch auf kurze Zeit ihre Fahrt. Das Feuergefecht war äußerst heftig, -der Pulverrauch hüllte die Schiffe oft völlig ein, aber die englische Stellung -blieb unerschüttert und <em class="gesperrt">de Grasse</em> führte seine Flotte wieder nach See zu. -Ein zweiter Angriff am Nachmittage, nur gegen Mitte und rechten Flügel der -Engländer gerichtet, blieb ebenso erfolglos.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verluste am 25. und 26. Januar</em> betrugen englischerseits -72 Tote und 244 Verwundete, französischerseits 107 und 207.</p> - -<p>Während der nächsten Wochen kreuzte nun die französische Flotte zu -Luward, drohte fast täglich mit einem Angriff und gab auch Feuer auf weite -Entfernung ab. <em class="gesperrt">Hood</em> war somit zwar blockiert, konnte aber auf dem Lande -eingreifen, was er auch mit etwa 1200 Mann versuchte. <em class="gesperrt">Bouillés</em> Macht -war jedoch zu stark, und die Gelandeten mußten schon nach 24 Stunden -wieder eingeschifft werden. <em class="gesperrt">Brimstonhill kapitulierte am -13. Februar.</em></p> - -<p><em class="gesperrt">Hood</em> hatte am 1. Februar durch <em class="gesperrt">Kempenfelt</em> Nachricht erhalten, -daß die französische Verstärkung für Westindien von ihm zerstreut sei -(s. Seite <a href="#Page_322">322</a>). Dies hob seine Hoffnung auf das Gelingen seines kühnen Unternehmens, -wenn nur Rodney bald einträfe. Jetzt aber nach der Waffenstreckung -der Truppen am Lande mußte er befürchten, daß <em class="gesperrt">Bouillé</em> -Batterien gegen die Flotte erbaue, und an das Verlassen seines Ankerplatzes -denken. Dies konnte aber nur mit großer Vorsicht ausgeführt werden, denn<span class="pagenum"><a name="Page_359" id="Page_359">[359]</a></span> -die französische Flotte war auf 32 Linienschiffe angewachsen; es waren -außer dem letzten der 4 Schiffe von Martinique am 2. Februar noch die beiden -Linienschiffe zu ihr gestoßen, die nach der Zerstreuung des Konvois durch -<em class="gesperrt">Kempenfelt</em> die Fahrt fortgesetzt hatten. Doch eine Gelegenheit bot -sich bald. Am 14. führte <em class="gesperrt">de Grasse</em> seine Flotte unter die Küste von Nevis, -um aus Transportern, die hier am 13. von Martinique eingetroffen waren, seine -fast erschöpften Proviantbestände zu ergänzen. In der folgenden Nacht -kappten die Engländer die Ankertaue, ließen aber auf deren Bojen Laternen -brennen, um die Ausguckfregatten des Feindes zu täuschen, und segelten -nördlich um St. Christopher herum nach Antigua, wo sie am 19. Februar eintrafen. -<em class="gesperrt">De Grasse</em> hielt eine Verfolgung für aussichtslos, ankerte zunächst -bei Basseterre, ging aber bald darauf nach Martinique, um nicht von diesem -Stützpunkt abgeschnitten zu werden, wenn <em class="gesperrt">Rodney</em> einträfe; er erreichte -Fort Royal am 26. Februar.</p> - -<p class="small">Auf der Rückfahrt nach Martinique ließ <em class="gesperrt">de Grasse</em> am 22. Februar die Insel -<em class="gesperrt">Montserrat</em> besetzen. England hatte kurz vorher weitere Verluste erlitten, da -sich eine französische Division leichter Schiffe am 22. Januar <em class="gesperrt">Demeraras</em>, sowie -am 5. und 8. Februar <em class="gesperrt">Berbices</em> und <em class="gesperrt">Essequibos</em> bemächtigte.</p> - -<p><b>Beurteilung der Admirale Hood und de Grasse.</b> <em class="gesperrt">Hoods</em> kühnes Vorgehen, -mit Geistesgegenwart und Geschick durchgeführt, war trotz des -mangelnden Erfolges eine glänzende seemännische Tat. An und für sich lohnte -der Entsatz der Insel wohl kaum das Wagnis, aber er war nicht unmöglich, -und England brauchte um diese Zeit Erfolge. <em class="gesperrt">Hood</em> hatte vor der Chesapeakebucht -(Seite 339) ähnlich handeln wollen; hätte er dort den Oberbefehl -geführt, so wäre <em class="gesperrt">Cornwallis</em> vielleicht gerettet worden. Dem Admiral -<em class="gesperrt">de Grasse</em> wird vorgeworfen, daß er seine gewaltige Überlegenheit — vom -1. bis 13. Februar 32 Linienschiffe gegen 22 — nicht ausgenützt habe. Er -habe gewußt, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> mit 12–15 Schiffen nahe, während die französische -Flotte keine Verstärkungen mehr zu erwarten hatte, mithin hätte er -<em class="gesperrt">Hood</em> vorher vernichten müssen; der Besitz von St. Christopher habe erst -in zweiter Linie gestanden. Der Vorwurf ist berechtigt. Gewiß war die englische -Stellung sehr stark und wäre mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt -worden. Aber sie wurde doch nicht wie die des Admiral <em class="gesperrt">Barrington</em> bei -Sta. Lucia 1778 durch Werke am Lande geschützt, und dort riet der tüchtige -<em class="gesperrt">Suffren</em> dem Oberbefehlshaber <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, unbedingt anzugreifen, ehe -der Gegner Verstärkung erhielte; er erachtete den Erfolg für sicher. (Vgl. -Seite 283.)</p> - -<p class="small">Die Verhältnisse lagen bei Sta. Lucia ganz ähnlich, und <em class="gesperrt">Suffren äußerte -sich</em> damals in einer für den jetzigen Fall geradezu <em class="gesperrt">prophetischen Weise</em>. -Er schrieb: »Trotz der geringen Ergebnisse der Beschießungen am 25. September (1781) -können wir auf Erfolg rechnen. Der einzige Weg dafür ist aber ein kräftiger Angriff -auf das feindliche Geschwader, das sich bei unserer Überlegenheit trotz der Batterien -am Lande nicht halten kann, „wenn wir längsseit der feindlichen Schiffe gehen oder -auf deren Bojen ankern«. Wenn wir zögern, können tausend Umstände den Feind -retten. <em class="gesperrt">Er kann die Nacht benützen, um zu entwischen.</em>“</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_360" id="Page_360">[360]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasses</em> Verhalten entspricht wieder ganz der bekannten Auffassung -in der französischen Marine jener Zeit, die, wie erwähnt, ein französischer -Taktiker in dem Ausspruche kennzeichnete: „Unsere Marine hat stets -den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen aber -praktisch wertloseren vorgezogen, einige Schiffe zu nehmen.“ Die Erwägung, -daß die Seestreitkräfte des Feindes der ausschlaggebende Faktor seien und -deshalb sein eigentliches Angriffsobjekt bilden müßten, lag ihm bei dieser -fast allgemeinen Auffassung fern. So hatten die Franzosen einige Inseln -genommen, aber die feindliche Flotte blieb intakt, und infolgedessen fand die -französische Überlegenheit in den westindischen Gewässern bald ein Ende.</p> - -<p><em class="gesperrt">Admiral Rodney</em> hatte am 15. Januar England mit 12 Linienschiffen -verlassen, war am 19. Februar in Barbados eingetroffen und vereinigte -sich am 25. bei Antigua mit Hood, der im Begriff war, nach Barbados zu -segeln. Die Gesamtflotte folgte nun den Franzosen, kam jedoch zu spät, um -ihnen den Weg nach Martinique zu verlegen, und ging nach Sta. Lucia. Hier -stießen noch 3 Linienschiffe von England zu ihr, so daß <em class="gesperrt">Rodney</em> jetzt über -37 Linienschiffe und 11 Fregatten verfügte. Als er dann erfuhr, daß de Grasse -einen großen Konvoi erwarte, ließ er eine Hälfte seiner Flotte östlich vor der -Durchfahrt zwischen Dominica und Martinique, die andere vor der zwischen -Martinique und Sta. Lucia kreuzen. Der erwartete Konvoi hatte mit -<em class="gesperrt">de Guichen</em> im Februar Frankreich verlassen. Sein Führer navigierte mit -Umsicht, er passierte die Desiraden nördlich, steuerte dann zwischen Guadeloupe -und Dominica durch und erreichte so unbelästigt Fort Royal am 20. März. -<em class="gesperrt">De Grasse</em> sah durch die Begleitschiffe seine Flotte auf 35 Linienschiffe, -einschließlich 2 50-Kanonenschiffe, und 5 Fregatten verstärkt. <em class="gesperrt">Rodney</em> nahm -Stellung bei Sta. Lucia in der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze der Insel.</p> - -<p><b>Der Plan der Verbündeten, Jamaika zu erobern</b>, hatte schon lange bestanden; -in diesem Jahre sollte er ausgeführt werden. Man wollte bei Cap -Français (Haiti) 50 Linienschiffe und 20000 Mann vereinigen. Aus Spanien -war bereits im Januar eine Division Linienschiffe nebst Transportern mit -4000 Soldaten dahin abgegangen, zu ihr sollte die Flotte in Havanna unter -Admiral Solano stoßen. <em class="gesperrt">De Grasse</em> war beauftragt, seine Gesamtflotte -nebst allen auf den Kleinen Antillen entbehrlichen Truppen dorthin zu führen -und den Oberbefehl zu übernehmen; er mußte aber erst den erwähnten Konvoi -erwarten, da seine Schiffe von Vorräten entblößt und die Magazine in Martinique -leer waren. Die Aufgabe war schwierig, denn der von ihm zu deckende -Transport von Truppen und Kriegsmaterial, dem sich noch nach Europa -bestimmte Handelsschiffe anschlossen, zählte 150 Segel. De Grasse beabsichtigte -nicht direkten Kurs nach Haiti zu nehmen, sondern wollte nahe den -Kleinen Antillen entlang steuern, um die eigenen und die neutralen Inseln -stets als Zufluchtsort für den Konvoi benutzen zu können.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rodney</em> mußte also jetzt die Vereinigung der feindlichen Kräfte bei -Haiti hindern; er zog deshalb zwischen den nur 30 Seemeilen voneinander -entfernten Ankerplätzen der beiden Flotten eine Kette von Fregatten, um<span class="pagenum"><a name="Page_361" id="Page_361">[361]</a></span> -sofort Nachricht vom Inseegehen des Gegners zu erhalten. Jetzt zeigte sich -die strategische Bedeutung Sta. Lucias für die Engländer. Bei ihrem eigentlichen -Stützpunkte, Barbados, wären sie zu weit ab gewesen, um mit Aussicht -auf Nutzen die Verfolgung aufzunehmen, und bei einem Kreuzen vor Fort -Royal würde es nicht möglich gewesen sein, stets die Wasser- und Proviantbestände -aufgefüllt zu halten; in der Gros-Islet-Bucht dagegen konnte die -Flotte in unmittelbarer Nähe des Feindes immer seeklar liegen. <em class="gesperrt">De Grasse</em> -mußte die Fehler seiner Vorgänger büßen; <em class="gesperrt">Rodney</em> zog den Nutzen von -<em class="gesperrt">Barringtons</em> Scharfblick und Schneid.</p> - -<p><b>Die erste Schlacht bei Dominica, 9. April 1782<a name="FNAnker_168_169" id="FNAnker_168_169"></a><a href="#Fussnote_168_169" class="fnanchor">[168]</a>.</b> Am 5. April erhielt -<em class="gesperrt">Rodney</em> die Nachricht, daß die französischen Soldaten eingeschifft würden, -und am 8., bald nach Tagesanbruch, erfuhr er, daß der Feind den Hafen verlasse. -Da dies bei der großen Zahl der Schiffe Zeit in Anspruch nahm und -Rodney auch schon mittags frei vom Hafen die Verfolgung aufnehmen konnte, -sichteten die Engländer bereits bei Sonnenuntergang von den Toppen aus die -Franzosen und kamen dann während der Nacht beträchtlich auf. Am 9. bei -Tagesanbruch lag der größere Teil der französischen Flotte nebst dem Konvoi -bekalmt unter der Nordwestspitze von Dominica; nur etwa 15 Linienschiffe -waren frei von der Insel und kreuzten gegen frischen Passat vor dem Eingange -des Kanals zwischen Les Saintes und Dominica. Auch die englische -Flotte lag in Stille etwa 12 Seemeilen westlich der feindlichen, bald aber -erhielten etwa 8 Schiffe ihrer Vorhut, Admiral <em class="gesperrt">Hood</em>, einen leichten Windhauch -aus SO, der sie von der Hauptflotte fort und auf 2 französische Schiffe -zu führte, die während der Nacht stark nach Lee geraten waren und jetzt in -Stille nördlich der englischen Flotte lagen. Hood hätte sie abgeschnitten, -wenn sie nicht auch einen Windstoß aus NW erhalten hätten, mit dessen Hilfe -sie östlich segelten; sie erreichten später ihre Hauptflotte. Zur selben Zeit -wie Hood bekamen auch die französischen Schiffe unter der Insel eins nach -dem andern leichten Luftzug vom Lande her und setzten sich in Bewegung -(s. Plan I a); die englische Hauptflotte blieb vorläufig noch in Stille liegen (I b).</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> sah ein, daß er in Verbindung mit dem Konvoi eine Schlacht -nicht vermeiden könne. Er gab deshalb diesem den Befehl, unter dem Schutze -der beiden 50-Kanonenschiffe nach Basseterre hinüberzulaufen.</p> - -<p>Mit der Flotte wollte er dann zwischen Guadeloupe und Dominica aufkreuzen. -Er hoffte so den Feind hinter sich her vom Konvoi abzuziehen und -glaubte, mit seinen besser gebauten Schiffen auch die Verfolgung abwerfen -zu können; so würden sowohl Flotte wie Konvoi unbelästigt ihr Ziel erreichen.</p> - -<p class="small"><b>Die Rettung des Konvois gelang.</b> Während sich das Gefecht entspann, segelten -die Fahrzeuge unbelästigt nach Norden und waren schon um 2 Uhr nachmittags aus -Sicht. Von Guadeloupe erreichten sie später glücklich Haiti.</p> - -<p>Je weiter <em class="gesperrt">Hood</em> vorrückte, um so frischer ward der Wind, bis er den -Kanal von Les Saintes gut offen sah und den Passat erhielt (I e). Da nun -einerseits die beiden abgekommenen Schiffe noch nicht aus ihrer gefährlichen<span class="pagenum"><a name="Page_362" id="Page_362">[362]</a></span> -Lage heraus waren (I d), anderseits die 8 Schiffe Hoods weit von ihrer Flotte -entfernt standen, gab <em class="gesperrt">de Grasse</em> seinen schon im Passat kreuzenden -15 Schiffen — es waren die französische Vorhut unter Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de -Vaudreuil</em>, sowie 3 Schiffe der Mitte — den Befehl, diesen Teil der Engländer -anzugreifen. Es entspann sich ein Gefecht auf halbe Kanonenschußweite, -das von 9¾–10½ Uhr vorm. dauerte und in das nach und nach auf -beiden Seiten noch einige Schiffe eingriffen, die den Passat erreicht hatten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Hood</em> mußte bald beidrehen, um sich nicht zu weit von der Hauptflotte zu entfernen. -Die französischen Schiffe steuerten in Linie auf das Schlußschiff der Engländer -zu, liefen dann an der englischen Linie entlang, wendeten nacheinander und wiederholten -das Manöver; sie segelten also eine Ellipse zu Luward des Feindes ab (I e). <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> -wählte diese Entfernung, da er fürchtete, daß auf einer näheren die Takelagen seiner -Schiffe zu sehr durch das Feuer der Karronaden leiden würden, mit denen die englischen -Schiffe ausgerüstet waren. (Vgl. Kapitel II, Seite <a href="#Page_21">21</a> ff.)</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p362.jpg" width="600" height="397" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p362" id="fig_p362"></a> -<p class="caption">Erste Schlacht bei Dominica 9. April 1782.</p> -</div> - -<p>Während dieses Gefechtes hatte sich <em class="gesperrt">Rodney</em> mit etwa 8 Schiffen der -englischen Mitte unter sorgfältiger Benutzung der schwachen Windstöße näher -an Land herangearbeitet, die dort frischere Brise abgefangen und steuerte -dann gegen 10½ Uhr nach Norden (Plan II a); der Rest seiner Flotte lag -immer noch nahezu fest (II b). Als <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> dies sah, brach er das -Gefecht ab und segelte nach Süden, damit Rodney sich nicht zwischen ihn -und <em class="gesperrt">de Grasse</em> schieben könne. Um 11½ Uhr aber griff er <em class="gesperrt">Hood</em> aufs -neue und in gleicher Weise an, da auch die französische Mitte und Nachhut -den Kampf aufnahmen. Diese eröffneten nämlich jetzt das Feuer auf <em class="gesperrt">Rodney</em>, -aber auf so weite Entfernung, daß die Engländer es nur schwach erwiderten -(II c). Als dann <em class="gesperrt">de Grasse</em> um 1¼ Uhr nachm. auch die englische -Nachhut herankommen sah, ließ er das Gefecht überall abbrechen und begann -mit der ganzen Flotte in den Kanal aufzukreuzen; ein Schiff wurde wegen<span class="pagenum"><a name="Page_363" id="Page_363">[363]</a></span> -Beschädigungen in der Takelage nach Basseterre gesandt, um die Bewegungen -der Flotte nicht zu behindern. Auch <em class="gesperrt">Rodney</em> sammelte -seine Schiffe und drehte für die Nacht zum Ausbessern bei. Er bildete aber zu -diesem Zwecke seine Formation in „Kehrt“, so daß die Vorhut zur Nachhut -wurde, denn nur die Vorhutschiffe hatten gelitten, zwei von ihnen sogar -beträchtlich, sie blieben aber trotzdem bei der Flotte.</p> - -<p><b>Kritik der Schlacht vom 9. April.</b> Wieder muß man fragen: warum hat -<em class="gesperrt">de Grasse</em> nicht die Gelegenheit benutzt, einen Teil der englischen Flotte -zu vernichten? <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> stand anfangs mit 15 Schiffen gegen 8, und -auch später war das Verhältnis ähnlich. Warum griff er nicht von hinten auf -beiden Seiten an, der Wind war ihm günstig und <em class="gesperrt">Hood</em> hatte keine Aussicht -auf baldige Unterstützung. Im zweiten Teile des Kampfes standen gar insgesamt -33 Franzosen gegen höchstens 20 Engländer, denn 16 englische Schiffe -— die ganze Nachhut und 4 der Mitte — vermochten nicht, einzugreifen. -Wären Hoods Schiffe vernichtet worden, so war <em class="gesperrt">Rodney</em> lahmgelegt, und -<em class="gesperrt">de Grasse</em> konnte seine Aufgabe durchführen.</p> - -<p>Die Franzosen verloren am 12. April nur 5 Schiffe und doch war die -Schlacht für sie eine entscheidende Niederlage. Zu erklären ist dies nur dadurch, -daß der französische Admiral es für seine wichtigste Aufgabe hielt, -die Flotte unversehrt zu erhalten. Der Angriff auf den gefährdeten Teil des -Feindes sollte dann wohl nur diese Schiffe in ihrer Bewegungsfähigkeit so -weit schädigen, daß sie an der Verfolgung nicht teilnehmen konnten oder sie -doch aufhielten. Es ist nirgend zu ersehen, ob <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> nach eigener -Überlegung oder auf Anordnung den Kampf so vorsichtig geführt hat. Das -erste ist möglich, wenn er die fast allgemeine französische Auffassung teilte, -doch das zweite ist wohl wahrscheinlicher. Wenn er aber wußte, daß -<em class="gesperrt">de Grasse</em> nicht entscheidend schlagen, sondern sogar sich der Verfolgung -entziehen wollte, war sein Bestreben richtig, außerhalb der Wirkung der -Karronaden zu bleiben.</p> - -<p><b>Die zweite Schlacht bei Dominica</b> (häufig <b>Les Saintes</b> genannt<a name="FNAnker_169_170" id="FNAnker_169_170"></a><a href="#Fussnote_169_170" class="fnanchor">[169]</a>) <b>am -12. April 1782</b>. Dreimal hatte das Glück <em class="gesperrt">de Grasse</em> zu einem großen -Erfolge vergeblich die Hand geboten — am 29. April 1781 stand er bei -Martinique mit 24 Schiffen gegen 18, im Januar 1782 bei St. Christopher mit -30 gegen 22 und am 9. April mit 33 gegen 20 —, jetzt aber verließ es ihn. -<em class="gesperrt">Rodney</em> setzte am 10. die Verfolgung beharrlich fort, auf günstige Zwischenfälle -hoffend, und diese traten ein. Am 10. April morgens konnten die Engländer -die französische Flotte noch von Deck aus sehen, bei Tagesanbruch am -11. nur noch von den Toppen der Masten; <em class="gesperrt">de Grasse</em> schien sich wirklich -seinem Verfolger zu entziehen.</p> - -<p class="small">Wenn in diesem Falle die französische Flotte der englischen an Schnelligkeit -überlegen war und nicht durch ungekupferte Schiffe aufgehalten wurde, so liegt dies<span class="pagenumsmall"><a name="Page_364" id="Page_364">[364]</a></span> -daran, daß sie gerade beim Aufkreuzen, zumal gegen flauen Wind, die größere Segelfähigkeit -zu entfalten vermochte, die sie infolge besserer Bauart ihrer Schiffe besaß.</p> - -<p>Aber es kam anders. In der Nacht vom 10. auf 11. stießen zwei Schiffe -zusammen, „Jason“ und „Zélée“; so daß das erste nach Guadeloupe geschickt -werden mußte. Im Laufe des 11. sah sich dann <em class="gesperrt">de Grasse</em> gezwungen, -einen Teil seines Vorsprunges aufzugeben, um zwei Schiffe, „Magnanime“ -und „Zélée“, wieder an sich zu ziehen, die zu weit nach Lee geraten waren. -„Zélée“ schien ein Unglücksschiff zu sein. Es war schon unter Dominica -am 9. April von der Flotte abgekommen, in der Nacht vom 11./12. stieß es -wiederum zusammen und dieses Mal sogar mit dem Flaggschiff „Ville de -Paris“; die Wache hatte ein junger Unterleutnant gehabt — ein die Verhältnisse -in der französischen Marine kennzeichnender Umstand. Die Takelage -des Flaggschiffes ward etwas beschädigt, „Zélée“ aber verlor Bugspriet und -Fockmast, so daß eine Fregatte sie nach Guadeloupe schleppen mußte. Der -französischen Flotte fehlten nun außer den beiden 50-Kanonenschiffen, die -den Konvoi begleiteten, bereits 3 Linienschiffe. Der Zusammenstoß hatte -außerdem die Flotte in Unordnung gebracht und aufgehalten.</p> - -<p>Am nächsten Tage kam es durch die Wiederherstellung der Ordnung sowie -Manöver zur Deckung der „Zélée“, deren Verbindung mit dem Schlepper fast bis -Tagesanbruch gedauert hatte, zum Zusammenstoß mit dem Verfolger. Er wurde -die größte rangierte Schlacht des Krieges, ja des Jahrhunderts bis zu dieser Zeit. -Sie wurde am gleichen Tage geschlagen wie die heißeste dieses Krieges in Ostindien; -die Sonne hatte sich noch nicht über den erschöpften Geschwadern der -Admirale <em class="gesperrt">Suffren</em> und <em class="gesperrt">Hughes</em> bei Providien, an der Küste Ceylons südlich -von Trincomali, gesenkt, als ihre ersten Strahlen die Flotten bei Les Saintes beschienen. -(Der Zeitunterschied zwischen den beiden Orten beträgt 9½ Stunden.)</p> - -<p class="title"><span style="font-size: 125%;">Die Schlachtordnungen der Flotten.</span></p> - -<p class="title">Beide sind in „Kehrt“ angegeben, da die Flotten so ins Gefecht traten.</p> - -<table cellpadding="2" summary="p386"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="8"><em class="gesperrt">Die englische Flotte</em>:</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Vorhut</em></td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Mitte</em></td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Nachhut</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Marlborough</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">America</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Prince William</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Arrogant</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Hercules</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Magnificent</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Alcide</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Protée</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Centaur</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Nonsuch</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Resolution</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Belliqueux</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Conqueror</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Agamemnon</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Warrior</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Princesa<a href="#Fussnote_1_7" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc">70</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Duke</td> - <td class="tdc">98</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Monarch</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Prince George</td> - <td class="tdc">98</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Formidable<a href="#Fussnote_2_6" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">98</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Barfleur<a href="#Fussnote_3_4" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">98</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Torbay</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Namur</td> - <td class="tdc">90</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Valiant</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Anson</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">St. Albans</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Yarmouth</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Fame</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Canada</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Montagu</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Russel</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Repulse</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Alfred</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Ajax</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Royal Oak</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Bedford</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td colspan="2"> </td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_7" id="Fussnote_1_7"></a><span class="label">1)</span> Flaggschiff des Kontreadmirals <em class="gesperrt">Francis Samuel Drake</em>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_6" id="Fussnote_2_6"></a><span class="label">2)</span> Flaggschiff des Admirals <em class="gesperrt">Sir George Bridges Rodney</em>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_3_4" id="Fussnote_3_4"></a><span class="label">3)</span> Flaggschiff des Kontreadmirals <em class="gesperrt">Sir Samuel Hood</em>.</p></div></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_365" id="Page_365">[365]</a></span></p> - -<table cellpadding="2" summary="p387"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="8"><em class="gesperrt">Die französische Flotte.</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Vorhut</em></td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Mitte</em></td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdc" colspan="2"><em class="gesperrt">Nachhut</em></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Hercule</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><a href="#Fussnote_170_171" class="fnanchor">[170]</a>Hector</td> - <td class="tdc"> 74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Diadème</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Souverain</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><a href="#Fussnote_170_171" class="fnanchor">[170]</a>César</td> - <td class="tdc"> 74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Destin</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Palmier</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><img src="images/deco_p365.jpg" width="35" height="15" - alt="deco" - title="deco" /></td> - <td> </td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Magnanime</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Northumberland</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Dauphin-Royal</td> - <td class="tdc"> 70</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Réfléchi</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Neptune</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Languedoc</td> - <td class="tdc"> 80</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Conquérant</td> - <td class="tdc">64</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Auguste<a href="#Fussnote_1_8" class="fnanchor">1)</a></td> - <td class="tdc">80</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><a href="#Fussnote_170_171" class="fnanchor">[170]</a>Ville de Paris<a href="#Fussnote_2_7" class="fnanchor">2)</a></td> - <td class="tdc">104</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Magnifique</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl"><a href="#Fussnote_170_171" class="fnanchor">[170]</a>Ardent</td> - <td class="tdc">64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Couronne</td> - <td class="tdc"> 80</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Triomphant<a href="#Fussnote_3_5" class="fnanchor">3)</a></td> - <td class="tdc">80</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Scipion</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Eveillé</td> - <td class="tdc"> 64</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Burgoyne</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Brave</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Sceptre</td> - <td class="tdc"> 74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Duc de Bourgogne</td> - <td class="tdc">80</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Citoyen</td> - <td class="tdc">74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><a name="FNAnker_170_171" id="FNAnker_170_171"></a><a href="#Fussnote_170_171" class="fnanchor">[170]</a>Glorieux</td> - <td class="tdc"> 74</td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Marseillais</td> - <td class="tdc">74</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> </td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl"><img src="images/deco_p365.jpg" width="35" height="15" - alt="deco" - title="deco" /></td> - <td class="tdc"> </td> - <td><span style="margin-left: 25px;"> </span></td> - <td class="tdl">Pluton</td> - <td class="tdc">80</td> - </tr> -</table> - -<div class="footnotes"> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_1_8" id="Fussnote_1_8"></a><span class="label">1)</span> Flaggschiff des Chef d'Escadre <em class="gesperrt">De Bougainville</em>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_2_7" id="Fussnote_2_7"></a><span class="label">2)</span> Flaggschiff des Lieutenant-Général <em class="gesperrt">Comte de Grasse</em>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_3_5" id="Fussnote_3_5"></a><span class="label">3)</span> Flaggschiff des Chef d'Escadre <em class="gesperrt">De Vaudreuil</em>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><img src="images/deco_p365.jpg" width="35" height="15" - alt="deco" - title="deco" /> Hinter „Glorieux“ durchbrach <em class="gesperrt">Rodney</em> und hinter „César“ <em class="gesperrt">Hood</em> -die französische Linie.</p></div></div> - -<p>Am 12. April mit Tagesanbruch, gegen 5½ Uhr, steuerte die englische -Flotte bei SO-Wind südlich; sie lag über Steuerbordbug mit „Kiellinie in -Kehrt“, so daß also die eigentliche Vorhut (Geschwader Hood) zur Nachhut -wurde. Man sah die französische Flotte in NO, gleichfalls über Steuerbordbug -bei OSO-Wind, aber in einer breiten Masse liegend (Plan I a); sie war -durch ungünstige Zufälle sehr auseinandergekommen. Ihre östlichsten Schiffe -befanden sich 8–10 Seemeilen von den westlichsten entfernt; unter diesen -befand sich das Flaggschiff „Ville de Paris“, das etwa 10 Seemeilen von Rodneys -Flaggschiff stand. Noch westlicher sah man „Zélée“ im Schlepp der -Fregatte (b). <em class="gesperrt">Rodney</em> ließ sofort seine 4 letzten Schiffe auf diese abhalten (c), -wohl um de Grasse zu ihrer Deckung nach Lee zu locken. Mit seiner -Flotte wendete er, alle Schiffe zugleich, und bildete dann wieder die Kiellinie -beim Winde über Backbordbug, also mit Kurs ONO (d). Sein Plan -gelang.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> gab gegen 6 Uhr Befehl, abzuhalten, Segel zu mehren und -gleichzeitig die Schlachtlinie über Steuerbordbug „in Kehrt“ herzustellen (e). -Gegen 7 Uhr rief <em class="gesperrt">Rodney</em> die jagenden Schiffe zurück und ließ seine -Linie auf eine Kabellänge Entfernung zwischen den Schiffen schließen. -Gleichzeitig hatte <em class="gesperrt">de Grasse</em> erkannt, daß er die Luvstellung verlieren -würde, wenn er wie bisher weiter raum steuerte; er ging wieder an den Wind, -der um diese Zeit nach Ost drehte. So begann ein Rennen zwischen den beiden -Flotten um die Luvstellung; die französische lag über Steuerbordbug etwa -SSO (f), die englische über Backbordbug etwa NNO (f'′), aber die erste war -noch nicht gut ausgerichtet, als der unvermeidliche Zusammenstoß erfolgte.</p> - -<p class="small">Rodney hatte auch während des Aufkreuzens an den letzten Tagen von Zeit -zu Zeit nach Möglichkeit ausrichten lassen, jetzt wurde die Gefechtslinie bald in guter<span class="pagenumsmall"><a name="Page_366" id="Page_366">[366]</a></span> -Ordnung hergestellt. <em class="gesperrt">De Grasse</em> dagegen wurde es schwer, die Formation einzunehmen, -da die Schiffe so weit verstreut waren; als der Zusammenstoß erfolgte, hatten -noch nicht sämtliche Schiffe der Vorhut und Nachhut ihre Posten eingenommen (Plan II, -V. und N.). <em class="gesperrt">Vaudreuil</em>, der die Nachhut befehligte, also zuletzt ins Gefecht kam -und alles gut übersehen konnte, schrieb später: „Wir bildeten unsere Linie unter Gewehrfeuer.“</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p366.jpg" width="600" height="507" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p366" id="fig_p366"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Dominica 12. April 1782.</p> -</div> - -<p>Aus Besorgnis um „Zélée“ hatte <em class="gesperrt">de Grasse</em> entgegen seiner sonstigen -Vorsicht die Bewegungen hastig und unüberlegt ausgeführt. Es lag in seiner -Hand, den Zusammenstoß zu verzögern, bis er besser geordnet war, wenn er -länger unter kleinen Segeln blieb und nicht so weit abhielt. Dies soll nach -Augenzeugen überhaupt nicht nötig gewesen sein; „Zélée“ lief im Schlepp -5–6 Knoten Fahrt, und <em class="gesperrt">Rodney</em> würde sich gehütet haben, seine Schiffe -länger hinter ihr herlaufen zu lassen, sobald die französische Flotte nur Anstalt -zum Kampf machte. Ferner war es falsch, daß die Flotte über Steuerbordbug -nach Süden ging, da man erfahrungsmäßig unter Dominica flaue umspringende -Winde antraf, während in der Mitte des Kanals frischer Passat wehte. All -diese Umstände sind dem Admiral später zum Vorwurf gemacht.</p> - -<p>Die führenden französischen Schiffe erreichten und passierten zuerst den -Punkt, in dem sich die schnell zusammenführenden Kurse der Flotten schnitten. -Das englische Spitzenschiff „Marlborough“ traf auf das achte Schiff -der feindlichen Linie „Scipion“, dessen Hintermann „Brave“ um 7¾ Uhr<span class="pagenum"><a name="Page_367" id="Page_367">[367]</a></span> -vormittags das Feuer eröffnete. Da ein Durchbrechen nicht beabsichtigt war, -hielt „Marlborough“ auf Signal Rodneys ab und lief in Lee der feindlichen -Linie entlang; ihm folgten die übrigen Schiffe im Kielwasser (Plan II). Die -Schlacht wurde damit zu einem Passiergefecht, das gewöhnlich keine Entscheidung -bringt, und dies entsprach auch wohl der Absicht des französischen -Admirals. Da aber die Schiffe bei flauem Winde nur 3–4 Knoten liefen, -wurde der Kampf heftiger als sonst bei dieser Gefechtsart<a name="FNAnker_171_172" id="FNAnker_171_172"></a><a href="#Fussnote_171_172" class="fnanchor">[171]</a>, ferner gab -<em class="gesperrt">de Grasse</em> seiner Spitze Befehl, bis SSW abzuhalten und brachte so seine -bisher ganz unbeschäftigte Vorhut ins Gefecht. Er wurde sich aber doch jetzt -bewußt, daß dieser Kurs die Flotte in die Region des flauen, umspringenden -Windes führen und ihr voraussichtlich die Luvstellung kosten würde; diese -war jedoch unbedingt nötig, wenn er sich ohne entscheidende Schlacht der -Verfolgung entziehen wollte. <em class="gesperrt">De Grasse</em> gab deshalb um 8½ Uhr Befehl, -gleichzeitig zu halsen, und bald darauf, als dies nicht ausgeführt wurde, im -Kontremarsch zu halsen, jedoch auch dieses Kommando wurde nicht befolgt.</p> - -<p class="small">Ein gleichzeitiges Halsen hätte die französischen Schiffe in eine geradezu verhängnisvolle -Lage gebracht; da die Flotten so nahe beieinander lagen, würden sie -bei dem flauen Winde alle zugleich lange Zeit einem vernichtenden Enfilierfeuer von -hinten ausgesetzt gewesen sein. Der Kommandant des Schlußschiffes „Pluton“, Kapitän -d'<em class="gesperrt">Albert de Rions</em>, der das Manöver hätte beginnen müssen, sah das Signal, -hielt es aber aus genanntem Grunde für einen Irrtum und befolgte es nicht; auch sein -Geschwaderchef <em class="gesperrt">Vaudreuil</em>, der nun auf Ausführung hätte dringen müssen, sowie -noch andere Kommandanten scheinen gleicher Ansicht gewesen zu sein. Das zweite -Signal ward für einen Augenblick vom Spitzenschiff gesehen, das hier beginnen mußte, -aber bald durch Pulverdampf verhüllt. Der Kommandant dieses Schiffes wollte die -Verantwortung nicht übernehmen, da er seiner Sache nicht ganz sicher war; auch bei -diesem Manöver wären die französischen Schiffe, eins nach dem anderen, dem Enfilierfeuer -aus nächster Nähe ausgesetzt gewesen.</p> - -<p>Einige Minuten nach 9 Uhr trat nun das Gefürchtete ein. Der Wind -sprang plötzlich auf SSO und kam allen französischen Schiffen, die noch nicht -abgehalten hatten, fast von vorn, so daß sie etwa SW steuern mußten, um -volle Segel zu behalten. Sie lagen nun nicht mehr in Kiellinie, sondern mit -dem Bug auf die feindliche Linie zu (Plan III), während den Engländern frei -stand, ihren Kurs beizubehalten oder anzuluven; auch ging die Fühlung -zwischen den französischen Schiffen verloren und es entstanden Lücken. -<em class="gesperrt">Rodney</em> war um diese Zeit querab vom vierten Schiff hinter de Grasse, und -hier war eine besonders große Lücke, da das fünfte Schiff hinter dem französischen -Flaggschiffe, „Diadème“, alle Segel back bekommen hatte. In -diesen Zwischenraum, also hinter „Glorieux“, brach Rodney mit dem „Formidable“ -ein, gefolgt von den nächsten fünf Schiffen, und kurze Zeit -darauf drang das letzte Schiff der englischen Mitte, „Bedford“, hinter dem -„César“ durch eine Lücke, hinter ihm die ganze Nachhut unter <em class="gesperrt">Hood</em>.<span class="pagenum"><a name="Page_368" id="Page_368">[368]</a></span> -Der Vordermann Rodneys, der „Duke“, ging nach dem Beispiel seines Admirals -hinter dem „Réfléchi“ durch. <em class="gesperrt">Rodney</em> hatte beim Durchbruch -das Signal „Schlachtlinie“ niedergeholt.</p> - -<p class="small">Die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen litten natürlich sehr. Infolge -von Rodneys Manöver stauten sich die vier Schiffe „Diadème“, „Destin“, „Magnanime“, -„Réfléchi“ zu einem Haufen, in den die durchbrechende Kolonne das Feuer -ihrer Backbordbatterien und „Duke“ das seiner Steuerbordbatterie schmetterten; -also 7 Schiffe, worunter 3 Dreidecker. Die Steuerbordbatterien der Kolonne entluden -sich auf „Glorieux“, der alle Masten verlor. Unter dem Feuer der Kolonne Hoods -hatten besonders „César“ sowie dessen Vordermann „Hector“ zu leiden.<a name="FNAnker_172_173" id="FNAnker_172_173"></a><a href="#Fussnote_172_173" class="fnanchor">[172]</a></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p368.jpg" width="600" height="505" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p368" id="fig_p368"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Dominica 12. April 1782.</p> -</div> - -<p>Die französische Linie war somit an zwei Stellen von Kolonnen durchbrochen -und nach Lee gedrängt. Die ganze englische Vorhut sowie 5 Schiffe -der Mitte waren weiter gelaufen; die vordersten Schiffe der Vorhut müssen -zur Zeit des Durchbruches bereits das Ende der französischen Linie passiert -haben. Auffallend ist, daß diese 16 Schiffe keinen Befehl zum Wenden erhielten, -um dem Feinde zu folgen; der Admiral der Vorhut hätte ihn auch -selber geben können, da das Signal „Schlachtlinie“ nicht mehr wehte. Keine -englische Quelle äußert sich hierüber, es wird nur erwähnt, daß das 11. Schiff -„Russel“ und das 12. „America“ aus eigenem Antriebe gewendet hätten.<span class="pagenum"><a name="Page_369" id="Page_369">[369]</a></span> -Dieses wendete zurück, da kein Signal kam, „Russel“ blieb auf dem neuen -Kurse und konnte infolgedessen später bei der Verfolgung der „Ville de Paris“ -kräftig eingreifen. Auch die englische Flotte war in drei Gruppen geteilt, und -beide Oberbefehlshaber strebten nun, ihre Kräfte wieder zu sammeln; das -Feuer hatte im allgemeinen zwischen 10½ und 11 Uhr aufgehört, nur die -letzten Schiffe der englischen Nachhut scheinen es bis gegen Mittag noch -unterhalten zu haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rodney</em> wendete nach dem Durchbruch mit seiner Gruppe und gab -gegen 11½ Uhr auch der Vorhut Befehl hierzu. Das Manöver erlitt jedoch -erhebliche Verzögerung, da die Takelagen beschädigt waren und der Wind -flau und unbeständig wehte; <em class="gesperrt">Hood</em> war mit der Nachhut nach dem Durchbruch -anstatt sogleich zur Mitte zu steuern, am Winde geblieben und bald -in Stille geraten. Als gegen 1 Uhr nachmittags etwas frischere Brise von Osten -aufkam und den Pulverrauch vertrieb, lagen die beiden Flotten, wie aus -Plan IV ersichtlich: die französische Vorhut (V) stand etwa zwei Seemeilen -zu Luward der Gruppe bei de Grasse (M), die Nachhut (N) etwa 4 Seemeilen -in Lee von dieser; die englische Flotte bot ein ähnliches Bild (V<sup>1</sup>, M<sup>1</sup>, N<sup>1</sup>). -Zwischen beiden Flotten lagen die französischen Schiffe „Glorieux“, „César“, -„Hector“ fast bewegungslos.</p> - -<p><em class="gesperrt">De Grasse</em> gab im Laufe des Nachmittags wiederholt Befehl, die -Ordnung auf die am meisten in Lee befindlichen Schiffe wieder herzustellen, -aber ohne Erfolg. Die drei Gruppen näherten sich wohl etwas, ein wirkliches -Sammeln kam jedoch nicht mehr zustande; die Beschädigungen und der -schwache Wind mögen es vereitelt haben, die Schiffe konnten wohl raum -segeln, aber schlecht manövrieren, vielleicht hat auch der Eindruck der -Niederlage das Seinige dabei getan. <em class="gesperrt">Rodney</em> hat, als um 1 Uhr Wind aufkam -und man die Lage übersehen konnte, keine Maßregeln zur Ausnützung des -bisherigen Erfolges ergriffen; er heißte zwar das Signal „Nahgefecht“, holte -es aber bald wieder nieder. Er scheint mit dem Flaggschiff längere Zeit dem -Feinde nur unter kleinen Segeln gefolgt zu sein, und viele seiner Schiffe taten -das gleiche. So näherten sich die englischen Gruppen wohl dem Gegner, aber -eine scharfe Verfolgung trat nicht ein. Dennoch fielen fünf Franzosen vorausgeeilten -Engländern in die Hände. Etwa um 4 Uhr wurden die obengenannten -drei vereinzelten Schiffe und auch ein schlechter Segler der Vorhut, „Ardent“, -genommen, und gegen 6 Uhr strich das Flaggschiff „Ville de Paris“ nach tapferster -Gegenwehr die Flagge vor „Barfleur“ und „Russel“; es soll um diese Zeit -von 9 englischen Schiffen umgeben gewesen sein.</p> - -<p>Die Nacht brach nun herein. Der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Vaudreuil</em> -übernahm auf französischer Seite den Oberbefehl. Er mehrte auf „Triomphant“ -Segel, hielt ab und befahl, ihm zu folgen, doch konnte der aufzunehmende -Kurs nur durch Zuruf von Schiff zu Schiff weitergegeben werden. -<em class="gesperrt">Rodney</em> ließ um 6¾ Uhr die Linie über Steuerbordbug bilden und beidrehen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust</em> der Engländer betrug 243 Tote, darunter 2 Kommandanten, -und 816 Verwundete; der der Franzosen ist nirgend verzeichnet,<span class="pagenum"><a name="Page_370" id="Page_370">[370]</a></span> -doch sagen ihre eigenen Quellen, er sei viel stärker gewesen. Acht Kommandanten -waren gefallen und 5 Schiffe verloren; der Zufall wollte, daß sich auf -dem Flaggschiffe reiche Geldmittel und auf den anderen der größere Teil der -Artillerie für die Expedition gegen Jamaika befand. Diese 5 in der Schlacht -genommenen Schiffe, sowie zwei weitere, die später Hood in die Hände fielen, -sind aber nie nach England gekommen; „César“ flog noch in der Nacht auf -und die anderen sind sämtlich in Westindien oder auf der Fahrt nach England, -stark beschädigt wie sie waren, in stürmischem Wetter untergegangen.</p> - -<p class="small"><b>Die französischen Verluste</b> müssen sehr viel höher gewesen sein. Während der -stärkste Verlust auf einem englischen Schiffe („Duke“) 73 Mann betrug, sind mit -„César“ allein 400 Franzosen umgekommen, und Troude schreibt, „Ville de Paris“ -habe 400 Tote und 600 Verwundete gehabt; die Engländer seien beim Anbordkommen -vor Entsetzen starr gewesen. Dieses Mißverhältnis ist nicht allein dadurch bedingt, -daß die Franzosen wieder besonders auf die Takelage gefeuert hatten, sondern auch -durch die zweifellos bessere Artillerie der Engländer. Ihre Schiffe führten Karronaden, -deren große Vorteile im Nahgefecht wir kennen; ihre Geschütze waren teilweise mit -Hammerschlössern versehen, die Zielen und Abfeuern durch denselben Mann erlaubten; -neue Vorrichtungen an den Lafetten gestatteten schnelleres Richten. Daß die französische -Marine die englischen Verbesserungen noch nicht eingeführt hatte, war eine um -so gröbere Nachlässigkeit des Ministeriums, als Offiziere wie Suffren auf Vervollkommnungen -der Artillerie gedrungen hatten, so auf Einführung von Haubitzen auf Oberdeck -für Kartätschfeuer, also etwas Ähnliches wie die Karronaden, die Sache war aber verschleppt -worden. Ferner häufte auch der Umstand die Verluste der Franzosen, daß -auf ihren Schiffen sich 5400 Soldaten befanden, die nun als Kanonenfutter dienten.</p> - -<p><b>Kritik der Schlacht am 12. April<a name="FNAnker_173_174" id="FNAnker_173_174"></a><a href="#Fussnote_173_174" class="fnanchor">[173]</a>.</b> Gerade diese Schlacht ist bis zur -Jetztzeit Gegenstand eingehender Besprechung gewesen. Sie war nach langer -Zeit die größte rangierte Schlacht und gewann besondere Bedeutung für die -Seetaktik, da in ihr durch Brechen mit dem langjährigen Schema eine große -Entscheidung herbeigeführt wurde; wir wissen, daß mit ihr das Wiederaufleben -der Taktik beginnt. Wir wollen die hauptsächlichsten Auslassungen -bedeutender Autoren der neueren Zeit kurz zusammenfassen.</p> - -<p><b>Rodneys Durchbruch.</b> Es ist gestritten worden, ob es richtig war, die -feindliche Linie zu durchbrechen, oder ob <em class="gesperrt">Rodney</em> nicht besser seinen -Kurs fortgesetzt, die feindliche Nachhut mit seiner ganzen Linie beschossen, -dann mit seiner Spitze hinter ihr gewendet und die letzten Schiffe zwischen -zwei Feuer genommen hätte. Die feindliche Linie von hinten von beiden Seiten -anzugreifen, ist allerdings unter anderen Umständen von Vorteil, aber ob es -hier möglich war, bleibt fraglich. Die englische Linie hatte schon längere Zeit -im Gefechte gelegen und nicht alle Schiffe hätten schnell wenden und dann -den Gegner einholen können; es wäre wahrscheinlich bei einem Passiergefechte -geblieben, ähnlich wie bei Ouessant (1778), nach dem die Engländer höchstens<span class="pagenum"><a name="Page_371" id="Page_371">[371]</a></span> -die Luvstellung gewonnen hätten. Zuzugeben ist nun allerdings, daß der -Durchbruch der Kolonne Rodneys den letzten elf Franzosen den Rückzug -nach Lee freigab, nachdem sie nur von der englischen Vorhut beschossen -waren, während diese das Feuer der ganzen französischen Linie erhielt, dafür -aber waren sie durch das Ausweichen nach Lee für einen längeren und wichtigen -Zeitraum außer Gefecht gesetzt und wären nicht imstande gewesen, dem Reste -ihrer Flotte Hilfe zu bringen; die Engländer konnten diesen mit erdrückender -Überzahl angreifen, da sie die Luvstellung gewonnen hatten, während die elf -französischen Schiffe hoffnungslos in Lee lagen.</p> - -<p>Dadurch, daß auch <em class="gesperrt">Hood</em> durchbrach, wurde die Sache nur wenig -anders. Die Gruppe der sechs Schiffe bei <em class="gesperrt">de Grasse</em> war von dem vorderen -und dem hinteren Teile der Flotte abgeschnitten und gleichfalls nach Lee -getrieben; die französische Linie war in drei Teile getrennt, die sich nur schwer -wieder vereinigen konnten, und man darf auch den moralischen Eindruck -nicht unterschätzen, der hierdurch entstand. Dazu kommt nun die größere -Ausnutzung des Feuers seitens der durchbrechenden Schiffe. Beim Passiergefecht -würden unter gleichen Umständen Breitseiten abgegeben und -empfangen sein, hier erhielten die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen -nacheinander das Feuer aller Schiffe der durchbrechenden Kolonne, -und diese hätten sogar die Kanonen beider Seiten zur Verwendung bringen -können; tatsächlich tat es nur „Formidable“, da die Backbordbatterien der -anderen nicht bereit waren. <em class="gesperrt">Rodneys Manöver</em> hatte also zur Folge: -die Gewinnung der Luvstellung und damit die Möglichkeit zum angriffsweisen -Vorgehen; die Vereinigung des Feuers auf einen Teil der feindlichen -Schlachtordnung; das Auseinandersprengen und Verwirren dieser. Es ist -kein stichhaltiger Einwurf, daß sich die Franzosen bei geschickterem Manövrieren -früher wieder hätten vereinigen können; ein Unternehmen, das beim -Gelingen Vorteil verspricht, verliert dadurch nicht an Wert, daß es vom Gegner -pariert werden kann.</p> - -<p>Sicher ist wohl, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> den Durchbruch nicht vorher beabsichtigt -hat, sondern nur die günstige Gelegenheit — den raumenden Wind und die -sich bietende Lücke — wahrnahm. Der Admiral soll sogar dabei gar nicht -eigenem Antriebe, sondern nur einem Drucke seines Stabschefs, Kapitän <em class="gesperrt">Sir -Charles Douglas</em>, gefolgt sein; gewichtige Beweisgründe, die dessen -Sohn beibringt, scheinen dies zu bestätigen. Sie dürften indessen doch mit -Vorsicht aufzunehmen sein, denn zweifellos hat Rodney die von <em class="gesperrt">Clerk</em> -aufgestellten taktischen Grundsätze (vgl. Seite <a href="#Page_44">44</a>) gekannt und gebilligt, -und dieser sieht den Durchbruch mit der eigenen Mitte vor. Wohl ist es möglich, -daß Douglas die Anregung gegeben, aber unwahrscheinlich, daß es -längerer Vorstellungen bedurft hätte, zu denen überdies nicht einmal die -Zeit vorhanden war.</p> - -<p class="small"><b>Rodneys eigene Ansicht über die Schlacht ist bemerkenswert.</b> Er hielt nur wenig -von seinem Siege am 12. April und würde es vorgezogen haben, seinen Ruf auf die -Taktik zu gründen, die er in der Schlacht bei Martinique am 17. April 1780 hatte anwenden<span class="pagenumsmall"><a name="Page_372" id="Page_372">[372]</a></span> -wollen. Er war überzeugt, daß die damals gebotene Gelegenheit, mit einer schwächeren -Flotte einen tüchtigen Führer (er hielt <em class="gesperrt">de Guichen</em> für den Besten der -Franzosen) zu schlagen, ihm ohne die Fehler seiner Kommandanten größeren Ruhm -erworben haben würde. Das Schicksal fügte es sonderbar. Sein Ruhm gründet sich auf -der allerdings glänzenden Schlacht am 12. April 1782, an der aber seine Fähigkeiten -den geringsten Anteil hatten, und die Haupttat seines Lebens, in der Verdienst sowie -Erfolg sich entsprachen, nämlich die Vernichtung der spanischen Flotte <em class="gesperrt">Langaras</em> -beim Kap St. Vincent am 16. Januar 1779, ist kaum noch bekannt. Übrigens schrieb -auch im letzterwähnten Falle das Tagesgeschwätz dem Kommandanten des Flaggschiffes -das Verdienst zu, doch ist dies zweifellos widerlegt. (Vorstehendes nach Mahan I, -Seite 488.)</p> - -<p><b>Das Unterlassen der Verfolgung</b> am 12. April bezeichnete <em class="gesperrt">Hood</em> als -einen großen Fehler Rodneys. Er war der Ansicht, daß 20 Schiffe hätten -genommen werden können, wenn nach dem Durchbruch „Allgemeine Jagd“ -befohlen und man dem Gegner unter vollen Segeln auch während der Nacht -auf den Fersen geblieben wäre; der obengenannte Chef des Stabes pflichtete -ihm bei. Diese beiden erfahrenen Offiziere haben dann auch am nächsten -Tage versucht, den Admiral zur Aufnahme der Verfolgung zu bewegen, aber -er soll freundlich geantwortet haben: „Come, we have done handsomely as it -is.“ <em class="gesperrt">Rodney</em> rechtfertigte später die unterlassene Verfolgung mit dem -Hinweis auf die vielfachen Schiffsschäden und sonstigen Folgen der heißen -Schlacht, auch legte er nahe, daß der Erfolg in der Nacht zweifelhaft gewesen -sein würde, weil der Feind „in einer geschlossenen Masse von 26 Schiffen“ -abgezogen sei. Dies war nun allerdings nicht der Fall, wie sich zeigen wird, -und <em class="gesperrt">Hood</em> hatte wohl recht, wenn er eine tatkräftige Verfolgung unmittelbar -nach der Schlacht oder doch am nächsten Tage für erfolgreich hielt. Dennoch -erscheint es gewagt, Rodney unbedingt zu verurteilen; Hood war zwar -ein hervorragender Führer und die Folgen gaben ihm recht, aber Rat sowie -Kritik sind jederzeit leicht, und die volle Verantwortung fühlt nur der, auf -dessen Schultern sie ruht.</p> - -<p><b>De Grasse wurde</b> in Frankreich <b>sehr angegriffen</b>. Man gab ihm zu, daß -er mit 2246 Kanonen auf 30 Schiffen gegen 2674 Geschütze auf 36 sehr im -Nachteil gewesen sei, aber die Hauptschuld an der Niederlage maß man -doch seinem Verhalten bei.</p> - -<p class="small">Die Unterlegenheit geben die Engländer nicht voll zu. <em class="gesperrt">Douglas</em>, der sich -besonders mit Artillerie beschäftigte, meinte, die Franzosen hätten nicht nur die besseren -Schiffe gehabt, sondern das Gewicht der Batterien auf ihren 30 Schiffen habe dem der -36 Engländer gegenüber zwei 74-Kanonenschiffe aufgewogen.</p> - -<p>Am 9. April habe er trotz günstiger Umstände mit Rücksicht auf seine -Aufgabe eine Schlacht vermieden und am 12. seine Flotte so geführt, daß es -zu einer solchen unter nachteiligen Verhältnissen kommen mußte. Es wurden -dann die schon besprochenen Fehler aufgeführt: Unnötige Besorgnis um -„Zélée“ und das dadurch verursachte Aufgeben des bereits gewonnenen Luvraumes; -Herangehen an den Feind, ehe die Linie gebildet war; Wahl des -falschen Buges. Der Admiral versuchte, die Schuld auf einen Teil seiner -Untergebenen abzuwälzen, die seine Befehle nicht befolgt und ihn später im<span class="pagenum"><a name="Page_373" id="Page_373">[373]</a></span> -Stich gelassen hätten. Erst zu Beginn des Jahres 1784 konnten alle Angeklagten -und Zeugen vor dem Kriegsgerichte erscheinen. Das Ergebnis der Verhandlungen -war, daß fast alle vom Admiral Angeklagten gänzlich gerechtfertigt -hervorgingen und nur einige unter Zugeständnis mildernder Umstände -gelinde bestraft wurden; dem Admiral jedoch legte das Gericht die genannten -Mißgriffe zur Last. <em class="gesperrt">De Grasse</em> schädigte durch sein Auftreten nach der -Niederlage und nach dem Urteilsspruche selber den Ruhm, den er sich in -Nordamerika zweifellos erworben hatte.</p> - -<p class="small"><b>De Grasse</b> ging als Gefangener mit Rodney nach Jamaika und ward im Mai nach -England gesandt. Dort wurde er sowohl von den Seeoffizieren wie von der Bevölkerung -mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit behandelt, die der Sieger einem immerhin -tapferen Besiegten gern erweist. Diese Behandlung scheint er ziemlich würdelos aufgenommen -und auch zu den Gegnern gehässig über seine Untergebenen geurteilt zu haben. -Er tat dies ferner nicht nur in dienstlichen Berichten, sondern auch in Flugschriften, -die er von England aus durch ganz Europa versandte. So war es kein Wunder, daß -er bei der Rückkehr nach Frankreich nach seinem eigenen Ausspruch „keine Hand -fand, die sich ihm entgegenstreckte“. Gegen die Urteile des Kriegsgerichts legte er -in einem Briefe an den Marineminister Berufung ein und forderte eine neue Untersuchung. -Der Minister antwortete im Namen des Königs ziemlich schroff. Nachdem -er die Widersprüche in den Flugschriften mit den Ergebnissen der Untersuchung besprochen -sowie dem Admiral den Vorwurf gemacht hatte, leichtfertig den Ruf seiner -Offiziere gefährdet zu haben, schloß er: „Seine Majestät ist mit Ihnen sehr unzufrieden -und verbietet Ihnen, vor ihm zu erscheinen; ich füge den Rat hinzu, daß Sie sich in -Ihre Provinz zurückziehen.“ <em class="gesperrt">De Grasse</em> starb 1788.</p> - -<p><b>Die Folgen der Schlacht bei Dominica.</b> <em class="gesperrt">De Vaudreuil</em> hatte am -Morgen des 13. April nur 11 Linienschiffe um sich, von denen er eins sogleich -nach Cap Français voraussandte. Mit den übrigen kreuzte er einige Tage -bei Haiti, um Versprengte aufzunehmen, und es stießen auch noch 6 Schiffe -zu ihm. Auf der Fahrt sind also niemals mehr als 16 Schiffe vereint gewesen. -Bei seiner Ankunft in Cap Français waren schon 3 Linienschiffe dort eingetroffen, -auch fand der Admiral den Konvoi nebst den zwei 50-Kanonenschiffen, -sowie <em class="gesperrt">Solano</em> mit 15 spanischen Linienschiffen vor; 15–20 000 -Mann Landtruppen waren versammelt. In den ersten Tagen des Mai langte -Chef d'Escadre <em class="gesperrt">de Bougainville</em> mit 5 Linienschiffen an, die er nach -der Schlacht zur Wiederinstandsetzung nach Curaçao geführt hatte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rodney</em> kreuzte nach der Schlacht mehrere Tage bei Guadeloupe in -der Hoffnung, noch versprengte Franzosen zu fangen. Er war oft durch Windstille -behindert, aber <em class="gesperrt">Hood</em> behauptet, man würde 50 Seemeilen westlicher -genügend Wind zur Verfolgung gefunden haben. Erst am 17. April zweigte -<em class="gesperrt">Rodney</em> den Admiral <em class="gesperrt">Hood</em> mit 10 Linienschiffen nach Norden ab, -während er mit der Hauptflotte nach Jamaika segelte. <em class="gesperrt">Hood</em> eilte zur -Mona-Passage, zwischen Portoriko und Haiti, und fing hier am 19. die beiden -Linienschiffe ab, die vor der Schlacht die französische Flotte verlassen hatten; -auch zwei diese begleitenden Fregatten fielen in seine Hände. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> -selber hatte erst am 18. den Kanal passiert; es ist also anzunehmen, daß die -französische Flotte schwer gelitten haben würde, wenn <em class="gesperrt">Rodney</em> die Verfolgung<span class="pagenum"><a name="Page_374" id="Page_374">[374]</a></span> -mit voller Kraft rechtzeitig aufgenommen hätte. <em class="gesperrt">Hood</em> verfehlte -nicht, dies in dem Berichte über seinen Fang dem Oberbefehlshaber nahezulegen. -Hier scheint also <em class="gesperrt">Rodney</em> seine Aufgabe, Jamaika zu schützen, höher -gestellt zu haben, als die Ausnutzung der Gelegenheit, die feindlichen Seestreitkräfte -zu vernichten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Jamaika war allerdings gerettet.</em> Die Führer der Verbündeten -sahen von der Expedition ab, obgleich sie über 40 Linienschiffe in -Cap Français verfügten. Sie unternahmen auch sonst nichts von größerer -Bedeutung, nur ließ der Gouverneur von Kuba am 6. Mai durch 3 Fregatten -und 60 Transporter mit Soldaten die <em class="gesperrt">Bahamainseln</em> besetzen. Auch -<em class="gesperrt">der moralische Eindruck</em> des Sieges war groß; in England erregte -er maßlose Freude, in Frankreich große Niedergeschlagenheit und hat wohl -hier die Neigung zum Friedensschluß gefördert. Die namentlich früher in -Geschichtswerken viel verbreitete Ansicht, der Sieg habe den für England -günstigen Frieden herbeigeführt, da durch ihn die französische Marine zum -Kampf um die Seeherrschaft unfähig geworden sei, trifft nicht zu; die Verbündeten -blieben im Gegenteil unmittelbar nach der Schlacht in Westindien -noch überlegen. Die Engländer hätten wohl Jamaika behaupten, aber schwerlich -die anderen Inseln mit Waffengewalt wiedergewinnen können, die ihnen -der Friedensschluß zurückgab. Anders wäre es gewesen, wenn <em class="gesperrt">Rodney</em> -die französische Flotte vernichtet hätte.</p> - -<p><b>Der Krieg in Westindien war zu Ende</b> nicht nur für das Jahr 1782, sondern -überhaupt. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> sandte von Cap Français über 200 Kauffahrer in -2 Konvois unter starker Bedeckung nach Europa und segelte am 4. Juli, nur -2 Linienschiffe zurücklassend, mit dem Rest der Flotte, 16 Schiffen, nach -Nordamerika; ein Linienschiff nebst 2 Fregatten war schon kurz vorher abgesandt, -um englische Niederlassungen in der Hudsonbucht zu brandschatzen. -Die Spanier gingen nach ihren Stationen zurück. <em class="gesperrt">Rodney</em> wurde am 10. Juli -durch <em class="gesperrt">Admiral Hugh Pigot</em> abgelöst.</p> - -<p class="small"><b>Rodney</b> fiel als strenger Tory trotz seiner Verdienste dem Ministerwechsel zum -Opfer. Allerdings ward seine Abberufung auf die Nachricht vom letzten Siege widerrufen, -aber die Verfügung traf in Jamaika erst ein, als der Admiral bereits abgesegelt -war. Rodney hat während der 2½ Jahre seines Kommandos den Gegnern 12 Linienschiffe -abgenommen, darunter den einzigen Dreidecker, der je einem Feinde in die -Hände gefallen ist, und fünf vernichtet; er hat ferner einen französischen, einen spanischen -und einen holländischen Admiral gefangen genommen. Für seinen letzten -Erfolg ward er mit der Peerswürde und einer Pension belohnt; er starb 1792.</p> - -<p class="small">Auch <b>Hood</b> wurde zum Peer erhoben; ihm werden wir im ersten Teile des nächsten -Krieges wieder begegnen, wo er sich die höchste Bewunderung <em class="gesperrt">Nelsons</em> erwarb.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pigot</em> segelte mit dem größten Teile seiner Flotte nach New York, um -die französische im Auge zu behalten. Beide Flotten kehrten nochmals nach -Westindien zurück, aber nur im Kleinen Kriege stießen sie noch zusammen.</p> - -<p><b>Über die Kriegführung in Westindien 1782</b> ist nicht mehr viel zu sagen. -Anfangs hatten die Franzosen das Übergewicht, später waren die Engländer<span class="pagenum"><a name="Page_375" id="Page_375">[375]</a></span> -wenigstens jenen allein überlegen. Beide nutzten es nicht aus, um die unbedingte -Seeherrschaft zu erringen. So eroberten die Franzosen zwar eine -größere Zahl englischer Inseln, doch waren diese sämtlich nur von untergeordneter -Bedeutung. Die Engländer vereitelten den Hauptplan der Gegner, -Jamaika zu erobern, da jedoch deren vereinte Seemacht überlegen blieb und -leicht noch verstärkt werden konnte, sahen sie sich weiter auf die Verteidigung -beschränkt und mußten ihre Bewegungen denen des Feindes anpassen. Zu -ihrem Glück haben die Niederlage bei Dominica, der Fehlschlag des Unternehmens -gegen Gibraltar und auch wohl die Friedensunterhandlungen zwischen -England und seinen Kolonien die Tatkraft der Verbündeten gelähmt.</p> - -<p><b>In Nordamerika brachte das Jahr 1782 keine Ereignisse von Bedeutung -mehr.</b> <em class="gesperrt">Der Landkrieg</em> war nach der Kapitulation von Yorktown fast -eingeschlafen; die englischen Befehlshaber hatten Weisung erhalten, sich auf -die Behauptung der noch besetzten Plätze zu beschränken, und auch die -Amerikaner nutzten ihren Erfolg nicht aus. Zu einem Angriff auf New York -fühlten sie sich zu schwach.</p> - -<p class="small">Die Lage der amerikanischen Finanzen war schlimmer als je. Von 9 Millionen -Dollars, die der Kongreß für dies Jahr brauchte, ließen sich höchstens fünf den Einzelstaaten -auferlegen; der Rest mußte durch Anleihen beschafft werden. Zur Sicherung -schlug der Kongreß die Einführung eines Zolles für alle Kolonien vor, aber mehrere -Staaten lehnten sie ab, und von den fünf Millionen ging nur eine halbe ein. Zwar traf -von Frankreich im Januar 1782 nochmals eine Unterstützung ein und auch die Anleihe -in Holland brachte Gelder, aber alles waren nur Tropfen auf den heißen Stein. Die -Truppen litten Mangel und <em class="gesperrt">Washington</em> hatte die größte Mühe, sie zu beruhigen -und zusammenzuhalten.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">zur See</em> ereignete sich nichts von Bedeutung<a name="FNAnker_174_175" id="FNAnker_174_175"></a><a href="#Fussnote_174_175" class="fnanchor">[174]</a>. <em class="gesperrt">Pigot</em>, der -am 4. September in New York eingetroffen war, ging Ende Oktober nach -Westindien zurück, weil man wußte, daß die Verbündeten den Plan gegen -Jamaika noch nicht endgültig aufgegeben hatten. Er segelte nach Barbados, -ließ aber <em class="gesperrt">Hood</em> mit 13 Linienschiffen bei Haiti kreuzen. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em>, -der am 10. August in Boston geankert, eine feste Verteidigungsstellung eingenommen -und dann seine Schiffe gründlich überholt hatte, segelte am 24. Dezember -nach Puerto Cabello, um sich hier mit der spanischen Flotte zu vereinigen; -er führte 4000 Mann vom Heere Rochambeaus mit sich.</p> - -<h5>Die Friedens-Präliminarien.</h5> - -<p>Die zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Paris vom 30. November -1782, und die zu Versailles vom 30. Januar 1783 zwischen England -und den beiden Königreichen vereinbarten Vorbedingungen des Friedens, in -die für Holland wenigstens Waffenstillstand eingeschlossen war, machten dem<span class="pagenum"><a name="Page_376" id="Page_376">[376]</a></span> -Seekriege in den europäischen, sowie den westindischen Gewässern ein Ende; -nur in Ostindien dauerte der Streit noch fort.</p> - -<p><em class="gesperrt">Für das Jahr 1783</em> hatten die Verbündeten abermals <em class="gesperrt">die Eroberung -Jamaikas geplant</em>. Man rechnete mit etwa 40 englischen -Linienschiffen in Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> -(22 Schiffe) sollte sich mit <em class="gesperrt">Solano</em> (12 Schiffe) in Puerto Cabello -vereinigen und <em class="gesperrt">d'Estaing</em> 15 spanische, sowie 15 französische Schiffe nebst -einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten Maßnahmen -hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren Durchführung -trat der Präliminarfriede in Kraft.</p> - -<p><em class="gesperrt">D'Estaing</em> erschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember -1782 in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von -7000 Soldaten an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa -abzusendende Expeditionskorps bilden sollten. <em class="gesperrt">Vaudreuils</em> Schiffe -trafen von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem -26. Februar in Puerto Cabello ein, aber <em class="gesperrt">Solano</em> blieb aus, da ihn der -Gouverneur von Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders -nicht abfahren lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von -Puerto Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auch <em class="gesperrt">Pigot</em> und -<em class="gesperrt">Hood</em> segelten nach England.</p> - -<p class="small">Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte noch <b>ein bedeutsames -Ereignis</b>. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel auf der Rhede vor Anker -lag, erschien eines Tages eine unbekannte Fregatte. <em class="gesperrt">Vaudreuil</em> gab einer der seinigen -den Befehl zur Jagd, doch brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das -unbekannte Schiff konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen -Flotte erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte „Albemarle“, -und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß — <em class="gesperrt">Nelson</em>!</p> - -<h5>Der Krieg in Ostindien.</h5> - -<p>In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine -äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber -erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit -dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen.</p> - -<p><b>Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges<a name="FNAnker_175_176" id="FNAnker_175_176"></a><a href="#Fussnote_175_176" class="fnanchor">[175]</a>.</b> Im Pariser -Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durch <em class="gesperrt">Dupleix</em> -in Indien geschaffenen Macht — an der Westküste Vorderindiens Mahé; -an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges Chandernagore -— zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt werden und -waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen Kompagnie erweiterte -sich dagegen beständig, besonders während der kurzen Zeit, in der<span class="pagenum"><a name="Page_377" id="Page_377">[377]</a></span> -<em class="gesperrt">Clive</em> nochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765 bis Januar -1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten (Erpressungen, Ausbeutung -von Monopolen) einigermaßen abzustellen und neue Länder zu erwerben. -Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren Schutz seine Einkünfte -und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen, Bahar, Orissa, -sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein ununterbrochenes Gebiet -vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so eine politische und -militärische Macht geworden war, -für die England eintreten mußte, -und da die Verwaltung immer -noch zu wünschen übrig ließ, wurde -im Februar 1773 vom Parlament -das „Regulationsgesetz“ erlassen, -das die Gesellschaftsrechte einschränkte: -die Regierung ernannte -von jetzt an Gouverneure -und Verwaltungsräte, setzte ein -königliches Obergericht in Kalkutta -ein und beschränkte die -Dividende auf 6–8%; der Statthalter -von Bengalen ward zum -Generalgouverneur von ganz -Britisch-Indien bestellt. Der -erste, der den Posten bekleidete, -war <em class="gesperrt">Sir Warren Hastings</em> -1773–1785.</p> - -<div class="figright"> - <img src="images/fig_p377.jpg" width="300" height="337" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p377" id="fig_p377"></a> -<p class="caption">P. A. de Suffren.</p> -</div> - -<p>Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher -zu Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der -allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen -Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren -der Sultan von Mysore, <em class="gesperrt">Haidar Ali</em>, und die Mahratten, eine Anzahl -kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet -dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im südwestlichen -Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus; sie drangen -jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten 1762–1763 von -Bengalen aus mit ihnen Krieg führen. <em class="gesperrt">Haidar Ali</em>, ursprünglich ein Offizier -des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759 der Herrschaft dieses Landes -bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch Eroberung der kleinen Staaten -an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u. a.) erweitert. Er bedrohte ganz -Südindien und die englischen Besitzungen an der Malabar-, wie die an der -Koromandelküste. Die Engländer im Bunde mit dem Vizekönig vom Dekan, -sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher im Carnatic, erklärten ihm deshalb -1766 den Krieg, wurden aber infolge der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten -zurückgeworfen. <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> verwüstete den Carnatic und<span class="pagenum"><a name="Page_378" id="Page_378">[378]</a></span> -erschien sogar zweimal vor Madras; sie hielten es daher für ratsamer, 1769 ein -Schutz- und Trutzbündnis mit ihm zu schließen. In den Jahren 1773–1776 -kam es zu Besitzstreitigkeiten zwischen der Präsidentschaft Bombay und den -Mahratten.</p> - -<p>Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich -gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da -deren Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen -Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies -trat ein.</p> - -<p><b>Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich.</b> Am 7. Juli 1778 -ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt. <em class="gesperrt">Hastings</em> ließ sofort -die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore und -Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery zu -nehmen. Am 8. August trafen General <em class="gesperrt">Munro</em> mit 16000 Mann und am -10. Kommodore <em class="gesperrt">Vernon</em> mit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie -und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitän -<em class="gesperrt">de Tronjoly</em> mit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem -Feinde entgegen und es kam zum Gefecht.</p> - -<p class="small"><b>Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778.</b> Das englische Geschwader -zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1 zu 18, und das französische -1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3 Ostindienfahrer mit 20–26 Geschützen; -die gesamten Seestreitkräfte der beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen -Gefechte, einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei -leichtem Winde, ohne besondere Erfolge.</p> - -<p>Nach unentschiedenem Kampfe segelte <em class="gesperrt">Vernon</em> nördlich, um den -Feind fortzulocken, <em class="gesperrt">Tronjoly</em> folgte jedoch nicht. Das englische Geschwader -kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das -französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France. Pondichery, -nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab sich nach -hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen militärischen Ehren.</p> - -<p>Mitte 1779 traf Kontreadmiral <em class="gesperrt">Sir Edward Hughes</em><a name="FNAnker_176_177" id="FNAnker_176_177"></a><a href="#Fussnote_176_177" class="fnanchor">[176]</a> mit -5 Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst -wieder im Januar 1781.</p> - -<p class="small">Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger aufzutreten. Anfang -1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkung -<em class="gesperrt">d'Estaings</em> nach Westindien gesandt (vgl. Seite <a href="#Page_276">276</a>); ein zweites, im -Frühjahr 1780 nach Indien bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika -geschickt (vgl. Seite <a href="#Page_291">291</a>). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die -Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6 Linienschiffe gebracht. -Um diese Zeit übernahm Kommodore <em class="gesperrt">Comte d'Orves</em> hier den Oberbefehl,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_379" id="Page_379">[379]</a></span> -blieb jedoch über ein Jahr lang untätig, weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren -und seine Instruktion ihm ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon -auftrug.</p> - -<p><b>England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten.</b> Französische Seestreitkräfte -hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen können. Bei -Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten erschienen, um die -Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur Überlassung eines -Hafens an der Westküste zu bestimmen. <em class="gesperrt">Hastings</em> entschloß sich daraufhin -schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus Truppen gegen die -Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die Präsidentschaft -Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe ward jedoch im -Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und diese Niederlage -schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von Bengalen unter dem -tüchtigen Oberst <em class="gesperrt">Goddard</em>, das im Januar in Surat ankam, errang zwar -1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch nicht ausnutzen, da die -englischen Truppen an anderer Stelle schwer bedrängt wurden.</p> - -<p>Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen -Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurch <em class="gesperrt">Haidar Ali</em>, in dessen -Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste erbittert. -Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit den Mahratten in -Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst starker Artillerie -in den Carnatic ein. General <em class="gesperrt">Munro</em> war so wenig vorbereitet und traf so -schlechte Anordnungen, daß er im September Kanonen und Troß im Stich -lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte; eine Abteilung von 3000 Mann -wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den ganzen Carnatic in seiner Gewalt -und die festen Plätze eingeschlossen; ganz Südindien wäre so für England verloren -gewesen, wenn nicht <em class="gesperrt">Hastings</em> von Bengalen Hilfe geschickt hätte. -Der von hier am 5. November in Madras eingetroffene General <em class="gesperrt">Eyre Coote</em>, -ein hervorragender Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im -Januar 1781 vor, um den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte -auch Erfolg, mußte aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte -angekommen und in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, -auf dem Rückmarsche <em class="gesperrt">Haidar</em> zur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; -der Sultan folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn -schließlich in Cuddalore fest.</p> - -<p><b>Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte d'Orves.</b> -Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die gar nicht -bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die Erlaubnis, nach -Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das Geschwader keinen -großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl nicht aufgehoben sei und -die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu schlecht versorgt wären, um -etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu können. <em class="gesperrt">D'Orves</em> verließ am -14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3 Fregatten Port Louis, traf am -27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte dann in der Nähe von Pondichery.<span class="pagenum"><a name="Page_380" id="Page_380">[380]</a></span> -<em class="gesperrt">Hughes</em> lag mit dem englischen Geschwader im Winterlager in -Bombay, <em class="gesperrt">d'Orves</em> hatte mithin freie Hand. Trotzdem ging er nicht auf den -Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, -seine Instruktion verbiete ihm dies, auch habe er nur noch Proviant für die -Rückreise und müsse im April zur Vereinigung mit einem aus Frankreich -kommenden Geschwader in Isle de France sein. Am 13. Februar segelte er -ab und traf am 31. März, tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in -Port Louis ein. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren -Schlag zu versetzen, war damit verloren gegangen.</p> - -<p class="small">Wohl mit Recht sagt <em class="gesperrt">Chevalier</em> (II, Seite 380), <em class="gesperrt">d'Orves</em> hätte sich sicher -in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der holländischen Negapatam -Proviant für einen Monat verschaffen können, und Cuddalore wäre, zu Lande und zu -Wasser eingeschlossen, sowie von Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen.</p> - -<p>Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel -sowie Krankheiten, und <em class="gesperrt">Eyre Coote</em> würde genötigt gewesen sein, sich -auf Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader -wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und anderseits -glaubte <em class="gesperrt">Haidar</em> ihn so geschwächt, daß er seine bisherige vorsichtige -Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto Novo eine -Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine Niederlage, die ihn -zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen aus Bengalen -folgte <em class="gesperrt">Coote</em> und errang im August weitere Erfolge; ganz aus dem Carnatic -ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben.</p> - -<p>Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen, <em class="gesperrt">die Engländer -nahmen</em> im November 1781 nach kurzer Belagerung <em class="gesperrt">Negapatam</em> -und am 12. Januar 1782 <em class="gesperrt">Trincomali</em> auf Ceylon, den einzigen -sicheren Hafen an der Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen -bot.</p> - -<p>Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder. -<em class="gesperrt">D'Orves</em> erfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter Kapitän <em class="gesperrt">Suffren</em> -unterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz -der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es -fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe. <em class="gesperrt">Suffren</em> traf erst am -25. Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, -die Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader -instand gesetzt werden. <em class="gesperrt">Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt -der Kampf in Ostindien eine hohe Bedeutung in der -Seekriegsgeschichte<a name="FNAnker_177_178" id="FNAnker_177_178"></a><a href="#Fussnote_177_178" class="fnanchor">[177]</a>.</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_381" id="Page_381">[381]</a></span></p> - -<p><b>Suffren<a name="FNAnker_178_112" id="FNAnker_178_112"></a><a href="#Fussnote_178_112" class="fnanchor">[178]</a> rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie 1781.</b> -Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der Kapkolonie -bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die Kapkolonie -war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die französischen -Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von dort. England -schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des Admirals <em class="gesperrt">Darby</em> auf seiner -Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen nebst 35 teilweise armierten -Transportern mit Truppen unter Kommodore <em class="gesperrt">George Johnstone</em> -ab, und Frankreich schloß der Flotte, die unter <em class="gesperrt">de Grasse</em> am -22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8 Transportern -unter Kapitän <em class="gesperrt">Suffren</em> an, auf denen 1000 Mann Infanterie, sowie eine -Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader trennten sich an -der spanischen Küste von ihren Flotten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Johnstone</em> ankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der -portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant -zu nehmen, und auch <em class="gesperrt">Suffren</em> lief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl, -seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen -und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten ausgebessert -werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als er nun -am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er beim -Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in Sicht. -Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als erster zu -erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er die Gelegenheit -zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den Brauch der französischen -Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen Aufgabe unter möglichster -Schonung der Schiffe im Auge zu halten, entschloß er sich zum Kampf, -obgleich er seinen Nachrichten gemäß den Feind für stärker hielt, als dieser -war. Er erkannte klar, daß am Kap wie in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung -bringe, und daß danach gehandelt werden müsse, wo sich eine -Gelegenheit zur Schwächung der feindlichen Kräfte biete.</p> - -<p class="small">Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781. <em class="gesperrt">Das englische Geschwader</em> -zählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3 50-Kanonenschiffe,<span class="pagenumsmall"><a name="Page_382" id="Page_382">[382]</a></span> -3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14–20 Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und -10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen; <em class="gesperrt">das französische</em> 2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 -und 1 10-Kanonenkorvette.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Johnstone</em> hatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich zwar -nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen Feind, obwohl er von -der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben soll. Die schweren Schiffe lagen in -unregelmäßiger Linie, die Fregatten und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel -(Plan a), die Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das Flaggschiff -(Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark behindert, und der Kommodore -begab sich deshalb beim Nahen des Feindes auf ein anderes Schiff („Hero“, 74 Kanonen, -Plan c). 1500 Mann des Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum -Fischen oder auf Urlaub am Lande, als der Feind um 9½ Uhr vormittags in Sicht kam.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p382.jpg" width="600" height="506" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p382" id="fig_p382"></a> -<p class="caption">Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.</p> -</div> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> hatte ein gekupfertes Schiff („Artésien“, 64 Kanonen) vorausgeschickt, -den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8¾ Uhr den Feind. Der Chef gab kurz -entschlossen den Befehl: „Vorbereitung zum Gefecht vor Anker“. Er kehrte sich nicht -an die Neutralität des Hafens, war er doch selber gefangen genommen worden, als -Admiral <em class="gesperrt">de la Clue</em> 1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt -wurde. Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, -die etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er hoch beim -Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit nach Lee getrieben -sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die Überraschung voll auszunutzen. Er -setzte sich mit dem Flaggschiff (zufällig auch „Héros“, 74 Kanonen) an die Spitze -der drei anderen Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m -querab des „Hero“; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas nach 11 Uhr -das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann („Annibal“, 74) ankerte so nahe vor -ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter auslaufen lassen mußte, wodurch es -querab von einem anderen Engländer („Monmouth“, 64; Plan d) kam.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_383" id="Page_383">[383]</a></span></p> - -<p class="small">Der Kommandant des „Annibal“ hatte zum Wassernehmen klarmachen und -Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die Neutralität achten -würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe, begann er die Vorbereitungen -zum Gefecht zu spät, und so konnte sein Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend -auftreten. Das dritte Schiff, „Artésien“, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer -für ein Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr -Versehen mit dem Leben. Auf „Artésien“ war infolge Ausfalles des Kommandanten -der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit dem Ostindienfahrer aus -dem Hafen (Plan e, e′ e″), die beiden zurückgebliebenen Franzosen („Sphinx“ und -„Vengent“, 64) rundeten die Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten -dann nicht hoch genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht -(f, f′). So hatten „Héros“ und „Annibal“ fast allein das englische Feuer auszuhalten, -an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und Gewehren beteiligten; -sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern. <em class="gesperrt">Suffren</em> kappte deshalb gegen -Mittag das Ankertau und „Annibal“ folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die -Masten über Bord und er mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der -Kommodore ließ ihn durch „Sphinx“ in Schlepp nehmen. <em class="gesperrt">Suffren</em> bildete dann -auf See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach dem Kap -fortzusetzen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Johnstone</em> berief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den -Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem Feinde. Eins -seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen Fockmast und „Monmouth“ -blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück. Der englische Admiral wagte auch nicht, -weit zu folgen, da er dann nur schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er -vergessen, seinem Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was -er in dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er 1½ Kanonenschußweite -vom Feinde bei. Am anderen Morgen war <em class="gesperrt">Suffren</em> aus Sicht, und Johnstone -ging nach Porto Praya zurück.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betragen auf englischer Seite 36 Tote und 130 Verwundete, -auf französischer 105 und 204.</p> - -<p class="small"><b>Beurteilung der Führer.</b> Nach eigenem Ausspruch wollte <em class="gesperrt">Suffren</em> „durch -Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der Wurzel abschneiden -und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit in Indien sichern, aus der vielleicht -ein guter Friede hervorgehen könne“.<a name="FNAnker_179_179" id="FNAnker_179_179"></a><a href="#Fussnote_179_179" class="fnanchor">[179]</a> Er bekundete damit, wie auch später in Indien, -sein Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der feindlichen -Streitkräfte; schon <em class="gesperrt">d'Estaing</em> gegenüber in Westindien war er hierfür eingetreten. -Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte -ihm Feuer nach beiden Seiten, und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert -hätten, würde er wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb -an einen Freund: „Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen; man -hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.“</p> - -<p class="small">Von den französischen Kommandanten hat der des „Annibal“ seine Nachlässigkeit -vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der Mißgriff des „Artésien“ ist -durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die Kommandanten der beiden anderen Schiffe<span class="pagenumsmall"><a name="Page_384" id="Page_384">[384]</a></span> -trifft der Vorwurf, daß sie die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden -haben, aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die Lage -zu übersehen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Johnstone</em> erscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage überraschen -ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem Kampfe noch später -durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder gut. Er soll wenig praktische Erfahrung -gehabt und dies wichtige Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige -Kritiken über die Admirale <em class="gesperrt">Howe</em> und <em class="gesperrt">Keppel</em>, Gegner der Admiralität, veröffentlicht -hatte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Suffren</em> erreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber -er gewann doch einen großen Vorsprung. Während <em class="gesperrt">Johnstone</em> 14 Tage -zum Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem -Kap fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die Kapkolonie -bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche seemännische -Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen Weg geschleppt -werden. <em class="gesperrt">Johnstone</em> erschien 14 Tage später vor Kapstadt, wagte aber -nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene holländische Ostindienfahrer -in der Saldanhabucht, die von Kapstadt dorthin gegangen -waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von hier entschlüpfen zu -können, wenn sich das englische Geschwader vor der Tafelbai zeige. <em class="gesperrt">Suffren</em> -ging zwar in See, als <em class="gesperrt">Johnstone</em> gemeldet wurde, dieser hatte aber -schon die Heimfahrt nach England angetreten und 3 Linienschiffe nach -Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August, nachdem er sich von der -Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt hatte, nach Isle de France. -Hier traf er am 25. Oktober ein und <em class="gesperrt">Graf d'Orves</em> ging am 17. Dezember -mit der Gesamtflotte nach Indien in See; auf Transportern wurden 3000 Soldaten, -alles was auf den Maskarenen verfügbar war, unter <em class="gesperrt">General Du -Chemin</em> mitgeführt. Am 22. Januar ward ein englisches 50-Kanonenschiff -genommen und in die Flotte eingestellt; am 8. Februar starb d'Orves und -<em class="gesperrt">Suffren übernahm den Oberbefehl</em>.</p> - -<p><b>Die Lage der beiden Flotten in Indien.</b> Es standen sich zwei tüchtige -Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes -verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische Geschicklichkeit -der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische Wissen der -Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein falsches System -so lange unterdrückt waren.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die französische Flotte zählte</em> bei Beginn der Unternehmungen -3 74-, 7 64- und 2 50-Kanonenschiffe, <em class="gesperrt">die englische</em>, zu -der inzwischen die von Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, -2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64- und 1 50-Kanonenschiff.</p> - -<p><em class="gesperrt">Suffren</em> war also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch -an Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem Admiral -<em class="gesperrt">Hughes</em> überlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote, -während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielen<span class="pagenum"><a name="Page_385" id="Page_385">[385]</a></span> -angreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff -erfolgen würde.</p> - -<p>Dagegen war <em class="gesperrt">Suffren</em> ohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen -Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor -allem der wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt -gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen -Ort zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer -gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußte <em class="gesperrt">Hughes</em> entgegentreten, -er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu -machen oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf -nur unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen -Gründen mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß -Trincomali noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen -war. Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein -hervorragendes Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.</b> <em class="gesperrt">Suffren</em> erschien am -15. Februar vor Madras, unter dessen Kanonen <em class="gesperrt">Hughes</em> vor Anker lag, -verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen -Angriff und steuerte südlich; <em class="gesperrt">Hughes</em> folgte in der Nacht, weil er für -Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die feindlichen -Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen etwa 12 Seemeilen -östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A a). Er jagte -den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische Prisen, das -sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord. <em class="gesperrt">Suffren</em> versuchte -zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch nicht mehr vor -Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten während der Nacht -bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar befanden sie sich -auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte zwischen Madras -und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in der <em class="gesperrt">Suffren</em> mit der -alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil des Feindes mit Übermacht -angriff.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Sadras.</b> Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen Böen, -die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer (Plan B, a). <em class="gesperrt">Hughes</em> -bildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b); er rechnete mit einem baldigen Einsetzen -der Seebrise, die ihm die Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind -blieb jedoch aus und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung -besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei, da der Feind -schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug an den Wind und erwartete -den Angriff. Seine Linie war jetzt besser geschlossen, nur das letzte Schiff „Exeter“ -stand zurück (c); man kann nicht recht einsehen, weshalb <em class="gesperrt">Hughes</em> die Linie nicht -über Backbordbug gebildet hat, dann konnte leicht auf „Exeter“ aufgeschlossen werden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> griff um ½4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach Möglichkeit -die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem Flaggschiff „Héros“ an die Spitze, -steuerte auf das letzte englische Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. -Beim sechsten englischen Schiffe stoppte er um 4½ Uhr, signalisierte für das ganze -Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab drei Schiffen<span class="pagenumsmall"><a name="Page_386" id="Page_386">[386]</a></span> -(dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er beabsichtigte also mit seinen -12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch -nicht befolgt. Der Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich -auf halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern entgegentreten -zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen wenden sollten; seine Kommandanten -verstanden dies aber nicht und blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. -Von den drei dazu beorderten Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des -Feindes; später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht oder -neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den „Exeter“, der schon -das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte, sich jedoch wacker wehrte. Beim -Herankommen des dritten Gegners fragte der Master den Kommodore <em class="gesperrt">Richard -King</em>, dessen Stander auf „Exeter“ wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: -„Nichts, aber fechten, bis wir sinken.“ Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf -alle Schiffe über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die Möglichkeit -zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel. <em class="gesperrt">Suffren</em>, der auch so schon eingesehen -hatte, daß der Kampf keine Entscheidung bringen würde, brach das Gefecht -ab. Die Flotten trennten sich; <em class="gesperrt">Suffren</em> steuerte nach NO, <em class="gesperrt">Hughes</em> nach Süden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p386.jpg" width="600" height="501" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p386" id="fig_p386"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.</p> -</div> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten des -Flaggschiffes „Superb“ und des „Exeter“, und 83 Verwundete, französischerseits 30 -und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die -beiden ebengenannten stark beschädigt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten</em>; -diese hätten näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral -auch nicht das Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier, -Kapitän <em class="gesperrt">de Tromelin</em>, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte zwar die -Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung. Ferner war sein Schiff -unter den nach Lee befohlenen und er kannte den Plan <em class="gesperrt">Suffrens</em>. Dieser hatte ihm<span class="pagenumsmall"><a name="Page_387" id="Page_387">[387]</a></span> -zehn Tage vor der Schlacht geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit -den überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe. Falls dann -<em class="gesperrt">Tromelin</em> die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen Maßregeln ergreifen, da er -am besten übersehen könne, wie viel Schiffe für den Angriff von Lee verfügbar seien. -Zum Zweck der Eroberung von Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht -erwünscht. Ganz ohne Schuld ist jedoch auch <em class="gesperrt">Suffren</em> nicht. Er nahm -die Spitze, da sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen Tageszeit -wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese Stellungnahme wirkte zwar -nicht notwendig, aber doch sehr natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie -die nachfolgenden Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen -Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und Kampfeslust -haben <em class="gesperrt">Suffren</em> wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach zeigen wird.</p> - -<p>Admiral <em class="gesperrt">Hughes</em> durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward angegriffen -zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu entschuldigen. Er hatte -über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar die Seebrise von SO gegen 11 Uhr -vormittags einzusetzen pflegt.</p> - -<p>Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am -Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte -der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie französische -Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des mangelhaften -Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des -Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um -Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte. -<em class="gesperrt">Hughes</em> ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach Trincomali.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Sadras</em> war aber doch <em class="gesperrt">ein Erfolg Suffrens</em>, -er konnte mit <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> in Verbindung treten und dessen Tatkraft -wieder beleben. Schon am 19. Februar traf der französische Agent -beim Sultan mit der Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie -sehr günstige Friedensbedingungen geboten habe, <em class="gesperrt">Haidar</em> würde -aber nicht darauf eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs -jetzt erhielte. Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen -Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, -sobald es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land -an Frankreich abtreten. <em class="gesperrt">Suffren</em>, der am 21. Februar der leichteren -Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun -am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, -wo <em class="gesperrt">Tippu Sahib</em>, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine -englische Abteilung vernichtet hatte. <em class="gesperrt">Am 4. April kapitulierte -Cuddalore.</em></p> - -<p><b>Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782.</b> <em class="gesperrt">Suffren</em> bat von Porto -Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen -dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader -an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne, -so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er -aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe abzuschneiden,<span class="pagenum"><a name="Page_388" id="Page_388">[388]</a></span> -die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch nicht. -<em class="gesperrt">Hughes</em> hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras -gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf -seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8. April -sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich steuerte, er -setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu verstärken. Am -10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene Transporter ab und am -12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß die schnellsten feindlichen -Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er mußte sich somit zur Schlacht -entschließen. Die Flotten befanden sich auf der Höhe der kleinen Felseninsel -Providien, etwas südlich von Trincomali<a name="FNAnker_180_180" id="FNAnker_180_180"></a><a href="#Fussnote_180_180" class="fnanchor">[180]</a>.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p388.jpg" width="600" height="298" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p388" id="fig_p388"></a> -<p class="caption">Die Schlacht bei Providien, 12. April 1782.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Providien.</b> Die Flotten waren die gleichen wie bei Sadras, die -englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt. Es standen also 12 Franzosen -gegen 11 Engländer, erstere etwa 6 Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem -Winde. Um 9 Uhr vormittags bildete <em class="gesperrt">Hughes</em> die Gefechtslinie über Backbordbug, -Kurs WNW, <em class="gesperrt">Suffren</em> tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die -Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan A, a); <em class="gesperrt">Hughes</em> -erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; <em class="gesperrt">Suffren</em> beabsichtigte, seine Linie -Schiff gegen Schiff an die feindliche heranzuführen, nur das überschießende zwölfte -sollte das letzte englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem -englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der Franzosen, in der -außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an den Feind herankam als die Mitte -oder gar die Nachhut, sowie daß sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, -dem Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können. Die -drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie gegen 1 Uhr die ersten -Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie blieben auch in diesem Abstande -vom Feinde, obgleich der Admiral befahl, näher heranzugehen.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff („Héros“, 74) bis -auf Pistolenschußweite an das englische („Superb“, 74) heran, heißte das Signal für<span class="pagenumsmall"><a name="Page_389" id="Page_389">[389]</a></span> -„Nahgefecht“ (1½ Uhr) und drehte auf. Sein Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen -nach und nach ihre richtigen Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten -Schiffe weit vom Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind -gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne nach -befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher. Die französische Flotte -bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). -Das Hauptgefecht entspann sich beim englischen Flaggschiff. „Héros“ hatte wegen -Beschädigungen in der Takelage nicht gleich querab von „Superb“ zum Stehen gebracht -werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen Vordermann -(„Monmouth“, 64); sein Hintermann „L'Orient“ nahm den Platz neben „Superb“ -ein. „Monmouth“ wurde entmastet und trieb aus der Linie; da „Héros“ unwillkürlich -nachdrängte, kam er vor „Superb“ zu liegen. So wurde dieses Schiff durch „Héros“ -mit den Heckgeschützen von vorn beschossen, während es mit „L'Orient“ und dessen -Hintermann, der auf des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag -(Plan B); es litt schwer. Gegen 3½ Uhr gab <em class="gesperrt">Hughes</em> den Befehl, zugleich zu halsen -und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der Küste mit ihren Korallenriffen -zu sehr näherte. <em class="gesperrt">Suffren</em> folgte dem Beispiele und erneute den Befehl zum -Angriff mit der besonderen Weisung an ein Schiff, den „Monmouth“ zu nehmen, der -hilflos zwischen den beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen -Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann Vorsprung, und es -gelang einem ihrer Schiffe, den „Monmouth“ in Schlepp zu nehmen und in Lee der -englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es nicht wieder. Schwere Gewitterböen -gaben den Schiffen genug mit sich selbst zu tun, namentlich den französischen, die -in Unordnung geraten waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere -sogar gewendet hatten. <em class="gesperrt">Suffren</em>, der um 5½ Uhr von seinem beschädigten Flaggschiffe -auf ein anderes übergegangen war, gab um 6½ Uhr den Befehl, das Gefecht -abzubrechen.</p> - -<p class="small">Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein. Beide -Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit Rücksicht auf die -Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr genötigt zu ankern, wo sie waren. -„Héros“ kam, nach Lee getrieben, dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch -einer Fregatte, ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht -bei umspringendem Winde der gefährlichen Lage.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357 Verwundete, -auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein 104 bzw. 198 auf „Monmouth“ -und „Superb“, während sich der französische Verlust gleichmäßiger auf alle -Schiffe verteilte. Auf den fünf hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, -aber auch die Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein -Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer gewesen war als -das französische<a name="FNAnker_181_181" id="FNAnker_181_181"></a><a href="#Fussnote_181_181" class="fnanchor">[181]</a>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht blieb unentschieden</em>; beide Parteien ankerten -darauf etwa 2 Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier -6 Tage liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete -<em class="gesperrt">Suffren</em> Anker und bot dem Gegner den Kampf an, <em class="gesperrt">Hughes</em> nahm -ihn mit Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff („Monmouth“) nicht an; -ihn anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte<span class="pagenum"><a name="Page_390" id="Page_390">[390]</a></span> -verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn ausschlaggebend -war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all seiner Kommandanten -verlassen konnte<a name="FNAnker_182_182" id="FNAnker_182_182"></a><a href="#Fussnote_182_182" class="fnanchor">[182]</a>. Am 20. April segelte er nach Batticaloa, etwa -60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in holländischem -Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende französische Zufuhren -decken, sowie englische abfangen. <em class="gesperrt">Hughes</em> lief am 28. April in -Trincomali ein.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.</b> <em class="gesperrt">Suffren</em> fand in Batticaloa -Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2 Linienschiffe -einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm Mannschaften, -Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie Rundhölzer fehlten, -und er nur noch für eine größere Schlacht Munition hatte, obschon ein großer -Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen haben würde, nahm er die Verantwortung -auf sich, zu bleiben. Zu seinen Offizieren äußerte er, er wolle lieber -seine Schiffe vor den Mauern von Madras untergehen lassen, als das Feld -räumen. Dem Gouverneur der Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle -de France, das Ausrüsten dort und die Rückfahrt nach Indien würden -6 Monate in Anspruch nehmen, die bei der Lage der Dinge in Indien für die -französische Sache verhängnisvoll werden würden; er könne an Ort und -Stelle die Verhältnisse besser beurteilen als der Minister in Versailles.</p> - -<p>Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige Bedarfsgegenstände -erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der dänischen -Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig Fregatten -kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen bereit; fast -wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach Madras bestimmten -englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die Verfolgung -abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali zwischen sich und -Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein französischer -Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar. <em class="gesperrt">Suffren</em> -segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit Lebensmitteln -vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen Madras und Trincomali; -es glückte ihm, einige englische Transporter aufzubringen.</p> - -<p>Am 20. Juni ging <em class="gesperrt">Suffren</em> nach Cuddalore, um mit dem französischen -General und <em class="gesperrt">Haidar-Ali</em> in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte -sich sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des Generals -<em class="gesperrt">Du Chemin</em>; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen, -seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt <em class="gesperrt">Haidar</em> -viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu treten,<span class="pagenum"><a name="Page_391" id="Page_391">[391]</a></span> -sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der Admiral hatte -nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an der Küste aufhalte, -und beschlossen, vor allem den Kampf um die Seeherrschaft zum Austrag -zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe, wollte er Negapatam angreifen. -Zu diesem Unternehmen schiffte er 700 Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und -<em class="gesperrt">Haidar</em> zog gleichfalls Truppen zusammen, aber der Kampf zur See blieb -in Suffrens Augen die Hauptsache; die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig -zur Auffüllung der Schiffsbesatzungen dienen.</p> - -<p>Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die -Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem entblößt -war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen hatte, -konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren sechs Monate -lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das Aufbringen von -Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um größere gekupferte -Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch länger dauern würde.