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-The Project Gutenberg eBook of Harzheimat, by Karl Reinecke-Altenau
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-using this eBook.
-
-Title: Harzheimat
- Das Heimatbuch eines Malers
-
-Author: Karl Reinecke-Altenau
-
-Release Date: June 12, 2021 [eBook #65600]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HARZHEIMAT ***
-
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- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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- Reinecke-Altenau
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- Harzheimat
-
- Das Heimatbuch
- eines Malers
-
- [Illustration]
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- 1924
-
- Verlag von F. A. Lattmann, Goslar am Harz
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-Erstes und zweites Tausend
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-[Illustration]
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-Harzheimat
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-Alles Gute, Schöne, Heilige umschließt mir dein Name, du liebe
-Harzheimat im Wiesengrund! Wenn ich dich nenne, tue ich es mit der
-Ehrfurcht, mit der man eine Mutter nennt: Denn ich bin dein Kind.
-Was das Leben aus mir schuf, ist deinem Schoße entsprossen. Aller
-guten Kräfte Urquell ist die Heimat. Wenn mein Schaffen sich mit dir
-verknüpft, nenne es Liebe, nenne es Dank.
-
-Ich bin dein Kind geblieben, du Bergstädtlein im Grünen, und will
-nichts anderes sein. Dein Kind wie einst, das mit großen Augen die
-Wunder deiner Wälder in die Seele trank und dem du dich ins Herz grubst
-so tief und fest, daß ein ewiges Heimweh in ihm brennen blieb. --
-Als ich Jüngling war, war dies Heimweh ein schmerzvolles Zerren. Dem
-Manne ist es stilles Feiertagsgeläut, das aus einem fernen verlorenen
-Paradiese herüberschwingt. Bergblumen blühen dort, und Waldvögel
-singen. Auf grüne Wiesen schauen blaue Berge herab. Und über allem ist
-ein weiches Zusammenklingen von Fichtenrauschen und Bachgeplätscher.
-Das bist du, Paradiesgarten meiner Jugend, Harzheimat!
-
-Als ich noch Bubenhosen trug, lagst du ein wenig hinterm Berge. Als
-wenn die Zeit in dir ihren Schritt verhalten hätte. Im Zwiebelturm
-der Kirche tackte noch das gleiche Uhrwerk, das schon in den Tagen
-von Richter und Rat die Stunden schlug. Und an dem verwitterten
-Zifferblatt drehte sich immer noch der eine Zeiger, mit dem sich nur
-die Alten zurechtfanden. Die Zeit weiß ich freilich nicht mehr, in der
-nur Saumpfade und grundtiefe Waldwege von draußen her zu dir führten,
-auf denen Eseltreiber das Brotkorn vom Lande heraufbrachten. Diese
-alte Zeit war dahin. Als der letzte jener Zunft gehörige Esel das
-Mißgeschick hatte, an einem Dämmerabend für einen Hirsch gehalten und
-von einem Wilddieb jämmerlich zuschanden geschossen zu werden, war
-längst eine neue angebrochen. Aber hinterm Berge lagst du immer noch.
-Ach, wärest du dort geblieben, Harzheimat!
-
-Das Hinterwäldlertum stand gut zu deinem Gesicht. Ein rechtes Bergmädel
-bist du gewesen, das zwischen Wiese und Wald aufgewachsen war und
-in stillen Augen stille Träume spann. Das laute Leben jenseits der
-Berge paßte nicht in deinen Frieden hinein. Du trugst kein Verlangen
-nach ihm. Die Leute in dir fanden ihr Genüge darin, zweimal in der
-Woche durch den Briefträger Nachricht von draußen zu erhalten oder im
-Wochenblättchen vom großen und kleinen Geschehen in der Welt zu lesen.
-Und wenn Handwerksburschen oder Wandersleute Neuigkeiten mitbrachten
-und Säcke voll Lügen, war das alles Evangelium für dich.
-
-Dann wurdest du größer und aufgeklärter und tastetest hinaus in die
-Fremde. Ein Postillon blies lustige Weisen. Ich kenne ihre Melodie noch:
-
- Hab’ dir was mitgebracht,
- Hab’ dir was mitgebracht,
- Sollst du mal sehn ...
-
-Und zweimal am Tage fuhr die gelbe Postkutsche in gemächlicher
-Juckelfahrt zwei Meilen Landstraße hinunter und herauf. Im Sommer
-brachte sie viele fremde Menschen mit, die teilhaben wollten an
-dem Frieden deiner Berge. Und da, Harzheimat, tatest du geschämig.
-Du ließest dich frisieren für die Fremden und ahntest nicht,
-wieviel Schönes und Frisches und Eigenes diese Frisur an deinem
-Bergmädelgesicht verdarb und wieviel Urwüchsiges und Echtes deinem
-Gewand genommen ward. Aber das eine konnte dir alle Ungeschicklichkeit
-nicht verderben: dein Herz.
-
-Jenes goldfündige Herz, schwerblütig und treu, das immer dasselbe
-geblieben war seit jener Zeit, wo der erste Rauch aus deinen Holzhauer-
-und Bergmannshütten im Urwalddunkel verwehte. Es wohnte harte Arbeit
-in dir und viel Armseligkeit. Feste waren selten. Es gab nicht wie
-heute jede Woche Tanzmusik. Dennoch glomm unter jedem Dach ein Fünklein
-Glücklichsein und Frohsinn. Das eben spann sich ab in einem geruhsamen
-Auf und Nieder, in dem stillen Gleichmaß, wie sich im Schacht die
-Fahrkunst aufwärts und abwärts bewegt.
-
-Als man aber den Schienenweg in den Basalt deiner Berge sprengte,
-kam Unrast in das Tal. Und als dann noch mit Prahlen und Keifen die
-Hexe Politik den Weg über die Harzhöhen auch zu dir fand und Haß und
-Feindschaft spie, da ward dein Herz ein anderes. Die Eintracht brach
-auseinander, und Glück und Frieden flohen erschrocken in die Wälder.
-
-Dein Glück, Harzheimat, dein Friede!
-
-Aber des Nachts, wenn in der Bergluft Sterne blänkern, verschlafene
-Brunnen an den Straßen plätschern und über dem Holz die Eule ruft,
-kehren sie heimlich zurück.
-
-Das ist die Stunde, in der du mir am liebsten bist.
-
-Des Nachtwächters Tritt verhallt in stillen Gassen. Er ruft nicht mehr
-wie früher die Stunden: Hört ihr Herren und laßt euch sagen ... Sein
-Horn ist verstummt. Und in der Neujahrsnacht wars so schön, wenn er
-sein Lied sang: Ach, wie laufen doch die Jahre. Die Welt ist nüchterner
-geworden. Stumm macht er seine Runde. Seine Gestalt taucht unter im
-Grau der Nacht. Und mir ist, als ob mit ihm ein Stück alter Zeit irrend
-durch die Straßen tappt, das verlorene Herz zu suchen.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Der Gottesacker am Berg
-
-
-Verfallene Gräberreihen ziehen sich den Hang hinan. Der Totengräber,
-der sie schuf, hat längst seine letzte Schicht verfahren. Und die
-Hände, die sich einstmals liebend um diese Hügel mühten, haben sich
-lange schon zum Ewigkeitsschlummer gefaltet, wer weiß wo. Der alte
-Gottesacker am Berg ist eine Stätte des Verlassenseins geworden, der
-Pflege des Herrgotts anvertraut.
-
-Hier ruhen unsere Urgroßväter und Großväter aus von der Wallfahrt
-im Harzheimatland. Eine stillgewordene Berggemeinde. Ihre Zeit ist
-abgetan. Das ist das stille Leid, das über diesen Hügeln liegt und das
-alles Bergblumenblühen nicht zu bannen vermag. Auf schiefen Kreuzen
-und zerbröckelnden Schiefertafeln verwittern die Namen versunkener
-Geschlechter, verblassen fromme Sprüche. Über die Gräber wächst der
-Rasen. Langsam ebnet er Hügel um Hügel und breitet über Not und Tod
-Vergessensein. Erde zu Erde.
-
-Es ist kein Friedhof voll Prunk und Pracht. Schlicht und herbe, wie das
-Leben der Bergstadtleute dahinfloß, ist auch ihre letzte Ruhestatt.
-Und Prunk und Pracht hätten nicht hergepaßt an diesen Blumenhang,
-auf dem jedes Grab und jedes Totenmal wie zufällig aus einer
-Bergwiese hervorgewachsen zu sein scheint. Als habe sich jeder ein
-Plätzchen gesucht, das ihm gefiel: der eine unter Bergwohlverleih und
-Hirschzunge, der andere unter Margeritten und Glockenblumen, der dritte
-unter Tausendgüldenkraut und Thymian und Bärwurz.
-
-Da schlafen müdegewordene Holzhauer, denen in knöcherigen Händen
-die Axt zu schwer ward. Hier hat der Reitende Förster sein letztes
-Ruhebett im Grünen gefunden. Die Fichte über seinem Grab rauscht ihm
-Grüße hernieder von Wald und Wild, und am Hubertusmorgen wehts durch
-ihre Äste wie verlorenes Halali aus Hannoverschem Jägerhorn. Dort ging
-der Fuhrherr zur Ruhe. Wenn über die Bergstraße ein Langholzwagen
-bollert, Peitschenknall an der Waldwand drüben das Echo weckt und an
-den Kummeten und Zäumen der Pferde die Messingbeschläge klingeln,
-mag des Schläfers totes Herz unterm Leinenkittel zucken. Former und
-Schmelzer rasten von hartheißer Arbeit am Schmelzofen und träumen
-dem Silberblick der Ewigkeit entgegen. Zerstampft vom Pochwerk Leben
-sagten hier Pochjunge und Pochsteiger der Erde Valet. Mit stummem
-Glückauf begrüßen sich Bergmann und Königlicher Bergrat beim großen
-Feierabend, der unter der Erde sie alle gleichmacht, die vom Leder
-und die von der Feder. Wenn die Morgensonne früh über die Waldhöhen
-guckt, gilt ihr erster Strahlengruß den Toten im Gottesacker am Berg.
-Dann sprüht Tauperlengefunkel zwischen den Gräbern. In Trauereschen
-und Lebensbäumen blänkern lang verweinte Tränen. Spinnennetze, die
-zwischen Wiesenschwingel und Knäuelgras ihr Seidengewebe ausspannen,
-werden zu kostbarem Filigran. Rostige Kreuze flackern wie braunrotes
-Gold in den Himmel hinein. Goldbronzerestchen, die sich kümmerlich an
-verwitterten Inschriften festhielten, schimmern im Sonnenschein, als
-wollten sie verlöschendes Erinnern an einen Toten lebendig machen. Um
-die Totenmale fließt stille Verklärung. Vergessene Seelchen huschen
-hervor. Sie hocken rings auf Hügeln und verfallenen Einfassungen. Mit
-weiten Träumeraugen schauen sie auf die Bergstadt hernieder, die Heimat
-im Tal, die eine andere ward.
-
-Da pfeift von fernher der Morgenzug. Eine Sirene zerreißt die
-Morgenstille und ruft heulend zur Frühschicht. Die Seelchen huschen
-erschrocken hinab und schütteln die Köpfe ob der neuen Zeit.
-
-Glockenblumen läuten über den Hang, und in armseligem Rosengerank singt
-eine Grasmücke ihre Litanei: Ruhn in Frieden alle Seelen.
-
-
-
-
-Das Glockenhaus
-
-
-[Illustration]
-
-Im Glockenhaus hatte alles seinen heimlichen Zauber: Der Stufengang
-am Wiesenhang hinauf, die knarrende Bretterstiege, das uralte
-Glockengebälk, die Glocken, der Geruch alten Holzes, der fröhliche
-Ausguck durch die Schalluken. Man konnte mit dem Fingerknöchel an die
-Glocken klopfen und lange lauschen auf das schwingende, singende Summen
-im Metall. Man konnte den Läutejungen in seiner Würde bewundern. Man
-konnte auf den Lukenbrüstungen reiten und lustig herunterspringen in
-Blumenwiesen hinein.
-
-Zu schön war es im Glockenhaus!
-
-Irgendwo in einer Spinnwebecke da oben blieb mir ein Krümchen
-Jugendglück hangen. So oft ich die Glocken höre oder das Glockenhaus
-sehe, huscht ein Gedanke hinauf, dies Glücklein aufzuwecken aus
-staubigem Winkel. Dann will es wieder froh wie einst zum Fenster
-hinausturnen oder hinaufklettern ins Glockengebälk bis unter die
-Schindeln. Und ist ganz voll Seligkeit, wenn ihm der Läutejunge die
-Gunst erweist, nach dem Läuten dreimal die Betglocke anschlagen zu
-dürfen.
-
-Das Glockenhaus ist kein wolkenstürmender Bau. Nur ein Spitzlein auf
-einem Berg. Und es ist nichts an ihm, das anspruchsvoll wäre oder
-über das Maß des Zweckmäßigen hinausginge. Man könnte es arg nüchtern
-nennen. Aber es hat seinen eigenen Stolz. Wie ein Wartturm guckt es
-auf die Bergstadt hernieder. Zu seinen Füßen muß sich die Kirche
-ducken: Die Herrin zu Füßen des Dieners. Aber das Glockenhaus ist darum
-nicht hochmütig. Es hält mit dem Kirchturm gute Nachbarschaft. Seit
-Jahrhunderten haben sie sich guten Morgen und gute Nacht geboten. Sie
-sind einander so nahe, daß eins dem andern in die Fenster gucken kann.
-Keins hat vor dem andern eine Heimlichkeit zu verbergen. Der Kirchturm
-kennt jede Bretterplanke am Glockenhaus und sieht die Roststreifen
-unter jedem Nagel. Das Glockenhaus weiß genau, wieviel Schieferplatten
-den Zwiebelbauch des Kirchturms beschuppen. Wenn der Wind nicht ein
-unterhaltsames Liedlein von einem zum andern hinüberpfeift, haben
-sie sich nicht viel zu erzählen. Sie sind aneinander gewöhnt und alt
-geworden und reden nicht unnütz.
-
-Dann guckt das Glockenhaus verschlafen zu, wie sich am Kirchturm
-langsam die goldenen Zeiger über das Zifferblatt drehen. Oder es
-horcht auf, wenn’s im Gehwerk drüben knarrt und die Hämmer quietschend
-zum Stundenschlag ausholen. In blinden Gucklochscheiben blinzelt die
-Sonne. Auf Messingknauf und Wetterfahne machen die Stare Kapriolen. Das
-Glockenhaus lächelt.
-
-Und dann schaut es ein wenig in die Kirche hinein. Die Sonne malt
-Goldstreifen über Bänke und Gestühl. Das rote Altartuch leuchtet. Man
-sieht die Stille in der Kirche.
-
-Nebenan im Pfarrhaus hat die Frau Pastorin die Betten zum Sonnen
-ausgelegt. Der Herr Pastor hat sein Hauskäppel aufgesetzt. Er sitzt im
-Studierstübchen und schreibt. Die Wolken aus seiner langen Pfeife weben
-duftigen Tüll vor das Fenster. Manchmal steckt er die kurze an. Dann
-steigt er in den Hof hinab und hackt Holz. Oder schlendert behaglich
-durch den Garten, ein Feierstündlein zu halten und nach Himbeeren und
-Salat zu sehen. Gehen Bergstadtmenschen vorüber, ist ein freundliches
-Grüßen und Wiedergrüßen.
-
-Im Nachbargarten flattert Wäsche. Irgendwo hängt ein Mütterchen die
-Käsehorte neben der Hintertür auf und legt säuberlich die weichen
-weißen Käse zum Trocknen auseinander.
-
-Das Glockenhaus hat viel Kurzweil an solcherlei kleinen und
-beschaulichen Dingen. Es ist nichts Aufgeregtes im Bergstädtchen.
-Frauen gehen mit der Mehlbutte zum Backhaus. Oder haben die Kiepe
-aufgehuckt, um darin die Einkäufe für die Woche zu bergen. Oder holen
-in klappernden Eimern Wasser vom Bottich. Sie schwatzen und stehen und
-gehen ihrer Wege. Männer begegnen sich und tippen mit dem Finger oder
-dem Pfeifenmundstück ein Glückauf an die Mütze.
-
-Manchmal bringen Wanderer Unrast mit. Vor Zeiten waren Wandersleute
-seltene Gäste im Bergstädtchen. Jetzt aber kommen sie in Trupps und
-in Horden. Sie singen Wanderfrohsinn durch die Straßen oder johlen.
-Das Glockenhaus hat sich an alles gewöhnt. Aber ein bedenklicher
-Knacks ging doch durch sein Gebälk, als zum ersten Male eine fremde
-Knabenschar zum Takt eines politischen Haßliedes durch die Bergstadt
-zog. Der Einpeitscher ging nebenher. In den Augen der Knaben war
-nichts von Wanderlust. Als ob ihre Seelen mit Gift geätzt wären. Der
-Einpeitscher wußte das. Aber dies Gift war sein Lebensinteresse.
-Wandern und Politik, Politik und Knaben: Das hatte das Glockenhaus noch
-nicht erlebt, solange es denken konnte. Und es schüttelte den Kopf ob
-der Wirrnis solcher Zeit.
-
-Stiller noch als der Sommer ging vor Zeiten der Winter durch die
-Harzheimatberge. Das Bergstädtchen tat einen langen Winterschlaf.
-Und das Glockenhaus schlief mit. Sie wachten erst auf, wenn zu
-Fastnacht die Bergleute und Hüttenleute mit Musik zur Kirche zogen
-und aus allen Häusern der Duft von heißem Schmalz und Öl und von
-frischgebackenen Fastnachtskrappeln durch die Straßen strich und
-bis hinauf auf den Glockenberg wehte. Die Wiesenhänge ringsum waren
-unberührte Reine, durch die der Fuchs seine Schnürfährte zog. Aber
-dann kamen die langen Bretter in die Berge. Mit dem Winterschlaf
-wollte es nichts mehr werden. Die Bergstadtfrauen schlugen die Hände
-über dem Kopf zusammen, als sie ihre Geschlechtsgenossinnen aus der
-Großstadt in Männerhosen einherstolzieren sahen. Und das Glockenhaus
-hat verwundert dreingeschaut ob der vielen bunten Wolljacken in den
-Straßen unten. Nun sind ihm auch das vertraute Bilder geworden. Auf
-allen Hängen zerfurchen Männlein und Weiblein den Schnee und treiben
-Sport mit den Brettern oder mit dem Kostüm. Das Glockenhaus hat helle
-Augen für Zünftiges und Unzünftiges. Drüben am Sprunghügel hupfen die
-Bergstadtbuben. Das Klappen der Schneeschuhe beim Aufsprung tönt bis
-zum Glockenberg herüber.
-
-Das bunte Winterleben geht fort, bis Wind und Regen den Schnee
-auch aus den höchsten Schneisen des Bergwaldes fortleckten. Die
-Schneeschuhläufer stellen die Bretter in die Ecke. Für eine Weile sind
-die Bergstadtleute unter sich. Dann hat das Glockenhaus nicht viel zu
-gucken. Das Leben im Bergstädtchen geht wieder seinen gemessenen Gang.
-Frauen schwatzen. Männer begegnen sich. Fuhrwerke bollern. Manchmal
-kommt ein Leierkastenmann. Und die Kinder rufen hinter ihm her:
-
- Orgel -- orgel -- nort -- nort -- nort,
- Meine Orgel ist kaputt.
-
-Oder es kommen wandernde Musikanten, die Braker, trätern ihren Vers und
-fangen in ihren Trompeten und Bombardons die Geldstücke auf, die ihnen
-aus den Fenstern zugeworfen werden. Oder fahrende Leute mit bunten
-Wagen kommen, mit denen ein Stück Romantik in die Ereignislosigkeit des
-Bergstädtchens hineinrollt.
-
-Manchmal geht der Ausrufer durch die Straßen, ein obrigkeitliches
-Dekretlein auszurufen oder eine Tanzmusik anzukündigen. Der Wind
-zerpflückt die Worte. Das Häusel auf dem Glockenberg ist auch nicht
-begierig auf derlei Sachen. Es wundert sich nur, daß der Ausrufer
-nicht mehr den langen und blankknöpfigen Büttelrock trägt wie in alten
-Zeiten. Damals sah er viel würdevoller aus. Die Bergstadtjungens, die
-auf verbotenen Wegen ruschelten, hatten Angst vor ihm. Nun steckt er
-in schlichtem, bürgerlichem Röcklein. Aller Respekt ist dahin. Von der
-Würde seines Amtes zeugt nichts mehr als eine abgeschabte Aktentasche
-und die Klingel. Er versteht sie meisterlich zu schwingen. Aber trotz
-aller Meisterschaft will aus der Amtsschelle nur ein dürres Bimbim
-heraus. Wie könnte es auch anders sein. Dem Glockenhaus ist es schon
-lieber, wenn ihm an jedem Sommertag die Kuhherde mit melodischerem
-Geläut aufwartet. Wenn der Kuhhirt getutet hat, ist auf allen Straßen
-im Bergstädtchen ein unruhiges Gequirle. Es ordnet sich gemach zum Zuge
-und strebt ins Freie. Auf blanken Fellen glänzt die Sonne. Glockenbügel
-malen grüne Striche in den rotbraunen Zug.
-
-Nach den Kühen läutet die Kälberherde hinaus. Ziegen und Schafe tappeln
-hinterdrein.
-
-Das Glockenhaus gibt den Tieren das Geleite nach draußen und macht
-einen Morgenspaziergang in die Umwelt. Es sieht die Landstraßen im
-Tal sich schlingen und drehen und sich auf Bergeshöh verlieren,
-Wiesenpfade sich verlaufen im Irgendwo des Gehölzes. An Waldsäumen
-und Fichtenkämmen tastet sich sein Blick hinauf zu blauen Höhen und
-Wolken. Aus Wälderdunkel, darin hier und dort sich das Rauchfähnlein
-eines Holzhauerfeuers in die Luft kräuselt, gleitet sein Auge gemach
-wieder hinab in lichtes Wiesengrün. Von weit draußen grüßen Forsthäuser
-her. Bäche blänkern daran vorüber. Und da ist auch der Mühlengraben,
-der mitblänkern will. Fischen nicht die Jungens schon wieder Elritzen
-in ihm? Und dort schmiegt sich die Mühle ans Bergstädtchen. Wenn das
-Tor zum Mühlenrade offensteht und die Sonne in den Radschacht scheint,
-blitzt silbernes Geglitzer bis zum Glockenhaus hinauf.
-
-Das ist von seinem Morgenausflug aus den Bergen heimgekehrt ins
-Bergnest. Unten in der Schule ist Pause. Die Jugend quirlt auf dem
-Schulhof durcheinander. Das Glockenhaus freut sich an dem Gebalge der
-Jungen und an dem Ringelreihen der Mädchen. Es kennt sie alle von der
-Stunde an, in der zum ersten Male der Wald über ihre Wiege hinrauschte.
