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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:27:55 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:27:55 -0700
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+<title>
+The Project Gutenberg E-text of Einige Gedichte,
+by Johann Christoph Friedrich von Schiller
+</title>
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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
+Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Einige Gedichte
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Posting Date: March 19, 2014 [EBook #6649]
+Release Date: October, 2004
+First Posted: January 9, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
+
+
+
+
+Produced by Delphine Lettau (for finding a huge collection
+of ancient German books in London.) HTML version by Al
+Haines.
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+<h1>
+<br /><br />
+ Einige Gedichte<br />
+</h1>
+
+<p class="t2">
+ Friedrich von Schiller<br />
+</p>
+
+<p><br /></p>
+
+<p class="noindent">
+ Inhalt:<br />
+</p>
+
+<p class="noindent">
+ <a href="#abschied">Abschied vom Leser</a><br />
+ <a href="#amalia">Amalia</a><br />
+ <a href="#fruhling">An den Frühling</a><br />
+ <a href="#astronomen">An die Astronomen</a><br />
+ <a href="#moralisten">An einen Moralisten</a><br />
+ <a href="#bittschrift">Bittschrift</a><br />
+ <a href="#geheimnis">Das Geheimnis</a><br />
+ <a href="#gluck">Das Glück der Weisheit</a><br />
+ <a href="#glocke">Das Lied von der Glocke</a><br />
+ <a href="#fremde">Das Mädchen aus der Fremde</a><br />
+ <a href="#orleans">Das Mädchen von Orleans</a><br />
+ <a href="#lebens">Das Spiel des Lebens</a><br />
+ <a href="#sais">Das verschleierte Bild zu Sais</a><br />
+ <a href="#abend">Der Abend</a><br />
+ <a href="#paris">Die Antiken zu Paris</a><br />
+ <a href="#erscheinung">Die schönste Erscheinung</a><br />
+ <a href="#weltweisen">Die Weltweisen</a><br />
+ <a href="#epigramme">Epigramme Friedrich Schiller</a><br />
+ <a href="#forum">Forum des Weibes</a><br />
+ <a href="#odysseus">Odysseus</a><br />
+ <a href="#sehnsucht">Sehnsucht</a><br />
+ <a href="#spinoza">Spinoza</a><br />
+ <a href="#thekla">Thekla</a><br />
+ <a href="#triumph">Triumph der Liebe</a><br />
+ <a href="#weibliches">Weibliches Urteil</a><br />
+ <a href="#winternacht">Winternacht</a><br />
+ <a href="#geburtstag">Zum Geburtstag der Frau Griesbach</a><br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="abschied"></a>
+ Abschied vom Leser<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Die Muse schweigt. Mit jungfräulichen Wangen,<br />
+ Erröten im verschämten Angesicht,<br />
+ Tritt sie vor dich, ihr Urteil zu empfangen;<br />
+ Sie achtet es, doch fürchtet sie es nicht.<br />
+ Des guten Beifall wünscht sie zu erlangen,<br />
+ Den Wahrheit rührt, den Flimmer nicht besticht;<br />
+ Nur wem ein Herz, empfänglich für das Schöne,<br />
+ Im Busen schlägt, ist wert, dass er sie kröne.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nicht länger wollen diese Lieder leben,<br />
+ Als bis ihr Klang ein fühlend Herz erfreut,<br />
+ Mit schönern Phantasien es umgeben,<br />
+ Zu höheren Gefühlen es geweiht;<br />
+ Zur fernen Nachwelt wollen sie nicht schweben,<br />
+ Sie tönten, sie verhallen in der Zeit.<br />
+ Des Augenblickes Lust hat sie geboren,<br />
+ Sie fliehen fort im leichten Tanz der Horen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Lenz erwacht, auf den erwärmten Triften<br />
+ Schießt frohes Leben jugendlich hervor,<br />
+ Die Staude würzt die Luft mit Nektardüften,<br />
+ Den Himmel füllt ein muntrer Sängerchor.<br />
+ Und jung und alt ergeht sich in den Lüften<br />
+ Und freuet sich und schwelgt mit Aug und Ohr.<br />
+ Der Lenz entflieht! Die Blume schießt in Samen,<br />
+ Und keine bleibt von allen, welche kamen.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="amalia"></a>
+ Amalia<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,<br />
+ Schön vor allen Jünglingen war er,<br />
+ Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,<br />
+ Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.<br />
+ Seine Küsse&mdash;paradiesisch Fühlen!<br />
+ Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie<br />
+ Harfentöne in einander spielen<br />
+ Zu der himmelvollen Harmonie&mdash;<br />
+ Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,<br />
+ Lippen, Wangen brannten, zitterten,<br />
+ Seele rann in Seele&mdash;Erd' und Himmel schwammen<br />
+ Wie zerronnen um die Liebenden!<br />
+ Er ist hin&mdash;vergebens, ach! vergebens<br />
+ Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!<br />
+ Er ist hin, und alle Lust des Lebens<br />
+ Wimmert hin in ein verlornes Ach!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="fruhling"></a>
+ An den Frühling<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen schöner Jüngling!<br />
+ Du Wonne der Natur!<br />
+ Mit deinem Blumenkörbchen<br />
+ Willkommen auf der Flur!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ei! Ei! Da bist du wieder!<br />
+ Und bist so lieb und schön!<br />
+ Und freun wir uns so herzlich,<br />
+ Entgegen dir zu gehen.<br />
+ Denkst auch noch an mein Mädchen?<br />
+ Ei, lieber, denke doch!<br />
+ Dort liebte mich das Mädchen,<br />
+ Und 's Mädchen liebt mich noch!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Fürs Mädchen manches Blümchen<br />
+ Erbat ich mir von dir&mdash;<br />
+ Ich komm und bitte wieder,<br />
+ Und du?&mdash;du gibst es mir?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen schöner Jüngling!<br />
+ Du Wonne der Natur!<br />
+ Mit deinem Blumenkörbchen<br />
+ Willkommen auf der Flur!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="astronomen"></a>
+ An die Astronomen<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!<br />
+ Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?<br />
+ Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;<br />
+ Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="moralisten"></a>
+ An einen Moralisten<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Was zürnst du unsrer frohen Jugendweise<br />
+ Und lehrst, daß Lieben Tändeln sei?<br />
+ Du starrest in des Winters Eise<br />
+ Und schmälest auf den goldnen Mai.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Einst, als du noch das Nymphenvolk bekriegtest,<br />
+ Ein Held des Karnevals den deutschen Wirbel flogst,<br />
+ Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest<br />
+ Und Nektarduft von Mädchenlippen sogst&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ha Seladon! wenn damals aus den Achsen<br />