</p> - -<p><em class="gesperrt">Hughes</em> hatte acht Wochen zur Ausbesserung des „Monmouth“ -gebraucht; Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, -um schon als vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte -er nach Negapatam. <em class="gesperrt">Suffren</em> verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete -am 5. um 1 Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging -um 3 Uhr in See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; -es war die Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen -Windstille, gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, -und es kam zur Schlacht.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.</b> Ein französisches 64-Kanonenschiff -hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie die Kreuzmarsstänge verloren und -war am 6. noch nicht wieder kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten -in Lee der Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide Gegner -steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu Luward. Um 10½ Uhr -vormittags hielt <em class="gesperrt">Hughes</em> in üblicher Weise zum Angriff ab und um 11 Uhr lagen die -beiden Flotten in parallelen Linien Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische -Nachhut war, wie so häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt -(Plan, Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer Seite das -vierte Schiff von vorn („Brillant“, 64) den Großmast, mußte sich in Lee seiner Linie -bergen (a) und blieb dann zurück (a′); auf englischer Seite wurde das Spitzenschiff -„Hero“, 64, b) so beschädigt, daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte -nach Negapatam. Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte.</p> - -<p class="small">Um 1 Uhr nachmittags sprang der Wind plötzlich auf SSO; die meisten Schiffe -beider Flotten fielen nach der dem Feinde abgewendeten Seite ab, die Engländer nach -Steuerbord, die Franzosen nach Backbord; von ersteren blieben jedoch das 4. und 5. -(„Burford“, 70 und „Sultan“, 74), sowie das 8. und 10. („Worcester“, 64 und „Eagle“, 64) -über Backbordbug liegen, und von letzteren drehten das 3. („Sévère“, 64) und der -beschädigt zurückgebliebene „Brillant“ nach Steuerbord. Diese 6 Schiffe lagen also -zwischen den beiden Flotten (Stellung II), und es kam zu Teilgefechten. „Sultan“ griff -„Sévère“ an, woran sich „Burford“ auf weitere Entfernung beteiligte, und das französische -Schiff strich auf Befehl des Kommandanten dem überlegenen Feinde gegenüber -bald die Flagge. Als dann aber „Sultan“ und auch „Burford“ das Feuer einstellten und -abhielten, heißte der Franzose die Flagge wieder und enfilierte den „Sultan“ von hinten.<span class="pagenumsmall"><a name="Page_392" id="Page_392">[392]</a></span> -Offiziere und Mannschaften hatten die feige Ergebung nicht anerkannt, der erste Offizier -übernahm das Kommando; das Schiff vereinigte sich dann mit seiner Flotte (Stellung -III, a). „Brillant“ kam ins Gefecht mit den beiden anderen Engländern, wurde aber von -<em class="gesperrt">Suffren</em> selber („Héros“, 74) und „Annibal“ (50) befreit (b). Der französische Admiral -hatte bald nach dem Abfallen seine Schiffe durch Halsen über Steuerbordbug legen lassen, -um die Bedrängten zu unterstützen; wenn die dem „Brillant“ am nächsten stehenden -„Artésien“ und „Vengeur“ (c) rechtzeitig Segel gemehrt hätten, so hätten sie voraussichtlich -den „Eagle“ nehmen können. <em class="gesperrt">Hughes</em> hatte nach dem Abfallen den Befehl -zum Halsen und den zur „Allgemeinen Jagd“ gegeben, da sich aber zwei Schiffe -manövrierunfähig meldeten, widerrief er ihn, sammelte seine Schiffe über Steuerbordbug -und führte sie nach Westen. <em class="gesperrt">Suffren</em> tat ein gleiches, erreichte aber den Feind -nicht mehr; die letzten Schüsse fielen gegen 3 Uhr. Abends ankerten die Engländer vor -Negapatam, die Franzosen etwa 10 Seemeilen nördlicher.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p392.jpg" width="600" height="445" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p392" id="fig_p392"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Negapatam, 6. Juli 1782.</p> -</div> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betrugen auf französischer Seite 178 Tote und 601 Verwundete, -auf englischer 77 und 223; die englischen Schiffe hatten wie gewöhnlich mehr in der -Takelage gelitten. Der auffallend größere Verlust der Franzosen ist wohl der Überfüllung -ihrer Schiffe mit Soldaten zuzuschreiben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Negapatam war ein Mißerfolg -Suffrens.</em> Er hatte die größeren Verluste, ohne den Gegner vernichtet -oder wenigstens von Negapatam vertrieben zu haben. Wieder traf zum -Teil einige seiner Kommandanten die Schuld, und seine Geduld war jetzt -erschöpft; er entfernte drei von ihrem Kommando. Am 7. Juli verlangte -<em class="gesperrt">Hughes</em> durch einen Parlamentär die Übergabe des „Sévère“, weil er -die Flagge gestrichen habe. <em class="gesperrt">Suffren</em> hatte sie wohl eine Zeitlang vermißt, -dies aber mit Abschießen der Flaggleine erklärt. Erst jetzt erfuhr er die<span class="pagenum"><a name="Page_393" id="Page_393">[393]</a></span> -Feigheit des Kommandanten und den dadurch verursachten Bruch des -Kriegsrechts. Er gab indessen dem Verlangen des englischen Admirals nicht -Folge, schickte aber den Kommandanten sofort nach Frankreich, wo ihn -der König kassierte. Er entsetzte aber auch die Kommandanten des „Artésien“ -und des „Vengeur“, der beiden Spitzenschiffe, am 12. von ihrem Kommando; -der eine hatte schon bei Porto Praya, der andere am 16. Februar versagt. -Der Kommandant des „Ajax“, der vor der letzten Schlacht sein Schiff nicht -schnell genug instandgesetzt, legte sein Kommando freiwillig (?) aus Gesundheitsrücksichten -nieder.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> entschuldigte sich in seinem Berichte, daß er nicht schon früher habe -Strenge walten lassen, aber selbst als Admiral sei er nicht berechtigt, Kommandanten -abzusetzen, und er sei nicht Flaggoffizier (wenigstens wußte er es noch nicht). Der König -billigte seine Maßnahmen und ging durch Dienstentlassung von drei anderen Kapitänen -sogar noch weiter.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> hat aber doch wohl zuweilen unter dem augenblicklichen Eindruck -eines Mißerfolges seine Untergebenen zu schroff beurteilt. Mehrere der Angegriffenen -hatten sich während ihrer früheren Dienstzeit als tüchtig bewiesen, und er selber lobt -bei einer Gelegenheit solche, die er bei einer anderen scharf verurteilt hat und umgekehrt. -Wenn sie seine Absichten nicht durchführten, so lag dies zum Teil wohl daran, -daß sie als Anhänger des alten Brauches kein Verständnis dafür hatten.</p> - -<p><b>Suffren erobert Trincomali.</b> <em class="gesperrt">Suffren</em> segelte am 8. Juli nach Cuddalore -und stellte hier seine Schiffe mit bewundernswertem Geschick wieder her. -Es fehlten allein 19 Marsstängen, außerdem Untermasten, Raaen, Tauwerk -sowie Segel, und in Cuddalore war kein Material vorhanden. Aber mit den -Rundhölzern der Fregatten und kleineren Schiffen setzte man die Linienschiffe, -mit solchen englischer Prisen die Fregatten instand; andere Spieren wurden -von der Straße von Malakka geholt. Ferner riß man Häuser nieder, um -das Holz zum Ausbessern der Schiffsrümpfe zu verwenden. Die Arbeiten -mußten auf offener Rhede mit häufig schwerer See ausgeführt werden, aber -sie wurden gefördert unter dem Auge des Oberbefehlshabers, der „trotz -seiner Körperfülle“ ohne Rast zu angestrengter Tätigkeit ermunterte. Schon -am 18. Juli war die Flotte wieder see- und gefechtsklar.</p> - -<p>Der Admiral hatte erfahren, daß von Isle de France 2 Linienschiffe, -1 Fregatte, sowie Transporter mit Lebensmitteln, Munition und 600 Soldaten -unterwegs seien und daß zwei große Konvois mit 5000 Mann unter General -<em class="gesperrt">de Bussy</em>, dem Mitstreiter des Gouverneurs Dupleix im Siebenjährigen -Kriege, von Frankreich erwartet würden<a name="FNAnker_183_183" id="FNAnker_183_183"></a><a href="#Fussnote_183_183" class="fnanchor">[183]</a>. Vom Angriff auf Negapatam -sah er wegen der Nähe der englischen Flotte vorläufig ab, beschloß den -Verstärkungen entgegenzugehen und sich Trincomalis zu bemächtigen. -Vorher jedoch fand die beabsichtigte Besprechung mit <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> statt, -der mit einem großen Teile seines Heeres bis in die Nähe von Cuddalore -herangerückt war.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_394" id="Page_394">[394]</a></span></p> - -<p class="small"><b>Die Verhältnisse im Landkriege</b> gestalteten sich zugunsten Englands. Die Mahratten -hatten im Mai 1782 Frieden geschlossen, der allerdings erst im Dezember ratifiziert -wurde. Infolgedessen drangen die Engländer von Bombay aus an der Westküste -vor und <em class="gesperrt">Haidar</em> glaubte sich genötigt, entweder auf den auch ihm angebotenen -Frieden einzugehen oder sein Heer zur Verteidigung des eigenen Landes aus dem Carnatic -zurückzuziehen; von den französischen Truppen konnte er Unterstützung nicht -erwarten, da sie kaum genügten, Cuddalore zu halten. Bei Zusammenkünften am 26. -und 29. Juli, bei denen Haidar dem von ihm hochgeschätzten Admiral große Ehren -erwies, gelang es nun <em class="gesperrt">Suffren</em>, den Sultan durch Hinweis auf die Ankunft -<em class="gesperrt">de Bussys</em> zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen. <em class="gesperrt">Haidar</em> schickte seinen Sohn -<em class="gesperrt">Tippu Sahib</em> zur Malabarküste und blieb mit der Hauptmacht im Carnatic.</p> - -<p><em class="gesperrt">Suffren</em> ging dann am 1. August in See und erreichte am 9. Batticaloa; -von Cuddalore hatte er 600 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie -Artillerie mitgenommen. Am 21. stieß die erstgenannte Verstärkung zu -ihm, am 24. segelte er nach Trincomali, in der Nacht vom 26./27. wurden -2300 Mann gelandet, am 27. und 28. Batterien von Schiffsgeschützen errichtet -und am 29. das Feuer gegen die beiden Forts eröffnet, die die Stadt verteidigten. -Schon am 30. August begannen Verhandlungen. <em class="gesperrt">Suffren</em>, -der die Ankunft <em class="gesperrt">Hughes</em>' erwarten mußte, bewilligte der etwa 1000 Engländer -und 600 Sepoys starken Besatzung Abzug mit allen Ehren, worauf -die Forts am 31. übergeben und die Abziehenden nach Madras geschickt -wurden. <em class="gesperrt">Suffren</em> schiffte sofort die von den Schiffen entnommenen -Mannschaften und Geschütze wieder ein, ließ jedoch eine starke Garnison -zurück, so daß er aller Sorge um den Platz enthoben war.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.</b> <em class="gesperrt">Hughes</em> hatte -nach der letzten Schlacht in Negapatam mit dem Ausbessern begonnen, -war aber am 20. Juli nach Madras gegangen, um mit dem dort vorrätigen -Material die Arbeiten besser auszuführen. Am 12. August waren sie nahezu -beendet, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß dies bei der Übung der Engländer -früher der Fall gewesen wäre, wenn der Admiral den gleichen Eifer -entfaltet hätte wie sein Gegner; so ging er auch erst am 20. in See, obgleich -er um die Abfahrt der Franzosen nach dem Süden wußte, und traf dann -am 2. September vor Trincomali ein, um wenige Tage zu spät zur Rettung -dieses Platzes durch eine, wenn auch vielleicht nur unentschiedene Schlacht. -Diese kurze Zeit hätte er sicher erübrigen können; jetzt gab ihm nicht einmal -ein voller Sieg die Gewißheit, Trincomali wiederzunehmen.</p> - -<p>Als die englische Flotte erschien, ging <em class="gesperrt">Suffren</em> ihr entgegen: zum -Kampfe um die Seeherrschaft, zumal, da er wußte, daß dem Gegner bald -eine ansehnliche Verstärkung in Aussicht stehe.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.</b> Die französische Flotte zählte -jetzt 14 Linienschiffe, außerdem hatte <em class="gesperrt">Suffren</em> eine schwere 36-Kanonenfregatte, -einen genommenen englischen Ostindienfahrer, eingestellt. Die englische bestand aus -12 Linienschiffen; in Madras war ein Schiff der unter Kapitän <em class="gesperrt">Bickerton</em> erwarteten -Verstärkung zu ihr gestoßen, das in einem Sturme von den anderen abgekommen war.</p> - -<p class="small">Am 2. September nachmittags wurde das Nahen der Engländer in Trincomali -gemeldet; <em class="gesperrt">Suffren</em> ging am 3. in aller Frühe in See. Die englische Flotte kam um<span class="pagenumsmall"><a name="Page_395" id="Page_395">[395]</a></span> -diese Zeit bei frischem SW-Winde SSO auf den Hafen zusteuernd in Sicht, drehte aber -ab, als sie die französische Flagge am Lande wehen und die feindliche Flotte aus dem -Hafen kommen sah. <em class="gesperrt">Hughes</em> hatte keineswegs die Absicht, den Kampf zu vermeiden, -obgleich der Gegner zu Luvard stand, aber er wollte diesen vorher möglichst weit von -dem Hafen abziehen, um etwa in der Schlacht beschädigten Schiffen die Rückkehr dorthin -zu erschweren. Er scheint aber auch darauf gerechnet zu haben, daß der Feind bei -längerem Folgen in Unordnung geraten und dann übereilt angreifen würde, wenn er -ihm erst am Nachmittage den Kampf anböte; er kannte die ungleiche Segelfähigkeit der -feindlichen Schiffe, von denen nur die Hälfte gekupfert war, sowie deren Kommandanten, -die an Geschicklichkeit den seinigen nicht gleichstanden.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/fig_p395.jpg" width="600" height="518" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p395" id="fig_p395"></a> -<p class="caption">Schlacht bei Trincomali, 3. September 1782.</p> -</div> - -<p class="small">Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter häufiger -Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den langsamsten Schiffen -ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu Zeit die Ordnung zu verbessern. Die -Franzosen folgten mit vollen Segeln und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich -auch <em class="gesperrt">Suffren</em> durch zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, -mühsame Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe. „Signal -folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie ab, als ob sie unentschlossen -wären, was zu tun sei,“ berichtete Hughes. Als <em class="gesperrt">Suffren</em> um 2 Uhr nachmittags -endlich etwa 25 Seemeilen von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner -heran war, der ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem -Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals die Linie zu -verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und Fehler dabei machten die -Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral, dem die Geduld ausging, gab um 2½ Uhr -Befehl, zum Herangehen auf Pistolenschußweite wieder abzuhalten.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> hoffte, daß trotz der Unordnung jedes Schiff seinen Gegner in der -feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der überschießenden Schiffe -seiner Linie, ein Linienschiff und die Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her<span class="pagenumsmall"><a name="Page_396" id="Page_396">[396]</a></span> -dublieren sollten. Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu -geben, hatte <em class="gesperrt">Suffren</em> einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die Besatzung -seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch nicht zum Nahangriff abgehalten -hatte, das Signal zur Eröffnung des Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und -diesem Beispiele folgten die anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite -vom Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch schwerer, -die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe hielten bei dem Versuche, -auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus, einige drehten auch wohl zu früh auf, und so -bildete sich eine ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht -eingreifen konnte (Plan B, a).</p> - -<p class="small">Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die Schiffe gegenseitig -maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her angreifen sollten, unterließen dies, -weil die englische Nachhut von Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den -Kampf mit den beiden letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald -abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die Fregatte allein -zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74) und nur 2 andere des Kampf mit -7 Engländern zu führen, die nach und nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste -und hinterste Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten -abgaben. Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des „Héros“ in Fetzen, -das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff steuerlos<a name="FNAnker_184_184" id="FNAnker_184_184"></a><a href="#Fussnote_184_184" class="fnanchor">[184]</a>, später, um 6 Uhr, ging -der Großmast über Bord; ein anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, -das dritte war ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur -teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu Anfang wäre es -wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren.</p> - -<p class="small">Um ½6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle Schiffe zugleich, und -fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten -Schiffe verloren gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der -übrigen Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch auch -beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht möglich war. Da -die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der Abstand zwischen den Flotten, und -die französische Vorhut, die jetzt zu Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen -die Kämpfenden zu schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). -<em class="gesperrt">Hughes</em> hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; <em class="gesperrt">Suffren</em> ließ die -beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten, -und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote und 178 Verwundete -allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich im Kampf gestanden hatten. -Auf beiden Seiten waren 3–4 Schiffe schwer beschädigt.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten.</em> -In seinem Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, „um nichts Schlimmeres zu sagen“, -den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen. Dieses Mal traf jedoch auch -ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene Eile. Er hatte eben als Mann von großen -Fähigkeiten auch seine Fehler, und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. -Aber hätte er nicht so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum -Kampfe gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt wurde.</p> - -<p class="small">Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle de -France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden, und der Admiral -bewilligte es, wie er berichtete, „mit Freuden“.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_397" id="Page_397">[397]</a></span></p> - -<p>Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die <em class="gesperrt">Suffren</em> mit Hinblick -auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere -Zeit ausbessern. <em class="gesperrt">Hughes</em> ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September -eintraf; <em class="gesperrt">Suffren</em> suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens -strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe („Lorient“, 74) infolge -nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht -wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material, besonders -die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der -Flotte ein.</p> - -<p><b>Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis -zur Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783.</b> <em class="gesperrt">Suffren</em> erhielt in Trincomali -die Nachricht vom Tode des Generals <em class="gesperrt">Du Chemin</em>. Dessen Nachfolger, -Oberst <em class="gesperrt">d'Hoffelize</em>, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore -kaum noch halten könne, weil <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> aus Mangel an Lebensmitteln -in dem völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen -vermöge; eine Berennung der Stadt durch <em class="gesperrt">Eyre Coote</em> stünde bevor.</p> - -<p>Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch -diesmal wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See -und erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines -ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff („Bizarre“, 64). Die Verhältnisse -fand man nicht so schlecht vor; <em class="gesperrt">Eyre Coote</em> hatte sich auf die -Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das Erscheinen -der französischen Flotte voraussah — gewissermaßen ein Erfolg -der Franzosen durch die Schlacht.</p> - -<p>Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und -steht auf die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. -Die schwere See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, -also auch die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. -Außerdem ist der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden -gegnerischen Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt -ebenso gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren -war, sah sich <em class="gesperrt">Hughes</em> genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, -um sich dort mit der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober -wurde er durch einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und -segelte dann gleich nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore -<em class="gesperrt">Sir Richard Bickerton</em> mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. -Er hatte England am 6. Februar verlassen, war schon in Bombay gewesen, -ging jetzt sofort dorthin zurück und langte am 28. November an, während -die Schiffe <em class="gesperrt">Hughes</em>' erst eins nach dem andern, teilweise schwer durch -den Sturm beschädigt, eintrafen. Die englische Flotte blieb dann bis zum -Frühjahr in diesem Hafen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Suffren</em> hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es -in dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen -bot. Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle<span class="pagenum"><a name="Page_398" id="Page_398">[398]</a></span> -Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu -erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen -Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort -leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die Verstärkung -unter General <em class="gesperrt">de Bussy</em> ihn hier treffen wolle, ein bestimmter -Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte der Admiral -keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900 Franzosen und Holländer, -600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte waren genügend vorhanden.</p> - -<p class="small"><b>Die Verzögerung der französischen Verstärkung.</b> Während England auf die Nachricht -von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6 Linienschiffen unter -<em class="gesperrt">Bickerton</em> entsandte, machte Frankreich verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, -besonders an Truppen, nach Indien zu schicken. General <em class="gesperrt">Bussy</em> verließ -heimlich im November 1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den -Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen Konvoi unter -<em class="gesperrt">de Guichen</em> ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich von den Engländern zersprengt -und nur zwei Transporter gelangten nach Teneriffa. Einen Teil der von ihnen -mitgeführten Soldaten ließ <em class="gesperrt">Bussy</em> im Kapland zum Schutz gegen <em class="gesperrt">Bickerton</em>, um -dessen Kommen er wußte. Er erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von -dort die Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden Mannschaften -zu <em class="gesperrt">Suffren</em>, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er selber erwartete weitere Verstärkungen -in Port Louis. Eine von ihnen blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April -1782 in der Biskaya vom Admiral <em class="gesperrt">Barrington</em> abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe -unter Kapitän <em class="gesperrt">de Peynier</em>, die schon im Februar mit der Flotte <em class="gesperrt">de -Guichens</em> Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das Kapland, -ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten. Die Krankheit -herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France, und obgleich sie Anfang November -erloschen war, ging <em class="gesperrt">Bussy</em> doch erst am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich -um vorher noch ein Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und -überhaupt nicht mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege.</p> - -<p>Das lange Ausbleiben <em class="gesperrt">Bussys</em> einerseits und die Ankunft <em class="gesperrt">Bickertons</em> -anderseits hatten auf <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> einen ungünstigen Eindruck -gemacht; nur mit Mühe gelang es <em class="gesperrt">Suffren</em>, ihn nochmals zur Weiterführung -des Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober -die Küste verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am -24. erhielt er die Nachricht, daß <em class="gesperrt">Bussy</em> wegen der erwähnten Epidemie -seine Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten -Furcht, daß der Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß -er baldigste Rückkehr nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren -hatte, daß die englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging -am 20. Dezember in See und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der -Orissaküste ein. Hier, 500 Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen -Wind zur Fahrt nach dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen -Küstenfahrer und Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff -und eine Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele -Prisen aufgebracht. Wäre <em class="gesperrt">Bussy</em> jetzt gekommen — es wäre möglich gewesen, -da die Epidemie Anfang November erloschen war —, so hätte er bei -voller Beherrschung der See durch <em class="gesperrt">Suffren</em> im Carnatic mit starker<span class="pagenum"><a name="Page_399" id="Page_399">[399]</a></span> -Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den -Indern Madras genommen worden, ehe <em class="gesperrt">Hughes</em> erschien.</p> - -<p>Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren -Schlag erlitten; <em class="gesperrt">Haidar Ali</em> war am 7. Dezember gestorben. Sobald -<em class="gesperrt">Suffren</em> dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, -um mit <em class="gesperrt">Tippu Sahib</em> in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar -Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die -Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem -Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen -etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu behaupten; -am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst -<em class="gesperrt">d'Hoffelize</em> war inzwischen mit französischen Truppen näher an das -Lager Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; -die Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile ausnutzen, -weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen griffen -sie von Westen her unter General <em class="gesperrt">Mathews</em> wieder mit Erfolg an. Als -<em class="gesperrt">Tippu</em> sich nun dorthin wenden wollte, gelang es <em class="gesperrt">Suffren</em> wiederum, -durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn -zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der -Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen -Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals -instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt, -fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die abgezweigten -Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9. März -kam endlich <em class="gesperrt">de Bussy</em> an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte und -35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten eingeschifft -waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die Abfahrt -der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung vorausgesandte -Korvette vom Feinde abgefangen war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Bussy</em> übernahm nun den <em class="gesperrt">Oberbefehl</em> zu Lande und zu Wasser. -Es war die höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die -Engländer weitere Fortschritte im Westen machten und <em class="gesperrt">Tippu</em> sich schon -dorthin in Marsch gesetzt hatte. <em class="gesperrt">D'Hoffelize</em>, der ihm auf dringende -Bitten ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, -mußte sich in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, -ihn so schnell wie möglich zu verstärken. Da <em class="gesperrt">Hughes</em> täglich mit 18 Linienschiffen -zu erwarten war, <em class="gesperrt">Suffren</em> augenblicklich aber nur über 13 verfügte, -weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den Vorschlag, -mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie den schnellsten -Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich nach Cuddalore -zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die Soldaten am 16. in Porto -Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat am 4. April die Rückfahrt -nach Trincomali an, um die Schiffe weiter instand zu setzen und um sich bei -dem jetzt bald eintretenden Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte<span class="pagenum"><a name="Page_400" id="Page_400">[400]</a></span> -zu halten, wenn diese anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter -Kapitän <em class="gesperrt">Peynier</em> an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten -englischen Konvoi zurück.</p> - -<p>Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die englische -Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil <em class="gesperrt">Hughes</em> nach -Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division <em class="gesperrt">Peynier</em> abzufangen; -dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20. unbehelligt Trincomali. -Am 12. Mai war hier der Befehl <em class="gesperrt">Bussys</em> eingetroffen, ihm mit der ganzen -Flotte den Rest der Vorräte zu bringen. Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit -noch nicht seeklar, und <em class="gesperrt">Suffren</em> wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe -einzusetzen. Er hatte recht damit, denn am 24. Mai passierte die englische -Flotte Trincomali mit Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; -wahrscheinlich beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische -ihn verlassen hätte. <em class="gesperrt">Suffren</em> rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er -nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2 Fregatten -mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm Nachrichten -über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni zurück.</p> - -<p><b>Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788.</b> Die Verhältnisse am Lande -standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. <em class="gesperrt">Sultan -Tippu</em> war es zwar gelungen, das Heer des Generals <em class="gesperrt">Mathews</em> im April -zur Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er -war nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier -der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. <em class="gesperrt">Bussy</em> hatte sich -wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die -vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch <em class="gesperrt">Hughes</em> verstärkt waren, -wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General -sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze -Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, <em class="gesperrt">Suffren</em> -solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis habe, -daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen Flotte -blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen, diese Nachricht -rechtzeitig zu erhalten? <em class="gesperrt">Suffren</em> aber zögerte nicht, die Verantwortung -auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter Segel und seine -Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20 Seemeilen südlich von -Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und Transporter befanden -sich dicht unter der Küste in der Nähe des englischen Heeres, von dem Bussy -am gleichen Tage in einem, allerdings sehr verlustreichen, Gefechte in die -Stadt zurückgeworfen war. Alles hing jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, -und es folgte <em class="gesperrt">die fünfte und letzte Schlacht zwischen -Suffren und Hughes</em>, vor der es ersterem noch gelang, die Besatzungen -seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783.</b> <em class="gesperrt">Die englische Flotte</em> zählte -18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu 64, 2 zu 50; die -<em class="gesperrt">französische</em> 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60, 2 zu 50.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_401" id="Page_401">[401]</a></span></p> - -<p class="small">Beim Erscheinen <em class="gesperrt">Suffrens</em> verlegte <em class="gesperrt">Hughes</em> seinen Ankerplatz auf etwa -5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte südlich von ihm. -Am 14. Juli ging <em class="gesperrt">Suffren</em> wieder unter Segel, kam aber infolge flauer und umspringender -Winde erst am 16. auf etwa 10 Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete -auch <em class="gesperrt">Hughes</em> Anker und steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm -lag mehr daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des -Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren der Flotten -bei westlichem Winde hin, aber <em class="gesperrt">Suffren</em> ließ sich hierbei nicht weit von der Küste -abziehen. Er bat den General <em class="gesperrt">Bussy</em> um Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen -— diese zählten meist nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem -noch zur Hälfte aus Soldaten oder Sepoys — ankerte am Abend dicht vor Cuddalore -und nahm während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann -das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff heranzukommen, -gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung nicht, weil die sämtlich -gekupferten englischen Schiffe besser segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich -blieb, entschloß sich <em class="gesperrt">Hughes</em> endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung anzunehmen; -er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem Kurse. <em class="gesperrt">Suffren</em> -führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ um 3½ Uhr nachmittags zum -Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich -bei dieser Art des Angriffes war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte -schärfer als zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite 232) -schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig abgehalten hätten, um -den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die Franzosen jedoch auf Signal ihres -Admirals stets gefolgt wären, bis es um 6½ Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die Verluste</em> betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434 Verwundete, -auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei beiden Parteien keine besonders -großen Beschädigungen erlitten zu haben.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Es ist bemerkenswert</em>, daß <em class="gesperrt">Suffren</em> den Kampf von einer Fregatte -aus leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der besseren Übersicht -wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe befehlige; die gleiche Weisung war auch an -andere französische Admirale ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, -falls er es für nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus ebensogut -leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch durch sein Beispiel -im Gefechte zu nützen<a name="FNAnker_185_185" id="FNAnker_185_185"></a><a href="#Fussnote_185_185" class="fnanchor">[185]</a>.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Suffren</em> wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch ab, -daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er hatte zwar in Trincomali -verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben, deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe -die Nachhut bilden und mit ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, -während die übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard -aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation segelte die Flotte auch -am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr; <em class="gesperrt">Suffren</em> hat doch wohl nach den bisherigen -Erfahrungen mit seinen Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches -Manöver durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht -über seine Untergebenen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg -Suffrens.</em> <em class="gesperrt">Hughes</em> lag während der kommenden Nacht bei, ging aber -dann nach Madras; als Gründe hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, -Wassermangel und die Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten<span class="pagenum"><a name="Page_402" id="Page_402">[402]</a></span> -1100 Mann, also fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft -hatte, weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten -ließ. Er stand mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher, -daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen -Feinde gegenüber stark erschüttert war. <em class="gesperrt">Suffren</em> hatte am 21. Juni -morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach -der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er hatte -mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen und -dann durch die Schlacht ganz vertrieben.</p> - -<p><b>Das Ende des Krieges.</b> Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der -belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der -französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder zurückkommen, -und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen am -Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: „Ich bin ratlos -seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die -Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.“ Aus dieser Verlegenheit -wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die Nachricht -des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf nichtamtlichen -Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten Behörden beider -Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die Feindseligkeiten einzustellen.</p> - -<p>Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen <em class="gesperrt">Tippu</em> frei -zu bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für -ihren Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit, -mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber -jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. <em class="gesperrt">Bussy</em> zog nach Eintritt -des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück, <em class="gesperrt">Tippu</em> -räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem im -März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten Eroberungen -zurück. <em class="gesperrt">Die Herrschaft Englands in Indien war -gesichert.</em></p> - -<p class="small"><b>Suffrens Rückreise nach Frankreich</b> glich einem Triumphzuge. Er trat sie am -9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes „Héros“ von Trincomali aus an. In Isle -de France ward er von der französischen Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen -auf das höchste geehrt, besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer -zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte <em class="gesperrt">Hughes'</em>, deren Kommandanten -sich mit dem Kommodore <em class="gesperrt">King</em> an der Spitze beeilten, ihm ihren Besuch abzustatten. -Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. -In der Provence, in Paris sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich -als Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der dritten -Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4. April 1784 schuf der -König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die nach seinem Tode wieder eingehen sollte. -Die Provence überreichte ihm eine Medaille mit der Inschrift: „Das Kapland beschützt; -Trincomali genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche Schlachten.“ -Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen überreichen.</p> - -<p>Ein kurzer <b>Rückblick auf den Seekrieg in Indien</b> erscheint als Pflicht -gegen den <em class="gesperrt">Admiral Suffren</em>, dessen Tätigkeit man als die bemerkenswerteste<span class="pagenum"><a name="Page_403" id="Page_403">[403]</a></span> -und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen großen Krieges -bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für Frankreich in Indien -eine besonders gute Gelegenheit bot, England anzugreifen. Hierzu hätte man -aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden müssen, die imstande war, die Seeherrschaft -zu erringen, wodurch dann auch die indischen Gegner Englands in -ihrem Kampfe unterstützt und ermutigt worden wären, sowie durch Lagern -von Vorräten in Isle de France und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen -müssen, daß die Flotte in den indischen Gewässern stets leistungsfähig -blieb.</p> - -<p>Dies geschah nicht. Obgleich die Verbündeten von 1779 an in den europäischen -Gewässern den Engländern stets überlegen und in den westindischen -mindestens gewachsen waren, hatte man von Ende 1779 bis zum Oktober 1781 -nur 6 Linienschiffe in Isle de France, die noch dazu an allem Mangel litten. -Der Oberbefehlshaber, <em class="gesperrt">Graf d'Orves</em>, war nicht der Mann, unter solchen -Umständen den etwa gleich starken Engländern tatkräftig entgegenzutreten; -er machte zwar Anfang 1781 einen schwachen Versuch dazu, blieb aber dann -untätig. Erst nach der Ankunft <em class="gesperrt">Suffrens</em> verfügte Frankreich von 1782 -an über Kräfte, die der Wichtigkeit des Kriegsschauplatzes einigermaßen -entsprachen, und dieser Admiral verstand es, sie zu verwenden. In dem -Bewußtsein, daß alles auf die Beherrschung der See ankomme, brach er mit -der bisherigen französischen Strategie zur See und schlug mit der Bekämpfung -der feindlichen Seestreitkräfte den einzig richtigen Weg zur Lösung seiner -anderen Aufgaben ein. Überzeugt von der Notwendigkeit, das Geschwader -ununterbrochen auf der Station zu halten, ließ er nicht nur den schlechten -Zustand seiner Schiffe, die Unzufriedenheit seiner Offiziere, sondern sogar -den ausdrücklichen Befehl der Regierung unberücksichtigt, nach Isle de -France zu gehen. Trotz Mangel an Personal und Material hielt er durch außergewöhnliche -Maßregeln die Flotte schlagfertig, schuf sich in Trincomali einen -Stützpunkt und verstand es, die anderen Gegner Englands stets wieder zu -ermutigen. Er hätte es verdient, mehr zu erreichen. Aber er wurde von der -Heimat zu wenig unterstützt, obgleich er nicht einmal um Schlachtschiffe, -sondern nur um Mannschafts- und Materialersatz, sowie um leichte, schnelle -Schiffe bat, mit denen er den Kreuzerkrieg zur Versorgung seines Geschwaders -unterhalten wollte. Ferner führten die französischen Generale den Landkrieg -nicht mit gleicher Tatkraft; <em class="gesperrt">Bussy</em> machte den Ruhm zuschanden, -den er sich im vorangegangenen Kriege erworben hatte. Endlich fand der -Admiral keine Unterstützung durch seine Kommandanten. Wären diese -Männer gewesen, wie sie später <em class="gesperrt">Nelson</em> oder auch nur wie sie jetzt -<em class="gesperrt">Hughes</em> besaß, so würde er voraussichtlich das englische Geschwader vernichtet -haben, solange es noch schwächer war. Ob die allgemeinen Verhältnisse -des ganzen Krieges es zugelassen hätten, die englische Macht in Ostindien -zu überwältigen, dürfte zweifelhaft sein; <em class="gesperrt">Suffrens</em> Hoffnung aber -war, durch Herstellung eines Übergewichtes auf diesem Kriegsschauplatze -einen günstigen Frieden herbeizuführen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_404" id="Page_404">[404]</a></span></p> - -<p>Der englische Admiral <em class="gesperrt">Hughes</em> hat in dem langen Ringen stets die -Geschicklichkeit, Überlegung und Voraussicht eines tüchtigen Seemannes -gezeigt, gepaart mit hohem Mute sowie der Entschlossenheit, nicht zu weichen; -er war ein vorzüglicher Vertreter des englischen Durchschnittsseeoffiziers im -18. Jahrhundert. Als höherer selbständiger Führer war er aber dem Gegner -nicht gewachsen; dessen Genie und richtige Beurteilung der militärischen -Lage fehlten ihm. So ist ihm schon von der zeitgenössischen Kritik vorgeworfen, -auf seiner Fahrt nach Trincomali in den Tagen vor der Schlacht bei -Providien, die französische Flotte nicht angegriffen zu haben, trotzdem sie -stets in Lee gestanden hätte und in so lockerer Ordnung gesegelt sei, daß er -die Schiffe einzeln hätte überwältigen können. Tatsache ist, daß durch sein -Zaudern nach der Schlacht bei Negapatam Trincomali verloren ging, und daß -er nach der Schlacht vor Cuddalore die Deckung der Stadt aufgab, obgleich -sich die französische Flotte in nicht besserer Verfassung befand als die seine. -Diese Kurzsichtigkeit würde verhängnisvoll geworden sein, wenn der Krieg -fortgeführt wäre. <em class="gesperrt">Suffren</em> sah das Vertreiben des stärkeren Gegners von -diesem Platze als seine höchste Leistung in Indien an.</p> - -<h5>Der Kleine Krieg.</h5> - -<p>In den früheren englisch-französischen Kriegen errang England schließlich -stets die Seeherrschaft und konnte dann seine ganze Kraft zur Vernichtung -des feindlichen Handels einsetzen; selbst wenn Frankreich den Kampf mit -der Flotte freiwillig aufgegeben und seine Seestreitkräfte ganz in den Dienst -des Kreuzerkrieges gestellt hatte, endete dieser doch immer mit dem völligen -Brachliegen des Seehandels für die schwächere Macht. Im Kriege 1775–1783 -behaupteten aber beide Parteien bis zum Ende die See, und der Handelskrieg -spielte infolgedessen keine so hervortretende und einflußreiche Rolle. Vernachlässigt -wurde er aber keineswegs. Die Schläge gegen größere Konvois -traten als militärische Unternehmungen von Bedeutung hervor, daneben aber -bedrohten Kreuzer sowie Freibeuter beider Parteien die Schiffahrt der Gegner -in allen Meeren, und es kam zu zahlreichen Gefechten zwischen diesen<a name="FNAnker_186_186" id="FNAnker_186_186"></a><a href="#Fussnote_186_186" class="fnanchor">[186]</a>. -Leider bringen unsere Quellen nicht wie bei den früheren Kriegen genauere -Angaben über die Zahl der Schiffe, die sich die Gegner fortnahmen, aber Andeutungen -in französischen wie englischen Werken lassen schließen, daß die -Verluste beider Nationen sehr bedeutend gewesen sind und sich etwa die -Wage gehalten haben; von seiten Hollands wird ausdrücklich zugegeben<a name="FNAnker_187_187" id="FNAnker_187_187"></a><a href="#Fussnote_187_187" class="fnanchor">[187]</a>, -daß sein Schaden ungeheuer gewesen sei, und sich die schon im Verfall begriffene<span class="pagenum"><a name="Page_405" id="Page_405">[405]</a></span> -ostindische Kompagnie von ihm nicht wieder erholt habe. Es wird -zwar nirgend ausgesprochen, ist aber wohl sicher anzunehmen, daß die -Störung des Handels mit ihren mittelbaren und unmittelbaren Verlusten zur -Beendigung auch dieses Krieges beigetragen habe.</p> - -<p class="small">Nur <em class="gesperrt">Laird Clowes</em> bringt (Band III, Seite 396) eine für sein Werk von der -berühmten Seeversicherungsgesellschaft „Lloyd“ — schon zu jener Zeit eine Art Börse -der englischen Kaufleute, Rheder, Seeversicherer usw. — aufgestellte Tabelle über die -Verluste Englands und seiner Gegner in den einzelnen Kriegsjahren. Nach dieser haben -die Engländer in den Jahren 1776–1783 2200 Handelsschiffe sowie 75 Freibeuter eingebüßt -und 1100 bzw. 215 der Feinde genommen. — Wie in den früheren Kriegen -erklärt die Übermacht des englischen Seehandels den größeren Verlust, dieser war aber -eben deshalb auch leichter zu tragen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Kreuzerkrieg der Amerikaner</em><a name="FNAnker_188_188" id="FNAnker_188_188"></a><a href="#Fussnote_188_188" class="fnanchor">[188]</a> verdient noch eine -kurze Betrachtung, weil sie trotz ihrer geringen Seemacht darin Hervorragendes -geleistet haben. Bekanntlich ließen die einzelnen Kolonien schon -von 1775 an kleinere Fahrzeuge an ihren Küsten kreuzen, um dem englischen -Heere die Zufuhren an Kriegsmaterial wegzufangen und diese eigenen Truppen -zuzuführen; aus diesen Anfängen entstand die kleine Marine. Diese ward -dann auch weiter fast ausschließlich im Kleinen Kriege verwendet, zu ihr -traten zahlreiche Freibeuter. Einzeln und in kleinen Verbänden taten die -Schiffe den Engländern an der amerikanischen Küste, aber besonders auch -in den westindischen Gewässern großen Abbruch, wobei sie sich auf französische, -spanische und holländische Häfen stützten.</p> - -<p class="small">Nach amerikanischen Angaben (Spears, Band I, Seite 217) sind in den westindischen -Gewässern sowie an der westafrikanischen Küste bis Ende 1777 173 amerikanische -Freibeuter mit 2550 Kanonen und 13 800 Seeleuten tätig gewesen und haben -559 englische Handelsschiffe im Werte von 2½ Millionen Lstrl. aufgebracht; 34 derselben -wurden weggefangen.</p> - -<p>Schon im Herbst 1776 trat auch der erste amerikanische Kreuzer in den -europäischen Gewässern auf. Eine Brigg mit 16 Kanonen brachte <em class="gesperrt">Franklin</em> -nach Frankreich und kreuzte dann in der Biskaya. In den folgenden Jahren -waren mehrere Kriegsschiffe tätig, teils von Amerika herübergekommen, teils -in französischen Häfen beschafft; auch Freibeuter traten auf. Es ist bemerkenswert, -wie sich diese Fahrzeuge auszurüsten und ihre Prisen zu -verwerten wußten, trotzdem Frankreich noch mit England im Frieden war, -wie sie ihre Ausrüstung auf See an Bord nahmen und ihre Prisen vor den -französischen Häfen verkauften. Es waren nur kleine Schiffe, und der Schaden -blieb gering, den sie dem englischen Handel zufügten, aber sie beunruhigten -ihn und bedrohten sogar offene Küstenplätze Schottlands und Irlands, eine -ungeheure Keckheit der großen Seemacht Englands gegenüber. Am berühmtesten -sind die Taten des Kapitäns <em class="gesperrt">Paul Jones</em>, der durch sie -<em class="gesperrt">ein Nationalheld</em> Amerikas geworden ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_406" id="Page_406">[406]</a></span></p> - -<div class="figleft"> - <img src="images/fig_p406.jpg" width="300" height="394" - alt="see caption" - title="see caption" /> - <a name="fig_p406" id="fig_p406"></a> -<p class="caption">Captain John Paul Jones.</p> -</div> - -<p class="small"><b>Auftreten des amerikanischen Kapitäns John Paul Jones in den europäischen Gewässern.</b> -<em class="gesperrt">Paul Jones</em>, 1747 in Schottland geboren, kam als Geschäftsreisender -nach den Kolonien, blieb dort, fuhr als Steuermann auf Sklavenschiffen und ward -unter den ersten Offizieren der neuen Marine am 22. Dezember 1775 als Leutnant -1. Klasse angestellt. Im August 1776 zum Kapitän ernannt, führte er mit großem Erfolge -eine Brigg in den heimischen Gewässern, erhielt 1777 das Kommando des kleinen -Schiffes „Ranger“ (18 Kanonen, 135 Mann) und heißte bei der Indienststellung am -14. Juni eigenhändig zum ersten Male die eben eingeführte „Stern- und Streifenflagge“ -der Vereinigten Staaten. Im November verließ er Amerika, machte auf der Überfahrt -zwei Prisen und traf am 2. Dezember in Nantes ein. Von dort führte er einige amerikanische -Handelsschiffe nach Lorient, die sich hier einem französischen nach Westindien -bestimmten Konvoi anschließen sollten, -und bei dieser Gelegenheit ward die -neue Flagge zum ersten Male von französischen -Kriegsschiffen salutiert. Am -10. April 1778 trat er von Brest aus -eine Kreuzfahrt um Irland an. Auf -dieser brachte er verschiedene Prisen -auf, versuchte am 22. die im Hafen von -Whitehaven, südlich vom Clyde, liegenden -Schiffe zu verbrennen, wobei er -allerdings nur geringen Erfolg hatte, -und landete dann auf der Insel St. Mary -im Solway Firth, um Lord Selkirk in -seiner Besitzung aufzuheben und als -Geisel gegen die schlechte Behandlung -gefangener Freibeuter durch die Engländer -fortzuführen. Der Lord war -abwesend, aber die Amerikaner erbeuteten -dessen Familiensilber; <em class="gesperrt">Jones</em> -kaufte es später seinen Leuten ab und -sandte es dem Eigentümer zurück. Am -24. April zwang er vor Belfast Lough -die englische Sloop „Drake“ (20 Kanonen, -154 Mann) in einem heftigen -Gefechte zum Streichen der Flagge und -segelte dann nördlich um Irland nach -Brest zurück.</p> - -<p class="small">Eine zweite Fahrt konnte <em class="gesperrt">Jones</em> wegen Geldmangels erst im Sommer 1779 -antreten. Er verfügte jetzt über einen ehemaligen französischen Ostindienfahrer, -„Bonhomme Richard“ (42 Kanonen), als Flaggschiff, eine amerikanische Fregatte, -„Alliance“ (32 Kanonen), unter einem französischen Seeoffizier <em class="gesperrt">Landais</em>, zwei mit -30 und 12 Kanonen armierte Kauffahrer „Pallas“ und „Vengeance“ und einen -18-Kanonenkutter. Die Flottille ging am 14. August zusammen mit 2 französischen -Freibeutern von Lorient in See. <em class="gesperrt">Jones</em> besaß aber nur geringe Machtbefugnisse über -die anderen Fahrzeuge, deren Befehlshaber sich unbotmäßig zeigten. Die Freibeuter -verließen ihn gänzlich und auch Landais ging eigene Wege, sobald es ihm gutdünkte; -er hatte seine Laufbahn in der französischen Marine verfehlt, zeigte ein überspanntes -Benehmen und war empört, daß er nicht den Oberbefehl erhalten hatte.</p> - -<p class="small">Die Fahrt ging um Irland und Schottland herum; bis zum 21. September wurden -17 Prisen gemacht. Die Küstenbevölkerung Schottlands war in größter Aufregung, -aber <em class="gesperrt">Jones</em> konnte seine Absicht, Leith eine Kontribution aufzulegen, nicht durchführen, -da seine Unterführer den Gehorsam versagten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_407" id="Page_407">[407]</a></span></p> - -<p class="small">Am 23. September stieß die bis auf den Kutter vereinte Flottille südlich von -Flamborough Head vor der Mündung des Humber auf einen englischen Ostseekonvoi. -Die begleitende Fregatte „Serapis“ (44 Kanonen, 264 Mann), Kapitän <em class="gesperrt">Pearson</em>, -sowie ein armierter Kauffahrer „Countess of Scarborough“ (20 Kanonen) traten den -Amerikanern mutig entgegen. <em class="gesperrt">Jones</em> befahl, die Schlachtlinie zu bilden, aber <em class="gesperrt">Landais</em> -verweigerte dies ausdrücklich und „Vengeance“ war zu weit entfernt; so kamen nur das -Flaggschiff und „Pallas“ gegen 7½ Uhr abends ins Gefecht. Diese zwang nach zweistündigem -Kampfe das kleinere englische Schiff zum Streichen der Flagge.</p> - -<p class="small">In dem Kampfe zwischen „Serapis“ und „Bonhomme Richard“<a name="FNAnker_189_189" id="FNAnker_189_189"></a><a href="#Fussnote_189_189" class="fnanchor">[189]</a> wurde dieser -durch die überlegene Artillerie des Gegners bald völlig außer Gefecht gesetzt und das -Schiff derartig im Rumpfe durchlöchert, daß es zu sinken drohte. <em class="gesperrt">Jones</em> ging deshalb -dem Feinde längsseit und errang in blutigem Kampfe, in dem sein Flaggschiff 116, -die „Serapis“ 126 Mann einbüßte, durch seine persönliche Hartnäckigkeit und Kaltblütigkeit -schließlich den Sieg. „Serapis“ strich um 10½ Uhr nachts die Flagge und -wurde von den Amerikanern besetzt; „Bonbomme Richard“ sank am folgenden Tage.