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+The Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
+Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Einige Gedichte
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Posting Date: March 19, 2014 [EBook #6649]
+Release Date: October, 2004
+First Posted: January 9, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
+
+
+
+
+Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collection
+of ancient German books in London.) HTML version by Al
+Haines.
+
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+
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+
+
+
+
+
+ Einige Gedichte
+
+ Friedrich von Schiller
+
+
+ Inhalt:
+
+ Abschied vom Leser
+ Amalia
+ An den Frühling
+ An die Astronomen
+ An einen Moralisten
+ Bittschrift
+ Das Geheimnis
+ Das Glück der Weisheit
+ Das Lied von der Glocke
+ Das Mädchen aus der Fremde
+ Das Mädchen von Orleans
+ Das Spiel des Lebens
+ Das verschleierte Bild zu Sais
+ Der Abend
+ Die Antiken zu Paris
+ Die schönste Erscheinung
+ Die Weltweisen
+ Epigramme Friedrich Schiller
+ Forum des Weibes
+ Odysseus
+ Sehnsucht
+ Spinoza
+ Thekla
+ Triumph der Liebe
+ Weibliches Urteil
+ Winternacht
+ Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+
+ Abschied vom Leser
+
+
+ Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen,
+ Erröten im verschämten Angesicht,
+ Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;
+ Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.
+ Des guten Beifall wünscht sie zu erlangen,
+ Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht;
+ Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,
+ Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.
+
+ Nicht länger wollen diese Lieder leben,
+ Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,
+ Mit schönern Phantasien es umgeben,
+ Zu höheren Gefühlen es geweiht;
+ Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,
+ Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.
+ Des Augenblickes Lust hat sie geboren,
+ Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.
+
+ Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften
+ Schießt frohes Leben jugendlich hervor,
+ Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,
+ Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor.
+ Und jung und alt ergeht sich in den Lüften
+ Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.
+ Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,
+ Und keine bleibt von allen, welche kamen.
+
+
+
+ Amalia
+
+
+ Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,
+ Schön vor allen Jünglingen war er,
+ Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,
+ Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
+ Seine Küsse--paradiesisch Fühlen!
+ Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
+ Harfentöne in einander spielen
+ Zu der himmelvollen Harmonie--
+ Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
+ Lippen, Wangen brannten, zitterten,
+ Seele rann in Seele--Erd' und Himmel schwammen
+ Wie zerronnen um die Liebenden!
+ Er ist hin--vergebens, ach! vergebens
+ Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
+ Er ist hin, und alle Lust des Lebens
+ Wimmert hin in ein verlornes Ach!
+
+
+
+ An den Frühling
+
+
+ Willkommen schöner Jüngling!
+ Du Wonne der Natur!
+ Mit deinem Blumenkörbchen
+ Willkommen auf der Flur!
+
+ Ei! Ei! Da bist du wieder!
+ Und bist so lieb und schön!
+ Und freun wir uns so herzlich,
+ Entgegen dir zu gehen.
+ Denkst auch noch an mein Mädchen?
+ Ei, lieber, denke doch!
+ Dort liebte mich das Mädchen,
+ Und 's Mädchen liebt mich noch!
+
+ Fürs Mädchen manches Blümchen
+ Erbat ich mir von dir--
+ Ich komm und bitte wieder,
+ Und du?--du gibst es mir?
+
+ Willkommen schöner Jüngling!
+ Du Wonne der Natur!
+ Mit deinem Blumenkörbchen
+ Willkommen auf der Flur!
+
+
+
+ An die Astronomen
+
+
+ Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
+ Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?
+ Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;
+ Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
+
+
+
+ An einen Moralisten
+
+
+ Was zürnst du unsrer frohen Jugendweise
+ Und lehrst, daß Lieben Tändeln sei?
+ Du starrest in des Winters Eise
+ Und schmälest auf den goldnen Mai.
+
+ Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,
+ Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,
+ Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest
+ Und Nektarduft von Mädchenlippen sogst--
+
+ Ha Seladon! wenn damals aus den Achsen
+ Gewichen wär der Erde schwerer Ball,
+ Im Liebesknäul mit Julien verwachsen
+ Du hättest überhört den Fall!
+
+ O denk zurück nach deinen Rosentagen
+ Und lerne: die Philosophie
+ Schlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;
+ Zu Göttern schaffst du Menschen nie.
+
+ Wohl, wenn ins Eis des klügelnden Verstandes
+ Das warme Blut ein bißchen muntrer springt!
+ Laß den Bewohnern eines bessern Landes,
+ Was nie dem Sterblichen gelingt.
+
+ Zwingt doch der irdische Gefährte
+ Den gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,
+ Er wehrt mir, daß ich Engel werde,
+ Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.
+
+
+
+ Bittschrift
+
+
+ Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,
+ Die Tobaksdose ledig,
+ Mein Magen leer--der Himmel sei
+ Dem Trauerspiele gnädig.
+
+ Ich kratze mit dem Federkiel
+ Auf den gewalkten Lumpen;
+ Wer kann Empfindung und Gefühl
+ Aus hohlem Herzen pumpen?
+
+ Feu'r soll ich gießen aufs Papier
+ Mit angefrornem Finger?--
+ O Phöbus, hassest du Geschmier,
+ So wärm auch deine Sänger.
+
+ Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,
+ Es scharrt die Küchenzofe.
+ Und mich--mich ruft das Flügeltier
+ Nach König Philipps Hofe.
+
+ Ich steige mutig auf das Roß;
+ In wenigen Sekunden
+ Seh ich Madrid--Am Königsschloß
+ Hab ich es angebunden.
+
+ Ich eile durch die Galerie
+ Und--siehe da!--belausche
+ Die junge Fürstin Eboli
+ In süßem Liebesrausche.
+
+ Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust
+ Mit wonnevollem Schauer,
+ In i h r e n Augen Götterlust,
+ Doch in den s e i n e n Trauer.
+
+ Schon ruft das schöne Weib Triumph,
+ Schon hör ich--Tod und Hölle!
+ Was hör ich?--einen nassen Strumpf
+ Geworfen in die Welle.
+
+ Und weg ist Traum und Feerei--
+ Prinzessin, Gott befohlen!
+ Der Teufel soll die Dichterei
+ Beim Hemdenwaschen holen.
+
+
+ Das Geheimnis
+
+
+ Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
+ Zu viele Lauscher waren wach;
+ Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,
+ Und wohl verstand ich, was er sprach.
+ Leis komm ich her in deine Stille,
+ Du schön belaubtes Buchenzelt,
+ Verbirg in deiner grünen Hülle
+ Die Liebenden dem Aug der Welt.
+
+ Von ferne mit verworrnem Sausen
+ Arbeitet der geschäft'ge Tag,
+ Und durch der Stimmen hohles Brausen
+ Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.
+ So sauer ringt die kargen Lose
+ Der Mensch dem harten Himmel ab,
+ Doch leicht erworben, aus dem Schoße
+ Der Götter fällt das Glück herab.
+
+ Daß ja die Menschen nie es hören,
+ Wie treue Lieb uns still beglückt!
+ Sie können nur die Freude stören,
+ Weil Freude nie sie selbst entzückt.
+ Die Welt wird nie das Glück erlauben,
+ Als Beute wird es nur gehascht,
+ Entwenden mußt du's oder rauben,
+ Eh dich die Mißgunst überrascht.
+
+ Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
+ Die Stille liebt es und die Nacht,
+ Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
+ Wo des Verräters Auge wacht.
+ O schlinge dich, du sanfte Quelle,
+ Ein breiter Strom um uns herum,
+ Und drohend mit empörter Welle
+ Verteidige dies Heiligtum!
+
+
+
+ Das Glück der Weisheit
+
+
+ Entzweit mit einem Favoriten,
+ Flog einst Fortun der Weisheit zu:
+ "Ich will dir meine Schätze bieten,
+ Sei meine Freundin du!
+
+ Mit meinen reichsten, schönsten Gaben
+ Beschenkt ich ihn so mütterlich,
+ Und sieh, er will noch immer haben
+ Und nennt noch geizig mich.
+
+ Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
+ Du marterst dich an deinem Pflug;
+ In deinen Schoß will ich sie gießen,
+ Hier ist für dich und mich genug."
+
+ Sophia lächelt diesen Worten
+ Und wischt den Schweiß vom Angesicht:
+ Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,
+ Versöhnet euch!--ich brauch dich nicht."
+
+
+
+ Das Lied von der Glocke
+
+
+ Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.
+
+ Fest gemauert in der Erden
+ Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
+ Heute muß die Glocke werden,
+ Frisch, Gesellen! seid zur Hand.
+ Von der Stirne heiß
+ Rinnen muß der Schweiß,
+ Soll das Werk den Meister loben,
+ Doch der Segen kommt von oben.
+ Zum Werke, das wir ernst bereiten,
+ Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
+ Wenn gute Reden sie begleiten,
+ Dann fließt die Arbeit munter fort.
+ So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
+ Was durch die schwache Kraft entspringt,
+ Den schlechten Mann muß man verachten,
+ Der nie bedacht, was er vollbringt.
+ Das ists ja, was den Menschen zieret
+ Und dazu ward ihm der Verstand,
+ Daß er im innern Herzen spüret,
+ Was er erschafft mit seiner Hand.
+
+ Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
+ Doch recht trocken laßt es sein,
+ Daß die eingepreßte Flamme
+ Schlage zu dem Schwalch hinein.
+ Kocht des Kupfers Brei,
+ Schnell das Zinn herbei,
+ Daß die zähe Glockenspeise
+ Fließe nach der rechten Weise.
+
+ Was in des Dammes tiefer Grube
+ Die Hand mit Feuers Hilfe baut,
+ Hoch auf des Turmes Glockenstube
+ Da wird es von uns zeugen laut.
+ Noch dauern wirds in späten Tagen
+ Und rühren vieler Menschen Ohr,
+ Und wird mit dem Betrübten klagen,
+ Und stimmen zu der Andacht Chor.
+ Was unten tief dem Erdensohne
+ Das wechselnde Verhängnis bringt,
+ Das schlägt an die metallne Krone,
+ Die es erbaulich weiter klingt.
+
+ Weiße Blasen seh ich springen,
+ Wohl! die Massen sind im Fluß.
+ Laßt's mit Aschensalz durchdringen,
+ Das befördert schnell den Guß.
+ Auch von Schaume rein
+ Muß die Mischung sein,
+ Daß vom reinlichen Metalle
+ Rein und voll die Stimme schalle.
+
+ Denn mit der Freude Feierklange
+ Begrüßt sie das geliebte Kind
+ Auf seines Lebens erstem Gange,
+ Den es in Schlafes Arm beginnt;
+ Ihm ruhen noch im Zeitenschoße
+ Die schwarzen und die heitern Lose,
+ Der Mutterliebe zarte Sorgen
+ Bewachen seinen goldnen Morgen--
+ Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
+ Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
+ Er stürmt ins Leben wild hinaus,
+ Durchmißt die Welt am Wanderstabe,
+ Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,
+ Und herrlich, in der Jugend Prangen,
+ Wie ein Gebild aus Himmels Höhn,
+ Mit züchtigen, verschämten Wangen
+ Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
+ Da faßt ein namenloses Sehnen
+ Des Jünglings Herz, er irrt allein,
+ Aus seinen Augen brechen Tränen,
+ Er flieht der Brüder wilden Reihn.
+ Errötend folgt er ihren Spuren,
+ Und ist von ihrem Gruß beglückt;
+ Das Schönste sucht er auf den Fluren,
+ Womit er seine Liebe schmückt.
+ O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
+ Der ersten Liebe goldne Zeit,
+ Das Auge sieht den Himmel offen,
+ Es schwelgt das Herz in Seligkeit,
+ O! daß sie ewig grünen bliebe,
+ Die schöne Zeit der jungen Liebe!
+
+ Wie sich schon die Pfeifen bräunen!
+ Dieses Stäbchen tauch ich ein,
+ Sehn wir's überglast erscheinen
+ Wirds zum Gusse zeitig sein.
+ Jetzt, Gesellen, frisch!
+ Prüft mir das Gemisch,
+ Ob das Spröde mit dem Weichen
+ Sich vereint zum guten Zeichen.
+
+ Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
+ Wo Starkes sich und Mildes paarten,
+ Da gibt es einen guten Klang.
+ Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
+ Ob sich das Herz zum Herzen findet!
+ Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
+ Lieblich in der Bräute Locken
+ Spielt der jungfräuliche Kranz,
+ Wenn die hellen Kirchenglocken
+ Laden zu des Festes Glanz.
+ Ach! des Lebens schönste Feier
+ Endigt auch den Lebensmai,
+ Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
+ Reißt der schöne Wahn entzwei.
+ Die Leidenschaft flieht,
+ Die Liebe muß bleiben,
+ Die Blume verblüht,
+ Die Frucht muß treiben.
+ Der Mann muß hinaus
+ Ins feindliche Leben,
+ Muß wirken und streben
+ Und pflanzen und schaffen,
+ Erlisten, erraffen,
+ Muß wetten und wagen
+ Das Glück zu erjagen.
+ Da strömet herbei die unendliche Gabe,
+ Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
+ Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
+ Und drinnen waltet
+ Die züchtige Hausfrau,
+ Die Mutter der Kinder,
+ Und herrschet weise
+ Im häuslichen Kreise,
+ Und lehret die Mädchen,
+ Und wehret den Knaben,
+ Und reget ohn Ende
+ Die fleißigen Hände,
+ Ünd mehrt den Gewinn
+ Mit ordnendem Sinn.
+ Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
+ Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
+ Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
+ Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
+ Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
+ Und ruhet nimmer.
+ Und der Vater mit frohem Blick
+ Von des Hauses weitschauendem Giebel
+ Überzählet sein blühend Glück,
+ Siehet der Pfosten ragende Bäume,
+ Und der Scheunen gefüllte Räume
+ Und die Speicher, vom Segen gebogen,
+ Und des Kornes bewegte Wogen,
+ Rühmt sich mit stolzem Mund:
+ Fest wie der Erde Grund
+ Gegen des Unglücks Macht
+ Steht mit des Hauses Pracht!--
+ Doch mit des Geschickes Mächten
+ Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
+ Und das Unglück schreitet schnell.
+
+ Wohl! Nun kann der Guß beginnen,
+ Schön gezacket ist der Bruch.
+ Doch, bevor wir's lassen rinnen,
+ Betet einen frommen Spruch!
+ Stoßt den Zapfen aus!
+ Gott bewahr das Haus.
+ Raudlend in des Henkels Bogen
+ Schießts mit feuerbraunen Wogen.
+
+ Wohltätig ist des Feuers Macht,
+ Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
+ Und was er bildet, was er schafft,
+ Das dankt er dieser;
+ Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
+ Wenn sie der Fessel sich entrafft,
+ Einhertritt auf der eignen Spur
+ Die freie Tochter der Natur.
+ Wehe, wenn sie losgelassen
+ Wachsend ohne Widerstand
+ Durch die volkbelebten Gassen
+ Wälzt den ungeheuren Brand!
+ Denn die Elemente hassen
+ Das Gebild der Menschenhand.
+ Aus der Wolke
+ Quillt der Segen,
+ Strömt der Regen,
+ Aus der Wolke, ohne Wahl,
+ Zuckt der Strahl!
+ Hört ihr's wimmern hoch vom Turm!
+ Das ist Sturm!
+ Rot wie Blut
+ Ist der Himmel,
+ Das ist nicht des Tages Glut!
+ Welch Getümmel
+ Straßen auf!
+ Dampf wallt auf!
+ Flackernd steigt die Feuersäule,
+ Durch der Straßen lange Zeile
+ Wächst es fort mit Windeseile,
+ Kochend wie aus Ofens Rachen
+ Glühn die Lüfte, Balken krachen,
+ Pfosten stürzen, Fenster klirren,
+ Kinder jammern, Mütter irren,
+ Tiere wimmern
+ Unter Trümmern,
+ Alles rennet, rettet, flüchtet,
+ Taghell ist die Nacht gelichtet,
+ Durch der Hände lange Kette
+ Um die Wette
+ Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
+ Sprützen Quellen, Wasserwogen.
+ Heulend kommt der Sturm geflogen,
+ Der die Flamme brausend sucht,
+ Prasselnd in die dürre Frucht
+ Fällt sie, in des Speichers Räume,
+ In der Sparren dürre Bäume,
+ Und als wollte sie im Wehen
+ Mit sich fort der Erde Wucht
+ Reißen, in gewaltger Flucht,
+ Wächst sie in des Himmels Höhen
+ Riesengroß!
+ Hoffnungslos
+ Weicht der Mensch der Götterstärke,
+ Müßig sieht er seine Werke
+ Und bewundernd untergehn.
+ Leergebrannt
+ Ist die Stätte,
+ Wilder Stürme rauhes Bette,
+ In den öden Fensterhöhlen
+ Wohnt das Grauen,
+ Und des Himmels Wolken schauen
+ Hoch hinein.
+ Einen Blick
+ Nach dem Grabe
+ Seiner Habe
+ Sendet noch der Mensch zurück--
+ Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,
+ Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
+ Ein süßer Trost ist ihm geblieben,
+ Er zählt die Häupter seiner Lieben
+ Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
+
+ In die Erd ist's aufgenommen,
+ Glücklich ist die Form gefüllt,
+ Wirds auch schön zu Tage kommen,
+ Daß es Fleiß und Kunst vergilt?
+ Wenn der Guß mißlang?
+ Wenn die Form zersprang?
+ Ach, vielleicht indem wir hoffen
+ Hat uns Unheil schon getroffen.
+
+ Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
+ Vertrauen wir der Hände Tat,
+ Vertraut der Sämann seine Saat
+ Und hofft, daß sie entkeimen werde
+ Zum Segen, nach des Himmels Rat.
+ Noch köstlicheren Samen bergen
+ Wir traurend in der Erde Schoß,
+ Und hoffen, daß er aus den Särgen
+ Erblühen soll zu schönerm Los.
+ Von dem Dome
+ Schwer und bang
+ Tönt die Glocke
+ Grabgesang.
+ Ernst begleiten ihre Trauerschläge
+ Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
+ Ach! die Gattin ists, die teure,
+ Ach! es ist die treue Mutter,
+ Die der schwarze Fürst der Schatten
+ Wegführt aus dem Arm des Gatten,
+ Aus der zarten Kinder Schar,
+ Die si.e blühend ihm gebar,
+ Die sie an der treuen Brust
+ Wachsen sah mit Mutterlust--
+ Ach! des Hauses zarte Bande
+ Sind gelöst auf immerdar,
+ Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,
+ Die des Hauses Mutter war,
+ Denn es fehlt ihr treues Walten,
+ Ihre Sorge wacht nicht mehr,
+ An verwaister Stätte schalten
+ Wird die Fremde, liebeleer.
+
+ Bis die Glocke sich verkühlet
+ Laßt die strenge Arbeit ruhn,
+ Wie im Laub der Vogel spielet
+ Mag sich jeder gütlich tun.
+ Winkt der Sterne Licht,
+ Ledig aller Pflicht
+ Hört der Bursch die Vesper schlagen,
+ Meister muß sich immer plagen.
+
+ Munter fördert seine Schritte
+ Fern im wilden Forst der Wandrer
+ Nach der lieben Heimathütte.
+ Blöckend ziehen heim die Schafe,
+ Und der Rinder
+ Breitgestirnte glatte Scharen
+ Kommen brüllend,
+ Die gewohnten Ställe füllend.
+ Schwer herein
+ Schwankt der Wagen,
+ Kornbeladen,
+ Bunt von Farben
+ Auf den Garben
+ Liegt der Kranz,
+ Und das junge Volk der Schnitter
+ Fliegt zum Tanz.
+ Markt und Straße werden stiller,
+ Um des Lichts gesellge Flamme
+ Sammeln sich die Hausbewohner,
+ Und das Stadttor schließt sich knarrend.
+ Schwarz bedecket
+ Sich die Erde,
+ Doch den sichern Bürger schrecket
+ Nicht die Nacht,
+ Die den Bösen gräßlich wecket,
+ Denn das Auge des Gesetzes wacht.
+ Heilge Ordnung, segenreiche
+ Himmelstochter, die das Gleiche
+ Frei und leicht und freudig bindet,
+ Die der Städte Bau gegründet,
+ Die herein von den Gefilden
+ Rief den ungesellgen Wilden,
+ Eintrat in der Menschen Hütten,
+ Sie gewöhnt' zu sanften Sitten
+ Und das teuerste der Bande
+ Wob, den Trieb zum Vaterlande!
+
+ Tausend fleißge Hände regen,
+ Helfen sich in munterm Bund
+ Und in feurigem Bewegen
+ Werden alle Kräfte kund.
+ Meister rührt sich und Geselle
+ In der Freiheit heilgem Schutz.
+ Jeder freut sich seiner Stelle,
+ Bietet dem Verächter Trutz.
+ Arbeit ist des Bürgers Zierde,
+ Segen ist der Mühe Preis,
+ Ehrt den König seine Würde,
+ Ehret uns der Hände Fleiß.
+
+ Holder Friede,
+ Süße Eintracht,
+ Weilet, weilet
+ Freundlich über dieser Stadt!
+ Möge nie der Tag erscheinen,
+ Wo des rauhen Krieges Horden
+ Dieses stille Tal durchtoben,
+ Wo der Himmel,
+ Den des Abends sanfte Röte
+ Lieblich malt,
+ Von der Dörfer, von der Städte
+ Wildem Brande schrecklich strahlt!
+
+ Nun zerbrecht mir das Gebäude,
+ Seine Absicht hats erfüllt,
+ Daß sich Herz und Auge weide
+ An dem wohlgelungnen Bild.
+ Schwingt den Hammer, schwingt,
+ Bis der Mantel springt,
+ Wenn die Glock soll auferstehen
+ Muß die Form in Stücken gehen.
+
+ Der Meister kann die Form zerbrechen
+ Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
+ Doch wehe, wenn in Flammenbächen
+ Das glühnde Erz sich selbst befreit!
+ Blindwütend mit des Donners Krachen
+ Zersprengt es das geborstne Haus,
+ Und wie aus offnem Höllenrachen
+ Speit es Verderben zündend aus;
+ Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
+ Da kann sich kein Gebild gestalten,
+ Wenn sich die Völker selbst befrein,
+ Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
+
+ Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
+ Der Feuerzunder still gehäuft,
+ Das Volk, zerreißend seine Kette,
+ Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
+ Da zerret an der Glocke Strängen
+ Der Aufruhr, daß sie heulend schallt,
+ Und nur geweiht zu Friedensklängen
+ Die Losung anstimmt zur Gewalt.