-Sie wachsen unter seinen Augen heran und durchjauchzen eine frohe
-Bergjugend zwischen Wiesen und Wäldern und Bächen. Aus Mädeln und
-Buben werden große Menschen. Das Leben greift nach ihnen. Es packt sie
-nicht alle mit sanften Händen an. Die Mädel schlüpfen unter im warmen
-Nest einer Häuslichkeit. Die andern gehen harter Hantierung nach. Das
-Glockenhaus begleitet sie auf allen Wegen, auf denen sie ihr Brot
-suchen. Es gibt ihnen ein herzhaftes Glückauf mit, wenn sie sich rüsten
-zu saurer Schicht im Schacht. Es ist mit ihnen, wenn sie Axt und Säge
-auf die Schulter nehmen oder mit Holzkarren und Kiepen steile Hohlwege
-hinaufanken, im Bergwald untertauchen und heimkehren mit schwankender
-Last. Es schaut ihnen zu, wenn sie auf den Wiesen rings sich mühen, das
-Heu zu bergen und in schweren Bündeln hangab zu schleppen.
-
-Seit Jahrhunderten sind ihm alle Bilder mühseliger Bergmenschenarbeit
-vertraut. Geschlechter sind gekommen und gegangen. Die Arbeit voll
-Sorge und Plage ist immer die gleiche geblieben. Und sie wird für alle
-immer die gleiche bleiben, solange die Tanne grünt und Erz wächst
-und bis auf die Stunde, in der die Mühseligen ihren Lauf im Tal
-beschließen. Dann ist der große Feierabend gekommen. Sie falten die
-müden Hände. Man trägt sie hinaus zu denen, die vor ihnen den gleichen
-Pilgerpfad der Mühe und Arbeit wandelten. Dann schaut ihnen das
-Glockenhaus mit großen Augen nach. Unter seinem Spitzdach haben sich
-die Schalluken geöffnet. Lebewohl! rufen die Glocken. Und bis in fernes
-Bergesblau schwingt ihre Klage:
-
- Droben bringt man sie zu Grabe,
- Die sich freuten in dem Tal ...
-
-Der Klang verhallt. Im Glockenhaus bleibt ein Sinnen zurück. Im Wald
-drüben, der hinter dem Kirchturm einen samtgrünen Hintergrund malt,
-jagen Kreuzschnäbel durch die Wipfel. Die Graudrossel singt. Bergwiesen
-blühen. Die Bäche spinnen ihr Plätscherlied in Ewigkeiten fort. Die
-Heimat lebt. Menschen sterben. --
-
-Der Wandel der Zeiten hat auch den Weg ins Glockenhaus gefunden. Es
-gehen keine Läutejungen mehr hinauf ins Glockenhaus. Das Läuten ward
-ein Amt. Das Geschlecht der Läutejungen ist ausgestorben. Es schnitzt
-keiner mehr seinen Namen ins Gebälk. Und reitet auch keiner mehr auf
-der Brüstung der Luken und läßt seine Beine baumeln zwischen Himmel und
-Erde. Sie läuten auch nicht mehr dreimal am Tage. Es ist mancherlei
-anders geworden im Glockenhaus. Die große Glocke holte der Krieg. Sie
-ward zu Metall zerschlagen. Ihr Klang zerklirrte und starb. Verwaist
-blieb die kleine zurück. Wie ein Armesünderglöcklein verrichtete sie
-in den Jahren des Krieges ihren Dienst. Verzagt klangs vom Glockenberg
-herab. Die kleine Glocke ward zum Symbol der Armut und Not.
-
- ~IM ERSTEN JAHR ANNO 1693 CHURFUERSTLICHE REGIRUNG ERNESTI AUG
- HERTZOGEN ZU BRAUNSCH U LUENEB BISCHOF ZU OSNEBRUG & IST DISE
- KLOCK GEGOSSEN V NICOLAUS GREVEN IN HANNOVER.~
-
-Sie sah während ihres Erdendaseins Kampf, Elend und Hungersnot. Unter
-ihren Augen haben die Horden Belsunces und Vaubecourts im Bergstädtchen
-geplündert. Aber alles das und die Kriege nachher waren kleine
-Begebenheiten gegenüber dem Jammer des großen Krieges. Und als das
-Glöcklein den Frieden in die Berge rief, klangs wie ein Erlösungsschrei
-aus tiefster Not.
-
-Wußte nicht, daß sein Friedensgeläut der Grabgesang des Vaterlandes
-sein sollte. Wußte auch nicht, daß bald hernach sein eigenes Stündlein
-schlug: Es kamen neue Glocken, -- stählerner Ersatz. Man hängte sie in
-das alte Gestühl. Die kleine Bronzeglocke ward herabgenommen. Sie fand
-einen neuen Platz abseits. Es brauchte keiner darüber zu schreiben:
-Abgetan! Man sah es dem Platz an.
-
-Gräme Dich nicht, du Glöcklein. Das ist neue Zeit. Viel Altes, Gutes,
-Echtes ist in die Ecke gedrückt und hat dem Neuen weichen müssen gleich
-dir. Glücklich, wer in sich das Bewußtsein seines Wertes bewahrt und
-den Glauben an sich nicht verliert!
-
-Wenn die Stahlglocken läuten, kann das Bronzeglöcklein im
-Verbannungswinkel nicht an gegen das stählerne Bellen. Es wird
-überschrien. Ein feines Stimmchen abseits singt sein Lied für sich:
-
-Bellt nur, ihr Aufdringlichen, die ihr mich verdrängtet! Ersatz seid
-ihr und unecht. Euer Maul ist groß. Ihr wollt mich überschreien. Wer
-seinen Unwert verdecken will, schreit. Eure Stimme ist unedel. Ihr
-wollt etwas scheinen, wozu ihr nicht geboren seid. Stahl ist Krieg. Ihr
-taugt nicht zum Gottesdienst. Kinder einer zweifelhaften Zeit seid ihr,
-die manches über den Haufen warf, was sie bereuen wird. Doch, es sind
-noch Menschen im Bergstädtchen, die Sinn behielten für echte Werte
-und das Alte ehren. Sie lieben mich. Sie horchen auf meine Stimme. Ich
-läutete ihren Ahnen und Urahnen, die im Gottesacker am Berg schlafen.
-Ich bin die alte Zeit, in der nur das Wahre, Echte, Erzene galt!
-Schreit nur: Diese Wahrheit tötet ihr nicht!
-
-So singt die kleine Bronzeglocke im Winkel, und es ist ein richtiges
-Zänklein ins Glockenhaus gekommen.
-
-Aber es soll euch nicht gelten, ihr Bergstadtleute. Aus dem Glockenhaus
-weht kein Hader zu euch hinab. Die alte Glocke ist verständig. Sie
-weiß, daß sie das Opfer der Not und der Elendszeit ward. Sie weiß
-auch, daß nirgends in der Welt diese Zeit drückender war als in euren
-Bergen, auf denen wohl die Tanne grünt, aber kein Brotkorn wächst. Sie
-will nicht rechten. Nur manchmal muß sie ihr Herz ausschütten. Und ich
-sage euch: es ist heilsam, dann und wann ihrer Stimme zu lauschen und
-darüber nachzudenken, was sie zu erzählen hat. Wenn es ein Großes zu
-beläuten gilt, wird der Zwist im Glockenhaus schweigen. Und immer einig
-werden die drei ungleichen Schwestern sein in dem Gebet:
-
- Holder Friede, süße Eintracht
- Weilet, weilet
- Freundlich über dieser Stadt!
-
-Und ein Bergstadtkind in der Ferne betet mit.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Kinderland
-
-
-Die breitkronigen Ahorne und Eschen, die mein Kinderland beschatteten,
-sind fort. Das Geld für ihr Holz war fremden Menschen wertvoller
-als die grüne Laubpracht und der Vogelsang darinnen. Von ihren
-Wipfeln flöteten die Stare Jahr um Jahr den ersten Frühlingsgruß
-ins Bergstädtchen hinein. Nirgends sangen Fliegenschnäpper und
-Schwarzplättel lustiger als hier. Wenn die Finken schlugen, wars
-wie ein Konzert in grün verhangener Halle. Am Ahornhang blühten die
-allerschönsten Veilchen, -- o, wie sie Frühling dufteten! -- und
-schönere Schneckenhäuser gab es nirgendwo.
-
-Nun ist von der rauschenden Baumherrlichkeit nichts geblieben als ein
-paar Wurzelstümpfe. Wie letztes Lebenwollen kümmern Jungtriebe daraus
-hervor, an denen die Ziegen rupfen.
-
-Wenn ich den Kirchenbrink hinansteige, ist mir der Weg ohne die
-Bäume fremd. Meine Augen suchen etwas. Und wenn sie dann ins Kahle,
-Leere schauen, tropft es schwer von meinem Herzen. Ein Stück meiner
-Jugend hat hier gegrünt. Bäume können zu Freunden werden, denen man
-nachtrauert.
-
-Schattenlos senkt sich der Hang zum Bach hinab. Es ist, als ob er
-blinzeln muß, sich nicht an die Helle über ihm gewöhnen kann und auch
-er die Alten vermißt. Als sie noch ihr Laubdach über ihm wölbten, war
-sein Wasser ein Wechselspiel von grünen Widerscheinen. Um Kiesel und
-Geröll rieselte ein smaragdenes Mosaik. Bachstelzen wippten darüber
-hin. Alle Vögel aus der Nachbarschaft kamen zum Trinken hierher. In
-trockenen Sommern holten sich die Schwalben von dort den Schlamm zum
-Nesterbauen. Es war ein heimliches Paradies. Brennesseln wucherten
-den Hang hinauf. Schöllkraut blühte rings, und zur Herbstzeit war es
-lustig, im Springkraut zu waten. Just an dieser Stelle entfloh der Bach
-für eine kurze Weile den steinernen Mauern, die ihn bei seinem Lauf
-durch das Bergstädtchen im Zaume hielten. Denn zu Zeiten konnte er
-ein ungestümer Geselle sein, der mit Rauschen und Reißen daherstürzte
-und steinepolterndes Unheil ins Tal wälzte. Zumeist freilich war er
-ein friedfertiges Bergbächlein, das sein Blänkerwasser pladdernd
-hinabführte, Wiesen grüßte von Bäumen, Brücken und Häusern schnörkelige
-Bildlein malte und allen, die es hören wollten, von Berg und Bruch und
-Urwald erzählte, die ihn geboren. Er hatte auch einen richtigen Namen,
-der in jedem Erdkundebuch und auf jeder Landkarte steht. Aber die
-Bergstadtleute nannten ihn nie mit seinem Taufnamen und sagten einfach:
-die Flut. Auf der Flutmauer, die sich dem Ahornhang anschloß und zum
-Grundstück des Vaterhauses gehörte, grünte in fröhlicher Ungebundenheit
-ein Himbeerwäldlein. Dort hatte der Zaunkönig seine Heimlichkeit. Und
-jedes Jahr knixten von der Gartenplanke hinter den Himbeeren zehn
-putzige braune Bällchen mit keck emporgerichteten Schwänzen in die
-Welt hinaus. Ich hätte das Geburtsschloß der jungen Zaunkönige gern
-gesehen. Aber eine Scheu hielt mich zurück. Es wäre mir als Sünde
-vorgekommen, ihr heimliches Glück mit meinen Blicken zu stören. Ich
-bin nie mitgegangen, wenn mir Kameraden ein Vogelnest zeigen wollten.
-Als ich zum allerersten Male ein Nest aus der Nähe sah, war mir das ein
-heiliges Erlebnis, bei dem mir das Herz pochte.
-
-Wenn in der Flut eine Wasserratte schnupperte oder gar ein Iltis
-über die Steine hopste, wurde im Zaunkönigreich Feuer und Mordio
-gezetert: zerrr, zerrr zerrrzerrrzerrr! Dann wußten alle Vögel, daß ein
-feindliches Etwas den Frieden im Flutwinkel stören wollte. Sogleich
-war Frau Wippstert, die graue Bachstelze, zur Stelle. Sie hielt einen
-Augenblick inne im Wippen und gab den Warnruf weiter: Zuip-tütütüt,
-zuip-tütütüt! Mit hastigem und ängstlichem pink-pink-pink-pink flog
-der Fink herzu, und hß-taktak, hß-taktaktak, lumpenpack! warnte das
-Rotschwänzel. Dieb? dieb? fragte lakonisch der Fliegenschnäpper, der in
-aller Aufregung die Ruhe bewahrte.
-
-Dann richtete sich auch die gelbe Bachstelze in ihrem Nest auf, legte
-den Kopf schief und äugte verwundert zur Flut hinab. Ihr Nest hatte
-sie an unserm Stall. Wenn sie an Regentagen an den Stallfenstern nach
-Fliegen und Spinnen jagte, hätte sie den Kühen und Pferden im Stall
-zuschauen können, wenn nicht die Fensterscheiben grün und blau und
-blind gewesen wären.
-
-Unser Stall!
-
-Mir zieht der Duft von Heu und Häcksel durch die Nase. Ich spüre den
-Geruch von warmem Pferdeschinn, der an Kummeten und Zäumen klebt. Ich
-denke an heimliche Balkenwinkelei, an Stollen, Schächte, Räuberhöhlen
-und Burgverließe im Heu. Vom Hühnerwiemen flattern bunte Federn herab.
-Mäuse kraspeln im Futterkasten. Ich fühle ihr sammetenes Fell in der
-Hand und lasse sie laufen, weil ihre Knopfäugelchen bitten. In den
-Fensterwinkeln blaken Spinneweben. Fliegen, Heumotten und Heusamen
-fingen sich darin. Schwarze Spinnen liegen auf der Lauer. Sie gucken
-kaum mit dem Kopf aus ihren Höhlen wie die mißtrauischen Ratten, die
-ihr Loch unter der Krippe haben. Über Krippen und Heuraufen klettern
-meine Gedanken durch die Futterluken in den Heuboden hinauf. Als ich
-noch Wachstuchschürzen trug, war er mir ein Ort heimlicher Schauer.
-
-Wißt ihr noch, Anna und Johanne, wie sich der Hosenmatz an euren
-Rock geklammert und sich vor dem Schatten gefürchtet hat, den die
-Stallaterne über das Heu warf?
-
-Nach dem Füttern mußte er den Kuhschwanz halten, wenn ihr beim Melken
-saßet. Aber ihr machtet ihm die Arbeit leicht und wußtet ihm die
-schönsten Märchen zu erzählen. War es nicht der Däumling, der im Bauch
-der Kühe immerfort seinen Reim rief:
-
- Schtripp, schtrapp, schtrull,
- Is der Emmer noch net vull?
-
-Die Erinnerung an viele liebe Tiere kommt mir. Pferde, Kühe, Kälber,
-Schafe, Kaninchen und Meerschweinchen hopsen mir durch die Gedanken.
-Hat keines seinen Platz in meinem Herzen verloren. Ich rufe sie bei
-Namen. Sie spitzen die Ohren und horchen. Dann erkennen sie mich. Eins
-nach dem andern kommt in froher Eilfertigkeit, mir die Hand zu lecken.
-Aus ihren Augen strahlt Freuen und Dankbarsein. Sie schmiegen sich
-an mich. Ich fühle den warmen Hauch ihrer Nüstern, das Kitzeln der
-Spürhaare. Ich streichle sie wie einst ... Wie einst ...
-
-Unter meinen Händen zerrinnt ihr Bild und sinkt in die dunklen Tiefen
-zurück, daraus es Träume auferweckten. In die gleiche dunkle Tiefe,
-darin Jugend und Kinderzeit untergingen. Ist nichts von allem geblieben
-als das bittersüße Tröpflein Eswareinmal, das heiß am Herzen brennt.
-
-Ich schließe die Stalltür. Sie trägt tausend Spuren von Flitzbogen- und
-Armbrustpfeilen und Pusterohrbolzen. Geradeso wie die Bretterplanken
-der Laube am Gartenhang. An ihren vier Ecken grünten Ahornbäume.
-Es ließ sich wunderschön auf das Laubendach klettern und im
-Ahorngezweig herumturnen. Dort hingen im Winter die Speckschwarten und
-Schweinepötzel für die Meisen. Und in der Laube war der Futterplatz für
-Finken und Goldammern. Im Frühjahr schnitzten wir dort unsere Pfeifen
-aus Quitschenruten. Wenn sich die Rinde nicht lösen wollte, half beim
-Klopfen ein Zauberspruch:
-
- Ra-ra bi-ba,
- Wutte nich gera’n,
- Schmiet eck deck in Graben,
- Halet deck die Raben,
- Kimmt de ule Hesse,
- Mit den schtumpen Messe,
- Bein af,
- Kopp af,
- Alles, wat dran sitt,
- Mot af -- af gahn.
-
-Die Laube konnte durch die Hoftür in unsern Hof gucken. Zwischen Garten
-und Hof floß die Flut.
-
-An dem Geländer der alten Knüppelbrücke, die sich über die Flut legt,
-hat der Knabe oft gelehnt und dem Rätsel nachgesonnen, woher das Wasser
-kommt, das Tag und Nacht, Wochen, Monate, Jahre unter der Brücke talab
-fließt und sich nie erschöpft. Bis sich ihm das Geheimnis auftat:
-Irgendwo auf Bergeshöhn mußte ein furchtbar großer Turm stehen. Der
-war bis obenhin gefüllt mit Wasser. Unten war eine Öffnung, die der
-liebe Gott groß und klein stellen konnte wie der Müller das Mühlenwehr.
-Meistens ließ er nur wenig Wasser durch, damit es nicht zu schnell alle
-werden sollte. Wenn der Turm leer zu werden drohte, bestellte er einen
-Regen, der den Turm wieder auffüllte. Manchmal verrechnete er sich.
-Dann ging der Turm über, und das Wasser schoß heulend und brausend
-die Flut hinab. Die Abflußgosse unseres Bottiches kleckerte wie ein
-winziges Wasserstrählchen dazu.
-
-Der Eisenbottich auf dem Hof ist fort. Er wurde altes Eisen. Das Eisen
-stand hoch im Preis. Der Lumpensammler holte ihn. Fremden Menschen
-konnte er nicht sein, was er mir war.
-
-Wenn aus den beiden Wasserpfosten das Wasser in seinen Rostbauch
-plörrte, war es wie Quellenmusik in einem Waldtal. Und wenn Eimer auf
-seinen Rand gestülpt wurden, kam aus dem Eisen läutendes Klingen.
-Unten auf dem Grunde schwammen meine Forellen. Die Pferde schlürften
-Wohlbehagen aus ihm.
-
-Vorbei.
-
-Das Vaterhaus ist fremde Stätte geworden. Es springen im Hof keine
-Hunde mehr an mir hinauf. Und die Pferde, deren Hufe über das
-Steinpflaster klappern, sind -- Pferde. Es singt mir keine Schwalbe
-mehr das Morgenlied. Ich hänge keine Starkasten mehr auf. Und wieviel
-Rotschwänzel in meinem Kinderland nisten, weiß ich nicht.
-
-Mein Fuß geht an den lieben Stätten vorbei. Und das Herz blutet.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Das Bergkind
-
-
-Jürgen Traumelin wußte nicht, wie fest die Harzheimat in sein Herz
-gewachsen war. Er wußte nicht, wie seine Seele am Fichtenwald hing,
-an Bächen und Wiesen und an allen Bergdingen, an denen sich seine
-Kinderzeit abspann. Es war stille, unbewußte Liebe. Ein Feuerlein,
-das sich aus sich selbst erhielt und in der Brust glühte wie eine
-Selbstverständlichkeit.
-
-Jedem Bergkind gibt der Herrgott ein solches Feuerlein mit. Bei wenigen
-verflackert’s. Die meisten tragen es mit sich herum und denken nicht
-darüber nach, woher die Wärme kommt, die so wohlig das Herz umschlägt.
-Und bei vielen wird’s zur verzehrenden Flamme, wenn man ihre Wurzel
-herauszieht aus dem Boden, der ihre Heimat ist.
-
-Das alles wußte Jürgen Traumelin nicht. Aber es sollte sein Schicksal
-sein, daß er es zur Genüge erfuhr.
-
-Eines Tages war der Traum der Jugend zu Ende. Man brachte
-den Bergjungen in die Fremde. Jürgen Traumelin zog seinen
-Konfirmationsanzug an, aus dem er längst herausgewachsen war, und sagte
-der Heimat Ade. Es war kein herzhafter Gruß. Etwas Neues lockte. Und
-doch wollte das Alte nicht loslassen. So begann die Reise mit Hangen
-und Bangen. Ein wenig Neugier prickelte in der Brust. Aber in der Kehle
-saß ein würgender Knoten.
-
-Wenn die Postkutsche doch nicht so unbarmherzig schnell talwärts führe!
-Als wenn sie es eilig hätte, nur fortzukommen von der Harzheimat. Geht
-doch langsam, ihr Traber! Eines Bergjungen Seele ist nicht so flink
-wie eure Beine. Sie weilt noch in den Bergen, woher das Wasser kommt,
-das euren Weg begleitet, streift in Tann und Dickicht, derweilen ihr
-bereits ins Flachland trappelt ...
-
-Sie stiegen in den Zug. Die Maschine pfiff.
-
-Warum guckst du nicht fröhlich drein, Jürgen Traumelin? Heute machst du
-deine erste große Fahrt in die Fremde und deine Fahrt ins Leben dazu!
-
-Er konnte nicht fröhlich sein. Hätte aber auch nicht sagen können,
-welche zwiespältigen Geister in ihm stritten. Eine stumpfe Ergebung
-kam über ihn. Nur still sein, nicht antworten brauchen und träumen, --
-träumen.
-
-Wenn doch nicht dieser Knoten im Halse säße und das trockene Schlucken
-nicht wäre!
-
-Der Zug rollte an den Harzheimatbergen vorüber. Sie wurden kleiner
-und verloren sich im Blau der Ferne. In Traumelins Seele verloren
-sie sich nicht. Buchenwälder huschten vorüber, Kornfeldbreiten,
-Dörfer und Menschen. Dem Bergkind sagte die neue Welt nichts. Seine
-Gedanken tasteten sich in Wiesentäler und Fichtengründe zurück. Kaum,
-daß ihn ein fremder Vogel draußen, den er daheim nie sah, aus seinen
-Bergträumen riß.
-
-Dann waren sie in der fremden Stadt, in der Jürgen Traumelin
-hochgelahrter Schüler werden sollte.
-
-Puh, -- diese Stadt!
-
-Haus an Haus, eng, steinern, frostig. Nirgends ein Gäßlein zum
-Durchlugen, kein Garten an den Straßen und keine Lauben mit
-Rotschwänzelnestern. Und in den Höfen keine Holzbansen. Keine
-Stalltüren, aus denen braune Kühe traten. Und die Menschen gingen
-aneinander vorbei. Es bot keiner dem andern guten Tag oder ein
-freundliches Glückauf. Und grüßte kein Berg in die Straßen hinab. Ein
-paar Hügel lagen rings. Aber sie waren fern und fremd und nicht mit
-Stadt und Menschen verwachsen. Ihre Hänge waren zerrissen, geflickt,
-parzelliert. Und nirgends bot sich ein Wiesenplan, an dem das Auge
-hätte ausruhen können. Die Wiesen in dem breiten Flußtal, in das sich
-die Stadt hingelagert hatte, waren lustlose Eintönigkeit. Wieviel
-lichter und lustiger war das alles daheim! Und der große Fluß! Ach
-ja, er war größer als alle Harzbächlein zusammen. Aber sein Wasser
-kroch grau und träge dahin. Es konnte nicht rauschen und brausen und
-platschen und plantschen, kein Berglied jauchzen und fröhliche Hopser
-machen. Und man sah keine Forellen darin und keine Sonnenkräusel über
-blanke Steine rieseln. Wie langweilig der graue Fluß war!