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Landais</em> hatte nur den Kampfplatz umsegelt und Breitseiten auf die englischen -Schiffe abgegeben; er hat aber auch auf das Flaggschiff Jones' gefeuert, und zwar nach -eigner Aussage mit Absicht, um es in Feindeshand fallen zu lassen, dann wiederzunehmen -und die „Serapis“ gleichfalls zu erobern.</p> - -<p class="small">Der englische Konvoi hatte sich während des Gefechtes retten können, und -<em class="gesperrt">Pearson</em> wurde deshalb trotz des Verlustes seines Schiffes in den Ritterstand erhoben.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Jones</em> führte seine Flottille nebst den Prisen nach Texel und von dort Ende -Dezember trotz der englischen Kreuzer durch den Kanal nach Lorient, wo sie aufgelöst -wurde. England erklärte ihn für einen Seeräuber und setzte einen Preis von -10000 Lstrl. auf seinen Kopf. In Paris überhäufte man ihn mit Ehren, und in Amerika -ward er als Admiral an die Spitze der Marine gestellt, als er 1780 zurückkehrte. 1788 -trat er als Kontreadmiral der baltischen Flotte in russischen Dienst. Da aber englische -Offiziere nicht unter ihm dienen wollten, wurde er zur Flotte des Schwarzen Meeres -versetzt und zeichnete sich hier gegen die Türken aus. 1789 wurde er jedoch durch -Intrigen verdrängt, lebte dann in Holland und Frankreich, wo er 1792 fast vergessen -zu Paris starb. Es ist ungerecht, <em class="gesperrt">Jones</em> als einen in französischem Solde stehenden -Verräter an der englischen Sache hinzustellen, wie es einige englische und auch deutsche -Werke tun; er war ebenso amerikanischer Bürger wie viele andere noch in England -geborene Amerikaner. (Biographie Jones' von <em class="gesperrt">Abbot</em>, Washington 1875.)</p> - -<p>Die kleine amerikanische Kriegsmarine ging in dem Handelskriege zugrunde; -beim Friedensschluß waren nur noch 3 Schiffe mit zusammen 84 -Kanonen vorhanden. Aber durch die von ihr genommenen Schiffe — nach -Spears während des ganzen Krieges 800 an der Zahl — sind zum Teil die -Mittel an Kriegsmaterial und Geld zur Durchführung des Landkrieges aufgebracht.</p> - -<h5>Der Frieden von Versailles.</h5> - -<p>Bekanntlich setzte die Opposition in England nach der Kapitulation von -Yorktown, dem Verluste verschiedener westindischer Inseln sowie Minorkas -im März 1782 einen Ministerwechsel durch und der Landkrieg in Nordamerika -geriet ins Stocken. Die neue Regierung trat aber auch in Friedensverhandlungen -mit <em class="gesperrt">Franklin</em> in Paris ein, obgleich der amerikanische Staatsmann<span class="pagenum"><a name="Page_408" id="Page_408">[408]</a></span> -neben der Unabhängigkeit der Kolonien auch die Abtretung Kanadas forderte; -zu Franklin kamen später noch die Agenten <em class="gesperrt">Adams</em>, <em class="gesperrt">Jay</em> und <em class="gesperrt">Laurens</em>. -Die Besprechungen wurden dadurch erleichtert, daß England die Hände gegen -seine europäischen Gegner freizubekommen strebte, und die Amerikaner erkannten, -daß Frankreich sie nur zum Werkzeug ihrer eigenen Politik machen -wollte.</p> - -<p class="small"><b>Frankreich</b> wollte die Vereinigten Staaten nicht zu stark werden lassen, sondern -ein Gleichgewicht zwischen ihrer und Englands Macht in Nordamerika geschaffen sehen. -Es war daher gegen die Überlassung Kanadas, des Gebietes der großen Seen, der Seefischereien -und des Mississippitales an die Amerikaner und arbeitete in diesem Sinne -gegen sie. Das Gebiet des Mississippi wollte es Spanien und damit seinem eigenen Einflusse -sichern, die Fischereien aber als Schule für die Marine behalten.</p> - -<p>Die Amerikaner ließen deshalb ihre Forderung auf Kanada und andere -englische Besitzungen im Norden fallen, bestanden aber auf ihrer Ausdehnung -nach Westen sowie auf ausgedehnten Fischereirechten, und England gab -hierin, sowie in seinen Ansprüchen auf alte Schulden nach. Am 30. November -1782 ward der <em class="gesperrt">vorläufige Frieden zwischen England und -den Vereinigten Staaten</em> ohne Wissen Frankreichs abgeschlossen. -Da sich der Kongreß früher verpflichtet hatte, Friedensverhandlungen nur -mit Zustimmung Frankreichs zu führen, nannten die Agenten die Abmachungen -„Provisional-Artikel“, die nur dann zu einem endgültigen Frieden -führen könnten, wenn Frankreich an ihm beteiligt sei.</p> - -<p>Tatsächlich trat aber Amerika jetzt vom Kriege zurück, und Frankreich, -mit dem England seit dem Amtsantritt <em class="gesperrt">Shelburnes</em> im Juli gleichfalls -in Verhandlung getreten war, mußte nachgeben. Es hatte bei der Lauheit -Spaniens und der Schwäche Hollands nichts mehr zu hoffen, war überdies -in Finanznöten und ging schon seiner schweren inneren Krisis entgegen. -Am 20. Januar 1783 ward <em class="gesperrt">der Präliminarfriede zwischen -England und Frankreich-Spanien</em> unterzeichnet.</p> - -<p>Hierbei ließ Frankreich Holland im Stich, wo man im Vertrauen auf -diesen Verbündeten frühere günstige Anerbieten Englands abgelehnt hatte. -Es wurde nur in den Waffenstillstand eingeschlossen und <em class="gesperrt">der vorläufige -Friede zwischen Holland und England</em> kam erst am 2. September -1783 zustande.</p> - -<p class="small"><b>Über den Einfluß der Schlacht von Dominica auf den Friedensschluß</b> findet man -häufig die Ansicht, sie habe die französische Marine so geschwächt, daß jene nicht mehr -um die Seeherrschaft hätte kämpfen können. Dies ist sehr übertrieben. Anders wäre -es gewesen, wenn <em class="gesperrt">Rodney</em> seinen Sieg ausgenützt und die französische Westindienflotte -vernichtet hätte, aber diese verlor ja nur 5 Linienschiffe. Die Niederlage mag -wohl dazu beigetragen haben, Frankreich dem Frieden geneigt zu machen, aber die -günstigen Friedensbedingungen, die England erlangte, waren nicht die Folge einer -Demütigung Frankreichs zur See, sondern seiner finanziellen Notlage. In England -rief der glänzende Sieg bei der augenblicklich ungünstigen Lage zwar großen Jubel -im Volke hervor, aber eine derartige Bedeutung legte man ihm in den leitenden Kreisen -nicht zu. Dies geht aus den Parlamentsverhandlungen im Februar 1783 über die Frage -hervor, ob die Friedensbedingungen der militärischen Lage entsprochen hätten, oder<span class="pagenumsmall"><a name="Page_409" id="Page_409">[409]</a></span> -ob es richtiger gewesen wäre, den Krieg fortzusetzen. Die Regierung führte an, daß -England nur 100 Linienschiffe bereit habe, während Frankreich und Spanien 140 aufstellen -könnten; auch sei zu befürchten gewesen, daß die Verbündeten 1783 Jamaika -erobert hätten, doch war dies nur die Beweisführung einer Partei, die durchaus den -Frieden wünschte. Admiral <em class="gesperrt">Keppel</em>, der von seinem Amte als Erster Lord der -Admiralität zurücktrat, weil er die Friedensbedingungen nicht billigte, bestritt die -Richtigkeit der obigen Zahlen für beide Parteien, und auch die englischen Staatsmänner -mußten zu dieser Zeit gelernt haben, die beiderseitigen Marinen nicht nur nach der -Zahl der Schiffe einzuschätzen. So war auch die Gefahr für Jamaika von seiten der -Friedensfreunde übertrieben, aber wahrscheinlich wäre es England nicht gelungen, -mit Waffengewalt die anderen Inseln wieder zu erobern, die ihm der Friede zurückgab.</p> - -<p><b>Die Friedensbedingungen.</b> <em class="gesperrt">Die Vereinigten Staaten</em> wurden -als unabhängig anerkannt. Sie erhielten die westlich gelegenen Gebiete einschließlich -des Mississippitales, sowie das Recht, bei Neufundland und im -St. Lorenzgolfe die Fischerei mitzubetreiben, während die Engländer vom -Fischen an der amerikanischen Küste ausgeschlossen wurden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> gab an England die eroberten westindischen Inseln -bis auf Tabago zurück und erhielt dagegen Sta. Lucia, sowie seine Handelsniederlassungen -in Ostindien, unter den gleichen Bedingungen wie 1763, -wieder. Auch behielt es das Recht der Fischerei in den obengenannten -Gewässern sowie die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon am Eingang zum -Lorenzgolfe als Stützpunkte; in Westafrika fiel ihm die Senegal-, England -die Gambiamündung zu. Endlich wurde Frankreich von der alten demütigenden -Verpflichtung entbunden, Dünkirchen nach der Seeseite unbefestigt -zu lassen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> räumte die Bahamainseln und gestand endlich den Engländern -das langumstrittene Recht zu, von der Honduras- und Campecheküste -Holz auszuführen. Es behielt Florida und Minorka, aber von einer Rückgabe -Gibraltars war nicht die Rede. <em class="gesperrt">Holland</em> bekam zwar Trincomali -wieder, Negapatam gab England jedoch nicht heraus.</p> - -<p>Abgesehen vom Verluste seiner amerikanischen Kolonien hat der Krieg -mithin <em class="gesperrt">England</em> nicht so große Opfer gekostet, als zu erwarten stand. -Der Verlust von Minorka hätte größere Bedeutung gehabt, wenn Spaniens -Seemacht stark genug gewesen wäre, den Platz zu halten; so wie die Dinge -lagen, fiel die Insel im nächsten Kriege doch wieder in Englands Hände. -Frankreichs Gewinn durch den Krieg, der ihm 1200 Millionen Francs gekostet -haben soll, war nur die unbedeutende Insel Tabago und das Bewußtsein, -zum ersten Male England gegenüber die See gehalten zu haben.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der endgültige Friede</em> zwischen den beiden Königreichen, den -Vereinigten Staaten und England ward am 3. September 1783 zu Versailles -unterzeichnet; der zwischen England und Holland fand am 10. Mai 1784 -zu Paris seine Bestätigung.</p> - -<h5>Schlußbetrachtungen.</h5> - -<p><b>Über die Strategie der Gegner.</b> Der Krieg 1778–1783 war ein reiner -Seekrieg und wohl der an Ereignissen reichste, der je ausgefochten ist. England,<span class="pagenum"><a name="Page_410" id="Page_410">[410]</a></span> -Frankreich und Spanien spannten ihre maritimen Kräfte bis aufs -äußerste an, in allen Meeren maßen sich große Flotten, gegen 20 Schlachten -fanden statt. Und doch brachte der Krieg keinem der Länder wesentliche -Vor- oder Nachteile, außer daß England durch ihn in dem Landkriege mit -seinen nordamerikanischen Kolonien unterlag. Dies war die Folge einer -mangelhaften Strategie auf beiden Seiten. Die Entstehung des Krieges, die -Ziele der Verbündeten sowie die allgemeine militärische Lage beider Parteien -wurden bereits bei Beginn seiner Darstellung erörtert<a name="FNAnker_190_190" id="FNAnker_190_190"></a><a href="#Fussnote_190_190" class="fnanchor">[190]</a> und auf die einzelnen -Abschnitte seines Verlaufes folgte stets eine kritische Besprechung; es erscheint -aber wünschenswert, zum Schluß nochmals <em class="gesperrt">die Kriegführung -der Gegner im großen</em> zu betrachten<a name="FNAnker_191_191" id="FNAnker_191_191"></a><a href="#Fussnote_191_191" class="fnanchor">[191]</a>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Das eigentliche Ziel der Verbündeten</em> war, früher erlittene -Demütigungen zu rächen und die tyrannische Herrschaft zu brechen, -die England auf dem Ozean sich anmaßte. Frankreich gedachte dabei, seinen -Besitz in Westindien zu vermehren und in Ostindien wieder überwiegenden -Einfluß zu gewinnen; Spanien hoffte, Gibraltar, Minorka, Florida und womöglich -auch Jamaika zurückzuerhalten. Die Herrschaft Englands beruhte -auf seiner großen aktiven und latenten Seemacht, auf seiner Kriegsmarine -und seinem Seehandel, seinen Marinestationen und Kolonien in allen Teilen -der Welt. Hierin lagen mithin auch die Angriffspunkte für die Gegner. Infolge -des Aufstandes der Amerikaner sah sich England mit Verlust seiner damals -wichtigsten Kolonie bedroht; verlor es diese, so büßte es auch eine Reihe -von Häfen ein und dadurch entstand eine Lücke in der Kette seiner Stützpunkte -zwischen Kanada und Westindien; seine Flotte hatte es aber durch -Frankreich und Spanien wenigstens in der Zahl der Schiffe überholen lassen. -Die Gelegenheit zum Angriff war also für die Gegner günstig.</p> - -<p>Die nächste Frage bildete nun <em class="gesperrt">die Wahl der Angriffsobjekte -seitens der Verbündeten</em>: der Hauptpunkte, die man nie aus dem -Auge lassen durfte, und der Ziele zweiter Ordnung, die die Verteidigung ablenken -und ihre Kräfte zersplittern sollten. Da der Hauptzweck der Verbündeten -nicht war, den Amerikanern zu nutzen, sondern England zu -schaden, gebot die militärische Politik, jene nur soweit zu unterstützen, daß -sie den Krieg fortsetzen konnten. England in seinen anderen Kolonien mit -Erfolg anzugreifen, erforderte unbedingte Seeherrschaft, aber nicht nur an -Ort und Stelle, sondern überhaupt, denn keine der beiden Parteien besaß -in den fernen Meeren so leistungsfähige Stützpunkte, daß die Flotten dort -auf die Dauer see- und gefechtsbereit erhalten werden konnten; die Kolonien -selber waren noch auf Zufuhren aus Europa angewiesen. Amerika und die<span class="pagenum"><a name="Page_411" id="Page_411">[411]</a></span> -anderen Kolonien eigneten sich also nur zu Diversionen, während als Hauptangriffspunkte -England als Basis seiner Flotte und diese selber, sowohl als -Streitmacht an und für sich wie als Sicherung der Verbindung mit den auswärtigen -Kriegsschauplätzen anzusehen waren. Hier mit Übermacht aufzutreten, -ward den Verbündeten dadurch erleichtert, daß England sich entschloß, -seine Streitkräfte in weitgehendem Maße zu verteilen, um überall -einem Angriffe entgegentreten zu können.</p> - -<p><em class="gesperrt">Diese Maßnahme Englands</em> fordert zur Kritik heraus; um -sie mit Sicherheit durchzuführen, wäre Überlegenheit an Streitkräften nötig -gewesen. Man konnte nie wissen, wohin der Gegner den Hauptstoß richten -würde; dies ist ein Nachteil der Verteidigung, der im Seekriege besonders -hervortritt, da marschierende Flotten keine Spuren hinterlassen. Jede ferne -Station hätte stark besetzt gehalten werden und außerdem jeder von Europa -auslaufenden feindlichen Flotte eine derartig starke eigene angehängt werden -müssen, daß man auf dem bedrohten Punkte überlegen war. Dies konnte -aber die schwächere Partei nicht durchführen und England setzte sich mit -seinem Entschluß der Gefahr aus, an irgendeiner Stelle mit Übermacht -angegriffen zu werden. Im großen und ganzen ist es ihm gelungen, dem -Gegner auf den fernen Kriegsschauplätzen mit genügenden Kräften entgegenzutreten, -jedoch nicht immer. In Westindien mußten sich seine Flotten -mehrfach unter die Kanonen von Landbefestigungen zurückziehen und -konnten den Verlust einiger Inseln nicht hindern; in Nordamerika entschied -das Übergewicht der französischen Seestreitkräfte 1781 den Landkrieg. -Dieses hatten die Franzosen dadurch erlangt, daß ihrer Flotte (<em class="gesperrt">de Grasse</em>) -beim Verlassen Westindiens nur ein Teil der englischen folgte, um Westindien -und den dortigen Handel nicht ganz preiszugeben; ein sprechendes -Beispiel für die Schwäche der englischen Strategie. In den heimischen -Gewässern aber war England stets weit unterlegen. Seine Flotte hier war -sogar zu schwach, auch nur die Verteidigung der eigenen Küsten sicherzustellen; -nur infolge der mangelnden Tatkraft der Gegner hat sie diese Aufgabe -lösen und auch noch Vorstöße machen können.</p> - -<p><em class="gesperrt">Eine richtigere Strategie Englands</em> wäre wohl gewesen, -den Hauptangriff auf die feindlichen Seestreitkräfte zu richten; diese aber -waren am sichersten vor ihren eigenen Häfen zu finden; England konnte -dabei den Vorteil ausnützen, daß seine Flotte eine gemeinschaftliche Basis -hatte, in einer Hand lag und aus einem Guß war. Es mußte die europäischen -Gewässer, Nordamerika und Westindien als <em class="gesperrt">einen</em> Kriegsschauplatz ansehen -und mit seiner Hauptmacht die Vereinigung der Gegner zu hindern, -deren Plänen gleich bei ihrem Auslaufen entgegenzutreten suchen. Um hierzu -in Europa die nötigen Kräfte zu haben, hätte man allerdings die auswärtigen -Angriffspunkte durch Schwächung der Geschwader dort bis zu einem gewissen -Grade aufs Spiel setzen müssen, jedoch konnte man dies in Nordamerika -durch eine gegen jeden Seeangriff genügende Befestigung der Hauptstützpunkte, -New York und Newport, zum Teil ausgleichen. Mit einem derartigen<span class="pagenum"><a name="Page_412" id="Page_412">[412]</a></span> -Auftreten vor den feindlichen Häfen soll keineswegs auf eine strenge Blockade -hingewiesen sein, mit der eitlen Hoffnung, jeden Vorstoß zu verhindern oder -jeden Konvoi abzufangen, sondern auf die Aufgabe, jeder großen ausgelaufenen -Flotte auf den Fersen zu folgen und sie mit Übermacht zu schlagen<a name="FNAnker_192_192" id="FNAnker_192_192"></a><a href="#Fussnote_192_192" class="fnanchor">[192]</a>. Dem -Landkriege in Nordamerika wäre dies gleichfalls zugute gekommen, denn die -Amerikaner konnten sich nur mit Hilfe der französischen Marine, sowie durch -Zufuhren aus Europa halten und endlich wurde auf diese Weise leichter den -Gegnern die Versorgung ihrer Stützpunkte draußen erschwert. Um es nochmals -hervorzuheben, auch England mußte als erstes Ziel die Vernichtung der -feindlichen Seestreitkräfte ansehen.</p> - -<p>Es ist allerdings fraglich, ob die englische Regierung der Volksmeinung -gegenüber, der sie stets hat Rechnung tragen müssen, Kolonien und Handel -scheinbar im Stich lassen durfte, wenn auch ihr Verhalten tatsächlich nur deren -Verteidigung schon in den europäischen Gewässern bezweckt hätte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wie lösten nun die Verbündeten ihre Aufgabe?</em> -Frankreich hatte den Krieg vorbereitet und begann den Feldzug 1778 mit einer -Diversion nach Nordamerika (<em class="gesperrt">d'Estaing</em>), die sich später gegen Westindien -wenden sollte, es hatte aber nicht genügend gerüstet, um in diesem -Jahre schon in Europa kräftig auftreten zu können; nicht einmal das Auslaufen -einer englischen Flotte unter <em class="gesperrt">Byron</em> nach dem bedrohten Punkte -vermochte es zu hindern. 1779 verstärkte es seine Kräfte in Westindien und -bereitete mit Spanien vereint einen Einfall in England vor. Das Unternehmen -schlug fehl, weil Spanien zu spät fertig war und dann dem Oberbefehlshaber -<em class="gesperrt">d'Orvilliers</em> die nötige Tatkraft mangelte. Von 1780 an machte sich die -Verschiedenheit der Interessen geltend; Frankreich legte ein zu großes Gewicht -auf den westindischen Kriegsschauplatz und Spanien auf die Eroberung -von Gibraltar. Dieses war ein Nebenziel ohne Einfluß auf den Großen Krieg -und hätte leichter sowie sicherer durch Lösung der Hauptaufgabe, Vernichtung -der feindlichen Seemacht, erreicht werden können; Frankreich gab -trotz besserer Einsicht hierin nach. So brachten denn die weiteren Kriegsjahre -den Verbündeten außer der gleichfalls belanglosen Eroberung von -Minorka in Europa keine Erfolge, obgleich ihre Flotte stets bedeutend überlegen -war; allerdings führte auch noch ein unfähiger Admiral (<em class="gesperrt">Cordoba</em>) -den Oberbefehl. Man unternahm nichts Ernstes mehr gegen England und -seine Kanalflotte. Dieser gelang es sogar, in jedem Jahre Gibraltar zu verstärken -und mehrfach die Verbindung der Gegner mit anderen Kriegsschauplätzen -zu stören. Die Kraft der englischen Marine infolge ihres inneren -Wertes sowie der Kühnheit und Geschicklichkeit ihrer Admirale, die sich -hierbei zeigte, dürfte ein Beweis sein, daß eine Strategie Englands, wie sie oben<span class="pagenum"><a name="Page_413" id="Page_413">[413]</a></span> -geschildert ist, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegner wahrscheinlich -Erfolg gehabt hätte.</p> - -<p>In Westindien besaß Frankreich mehrfach die Übermacht, nützte sie -jedoch nicht aus. Es bemächtigte sich verschiedener Inseln, dachte dann -aber nur an deren Schutz, obgleich die Leichtigkeit der Eroberungen darauf -hätte hinweisen müssen, daß nach Erringung der unbedingten Seeherrschaft -auch die anderen englischen Inseln bald gefallen wären. Wollte Frankreich -den Kampf in Westindien über den Rahmen einer Diversion hinausgehen -lassen, so konnte es noch mehr Mittel darauf verwenden; die Flotte der Verbündeten -in Europa wäre zu dem, wozu man sie verwandte, stark genug -geblieben. Doch auch ohne dies hätten die Gegner Englands auf diesem -Kriegsschauplatze eine große Übermacht entfalten können, wenn Spanien -seine Pflicht tat. Aber die Flotte <em class="gesperrt">Solanos</em>, die 1780 dort erschien, konnte -oder wollte sich nicht an französischen Unternehmungen beteiligen. Sie lag -untätig in Havanna, nur auf den Schutz der gar nicht bedrohten eigenen -Kolonien bedacht, und trat nur einmal zur Eroberung Floridas hervor; ein -Unternehmen von reinstem Sonderinteresse, das wie eine Einnahme von -Gibraltar gar keinen Einfluß auf den Großen Krieg hatte. Der mit großen -Mitteln ins Werk gesetzte gemeinsame Angriff auf Jamaika 1782 kam nicht -zur Ausführung; schon der moralische Eindruck der Niederlage der Franzosen -bei Dominica genügte, davon Abstand nehmen zu lassen.</p> - -<p>In den gleichen Fehler, der von der obersten Leitung im großen gemacht -wurde, verfielen aber auch die französischen Führer der verschiedenen Flotten -bei der Durchführung ihrer Aufgaben. Mit Ausnahme <em class="gesperrt">Suffrens</em> in Ostindien<a name="FNAnker_193_193" id="FNAnker_193_193"></a><a href="#Fussnote_193_193" class="fnanchor">[193]</a> -und <em class="gesperrt">de Grasses</em> bei seinem Auftreten in Nordamerika 1781 beharrten -sie auf dem Standpunkte, der sich in allen Kriegen des vierten Abschnittes -gezeigt hat: Sie schonten ihre Schiffe und vermieden Entscheidungsschlachten, -obgleich sich ihnen mehrfach Gelegenheit bot, den feindlichen -Seestreitkräften einen schweren Schlag zu versetzen; nach Erfolgen traten -sie meist strategisch in die Defensive, und taktisch defensiv war das Verhalten -der verbündeten Flotten eigentlich bei allen Begegnungen mit dem -Feinde. Über die spanischen Admirale in dieser Hinsicht zu sprechen, lohnt -sich überhaupt nicht, und das Nachgeben Frankreichs Spanien gegenüber -äußert sich darin am bezeichnendsten, daß es von 1780 an den Oberbefehl -der gemeinsamen Flotte in Europa <em class="gesperrt">Cordoba</em> überließ, obgleich es dessen -Unfähigkeit wohl erkannt hatte.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Flotten boten überall das Mittel zur Entscheidung.</em> -England hätte selbst in der Verteidigung mehr erreichen können, -wenn es die eigenen Seestreitkräfte zur Vernichtung der feindlichen zusammengehalten -hätte. Die militärische Politik der Verbündeten muß jedoch noch<span class="pagenum"><a name="Page_414" id="Page_414">[414]</a></span> -schärfer verurteilt werden. Ihnen stand es frei, nach Vereinigung ihrer Kräfte -— und diese hinderte der Gegner nicht — in der Offensive zu wählen, wo sie -überwältigend schlagen wollten. Sie faßten ja auch große Pläne, besonders -Frankreich, führten sie aber nicht durch, Nebenzwecke lenkten sie ab. Diese -liefen auseinander — eine Schwäche, die Bündnissen häufig anhaftet —, und -bei ihrer Durchführung gab Frankreich des guten Einvernehmens halber nach, -in der Hoffnung, Spanien doch noch seinen Plänen geneigt zu machen; Spaniens -Verhalten dagegen streifte, wenigstens 1780 in Westindien, fast an Treulosigkeit. -<em class="gesperrt">Mahan</em> schreibt: „Wie machten sich die Verbündeten ihre großen -Vorteile zunutze? Indem sie an den Rändern des britischen Reiches herumnagten -und sich am Felsen von Gibraltar die Köpfe einstießen.“ Wir können -im Sinne Mahans hinzufügen: „Anstatt vor allem die feindlichen Flotten zu -vernichten.“</p> - -<p class="small">Bei Beurteilung der Leistungen der Verbündeten muß aber auch wohl in Betracht -gezogen werden, was über den inneren Wert ihrer Marinen gesagt ist (vgl. Seite <a href="#Page_33">33</a> ff. -und Seite 220 ff.). Der französischen Marine fehlte es an Offizieren und Seeleuten, -wodurch die Qualität ihrer Schiffsbesatzungen beträchtlich herabgesetzt wurde. Dieser -Umstand wird unter anderem schon dadurch gekennzeichnet, daß die Seereisen französischer -Flotten meist weit längere Zeit in Anspruch nahmen, und daß die Schiffe in -Stürmen sehr viel mehr litten als die der Engländer. Die spanische Marine stand noch -schlechter da.</p> - -<p>So brachte der Krieg den Verbündeten nur überall Fehlschläge. Mahan -schließt seine Betrachtungen mit den Worten: „Die Absicht der Verbündeten -war, zugefügtes Unrecht zu rächen und der tyrannischen Herrschaft ein Ende -zu machen, die England sich auf dem Ozean anmaßte. Die Rache, die sie -genommen, brachte ihnen selber wenig Nutzen. Sie hatten, wie die damalige -Generation annahm, England durch die Befreiung Amerikas geschädigt, aber -sie hatten weder in Gibraltar noch in Jamaika das ihnen widerfahrene Unrecht -gut gemacht; die englische Flotte war von ihnen nicht derart mitgenommen -worden, daß sich dadurch ihr hochmütiges Selbstvertrauen vermindert hätte; -die bewaffnete Neutralität der nordischen Mächte hatte man fruchtlos im -Sande verlaufen lassen, und die englische Seeherrschaft wurde bald ebenso -tyrannisch und noch schrankenloser wie je zuvor.“</p> - -<p><b>Über Taktik<a name="FNAnker_194_194" id="FNAnker_194_194"></a><a href="#Fussnote_194_194" class="fnanchor">[194]</a>.</b> Während der österreichische Erbfolgekrieg nur zwei und -der Siebenjährige Krieg nur vier rangierte Schlachten brachte, kann man -von den 1778–1783 erfolgten Zusammenstößen wohl vierzehn als solche -ansehen. Sie liefern uns viel Bemerkenswertes für den Stand der Taktik in -der Zeit des vierten Abschnittes. Nach Schilderung einer jeden finden sich -die hierfür wichtigen Punkte hervorgehoben, da aber mit diesem Kriege die -Periode abschließt, ist es angebracht, sie noch einmal zusammenzustellen.</p> - -<p>In allen Schlachten, mit Ausnahme derer auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, -tritt die Neigung <em class="gesperrt">der Franzosen</em> hervor, in der Abwehr<span class="pagenum"><a name="Page_415" id="Page_415">[415]</a></span> -zu fechten; niemals sind sie die Angreifer. Wenn sie <em class="gesperrt">die Luvstellung</em> -einnehmen, so wollen sie in ihr nur einen ernsten Kampf vermeiden, nicht sie -zum Angriff ausnutzen. Gelang es dann den Engländern an sie heranzukommen, -so kam es zum Passiergefechte — <em class="gesperrt">Ouessant</em>, 27. Juli 1778; -<em class="gesperrt">Martinique</em>, 15. und 19. Mai 1780; <em class="gesperrt">Dominica</em>, 12. April 1782 — -oder zum laufenden Gefechte — <em class="gesperrt">Martinique</em>, 29. April 1781. Beides -sind Kampfarten, die nur selten eine Entscheidung herbeiführen.</p> - -<p>Wenn sie <em class="gesperrt">in der Leestellung</em> waren, so warteten sie den Angriff -ab und nutzten auch etwaige Übermacht — <em class="gesperrt">Chesapeakebucht</em>, -5. September 1781 — oder besonders günstige Umstände — <em class="gesperrt">Grenada</em>, -6. Juli 1779 — nicht zu einem Vorstoße aus, vermieden also auch hier die -Entscheidung. Einige Fälle dieser Lage der Flotten zueinander bringen uns -für die verschiedenartige Taktik der Gegner treffliche Beispiele, die den -vierten Abschnitt kennzeichnen, besonders die Schlachten vor der <em class="gesperrt">Chesapeakebucht</em> -am 16. März und am 5. September 1781. Der Verlauf eines -derartigen Kampfes ist bekannt: die Franzosen erwarten den Feind unter -kleinen Segeln (einmal, in der ersten Schlacht vor der Chesapeakebucht, geben -sie hierzu sogar die Luvstellung freiwillig auf), die Engländer greifen die ganze -Linie, Schiff gegen Schiff, an, erhalten beim Heransegeln schweres Feuer in -ungünstiger Lage, kommen aber selten zum Nahkampfe, weil die Franzosen -vorher Segel mehren, das Gefecht abbrechen und weiter in Lee die abwartende -Stellung wieder einnehmen. Da die Engländer wegen Beschädigung eines -Teils ihrer Schiffe keinen zweiten Angriff wagen mögen, werden die Schlachten -nicht durchgefochten. — Mit Recht bezeichnet man also diesen Zeitraum als -den der „unentschiedenen Schlachten“.</p> - -<p>Der Krieg bringt aber auch den Anfang zu einer <em class="gesperrt">Änderung der -Taktik</em> auf beiden Seiten. <em class="gesperrt">Rodney</em> versucht bei <em class="gesperrt">Martinique</em>, -17. April 1780, seinen Angriff mit Übermacht nur auf den hinteren Teil der -feindlichen Linie zu richten. Es mißlingt und der Kampf entspinnt sich fast -in der alten Weise, aber der Versuch bewirkt doch, daß sein Gegner in dieser -Schlacht, <em class="gesperrt">Guichen</em>, sich später ihm gegenüber stets die Luvstellung -bewahrt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Suffren</em> bricht in Ostindien völlig mit der bisherigen französischen -Taktik; wie er strategisch stets die Vernichtung des Gegners als erstes Ziel -im Auge hatte, so bevorzugte er auch taktisch den Angriff. Er suchte dann -in seiner ersten Schlacht, <em class="gesperrt">Sadras</em> am 17. Februar 1782, von Luward her den -Feind durch Dublieren von hinten mit Überlegenheit anzugreifen. Auch -ihm gelingt es nicht und er sieht bei späteren Begegnungen davon ab, aber -er wählt, wenn möglich, die Luvstellung und greift an — <em class="gesperrt">Providien</em>, -12. April; <em class="gesperrt">Trincomali</em>, 3. September 1782; <em class="gesperrt">Cuddalore</em>, 20. Juni -1783 —, wobei er dann allerdings nach der unvollkommenen englischen Weise -verfährt. Da sein Gegner, <em class="gesperrt">Hughes</em>, bei dem Zusammemtoß vor <em class="gesperrt">Negapatam</em>, -am 6. Juli 1782, diese Form gleichfalls anwendet, enden auch die -Schlachten in Ostindien ohne durchschlagende Entscheidung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_416" id="Page_416">[416]</a></span></p> - -<p>Die Versuche Rodneys und Suffrens, neue Gedanken in der Taktik zur -Geltung zu bringen, scheiterten an dem Verhalten ihrer Unterführer; befangen -in der alten Anschauung, gingen diese auf die Absichten ihrer Oberbefehlshaber -nicht ein.</p> - -<p>Nur zwei Zusammenstöße der Gegner in diesem Kriege bringen einen -vollen Erfolg, und zwar zugunsten der Engländer. In der schon als Passiergefecht -genannten Schlacht bei <em class="gesperrt">Dominica</em>, 12. April 1782, durchbricht -die Flotte Rodneys die feindliche Linie an drei Stellen und gewinnt dadurch -an den Durchbruchspunkten ein verhängnisvolles Übergewicht für ihre -Artillerie. Zwar ist der Durchbruch wohl kaum schon beim Ansetzen des -Angriffes beabsichtigt gewesen, aber die Engländer — Oberbefehlshaber wie -Unterführer — weichen doch von dem alten starren Schema ab, indem sie -die günstige Gelegenheit benutzen. Daß in England überhaupt eine freiere -Auslegung der Gefechtsinstruktion aufkam, beweist die Beurteilung zweier -Admirale im Gegensatz zu kriegsgerichtlichen Sprüchen in vorangegangenen -Kriegen. <em class="gesperrt">Keppel</em> wurde freigesprochen, als er nach <em class="gesperrt">Ouessant</em> angeklagt -war, den Kampf vor Herstellung einer guten Ordnung begonnen zu haben, -<em class="gesperrt">Arbuthnot</em> dagegen wurde ein Vorwurf daraus gemacht, daß er in der -Schlacht vor der <em class="gesperrt">Chesapeakebucht</em>, am 16. März 1781, zu viel Wert -auf die Erhaltung einer solchen gelegt habe.</p> - -<p>Die zweite der entscheidenden Schlachten war keine rangierte, sondern -das von <em class="gesperrt">Rodney</em> mit Umsicht und Kühnheit durchgeführte Verfolgungsgefecht -bei <em class="gesperrt">Kap St. Vincent</em> am 16. Januar 1780.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p416.jpg" width="150" height="201" - alt="deco_p010" - title="deco_p010" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_112_113" id="Fussnote_112_113"></a><a href="#FNAnker_112_113"><span class="label">[112]</span></a> Hauptquellen zu dieser Betrachtung der politischen Verhältnisse: Schlosser, -„Geschichte des 18. und 19. Jahrhdts. bis zum Sturz des französischen Kaiserreiches“, -Band III und IV, sowie, besonders für die englisch-amerikanischen Verhältnisse, Zimmermann, -„Europäische Kolonien“, Band II.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_113_114" id="Fussnote_113_114"></a><a href="#FNAnker_113_114"><span class="label">[113]</span></a> <em class="gesperrt">Die 13 Kolonien</em> seien nochmals aufgeführt: <em class="gesperrt">Die vier nördlichen</em>, -die sogenannten „Neuenglandstaaten“, Newhampshire, Massachusetts mit Maine, -Connecticut, Rhode-Island; <em class="gesperrt">die fünf mittleren</em>, New York, New Jersey, Delaware, -Pennsylvanien, Maryland; <em class="gesperrt">die vier südlichen</em>, Virginien, Nord- und Südcarolina, -Georgien. In den Neuenglandstaaten war die Stimmung gegen das Mutterland -am schroffsten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_114_115" id="Fussnote_114_115"></a><a href="#FNAnker_114_115"><span class="label">[114]</span></a> Der <em class="gesperrt">Herzog von d'Aiguillon</em> war als Günstling Louis' XV. schnell -bis zum Gouverneur der Bretagne gestiegen. Als solcher geriet er durch gewissenlose -Willkür in so schwere Händel mit dem Parlament, daß er 1768 abberufen wurde. Durch -die Dubarry ward er Nachfolger Choiseuls. Sein Ministerium gilt als die äußerste Entartung -des „alten Regime“. Ludwig XVI. entließ ihn sofort.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_115_116" id="Fussnote_115_116"></a><a href="#FNAnker_115_116"><span class="label">[115]</span></a> Wir geben diese Auszüge zum späteren Vergleich mit den Vorbereitungen, die -Napoleon I. 1803/05 für den Einfall in England durch Aufstellung des sog. Lagers -von Boulogne traf.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_116_117" id="Fussnote_116_117"></a><a href="#FNAnker_116_117"><span class="label">[116]</span></a> Ein genaueres Eingehen auf diese Verhältnisse würde zu weit führen. Es sei -verwiesen auf allgemeine Geschichtswerke, z. B. Schlosser, Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, -Band 4, Seite 293 ff. Vgl. auch Kirchhoff Band 1, Seite 317, über die bewaffnete -Neutralität, und de Jonge Band 4, Seite 379 ff., über Reibungen auf See zwischen England -und Holland vor der Kriegserklärung.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_117_118" id="Fussnote_117_118"></a><a href="#FNAnker_117_118"><span class="label">[117]</span></a> Den Schiffsbestand für 1778 geben Chab.-Arnault zu 70 Linienschiffen, Bonfils -zu 72, Mahan zu 80 an. Die Angabe über die zur Verwendung gelangten, sowie über die -verlorenen sind Charnock, Band 3, Seite 220 entnommen (dort mit Namen der Schiffe); -eine Liste der Verlorenen bringt auch Clowes, Band 4, Seite 114.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_118_119" id="Fussnote_118_119"></a><a href="#FNAnker_118_119"><span class="label">[118]</span></a> Angaben nach Charnock, Seite 233. Mahan gibt für 1778 nur 60 Linienschiffe -an, Chab.-Arnault gar nur 50. Eine Verlustliste auch in Clowes, Seite 115.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_119_120" id="Fussnote_119_120"></a><a href="#FNAnker_119_120"><span class="label">[119]</span></a> Vgl. Seite <a href="#Page_18">18</a> die Tabellen mit den Angaben für 1775 und 1783. In diesen großen -Zahlen sind aber ohne Frage stets viele alte Schiffe enthalten, die nicht mehr den Anforderungen -genügten. — Die Verluste an Schiffen unter Angabe der Namen vgl. Clowes, -Bd. IV, Seite 109.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_120_121" id="Fussnote_120_121"></a><a href="#FNAnker_120_121"><span class="label">[120]</span></a> Wir werden ein Beispiel finden (Schlacht auf der Doggerbank 1781), wo sich -selbst unter den in Dienst gestellten Linienschiffen anerkannt minderwertige befanden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_121_122" id="Fussnote_121_122"></a><a href="#FNAnker_121_122"><span class="label">[121]</span></a> Nach Spears, Band 1. Die Flottille, die für die Kämpfe auf dem Champlainsee -gebaut wurde, ist hier nicht berücksichtigt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_122_123" id="Fussnote_122_123"></a><a href="#FNAnker_122_123"><span class="label">[122]</span></a> Am 14. Juni 1776 änderte der Kongreß den Union Jack in ein blaues Feld -mit 13 weißen Sternen um, und wieder war es <em class="gesperrt">Paul Jones</em>, der die neue Flagge auf -seinem Schiffe „Ranger“ in Portsmouth (Newhampshire) zum ersten Male und eigenhändig -heißte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_123_124" id="Fussnote_123_124"></a><a href="#FNAnker_123_124"><span class="label">[123]</span></a> Nach einer Liste Clowes IV, Seite 113, in der die Namen der Schiffe und -der Kommandanten, sowie die Ursache des Verlustes angegeben sind.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_124_125" id="Fussnote_124_125"></a><a href="#FNAnker_124_125"><span class="label">[124]</span></a> <em class="gesperrt">Hauptquellen</em>: Schlosser und Zimmermann (vgl. Fußnote Seite 205); -Clowes Band III; Spears Band I; Campbell Band V. — Die Angaben über die Stärke -der Heere auf beiden Seiten in den verschiedenen Quellen weichen oft sehr voneinander -ab. Der Grund mag darin liegen, daß die Zahlen bei der Unzuverlässigkeit der amerikanischen -Milizen sehr wechselten und daß ein Kriegsschauplatz häufig dem andern -aushalf; englischerseits darin, daß der eine Autor nur die regulären Truppen zählt, der -andere die Milizen Kanadas und die Truppenkörper der sogenannten Loyalisten mitrechnet. -Wir geben die Zahlen nach sorgfältigster Abwägung; bei der untergeordneten -Bedeutung des Landkrieges für uns dürften etwaige Irrtümer ohne Belang sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_125_126" id="Fussnote_125_126"></a><a href="#FNAnker_125_126"><span class="label">[125]</span></a> Die Haupttaten dieser Kreuzer, wie auch der spätere Freibeuterkrieg der Amerikaner -sind eingehend und lesenswert dargestellt in Spears Band I.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_126_127" id="Fussnote_126_127"></a><a href="#FNAnker_126_127"><span class="label">[126]</span></a> Nach Zimmermann, Band III, Seite 409 stand das Papier zum Metallgelde -Ende 1776 wie 2½ : 1; 1778 wie 5½ : 1; 1779 wie 27½ : 1; 1780 wie 55 : 1.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_127_128" id="Fussnote_127_128"></a><a href="#FNAnker_127_128"><span class="label">[127]</span></a> Eingehender, besonders auch über die Flottillen auf den Binnenseen, vgl. -Clowes III, Seite 357, und Spears I, Seite 84.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_128_129" id="Fussnote_128_129"></a><a href="#FNAnker_128_129"><span class="label">[128]</span></a> <em class="gesperrt">Clowes</em> sagt, Band III, Seite 385: „Diese Bewegung, eine Meile vor der Front -des Feindes, gelang infolge der Trägheit General Howes und seiner Vorliebe für eine gute -Mahlzeit; er war in dieser Nacht von einer listigen amerikanischen Dame (a shrewd lady) -eingeladen.“ Auch in allgemeinen Geschichtswerken wird dem General Bequemlichkeit -und daraus entsprungene Nachlässigkeit vorgeworfen im schroffen Gegensatz zu seinem -Bruder, dem Admiral.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_129_130" id="Fussnote_129_130"></a><a href="#FNAnker_129_130"><span class="label">[129]</span></a> <em class="gesperrt">Vom Lord Germaine</em>, der an der Spitze des Kolonialamtes stand und dem -die Leitung des Krieges zufiel, wird wie von Howe gesagt, daß er seine Pflichten sehr -leicht genommen habe; häufig soll er in Gesellschaften die eiligsten Depeschen ungelesen -in die Tasche gesteckt und dann vergessen haben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_130_131" id="Fussnote_130_131"></a><a href="#FNAnker_130_131"><span class="label">[130]</span></a> Die kecken Taten der kleinen Marine sind ausführlich und lesenswert beschrieben -in Spears Band I; die wichtigsten Gefechte mit englischen Schiffen auch in Clowes -Band IV, Minor actions 1762–1792. Einiges werden wir bei Betrachtung des „Kleinen -Krieges“ am Schluß des Kapitels bringen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_131_132" id="Fussnote_131_132"></a><a href="#FNAnker_131_132"><span class="label">[131]</span></a> Hierbei leistete der ehemalig preußische Offizier <em class="gesperrt">von Steuben</em>, der im -Dezember 1777 eintraf und zum Inspekteur sowie Instrukteur ernannt wurde, wesentliche -Dienste. Ihm ist es hauptsächlich zu danken, wenn aus den Milizen nach und nach -ein leidlich brauchbares Heer geschaffen wurde.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_132_133" id="Fussnote_132_133"></a><a href="#FNAnker_132_133"><span class="label">[132]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Mahan I; Clowes Band III (das betreffende -Kapitel ist auch hier von Kapitän Mahan bearbeitet, aber später als dessen eigenes Werk, -und weicht deshalb zuweilen von diesem ab); Lacour II, Chevalier II, zwei Werke, die -sich wertvoll ergänzen; Campbell Band V und VII; Troude Band II; Bonfils Band III. -Die kleinen Begebenheiten findet man bei Clowes erst im Bande IV, Kapitel „Minor -actions 1763–1793“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_133_134" id="Fussnote_133_134"></a><a href="#FNAnker_133_134"><span class="label">[133]</span></a> <b>Augustus Keppel</b>, 1782 Viscount K., geboren 2. April 1725, 1744 Kapitän, -1762 Kontreadmiral, 1770 Vizeadmiral, 1778 Admiral der blauen und 1782 der weißen -Flagge, gestorben 2. Oktober 1786, führte schon im österreichischen Erbfolgekriege ein -Linienschiff und geriet durch Strandung bei Verfolgung eines französischen Schiffes in -Gefangenschaft. Als er 1754 mit einem kleinen Geschwader zum Dei von Algier gesandt -war und dieser seine Verwunderung aussprach, daß der König von England ihm einen -bartlosen Knaben zur Unterhandlung schicke, antwortete er: „Wenn die Weisheit nach -der Länge des Bartes ginge, so würde man einen Ziegenbock gewählt haben.“ Als dann -der Dei ihm mit dem Tode drohte, sagte er, sein Geschwader würde für angemessene -Begräbnisfeierlichkeiten sorgen. Im Siebenjährigen Kriege führte er 1758 die Expedition -gegen Gorée, befehligte bei Quiberon ein Schiff mit Auszeichnung, nahm 1761 die Insel -Belle-Ile und war 1762 zweiter im Kommando bei der Eroberung von Havanna. 1778 -Chef der Kanalflotte, schlug er die Schlacht bei Ouessant, nach derselben wegen Verstoß -gegen die Gefechtsinstruktion angeklagt, aber freigesprochen, legte er sein Kommando -nieder und blieb unbeschäftigt, bis er nach dem Ministerwechsel vom 30. März 1782 bis -Dezember 1783 das Amt des Ersten Lords wahrnahm.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_134_135" id="Fussnote_134_135"></a><a href="#FNAnker_134_135"><span class="label">[134]</span></a> Auszüge aus Chevalier II, Seite 80; Lacour II, Seite 120; Troude II, Seite 3.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_135_136" id="Fussnote_135_136"></a><a href="#FNAnker_135_136"><span class="label">[135]</span></a> <em class="gesperrt">Louis Guillonet, Comte d'Orvilliers</em>, geboren 1710, trat 1728 -in die Marine ein, wurde 1754 Kapitän, 1764 Chef d'Escadre, 1777 Lieutenant-Général. -Er hatte 1754 unter La Gallissonnière, 1757 unter Dubois de la Motte gedient; 1772 befehligte -er das neueingerichtete Übungsgeschwader. 1775 Marinekommandant in Brest, -unterstützte er den Minister Sartines bei der Neuorganisation der Marine. Von 1777 bis -1779 war er Chef der Brestflotte. Er galt als ein vorzüglicher Taktiker, war aber jetzt -68 Jahre alt. Auch seine körperliche Rüstigkeit ließ zu wünschen übrig; im Januar 1778 -nach Paris berufen, schrieb er, er könne die Reise nur „wie ein Greis“ in kurzen Tagestouren -machen. Infolge der Vorwürfe, die man ihm über die Führung der Flotte 1778/79 -machte, zog er sich in eine religiöse Anstalt zurück und starb dort 1792.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_136_137" id="Fussnote_136_137"></a><a href="#FNAnker_136_137"><span class="label">[136]</span></a> Die genaueste und, wie es scheint, objektivste Schilderung findet man in -Clowes Band III, Seite 412.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_137_138" id="Fussnote_137_138"></a><a href="#FNAnker_137_138"><span class="label">[137]</span></a> Die neueren französischen Quellen, Lacour sowie Chevalier, äußern sich sehr -freimütig und ganz objektiv in diesem Sinne.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_138_139" id="Fussnote_138_139"></a><a href="#FNAnker_138_139"><span class="label">[138]</span></a> <em class="gesperrt">Comte Charles-Henri-Théodat d'Estaing Du Saillans</em>, -geboren 1729, trat 1745 als Mousquetaire in das Heer ein, war 1748 Oberst des Regimentes -de Rouerque in der Armee des Marschalls von Sachsen, diente 1756 als Brigadier unter -de Lally in Indien und kreuzte 1759/60 mit zwei Schiffen der ostindischen Kompagnie gegen -die Engländer. Als Generalleutnant der Armee sollte er 1762 gegen Rio de Janeiro führen -und wurde bei dieser Gelegenheit auch Chef d'Escadre in der Marine (vgl. Siebenjährigen -Krieg). 1763 war er Lieutenant-Général in der Marine und Gouverneur der Antillen. -1777 schuf man für ihn besonders die Stelle eines dritten Vizeadmirals der amerikanischen -und asiatischen Gewässer. 1792 zum Admiral von Frankreich ernannt, wurde er zur Zeit -der Revolution in die Versammlung der Notabeln gewählt, zum Befehlshaber der Nationalgarde -von Versailles ernannt und spielte eine Rolle im Prozeß der Königin. Später als -verdächtig verhaftet, ward er am 28. April 1794 guillotiniert. Im hier besprochenen -Kriege finden wir ihn 1778/79 in Nordamerika und Westindien, 1780 als Chef des französischen -Kontingentes der spanisch-französischen Flotte unter Cordoba. Für 1783 war -ihm die Leitung einer Expedition gegen Havanna zugedacht. <em class="gesperrt">D'Estaing</em> war ein -fähiger und feuriger Offizier, aber in der Marine unbeliebt. Hier sah man ihn als Eindringling -an und neidete ihm seine durch Hofgunst erlangte schnelle Beförderung. Man -warf ihm Mangel an seemännischer Kenntnis vor, Bevorzugung der aus der Armee -stammenden Offiziere und daß er den Rat erfahrener Seeoffiziere verschmähe. Manche -seiner Mißerfolge sind auch diesem Umstande zuzuschreiben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_139_140" id="Fussnote_139_140"></a><a href="#FNAnker_139_140"><span class="label">[139]</span></a> <em class="gesperrt">Sir Richard Howe</em>, Viscount (1788 Earl), geboren 1726, Kapitän 1746, -Kontreadmiral 1770, Vizeadmiral 1776, Admiral der blauen Flagge 1782, der weißen 1787, -Admiral of the Fleet 1796, gestorben 5. August 1799, war ein erfahrener Seemann und -ein Admiral, der sich durch seine Eigenschaften — Entschlußfähigkeit, Tatkraft und -Ausdauer — gerade für die defensive Kriegführung des Jahres 1778 eignete, indem er -jeder Bewegung des Gegners rechtzeitig entgegentrat. Nicht im Einverständnis mit dem -Ersten Lord (er war Whig und überhaupt abgeneigt, gegen die Amerikaner zu fechten), -ging er nach Beendigung der Operationen 1778 nach England zurück. Er fand erst 1782 -nach dem Wechsel des Ministeriums wieder Verwendung und verproviantierte Gibraltar. -Im nächsten Kriege befehligte er von 1793 an die Kanalflotte und errang am 1. Juni 1794 -den glänzenden Sieg bei Ouessant. Biographie von <em class="gesperrt">J. Barrow</em>, The life of Richard, -Earl Howe (London 1838).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_140_141" id="Fussnote_140_141"></a><a href="#FNAnker_140_141"><span class="label">[140]</span></a> Dies ist der erste derartige Fall. Die Franzosen ahmten ihn später nach, aber -das Verfahren wurde doch in beiden Marinen wieder aufgegeben. <em class="gesperrt">Mahan</em> bringt -(Mahan I, Seite 338) eine lesenswerte Betrachtung über die verschiedenen Plätze eines -Flottenchefs — ob an der Spitze, in der Mitte oder ganz außerhalb der Linie — mit -ihren Vor- und Nachteilen und bezeichnet den hier in Frage stehenden Platz als den -ungeeignetsten, weil er den Admiral wahrscheinlich zum untätigen Zuschauer des Kampfes -mache und ihm die Möglichkeit nähme, durch sein Beispiel zu wirken.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_141_142" id="Fussnote_141_142"></a><a href="#FNAnker_141_142"><span class="label">[141]</span></a> Cap Français oder Le Cap vgl. Fußnote Seite 176.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_142_143" id="Fussnote_142_143"></a><a href="#FNAnker_142_143"><span class="label">[142]</span></a> <em class="gesperrt">Samuel Barrington</em>, geboren 1728, Kapitän 1747, Kontreadmiral -1778, Vizeadmiral 1779, Admiral 1787, gestorben 1800. Als tüchtiger Seeoffizier von -schnellem Entschluß hatte er sich schon im Siebenjährigen Kriege in verschiedenen -Einzelgefechten ausgezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_143_144" id="Fussnote_143_144"></a><a href="#FNAnker_143_144"><span class="label">[143]</span></a> <em class="gesperrt">John Byron</em>, der Großvater des Dichters Lord Byron, geboren 1723, -machte als Midshipman auf der Fregatte „Wager“ <em class="gesperrt">Ansons</em> Weltumsegelung mit, litt -aber schon 1741 in der Magelhaenstraße Schiffbruch und geriet bis 1745 in spanische -Kriegsgefangenschaft; 1746 war er Kapitän. Im Siebenjährigen Kriege schleifte er -1760 als Befehlshaber eines kleinen Geschwaders die Befestigungen von Louisbourg und -brachte Freibeuter im Lorenzgolf auf, 1761 nahm er teil an der Expedition gegen Belle-Ile. -Von 1764 bis 1766 leitete er die Erdumsegelung zweier Schiffe besonders zum Zweck -der Erforschung der Südsee, die aber wenig Ergebnis hatte. Er wurde 1775 Kontreadmiral, -1780 Vizeadmiral der blauen Flagge. In der Schlacht bei Grenada erwarb er -keinen Ruhm und ging wieder nach Nordamerika. Er war ein tüchtiger Seemann, aber -kein Flottenchef, auch kein bedeutender Entdecker und wurde später nicht mehr verwendet. -1780 ward er Vizeadmiral der weißen Flagge und starb 1786. Über seine Weltumsegelung -vgl. Clowes Band IV, Seite 117.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_144_145" id="Fussnote_144_145"></a><a href="#FNAnker_144_145"><span class="label">[144]</span></a> Chevalier II und Lacour II bringen eine genaue, sehr unparteiische Beurteilung -dieser erfolglosen Operation.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_145_146" id="Fussnote_145_146"></a><a href="#FNAnker_145_146"><span class="label">[145]</span></a> <em class="gesperrt">Sir Charles Hardy</em>, geboren um 1716, in die Marine eingetreten 1731, -wurde 1737 Leutnant, 1741 Kapitän, 1755 Gouverneur von New York, 1756 Kontre-, -1762 Vizeadmiral, 1770 Admiral. Er nahm teil an den drei Kriegen seiner Zeit. Im -Siebenjährigen diente er mit Auszeichnung 1757/58 an der nordamerikanischen Küste -(unter Boscawen vor Louisbourg), 1761/62 an der französischen (unter Hawke bei -Quiberon); er starb 1780.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_146_147" id="Fussnote_146_147"></a><a href="#FNAnker_146_147"><span class="label">[146]</span></a> Vgl. auch die Tabellen Seite 224 mit dem Hinweis auf ihre nur bedingte Zuverlässigkeit, -besonders was die spanische Marine anbetrifft.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_147_148" id="Fussnote_147_148"></a><a href="#FNAnker_147_148"><span class="label">[147]</span></a> <em class="gesperrt">Sir George Bridges Rodney</em>, 1782 Baron R., geboren 16. Februar -1718, Kapitän 1742, Kontreadmiral 1759, Vizeadmiral 1762, Admiral 1778, gestorben -24. Mai 1792, diente als Kommandant eines Linienschiffes im österreichischen Erbfolgekriege -(bei Finisterre 1747 unter Hawke) und im Siebenjährigen Kriege (bei Louisbourg -1759 unter Boscawen), führte 1759/60 ein Geschwader zur Blockierung der französischen -Kanalhäfen, beschoß Havre, erhielt 1761 den Befehl auf der Antillenstation, -nahm 1762 Martinique. Leichtsinnig in seinem Lebenswandel, hielt er sich bei Ausbruch -des Krieges 1778 wegen seiner Schulden in England in Paris auf. Der französische -Marschall <em class="gesperrt">de Biron</em> hörte, daß <em class="gesperrt">Rodney</em> sich rühme, er würde mit der französischen -Flotte schon fertig werden, wenn er nur nach England könne, und bezahlte in einer Anwandlung -von Ritterlichkeit sowie nationalem Kitzel dessen Schulden. Nun nach -England zurückgekehrt, erhielt Rodney das obenerwähnte Kommando, und damit -begann der glorreiche Teil der Laufbahn dieses tüchtigen und mutigen Mannes, der -damals schon 62 Jahre zählte und schwer unter der Gicht litt. Seine Schlachten, besonders -in Westindien ausgefochten, sein Geschick als Stratege und Taktiker und — -sein Glück, werden wir bald kennen lernen. Biographische Angaben: <em class="gesperrt">Mundy</em>, -The life and correspondence of the late Admiral R. (London 1830.)</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_148_149" id="Fussnote_148_149"></a><a href="#FNAnker_148_149"><span class="label">[148]</span></a> Hierüber vgl. das in Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_356">356</a> Ausgeführte.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_149_150" id="Fussnote_149_150"></a><a href="#FNAnker_149_150"><span class="label">[149]</span></a> <em class="gesperrt">Luc Urbain de Bouexic, Comte de Guichen</em>, geboren 21. Juni -1712, Garde marine 1730, Lieutenant 1746, Capitaine 1756, Chef d'Escadre 1776, -Lieut.-Général 1779, gestorben 13. Januar 1790, war viel zur See gefahren und hatte -sich in den beiden letzten Kriegen sehr hervorgetan. 1778 führte er bei Ouessant eine -Division der Mitte, 1779 die Vorhut der großen Flotte d'Orvilliers'. Er galt für sehr -tüchtig in der Führung eines Geschwaders, aber auch für einen Typ der vorsichtigen -taktischen Schule, außerdem war er jetzt 68 Jahre alt. Nach seinen drei Schlachten mit -<em class="gesperrt">Rodney</em>, der ihn als Gegner hoch einschätzte, stand er 1781/82 in der französisch-spanischen -Flotte unter <em class="gesperrt">Cordoba</em>. Am 12. Dezember 1781 wurde er im Atlantik bei -Begleitung eines Konvois von Admiral Kempenfelt mit schwächeren Kräften geschlagen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_150_151" id="Fussnote_150_151"></a><a href="#FNAnker_150_151"><span class="label">[150]</span></a> Wir folgen hauptsächlich der Schilderung in Clowes III, Seite 453, geschrieben -von <em class="gesperrt">Captain Mahan</em>, als der neuesten und eingehendsten. Unsere anderen -Quellen, auch Mahan in „Seemacht“ I, weichen von dieser darin ab, daß nach ihnen -die Schlacht über Steuerbordbug geschlagen wurde. Dies hat jedoch auf ihren Verlauf -und für die Beurteilung der von <em class="gesperrt">Rodney</em> angestrebten Taktik keinen Einfluß.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_151_152" id="Fussnote_151_152"></a><a href="#FNAnker_151_152"><span class="label">[151]</span></a> Rodney schrieb an seine Frau, daß Offiziere und Leute 14 Tage hindurch -kaum zum Schlafen gekommen seien; nur das herrliche Passatwetter habe das Ertragen -der Anstrengungen ermöglicht. <em class="gesperrt">Guichen</em>, der außerdem am 17. April einen Sohn -verloren hatte, bat um seine Ablösung, da sein Gesundheitszustand es nicht erlaube, -weiterhin derartige Strapazen und andauernde Verantwortung zu übernehmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_152_153" id="Fussnote_152_153"></a><a href="#FNAnker_152_153"><span class="label">[152]</span></a> Näheres über die französische Stellung und ihre Schwächen vgl. Mahan I, -Seite 381/82. — <em class="gesperrt">Graves</em> war 1801 zweiter im Kommando unter <em class="gesperrt">Nelson</em> bei dem -ähnlichen, aber noch schwierigeren Unternehmen gegen Kopenhagen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_153_154" id="Fussnote_153_154"></a><a href="#FNAnker_153_154"><span class="label">[153]</span></a> Vgl. die Fußnote Seite 291 über die Ungenauigkeit der Zahlenangaben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_154_155" id="Fussnote_154_155"></a><a href="#FNAnker_154_155"><span class="label">[154]</span></a> Lacour II spricht im Gegensatz zu sämtlichen anderen Quellen von 24 Linienschiffen, -gibt dann aber die Gesamtstärke auch nur auf 49 an.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_155_156" id="Fussnote_155_156"></a><a href="#FNAnker_155_156"><span class="label">[155]</span></a> Anschließend an Seite 298, (Ende Europäische Gewässer 1780), Kleindruck. -Über die jetzt hier folgenden Verhältnisse und Ereignisse, sowie über Zusammenstöße -einzelner holländischer Schiffe mit englischen sehr genaue Angaben in de Jonge, Band IV, -Seite 474 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_156_157" id="Fussnote_156_157"></a><a href="#FNAnker_156_157"><span class="label">[156]</span></a> Besonders benützte Quellen: Clowes, Band III, Seite 505 ff.; de Jonge, Band IV, -Seite 514 ff. In letzterer ist die Schlacht sehr genau mit Eingehen auf den Kampf der -einzelnen Schiffe beschrieben.