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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz, MitteilungenBand X, Heft - 10-12 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: March 27, 2021 [eBook #64937] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ, MITTEILUNGENBAND X, HEFT 10-12 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 10 bis 12 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band X - - _Inhalt_: Hermann Vogel, dem Malerpoeten des Vogtlandes zum - Gedächtnis -- Kamenzer Weihnachten -- Wanderbilder aus dem - östlichen Vogtland -- Trachtenechtes Spielzeug -- Caprivi und - die Bäume im Garten des Kanzlerpalais -- Drei Baumbilder aus der - Wilsdruffer Heimatsammlung -- Pflanzt Nußbäume -- Praktischer - Heimatschutz -- In den Hütten meiner Heimat -- Das Weberhaus - in Hosterwitz -- Wissenschaft und Vogelschutz -- Kursächsische - Streifzüge -- Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele -- Von der - Schönheit des Baumes -- Bücherbesprechung - - Einzelpreis dieses Heftes M. 20.--, Bezugspreis für einen Band - (aus 12 Nummern bestehend) M. 30.--, für Behörden und Büchereien - M. 20.--. Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, - _Mindest_jahresbeitrag M. 10.-- - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokasse Dresden 610 - - Dresden 1921 - - - - -An unsere werten Mitglieder! - - -In dem vorliegenden Weihnachtsheft bieten wir unseren Mitgliedern, -Freunden und Gönnern etwas ganz besonderes: - -Wir sind in der glücklichen Lage, zehn ganz vortreffliche Zeichnungen -Hermann Vogels, des gemütvollen Illustrators der »Fliegenden Blätter«, -der Anfang dieses Jahres seine Augen für immer schloß, abzudrucken und -so dem Hefte eine besondere Weihnachtsstimmung zu geben. - -Unser Verein hat in dem nun ablaufenden Jahre an Mitgliedern ungeahnt -zugenommen. Fast hat sich unsere Mitgliederzahl verdoppelt, denn -wir werden mit einem Bestand von 12000 Mitgliedern abschließen. -Freilich haben unsere Einnahmen durch die zunehmende Geldentwertung -mit der Erhöhung unserer Mitgliederzahl nicht Schritt gehalten. Eine -obligatorische Erhöhung unseres Jahresbeitrages (Mindestbeitrag -10 Mk.), der in unseren Brudervereinen schon 20 Mk. und mehr beträgt, -möchten wir vermeiden, um auch unseren minderbemittelten Volksgenossen, -den zahlreichen Schülern, die sich an unserer Bewegung und an unseren -Veröffentlichungen erbauen, auch weiterhin die Zugehörigkeit zum -Heimatschutz zu ermöglichen. Wir hoffen daher, daß - -_unsere Bitte um freiwillige Erhöhung des Jahresbeitrages_ - -auch weiterhin Gehör und Erfüllung finden und das besonders der Inhalt -dieses Heftes, das uns fast 10 Mk. (unseren Mindestbeitrag) selbst -kostet, dazu anfeuern möge. - -Wir fügen daher auch diesem Hefte eine Zahlkarte bei und bitten alle -diejenigen, davon Gebrauch zu machen, die dazu irgendwie in der Lage -sind, ihren Beitrag freiwillig zu erhöhen oder uns eine Weihnachtsgabe -für das Jahr 1921 noch zu übermitteln. Die jetzige Teuerungswelle -bringt auch unseren Verein erneut vor wirtschaftliche Schwierigkeiten. -Möge der Opfersinn und die Opferwilligkeit aller derer, die uns -angehören, an unseren Bestrebungen Freude, Gefallen und Genugtuung -finden, dazu beitragen, daß wir auch über die neue verschärfte -wirtschaftliche Lage hinwegkommen und weiter unseren Bestrebungen für -Heimat und Volk mit allen unseren Kräften in der bisherigen Weise -gerecht werden können. - -Wir danken allen aufrichtig und von ganzem Herzen, die uns bisher -geholfen haben und unseren Verein in die Lage versetzten, einer der -größten Vereine mit idealen Bestrebungen von ganz Sachsen zu werden. - -Wir bitten alle, dazu beizutragen, daß wir im nächsten Jahre unser -zwanzigtausendstes Mitglied aufnehmen und an Macht und Ansehen weiter -gewinnen können. Zu diesem Zwecke fügen wir eine Anmeldekarte zur -Gewinnung eines neuen Mitgliedes bei. Die Mitgliedschaft wäre ein -schönes Weihnachtsgeschenk für Sachsens Jugend. - - _Dresden_, im November 1921 - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - - - - -[Illustration: - - Band X, Heft 10/12 1921 - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den -Vorstand herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. Oktober 1921 - - - - -Hermann Vogel dem Malerpoeten des Vogtlandes zum Gedächtnis - -Von _Karl Rödiger_, Plauen i. V. - - Die beigedruckten Bilder stammen »Aus den Fliegenden Blättern«, - Braun & Schneider, München - - -»Bin kein Heimatkünstler im eigentlichen Sinne des Wortes, bin kein -Vogtlandmaler«, schrieb mir Hermann Vogel in seiner kurzen, offenen -Art, als ich mich vor etlichen Jahren an ihn gewendet hatte mit der -Bitte, mir aus dem Reichtum seiner Bilder solche zu nennen, denen ein -_vogtländisch-heimatliches_ Motiv zu Grunde liegt. Und wer das gesamte -Schaffen des Künstlers, der sich selbst einmal, auf dem Titelblatt -seines »Bilder- und Geschichtenbuches«, als »romantisch-humoristischer -Illustrator« bezeichnet hat, auch nur einigermaßen kennt, seine -Illustrationen zu Scheffels Ekkehard, zu Wagners Deutschen Heldensagen, -zu Schwabs Volksbüchern, zu der achtbändigen Weltgeschichte seines -Lehrers Otto Kaemmel, seine wundersamen Bilder zu den Märchen der -Brüder Grimm (1892/94), zu Rudolphis Märchen (1905), seine ungezählten -Bilder und Gedichte, Tierfabeln und Geschichten in den Münchener -»Fliegenden Blättern«, denen Hermann Vogel mehr als drei Jahrzehnte -lang sein bestes Dichten und Können gewidmet hat, wer dies alles -überblickt, der wird, erstaunt ob solcher Gestaltenfülle aus allen -Zeiten und Völkern und Ländern, den Künstler nicht mehr in den -engbegrenzten Begriff des Heimat- und des Vogtlandmalers hineinzwängen -wollen. - -[Illustration: =Der Schatzgräber=] - -Und doch, wer näher zusieht, wer als geborener Vogtländer wie ich von -Jugend an leidenschaftlich gern Hermann Vogelsche Bilder aufgesucht und -stundenlang betrachtet hat, der wird mit aufrichtiger Freude entdecken -können, wie Hermann Vogel auch seiner _Heimat_, seinem _Vogtland_, -immer und immer wieder reizvolle Motive für seine Bilder abzulauschen -wußte. - -[Illustration: =Hexenküche=] - -Kein Wunder. Denn in Plauen, im Herzen des Vogtlandes, am 16. Oktober -1854 als zweiter Sohn des Maurermeisters Traugott Wilhelm Vogel -geboren, ist der Künstler zeitlebens ein rechter Vogtländer von echtem -Schrot und Korn geblieben. Mit allen Fasern seines Herzens hing -Hermann Vogel an seinem Vogtland. Mit seinen Landsleuten hat auch er, -wie Julius Mosen, der Vogtlandsänger, im Eingang der »Erinnerungen« -von sich sagt, immer die Anhänglichkeit an die heimatliche Erde des -Vogtlandes gemeinsam gehabt. Ein doppeltes Heim hat Hermann Vogel -besessen, ein Sommerheim an der Plattleithe im sonnigen Loschwitz -bei Dresden und ein Winterheim in seinem obervogtländischen Dörflein -Krebes beim Burgstein, zwischen Ruderitz und Gutenfürst. Sobald es zu -herbsteln begann, sobald die ersten Schneeflocken herabwirbelten, litt -es den Künstler nicht länger im wohligen Loschwitz. Das Heimweh trieb -ihn hinauf in seine heimatlichen Vogtlandberge und Vogtlandwälder. -Und hier, in der Weltabgeschiedenheit des Krebeser Waldes, in nie -befriedigtem Selbststudium, in unablässigem Naturstudium hat er, den -kein Kunstlehrer und keine Kunstakademie dauernd hatte fesseln können, -mühevoll sich den Weg zu seiner Künstlereigenart gebahnt. Hier hat er -am 22. Februar 1921 sein Künstlerauge für immer geschlossen. Hier haben -wir ihn, den »Krebesaere«, auf seinen ausdrücklichen Wunsch in den -mütterlichen Schoß seiner heißgeliebten Vogtlanderde gebettet. -- - -Mit Stift und Skizzenbuch hat Hermann Vogel sein Vogtland kreuz und -quer durchstreift und, als Maurermeisterssohn, mit ganz besonderer -Vorliebe architektonische Motive heimgetragen. Immer wieder ragen -in seinen Bildern die zerfallenen Mauern der beiden romantischen -Burgsteinruinen empor, die seinem Krebeser Heim und seinem -Künstlerherzen so nah benachbart waren: in Maiensonntagsbildern die -untere Burgsteinruine mit dem ländlich gemütlichen Kegelschub, im -mondlichtüberflossenen Schatzgräberbild die obere Burgsteinkapelle, -in dem köstlichen Waldmappenbild von der Märchen erzählenden -Großmutter die altersgrauen Burgsteinmauern mit dem geheimnisdunklen -Spitzbogentor im Hintergrund, im Bild vom grauen Männel, das den -späten Gast vom Burgstein heimleuchtet, in zahlreichen Bildern der -~Ora-pro-nobis~-Brüderschaft, deren Seele der Künstler gewesen, im Bild -vom eingeschneiten Einsiedler, in der innigen Dornröschenkarte vom -Burgstein, deren Geleitgedicht der Malpoet ausklingen läßt: - - Hier schläft, umraunt von Wald und Wind, - Der _Heimat_ Poesie. - -[Illustration: =Waldseeklause=] - -Aus vielen, über alle Welt verbreiteten Bildern Hermann Vogels grüßen -uns wie vertraute Freunde Dorfkirchen des Vogtlandes mit ihren runden -Zwiebeltürmen: das Kirchlein von Krebes, von Kemnitz und Geilsdorf, -die weit ins Land schauende St. Clara-Kapelle von Heinersgrün, die -berühmte Bergkirche von Schleiz, eine der ältesten und denkwürdigsten -Kultstätten des gesamten Vogtlandes. Alte Bauwerke, »Wohnungen der Frau -Romantika«, Burgruinen, Kirchen, Tore, Türme und Schlösser, haben es -ihm angetan: der zierliche Schloßturm des Rittergutes von Wiedersberg -im oberen Vogtland, das Stadttor von Saalburg, der Wartturm von -Ziegenrück, Schloß Ranis, das efeuumsponnene, im Pößnecker Kreis, vor -allem das herrliche Schloß Burgk an der Saale in Sommersonnenglanz und -deutscher Winterweihnachtspracht. - -[Illustration: - - Wahr’ dich vor Waldschmieds Töchterlein! - Wie Eisen so stark, wie Gold so fein - Schwingt sie den Hammer wie Wieland gut, - Wie Kohle loht ihrer Augen Glut! - Und naht der Schmiede ein Reitersmann, - Der nicht mehr fechten und traben kann, - Dem bessert sie Harnisch und Huf zur Stund’, - Brennt aber auf ewig das Herz ihm wund! -] - -Als begeisterte Anhänger und Vorkämpfer des Heimatschutzgedankens sind -wir dem Künstler aber noch besonders dankbar, daß er bemerkenswerten -Resten und Zeugen heimatlicher Bauweise so liebevoll nachgegangen -ist und diese uns in vielen seiner Bilder erhalten hat: die -schindelgedeckten Bauernhütten des Vogtlandes mit dem Rundbogenbalken -über den kleinen Wohnfenstern, den kunstvoll mit Schiefer verkleideten -Giebel der Waldschmiede in Heinersgrün, den altmeisterlichen -Holzwerkgiebel ebendort (in dem Bild von der »Hochzeitsmusik«), das -echt vogtländische Bauernhaus mit Holzgalerie (in Grimms Märchen von -den klugen Leuten), das heimatliche Bauerngehöfte mit Taubenschlag und -Bienenstöcken und Kleinod- (»Klaanet«) Garten (beim Märchen vom Frieder -und Katerlieschen), die altvogtländische Bauernstube mit Spinnrad, -vogtländischem Hauskalender und Kachelofen und volkskunsthandwerklicher -Holzverkleidung (aus den Waldmappenbildern), den urwüchsigen -Dorfbrunnen mit bretternem Brunnenhaus und wuchtigem Klotzhebel, -im Volksmund »Leerl« genannt, (beim Märchen vom Fundevogel), den -Wiedersberger Gasthof mit seinem Fachwerk und kunstschmiedeeisernem -Wirtshausschild (im Märchen von dem, der das Fürchten lernen wollte) -und endlich, nicht zuletzt, auch die weltabgeschiedenen Mühlen alle -in den Waldbachtälern des Vogtlandes, vor allen die Kienmühle im -Kemnitzgrund nahe dem Burgstein, zwischen Ruderitz und Geilsdorf, des -Künstlers Lieblingsmühle, wo er so gern geweilt, die er in einem seiner -schönsten Gedichte also preist: - - Am Erlenbach, im engen Grund, du Mühle hast mir’s angetan, - Seit sich dein stiller Frieden mir zum ersten Male aufgetan. - Wie oft saß ich am Felsenhang, von Fichtenkronen rings umsäumt, - Und späht’ dein stilles Tal entlang, so heimatfröhlich - und verträumt. - - * * * * * - - Noch heute summt durch meinen Traum ein fernes Lied, - so leis und lind, - So liebend, wie wenn in den Schlaf die Mutter - singt ihr krankes Kind. - ’s ist ein gar eigen, stilles Lied, so waldeskräftig, sonnenmild, - Bald fröhlich wie der Mühlenbach, wenn er um moos’ge Felsen quillt, - Und bald wie Waldesbrausen ernst, dem scheu der Sprung - der Rehe lauscht: - Es ist der _Heimat Zauberlied_, das durch - die Fichtenkronen rauscht. - -[Illustration: =Im Maien.=] - -[Illustration: - - Wenn der Hans die Grete nimmt, - Die Musica auf’s Feinste stimmt; - Wenn der Hans die Grete hat, - Wendet sich das Notenblatt -- - Nun toent’s bald sueß, wie Nachtigallsang - Bald, als keiften zwei Kater die Daecher entlang! - - H. V. 1904 - -=Hochzeitsmusika=] - -Der Heimatmühle tief drunten im Tal und dem Heimatwald hoch droben auf -den Vogtlandbergen gehörte des Künstlers volle, treue Liebe. - - Du Wald auf meiner Heimat Höh’n, - Mein ganzes Glück bist du! - -bekennt er am Schluß des Geleitgedichtes zu seinem ergreifend schönen -Heimatwaldbild. Tagelang und nächtelang ist er als Jäger durch den -Krebeser Wald gestreift und durch die Wälder der Ruderitzberge und -der Plattenberge, mit der Donnerbüchse über der Schulter. Nur selten -hat er’s über sich vermocht, ein Wild des Waldes mit seiner Flinte -wirklich tot zu schießen. Mit seinem Stift, dem treffsicheren, hat -er die Tiere belauscht und im Skizzenbuch als Beute heimgebracht: -den leichtflüchtigen Hasen, den listigen Fuchs, das keusche Reh -(des Künstlers Lieblingstiergestalt), die gurrenden Holztauben, das -übermütige Eichkätzchen und die nachtschwarzen Unglücksraben Wotans. -(Hermann Vogel als Gestalter der heimischen Tierwelt ist ein besonders -reizvolles Kapitel für sich allein.) Aber über die oft verblüffende -Wirklichkeitstreue hinaus drängte es den Künstler, den heimatlichen -Wald romantisch zu beleben, »märchenhaft und wunderbar«, mit Gnomen -und Zwergen und Elfen und Nixen und Drachen und Hexen und Riesen. -Die Bäume bekommen Gesichter, Arme und Hände. Hinter den Felsen -lauern spukhafte Ungeheuer. Hänsel und Gretel, zwei vogtländische -Bauerskinder, schreiten herzklopfend durch den verzauberten, -nächtlichen Vogtlandwald. Hermann Vogel ist einer der bedeutendsten -Märchenwaldmaler des deutschen Volkes. (Wer sich jemals in seine -Waldbilder zu den Volksmärchen der Brüder Grimm und seine beiden -Waldbildmappen vertieft, wird es bestätigt finden.) - -[Illustration: =Madonna im Walde=] - -Als echter Malerpoet des Vogtlandes erweist sich Hermann Vogel auch -in seiner Darstellung der vogtländischen Menschen, die er oft und -gern in seine Bilder hineinführt. Echt romantisch ist es, wie er auch -hier Märchentraum und Wirklichkeit oft seltsam zu verketten weiß. -Wie wirklichkeitsscharf verkörpert er die junge Vogtländerin mit dem -Leibgericht aller Vogtländer, den grünen Klößen (Griegenifften) in -der runden Schüssel, und mit der alten, schönen Vogtlandtracht, der -perlenverzierten Buckelhaube, dem reichbestickten Brusttuch, dem -schwarzen Mieder, den kurzen, blütenweißen Hemdärmeln, dem langen, -weiten Rock und der breiten, bunten Schürze. (Mit dem Künstler -beklagen auch wir, daß die altheimische Tracht von den Dorfbewohnern -im Vogtland nicht mehr getragen wird und nur noch in Museen, in Kästen -und Truhen ein verborgenes Dasein fristet.) Was für altvogtländische -Prachtgestalten sind die Mitglieder der Stammtischrunde in der -Gutenfürster Waldschenke, wo auch Hermann Vogel gern gesessen und -seinen Jagdabenteuerdurst gelöscht. Und dann der alte Nachtwächter, -Totengräber und Bälgetreter von Krebes, des Künstlers liebvertrauter -Freund, dem er in Bild und Vers ein dauerndes Denkmal geschaffen! -»A’ schön’s Geld kriagt er aa’ ... fufzig Pfenning für’n Tag. Und -sei Spritzenhausstüberl hat d’feinste Lag’.« Nicht die Menschen der -Großstadt, nein, die schlichten Menschen der weltfernen vogtländischen -Dörfer, die arbeitgewohnten Männer und Frauen, die Alten, die Einsamen, -sind des Künstlers liebster Umgang und Gesellschaft gewesen, und in -den Bildern und Liedern des »Einsiedlers von Krebes« leben sie -alle fort: die einsame Hirtin von Ruderitz, die einsame Waldfrau aus -den Plattenberghäusern, weit im Umkreis als »Waldhex verschriern« und -gemieden, der kranke Einsiedler, den das Märchen selbst in seiner -Waldeinsamkeit besucht und tröstet, der eingeschneite Einsiedelmann auf -dem wundervollen Burgsteinwinterbild, wo zwei Damen aus der Stadt im -schicken Schikostüm den Eremiten mehr erschrecken, als es der dickste -Vogtlandschnee vermag. - -[Illustration: =Sneewittchen=] - -Der Winter war des Künstlers liebste Jahreszeit. Bis ins beschwerliche -Alter war es sein größter Spaß, mit Toni Kettner, seinem »Hausgeist«, -seiner verständnisvollen Schwägerin und Pflegerin, auf Schneeschuhen -über die Hochflächen und Talhänge des südwestlichen Vogtlandes -hinzuflitzen. Winter und Hermann Vogel, einander innerlich -verwandt, beide -- Schwarzweißkünstler! Der Künstler ist nicht müde -geworden, immer von neuem den Zauber des Winters in seinen Bildern -festzubannen. Wintermärchenbilder und -- Weihnachtsbilder, aus -Vogtlandheimaterlebnissen geboren, sind wohl das Allerschönste, -was Hermann Vogel, der herzinnige Kinderfreund, der kerngetreue -Vogtlandsohn, der deutschfromme Mann, seinem Volk und Vaterland -geschenkt und hinterlassen hat. Als urdeutscher Künstler überträgt -er die Christnachtsgeschichte aus dem fremden Osten herein in seinen -heimatlichen Vogtlandwald. Maria und Joseph sind vogtländische -Bauersleute. Joseph, der Zimmermann, hat Herberg’ mit seinem vertrauten -Weib in Wiedersberg, dem lieblichen, obervogtländischen Dorfidyll, -gefunden. Durch den tiefverschneiten Krebeser Wald flieht die -heilige Familie vor dem bösen König Herodes. In Vogtlandwaldesstille -treu geborgen hält die heilige Familie Rast auf ihrem von echt -vogtländischen Rindern gezogenen Schlitten. Vogtländische Bauern, -Bäuerinnen und Kinder, vogtländische Hirten und Knechte drängen -sich glückselig zum Christkind oder knien anbetend am Waldsaum. -Engel bringen vom Himmel die Wiege des Christkindleins hernieder -zur Erde, zum Schlosse Burgk an der Saale in seinem wundersamen -Winterweihnachtskleid. Durch die Torbogen des Schlosses Burgk auf -hölzernem Schlitten von Englein gezogen, hält das Christkind Einzug -auf dieser armen, kalten Erde, die frohe Botschaft von Licht und -Liebe, Wohlgefallen und Frieden verkündend. Eines der prächtigsten -Vogtlandwinterbilder, die unserm Künstler gelungen, ist endlich -noch das Neujahrsbild, das er für die Jahres- und Jahrhundertwende -1900 geschaffen: in zauberischem Mondlicht, von blendendem Schnee -bedeckt, gleichsam wie Schneewittchen, atmet vor uns das Dörflein -Krebes. (Wie wundersam zart die kahlen Bäume, Zaun und Hütten ihre -Schatten auf dem weichen Schnee hinbreiten.) Und der treue Wächter des -Dorfes mit seinem Horn und Spieß steht mitten in der Dorfstraße und -blickt empor zu den jagenden Wolken, in denen der deutsche Erzengel -Michael gegen drohende, feindliche Gewalten in den Kampf zieht. (Dies -Traumgesicht des Künstlers ist im Weltkrieg furchtbare Wirklichkeit -geworden.) Heimatliches und Vaterländisches sind in diesem, wie in -vielen, vielen Bildern Hermann Vogels innig zusammengekettet. Heimat -und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens und Schaffens. Mit -dem heißgeliebten deutschen Vaterland ist auch ihm die schöpferische -Kraft zusammengebrochen. In der Neujahrskarte 1919, die des Künstlers -heimatlich-romantische Eigenart in Bild und Vers noch einmal ganz -besonders klar wiederspiegelt, hat Hermann Vogel seinem bitteren Weh -erschütternden Ausdruck gegeben: - - Wir graben mit dem alten Jahr - Ein Grab dem, was uns heilig war. - Der Märchenwald sein Hüter sei, - Der macht die Herzen wundenfrei. - Dann, Neues Jahr -- - aus Not und Schand’ - Schaff uns ein neues Vaterland! - -[Illustration: =Es war einmal=] - - * * * * * - -Es konnte und sollte in diesen Zeilen dankbaren Gedächtnisses nicht -des Meisters gesamtes Lebenswerk umfassend gewürdigt werden, sondern, -den Zielen des Heimatschutzes gemäß, nur insoweit, als es in der -Vogtlandheimatscholle des Künstlers wurzelt, und auch da nur in knappen -Andeutungen, Anregung gebend, selbst noch inniger und tiefer in das -malerische und dichterische Schaffen unseres Hermann Vogel einzudringen. - -[Illustration: =Weihnachten=] - -Ein einigermaßen abschließendes Urteil über ihn, den traumvollen -Romantiker des Stiftes, wird erst dann möglich sein, wenn sein -künstlerisches Vermächtnis in dem geplanten Hermann Vogel-Zimmer -des vogtländischen Kreismuseums seiner Vaterstadt Plauen gesammelt -vorliegt: seine frühesten Kinderzeichnungen, seine Illustrationen zu -deutschen Helden-, Geschichts- und Märchenbüchern, seine Bilder und -Gedichte für die »Fliegenden Blätter« und zahlreiche andere deutsche -Zeitschriften, möglichst viele seiner Originale, unveröffentlichte -auch aus Privatbesitz, seine Skizzenbücher, seine handschriftlichen -Erinnerungen und Briefe (Hermann Vogel, Plauen ist ein unermüdlicher, -geistvoller, humorvoller Briefschreiber gewesen) und seine -hinterlassenen, zum Teil noch unvollendeten Werke. (Ein »Volksband« mit -seinem Bildnis und Lebensabriß wird vorbereitet, und die Grimmschen -Volksmärchen mit Hermann Vogels herzerquickenden Märchenbildern sollen -von Braun und Schneider in München neu herausgegeben werden.) - -Dann erst wird uns Hermann Vogels künstlerische Bedeutung und -Stellung noch viel eindrucksvoller zum Bewußtsein kommen, namentlich -sein inneres Verhältnis zu Moritz v. Schwind und Ludwig Richter, -seinen beiden »Kunstheiligen«, denen er auf dem Titelblatt seines -Bilder- und Geschichtenbuches (vgl. Kunstwart-Heft vom April 1921), -in gestaltenreichen Gedenkblättern und zahlreichen Märchenbildern -gemütinnige Ehrenmale geschaffen hat. Bemerkenswerte Kunstbekenntnisse -Hermann Vogels enthält auch ein Bild, auf dem er in die Rinde des -Eichbaums deutscher Kunst, der von modernen Stürmern gefällt werden -soll, folgende Namen eingeschrieben hat: Dürer, Holbein, Cornelius, -Rethel, Moritz v. Schwind, Spitzweg und Ludwig Richter. Ferner sein -Spruch, in dem er seinen Meister Schwind zur Deutschen Kunst sagen läßt: - - »Ob alt, ob neu, der Streit is umsunst: - Es gibt nur a gute und a schlechte Kunst!« - -Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens -und Schaffens. Heimat und Vaterland allein werden auch die -unerschütterlichen Grundpfeiler sein, auf denen die Zukunft unseres -deutschen Volkes neu aufgebaut werden kann. Darum ist uns Herzenswunsch -und Hoffnung, was Ferdinand Avenarius in seinem Hermann Vogel-Nachruf -ausspricht, daß kommende Geschlechter, wenn die »Richtungen« noch -manchmal geschwenkt haben, sich zu Hermann Vogel, dem Bescheidenen, -zurückfinden werden, vor allem unsere Jugend, unsere Kinder, die -deutschen Jungen und Mädchen, und an seiner glühenden Liebe zu Heimat -und Vaterland sich begeistern, so treu und deutsch zu sein wie er, von -dem Fontanes Wort gilt: - - »_Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat liebt wie du._« - - _Anmerkung._ Auch für uns hat Hermann Vogel ein köstliches - Blatt »Heimatschutz« geschaffen, das dem längst vergriffenen - Bande I unserer Mitteilungen beigegeben wurde. Abzüge dieses - Kunstblattes, auf weißen Karton gedruckt, können wir in - beschränkter Anzahl zum Preise von 15 Mark noch abgeben. Für - alle Heimatfreunde bildet das Blatt eine schöne Erinnerung - an den gemütvollen Künstler. (Bestellung auf beigefügtem - Bücherzettel erbeten.) - - - - -Kamenzer Weihnachten - -Von _Gerhard Stephan_ - - -Kamenz feiert wieder einmal sein Weihnachtsfest. Die andern tun es -auch, aber Kamenz feiert es anders -- sinniger, schöner. Man lebt hier -in der »wendischen Türkei« zwar etwas hinter der Zeit her, dafür halten -sich aber die alten Gebräuche auch um so länger, und wehe dem, der es -wagen wollte, an ihnen zu rütteln. Am 30. April ist »Hexenabend«, im -August ist es das Forstfest, das unser liebes Städtchen fast eine Woche -lang in Atem hält und dessen Ausfall während des Krieges von allen -Einheimischen schwer empfunden wurde. Zur Weihnachtszeit ist es »der -Fackelzug«, der in so recht poesievoller Weise das liebe Christfest -einleitet. - -Unsre brave Freiwillige Feuerwehr muß auch hier wieder ran und die -Fackelträger stellen. Auf dem alten Klosterhof der Franziskaner, der -jetzt den Schulkindern als Aufenthalt während der Unterrichtspausen -dient, und der auch beim Forstfest den Ausgangspunkt bildet, am -bescheidenen Denkmal des größten Stadtsohnes sammelt sich die Schar -der Sänger -- die Schuljungen, verstärkt durch einige Mitglieder des -»Sängerbundes«. Der geschäftige Kantor mustert die Reihen und erteilt -die letzten Anweisungen: »Also, erst die Musik einen Vers und dann -wird der erste Vers gesungen, dann kommt wieder die Musik und dann der -zweite Vers!« Die Feuerwehr zündet ihre Fackeln an und verteilt sich -auf den Zug, die Musik stellt sich an der Spitze auf. - -Vom Turme des Rathauses ertönt es sechs Uhr, die Hauptkirche antwortet. -Ihre Glocken klingen fort, sie läuten das Christfest ein. Der Zug setzt -sich in Bewegung, das alte liebe Lutherlied erklingt, bald von der -Musik allein gespielt, bald von den Kindern gesungen: »Vom Himmel hoch, -da komm ich her!« - -Durchs Klostertor geht der Zug über die Kirchstraße nach dem Markt, -genau wie beim Forstfest. Stark ist die Zahl der Zuschauer, besonders -die der Kinder. Für sie steht am Heiligen Abend das Programm fest: -»Erst zum Fackelzug, dann heim zur Christbescherung.« Und die -Alten schließen sich an, ihnen fehlt auch etwas, wenn sie nicht zum -Weihnachtssingen waren. -- - -Die Glocken tragen es hinaus in die Ferne: Weihnachten! -- Die -Sängerschar hat ihren Weg zum Rathaus genommen und sich im Kreise -aufgestellt. Der ganze Marktplatz aber ist schwarz. Und laut erklingen -die Weihnachtslieder: »Tochter Zion freue Dich!«, »Halleluja« und das -alte ewig neue »Stille Nacht«. Dann eine große Teilung der Sänger, und -der Höhepunkt kommt mit dem zweichörigen: »Hosianna, gelobt sei, der da -kommt im Namen des Herrn.« »Im Namen des Herrn«, so gibt es der andere -Chor zurück. (Im Kriege wurde es einmal nicht gesungen, da fehlte etwas -am Weihnachtsfeste.) -- Die beiden Abteilungen finden sich wieder -zusammen in dem: »Nun danket alle Gott!« - -Dann aber stürmt die jugendliche Schar der Sänger und Zuhörer -auseinander -- dem Weihnachtstische zu. Was bleibt den Alten übrig? -Sie müssen auch mit. Und in wenigen Minuten ist der Platz wieder leer, -als wäre nichts geschehen. Nur die Glocken singen ihr Lied weiter und -jubeln es hinaus in die Ferne: »Christ ist geboren!« - - (Niedergeschrieben Weihnachten 1920.) - - - - -Die preußische Polizeiverordnung vom 30. Mai 1921, den Naturschutz -betreffend - -Von _Martin Braeß_ - - -Während man bei uns in einzelnen Kreisen neuerdings bestrebt ist, eine -Lockerung der Vogelschutzgesetzgebung herbeizuführen, trifft eine -ausführliche Polizeiverordnung für den Umfang des ganzen preußischen -Staatsgebiets Bestimmungen, die auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli -1920 eine große Anzahl von Tieren weit über das Vogelschutzgesetz und -die Jagdgesetze hinaus in Schutz nimmt. Auch eine Reihe wildwachsender -Pflanzen werden durch die neue Polizeiverordnung vom 30. Mai 1921 -geschützt. Diese Verordnung ist in mehrfacher Beziehung bemerkenswert; -sie verdient die größte Beachtung auch in allen andern Ländern des -Reichs. - -Der _Naturschutzgedanke_, das ist der erste hocherfreuliche Eindruck, -hat sich hier durchgerungen; ungetrübt tritt er in die Erscheinung. -Die Frage nach Nutzen und Schaden steht nicht mehr im Vordergrund, -sondern einzig die Sorge, unsrer Heimat die Mannigfaltigkeit, den -Reichtum ihrer Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Deshalb Schutz all -den Geschöpfen, deren Dasein ernstlich bedroht ist! Es ist verboten, -ihnen nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen oder -zu töten. Ihre Eier, Nester oder sonstigen Brutstätten dürfen weder -fortgenommen, noch beschädigt werden. Diese Bestimmungen gelten auch -für den Meeresstrand und das Küstenmeer. Nur das Sammeln der Möweneier, -wie es bisher geübt ward, bleibt unberührt; dagegen sind die Eier der -Seeschwalben geschützt. - -Die Liste der geschützten Tiere beginnt mit zwei _Insekten_, den beiden -Formen des prächtigen _Apollofalters_ und der _Gottesanbeterin_, deren -Gestalt wohl ebenso wunderlich ist wie ihr Name. Für Preußen mögen die -beiden Tiere allerdings zu den größten Seltenheiten gehören: ich kenne -sie nur aus Südbayern und Österreich. Diesen Kerbtieren schließt sich -als einzige Vertreterin der _Reptilien_ die _Sumpfschildkröte_ an, -die noch in Westpreußen und den benachbarten Gebieten lebt, auch im -Regierungsbezirk Lüneburg, an der Unterweser, in Schleswig-Holstein, -ebenso vereinzelt in der Altmark, im Braunschweigischen und in -Schlesien nachgewiesen ist, während es sich bei unsern sächsischen -Funden, wie es scheint, nur um ausgesetzte und verschleppte Tiere -handelt. Es ist dringend erwünscht, daß diese einzige Vertreterin ihrer -Ordnung dem Deutschen Reich als seltenes Naturdenkmal erhalten bleibe. - -Die Reihe der geschützten _Vögel_ ist sehr groß, obgleich bereits das -Reichsvogelschutzgesetz über die meisten unsrer gefiederten Freunde -seine schützende Hand hält, so daß es nicht nötig war, sie hier mit -aufzunehmen. Trotzdem umfaßt diese Liste 51 Nummern, wobei zu bedenken -ist, daß Sammelnamen wie Weihen, Eulen, Reiher u. a. mehr oder weniger -zahlreiche Einzelarten umfassen. Sehr zu begrüßen ist es, daß überall -hinter die deutschen die wissenschaftlichen Namen gesetzt sind, so -daß jede Unklarheit ausgeschlossen ist, während dieser Mangel beim -Reichsvogelschutzgesetz hier und da störend zutage tritt. Dieses -schützt z. B. die »Bussarde« (§ 8). Sind darunter nur die in Europa -brütenden Formen der Gattung ~Buteo~ mit Einschluß des Rauhfußbussards -(~Archibuteo lagopus~) gemeint oder auch der Wespenbussard (~Pernis -apivorus~)? Dieser gehört ja zur Familie der Weihen und ist ebensowenig -ein Bussard, wie z. B. die »Turmschwalbe« (~Cypselus apus~) eine -Schwalbe. - -Der Schutz, den die Polizeiverordnung den angeführten Vögeln gewährt, -ist dreifach abgestuft. Das ganze Jahr über sind geschützt: der -_Kormoran_, der _Höckerschwan_, die _Zwergtrappe_, _schwarzer_ -und _weißer Storch_, _Reiher_ und _Rohrdommeln_, mit Ausnahme des -Fischreihers, der _Schlangen-_, _Schrei-_, _Stein-_ und _Seeadler_, -der _Wespenbussard_, der _Baum-_, _Rotfuß-_ und _Turmfalk_, alle -_Eulen_ einschließlich des _Uhus_, die _Spechte_, der _rotköpfige_ und -der _schwarzstirnige Würger_, der _Kolkrabe_, der _Steinsperling_, -der _Karmingimpel_ und der _Wasserschmätzer_ (die Wasseramsel). Man -sieht, eine ganze Anzahl Fischerei- und Jagdschädlinge, wie Kormoran, -Rohrdommel, die verschiedenen Adlerarten, der Uhu, sollen geschützt -werden, doch aus keinem andern Grunde, als weil sie zu den seltenen -Naturdenkmälern gehören, die wir unsern Grenzen erhalten wollen. Welch’ -gewaltiger Fortschritt gegenüber den bisher in Preußen geltenden -Bestimmungen! Da waren Kormoran, Wespenbussard, Baum- und Rotfußfalk, -der Uhu, alle Würger, der Kolkrabe »vogelfrei«, d. h. sie durften von -jedermann gefangen und getötet, auch ihrer Eier und Jungen beraubt -werden. Nun genießen sie auf einmal innerhalb Preußens den denkbar -größten Schutz. Andere wieder, wie die Störche, Eulen (mit Ausnahme des -Uhus), der Turmfalk, die Spechte, der Wasserschmätzer erfreuten sich -auch schon bisher des Schutzes durch das Reichsgesetz. Ihre Aufzählung -in der vorliegenden Liste glaube ich nur dahin deuten zu sollen, daß -man den unbedingten Schutz dieser Vögel nochmals nachdrücklichst -betonen will. Von den in Preußen jagdbaren Vögeln nennt die Verordnung -den Höckerschwan, die Zwergtrappe, die Rohrdommel und die verschiedenen -Adler. - -Während der Brutzeit, nämlich vom 1. März bis 31. August, sollen die -folgenden geschützt sein: _Eisalk_, _Trottellumme_, _Papageien-_ und -_Polartaucher_, _Möwen_ und _Seeschwalben_, _Eider-_ und _Schellente_, -_Brandgans_, _Austernfischer_, _Steinwälzer_, _Regenpfeifer_, -_Kiebitz_, _Triel_, _Säbelschnäbler_, _Strand-_, _Kampf-_ und -_Wasserläufer_, _Uferschnepfe_, _Brachvogel_, _Kranich_, _Turtel-_ und -_Hohltaube_, die _Weihen_ (mit Ausnahme der Rohrweihe), die _Milane_, -der _Wanderfalk_, der _Raubwürger_ und der _Tannenhäher_. - -Man sieht, es sollen sehr viele jagdbare See- und Küstenvögel, deren -Schonzeit bisher viel enger begrenzt war, nämlich vom 1. Mai oder auch -vom 1. März an bis zum 30. Juni, eine wesentlich längere Schonzeit -genießen, damit sie ihre Bruten in Ruhe und Sicherheit großbringen, -während die angeführten Tauben sich bisher überhaupt keiner Schonzeit -erfreuen durften. Die zuletzt genannten Raubvögel aber, mit Einschluß -des großen Raubwürgers, ebenso der Tannenhäher waren bisher in Preußen -völlig schutzlos der Willkür eines jeden preisgegeben. Es ist dankbar -anzuerkennen, daß die Idee des Naturschutzes auch hier über alle -engherzigen Bedenken gesiegt hat. Hoffentlich gelingt es noch in -letzter Stunde, die recht seltenen Vögel durch diese Maßnahmen unserm -Vaterland zu erhalten. - -Vom 1. März bis 30. Juni aber sollen geschützt sein die _Säger_ und die -_Graugans_. Erstere waren bisher vogelfrei, die Graugans aber, zu den -jagdbaren Vögeln gehörend, entbehrte jeder Schonzeit. - -Auch einige _Säugetiere_ werden aufgeführt, die alle mehr oder weniger -schädlich sind. Ihre Seltenheit oder ihr meist nur vereinzeltes -Vorkommen rechtfertigt aber den unbedingten Schutz, den die neue -Polizeiverordnung ihnen gewähren will. Es sind die folgenden: -_Sieben-_, _Baum-_ und _Gartenschläfer_, die _Haselmaus_, der _Biber_ -und der _Nörz_ (Sumpfotter). Es ist möglich, daß die genannten kleinen -Nagetiere noch in vielen Gegenden des mittleren Deutschlands auftreten, -namentlich dort, wo Laubwaldungen vorherrschen, aber sie führen ein -recht verstecktes Leben, und warum soll man mit dem Schutz eines Tieres -immer erst so lange warten, bis es die allerhöchste Zeit ist, sich -seiner anzunehmen? Biber aber und Nörz sind für Deutschland so seltene -Tiere geworden, daß ihr unbedingter Schutz von jedem Naturfreund -gefordert werden muß. Der Biber, ehemals in unserm Vaterland weit -verbreitet, lebt nur noch an der Elbe zwischen Magdeburg und -Wittenberg, wo zu seinem Schutz bereits alle Maßnahmen getroffen sind; -der Nörz aber galt sogar vor kurzem für ausgerottet, bis einige Funde -dies widerlegten. Er wird sicherlich vielfach verkannt und übersehen. - -Von allgemein geschützten wildwachsenden _Pflanzen_ führt die Liste -folgende Arten an: _Straußen-_ und _Königsfarn_, alle Arten von -_Bärlapp_, _Schlangenmoos_, _Eibe_, _Federgras_, _Türkenbund_, -_Frauenschuh_, _Strandvanille_, _Seidelbast_, _Wassernuß_, -_Stranddistel_, _eichenblättriges Wintergrün_, die ausdauernden -(blaublühenden) Arten von _Enzian_ und _Linnäe_. Es ist verboten, die -genannten Pflanzen zu entfernen oder zu beschädigen, insbesondere sie -auszugraben, auszureißen, Blüten, Zweige oder Wurzeln abzupflücken, -abzureißen oder abzuschneiden. - -All diese Verbote würden aber wenig erreichen, wenn die Verordnung -nicht zugleich den _Handel_ mit den geschützten Tieren und Pflanzen -untersagen würde. In § 5 heißt es: »Es ist verboten, die auf Grund -dieser Verordnung geschützten Tierarten, einschließlich ihrer Eier -und Nester, sowie Pflanzen, soweit nicht eine anderweitige Anordnung -getroffen ist, feilzuhalten, anzukaufen, zu verkaufen, sowie zu -befördern.« Ausnahmen sind bei besonderen Gründen vorgesehen, -namentlich wenn es sich um Abwendung wesentlicher, wirtschaftlicher -Nachteile handelt, um Zucht- und Brutzwecke oder um wissenschaftliche -und Unterrichtszwecke. In diesen Fällen kann der Regierungspräsident -für den Bereich oder für Teile seines Bezirks Ausnahmen gestatten; -doch muß zuvor die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege gehört -werden. Diese, sowie für seinen Bezirk der Regierungspräsident und die -von ihm ermächtigten nachgeordneten Behörden sind außerdem befugt, -»schriftliche Ausweise zu erteilen, welche die darin bezeichnete -Person berechtigen, fremde Grundstücke zu solchen Untersuchungen und -Ermittlungen zu betreten, die den Schutz von Tierarten, von Pflanzen -oder von Naturschutzgebieten betreffen.« »Die Grundstückseigentümer -und Nutzungsberechtigten sind verpflichtet, den mit Ausweis versehenen -Personen den Zutritt zu gestatten und ihnen die zur Erfüllung ihrer -Aufgaben erforderlichen Auskünfte zu erteilen.« - -Man muß gestehen, daß diese Anordnungen allen Wünschen des Natur- -und Heimatschutzes gerecht werden. Besonders daß der Staatlichen -Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen der Platz eingeräumt wird, -der allein ihr gebührt -- eigentlich eine Selbstverständlichkeit -- -ist sehr erfreulich. Nur mit dem letzten Paragraphen der Verordnung, -der die Strafandrohung bei Übertretungen ausspricht, kann man sich -nicht einverstanden erklären. Was bedeutet heutzutage eine Strafe von -150 Mark! Und das ist die Höchststrafe, die auf Grund von § 34 des -Feld- und Forstpolizeigesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 8. Juli -1920 in Frage kommen kann. Es erscheint dringend geboten, daß ein -Naturschutzgesetz erlassen wird mit Androhung von Strafen, die wirklich -als solche empfunden werden. - -Vor unsrer weißgrünen Grenze macht die neue Polizeiverordnung halt. -Leider gilt sie eben nur für Preußen. Aber selbstverständlich, auch -wir, die Nachbarn, werden hoffen dürfen, daß jene Verordnung, wenn -sie in den angrenzenden preußischen Gebieten genau befolgt wird, auch -für unsre hartbedrängte heimatliche Tier- und Pflanzenwelt nicht -ganz ohne segensreichen Einfluß bleibt. Zugleich aber erwächst uns -die nachbarliche Pflicht, alles zu vermeiden, was dem Sinne jener -Verordnung zuwiderläuft. Es wäre zu wünschen -- und ich meine, man -kann sich diesem dringenden Wunsche gar nicht verschließen -- daß die -Regierungen auch der andern deutschen Länder Naturschutzverordnungen -erlassen, die sich dem von preußischer Seite gegebenen Vorbild aufs -engste anschließen. - - - - -Wanderbilder aus dem östlichen Vogtland - -Von Studienrat _H. Hänig_, Wurzen - -Aufnahmen von _Curt Sippel_, Plauen i. V. - - -Es geht mir, wenn ich die Feder ergreife, um den Leser nochmals zu -einer Wanderung durch das Vogtland einzuladen, ähnlich wie einem -alten Schriftsteller: ich muß ihm zunächst Dank dafür sagen, daß er -mir durch das verhältnismäßig einförmige Gebiet jenseits der Elster -gefolgt ist, und ich kann ihm dafür versprechen, daß ihm der östliche -und südliche Teil dieses Landes wenigstens landschaftlich mehr bieten -wird als der westliche. Allerdings verfügt er nicht über Glanzpunkte -wie die vogtländische Schweiz und das Triebtal, das ja im übrigen -selbst auf der rechten Seite in das Elstertal einmündet, und er vermag -keine Edelsteine dörflicher Kunst wie die erwähnte Kirche zu Kürbitz -aufzuweisen, aber die Bodenformen selbst sind hier weit mannigfacher, -und derjenige, den immer wieder gerade der Blick ins Weite und die -Sehnsucht nach den Höhen in die Natur hinauszieht, wird hier eher -auf seine Kosten kommen als bei einer Wanderung jenseits der weißen -Elster, wie wir sie früher zurückgelegt haben. Wer einmal von der -Höhe des Friedrich-August-Steines in Schöneck hinabgeschaut hat ins -weite Land oder dem Plätschern der Rißfälle gelauscht oder wer auf -dem Grenzwall des vogtländischen Erzgebirges mit seinen Blicken nach -Sachsen und Böhmen gewandert ist, der wird anerkennen müssen, daß -sich gerade dieser Teil des Vogtlandes mit jedem anderen Sachsens an -Naturschönheiten messen kann, und der wird verstehen, daß es einen -Dichter wie J. Mosen immer wieder, wenn auch in weiter Ferne, zur -Muttererde hinzog. - - Wo auf hohen Tannenspitzen, - die so dunkel und so grün, - Drosseln gern verstohlen sitzen, - weiß und rot die Moose blühn, - zu der Heimat in der Ferne - zög ich heute noch so gerne -- - -Es liegt mehr darin in diesen Worten als so mancher ahnen dürfte -- es -ist die wahre, tiefe Sehnsucht nach dem Mutterboden, nach den Bächen -und Tannen der Heimat, von der der Dichter auch weit in der Ferne nicht -lassen konnte. -- - -[Illustration: Abb. 1 =Kirche in Kürbitz=] - -Allerdings wird man hier, wo es sich darum handelt, dem Leser einen -Gesamtüberblick über das Ganze zu geben, ohne eine Einschränkung nicht -auskommen können: das eigentliche Volkstümliche, Heimatliche findet -sich im Vogtland mehr nach dem Süden zu, während der nordöstliche -Teil heute von einem Netz von Industriestätten überzogen ist, die -wenig Merkmale der ersteren Art aufkommen lassen. So bietet gleich -Reichenbach, wo wir unsere Wanderung beginnen wollen, das Bild einer -wohlhabenden Mittelstadt mit stark industriellem Einschlag, und der -Ort enthält wenig, was gerade den Kunst- und Altertumsfreund zu -längerem Bleiben einladen möchte. Das Hasten und Treiben der modernen -Zeit pulsiert hier tagaus -- tagein in dem Stadtkörper, und wie eine -Erleichterung überkommt es den Wanderer, wenn er etwa um Mittag -einen Blick über das Tal schweifen läßt bis hinüber zu der Höhe des -Netzschkauer Kuhberges, wo eine Bismarcksäule Wacht über das nördliche -Vogtland hält: aus hundert Fabrikschornsteinen strömt wie erlösend der -Rauch, und Tausende von Händen feiern, um nach kurzer Zeit wieder die -Arbeit zu beginnen. So ist die Stadt voll von Webereien, Färbereien -und Spinnereien, und die größte dieser gewerblichen Anlagen, die -Schlebersche Färberei, stellt mit ihren vielen Schornsteinen einen -Organismus für sich dar, wie er in dieser Ausdehnung nicht so leicht -wieder gefunden wird. Und doch vermag auch in dieser Gegend so manches -daran zu erinnern, daß alles einst geworden ist und seinem Wesen nach -mit Vergangenem zusammenhängt. Schon der Name der Stadt, der an den -des Goldflusses, der Göltzsch, erinnert, weist auf ein hohes Alter der -Ansiedlung hin, und so wird denn Reichenbach schon 1140 in zwei alten -Urkunden als Stadt genannt, während Plauen damals nur als »Ortschaft« -erwähnt wird. In der Altstadt fließt der Seifenbach, wo das Gold -geseift, d. h. die Goldteilchen aus dem Sande herausgewaschen wurden, -und auf den früheren Bergbau weisen noch heute Stollen hin, die sich in -dieser Gegend erhalten haben. Reichenbach gehörte mit den umliegenden -Dörfern zu der Herrschaft, mit der 1212 König Ottokar v. Böhmen von -Friedrich II. belehnt wurde, und es war später zeitweise Reichslehen, -bis es durch den vogtländischen Krieg wieder an Böhmen fiel. Schon zu -Anfang des achtzehnten Jahrhunderts muß die Industrie hier bedeutend -gewesen sein, bis 1720 eine furchtbare Feuersbrunst den größten Teil -in Asche legte, aber diese vermochte ebensowenig wie die von 1833 den -Aufschwung der Stadt zu hindern, sondern hat im Gegenteil zu ihrer -Erneuerung beigetragen, so daß besonders die Bahnhofsvorstadt heute -ein freundliches Bild bietet. In weit höherem Maße vermag Mylau mit -seinem Kaiserschloß und der vielbogigen Göltzschtalbrücke das Auge des -Wanderers zu fesseln. In der Stadt selbst ist vor allem die prächtige, -reiche Stadtkirche hervorzuheben, das Schloß dagegen liegt auf einem -Hügel, der nur auf einer Seite bequem zu erreichen ist. Es zerfällt in -zwei Höfe: den großen westlichen Burghof mit seinen beiden viereckigen -Türmen und dem verwitterten Löwen über dem Haupteingang, der zum -böhmischen Wappen gehört und die frühere Zugehörigkeit des Mylauer -Schlosses zu Böhmen zeigt, -- dahinter der kleinere, östliche Burghof, -der »Kaiserhof«, der mit seinem Bergfried und seinem Saalbau sowie -dem ehemaligen Frauen- und Herrenhause noch ein ziemlich gutes Bild -der früheren Zeit zu bieten vermag. Allerdings sind von der früheren -Herrlichkeit des Saalbaues nur noch wenige Wappenschilde vorhanden, und -das ehemalige Frauen- und Herrenhaus ist zu einer vielbesuchten Schenke -geworden. Auch die Kapelle ist ihrer Würde entkleidet, so daß von -ihrem Schmucke nur noch die gewölbte Decke mit rohgemalten Blumen und -Engelsfiguren sowie einige Wappen übriggeblieben sind. Immerhin steht -das Schloß mit seinen wuchtigen Mauern und dicken Türmen auch heute -noch wie ein Wächter über Stadt und Land, und von den Fensternischen -schweift der Blick gern in die Weite: nach der gewaltigen, fast -hundert Meter hohen Göltzschtalbrücke, die sich in vier gigantischen -Bogenreihen über das hier stark verbreiterte Göltzschtal spannt, oder -nach dem gewerbfleißigen Netzschkau, das sich von dem Tale bis zur Höhe -des Kuhberges hinaufzieht, dessen von Gesteinstrümmern übersäte Kuppe -selbst bewaldet ist. - -An der erst vor einigen Jahren gebauten Göltzschtalbahn gelangen wir -durch stille Waldtäler, in denen sich heute gleichfalls hier und da -eine Fabrikanlage erhebt, nach Lengenfeld, das im übrigen wie seine -Nachbarstadt Treuen seiner Entwicklung nach nicht von den weiter -südwärts gelegenen Städten Auerbach und Falkenstein zu trennen ist. -Aber im Wettlaufe, den die letzten Jahrzehnte mit sich gebracht -haben, ist die zuerst genannte Stadt zurückgeblieben: seitdem die -von Bewohnern vielleicht slavischen Ursprungs lebhaft betriebene -Tuchmacherei in Verfall gekommen ist, genügte die hier eingeführte -Industrie (Spitzen, Filzwaren, Spinnereien) gerade noch, um die -Bewohner ernähren zu können, während der Grund, der sich von hier aus -bis hinauf zu den Quellmooren der Mulde zieht, in ungleich schnellerem -Maße besiedelt wurde, so daß sich gerade hier die Schwankungen, denen -die Industrie unterworfen ist, in der Gegenwart unangenehm bemerkbar -machen. Und doch haben vor allem Auerbach mit seinem alten Schloßturm -und das hochgelegene Falkenstein mit seiner schönen Kirche auch als -Städte etwas Anziehendes. Besonders die letztere Stadt ging erst -dann zur Industrie über, als es mit dem Bergbau vorüber war, der -ihr schon im sechzehnten Jahrhundert die Rechte einer freien Stadt -verliehen hatte, und wie bei Auerbach und Lengenfeld griff auch hier -ein großer Brand gewaltsam ein, so daß diese Orte im wesentlichen ein -neuzeitliches Aussehen haben. Der Naturfreund freilich wird gerade -hinter Falkenstein die Natur des oberen Vogtlandes selbst suchen, die -sich mit ihrem Waldreichtum unmittelbar hinter der Stadt nach allen -Seiten auftut. Schon die Felspyramide des Lochsteins und die zackige -Wand des Wendelsteins verdienen als Naturdenkmäler ebenso gewürdigt -und besucht zu werden wie die Rißfälle, die in etwa einer Stunde von -Falkenstein aus zu erreichen sind. In vielen kleinen Wasserfällen -stürzt hier die Göltzsch zwischen Wald und Felsen in die Tiefe und -zaubert die verschiedenartigsten Bilder vor das Auge des Wanderers. -Wir befinden uns hier auf einer Höhe von etwa siebenhundert Metern und -beinahe auf dem Kamm des Elstergebirges, das sich in dieser Gegend -über das weite Gebiet des Schönecker Waldes nach Süden dahinzieht. -Die Siedlungen werden spärlicher, wenn sie überhaupt das Wald- und -Moorgebiet unterbrechen: ein paar Holzhütten oder höchstens das eine -oder andere Dorf hat sich auf diese Höhe gewagt, und der Rauch, der von -hier aufsteigt, ist an stillen Nachmittagen oft das einzige, was noch -den Wanderer an die Tätigkeit des Menschen zu erinnern vermag. - -[Illustration: Abb. 2 =Kirche in Kürbitz=] - -Die große Ausdehnung des Schönecker Höhengebietes erklärt sich übrigens -daraus, daß hier mehrere Gebirgszüge zusammenstoßen: das Elstergebirge, -das sich von hier aus nach Südwesten hinzieht, und von der Kirchberger -Seite her der westlichste Ausläufer des Erzgebirges, der vom Kuhberge -bei Schönheide beginnt und wegen seiner Höhe bis zu siebenhundert -Metern eine Reihe von Genesungsstätten enthält, die, von ausgedehntem -Hochwald umgeben, von ihrer luftigen Höhe aus freundlich in das -gewerbfleißige Tal der oberen Göltzsch herabschauen. Auch der etwas -südlich davon verlaufende vogtländische Kamm des Erzgebirges, der sich -etwa vom Kranichsee bis zum Schönecker Wald dahinzieht, ist anziehend -genug, um mit dem übrigen Teile dieses Gebirges einen Vergleich -aushalten zu können. Um den hohen Wall, der sich hier zwischen das -sächsische Niederland und das Egertal schiebt, durchwandern zu können, -verläßt man am besten bei Rautenkranz, das bereits dem Vogtlande -angehört, die Bahn des romantischen oberen Muldentals, die von Aue -ab stundenlang zwischen Felstürmen und Wiesentälern bis zur Höhe des -Schönecker Waldes hinauf dahinführt und wandert auf der wohlgebauten -Straße in dem Tal der großen Pyra aufwärts, die in den Mooren des -Kranichsees entspringt. Noch zwei Dörfer mit den charakteristischen -erzgebirgischen Holzhäusern haben hier Platz gefunden, bis nach etwa -zwei Wegstunden auch die letzten menschlichen Siedlungen aufhören und -ein einsames Waldtal die Blicke des Wanderers bannt: bis fast an die -drei oder vier Häuser von Sachsengrund ziehen sich von den Höhen die -Fichten herab, und eintönig plätschern die Wässer im Wiesengrund, -während nach der böhmischen Grenze zu der fast tausend Meter hohe -Rammelsberg die Wacht hält. Was noch jenseits dieser Häuser liegt, -gehört bereits der Waldwildnis an, in der sich der Weg noch eine -Stunde lang hinaufzieht, bis der Kranichsee mit seinem Hochmoor -sich weit über die Höhe von fast neunhundert Meter ausbreitet. Hier -beginnt auch der sogenannte Schwertweg, der über den Rücken des -kleinen Rammelsberges nach dem Vogtlande hinführt. Eine merkwürdige -Höhenstraße, von der sich der Blick rasch nach allen Seiten weitet: im -Norden die blauen Linien der Auerbacher Berge mit ihrem Waldreichtum, -und nach Süden zu der Steilabfall des Gebirges nach der Egerebene, -hinter der weitere Gebirgszüge Nordböhmens hervorschauen. Bei einer -Waldlichtung überschreitet hier die Landstraße die Gebirgshöhe, die -von Tannenbergstal nach Klingental hinüberführt. Aber wir wollen das -merkwürdige Gebilde des Schneckensteins nicht vergessen, das sich -bescheiden im Walde versteckt hält und der schwer zu finden wäre, wenn -ihn nicht die Markierung des Verbandes vogtländischer Gebirgsvereine -jedem bequem zugänglich machte. Von den Topasen ist allerdings -gegenwärtig ebensowenig mehr zu sehen, als von den kleinen Schnecken, -nach denen dieser einsam im Walde emporragende Fels seinen Namen hat. -Auf Treppenstufen ist sein Gipfel auch für Ungeübte zu erklimmen, -und man könnte, wenn man die Felsrisse und Felsblöcke vor sich hat, -einen Augenblick an irgend einen Gipfel der Kalkalpen erinnert werden, -wenn uns nicht die bescheidene, nur nach Norden und Westen reichende -Aussicht belehrte, daß wir uns nur auf einer Höhe von etwa achthundert -Meter befinden und daß wir uns durch den Waldreichtum, der hier überall -zutage tritt, für die Schönheiten der Alpenwelt entschädigen müssen. - -Das Elstergebirge macht hier eine ziemliche Biegung nach Süden und -zieht sich waldbedeckt bis zum Kapellenberg hin -- aber wir dürfen von -ihm nicht Abschied nehmen, ohne der Stadt Klingental zu gedenken, die -von hier aus in kurzer Zeit zu erreichen ist. Hart an der böhmischen -Grenze hat sie bis heute ihr Bild als sächsische Kleinstadt bewahrt, -und nur die kleine Rundkirche macht eine Ausnahme, die sich inmitten -des Ortes anstatt der sonst üblichen Renaissance- oder gotischen -Kirche erhebt. Mit Böhmen wird sie allerdings immer in einem gewissen -inneren Verhältnis bleiben, denn es waren böhmische Musikanten, die -hier herüberkamen und die Stadt gründeten -- die Geigen, Trompeten und -Klarinetten, die noch heute hier gefertigt werden, wandern in alle -Welt, und in jedem Hause des weit bis hinauf besiedelten Grundes klingt -und singt es ebenso wie in Markneukirchen, das weiter westwärts in -einem Seitentale der weißen Elster eingebettet ist. - -[Illustration: Abb. 3 =Winnknock am Wendelstein=] - -Übrigens ist auch der Kamm des Elstergebirges oberhalb Klingentals -reich an Aussichtspunkten aller Art und hat auch einzelnen Gehöften -Raum gegeben, sich da oben anzusiedeln, und man kann das weite -Waldgebiet vom Kuhberg bei Schönheide aus stundenlang durchstreifen -und findet immer wieder Punkte, die solche Wanderungen lohnend machen. -Ganz einsam wird der Wald erst in der Gegend von Kottenhaide bei -Schöneck, aber auch hier ist der Blick in das Waldgelände und über -die Wipfel der Fichten anziehend genug, um die Beschwerden des Weges -vergessen zu machen. Stundenlang schwellt ein weicher Moosteppich unter -den Schritten des Wanderers, während der Kuckuck lockt und der Specht -seine Schläge durch den Wald erschallen läßt. Wie ein fernes Sagen -erklingt das Rauschen der Bäume und das Murmeln der Bäche, die hier -oben zahlreich in dem Moore ihren Ursprung haben. Nur selten verhallt -in der Ferne der Schrei einer Lokomotive, die keuchend das Muldental -heraufkommt, um nach kurzer Zeit bei Schöneck wieder in weitem Bogen -ins Tal hinabzufahren. Den Schwarzwald des Vogtlandes hat man diese -Hochfläche genannt, und wer einmal auf ihr gewandert ist, wird diesen -Vergleich nicht unrecht finden und zugeben, daß so manches, was wir -bisher nur in der Ferne zu suchen pflegten, auch in unserem engeren -Vaterlande zu finden ist. Erst an dem Abfalle nach Westen zu lichtet -sich der Wald. Wie ein Wahrzeichen dieses Höhengebietes liegt nach dem -Elstertale vorgeschoben etwa zwei Wegstunden von Falkenstein Schöneck, -das schon durch seine Lage zu den seltsamsten Städten Deutschlands -gehört und deshalb wert ist, längere Zeit unsere Aufmerksamkeit in -Anspruch zu nehmen. - -[Illustration: Abb. 4 =Rißfälle=] - -Die Stadt Schöneck ist eine Bergstadt, wenn ein Ort in Deutschland -überhaupt diesen Namen verdient; denn sie liegt nicht nur auf der -stattlichen Höhe von siebenhundertachtundsechzig Metern, sondern -sie baut sich hier auch hart am Rande der erwähnten Hochfläche auf, -die sich von dem Elstergebirge zum Erzgebirge dahinzieht und nach -Westen zu ziemlich rasch zum Elstertale hinabfällt. Es ist, als wäre -hier oben jeder freie Platz bis zum letzten ausgenützt worden und -als klammerte sich ein Haus eng an das andere, um noch auf der Höhe -selbst bleiben zu können, denn schon die Hauptstraße des Städtchens -führt steil abwärts und noch mehr die Verbindungswege, die von der -Stadt westwärts nach den nächsten Dörfern weisen, und dem Wanderer, -der etwa von Ölsnitz her heraufsteigt, muß es zu Mute sein, als habe -er hier endlich die Höhe erreicht und müsse durch den Rundblick für -die Mühe belohnt werden, die ihm das Steigen gekostet hat. Und das -ist tatsächlich der Fall; denn zwischen jeder Häuserreihe drängt -sich ein Stück vogtländischer Gebirgslandschaft hinein, und von -dem Friedrich-August-Stein, der sich neben der Kirche unvermittelt -aufbaut und auf dem früher eine stattliche Burg zum Schutze gegen -die Sorben gestanden hat, bietet sich dem Auge eine geradezu -überraschende Aussicht dar: wie auf einer Landkarte liegt das ganze -Vogtland vom Kuhberg bei Netzschkau bis hinüber zum Kapellenberg an -der böhmischen Grenze vor dem Auge des Wanderers ausgebreitet, und -Hügel wechseln in endloser Reihe mit Wäldern, Wiesen und Dörfern, bis -sich fern am Horizonte die sanften Bogen des Frankenwaldes und der -bayrisch-böhmischen Berge darüber spannen. Und diese Landschaft zeigt -immer neue Reize, zu welcher Zeit man sie auch betrachten mag: wenn -an einem Sommerabend der rote Mond emporsteigt hinter den Bergen und -die ganze Gegend in seinem Dämmerlichte versunken ist oder wenn im -Herbste die Heidefeuer emporsteigen und klarer als je sich die Linien -der Berge und Wälder hervorheben, oder wenn an einem Januartage die -ganze Landschaft in dem Winterkleide leuchtet und die unendliche -Mannigfaltigkeit dieser Landschaftsformen in tausend Farben glitzert. -Nur die Stadt selbst bleibt immer dieselbe im Wechsel der Jahreszeiten, -ob man sie nun von Kemmler bei Plauen sehen mag oder von Mißlareuth -oder von dem Granitsockel des Kapellenberges: sie hängt, die Häuser -eng um den Markt und die Kirche gedrängt, hoch oben über dem Tale, und -mir fallen, so oft ich sie sehe, immer zwei Städte in Italien ein, -mit denen ich sie am ehesten vergleichen möchte: Assisi in Umbrien, -die Stadt des heiligen Franziskus, und Rokka di Papa, das Räubernest -im Albanergebirge bei Rom, das hoch oben am Latinerberg seine Stätte -gefunden hat. - -[Illustration: Abb. 5 =Großer Rammelsberg und Sachsengrund, -Kammweggebiet=] - -Die Stadt Schöneck darf sich schon im vierzehnten Jahrhundert der -Rechte rühmen, die ihr von Karl IV. erteilt worden sind und ist -heute wegen ihrer Lage ein stark besuchter Luftkurort geworden, -während die Bewohner vorzugsweise in der Industrie (Zigarren usw.) -beschäftigt sind, dagegen sind die Abhänge zwischen der Stadt und -dem Elstertale erst allmählich besiedelt worden, und manches der -hier liegenden freundlichen Dörfer ladet zu längerem Verweilen ein. -Durch den sogenannten Buttergrund führt ein Weg stark bergab nach -dem Dörfchen Marieney, das zwischen Wiesen und Wald dahingestreckt -liegt und das sich rühmen kann, die Heimat des größten vogtländischen -Dichters, Julius Mosen, zu sein. Dort streifte er als Knabe allein -durch Wälder und Auen oder lag am murmelnden Erlenbach oder er saß -stundenlang auf dem alten Kirchenboden, um dem Ticken des Perpendikels -und dem Schnarren des Räderwerks der großen Kirchenuhr zu lauschen. -Von dem sprachkundigen Vater wurde er schon in der Heimat in den -Anfangsgründen der lateinischen Sprache unterrichtet und selbst als er -auf das Gymnasium zu Plauen kam, wanderte er noch oft hinaus in das -Heimatsdorf, um die Eindrücke der Jugend wachzurufen. Die schöne Gabe, -Land und Leute zu schildern, die uns besonders in den Bildern »Im Mose« -entgegentritt, mag auf des Vaters Art zurückgehen, wie er den Kindern -die biblischen Geschichten und die Weltgeschichte erzählen könnte. Auch -die rauhe Kriegszeit, die damals über das Vogtland dahinging (Mosen -ist 1803 geboren), hinterließ bei dem aufgeweckten Knaben lebhafte -Eindrücke und klingt in den Vaterlandsliedern wieder, durch die er -volkstümlich geworden ist -- wer vergißt von seinen Erzählungen das -Heimweh oder Ismael, oder von seinen Gedichten Zu Mantua in Banden -oder den Trompeter an der Katzbach oder den Löwen zu Braunschweig -und wie die Gedichte alle heißen mögen, durch die sein Name in ganz -Deutschland bekannt geworden ist. Nach der Heimat zog es ihn immer -wieder zurück, mochte er nun als Aktuar in Kohren oder als Rechtsanwalt -in Dresden beschäftigt sein, wo er übrigens seine glücklichste Zeit -verlebte, und wie schwer mag es ihm geworden sein, als er nach dem -fernen Oldenburg übersiedelte, wo er eine sichere Stelle als Hofrat -und Theaterdichter im Dienste des dortigen Großherzogs gefunden hatte. -Eine zunehmende Krankheit verbitterte ihm seine letzten Lebensjahre, -und nur noch einmal fiel ein Lichtbild in diese Nacht, als Freunde -mit vieler Mühe eine Gesamtausgabe seiner Werke veranstalteten. Zwei -Fichten aus dem Vogtlande beschatten sein Grab, in welchem er nach -zweiundzwanzigjährigem Leiden am 10. Oktober 1867 zur Ruhe gebettet -wurde. -- - -[Illustration: Abb. 6 =Schneckenstein=] - -Von Marieney gelangen wir in zwei Stunden nach Markneukirchen, dessen -wir schon bei der Erwähnung von Klingental zu gedenken hatten. Die -Stadt, die zwei Kilometer von der Adorf--Aue--Chemnitzer Bahn entfernt -liegt, ist neben dem genannten Orte der Hauptsitz der vogtländischen -Musikinstrumentenfabrikation, und man erhält in die Reichhaltigkeit -dieses Erwerbszweiges am besten einen Einblick, wenn man die wertvolle -Sammlung in- und ausländischer Musikinstrumente aus älterer und neuerer -Zeit besichtigt. Auch hier die Mannigfaltigkeit der Bodenformen, die -für das obere Vogtland charakteristisch ist und die sich auch in dem -südwestlichen Teile jenseits der Elster findet: die ganze Landschaft -aufgelöst in Berg und Tal, Teilstücke von Hügeln mit Dörfern oder -Einzelgehöften und Wäldern, so daß es sich auch hier lohnt, einmal -seitwärts vom Elstertal selbst auf die Höhen hinaufzusteigen. Wer -von Plauen kommt, wird allerdings noch durch eine ganze Anzahl von -vogtländischen Städten aufgehalten werden, die sich hier, wo eine alte -Straße am Elsterlauf entlang hinüber nach Böhmen führt, angesiedelt -haben. So liegt gleich Ölsnitz am Ende der erwähnten Straße, die -von Eger bis hierher führte, und gilt als eine der ältesten Städte -des Vogtlandes, die vielleicht von den Sorben gegründet ist. Als -dann die Deutschen das Land besiedelten, wurde hier eine befestigte -Straßensperre angelegt, und man grub gegen einen Angriff der Feinde -die großen Teiche (der letzte ist 1898 verschwunden), wobei die -Befestigungsanlagen noch durch das Schloß Vogtsberg verstärkt wurden, -dessen Türme auch von Schöneck sichtbar sind. Aus den Mitteln des -Bergbaues -- die Zinn- und Kupfergruben wurden 1519 durch Wasser -zerstört -- wurde die schöne St. Jakobskirche errichtet, die mit ihren -beiden Türmen weit über das Städtebild hervorschaut. Sie ist ein Muster -gotischen Kirchenbaues, obwohl von der ursprünglichen Anlage nur noch -die Türme in ihren Unterteilen sowie ein sandsteinernes Dreipaßrelief -von der äußeren Südseite des Chores erhalten sind. Auch später ist sie -öfters umgestaltet worden; so erhielt sie ihre jetzige Gestalt nach dem -großen Stadtbrande, während das Innere 1888/89 künstlerisch erneuert -wurde. Die Türme wurden 1865 nach den Plänen von Lipsius errichtet, und -auch im Inneren findet sich manches schöne Denkmal kirchlicher Kunst: -die Chorfenster von C. L. Türcke in Zittau mit prächtiger Glasmalerei, -sowie das Altargemälde: Abendmahl der Emmausjünger von Moritz Heidel -und der Taufstein, der 1833 von E. Rietschel gefertigt worden ist. -Ähnliche Umwandlungen hat auch die alte Kirche St. Katharina am -alten Friedhofe durchgemacht, deren Sterngewölbe im alten Chor aus -der alten Kirche noch auf das fünfzehnte Jahrhundert zurückweist. In -neuester Zeit hat Ölsnitz seinen Aufschwung besonders der Industrie -wie der Teppich- und Kammgarnfabrikation zu verdanken gehabt, nicht -zu vergessen seine günstige Lage, durch die es besonders wegen der -Nähe der sächsischen und böhmischen Bäder zu einem Standquartier für -Touristen geworden ist. - -[Illustration: Abb. 7 =Schöneck=] - -Das weiter südlich liegende Adorf, ein freundliches Städtchen mit etwa -achttausend Einwohnern, ist besonders durch die Perlmutterfabrikation -groß geworden, die auch in Ölsnitz zu Hause ist, die Muscheln wurden -früher zahlreich in der Elster gefunden, und der Erwerbszweig ist -geblieben, auch nachdem die Funde seltener geworden waren, so daß heute -auch zahlreiche importierte Stücke dort verarbeitet werden. Im übrigen -zeigt auch Adorf mit seinem geräumigen Marktplatz dasselbe freundliche -Bild wie alle diese vogtländischen Kleinstädte, und die Industrie, -die sich auch hier zahlreich findet, hat es nicht wesentlich zu -beeinflussen vermocht. Abseits davon sind noch zwei Orte zu erwähnen, -deren Name jedem bekannt ist und die dem Reichtum der Erde selbst ihre -Blüte verdanken: Bad Elster und Brambach. Inmitten der Nadelwälder -des Elstergebirges ist hier eine Stätte für Genesungsuchende -entstanden, die mit ihren Quellen und Sprudeln (alkalisch-salinische -Eisensäuerlinge, Glaubersalz, kohlensaure Stahlbäder) jährlich -Tausenden Genesung bietet und sich zu einem modernen Bade entwickelt -hat, wobei auch dem Moorboden aus den großen Lagern der Umgebung -ein wesentlicher Anteil zufällt. In weitaus freierer Lage ist Bad -Elster, wenn auch in weit bescheidenerem Maße, Brambach gefolgt, das -in der Nähe der böhmischen Grenze am Fuße des Kapellenberges in einer -engen Talmulde eingebettet ist. Wer von Adorf nach Brambach wandert, -durchschreitet zuerst in fortwährender Steigung ein stilles Waldtal, -bis der Weg zuletzt steil auf die letzte Hügelwelle hinaufführt, die -vor Brambach gelagert ist und erblickt von hier hinüber nach den -waldbedeckten Höhen des Elstergebirges und ein Stück ins böhmische -Land hinein, das sich hier von beiden Seiten an diese Ausläufer des -Vogtlandes heranschiebt. Auch Brambach selbst hat sich, so gut es -möglich war, an die eingeengte Lage im Tale des Fleissenbaches, -der hier in westlicher Richtung der Elster zufließt, angepaßt. Die -Straße nach Eger führt von hier unmittelbar am Kapellenberg vorbei, -der mit seinem granitenen Aufbau wie ein Wächter des südlichen -Vogtlandes dasteht und von dessen Gipfel eine weite Rundsicht nach -Norden und über Böhmen gestattet ist. Die beiden nächsten Dörfer, die -südlichsten des Vogtlandes, liegen bereits tief unten am Steilabfall -des Elstergebirges, und Straße und Eisenbahn haben die Senkung nur -künstlich durch große Bogen überwinden können. Wir sind hier am Ende -unserer Wanderung angelangt, aber an einer Stelle, von der sich in -kurzer Zeit weitere Glanzpunkte landschaftlicher Schönheit erreichen -lassen: das herrliche Egertal im Osten, oder das Kaisergebirge mit Eger -und Franzensbad oder das Fichtelgebirge mit seinen östlichen Ausläufern -bei Selb und Tirschenreuth und der uralten Kultstätte des Klosters -Waldsassen, die von hier in ein paar Wegstunden zu erreichen ist. - -[Illustration: Abb. 8 =Kirche von Bösenbrunn am Triebelbach=] - -Es war nicht meine Absicht, eine vollständige Beschreibung des -Vogtlandes zu geben, sondern es waren nur Wanderbilder, die vor dem -Auge des Lesers vorüberziehen sollten, um ihn selbst zu einer Fahrt -durch diesen südwestlichen Gau Sachsens einzuladen. Wer mehr mit der -Landschaft selbst vertraut werden will, der möge selbst kommen und -schauen, und er wird mit der Überzeugung zurückkehren, daß kein Grund -vorliegt, das Vogtland hinter den übrigen Gegenden unseres engeren -Vaterlandes zurückzusetzen. Daß es noch nicht »Mode« geworden ist, ist -wohl der beste Beweis, daß ein Unterkommen auf den Wanderungen auch -denen ermöglicht ist, die nur über bescheidene Mittel verfügen. - -[Illustration: Abb. 9 =Bad Elster=] - - _Anmerkung._ Wer mehr über das Vogtland erfahren will, sei auf - die Literatur verwiesen, die auch bei den vorliegenden beiden - Arbeiten benutzt worden ist, vor allem auf: Unser Vogtland - (Heimatkundliche Lesestücke für die Schulen des sächsischen - Vogtlandes, bearbeitet von einer Kommission Plauenscher - Lehrer, Verlag der Dürrschen Buchhandlung, Leipzig), Das - Königreich Sachsen in Wort und Bild von Leo Woerl und Steche: - Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler - des Königreich Sachsen; weitere Literatur ist in dem zuerst - genannten Buche angeführt. Denen, die ihr Wissen und Können in - den Dienst dieser Sache stellten, besonders Herrn C. Sippel, - Schriftführer des Verbandes vogtländischer Gebirgsvereine - in Plauen, der für beide Aufsätze eine Reihe von eigenen - photographischen Aufnahmen zur Verfügung stellte, bin ich zu - großem Danke verpflichtet. - - - - -Trachtenechtes Spielzeug - -Von _Karl Lucas_, Meißen - - -Weihnachten naht. Es wird gebastelt, gesägt, geschnitzt, geleimt, -geklebt bis über die mitternächtige Stunde hinaus. Das Weihnachtsfieber -hat uns gepackt. - -Auch mir ging es so. Auf dem Wunschzettel meiner Mädel waren kleine -Tierchen, Männer und Bauernfrauen verzeichnet. Diese Sächelchen waren -bereits in Anzahl im Besitze der kleinen Bittstellerinnen. Aber es -sollten noch mehr sein. Es sind das jene reizenden Gegenstände, -die aus unseren Erzgebirgsdörfern ihren Weg in jede Spiel- und -Holzwarenhandlung gefunden haben. Bei ihrer Naturtreue und ihrem -auch heute noch verhältnismäßig billigen Preise werden sie sehr gern -gekauft. Sie treten in scharfen Wettbewerb mit den altbekannten -früheren »Pfengstückchen«. Auch ärmere Leute greifen oft nach den -natürlicher wirkenden »Dreiertierchen« (Friedenskurs!). Es wird der -leider nicht überall befolgte Grundsatz angewandt: Wenig und gut ist -besser als viel und schlecht. - -Ein Vorzug der »Dreiertierchen, Fünf-Pfeng- oder Groschentierchen und --männel« ist es, daß sie sich in ein besseres Größenverhältnis zu den -aus Bauklötzchen, Modellierbogen usw. aufgebauten Gebäuden einstellen. -Das Spiel gibt so ein getreueres Bild der Wirklichkeit und wird -natürlicher und lebendiger. - -Bei anderer Gelegenheit stieß ich auf die Künstlermodellierbogen. -Diese verhalten sich zu den schablonenhaften früheren Bogen wie Tag -zur Nacht. Leider gibt es auch heute noch Bogen, bei deren Herstellung -derartig hohe Maßstäbe wie an die Künstlermodellierbogen nicht -angelegt worden sind. An zwei aufgestellten Modellen -- Lappenlager -und rumänisches Bauerngehöft -- hatte ich erfahren können, was für ein -anschauliches Bild diesen Siedelungen samt dem Leben und Treiben der -Bewohner durch diese Bogen vermittelt wird. - -Einem Zuge nach der Heimat folgend, wählte ich für meine Mädel das -»Altwendische Bauerngehöft« (Teubner Nr. 19) aus. Eine Pappe 37 : 50 -Zentimeter genügte zur Aufstellung. Dabei blieb noch Platz für Wege, -Raine, Brücken, Baumgruppen, für einen Bach mit Entenpfütze. Die -Gebäude wurden durch eingelegte Pappe gesteift. So entstand ein -ziemlich standhaftes Spielzeug. Zur Belebung sind auf dem Bogen eine -Anzahl Leute, Tiere und Bäume aufgezeichnet. Sie erfüllen ihren -Zweck nicht recht. Die ausgeschnittenen, auch gesteiften Gestalten -vertragen das fortgesetzte Anfassen schlecht. Dann fehlt ihnen die -Körperlichkeit, die die Gebäude nach ihrer Aufstellung besitzen. Die -Einbildungskraft der Kinder überwindet den Mangel der Gestalten zum -Teil. Freudiger aber greifen sie zu den körperlichen Gestalten, die aus -unserer sächsischen Spielwarenerzeugung hervorgegangen sind. - -Ich entschied mich von vornherein für die Aufstellung der -Holzsächelchen. Beim Durchstöbern der Vorräte in den Läden fand ich -Tiere, Taubenschläge, landwirtschaftliche Geräte, Wagen, Hundehütten, -Bienenstände in reicher Auswahl und geeignet für meinen Bauernhof. -Aber Menschen, wie ich sie brauchte, konnte ich nirgends auftreiben. -Um meinen Hof nicht verwaist stehenzulassen, nahm ich, was da war: -Bauern, Bäuerinnen, Butterfrauen, Nachtwächter, Kinder, Geistliche, -Brautleute, Kränzeljungfern, Stadtvolk. So hatte ich Leben. Aber es -paßte wie die Faust aufs Auge, wenn ich in meinem Hofe den Großknecht -in Älplertracht spazieren sah. - -Meine Mädel freuten sich zunächst uneingeschränkt, nach und nach wurden -ihnen die Widersprüche aber bewußt. Freude löste diese Entdeckung bei -ihnen nicht aus. - -Auch der Erwachsene spielt gern mit, wenn das Spiel heimatliche -Vorstellungen und Gefühle auslöst. Eine rechte Freude kann aber bei -ihm nicht aufkommen, wenn sich solche Stilwidrigkeiten fortgesetzt -aufdrängen. Das bedeutet aber einen Verlust für den Erwachsenen und -für das Kind. Unsere Zeit hastet. Sie löst den einen früher, den -andern später aus der Umgebung, in der er seine Kindheit verlebte. Ein -großer Teil unseres Volkes führt ein modernes Nomadenleben. Nur noch -ganz bestimmte Volksgruppen haben sich die Seßhaftigkeit bis zu einem -gewissen Grade bewahrt. Aber auch diese Kreise fangen an, den Sinn -in die Weite schweifen zu lassen und das Naheliegende zu übersehen. -Der sich überallhin ausbreitende Verkehr mit seinem Einebnen alles -dessen, was kennzeichnend hervortreten will, läßt die besten Eindrücke -der Kindheit rasch verblassen. Alles wird käuflich, verkäuflich. Es -scheint, als ob jene innerlich wirkenden Werte einer Sache, die aus -der Geschichte, aus der Pietät heraus zu erklären sind, schwänden. -Gerade diese Werte aber machten früher eine Sache oft unbezahlbar. -Darum müssen wir das alles mit Freuden begrüßen, was uns helfen könnte, -jene verborgenen, in der Vergangenheit wurzelnden Werte wieder zu -erschließen. Im Geiste wenigstens lerne jedes sich wieder versenken -in die Schätze der Vergangenheit, damit die Gegenwart mit ihren -verwickelten Verhältnissen besser verstanden werde. Alle Gegenwart ist -Gewordenes. Alles Gewordene fußt in der Vergangenheit. Wir sollen nicht -mehr bloß Gegenwartsmenschen sein wollen, sondern sollen uns wieder als -etwas betrachten lernen, das in der Vergangenheit wurzelt. Wir werden -dann einsehen, daß jedes gewaltsame Lösen der Fäden, die uns mit der -Vergangenheit verbinden, einen nie wieder gut zu machenden Schaden für -den einzelnen wie für die Gesamtheit bedeutet. - -Unsere Spielwarenerzeugung kann uns helfen, die verborgenen Beziehungen -zum Vergangenen wieder aufzudecken, kann uns helfen, Einkehr zu halten -in den Tagen der Kindheit wie in denen der reifen Jahre, kann uns -helfen, die Heimat durch ihre Vergangenheit zu verstehen. Ein weites -unbebautes Feld breitet sich hier für diese Industrie aus. Rechte -Bearbeitung muß eine gute Ernte für den Erzeuger und für die Gesamtheit -unseres Volkes bringen. Gefühl und Sinn für Heimatliebe, Volkskunst, -Heimatschutz würden zu gleichen Teilen durch Belehrung im Spiel schon -in den Kleinen geweckt werden. Fortgesetztes Spiel mit Spielzeug, -das mehr wie Spielzeug sein will, brächte diesen Sinn, diese Gefühle -zum Wachstum. Schließlich würden sie beim Erwachsenen unbewußt zum -unveräußerlichen Besitzstand geworden sein. - -Wie können die beteiligten Industrien diese Forderungen erfüllen? -Kurz gesagt dadurch, daß sie Erzeugnisse schaffen, die die Verbindung -mit der Heimat erkennen lassen und echt sind, also jede Scheinkunst -vermeiden. Wir brauchen Modellierbogen, die uns einen _sächsischen_ -wendischen Bauernhof, einen _sächsischen_ ländlichen Bahnhof, ein -_sächsisches_ mittelalterliches Rathaus usw. darstellen. In unserem -Vaterlande haben wir reichliche Stoffbeispiele dafür. Ferner sei -zur Auswahl gestellt: Oberlausitzer Weber- und Gutshäuser -- -Erzgebirgische Gebäude -- Moritzburg -- Altes Leipziger Rathaus -- -Meißner Dom, Albrechtsburg, Rathaus, Bürgerhäuser -- Bautzener Gebäude --- alte sächsische Kirchen, Mühlen, Pochwerke -- Gebäude, deren -Erhaltung mit besonderer Sorgfalt oft unter Aufwendung nicht geringer -Mittel durchgeführt wird (Frohnauer Hammer) -- Bogengruppen mit -Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Siedlungsweisen (Pfahldorf, -Rundling, Längsdorf, Dörfer mit sägeblattähnlicher Gebäudestellung, -Klosterbauten, Gartenstädte, Alt-Dresden, Alt-Leipzig). Wenn heute die -Festung Königstein als Modell herausgebracht würde, so würde wohl kaum -etwas dagegen eingewendet werden. - -Seien nun die Gebäude auszuführen vom Modellierbogen aus, seien -sie besser aus einzelnen bemalten Holzteilen zusammenzuschränken, -jedenfalls werden dem Kinde im Spiel die Unterschiede der Bauweisen, -der Siedelungsanlagen auffallen. Fragen nach zeitlichen und örtlichen -Gründen, auch nach solchen der Zweckmäßigkeit werden auftauchen. Nicht -alle Fragen wird der Erwachsene befriedigend beantworten können. Er -wird mit dem Kinde und durch das Kind Heimatkunde und Heimatgeschichte -treiben müssen, wenn er nicht dauernd die Fragen halb oder ausweichend -oder mit »ich weiß das selber nicht« beantworten will. Darum dürfen die -Modellbogen nicht ohne Erläuterungsblätter gelassen werden. Gute Bücher -können noch gründlichere Auskunft erteilen. Ansätze in dieser Richtung -sind vorhanden. Aber die Heimatforschung hat noch genügend Brachland -zu bearbeiten, ehe sie alle Wünsche nach dieser Seite hin befriedigen -kann. Es gibt wohl keinen Ort Sachsens, der nichts hätte, was als -bauliches Wahrzeichen für Modellzwecke festgehalten zu werden verdiente. - -Zu den Modellen von Bauwerken gehört das richtige Gestaltenmaterial. -Getreu dem Leben oder -- wenn dies keine Kunde mehr gibt -- getreu -den kulturgeschichtlichen Quellen wird es dargeboten. Wie viele -verborgene Schätze unsrer Heimatsammlungen, Geschichtsmuseen, -Bildergalerien, Innungsschränke, Zunftladen könnten da eine fröhliche -Auferstehung feiern! Wie könnte aus dem, das hinter Glas und Rahmen, -Tür und Riegel wohlverwahrt gehalten wird, ein Quell der Heimatliebe -entspringen! Da werden lebendig: alte Zünftler, Landsknechte, Zöllner, -Sänftenträger, Narren, fahrende Gesellen. Dazu die alten Gebäude. -Die Vergangenheit wird lebendig in der Gegenwart. Aus Papierstoff, -Holz, Zinn, Linoleum, durch Guß, Pressen, Drehen, Schnitzen werden -die zeit- und trachtenechten Gestalten hergestellt. Sie sind einzeln -käuflich (zum Aussuchen). Sie können aber auch -- zu fein abgestimmten -Gruppen geordnet -- in widerstandsfähigen Schachteln erstanden werden, -die recht wohl die überlieferte Aufschrift tragen können: Andenken -an ... Zur Erinnerung an ... Oheim Max bringt dem kleinen Hans eine -Schachtel mit: _Andenken an Leipzig_. Drinnen liegen Studenten in -Wichs. Das Fräulein mit farbigem Band ist Base Lotte, die Studentin. -Burschen heraus zum Couleurbummel! Muhme Alma bringt eine Schachtel -mit: _Erinnerung an Meißen_. Da sind zu sehen: Aschekarl, Aschemarie -mit dem Spitz auf dem Arme, Kalmus, der dumme Junge von Meißen, -ein Fremder mit der Fummel, Winzer, Winzerinnen. _Freiberg_ wartet -auf mit Bergstudenten, Bergleuten in Parade- und Arbeitstracht, -_Kloster Marienstern_ mit Osterreitern und Nonnen, _Bautzen_ mit -dem Taubenjokel, wendischen Männern und Frauen und Kindern, dem -Hochzeitsbitter, der Braut und dem Bräutigam, _Oybin_ mit Mönchen. -Anderswo gibt es beim Schützenfeste die ganze Schützengilde in einer -Schachtel wohlverwahrt zu erstehen. _Radeberg_ knüpft an seine -Bürgerwehr, seinen ehemaligen Bergbau, sein Gregoriusfest, seine -Soldaten an. _Leppersdorf_ und _Augustusbad_ bieten an eine Einsiedelei -mit Bäumchen, Hasen, Rehen, kleinen Vöglein und dem »Lampert im -Walde«. Ein Steinkreuz, ein Grenzstein, ein altes Denkmal gehört auch -manchmal in so eine Schachtel. _Schmiedefeld_ bei Stolpen und andere -Orte waren vor Einführung der Eisenbahn belebtere Orte als jetzt. Sie -lagen an den alten Poststraßen. Eine Schachtel zeigt als Inhalt eine -alte Postkutsche, ein Land-(fracht-)fuhrwerk, Zöllner, Torwächter, -Handwerksburschen, Reisende in Biedermeiertracht. Kriegszeiten haben -viele sächsische Orte durchleben müssen (Hussiten-, Schweden-, -Franzosenzeit). _Kamenz_ bringt bei seinem Forstfeste eine Schachtel -heraus, deren Inhalt die Erinnerung an eine glückliche Errettung aus -solch schweren Tagen wach hält. Bei Regimentstagen können Gestalten -in den Regimentstrachten der verschiedenen Zeiten vertrieben werden. -Vom Trachtenfest »Biedermeierzeit« bringen Vater und Mutter eine -Spielschachtel mit, die entsprechende Gestalten, Rosenlauben, grüne -Hecken enthält. Das, was bei Ausstellungen mit den »alten Städten« -(Vergnügungsecken) geboten wird und nach seiner oft recht beachtlichen -geschichtlichen Treue wert wäre, länger zu bestehen, das könnte in -verkleinerter Ausgabe zum Spiel geschaffen, als Andenken verkauft -werden. - -Im Vereine mit guten Gebäudenachbildungen müssen solche Geschenke -oder Andenken in Vergangenheit und Gegenwart vertiefen helfen, müssen -sie alt und jung zur Besinnung einladen. Die Sachen haben ja etwas zu -erzählen. Der Quell der Sage und Geschichte muß da sprudeln. Kinder -und Erwachsene werden beim Spiel oft in den Geleisen wandeln, die der -Darstellung zugrunde liegen. Wie wir aber einen »Freiberger Bauerhasen« -stets mit einer gedruckten Erklärung zu kaufen bekommen, so darf -bei all diesen Sachen nicht mit frisch und lebendig geschriebenen -Erläuterungen gespart werden. - -Trachtenechte Puppen, stilgerechte Puppenmöbel (Himmelbetten, -Bauerntische, Schemel, Wiegen, Stühle, geblümte Vorhänge, Teller, -Tassen, Kannen), eine rechte Bauernstube, Weberstube, Patrizierstube, -Spinnstube: das müßte Mädchen eine wirkliche Freude geben! - -Das sind wirkliche Reiseandenken, die ihren Zweck erfüllen, -ein Band zu schlingen über den Geber hinweg vom Empfänger zum -kulturgeschichtlichen, heimatkundlichen Stoff. Das kann von den jetzt -noch beliebten Fangbällen, Windrädern, Abziehbildern und Postkarten -auf Holzquerschnitten, Steingutsachen u. a. m. nicht behauptet -werden. Welche Sorte von Reiseandenken verraten wohl Verlegenheit -und Gedankenlosigkeit des Gebers, welche begegnen Verlegenheit und -Gleichgültigkeit beim Empfänger? - -Strenge Wahrhaftigkeit in der Darstellung des trachtenechten Spielzeugs -gibt den Kleinen auch wahre Anschauungen. Eine nach irgendeiner Seite -hinzielende, da hinzufügende, dort verheimlichende Scheinkunst ist -verpönt. Sie würde Truggebilde der Heimat erzeugen und die Jugend -verwirren. Für die Jugend muß nur das Beste gerade gut genug sein. Aber -auch viele Erwachsene gleichen in dieser Hinsicht Kindern und verlangen -die gleiche Behandlung. Auch ihnen dürfen wir das Bild der Heimat -durch Unwahrhaftigkeit des gebotenen Spielzeuges nicht entstellen oder -verzerren. - -Die Bestandteile der Kleinspielzeugkästen werden etwas schematisch, -maschinenmäßig aussehen. Auf die Maschinenhilfe kann aber aus Gründen -möglichster Billigkeit nicht verzichtet werden. Doch der handarbeitende -Holzschnitzer mag nicht abseits stehen. Wie verschieden können ein -Student, Soldat, Bergmann, Mönch, Bauer, Schützenhauptmann gestaltet -werden in Bewegungen, Gesichtszügen, Farbengebung! So können wir -auch mit handgeschnitztem Kleinspielzeug unsere Schachteln füllen, -die freilich nur zu einem höheren Preise zu haben sein könnten. Ein -Vergleich von geschnitzten und gedrehten Figuren wird die Berechtigung -des Preisunterschiedes beweisen. Der Schnitzer kann seine Gestalten -aus dem Bereiche des gewöhnlichen Spielzeuges in das Gebiet des -Kleinkunstwerkes erheben. Ich erinnere mich der Ausstellung von -Krippenfiguren in Dresden. Wie verschieden hatte jeder einzelne -Aussteller sein persönliches Empfinden in einem gegebenen Stoffe zum -Ausdrucke gebracht. Bewegung, Ausdruck, Farbe, Gruppierung usw., das -alles zusammen genommen brachte trotz Gleichheit des Vorwurfes doch -durch die selbständige Auffassung der einzelnen Verfertiger große -Unterschiede heraus. Dazu kam die unterschiedliche Beherrschung und -Anwendung der einzelnen Techniken. Neben etwas schematisch anmutenden -Sachen waren reizende kleine Kunstwerke vertreten, bei denen die -Schablone einer durchgeistigten Auffassung hatte weichen müssen. So -braucht sich auch der Gestalter einzelner Personen vom trachtenechten -Spielzeug nicht sklavisch an überlieferte Bewegungs-, Ausdrucks- und -Kompositionsschemen zu halten, sondern kann diese etwas traditionellen -Sachen mit seinem eigenen Geiste durchdringen, bezw. durchbrechen, wenn -am letzteren nicht höhere Gesichtspunkte hindern sollten. Tracht und -Farbengebung ist ja doch durch die Überlieferung festgelegt. Mancher -Käufer wird dann die auch nicht besonders billigen Phantasiegestalten -der jetzt noch herrschenden Marktware zurückweisen, um nach einer nicht -so billigen, aber lebenswahren Figur zu greifen, die durch einen gut -empfindenden Gestalter herausgebracht worden ist. Solche Geschenke -brauchen sich nicht vor dem Tageslichte zu scheuen. Sie werden immer -wieder gern angesehen. - -Unsere sächsischen Spielwarenerzeuger können aber auch über die -Landesgrenzen greifen. Nach guten Vorbildern kann unsere Industrie -jedes außersächsische Modell lebensvoll gestalten. Für Seebäder werden -Schachteln gefüllt mit trachtenechten Fischern und Fischerinnen, -Seeleuten, Badegästen, Badekarren, Strandkörben -- für Halle -Hallorengruppen usw. So können Trachtengruppen aus dem ganzen -früheren und jetzigen deutschen Vaterlande zusammengestellt werden. -An Künstlermodellierbogen stehen uns für diese Zwecke eine ganze -Anzahl zur Verfügung, die den Aufbau von Gebäuden aus allen Teilen -Deutschlands ermöglichen. Die Verzeichnisse könnten noch durch eine -Anzahl Bogen von Orten mit ausgedehntem Fremdenverkehr bereichert -werden. Nach diesen Orten könnte unsere heimische Industrie ihre -Erzeugnisse senden. Das Schutzwort »Gefertigt in Deutschland« könnte -umgewandelt werden in »Gefertigt in Sachsen«. - -Auch hier muß Sorge getragen werden, daß neben den billigeren, etwas -schematischen Drehbankarbeiten für das kaufkräftigere Publikum auch -handgeschnitzte lebensvolle Gestalten am Lager sind. Damit der Erzeuger -einen angemessenen Gewinn von seiner Arbeit habe, die Gegenstände aber -trotzdem nicht zu hoch im Preise kommen, dürfte sich keine lange Reihe -Zwischenhändler zwischen Verkäufer und Käufer einschieben. - -Wir gehen kühn über Deutschlands Grenzen hinaus und umspannen den -Erdball. Wir lassen im Spielzeug erstehen das ganze bunte Völker- und -Trachtengemisch von Europa und den übrigen Erdteilen. Wir bringen -Modellbogen auf den Markt von der Eskimohütte und dem Hottentottenzelt -bis zum Wolkenkratzer, vom Pfahldorfhaus in der Südsee bis zur -Baumwohnung auf Java. Die Zinngießerei bringt bereits Völker aller -Welt zur Anschauung. Oft hat die Phantasie sich dabei allzu reichlich -betätigt. Wahrheit in der Darstellung ist hier aber um so nötiger, -als eine Verbesserung eines Modelleindruckes durch nachträgliche -Sinneseindrücke am natürlichen Gegenstande nicht eintreten kann. Sind -keine einwandfreien Unterlagen zu haben, dann verzichte man lieber auf -die Darstellung. Auch hier darf das Erzeugnis der Handarbeit nicht -fehlen, es wird sicher im Auslande kaufkräftige Abnehmer finden. - -Die Darstellung deutscher Anschauungsstoffe wird von unseren Erzeugern -vor außerdeutschen stets bevorzugt werden müssen. In dem Heimatlichen -liegen die starken Wurzeln unserer Spielwarenerzeugung. Heimatliche -Darstellungen finden den Weg über die Grenzen hinüber zu unseren -deutschen Brüdern im Auslande. Ob sie in Rumänien, in Siebenbürgen, -im Elsaß, im Kaukasus, in den Urwäldern Südamerikas oder sonst wo -sitzen mögen: sie werden es gern sehen, wenn ihre Kinder mit Spielzeug -spielen, das Fäden spinnt zur alten Heimat. Schaut der Erwachsene -solchem Spiel der Kleinen zu, so wird ihn stilles Gedenken übermannen; -da wird schließlich die Zunge beredt werden beim Erzählen von -altheimatlichen Zuständen, von der eigenen Jugend, die -- wenn auch -manchmal hart -- doch schön war. Die Kinder lauschen. So sprechen Vater -und Mutter selten. Es muß etwas besonderes um das Spielzeug sein. - -Geht aus der alten Heimat als Geschenk zur Weihnachtszeit eine -solche Gabe hinaus in die Fremde, und Vater und Mutter stellen die -Sächelchen auf, wie es sein muß, dann stehen jung und alt herum um -das Bild aus der alten Heimat, Wehmut und Freude im Herzen. Das sind -Weihestunden, der fernen Heimat gewidmet, die unermeßlichen Gewinn für -die Außenposten unseres Volkes haben, aber auch für uns selbst. Da -kommt kein Negerenglisch, kein Burendeutsch, kein Sprachenwirrwarr beim -Erzählen und Erklären heraus, da kommt die reine deutsche Muttersprache -zu ihrem Rechte. Für diese altheimatlichen Stoffe hat die fremde -Zunge keine Ausdrücke. Wenn unsere Brüder draußen sich auch äußerlich -verändern, sich ihrer Umgebung anbequemen, so halten wir doch durch -solche in der Heimat wurzelnde Gaben bei ihnen das Heimatgefühl wach. -So lange sie dies Gefühl haben, so lange sind sie noch unser, sind sie -und ihre Kinder fürs Deutschtum noch nicht ganz verloren! - -Wenn unsere Geschenke das erreichen, Heimatsinn zu erwecken im Lande -selbst und draußen in der Fremde, dann können wir wohl sagen: Es sind -rechte Geschenke gewesen. Wir haben mehr geschenkt als Spielzeuge oder -Kunstwerke. Wir haben innere Werte erschlossen und mitgegeben, die -unbezahlbar sind, die sich nicht wiegen und messen lassen, die nur -innerlich erlebt und gewertet werden können. - -Aber nicht nur der Geber kann befriedigt auf sein Geschenk blicken, -nein auch der Erzeuger. Auch er gibt mehr hinaus als allein seiner -Hände Fleiß. Auch er kann sprechen: Der Geist, aus dem heraus ich alles -gebildet und geschafft; der Geist, der aus meiner Arbeit spricht, der -Geist der Heimat, der ist an Euch, Ihr Käufer, mein Geschenk! - - - - -Caprivi und die Bäume im Garten des Kanzlerpalais - - -»Ich kann nicht leugnen, daß mein Vertrauen in den Charakter meines -Nachfolgers einen Stoß erlitten hat, seit ich erfahren habe, daß er die -uralten Bäume vor der Gartenseite seiner, früher meiner Wohnung hat -abhauen lassen, welche eine erst in Jahrhunderten zu regenerierende, -oft unersetzbare Zierde der amtlichen Regierungsgrundstücke in der -Residenz bildeten. Kaiser Wilhelm I., der in dem Reichskanzlergarten -glückliche Jugendtage verlebt hatte, wird im Grabe keine Ruhe haben, -wenn er weiß, daß sein früherer Gardeoffizier alte Lieblingsbäume, die -ihres Gleichen in Berlin und Umgebung nicht hatten, hat niederhauen -lassen, um ~un poco piu di luce~ zu gewinnen. Aus dieser Baumvertilgung -spricht nicht ein deutscher, sondern ein slawischer Charakterzug. Die -Slawen und die Kelten, beide ohne Zweifel stammverwandter als jeder von -ihnen mit den Germanen, sind keine Baumfreunde, wie jeder weiß, der in -Polen und Frankreich gewesen ist; ihre Dörfer und Städte stehen baumlos -auf der Ackerfläche, wie ein Nürnberger Spielzeug auf dem Tische. Ich -würde Herrn von Caprivi manche politische Meinungsverschiedenheit -eher nachsehen, als die ruchlose Zerstörung uralter Bäume, denen -gegenüber er das Recht des Nießbrauchs eines Staatsgrundstücks durch -Deterioration desselben mißbraucht hat.« - - (Aus Bismarcks drittem Bande.) - - - - -Drei Baumbilder aus unsrer Heimatsammlung - -Von _A. Kühne_, Wilsdruff - - -Auf Anregungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz hin -arbeiteten wir im vergangenen Jahre an einem _heimatlichen Baumbuch_. -Es liegt jetzt in der Handschrift vor und soll in unsrer Heimatbeilage -abgedruckt werden. Dank will ich sagen den Herren Rühle und Zieschang, -ersterer hat die Bäume gemessen, Geschichte und Überlieferung -gesammelt, letzterer hielt sie im Bilde fest. - -Von unsern heimatlichen Höhenbäumen mögen hier stehen _Rüdigers Linden -in Helbigsdorfer Flur_. Kein Wandrer, der unsre Wilsdruffer Heimat -gekreuzt hätte, ohne sie zu sehen. In einer Höhe von 334 Meter -- die -Generalstabskarte nennt den Hügel den Eschenhübel -- beherrschen sie -die weite Umgegend, und köstlich ist der Blick von dem Ruhebänkchen zu -ihren Füßen. Wettergezaust und blitzgetroffen, doch stolz und stark -stehen sie hier, Saat und Ernte seit einem Jahrhundert um sie her. -Mögen sie noch lange Freude und Erholung für Land- und Wandersmann -spenden! - -[Illustration: =Rüdigers Linden in Helbigsdorf= (Amtsh. Meißen) - -(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)] - -Ein Wegebaum -- _der Blankensteiner Bergahorn_. Da wo die Dorfstraße -anhebt, wo der Kommunweg Helbigsdorf--Blankenstein endet, steht dieser -stolze Baum. 3,68 Meter mißt der Umfang seines Stammes in Brusthöhe, -an die 26 Meter hoch quillt das Laubwerk in den Himmel hinauf. Eine -gewaltige, herrliche Fülle, dieses Astwerk mit seinem Blätterwald. -Einen höheren Genuß aber schafft sein Anblick im Winter, wenn ihm der -Frost den Blättermantel nahm, wenn sich eine weiße Decke unter ihm -breitet. Da erst wird der gleichmäßig schöne Bau der Krone offenbar, -dieses Wachsen und Dehnen und Greifen in die Weite und Höhe. Und dazu -die graubraune Färbung der schlanken Stämme und Schäfte auf weißem -Hintergrunde. Ein köstlich Bild. - -[Illustration: =Bergahorn in Blankenstein= (Amtsh. Meißen) - -(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)] - -Als dritter und letzter einer der geborstenen Riesen des _Weistropper -Schloßparkes_, _eine Edelkastanie_. Ihr Geschlecht mag unter all den -heimatlichen beachtenswerten Bäumen das älteste sein, bei weitem -älter und ehrwürdiger als die dreihundertjährigen Reformationslinden zu -Wilsdruff und Wurgwitz. Der Sage nach soll Bischof Benno sie gepflanzt -haben; daß die frühmittelalterliche Kirche sich um Pflanzung und Pflege -des Weinstocks, der Edelkastanie u. a. verdient gemacht hat, steht -außer allem Zweifel. Auch der Miltitzer Schloßpark zeigt stolze alte -Bäume dieser Art, sie sollen von Karl v. Miltitz, dem päpstlichen -Staatssekretär, gepflanzt worden sein. Wir freuen uns an dem -ausgeprägten Artcharakter dieser Stämme, danken der Schloßherrschaft -für deren Erhaltung und hoffen, daß diese Bäume uns noch manches Mal -Labsal sind auf unsern Heimatwanderungen. - -[Illustration: =Edelkastanie im Schloßpark Weistropp= - -(Aufn. _G. Zieschang_, Kaufbach)] - - - - -Pflanzt Nußbäume! - - (Zu meinem Aufsatze: Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde - die Alleen und die hervorragenden Bäume)[1] - -Von _A. Klengel_ - - -Zu den wertvollsten und malerischsten Schmuckstücken unseres -Landschaftsbildes gehören stattliche Walnußbäume, mögen sie nun als -Einzelbäume im Garten stehen, den ländlichen Hof beschatten oder als -Allee der Dorfstraße das Geleit geben. Der Nußbaum ist aber nicht nur -ein ausgezeichneter Schattenspender, sondern durch Frucht und Holz -einer unserer wertvollsten Nutzbäume. - -Der Umstand, daß sich sein Holz nicht nur für den Möbelbau, sondern -vor allen Dingen für die Herstellung von Gewehrschäften ausgezeichnet -eignet, ist dem Nußbaum während der Kriegszeit verhängnisvoll -geworden. Alle Nußbäume, von einer bestimmten Stammstärke ab, waren -beschlagnahmt und viele Tausende fielen der Axt zum Opfer, um das -Vaterland verteidigen zu helfen. Empfindliche Lücken wurden dadurch in -unseren ohnehin nicht zu hohen Nußbaumbestand gerissen; wir merken die -Knappheit am besten an den zu schwindelnder Höhe gestiegenen Nußpreisen. - -Es ist eine Pflicht aller heimischer Grundbesitzer, der Anpflanzung -von Walnußbäumen erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Die durch den Krieg -gerissenen Lücken müssen sich wieder schließen, der Nußbaum muß auch -deswegen ausgiebiger angepflanzt und gehegt werden, weil uns Elsaß und -Lothringen, die seither einen hohen Prozentsatz des heimischen Bedarfs -an Walnüssen und Nutzholz lieferten, verlorengegangen sind. Hieraus -ergibt sich ohne weiteres, daß jetzt die Anpflanzung der Nußbäume viel -lohnender sein wird als in früheren Jahren. Durch reichlichen eigenen -Anbau und eigene Erzeugung von Walnüssen und Holz können wir auch -die Einfuhr einschränken und dadurch einer wichtigen vaterländischen -Pflicht genügen. Daß wir überdies durch Hegen des stattlichen -großlaubigen Baumes auch unser Landschaftsbild verschönern und dadurch -dem Heimatschutz trefflich dienen, wurde bereits erwähnt. - -Einer ausgiebigen Anpflanzung des Nußbaumes werden mancherlei Bedenken -entgegengestellt, die sich aber bei näherer Untersuchung fast durchweg -als unhaltbare Vorurteile erweisen. - -Es muß zunächst vorausgeschickt werden, daß unser Walnußbaum (~Juglans -regia~) ein Kind des heißen Orients ist, aber auch in Südeuropa -ausgedehnte wilde Bestände bildet. Er ist insofern etwas anspruchsvoll, -als er geschützte Lage, mildes Klima und tiefgründigen nahrhaften Boden -bevorzugt und gegen Spätfröste empfindlich ist. Nach meinen, über -dreißig Jahre reichenden Erfahrungen ist aber der Nußbaum durchaus -nicht so zart wie oft angenommen wird. Ein neben meinem Hause in -Meißen, allerdings sehr geschützt stehender Baum, hat seit über zwanzig -Jahren niemals durch Frost gelitten, auch sind viele Jahre vergangen -seit ich das letztemal in der freigelegenen Umgebung von Meißen -erfrorene Nußblüten feststellen konnte. - -Vielfach ist die Meinung vertreten, daß der Nußbaum nur bis höchstens -fünfhundert Meter Seehöhe und dann nur an geschützten Standorten -ertragreich bliebe; in höheren Lagen empfehle sich seine Anpflanzung -lediglich des Holzes, nicht aber der Fruchtgewinnung wegen. Diese -Ansicht mag viel dazu beigetragen haben, daß man von der Anpflanzung -abgesehen hat. Ich habe jedoch schon ganz andere Erfahrungen gesammelt. -In Bärenstein im Müglitztale trug ein alter, in über fünfhundert Meter -Höhe nicht besonders geschützt stehender, leider auch dem Kriege zum -Opfer gefallener Nußbaum seit Menschengedenken reichlich Früchte -und versagte nur dann einmal, wenn Spätfröste die Blüte vernichtet -hatten, was aber, wie bereits erwähnt, auch in tieferen Lagen zuweilen -vorkommt. Ein im gleichen Orte in fünfhundertfünfzig Meter Höhe -stehender jüngerer Baum trägt seit einigen Jahren ebenfalls reichlich -Früchte. Völlig überraschend war aber die Tatsache, daß sogar ein in -siebenhundert Meter Höhe stehender jüngerer Nußbaum am Köllnerschen -Vorwerk in Hirschsprung bei Altenberg noch ausgereifte Früchte trägt. -Man hatte mit Blühen und Früchtetragen nicht mehr gerechnet, weil -der Baum solange damit zögerte; es war dabei aber nicht beachtet -worden, daß die Mannbarkeit des Nußbaumes nicht vor dem zwanzigsten -Lebensjahre, vielfach sogar noch später eintritt. - -Eine weitere Abneigung gegen das Anpflanzen der Nußbäume entspringt -aus dem angeblich schweren Anwachsen verpflanzter Bäume und anderen -Mißerfolgen, die aber durchweg aus gärtnerischen Mißgriffen entstehen -und lediglich darauf zurückzuführen sind, daß man die natürliche -Eigenart des Nußbaumes sehr oft außer Acht läßt. Der Nußbaum darf -nur im Frühjahr umgepflanzt werden, die Wurzeln sind dabei zu kürzen -und zurückzuschneiden. Da der Nußbaum im Gegensatze zu seinem harten -Stammholze sehr weiche Wurzeln besitzt, kommt es sehr oft vor, daß -die noch nicht angewachsenen Wurzeln der im Herbst versetzten Bäume -während der Winterruhe verfaulen und absterben, wodurch der Baum stets -eingeht. Wenn irgend möglich, vermeide man das Verpflanzen überhaupt -und lege die Samennüsse gleich an die späteren Standorte der Nußbäume. -Der Nußbaum darf, im Gegensatz zu den meisten anderen Bäumen nur im -vollbelaubten Zustande, am besten im Frühjahre verschnitten werden; der -Rückschnitt im unbelaubten Zustande während der Winterruhe bringt ein -Kränkeln und völliges Absterben des Baumes mit sich. Bei Anpflanzung -von Alleen ist darauf zu achten, daß die Nußbäume mindestens fünfzehn -Meter voneinander entfernt zu stehen kommen. Um gesund zu bleiben, muß -sich der Baum nach allen Seiten frei entwickeln können. - - [1] Siehe Band X, Heft 4/6, Seite 95. - - - - -Praktischer Heimatschutz - - -In Alt-Trachau, dem ehemaligen alten Dorfplatz von Trachau, das -leider in seiner alten Ursprünglichkeit durch Einbauen moderner -Großstadthäuser bedeutend eingebüßt hat, kenne ich von Jugend her -ein kleines, immer sauber getünchtes Häuschen, das mich dadurch ganz -besonders interessierte, weil es neben seiner kleinen grüngestrichenen -Hoftür im alten Gemäuer einen alten Hausspruch barg, den nur wenige -kannten; ja, wie ich bei seiner Ausbesserung beziehungsweise -Sichtbarmachung erfuhr, nicht einmal alle die jetzigen Bewohner dieses -Hauses. - - ~KOM HER REIN DU GE - SEGNERDER DES HERN - WAS SEIEST DU DRAUSEN.