+
+ Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
+ Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr;
+ Die Straßen füllen sich, die Hallen,
+ Und Würgerbanden ziehn umher,
+ Da werden Weiber zu Hyänen
+ Und treiben mit Entsetzen Scherz,
+ Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
+ Zerreißen sie des Feindes Herz.
+ Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
+ Sich alle Bande frommer Scheu,
+ Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
+ Und alle Laster walten frei.
+ Gefährlich ists den Leu zu wecken,
+ Verderblich ist des Tigers Zahn,
+ Jedoch der schrecklichste der Schrecken
+ Das ist der Mensch in seinem Wahn.
+ Weh denen, die dem Ewigblinden
+ Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
+ Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
+ Und äschert Städt und Länder ein.
+
+ Freude hat mir Gott gegeben!
+ Sehet! wie ein goldner Stern
+ Aus der Hülse, blank und eben,
+ Schält sich der metallne Kern.
+ Von dem Helm zum Kranz
+ Spielts wie Sonnenglanz,
+ Auch des Wappens nette Schilder
+ Loben den erfahrnen Bilder.
+
+ Herein! herein!
+ Gesellen alle, schließt den Reihen,
+ Daß wir die Glocke taufend weihen,
+ Concordia soll ihr Name sein,
+ Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
+ Versammle sie die liebende Gemeine.
+ Und dies sei fortan ihr Beruf,
+ Wozu der Meister sie erschuf :
+ Hoch überm niedern Erdenleben
+ Soll sie in blauem Himmelszelt
+ Die Nachbarin des Donners schweben
+ Und grenzen an die Sternenwelt,
+ Soll eine Stimme sein von oben,
+ Wie der Gestirne helle Schar,
+ Die ihren Schöpfer wandelnd loben
+ Und führen das bekränzte Jahr.
+ Nur ewigen und ernsten Dingen
+ Sei ihr metallner Mund geweiht,
+ Und stündlich mit den schnellen Schwingen
+ Berühr im Fluge sie die Zeit,
+ Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
+ Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
+ Begleite sie mit ihrem Schwunge
+ Des Lebens wechselvolles Spiel.
+ Und wie der Klang im Ohr vergehet,
+ Der mächtig tönend ihr entschallt,
+ So lehre sie, daß nichts bestehet,
+ Daß alles Irdische verhallt.
+
+ Jetzo mit der Kraft des Stranges
+ Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
+ Daß sie in das Reich des Klanges
+ Steige, in die Himmelsluft.
+ Ziehet, ziehet, hebt!
+ Sie bewegt sich, schwebt,
+ Freude dieser Stadt bedeute,
+ Friede sei ihr erst Geläute.
+
+
+
+ Das Mädchen aus der Fremde
+
+
+ In einem Tal bei armen Hirten
+ Erschien mit jedem jungen Jahr,
+ Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
+ Ein Mädchen, schön und wunderbar.
+
+ Sie war nicht in dem Tal geboren,
+ Man wußte nicht, woher sie kam,
+ Und schnell war ihre Spur verloren,
+ Sobald das Mädchen Abschied nahm.
+
+ Beseligend war ihre Nähe,
+ Und alle Herzen wurden weit,
+ Doch eine Würde, eine Höhe
+ Entfernte die Vertraulichkeit.
+
+ Sie brachte Blumen mit und Früchte,
+ Gereift auf einer andern Flur,
+ In einem andern Sonnenlichte,
+ In einer glücklichern Natur.
+
+ Und teilte jedem eine Gabe,
+ Dem Früchte, jenem Blumen aus,
+ Der Jüngling und der Greis am Stabe,
+ Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
+
+ Willkommen waren alle Gäste,
+ Doch nahte sich ein liebend Paar,
+ Dem reichte sie der Gaben beste,
+ Der Blumen allerschönste dar.
+
+
+
+ Das Mädchen von Orleans
+
+
+ Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,
+ Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;
+ Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,
+ Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;
+ Dem Herzen will er seine Schätze rauben,
+ Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.
+
+ Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,
+ Selbst eine fromme Schäferin wie du,
+ Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,
+ Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.
+ Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;
+ Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.
+
+ Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
+ Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;
+ Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,
+ Die für das Hohe, Herrliche entglühn.
+ Den lauten Markt mag Momus unterhalten,
+ Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
+
+
+
+ Das Spiel des Lebens
+
+
+ Wollt ihr in meinen Kasten sehn?
+ Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,
+ Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;
+ Nur müßt ihr nicht zu nahe stehn,
+ Ihr müßt sie bei der Liebe Kerzen
+ Und nur bei Amors Fackel sehn.
+
+ Schaut her! Nie wird die Bühne leer:
+ Dort bringen sie das Kind getragen,
+ Der Knabe hüpft, der Jüngling stürmt einher,
+ Es kämpft der Mann, und alles will er wagen.
+
+ Ein jeglicher versucht sein Glück,
+ Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:
+ Der Wagen rollt, die Achsen brennen,
+ Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,
+ Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle,
+ Der Kluge überholt sie alle.
+
+ Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,
+ Mit holdem Blick, mit schönen Händen
+ Den Dank dem Sieger auszuspenden.
+
+
+
+ Das verschleierte Bild zu Sais
+
+
+ Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
+ Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
+ Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
+ Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
+ Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
+ Und kaum besänftigte der Hierophant
+ Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,
+ Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Jüngling,
+ "Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
+ Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
+ Nur eine Summe, die man größer, kleiner
+ Besitzen kann und immer doch besitzt?
+ Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
+ Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
+ Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
+ Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
+ Das schöne All der Töne fehlt und Farben."
+
+ Indem sie einst so sprachen, standen sie
+ In einer einsamen Rotonde still,
+ Wo ein verschleiert Bild von Riesengröße
+ Dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert
+ Blickt er den Führer an und spricht: "Was ists,
+ Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"
+ "Die Wahrheit", ist die Antwort.--"Wie?" ruft jener,
+ "Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
+ Gerade ist es, die man mir verhüllt?"
+
+ "Das mache mit der Gottheit aus", versetzt
+ Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+ Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
+ Den heiligen, verbotnen früher hebt,
+ Der, spricht die Gottheit--"--"Nun?"--
+ "Der sieht die Wahrheit."
+
+ "Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
+ Du hättest also niemals ihn gehoben?"
+ "Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
+ Versucht."--"Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
+ Nur diese dünne Scheidewand mich trennte--"
+ "Und ein Gesetz", fällt ihm sein Führer ein.
+ "Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
+ Ist dieser dünne Flor--für deine Hand
+ Zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen."
+
+ Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause,
+ Ihm raubt des Wissens brennende Begier
+ Den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager
+ Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
+ Führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
+ Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
+ Und mitten in das Innre der Rotonde
+ Trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.
+
+ Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt
+ Den Einsamen die lebenlose Stille,
+ Die nur der Tritte hohler Widerhall
+ In den geheimen Grüften unterbricht
+ Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft
+ Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
+ Und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott
+ Erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse
+ In ihrem langen Schleier die Gestalt.
+
+ Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
+ Schon will die freche Hand das Heilige berühren,
+ Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein
+ Und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.
+ Unglücklicher, was willst du tun? So ruft
+ In seinem Innern eine treue Stimme.
+ Versuchen den Allheiligen willst du?
+ Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+ Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
+ Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
+ "Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."
+ (Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."
+ Schauen!
+ Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
+
+ Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
+ Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
+ Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
+ So fanden ihn am andern Tag die Priester
+ Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
+ Was er allda gesehen und erfahren,
+ Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
+ War seines Lebens Heiterkeit dahin,
+ Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.
+ "Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,
+ Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
+ "Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
+ Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."
+
+
+
+ Der Abend (Nach einem Gemälde)
+
+
+ Senke, strahlender Gott--die Fluren dürsten
+ Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,
+ Matter ziehen die Rosse--
+ Senke den Wagen hinab!
+
+ Siehe, wer aus des Meers kristallner Woge
+ Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?
+ Rascher fliegen die Rosse,
+ Tethys, die göttliche, winkt.
+
+ Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
+ Springt der Führer, den Zaum ergreift Kupido,
+ Stille halten die Rosse,
+ Trinken die kühlende Flut.
+
+ An den Himmel herauf mit leisen Schritten
+ Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße
+ Liebe. Ruhet und liebet!
+ Phöbus, der liebende, ruht.
+
+
+
+ Die Antiken zu Paris
+
+
+ Was der Griechen Kunst erschaffen,
+ Mag der Franke mit den Waffen
+ Führen nach der Seine Strand,
+ Und in prangenden Museen
+ Zeig er seine Siegstrophäen
+ Dem erstaunten Vaterland!
+
+ Ewig werden sie ihm schweigen,
+ Nie von den Gestellen steigen
+ In des Lebens frischen Reihn.
+ Der allein besitzt die Musen,
+ Der sie trägt im warmen Busen,
+ Dem Vandalen sind sie Stein.
+
+
+
+ Die schönste Erscheinung
+
+
+ Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,
+ Niemals hast du die Schönheit gesehn.
+ Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,
+ Niemals hast du die Freude gesehn!
+
+
+
+ Die Weltweisen
+
+
+ Der Satz, durch welchen alles Ding
+ Bestand und Form empfangen,
+ Der Kloben, woran Zeus den Ring
+ Der Welt, die sonst in Scherben ging,
+ Vorsichtig aufgehangen,
+ Den nenn ich einen großen Geist,
+ Der mir ergründet, wie er heißt,
+ Wenn ich ihm nicht drauf helfe--
+ Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.
+
+ Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,
+ Der Mensch geht auf zwei Füßen,
+ Die Sonne scheint am Firmament,
+ Das kann, wer auch nicht Logik kennt,
+ Durch seine Sinne wissen.
+ Doch wer Metaphysik studiert,
+ Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,
+ Weiß, daß das Nasse feuchtet
+ Und daß das Helle leuchtet.
+
+ Homerus singt sein Hochgedicht,
+ Der Held besteht Gefahren,
+ Der brave Mann tut seine Pflicht
+ Und tat sie, ich verhehl es nicht,
+ Eh noch Weltweise waren;
+ Doch hat Genie und Herz vollbracht,
+ Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,
+ Sogleich wird auch von diesen
+ Die Möglichkeit bewiesen.
+
+ Im Leben gilt der Stärke Recht,
+ Dem Schwachen trotzt der Kühne,
+ Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;
+ Sonst geht es ganz erträglich schlecht
+ Auf dieser Erdenbühne.
+ Doch wie es wäre, fing der Plan
+ Der Welt nur erst von vorne an,
+ Ist in Moralsystemen
+ Ausführlich zu vernehmen.
+
+ "Der Mensch bedarf des Menschen sehr
+ Zu seinem großen Ziele,
+ Nur in dem Ganzen wirket er,
+ Viel Tropfen geben erst das Meer,
+ Viel Wasser treibt die Mühle.
+ Drum flieht der wilden Wölfe Stand
+ Und knüpft des Staates daurend Band."
+ So lehren vom Katheder
+ Herr Puffendorf und Feder.
+
+ Doch weil, was ein Professor spricht,
+ Nicht gleich zu allen dringet,
+ So übt N a t u r die Mutterpflicht
+ Und sorgt, daß nie die Kette bricht
+ Und daß der Reif nie springet.
+ Einstweilen, bis den Bau der Welt
+ Philosophie zusammenhält,
+ Erhält s i e das Getriebe
+ Durch Hunger und durch Liebe.
+
+
+
+ Epigramme
+
+
+ Unsterblichkeit
+ Vor dem Tod erschrickst du?
+ Du wünschest unsterblich zu leben?
+ Leb im Ganzen!
+ Wenn du lange dahin bist, es bleibt.
+
+ Theophanie
+ Zeigt sich der Glückliche mir,
+ ich vergesse die Götter des Himmels;
+ Aber sie stehen vor mir,
+ wenn ich den Leidenden seh.
+
+ Das Kind in der Wiege
+ Glücklicher Säugling!
+ Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,
+ Werde Mann,
+ und dir wird eng die unendliche Welt.
+
+ Der beste Staat
+ "Woran erkenn ich den besten Staat?"
+ Woran du die beste Frau kennst!
+ daran, mein Freund,
+ daß man von beiden nicht spricht.
+
+ Das Unwandelbare
+ "Unaufhaltsam enteilet die Zeit."
+ Sie sucht das Beständ'ge.
+ Sei getreu,
+ und du legst ewige Fesseln ihr an.
+
+ Zeus zu Herkules
+ Nicht aus meinem Nektar
+ hast du dir Gottheit getrunken;
+ Deine Götterkraft war's,
+ die dir den Nektar errang.
+
+
+
+ Forum des Weibes
+
+
+ Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;
+ Aber über den Mann sprechet das richtige Wort.
+
+
+
+ Odysseus
+
+
+ Alle Gewässer durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;
+ Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,
+ Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,
+ Selber in Aides Reich führt ihn die irrende Fahrt.
+ Endlich trägt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Küste--
+ Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.
+
+
+
+ Sehnsucht
+
+
+ Ach, aus dieses Tales Gründen,
+ Die der kalte Nebel drückt,
+ Könnt ich doch den Ausgang finden,
+ Ach, wie fühlt ich mich beglückt!
+ Dort erblick ich schöne Hügel,
+ Ewig jung und ewig grün!
+ Hätt ich schwingen, hätt ich Flügel,
+ Nach den Hügeln zög ich hin.
+
+ Harmonieen hör ich klingen,
+ Töne süßer Himmelsruh,
+ Und die leichten Winde bringen
+ Mir der Düfte Balsam zu,
+ Goldne Früchte seh ich glühen,
+ Winkend zwischen dunkelm Laub,
+ Und die Blumen, die dort blühen,
+ Werden keines Winters Raub.
+ Ach wie schön muß sich's ergehen
+ Dort im ew'gen Sonnenschein,
+ Und die Luft auf jenen Höhen,
+ O wie labend muß sie sein!
+ Doch mir wehrt des Stromes Toben,
+ Der ergrimmt dazwischen braust,
+ Seine Wellen sind gehoben,
+ Das die Seele mir ergraust.
+
+ Einen Nachen seh ich schwanken,
+ Aber ach! Der Fährmann fehlt.
+ Frisch hinein und ohne Wanken!
+ Seine Segel sind beseelt.
+ Du mußt glauben, du mußt wagen,
+ Denn die Götter leihn kein Pfand,
+ Nur ein Wunder kann dich tragen
+ In das schöne Wunderland.
+
+
+
+ Spinoza
+
+
+ Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,
+ Sein Wipfel tät die Wolken küssen,
+ Er liegt am Grund--warum?
+ Die Bauren hatten, hör ich reden,
+ Sein schönes Holz zum Bau'n vonnöten
+ Und rissen ihn deswegen um.
+
+
+
+ Thekla (Eine Geisterstimme)
+
+
+ Wo ich sei, und wo mich hingewendet,
+ Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?
+ Hab ich nicht beschlossen und geendet,
+ Hab ich nicht geliebet und gelebt?
+
+ Willst du nach den Nachtigallen fragen,
+ Die mit seelenvoller Melodie
+ Dich entzücken in des Lenzes Tagen?
+ Nur solang sie liebten, waren sie.
+
+ Ob ich den Verlorenen gefunden?
+ Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
+ Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
+ Dort, wo keine Träne wird geweint.
+
+ Dorten wirst auch du uns wieder finden,
+ Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;
+ Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,
+ Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.
+
+ Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,
+ Als er aufwärts zu den Sternen sah;
+ Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,
+ Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.
+
+ Wort gehalten wird in jenen Räumen
+ Jedem schönen gläubigen Gefühl;
+ Wage du, zu irren und zu träumen:
+ Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
+
+
+
+ Triumph der Liebe
+
+
+ Selig durch die Liebe
+ Götter--durch die Liebe
+ Menschen Göttern gleich!
+ Liebe macht den Himmel
+ Himmlischer--die Erde
+ Zu dem Himmelreich.
+
+
+
+ Weibliches Urteil
+
+
+ Männer richten nach Gründen;
+ des Weibes Urteil ist seine Liebe:
+ wo es nicht liebt,
+ hat schon gerichtet das Weib.
+
+
+
+ Winternacht
+
+
+ Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,
+ Grad über tritt der Mond!
+ Ade! Mit schwarzem Rabenflügel wehet
+ Die stumme Nacht ums Erdenrund.
+
+ Nichts hör ich mehr durchs winternde Gefilde
+ Als tief im Felsenloch
+ Die Murmelquell, und aus dem Wald das wilde
+ Geheul des Uhus hör ich noch.
+
+ Im Wasserbette ruhen alle Fische,
+ Die Schnecke kriecht ins Dach,
+ Das Hündchen schlummert sicher unterm Tische,
+ Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.
+
+ Euch Brüderchen von meinen Bubentagen
+ Mein herzliches Willkomm!
+ Ihr sitzt vielleicht mit traulichem Behagen
+ Um einen teutschen Krug herum.
+
+ Im hochgefüllten Deckelglase malet
+ Sich purpurfarb die Welt,
+ Und aus dem goldnen Traubenschaume strahlet
+ Vergnügen, das kein Neid vergällt.
+
+ Im Hintergrund vergangner Jahre findet
+ Nur Rosen euer Blick,
+ Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindet
+ Der trübe Gram von euch zurück.
+
+ Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhute
+ Stört ihr im Zeitbuch um.
+ Und zählt nunmehr mit federleichtem Mute
+ Schweißtropfen im Gymnasium.
+
+ Wie manchen Fluch--noch mögen unterm Boden
+ Sich seine Knochen drehn--
+ Terenz erpreßt, trotz Herrn Minellis Noten,
+ Wie manch verzogen Maul gesehn.
+
+ Wie ungestüm dem grimmen Landexamen
+ Des Buben Herz geklopft;
+ Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,
+ Der helle Schweiß aufs Buch getropft.--
+
+ Wo red't man auch von einer--e--gewissen--
+ Die sich als Frau nun spreißt,
+ Und mancher will der Lecker baß nun wissen,
+ Was doch ihr Mann baß--gar nicht weißt.
+
+ Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,
+ Und Bube heißt nun Mann,
+ Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken,
+ Was einst der kleine Fritz getan--
+
+ Man ist--Potz gar!--zum Doktor ausgesprochen,
+ Wohl gar--beim Regiment!
+ Und hat vielleicht--doch nicht zu früh, gerochen,
+ Daß Plane--Seifenblasen sind.
+
+ Hauch immer zu,--und laß die Blasen springen;
+ Bleibt nur dies Herz noch ganz!
+ Und bleibt mir nur--errungen mit Gesängen--
+ Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.
+
+
+
+ Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+ Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
+ Und klopf an deine Türe.
+ Mich schickt Papa und die Mama,
+ Daß ich dir gratuliere.
+
+ Ich bringe nichts als ein Gedicht
+ Zu deines Tages Feier;
+ Denn alles, was die Mutter spricht,
+ Ist so entsetzlich teuer.
+
+ Sag selbst, was ich dir wünschen soll;
+ Ich weiß nichts zu erdenken.
+ Du hast ja Küch und Keller voll,
+ Nichts fehlt in deinen Schränken.
+
+ Es wachsen fast dir auf den Tisch
+ Die Spargel und die Schoten,
+ Die Stachelbeeren blühen frisch,
+ Und so die Reineclauden.
+
+ Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
+ Die schmecken gar zu süße;
+ Und wenn sie werden zeitig sein,
+ So sorge, daß ich's wisse.
+
+ Viel fette Schweine mästest du
+ Und gibst den Hühnern Futter;
+ Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!
+ Und gibt dir Milch und Butter.
+
+ Es haben alle dich so gern,
+ Die Alten und die Jungen,
+ Und deinem lieben, braven Herrn
+ Ist alles wohlgelungen.
+
+ Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!
+ Mußt's auch fein immer bleiben;
+ Ja, höre, werde ja nicht krank,
+ Daß sie dir nichts verschreiben!
+
+ Nun lebe wohl! Ich sag ade.
+ Gelt, ich war heut bescheiden?