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_157_158" id="Fussnote_157_158"></a><a href="#FNAnker_157_158"><span class="label">[157]</span></a> Sehr eingehend geschildert in de Jonge, Band IV, Seite 458 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_158_159" id="Fussnote_158_159"></a><a href="#FNAnker_158_159"><span class="label">[158]</span></a> <em class="gesperrt">François Joseph Paul Chevalier</em> (später Comte) <em class="gesperrt">de Grasse-Tilly</em>, -geboren 13. September 1722, Garde-Marine 1739, Lieutenant 1754, Capitaine -1762, Chef d'Escadre 1778, Lieutenant-Général 22. März 1781, gestorben 11. Januar -1788. Er hatte sich in den beiden letzten Kriegen als tüchtiger Offizier bewährt, ohne -jedoch besonders hervorzutreten. 1779 diente er unter <em class="gesperrt">d'Estaing</em>, 1780 unter -<em class="gesperrt">de Guichen</em> in Westindien. Französische Quellen nennen ihn „tapfer, unterrichtet -und erfahren, aber mehr theoretisch als praktisch beanlagt; wohl geeignet zum Geschwaderchef, -aber nicht zum Führer großer Flotten“. Wir werden sehen, daß er bei -der Abfahrt von Westindien nach Nordamerika Scharfblick, Schnelligkeit und Tatkraft -zeigte. Bei Dominica 1782 geschlagen und gefangen genommen, schob er alle Schuld -auf seine Untergebenen. Seine Taktlosigkeit hierbei sowie seine Anfechtung des kriegsgerichtlichen -Spruches zog ihm die Mißachtung seiner Kameraden und die Ungnade -des Königs zu.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_159_160" id="Fussnote_159_160"></a><a href="#FNAnker_159_160"><span class="label">[159]</span></a> <em class="gesperrt">Sir Samuel Hood</em> (1782 Baron, 1796 Viscount), geboren 1724, Kapitän -1756, Kontreadmiral 1780, Vizeadmiral 1787, Admiral der blauen Flagge 1794, der -weißen 1799, gestorben 27. Januar 1816. Er nahm am Siebenjährigen Kriege als Leutnant -und später als Kommandant einer Fregatte mit Auszeichnung teil. Er war ein -sehr tüchtiger Admiral, wohl befähigt zur Führung großer Flotten. Er stand 1781 -in Nordamerika unter <em class="gesperrt">Graves</em> und 1782 unter <em class="gesperrt">Rodney</em> in Westindien; beiden -wies er verschiedene Fehler nach. 1782 zeichnete er sich als Oberbefehlshaber bei St. -Christopher in strategischer und taktischer Hinsicht aus. Im nächsten Kriege (1793 -bis 1802) befehligte er 1793/94 die Mittelmeerflotte und besetzte 1793 Toulon.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_160_161" id="Fussnote_160_161"></a><a href="#FNAnker_160_161"><span class="label">[160]</span></a> Auf die Ereignisse am Lande soll nur soweit eingegangen werden, als es nötig -erscheint, um die Tätigkeit der Seestreitkräfte sowie den Verlauf des ganzen Krieges -beurteilen zu können; ihre Schilderung wird deshalb nicht vollständig, selbst nicht -immer ganz genau sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_161_162" id="Fussnote_161_162"></a><a href="#FNAnker_161_162"><span class="label">[161]</span></a> Nach Clowes III, Seite 489, und Mahan I, Seite 372, deren Angaben in den -Hauptsachen mit den französischen Quellen übereinstimmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_162_163" id="Fussnote_162_163"></a><a href="#FNAnker_162_163"><span class="label">[162]</span></a> Näheres hierüber vgl. Lacour II, Seite 362 und Chevalier II, Seite 237.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_163_164" id="Fussnote_163_164"></a><a href="#FNAnker_163_164"><span class="label">[163]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Clowes III, Seite 497; Bonfils III, Seite 209; -Troude II, Seite 108. Clowes gibt auch Näheres über die von Hood an der Führung -der englischen Flotte später geübte Kritik.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_164_165" id="Fussnote_164_165"></a><a href="#FNAnker_164_165"><span class="label">[164]</span></a> Besonders benutzte Quellen: Campbell Band VII, Seite 60; Chevalier II, -Seite 336; gerade in diesem Werke sehr eingehend behandelt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_165_166" id="Fussnote_165_166"></a><a href="#FNAnker_165_166"><span class="label">[165]</span></a> Etwa zwei Drittel von diesen waren Hannoveraner, die Stammtruppen der -jetzigen Regimenter: Füsilierregiment Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) -Nr. 73, Infanterieregiment v. Voigts-Rhetz (3. Hannoversches) Nr. 79 und des Jägerbataillons -Nr. 10, denen zur Erinnerung an die ruhmreiche Verteidigung von Gibraltar -als Abzeichen ein hellblaues Band mit der Inschrift „Gibraltar“ am rechten Unterarm -verliehen ist.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_166_167" id="Fussnote_166_167"></a><a href="#FNAnker_166_167"><span class="label">[166]</span></a> Hauptquellen: Mahan I, Clowes III, Chevalier II, Lacour II, deren Angaben -in den Hauptsachen übereinstimmen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_167_168" id="Fussnote_167_168"></a><a href="#FNAnker_167_168"><span class="label">[167]</span></a> Dieses Schiff befehligte Kapitän <em class="gesperrt">d'Albert de Rions</em>, nach Suffrens Ansicht -der tüchtigste Offizier der Marine; er hatte sich schon mit Suffren unter d'Estaing -ausgezeichnet, und wir werden ihm noch öfter begegnen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_168_169" id="Fussnote_168_169"></a><a href="#FNAnker_168_169"><span class="label">[168]</span></a> Hauptquellen für beide Schlachten bei Dominica vgl. Fußnote Seite 355.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_169_170" id="Fussnote_169_170"></a><a href="#FNAnker_169_170"><span class="label">[169]</span></a> Die Engländer nennen die Schlacht „<em class="gesperrt">Les Saintes</em>“ oder „<em class="gesperrt">am 12. April</em>“, -die französischen sowie die deutschen Geschichtswerke „<em class="gesperrt">Dominica</em>“.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_170_171" id="Fussnote_170_171"></a><a href="#FNAnker_170_171"><span class="label">[170]</span></a> Die fünf Schiffe wurden von den Engländern genommen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_171_172" id="Fussnote_171_172"></a><a href="#FNAnker_171_172"><span class="label">[171]</span></a> Wie langsam das Passieren der Flotten verlief, beweist die Angabe, daß Rodneys -Flaggschiff, das 18. der Linie, erst um 8½ Uhr, und Hoods Schiff gar erst gegen 9½ Uhr -das Feuer eröffnete.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_172_173" id="Fussnote_172_173"></a><a href="#FNAnker_172_173"><span class="label">[172]</span></a> Die später von den Engländern genommenen Schiffe sind im Plan III und IV -mit einem kleinen Kreuz bezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_173_174" id="Fussnote_173_174"></a><a href="#FNAnker_173_174"><span class="label">[173]</span></a> Es sei besonders verwiesen auf Mahan I, Clowes Band III, Chevalier II. Von -diesen behandelt der erste besonders den Durchbruch Rodneys, der zweite die Kritik -Hoods über Rodneys fehlerhaftes Verhalten nach dem Durchbruch, der dritte die -Führung der französischen Flotte und das deswegen abgehaltene Kriegsgericht über -de Grasse und die von diesem angeschuldigten Offiziere.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_174_175" id="Fussnote_174_175"></a><a href="#FNAnker_174_175"><span class="label">[174]</span></a> Die kleine französische Flottille, die zur Hudsonbucht gesandt war, plünderte -unter Kapitän La Pérouse, dem später verschollenen Entdecker, einige englische Pelzhandelsniederlassungen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_175_176" id="Fussnote_175_176"></a><a href="#FNAnker_175_176"><span class="label">[175]</span></a> Im Anschluß an Seite 182 ff. Wie dort und aus den gleichen Gründen (Seite 182, -Anmerkung) sind die Ereignisse am Lande nur gekürzt gegeben. Näheres vgl. Zimmermann, -Band II, Seite 429 ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_176_177" id="Fussnote_176_177"></a><a href="#FNAnker_176_177"><span class="label">[176]</span></a> <em class="gesperrt">Sir Edward Hughes</em>, 1748 Kapitän, 1778 Kontre-, 1780 Vizeadmiral, -1793 Admiral der blauen Flagge, gestorben 1794, war ein tüchtiger Seemann von großer -Tapferkeit und Hartnäckigkeit, der aber an weiterem militärischen Blick und taktischem -Geschick seinem späteren Gegner in Indien, <em class="gesperrt">Suffren</em>, nicht gewachsen war, wie -sich noch zeigen wird.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_177_178" id="Fussnote_177_178"></a><a href="#FNAnker_177_178"><span class="label">[177]</span></a> Die Ereignisse in Indien sind in unseren Hauptquellen: Lacour II, Chevalier II, -Mahan I, mit großer Sorgfalt behandelt. Lacour bringt viele Auszüge aus Briefen und -Berichten Suffrens, Chevalier beschreibt die Schlachten sehr genau und Mahan gibt -eingehende Kritiken in taktischer wie strategischer Hinsicht. Wir haben versucht, -bei möglichster Kürze allen gerecht zu werden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_178_112" id="Fussnote_178_112"></a><a href="#FNAnker_178_112"><span class="label">[178]</span></a> <em class="gesperrt">Suffren de Saint Tropez</em>, Pierre Andrée, Chevalier (später Bailli) -de, war am 17. Juli 1729 auf dem Schlosse St. Cannat bei Marseille geboren, trat 1743 -in die Marine ein, ward Leutnant 1756, Kapitän 1772, Chef d'Escadre 1782, Lieutenant-Général -1783, Vizeadmiral (in einer für ihn geschaffenen vierten Stelle) 1784, er starb am -8. Dezember 1788; sein plötzlicher Tod kam nicht unerwartet, da er zum Schlagfluß -neigte, doch tauchte später das Gerücht auf, er sei in einem Duell gefallen, das durch -seine Tätigkeit in Indien veranlaßt sei. Er erhielt seine Feuertaufe bei Toulon 1744 und -nahm an der Schlacht bei Finisterre teil, im nächsten Kriege an denen bei Minorka -und Lagos. Als Malteserritter ging er in Friedenszeiten zeitweise zum Dienste nach -Malta und machte hier Züge gegen die Barbaresken mit. In unserem Kriege fanden -wir ihn 1778/79 als hervorragenden Offizier unter d'Estaing in Westindien und Nordamerika. -Seinen höchsten Ruhm gewann er jetzt in Indien. Seine Taten dort beschreiben -Roux sowie Troublet (vgl. Quellenverzeichnis).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_179_179" id="Fussnote_179_179"></a><a href="#FNAnker_179_179"><span class="label">[179]</span></a> <em class="gesperrt">Suffren</em> suchte aber doch in seinem Berichte wegen des Bruches der Neutralität -sich zu rechtfertigen. Er schrieb, man könne den Ankerplatz keinen Hafen, -nicht einmal eine Bucht nennen, es sei ein offener Meeresstrand. Er führte auch die -Fälle auf, in denen die Engländer früher ähnlich gehandelt hätten. Diese Entschuldigung -war nicht nötig, denn trotz der Verwicklungen, die mit Portugal entstanden, -war die Regierung über den Erfolg so erfreut, daß <em class="gesperrt">Suffren</em> zum Chef d'Escadre -ernannt wurde, doch erhielt er die Nachricht erst nach fast einem Jahre.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_180_180" id="Fussnote_180_180"></a><a href="#FNAnker_180_180"><span class="label">[180]</span></a> Dieselbe Ursache, die Gefahr des Abschneidens von Schiffen, zwang am gleichen -Tage <em class="gesperrt">de Grasse</em> zur Annahme der verhängnisvollen Schlacht bei Dominica.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_181_181" id="Fussnote_181_181"></a><a href="#FNAnker_181_181"><span class="label">[181]</span></a> <em class="gesperrt">Chevalier</em> (II, Seite 409) gibt die Verluste der einzelnen französischen -wie englischen Schiffe an; Troude (Band II, Seite 179) schildert kurz die Beteiligung -der verschiedenen französischen Schiffe am Kampfe. Beide Autoren behandeln die -späteren Schlachten Suffrens in gleicher Weise.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_182_182" id="Fussnote_182_182"></a><a href="#FNAnker_182_182"><span class="label">[182]</span></a> Suffren führte ferner an: der Ankerplatz der Engländer zwischen den Bänken -sei für einen Angriff zu gefährlich gewesen, drei französische Schiffe hätten bereits -beim Ankern am 12. April Korallenriffe berührt; es sei nur noch für ein Gefecht Munition -vorhanden gewesen; es habe ihm an Mannschaften sowie an Reserverundhölzern gemangelt, -wofür er Abhilfe in Batticaloa erwartete. Über seine Kommandanten berichtete -Suffren, daß er nichts leisten könne, wenn nicht 5 oder 6 abgelöst würden.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_183_183" id="Fussnote_183_183"></a><a href="#FNAnker_183_183"><span class="label">[183]</span></a> Frankreich schickte Ende 1781 und Anfang 1782 verschiedentlich Verstärkungen -nach Indien, von denen aber mehrere in Feindeshand fielen. Vgl. z. B. Seite <a href="#Page_323">323</a> und <a href="#Page_345">345</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_184_184" id="Fussnote_184_184"></a><a href="#FNAnker_184_184"><span class="label">[184]</span></a> Man erzählt, daß die Flagge des „Héros“ auf kurze Zeit verschwand, weil die -Flaggleine abgeschossen war. Empört bei dem Gedanken, daß man glauben könne, er -habe die Flagge gestrichen, rief <em class="gesperrt">Suffren</em>: „Weiße Flaggen! (Die Nationalflagge mit -den Lilien.) Weiße Flaggen! Man bedecke mein Schiff mit weißen Flaggen.“</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_185_185" id="Fussnote_185_185"></a><a href="#FNAnker_185_185"><span class="label">[185]</span></a> Bereits früher (Seite 264) wurde darauf hingewiesen, daß auch der englische -Admiral <em class="gesperrt">Howe</em> sich am 11. August 1778 vor einer (voraussichtlichen) Schlacht auf -eine Fregatte begab, sowie auf Mahans Auslassungen über den Platz des Flottenführers.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_186_186" id="Fussnote_186_186"></a><a href="#FNAnker_186_186"><span class="label">[186]</span></a> Die bemerkenswertesten dieser Einzelgefechte, in denen Führer und Besatzungen -ganz besonders Mut sowie Geschicklichkeit zeigen konnten, sind mit besonderer -Vorliebe in den Spezialwerken geschildert. Vgl.: Clowes, Band IV (Kapitel -Minor actions); Troude, Band II; de Jonge, Band IV, Seite 663 ff. Engländer wie -Franzosen behaupten, gerade in den Kämpfen Schiff gegen Schiff dem Gegner überlegen -gewesen zu sein.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_187_187" id="Fussnote_187_187"></a><a href="#FNAnker_187_187"><span class="label">[187]</span></a> De Jonge, Band IV, Seite 683.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_188_188" id="Fussnote_188_188"></a><a href="#FNAnker_188_188"><span class="label">[188]</span></a> Eingehend geschildert in <em class="gesperrt">Spears</em>. — Vergleiche auch die Angaben über die -amerikanische Marine und ihren Kreuzerkrieg Seite 225 und 241.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_189_189" id="Fussnote_189_189"></a><a href="#FNAnker_189_189"><span class="label">[189]</span></a> Bis in Einzelheiten gehende Schilderungen dieses bemerkenswerten Gefechtes -bringen Spears (Band I, Seite 242) und Clowes (Band IV, Seite 35).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_190_190" id="Fussnote_190_190"></a><a href="#FNAnker_190_190"><span class="label">[190]</span></a> Vgl. „Entstehung des Krieges“, Seite <a href="#Page_215">215</a>; „Kennzeichnung des Krieges“, -Seite <a href="#Page_218">218</a>; „Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen“, Seite <a href="#Page_243">243</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_191_191" id="Fussnote_191_191"></a><a href="#FNAnker_191_191"><span class="label">[191]</span></a> Mahan (Band I, Kapitel XIV, Kritische Besprechung des Seekrieges von 1778) -benutzt diesen Krieg zur Darlegung verschiedener wichtiger Grundsätze der Strategie, -gegen die auf beiden Seiten verstoßen sei. Wir bringen in nachstehendem einiges aus -den sehr lesenswerten Auslassungen, ohne sie jedoch auch nur annähernd zu erschöpfen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_192_192" id="Fussnote_192_192"></a><a href="#FNAnker_192_192"><span class="label">[192]</span></a> Nach diesem Gesichtspunkte handelten die Engländer in den späteren Kriegen -(vgl. Mahan, Band I, Seite 512), aber auch schon in den beiden vorhergegangenen war -ihm Rechnung getragen (vgl. in unseren Betrachtungen Seite 115 den Ausspruch Colombs, -und Seite 125 „Das Vorgehen der englischen Flotte“).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_193_193" id="Fussnote_193_193"></a><a href="#FNAnker_193_193"><span class="label">[193]</span></a> Diesen Kriegsschauplatz haben wir zu unseren Betrachtungen hier nicht herangezogen. -Bei seiner großen Entfernung von den anderen sowie von den Heimatshäfen -stand er selbständig da und das für ihn Bemerkenswerte haben wir Seite 402 bereits -gebracht.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_194_194" id="Fussnote_194_194"></a><a href="#FNAnker_194_194"><span class="label">[194]</span></a> Anschließend an die Entwicklung der Taktik im zweiten Kapitel (Seite 36–44), -sowie an die Auslassungen darüber nach dem Österreichischen Erbfolgekriege (Seite 113) -und nach dem Siebenjährigen Kriege (Seite 204).</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_417" id="Page_417">[417]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p417.jpg" width="600" height="128" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h3><span style="font-size: 75%;">Sechstes Kapitel.</span><br /> -Nebenkriege 1740–1793.</h3> - -<h4>Kämpfe mit den Barbaresken. Schwedisch-Russischer Krieg -1741–1743. Die schwedische und russische Marine im Siebenjährigen -Kriege. Russisch-Türkische Kriege 1768–1774 und -1787–1791. Schwedisch-Russischer Krieg 1788–1790.</h4> - -<h5>Kämpfe mit den Barbaresken<a name="FNAnker_195_195" id="FNAnker_195_195"></a><a href="#Fussnote_195_195" class="fnanchor">[195]</a>.</h5> - -<p>Auch noch während der Zeit des vierten Abschnittes belästigten die Fahrzeuge -der Raubstaaten Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis die Schiffahrt -im Mittelmeer, und die Marinen der größeren Seestaaten traten, besonders in -Friedenszeiten, zum Schutze ihres Handels in Tätigkeit; die Malteserritter -sahen in der Unterdrückung des Seeraubes die Fortsetzung ihrer ursprünglichen -Aufgabe des Kampfes gegen die Ungläubigen. Aber wie früher hatte -das Auftreten der europäischen Staaten keine dauernden Erfolge, die Barbaresken -brachen immer wieder die ihnen durch Demonstrationen oder Strafexpeditionen -aufgezwungenen Verträge. Es wird genügen, die Tätigkeit der -beteiligten Marinen kurz anzuführen.</p> - -<p><em class="gesperrt">England</em> hielt stets Schiffe in solcher Zahl an der afrikanischen Küste -und im Mittelmeer überhaupt, daß — wie seine Quellen sagen — der Handel -nicht so litt wie im 17. Jahrhundert, und daß es nicht nötig war, größere -Expeditionen zu entsenden; es wird nur eine solche unter <em class="gesperrt">Kommodore -Keppel</em> 1751 nach Algier erwähnt, die schwebenden Verhandlungen -Nachdruck geben sollte<a name="FNAnker_196_196" id="FNAnker_196_196"></a><a href="#Fussnote_196_196" class="fnanchor">[196]</a>. Die Barbaresken scheuten mit Recht die Seemacht -Englands.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_418" id="Page_418">[418]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Holland</em> scheint weit mehr Mühe gehabt zu haben, seine Schiffahrt -zu schützen, obgleich es sich soweit demütigte, den Herrschern der Barbareskenreiche -in der Form von Geschenken einen nahezu regelmäßigen -Tribut zu zahlen; zwischen ihm und den einzelnen Raubstaaten, besonders -Marokko und Algerien, kam es mehrfach zur förmlichen Kriegserklärung. -Man war genötigt, ständig kleine Geschwader von Linienschiffen und Fregatten -im Mittelmeer zu halten, seine Konvois stets zu decken und verschiedentlich -Expeditionen zu entsenden, um seinen Forderungen Nachdruck -zu geben. Zu größeren Waffentaten kam es jedoch nicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Frankreich</em> dagegen, das im übrigen auch stets einzelne Schiffe -und kleinere Verbände im östlichen wie im westlichen Mittelmeer kreuzen -ließ, entsandte mehrfach Strafexpeditionen, die schärfer vorgingen. Im Juni -1765 beschoß der Chef d'Escadre <em class="gesperrt">Graf Du Chaffault</em> mit einem Linienschiffe, -4 Fregatten, 2 Mörserbooten und 2 kleineren Fahrzeugen die Städte -Sale und Larache an der Westküste Marokkos; der Versuch, mit den Schiffsbooten -in einen Fluß nahe der letztgenannten Stadt einzudringen, um dort -liegende Raubschiffe zu zerstören, ward aber unter Verlust von 300 Mann -zurückgeschlagen. Als Frankreich 1769 mit der Besetzung Corsicas einen -guten Stützpunkt im Mittelmeer gewann, sah der Bei von Tunis darin eine -Gefahr für seine Interessen, d. h. den Seeraub; er versuchte England aufzureizen -und erregte so Frankreichs Zorn. 1770 beschoß der Kapitän <em class="gesperrt">Graf -de Broves</em> mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Mörserbooten im Juni -die Städte Biserta und Susa, worauf der Bei um Frieden bat.</p> - -<p><em class="gesperrt">Spanien</em> unternahm 1775 sogar eine Expedition mit einer starken -Flotte und einem Landungskorps von 25000 Mann gegen die Stadt Algier. -Man landete auch, aber das schlecht geleitete Unternehmen schlug unter -großen Verlusten fehl.</p> - -<h5>Der Schwedisch-Russische Krieg 1741–1743<a name="FNAnker_197_197" id="FNAnker_197_197"></a><a href="#Fussnote_197_197" class="fnanchor">[197]</a>.</h5> - -<p>Bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges fürchtete Frankreich, -daß Rußland für Österreich Partei nehmen würde, und suchte ihm Schweden -auf den Hals zu hetzen, um es anderweitig zu beschäftigen. Seine Ränke -fanden guten Boden, weil die im schwedischen Reichstage herrschende, -kriegerische Adelspartei der „Hüte“ in den seit dem Tode der Kaiserin Anna -zerfahrenen inneren Verhältnissen Rußlands, sowie in dem nach Peter des -Großen Tode eingetretenen Verfall der russischen Marine eine günstige -Gelegenheit zu finden glaubte, die im Frieden von Nystad (1721) aufgegebenen -Provinzen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelien und damit -die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen. Obgleich Schweden selber<span class="pagenum"><a name="Page_419" id="Page_419">[419]</a></span> -im Innern durch jahrzehntelange Zwiste der französisch gesinnten Partei der -„Hüte“ und der russisch gesinnten der „Mützen“ sehr geschwächt war, gelang -es doch der ersteren, den Reichstag am 4. August 1741 zu einer übereilten -Kriegserklärung zu bestimmen.</p> - -<p>Bei dem mangelhaften Zustand der Flotten auf beiden Seiten hatten -die Unternehmungen zur See wenig Bedeutung; es genügt deshalb, den Krieg -ganz kurz zu fassen.</p> - -<p class="small"><b>Die Streitmittel<a name="FNAnker_198_198" id="FNAnker_198_198"></a><a href="#Fussnote_198_198" class="fnanchor">[198]</a>.</b> <em class="gesperrt">Die russische Marine</em> zählte zwar 1736 36 Linienschiffe, -12 Fregatten und etwa 250 Galeren für den Schärenkrieg, aber die Fahrzeuge -waren in schlechter Verfassung und es mangelte an Seeleuten, da es eine Handelsflotte -kaum gab; 1740 war von den für die Linienschiffe nötigen 9000 Mann kaum die Hälfte -vorhanden.</p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Die schwedische Marine</em> besaß 1734 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und -einige 30 Fahrzeuge für den Küstenkrieg.</p> - -<p>In Voraussicht des kommenden Krieges war der schwedische Vizeadmiral -<em class="gesperrt">von Rajalin</em> schon im Mai 1741 mit 10 Linienschiffen und -4 Fregatten von Karlskrona nach den Aspöinseln südlich von Frederikshamn -an der finnländischen Küste gesegelt, wo er Verstärkungen erwarten sollte. -Infolge schlechter Verpflegung brach aber bald auf der Flotte eine Epidemie -aus, der bis Anfang August über 700 Mann erlagen. Da außerdem der Krankenbestand -mehr als 2000 Mann betrug, waren die Schiffe völlig gefechtsunfähig; -zum Glück zeigte sich die russische Flotte nicht. <em class="gesperrt">Rajalin</em> unternahm nichts -und kehrte im Oktober nach Karlskrona zurück; die inzwischen eingetroffene -Schärenflottille folgte ihm, ohne irgendwie verwendet worden zu sein. Nur -schwedische Kreuzer waren im Skagerrak und in der Ostsee durch Aufbringen -von Schiffen mit Zufuhren für Rußland von Nutzen gewesen.</p> - -<p class="small"><b>Im Landkriege</b> hatte Rußland 1741 einen Erfolg zu verzeichnen. General -<em class="gesperrt">Keith</em> — der spätere preußische Feldmarschall — drang Ende August in Finnland -ein, schlug die Schweden bei Wilmanstrand und erstürmte diese wichtige Grenzfestung. -Beide Heere bezogen dann Winterquartiere. Im Februar 1742 plante der Feldmarschall -Lacy von Narwa aus über das Eis in Finnland bei Frederikshamn einzufallen. Eintretendes -Tauwetter verhinderte die Ausführung und das Eindringen von Karelien -aus ward durch Unruhen im Heere längere Zeit hingehalten; erst Ende Juni begann -der Feldmarschall längs der Küste vorzurücken, wobei er mit den Seestreitkräften -in Verbindung zu bleiben strebte.</p> - -<p><b>1742</b> hatten die schwedischen Seestreitkräfte ebensowenig Erfolg. Zwar -sammelte sich im Sommer wiederum eine Flotte von 12 Linienschiffen nebst -6 Fregatten unter Vizeadmiral <em class="gesperrt">Sjöstjerna</em>, sowie eine Schärenflottille -bei den Aspöinseln, abermals jedoch schwächte Krankheit die Besatzungen. -Als dann der am Lande befehligende <em class="gesperrt">General Löwenhaupt</em> die -Forderung stellte, den russischen Seestreitkräften — 12 Linienschiffe und -40 Galeren — entgegenzutreten, die das von Wiborg her vordringende feindliche -Heer begleiteten, wagte der Admiral dies nicht. Er segelte mit dem Hochseegeschwader<span class="pagenum"><a name="Page_420" id="Page_420">[420]</a></span> -nach Hangö-Udde und berief auch die Flottille zu sich, als -die russische Hochseeflotte dort erschien. <em class="gesperrt">Löwenhaupt</em> leistete nirgend -ernstlichen Widerstand, sondern wich von Ort zu Ort zurück; so konnten die -Russen ohne Kampf das befestigte Frederikshamn besetzen und im September -mit 17000 Mann das schwedische Hauptheer von 12000 Mann, das westlich -von Helsingfors zu Lande und zu Wasser eingeschlossen war, zur Übergabe -zwingen. Sie drangen dann noch unter <em class="gesperrt">Keith</em> bis Abo vor.</p> - -<p>Durch einen nach der Kapitulation geschlossenen Waffenstillstand -wurden die schwedischen Seestreitkräfte frei und kehrten nach Schweden -zurück. Man sandte nun ein Geschwader nach der Nordsee, um 6 russischen -Linienschiffen entgegenzutreten, die in Archangel ausgerüstet waren; diese -sahen sich genötigt, umzukehren. Die Russen benutzten aber die Abwesenheit -der schwedischen Flotte, sich im Herbst noch der Aalandsinseln zu bemächtigen.</p> - -<p>Im Frühjahr <b>1743</b> setzten sich die Schweden durch rasches Vorgehen -wieder in Besitz dieser Inseln und sammelten hier 30 Galeren; ein Versuch, -nach Osten vorzudringen, ward aber durch <em class="gesperrt">Keith</em> mit 30 Galeren von Abo -aus verhindert. Im Juni kam dann <em class="gesperrt">Lacy</em> mit 50 Galeren bis Hangö-Udde -heran, konnte sich jedoch nicht mit <em class="gesperrt">Keith</em> vereinigen, weil inzwischen -die schwedische Flotte von 16 Linienschiffen unter Admiral <em class="gesperrt">von Utfall</em> -hier erschienen war. Bald aber zeigte sich auch der russische Admiral -<em class="gesperrt">Golowin</em> mit 17 Linienschiffen bei Hangö, <em class="gesperrt">Utfall</em> ließ sich von ihm -zur Verfolgung bis Reval verlocken und die Vereinigung der beiden russischen -Schärenflottillen fand statt. <em class="gesperrt">Lacy</em> hatte nun über 70 Galeren mit 20000 -Mann gegenüber den 30 schwedischen, während sich die beiderseitigen Hochseeflotten -in Schach hielten.</p> - -<p>Schweden mußte jetzt wie zu Ende des Nordischen Krieges eine Verwüstung -der eigenen Küsten befürchten und war deshalb zu Verhandlungen -bereit. Am 18. August 1743 ward der <em class="gesperrt">Frieden zu Abo</em> geschlossen, -in dem Schweden die Grenzfestungen Wilmanstrand, Nyslot und Frederikshamn, -sowie Finnland bis zum Kymeneflusse abtrat.</p> - -<p>Der Krieg hatte Schweden 11 Millionen Taler und große Menschenopfer -gekostet; auf der Hochseeflotte waren 6000 und auf der Schärenflottille -1500 Mann allein Krankheiten erlegen. Die Gründe seiner Mißerfolge liegen -in der Uneinigkeit der Führer am Lande infolge der Parteizwiste in Schweden, -die bei einigen Führern hart an Verrat streiften, sowie in dem Mangel eines -einheitlichen Zusammenwirkens der Land- und Seestreitkräfte; auf russischer -Seite ist dagegen ein planmäßiges Hand in Hand Gehen der beiden Waffen -zu erkennen.</p> - -<p class="small"><b>Ein Zusammenstoß Schwedens mit Dänemark</b> ward durch russische Hilfe verhindert. -In Schweden war nach langen Wahlkämpfen Herzog <em class="gesperrt">Adolf Friedrich -von Holstein-Lübeck</em> zum Thronfolger erwählt. Da auch der Kronprinz -von Dänemark zur Wahl gestanden hatte, begann Dänemark im Sommer 1743 zu einem -Einfall in Schweden zu rüsten. Dieses bat nach dem Friedensschluß Rußland um<span class="pagenumsmall"><a name="Page_421" id="Page_421">[421]</a></span> -Unterstützung und eine russische Galerenflottille mit 10000 Mann nahm Winterquartiere -zwischen Nyköping und Westerwik. Darauf stand Dänemark von seinem -Vorhaben ab.</p> - -<h5>Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege 1756–1763.</h5> - -<p>Die Beteiligung der beiden Marinen an diesem Kriege war sehr gering.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Hochseeflotten</em> wurden nur zu Demonstrationen und zur -Beschießung Kolbergs benutzt. Als 1758 eine englische Flotte in der Ostsee -zu erwarten war, vereinigten sich im Juni ein schwedisches, sowie ein russisches -Geschwader mit einem dänischen in der Kjögebucht und blieben dort bis -zum Herbst liegen. 1759 trat eine schwedisch-russische Flotte zusammen, -die Swinemünde blockierte und die Einnahme der Insel Usedom unterstützte, -als man sichere Nachricht erhalten hatte, daß die Engländer nicht kommen -würden. 1760 ging eine verbündete Flotte der drei Ostseemächte schon nach -einer vierzehntägigen Kreuzfahrt wieder auseinander. Das russische Geschwader -von 27 Schiffen, unter <em class="gesperrt">Admiral Mischakow</em>, durch 8 schwedische -verstärkt, erhielt dann Befehl, Kolberg zu bombardieren und dort -8000 Mann zu landen; das Unternehmen hatte aber keinen Erfolg. Auch -1761 erschien Ende August eine russisch-schwedische Flotte von 40 Schiffen -vor der belagerten Stadt und beteiligte sich an der Beschießung, doch erst -am 16. Dezember ergab sich Kolberg aus Hungersnot.</p> - -<p>Es war ein Glück für <em class="gesperrt">Friedrich den Großen</em>, daß Schweden -und Rußland mit ihren Flotten nicht Landungen in größerem Maße an den -pommerschen oder mecklenburgischen Küsten unternahmen. Dagegen hätte -das versprochene Auftreten englischer Seestreitkräfte in der Ostsee durch -Erschwerung der Zufuhren für Schweden und Rußland dem König große -Erleichterung gebracht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ein Teil der schwedischen Schärenflotte</em> erhielt vorteilhaftere -Verwendung. 1757 ging eine Flottille von 4 Galeren und 2 Geschützprähmen -mit einer Besatzung von 1000 Mann nach Pommern hinüber und -wurde 1758 noch durch einige Fahrzeuge verstärkt. Mehrfach unterstützte -sie Unternehmungen der Landtruppen, beschoß die Befestigungen bei Peenemünde, -griff die Fähre bei Anklam an und räumte im Fahrwasser von Swinemünde -versenkte Fahrzeuge fort. Sie lief dann in die Haffs ein, um eine in -Stettin gebildete preußische Flottille von 4 Galeren, 4 Galioten und einigen -Barkassen mit insgesamt 700 Mann zu vernichten.</p> - -<p>Diese stellte sich am 11. September in der Enge zwischen dem Großen und -dem Kleinen Haff beim <em class="gesperrt">Reppiner Haken</em> der schwedischen, die z. Z. -4 Galeren, 4 Halbgaleren und 3 Schaluppen zählte. Die Preußen lagen zu -Anker, ihre Galeren in der Mitte, je 2 Galioten auf den Flügeln, die Barkassen -dahinter. Die Schweden griffen an und gingen sogleich zum Entern über, -weil sie die Überlegenheit der feindlichen Artillerie erkannt hatten. Die -preußische Flottille mußte die Ankertaue kappen, um nach Osten zu entkommen,<span class="pagenum"><a name="Page_422" id="Page_422">[422]</a></span> -auf der Verfolgung wurden 8 Fahrzeuge mit 106 Kanonen, 26 Offizieren -und 640 Mann genommen; die Überlegenheit der Schweden an Mannschaften -und ihre größere seemännische Geschicklichkeit hatten den Ausschlag -gegeben.</p> - -<p>Trotz dieser Niederlage stellte Preußen eine neue Flottille von 2 flachgehenden -Fregatten mit je 12 18-Pfündern und kleineren Schiffen auf, die -auch im weiteren Verlauf des Krieges einige schwedische Fahrzeuge nahmen.</p> - -<p class="small"><b>Über die Stellung Friedrich des Großen</b> zur Schaffung einer Flotte, über die Gründe -hierfür, die Vorschläge, die dem Könige gemacht wurden, und dessen Entscheide darauf -gibt <em class="gesperrt">Kirchhoff</em> (Band I, Seite 311–317) lesenswerte Angaben. Es sei daraus hier -nur erwähnt, daß Friedrich nach seinem berühmten Testament von 1752 die Schaffung -einer Flotte neben dem Halten eines starken Heeres für nicht angebracht erachtete, -weil das Land zu arm und sein Hauptgegner zunächst Österreich sei. Man muß bedenken, -daß der König beim Regierungsantritt nichts von Seestreitkräften vorfand -und daß eine neugegründete Flotte bis zum Beginn der von ihm sicher vorausgesehenen -Kriege kaum leistungsfähig werden konnte. Nachher lagen ihm andere Aufgaben zur -Erhaltung und Stärkung seines Staates näher.</p> - -<h5>Die russisch-türkischen Kriege 1768–1774 und 1787–1791.</h5> - -<p><b>Der Krieg 1768–1774.</b> Die Versuche der Kaiserin <em class="gesperrt">Katharina</em> II., -das polnische Reich ganz ihrem Willen zu unterwerfen, erregte die Besorgnis -der Türkei, die von Frankreich und Österreich noch gesteigert wurde, um -dadurch Rußland von Polen abzuziehen. 1768 erklärte die Pforte den Krieg.</p> - -<p>Rußland hatte im Österreichisch-Russisch-Türkischen Kriege 1736–1739 -Asow gewonnen und war so ans Schwarze Meer gelangt; <em class="gesperrt">Katharina</em> -(1762–1796) begann am Don eine Flotte zu bauen, wie es schon <em class="gesperrt">Peter -der Große</em> geplant hatte<a name="FNAnker_199_199" id="FNAnker_199_199"></a><a href="#Fussnote_199_199" class="fnanchor">[199]</a>. Diese war allerdings zum ersten Kriege noch -nicht bereit, aber die russische Ostseeflotte sollte in diesem für das Mittelmeer -eine Rolle spielen.</p> - -<p class="small"><b>Der Hauptkrieg am Lande</b> in Europa ist für diese Darstellung ohne Bedeutung; -er verlief zum Nachteil der Türken. Diese drangen zwar 1769 gegen die russische Grenze -vor, wurden aber am Dnjestr geschlagen, und die Russen eroberten 1770 die Moldau -sowie die Walachei und 1771 die Krim. Im Juni dieses Jahres trat ein Waffenstillstand -ein, die Friedensverhandlungen führten aber nicht zum Ziel. 1773 wurde der Krieg -an der Donau fortgesetzt, bis die Türkei nach einer schweren Niederlage im Juni 1774 -zum Frieden bereit war.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Mittelmeere</em> geriet nämlich die Türkei durch Aufstände in -Griechenland, Ägypten und Syrien, die von Rußland unterstützt wurden, -in Bedrängnis.</p> - -<p><em class="gesperrt">Katharina</em> sandte im Oktober 1769 eine Flotte von 12 Linienschiffen, -12 Fregatten nebst Transportern mit einigen Bataillonen Infanterie zum -Mittelmeer. Den Oberbefehl führte dem Namen nach <em class="gesperrt">Alexej Orlow</em>, -ein Günstling der Kaiserin, der gar keine maritime Kenntnis besaß, in Wahrheit<span class="pagenum"><a name="Page_423" id="Page_423">[423]</a></span> -<em class="gesperrt">Admiral Spiridoff</em>, unterstützt durch seinen Flaggkapitän, -Kontreadmiral <em class="gesperrt">Greigh</em>, und seinen Vizeadmiral <em class="gesperrt">Elphinstone</em>; beide -waren Engländer, wie auch sonst viele Seeoffiziere dieser Nation in der -russischen Flotte dienten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die türkische Flotte</em> zählte einige 20 Linienschiffe, die an sich -wohl besser waren als die russischen, aber Offizieren wie Besatzungen fehlte -jede Ausbildung; nur eine geringe Zahl von Angehörigen der Barbareskenstaaten -waren seemännisch-militärisch brauchbar.</p> - -<p><em class="gesperrt">Orlow</em> traf im April 1770 in Griechenland ein und landete die Soldaten -auf dem Peloponnes. Hier hatten sich die Mainoten des Taygetus erhoben, -durch russische Agenten aufgewiegelt; sie drangen nun mit den Russen im -Peloponnes vor, wobei viele Grausamkeiten an türkischen Einwohnern in -Mistra und Kalamaka verübt wurden. Man erreichte nicht viel; Methone und -Koroni auf der Südwestspitze der Halbinsel wurden vergeblich belagert. Die -Türken, durch Albanesen vom Festlande her verstärkt, unterdrückten nach -und nach den Aufstand, besonders nachdem Ende Mai die schwachen russischen -Truppen wieder eingeschifft waren.</p> - -<p>Eine herangekommene türkische Flotte ward dagegen durch die russische -gezwungen, sich unter die Kanonen von Nauplia zu legen und hier am 15. und -16. Mai beschossen; sie zog sich dann in den Archipel zurück, wo auf einigen -Inseln Aufstände ausgebrochen waren. <em class="gesperrt">Orlow</em> folgte ihr nach Einschiffung -der Truppen, fand sie nach längerem Suchen — 16 Linienschiffe, 6 (9?) Fregatten -und 11 kleinere Fahrzeuge stark — in der Straße von Chios und vernichtete -sie völlig <em class="gesperrt">in der Bucht von Tscheschme</em> am nahen -Festlande.</p> - -<p class="small"><b>Die Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme, 5. Juli 1770.</b> Gejagt von -den Russen, hatte die türkische Flotte am 5. Juli am Eingange der unverteidigten -Bucht geankert; der befehligende Kapudan-Pascha begab sich sofort an Land, „um -den Bau von Schanzen zu veranlassen“ und überließ das Admiralschiff dem Algerier -<em class="gesperrt">Hassan</em>. <em class="gesperrt">Spiridoff</em> enterte dieses mit seinem Flaggschiffe; während des Kampfes -fingen beide Feuer, das türkische flog auf, das russische verbrannte. <em class="gesperrt">Hassan</em>, der -sich heldenmütig verteidigt hatte, kam mit dem Leben davon und tat später lange -Jahre hindurch als Kapudan-Pascha viel zur Hebung der türkischen Marine. Die übrigen -türkischen Schiffe kappten ihre Ankertaue und trieben in völliger Verwirrung eng -zusammengedrängt zum Ende der Bucht. Die Russen richteten schnell drei Fahrzeuge -als Brander zu; mit diesen, durch englische Offiziere geführt und beim Angriff durch -das Feuer der Flotte gedeckt, wurden noch in der folgenden Nacht fast alle türkischen -Schiffe verbrannt oder aufgesprengt; gegen 8000 Mann fanden ihren Tod. Ein Linienschiff -und 5 kleinere Fahrzeuge wurden genommen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Orlow</em> nutzte den Sieg nicht weiter aus, obgleich <em class="gesperrt">Elphinstone</em> -riet, bis Konstantinopel vorzudringen und auch am 26. Juli mit 3 Linienschiffen -und 4 Fregatten bei der Verfolgung zweier türkischer Linienschiffe -die Befestigungen am Eingange der Dardanellen passierte. (Kum Kaleh und -Seddil Bahr.) Er scheint dann aber nur bis Kepes Burun gelangt zu sein, -weil die durch einen französischen Offizier kürzlich verstärkten Werke an<span class="pagenum"><a name="Page_424" id="Page_424">[424]</a></span> -der Enge (Kilid Bahr und Kaleh Sultanie) zu mächtig waren; es steht dahin, -ob nicht der gesamten Flotte ein weiteres Vordringen doch gelungen wäre.</p> - -<p>Die russische Flotte trat hierauf noch im Mittelmeer auf. In Akka hatte -sich ein Beduinenscheich, <em class="gesperrt">Daher</em>, und in Ägypten der Pascha <em class="gesperrt">Ali Bey</em> -gegen den Sultan erhoben; beide vereint führten Krieg gegen die Paschas von -Damaskus und Saïda. <em class="gesperrt">Orlow</em> unterstützte sie beim Angriff auf Küstenstädte, -z. B. Jaffa, Beirut und Damiette, konnte aber ihr schließliches Unterliegen -nicht hindern. Im allgemeinen beschränkte sich die Tätigkeit der Flotte -sonst auf den Kreuzerkrieg. Im Januar 1775 kehrte sie nach der Ostsee -zurück. Hin- und Rückreise brachten bei der Unerfahrenheit der Besatzungen -viele Fährnisse, hatten aber doch wie der Aufenthalt im Mittelmeer überhaupt -die Ausbildung der russischen Ostseeflotte sehr gefördert.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Frieden von Kücük-Kainardschi</em>, 21. Juli 1774, -war für Rußlands Stellung am Schwarzen Meere und die Entwicklung seiner -Seemacht dort von großer Bedeutung. Es erhielt Asow, Kertsch mit der -Festung Jenikale und Kinburn an der Einfahrt zu dem Mündungsgebiet des -Dnjepr und Bug Otschakow gegenüber, das noch türkisch blieb; ferner wurde -ihm das Recht der freien Schiffahrt in den türkischen Gewässern, selbst in -den Dardanellen, zugestanden. Die Moldau und die Walachei gab es zurück -und die Krim wurde für unabhängig erklärt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Der Krieg 1787–1791.</b> 1783 trat der Khan der Krim sein Gebiet gegen -ein Jahrgeld an <em class="gesperrt">Katharina</em> ab. Die Türkei war darüber erbittert, und da -Rußland sich auch in Georgien festzusetzen suchte, erklärte sie im August -1787 wiederum den Krieg. Obgleich die russische Ostseeflotte seit 1774 sehr -erstarkt und auch im Schwarzen Meere eine neue Seemacht geschaffen war, -spielten doch deren Streitkräfte in diesem Kriege keine große Rolle. Die -Anführung ihrer wenigen Waffentaten wird genügen.</p> - -<p class="small"><b>Der Verlauf des Landkrieges.</b> Österreich war durch Verträge zu Rußlands Beistand -verpflichtet; der Kaiser versuchte zunächst vergeblich zu vermitteln und trat dann -Februar 1788 in den Krieg ein. Die österreichischen Truppen fochten an den türkischen -Grenzen von Kroatien bis Galizien, das Hauptheer an der Donau, rechts und links -davon selbständig das kroatische, slawonische, banater, siebenbürger und galizische -Korps, die Russen schlossen sich vom linken Flügel bis zum Schwarzen Meere an. Wenn -auch mit wechselndem Waffenglück gekämpft wurde, so blieb doch der Enderfolg den -Verbündeten. Die wichtigen Festungen Jassy (September), Otschakow (Dezember 1788), -Belgrad (September), Bender (November 1789) und Orsova (April 1790) nebst anderen -wurden genommen; Bessarabien, die Walachei sowie ein Teil von Serbien fielen in -ihre Hände. Auf Vermittlung Preußens und Englands schloß Österreich am 23. September -1790 Waffenstillstand und am 4. April den <em class="gesperrt">Frieden zu Sistowa</em>, in -dem es seine Eroberungen zurückgab. Rußland setzte den Krieg fort, eroberte Ismail -an der unteren Donau (Dezember 1790) und drang im April 1791 über diesen Fluß -vor. Nach einer empfindlichen Niederlage bei Tultscha (9. Juni) schloß die Türkei am -9. Januar 1792 den <em class="gesperrt">Frieden zu Jassy</em>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die russische Ostseeflotte</em> sollte auch in diesem Kriege -kräftig im Mittelmeere eingreifen, wurde aber durch den Ausbruch des Kampfes<span class="pagenum"><a name="Page_425" id="Page_425">[425]</a></span> -mit Schweden im Norden zurückgehalten. <em class="gesperrt">Die Schwarze Meer-Flotte</em> -war aber schon kampfkräftig. Am Dnjepr war 1778 die Stadt -Cherson als Kriegshafen gegründet<a name="FNAnker_200_200" id="FNAnker_200_200"></a><a href="#Fussnote_200_200" class="fnanchor">[200]</a> und 1788 standen hier 19 Schiffe von -36 bis 66 Kanonen in Dienst, während noch 11 an der Werft lagen; hierzu -trat eine starke Flottille von kleinen Segelfahrzeugen und Ruderkanonenbooten -für den Küstenkrieg. Rußland war jetzt der Türkei an Seestreitkräften gewachsen.</p> - -<p>Als die <em class="gesperrt">Belagerung von Otschakow</em> im Mai 1788 aufgenommen -wurde, erhielten die Hochseeflotte unter Kontreadmiral <em class="gesperrt">Paul Jones</em> — -dem bekannten amerikanischen Freibeuterführer (vgl. Seite <a href="#Page_406">406</a>) — und die -Küstenflottille unter dem <em class="gesperrt">Prinzen von Nassau-Siegen</em> Befehl, -die Stadt von der See abzuschließen. Sie lieferten der türkischen Flotte -unter dem Kapudan-Pascha <em class="gesperrt">Gazi-Hassan</em> verschiedene Gefechte und -vernichteten am 28. und 29. Juni einen großen Teil von ihr. Vom 12. Juli -an war die Festung von der See abgeschnitten und blieb es, obgleich die -türkische Flotte später noch einmal erschien, bis zum erfolgreichen Sturm -im Dezember, den die Ruderflotte durch ihr Feuer von See her mit vorbereitet -hatte.</p> - -<p><b>1791</b> sandten die Türken eine Flotte von 18 Linienschiffen und 12 Fregatten -ins Schwarze Meer, um die russische Seemacht dort anzugreifen. -Es kam zuerst am 19. Juli unweit <em class="gesperrt">Jenikale</em> zu einer unentschiedenen -Schlacht, später vertrieb dann Admiral <em class="gesperrt">Uschakow</em> durch siegreiche Gefechte -am 8. und 9. September die Türken.</p> - -<p>Bei der <em class="gesperrt">Belagerung von Ismail</em> zu Ende des Krieges schloß -die Küstenflottille die Stadt von der See ab.</p> - -<p><em class="gesperrt">Im Frieden von Jassy</em>, 9. Januar 1792, gab Rußland zwar seine -sonstigen Eroberungen zurück, behielt aber die Krim und die Küste bis zum -Dnjestr mit der Festung Otschakow; <em class="gesperrt">Rußlands Stellung am -Schwarzen Meere war damit fest begründet</em>.</p> - -<h5>Der Schwedisch-Russische Krieg 1788–1790<a name="FNAnker_201_201" id="FNAnker_201_201"></a><a href="#Fussnote_201_201" class="fnanchor">[201]</a>.</h5> - -<p><em class="gesperrt">Gustav III. von Schweden</em> (1771–1792) hatte seit langem -geplant, unter günstigen Umständen Dänemark und Rußland anzugreifen, -um durch kriegerischen Ruhm wie Gustav Adolf Macht und Ansehen zu erringen, -insbesondere die auf dem Festlande verlorenen Provinzen wieder zu -erobern. Die Verwicklungen Rußlands mit der Türkei erschienen ihm geeignet, -zunächst gegen diesen Staat vorzugehen. Er knüpfte mit England und -der Türkei Verhandlungen wegen Lieferungen von Subsidien an, aber ehe -diese noch zu einem Abschluß gekommen waren, beschloß er, loszuschlagen,<span class="pagenum"><a name="Page_426" id="Page_426">[426]</a></span> -durch Umtriebe der <em class="gesperrt">Kaiserin Katharina II.</em> hierzu gereizt. Diese -betrachtete die seit längerer Zeit mit französischem Gelde betriebene Rüstung -der schwedischen Marine mit Recht als gegen sich gerichtet und schürte -deshalb den Streit der Parteien in Schweden; da sie ferner die Eroberung -Finnlands stets im Auge hatte, wirkte sie auch hier zuungunsten Schwedens -auf den Adel des Landes ein, der sich mit dem Gedanken eines Abfalls von -Schweden trug. Bei einer Reise <em class="gesperrt">Gustavs</em> in Finnland 1787 zeigte sich -klar, daß die aufrührerische Bewegung unter dem Adel und den Offizieren -des schwedisch-finnländischen Heeres große Fortschritte gemacht hatte; -ein Umstand, der den König gleichfalls bewog, den Krieg sobald als möglich -zu beginnen.</p> - -<p>Da der Norden Rußlands infolge des Türkenkrieges fast ganz von Truppen -entblößt war, hoffte <em class="gesperrt">Gustav</em> mit einem plötzlichen Schlage Großes zu -erreichen; sein Plan war, Petersburg zu überrumpeln. Bei Oranienbaum in -Ingermanland wollte er 20000 Mann landen und gleichzeitig von Finnland -aus vordringen. Der Krieg ward aber ohne genügende Vorbereitung und -ohne Rückhalt begonnen. Die Streitmittel waren nicht rechtzeitig fertig -und die fremde Unterstützung entsprach nicht der Erwartung. Die Türkei -hatte die ersten Ausgaben erstatten und später jährlich eine Million Piaster -zuschießen wollen, machte dies aber davon abhängig, daß Schweden die -Abfahrt russischer Schiffe nach dem Mittelmeer hindere; erst 1789 ward -ein Subsidienvertrag in sehr abgeschwächter Form geschlossen. England -zahlte überhaupt nichts.</p> - -<p class="small"><b>Die Seestreitkräfte Rußlands.</b> <em class="gesperrt">Die Hochseeflotte</em> in den nördlichen Gewässern -hatte unter <em class="gesperrt">Katharina</em> einen großen Aufschwung genommen; sie zählte -1788 nahezu 50 Linienschiffe nebst einem Dutzend Fregatten. Die in Kronstadt, Reval -und Archangel stationierten Schiffe befanden sich in gutem Ausrüstungszustande. -Als Offiziere und Unteroffiziere dienten viele Ausländer, besonders Briten; der englische -Admiral <em class="gesperrt">Knowles</em> hatte die Ausbildung der Seeoffiziere mit gutem Erfolge geleitet. -Die Besatzungen ließen jedoch noch immer zu wünschen übrig, da bei den Nationalrussen -nur wenig Neigung und Anlage zum Seedienste vorhanden war; die Flotte, die -1788 auftrat, war zum großen Teile mit eben ausgehobenen Leuten ohne jede Seeerfahrung -bemannt.</p> - -<p class="small">Schon im Herbst 1787 war mit den Vorbereitungen zu einer Expedition ins Mittelmeer -begonnen, die wie im Türkenkriege 1768 Truppen und Kriegsmaterial für einen -Aufstand in Griechenland mit sich führen sollte; infolgedessen war die Indienststellung -der Flotte bei Ausbruch des Krieges mit Schweden erleichtert.</p> - -<p class="small">Rußland verfügte ferner über bedeutende Reste der früher großen <em class="gesperrt">Galeren- -und Schärenflottille</em>, doch waren die Fahrzeuge so verwahrlost, daß sie im -ersten Kriegsjahre kaum verwendet werden konnten.</p> - -<p class="small"><b>Die Seestreitkräfte Schwedens.</b> <em class="gesperrt">Die Hochseeflotte</em> war nach dem letzten -Kriege wegen Geldmangels so heruntergekommen, daß man 1765 nur noch 10 brauchbare -Linienschiffe besaß, und erst von 1767 an, besonders aber seit der Thronbesteigung -<em class="gesperrt">Gustavs III.</em> ward ihr wieder die nötige Fürsorge zuteil. 1788 zählte sie 26 Linienschiffe -von 64–74 Kanonen und 13 Fregatten, die sich in gutem Zustande befanden; -sie war in Karlskrona stationiert, ein kleineres Geschwader ständig nach Gothenburg -abgezweigt. Zu einer beabsichtigten jährlichen Indienststellung von Übungsgeschwadern -hatten meist die Mittel nicht gereicht, aber für die wissenschaftliche Ausbildung der<span class="pagenumsmall"><a name="Page_427" id="Page_427">[427]</a></span> -Offiziere hatte man viel getan und einige von ihnen in fremde Marinen abkommandiert, -um Erfahrungen zu sammeln.</p> - -<p class="small">Der <em class="gesperrt">Küstenflottille</em> hatte man schon seit 1756 besondere Aufmerksamkeit -geschenkt. Man hatte sie unter der Bezeichnung „Armeeflotte“ ganz von der Hochseeflotte -abgezweigt und im Laufe der Jahre neben den alten Galeren — nach Mittelmeermuster -mit Masten zum Niederlegen und mit 1 oder 2 Geschützen — durch verschiedene -neue Typen ergänzt<a name="FNAnker_202_202" id="FNAnker_202_202"></a><a href="#Fussnote_202_202" class="fnanchor">[202]</a>. Besonders traten verschiedene Klassen größerer -Segelfahrzeuge hinzu, die eine feste Takelage (die größeren Vollschiffstakelung) besaßen, -4–24 schwere Geschütze führten und deren Batterien sowie Ruderreihen eingedeckt -waren. An Ruderfahrzeugen mit Hilfstakelage zum Niederlegen waren Kanonenschaluppen -mit 2 und Kanonenbarkassen mit einem schweren Geschütz eingeführt.</p> - -<p class="small">1788 zählte die Armeeflotte in ihrem schwedischen Geschwader zu Stockholm: -28 Galeren nebst je einem großen Beiboot und 30 Schaluppen; in dem finnländischen -Geschwader zu Sweaborg: 15 Fahrzeuge des neuen Segeltyps, 8 Mörserbarkassen; -40 Schaluppen und 15 Kanonenbarkassen. Zu jedem Geschwader gehörten 2 Fregatten -sowie ein großer Troß von anderen Fahrzeugen, die bei dem mangelnden Raum an -Bord der stark bemannten Ruderschiffe zum Unterbringen von Munition, Proviant, -Wasser und Kranken stets folgen mußten.</p> - -<p><b>Der Aufmarsch der Schweden 1788.</b> Im März ließ <em class="gesperrt">Katharina</em> in -Stockholm bekanntgeben, daß sie eine Flotte ins Mittelmeer zu senden beabsichtige, -und <em class="gesperrt">Gustav</em> befahl daraufhin die Indienststellung der Flotte; -12 Linienschiffe nebst 5 Fregatten sollten Ende Mai seeklar sein. Als der -russische Gesandte am 18. Mai nach dem Zwecke dieser Maßnahme fragte, -erhielt er am 23. die gereizte Antwort, er habe innerhalb 8 Tagen Stockholm -zu verlassen, und schon am 22. bekam die finnländische Hauptmacht Marschbefehl -an die russische Grenze; 15000 Mann sammelten sich am Kymeneflusse.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Hochseeflotte</em> lief in voller Stärke mit 3500 Soldaten am -9. Juni unter <em class="gesperrt">Herzog Karl von Södermanland</em>, dem Bruder -des Königs, von Karlskrona aus, unter ihm befehligte als Flottenchef Admiral -<em class="gesperrt">Graf Wrangel</em>. Gegen Ostwind aufkreuzend, gelangte sie erst -am 21. bis zur Insel Dagö am Eingang zum Finnischen Meere und stieß -hier auf ein russisches Geschwader von 3 Dreideckern und 4 Fregatten unter -Admiral <em class="gesperrt">van Dessen</em>. Diese Schiffe waren bestimmt, der noch in Kronstadt -ausrüstenden Mittelmeerflotte Vorräte vorauszuführen; man hatte -sie so zeitig abgesandt, weil die Dreidecker während des Passierens der -Drogden bei Kopenhagen die Materialien auf Fregatten abgeben mußten. -<em class="gesperrt">Herzog Karl</em> hatte noch keinen Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten -und ließ Dessen ungehindert vorbei — eine grobe Nachlässigkeit der Oberleitung, -da ein überraschender Bruch mit Rußland beabsichtigt war. Am -28. Juni traf die Flotte bei Hangö ein.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schärenflottille von Stockholm</em> war schon Ende -Mai in See gegangen. Sie führte auf Transportern 9000 Soldaten mit sich, -und der König <em class="gesperrt">Gustav</em> begleitete sie. Gleichfalls durch Gegenwinde -aufgehalten, erreichte sie erst am 2. Juli Helsingfors, wo die Truppen gelandet<span class="pagenum"><a name="Page_428" id="Page_428">[428]</a></span> -wurden. <em class="gesperrt">Die gesamte schwedische Landmacht</em> in -Finnland betrug Anfang Juli gegen 44000 Mann, in Schweden standen -noch 14000 und in Pommern 4000.</p> - -<p>Inzwischen hatte <em class="gesperrt">König Gustav</em> an <em class="gesperrt">Katharina</em> ein Ultimatum -mit kaum glaublichen Forderungen gesandt: Strenge Bestrafung des -russischen Gesandten wegen seiner Umtriebe, Herausgabe der in den Friedensschlüssen -von Nystad und Abo abgetretenen Landesteile, Überlassung der -Krim an die Türkei. Die Kaiserin wies es schroff zurück, obgleich Petersburg -in großer Gefahr schwebte, denn <em class="gesperrt">die russische Landmacht</em> war -sehr gering; in der Umgebung der Hauptstadt standen nur 8000 Mann, die -während des ganzen ersten Kriegsjahres kaum auf das Doppelte verstärkt -werden konnten. In Finnland vermochte man dem Feinde nicht mehr als -10000 Mann entgegenzustellen; die Festungen waren ungenügend besetzt -und in schlechtem Zustande. <em class="gesperrt">Die Hochseeflotte</em> war noch nicht -kriegsbereit und <em class="gesperrt">die Küstenflottille</em> wurde es in diesem Jahre überhaupt -nicht.</p> - -<p>Ein schnelles und tatkräftiges Vorgehen der Schweden würde verhängnisvoll -geworden sein, aber sie hatten schon viel Zeit verloren und waren auch -weiterhin nicht vom Glück begünstigt.</p> - -<p><b>Die Operationen der Hochseeflotten 1788.</b> Die schwedische Flotte erhielt -am 6. Juli die Nachricht von der Kriegserklärung. Am 8. langte sie -vor Sweaborg an und ward hier auf 15 Linienschiffe und 11 Fregatten verstärkt, -ging aber erst am 14. wieder in See, um den Feind im Osten zu suchen. -Am 17. Juli trat ihr der aus dem ersten türkischen Kriege bekannte russische -Admiral <em class="gesperrt">Greigh</em> mit 17 Linienschiffen (1 zu 108, 16 zu 66–74 Kanonen) -und 8 Fregatten — die Expedition nach dem Mittelmeer, die dieser Admiral -führen sollte, war natürlich aufgegeben — etwa 30 Seemeilen westlich der -Insel Hogland entgegen, und es kam zur rangierten Schlacht.</p> - -<p class="small"><b>Die Schlacht bei Hogland, 17. Juli 1788.</b> Die russische Flotte stand bei östlichem -Winde zu Luward; die Gegner sichteten sich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags. Nach -verschiedenen Manövern lag die schwedische gegen 4 Uhr nachmittags in Kiellinie -über Steuerbordbug beim Winde und die russische griff in gleicher Formation und -über denselben Bug liegend in der bekannten englischen Art an, so daß sich der Kampf -beider Linien Schiff gegen Schiff entspann, wobei sich wie gewöhnlich die Vorhuten und -Mitten näher standen als die Nachhuten. Da die Russen 2 Linienschiffe mehr zählten, -hatten die Schweden 5 40-Kanonenfregatten (von ihnen oft Linienfregatten genannt) -in die Linie eingestellt; die Russen hingen eine solche der ihrigen an; es standen 1450 -russische gegen 1290 schwedische Geschütze im Gefecht. Der Kampf war heiß; mehrere -russische Schiffe mußten beschädigt hinter ihre Linie geschleppt werden, aber auch -das schwedische Flaggschiff wurde fast manövrierunfähig.