+ Gewichen wär der Erde schwerer Ball,<br />
+ Im Liebesknäul mit Julien verwachsen<br />
+ Du hättest überhört den Fall!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ O denk zurück nach deinen Rosentagen<br />
+ Und lerne: die Philosophie<br />
+ Schlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;<br />
+ Zu Göttern schaffst du Menschen nie.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohl, wenn ins Eis des klügelnden Verstandes<br />
+ Das warme Blut ein bißchen muntrer springt!<br />
+ Laß den Bewohnern eines bessern Landes,<br />
+ Was nie dem Sterblichen gelingt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Zwingt doch der irdische Gefährte<br />
+ Den gottgebornen Geist in Kerkermauren ein,<br />
+ Er wehrt mir, daß ich Engel werde,<br />
+ Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="bittschrift"></a>
+ Bittschrift<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,<br />
+ Die Tobaksdose ledig,<br />
+ Mein Magen leer&mdash;der Himmel sei<br />
+ Dem Trauerspiele gnädig.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich kratze mit dem Federkiel<br />
+ Auf den gewalkten Lumpen;<br />
+ Wer kann Empfindung und Gefühl<br />
+ Aus hohlem Herzen pumpen?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Feu'r soll ich gießen aufs Papier<br />
+ Mit angefrornem Finger?&mdash;<br />
+ O Phöbus, hassest du Geschmier,<br />
+ So wärm auch deine Sänger.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,<br />
+ Es scharrt die Küchenzofe.<br />
+ Und mich&mdash;mich ruft das Flügeltier<br />
+ Nach König Philipps Hofe.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich steige mutig auf das Roß;<br />
+ In wenigen Sekunden<br />
+ Seh ich Madrid&mdash;Am Königsschloß<br />
+ Hab ich es angebunden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich eile durch die Galerie<br />
+ Und&mdash;siehe da!&mdash;belausche<br />
+ Die junge Fürstin Eboli<br />
+ In süßem Liebesrausche.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust<br />
+ Mit wonnevollem Schauer,<br />
+ In i h r e n Augen Götterlust,<br />
+ Doch in den s e i n e n Trauer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schon ruft das schöne Weib Triumph,<br />
+ Schon hör ich&mdash;Tod und Hölle!<br />
+ Was hör ich?&mdash;einen nassen Strumpf<br />
+ Geworfen in die Welle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und weg ist Traum und Feerei&mdash;<br />
+ Prinzessin, Gott befohlen!<br />
+ Der Teufel soll die Dichterei<br />
+ Beim Hemdenwaschen holen.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="geheimnis"></a>
+ Das Geheimnis<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,<br />
+ Zu viele Lauscher waren wach;<br />
+ Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,<br />
+ Und wohl verstand ich, was er sprach.<br />
+ Leis komm ich her in deine Stille,<br />
+ Du schön belaubtes Buchenzelt,<br />
+ Verbirg in deiner grünen Hülle<br />
+ Die Liebenden dem Aug der Welt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Von ferne mit verworrnem Sausen<br />
+ Arbeitet der geschäft'ge Tag,<br />
+ Und durch der Stimmen hohles Brausen<br />
+ Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.<br />
+ So sauer ringt die kargen Lose<br />
+ Der Mensch dem harten Himmel ab,<br />
+ Doch leicht erworben, aus dem Schoße<br />
+ Der Götter fällt das Glück herab.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Daß ja die Menschen nie es hören,<br />
+ Wie treue Lieb uns still beglückt!<br />
+ Sie können nur die Freude stören,<br />
+ Weil Freude nie sie selbst entzückt.<br />
+ Die Welt wird nie das Glück erlauben,<br />
+ Als Beute wird es nur gehascht,<br />
+ Entwenden mußt du's oder rauben,<br />
+ Eh dich die Mißgunst überrascht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,<br />
+ Die Stille liebt es und die Nacht,<br />
+ Mit schnellen Füßen ist's entwichen,<br />
+ Wo des Verräters Auge wacht.<br />
+ O schlinge dich, du sanfte Quelle,<br />
+ Ein breiter Strom um uns herum,<br />
+ Und drohend mit empörter Welle<br />
+ Verteidige dies Heiligtum!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="gluck"></a>
+ Das Glück der Weisheit<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Entzweit mit einem Favoriten,<br />
+ Flog einst Fortun der Weisheit zu:<br />
+ "Ich will dir meine Schätze bieten,<br />
+ Sei meine Freundin du!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Mit meinen reichsten, schönsten Gaben<br />
+ Beschenkt ich ihn so mütterlich,<br />
+ Und sieh, er will noch immer haben<br />
+ Und nennt noch geizig mich.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,<br />
+ Du marterst dich an deinem Pflug;<br />
+ In deinen Schoß will ich sie gießen,<br />
+ Hier ist für dich und mich genug."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sophia lächelt diesen Worten<br />
+ Und wischt den Schweiß vom Angesicht:<br />
+ Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,<br />
+ Versöhnet euch!&mdash;ich brauch dich nicht."<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="glocke"></a>
+ Das Lied von der Glocke<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Fest gemauert in der Erden<br />
+ Steht die Form, aus Lehm gebrannt.<br />
+ Heute muß die Glocke werden,<br />
+ Frisch, Gesellen! seid zur Hand.<br />
+ Von der Stirne heiß<br />
+ Rinnen muß der Schweiß,<br />
+ Soll das Werk den Meister loben,<br />
+ Doch der Segen kommt von oben.<br />
+ Zum Werke, das wir ernst bereiten,<br />
+ Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;<br />
+ Wenn gute Reden sie begleiten,<br />
+ Dann fließt die Arbeit munter fort.<br />
+ So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,<br />
+ Was durch die schwache Kraft entspringt,<br />
+ Den schlechten Mann muß man verachten,<br />
+ Der nie bedacht, was er vollbringt.<br />
+ Das ists ja, was den Menschen zieret<br />
+ Und dazu ward ihm der Verstand,<br />
+ Daß er im innern Herzen spüret,<br />
+ Was er erschafft mit seiner Hand.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nehmet Holz vom Fichtenstamme,<br />
+ Doch recht trocken laßt es sein,<br />
+ Daß die eingepreßte Flamme<br />
+ Schlage zu dem Schwalch hinein.<br />
+ Kocht des Kupfers Brei,<br />
+ Schnell das Zinn herbei,<br />
+ Daß die zähe Glockenspeise<br />
+ Fließe nach der rechten Weise.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Was in des Dammes tiefer Grube<br />
+ Die Hand mit Feuers Hilfe baut,<br />
+ Hoch auf des Turmes Glockenstube<br />
+ Da wird es von uns zeugen laut.<br />
+ Noch dauern wirds in späten Tagen<br />