+ Doch könntest du mir, eh ich geh,
+ 'ne Butterbemme schneiden.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
+Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
+
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+The Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Einige Gedichte
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Posting Date: March 19, 2014 [EBook #6649]
+Release Date: October, 2004
+First Posted: January 9, 2003
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
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+Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collection
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+
+<h1>
+<br /><br />
+ Einige Gedichte<br />
+</h1>
+
+<p class="t2">
+ Friedrich von Schiller<br />
+</p>
+
+<p><br /></p>
+
+<p class="noindent">
+ Inhalt:<br />
+</p>
+
+<p class="noindent">
+ <a href="#abschied">Abschied vom Leser</a><br />
+ <a href="#amalia">Amalia</a><br />
+ <a href="#fruhling">An den Frühling</a><br />
+ <a href="#astronomen">An die Astronomen</a><br />
+ <a href="#moralisten">An einen Moralisten</a><br />
+ <a href="#bittschrift">Bittschrift</a><br />
+ <a href="#geheimnis">Das Geheimnis</a><br />
+ <a href="#gluck">Das Glück der Weisheit</a><br />
+ <a href="#glocke">Das Lied von der Glocke</a><br />
+ <a href="#fremde">Das Mädchen aus der Fremde</a><br />
+ <a href="#orleans">Das Mädchen von Orleans</a><br />
+ <a href="#lebens">Das Spiel des Lebens</a><br />
+ <a href="#sais">Das verschleierte Bild zu Sais</a><br />
+ <a href="#abend">Der Abend</a><br />
+ <a href="#paris">Die Antiken zu Paris</a><br />
+ <a href="#erscheinung">Die schönste Erscheinung</a><br />
+ <a href="#weltweisen">Die Weltweisen</a><br />
+ <a href="#epigramme">Epigramme Friedrich Schiller</a><br />
+ <a href="#forum">Forum des Weibes</a><br />
+ <a href="#odysseus">Odysseus</a><br />
+ <a href="#sehnsucht">Sehnsucht</a><br />
+ <a href="#spinoza">Spinoza</a><br />
+ <a href="#thekla">Thekla</a><br />
+ <a href="#triumph">Triumph der Liebe</a><br />
+ <a href="#weibliches">Weibliches Urteil</a><br />
+ <a href="#winternacht">Winternacht</a><br />
+ <a href="#geburtstag">Zum Geburtstag der Frau Griesbach</a><br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="abschied"></a>
+ Abschied vom Leser<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen,<br />
+ Erröten im verschämten Angesicht,<br />
+ Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;<br />
+ Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.<br />
+ Des guten Beifall wünscht sie zu erlangen,<br />
+ Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht;<br />
+ Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,<br />
+ Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nicht länger wollen diese Lieder leben,<br />
+ Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,<br />
+ Mit schönern Phantasien es umgeben,<br />
+ Zu höheren Gefühlen es geweiht;<br />
+ Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,<br />
+ Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.<br />
+ Des Augenblickes Lust hat sie geboren,<br />
+ Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften<br />
+ Schießt frohes Leben jugendlich hervor,<br />
+ Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,<br />
+ Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor.<br />
+ Und jung und alt ergeht sich in den Lüften<br />
+ Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.<br />
+ Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,<br />
+ Und keine bleibt von allen, welche kamen.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="amalia"></a>
+ Amalia<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,<br />
+ Schön vor allen Jünglingen war er,<br />
+ Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,<br />
+ Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.<br />
+ Seine Küsse&mdash;paradiesisch Fühlen!<br />
+ Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie<br />
+ Harfentöne in einander spielen<br />
+ Zu der himmelvollen Harmonie&mdash;<br />
+ Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,<br />
+ Lippen, Wangen brannten, zitterten,<br />
+ Seele rann in Seele&mdash;Erd' und Himmel schwammen<br />
+ Wie zerronnen um die Liebenden!<br />
+ Er ist hin&mdash;vergebens, ach! vergebens<br />
+ Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!<br />
+ Er ist hin, und alle Lust des Lebens<br />
+ Wimmert hin in ein verlornes Ach!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="fruhling"></a>
+ An den Frühling<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen schöner Jüngling!<br />
+ Du Wonne der Natur!<br />
+ Mit deinem Blumenkörbchen<br />
+ Willkommen auf der Flur!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ei! Ei! Da bist du wieder!<br />
+ Und bist so lieb und schön!<br />
+ Und freun wir uns so herzlich,<br />
+ Entgegen dir zu gehen.<br />
+ Denkst auch noch an mein Mädchen?<br />
+ Ei, lieber, denke doch!<br />
+ Dort liebte mich das Mädchen,<br />
+ Und 's Mädchen liebt mich noch!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Fürs Mädchen manches Blümchen<br />
+ Erbat ich mir von dir&mdash;<br />
+ Ich komm und bitte wieder,<br />
+ Und du?&mdash;du gibst es mir?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen schöner Jüngling!<br />
+ Du Wonne der Natur!<br />
+ Mit deinem Blumenkörbchen<br />
+ Willkommen auf der Flur!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="astronomen"></a>
+ An die Astronomen<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!<br />
+ Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?<br />
+ Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;<br />
+ Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="moralisten"></a>
+ An einen Moralisten<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Was zürnst du unsrer frohen Jugendweise<br />
+ Und lehrst, daß Lieben Tändeln sei?<br />
+ Du starrest in des Winters Eise<br />
+ Und schmälest auf den goldnen Mai.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,<br />
+ Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,<br />
+ Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest<br />
+ Und Nektarduft von Mädchenlippen sogst&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ha Seladon! wenn damals aus den Achsen<br />
+ Gewichen wär der Erde schwerer Ball,<br />
+ Im Liebesknäul mit Julien verwachsen<br />
+ Du hättest überhört den Fall!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ O denk zurück nach deinen Rosentagen<br />
+ Und lerne: die Philosophie<br />
+ Schlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;<br />
+ Zu Göttern schaffst du Menschen nie.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohl, wenn ins Eis des klügelnden Verstandes<br />
+ Das warme Blut ein bißchen muntrer springt!<br />
+ Laß den Bewohnern eines bessern Landes,<br />
+ Was nie dem Sterblichen gelingt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Zwingt doch der irdische Gefährte<br />
+ Den gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,<br />
+ Er wehrt mir, daß ich Engel werde,<br />
+ Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="bittschrift"></a>
+ Bittschrift<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,<br />
+ Die Tobaksdose ledig,<br />
+ Mein Magen leer&mdash;der Himmel sei<br />
+ Dem Trauerspiele gnädig.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich kratze mit dem Federkiel<br />
+ Auf den gewalkten Lumpen;<br />
+ Wer kann Empfindung und Gefühl<br />
+ Aus hohlem Herzen pumpen?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Feu'r soll ich gießen aufs Papier<br />
+ Mit angefrornem Finger?&mdash;<br />
+ O Phöbus, hassest du Geschmier,<br />
+ So wärm auch deine Sänger.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,<br />
+ Es scharrt die Küchenzofe.<br />
+ Und mich&mdash;mich ruft das Flügeltier<br />
+ Nach König Philipps Hofe.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich steige mutig auf das Roß;<br />
+ In wenigen Sekunden<br />
+ Seh ich Madrid&mdash;Am Königsschloß<br />
+ Hab ich es angebunden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich eile durch die Galerie<br />
+ Und&mdash;siehe da!&mdash;belausche<br />
+ Die junge Fürstin Eboli<br />
+ In süßem Liebesrausche.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust<br />
+ Mit wonnevollem Schauer,<br />
+ In i h r e n Augen Götterlust,<br />
+ Doch in den s e i n e n Trauer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schon ruft das schöne Weib Triumph,<br />
+ Schon hör ich&mdash;Tod und Hölle!<br />
+ Was hör ich?&mdash;einen nassen Strumpf<br />
+ Geworfen in die Welle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und weg ist Traum und Feerei&mdash;<br />
+ Prinzessin, Gott befohlen!<br />
+ Der Teufel soll die Dichterei<br />
+ Beim Hemdenwaschen holen.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="geheimnis"></a>
+ Das Geheimnis<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,<br />
+ Zu viele Lauscher waren wach;<br />
+ Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,<br />
+ Und wohl verstand ich, was er sprach.<br />
+ Leis komm ich her in deine Stille,<br />
+ Du schön belaubtes Buchenzelt,<br />
+ Verbirg in deiner grünen Hülle<br />
+ Die Liebenden dem Aug der Welt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Von ferne mit verworrnem Sausen<br />
+ Arbeitet der geschäft'ge Tag,<br />
+ Und durch der Stimmen hohles Brausen<br />
+ Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.<br />
+ So sauer ringt die kargen Lose<br />
+ Der Mensch dem harten Himmel ab,<br />
+ Doch leicht erworben, aus dem Schoße<br />
+ Der Götter fällt das Glück herab.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Daß ja die Menschen nie es hören,<br />
+ Wie treue Lieb uns still beglückt!<br />
+ Sie können nur die Freude stören,<br />
+ Weil Freude nie sie selbst entzückt.<br />
+ Die Welt wird nie das Glück erlauben,<br />
+ Als Beute wird es nur gehascht,<br />
+ Entwenden mußt du's oder rauben,<br />
+ Eh dich die Mißgunst überrascht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,<br />
+ Die Stille liebt es und die Nacht,<br />
+ Mit schnellen Füßen ist's entwichen,<br />
+ Wo des Verräters Auge wacht.<br />
+ O schlinge dich, du sanfte Quelle,<br />
+ Ein breiter Strom um uns herum,<br />
+ Und drohend mit empörter Welle<br />
+ Verteidige dies Heiligtum!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="gluck"></a>
+ Das Glück der Weisheit<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Entzweit mit einem Favoriten,<br />
+ Flog einst Fortun der Weisheit zu:<br />
+ "Ich will dir meine Schätze bieten,<br />
+ Sei meine Freundin du!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Mit meinen reichsten, schönsten Gaben<br />
+ Beschenkt ich ihn so mütterlich,<br />
+ Und sieh, er will noch immer haben<br />
+ Und nennt noch geizig mich.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,<br />
+ Du marterst dich an deinem Pflug;<br />
+ In deinen Schoß will ich sie gießen,<br />
+ Hier ist für dich und mich genug."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sophia lächelt diesen Worten<br />
+ Und wischt den Schweiß vom Angesicht:<br />
+ Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,<br />
+ Versöhnet euch!&mdash;ich brauch dich nicht."<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="glocke"></a>
+ Das Lied von der Glocke<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Fest gemauert in der Erden<br />
+ Steht die Form, aus Lehm gebrannt.<br />
+ Heute muß die Glocke werden,<br />
+ Frisch, Gesellen! seid zur Hand.<br />
+ Von der Stirne heiß<br />
+ Rinnen muß der Schweiß,<br />
+ Soll das Werk den Meister loben,<br />
+ Doch der Segen kommt von oben.<br />
+ Zum Werke, das wir ernst bereiten,<br />
+ Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;<br />
+ Wenn gute Reden sie begleiten,<br />
+ Dann fließt die Arbeit munter fort.<br />
+ So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,<br />
+ Was durch die schwache Kraft entspringt,<br />
+ Den schlechten Mann muß man verachten,<br />
+ Der nie bedacht, was er vollbringt.<br />
+ Das ists ja, was den Menschen zieret<br />
+ Und dazu ward ihm der Verstand,<br />
+ Daß er im innern Herzen spüret,<br />
+ Was er erschafft mit seiner Hand.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nehmet Holz vom Fichtenstamme,<br />
+ Doch recht trocken laßt es sein,<br />
+ Daß die eingepreßte Flamme<br />
+ Schlage zu dem Schwalch hinein.<br />
+ Kocht des Kupfers Brei,<br />
+ Schnell das Zinn herbei,<br />
+ Daß die zähe Glockenspeise<br />
+ Fließe nach der rechten Weise.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Was in des Dammes tiefer Grube<br />
+ Die Hand mit Feuers Hilfe baut,<br />
+ Hoch auf des Turmes Glockenstube<br />
+ Da wird es von uns zeugen laut.<br />
+ Noch dauern wirds in späten Tagen<br />
+ Und rühren vieler Menschen Ohr,<br />
+ Und wird mit dem Betrübten klagen,<br />
+ Und stimmen zu der Andacht Chor.<br />
+ Was unten tief dem Erdensohne<br />
+ Das wechselnde Verhängnis bringt,<br />
+ Das schlägt an die metallne Krone,<br />
+ Die es erbaulich weiter klingt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Weiße Blasen seh ich springen,<br />
+ Wohl! die Massen sind im Fluß.<br />
+ Laßt's mit Aschensalz durchdringen,<br />
+ Das befördert schnell den Guß.<br />
+ Auch von Schaume rein<br />
+ Muß die Mischung sein,<br />
+ Daß vom reinlichen Metalle<br />
+ Rein und voll die Stimme schalle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Denn mit der Freude Feierklange<br />
+ Begrüßt sie das geliebte Kind<br />
+ Auf seines Lebens erstem Gange,<br />
+ Den es in Schlafes Arm beginnt;<br />
+ Ihm ruhen noch im Zeitenschoße<br />
+ Die schwarzen und die heitern Lose,<br />
+ Der Mutterliebe zarte Sorgen<br />
+ Bewachen seinen goldnen Morgen&mdash;<br />
+ Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.<br />
+ Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,<br />
+ Er stürmt ins Leben wild hinaus,<br />
+ Durchmißt die Welt am Wanderstabe,<br />
+ Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,<br />
+ Und herrlich, in der Jugend Prangen,<br />
+ Wie ein Gebild aus Himmels Höhn,<br />
+ Mit züchtigen, verschämten Wangen<br />
+ Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.<br />
+ Da faßt ein namenloses Sehnen<br />
+ Des Jünglings Herz, er irrt allein,<br />
+ Aus seinen Augen brechen Tränen,<br />
+ Er flieht der Brüder wilden Reihn.<br />
+ Errötend folgt er ihren Spuren,<br />
+ Und ist von ihrem Gruß beglückt;<br />
+ Das Schönste sucht er auf den Fluren,<br />
+ Womit er seine Liebe schmückt.<br />
+ O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,<br />
+ Der ersten Liebe goldne Zeit,<br />
+ Das Auge sieht den Himmel offen,<br />
+ Es schwelgt das Herz in Seligkeit,<br />
+ O! daß sie ewig grünen bliebe,<br />
+ Die schöne Zeit der jungen Liebe!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie sich schon die Pfeifen bräunen!<br />
+ Dieses Stäbchen tauch ich ein,<br />
+ Sehn wir's überglast erscheinen<br />
+ Wirds zum Gusse zeitig sein.<br />
+ Jetzt, Gesellen, frisch!<br />
+ Prüft mir das Gemisch,<br />
+ Ob das Spröde mit dem Weichen<br />
+ Sich vereint zum guten Zeichen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Denn wo das Strenge mit dem Zarten,<br />
+ Wo Starkes sich und Mildes paarten,<br />
+ Da gibt es einen guten Klang.<br />
+ Drum prüfe, wer sich ewig bindet,<br />
+ Ob sich das Herz zum Herzen findet!<br />
+ Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.<br />
+ Lieblich in der Bräute Locken<br />
+ Spielt der jungfräuliche Kranz,<br />
+ Wenn die hellen Kirchenglocken<br />
+ Laden zu des Festes Glanz.<br />
+ Ach! des Lebens schönste Feier<br />
+ Endigt auch den Lebensmai,<br />
+ Mit dem Gürtel, mit dem Schleier<br />
+ Reißt der schöne Wahn entzwei.<br />
+ Die Leidenschaft flieht,<br />
+ Die Liebe muß bleiben,<br />
+ Die Blume verblüht,<br />
+ Die Frucht muß treiben.<br />
+ Der Mann muß hinaus<br />
+ Ins feindliche Leben,<br />
+ Muß wirken und streben<br />
+ Und pflanzen und schaffen,<br />
+ Erlisten, erraffen,<br />
+ Muß wetten und wagen<br />
+ Das Glück zu erjagen.<br />
+ Da strömet herbei die unendliche Gabe,<br />
+ Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,<br />
+ Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.<br />
+ Und drinnen waltet<br />
+ Die züchtige Hausfrau,<br />
+ Die Mutter der Kinder,<br />
+ Und herrschet weise<br />
+ Im häuslichen Kreise,<br />
+ Und lehret die Mädchen,<br />
+ Und wehret den Knaben,<br />
+ Und reget ohn Ende<br />
+ Die fleißigen Hände,<br />
+ Ünd mehrt den Gewinn<br />
+ Mit ordnendem Sinn.<br />
+ Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,<br />
+ Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,<br />
+ Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein<br />
+ Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,<br />
+ Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,<br />
+ Und ruhet nimmer.<br />
+ Und der Vater mit frohem Blick<br />
+ Von des Hauses weitschauendem Giebel<br />
+ Überzählet sein blühend Glück,<br />
+ Siehet der Pfosten ragende Bäume,<br />
+ Und der Scheunen gefüllte Räume<br />
+ Und die Speicher, vom Segen gebogen,<br />
+ Und des Kornes bewegte Wogen,<br />
+ Rühmt sich mit stolzem Mund:<br />
+ Fest wie der Erde Grund<br />
+ Gegen des Unglücks Macht<br />
+ Steht mit des Hauses Pracht!&mdash;<br />
+ Doch mit des Geschickes Mächten<br />
+ Ist kein ew'ger Bund zu flechten,<br />
+ Und das Unglück schreitet schnell.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohl! Nun kann der Guß beginnen,<br />
+ Schön gezacket ist der Bruch.<br />
+ Doch, bevor wir's lassen rinnen,<br />
+ Betet einen frommen Spruch!<br />
+ Stoßt den Zapfen aus!<br />
+ Gott bewahr das Haus.<br />
+ Raudlend in des Henkels Bogen<br />
+ Schießts mit feuerbraunen Wogen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohltätig ist des Feuers Macht,<br />
+ Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,<br />
+ Und was er bildet, was er schafft,<br />
+ Das dankt er dieser;<br />
+ Doch furchtbar wird die Himmelskraft,<br />
+ Wenn sie der Fessel sich entrafft,<br />
+ Einhertritt auf der eignen Spur<br />
+ Die freie Tochter der Natur.<br />
+ Wehe, wenn sie losgelassen<br />
+ Wachsend ohne Widerstand<br />
+ Durch die volkbelebten Gassen<br />
+ Wälzt den ungeheuren Brand!<br />
+ Denn die Elemente hassen<br />
+ Das Gebild der Menschenhand.<br />
+ Aus der Wolke<br />
+ Quillt der Segen,<br />
+ Strömt der Regen,<br />
+ Aus der Wolke, ohne Wahl,<br />
+ Zuckt der Strahl!<br />
+ Hört ihr's wimmern hoch vom Turm!<br />
+ Das ist Sturm!<br />
+ Rot wie Blut<br />
+ Ist der Himmel,<br />
+ Das ist nicht des Tages Glut!<br />
+ Welch Getümmel<br />
+ Straßen auf!<br />
+ Dampf wallt auf!<br />
+ Flackernd steigt die Feuersäule,<br />
+ Durch der Straßen lange Zeile<br />
+ Wächst es fort mit Windeseile,<br />
+ Kochend wie aus Ofens Rachen<br />
+ Glühn die Lüfte, Balken krachen,<br />
+ Pfosten stürzen, Fenster klirren,<br />
+ Kinder jammern, Mütter irren,<br />
+ Tiere wimmern<br />
+ Unter Trümmern,<br />
+ Alles rennet, rettet, flüchtet,<br />
+ Taghell ist die Nacht gelichtet,<br />
+ Durch der Hände lange Kette<br />
+ Um die Wette<br />
+ Fliegt der Eimer, hoch im Bogen<br />
+ Sprützen Quellen, Wasserwogen.<br />
+ Heulend kommt der Sturm geflogen,<br />
+ Der die Flamme brausend sucht,<br />
+ Prasselnd in die dürre Frucht<br />
+ Fällt sie, in des Speichers Räume,<br />
+ In der Sparren dürre Bäume,<br />
+ Und als wollte sie im Wehen<br />
+ Mit sich fort der Erde Wucht<br />
+ Reißen, in gewaltger Flucht,<br />
+ Wächst sie in des Himmels Höhen<br />
+ Riesengroß!<br />
+ Hoffnungslos<br />
+ Weicht der Mensch der Götterstärke,<br />
+ Müßig sieht er seine Werke<br />
+ Und bewundernd untergehn.<br />
+ Leergebrannt<br />
+ Ist die Stätte,<br />
+ Wilder Stürme rauhes Bette,<br />
+ In den öden Fensterhöhlen<br />
+ Wohnt das Grauen,<br />
+ Und des Himmels Wolken schauen<br />
+ Hoch hinein.<br />
+ Einen Blick<br />
+ Nach dem Grabe<br />
+ Seiner Habe<br />
+ Sendet noch der Mensch zurück&mdash;<br />
+ Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,<br />
+ Was Feuers Wut ihm auch geraubt,<br />
+ Ein süßer Trost ist ihm geblieben,<br />
+ Er zählt die Häupter seiner Lieben<br />
+ Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ In die Erd ist's aufgenommen,<br />
+ Glücklich ist die Form gefüllt,<br />
+ Wirds auch schön zu Tage kommen,<br />
+ Daß es Fleiß und Kunst vergilt?<br />
+ Wenn der Guß mißlang?<br />
+ Wenn die Form zersprang?<br />
+ Ach, vielleicht indem wir hoffen<br />
+ Hat uns Unheil schon getroffen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde<br />
+ Vertrauen wir der Hände Tat,<br />
+ Vertraut der Sämann seine Saat<br />
+ Und hofft, daß sie entkeimen werde<br />
+ Zum Segen, nach des Himmels Rat.<br />
+ Noch köstlicheren Samen bergen<br />
+ Wir traurend in der Erde Schoß,<br />
+ Und hoffen, daß er aus den Särgen<br />
+ Erblühen soll zu schönerm Los.<br />
+ Von dem Dome<br />
+ Schwer und bang<br />
+ Tönt die Glocke<br />
+ Grabgesang.<br />
+ Ernst begleiten ihre Trauerschläge<br />
+ Einen Wandrer auf dem letzten Wege.<br />
+ Ach! die Gattin ists, die teure,<br />
+ Ach! es ist die treue Mutter,<br />
+ Die der schwarze Fürst der Schatten<br />
+ Wegführt aus dem Arm des Gatten,<br />
+ Aus der zarten Kinder Schar,<br />
+ Die si.e blühend ihm gebar,<br />
+ Die sie an der treuen Brust<br />
+ Wachsen sah mit Mutterlust&mdash;<br />
+ Ach! des Hauses zarte Bande<br />
+ Sind gelöst auf immerdar,<br />
+ Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,<br />
+ Die des Hauses Mutter war,<br />
+ Denn es fehlt ihr treues Walten,<br />
+ Ihre Sorge wacht nicht mehr,<br />
+ An verwaister Stätte schalten<br />
+ Wird die Fremde, liebeleer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Bis die Glocke sich verkühlet<br />
+ Laßt die strenge Arbeit ruhn,<br />
+ Wie im Laub der Vogel spielet<br />
+ Mag sich jeder gütlich tun.<br />
+ Winkt der Sterne Licht,<br />
+ Ledig aller Pflicht<br />
+ Hört der Bursch die Vesper schlagen,<br />
+ Meister muß sich immer plagen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Munter fördert seine Schritte<br />
+ Fern im wilden Forst der Wandrer<br />
+ Nach der lieben Heimathütte.<br />
+ Blöckend ziehen heim die Schafe,<br />
+ Und der Rinder<br />
+ Breitgestirnte glatte Scharen<br />
+ Kommen brüllend,<br />
+ Die gewohnten Ställe füllend.<br />
+ Schwer herein<br />
+ Schwankt der Wagen,<br />
+ Kornbeladen,<br />
+ Bunt von Farben<br />
+ Auf den Garben<br />
+ Liegt der Kranz,<br />
+ Und das junge Volk der Schnitter<br />
+ Fliegt zum Tanz.<br />
+ Markt und Straße werden stiller,<br />
+ Um des Lichts gesellge Flamme<br />
+ Sammeln sich die Hausbewohner,<br />
+ Und das Stadttor schließt sich knarrend.<br />
+ Schwarz bedecket<br />
+ Sich die Erde,<br />
+ Doch den sichern Bürger schrecket<br />
+ Nicht die Nacht,<br />
+ Die den Bösen gräßlich wecket,<br />
+ Denn das Auge des Gesetzes wacht.<br />
+ Heilge Ordnung, segenreiche<br />
+ Himmelstochter, die das Gleiche<br />
+ Frei und leicht und freudig bindet,<br />
+ Die der Städte Bau gegründet,<br />
+ Die herein von den Gefilden<br />
+ Rief den ungesellgen Wilden,<br />
+ Eintrat in der Menschen Hütten,<br />
+ Sie gewöhnt' zu sanften Sitten<br />
+ Und das teuerste der Bande<br />
+ Wob, den Trieb zum Vaterlande!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Tausend fleißge Hände regen,<br />
+ Helfen sich in munterm Bund<br />
+ Und in feurigem Bewegen<br />
+ Werden alle Kräfte kund.<br />
+ Meister rührt sich und Geselle<br />
+ In der Freiheit heilgem Schutz.<br />
+ Jeder freut sich seiner Stelle,<br />
+ Bietet dem Verächter Trutz.<br />
+ Arbeit ist des Bürgers Zierde,<br />
+ Segen ist der Mühe Preis,<br />
+ Ehrt den König seine Würde,<br />
+ Ehret uns der Hände Fleiß.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Holder Friede,<br />
+ Süße Eintracht,<br />
+ Weilet, weilet<br />
+ Freundlich über dieser Stadt!<br />
+ Möge nie der Tag erscheinen,<br />
+ Wo des rauhen Krieges Horden<br />
+ Dieses stille Tal durchtoben,<br />
+ Wo der Himmel,<br />
+ Den des Abends sanfte Röte<br />
+ Lieblich malt,<br />
+ Von der Dörfer, von der Städte<br />
+ Wildem Brande schrecklich strahlt!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun zerbrecht mir das Gebäude,<br />
+ Seine Absicht hats erfüllt,<br />
+ Daß sich Herz und Auge weide<br />
+ An dem wohlgelungnen Bild.<br />
+ Schwingt den Hammer, schwingt,<br />
+ Bis der Mantel springt,<br />
+ Wenn die Glock soll auferstehen<br />
+ Muß die Form in Stücken gehen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Meister kann die Form zerbrechen<br />
+ Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,<br />
+ Doch wehe, wenn in Flammenbächen<br />
+ Das glühnde Erz sich selbst befreit!<br />
+ Blindwütend mit des Donners Krachen<br />
+ Zersprengt es das geborstne Haus,<br />
+ Und wie aus offnem Höllenrachen<br />
+ Speit es Verderben zündend aus;<br />
+ Wo rohe Kräfte sinnlos walten,<br />
+ Da kann sich kein Gebild gestalten,<br />
+ Wenn sich die Völker selbst befrein,<br />
+ Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte<br />
+ Der Feuerzunder still gehäuft,<br />
+ Das Volk, zerreißend seine Kette,<br />
+ Zur Eigenhilfe schrecklich greift!<br />
+ Da zerret an der Glocke Strängen<br />
+ Der Aufruhr, daß sie heulend schallt,<br />
+ Und nur geweiht zu Friedensklängen<br />
+ Die Losung anstimmt zur Gewalt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,<br />
+ Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr;<br />
+ Die Straßen füllen sich, die Hallen,<br />
+ Und Würgerbanden ziehn umher,<br />
+ Da werden Weiber zu Hyänen<br />
+ Und treiben mit Entsetzen Scherz,<br />
+ Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,<br />