</p> - -<p class="small">Um 8 Uhr abends ließ <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> alle Schiffe zugleich halsen, weil die -Spitze sich den Bänken vor der estländischen Küste zu sehr näherte, und <em class="gesperrt">Greigh</em> -folgte diesem Beispiele. Des flauen Windes halber konnte das Manöver mit den beschädigten -Schiffen nur schwer ausgeführt werden, beide Linien verloren ihre Ordnung; -dadurch gerieten sowohl ein russisches wie ein schwedisches Schiff zwischen mehrere -feindliche und mußten die Flagge streichen. Um 10 Uhr abends endete der Kampf -und die Flotten trennten sich während der Nacht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_429" id="Page_429">[429]</a></span></p> - -<p class="small"><em class="gesperrt">Der Verlust</em> betrug auf schwedischer Seite 130 Tote und 340 Verwundete, -auf russischer fast 1000 Mann.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht blieb unentschieden.</em> Die Schweden -schrieben sich den Sieg zu, weil der Gegner wegen der Beschädigung seiner -Schiffe den Angriff nicht erneuert habe, obgleich er zu Luward stand. Die -Russen sagten, der Feind habe das Feld geräumt. Es war tatsächlich <em class="gesperrt">ein -strategischer Erfolg der Russen</em>, denn die Schweden unterließen -den Angriff zur See auf Petersburg, weil sie erkannt hatten, daß ihre -Flotte der feindlichen nicht so unbedingt überlegen sei, wie man bisher angenommen -hatte.</p> - -<p>Die russische Flotte ging nach der Schlacht zum Ausbessern bis zur -Insel Seskär, 40 Seemeilen westlich von Kronstadt, zurück; hier vermochte -sie Zufuhren zu erhalten und die Verbindung Petersburgs mit den Festungen -Wiborg und Frederikshamn zu sichern. Die Schweden segelten nach Sweaborg, -um Vorräte, vor allem Munition, aufzufüllen, die jedoch von der Heimat -kommen mußten, da man versäumt hatte, in Helsingfors Depots anzulegen. -<em class="gesperrt">Greigh</em> erschien bald wieder, überraschte am 6. August eine schwedische -Erkundungsdivision und nahm ihr ein Linienschiff ab. Er segelte dann nach -Reval, ließ aber 8 Linienschiffe vor Sweaborg, die den Gegner beobachteten -und der finnländischen Küste die Zufuhren von See her erschwerten. Die -schwedische Flotte blieb für dieses Jahr untätig.</p> - -<p><b>Der Schären- und Landkrieg 1788.</b> Die Armeeflotte ging erst am 26. Juli -— 2 Fregatten, 15 der großen Küstensegler, 18 Galeren und 36 Kanonenschaluppen -stark — mit 6000 Soldaten nach Osten vor. Man wollte Frederikshamn -durch das Landheer und eine Landung angreifen. Die Stadt wurde -auch am 3. August eingeschlossen und wäre sicher gefallen, wenn nicht <em class="gesperrt">eine -Empörung im Landheere</em> den König gezwungen hätte, die Belagerung -aufzugeben. Der größere Teil der Offiziere gehörte der Oppositionspartei -in Schweden an, die den ohne Zustimmung der Stände begonnenen -Angriffskrieg für verfassungswidrig erklärte. Sie forderten die Rückberufung -der Armee, und der König sah sich genötigt, diese hinter den Kymene zurückzuziehen; -die Flottille ward nach Westen bis Borgaa gesandt, wo man die -Landungstruppen ausschiffte. Die Meuterer gingen noch weiter. Nach einer -Versammlung in Anjala — nach der sie sich den <em class="gesperrt">Anjalabund</em> nannten — -traten sie mit <em class="gesperrt">Katharina</em> in Verhandlung und schlossen einen Waffenstillstand -ab. <em class="gesperrt">Gustav</em> reiste zu seiner eigenen Sicherheit am 27. August -nach Stockholm; die Nachricht von einem dänischen Angriff auf Schweden -gab ihm guten Vorwand dazu. <em class="gesperrt">Herzog Karl</em>, der den Oberbefehl übernahm, -bestätigte den Vertrag des Anjalabundes.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Krieg war</em> am Lande <em class="gesperrt">zu Ende</em> und bald auch zur See. -<em class="gesperrt">Greigh</em> blockierte bis Ende Oktober die finnländische Küste. Er hatte -inzwischen Hangö-Udde besetzt und sperrte hier die Schären ab, so daß -auch auf diesem Wege die westlich dieser Halbinsel gesammelten Zufuhren -von Schweden nicht nach Helsingfors-Sweaborg gelangen konnten; sie wurden<span class="pagenum"><a name="Page_430" id="Page_430">[430]</a></span> -schließlich zu Lande über die Halbinsel geschafft und dann wieder verladen. -Mit Beginn des früh einsetzenden Winters ging Greigh nach Kronstadt zurück. -Die nun freigewordene schwedische Flotte segelte am 19. November nach -Karlskrona; die Schiffe mußten schon ausgeeist werden und am Tage darauf -fror der Hafen vor Sweaborg ganz zu.</p> - -<p class="small"><b>Dänemarks Angriff auf Schweden 1788.</b> Nach einem älteren Bündnisvertrage -war Dänemark verpflichtet, 6 Linienschiffe sowie 12000 Mann Landtruppen für Rußland -zu stellen und auch dem Gegner in den Rücken zu fallen, wenn es von Schweden -angegriffen würde. Als nun 1788 der Krieg ausbrach, kam die dänische Regierung -ihrer Verpflichtung zwar nicht sofort und völlig nach, aber sie ließ doch im September -von Norwegen aus Truppen in Schweden einrücken; die ersten Schüsse waren an der -Grenze schon Ende Juni gefallen. Sie erklärte dabei, es sei kein Krieg Dänemarks -gegen Schweden, die verwendeten Soldaten seien nur Hilfstruppen Rußlands. Ähnliche -Auslegungen von Unterstützungen hat schon der österreichische Erbfolgekrieg gebracht -(vgl. z. B. Seite <a href="#Page_48">48</a>). Dem weiteren Vordringen der Dänen machte aber das persönliche -Erscheinen und tatkräftige Auftreten <em class="gesperrt">König Gustavs</em> in Gothenburg -ein Ende, um so leichter, da England und Preußen die Auffassung Dänemarks nicht -teilten und mit ihrem Einschreiten drohten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verwicklung mit Dänemark geriet König -Gustav zum Glück.</em> Die neue, durch Rußland heraufbeschworene -Gefahr brachte die Stände auf seine Seite; die Umtriebe des Anjalabundes -scheiterten in Schweden; Bauern, Bürger und Geistlichkeit erklärten sich -für den König, diesem ward das Recht zugestanden, auch Angriffskriege -selbständig zu erklären; die Vorrechte der Krone wurden erweitert und der -Krieg gegen Rußland ward volkstümlich.</p> - -<p><b>Das russische Geschwader van Dessen</b> in Kopenhagen nahm an dem -dänischen Angriffe nicht teil. Dagegen landete es, noch mit den Umschiffungsarbeiten -begriffen, Anfang August Mannschaften bei Helsingborg und plünderte -einige Ortschaften; anderseits aber wurden später zwei seiner Fregatten -im Skagerrak von drei schwedischen genommen, denen dabei viel Kriegsmaterial -in die Hände fiel. <em class="gesperrt">Dessen</em> trat dann seine Reise zum Mittelmeer -an, kehrte jedoch in der Nordsee um, als ihm bekanntgeworden war, daß -er in englischen Häfen keinerlei Unterstützung finden würde. Zu ihm stießen -4 Linienschiffe nebst 2 Fregatten von Archangel, und er überwinterte darauf -in Kopenhagen. Es ist unverständlich, daß er nicht zurückgerufen wurde, -als man die Expedition ins Mittelmeer aufgab; man scheint ihn fast daheim -vergessen zu haben.</p> - -<p><b>Die Gründe der schwedischen Mißerfolge 1788.</b> Die Mißerfolge sind in -erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, daß der an sich gute Plan, Petersburg -anzugreifen, nicht früh genug durchgeführt wurde; erlaubten dies die -Verhältnisse nicht, so waren eben die Vorbereitungen ungenügend. Er ist -auch später nicht umsichtig und tatkräftig verfolgt worden, noch Anfang -Juli wäre es aussichtsreich gewesen, die unfertige russische Flotte bei Kronstadt -anzugreifen, und die Armeeflotte hätte mit den um diese Zeit in Sweaborg -vorhandenen Truppen weiter östlich landen müssen. Nach den ersten -Mißerfolgen erlahmte dann Schwedens Tatkraft gänzlich; die Offensive<span class="pagenum"><a name="Page_431" id="Page_431">[431]</a></span> -schlug völlig in Defensive um; besonders bei der Hochseeflotte, die infolge -ungenügender Vorbereitungen durch Mangel an Munition längere Zeit lahmgelegt -war. Rechtzeitige Erfolge hätten belebend gewirkt, vielleicht sogar den -Ausbruch der offenen Meuterei im finnländischen Heere gehindert.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Die Tätigkeit der Hochseeflotten 1789.</b> <em class="gesperrt">Die schwedische Flotte</em> -war Ende Mai seeklar, litt aber noch an Mannschaftsmangel; erst am 6. Juli -ging <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> mit 21 Linienschiffen, 9 Linien- und 5 kleineren Fregatten -in See. Seine Aufgabe war, die Vereinigung der russischen Flotten -von Kronstadt und Kopenhagen zu verhindern, sowie die Überführung der -Truppen von Vorpommern nach Schweden zu sichern. Während er bis zum -11. zwischen Schonen, Rügen und Seeland kreuzte, wurden die Soldaten -nach Schweden übergeführt. Das russische Geschwader <em class="gesperrt">van Dessens</em> -lag neben einem dänischen in der Kjögebucht; es anzugreifen, verbot der -Umstand, daß die Friedensverhandlungen mit Dänemark noch nicht abgeschlossen -waren. <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> hielt sich dann östlich von Bornholm -und erfuhr hier am 23. Juli, daß man die Kronstadtflotte bei Gotland gesehen -habe.</p> - -<p><em class="gesperrt">Diese russische Hauptflotte</em> unter Admiral <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> -zählte 21 Linienschiffe, darunter 3 Dreidecker, und 10 Fregatten. -Sie war schon seit Ende Juni in See und hatte sich Anfang Juli vor Hangö -Udde gezeigt. Nach den schlechten Erfahrungen des Vorjahres hatten aber -die Schweden hier Befestigungen angelegt, und die Russen machten keinen -ernsten Versuch, sich dieser wichtigen Stellung zu bemächtigen, sondern -segelten nach Westen weiter.</p> - -<p>Am 25. Juli sichteten sich die Gegner etwa 50 Seemeilen südöstlich -der Insel Öland und die schwedische Flotte suchte nun der russischen den -Weg nach der Kjögebucht zu verlegen. Abends waren beide einander ziemlich -nahe, da aber der Wind sehr heftig wurde, blieben sie die Nacht über in -Gefechtslinie parallel zueinander liegen. Am 26. Juli kam es zur <em class="gesperrt">Schlacht -bei Öland</em>, die jedoch unentschieden blieb. Die Schweden standen zu -Luward und <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> griff an. Da er aber von seiner Nachhut -im Stich gelassen<a name="FNAnker_203_203" id="FNAnker_203_203"></a><a href="#Fussnote_203_203" class="fnanchor">[203]</a> wurde und <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> durch Abhalten beständig -auswich, kam es nur zweimal zum ernsteren Zusammenstoß zwischen -den Vorhuten und Mitten; die Schlacht endete mit Eintritt der Dunkelheit -ohne große Verluste auf beiden Seiten. An den beiden nächsten Tagen gelang -es den Schweden überhaupt nicht, an den Feind heranzukommen, ebensowenig -am 30. Juli, als sich die Gegner nochmals bei Bornholm sichteten; -der russische Admiral wollte eben einen Entscheidungskampf vor seiner<span class="pagenum"><a name="Page_432" id="Page_432">[432]</a></span> -Vereinigung mit <em class="gesperrt">Dessen</em> vermeiden. Als dann der Wind für dessen Herankommen -günstig wurde, lief <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> in Karlskrona ein, um nicht -durch den übermächtigen Feind von diesem Stützpunkte abgeschnitten zu -werden; zudem litten seine Besatzungen schwer unter Krankheiten. Am -2. August sollte auf Befehl des Königs eine Division von 3 Linienschiffen -und 3 Fregatten nach Finnland auslaufen, mußte aber umkehren, weil sie -die Russen vor dem Hafen antraf.</p> - -<p><em class="gesperrt">Karlskrona war blockiert.</em> <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> hatte sich -mit <em class="gesperrt">Dessen</em> vereinigt und verfügte jetzt über 33 Linienschiffe, darunter -6 Dreidecker, nebst 13 Fregatten; er hielt die Blockade bis Ende August -aufrecht und segelte dann zum Finnischen Meerbusen. Nun erst konnte -die schwedische Division in See gehen. Ihre Bestimmung war, eine russische -Stellung bei Porkala zu nehmen, die den Verkehr in den Schären hinderte, -da sie aber bald auf eine größere Zahl russischer Schiffe stieß, kehrte sie unverrichteter -Dinge zurück.</p> - -<p><em class="gesperrt">Herzog Karl</em> ersetzte seine Kranken durch Landrekruten, lief -aber erst auf wiederholten Befehl Mitte Oktober aus und kreuzte dann nur -auf Übungsfahrten in der südlichen Ostsee; als er erfahren hatte, daß neun -russische Schiffe in Reval aufgelegt hätten und der Rest nach Kronstadt -gesegelt sei, kehrte er am 21. Oktober nach Karlskrona zurück.</p> - -<p><b>Der Landkrieg 1789.</b> Nach einem harten Winter begann <em class="gesperrt">der Feldzug -in Finnland</em> erst im Juni und wurde dann mit wechselndem Waffenglück -geführt. Das schwedische Hauptheer unter <em class="gesperrt">König Gustav</em> stand -am Kymeneflusse, ein kleineres unter Oberst <em class="gesperrt">von Stedingk</em> weiter -nördlich in Savolaks. Hier überschritten die Russen Anfang Juni die Grenze -und drängten ihre Gegner zurück. Der König war am 25. Juni über den -Grenzfluß gegangen und siegreich vorgedrungen, ging aber dann der Lage -im Norden halber wieder bis Likala nahe Frederikshamn zurück; durch -weiteres Vorgehen gegen Wilmanstrand und Wiborg hätte er voraussichtlich -Stedingk entlastet und selber mehr erreicht; später wurden durch das Vorgehen -des Hauptheeres tatsächlich die Russen im Norden zum Rückzuge -gezwungen und der Oberst konnte wieder vorrücken. Bald aber gelang es -dem Feinde, die Verbindungstruppe zwischen dem Hauptheere und Stedingk -zu schlagen, und so dieses in der Flanke zu bedrohen. Der König wich darauf -bis zum Kymene, und nach der Schärenschlacht im Svensksunde, am 24. August, -sogar über den Fluß zurück, weil die Russen schon westlich von seiner Mündung -landeten.</p> - -<p>Bei Eintritt der Winterruhe war die Stellung der Heere nahezu die -gleiche wie im Frühjahr.</p> - -<p><b>Die Operationen der Schärenflotten.</b> <em class="gesperrt">Das schwedische Stockholmgeschwader</em> -litt wie die Hochseeflotte unter Mannschaftsmangel. -Im Juni und Juli ging es nach und nach zur finnländischen Küste, wobei -es Truppen geleitete; diese Transporte erforderten große Vorsicht, -weil die russische Hochseeflotte die nördliche Ostsee und den Finnischen<span class="pagenum"><a name="Page_433" id="Page_433">[433]</a></span> -Busen beherrschte. Dieses Galerengeschwader erreichte eine Stärke von 30 Fahrzeugen -mit 1650 Seeleuten und 6700 Soldaten. <em class="gesperrt">Das Sveaborggeschwader</em> -wurde Anfang Juni abteilungsweise bis zum Svensksunde, -etwa 10 Seemeilen südwestlich von Frederikshamn vorgeschoben; hier verfügte -der <em class="gesperrt">Oberadmiral Graf Ehrensvärd</em> über 86 armierte -Fahrzeuge mit rund 5600 Mann Land- und Seetruppen.</p> - -<p>Das weitere Vorgehen des Stockholmgeschwaders nach Osten ward -aber durch den Feind erschwert. Die Russen hatten sich zwar der Stellung -bei Hangö nicht wieder bemächtigen können, weil die Schweden sie befestigt -hatten, sich aber eine ähnliche auf der Halbinsel Porkala, 20 Seemeilen -westlich von Sweaborg, geschaffen und sperrten hier das Schärenfahrwasser, -das sie außerdem durch Schiffe ihrer Hochseeflotte an der ganzen Küste, besonders -in der Nähe von Helsingfors, beunruhigten. Die Schweden besetzten -deshalb eine große Zahl von Wachtstellen, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, -wodurch Ehrensvärd sehr geschwächt und verhindert wurde, auf -dem rechten Flügel des Landheeres weiter nach Osten vorzudringen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die russische Küstenflottille</em> war in diesem Jahre rechtzeitig -bereit und fast doppelt so stark als die schwedische beim Svensksunde. -Sie erschien Mitte August dort; das Hauptgeschwader von 78 Fahrzeugen -führte der <em class="gesperrt">Prinz von Nassau-Siegen</em>, den man nach seinen Erfolgen -im Schwarzen Meere nach Norden berufen hatte; ein zweites von -29 Fahrzeugen befehligte Admiral <em class="gesperrt">Kruse</em>.</p> - -<p>Dieser Macht konnte <em class="gesperrt">Ehrensvärd</em> nur 48 Schiffe entgegenstellen. -Nassau plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen -durch Kruse im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die <b>Schärenschlacht -im Svensksunde</b>. <em class="gesperrt">Ehrensvärd</em> hatte das Fahrwasser im Osten -notdürftig durch Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen -stationiert, seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform -verankert. Hier griff <em class="gesperrt">Kruse</em> am 24. August an, wurde aber abgewiesen. -Der schwedische Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen -zurückzuziehen, er erhielt jedoch von <em class="gesperrt">König Gustav</em>, der dem Kampfe -am Lande beigewohnt, ausdrücklichen Befehl, <em class="gesperrt">Nassau</em> entgegenzutreten, -der jetzt nach Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht -mußten die Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition -ausging. Der Feind verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung -Svartholm, etwa 20 Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses.</p> - -<p>Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische -über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt. -Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der Landung -westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische Landheer genötigt, -über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala ward erst -wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen Hochseeflotte am 23. Oktober -die Küste verließen; Mitte September hatten sie noch eine schwedische -Küstendivision im Barösunde angegriffen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_434" id="Page_434">[434]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die Kriegführung</em> 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. -Für ihr Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des -rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären unentbehrlich. -Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei Porkala -getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man zunächst -von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf Wachstationen zu verzetteln. -Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den Schutz der Schärenflotte -übernehmen und zu diesem Zwecke alles daransetzen müssen, frühzeitig im -Finnischen Meerbusen aufzutreten, um hier die Seeherrschaft zu erringen. -<em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> handelte mithin richtig, wenn er <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> in -der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht festhielt, bis er überlegen war. Daß -Rußland zu Lande nicht tatkräftiger vorging, scheint an der Unfertigkeit -seines Heeres gelegen zu haben; <em class="gesperrt">Potemkin</em>, der gegen die Türken kommandierte, -weigerte sich hartnäckig, Truppen nach dem Norden abzugeben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Der Kriegsplan Schwedens 1790</b> ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche -<em class="gesperrt">König Gustavs</em>, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, -hatte <em class="gesperrt">Katharina</em> mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der -Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte -sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs -über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von diesem -selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. <em class="gesperrt">Gustav</em> war empört -und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf Petersburg die Entscheidung -schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im allgemeinen Karlskrona -am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und Kronstadt erst -am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die eigenen Streitkräfte -so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in Reval und Kronstadt -getrennt liegenden Geschwader der russischen Hochseeflotte, sowie die auf -Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte -vor ihrer Vereinigung einzeln zu vernichten; dann sollte bei Petersburg -gelandet werden.</p> - -<p>Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor -der Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und -Wiborg nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung -der feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß überraschend -sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem Vorgehen -zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar oder -Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien einzubrechen -und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte, nördlich -und an der Küste mit je einem kleineren Korps.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Angriff am Lande</em> verzögerte sich aber, da der König aus politischen -Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die -Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch Ende Mai -zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der Unternehmungen zur See.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_435" id="Page_435">[435]</a></span></p> - -<p><b>Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790.</b> <em class="gesperrt">Die schwedische -Flotte</em> verließ unter <em class="gesperrt">Herzog Karl von Södermanland</em> -— Chef des Stabes Kontreadmiral <em class="gesperrt">Nordenskjöld</em> — 21 Linienschiffe -und 13 Fregatten stark am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren -2 Fregatten, eine Brigg und ein Schoner in See gegangen und hatten am -17. die Stadt Raagervik, das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich -von Reval zur Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse -und andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, -aber den Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein -baldiges Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten -überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte -erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und -ankerte am 12. bei Raagervik.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790.</em> Admiral <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> -hatte 8 Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich -von der Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten -nach See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so -fast die ganze Bucht. <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> griff diese Stellung am 13. Mai an, -indem er bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, -an der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des -starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß -erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie war -schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der Leeküste -wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast beständig -manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich nur auf -3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während diese -das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind während -des Kampfes zum Sturm wurde, gab <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> den Befehl zum Abbrechen -des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und 8 Fregatten, -die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte dann -vor der Bucht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Verluste</em> der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden -verloren auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie -ins Feuer gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe -gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen -und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen -zu lassen; ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, -gleichfalls auf Grund geraten und ward von den Russen genommen.</p> - -<p>Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt -die Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter -mit Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch -leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. <em class="gesperrt">Herzog -Karl</em> schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen Ausbesserung -nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine Verstärkung von 2 Linienschiffen<span class="pagenum"><a name="Page_436" id="Page_436">[436]</a></span> -und einer Fregatte. Er blieb bis zum 24. Mai vor Reval, ging dann -nach der Insel Hogland und von hier erst am 31. auf Befehl des Königs gegen -Kronstadt vor. <em class="gesperrt">Tschitschagoffs</em> Flotte ließ man im Rücken, nachdem -man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu -vervollständigen. <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> und Admiral <em class="gesperrt">Nordenskjöld</em> sollen -dies allerdings gemißbilligt haben.</p> - -<p><b>Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790.</b> <em class="gesperrt">In Schweden</em> -waren durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, -27 Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und Mörserbarkassen -und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht wurde -bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Angriff auf Frederikshamn.</em> Am 14. Mai erschien <em class="gesperrt">König -Gustav</em> mit etwa 100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille -von Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen -Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien -unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben -den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der -König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch -knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte -mit der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten -Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends zurückzogen. -Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19. Mai, das allerdings -nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie die Hochseeflotte -vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere Versuche auf -und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter nach Osten vor, -am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte, passierte am 2. Juni die -Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im Björkösunde etwa 30 Seemeilen -südlich dieser Stadt; sie hatte durch Zuzüge von Westen nach und nach -fast ihre volle Stärke, 282 armierte Fahrzeuge, erreicht.</p> - -<p><em class="gesperrt">Gustav</em> entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der -Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch -die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden.</p> - -<p><b>Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790.</b> Schon -während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem -Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> -hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den Ankerplatz -erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am 3. Juni -kam es zur Schlacht.</p> - -<p class="small"><b>Die Stärke der Flotten.</b> <em class="gesperrt">Die russische</em> unter <em class="gesperrt">Vizeadmiral Kruse</em> -zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74 Kanonen und 13 Fregatten. -Die Schiffe waren in guter Verfassung, die Besatzungen jedoch noch nicht -ausgebildet. Die <em class="gesperrt">schwedische</em> bestand aus 21 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen -und 13 Fregatten. Zwei schwere Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch -standen in dieser nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des -Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren Fregatten wurde<span class="pagenumsmall"><a name="Page_437" id="Page_437">[437]</a></span> -eine leichte Division gebildet, die selbständig an geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen -sollte.</p> - -<p>Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand <em class="gesperrt">Kruse</em> bei leichtem östlichen Winde -etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug -in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher Weise -Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4½ Uhr begann der Kampf -der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen erst später -ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung. Manöver der -Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr, auch scheint -<em class="gesperrt">Kruse</em> einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am Nachmittage -kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über Backbordbug, aber -jetzt die Schweden zu Luward und <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> griff um 2½ Uhr an. -Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde abhielt, kam -es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Herzog Karl</em> erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von -Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen wollte. -Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am Abend -Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte es -hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen konnten. -Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine Entscheidung -herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht standhielt; -nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie. Die Flotten -hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis auf 12–15 Seemeilen -genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8 Uhr abends -zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann der nördlichen -Küste zu nahe kamen.</p> - -<p>Wesentliche <em class="gesperrt">Verluste</em> hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht -gebracht, nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt.</p> - -<p>Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> -mit der Revalflotte — 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten -— in Sicht und <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> mußte sich vor allen Dingen aus -dem engen Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte -zu werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber -nicht gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, -daß dann auch <em class="gesperrt">König Gustav</em> mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde -weichen und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen -würde. Dementsprechend berichtete er.</p> - -<p>Dem Rückzuge der Schweden folgte <em class="gesperrt">Kruse</em>, der die Revalflotte gleichfalls -gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es -war ein Glück für <em class="gesperrt">Herzog Karl</em>, daß der Wind während der Nacht -abflaute und auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war -es diesig, so daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten -und deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge, -erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die Bucht<span class="pagenum"><a name="Page_438" id="Page_438">[438]</a></span> -von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte am 6. -morgens in deren Eingange.</p> - -<p>Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten -schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert.</p> - -<p><b>Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch.</b> -Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg -beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel Biskopö -im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen Punkten und -durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird aber das Fahrwasser -auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei Krosserort sowie auf eine -zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt. Hinter diesen Durchfahrten -wurden die Schiffe der Hochseeflotte — 21 Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge -— in Verteidigungslinien verankert.</p> - -<p>Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden -Insel Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt -1½, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße -von Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier -lag die schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann -Besatzung<a name="FNAnker_204_204" id="FNAnker_204_204"></a><a href="#Fussnote_204_204" class="fnanchor">[204]</a>.</p> - -<p>Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem -Oberbefehl des Admirals <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em>, 30 Linienschiffe und 20 Fregatten -stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen von -der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten -sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den Björkösund -unter dem Prinzen <em class="gesperrt">von Nassau</em>. Anfangs waren es nur 49 Fahrzeuge -aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte von Kronstadt -wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7 Fregatten und -74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48 Fahrzeuge.</p> - -<p>Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der -nächsten Wochen immer gefährdeter. <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> legte nach -genauem Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen -und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter -abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem -Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des <em class="gesperrt">Königs Gustav</em> -vom 11.–20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten, -um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das Fahrwasser -beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen mit<span class="pagenum"><a name="Page_439" id="Page_439">[439]</a></span> -ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser ein, -da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am 29. Juni -ging <em class="gesperrt">Nassau</em> gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis zur engsten -Stelle zurück.</p> - -<p>Unter diesen Umständen mußte <em class="gesperrt">Gustav</em> alles daransetzen, sich aus -seiner unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung -verschiedener Pläne ward <em class="gesperrt">der Durchbruch mit beiden -Flotten</em> in der engen Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde -beschlossen. <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> hatte schon früher wiederholt hierzu -geraten, ehe die Einschließung so eng geworden war, der König aber wies -es schroff zurück, weil er es für feige hielt.</p> - -<p class="small"><b>Der Durchbruch am 3. Juli 1790.</b> Der Plan zum Durchbruch war genau ausgearbeitet. -Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus dem Björkösunde -in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, -sowie die Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht -mit der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4½ Uhr abbrachen, -um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der Feind nicht, vielleicht wollte er -den Leuten nach dem nächtlichen Kampfe Ruhe gönnen.</p> - -<p class="small">Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten vorbereitet; -die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn festgemacht, -so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die Takelage zu schicken und dadurch -die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre -Ankerplätze und setzten sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. -Um 7½ Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort. Hier -lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer zum Fahrwasser. -Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr Feuer mit solchem Erfolge -abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff -passierte; von den etwa 4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3–400 unverwundet -geblieben sein. Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten -in Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch behindert.</p> - -<p class="small">Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See erreicht -haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten wäre. Beim Passieren von -Krosserort wurden ein Linienschiff und eine Fregatte durch einen eigenen Brander -in Flammen gesetzt und flogen auf; der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande -sein Fahrzeug ohne Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche -liefen verschiedene Schiffe auf Grund.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nach dem geglückten Durchbruch</em> nahm <em class="gesperrt">die schwedische -Hochseeflotte</em> Kurs auf Hogland. Die russische begann erst -gegen 10 Uhr vormittags zur Verfolgung unter Segel zu gehen. <em class="gesperrt">Tschitschagoff</em> -scheint das Vorgehen der Schweden längere Zeit nur für ein -Scheinmanöver gehalten und den eigentlichen Angriff in dem breiteren östlichen -Fahrwasser erwartet zu haben; dann dauerte auch das Ankerlichten -und Formieren der Flotte unverständlich lange. So gewann <em class="gesperrt">Herzog Karl</em> -einen großen Vorsprung und erreichte am 5. Juli abends die Rhede von Sweaborg; -nur zwischen den vordersten russischen und einigen zurückgebliebenen -schwedischen Schiffen kam es zum Kampfe, wobei zwei der letzteren genommen -wurden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_440" id="Page_440">[440]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Die schwedische Schärenflotte</em> folgte zunächst der Hochseeflotte, -hielt dann aber früher zur Küste ab und erreichte die Aspöschären. -Auf dem Wege dorthin ward sie von einer Fregattendivisjon angegriffen, die -bisher etwa 10 Seemeilen westlich der Wiborgbucht beim Pitkepasse das -Schärenfahrwasser gesperrt und auch tatsächlich den Zuzug einiger Abteilungen -schwedischer Fahrzeuge gehindert hatte. Diese Division brach in -die Küstenflotte ein und zwang eine große Zahl von Fahrzeugen, die Flagge -zu streichen, konnte aber nur einige von ihnen in Besitz nehmen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust der Schweden</em> betrug in der Hochseeflotte -7 Linienschiffe, 3 Fregatten und 4000 Mann, in der Küstenflotte 21 Kriegs- -und 30 Transportfahrzeuge, sowie rund 2000 Mann. Der Verlust der letzteren -würde sicher noch viel größer gewesen sein, wenn der Gegner im Björkösunde -sofort nachgedrängt hätte. Aber dies geschah erst spät und die vordersten -Fahrzeuge hielten sich dann bei den festgekommenen schwedischen Schiffen auf.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Russen</em> büßten 4–5000 Mann ein und 11 ihrer Linienschiffe -waren so beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht verwendet werden konnten, -einige wurden sogar völlig unbrauchbar.</p> - -<p><b>Die zweite Schlacht im Svensksunde am 9. Juli 1790</b> war das letzte größere -Ereignis des Krieges. Die schwedische Hochseeflotte — 14 Linienschiffe, -9 Fregatten — ward von der russischen — 19 Linienschiffe — in Sweaborg -blockiert. Mit der Küstenflotte hatte sich <em class="gesperrt">König Gustav</em> von den Aspöschären -in den Svensksund zurückgezogen; sie zählte am 8. Juli 195 armierte -Fahrzeuge mit 450 schweren Geschützen und 14000 Mann.</p> - -<p>Sie nahm hier eine ähnliche Verteidigungsstellung ein wie 1789 unter -<em class="gesperrt">Ehrensvärd</em> (vgl. Seite <a href="#Page_433">433</a>) und wurde am 9. Juli durch <em class="gesperrt">Nassau</em> -von Frederikshamn aus mit 160 Fahrzeugen angegriffen. Sie war zwar den -Russen an Zahl überlegen, aber deren Schiffe waren im allgemeinen größer, -schwerer armiert und stärker bemannt, sie führten 850 schwere Geschütze -und 18500 Mann.</p> - -<p><em class="gesperrt">Nassau</em> ließ den Nordostausgang des Sundes nur durch schwache -Kräfte beobachten und richtete den Angriff gegen die Hauptmacht des -Gegners im Südwesteingange, aus dem die Schweden im Jahre vorher durchgebrochen -waren. Er führte bei südwestlichem Winde die Flotte in 3 Kolonnen -an die schwedische Stellung heran. Die mittlere, 20 der größten Schiffe, -ankerte vor der Mitte der feindlichen Linie, die beiden anderen vor deren -Flügeln. Um 9½ Uhr vormittags begann der Kampf, und schon nach zwei -Stunden sah sich der russische linke Flügel zum Rückzuge genötigt. Dies -war um so verhängnisvoller, als der schwedische rechte Flügel einen Winkel -mit seiner Mitte und dem linken bildete, mithin imstande war, die russische -Mitte in der Flanke zu bedrohen. Zwar stießen die Gewichenen nochmals -vor, aber wieder vergeblich, da die Schweden hier jetzt Verstärkung durch -die Kräfte am Nordosteingange erhalten hatten, die nicht angegriffen -waren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_441" id="Page_441">[441]</a></span></p> - -<p>Durch das Flankenfeuer der Schweden sah sich auch die russische Mitte -gegen 4 Uhr nachmittags zum Rückzuge genötigt, und der rechte Flügel schloß -sich an, da auch sein Gegner verstärkt worden war. Der Rückzug gelang den -Ruderfahrzeugen verhältnismäßig gut, aber die größeren Segler konnten mit -ihren zerschossenen Takelagen nur schwer gegen den Wind aufkreuzen. -Durch Zusammentreiben entstand ein Gewirr, in das die schwedischen -Kanonenschaluppen bis 10 Uhr abends hineinfeuerten; viele Russen kamen -auf Grund oder trieben an den Strand. Die Nacht brachte eine Pause, aber -am nächsten Morgen nahmen die Schweden die Verfolgung wieder auf und -verjagten den Feind auch aus den Aspöschären, in die er sich zurückgezogen -hatte; in Einzelgefechten wurden noch viele Fahrzeuge genommen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Verlust der Russen</em> betrug 5 Fregatten, 48 Fahrzeuge, -3000 Tote und Verwundete, sowie 6500 Gefangene; die Schweden büßten nach -eigener Angabe nur etwa 300 Mann ein.</p> - -<p><b>Die Kriegführung des Jahres 1790</b> zeigt auf schwedischer Seite ähnliche -Fehler wie im Vorjahre. Wieder ließ man die zu dem beabsichtigten überraschenden -Angriff günstige Zeit verstreichen. Hierdurch, sowie durch die -Untätigkeit der Hochseeflotte nach der Schlacht bei Reval und durch das -lange Verweilen der Schärenflotte vor Frederikshamn gewann Rußland Zeit, -seine Rüstungen zu vollenden. Schwere Mißgriffe waren es, daß man die Revalflotte -nicht zu vernichten suchte und später die gesamten Kräfte in Wiborg -einschließen ließ. Diese Fehler werden zum größten Teile dem Könige zur -Last gelegt, und wohl mit Recht. Er faßte große, ganz richtige Pläne, führte -sie aber nicht tatkräftig durch und schadete seiner Sache durch persönliches -Eingreifen, das oft militärische Einsicht vermissen ließ.</p> - -<p>Die Russen verfuhren wie im Vorjahre richtig, indem sie sich zurückhielten, -namentlich auf See, bis sie stark genug waren. Als einen Fehler muß -man jedoch den Angriff beim Svensksunde bezeichnen, da sie dem Gegner -alle Zufuhren abschneiden, auf den benachbarten Inseln Batterien einrichten -und ihn so allmählich vernichten konnten, aber der Prinz von Nassau war -zu siegesgewiß und wollte den Jahrestag der Krönung seiner Kaiserin durch -einen großen Erfolg verherrlichen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Der Friede zu Werelä, 14. August 1790.</em> Die Niederlage beim Svensksunde -machte tiefen Eindruck auf <em class="gesperrt">Katharina</em>, und sie zeigte sich jetzt zu -Unterhandlungen bereit. Sie verzichtete auf die demütigenden Forderungen -einer Abbitte durch <em class="gesperrt">König Gustav</em>, sowie einer Einmischung in die -inneren Verhältnisse Schwedens. Schon am 14. August ward in Werelä der -Friede geschlossen, nach dem der Besitzstand in Finnland wie vor dem Kriege -hergestellt wurde.</p> - -<p>Der blutige und kostspielige Krieg — er hatte Schweden 50000 Mann, -15 Linienschiffe, sowie 23 Millionen Taler gekostet — brachte keinem der beiden -Völker einen Vorteil, nur <em class="gesperrt">König Gustav</em> hatte durch ihn eine bessere -Stellung in seinem Lande gewonnen. Das Selbstbewußtsein der Schweden<span class="pagenum"><a name="Page_442" id="Page_442">[442]</a></span> -war erstarkt, weil sie sich dem mächtigen Gegner gewachsen gezeigt hatten; -dies war doch aber nur infolge von dessen Ablenkung durch die Türken möglich -gewesen. Rußland hatte dagegen bewiesen, daß es auch als Seemacht -auftreten konnte, und <em class="gesperrt">Katharina</em> zog aus ihrem Freiwerden im Norden -Nutzen für ihre Pläne im Westen und Süden.</p> - -<p>Dieser Nebenkrieg erscheint besonders dadurch bemerkenswert, daß -in ihm die Unternehmungen am Lande infolge der geographischen Verhältnisse -fast völlig abhängig von dem Küsten- und damit auch von dem -Seekriege waren; <em class="gesperrt">die Beherrschung der See gab den Ausschlag</em>.</p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p442.jpg" width="200" height="176" - alt="deco_p442" - title="deco_p442" /> -</div> - -<div class="footnotes"> - -<p>Fußnoten:</p> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_195_195" id="Fussnote_195_195"></a><a href="#FNAnker_195_195"><span class="label">[195]</span></a> Anschließend an Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_592">592/3</a>. Näheres findet man in den Spezialwerken -der verschiedenen Völker, z. B.: Clowes, Band III; Lacour I, Bonfils, Band II; -de Jonge, Band IV. De Jonge beschreibt alle die holländische Marine betreffenden -Ereignisse sehr eingehend; aus diesen Schilderungen ergibt sich klar, wie sich die Kämpfe -im allgemeinen abspielten.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_196_196" id="Fussnote_196_196"></a><a href="#FNAnker_196_196"><span class="label">[196]</span></a> Das energische Auftreten Keppels wird durch die Anekdote gekennzeichnet, -die in den Personalien dieses Admirals bereits erwähnt ist (Seite 249).</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_197_197" id="Fussnote_197_197"></a><a href="#FNAnker_197_197"><span class="label">[197]</span></a> Kirchhoff, Band I, schildert die Kriege in der Ostsee bis in Einzelheiten genau; -die Darstellung folgt ihm in der Hauptsache. In seinem Werke findet man auch die eingehende -innere Geschichte der Marinen Rußlands, Schwedens und Dänemarks, ähnlich -wie sie hier für die der Westmächte fortlaufend gegeben wird.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_198_198" id="Fussnote_198_198"></a><a href="#FNAnker_198_198"><span class="label">[198]</span></a> Angaben über die nordischen Marinen in der früheren Zeit siehe Band 1, -Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_582">582</a> ff.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_199_199" id="Fussnote_199_199"></a><a href="#FNAnker_199_199"><span class="label">[199]</span></a> Vgl. Band I, Seite <a href="http://www.gutenberg.org/files/63853/63853-h/63853-h.htm#Page_583">583</a>.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_200_200" id="Fussnote_200_200"></a><a href="#FNAnker_200_200"><span class="label">[200]</span></a> Der Kriegshafen ward 1788 nach Nikolajew am Bug verlegt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_201_201" id="Fussnote_201_201"></a><a href="#FNAnker_201_201"><span class="label">[201]</span></a> Hauptquelle: Kirchhoff, vgl. die Anmerkung zu Seite 418. Das Werk behandelt -besonders auch die Ereignisse des Schärenkrieges sehr eingehend, die hier kürzer gefaßt -sind.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_202_202" id="Fussnote_202_202"></a><a href="#FNAnker_202_202"><span class="label">[202]</span></a> Kirchhoff gibt Band I, Seite 328 ff., lesenswerte Angaben über die Entwicklung -der Armeeflotte, sowie über die verschiedenen Schiffstypen.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_203_203" id="Fussnote_203_203"></a><a href="#FNAnker_203_203"><span class="label">[203]</span></a> Das Verhalten der Nachhut grenzte hart an Verrat. Der Führer, Admiral -<em class="gesperrt">Liljehorn</em>, nahm seinen Posten nicht ein, er rief sogar einige seiner Schiffe zurück, -die den Kampf suchten. Wahrscheinlich war sein und einiger seiner Kommandanten -Verhalten Folge der Parteizwiste in Schweden; er ward kriegsgerichtlich zum Tode -verurteilt, aber vom Könige zu Dienstentlassung begnadigt.</p></div> - -<div class="footnote"><p><a name="Fussnote_204_204" id="Fussnote_204_204"></a><a href="#FNAnker_204_204"><span class="label">[204]</span></a> Die Zahlenangaben über die Stärken der Küstenflottillen schwanken in den -Quellen sehr. Wir geben sie durchweg nach Kirchhoff. Obenstehende Angabe erscheint -sehr hoch, denn nach derselben Quelle besaß Schweden 1790 überhaupt nur 285 armierte -Fahrzeuge und die pommersche Abteilung scheint nicht in Wiborg gewesen zu sein. -Nach dem Durchbruch fanden sich dann nach Kirchhoff nur 195 im Svensksunde zusammen, -obgleich nicht mehr als 21 verloren gegangen waren.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_443" id="Page_443">[443]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p443.jpg" width="600" height="94" - alt="deco_p443" - title="deco_p443" /> -</div> - -<h2>Seekriege 1739–1793.</h2> - -<table cellpadding="2" summary="p443_1"> - <tr> - <td class="tdc">Zeit</td> - <td> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1739–1748</td> - <td class="tdl">Der Englisch-Spanische Krieg und der Österreichische Erbfolgekrieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_45">45</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1756–1763</td> - <td class="tdl">Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg zwischen England und -Frankreich (Spanien)</td> - <td class="page"><a href="#Page_116">116</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1775–1783</td> - <td class="tdl">Der Nordamerikanische Freiheitskrieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_207">207</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1739–1793</td> - <td class="tdl">Kämpfe mit den Barbaresken</td> - <td class="page"><a href="#Page_417">417</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1741–1743</td> - <td class="tdl">Schwedisch-Russischer Krieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_418">418</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1756–1763</td> - <td class="tdl">Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege</td> - <td class="page"><a href="#Page_421">421</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1768–1774</td> - <td class="tdl">Russisch-Türkischer Krieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_422">422</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1787–1791</td> - <td class="tdl">Russisch-Türkischer Krieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_424">424</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">1788–1790</td> - <td class="tdl">Schwedisch-Russischer Krieg</td> - <td class="page"><a href="#Page_425">425</a></td> - </tr> -</table> - -<h2>Seeschlachten.<br /> -<span style="font-size: 80%;">Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte.</span></h2> - -<table cellpadding="2" summary="p443_2"> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4"><b>Im Spanisch-Englischen und im Österreichischen Erbfolgekriege 1739–1748.</b></td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="2">Zeit</td> - <td> </td> - <td class="tdl">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td>1739</td> - <td class="tdl">22. November</td> - <td class="tdl">Puerto Belo erobert (Vernon)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_60">60</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1740</td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="tdl">Spanische Städte in Mittelamerika beschossen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_62">62</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1741</td> - <td class="tdl">März</td> - <td class="tdl">Cartagena angegriffen (Vernon)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_64">64</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1741</td> - <td class="tdl">Juli</td> - <td class="tdl">Santiago de Cuba angegriffen (Vernon)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_67">67</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1743</td> - <td class="tdl">Februar/Mai</td> - <td class="tdl">La Guayra, Puerto Cabello beschossen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_69">69</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1744</td> - <td class="tdl">22. Februar</td> - <td class="tdl">Schlacht vor Toulon (Mathews; de Court)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_75">75</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1745</td> - <td class="tdl">Mai/Juni</td> - <td class="tdl">Louisbourg erobert (Warren und Peperrel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_93">93</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1746</td> - <td class="tdl"> 7. Juli</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Negapatam (Labourdonnaye; Peyton)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_101">101</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1746</td> - <td class="tdl">21. September</td> - <td class="tdl">Madras erobert (Labourdonnaye)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_102">102</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1746</td> - <td class="tdl">Oktober</td> - <td class="tdl">Lorient angegriffen (Lestock)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_87">87</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1747</td> - <td class="tdl">14. Mai</td> - <td class="tdl">Erste Schlacht bei Kap Finisterre (Anson; de La Jonquière)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_89">89</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1747</td> - <td class="tdl">25. Oktober</td> - <td class="tdl">Zweite Schlacht bei Kap Finisterre (Hawke; de L'Etanduère)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_90">90</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1748</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl">Pondichery angegriffen (Boscawen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_105">105</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1748</td> - <td class="tdl"> 1. Oktober</td> - <td class="tdl">Gefecht vor Havanna (Knowles; Spinola)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_98">98</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4"><b>Im Siebenjährigen Kriege 1756–1763.</b></td> - </tr> - <tr> - <td>1756</td> - <td class="tdl">April</td> - <td class="tdl">Minorka erobert (La Gallissonnière)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_133">133</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1756</td> - <td class="tdl">20. Mai</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Minorka (La Gallissonnière; Byng)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_135">135</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1756</td> - <td class="tdl">September</td> - <td class="tdl">Rochefort angegriffen (Hawke)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_143">143</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1757</td> - <td class="tdl">21. Oktober</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Le Cap, Westindien (Forrest; Kersaint)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_176">176</a><span class="pagenum"><a name="Page_444" id="Page_444">[444]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td>1758</td> - <td class="tdl">29. April</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Cuddalore (Pocock; d'Aché)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_189">189</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1758</td> - <td class="tdl">27. Juli</td> - <td class="tdl">Louisbourg erobert (Boscawen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_169">169</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1758</td> - <td class="tdl"> 3. August</td> - <td class="tdl">Schlacht vor Negapatam (Pocock; d'Aché)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_192">192</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1758</td> - <td class="tdl"> </td> - <td class="tdl">Angriffe auf französische Häfen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_145">145</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">1758–1762</td> - <td class="tdl">Eroberung der französischen Inseln in Westindien</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_177">177</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td class="tdl"> 3. Juli</td> - <td class="tdl">Le Havre beschossen (Rodney)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_151">151</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td class="tdl">18. August</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Lagos (Boscawen; de La Clue)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_148">148</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td class="tdl">10. September</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Porto Novo (Pocock; d'Aché)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_194">194</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td class="tdl">21. September</td> - <td class="tdl">Quebec erobert (Sounders und Wolfe)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_171">171</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td class="tdl">20. November</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Quiberon (Hawke; de Conflans)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_154">154</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1759</td> - <td> </td> - <td class="tdl">Pondichery erobert</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_154">154</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1761</td> - <td class="tdl">April/Mai</td> - <td class="tdl">Belle-Isle erobert (Keppel)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_161">161</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1762</td> - <td class="tdl">Juni/Juli</td> - <td class="tdl">Havanna erobert (Pocock und Albemarle)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_180">180</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1762</td> - <td class="tdl">Sept./Okt.