-
-Und wie Traumelin über die Eisenbrücke schritt und hinabsah in die
-trübe Flut, schien ihm das Wasser wie ein Spiegel der Zukunft. Die
-fremde Stadt war ihm Enttäuschung geworden. Ein Schauder kroch ihm aus
-ihr entgegen. Und das Gefühl des Naturkindes sagte ihm, daß sie ihm
-immer fremd bleiben würde. Wo keine klaren Wasser fließen, findet ein
-Bergjunge keine Heimstatt.
-
-Würgt nicht schon wieder der Knoten im Halse, Jürgen Traumelin?
-Ein langer Seufzer ging ihm aus der Brust. Und seine Gedanken
-flogen heimwärts, ein Heilkräutlein zu pflücken gegen die grausame
-Ernüchterung. Die Erinnerung begann goldene Bogen zu bauen.
-
-Dann war der Bergjunge allein unter fremden Menschen. Zum ersten Male
-in seinem Leben. Er teilte seine Behausung mit ein paar Altersgenossen,
-die das gleiche Ziel in die Stadt führte.
-
-Wo seid ihr her? Und sie nannten ihre Dörfer.
-
-Ach, ihr Flachlandkinder! Ihr habt alle keine Harzheimat mit Bergen und
-Fichtenwäldern und Bächen und Blumenwiesen!
-
-Habt ihr schon Hirsche gesehen? Oder schon Forellen gefangen? Wißt ihr,
-wie Zeisige singen, oder könnt ihr pfeifen wie der Dompfaff?
-
-Sie lachten über ihn. Und als er zu Bett ging, wußte er, daß ihm diese
-Menschen, die das Schicksal ihm zu Weggenossen bestimmte, fremd bleiben
-würden wie die fremde Stadt.
-
-Wie frisch die Bettwäsche roch, die ihm die Mutter sorglich mitgab!
-Genau wie daheim, wenn die Betten neu überzogen waren. Wie daheim ...
-
-Hupp, machten seine Gedanken. Und fort waren sie ins Harzheimatland.
-Was mögen sie um diese Stunde zu Hause tun? In der Stube ist ein
-wohliges Ausruhen vom Tagwerk. Gewiß sitzen sie um den Tisch und denken
-an den, der heute in die Fremde zog. Am warmen Ofen räkelt sich der
-Wolf und knurrt im Traum ... Das Katzengretel schnurrt im Stiefelkasten
-... Im Kuhstall draußen ruft das braune Herschel. Im Pferdestall wird
-der Futterkasten zugeklappt. Tränkeimer klirren. Vater füttert die
-Pferde ab ... Gestern hast du es noch getan, Jürgen Traumelin! ...
-Ob der Bläß nicht wartet, daß du ihm einen Leckerbissen reichst? Und
-der Rappe es nicht vermißt, daß du ihm den Hals streichelst und in
-Schopf und Mähne kraust? -- Nun löscht Vater die Laterne aus. Der
-Stalltürriegel knarrt ... Müde Schritte im Hof ...
-
-Ein Heimattraum gab Jürgen das Geleit durch die erste Nacht in der
-Fremde. Er wachte früh auf.
-
-Singt denn keine Schwalbe auf dem Fensterflügel?
-
-Und plätschert im Hof kein Brunnen?
-
-Ach nein. Es ist alles still. Und es grüßt kein Wiesenhang ins
-Kammerfenster hinein. Kein Ahorn sagt guten Morgen und kein Eschenbaum
-und keine Bergstraße.
-
-Der neue Tag ging mit neuen Enttäuschungen auf.
-
-In grauer Trübseligkeit machte sich Jürgen auf den Schulweg. Er
-pilgerte ihn wie einer, der den Galgen ragen sieht.
-
-Wirf ab alles, was dich an die Heimat kettet, Wildling vom Berg!
-Und deine Jugend wirf hinter dich! Auf den Kathedern sitzen sie und
-warten und wetzen das Messer. Sie werden dich hacken und hobeln und
-werden dich schaben, dich stutzen und säuberlich solange an dir
-herumschneiden, bis dein rotes Blut saftlos sein wird.
-
-Dann hockte er in der Schule. Diese Schule, -- puh! Den Bergjungen
-schüttelte es. Als er heimkehrte, war sein Leben um ein paar
-Moralpredigten reicher geworden und das Säcklein seiner Enttäuschungen
-zum Überquellen voll. In der Schule lachten sie über seine Sprache.
-Harzer Roller! hänselten sie und feixten, wenn auf seiner Zunge harte
-Laute weich und weiche hart wurden und das ü zum i oder das ö zum e.
-Seine Lehrer mäkelten an ihm herum. Es ging ihnen nicht schnell genug,
-daß er die Sprache der Harzheimat abtat und ihr aalglattes Hochdeutsch
-redete. Als wenn sich alle gegen ihn verschworen hätten. Es war nichts,
-das ihm die Fremde hätte lieb machen können.
-
-Wie der weite Flachlandhimmel drückt!
-
-Kommt doch heran, ihr Berge, und stützt ihn, daß er nicht einfalle! Und
-recken sich nirgends ein paar Fichten in die Wolken?
-
-Ach nein, Jürgen Traumelin. Der Wald hier ist nicht dein Heimatwald.
-Es ist kein dunkelgrünes Hangauf und Hangab und kein fröhliches
-Weiterwellen Berg an Berg. Jedes Berglein hier ist abgemessen, steigt
-an, fällt ab und hört auf. Und an jedem Wald kannst du die Grenzpfähle
-stecken sehen. Es gibt kein Träumen in meilenlangem Fichtenduster.
-Der Buchenwald ist kahl und nicht für Traumelins geschaffen. Kein
-traulicher Waldwinkel lädt dich zu Gast. Und findest kein verschlafenes
-Flecklein Weltferne, kein Erlenbruch, in dem die Spechte hacken, keinen
-Rauschebach und keinen Bergquell.
-
-Er wollte ein Stück Heimat suchen und suchte vergebens. Eine Scholle
-Erde nur, auf der er sich heimisch fühlen, die er liebkosen könnte und
-mit den Händen streicheln und der er hätte sagen können: Du bist wie
-meine Heimat! Du bist geheiligtes Land.
-
-Es ward ihm keines beschert.
-
-Heimatlos und doch unendlich heimathungrig irrte seine Seele durch
-Wolken und Weiten, ihre Ruhestatt zu finden daheim. Träume wurden
-Zauberinnen. Im Sonnengold der Erinnerung wandelte sich die ferne
-Harzheimat zum Zaubergarten, über dem strahlend der Maientag der Berge
-leuchtete. Und Wiese und Wald darin waren voll Sirenengesang. Jedes
-Fichtenrauschen ward ein Locken: Kehr wieder, Bergbube!
-
-Komm doch! zwitscherten die Vögel. Und die Bergblumen nickten: Kehr um!
-
-Wir warten auf dich! plätscherten die Bäche. O, fühlst du nicht, wie
-wir auf dich warten!
-
-Tausend Bilder stürmten in des Heimwehkranken Seele, süß, betörend,
-verführerisch. Und blieb doch keine Frohheit in ihr zurück. Furchtbare
-Dämonen krallten sich in sie hinein, zogen, zerrten, rissen.
-Blutsauger waren sie und verführerische Gaukler. Sie spielten mit dem
-Bergjungenherzen ein grausames Spiel, wirbelten das verzagte Ding in
-goldene Himmel und ließen es abstürzen in Höllenschlünde.
-
-In einsamen Stunden flüchtete der Knabe auf seine Kammer. Ach, einmal
-nur hinschauen in die Richtung, wo die Heimat liegt. Drüben muß
-es sein. Wenn doch nur ein einziges blaues Berglein hersähe! Aber
-eine schwarze Wolke lag vor dem Paradies. Und so war es Traumelins
-Schicksal, den bitteren Kelch Heimweh auszutrinken bis auf die Neige.
-Sein Leben war Qual. Jeder Heimatgedanke riß eine Wunde durch sein Herz.
-
-An einem grauen Tag saß Jürgen Traumelin auf seinem Bettrand wie so
-oft. Seine Augen verloren sich in der Ferne. Heimliche Glocken läuteten
-irgendwo. Die Stimmen der Heimat lockten und sangen. Sie hatten ihre
-bestrickendsten Saiten aufgespannt. Da geschah das Wunder, daß dies
-Singen ihm nicht zum Schmerz wurde, sondern daß es heimlich in ihm
-mitzusingen begann. Die schwarze Wolke auf seinem Gemüt war ein wenig
-zur Seite gerutscht. Irgendwo lachte ein Sonnenstrählchen. Es war, als
-ob nach langer Zeit ein Glück leise ans Herz zu tippen wagte. Und als
-Traumelin die Treppe hinabstieg, flüsterte es über seine Lippen: Ich
-komme! Und es begab sich, daß zu dieser Stunde das Knäuel im Halse
-hinabzugleiten begann.
-
-Unten zählte er seine Heller. Es war das Geld, für das er sich eine
-bunte Mütze hatte kaufen sollen. Es reichte just. Dann schrieb er ein
-Zettelchen. Ein paar heimwehkranke Worte standen drauf. Die andern
-sollten wissen, was ihn forttrieb.
-
-Auf heimlichen Wegen erreichte er den Bahnhof. Gott sei Dank, es hatte
-ihn keiner gesehen. Und kam keiner, ihn zurückzuhalten.
-
-Als er im Zuge saß, der ihn der Heimat nähertragen sollte, war zum
-ersten Male ein richtiges Aufatmen in ihm. Die Kette um seine Seele
-sprang. Der Kampf schwieg. Es kam eine Müdigkeit über ihn, die ihm
-Erlösung ward.
-
-Jürgen Traumelin auf Heimatpilgerfahrt!
-
-Zwei Tage und eine Nacht hat er gehungert und gefroren. Herbstnebel
-umwehten ihn. Zwischen Fichten und Felsen pfiff der Wind. Er grüßte
-sie als freundliche Boten der Heimat. Mit leichtbeschwingter Seele
-schritt er aus. An einem Bergbach kniete er nieder und trank. Einmal
-wieder Bergwasser schlürfen zu können, war einer seiner heimlichsten
-und heißesten Wünsche gewesen. Nun war er in Erfüllung gegangen. Seid
-umarmt, Berge und Wälder, Harzheimat!
-
-Als Jürgen Traumelin am zweiten Abend unter sich im Tal die Lichter der
-Bergstadt sah, stieg er beglückt hinab.
-
-Im Glockenhaus läutete es sieben. Es war der Willkommengruß, den die
-Harzheimat dem heimkehrenden Fremdepilger bot.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Der Kirchenbrink
-
-
-Der Sonntagmorgen hatte für mich seine eigene Feierlichkeit.
-
-Ich durfte meine Stulpenstiefel anziehen. Es gab in der ganzen Welt
-nichts so Schönes wie meine Stulpenstiefel! Und zum Kaffee kaufte
-die Mutter Salzkuchen. Für Salzkuchen hätte ich meine Seligkeit
-eingetauscht. In der Küche bruzzelte ein Braten. Der Duft zog
-verlockend durch das ganze Haus, in dem es nie so stille zuging wie
-an diesem Morgen. Aber das Schönste war doch, auf der Lehne des alten
-Ledersofas zu hocken und zuzuschauen, wenn den Kirchenbrink hinauf die
-Bergstadtleute zur Kirche pilgerten.
-
-Der Kirchenbrink war mein Freund. Es machte Spaß, vier, fünf Stufen
-auf einmal herunterzuspringen und am Geländer herabzurutschen. Blumen
-nickten von rechts und links über die alten Steintritte. Durch die
-Zaunlatten guckten Kälberkropf und Bärenklau. Man konnte prächtige
-Spritzen daraus machen. Und die roten und weißen Taubnesseln, die am
-Kirchenbrink blühten, hatten den süßesten Honig.
-
-Des Alltags lag er still und verlassen da. Er konnte die Leute zählen,
-die auf ihm von der Bergstraße herabkamen oder zu der Bergstraße
-hinaufgingen. Am Sonntag aber ist er voll Leben gewesen.
-
-Alte Mütterchen mit Hauben und Bändern trippeln behutsam die Stufen
-hinan. Die eine Hand hält das Geländer fest. Die andere umschließt
-sorglich das Gesangbuch, damit der Pfennig für den Klingebeutel nicht
-herausfällt und Taschentuch und Brillenfutteral nicht davon abrutschen.
-Invaliden im Abendmahlsrock steigen hinterdrein, die lahmen Füße
-bedachtsam von Tritt zu Tritt setzend. Jungens und Mädels hüpfen
-an ihnen vorbei. Bürgersleute tragen Zylinder, Feiertagsmiene und
-Goldschnittgesangbuch mit gemessener Würde treppan, vereinigen sich
-oben mit der Schar derjenigen, die die Straße am Berg herunterkommen
-und verschwinden in der Kirchentür.
-
-Stieg viel alte Gläubigkeit und Frommheit den Kirchenbrink hinauf, den
-Tag des Herrn würdig zu weihen. Es stieg auch viel Gram und Kummer und
-grüblerisches Gottsuchertum hinauf, in der Kirchenstille Trost und
-Vergessen zu finden oder den Unbekannten zu ergründen, der die Tanne
-grünen und Erz wachsen läßt. War viel altes Gold unter abgeschabten
-Wämsern.
-
-Wenn das Sonntagsgeläut des Glockenhauses in den Bergen verhallt war,
-tat der Kirchenjunge die Tür zu. Feierlich scholl das Orgelvorspiel
-durch die Morgenstille. Der Sonntagsfrieden des Bergstädtchens war
-nie fühlbarer als in diesem Augenblick. Das Orgelspiel klang aus
-der geschlossenen Kirche wie eine ferne Engelsmusik. Sie machte mir
-Gotteshaus und Gottesdienst zu einem Mysterium, zu dem der Kirchenbrink
-der geheimnisvolle Zugang war.
-
-Als der Knirps es unternahm, das Geheimnis zu ergründen, schwirrten
-seine Gedanken bedenklich abseits.
-
-Von meinem allerersten Kirchgang ist mir nur die Erinnerung an drei
-merkwürdige Dinge geblieben. Das eine war ein schwarzer Mann. Er
-hatte ein weißes Bäffchen um und stand auf einem grünen und goldenen
-Balkon. Von dort aus sprach er irgendetwas vom lieben Gott. Die andere
-Merkwürdigkeit war ein Mensch mit einem Hauskäppel. Der ging zwischen
-den Bänken umher und hielt den Leuten einen klingelnden Sammetbeutel
-unter die Nase. Das größte Wunder jedoch war der Taufengel. Er schwebte
-von der Decke hernieder und hielt in den Händen ein Taufbecken. Ich
-aber verstand seine Sendung nicht. Verstohlen fragte ich meine Mutter,
-was denn eine »Biermamsell« in der Kirche solle.
-
-So hatte mir das Gotteshaus sein Rätsel nicht erklärt. Und als ich
-hernach den Kirchenbrink hinabstieg, blieb hinter mir das gleiche
-Geheimnis, das es vordem gewesen.
-
-
-
-
-Osterfeuer
-
-
-Am Osterheiligabend hat kein Bergstadtjunge Zeit, Abendbrot zu essen.
-Der Geruch verbrannter Fichtenhecke und brennenden Fichtenharzes
-prickelt ihm in der Nase. Das Osterfeuer wird angesteckt. Da bleibt für
-unwichtige Dinge nicht Muße. Jeder hegt zudem in sich die Überzeugung,
-daß ohne ihn das Osterfeuer nicht brennen und die ganze Herrlichkeit
-nur halb so schön sein würde, wenn seine Fackel nicht dabei wäre. Neben
-Ruscheln und Schneeschuhlaufen hat er nicht vergessen, frühzeitig genug
-seine Osterfackel herzurichten. Der Vater hat das Fichtenstämmlein
-aufgespalten und zersplissen, damit die Fackel ein gutes Feuer gibt.
-Sie steht schon lange zum Trocknen am Herd. Sie ist auch schon beim
-Bäcker gewesen. Der hat sie, nachdem Brot und Kuchen fertig waren, in
-den Backofen geschoben. Nun ist sie ausgedörrt bis aufs Mark und ist
-braun und schwarz geworden. Die Rinde will schon abblättern, -- hei,
-wird das ein Geflacker werden!
-
-Wenn sich auf den Wiesen die ersten dunklen Stellen zeigen, der Schnee
-weggeht und die Berge scheckig werden, schleppen die Bergstadtjungens
-die Fichtenhecke für ihr Osterfeuer zusammen. Unermüdlich ziehen sie
-in den Bergwald und bis in die entferntesten Hauungen, ihr Bündlein
-Hecke zu holen. Das »Heckeschleppen« ist für jeden Harzheimatjungen
-Ehrenpflicht. Jeder hat den Ehrgeiz, seinem Ortsteil den Ruhm des
-schönsten und größten Osterfeuers erringen zu helfen. So entsteht
-zwischen den oberländischen und unterländischen Buben ein Wettstreit,
-der friedlicher abgeht, als wenn sie mit wehenden Fahnen und Holzsäbeln
-gegeneinander zu Felde ziehen und grimme Schlachten schlagen.
-
-[Illustration]
-
-Am Ostersonnabend wird die Fichtenhecke kunstvoll um den Osterbaum
-getürmt. Es ist ein erwartungsfrohes Treiben auf dem Osterfeuerplatz.
-Keiner denkt früher an zu Hause, bis es Zeit wird, die Fackel zu holen.
-
-Osterfeuer im Harzheimatland!
-
-In den Straßen des Bergstädtchens liegt die kühle Dämmerung des
-Vorfrühlingsabends. Aus Eisschollen und Schneeresten und winterkalter
-Erde dampft Nebel. Der Ostervollmond guckt über die Berge. Durch die
-Gassen zieht ein Duft wie von tausend Weihnachtsbäumen. -- Ihr Armen
-im Flachland! Und wenn ihr noch soviel Strohbündel und Teertonnen und
-Pech zuhauf türmt, euer Osterfeuer wird immer ein stinkendes Räuchlein
-bleiben. In den Bergen aber ist’s reine Opferflamme, in der nichts
-brennt, denn das der Fichtenwald hergegeben hätte.
-
-Braune und gelbe Rauchschwaden quellen aus dem Heckenaltar. Sie
-ballen sich zu wogenden Wolken und wachsen wie eine unendliche Säule
-in den Nachthimmel. Prasselnd fressen sich Flammen durch Harz und
-Fichtennadeln und lecken hinauf in den Osterbaum. Feurige Lohe knattert
-durch seine Äste, wirft einen Feuerschein auf Rauch und Menschen und
-zerstiebt in sprühenden Funken. Mit Feuer und Rauch wird der Winter von
-dannen gejagt. Das Rasen der Flammen ist Erlösungsjauchzen.
-
-Um das Feuer her schwenken die Harzheimatkinder ihre Fackel, rufen
-Fitfaat! und ziehen rauschende Flackerfeuerkreise um ihre Köpfe. Über
-der Bergwiese tanzen tausend Irrlichter. Der Frühlingsnachthimmel malt
-sein Schwarzblau hinter dies Bild der Frühlingsfreude, die in Großen
-und Kleinen lebt und bei jedem neuen Osterfeuer neu lebendig wird.
-
-Osterfeuer sind Freudenfeuer, mit denen die Menschen den Sieg des
-Lenzes über den Winter feiern. Dem Bergmenschen aber, der die Faust des
-Winters am härtesten spürt, sind sie Dankesopfer.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
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-
-Das Fest zwischen Ostern und Pfingsten
-
-
-Wenn zwischen Ostern und Pfingsten die Lerchen das erste Grün aus dem
-fahlen Lederhosengelb der Bergwiesen hervorgetrillert haben, putzt
-der Kuhhirt sein Koppels. Und die Bergstadtleute feiern einen hohen
-Festtag. Der steht nicht im Kalender. Er wird auch nicht von der
-Kanzel herab verkündet. Und in der Mitternacht vorher rührt sich im
-Glockenhaus kein Glockenstrang, ihn gebührend einzuläuten.
-
-Und doch hätte er beides verdient.
-
-Denn dieser Sonntag, an dem nach langer Wintersnot die Kühe zum ersten
-Male wieder auf die Bergweide gehen, ist wie eine Bannlöse. Unten
-im Land ist mit Vogelsang und Apfelbaumblühen längst der Frühling
-eingezogen. Er will auch hinauf ins Harzheimatland. Aber der Winter
-hat alle Täler verklüftet und treibt ihn mit Schneeschauern zurück.
-Graue Wochen lang geht ein Kämpfen hin und her. Die Schneewehen an den
-Hängen wollen nicht kleiner werden. Auf den Straßen kleben schmutzige
-Eisschollen. Regen und Schnee platschen durcheinander. Durch die Wälder
-rauscht der Sturm. Das Flöten der Drossel, die den Frühling rufen will,
-wird von seinem Rasen übertönt. Die Bäche tosen. Die Luft ist erfüllt
-mit aufgeregtem Gebrause. Es ist nicht Winter, es ist nicht Frühjahr.
-
-Das ist der Bergstadtleute böseste Zeit. Niemand sehnt sich mehr nach
-dem Frühling als sie. Keiner begrüßt ihn dankbarer.
-
-Wenn aber die Kühe wieder auf die Weide treiben, ist ihnen das wie die
-frohe Botschaft: Der Lenz ist da, nun muß sich alles wenden. Oft genug
-freilich prasselts mit Hagelschauern hinein in diese Frühlingshoffnung.
-Aber der Bann ist gebrochen.
-
-Ein Aufatmen geht durch die Menschen. Es ist ein Freuen in ihnen, das
-niemand kennt und keiner mit Namen nennen kann. Doch jeder fühlt es.
-Und diese Freude leuchtet in jungen und alten Augen, guckt aus allen
-Fenstern und wartet in allen Gassen, daß das Horn des Kuhhirten zum
-ersten Male tutet.
-
-Keine Frühlingsschalmei kann schöner klingen!
-
-Dann tun sich die Stalltüren auf. Ketten fallen klirrend nieder. Die
-Kühe werden losgebunden. Ihr Fell ist blank gestriegelt. Bunte Bänder
-flattern an den Hörnern als festfroher Schmuck.
-
-Manchem Mütterlein, das nur ein paar kümmerliche Morgen Pachtwiese
-ernten kann, rutscht mit dem Ruf des Hirtenhorns eine Sorge vom Herzen.
-Der Heuboden hat ein arges Loch bekommen. Dem Bergmenschen ist sein
-Vieh nicht Inventar. Er lebt mit seinen Tieren und sieht ihre Not nicht
-nur mit den Augen. Er fühlt sie im Herzen mit. Und so begrüßt er das
-erste Frühlingsgrün an den Hängen wie eine Gottesgabe, die die Berge
-ihm darreichen für seine Tiere. Froh und kümmernisbefreit läßt er sie
-nun hinaus: Kumm, Resel, Orschel, Herschel, Liesel, -- kumm!
-
-Die Braunen treten zaudernd über die Schwelle. Sie können noch nicht
-daran glauben, daß sie die Kette nicht mehr an der Krippe festhält. Und
-das Taglicht blendet nach dem langen Stalldämmer. Wieder ein zaghafter
-Schritt. Nun stehen sie draußen und gucken und wundern sich.
-
-Dann geht ihnen ein Erinnern auf an die goldene Freiheit in den Bergen.
-In übermütigen Sprüngen und Kapriolen hopsen sie davon. Sie schlagen
-aus in wilder Freude, als wollten sie die Winterfesseln weit von sich
-schleudern. Die Temperamentvollsten geben ihr Freiheitsbehagen mit
-den Hörnern kund. Es ist ein Raufen und Stoßen bald hier, bald dort.