~ - -[Illustration: =Alt-Trachau= - -(Aufnahme _Julius Georg Perlik_, Dresden-Rochwitz)] - -Diese alte Sandsteinplatte, welcher man bei Erbauung dieses Häuschens -oder schon früher, mit ungelenker Hand und primitiven Werkzeugen -diese alten Schriftzeichen eingraviert hat, lenkte eines Tages meine -Aufmerksamkeit auf sich, und ich hatte alle Mühe, diese alten, mit -Kalkfarbe verschmierten Buchstaben überhaupt zu entziffern. Seinerzeit -als es noch ein schöner, sinniger und volkstümlicher Brauch war, -solche Sprüche -- meist ernsten Inhalts -- über Türen, an Giebeln und -Torbogen, nicht nur anzubringen, sondern wo man noch Zeit fand sie -auch zu lesen und darüber nachzudenken, da waren diese Buchstaben wohl -noch scharf und leserlich. Doch bis dahin, als ich erstmalig darauf -aufmerksam wurde, war wohl der Faustpinsel des Scharwerksmaurers -verschiedene Male und in allen erdenklichen Farben darübergefahren. So -kam es, daß diese alten Schriftzeichen mit der Länge der Zeit fast eins -geworden waren mit dem übrigen Mauerwerk. Wind und Wetter und das Alter -haben das übrige getan. - -Lange, lange Jahre vergingen und immer wieder sorgte der Besitzer -dafür, daß dieses alte Häuschen wieder schön wurde, mal weiß, -mal hellblau, mal rosa. Das Gebälk schön dunkel. Die Hoftür, das -Weinspalier, der Gartenzaun und die Fensterladen frisch blaugrün. Das -alte Ziegeldach aber bekam von Zeit zu Zeit durch einige neue Ziegel, -die sich hier und da notwendig machten, eine wunderhübsche Abwechslung. -Es war eben immer schön. - -Der alte Spruch aber verschwand immer mehr. Dann wurde ich -Heimatschützler. In Nr. 3 der Heimatschutznachrichten läßt der -Heimatschutz seinen Mitgliedern wissen, daß Bilder von Hausinschriften -erwünscht seien. So ließ sich aber kein Bild machen. Bei dieser -Gelegenheit sollte dieser alte Hausspruch wieder zu Ehren kommen. - -Sonntag, den 24. Juli dieses Jahres, frühzeitig, machten wir uns -ans Werk. Alles dazu Notwendige hatte ich bereits an Ort und Stelle -gebracht, auch die Genehmigung des Besitzers holte ich mir. Zement -- -gestiftet von Kell & Löser -- war auch schon da. Kurz berichtet war die -Arbeit folgende: - -Die Sandsteinplatte wurde von anhaftendem Mörtel und Putz gereinigt, -dann die als Rahmen gedachte, vorstehende und abgerundete Wulst oder -Kante aus einem Gemisch von Zement und Sand aufgetragen und verputzt; -die Mauer nach hinten um einige Zentimeter erhöht, um den darauf -liegenden Dachziegeln, die als Schutzdach und gleichzeitig, um das -Ganze zu heben, als Abschluß und zur Zierde dienen sollen, eine schräge -Lage zu geben. - -Diese Arbeit nahm ungefähr sieben Stunden in Anspruch, fand -aber dadurch eine unerwünschte Unterbrechung, daß wir von einem -Wohlfahrtsbeamten wegen Entheiligung der Sonntagsruhe zur Anzeige -gebracht wurden. Ich ließ mich selbst zur Wache führen, und erwirkte -nach längerer Rücksprache mit dem Wohlfahrtsinspektor, daß wir doch -diese Arbeit zu Ende führen konnten. Darüber habe ich seinerzeit im -Heimatschutz persönlich Bericht erstattet. - -Zum Schluß wurden die ausgebesserten Stellen dieser Mauer mit Weiße -überstrichen. Die Wulst aber bekam einen Anstrich in dunkel Ocker, -während die Innenfläche ganz hell Ocker gehalten wurde. So kam aber -die alte Schrift noch entschieden zu wenig zum Vorschein, wir sahen -aber vorläufig von einem Ausmalen der Buchstaben noch ab, da wir -befürchteten, daß das Historische dieses alten Spruches dadurch -einbüßen würde. - -Soweit wieder hergestellt, nahm der Heimatschutz eine Besichtigung -unserer Arbeit vor, wobei ihm vor allem die sich zu schwach -hervorhebende und dadurch schwer leserliche Schrift auffiel. Er riet -uns deshalb, das Ausmalen der Schrift doch noch vorzunehmen. Diese -Arbeit wurde am 8. August ausgeführt. Mit Dunkelgrau ausgemalt wirkt -dieser Hausspruch wieder wie ehedem auf die Vorübergehenden und selbst -der Pastor von Trachau sprach gleich am nächsten Tage in diesem Hause -vor, und war sehr erfreut und doch beschämt, daß sich Leute gefunden -hatten, die diesen alten Spruch wieder zu Ehren brachten. Er selbst -gestand zu seiner Schande, wiewohl er über zehn Jahre hier im Amte sei, -wäre ihm dieser herrliche Spruch noch nicht aufgefallen. So mancher, -der hier hunderte Male vorbeiging, ohne ihn zu bemerken, macht jetzt -Halt vor diesem alten Spruch und sinnt. Der eine flüchtig, der andere -nachdenklich. Was mögen sie wohl alle denken? Warum hat man den alten -Spruch gerade jetzt wieder sichtbar gemacht? - -[Illustration: =Alt-Trachau= - -(Aufnahme _Julius Georg Perlik_, Dresden-Rochwitz)] - -Die Bauersfrau gegenüber hat mir es erzählt, immerwährend ständen jetzt -Leute hier -- meist alte, aber auch junge -- und buchstabierten den -alten Spruch. -- - -Herr Perlik, der mich auch hier wieder in dankenswerter Weise -unterstützt hat, indem er mit besonderer Liebe und Sorgfalt den -größten Teil dieser Arbeiten nach meinen Angaben ausführte, fertigte -auch umstehende Aufnahmen an. Während mein Wanderfreund Burk -Handlangerdienste leistete, führte Herr Schilling die malerischen -Arbeiten aus. Die Skizze hierzu hatte Herr A. Wiehl nach der Natur -angefertigt und den zur Ausführung gebrachten Entwurf dabei mit -eingezeichnet. Ich übte das Amt eines Poliers aus. - -So kann durch Mithelfen eines jeden manches wieder ans Tageslicht -gebracht und der Nachwelt erhalten werden. Es gibt in unseren schönen -Vororten und Dörfern noch viel Interessantes und Erhaltenswertes, aber -leider noch zu wenig Helfer. - - Richard Köhler. - - - - -In den Hütten meiner Heimat - - (aus »Bunte Gassen, helle Straßen«, ein Buch von Kinderland und - Heimat von _Max Zeibig_, Bautzen. 2. Band der Heimatbücherei - des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz[2]) - - -Meine Heimat läuft vom Kamme duftblauer Berge waldreiche Hänge hinab -über einen Saum von blumigen Wiesen und fruchtschweren Feldern, eilt -an rauschenden Schornsteinen, klirrenden Werkstätten und sausenden -Webstühlen vorbei, zeigt stolz zwei alte, turmreiche Städte, davon eine -immer schöner und lieber als die andere, zieht hinaus in bauernsatte -Dörfer und wandert, wandert und kommt endlich ganz müde in die Heide, -in die grüne einsame Heide und ruht sich dort aus. - -Und bin ich des Lebens und der Arbeit, des Hasses, Neides und Streites -müde, spricht mein Herz verlockend zu mir: Flieh’ auf! Deine Heimat -ruft, die Heide. - -Da bin ich nun. In schimmerndem Kleide grüßen die Birken, die schlanken -Geliebten des Waldes. Die Fichten raunen und prahlen mit ihren jungen -Trieben; aber die Kiefern träumen und schweigen. Tiefverborgen liegt -ein Teich, da leuchten aus moosgrünen Binsen schneeweiße Rosen. Die -sind so heilig und so schön, wie ein Mädchen in seiner seligsten -Jugend. Hoch am Himmel ein beutesuchender Bussard, im Schilf Scharen -wilder Enten, im Wald das sorglose, flinkfüßige Reh, dazu tausend und -tausend blaue und braune brummige Käfer, Insekten mit lichtglänzendem -Flügelkleid, schönheittrunkene Schmetterlinge, von Heidekraut zu -Heidekraut überaus zarte, feinfädige Spinngewebe, darinnen der -morgenfrische Tau funkelt und leuchtet wie Millionen Brillanten, und -über allem ein ungemein feines und weiches Singen und Klingen und ein -Duft und eine Seligkeit, daß das Herz schreien möchte vor so viel -Schönheit. - -Das ist die Ruhe, der Frieden meiner Heimat -- die Heide. - -Heute bin ich in ihren Hütten gewesen. - -Die Menschen wohnen in niedrigen, dumpfen Stuben. (Sie sind den lieben -langen Tag im Wald und auf dem spärlichen Feld! Was brauchen sie in den -Stuben frische Luft!) - -Wie gemütlich so ein brauner, breiter Kachelofen ist! Das Doppelbett -hat einen frischen, buntblumigen Überzug. Auf dem Tisch stehen ein -paar blutrote Nelken, die brennen vor lauter Liebe. An den Wänden -hängen, gestickt, unter Glas und Rahmen, oder bloß auf Pappe gedruckt, -fromme, bescheidene Wandsprüche. Im Glasschrank feiern silbern- und -goldgeränderte Tassen, geblümelte Teller von Steingut und zierliche von -Glas, allerhand nichtige, kleine Figuren, verblichene, braungetönte -Photographien ein beschauliches Dasein. Von dem weißgestrichenen -Fensterbrett gucken steife Geranien und herzreiche Fuchsien neugierig -auf den rankenden Wein, der die kleinen Fenster wild umwuchert, wie -weit er mit seinen Trauben sei. Draußen im kleinen Gärtchen verblühen -späte Rosen in königlicher Pracht. - -Zwei Alte kommen mir freundlich entgegen: »Schön Willkomm’«, sagen sie. -Wie lieb das klingt! - -Ich muß immer auf sie sehen, auf die beiden Alten. Mein Gott, die -Hände, wie sind die hart und schwielig! Die haben im Leben was -gerackert und geschafft, und die müden, erloschenen Augen, die haben -manche Träne geweint ... »Wir haben einmal zwei Söhne gehabt,« erzählen -die beiden Alten, »echte, treue, starke Söhne der Heide. Da sind ihre -Bilder ... Sind alle beide gefallen. Für die Heide. Für die Heimat ...« - -Die beiden halten sich an der zitternden Hand und sitzen ganz feierlich -auf ihrem zerbeulten Sofa. Gerade über ihnen hängt der Spruch: Befiehl -dem Herrn deine Wege, er wird’s wohl machen! ... Die beiden Alten sind -ganz ruhig, ganz still. Sie haben ein Lebenlang geschuftet und gesorgt. -Nun sind sie so zufrieden und so fromm ... Das fühlt man. - -_Arme Leute!_ hier in der Heide ... - -O du ruhlose, friedlose, du laute, du törichte Welt, wenn du wüßtest, -wie arm du bist ... und wie reich sie sind in den einsamen Hütten -meiner Heimat! - -[Illustration] - - [2] Preis für Mitglieder (gebunden) M. 15,-- (sonst M. 18,--). - Bestellkarte anbei. - - - - -Das Weberhaus in Hosterwitz - -Von _Edgar Hahnewald_, Dresden - - - Die Wohnungsnot zwingt dazu, jeden verfügbaren Raum nutzbar zu - machen; dadurch werden aber in gewissen Fällen auch Stätten - bedroht, deren unangetastete Erhaltung selbst in dieser Notlage - geboten erscheint. Das ist auch beim Weberhaus in Hosterwitz - der Fall, das bisher fast unbekannt und darum unberührt lag; - besucht und bewundert von denen, die diese Stätte zu schätzen - wußten, seine kulturelle und musikgeschichtliche Bedeutung - kannten. Jetzt aber glauben die Wohnungsbehörden, die bisher - Rücksicht übten, diesen stillen Winkel nicht länger schonen - zu können. Wenn aber das Weberhaus für dauernd bewohnbar - gemacht werden sollte, sind Eingriffe in die äußere und innere - Gestaltung unumgänglich nötig, die den historischen Charakter - des Hauses zerstören. - - Der Heimatschutz bemüht sich, im Verein mit dem um die - Erhaltung der Kulturstätte verdienten Besitzer, Herrn Emil - Krahmer, die drohende Gefahr abzuwenden. - - Es erscheint angebracht, auch weitere Kreise für diese - Schaffensstätte des Freischütz-Komponisten Carl Maria von - Weber zu interessieren, was durch die nachfolgende Schilderung - geschehen soll. - - Die Schriftleitung. - -An der Dresdner Straße in Hosterwitz, in beinahe unmittelbarer Nähe des -Pillnitzer Idylls, liegt Carl Maria von Webers Sommerhaus. - -Hundert Jahre lang hat ein guter Stern über seiner Unversehrtheit -gewacht. Kaum daß es jemand wußte. Zwar Webers Möbel stehen nicht mehr -darin. Irgendwer hat später dem hinteren Fachwerkgiebel eine hölzerne -Veranda vorgebaut, die aber das Ganze nicht stört und die heute schon -wieder alt geworden und von der Zeit in die Stimmung des Winkels -einbezogen worden ist. Aber sonst ist es noch ganz und gar Webers -Haus geblieben -- man meint, die Blumen, die da blühen, habe schon -er gestreift, wenn er kam und seine Frau Caroline in der Laube ihm -entgegensah. Und die stillwachsenden Bäume haben das Häuschen nur noch -tiefer in friedevolles Grün gehüllt. - - * * * * * - -Es ist eigentlich kaum ein Wunder, daß die hundert Jahre das Häuschen -nicht antasteten. Die nahe Stadt wuchs sich nach anderen Richtungen aus -und ließ diesen Winkel unberührt. Und daß sonst niemand ein Aufhebens -von diesem Eckchen machte, gereichte ihm zum Schutz vor absichtsvollen -Aufmerksamkeiten, die vielleicht gerade das zerstört hätten, was nun so -reizend daran ist: seine Unberührtheit. - -Wir schätzen heute solches Erbe bewußter. Aber sofort zwingen uns -auch die schärfer zugreifenden Bedrohungen dazu, uns schützend vor -das ideelle Gut zu stellen, das uns gelassenere Zeiten hinterließen. -Denn während es bisher gut für das Häuschen war, daß es unbeachtet -blieb, müssen wir heute gerade umgekehrt aller Augen darauf hinlenken -und sagen: dieses kleine Haus ist ein Schatz, den ihr alle kennen und -schützen und erhalten helfen müßt! - - * * * * * - -[Illustration: Abb. 1 =Hosterwitz, gemalt von Professor C. A. Günther -um 1820= - -(Aus dem Dresdner Stadtmuseum)] - -Als Weber, königlich sächsischer Kapellmeister und Musikdirektor der -eben erst geschaffenen deutschen Oper in Dresden, dieses Häuschen -fand, erfüllte sich ein längst gehegter Wunsch. Schon lange spähten -er und seine junge Frau nach einem »Sommernest« aus, das im Sinne der -damaligen Zeit anspruchslos sein, aber nicht zu weit ab von der Stadt -liegen sollte. Dieses kleine Haus, das dem Hosterwitzer Winzer Felsner -gehörte, entsprach allen Wünschen. Unverdrossen wanderte nun Weber -immer wieder von Dresden nach Hosterwitz und zurück, um das Ausmaß -irgend eines Raumes zu holen, das Caroline zum Plane der Einrichtung -brauchte. Und nachdem er sich so und so oft diesen Weg »entlang -komponiert« hatte, bezog das Paar glückstrahlend am 18. Juni 1818 das -erste Stockwerk des Häuschens, das ihm zum Sommerparadies wurde. - -Wir fahren heute in fünfzig Minuten mit der Straßenbahn von Dresden -nach Hosterwitz. Damals kostete das einen strammen Fußmarsch. Und man -kann sich eine Vorstellung von dem festlichen Umstande machen, den -alljährlich die Übersiedlung in die Sommerresidenz verursachte, wenn -man der launigen Schilderung gedenkt, die Wilhelm von Kügelgen in -seinen Jugenderinnerungen eines alten Mannes von der Badereise seiner -Mutter von Dresden nach Lotzdorf bei Radeberg gibt: »Unser dottergelber -Reisewagen ward nun hochbepackt mit allem Nötigen, mit Koffern, Waschen -und darüber hingeschnallten Bettsäcken, vier Pferde wurden vorgelegt -und die ungeheure Maschine setzte sich in Bewegung.« - -Auch Weber reiste mit einer solchen »Maschine«. Und später schaffte -er sich, um den häufig nötigen Fußmarsch zu ersparen, auch eine -Equipage an und versteifte sich darauf, selbst zu kutschieren, wobei er -freilich übel debütierte und nach der dritten Fahrt kleinlaut zu Fuß -in Hosterwitz ankam, während ein Bursche Tier und Wagen nachführte. Er -besaß aber später stets zwei Pferde, Reise- und Stadtwagen und eine -nach damaliger Sitte reich in Rot und Gold dekorierte Droschke. Und -es war eine seiner kleinen Eitelkeiten, daß man seine Equipage zu den -elegantesten der Stadt zählte. - - * * * * * - -Hosterwitz lag damals wirklich weit ab von der Stadt, und die Reise -dahin war schon ein Ereignis in einer Zeit, in der das Linckesche -Bad an der Elbe und Findlaters Weinberg hinter der heutigen Saloppe -die Ausflugsziele der Dresdner waren. Das hübsche Aquarell Professor -Günthers aus dem Jahre 1820 im Dresdner Stadtmuseum gibt eine -deutliche Vorstellung davon, wie ländlich und abgeschieden das -kleine Dorf am Fuße der Rebenberge lag. August Schumanns Staats-, -Post- und Zeitungs-Lexikon berichtet in dem 1817 erschienenen Bande, -daß Hosterwitz nur 21 Häuser und 113 Einwohner zählt, und fügt im -Ergänzungsbande von 1830 hinzu: »Hosterwitz liegt in und vor dem -Keppgrunde, unstreitig in einer der reizendsten Gegenden Sachsens, -welche wir selbst jenen von Pillnitz und Loschwitz noch vorziehen -möchten, da hier die ansehnlichen Berge fast jeder Art von Bekleidung, -nicht das Einerlei der ununterbrochenen Weinpflanzungen zeigen; auch -haben die hiesigen und poyritzer Wiesen einen auffallend üppigen -Charakter.« - - * * * * * - -In dieser friedlichen Landschaft lag nun Webers Sommerparadies, in -dem er Ruhe, Erholung von den ewigen Kämpfen mit seinen Dresdner -Widersachern und erfrischende Anregungen zum Schaffen fand. - -Die Ströme, die aus dieser Umgebung in seine Arbeit hinüberfließen, -pulsen immer. Die Kantate, der er den Titel »Natur und Liebe« gab, -spiegelt ja geradezu im Duett »Holde, zaubrisch-schöne Hügel« -die Lieblichkeit des Elbtales musikalisch wieder. Die anmutige -»Aufforderung zum Tanz«, die schönsten Partien des Freischütz, der -Euryanthe, des Oberon und viele kleinere, nicht minder köstliche Werke -entstanden auf den Spaziergängen um Hosterwitz und sind in diesem -kleinen Hause niedergeschrieben worden. - -Alle seine Schöpfungen kristallisierten sich so: eine musikalische Idee -blitzte auf wie ein Stern in der Nacht, tagelang reifte sie sich aus -bis zur letzten Note, und im Geiste gestaltet existierte sie längst, -ehe noch eine einzige Note auf dem Papier stand. Oft überraschte er -seine Freunde mit dem Vorspiel einer Komposition, die nur in seinem -Kopfe, dort aber unverlöschbar fixiert war -- in seinen Notizen findet -sich wiederholt lange vor der Niederschrift eines Musikstückes die -Bemerkung, daß er dies oder jenes »fertig gedacht« habe. - -Kleinigkeiten wurden zu Anlässen seiner Schöpfungen. Ein Klarinettist -seiner Kapelle begleitete ihn einst auf einem Spaziergange nach dem -Linckeschen Bad. Weber schritt stumm vor sich hin. Es regnete. In der -Gartenwirtschaft hatten die Kellner Tische und Stühle, meist mit den -Beinen nach oben, in Gruppen zusammengesetzt. Beim Anblick dieser in -Reihen und Intervallen starrenden Tisch- und Stuhlbeine blieb Weber -plötzlich stehen, lehnte sich rückwärts auf seinen Stock und rief: -»Sehen Sie, Roth, sieht das nicht aus wie ein großer Siegesmarsch? -Donnerwetter, was sind das für Trompetenstöße!« -- abends notierte er -den fertig gedachten Marsch, der später im Oberon erklang. - -Während eines schläfrigen Nachmittagsgottesdienstes in der Pillnitzer -Kapelle hörte er das unerträglich falsche Intonieren einiger alter -Weiber bei den Responsorien einer Litanei -- aus diesem Eindruck -entstand der Lachchor der Bauern im ersten Freischützakt. - -Auf einer Fahrt nach Hosterwitz an einem Nebelmorgen wankte der Wagen -durch das graue, gespenstige Gewoge -- in dieser Stimmung schuf, -»dachte« er die Wolfsschluchtmusik. - - * * * * * - -Als schöpferische Offenbarungen strömten ihm auf diesen Gängen rund um -Hosterwitz die Ideen zu. Und in diesem Häuschen schrieb er sie nieder. -In jenem kleinen Zimmer, in das die sommerlichen Baumkuppeln der -Pillnitzer Maillebahn und die in wogenden Linien ziehenden blauen Hügel -hereinblicken, arbeitete er. In lauen Sommernächten saß er an diesem -Fenster und schrieb in fehlerlosen Partituren von den Flötenstimmen -bis zum Baß vollständig mit allen Zeichen, Pausen, Pianos, Fortes in -perliger Notenschrift, wie in Kupfer gestochen nieder, was in seinem -Kopfe »fertig gedacht« und unvertilgbar stand. Und sein Sohn Max, sein -treuer Biograph, läßt uns die frohe Feier dieser Arbeitsstunden ahnen: -»Kein Piano wurde dabei angeschlagen, das volle Orchester, von guten -Geistern gespielt, klang ja von selbst in seinen Ohren, während er -seine zierlichen Musikschriftzeichen malte.« - -Manchmal, vom Glück des Schaffens durchströmt, von jenem göttlichen -Fieber erregt, das noch über das vollendete Werk hinaus nach Ausbruch -drängt, trat er, nachdem er einen Nachmittag lang gearbeitet hatte, -dann aus dem kühlen Hause hinaus in den Garten. Düfte strömten und die -Sonne leuchtete über allem. Er schritt über den knirschenden Sand der -Laube zu, in der seine Gattin nähte und stickte, warf die lange, graue -Arbeitsjacke von sich, reckte die Arme und rief: »Möcht’ doch den Kerl -sehen, der glücklicher ist als ich!« Und dieser Schöpfer und Kämpfer, -der kein Duckmäuser und kein sentimentaler Träumer war, der Wein und -volle Tische liebte, der mit adligen Kammerherren und bäurischen -Hüfnern in der Keppgrundschänke Kegel schob und der dem Leben seine -Kraft verschwendend hinwarf, fügte solchen Glücksausbrüchen still hinzu -»Gott behüts« und lüftete sein schwarzes Käppchen. - - * * * * * - -Hosterwitz schenkte ihm schöpferische Kräfte -- Hosterwitz schenkte ihm -Ruhe nach der unerhörten Anspannung im Winter in der Stadt. - -In diesem bescheidenen Hause verlebte er eine Reihe glücklicher Sommer -und er war froh und heiter im Genusse der einfachen Freuden, die das -ländliche Idyll bot. Er streifte mit Carolinen durch Täler und Wälder, -tafelte mit Freunden in der wasserumrauschten Keppmühle Landbrot und -Ziegenkäse, spielte stundenlang mit seinem Jungen, seinem Hunde, seiner -Katze, seinem Kapuzineräffchen, lag im Grase, ließ sich die Sonne auf -den Rücken scheinen und streckte, wie er seinem Freunde Lichtenstein -einmal schrieb, vergnügt »alle Viere von sich«. Er mühte sich ab, aus -Bindfaden und Gurten ein Geschirr für den Hund zu bauen, der Sohn, -Katze und Affen spazieren fahren mußte. Und er war glücklich, wenn -alles um ihn her jachterte und purzelte. - -Immer stand das kleine gastfreie Haus für Freunde offen. Und Weber -war stolz, wenn für die Gäste, die nur »ländliche Milch und süße -Früchte« erhofften, aus der Küche Carolinens wie durch ein Wunder -Eis, Moselwein, Champagner und allerhand treffliche Labe, nach -eines Freundes Ausdruck »in sächsischer und österreichischer Weise -kulinarisch gedichtet,« hervorquoll und sich auf Tisch und Rasen ergoß. - -Ludwig Tieck war oft unter diesen Freunden. Und lange Zeit kam auch -Jean Paul aus seinem Dresdner »Lenzhäuschen« nach Hosterwitz gewandert. -Er kam, wie Webers Biograph ihn schildert: dick, immer ein wenig -unsauber, stets von einem schnaubenden Pudel begleitet, ein alter Herr, -der mit einer etwas geschraubten Jugendlichkeit kokettierte und der so -gar nicht mit seinen poetischen Schöpfungen harmonierte. - - * * * * * - -[Illustration: Abb. 2 =Das Weberhaus, an der Straße die beiden -prächtigen Nußbäume=] - -[Illustration: Abb. 3 =Der einzigartige Blumengarten des Weberhauses=] - -»Oh Hosterwitz, oh Ruhe! Ruhe!« Das schrieb Weber einmal in einem -Briefe. Aber Ruhe nannte er es auch damals noch: die Euryanthe -schreiben; Ruhe nannte er: in vierundzwanzig Tagen drei Singspiele und -eine Oper einstudieren, zu jeder Probe drei Meilen zurücklegen und -außerdem in hundert Tagen noch achtunddreißigmal Dienst in Kirche und -Theater tun. - -»In dieser Zeit,« schreibt sein Sohn, »sahen Caroline und der damals -auch in Hosterwitz wohnende (Freund und Schüler) Benedikt oft schon -früh vor sechs Uhr, wenn sie in die Laube im Garten traten, wo -gewöhnlich das gemeinschaftliche Frühstück eingenommen wurde, am -offenen Fenster seines Arbeitszimmers das bleiche Haupt des Meisters -über das Notenpapier gebeugt, oder ihn vom kurzen Morgenspaziergange -heimkehren. An allen Tagen, die ihm sein Dienst frei ließ, arbeitete er -sechs bis acht Stunden unablässig an der Oper und gönnte der gepreßten -Brust nur selten, bei langsamen Wanderungen am Elbufer oder durch ein -Waldtal die Erquickung tiefer Atemzüge balsamischer Luft. Mehr als -einmal rief er, aus dem heißen Arbeitszimmer in den Garten tretend und -die Arme ausdehnend aus: ›Ich wollte, ich wär ein Schuster und hätte -meinen Sonntag und wüßte nicht Gix noch Gax von ~C~-Dur und ~C~-Moll!‹« - -Unablässige Arbeit schwächte seine ohnehin kränkelnde Brust. »Ich huste -und faulenze,« antwortete er ingrimmig den Freunden, die nach seinem -Ergehen fragten. Die Symptome der Müdigkeit häuften sich, seine Kräfte, -flackrig geworden, verzehrten sich in tätiger Hast. - -Ein Jahr darauf, 1823, fühlte er sich zu matt für den der Entfernung -wegen beschwerlichen Aufenthalt in Hosterwitz, der ihm -- ein -tragischer Widerspruch -- gerade damals so not tat. Und doch rang er -sich in dieser Zeit den Oberon ab! »Dieses Leben und musikalische -Licht und diese tongewordene Heiterkeit und Frische schrieb ein -kranker, gebeugter und verdrossener Mann, den trockner Husten Tag -und Nacht quälte, der, in Pelze gehüllt, die geschwollenen Füße in -Sammetstiefeln, am Schreibtische saß und im stark geheizten Zimmer -fror.« - -In diesen letzten Schöpferstunden umgeisterten ihn schon Todesgedanken. -Sie trieben ihn in Sorgen um das Wohl seiner Familie. Um für sie zu -sorgen, bestand er auf der verhängnisvollen Londoner Reise. »Ich -erwerbe in England ein gut Stück Geld, das bin ich meiner Familie -schuldig,« sagte er zu einem Freunde, »aber ich weiß sehr gut -- ich -gehe nach London, um da zu sterben -- still, ich weiß es.« - - * * * * * - -Am 7. Februar 1826 trat er die Reise an. In Pelze gehüllt stieg -er in den Reisewagen. Und während er in den dunklen Wintermorgen -hinausrollte, sank seine Frau in ihrem Zimmer zusammen und schluchzte -ahnungsvoll: »Ich habe seinen Sarg zuschlagen hören!« - -Dreiundfünfzig Briefe flatterten noch nach Hosterwitz. Und dem -grünumbuschten Frieden des stillen Häuschens galt seine Sehnsucht aus -der Ferne: »Ich habe wohl schon genug -- vielleicht -- in Dresden gewiß -schon zu viel getan und will mich in Hosterwitz recht strecken und -pflegen.« - -Er kam nicht wieder. - -[Illustration: Abb. 4 =Ausblick aus Webers Arbeitszimmer in den Garten -und nach der Elbe=] - -Am 5. Juni 1826, acht Wochen nach der Uraufführung des Oberon in -London, schloß der vierzigjährige Schöpfer die Augen. Und als er -in London schon aufgebahrt lag, ließ eine Freundin, Charlotte von -Hanmann, ihren Wagen am Dorfeingange halten und brachte der Frau in -Hosterwitz die Todesbotschaft, über der die Verlassene mit einem Schrei -zusammenbrach. - - * * * * * - -Ein Jahrhundert ist seitdem durch den friedsamen Garten, durch die -kleinen Räume des schlichten Hauses gegangen. - -Der Zauber einer holden Verschollenheit liegt darüber gebreitet. Ich -sah das Idyll im seligen Glast eines Hochsommertages um die Stunde, -da Pan schläft -- vor den Fenstern des treuen Bewahrers, des alten -Krahmer, standen Kornpuppen mit einer Krone schwergebogener Halme. Und -ich sah es wieder im milden Riesellichte der Septembersonne -- über -Haus und Garten spann sich ein scheidender Abglanz der Glückstage, -deren sich Haus, Garten, Laube heimlich zu entsinnen scheinen. - - * * * * * - -Dem Kommenden guckt das Häuschen mit gemütlichen Fenstern entgegen -- -es blinzt gleichsam vertraulich und wartend durch den Zaun, der das -benachbarte Feld einhegt. - -Dann aber wehrt eine alte Steinmauer die Neugier ab -- es ist ein -Winkel für Vertraute. Zwei alte Nußbäume überschatten locker belaubt -das grüne Holztor zwischen den Torsäulen mit den Steinkugeln obendrauf. - -Der Grundriß des Hauses hat die Gestalt eines längs zur Straße gelegten -lateinischen ~T~. Das ergibt drei Giebel, von denen einer der Straße, -der andere der hinter Dorf und Bäumen verborgenen Elbe zugekehrt ist, -während der dritte in den blühenden Garten blickt. Um diesen Giebel -knirschte Carolinens Schritt, wenn sie kam, den Heimkehrenden zu -empfangen, der ihr durch das Gitter des grünen Tores entgegenlachte. - -Innen ist der alten Mauer, dem Tor zur Seite, ein schmaler, steinerner -Sitz eingefügt. Er sieht einer Konsole ähnlicher als einer Bank. Eine -Clematisranke zieht einen Bogen darüber. Diese hübsche Kleinigkeit -mutet an wie eine zierliche Titelvignette. - -Rundum blüht es. Ein bunter Fries von Astern und Balsaminen umzieht den -Sockel des Hauses. Vor dem blaugrauen Giebel blühen hochstämmige Rosen, -Oleander, Astern, Geranien im Buchsbaumrondell. Sogar um die alte Pumpe -in ihrem Holzgehäuse mit spitzem, rotem Dach, die zu Webers Zeiten auch -schon dastand, blüht ein Kranz bunter Topfblumen: Geranien, fleißiges -Lieschen, blaßblaue, hängende Glockenblumen. - -Dahinter, in dichtes Grün gehüllt, versteckt sich die Laube, in der -Caroline mit ihrer Näharbeit saß, wenn er oben am Freischütz schrieb. -Der Efeu hat die Laube dicht umwuchert. Über das hohe, spitze Dach -wächst er noch hinaus und krönt den Laubengiebel mit einem üppigen -Blätterschopf. Drinnen -- drei Steinstufen führen hinein -- ist es -kühl. Die weiße Decke ruht auf kornblumenblauen Wänden. Weißes, -bäuerlich gemütliches Gestühl steht drin. Durch die zwei Fenster -der Rückwand blickt man aus der blauen Kühle hinaus in durchsonntes -Gartengrün. - -Und draußen im Licht, im Sonnenschein, von den Efeugardinen der Laube -umrahmt, liegt das Haus, hell, heiter und glücklich. - -[Illustration: Abb. 5 =Großes Eckzimmer im Obergeschoß=] - -Wein rankt an Spalieren an den Wänden herauf. Blaue Winden blühen -zwischen den Reben. Diese Blumentrichter, in deren zartweiße -Tiefe violette Saftmale hinabführen, wirken zwischen den -flachgeschichteten, silbern überreiften Weinblättern köstlich. Sie -erinnern an Becherschalen von hauchdünnem Porzellan. Und die -grünen Fensterläden mit den schräggestellten Jalousiebrettchen, die -vor den weißgestrichenen Fenstern in das silbergrüne Weingerank -zurückgeschlagen sind, vollenden den sommerlich heiteren Eindruck, -den das Ganze macht. Es sieht aus, als lupfe das Haus lauter kleine -grüne Flügel und schicke sich an, vor Vergnügen am eignen Dasein mal -ein bißchen über den Garten hinzufliegen. Und das ziegelbewimperte -Fensterauge im altersbraunen Dach zwinkert: ja, los -- mal übern Garten -hin! - -[Illustration: Abb. 6 =Treppenflur des ersten Obergeschosses=] - - * * * * * - -Der Garten. Er ist gar nicht groß und scheint doch unabsehbar, weil -Buschwerk und Hecken seine Grenzen verhüllen, weil man über die Bäume -hin und zwischendurch in benachbarte Obstbaumwiesen und Gärtenwildnis -guckt und weil die gradlinigen Wege das Gartenstück so geschickt -aufteilen, daß sich ein Eindruck von Größe ergibt. - -Da durchschneidet ein Weinlaubengang von der Haustür aus den Garten -der Breite nach. Sonnenlicht rieselt hindurch und mustert den sauber -geharkten Weg mit einem Schattengitter. Der Gang ist kaum zehn Schritte -lang. Hinten schließt eine lockere, wandartig verschnittene Buchenhecke -den Durchblick ab, sonniger Rasen schimmert hindurch -- der Gang -scheint in eine grüne Wirrnis zu führen, die gar kein Ende nimmt. - -Man tritt aus dem Gang heraus und steht vor einer anderen Laube, die -mit ihren gelben Wänden ganz sonnig wirkt. Wilder Wein streckt wippende -Ranken herein -- eben hissen seine Blätter die köstlichen Likörfarben -des Herbstes. - -Vor der Laube beschattet eine stattliche Linde einen kleinen Platz. -Eine weiße Bank steht darunter. Und nahe dabei, im schützenden -Hauswinkel, trägt ein Feigenstrauch sogar Früchte -- Weinstock und -Feigenstrauch: es ist eine beinahe biblische Symbolik häuslichen Glücks. - -In einem anderen Winkel des Gartens macht der Weg eine kleine kokette -Biegung -- man steht vor einem Gitterpförtchen in der Mauer, tief -unter einer hohen, fächerleicht entfalteten Akazie und hinter dichtem -Gesträuch heimlich verborgen. Draußen läuft ein schmales Gäßchen -zwischen Gemäuern vorbei -- und das wieder ist ganz das Szenarium einer -Liebesgeschichte. - -Und man guckt in den Garten zurück. - -Was da alles auf kleinstem Raum wächst, blüht, reift! Obstbäume stehen -im Rasen. Dahinter die Weinlaube. Und rundum blüht es: goldgelbe -Röderblumen und fleischigrote Begonien, Astern und Phlox, Nelken und -Balsaminen. Es ist eine Fülle. - - * * * * * - -Und über all das hinweg, in das Blühen und Wachsen hinein guckt mit -allen Fenstern das Haus. - -Man betritt den kühlen, anheimelnden Flur -- dabei kann man der Lockung -nicht widerstehen und zupft beim Eintreten mal an dem Klingelzug, -worauf der Flur von altväterischem Gebimmel widerhallt. - -[Illustration: Abb. 7 =Die Weberlaube= - - »Diese Laube alt und klein, - Soll allen Zeiten befohlen sein, - Weil hier ein heiliger Quell’ entsprang - Freischütz, der Ewigkeitsgesang.« - - _Ernst von Wildenbruch_ -] - -Unten wohnt der biedere alte Krahmer, der Eigentümer dieses -Schatzkästchens -- er wohnt sozusagen in seinem Augapfel, denn wie -einen solchen hütet er das Haus. Und nächst ihm verdanken wir den -sorgsam und pietätvoll gepflegten Zustand des Ganzen dem Maler Heinrich -Hübner, der hier seit Jahren allsommerlich bis tief in den Herbst -- -dann wird dieses Sommerhäuschen alt und feucht und unwirtlich -- sein -steinernes Berlin vergißt und künstlerisch von diesem Haus und diesem -Garten und der Landschaft ringsum lebt. Er hat Vieles hinzugetragen, -was -- ich möchte sagen: seelisch zu der vorhandenen Einrichtung der -Räume wenn auch nicht aus Webers Besitz, so doch aus der Weber-Zeit -stimmt. - - * * * * * - -Webers Zimmer liegen oben im ersten Stockwerk. Eine gewundene -Steintreppe führt hinauf. - -Im Giebelzimmer, in das von drei Seiten Garten, Bäume und Berge -hereingrüßen, wohnte das gastfreie Ehepaar. - -Der Raum mit dem behäbigen, runden Tisch, den behaglichen -Polsterstühlen und den edel schlichten Kirschbaummöbeln macht den -Eindruck, als würde Caroline jeden Augenblick wieder eintreten und mit -der Stimme der beliebten Bühnensängerin von einst sagen: Weber kommt -- -ich bitte die Herren um ein Weilchen Geduld. - -Aber nur seine Totenmaske blickt drüben im kleinen Arbeitszimmer dem -Besucher entgegen. Sie ist kostbarer Familienbesitz und war nur da, -weil der Maler Hübner das geistvoll feine Antlitz zeichnete. Alle -Weberbildnisse aus der Lebzeit des Meisters erblinden vor diesem -Abdruck des eben Verstummten -- der letzte Hauch des entschwundenen -Lebens durchdrang -- so scheint es -- die formende Masse und belebte -sie. Er gab ihr den aus seelischen Tiefen kommenden Blick der Pupillen, -der die schon geschlossenen Lider noch ein letztes Mal durchdringt, der -im Wissen um das Letzte noch einmal ins Leben zurückblickt. Und gab -der feingeformten Nase ein letztes nervöses Atmen, ein Veratmen. Und -ein letztes, unausgesprochenes Sprechen dem energisch und doch mild -geschwungenen Munde. - -Ich neigte die Maske ein wenig nach vorn -- um diesen Mund erschien -ein feines, heimliches Lächeln, ein verstehender, stummer Spott aus -dem Schattenreiche der Toten, die um die Irrtümer der Lebenden wissen -und deren Eifer belächeln -- das Beste, das Letzte haben sie immer mit -hinübergenommen. - -Das Antlitz lächelte voller Geheimnisse. Und durch das offene Fenster, -aus dem blühenden Garten, weiter her, von den fernen Duftbergen im -Abendlicht, aus dem Endlosen des perlmutterfarbenen Himmels drang -lautlos, verhallend, riesengroß vom Himmel niederflüsternd, aus -Freischützklängen geisterhaft ins Unendliche verklingend: - - Schau der Herr mich an als König! - Dünkt Ihm meine Macht zu wenig? - Gleich zieh Er den Hut, Mosje ... - -Und darüber hin, schattenhaft groß, als lautloser Zwieklang der -Lachgesang: - - Hehehehehehehehehehe! - Hehehehehehehehehehe! - -Im Weinlaub raschelte leises Frösteln. - - * * * * * - -Um mich stand still und schlicht das Zimmer, in dem der Tote dort den -Freischütz und die Euryanthe und den Oberon geschrieben hat. - -Ich trat ans Fenster, an dem er saß, an sommerlichen Tagen, in bleichen -Nächten, über das Notenpapier gebeugt. - -Unten, zum Greifen nahe, blühte der Garten im Herbstlicht, im -Abendschimmer. Heiterkeit flog vogelgleich drüberhin -- drüberhin. - -Und es schien mir gut so, daß dieser lächelnde Garten den Schrei nicht -gehört hat, mit dem Caroline die Todesbotschaft empfing -- die Frau, -die schon Witwe war, ehe sie es wußte, eilte ahnungsvoll hinaus auf die -Straße, der Botin entgegen, als sie das Rollen des Wagens vernahm und -ihn an ungewohnter Stelle halten sah. Dort brach sie zusammen und dort -zerschnitt der Schrei die Luft. - -Der Garten lächelte in friedlicher Glücksruhe fort. - - * * * * * - -Vom Fenster her sah ich hinüber nach dem Antlitz des Toten, dessen -Arbeitsstätte dieses kleine Zimmer war. - -Der Zwieklang des Notengelächters in der Luft war verstummt. Und auf -den mageren Wangen dieses Gesichts lag ein verzitterndes Mitfühlen -des Schmerzes, den er zurückließ, und der für eine geliebte Frau der -Abschied von den Heiterkeiten des Lebens war, die einmal diese Räume, -diesen Garten durchklungen und deren milder Widerschein allsommerlich -in den unschuldigen Blumen des Gartens erblüht. - - - - -Wissenschaft und Vogelschutz - - -Auf meine wenigen Zeilen über »Vogelschutz von seiten eines -Forschers«[3] sendet Herr Schriftsteller R. Zimmermann an den -Herausgeber der Mitteilungen eine Erwiderung, die ich insofern begrüße, -als sie mir Gelegenheit gibt, auf die Frage etwas näher einzugehen. -Zunächst lasse ich Herrn Zimmermann das Wort; er schreibt: - - »_Vogelschutz von seiten eines Forschers!_« Unter diesem - Stichwort übt im letzten Heft der Heimatschutz-Mitteilungen - Herr B. Hffm. eine scharfe Kritik an einer Arbeit des Ungarn - Csiki »Positive Daten über die Nahrung unserer Vögel« in der - »Aquila«, der Zeitschrift des Ungarischen Ornithologischen - Instituts. Bei aller Hochachtung und Verehrung, die ich für - den Verfasser der Kritik, mit dem ich mich ja sonst eines - Herzens und eines Sinnes weiß, empfinde[4], kann ich um des - Ansehens einer wissenschaftlichen Anstalt wegen, der gerade - auch die deutsche vogelkundliche Forschung reiche Anregungen, - der deutsche Forscher aber durch uneigennützigste Überweisung - wertvoller Veröffentlichungen u. v. a. m. nicht hoch genug - einzuschätzende Unterstützungen verdanken, und die vor allem - jederzeit auch zielbewußt für einen ganz entschiedenen Vogel- - und Naturschutz eingetreten ist und gerade auf diesem Gebiete - viel mustergültiges und vorbildliches geleistet hat -- wer - wohl hat es schon einmal bei uns versucht, die Bedingungen - festzustellen, unter denen man die so nützlichen Fledermäuse - neu ansiedeln und vermehren kann? -- nicht unwidersprochen - lassen. Ich bin mehrfach Gast des Ungarischen Ornithologischen - Instituts gewesen, 1911 bereits, als Otto Hermann noch ihr - Leiter war -- ich habe selten einen Menschen kennen gelernt, - der eine so große Hochachtung einflößte, wie diese prächtige, - im Wesen jugendfrische Greisengestalt! -- und später wieder - während des Krieges, als mich in feldgrüner Schützenuniform - der Weg einigemal über Budapest führte. Und ich zähle heute - die Stunden, die ich in anregendstem Gedankenaustausch gerade - auch über Vogelschutzfragen mit ihren Mitgliedern verleben - konnte, zu meinen schönsten ornithologischen Erinnerungen, und - bin dabei überzeugt, daß keiner der Herren, mit denen ich dort - zusammengetroffen bin, jemals die Hand zu Maßnahmen bieten - würde, die den Forschungen des Vogelschutzes zuwiderlaufen - würden. -- Die Elster ist in Ungarn ein ganz gemeiner Vogel - und stellenweise viel häufiger, als es bei uns manchenorts - die Krähen sind, sie tritt auch wohl überall stark schädigend - auf -- in Hermannstadt konnte ich mich 1911 wiederholt - selbst davon überzeugen, wie stark sie oft die Bruten der - Kleinvögel zu zehnten vermag --, und eine Beschränkung ihres - Bestandes gehört daher vielerorts zu den unbedingt gebotenen - Lebensnotwendigkeiten. Ist es nun aber ein Fehler, wenn - dann die abgeschossenen Vögel -- und bei den Untersuchungen - Csikis handelt es sich wohl ausschließlich nur um solche - des Schadens wegen, nicht aber der Untersuchung halber - abgeschossener Vögel, die dann, wie noch so manche andere, - dem Institut regelmäßig zur Untersuchung eingeliefert werden - -- nicht einfach draußen im Felde wertlos verludern läßt, - sondern sie noch wissenschaftlichen Feststellungen dienstbar - macht? Magenuntersuchungen liefern nicht nur wertvolles - Material für die wirtschaftliche Bewertung einer Vogelart -- - hätten wir jemals mit der Kraft und, das darf man wohl sagen, - auch mit dem Erfolg für Mäusebussard und Turmfalk eintreten - können, wenn nicht mehrere tausend Magenuntersuchungen dieser - Vögel, die ohne diese Untersuchungen auch abgeschossen - worden wären, uns ein so laut redendes Material beigebracht - hätten, das allein erst die weitesten Kreise und die Behörden - von dem großen Nutzen dieser beiden Tagraubvögel zwingend - überzeugte? --, sondern sie ermöglichen uns auch noch so viele - andere Einblicke in das Leben eines Tieres und bringen selbst - sogar überaus wertvolles faunistisches Material (Nachweis - einer ausgedehnteren Verbreitung der Nordischen Wühlratte - in Deutschland) bei, daß man nur bedauern kann, daß nur der - kleinste Bruchteil geschossener oder sonst tot aufgefundener - Vögel derartigen Untersuchungen zugeführt wird. - - Rud. Zimmermann. - -Leider kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß in der -vorstehenden Erwiderung die rein persönlichen Beziehungen eine etwas -zu starke Rolle spielen. Ich habe den Wert und die Bedeutung der -Magenuntersuchungen ja selbst hervorgehoben und ebenso die Bemühungen -der Ungarn um den Vogelschutz anerkannt; ich weiß ferner aus eigner -Beobachtung, daß die Elster in Ungarn häufiger ist als bei uns. -Doch kann ich auch heute meine Bedenken nicht unterdrücken, daß die -351 Elstern nicht bloß ihres Schadens wegen, sondern auch um der -Untersuchungen willen abgeschossen worden sind. Die meisten dürften -doch wohl aus der näheren oder ferneren Umgebung des Instituts stammen, -und da ist die Zahl 351 doch schon gewaltig hoch. Aber ich will der -Kürze halber zugeben, daß in dem vorliegenden Falle die Tatsachen -etwas gegen meine Auffassung sprechen. Ich habe den Fall nur an die -Öffentlichkeit gebracht, weil es der mir zuletzt bekanntgewordene -war und weil ich die Frage einmal anschneiden wollte, die viel -wichtiger ist, als aus meinen kurzen Zeilen hervorgeht. Ich nehme, -um dies darzulegen, bezug auf die Bemerkung Zimmermanns betr. des -Mäusebussards. Auch hierzu muß ich ein großes Fragezeichen setzen, -sofern es mir höchst unwahrscheinlich vorkommt, daß die allein von -Röhrig untersuchten 1210 (!) Mäusebussarde »ohne diese Untersuchungen -auch abgeschossen worden wären.« Daneben hat Röhrig noch bei 376 (!) -Rauchfußbussarden den Mageninhalt festgestellt, während ein paar Jahre -darauf Greschik wiederum 125 Rauchfußbussard-Magen lediglich des -Inhalts wegen vorgenommen hat. Bedenkt man, daß gleiche Untersuchungen, -wenn schon in viel geringerem Maße, noch von anderen Seiten ausgeführt -worden sind, so ist klar, daß sie mit zu starken Eingriffen in den -Bestand unsrer Raubvögel verbunden gewesen ist. - -Ich bemerke ferner, daß z. B. Vollhofer allein fast 500 und Pawlas -sogar 600 Magen von Wasseramseln untersucht hat! Aber selbst wenn auch -in diesen Fällen Herr Zimmermann mit seiner von mir oben erwähnten -Bemerkung wenigstens teilweise recht hätte, so kann ich dieses -Zugeständnis doch keinesfalls betreffs der übrigen Singvögel machen. -Man wird sehr staunen, wenn man erfährt, daß Severin seinerzeit 3000 -(!) Magen von insektenfressenden Singvögeln untersucht hat. So ziemlich -um dieselbe Zeit machte Cziki gleiche Beobachtungen an wahrscheinlich -ebenfalls sehr umfassendem Material, darunter z. B. Zaunkönig, -Gartenrotschwänzchen, Grasmücken usw., und wenige Jahre später -untersucht Rey 1075 (!) Magen von kerbtierfressenden Vögeln! Erwägt -man hierbei, daß es sich immer um freilebende, nicht aber um in der -Gefangenschaft gestorbene Vögel handeln kann und daß es außerordentlich -schwer hält, einmal einen einzigen aus natürlichen Ursachen verendeten -Vogel, noch dazu einen kleinen Singvogel, draußen in der Natur -aufzufinden, so wird man zugeben, daß der durch die Magenuntersuchungen -unter der Vogelwelt angerichtete Schaden größer sein dürfte als der -Nutzen, den sie uns und den überlebenden Artgenossen gebracht haben. - -Jedenfalls muß ich hiernach meine starken und ernsten Bedenken -gegen eine _allzu umfangreiche_ Magenuntersuchung unsrer Vögel -aufrechthalten, und zwar um so mehr, als sich auch in andrer Beziehung -ein gewisser Gegensatz zwischen Wissenschaft und Vogelschutz immer -mehr zu entwickeln scheint. Er kommt dadurch zustande, daß jetzt den -Faunisten bzw. Systematikern sehr daran liegt, von den einzelnen -Arten bzw. Unterarten ganze Serien von Exemplaren zu erlangen, um -dadurch etwaige Schwankungen und deren Grenzen, örtliche Abweichungen, -Übergangsformen der einen in die andre Art usw. festzustellen. Daß das -besonders für weniger häufige Arten recht bedenkliche Folgen haben -kann, leuchtet ohne weiteres ein. - -Man muß sich hiernach wohl gefallen lassen -- und Herr Zimmermann wird -mir da sicher zustimmen --, wenn einmal von unbefangener Seite auf -die Schattenseiten der Dinge aus wohlberechtigten Sorgen ernstlich -hingewiesen und im Anschluß daran die Forderung gestellt wird, daß nach -den angeführten Richtungen hin möglichst Maß gehalten werde! - - Prof. ~Dr.~ Bernh. Hoffmann. - - [3] Mitteilungen Heft 4/6, Bd. X, Seite 131 - - [4] Es beruht dies ganz auf Gegenseitigkeit (Anm. von B. Hffm.) - - - - -Kursächsische Streifzüge - - -Ein Ereignis hat sich für den Heimatfreund in diesen Tagen in -aller Stille vollzogen: Der seit langem vergriffen gewesene dritte -Band der Kursächsischen Streifzüge von Oberstudienrat ~Dr.