+ Zerreißen sie des Feindes Herz.<br />
+ Nichts Heiliges ist mehr, es lösen<br />
+ Sich alle Bande frommer Scheu,<br />
+ Der Gute räumt den Platz dem Bösen,<br />
+ Und alle Laster walten frei.<br />
+ Gefährlich ists den Leu zu wecken,<br />
+ Verderblich ist des Tigers Zahn,<br />
+ Jedoch der schrecklichste der Schrecken<br />
+ Das ist der Mensch in seinem Wahn.<br />
+ Weh denen, die dem Ewigblinden<br />
+ Des Lichtes Himmelsfackel leihn!<br />
+ Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden<br />
+ Und äschert Städt und Länder ein.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Freude hat mir Gott gegeben!<br />
+ Sehet! wie ein goldner Stern<br />
+ Aus der Hülse, blank und eben,<br />
+ Schält sich der metallne Kern.<br />
+ Von dem Helm zum Kranz<br />
+ Spielts wie Sonnenglanz,<br />
+ Auch des Wappens nette Schilder<br />
+ Loben den erfahrnen Bilder.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Herein! herein!<br />
+ Gesellen alle, schließt den Reihen,<br />
+ Daß wir die Glocke taufend weihen,<br />
+ Concordia soll ihr Name sein,<br />
+ Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine<br />
+ Versammle sie die liebende Gemeine.<br />
+ Und dies sei fortan ihr Beruf,<br />
+ Wozu der Meister sie erschuf :<br />
+ Hoch überm niedern Erdenleben<br />
+ Soll sie in blauem Himmelszelt<br />
+ Die Nachbarin des Donners schweben<br />
+ Und grenzen an die Sternenwelt,<br />
+ Soll eine Stimme sein von oben,<br />
+ Wie der Gestirne helle Schar,<br />
+ Die ihren Schöpfer wandelnd loben<br />
+ Und führen das bekränzte Jahr.<br />
+ Nur ewigen und ernsten Dingen<br />
+ Sei ihr metallner Mund geweiht,<br />
+ Und stündlich mit den schnellen Schwingen<br />
+ Berühr im Fluge sie die Zeit,<br />
+ Dem Schicksal leihe sie die Zunge,<br />
+ Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,<br />
+ Begleite sie mit ihrem Schwunge<br />
+ Des Lebens wechselvolles Spiel.<br />
+ Und wie der Klang im Ohr vergehet,<br />
+ Der mächtig tönend ihr entschallt,<br />
+ So lehre sie, daß nichts bestehet,<br />
+ Daß alles Irdische verhallt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Jetzo mit der Kraft des Stranges<br />
+ Wiegt die Glock mir aus der Gruft,<br />
+ Daß sie in das Reich des Klanges<br />
+ Steige, in die Himmelsluft.<br />
+ Ziehet, ziehet, hebt!<br />
+ Sie bewegt sich, schwebt,<br />
+ Freude dieser Stadt bedeute,<br />
+ Friede sei ihr erst Geläute.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="fremde"></a>
+ Das Mädchen aus der Fremde<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ In einem Tal bei armen Hirten<br />
+ Erschien mit jedem jungen Jahr,<br />
+ Sobald die ersten Lerchen schwirrten,<br />
+ Ein Mädchen, schön und wunderbar.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sie war nicht in dem Tal geboren,<br />
+ Man wußte nicht, woher sie kam,<br />
+ Und schnell war ihre Spur verloren,<br />
+ Sobald das Mädchen Abschied nahm.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Beseligend war ihre Nähe,<br />
+ Und alle Herzen wurden weit,<br />
+ Doch eine Würde, eine Höhe<br />
+ Entfernte die Vertraulichkeit.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sie brachte Blumen mit und Früchte,<br />
+ Gereift auf einer andern Flur,<br />
+ In einem andern Sonnenlichte,<br />
+ In einer glücklichern Natur.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und teilte jedem eine Gabe,<br />
+ Dem Früchte, jenem Blumen aus,<br />
+ Der Jüngling und der Greis am Stabe,<br />
+ Ein jeder ging beschenkt nach Haus.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen waren alle Gäste,<br />
+ Doch nahte sich ein liebend Paar,<br />
+ Dem reichte sie der Gaben beste,<br />
+ Der Blumen allerschönste dar.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="orleans"></a>
+ Das Mädchen von Orleans<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,<br />
+ Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;<br />
+ Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,<br />
+ Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;<br />
+ Dem Herzen will er seine Schätze rauben,<br />
+ Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,<br />
+ Selbst eine fromme Schäferin wie du,<br />
+ Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,<br />
+ Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.<br />
+ Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;<br />
+ Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen<br />
+ Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;<br />
+ Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,<br />
+ Die für das Hohe, Herrliche entglühn.<br />
+ Den lauten Markt mag Momus unterhalten,<br />
+ Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="lebens"></a>
+ Das Spiel des Lebens<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Wollt ihr in meinen Kasten sehn?<br />
+ Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,<br />
+ Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;<br />
+ Nur müßt ihr nicht zu nahe stehn,<br />
+ Ihr müßt sie bei der Liebe Kerzen<br />
+ Und nur bei Amors Fackel sehn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schaut her! Nie wird die Bühne leer:<br />
+ Dort bringen sie das Kind getragen,<br />
+ Der Knabe hüpft, der Jüngling stürmt einher,<br />
+ Es kämpft der Mann, und alles will er wagen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ein jeglicher versucht sein Glück,<br />
+ Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:<br />
+ Der Wagen rollt, die Achsen brennen,<br />
+ Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,<br />
+ Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle,<br />
+ Der Kluge überholt sie alle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,<br />
+ Mit holdem Blick, mit schönen Händen<br />
+ Den Dank dem Sieger auszuspenden.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="sais"></a>
+ Das verschleierte Bild zu Sais<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst<br />
+ Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester<br />
+ Geheime Weisheit zu erlernen, hatte<br />
+ Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,<br />
+ Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,<br />
+ Und kaum besänftigte der Hierophant<br />
+ Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,<br />
+ Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Jüngling,<br />
+ "Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?<br />
+ Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück<br />
+ Nur eine Summe, die man größer, kleiner<br />
+ Besitzen kann und immer doch besitzt?<br />
+ Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?<br />
+ Nimm einen Ton aus einer Harmonie,<br />
+ Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,<br />
+ Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang<br />
+ Das schöne All der Töne fehlt und Farben."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Indem sie einst so sprachen, standen sie<br />
+ In einer einsamen Rotonde still,<br />
+ Wo ein verschleiert Bild von Riesengröße<br />
+ Dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert<br />
+ Blickt er den Führer an und spricht: "Was ists,<br />
+ Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"<br />
+ "Die Wahrheit", ist die Antwort.&mdash;"Wie?" ruft jener,<br />
+ "Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese<br />
+ Gerade ist es, die man mir verhüllt?"<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Das mache mit der Gottheit aus", versetzt<br />
+ Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,<br />
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.<br />
+ Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand<br />
+ Den heiligen, verbotnen früher hebt,<br />
+ Der, spricht die Gottheit&mdash;"&mdash;"Nun?"&mdash;<br />
+ "Der sieht die Wahrheit."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,<br />
+ Du hättest also niemals ihn gehoben?"<br />
+ "Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu<br />
+ Versucht."&mdash;"Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit<br />
+ Nur diese dünne Scheidewand mich trennte&mdash;"<br />
+ "Und ein Gesetz", fällt ihm sein Führer ein.<br />
+ "Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,<br />
+ Ist dieser dünne Flor&mdash;für deine Hand<br />
+ Zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause,<br />
+ Ihm raubt des Wissens brennende Begier<br />
+ Den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager<br />
+ Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel<br />
+ Führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.<br />
+ Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,<br />
+ Und mitten in das Innre der Rotonde<br />
+ Trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt<br />
+ Den Einsamen die lebenlose Stille,<br />
+ Die nur der Tritte hohler Widerhall<br />
+ In den geheimen Grüften unterbricht<br />
+ Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft<br />
+ Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,<br />
+ Und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott<br />
+ Erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse<br />
+ In ihrem langen Schleier die Gestalt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,<br />
+ Schon will die freche Hand das Heilige berühren,<br />
+ Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein<br />
+ Und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.<br />
+ Unglücklicher, was willst du tun? So ruft<br />
+ In seinem Innern eine treue Stimme.<br />
+ Versuchen den Allheiligen willst du?<br />
+ Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,<br />
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.<br />
+ Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:<br />
+ Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?<br />
+ "Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."<br />
+ (Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."<br />
+ Schauen!<br />
+ Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.<br />
+ Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?<br />
+ Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,<br />
+ So fanden ihn am andern Tag die Priester<br />
+ Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.<br />
+ Was er allda gesehen und erfahren,<br />
+ Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig<br />
+ War seines Lebens Heiterkeit dahin,<br />
+ Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.<br />
+ "Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,<br />
+ Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,<br />
+ "Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,<br />
+ Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="abend"></a>
+ Der Abend (Nach einem Gemälde)<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Senke, strahlender Gott&mdash;die Fluren dürsten<br />
+ Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,<br />
+ Matter ziehen die Rosse&mdash;<br />
+ Senke den Wagen hinab!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Siehe, wer aus des Meers kristallner Woge<br />
+ Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?<br />
+ Rascher fliegen die Rosse,<br />
+ Tethys, die göttliche, winkt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schnell vom Wagen herab in ihre Arme<br />
+ Springt der Führer, den Zaum ergreift Kupido,<br />
+ Stille halten die Rosse,<br />
+ Trinken die kühlende Flut.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ An den Himmel herauf mit leisen Schritten<br />
+ Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße<br />
+ Liebe. Ruhet und liebet!<br />
+ Phöbus, der liebende, ruht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="paris"></a>
+ Die Antiken zu Paris<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Was der Griechen Kunst erschaffen,<br />
+ Mag der Franke mit den Waffen<br />
+ Führen nach der Seine Strand,<br />
+ Und in prangenden Museen<br />
+ Zeig er seine Siegstrophäen<br />
+ Dem erstaunten Vaterland!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ewig werden sie ihm schweigen,<br />
+ Nie von den Gestellen steigen<br />
+ In des Lebens frischen Reihn.<br />
+ Der allein besitzt die Musen,<br />
+ Der sie trägt im warmen Busen,<br />
+ Dem Vandalen sind sie Stein.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="erscheinung"></a>
+ Die schönste Erscheinung<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,<br />
+ Niemals hast du die Schönheit gesehn.<br />
+ Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,<br />
+ Niemals hast du die Freude gesehn!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="weltweisen"></a>
+ Die Weltweisen<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Der Satz, durch welchen alles Ding<br />
+ Bestand und Form empfangen,<br />
+ Der Kloben, woran Zeus den Ring<br />
+ Der Welt, die sonst in Scherben ging,<br />
+ Vorsichtig aufgehangen,<br />
+ Den nenn ich einen großen Geist,<br />
+ Der mir ergründet, wie er heißt,<br />
+ Wenn ich ihm nicht drauf helfe&mdash;<br />
+ Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,<br />
+ Der Mensch geht auf zwei Füßen,<br />
+ Die Sonne scheint am Firmament,<br />
+ Das kann, wer auch nicht Logik kennt,<br />
+ Durch seine Sinne wissen.<br />
+ Doch wer Metaphysik studiert,<br />
+ Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,<br />
+ Weiß, daß das Nasse feuchtet<br />
+ Und daß das Helle leuchtet.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Homerus singt sein Hochgedicht,<br />
+ Der Held besteht Gefahren,<br />
+ Der brave Mann tut seine Pflicht<br />
+ Und tat sie, ich verhehl es nicht,<br />
+ Eh noch Weltweise waren;<br />
+ Doch hat Genie und Herz vollbracht,<br />
+ Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,<br />
+ Sogleich wird auch von diesen<br />
+ Die Möglichkeit bewiesen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Leben gilt der Stärke Recht,<br />
+ Dem Schwachen trotzt der Kühne,<br />
+ Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;<br />
+ Sonst geht es ganz erträglich schlecht<br />
+ Auf dieser Erdenbühne.<br />
+ Doch wie es wäre, fing der Plan<br />
+ Der Welt nur erst von vorne an,<br />
+ Ist in Moralsystemen<br />
+ Ausführlich zu vernehmen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Der Mensch bedarf des Menschen sehr<br />
+ Zu seinem großen Ziele,<br />
+ Nur in dem Ganzen wirket er,<br />
+ Viel Tropfen geben erst das Meer,<br />
+ Viel Wasser treibt die Mühle.<br />
+ Drum flieht der wilden Wölfe Stand<br />
+ Und knüpft des Staates daurend Band."<br />
+ So lehren vom Katheder<br />
+ Herr Puffendorf und Feder.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Doch weil, was ein Professor spricht,<br />
+ Nicht gleich zu allen dringet,<br />
+ So übt N a t u r die Mutterpflicht<br />
+ Und sorgt, daß nie die Kette bricht<br />
+ Und daß der Reif nie springet.<br />
+ Einstweilen, bis den Bau der Welt<br />
+ Philosophie zusammenhält,<br />
+ Erhält s i e das Getriebe<br />
+ Durch Hunger und durch Liebe.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="epigramme"></a>
+ Epigramme<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Unsterblichkeit<br />
+ Vor dem Tod erschrickst du?<br />
+ Du wünschest unsterblich zu leben?<br />
+ Leb im Ganzen!<br />
+ Wenn du lange dahin bist, es bleibt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Theophanie<br />
+ Zeigt sich der Glückliche mir,<br />
+ ich vergesse die Götter des Himmels;<br />
+ Aber sie stehen vor mir,<br />
+ wenn ich den Leidenden seh.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Das Kind in der Wiege<br />
+ Glücklicher Säugling!<br />
+ Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,<br />
+ Werde Mann,<br />
+ und dir wird eng die unendliche Welt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der beste Staat<br />
+ "Woran erkenn ich den besten Staat?"<br />
+ Woran du die beste Frau kennst!<br />
+ daran, mein Freund,<br />
+ daß man von beiden nicht spricht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Das Unwandelbare<br />
+ "Unaufhaltsam enteilet die Zeit."<br />
+ Sie sucht das Beständ'ge.<br />
+ Sei getreu,<br />
+ und du legst ewige Fesseln ihr an.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Zeus zu Herkules<br />
+ Nicht aus meinem Nektar<br />
+ hast du dir Gottheit getrunken;<br />
+ Deine Götterkraft war's,<br />
+ die dir den Nektar errang.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="forum"></a>
+ Forum des Weibes<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;<br />
+ Aber über den Mann sprechet das richtige Wort.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="odysseus"></a>
+ Odysseus<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Alle Gewässer durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;<br />
+ Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,<br />
+ Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,<br />
+ Selber in Aides Reich führt ihn die irrende Fahrt.<br />
+ Endlich trägt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Küste&mdash;<br />
+ Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="sehnsucht"></a>
+ Sehnsucht<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ach, aus dieses Tales Gründen,<br />
+ Die der kalte Nebel drückt,<br />
+ Könnt ich doch den Ausgang finden,<br />
+ Ach, wie fühlt ich mich beglückt!<br />
+ Dort erblick ich schöne Hügel,<br />
+ Ewig jung und ewig grün!<br />
+ Hätt ich schwingen, hätt ich Flügel,<br />
+ Nach den Hügeln zög ich hin.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Harmonieen hör ich klingen,<br />
+ Töne süßer Himmelsruh,<br />
+ Und die leichten Winde bringen<br />
+ Mir der Düfte Balsam zu,<br />
+ Goldne Früchte seh ich glühen,<br />
+ Winkend zwischen dunkelm Laub,<br />
+ Und die Blumen, die dort blühen,<br />
+ Werden keines Winters Raub.<br />
+ Ach wie schön muß sich's ergehen<br />
+ Dort im ew'gen Sonnenschein,<br />
+ Und die Luft auf jenen Höhen,<br />
+ O wie labend muß sie sein!<br />
+ Doch mir wehrt des Stromes Toben,<br />
+ Der ergrimmt dazwischen braust,<br />
+ Seine Wellen sind gehoben,<br />
+ Das die Seele mir ergraust.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Einen Nachen seh ich schwanken,<br />
+ Aber ach! Der Fährmann fehlt.<br />
+ Frisch hinein und ohne Wanken!<br />
+ Seine Segel sind beseelt.<br />
+ Du mußt glauben, du mußt wagen,<br />
+ Denn die Götter leihn kein Pfand,<br />
+ Nur ein Wunder kann dich tragen<br />
+ In das schöne Wunderland.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="spinoza"></a>
+ Spinoza<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,<br />
+ Sein Wipfel tät die Wolken küssen,<br />
+ Er liegt am Grund&mdash;warum?<br />
+ Die Bauren hatten, hör ich reden,<br />
+ Sein schönes Holz zum Bau'n vonnöten<br />
+ Und rissen ihn deswegen um.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="thekla"></a>
+ Thekla (Eine Geisterstimme)<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Wo ich sei, und wo mich hingewendet,<br />
+ Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?<br />
+ Hab ich nicht beschlossen und geendet,<br />
+ Hab ich nicht geliebet und gelebt?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willst du nach den Nachtigallen fragen,<br />
+ Die mit seelenvoller Melodie<br />
+ Dich entzücken in des Lenzes Tagen?<br />
+ Nur solang sie liebten, waren sie.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ob ich den Verlorenen gefunden?<br />
+ Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,<br />
+ Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,<br />
+ Dort, wo keine Träne wird geweint.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Dorten wirst auch du uns wieder finden,<br />
+ Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;<br />
+ Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,<br />
+ Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,<br />
+ Als er aufwärts zu den Sternen sah;<br />
+ Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,<br />
+ Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wort gehalten wird in jenen Räumen<br />
+ Jedem schönen gläubigen Gefühl;<br />
+ Wage du, zu irren und zu träumen:<br />
+ Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="triumph"></a>
+ Triumph der Liebe<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Selig durch die Liebe<br />
+ Götter&mdash;durch die Liebe<br />
+ Menschen Göttern gleich!<br />
+ Liebe macht den Himmel<br />
+ Himmlischer&mdash;die Erde<br />
+ Zu dem Himmelreich.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="weibliches"></a>
+ Weibliches Urteil<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Männer richten nach Gründen;<br />
+ des Weibes Urteil ist seine Liebe:<br />
+ wo es nicht liebt,<br />
+ hat schon gerichtet das Weib.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="winternacht"></a>
+ Winternacht<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,<br />
+ Grad über tritt der Mond!<br />
+ Ade! Mit schwarzem Rabenflügel wehet<br />
+ Die stumme Nacht ums Erdenrund.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nichts hör ich mehr durchs winternde Gefilde<br />
+ Als tief im Felsenloch<br />
+ Die Murmelquell, und aus dem Wald das wilde<br />
+ Geheul des Uhus hör ich noch.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Wasserbette ruhen alle Fische,<br />
+ Die Schnecke kriecht ins Dach,<br />
+ Das Hündchen schlummert sicher unterm Tische,<br />
+ Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Euch Brüderchen von meinen Bubentagen<br />
+ Mein herzliches Willkomm!<br />
+ Ihr sitzt vielleicht mit traulichem Behagen<br />
+ Um einen teutschen Krug herum.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im hochgefüllten Deckelglase malet<br />
+ Sich purpurfarb die Welt,<br />
+ Und aus dem goldnen Traubenschaume strahlet<br />
+ Vergnügen, das kein Neid vergällt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Hintergrund vergangner Jahre findet<br />
+ Nur Rosen euer Blick,<br />
+ Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindet<br />
+ Der trübe Gram von euch zurück.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhute<br />
+ Stört ihr im Zeitbuch um.<br />
+ Und zählt nunmehr mit federleichtem Mute<br />
+ Schweißtropfen im Gymnasium.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie manchen Fluch&mdash;noch mögen unterm Boden<br />
+ Sich seine Knochen drehn&mdash;<br />
+ Terenz erpreßt, trotz Herrn Minellis Noten,<br />
+ Wie manch verzogen Maul gesehn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie ungestüm dem grimmen Landexamen<br />
+ Des Buben Herz geklopft;<br />
+ Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,<br />
+ Der helle Schweiß aufs Buch getropft.&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wo red't man auch von einer&mdash;e&mdash;gewissen&mdash;<br />
+ Die sich als Frau nun spreißt,<br />
+ Und mancher will der Lecker baß nun wissen,<br />
+ Was doch ihr Mann baß&mdash;gar nicht weißt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,<br />
+ Und Bube heißt nun Mann,<br />
+ Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken,<br />
+ Was einst der kleine Fritz getan&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Man ist&mdash;Potz gar!&mdash;zum Doktor ausgesprochen,<br />
+ Wohl gar&mdash;beim Regiment!<br />
+ Und hat vielleicht&mdash;doch nicht zu früh, gerochen,<br />
+ Daß Plane&mdash;Seifenblasen sind.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Hauch immer zu,&mdash;und laß die Blasen springen;<br />
+ Bleibt nur dies Herz noch ganz!<br />
+ Und bleibt mir nur&mdash;errungen mit Gesängen&mdash;<br />
+ Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="geburtstag"></a>
+ Zum Geburtstag der Frau Griesbach<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da<br />
+ Und klopf an deine Türe.<br />
+ Mich schickt Papa und die Mama,<br />
+ Daß ich dir gratuliere.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich bringe nichts als ein Gedicht<br />
+ Zu deines Tages Feier;<br />
+ Denn alles, was die Mutter spricht,<br />
+ Ist so entsetzlich teuer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sag selbst, was ich dir wünschen soll;<br />
+ Ich weiß nichts zu erdenken.<br />
+ Du hast ja Küch und Keller voll,<br />
+ Nichts fehlt in deinen Schränken.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es wachsen fast dir auf den Tisch<br />
+ Die Spargel und die Schoten,<br />
+ Die Stachelbeeren blühen frisch,<br />
+ Und so die Reineclauden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Bei Stachelbeeren fällt mir ein:<br />
+ Die schmecken gar zu süße;<br />
+ Und wenn sie werden zeitig sein,<br />
+ So sorge, daß ich's wisse.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Viel fette Schweine mästest du<br />
+ Und gibst den Hühnern Futter;<br />
+ Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!<br />
+ Und gibt dir Milch und Butter.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es haben alle dich so gern,<br />
+ Die Alten und die Jungen,<br />
+ Und deinem lieben, braven Herrn<br />
+ Ist alles wohlgelungen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!<br />
+ Mußt's auch fein immer bleiben;<br />
+ Ja, höre, werde ja nicht krank,<br />
+ Daß sie dir nichts verschreiben!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun lebe wohl! Ich sag ade.<br />
+ Gelt, ich war heut bescheiden?<br />
+ Doch könntest du mir, eh ich geh,<br />
+ 'ne Butterbemme schneiden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem"><br /><br /><br /><br /></p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
+Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
+
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
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+Foundation
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+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+works.