-Bis der Hirtenhund Ordnung schafft oder die Peitsche eines Jungen
-über die Kämpfenden hinknallt. Klitsch--klatsch--paatsch! -- Das
-Peitschenknallen gehört zu diesem Festtag wie die Herde selbst. Das
-wäre kein Bergjunge, der sich nicht wochenlang im Peitschenschlagen
-geübt und der nicht den Ehrgeiz hätte, die beste, schlankste »Schwippe«
-zu haben für diesen Tag, auf den sich alle freuen.
-
-Manche Bicktanne wandelt sich zum Peitschenstiel. Die Kaufleute können
-nicht genug Klappschnüre schaffen, und der Sattler muß die Riemen
-bündelweis schneiden. Wenn dann der große Tag da ist, wird die Schwippe
-geschmückt mit der Schwester schönstem Haarband, -- und ein Knallen
-geht los auf allen Gassen. Klitsch--klatsch--paatsch! hallen die Berge
-wider. Klitsch--klatsch--paatsch! kommt’s im Echo von den Hauswänden.
-Der kleinste Knirps ist mit heiligstem Eifer dabei. Selbst die Alten
-können es nicht verwinden, noch einmal die alte Kunst zu üben. Und es
-wird erst ruhig im Städtchen, wenn die Herde heimwärts zieht und die
-Stalltüren sich wieder schlossen.
-
-Unfug, sagst du? -- Nein, auch das Peitschenknallen ist eine Äußerung
-der Frühlingsfreude. Wie soll ich’s nennen?
-
-Wenn du’s als Bergjunge nicht gefühlt hast, du wirst’s als Nörgler
-nicht erjagen.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Johannistag
-
-
- Tripp -- trapp -- Käsenapp,
- Heute ist Johannistag!
-
-Die Erinnerung an unsere Johannistage kräuselt mir durch den Sinn
-wie ein Gerank aus bunten und schönen Dingen. Fichtengirlanden
-schlingen sich lustig durcheinander. In ihrem Grün glühen Pappelrosen.
-Fliedertrauben quellen daraus hervor, und Nachtviolen tupfen blaurote
-Punkte hinein. Eierschalenkränze baumeln im Wind. Verlockend streicht
-um Johannisbaum und Ringelreihen der Duft warmer Blätterkuchen.
-Lieder klingen. Die Luft ist voll Sonne und Freude und das Herz voll
-Kinderseligkeit. Ich fühle weiche Mädchenhände in den meinen, spüre
-in der Nase den Geruch von frischgestärkten weißen Sonntagskleidern
-und Haarpomade. Haarschleifen flattern. Zöpfe wippen. Alle diese
-verführerischen Dinge erregen in der Jungenbrust das harmlose
-Räuschlein ersten Verliebtseins. Der schüchterne Bergbube mausert sich
-zum Ritter. Irgendwo im Johannistagsreigen glüht ihm ein heimliches
-Flämmchen, dem alle Lieder gelten. Glück wird Singelseligkeit:
-
- Wo treff’ ich meinen Schäfer an,
- Wo werd’ ich ihn wohl finden,
- Der mir mein Herz erleichtern kann?
- Wohl unter einer Linden?
- Unter einem grünen Busche,
- Da ich meinen Schäfer suche,
- Unter einer Linden,
- Da werd’ ich ihn schon finden.
-
-Ein Mädel steht unterm Baum. Es winkt schüchtern einen Knaben aus dem
-Reigen zu sich herein:
-
- Herr Schäfer, Sie bleiben stillestehn,
- Mir däucht, ich sollt Sie kennen,
- Warum woll’n Sie so von mir gehn
- Und sich so von mir trennen?
- Ei, so will ich mich zu Sie (!) wenden,
- Fassen Sie an beiden Händen,
- Und Sie werden desgleichen
- Und mir ein Küßlein reichen!
-
-Leider geschah das nun nicht. Unsere Alten waren glücklicher daran. Bei
-ihnen gehörte das Küssen zum Johannistag wie der Johannisbaum und die
-Johannislieder.
-
-Aber trotzdem klang es fröhlich weiter:
-
- O wie glücklich ist die Stund’,
- Da ich meinen Schäfer fund!
-
-Nun stand der Schäfer im Kreis. Seine Schäferin war indes in den Reigen
-zurückgetreten. Und das Schäferlied wiederholte sich in der Umkehrung:
-
- Wo treff’ ich meine Schäferin an,
- Wo werd’ ich sie wohl finden,
- Die mir mein Herz erleichtern kann? ...
-
-Bis eine neue Weise im Kreis erscholl:
-
- Ich bin ein lustiger Weidemann,
- Ich suche mir ein Revier.
- Ein Hirschlein, das ich schießen kann,
- Ein hübsches munteres Tier.
- Es gibt der munteren Tier’ so viel,
- Der Jäger nimmt sich eines zum Ziel:
- Puhf!
- Der Schuß, der ist geschehen,
- Man muß das Wild besehen!
-
-Das Lied vom Hirschlein setzte sich fort:
-
- Jagt mir doch das Hirschlein aus der Weide!
- Du und du bist meines Herzens Freude.
- Wechselt mir die spanischen Pistolen,
- Daß ich kann mein’ Schatz bald wieder holen!
- Ei, so komm doch her, mein Kind,
- Weil ich dich jetzt wiederfind’.
- Treu um Treu und liebe mich,
- Und vergiß das Küßlein nicht!
-
-Das war freilich wieder eine Mahnung mit schwachem Ergebnis. Für uns
-Arme und Nüchterne blieb’s bei der Entsagung:
-
- In dem schönen Rosengarten
- Eine Dame zu erwarten,
- Die mir schenket einen Kuß,
- Die mir schenket einen Kuß.
-
-Und was nützte das Klagelied:
-
- O Jammer, Jammer! höret zu,
- Was ich euch sagen werde.
- Ich hab’ verloren meinen Schatz,
- Der mich so treu geliebet hat.
- Macht auf, macht auf die Gartentür,
- Ob ich ihn hier nicht finde!
-
-Und daß das Mädel winkte:
-
- Schau her, schau her, hier ist mein Mann,
- Hier fall ich ihm zu Füßen.
- Und der mich einst geliebet hat,
- Den werd ich einstmals küssen.
- Nun steh ich wieder auf zu dir
- Und mache einen Diener für!
-
-Aber fort doch mit den ewigen Herzensdingen!
-
- Es fuhr ein Bauer ins Holz,
- Es fuhr ein Bauer ins Holz,
- Es fuhr ein Bauer ins Kermesholz,
- Ki--ka--Kermesholz,
- Es fuhr ein Bauer ins Holz.
-
- Der Bauer nahm sich ein Weib,
- Der Bauer nahm sich ein Weib,
- Der Bauer nahm sich ein Kermesweib,
- Ki--ka--Kermesweib,
- Der Bauer nahm sich ein Weib.
-
- Das Weib nahm sich ein Kind, --
- Das Kind nahm sich ’ne Magd, --
- Die Magd nahm sich ’en Knecht, --
- Ki--ka--Kermesknecht!
-
- Der Bauer schied von dem Weib,
- Das Weib schied von dem Kind, --
- Das Kind schied von der Magd, --
- Die Magd schied von dem Knecht.
-
-Das Ki--ka--Kermeslied war lustig. Wir haben es mit Begeisterung
-und Inbrunst gesungen. Es bildete eine fröhliche Abwechslung in den
-Johannistagsliedern und den vielen Volksliedern, die in den Singereigen
-eingeflochten wurden. Wir schöpften aus unerschöpflichem Born und
-sangen unverdrossen, bis der Abend kam und wir müde in unsere Kissen
-krochen.
-
-Dann zog die ganze Johannistagsherrlichkeit noch einmal wie ein bunter
-Traum durch die Kammer. Das ausgestopfte Männlein, das steif und stumm
-unter dem Johannisbaum gesessen hatte und dem aus Knopflöchern und
-Handschuhen die Sägespäne quollen, ward zum Kobold. Es hockte auf der
-Bettstelle. Es hockte auf dem Deckbett. Es spukte in allen Winkeln und
-trieb seinen Mummenschanz in des Schläfers heißem Köpfchen, darin ein
-sonderbarer Leierkasten zu dudeln begann:
-
- Orgel, orgel nort--nort--nort,
- Wo treff’ ich meinen Schäfer an,
- Ki--ka Schäfer an.
- In dem schönen Rosengarten,
- Es grüne die Tanne, es wachse das Erz,
- Ki--ka--Kermesholz,
- Wenn ich den Wanderer frage,
- O Jammer, Jammer höre zu,
- Im schönsten Wiesengrunde,
- Ki--ka--Kermesweib,
- Die mir schenket einen Kuß,
- Ki--ka--Kuß.
- Glück auf, ihr Bergleut’ jung und alt,
- Ich bin ein lustiger Weidemann,
- Wenn schwarze Kittel scharenweis,
- Guten Abend, Gute Nacht ...
-
-So schwirrt es in wirrem Kunterbunt durcheinander. Über dem Bette
-wächst der Johannisbaum empor und wächst hinauf bis in den Himmel.
-Ein Paradies öffnet sich darüber. Das ist voll Glück und Seligkeit.
-Pappelrosenkränze und Heckengirlanden schlingen sich um goldene
-Pfeiler. Hexenhäusel aus lauter Blätterkuchen und warmen Waffeln bauen
-sich auf. Sterne leuchten, tausend Sterne. Aber einer ist der hellste.
-Und wie der Träumer näher zuschaut, wird der Stern zu einem nickelnen
-Zwanzigpfennigstück, das er glückselig in den Händen hält. Er lächelt
-im Traum. Wie reich er war, als ihm der Schullehrer heute morgen
-das blanke Zweigroschenstück gab! Zwei Groschen eigenes Geld, o zwei
-Groschen!
-
-Ihr gütigen Stifter, die ihr lange im Grabe ruht!
-
-Das Strahlen in den Augen der Harzheimatkinder hat euch Dank in die
-Ewigkeit hinübergelächelt. Die Zwanzigpfennigstücke sind die Zinsen
-eures Kapitals gewesen. Eure Güte aber konnte sich nicht schöner
-verzinsen als mit diesem Glückslächeln auf Buben- und Mädelgesichtern
-und mit jener Johannistagsfreude, die ihre Backen rot malt und die noch
-über ihre Augen huscht, wenn sie abends müde in ihre Betten schlüpfen.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Die Waldschenke
-
-
-Möchtest Du nicht mit mir schnell hinüber über das Gatter und hinunter
-ins Häusel?
-
-Oder möchtest Du Dich nicht auch hier niederlegen am Rande des Holzes
-und zwischen Fingerhüten und Ehrenpreis träumen, Stunden verträumen,
-Tage, Wochen?
-
-Alles in diesem Waldwiesenwinkel ist freundliches Winken: Hier ists gut
-sein!
-
-Welche Zauberdinge sinds, die so eindringlich locken?
-
-Ein Flecklein Lichtgrün im Tannenduster, Vogelstimmen im Wald, zwischen
-Blumen ein Plauderbach, -- und weltferne Stille. Mitten in allem ein
-rotes Dach, unter Bäumen ein paar Holzbänke, eine Laube im Gärtchen ...
-
-Wer könnte vorüberwandern!
-
-Ist kaum ein halbes hundert Jahre her, da war dies Tal erfüllt vom Lärm
-der Arbeit. Der Bach plantschte über Wasserräder. Pochstempel stampften
-einen harten Daktylus in die Waldstille: _Paff_ -- paffpaff, _paff_ --
-paffpaff. Unter ihrem Schlag barst Erzgestein zu Kies und Staub. Aus
-allen Hütten kam Poltern und Rumoren. Das Echo polterte mit. Pochjungen
-hantierten an Waschherden und eilten geschäftig auf und ab. Blutjunge
-Knaben, die das Leben hier allzufrüh in ein eisernes Joch spannte.
-Blaukittelige Fuhrleute schrien. Angetan mit weißem Kittel und hohen
-lehmfarbenen Gamaschen stolzierten Königlich Privilegierte Fuhrherren
-einher, ihre zahlreichen Fuhrwerke musternd. Knarrend fuhren Erzhielen
-talaus, talein.
-
-[Illustration]
-
-Nun ist das geschäftige Bild verschwunden. Die Pochwerke sind fort.
-Es blieb kein Stein auf dem andern. Fichten grünen über ihrer Stätte.
-In den Schlammlöchern wachsen Schilf und Schachtelhalm. Natur nimmt
-langsam das Ihrige zurück. Der Stampftakt der Stempel ist verstummt.
-Das Zechenhäusel, -- die Waldschenke, -- ist der letzte Zeuge jener
-Zeit. In dem Stüblein, wo sich heuer der Gast erquickt, hielten vor
-Zeiten die Pochjungen ihre Betstunde vor der Schicht. Sie sangen ein
-frommes Lied. Der alte Vorbeter las ein Gebet. Die Arbeit begann mit
-Gottes Segen.
-
-Kinder im Joch --, Gottes Segen?
-
-Wenn ich am Gatter liege und träume, ziehen in langer Wallfahrt bleiche
-Knaben durch das Tal. Eine stumme Anklage gegen eine grausame Zeit.
-
-Die Stille im Wald ist wie das Ausruhen vieler
-Bergmenschengeschlechter, denen harte Arbeit an diesem Ort Blut und
-Jugend nahm.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Der Gnadenlöhner
-
-
-Sein Hauskäppel ist fadenscheinig geworden. Die bunten Blumen darin
-sind ausgefädelt und haben die Farbe verloren. Silberne Strähnen
-quellen unter dem Käppel hervor.
-
-Jede Bewegung des Alten ist gemessene Ruhe. Wenn er das Fenster öffnet
-und den Pfeifenkopf ausklopft, aus dem Tabakskasten dann eine armselige
-Mischung von Tabak und Kirsch- und Huflattichblättern in den Kopf
-stopft, das alles geschieht mit der gleichen Bedachtsamkeit, mit der
-er hinterher zu Zunder und Feuerstein und Stahl greift, Funken schlägt
-und langsam zu paffen beginnt. Ist nichts, das ihn zur Eile triebe oder
-ein Wellengekräusel verursachte auf dem abgeklärten Spiegel seiner
-Seele. Er steht über den Dingen. Und das Leben -- ach das Leben! Er hat
-abgerechnet mit ihm.
-
-Das Leben zieht draußen vorbei. Es geht mit Axt und Säge ins Holz.
-Fährt an zur Schicht in der Grube. Rollt auf Bauholzwagen straßab.
-Wetzt auf den Bergwiesen die Sensen ... Wann begann doch seins?
-
-Der Alte sinnt.
-
-Seine Gedanken spinnen einen langen Weg zurück. Es ist kein sanfter
-und weich gepolsterter Wiesenpfad, den sie wandeln. Sie müssen einen
-steilen Bergstieg hinab, über Steingebröckel und spitze Klippen und
-Schlackenhalden, durch Hohlwege und schwarzen Wald. Tief unten, wo der
-Weg beginnt, liegt im Talesgrund ein grünes Paradies voll Lust und
-Vogelsang: seine Kinderzeit. Ein Nebel breitet sich darüber. Zu früh
-hat er draus fortgemußt. Über kaum erblühte Blumen fiel Reif mitten im
-Frühling. Sie sind ungepflückt gestorben. Kein Traum macht sie wieder
-lebendig.
-
-Zehn Jahre war er alt. Des Vaters Taglohn reichte nicht für die
-Familie. Zwei Taler zehn Mariengroschen in der Woche, -- du lieber
-Gott! Und der Himten Herrenkorn war bald verzehrt. Blieb keine Wahl:
-die Kinder mußten mit ins Joch.
-
-Bergmannsjungen mußten Bergleute, Hüttenmannsjungen wieder Hüttenleute
-werden. Das war ungeschriebenes Gesetz im Harzheimatland. Zu beiden
-Berufen bildete das Pochwerk die Vorbereitungsstätte. Wurde aber keiner
-im »Pucherig« aufgenommen, der nicht zehn Jahre alt war ...
-
-Es kam auch keiner hinein, der sein Vaterunser nicht konnte und die
-zehn Gebote und das Einmaleins. Wer sich in solcherlei Dingen des
-Kopfes und des Herzens zur Zufriedenheit des Obersteigers auswies, der
-erst war würdig, staatlicher Pochjunge zu werden. Es waren bescheidene
-Rühmlein mit dieser Würde verbunden. Die Pochjungen brauchten nur
-Sonnabends zur Schule. Zu Fastlahm, dem Dankfest der Bergleute,
-durften sie mit Grubenkittel und Schachthut und Hinterleder beim
-Kirchgang den Großen vorangehen. Zum Johannistag steckte ihnen die
-Mutter Sirupsbranntwein in den Brotbeutel. Sie setzten mit dem ersten
-Anfahrtstage ihren Fuß auf die oberste Sprosse der Leiter, die zu
-Silber und Blei in den Berg hinabführt. Der Weg bis dahin freilich war
-weit. Ruhm und Ehre heischten harten Tribut. Und zuvörderst stand die
-Leiter noch im Pochwerk.
-
-Mit dem Morgengrauen begann die Fron. Der Vorbeter im Zechenhaus konnte
-die Müdigkeit aus Kinderaugen nicht herausbeten. Wurden während der
-Arbeit die Kräfte schlaff oder wollte der Pochjunge Kind sein, wies ihn
-der Vogelpols des Steigers, die Klopfpeitsche, ins Joch zurück. Zwölf
-Stunden Scharwerken, Schmalzbrot im Brotbeutel, elf Pfennige Taglohn ...
-
-Sie schleppten ihre müden Glieder nach Haus. An Blumenblühen und
-Vogelsang und Sonne und allem vorbei, was Kinderherzen erfreut.
-
-Wem harte Faust im Nacken sitzt, dem stirbt die Jugend rasch. Das
-Pochwerk zerstampft Stein und Erz und Kinderherzen. Und hinter
-Schlackenkarren und Erzhunden wird der Mensch nicht jünger. Was
-übrigbleibt an Lebenskraft, nimmt bei dem einen der Schacht, dörrt bei
-dem andern der Schmelzofen aus.
-
-Des Alten Weg führte nicht über Sonnenhalden. Nun ist er über den Berg.
-Die Sonne freilich ging derweilen jenseits hinab. Just ein Fünklein
-warmen Abendscheins kann er noch erhaschen. Im Antlitz des sinkenden
-Lichts stößt er den Stecken in die Erde. Ein müder Pilgersmann. Sein
-Ränzel ward auf der langen Bergfahrt leer. Er muß den Leibriemen enger
-schnallen. Blieb nichts im Sack als ein Stück Gnadenbrot und armselige
-Habe: ein Päcklein Tabak, eine Scheibenbüchse, die sein Arm nicht mehr
-halten kann, eine Harzzither, darauf die Saiten zersprangen ...
-
-[Illustration]
-
-Aber der Alte hat sich weise in sein Los gefügt. Grübeln und Grämen
-bringen verlorene Jugend nicht wieder. Er will beschaulich genießen,
-was ihm von Licht und Tag noch übrigbleibt. Er weiß: Wenn die Sonne
-fort ist, wird sich hinter ihr das schwarze Schachtloch Ewigkeit
-auftun. Dann wird er am Ziel sein. Bis dahin bewahre Gott uns allen ein
-fröhliches Herz!
-
-Wenn der Gnadenlöhner solcherlei Gedanken spinnt, ist in seinen Augen
-fernes Feierabendleuchten voll Güte und Milde. Und in seinem Blick
-ist jener Friede, der mit der Welt und allen Alltagsdingen darin
-abgerechnet hat und bereit ist, das Ergebnis dieser Rechnung dem
-Herrgott vorzulegen: Das Leben hat mir nichts geschenkt. Ich habe meine
-Pflicht getan.
-
-
-
-
-Glückauf, Alter Mann!
-
-
-[Illustration]
-
-Um die Bergstadt verstreut liegen seltsame Gesteinshalden. Auf den
-Wiesen einzelne, die meisten im Walde versteckt. Es sind die letzten
-Reste uralter Gruben.
-
-Der Fremdling übersieht sie zumeist. Selten, daß sich einer wundert,
-woher so unvermittelt an einer Waldlehne oder einem Wiesenhang ein
-ebener Plan entsteht, der aus dem Berg herauszukommen scheint, sich
-vorschiebt und wieder jäh in den Hang hinabstürzt. Der Bergmensch aber
-weiß, daß er hier auf einem Stücklein Boden steht, das durch die Arbeit
-der Väter geheiligt ist. Vor langen Jahren haben sie hier nach Silber
-und Blei geschürft. Hoffnungsvolle Namen gaben sie ihren Gruben. Aber
-diese erwiesen sich nicht allezeit als Goldene Rose oder Schatzkammer,
-waren nicht immer Silberlilie und Treuer Friederich; blinkten auch
-nicht auf die Dauer wie eine Engelskrone oder der Morgenstern. Und die
-Gnade Gottes und Gottes Segen waren ihnen nicht allen beschieden. Nicht
-überall lohnte die Ausbeute. Die Zubuße war größer denn der Gewinn.
-Dann versuchten die Alten ihr Glück an anderer Stelle. Das Gebirge
-reichte weit. Erz wuchs in jedem Berg. Sie gruben in den Oberschichten
-des Gesteins. Sie stiegen viele Lachter tief in die Erde hinab. -- Alle
-diese Gruben sind vergessen. In den Chroniken des Harzheimatlandes
-heißen sie in ihrer Gesamtheit: Der Alte Mann.
-
-Der Alte Mann waren aber auch die ersten Bergknappen, die die Hoffnung
-auf blinkenden Segen in die Harzberge lockte. Sie brachten ein regsames
-Getriebe in den stillen Wald Hercynia. Der Schwarze Tod entriß ihnen
-Schlägel und Eisen. Krieg und Not verschüttete die Gruben.
-
-Die nachfolgenden Geschlechter gingen mit frischem Hoffen ans Werk.
-Sie gruben, wurden fündig, teuften ab und begruben wieder. Manche
-leuchtende Silberader schlug man an. Viele blanke Taler wurden geprägt,
-von denen Seine Hochfürstliche Gnaden, der Herzog von Braunschweig
-und Lüneburg, den Zehnten in sein Säckel taten. Dann traf man beim
-Weiterbauen auf taubes Gestein. Oder Wasser und Widerwärtigkeiten
-geboten Feierabend. Die Gewerkschaft nahm ihr Gezäh und wanderte
-weiter. Die alten Gruben blieben vergessen liegen. So liegen sie heute
-noch. Stollen und Schächte stürzten ein. Das wertlose Gestein aber,
-das aus ihnen zu Tage gefördert wurde, lagert an der alten Stätte wie
-ehedem.
-
-Jahrhunderte sind seither über die Halden hinweggegangen. Moos und
-Gras haben sie zugedeckt. Wälder wuchsen darauf. Wälder wurden gefällt
-und wuchsen wieder. Und von den Menschen, die einst diese »Hallen«
-aufstürzten, blieb im Harzheimatland nichts als ihre Sprache, die
-hart ist wie Fäustelschlag. Und eins noch hinterließen sie: den Mut
-eines zähen Tiefenbezwingertums. Ihre Nachfahren sind ein furchtloses
-Bergmannsgeschlecht geblieben, das stolz ist auf einen Beruf, der
-geliebt und verstanden sein will und von dem sie singen:
-
- Gott hat uns einst die Gnad’ gegeben,
- Daß wir vom edlen Bergwerk leben ...
