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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X, - Heft 1-3 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: October 10, 2021 [eBook #66504] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 1 bis 3 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band X - - _Inhalt_: Der Rochlitzer Berg -- Der Einfluß der - Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer Berges - -- Die Vogelwelt unserer Obstalleen -- Das Tännichttal im - Tharandter Wald -- Gauernitz -- Frühlingsboten -- Über - das Vorkommen der Biber in Sachsen -- Frau Lina Hähnle - zum 70. Geburtstag -- Oberlehrer Bruno Lange, Strehla † - -- Gäste -- Heimatschutz, Heimatkunst, Heimatdichtung -- - Bücherbesprechungen -- Verschiedenes - - Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen - Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und - Büchereien M. 10.--. Mitglieder erhalten die Mitteilungen - kostenlos, Mindestjahresbeitrag M. 10.-- - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Dresden 1921 - - - - -Heimatschutzvorträge mit Lichtbildern - - -_Dresdner Vorträge_ - -abends punkt ½8 Uhr im großen Gewerbehaussaale - -_Vortragsfolge_: - -_Mittwoch, den 20. April_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Martin -Braeß_: »=Die volkstümlichsten Tiere der deutschen Märchen und Fabeln=« --- _Mittwoch, den 27. April_: Professor ~Dr.~ _Martin Große_: »=Die -Lommatzscher Pflege=« -- _Mittwoch, den 4. Mai_: Hofrat Professor _O. -Seyffert_: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« -- _Mittwoch, den 11. -Mai_: _Edgar Hahnewald_, Dresden: »=Wandern als Erlebnis. Bilder aus -Dresdens Umgebung=« -- _Mittwoch, den 18. Mai_: »=Volksliederabend=«: -Kammersänger ~Dr.~ _Waldemar Staegemann_ -- _Mittwoch, den 25. Mai_: -Professor _Franz Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende -Steine. Bilder aus deutscher Vergangenheit=« -- _Mittwoch, den 1. -Juni_: Hofrat Professor ~Dr.~ _Arno Naumann_, Dresden: »=Natur- und -Kulturdenkmäler im östlichen Erzgebirge=« - -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des -Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,-- - -Karten-Hauptverkaufsstelle: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24 - - -_Leipziger Vorträge_ - -abends punkt ½8 Uhr im großen Festsaale des Zentraltheaters - -Vortragsfolge: - -_Freitag, den 15. April_: Fabrikbesitzer _J. Ostermaier_, Dresden: -»=Auf Blumenpfaden durch die Alpen. Schutz den Alpenpflanzen=« -- -_Freitag, den 22. April_: Schuldirektor ~Dr.~ _Zinck_, Leipzig: »=Im -Reiche des Rochlitzer Porphyr=« -- _Freitag, den 29. April_: Hofrat -Professor _O. Seyffert_, Dresden: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« -- -_Freitag, den 6. Mai_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Kittel_, Borna: -»=Das Bornaer Land=« -- _Freitag, den 13. Mai_: Musikdirektor _Bernhard -Schneider_, Dresden, unter Mitwirkung von Fräulein _Ruth_ und _Hannah -Schneider_, sowie des Herrn _Albert Klug_, Dresden: »=Gassenhauer, -Bänkelsang und Volkslied=« -- _Freitag, den 20. Mai_: Oberstudienrat -Professor ~Dr.~ _Martin Braeß_, Dresden: »=Junges Volk, Bilder aus der -Kinderstube der Tiere=« -- _Freitag, den 27. Mai_: Professor _Franz -Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende Steine. Bilder aus -deutscher Vergangenheit=« - -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des -Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,-- - -Karten-Hauptverkaufsstelle Zementbau Rud. Wolle, Leipzig, -Gottschedstraße 17 - - - - - Band X, Heft 1/3 1921 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den -Vorstand herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. Februar 1921 - - - - -Der Rochlitzer Berg - -Von _W. C. Pfau_, Rochlitz - -Mit Abbildungen nach Aufnahmen von _Rud. Zimmermann_ - - -Im Rochlitzer Berg besitzt unser Sachsenland ein höchst bemerkenswertes -Naturdenkmal, dessen Schönheit Sommer und Winter Tausende von -schaulustigen Wandersleuten anlockt. Fruchtbare Felder und grünende -Wiesen überziehen zum großen Teil die leichtgeneigten Abhänge; die -waldgekrönte Kuppe hingegen ist durch mächtige Steinbrüche mit glatten, -senkrecht aufsteigenden, im Laufe von Jahrhunderten bis über dreißig -Meter aus dem Felsenboden mühsam herausgeschrotenen Wänden, in deren -Nähe sich gewaltige, oft unter Holzbestand oder unter Moos- und -Grasdecken verborgene Schutthalden auftürmen, zerrissen und zerklüftet. -Hier an diesen einsamen Arbeitsstätten gewinnt man seit undenklichen -Zeiten einen aus vulkanischer Asche entstandenen Porphyrtuff, dessen -rote, von zahllosen Adern durchzogene Grundfärbung mitunter in Gelb, -Violett, Bronzebraun ausklingt; es gewährt einen ungemein malerischen -Anblick, wenn grelle Sonnenstrahlen bei blauem Himmel jene mit frischem -Grün oder mit leuchtenden, weißen Schneeleisten belebten roten -Felsgebilde feurig erglühen lassen. In seinem Farbengepräge steht der -»Rochlitzer Sandstein« zum mindesten für ganz Mitteldeutschland einzig -da; als ebenso eigenartig erscheint die Geschichte des zugehörigen -Berges und seines Steinmetzentums. - -Wann an dieser Stelle der erste Stein gesucht und verarbeitet -wurde, werden wir nie genau anzugeben vermögen; sicher geschah -es zu einer Zeit, als sich dort noch Meister Petz behäbig -herumtrollte, als das Röhren des grimmen Schelches, das Heulen -gieriger Wolfsrudel, das Gebrüll des ungeschlachten Urs schauerlich -durch den dichten Forst schallte, als der tückische Luchs in dem -knorrigen Geäst vielhundertjähriger Eichen nach Raub äugte und -der reckenhafte Ureinwohner mit Keule und Steinaxt den offenen -Kampf mit den angestammten Herren der Jagdgründe aufnahm oder aus -sicherem Hinterhalt auf das flüchtige Wild den todbringenden, mit -Feuersteinspitze bewehrten Pfeil abschnellte. Nach Ausweis neuerdings -gemachter einschlägiger Funde war der Rochlitzer Berg bereits in -urgeschichtlicher Zeit, lange bevor die Welt etwas vom Christentum -wußte, ein vielbesuchter Ort. Beile, Pfeilspitzen aus Stein, -geschlagene Steinspäne und dazugehörige Kernstücke, Urnenscherben u. -a. wurden wiederholt auf dem Berg, zumal auf den Feldern in der Nähe -der Waldessäume nachgewiesen. In der Bronzezeit, etwa ein Jahrtausend -vor des Erlösers Geburt, verarbeiteten unsere heidnischen Vorfahren den -dortigen »Porphyr« bereits zu schönen Getreidemahlsteinen, die in der -weiteren Umgebung Absatz fanden. Ein reger Verkehr wegen verschiedenen -gesuchten Steinmaterials muß sich schon damals in diesem Muldenstrich -entwickelt haben. Man holte auch Garbenschiefer, der ebenfalls am -Rochlitzer Berg vorkommt, zu Steinsetzungen zu entlegeneren Gräbern, -und der sogenannte Gnandsteiner Bandjaspis, welcher nur in der -Kohrener Gegend ansteht, läßt sich auf prähistorischen Fundstellen -über Rochlitz, Wechselburg hinaus bis in die Pflegen von Colditz, -Waldheim, Ringethal als Artefakt ziemlich oft feststellen. Auch die -Wenden trieben ihr Wesen auf dem Rochlitzer Berg; darauf deuten nicht -nur die eigenartigen, wellenverzierten Urnenscherben, die am Wald -gefunden werden, sondern auch überkommene, ihm anhaftende Flurnamen -wie Mo(ko)rellenbruch, Bile, Wälsche usw. Die am Wald gelegenen Dörfer -tragen sämtlich wendische Namen. - -Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, daß die Deutschen -seit der Kolonisation den roten Stein ständig und eifrig abbauten, in -ergiebigster Weise benutzten und schließlich immer weiter verhandelten. -Die Wenden kannten den Kalk noch nicht, waren deshalb unfähig, im -steineren Hochbau etwas Besonderes zu leisten. Den Rochlitzer Porphyr -gebrauchten sie wohl vorwiegend oder ausschließlich zu Mahlsteinen; -Beile, Hämmer und andere Gebrauchsgegenstände aus dem Material sind -bisher noch nicht nachgewiesen worden. Der Name des am Berg gelegenen -Dorfes Sörnzig wird von manchen Slawisten als »Ort der Steinhauer« -gedeutet. Im Anschluß an die vorgefundene Industrie stellten die -eingewanderten Steinmetzen nun vor allen Dingen Mühlsteine her, die -weit ins Land versandt wurden. Ein Rochlitzer Bruch heißt von altersher -»Mühlsteinbruch«. Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurden sechs, -später zehn Brüche bewirtschaftet. Durch die Deutschen erlangte der -Steinbruchbetrieb auf dem Berg bald eine außerordentliche Bedeutung, -zumal für das Bauwesen. Von romanischer Zeit ab ist im Rochlitzer -Porphyr eine Unmenge von Hochbauten Mittelwestsachsens und anliegender -Gebiete entstanden, hat man ihn zu unendlich vielen Architekturteilen -und beweglichen Gegenständen wie Kanzeln, Altartischen, Grabplatten, -Taufsteinen, Weihwasserbecken, Postsäulen, Gemeindesteinen, -Gartensäulen, Brunnen, Brüstungen, Stufen, Bänken, Einfassungen, -Grenzsteinen, Wegweisern, Mordkreuzen, Erinnerungstafeln, Gewichten, -Normalscheffeln, Geschützkugeln, Schandflaschen, Prangersäulen, -Trögen, Krippen, Ofentüren u. v. a. m. verarbeitet. Nicht wenige -dieser Altertümer sind tadellos auf uns gekommen; viele Kirchen und -manche Schlösser überliefern uns romanischen oder gotischen Baubestand -in Rochlitzer Stein in vorzüglicher Erhaltung. Der älteste Zweig -des deutschen Steinbetriebes, die Herstellung von Mühlsteinen, ist -seit etwa achtzig Jahren ganz eingegangen; an den Schutthalden des -Mühlsteinbruches liegen aber heutzutage noch viele angefangene oder -halbfertige Erzeugnisse dieser Art, die, zum Teil in das Erdreich -eingesunken, zum Teil vom Abraum überschüttet, unter Farren und -Gestrüpp von jenen vergangenen Zeiten, die an den Gewerbefleiß jetzt -vergessene Anforderungen stellten, träumen. - -[Illustration: Abb. 1 =Rochlitzer Porphyrbruch mit dem -Friedrich-August-Turm=] - -Über die mittelalterlichen Meister, die ihre Werke in Rochlitzer -Stein schufen, wissen wir äußerst wenig; wir kennen höchstens ihre -Zeichen, die sie aufschlugen. Die ältesten Marken dieser Art, wohl -die frühesten in ganz Sachsen, kommen im romanischen Bestand des -Rochlitzer Schlosses und an gleichaltrigen, jüngst aufgefundenen -Werkstücken in Geithain vor. Nach den Ergebnissen der Zeichenforschung, -zum Teil auch nach der Ortsbezeichnung, welche die ältesten Steinmetzen -regelmäßig ihren Namen zusetzten, ist eine große Freizügigkeit -unter den Werkleuten früherer Jahrhunderte anzunehmen. Sie zogen -der Baugelegenheit nach, und deshalb kamen viele Auswärtige in die -Rochlitzer Pflege. Die Brüche bildeten ursprünglich den Besitz von -mindergebildeten Steinhauern, Steinbrechern. Auch der vielgenannte -Arnold von Westfalen (Westfahl, Bestveling) hat zweifellos innige -Beziehungen zum Rochlitzer Steinmetzentum unterhalten, wenn er auch -schwerlich die ihm für diese Gegend zugeschriebenen Werke ausgeführt -haben kann; wahrscheinlich entstammte er der vorübergehend um 1415, -d. h. zur Zeit, als der Chor der Kunigundenkirche geschaffen wurde, -für Rochlitz nachweisbaren Familie Westfahl, von welcher zwei Glieder -in Leipzig studierten. Nach seiner Anstellungsurkunde von 1471 wurde -Arnold Westfal in kursächsische Dienste als »Baumeister«, d. h. -Bauschreiber im Sinne des sechzehnten, siebzehnten Jahrhunderts, nicht -aber als Werkmeister, d. h. ausführender Architekt, aufgenommen. In der -Renaissancezeit war besonders der berühmte Leipziger Werkmeister H. -Lotter ein warmer Freund des Rochlitzer Porphyrs, den er vor allem an -seinen Hauptwerken, der Pleißenburg und dem Rathaus seiner Vaterstadt, -sowie dem Bau auf dem Schellenberg, der Augustusburg, in ausgiebigster -Weise verwendete. Damals zählten zu den Rochlitzer Steinmetzen -verschiedene Meister, die kurz vorher in Erfurt nachweisbar sind. - -Die ungemein vielseitige Verwertung des »Rochlitzer Sandsteins« und -sein Versand seit ältester deutscher Zeit wäre in romanischen Tagen -ohne geeignete Fahrwege auf dem Rochlitzer Berg kaum denkbar gewesen, -denn sehr oft mußten Steinstücke von zwanzig bis dreißig Zentner (z. B. -Grabplatten) weit verschickt werden. Sicher hat sich ein guter Teil der -dortigen Fahrstraßen, die jetzt einen so sauberen, angenehmen Anblick -gewähren, schon in vordeutscher Zeit vorgezeichnet, wennschon von einem -durchgreifenden Wegbau erst seit 1703 in den Akten die Rede ist; er -wurde von den Steinmetzen ausgeführt. - -Was dem Rochlitzer Steinmetzentum einen besonderen Platz in der -Geschichte der deutschen Baukunst, des Bauhüttenwesens verschafft und -gesichert hat, ist der Umstand, daß die jetzt im Museum des Rochlitzer -Geschichtsvereins in der Schloßkapelle verwahrte Lade der Innung die -»Rochlitzer Hüttenordnung« rettete. Dieses Schriftstück berichtet die -Abmachungen, welche mitteldeutsche Steinmetzen 1462 auf einem Torgauer -Tag zugunsten ihres Handwerks für ihr Gebiet getroffen hatten. Das -überlieferte Büchlein ist für die Zwickauer Hütte 1486 geschrieben -und befand sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Besitz des -bekannten kursächsischen Baumeisters Hans Stecher, der 1637 in Torgau -starb, vermutlich aber aus einer Werkmeisterfamilie der Rochlitzer -Pflege hervorgegangen war, wo z. B. ein Maurermeister Thomas Stecher -bereits um 1600 nachweisbar ist. Der Sohn des Landbaumeisters H. -Stecher, Christian, schenkte das Schriftstück fünfzehn Jahr nach -des Vaters Tod, also 1652, einem Rochlitzer Steinmetzen, der es -dann in die Innungslade legte, die von der Urkunde auch noch eine -allerdings ziemlich fehlerhafte Abschrift, welche 1653 der Steinmetz -Hans von Rhein besorgt hatte, enthält. Die Rochlitzer Hüttenordnung -stellt jetzt die einzige schriftlich erhaltene mittelalterliche -Hüttenordnung Deutschlands dar, wenn man darunter ein Schriftstück, das -ausschließlich das Gewerbe der Steinmetzen, nicht aber auch dasjenige -von Mischzünften behandelt, versteht; besonders wichtig ist sie -durch den Umstand, daß sie allein Bestimmungen über Steinmetzzeichen -bringt. Über die Eigenart des Schriftstückes herrschten lange ganz -falsche, romantische Vorstellungen, die hauptsächlich durch Stieglitz -und Heideloff, welche es -- freilich höchst nachlässig und ziemlich -verständnislos -- herausgaben und besprachen, erzeugt worden waren; es -sollte die Verfassung einer eigenen »Rochlitzer Hütte«, welche aber -jedenfalls im Mittelalter überhaupt nicht bestand und bei den Bruch- -und Bauverhältnissen, die sich erst später völlig änderten, schwerlich -bestehen konnte, bilden. - -[Illustration: Abb. 2 =Rochlitzer Steinbruch im Winter= - -(Im Hintergrund der Friedrich-August-Turm)] - -Heutzutage verwendet man den Rochlitzer Stein nicht nur in seiner -Heimat; vielmehr wird er weit über die sächsischen Grenzen hinaus -verschickt. Man trifft Werke aus ihm, besonders im Luxusbau, in -Hamburg und Berlin ebensogut wie in Dresden oder Leipzig. Mindestens -sechs Jahrhunderte lang hat er den Bauten Mittelwestsachsens und -anliegender Striche seinen Stempel aufgedrückt und herrscht hier bis -zu einem gewissen Grade noch jetzt vor, wodurch das hiesige Bauwesen -ein ganz besonderes Gepräge erhalten hat. Wenn unsere Heimatpflege -das gediegene Bodenständige vor dem Untergang bewahren und in seinem -angestammten Recht schützen will, so dürfte sie sich wohl auch kaum -der Pflicht entziehen können, auf den Wert des Rochlitzer Steins -besonders für dessen Heimat in baulichen Dingen mit Nachdruck -hinzuweisen. Der sächsische Verein für kirchliche Kunst schlägt -den Stein dankenswerterweise mit für Grabdenkmäler vor. Welche -stimmungsvolle Ruhe müssen früher die Friedhöfe der Rochlitzer Gegend -geatmet haben, als unter den grünen Totenbäumen fast nur die einfach -würdigen Grabplatten aus dem roten Porphyr mit ihren monumentalen -Schriften und Bildern lagerten! Die Herstellung dieser Denkmäler spielt -in der Innungsgeschichte der Rochlitzer Steinmetzerei eine wichtige -Rolle. In welchen Mengen sie ehemals vorhanden waren, läßt sich schon -an dem alten Rochlitzer Kirchhof ablesen, der nicht nur zahlreiche -gut erhaltene Werke dieser Art noch erhält, sondern auch unendlich -viele Bruchstücke derselben bewahrt, mit denen z. B. die langen -Umfassungsmauern des geweihten Geländes belegt sind. Der Rochlitzer -Grabstein bildet in nicht wenig anderen Ortschaften Sachsens ein häufig -vorkommendes Altertum. Wie zerfahren, unruhig, jeder einheitlichen -Stimmung bar wirken heutzutage leider so viele Friedhöfe der genannten -Pflege, wo sich eine Unzahl erbärmlich schablonenhafter Denkmäler mit -ihrem gleißenden, glitzernden, schreienden Wesen, in ihrem fremden, -nicht selten unechten Material, in ihrer Protzenhaftigkeit auf der -Ruhestätte heimgegangener Erdenpilger aufdringlich breitmachen, den -feierlichen Frieden des Gottesackers schmählich stören, bannen und -letzteren zu einer Art Musterlager bildhauerischer Geschmacklosigkeiten -und Ungefühls entweihen! Welche Hoheit, welch künstlerischer Adel -prägt sich hingegen z. B. auf dem Wechselburger in Rochlitzer Stein -gehaltenen, aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts stammenden -Grabdenkmal für Graf Dedo († 1190) und seine Familie aus! Wie ruhig, -edel wirkt die früheste erhaltene Grabplatte des Rochlitzer Friedhofs, -die aus der Zeit um 1280 herrührt und ehedem die Gebeine eines Herrn -von Heldrungen, dessen Wappen in ungemein wirkungsvollen Formen der -Stein vorführt, deckte! - -[Illustration: Abb. 3 =Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: Mühlsteine=] - -Nach dem kunstfeindlichen Dreißigjährigen Kriege offenbarte sich auch -auf dem Gebiet der Rochlitzer Grabplatten ein allmählich fühlbarer -Verfall; die Arbeiten wurden zuweilen noch weniger als handwerksmäßig, -fast roh. 1642 gab es nur noch zwei Steinmetzen in Rochlitz; ihre -Zahl wuchs erst langsam wieder. An Stelle der ehemaligen inneren -Tüchtigkeit dieser Werkleute äußerte sich bald immer mehr eine Vorliebe -für unwichtige Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten, obschon die -Rochlitzer Steinmetzen damals manchen Versuch machten, sich über -den gewöhnlichen Tiefstand städtischer Zünfte, auf die sie stolz -herabblickten, zu erheben. So unterhielten sie zunächst Beziehungen -zur Dresdner Haupthütte, welche aber von der Straßburger, die vormals -als alleinige Herrscherin für Deutschland galt, nicht anerkannt wurde, -weshalb sich die Rochlitzer 1725 unmittelbar unter Straßburg stellten -und nun von dort das Haupthüttengesetz, das sogenannte Bruderbuch von -1563, und die kaiserliche, auf Pergament geschriebene Bestätigung von -1621 ausgefertigt erhielten. Ihre Verpflichtungen gegenüber der alten -Reichsstadt haben sie freilich offensichtlich nie erfüllt, wenngleich -sie überkommene Hüttenbräuche hinsichtlich des Zeichengebens, -Ausweises, Gerichts usf. lange liebevoll weiter pflegten; seit etwa -1680 bildeten sie für sich eine Innung, deren innere Geschichte kaum -wesentlich von derjenigen anderer Zünfte abweicht. - -[Illustration: Abb. 4 =Denkmal auf der Königshöhe, Rochlitzer Berg=] - -Um den Rochlitzer Berg erwarben sich dessen Werkleute in neuerer Zeit -ein ganz besonderes