+
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+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
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+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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+
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+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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+++ b/LICENSE.txt
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #6649 (https://www.gutenberg.org/ebooks/6649)
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@@ -0,0 +1,1717 @@
+The Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte
+by Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Einige Gedichte
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Release Date: October, 2004 [EBook #6649]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 9, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, EINIGE GEDICHTE ***
+
+
+
+
+Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
+German books in London.
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 7-bit version.
+
+
+
+
+
+Einige Gedichte
+
+Friedrich von Schiller
+
+
+Inhalt:
+
+Abschied vom Leser
+Amalia
+An den Fruehling
+An die Astronomen
+An einen Moralisten
+Bittschrift
+Das Geheimnis
+Das Glueck der Weisheit
+Das Lied von der Glocke
+Das Maedchen aus der Fremde
+Das Maedchen von Orleans
+Das Spiel des Lebens
+Das verschleierte Bild zu Sais
+Der Abend
+Die Antiken zu Paris
+Die schoenste Erscheinung
+Die Weltweisen
+Epigramme Friedrich Schiller
+Forum des Weibes
+Odysseus
+Sehnsucht
+Spinoza
+Thekla
+Triumph der Liebe
+Weibliches Urteil
+Winternacht
+Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+
+Abschied vom Leser
+
+
+Die Muse schweigt. Mit jungfraeulichen Wangen,
+Erroeten im verschaemten Angesicht,
+Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;
+Sie achtet es, doch fuerchtet sie es nicht.
+Des guten Beifall wuenscht sie zu erlangen,
+Den Wahrheit ruehrt, den Flimmer nicht besticht;
+Nur wem ein Herz, empfaenglich fuer das Schoene,
+Im Busen schlaegt, ist wert, dass er sie kroene.
+
+Nicht laenger wollen diese Lieder leben,
+Als bis ihr Klang ein fuehlend Herz erfreut,
+Mit schoenern Phantasien es umgeben,
+Zu hoeheren Gefuehlen es geweiht;
+Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,
+Sie toenten, sie verhallen in der Zeit.
+Des Augenblickes Lust hat sie geboren,
+Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.
+
+Der Lenz erwacht, auf den erwaermten Triften
+Schiesst frohes Leben jugendlich hervor,
+Die Staude wuerzt die Luft mit Nektardueften,
+Den Himmel fuellt ein muntrer Saengerchor.
+Und jung und alt ergeht sich in den Lueften
+Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.
+Der Lenz entflieht! Die Blume schiesst in Samen,
+Und keine bleibt von allen, welche kamen.
+
+
+
+Amalia
+
+
+Schoen wie Engel voll Walhallas Wonne,
+Schoen vor allen Juenglingen war er,
+Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,
+Rueckgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
+Seine Kuesse--paradiesisch Fuehlen!
+Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
+Harfentoene in einander spielen
+Zu der himmelvollen Harmonie--
+Stuerzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
+Lippen, Wangen brannten, zitterten,
+Seele rann in Seele--Erd' und Himmel schwammen
+Wie zerronnen um die Liebenden!
+Er ist hin--vergebens, ach! vergebens
+Stoehnet ihm der bange Seufzer nach!
+Er ist hin, und alle Lust des Lebens
+Wimmert hin in ein verlornes Ach!
+
+
+
+An den Fruehling
+
+
+Willkommen schoener Juengling!
+Du Wonne der Natur!
+Mit deinem Blumenkoerbchen
+Willkommen auf der Flur!
+
+Ei! Ei! Da bist du wieder!
+Und bist so lieb und schoen!
+Und freun wir uns so herzlich,
+Entgegen dir zu gehen.
+Denkst auch noch an mein Maedchen?
+Ei, lieber, denke doch!
+Dort liebte mich das Maedchen,
+Und 's Maedchen liebt mich noch!
+
+Fuers Maedchen manches Bluemchen
+Erbat ich mir von dir--
+Ich komm und bitte wieder,
+Und du?--du gibst es mir?
+
+Willkommen schoener Juengling!
+Du Wonne der Natur!
+Mit deinem Blumenkoerbchen
+Willkommen auf der Flur!
+
+
+
+An die Astronomen
+
+
+Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
+Ist die Natur nur gross, weil sie zu zaehlen euch gibt?
+Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;
+Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
+
+
+
+An einen Moralisten
+
+
+Was zuernst du unsrer frohen Jugendweise
+Und lehrst, dass Lieben Taendeln sei?
+Du starrest in des Winters Eise
+Und schmaelest auf den goldnen Mai.
+
+Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,
+Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,
+Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest
+Und Nektarduft von Maedchenlippen sogst--
+
+Ha Seladon! wenn damals aus den Achsen
+Gewichen waer der Erde schwerer Ball,
+Im Liebesknaeul mit Julien verwachsen
+Du haettest ueberhoert den Fall!
+
+O denk zurueck nach deinen Rosentagen
+Und lerne: die Philosophie
+Schlaegt um, wie unsre Pulse anders schlagen;
+Zu Goettern schaffst du Menschen nie.
+
+Wohl, wenn ins Eis des kluegelnden Verstandes
+Das warme Blut ein bisschen muntrer springt!
+Lass den Bewohnern eines bessern Landes,
+Was nie dem Sterblichen gelingt.
+
+Zwingt doch der irdische Gefaehrte
+Den gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,
+Er wehrt mir, dass ich Engel werde,
+Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.
+
+
+
+Bittschrift
+
+
+Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,
+Die Tobaksdose ledig,
+Mein Magen leer--der Himmel sei
+Dem Trauerspiele gnaedig.
+
+Ich kratze mit dem Federkiel
+Auf den gewalkten Lumpen;
+Wer kann Empfindung und Gefuehl
+Aus hohlem Herzen pumpen?
+
+Feu'r soll ich giessen aufs Papier
+Mit angefrornem Finger?--
+O Phoebus, hassest du Geschmier,
+So waerm auch deine Saenger.
+
+Die Waesche klatscht vor meiner Tuer,
+Es scharrt die Kuechenzofe.
+Und mich--mich ruft das Fluegeltier
+Nach Koenig Philipps Hofe.
+
+Ich steige mutig auf das Ross;
+In wenigen Sekunden
+Seh ich Madrid--Am Koenigsschloss
+Hab ich es angebunden.
+
+Ich eile durch die Galerie
+Und--siehe da!--belausche
+Die junge Fuerstin Eboli
+In suessem Liebesrausche.
+
+Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust
+Mit wonnevollem Schauer,
+In i h r e n Augen Goetterlust,
+Doch in den s e i n e n Trauer.
+
+Schon ruft das schoene Weib Triumph,
+Schon hoer ich--Tod und Hoelle!
+Was hoer ich?--einen nassen Strumpf
+Geworfen in die Welle.
+
+Und weg ist Traum und Feerei--
+Prinzessin, Gott befohlen!
+Der Teufel soll die Dichterei
+Beim Hemdenwaschen holen.
+
+
+Das Geheimnis
+
+
+Sie konnte mir kein Woertchen sagen,
+Zu viele Lauscher waren wach;
+Den Blick nur durft ich schuechtern fragen,
+Und wohl verstand ich, was er sprach.
+Leis komm ich her in deine Stille,
+Du schoen belaubtes Buchenzelt,
+Verbirg in deiner gruenen Huelle
+Die Liebenden dem Aug der Welt.
+
+Von ferne mit verworrnem Sausen
+Arbeitet der geschaeft'ge Tag,
+Und durch der Stimmen hohles Brausen
+Erkenn ich schwerer Haemmer Schlag.
+So sauer ringt die kargen Lose
+Der Mensch dem harten Himmel ab,
+Doch leicht erworben, aus dem Schosse
+Der Goetter faellt das Glueck herab.
+
+Dass ja die Menschen nie es hoeren,
+Wie treue Lieb uns still beglueckt!
+Sie koennen nur die Freude stoeren,
+Weil Freude nie sie selbst entzueckt.
+Die Welt wird nie das Glueck erlauben,
+Als Beute wird es nur gehascht,
+Entwenden musst du's oder rauben,
+Eh dich die Missgunst ueberrascht.
+
+Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
+Die Stille liebt es und die Nacht,
+Mit schnellen Fuessen ist's entwichen,
+Wo des Verraeters Auge wacht.
+O schlinge dich, du sanfte Quelle,
+Ein breiter Strom um uns herum,
+Und drohend mit empoerter Welle
+Verteidige dies Heiligtum!
+
+
+
+Das Glueck der Weisheit
+
+
+Entzweit mit einem Favoriten,
+Flog einst Fortun der Weisheit zu:
+"Ich will dir meine Schaetze bieten,
+Sei meine Freundin du!
+
+Mit meinen reichsten, schoensten Gaben
+Beschenkt ich ihn so muetterlich,
+Und sieh, er will noch immer haben
+Und nennt noch geizig mich.
+
+Komm, Schwester, lass uns Freundschaft schliessen,
+Du marterst dich an deinem Pflug;
+In deinen Schoss will ich sie giessen,
+Hier ist fuer dich und mich genug."
+
+Sophia laechelt diesen Worten
+Und wischt den Schweiss vom Angesicht:
+Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,
+Versoehnet euch!--ich brauch dich nicht."
+
+
+
+Das Lied von der Glocke
+
+
+Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.
+
+Fest gemauert in der Erden
+Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
+Heute muss die Glocke werden,
+Frisch, Gesellen! seid zur Hand.
+Von der Stirne heiss
+Rinnen muss der Schweiss,
+Soll das Werk den Meister loben,
+Doch der Segen kommt von oben.
+Zum Werke, das wir ernst bereiten,
+Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
+Wenn gute Reden sie begleiten,
+Dann fliesst die Arbeit munter fort.
+So lasst uns jetzt mit Fleiss betrachten,
+Was durch die schwache Kraft entspringt,
+Den schlechten Mann muss man verachten,
+Der nie bedacht, was er vollbringt.
+Das ists ja, was den Menschen zieret
+Und dazu ward ihm der Verstand,
+Dass er im innern Herzen spueret,
+Was er erschafft mit seiner Hand.
+
+Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
+Doch recht trocken lasst es sein,
+Dass die eingepresste Flamme
+Schlage zu dem Schwalch hinein.
+Kocht des Kupfers Brei,
+Schnell das Zinn herbei,
+Dass die zaehe Glockenspeise
+Fliesse nach der rechten Weise.
+
+Was in des Dammes tiefer Grube
+Die Hand mit Feuers Hilfe baut,
+Hoch auf des Turmes Glockenstube
+Da wird es von uns zeugen laut.
+Noch dauern wirds in spaeten Tagen
+Und ruehren vieler Menschen Ohr,
+Und wird mit dem Betruebten klagen,
+Und stimmen zu der Andacht Chor.
+Was unten tief dem Erdensohne
+Das wechselnde Verhaengnis bringt,
+Das schlaegt an die metallne Krone,
+Die es erbaulich weiter klingt.
+
+Weisse Blasen seh ich springen,
+Wohl! die Massen sind im Fluss.
+Lasst's mit Aschensalz durchdringen,
+Das befoerdert schnell den Guss.
+Auch von Schaume rein
+Muss die Mischung sein,
+Dass vom reinlichen Metalle
+Rein und voll die Stimme schalle.
+
+Denn mit der Freude Feierklange
+Begruesst sie das geliebte Kind
+Auf seines Lebens erstem Gange,
+Den es in Schlafes Arm beginnt;
+Ihm ruhen noch im Zeitenschosse
+Die schwarzen und die heitern Lose,
+Der Mutterliebe zarte Sorgen
+Bewachen seinen goldnen Morgen--
+Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
+Vom Maedchen reisst sich stolz der Knabe,
+Er stuermt ins Leben wild hinaus,
+Durchmisst die Welt am Wanderstabe,
+Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,
+Und herrlich, in der Jugend Prangen,
+Wie ein Gebild aus Himmels Hoehn,
+Mit zuechtigen, verschaemten Wangen
+Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
+Da fasst ein namenloses Sehnen
+Des Juenglings Herz, er irrt allein,
+Aus seinen Augen brechen Traenen,
+Er flieht der Brueder wilden Reihn.
+Erroetend folgt er ihren Spuren,
+Und ist von ihrem Gruss beglueckt;
+Das Schoenste sucht er auf den Fluren,
+Womit er seine Liebe schmueckt.
+O! zarte Sehnsucht, suesses Hoffen,
+Der ersten Liebe goldne Zeit,
+Das Auge sieht den Himmel offen,
+Es schwelgt das Herz in Seligkeit,
+O! dass sie ewig gruenen bliebe,
+Die schoene Zeit der jungen Liebe!
+
+Wie sich schon die Pfeifen braeunen!
+Dieses Staebchen tauch ich ein,
+Sehn wir's ueberglast erscheinen
+Wirds zum Gusse zeitig sein.
+Jetzt, Gesellen, frisch!
+Prueft mir das Gemisch,
+Ob das Sproede mit dem Weichen
+Sich vereint zum guten Zeichen.
+
+Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
+Wo Starkes sich und Mildes paarten,
+Da gibt es einen guten Klang.
+Drum pruefe, wer sich ewig bindet,
+Ob sich das Herz zum Herzen findet!
+Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
+Lieblich in der Braeute Locken
+Spielt der jungfraeuliche Kranz,
+Wenn die hellen Kirchenglocken
+Laden zu des Festes Glanz.
+Ach! des Lebens schoenste Feier
+Endigt auch den Lebensmai,
+Mit dem Guertel, mit dem Schleier
+Reisst der schoene Wahn entzwei.
+Die Leidenschaft flieht,
+Die Liebe muss bleiben,
+Die Blume verblueht,
+Die Frucht muss treiben.
+Der Mann muss hinaus
+Ins feindliche Leben,
+Muss wirken und streben
+Und pflanzen und schaffen,
+Erlisten, erraffen,
+Muss wetten und wagen
+Das Glueck zu erjagen.
+Da stroemet herbei die unendliche Gabe,
+Es fuellt sich der Speicher mit koestlicher Habe,
+Die Raeume wachsen, es dehnt sich das Haus.
+Und drinnen waltet
+Die zuechtige Hausfrau,
+Die Mutter der Kinder,
+Und herrschet weise
+Im haeuslichen Kreise,
+Und lehret die Maedchen,
+Und wehret den Knaben,
+Und reget ohn Ende
+Die fleissigen Haende,
+Uend mehrt den Gewinn
+Mit ordnendem Sinn.
+Und fuellet mit Schaetzen die duftenden Laden,
+Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
+Und sammelt im reinlich geglaetteten Schrein
+Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
+Und fueget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
+Und ruhet nimmer.
+Und der Vater mit frohem Blick
+Von des Hauses weitschauendem Giebel
+Ueberzaehlet sein bluehend Glueck,
+Siehet der Pfosten ragende Baeume,
+Und der Scheunen gefuellte Raeume
+Und die Speicher, vom Segen gebogen,
+Und des Kornes bewegte Wogen,
+Ruehmt sich mit stolzem Mund:
+Fest wie der Erde Grund
+Gegen des Ungluecks Macht
+Steht mfr des Hauses Pracht!--
+Doch mit des Geschickes Maechten
+Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
+Und das Unglueck schreitet schnell.
+
+Wohl! Nun kann der Guss beginnen,
+Schoen gezacket ist der Bruch.
+Doch, bevor wir's lassen rinnen,
+Betet einen frommen Spruch!
+Stosst den Zapfen aus!
+Gott bewahr das Haus.
+Raudlend in des Henkels Bogen
+Schiessts mit feuerbraunen Wogen.
+
+Wohltaetig ist des Feuers Macht,
+Wenn sie der Mensch bezaehmt, bewacht,
+Und was er bildet, was er schafft,
+Das dankt er dieser;
+Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
+Wenn sie der Fessel sich entrafft,
+Einhertritt auf der eignen Spur
+Die freie Tochter der Natur.
+Wehe, wenn sie losgelassen
+Wachsend ohne Widerstand
+Durch die volkbelebten Gassen
+Waelzt den ungeheuren Brand!
+Denn die Elemente hassen
+Das Gebild der Menschenhand.
+Aus der Wolke
+Quillt der Segen,
+Stroemt der Regen,
+Aus der Wolke, ohne Wahl,
+Zuckt der Strahl!
+Hoert ihr's wimmern hoch vom Turm!
+Das ist Sturm!
+Rot wie Blut
+Ist der Himmel,
+Das ist nicht des Tages Glut!
+Welch Getuemmel
+Strassen auf!
+Dampf wallt auf!
+Flackernd steigt die Feuersaeule,
+Durch der Strassen lange Zeile
+Waechst es fort mit Windeseile,
+Kochend wie aus Ofens Rachen
+Gluehn die Luefte, Balken krachen,
+Pfosten stuerzen, Fenster klirren,
+Kinder jammern, Muetter irren,
+Tiere wimmern
+Unter Truemmern,
+Alles rennet, rettet, fluechtet,
+Taghell ist die Nacht gelichtet,
+Durch der Haende lange Kette
+Um die Wette
+Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
+Spruetzen Quellen, Wasserwogen.
+Heulend kommt der Sturm geflogen,
+Der die Flamme brausend sucht,
+Prasselnd in die duerre Frucht
+Faellt sie, in des Speichers Raeume,
+In der Sparren duerre Baeume,
+Und als wollte sie im Wehen
+Mit sich fort der Erde Wucht
+Reissen, in gewaltger Flucht,
+Waechst sie in des Himmels Hoehen
+Riesengross!
+Hoffnungslos
+Weicht der Mensch der Goetterstaerke,
+Muessig sieht er seine Werke
+Und bewundernd untergehn.
+Leergebrannt
+Ist die Staette,
+Wilder Stuerme rauhes Bette,
+In den oeden Fensterhoehlen
+Wohnt das Grauen,
+Und des Himmels Wolken schauen
+Hoch hinein.
+Einen Blick
+Nach dem Grabe
+Seiner Habe
+Sendet noch der Mensch zurueck--
+Greift froehlich dann zum Wanderstabe,
+Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
+Ein suesser Trost ist ihm geblieben,
+Er zaehlt die Haeupter seiner Lieben
+Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
+
+In die Erd ist's aufgenommen,
+Gluecklich ist die Form gefuellt,
+Wirds auch schoen zu Tage kommen,
+Dass es Fleiss und Kunst vergilt?
+Wenn der Guss misslang?
+Wenn die Form zersprang?
+Ach, vielleicht indem wir hoffen
+Hat uns Unheil schon getroffen.
+
+Dem dunkeln Schoss der heilgen Erde
+Vertrauen wir der Haende Tat,
+Vertraut der Saemann seine Saat
+Und hofft, dass sie entkeimen werde
+Zum Segen, nach des Himmels Rat.
+Noch koestlicheren Samen bergen
+Wir traurend in der Erde Schoss,
+Und hoffen, dass er aus den Saergen
+Erbluehen soll zu schoenerm Los.