-
-Wenn ich auf verfallener Halle stehe, beginnt alte Zeit zu erzählen.
-Dort muß der Stollen gewesen sein. Eine verwaschene Runse am Hang, die
-unvermittelt abbricht. Die Schachtstangen, die ihn einst stützten,
-sind morsch zusammengeknickt und vergangen. Das Erdreich stürzte
-nach. Das Loch im Berg tat sich zu. Das Stollenwässerchen suchte
-sich einen Weg und blieb als Bergquell zurück. Über die Runse wuchs
-Moos. Fichtennadeln stäubten hernieder. Rippenfarn und Weidenröschen
-siedelten sich an. Wind wehte Tannzapfensamen herbei. Lustig sproß
-ein Fichtenhorst empor und überdeckte das bloßliegende Gestein.
-Die schartige Wunde am Berg verheilte zur Narbe. Und auch über die
-Steinhalden wuchs der Wald. Moos und Tannennadeln wieder polsterten
-das Gerümpel aus. Fichten krallten ihre Wurzeln tief hinein. Wo am
-Steilhang der Halle ein Regensturz das neue Erdreich wegwusch oder ein
-Hirsch seine Fährte durch die Oberschicht drückte, schimmern graue
-und weiße Steine her. Das Berg, heißt es der Bergmann. Kalkspat,
-Schieferspat, sagt der Gelehrte. Die Bergkinder aber suchen an solchen
-Stellen nach einem Glänzlein Kupferkies oder Zinkblende und sind
-glücklich, »Goldsteine« gefunden zu haben.
-
-Um die Halden schleicht der Fuchs. Über Pfifferlingen und Reizkern
-wölben sich Fichten. Junge, in denen das Rotkehlchen singt, alte, in
-deren Zweiggewirr Eichhörnel hupfen. Die Arbeit des Alten Mannes hat
-ein Waldidyll übersponnen.
-
-Manchmal streicht in dunklen Nächten der Bergmönch hier vorbei. Sein
-silbernes Geleucht blitzt durch das Holz. Am St. Barbaratage aber
-läutet heimlich dort ein Schachtglöcklein. Wer Märchenohren hat, der
-hört es ...
-
-So oft ich an solcher Stätte weile, muß ich still sein. Mir ist, als
-täte sich der Berg auf. Weit hinten im schwarzen Loch des Stollens
-sehe ich Grubenlichter flackern. Hämmer sausen auf Handbohrer hinab.
-Eisen klingt auf Eisen den harten Takt der Arbeit vor Ort. Spitzhacken
-knirschen sich in das Gestein. Polternd gehen felsige Wände nieder.
-An den Seiten des Stollens sickert Wasser herab, perlt in klingenden
-Silbertropfen von der Decke und kommt als Bächlein zu Tage. Auf der
-Stollensohle bilden Bretter einen ebenen Weg. Schiebkarren rollen
-darauf aus der Tiefe hervor. Urväter begrüßen mich mit geisterhaftem
-Glückauf. Auf Schachthut und Hinterleder und Grubenkittel klebt
-feuchter Schmutz. Sie schieben den schweren Karren auf die Halde
-hinaus. Bollernd stürzt das Gestein den Hang hinab ...
-
-Glückauf, Alter Mann!
-
-Deine Hände sind voll Schwielen. Der Berg hat dich bleich gemacht.
-Deine Augen blicken ernst. Harte Arbeit grub harte Falten in dein
-Gesicht. Bergmannsarbeit ist immer Last gewesen. Dem Knappen von heute
-hat die Neuzeit hilfreiche Handhaben gegeben. Ihr jedoch waret auf euch
-selbst gestellt. Ihr wußtet nichts von Bohrmaschinen und Preßluft.
-Jedes Loch in Felsenwand mußte die Eisenkraft eurer Hände und Arme
-ertrotzen. Euch trug keine Fahrkunst hinab in Schachtes Tiefen. Für
-euch gabs nur den Sprossenweg der Leiter, die Fahrt, auf denen eure
-müden Beine aufwärts und abwärts stiegen viele Lachter. Euer Beutelchen
-Schwarzpulver war schwach. Es sorgte dafür, daß der Arbeit genug
-übrigblieb. Dynamit und Donarit schaffen euren Nachfahren reinere
-Tafel. Und was ihr fördertet, nahm euch keine leicht dahingleitende
-Feldbahn ab. Euch blieb nichts, als das Sielen über die Schulter zu
-schlagen und den Karren in die Hand zu nehmen oder die Faust um den
-Griff des Göpels zu spannen, der ächzend den Erzeimer emporwand.
-Kein Förderseil, bewegt durch die Kraft einer Maschine und gebändigt
-durch einen Hebeldruck, glitt hinab in die Tiefe. Unten glühte kein
-elektrischer Faden. Kein Karbidlicht warf grellen Schein auf marmorne
-Erzadern. Zu eurer Arbeit leuchtete nichts als das schwelende Flämmchen
-eurer Unschlittlampe. Das armselige Geleucht ist ein Bild eures Lebens
-gewesen.
-
-Nun seid ihr lange eingefahren zur letzten Schicht. Ob ihr den
-Bergmannstod starbt tief unter der Erd’ und man euch im weißen
-Sarg nach Hause trug, ob eure bergsüchtige Lunge auf dem Strohsack
-verröchelte, -- wer weiß, wo ihr euren Feierabend fandet. Über eure
-Schächte ging die Zeit. Erde deckt Mühsal und Last. Erde deckt alles
-Hoffen auf Goldene Rose und Silberlilie.
-
-Aber die Gnade Gottes mag mit euch sein. Und der Morgenstern möge euch
-leuchten wie ein gleißender Anbruch im Schacht.
-
-Reicht mir die Schwielenfaust:
-
-Glückauf, Alter Mann!
-
-Mein Gruß ist Hochachtung und Ehrfurcht.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Schpinne
-
-
-Weiß der Himmel, wie sich der gute Alte diesen Spitznamen erworben hat!
-
-Die Spitznamen im Bergstädtchen sind nicht immer Liebkosungen. Sie
-verlieren zwar mit der Zeit Sinn und Ätze. Kein Mensch denkt sich etwas
-dabei. Aber sie bleiben an ihrem Träger haften wie Vogelleim und erben
-sich fort auf Kindeskind.
-
-Wenn einer damals in der Bergstadt nach Herrn Karl Riese gefragt
-hätte, wäre er lange irre gegangen. Und die Bergstadtleute hätten die
-Gegenfrage gestellt: Welchen Riesen meinen sie, den, den, den oder
-den? Fünfe, sechse, hätten sie hergezählt und an jeden ehrsamen Namen
-Riese ein Anhängsel mit Eigenprägung gehängt, das sie alle säuberlich
-auseinanderhielt.
-
-Hätte darum der Fremdling gefragt: Wo wohnt der Riesen-Schpinne? dann
-würde das eine eindeutige Frage gewesen sein, die über den Gesuchten
-keinen Zweifel übrigließ. Und jedes Kind auf der Gasse wäre mit dem
-Bescheid zur Hand gewesen: Beim Bruch-Guste!
-
-Das war nun freilich auch noch keine klare Ortsbezeichnung. Aber der
-Bruch-Guste ihr Haus war leicht zu finden.
-
-Von der Straße im Tal zweigt sich ein Gäßchen ab. Es hupft mit einer
-klapprigen Holzbrücke über einen Bach und will hinauf zur Straße am
-Berg. Das Gäßchen muß aber einen Winkel machen. Denn just hinter der
-Brücke steht ihm das Haus von der Bruch-Guste im Wege. Das steht dort
-ganz allein und betrachtet aus seiner Zurückgezogenheit mit stillem
-Schmunzeln die Hinterseiten der Häuser auf der anderen Seite des
-Baches. Mit einem Auge kann es gerade noch durch die Gasse zur Straße
-gucken. Neben dem Steintritt mit der hölzernen Bank läßt ein Brünnlein
-sein Kristallwasser in einen uralten Eichentubben pladdern.
-
-Dies Haus gehörte der Bruch-Guste.
-
-Dem Zufall, daß es an einer bruchigen Wiese stand, verdankte seine
-Eigentümerin ihren Beinamen.
-
-In dem Haus am Bruch trieb die gute Frau Guste eine fleißige
-Milchwirtschaft. Es roch dort immer nach Buttermilch und Molken.
-Wenn die auf die Diele führende Stalltür offen stand, wehte warmer
-Stalldunst dazwischen. Dieser Mischduft gehört in meiner Erinnerung
-untrennbar mit jenem Haus zusammen, in dem eine Treppe hoch mein Freund
-Riesen-Karel, genannt Schpinne, zur Miete wohnte.
-
-Seine Stube war, wie die meisten Bergmannsstuben im Bergstädtchen, halb
-Gebrauchszimmer, halb unantastbare kalte Pracht.
-
-Die Alltagshälfte lag im warmen Bereich des Ofens. Im Ofenwinkel
-stand das schwarze Waschbecken aus Gußeisen. In dieser Ecke geschah
-nach vollendeter Schicht die gründliche Reinigung vom Schmutz der
-Grubenarbeit. Dann wurde das gestreifte flanellene Arbeitshemd an
-den Ofen gehängt und mit Feierabendshemd und Kamisol vertauscht.
-Auf der anderen Seite des Ofens, wo der Eßtisch seinen Platz hatte,
-wartete währenddem schon der Kaffee mit der eingebrockten Semmel. Zum
-Eßtisch gehörten zwei Bretterstühle. Die paar Rohrstühle in der guten
-Stubenhälfte wären für den Eßtisch zu schade gewesen.
-
-Überhaupt diese Sonntagshälfte!
-
-Die Mutter Riesen hielt auf peinlichste Ordnung in ihrem
-Schmuckkästlein. Es war kein Fältchen in der Kommodendecke. Die
-Kalkspat- und Zinkblendedrusen darauf und die Glaskugeln hatten immer
-den gleichen Platz. Die Lichtbildständer auf dem runden Sofatisch
-mußten ihre Füße immer genau in dieselbe Stelle der Damastdecke
-drücken. Und die Mutter Riesen hätte nicht schlafen können, wäre nicht
-der Kattunüberzug über dem Sofa nach jedem Feierabendschläfchen des
-Alten erst wieder säuberlich glattgezupft worden.
-
-Zwischen ein paar Sechser- und Achtergeweihen an der Wand tackte eine
-Schwarzwälderuhr. Der Schatten ihres Messingpendels tupfte an den
-Kerbschnittrahmen eines vergilbten Soldatenbildes, an dem eigentlich
-nur noch ein roter Uniformkragen und zwei schwarze Augenpunkte deutlich
-geblieben waren. Das war das Rekrutenbild meines alten Freundes.
-
-70 ist er mit nach Frankreich gewesen. Auch Anno 66 hat er mitgemußt.
-Aber die Preußenkugeln hörte er nicht pfeifen. Sein Marsch nach
-Langensalza fand frühzeitig ein Ende. Wenn er damals für sein
-Hannoverland keine Lorbeeren pflücken konnte, blieb er ihm doch im
-Herzen treu. Zuweilen versuchte er mit invaliden Knochen noch einmal
-einen preußischen Parademarsch. Aber seine Gedanken verloren sich
-dabei zurück in seine Soldatenzeit unter dem blinden König. Da ging es
-lustig zu, wenn in den Heidemanövern die »Attolerie« mit »grasgriene
-Äppel« schoß, -- wahrhaftigen Gott! Des Alten Augen leuchteten. Und
-wie lautgewordenes Erinnern summte die alte hannoversche Soldatenweise
-durch seinen Bart: »O Hannes, wat ’en Haut!« Wenn die Rede auf 66 kam,
-grollte er. Es blieb kein gutes Haar an den Preußen. Als der Urheber
-des Unglücks aber galt für ihn unumstößlich der General Manteuffel.
-»Wenn dar verfluchte Manteiffel net gekumme wär!«
-
-Um Langensalza wob er eine strahlende Gloriole. Der Ort hatte etwas
-Heiliges für ihn, von dem er nur in Verehrung sprach. Aber immer und
-immer wieder flackerte in seine Welfenandacht der Name Manteuffel
-hinein wie ein rotes Tuch, das seinen Haß herausforderte.
-
-Da mochte er ein anderes und wirkliches rotes Tuch lieber. Das war sein
-Scheibenweiserrock. Der Alte bekleidete bei der Schützenbruderschaft
-den löblichen Posten eines Scheibenweisers. Wenn er Sonntag
-nachmittags den roten Rock angezogen hatte und die weiße Hose
-dazu, sah er prächtig aus. Zur Uniform gehörte eine schwarzsamtene
-Parforcejagdmütze. Und wenn der Alte noch lange Lackstiefel getragen
-hätte, hätte man ihn für einen richtigen Parforcereiter halten können.
-Die krummen Beine freilich und der Struppelbart wollten nicht recht zu
-der stolzen Tracht taugen. Aber diese Umstände taten meiner Bewunderung
-für meinen Freund keinen Abbruch. Es war immer ein kleiner Festzug,
-wenn im Sommer die beiden Scheibenweiser Sonntag für Sonntag die
-funkelnagelneuen Scheiben vom Tischler holten und im Trommeltakt des
-Schützentambours zu den Scheibenständen zogen. Abseits von jedem Stand
-lag ein Steinhäusel für die Scheibenweiser. Wenn die Scheiben befestigt
-und Pflockkasten und Nummerntafeln an Ort und Stelle gebracht waren,
-verkrochen sich die Scheibenweiser in ihrem steinernen Unterschlupf wie
-Mauerspinnen.
-
-Manchmal durfte ich mit ins Scheibenweiserhäusel. Diese Gunst machte
-mich stolz und glücklich.
-
-Kinder schöpfen ihr Glücklichsein aus bescheidenen Dingen. Wenn
-ich mich in der Erinnerung zu meinem rotrockigen Freund ins
-Scheibenweiserhäusel zurückversetze, wirds mir warm ums Herz. Ein
-Spürlein Glück blieb hangen. So muß es echt gewesen sein.
-
-Und ich kam mir sehr wichtig vor, wenn ich dem Alten einen Holzpflock,
-eine Nummerntafel zureichen durfte. Wenn ein Schuß fehlgegangen war,
-winkte er pfiffig ab. Konnte er aber eine 20 anhängen, schwenkte er
-mit einer Großartigkeit ohnegleichen seine Mütze. Tupp-tupp-tupp wurde
-schnell das Loch zugeklopft. Dann gings im Laufschritt zurück ins
-Häusel. Hinter den krummen Beinen wehte der Rockschoß wie eine rote
-Fahne.
-
-Als diese Beine zum Laufen zu alt und der Atem zu kurz geworden waren,
-zog mein Freund die Scheibenweisermontur aus und verschlief seine
-Sonntagnachmittage daheim auf dem Kanapee.
-
-Des Alltags aber war er der unermüdliche Schaffer in meinem Vaterhause.
-Es war nichts in Hof und Haus, an dem seine Hand nicht half. Und was er
-schuf, schuf er mit der Treue und Verläßlichkeit der Alten.
-
-Sein eigenstes Reich war unser Holzhof.
-
-Ich sehe ihn noch mitten zwischen Bergen geschnittener Scheite. Ich
-höre bei jedem Niedersausen der Axt oder des eisernen Fäustels ein
-hechelndes »hach, hach!« Und höre das knatternde Auseinanderbersten
-knorriger Stuken. Ein gottverdammter Fluch folgt, wenn die Keile nicht
-anziehen wollen und sich festbeißen in widerspenstigen Wurzelknorren.
-
-Von Zeit zu Zeit wendete er den Kopf zur Seite.
-
-Prtsch! gings dann.
-
-Das Priemen war des Alten einzige Leidenschaft. Das »Priemelbichsel«
-in seiner Westentasche, das so harzig war wie die Weste selbst,
-bildete sein Heiligtum. Er hätte es nicht missen können. Wenn er in
-die Westentasche griff, das einstige Pomadenbüchslein hervorzog und
-mühsam ein Endchen von der schwarzen Rolle abbiß, ging ein Behagen über
-sein Gesicht. »Wos muß der Mensch han!« Prtsch! Eher konnte er schon
-auf den Branntweinbuddel verzichten, den er heimlich in der Holzbanse
-versteckte. Von Zeit zu Zeit, wenn die Kehle zu trocken war vom
-Holzstaub, -- und Holzhacker haben gemeinhin trockene Kehlen, -- tat er
-einen geschämigen Schluck. Er vermißte den Nordhäuser nicht. Aber alle
-Vierteljahr einmal wurde der Alte schwach. Dann blitzten die kleinen
-schwarzen Augen noch feuriger unter dem Schirm seiner Baschlikmütze
-her. Das waren die Stunden, wo der Alte gern einmal wieder Parademarsch
-machte und sein Herz wieder jung wurde ...
-
-Dies gute, treue Herz, das so lebensfrisch klopfte in der invaliden
-Bergmannsbrust: »Junge, ich, -- ich schterb noch lange net!«
-
-Und ist doch bald gestorben.
-
-Als ich von seinem Tod erfuhr, war ich in der Fremde. Die Nachricht
-zerriß etwas in mir. Das blutete und schmerzte. Ich floh die Enge
-gleichgültiger Menschen. Auf einer Waldhöhe fand ich mich wieder.
-Einsamkeit war um mich her. In duftblauer Ferne weit hinten lagen die
-Harzheimatberge.
-
-In der Stunde, wo sie meinen alten Freund zu Grabe trugen, habe ich
-seinen Namen in die Rinde einer Wetterbuche geschnitzt ... Fremder ist
-mir die Fremde nur noch einmal gewesen: als man im Maienmond darauf
-auch meinen Vater begraben hatte.
-
-[Illustration]
-
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-
-
-[Illustration]
-
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-
-
-Der Jagder
-
-
-Lasterhafte Zungen reden ihm nach, er habe die Namen seiner dreizehn
-Kinder nicht gewußt. Aber er wußte, daß sie alle einen gottgesegneten
-Hunger hatten. Und noch besser wußte er, daß es ein Kunststück war, mit
-einem Bergmannstaglohn dreizehn hungrige Mäulchen sattzukriegen. Bei
-Kartoffeln und Salz und trockenem Brot werden die Wangen schmal.
-
-Es müßte dem Jagder kein Herz unter dem Kamisol geschlagen haben, wenn
-er nicht in sechsundzwanzig Kinderaugen den Hunger hätte flackern
-sehen. Aber er sah es gut genug. Und wenn er deshalb zu Zeiten
-seinen alten Vorderlader unter dem Heu hervorsuchte, Pulverhorn und
-Zündhütchen in den Brotbeutel steckte und auf verschwiegenen Pfaden in
-den Bergwald stieg, wars nicht die Jagdleidenschaft allein, die ihn
-hinaustrieb. Hunger tut weh.
-
-Es gehen im Bergstädtchen viele Geschichten um vom Jagder. Es hat
-sich um ihn ein krauser Kranz von Wahrheit und Dichtung und voll
-abenteuerlicher Romantik gewunden. Aber eins wissen alle Histörchen
-zu berichten: Daß er seinen Schild, wenn es auch ein unrechtmäßig
-geführter war, rein hielt. Er war keiner von jenen Aasjägern, die mit
-gehacktem Blei das Alttier vom Kalbe wegschossen und mit Wilpertfleisch
-Wucher und Schacher trieben. Er hätte auch den Finger nicht krumm
-gekriegt, wenn ihm ein hochbeschlagenes Muttertier vor die Flinte
-gekommen wäre. Denn er nahm neben Pulver und Blei sein Herz mit in den
-Bergwald.
-
-Er wußte jeden Wechsel im Revier. Kein Rudel war ihm fremd. Und knurrte
-der Magen zu sehr oder puckerte das Blut zu arg: er ging selten auf
-vergebliche Pürschen. Sein Vorderlader war von grausam großem Kaliber.
-Wenn er Dampf machte, ging ein Donnern über die Berge. Und wenn seine
-Bleikugel saß, saß sie gut und erlöste ihr Opfer rasch. Oder sie
-verprallte an irgendeiner Klippe, klatschte in irgendeine Fichte und
-tat keiner Kreatur ein Leid.
-
-Der Wald war des Jagders Kirche und Fleischkammer.
-
-Wenn Sonntags die Glocken läuteten, erreichte ihn ihr Klingen sicher
-irgendwo auf Bergeshöhen, wo er seine Waldandacht hielt auf seine Art.
-Nicht immer mit der gespannten Büchse, aber stets mit dem hellen,
-freien Auge des Naturmenschen, dessen Gott in Waldesmitten wohnt.
-
-Zeisige singen die Liturgie, Wald und Weite halten die Predigt.
-
-Und der Jagder ließ sie zu sich sprechen. Es war nicht jederzeit
-Hingabe und Genießen in dem wohlgepolsterten Kirchenstuhl des guten
-Gewissens. Denn nicht alle Sonntagmorgen gingen die Förster unten im
-Bergstädtlein zum Frühschoppen.
-
-Ja ja, die Grünen!
-
-Der Jagder gehörte nicht zu den Rabiaten. Er suchte im Guten mit ihnen
-auszukommen. Die Leute sagen, es sei sogar ein recht gemütliches
-Verhältnis zwischen ihm und den Förstern gewesen. Dennoch soll man
-sein Schicksal nicht herausfordern. So hielt es der Jagder als für das
-Klügste, im Revier weder Berufenen noch Unberufenen unter die Augen
-zu kommen. Wenn auf irgendeinem Waldwege, in irgendeiner Schneise das
-allerletzte Restlein eines Tabakwölkchens hängen geblieben war, stieg
-ihm ein unbehaglicher Verdacht in die Nase. Er wurde mißtrauisch wie
-der Fuchs, dem auf verbotenen Raubzügen die Witterung eines Menschen in
-den Windfang weht und der nun seine Vorsicht verdoppelt.
-
-Es wäre schade um den schönen Vorderlader! Sie haben ihn so manches Mal
-vergeblich gesucht ...
-
-War es nicht genug, daß sie ihm daheim so und so oft in die Kochtöpfe
-geguckt, Boden und Keller durchsucht und manche Spießerkeule
-mit fortgenommen haben? Wenn sie an seinem Häusel vorbeigingen,
-schnupperten sie, obs im niederwehenden Schornsteinrauch nicht nach
-Wilpertbraten duftete. Es war ein ewiges Mißtrauen zwischen ihnen. Und
-so konnten sie sich trotz aller Freundschaft eigentlich gegenseitig
-nicht gut riechen, der Jagder und die Grünen.
-
-Als sie es ihm zu bunt machten, vergrub er das Pökelfaß mit dem
-gesalzenen Wildfleisch säuberlich unter dem Moos eines Dickichts
-draußen im Walde. So fanden sie nichts mehr bei ihm. Aber das Pulver
-blieb trocken. Der Stutzen rostete nicht.
-
-Er prahlte nicht mit seiner Passion. Er machte auch keinen Hehl
-daraus. Sein Sonntagsstaat und Stolz war eine grüne Jägerjoppe
-mit Hirschhornknöpfen und der Schützenhut mit dem Birkhahnspiel
-hintendrauf. Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht ...