Verdienst dadurch, daß sie ihn dem Fremdenverkehr -erschlossen; in dieser Beziehung hat sich vor allem ein schlichter -Mann hervorgetan, der Steinmetz Christian Gottlob Seidel, der 1807 -als Sproß einer seit 1704 in Rochlitz nachweisbaren Steinmetzfamilie -Meister ward. Ein eigenes Geschick wollte es, daß der für Sachsen so -unglückliche Napoleonsche Krieg vor hundert Jahren Seidel den Anlaß zu -seinen gemeinnützigen Bestrebungen gab. Bis zu Beginn des neunzehnten -Jahrhunderts hört man gar nichts, daß die Schönheit des Rochlitzer -Berges irgendwie gewürdigt worden wäre, daß sie Wandrer angezogen -hätte. Da errichtete Seidel zur Erinnerung an die 1815 erfolgte -Rückkehr Königs Friedrich August aus der Gefangenschaft ein schlichtes -Denkmal auf einer Erhöhung des Rochlitzer Berges, der Königshöhe, und -daneben eine Unterkunftshütte für Fremde, deren Eröffnung im Juni -1817 stattfand. Der Verkehr, der sich nun auf dem Rochlitzer Berg -entwickelte, gestaltete sich zweifellos bald als ganz bedeutend, wie -sich aus den Einzeichnungen des Fremdenbuchs der Hütte, der sogenannten -»Einsiedelei«, ergibt. An eine Verpflegung der Reisenden war damals -auf dem Berg noch nicht zu denken; die einzige Erfrischung, die man -unter günstigen Umständen erlangen konnte, bestand in kärglichem -Butterbrot und Schnaps, welche Labung gutherzige Steinmetzen im -Notfall von ihrem Imbiß abließen. Die Wandrer waren sehr bescheiden, -begnügten sich mit dem, was sie suchten, prächtige Naturschönheit -und lohnende Fernsicht, und waren des Lobes voll für Seidel, dessen -Unterkunftshütte ihnen Schutz und Schirm gegen alle Unbill des Wetters -gewährte. Dies sprachen sie oft genug im Fremdenbuch aus, dessen in den -verschiedensten Sprachen bewirkte Einträge die eigenartigen Vorzüge -des Rochlitzer Waldes nicht selten mit rührenden, mitunter geradezu in -überschwänglichen Worten verherrlichen. - -Das nach Ausweis einer Inschrift auf dem etwa einen halben Meter hohen -Sockel mit Hilfe von »Fünf Sammlern aus Plauen« zustande gekommene, -jetzt hundertjährige Denkmal besteht durchweg aus Porphyrtuff und ist -im antikisierenden Stil gehalten. Einen höchst anziehenden, malerischen -Anblick gewährt die in der Nähe befindliche »Einsiedelei«, die zu den -ältesten erhaltenen Schutzhütten des Landes zählt, wenn sie nicht gar -die älteste ist. Bei Errichtung derselben verband Seidel zwei von -Tannen bestandene, abgeschrotene Felswände durch Mauerwerk, welchem -er durch eingesetzte gotisierende Fenster, durch Gesimse, durch -Bekrönung mit zwei einer Kirche entstammenden Figuren usw. ein etwas -phantastisches, an eine Kapelle erinnerndes Ansehen verlieh, und schuf -somit die noch jetzt ziemlich gut erhaltene Vorderseite des Anwesens, -an welche er den teilweise in einen alten Schutthaufen eingebetteten, -mit zwei Gemächern versehenen Hinterbau anlehnte. Die Wände bestanden -in der Hauptsache aus gewachsenem Felsen, aber auch aus Mauerwerk. -Um gesteigerten Reiseanforderungen zu genügen, legte der Meister -schließlich der Hütte gegenüber einen Pferdeschuppen an. - -Jahrzehntelang genügten Seidels Baulichkeiten dem Bergverkehr, bis -der Friedrich-August-Turm entstand, den das Sachsenvolk aus Anlaß -des 1854 erfolgten Ablebens Königs Friedrich August II., der am 9. -August dieses Jahres zu Brennbüchel in Tirol tödlich verunglückt -war, auf dem Rochlitzer Berg errichtete. Der Bau, entworfen vom -Freiberger Professor Heuchler, ward im Sommer 1855 begonnen und am 18. -Mai 1860, dem Geburtstag des Verewigten, in Gegenwart Königs Johann -geweiht. Durch die Errichtung des in Porphyr gehaltenen, gebietenden -Turmes erhielt die westsächsische Heimat ein weithin sichtbares -Wahrzeichen, von dessen Zinnen man einen prächtigen Fernblick bis -nach den Hohburger Bergen, bis Halle, Naumburg und dem Fichtelberg, -sowie dem übrigen Erzgebirge genießt, das ungezählte Scharen von -Fremden anzieht, zu deren Beköstigung ein Steinmetz 1860 eine hölzerne -»Interims-Restauration«, die das folgende Jahr in eine steinerne -umgewandelt ward, ins Leben rief. - -Außer diesen beiden landesgeschichtlichen Denkmälern weist der -Rochlitzer Berg noch verschiedene Denksteine auf, darunter ein -Mordkreuz. Die bedeutendsten Denkmäler sind aber die sehenswerten -Steinbrüche, die in ihrer Eigenart wohl einzig in Deutschland dastehen -und vielleicht noch eine gesteigertere Beachtung verdienen, als sie -bisher gefunden haben. - - - - -Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer -Berges - -Von _Rud. Zimmermann_ - -Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers - - -Nur selten wohl wird sich der Verfechter des Heimatschutzgedankens -mit einem Steinbruchsbetrieb in einer landschaftlich schönen Gegend -abfinden können. Denn allzu häufig nur -- ich erinnere bloß an die -Zerstörungen des Siebengebirges durch die Steinbruchsindustrie -und die ganz ähnlichen Erscheinungen auch in unserem schönen -Elbsandsteingebirge -- werden durch ihn unersetzliche Schönheitswerte -vernichtet, hervorragende Landschaftsbilder für ewige Zeiten zerstört. -Ganz anders dagegen liegen die Verhältnisse in bezug auf die -Gesteinsindustrie des vielbesuchten Rochlitzer Berges, die zwar auch -stark verändernd auf dessen Bild eingewirkt und zweifellos gleichfalls -manche Schönheitswerte zerstört, aber in noch größerem Maße solche auch -wieder geschaffen hat. Der Besucher des Rochlitzer Berges, der auf -schattigen Waldwegen von Rochlitz oder Wechselburg kommend und aus dem -Waldesdunkel tretend, plötzlich vor den mächtigen, gipfelumsäumenden -Tuffbrüchen steht, wird von dem Bild, das sich ihm darbietet, ganz -eigen berührt sein. Und der tiefe Eindruck, den die Steinbrüche auf ihn -machen werden und den er auch mit sich fort nehmen wird, wenn er seine -Schritte wieder talwärts lenkt, wird ein noch größerer sein, wenn er -gar noch von der Zinne des Friedrich-August-Turmes, durch den treue -Sachsenliebe einst das Gedächtnis eines seiner naturliebendsten und -naturverständigsten Fürsten ehrte, die Blicke über den weiten Bergwald, -zu dessen wechselvoll abgetöntem Grün das helle Rot der in den Wald -gebetteten Steinbrüche eine so eigenartige Gegenwirkung bildet, zu den -blauumdunsteten Höhen in der Ferne schweifen läßt. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: - -Abb. 1 =Blick auf die senkrecht emporsteigenden Gesteinswände=] - -Die Geschlossenheit des den Rochlitzer Berg bedeckenden Waldes, dessen -einst so schöne Misch- und alten Buchenbestände heute allerdings zum -größten Teil nur noch der Vergangenheit angehören, hat durch den -Steinbruchsbetrieb eine nicht wegzuleugnende Einbuße erlitten, und das -Urteil des Forstmannes, der die Verhältnisse vielleicht nur einseitig -vom rein forstwirtschaftlichen Standpunkt aus werten wollte, würde sich -daher auch nicht immer mit dem unseren decken. Dem rein forstlichen -Verlust aber steht ein ungleich höherer Gewinn in dem Wechsel entgegen, -den die Steinbrüche in ein zwar an sich schon hervorragend schönes, -durch diesen Wechsel aber noch wesentlich gewinnendes Landschaftsbild -tragen. Die Steinbrüche des Rochlitzer Berges sind nicht, wie das -so vielfach der Fall ist, an den Hängen des Berges angelegt, um -diese zu entblößen und sie ihres belebenden Pflanzenschmuckes zu -berauben, sondern sie gruppieren sich größtenteils wie ein Kranz um -den Gipfel des Berges und sind von hier aus in die Tiefe getrieben. -Die dabei entstandenen senkrechten, oft zu ganz beträchtlichen Höhen -emporragenden Wände, deren lichtes Rot durch angesiedelte Algen von -gelben und grauen Farbflecken übertupft erscheint und in dessen -prächtige Farbenwirkungen oft auch noch auf schmalen Felsleisten -angesiedelte grün-goldene Moose und andere Pflanzen weitere wechselnde -Töne tragen, sind von einer ganz eigenen Wirkung. Wo dazu noch an -abgebauten Stellen der Boden sich mit einer neuen Pflanzendecke -überkleidet hat und auf raumengen Felsvorsprüngen niedrige, aber derbe -Kiefern sich angesiedelt haben, entstehen Bilder von ganz besonderer -Schönheit und seltenen Reizen. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: - -Abb. 2 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen -Stelle=] - -Die Wiederbesiedelung der abgebauten Stellen durch die Pflanzenwelt -erfolgt meistens ungewöhnlich rasch. Wo der kahle, rote Fels zutage -liegt und kaum einer Pflanze die Bedingungen zu einem gedeihlichen -Leben zu bieten scheint, entwickelt sich innerhalb weniger Jahre -bereits wieder eine Vegetation, die zwar keine besonders artenreiche, -dafür aber meistens eine um so interessantere ist, weil sie neben -ihrer Ursprünglichkeit uns vielfach in hervorragendem Maße Blicke in -den Kampf tun läßt, den auch die Pflanze um ihr Dasein führt, und -uns die Zähigkeit zeigt, mit der sie dabei um ihr Leben ringt. Wo -die Winde in kaum zentimetertiefen Unebenheiten des Felsens nur eine -Spur von Erdreich angeweht haben, siedeln sich bescheidene Moose -und Flechten an, oder es keimen aus windangewehtem Samen Gräser -und andere Blütenpflanzen. So das in seiner Schlichtheit so schöne -Gänseblümchen (~Bellis perennis~), Habichtskräuter u. a. m., die -ja in der Rosettenbildung ihrer dem Boden sich eng anschmiegenden, -dachziegelartig übereinanderliegenden Blätter eine ebenso einfache, wie -überzeugend wirkende Einrichtung gegen jede übermäßige Wasserabgabe -besitzen und durch sie außerdem noch der raschen Austrocknung des -kärglichen Bodens entgegenarbeiten. Das bedürfnislose Heidekraut -(~Calluna vulgaris~) ergreift gleichfalls Besitz vom neuentstandenen -Boden und mit ihm stellen sich hier und da auch einige bescheidene -Heidelbeerpflänzchen ein. Von Bäumen sind es neben Aspen und Salweiden -die mit den dürftigsten Verhältnissen vorliebnehmenden Kiefern und -Birken, denen das wenige lockere Erdreich schon Nahrung gibt und die -ihre Wurzeln zunächst ganz flach, aber weit an der Oberfläche des -Felsens entlang senden, bis sie auf Risse und Spalten im Gestein -stoßen, in die sie sich dann tief hinabsenken und den heranwachsenden -Baum oft fester verankern als auf tiefgründigerem Waldboden. Dort, -wo bereits während des Abbaues sich Schutt angesammelt hat, ist das -Pflanzenleben ein reicheres. Unter anderen Arten finden wir hier die -würzige Walderdbeere, während Brombeere und Himbeere oft dichte, der -Kleinvogelwelt Unterschlupf und Nistgelegenheiten bietende Hecken -bilden. Das Weidenröschen läßt im August weithin seine Blüten leuchten -und in ihr Rot mischen sich die gelben Farben von Habichtskräutern -und Johanniskraut, bis dann nach einigen Jahren die im Frühjahr von -einer reichen Insektenwelt besuchten kätzchentragenden Sträucher der -Salweide und inzwischen höher herangewachsene Bäume -- den Kiefern -und Birken gesellen sich hier höhere Ansprüche stellende Lärchen und -Fichten, die Eberesche und von anderen Laubbäumen einzelne Buchen und -Eichen zu -- die niedrigeren kraut- und strauchartigen Pflanzen mehr -und mehr verdrängen. Auf diese Weise erhalten sich auf dem Rochlitzer -Berge abwechselungsreiche Pflanzengemeinschaften, die in ihrer -Ursprünglichkeit überaus anziehend wirken und vor allem auch in die -oft größere Gleichförmigkeit des unter Kultur stehenden Forstes einen -diesen wieder zugute kommenden Wechsel tragen. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen - -Abb. 3 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen -Stelle=] - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 4 =Siebenschläfer=] - -Es wird ohne weiteres auch als ganz selbstverständlich erscheinen, -daß die Steinbrüche, die bei ihrer räumlichen Ausdehnung inmitten -des geschlossenen Waldes eine Welt für sich bilden, in der bis zu -einem gewissen Grade die Natur allein regiert, auch von einem nach -Lage der Verhältnisse nur günstigem Einflusse auch auf die Tierwelt -des Rochlitzer Berges sein müssen. Eine Menge Tiere findet in den -Spalten und Klüften der Felswände, in den an dunklen Verstecken -reichen Haufen beiseite gefahrenen, unverwendbaren Gesteinsmaterials -willkommene Schlupfwinkel, andere wieder werden angezogen von der -natürlichen, von Menschen wenig besuchten Wildnis der abgebauten -Teile. Der Siebenschläfer, dessen Vorkommen auf dem Rochlitzer Berge -zunächst allerdings wohl eine Folge des einstigen Reichtums an -Laubholz mit den ausgedehnten Rotbuchenbeständen ist, findet sich -heute doch vorzugsweise in dem Bereiche der Steinbrüche und auch auf -den Bestand der kleineren Raubsäugetiere, von denen ich Wiesel und -Hermelin oft in den Steinbrüchen begegnet bin, und denen sich auch -der Iltis, der Edel- und sogar der in den geschlossenen Wald sonst -nur seltener eindringende Hausmarder zugesellen, sind sie nicht ohne -Wirkung geblieben. Unvergeßlich wird mir der milde Sommersonntagabend -bleiben, an dem ich unseren Edelmarder in einem auflässigen Teile -des Mühlsteinbruches zum ersten Male längere Zeit hindurch in seinem -Leben und Treiben beobachten konnte. Aalgleich wandte er sich durch -die Steinwildnis hindurch, schnüffelnd untersuchte er jeden Spalt -im Felsen, spürte jede Höhle ab, die die reichlich umher- und -übereinanderliegenden Gesteinstrümmer bildeten. Eine Maus, die der -Abend aus ihrem Versteck hervorgelockt hatte, wurde seine Beute, eine -Goldammer, die ihr: »Wie, wie hab’ ich dich so lieb!« eben abgebrochen -und sich in einem niederen Strauch zur Ruhe niedergetan hatte, entging -seinen räuberischen Gelüsten noch im letzten Augenblick, so daß er ihr -verdutzt von einem vorspringenden Gesteinsblock aus nachschaute. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 5 =Männlicher Gartenrotschwanz an der Nisthöhle an einer Hauswand=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 6 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle in einer Mauer=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 7 =Junger Hausrotschwanz an der Nisthöhle in einem Gesteinsspalt=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 8 =Junge Gebirgsstelze nach dem Verlassen des Nestes=] - -Weit mehr noch als wie auf die verborgener lebenden Säugetiere spüren -wir den Einfluß der Steinbrüche auf die der direkten Beobachtung ja -weit zugänglichere Vogelwelt. Einige Arten, denen wir im geschlossenen -Walde nicht oder doch nur vereinzelt begegnen würden, sind im Gebiet -der Steinbrüche nicht selten, andere, den Wald zwar nicht meidende, -erreichen in ihnen eine größere Häufigkeit. Ich denke da vor allem -an unsere beiden Rotschwanzarten, die auf dem Rochlitzer Berge ganz -besonders häufig sind und ausschließlich oder doch fast ausschließlich -die Steinbrüche bewohnen, in denen sie auch wieder zu der ihnen -ureigensten Nistweise zurückgekehrt sind. Nach den übereinstimmenden -Versicherungen alter Steinbruchsarbeiter, die sich in jeder Weise auch -mit meinen eigenen Erfahrungen decken, hat die Zahl dieser beiden Vögel -in den letzten Jahrzehnten auffallend zugenommen. Namentlich beim -häufigeren Gartenrotschwanz fällt diese Zunahme recht in die Augen. -In einem Steinbruche traf ich im Frühjahre 1914 nicht weniger als -fünf Brutpaare desselben -- zwei davon nisteten an Arbeiterhäusern, -drei aber in Gesteinsspalten -- neben zwei vom Hausrotschwanz an, in -einem anderen im Jahre vorher sogar sechs Paare des ersteren, die mit -Ausnahme eines an einem Gebäude nistenden sämtlich in Felsspalten ihre -Nester errichtet hatten, neben zwei Paaren des ebenfalls in Felsspalten -nistenden Hausrötels. Auch die weiße Bachstelze bewohnt in ähnlich -großer Zahl die Steinbrüche und nistet hier bald an Arbeiterhäusern, -bald aber auch in geschützten Hohlräumen der Felswände. In diesem -letzteren Fall teilt sie dann die Niststätten mit ihrer gelben -Schwester, der Gebirgsstelze, deren Zunahme auf dem Rochlitzer Berge -eine ganz besonders in die Augen fallende ist. Ich entsinne mich heute -noch deutlich des Tages anfangs der neunziger Jahre, an dem ich die Art -hier überhaupt zum ersten Male sah und über die Beobachtung der mir -damals noch neuen daheim in jugendlicher Freude erzählte. Seit jener -ersten Begegnung wurde sie zu einem meiner erklärten Lieblingsvögel und -jede neue Beobachtung der damals noch seltenen bildete ein heute noch -nicht vergessenes Ereignis. Jetzt ist sie schon eine ganz gewöhnliche -Erscheinung und brütet alljährlich in wenigstens einem, häufig aber -auch in mehreren Paaren in fast jedem der Steinbrüche. Aber auch andere -Höhlenbrüter finden in den Felsklüften willkommene Nistgelegenheiten. -Von Meisen sind es besonders die Kohl-, die Tannen- und die Blaumeise, -ausnahmsweise auch die Sumpf- und die Haubenmeise, die regelmäßig -in Gesteinsspalten oder in den Hohlräumen der überall gegen -hereinbrechenden Abraum aufgeführten Schutzmauern nisten und denen sich -auch gern der Kleiber zugesellt. 1916 während eines Urlaubes konnte -ich in solchen Schutzmauern zum ersten Male auch den Mauersegler, der -allsommerlich über den Gipfel des Berges seine Flugkünste treibt und -den ich -- Freund Heyder hatte ihn schon früher als Brutvogel des -Rochlitzer Berges in Baumhöhlen des Waldes festgestellt -- seit langem -bereits im Verdacht hatte, auch »Steinbruchsvogel« zu sein, brütend -nachweisen. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 9 =Kohlmeise vor der Nisthöhle in einer Gesteinswand=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 10 =Tannenmeise an der Nisthöhle in einer Felswand=] - -Daß ferner bei dem großen Reichtum der Steinbrüche an Hecken, die -in den auflässigen Teilen oft so üppig wuchern, auch die Zahl der -Buschbrüter eine ziemlich reiche ist, bedarf wohl kaum eines besonderen -Hinweises. Namentlich die Grasmücken in sämtlichen vier, der Rochlitzer -Vogelfauna angehörenden Arten: der Dorn-, der Zaun-, der Garten- und -der Mönchsgrasmücke, sind regelmäßige Bewohner derartiger Stellen. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 11 =Großer Buntspecht an der Nisthöhle in einem Kirschbaum=] - -Reich ist in den Steinbrüchen auch das seit meiner Jugendzeit sonst im -Bereiche des Rochlitzer Berges aber stark zurückgegangene Kriechtier- -und Lurchleben entwickelt. Die flinke Zauneidechse zunächst ist -eine der auf dem Rochlitzer Berge abgenommenen Arten, die auch die -Steinbrüche nicht mehr in den Mengen bevölkert, als wie ich sie -noch als Knabe sah; der rotbäuchige Bergmolch, der einst geradezu -in Massen die zahlreichen Steinbruchstümpel bevölkerte, ist weniger -häufig geworden, und der in Schwarz und leuchtend Gelb gekleidete -Feuersalamander, dessen ganze Schönheit nur der voll empfinden wird, -der ihn einmal nach einem warmen Gewitterregen aus einem dunklen Spalt -des von grünem Moos überkleideten roten Gesteins hat hervorkommen -sehen, ist heute auch nicht annähernd mehr in den Mengen vorhanden, -wie vor wenigen Jahrzehnten noch. Ein sinnloses Sammeln, bald -- wie -beim Bergmolch -- von einer zwar naturfreudigen, aber in falschen -Bahnen sich betätigenden Jugend, bald -- wie beim Feuersalamander -- -von gewerbsmäßigen Fängern, denen ja nichts in der Natur heilig ist, -trägt wohl die Hauptschuld an dem bedauerlichen Rückgange. Vielleicht -wäre es aber wohl noch schlimmer um das heutige Vorkommen dieser Arten -bestellt, wenn nicht die Steinbrüche ihnen und noch anderen ihrer -Sippe: der goldgekrönten Ringel- und der spärlicheren glatten Natter, -dem lebhaften Grasfrosch und der vielgeschmähten, dabei aber doch so -nützlichen Erdkröte Schlupfwinkel in so reichem Maße darbieten würden, -daß immer noch ein großer Teil von ihnen sich allen Verfolgungen zu -entziehen vermag. - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 12 =Ringelnatter vor ihrem Schlupfwinkel=] - -Der günstige Einfluß der Steinbrüche auf das Tierleben des Rochlitzer -Berges, der aus den hier mitgeteilten Fällen zweifellos hervorgeht, -würde noch augenfälliger werden, wenn wir unsere Betrachtungen -auch auf die niedere Tierwelt ausdehnen und insbesondere die -Insektenwelt in sie einbeziehen würden. Einer unserer größten und -prächtigsten Tagschmetterlinge beispielsweise, der Eisvogel, verdankt -sein Vorkommen der heute im Rochlitzer Bergwalde vorzugsweise -auf das Steinbruchsgebiet beschränkten Aspe, und wie für ihn, -liegen die Verhältnisse ähnlich auch noch für eine weitere Anzahl -leichtbeschwingter Falter und andere niedere Tierarten. -- -- -- - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 13 =Eine Erdkröte verläßt ihren Schlupfwinkel=] - -Aber es scheint auch, als ob der Steinbruchsbetrieb des Rochlitzer -Berges neben diesen günstigen Einflüssen auf das Naturleben noch einen -solchen entgegengesetzter Richtung ausübt. - -[Illustration: Aus der Tierwelt des Rochlitzer Berges: - -Abb. 14 =Blindschleiche beim Verlassen ihres Schlupfwinkels.=] - -Unter den Waldbäumen des Rochlitzer Berges nahm einst die Weißtanne -einen breiten Raum ein. Heute hat sie aufgehört, bestandsbildender -Waldbaum zu sein; die wenigen, hier und da noch in den Mischbeständen -stehenden, fast immer kränkelnden Stücke sind stumme Zeugen vergangener -Zeiten. Forstlich ist der Baum nicht mehr hoch zu bringen. Es ist -das eine Erscheinung, die man in unserem Vaterlande nun zwar auch -an anderen Orten beobachtet und die man meines Wissens in erster -Linie auf die Verunreinigung der Luft durch die Rauchgase unserer -hochentwickelten sächsischen Industrie zurückführt. Ob immer und in -welchem Maße dies zu Recht geschieht, vermag ich nicht zu entscheiden. -Meines Erachtens wirken an ihrem Rückgange hier und da aber auch -noch andere als die eben angeführten Ursachen mit. Die Tanne stellt -ziemlich hohe Anforderungen auch an den Feuchtigkeitsgehalt der Luft -und des Bodens und ist gegen eine Abnahme desselben empfindlicher als -andere Waldbäume. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit scheint aber -auf dem Rochlitzer Berge stattgefunden zu haben. Darauf deuten nicht -nur eine ganze Anzahl heute trockener Quelläufe an den Hängen des -Berges hin, sondern sie geht auch hervor aus dem Umstand, daß heute -noch fließende Quellen zum Teil wasserärmer geworden sind, als sie -es in meiner auf dem Rochlitzer Berge verlebten Jugendzeit waren. -Diese Abnahme der Bodenfeuchtigkeit aber dürfte im wesentlichen ihre -Ursachen in dem Steinbruchsbetriebe haben. Infolge seiner räumlich -großen Ausdehnung kommt ein beträchtlicher Teil der atmosphärischen -Niederschläge dem Walde nicht mehr zugute; ein Teil verdunstet über den -freien Flächen der Steinbrüche sofort, ein anderer Teil aber sammelt -sich in ihren tiefergelegenen Stellen in Form kleinerer oder größerer -Tümpel an und wird von hier gleichfalls, wenn auch allmählicher, der -Verdunstung zugeführt. Aber auch nicht unbeträchtliche Mengen der -über dem Walde selbst niedergehenden Niederschläge verbleiben nicht -mehr in dem Waldboden, sondern strömen in Gesteinsspalten und Rissen -jenen Wasseransammlungen in den tieferen Teilen der Steinbrüche zu und -verdunsten hier ebenfalls wie jene direkt. - -Es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß dieser Einfluß der Steinbrüche -auf die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit des Waldes, der zwar nicht für -sich allein, sondern wohl mit der schon erwähnten Verunreinigung der -Luft durch Rauchgase an dem Rückgang der Tanne auf dem Rochlitzer -Berge beteiligt sein mag, sich in seinen Wirkungen auch auf andere -feuchtigkeitsliebende Pflanzen äußert. - - - - -Die Vogelwelt unserer Obstalleen - -Von _Rud. Zimmermann_ - -Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers - - -Beobachtungen, die ich vor dem Kriege an der von Rochlitz nach dem -Rochlitzer Berge führenden, mir von meiner Kindheit an vertrauten und -von mir regelmäßig begangenen, in dem hier in Frage kommenden Teile -von Obstbäumen bestandenen Staatsstraße über die daselbst nistenden -höhlenbrütenden Kleinvögel machte und die dabei einen vorher kaum -geahnten Reichtum an solchen ergaben, wurden die Ursache, daß ich in -der Folge nicht nur noch schärfer auf die Vogelwelt der genannten -Straße achtete, sondern meine Beobachtungen auch auf andere Gegenden -ausdehnte und dabei vor allem auch Material zur Frage der Bedeutung -unserer Vogelwelt für die Obstalleen zu erlangen versuchte. Im -nachfolgenden nun soll über diese Beobachtungen, die in vielfacher -Hinsicht recht interessante sind, etwas eingehender berichtet und -dieser Bericht zunächst mit einer Schilderung der Verhältnisse an der -oben genannten Straße begonnen werden. - -Die Staatsstraße Rochlitz--Rochlitzer Berg, in Rochlitz kurzweg die -Bergstraße genannt, wird in ihrem ersten, hier nur in Frage kommenden -Teil von Feldern begrenzt, während auf eine Strecke von etwa 500 Meter -Länge an der einen Seite auch der Wald an sie herantritt, der ihr auch -sonst nicht fern bleibt und an den weitesten Stellen kaum viel über 500 -Meter von ihr weg liegt. Der regelmäßigen Beobachtung unterstanden in -den Jahren 1913 und 1914 eine Strecke von etwa 500 Meter, 1919 und 1920 -aber von gegen 1500 Meter Länge, von der ein kleiner, etwa 200 Meter -langer Teil von Kirschbäumen gesäumt, der größere aber beiderseits von -Apfelbäumen bestanden ist. - -An der kleineren, nur apfelbaumbestandenen Straßenstrecke wurden - - 1913 und 1914 - - 2 1 Paar Gartenrotschwänzchen, - 3 5 " Kohlmeisen, - 1 2 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber, - 2 1 " Feldsperlinge sowie - -- 2 " Stare - -insgesamt also 9 bzw. 12 Brutpaare einwandfrei festgestellt, von -einigen weiteren, zweifellos auch noch genisteten Meisen- und -Rotschwanzpaaren die Nisthöhlen aber nicht aufgefunden, während dann in -dem größeren Straßengebiet - - 1919 und 1920 - - 2 5 Paar Gartenrotschwänzchen, - 8 4 " Kohlmeisen, - 8 5 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber, - 4 5 " Stare sowie - 1 -- " Grünspechte - -insgesamt also 24 bzw. 20 Brutpaare sicher bestätigt und ebenfalls -wieder von einigen weiteren (Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise, -Kleiber und Baumläufer) die Höhlen nicht aufgefunden werden konnten. - -Von den 1919 und 1920 beobachteten Brutpaaren entfallen auf die -kleinere, 1913 und 1914 unter Beobachtung gestandene Straßenstrecke - - 1919 und 1920 - - -- 2 Paar Gartenrotschwänzchen, - 5 4 " Kohlmeisen, - 3 2 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber und - 4 4 " Stare - -zusammen sonach 13 bzw. 13 Paare, von denen sich 1919 elf, 1920 -aber neun Paare auf eine Straßenlänge von nur etwas über 200 Meter -verteilten, so daß hier auf etwa 20 Meter Länge bereits ein Brutpaar -kam! -- Hervorgehoben soll dabei noch werden, daß in den Jahren 1913 -und 1914 noch nicht der große Wert auf die Feststellung möglichst -aller Nisthöhlen gelegt wurde und daß schließlich im letzten Jahre -eine nur noch beschränkte Zeit auf die Beobachtungen verwandt und eine -Straßenlänge von gegen 500 Meter überhaupt nicht voll begangen werden -konnte. - -Mit den von mir in früheren Jahren bereits beobachteten Arten konnten -in dem hier geschilderten Straßenbereich an höhlenbrütenden Vögeln -bisher der _Gartenrotschwanz_, die _Kohl-_ und die _Blaumeise_, -einzeln auch die _Tannen-_ und die _Sumpfmeise_, der _Kleiber_ und -der _Baumläufer_, der _Feldsperling_, der _Star_, der _große_ und -der _kleine Buntspecht_ sowie der _Grünspecht_ festgestellt werden, -zu denen als dreizehnte Art noch die _weiße Bachstelze_ kommt, die -vereinzelt in (Halb-)Höhlen der Bäume, regelmäßiger aber in den -Straßenunterführungen ihre Nester errichtet, während ich den sonst -zwar angetroffenen und an einer Straße in der Nachbarschaft auch -brütend beobachteten _Wendehals_ für unser Straßengebiet als Brutvogel -einwandfrei noch nicht bestätigen konnte. -- Der große Vogelreichtum -dieses Straßenbereichs, der mit den hier aufgezählten Arten aber -natürlich noch nicht erschöpft ist, sondern sich noch um die Freibrüter -erhöht, ist nicht immer ein derartig hoher gewesen. Die Zahl der -Höhlenbrüter war früher, als die Straßenbäume noch jünger waren und -noch nicht diese Fülle natürlicher Höhlen aufwiesen, die sie heute -besitzen, eine weit geringere; sie erhöhte sich erst, als der frühere, -alt gewordene Straßenwärter einem jüngeren Manne weichen mußte, der, -vogelfreundlich gesinnt, aus eigenem Antriebe auf den Straßenbäumen -eine größere Anzahl zum Teil selbstgefertigter Nisthöhlen aufhing und -damit sofort, in erster Linie wohl aus dem nahen Walde, zahlreiche -Höhlenbrüter nach der Straße zog. Von den ehedem aufgehängten -Nistkästen sind in den letzten Jahren allerdings viele ein Opfer ihres -Alters geworden, andere von der Straßenjugend, die in ihnen willkommene -Ziele für allerlei Wurfübungen erblickte, herabgeworfen worden. An ihre -Stelle aber sind mit dem zugenommenen Alter der Straßenbäume eine große -Anzahl natürlicher Höhlen getreten, die meistens unauffälliger sind und -schon dadurch den in ihnen nistenden Vögeln in der Regel eine meistens -weit größere Sicherheit gewähren. Der Gassenjugend wenigstens entgehen -sie viel mehr, als wie die aufgehängten künstlichen Höhlen, an denen -ich früher einige Male Buben beim Zerstören von Gelegen oder Bruten -überrascht habe. - -[Illustration: Abb. 1 =Star vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 2 =Kohlmeise vor der Nisthöhle= (der gleichen, wie -in Abb. 1)] - -Eine Anzahl der hier beobachteten natürlichen Höhlen erfüllt ihren -Zweck schon seit Jahren. So war die eine derselben (Abb. 1 und 2), -die etwas ungewöhnlicher Natur und recht wenig wettergeschützt war, -weil die Eingangsöffnung direkt von oben hineinführte, 1913--1915 von -Kohlmeisen und während der Kriegsjahre 1916--1918, in denen ich die -Beobachtungen allerdings nicht persönlich machen konnte, ebenfalls -wieder von Kohlmeisen und einmal auch von Gartenrotschwänzchen bewohnt -gewesen, bis dann 1919 und 1920 Stare sie sich als Niststätte erkoren -hatten. Eine andere, vom Buntspecht angelegte und mehrere Jahre von -diesen bewohnt gewesene Höhle hatte sich 1914 ein Kleiberpaar als -Wohnung eingerichtet, eine Art, die auch 1919 und 1920 wieder in ihr -brütend festgestellt werden konnte. In einer dritten, in der 1913 ein -Feldsperlingspaar genistet hatte, dessen Besitzrechte im folgenden -Jahre auf ein Blaumeisenpärchen überging, wurden 1919 und 1920 wiederum -Blaumeisen beobachtet. Auch eine etwas eigenartige Nisthöhle unter -einem Wegweiser, die durch die Überwallung des letzteren durch den -stärker gewordenen Stamm, an dem er befestigt, entstanden ist, hat -Jahre hindurch Nistzwecken gedient. Im Jahre 1914 stellte ich in ihr -zum ersten Male Blaumeisen fest und fand die gleiche Art -- nachdem -ich während des Krieges ja nur selten und dann immer auch nur flüchtig -während des rasch vorübergehenden Urlaubes beobachten konnte -- -dann 1919 von neuem als Bewohner der Höhle. Ebenso sollen, wie mir -nachträglich ein für unsere Vogelwelt interessierter Herr mitgeteilt -hat, auch während des Krieges Blaumeisen in ihr genistet haben, so -daß im Hinblick auf die ungewöhnliche Art der Nisthöhle vielleicht -der Schluß auf das gleiche oder Vögel des gleichen Paares nicht ganz -unwahrscheinlich erscheint. - -[Illustration: Abb. 3 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 4 =Männlicher Gartenrotschwanz in der Nisthöhle=] - -Eine auffallende, namentlich 1913 und 1914 sich ganz besonders -stark aufdrängende Erscheinung war die Bevorzugung der weniger -wettergeschützten Höhlen gegenüber den für Brutzwecke scheinbar -geeigneteren natürlichen oder künstlichen Höhlen. Ich habe darüber -früher schon an anderer Stelle berichtet[1] und auch neuerdings die -Frage im Zusammenhange mit meinen anderen hier gemachten Beobachtungen -nochmals angeschnitten[2]. Auf die eine dieser theoriewidrigen Höhlen -(»Der Vogel bezieht nur vor Wind und Wetter geschützte Höhlen«) habe -ich oben schon hingewiesen; es ist die in den Abbildungen 1 und 2 -wiedergegebene, die von 1913 bis 1920 alljährlich Bewohner gehabt hat, -trotzdem die ziemlich weite Eingangsöffnung direkt von oben in das -Innere führte und daher dem Regen ungehindert den Zutritt gestattete. -Einige scheinbar viel günstigere, aber unbesetzt gebliebene Höhlen -befanden sich dabei auf Bäumen in der unmittelbarsten Nachbarschaft. -Eine zweite dieser Höhlen, gleichfalls wieder mit dem Eingang von -oben, von der ich bereits eine Aufnahme im VI. Bande, Seite 69, dieser -Mitteilungen veröffentlichen konnte, diente 1913 einer dreizehnköpfigen -Blaumeisenbrut als Kinderwiege, war dann 1914 von Kohlmeisen bewohnt -und soll 1915 ebenfalls wieder Kohlmeisen als Bewohner gehabt haben. -Auch hier befanden sich wettergeschütztere Höhlen in unmittelbarster -Nachbarschaft. Eine dritte endlich -- aus der Zahl der vorhandenen -Beispiele nur noch dieses eine angeführt --, die unsere Aufnahmen 4 und -5 wiedergeben, und deren ungewöhnlich weiter Eingang nach Nordwesten -gerichtet, also der Wetterseite zugekehrt war, war 1913 von einem -Rotschwanzpaar bewohnt und wurde als Bruthöhle auch 1920 wieder von -einem Pärchen der gleichen Art benutzt, nachdem durch ein weiteres -Ausfaulen des Baumes neben der damals schon weiten Eingangsöffnung -inzwischen noch eine zweite, gleichgroße entstanden war, wodurch -die Wettersicherheit der Höhle eine noch geringere geworden war. -Scheinbar günstigere Höhlen befanden sich auch in diesem Falle wieder -in unmittelbarster Nähe. -- Die Frage, warum die Vögel gerade diese -weniger geschützten Höhlen den nach unseren Begriffen geschützteren -vorzogen, fast, als ob sie uns damit auf das nachdrücklichste das -Unzulängliche und Gezwungene aller von Menschen aufgestellten Gesetze -vor Augen führen wollten, ist schwer zu entscheiden. Ob vielleicht, -wie ich das an anderer Stelle ausführe, die Vögel einer an sich -geräumigeren Höhle, selbst wenn diese weniger geschützt ist, den -Vorzug vor einer engeren, sonst aber wettergeschützten geben? Und ob -nicht vielleicht das Innere unserer künstlichen Meisenhöhlen für eine -größere Brut -- man denke nur an die oben erwähnte dreizehnköpfige -Blaumeisenschar! -- manchesmal etwas knapp sein mag? Ich lasse diese -Fragen hier unerörtert, möchte aber wenigstens durch ihre Erwähnung -Vogelfreunde zu weiteren Beobachtungen in dieser Richtung anregen. -- - - [1] Ornithologische Monatsschrift 1916, S. 356 fl. - - [2] Ornithologische Monatsschrift 1921, S. 13 fl. - -[Illustration: Abb. 5 =Kohlmeise vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 6 =Blaumeise vor der Nisthöhle=] - -Ist der hier geschilderte, ungewöhnlich groß erscheinende Vogelreichtum -nur dem der Beobachtung unterworfen gewesenen Straßengebiet -eigen, vielleicht, weil hier ganz besonders günstige Umstände ihn -beeinflussen, oder können wir ihn ähnlich reich auch anderwärts -beobachten? Ich glaube diese Frage bejahen zu können, sobald es sich -um obstbaumbestandene Straßen handelt, die alte, höhlenbergende -Bäume aufweisen. Bereits früher konnte ich in Westsachsen in der -Frohburg-Kohrener Gegend schon bei nur flüchtiger Begehung auf oft -recht kurzen Straßenlängen höhlenbrütende Kleinvögel: neben dem -Gartenrotschwanz vor allem Kohl- und Blaumeisen und etwas vereinzelter -den Baumläufer, in Mengen feststellen, die einen Schluß auf einen -ähnlichen Reichtum, wie ich ihn an der Rochlitzer Bergstraße -beobachten konnte, durchaus begründet erscheinen lassen. Und 1919 -hatte ich dann wieder Gelegenheit, einmal in der Altenhainer Gegend -bei Wurzen, wo ich auch den schmucken Trauerfliegenfänger als einen -in Obstbäumen nistenden »Straßenvogel« feststellen konnte, und zum -anderen in der Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha den -Rochlitzern ganz ähnliche Verhältnisse festzustellen. Der Reichtum -einer obstbaumbestandenen Straße an höhlenbrütenden Kleinvögeln ist -wohl überall noch ein ähnlich großer, wenn in älteren, höhlenreichen -Straßenbäumen oder in aufgehängten Nistkästen nur die Bedingungen -zur Entfaltung eines reicheren Vogellebens gegeben sind. Am ärmsten -an einem eigenen Vogelleben bleiben nach meinen Erfahrungen die -Kirschalleen, wahrscheinlich, weil diese weniger Kostgänger aus der -Insektenwelt besitzen, als wie dies mit Apfel- und anderen Obstalleen -der Fall ist. Der Einfluß eines angrenzenden oder nahegelegenen Waldes -äußert sich, soweit ich darüber Beobachtungen anstellen konnte, nur in -einer Erhöhung der Artenzahl, indem dann einzelne, sonst waldbewohnende -Höhlenbrüter den Alleen zuziehen, scheint dagegen aber auf die -Stückzahl, die auch in waldfernen Alleen eine große sein kann, sobald -in diesen die schon erwähnten Bedingungen im Vorhandensein reicher -Nistgelegenheiten gegeben sind, von nur untergeordneter Bedeutung zu -sein. -- - -Besonderen Wert legte ich bei meinen Beobachtungen auf die Feststellung -der Nahrungsquellen der in unseren Obstalleen nistenden Höhlenbrüter -und damit auch auf die Frage ihrer Bedeutung für diese letzteren -überhaupt. Ich konnte derartige Beobachtungen vor allem an der -Rochlitzer Bergstraße in weitgehendstem Maße machen, weil ich hier -- -besonders in den Jahren 1913, 1914 und 1919 -- für photographische -Aufnahmen oft tagelang ansaß und dabei manches einzelne Brutpaar viele -Stunden hindurch, oft auch mit dazwischen liegenden mehrtägigen Pausen, -unter den Augen hatte. Ihren Nahrungsbedarf deckten die Vögel teils in -der Allee selbst, teils aber auch im näheren oder ferneren Walde, wobei -die verschiedensten Arten aber auch ein recht verschiedenes Verhalten -zeigten. In jenem Teile des Beobachtungsgebietes, in dem die Straße -von Kirschbäumen bestanden war und an dem beiderseits der Wald bis auf -Entfernungen von 50 Meter an die Straße herantrat, bevorzugten die -hier nistenden Arten als Nahrungsquelle allerdings fast ausschließlich -den Wald und nur ausnahmsweise einmal suchte ein 1919 hier genistetes -Blaumeisenpärchen einen der Alleebäume nach Insektenkost ab. Die -so große Nähe des Waldes und dessen zweifellos bedeutenderer -Nahrungsreichtum äußerten eben ihre Wirkungen, wozu dann auch noch das -schon erwähnte geringere Insektenleben