+Von dem Dome
+Schwer und bang
+Toent die Glocke
+Grabgesang.
+Ernst begleiten ihre Trauerschlaege
+Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
+Ach! die Gattin ists, die teure,
+Ach! es ist die treue Mutter,
+Die der schwarze Fuerst der Schatten
+Wegfuehrt aus dem Arm des Gatten,
+Aus der zarten Kinder Schar,
+Die si.e bluehend ihm gebar,
+Die sie an der treuen Brust
+Wachsen sah mit Mutterlust--
+Ach! des Hauses zarte Bande
+Sind geloest auf immerdar,
+Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,
+Die des Hauses Mutter war,
+Denn es fehlt ihr treues Walten,
+Ihre Sorge wacht nicht mehr,
+An verwaister Staette schalten
+Wird die Fremde, liebeleer.
+
+Bis die Glocke sich verkuehlet
+Lasst die strenge Arbeit ruhn,
+Wie im Laub der Vogel spielet
+Mag sich jeder guetlich tun.
+Winkt der Sterne Licht,
+Ledig aller Pflicht
+Hoert der Bursch die Vesper schlagen,
+Meister muss sich immer plagen.
+
+Munter foerdert seine Schritte
+Fern im wilden Forst der Wandrer
+Nach der lieben Heimathuette.
+Bloeckend ziehen heim die Schafe,
+Und der Rinder
+Breitgestirnte glatte Scharen
+Kommen bruellend,
+Die gewohnten Staelle fuellend.
+Schwer herein
+Schwankt der Wagen,
+Kornbeladen,
+Bunt von Farben
+Auf den Garben
+Liegt der Kranz,
+Und das junge Volk der Schnitter
+Fliegt zum Tanz.
+Markt und Strasse werden stiller,
+Um des Lichts gesellge Flamme
+Sammeln sich die Hausbewohner,
+Und das Stadttor schliesst sich knarrend.
+Schwarz bedecket
+Sich die Erde,
+Doch den sichern Buerger schrecket
+Nicht die Nacht,
+Die den Boesen graesslich wecket,
+Denn das Auge des Gesetzes wacht.
+Heilge Ordnung, segenreiche
+Himmelstochter, die das Gleiche
+Frei und leicht und freudig bindet,
+Die der Staedte Bau gegruendet,
+Die herein von den Gefilden
+Rief den ungesellgen Wilden,
+Eintrat in der Menschen Huetten,
+Sie gewoehnt' zu sanften Sitten
+Und das teuerste der Bande
+Wob, den Trieb zum Vaterlande!
+
+Tausend fleissge Haende regen,
+Helfen sich in munterm Bund
+Und in feurigem Bewegen
+Werden alle Kraefte kund.
+Meister ruehrt sich und Geselle
+In der Freiheit heilgem Schutz.
+Jeder freut sich seiner Stelle,
+Bietet dem Veraechter Trutz.
+Arbeit ist des Buergers Zierde,
+Segen ist der Muehe Preis,
+Ehrt den Koenig seine Wuerde,
+Ehret uns der Haende Fleiss.
+
+Holder Friede,
+Suesse Eintracht,
+Weilet, weilet
+Freundlich ueber dieser Stadt!
+Moege nie der Tag erscheinen,
+Wo des rauhen Krieges Horden
+Dieses stille Tal durchtoben,
+Wo der Himmel,
+Den des Abends sanfte Roete
+Lieblich malt,
+Von der Doerfer, von der Staedte
+Wildem Brande schrecklich strahlt!
+
+Nun zerbrecht mir das Gebaeude,
+Seine Absicht hats erfuellt,
+Dass sich Herz und Auge weide
+An dem wohlgelungnen Bild.
+Schwingt den Hammer, schwingt,
+Bis der Mantel springt,
+Wenn die Glock soll auferstehen
+Muss die Form in Stuecken gehen.
+
+Der Meister kann die Form zerbrechen
+Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
+Doch wehe, wenn in Flammenbaechen
+Das gluehnde Erz sich selbst befreit!
+Blindwuetend mit des Donners Krachen
+Zersprengt es das geborstne Haus,
+Und wie aus offnem Hoellenrachen
+Speit es Verderben zuendend aus;
+Wo rohe Kraefte sinnlos walten,
+Da kann sich kein Gebild gestalten,
+Wenn sich die Voelker selbst befrein,
+Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
+
+Weh, wenn sich in dem Schoss der Staedte
+Der Feuerzunder still gehaeuft,
+Das Volk, zerreissend seine Kette,
+Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
+Da zerret an der Glocke Straengen
+Der Aufruhr, dass sie heulend schallt,
+Und nur geweiht zu Friedensklaengen
+Die Losung anstimmt zur Gewalt.
+
+Freiheit und Gleichheit! hoert man schallen,
+Der ruh'ge Buerger greift zur Wehr;
+Die Strassen fuellen sich, die Hallen,
+Und Wuergerbanden ziehn umher,
+Da werden Weiber zu Hyaenen
+Und treiben mit Entsetzen Scherz,
+Noch zuckend, mit des Panthers Zaehnen,
+Zerreissen sie des Feindes Herz.
+Nichts Heiliges ist mehr, es loesen
+Sich alle Bande frommer Scheu,
+Der Gute raeumt den Platz dem Boesen,
+Und alle Laster walten frei.
+Gefaehrlich ists den Leu zu wecken,
+Verderblich ist des Tigers Zahn,
+Jedoch der schrecklichste der Schrecken
+Das ist der Mensch in seinem Wahn.
+Weh denen, die dem Ewigblinden
+Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
+Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zuenden
+Und aeschert Staedt und Laender ein.
+
+Freude hat mir Gott gegeben!
+Sehet! wie ein goldner Stern
+Aus der Huelse, blank und eben,
+Schaelt sich der metallne Kern.
+Von dem Helm zum Kranz
+Spielts wie Sonnenglanz,
+Auch des Wappens nette Schilder
+Loben den erfahrnen Bilder.
+
+Herein! herein!
+Gesellen alle, schliesst den Reihen,
+Dass wir die Glocke taufend weihen,
+Concordia soll ihr Name sein,
+Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
+Versammle sie die liebende Gemeine.
+Und dies sei fortan ihr Beruf,
+Wozu der Meister sie erschuf :
+Hoch ueberm niedern Erdenleben
+Soll sie in blauem Himmelszelt
+Die Nachbarin des Donners schweben
+Und grenzen an die Sternenwelt,
+Soll eine Stimme sein von oben,
+Wie der Gestirne helle Schar,
+Die ihren Schoepfer wandelnd loben
+Und fuehren das bekraenzte Jahr.
+Nur ewigen und ernsten Dingen
+Sei ihr metallner Mund geweiht,
+Und stuendlich mit den schnellen Schwingen
+Beruehr im Fluge sie die Zeit,
+Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
+Selbst herzlos, ohne Mitgefuehl,
+Begleite sie mit ihrem Schwunge
+Des Lebens wechselvolles Spiel.
+Und wie der Klang im Ohr vergehet,
+Der maechtig toenend ihr entschallt,
+So lehre sie, dass nichts bestehet,
+Dass alles Irdische verhallt.
+
+Jetzo mit der Kraft des Stranges
+Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
+Dass sie in das Reich des Klanges
+Steige, in die Himmelsluft.
+Ziehet, ziehet, hebt!
+Sie bewegt sich, schwebt,
+Freude dieser Stadt bedeute,
+Friede sei ihr erst Gelaeute.
+
+
+
+Das Maedchen aus der Fremde
+
+
+In einem Tal bei armen Hirten
+Erschien mit jedem jungen Jahr,
+Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
+Ein Maedchen, schoen und wunderbar.
+
+Sie war nicht in dem Tal geboren,
+Man wusste nicht, woher sie kam,
+Und schnell war ihre Spur verloren,
+Sobald das Maedchen Abschied nahm.
+
+Beseligend war ihre Naehe,
+Und alle Herzen wurden weit,
+Doch eine Wuerde, eine Hoehe
+Entfernte die Vertraulichkeit.
+
+Sie brachte Blumen mit und Fruechte,
+Gereift auf einer andern Flur,
+In einem andern Sonnenlichte,
+In einer gluecklichern Natur.
+
+Und teilte jedem eine Gabe,
+Dem Fruechte, jenem Blumen aus,
+Der Juengling und der Greis am Stabe,
+Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
+
+Willkommen waren alle Gaeste,
+Doch nahte sich ein liebend Paar,
+Dem reichte sie der Gaben beste,
+Der Blumen allerschoenste dar.
+
+
+
+Das Maedchen von Orleans
+
+
+Das edle Bild der Menschheit zu verhoehnen,
+Im tiefsten Staube waelzte dich der Spott;
+Krieg fuehrt der Witz auf ewig mit den Schoenen,
+Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;
+Dem Herzen will er seine Schaetze rauben,
+Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.
+
+Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,
+Selbst eine fromme Schaeferin wie du,
+Reicht dir die Dichtkunst ihre Goetterrechte,
+Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.
+Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;
+Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.
+
+Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwaerzen
+Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;
+Doch fuerchte nicht! Es gibt noch schoene Herzen,
+Die fuer das Hohe, Herrliche entgluehn.
+Den lauten Markt mag Momus unterhalten,
+Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
+
+
+
+Das Spiel des Lebens
+
+
+Wollt ihr in meinen Kasten sehn?
+Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,
+Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;
+Nur muesst ihr nicht zu nahe stehn,
+Ihr muesst sie bei der Liebe Kerzen
+Und nur bei Amors Fackel sehn.
+
+Schaut her! Nie wird die Buehne leer:
+Dort bringen sie das Kind getragen,
+Der Knabe huepft, der Juengling stuermt einher,
+Es kaempft der Mann, und alles will er wagen.
+
+Ein jeglicher versucht sein Glueck,
+Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:
+Der Wagen rollt, die Achsen brennen,
+Der Held dringt kuehn voran, der Schwaechling bleibt zurueck,
+Der Stolze faellt mit laecherlichem Falle,
+Der Kluge ueberholt sie alle.
+
+Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,
+Mit holdem Blick, mit schoenen Haenden
+Den Dank dem Sieger auszuspenden.
+
+
+
+Das verschleierte Bild zu Sais
+
+
+Ein Juengling, den des Wissens heisser Durst
+Nach Sais in Aegypten trieb, der Priester
+Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
+Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
+Stets riss ihn seine Forschbegierde weiter,
+Und kaum besaenftigte der Hierophant
+Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,
+Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Juengling,
+"Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
+Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glueck
+Nur eine Summe, die man groesser, kleiner
+Besitzen kann und immer doch besitzt?
+Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
+Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
+Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
+Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
+Das schoene All der Toene fehlt und Farben."
+
+Indem sie einst so sprachen, standen sie
+In einer einsamen Rotonde still,
+Wo ein verschleiert Bild von Riesengroesse
+Dem Juengling in die Augen fiel. Verwundert
+Blickt er den Fuehrer an und spricht: "Was ists,
+Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"
+"Die Wahrheit", ist die Antwort.--"Wie?" ruft jener,
+"Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
+Gerade ist es, die man mir verhuellt?"
+
+"Das mache mit der Gottheit aus", versetzt
+Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,
+Rueckt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
+Den heiligen, verbotnen frueher hebt,
+Der, spricht die Gottheit--"--"Nun?"--
+"Der sieht die Wahrheit."
+
+"Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
+Du haettest also niemals ihn gehoben?"
+"Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
+Versucht."--"Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
+Nur diese duenne Scheidewand mich trennte--"
+"Und ein Gesetz", faellt ihm sein Fuehrer ein.
+"Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
+Ist dieser duenne Flor--fuer deine Hand
+Zwar leicht, doch zentnerschwer fuer dein Gewissen."
+
+Der Juengling ging gedankenvoll nach Hause,
+Ihm raubt des Wissens brennende Begier
+Den Schlaf, er waelzt sich gluehend auf dem Lager
+Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
+Fuehrt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
+Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
+Und mitten in das Innre der Rotonde
+Traegt ein beherzter Sprung den Wagenden.
+
+Hier steht er nun, und grauenvoll umfaengt
+Den Einsamen die lebenlose Stille,
+Die nur der Tritte hohler Widerhall
+In den geheimen Grueften unterbricht
+Von oben durch der Kuppel Oeffnung wirft
+Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
+Und furchtbar wie ein gegenwaertger Gott
+Erglaenzt durch des Gewoelbes Finsternisse
+In ihrem langen Schleier die Gestalt.
+
+Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
+Schon will die freche Hand das Heilige beruehren,
+Da zuckt es heiss und kuehl durch sein Gebein
+Und stoesst ihn weg mit unsichtbarem Arme.
+Ungluecklicher, was willst du tun? So ruft
+In seinem Innern eine treue Stimme.
+Versuchen den Allheiligen willst du?
+Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
+Rueckt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
+Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
+"Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."
+(Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."
+Schauen!
+Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
+
+Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
+Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
+Ich weiss es nicht. Besinnungslos und bleich,
+So fanden ihn am andern Tag die Priester
+Am Fussgestell der Isis ausgestreckt.
+Was er allda gesehen und erfahren,
+Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
+War seines Lebens Heiterkeit dahin,
+Ihn riss ein tiefer Gram zum fruehen Grabe.
+"Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,
+Wenn ungestueme Frager in ihn drangen,
+"Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
+Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."
+
+
+
+Der Abend (Nach einem Gemaelde)
+
+
+Senke, strahlender Gott--die Fluren duersten
+Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,
+Matter ziehen die Rosse--
+Senke den Wagen hinab!
+
+Siehe, wer aus des Meers kristallner Woge
+Lieblich laechelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?
+Rascher fliegen die Rosse,
+Tethys, die goettliche, winkt.
+
+Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
+Springt der Fuehrer, den Zaum ergreift Kupido,
+Stille halten die Rosse,
+Trinken die kuehlende Flut.
+
+An den Himmel herauf mit leisen Schritten
+Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die suesse
+Liebe. Ruhet und liebet!
+Phoebus, der liebende, ruht.
+
+
+
+Die Antiken zu Paris
+
+
+Was der Griechen Kunst erschaffen,
+Mag der Franke mit den Waffen
+Fuehren nach der Seine Strand,
+Und in prangenden Museen
+Zeig er seine Siegstrophaeen
+Dem erstaunten Vaterland!
+
+Ewig werden sie ihm schweigen,
+Nie von den Gestellen steigen
+In des Lebens frischen Reihn.
+Der allein besitzt die Musen,
+Der sie traegt im warmen Busen,
+Dem Vandalen sind sie Stein.
+
+
+
+Die schoenste Erscheinung
+
+
+Sahest du nie die Schoenheit im Augenblick des Leidens,
+Niemals hast du die Schoenheit gesehn.
+Sahst du die Freude nie in einem schoenen Gesichte,
+Niemals hast du die Freude gesehn!
+
+
+
+Die Weltweisen
+
+
+Der Satz, durch welchen alles Ding
+Bestand und Form empfangen,
+Der Kloben, woran Zeus den Ring
+Der Welt, die sonst in Scherben ging,
+Vorsichtig aufgehangen,
+Den nenn ich einen grossen Geist,
+Der mir ergruendet, wie er heisst,
+Wenn ich ihm nicht drauf helfe--
+Er heisst: Zehn ist nicht Zwoelfe.
+
+Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,
+Der Mensch geht auf zwei Fuessen,
+Die Sonne scheint am Firmament,
+Das kann, wer auch nicht Logik kennt,
+Durch seine Sinne wissen.
+Doch wer Metaphysik studiert,
+Der weiss, dass, wer verbrennt, nicht friert,
+Weiss, dass das Nasse feuchtet
+Und dass das Helle leuchtet.
+
+Homerus singt sein Hochgedicht,
+Der Held besteht Gefahren,
+Der brave Mann tut seine Pflicht
+Und tat sie, ich verhehl es nicht,
+Eh noch Weltweise waren;
+Doch hat Genie und Herz vollbracht,
+Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,
+Sogleich wird auch von diesen
+Die Moeglichkeit bewiesen.
+
+Im Leben gilt der Staerke Recht,
+Dem Schwachen trotzt der Kuehne,
+Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;
+Sonst geht es ganz ertraeglich schlecht
+Auf dieser Erdenbuehne.
+Doch wie es waere, fing der Plan
+Der Welt nur erst von vorne an,
+Ist in Moralsystemen
+Ausfuehrlich zu vernehmen.
+
+"Der Mensch bedarf des Menschen sehr
+Zu seinem grossen Ziele,
+Nur in dem Ganzen wirket er,
+Viel Tropfen geben erst das Meer,
+Viel Wasser treibt die Muehle.
+Drum flieht der wilden Woelfe Stand
+Und knuepft des Staates daurend Band."
+So lehren vom Katheder
+Herr Puffendorf und Feder.
+
+Doch weil, was ein Professor spricht,
+Nicht gleich zu allen dringet,
+So uebt N a t u r die Mutterpflicht
+Und sorgt, dass nie die Kette bricht
+Und dass der Reif nie springet.
+Einstweilen, bis den Bau der Welt
+Philosophie zusammenhaelt,
+Erhaelt s i e das Getriebe
+Durch Hunger und durch Liebe.
+
+
+
+Epigramme
+
+
+Unsterblichkeit
+Vor dem Tod erschrickst du?
+Du wuenschest unsterblich zu leben?
+Leb im Ganzen!
+Wenn du lange dahin bist, es bleibt.
+
+Theophanie
+Zeigt sich der Glueckliche mir,
+ich vergesse die Goetter des Himmels;
+Aber sie stehen vor mir,
+wenn ich den Leidenden seh.
+
+Das Kind in der Wiege
+Gluecklicher Saeugling!
+Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,
+Werde Mann,
+und dir wird eng die unendliche Welt.
+
+Der beste Staat
+"Woran erkenn ich den besten Staat?"
+Woran du die beste Frau kennst!
+daran, mein Freund,
+dass man von beiden nicht spricht.
+
+Das Unwandelbare
+"Unaufhaltsam enteilet die Zeit."
+Sie sucht das Bestaend'ge.
+Sei getreu,
+und du legst ewige Fesseln ihr an.
+
+Zeus zu Herkules
+Nicht aus meinem Nektar
+hast du dir Gottheit getrunken;
+Deine Goetterkraft war's,
+die dir den Nektar errang.
+
+
+
+Forum des Weibes
+
+
+Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;
+Aber ueber den Mann sprechet das richtige Wort.
+
+
+
+Odysseus
+
+
+Alle Gewaesser durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;
+Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,
+Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,
+Selber in Aides Reich fuehrt ihn die irrende Fahrt.
+Endlich traegt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Kueste--
+Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.
+
+
+
+Sehnsucht
+
+
+Ach, aus dieses Tales Gruenden,
+Die der kalte Nebel drueckt,
+Koennt ich doch den Ausgang finden,
+Ach, wie fuehlt ich mich beglueckt!
+Dort erblick ich schoene Huegel,
+Ewig jung und ewig gruen!
+Haett ich schwingen, haett ich Fluegel,
+Nach den Huegeln zoeg ich hin.
+
+Harmonieen hoer ich klingen,
+Toene suesser Himmelsruh,
+Und die leichten Winde bringen
+Mir der Duefte Balsam zu,
+Goldne Fruechte seh ich gluehen,
+Winkend zwischen dunkelm Laub,
+Und die Blumen, die dort bluehen,
+Werden keines Winters Raub.
+Ach wie schoen muss sich's ergehen
+Dort im ew'gen Sonnenschein,
+Und die Luft auf jenen Hoehen,
+O wie labend muss sie sein!
+Doch mir wehrt des Stromes Toben,
+Der ergrimmt dazwischen braust,
+Seine Wellen sind gehoben,
+Das die Seele mir ergraust.
+
+Einen Nachen seh ich schwanken,
+Aber ach! Der Faehrmann fehlt.
+Frisch hinein und ohne Wanken!
+Seine Segel sind beseelt.
+Du musst glauben, du musst wagen,
+Denn die Goetter leihn kein Pfand,
+Nur ein Wunder kann dich tragen
+In das schoene Wunderland.
+
+
+
+Spinoza
+
+
+Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,
+Sein Wipfel taet die Wolken kuessen,
+Er liegt am Grund--warum?
+Die Bauren hatten, hoer ich reden,
+Sein schoenes Holz zum Bau'n vonnoeten
+Und rissen ihn deswegen um.
+
+
+
+Thekla (Eine Geisterstimme)
+
+
+Wo ich sei, und wo mich hingewendet,
+Als mein fluecht'ger Schatte dir entschwebt?
+Hab ich nicht beschlossen und geendet,
+Hab ich nicht geliebet und gelebt?
+
+Willst du nach den Nachtigallen fragen,
+Die mit seelenvoller Melodie
+Dich entzuecken in des Lenzes Tagen?
+Nur solang sie liebten, waren sie.
+
+Ob ich den Verlorenen gefunden?
+Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
+Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
+Dort, wo keine Traene wird geweint.
+
+Dorten wirst auch du uns wieder finden,
+Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;
+Dort ist auch der Vater, frei von Suenden,
+Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.
+
+Und er fuehlt, dass ihn kein Wahn betrogen,
+Als er aufwaerts zu den Sternen sah;
+Denn wie jeder waegt, wird ihm gewogen,
+Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.
+
+Wort gehalten wird in jenen Raeumen
+Jedem schoenen glaeubigen Gefuehl;
+Wage du, zu irren und zu traeumen:
+Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
+
+
+
+Triumph der Liebe
+
+
+Selig durch die Liebe
+Goetter--durch die Liebe
+Menschen Goettern gleich!
+Liebe macht den Himmel
+Himmlischer--die Erde
+Zu dem Himmelreich.
+
+
+
+Weibliches Urteil
+
+
+Maenner richten nach Gruenden;
+des Weibes Urteil ist seine Liebe:
+wo es nicht liebt,
+hat schon gerichtet das Weib.
+
+
+
+Winternacht
+
+
+Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,
+Grad ueber tritt der Mond!
+Ade! Mit schwarzem Rabenfluegel wehet
+Die stumme Nacht ums Erdenrund.
+
+Nichts hoer ich mehr durchs winternde Gefilde
+Als tief im Felsenloch
+Die Murmelquell, und aus dem Wald das wilde
+Geheul des Uhus hoer ich noch.