~ _Otto -Eduard Schmidt_: »Aus der alten Mark Meißen« liegt in erweiterter -zweiter Auflage vor. Die durch sechs Kapitel über die Oberlausitz -vermehrte Neuauflage des zweiten Bandes (»Wanderungen in der Ober- -und Nieder-Lausitz«) ist unter der Presse und wird voraussichtlich -noch vor dem Weihnachtsfeste erscheinen. Der fünfte und letzte Band -»Aus dem Erzgebirge« ist im Manuskript fertiggestellt und wird im -Laufe des Jahres 1922 herauskommen. Was uns dieses Werk ist, muß es -noch ausgesprochen werden? Ziehen mit diesen Büchern in der Tasche -nicht schon seit Jahren unsere Jünglinge in den Heimatgauen umher, -freuen sich nicht an dem herrlichen Werke die Alten und atmen nicht -unsere Männer auf des Lebens Höhe, wenn sie es gelesen haben, auf, -wie befreit von einem Druck, der heimlich auf ihnen gelegen? Ich darf -es wohl aussprechen, gerade das Geschlecht unserer Männer von vierzig -und fünfzig Jahren hat den größten Gewinn aus dem Werke gezogen. Denn -wie standen wir Gymnasiasten der achtziger und neunziger Jahre der -Geschichte unseres obersächsischen Stammes gegenüber? In der Zeit -des höchsten völkischen Aufschwungs der deutschen Nation, glückselig -die Früchte des siebziger Krieges schauend, glühend stolz auf unser -Heer und unsere stark heranwachsende Flotte, bewundernd aufschauend -zu dem großen preußischen Führerstaat, mieden wir beinahe verlegen -ein näheres Eingehen auf die Geschichte unserer Heimat. Wohl waren -wir stolz darauf, daß die Heimat es war, die in nächster Beziehung -zur Reformation und ihren Vorkämpfern gestanden, wohl freuten wir uns -der Taten des Wettiners Moritz, des Erstürmers der Ehrenberger Klause -und Meisterers hispanischer Verschlagenheit, aber was dann kam, daran -dachten wir nicht gern. Die zage Unentschlossenheit der sächsischen -Politik im Dreißigjährigen Kriege, die Zeit Augusts des Starken, des -Grafen Brühl und, o Schmach, die Tage der napoleonischen Aera, sie -drückten auf unser Gemüt. Immer und überall Sachsen im Unrecht, auf -Irrwegen zumindest. Und auf unserer Seele brannten die Worte aus dem -Briefe, den der alte Blücher nach der Lütticher Revolte in loderndem -Zorn an den König Friedrich August geschrieben: »Ew. Königl. Majestät -haben einen geachteten deutschen Völkerstamm in das tiefste Unglück -gestürzt. Es kann dahin kommen, daß er allgemein mit Schande bedeckt -wird.« Hatte doch einer der Edelsten des obersächsischen Stammes, -Heinrich von Treitschke, in Grimm und Zorn aus verzweifelnder Liebe -zur Heimat heraus ein geradezu verdammendes Urteil gefunden über die -Politik der sächsischen Fürsten und ihrer Ratgeber. An das »~audiatur -et altera pars~« dachten wir gar nicht. - -Da, Jahrzehnte später auf einmal eine Stimme, die Stimme auch eines -sächsischen Gelehrten: »Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß -Heinrich von Treitschke, einer der begabtesten und edelsten Söhne -des sächsischen Stammes, diesem durch die pessimistische Auffassung -seiner Geschichte in den Augen der übrigen Deutschen, besonders aber -der preußischen Nachbarn, furchtbar geschadet hat.« Ein freundlicher -Zufall hatte mich gerade dies Kapitel der Kursächsischen Streifzüge, -denn in ihnen erscholl das mutige Wort, zuerst aufschlagen lassen, und -nun ließ mich das Buch nicht mehr los. Ich las und las, und immer war -mir’s, als müßte ich im Geiste die Hand des Mannes drücken, der unser -Geschlecht so tapfer darauf hinwies, daß es sich nicht zu schämen -brauche auf seinem Posten im Kranze der deutschen Stämme. Frei und -froh ward mir zumute; ich hab’ fortan die falsche Scham abgelegt, die -mich faßte, dachte ich an die Tage von 1813, da der alternde König zur -Verzweiflung der Mehrzahl der gebildeten Sachsen ins Joch Bonapartes -zurückgezwungen ward. Ich weiß heute mit ruhigem Stolz, daß auch -mein Heimatland zur großen allgemeinen Sache der Befreiung das Seine -beitrug -- mehr vielleicht, als andere deutsche Stämme und ohne den -Siegerlorbeer um die Stirne. Ich weiß, daß Sachsen im Jahre 1813 für -ganz Deutschland, ja für Europa Schlachtfeld, Lazarett und Kirchhof -war, und daß unter den sächsischen Edelleuten und gebildeten Bürgern -zum überwiegenden Teil ein ebenso kerndeutsches Wesen beheimatet war -als im ruhmgekrönten Lande der Erhebung. -- So ist Otto Eduard Schmidt -ein Wohltäter geworden nun auch für unsere Jugend, die heute wohl -überall im Lande einen anderen Geschichtsvortrag hören wird, als er zu -unserer Zeit üblich war. Heimatschutz -- wir wissen es alle, welche -Fülle von Aufgaben in diesem Wort sich zusammendrängt. Die edelste Art -des Heimatschutzes hat der Verfasser dieser fünf bedeutenden Bände -geübt: den Schutz der Heimat vor Verkennung und Verleumdung. - -Nicht allen Menschen ist der Sinn für die Weltgeschichte verliehen, -aber Anregung edelster Art findet jeder seelisch Erwärmte in den -Streifzügen noch auf vielen anderen Gebieten. Da zieht sich wie ein -goldner Faden durch das Werk die Geschichte der Baukunst unserer -Heimat! Vor unserem Auge tauchen sie auf, die großen alten Baumeister -der Renaissance, dieses gewaltigen Höhepunkts vaterländischer Kultur, -die Hieronymus Lotter, Hans Irmischer, Konrad Krebs. Mit der Sicherheit -des erfahrenen Kunstgelehrten führt uns O. E. Schmidt durch den -Burgpallas aus dem Mittelalter, durch die Ratsstuben der Zeit Vater -Augusts, durch die behäbigen Bürgerbauten des achtzehnten Jahrhunderts. -Aber auch das bescheidene Bauernhaus im Spreewald, der vordem ja altes -kursächsisches Gebiet war, ist unserem Führer noch beachtlich, und -so lehrt er dich umherblicken im Lande, lehrt er dich werten, was -dir geblieben und danach trachten, es zu erhalten und zu schützen an -deinem Teil. Mit Fug und Recht kann das Werk von sich sagen, daß es die -Heimatbewegung erwecken half. - -Ja, zur Landschaftsbetrachtung regt der Verfasser an, wie nicht gleich -ein zweiter. Unlöslich ist sie ja bei ihm mit der Versenkung in die -Vergangenheit verbunden, doch auch den naiven Wandersmann macht er auf -so vieles aufmerksam, was diesem sonst wohl entgehen würde. Ein großes -Verdienst O. E. Schmidts ist es meines Erachtens, daß er gleich im -ersten Kapitel es unternommen hat, einmal auf die stillen Reize des -unteren sächsischen Elblaufs hinzuweisen; auf den hohen Genuß, den -eine Dampferfahrt durch die Gefilde unterhalb Riesas bereitet, wo der -Storch noch zieht über den Heimatboden und wo die Windmühlenflügel sich -versonnen regen über der fast holländisch anmutenden Niederung. Den -Höhepunkt landschaftlichen Erlebens aber genießen wir mit ihm, folgen -wir ihm in die spätwinterliche Muldenaue unterhalb Wurzen, in den Tagen -der Schneeschmelze, da der Fluß breit und schwer wie der Mississippi -sich dahinwälzt. Aller Erdennot vergessend blicken wir mit ihm in die -zauberhafte Stimmung der Sonnenrüste über der ungeheuren Landschaft. -Da wird unser Führer zum Dichter, der hingerissen uns hinweist auf die -Herrlichkeit, die uns die Heimatflur bietet, und wir folgen dankbar -und willig diesem hohen Geist, diesem Lehrer im reichsten begnadetsten -Sinne! - -Aber zur Landschaft gehört untrennbar der Mensch! Der Mensch, der -ihr die Spuren seines Daseins einprägt, der sich von ihr nährt, der -sie schützt, und der sie im Überschwang der Liebe verherrlicht durch -seine Kunst. Da kommen sie herangezogen über den heimischen Boden, die -blonden Ostlandfahrer aus Vlamland mit dem Wanderlied auf den Lippen: -»Naer Oostland willen wy ryden.« Da rasseln sie vorüber in wilder -Flucht vor dem germanischen Heerbann, die polnischen Reiterscharen, die -den Gau Glomaci kahl gefressen wie ein Heuschreckenschwarm -- vorüber -ziehen Mönch und Klostermann. Und dann, hell auf einmal vor dem dunklen -Hintergrund die Persönlichkeit! Wiprecht von Groitzsch, Heinrich der -Erlauchte, Friedrich der Streitbare, Moritz und Kurfürst August. -Vorbei zieht an uns die Erbarmannschaft des Landes, die ritterlichen -Schleinitz, das ehrenfeste Geschlecht der Löser auf Pretzsch und -in neuerer Zeit die herrlichen Männer um Dietrich von Miltitz. Es -nahen die Männer des Geistes, die Dichter voran. Von Walther von -der Vogelweide, der im Jahre 1212 ja auch einmal im meißnischen -Herrendienst gestanden, über den schalkhaften Ritter Friedrich von -Schönberg, den Autor des Schildbürgerbuchs, zum frommen Sänger Paulus -Gerhardt, in dessen Heimatstädtlein Gräfenhainichen uns eine herrliche -Kleinstadtschilderung führt. Vom jungen Goethe in Leipzig, von den -Romantikern auf Schloß Siebeneichen über den strohtrockenen und doch -heimatgeschichtlich beachtenswerten Ferdinand Stolle aus Grimma zum -hochgemuten ritterlichen Sänger aus unseren Tagen, dem Freiherrn von -Münchhausen auf Wendischleuba. - -Einsam und mit Sehnsucht im Herzen nach dem glückseligen Welschland -wandelt Albrecht Dürer durch Wittenberg, allwo er in der Schloßkirche -seine Kunst ausübt; durch dasselbe Wittenberg, in dem nicht lange -danach der blonde Lucas Maler von Cronach in Franken heimisch werden -wird voll schaffensfrohen, sicheren Behagens; dasselbe Städtlein am -Heimatstrom, das im hellen Lichtschein bald erstrahlen wird, der -ausgeht von Persönlichkeit und Haus des sächsischen Bergmannssohnes -Martin Luther. O, wie wert macht uns das köstlich unschätzbare Buch O. -E. Schmidts unsre Heimat! Welcher Strom des Dankes muß diesem Manne -entgegenschwellen aus tausenden von Herzen! - -Nur ein paar Worte noch über die jetzt erschienene zweite Auflage des -dritten Teils. -- Der Verfasser hat diesen Abschnitt seines Werkes -zu neuer Höhe zu führen gewußt. So viel unerwartetes Wertvolles ist -in dem neuen Buche enthalten, daß auch dem Kenner der ersten Ausgabe -das Studium dringend empfohlen werden kann. Ein hoher Genuß ist es -zu lesen, was O. E. Schmidt hier über die neuen Domtürme von Meißen -zu sagen hat, und aufzumerken, wie er an unserm innern Auge die -Vertreter der neuen Meißner Kunst, den herrlichen Oskar Zwintscher, den -kraftvollen Sascha Schneider vorüberführt. Aber auch daß er im Kapitel -von der Lommatzscher Pflege des sorgenvollen kleinen Rucksackträgers -nicht vergißt, der im Hungerjahr 1917 und später noch lange in dem -gesegneten Eckchen von Hoftür zu Hoftür zieht, bis er für viele gute -Worte und für viel Geld endlich etwas bekommt, das er daheim dann -glückstrahlend den Seinigen auf den Tisch schütten kann, wollen wir -dem Verfasser danken. Denn auch das ist Geschichte geworden; unsere -Enkel werden es einst nachdenklich lesen. -- Wie eine frohe Botschaft -aber von doch einmal kommenden bessern Zeiten hört es sich an, was ganz -zuletzt gesagt ist vom immer wieder lebendig werdenden Geist beseelter -Romantik, der selbst im Jahre 1920 sich schwingt um Giebel und Zinne -von Schloß Siebeneichen. - -In jedes gebildeten Stammesgenossen Bücherei sollte dieses Werk stehen. -Jeder Vater sollte es anschaffen schon im Hinblick auf die geistige -Entwicklung seiner Kinder; jede Schule, aber auch jede Volksbibliothek -sollte es ihr eigen nennen! Nicht jedem deutschen Stamme wird ein solch -bedeutendes Geschenk geboten werden aus dem Kreise seiner Söhne -- möge -der obersächsische es dem Verfasser danken durch freudige Aufnahme -seines Werkes. -- - - Gerhard Platz. - - - - -Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele - -Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes - -Von _Max Wenzel_, Chemnitz - - -Ein gut Teil Poesie im erzgebirgischen Volksleben ist mit dem -Weihnachtsfest verknüpft. Ja, man kann wohl sagen, daß in keiner Gegend -unseres deutschen Vaterlandes Weihnachten so inbrünstig gefeiert wird -wie im Erzgebirge, und auch der berühmte Zahn der Zeit hat sich hier -machtlos erwiesen. Schon die Adventszeit ist weihnachtlichen Zaubers -voll. Da blasen vom Kirchturm Musikanten das »Feldgeschrei« in die -dunkle Winternacht hinaus, und im warmen Stübchen regen sich fleißige -Hände, um all die Wunderwerke der Krippen und Pyramiden herzustellen, -die einer erzgebirgischen Stube die rechte Weihnachtsweihe geben. Fast -könnte man von einer Überfülle sprechen. Man will alle Möglichkeiten -ausnützen, seine Festfreude zu zeigen. Der »Winkel« der Stube bevölkert -sich mit allerhand buntem Schnitzwerk, das die lieblichste biblische -Erzählung figürlich darstellt. Daneben dreht sich auf der Kommode -eine gar prächtige Pyramide, und von der Decke herab grüßt das bunte -Perlen- oder Holzrankenwerk eines Leuchters oder einer Spinne. Auf dem -Schrank stehen gravitätisch Engel und Bergleute mit Lichtern auf dem -steifen Arm und auch ein Räucherkerzchenmann blickt von irgendwo auf -den köstlichen Zierat. Und -- um auch der modernen Zeit eine Verbeugung -zu machen -- fehlt zu alledem auch der Christbaum nicht, dessen Fuß -in einem kleinen Christgärtchen wurzelt. Farbe und Licht überall! -Eine Erinnerung an die alte Bergherrlichkeit. Kam der Bergmann aus -dem dunklen Schoß der Erde, begrüßte er das Licht als Befreier von -dunkler Sorge und ängstlichem Druck. So wollte ihm auch in dunkler -Winternacht das Licht von oben als ein symbolisches Zeichen des Lebens -erscheinen. Lichter stellt man in die Fenster, daß sie weit in die -Nacht hinausstrahlen; oder man besteckt die Fensterrahmen mit kleinen -Öllämpchen. Wer einmal an einem der drei heiligen Abende oder an den -Festtagen selbst im Schlitten von Annaberg über Buchholz, Sehma, -Cranzahl nach Oberwiesenthal gefahren ist, wird den Märchenzauber nie -vergessen. - -Es handelt sich hier um durchaus gegenwärtige, lebende Dinge, -nicht etwa um Erinnerungen an eine alte freundliche Zeit. Auch der -Erzgebirgler in der Fremde hält an seinem Weihnachten fest und schmückt -seine Wohnung gern mit solch heimatlichem Gerät. Als wir vor einigen -Jahren in Chemnitz eine Ausstellung volkstümlicher Weihnachtskunst -veranstalteten, waren wir erstaunt über die Menge von Krippen und -Pyramiden, die uns allein aus Chemnitz angeboten wurden. Ein bekannter -Drechslermeister hielt sogar die einzelnen Pyramidenteile fertig auf -Lager. - -Süße Lieder und innige Verse preisen das traute, hochheilige Paar noch -heute. Und an allerlei volkstümlichen Gebräuchen, dem Schuhwerfen, -Bleigießen, dem Rupprecht usw. hält der Erzgebirger mit Zähigkeit fest; -wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß solch’ alte Sitten mehr und -mehr den Anstrich eines gesellschaftlichen Spaßes erhalten haben. - -In einzelnen Orten gibt es auch noch »Metten«. Da ziehen Erwachsene und -Kinder mit hellen Laternen durch die dunkle Winternacht zur Kirche, und -Lied und Wort sind mehr wie sonst volkstümlichem Empfinden angepaßt. -Hier haben wir die letzten Reste einer einst im ganzen Gebirge -verbreiteten Gepflogenheit, nämlich die heilige Geschichte dramatisch -darzustellen, die Sitte der Christ- und Mettenspiele. - -Es ist hier nicht der Ort, Ursprung und Verwandtschaft mit ähnlichen -Erscheinungen in anderen Teilen Deutschlands festzustellen, nur -soviel sei gesagt, daß diese Spiele einst einen wesentlichen Teil -der erzgebirgischen Weihnachtsgebräuche ausmachten. Wie kommt es -nun, daß sie sich nicht erhalten haben, sind sie so wertlos? -- Wir -kommen hier auf die befremdliche Tatsache, daß sie behördlicherseits -verboten wurden, daß man die Teilnehmer an solchem Tun, wie 1805 in -Thalheim geschehen, sogar ins Gefängnis setzte. Es soll hier nicht -untersucht werden, inwieweit diese Strafen berechtigt waren, oder -ob eine volksfremde Regierung und Geistlichkeit etwas Harmloses als -Profanierung des Heiligen ansahen und es zu unterdrücken suchten. Denn -überrascht ist man etwas, wenn man sich in dieses Volksgut versenkt. -Wunderliche, bunte Klänge umgeben uns, guter, echter Volksliederton. -Allerdings an die Stelle mystischer Feierlichkeit tritt häufig ein -wohltuender Humor. Die ganze heilige Geschichte ist eine heimische -Angelegenheit geworden. Der Joseph ist ein alter Bekannter, er spricht -sogar in der heimischen Mundart; und die Hirtengeschichte hat sich -gleich draußen vor dem Dorfe am Bergwald zugetragen. Erklingt einmal -ein biblischer Ton, so mutet er fast fremd an, es ist, als wenn sich -in das lustige Geplapper der Kinder eingelernte Bibelsprüche und -Gesangbuchverse mischen. Der deutsche Volkshumor verbindet gern einen -gutmütigen Spott mit den Gefühlen der Achtung und Ehrfurcht; siehe -Gottfried Keller, Wilhelm Raabe, Fritz Reuter usw. Ganz und gar liegt -es dem Volke fern, die heiligen Leute zu verhöhnen, im Gegenteil, nur -mit Personen, die seinem Herzen nahe stehen, die es mit Liebe und -Wohlwollen betrachtet, erlaubt sich das Volk solch köstlichen Spott. - -Und es gelang nicht, das alte Volksgut _gänzlich_ auszurotten. Bis in -die sechziger Jahre hinein hielten sie sich in vielen Orten, trotz -aller Verbote. Voller Sehnsucht dachten die Alten an die Zeit zurück, -wo sie selbst an den Spielen beteiligt gewesen. Noch 1861 fand der -Gymnasialoberlehrer Gustav Mosen in Zwickau ansehnliche Reste der -Spiele vor, die er in ein köstliches Büchlein sammelte und herausgab. -Gewitzigte Unternehmer retteten die Spiele fürs Puppentheater. Wie beim -Volkslied, so erhielten sich auch hier und da Reste von Versen im Munde -des Volkes, oft unbewußt, woher die Reimlein stammten. - -Und was gab man dem Volke für einen Ersatz? -- Zuerst überschwemmte -eine Flut von allerlei »Weihnachtsstücken« den Markt. »Dramatische -Gemälde«, Weihnachtsszenen: »Landwehrmanns Weihnachten«, »Weihnachten -in der Kaserne«, »Der Weihnachtsengel im Elendhause«, -- süßlich, -sentimental, unecht, unwahr, Kitsch über Kitsch! Eine von den Behörden -sanktionierte Geschmacksverderbnis übelster Art! - -Von verschiedenen Seiten, auch in den Kreisen der Geistlichen, sah -man das wohl ein, und man knüpfte an die alten Christspiele an, indem -man eine Anzahl sogenannter »Weihnachtsstücke« schuf, »Der Stern -von Bethlehem« und andere mehr. Wirkliche Bedeutung kommt wohl von -allen diesen Stücken nur dem von dem verdienten ~Dr.~ Alfred Müller -bearbeiteten Mosenschen Weihnachtsspiel zu, in dem auch eigentlich -volkstümliche Elemente nicht fehlen. - -Durch Haaß-Berkows Wiederbelebung eines alten Weihnachtsspieles -wurde ich ermutigt, unsere noch vorhandenen Spiele auf ihre -Aufführungsmöglichkeit hin zu untersuchen, und ich kam zu dem Ergebnis, -daß hier etwas Gutes vor dem völligen Untergang zu retten sei. Die -Spiele sollten aber _echt_ sein. Darum sah ich von einer sogenannten -Bearbeitung mit Um- und Neudichtung ab. Ich reihte nur die Reste -aneinander. Das Wiesaer Spiel enthält z. B. das volle Bescherungsspiel -und die Herbergsszene. Beides wurde unverkürzt aufgenommen. Das -Hirtenspiel entnahm ich dem Thalheimer Spiel, das Krippenspiel der -Neudorfer Engelschar. Das Königsspiel war das Löwenhainer usw. - -Die Aneinanderreihung ist durchaus berechtigt, denn die Spiele sind -einander durchaus ähnlich, nur durch die mündliche Weitergabe verändert -und angepaßt -- zerspielt. Die einzelnen Szenen sind durch alte -Mettenlieder verbunden, wie wir sie in örtlichen Aufzeichnungen, in -Bernhard Schneiders Liederheften, Mosens Weihnachtsspiel usw. finden. -Es kam die Frage des Aufführungsortes. Die alten Spieler zogen im -Orte umher, die größten Stuben wurden zum Schauplatz. Aus dem ganzen -Hause, aus den Nachbarhäusern kamen die Neugierigen gelaufen, um die -»Engelschar« zu bewundern. In die einzelnen Wohnungen zu gehen, würde -sich jetzt aus verschiedenen Gründen verbieten; da nimmt man eben eine -recht große Stube des Ortes, ein Schulzimmer, die Turnhalle, einen -Saal. Hier kommen die Ortsbewohner zusammen, aber nicht wie zu einem -Theaterabend, -- sie sollen die Spiele durchaus miterleben. - -Die Chemnitzer Volkshochschule, die allen Bestrebungen des -Heimatschutzes und der Volkskunde das erfreulichste Verständnis -entgegenbringt, nahm sich im vergangenen Jahre der Sache an -- und mit -wirklichem Erfolg, denn wir mußten unser Spiel zwanzigmal wiederholen! - -Wie verläuft so ein Abend? - -Orgel- oder Harmoniumklang stimmt die Hörer ein. Dann klingt von -draußen das alte Schneeberger Mettenlied »Auf, Tochter Zion, schmücke -dich« zum Saale herein. Auf der Bühne, die nebenbei bemerkt, nur mit -dunklen Stoffen ausgeschlagen ist, erscheint ein Hirte als Bote: - - »Einen schönen guten Abend, den geb euch Gott! - Ich bin ein ausgesandter Bot; - ich zeig euch an zu dieser Frist, - daß jetzt wird kommen der heilige Christ!« - -Zwei Engel werden auf der Bühne sichtbar, sie bereiten die Hörer vor. -Dann kommt unter den Klängen eines böhmischen Weihnachtsliedels, von -Lauten und Geigen gespielt, durch den Saal die Engelschar gezogen. -Der heilige Christ, St. Martin, St. Nikolaus in weißen Kleidern, mit -hohen Goldkronen auf dem Haupte, das heilige Paar, Knecht Rupprecht -usw. Sie ziehen auf die Bühne und es beginnt das Bescherungsspiel. Nun -wechseln sich die bunten Szenen ab, von denen das Verkündigungsspiel -und das Krippenspiel wohl am eindringlichsten wirken. Beim Krippenspiel -wird alles Bühnenlicht weggenommen. Die ganze Szene ist nur durch -eine Stallaterne beleuchtet, die vor der Krippe auf dem Boden steht. -Dieser einfache Regiekniff hat ungeahnte Wirkung. Nach kurzer Pause -eröffnen das Thalheimer und Löwenhainer Spiel den zweiten Teil, nachdem -die »Königschar« durch den Saal eingezogen ist. Wie sehr die Hörer -in Chemnitz dabei waren, merkte man daraus, daß sie in den Pausen -verschiedene Male unaufgefordert Weihnachtslieder anstimmten. - -Von der Großstadt aus sollen die Spiele wieder in ihre Heimat -zurückkehren. Schon in diesem Jahre werden sie in vielen Orten sich -einzubürgern versuchen. Nicht um ein wissenschaftliches Werk zu -schreiben, nur um praktisch Heimatschutz zu treiben, veröffentlichte -ich das gesamte Material in Buchform unter dem Titel »Erzgebirgische -Christ- und Mettenspiele. Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes«. -Mit der Zusammenstellung am Schlusse des Buches, die auch einzeln im -Verlag H. Thümmler in Chemnitz erschienen ist, will ich nur ein Vorbild -aufstellen, »wie man es machen soll«. Gedacht ist es so, daß jeder -Ort, der noch Reste eines Spieles besitzt, diese in den Mittelpunkt -stellt und die übrigen Teile nach Belieben aus dem vorhandenen Material -ergänzt. So soll jeder Ort »sein Spiel« gewinnen. - -Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersahen wir mit Freuden, -wie man in allen Teilen unseres Gebirges den Gedanken aufgegriffen -hat. Wenn uns auf diesem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter -Volkskunst gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein. - - _Anmerkung der Schriftleitung_: In _H. Thümmlers_ Verlag, - Chemnitz, ist erschienen: _Wenzel_, Erzgebirgische Christ- und - Mettenspiele, ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes, 182 - Seiten, gebunden einschließlich aller Zuschläge M. 14,40. - - - - -Die Liebe zum Baume - -Von _Georg Marschner_, Dresden - - -In unserem so dicht besiedelten Sachsenlande läßt die alles -umgestaltende, rastlose menschliche Tätigkeit dem freien Walten -ungezügelter Naturkräfte nur noch wenig Raum. Deshalb sind die -anmutigen Bilder, welche sowohl im Niederlande als auch im Gebirge -das Herz mit beglückender Heimatfreude füllen, zum weitaus größten -Teile Werke fleißiger, kultivierender Arbeit unseres Volkes. Die -einzelnen, das Landschaftsbild zusammenfügenden Elemente sind überall -die gleichen. Dörfer und Städte, Straßen und Wege, Felder, Wiesen -und Wälder, Teiche, Bach- und Flußläufe und vieles andere ergeben in -unerschöpflich wechselvoller Gruppierung alle die reizvollen Bilder, -die uns das Heimatland so liebenswert machen. - -Wohl kann ein hoher Berg, ein tiefes Tal, ein großer See oder ein -breiter Fluß einer begrenzten Gegend ein besonderes Gepräge geben, -bestimmend aber wirkt auf den Charakter einer jeden Landschaft ihr -Bestand an Bäumen. Sie sind es, die im Verein mit den Tages- und -Jahreszeiten alle Stimmungs- und Empfindungswerte auslösen. - -Ob sie, dicht aneinandergedrängt, als Wald die weiten Feld- und -Wiesenfluren der Niederung ruhig umsäumen, im Gebirge das Schönheit -suchende Auge über ihr wogendes Wipfelmeer hinauslocken in blau -verdämmernde Fernen und uns erfüllen mit unstillbarer Wandersehnsucht, -oder ob sie, aufgelöst in Gruppen und Reihen, das Dörflein liebevoll in -ihren weichen Mantel betten und im stillen Wiesengrunde, gleich einer -grünen Schlange, dem Bache das Geleite geben, immer und überall tritt -die belebende und Schönheit gebende Kraft des Baumbestandes uns vor -Augen. - -Ganz besonders aber werden wir uns der hohen Schönheitswerte des -Baumes bewußt, wenn ein im hohen Alter seinen Artcharakter ausgeprägt -zur Schau tragender Einzelbaum die Landschaft beherrscht und zum -Wahrzeichen einer weiten Gegend wird. - -Und welch einen poesiedurchtränkten Zauber verleihen machtvolle -Baumwipfel der bäuerlichen Siedlung. Ein Dorfkirchlein, umrauscht -von einer alten Linde, ein Bauernhof, über dessen bemoostes Dach -ein uralter Baum, wie ein treuer Hüter und Wächter, schirmend seine -grüne Hülle breitet, sind mir immer der Inbegriff herzerfrischender -ländlicher Schönheit gewesen. Und auch dann noch, wenn die Herbst- und -Winterstürme seine Kraft gebrochen, wenn er tiefer und hohler rauscht -und zur lebenszähen Ruine ward, wird jeder fühlende Mensch in Ehrfurcht -vor ihm stehen und ahnungsvoll die Vergänglichkeit alles Irdischen -erkennen. - -Uralt ist die Liebe zum Baume in unserem Volke. Ein köstlicher Schatz -von Erinnerungen an gute und böse Zeiten, ein unverwelklicher Kranz -von Sagen und Märchen windet sich um jeden alten Baum, der wie ein -mahnendes Symbol in den ruhelosen Zeitenstrom unserer Tage hineinragt. -Viel könnte ich erzählen von manchen alten, in einem arbeitsreichen -Leben krumm gewordenen Bauersmann und der Liebe zu seinem Baum. Oft -habe ich im Schatten solcher Bäume gesessen und der Geschichte des -Dorfes und Tales gelauscht. Manch biedrer Alte ist mir da zum lieben -Freunde geworden. Hier im Banne alter Bäume wurde es mir zur Gewißheit, -daß ihr hoher Wert sich nicht erschöpft in staunenden, bewundernden -Betrachten. Ihr tiefer Einfluß spiegelt sich wieder in Herz und Gemüt -eines jeden, dem eine alte Hauslinde das Wiegenlied gesungen. Er wird -mir sagen, alte Bäume haben eine Seele. - -Er wird’s verstehen, ihr fröhliches Rauschen an den hohen Tagen seines -Lebens, und nur er wird aus dem leisen Raunen das heimliche Schluchzen -heraushören, wenn einer vom Hofe hinausgetragen wird zur ewigen Ruhe. - -Aber ich könnte auch berichten von manchem stolzen Baume, den -Generationen seiner früheren Besitzer, als zur Familie gehörig, hegten -und pflegten und der dann nur zu bald dem neuen Besitzer im Wege stand -und als Feuerholz ein schnelles, unrühmliches Ende fand. - -Wo ein altersgrauer Baum heute noch sein grünes Blätterdach zum -Himmelsdome reckt, da sollte er jedem Menschen als ehrwürdiges -Vermächtnis seiner Väter heilig sein. Unantastbar als Denkmal der uns -alle nährenden Mutter Natur, unverletzlich als lebendes Ehrenmal seines -Besitzers. So sollte es sein -- aber die Erfahrung lehrt’s oft anders. - -Bei der Hast des Alltags, in den Sorgen der Gegenwart schwingt die uns -aus Urväterzeiten vererbte Liebe zum Baume nur noch leise. In manchen -Herzen ist sie ganz verklungen. Für viele hat der Baum keine Seele -mehr. Er ist Handelsware geworden, Erzeuger hochwertigen Holzes. Ohne -Not und ohne bleibende Werte zu hinterlassen, ist mancher knorrige -Recke und stumme Zeuge vieler Menschenschicksale auf den Holzmarkt -gewandert. - -Aber sie muß wieder lebendig werden, die Liebe zum Baum. Ein jeder -Bauernhof muß wieder seinen Baum haben. Darum wähle jeder, der die -eigne Scholle bebaut, je nach Vermögen einen oder mehrere der ältesten -und schönsten Bäume aus seinem Besitzstande, ganz gleich welcher Art, -und weihe sie, als herrliche Zierde seiner Heimatflur. Das stille -Gelöbnis aber, daß sie in treuer Hut wurzeln sollen im heimischen -Grunde, bis unsere, nach ehernen, unerforschlichen Gesetzen bauende -Allmutter Natur ihre Werke selber zerstört, wird seinen Namen laut und -sichtbar künden auch den kommenden Geschlechtern. - -Und wer keinen geeigneten Baum sein eigen nennt, der pflanze einen -solchen. Ist’s nicht am Hause, dann am Feld- und Wiesenrande, oder -an einem Grenzmale. Ist er auch jung an Jahren, er wächst heran im -Laufe der Zeiten und knüpft enger und fester das unsichtbare Band, -welches verbindet mit dem Heimatboden, auf dem wir geboren und der uns -aufnehmen wird zum letzten Schlummer, dem Vergessen entgegen. - -Nicht einer, der jetzt mit Recht bewunderten Baumriesen dankt sein -hohes Alter dem Zufalle oder ist bisher übersehen worden, sondern -ihre Erhaltung sicherte ein Name, eine bedeutsame Erinnerung oder ihr -Standort als Grenz- und Markbäume. Vor allen aber wurden sie alt im -Schutze der innigen Beziehungen zu ihren Besitzern. - -Der Bestand an alten Bäumen ist ein Maßstab für die Geistes- und -Herzenskultur eines Volkes. Deshalb sorge jeder, der auf heimischen -Grunde die Früchte harter Arbeit ernten darf, daß unser Sachsenland nie -arm werde an alten Bäumen. - -Nur dann bleibt uns die Heimat ein Jungbrunnen, aus dem Glück und -Zufriedenheit ins Herz sich ergießen, die reich machen in aller -Lebensnot. - - - - -Bücherbesprechung - - -=Die Oberlausitzer Heimat.= -- Verlagsanstalt Görlitzer Nachr. u. Anz., -Görlitz. Preis M. 5,--. - -Der Kalender hat bereits seinen Ruf, darum nimmt man den diesjährigen -stattlichen Band gleich froh und erwartungsvoll zur Hand. -- -Landschaftsbilder an oft geradezu unaussprechlicher Innigkeit erfreuen -da gleich zu Anfang den Beschauer. Sie begleiten das Kalendarium und -stehen so bescheiden in ihrer Ecke. Der flüchtige Beschauer geht -wohl gar über sie hinweg, aber ich meine, einen besseren Führer -durch die Oberlausitz kann einer nicht leicht haben, als wenn er -sich dem Schöpfer dieser entzückenden Zeichnungen anvertraut. Welch -ein Zauber geht von diesen stillen Dörfern, von der blauen Bergkette -aus; wie schweift der Blick hinaus über das weite Gesenke bei -Dittelsdorf. Ein altes Schloß, ein paar Hütten von starren Föhren, -und am stimmungsvollsten wohl das Jägerndörfel im Winternebel mit den -steilen Rauchsäulen über den Dächern. Fürwahr, das ist Heimatkunst! -Wir danken dem Künstler Bruno Lademann für seine Arbeit. -- Auch der -unterhaltende Teil ist wieder trefflich zusammengestellt; eine Fülle -des Wissenswerten aus der Lausitzer Geschichte dabei. Ich glaube -wirklich, hierin ist der Oberlausitzer Kalender unübertroffen. Nur eins -möchten wir zur Sprache bringen. Es ist in dem Kalender ein allerdings -ganz reizender Aufsatz von Ottomar Enking enthalten, von einer kleinen -Stadt zur Pfingstenzeit. Aber durch die Gassen dieser Stadt weht keine -Lausitzer Luft -- es ist ein niederdeutsches Gemeinwesen, was da -geschildert ist. Unsrer Meinung nach muß ein Heimatkalender auf strenge -Bodenständigkeit halten, es wird ihm das sicher gedankt werden und -die Herren Herausgeber der Oberlausitzer Heimat haben ja eine Fülle -trefflicher Mitarbeiter aus dem eigenen Gau an der Hand. -- Möge das -schöne Heft die wohlverdiente Verbreitung finden. - - G. P. - -=Ludwig Richter als Radierer.= Von _Walther Hoffmann_. Mit 51 Bildern, -Berlin 1921. Dietrich Reimer (Ernst Voßen). M. 35.--. - -»Ein neuer Ludwig Richter!« Mit dieser Anpreisung legt der Herausgeber -den Bilderband in unsere Hände. Und in der Tat bedeutet dieses Buch -für viele etwas Neues, auch wenn sie Ludwig Richter aus einzelnen -Radierungen schon kennen, die er zumeist nach eigenen Gemälden für den -Kunstverein geschaffen hat, wie beispielsweise seine Genoveva, die -Christnacht und den Rübezahl. Vielleicht erinnert sich auch mancher -noch an das und jenes anspruchslose Landschaftsblättchen aus der -Frühzeit seines Schaffens, das handgetönt in den gefühlsdurchtränkten -Freundschaftsstammbüchern der Biedermeierzeit sich findet oder -im schmalen Goldrähmchen über dem Sofa in Großmutters guter -Kirschbaumstube hing. Im übrigen weiß man recht wenig vom »Radierer« -Ludwig Richter. -- Die Neuerscheinung füllt somit eine schon oft -empfundene Lücke aus. Aus den bei _Hoff_ verzeichneten 240 und den -durch _Singer_ und besonders _Budde_ noch 26 neu entdeckten Blättern -hat Walther Hoffmann 51 ausgewählt. Sie sollen unsers Meisters -Kunstschaffen in der Entwicklung darstellen. Vom ersten unbeholfenen -Landschaftsstich des Vierzehnjährigen bis hin zu jenem letzten -Kabinettstück seiner Kunst, das Ludwig Richter als ein altersmüder -Greis im Jahre 1866 für seinen Freund Cichorius radierte, sind alle -Phasen der allmählichen Vervollkommnung vertreten. -- In Hinsicht -auf die Auswahl kann man gewiß vereinzelt anderer Meinung sein. -Insonderheit hätte der Heimatfreund die Göttin von Sais, ein paar der -Übertragungen von fremden Werken und einige italienische Landschaften -zugunsten anderer Blätter wohl entbehrt, die, wie die ruhende Familie, -das Bild zum Schlaflied Tiecks, der Schnitzelmann und selbst die so -bescheidenen »An- und Aussichten« die deutsche Heimat uns zum Herzen -sprechen lassen. Gerade nach dieser Seite hin kann Ludwig Richter nicht -genug im deutschen Volk verbreitet werden. Er ist des Heimatschutzes -bester Vorkämpfer. Wo Ludwig Richter eine Heimstatt hat, lernt man die -Heimat auch beseelen. Da wird die stille Heimatschönheit treu gehütet, -weil man an Ludwig Richters Bildern der Heimat inneren Wert erkennen -lernt. Darum hinein ins Volk mit unserm Ludwig Richter, die Heimat -wird nur Vorteil davon haben! -- So sei das vorliegende Buch jedwedem -Heimatfreund empfohlen und um so wärmer noch empfohlen, als Walther -Hoffmann auch die beigebrachten Stiche in ansprechender Form erläutert. -Die Ausstattung ist gleichfalls anerkennenswert. Mag dieses Buch recht -viele Freunde finden! - - _Kurt Melzer_, Dresden. - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt -- - Druck: Lehmannsche Buchdruckerei - Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden. - - - - - Ein deutsches Weihnachtsspiel - - »Im Stall zu Bethlehem« - - In vier Aufzügen mit Text, Buntfiguren - und Anleitung zum Bühnenbau - - bearbeitet von =M. Brethfeld= und =Th. Göhl= - - Verlag: =Landesverein Sächsischer Heimatschutz= - - Dresden-A., Schießgasse 24 - - Preis M. 6.-- - - Bestellkarte in diesem Heft - -=Im Stall zu Bethlehem= -- unter diesem Titel hat der Landesverein -Sächsischer Heimatschutz ein deutsches Weihnachtsspiel für unsere -Jugend herausgegeben, das freudiger Empfehlung würdig ist. Urheber -sind die Pädagogen M. Brethfeld und Th. Göhl, denen es aus ihrer -Erziehertätigkeit heraus entstanden ist. Die Jugend soll, soweit es -möglich, das Krippenspiel selbst herstellen und selbst aufführen, und -auch die Zuschauer sollen durch Vers und Volkslied zu Mithandelnden -werden. Ein löblicher erzieherischer Grundsatz in einer Zeit, wo -die Unterhaltung bedauerlicherweise sogar in Haus und Familie so -oft von bezahlten Kräften besorgt wird, anstatt daß alle zu eigener -Befriedigung mitwirken. Und noch eine zweite niederdrückende Erfahrung -bewog die Herausgeber, dem Krippenspiel gerade die gewählte Form -zu geben: die Erfahrung, daß unsere Jugend in Kino und Theater an -Weihnachtsspiele gewöhnt wird, die an äußerem Aufwand immer reicher -werden, die uns aber immer weiter wegführen von den wahren Quellen -innerer Volkskraft, immer weiter weg von Einfachheit, Wahrhaftigkeit -und schlichter Innerlichkeit. Sogar der Christbaum ist der -gedankenlosen äußeren Bereicherung und inneren Verarmung verfallen. -Durch ihr Krippenspiel wollen die Herausgeber mit den Mitteln einer -natürlichen und schlichten Volks- und Kinderkunst mithelfen im Kampfe -gegen Veräußerlichung und Verflachung unseres schönen Weihnachtsfestes, -bei der Vertiefung und Verinnerlichung des Weihnachtsgedankens und -des Weihnachtsgefühls. Das Spiel besteht aus vier Bogen mit Figuren, -die ausgeschnitten werden müssen -- Maria, Joseph und das Kind in -der Krippe, die Hirten, die heiligen drei Könige usw. -- dazu kommt -eine Anleitung zum Aufbauen des Theaters, wozu die einfachsten Mittel -ausreichen und keine besondere Kunstfertigkeit beansprucht wird, und -endlich der Text, der ein Vorspiel und vier Aufzüge umfaßt. Auch einige -von den alten schönen Weihnachtsliedern sind hineinverwebt, die von -allen Kindern, mitwirkenden wie zuschauenden, gesungen werden sollen. -Die Aufführung dürfte höchstens eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. --- Allen, die an der heimatlichen Volkskunst Anteil nehmen und im Sinne -der obigen Sätze an der Gesundung unserer Unterhaltung mitarbeiten -möchten, sei das Weihnachtsspiel bestens empfohlen. Das Spiel kostet -M. 6.-- und ist beim Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., -Schießgasse 24, erhältlich. - - - - - Bunte Gassen, - helle Straßen - - Dresden 1921 - - des Landesvereins Sächsischer - Heimatschutz Heimatbücherei - - Band II - - 185 Seiten -- Großoktav - - hart gebunden - - _Vorzugspreis für Mitglieder des - Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 15.--_ - - _Bestellkarte in diesem Hefte_ - -_Gerhard Platz_ »Vom Wandern und Weilen im Heimatland«, der erste -Band unserer Heimatbücherei ist vergriffen und wird nächstes Jahr in -neuer Auflage erscheinen. Jetzt kündigen wir den zweiten Band an. -_Max Zeibig_ ist sein Verfasser. Wer kennt nicht seine gemütvollen -Schilderungen aus der Kinder-, aus der Jugendzeit, die in den -angesehendsten sächsischen Tageszeitungen seit Jahren erscheinen. -_Heinrich Sohnrey_ gab dem Buche das Geleitwort und wünschte, daß es -nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland Verbreitung finde. - - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24. - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ, MITTEILUNGENBAND X, HEFT 10-12 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. 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General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/64937-0.zip b/old/64937-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 90f01a4..0000000 --- a/old/64937-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64937-h.zip b/old/64937-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index a186fe3..0000000 --- a/old/64937-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64937-h/64937-h.htm b/old/64937-h/64937-h.htm deleted file mode 100644 index 99704f8..0000000 --- a/old/64937-h/64937-h.htm +++ /dev/null @@ -1,3883 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - Mitteilungen Band X, Heft 10 bis 12, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz—A Project Gutenberg eBook - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - - h1,h2 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 1em; -} - -p.noind { - text-indent: 0; -} - -p.h2 { - font-size: x-large; - font-weight: bold; - text-indent: 0; - text-align: center; -} - -.p2 {margin-top: 2em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: 33.5%; - margin-right: 33.5%; - clear: both; -} - -hr.tb {width: 45%; margin-left: 27.5%; margin-right: 27.5%;} -hr.chap {width: 65%; margin-left: 17.5%; margin-right: 17.5%;} -hr.poetry { width: 50%; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em; } - -div.chapter {page-break-before: always;} -h2.nobreak {page-break-before: avoid;} - -.pagenum { - position: absolute; - right: 2%; - font-size: smaller; - text-align: right; - font-style: normal; - font-weight: normal; - font-variant: normal; -} /* page numbers */ - -.blockquot { - margin-left: 5%; - margin-right: 5%; - font-size: 90%; -} - -.letter { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -.center {text-align: center;} - -.right {text-align: right;} - -.mright { - text-align: right; - margin-right: 2em; -} - -.lgap { - padding-left: 3em; -} - -.larger { font-size: larger; } - -.smaller { font-size: smaller; } - -.s90 { font-size: 90%; } - -.u {text-decoration: underline;} - -.gesperrt { - font-style: italic; -} - -em.antiqua { - font-family: sans-serif; - font-style: normal; -} - -.caption { - margin-bottom: 1.5em; - font-size: smaller; -} - -/* Images */ - -img { - max-width: 100%; - height: auto; -} - -img.w100 {width: 100%;} - -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; -} - -/* Footnotes */ -.footnotes {border: 1px dashed;} - -.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} - -.footnote .label {position: absolute; right: 84%; text-align: right; - vertical-align: top; font-size: 0.8em; } - -.footnote p { - text-indent: 0; -} - -.fnanchor { - vertical-align: top; - font-size: .8em; - text-decoration: - none; -} - -/* Poetry */ -.poetry-container {text-align: center;} -.poetry {text-align: left; margin-left: 5%; margin-right: 5%;} -.poetry .stanza {margin: 1em auto;} -.poetry .verse {text-indent: -3em; padding-left: 3em;} -/* large inline blocks don’t split well on paged devices */ -@media handheld, print { .poetry {display: block;} } - -/* Poetry indents */ -.poetry .indent0 {text-indent: -3em;} -.poetry .indent2 {text-indent: -2em;} -.poetry .indent6 {text-indent: 0em;} - -/* Transcriber’s notes */ -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; - font-family: serif; } - -.transnote p { - text-indent: 0; -} - -/* Illustration classes */ -.illowp80 {width: 80%;} -.illowp60 {width: 60%;} -.illowp50 {width: 50%;} - - </style> - </head> -<body> - -<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz, MitteilungenBand X, Heft 10-12, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Mitglieder erhalten -die Mitteilungen kostenlos, <em class="gesperrt u">Mindest</em>jahresbeitrag M. 10.– -</p> -</div> -<p class="center"> -Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 -</p> -<p class="center"> -Postscheckkonto: Leipzig 13 987, Dresden 15 835 <span class="lgap">Stadtgirokasse Dresden 610</span> -</p> -<p class="center p2"> -Dresden 1921 -</p> - -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="An_unsere_werten_Mitglieder">An unsere werten Mitglieder!</h2> -</div> - -<p>In dem vorliegenden Weihnachtsheft bieten wir unseren Mitgliedern, Freunden -und Gönnern etwas ganz besonderes:</p> - -<p>Wir sind in der glücklichen Lage, zehn ganz vortreffliche Zeichnungen Hermann -Vogels, des gemütvollen Illustrators der »Fliegenden Blätter«, der Anfang dieses -Jahres seine Augen für immer schloß, abzudrucken und so dem Hefte eine besondere -Weihnachtsstimmung zu geben.</p> - -<p>Unser Verein hat in dem nun ablaufenden Jahre an Mitgliedern ungeahnt -zugenommen. Fast hat sich unsere Mitgliederzahl verdoppelt, denn wir werden -mit einem Bestand von 12 000 Mitgliedern abschließen. Freilich haben unsere -Einnahmen durch die zunehmende Geldentwertung mit der Erhöhung unserer Mitgliederzahl -nicht Schritt gehalten. Eine obligatorische Erhöhung unseres Jahresbeitrages -(Mindestbeitrag 10 Mk.), der in unseren Brudervereinen schon 20 Mk. -und mehr beträgt, möchten wir vermeiden, um auch unseren minderbemittelten -Volksgenossen, den zahlreichen Schülern, die sich an unserer Bewegung und an -unseren Veröffentlichungen erbauen, auch weiterhin die Zugehörigkeit zum Heimatschutz -zu ermöglichen. Wir hoffen daher, daß</p> - -<p class="center"><span class="u larger">unsere Bitte um freiwillige Erhöhung des Jahresbeitrages</span></p> - -<p>auch weiterhin Gehör und Erfüllung finden und das besonders der Inhalt dieses -Heftes, das uns fast 10 Mk. (unseren Mindestbeitrag) selbst kostet, dazu anfeuern möge.</p> - -<p>Wir fügen daher auch diesem Hefte eine Zahlkarte bei und bitten alle diejenigen, -davon Gebrauch zu machen, die dazu irgendwie in der Lage sind, ihren Beitrag -freiwillig zu erhöhen oder uns eine Weihnachtsgabe für das Jahr 1921 noch zu übermitteln. -Die jetzige Teuerungswelle bringt auch unseren Verein erneut vor wirtschaftliche -Schwierigkeiten. Möge der Opfersinn und die Opferwilligkeit aller derer, die uns -angehören, an unseren Bestrebungen Freude, Gefallen und Genugtuung finden, dazu -beitragen, daß wir auch über die neue verschärfte wirtschaftliche Lage hinwegkommen -und weiter unseren Bestrebungen für Heimat und Volk mit allen unseren -Kräften in der bisherigen Weise gerecht werden können.</p> - -<p>Wir danken allen aufrichtig und von ganzem Herzen, die uns bisher geholfen -haben und unseren Verein in die Lage versetzten, einer der größten Vereine mit -idealen Bestrebungen von ganz Sachsen zu werden.</p> - -<p>Wir bitten alle, dazu beizutragen, daß wir im nächsten Jahre unser zwanzigtausendstes -Mitglied aufnehmen und an Macht und Ansehen weiter gewinnen können. -Zu diesem Zwecke fügen wir eine Anmeldekarte zur Gewinnung eines neuen Mitgliedes -bei. Die Mitgliedschaft wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk für Sachsens Jugend.</p> - -<p> -<em class="gesperrt">Dresden</em>, im November 1921 -</p> -<p class="right larger"> -<b>Landesverein Sächsischer Heimatschutz</b> -</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_197"></a>[197]</span></p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-003"> - <img class="w100" src="images/illu-003.jpg" alt="Band X, Heft 10/12, 1921" /> -</div> - -<p class="center">Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den Vorstand -herausgegeben</p> - -<p class="center">Abgeschlossen am 1. Oktober 1921</p> - -<h2 class="nobreak" id="Hermann_Vogel">Hermann Vogel -dem Malerpoeten des Vogtlandes zum Gedächtnis</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Karl Rödiger</em>, Plauen i. V.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p class="noind">Die beigedruckten Bilder stammen »Aus den Fliegenden Blättern«, Braun & Schneider, München</p></div> -</div> - -<p>»Bin kein Heimatkünstler im eigentlichen Sinne des Wortes, bin kein Vogtlandmaler«, -schrieb mir Hermann Vogel in seiner kurzen, offenen Art, als ich -mich vor etlichen Jahren an ihn gewendet hatte mit der Bitte, mir aus dem -Reichtum seiner Bilder solche zu nennen, denen ein <em class="gesperrt">vogtländisch-heimatliches</em> -Motiv zu Grunde liegt. Und wer das gesamte Schaffen des Künstlers, der sich -selbst einmal, auf dem Titelblatt seines »Bilder- und Geschichtenbuches«, als -»romantisch-humoristischer Illustrator« bezeichnet hat, auch nur einigermaßen kennt, -seine Illustrationen zu Scheffels Ekkehard, zu Wagners Deutschen Heldensagen, -zu Schwabs Volksbüchern, zu der achtbändigen Weltgeschichte seines Lehrers -Otto Kaemmel, seine wundersamen Bilder zu den Märchen der Brüder Grimm -(1892/94), zu Rudolphis Märchen (1905), seine ungezählten Bilder und Gedichte, -Tierfabeln und Geschichten in den Münchener »Fliegenden Blättern«, denen -Hermann Vogel mehr als drei Jahrzehnte lang sein bestes Dichten und Können -gewidmet hat, wer dies alles überblickt, der wird, erstaunt ob solcher Gestaltenfülle -aus allen Zeiten und Völkern und Ländern, den Künstler nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_200"></a>[200]</span> -mehr in den engbegrenzten Begriff des Heimat- und des Vogtlandmalers hineinzwängen -wollen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-004"> - <img class="w100" src="images/illu-004.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Der Schatzgräber</b></div> -</div> - -<p>Und doch, wer näher zusieht, wer als geborener Vogtländer wie ich von -Jugend an leidenschaftlich gern Hermann Vogelsche Bilder aufgesucht und stundenlang -betrachtet hat, der wird mit aufrichtiger Freude entdecken können, wie Hermann -Vogel auch seiner <em class="gesperrt">Heimat</em>, seinem <em class="gesperrt">Vogtland</em>, immer und immer wieder reizvolle -Motive für seine Bilder abzulauschen wußte.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-005"> - <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Hexenküche</b></div> -</div> - -<p>Kein Wunder. Denn in Plauen, im Herzen des Vogtlandes, am 16. Oktober -1854 als zweiter Sohn des Maurermeisters Traugott Wilhelm Vogel geboren, ist -der Künstler zeitlebens ein rechter Vogtländer von echtem Schrot und Korn geblieben. -Mit allen Fasern seines Herzens hing Hermann Vogel an seinem Vogtland. -Mit seinen Landsleuten hat auch er, wie Julius Mosen, der Vogtlandsänger, im -Eingang der »Erinnerungen« von sich sagt, immer die Anhänglichkeit an die -heimatliche Erde des Vogtlandes gemeinsam gehabt. Ein doppeltes Heim hat -Hermann Vogel besessen, ein Sommerheim an der Plattleithe im sonnigen Loschwitz -bei Dresden und ein Winterheim in seinem obervogtländischen Dörflein Krebes -beim Burgstein, zwischen Ruderitz und Gutenfürst. Sobald es zu herbsteln begann, -sobald die ersten Schneeflocken herabwirbelten, litt es den Künstler nicht länger -im wohligen Loschwitz. Das Heimweh trieb ihn hinauf in seine heimatlichen -Vogtlandberge und Vogtlandwälder. Und hier, in der Weltabgeschiedenheit des -Krebeser Waldes, in nie befriedigtem Selbststudium, in unablässigem Naturstudium -hat er, den kein Kunstlehrer und keine Kunstakademie dauernd hatte fesseln können, -mühevoll sich den Weg zu seiner Künstlereigenart gebahnt. Hier hat er am -22. Februar 1921 sein Künstlerauge für immer geschlossen. Hier haben wir ihn, -den »Krebesaere«, auf seinen ausdrücklichen Wunsch in den mütterlichen Schoß -seiner heißgeliebten Vogtlanderde gebettet. –</p> - -<p>Mit Stift und Skizzenbuch hat Hermann Vogel sein Vogtland kreuz und quer -durchstreift und, als Maurermeisterssohn, mit ganz besonderer Vorliebe architektonische -Motive heimgetragen. Immer wieder ragen in seinen Bildern die zerfallenen -Mauern der beiden romantischen Burgsteinruinen empor, die seinem -Krebeser Heim und seinem Künstlerherzen so nah benachbart waren: in Maiensonntagsbildern -die untere Burgsteinruine mit dem ländlich gemütlichen Kegelschub, -im mondlichtüberflossenen Schatzgräberbild die obere Burgsteinkapelle, in dem köstlichen -Waldmappenbild von der Märchen erzählenden Großmutter die altersgrauen -Burgsteinmauern mit dem geheimnisdunklen Spitzbogentor im Hintergrund, im -Bild vom grauen Männel, das den späten Gast vom Burgstein heimleuchtet, in -zahlreichen Bildern der <em class="antiqua">Ora-pro-nobis</em>-Brüderschaft, deren Seele der Künstler -gewesen, im Bild vom eingeschneiten Einsiedler, in der innigen Dornröschenkarte -vom Burgstein, deren Geleitgedicht der Malpoet ausklingen läßt:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Hier schläft, umraunt von Wald und Wind,</div> - <div class="verse indent0">Der <em class="gesperrt">Heimat</em> Poesie.