</td> - <td class="tdl"> Manila erobert (Cornish und Draper)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_197">197</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4"><b>Im Nordamerikanischen Freiheitskriege 1775–1783.</b></td> - </tr> - <tr> - <td>1776</td> - <td class="tdl">März</td> - <td class="tdl">Angriff auf die Bahamainseln (Hopkins)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_241">241</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1776</td> - <td class="tdl">28. Juni</td> - <td class="tdl">Charleston angegriffen (Peter Parker)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_231">231</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1776</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl">Long Island erobert (Howe)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_235">235</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1778</td> - <td class="tdl">27. Juli</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Ouessant (Keppel; d'Orvilliers)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_251">251</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1778</td> - <td class="tdl">August</td> - <td class="tdl">Newport (Narragansettbucht) angegriffen (d'Estaing)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_263">263</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1778</td> - <td class="tdl">13. Dezember</td> - <td class="tdl">Sta. Lucia erobert (Barrington)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_273">273</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1778</td> - <td class="tdl">15./18. Dez.</td> - <td class="tdl">Versuch der Wiedereroberung (d'Estaing)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_274">274</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1779</td> - <td class="tdl">April/Mai</td> - <td class="tdl">Kanalinseln (Jersey) angegriffen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_287">287</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1779</td> - <td class="tdl"> 6. Juli</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Grenada (d'Estaing; Byron)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_270">270</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1779</td> - <td class="tdl">18. Dezember</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Martinique (Hyde-Parker; La Motte-Picquet)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_281">281</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1779</td> - <td class="tdl">Dezember</td> - <td class="tdl">Savannah angegriffen (d'Estaing)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_281">281</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">16. Januar</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Kap St. Vincent (Rodney; Langara)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_293">293</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">20. März</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Monte Christi (La Motte-Picquet; Cornwallis)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_299">299</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">17. April</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Martinique (Rodney; de Guichen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_301">301</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">11. Mai</td> - <td class="tdl">Charleston erobert (Clinton und Arbuthnot)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_308">308</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">15. u. 19. Mai</td> - <td class="tdl">Gefechte bei Martinique (Rodney; de Guichen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_304">304</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1780</td> - <td class="tdl">20. Juni</td> - <td class="tdl">Gefecht bei den Bermudainseln (de Ternay; Cornwallis)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_309">309</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl">16. März</td> - <td class="tdl">Erste Schlacht vor der Chesapeakebucht (Arbuthnot; Des Touches)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_333">333</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl">16. April</td> - <td class="tdl">Schlacht von Porto Praya (Suffren; Johnstone)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_382">382</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl">29. April</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Martinique (de Grasse; Hood)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_327">327</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl"> 5. August</td> - <td class="tdl">Schlacht auf der Doggerbank (Hyde-Parker; Zoutman)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_321">321</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl"> 5. September</td> - <td class="tdl">Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht (de Grasse; Graves)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_338">338</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1781</td> - <td class="tdl">12. September</td> - <td class="tdl">Vernichtung eines französischen Konvois (Kempenfelt; de Guichen)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_323">323</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">25. Januar</td> - <td class="tdl">Schlacht bei St. Christopher (St. Kitts) (Hood; de Grasse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_355">355</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">26. Januar</td> - <td class="tdl">Ankergefecht bei St. Christopher (St. Kitts) (Hood; de Grasse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_357">357</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl"> 4. Februar</td> - <td class="tdl">Minorka von Spanien erobert</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_318">318</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">17. Februar</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Sadras (Suffren; Hughes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_385">385</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl"> 9. April</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Dominica (Rodney; de Grasse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_361">361</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">12. April</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Dominica (Les Saintes) (Rodney; de Grasse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_363">363</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">12. April</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Providien (Suffren; Hughes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_388">388</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl"> 6. Juli</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Negapatam (Suffren; Hughes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_390">390</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl"> 3. September</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Trincomali (Suffren; Hughes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_394">394</a><span class="pagenum"><a name="Page_445" id="Page_445">[445]</a></span></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">13. September</td> - <td class="tdl">Der große Angriff der Spanier auf Gibraltar</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_350">350</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1782</td> - <td class="tdl">20. Oktober</td> - <td class="tdl">Gefecht bei Kap Spartel (Howe; Cordoba)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_352">352</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1783</td> - <td class="tdl">20. Juni</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Cuddalore (Suffren; Hughes)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_400">400</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="4"> </td> - </tr> - <tr> - <td class="tdc" colspan="4"><b>In den Nebenkriegen 1740–1793.</b></td> - </tr> - <tr> - <td>1758</td> - <td class="tdl">11. September</td> - <td class="tdl">Gefecht einer schwedischen und einer preußischen Flottille beim Reppiner Haken</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_421">421</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">1760 u. 1761</td> - <td class="tdl">Kolberg durch Schweden und Russen beschossen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_421">421</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1761</td> - <td class="tdl">Juni</td> - <td class="tdl">Sale und Larache durch Franzosen beschossen (Du Chaffault)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_418">418</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1770</td> - <td class="tdl"> 5. Juli</td> - <td class="tdl">Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme (Orlow)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_423">423</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1788</td> - <td class="tdl">28./29. Juni</td> - <td class="tdl">Siege der russischen Flotte über die türkische vor Otschakow</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_425">425</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1788</td> - <td class="tdl">17. Juli</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Hogland (Herzog Karl von Södermanland; Greigh)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_428">428</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1789</td> - <td class="tdl">26. Juli</td> - <td class="tdl">Schlacht bei Öland (Herzog Karl; Tschitschakoff)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_431">431</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1789</td> - <td class="tdl">24. August</td> - <td class="tdl">Schärenschlacht im Svensksunde (Ehrensvärd; Prinz von Nassau)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_433">433</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl">17. März</td> - <td class="tdl">Raagervik (Baltisch Port) überrumpelt</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_435">435</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl">13. Mai</td> - <td class="tdl">Schlacht vor Reval (Herzog Karl; Tschitschakoff)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_435">435</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl">15. Mai</td> - <td class="tdl">Frederikshamn angegriffen (König Gustav III.)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_436">436</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl">3./4. Juni</td> - <td class="tdl">Schlacht in der Kronstädter Bucht (Herzog Karl; Kruse)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_436">436</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl"> 3. Juli</td> - <td class="tdl">Durchbruch der schwedischen Flotte aus der Wiborgbucht</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_438">438</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1790</td> - <td class="tdl"> 9. Juli</td> - <td class="tdl">Schärenschlacht im Svensksunde (König Gustav; Prinz von Nassau)</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_440">440</a></td> - </tr> - <tr> - <td>1791</td> - <td class="tdl">19. Juli, 8./9. September</td> - <td class="tdl">Siege der russischen Flotte über die türkische im Schwarzen Meere</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_425">425</a></td> - </tr> -</table> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p445.jpg" width="200" height="107" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_446" id="Page_446">[446]</a></span></p> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p446.jpg" width="607" height="104" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<h2>Sach- und Namenverzeichnis.</h2> - -<ul class="index"> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>A</b>bo</em>, Frieden zwischen Rußland und Schweden (1743) <a href="#Page_420">420</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Aché</em>, Comte de, franz. Admiral, in Indien im Siebenj. Kriege <a href="#Page_143">143</a>; -Schlachten bei Cuddalore (1758) <a href="#Page_189">189</a>, Negapatam <a href="#Page_192">192</a>, Porto Novo (1759) -<a href="#Page_194">194</a>; Beurteilung <a href="#Page_195">195</a>; <a href="#Page_203">203</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Admirale</em>, Dienstgrade der englischen <a href="#Page_25">25</a>, der französischen <a href="#Page_33">33</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Admiralität</em>, engl. <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Aiguillon</em>, Herzog von, franz. General <a href="#Page_146">146</a>; <a href="#Page_147">147</a>; <a href="#Page_163">163</a>; Premierminister -(1770) <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Aix, Ile d'</em>, Angriffe auf (1758) <a href="#Page_145">145</a>; (1761) <a href="#Page_162">162</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Amherst</em>, engl. General im Siebenj. Kriege <a href="#Page_169">169</a>; <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Angria</em>, indischer Seeräuber (1755) <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Anjalabund</em>, Empörung schwed. Offiziere (1788) <a href="#Page_429">429</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Anson</em>, engl. Admiral, <a href="#Page_17">17</a>; Weltumsegelung und Personalien <a href="#Page_70">70</a>; Schlacht bei -Finisterre (1747) <a href="#Page_88">88</a>; <a href="#Page_144">144</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Antin, d'</em>, franz. Admiral in Westindien (1740) <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Anville</em>, Herzog von, franz. Admiral, Expedition nach Kanada (1746) <a href="#Page_95">95</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Arbuthnot</em>, engl. Admiral (1780): vor Charleston <a href="#Page_307">307</a>; in New York <a href="#Page_310">310</a>; -Beurteilung <a href="#Page_314">314</a>; (1781): <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_333">333</a>; Schlacht vor der Chesapeakebucht <a href="#Page_334">334</a>; -<a href="#Page_342">342</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Arçon, d'</em>, franz. Genieoffizier, Erbauer der schwimmenden Batterien vor -Gibraltar <a href="#Page_349">349</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Arnold</em>, nordamer. General (1775): <a href="#Page_227">227</a>; Einfall in Kanada <a href="#Page_228">228</a>; (1776) auf -dem Champlainsee <a href="#Page_233">233</a> ff.; (1780) sein Verrat, tritt in engl. Dienst <a href="#Page_311">311</a>; -(1781): <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_332">332</a>; Einfall in Virginia <a href="#Page_333">333</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Artillerie</em>, Stand der, 1740–1793, <a href="#Page_19">19</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Assientovertrag</em> <a href="#Page_3">3</a>; <a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>B</b>ahamainseln</em> von den Amerikanern gebrandschatzt (1776) <a href="#Page_241">241</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Barras</em>, franz. Admiral, in Nordamerika (1781) <a href="#Page_330">330</a>; <a href="#Page_335">335</a>; <a href="#Page_336">336</a>; <a href="#Page_337">337</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Barrington</em>, engl. Admiral (1778): <a href="#Page_247">247</a>; Oberbefehl in Westindien -(Personalien) <a href="#Page_272">272</a>; erobert und verteidigt Sta. Lucia <a href="#Page_274">274</a> ff; (1779): bei -Grenada <a href="#Page_276">276</a>; <a href="#Page_280">280</a>; <a href="#Page_283">283</a>; (1782): vernichtet einen franz. Konvoi <a href="#Page_345">345</a>; <a href="#Page_346">346</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Batterien</em>, schwimmende, vor Gibraltar (1782) <a href="#Page_349">349</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Belle-Ile</em> erobert (1761) <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bengalen</em>, Ausdehnung der engl. Macht <a href="#Page_186">186</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bermudainseln</em>, Seegefecht (1780) <a href="#Page_309">309</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Berryer</em>, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit <a href="#Page_30">30</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bompart</em>, franz. Admiral (1759) <a href="#Page_153">153</a>; <a href="#Page_178">178</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Boote</em>, Schiffsbeiboote <a href="#Page_16">16</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Boscawen</em>, engl. Admiral, vor Pondichery (1748) <a href="#Page_105">105</a>; im Siebenj. Kriege -<a href="#Page_132">132</a>; <a href="#Page_141">141</a>; <a href="#Page_146">146</a>; <a href="#Page_148">148</a>; bei Lagos (1759), Personalien <a href="#Page_149">149</a> ff.; <a href="#Page_159">159</a>; <a href="#Page_160">160</a>; -erobert Louisbourg (1758) <a href="#Page_169">169</a>; <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Boston</em>, Teesturm (1773) <a href="#Page_208">208</a>; von England geräumt (1773) <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bougainville</em>, franz. Admiral (Personalien) <a href="#Page_173">173</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bouillé</em>, franz. General, Gouverneur von Martinique, (1778): erobert -Dominica <a href="#Page_272">272</a>; <a href="#Page_283">283</a>; <a href="#Page_303">303</a>; <a href="#Page_305">305</a>; <a href="#Page_328">328</a>; (1781): erobert St. Eustache <a href="#Page_341">341</a>; -(1782): St. Christopher <a href="#Page_355">355</a> ff.<span class="pagenum"><a name="Page_447" id="Page_447">[447]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bourbonischer</em> Familienvertrag (1761) <a href="#Page_119">119</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Burgoyne</em>, engl. General in Kanada <a href="#Page_227">227</a>; kapituliert bei Saratoga (1777) -<a href="#Page_238">238</a>; <a href="#Page_241">241</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bouvet de Lozier</em>, franz. Seeoffizier <a href="#Page_88">88</a>; <a href="#Page_105">105</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Brandywine</em>, Landgefecht (1777) <a href="#Page_240">240</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Breton, Kap</em>, Insel <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bunkershill</em>, Landgefecht (1775) <a href="#Page_227">227</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Bussy</em>, franz. General in Indien, im Siebenj. Kriege: <a href="#Page_184">184</a>; <a href="#Page_188">188</a>; <a href="#Page_193">193</a>; <a href="#Page_196">196</a>; -(1782): <a href="#Page_393">393</a>; <a href="#Page_398">398</a> ff.; <a href="#Page_401">401</a>; <a href="#Page_403">403</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Byng</em>, engl. Admiral, in Schlacht bei Minorca (1758) <a href="#Page_135">135</a> ff.; -Kriegsgericht und Tod <a href="#Page_140">140</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Byron</em>, engl. Admiral (1778): <a href="#Page_247">247</a>; <a href="#Page_249">249</a>; <a href="#Page_257">257</a>; <a href="#Page_266">266</a>; <a href="#Page_268">268</a>; (1779): Oberbefehl -in Westindien (Personalien) <a href="#Page_275">275</a>; Schlacht bei Grenada <a href="#Page_276">276</a>; <a href="#Page_280">280</a>; -Beurteilung <a href="#Page_283">283</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><a name="Cap_Francais" id="Cap_Francais"><b>Ca</b>p Français</a></em> (Cap Haïti oder Le Cap), Stadt auf Haïti, ihre Bedeutung, -Gefecht (1757) <a href="#Page_176">176</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cap Haïti</em>, siehe <a href="#Cap_Francais">vorstehend</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Carleton</em>, engl. General in Nordamerika <a href="#Page_228">228</a>; auf dem Champlainsee (1776) -<a href="#Page_233">233</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cartagena</em> (Westindien) beschossen (1740) <a href="#Page_62">62</a>; belagert (1741) <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Castries</em>, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit <a href="#Page_32">32</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Chagres</em> erobert (1740) <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Champlainsee</em>, Kämpfe auf dem (1776) <a href="#Page_233">233</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Chandernagore</em> <a href="#Page_9">9</a>; erobert (1757) <a href="#Page_187">187</a>; (1778) <a href="#Page_378">378</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Charleston</em>, Angriff auf (1776) <a href="#Page_231">231</a>; erobert (1780) <a href="#Page_308">308</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Chartres" id="Chartres">Chartres</a></em>, Louis Philippe, Herzog von, franz. Admiral, bei Ouessant (1778) -<a href="#Page_252">252</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cherbourg</em>, erobert (1758) <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Chesapeakebucht</em>, zwei Schlachten, taktisch bemerkenswert (1781) <a href="#Page_334">334</a> und -<a href="#Page_338">338</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Choiseul</em>, Herzog von, franz. Premierminister, Amtstätigkeit als -Marineminister <a href="#Page_30">30</a>; im Siebenj. Kriege <a href="#Page_119">119</a>; <a href="#Page_126">126</a>; <a href="#Page_127">127</a>; <a href="#Page_147">147</a>; <a href="#Page_212">212</a> ff.; seine -Pläne zur Invasion von England <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Chronometer</em>, Einführung der <a href="#Page_16">16</a>; <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Clerk</em>, Werk über Seetaktik <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Clinton</em>, engl. General in Nordamerika, (1775): <a href="#Page_227">227</a>; <a href="#Page_231">231</a>; <a href="#Page_237">237</a>; <a href="#Page_239">239</a>; <a href="#Page_240">240</a>; -<a href="#Page_241">241</a>; (1778/79): Oberbefehlshaber, räumt Philadelphia <a href="#Page_242">242</a>; <a href="#Page_258">258</a>; <a href="#Page_269">269</a>; <a href="#Page_272">272</a>; -räumt die Narragansettbucht <a href="#Page_282">282</a>; (1780): erobert Charleston <a href="#Page_307">307</a>; (1781): -<a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_336">336</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Clive</em>, engl. General und Gouverneur in Indien, seine Tätigkeit (1751 bis -1767) <a href="#Page_183">183–188</a>; (1765/1767) <a href="#Page_377">377</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Coehorns</em>, kleine Mörser <a href="#Page_98">98</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Conflans, de</em>, franz. Admiral <a href="#Page_97">97</a>; im Siebenj. Kriege <a href="#Page_147">147</a>; <a href="#Page_152">152</a>; bei -Quiberon (1759) <a href="#Page_153">153</a> ff.; <a href="#Page_203">203</a>; <a href="#Page_206">206</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cook</em>, James, Entdeckungsreise <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cordoba, Don Luis de</em>, span. Admiral (1779): <a href="#Page_287">287</a>; im Kanal <a href="#Page_289">289</a>; (1780): -Oberbefehl der span. franz. Flotte <a href="#Page_291">291</a>; <a href="#Page_292">292</a>; nimmt einen englischen -Konvoi <a href="#Page_295">295</a>; Beurteilung <a href="#Page_297">297</a>; (1781): in Cadiz <a href="#Page_317">317</a>; vor dem Kanal <a href="#Page_318">318</a>, -<a href="#Page_319">319</a>; (1782): <a href="#Page_345">345</a>; vor dem Kanal <a href="#Page_346">346</a> ff.; vor Gibraltar <a href="#Page_350">350</a> ff.; Gefecht -bei Kap Spartel <a href="#Page_352">352</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cornish</em>, engl. Admiral <a href="#Page_196">196</a>; <a href="#Page_197">197</a>; erobert Philippinen (1762) <a href="#Page_198">198</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cornwallis, Charles, Marquis</em>, engl. General in Nordamerika (1775) <a href="#Page_231">231</a>; -(1780) Oberbefehl in Carolina <a href="#Page_308">308</a>; (1781) dringt in Virginia ein <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_335">335</a> -ff.; kapituliert bei Yorktown <a href="#Page_339">339</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Cornwallis</em>, William, engl. Admiral (1780), Gefecht bei Monte-Christi <a href="#Page_299">299</a> -und bei den Bermudainseln <a href="#Page_309">309</a>; <a href="#Page_356">356</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Corsica</em>, von Frankreich erworben (1768) <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Court" id="Court">Court</a>, Labruyère de</em>, franz. Admiral <a href="#Page_72">72</a>; bei Toulon (1744) <a href="#Page_75">75</a> ff.; -Personalien <a href="#Page_77">77</a>; <a href="#Page_81">81</a>; <a href="#Page_82">82</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Crillon</em>, Herzog von, franz. General in spanischem Dienst, erobert Minorka -(1781/82) <a href="#Page_318">318</a>; Oberbefehl vor Gibraltar (1782) <a href="#Page_349">349</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_448" id="Page_448">[448]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Crownpoint</em>, Fort <a href="#Page_228">228</a>; <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Cuddalore" id="Cuddalore">Cuddalore</a></em> (Fort St. David vgl. <a href="#St_David">dort</a>) <a href="#Page_101">101</a>; von Franzosen angegriffen -(1747) <a href="#Page_104">104/05</a>; Seeschlacht bei (1758) <a href="#Page_189">189</a>; von Franzosen erobert <a href="#Page_191">191</a>; von -Franzosen erobert (1782) <a href="#Page_387">387</a>; von Engländern angegriffen (1783) <a href="#Page_397">397</a>; -Seeschlacht (1783) <a href="#Page_400">400</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>D</b>änemark</em>, greift Schweden an (1788) <a href="#Page_430">430</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Darby</em>, engl. Admiral, Oberbefehl im Kanal (1780) <a href="#Page_295">295</a>; versorgt Gibraltar -(1781) <a href="#Page_316">316</a>; Kanal <a href="#Page_319">319</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dessen, van</em>, russischer Admiral (1786) <a href="#Page_427">427</a>; <a href="#Page_430">430</a>; <a href="#Page_432">432</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Des Touches</em>, franz. Admiral, Oberbefehl in Nordamerika (1780) <a href="#Page_310">310</a>; -(1781): <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_333">333</a>; Schlacht vor der Chesapeakebucht <a href="#Page_334">334</a>; <a href="#Page_335">335</a>; <a href="#Page_342">342</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Digby</em>, engl. Admiral (1780) <a href="#Page_294">294</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Doggerbank</em>, Seeschlacht zwischen Engländern und Franzosen (1781) <a href="#Page_320">320</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Dominica" id="Dominica">Dominica</a></em>, neutrale Insel <a href="#Page_9">9</a>; von den Engländern erobert (1761) <a href="#Page_178">178</a>; von -Frankreich erobert (1778) <a href="#Page_272">272</a>; Seeschlachten (1782) am 9. und am 12. -April (Les Saintes, taktisch bemerkenswert, Rodneys Durchbruch) -<a href="#Page_361">361–373</a>; Folgen der Schlacht <a href="#Page_373">373</a>; über Einfluß der Schlacht auf -den Friedensschluß <a href="#Page_408">408</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Dubois" id="Dubois">Dubois</a> de La Motte</em>, französischer Admiral im Siebenj. Kriege <a href="#Page_91">91</a>; <a href="#Page_132">132/33</a>; -<a href="#Page_143">143</a>; <a href="#Page_144">144</a>; <a href="#Page_165">165</a>; <a href="#Page_167">167</a> ff.; <a href="#Page_203">203</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dublieren</em> <a href="#Page_37">37</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Du Chaffault</em>, franz. Admiral <a href="#Page_144">144</a>; <a href="#Page_146">146</a>; <a href="#Page_169">169</a>; <a href="#Page_290">290</a>; <a href="#Page_295">295</a>; beschießt -marrokkanische Städte (1765) <a href="#Page_418">418</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Duquesne</em>, Fort, von England erobert (1754) <a href="#Page_164">164</a>; umgetauft in Pittsburg -<a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dumas</em>, franz. Gouverneur in Indien <a href="#Page_99">99</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Dupleix</em>, franz. Gouverneur in Indien (1741) <a href="#Page_99">99</a> ff: seine Tätigkeit und -Erfolge (1748–1754) <a href="#Page_182">182–185</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>E</b>hrensvärd</em>, Graf, schwedischer Admiral, Schlacht im Svensksunde (1789) -<a href="#Page_433">433</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Elliot</em>, englischer General, verteidigt Gibraltar (1779–1783) <a href="#Page_348">348</a> -ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Elphinstone</em>, englischer Admiral in russischem Dienst (Mittelmeer 1769) -<a href="#Page_423">423</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">En flûte</em>, armierte Schiffe <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Enfilieren</em> <a href="#Page_39">39</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">England</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_3">3</a> ff. Im Kriege 1739 bis 1748: -<a href="#Page_46">46</a> ff.; (1739–1744) <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_71">71</a>. In Europa (1744–1748) -80–92; die französische Flotte lahmgelegt (1747) <a href="#Page_88">88</a>; in den -Kolonien: Nordamerika <a href="#Page_93">93</a>, Westindien <a href="#Page_97">97</a>, Ostindien <a href="#Page_99">99</a>; der Handelskrieg -<a href="#Page_107">107</a>. Englands Strategie <a href="#Page_111">111</a>; Gründe die seine Marine lähmten <a href="#Page_112">112</a>. Der -Friede zu Aachen (1748) <a href="#Page_55">55</a>.</li> -<li class="isub1">Im Kriege 1756–1763: <a href="#Page_116">116</a> ff.; Plan für die Verwendung der Flotte -<a href="#Page_125">125</a>. Der Krieg in Europa (1755) <a href="#Page_132">132</a>, <a href="#Page_133">133</a>; (1756/57) <a href="#Page_141">141</a> ff.; (1758) -Angriff auf die französische Küste <a href="#Page_144">144</a>; (1759) die französische Flotte -lahmgelegt, (1760–1762) dieselbe blockiert <a href="#Page_159">159</a> ff. Der Krieg in -den Kolonien: in Nordamerika Frankreich aus Kanada vertrieben <a href="#Page_163">163</a> bis -<a href="#Page_175">175</a>; in Westindien die französischen Inseln fast sämtlich sowie Havanna -genommen <a href="#Page_175">175–182</a>; in Ostindien die französische Macht völlig -gebrochen, das britisch-indische Reich begründet <a href="#Page_182">182–196</a>; die -Philippinen erobert <a href="#Page_197">197</a>. Der Handelskrieg (Erfolge und Verluste) <a href="#Page_198">198</a>. -Englands Strategie <a href="#Page_200">200</a>. Der Friede zu Paris (1763) <a href="#Page_127">127</a>.</li> -<li class="isub1">Im Kriege 1775–1783: Zerwürfnis mit den nordamerikanischen -Kolonien bis zu deren Abfall (1775) <a href="#Page_207">207</a>; Verhältnis zu Frankreich -Spanien, Holland bis zum Ausbruch des Seekrieges (1778) <a href="#Page_211">211</a>. Der Krieg -mit den Kolonien (1775–1778) <a href="#Page_226">226</a> bis <a href="#Page_242">242</a>; Kapitulation bei -Saratoga (1777) <a href="#Page_239">239</a>; letzter Versöhnungsversuch (1778) <a href="#Page_243">243</a>. — Frankreich -tritt in den Krieg ein <a href="#Page_243">243</a>; England zum Seekriege schlecht vorbereitet,<span class="pagenum"><a name="Page_449" id="Page_449">[449]</a></span> -Rüstungen (1778) <a href="#Page_246">246</a>. — Der Krieg auf den verschiedenen Schauplätzen: -Europa (1778) <a href="#Page_248">248</a>, Strategie <a href="#Page_257">257</a>; Amerika und Westindien (1778/79), -Auftreten der französischen Flotte (d'Estaing), England erobert Sta. -Lucia, verliert Grenada <a href="#Page_258">258</a>, Strategie <a href="#Page_270">270</a>, <a href="#Page_283">283</a>; Europa (1779/80) -Rüstungen, die spanisch-französische Flotte im Kanal (1779) <a href="#Page_287">287</a>, -Gibraltar versorgt (Rodney 1780) <a href="#Page_292">292</a>, die Verbündeten untätig (1780) <a href="#Page_294">294</a>, -Strategie <a href="#Page_296">296</a>; Amerika und Westindien (1780), die zweite franz. Flotte -(de Guichen) dort, Kämpfe de Guichens mit Rodney um Sta. Lucia <a href="#Page_298">298</a>, -erobert Charleston <a href="#Page_307">307</a>, Strategie <a href="#Page_312">312</a>; Europa (1781) Rüstungen <a href="#Page_315">315</a>, -Gibraltar versorgt (Darby) <a href="#Page_316">316</a>, die franz. span. Flotte im Kanal <a href="#Page_319">319</a>, -Ausbruch des Krieges mit Holland <a href="#Page_320">320</a>, Strategie <a href="#Page_323">323</a>; Westindien und -Amerika (1781), Rodney erobert holländische Inseln, die dritte -französische Flotte (de Grasse) trifft ein, England verliert Tabago, -England dringt in Virginia ein <a href="#Page_332">332</a>, das Heer kapituliert bei Yorktown -<a href="#Page_340">340</a>, Strategie <a href="#Page_341">341</a>; Europa (1782), der Wechsel im Ministerium bringt das -Ende des Krieges in Nordamerika <a href="#Page_344">344</a>, Rüstungen <a href="#Page_344">344</a>, die -französisch-spanische Flotte vor dem Kanal <a href="#Page_346">346</a>, der große Angriff auf -Gibraltar abgeschlagen <a href="#Page_348">348</a>, Gibraltar versorgt (Howe) <a href="#Page_351">351</a>, Strategie <a href="#Page_353">353</a>; -Westindien (1782), England verliert St. Christopher <a href="#Page_354">354</a>, Plan der -Verbündeten zur Eroberung Jamaikas durch Rodneys Sieg bei Dominica -vereitelt <a href="#Page_360">360</a>, Strategie <a href="#Page_374">374</a>. — In Ostindien: Ausdehnung der engl. Macht -(1763–1778) <a href="#Page_376">376</a>, Frankreich benutzt die damit verbundenen Kämpfe -erst spät (1782) zum Angriff <a href="#Page_380">380</a>; Lage der gegnerischen Flotten in Indien -<a href="#Page_384">384</a>; die Kämpfe Hughes und Suffrens um die Seeherrschaft <a href="#Page_385">385</a>, Strategie -<a href="#Page_402">402</a>. — Englands Handelskrieg (Verluste) <a href="#Page_404">404</a>. Der Friede von Versailles -(1783) <a href="#Page_407">407</a>. Allgemeine Betrachtung der Strategie Englands -(1778–1783) <a href="#Page_409">409</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Englands Marine</em> vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Entdeckungsreisen</em> <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Estaing</em>, d', franz. Admiral <a href="#Page_200">200</a>; (1778): <a href="#Page_247">247</a>; <a href="#Page_249">249</a>; <a href="#Page_257">257</a>; Fahrt nach -Nordamerika (Personalien) <a href="#Page_258">258</a>; vor New York <a href="#Page_260">260</a>; in der Narragansettbucht -<a href="#Page_262">262</a>, <a href="#Page_264">264</a>; segelt nach Westindien <a href="#Page_266">266</a>; Beurteilung <a href="#Page_270">270</a>; greift Sta. Lucia -an <a href="#Page_274">274</a>; (1779): erobert Grenada und andere Inseln <a href="#Page_275">275</a>; Schlacht bei -Grenada <a href="#Page_276">276</a>; <a href="#Page_280">280</a>; vor Savannah <a href="#Page_281">281</a>; Beurteilung <a href="#Page_283">283</a>; (1780) in Spanien -<a href="#Page_296">296</a>; (1783) ebenso <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Eyre-Coote</em>, engl. General in Indien (1779) <a href="#Page_379">379</a> ff.; <a href="#Page_397">397</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>F</b>alklandsinseln.</em> Streit zwischen England und Spanien (1770) <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Finisterre</em>, Kap, zwei Seeschlachten (1747) <a href="#Page_88">88</a> ff. und <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Fleury</em>, franz. Premierminister <a href="#Page_3">3</a>; <a href="#Page_61">61</a>; <a href="#Page_63">63</a>; <a href="#Page_73">73</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Forrest</em>, engl. Seeoffizier, Gefecht bei Le Cap (1757) <a href="#Page_176">176</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Franklin</em>, Benjamin, <a href="#Page_169">169</a>; <a href="#Page_207">207</a>; <a href="#Page_209">209</a>; in Paris (1776) <a href="#Page_216">216</a> ff.; <a href="#Page_230">230</a>; <a href="#Page_407">407</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frankreich</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_3">3</a> ff. Im Kriege 1739 bis -1748: <a href="#Page_47">47</a> ff.; deckt spanische Flotten (1739) <a href="#Page_61">61</a>, (1741) <a href="#Page_72">72</a>, (1744) führt -es zur Schlacht vor Toulon <a href="#Page_75">75</a>; Versuch einer Landung in England (1744) -<a href="#Page_74">74</a>; seine Flotte durch England blockiert und (1747) durch die beiden -Schlachten bei Finisterre lahmgelegt <a href="#Page_82">82–91</a>. Kämpfe in Nordamerika -<a href="#Page_93">93</a>; in Westindien <a href="#Page_97">97</a>; in Ostindien <a href="#Page_99">99</a>; Verluste im Handelskriege <a href="#Page_107">107</a>. -Frankreichs Strategie <a href="#Page_110">110</a>. Der Frieden von Aachen (1748) <a href="#Page_55">55</a>.</li> -<li class="isub1">Im Kriege 1756–1763: <a href="#Page_116">116</a> ff.; Kennzeichnung der Kriegführung -Frankreichs <a href="#Page_124">124</a>, <a href="#Page_126">126</a>; Reibungen mit England in den Kolonien <a href="#Page_131">131</a>; großer -Verlust an Handelsschiffen (1755) <a href="#Page_133">133</a>; Frankreich erobert Minorka (1756) -<a href="#Page_133">133</a>; die französischen Küsten angegriffen (1757/58) <a href="#Page_143">143</a>; der Versuch, in -England einzufallen, endet mit völligem Zusammenbruch der Flotte (1759) -<a href="#Page_147">147</a>. Der Krieg in<span class="pagenum"><a name="Page_450" id="Page_450">[450]</a></span> -Nordamerika führt wegen mangelnder Unterstützung von -der Heimat zum Verlust von Kanada <a href="#Page_163">163–175</a>, der in Westindien zum -Verlust der meisten Inseln <a href="#Page_175">175–182</a>. Wachsen der französischen -Macht in Ostindien (1748–1754) und völliger Niederbruch im Kriege -mit England <a href="#Page_182">182–197</a>. Verluste im Handelskriege <a href="#Page_198">198</a>. Frankreichs -Strategie <a href="#Page_200">200</a>. Der Frieden zu Paris (1763) <a href="#Page_127">127</a>.</li> -<li class="isub1">Im Kriege 1775–1783: Frankreich bereitet Krieg gegen England vor -<a href="#Page_211">211</a>; schließt Familienvertrag mit Spanien (1761) <a href="#Page_212">212</a>; gewinnt Corsica -(1769) <a href="#Page_212">212</a>; verbündet sich mit den nordamerikanischen Kolonien (1778) -<a href="#Page_216">216</a>; Ziele des französisch-spanischen Bündnisses <a href="#Page_218">218</a>; Rüstungen <a href="#Page_246">246</a>. — -Der Krieg auf den verschiedenen Schauplätzen: Europa (1778) <a href="#Page_248">248</a>, -Strategie <a href="#Page_257">257</a>; in Nordamerika und Westindien (1778/79) Frankreichs erste -Flotte (d'Estaing) dort, Sta. Lucia geht verloren, Grenada gewonnen -<a href="#Page_258">258–282</a>, Strategie <a href="#Page_270">270</a>, <a href="#Page_283">283</a>; Europa (1779/80) Rüstungen, die -französisch-spanische Flotte erfolglos im Kanal, später untätig <a href="#Page_286">286</a>, -Strategie <a href="#Page_296">296</a>; Westindien und Nordamerika (1780), die zweite Flotte (de -Guichen) tritt auf, Kämpfe mit Rodney um Sta. Lucia, Sendung eines -Hilfsheeres nach Nordamerika <a href="#Page_298">298–311</a>, Strategie <a href="#Page_312">312</a>; Europa -(1781) Rüstungen, die französisch-spanische Flotte im Kanal ohne Erfolg -<a href="#Page_315">315 bis 319</a>, Strategie <a href="#Page_323">323</a>; Westindien und Nordamerika (1781), Auftreten -der dritten Flotte (de Grasse) dort, Tabago wird genommen und der -Landkrieg in Amerika bis zur Kapitulation des englischen Heeres bei -Yorktown unterstützt <a href="#Page_325">325–341</a>, Strategie <a href="#Page_341">341</a>; Europa (1782), die -Verbündeten nochmals vor dem Kanal ohne Erfolg, dann untätig vor -Gibraltar <a href="#Page_346">346</a>, Strategie <a href="#Page_353">353</a>; Westindien (1782), St. Christopher wird -genommen, aber der Plan, Jamaika zu erobern, durch Rodneys Sieg bei -Dominica vereitelt <a href="#Page_360">360–374</a>, Strategie <a href="#Page_374">374</a>. — Ostindien: -Frankreich benutzt die ungünstige Lage Englands erst spät (1782) zum -Angriff <a href="#Page_380">380</a>; Suffren rettet die Kapkolonie <a href="#Page_381">381</a>; Lage der gegnerischen -Flotten, in Indien <a href="#Page_384">384</a>; die Kämpfe Suffrens und Hughes um die -Seeherrschaft <a href="#Page_385">385–402</a>; Strategie in Indien <a href="#Page_402">402</a>. Frankreichs -Verluste im Handelskriege <a href="#Page_404">404</a>. Der Frieden von Versailles (1783) <a href="#Page_407">407</a>. Die -Strategie Frankreichs (1778–1783) im ganzen betrachtet <a href="#Page_409">409</a>. — -Frankreichs Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Frederikshamn</em>, von Gustav III. erfolglos angegriffen (1789) <a href="#Page_429">429</a> (1790) -<a href="#Page_384">436</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Fregatten</em>, Entwicklung der 14.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Friedensschlüsse</em> und ihre Bedingungen: Aachen 1748 (Österreich. -Erbfolgekrieg) <a href="#Page_55">55</a>, <a href="#Page_96">96</a>, <a href="#Page_106">106</a>; Hubertusburg 1763 (Siebenj. Landkrieg) <a href="#Page_123">123</a>, -Paris 1763 (Siebenj. Seekrieg) <a href="#Page_127">127</a>; Versailles 1783 (zwischen England — -Frankreich, Spanien, Vereinigte Staaten) <a href="#Page_407">407</a>; Paris 1784 (England — -Holland) <a href="#Page_409">409</a>; Abo 1783 (Schweden — Rußland) <a href="#Page_420">420</a>; Kücük-Kainardschi 1774 -und Jassi 1792 (Rußland — Türkei <a href="#Page_424">424</a>; Werelä 1790 (Schweden — Rußland) -<a href="#Page_441">441</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Friedrich</em> II. <em class="gesperrt">von Preußen</em> <a href="#Page_5">5</a>; <a href="#Page_47">47</a> ff.; <a href="#Page_49">49</a> ff.; im Siebenj. Kriege <a href="#Page_116">116</a> ff.; -<a href="#Page_120">120</a> ff.; <a href="#Page_421">421</a>; sein Standpunkt zur Schaffung einer Flotte <a href="#Page_422">422</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>G</b>abaret</em>, franz. Admiral, bei Toulon (1744) <a href="#Page_77">77</a> ff.; <a href="#Page_82">82</a>; <a href="#Page_83">83</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gage</em>, engl. General in Nordamerika (1775) <a href="#Page_210">210</a>; <a href="#Page_211">211</a>; <a href="#Page_226">226</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gates</em>, amerik. General, bei Saratoga (1777) <a href="#Page_238">238</a>; in Carolina (1780) <a href="#Page_309">309</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Georg</em> II. <em class="gesperrt">von England</em> <a href="#Page_45">45</a> ff.; <a href="#Page_51">51</a> ff.; <a href="#Page_116">116</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Georg</em> III. <em class="gesperrt">von England</em> <a href="#Page_119">119</a>; <a href="#Page_128">128</a>; Standpunkt gegenüber den amerik. -Kolonien <a href="#Page_208">208–211</a>; innere Politik <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gibraltar</em> belagert (1779) <a href="#Page_292">292</a>; durch Rodney versorgt (1779) <a href="#Page_293">293</a>, durch -Darby (1780) <a href="#Page_316">316</a>, durch Howe (1782)<span class="pagenum"><a name="Page_451" id="Page_451">[451]</a></span> -Verlauf der Belagerung und der große -erfolglose Angriff mit schwimmenden Batterien (1782) <a href="#Page_348">348 bis 351</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Granaten</em>, Hand- <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Grasse</em>, Comte de, franz. Admiral (1779): <a href="#Page_275">275</a>; <a href="#Page_282">282</a>; <a href="#Page_291">291</a>; <a href="#Page_298">298</a>; (1781): -Oberbefehl in Westindien (Personalien), Gefecht bei Martinique <a href="#Page_326">326</a>; <a href="#Page_328">328</a>; -erobert Tabago <a href="#Page_329">329</a>; segelt nach Nordamerika <a href="#Page_329">329</a>; <a href="#Page_337">337</a>; Schlacht vor der -Chesapeakebucht <a href="#Page_338">338</a>; segelt nach Westindien <a href="#Page_340">340</a>; Beurteilung <a href="#Page_341">341</a> ff.; -Anerkennung durch Washington <a href="#Page_342">342</a>; (1782): in Westindien <a href="#Page_354">354</a>; Schlachten -bei St. Christopher <a href="#Page_355">355</a> ff.; Beurteilung <a href="#Page_359">359</a>; Schlachten bei Dominica -<a href="#Page_361">361–371</a>; Gefangenschaft und weiteres Schicksal <a href="#Page_372">372</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Graves</em>, engl. Admiral, in Nordamerika (1775) <a href="#Page_229">229</a>; (1780) <a href="#Page_310">310</a>, <a href="#Page_311">311</a>; (1781) -<a href="#Page_316">316</a>; <a href="#Page_331">331</a>; Oberbefehl <a href="#Page_337">337</a>; (1781) Schlacht vor der Chesapeakebucht <a href="#Page_338">338</a>; -<a href="#Page_343">343</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Greene</em>, amerik. General (1780/81) <a href="#Page_309">309</a>; <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_332">332</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Greigh</em>, russischer Admiral (engl. Seeoffizier), im Mittelmeer (1769) <a href="#Page_423">423</a>; -in der Ostsee (1788), Schlacht bei Hogland <a href="#Page_428">428</a>, <a href="#Page_429">429</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Grenada</em>, von Franzosen erobert (1779) <a href="#Page_275">275</a>; Seeschlacht <a href="#Page_276">276</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Grout de St. George</em>, franz. Seeoffizier (1747) bei Finisterre <a href="#Page_88">88</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Guadeloupe</em>, von England erobert (1779) <a href="#Page_177">177</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Guayana</em>, von England erobert (1781) <a href="#Page_325">325</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Guichen</em>, Comte de, franz. Admiral (1780): Oberbefehl in Westindien <a href="#Page_291">291</a>; -<a href="#Page_296">296</a>; Personalien <a href="#Page_299">299</a>; Schlacht bei Martinique gegen Rodney (17. April) -<a href="#Page_300">300</a>; Gefecht am 15. und 19. Mai dort <a href="#Page_304">304</a>; verläßt Westindien <a href="#Page_305">305</a>; -Beurteilung <a href="#Page_312">312</a>; (1781): <a href="#Page_316">316</a>; unter Cordoba vor dem Kanal <a href="#Page_318">318</a>, <a href="#Page_319">319</a>; -verliert einen Konvoi <a href="#Page_322">322</a>; (1782): <a href="#Page_345">345</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Gustav III. von Schweden.</em> Krieg mit Rußland 1788–1790. (1788): -<a href="#Page_425">425</a>; Plan gegen Petersburg <a href="#Page_426">426</a>; <a href="#Page_427">427</a>; seine schroffen Forderungen -Katharina II. gegenüber <a href="#Page_428">428</a>; in Finnland (Empörung der Offiziere) <a href="#Page_429">429</a>, -<a href="#Page_430">430</a>; (1789): in Finnland <a href="#Page_432">432</a>, <a href="#Page_433">433</a>; (1790): Plan gegen Petersburg <a href="#Page_434">434</a>; vor -Frederikshamn <a href="#Page_436">436</a>; <a href="#Page_437">437</a>; in der Wyborgbucht <a href="#Page_438">438</a> ff.; im Svensksunde <a href="#Page_440">440</a>; -seine Erfolge des Krieges <a href="#Page_440">440</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>H</b>addock</em>, engl. Admiral, im Mittelmeer (1740) <a href="#Page_71">71</a>; <a href="#Page_72">72</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Haidar_Ali" id="Haidar_Ali">Haidar Ali</a></em>, Herrscher von Mysore (Indien) im Kampfe mit England (von 1766 -an) <a href="#Page_377">377</a>; <a href="#Page_378">378</a>; <a href="#Page_379">379</a>; <a href="#Page_387">387</a>; <a href="#Page_390">390</a>; <a href="#Page_393">393</a>; <a href="#Page_398">398</a>; Tod <a href="#Page_399">399</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Halifax</em>, <a href="#Page_164">164</a>; <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hardy</em>, engl. Admiral (1757) <a href="#Page_167">167</a>; Oberbefehl im Kanal (1779) <a href="#Page_287">287</a>; -Personalien <a href="#Page_288">288</a>; <a href="#Page_290">290</a>; <a href="#Page_295">295</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hastings</em>, Sir Warren, erster engl. Generalgouverneur in Indien (1773) -<a href="#Page_377">377</a>; erobert die franz. Besitzungen (1778) <a href="#Page_378">378</a>; <a href="#Page_379">379</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Havanna</em>, Seegefecht (1748) <a href="#Page_98">98</a>; von England erobert (1762) <a href="#Page_180">180</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Havre</em> beschossen (1758) <a href="#Page_145">145</a>; (1759) <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hawke</em>, engl. Admiral, bei Toulon (1744) <a href="#Page_78">78</a>; (1747) bei Finisterre -(Personalien) <a href="#Page_89">89</a>; im Siebenj. Kriege <a href="#Page_133">133</a>; <a href="#Page_138">138</a>; <a href="#Page_141">141</a>; <a href="#Page_142">142</a>; Angriff auf -Rochefort (1757) <a href="#Page_143">143</a>; <a href="#Page_144">144</a>; <a href="#Page_148">148</a>; <a href="#Page_152">152</a>; bei Quiberon (1759) <a href="#Page_153">153</a> ff.; <a href="#Page_160">160</a>; -<a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hogland</em>, Schlacht zwischen Schweden und Rußland (1788) <a href="#Page_428">428</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Holburne</em>, engl. Admiral (1757) <a href="#Page_167">167</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Holland</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_3">3</a> ff.; (1740–1748) <a href="#Page_48">48</a>; -Beteiligung am Seekriege <a href="#Page_92">92</a>; (1756 bis 1763) bleibt neutral <a href="#Page_120">120</a>; (1775 -bis 1783) Gründe für die Verwicklung in den Krieg <a href="#Page_218">218</a>; Ausbruch des -Krieges mit England (1780) <a href="#Page_298">298</a>; seine Flotte geschlagen und blockiert -(1780) <a href="#Page_320">320</a>; Tätigkeit derselben (1782) <a href="#Page_347">347</a>; Frieden mit England zu Paris -(1784) <a href="#Page_409">409</a>. — Stand der Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hood</em>, Samuel, engl. Admiral, in Westindien (1780) <a href="#Page_307">307</a>; (1781): Gefecht -bei Martinique (Personalien) <a href="#Page_326">326</a>; in Nordamerika <a href="#Page_331">331</a>; <a href="#Page_337">337</a>; in der -Schlacht vor der Chesapeakebucht <a href="#Page_339">339</a>; nach Westindien <a href="#Page_340">340</a>;<span class="pagenum"><a name="Page_452" id="Page_452">[452]</a></span> - Schlachten bei St. Christopher <a href="#Page_355">355</a> ff.; Beurteilung <a href="#Page_359">359</a>; bei Dominica <a href="#Page_361">361</a> und <a href="#Page_372">372</a>; <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hopkins</em>, amerik. Kommodore, Führer des ersten Geschwaders der Vereinigten -Staaten, brandschatzt Bahamainseln (1746) <a href="#Page_241">241</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hoste</em>, Werk über Seetaktik <a href="#Page_37">37</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hotham</em>, engl. Admiral (1778) <a href="#Page_267">267</a>; <a href="#Page_273">273</a>; <a href="#Page_306">306</a>; verliert einen Konvoi (1781) -<a href="#Page_317">317</a>; <a href="#Page_325">325</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Howe, Richard</em>, Earl, engl. Admiral (1758): <a href="#Page_144">144</a>; <a href="#Page_145">145</a>; (1776): Oberbefehl -in Nordamerika <a href="#Page_230">230</a>; vor New York <a href="#Page_235">235</a> ff.; <a href="#Page_239">239</a>; <a href="#Page_240">240</a>; (1778): deckt Rückzug -von Philadelphia <a href="#Page_258">258</a>; verteidigt New York (Personalien) <a href="#Page_260">260</a>; entsetzt die -Narragansettbucht <a href="#Page_264">264</a>; abgelöst <a href="#Page_266">266</a>; Beurteilung <a href="#Page_270">270</a>; (1782): Oberbefehl -der Kanalflotte <a href="#Page_345">345</a>; <a href="#Page_346">346</a>; <a href="#Page_347">347</a>; versorgt Gibraltar <a href="#Page_347">347</a> ff.; Gefecht bei -Kap Spartel <a href="#Page_352">352</a>; Beurteilung <a href="#Page_353">353</a>, <a href="#Page_354">354</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Howe, William</em>, engl. General in Nordamerika (1775): <a href="#Page_227">227</a>; räumt Boston -<a href="#Page_229">229</a>; (1776): erobert New York <a href="#Page_235">235</a>; <a href="#Page_238">238</a>; (1777): erobert Philadelphia <a href="#Page_239">239</a>; -<a href="#Page_241">241</a>; (1778): abberufen <a href="#Page_242">242</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hubertusburg</em>, Friede zwischen den Landmächten (1763) <a href="#Page_123">123</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hudson-Linie</em>, deren Bedeutung <a href="#Page_227">227</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hughes</em>, engl. Admiral (1779): Oberbefehl in Indien <a href="#Page_378">378</a>; (1782): seine -Kämpfe mit Suffren, Schlacht bei Sadras <a href="#Page_385">385</a>; bei Providien <a href="#Page_387">387</a>; bei -Negapatam <a href="#Page_390">390</a>; bei Trincomali <a href="#Page_394">394</a>; <a href="#Page_397">397</a> ff.; bei Cuddalore (1783) <a href="#Page_400">400</a>; -Beurteilung <a href="#Page_404">404</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hydar-Ali</em>, siehe <a href="#Haidar_Ali">Haidar Ali</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Hyde-Parker</em>, engl. Admiral, vor New York (1776) <a href="#Page_235">235</a>; in Westindien: -Gefecht vor Martinique (1779) <a href="#Page_281">281</a>; <a href="#Page_298">298</a>; <a href="#Page_302">302</a>; Schlacht auf der Doggerbank -(1781) <a href="#Page_320">320</a>; Beurteilung <a href="#Page_322">322</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>J</b>amaika</em>, Plan der Verbündeten zur Eroberung (1782) <a href="#Page_360">360</a>; aufgegeben <a href="#Page_374">374</a>; -ebenso (1783) <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jassi</em>, Frieden zwischen Rußland und Türkei (1792) <a href="#Page_424">424/25</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jenkins</em>, engl. Seemann, der Vorfall mit Js. Ohr (1731) <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jervis</em>, engl. Admiral, später Lord Vincent, erstes Auftreten (1782) <a href="#Page_345">345</a>; -seine Äußerung über Invasion in England <a href="#Page_288">288</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Johnstone</em>, engl. Admiral, soll Kapland erobern (1781) <a href="#Page_316">316/17</a>; Schlacht -vor Porto Praya <a href="#Page_381">381</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Jones</em>, John Paul, amerik. Freibeuter <a href="#Page_225">225</a>; in den europäischen Gewässern -(1776) Personalien <a href="#Page_406">406</a>; in russischem Dienste (1788) <a href="#Page_425">425</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>K</b>alkutta</em> von den Indern erobert (1756) <a href="#Page_186">186</a>; von den Engländern -wiedergenommen (1757) <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kanada</em> für Frankreich verloren (1760) <a href="#Page_175">175</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kanonen</em>, Kaliber, Bedienung, Verteilung an Bord (1740–1793) <a href="#Page_19">19 bis 24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kapland</em> durch Suffren gerettet (1781) <a href="#Page_384">384</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> III. von Spanien <a href="#Page_4">4</a>; <a href="#Page_119">119</a>; <a href="#Page_213">213</a>; <a href="#Page_217">217</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl</em> VI., Deutscher Kaiser <a href="#Page_5">5</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl Albrecht</em> von Bayern <a href="#Page_47">47</a>; <a href="#Page_50">50</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karl Eduard</em>, Prätendent (der junge) für den englischen Thron, sein -Einfall in Schottland (1745) <a href="#Page_53">53</a>, <a href="#Page_74">74</a>, <a href="#Page_84">84</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Karronaden</em> <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Katharina" id="Katharina">Katharina</a></em> II. von Rußland, Kriege mit der Türkei <a href="#Page_422">422</a> ff.; Krieg mit -Schweden 1788–1790: <a href="#Page_426">426</a>; <a href="#Page_429">429</a>; ihre schroffen Forderungen <a href="#Page_434">434</a>; zum -Frieden geneigt <a href="#Page_441">441</a>; ihr Erfolg im Kriege <a href="#Page_442">442</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Keith</em>, russischer General (1742) <a href="#Page_420">420</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kempenfelt</em>, engl. Admiral, vernichtet einen franz. Konvoi (1781) <a href="#Page_322">322</a>; -<a href="#Page_345">345</a>; <a href="#Page_346">346</a>; ertrinkt auf „Royal George“ <a href="#Page_348">348</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Keppel</em>, engl. Admiral <a href="#Page_161">161</a>; <a href="#Page_180">180</a>; <a href="#Page_182">182</a>; nimmt franz. Kriegsschiffe im Kanal -(1778) Personalien <a href="#Page_249">249</a>; Schlacht bei Ouessant (1778), Kriegsgericht über -ihn <a href="#Page_251">251</a> ff.; <a href="#Page_256">256</a>; <a href="#Page_257">257</a>; Erster Lord der Admiralität (1782) <a href="#Page_344">344</a>; legt sein -Amt nieder <a href="#Page_409">409</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kersaint</em>, franz. Admiral, Gefecht bei Le Cap (1757) <a href="#Page_176">176</a>; <a href="#Page_181">181</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Knowles</em>, engl. Admiral <a href="#Page_69">69</a>; <a href="#Page_97">97</a>; Gefecht vor Havanna (1748) <a href="#Page_98">98</a>; -Kriegsgericht über ihn <a href="#Page_99">99</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_453" id="Page_453">[453]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kolberg</em>, durch Schweden und Russen beschossen (1760/61) <a href="#Page_421">421</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Kolonien" id="Kolonien">Kolonien</a></em>, ihre strategische Bedeutung, ihr Umfang (1740) <a href="#Page_7">7</a>. Innere -Verhältnisse der engl. nordamerik. Kolonien und ihre Streitfragen mit -England bis zum Aufstand (1775) <a href="#Page_207">207</a> ff. — <em class="gesperrt">Kämpfe in den Kolonien</em>: -(1739–1748) <a href="#Page_49">49</a>; <a href="#Page_54">54</a>; Nordamerika <a href="#Page_93">93</a>; Westindien <a href="#Page_59">59</a>, <a href="#Page_97">97</a>; Ostindien -<a href="#Page_99">99</a>. (1756 bis 1763) Nordamerika <a href="#Page_163">163</a>, Westindien <a href="#Page_175">175</a>, Westafrika <a href="#Page_181">181</a>, -Ostindien <a href="#Page_182">182</a>. (1775–1778) <a href="#Page_226">226</a>; (1778 bis 1782) Westindien und -Nordamerika <a href="#Page_258">258</a>, <a href="#Page_298">298</a>, <a href="#Page_324">324</a>, <a href="#Page_354">354</a>; Westafrika <a href="#Page_285">285</a>; Ostindien <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kontremarsch</em>, Wenden oder Halsen im, <a href="#Page_38">38</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kreuzerkrieg</em> 1739–1748: <a href="#Page_70">70</a>; <a href="#Page_107">107</a>; 1756–1763: <a href="#Page_198">198</a>; -1775–1783: <a href="#Page_404">404</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kriege des Abschnittes</em>, vgl. Verzeichnis Seite <a href="#Page_443">443</a>; <em class="gesperrt">Kennzeichnung</em> der: <a href="#Page_4">4</a> -ff.; Englisch-Spanischer (1739) <a href="#Page_45">45</a> ff.; Österr. Erbfolgekrieg -(1740–1748) <a href="#Page_47">47</a>; Siebenj. Krieg (1756–1763) <a href="#Page_116">116</a>; Nordamer. -Freiheitskrieg (1775–1783) <a href="#Page_215">215</a>; <a href="#Page_219">219</a>. Vgl. auch Strategie.