-
-Die Fensterläden seines Hauses, das sie im Bergstädtchen heute noch
-das Jagderhaus heißen, waren mit bunten Jagdbildern bemalt. Wenn ich
-als Junge am Jagderhaus vorüber mußte, waren diese Bilder mein ganzes
-Entzücken. Ich kenne sie alle noch: Den Schützen mit Bergmannskittel
-und Schachthut, der einen schwarzen Bart hatte wie der Jagder selbst,
-den Schweißhund, den flüchtenden Zwölfer (ha, der Stolz!), den
-Auerhahn. Jeder Fensterladen hatte sein Bild, und eins war immer
-schöner als das andere. Die Leute sagen, der Jagder habe die Grünen
-damit ärgern wollen. Ich glaubs aber nicht. Der eine freut sich an
-einem roten Schlips, der andere an einem armseligen Öldruck. Warum soll
-der Jagder nicht seine Freude an seinen Fensterläden gehabt haben?
-Sie waren sogar ein Stückchen Kunst, und ihr Ursprung war eine Liebe.
-(Wenns auch eine verbotene war.)
-
-Nun haben sie ihn lange begraben. Sie betten die Toten so, daß ihr
-Antlitz gegen Morgen gewendet ist. Von dorther grüßt den toten Jagder
-der Bergforst aus blauer Höhe. Es war sein liebstes Revier. Nichts
-Schöneres hätte er sich wünschen können, als den ewigen Schlaf zu
-schlafen im Angesicht dieser trotzigen Urwelt, der sein Herz gehörte.
-
-Auf dem Hai, das just über die Wälder der Vorberge herschaut, starb
-sein Enkel den Wilderertod.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Leimhus
-
-
-Der Leimhus führte seinen Namen mit Fug und Recht: Auf seiner Hose
-klebte ein zäher Überzug von Vogelleim. Er hielt auf Reinlichkeit. Es
-wäre nun aber lächerlich gewesen, zum Vogelstellen Seife und Handtuch
-mitzunehmen oder das Taschentuch, wenn er eins besessen hätte, zu
-solchen Zwecken zu mißbrauchen. Weil es jedoch unbehaglich war,
-mit zusammengeklebten Fingern hantieren zu müssen, wischte er die
-leimbeschmutzten Hände an der Hose ab. Vogelleim trocknet schlecht.
-Dieser Umstand bedingte einen häufigen Wechsel der Wischstellen.
-Die Hände fühlten schon den Platz heraus, der jeweils am Hosenboden
-oder Hosenbein am trockensten war. So bildete sich mit der Zeit eine
-Pechhaut von bewundernswerter Gleichmäßigkeit auf der Hose. Und durch
-solcherart Imprägnierung bekam sie unschätzbare Eigenschaften. Sie
-zerriß nie, war undurchlässig für Luft und Zug, konnte stehen und
-glänzte wie Leder.
-
-Dies berühmte Beinkleid gab seinem Träger seinen ebenso berühmten Namen.
-
-Leimhus war der zünftige Vogelsteller. Er übte diesen dunklen und nicht
-unter dem Schutz des Gesetzes stehenden Beruf hauptamtlich aus. Wenn er
-ein Aushängeschild nötig gehabt hätte, hätte es folgendermaßen aussehen
-müssen:
-
- ~C. LEIMHUS~
-
- ~Vogelstellerei und Vogelhandlung.
- Erstklassige Waldvögel, nur prima Sänger.
- Besichtigung frei!~
-
-Ein solches Schild hätte aber zuviel ausgeplaudert. So blieb es
-klüglicherweise ungemalt.
-
-Leimhus hatte seine Mietsstube im Jagderhaus. Der Wildschütz und der
-Vogelsteller paßten gut zueinander in diesem Krähennest, in dem man
-noch weniger als anderswo Veranlassung hatte, sich gegenseitig die
-Augen auszuhacken. Das Jagderhaus ist das allerletzte und allerhöchste
-Häusel im Bergstädtchen. Daß Leimhus gerade dort seine Behausung
-auftat, hat er nicht des Himmels Fügung allein überlassen. Hier oben
-war er mit des Herrgotts Vogelgarten in engster Fühlung. Wiesen guckten
-zum Fenster herein. Dazwischen eingestreut lagen Kartoffeläcker, auf
-denen es sich im Herbst wunderschön Stieglitzen und Hänflinge stellen
-ließ. Ganz nahe rauschte der Wald. Man konnte das Zeisigsingen dort,
-den Schlag der Finken und das Jiffen ziehender Kreuzschnäbel im
-Jagderhaus hören. So saß der Leimhus mitten im Revier. Und das Schönste
-an seiner Behausung war, daß sie sich herrlich schnell und ohne
-allzu heiße Sohlen erreichen ließ, wenn irgendwo auf grüner Flur die
-Helmspitze des Landjägers blänkerte und die Luft nicht sauber war.
-
-Er hatte die schwärzesten Erfahrungen mit den Hütern der Ordnung
-gemacht. Gendarm und Förster waren seine geschworenen Feinde. Er ging
-ihnen aus dem Wege wie eine Katze, der böse Buben den Schwanz geklemmt
-haben. Beim Vogelstellen hatte er seine liebe Not, auf Stellbusch
-und Leimruten zu achten und gleichzeitig Umschau zu halten nach
-Störenfrieden in hellgrüner oder dunkelgrüner Uniform. Sie hetzten ihn.
-Sie nahmen ihm die Lockvögel fort. Sie waren Schuld daran, daß er mit
-grausamer Regelmäßigkeit Jahr um Jahr vor das Schöffengericht mußte
-»wegen unerlaubten Vogelstellens im Rückfalle«. Dann sahen ihn die
-Bergstadtleute für ein paar Wochen nicht. Es blieb aber nicht immer bei
-Wochen. Als er damals einen harmlosen Quäker als Nachtigall verkaufte,
-kams schlimmer. Der Amtsrichter zeigte keinerlei Verständnis für
-Leimhusens Großzügigkeit und diktierte ihm im Namen des Gesetzes einen
-langen Urlaub von Leimbüchsel und Jagderhaus.
-
-Des alten Sünders schwarzes Gewissen ward durch die aufgezwungene Muße
-nicht weißer. Als er heimkehrte, legte er sich auf die Kunstfertigkeit,
-aus wertlosen Zeisigweibchen gutbezahlte Zeisigmännchen zu machen.
-Dieser Gedanke war so großartig wie einträglich. Seine Ausführung
-erreichte er auf einfachste Weise: er träufelte ein wenig Leinöl
-auf die Unterseite einer Bratpfanne, verrieb das Öl mit dem an der
-Pfanne haftenden Ruß und strich mit der Fingerspitze der Zeisigsie ein
-kunstgerechtes schwarzes Plättchen über den Kopf. Durch diesen Schmuck
-ihrer männlichen Artgenossen lernten freilich die Zeisigweibchen das
-Singen noch lange nicht. Aber sie gaben ihren Besitzer einer angenehmen
-Täuschung hin.
-
-Nun ist jedoch ein Zeisig ein ehrliches Waldkind. Er läßt sich auf
-die Dauer nicht mit fremden Federn schmücken. So hielt das künstliche
-Plättchen längstens bis zur nächsten Mauserung. Es wuchs wieder ein
-bescheidenes graues Grün über die Stirn des Zeisigweibchens. Manchem
-Käufer ging alsdann ein ahnungsvolles Lichtlein auf. Die Gutgläubigen
-freilich haben das Leimhusensche Kunststück nicht begriffen. Es war auf
-längere Sicht bemessen und immerhin dauerhafter als ein anderes, das
-er mit einer Gimpelsie anstellte. Die Gimpelsie sollte ein Gimpelhahn
-werden. Leimhus malte ihr eine wunderschöne kardinalrote Brust an.
-Der Herrgott im Paradies hätte es nicht besser machen können. Der
-Käufer der Dompfäffin aber war unbarmherzig genug, den Vogel eines
-Tages im Regen stehen zu lassen. Der Regen wusch den roten Kardinal
-wieder grau. Die Kunstfertigkeit ging zuschanden, -- und des Leimhus
-Sündenbündel war voll.
-
-Hinterher hat er nur wieder zu Pinsel und Farbtopf gegriffen, wenn er
-daheim in seiner Stube hockte und Vogelhäusel anstrich.
-
-Seine Stube war eine lebendige Vogelhecke voll Flispern und Flattern.
-In ihr gediehen außer acht Menschlein ein halbes hundert Waldvögel.
-Tat man die Tür auf, blaffte dem Eintretenden ein greifbar dicker
-Dunst entgegen. Einen Augenblick blieb man im Zweifel, ob man zuerst
-über die Luft staunen oder aber den Lärm bewundern sollte, der mit
-gleicher Ungeheuerlichkeit aus Leimhusens Bude drang. Das war ein
-Gedüdel und Trätschen, Zwitschern, Pfeifen, Flöten, als wenn alle
-Vögel des Bergwaldes zum Wettbewerb angetreten seien. Und war doch
-weiter nichts als Verzweiflung, Sehnsucht und Leid. Eine menschliche
-Unterhaltung konnte in dem wirren Durcheinander nur auf geräuschvolle
-Weise geschehen. Wer draußen vorüberging und das Prahlen und Belfern in
-der Vogelbude hörte, mochte meinen, es entlüde sich dort ein häusliches
-Gewitter. Das war durchaus nicht immer der Fall. Es ist nicht leicht,
-sich harmlos zu unterhalten, wenn fünfzig Vogelkehlen dareinreden.
-
-Alle die Stimmen, die dort aus Drahtkäfigen und Holzbauern sich ein
-Wörtlein mitzusprechen erlaubten, konnten sich hören lassen. Es waren
-nicht die Schlechtesten, die Leimhus in Kost und Unterkunft behielt.
-Jeder Waldsänger, der unter seine Botmäßigkeit geriet, wurde auf Herz
-und Nieren geprüft. Leimhus führte über seine Gäste ungeschrieben Buch.
-Eine Art Wertliste, in der jeder nach Kunst und Gaben seinen Platz
-angewiesen bekam. Wer auf dieser Wertliste zu unterst stand, stand
-auf der Verkaufsliste sicherlich zu oberst. Dies Verfahren wich zwar
-erheblich von ehrsamen Geschäftsgrundsätzen ab. Aber Vogelsteller haben
-ihre eigene Moral, und Leimhus hatte die allereigenste. Er machte es
-umgekehrt wie die Schuster, die die schlechtesten Stiefel für sich
-behalten.
-
-Zu seiner Ehrenrettung soll jedoch gesagt sein, daß es leichter ist,
-mit Bedacht ein paar gute Stiefel herzurichten, als es dem Zufall
-überlassen zu müssen, ob einem gute oder schlechte Vögel auf die
-Leimrute flattern.
-
-Mit dem Wörtlein gut oder schlecht waren Leimhusens Urteile indes nicht
-abgeschlossen. Seine Ohren hörten unendlich fein und waren strenge
-Kritiker. Der Außenstehende hatte Mühe, in die Mysterien des Vogelsangs
-einzudringen und all die kniffligen Unterschiede zu begreifen, die der
-Vogelsteller beachtete. Wenn dem Laien aus Baumesgrün herab ein Fink
-zujubelt, freut er sich darüber und sagt: Hört doch den Finken an!
--- weil er gemeinhin nur eine Art von Finken kennt. Leimhus dagegen
-hätte sogleich die Ohren gespitzt. Und sogleich wäre auch das Finklein
-säuberlich in die ihm gebührende Rangordnung eingefügt worden. Denn bei
-Leimhus hatte die Gattung Buchfink im Gegensatz zu allen Naturforschern
-der Welt mindestens sechs Unterarten. Er schied sie reinlich danach
-auseinander, ob ihnen der Herrgott einen Schlag mehr oder weniger,
-grober, feiner, heller, dunkler, dünner oder voller in das Kehlköpflein
-gelegt hatte.
-
-Da war zunächst der König unter den Finken, der Reiterjakzieher oder
-Reiterfexier. Er führte auch den stolzen Namen Rollreiter. Sein Schlag
-war Schmettern und Rollen: zizizirrrrrreiterjakjakjakzirkel! Er konnte
-die Finkennarren im Harzheimatland um die Ruhe bringen. Um seinetwillen
-vergaßen sie Essen, Trinken und Schlafen.
-
-Dem Rollreiter folgte in der Rangordnung der kleine Weide. Er trug sein
-Verslein zierlich und manierlich vor: widdewiddewiddedadadaweitakel!
-
-Dann kam der grobe Weide: üüüschorschorweitakel!
-
-Und der Buschgefärr: zizizibuschgefärr!
-
-Diese vier waren in den Augen des Vogelstellers der Beachtung wert. Was
-dann aber aus der Gattung Fink etwa noch sang: ziziziquatschmarakel!
-oder: latschlatschlatschzwetschenkern! oder: üsüsüsjebzwiakel! oder:
-ziziziweinzieher! -- das alles war minderwertig und kam unter die
-anrüchige Rubrik: Latscher.
-
-Auch die Kreuzschnäbel waren nicht alle in die gleiche Gesangsschule
-gegangen: Ripp-ripp-ripp! machte der Ripper, ein helles
-Kliff-kliff-kliff! der Kliffer. Der beste Lockvogel unter ihnen war der
-Klitscher: Klitsch-klitsch-klitsch!
-
-In solcher Art war alles, was an Finken und Grünitzern, Zeisigen,
-Rotkehlchen, Hänflingen, Stieglitzen, Gimpeln, Zwunschen, Quäkern,
-Zetschern und Lessigen in Leimhusens Vogelbude hing, nach Klasse und
-Rasse und Rassigkeit wohlgeordnet und unterschieden.
-
-Ihrer Wertordnung entsprechend war auch das Verhältnis, das Leimhus
-zu jedem einzelnen seiner Pflegebefohlenen einnahm. Wenn er die
-Futtertüten aus der Ecke holte und mit zerbeultem Zinnlöffel dem einen
-Mohn, dem anderen Rübsamen ins Näpfchen schüttete, hatte er für alle
-ein Wörtlein bei der Hand. Diese einseitig geführte Zwiesprache war
-nicht immer freundlich. Manchmal lag eine Art rauher Herzlichkeit
-darin, sprang auch wohl ein Fünklein Seele hinein. Sie wurde um so
-wärmer, je mehr der kleine Sänger das Wohlwollen seines Brotherrn besaß.
-
-Kumm, Hansel! Host schien gesunga. -- Un du, Kläner, host gestern fein
-gelockt, -- heite kriegste än Happen meh’! -- Na, du nacketer Zessig?
-Singe witte net, oder frassen immerzu. -- Wos saht denn nu äner zu
-dissen Haneflig! Hot wieder dos ganse teire Futter verorzt. Wart,
-Jerrich, dich will ich Moses larna! Heite gitts nischt!
-
-So ließ er Sonne scheinen über die Gerechten und Donner poltern über
-die Ungerechten.
-
-Nach dem Füttern ward die bunte Schar nach draußen gehängt. Dann
-bekam jedes Fenster eine Umrahmung voll Farbe und Musik und hüpfenden
-Lebens. Sie verrieten die »Firma«. Leimhus brauchte ein Aushängeschild
-wirklich nicht. Ein werbenderes hätte sich auch schlecht denken
-lassen. Man sah nicht nur, daß es im Jagderhaus zweifellos Vögel zu
-kaufen gab. Gelegentlich konnte der Vorübergehende, wenn auch nicht
-sehr augenfällig, bemerken, daß der Vogelsteller auf Ergänzung seines
-Bestandes bedacht war. Hier und dort staken wie harmlose Zierate
-Leimruten an den Käfigen.
-
-Das war freilich nur geringfügiger Nebenbetrieb. Leimhusens hohe Zeit
-kam, wenn im Herbst die Vögel zu ziehen begannen.
-
-Das Herannahen des Vogelzuges war sozusagen zu riechen, -- das heißt,
-wenn einer in der Nähe des Jagderhauses wohnte. Zu pünktlicher Zeit
-traf Leimhus seine Vorbereitungen. Auf seinem Herd bruzzelte ein
-Eisentopf voll Leinöl. Das stinkende Räuchlein, das sich darüber
-bildete und zu Schornstein und Hintertür hinausstrebte, war
-schlechterdings von keiner Nase unbemerkt zu lassen. Dann schnupperten
-die Nachbarsleute, und über ihr Gesicht ging ein verständnisinniges
-Lächeln. Leimhus indes stand vor dem Herd und rührte und probierte
-und kochte so lange, bis das dünne Öl zum zähen Vogelleim
-zusammengeschmurgelt war. Er entnahm ihm mit einem Span eine Probe,
-prüfte sie sachgemäß zwischen zwei Fingern und verwahrte den klebrigen
-Klumpen im Leimbüchsel.
-
-Mit dem Leimkochen aber waren die Vorbereitungen zum Vogelfangen
-nicht erschöpft. Der Leimrutenvorrat mußte ergänzt werden. Dünne
-Salweidenruten wurden geholt, geschält und angespitzt, damit sie
-sich in die Dietle stecken ließen. Die Dietle waren Endchen von
-Himbeerzweigen, die wegen ihres weichen Marks als Hülse dienten und
-das Verbindungsstück zwischen Leimrute und Dorre herstellten. Dorre,
-so hieß der Stellbusch und war weiter nichts als ein dürres Buchen-
-oder Weidenbüschlein. Aber die Dorre war sperrig und verräterisch.
-Viel einfacher und unauffälliger war die Klatte. Eine Klatte sah ganz
-harmlos aus:
-
-[Illustration]
-
-Aber wenn sie aufgestellt und verbrämt war, ward sie zum
-Teufelswerkzeug:
-
-[Illustration]
-
-Wenn die Zugzeit begann, war Leimhus wohl vorbereitet. Früh, wenn im
-Bergstädtchen noch alles schlief, stand er auf und nahm Witterung.
-Schwamm Nebel über Wald und Wiesen und wehte der Wind aus Westen,
-schmunzelte er. Die Aussichten waren günstig. Er tappte in die
-Vogelbude zurück. Auch dort schlief noch alles. Nur der Kernbeißer
-war wach und warnte mit mißtrauischem hsp! hsp! Unsanft wurden die
-Lockvögel vom Nagel genommen und in Rucksack, Handkoffer oder sonst ein
-wenig verräterisches Behältnis getan. Ehe der Morgen graute, standen
-Lockvögel und Stellbüsche an ihrem Ort. Leimhus verzog sich in den
-Hintergrund.
-
-Im Aufstellen der Fanggeräte war er kein Pfuscher. Er verfügte über das
-nötige Pfündlein Erfahrung und wußte, daß Zeisige, Kreuzschnäbel und
-Dompfaffen nicht auf die niedrigstehende Dorre flogen. Deshalb wurden
-Klatte oder Dorre an eine Stange gebunden und hoch aufgerichtet. (Doch
-nicht zu hoch, die Feldpolizei hatte gute Augen!)
-
-Stieglitze und Hänflinge dagegen flogen gern zur Erde. Für sie blieb
-das Stellbüschlein, wohl gespickt mit Leimruten, am Boden stehen.
-Der Lockvogel stand daneben. Er sang sich das Leid und die Sehnsucht
-nach Freiheit aus der Brust. Sein Ruf ward vielen seiner Genossen zum
-Verderben. Was an Leimhusens Leimruten hing, war ihm verfallen. Die
-Gefangenen wurden herabgenommen und in den Brotbeutel gesteckt. Damit
-war ihr Los entschieden: ade Wald, Sonne, Freiheit! Fortan spann sich
-ihr Leben ab auf zwei armseligen Sprunghölzchen. Ein enger Käfig voll
-Schmutz und Ungeziefer war ihre Welt. Die Schwingen, fröhlichen Flug
-gewohnt durch Luft und Wälderweite, flatterten sich am Käfiggitter
-blutig. Das Gefangensein wurde langsame und grausame Hinmarterung.
-
-Viele freilich zogen das bessere Los und starben, ehe sie noch der
-Vogelsteller daheim aus dem Brotbeutel nahm. Ungezählt viele, die der
-Herrgott schuf dem Wald zur Lust und _allen_ Menschen zur Freude. Sie
-wurden Opfer der Tücken eines Herzlosen.
-
-Ob die kleinen Toten ihn nicht wie eine furchtbare Anklage umschwirrt
-haben, als auch dem Leimhus sein Stündchen schlug? Ob das Gewissen
-lebendig wurde, als das Leben sterben wollte?
-
-Irgendwo in der Fremde ist er verkommen. Unstät, heimatlos. Im
-Bergstädtchen wußte keiner, wo er geblieben war. Saß er im Gefängnis?
-Zog er mit der Vogelkiepe durchs Land?
-
-Derweilen sie sich noch die Köpfe zerbrachen, pilgerte seine Seele
-dunkle Pfade, die nicht heimkehren ins Jagderhaus. Er drehte keine
-Leimruten mehr auf. Nahm auch keine mehr zwischen seine Zähne und
-zog mit dem Schuhriemen den Leim wieder von den Ruten. Seine Lippen
-spitzten sich nicht mehr zum Lockpfiff.
-
-Als er vor die Himmelpforte kam, hat ihn der Herrgott jämmerlich an
-beiden Ohren gezaust.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Der Sünderwinkel
-
-
-Der liebe Gott kann nicht gegen sein gütiges Herz. Er müßte ja
-sonst nicht der liebe Gott sein. Und so kam Leimhus trotz seines
-umfangreichen Sündenregisters schließlich doch in den Himmel.
-
-Aber der Himmelsvater mochte ihn nicht gerade im Allerheiligsten
-behalten. Er ließ ihm abseits ein Plätzlein anweisen, das für den alten
-Sünder würdig genug erschien. Leimhus kam in die Ecke, wo Frevler
-ähnlichen Schlages der Läuterung unterzogen wurden und warten mußten,
-bis sie zu richtigen Engeln wurden. Damit hatte es bei vielen sehr
-lange Weile.
-
-Gewissermaßen als Sündenspiegel war über der Pforte zu jenem schwarzen
-Winkel ein Schildlein angebracht. Und darauf stand zu lesen:
-
- Fischefangen und Vogelstelln
- Verdarb schon manchen Junggeselln.
-
-Es waren aber nicht nur Vogelsteller und Forellenstecher dort.
-Holzdiebe, Finkenblender, Dohnensteller und Wildschützen machten die
-Runde voll. Und es traf sich, daß der Leimhus viele bekannte Gesichter
-aus dem Harzheimatland dort wiedersah. Als ob der Herrgott eigens für
-die oberharzischen Sünder einen besonderen Raum geschaffen hätte.
-Das war auch so. Und damit hatte es folgende Bewandtnis: Der liebe
-Gott hatte sie zuerst alle recht schief und böse angeguckt, als sie
-oben um Einlaß baten. Aber da er einsah, daß er eigentlich selbst
-Schuld war an ihren Vergehen, indem er sie unten auf der Erde in ein
-so verführerisches Stücklein Natur setzte, in welchem allenthalben
-die Hirsche springen und Vögel singen und der Wald wächst und in den
-Bächen die Forellen schnappen, -- indem der Himmelsvater solcherlei
-Betrachtungen anstellte, drückte er ein Auge zu und hieß sie eintreten.
-
-Er argwöhnte jedoch, sich mit den genannten Menschenkindern sozusagen
-Läuse in den Pelz zu setzen. Und da er ihren verderblichen Einfluß
-auf die übrigen Himmelsbewohner fürchtete, schuf er jene Ecke für die
-Waldsünder aus dem Harzheimatland.