</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-007"> - <img class="w100" src="images/illu-007.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Waldseeklause</b></div> -</div> - -<p>Aus vielen, über alle Welt verbreiteten Bildern Hermann Vogels grüßen -uns wie vertraute Freunde Dorfkirchen des Vogtlandes mit ihren runden Zwiebeltürmen: -<span class="pagenum"><a id="Seite_203"></a>[203]</span>das Kirchlein von Krebes, von Kemnitz und Geilsdorf, die weit ins Land -schauende St. Clara-Kapelle von Heinersgrün, die berühmte Bergkirche von Schleiz, -eine der ältesten und denkwürdigsten Kultstätten des gesamten Vogtlandes. Alte -Bauwerke, »Wohnungen der Frau Romantika«, Burgruinen, Kirchen, Tore, Türme -und Schlösser, haben es ihm angetan: der zierliche Schloßturm des Rittergutes -von Wiedersberg im oberen Vogtland, das Stadttor von Saalburg, der Wartturm -von Ziegenrück, Schloß Ranis, das efeuumsponnene, im Pößnecker Kreis, vor -allem das herrliche Schloß Burgk an der Saale in Sommersonnenglanz und -deutscher Winterweihnachtspracht.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-008"> - <img class="w100" src="images/illu-008.jpg" alt="" /> - <div class="caption"> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wahr’ dich vor Waldschmieds Töchterlein!</div> - <div class="verse indent2">Wie Eisen so stark, wie Gold so fein</div> - <div class="verse indent0">Schwingt sie den Hammer wie Wieland gut,</div> - <div class="verse indent2">Wie Kohle loht ihrer Augen Glut!</div> - <div class="verse indent0">Und naht der Schmiede ein Reitersmann,</div> - <div class="verse indent2">Der nicht mehr fechten und traben kann,</div> - <div class="verse indent0">Dem bessert sie Harnisch und Huf zur Stund’,</div> - <div class="verse indent2">Brennt aber auf ewig das Herz ihm wund!</div> - </div> -</div> -</div> -</div> -</div> - -<p>Als begeisterte Anhänger und Vorkämpfer des Heimatschutzgedankens sind -wir dem Künstler aber noch besonders dankbar, daß er bemerkenswerten Resten -und Zeugen heimatlicher Bauweise so liebevoll nachgegangen ist und diese uns in -vielen seiner Bilder erhalten hat: die schindelgedeckten Bauernhütten des Vogtlandes -mit dem Rundbogenbalken über den kleinen Wohnfenstern, den kunstvoll -mit Schiefer verkleideten Giebel der Waldschmiede in Heinersgrün, den altmeisterlichen -Holzwerkgiebel ebendort (in dem Bild von der »Hochzeitsmusik«), das echt -vogtländische Bauernhaus mit Holzgalerie (in Grimms Märchen von den klugen -Leuten), das heimatliche Bauerngehöfte mit Taubenschlag und Bienenstöcken und -Kleinod- (»Klaanet«) Garten (beim Märchen vom Frieder und Katerlieschen), die -altvogtländische Bauernstube mit Spinnrad, vogtländischem Hauskalender und -Kachelofen und volkskunsthandwerklicher Holzverkleidung (aus den Waldmappenbildern), -den urwüchsigen Dorfbrunnen mit bretternem Brunnenhaus und wuchtigem -Klotzhebel, im Volksmund »Leerl« genannt, (beim Märchen vom Fundevogel), -den Wiedersberger Gasthof mit seinem Fachwerk und kunstschmiedeeisernem -Wirtshausschild (im Märchen von dem, der das Fürchten lernen -wollte) und endlich, nicht zuletzt, auch die weltabgeschiedenen Mühlen alle -in den Waldbachtälern des Vogtlandes, vor allen die Kienmühle im Kemnitzgrund -nahe dem Burgstein, zwischen Ruderitz und Geilsdorf, des Künstlers -Lieblingsmühle, wo er so gern geweilt, die er in einem seiner schönsten Gedichte -also preist:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Am Erlenbach, im engen Grund, du Mühle hast mir’s angetan,</div> - <div class="verse indent0">Seit sich dein stiller Frieden mir zum ersten Male aufgetan.</div> - <div class="verse indent0">Wie oft saß ich am Felsenhang, von Fichtenkronen rings umsäumt,</div> - <div class="verse indent0">Und späht’ dein stilles Tal entlang, so heimatfröhlich und verträumt.</div> - </div> - -<hr class="poetry" /> -<hr class="poetry" /> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Noch heute summt durch meinen Traum ein fernes Lied, so leis und lind,</div> - <div class="verse indent0">So liebend, wie wenn in den Schlaf die Mutter singt ihr krankes Kind.</div> - <div class="verse indent0">’s ist ein gar eigen, stilles Lied, so waldeskräftig, sonnenmild,</div> - <div class="verse indent0">Bald fröhlich wie der Mühlenbach, wenn er um moos’ge Felsen quillt,</div> - <div class="verse indent0">Und bald wie Waldesbrausen ernst, dem scheu der Sprung der Rehe lauscht:</div> - <div class="verse indent0">Es ist der <em class="gesperrt">Heimat Zauberlied</em>, das durch die Fichtenkronen rauscht.</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-010"> - <img class="w100" src="images/illu-010.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Im Maien.</b></div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_205"></a>[205]</span></p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-011"> - <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="" /> - <div class="caption"> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wenn der Hans die Grete nimmt,</div> - <div class="verse indent0">Die Musica auf’s Feinste stimmt;</div> - <div class="verse indent0">Wenn der Hans die Grete hat,</div> - <div class="verse indent0">Wendet sich das Notenblatt –</div> - <div class="verse indent0">Nun toent’s bald sueß, wie Nachtigallsang</div> - <div class="verse indent0">Bald, als keiften zwei Kater die Daecher entlang!</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -H. V. 1904 -</p> - -<b>Hochzeitsmusika</b></div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_206"></a>[206]</span></p> - -<p>Der Heimatmühle tief drunten im Tal und dem Heimatwald hoch droben -auf den Vogtlandbergen gehörte des Künstlers volle, treue Liebe.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Du Wald auf meiner Heimat Höh’n,</div> - <div class="verse indent0">Mein ganzes Glück bist du!</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">bekennt er am Schluß des Geleitgedichtes zu seinem ergreifend schönen Heimatwaldbild. -Tagelang und nächtelang ist er als Jäger durch den Krebeser Wald gestreift -und durch die Wälder der Ruderitzberge und der Plattenberge, mit der Donnerbüchse -über der Schulter. Nur selten hat er’s über sich vermocht, ein Wild des -Waldes mit seiner Flinte wirklich tot zu schießen. Mit seinem Stift, dem treffsicheren, -hat er die Tiere belauscht und im Skizzenbuch als Beute heimgebracht: -den leichtflüchtigen Hasen, den listigen Fuchs, das keusche Reh (des Künstlers -Lieblingstiergestalt), die gurrenden Holztauben, das übermütige Eichkätzchen und -die nachtschwarzen Unglücksraben Wotans. (Hermann Vogel als Gestalter der -heimischen Tierwelt ist ein besonders reizvolles Kapitel für sich allein.) Aber über -die oft verblüffende Wirklichkeitstreue hinaus drängte es den Künstler, den heimatlichen -Wald romantisch zu beleben, »märchenhaft und wunderbar«, mit Gnomen -und Zwergen und Elfen und Nixen und Drachen und Hexen und Riesen. Die -Bäume bekommen Gesichter, Arme und Hände. Hinter den Felsen lauern spukhafte -Ungeheuer. Hänsel und Gretel, zwei vogtländische Bauerskinder, schreiten -herzklopfend durch den verzauberten, nächtlichen Vogtlandwald. Hermann Vogel -ist einer der bedeutendsten Märchenwaldmaler des deutschen Volkes. (Wer sich -jemals in seine Waldbilder zu den Volksmärchen der Brüder Grimm und seine -beiden Waldbildmappen vertieft, wird es bestätigt finden.)</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-013"> - <img class="w100" src="images/illu-013.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Madonna im Walde</b></div> -</div> - -<p>Als echter Malerpoet des Vogtlandes erweist sich Hermann Vogel auch in seiner -Darstellung der vogtländischen Menschen, die er oft und gern in seine Bilder hineinführt. -Echt romantisch ist es, wie er auch hier Märchentraum und Wirklichkeit -oft seltsam zu verketten weiß. Wie wirklichkeitsscharf verkörpert er die junge -Vogtländerin mit dem Leibgericht aller Vogtländer, den grünen Klößen (Griegenifften) -in der runden Schüssel, und mit der alten, schönen Vogtlandtracht, der perlenverzierten -Buckelhaube, dem reichbestickten Brusttuch, dem schwarzen Mieder, den -kurzen, blütenweißen Hemdärmeln, dem langen, weiten Rock und der breiten, -bunten Schürze. (Mit dem Künstler beklagen auch wir, daß die altheimische Tracht -von den Dorfbewohnern im Vogtland nicht mehr getragen wird und nur noch in -Museen, in Kästen und Truhen ein verborgenes Dasein fristet.) Was für altvogtländische -Prachtgestalten sind die Mitglieder der Stammtischrunde in der Gutenfürster -Waldschenke, wo auch Hermann Vogel gern gesessen und seinen Jagdabenteuerdurst -gelöscht. Und dann der alte Nachtwächter, Totengräber und Bälgetreter von -Krebes, des Künstlers liebvertrauter Freund, dem er in Bild und Vers ein dauerndes -Denkmal geschaffen! »A’ schön’s Geld kriagt er aa’ … fufzig Pfenning für’n Tag. Und -sei Spritzenhausstüberl hat d’feinste Lag’.« Nicht die Menschen der Großstadt, nein, die -schlichten Menschen der weltfernen vogtländischen Dörfer, die arbeitgewohnten -Männer und Frauen, die Alten, die Einsamen, sind des Künstlers liebster Umgang -und Gesellschaft gewesen, und in den Bildern und Liedern des »Einsiedlers von<span class="pagenum"><a id="Seite_209"></a>[209]</span> -Krebes« leben sie alle fort: die einsame Hirtin von Ruderitz, die einsame Waldfrau -aus den Plattenberghäusern, weit im Umkreis als »Waldhex verschriern« und -gemieden, der kranke Einsiedler, den das Märchen selbst in seiner Waldeinsamkeit -besucht und tröstet, der eingeschneite Einsiedelmann auf dem wundervollen Burgsteinwinterbild, -wo zwei Damen aus der Stadt im schicken Schikostüm den Eremiten -mehr erschrecken, als es der dickste Vogtlandschnee vermag.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-014"> - <img class="w100" src="images/illu-014.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Sneewittchen</b></div> -</div> - -<p>Der Winter war des Künstlers liebste Jahreszeit. Bis ins beschwerliche -Alter war es sein größter Spaß, mit Toni Kettner, seinem »Hausgeist«, seiner -verständnisvollen Schwägerin und Pflegerin, auf Schneeschuhen über die Hochflächen -und Talhänge des südwestlichen Vogtlandes hinzuflitzen. Winter und Hermann -Vogel, einander innerlich verwandt, beide – Schwarzweißkünstler! Der Künstler ist -nicht müde geworden, immer von neuem den Zauber des Winters in seinen Bildern -festzubannen. Wintermärchenbilder und – Weihnachtsbilder, aus Vogtlandheimaterlebnissen -geboren, sind wohl das Allerschönste, was Hermann Vogel, der herzinnige -Kinderfreund, der kerngetreue Vogtlandsohn, der deutschfromme Mann, seinem -Volk und Vaterland geschenkt und hinterlassen hat. Als urdeutscher Künstler überträgt -er die Christnachtsgeschichte aus dem fremden Osten herein in seinen heimatlichen -Vogtlandwald. Maria und Joseph sind vogtländische Bauersleute. Joseph, -der Zimmermann, hat Herberg’ mit seinem vertrauten Weib in Wiedersberg, dem -lieblichen, obervogtländischen Dorfidyll, gefunden. Durch den tiefverschneiten Krebeser -Wald flieht die heilige Familie vor dem bösen König Herodes. In Vogtlandwaldesstille -treu geborgen hält die heilige Familie Rast auf ihrem von echt vogtländischen -Rindern gezogenen Schlitten. Vogtländische Bauern, Bäuerinnen und Kinder, vogtländische -Hirten und Knechte drängen sich glückselig zum Christkind oder knien -anbetend am Waldsaum. Engel bringen vom Himmel die Wiege des Christkindleins -hernieder zur Erde, zum Schlosse Burgk an der Saale in seinem -wundersamen Winterweihnachtskleid. Durch die Torbogen des Schlosses Burgk -auf hölzernem Schlitten von Englein gezogen, hält das Christkind Einzug auf -dieser armen, kalten Erde, die frohe Botschaft von Licht und Liebe, Wohlgefallen -und Frieden verkündend. Eines der prächtigsten Vogtlandwinterbilder, -die unserm Künstler gelungen, ist endlich noch das Neujahrsbild, -das er für die Jahres- und Jahrhundertwende 1900 geschaffen: in zauberischem -Mondlicht, von blendendem Schnee bedeckt, gleichsam wie Schneewittchen, -atmet vor uns das Dörflein Krebes. (Wie wundersam zart die kahlen Bäume, -Zaun und Hütten ihre Schatten auf dem weichen Schnee hinbreiten.) Und der -treue Wächter des Dorfes mit seinem Horn und Spieß steht mitten in der Dorfstraße -und blickt empor zu den jagenden Wolken, in denen der deutsche Erzengel -Michael gegen drohende, feindliche Gewalten in den Kampf zieht. (Dies Traumgesicht -des Künstlers ist im Weltkrieg furchtbare Wirklichkeit geworden.) Heimatliches -und Vaterländisches sind in diesem, wie in vielen, vielen Bildern Hermann -Vogels innig zusammengekettet. Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler -seines Wesens und Schaffens. Mit dem heißgeliebten deutschen Vaterland ist auch -ihm die schöpferische Kraft zusammengebrochen. In der Neujahrskarte 1919, die -des Künstlers heimatlich-romantische Eigenart in Bild und Vers noch einmal ganz<span class="pagenum"><a id="Seite_212"></a>[212]</span> -besonders klar wiederspiegelt, hat Hermann Vogel seinem bitteren Weh erschütternden -Ausdruck gegeben:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wir graben mit dem alten Jahr</div> - <div class="verse indent0">Ein Grab dem, was uns heilig war.</div> - <div class="verse indent0">Der Märchenwald sein Hüter sei,</div> - <div class="verse indent0">Der macht die Herzen wundenfrei.</div> - <div class="verse indent0">Dann, Neues Jahr –</div> - <div class="verse indent6">aus Not und Schand’</div> - <div class="verse indent0">Schaff uns ein neues Vaterland!</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-016"> - <img class="w100" src="images/illu-016.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Es war einmal</b></div> -</div> - -<hr class="tb" /> - -<p>Es konnte und sollte in diesen Zeilen dankbaren Gedächtnisses nicht des Meisters -gesamtes Lebenswerk umfassend gewürdigt werden, sondern, den Zielen des Heimatschutzes -gemäß, nur insoweit, als es in der Vogtlandheimatscholle des Künstlers -wurzelt, und auch da nur in knappen Andeutungen, Anregung gebend, selbst noch -inniger und tiefer in das malerische und dichterische Schaffen unseres Hermann -Vogel einzudringen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-017"> - <img class="w100" src="images/illu-017.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Weihnachten</b></div> -</div> - -<p>Ein einigermaßen abschließendes Urteil über ihn, den traumvollen Romantiker -des Stiftes, wird erst dann möglich sein, wenn sein künstlerisches Vermächtnis in -dem geplanten Hermann Vogel-Zimmer des vogtländischen Kreismuseums seiner -Vaterstadt Plauen gesammelt vorliegt: seine frühesten Kinderzeichnungen, seine Illustrationen -zu deutschen Helden-, Geschichts- und Märchenbüchern, seine Bilder und -Gedichte für die »Fliegenden Blätter« und zahlreiche andere deutsche Zeitschriften, -möglichst viele seiner Originale, unveröffentlichte auch aus Privatbesitz, seine Skizzenbücher, -seine handschriftlichen Erinnerungen und Briefe (Hermann Vogel, Plauen ist -ein unermüdlicher, geistvoller, humorvoller Briefschreiber gewesen) und seine hinterlassenen, -zum Teil noch unvollendeten Werke. (Ein »Volksband« mit seinem Bildnis und -Lebensabriß wird vorbereitet, und die Grimmschen Volksmärchen mit Hermann Vogels -herzerquickenden Märchenbildern sollen von Braun und Schneider in München neu -herausgegeben werden.)</p> - -<p>Dann erst wird uns Hermann Vogels künstlerische Bedeutung und Stellung -noch viel eindrucksvoller zum Bewußtsein kommen, namentlich sein inneres Verhältnis -zu Moritz v. Schwind und Ludwig Richter, seinen beiden »Kunstheiligen«, -denen er auf dem Titelblatt seines Bilder- und Geschichtenbuches (vgl. Kunstwart-Heft -vom April 1921), in gestaltenreichen Gedenkblättern und zahlreichen Märchenbildern -gemütinnige Ehrenmale geschaffen hat. Bemerkenswerte Kunstbekenntnisse -Hermann Vogels enthält auch ein Bild, auf dem er in die Rinde des Eichbaums -deutscher Kunst, der von modernen Stürmern gefällt werden soll, folgende Namen -eingeschrieben hat: Dürer, Holbein, Cornelius, Rethel, Moritz v. Schwind, Spitzweg -und Ludwig Richter. Ferner sein Spruch, in dem er seinen Meister Schwind zur -Deutschen Kunst sagen läßt:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Ob alt, ob neu, der Streit is umsunst:</div> - <div class="verse indent0">Es gibt nur a gute und a schlechte Kunst!«</div> - </div> -</div> -</div> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_213"></a>[213]</span></p> -<p>Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens und Schaffens. -Heimat und Vaterland allein werden auch die unerschütterlichen Grundpfeiler sein, -auf denen die Zukunft unseres deutschen Volkes neu aufgebaut werden kann. -Darum ist uns Herzenswunsch und Hoffnung, was Ferdinand Avenarius in seinem -Hermann Vogel-Nachruf ausspricht, daß kommende Geschlechter, wenn die »Richtungen« -noch manchmal geschwenkt haben, sich zu Hermann Vogel, dem Bescheidenen, -zurückfinden werden, vor allem unsere Jugend, unsere Kinder, die deutschen Jungen -und Mädchen, und an seiner glühenden Liebe zu Heimat und Vaterland sich -begeistern, so treu und deutsch zu sein wie er, von dem Fontanes Wort gilt:</p> - -<p class="center"> -»<em class="gesperrt">Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat liebt wie du.</em>« -</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="gesperrt">Anmerkung.</em> Auch für uns hat Hermann Vogel ein köstliches Blatt »Heimatschutz« -geschaffen, das dem längst vergriffenen Bande I unserer Mitteilungen beigegeben wurde. Abzüge -dieses Kunstblattes, auf weißen Karton gedruckt, können wir in beschränkter Anzahl zum Preise -von 15 Mark noch abgeben. Für alle Heimatfreunde bildet das Blatt eine schöne Erinnerung -an den gemütvollen Künstler. (Bestellung auf beigefügtem Bücherzettel erbeten.)</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Kamenzer_Weihnachten">Kamenzer Weihnachten</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Gerhard Stephan</em></p> -</div> - -<p>Kamenz feiert wieder einmal sein Weihnachtsfest. Die andern tun es auch, -aber Kamenz feiert es anders – sinniger, schöner. Man lebt hier in der »wendischen -Türkei« zwar etwas hinter der Zeit her, dafür halten sich aber die alten -Gebräuche auch um so länger, und wehe dem, der es wagen wollte, an ihnen zu rütteln. -Am 30. April ist »Hexenabend«, im August ist es das Forstfest, das unser liebes -Städtchen fast eine Woche lang in Atem hält und dessen Ausfall während des Krieges -von allen Einheimischen schwer empfunden wurde. Zur Weihnachtszeit ist es »der -Fackelzug«, der in so recht poesievoller Weise das liebe Christfest einleitet.</p> - -<p>Unsre brave Freiwillige Feuerwehr muß auch hier wieder ran und die -Fackelträger stellen. Auf dem alten Klosterhof der Franziskaner, der jetzt den -Schulkindern als Aufenthalt während der Unterrichtspausen dient, und der auch -beim Forstfest den Ausgangspunkt bildet, am bescheidenen Denkmal des größten -Stadtsohnes sammelt sich die Schar der Sänger – die Schuljungen, verstärkt durch -einige Mitglieder des »Sängerbundes«. Der geschäftige Kantor mustert die Reihen -und erteilt die letzten Anweisungen: »Also, erst die Musik einen Vers und dann -wird der erste Vers gesungen, dann kommt wieder die Musik und dann der -zweite Vers!« Die Feuerwehr zündet ihre Fackeln an und verteilt sich auf den -Zug, die Musik stellt sich an der Spitze auf.</p> - -<p>Vom Turme des Rathauses ertönt es sechs Uhr, die Hauptkirche antwortet. -Ihre Glocken klingen fort, sie läuten das Christfest ein. Der Zug setzt sich in -Bewegung, das alte liebe Lutherlied erklingt, bald von der Musik allein gespielt, -bald von den Kindern gesungen: »Vom Himmel hoch, da komm ich her!«</p> - -<p>Durchs Klostertor geht der Zug über die Kirchstraße nach dem Markt, genau -wie beim Forstfest. Stark ist die Zahl der Zuschauer, besonders die der Kinder. -Für sie steht am Heiligen Abend das Programm fest: »Erst zum Fackelzug, dann<span class="pagenum"><a id="Seite_214"></a>[214]</span> -heim zur Christbescherung.« Und die Alten schließen sich an, ihnen fehlt auch -etwas, wenn sie nicht zum Weihnachtssingen waren. –</p> - -<p>Die Glocken tragen es hinaus in die Ferne: Weihnachten! – Die Sängerschar -hat ihren Weg zum Rathaus genommen und sich im Kreise aufgestellt. Der -ganze Marktplatz aber ist schwarz. Und laut erklingen die Weihnachtslieder: -»Tochter Zion freue Dich!«, »Halleluja« und das alte ewig neue »Stille Nacht«. -Dann eine große Teilung der Sänger, und der Höhepunkt kommt mit dem zweichörigen: -»Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.« »Im -Namen des Herrn«, so gibt es der andere Chor zurück. (Im Kriege wurde es -einmal nicht gesungen, da fehlte etwas am Weihnachtsfeste.) – Die beiden Abteilungen -finden sich wieder zusammen in dem: »Nun danket alle Gott!«</p> - -<p>Dann aber stürmt die jugendliche Schar der Sänger und Zuhörer auseinander -– dem Weihnachtstische zu. Was bleibt den Alten übrig? Sie müssen auch mit. -Und in wenigen Minuten ist der Platz wieder leer, als wäre nichts geschehen. -Nur die Glocken singen ihr Lied weiter und jubeln es hinaus in die Ferne: -»Christ ist geboren!«</p> - -<p class="mright"> -(Niedergeschrieben Weihnachten 1920.) -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_preussische_Polizeiverordnung_vom_30_Mai_1921">Die preußische Polizeiverordnung vom 30. Mai 1921, -den Naturschutz betreffend</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Martin Braeß</em></p> -</div> - -<p>Während man bei uns in einzelnen Kreisen neuerdings bestrebt ist, eine -Lockerung der Vogelschutzgesetzgebung herbeizuführen, trifft eine ausführliche Polizeiverordnung -für den Umfang des ganzen preußischen Staatsgebiets Bestimmungen, -die auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1920 eine große Anzahl von Tieren weit -über das Vogelschutzgesetz und die Jagdgesetze hinaus in Schutz nimmt. Auch eine -Reihe wildwachsender Pflanzen werden durch die neue Polizeiverordnung vom -30. Mai 1921 geschützt. Diese Verordnung ist in mehrfacher Beziehung bemerkenswert; -sie verdient die größte Beachtung auch in allen andern Ländern des Reichs.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Naturschutzgedanke</em>, das ist der erste hocherfreuliche Eindruck, hat -sich hier durchgerungen; ungetrübt tritt er in die Erscheinung. Die Frage nach -Nutzen und Schaden steht nicht mehr im Vordergrund, sondern einzig die Sorge, -unsrer Heimat die Mannigfaltigkeit, den Reichtum ihrer Tier- und Pflanzenwelt -zu erhalten. Deshalb Schutz all den Geschöpfen, deren Dasein ernstlich bedroht -ist! Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu -fangen oder zu töten. Ihre Eier, Nester oder sonstigen Brutstätten dürfen weder -fortgenommen, noch beschädigt werden. Diese Bestimmungen gelten auch für den -Meeresstrand und das Küstenmeer. Nur das Sammeln der Möweneier, wie es -bisher geübt ward, bleibt unberührt; dagegen sind die Eier der Seeschwalben geschützt.</p> - -<p>Die Liste der geschützten Tiere beginnt mit zwei <em class="gesperrt">Insekten</em>, den beiden -Formen des prächtigen <em class="gesperrt">Apollofalters</em> und der <em class="gesperrt">Gottesanbeterin</em>, deren -Gestalt wohl ebenso wunderlich ist wie ihr Name. Für Preußen mögen die beiden -Tiere allerdings zu den größten Seltenheiten gehören: ich kenne sie nur aus Südbayern<span class="pagenum"><a id="Seite_215"></a>[215]</span> -und Österreich. Diesen Kerbtieren schließt sich als einzige Vertreterin der -<em class="gesperrt">Reptilien</em> die <em class="gesperrt">Sumpfschildkröte</em> an, die noch in Westpreußen und den -benachbarten Gebieten lebt, auch im Regierungsbezirk Lüneburg, an der Unterweser, -in Schleswig-Holstein, ebenso vereinzelt in der Altmark, im Braunschweigischen -und in Schlesien nachgewiesen ist, während es sich bei unsern sächsischen Funden, -wie es scheint, nur um ausgesetzte und verschleppte Tiere handelt. Es ist dringend -erwünscht, daß diese einzige Vertreterin ihrer Ordnung dem Deutschen Reich als -seltenes Naturdenkmal erhalten bleibe.</p> - -<p>Die Reihe der geschützten <em class="gesperrt">Vögel</em> ist sehr groß, obgleich bereits das Reichsvogelschutzgesetz -über die meisten unsrer gefiederten Freunde seine schützende Hand -hält, so daß es nicht nötig war, sie hier mit aufzunehmen. Trotzdem umfaßt -diese Liste 51 Nummern, wobei zu bedenken ist, daß Sammelnamen wie Weihen, -Eulen, Reiher u. a. mehr oder weniger zahlreiche Einzelarten umfassen. Sehr zu -begrüßen ist es, daß überall hinter die deutschen die wissenschaftlichen Namen gesetzt -sind, so daß jede Unklarheit ausgeschlossen ist, während dieser Mangel beim Reichsvogelschutzgesetz -hier und da störend zutage tritt. Dieses schützt z. B. die »Bussarde« -(§ 8). Sind darunter nur die in Europa brütenden Formen der Gattung <em class="antiqua">Buteo</em> -mit Einschluß des Rauhfußbussards (<em class="antiqua">Archibuteo lagopus</em>) gemeint oder auch der -Wespenbussard (<em class="antiqua">Pernis apivorus</em>)? Dieser gehört ja zur Familie der Weihen und ist -ebensowenig ein Bussard, wie z. B. die »Turmschwalbe« (<em class="antiqua">Cypselus apus</em>) eine Schwalbe.</p> - -<p>Der Schutz, den die Polizeiverordnung den angeführten Vögeln gewährt, ist -dreifach abgestuft. Das ganze Jahr über sind geschützt: der <em class="gesperrt">Kormoran</em>, der -<em class="gesperrt">Höckerschwan</em>, die <em class="gesperrt">Zwergtrappe</em>, <em class="gesperrt">schwarzer</em> und <em class="gesperrt">weißer Storch</em>, -<em class="gesperrt">Reiher</em> und <em class="gesperrt">Rohrdommeln</em>, mit Ausnahme des Fischreihers, der <em class="gesperrt">Schlangen-</em>, -<em class="gesperrt">Schrei-</em>, <em class="gesperrt">Stein-</em> und <em class="gesperrt">Seeadler</em>, der <em class="gesperrt">Wespenbussard</em>, der <em class="gesperrt">Baum-</em>, <em class="gesperrt">Rotfuß-</em> -und <em class="gesperrt">Turmfalk</em>, alle <em class="gesperrt">Eulen</em> einschließlich des <em class="gesperrt">Uhus</em>, die <em class="gesperrt">Spechte</em>, der <em class="gesperrt">rotköpfige</em> -und der <em class="gesperrt">schwarzstirnige Würger</em>, der <em class="gesperrt">Kolkrabe</em>, der <em class="gesperrt">Steinsperling</em>, -der <em class="gesperrt">Karmingimpel</em> und der <em class="gesperrt">Wasserschmätzer</em> (die Wasseramsel). -Man sieht, eine ganze Anzahl Fischerei- und Jagdschädlinge, wie Kormoran, Rohrdommel, -die verschiedenen Adlerarten, der Uhu, sollen geschützt werden, doch aus -keinem andern Grunde, als weil sie zu den seltenen Naturdenkmälern gehören, die -wir unsern Grenzen erhalten wollen. Welch’ gewaltiger Fortschritt gegenüber den -bisher in Preußen geltenden Bestimmungen! Da waren Kormoran, Wespenbussard, -Baum- und Rotfußfalk, der Uhu, alle Würger, der Kolkrabe »vogelfrei«, d. h. sie -durften von jedermann gefangen und getötet, auch ihrer Eier und Jungen beraubt -werden. Nun genießen sie auf einmal innerhalb Preußens den denkbar größten Schutz. -Andere wieder, wie die Störche, Eulen (mit Ausnahme des Uhus), der Turmfalk, die -Spechte, der Wasserschmätzer erfreuten sich auch schon bisher des Schutzes durch das -Reichsgesetz. Ihre Aufzählung in der vorliegenden Liste glaube ich nur dahin deuten -zu sollen, daß man den unbedingten Schutz dieser Vögel nochmals nachdrücklichst -betonen will. Von den in Preußen jagdbaren Vögeln nennt die Verordnung den -Höckerschwan, die Zwergtrappe, die Rohrdommel und die verschiedenen Adler.</p> - -<p>Während der Brutzeit, nämlich vom 1. März bis 31. August, sollen die -folgenden geschützt sein: <em class="gesperrt">Eisalk</em>, <em class="gesperrt">Trottellumme</em>, <em class="gesperrt">Papageien-</em> und <em class="gesperrt">Polartaucher</em>,<span class="pagenum"><a id="Seite_216"></a>[216]</span> -<em class="gesperrt">Möwen</em> und <em class="gesperrt">Seeschwalben</em>, <em class="gesperrt">Eider-</em> und <em class="gesperrt">Schellente</em>, <em class="gesperrt">Brandgans</em>, -<em class="gesperrt">Austernfischer</em>, <em class="gesperrt">Steinwälzer</em>, <em class="gesperrt">Regenpfeifer</em>, <em class="gesperrt">Kiebitz</em>, <em class="gesperrt">Triel</em>, -<em class="gesperrt">Säbelschnäbler</em>, <em class="gesperrt">Strand-</em>, <em class="gesperrt">Kampf-</em> und <em class="gesperrt">Wasserläufer</em>, <em class="gesperrt">Uferschnepfe</em>, -<em class="gesperrt">Brachvogel</em>, <em class="gesperrt">Kranich</em>, <em class="gesperrt">Turtel-</em> und <em class="gesperrt">Hohltaube</em>, die <em class="gesperrt">Weihen</em> (mit Ausnahme -der Rohrweihe), die <em class="gesperrt">Milane</em>, der <em class="gesperrt">Wanderfalk</em>, der <em class="gesperrt">Raubwürger</em> und der -<em class="gesperrt">Tannenhäher</em>.</p> - -<p>Man sieht, es sollen sehr viele jagdbare See- und Küstenvögel, deren Schonzeit -bisher viel enger begrenzt war, nämlich vom 1. Mai oder auch vom 1. März -an bis zum 30. Juni, eine wesentlich längere Schonzeit genießen, damit sie ihre -Bruten in Ruhe und Sicherheit großbringen, während die angeführten Tauben sich -bisher überhaupt keiner Schonzeit erfreuen durften. Die zuletzt genannten Raubvögel -aber, mit Einschluß des großen Raubwürgers, ebenso der Tannenhäher waren -bisher in Preußen völlig schutzlos der Willkür eines jeden preisgegeben. Es ist -dankbar anzuerkennen, daß die Idee des Naturschutzes auch hier über alle engherzigen -Bedenken gesiegt hat. Hoffentlich gelingt es noch in letzter Stunde, die -recht seltenen Vögel durch diese Maßnahmen unserm Vaterland zu erhalten.</p> - -<p>Vom 1. März bis 30. Juni aber sollen geschützt sein die <em class="gesperrt">Säger</em> und die -<em class="gesperrt">Graugans</em>. Erstere waren bisher vogelfrei, die Graugans aber, zu den jagdbaren -Vögeln gehörend, entbehrte jeder Schonzeit.</p> - -<p>Auch einige <em class="gesperrt">Säugetiere</em> werden aufgeführt, die alle mehr oder weniger -schädlich sind. Ihre Seltenheit oder ihr meist nur vereinzeltes Vorkommen rechtfertigt -aber den unbedingten Schutz, den die neue Polizeiverordnung ihnen gewähren -will. Es sind die folgenden: <em class="gesperrt">Sieben-</em>, <em class="gesperrt">Baum-</em> und <em class="gesperrt">Gartenschläfer</em>, die -<em class="gesperrt">Haselmaus</em>, der <em class="gesperrt">Biber</em> und der <em class="gesperrt">Nörz</em> (Sumpfotter). Es ist möglich, daß die -genannten kleinen Nagetiere noch in vielen Gegenden des mittleren Deutschlands -auftreten, namentlich dort, wo Laubwaldungen vorherrschen, aber sie führen ein -recht verstecktes Leben, und warum soll man mit dem Schutz eines Tieres immer -erst so lange warten, bis es die allerhöchste Zeit ist, sich seiner anzunehmen? Biber -aber und Nörz sind für Deutschland so seltene Tiere geworden, daß ihr unbedingter -Schutz von jedem Naturfreund gefordert werden muß. Der Biber, ehemals in -unserm Vaterland weit verbreitet, lebt nur noch an der Elbe zwischen Magdeburg -und Wittenberg, wo zu seinem Schutz bereits alle Maßnahmen getroffen sind; der -Nörz aber galt sogar vor kurzem für ausgerottet, bis einige Funde dies widerlegten. -Er wird sicherlich vielfach verkannt und übersehen.</p> - -<p>Von allgemein geschützten wildwachsenden <em class="gesperrt">Pflanzen</em> führt die Liste folgende -Arten an: <em class="gesperrt">Straußen-</em> und <em class="gesperrt">Königsfarn</em>, alle Arten von <em class="gesperrt">Bärlapp</em>, <em class="gesperrt">Schlangenmoos</em>, -<em class="gesperrt">Eibe</em>, <em class="gesperrt">Federgras</em>, <em class="gesperrt">Türkenbund</em>, <em class="gesperrt">Frauenschuh</em>, <em class="gesperrt">Strandvanille</em>, -<em class="gesperrt">Seidelbast</em>, <em class="gesperrt">Wassernuß</em>, <em class="gesperrt">Stranddistel</em>, <em class="gesperrt">eichenblättriges Wintergrün</em>, -die ausdauernden (blaublühenden) Arten von <em class="gesperrt">Enzian</em> und <em class="gesperrt">Linnäe</em>. Es ist verboten, -die genannten Pflanzen zu entfernen oder zu beschädigen, insbesondere sie -auszugraben, auszureißen, Blüten, Zweige oder Wurzeln abzupflücken, abzureißen -oder abzuschneiden.</p> - -<p>All diese Verbote würden aber wenig erreichen, wenn die Verordnung nicht -zugleich den <em class="gesperrt">Handel</em> mit den geschützten Tieren und Pflanzen untersagen würde.<span class="pagenum"><a id="Seite_217"></a>[217]</span> -In § 5 heißt es: »Es ist verboten, die auf Grund dieser Verordnung geschützten -Tierarten, einschließlich ihrer Eier und Nester, sowie Pflanzen, soweit nicht eine -anderweitige Anordnung getroffen ist, feilzuhalten, anzukaufen, zu verkaufen, sowie -zu befördern.« Ausnahmen sind bei besonderen Gründen vorgesehen, namentlich -wenn es sich um Abwendung wesentlicher, wirtschaftlicher Nachteile handelt, um -Zucht- und Brutzwecke oder um wissenschaftliche und Unterrichtszwecke. In diesen -Fällen kann der Regierungspräsident für den Bereich oder für Teile seines Bezirks -Ausnahmen gestatten; doch muß zuvor die Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege -gehört werden. Diese, sowie für seinen Bezirk der Regierungspräsident und die -von ihm ermächtigten nachgeordneten Behörden sind außerdem befugt, »schriftliche -Ausweise zu erteilen, welche die darin bezeichnete Person berechtigen, fremde Grundstücke -zu solchen Untersuchungen und Ermittlungen zu betreten, die den Schutz -von Tierarten, von Pflanzen oder von Naturschutzgebieten betreffen.« »Die Grundstückseigentümer -und Nutzungsberechtigten sind verpflichtet, den mit Ausweis versehenen -Personen den Zutritt zu gestatten und ihnen die zur Erfüllung ihrer Aufgaben -erforderlichen Auskünfte zu erteilen.«</p> - -<p>Man muß gestehen, daß diese Anordnungen allen Wünschen des Natur- und -Heimatschutzes gerecht werden. Besonders daß der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege -in Preußen der Platz eingeräumt wird, der allein ihr gebührt – -eigentlich eine Selbstverständlichkeit – ist sehr erfreulich. Nur mit dem letzten -Paragraphen der Verordnung, der die Strafandrohung bei Übertretungen ausspricht, -kann man sich nicht einverstanden erklären. Was bedeutet heutzutage eine Strafe -von 150 Mark! Und das ist die Höchststrafe, die auf Grund von § 34 des Feld- -und Forstpolizeigesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 8. Juli 1920 in Frage -kommen kann. Es erscheint dringend geboten, daß ein Naturschutzgesetz erlassen -wird mit Androhung von Strafen, die wirklich als solche empfunden werden.</p> - -<p>Vor unsrer weißgrünen Grenze macht die neue Polizeiverordnung halt. Leider -gilt sie eben nur für Preußen. Aber selbstverständlich, auch wir, die Nachbarn, -werden hoffen dürfen, daß jene Verordnung, wenn sie in den angrenzenden preußischen -Gebieten genau befolgt wird, auch für unsre hartbedrängte heimatliche Tier- und -Pflanzenwelt nicht ganz ohne segensreichen Einfluß bleibt. Zugleich aber erwächst -uns die nachbarliche Pflicht, alles zu vermeiden, was dem Sinne jener Verordnung -zuwiderläuft. Es wäre zu wünschen – und ich meine, man kann sich diesem -dringenden Wunsche gar nicht verschließen – daß die Regierungen auch der andern -deutschen Länder Naturschutzverordnungen erlassen, die sich dem von preußischer -Seite gegebenen Vorbild aufs engste anschließen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Wanderbilder_aus_dem_oestlichen_Vogtland">Wanderbilder aus dem östlichen Vogtland</h2> - -<p class="center">Von Studienrat <em class="gesperrt">H. Hänig</em>, Wurzen</p> - -<p class="center s90">Aufnahmen von <em class="gesperrt">Curt Sippel</em>, Plauen i. V.</p> -</div> - -<p>Es geht mir, wenn ich die Feder ergreife, um den Leser nochmals zu einer -Wanderung durch das Vogtland einzuladen, ähnlich wie einem alten Schriftsteller: -ich muß ihm zunächst Dank dafür sagen, daß er mir durch das verhältnismäßig<span class="pagenum"><a id="Seite_218"></a>[218]</span> -einförmige Gebiet jenseits der Elster gefolgt ist, und ich kann ihm dafür versprechen, -daß ihm der östliche und südliche Teil dieses Landes wenigstens landschaftlich mehr -bieten wird als der westliche. Allerdings verfügt er nicht über Glanzpunkte wie -die vogtländische Schweiz und das Triebtal, das ja im übrigen selbst auf der -rechten Seite in das Elstertal einmündet, und er vermag keine Edelsteine dörflicher -Kunst wie die erwähnte Kirche zu Kürbitz aufzuweisen, aber die Bodenformen -selbst sind hier weit mannigfacher, und derjenige, den immer wieder gerade der -Blick ins Weite und die Sehnsucht nach den Höhen in die Natur hinauszieht, wird -hier eher auf seine Kosten kommen als bei einer Wanderung jenseits der weißen -Elster, wie wir sie früher zurückgelegt haben. Wer einmal von der Höhe des -Friedrich-August-Steines in Schöneck hinabgeschaut hat ins weite Land oder dem -Plätschern der Rißfälle gelauscht oder wer auf dem Grenzwall des vogtländischen -Erzgebirges mit seinen Blicken nach Sachsen und Böhmen gewandert ist, der wird -anerkennen müssen, daß sich gerade dieser Teil des Vogtlandes mit jedem anderen -Sachsens an Naturschönheiten messen kann, und der wird verstehen, daß es einen -Dichter wie J. Mosen immer wieder, wenn auch in weiter Ferne, zur Muttererde -hinzog.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent2">Wo auf hohen Tannenspitzen,</div> - <div class="verse indent0">die so dunkel und so grün,</div> - <div class="verse indent0">Drosseln gern verstohlen sitzen,</div> - <div class="verse indent0">weiß und rot die Moose blühn,</div> - <div class="verse indent0">zu der Heimat in der Ferne</div> - <div class="verse indent0">zög ich heute noch so gerne –</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Es liegt mehr darin in diesen Worten als so mancher ahnen dürfte – es ist die -wahre, tiefe Sehnsucht nach dem Mutterboden, nach den Bächen und Tannen der -Heimat, von der der Dichter auch weit in der Ferne nicht lassen konnte. –</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-025"> - <img class="w100" src="images/illu-025.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Kirche in Kürbitz</b></div> -</div> - -<p>Allerdings wird man hier, wo es sich darum handelt, dem Leser einen -Gesamtüberblick über das Ganze zu geben, ohne eine Einschränkung nicht auskommen -können: das eigentliche Volkstümliche, Heimatliche findet sich im Vogtland -mehr nach dem Süden zu, während der nordöstliche Teil heute von einem Netz von -Industriestätten überzogen ist, die wenig Merkmale der ersteren Art aufkommen -lassen. So bietet gleich Reichenbach, wo wir unsere Wanderung beginnen wollen, -das Bild einer wohlhabenden Mittelstadt mit stark industriellem Einschlag, und der -Ort enthält wenig, was gerade den Kunst- und Altertumsfreund zu längerem -Bleiben einladen möchte. Das Hasten und Treiben der modernen Zeit pulsiert -hier tagaus – tagein in dem Stadtkörper, und wie eine Erleichterung überkommt -es den Wanderer, wenn er etwa um Mittag einen Blick über das Tal schweifen -läßt bis hinüber zu der Höhe des Netzschkauer Kuhberges, wo eine Bismarcksäule -Wacht über das nördliche Vogtland hält: aus hundert Fabrikschornsteinen strömt -wie erlösend der Rauch, und Tausende von Händen feiern, um nach kurzer Zeit -wieder die Arbeit zu beginnen. So ist die Stadt voll von Webereien, Färbereien -und Spinnereien, und die größte dieser gewerblichen Anlagen, die Schlebersche -Färberei, stellt mit ihren vielen Schornsteinen einen Organismus für sich dar, wie -er in dieser Ausdehnung nicht so leicht wieder gefunden wird. Und doch vermag<span class="pagenum"><a id="Seite_219"></a>[219]</span> -auch in dieser Gegend so manches daran zu erinnern, daß alles einst geworden ist -und seinem Wesen nach mit Vergangenem zusammenhängt. Schon der Name der -Stadt, der an den des Goldflusses, der Göltzsch, erinnert, weist auf ein hohes Alter -der Ansiedlung hin, und so wird denn Reichenbach schon 1140 in zwei alten -Urkunden als Stadt genannt, während Plauen damals nur als »Ortschaft« erwähnt -wird. In der Altstadt fließt der Seifenbach, wo das Gold geseift, d. h. die Goldteilchen -aus dem Sande herausgewaschen wurden, und auf den früheren Bergbau -weisen noch heute Stollen hin, die sich in dieser Gegend erhalten haben. Reichenbach -gehörte mit den umliegenden Dörfern zu der Herrschaft, mit der 1212 König -Ottokar v. Böhmen von Friedrich II. belehnt wurde, und es war später zeitweise -Reichslehen, bis es durch den vogtländischen Krieg wieder an Böhmen fiel. Schon -zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts muß die Industrie hier bedeutend gewesen -sein, bis 1720 eine furchtbare Feuersbrunst den größten Teil in Asche legte, aber diese -vermochte ebensowenig wie die von 1833 den Aufschwung der Stadt zu hindern, -sondern hat im Gegenteil zu ihrer Erneuerung beigetragen, so daß besonders die -Bahnhofsvorstadt heute ein freundliches Bild bietet. In weit höherem Maße -vermag Mylau mit seinem Kaiserschloß und der vielbogigen Göltzschtalbrücke das -Auge des Wanderers zu fesseln. In der Stadt selbst ist vor allem die prächtige, -reiche Stadtkirche hervorzuheben, das Schloß dagegen liegt auf einem Hügel, der -nur auf einer Seite bequem zu erreichen ist. Es zerfällt in zwei Höfe: den großen -westlichen Burghof mit seinen beiden viereckigen Türmen und dem verwitterten -Löwen über dem Haupteingang, der zum böhmischen Wappen gehört und die<span class="pagenum"><a id="Seite_220"></a>[220]</span> -frühere Zugehörigkeit des Mylauer Schlosses zu Böhmen zeigt, – dahinter der -kleinere, östliche Burghof, der »Kaiserhof«, der mit seinem Bergfried und seinem -Saalbau sowie dem ehemaligen Frauen- und Herrenhause noch ein ziemlich gutes -Bild der früheren Zeit zu bieten vermag. Allerdings sind von der früheren -Herrlichkeit des Saalbaues nur noch wenige Wappenschilde vorhanden, und das -ehemalige Frauen- und Herrenhaus ist zu einer vielbesuchten Schenke geworden. -Auch die Kapelle ist ihrer Würde entkleidet, so daß von ihrem Schmucke nur noch -die gewölbte Decke mit rohgemalten Blumen und Engelsfiguren sowie einige Wappen -übriggeblieben sind. Immerhin steht das Schloß mit seinen wuchtigen Mauern -und dicken Türmen auch heute noch wie ein Wächter über Stadt und Land, und -von den Fensternischen schweift der Blick gern in die Weite: nach der gewaltigen, -fast hundert Meter hohen Göltzschtalbrücke, die sich in vier gigantischen Bogenreihen -über das hier stark verbreiterte Göltzschtal spannt, oder nach dem gewerbfleißigen -Netzschkau, das sich von dem Tale bis zur Höhe des Kuhberges hinaufzieht, dessen -von Gesteinstrümmern übersäte Kuppe selbst bewaldet ist.</p> - -<p>An der erst vor einigen Jahren gebauten Göltzschtalbahn gelangen wir durch -stille Waldtäler, in denen sich heute gleichfalls hier und da eine Fabrikanlage -erhebt, nach Lengenfeld, das im übrigen wie seine Nachbarstadt Treuen seiner -Entwicklung nach nicht von den weiter südwärts gelegenen Städten Auerbach und -Falkenstein zu trennen ist. Aber im Wettlaufe, den die letzten Jahrzehnte mit sich -gebracht haben, ist die zuerst genannte Stadt zurückgeblieben: seitdem die von -Bewohnern vielleicht slavischen Ursprungs lebhaft betriebene Tuchmacherei in -Verfall gekommen ist, genügte die hier eingeführte Industrie (Spitzen, Filzwaren, -Spinnereien) gerade noch, um die Bewohner ernähren zu können, während der -Grund, der sich von hier aus bis hinauf zu den Quellmooren der Mulde zieht, -in ungleich schnellerem Maße besiedelt wurde, so daß sich gerade hier die -Schwankungen, denen die Industrie unterworfen ist, in der Gegenwart unangenehm -bemerkbar machen. Und doch haben vor allem Auerbach mit seinem alten Schloßturm -und das hochgelegene Falkenstein mit seiner schönen Kirche auch als Städte -etwas Anziehendes. Besonders die letztere Stadt ging erst dann zur Industrie -über, als es mit dem Bergbau vorüber war, der ihr schon im sechzehnten Jahrhundert -die Rechte einer freien Stadt verliehen hatte, und wie bei Auerbach und -Lengenfeld griff auch hier ein großer Brand gewaltsam ein, so daß diese Orte im -wesentlichen ein neuzeitliches Aussehen haben. Der Naturfreund freilich wird -gerade hinter Falkenstein die Natur des oberen Vogtlandes selbst suchen, die sich -mit ihrem Waldreichtum unmittelbar hinter der Stadt nach allen Seiten auftut. -Schon die Felspyramide des Lochsteins und die zackige Wand des Wendelsteins -verdienen als Naturdenkmäler ebenso gewürdigt und besucht zu werden wie die -Rißfälle, die in etwa einer Stunde von Falkenstein aus zu erreichen sind. In -vielen kleinen Wasserfällen stürzt hier die Göltzsch zwischen Wald und Felsen in -die Tiefe und zaubert die verschiedenartigsten Bilder vor das Auge des Wanderers. -Wir befinden uns hier auf einer Höhe von etwa siebenhundert Metern und beinahe -auf dem Kamm des Elstergebirges, das sich in dieser Gegend über das weite -Gebiet des Schönecker Waldes nach Süden dahinzieht. Die Siedlungen werden<span class="pagenum"><a id="Seite_221"></a>[221]</span> -spärlicher, wenn sie überhaupt das Wald- und Moorgebiet unterbrechen: ein paar -Holzhütten oder höchstens das eine oder andere Dorf hat sich auf diese Höhe -gewagt, und der Rauch, der von hier aufsteigt, ist an stillen Nachmittagen oft das -einzige, was noch den Wanderer an die Tätigkeit des Menschen zu erinnern vermag.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-027"> - <img class="w100" src="images/illu-027.