+ Und rühren vieler Menschen Ohr,<br />
+ Und wird mit dem Betrübten klagen,<br />
+ Und stimmen zu der Andacht Chor.<br />
+ Was unten tief dem Erdensohne<br />
+ Das wechselnde Verhängnis bringt,<br />
+ Das schlägt an die metallne Krone,<br />
+ Die es erbaulich weiter klingt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Weiße Blasen seh ich springen,<br />
+ Wohl! die Massen sind im Fluß.<br />
+ Laßt's mit Aschensalz durchdringen,<br />
+ Das befördert schnell den Guß.<br />
+ Auch von Schaume rein<br />
+ Muß die Mischung sein,<br />
+ Daß vom reinlichen Metalle<br />
+ Rein und voll die Stimme schalle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Denn mit der Freude Feierklange<br />
+ Begrüßt sie das geliebte Kind<br />
+ Auf seines Lebens erstem Gange,<br />
+ Den es in Schlafes Arm beginnt;<br />
+ Ihm ruhen noch im Zeitenschoße<br />
+ Die schwarzen und die heitern Lose,<br />
+ Der Mutterliebe zarte Sorgen<br />
+ Bewachen seinen goldnen Morgen&mdash;<br />
+ Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.<br />
+ Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,<br />
+ Er stürmt ins Leben wild hinaus,<br />
+ Durchmißt die Welt am Wanderstabe,<br />
+ Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,<br />
+ Und herrlich, in der Jugend Prangen,<br />
+ Wie ein Gebild aus Himmels Höhn,<br />
+ Mit züchtigen, verschämten Wangen<br />
+ Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.<br />
+ Da faßt ein namenloses Sehnen<br />
+ Des Jünglings Herz, er irrt allein,<br />
+ Aus seinen Augen brechen Tränen,<br />
+ Er flieht der Brüder wilden Reihn.<br />
+ Errötend folgt er ihren Spuren,<br />
+ Und ist von ihrem Gruß beglückt;<br />
+ Das Schönste sucht er auf den Fluren,<br />
+ Womit er seine Liebe schmückt.<br />
+ O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,<br />
+ Der ersten Liebe goldne Zeit,<br />
+ Das Auge sieht den Himmel offen,<br />
+ Es schwelgt das Herz in Seligkeit,<br />
+ O! daß sie ewig grünen bliebe,<br />
+ Die schöne Zeit der jungen Liebe!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie sich schon die Pfeifen bräunen!<br />
+ Dieses Stäbchen tauch ich ein,<br />
+ Sehn wir's überglast erscheinen<br />
+ Wirds zum Gusse zeitig sein.<br />
+ Jetzt, Gesellen, frisch!<br />
+ Prüft mir das Gemisch,<br />
+ Ob das Spröde mit dem Weichen<br />
+ Sich vereint zum guten Zeichen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Denn wo das Strenge mit dem Zarten,<br />
+ Wo Starkes sich und Mildes paarten,<br />
+ Da gibt es einen guten Klang.<br />
+ Drum prüfe, wer sich ewig bindet,<br />
+ Ob sich das Herz zum Herzen findet!<br />
+ Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.<br />
+ Lieblich in der Bräute Locken<br />
+ Spielt der jungfräuliche Kranz,<br />
+ Wenn die hellen Kirchenglocken<br />
+ Laden zu des Festes Glanz.<br />
+ Ach! des Lebens schönste Feier<br />
+ Endigt auch den Lebensmai,<br />
+ Mit dem Gürtel, mit dem Schleier<br />
+ Reißt der schöne Wahn entzwei.<br />
+ Die Leidenschaft flieht,<br />
+ Die Liebe muß bleiben,<br />
+ Die Blume verblüht,<br />
+ Die Frucht muß treiben.<br />
+ Der Mann muß hinaus<br />
+ Ins feindliche Leben,<br />
+ Muß wirken und streben<br />
+ Und pflanzen und schaffen,<br />
+ Erlisten, erraffen,<br />
+ Muß wetten und wagen<br />
+ Das Glück zu erjagen.<br />
+ Da strömet herbei die unendliche Gabe,<br />
+ Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,<br />
+ Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.<br />
+ Und drinnen waltet<br />
+ Die züchtige Hausfrau,<br />
+ Die Mutter der Kinder,<br />
+ Und herrschet weise<br />
+ Im häuslichen Kreise,<br />
+ Und lehret die Mädchen,<br />
+ Und wehret den Knaben,<br />
+ Und reget ohn Ende<br />
+ Die fleißigen Hände,<br />
+ Ünd mehrt den Gewinn<br />
+ Mit ordnendem Sinn.<br />
+ Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,<br />
+ Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,<br />
+ Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein<br />
+ Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,<br />
+ Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,<br />
+ Und ruhet nimmer.<br />
+ Und der Vater mit frohem Blick<br />
+ Von des Hauses weitschauendem Giebel<br />
+ Überzählet sein blühend Glück,<br />
+ Siehet der Pfosten ragende Bäume,<br />
+ Und der Scheunen gefüllte Räume<br />
+ Und die Speicher, vom Segen gebogen,<br />
+ Und des Kornes bewegte Wogen,<br />
+ Rühmt sich mit stolzem Mund:<br />
+ Fest wie der Erde Grund<br />
+ Gegen des Unglücks Macht<br />
+ Steht mit des Hauses Pracht!&mdash;<br />
+ Doch mit des Geschickes Mächten<br />
+ Ist kein ew'ger Bund zu flechten,<br />
+ Und das Unglück schreitet schnell.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohl! Nun kann der Guß beginnen,<br />
+ Schön gezacket ist der Bruch.<br />
+ Doch, bevor wir's lassen rinnen,<br />
+ Betet einen frommen Spruch!<br />
+ Stoßt den Zapfen aus!<br />
+ Gott bewahr das Haus.<br />
+ Raudlend in des Henkels Bogen<br />
+ Schießts mit feuerbraunen Wogen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wohltätig ist des Feuers Macht,<br />
+ Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,<br />
+ Und was er bildet, was er schafft,<br />
+ Das dankt er dieser;<br />
+ Doch furchtbar wird die Himmelskraft,<br />
+ Wenn sie der Fessel sich entrafft,<br />
+ Einhertritt auf der eignen Spur<br />
+ Die freie Tochter der Natur.<br />
+ Wehe, wenn sie losgelassen<br />
+ Wachsend ohne Widerstand<br />
+ Durch die volkbelebten Gassen<br />
+ Wälzt den ungeheuren Brand!<br />
+ Denn die Elemente hassen<br />
+ Das Gebild der Menschenhand.<br />
+ Aus der Wolke<br />
+ Quillt der Segen,<br />
+ Strömt der Regen,<br />
+ Aus der Wolke, ohne Wahl,<br />
+ Zuckt der Strahl!<br />
+ Hört ihr's wimmern hoch vom Turm!<br />
+ Das ist Sturm!<br />
+ Rot wie Blut<br />
+ Ist der Himmel,<br />
+ Das ist nicht des Tages Glut!<br />
+ Welch Getümmel<br />
+ Straßen auf!<br />
+ Dampf wallt auf!<br />
+ Flackernd steigt die Feuersäule,<br />
+ Durch der Straßen lange Zeile<br />
+ Wächst es fort mit Windeseile,<br />
+ Kochend wie aus Ofens Rachen<br />
+ Glühn die Lüfte, Balken krachen,<br />
+ Pfosten stürzen, Fenster klirren,<br />
+ Kinder jammern, Mütter irren,<br />
+ Tiere wimmern<br />
+ Unter Trümmern,<br />
+ Alles rennet, rettet, flüchtet,<br />
+ Taghell ist die Nacht gelichtet,<br />
+ Durch der Hände lange Kette<br />
+ Um die Wette<br />
+ Fliegt der Eimer, hoch im Bogen<br />
+ Sprützen Quellen, Wasserwogen.<br />
+ Heulend kommt der Sturm geflogen,<br />