-
-Daß gemeinhin nur solche Landsleute in diesem Winkel aufgenommen
-wurden, hätte einer nicht nur aus dem bedenklichen Eingangsschild
-schließen können. Wenn er genau zusah, konnte er unter dem Spruch
-noch ein handschriftlich hinzugefügtes Sprüchlein entdecken. Das hieß
-folgendermaßen:
-
- Es krine die Danne,
- Es waxe das Aehrz,
- Gott schenke Uns alle
- Ein frehliges Hertz.
-
-Der liebe Gott hatte zuerst wieder über diese Schmiererei schelten
-wollen. Doch dann lächelte er. Und er dachte: Ein feines Sprüchlein
-haben sie sich ausgesucht. Es liegt Heimatstolz und Heimatliebe darin.
-Sie ehren die Gaben, die du ihrer Heimat zudachtest. Und sie bitten um
-das Beste, das du Menschen schenken kannst: ein fröhliches Herz. Welche
-Lebensweisheit! Nicht Gut und Geld wünschen sie. Sie sind zufrieden
-mit dem Segen ihrer Berge und finden ihr Glück in der Fröhlichkeit des
-Herzens.
-
-So dachte der liebe Gott und ließ das Sprüchlein bestehen. Und da er
-kein Kleinigkeitskrämer ist und nur das Herz ansieht, stieß er sich
-auch nicht an der mangelhaften Rechtschreibung. Der den Wahlspruch
-einstmals in einer Heimwehstunde hinkritzelte, hatte zu seinen
-Lebzeiten nur alle Sonnabende die Pochjungenschule besuchen können und
-wußte mit der Spitzhacke besser Bescheid denn mit der Feder. Er wollte
-kein Kunstwerk malen: nur seine Liebe ausschütten, wie sie in der
-Sprache der Heimat über seine Lippen kam.
-
-Der Sünderwinkel war vom Herrgott nicht als Verdammungsort gedacht. Er
-sollte eine Läuterungsklause sein. Nicht alle, die hier ihren Platz
-angewiesen bekamen, blieben darin. Nur die Hartgesottensten waren
-seßhaft. Da die Ecke aber nie leer wurde, tuschelte man im ganzen
-Himmel, jeder geborene Oberharzer müsse zu seinen Lebzeiten entweder
-Wildschütz, Holzfrevler, Fischdieb oder Vogelsteller gewesen sein.
-Manche alles das zusammen.
-
-Leimhus hoffte, im Sünderwinkel auch seinen alten Hausgenossen Jagder
-anzutreffen. Aber der Jagder befand sich bereits in einer geweihteren
-Ecke, die dem Allerheiligsten schon näher lag. Er hatte dort mit vielen
-anderen Invaliden, die einstmals als Zeichen Schlägel und Eisen oder
-die Wolfsangel führten, ein geruhsames Feierabendstüblein inne.
-
-[Illustration]
-
-So mußte sich Leimhus in dem übriggebliebenen Kreis umtun. Er hielt
-sich zu denen, die auf der Erde selten das Vaterunser gebetet haben
-und denen trotz ihres jetzigen himmlischen Aufenthalts immer noch
-kein Heiligenschein wachsen wollte. Man sollte es nicht für möglich
-halten, welch’ stattliche Zahl alter Knaben dort sitzen geblieben
-waren. Ein Schuster hockte dort, der vor Zeiten das traurige Geschäft
-des Finkenblendens im Bergstädtchen zu besorgen hatte. Sogar ein paar
-Schnapphähne aus dem Dreißigjährigen Kriege räkelten sich da noch
-herum. Sie wollten Angehörige des ehrsamen Fähnleins der Harzschützen
-gewesen sein, hatten aber in ihrem Heimatland genotzüchtigt und
-gebrandschatzt wie die Tillyschen selbst. Das hat ihnen der Herrgott
-arg ins Kerbholz geschnitten. Denn wer seine Heimat nicht lieb hat oder
-ihr gar Schaden zufügt, verdient keine Gnade.
-
-Dieser anrüchigen Runde also ward Leimhus zugewiesen.
-
-Glickauf, sagte er und trat ein.
-
-Als er das anzügliche Schild über dem Sünderwinkelspförtlein gelesen
-hatte, vermutete er, an den richtigen Ort geraten zu sein. Dennoch
-fragte er verlegen: Kumm ich hier racht? Dr liewe Gott hot mich hierhar
-beordert. Ich hääß Leimhus. Net von Rachts wahng. Aber mich hahnse
-unten su getääft.
-
-Herrejeses! Do is ju dr Leimhus! -- riefs ihm aus der Runde entgegen.
-Kumm mant rein. Dis is die Bucht for die Ewerharzer. Du host grod
-noch drinne gefahlt! Ober dos Vugelbauer loß mant draußen. Zessing un
-Haneflige warn in Himmel net geschtellt!
-
-Un ahch käne Gimpels rut ahngeschtrichen! stichelte einer. Jetzt erst
-bemerkte Leimhus, daß er richtig noch einen Käfig in der Hand hielt. Er
-stellte ihn an der Pforte nieder und ward, ehe er die vielen Bekannten
-mit Handschlag begrüßen konnte, am Eingang von einem eisgrauen Männlein
-zurückgehalten. Das war ein Stadtschreiber gewesen. Der veruntreute
-vor langer Zeit im Bergstädtchen Witwengelder. Dieser schändlichen
-Sünde wegen hatte er schon mehrere Menschenalter lang ruhelos auf Erden
-umgehen müssen. Die Bergstadtleute erzählten sich gruselige Geschichten
-von ihm. Nun aber bekleidete er seit ein paar hundert Jahren den
-Posten eines Pförtners im Sünderwinkel. Er zählte auch zu denen,
-denen es nicht gelang, eine Stufe im Himmel höherzurücken. Zu seinen
-Obliegenheiten gehörte es, das Wer und Woher aller derer zu buchen,
-die in den Sünderwinkel verdammt wurden. Leimhus gab auf alle Fragen
-rechtschaffen Antwort. Als der Stadtschreiber aber fragte: Vorstrafen?
-da hatte Leimhus leider nicht so viel Finger an den Händen, um die
-richtige Zahl nennen zu können. Das Stadtschreiberlein mit dem weiten
-Gewissen merkte die Verlegenheit des Sünders, steckte den Federkiel
-hinter die Ohren und ließ den Neuankömmling eintreten, ohne alle
-Spalten in seinem Lebensbuch vorschriftsmäßig auszufüllen.
-
-So zog Leimhus beglückt ein in das Gefilde der Halbseligen, froh,
-endlich zur Ruhe gekommen zu sein. Es war peinlich gewesen, mit
-schwarzer Seele zwischen allen Heiligen und Seligen hindurch den Weg
-in diese Ecke suchen zu müssen. Und ausgerechnet mußte er auch den
-Vogelkäfig in der Hand behalten haben! Nun verstand er erst, weshalb
-die Engelsbuben so hinter ihm hergekichert hatten.
-
-Er argwöhnte nichts hinter diesem Lachen, weil er ganz in
-Gedanken und Träumen versunken war. Während er auf verschlungenen
-Himmelspfaden dahinschlenderte, hatte er nämlich Betrachtungen
-darüber angestellt, von welcher Art von Vögeln die Engel alle
-ihre Flügel hergeliehen hätten. Mit wehmütiger Freude erkannte er
-Finken- und Stieglitzenflügel, solche von Drosseln, Krammetsvögeln,
-Kreuzschnäbeln, Zeisigen und Bachstelzen. Er sah Hägerflügel,
-Ringeltaubenflügel, Bussardflügel und Flügel vom Taubenkrümmer.
-Die Engelsbuben trugen meist Zaunkönigsflügel oder grüne und
-blaue vom Blaumüllerle. Just als Leimhus ein paar wunderschöne
-Seidenschwanzfittiche bewundern wollte, war er am Ziel seiner
-Pilgerfahrt.
-
-Er wurde in der neuen Umgebung schnell warm. Die Geistesverwandten
-sonderten sich ab und hockten zusammen. Es waren alle diejenigen,
-denen es in den Augen flackert und die man im Harzheimatland »Fatzen«
-oder »schlachter Dingerich« zu benennen pflegte. Es begann eine
-kurzweilige Unterhaltung unter ihnen. Sie tauschten ihre Erinnerungen
-aus. Jeder hatte davon ein mehr oder minder volles und mehr oder minder
-schwarzes Sündenköfferlein bei der Hand. Man kann nicht sagen, daß es
-himmlische Reden gewesen wären, die da geführt wurden. Um jedoch nicht
-ungebührlich zu erscheinen, geschah jede Unterhaltung im Flüsterton.
-Und wenn sie lachten oder feixten, steckten sie aus dem gleichen Grunde
-die Köpfe unter den Tisch. Das taten sie nun recht häufig, wie es von
-verstockten Sündern nicht anders zu erwarten ist. Sie hatten ihre
-erdenhafte Art noch nicht abgestreift. Der alte Adam in ihnen kehrte
-sich immer wieder heraus. Dann flogen ihre Gedanken ins Harzheimatland
-hinab. Ach, wenn sie hätten hinterherspringen können! Die himmlischen
-Ambrosiawölklein wandelten sich ihnen zu Harz- und Fichtennadeldüften.
-Sie zogen sie in durstigen Zügen ein. Das Bergmenschenblut wurde
-warm. Ihre Augen blitzten, und jeder erzählte von seinen erlaubten
-oder unerlaubten irdischen Abenteuern, prahlte mit Streichen und
-Schabernäcken, Boshaftigkeiten, Schlechtigkeiten, Tücken und just mit
-allem, was auf der Erde nicht hätte laut werden dürfen, geschweige denn
-im Himmel. Sie logen, daß sich im Harzheimatwald die Fichten bogen.
-Einem Trumpf folgte immer ein noch besserer. Der Herrgott hatte schon
-die Richtigen in den Sünderwinkel geschickt!
-
-Schließlich war die Reihe an Leimhus, aus dem Kistlein seiner
-Erinnerungen auszupacken. Vom Vogelstellen im allgemeinen zu hören, war
-seinen Himmelskumpanen zu langweilig. Sie hatten diese Kunst mehr oder
-weniger alle geübt. Sie wollten es auch nicht glauben, daß Leimhus an
-einem Morgen zweihundert Zetscher gefangen und acht Tage weiter nichts
-als Zetscher gegessen habe. Er schlug seine Zuhörer erst wieder in
-Bann, als er vom Finkenfang erzählte.
-
-Härt zu, begann er.
-
-Nun hatten aber viele der Sünderwinkelsleute schandbarerweise ihre
-oberharzische Sprache verlernt. Zudem wird im Himmel gemeinhin nur
-Hochdeutsch gesprochen, weil das nicht so grob klingt. Und so fuhr
-Leimhus fort: Hört zu! (Das ö fiel ihm sehr schwer!)
-
-Was Ihr alles vorgebracht habt, ist schön. Ich glaube Euch aber nur
-die Hälfte. Ihr meint, Finkenfangen wäre eine leichte Sache. Ihr irrt
-Euch. Jedenfalls ist es leichter, einer Wittfrau sechs Meter Holz zu
-stehlen oder den Schießer in der Grube um ein Paket Dynamitpatronen zu
-betrügen. Und mit Dynamit zu fischen, ist eine Gemeinheit und keine
-Kunst. Schwerer ist es schon, dem Oberförster die Forellen vor der
-Haustür wegzufangen. Ist aber auch kein Kunststück. Und ein Stück
-Wilpert schießen und hinterher drei Meineide schwören, auch nicht. Wenn
-aber einer im Wald einen guten Finken ausgemacht hat und ganz genau
-diesen bestimmten Finken und keinen beliebigen andern auf die Leimrute
-bringt, -- ich sage Euch, wer das fertigbringt, der kann was.
-
-Und nun begann Leimhus vom »Finkenstandern« und von den Finessen des
-Finkenfangs zu erzählen. Er mußte dabei notwendigerweise von einigen
-teuflischen Tierquälereien berichten. Aber er kam mit seiner Erzählung
-nicht zu Ende. Man war im Sünderwinkel belauscht worden. Dem Leimhus
-blieb das Wort im Munde stecken: der himmlische Ordnungshüter trat
-herein. Der Finkensteller verbarg das Gesicht. Ausgerechnet er mußte
-wieder als Sündenbock entlarvt werden. Als wenn ihn das Mißgeschick
-auch im Himmel verfolgte! Er war froh, nicht die allerschlechtesten
-Schlechtigkeiten ausgekramt zu haben. Eine Strafverfügung kam
-allerdings doch:
-
-Der weiland Vogelsteller Leimhus wird verurteilt, zur Sühnung sündiger
-Taten und behufs endlicher Besserung bis auf Widerruf wie ein Lockfink
-an einen Pfahl gebunden zu werden.
-
-Seitdem ists im Sünderwinkel sehr still und sittsam geworden. Und
-mit dem Finkenfang im Harzheimatland ists auch nichts mehr. Die
-Vogelsteller fürchten, im Himmel Leimhusens Verdammnis teilen zu
-müssen. -- Die Finken aber singen seither viel lustiger.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Die Bergbachkönigin
-
-
-Es muß einer schon Märchenaugen haben, wenn er ihr heimliches Krönlein
-sehen will. Aber soviel sieht jeder doch, daß sie ein königliches
-Kleid anhat: welcher Fisch im Bergbach auf und ab hat so schöne rote
-und orangegelbe Punkte auf dem Schuppenleib! Und so himmelblaue Ringe!
--- Das Rotfederle schmückt sich zum Hochzeitszug wohl mit roten
-Brustflossen und das Elritzel hat einen silbernen Bauch. Der Rotzkopf
-mit dem dicken Kopf und dem breiten Maul hat außer den goldenen Augen
-eigentlich nichts an Schönem, womit er prunken könnte, und der stille
-Schlammbeißer im Mühlengraben auch nicht viel: an die Schönheit der
-Bergbachkönigin reicht keines heran.
-
-Als noch der Dottersack an ihr baumelte, war sie ein unbeholfenes
-Forellenkind, das mucksstill in der Uferhöhle eines Murmelwässerleins
-lag. Es war dunkel in dieser Kinderstube. Das bißchen Tageslicht, das
-sich dort hinein verlor, mußte sich durch Fichtendämmerung und einen
-Vorhang von herabhängenden welken Wurmfarnwedeln und Rispensträhnen
-hindurchstehlen. Das Wurzelgewirr einer Fichte griff tief in die Höhle
-hinab und krallte mit hundert Fingern Kiesel und Geröll fest. Das gab
-schützenden Halt, wenn die Schneewasser kamen und das Dotterkindchen
-mitnehmen wollten. Seine Mutter hatte die Kinderstube mit Klugheit und
-Fürsorge ausgesucht.
-
-Als das Nesthäkchen einen langen dunklen Winter lang so in der Höhle
-gelegen hatte und Wurmfarn und Rispen wieder grün wurden, fiel sein
-unbehilflicher Dottersack ab. Mit diesem Ereignis begann ihr Leben. Sie
-war ein flinkes Forellenprinzeßlein geworden, das flugs auszog, sich
-die Welt zu besehen. Es war lustig, sich zwischen Steinen und Geröll
-zu tummeln. Oder im ruhigen Wasser zu stehen, sich von Sonnengeflimmer
-überfluten zu lassen und nach winzigen Mücken zu schnappen! Und das
-hatte sie schnell gelernt.
-
-Aber sie brachte nicht nur den richtigen Forellenhunger aus der
-Kinderstube mit. Sie kam bald hinter alle die kleinen Schliche und
-Kniffe, die eine Forelle kennen muß. Sie merkte, daß unruhige Wasser
-schlechte Sicht nach oben gewähren und den Flossen viel Arbeit machen.
-Sie war schon eingeweiht darin, daß ein sich bewegendes Etwas am Bach
-selten etwas Gutes bedeutete und man gut tat, sich zu verstecken.
-Sie wußte, daß Steine wohl Schutz boten, die Uferhöhle aber besseren
-gewährte. Sie konnte sich im Falle der Not auch schon richtig drücken,
-an einen Stein klemmen oder in eine Felsspalte und mit gekrümmtem
-Schwanz unbeweglich verharren, als ob sie ein zufälliges Stück vom
-Bachboden oder ein Bröcklein Tannenast war. Aber auch das wußte sie
-bald, daß der allerletzte Ausweg aus aller Bedrängnis immer der
-lebendige Strudel war, in den kein Harzjunge, kein Eisvogel und keine
-Wasseramsel hinabschauen konnte.
-
-Sie hat sie alle kennengelernt und ihretwegen Reißaus genommen
-hundertmal bachauf und bachab.
-
-Ein paar Sommer lang ist das Prinzeßlein dem Quellwässerchen treu
-geblieben. Dann wurde es größer. Der Hunger wuchs auch, und es zog
-hinab zum rauschenden Wildbach. In einem schwarzen Wasserloch fand es
-ein herrliches Jagdrevier. Das Wurzeldach einer Wetterfichte schattete
-darüber. Und so tief war die Höhle darunter, daß auch der längste Arm
-eines Wildfischers nicht hineinreichen konnte.
-
-In dem Loch kam das Bergwasser zur Ruhe, hielt einen Augenblick inne,
-um Atem zu schöpfen vor der rastlosen Weiterfahrt. Dort wuchs das
-Prinzeßlein zur Königin heran. Sie verbarg sich unter dem Wurzeldach,
-lauernd, ob nicht das Wasser eine zappelnde Fliege hertrüge, eine
-Spinne, einen ringelnden Wurm, ein verunglücktes Waldkäferlein oder
-gar einen vorwitzigen Frosch. Ratsch -- ratsch gings dann, das Wasser
-schlug einen schnellen, gurgelnden Wirbel, und die Buntgefleckte stand
-wieder am alten Platze, als sei nichts geschehen.
-
-Im November, als im Bergwald der Brunftschrei des Rothirsches verhallt
-war, kam ihr die Wanderlust ins Blut, und eine geheimnisvolle Macht
-trieb sie talauf in junge Gewässer. Ein Wandergespan gesellte sich zu
-ihr, der der gleichen Naturstimme folgte und bachauf zog. Es war ein
-glatter Forellenkavalier. Er umschwärmte und umwarb sie. Da merkte die
-Bergbachkönigin, daß sie verliebt war. Und sie verlebten heimliche
-Liebesnächte unter Steinen und in Uferhöhlen. --
-
-In einer schwarzen Nacht stand sie allein im ruhigen Wasser, verlassen
-von ihrem Galan. Über dem Bergwald wälzten sich Schneewolken. Da irrte
-ein Lichtschimmer am Bach herauf. Die Bergbachkönigin hielt neugierig
-still. Sie sah nicht die finsteren Schleichgestalten hinter dem Licht,
-ahnte nicht ihr Verhängnis.
-
-Ein Stich fuhr ihr schneidend in den Rücken. Ihr Leib krümmte sich, mit
-letzter Kraft schlug der Schwanz. Sie wollte fliehen. Aber zu fest saß
-die Gabel des Wildfischers ...
-
-Der hob die Zappelnde heraus. Ihr Krönlein fiel klingend ins Wasser.
-Die Bergbachkönigin war Fischfleisch in roher Hand.
-
-[Illustration]
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-
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-[Illustration]
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-Herrgottsplätzlein
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-
-Es gibt stille Gründe im Bergwald, die sich der Herrgott als
-Lieblingsplätzchen zum Rasthalten ausgesucht hat. Die Vögel dort singen
-viel heimlicher. Die Quellen schwätzen leiser als anderswo. Der Wind
-überm Wald verhält dort den Atem.
-
-Ein Menschenkind mit einem Gottsucherherzen fühlt solche
-Herrgottsplätze. Wenn aber einer, der kein Gottsucherherz hat, an
-solchen Ort kommt, den zupfen Englein leis am Rockzipfel, daß er nicht
-vorübergehen möchte. Manch einer hört auf die stillen Mahner und hat in
-der Andacht des Waldes den Herrgott gefunden. Mehr aber gehen vorüber.
-Für sie ist der Wald Holz. Ihr Herz ist nichts anderes.
-
-Es gibt viele Herrgottsplätzlein im Harzheimatland. Aber eins weiß ich,
-das ist das schönste von allen.
-
-Kennt ihr den Waldteich im Tale Irgendwo?
-
-Eigentlich ist’s nur ein Tümpelchen, der Rest von einem Teich, dem man
-vor hundert Jahren oder mehr den Damm durchstach. Wenn der Eisvogel,
-der an seinen Ufern nach Elritzen und Forellen fischt, fünfzehn,
-zwanzig Flügelschläge tut, ist er drüber hinweg. Größer ist das
-Waldteichlein nicht. Braucht’s auch nicht zu sein, denn seine Kleinheit
-gehört zu seinem heimlichen Zauber. Fichten haben es mit Grün umsponnen
-und haben sich so dicht herzugedrängt, daß kaum ein Streifen Rasen
-übrigblieb für ein paar Fingerhüte und Erdbeeren. So wurde aus dem
-Teich ein weltvergessenes Waldmärchen. Ein grünlockiges Dornröschen,
-das mit offenem Träumerauge einen tiefen, süßen Schlaf schläft in den
-Armen des Waldes. Es wird kein Märchenprinz kommen, es aufzuwecken. Es
-wird erst aufwachen, wenn der Förster die Fichten ringsum mit seinem
-Messer anritzt und hinterher Holzhauersägen und -äxte die Waldstille
-verjagen. Dann ist’s aus mit der Märchenherrlichkeit. Wald-Dornröschen
-verliert sein Krönlein und flieht und kommt nicht eher zurück, bis
-neuer Wald wachsen will. -- Aber noch steht ja der alte. Wenn über
-Mittag ein Weilchen die Sonne über seine Wipfel lugt, küßt sie heimlich
-den Waldteich. Sie guckt nur mit einem Auge ins Waldtal hinab, als ob
-sie die grüne Dämmerung im Dornröschenstübchen nicht fortschrecken
-wolle. Das Waldteichlein merkt das, fühlt auch den heimlichen Kuß
-und lächelt. Wenn aber Schatten über dem Tal lagern und nur an den
-Gipfelquirlen der Fichten noch Sonnengold flackert, wird das Lächeln
-des Teiches zu Sehnsucht. Und nachts, wenn Sterne in ihm ihre Zeit
-verträumen, wird sein Auge ein tiefgründiges Rätsel.
-
-Es ist ein großes Schweigen um den Waldteich herum. Sein Leben
-ist still wie Wasserspinnenspiel und wie das Leuchten der
-Wasserhahnenfußblüten auf seinem Spiegel.
-
-Er weiß nichts vom Lärm jenseits der Wälder. Hast und Unrast von da
-draußen drangen nie hinab in den Einsiedlerfrieden seiner verlassenen
-Schlucht. Er hört nur das Fichtenrauschen über ihm, das leise Sirren
-im Schilf, das Wehen in Lattichblättern. Und in stillen Nächten, wenn
-von den Bäumen rings klingende Tauperlen in den Teich tropfen und das
-Reh heimlich zur Tränke wechselt, hält er verschwiegene Zwiesprache mit
-dem Quellchen, das ihm unter Kresse und Baldrian seine Wasser zuführt.
-Zeisig und Goldhähnchen singen ihm stille Morgenlieder, und abends,
-wenn warmer Waldwind durch den Talgrund weht und die Drossel schlafen
-ging, läuten die Unken mit silbernen Glocken.
-
-Hast du einmal in stiller Waldnacht gelauscht, wenn geheimnisvoll aus
-dem Dunkel die feinen, ein wenig stumpf gestimmten Silberglocken zu
-läuten beginnen? Es vergeht dir der Atem vor Freude!