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Kirche in Kürbitz</b></div> -</div> - -<p>Die große Ausdehnung des Schönecker Höhengebietes erklärt sich übrigens -daraus, daß hier mehrere Gebirgszüge zusammenstoßen: das Elstergebirge, das sich -von hier aus nach Südwesten hinzieht, und von der Kirchberger Seite her der -westlichste Ausläufer des Erzgebirges, der vom Kuhberge bei Schönheide beginnt -und wegen seiner Höhe bis zu siebenhundert Metern eine Reihe von Genesungsstätten -enthält, die, von ausgedehntem Hochwald umgeben, von ihrer luftigen Höhe -aus freundlich in das gewerbfleißige Tal der oberen Göltzsch herabschauen. Auch -der etwas südlich davon verlaufende vogtländische Kamm des Erzgebirges, der sich -etwa vom Kranichsee bis zum Schönecker Wald dahinzieht, ist anziehend genug,<span class="pagenum"><a id="Seite_222"></a>[222]</span> -um mit dem übrigen Teile dieses Gebirges einen Vergleich aushalten zu können. -Um den hohen Wall, der sich hier zwischen das sächsische Niederland und das -Egertal schiebt, durchwandern zu können, verläßt man am besten bei Rautenkranz, -das bereits dem Vogtlande angehört, die Bahn des romantischen oberen Muldentals, -die von Aue ab stundenlang zwischen Felstürmen und Wiesentälern bis zur Höhe -des Schönecker Waldes hinauf dahinführt und wandert auf der wohlgebauten -Straße in dem Tal der großen Pyra aufwärts, die in den Mooren des Kranichsees -entspringt. Noch zwei Dörfer mit den charakteristischen erzgebirgischen Holzhäusern -haben hier Platz gefunden, bis nach etwa zwei Wegstunden auch die letzten -menschlichen Siedlungen aufhören und ein einsames Waldtal die Blicke des -Wanderers bannt: bis fast an die drei oder vier Häuser von Sachsengrund ziehen -sich von den Höhen die Fichten herab, und eintönig plätschern die Wässer im -Wiesengrund, während nach der böhmischen Grenze zu der fast tausend Meter -hohe Rammelsberg die Wacht hält. Was noch jenseits dieser Häuser liegt, gehört -bereits der Waldwildnis an, in der sich der Weg noch eine Stunde lang hinaufzieht, -bis der Kranichsee mit seinem Hochmoor sich weit über die Höhe von fast -neunhundert Meter ausbreitet. Hier beginnt auch der sogenannte Schwertweg, der über -den Rücken des kleinen Rammelsberges nach dem Vogtlande hinführt. Eine merkwürdige -Höhenstraße, von der sich der Blick rasch nach allen Seiten weitet: im -Norden die blauen Linien der Auerbacher Berge mit ihrem Waldreichtum, und -nach Süden zu der Steilabfall des Gebirges nach der Egerebene, hinter der weitere -Gebirgszüge Nordböhmens hervorschauen. Bei einer Waldlichtung überschreitet hier -die Landstraße die Gebirgshöhe, die von Tannenbergstal nach Klingental hinüberführt. -Aber wir wollen das merkwürdige Gebilde des Schneckensteins nicht vergessen, -das sich bescheiden im Walde versteckt hält und der schwer zu finden wäre, -wenn ihn nicht die Markierung des Verbandes vogtländischer Gebirgsvereine jedem -bequem zugänglich machte. Von den Topasen ist allerdings gegenwärtig ebensowenig -mehr zu sehen, als von den kleinen Schnecken, nach denen dieser einsam im Walde -emporragende Fels seinen Namen hat. Auf Treppenstufen ist sein Gipfel auch für -Ungeübte zu erklimmen, und man könnte, wenn man die Felsrisse und Felsblöcke -vor sich hat, einen Augenblick an irgend einen Gipfel der Kalkalpen erinnert -werden, wenn uns nicht die bescheidene, nur nach Norden und Westen reichende -Aussicht belehrte, daß wir uns nur auf einer Höhe von etwa achthundert Meter -befinden und daß wir uns durch den Waldreichtum, der hier überall zutage tritt, -für die Schönheiten der Alpenwelt entschädigen müssen.</p> - -<p>Das Elstergebirge macht hier eine ziemliche Biegung nach Süden und zieht -sich waldbedeckt bis zum Kapellenberg hin – aber wir dürfen von ihm nicht -Abschied nehmen, ohne der Stadt Klingental zu gedenken, die von hier aus in -kurzer Zeit zu erreichen ist. Hart an der böhmischen Grenze hat sie bis heute ihr -Bild als sächsische Kleinstadt bewahrt, und nur die kleine Rundkirche macht eine -Ausnahme, die sich inmitten des Ortes anstatt der sonst üblichen Renaissance- oder -gotischen Kirche erhebt. Mit Böhmen wird sie allerdings immer in einem gewissen -inneren Verhältnis bleiben, denn es waren böhmische Musikanten, die hier herüberkamen -und die Stadt gründeten – die Geigen, Trompeten und Klarinetten, die<span class="pagenum"><a id="Seite_223"></a>[223]</span> -noch heute hier gefertigt werden, wandern in alle Welt, und in jedem Hause des -weit bis hinauf besiedelten Grundes klingt und singt es ebenso wie in Markneukirchen, -das weiter westwärts in einem Seitentale der weißen Elster eingebettet -ist.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-029"> - <img class="w100" src="images/illu-029.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Winnknock am Wendelstein</b></div> -</div> - -<p>Übrigens ist auch der Kamm des Elstergebirges oberhalb Klingentals reich -an Aussichtspunkten aller Art und hat auch einzelnen Gehöften Raum gegeben, sich -da oben anzusiedeln, und man kann das weite Waldgebiet vom Kuhberg bei -Schönheide aus stundenlang durchstreifen und findet immer wieder Punkte, die -solche Wanderungen lohnend machen. Ganz einsam wird der Wald erst in der -Gegend von Kottenhaide bei Schöneck, aber auch hier ist der Blick in das Waldgelände -und über die Wipfel der Fichten anziehend genug, um die Beschwerden -des Weges vergessen zu machen. Stundenlang schwellt ein weicher Moosteppich -unter den Schritten des Wanderers, während der Kuckuck lockt und der Specht -seine Schläge durch den Wald erschallen läßt. Wie ein fernes Sagen erklingt das -Rauschen der Bäume und das Murmeln der Bäche, die hier oben zahlreich in dem -Moore ihren Ursprung haben. Nur selten verhallt in der Ferne der Schrei einer -Lokomotive, die keuchend das Muldental heraufkommt, um nach kurzer Zeit bei -Schöneck wieder in weitem Bogen ins Tal hinabzufahren. Den Schwarzwald des -Vogtlandes hat man diese Hochfläche genannt, und wer einmal auf ihr gewandert -ist, wird diesen Vergleich nicht unrecht finden und zugeben, daß so manches, was -wir bisher nur in der Ferne zu suchen pflegten, auch in unserem engeren Vaterlande -zu finden ist. Erst an dem Abfalle nach Westen zu lichtet sich der Wald. -Wie ein Wahrzeichen dieses Höhengebietes liegt nach dem Elstertale vorgeschoben<span class="pagenum"><a id="Seite_224"></a>[224]</span> -etwa zwei Wegstunden von Falkenstein Schöneck, das schon durch seine Lage zu -den seltsamsten Städten Deutschlands gehört und deshalb wert ist, längere Zeit -unsere Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-030"> - <img class="w100" src="images/illu-030.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Rißfälle</b></div> -</div> - -<p>Die Stadt Schöneck ist eine Bergstadt, wenn ein Ort in Deutschland überhaupt -diesen Namen verdient; denn sie liegt nicht nur auf der stattlichen Höhe von siebenhundertachtundsechzig -Metern, sondern sie baut sich hier auch hart am Rande der -erwähnten Hochfläche auf, die sich von dem Elstergebirge zum Erzgebirge dahinzieht -und nach Westen zu ziemlich rasch zum Elstertale hinabfällt. Es ist, als wäre hier -oben jeder freie Platz bis zum letzten ausgenützt worden und als klammerte sich -ein Haus eng an das andere, um noch auf der Höhe selbst bleiben zu können, -denn schon die Hauptstraße des Städtchens führt steil abwärts und noch mehr die -Verbindungswege, die von der Stadt westwärts nach den nächsten Dörfern weisen,<span class="pagenum"><a id="Seite_225"></a>[225]</span> -und dem Wanderer, der etwa von Ölsnitz her heraufsteigt, muß es zu Mute sein, -als habe er hier endlich die Höhe erreicht und müsse durch den Rundblick für die -Mühe belohnt werden, die ihm das Steigen gekostet hat. Und das ist tatsächlich -der Fall; denn zwischen jeder Häuserreihe drängt sich ein Stück vogtländischer -Gebirgslandschaft hinein, und von dem Friedrich-August-Stein, der sich neben der -Kirche unvermittelt aufbaut und auf dem früher eine stattliche Burg zum Schutze -gegen die Sorben gestanden hat, bietet sich dem Auge eine geradezu überraschende -Aussicht dar: wie auf einer Landkarte liegt das ganze Vogtland vom Kuhberg -bei Netzschkau bis hinüber zum Kapellenberg an der böhmischen Grenze vor dem -Auge des Wanderers ausgebreitet, und Hügel wechseln in endloser Reihe mit -Wäldern, Wiesen und Dörfern, bis sich fern am Horizonte die sanften Bogen des -Frankenwaldes und der bayrisch-böhmischen Berge darüber spannen. Und diese -Landschaft zeigt immer neue Reize, zu welcher Zeit man sie auch betrachten mag: -wenn an einem Sommerabend der rote Mond emporsteigt hinter den Bergen und -die ganze Gegend in seinem Dämmerlichte versunken ist oder wenn im Herbste die -Heidefeuer emporsteigen und klarer als je sich die Linien der Berge und Wälder -hervorheben, oder wenn an einem Januartage die ganze Landschaft in dem Winterkleide -leuchtet und die unendliche Mannigfaltigkeit dieser Landschaftsformen in -tausend Farben glitzert. Nur die Stadt selbst bleibt immer dieselbe im Wechsel der -Jahreszeiten, ob man sie nun von Kemmler bei Plauen sehen mag oder von -Mißlareuth oder von dem Granitsockel des Kapellenberges: sie hängt, die Häuser -eng um den Markt und die Kirche gedrängt, hoch oben über dem Tale, und mir -fallen, so oft ich sie sehe, immer zwei Städte in Italien ein, mit denen ich sie am<span class="pagenum"><a id="Seite_226"></a>[226]</span> -ehesten vergleichen möchte: Assisi in Umbrien, die Stadt des heiligen Franziskus, -und Rokka di Papa, das Räubernest im Albanergebirge bei Rom, das hoch oben -am Latinerberg seine Stätte gefunden hat.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-031"> - <img class="w100" src="images/illu-031.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Großer Rammelsberg und Sachsengrund, Kammweggebiet</b></div> -</div> - -<p>Die Stadt Schöneck darf sich schon im vierzehnten Jahrhundert der Rechte rühmen, -die ihr von Karl IV. erteilt worden sind und ist heute wegen ihrer Lage ein stark -besuchter Luftkurort geworden, während die Bewohner vorzugsweise in der Industrie -(Zigarren usw.) beschäftigt sind, dagegen sind die Abhänge zwischen der Stadt und -dem Elstertale erst allmählich besiedelt worden, und manches der hier liegenden -freundlichen Dörfer ladet zu längerem Verweilen ein. Durch den sogenannten Buttergrund -führt ein Weg stark bergab nach dem Dörfchen Marieney, das zwischen Wiesen -und Wald dahingestreckt liegt und das sich rühmen kann, die Heimat des größten -vogtländischen Dichters, Julius Mosen, zu sein. Dort streifte er als Knabe allein -durch Wälder und Auen oder lag am murmelnden Erlenbach oder er saß stundenlang -auf dem alten Kirchenboden, um dem Ticken des Perpendikels und dem -Schnarren des Räderwerks der großen Kirchenuhr zu lauschen. Von dem sprachkundigen -Vater wurde er schon in der Heimat in den Anfangsgründen der -lateinischen Sprache unterrichtet und selbst als er auf das Gymnasium zu Plauen -kam, wanderte er noch oft hinaus in das Heimatsdorf, um die Eindrücke der -Jugend wachzurufen. Die schöne Gabe, Land und Leute zu schildern, die uns -besonders in den Bildern »Im Mose« entgegentritt, mag auf des Vaters Art zurückgehen, -wie er den Kindern die biblischen Geschichten und die Weltgeschichte erzählen -könnte. Auch die rauhe Kriegszeit, die damals über das Vogtland dahinging -(Mosen ist 1803 geboren), hinterließ bei dem aufgeweckten Knaben lebhafte Eindrücke -und klingt in den Vaterlandsliedern wieder, durch die er volkstümlich -geworden ist – wer vergißt von seinen Erzählungen das Heimweh oder Ismael, -oder von seinen Gedichten Zu Mantua in Banden oder den Trompeter an der -Katzbach oder den Löwen zu Braunschweig und wie die Gedichte alle heißen mögen, -durch die sein Name in ganz Deutschland bekannt geworden ist. Nach der Heimat -zog es ihn immer wieder zurück, mochte er nun als Aktuar in Kohren oder als -Rechtsanwalt in Dresden beschäftigt sein, wo er übrigens seine glücklichste Zeit -verlebte, und wie schwer mag es ihm geworden sein, als er nach dem fernen -Oldenburg übersiedelte, wo er eine sichere Stelle als Hofrat und Theaterdichter im -Dienste des dortigen Großherzogs gefunden hatte. Eine zunehmende Krankheit -verbitterte ihm seine letzten Lebensjahre, und nur noch einmal fiel ein Lichtbild in -diese Nacht, als Freunde mit vieler Mühe eine Gesamtausgabe seiner Werke veranstalteten. -Zwei Fichten aus dem Vogtlande beschatten sein Grab, in welchem er nach -zweiundzwanzigjährigem Leiden am 10. Oktober 1867 zur Ruhe gebettet wurde. –</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-033"> - <img class="w100" src="images/illu-033.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Schneckenstein</b></div> -</div> - -<p>Von Marieney gelangen wir in zwei Stunden nach Markneukirchen, dessen -wir schon bei der Erwähnung von Klingental zu gedenken hatten. Die Stadt, die -zwei Kilometer von der Adorf–Aue–Chemnitzer Bahn entfernt liegt, ist neben -dem genannten Orte der Hauptsitz der vogtländischen Musikinstrumentenfabrikation, -und man erhält in die Reichhaltigkeit dieses Erwerbszweiges am besten einen -Einblick, wenn man die wertvolle Sammlung in- und ausländischer Musikinstrumente -aus älterer und neuerer Zeit besichtigt. Auch hier die Mannigfaltigkeit der Bodenformen,<span class="pagenum"><a id="Seite_227"></a>[227]</span> -die für das obere Vogtland charakteristisch ist und die sich auch in dem -südwestlichen Teile jenseits der Elster findet: die ganze Landschaft aufgelöst in Berg -und Tal, Teilstücke von Hügeln mit Dörfern oder Einzelgehöften und Wäldern, -so daß es sich auch hier lohnt, einmal seitwärts vom Elstertal selbst auf die Höhen -hinaufzusteigen. Wer von Plauen kommt, wird allerdings noch durch eine ganze -Anzahl von vogtländischen Städten aufgehalten werden, die sich hier, wo eine alte -Straße am Elsterlauf entlang hinüber nach Böhmen führt, angesiedelt haben. So -liegt gleich Ölsnitz am Ende der erwähnten Straße, die von Eger bis hierher führte, -und gilt als eine der ältesten Städte des Vogtlandes, die vielleicht von den Sorben -gegründet ist. Als dann die Deutschen das Land besiedelten, wurde hier eine -befestigte Straßensperre angelegt, und man grub gegen einen Angriff der Feinde -die großen Teiche (der letzte ist 1898 verschwunden), wobei die Befestigungsanlagen<span class="pagenum"><a id="Seite_228"></a>[228]</span> -noch durch das Schloß Vogtsberg verstärkt wurden, dessen Türme auch von Schöneck -sichtbar sind. Aus den Mitteln des Bergbaues – die Zinn- und Kupfergruben -wurden 1519 durch Wasser zerstört – wurde die schöne St. Jakobskirche errichtet, -die mit ihren beiden Türmen weit über das Städtebild hervorschaut. Sie ist ein -Muster gotischen Kirchenbaues, obwohl von der ursprünglichen Anlage nur noch -die Türme in ihren Unterteilen sowie ein sandsteinernes Dreipaßrelief von der -äußeren Südseite des Chores erhalten sind. Auch später ist sie öfters umgestaltet -worden; so erhielt sie ihre jetzige Gestalt nach dem großen Stadtbrande, während -das Innere 1888/89 künstlerisch erneuert wurde. Die Türme wurden 1865 nach -den Plänen von Lipsius errichtet, und auch im Inneren findet sich manches schöne -Denkmal kirchlicher Kunst: die Chorfenster von C. L. Türcke in Zittau mit prächtiger -Glasmalerei, sowie das Altargemälde: Abendmahl der Emmausjünger von Moritz -Heidel und der Taufstein, der 1833 von E. Rietschel gefertigt worden ist. Ähnliche -Umwandlungen hat auch die alte Kirche St. Katharina am alten Friedhofe durchgemacht, -deren Sterngewölbe im alten Chor aus der alten Kirche noch auf das -fünfzehnte Jahrhundert zurückweist. In neuester Zeit hat Ölsnitz seinen Aufschwung -besonders der Industrie wie der Teppich- und Kammgarnfabrikation zu verdanken -gehabt, nicht zu vergessen seine günstige Lage, durch die es besonders wegen der -Nähe der sächsischen und böhmischen Bäder zu einem Standquartier für Touristen -geworden ist.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-035a"> - <img class="w100" src="images/illu-035a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7 <b>Schöneck</b></div> -</div> - -<p>Das weiter südlich liegende Adorf, ein freundliches Städtchen mit etwa achttausend -Einwohnern, ist besonders durch die Perlmutterfabrikation groß geworden, -die auch in Ölsnitz zu Hause ist, die Muscheln wurden früher zahlreich in der -Elster gefunden, und der Erwerbszweig ist geblieben, auch nachdem die Funde -seltener geworden waren, so daß heute auch zahlreiche importierte Stücke dort verarbeitet -werden. Im übrigen zeigt auch Adorf mit seinem geräumigen Marktplatz -dasselbe freundliche Bild wie alle diese vogtländischen Kleinstädte, und die Industrie, -die sich auch hier zahlreich findet, hat es nicht wesentlich zu beeinflussen vermocht. -Abseits davon sind noch zwei Orte zu erwähnen, deren Name jedem bekannt ist -und die dem Reichtum der Erde selbst ihre Blüte verdanken: Bad Elster und -Brambach. Inmitten der Nadelwälder des Elstergebirges ist hier eine Stätte für -Genesungsuchende entstanden, die mit ihren Quellen und Sprudeln (alkalisch-salinische -Eisensäuerlinge, Glaubersalz, kohlensaure Stahlbäder) jährlich Tausenden Genesung -bietet und sich zu einem modernen Bade entwickelt hat, wobei auch dem Moorboden -aus den großen Lagern der Umgebung ein wesentlicher Anteil zufällt. In -weitaus freierer Lage ist Bad Elster, wenn auch in weit bescheidenerem Maße, -Brambach gefolgt, das in der Nähe der böhmischen Grenze am Fuße des Kapellenberges -in einer engen Talmulde eingebettet ist. Wer von Adorf nach Brambach -wandert, durchschreitet zuerst in fortwährender Steigung ein stilles Waldtal, bis -der Weg zuletzt steil auf die letzte Hügelwelle hinaufführt, die vor Brambach -gelagert ist und erblickt von hier hinüber nach den waldbedeckten Höhen des -Elstergebirges und ein Stück ins böhmische Land hinein, das sich hier von beiden -Seiten an diese Ausläufer des Vogtlandes heranschiebt. Auch Brambach selbst hat -sich, so gut es möglich war, an die eingeengte Lage im Tale des Fleissenbaches,<span class="pagenum"><a id="Seite_229"></a>[229]</span> -der hier in westlicher Richtung der Elster zufließt, angepaßt. Die Straße nach -Eger führt von hier unmittelbar am Kapellenberg vorbei, der mit seinem granitenen -Aufbau wie ein Wächter des südlichen Vogtlandes dasteht und von dessen Gipfel -eine weite Rundsicht nach Norden und über Böhmen gestattet ist. Die beiden -nächsten Dörfer, die südlichsten des Vogtlandes, liegen bereits tief unten am Steilabfall -des Elstergebirges, und Straße und Eisenbahn haben die Senkung nur -künstlich durch große Bogen überwinden können. Wir sind hier am Ende unserer<span class="pagenum"><a id="Seite_230"></a>[230]</span> -Wanderung angelangt, aber an einer Stelle, von der sich in kurzer Zeit weitere -Glanzpunkte landschaftlicher Schönheit erreichen lassen: das herrliche Egertal im -Osten, oder das Kaisergebirge mit Eger und Franzensbad oder das Fichtelgebirge -mit seinen östlichen Ausläufern bei Selb und Tirschenreuth und der uralten -Kultstätte des Klosters Waldsassen, die von hier in ein paar Wegstunden zu -erreichen ist.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-035b"> - <img class="w100" src="images/illu-035b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8 <b>Kirche von Bösenbrunn am Triebelbach</b></div> -</div> - -<p>Es war nicht meine Absicht, eine vollständige Beschreibung des Vogtlandes -zu geben, sondern es waren nur Wanderbilder, die vor dem Auge des Lesers -vorüberziehen sollten, um ihn selbst zu einer Fahrt durch diesen südwestlichen Gau -Sachsens einzuladen. Wer mehr mit der Landschaft selbst vertraut werden will, -der möge selbst kommen und schauen, und er wird mit der Überzeugung zurückkehren, -daß kein Grund vorliegt, das Vogtland hinter den übrigen Gegenden -unseres engeren Vaterlandes zurückzusetzen. Daß es noch nicht »Mode« geworden -ist, ist wohl der beste Beweis, daß ein Unterkommen auf den Wanderungen auch -denen ermöglicht ist, die nur über bescheidene Mittel verfügen.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-036"> - <img class="w100" src="images/illu-036.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 9 <b>Bad Elster</b></div> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="gesperrt">Anmerkung.</em> Wer mehr über das Vogtland erfahren will, sei auf die Literatur verwiesen, -die auch bei den vorliegenden beiden Arbeiten benutzt worden ist, vor allem auf: Unser -Vogtland (Heimatkundliche Lesestücke für die Schulen des sächsischen Vogtlandes, bearbeitet von -einer Kommission Plauenscher Lehrer, Verlag der Dürrschen Buchhandlung, Leipzig), Das Königreich -Sachsen in Wort und Bild von Leo Woerl und Steche: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- -und Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen; weitere Literatur ist in dem zuerst genannten Buche -angeführt. Denen, die ihr Wissen und Können in den Dienst dieser Sache stellten, besonders -Herrn C. Sippel, Schriftführer des Verbandes vogtländischer Gebirgsvereine in Plauen, der für -beide Aufsätze eine Reihe von eigenen photographischen Aufnahmen zur Verfügung stellte, bin -ich zu großem Danke verpflichtet.</p></div> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_231"></a>[231]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Trachtenechtes_Spielzeug">Trachtenechtes Spielzeug</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Karl Lucas</em>, Meißen</p> -</div> - -<p>Weihnachten naht. Es wird gebastelt, gesägt, geschnitzt, geleimt, geklebt bis -über die mitternächtige Stunde hinaus. Das Weihnachtsfieber hat uns gepackt.</p> - -<p>Auch mir ging es so. Auf dem Wunschzettel meiner Mädel waren kleine -Tierchen, Männer und Bauernfrauen verzeichnet. Diese Sächelchen waren bereits -in Anzahl im Besitze der kleinen Bittstellerinnen. Aber es sollten noch mehr sein. -Es sind das jene reizenden Gegenstände, die aus unseren Erzgebirgsdörfern ihren -Weg in jede Spiel- und Holzwarenhandlung gefunden haben. Bei ihrer Naturtreue -und ihrem auch heute noch verhältnismäßig billigen Preise werden sie sehr gern -gekauft. Sie treten in scharfen Wettbewerb mit den altbekannten früheren »Pfengstückchen«. -Auch ärmere Leute greifen oft nach den natürlicher wirkenden »Dreiertierchen« -(Friedenskurs!). Es wird der leider nicht überall befolgte Grundsatz -angewandt: Wenig und gut ist besser als viel und schlecht.</p> - -<p>Ein Vorzug der »Dreiertierchen, Fünf-Pfeng- oder Groschentierchen und --männel« ist es, daß sie sich in ein besseres Größenverhältnis zu den aus Bauklötzchen, -Modellierbogen usw. aufgebauten Gebäuden einstellen. Das Spiel gibt -so ein getreueres Bild der Wirklichkeit und wird natürlicher und lebendiger.</p> - -<p>Bei anderer Gelegenheit stieß ich auf die Künstlermodellierbogen. Diese -verhalten sich zu den schablonenhaften früheren Bogen wie Tag zur Nacht. Leider -gibt es auch heute noch Bogen, bei deren Herstellung derartig hohe Maßstäbe wie -an die Künstlermodellierbogen nicht angelegt worden sind. An zwei aufgestellten -Modellen – Lappenlager und rumänisches Bauerngehöft – hatte ich erfahren -können, was für ein anschauliches Bild diesen Siedelungen samt dem Leben und -Treiben der Bewohner durch diese Bogen vermittelt wird.</p> - -<p>Einem Zuge nach der Heimat folgend, wählte ich für meine Mädel das -»Altwendische Bauerngehöft« (Teubner Nr. 19) aus. Eine Pappe 37 : 50 Zentimeter -genügte zur Aufstellung. Dabei blieb noch Platz für Wege, Raine, Brücken, Baumgruppen, -für einen Bach mit Entenpfütze. Die Gebäude wurden durch eingelegte -Pappe gesteift. So entstand ein ziemlich standhaftes Spielzeug. Zur Belebung -sind auf dem Bogen eine Anzahl Leute, Tiere und Bäume aufgezeichnet. Sie -erfüllen ihren Zweck nicht recht. Die ausgeschnittenen, auch gesteiften Gestalten -vertragen das fortgesetzte Anfassen schlecht. Dann fehlt ihnen die Körperlichkeit, -die die Gebäude nach ihrer Aufstellung besitzen. Die Einbildungskraft der Kinder -überwindet den Mangel der Gestalten zum Teil. Freudiger aber greifen sie zu den -körperlichen Gestalten, die aus unserer sächsischen Spielwarenerzeugung hervorgegangen -sind.</p> - -<p>Ich entschied mich von vornherein für die Aufstellung der Holzsächelchen. -Beim Durchstöbern der Vorräte in den Läden fand ich Tiere, Taubenschläge, landwirtschaftliche -Geräte, Wagen, Hundehütten, Bienenstände in reicher Auswahl und -geeignet für meinen Bauernhof. Aber Menschen, wie ich sie brauchte, konnte ich -nirgends auftreiben. Um meinen Hof nicht verwaist stehenzulassen, nahm ich, -was da war: Bauern, Bäuerinnen, Butterfrauen, Nachtwächter, Kinder, Geistliche,<span class="pagenum"><a id="Seite_232"></a>[232]</span> -Brautleute, Kränzeljungfern, Stadtvolk. So hatte ich Leben. Aber es paßte wie -die Faust aufs Auge, wenn ich in meinem Hofe den Großknecht in Älplertracht -spazieren sah.</p> - -<p>Meine Mädel freuten sich zunächst uneingeschränkt, nach und nach wurden -ihnen die Widersprüche aber bewußt. Freude löste diese Entdeckung bei ihnen -nicht aus.</p> - -<p>Auch der Erwachsene spielt gern mit, wenn das Spiel heimatliche Vorstellungen -und Gefühle auslöst. Eine rechte Freude kann aber bei ihm nicht aufkommen, -wenn sich solche Stilwidrigkeiten fortgesetzt aufdrängen. Das bedeutet aber einen -Verlust für den Erwachsenen und für das Kind. Unsere Zeit hastet. Sie löst den -einen früher, den andern später aus der Umgebung, in der er seine Kindheit -verlebte. Ein großer Teil unseres Volkes führt ein modernes Nomadenleben. Nur -noch ganz bestimmte Volksgruppen haben sich die Seßhaftigkeit bis zu einem -gewissen Grade bewahrt. Aber auch diese Kreise fangen an, den Sinn in die -Weite schweifen zu lassen und das Naheliegende zu übersehen. Der sich überallhin -ausbreitende Verkehr mit seinem Einebnen alles dessen, was kennzeichnend hervortreten -will, läßt die besten Eindrücke der Kindheit rasch verblassen. Alles wird -käuflich, verkäuflich. Es scheint, als ob jene innerlich wirkenden Werte einer -Sache, die aus der Geschichte, aus der Pietät heraus zu erklären sind, schwänden. -Gerade diese Werte aber machten früher eine Sache oft unbezahlbar. Darum -müssen wir das alles mit Freuden begrüßen, was uns helfen könnte, jene verborgenen, -in der Vergangenheit wurzelnden Werte wieder zu erschließen. Im -Geiste wenigstens lerne jedes sich wieder versenken in die Schätze der Vergangenheit, -damit die Gegenwart mit ihren verwickelten Verhältnissen besser verstanden werde. -Alle Gegenwart ist Gewordenes. Alles Gewordene fußt in der Vergangenheit. -Wir sollen nicht mehr bloß Gegenwartsmenschen sein wollen, sondern sollen uns -wieder als etwas betrachten lernen, das in der Vergangenheit wurzelt. Wir -werden dann einsehen, daß jedes gewaltsame Lösen der Fäden, die uns mit der -Vergangenheit verbinden, einen nie wieder gut zu machenden Schaden für den -einzelnen wie für die Gesamtheit bedeutet.</p> - -<p>Unsere Spielwarenerzeugung kann uns helfen, die verborgenen Beziehungen -zum Vergangenen wieder aufzudecken, kann uns helfen, Einkehr zu halten in den -Tagen der Kindheit wie in denen der reifen Jahre, kann uns helfen, die Heimat -durch ihre Vergangenheit zu verstehen. Ein weites unbebautes Feld breitet sich -hier für diese Industrie aus. Rechte Bearbeitung muß eine gute Ernte für den -Erzeuger und für die Gesamtheit unseres Volkes bringen. Gefühl und Sinn für -Heimatliebe, Volkskunst, Heimatschutz würden zu gleichen Teilen durch Belehrung -im Spiel schon in den Kleinen geweckt werden. Fortgesetztes Spiel mit Spielzeug, -das mehr wie Spielzeug sein will, brächte diesen Sinn, diese Gefühle zum Wachstum. -Schließlich würden sie beim Erwachsenen unbewußt zum unveräußerlichen Besitzstand -geworden sein.</p> - -<p>Wie können die beteiligten Industrien diese Forderungen erfüllen? Kurz -gesagt dadurch, daß sie Erzeugnisse schaffen, die die Verbindung mit der Heimat -erkennen lassen und echt sind, also jede Scheinkunst vermeiden. Wir brauchen<span class="pagenum"><a id="Seite_233"></a>[233]</span> -Modellierbogen, die uns einen <em class="gesperrt">sächsischen</em> wendischen Bauernhof, einen <em class="gesperrt">sächsischen</em> -ländlichen Bahnhof, ein <em class="gesperrt">sächsisches</em> mittelalterliches Rathaus usw. darstellen. -In unserem Vaterlande haben wir reichliche Stoffbeispiele dafür. Ferner sei zur -Auswahl gestellt: Oberlausitzer Weber- und Gutshäuser – Erzgebirgische Gebäude – -Moritzburg – Altes Leipziger Rathaus – Meißner Dom, Albrechtsburg, Rathaus, -Bürgerhäuser – Bautzener Gebäude – alte sächsische Kirchen, Mühlen, Pochwerke – -Gebäude, deren Erhaltung mit besonderer Sorgfalt oft unter Aufwendung nicht -geringer Mittel durchgeführt wird (Frohnauer Hammer) – Bogengruppen mit -Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Siedlungsweisen (Pfahldorf, Rundling, -Längsdorf, Dörfer mit sägeblattähnlicher Gebäudestellung, Klosterbauten, Gartenstädte, -Alt-Dresden, Alt-Leipzig). Wenn heute die Festung Königstein als Modell herausgebracht -würde, so würde wohl kaum etwas dagegen eingewendet werden.</p> - -<p>Seien nun die Gebäude auszuführen vom Modellierbogen aus, seien sie besser -aus einzelnen bemalten Holzteilen zusammenzuschränken, jedenfalls werden dem -Kinde im Spiel die Unterschiede der Bauweisen, der Siedelungsanlagen auffallen. -Fragen nach zeitlichen und örtlichen Gründen, auch nach solchen der Zweckmäßigkeit -werden auftauchen. Nicht alle Fragen wird der Erwachsene befriedigend beantworten -können. Er wird mit dem Kinde und durch das Kind Heimatkunde und -Heimatgeschichte treiben müssen, wenn er nicht dauernd die Fragen halb oder -ausweichend oder mit »ich weiß das selber nicht« beantworten will. Darum -dürfen die Modellbogen nicht ohne Erläuterungsblätter gelassen werden. Gute -Bücher können noch gründlichere Auskunft erteilen. Ansätze in dieser Richtung -sind vorhanden. Aber die Heimatforschung hat noch genügend Brachland zu -bearbeiten, ehe sie alle Wünsche nach dieser Seite hin befriedigen kann. Es gibt -wohl keinen Ort Sachsens, der nichts hätte, was als bauliches Wahrzeichen für -Modellzwecke festgehalten zu werden verdiente.</p> - -<p>Zu den Modellen von Bauwerken gehört das richtige Gestaltenmaterial. Getreu -dem Leben oder – wenn dies keine Kunde mehr gibt – getreu den kulturgeschichtlichen -Quellen wird es dargeboten. Wie viele verborgene Schätze unsrer Heimatsammlungen, -Geschichtsmuseen, Bildergalerien, Innungsschränke, Zunftladen könnten -da eine fröhliche Auferstehung feiern! Wie könnte aus dem, das hinter Glas und -Rahmen, Tür und Riegel wohlverwahrt gehalten wird, ein Quell der Heimatliebe -entspringen! Da werden lebendig: alte Zünftler, Landsknechte, Zöllner, Sänftenträger, -Narren, fahrende Gesellen. Dazu die alten Gebäude. Die Vergangenheit -wird lebendig in der Gegenwart. Aus Papierstoff, Holz, Zinn, Linoleum, durch -Guß, Pressen, Drehen, Schnitzen werden die zeit- und trachtenechten Gestalten hergestellt. -Sie sind einzeln käuflich (zum Aussuchen). Sie können aber auch – zu -fein abgestimmten Gruppen geordnet – in widerstandsfähigen Schachteln erstanden -werden, die recht wohl die überlieferte Aufschrift tragen können: Andenken an … -Zur Erinnerung an … Oheim Max bringt dem kleinen Hans eine Schachtel -mit: <em class="gesperrt">Andenken an Leipzig</em>. Drinnen liegen Studenten in Wichs. Das -Fräulein mit farbigem Band ist Base Lotte, die Studentin. Burschen heraus zum -Couleurbummel! Muhme Alma bringt eine Schachtel mit: <em class="gesperrt">Erinnerung an -Meißen</em>. Da sind zu sehen: Aschekarl, Aschemarie mit dem Spitz auf dem Arme,<span class="pagenum"><a id="Seite_234"></a>[234]</span> -Kalmus, der dumme Junge von Meißen, ein Fremder mit der Fummel, Winzer, -Winzerinnen. <em class="gesperrt">Freiberg</em> wartet auf mit Bergstudenten, Bergleuten in Parade- -und Arbeitstracht, <em class="gesperrt">Kloster Marienstern</em> mit Osterreitern und Nonnen, <em class="gesperrt">Bautzen</em> -mit dem Taubenjokel, wendischen Männern und Frauen und Kindern, dem Hochzeitsbitter, -der Braut und dem Bräutigam, <em class="gesperrt">Oybin</em> mit Mönchen. Anderswo gibt es -beim Schützenfeste die ganze Schützengilde in einer Schachtel wohlverwahrt zu erstehen. -<em class="gesperrt">Radeberg</em> knüpft an seine Bürgerwehr, seinen ehemaligen Bergbau, sein Gregoriusfest, -seine Soldaten an. <em class="gesperrt">Leppersdorf</em> und <em class="gesperrt">Augustusbad</em> bieten an eine Einsiedelei -mit Bäumchen, Hasen, Rehen, kleinen Vöglein und dem »Lampert im Walde«. -Ein Steinkreuz, ein Grenzstein, ein altes Denkmal gehört auch manchmal in so -eine Schachtel. <em class="gesperrt">Schmiedefeld</em> bei Stolpen und andere Orte waren vor Einführung -der Eisenbahn belebtere Orte als jetzt. Sie lagen an den alten Poststraßen. Eine -Schachtel zeigt als Inhalt eine alte Postkutsche, ein Land-(fracht-)fuhrwerk, Zöllner, -Torwächter, Handwerksburschen, Reisende in Biedermeiertracht. Kriegszeiten haben -viele sächsische Orte durchleben müssen (Hussiten-, Schweden-, Franzosenzeit). <em class="gesperrt">Kamenz</em> -bringt bei seinem Forstfeste eine Schachtel heraus, deren Inhalt die Erinnerung an -eine glückliche Errettung aus solch schweren Tagen wach hält. Bei Regimentstagen -können Gestalten in den Regimentstrachten der verschiedenen Zeiten vertrieben werden. -Vom Trachtenfest »Biedermeierzeit« bringen Vater und Mutter eine Spielschachtel mit, -die entsprechende Gestalten, Rosenlauben, grüne Hecken enthält. Das, was bei Ausstellungen -mit den »alten Städten« (Vergnügungsecken) geboten wird und nach seiner -oft recht beachtlichen geschichtlichen Treue wert wäre, länger zu bestehen, das könnte -in verkleinerter Ausgabe zum Spiel geschaffen, als Andenken verkauft werden.</p> - -<p>Im Vereine mit guten Gebäudenachbildungen müssen solche Geschenke oder -Andenken in Vergangenheit und Gegenwart vertiefen helfen, müssen sie alt und -jung zur Besinnung einladen. Die Sachen haben ja etwas zu erzählen. Der -Quell der Sage und Geschichte muß da sprudeln. Kinder und Erwachsene werden -beim Spiel oft in den Geleisen wandeln, die der Darstellung zugrunde liegen. -Wie wir aber einen »Freiberger Bauerhasen« stets mit einer gedruckten Erklärung -zu kaufen bekommen, so darf bei all diesen Sachen nicht mit frisch und lebendig -geschriebenen Erläuterungen gespart werden.</p> - -<p>Trachtenechte Puppen, stilgerechte Puppenmöbel (Himmelbetten, Bauerntische, -Schemel, Wiegen, Stühle, geblümte Vorhänge, Teller, Tassen, Kannen), eine rechte -Bauernstube, Weberstube, Patrizierstube, Spinnstube: das müßte Mädchen eine -wirkliche Freude geben!</p> - -<p>Das sind wirkliche Reiseandenken, die ihren Zweck erfüllen, ein Band zu -schlingen über den Geber hinweg vom Empfänger zum kulturgeschichtlichen, heimatkundlichen -Stoff. Das kann von den jetzt noch beliebten Fangbällen, Windrädern, -Abziehbildern und Postkarten auf Holzquerschnitten, Steingutsachen u. a. m. nicht -behauptet werden. Welche Sorte von Reiseandenken verraten wohl Verlegenheit -und Gedankenlosigkeit des Gebers, welche begegnen Verlegenheit und Gleichgültigkeit -beim Empfänger?</p> - -<p>Strenge Wahrhaftigkeit in der Darstellung des trachtenechten Spielzeugs gibt -den Kleinen auch wahre Anschauungen. Eine nach irgendeiner Seite hinzielende,<span class="pagenum"><a id="Seite_235"></a>[235]</span> -da hinzufügende, dort verheimlichende Scheinkunst ist verpönt. Sie würde Truggebilde -der Heimat erzeugen und die Jugend verwirren. Für die Jugend muß -nur das Beste gerade gut genug sein. Aber auch viele Erwachsene gleichen in -dieser Hinsicht Kindern und verlangen die gleiche Behandlung. Auch ihnen dürfen -wir das Bild der Heimat durch Unwahrhaftigkeit des gebotenen Spielzeuges nicht -entstellen oder verzerren.</p> - -<p>Die Bestandteile der Kleinspielzeugkästen werden etwas schematisch, maschinenmäßig -aussehen. Auf die Maschinenhilfe kann aber aus Gründen möglichster -Billigkeit nicht verzichtet werden. Doch der handarbeitende Holzschnitzer mag nicht -abseits stehen. Wie verschieden können ein Student, Soldat, Bergmann, Mönch, -Bauer, Schützenhauptmann gestaltet werden in Bewegungen, Gesichtszügen, Farbengebung! -So können wir auch mit handgeschnitztem Kleinspielzeug unsere Schachteln -füllen, die freilich nur zu einem höheren Preise zu haben sein könnten. Ein -Vergleich von geschnitzten und gedrehten Figuren wird die Berechtigung des Preisunterschiedes -beweisen. Der Schnitzer kann seine Gestalten aus dem Bereiche des -gewöhnlichen Spielzeuges in das Gebiet des Kleinkunstwerkes erheben. Ich erinnere -mich der Ausstellung von Krippenfiguren in Dresden. Wie verschieden hatte jeder -einzelne Aussteller sein persönliches Empfinden in einem gegebenen Stoffe zum -Ausdrucke gebracht. Bewegung, Ausdruck, Farbe, Gruppierung usw., das alles -zusammen genommen brachte trotz Gleichheit des Vorwurfes doch durch die selbständige -Auffassung der einzelnen Verfertiger große Unterschiede heraus. Dazu -kam die unterschiedliche Beherrschung und Anwendung der einzelnen Techniken. -Neben etwas schematisch anmutenden Sachen waren reizende kleine Kunstwerke -vertreten, bei denen die Schablone einer durchgeistigten Auffassung hatte weichen -müssen. So braucht sich auch der Gestalter einzelner Personen vom trachtenechten -Spielzeug nicht sklavisch an überlieferte Bewegungs-, Ausdrucks- und Kompositionsschemen -zu halten, sondern kann diese etwas traditionellen Sachen mit seinem -eigenen Geiste durchdringen, bezw. durchbrechen, wenn am letzteren nicht höhere -Gesichtspunkte hindern sollten. Tracht und Farbengebung ist ja doch durch die -Überlieferung festgelegt. Mancher Käufer wird dann die auch nicht besonders -billigen Phantasiegestalten der jetzt noch herrschenden Marktware zurückweisen, um -nach einer nicht so billigen, aber lebenswahren Figur zu greifen, die durch einen -gut empfindenden Gestalter herausgebracht worden ist. Solche Geschenke brauchen -sich nicht vor dem Tageslichte zu scheuen. Sie werden immer wieder gern -angesehen.</p> - -<p>Unsere sächsischen Spielwarenerzeuger können aber auch über die Landesgrenzen -greifen. Nach guten Vorbildern kann unsere Industrie jedes außersächsische Modell -lebensvoll gestalten. Für Seebäder werden Schachteln gefüllt mit trachtenechten -Fischern und Fischerinnen, Seeleuten, Badegästen, Badekarren, Strandkörben – -für Halle Hallorengruppen usw. So können Trachtengruppen aus dem ganzen -früheren und jetzigen deutschen Vaterlande zusammengestellt werden. An Künstlermodellierbogen -stehen uns für diese Zwecke eine ganze Anzahl zur Verfügung, die -den Aufbau von Gebäuden aus allen Teilen Deutschlands ermöglichen. Die Verzeichnisse -könnten noch durch eine Anzahl Bogen von Orten mit ausgedehntem<span class="pagenum"><a id="Seite_236"></a>[236]</span> -Fremdenverkehr bereichert werden. Nach diesen Orten könnte unsere heimische -Industrie ihre Erzeugnisse senden. Das Schutzwort »Gefertigt in Deutschland« könnte -umgewandelt werden in »Gefertigt in Sachsen«.</p> - -<p>Auch hier muß Sorge getragen werden, daß neben den billigeren, etwas -schematischen Drehbankarbeiten für das kaufkräftigere Publikum auch handgeschnitzte -lebensvolle Gestalten am Lager sind. Damit der Erzeuger einen angemessenen -Gewinn von seiner Arbeit habe, die Gegenstände aber trotzdem nicht zu hoch im -Preise kommen, dürfte sich keine lange Reihe Zwischenhändler zwischen Verkäufer -und Käufer einschieben.</p> - -<p>Wir gehen kühn über Deutschlands Grenzen hinaus und umspannen den -Erdball. Wir lassen im Spielzeug erstehen das ganze bunte Völker- und Trachtengemisch -von Europa und den übrigen Erdteilen. Wir bringen Modellbogen auf -den Markt von der Eskimohütte und dem Hottentottenzelt bis zum Wolkenkratzer, -vom Pfahldorfhaus in der Südsee bis zur Baumwohnung auf Java. Die Zinngießerei -bringt bereits Völker aller Welt zur Anschauung. Oft hat die Phantasie -sich dabei allzu reichlich betätigt. Wahrheit in der Darstellung ist hier aber um so -nötiger, als eine Verbesserung eines Modelleindruckes durch nachträgliche Sinneseindrücke -am natürlichen Gegenstande nicht eintreten kann. Sind keine einwandfreien -Unterlagen zu haben, dann verzichte man lieber auf die Darstellung. Auch hier -darf das Erzeugnis der Handarbeit nicht fehlen, es wird sicher im Auslande -kaufkräftige Abnehmer finden.</p> - -<p>Die Darstellung deutscher Anschauungsstoffe wird von unseren Erzeugern vor -außerdeutschen stets bevorzugt werden müssen. In dem Heimatlichen liegen die -starken Wurzeln unserer Spielwarenerzeugung. Heimatliche Darstellungen finden -den Weg über die Grenzen hinüber zu unseren deutschen Brüdern im Auslande. -Ob sie in Rumänien, in Siebenbürgen, im Elsaß, im Kaukasus, in den Urwäldern -Südamerikas oder sonst wo sitzen mögen: sie werden es gern sehen, wenn ihre -Kinder mit Spielzeug spielen, das Fäden spinnt zur alten Heimat. Schaut der -Erwachsene solchem Spiel der Kleinen zu, so wird ihn stilles Gedenken übermannen; -da wird schließlich die Zunge beredt werden beim Erzählen von altheimatlichen -Zuständen, von der eigenen Jugend, die – wenn auch manchmal hart – doch schön -war. Die Kinder lauschen. So sprechen Vater und Mutter selten. Es muß etwas -besonderes um das Spielzeug sein.</p> - -<p>Geht aus der alten Heimat als Geschenk zur Weihnachtszeit eine solche Gabe -hinaus in die Fremde, und Vater und Mutter stellen die Sächelchen auf, wie es -sein muß, dann stehen jung und alt herum um das Bild aus der alten Heimat, -Wehmut und Freude im Herzen. Das sind Weihestunden, der fernen Heimat -gewidmet, die unermeßlichen Gewinn für die Außenposten unseres Volkes haben, -aber auch für uns selbst. Da kommt kein Negerenglisch, kein Burendeutsch, kein -Sprachenwirrwarr beim Erzählen und Erklären heraus, da kommt die reine -deutsche Muttersprache zu ihrem Rechte. Für diese altheimatlichen Stoffe hat die -fremde Zunge keine Ausdrücke. Wenn unsere Brüder draußen sich auch äußerlich -verändern, sich ihrer Umgebung anbequemen, so halten wir doch durch solche in -der Heimat wurzelnde Gaben bei ihnen das Heimatgefühl wach. So lange sie dies<span class="pagenum"><a id="Seite_237"></a>[237]</span> -Gefühl haben, so lange sind sie noch unser, sind sie und ihre Kinder fürs Deutschtum -noch nicht ganz verloren!</p> - -<p>Wenn unsere Geschenke das erreichen, Heimatsinn zu erwecken im Lande -selbst und draußen in der Fremde, dann können wir wohl sagen: Es sind rechte -Geschenke gewesen. Wir haben mehr geschenkt als Spielzeuge oder Kunstwerke. -Wir haben innere Werte erschlossen und mitgegeben, die unbezahlbar sind, die sich -nicht wiegen und messen lassen, die nur innerlich erlebt und gewertet werden können.</p> - -<p>Aber nicht nur der Geber kann befriedigt auf sein Geschenk blicken, nein -auch der Erzeuger. Auch er gibt mehr hinaus als allein seiner Hände Fleiß. -Auch er kann sprechen: Der Geist, aus dem heraus ich alles gebildet und geschafft; -der Geist, der aus meiner Arbeit spricht, der Geist der Heimat, der ist an Euch, -Ihr Käufer, mein Geschenk!</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Caprivi_und_die_Baeume_im_Garten_des_Kanzlerpalais">Caprivi und die Bäume im Garten des Kanzlerpalais</h2> -</div> - -<p>»Ich kann nicht leugnen, daß mein Vertrauen in den Charakter meines Nachfolgers -einen Stoß erlitten hat, seit ich erfahren habe, daß er die uralten Bäume -vor der Gartenseite seiner, früher meiner Wohnung hat abhauen lassen, welche eine -erst in Jahrhunderten zu regenerierende, oft unersetzbare Zierde der amtlichen -Regierungsgrundstücke in der Residenz bildeten. Kaiser Wilhelm I., der in dem -Reichskanzlergarten glückliche Jugendtage verlebt hatte, wird im Grabe keine Ruhe -haben, wenn er weiß, daß sein früherer Gardeoffizier alte Lieblingsbäume, die ihres -Gleichen in Berlin und Umgebung nicht hatten, hat niederhauen lassen, um <em class="antiqua">un -poco piu di luce</em> zu gewinnen. Aus dieser Baumvertilgung spricht nicht ein -deutscher, sondern ein slawischer Charakterzug. Die Slawen und die Kelten, beide -ohne Zweifel stammverwandter als jeder von ihnen mit den Germanen, sind keine -Baumfreunde, wie jeder weiß, der in Polen und Frankreich gewesen ist; ihre -Dörfer und Städte stehen baumlos auf der Ackerfläche, wie ein Nürnberger Spielzeug -auf dem Tische. Ich würde Herrn von Caprivi manche politische Meinungsverschiedenheit -eher nachsehen, als die ruchlose Zerstörung uralter Bäume, denen -gegenüber er das Recht des Nießbrauchs eines Staatsgrundstücks durch Deterioration -desselben mißbraucht hat.«</p> - -<p class="mright s90"> -(Aus Bismarcks drittem Bande.) -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Drei_Baumbilder_aus_unsrer_Heimatsammlung">Drei Baumbilder aus unsrer Heimatsammlung</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">A. Kühne</em>, Wilsdruff</p> -</div> - -<p>Auf Anregungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz hin arbeiteten -wir im vergangenen Jahre an einem <em class="gesperrt">heimatlichen Baumbuch</em>. Es liegt jetzt -in der Handschrift vor und soll in unsrer Heimatbeilage abgedruckt werden. Dank -will ich sagen den Herren Rühle und Zieschang, ersterer hat die Bäume gemessen, -Geschichte und Überlieferung gesammelt, letzterer hielt sie im Bilde fest.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_238"></a>[238]</span></p> - -<p>Von unsern heimatlichen Höhenbäumen mögen hier stehen <em class="gesperrt">Rüdigers -Linden in Helbigsdorfer Flur</em>. Kein Wandrer, der unsre Wilsdruffer -Heimat gekreuzt hätte, ohne sie zu sehen. In einer Höhe von 334 Meter – die -Generalstabskarte nennt den Hügel den Eschenhübel – beherrschen sie die weite -Umgegend, und köstlich ist der Blick von dem Ruhebänkchen zu ihren Füßen. -Wettergezaust und blitzgetroffen, doch stolz und stark stehen sie hier, Saat und Ernte -seit einem Jahrhundert um sie her. Mögen sie noch lange Freude und Erholung -für Land- und Wandersmann spenden!</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-044"> - <img class="w100" src="images/illu-044.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Rüdigers Linden in Helbigsdorf</b> (Amtsh. Meißen)<br /> -(Aufn. <em class="gesperrt">G. Zieschang</em>, Kaufbach)</div> -</div> - -<p>Ein Wegebaum – <em class="gesperrt">der Blankensteiner Bergahorn</em>. Da wo die Dorfstraße -anhebt, wo der Kommunweg Helbigsdorf–Blankenstein endet, steht dieser -stolze Baum. 3,68 Meter mißt der Umfang seines Stammes in Brusthöhe, an -die 26 Meter hoch quillt das Laubwerk in den Himmel hinauf. Eine gewaltige, -herrliche Fülle, dieses Astwerk mit seinem Blätterwald. Einen höheren Genuß -aber schafft sein Anblick im Winter, wenn ihm der Frost den Blättermantel nahm, -wenn sich eine weiße Decke unter ihm breitet. Da erst wird der gleichmäßig schöne -Bau der Krone offenbar, dieses Wachsen und Dehnen und Greifen in die Weite und -Höhe. Und dazu die graubraune Färbung der schlanken Stämme und Schäfte auf -weißem Hintergrunde. Ein köstlich Bild.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-045"> - <img class="w100" src="images/illu-045.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Bergahorn in Blankenstein</b> (Amtsh. Meißen)<br /> -(Aufn. <em class="gesperrt">G. Zieschang</em>, Kaufbach)</div> -</div> - -<p>Als dritter und letzter einer der geborstenen Riesen des <em class="gesperrt">Weistropper -Schloßparkes</em>, <em class="gesperrt">eine Edelkastanie</em>. Ihr Geschlecht mag unter all den heimatlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_241"></a>[241]</span> -beachtenswerten Bäumen das älteste sein, bei weitem älter und ehrwürdiger -als die dreihundertjährigen Reformationslinden zu Wilsdruff und Wurgwitz. Der -Sage nach soll Bischof Benno sie gepflanzt haben; daß die frühmittelalterliche -Kirche sich um Pflanzung und Pflege des Weinstocks, der Edelkastanie u. a. -verdient gemacht hat, steht außer allem Zweifel. Auch der Miltitzer Schloßpark -zeigt stolze alte Bäume dieser Art, sie sollen von Karl v. Miltitz, dem päpstlichen -Staatssekretär, gepflanzt worden sein. Wir freuen uns an dem ausgeprägten -Artcharakter dieser Stämme, danken der Schloßherrschaft für deren Erhaltung -und hoffen, daß diese Bäume uns noch manches Mal Labsal sind auf unsern -Heimatwanderungen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-046"> - <img class="w100" src="images/illu-046.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Edelkastanie im Schloßpark Weistropp</b><br /> -(Aufn. <em class="gesperrt">G. Zieschang</em>, Kaufbach)</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Pflanzt_Nussbaeume">Pflanzt Nußbäume!</h2> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center">(Zu meinem Aufsatze: Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde die Alleen und die -hervorragenden Bäume)<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a></p></div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">A. Klengel</em></p> -</div> - -<p>Zu den wertvollsten und malerischsten Schmuckstücken unseres Landschaftsbildes -gehören stattliche Walnußbäume, mögen sie nun als Einzelbäume im Garten -stehen, den ländlichen Hof beschatten oder als Allee der Dorfstraße das Geleit geben. -Der Nußbaum ist aber nicht nur ein ausgezeichneter Schattenspender, sondern durch -Frucht und Holz einer unserer wertvollsten Nutzbäume.</p> - -<p>Der Umstand, daß sich sein Holz nicht nur für den Möbelbau, sondern vor -allen Dingen für die Herstellung von Gewehrschäften ausgezeichnet eignet, ist dem -Nußbaum während der Kriegszeit verhängnisvoll geworden. Alle Nußbäume, von -einer bestimmten Stammstärke ab, waren beschlagnahmt und viele Tausende fielen -der Axt zum Opfer, um das Vaterland verteidigen zu helfen. Empfindliche Lücken -wurden dadurch in unseren ohnehin nicht zu hohen Nußbaumbestand gerissen; wir merken -die Knappheit am besten an den zu schwindelnder Höhe gestiegenen Nußpreisen.