+ Der die Flamme brausend sucht,<br />
+ Prasselnd in die dürre Frucht<br />
+ Fällt sie, in des Speichers Räume,<br />
+ In der Sparren dürre Bäume,<br />
+ Und als wollte sie im Wehen<br />
+ Mit sich fort der Erde Wucht<br />
+ Reißen, in gewaltger Flucht,<br />
+ Wächst sie in des Himmels Höhen<br />
+ Riesengroß!<br />
+ Hoffnungslos<br />
+ Weicht der Mensch der Götterstärke,<br />
+ Müßig sieht er seine Werke<br />
+ Und bewundernd untergehn.<br />
+ Leergebrannt<br />
+ Ist die Stätte,<br />
+ Wilder Stürme rauhes Bette,<br />
+ In den öden Fensterhöhlen<br />
+ Wohnt das Grauen,<br />
+ Und des Himmels Wolken schauen<br />
+ Hoch hinein.<br />
+ Einen Blick<br />
+ Nach dem Grabe<br />
+ Seiner Habe<br />
+ Sendet noch der Mensch zurück&mdash;<br />
+ Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,<br />
+ Was Feuers Wut ihm auch geraubt,<br />
+ Ein süßer Trost ist ihm geblieben,<br />
+ Er zählt die Häupter seiner Lieben<br />
+ Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ In die Erd ist's aufgenommen,<br />
+ Glücklich ist die Form gefüllt,<br />
+ Wirds auch schön zu Tage kommen,<br />
+ Daß es Fleiß und Kunst vergilt?<br />
+ Wenn der Guß mißlang?<br />
+ Wenn die Form zersprang?<br />
+ Ach, vielleicht indem wir hoffen<br />
+ Hat uns Unheil schon getroffen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde<br />
+ Vertrauen wir der Hände Tat,<br />
+ Vertraut der Sämann seine Saat<br />
+ Und hofft, daß sie entkeimen werde<br />
+ Zum Segen, nach des Himmels Rat.<br />
+ Noch köstlicheren Samen bergen<br />
+ Wir traurend in der Erde Schoß,<br />
+ Und hoffen, daß er aus den Särgen<br />
+ Erblühen soll zu schönerm Los.<br />
+ Von dem Dome<br />
+ Schwer und bang<br />
+ Tönt die Glocke<br />
+ Grabgesang.<br />
+ Ernst begleiten ihre Trauerschläge<br />
+ Einen Wandrer auf dem letzten Wege.<br />
+ Ach! die Gattin ists, die teure,<br />
+ Ach! es ist die treue Mutter,<br />
+ Die der schwarze Fürst der Schatten<br />
+ Wegführt aus dem Arm des Gatten,<br />
+ Aus der zarten Kinder Schar,<br />
+ Die si.e blühend ihm gebar,<br />
+ Die sie an der treuen Brust<br />
+ Wachsen sah mit Mutterlust&mdash;<br />
+ Ach! des Hauses zarte Bande<br />
+ Sind gelöst auf immerdar,<br />
+ Denn sie wohnt im Scha.ttenlande,<br />
+ Die des Hauses Mutter war,<br />
+ Denn es fehlt ihr treues Walten,<br />
+ Ihre Sorge wacht nicht mehr,<br />
+ An verwaister Stätte schalten<br />
+ Wird die Fremde, liebeleer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Bis die Glocke sich verkühlet<br />
+ Laßt die strenge Arbeit ruhn,<br />
+ Wie im Laub der Vogel spielet<br />
+ Mag sich jeder gütlich tun.<br />
+ Winkt der Sterne Licht,<br />
+ Ledig aller Pflicht<br />
+ Hört der Bursch die Vesper schlagen,<br />
+ Meister muß sich immer plagen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Munter fördert seine Schritte<br />
+ Fern im wilden Forst der Wandrer<br />
+ Nach der lieben Heimathütte.<br />
+ Blöckend ziehen heim die Schafe,<br />
+ Und der Rinder<br />
+ Breitgestirnte glatte Scharen<br />
+ Kommen brüllend,<br />
+ Die gewohnten Ställe füllend.<br />
+ Schwer herein<br />
+ Schwankt der Wagen,<br />
+ Kornbeladen,<br />
+ Bunt von Farben<br />
+ Auf den Garben<br />
+ Liegt der Kranz,<br />
+ Und das junge Volk der Schnitter<br />
+ Fliegt zum Tanz.<br />
+ Markt und Straße werden stiller,<br />
+ Um des Lichts gesellge Flamme<br />
+ Sammeln sich die Hausbewohner,<br />
+ Und das Stadttor schließt sich knarrend.<br />
+ Schwarz bedecket<br />
+ Sich die Erde,<br />
+ Doch den sichern Bürger schrecket<br />
+ Nicht die Nacht,<br />
+ Die den Bösen gräßlich wecket,<br />
+ Denn das Auge des Gesetzes wacht.<br />
+ Heilge Ordnung, segenreiche<br />
+ Himmelstochter, die das Gleiche<br />
+ Frei und leicht und freudig bindet,<br />
+ Die der Städte Bau gegründet,<br />
+ Die herein von den Gefilden<br />
+ Rief den ungesellgen Wilden,<br />
+ Eintrat in der Menschen Hütten,<br />
+ Sie gewöhnt' zu sanften Sitten<br />
+ Und das teuerste der Bande<br />
+ Wob, den Trieb zum Vaterlande!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Tausend fleißge Hände regen,<br />
+ Helfen sich in munterm Bund<br />
+ Und in feurigem Bewegen<br />
+ Werden alle Kräfte kund.<br />
+ Meister rührt sich und Geselle<br />
+ In der Freiheit heilgem Schutz.<br />
+ Jeder freut sich seiner Stelle,<br />
+ Bietet dem Verächter Trutz.<br />
+ Arbeit ist des Bürgers Zierde,<br />
+ Segen ist der Mühe Preis,<br />
+ Ehrt den König seine Würde,<br />
+ Ehret uns der Hände Fleiß.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Holder Friede,<br />
+ Süße Eintracht,<br />
+ Weilet, weilet<br />
+ Freundlich über dieser Stadt!<br />
+ Möge nie der Tag erscheinen,<br />
+ Wo des rauhen Krieges Horden<br />
+ Dieses stille Tal durchtoben,<br />
+ Wo der Himmel,<br />
+ Den des Abends sanfte Röte<br />
+ Lieblich malt,<br />
+ Von der Dörfer, von der Städte<br />
+ Wildem Brande schrecklich strahlt!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun zerbrecht mir das Gebäude,<br />
+ Seine Absicht hats erfüllt,<br />
+ Daß sich Herz und Auge weide<br />
+ An dem wohlgelungnen Bild.<br />
+ Schwingt den Hammer, schwingt,<br />
+ Bis der Mantel springt,<br />
+ Wenn die Glock soll auferstehen<br />
+ Muß die Form in Stücken gehen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Meister kann die Form zerbrechen<br />
+ Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,<br />
+ Doch wehe, wenn in Flammenbächen<br />
+ Das glühnde Erz sich selbst befreit!<br />
+ Blindwütend mit des Donners Krachen<br />
+ Zersprengt es das geborstne Haus,<br />
+ Und wie aus offnem Höllenrachen<br />
+ Speit es Verderben zündend aus;<br />
+ Wo rohe Kräfte sinnlos walten,<br />
+ Da kann sich kein Gebild gestalten,<br />
+ Wenn sich die Völker selbst befrein,<br />
+ Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte<br />
+ Der Feuerzunder still gehäuft,<br />
+ Das Volk, zerreißend seine Kette,<br />
+ Zur Eigenhilfe schrecklich greift!<br />
+ Da zerret an der Glocke Strängen<br />
+ Der Aufruhr, daß sie heulend schallt,<br />
+ Und nur geweiht zu Friedensklängen<br />
+ Die Losung anstimmt zur Gewalt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,<br />
+ Der ruh'ge Bürger greift zur Wehr;<br />
+ Die Straßen füllen sich, die Hallen,<br />
+ Und Würgerbanden ziehn umher,<br />
+ Da werden Weiber zu Hyänen<br />
+ Und treiben mit Entsetzen Scherz,<br />
+ Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,<br />
+ Zerreißen sie des Feindes Herz.<br />
+ Nichts Heiliges ist mehr, es lösen<br />
+ Sich alle Bande frommer Scheu,<br />