auf Kirschbäumen kommen mochte. - -In den übrigen Teilen des Beobachtungsgebietes waren es zunächst die -Meisen und unter diesen wieder ganz besonders die Blaumeisen, die ihren -Nahrungsbedarf in erster Linie in der Allee selbst deckten, und nur -dort, wo der Wald in größerer Nähe war oder gar an die Straße selbst -herantrat, häufiger und wohl selbst einmal auch in überwiegendem Maße -in diesem die Nahrung suchten. Dabei ließ sich wiederholt mit aller -Deutlichkeit feststellen, daß sie zu Beginn der Jungenpflege zunächst -die Straßenbäume bevorzugten und den Wald als Nahrungsquelle erst in -Anspruch nahmen, als mit dem fortgeschritteneren Wachstum der Jungen -auch deren Nahrungsbedarf ein größerer geworden war und die bisher -fleißig abgesuchten Straßenbäume anscheinend nicht mehr in der Lage -waren, ihn restlos zu decken. In den verschiedenen Jahren traten darin -auch mehr oder weniger deutliche Abweichungen ein, die wahrscheinlich -auf einen wechselnden Insektenreichtum der Straßenbäume zurückzuführen -sind. Nur im Walde, die wenigen Fälle, in denen er auch einmal auf -Alleebäumen zu Gaste ging, ändern an dem Bilde nichts, sammelte der -Kleiber die Nahrung, wobei er freie Feldflächen von 100--500 Meter -überflog. Im Gegensatz zu ihm schien dagegen wieder der Baumläufer -den Obstbäumen an der Straße den Vorzug zu geben; bei den allerdings -etwas spärlichen Beobachtungen 1919 an der Rochlitzer Bergstraße, die -aber durch ähnliche in Westsachsen und in der Oberlausitz ergänzt -werden, sah ich unsere Art nur Alleebäume absuchen, nie aber auch -einmal das freie Feld in der Richtung des Waldes überfliegen. Ebenso -entnahm auch der Gartenrotschwanz seinen Nahrungsbedarf in erster -Linie den Straßenbäumen und verlegte die Jagdgefilde erst dann in den -Wald, als ihm die Straßenbäume nicht mehr die nötigen Nahrungsmengen -zu liefern im Stande zu sein schienen. Darauf deutet ganz besonders -die 1913 gemachte Beobachtung eines Pärchens, das zunächst auf den -der Bruthöhle am nächsten gelegenen Bäumen die Nahrung sammelte, -dann sein Jagdgebiet immer mehr auch auf die entfernteren ausdehnte -und schließlich kurz vor dem Flüggewerden der Jungen fast nur noch -im Walde die Nahrung suchte. Eine überaus große insektenvertilgende -Tätigkeit entfaltete auch der sonst so lästige Feldsperling, dessen -zur Brutzeit hier erlangte Bedeutung in der Lage ist, einen Teil -seiner sonstigen Untugenden aufzuheben. Ich sah ihn ausschließlich die -Nahrung auf den Straßenbäumen einsammeln und ihn dabei eine Tätigkeit -entfalten, die kaum der emsiger Meisen nachstand. Mehr als die anderen -Vogelarten berücksichtigte er dabei die unmittelbarste Umgebung des -Nistortes und sammelte auf deren Bäumen die Nahrung für seine Brut. -Nie sah ich ihn das freie Feld nach dem Walde zu überfliegen, und -nie auch andere, als tierische Nahrung herbeibringen. Im Gegensatz -zu ihm deckte der Star seinen Nahrungsbedarf ausschließlich im Walde --- das gelegentliche Zugastegehen auch auf einem Obstbaum ist kaum -der Erwähnung wert --, und überflog dabei das freie Feld auf meistens -recht weite Entfernungen. -- Zusammenfassend, möchte ich inbezug auf -die Insektenvertilgung in den Obstalleen durch deren höhlenbrütende -Gäste den Meisen, die ja auch die häufigsten und regelmäßigsten -Bewohner sind, die größte Bedeutung zusprechen und ihnen den meistens -ja gleichfalls häufigen Gartenrotschwanz an die Seite stellen. Auch -der Baumläufer wird überall dort, wo er sich als Brutvogel häufiger -einstellt, eine hinter den Meisen kaum zurückbleibende Tätigkeit zu -entfalten in der Lage sein. Des Feldsperlings Bedeutung endlich, die -ihm in der Zeit der Jungenpflege wenigstens ohne Zweifel zukommt, -vermag, wie schon gesagt, manche seiner sonstigen Untugenden -abzuschwächen, dürfte aber kaum genügen, alle seine vielen Schwächen -ganz auszugleichen. - -[Illustration: Abb. 7 =Haubenmeise vor der Nisthöhle=] - -Äußert sich die insektenvertilgende Tätigkeit der hier erwähnten -höhlenbrütenden Straßenvögel nun aber auch in einer praktisch ins -Gewicht fallenden Weise? Ich glaube diese Frage, die ich aber -nur ungern stelle, weil mir die Verknüpfung von Vogelschutz und -Nützlichkeitsstandpunkt im allgemeinen wenig sympathisch ist, ohne -die wir aber nicht auskommen können, wenn wir der großen Masse den -Vogelschutz begreiflich machen wollen, entschieden bejahen zu müssen. -In der von meinen Knabenjahren an bis in das späte Jünglingsalter -hinein fallenden Zeit, in der an der Rochlitzer Bergstraße die -Zahl der hier nistenden Höhlenbrüter eine nur kleine war, war -auch das Insektenleben der Bäume ein viel größeres. Wenn der -Straßenwärter die Allee mit der Baumschere durchgegangen war, lagen -die herausgeschnittenen Raupennester zu Tausenden am Boden. Dieser -Reichtum an Insekten -- es handelt sich dabei ja auch vorwiegend um -schädliche Arten, die ohne allen Zweifel den Obstertrag gemindert -hätten --, ließ aber sofort nach, als mit dem Aufhängen von Nistkästen -die Wirkungen dieser Maßregel in einer größeren Zahl der die Straße -bewohnenden Vögel sich äußerten, und die Menge der Raupennester, die -heute noch von dem Wärter der Straße entfernt werden muß, bildet nur -noch einen verschwindend kleinen Bruchteil der früher beseitigten. Es -ist das eine Erscheinung, die nicht etwa nur von mir beobachtet worden, -sondern auch anderen schon aufgefallen ist und die ganz besonders -der die Straße betreuende Wärter empfindet. Eins verdient dabei noch -Beachtung, nämlich der geringe Einfluß, den die Vogelwelt des an die -Straße angrenzenden oder doch in ihrer Nähe bleibenden Waldes auf das -Insektenleben der letzteren auszuüben scheint. Wäre er ein größerer, -so hätte er sich ja damals schon anders äußern müssen, als infolge -der geringeren Zahl der Straßenvögel der Insektenreichtum der Allee -ein noch größerer war. Es ergibt sich aus dieser Erscheinung daher -wohl auch die für den praktischen Vogelschutz recht beachtenswerte -Folgerung, daß zu einer wirksamen Bekämpfung der Schädlinge in -Obstalleen durch die Vogelwelt auch in vogelreichen Gegenden es -unbedingt der Heranziehung eines den Alleen selbst eigenen Vogellebens -bedarf. Möchten daher die Besitzer von Obstalleen -- als solche kommen -in erster Linie ja wohl der Staat und die verschiedenen Ortsgemeinden -in Frage -- diesem Umstande künftig auch Rechnung tragen und einmal -durch das Aufhängen von Nistkästen, zum anderen aber durch die Duldung -einzelner alter, höhlenreicher Bäume, die Vogelwelt dieser Alleen nach -Möglichkeit zu vermehren trachten. Die darauf verwandten Kosten werden -ja bald in einer Verminderung derjenigen für die Schädlingsbekämpfung -auf der einen, in einer Erhöhung des Obstertrages aber auf der anderen -Seite ihre Wirkungen zeigen. -- - -Meine Ausführungen beschließe ich mit einer Liste der von mir bisher -festgestellten höhlenbrütenden Alleevögel und füge dabei den einzelnen -Arten noch die Ergebnisse meiner bisherigen Feststellungen bei. - -1. _Gartenrotschwanz._ -- Verbreiteter und neben der Kohl- und der -Blaumeise vielfach auch häufigster Alleevogel, der -- den eingehenderen -Rochlitzer Beobachtungen stehen noch solche aus Westsachsen und der -Lausitz zur Seite -- zur Zeit der Jungenpflege in den von ihm bewohnten -Alleen eine überaus nützliche Tätigkeit entfaltet und selbst beim -Vorhandensein reicherer Nahrungsquellen, wie sie ihm etwa ein naher -Wald darbietet, den Nahrungsbedarf in erster Linie den Straßenbäumen -selbst entnimmt. Wenn Hennicke (Handbuch des Vogelschutzes, S. 122) -unsere Art als wirtschaftlich bedeutungslos bezeichnet, so bedarf diese -Behauptung in Fällen, wie wir sie in unseren obigen Darlegungen kennen -gelernt haben, doch zweifellos einer entsprechenden Richtigstellung. - -2. _Kohl-_ und 3. _Blaumeise_. -- Die beiden häufigsten und wohl -nirgends fehlenden Alleevögel überhaupt, die eine besonders nützliche -Tätigkeit entfalten und noch wesentlich an Bedeutung gewinnen, weil -sie in vielen, vielleicht gar in den meisten Fällen mit ihren -Bruten in dem Straßengebiet verbleiben, wenn andere hier genistete -Arten andere Tummelplätze aufgesucht haben. -- Es sei hier noch kurz -auf die Rörigschen Untersuchungen über den Nahrungsbedarf unserer -insektenfressenden Kleinvögel[3] verwiesen, nach denen beispielsweise -ein Kohlmeisenpaar mit seiner Nachkommenschaft eines Jahres jährlich -mindestens anderthalb Zentner Insekten als Nahrung verbraucht, um auch -weiteren Kreisen ganz besonders nachdrücklich den hohen Wert dieser -Vögel vor Augen zu führen. - - [3] Arbeiten a. d. Biol. Anst. f. Land- u. Forstwirtschaft, Berlin. - IV. Bd., Heft 1. - -[Illustration: Abb. 8 =Kleiber vor der Nisthöhle=] - -4. _Tannen-_, 5. _Sumpf-_ und 6. _Haubenmeise_. -- Nur in der Nähe des -Waldes und auch dann in der Regel sich nur vereinzelt einstellende -Brutvögel, die zur Brutzeit in den von ihnen bewohnten Alleen eine -zwar nicht minder große insektenvertilgende Tätigkeit wie ihre beiden -vorgenannten Verwandten entfalten, aber nach Aufzucht ihrer Jungen -wieder den Wald aufsuchen und die Alleen dann erst wieder vorübergehend -zur Strichzeit besuchen. - -7. _Kleiber._ -- Ebenfalls wohl nur in der Nähe von Wald in den -Obstalleen sich einstellender Brutvogel, der seinen Nahrungsbedarf aber -weniger in diesen selbst, sondern mehr im Walde decken dürfte, aber -eine größere Bedeutung für die Alleen im Herbst und Winter erlangt, wo -er sie öfters zum Zwecke der Nahrungssuche besucht. - -8. _Baumläufer._ -- Ein zwar verbreiteter, an Zahl aber wohl immer -hinter Kohl- und Blaumeise zurückstehender Alleevogel, dessen Tätigkeit -der der Meisen aber kaum nachstehen dürfte und der wie diese auch nach -Beendigung des Brutgeschäfts noch in den Alleen angetroffen wird. - -9. _Weiße Bachstelze._ -- Verbreiteter, hier und da in Halbhöhlen der -Bäume, häufiger aber unter Straßenunterführungen usw. nistender Vogel, -dessen Tätigkeit infolge der Art seiner Nahrungsaufnahme für die von -ihm bewohnten Straßen aber von keiner Bedeutung ist. - -[Illustration: Abb. 9 =Wendehals vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 10 =Großer Buntspecht vor der Nisthöhle=] - -10. _Feldsperling._ -- Ein ebenfalls häufiger Alleevogel, dessen sonst -überwiegend schädliche Tätigkeit zur Brutzeit für die von ihm bewohnten -Alleen zu einer recht nützlichen werden kann. - -11. _Star._ -- Ein zwar verbreiteter, nach meinen Erfahrungen aber -doch mehr örtlich als Alleebewohner auftretender Vogel, dessen -Bedeutung für die Alleen aber nur eine geringere sein dürfte, da er -seinen Nahrungsbedarf -- den oben wiedergegebenen Beobachtungen an der -Rochlitzer Bergstraße stehen Erfahrungen auch von anderen Orten zur -Seite -- nicht in den von ihn bewohnten Alleen, sondern an Stellen in -der Nachbarschaft deckt. - -12. _Grauer Fliegenfänger._ -- Mehr gelegentlich sich einstellender, -Halbhöhlen beziehender Alleevogel. - -13. _Trauerfliegenfänger._ -- Gleich dem vorigen wohl auch nur mehr -gelegentlicher in der Nähe von Laub- oder laubholzreichem Mischwald -sich einstellender Alleevogel. - -14. _Großer Buntspecht._ -- In der Nähe von Wald einzeln sich -einstellender Alleevogel, der für die von ihm bewohnten Alleen aber -ohne größere wirtschaftliche Bedeutung ist, durch seine Höhlen aber -für die Kleinvögel Nistgelegenheiten schafft. Neben ihm mag sich hier -und da der von mir als Alleevogel allerdings noch nicht beobachtete -_Mittlere Buntspecht_ in dieser Eigenschaft einfinden. - -15. _Kleiner Buntspecht._ -- Von größerer Bedeutung als seine beiden -eben genannten Vettern wird für die von ihm bewohnten Alleen der Kleine -Buntspecht, der meisenähnlich vor allem die Bäume in der Nachbarschaft -seiner Bruthöhle absucht und, sein Wesen auch nach der Brutzeit hier -noch treibend, besonders winters über die von Insekten angegangenen -Knospen ausklaubt. - -16. _Grünspecht._ -- In der Nähe von Wald hin und wieder sich -einstellender Alleevogel ohne größere Bedeutung für sein Wohngebiet. - -17. _Wendehals._ -- Ein zwar häufig in Obstalleen sich einstellender, -für diese aber, da er die Nahrung zu einem großen Teil am Boden -einsammelt -- bei einem Pärchen beobachtete ich ausschließlich diese -Art der Nahrungssuche -- wirtschaftlich nicht bedeutender Brutvogel. -- - -Nachdem in der vorstehenden Zusammenstellung vorwiegend die -wirtschaftliche Bedeutung unserer Alleevögel betont worden ist, -sei wenigstens am Schlusse kurz auch noch auf ihre ideellen, der -wirtschaftlichen Bedeutung durchaus nicht nachstehenden Werte -hingewiesen. Unsere Vogelwelt vor allem ist es ja, die in das mitunter -große Einerlei vieler unserer Straßen erst den belebenden Ton trägt, -und sie wird das in einer um so größeren Weise tun, je artenreicher und -mannigfaltiger sie sich hier entfalten kann. Darum wollen wir uns auch -über die Anwesenheit der Arten freuen, deren wirtschaftliche Bedeutung -hinter der der anderen zurückbleibt. - - - - -Das Tännichttal im Tharandter Wald - -Von Stadtbaurat _Rieß_, Freiberg - -Aufnahmen von _K. Reymann_, Freiberg - - -Lange hatte während des Krieges und im bösen Jahr darauf mein treues -Rad gerastet. Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen -Sommermorgens und lockt hinaus, daß ich nicht widerstehen kann. - -Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf -flüchtigem Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit -jungen Schwingen, der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt. -Die wuchtige Stadtmauer Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben -mit seinen grünen Bäumen, das alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes -gleiten an mir vorüber. Leb wohl, du alter, fester Kumpan mit deinem -spitzen Kegeldach, heute treibt’s in die Ferne mich mächtig hinaus. -Und ihr Dohlen dort oben, die ihr dort flattert und schwebt, und mit -hellem Rufe freudig im Schwarme in dem blauen Äther euch schwingt, -heute neide ich euch nicht, heute bin ich selbst ein freier, wilder -Vogel! Meine Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt und -tief das Glück eines freien Sonnentages spürt. -- Die Straße ins -Muldental hinab fliegt das Rad, daß ein Jauchzen aus der Brust wie -ein lachender, springender Brunnen emporsteigt. Halli und Hallo! Die -Sommerwelt ist mein, die rechts und links an mir vorüberstürmt, die -grünen Hänge, die saftigen Wiesen, und dort der rauschende Fluß im -tiefen Grunde, mit seinen weißen Schaumflocken auf dunklem, sprudelndem -Wasser, die Heimat ist mein, denn meine Seele ist ihr offen, sie ist -mein, denn sie gibt sich mir, weil ihrem Zauber sich meine Seele gibt. - -Jenseits geht es steil bergauf. Steinig und heiß ist der Pfad, das -Geröll rutscht unter dem Fuß und die glimmerblinkenden Gneisplatten -flimmern wie Silber. Rötlich blüht schon das Heidekraut in dichten -Polstern am Wege. Auf der Höhe schöpft die Brust tief Atem und dann -wandern die Augen hinab ins tiefe Tal und dort nach den Höhen, wo die -Halden und Bergwerke, Alt-Freibergs Wahrzeichen und Hünenmale des -Bergbaues, sich türmen, und weit in die blaue Ferne, wo die duftigen -Linien der Berge in unendlicher Zartheit sich am Horizonte dehnen. -Doch nun wieder vorwärts, dem Walde entgegen, in dessen grünem Meere -ich untertauchen will. Über breitem Höhenrücken geht die Fahrt. Die -Felder reifen der Ernte entgegen. Wie lange noch, dann klingt die -Sense und die Pracht sinkt vor dem Schnitter dahin. -- Hast du Frucht -gebracht? -- -- - -Die Vogelbeerbäume schmücken sich schon mit roten Beeren. Wie lange -noch, und die Drosseln ziehen, die Beeren fallen und liegen wie -Blutstropfen am Straßenrande, und dann schnaubt der Schnee in mächtigen -Wehen und Wirbeln gleich wilden, weißen Rossen über die Felder und -hinter ihnen der eisige Ost mit scharfen Peitschenschlägen. -- Wohl -dem, der eine Heimat hat! -- Doch heute weht ein süßer Duft wie Honig -herüber. Ein blühendes Kleefeld strömt des Sommers ganze Lieblichkeit -in Duft und Farbe in die blaue Luft. Ich steige vom Rade und lausche -dem Liede des glühenden, blühenden Klees. Millionen von Bienen und -anderen Insekten singen und summen in dem purpurnen Blütenmeer ihr -Lebenslied, und taumeln von Kelch zu Kelch. Schwer und wonnig steigt -der Duft des Feldes empor und ich trinke ihn mit tiefen Zügen, als -wäre es ein alter, köstlicher Wein. Ein purpurner Teppich aus Duft -und Licht, Farbe und Leben gewoben, auf dem nur die Sonnenstrahlen -mit leichten, schwebenden Füßen dahingleiten dürfen. Ein Teppich, wie -ein dunkler, purpurner Orgelton, den der Sommerwind leise dahinträgt, -daß die Herzen stille werden. Als ob das heilige Herz der Mutter Erde -unter ihnen schlägt, so geht geheimnisvolles Leben durch die Millionen -Blütenköpfe. -- O, du Heimatflur! -- -- - -Dort drüben grüßt das grüne Meer des Tharandter Waldes. Mein Rad -fliegt wie ein Vogel hinab ins Bobritzschtal. Sanfter sind die Hänge -hier als im Muldentale. Malerische Höfe und Häuschen klimmen auf und -ab, drängen sich am Bach und drücken sich in die Talwinkel. Naundorf -ist es, dessen Kirchturm auf der Höhe wie ein Hirte über seine Herde -wacht. Die Straße führt talaufwärts, am Bach entlang. Die Wellen -hüpfen mit Murmeln und Plaudern über die runden Steine, und flinke -Forellen schießen blitzschnell daher. Einst war dieser köstliche -Fisch so häufig hier, wie ein altes Naundorfer Kind erzählt, daß für -wenige Groschen eine ganze Schüssel voll im Fuhrmannsgasthof an der -Straße geliefert wurde. Die zahlreichen Gänse, Enten und Hühner auf -der Straße sind dem Rade nicht gewogen. Mit Flattern, Fauchen und -Geschrei entrüsten sie sich oder suchen durch ängstliches hin und her -laufen dem allzuraschen gefürchteten Feinde zu entkommen. Heil uns, -daß wir ohne unfreiwillige Tötung eines »Rassehuhnes« -- überfahrene -Hühner sind immer »Rassehühner« -- am Ausgange des Dorfes anlangen. -Dort macht die Bobritzsch eine starke Krümmung, fast im rechten Winkel. -Ein stattlicher Hof liegt im Winkel und mächtige alte Bäume beschatten -den Platz. Dort mündet der Colmnitzbach, und eine Brücke führt über -die Bobritzsch, von der aus du in das Strudeln der klaren Wasser -hinabschauen und die ganze Lieblichkeit dieses stillen Winkels mit -seinem Wasserrauschen und Vogelsang unter grünem Blätterdach empfinden -kannst. Wie Sonntag, durch den leise der Harfenton der Andacht klingt, -liegt es immer hier unter sonnenstrahlendurchflochtener Laubkuppel. -- - -Auf schmalem Wege über dem Wiesengrunde des Colmnitzbaches geht es -aufwärts. Wie ein leuchtend grüner Teppich ist der Grund zwischen die -Hänge eingespannt. Doch bald verwehren uns hohe, dichte Hecken den -Blick auf diese grüne Herrlichkeit. Zwei Höfe am Hange liegen vor uns, -die Gippenhäuser. Eine bleiche Dame sitzt am Wiesenrande, ein Kind -spielt in der Nähe. Sommerfrischler! Ja, hier könnt ihr gesunden und -wie Joseph Viktor von Scheffel, der leider Halbvergessene und doch so -echt deutsche Mann, in seinen Bergpsalmen singen und sagen: - - »Du hast eine Ruhe, ein Obdach gefunden, - Hier magst du gesunden, - Hier magst du die ehrlich empfangenen Wunden - Ausheilen in friedsamer Stille.