+
+Im Wasserbette ruhen alle Fische,
+Die Schnecke kriecht ins Dach,
+Das Huendchen schlummert sicher unterm Tische,
+Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.
+
+Euch Bruederchen von meinen Bubentagen
+Mein herzliches Willkomm!
+Ihr sitzt vielleicht mit traulichem Behagen
+Um einen teutschen Krug herum.
+
+Im hochgefuellten Deckelglase malet
+Sich purpurfarb die Welt,
+Und aus dem goldnen Traubenschaume strahlet
+Vergnuegen, das kein Neid vergaellt.
+
+Im Hintergrund vergangner Jahre findet
+Nur Rosen euer Blick,
+Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindet
+Der truebe Gram von euch zurueck.
+
+Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhute
+Stoert ihr im Zeitbuch um.
+Und zaehlt nunmehr mit federleichtem Mute
+Schweisstropfen im Gymnasium.
+
+Wie manchen Fluch--noch moegen unterm Boden
+Sich seine Knochen drehn--
+Terenz erpresst, trotz Herrn Minellis Noten,
+Wie manch verzogen Maul gesehn.
+
+Wie ungestuem dem grimmen Landexamen
+Des Buben Herz geklopft;
+Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,
+Der helle Schweiss aufs Buch getropft.--
+
+Wo red't man auch von einer--e--gewissen--
+Die sich als Frau nun spreisst,
+Und mancher will der Lecker bass nun wissen,
+Was doch ihr Mann bass--gar nicht weisst.
+
+Nun liegt dies all im Nebel hinterm Ruecken,
+Und Bube heisst nun Mann,
+Und Friedrich schweigt der weiseren Peruecken,
+Was einst der kleine Fritz getan--
+
+Man ist--Potz gar!--zum Doktor ausgesprochen,
+Wohl gar--beim Regiment!
+Und hat vielleicht--doch nicht zu frueh, gerochen,
+Dass Plane--Seifenblasen sind.
+
+Hauch immer zu,--und lass die Blasen springen;
+Bleibt nur dies Herz noch ganz!
+Und bleibt mir nur--errungen mit Gesaengen--
+Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.
+
+
+
+Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
+Und klopf an deine Tuere.
+Mich schickt Papa und die Mama,
+Dass ich dir gratuliere.
+
+Ich bringe nichts als ein Gedicht
+Zu deines Tages Feier;
+Denn alles, was die Mutter spricht,
+Ist so entsetzlich teuer.
+
+Sag selbst, was ich dir wuenschen soll;
+Ich weiss nichts zu erdenken.
+Du hast ja Kuech und Keller voll,
+Nichts fehlt in deinen Schraenken.
+
+Es wachsen fast dir auf den Tisch
+Die Spargel und die Schoten,
+Die Stachelbeeren bluehen frisch,
+Und so die Reineclauden.
+
+Bei Stachelbeeren faellt mir ein:
+Die schmecken gar zu suesse;
+Und wenn sie werden zeitig sein,
+So sorge, dass ich's wisse.
+
+Viel fette Schweine maestest du
+Und gibst den Huehnern Futter;
+Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!
+Und gibt dir Milch und Butter.
+
+Es haben alle dich so gern,
+Die Alten und die Jungen,
+Und deinem lieben, braven Herrn
+Ist alles wohlgelungen.
+
+Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!
+Musst's auch fein immer bleiben;
+Ja, hoere, werde ja nicht krank,
+Dass sie dir nichts verschreiben!
+
+Nun lebe wohl! Ich sag ade.
+Gelt, ich war heut bescheiden?
+Doch koenntest du mir, eh ich geh,
+'ne Butterbemme schneiden.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Einige Gedichte,
+von Friedrich von Schiller.
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, EINIGE GEDICHTE ***
+
+This file should be named 7nggd10.txt or 7nggd10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7nggd11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7nggd10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
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+Most people start at our Web sites at:
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+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
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+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
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+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
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+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
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+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
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+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
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+which is only about 4% of the present number of computer users.
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+
+eBooks Year Month
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+ 100 1994 January
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+(Three Pages)
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+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
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+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
diff --git a/old/7nggd10.zip b/old/7nggd10.zip
new file mode 100644
index 0000000..b78ee80
--- /dev/null
+++ b/old/7nggd10.zip
Binary files differ
diff --git a/old/8nggd10.txt b/old/8nggd10.txt
new file mode 100644
index 0000000..a4fca17
--- /dev/null
+++ b/old/8nggd10.txt
@@ -0,0 +1,1717 @@
+The Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte
+by Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
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+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Einige Gedichte
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Release Date: October, 2004 [EBook #6649]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 9, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-LATIN-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, EINIGE GEDICHTE ***
+
+
+
+
+Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
+German books in London.
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 8-bit version.
+
+
+
+
+
+Einige Gedichte
+
+Friedrich von Schiller
+
+
+Inhalt:
+
+Abschied vom Leser
+Amalia
+An den Frühling
+An die Astronomen
+An einen Moralisten
+Bittschrift
+Das Geheimnis
+Das Glück der Weisheit
+Das Lied von der Glocke
+Das Mädchen aus der Fremde
+Das Mädchen von Orleans
+Das Spiel des Lebens
+Das verschleierte Bild zu Sais
+Der Abend
+Die Antiken zu Paris
+Die schönste Erscheinung
+Die Weltweisen
+Epigramme Friedrich Schiller
+Forum des Weibes
+Odysseus
+Sehnsucht
+Spinoza
+Thekla
+Triumph der Liebe
+Weibliches Urteil
+Winternacht
+Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+
+Abschied vom Leser
+
+
+Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen,
+Erröten im verschämten Angesicht,
+Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;
+Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.
+Des guten Beifall wünscht sie zu erlangen,
+Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht;
+Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,
+Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.
+
+Nicht länger wollen diese Lieder leben,
+Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,
+Mit schönern Phantasien es umgeben,
+Zu höheren Gefühlen es geweiht;
+Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,
+Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.
+Des Augenblickes Lust hat sie geboren,
+Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.
+
+Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften
+Schießt frohes Leben jugendlich hervor,
+Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,
+Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor.
+Und jung und alt ergeht sich in den Lüften
+Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.
+Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,
+Und keine bleibt von allen, welche kamen.
+
+
+
+Amalia
+
+
+Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,
+Schön vor allen Jünglingen war er,
+Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,
+Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
+Seine Küsse--paradiesisch Fühlen!
+Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
+Harfentöne in einander spielen
+Zu der himmelvollen Harmonie--
+Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
+Lippen, Wangen brannten, zitterten,
+Seele rann in Seele--Erd' und Himmel schwammen
+Wie zerronnen um die Liebenden!
+Er ist hin--vergebens, ach! vergebens
+Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
+Er ist hin, und alle Lust des Lebens
+Wimmert hin in ein verlornes Ach!
+
+
+
+An den Frühling
+
+
+Willkommen schöner Jüngling!
+Du Wonne der Natur!
+Mit deinem Blumenkörbchen
+Willkommen auf der Flur!
+
+Ei! Ei! Da bist du wieder!
+Und bist so lieb und schön!
+Und freun wir uns so herzlich,
+Entgegen dir zu gehen.
+Denkst auch noch an mein Mädchen?
+Ei, lieber, denke doch!
+Dort liebte mich das Mädchen,
+Und 's Mädchen liebt mich noch!
+
+Fürs Mädchen manches Blümchen
+Erbat ich mir von dir--
+Ich komm und bitte wieder,
+Und du?--du gibst es mir?
+
+Willkommen schöner Jüngling!
+Du Wonne der Natur!
+Mit deinem Blumenkörbchen
+Willkommen auf der Flur!
+
+
+
+An die Astronomen
+
+
+Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
+Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?
+Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;
+Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
+
+
+
+An einen Moralisten
+
+
+Was zürnst du unsrer frohen Jugendweise
+Und lehrst, daß Lieben Tändeln sei?
+Du starrest in des Winters Eise
+Und schmälest auf den goldnen Mai.
+
+Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,
+Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,
+Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest
+Und Nektarduft von Mädchenlippen sogst--
+
+Ha Seladon! wenn damals aus den Achsen
+Gewichen wär der Erde schwerer Ball,
+Im Liebesknäul mit Julien verwachsen
+Du hättest überhört den Fall!
+
+O denk zurück nach deinen Rosentagen
+Und lerne: die Philosophie
+Schlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;
+Zu Göttern schaffst du Menschen nie.
+
+Wohl, wenn ins Eis des klügelnden Verstandes
+Das warme Blut ein bißchen muntrer springt!
+Laß den Bewohnern eines bessern Landes,
+Was nie dem Sterblichen gelingt.
+
+Zwingt doch der irdische Gefährte
+Den gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,
+Er wehrt mir, daß ich Engel werde,
+Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.
+
+
+
+Bittschrift
+
+
+Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,
+Die Tobaksdose ledig,
+Mein Magen leer--der Himmel sei
+Dem Trauerspiele gnädig.
+
+Ich kratze mit dem Federkiel
+Auf den gewalkten Lumpen;
+Wer kann Empfindung und Gefühl
+Aus hohlem Herzen pumpen?
+
+Feu'r soll ich gießen aufs Papier
+Mit angefrornem Finger?--
+O Phöbus, hassest du Geschmier,
+So wärm auch deine Sänger.
+
+Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,
+Es scharrt die Küchenzofe.
+Und mich--mich ruft das Flügeltier
+Nach König Philipps Hofe.
+
+Ich steige mutig auf das Roß;
+In wenigen Sekunden
+Seh ich Madrid--Am Königsschloß
+Hab ich es angebunden.
+
+Ich eile durch die Galerie
+Und--siehe da!--belausche
+Die junge Fürstin Eboli
+In süßem Liebesrausche.
+
+Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust
+Mit wonnevollem Schauer,
+In i h r e n Augen Götterlust,
+Doch in den s e i n e n Trauer.
+
+Schon ruft das schöne Weib Triumph,
+Schon hör ich--Tod und Hölle!
+Was hör ich?--einen nassen Strumpf
+Geworfen in die Welle.
+
+Und weg ist Traum und Feerei--
+Prinzessin, Gott befohlen!
+Der Teufel soll die Dichterei
+Beim Hemdenwaschen holen.
+
+
+Das Geheimnis
+
+
+Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
+Zu viele Lauscher waren wach;
+Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,
+Und wohl verstand ich, was er sprach.
+Leis komm ich her in deine Stille,
+Du schön belaubtes Buchenzelt,
+Verbirg in deiner grünen Hülle
+Die Liebenden dem Aug der Welt.
+
+Von ferne mit verworrnem Sausen
+Arbeitet der geschäft'ge Tag,
+Und durch der Stimmen hohles Brausen
+Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.
+So sauer ringt die kargen Lose
+Der Mensch dem harten Himmel ab,
+Doch leicht erworben, aus dem Schoße
+Der Götter fällt das Glück herab.
+
+Daß ja die Menschen nie es hören,
+Wie treue Lieb uns still beglückt!
+Sie können nur die Freude stören,
+Weil Freude nie sie selbst entzückt.
+Die Welt wird nie das Glück erlauben,
+Als Beute wird es nur gehascht,
+Entwenden mußt du's oder rauben,
+Eh dich die Mißgunst überrascht.
+
+Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
+Die Stille liebt es und die Nacht,
+Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
+Wo des Verräters Auge wacht.
+O schlinge dich, du sanfte Quelle,
+Ein breiter Strom um uns herum,
+Und drohend mit empörter Welle
+Verteidige dies Heiligtum!
+
+
+
+Das Glück der Weisheit
+
+
+Entzweit mit einem Favoriten,
+Flog einst Fortun der Weisheit zu:
+"Ich will dir meine Schätze bieten,
+Sei meine Freundin du!
+
+Mit meinen reichsten, schönsten Gaben
+Beschenkt ich ihn so mütterlich,
+Und sieh, er will noch immer haben
+Und nennt noch geizig mich.
+
+Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
+Du marterst dich an deinem Pflug;
+In deinen Schoß will ich sie gießen,
+Hier ist für dich und mich genug."
+
+Sophia lächelt diesen Worten
+Und wischt den Schweiß vom Angesicht:
+Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,
+Versöhnet euch!--ich brauch dich nicht."
+
+
+
+Das Lied von der Glocke
+
+
+Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.
+
+Fest gemauert in der Erden
+Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
+Heute muß die Glocke werden,
+Frisch, Gesellen! seid zur Hand.
+Von der Stirne heiß
+Rinnen muß der Schweiß,
+Soll das Werk den Meister loben,
+Doch der Segen kommt von oben.
+Zum Werke, das wir ernst bereiten,
+Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
+Wenn gute Reden sie begleiten,
+Dann fließt die Arbeit munter fort.
+So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
+Was durch die schwache Kraft entspringt,
+Den schlechten Mann muß man verachten,
+Der nie bedacht, was er vollbringt.
+Das ists ja, was den Menschen zieret
+Und dazu ward ihm der Verstand,
+Daß er im innern Herzen spüret,
+Was er erschafft mit seiner Hand.
+
+Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
+Doch recht trocken laßt es sein,
+Daß die eingepreßte Flamme
+Schlage zu dem Schwalch hinein.
+Kocht des Kupfers Brei,
+Schnell das Zinn herbei,
+Daß die zähe Glockenspeise
+Fließe nach der rechten Weise.
+
+Was in des Dammes tiefer Grube
+Die Hand mit Feuers Hilfe baut,
+Hoch auf des Turmes Glockenstube
+Da wird es von uns zeugen laut.
+Noch dauern wirds in späten Tagen
+Und rühren vieler Menschen Ohr,
+Und wird mit dem Betrübten klagen,
+Und stimmen zu der Andacht Chor.
+Was unten tief dem Erdensohne
+Das wechselnde Verhängnis bringt,
+Das schlägt an die metallne Krone,
+Die es erbaulich weiter klingt.
+
+Weiße Blasen seh ich springen,
+Wohl! die Massen sind im Fluß.
+Laßt's mit Aschensalz durchdringen,
+Das befördert schnell den Guß.
+Auch von Schaume rein
+Muß die Mischung sein,
+Daß vom reinlichen Metalle
+Rein und voll die Stimme schalle.
+
+Denn mit der Freude Feierklange
+Begrüßt sie das geliebte Kind
+Auf seines Lebens erstem Gange,
+Den es in Schlafes Arm beginnt;
+Ihm ruhen noch im Zeitenschoße
+Die schwarzen und die heitern Lose,
+Der Mutterliebe zarte Sorgen
+Bewachen seinen goldnen Morgen--
+Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
+Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
+Er stürmt ins Leben wild hinaus,
+Durchmißt die Welt am Wanderstabe,
+Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,
+Und herrlich, in der Jugend Prangen,
+Wie ein Gebild aus Himmels Höhn,
+Mit züchtigen, verschämten Wangen
+Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
+Da faßt ein namenloses Sehnen
+Des Jünglings Herz, er irrt allein,
+Aus seinen Augen brechen Tränen,
+Er flieht der Brüder wilden Reihn.
+Errötend folgt er ihren Spuren,
+Und ist von ihrem Gruß beglückt;
+Das Schönste sucht er auf den Fluren,
+Womit er seine Liebe schmückt.
+O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
+Der ersten Liebe goldne Zeit,
+Das Auge sieht den Himmel offen,
+Es schwelgt das Herz in Seligkeit,
+O! daß sie ewig grünen bliebe,
+Die schöne Zeit der jungen Liebe!
+
+Wie sich schon die Pfeifen bräunen!
+Dieses Stäbchen tauch ich ein,
+Sehn wir's überglast erscheinen
+Wirds zum Gusse zeitig sein.
+Jetzt, Gesellen, frisch!
+Prüft mir das Gemisch,
+Ob das Spröde mit dem Weichen
+Sich vereint zum guten Zeichen.
+
+Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
+Wo Starkes sich und Mildes paarten,
+Da gibt es einen guten Klang.
+Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
+Ob sich das Herz zum Herzen findet!
+Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
+Lieblich in der Bräute Locken
+Spielt der jungfräuliche Kranz,
+Wenn die hellen Kirchenglocken
+Laden zu des Festes Glanz.
+Ach! des Lebens schönste Feier
+Endigt auch den Lebensmai,
+Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
+Reißt der schöne Wahn entzwei.
+Die Leidenschaft flieht,
+Die Liebe muß bleiben,
+Die Blume verblüht,
+Die Frucht muß treiben.
+Der Mann muß hinaus
+Ins feindliche Leben,
+Muß wirken und streben
+Und pflanzen und schaffen,
+Erlisten, erraffen,
+Muß wetten und wagen
+Das Glück zu erjagen.
+Da strömet herbei die unendliche Gabe,
+Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
+Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
+Und drinnen waltet
+Die züchtige Hausfrau,
+Die Mutter der Kinder,
+Und herrschet weise
+Im häuslichen Kreise,
+Und lehret die Mädchen,
+Und wehret den Knaben,
+Und reget ohn Ende
+Die fleißigen Hände,
+Ünd mehrt den Gewinn
+Mit ordnendem Sinn.
+Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
+Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
+Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
+Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
+Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
+Und ruhet nimmer.
+Und der Vater mit frohem Blick
+Von des Hauses weitschauendem Giebel
+Überzählet sein blühend Glück,
+Siehet der Pfosten ragende Bäume,
+Und der Scheunen gefüllte Räume
+Und die Speicher, vom Segen gebogen,
+Und des Kornes bewegte Wogen,
+Rühmt sich mit stolzem Mund:
+Fest wie der Erde Grund
+Gegen des Unglücks Macht
+Steht mfr des Hauses Pracht!--
+Doch mit des Geschickes Mächten
+Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
+Und das Unglück schreitet schnell.
+
+Wohl! Nun kann der Guß beginnen,
+Schön gezacket ist der Bruch.
+Doch, bevor wir's lassen rinnen,
+Betet einen frommen Spruch!
+Stoßt den Zapfen aus!
+Gott bewahr das Haus.
+Raudlend in des Henkels Bogen
+Schießts mit feuerbraunen Wogen.
+
+Wohltätig ist des Feuers Macht,
+Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
+Und was er bildet, was er schafft,
+Das dankt er dieser;
+Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
+Wenn sie der Fessel sich entrafft,
+Einhertritt auf der eignen Spur
+Die freie Tochter der Natur.
+Wehe, wenn sie losgelassen
+Wachsend ohne Widerstand
+Durch die volkbelebten Gassen
+Wälzt den ungeheuren Brand!
+Denn die Elemente hassen
+Das Gebild der Menschenhand.
+Aus der Wolke
+Quillt der Segen,
+Strömt der Regen,
+Aus der Wolke, ohne Wahl,
+Zuckt der Strahl!
+Hört ihr's wimmern hoch vom Turm!
+Das ist Sturm!
+Rot wie Blut
+Ist der Himmel,
+Das ist nicht des Tages Glut!
+Welch Getümmel
+Straßen auf!
+Dampf wallt auf!
+Flackernd steigt die Feuersäule,
+Durch der Straßen lange Zeile
+Wächst es fort mit Windeseile,
+Kochend wie aus Ofens Rachen
+Glühn die Lüfte, Balken krachen,
+Pfosten stürzen, Fenster klirren,
+Kinder jammern, Mütter irren,
+Tiere wimmern
+Unter Trümmern,
+Alles rennet, rettet, flüchtet,
+Taghell ist die Nacht gelichtet,
+Durch der Hände lange Kette
+Um die Wette
+Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
+Sprützen Quellen, Wasserwogen.
+Heulend kommt der Sturm geflogen,
+Der die Flamme brausend sucht,
+Prasselnd in die dürre Frucht
+Fällt sie, in des Speichers Räume,
+In der Sparren dürre Bäume,
+Und als wollte sie im Wehen
+Mit sich fort der Erde Wucht
+Reißen, in gewaltger Flucht,
+Wächst sie in des Himmels Höhen
+Riesengroß!
+Hoffnungslos
+Weicht der Mensch der Götterstärke,
+Müßig sieht er seine Werke
+Und bewundernd untergehn.
+Leergebrannt
+Ist die Stätte,
+Wilder Stürme rauhes Bette,
+In den öden Fensterhöhlen
+Wohnt das Grauen,
+Und des Himmels Wolken schauen
+Hoch hinein.
+Einen Blick
+Nach dem Grabe
+Seiner Habe
+Sendet noch der Mensch zurück--
+Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,
+Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
+Ein süßer Trost ist ihm geblieben,
+Er zählt die Häupter seiner Lieben
+Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
+
+In die Erd ist's aufgenommen,
+Glücklich ist die Form gefüllt,
+Wirds auch schön zu Tage kommen,
+Daß es Fleiß und Kunst vergilt?
+Wenn der Guß mißlang?
+Wenn die Form zersprang?
+Ach, vielleicht indem wir hoffen
+Hat uns Unheil schon getroffen.
+
+Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
+Vertrauen wir der Hände Tat,
+Vertraut der Sämann seine Saat
+Und hofft, daß sie entkeimen werde
+Zum Segen, nach des Himmels Rat.
+Noch köstlicheren Samen bergen
+Wir traurend in der Erde Schoß,
+Und hoffen, daß er aus den Särgen
+Erblühen soll zu schönerm Los.
+Von dem Dome
+Schwer und bang
+Tönt die Glocke
+Grabgesang.
+Ernst begleiten ihre Trauerschläge
+Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
+Ach! die Gattin ists, die teure,
+Ach! es ist die treue Mutter,
+Die der schwarze Fürst der Schatten
+Wegführt aus dem Arm des Gatten,
+Aus der zarten Kinder Schar,
+Die si.e blühend ihm gebar,
+Die sie an der treuen Brust
+Wachsen sah mit Mutterlust--
+Ach! des Hauses zarte Bande
+Sind gelöst auf immerdar,
+Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,
+Die des Hauses Mutter war,
+Denn es fehlt ihr treues Walten,
+Ihre Sorge wacht nicht mehr,
+An verwaister Stätte schalten
+Wird die Fremde, liebeleer.
+
+Bis die Glocke sich verkühlet
+Laßt die strenge Arbeit ruhn,
+Wie im Laub der Vogel spielet
+Mag sich jeder gütlich tun.
+Winkt der Sterne Licht,
+Ledig aller Pflicht
+Hört der Bursch die Vesper schlagen,
+Meister muß sich immer plagen.