+ Der Gute räumt den Platz dem Bösen,<br />
+ Und alle Laster walten frei.<br />
+ Gefährlich ists den Leu zu wecken,<br />
+ Verderblich ist des Tigers Zahn,<br />
+ Jedoch der schrecklichste der Schrecken<br />
+ Das ist der Mensch in seinem Wahn.<br />
+ Weh denen, die dem Ewigblinden<br />
+ Des Lichtes Himmelsfackel leihn!<br />
+ Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden<br />
+ Und äschert Städt und Länder ein.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Freude hat mir Gott gegeben!<br />
+ Sehet! wie ein goldner Stern<br />
+ Aus der Hülse, blank und eben,<br />
+ Schält sich der metallne Kern.<br />
+ Von dem Helm zum Kranz<br />
+ Spielts wie Sonnenglanz,<br />
+ Auch des Wappens nette Schilder<br />
+ Loben den erfahrnen Bilder.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Herein! herein!<br />
+ Gesellen alle, schließt den Reihen,<br />
+ Daß wir die Glocke taufend weihen,<br />
+ Concordia soll ihr Name sein,<br />
+ Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine<br />
+ Versammle sie die liebende Gemeine.<br />
+ Und dies sei fortan ihr Beruf,<br />
+ Wozu der Meister sie erschuf :<br />
+ Hoch überm niedern Erdenleben<br />
+ Soll sie in blauem Himmelszelt<br />
+ Die Nachbarin des Donners schweben<br />
+ Und grenzen an die Sternenwelt,<br />
+ Soll eine Stimme sein von oben,<br />
+ Wie der Gestirne helle Schar,<br />
+ Die ihren Schöpfer wandelnd loben<br />
+ Und führen das bekränzte Jahr.<br />
+ Nur ewigen und ernsten Dingen<br />
+ Sei ihr metallner Mund geweiht,<br />
+ Und stündlich mit den schnellen Schwingen<br />
+ Berühr im Fluge sie die Zeit,<br />
+ Dem Schicksal leihe sie die Zunge,<br />
+ Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,<br />
+ Begleite sie mit ihrem Schwunge<br />
+ Des Lebens wechselvolles Spiel.<br />
+ Und wie der Klang im Ohr vergehet,<br />
+ Der mächtig tönend ihr entschallt,<br />
+ So lehre sie, daß nichts bestehet,<br />
+ Daß alles Irdische verhallt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Jetzo mit der Kraft des Stranges<br />
+ Wiegt die Glock mir aus der Gruft,<br />
+ Daß sie in das Reich des Klanges<br />
+ Steige, in die Himmelsluft.<br />
+ Ziehet, ziehet, hebt!<br />
+ Sie bewegt sich, schwebt,<br />
+ Freude dieser Stadt bedeute,<br />
+ Friede sei ihr erst Geläute.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="fremde"></a>
+ Das Mädchen aus der Fremde<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ In einem Tal bei armen Hirten<br />
+ Erschien mit jedem jungen Jahr,<br />
+ Sobald die ersten Lerchen schwirrten,<br />
+ Ein Mädchen, schön und wunderbar.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sie war nicht in dem Tal geboren,<br />
+ Man wußte nicht, woher sie kam,<br />
+ Und schnell war ihre Spur verloren,<br />
+ Sobald das Mädchen Abschied nahm.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Beseligend war ihre Nähe,<br />
+ Und alle Herzen wurden weit,<br />
+ Doch eine Würde, eine Höhe<br />
+ Entfernte die Vertraulichkeit.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sie brachte Blumen mit und Früchte,<br />
+ Gereift auf einer andern Flur,<br />
+ In einem andern Sonnenlichte,<br />
+ In einer glücklichern Natur.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und teilte jedem eine Gabe,<br />
+ Dem Früchte, jenem Blumen aus,<br />
+ Der Jüngling und der Greis am Stabe,<br />
+ Ein jeder ging beschenkt nach Haus.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willkommen waren alle Gäste,<br />
+ Doch nahte sich ein liebend Paar,<br />
+ Dem reichte sie der Gaben beste,<br />
+ Der Blumen allerschönste dar.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="orleans"></a>
+ Das Mädchen von Orleans<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,<br />
+ Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;<br />
+ Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,<br />
+ Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;<br />
+ Dem Herzen will er seine Schätze rauben,<br />
+ Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Doch, wie du selbst aus kindlichem Geschlechte,<br />
+ Selbst eine fromme Schäferin wie du,<br />
+ Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,<br />
+ Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.<br />
+ Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;<br />
+ Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen<br />
+ Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;<br />
+ Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,<br />
+ Die für das Hohe, Herrliche entglühn.<br />
+ Den lauten Markt mag Momus unterhalten,<br />
+ Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="lebens"></a>
+ Das Spiel des Lebens<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Wollt ihr in meinen Kasten sehn?<br />
+ Des Lebens Spiel, die Welt im kleinen,<br />
+ Gleich soll sie eurem Aug erscheinen;<br />
+ Nur müßt ihr nicht zu nahe stehn,<br />
+ Ihr müßt sie bei der Liebe Kerzen<br />
+ Und nur bei Amors Fackel sehn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schaut her! Nie wird die Bühne leer:<br />
+ Dort bringen sie das Kind getragen,<br />
+ Der Knabe hüpft, der Jüngling stürmt einher,<br />
+ Es kämpft der Mann, und alles will er wagen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ein jeglicher versucht sein Glück,<br />
+ Doch schmal nur ist die Bahn zum Rennen:<br />
+ Der Wagen rollt, die Achsen brennen,<br />
+ Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück,<br />
+ Der Stolze fällt mit lächerlichem Falle,<br />
+ Der Kluge überholt sie alle.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Die Frauen seht ihr an den Schranken stehn,<br />
+ Mit holdem Blick, mit schönen Händen<br />
+ Den Dank dem Sieger auszuspenden.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="sais"></a>
+ Das verschleierte Bild zu Sais<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst<br />
+ Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester<br />
+ Geheime Weisheit zu erlernen, hatte<br />
+ Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,<br />
+ Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,<br />
+ Und kaum besänftigte der Hierophant<br />
+ Den ungeduldig Strebenden. "Was hab ich,<br />
+ Wenn ich nicht alles habe?" sprach der Jüngling,<br />
+ "Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?<br />
+ Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück<br />
+ Nur eine Summe, die man größer, kleiner<br />
+ Besitzen kann und immer doch besitzt?<br />
+ Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?<br />