« - -Zwischen duftendem, rauschendem Wald und saftgrüner, blumiger Wiese, -in der die Margareten mit weißen Sternen leuchten, fern vom Staub der -Straßen der Welt, den Blick auf sanft geschwungene edle Höhenlinien, -abgeschlossen doch nicht eingeschlossen, so recht ein Ort friedsamer -Stille! -- - -Nun tauchen wir ein in den herrlichen Wald, dies grüne Kleinod zwischen -Freiberg und Dresden, den Tharandter Wald. Wie viele Stunden tiefster -Freude danke ich dir, du deutscher Wald, und deinen stillen Wundern. - - »Wer einmal diesen Jungbrunn’ fand, - Der schöpft aus keinem andern! - Denn das ist deutschen Waldes Kraft, - Daß er kein Siechtum leidet, - Und alles, was gebrestenhaft, - Aus Leib und Seele scheidet. - Daß ich wieder singen und jauchzen kann, - Daß alle Lieder geraten, - Verdank ich nur dem Streifen im Tann, - Den stillen Hochwaldpfaden.« - - (Scheffel, Aventiure.) - -Solch ein stiller Hochwaldpfad, über den die knorrigen Wurzeln laufen, -führt mich in die harzduftige, grüne Tiefe, und ein Singen und Jauchzen -geht mir durch die Seele, doch es schweigen meine Lippen und leise ist -mein Gang. Nur ab und zu knistern die Nadeln oder ein Ästlein unter den -Reifen des Rades, welches ich führe. - -»Willst du dein Herz mir schenken, so fang’ es heimlich an,« das gilt -auch vom Walde, dessen Seele man nur findet, wenn leise unsre Seele -sich an seine schmiegt. Dann öffnen sich uns seine grüngoldnen Augen -und schauen uns an voll unergründlicher Tiefe, dann spricht sein Mund -im geheimnisvollen Raunen, und wir hören im stundenlangen leisen -Wipfelrauschen wie des Waldes Seele mit uns spricht und ihre Wunder -uns offenbart. Dann darfst du nur lauschen, schauen und vergessen, was -draußen ist. Was er dir zeigt und sagt, was er deiner Seele gibt, das -wird dich reich und froh machen. Der Wald ist dein geworden, weil er -dir seine tiefsten Geheimnisse gab und du seiner wundersamen Kräfte -kund wurdest. - -Eine im Sonnenschein flimmernde Blöße öffnet sich. Ein kräftiger, -warmer Harzduft steigt empor und füllt die Brust, als sollten die -Lungen besonders in Waldeskraft gebadet werden! Die Grillen zirpen ihr -heißes Sonnenlied und über den Halmen und den Spitzen der Schonung -zittert die Luft, als wäre sie durch das schwirrende, unendliche -Grillenlied zum Schwingen gebracht. Ein Blick in die Weite auf -blauferne Höhenlinien, dann ein dunkler, grüner, kurzer Waldpfad, und -plötzlich gibt es mir einen Riß durch die Seele. Wie eine ungeheure -rote, offene Wunde in der Felsenflanke des Berghanges liegt es -vor mir, von rauher, rücksichtsloser Hand geschlagen, dort eine -Schutthalde von kleingeschlagenem Porphyrgestein, das aus dem Abhange -herausgeschlagen und gesprengt ist. Hier hatte ein Steinbrecher mit -gierigen Zähnen gearbeitet. Und weiter strecken sich Schienen eines -Bahnneubaues, der sich mitten durch eine Felsengruppe voll malerischer -Wucht eine klaffende Lücke gebrochen hat. Bitterkeit steigt dir auf, -daß Schönheit und Friede nicht mehr heilig sind, sondern wehrlos der -Rücksichtslosigkeit und ehernen Notwendigkeit unterliegen müssen! -Schillers Nänie klingt schmerzvoll durch die Seele: - - »Auch das Schöne muß sterben. - Siehe, da weinen die Götter, - Es weinen die Göttinnen alle, - Daß das Schöne vergeht, - Daß das Vollkommene stirbt.« - -Doch wie zum Troste senkt sich der Blick rechts durch Stämme und über -schwankende Wipfel hinab in einen Talgrund, der noch wie ein stilles -Märchenland des Friedens und der Schönheit grün heraufleuchtet. Es -ist das Tännichttal. Das Tännichttal, um dessen Schönheit, Poesie und -ungestörten Frieden der Heimatschutz im letzten Augenblick sich mühte -und den Weg der Rettung fand. Der Bahnbau war leider unvermeidlich und -wurde mit leidlicher Schonung und Anpassung an den Waldabhang gelegt. -Daß er, wenn jetzt auch die Wunden noch bluten, mehr und mehr im Laufe -der Jahre verschwinden und in das Bild sich einordnen wird, dafür wird -der Wald selbst schon sorgen und seine Wunderkraft heilend offenbaren, -wenn Flechten und Moose, Heidekraut und Ginster, Gras und Waldkräuter, -Birken und schließlich die ragenden Stämme des Hochwaldes sich das Werk -des Ingenieurs zu eigen machen. Doch Schlimmeres als der Bahnbau -sollte dem Tännichttale geschehen. Steinbrüche sollten angelegt werden, -welche Wunde auf Wunde tiefer und tiefer geschlagen hätten und die -grünen Hänge zerstört und mit dem Rasseln und Stöhnen, dem Lärmen und -Kreischen der Maschinen die selige Waldesstille, die Vögel und das -Wild des Waldes vertrieben und diesem lieben Märchenwinkel völlige -Vernichtung gebracht hätten. Eine Schwebebahn mit hohen Bockgerüsten -sollte das Tal überqueren. Das Rollen und Rütteln der Wagen und -Schienen und das Knirschen der Steinbrecher, sowie die ganze lärmende -Industriearbeit sollten die tiefmelodischen Stimmen der wilden Tauben, -des Pirols Flötenrufe und der Finken schmetternden Schlag für immer -verstummen lassen. Die malerischen Felsklippen, die wie Türme und -Mauern aus den grünen Wipfeln des Waldes emporsteigen, sollten von dem -Moloch des Industrialismus gefressen werden! - -[Illustration: Abb. 1 =Tännichttal=] - -Nicht mehr als alles wäre dadurch dem Tale genommen worden! Doch -stolz und freudig darf der Heimatschutz seines Erfolges denken: -Diese Gefahr ist gebannt durch seine Bemühungen und die dankbar zu -rühmende verständnisvolle Förderung des Finanzministeriums, welches in -letzter Stunde die Genehmigung der Steinbruchanlage versagte. Doch wir -blicken jetzt mit frohem, innerem Glücksgefühl ins Tännichttal hinab, -wie es uns nun erhalten bleiben soll und noch viele stille Wanderer -entzücken wird. Dort unten blitzen die Wellen des Colmnitzbaches aus -dem Smaragdgrün des Wiesenbodens herauf. Er kommt weit von draußen -her, aus der waldarmen Gegend, um hier zwischen Wald und Felsen seines -Daseins schönste Strecke zu durchlaufen. Wie die andern Bäche der -Freiberger Gegend hat er sich schon draußen ein tiefes Bett gegraben -und windet sich in vielen Krümmungen durch die hügelige Landschaft. -Die begleitenden Höhenkuppen des Gneismassivs von breitgelagerter, -rundlicher Art, welche mit ihren langen, schöngeschwungenen Linien -ungeheuren Wogen gleichen, haben an der Quelle rund 500 Meter, -an der Mündung in die Bobritzsch rund 400 Meter Höhe. Draußen im -freien Lande haben sich im Colmnitzbachtal in der langgestreckten, -dem Wasserlaufe folgenden Siedelungsweise des Kolonistendorfes die -Dörfer Pretzschendorf, Ober- und Niedercolmnitz angesiedelt. Ihre -Wiesen und Felder mit ihren besonderen Reizen von Saat, Ernte und -Wiesenduft geben der ganzen weiten Gegend draußen einen ausgesprochen -landwirtschaftlichen Charakter, aber auch mit ihrer ausgesprochenen -Kahlheit, welche außer den Bäumen an den Straßen, am murmelnden Bach -und in den Gärten des Dorfes kaum einen Baum duldet, der nur der -Schönheit nicht aber besonders dem Nutzen dient. Fünf Sechstel seines -Laufes hat so der Colmnitzbach kahles Gelände durchströmt, bis er -hier im waldigen, engen, malerischen Tännichttal sich heimfindet zu -Bergeshang mit dunklen Fichten, zu Wiesengründen mit leuchtendem Grün. -Der schluchtartige Charakter dieses Tales mit seinen steilen bewaldeten -Abhängen, im Gegensatz zu den sanfteren Hügelwogen des freien Landes, -ist überraschend und gibt malerische Bilder, gleichviel ob man von -oben hineinschaut in die saftigen Gründe einer stillen, smaragdnen -Märchenwelt, oder ob man von unten zu den Höhen hinaufschaut, die mit -ihren Wänden einzelne Kessel abschließen und bei einer neuen Krümmung -neue Bilder friedsamer Stille öffnen. Der Talboden hat nur fünfzig bis -sechzig Meter Breite. Die anschließenden steilen Hänge steigen rund -hundert Meter auf, zum Teil mit hohen Felswänden, Zacken und ragenden -roten Porphyrklippen, die wie zinnengekrönte Burgmauern aufsteigen. -Dieser schluchtartige Charakter des Tales im Gegensatze zur breiten -Landschaft draußen, ist das Ergebnis urgewaltiger Kräfte aus der -Werdezeit unserer Erde, und insofern ein Naturdenkmal von besonderer -Bedeutung für die Freiberger Gegend. - -[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Felsenklippen der Diebskammer vom -Tännichttal aus=] - -Das flachgeschichtete, im Laufe der Jahrmillionen rundlich -abgeschliffene Urgebirge des Gneises der Freiberger Landschaft ist -hier mit ungeheurer vulkanischer Gewalt von Porphyr durchbrochen. -Durch dieses harte Porphyrmassiv hat sich der Bach hindurchgenagt und -die schmale Talenge hineingefressen. Dort drüben, mitten in dieser -malerischen Talenge, an ihrem schönsten Punkte, ragen die zackigen -Spitzen und Kämme der gewaltigen roten Porphyrklippen in den blauen -Himmel vom grünen Waldhange empor, die Diebskammer. Diese Felsgruppe -ist die Krönung der Schönheit des ganzen Tales, das urgewaltige, zu -Stein erstarrte Denkmal gigantischer Naturkräfte. Wir stellen das -Rad in das Dickicht und klettern näher heran durch Fichtengezweig -und Ginstergestrüpp, die trotzigen Zacken zu betrachten. Da sehen -wir und erleben es fast an der eigenartigen Faltung und Schichtung -der Gesteinsformationen, wie einst in ungeheuren Wehen und Ringen -lebendiger Kräfte die Massen emporstiegen, sich zusammenpreßten -und neigten, sich kristallisierten und zu besonderer Lagerung und -Schichtung versteinten. - -Das Tännichttal streicht von Osten nach Westen. Die Strahlen der -Morgensonne und das rote Licht des untergehenden Tagesgestirns läßt die -roten Klippen in feuriger Glut aufleuchten, als wären sie von innerem -Feuer durchglutet und wollten zu neuem vulkanischen Leben erwachen. -Ein _Naturdenkmal_ ist dieses Tal mit seiner Felsengruppe, das im -geologischen Anschauungsunterricht für jedermann in unserer Zeit der -Volkshochschulen von der Natur selbst unübertrefflich dargeboten ist -und zu uns redet vom Werden unserer Erde, Heimat und Landschaft mit -deutlicherer Zunge als Bücher, die das Volk nicht liest, als Gelehrte, -die das Volk nicht hört, als Weisheit, die in den Hörsälen oder bei den -Spezialisten bleibt. Es ist ein Dienst an der deutschen Seele, wenn der -Heimatschutz für diese Werte der deutschen Natur und Heimat kämpft, -ein Kampf für die deutsche Seele und ihre Rechte an der Heimat, ein -Kampf für die Seele der Heimat gegen kalte, harte Seelenlosigkeit der -Ausbeutung. Das Volk hat ein Recht darauf, daß diese Naturdenkmäler, -die Eigenart und besondere Schönheit der Heimat geschützt und ihm und -der Nachwelt ungeschmälert erhalten bleiben, und nicht der Ausbeutung -einiger Kapitalisten überlassen werden. Das, was der Allgemeinheit -und der Heimat dienen kann und im höchsten Sinne zur geistigen und -seelischen Förderung dient, darf niemals Ware, darf niemals käuflich -sein, darf niemals nur dem Interesse eines Einzelnen um materiellen -Gewinnes willen ausgeliefert werden, sondern muß unbedingt als Besitz -der Allgemeinheit als ein Denkmal gehütet und gepflegt werden. - -Solches unverletzliches, der Allgemeinheit, dem Volke gehöriges -_Naturdenkmal_ wird auch diese Felsengruppe mit dem ganzen Tale sein -und bleiben, bei dessen Anblick und sinnender Betrachtung Tausenden -das Herz aufgehen muß für die Schönheit der Heimat und das Verständnis -und die Freude wachsen soll an ihrer Seele, an ihrem Leben, Sein und -Werden. Freibergs Umgebung ist nicht reich an solchen Punkten, wo -Wissenschaft und beseelte Schönheit sich in gleicher Weise vereinen, -um den Ort reizvoll zu machen, und wo als Drittes noch die Sage -hinzukommt, um mit den krausen Ranken der Phantasie und der Erinnerung -den Ort geheimnisvoll zu schmücken. Der Lips-Tullian-Felsen dort drüben -im Tale ist in unmittelbarer Nähe, der Felsen, wo der große Räuber -einst hauste. Auch die Diebskammer hier mag ihm und seinen dunklen -Zwecken gedient haben. Die echte Räuberromantik spinnt ihre bunten -Fäden um die zackigen Zinnen dieser Räuberburg, die bald wie Blut, -bald wie Gold in der Sonne leuchten, bald wie von Rauch geschwärzt -und Krähen umflogen im Schatten liegen. Lips-Tullian, den jeder -im Freiberger Bezirke kennt, denn im mittelalterlichen, grausigen -unterirdischen Gefängnisse des Freiberger Rathauses, wo auch Kunz von -Kauffungen schmachtete, mußte er 1715 sein Todesurteil erwarten. Seine -in den Felsen gehauene Zelle, Ketten und Handschellen werden heute noch -gezeigt. - -Was das Wandern im _Thüringer_ Land so unvergleichlich genußreich -und poetisch macht, ist, daß überall die Gestalten der Sage und -Geschichte, von Poesie und Märchen mit uns wandern und das, was wir -schauen, verklären. _Sachsen_ ist nicht reich an solchen Stätten, aus -denen uns Sage oder Märchen mit verträumten Augen anschaut und die -Romantik uns grüßt. Sorgfältig müssen wir die wenigen Stätten solcher -Romantik schonen, und wäre es auch nur Räuberromantik, und müssen wir -pflegen, was durch die Phantasie und die Erinnerung des Volkes sein -besonderes Gepräge, seine besondere Weihe erhielt. Das Gedenken des -Volkes schafft erst die rechten Denkmäler. Hängt sich dieses Gedenken -an eine besondere Örtlichkeit, so erhält diese die Denkmalsweihe. Wie -gesund und wie tief hat hier doch das Volk empfunden, daß es hier dem -Orte noch diese besondere geheimnisvolle, geistige Denkmalsweihe der -Phantasie gab, der durch seine landschaftliche Schönheit und seine -wissenschaftliche Bedeutung schon seine Weihe als Naturdenkmal in sich -trägt. -- Von einem ehrwürdigen Freunde des Heimatschutzes, der hier -vor sechzig und siebzig Jahren jung war, liegt ein Brief vor, aus dem -diese Romantik herausklingt wie das Rauschen von Bach und Bäumen, und -die leisen, wehmütigen Töne des Liedes: »Aus der Jugendzeit, aus der -Jugendzeit klingt ein Lied mir immerdar.« Er schreibt: - -[Illustration: Abb. 3 =Diebskammer im Tännichttal bei Naundorf, Bezirk -Freiberg=] - - »An dieses liebliche Stückchen Erde, im besonderen an die - über der »Diebskammer« sich aufbauenden Felsenpartien knüpfen - sich für mich die angenehmsten Erinnerungen aus meiner - Jugend. Als Naundorfer Pfarrerssohn habe ich dort von meiner - Tertianerzeit an bis in meine ersten akademischen Semester - (1855--1861), in welch’ letzterem Jahre nach des Vaters Tode - unsere Familie den Ort verlassen mußte, in den Ferienzeiten - zahlreiche glückliche Stunden verlebt. Mit Hilfe eines mir - befreundeten jungen, für Romantik empfänglichen Lehrers hatte - ich hier in etwa halber Höhe des Felsens ein Plätzchen für - längeren Aufenthalt hergerichtet, einen Felsblock als Tisch, - einen anderen moosbedeckten als Sessel, und in diese durch - keine Straße gestörte Weltabgeschiedenheit flüchtete ich mich - so oft wie möglich mit meinen Freunden aus dem altklassischen - Altertume, Homer, Sophokles, Horaz usw. oder mit unseren - deutschen Dichterheroen. Hier beschäftigte ich mich mit ersten - poetischen (richtiger wohl »gereimten«) Versuchen, übersetzte - ich in das Deutsche einen Teil von Ovids Metamorphosen, und - ich hatte immer die Empfindung, daß mir hier alles leichter - vonstatten ging. Auch verträumte ich manche Stunde unter dem - Rauschen der Tannen, dem Gesange der damals noch zahlreichen - Vogelwelt, unter dem Murmeln des zwischen saftig grünen Wiesen - durch den Grund fließenden, kristallhellen, von Forellen und - Krebsen dicht bevölkerten Colmnitzbaches. Der Felsen senkte - sich winkelförmig in die Erde und schien in eine Höhle zu - führen, die von Steinen verschüttet war, in deren Geheimnis ich - aber nie eingedrungen bin. Ob der berüchtigte, 1715 in Dresden - hingerichtete Lips Tullian auch hier sein Wesen getrieben - hat, weiß ich nicht, wäre aber bei der versteckten Lage der - Diebskammer nicht unmöglich. Es wurde zu meiner Zeit von - diesem Tale nur mit einer gewissen Scheu von den Dorfbewohnern - gesprochen. Ich habe seiner Zeit bei den Freiberger allgemeinen - Gymnasialspaziergängen, die gewöhnlich über Niederbobritzsch - nach Naundorf führten, nie versäumt, meine Freunde an diesen - meinen Lieblingsort zu führen, ihn auch später ab und zu - aufgesucht.« - -O Klang der Jugendromantik und deutscher Träumerei aus diesem Tal -heraus, der wie von fernen süßen Glocken noch durch das Greisenalter -tönt! -- - -Und diese Felsen, dieser Ort, die so noch klingen und Tausenden noch -klingen werden, sollten dem Steinknacker ausgeliefert werden!? Damit -einige geschickte Geschäftsleute gute Geschäfte machten, sollten die -Felsen zu Straßenschotter verarbeitet werden und allmählich der Meißel -sich hineinfressen in die Talwände, bis alles weggefressen ist, was -an Schönheit und höheren Werten Tausenden zur Freude und Erquickung -diente!? - -Wir freuen uns mit dankbarem Herzen, daß diese Gefahr gebannt ist und -schauen mit besonderer Liebe der stillen Stätte des Friedens in die -tiefen Augen und versenken uns ganz in die Stimmung der Einsamkeit, -des Alleinseins, Geborgenseins vor dem Tosen und Staub der Welt dort -draußen. - - »Selig, wer im stillen Lauschen - Einsam hier die Waldrast hält, - Wer beim flüsternd milden Rauschen - Das Getös vergißt der Welt.