</p> - -<p>Es ist eine Pflicht aller heimischer Grundbesitzer, der Anpflanzung von Walnußbäumen -erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Die durch den Krieg gerissenen -Lücken müssen sich wieder schließen, der Nußbaum muß auch deswegen ausgiebiger -angepflanzt und gehegt werden, weil uns Elsaß und Lothringen, die seither einen -hohen Prozentsatz des heimischen Bedarfs an Walnüssen und Nutzholz lieferten, verlorengegangen -sind. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß jetzt die Anpflanzung -der Nußbäume viel lohnender sein wird als in früheren Jahren. Durch reichlichen -eigenen Anbau und eigene Erzeugung von Walnüssen und Holz können wir auch -die Einfuhr einschränken und dadurch einer wichtigen vaterländischen Pflicht genügen. -Daß wir überdies durch Hegen des stattlichen großlaubigen Baumes auch unser -Landschaftsbild verschönern und dadurch dem Heimatschutz trefflich dienen, wurde -bereits erwähnt.</p> - -<p>Einer ausgiebigen Anpflanzung des Nußbaumes werden mancherlei Bedenken -entgegengestellt, die sich aber bei näherer Untersuchung fast durchweg als unhaltbare -Vorurteile erweisen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_242"></a>[242]</span></p> - -<p>Es muß zunächst vorausgeschickt werden, daß unser Walnußbaum (<em class="antiqua">Juglans -regia</em>) ein Kind des heißen Orients ist, aber auch in Südeuropa ausgedehnte wilde -Bestände bildet. Er ist insofern etwas anspruchsvoll, als er geschützte Lage, mildes -Klima und tiefgründigen nahrhaften Boden bevorzugt und gegen Spätfröste -empfindlich ist. Nach meinen, über dreißig Jahre reichenden Erfahrungen ist aber -der Nußbaum durchaus nicht so zart wie oft angenommen wird. Ein neben meinem -Hause in Meißen, allerdings sehr geschützt stehender Baum, hat seit über zwanzig -Jahren niemals durch Frost gelitten, auch sind viele Jahre vergangen seit ich das letztemal -in der freigelegenen Umgebung von Meißen erfrorene Nußblüten feststellen konnte.</p> - -<p>Vielfach ist die Meinung vertreten, daß der Nußbaum nur bis höchstens -fünfhundert Meter Seehöhe und dann nur an geschützten Standorten ertragreich -bliebe; in höheren Lagen empfehle sich seine Anpflanzung lediglich des Holzes, -nicht aber der Fruchtgewinnung wegen. Diese Ansicht mag viel dazu beigetragen -haben, daß man von der Anpflanzung abgesehen hat. Ich habe jedoch schon ganz -andere Erfahrungen gesammelt. In Bärenstein im Müglitztale trug ein alter, in -über fünfhundert Meter Höhe nicht besonders geschützt stehender, leider auch dem -Kriege zum Opfer gefallener Nußbaum seit Menschengedenken reichlich Früchte und -versagte nur dann einmal, wenn Spätfröste die Blüte vernichtet hatten, was aber, -wie bereits erwähnt, auch in tieferen Lagen zuweilen vorkommt. Ein im gleichen -Orte in fünfhundertfünfzig Meter Höhe stehender jüngerer Baum trägt seit einigen -Jahren ebenfalls reichlich Früchte. Völlig überraschend war aber die Tatsache, daß -sogar ein in siebenhundert Meter Höhe stehender jüngerer Nußbaum am Köllnerschen -Vorwerk in Hirschsprung bei Altenberg noch ausgereifte Früchte trägt. Man hatte -mit Blühen und Früchtetragen nicht mehr gerechnet, weil der Baum solange damit -zögerte; es war dabei aber nicht beachtet worden, daß die Mannbarkeit des Nußbaumes -nicht vor dem zwanzigsten Lebensjahre, vielfach sogar noch später eintritt.</p> - -<p>Eine weitere Abneigung gegen das Anpflanzen der Nußbäume entspringt aus -dem angeblich schweren Anwachsen verpflanzter Bäume und anderen Mißerfolgen, -die aber durchweg aus gärtnerischen Mißgriffen entstehen und lediglich darauf -zurückzuführen sind, daß man die natürliche Eigenart des Nußbaumes sehr oft -außer Acht läßt. Der Nußbaum darf nur im Frühjahr umgepflanzt werden, die -Wurzeln sind dabei zu kürzen und zurückzuschneiden. Da der Nußbaum im Gegensatze -zu seinem harten Stammholze sehr weiche Wurzeln besitzt, kommt es sehr oft -vor, daß die noch nicht angewachsenen Wurzeln der im Herbst versetzten Bäume -während der Winterruhe verfaulen und absterben, wodurch der Baum stets eingeht. -Wenn irgend möglich, vermeide man das Verpflanzen überhaupt und lege die -Samennüsse gleich an die späteren Standorte der Nußbäume. Der Nußbaum darf, -im Gegensatz zu den meisten anderen Bäumen nur im vollbelaubten Zustande, am -besten im Frühjahre verschnitten werden; der Rückschnitt im unbelaubten Zustande -während der Winterruhe bringt ein Kränkeln und völliges Absterben des Baumes -mit sich. Bei Anpflanzung von Alleen ist darauf zu achten, daß die Nußbäume -mindestens fünfzehn Meter voneinander entfernt zu stehen kommen. Um gesund -zu bleiben, muß sich der Baum nach allen Seiten frei entwickeln können.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Siehe Band X, Heft 4/6, Seite 95.</p> -</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_243"></a>[243]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Praktischer_Heimatschutz">Praktischer Heimatschutz</h2> -</div> - -<p>In Alt-Trachau, dem ehemaligen alten Dorfplatz von Trachau, das leider in -seiner alten Ursprünglichkeit durch Einbauen moderner Großstadthäuser bedeutend -eingebüßt hat, kenne ich von Jugend her ein kleines, immer sauber getünchtes -Häuschen, das mich dadurch ganz besonders interessierte, weil es neben seiner -kleinen grüngestrichenen Hoftür im alten Gemäuer einen alten Hausspruch barg, -den nur wenige kannten; ja, wie ich bei seiner Ausbesserung beziehungsweise Sichtbarmachung -erfuhr, nicht einmal alle die jetzigen Bewohner dieses Hauses.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0"><em class="antiqua">KOM HER REIN DU GE</em></div> - <div class="verse indent0"><em class="antiqua">SEGNERDER DES HERN</em></div> - <div class="verse indent0"><em class="antiqua">WAS SEIEST DU DRAUSEN.</em></div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-049"> - <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Alt-Trachau</b><br /> -(Aufnahme <em class="gesperrt">Julius Georg Perlik</em>, Dresden-Rochwitz)</div> -</div> - -<p>Diese alte Sandsteinplatte, welcher man bei Erbauung dieses Häuschens oder schon -früher, mit ungelenker Hand und primitiven Werkzeugen diese alten Schriftzeichen<span class="pagenum"><a id="Seite_244"></a>[244]</span> -eingraviert hat, lenkte eines Tages meine Aufmerksamkeit auf sich, und ich hatte -alle Mühe, diese alten, mit Kalkfarbe verschmierten Buchstaben überhaupt zu entziffern. -Seinerzeit als es noch ein schöner, sinniger und volkstümlicher Brauch -war, solche Sprüche – meist ernsten Inhalts – über Türen, an Giebeln und -Torbogen, nicht nur anzubringen, sondern wo man noch Zeit fand sie auch zu -lesen und darüber nachzudenken, da waren diese Buchstaben wohl noch scharf und -leserlich. Doch bis dahin, als ich erstmalig darauf aufmerksam wurde, war wohl -der Faustpinsel des Scharwerksmaurers verschiedene Male und in allen erdenklichen -Farben darübergefahren. So kam es, daß diese alten Schriftzeichen mit der Länge -der Zeit fast eins geworden waren mit dem übrigen Mauerwerk. Wind und -Wetter und das Alter haben das übrige getan.</p> - -<p>Lange, lange Jahre vergingen und immer wieder sorgte der Besitzer dafür, -daß dieses alte Häuschen wieder schön wurde, mal weiß, mal hellblau, mal rosa. -Das Gebälk schön dunkel. Die Hoftür, das Weinspalier, der Gartenzaun und die -Fensterladen frisch blaugrün. Das alte Ziegeldach aber bekam von Zeit zu Zeit -durch einige neue Ziegel, die sich hier und da notwendig machten, eine wunderhübsche -Abwechslung. Es war eben immer schön.</p> - -<p>Der alte Spruch aber verschwand immer mehr. Dann wurde ich Heimatschützler. -In Nr. 3 der Heimatschutznachrichten läßt der Heimatschutz seinen Mitgliedern -wissen, daß Bilder von Hausinschriften erwünscht seien. So ließ sich aber -kein Bild machen. Bei dieser Gelegenheit sollte dieser alte Hausspruch wieder zu -Ehren kommen.</p> - -<p>Sonntag, den 24. Juli dieses Jahres, frühzeitig, machten wir uns ans Werk. -Alles dazu Notwendige hatte ich bereits an Ort und Stelle gebracht, auch die -Genehmigung des Besitzers holte ich mir. Zement – gestiftet von Kell & Löser – war -auch schon da. Kurz berichtet war die Arbeit folgende:</p> - -<p>Die Sandsteinplatte wurde von anhaftendem Mörtel und Putz gereinigt, dann -die als Rahmen gedachte, vorstehende und abgerundete Wulst oder Kante aus einem -Gemisch von Zement und Sand aufgetragen und verputzt; die Mauer nach hinten -um einige Zentimeter erhöht, um den darauf liegenden Dachziegeln, die als Schutzdach -und gleichzeitig, um das Ganze zu heben, als Abschluß und zur Zierde dienen -sollen, eine schräge Lage zu geben.</p> - -<p>Diese Arbeit nahm ungefähr sieben Stunden in Anspruch, fand aber dadurch -eine unerwünschte Unterbrechung, daß wir von einem Wohlfahrtsbeamten wegen -Entheiligung der Sonntagsruhe zur Anzeige gebracht wurden. Ich ließ mich selbst -zur Wache führen, und erwirkte nach längerer Rücksprache mit dem Wohlfahrtsinspektor, -daß wir doch diese Arbeit zu Ende führen konnten. Darüber habe ich -seinerzeit im Heimatschutz persönlich Bericht erstattet.</p> - -<p>Zum Schluß wurden die ausgebesserten Stellen dieser Mauer mit Weiße -überstrichen. Die Wulst aber bekam einen Anstrich in dunkel Ocker, während die -Innenfläche ganz hell Ocker gehalten wurde. So kam aber die alte Schrift noch -entschieden zu wenig zum Vorschein, wir sahen aber vorläufig von einem Ausmalen -der Buchstaben noch ab, da wir befürchteten, daß das Historische dieses alten -Spruches dadurch einbüßen würde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_245"></a>[245]</span></p> - -<p>Soweit wieder hergestellt, nahm der Heimatschutz eine Besichtigung unserer -Arbeit vor, wobei ihm vor allem die sich zu schwach hervorhebende und dadurch -schwer leserliche Schrift auffiel. Er riet uns deshalb, das Ausmalen der Schrift -doch noch vorzunehmen. Diese Arbeit wurde am 8. August ausgeführt. Mit Dunkelgrau -ausgemalt wirkt dieser Hausspruch wieder wie ehedem auf die Vorübergehenden -und selbst der Pastor von Trachau sprach gleich am nächsten Tage in diesem Hause -vor, und war sehr erfreut und doch beschämt, daß sich Leute gefunden hatten, die -diesen alten Spruch wieder zu Ehren brachten. Er selbst gestand zu seiner Schande, -wiewohl er über zehn Jahre hier im Amte sei, wäre ihm dieser herrliche Spruch -noch nicht aufgefallen. So mancher, der hier hunderte Male vorbeiging, ohne ihn -zu bemerken, macht jetzt Halt vor diesem alten Spruch und sinnt. Der eine flüchtig, -der andere nachdenklich. Was mögen sie wohl alle denken? Warum hat man -den alten Spruch gerade jetzt wieder sichtbar gemacht?</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-051"> - <img class="w100" src="images/illu-051.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Alt-Trachau</b><br /> -(Aufnahme <em class="gesperrt">Julius Georg Perlik</em>, Dresden-Rochwitz)</div> -</div> - -<p>Die Bauersfrau gegenüber hat mir es erzählt, immerwährend ständen jetzt -Leute hier – meist alte, aber auch junge – und buchstabierten den alten Spruch. –</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_246"></a>[246]</span></p> - -<p>Herr Perlik, der mich auch hier wieder in dankenswerter Weise unterstützt -hat, indem er mit besonderer Liebe und Sorgfalt den größten Teil dieser Arbeiten -nach meinen Angaben ausführte, fertigte auch umstehende Aufnahmen an. -Während mein Wanderfreund Burk Handlangerdienste leistete, führte Herr Schilling -die malerischen Arbeiten aus. Die Skizze hierzu hatte Herr A. Wiehl nach der -Natur angefertigt und den zur Ausführung gebrachten Entwurf dabei mit eingezeichnet. -Ich übte das Amt eines Poliers aus.</p> - -<p>So kann durch Mithelfen eines jeden manches wieder ans Tageslicht gebracht -und der Nachwelt erhalten werden. Es gibt in unseren schönen Vororten und -Dörfern noch viel Interessantes und Erhaltenswertes, aber leider noch zu wenig Helfer.</p> - -<p class="mright"> -Richard Köhler. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="In_den_Huetten_meiner_Heimat">In den Hütten meiner Heimat</h2> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center">(aus »Bunte Gassen, helle Straßen«, ein Buch von Kinderland und Heimat von <em class="gesperrt">Max Zeibig</em>, -Bautzen. 2. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>)</p></div> -</div> - -<p>Meine Heimat läuft vom Kamme duftblauer Berge waldreiche Hänge hinab -über einen Saum von blumigen Wiesen und fruchtschweren Feldern, eilt an rauschenden -Schornsteinen, klirrenden Werkstätten und sausenden Webstühlen vorbei, zeigt stolz -zwei alte, turmreiche Städte, davon eine immer schöner und lieber als die andere, -zieht hinaus in bauernsatte Dörfer und wandert, wandert und kommt endlich ganz -müde in die Heide, in die grüne einsame Heide und ruht sich dort aus.</p> - -<p>Und bin ich des Lebens und der Arbeit, des Hasses, Neides und Streites müde, -spricht mein Herz verlockend zu mir: Flieh’ auf! Deine Heimat ruft, die Heide.</p> - -<p>Da bin ich nun. In schimmerndem Kleide grüßen die Birken, die schlanken -Geliebten des Waldes. Die Fichten raunen und prahlen mit ihren jungen Trieben; -aber die Kiefern träumen und schweigen. Tiefverborgen liegt ein Teich, da leuchten -aus moosgrünen Binsen schneeweiße Rosen. Die sind so heilig und so schön, wie -ein Mädchen in seiner seligsten Jugend. Hoch am Himmel ein beutesuchender -Bussard, im Schilf Scharen wilder Enten, im Wald das sorglose, flinkfüßige Reh, -dazu tausend und tausend blaue und braune brummige Käfer, Insekten mit lichtglänzendem -Flügelkleid, schönheittrunkene Schmetterlinge, von Heidekraut zu Heidekraut -überaus zarte, feinfädige Spinngewebe, darinnen der morgenfrische Tau funkelt -und leuchtet wie Millionen Brillanten, und über allem ein ungemein feines und -weiches Singen und Klingen und ein Duft und eine Seligkeit, daß das Herz schreien -möchte vor so viel Schönheit.</p> - -<p>Das ist die Ruhe, der Frieden meiner Heimat – die Heide.</p> - -<p>Heute bin ich in ihren Hütten gewesen.</p> - -<p>Die Menschen wohnen in niedrigen, dumpfen Stuben. (Sie sind den lieben -langen Tag im Wald und auf dem spärlichen Feld! Was brauchen sie in den -Stuben frische Luft!)</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_247"></a>[247]</span></p> - -<p>Wie gemütlich so ein brauner, breiter Kachelofen ist! Das Doppelbett hat -einen frischen, buntblumigen Überzug. Auf dem Tisch stehen ein paar blutrote -Nelken, die brennen vor lauter Liebe. An den Wänden hängen, gestickt, unter -Glas und Rahmen, oder bloß auf Pappe gedruckt, fromme, bescheidene Wandsprüche. -Im Glasschrank feiern silbern- und goldgeränderte Tassen, geblümelte Teller von -Steingut und zierliche von Glas, allerhand nichtige, kleine Figuren, verblichene, -braungetönte Photographien ein beschauliches Dasein. Von dem weißgestrichenen -Fensterbrett gucken steife Geranien und herzreiche Fuchsien neugierig auf den rankenden -Wein, der die kleinen Fenster wild umwuchert, wie weit er mit seinen Trauben -sei. Draußen im kleinen Gärtchen verblühen späte Rosen in königlicher Pracht.</p> - -<p>Zwei Alte kommen mir freundlich entgegen: »Schön Willkomm’«, sagen sie. -Wie lieb das klingt!</p> - -<p>Ich muß immer auf sie sehen, auf die beiden Alten. Mein Gott, die Hände, -wie sind die hart und schwielig! Die haben im Leben was gerackert und geschafft, -und die müden, erloschenen Augen, die haben manche Träne geweint … »Wir -haben einmal zwei Söhne gehabt,« erzählen die beiden Alten, »echte, treue, starke -Söhne der Heide. Da sind ihre Bilder … Sind alle beide gefallen. Für die -Heide. Für die Heimat …«</p> - -<p>Die beiden halten sich an der zitternden Hand und sitzen ganz feierlich auf -ihrem zerbeulten Sofa. Gerade über ihnen hängt der Spruch: Befiehl dem Herrn -deine Wege, er wird’s wohl machen! … Die beiden Alten sind ganz ruhig, -ganz still. Sie haben ein Lebenlang geschuftet und gesorgt. Nun sind sie so zufrieden -und so fromm … Das fühlt man.</p> - -<p><em class="gesperrt">Arme Leute!</em> hier in der Heide …</p> - -<p>O du ruhlose, friedlose, du laute, du törichte Welt, wenn du wüßtest, wie -arm du bist … und wie reich sie sind in den einsamen Hütten meiner Heimat!</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-053"> - <img class="w100" src="images/illu-053.jpg" alt="" /> -</div> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Preis für Mitglieder (gebunden) M. 15,– (sonst M. 18,–). Bestellkarte anbei.</p> -</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_248"></a>[248]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Das_Weberhaus_in_Hosterwitz">Das Weberhaus in Hosterwitz</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Edgar Hahnewald</em>, Dresden</p> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p>Die Wohnungsnot zwingt dazu, jeden verfügbaren Raum nutzbar zu machen; -dadurch werden aber in gewissen Fällen auch Stätten bedroht, deren unangetastete -Erhaltung selbst in dieser Notlage geboten erscheint. Das ist auch beim Weberhaus -in Hosterwitz der Fall, das bisher fast unbekannt und darum unberührt -lag; besucht und bewundert von denen, die diese Stätte zu schätzen wußten, -seine kulturelle und musikgeschichtliche Bedeutung kannten. Jetzt aber glauben -die Wohnungsbehörden, die bisher Rücksicht übten, diesen stillen Winkel nicht -länger schonen zu können. Wenn aber das Weberhaus für dauernd bewohnbar -gemacht werden sollte, sind Eingriffe in die äußere und innere Gestaltung unumgänglich -nötig, die den historischen Charakter des Hauses zerstören.</p> - -<p>Der Heimatschutz bemüht sich, im Verein mit dem um die Erhaltung -der Kulturstätte verdienten Besitzer, Herrn Emil Krahmer, die drohende Gefahr -abzuwenden.</p> - -<p>Es erscheint angebracht, auch weitere Kreise für diese Schaffensstätte des -Freischütz-Komponisten Carl Maria von Weber zu interessieren, was durch die -nachfolgende Schilderung geschehen soll.</p> - -<p class="mright"> -Die Schriftleitung. -</p></div> - -<p>An der Dresdner Straße in Hosterwitz, in beinahe unmittelbarer Nähe des -Pillnitzer Idylls, liegt Carl Maria von Webers Sommerhaus.</p> - -<p>Hundert Jahre lang hat ein guter Stern über seiner Unversehrtheit gewacht. -Kaum daß es jemand wußte. Zwar Webers Möbel stehen nicht mehr darin. -Irgendwer hat später dem hinteren Fachwerkgiebel eine hölzerne Veranda vorgebaut, -die aber das Ganze nicht stört und die heute schon wieder alt geworden -und von der Zeit in die Stimmung des Winkels einbezogen worden ist. Aber -sonst ist es noch ganz und gar Webers Haus geblieben – man meint, die Blumen, -die da blühen, habe schon er gestreift, wenn er kam und seine Frau Caroline in -der Laube ihm entgegensah. Und die stillwachsenden Bäume haben das Häuschen -nur noch tiefer in friedevolles Grün gehüllt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Es ist eigentlich kaum ein Wunder, daß die hundert Jahre das Häuschen -nicht antasteten. Die nahe Stadt wuchs sich nach anderen Richtungen aus und -ließ diesen Winkel unberührt. Und daß sonst niemand ein Aufhebens von diesem -Eckchen machte, gereichte ihm zum Schutz vor absichtsvollen Aufmerksamkeiten, die -vielleicht gerade das zerstört hätten, was nun so reizend daran ist: seine Unberührtheit.</p> - -<p>Wir schätzen heute solches Erbe bewußter. Aber sofort zwingen uns auch -die schärfer zugreifenden Bedrohungen dazu, uns schützend vor das ideelle Gut zu -stellen, das uns gelassenere Zeiten hinterließen. Denn während es bisher gut für -das Häuschen war, daß es unbeachtet blieb, müssen wir heute gerade umgekehrt -aller Augen darauf hinlenken und sagen: dieses kleine Haus ist ein Schatz, den -ihr alle kennen und schützen und erhalten helfen müßt!</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_249"></a>[249]</span></p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-055"> - <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Hosterwitz, gemalt von Professor C. A. Günther um 1820</b><br /> -(Aus dem Dresdner Stadtmuseum)</div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_250"></a>[250]</span></p> - -<p>Als Weber, königlich sächsischer Kapellmeister und Musikdirektor der eben -erst geschaffenen deutschen Oper in Dresden, dieses Häuschen fand, erfüllte sich ein -längst gehegter Wunsch. Schon lange spähten er und seine junge Frau nach einem -»Sommernest« aus, das im Sinne der damaligen Zeit anspruchslos sein, aber -nicht zu weit ab von der Stadt liegen sollte. Dieses kleine Haus, das dem Hosterwitzer -Winzer Felsner gehörte, entsprach allen Wünschen. Unverdrossen wanderte -nun Weber immer wieder von Dresden nach Hosterwitz und zurück, um das -Ausmaß irgend eines Raumes zu holen, das Caroline zum Plane der Einrichtung -brauchte. Und nachdem er sich so und so oft diesen Weg »entlang komponiert« -hatte, bezog das Paar glückstrahlend am 18. Juni 1818 das erste Stockwerk des -Häuschens, das ihm zum Sommerparadies wurde.</p> - -<p>Wir fahren heute in fünfzig Minuten mit der Straßenbahn von Dresden -nach Hosterwitz. Damals kostete das einen strammen Fußmarsch. Und man kann -sich eine Vorstellung von dem festlichen Umstande machen, den alljährlich die Übersiedlung -in die Sommerresidenz verursachte, wenn man der launigen Schilderung -gedenkt, die Wilhelm von Kügelgen in seinen Jugenderinnerungen eines alten -Mannes von der Badereise seiner Mutter von Dresden nach Lotzdorf bei Radeberg -gibt: »Unser dottergelber Reisewagen ward nun hochbepackt mit allem Nötigen, -mit Koffern, Waschen und darüber hingeschnallten Bettsäcken, vier Pferde wurden -vorgelegt und die ungeheure Maschine setzte sich in Bewegung.«</p> - -<p>Auch Weber reiste mit einer solchen »Maschine«. Und später schaffte er sich, -um den häufig nötigen Fußmarsch zu ersparen, auch eine Equipage an und versteifte -sich darauf, selbst zu kutschieren, wobei er freilich übel debütierte und nach -der dritten Fahrt kleinlaut zu Fuß in Hosterwitz ankam, während ein Bursche -Tier und Wagen nachführte. Er besaß aber später stets zwei Pferde, Reise- und Stadtwagen -und eine nach damaliger Sitte reich in Rot und Gold dekorierte Droschke. -Und es war eine seiner kleinen Eitelkeiten, daß man seine Equipage zu den -elegantesten der Stadt zählte.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Hosterwitz lag damals wirklich weit ab von der Stadt, und die Reise dahin -war schon ein Ereignis in einer Zeit, in der das Linckesche Bad an der Elbe und -Findlaters Weinberg hinter der heutigen Saloppe die Ausflugsziele der Dresdner -waren. Das hübsche Aquarell Professor Günthers aus dem Jahre 1820 im -Dresdner Stadtmuseum gibt eine deutliche Vorstellung davon, wie ländlich und -abgeschieden das kleine Dorf am Fuße der Rebenberge lag. August Schumanns -Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon berichtet in dem 1817 erschienenen Bande, daß -Hosterwitz nur 21 Häuser und 113 Einwohner zählt, und fügt im Ergänzungsbande -von 1830 hinzu: »Hosterwitz liegt in und vor dem Keppgrunde, unstreitig -in einer der reizendsten Gegenden Sachsens, welche wir selbst jenen von Pillnitz -und Loschwitz noch vorziehen möchten, da hier die ansehnlichen Berge fast jeder -Art von Bekleidung, nicht das Einerlei der ununterbrochenen Weinpflanzungen -zeigen; auch haben die hiesigen und poyritzer Wiesen einen auffallend üppigen -Charakter.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_251"></a>[251]</span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>In dieser friedlichen Landschaft lag nun Webers Sommerparadies, in dem -er Ruhe, Erholung von den ewigen Kämpfen mit seinen Dresdner Widersachern -und erfrischende Anregungen zum Schaffen fand.</p> - -<p>Die Ströme, die aus dieser Umgebung in seine Arbeit hinüberfließen, pulsen -immer. Die Kantate, der er den Titel »Natur und Liebe« gab, spiegelt ja geradezu -im Duett »Holde, zaubrisch-schöne Hügel« die Lieblichkeit des Elbtales musikalisch -wieder. Die anmutige »Aufforderung zum Tanz«, die schönsten Partien des Freischütz, -der Euryanthe, des Oberon und viele kleinere, nicht minder köstliche Werke -entstanden auf den Spaziergängen um Hosterwitz und sind in diesem kleinen Hause -niedergeschrieben worden.</p> - -<p>Alle seine Schöpfungen kristallisierten sich so: eine musikalische Idee blitzte -auf wie ein Stern in der Nacht, tagelang reifte sie sich aus bis zur letzten Note, -und im Geiste gestaltet existierte sie längst, ehe noch eine einzige Note auf dem -Papier stand. Oft überraschte er seine Freunde mit dem Vorspiel einer Komposition, -die nur in seinem Kopfe, dort aber unverlöschbar fixiert war – in seinen -Notizen findet sich wiederholt lange vor der Niederschrift eines Musikstückes die -Bemerkung, daß er dies oder jenes »fertig gedacht« habe.</p> - -<p>Kleinigkeiten wurden zu Anlässen seiner Schöpfungen. Ein Klarinettist seiner -Kapelle begleitete ihn einst auf einem Spaziergange nach dem Linckeschen Bad. -Weber schritt stumm vor sich hin. Es regnete. In der Gartenwirtschaft hatten -die Kellner Tische und Stühle, meist mit den Beinen nach oben, in Gruppen zusammengesetzt. -Beim Anblick dieser in Reihen und Intervallen starrenden Tisch- -und Stuhlbeine blieb Weber plötzlich stehen, lehnte sich rückwärts auf seinen Stock -und rief: »Sehen Sie, Roth, sieht das nicht aus wie ein großer Siegesmarsch? -Donnerwetter, was sind das für Trompetenstöße!« – abends notierte er den -fertig gedachten Marsch, der später im Oberon erklang.</p> - -<p>Während eines schläfrigen Nachmittagsgottesdienstes in der Pillnitzer Kapelle -hörte er das unerträglich falsche Intonieren einiger alter Weiber bei den Responsorien -einer Litanei – aus diesem Eindruck entstand der Lachchor der Bauern im -ersten Freischützakt.</p> - -<p>Auf einer Fahrt nach Hosterwitz an einem Nebelmorgen wankte der Wagen -durch das graue, gespenstige Gewoge – in dieser Stimmung schuf, »dachte« er die -Wolfsschluchtmusik.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Als schöpferische Offenbarungen strömten ihm auf diesen Gängen rund um -Hosterwitz die Ideen zu. Und in diesem Häuschen schrieb er sie nieder. In jenem -kleinen Zimmer, in das die sommerlichen Baumkuppeln der Pillnitzer Maillebahn -und die in wogenden Linien ziehenden blauen Hügel hereinblicken, arbeitete er. -In lauen Sommernächten saß er an diesem Fenster und schrieb in fehlerlosen -Partituren von den Flötenstimmen bis zum Baß vollständig mit allen Zeichen, -Pausen, Pianos, Fortes in perliger Notenschrift, wie in Kupfer gestochen nieder, -was in seinem Kopfe »fertig gedacht« und unvertilgbar stand. Und sein Sohn -Max, sein treuer Biograph, läßt uns die frohe Feier dieser Arbeitsstunden ahnen:<span class="pagenum"><a id="Seite_252"></a>[252]</span> -»Kein Piano wurde dabei angeschlagen, das volle Orchester, von guten Geistern -gespielt, klang ja von selbst in seinen Ohren, während er seine zierlichen Musikschriftzeichen -malte.«</p> - -<p>Manchmal, vom Glück des Schaffens durchströmt, von jenem göttlichen Fieber -erregt, das noch über das vollendete Werk hinaus nach Ausbruch drängt, trat er, -nachdem er einen Nachmittag lang gearbeitet hatte, dann aus dem kühlen Hause -hinaus in den Garten. Düfte strömten und die Sonne leuchtete über allem. Er -schritt über den knirschenden Sand der Laube zu, in der seine Gattin nähte und -stickte, warf die lange, graue Arbeitsjacke von sich, reckte die Arme und rief: -»Möcht’ doch den Kerl sehen, der glücklicher ist als ich!« Und dieser Schöpfer -und Kämpfer, der kein Duckmäuser und kein sentimentaler Träumer war, der -Wein und volle Tische liebte, der mit adligen Kammerherren und bäurischen -Hüfnern in der Keppgrundschänke Kegel schob und der dem Leben seine Kraft -verschwendend hinwarf, fügte solchen Glücksausbrüchen still hinzu »Gott behüts« -und lüftete sein schwarzes Käppchen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Hosterwitz schenkte ihm schöpferische Kräfte – Hosterwitz schenkte ihm Ruhe -nach der unerhörten Anspannung im Winter in der Stadt.</p> - -<p>In diesem bescheidenen Hause verlebte er eine Reihe glücklicher Sommer und -er war froh und heiter im Genusse der einfachen Freuden, die das ländliche Idyll -bot. Er streifte mit Carolinen durch Täler und Wälder, tafelte mit Freunden in -der wasserumrauschten Keppmühle Landbrot und Ziegenkäse, spielte stundenlang -mit seinem Jungen, seinem Hunde, seiner Katze, seinem Kapuzineräffchen, lag im -Grase, ließ sich die Sonne auf den Rücken scheinen und streckte, wie er seinem -Freunde Lichtenstein einmal schrieb, vergnügt »alle Viere von sich«. Er mühte sich -ab, aus Bindfaden und Gurten ein Geschirr für den Hund zu bauen, der Sohn, -Katze und Affen spazieren fahren mußte. Und er war glücklich, wenn alles um -ihn her jachterte und purzelte.</p> - -<p>Immer stand das kleine gastfreie Haus für Freunde offen. Und Weber war -stolz, wenn für die Gäste, die nur »ländliche Milch und süße Früchte« erhofften, -aus der Küche Carolinens wie durch ein Wunder Eis, Moselwein, Champagner -und allerhand treffliche Labe, nach eines Freundes Ausdruck »in sächsischer und -österreichischer Weise kulinarisch gedichtet,« hervorquoll und sich auf Tisch und -Rasen ergoß.</p> - -<p>Ludwig Tieck war oft unter diesen Freunden. Und lange Zeit kam auch -Jean Paul aus seinem Dresdner »Lenzhäuschen« nach Hosterwitz gewandert. Er -kam, wie Webers Biograph ihn schildert: dick, immer ein wenig unsauber, stets -von einem schnaubenden Pudel begleitet, ein alter Herr, der mit einer etwas -geschraubten Jugendlichkeit kokettierte und der so gar nicht mit seinen poetischen -Schöpfungen harmonierte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_253"></a>[253]</span></p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-059a"> - <img class="w100" src="images/illu-059a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Das Weberhaus, an der Straße die beiden prächtigen Nußbäume</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-059b"> - <img class="w100" src="images/illu-059b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Der einzigartige Blumengarten des Weberhauses</b></div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_254"></a>[254]</span></p> - -<p>»Oh Hosterwitz, oh Ruhe! Ruhe!« Das schrieb Weber einmal in einem -Briefe. Aber Ruhe nannte er es auch damals noch: die Euryanthe schreiben; -Ruhe nannte er: in vierundzwanzig Tagen drei Singspiele und eine Oper einstudieren, -zu jeder Probe drei Meilen zurücklegen und außerdem in hundert Tagen -noch achtunddreißigmal Dienst in Kirche und Theater tun.</p> - -<p>»In dieser Zeit,« schreibt sein Sohn, »sahen Caroline und der damals auch -in Hosterwitz wohnende (Freund und Schüler) Benedikt oft schon früh vor sechs Uhr, -wenn sie in die Laube im Garten traten, wo gewöhnlich das gemeinschaftliche -Frühstück eingenommen wurde, am offenen Fenster seines Arbeitszimmers das -bleiche Haupt des Meisters über das Notenpapier gebeugt, oder ihn vom kurzen -Morgenspaziergange heimkehren. An allen Tagen, die ihm sein Dienst frei ließ, -arbeitete er sechs bis acht Stunden unablässig an der Oper und gönnte der gepreßten -Brust nur selten, bei langsamen Wanderungen am Elbufer oder durch ein Waldtal -die Erquickung tiefer Atemzüge balsamischer Luft. Mehr als einmal rief er, -aus dem heißen Arbeitszimmer in den Garten tretend und die Arme ausdehnend -aus: ›Ich wollte, ich wär ein Schuster und hätte meinen Sonntag und wüßte -nicht Gix noch Gax von <em class="antiqua">C</em>-Dur und <em class="antiqua">C</em>-Moll!‹«</p> - -<p>Unablässige Arbeit schwächte seine ohnehin kränkelnde Brust. »Ich huste und -faulenze,« antwortete er ingrimmig den Freunden, die nach seinem Ergehen fragten. -Die Symptome der Müdigkeit häuften sich, seine Kräfte, flackrig geworden, verzehrten -sich in tätiger Hast.</p> - -<p>Ein Jahr darauf, 1823, fühlte er sich zu matt für den der Entfernung wegen -beschwerlichen Aufenthalt in Hosterwitz, der ihm – ein tragischer Widerspruch – -gerade damals so not tat. Und doch rang er sich in dieser Zeit den Oberon ab! -»Dieses Leben und musikalische Licht und diese tongewordene Heiterkeit und Frische -schrieb ein kranker, gebeugter und verdrossener Mann, den trockner Husten Tag -und Nacht quälte, der, in Pelze gehüllt, die geschwollenen Füße in Sammetstiefeln, -am Schreibtische saß und im stark geheizten Zimmer fror.«</p> - -<p>In diesen letzten Schöpferstunden umgeisterten ihn schon Todesgedanken. Sie -trieben ihn in Sorgen um das Wohl seiner Familie. Um für sie zu sorgen, bestand -er auf der verhängnisvollen Londoner Reise. »Ich erwerbe in England ein gut -Stück Geld, das bin ich meiner Familie schuldig,« sagte er zu einem Freunde, »aber -ich weiß sehr gut – ich gehe nach London, um da zu sterben – still, ich weiß es.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Am 7. Februar 1826 trat er die Reise an. In Pelze gehüllt stieg er in den -Reisewagen. Und während er in den dunklen Wintermorgen hinausrollte, sank -seine Frau in ihrem Zimmer zusammen und schluchzte ahnungsvoll: »Ich habe -seinen Sarg zuschlagen hören!«</p> - -<p>Dreiundfünfzig Briefe flatterten noch nach Hosterwitz. Und dem grünumbuschten -Frieden des stillen Häuschens galt seine Sehnsucht aus der Ferne: »Ich -habe wohl schon genug – vielleicht – in Dresden gewiß schon zu viel getan und -will mich in Hosterwitz recht strecken und pflegen.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_255"></a>[255]</span></p> - -<p>Er kam nicht wieder.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-061"> - <img class="w100" src="images/illu-061.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Ausblick aus Webers Arbeitszimmer in den Garten -und nach der Elbe</b></div> -</div> - -<p>Am 5. Juni 1826, acht Wochen nach der Uraufführung des Oberon in London, -schloß der vierzigjährige Schöpfer die Augen. Und als er in London schon aufgebahrt -lag, ließ eine Freundin, Charlotte von Hanmann, ihren Wagen am Dorfeingange -halten und brachte der Frau in Hosterwitz die Todesbotschaft, über der -die Verlassene mit einem Schrei zusammenbrach.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ein Jahrhundert ist seitdem durch den friedsamen Garten, durch die kleinen -Räume des schlichten Hauses gegangen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_256"></a>[256]</span></p> - -<p>Der Zauber einer holden Verschollenheit liegt darüber gebreitet. Ich sah das -Idyll im seligen Glast eines Hochsommertages um die Stunde, da Pan schläft – -vor den Fenstern des treuen Bewahrers, des alten Krahmer, standen Kornpuppen -mit einer Krone schwergebogener Halme. Und ich sah es wieder im milden Riesellichte -der Septembersonne – über Haus und Garten spann sich ein scheidender -Abglanz der Glückstage, deren sich Haus, Garten, Laube heimlich zu entsinnen scheinen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Dem Kommenden guckt das Häuschen mit gemütlichen Fenstern entgegen – -es blinzt gleichsam vertraulich und wartend durch den Zaun, der das benachbarte -Feld einhegt.</p> - -<p>Dann aber wehrt eine alte Steinmauer die Neugier ab – es ist ein Winkel -für Vertraute. Zwei alte Nußbäume überschatten locker belaubt das grüne Holztor -zwischen den Torsäulen mit den Steinkugeln obendrauf.</p> - -<p>Der Grundriß des Hauses hat die Gestalt eines längs zur Straße gelegten -lateinischen <em class="antiqua">T</em>. Das ergibt drei Giebel, von denen einer der Straße, der andere -der hinter Dorf und Bäumen verborgenen Elbe zugekehrt ist, während der dritte -in den blühenden Garten blickt. Um diesen Giebel knirschte Carolinens Schritt, -wenn sie kam, den Heimkehrenden zu empfangen, der ihr durch das Gitter des -grünen Tores entgegenlachte.</p> - -<p>Innen ist der alten Mauer, dem Tor zur Seite, ein schmaler, steinerner Sitz -eingefügt. Er sieht einer Konsole ähnlicher als einer Bank. Eine Clematisranke -zieht einen Bogen darüber. Diese hübsche Kleinigkeit mutet an wie eine zierliche -Titelvignette.</p> - -<p>Rundum blüht es. Ein bunter Fries von Astern und Balsaminen umzieht -den Sockel des Hauses. Vor dem blaugrauen Giebel blühen hochstämmige Rosen, -Oleander, Astern, Geranien im Buchsbaumrondell. Sogar um die alte Pumpe in -ihrem Holzgehäuse mit spitzem, rotem Dach, die zu Webers Zeiten auch schon dastand, -blüht ein Kranz bunter Topfblumen: Geranien, fleißiges Lieschen, blaßblaue, -hängende Glockenblumen.</p> - -<p>Dahinter, in dichtes Grün gehüllt, versteckt sich die Laube, in der Caroline -mit ihrer Näharbeit saß, wenn er oben am Freischütz schrieb. Der Efeu hat die -Laube dicht umwuchert. Über das hohe, spitze Dach wächst er noch hinaus und -krönt den Laubengiebel mit einem üppigen Blätterschopf. Drinnen – drei Steinstufen -führen hinein – ist es kühl. Die weiße Decke ruht auf kornblumenblauen -Wänden. Weißes, bäuerlich gemütliches Gestühl steht drin. Durch die zwei Fenster -der Rückwand blickt man aus der blauen Kühle hinaus in durchsonntes Gartengrün.</p> - -<p>Und draußen im Licht, im Sonnenschein, von den Efeugardinen der Laube -umrahmt, liegt das Haus, hell, heiter und glücklich.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-063a"> - <img class="w100" src="images/illu-063a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Großes Eckzimmer im Obergeschoß</b></div> -</div> - -<p>Wein rankt an Spalieren an den Wänden herauf. Blaue Winden blühen -zwischen den Reben. Diese Blumentrichter, in deren zartweiße Tiefe violette Saftmale -hinabführen, wirken zwischen den flachgeschichteten, silbern überreiften Weinblättern -köstlich. Sie erinnern an Becherschalen von hauchdünnem Porzellan. Und<span class="pagenum"><a id="Seite_258"></a>[258]</span> -die grünen Fensterläden mit den schräggestellten Jalousiebrettchen, die vor den -weißgestrichenen Fenstern in das silbergrüne Weingerank zurückgeschlagen sind, -vollenden den sommerlich heiteren Eindruck, den das Ganze macht. Es sieht aus, -als lupfe das Haus lauter kleine grüne Flügel und schicke sich an, vor Vergnügen -am eignen Dasein mal ein bißchen über den Garten hinzufliegen. Und das ziegelbewimperte -Fensterauge im altersbraunen Dach zwinkert: ja, los – mal übern -Garten hin!</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-063b"> - <img class="w100" src="images/illu-063b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Treppenflur des ersten Obergeschosses</b></div> -</div> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der Garten. Er ist gar nicht groß und scheint doch unabsehbar, weil Buschwerk -und Hecken seine Grenzen verhüllen, weil man über die Bäume hin und -zwischendurch in benachbarte Obstbaumwiesen und Gärtenwildnis guckt und weil -die gradlinigen Wege das Gartenstück so geschickt aufteilen, daß sich ein Eindruck -von Größe ergibt.</p> - -<p>Da durchschneidet ein Weinlaubengang von der Haustür aus den Garten der -Breite nach. Sonnenlicht rieselt hindurch und mustert den sauber geharkten Weg -mit einem Schattengitter. Der Gang ist kaum zehn Schritte lang. Hinten schließt -eine lockere, wandartig verschnittene Buchenhecke den Durchblick ab, sonniger Rasen -schimmert hindurch – der Gang scheint in eine grüne Wirrnis zu führen, die gar -kein Ende nimmt.</p> - -<p>Man tritt aus dem Gang heraus und steht vor einer anderen Laube, die mit -ihren gelben Wänden ganz sonnig wirkt. Wilder Wein streckt wippende Ranken -herein – eben hissen seine Blätter die köstlichen Likörfarben des Herbstes.</p> - -<p>Vor der Laube beschattet eine stattliche Linde einen kleinen Platz. Eine weiße -Bank steht darunter. Und nahe dabei, im schützenden Hauswinkel, trägt ein -Feigenstrauch sogar Früchte – Weinstock und Feigenstrauch: es ist eine beinahe -biblische Symbolik häuslichen Glücks.</p> - -<p>In einem anderen Winkel des Gartens macht der Weg eine kleine kokette -Biegung – man steht vor einem Gitterpförtchen in der Mauer, tief unter einer -hohen, fächerleicht entfalteten Akazie und hinter dichtem Gesträuch heimlich verborgen. -Draußen läuft ein schmales Gäßchen zwischen Gemäuern vorbei – und das wieder -ist ganz das Szenarium einer Liebesgeschichte.</p> - -<p>Und man guckt in den Garten zurück.</p> - -<p>Was da alles auf kleinstem Raum wächst, blüht, reift! Obstbäume stehen im -Rasen. Dahinter die Weinlaube. Und rundum blüht es: goldgelbe Röderblumen -und fleischigrote Begonien, Astern und Phlox, Nelken und Balsaminen. Es ist -eine Fülle.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Und über all das hinweg, in das Blühen und Wachsen hinein guckt mit -allen Fenstern das Haus.</p> - -<p>Man betritt den kühlen, anheimelnden Flur – dabei kann man der Lockung -nicht widerstehen und zupft beim Eintreten mal an dem Klingelzug, worauf der -Flur von altväterischem Gebimmel widerhallt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_259"></a>[259]</span></p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-065"> - <img class="w100" src="images/illu-065.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><div>Abb. 7 <b>Die Weberlaube</b></div> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Diese Laube alt und klein,</div> - <div class="verse indent0">Soll allen Zeiten befohlen sein,</div> - <div class="verse indent0">Weil hier ein heiliger Quell’ entsprang</div> - <div class="verse indent0">Freischütz, der Ewigkeitsgesang.«</div> - </div> -</div> -</div> -<p class="mright"> -<em class="gesperrt">Ernst von Wildenbruch</em> -</p> -</div> -</div> - -<p>Unten wohnt der biedere alte Krahmer, der Eigentümer dieses Schatzkästchens – -er wohnt sozusagen in seinem Augapfel, denn wie einen solchen hütet er das Haus. -Und nächst ihm verdanken wir den sorgsam und pietätvoll gepflegten Zustand des -Ganzen dem Maler Heinrich Hübner, der hier seit Jahren allsommerlich bis tief -in den Herbst – dann wird dieses Sommerhäuschen alt und feucht und unwirtlich -– sein steinernes Berlin vergißt und künstlerisch von diesem Haus und diesem<span class="pagenum"><a id="Seite_260"></a>[260]</span> -Garten und der Landschaft ringsum lebt. Er hat Vieles hinzugetragen, was – -ich möchte sagen: seelisch zu der vorhandenen Einrichtung der Räume wenn auch nicht -aus Webers Besitz, so doch aus der Weber-Zeit stimmt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Webers Zimmer liegen oben im ersten Stockwerk. Eine gewundene Steintreppe -führt hinauf.</p> - -<p>Im Giebelzimmer, in das von drei Seiten Garten, Bäume und Berge hereingrüßen, -wohnte das gastfreie Ehepaar.</p> - -<p>Der Raum mit dem behäbigen, runden Tisch, den behaglichen Polsterstühlen -und den edel schlichten Kirschbaummöbeln macht den Eindruck, als würde Caroline -jeden Augenblick wieder eintreten und mit der Stimme der beliebten Bühnensängerin -von einst sagen: Weber kommt – ich bitte die Herren um ein Weilchen Geduld.</p> - -<p>Aber nur seine Totenmaske blickt drüben im kleinen Arbeitszimmer dem -Besucher entgegen. Sie ist kostbarer Familienbesitz und war nur da, weil der -Maler Hübner das geistvoll feine Antlitz zeichnete. Alle Weberbildnisse aus der -Lebzeit des Meisters erblinden vor diesem Abdruck des eben Verstummten – der -letzte Hauch des entschwundenen Lebens durchdrang – so scheint es – die formende -Masse und belebte sie. Er gab ihr den aus seelischen Tiefen kommenden Blick der -Pupillen, der die schon geschlossenen Lider noch ein letztes Mal durchdringt, der -im Wissen um das Letzte noch einmal ins Leben zurückblickt. Und gab der feingeformten -Nase ein letztes nervöses Atmen, ein Veratmen. Und ein letztes, unausgesprochenes -Sprechen dem energisch und doch mild geschwungenen Munde.</p> - -<p>Ich neigte die Maske ein wenig nach vorn – um diesen Mund erschien ein -feines, heimliches Lächeln, ein verstehender, stummer Spott aus dem Schattenreiche -der Toten, die um die Irrtümer der Lebenden wissen und deren Eifer belächeln – das -Beste, das Letzte haben sie immer mit hinübergenommen.</p> - -<p>Das Antlitz lächelte voller Geheimnisse. Und durch das offene Fenster, aus -dem blühenden Garten, weiter her, von den fernen Duftbergen im Abendlicht, aus -dem Endlosen des perlmutterfarbenen Himmels drang lautlos, verhallend, riesengroß -vom Himmel niederflüsternd, aus Freischützklängen geisterhaft ins Unendliche -verklingend:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Schau der Herr mich an als König!</div> - <div class="verse indent0">Dünkt Ihm meine Macht zu wenig?</div> - <div class="verse indent0">Gleich zieh Er den Hut, Mosje …</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Und darüber hin, schattenhaft groß, als lautloser Zwieklang der Lachgesang:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Hehehehehehehehehehe!</div> - <div class="verse indent0">Hehehehehehehehehehe!</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Im Weinlaub raschelte leises Frösteln.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Um mich stand still und schlicht das Zimmer, in dem der Tote dort den -Freischütz und die Euryanthe und den Oberon geschrieben hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_261"></a>[261]</span></p> - -<p>Ich trat ans Fenster, an dem er saß, an sommerlichen Tagen, in bleichen -Nächten, über das Notenpapier gebeugt.</p> - -<p>Unten, zum Greifen nahe, blühte der Garten im Herbstlicht, im Abendschimmer. -Heiterkeit flog vogelgleich drüberhin – drüberhin.</p> - -<p>Und es schien mir gut so, daß dieser lächelnde Garten den Schrei nicht gehört -hat, mit dem Caroline die Todesbotschaft empfing – die Frau, die schon Witwe -war, ehe sie es wußte, eilte ahnungsvoll hinaus auf die Straße, der Botin entgegen, -als sie das Rollen des Wagens vernahm und ihn an ungewohnter Stelle halten -sah. Dort brach sie zusammen und dort zerschnitt der Schrei die Luft.</p> - -<p>Der Garten lächelte in friedlicher Glücksruhe fort.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Vom Fenster her sah ich hinüber nach dem Antlitz des Toten, dessen Arbeitsstätte -dieses kleine Zimmer war.</p> - -<p>Der Zwieklang des Notengelächters in der Luft war verstummt. Und auf -den mageren Wangen dieses Gesichts lag ein verzitterndes Mitfühlen des Schmerzes, -den er zurückließ, und der für eine geliebte Frau der Abschied von den Heiterkeiten -des Lebens war, die einmal diese Räume, diesen Garten durchklungen und deren -milder Widerschein allsommerlich in den unschuldigen Blumen des Gartens erblüht.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Wissenschaft_und_Vogelschutz">Wissenschaft und Vogelschutz</h2> -</div> - -<p>Auf meine wenigen Zeilen über »Vogelschutz von seiten eines Forschers«<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> sendet Herr Schriftsteller -R. Zimmermann an den Herausgeber der Mitteilungen eine Erwiderung, die ich insofern -begrüße, als sie mir Gelegenheit gibt, auf die Frage etwas näher einzugehen. Zunächst lasse -ich Herrn Zimmermann das Wort; er schreibt:</p> - -<div class="letter"> - -<p>»<em class="gesperrt">Vogelschutz von seiten eines Forschers!