+ Nimm einen Ton aus einer Harmonie,<br />
+ Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,<br />
+ Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang<br />
+ Das schöne All der Töne fehlt und Farben."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Indem sie einst so sprachen, standen sie<br />
+ In einer einsamen Rotonde still,<br />
+ Wo ein verschleiert Bild von Riesengröße<br />
+ Dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert<br />
+ Blickt er den Führer an und spricht: "Was ists,<br />
+ Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?"<br />
+ "Die Wahrheit", ist die Antwort.&mdash;"Wie?" ruft jener,<br />
+ "Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese<br />
+ Gerade ist es, die man mir verhüllt?"<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Das mache mit der Gottheit aus", versetzt<br />
+ Der Hierophant. "Kein Sterblicher, sagt sie,<br />
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.<br />
+ Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand<br />
+ Den heiligen, verbotnen früher hebt,<br />
+ Der, spricht die Gottheit&mdash;"&mdash;"Nun?"&mdash;<br />
+ "Der sieht die Wahrheit."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,<br />
+ Du hättest also niemals ihn gehoben?"<br />
+ "Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu<br />
+ Versucht."&mdash;"Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit<br />
+ Nur diese dünne Scheidewand mich trennte&mdash;"<br />
+ "Und ein Gesetz", fällt ihm sein Führer ein.<br />
+ "Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,<br />
+ Ist dieser dünne Flor&mdash;für deine Hand<br />
+ Zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen."<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause,<br />
+ Ihm raubt des Wissens brennende Begier<br />
+ Den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager<br />
+ Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel<br />
+ Führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.<br />
+ Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,<br />
+ Und mitten in das Innre der Rotonde<br />
+ Trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt<br />
+ Den Einsamen die lebenlose Stille,<br />
+ Die nur der Tritte hohler Widerhall<br />
+ In den geheimen Grüften unterbricht<br />
+ Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft<br />
+ Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,<br />
+ Und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott<br />
+ Erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse<br />
+ In ihrem langen Schleier die Gestalt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,<br />
+ Schon will die freche Hand das Heilige berühren,<br />
+ Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein<br />
+ Und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.<br />
+ Unglücklicher, was willst du tun? So ruft<br />
+ In seinem Innern eine treue Stimme.<br />
+ Versuchen den Allheiligen willst du?<br />
+ Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,<br />
+ Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.<br />
+ Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:<br />
+ Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?<br />
+ "Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf."<br />
+ (Er rufts mit lauter Stimm.) "Ich will sie schauen."<br />
+ Schauen!<br />
+ Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.<br />
+ Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?<br />
+ Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,<br />
+ So fanden ihn am andern Tag die Priester<br />
+ Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.<br />
+ Was er allda gesehen und erfahren,<br />
+ Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig<br />
+ War seines Lebens Heiterkeit dahin,<br />
+ Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.<br />
+ "Weh dem", dies war sein warnungsvolles Wort,<br />
+ Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,<br />
+ "Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,<br />
+ Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein."<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="abend"></a>
+ Der Abend (Nach einem Gemälde)<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Senke, strahlender Gott&mdash;die Fluren dürsten<br />
+ Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,<br />
+ Matter ziehen die Rosse&mdash;<br />
+ Senke den Wagen hinab!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Siehe, wer aus des Meers kristallner Woge<br />
+ Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?<br />
+ Rascher fliegen die Rosse,<br />
+ Tethys, die göttliche, winkt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Schnell vom Wagen herab in ihre Arme<br />
+ Springt der Führer, den Zaum ergreift Kupido,<br />
+ Stille halten die Rosse,<br />
+ Trinken die kühlende Flut.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ An den Himmel herauf mit leisen Schritten<br />
+ Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße<br />
+ Liebe. Ruhet und liebet!<br />
+ Phöbus, der liebende, ruht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="paris"></a>
+ Die Antiken zu Paris<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Was der Griechen Kunst erschaffen,<br />
+ Mag der Franke mit den Waffen<br />
+ Führen nach der Seine Strand,<br />
+ Und in prangenden Museen<br />
+ Zeig er seine Siegstrophäen<br />
+ Dem erstaunten Vaterland!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ewig werden sie ihm schweigen,<br />
+ Nie von den Gestellen steigen<br />
+ In des Lebens frischen Reihn.<br />
+ Der allein besitzt die Musen,<br />
+ Der sie trägt im warmen Busen,<br />
+ Dem Vandalen sind sie Stein.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="erscheinung"></a>
+ Die schönste Erscheinung<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,<br />
+ Niemals hast du die Schönheit gesehn.<br />
+ Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,<br />
+ Niemals hast du die Freude gesehn!<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="weltweisen"></a>
+ Die Weltweisen<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Der Satz, durch welchen alles Ding<br />
+ Bestand und Form empfangen,<br />
+ Der Kloben, woran Zeus den Ring<br />
+ Der Welt, die sonst in Scherben ging,<br />
+ Vorsichtig aufgehangen,<br />
+ Den nenn ich einen großen Geist,<br />
+ Der mir ergründet, wie er heißt,<br />
+ Wenn ich ihm nicht drauf helfe&mdash;<br />
+ Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,<br />