-
-Klünk -- klunk -- klunk -- klünk -- unk -- klunk -- klünk --.
-
-Ein Glöcklein beginnt, zaghaft, lockend. Eins antwortet, viele folgen,
-und bald läutet es in zauberischem Chor.
-
-Das ist das Ave des Waldteichleins, wo der Herrgott am liebsten Rast
-hält. --
-
-Warum denke ich oft an dich, du Teich im Waldesgrunde?
-
-Wenn doch des Menschen Seele ein so friedlich Ding wäre wie du!
-Voll Ruhe und voll Träumen, klar, rein, wunschlos. Und wenn jede in
-Feierstunden ihr heimliches Silbergeläut hätte!
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Alte Steinbrücken
-
-
-Geht mir doch fort mit ~T~-Trägern und Betonkleisterei!
-
-Baut eure Betonbrücken über Kanäle, wo sie als Kunsterzeugnis
-zum Kunsterzeugnis taugen. Sooft ihr aber eine Betonbrücke über
-einen Harzbach legt, möge euch das schlechte Gewissen zwacken,
-ihr Gotteslästerer und Naturverschandeler! Könnt ihr euch zu einem
-Bergwasser voll Leben einen betrüblicheren Gegensatz denken als solchen
-langweiligen Betonbatzen?
-
-Seht euch die Steinbrücken der Alten an.
-
-Es schmiegt sich alles in die Umgebung hinein. Die Brücke wächst
-aus dem Bach heraus. Das Steingebröckel des Flußbettes ist zu einem
-Bogen gebändigt. Ist kein Stein darin frisiert und mathematisch
-zurechtgestutzt. Die Vielfältigkeit des Baches lebt lustig in der
-Brücke weiter. Sie ist ein Teil von ihm geworden. Es ist nichts
-Fremdes, Störendes, Langweiliges in die Landschaft gekommen. Alles ist
-so einfach und kunstlos, und doch sind diese Steinbrücken Kunstwerke
-und Meisterstücke der Alten ...
-
-Heute bauen sie Betonbrücken. Beton ist billiger, geht schneller und
-erfüllt denselben Zweck. Zivilisation hat viel Kultur erdrosselt.
-Was wissen Pfennigfuchser und Bürokraten von dem goldenen Gesetz des
-Handwerks, das neben dem Zweckmäßigen das Bodenständige, Echte und
-Schöne fordert!
-
-Das Schöne ...
-
-Du lieber Gott, schicke doch endlich deinen Geist hernieder. Gib
-den Berufenen Einsicht und ein wenig Sinn für die Schönheit des
-Harzheimatlandes. Laß sie die Bergbäche, -- deine lustigen Kinder!
--- nicht mit Betonklötzen verschandeln. Tue ein Wunder, und laß alle
-Zementsäcke, die sie an ein Harzbächlein schleppen, steinhart und
-unbrauchbar werden. Schlag alle Betonbrücken zusammen!
-
-Die steinernen aber behüte noch tausend Jahr.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Die braune Einsamkeit
-
-
-Sieben Monde beißt sich der Hochharzwinter da oben fest. In dreien
-führen Regen, Nebel und Wind die Herrschaft. Was überbleibt vom Lauf
-des Jahres, ist nicht immer Sonnenschein und Wärme.
-
-So ist das Gesicht des Moores ernst geworden. In Not und Bedrängnis hat
-es das Freuen verlernt. Wenn es lächeln will, wird nicht mehr daraus
-wie ein müdes, verschüchtertes Augenblinzeln. Die lichte Unendlichkeit
-des Himmels über ihm ist Schwermut. Seine Bläue stirbt in schwarzen
-Wasserlöchern. Zwischen Fichten und Sümpfen hockt die Einsamkeit.
-Hier oben ist ihr Antlitz ein anderes als in den Quellengründen des
-Bergwaldes. Stille wird zur Melancholie, Schweigen zum Schauern.
-
-Dieses Grauen der Öde scheucht die Menschen zurück. Das Moor hat
-wenig Freunde. Der Weidmann pirscht dem Rotwild nach. Auf heimlichen
-Wechseln schleicht der Wilderer durch Bruch und Dickicht. Wenn die
-Heidelbeeren blau werden, ist die Gimpelbrut flügge. Dann kommt mit
-den Beerengängern der Vogelsteller herauf. Manchmal verliert sich ein
-Waldläufer nach hier, dem es auf geraden Wanderpfaden zu langweilig
-ist. Aussichtspunktmenschen und Modewanderer holen sich nasse Füße
-und bleiben fort. Gott sei Dank. Ihnen geht der Zauber dieser Urwelt
-nicht auf. Die melancholische Großartigkeit der Öde ist nichts für
-Salonseelchen.
-
-Es ist kein ausgelassener Farbenjauchzer im Moor. Jeder Ton der braunen
-Einsamkeit wirkt herb wie der Geruch, der rings aus Torfmoospolstern
-dampft. Selbst wenn die Heide blüht, ist’s nur wie verzagtes
-Leuchtenwollen, Fröhlichseinwollen, das sich nicht durchringt zu
-befreiender Herzhaftigkeit. Die Seidenköpfe des Wollgrases nicken im
-Winde: spar die Müh, spar die Müh! Und auch wenn der Herbst Birkengold
-und Quitschenkarmin über das Moor flackern läßt und im Heidelbeerkraut
-ein Gesprühe von Gelb und Rot und Lichtgrün entzündet, zur erlösenden
-Freude wirds nicht: Das Moor kann nicht lächeln.
-
-Still wie die Farben ist das Leben im Moor. Es ist, als ob auf allen
-Vogelstimmen die Schwermut der Öde lastet. Da ist kein Jubeln und
-lustiges Geschwatze. Sie würden die Harmonie der Einsamkeit stören.
-Der Herrgott läßt nichts aus dem Rahmen fallen. Zur Blütenpracht
-des Apfelbaums paßt Stieglitzengeflister. Hier oben ist kein Platz
-für Flitter und Firlefanz. Der Zippe Lied ist auf Moll gestimmt.
-Melancholisch flötet der Dompfaff. Und wenn der Baumpieper singt, ist’s
-immer die gleiche verhaltene Weise. Unvermittelt bricht sie ab. Der
-Sänger wagt es nicht, sein Herz auszujubeln. Etwas Unerlöstes ist über
-allem im Moor, Leidvolles, Entsagendes. Aber alles gehört ins Bild
-hinein.
-
-[Illustration]
-
-Das Krüglein Freude, das ihm beschieden ward, ist nur bescheiden. Und
-was der Herrgott ihm an Schönheit mitgab, ist still und unaufdringlich.
-Es muß sie einer suchen. Wenn aber ein rechter Waldläufer kommt, der
-Auge und Ohr auftut und sein Herz mit hinausnimmt und ein Feinschmecker
-ist im Naturgenießen, der wird in der Armseligkeit des Moores viel von
-diesem heimlichen Reichtum finden. Ihm wird das Rosenglockengeläut
-der Moosbeere zum Erlebnis. Zwergbirke und Brockenmyrte sind ihm
-Entdeckungen, zu denen er sich entzückt niederbeugt. Im Moorwasser
-wandelt sich Himmelsblau zu einem Braunviolett voll feiner Farbigkeit.
-Alles ist von eigener Art und eigenem Klang. Das große Schweigen wird
-der Offenbarungen voll. Des Herrgotts verschwiegenste Wunder sind die
-köstlichsten.
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Bruchbergwinter
-
-
-Du bist ewig schön, mein Bruchberg!
-
-Stürme umtoben dich. Zyklone wollen deine Forsten zerknittern.
-Du trotzt ihnen mit der Ruhe des Titanen. Und mit immer gleicher
-Gelassenheit schaust du hernieder ins Harzheimatland.
-
-Schön bist du, wenn der Lenzwind durch deine Wildnis harft, im fahlen
-Morgengrauen der Auerhahn seinen Liebesruf über das Hochmoor schickt
-und zwischen Wipfelrauschen und Schneewassergeriesel irgendwo die Zippe
-ihr Frühlingslied flötet.
-
-Schön bist du, wenn über deinem Wäldermeer flimmernde Sommerluft
-zittert und blau, endlos blau die Fernen zu deinen Füßen liegen.
-Würzdüfte atmen durch das Gehölz. Deine Fichtenhallen sind voll
-Finkenschlag. Und draußen am Moor, wo rosenfarbene Knabenkräuter im
-Torfmoos blühen, singt sich der Baumpieper sein Sommerglück vom Herzen.
-In heimlichen Gründen hütet das Alttier sein Kalb. Fingerhut läßt
-Purpurglocken über die Waldblößen leuchten, und zwischen Wald und Weite
-schwebt gelassenen Fluges der Habicht. Wie liebe ich deine Sommertage
-voll Blau und Grün!
-
-Und schön bist du, wenn Herbstnebel dich mit Dampf umhüllen und deine
-Fichten und Felsen sich wie Riesen in graue Wolken recken; wenn
-Borstengras und Quitsche sich herbstlich färben und in reiffrostigen
-Oktobernächten Hirschschrei durch Hai und Hochwald hallt.
-
-Aber am schönsten bist du doch, wenn dich Schnee und Rauhreif
-eingesponnen haben. Dann bist du ein Gottestempel geworden. Ein
-Märchenland voll Schönheit ohnegleichen hat in dir sich aufgetan.
-Schneefahrt durch deine Hänge ist Andacht.
-
-Wie groß und herrlich ist die Stille, die in der Wintereinsamkeit
-deiner verschneiten Höhe träumt! Alles Laute ist dir fremd. Du bist
-schweigsam, wie alles Ewige stille ist. Dein Antlitz ist voll Ernst und
-voll herber Melancholie. Das Dunkel deiner Wälder kann sich lastend auf
-die Seele legen. Aber der Winter breitet über das Düster eine lichte
-Verklärung. Das bang Bedrückende weicht. Deine Ruhe wird Wohltat,
-Gottesfriede.
-
-Wie köstlich fern liegt das Leben!
-
-Tief unten verdämmert die Welt in silbernem Duft. Was in der Tiefe den
-Alltag bewegt, nichts von allem dringt hinauf in den Frieden dieser
-weißen Einsamkeit, in der der Herrgott wohnt.
-
-Des Bergwalds Leben ist zur Ruhe gegangen. Das Hochwild wechselte
-zu Tal. Wenn nicht eine Marderfährte durch den Schnee tupfte und da
-und dort das Geläuf der Auerhenne, es könnte scheinen, als sei alles
-Geschöpf hier oben gestorben.
-
-Die Fichten schlafen. Das Goldhähnchen im Geäst wagt nur ein leises,
-leises Silbersingen, daß es ihre Ruhe nicht störe. Ihr Schlaf ist
-tief und fest. Sie beugen sich unter schwerer Bürde und stehen da wie
-betende Büßer, die schicksalsergeben auf Erlösung harren. Wie nickende
-Träumer, die von Lenz und Drosselflöten träumen.
-
-Es ist eine große Stille im Wald.
-
-Manchmal rüttelt ein Windstoß an den Wipfeln. Dann rauscht es über
-die Bäume hin wie klagendes Sehnen: Wann kommst Du wieder, schöner
-Frühling? ... Es verklingt mit einem leidvollen Mollakkord, leise,
-schmerzlich, und wieder schläft der Wald.
-
-Sein Schlafgewand ist weiß und rein. Jedes Fichtennädelchen, jedes
-Rindengeschuppe und Flechtengekräusel ist mit Glitzersternchen
-umsponnen. Es geht ein heimliches Flimmern durch den Wald, das seinen
-Ernst lichter macht. Aber nirgends ist eine aufdringliche Helle. Wie
-in einem Dom ist’s. Er baut sich auf aus Silber und Marmor. Durch
-grünviolette Scheiben fließt zartfarbenes Dämmerlicht in seine
-Säulenhallen. Wenn die Sonne hineinschaut, sprüht in Smaragden und
-Rubinen ein Festgeleucht. Dann ist Feiertag im Dom. Alle Kerzen sind
-angezündet. Der Wald betet.
-
-[Illustration]
-
-Bleibe stehen, o Wanderer, und bete mit. Verhalte den Atem, daß du die
-Andacht nicht störst. Laß deine Schneeschuhe langsam gleiten, daß ihr
-Knirschen nicht die Stille zerreißt.
-
-Fühlst du das Pochen des Blutes in der Brust?
-
-Bleibe stehen. Und so du ein Gottsucher bist, wird dir der Wald von
-silbernen Altären herab eine Bergpredigt halten, die du nicht vergißt.
-Harre aus bis zum feierlichen Amen. Dann wirst du beglückt von
-dannen ziehen. Und wirst die Fäuste ballen, wenn Johler und Schreier
-vorüberfahren, die mit ihrem Lärm den Gottesfrieden schänden.
-
-Aber laß die Horden.
-
-Wem _dieser_ Wald nicht die Lippen stumm und die Augen weit macht, der
-sei dir zu erbärmlich.
-
-Laß sie, und fahre aus dem Kirchendämmer des Gehölzes hinaus und
-hinauf aufs freie Moor. Über dir wölbt sich Berghimmelunendlichkeit.
-Bäume und Bäumchen sind zu Boden gedrückt. Rauhreif hat sie verhext.
-Buckelige Kobolde hocken da. Es schnarchen ungeschlachte Riesen, kauern
-schlafende Moorhexen, schlummern vermummelte Prinzen und Prinzessinnen.
-Feuersprühende Drachen schnauben, greuliche Saurier recken sich, --
-Gott sei Dank, daß sie starr wurden, just als sie zum Sprung ausholten.
-
-Wenn du Märchenaugen hast und zu glücklicher Stunde hier oben
-weilst, wird dir auch die Bruchbergkönigin erscheinen. Sie kommt auf
-einem weißen Hirsch aus dem Walde hergeritten. Über ihren Schultern
-hängt kostbarer Hermelin. Ein silbernes Krönlein strahlt auf ihrem
-Blondgelock. Sie reitet schweigend über das Moor. Die Bäume neigen
-sich vor ihr. Sie nickt ihnen einen milden Gruß zu. In ihren Blauaugen
-spiegelt sich die weiße Welt.
-
-Nun ist sie vorbei. Du stehst noch und starrst und hältst den Atem an,
-möchtest vor ihrer Schönheit in die Knie sinken, ihr die Hände küssen
-oder gar den Mund, und denkst an den Edelknaben und Schön-Rohtraut oder
-an Tom, den Reimer ... Aber sie ist längst vorbei. Du suchst ihre Spur
-vergebens. Doch du merkst, daß sie dich verzaubert hat. Heimliche
-Sehnsucht bleibt in dir brennen. Ewig wirds dich zurückziehen in das
-Reich der schönen Königinne.
-
-Die Sonne will versinken. Ihr letztes Leuchten streift über die Kämme
-der Berge. Es malt strahlende Säume um die Fichten, taucht die Wanderer
-ein in tiefes Orange und überzieht den Brocken drüben mit rotem Gold.
-Jedes Vorwärtsgleiten der Schneeschuhe ist funkelndes Gesprühe.
-
-Nun ist der Sonne Gutenachtkuß verhaucht. In den Fenstern des
-Brockenhauses verlischt ein müdes Blinzeln. Dann ist auch für die Höhen
-die blaue Stunde gekommen, die Wälder und Täler längst erfüllte. Himmel
-und Schnee werden eins. Es ist Zeit, zur Hütte heimzukehren. Um die
-Dämmerstunde wachen die Berggespenster auf. Lebe wohl, du schöner Wald!
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Die Skihütte
-
-
-Sie liegt verschlafen im Bergwald.
-
-Es ist nur eine kleine Gemeinde, die den verlorenen Pirschsteig zu
-ihr zu finden weiß. Im Sommer kommen ein paar Holzhauer hinauf. Sie
-bleiben nicht lange. Ein paar Tage weht das blaue, fichtennadelduftende
-Rauchfähnlein ihres Lagerfeuers um die Hütte. Dann ziehen sie wieder
-hinab. Und manchmal kehrt zu kurzer Rast der Förster bei ihr ein.
-Stille Gäste, die vom Bergwald das Schweigen lernten wie die Hütte
-selbst.
-
-Sie hat keinen großen Namen. Und das ist gut. Ihr Zauber ist ihre
-Verborgenheit, ihre Schönheit die Einsamkeit. Der Bergwald umschmiegt
-sie mit Dunkel und hütet sie wie ein Berggeheimnis. Sie ist mit ihm
-verwachsen. Sie lebt sein verschwiegenes Leben mit ihm und kennt alle
-seine heimlichen Regungen.
-
-Mit leisem Tritt umschleicht der Marder ihr Gemäuer. Im Holze bellt der
-Fuchs. Waldmäuslein rascheln im Grase: die Hütte vernimmts. Sie hört
-der Zippe schwermütige Melodien, den Lockruf des Schwarzspechtes, des
-Auerhahns klatschenden Flügelschlag. Fink und Meise und Goldhähnchen
-halten gute Nachbarschaft mit ihr. Und wenn die Quitschen vor ihrer
-Tür zu leuchtenden Korallen werden, kommen Krammetsvogel, Weindrossel
-und Dompfaff zu festlichem Schmaus. Dann wird’s Herbst. Der Wind im
-Wald singt in rauheren Tönen. Schneegänse ziehen über die Höhe. Im
-Forste schreit der Hirsch. Wenn er Winter wittert, führt er sein Rudel
-talab. Dann wird’s still um die Hütte. Die Fichten triefen von Regen
-und Nebel. Die Flechtenbärte an den Zweigen und Stämmen hängen in
-trübseligen Strähnen herab. Und trübselig guckt die Hütte drein. Über
-den Wald hin braust das Sturmlied des Windes. Wenn er es zu arg meint,
-rackelt es unwirsch an den Fensterläden der Hütte. Sie gähnt und träumt
-von warmen Sommernächten und Eulenruf und Unkenläuten im Wald.
-
-Wenn die weißen Flocken vom Himmel wirbeln, geht ein heimlicher
-Zauberer durch den Bergwald. Der hat seinen Zauberstab auch über
-das Hüttlein geschwungen. Alle Traurigkeit ist aus seinem Gesicht
-geflohen. Wie freundlich es dreinschaut! Flugs hat es das schwarze
-Teerdach mit einer Glitzerdecke zugedeckt. Der Schornstein bekommt eine
-frischgeweißte Halskrause und das Blechdeckelchen auf dem Rauchrohr
-ein blitzsauberes Hütchen. Auf jede Türangel, jeden Balkenvorsprung
-wird ein Häuflein Schnee gestreut. Die Hütte versteht es, sich festlich
-zu schmücken. Sie will dem Bergwald nicht nachstehen. Sie hat frohen
-Besuch zu erwarten. Die Skiläufer kommen. Ihnen zu Ehren muß alles
-wohl gerüstet sein. Schnell wird noch der Hexenmeister Wind bestellt.
-Er pustet mit säuberlichem Gewehe einen strahlenden Marmorhof um die
-Hütte. Nun ist alles wohlbereit und zum Empfang hergerichtet.
-
-Die Gäste mit den langen Brettern lassen nicht lange auf sich warten.
-Kommt nicht dort vom Fichtenhang schon der erste her?
-
-Ein Einsamer ist’s. Mit schönem Schwung hält er vor der Hütte.
-Er schnallt die Bretter ab und steckt den Hüttenschlüssel in das
-rostige Schloß. Das Knarren des Riegels scheint ihm Musik zu sein. Er
-lächelt. -- Durch die offene Tür fällt blendende Helle in die dunkle
-Heimlichkeit des Hüttenraums. Das Hüttenmäuslein fährt erschreckt
-zusammen und weiß vor Entsetzen nicht, wohin es soll. Der einsame
-Skiläufer tritt den Schnee von seinen Füßen. Die Hütte gibt das Echo
-seiner Tritte zurück. Das ist ihr Willkommengruß. Er wirft den Rucksack
-ab und stößt die Fensterläden auf.
-
-Wie stille ist der weiße Wald, wie stille die Hütte! Und diese große
-Stille rings wirkt wie eine erlösende Entspannung auf den Hüttengast.
-Er setzt sich, muß ein Weilchen die Augen schließen. Und wieder
-lächelt in seinem Gesicht ein Glück. Wie bei einem, der nach Hast und
-Unrast den Frieden gefunden hat, den ihm der Alltag nicht gab. In der
-Hütte fand schon mancher seinen Frieden.
-
-Nun prasselt es lustig im Hüttenofen. Im Topfe brodelt Schneewasser.
-Das Hüttenbrünnlein schläft unter Eis und Schnee. Teeduft weht über das
-flackernde Talglicht hin und mischt sich mit blauen Tabakwölkchen. Die
-Hütte beherbergt einen frohen Menschen. Er reckt sich in behaglicher
-Ungebundenheit, qualmt sein Pfeifchen und träumt. Wo träumt sich’s
-schöner als hier? Und wo läßt sich’s besser schlafen als nachher auf
-harter Hüttenpritsche!
-
-Gemach verlöscht das Feuer im Ofen. Verglühende Scheite bersten. Das
-Hüttenmäuslein wagt sich wieder hervor. Warmgewordene Balken knacken.
-Von draußen klingt wie fernes, leises Rauschen das Lied des Windes
-überm Wald ...
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-Druck F. A. Lattmann in Goslar am Harz
-
-
-
-
-Weitere von Reinecke-Altenau geschmückte Bücher unseres Verlages:
-
-
-Vom grünen Rauschen
-
-Ein Buch vom Oberharz
-
-von Bernh. Flemes
-
-mit Zeichnungen von Reinecke-Altenau
-
-Preis karton. 1.50 M., gebd. 2 M.
-
-Ein wahrhaft deutsches Buch, das in seiner Art nicht seinesgleichen
-hat. Ein echter Poet hat in diesem feinsinnigen Wandernotizbuch das
-Wesen des Oberharzes dargestellt. Dem Dichter, der Verborgenes und
-Wesentliches zart und fest umspannt, gesellt sich der gleichgesinnte
-hannoversche Künstler Reinecke-Altenau prächtig ergänzend bei mit
-seinen der Natur abgelauschten Stimmungsbildern, die in ihrer Echtheit
-den Harzcharakter wiedergeben, wie er sich in den Dichtungen offenbart.
-So entstand ein bisher nicht dagewesenes Buch vom Oberharz, reich an
-Empfinden und Schönheit.
-
-
-Strom und Hügel
-
-Ein Buch vom Weserbergland
-
-von Bernh. Flemes
-
-mit Zeichnungen von Reinecke-Altenau
-
-Preis karton. 2 M., gebd. 2.75 M.
-
-Das Weserbergland mit seinem Formenreichtum der Höhen und Täler, seinen
-köstlichen Baudenkmälern in Städten und Flecken ist wenigen Kennern nur
-vertraut. Unter ihnen steht der Verfasser unsres neuen Buches, der auch
-der Autor des erfolgreichen Oberharzbuches »Vom grünen Rauschen« ist,
-an erster Stelle. Er hat sein Heimatland in vielen Jahren bis in die
-letzten Winkel durchwandert; er hat die Gabe des besonderen, nur ihm
-eigenen Ausdrucks für diese seine Heimatliebe, für die besondere Seele
-dieser Landschaft. Der hannoversche Künstler Reinecke-Altenau erweist
-sich hier wiederum als ein guter Geselle des Dichters, indem er in
-feinsinniger Weise dessen Werk ergänzt.
-
-
-Verlag F. A. Lattmann, Goslar am Harz
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
- Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HARZHEIMAT ***
-
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-be renamed.
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