« - - (Scheffel.) - -Langsam steigen wir nun die Straße ins Tal hinab. Hier ist es zu schön, -um auf dem Rade vorbeizufliegen, hier möchte man weilen und träumen, -und warten, ob nicht irgend ein liebliches Wunder geschehen möchte, daß -drüben aus dem Waldesdunkel die Elfen auf die leuchtende Wiese schweben -oder daß die Elfenkönigin auf schlankem weißen Reh aus dem Dickicht -kommt, an dir vorüberstreift und aus wundersamen Märchenaugen dir tief -in die Seele schaut. - -[Illustration: Abb. 4 =Felsen im Tännichttal bei Naundorf=] - -Dort steht der Fels wie ein Wächter am Wege, dicht am Bach, wo die -Brücke in die Wiese führt. Will er hüten, daß kein Unberufener, kein -Feind hier eindringe? Ist er der Riegel, der die Welt und den Lärm -abschließt vom stillen Lande der Poesie? - - Den Wipfel hoch die Tanne hebt, - Im Winde schwankt die Birke, - Und Gottes goldne Sonne schwebt - Still über dem Bezirke. - Ein harziges Gedüfte - Durchwogt die warmen Lüfte. - - (Scheffel.) - -Wie ein silberner Steg für überirdische Füße schimmert der Bach im Grün -und windet sich durch die saftige Aue, als wollte er diese Stätte nicht -verlassen, sondern immer noch einmal umkehren und bleiben. Einzelne -Baumgruppen von herrlicher Gestalt stehen hier und da mitten in der -Wiese, und im weichen Dufte dämmern die fernen Abhänge des Tales. - -Dann fliegt unser Blick noch einmal hinauf zu den Felsschroffen, die -dort oben rot in der Sonne leuchten, aus dem Waldesdunkel schimmernd -emporsteigend. Wir schreiten weiter am Wiesengrund. Weiß glänzen die -Stämme der Birken am Wege, und die Felsen entwickeln sich zu einer -langen gewaltigen Mauer, die mit schroffen Seiten, scharfen Spitzen und -Kanten nackt und kahl, nur mit dem bunten Gewande der Farbe bekleidet, -aus dem Walde aufragt. Der Reichtum der Farben, der je nach Beleuchtung -wechselt, je nachdem die Schatten der Wolken den Wald, die Wiese oder -die ernsten Felsenstirnen streifen, gibt dem Bilde einen besonderen -überraschenden Reiz. Wie ein tiefes, tiefes, weiches buntgesticktes -Kissen ist die Wiese mit ihrem Duft und ihren Blumen, in das man -sich hineinschmiegen möchte. Es plaudert der Bach an unserer Seite, -und Birken und Erlen streuen ihren Schatten auf Weg und Wiese und -flüstern im weichen Sommerwinde von den alten Geschichten, die hier -geschehen. Denn dort drüben ragt aus dem Walde der Lips-Tullian-Felsen, -der gar vieles erzählen könnte. Er ist aber ein rauher, schweigsamer -Geselle, der seine Geheimnisse wohl hütet und das junge Volk der -Pflanzen und Bäume raunen und flüstern läßt. In seine Felsenstirne -zogen die Jahrhunderte und Jahrtausende ihre tiefen Runen. Was ist -da Menschenleid und Menschentat, was sind da die Geschlechter der -Menschen, die hier vorüberschritten, was ist da Jugend und Alter? Gras, -das zu seinen Füßen wächst, Bäume, die an ihm wurzeln und abgehauen -werden, wieder kommen und wieder vergehen in unendlicher Folge! Er -schweigt und läßt die Sagen und Geschichten, welche aus Dickicht und -Höhlen und Löchern hervorkriechen, wie Spukgestalten ihres Weges -ziehen, schweben und zerflattern in Wind und Nebel und dem Rauschen -des Waldes, daß niemand sie fassen kann, sondern nur ein unnennbares, -unbestimmbares Grausen unheimlich um den Felsen schleicht. - -Wir wandern weiter und nähern uns dem oberen Ausgange des Tales. Der -Weg steigt wieder an und löst sich vom Talgrund. Unter schönen alten -Fichten, aus dunklem Schatten hervor, blicken wir weit über die grünen -Gründe, die im Sonnenlichte flimmern, hinaus in die duftige Ferne, -wo blauende Höhenzüge sich zart vom Himmel abzeichnen. Der Bach ist -ein silberner Spiegel im Vordergrunde, in dem sich Wolken und Bäume -spiegeln. - - »Ich stehe in Waldesschatten - Wie an des Lebens Rand, - Die Länder wie dämmernde Matten, - Der Strom wie ein silbern Band.« - -Ein langer Blick dann zurück in das stille Tal Eden, das wir nun -verlassen, und es geht uns durch die Seele ein Klang der Sehnsucht: - - »Du bist Orplid, mein Land, - Das ferne leuchtet!« - -Bald treten wir aus dem Walde auf kahle Höhe mit weitem Fernblick, -und dann fliegt das Rad hinab in das Dorf Colmnitz, dessen Höfe sich -rechts und links von Bach und Straße, unter Eschen und Birken, oft -in malerischer Lage und Gruppe siedeln. Doch wir sind noch wie im -Traume. Wir achten nicht viel, nicht so wie sonst, auf jedes Haus und -jede Gruppe von Bäumen und Bauten, auf jede Eigenheit der Bauart oder -neckischer Laune. Wir sind im Leben draußen, aber unsere Seele weilt -noch dort drüben im stillen Tale, wo die Welt schweigt, sie wandert -noch auf dem silbernen Steg in den Elfenwiesen, an deren Rand die -dunklen Fichten Märchen träumen und wo um die Felsen geheimnisvoll die -Sage raunt. - -Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange -über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen -Häusern fast versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt -der Wald im blauen Dufte, dort drüben, das Tal, dort drüben -- dort -drüben -- - - * * * * * - - »Und meine Seele spannte - Weit ihre Flügel aus!« - -[Illustration: Abb. 5 =Blick über Colmnitz nach dem Walde mit dem -Tännichttal=] - - - - -Gauernitz - -Von _A. Klengel_, Meißen - - -Ein herrliches Stück Heimat zeigt sich dem Wanderer, der die neue -Hochuferstraße von Niederwartha abwärts zieht oder an sonnigem -Sommertage mit dem Elbdampfer an Gauernitz und Scharfenberg -vorüberfährt. Zwei starke Gegensätze bieten sich hier seinem Auge. -Hoch oben auf schroffem Berge liegen die Mauern der altersgrauen -Feste Scharfenberg. Unten im Tale dagegen lugen die feingegliederten -Renaissancegiebel des Schlosses Gauernitz zwischen den Baumriesen des -Parkes hervor. Jedes kriegerischen Schutzes bar liegt das anmutige -Schloß frei inmitten grüner Matten, dicht am Ufer des Elbstromes als -ein Bild des Friedens. Es zeigt in seiner architektonischen Schönheit -gar deutlich, daß es in einer späteren Zeit entstanden ist, die nichts -mehr von den kriegerischen Drangsalen alter Tage wußte, die einst den -trutzigen Nachbar auf steiler Bergeshöhe umbrausten. - -Auf uraltem Kulturland stehen Schloß und Dorf Gauernitz. In der -Umgebung aufgefundene vorgeschichtliche Überreste, so von einem in -Sachsen äußerst seltenen sorbischen Skelettgrab neben der Gauernitzer -Ziegelei, deuten darauf hin, daß die Landschaft spätestens in der -Sorbenzeit besiedelt wurde. Auch der Name der Siedlung selbst läßt -auf sorbische Gründung schließen. Er geht auf die Wurzel ~jawor~, -Ahorn, zurück und bezeichnet einen mit Ahornbäumen bestandenen Ort. -Die Gestalt des Namens ist im Laufe der Jahrhunderte manchem Wechsel -unterworfen gewesen. In Urkunden aus den Jahren 1312, 1348 und 1397 -lautet er in seinen ältesten Formen Jauernycze und Jauernyk, 1402 -Jauwirnicz, 1468 Yawirnicz, später Jevernitz und dann Gavertitz, -Gäwernitz oder Gävernitz; die letzte Form blieb bis in die Mitte des -vorigen Jahrhunderts erhalten und ist heute noch auf manchen Karten -neben dem jetzigen Namen verzeichnet. - -Alte Berichte nehmen an, daß das Schloß Gauernitz an der Stelle einer -alten Sorbenburg stehe. Diese Vermutung ist jedoch urkundlich nicht zu -belegen. Möglich ist es aber immerhin, daß nach der Rückeroberung des -Landes die Germanen an dieser Stelle einen festen Waffenplatz, einen -Vorläufer des heutigen Schlosses, angelegt haben. Diese Vermutung -gewinnt dadurch noch an Wahrscheinlichkeit, daß Gauernitz an der Grenze -der alten Gaue Nisani und Daleminza liegt, deren Grenze sich im Tale -der Wilden Sau entlang zog, eines Baches, der bei Gauernitz in die -Elbe mündet. Die älteste urkundliche Nachricht über Gauernitz stammt -aus dem Jahre 1312. 1360 war es Meißner Burggrafenlehn; als damalige -Lehensträger werden die Brüder Nikolaus Wyrand und Michael Ziegler -genannt. Bis zum Jahre 1595 blieb Gauernitz, wenn auch mit kurzen -Unterbrechungen, im Eigentum dieser Familie. - -Die Ziegler stammten aus dem Goslarer Gau im Harz. Die Kunde vom -Aufblühen des sächsischen Silberbergbaues hatte sie, gleich vielen -andern Harzer Bergleuten, in unsere Heimat gelockt. Durch glückliche -Funde im nahen Scharfenberger und im Freiberger Bergrevier zu Reichtum -gekommen, waren sie bald im Besitze ansehnlicher Güter. Hochangesehene -und fromme Männer sind aus diesem alten Geschlechte, das heute noch in -der sächsischen Lausitz blüht, hervorgegangen. Den Herren von Ziegler -verdankt die Herrschaft Gauernitz ihre Entwickelung und Größe. Sie -erwarben im 14. Jahrhundert u. a. Dorf und Vorwerk Constappel, welche -früher zum Teil in das bischöfliche Gericht Briesnitz und zum Teil in -das Dresdener Amt gehörten. Durch weitere Zukäufe vergrößerte sich -der Besitz, so daß schließlich zu dem altschriftsässigen Rittergute -erbgerichtlich die Dörfer Constappel, Pinkowitz und Kleinschönberg, -sowie Teile von Pretzsch, Leuben und Weitzschen gehörten. Wygand, ein -Sohn Wyrands von Ziegler, war zugleich Besitzer von Pillnitz. - -[Illustration: Abb. 1 =Schloß Gauernitz= - -(Aufnahme von _Otto Ehrhardt_, Coswig)] - -Im Jahre 1397 wurde zu Aller Seelen Ruhe eine Frühmesse in der dem -heiligen Nikolaus geweihten Wallfahrtskirche zu Constappel gestiftet -und von den »frumben Herren gesessen zu Gävernitz« konfirmiert. Wygand -starb 1459 zu Gauernitz, wo sein Bruder bereits 1436 verstorben war. -Beide ruhen in Constappel, wohin sie zu Ehren der Himmelskönigin viele -Stiftungen gemacht hatten. Die Pfarrgründe wurden erweitert, »da sie -gar viel auf die Pfaffen hielten«, wie der Chronist berichtet. An der -Kirche zu Constappel sind noch die Grabplatten von Gliedern des alten -Geschlechtes erhalten. Im Jahre 1517 verstarb Christoph von Ziegler, -der ein besonderer Freund Georgs des Bärtigen und dessen Amtmann zu -Meißen war. Ein Epitaphium aus Messing im Dom zu Meißen erinnert noch -an diesen Mann. Er war der letzte katholische Besitzer von Gauernitz; -seine Söhne schlossen sich der lutherischen Lehre an. Fast will es -scheinen, als ob damit das Glück aus der Familie gewichen wäre; -Christophs Enkel schon konnte das stark verschuldete Erbe nicht mehr -halten und war gezwungen, es 1595 an Kaspar von Pflugk aus dem Hause -Zabeltitz zu veräußern. - -[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Gauernitzer Insel= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Bis 1648 gehörte Gauernitz den neuen Besitzern; in diesem Jahre brachte -es Sophie von Zabeltitz dem Heinrich Gerhardt von Miltitz in die -Ehe. Bei der Vermählung der Enkelin Johanna Magdalene war es wieder -Heiratsgut und kam dadurch in die Familie der Grafen von Zinzendorf; -der erste Besitzer war der sächsische Generalfeldzeugmeister Otto -Christian Graf und Herr zu Zinzendorf auf Pottendorf, der 1718 starb. - -Die Zinzendorfe haben außerordentlich viel für die Verschönerung und -Verbesserung ihres prächtigen Herrensitzes Gauernitz getan. Noch ist -die Schloßkapelle vorhanden, welche ihre Gründung einer Frühmesse -derer von Ziegler zu danken hat. Sie war ursprünglich dem heiligen -Andreas geweiht, wurde mehrmals ein Raub der Flammen und enthielt zur -Zeit der Zinzendorfe einen Betsaal der Herrnhuter; wie bekannt, war -ein Glied des jetzt erloschenen Stammes der Gründer der Herrnhuter -Brüdergemeinde. Bedauerlich ist freilich, daß die Schloßkapelle heute -sehr weltlichen Zwecken dient; ihr unterer Teil enthält den Marstall, -das Obergeschoß beherbergt Speicher- und Vorratsräume. - -Der Bergbau, der den früheren Besitzern zu Reichtum verholfen -hatte, wurde auch von den Zinzendorfen eifrig gefördert, liegt doch -ein Teil der Scharfenberger Erzgänge auf Gauernitzer Land. In der -Nähe der Gauernitzer Ziegelei wurde der »Jung Zinzendorfer Stolln« -befahren. Auch der östlich davon nach der Elbe zu gelegene »Grüne -Tannebaum-Stolln« scheint von den Zinzendorfen betrieben worden zu sein. - -[Illustration: Abb. 3 =Auf der Gauernitzer Insel= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Der heute noch vorhandene sehenswerte und wohlgepflegte Schloßpark -ist um diese Zeit gegründet worden. Zu einer Berühmtheit brachten -es aber zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts die Zinzendorfschen -Obstkulturen, die Orangerie und die Lust- und Blumengärten, welche das -Schloß umgaben. Die zeitgenössischen Berichte sind des Lobes voll über -die Wunder, die es damals in Gauernitz zu sehen gab. Im Jahre 1717 -wurden 260 verschiedene Obstsorten angebaut, und 1724 gab es in dem -reichen Blumenflor allein 204 Nelkenarten. Wasserkünste, Gewächshäuser -und Wintergärten im Geschmacke damaliger Zeit schlossen den Kreis der -Gauernitzer Sehenswürdigkeiten. - -Die Zinzendorfe pflegten aber nicht nur den Schloßpark, sondern -ließen auch der idyllischen _Gauernitzer Insel_ ihre besondere Obhut -angedeihen. Sie hatte einst eine Länge von 1245 und eine Breite von 231 -Ellen; ihre heutige Fläche beträgt 6,5 Hektar. In der Nähe flußabwärts -befanden sich früher zwei heute nicht mehr vorhandene Heger von 995 -und 430 Ellen Länge. Die Insel wurde parkartig mit Laubholz bepflanzt -und mit Gartenanlagen versehen, die leider oftmals das Hochwasser -zerstörte, wie alte Nachrichten überliefern. Von der Inselmitte aus -führten strahlenförmig sieben mit Linden bepflanzte Wege nach dem -Gestade, und zwar so, daß man durch sie von der Mitte der Insel aus -einen freien Durchblick auf sechs Kirchtürme und Schlösser in der -Umgebung hatte (Schloß Gauernitz, Schloß Scharfenberg, Kirchturm von -Brockwitz, Kirchturm von Weinböhla, Turm der alten Coswiger Kirche, -Wackerbarths Ruhe). Heute sind einige Durchblicke durch Häuser verbaut, -die Lindenalleen aber zum Teil noch erhalten. In der Mitte der Insel -steht eine steinerne, mit zierlicher Bildhauerarbeit (Schlange und -Blumengewinde) geschmückte Säule, die folgende Inschrift trägt: -»Friedrich August Graf von Zinzendorf und Pottendorf seiner Gemahlin -Luise Sophie Johanne, des Grafen Otto Rubmann Friedrich von Bylanck -Tochter, geb. d. 9. Oktober 1754«. Die Säule war früher von steinernen -Bänken umgeben, die im letzten Jahre -- ein trauriges Zeichen unseres -sittlichen Tiefstandes! -- von Rohlingen zerstört und vernichtet worden -sind. - -[Illustration: Abb. 4 =Auf der Gauernitzer Insel (Säule und -Lindenallee)= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Auf der Insel wurden einst Fasanen gehegt, auch viele wilde Kaninchen -wurden angetroffen, weshalb man das »Elbeiland« um die Mitte -des vorigen Jahrhunderts auch die »Kaninchen-Insel« nannte. Die -Überflutungsgefahr scheint also doch nicht so groß gewesen zu sein, -wie die Überlieferung behauptet, da sich die Tiere sonst nicht hätten -halten können. - -[Illustration: Abb. 5 =Auf der Gauernitzer Insel (Gestade am linken -Elbarm)= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Die Glanzzeit der Insel ging in den achtziger Jahren des vorigen -Jahrhunderts zu Ende. Von einer Insel kann heute eigentlich nur noch -bei höherem Wasserstande gesprochen werden. Dadurch, daß der rechte -Elbarm durch einen bei Niedrigwasser begehbaren Steindamm verbaut ist, -wird die Insel die größte Zeit im Jahre zur Halbinsel. Der rechte -Elbarm ist eine tote Wasseransammlung geworden, die der zunehmenden -Versandung und Verlandung preisgegeben ist. Die entstandenen -Wasserlachen sind heute leider berüchtigte Mückenbrutherde. Durch -das Zusammendrängen der Wasserfluten in den linken Elbarm ist die -Überschwemmungsgefahr für die Insel außerordentlich groß geworden. -Durch diese Stromberichtigungen hat also die Insel sehr gelitten, sie -ist nicht mehr das reizende Idyll von ehedem, wo eine Landung und -ein Aufenthalt auf ihr einer kleinen Robinsonade gleichkam. Leicht -zugängig, ist sie heute gar oft ein Tummelplatz von Rohlingen und -Holzdieben. - -[Illustration: Abb. 6 =Verlandeter rechter Elbarm, von der Insel aus -gesehen= - -(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)] - -Trotz der teilweisen Zerstörung ihrer ursprünglichen landschaftlichen -Eigenart ist die Gauernitzer Elbinsel heute noch eine Perle unter -den Naturschönheiten unserer Heimat, deren dauernde Erhaltung vom -Standpunkte des Natur- und Heimatschutzes aus dringend erwünscht ist. -Wem wäre noch nicht das Herz aufgegangen vor Freude über die Schönheit -der Heimat, wenn er von einer Bergeshöhe in der Umgebung das malerische -Schattenbild der baumbestandenen Insel im Abendsonnengold oder im -Vollmondschein vom blinkenden Elbstrom sich abheben sah?! - -Auch in wissenschaftlicher Hinsicht ist die Insel heute noch wertvoll. -»Der Botaniker und Pflanzengeograph findet in ihrem Baum- und -Strauchbestand sowie in der damit verbundenen Bodenflora Reste des -ehemaligen Auenwaldes, der in der Vorzeit das ganze Elbtal bedeckte, -heute aber nur noch an ganz wenigen Stellen vorhanden ist. Ein solcher -Ort ist die Gauernitzer Insel; sie zeigt trotz aller menschlichen -Eingriffe den alten Elbauenwald in großer Ursprünglichkeit und wird -dadurch zu einem botanischen Naturdenkmal ersten Ranges.« (Prof. ~Dr.~ -Schorler.) - -Die Insel ist weiter der Wohnplatz einer reichen Vogelwelt, die in den -Frühlingstagen ihre Jubelstimmen von den hohen Baumriesen erschallen -läßt und in den alten hohlen Bäumen noch ungestört ihre Brut hegen -kann. Noch haben die Vögel eine Freistatt auf dem von Möwen umgaukelten -Elbeiland. - -Der Freund unserer schönen Heimat wird es deshalb dankbar begrüßen, -daß durch die Bemühungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz -und durch das Entgegenkommen der Vertretung des jetzigen Besitzers -der Herrschaft Gauernitz eine Vereinbarung zustande gekommen ist, -nach der die ursprüngliche Eigenart der Insel, vor allem auch ihr -landschaftliches Bild erhalten bleiben soll, trotzdem sich eine -forstliche Nutzung des Inselwaldes erforderlich macht. Es ist ein -hoher idealer Wert, der hier geschützt und geschont wird. Mögen auch -materielle Opfer damit verbunden sein, der Besitzer ehrt sich selbst -durch die Erhaltung dieses eigenartigen Naturdenkmals. Künftige -Geschlechter werden ihm dankbar dafür sein, daß er die Ideale noch -hochgehalten hat in unserer schweren Zeit, die uns so vieles raubte. - -Weit vorgegriffen haben wir der Zeit in unserem Bericht über die -Herrschaft Gauernitz. Bis 1804 blieb sie in den Händen der Zinzendorfe: -in diesem Jahre ging sie mit allem Zubehör an den Oberforstmeister -von Hopfgarten über. Nach seinem Tode geriet die Besitzung mit einer -Schätzung auf 193458 Taler 4⁵/₆ Groschen in Konkurs und wurde im -Jahre 1819 vom Fürsten Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg für -110000 Taler erworben. Damit ging ein neuer Glücksstern auf für unser -Gauernitz. Fast dreißig Jahre lang blieb freilich das Schloß noch -unbewohnt. Erst als die Revolutionäre im Jahre 1848 das Residenzschloß -in Waldenburg eingeäschert hatten, erwählte der Fürst Gauernitz zu -seinem Sommeraufenthalte. Nach dem Tode des Fürsten Otto Viktor im -Jahre 1859 kam das Besitztum als Quadrogenitur des Fürstlichen Hauses -Schönburg-Waldenburg an dessen jüngsten Sohn den Prinzen Karl Ernst, -der seinen dauernden Wohnsitz in Gauernitz nahm und das Schloß in -kunstsinniger Weise umgestaltete. Prinz Karl Ernst starb im Jahre -1915; der Besitznachfolger wurde der Enkel des Verstorbenen Prinz Karl -Leopold. - -Halten wir noch einen Umblick im Schlosse selbst und in seiner nächsten -Umgebung. Das umfangreiche Schloß gliedert sich in einen Mittelbau, der -mit zwei Flügelbauten, dem Hohen Bau und dem Regentenhaus, den an den -Park anschließenden Ehrenhof auf drei Seiten umgibt. Der Regentenflügel -trägt einen Turm, der hohe Bau zeigt einen feingegliederten -Renaissancegiebel. Der geräumige Wirtschaftshof wird durch das -Schloßgebäude, durch Torbauten mit überbauter Einfahrt und durch die -Wirtschaftsgebäude begrenzt. Unter den letzteren ist besonders die -bereits erwähnte ehemalige Schloßkapelle bemerkenswert. Der Hohe -Bau wird nach dem Park zu durch eine Säulenhalle abgeschlossen. Im -Untergeschoß dieses Schloßteils sind noch Reste der ursprünglichen -Bauanlage erhalten: zwei gotische Torbogen, die einst ins Freie -führten, heute aber in die Innenräume einbezogen sind. - -[Illustration: Abb. 7 =Neudeckmühle im Tale der Wilden Sau hinter -Gauernitz= - -(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)] - -Der ursprüngliche Schloßbau wurde von den Herren von Ziegler und den -Grafen von Zinzendorf angelegt. In den Jahren 1862 bis 1866 unternahm -Prinz Karl Ernst von Schönburg eine umfassende Erweiterung und -Verschönerung des Schlosses; namentlich stammt die äußere Ausgestaltung -in deutscher Renaissance aus dieser Zeit. In der Anlage und Ausstattung -der Innenräume zeigt sich der vornehme Geschmack des prinzlichen -Erbauers, der selbst ein feinsinniger Künstler war. Die prächtigen -Festsäle, die in wundervollem Einklang abgestimmten Bibliotheksräume -usw. entzücken das Auge des Besuchers. Erwähnenswert sind auch die -Ahnengalerie der Zinzendorfe, die vom Prinzen Ernst in pietätvoller -Weise angelegt wurde, sowie die Gemälde, die auf die Familie der -jetzigen Besitzer Bezug haben. - -Was aber den Schloßräumen besondere Schönheit und einen -unvergleichlichen Reiz verleiht, das sind die Ausblicke auf den -herrlichen Park, der das Schloß umgibt: ein Park deutscher Eigenart -in meisterhafter Anlage. Baumriesen der verschiedensten einheimischen -und fremden Arten, herrliche Durchblicke, trauliche Plätzchen, die -einen bezaubernden Rundblick bieten hinaus in das Land, wechseln ab -mit grünen Matten, blühenden Hecken und einem mit Reben überkleideten -Laubengang, der im heißen Sommer eine köstliche Wandelbahn bietet. - - - - -Frühlingsboten - -Von ~Dr.