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kronstädter Bucht</em>, Schlacht (1790) <a href="#Page_436">436</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kruse</em>, russisch. Admiral, Schlacht im Svensksunde (1789) <a href="#Page_433">433</a>; Schlacht in -der Kronstädter Bucht <a href="#Page_436">436</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Kücük-Kainardschi</em>, Friede zwisch. Rußland u. Türkei (1774) <a href="#Page_424">424</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt">Labourdonnaye, de</em>, franz. Admiral in Indien (1744) <a href="#Page_99">99</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Bruyère</em> vgl. <a href="#Court">Court</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Clue, de</em>, franz. Admiral <a href="#Page_143">143</a>; <a href="#Page_146">146</a>; bei Lagos (1759) Personalien <a href="#Page_149">149</a> -ff; <a href="#Page_205">205</a>; <a href="#Page_206">206</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lacy</em>, russisch. General (1743) <a href="#Page_420">420</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lafayette</em>, Marquis, Franzose in nordamerik. Dienst <a href="#Page_216">216</a>; <a href="#Page_239">239</a>; in Virginia -(1781) <a href="#Page_333">333</a>; <a href="#Page_335">335</a> ff.; <a href="#Page_337">337</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Gallissonnière, de</em>, franz. Admiral, erobert Minorka (1756), -Personalien <a href="#Page_134">134</a>; Schlacht bei Minorka <a href="#Page_135">135</a>, <a href="#Page_139">139</a>, <a href="#Page_140">140</a>; <a href="#Page_164">164</a>; <a href="#Page_203">203</a>; <a href="#Page_204">204</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lagos</em>, Schlacht (1759) <a href="#Page_148">148</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Guayra</em>, angegriffen (1743) <a href="#Page_69">69</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Jonquière</em>, de, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) <a href="#Page_88">88</a>; <a href="#Page_96">96</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lally</em>, Comte de, franz. General in Indien (1757) <a href="#Page_189">189</a>; <a href="#Page_191">191</a>; <a href="#Page_192">192</a>; <a href="#Page_193">193</a>; <a href="#Page_196">196</a>; -<a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Motte, Dubois de</em>, vgl. <a href="#Dubois">Dubois</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">La Motte-Picquet, de</em>, franz. Admiral <a href="#Page_254">254</a>; Gefecht vor Martinique (1779) -<a href="#Page_281">281</a>, <a href="#Page_282">282</a>; <a href="#Page_291">291</a>; <a href="#Page_296">296</a>; <a href="#Page_298">298</a>; Gefecht bei Monte-Christi (1780) <a href="#Page_299">299</a>; nimmt -einen engl. Konvoi (1781) <a href="#Page_317">317</a>; <a href="#Page_319">319</a>; <a href="#Page_345">345</a>; <a href="#Page_346">346</a>; <a href="#Page_347">347</a>; <a href="#Page_352">352</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Langara</em>, span. Admiral, Schlacht bei Kap Vincent (1780) <a href="#Page_293">293</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Le Cap</em>, vgl. <a href="#Cap_Francais">Cap Français</a>, Seegefecht (1757) <a href="#Page_176">176</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lee</em>, amerik. General (1776) <a href="#Page_232">232</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leestellung</em>, Vor- und Nachteile <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Les Saintes</em>, Seeschlacht (1782), vgl. <a href="#Dominica">Dominica zweite Schlacht</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lestock</em>, engl. Admiral, in Westindien (1741) <a href="#Page_65">65</a>; <a href="#Page_73">73</a>; bei Toulon (1744) <a href="#Page_77">77</a> -ff.; Kriegsgericht über ihn <a href="#Page_80">80</a>; gegen Lorient (1746) <a href="#Page_87">87</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">L'Etanduère, de</em>, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) <a href="#Page_89">89</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lexington</em>, Landgefecht (1775) <a href="#Page_227">227</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Leyrit, de</em>, franz. Gouverneur in Indien (1755) <a href="#Page_185">185</a>; <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Linienschiffe</em>, Vergrößerung u. Verbesserung <a href="#Page_11">11</a>; <a href="#Page_15">15</a>; <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Long Island</em>, von England erobert (1776) <a href="#Page_235">235</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Lorient</em>, angegriffen (1746) <a href="#Page_87">87</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Loudoun</em>, Earl, engl. General in Nordamerika (1756) <a href="#Page_166">166</a> ff.; <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Louisbourg</em>, erobert (1745) <a href="#Page_93">93</a>; zurückgegeben <a href="#Page_106">106</a>; <a href="#Page_132">132</a>; <a href="#Page_167">167</a>; erobert -(1758) <a href="#Page_168">168</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Löwenhaupt</em>, schwedischer General (1741) <a href="#Page_419">419/20</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ludwig</em> XVI. von Frankreich <a href="#Page_215">215</a>; seine Befehle für die Flotte (1778) <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Luvstellung</em>, Vor- und Nachteile <a href="#Page_39">39</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>M</b>adras</em> von Frankreich erobert (1746) <a href="#Page_102">102</a>; zurückgegeben <a href="#Page_106">106</a>; belagert -(1759) <a href="#Page_193">193</a>; von Haidar Ali bedroht (1769) <a href="#Page_378">378</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_454" id="Page_454">[454]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Mahé</em>, franz. Stadt an der Westküste Vorderindiens, von England erobert -(1761) <a href="#Page_197">197</a>; (1779) <a href="#Page_379">379</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Manila</em>, von England erobert (1762) <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Mannschaften</em> der Marinen siehe <a href="#Personal">Personal</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Maria_Theresia" id="Maria_Theresia">Maria Theresia</a></em> von Österreich <a href="#Page_5">5</a>; <a href="#Page_47">47</a> ff; <a href="#Page_49">49</a> ff.</li> -<li class="ihead"><em class="gesperrt"><a name="Marinen" id="Marinen">Marinen</a>.</em></li> -<li class="isub1">Entwicklung 1740–1793, der englischen <a href="#Page_17">17</a> ff.; <a href="#Page_24">24</a> ff.; der -französ. <a href="#Page_27">27</a> ff.; Vergleich beider <a href="#Page_33">33</a>. Gründe der Lähmung der engl. Flotte -im Kriege 1739–1748 <a href="#Page_112">112</a>.</li> -<li class="ihead"><em class="gesperrt">Schiffsbestände</em>:</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Englische Marine.</em> Bestand 1740 (Verluste 1740–1748) <a href="#Page_58">58</a>; Bestand -1756 (Verluste 1756–1763) <a href="#Page_131">131</a>; Bestand 1775 (Verluste -1775–1783) <a href="#Page_222">222</a>; Indienststellungen 1775–1783 <a href="#Page_224">224</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Französische Marine</em>, Bestand 1744 (Verluste 1744–1748) <a href="#Page_57">57</a>; -Bestand 1756 (Verluste 1756–1763) <a href="#Page_130">130</a>; Bestand 1778 (Verluste -1778 bis 1783) <a href="#Page_220">220</a>; Indienststellungen 1778–1783 <a href="#Page_224">224</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Holländische Marine</em>, Bestand 1741 <a href="#Page_59">59</a>; Beteiligung am Kriege -1744–1748 <a href="#Page_92">92</a>; Bestand 1780 (Verluste 1780–1783) <a href="#Page_221">221</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nordamerikanische Marine</em>, Gründung 1775 (Verluste 1775 bis 1783) <a href="#Page_225">225</a>; -ihre Tätigkeit im Freiheitskriege <a href="#Page_241">241</a>; ihr Kreuzerkrieg <a href="#Page_405">405</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Russische Marine</em>, Bestand 1740 <a href="#Page_419">419</a>; 1788 <a href="#Page_426">426</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schwedische Marine</em>, Bestand 1734 <a href="#Page_419">419</a>; Stärke und Organisation 1788 <a href="#Page_426">426</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spanische Marine</em>, Bestand 1739 (Verluste 1739–1748) <a href="#Page_57">57</a>; Bestand -1759 (Verluste 1762–1763) <a href="#Page_130">130</a>; Bestand 1779(Verluste -1779–1783) <a href="#Page_221">221</a>; Indienststellungen 1779–1783 <a href="#Page_224">224</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Türkische Marine</em>, Bestand 1768 <a href="#Page_423">423</a>. Siehe auch unter „Personal der -Marinen“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Martin</em>, engl. Admiral, vor Neapel (1742) <a href="#Page_73">73</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Martinique</em> <a href="#Page_177">177</a>; von England erobert (1762) <a href="#Page_179">179</a>; Gefecht (1779) <a href="#Page_281">281</a>; -Schlacht (1780) <a href="#Page_301">301</a>; Gefechte <a href="#Page_304">304</a>; Gefecht (1781) <a href="#Page_327">327</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Mathews</em>, engl. Admiral, bei Toulon (1744) <a href="#Page_75">75</a> ff.; Personalien <a href="#Page_77">77</a>; -Kriegsgericht über ihn <a href="#Page_80">80</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Maurepas</em>, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit <a href="#Page_27">27</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Minorka</em>, von Frankreich erobert (1756) <a href="#Page_133">133</a>; Seeschlacht <a href="#Page_135">135</a>; weiteres -Schicksal im Siebenj. Kriege <a href="#Page_138">138</a>, <a href="#Page_160">160</a>; <a href="#Page_205">205</a>; von Spanien angegriffen -(1781) <a href="#Page_318">318</a>, vgl. <a href="#Port_Mahon">Port Mahon</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Montcalm</em>, Marquis de, franz. General in Kanada (1756) 166 ff.; 168 ff.; -<a href="#Page_171">171</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Monte Christi</em> (Haiti), Seegefecht (1780) <a href="#Page_299">299</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Montreal</em> von England erobert (1760) <a href="#Page_174">174</a>; (1775) <a href="#Page_228">228</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Morbihanbucht</em>, Erklärung <a href="#Page_147">147</a>; <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Moreno</em>, span. Admiral vor Gibraltar (1782) <a href="#Page_345">345</a>; <a href="#Page_350">350</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Moritz von Sachsen</em>, <a href="#Page_87">87</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Moultrie</em>, Fort bei Charleston, angegriffen (1776) <a href="#Page_231">231</a>; genommen (1780) -<a href="#Page_308">308</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><a name="Narragansettbucht" id="Narragansettbucht"><b>N</b>arragansettbucht</a></em>, militär. Bedeutung, von England besetzt (1776) <a href="#Page_237">237</a>; -Beschreibung, von Franzosen angegriffen (1778) <a href="#Page_262">262</a>; von England geräumt -(1779) <a href="#Page_282">282</a>; Landung des franz. Hilfskorps (1780) <a href="#Page_310">310</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nassau-Siegen</em>, Prinz von, russischer Admiral, im Mittelmeer (1788) <a href="#Page_425">425</a>; -in der Ostsee (1789), Schlacht im Svensksunde <a href="#Page_433">433</a>; ebenso (1790) <a href="#Page_440">440</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nautik</em>, Fortschritte <a href="#Page_16">16</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Navarro</em>, span. Admiral, <a href="#Page_72">72</a>; bei Toulon (1744) <a href="#Page_75">75</a> ff.; <a href="#Page_82">82</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Negapatam</em> (Indien), Seegefecht (1746) <a href="#Page_101">101</a>; Schlacht (1758) <a href="#Page_192">192</a>; Schlacht -(1782) <a href="#Page_391">391</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nelson</em>, erstes Auftreten (1783) <a href="#Page_376">376</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_455" id="Page_455">[455]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neutrale Inseln</em> (Westindien) <a href="#Page_9">9</a>; <a href="#Page_175">175</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Neutralität der Ostseemächte</em>, bewaffnete (1780), ihre Ziele <a href="#Page_218">218</a>; ihre -Streitkräfte <a href="#Page_222">222</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Newport</em>, vgl. <a href="#Narragansettbucht">Narragansettbucht</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">New York</em> von England erobert (1776) <a href="#Page_235">235</a>; von Frankreich bedroht <a href="#Page_260">260</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Nordamerika</em>, europäische Kolonien dort (1740) <a href="#Page_8">8</a>; Kämpfe dort bis (1763) -vgl. „<a href="#Kolonien">Kolonien</a>“, siehe „<a href="#Vereinigte_Staaten">Vereinigte Staaten</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Norris</em>, engl. Admiral <a href="#Page_72">72</a>; <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">North, Lord</em>, engl. Premierminister (1770–1782), Stellung zu den -amerik. Kolonien <a href="#Page_209">209–211</a>; <a href="#Page_213">213</a>; lenkt den Kolonien gegenüber ein -<a href="#Page_243">243</a>; gestürzt <a href="#Page_344">344</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>O</b>ffizierkorps</em>, See-, siehe unter <a href="#Personal">Personal</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ogle</em>, Sir Chaloner, engl. Admiral, in Westindien (1740) <a href="#Page_62">62–69</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Öland</em>, Schlacht (1789) <a href="#Page_431">431</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Orleans, Louis Philipp</em>, Herzog von, vgl. <a href="#Chartres">Chartres</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Orlow</em>, Alexej, russischer Admiral, im Mittelmeer (1769) <a href="#Page_422">422</a>; Schlacht bei -Tscheschme <a href="#Page_423">423</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Orves, Comte</em> d', franz. Admiral in Indien (1779) <a href="#Page_379">379</a>; <a href="#Page_403">403</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Orvilliers, Comte</em> d', franz. Admiral, (1778) <a href="#Page_247">247</a>; im Kanal (seine -Instruktion) <a href="#Page_250">250</a>; Schlacht bei Ouessant (Personalien) <a href="#Page_251">251</a> ff.; <a href="#Page_256">256</a>; <a href="#Page_257">257</a>; -(1779) Oberbefehl der französisch-spanischen Flotte <a href="#Page_287">287</a>; im Kanal <a href="#Page_289">289</a>; -Beurteilung <a href="#Page_297">297</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Österreich</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_5">5</a> ff.; (1740) <a href="#Page_47">47</a>; (1756) -<a href="#Page_116">116</a> ff.; <a href="#Page_424">424</a>; vgl. auch <a href="#Maria_Theresia">Maria Theresia</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Ostindien" id="Ostindien">Ostindien</a></em>, europäische Kolonien (1740) <a href="#Page_9">9</a>; Kämpfe derselben vgl. <a href="#Kolonien">Kolonien</a>; -militärische Bedeutung für den Krieg 1778–1783 <a href="#Page_245">245</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ostindische Kompagnien</em> vgl. <a href="#Ostindien">vorstehend</a>. Ferner: <em class="gesperrt">Französische</em> K.: Wachsen -ihrer Macht unter Dupleix (1741–1754) <a href="#Page_99">99</a> ff.; <a href="#Page_182">182</a>; ihre Auflösung -(1770) <a href="#Page_197">197</a>. — <em class="gesperrt">Englische</em> K.: <a href="#Page_99">99</a>; <a href="#Page_182">182</a> ff.; Ausdehnung ihrer Macht in -Bengalen <a href="#Page_187">187</a>; <a href="#Page_198">198</a>; Kämpfe mit Eingeborenen (1763–1778) <a href="#Page_376">376</a>; -Neuorganisierung (1773) <a href="#Page_377">377</a>. — <em class="gesperrt">Holländische</em> K.: <a href="#Page_405">405</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Otschakow</em>, (1788) von Rußland erobert, Seegefechte <a href="#Page_425">425</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ouessant</em>, Seeschlacht(1778) <a href="#Page_251">251</a> ff.; Vernichtung eines franz. Konvois -(1781) <a href="#Page_322">322</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>P</b>alliser</em>, engl. Admiral, schuldhaftes Verhalten bei Ouessant (1778) <a href="#Page_252">252</a> und <a href="#Page_255">255</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Paoli</em>, korsikanischer Freiheitsheld (1769) <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Paris</em>, Friede zwischen England und Frankreich (1763) <a href="#Page_127">127</a>, zwischen -England und Holland (1784) <a href="#Page_409">409</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Parker Peter</em>, engl. Admiral, Angriff auf Charleston (1776) <a href="#Page_231">231</a> ff.; -besetzt die Narragansettbucht 237; in Westindien (1778–1782) 247; -<a href="#Page_272">272</a>; 281; 298; 330; 347.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pensacola</em>, von Spanien erobert (1781) <a href="#Page_307">307</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pepperel</em>, Milizoffizier der engl. Kolonien, erobert Louisbourg (1745) <a href="#Page_94">94</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Personal" id="Personal">Personal der Marinen</a>. Englische Marine</em>: <a href="#Page_25">25</a>; <a href="#Page_33">33</a>; <a href="#Page_58">58</a>; <a href="#Page_113">113</a>; <a href="#Page_223">223</a>. -<em class="gesperrt">Französische</em>: <a href="#Page_28">28</a>; <a href="#Page_33">33</a>; <a href="#Page_57">57</a>; <a href="#Page_130">130</a>; <a href="#Page_221">221</a>. Vergleich beider <a href="#Page_33">33</a>. <em class="gesperrt">Spanische</em>: <a href="#Page_58">58</a>; -<a href="#Page_130">130</a>; <a href="#Page_221">221</a>. <em class="gesperrt">Holländische</em>: <a href="#Page_59">59</a>; <a href="#Page_221">221</a>. <em class="gesperrt">Russische</em> <a href="#Page_419">419</a>; <a href="#Page_426">426</a>. <em class="gesperrt">Schwedische</em> <a href="#Page_426">426</a>; -<em class="gesperrt">Türkische</em> <a href="#Page_423">423</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Philadelphia</em>, Kongreß der Vereinigten Staaten und dessen Forderungen -(1774) <a href="#Page_210">210</a>; von England erobert (1777) <a href="#Page_239">239</a>; geräumt (1778) <a href="#Page_258">258</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Philippinen</em>, von England erobert (1762) <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pitt</em>, William, <em class="gesperrt">sen.</em>, Graf von Chatham, engl. Premierminister <a href="#Page_47">47</a>; während -des Siebenj. Krieges: <a href="#Page_118">118</a>; <a href="#Page_127">127</a>; Stellungnahme zum Pariser Frieden (1763) -<a href="#Page_129">129</a>; <a href="#Page_143">143</a>; <a href="#Page_148">148</a>; <a href="#Page_169">169</a>; <a href="#Page_177">177</a>. Während des Aufstandes der nordamerik. Kolonien: <a href="#Page_207">207</a>; <a href="#Page_210">210</a>;<span class="pagenum"><a name="Page_456" id="Page_456">[456]</a></span> -letztes Auftreten und Tod (1778) <a href="#Page_243">243</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pitt</em>, William, <em class="gesperrt">jun.</em>, tritt ins Ministerium (1782) <a href="#Page_344">344</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pittsburg</em> <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pizarro</em>, spanischer Admiral (1740) <a href="#Page_61">61</a>; <a href="#Page_71">71</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Plassey</em>, Schlacht in Bengalen (1757) begründet das britisch-indische -Reich <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pocock</em>, engl. Admiral <a href="#Page_163">163</a>; erobert Havanna (1762) <a href="#Page_180">180</a>; Schlachten bei -Cuddalore (1758) <a href="#Page_189">189</a>, bei Negapatam (1758) <a href="#Page_192">192</a>; bei Porto Novo (1759) -<a href="#Page_194">194</a>; <a href="#Page_195">195</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pondichery</em> <a href="#Page_9">9</a>; belagert (1748) <a href="#Page_105">105</a>; erobert (1761) <a href="#Page_196">196</a>; erobert, -Seegefecht (1778) <a href="#Page_378">378</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Port Louis</em> (Haiti) angegriffen (1748) <a href="#Page_97">97</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Port_Mahon" id="Port_Mahon">Port Mahon</a></em>, von Franzosen erobert (1756) <a href="#Page_137">137</a>; weiteres Schicksal im -Siebenj. Kriege <a href="#Page_138">138</a>; von Spanien erobert (1782) <a href="#Page_318">318</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Porto Novo</em>, Schlacht (1759) <a href="#Page_194">194</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Porto Praya</em> (Capverden), Schlacht (1781) <a href="#Page_382">382</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Portugal</em>, im Siebenj. Kriege <a href="#Page_120">120</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Pragmatische Sanktion</em> <a href="#Page_5">5</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Preußen</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_5">5</a> ff.; <a href="#Page_47">47</a>; <a href="#Page_116">116</a> ff.; <a href="#Page_421">421</a>. Vgl. -auch Friedrich II.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Princetown</em>, Landgefecht (1776) <a href="#Page_238">238</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Providien</em>, Schlacht (1782) <a href="#Page_387">387</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Puerto Belo</em> erobert (1739) <a href="#Page_60">60</a>; <a href="#Page_69">69</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Puerto Cabello</em>, angegriffen (1743) <a href="#Page_69">69</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>Q</b>uebec</em>, von England erobert (1759) <a href="#Page_171">171</a>; von Amerikanern belagert (1775) -<a href="#Page_228">228</a>; <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Quiberonbucht</em>, Schlacht (1759) <a href="#Page_154">154</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>R</b>aagervik</em> (Baltisch Port) von Schweden überrumpelt (1790) <a href="#Page_435">435</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rajalin</em>, schwed. Admiral (1741) <a href="#Page_419">419</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ramatuelle</em>, franz. Seeoffizier, Taktiker <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Reppiner Haken</em>, Seegefecht (1758) <a href="#Page_421">421</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rhode Island</em>, vgl. <a href="#Narragansettbucht">Narragansettbucht</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Richelieu, Herzog von</em>, franz. General <a href="#Page_85">85</a>; erobert Minorka (1756) <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rion, de</em>, franz. Admiral, erobert Tabago (1781) <a href="#Page_329">329</a>; <a href="#Page_358">358</a>; <a href="#Page_367">367</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rochambeau, Comte de</em>, franz. General, Chef des Hilfskorps in Nordamerika -(1780) <a href="#Page_309">309</a>; <a href="#Page_311">311</a>; <a href="#Page_312">312</a>; <a href="#Page_330">330</a>; <a href="#Page_336">336</a>; <a href="#Page_342">342</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rochefort</em>, angegriffen (1757) <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rodney</em>, engl. Admiral <a href="#Page_10">10</a>; <a href="#Page_44">44</a>; <a href="#Page_148">148</a>; vor Havre (1759) <a href="#Page_151">151</a>; <a href="#Page_161">161</a>; erobert die -franz. westindischen Inseln (1762) <a href="#Page_179">179</a>; Personalien <a href="#Page_292">292</a>; Sieg bei Kap St. -Vincent, versorgt Gibraltar (1780) <a href="#Page_293">293</a>; in Westindien <a href="#Page_299">299</a>; Schlachten bei -Martinique gegen Guichen <a href="#Page_300">300</a>, <a href="#Page_304">304</a>, <a href="#Page_305">305</a>; segelt nach Nordamerika und -zurück <a href="#Page_306">306</a>; Beurteilung <a href="#Page_313">313/14</a>. Erobert St. Eustache (1781) <a href="#Page_324">324</a>; <a href="#Page_326">326</a>; -<a href="#Page_329">329</a>; <a href="#Page_330">330</a>; Beurteilung <a href="#Page_342">342</a>. Schlachten bei Dominica (1782), sein -Durchbruch der feindlichen Linie <a href="#Page_361">361–372</a>; nach England -zurückgerufen, seine Gesamterfolge <a href="#Page_374">374</a>; über seine Taktik <a href="#Page_415">415/16</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Roquefeuil, Comte de</em>, franz. Admiral, im Kanal (1744) <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rouillé</em>, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Reval</em>, Schlacht (1790) <a href="#Page_435">435</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rowley, Joshua</em>, engl. Admiral <a href="#Page_275">275</a>; bei Grenada (1778) <a href="#Page_277">277</a>; <a href="#Page_281">281</a>; <a href="#Page_282">282</a>; bei -Martinique (1780) <a href="#Page_303">303</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rowley, William</em>, engl. Admiral, bei Toulon (1744) <a href="#Page_77">77</a> ff.; <a href="#Page_82">82</a>; <a href="#Page_83">83</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Royal George</em>“, engl. Linienschiff, Untergang auf der Rhede -von Spithead (1782) <a href="#Page_348">348</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Rußland</em>, in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) <a href="#Page_47">47</a>; (1756) <a href="#Page_116">116</a> ff.; -(1741–1743) <a href="#Page_418">418</a>; (1756–1763) <a href="#Page_421">421</a>; (1787–1791) -<a href="#Page_424">424–442</a>. Sein Festsetzen am Schwarzen Meere <a href="#Page_424">424</a>, <a href="#Page_425">425</a>. Vgl. auch -„<a href="#Katharina">Katharina II</a>.“. Seine Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“ und -„<a href="#Personal">Personal</a>“.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>S</b>adras</em>, Schlacht (1782, taktisch bemerkenswert) <a href="#Page_385">385</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_457" id="Page_457">[457]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Santiago de Cuba</em>, angegriffen (1741) <a href="#Page_67">67</a>; (1748) <a href="#Page_97">97</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Saratoga</em>, Kapitulation des engl. Heeres (1777) <a href="#Page_239">239</a>; Folgen derselben -<a href="#Page_42">42/43</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sartines</em>, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit <a href="#Page_31">31</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Savannah</em>, von England besetzt (1778) <a href="#Page_269">269</a>; von Frankreich angegriffen -(1779) <a href="#Page_281">281</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schiffe</em>, Weiterentwicklung der, <a href="#Page_11">11</a> bis <a href="#Page_19">19</a>; (Kupferung <a href="#Page_16">16</a>; -Kauffahrteischiffe <a href="#Page_16">16</a>; Schiffsklassen <a href="#Page_17">17</a>).</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Schlachten" id="Schlachten">Schlachten</a></em>. <em class="gesperrt">See</em>schlachten vgl. Verzeichnis <a href="#Page_443">443</a>. <em class="gesperrt">Land</em>schlachten, die -mit dem Seekriege in näherer Verbindung stehen: Plassey (Indien 1757) -begründet Englands Herrschaft in Bengalen <a href="#Page_188">188</a>. Im nordamerikanischen -Freiheitskriege: Lexington und Bunkershill (1775) <a href="#Page_229">229</a>; New York erobert -(1776) <a href="#Page_235">235</a>; Trenton, Princetown (1776) <a href="#Page_238">238</a>; Stillwater, Saratoga (1777) -<a href="#Page_238">238</a>; Brandywine, Philadelphia erobert (1777) <a href="#Page_240">240</a>; Kapitulation von -Yorktown (1781) <a href="#Page_339">339</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schmuggelhandel</em>, engl., in Westindien, gibt Anlaß zum Kriege (1739) <a href="#Page_3">3</a>; -<a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schwarzes Meer</em>, Rußlands Festsetzung dort <a href="#Page_424">424/25</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Schweden</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) <a href="#Page_47">47</a>; (1756) <a href="#Page_118">118</a>; -(1741–1743) <a href="#Page_418">418</a>; (1756–1763) <a href="#Page_421">421</a>; (1788–1790) -<a href="#Page_425">425–442</a>. Vgl. auch Gustav III. Seine Marine vgl. -„<a href="#Marinen">Marinen</a>“ und „<a href="#Personal">Personal</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seeherrschaft</em>, der Kampf um sie wird wichtiger <a href="#Page_7">7</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seeoffizierkorps</em>, Englisches: Ersatz, Dienstgrade, Beförderung <a href="#Page_25">25</a>; -Französisches: Dienstgrade <a href="#Page_33">33</a>, Ersatz <a href="#Page_35">35</a>. Vergleich beider <a href="#Page_34">34</a>. Vgl. auch -„Personal“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seeschlachten</em>, Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte vgl. -„<a href="#Schlachten">Schlachten</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Seetaktik</em>, vgl. <a href="#Taktik">Taktik</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Senegambien</em>, von England erobert (1758) <a href="#Page_182">182</a>; von Frankreich erobert -(1779) <a href="#Page_285">285</a>; Teilung (1783) <a href="#Page_409">409</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Shelburne</em>, Graf (Lansdown), engl. Premierminister (1782) <a href="#Page_344">344</a>; <a href="#Page_408">408</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Shirley</em>, engl. Gouverneur von Massachusetts, im österreichischen -Erbfolgekrieg <a href="#Page_93">93</a>; <a href="#Page_96">96</a>; im Siebenj. Kriege <a href="#Page_165">165</a>; <a href="#Page_166">166</a>; <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Silberflotten</em>, spanische <a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sjöstjerna</em>, schwed. Admiral (1741) <a href="#Page_419">419</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Södermanland</em>, Herzog Karl, von, schwed. Admiral <a href="#Page_427">427</a>; Schlacht bei Hogland -(1788) <a href="#Page_428">428</a>; Schlacht bei Öland (1789) <a href="#Page_431">431</a>; (1790): Schlacht bei Reval -<a href="#Page_435">435</a>, Schlacht in der Kronstädterbucht <a href="#Page_436">436</a>, in der Wyborgbucht blockiert -und Durchbruch <a href="#Page_439">439</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Solano</em>, span. Admiral, in Westindien (1780) <a href="#Page_291">291</a>; <a href="#Page_295">295</a>; <a href="#Page_305">305</a>; erobert -Pensacola <a href="#Page_307">307</a>; (1783) <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sounders</em>, engl. Admiral <a href="#Page_142">142</a>; <a href="#Page_159">159</a>; erobert Quebec (1759) <a href="#Page_171">171</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spanien</em> in den Kriegen des Zeitabschnittes <a href="#Page_3">3</a> ff. Im Kriege 1739 bis 1748: -<a href="#Page_45">45</a>; <a href="#Page_49">49</a>; (1739) <a href="#Page_61">61</a> ff.; (1744) <a href="#Page_73">73</a>, <a href="#Page_81">81</a>; (1748) <a href="#Page_111">111</a>; sein Handelskrieg -(Verluste) <a href="#Page_107">107</a>; Strategie <a href="#Page_111">111</a>; Friede zu Aachen (1748) <a href="#Page_55">55</a>. — Im Kriege -1756–1763: Familienvertrag mit Frankreich (1761) treibt es in den -Krieg <a href="#Page_119">119</a>; verliert (1762) Havanna <a href="#Page_180">180</a> und die Philippinen <a href="#Page_197">197</a>; Friede zu -Paris (1763) <a href="#Page_128">128</a>. — Im Kriege 1775–1783: Streit mit England -wegen der Falklandsinseln (1770) <a href="#Page_212">212</a>; versucht zwischen Frankreich und -England zu vermitteln, tritt dann in den Krieg Frankreichs ein (1779) -<a href="#Page_217">217</a>; Ziele der Verbündeten <a href="#Page_218">218</a>; Rüstungen (1779) <a href="#Page_286">286</a>; die -spanisch-französische Flotte im Kanal <a href="#Page_287">287</a>; beginnt die Belagerung von -Gibraltar <a href="#Page_292">292</a>; sendet Flotte zur Eroberung von Jamaika (1780), die aber -die französische im Stich läßt <a href="#Page_305">305</a>; erobert Pensacola (1781) <a href="#Page_307">307</a>; -Rüstungen (1781) <a href="#Page_315">315</a>; erobert (1781/82) Minorka <a href="#Page_318">318</a>; -spanisch-französische Flotte im Kanal (1781) <a href="#Page_319">319</a>; Rüstungen (1782) <a href="#Page_344">344</a>; die gemeinsame<span class="pagenum"><a name="Page_458" id="Page_458">[458]</a></span> -Flotte vor dem Kanal <a href="#Page_346">346</a>; erfolgloser großer Angriff auf -Gibraltar <a href="#Page_348">348</a>; Friede von Versailles (1783) <a href="#Page_409">409</a>. — Spaniens Strategie -<a href="#Page_409">409</a> ff. — Stärke usw. der spanischen Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spartel, Kap</em>, Gefecht (1782) <a href="#Page_352">352</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spinola</em>, span. Admiral, Schlacht bei Havanna (1748) <a href="#Page_98">98</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Spiridoff</em>, russ. Admiral, im Mittelmeer (1769) <a href="#Page_423">423</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="St._Christopher" id="St._Christopher">St. Christopher</a></em>, Westindien, von Frankreich erobert (1782) <a href="#Page_354">354</a>; zwei -Schlachten (1782) <a href="#Page_355">355</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="St_David" id="St_David">St. Davids</a></em> (Fort bei Cuddalore, vgl. <a href="#Cuddalore">dort</a>) <a href="#Page_101">101</a>; von Frankreich -angegriffen (1747) <a href="#Page_104">104</a>, <a href="#Page_105">105</a>; erobert (1758) <a href="#Page_191">191</a>; ebenso (1782); von -England belagert (1783) <a href="#Page_397">397</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Eustache</em> (Westindien) von England erobert (1781; Rodneys große Beute) -<a href="#Page_324">324</a>; von Frankreich zurückgenommen <a href="#Page_341">341</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Johns</em>, Fort in Nordamerika <a href="#Page_228">228</a>; <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Kitts</em>, vgl. <a href="#St._Christopher">St. Christopher</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Sta. Lucia</em>, Westindien, neutrale Insel <a href="#Page_9">9</a>; fällt an Frankreich (1763) <a href="#Page_175">175</a>; -von England erobert (1778), seine strategische Bedeutung <a href="#Page_273">273</a>; von -Frankreich angegriffen <a href="#Page_274">274</a> und (1781) <a href="#Page_328">328</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Malo</em> beschossen (1753) <a href="#Page_145">145</a>, <a href="#Page_146">146</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Martin</em>, Westindien, von Frankreich erobert (1779) <a href="#Page_275">275</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Vincent</em>, Kap, Schlacht (1780) <a href="#Page_293">293</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">St. Vincent</em>, Westindien, neutrale Insel <a href="#Page_9">9</a>; fällt an England (1763) <a href="#Page_175">175</a>; -von Frankreich erobert (1779) <a href="#Page_276">276</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Steuben, von</em>, amerikan. General, Organisator des Heeres (1777) <a href="#Page_242">242</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Strategie</em> zur See, gewinnt an Umfang <a href="#Page_7">7</a>; die französische -Defensivstrategie <a href="#Page_43">43</a>. — Strategie im Kriege 1739–1748: Einfluss -des Seekrieges auf den Landkrieg <a href="#Page_108">108</a>; die Kriegführung der Gegner <a href="#Page_110">110</a>; -Angriffe auf feindliche Küsten erfordern die Seeherrschaft <a href="#Page_114">114</a>. — Im -Kriege 1756–1763: die Kriegführung der Gegner <a href="#Page_123">123</a>, <a href="#Page_200">200</a>; Angriffe -auf Küsten <a href="#Page_205">205</a>; Belagerung von Küstenstädten <a href="#Page_260">260</a>. — Im Kriege -1775–1783: Kennzeichnung des Krieges <a href="#Page_219">219</a>; Lage auf den -verschiedenen Kriegsschauplätzen <a href="#Page_244">244</a>. Beurteilung der Strategie auf -diesen in den einzelnen Jahren: Europa (1778) <a href="#Page_257">257</a>; in Nordamerika (1778) -<a href="#Page_270">270</a>; Amerika und Westindien (1779/80) <a href="#Page_283">283</a>, Fehler Englands, den Landkrieg -in den Südstaaten aufzunehmen <a href="#Page_269">269</a>, franz. Ansicht über Seestrategie und -Taktik <a href="#Page_279">279</a>, Englands Fehler, die Narragansettbucht aufzugeben <a href="#Page_284">284</a>; Europa -(1779/80) <a href="#Page_296">296</a>; Westindien und Nordamerika (1780) <a href="#Page_312">312</a>; Europa (1781) <a href="#Page_323">323</a>; -Westindien und Nordamerika (1781) <a href="#Page_344">344</a>; Westindien (1782) <a href="#Page_374">374</a>; Ostindien -(1778–1783) <a href="#Page_402">402</a>. — Allgemeine Besprechung der Strategie -(1778–1783). Aufgaben der Gegner und wie sie dieselben lösten <a href="#Page_409">409</a> -ff. — Strategie im Schwedisch-Russischen Kriege (1788 bis 1790) <a href="#Page_430">430</a>; -<a href="#Page_434">434</a>; <a href="#Page_441">441</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Suffren</em>, franz. Admiral <a href="#Page_10">10</a>; <a href="#Page_44">44</a>; unter d'Estaing in Nordamerika und -Westindien (1778) <a href="#Page_263">263</a>; <a href="#Page_267">267</a>; <a href="#Page_271">271</a>; <a href="#Page_283">283</a>; <a href="#Page_296">296</a>. Segelt nach Ostindien (1781) -<a href="#Page_316">316/17</a>; <a href="#Page_346">346</a>; <a href="#Page_359">359</a>; <a href="#Page_380">380</a>; Schlacht vor Porto Praya (1781). Personalien, -rettet das Kapland <a href="#Page_381">381</a> ff.; Oberbefehl in Indien (1782) <a href="#Page_384">384</a>; Schlachten -in Indien (1782): bei Sadras <a href="#Page_385">385</a>, Providien <a href="#Page_387">387</a>, Negapatam <a href="#Page_391">391</a>, erobert -Trincomali <a href="#Page_393">393</a>, bei Trincomali <a href="#Page_394">394</a>; <a href="#Page_399">399</a> ff.; (1783) Schlacht bei -Cuddalore, Entsatz der Stadt <a href="#Page_400">400</a>; <a href="#Page_401">401</a>. Rückkehr nach Frankreich, seine -Beurteilung <a href="#Page_402">402</a> ff. Seine Maßnahmen zur Instandhaltung der Schiffe <a href="#Page_393">393</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Svensksund</em>, zwei Schärenschlachten (1789) <a href="#Page_433">433</a>, (1790) <a href="#Page_440">440</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>T</b>abago</em>, Westindien, neutrale Insel <a href="#Page_9">9</a>; von Frankreich kurze Zeit besetzt -(1749) <a href="#Page_131">131</a>; fällt an England (1763) <a href="#Page_175">175</a>; v. Frankreich erobert (1781) -<a href="#Page_329">329</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Takelage</em>, Verbesserung der <a href="#Page_13">13</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Taktik" id="Taktik">Taktik</a>.</em>, Fortentwicklung <a href="#Page_9">9</a>; Stand um 1740 <a href="#Page_36">36</a> ff.; Nachteile der engl.<span class="pagenum"><a name="Page_459" id="Page_459">[459]</a></span> -Angriffsart, die franz. Defensivtaktik <a href="#Page_41">41</a> ff.; Einfluß der franz. -Strategie auf diese <a href="#Page_43">43</a>; <a href="#Page_279">279</a>; unentschiedene Defensivschlachten <a href="#Page_43">43</a>. — -Über Taktik in den einzelnen Kriegen: (1740–1748) <a href="#Page_113">113</a>; bei -Eroberung von Küstenstädten fällt die Hauptaufgabe dem Landheere zu <a href="#Page_115">115</a>; -(1756–1763) <a href="#Page_204">204</a>; (1775–1783) <a href="#Page_414">414</a>. — Schlachten -bemerkenswert für Erkennung und Beurteilung der verschiedenen Taktik der -Gegner: Toulon (1744) <a href="#Page_80">80</a>; Minorka (1756) <a href="#Page_139">139</a>; Ouessant (1778) <a href="#Page_255">255</a>; -Grenada (1779) <a href="#Page_279">279</a>; Chesapeakebucht (1781) <a href="#Page_334">334</a>, <a href="#Page_338">338</a>. Schlachten, in denen -vom alten Brauch abgewichen wurde: Martinique (1780, Rodney) <a href="#Page_301">301</a>; -Dominica (1782, Rodney) <a href="#Page_363">363</a>; Sadras (1782, Suffren) <a href="#Page_385">385</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ternay, de</em>, franz. Admiral, Einfall in Neufundland (1762) <a href="#Page_200">200</a>; segelt mit -dem Hilfskorps nach Nordamerika (1780) <a href="#Page_291">291</a>, <a href="#Page_306">306</a>; Gefecht bei den -Bermudainseln, landet bei Rhode Island (Narragansettbucht) <a href="#Page_309">309</a>, <a href="#Page_311">311</a>, <a href="#Page_313">313</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Thurot</em>, franz. Freibeuter, Einfall in Irland (1760) <a href="#Page_160">160</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Ticonderoga</em>, Fort in Nordamerika <a href="#Page_170">170</a>, <a href="#Page_228">228</a>, <a href="#Page_238">238</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tippu Sahib</em> (Herrscher von Misore, Indien), im Kampf mit England <a href="#Page_387">387</a>, -<a href="#Page_399">399</a>, <a href="#Page_400">400</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Torres</em>, spanischer Admiral in Westindien (1740) <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_63">63</a>, <a href="#Page_66">66</a>, <a href="#Page_68">68</a>, <a href="#Page_71">71</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Toulon</em>, von England blockiert (1742 bis 1743) <a href="#Page_73">73</a>; Seeschlacht (1744) <a href="#Page_75">75</a>; -ihre Bedeutung <a href="#Page_80">80</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Trenton</em>, Landgefecht (1776) <a href="#Page_238">238</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Trincomali</em> (Ceylon), (1782) von England erobert <a href="#Page_380">380</a>, von Frankreich -erobert <a href="#Page_393">393</a>; Seeschlacht <a href="#Page_394">394</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tscheschme</em>, Vernichtung der türkischen Flotte durch die russische (1770) -<a href="#Page_423">423</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Tschitschakoff</em>, russisch. Admiral, Schlacht bei Öland (1789) <a href="#Page_431">431</a>; -blockiert Karlskrona <a href="#Page_432">432</a>; Schlacht bei Reval (1790) <a href="#Page_435">435</a>, <a href="#Page_437">437</a>; blockiert -die schwed. Flotte in Wyborg, Durchbruch derselben <a href="#Page_438">438</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Türkei</em>, Kriege (1768–1774) <a href="#Page_422">422</a>; (1788–1791) <a href="#Page_424">424</a>; seine -Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>U</b>tfall</em>, schwed. Admiral (1743) <a href="#Page_420">420</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>V</b>audreuil, Comte de</em>, franz. Admiral, Gouverneur von Kanada -(1755–1760) bis zu dessen Eroberung <a href="#Page_166">166</a>, <a href="#Page_172">172</a> ff.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vaudreuil</em>, Sohn des Vorstehenden, franz. Admiral <a href="#Page_275">275</a>; in Westafrika -(1778) <a href="#Page_285">285</a>; in der Schlacht bei Dominica (1782) <a href="#Page_362">362–374</a>; -Oberbefehl in Westindien, segelt nach Boston <a href="#Page_374">374</a>; nach Puerto Cabello -<a href="#Page_375">375</a>; nach Europa (1783) <a href="#Page_376">376</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vaughan</em>, engl. General, erobert St. Eustache (1781) <a href="#Page_324">324</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt"><a name="Vereinigte_Staaten" id="Vereinigte_Staaten">Vereinigte Staaten von Nordamerika</a>.</em> Innere Verhältnisse der -nordamerikanischen Kolonien, ihre Zerwürfnisse mit England <a href="#Page_207">207</a>; der -Kongress der Kolonien, seine Forderungen (1774) <a href="#Page_210">210</a>; die -Unabhängigkeitserklärung <a href="#Page_211">211</a>; von Frankreich anerkannt (1778) <a href="#Page_217">217</a>. — Der -Krieg (1775–1778) <a href="#Page_226">226–242</a>; Kapitulation des englisches -Heeres bei Saratoga (1777) <a href="#Page_239">239</a>; letzter Versuch Englands zur Versöhnung -(1778) <a href="#Page_243">243</a>. Frankreich sendet eine Flotte zur Unterstützung (1778) <a href="#Page_243">243</a>, -<a href="#Page_258">258</a>; Verlauf des Krieges (1778/79) ungünstig <a href="#Page_268">268</a>; französisches Hilfsheer -trifft ein (1780) <a href="#Page_309">309</a>; schlechte Lage der Amerikaner (Ende 1780) <a href="#Page_315">315</a>; -Virginia wird Hauptkriegsschauplatz (1781), die französische Flotte -beherrscht die See, Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown <a href="#Page_331">331</a>; -Ende des Landkrieges (1782) <a href="#Page_340">340</a>, <a href="#Page_344">344</a>. — Der Kreuzerkrieg der Amerikaner -<a href="#Page_225">225</a>, <a href="#Page_241">241</a>, <a href="#Page_405">405</a>. Der Friede von Versailles (1783) <a href="#Page_407">407</a>. — Die amerikanische -Marine vgl. „<a href="#Marinen">Marinen</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vergennes, Comte de</em>, franz. Premierminister, nimmt den Krieg mit England -auf (1778) <a href="#Page_215">215</a> ff.; <a href="#Page_250">250</a>; seine Ansicht über den Wert von Seeschlachten <a href="#Page_256">256</a>, <a href="#Page_285">285</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Vernon</em>, engl. Admiral, in Westindien (1739) <a href="#Page_60">60–69</a>; im Kanal -(1745) <a href="#Page_85">85</a>.<span class="pagenum"><a name="Page_460" id="Page_460">[460]</a></span></li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Versailles</em>, Frieden zu (1783) <a href="#Page_407">407</a>.</li> -<li class="indx">„<em class="gesperrt">Victory</em>“, engl. Linienschiff, Untergang (1744) <a href="#Page_83">83</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Voltaire</em>, Aufruf an das engl. Volk (1745) <a href="#Page_85">85</a>.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>W</b>affen</em> (1740–1793) <a href="#Page_19">19–24</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Walpole</em>, engl. Premierminister <a href="#Page_46">46</a> ff., <a href="#Page_72">72</a>, <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Warren</em>, engl. Admiral in Nordamerika <a href="#Page_88">88</a>, <a href="#Page_91">91</a>; erobert Louisbourg (1745) -<a href="#Page_94">94</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Washington</em>, amerik. General, erobert Fort Duquesne (1754) <a href="#Page_164">164</a>; -Oberbefehlshaber des Heeres der Vereinigten Staaten (1775) <a href="#Page_211">211</a>, <a href="#Page_227">227</a>, <a href="#Page_229">229</a>, -<a href="#Page_231">231</a>; verliert New York (1776) <a href="#Page_235">235</a>; siegreich in New Jersey <a href="#Page_238">238</a>; bei -Brandywine geschlagen, verliert Philadelphia (1777) <a href="#Page_240">240</a>; (1778/79): <a href="#Page_262">262</a>, -<a href="#Page_268">268</a>; (1780): <a href="#Page_306">306</a>, <a href="#Page_311">311</a>; (1781): <a href="#Page_330">330</a>, <a href="#Page_336">336</a>, <a href="#Page_338">338</a>, <a href="#Page_341">341</a>; seine Anerkennung für -de Grasse <a href="#Page_342">342</a>; seine Ansicht über Bedeutung der Seemacht <a href="#Page_343">343</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Watson</em>, engl. Admiral, in Indien, gegen den Seeräuber Angria (1755) <a href="#Page_186">186</a>; -erobert Kalkutta (1757) <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wentworth</em>, engl. General, in Westindien (1740) <a href="#Page_62">62–69</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Werelä</em>, Friede zwischen Schweden und Rußland (1790) <a href="#Page_441">441</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Werften</em>, Verbesserung der <a href="#Page_16">16</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Westindien</em>, europäische Kolonien dort <a href="#Page_8">8</a>; englischer Schmuggelhandel gibt -Anlaß zum Kriege (1739) <a href="#Page_3">3</a>, <a href="#Page_45">45</a>; Westindiens militärische Bedeutung im -Kriege (1778–1783) <a href="#Page_244">244</a>; Kämpfe in Westindien vgl. -„<a href="#Kolonien">Kolonien</a>“.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Westminster</em>, Vertrag zwischen England und Preussen (1756) <a href="#Page_117">117</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wiborg</em>, Blockade und Durchbruch der schwed. Flotte (1790) <a href="#Page_439">439</a>.</li> -<li class="indx"><em class="gesperrt">Wolfe</em>, engl. General <a href="#Page_169">169</a>; nimmt Quebec (1759) <a href="#Page_171">171</a> ff.</li> -<li class="ifrst"><em class="gesperrt"><b>Z</b>outman</em>, holländ. Admiral, Schlacht auf der Doggerbank (1781) <a href="#Page_320">320</a>; -Beurteilung <a href="#Page_322">322</a>.</li> -</ul> - -<div class="figcenter"> - <img src="images/deco_p460.jpg" width="200" height="109" - alt="deco" - title="deco" /> -</div> - -<p class="title">E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68–71.</p> - -<hr class="full" /> - -<div class="transnote"> -<p class="title">Anmerkungen zur Transkription:</p> - -<p>Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druck- und Setzfehler korrigiert.</p> - -<p>Dieses Buch enthält Verweise auf andere Bücher der Projekt Gutenberg -Sammlung. Obgleich wir die Korrektheit der Verknüpfung zum Zeitpunkt der -Veröffentlichung überprüft haben, können diese Verweise aus unterschiedlichen -Gründen, bei unterschiedlichen Personen und zu unterschiedlichen Zeiten -nicht funktionieren.</p> -</div> - -<pre style='margin-top:6em'> -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SEEKRIEGE UND SEEKRIEGSWESEN, -ZWEITER BAND *** - -This file should be named 63857-h.htm or 63857-h.zip - -This and all associated files of various formats will be found in: -http://www.gutenberg.org/6/3/8/5/63857/ - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - -</pre> -</body> -</html> - diff --git a/old/63857-h/images/cap_p003.jpg b/old/63857-h/images/cap_p003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 066c304..0000000 --- a/old/63857-h/images/cap_p003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/63857-h/images/cap_piii.jpg b/old/63857-h/images/cap_piii.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 89533b3..0000000 --- a/old/63857-h/images/cap_piii.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/63857-h/images/cover.jpg b/old/63857-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 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