+
+Munter fördert seine Schritte
+Fern im wilden Forst der Wandrer
+Nach der lieben Heimathütte.
+Blöckend ziehen heim die Schafe,
+Und der Rinder
+Breitgestirnte glatte Scharen
+Kommen brüllend,
+Die gewohnten Ställe füllend.
+Schwer herein
+Schwankt der Wagen,
+Kornbeladen,
+Bunt von Farben
+Auf den Garben
+Liegt der Kranz,
+Und das junge Volk der Schnitter
+Fliegt zum Tanz.
+Markt und Straße werden stiller,
+Um des Lichts gesellge Flamme
+Sammeln sich die Hausbewohner,
+Und das Stadttor schließt sich knarrend.
+Schwarz bedecket
+Sich die Erde,
+Doch den sichern Bürger schrecket
+Nicht die Nacht,
+Die den Bösen gräßlich wecket,
+Denn das Auge des Gesetzes wacht.
+Heilge Ordnung, segenreiche
+Himmelstochter, die das Gleiche
+Frei und leicht und freudig bindet,
+Die der Städte Bau gegründet,
+Die herein von den Gefilden
+Rief den ungesellgen Wilden,
+Eintrat in der Menschen Hütten,
+Sie gewöhnt' zu sanften Sitten
+Und das teuerste der Bande
+Wob, den Trieb zum Vaterlande!
+
+Tausend fleißge Hände regen,
+Helfen sich in munterm Bund
+Und in feurigem Bewegen
+Werden alle Kräfte kund.
+Meister rührt sich und Geselle
+In der Freiheit heilgem Schutz.
+Jeder freut sich seiner Stelle,
+Bietet dem Verächter Trutz.
+Arbeit ist des Bürgers Zierde,
+Segen ist der Mühe Preis,
+Ehrt den König seine Würde,
+Ehret uns der Hände Fleiß.
+
+Holder Friede,
+Süße Eintracht,
+Weilet, weilet
+Freundlich über dieser Stadt!
+Möge nie der Tag erscheinen,
+Wo des rauhen Krieges Horden
+Dieses stille Tal durchtoben,
+Wo der Himmel,
+Den des Abends sanfte Röte
+Lieblich malt,
+Von der Dörfer, von der Städte
+Wildem Brande schrecklich strahlt!
+
+Nun zerbrecht mir das Gebäude,
+Seine Absicht hats erfüllt,
+Daß sich Herz und Auge weide
+An dem wohlgelungnen Bild.
+Schwingt den Hammer, schwingt,
+Bis der Mantel springt,
+Wenn die Glock soll auferstehen
+Muß die Form in Stücken gehen.
+
+Der Meister kann die Form zerbrechen
+Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
+Doch wehe, wenn in Flammenbächen
+Das glühnde Erz sich selbst befreit!
+Blindwütend mit des Donners Krachen
+Zersprengt es das geborstne Haus,
+Und wie aus offnem Höllenrachen
+Speit es Verderben zündend aus;
+Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
+Da kann sich kein Gebild gestalten,
+Wenn sich die Völker selbst befrein,
+Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
+
+Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
+Der Feuerzunder still gehäuft,
+Das Volk, zerreißend seine Kette,
+Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
+Da zerret an der Glocke Strängen
+Der Aufruhr, daß sie heulend schallt,
+Und nur geweiht zu Friedensklängen
+Die Losung anstimmt zur Gewalt.
+
+Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
+Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr;
+Die Straßen füllen sich, die Hallen,
+Und Würgerbanden ziehn umher,
+Da werden Weiber zu Hyänen
+Und treiben mit Entsetzen Scherz,
+Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
+Zerreißen sie des Feindes Herz.
+Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
+Sich alle Bande frommer Scheu,
+Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
+Und alle Laster walten frei.
+Gefährlich ists den Leu zu wecken,
+Verderblich ist des Tigers Zahn,
+Jedoch der schrecklichste der Schrecken
+Das ist der Mensch in seinem Wahn.
+Weh denen, die dem Ewigblinden
+Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
+Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
+Und äschert Städt und Länder ein.
+
+Freude hat mir Gott gegeben!
+Sehet! wie ein goldner Stern
+Aus der Hülse, blank und eben,
+Schält sich der metallne Kern.
+Von dem Helm zum Kranz
+Spielts wie Sonnenglanz,
+Auch des Wappens nette Schilder
+Loben den erfahrnen Bilder.
+
+Herein! herein!
+Gesellen alle, schließt den Reihen,
+Daß wir die Glocke taufend weihen,
+Concordia soll ihr Name sein,
+Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
+Versammle sie die liebende Gemeine.
+Und dies sei fortan ihr Beruf,
+Wozu der Meister sie erschuf :
+Hoch überm niedern Erdenleben
+Soll sie in blauem Himmelszelt
+Die Nachbarin des Donners schweben
+Und grenzen an die Sternenwelt,
+Soll eine Stimme sein von oben,
+Wie der Gestirne helle Schar,
+Die ihren Schöpfer wandelnd loben
+Und führen das bekränzte Jahr.
+Nur ewigen und ernsten Dingen
+Sei ihr metallner Mund geweiht,
+Und stündlich mit den schnellen Schwingen
+Berühr im Fluge sie die Zeit,
+Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
+Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
+Begleite sie mit ihrem Schwunge
+Des Lebens wechselvolles Spiel.
+Und wie der Klang im Ohr vergehet,
+Der mächtig tönend ihr entschallt,
+So lehre sie, daß nichts bestehet,
+Daß alles Irdische verhallt.
+
+Jetzo mit der Kraft des Stranges
+Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
+Daß sie in das Reich des Klanges
+Steige, in die Himmelsluft.
+Ziehet, ziehet, hebt!
+Sie bewegt sich, schwebt,
+Freude dieser Stadt bedeute,
+Friede sei ihr erst Geläute.
+
+
+
+Das Mädchen aus der Fremde
+
+
+In einem Tal bei armen Hirten
+Erschien mit jedem jungen Jahr,
+Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
+Ein Mädchen, schön und wunderbar.
+
+Sie war nicht in dem Tal geboren,
+Man wußte nicht, woher sie kam,
+Und schnell war ihre Spur verloren,
+Sobald das Mädchen Abschied nahm.
+
+Beseligend war ihre Nähe,
+Und alle Herzen wurden weit,
+Doch eine Würde, eine Höhe
+Entfernte die Vertraulichkeit.
+
+Sie brachte Blumen mit und Früchte,
+Gereift auf einer andern Flur,
+In einem andern Sonnenlichte,
+In einer glücklichern Natur.
+
+Und teilte jedem eine Gabe,
+Dem Früchte, jenem Blumen aus,
+Der Jüngling und der Greis am Stabe,
+Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
+
+Willkommen waren alle Gäste,
+Doch nahte sich ein liebend Paar,
+Dem reichte sie der Gaben beste,
+Der Blumen allerschönste dar.
+
+
+
+Das Mädchen von Orleans
+
+
+Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,
+Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;
+Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,
+Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;
+Dem Herzen will er seine Schätze rauben,
+Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.
+
+Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,
+Selbst eine fromme Schäferin wie du,
+Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,
+Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.
+Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;
+Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.
+
+Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
+Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;
+Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,
+Die für das Hohe, Herrliche entglühn.
+Den lauten Markt mag Momus unterhalten,
+Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.
+
+
+
+Das Spiel des Lebens
+
+
+Wollt ihr in meinen Kasten sehn?
+Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,
+Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;
+Nur müßt ihr nicht zu nahe stehn,
+Ihr müßt sie bei der Liebe Kerzen
+Und nur bei Amors Fackel sehn.
+
+Schaut her! Nie wird die Bühne leer:
+Dort bringen sie das Kind getragen,
+Der Knabe hüpft, der Jüngling stürmt einher,
+Es kämpft der Mann, und alles will er wagen.
+
+Ein jeglicher versucht sein Glück,
+Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:
+Der Wagen rollt, die Achsen brennen,
+Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,
+Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle,
+Der Kluge überholt sie alle.
+
+Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,
+Mit holdem Blick, mit schönen Händen
+Den Dank dem Sieger auszuspenden.
+
+
+
+Das verschleierte Bild zu Sais
+
+
+Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
+Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
+Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
+Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
+Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
+Und kaum besänftigte der Hierophant
+Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,
+Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Jüngling,
+"Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
+Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
+Nur eine Summe, die man größer, kleiner
+Besitzen kann und immer doch besitzt?
+Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
+Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
+Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
+Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
+Das schöne All der Töne fehlt und Farben."
+
+Indem sie einst so sprachen, standen sie
+In einer einsamen Rotonde still,
+Wo ein verschleiert Bild von Riesengröße
+Dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert
+Blickt er den Führer an und spricht: "Was ists,
+Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"
+"Die Wahrheit", ist die Antwort.--"Wie?" ruft jener,
+"Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
+Gerade ist es, die man mir verhüllt?"
+
+"Das mache mit der Gottheit aus", versetzt
+Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,
+Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
+Den heiligen, verbotnen früher hebt,
+Der, spricht die Gottheit--"--"Nun?"--
+"Der sieht die Wahrheit."
+
+"Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
+Du hättest also niemals ihn gehoben?"
+"Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
+Versucht."--"Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
+Nur diese dünne Scheidewand mich trennte--"
+"Und ein Gesetz", fällt ihm sein Führer ein.
+"Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
+Ist dieser dünne Flor--für deine Hand
+Zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen."
+
+Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause,
+Ihm raubt des Wissens brennende Begier
+Den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager
+Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
+Führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
+Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
+Und mitten in das Innre der Rotonde
+Trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.
+
+Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt
+Den Einsamen die lebenlose Stille,
+Die nur der Tritte hohler Widerhall
+In den geheimen Grüften unterbricht
+Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft
+Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
+Und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott
+Erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse
+In ihrem langen Schleier die Gestalt.
+
+Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
+Schon will die freche Hand das Heilige berühren,
+Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein
+Und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.
+Unglücklicher, was willst du tun? So ruft
+In seinem Innern eine treue Stimme.
+Versuchen den Allheiligen willst du?
+Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
+Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
+Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
+Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
+"Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."
+(Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."
+Schauen!
+Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
+
+Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
+Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
+Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
+So fanden ihn am andern Tag die Priester
+Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
+Was er allda gesehen und erfahren,
+Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
+War seines Lebens Heiterkeit dahin,
+Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.
+"Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,
+Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
+"Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
+Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."
+
+
+
+Der Abend (Nach einem Gemälde)
+
+
+Senke, strahlender Gott--die Fluren dürsten
+Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,
+Matter ziehen die Rosse--
+Senke den Wagen hinab!
+
+Siehe, wer aus des Meers kristallner Woge
+Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?
+Rascher fliegen die Rosse,
+Tethys, die göttliche, winkt.
+
+Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
+Springt der Führer, den Zaum ergreift Kupido,
+Stille halten die Rosse,
+Trinken die kühlende Flut.
+
+An den Himmel herauf mit leisen Schritten
+Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße
+Liebe. Ruhet und liebet!
+Phöbus, der liebende, ruht.
+
+
+
+Die Antiken zu Paris
+
+
+Was der Griechen Kunst erschaffen,
+Mag der Franke mit den Waffen
+Führen nach der Seine Strand,
+Und in prangenden Museen
+Zeig er seine Siegstrophäen
+Dem erstaunten Vaterland!
+
+Ewig werden sie ihm schweigen,
+Nie von den Gestellen steigen
+In des Lebens frischen Reihn.
+Der allein besitzt die Musen,
+Der sie trägt im warmen Busen,
+Dem Vandalen sind sie Stein.
+
+
+
+Die schönste Erscheinung
+
+
+Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,
+Niemals hast du die Schönheit gesehn.
+Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,
+Niemals hast du die Freude gesehn!
+
+
+
+Die Weltweisen
+
+
+Der Satz, durch welchen alles Ding
+Bestand und Form empfangen,
+Der Kloben, woran Zeus den Ring
+Der Welt, die sonst in Scherben ging,
+Vorsichtig aufgehangen,
+Den nenn ich einen großen Geist,
+Der mir ergründet, wie er heißt,
+Wenn ich ihm nicht drauf helfe--
+Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.
+
+Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,
+Der Mensch geht auf zwei Füßen,
+Die Sonne scheint am Firmament,
+Das kann, wer auch nicht Logik kennt,
+Durch seine Sinne wissen.
+Doch wer Metaphysik studiert,
+Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,
+Weiß, daß das Nasse feuchtet
+Und daß das Helle leuchtet.
+
+Homerus singt sein Hochgedicht,
+Der Held besteht Gefahren,
+Der brave Mann tut seine Pflicht
+Und tat sie, ich verhehl es nicht,
+Eh noch Weltweise waren;
+Doch hat Genie und Herz vollbracht,
+Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,
+Sogleich wird auch von diesen
+Die Möglichkeit bewiesen.
+
+Im Leben gilt der Stärke Recht,
+Dem Schwachen trotzt der Kühne,
+Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;
+Sonst geht es ganz erträglich schlecht
+Auf dieser Erdenbühne.
+Doch wie es wäre, fing der Plan
+Der Welt nur erst von vorne an,
+Ist in Moralsystemen
+Ausführlich zu vernehmen.
+
+"Der Mensch bedarf des Menschen sehr
+Zu seinem großen Ziele,
+Nur in dem Ganzen wirket er,
+Viel Tropfen geben erst das Meer,
+Viel Wasser treibt die Mühle.
+Drum flieht der wilden Wölfe Stand
+Und knüpft des Staates daurend Band."
+So lehren vom Katheder
+Herr Puffendorf und Feder.
+
+Doch weil, was ein Professor spricht,
+Nicht gleich zu allen dringet,
+So übt N a t u r die Mutterpflicht
+Und sorgt, daß nie die Kette bricht
+Und daß der Reif nie springet.
+Einstweilen, bis den Bau der Welt
+Philosophie zusammenhält,
+Erhält s i e das Getriebe
+Durch Hunger und durch Liebe.
+
+
+
+Epigramme
+
+
+Unsterblichkeit
+Vor dem Tod erschrickst du?
+Du wünschest unsterblich zu leben?
+Leb im Ganzen!
+Wenn du lange dahin bist, es bleibt.
+
+Theophanie
+Zeigt sich der Glückliche mir,
+ich vergesse die Götter des Himmels;
+Aber sie stehen vor mir,
+wenn ich den Leidenden seh.
+
+Das Kind in der Wiege
+Glücklicher Säugling!
+Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,
+Werde Mann,
+und dir wird eng die unendliche Welt.
+
+Der beste Staat
+"Woran erkenn ich den besten Staat?"
+Woran du die beste Frau kennst!
+daran, mein Freund,
+daß man von beiden nicht spricht.
+
+Das Unwandelbare
+"Unaufhaltsam enteilet die Zeit."
+Sie sucht das Beständ'ge.
+Sei getreu,
+und du legst ewige Fesseln ihr an.
+
+Zeus zu Herkules
+Nicht aus meinem Nektar
+hast du dir Gottheit getrunken;
+Deine Götterkraft war's,
+die dir den Nektar errang.
+
+
+
+Forum des Weibes
+
+
+Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;
+Aber über den Mann sprechet das richtige Wort.
+
+
+
+Odysseus
+
+
+Alle Gewässer durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;
+Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,
+Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,
+Selber in Aides Reich führt ihn die irrende Fahrt.
+Endlich trägt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Küste--
+Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.
+
+
+
+Sehnsucht
+
+
+Ach, aus dieses Tales Gründen,
+Die der kalte Nebel drückt,
+Könnt ich doch den Ausgang finden,
+Ach, wie fühlt ich mich beglückt!
+Dort erblick ich schöne Hügel,
+Ewig jung und ewig grün!
+Hätt ich schwingen, hätt ich Flügel,
+Nach den Hügeln zög ich hin.
+
+Harmonieen hör ich klingen,
+Töne süßer Himmelsruh,
+Und die leichten Winde bringen
+Mir der Düfte Balsam zu,
+Goldne Früchte seh ich glühen,
+Winkend zwischen dunkelm Laub,
+Und die Blumen, die dort blühen,
+Werden keines Winters Raub.
+Ach wie schön muß sich's ergehen
+Dort im ew'gen Sonnenschein,
+Und die Luft auf jenen Höhen,
+O wie labend muß sie sein!
+Doch mir wehrt des Stromes Toben,
+Der ergrimmt dazwischen braust,
+Seine Wellen sind gehoben,
+Das die Seele mir ergraust.
+
+Einen Nachen seh ich schwanken,
+Aber ach! Der Fährmann fehlt.
+Frisch hinein und ohne Wanken!
+Seine Segel sind beseelt.
+Du mußt glauben, du mußt wagen,
+Denn die Götter leihn kein Pfand,
+Nur ein Wunder kann dich tragen
+In das schöne Wunderland.
+
+
+
+Spinoza
+
+
+Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,
+Sein Wipfel tät die Wolken küssen,
+Er liegt am Grund--warum?
+Die Bauren hatten, hör ich reden,
+Sein schönes Holz zum Bau'n vonnöten
+Und rissen ihn deswegen um.
+
+
+
+Thekla (Eine Geisterstimme)
+
+
+Wo ich sei, und wo mich hingewendet,
+Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?
+Hab ich nicht beschlossen und geendet,
+Hab ich nicht geliebet und gelebt?
+
+Willst du nach den Nachtigallen fragen,
+Die mit seelenvoller Melodie
+Dich entzücken in des Lenzes Tagen?
+Nur solang sie liebten, waren sie.
+
+Ob ich den Verlorenen gefunden?
+Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
+Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
+Dort, wo keine Träne wird geweint.
+
+Dorten wirst auch du uns wieder finden,
+Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;
+Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,
+Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.
+
+Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,
+Als er aufwärts zu den Sternen sah;
+Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,
+Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.
+
+Wort gehalten wird in jenen Räumen
+Jedem schönen gläubigen Gefühl;
+Wage du, zu irren und zu träumen:
+Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
+
+
+
+Triumph der Liebe
+
+
+Selig durch die Liebe
+Götter--durch die Liebe
+Menschen Göttern gleich!
+Liebe macht den Himmel
+Himmlischer--die Erde
+Zu dem Himmelreich.
+
+
+
+Weibliches Urteil
+
+
+Männer richten nach Gründen;
+des Weibes Urteil ist seine Liebe:
+wo es nicht liebt,
+hat schon gerichtet das Weib.
+
+
+
+Winternacht
+
+
+Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,
+Grad über tritt der Mond!
+Ade! Mit schwarzem Rabenflügel wehet
+Die stumme Nacht ums Erdenrund.
+
+Nichts hör ich mehr durchs winternde Gefilde
+Als tief im Felsenloch
+Die Murmelquell, und aus dem Wald das wilde
+Geheul des Uhus hör ich noch.
+
+Im Wasserbette ruhen alle Fische,
+Die Schnecke kriecht ins Dach,
+Das Hündchen schlummert sicher unterm Tische,
+Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.
+
+Euch Brüderchen von meinen Bubentagen
+Mein herzliches Willkomm!
+Ihr sitzt vielleicht mit traulichem Behagen
+Um einen teutschen Krug herum.
+
+Im hochgefüllten Deckelglase malet
+Sich purpurfarb die Welt,
+Und aus dem goldnen Traubenschaume strahlet
+Vergnügen, das kein Neid vergällt.
+
+Im Hintergrund vergangner Jahre findet
+Nur Rosen euer Blick,
+Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindet
+Der trübe Gram von euch zurück.
+
+Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhute
+Stört ihr im Zeitbuch um.
+Und zählt nunmehr mit federleichtem Mute
+Schweißtropfen im Gymnasium.
+
+Wie manchen Fluch--noch mögen unterm Boden
+Sich seine Knochen drehn--
+Terenz erpreßt, trotz Herrn Minellis Noten,
+Wie manch verzogen Maul gesehn.
+
+Wie ungestüm dem grimmen Landexamen
+Des Buben Herz geklopft;
+Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,
+Der helle Schweiß aufs Buch getropft.--
+
+Wo red't man auch von einer--e--gewissen--
+Die sich als Frau nun spreißt,
+Und mancher will der Lecker baß nun wissen,
+Was doch ihr Mann baß--gar nicht weißt.
+
+Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,
+Und Bube heißt nun Mann,
+Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken,
+Was einst der kleine Fritz getan--
+
+Man ist--Potz gar!--zum Doktor ausgesprochen,
+Wohl gar--beim Regiment!
+Und hat vielleicht--doch nicht zu früh, gerochen,
+Daß Plane--Seifenblasen sind.
+
+Hauch immer zu,--und laß die Blasen springen;
+Bleibt nur dies Herz noch ganz!
+Und bleibt mir nur--errungen mit Gesängen--
+Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.
+
+
+
+Zum Geburtstag der Frau Griesbach
+
+
+Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
+Und klopf an deine Türe.
+Mich schickt Papa und die Mama,
+Daß ich dir gratuliere.
+
+Ich bringe nichts als ein Gedicht
+Zu deines Tages Feier;
+Denn alles, was die Mutter spricht,
+Ist so entsetzlich teuer.
+
+Sag selbst, was ich dir wünschen soll;
+Ich weiß nichts zu erdenken.
+Du hast ja Küch und Keller voll,
+Nichts fehlt in deinen Schränken.
+
+Es wachsen fast dir auf den Tisch
+Die Spargel und die Schoten,
+Die Stachelbeeren blühen frisch,
+Und so die Reineclauden.
+
+Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
+Die schmecken gar zu süße;
+Und wenn sie werden zeitig sein,
+So sorge, daß ich's wisse.
+
+Viel fette Schweine mästest du
+Und gibst den Hühnern Futter;
+Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!
+Und gibt dir Milch und Butter.
+
+Es haben alle dich so gern,
+Die Alten und die Jungen,
+Und deinem lieben, braven Herrn
+Ist alles wohlgelungen.
+
+Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!
+Mußt's auch fein immer bleiben;
+Ja, höre, werde ja nicht krank,
+Daß sie dir nichts verschreiben!
+
+Nun lebe wohl! Ich sag ade.
+Gelt, ich war heut bescheiden?
+Doch könntest du mir, eh ich geh,
+'ne Butterbemme schneiden.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Einige Gedichte,
+von Friedrich von Schiller.
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, EINIGE GEDICHTE ***
+
+This file should be named 8nggd10.txt or 8nggd10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8nggd11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8nggd10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
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+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
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+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
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+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
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+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
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+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
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+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
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