+ Der Mensch geht auf zwei Füßen,<br />
+ Die Sonne scheint am Firmament,<br />
+ Das kann, wer auch nicht Logik kennt,<br />
+ Durch seine Sinne wissen.<br />
+ Doch wer Metaphysik studiert,<br />
+ Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,<br />
+ Weiß, daß das Nasse feuchtet<br />
+ Und daß das Helle leuchtet.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Homerus singt sein Hochgedicht,<br />
+ Der Held besteht Gefahren,<br />
+ Der brave Mann tut seine Pflicht<br />
+ Und tat sie, ich verhehl es nicht,<br />
+ Eh noch Weltweise waren;<br />
+ Doch hat Genie und Herz vollbracht,<br />
+ Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,<br />
+ Sogleich wird auch von diesen<br />
+ Die Möglichkeit bewiesen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Leben gilt der Stärke Recht,<br />
+ Dem Schwachen trotzt der Kühne,<br />
+ Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;<br />
+ Sonst geht es ganz erträglich schlecht<br />
+ Auf dieser Erdenbühne.<br />
+ Doch wie es wäre, fing der Plan<br />
+ Der Welt nur erst von vorne an,<br />
+ Ist in Moralsystemen<br />
+ Ausführlich zu vernehmen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ "Der Mensch bedarf des Menschen sehr<br />
+ Zu seinem großen Ziele,<br />
+ Nur in dem Ganzen wirket er,<br />
+ Viel Tropfen geben erst das Meer,<br />
+ Viel Wasser treibt die Mühle.<br />
+ Drum flieht der wilden Wölfe Stand<br />
+ Und knüpft des Staates daurend Band."<br />
+ So lehren vom Katheder<br />
+ Herr Puffendorf und Feder.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Doch weil, was ein Professor spricht,<br />
+ Nicht gleich zu allen dringet,<br />
+ So übt N a t u r die Mutterpflicht<br />
+ Und sorgt, daß nie die Kette bricht<br />
+ Und daß der Reif nie springet.<br />
+ Einstweilen, bis den Bau der Welt<br />
+ Philosophie zusammenhält,<br />
+ Erhält s i e das Getriebe<br />
+ Durch Hunger und durch Liebe.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="epigramme"></a>
+ Epigramme<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Unsterblichkeit<br />
+ Vor dem Tod erschrickst du?<br />
+ Du wünschest unsterblich zu leben?<br />
+ Leb im Ganzen!<br />
+ Wenn du lange dahin bist, es bleibt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Theophanie<br />
+ Zeigt sich der Glückliche mir,<br />
+ ich vergesse die Götter des Himmels;<br />
+ Aber sie stehen vor mir,<br />
+ wenn ich den Leidenden seh.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Das Kind in der Wiege<br />
+ Glücklicher Säugling!<br />
+ Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege,<br />
+ Werde Mann,<br />
+ und dir wird eng die unendliche Welt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Der beste Staat<br />
+ "Woran erkenn ich den besten Staat?"<br />
+ Woran du die beste Frau kennst!<br />
+ daran, mein Freund,<br />
+ daß man von beiden nicht spricht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Das Unwandelbare<br />
+ "Unaufhaltsam enteilet die Zeit."<br />
+ Sie sucht das Beständ'ge.<br />
+ Sei getreu,<br />
+ und du legst ewige Fesseln ihr an.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Zeus zu Herkules<br />
+ Nicht aus meinem Nektar<br />
+ hast du dir Gottheit getrunken;<br />
+ Deine Götterkraft war's,<br />
+ die dir den Nektar errang.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="forum"></a>
+ Forum des Weibes<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten;<br />
+ Aber über den Mann sprechet das richtige Wort.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="odysseus"></a>
+ Odysseus<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Alle Gewässer durchkreuzt, die Heimat zu finden, Odysseus;<br />
+ Durch der Scylla Gebell, durch der Charybde Gefahr,<br />
+ Durch die Schrecken des feindlichen Meers, durch die Schrecken des Landes,<br />
+ Selber in Aides Reich führt ihn die irrende Fahrt.<br />
+ Endlich trägt das Geschick ihn schlafend an Ithakas Küste&mdash;<br />
+ Er erwacht und erkennt jammernd das Vaterland nicht.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="sehnsucht"></a>
+ Sehnsucht<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ach, aus dieses Tales Gründen,<br />
+ Die der kalte Nebel drückt,<br />
+ Könnt ich doch den Ausgang finden,<br />
+ Ach, wie fühlt ich mich beglückt!<br />
+ Dort erblick ich schöne Hügel,<br />
+ Ewig jung und ewig grün!<br />
+ Hätt ich schwingen, hätt ich Flügel,<br />
+ Nach den Hügeln zög ich hin.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Harmonieen hör ich klingen,<br />
+ Töne süßer Himmelsruh,<br />
+ Und die leichten Winde bringen<br />
+ Mir der Düfte Balsam zu,<br />
+ Goldne Früchte seh ich glühen,<br />
+ Winkend zwischen dunkelm Laub,<br />
+ Und die Blumen, die dort blühen,<br />
+ Werden keines Winters Raub.<br />
+ Ach wie schön muß sich's ergehen<br />
+ Dort im ew'gen Sonnenschein,<br />
+ Und die Luft auf jenen Höhen,<br />
+ O wie labend muß sie sein!<br />
+ Doch mir wehrt des Stromes Toben,<br />
+ Der ergrimmt dazwischen braust,<br />
+ Seine Wellen sind gehoben,<br />
+ Das die Seele mir ergraust.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Einen Nachen seh ich schwanken,<br />
+ Aber ach! Der Fährmann fehlt.<br />
+ Frisch hinein und ohne Wanken!<br />
+ Seine Segel sind beseelt.<br />
+ Du mußt glauben, du mußt wagen,<br />
+ Denn die Götter leihn kein Pfand,<br />
+ Nur ein Wunder kann dich tragen<br />
+ In das schöne Wunderland.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="spinoza"></a>
+ Spinoza<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,<br />
+ Sein Wipfel tät die Wolken küssen,<br />
+ Er liegt am Grund&mdash;warum?<br />
+ Die Bauren hatten, hör ich reden,<br />
+ Sein schönes Holz zum Bau'n vonnöten<br />
+ Und rissen ihn deswegen um.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="thekla"></a>
+ Thekla (Eine Geisterstimme)<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Wo ich sei, und wo mich hingewendet,<br />
+ Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?<br />
+ Hab ich nicht beschlossen und geendet,<br />
+ Hab ich nicht geliebet und gelebt?<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Willst du nach den Nachtigallen fragen,<br />
+ Die mit seelenvoller Melodie<br />
+ Dich entzücken in des Lenzes Tagen?<br />
+ Nur solang sie liebten, waren sie.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ob ich den Verlorenen gefunden?<br />
+ Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,<br />
+ Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,<br />