</em>« Unter diesem Stichwort übt im letzten -Heft der Heimatschutz-Mitteilungen Herr B. Hffm. eine scharfe Kritik an einer Arbeit des Ungarn -Csiki »Positive Daten über die Nahrung unserer Vögel« in der »Aquila«, der Zeitschrift des Ungarischen -Ornithologischen Instituts. Bei aller Hochachtung und Verehrung, die ich für den Verfasser der -Kritik, mit dem ich mich ja sonst eines Herzens und eines Sinnes weiß, empfinde<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a>, kann ich -um des Ansehens einer wissenschaftlichen Anstalt wegen, der gerade auch die deutsche vogelkundliche -Forschung reiche Anregungen, der deutsche Forscher aber durch uneigennützigste Überweisung -wertvoller Veröffentlichungen u. v. a. m. nicht hoch genug einzuschätzende Unterstützungen verdanken, -und die vor allem jederzeit auch zielbewußt für einen ganz entschiedenen Vogel- und -Naturschutz eingetreten ist und gerade auf diesem Gebiete viel mustergültiges und vorbildliches -geleistet hat – wer wohl hat es schon einmal bei uns versucht, die Bedingungen festzustellen, -unter denen man die so nützlichen Fledermäuse neu ansiedeln und vermehren kann? – nicht -unwidersprochen lassen. Ich bin mehrfach Gast des Ungarischen Ornithologischen Instituts -gewesen, 1911 bereits, als Otto Hermann noch ihr Leiter war – ich habe selten einen Menschen -kennen gelernt, der eine so große Hochachtung einflößte, wie diese prächtige, im Wesen jugendfrische -Greisengestalt! – und später wieder während des Krieges, als mich in feldgrüner Schützenuniform -der Weg einigemal über Budapest führte. Und ich zähle heute die Stunden, die ich in -anregendstem Gedankenaustausch gerade auch über Vogelschutzfragen mit ihren Mitgliedern verleben<span class="pagenum"><a id="Seite_262"></a>[262]</span> -konnte, zu meinen schönsten ornithologischen Erinnerungen, und bin dabei überzeugt, daß -keiner der Herren, mit denen ich dort zusammengetroffen bin, jemals die Hand zu Maßnahmen -bieten würde, die den Forschungen des Vogelschutzes zuwiderlaufen würden. – Die Elster ist in -Ungarn ein ganz gemeiner Vogel und stellenweise viel häufiger, als es bei uns manchenorts die -Krähen sind, sie tritt auch wohl überall stark schädigend auf – in Hermannstadt konnte ich mich -1911 wiederholt selbst davon überzeugen, wie stark sie oft die Bruten der Kleinvögel zu zehnten -vermag –, und eine Beschränkung ihres Bestandes gehört daher vielerorts zu den unbedingt -gebotenen Lebensnotwendigkeiten. Ist es nun aber ein Fehler, wenn dann die abgeschossenen -Vögel – und bei den Untersuchungen Csikis handelt es sich wohl ausschließlich nur um solche -des Schadens wegen, nicht aber der Untersuchung halber abgeschossener Vögel, die dann, wie -noch so manche andere, dem Institut regelmäßig zur Untersuchung eingeliefert werden – nicht -einfach draußen im Felde wertlos verludern läßt, sondern sie noch wissenschaftlichen Feststellungen -dienstbar macht? Magenuntersuchungen liefern nicht nur wertvolles Material für die wirtschaftliche -Bewertung einer Vogelart – hätten wir jemals mit der Kraft und, das darf man -wohl sagen, auch mit dem Erfolg für Mäusebussard und Turmfalk eintreten können, wenn nicht -mehrere tausend Magenuntersuchungen dieser Vögel, die ohne diese Untersuchungen auch abgeschossen -worden wären, uns ein so laut redendes Material beigebracht hätten, das allein erst -die weitesten Kreise und die Behörden von dem großen Nutzen dieser beiden Tagraubvögel -zwingend überzeugte? –, sondern sie ermöglichen uns auch noch so viele andere Einblicke in -das Leben eines Tieres und bringen selbst sogar überaus wertvolles faunistisches Material -(Nachweis einer ausgedehnteren Verbreitung der Nordischen Wühlratte in Deutschland) bei, daß -man nur bedauern kann, daß nur der kleinste Bruchteil geschossener oder sonst tot aufgefundener -Vögel derartigen Untersuchungen zugeführt wird.</p> - -<p class="mright"> -Rud. Zimmermann. -</p></div> - -<p>Leider kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß in der vorstehenden Erwiderung -die rein persönlichen Beziehungen eine etwas zu starke Rolle spielen. Ich habe den Wert und -die Bedeutung der Magenuntersuchungen ja selbst hervorgehoben und ebenso die Bemühungen -der Ungarn um den Vogelschutz anerkannt; ich weiß ferner aus eigner Beobachtung, daß die -Elster in Ungarn häufiger ist als bei uns. Doch kann ich auch heute meine Bedenken nicht -unterdrücken, daß die 351 Elstern nicht bloß ihres Schadens wegen, sondern auch um der Untersuchungen -willen abgeschossen worden sind. Die meisten dürften doch wohl aus der näheren oder -ferneren Umgebung des Instituts stammen, und da ist die Zahl 351 doch schon gewaltig hoch. -Aber ich will der Kürze halber zugeben, daß in dem vorliegenden Falle die Tatsachen etwas -gegen meine Auffassung sprechen. Ich habe den Fall nur an die Öffentlichkeit gebracht, weil es -der mir zuletzt bekanntgewordene war und weil ich die Frage einmal anschneiden wollte, die -viel wichtiger ist, als aus meinen kurzen Zeilen hervorgeht. Ich nehme, um dies darzulegen, -bezug auf die Bemerkung Zimmermanns betr. des Mäusebussards. Auch hierzu muß ich ein -großes Fragezeichen setzen, sofern es mir höchst unwahrscheinlich vorkommt, daß die allein von -Röhrig untersuchten 1210 (!) Mäusebussarde »ohne diese Untersuchungen auch abgeschossen worden -wären.« Daneben hat Röhrig noch bei 376 (!) Rauchfußbussarden den Mageninhalt festgestellt, -während ein paar Jahre darauf Greschik wiederum 125 Rauchfußbussard-Magen lediglich des -Inhalts wegen vorgenommen hat. Bedenkt man, daß gleiche Untersuchungen, wenn schon in -viel geringerem Maße, noch von anderen Seiten ausgeführt worden sind, so ist klar, daß sie -mit zu starken Eingriffen in den Bestand unsrer Raubvögel verbunden gewesen ist.</p> - -<p>Ich bemerke ferner, daß z. B. Vollhofer allein fast 500 und Pawlas sogar 600 Magen von -Wasseramseln untersucht hat! Aber selbst wenn auch in diesen Fällen Herr Zimmermann mit -seiner von mir oben erwähnten Bemerkung wenigstens teilweise recht hätte, so kann ich dieses -Zugeständnis doch keinesfalls betreffs der übrigen Singvögel machen. Man wird sehr staunen, -wenn man erfährt, daß Severin seinerzeit 3000 (!) Magen von insektenfressenden Singvögeln -untersucht hat. So ziemlich um dieselbe Zeit machte Cziki gleiche Beobachtungen an wahrscheinlich -ebenfalls sehr umfassendem Material, darunter z. B. Zaunkönig, Gartenrotschwänzchen, -Grasmücken usw., und wenige Jahre später untersucht Rey 1075 (!) Magen von kerbtierfressenden -Vögeln! Erwägt man hierbei, daß es sich immer um freilebende, nicht aber um in der<span class="pagenum"><a id="Seite_263"></a>[263]</span> -Gefangenschaft gestorbene Vögel handeln kann und daß es außerordentlich schwer hält, einmal -einen einzigen aus natürlichen Ursachen verendeten Vogel, noch dazu einen kleinen Singvogel, -draußen in der Natur aufzufinden, so wird man zugeben, daß der durch die Magenuntersuchungen -unter der Vogelwelt angerichtete Schaden größer sein dürfte als der Nutzen, den sie uns und den -überlebenden Artgenossen gebracht haben.</p> - -<p>Jedenfalls muß ich hiernach meine starken und ernsten Bedenken gegen eine <em class="gesperrt">allzu umfangreiche</em> -Magenuntersuchung unsrer Vögel aufrechthalten, und zwar um so mehr, als sich auch in -andrer Beziehung ein gewisser Gegensatz zwischen Wissenschaft und Vogelschutz immer mehr zu -entwickeln scheint. Er kommt dadurch zustande, daß jetzt den Faunisten bzw. Systematikern sehr -daran liegt, von den einzelnen Arten bzw. Unterarten ganze Serien von Exemplaren zu erlangen, -um dadurch etwaige Schwankungen und deren Grenzen, örtliche Abweichungen, Übergangsformen -der einen in die andre Art usw. festzustellen. Daß das besonders für weniger häufige Arten -recht bedenkliche Folgen haben kann, leuchtet ohne weiteres ein.</p> - -<p>Man muß sich hiernach wohl gefallen lassen – und Herr Zimmermann wird mir da -sicher zustimmen –, wenn einmal von unbefangener Seite auf die Schattenseiten der Dinge aus -wohlberechtigten Sorgen ernstlich hingewiesen und im Anschluß daran die Forderung gestellt wird, -daß nach den angeführten Richtungen hin möglichst Maß gehalten werde!</p> - -<p class="mright"> -Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Bernh. Hoffmann. -</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Mitteilungen Heft 4/6, Bd. X, Seite 131</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Es beruht dies ganz auf Gegenseitigkeit (Anm. von B. Hffm.)</p> -</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Kursaechsische_Streifzuege">Kursächsische Streifzüge</h2> -</div> - -<p>Ein Ereignis hat sich für den Heimatfreund in diesen Tagen in aller Stille -vollzogen: Der seit langem vergriffen gewesene dritte Band der Kursächsischen Streifzüge -von Oberstudienrat <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Otto Eduard Schmidt</em>: »Aus der alten Mark -Meißen« liegt in erweiterter zweiter Auflage vor. Die durch sechs Kapitel über -die Oberlausitz vermehrte Neuauflage des zweiten Bandes (»Wanderungen in der -Ober- und Nieder-Lausitz«) ist unter der Presse und wird voraussichtlich noch vor -dem Weihnachtsfeste erscheinen. Der fünfte und letzte Band »Aus dem Erzgebirge« -ist im Manuskript fertiggestellt und wird im Laufe des Jahres 1922 herauskommen. -Was uns dieses Werk ist, muß es noch ausgesprochen werden? Ziehen -mit diesen Büchern in der Tasche nicht schon seit Jahren unsere Jünglinge in -den Heimatgauen umher, freuen sich nicht an dem herrlichen Werke die Alten -und atmen nicht unsere Männer auf des Lebens Höhe, wenn sie es gelesen haben, -auf, wie befreit von einem Druck, der heimlich auf ihnen gelegen? Ich darf -es wohl aussprechen, gerade das Geschlecht unserer Männer von vierzig und fünfzig -Jahren hat den größten Gewinn aus dem Werke gezogen. Denn wie standen wir -Gymnasiasten der achtziger und neunziger Jahre der Geschichte unseres obersächsischen -Stammes gegenüber? In der Zeit des höchsten völkischen Aufschwungs der deutschen -Nation, glückselig die Früchte des siebziger Krieges schauend, glühend stolz auf unser -Heer und unsere stark heranwachsende Flotte, bewundernd aufschauend zu dem großen -preußischen Führerstaat, mieden wir beinahe verlegen ein näheres Eingehen auf die -Geschichte unserer Heimat. Wohl waren wir stolz darauf, daß die Heimat es war, -die in nächster Beziehung zur Reformation und ihren Vorkämpfern gestanden, wohl -freuten wir uns der Taten des Wettiners Moritz, des Erstürmers der Ehrenberger -Klause und Meisterers hispanischer Verschlagenheit, aber was dann kam, daran dachten -wir nicht gern. Die zage Unentschlossenheit der sächsischen Politik im Dreißigjährigen<span class="pagenum"><a id="Seite_264"></a>[264]</span> -Kriege, die Zeit Augusts des Starken, des Grafen Brühl und, o Schmach, die Tage -der napoleonischen Aera, sie drückten auf unser Gemüt. Immer und überall Sachsen -im Unrecht, auf Irrwegen zumindest. Und auf unserer Seele brannten die Worte -aus dem Briefe, den der alte Blücher nach der Lütticher Revolte in loderndem Zorn -an den König Friedrich August geschrieben: »Ew. Königl. Majestät haben einen -geachteten deutschen Völkerstamm in das tiefste Unglück gestürzt. Es kann dahin -kommen, daß er allgemein mit Schande bedeckt wird.« Hatte doch einer der Edelsten -des obersächsischen Stammes, Heinrich von Treitschke, in Grimm und Zorn -aus verzweifelnder Liebe zur Heimat heraus ein geradezu verdammendes Urteil -gefunden über die Politik der sächsischen Fürsten und ihrer Ratgeber. An das -»<em class="antiqua">audiatur et altera pars</em>« dachten wir gar nicht.</p> - -<p>Da, Jahrzehnte später auf einmal eine Stimme, die Stimme auch eines sächsischen -Gelehrten: »Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß Heinrich von -Treitschke, einer der begabtesten und edelsten Söhne des sächsischen Stammes, diesem -durch die pessimistische Auffassung seiner Geschichte in den Augen der übrigen Deutschen, -besonders aber der preußischen Nachbarn, furchtbar geschadet hat.« Ein -freundlicher Zufall hatte mich gerade dies Kapitel der Kursächsischen Streifzüge, -denn in ihnen erscholl das mutige Wort, zuerst aufschlagen lassen, und nun ließ -mich das Buch nicht mehr los. Ich las und las, und immer war mir’s, als -müßte ich im Geiste die Hand des Mannes drücken, der unser Geschlecht so tapfer -darauf hinwies, daß es sich nicht zu schämen brauche auf seinem Posten im Kranze -der deutschen Stämme. Frei und froh ward mir zumute; ich hab’ fortan die falsche -Scham abgelegt, die mich faßte, dachte ich an die Tage von 1813, da der alternde -König zur Verzweiflung der Mehrzahl der gebildeten Sachsen ins Joch Bonapartes -zurückgezwungen ward. Ich weiß heute mit ruhigem Stolz, daß auch mein Heimatland -zur großen allgemeinen Sache der Befreiung das Seine beitrug – mehr vielleicht, -als andere deutsche Stämme und ohne den Siegerlorbeer um die Stirne. Ich weiß, -daß Sachsen im Jahre 1813 für ganz Deutschland, ja für Europa Schlachtfeld, -Lazarett und Kirchhof war, und daß unter den sächsischen Edelleuten und gebildeten -Bürgern zum überwiegenden Teil ein ebenso kerndeutsches Wesen beheimatet war -als im ruhmgekrönten Lande der Erhebung. – So ist Otto Eduard Schmidt ein -Wohltäter geworden nun auch für unsere Jugend, die heute wohl überall im Lande -einen anderen Geschichtsvortrag hören wird, als er zu unserer Zeit üblich war. -Heimatschutz – wir wissen es alle, welche Fülle von Aufgaben in diesem Wort sich -zusammendrängt. Die edelste Art des Heimatschutzes hat der Verfasser dieser -fünf bedeutenden Bände geübt: den Schutz der Heimat vor Verkennung und -Verleumdung.</p> - -<p>Nicht allen Menschen ist der Sinn für die Weltgeschichte verliehen, aber Anregung -edelster Art findet jeder seelisch Erwärmte in den Streifzügen noch auf vielen -anderen Gebieten. Da zieht sich wie ein goldner Faden durch das Werk die Geschichte -der Baukunst unserer Heimat! Vor unserem Auge tauchen sie auf, die großen alten -Baumeister der Renaissance, dieses gewaltigen Höhepunkts vaterländischer Kultur, -die Hieronymus Lotter, Hans Irmischer, Konrad Krebs. Mit der Sicherheit des -erfahrenen Kunstgelehrten führt uns O. E. Schmidt durch den Burgpallas aus dem<span class="pagenum"><a id="Seite_265"></a>[265]</span> -Mittelalter, durch die Ratsstuben der Zeit Vater Augusts, durch die behäbigen -Bürgerbauten des achtzehnten Jahrhunderts. Aber auch das bescheidene Bauernhaus -im Spreewald, der vordem ja altes kursächsisches Gebiet war, ist unserem -Führer noch beachtlich, und so lehrt er dich umherblicken im Lande, lehrt er dich -werten, was dir geblieben und danach trachten, es zu erhalten und zu schützen an -deinem Teil. Mit Fug und Recht kann das Werk von sich sagen, daß es die -Heimatbewegung erwecken half.</p> - -<p>Ja, zur Landschaftsbetrachtung regt der Verfasser an, wie nicht gleich ein -zweiter. Unlöslich ist sie ja bei ihm mit der Versenkung in die Vergangenheit verbunden, -doch auch den naiven Wandersmann macht er auf so vieles aufmerksam, -was diesem sonst wohl entgehen würde. Ein großes Verdienst O. E. Schmidts ist -es meines Erachtens, daß er gleich im ersten Kapitel es unternommen hat, einmal -auf die stillen Reize des unteren sächsischen Elblaufs hinzuweisen; auf den hohen -Genuß, den eine Dampferfahrt durch die Gefilde unterhalb Riesas bereitet, wo der -Storch noch zieht über den Heimatboden und wo die Windmühlenflügel sich versonnen -regen über der fast holländisch anmutenden Niederung. Den Höhepunkt landschaftlichen -Erlebens aber genießen wir mit ihm, folgen wir ihm in die spätwinterliche -Muldenaue unterhalb Wurzen, in den Tagen der Schneeschmelze, da der Fluß breit -und schwer wie der Mississippi sich dahinwälzt. Aller Erdennot vergessend blicken -wir mit ihm in die zauberhafte Stimmung der Sonnenrüste über der ungeheuren -Landschaft. Da wird unser Führer zum Dichter, der hingerissen uns hinweist auf -die Herrlichkeit, die uns die Heimatflur bietet, und wir folgen dankbar und willig -diesem hohen Geist, diesem Lehrer im reichsten begnadetsten Sinne!</p> - -<p>Aber zur Landschaft gehört untrennbar der Mensch! Der Mensch, der ihr die -Spuren seines Daseins einprägt, der sich von ihr nährt, der sie schützt, und der sie -im Überschwang der Liebe verherrlicht durch seine Kunst. Da kommen sie herangezogen -über den heimischen Boden, die blonden Ostlandfahrer aus Vlamland mit -dem Wanderlied auf den Lippen: »Naer Oostland willen wy ryden.« Da rasseln -sie vorüber in wilder Flucht vor dem germanischen Heerbann, die polnischen Reiterscharen, -die den Gau Glomaci kahl gefressen wie ein Heuschreckenschwarm – vorüber -ziehen Mönch und Klostermann. Und dann, hell auf einmal vor dem dunklen -Hintergrund die Persönlichkeit! Wiprecht von Groitzsch, Heinrich der Erlauchte, -Friedrich der Streitbare, Moritz und Kurfürst August. Vorbei zieht an uns die -Erbarmannschaft des Landes, die ritterlichen Schleinitz, das ehrenfeste Geschlecht der -Löser auf Pretzsch und in neuerer Zeit die herrlichen Männer um Dietrich von -Miltitz. Es nahen die Männer des Geistes, die Dichter voran. Von Walther von -der Vogelweide, der im Jahre 1212 ja auch einmal im meißnischen Herrendienst -gestanden, über den schalkhaften Ritter Friedrich von Schönberg, den Autor des -Schildbürgerbuchs, zum frommen Sänger Paulus Gerhardt, in dessen Heimatstädtlein -Gräfenhainichen uns eine herrliche Kleinstadtschilderung führt. Vom jungen Goethe -in Leipzig, von den Romantikern auf Schloß Siebeneichen über den strohtrockenen -und doch heimatgeschichtlich beachtenswerten Ferdinand Stolle aus Grimma zum -hochgemuten ritterlichen Sänger aus unseren Tagen, dem Freiherrn von Münchhausen -auf Wendischleuba.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_266"></a>[266]</span></p> - -<p>Einsam und mit Sehnsucht im Herzen nach dem glückseligen Welschland wandelt -Albrecht Dürer durch Wittenberg, allwo er in der Schloßkirche seine Kunst -ausübt; durch dasselbe Wittenberg, in dem nicht lange danach der blonde Lucas -Maler von Cronach in Franken heimisch werden wird voll schaffensfrohen, sicheren -Behagens; dasselbe Städtlein am Heimatstrom, das im hellen Lichtschein bald erstrahlen -wird, der ausgeht von Persönlichkeit und Haus des sächsischen Bergmannssohnes -Martin Luther. O, wie wert macht uns das köstlich unschätzbare Buch O. E. Schmidts -unsre Heimat! Welcher Strom des Dankes muß diesem Manne entgegenschwellen -aus tausenden von Herzen!</p> - -<p>Nur ein paar Worte noch über die jetzt erschienene zweite Auflage des dritten -Teils. – Der Verfasser hat diesen Abschnitt seines Werkes zu neuer Höhe zu führen gewußt. -So viel unerwartetes Wertvolles ist in dem neuen Buche enthalten, daß -auch dem Kenner der ersten Ausgabe das Studium dringend empfohlen werden -kann. Ein hoher Genuß ist es zu lesen, was O. E. Schmidt hier über die neuen -Domtürme von Meißen zu sagen hat, und aufzumerken, wie er an unserm innern -Auge die Vertreter der neuen Meißner Kunst, den herrlichen Oskar Zwintscher, den -kraftvollen Sascha Schneider vorüberführt. Aber auch daß er im Kapitel von der -Lommatzscher Pflege des sorgenvollen kleinen Rucksackträgers nicht vergißt, der im -Hungerjahr 1917 und später noch lange in dem gesegneten Eckchen von Hoftür -zu Hoftür zieht, bis er für viele gute Worte und für viel Geld endlich etwas bekommt, -das er daheim dann glückstrahlend den Seinigen auf den Tisch schütten -kann, wollen wir dem Verfasser danken. Denn auch das ist Geschichte geworden; -unsere Enkel werden es einst nachdenklich lesen. – Wie eine frohe Botschaft aber -von doch einmal kommenden bessern Zeiten hört es sich an, was ganz zuletzt gesagt -ist vom immer wieder lebendig werdenden Geist beseelter Romantik, der selbst im -Jahre 1920 sich schwingt um Giebel und Zinne von Schloß Siebeneichen.</p> - -<p>In jedes gebildeten Stammesgenossen Bücherei sollte dieses Werk stehen. Jeder -Vater sollte es anschaffen schon im Hinblick auf die geistige Entwicklung seiner -Kinder; jede Schule, aber auch jede Volksbibliothek sollte es ihr eigen nennen! -Nicht jedem deutschen Stamme wird ein solch bedeutendes Geschenk geboten werden -aus dem Kreise seiner Söhne – möge der obersächsische es dem Verfasser danken -durch freudige Aufnahme seines Werkes. –</p> - -<p class="mright"> -Gerhard Platz. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Erzgebirgische_Christ-_und_Mettenspiele">Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele</h2> - -<p class="center">Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes</p> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Max Wenzel</em>, Chemnitz</p> -</div> - -<p>Ein gut Teil Poesie im erzgebirgischen Volksleben ist mit dem Weihnachtsfest -verknüpft. Ja, man kann wohl sagen, daß in keiner Gegend unseres deutschen -Vaterlandes Weihnachten so inbrünstig gefeiert wird wie im Erzgebirge, und auch -der berühmte Zahn der Zeit hat sich hier machtlos erwiesen. Schon die Adventszeit -ist weihnachtlichen Zaubers voll. Da blasen vom Kirchturm Musikanten das<span class="pagenum"><a id="Seite_267"></a>[267]</span> -»Feldgeschrei« in die dunkle Winternacht hinaus, und im warmen Stübchen regen -sich fleißige Hände, um all die Wunderwerke der Krippen und Pyramiden herzustellen, -die einer erzgebirgischen Stube die rechte Weihnachtsweihe geben. Fast könnte -man von einer Überfülle sprechen. Man will alle Möglichkeiten ausnützen, seine -Festfreude zu zeigen. Der »Winkel« der Stube bevölkert sich mit allerhand buntem -Schnitzwerk, das die lieblichste biblische Erzählung figürlich darstellt. Daneben dreht -sich auf der Kommode eine gar prächtige Pyramide, und von der Decke herab -grüßt das bunte Perlen- oder Holzrankenwerk eines Leuchters oder einer Spinne. -Auf dem Schrank stehen gravitätisch Engel und Bergleute mit Lichtern auf dem -steifen Arm und auch ein Räucherkerzchenmann blickt von irgendwo auf den köstlichen -Zierat. Und – um auch der modernen Zeit eine Verbeugung zu machen – -fehlt zu alledem auch der Christbaum nicht, dessen Fuß in einem kleinen Christgärtchen -wurzelt. Farbe und Licht überall! Eine Erinnerung an die alte Bergherrlichkeit. -Kam der Bergmann aus dem dunklen Schoß der Erde, begrüßte er -das Licht als Befreier von dunkler Sorge und ängstlichem Druck. So wollte ihm -auch in dunkler Winternacht das Licht von oben als ein symbolisches Zeichen des -Lebens erscheinen. Lichter stellt man in die Fenster, daß sie weit in die Nacht -hinausstrahlen; oder man besteckt die Fensterrahmen mit kleinen Öllämpchen. Wer -einmal an einem der drei heiligen Abende oder an den Festtagen selbst im Schlitten -von Annaberg über Buchholz, Sehma, Cranzahl nach Oberwiesenthal gefahren ist, -wird den Märchenzauber nie vergessen.</p> - -<p>Es handelt sich hier um durchaus gegenwärtige, lebende Dinge, nicht etwa -um Erinnerungen an eine alte freundliche Zeit. Auch der Erzgebirgler in der -Fremde hält an seinem Weihnachten fest und schmückt seine Wohnung gern mit -solch heimatlichem Gerät. Als wir vor einigen Jahren in Chemnitz eine Ausstellung -volkstümlicher Weihnachtskunst veranstalteten, waren wir erstaunt über die -Menge von Krippen und Pyramiden, die uns allein aus Chemnitz angeboten -wurden. Ein bekannter Drechslermeister hielt sogar die einzelnen Pyramidenteile -fertig auf Lager.</p> - -<p>Süße Lieder und innige Verse preisen das traute, hochheilige Paar noch heute. -Und an allerlei volkstümlichen Gebräuchen, dem Schuhwerfen, Bleigießen, dem -Rupprecht usw. hält der Erzgebirger mit Zähigkeit fest; wenn auch nicht geleugnet -werden kann, daß solch’ alte Sitten mehr und mehr den Anstrich eines gesellschaftlichen -Spaßes erhalten haben.</p> - -<p>In einzelnen Orten gibt es auch noch »Metten«. Da ziehen Erwachsene und -Kinder mit hellen Laternen durch die dunkle Winternacht zur Kirche, und Lied -und Wort sind mehr wie sonst volkstümlichem Empfinden angepaßt. Hier haben -wir die letzten Reste einer einst im ganzen Gebirge verbreiteten Gepflogenheit, -nämlich die heilige Geschichte dramatisch darzustellen, die Sitte der Christ- und -Mettenspiele.</p> - -<p>Es ist hier nicht der Ort, Ursprung und Verwandtschaft mit ähnlichen Erscheinungen -in anderen Teilen Deutschlands festzustellen, nur soviel sei gesagt, daß -diese Spiele einst einen wesentlichen Teil der erzgebirgischen Weihnachtsgebräuche -ausmachten. Wie kommt es nun, daß sie sich nicht erhalten haben, sind sie so<span class="pagenum"><a id="Seite_268"></a>[268]</span> -wertlos? – Wir kommen hier auf die befremdliche Tatsache, daß sie behördlicherseits -verboten wurden, daß man die Teilnehmer an solchem Tun, wie 1805 in -Thalheim geschehen, sogar ins Gefängnis setzte. Es soll hier nicht untersucht werden, -inwieweit diese Strafen berechtigt waren, oder ob eine volksfremde Regierung und -Geistlichkeit etwas Harmloses als Profanierung des Heiligen ansahen und es zu -unterdrücken suchten. Denn überrascht ist man etwas, wenn man sich in dieses -Volksgut versenkt. Wunderliche, bunte Klänge umgeben uns, guter, echter Volksliederton. -Allerdings an die Stelle mystischer Feierlichkeit tritt häufig ein wohltuender -Humor. Die ganze heilige Geschichte ist eine heimische Angelegenheit -geworden. Der Joseph ist ein alter Bekannter, er spricht sogar in der heimischen -Mundart; und die Hirtengeschichte hat sich gleich draußen vor dem Dorfe am -Bergwald zugetragen. Erklingt einmal ein biblischer Ton, so mutet er fast fremd -an, es ist, als wenn sich in das lustige Geplapper der Kinder eingelernte Bibelsprüche -und Gesangbuchverse mischen. Der deutsche Volkshumor verbindet gern -einen gutmütigen Spott mit den Gefühlen der Achtung und Ehrfurcht; siehe Gottfried -Keller, Wilhelm Raabe, Fritz Reuter usw. Ganz und gar liegt es dem Volke -fern, die heiligen Leute zu verhöhnen, im Gegenteil, nur mit Personen, die seinem -Herzen nahe stehen, die es mit Liebe und Wohlwollen betrachtet, erlaubt sich das -Volk solch köstlichen Spott.</p> - -<p>Und es gelang nicht, das alte Volksgut <em class="gesperrt">gänzlich</em> auszurotten. Bis in die -sechziger Jahre hinein hielten sie sich in vielen Orten, trotz aller Verbote. Voller -Sehnsucht dachten die Alten an die Zeit zurück, wo sie selbst an den Spielen beteiligt -gewesen. Noch 1861 fand der Gymnasialoberlehrer Gustav Mosen in Zwickau ansehnliche -Reste der Spiele vor, die er in ein köstliches Büchlein sammelte und -herausgab. Gewitzigte Unternehmer retteten die Spiele fürs Puppentheater. Wie -beim Volkslied, so erhielten sich auch hier und da Reste von Versen im Munde des -Volkes, oft unbewußt, woher die Reimlein stammten.</p> - -<p>Und was gab man dem Volke für einen Ersatz? – Zuerst überschwemmte -eine Flut von allerlei »Weihnachtsstücken« den Markt. »Dramatische Gemälde«, -Weihnachtsszenen: »Landwehrmanns Weihnachten«, »Weihnachten in der Kaserne«, -»Der Weihnachtsengel im Elendhause«, – süßlich, sentimental, unecht, unwahr, -Kitsch über Kitsch! Eine von den Behörden sanktionierte Geschmacksverderbnis -übelster Art!</p> - -<p>Von verschiedenen Seiten, auch in den Kreisen der Geistlichen, sah man das -wohl ein, und man knüpfte an die alten Christspiele an, indem man eine Anzahl -sogenannter »Weihnachtsstücke« schuf, »Der Stern von Bethlehem« und andere -mehr. Wirkliche Bedeutung kommt wohl von allen diesen Stücken nur dem von -dem verdienten <em class="antiqua">Dr.</em> Alfred Müller bearbeiteten Mosenschen Weihnachtsspiel zu, in -dem auch eigentlich volkstümliche Elemente nicht fehlen.</p> - -<p>Durch Haaß-Berkows Wiederbelebung eines alten Weihnachtsspieles wurde -ich ermutigt, unsere noch vorhandenen Spiele auf ihre Aufführungsmöglichkeit hin -zu untersuchen, und ich kam zu dem Ergebnis, daß hier etwas Gutes vor dem -völligen Untergang zu retten sei. Die Spiele sollten aber <em class="gesperrt">echt</em> sein. Darum sah -ich von einer sogenannten Bearbeitung mit Um- und Neudichtung ab. Ich reihte<span class="pagenum"><a id="Seite_269"></a>[269]</span> -nur die Reste aneinander. Das Wiesaer Spiel enthält z. B. das volle Bescherungsspiel -und die Herbergsszene. Beides wurde unverkürzt aufgenommen. Das Hirtenspiel -entnahm ich dem Thalheimer Spiel, das Krippenspiel der Neudorfer Engelschar. -Das Königsspiel war das Löwenhainer usw.</p> - -<p>Die Aneinanderreihung ist durchaus berechtigt, denn die Spiele sind einander -durchaus ähnlich, nur durch die mündliche Weitergabe verändert und angepaßt – -zerspielt. Die einzelnen Szenen sind durch alte Mettenlieder verbunden, wie wir -sie in örtlichen Aufzeichnungen, in Bernhard Schneiders Liederheften, Mosens -Weihnachtsspiel usw. finden. Es kam die Frage des Aufführungsortes. Die alten -Spieler zogen im Orte umher, die größten Stuben wurden zum Schauplatz. Aus -dem ganzen Hause, aus den Nachbarhäusern kamen die Neugierigen gelaufen, um -die »Engelschar« zu bewundern. In die einzelnen Wohnungen zu gehen, würde -sich jetzt aus verschiedenen Gründen verbieten; da nimmt man eben eine recht -große Stube des Ortes, ein Schulzimmer, die Turnhalle, einen Saal. Hier kommen -die Ortsbewohner zusammen, aber nicht wie zu einem Theaterabend, – sie sollen -die Spiele durchaus miterleben.</p> - -<p>Die Chemnitzer Volkshochschule, die allen Bestrebungen des Heimatschutzes -und der Volkskunde das erfreulichste Verständnis entgegenbringt, nahm sich im -vergangenen Jahre der Sache an – und mit wirklichem Erfolg, denn wir mußten -unser Spiel zwanzigmal wiederholen!</p> - -<p>Wie verläuft so ein Abend?</p> - -<p>Orgel- oder Harmoniumklang stimmt die Hörer ein. Dann klingt von -draußen das alte Schneeberger Mettenlied »Auf, Tochter Zion, schmücke dich« zum -Saale herein. Auf der Bühne, die nebenbei bemerkt, nur mit dunklen Stoffen -ausgeschlagen ist, erscheint ein Hirte als Bote:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Einen schönen guten Abend, den geb euch Gott!</div> - <div class="verse indent0">Ich bin ein ausgesandter Bot;</div> - <div class="verse indent0">ich zeig euch an zu dieser Frist,</div> - <div class="verse indent0">daß jetzt wird kommen der heilige Christ!«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Zwei Engel werden auf der Bühne sichtbar, sie bereiten die Hörer vor. Dann -kommt unter den Klängen eines böhmischen Weihnachtsliedels, von Lauten und -Geigen gespielt, durch den Saal die Engelschar gezogen. Der heilige Christ, -St. Martin, St. Nikolaus in weißen Kleidern, mit hohen Goldkronen auf dem -Haupte, das heilige Paar, Knecht Rupprecht usw. Sie ziehen auf die Bühne und -es beginnt das Bescherungsspiel. Nun wechseln sich die bunten Szenen ab, von -denen das Verkündigungsspiel und das Krippenspiel wohl am eindringlichsten -wirken. Beim Krippenspiel wird alles Bühnenlicht weggenommen. Die ganze -Szene ist nur durch eine Stallaterne beleuchtet, die vor der Krippe auf dem -Boden steht. Dieser einfache Regiekniff hat ungeahnte Wirkung. Nach kurzer -Pause eröffnen das Thalheimer und Löwenhainer Spiel den zweiten Teil, nachdem -die »Königschar« durch den Saal eingezogen ist. Wie sehr die Hörer in Chemnitz -dabei waren, merkte man daraus, daß sie in den Pausen verschiedene Male -unaufgefordert Weihnachtslieder anstimmten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_270"></a>[270]</span></p> - -<p>Von der Großstadt aus sollen die Spiele wieder in ihre Heimat zurückkehren. -Schon in diesem Jahre werden sie in vielen Orten sich einzubürgern versuchen. -Nicht um ein wissenschaftliches Werk zu schreiben, nur um praktisch Heimatschutz -zu treiben, veröffentlichte ich das gesamte Material in Buchform unter dem Titel -»Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele. Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes«. -Mit der Zusammenstellung am Schlusse des Buches, die auch einzeln im -Verlag H. Thümmler in Chemnitz erschienen ist, will ich nur ein Vorbild aufstellen, -»wie man es machen soll«. Gedacht ist es so, daß jeder Ort, der noch -Reste eines Spieles besitzt, diese in den Mittelpunkt stellt und die übrigen Teile -nach Belieben aus dem vorhandenen Material ergänzt. So soll jeder Ort »sein -Spiel« gewinnen.</p> - -<p>Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersahen wir mit Freuden, wie -man in allen Teilen unseres Gebirges den Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns -auf diesem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst gelingen -sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p><em class="gesperrt">Anmerkung der Schriftleitung</em>: In <em class="gesperrt">H. Thümmlers</em> Verlag, Chemnitz, ist -erschienen: <em class="gesperrt">Wenzel</em>, Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele, ein Versuch zur Rettung alten -Volksgutes, 182 Seiten, gebunden einschließlich aller Zuschläge M. 14,40.</p></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Liebe_zum_Baume">Die Liebe zum Baume</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Georg Marschner</em>, Dresden</p> -</div> - -<p>In unserem so dicht besiedelten Sachsenlande läßt die alles umgestaltende, rastlose menschliche -Tätigkeit dem freien Walten ungezügelter Naturkräfte nur noch wenig Raum. Deshalb -sind die anmutigen Bilder, welche sowohl im Niederlande als auch im Gebirge das Herz mit -beglückender Heimatfreude füllen, zum weitaus größten Teile Werke fleißiger, kultivierender -Arbeit unseres Volkes. Die einzelnen, das Landschaftsbild zusammenfügenden Elemente sind -überall die gleichen. Dörfer und Städte, Straßen und Wege, Felder, Wiesen und Wälder, Teiche, -Bach- und Flußläufe und vieles andere ergeben in unerschöpflich wechselvoller Gruppierung -alle die reizvollen Bilder, die uns das Heimatland so liebenswert machen.</p> - -<p>Wohl kann ein hoher Berg, ein tiefes Tal, ein großer See oder ein breiter Fluß einer -begrenzten Gegend ein besonderes Gepräge geben, bestimmend aber wirkt auf den Charakter einer -jeden Landschaft ihr Bestand an Bäumen. Sie sind es, die im Verein mit den Tages- und -Jahreszeiten alle Stimmungs- und Empfindungswerte auslösen.</p> - -<p>Ob sie, dicht aneinandergedrängt, als Wald die weiten Feld- und Wiesenfluren der Niederung -ruhig umsäumen, im Gebirge das Schönheit suchende Auge über ihr wogendes Wipfelmeer hinauslocken -in blau verdämmernde Fernen und uns erfüllen mit unstillbarer Wandersehnsucht, oder -ob sie, aufgelöst in Gruppen und Reihen, das Dörflein liebevoll in ihren weichen Mantel -betten und im stillen Wiesengrunde, gleich einer grünen Schlange, dem Bache das Geleite geben, -immer und überall tritt die belebende und Schönheit gebende Kraft des Baumbestandes uns -vor Augen.</p> - -<p>Ganz besonders aber werden wir uns der hohen Schönheitswerte des Baumes bewußt, -wenn ein im hohen Alter seinen Artcharakter ausgeprägt zur Schau tragender Einzelbaum die -Landschaft beherrscht und zum Wahrzeichen einer weiten Gegend wird.</p> - -<p>Und welch einen poesiedurchtränkten Zauber verleihen machtvolle Baumwipfel der bäuerlichen -Siedlung. Ein Dorfkirchlein, umrauscht von einer alten Linde, ein Bauernhof, über dessen -bemoostes Dach ein uralter Baum, wie ein treuer Hüter und Wächter, schirmend seine grüne -Hülle breitet, sind mir immer der Inbegriff herzerfrischender ländlicher Schönheit gewesen. Und<span class="pagenum"><a id="Seite_271"></a>[271]</span> -auch dann noch, wenn die Herbst- und Winterstürme seine Kraft gebrochen, wenn er tiefer und -hohler rauscht und zur lebenszähen Ruine ward, wird jeder fühlende Mensch in Ehrfurcht vor -ihm stehen und ahnungsvoll die Vergänglichkeit alles Irdischen erkennen.</p> - -<p>Uralt ist die Liebe zum Baume in unserem Volke. Ein köstlicher Schatz von Erinnerungen -an gute und böse Zeiten, ein unverwelklicher Kranz von Sagen und Märchen windet sich um -jeden alten Baum, der wie ein mahnendes Symbol in den ruhelosen Zeitenstrom unserer Tage -hineinragt. Viel könnte ich erzählen von manchen alten, in einem arbeitsreichen Leben krumm -gewordenen Bauersmann und der Liebe zu seinem Baum. Oft habe ich im Schatten solcher -Bäume gesessen und der Geschichte des Dorfes und Tales gelauscht. Manch biedrer Alte ist mir -da zum lieben Freunde geworden. Hier im Banne alter Bäume wurde es mir zur Gewißheit, -daß ihr hoher Wert sich nicht erschöpft in staunenden, bewundernden Betrachten. Ihr tiefer -Einfluß spiegelt sich wieder in Herz und Gemüt eines jeden, dem eine alte Hauslinde das -Wiegenlied gesungen. Er wird mir sagen, alte Bäume haben eine Seele.</p> - -<p>Er wird’s verstehen, ihr fröhliches Rauschen an den hohen Tagen seines Lebens, und nur -er wird aus dem leisen Raunen das heimliche Schluchzen heraushören, wenn einer vom Hofe -hinausgetragen wird zur ewigen Ruhe.</p> - -<p>Aber ich könnte auch berichten von manchem stolzen Baume, den Generationen seiner -früheren Besitzer, als zur Familie gehörig, hegten und pflegten und der dann nur zu bald dem -neuen Besitzer im Wege stand und als Feuerholz ein schnelles, unrühmliches Ende fand.</p> - -<p>Wo ein altersgrauer Baum heute noch sein grünes Blätterdach zum Himmelsdome reckt, -da sollte er jedem Menschen als ehrwürdiges Vermächtnis seiner Väter heilig sein. Unantastbar -als Denkmal der uns alle nährenden Mutter Natur, unverletzlich als lebendes Ehrenmal seines -Besitzers. So sollte es sein – aber die Erfahrung lehrt’s oft anders.</p> - -<p>Bei der Hast des Alltags, in den Sorgen der Gegenwart schwingt die uns aus Urväterzeiten -vererbte Liebe zum Baume nur noch leise. In manchen Herzen ist sie ganz verklungen. -Für viele hat der Baum keine Seele mehr. Er ist Handelsware geworden, Erzeuger hochwertigen -Holzes. Ohne Not und ohne bleibende Werte zu hinterlassen, ist mancher knorrige Recke und -stumme Zeuge vieler Menschenschicksale auf den Holzmarkt gewandert.</p> - -<p>Aber sie muß wieder lebendig werden, die Liebe zum Baum. Ein jeder Bauernhof muß -wieder seinen Baum haben. Darum wähle jeder, der die eigne Scholle bebaut, je nach Vermögen -einen oder mehrere der ältesten und schönsten Bäume aus seinem Besitzstande, ganz gleich welcher -Art, und weihe sie, als herrliche Zierde seiner Heimatflur. Das stille Gelöbnis aber, daß sie in -treuer Hut wurzeln sollen im heimischen Grunde, bis unsere, nach ehernen, unerforschlichen Gesetzen -bauende Allmutter Natur ihre Werke selber zerstört, wird seinen Namen laut und sichtbar -künden auch den kommenden Geschlechtern.</p> - -<p>Und wer keinen geeigneten Baum sein eigen nennt, der pflanze einen solchen. Ist’s nicht -am Hause, dann am Feld- und Wiesenrande, oder an einem Grenzmale. Ist er auch jung an -Jahren, er wächst heran im Laufe der Zeiten und knüpft enger und fester das unsichtbare Band, -welches verbindet mit dem Heimatboden, auf dem wir geboren und der uns aufnehmen wird -zum letzten Schlummer, dem Vergessen entgegen.</p> - -<p>Nicht einer, der jetzt mit Recht bewunderten Baumriesen dankt sein hohes Alter dem Zufalle -oder ist bisher übersehen worden, sondern ihre Erhaltung sicherte ein Name, eine bedeutsame -Erinnerung oder ihr Standort als Grenz- und Markbäume. Vor allen aber wurden sie alt im -Schutze der innigen Beziehungen zu ihren Besitzern.</p> - -<p>Der Bestand an alten Bäumen ist ein Maßstab für die Geistes- und Herzenskultur eines -Volkes. Deshalb sorge jeder, der auf heimischen Grunde die Früchte harter Arbeit ernten darf, -daß unser Sachsenland nie arm werde an alten Bäumen.</p> - -<p>Nur dann bleibt uns die Heimat ein Jungbrunnen, aus dem Glück und Zufriedenheit ins -Herz sich ergießen, die reich machen in aller Lebensnot.</p> -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_272"></a>[272]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Buecherbesprechung">Bücherbesprechung</h2> -</div> - -<p><b>Die Oberlausitzer Heimat.</b> – Verlagsanstalt Görlitzer Nachr. u. Anz., Görlitz. Preis M. 5,–.</p> - -<p>Der Kalender hat bereits seinen Ruf, darum nimmt man den diesjährigen stattlichen -Band gleich froh und erwartungsvoll zur Hand. – Landschaftsbilder an oft geradezu unaussprechlicher -Innigkeit erfreuen da gleich zu Anfang den Beschauer. Sie begleiten das Kalendarium -und stehen so bescheiden in ihrer Ecke. Der flüchtige Beschauer geht wohl gar über sie hinweg, -aber ich meine, einen besseren Führer durch die Oberlausitz kann einer nicht leicht haben, als -wenn er sich dem Schöpfer dieser entzückenden Zeichnungen anvertraut. Welch ein Zauber geht -von diesen stillen Dörfern, von der blauen Bergkette aus; wie schweift der Blick hinaus über das -weite Gesenke bei Dittelsdorf. Ein altes Schloß, ein paar Hütten von starren Föhren, und am -stimmungsvollsten wohl das Jägerndörfel im Winternebel mit den steilen Rauchsäulen über den -Dächern. Fürwahr, das ist Heimatkunst! Wir danken dem Künstler Bruno Lademann für seine -Arbeit. – Auch der unterhaltende Teil ist wieder trefflich zusammengestellt; eine Fülle des -Wissenswerten aus der Lausitzer Geschichte dabei. Ich glaube wirklich, hierin ist der Oberlausitzer -Kalender unübertroffen. Nur eins möchten wir zur Sprache bringen. Es ist in dem Kalender -ein allerdings ganz reizender Aufsatz von Ottomar Enking enthalten, von einer kleinen Stadt zur -Pfingstenzeit. Aber durch die Gassen dieser Stadt weht keine Lausitzer Luft – es ist ein niederdeutsches -Gemeinwesen, was da geschildert ist. Unsrer Meinung nach muß ein Heimatkalender -auf strenge Bodenständigkeit halten, es wird ihm das sicher gedankt werden und die Herren -Herausgeber der Oberlausitzer Heimat haben ja eine Fülle trefflicher Mitarbeiter aus dem eigenen -Gau an der Hand. – Möge das schöne Heft die wohlverdiente Verbreitung finden.</p> - -<p class="mright"> -G. P. -</p> - -<p><b>Ludwig Richter als Radierer.</b> Von <em class="gesperrt">Walther Hoffmann</em>. Mit 51 Bildern, Berlin 1921. -Dietrich Reimer (Ernst Voßen). M. 35.–.</p> - -<p>»Ein neuer Ludwig Richter!« Mit dieser Anpreisung legt der Herausgeber den Bilderband -in unsere Hände. Und in der Tat bedeutet dieses Buch für viele etwas Neues, auch -wenn sie Ludwig Richter aus einzelnen Radierungen schon kennen, die er zumeist nach eigenen -Gemälden für den Kunstverein geschaffen hat, wie beispielsweise seine Genoveva, die Christnacht -und den Rübezahl. Vielleicht erinnert sich auch mancher noch an das und jenes anspruchslose -Landschaftsblättchen aus der Frühzeit seines Schaffens, das handgetönt in den gefühlsdurchtränkten -Freundschaftsstammbüchern der Biedermeierzeit sich findet oder im schmalen Goldrähmchen über -dem Sofa in Großmutters guter Kirschbaumstube hing. Im übrigen weiß man recht wenig vom -»Radierer« Ludwig Richter. – Die Neuerscheinung füllt somit eine schon oft empfundene Lücke -aus. Aus den bei <em class="gesperrt">Hoff</em> verzeichneten 240 und den durch <em class="gesperrt">Singer</em> und besonders <em class="gesperrt">Budde</em> noch -26 neu entdeckten Blättern hat Walther Hoffmann 51 ausgewählt. Sie sollen unsers Meisters -Kunstschaffen in der Entwicklung darstellen. Vom ersten unbeholfenen Landschaftsstich des Vierzehnjährigen -bis hin zu jenem letzten Kabinettstück seiner Kunst, das Ludwig Richter als ein -altersmüder Greis im Jahre 1866 für seinen Freund Cichorius radierte, sind alle Phasen der -allmählichen Vervollkommnung vertreten. – In Hinsicht auf die Auswahl kann man gewiß vereinzelt -anderer Meinung sein. Insonderheit hätte der Heimatfreund die Göttin von Sais, ein -paar der Übertragungen von fremden Werken und einige italienische Landschaften zugunsten -anderer Blätter wohl entbehrt, die, wie die ruhende Familie, das Bild zum Schlaflied Tiecks, -der Schnitzelmann und selbst die so bescheidenen »An- und Aussichten« die deutsche Heimat uns -zum Herzen sprechen lassen. Gerade nach dieser Seite hin kann Ludwig Richter nicht genug im -deutschen Volk verbreitet werden. Er ist des Heimatschutzes bester Vorkämpfer. Wo Ludwig -Richter eine Heimstatt hat, lernt man die Heimat auch beseelen. Da wird die stille Heimatschönheit -treu gehütet, weil man an Ludwig Richters Bildern der Heimat inneren Wert erkennen -lernt. Darum hinein ins Volk mit unserm Ludwig Richter, die Heimat wird nur Vorteil davon -haben! – So sei das vorliegende Buch jedwedem Heimatfreund empfohlen und um so wärmer -noch empfohlen, als Walther Hoffmann auch die beigebrachten Stiche in ansprechender Form -erläutert. Die Ausstattung ist gleichfalls anerkennenswert. Mag dieses Buch recht viele -Freunde finden!</p> - -<p class="mright"> -<em class="gesperrt">Kurt Melzer</em>, Dresden. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<p class="center s90"> -Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei<br /> -Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p class="center larger"> -Ein deutsches Weihnachtsspiel</p> -<p class="h2"> -»Im Stall zu Bethlehem«</p> -<p class="center"> -In vier Aufzügen mit Text, Buntfiguren<br /> -und Anleitung zum Bühnenbau</p> -<p class="center"> -bearbeitet von <b>M. Brethfeld</b> und <b>Th. Göhl</b></p> -<p class="center"> -Verlag: <b>Landesverein Sächsischer Heimatschutz</b><br /> -Dresden-A., Schießgasse 24</p> -<p class="center larger"> -Preis M. 6.–</p> -<p class="center"> -Bestellkarte in diesem Heft -</p> -</div> - -<p><b>Im Stall zu Bethlehem</b> – unter diesem Titel hat der Landesverein Sächsischer -Heimatschutz ein deutsches Weihnachtsspiel für unsere Jugend herausgegeben, das -freudiger Empfehlung würdig ist. Urheber sind die Pädagogen M. Brethfeld und -Th. Göhl, denen es aus ihrer Erziehertätigkeit heraus entstanden ist. Die Jugend soll, -soweit es möglich, das Krippenspiel selbst herstellen und selbst aufführen, und auch die -Zuschauer sollen durch Vers und Volkslied zu Mithandelnden werden. Ein löblicher -erzieherischer Grundsatz in einer Zeit, wo die Unterhaltung bedauerlicherweise sogar -in Haus und Familie so oft von bezahlten Kräften besorgt wird, anstatt daß alle zu -eigener Befriedigung mitwirken. Und noch eine zweite niederdrückende Erfahrung -bewog die Herausgeber, dem Krippenspiel gerade die gewählte Form zu geben: die -Erfahrung, daß unsere Jugend in Kino und Theater an Weihnachtsspiele gewöhnt -wird, die an äußerem Aufwand immer reicher werden, die uns aber immer weiter -wegführen von den wahren Quellen innerer Volkskraft, immer weiter weg von Einfachheit, -Wahrhaftigkeit und schlichter Innerlichkeit. Sogar der Christbaum ist der -gedankenlosen äußeren Bereicherung und inneren Verarmung verfallen. Durch ihr -Krippenspiel wollen die Herausgeber mit den Mitteln einer natürlichen und schlichten -Volks- und Kinderkunst mithelfen im Kampfe gegen Veräußerlichung und Verflachung -unseres schönen Weihnachtsfestes, bei der Vertiefung und Verinnerlichung des Weihnachtsgedankens -und des Weihnachtsgefühls. Das Spiel besteht aus vier Bogen mit Figuren, -die ausgeschnitten werden müssen – Maria, Joseph und das Kind in der Krippe, die -Hirten, die heiligen drei Könige usw. – dazu kommt eine Anleitung zum Aufbauen -des Theaters, wozu die einfachsten Mittel ausreichen und keine besondere Kunstfertigkeit -beansprucht wird, und endlich der Text, der ein Vorspiel und vier Aufzüge umfaßt. -Auch einige von den alten schönen Weihnachtsliedern sind hineinverwebt, die von -allen Kindern, mitwirkenden wie zuschauenden, gesungen werden sollen. Die Aufführung -dürfte höchstens eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. – Allen, die an der -heimatlichen Volkskunst Anteil nehmen und im Sinne der obigen Sätze an der Gesundung -unserer Unterhaltung mitarbeiten möchten, sei das Weihnachtsspiel bestens -empfohlen. Das Spiel kostet M. 6.– und ist beim Landesverein Sächsischer Heimatschutz, -Dresden-A., Schießgasse 24, erhältlich.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p class="h2"> -Bunte Gassen,<br /> -helle Straßen</p> -<p class="center"> -Dresden 1921</p> -<p class="center larger"> -des Landesvereins Sächsischer<br /> -Heimatschutz Heimatbücherei</p> -<p class="h2"> -Band II</p> -<p class="center"> -185 Seiten – Großoktav</p> -<p class="center smaller"> -hart gebunden</p> -<p class="center"> -<span class="u">Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 15.–</span></p> -<p class="center"> -<span class="u">Bestellkarte in diesem Hefte</span> -</p> - -<p class="noind"><em class="gesperrt">Gerhard Platz</em> »Vom Wandern und Weilen im Heimatland«, -der erste Band unserer Heimatbücherei ist vergriffen und wird -nächstes Jahr in neuer Auflage erscheinen. Jetzt kündigen wir -den zweiten Band an. <em class="gesperrt">Max Zeibig</em> ist sein Verfasser. Wer -kennt nicht seine gemütvollen Schilderungen aus der Kinder-, -aus der Jugendzeit, die in den angesehendsten sächsischen -Tageszeitungen seit Jahren erscheinen. <em class="gesperrt">Heinrich Sohnrey</em> -gab dem Buche das Geleitwort und wünschte, daß es nicht -nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland Verbreitung finde.</p> - -<p class="center larger p2">Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden-A., Schießgasse 24.</p> - -<p class="center smaller p2">Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.</p></div> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ, MITTEILUNGENBAND X, HEFT 10-12 ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/64937-h/images/cover.jpg b/old/64937-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e74dcf9..0000000 --- a/old/64937-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64937-h/images/illu-003.jpg b/old/64937-h/images/illu-003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3998119..0000000 --- a/old/64937-h/images/illu-003.jpg 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