~ _H. Beil_, Pirna - - -[Illustration: Abb. 1 =Märzenbecher= (~Leucojum vernum~) (Phot. _J. -Ostermaier_, Blasewitz)] - -Der Frühling naht! Die wärmenden Strahlen der Februarsonne sind -zunächst das Einzige, was uns sein Kommen verkündet. Noch steht -Baum und Strauch im kahlen Winterkleide. In den Dorfgärten an der -Sonnenseite der kleinen Häuschen müssen wir seine ersten Boten, -die Schneeglöckchen, suchen, die Weiden rüsten sich und legen ihren -goldenen Frühlingsschmuck an. Aber gerade die ersten Boten des -Frühlings, die wir Menschen alle Jahre wieder mit Ungeduld erwarten, -haben wir so lange recht unfreundlich empfangen. Körbeweise wurden -sie abgerissen, um, schon halb verwelkt, auf den Markt gebracht zu -werden. Weit von der Großstadt muß man heute schon wandern, wenn man -sich an wildwachsenden Frühlingsblumen erfreuen will, so weit, daß die -echten Großstadtmenschen sich wundern, wenn man ihnen erzählt, daß -diese Blumen, die sie nur als Gartenblumen kennen, auch auf freier -Wiese wachsen, in entlegenen Gegenden, von deren Schönheit die meisten -keine Ahnung haben, und es ist recht gut so, die Schönheit wäre sonst -bald vernichtet. Mit ein paar solchen Pflanzen, die fast ausgestorben -sind, sollen sich diese Zeilen befassen. Auf Wanderungen mit meiner -geliebten Kamera habe ich sie aufgesucht und im Bild festgehalten. Das -Schneeglöckchen (~Galanthus nivalis~) ist mir in Sachsen wild wachsend -nie begegnet. Dagegen kommt der Märzbecher (~Leucojum vernum~)[4] noch -in einigen Gegenden vor, trotz der Ausrottung durch unverständige -Menschen. Da es ein Zwiebelgewächs ist, so ist das Ausgraben mit -der Wurzel doppelt schädlich. Die Aufnahme stammt aus einem kleinen -Seitental des oberen Polenztales. Während noch vor etwa 15--20 Jahren -die Wiesen übersät gewesen sind mit Märzbechern, muß man jetzt schon -suchen, um kleine Bestände zu finden. Welch prächtiges Bild die Wiesen -früher geboten haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man die vom -Besitzer einer Mühle eingezäunte Wiese sieht, auf welcher das Pflücken -untersagt ist, und die ein Naturschutzgebiet im Kleinen darstellt. - - [4] Siehe Aufsatz: »Vom Märzenbecher«, Band IV, 1915, Seite 367. - -[Illustration: Abb. 2 =Leberblümchen= (~Hepatica triloba~) - -(Phot. _H. Beil_)] - -Wenig später als der Märzbecher blüht das blaue Leberblümchen. Vor -50 Jahren hat es zu den Pflanzen der Dresdner Umgebung gehört, die -überall verbreitet waren, im Saubachtal, Schonergrund soll es in Massen -gestanden haben. Heute wird man es dort vergeblich suchen. Wirklich -häufig findet es sich auf dem Rotstein bei Sohland am Rotstein, wo -es in dankenswerter Weise von der Rittergutsverwaltung geschützt -wird. In günstigen Jahren ist der Waldboden blau von der Menge der -Leberblümchen. Kleinere Bestände sind über die ganze Lausitz verstreut. - -[Illustration: Abb. 3 =Seidelbast= (~Daphne Mezereum~) - -(Phot. _H. Beil_)] - -Zu Märzbecher und Leberblümchen gehört als dritter im Bunde der -ersten Frühlingsboten der Seidelbast, dessen stark duftende, violette -Blüten stengellos aus dem dürren Holz herauswachsen. Auch ihn findet -man vereinzelt in der Lausitz, meist in dichtem Gestrüpp, in schönen -Beständen auch auf dem Rotstein. Auch im Vorland des Erzgebirges ist er -mir schon begegnet. -- - -Wenn ich mir vorstelle, welch herrliches Frühlingsbild es geben -müßte, die Wiese übersät mit Märzbechern, am Rande des Gehölzes die -Leberblümchen und der Seidelbast, so wird mir weh ums Herz. Könnte -es nicht auch heute noch so sein? Pflanzen, die niemandem ein Leid -getan haben, die nur wachsen, um uns zu erfreuen, vernichtet bis auf -spärliche Reste, deren Standort der Naturfreund sorgfältig geheim -hält. Wenn alle Menschen zusammenhalten, wenn alle die Heimat, die sie -zu lieben so oft versichern, auch tätig schützen, dann muß es wieder -besser werden, dann muß der Verödung unseres Sachsenlandes Einhalt zu -tun sein. - - - - -Über das Vorkommen der Biber in Sachsen - -Von ~Dr.~ _Koepert_, Dresden - - -Auf der X. Jahreskonferenz für Naturdenkmalpflege in Berlin berichtete -Museumsdirektor Professor ~Dr.~ Mertens, Magdeburg, von der -erfreulichen Zunahme der letzten deutschen Biberkolonie, die zurzeit -etwa zweihundert Stück zählt. Auf Grund des Studiums alter Akten im -Dresdner Hauptstaatsarchiv bin ich in der Lage, einiges über das -frühere Vorkommen im Kurfürstentum Sachsen, zu welchem bekanntlich -der größte Teil der preußischen Provinz Sachsen zählte, zu berichten. -Der Biber kam früher häufig in der Elbe vor und der Biberschwanz galt -von jeher als Delikatesse und bildete, besonders zur Fastenzeit, ein -begehrtes Gericht an der fürstlichen Tafel. So schrieb 1450 im März -Friedrich der Sanftmütige an den Schösser zu Wittenberg: »Wir begern -mit fließe, das Du uns ußrichtest vier lebende Lachse, darzu Byberzagel -(Biberschwänze), alsuil Du der gehaben kannst und das alles uff den -guten Fritag (Karfreitag) gein Missen schickest.« Mitte des achtzehnten -Jahrhunderts waren die Biber noch ziemlich häufig in Sachsen. Es war -ein besonderer Biber- und Otterfänger angestellt, der seinen Wohnsitz -in Hintergersdorf hatte. Er war für die Ämter Dresden, Grillenburg, -Freiberg, Frauenstein, Altenberg, Dippoldiswalde, Pirna, Stolpen, -Radeberg, Lausnitz, Moritzburg, Hayn, Meißen, Nossen, Hohnstein und -Lohmen bestellt. Diese Reviere hatte er jährlich im Frühjahr und Herbst -zu begehen und die darin befindlichen Fischottern, Biber, Marder und -andere kleinere Raubtiere zu fangen und die Bälge gegen Fanglohn an -die Jagdproviantverwaltung abzuliefern. Er erhielt für einen Biber 21 -Groschen. An Besoldung erhielt dieser Biber- und Otternfänger außerdem -22 Taler 18 Groschen nebst 6 Scheffel Korn und 10 Scheffel Hafer -»vor sich und seine Hunde aus unserm Amt Grillenburg von Quartalen -zu Quartalen«. Im Jahre 1764 hatte der kurfürstliche Administrator -Prinz Xaver die Einziehung der Stellen der Biber- und Otterfänger -beschlossen. Hiergegen macht Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorff in -einem Schreiben an den Landjägermeister von Herdegen seine Bedenken -geltend: »Wasmaßen Ihro der Chur-Sachsen Administratoris Prinzen -Xaveri, Kgl. Hoh., vermittelst des unterm 14. April a. c. an mich -erlassenen höchsten Special-Resoripts, die Einziehung aller Biber- und -Fischotter-Stellen, und dagegen die Wegfangung der Biber und Fischotter -durch die Revier-Forstbediente, gegen Reichung derer geordneten -Jäger-Rechte, gnädigst resolviert und anbefohlen, solches ist Meinem -hochgeehrtesten Landjägermeister bereits bekannt. Ob ich nur zwar um -dahero, weil der Entzweck durch die Revier-Forstbediente, welche mit -deren anvertrauten Holz- und Jagdrevieren genug zu tun haben, und -diese, wenn sie an denen Wässern sich aufhalten und denen Raubtieren -nachtrachten sollen, notwendig vernachlässigen und viele dem höchsten -Interesse nachteilige Folgerungen daraus erwachsen müssen, höchsten -Orts unterthänigste Vorstellung getan und Resolution annoch erwarte; -So wolle dieselbe jedennoch, damit besonders denen Fischottern aller -möglicher Abbruch getan werde, solchen nicht nur selbst nachzutrachten, -sondern auch genante untergebene Forst-Jagdbediente dessen, und daß -sie die Biber und Fischotter auszumachen und besonders die letztere -durch Schießen und Fangen möglichst zu tilgen sich alle Mühe geben, -dargegen Einlieferung derer Bälge die gnädigst geordnete Auslösung -oder Jägerrecht an 21 gr. vor 1 Biber und 21 gr. vor 1 Fischotter aus -der Jagdkasse erhalten, hiernächst den Bibern zwar ebenfalls möglichst -nachtrachten und solche auszumachen suchen, jedoch aber diese nicht -anders als auf besondre Verordnung, maßen selbige zur Versorgung -ihrer höchsten Herrschaftstafel gehörig, schießen oder fangen, und -dahero sobald einer oder der andre einen Biber ausgemacht, solches zur -Wildmeisterei rapportieren und fernerer Verordnung erwarten solle, zu -bedeuten, übrigens aber, wenn dergleichen Biberbaue, und besonders -diejenigen, welche den Dämmen und Wassergebäuden nachteilig von den -Forstbedienten angezeiget werden, desfalls alsbald Bericht an mich -zu erstatten, daferner aber einer etwa während nächst bevorstehender -1765ster Fastenzeit ausgemacht werde, solche frisch und gut zum -Provianthause anhero einzuliefern belieben, da ich dann wegen dessen -Einlieferung zur höchsten Tafelversorgung fernerer Verfügung zu treffen -unvergessen bin; ich aber verharre als usw. Graf Wolffersdorff.« Ein -schönes Beispiel für den damaligen schwulstigen Kurialstil! - -Ein weiteres Schreiben vom Dezember 1771 des Oberhofjägermeister Grafen -Wolffersdorf beweist, daß die Schädlichkeit der Biber noch nicht -abgenommen hatte, daß im Gegenteil an den Elbdämmen von ihnen großer -Schaden angerichtet wurde. Er fordert daher zu weiterer Vertilgung auf: -»Nachdem sich bei der unlängst erfolgten Lokalbesichtigung der Elbdamm- -und Uferbaue ergeben, wie an denen Dämmen besonders durch die vielen -Einbaue der Biber großer Schaden geschieht, und dadurch zum Teil die -wichtigsten Damm-Baue dergestalt mitgenommen werden, daß hernach bei -eintretendem großen Gewässer solche dem Strom Widerstand zu leisten -außer Stande wären. Und dann Ihro Churf. Durchl. gnädigst anbefohlen, -da diesem Uebel zu steuern die Notdurft um so mehr erfordere, je -wichtigere Rücksicht auf Unterhaltung der mit so beträchtlichem Aufwand -zu errichtende Dämme und Wasser-Gebäude zu nehmen sein wolle, daß -zumalen Höchstdieselben vorgetzt wegen des Damm- und Uferbauwesens -in dero Landen eine gewisse Einrichtung zu treffen gemeinet, die -Biber überall wo solche Schaden verursachen könnten, soviel nur immer -möglich vertilget werden sollen; also wollen meine hochgeehrte Herren -in Conformität dieses Höchsten Befehlnisses an gesamte untergebene -Jagd- und Forstbediente die ernstlichste und gemessenste Verordnung zu -thun belieben, daß solche denen Bibern besten und möglichsten Fleißes -nachtrachten und soviel nur immer thunlich an Orten, wo sie besonders -Schaden thun, zu vertilgen suchen, auch wo sich solche spüren und -bemerken lassen, im Revier ein Nachbar dem andern Nachricht geben -sollen. Ich aber beharre usw. Graf Wolffersdorf.« - -Döbel in seiner »Jägerpraktika« bemerkt mit Bezug auf den Biber, -nachdem er einige Fangmethoden besprochen hat: »Dieses sei nun genug -von Fangung dieses Amphibii.« Der Umstand, daß der Biberschwanz mit -Schuppen bedeckt ist, verursachte damals die unsichere Stellung des -Bibers im zoologischen System. Der Biberschwanz wurde infolgedessen -mit Fischfleisch auf eine Stufe gestellt und konnte in der Fastenzeit -gegessen werden. Über die Zubereitung dieser Delikatesse schrieb v. -Fleming[5] folgendes: Schneide den Biberschwanz als _wie einen Karpfen_ -in Stücke, setze Wasser aufs Feuer, damit es siede, schüttet auch Salz -hinein, aber nicht soviel als wie bei einem Karpfen. Werfet auch unter -dem Sieden ein Stückchen Butter dazu, maßen dieser Biberschwanz nicht -so weich ist als andre Fische (!). Es ist auch dieser Handgriff der -wahre Vorteil alle harten Fische weich zu machen. Ist nun der Schwanz -gesotten, so seihet das Wasser rein ab, thut ihn in ein castrol, gießet -ein wenig Brühe, Wein und Essig dazu und lasset es kochen, schüttet -auch Pfeffer, Ingwer, geriebene Semmel, Citronen-Schale, Butter, Safran -und Zucker hinein, und lasset alles wohl durch einander kochen. Setzet -gedachten Biberschwanz hernach auf ein Feuer, damit er ganz allmählich -koche. - - [5] Der vollkommene teutsche Jäger. Leipzig 1719. - - - - -Frau Lina Hähnle, - - -die Begründerin und erste Vorsitzende des _Bundes für Vogelschutz_, -dessen Mitglieder über alle Gaue Deutschlands und weit über dessen -Grenzen hinaus verbreitet sind, feierte am 3. Februar ihren 70. -Geburtstag. Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir aus Anlaß -dieses Festes der verdienstvollen, in allen Naturschutzkreisen -wohlbekannten Frau ein paar Zeilen widmen. - -Frau Hähnle entstammt, wie schon der Name andeutet -- sie ist auch -eine geborene Hähnle -- einer alteingesessenen Schwabenfamilie. Der -Vater, Salinenbeamter, anfangs in Schwenningen, später in Sulz, -Rottmünster und Hall, verstand es, schon in dem Kinde die Liebe zu -der belebten Natur dieser anmutigen ländlichen Gegenden zu wecken -und ihm die gediegenen Kenntnisse zu vermitteln, auf die sich später -die Ausübung des Naturschutzes gründen konnte. Mit neunzehn Jahren -heiratete Lina Hähnle ihren Vetter Hans Hähnle, dessen rastlosem Fleiß -es gelang, seine Fabrik in Giengen a. d. Brenz aus kleinen Anfängen -zur Weltfirma zu heben. Sechs Kinder sind der Ehe entsprossen. Wie -Frau Hähnle diesen eine treusorgende Mutter war, wie sie das ganze -große Haus, in dem zahlreiche Gäste allezeit ein- und ausgingen, -tatkräftig leitete, in Küche und Keller waltete, im Viehstalle und -auf ihrem geliebten Geflügelhofe selbst Hand ans Werk legte, kann -hier nicht näher geschildert werden. Noch im Frühjahr 1918, als die -»Leutenot« am größten war, hat die 67jährige Frau mit eigener Hand -stundenlang das Gespann mit der Egge über die Saat geführt, gewiß ein -Beweis ihrer eisernen Willenskraft und unversiegbaren Arbeitsfreude. -Ohne diese Eigenschaften hätte sie ihr besonderes Werk, dem sie sich -erst zuwandte, als sie bereits auf der Höhe des Lebens stand, nicht -durchführen können. - -Sie gründete im Jahre 1899 den »Bund für Vogelschutz«. Schon wenige -Tage, nachdem ihr Aufruf erschienen war, hatten sich tausend Freunde -der Vogelwelt um sie geschart, und dieses Häuflein wuchs von Jahr -zu Jahr. In allen Kreisen fanden die Bestrebungen des Bundes Eingang -und freudige, ja begeisterte Zustimmung. Heute gehören rund 42000 -Mitglieder dem Bunde an, sie verteilen sich auf etwa 500 Ortsgruppen. -Wie wuchsen mit dieser Zahl die Arbeiten und Aufgaben! Wir erinnern -nur an die vielen Flugblätter, die von Stuttgart aus in die Welt -flatterten, an die zahlreichen Vortragsreisen, die Frau Hähnle -persönlich unternahm -- auch unser Verein durfte sie am 22. Januar 1913 -in seiner Mitte begrüßen -- an die Fabrikation und den Versand von -Nisthöhlen, Futterhäuschen und dergleichen, an die vielen Eingaben, die -dem Vogelschutz auch bei den Behörden immer mehr Geltung zu schaffen -suchten, besonders aber an die Einrichtung von ungefähr sechzig -größeren und kleineren Vogelschutzgebieten, darunter die Erwerbungen -Hiddensee auf Rügen und die Mellumplatte vor der Wesermündung, wo -mehrere sehr seltene Vogelarten, z. B. die Brandseeschwalbe, der -Steinwälzer, der Säbelschnäbler vor dem Untergange bewahrt wurden. -Auch die Gründung des »Deutschen Vogelschutztages«, die Frau Hähnle im -Verein mit Professor ~Dr.~ Guenther in Freiburg in die Wege leitete, -ist ein besonderes Verdienst der zielbewußten Frau. Wie schon ihr -Mann, Kommerzienrat Hähnle, allen diesen Bestrebungen Teilnahme und -Verständnis entgegenbrachte und sie durch Gewährung reicher Mittel in -wahrhaft großzügiger Weise unterstützte, so ist auch ihr Sohn, Herr -Ingenieur Hermann Hähnle, gewissermaßen die rechte Hand der Mutter -geworden. Hervorragend sind dessen Aufnahmen von Tieren in freier -Natur; besonders versteht er es, mittels eines von ihm erfundenen -Fernapparates Laufbilder auf den Filmstreifen zu bringen, die in -ihrer Schönheit und Naturtreue einzig sind. Wem es vergönnt war, die -Laufbilder zu sehen, die Unterzeichneter an oben genanntem Tage in -unserm Verein vorführen und erläutern durfte, der wird sich noch heute -mit Vergnügen dieser wundervollen Aufnahmen erinnern. Es ist eine -Riesensammlung von Lichtbildern, die Herr Ingenieur Hähnle teils selbst -aufgenommen, teils von hervorragenden Naturphotographen erworben hat. -Wieviel Tausende von Naturfreunden, wieviel Tausende froher Kinder -haben diese Bilder entzückt und begeistert! - -Frau Hähnle hat sich aber keineswegs darauf beschränkt, nur die -Vogelwelt zu hegen und zu pflegen und seltene Vogelarten zu erhalten. -Dem ganzen Naturschutz bringt sie das wärmste Interesse entgegen. Schon -seit längerer Zeit hat der Bund ein größeres Banngebiet am Federsee -bei Buchau in Württemberg erworben und das stattliche Gewässer nach -jeder Hinsicht durchforscht, worüber eine eingehende Abhandlung des -Bundes Aufschluß gibt. Auch Aufnahmen in fremden Ländern hat Frau -Hähnle noch während des Weltkrieges ermöglicht, so prachtvolle Bilder -von Edelreihern in der Dobrudscha und von Wisenten in den Wäldern von -Bialowics, Urkunden von unersetzlichem Wert. - -Möge die seltene Frau, deren vielseitiger Arbeitskraft man die Siebzig -nicht anmerkt, noch manches Jahr in Rüstigkeit ihr Amt verwalten, der -deutschen Vogelwelt und damit der deutschen Heimat zum Segen, uns allen -aber, die sie kennen und verehren, zur Freude! Das ist der Wunsch von -vielen Tausenden. - - Martin Braeß. - - - - -Oberlehrer Bruno Lange, Strehla a. E. † - - -Ein wertvoller Freund und eifriger Arbeiter für den Heimatschutz -ist mit Bruno Lange dahingegangen. Gerade am Weihnachtsfeiertag hat -den noch nicht Sechzigjährigen die Stadt Strehla, in der er lange -Jahrzehnte als Lehrmeister für Jung und Alt erfolgreich gewirkt hat, -unter dem schönen, vollen Geläut ihrer Glocken zur Ruhe geleiten -müssen. Der lange, feierliche Zug der Leidtragenden -- Schüler -und Lehrerschaft, Vereine, Feuerwehr und Bürger aller Kreise -- -brachte dem Städtchen wohl noch einmal zum Bewußtsein, daß es einen -allbeliebten Bürger, eine Persönlichkeit von Wert, verloren hatte. -Den Trauerkränzen, die heute Langes Grabstätte bedecken, will der -Sächsische Heimatschutz einen Strauß aus Immergrün und Heimatblumen -beilegen, wie sie der Verblichene selbst am liebsten gesucht und -gepflückt hat. - -Bruno Lange war vom alten Schlage, fleißig und zuverlässig, bieder -und schlicht, vaterlandstreu und heimatlieb. Was der Arbeiter des -Heimatschutzes vor allen Dingen braucht: ein warmes treues Herz -und ein offenes suchendes Auge, damit war Lange wohlgerüstet. So -verstand er auch die bescheidenen Werte und Schönheiten der flachen -Landschaft zu finden und zu würdigen. Es trieb ihn, seine Freude am -schlichten