+ Dort, wo keine Träne wird geweint.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Dorten wirst auch du uns wieder finden,<br />
+ Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;<br />
+ Dort ist auch der Vater, frei von Sünden,<br />
+ Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,<br />
+ Als er aufwärts zu den Sternen sah;<br />
+ Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,<br />
+ Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wort gehalten wird in jenen Räumen<br />
+ Jedem schönen gläubigen Gefühl;<br />
+ Wage du, zu irren und zu träumen:<br />
+ Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="triumph"></a>
+ Triumph der Liebe<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Selig durch die Liebe<br />
+ Götter&mdash;durch die Liebe<br />
+ Menschen Göttern gleich!<br />
+ Liebe macht den Himmel<br />
+ Himmlischer&mdash;die Erde<br />
+ Zu dem Himmelreich.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="weibliches"></a>
+ Weibliches Urteil<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Männer richten nach Gründen;<br />
+ des Weibes Urteil ist seine Liebe:<br />
+ wo es nicht liebt,<br />
+ hat schon gerichtet das Weib.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="winternacht"></a>
+ Winternacht<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Ade! Die liebe Herrgottssonne gehet,<br />
+ Grad über tritt der Mond!<br />
+ Ade! Mit schwarzem Rabenflügel wehet<br />
+ Die stumme Nacht ums Erdenrund.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nichts hör ich mehr durchs winternde Gefilde<br />
+ Als tief im Felsenloch<br />
+ Die Murmelquell, und aus dem Wald das wilde<br />
+ Geheul des Uhus hör ich noch.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Wasserbette ruhen alle Fische,<br />
+ Die Schnecke kriecht ins Dach,<br />
+ Das Hündchen schlummert sicher unterm Tische,<br />
+ Mein Weibchen nickt im Schlafgemach.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Euch Brüderchen von meinen Bubentagen<br />
+ Mein herzliches Willkomm!<br />
+ Ihr sitzt vielleicht mit traulichem Behagen<br />
+ Um einen teutschen Krug herum.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im hochgefüllten Deckelglase malet<br />
+ Sich purpurfarb die Welt,<br />
+ Und aus dem goldnen Traubenschaume strahlet<br />
+ Vergnügen, das kein Neid vergällt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Im Hintergrund vergangner Jahre findet<br />
+ Nur Rosen euer Blick,<br />
+ Leicht, wie die blaue Knasterwolke, schwindet<br />
+ Der trübe Gram von euch zurück.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Vom Schaukelgaul bis gar zum Doktorhute<br />
+ Stört ihr im Zeitbuch um.<br />
+ Und zählt nunmehr mit federleichtem Mute<br />
+ Schweißtropfen im Gymnasium.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie manchen Fluch&mdash;noch mögen unterm Boden<br />
+ Sich seine Knochen drehn&mdash;<br />
+ Terenz erpreßt, trotz Herrn Minellis Noten,<br />
+ Wie manch verzogen Maul gesehn.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wie ungestüm dem grimmen Landexamen<br />
+ Des Buben Herz geklopft;<br />
+ Wie ihm, sprach itzt der Rektor seinen Namen,<br />
+ Der helle Schweiß aufs Buch getropft.&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Wo red't man auch von einer&mdash;e&mdash;gewissen&mdash;<br />
+ Die sich als Frau nun spreißt,<br />
+ Und mancher will der Lecker baß nun wissen,<br />
+ Was doch ihr Mann baß&mdash;gar nicht weißt.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun liegt dies all im Nebel hinterm Rücken,<br />
+ Und Bube heißt nun Mann,<br />
+ Und Friedrich schweigt der weiseren Perücken,<br />
+ Was einst der kleine Fritz getan&mdash;<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Man ist&mdash;Potz gar!&mdash;zum Doktor ausgesprochen,<br />
+ Wohl gar&mdash;beim Regiment!<br />
+ Und hat vielleicht&mdash;doch nicht zu früh, gerochen,<br />
+ Daß Plane&mdash;Seifenblasen sind.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Hauch immer zu,&mdash;und laß die Blasen springen;<br />
+ Bleibt nur dies Herz noch ganz!<br />
+ Und bleibt mir nur&mdash;errungen mit Gesängen&mdash;<br />
+ Zum Lohn ein teutscher Lorbeerkranz.<br />
+</p>
+
+<p><br /><br /><br /></p>
+
+<h3>
+<a id="geburtstag"></a>
+ Zum Geburtstag der Frau Griesbach<br />
+</h3>
+
+<p class="poem">
+ Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da<br />
+ Und klopf an deine Türe.<br />
+ Mich schickt Papa und die Mama,<br />
+ Daß ich dir gratuliere.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Ich bringe nichts als ein Gedicht<br />
+ Zu deines Tages Feier;<br />
+ Denn alles, was die Mutter spricht,<br />
+ Ist so entsetzlich teuer.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Sag selbst, was ich dir wünschen soll;<br />
+ Ich weiß nichts zu erdenken.<br />
+ Du hast ja Küch und Keller voll,<br />
+ Nichts fehlt in deinen Schränken.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es wachsen fast dir auf den Tisch<br />
+ Die Spargel und die Schoten,<br />
+ Die Stachelbeeren blühen frisch,<br />
+ Und so die Reineclauden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Bei Stachelbeeren fällt mir ein:<br />
+ Die schmecken gar zu süße;<br />
+ Und wenn sie werden zeitig sein,<br />
+ So sorge, daß ich's wisse.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Viel fette Schweine mästest du<br />
+ Und gibst den Hühnern Futter;<br />
+ Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!<br />
+ Und gibt dir Milch und Butter.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Es haben alle dich so gern,<br />
+ Die Alten und die Jungen,<br />
+ Und deinem lieben, braven Herrn<br />
+ Ist alles wohlgelungen.<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!<br />
+ Mußt's auch fein immer bleiben;<br />
+ Ja, höre, werde ja nicht krank,<br />
+ Daß sie dir nichts verschreiben!<br />
+</p>
+
+<p class="poem">
+ Nun lebe wohl! Ich sag ade.<br />
+ Gelt, ich war heut bescheiden?<br />
+ Doch könntest du mir, eh ich geh,<br />
+ 'ne Butterbemme schneiden.<br />
+</p>
+
+<p class="poem"><br /><br /><br /><br /></p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Einige Gedichte, by
+Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINIGE GEDICHTE ***
+
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+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
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+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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+</pre>
+
+</body>
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+</html>
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