Schönen mitzuteilen, sie seinen Schülern in mannigfaltigem -_Unterricht_, bei _Anleitung zur Handfertigkeit_, beim Spiel und auf -_Spaziergängen_ anzuerziehen und auf die Öffentlichkeit aufklärend und -anregend zugleich einzuwirken durch _öffentliche Bildvorträge_, durch -_Veröffentlichungen im Ortsblatte_ und durch _Anregungen in Vereinen_ -und _in der Stadtvertretung_. Eine Reihe guter _Ansichtskarten_ von -Strehla, die im Geschmack den bekannten Karten des Landesvereins -nahekommen, ist auf seine Veranlassung in den Ortshandel gebracht -worden. Alle solche Unternehmungen führte er durch in uneigennütziger -Liebe zum Heimatstädtchen, ohne persönliche und geldliche Opfer zu -scheuen. - -Langes Freude am Schönen, sein Interesse war nicht engbegrenzt -und einseitig auf das Heimatliche gerichtet -- er verstand seinen -Interessen- und Erfahrungskreis weit über das Durchschnittsmaß zu -erweitern und zu vertiefen durch _große Ferienreisen_ auch außerhalb -Deutschlands: nach Skandinavien, Finnland, Rußland, dem Balkan -(Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Serbien, -Rumänien, Bulgarien, Türkei, Konstantinopel), Nordafrika, nach Italien -und nach der Schweiz. Diese Reisen hat er als schlichter Wanderer -mit bescheidener Ausrüstung, aber mit um so köstlicherem Humor -durchgeführt. Was er alles dabei gesehen und erlebt, schrieb er in -mustergültiger Kurrentschrift nieder und hat wiederholt darüber an Hand -von Lichtbildern öffentlich berichtet -- die Kriegsjahre brachten ihm -dazu manchen Anknüpfungspunkt. - -Die Kenntnisse ferner und fremder Schönheiten konnten Bruno Langes -Liebe zur engen Heimat, seine Freude am Heimatschutz, nur vertiefen. -Es mag sein, daß seine fleißigen Arbeiten im Sinne des Heimatschutzes -mehr ein örtliches als ein weitergehendes Interesse gefunden haben --- möglich auch, daß Lange dieses letztere gar nicht gesucht hat. Es -befindet sich aber in seinem Nachlaß fein säuberlich geordnet ein -Stoß von _ausgearbeiteten Aufsätzen_, die eine weitere Würdigung wohl -verdienen. Abgesehen von seinen vielen _Reiseberichten_ und von einigen -_Arbeiten volkstümlichen_ und _vaterländischen Inhaltes_ fand ich die -Entwürfe zu _drei Werbevorträgen_ für den Heimatschutz und ferner -folgende _Reihe von ortskundlichen Aufsätzen_: - - Strehla a. d. Elbe. -- Aus Strehlas Vergangenheit. -- - Schloß Strehla. - Flurnamen von Strehla und Umgegend. - Was man sich vom Nixstein erzählt. - Hochfluten der Elbe im 18. und 19. Jahrhundert. - Der niedrigste Wasserstand der Elbe 1904. - Wo und wie der erste Schuß im 1866er Kriege fiel. - Die alte Heidenschanze bei Görzig. - Auf vulkanischem Boden (im Görziger Steinbruche). - Was uns die Leckwitzer Sandgrube erzählt. - Der Käferberg bei Zaußwitz. - Der Große Steinberg bei Clanzschwitz. - Geologische Streifzüge durch unsere Heimat. - Die Schlacht bei Mühlberg 1547. - -Dazu: - - Anleitungen zu Spaziergängen an der Elbe, in die Sandgruben, - auf den Käferberg, auf den Großen Steinberg, auf die - Liebschützer Höhe und auf die Weidaer Höhe beim Ganziger - Steinbruche. - -Mag auch vielleicht der Stoff der Aufsätze mitunter etwas schulmäßig -und trocken behandelt erscheinen, es steckt doch viel darin, was mehr -wert ist, als weiter im bloßen Familienbesitz oder vielleicht einmal -in einer Schul- oder Ortsbücherei vergraben zu bleiben. Es ist zu -hoffen, daß sich noch Gelegenheit findet, den oder jenen Aufsatz oder -Bruchstücke daraus in den Mitteilungen des Heimatschutzes eingehender -zu würdigen. - -Das letzte, was Bruno Lange wohl veröffentlicht hat, ist ein Büchlein -»_Strehla im Weltkriege_«. Der Großstädter lächle nicht über das -Thema. Strehla ist ein Städtchen von nur 3400 Einwohnern und hat eine -stattliche Zahl von Söhnen ins Feld geschickt, von denen nach Langes -Feststellungen 125 Mann gefallen sind; im ganzen hat Strehla mit acht -Nachbardörfern 159 Söhne verloren. Und wenn Langes Büchlein allein -diesen 159 Mann gewidmet wäre, dann wäre es schon wert, gewürdigt zu -werden und Nachahmung zu finden. Es sind aber in dem Heftchen eine -Reihe von Einzelheiten ernster und auch humoristischer Art enthalten, -deren Aufzeichnung für die Ortsgeschichte wertvoll ist. - -Den gefallenen Kriegern zu Ehren einen _Heldenhain_ auf dem Gelände -des alten Friedhofes zu schaffen, war eine von Langes Lieblingsideen; -leider hat die dafür geleistete Vorarbeit bisher zu keinem greifbaren -Ergebnis geführt. - -Bei allen solchen Bestrebungen, die Lange doch mit der Öffentlichkeit -in Berührung brachten, blieb er stets der Schlichte, Bescheidene; all -dies Schaffen atmet Heimattreue und Heimatliebe und Dankbarkeit für -das, was die Heimat gewährt. Nun ist es an der Heimat, ihm dankbar zu -bleiben für das, was er außerhalb der Lehrtätigkeit für ihre Würdigung -und zur Pflege der Ortskunde und des Heimatschutzes gearbeitet hat. - -Für die schöne Aufgabe, Heimat- und Ortskunde und Ortsgeschichte zu -pflegen, zu überliefern und das Interesse dafür wachzuhalten, ist, -vornehmlich in ländlichen Orten, neben dem Ortsgeistlichen kein -anderer besser geeignet wie der Ortslehrer, weil er alle Fäden, die -es zu verknüpfen gilt, am ehesten zu suchen und zu erfassen vermag. -Möchte die Lehrerschaft nicht müde werden, sich diesen wertvollen und -dankbaren Aufgaben zu widmen. - - _Arndt Ludwig._ - - - - -»Gäste« - -Ein Intermezzo von _E. Finck_, Annaberg - - -In unserem Bergstädtlein Geyer, das durch seine sonnigen Bilder den -Naturfreund zu sich lud, ist es im Erzgebirgsverein seit seinem -ersten Vergnügen im Jahre 1907 zur Überlieferung geworden, daß dieses -eine Saalvergnügen im Jahre einen Höhepunkt bedeute. Im Sinne der -Bestrebungen des Heimatschutzes haben wir uns immer angelegen sein -lassen, durch die Idee des Festes, den Inhalt der Einladungen und -die Darbietungen des Abends echt heimatlich bodenständig zu bleiben. -Die Idee durfte nur erzgebirgisches Leben, einheimische Sitten und -Gebräuche zu ihrer Grundlage haben. Wir erreichten dies durch die -»Schinnelbacher Kirmes«, »Eigeschneit in der böhmschen Mühle«, -»Sommerausflug nach dem Fichtelberg«, »Wintersportfest«, »Rockenabend« -und anderes. Auf die Idee und die Absicht der Veranstalter wies immer -die »Eiloding« hin, die überhaupt den Auftakt zum Vergnügen fürs -Städtlein bedeutet. Und die Darbietungen im Einzelvortrag zur Laute -und im Chor umrahmten einen der derb-humoristischen Einakter oder -einen dem Feste entsprechenden Reigen unserer Damen. Nebenher gingen -Verlosungen und Glücksradserien, zu denen uns die »Volkskundliche -Bude« des Landesvereins wertvolle Anregungen und Jahr für Jahr die -wohlgelungenen Auswahlsendungen bot. Wir können immer nicht genug -Nieten schaffen, so begehrt sind Lose und Gewinne! - -Die Dezembertage des Vorjahres brachten uns nun die Einweihung unseres -neuen Rathauses und somit die Idee unseres ersten Vergnügens im neuen -Saale: »Alt-Geyer in neie Rathaus«. - -»Mr hobn uns nu gedacht, wos de altn Geyerschen fir Aagn machn tätn, -wenn die itze noch emol of dr Walt käme, wenn die ’s neie Rathaus un ’s -Staadtle sahe tätn, un weil mr alle ’s Maul un de Nos ewing aufsperrn -warn, denkn mr uns alle in dar Roll dr altn Geyerschen nei un feiern -unner Fast: ›_Alt-Geyer in neie Rathaus_‹« sagte die »Eiloding«. - -Und wie hatten sich alle in ihre Rollen hineingedacht. Allen Anregungen -der Veranstalter war man bereitwilligst nachgekommen. Über Empire- -und Biedermeierzeit, zur Urgroßmutter- und Großmutterzeit war so -manches Belegstück vergangener Mode ans Tageslicht gezogen worden. -Typische Handelsleute des Obererzgebirges, Bergleute, Bergherren, -Postillion und Vertreter der klassischen Zeit -- alle hatten den Ruf -vernommen, so daß die, welche die Gegenwart in nüchterner Ballkleidung -verkörperten, in der Minderheit blieben. Fast eine Stunde dauerte der -Eintritt immer neuer Typen, bis endlich auch die »Tante aus Drebach« -mit gestickter Reisetasche, Mantille und vorsintflutlichem Regenschirm -sich eingefunden hatte, und eine Sänger-Knappschaft durch frischen -»Glückauf«-Gesang und geschickt geführten Aufmarsch den ersten Teil des -Abends beendete. - -Jetzt kam die Jugend zu ihrem Rechte und tanzte nach alten schönen -längst verklungenen Weisen die Tänze unserer Väter und der eigenen -Jugend, wie schwer es manchem der heutigen Jugend auch gefallen -sein mag, um den die Mitte des Saales einnehmenden Kachelofen mit -Ofenbänken, der nun auch dieses Fest mit erleben durfte. - -Unterdessen bereitete sich im Stillen der Höhepunkt des Abends vor. Die -»Eiloding« verkündete - - »Mr kenne Eich aa verrotn, doß dr alte _Lotter_ ’s neie Rathaus - asahe will mit seiner Fraa, die doch aa e geburne Geyersche - is, vun alten Bauer -- Gott hobne salig -- de Ältste. Un dr - _Evans_ will kumme, dr Stülpner-Karl is aa in dr Näh, un de - altn Geyerschen Stadtrichter, dr _Blüher_ un dr _Blumenhöfer_, - hom aa schie zugesaht.« - -Ein paar einführende Worte des Vorstehers, darauf Lautenklang und -Gesang der Hauskapelle, und nun als Mißklang an der Saaltür laute -Stimmen, Wortwechsel eines, der ohne Festkarte Zutritt haben will, -mit dem Wächter, der doch endlich sich zu beruhigen scheint und mit -lauter Stimme und Kuhglocke den Vorstand ruft. So beginnt die feine -wohldurchdachte Arbeit unseres Führers in volkskundlichen Dingen im -Obererzgebirge, des Leiters des Erzgebirgs- und Altertumsmuseums in -Annaberg, des Herrn Oberlehrer _E. Finck_. »Gäste« nennt er sie, »ein -Intermezzo, das mitten in die Geyersche Gesellschaft hineingreift.« - -Die ob der Störung entrüsteten Bürger und Frauen weisen den lärmenden -Wächter zur Ruhe. Das ruft den Vorstand auf den Plan. Es entspinnt -sich eine regelrechte Verhandlung, in die die Frau Vorsteher, der -Kassierer und der Schriftführer, ihre Rechte wahrend, eingreifen. Das -erlösende Wort findet der Vorsteher, indem er den draußen Harrenden -hereinholen läßt und in ihm Karl Stülpner erkennt. Ihm legt nach -der Begrüßung der Verfasser Worte in den Mund, die gerade deshalb, -weil sie Stülpner spricht, so überaus ergreifend und wirkungsvoll -sich gestalten. Er geißelt die jetzige Zeit mit ihren Irrungen und -Wirrungen und leitet so über zu den Vorgängen, die sich nun auf der -Bühne abspielen. Im selben Gespräch über die Zeitläufte sind Pfarrer -Blüher, der Geschichtsschreiber Geyers, und Evan Evans, der »Vater -der sächsischen Baumwollspinnerei«, eingetreten und werden vom -Vorsteher mit dem Hinweis auf den Segen, der ihrer Tätigkeit entsproß, -eingeführt. Eine mit Bezug auf den Ortsnamen von Stülpner wegen des -teuren und schlechten Tabaks angewandte wegwerfende Redensart ruft die -darob entrüstete Frau Vorsteher und den Schriftführer auf den Plan, der -bewußt seiner Würde das »I« und »Y« im Ortsnamen nicht zu verwechseln -bittet. - -Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz -Blumenhöfer mit dem einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen, -dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber bei ernstem -Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch -der Vorsteher belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt: - - »Was hat damals durch den einen Toren - unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,« - -durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die -Namen der Exulanten verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen -Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die Hände der Kaiserlichen -fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für -den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich -beigelegt wird und zur Entschuldigung und stummen Verzeihung führt. - -Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau -Käte, einer geborenen Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum -Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, die durch abschließende, -den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte -des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch -gemeinschaftlichen Gesang des Liedes »O Täler weit, o Höhen« dem Wald -als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder zum Rathaus -ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird. - -Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter -den Festteilnehmern, nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch -den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben zu den Gefilden, von -dannen sie kamen. - -Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer -zuteil, der aus dem Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach, -da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, Volkstum und Mundart -nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte, -da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als -Hausierer und Bettler und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb, -unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige Geyer der Gegenwart, -auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft -voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß -und Mittelpunkt war. Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der -über dem ganzen lagernden Feststimmung kein Abbruch geschah. Und die -Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig seine -Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich -war, das Vergnügen aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als -etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend in des Wortes wahrster -Bedeutung. - - ~L.~ - - -=Über Orts-, Straßen- und Hausnamen= lesen wir in der »Schwäbischen -Chronik« bemerkenswerte Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: -»Zahlreiche neue Siedelungen, namentlich für Kriegsbeschädigte und -Kriegsteilnehmer, sind geplant und werden in den nächsten Jahren -entstehen. Den schon vor dem Krieg entstandenen wurden teilweise recht -inhaltlose Namen gegeben. Entweder waren es Benennungen nach den -Himmelsrichtungen (Südheim, Ostau, Westdorf, Nordheim) oder sonstige -unschöne Bezeichnungen, wie Fabrikdorf, Hafenau usw. Für die neuen -Siedelungen sollten bei der Namensgebung nur bewährte _bodenständige -Namen_ Verwendung finden. Am natürlichsten wirken stets die -Bezeichnungen, die auf die _alten Flur- und Markungsnamen_ zurückgehen, -auf deren Gebiet die Siedlung angelegt wird. Oft läßt sich der Flurname -ohne weiteres auch als Ortsname verwenden. Wo das nicht möglich ist, -helfen die alten Endungen: -hausen, -hohen, -ingen, -heim, -stetten. -Empfehlenswerter als diese Bezeichnungen sind jedoch Endungen, die auch -die Lage der neuen Siedelung auf einem Berg, an einem Hang, in der -Nähe einer Quelle, am Waldrand, im Wiesental usw. zum Ausdruck bringen. -Hier seien nur einige zur Namenzusammensetzung geeignete Wörter -aufgezählt: Berg, Eck, Horn, Halde, Bronn(en), Brunn(en), Wald, Busch, -Holz, Wiese, Tal, Au, Heide, Ort, Lust. Wo kein passender Flurname -vorhanden sein sollte, empfehlen sich Bezeichnungen nach der Lage, -wobei sich aus den vorstehend aufgezählten Wörtern sehr klangvolle -und ansprechende Namen zusammensetzen lassen: Waldlust, Bergeck, -Buschhalden u. a. Zur Namengebung sind ferner die Namen von Tieren oder -von Früchten vorzüglich geeignet, die im Siedelungsgebiet besonders -stark vertreten sind. Wie vielsagend und anheimelnd wirken Namen wie -Fuchsbau, Rehberg, Finkenwiese, Amseleck, Käferholz, Kirschhofen, -Dinkelsbühl. - -Aber nicht nur für die Siedelung selbst gilt es, schöne und mit -der Natur verbindende Namen zu prägen, sondern auch die _Straßen_ -in den neuen Siedelungen müssen derartige Namen bekommen. Wie öde -wirkt eine Friedrich-, Heinrich-, Olga-, Karl- oder Marienstraße! -Hoffentlich werden unsere neuen Siedelungen nicht nur Straßen besitzen, -sondern auch kleine einspringende Höfe, Winkel usw. und es werden -die daranliegenden Häuser auch mit entsprechenden Namen versehen, -z. B.: Im Schwarzhof, an der Waldach, im Winkelgarten, unter den -Weiden, beim Apfelnest. Wie noch jetzt auf dem Land jeder Hof seinen -besonderen Namen trägt und in den alten Stadtteilen viele Häuser ihre -eigenen Namen haben, so sollten auch die Bewohner von Eigenheimen -die alte Sitte wieder aufleben lassen und _ihr Heim mit besonderen -Namen schmücken_. Wie anders klingt es und um wieviel behaglicher und -gemütvoller ist es, im Waldeck, Eichenhof, Fichtenheim, Kirschgarten -oder Heidenest zu wohnen, als in der Langestraße Nr. 119 oder in der -Kanalgasse Nr. 111!« -- - - - - -Gedenkblatt zur Erinnerung an die im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen - - -[Illustration] - -Wir haben bereits in Heft 1/3, Band IX (1920), Seite 53 unserer -»Mitteilungen« auf das preisgekrönte, vom Professor Arno _Drescher_ -stammende Gedenkblatt hingewiesen. Das Blatt war 120 Zentimeter -lang, 74 Zentimeter breit und hatte somit eine Größe, die für viele -Vereine ungeeignet war, weil in ihren Vereinsräumen der Platz zur -Unterbringung fehlte. Ganz von selbst sind viele Vereine daher auf den -Gedanken gekommen, die Felder links und rechts wegzulassen und nur das -Mittelblatt, so, wie wir es hier abbilden, sich anzuschaffen. Die Namen -der Gefallenen lassen sich in dem freien Felde zugleich mit dem Namen -des Vereins unterbringen. Für das Vereinszeichen ist über dem Oval ein -Platz gelassen. - -Auf diese Weise ist es möglich, in solchen Fällen, wo wenig Mittel zur -Verfügung stehen, ein bescheidenes Denkzeichen an die zu errichten, -die im Glauben an eine glückliche Zukunft ihres Vaterlandes ihr Leben -ließen. - -Das Blatt ist zum Preise von 25 Mark durch unsere Geschäftsstelle -Dresden-A., Schießgasse 24, I zu beziehen. Eine Bestellkarte liegt bei. - -Das Blatt eignet sich zur Anschaffung für Vereine, für Schulen, für -Geschäftsräume und macht in geschmackvollem, einfachem Rahmen einen -sinnigen, dem Zweck entsprechenden würdigen Eindruck. - - - - -Heimatschutz -- Heimatkunst -- Heimatdichtung! - - -In unzertrennbarer Einheit ranken sich diese drei Kultur- und -Kunstbegriffe aneinander empor, heben und stützen sich, um in -wechselseitiger Befruchtung und Ergänzung dem einen großen Gedanken -zu dienen, die der breiten Masse verlorengegangene Liebe zur Heimat -und Scholle wiederzugewinnen, Rückkehr zur bodenständigen Kunst. -In trefflicher Weise äußerte sich bereits 1900 der Bahnbrecher und -Vorkämpfer der Heimatkunst, der bekannte Dichter Friedrich Lienhardt: -»Heimatkunst ist eine Selbstbesinnung auf heimatliche Stoffe; in -erster Linie aber ist sie Wesenserneuerung, ist sie eine Auffrischung -durch Landluft. Mit dieser Geistesauffrischung wird freilich auch -eine andere Stoffwahl, eine andere Sprache und Technik Hand in Hand -gehen. Wir wünschen nicht Flucht vor der Moderne, sondern eine -Ergänzung, eine Erweiterung und Vertiefung nach der menschlichen Seite, -wir wünschen ganze Menschen mit einer ganzen und weiten Gedanken-, -Gemüts- und Charakterwelt, mit modernster, und doch volkstümlicher -Bildung, mit national- und doch welthistorischem Sinn.« Und der -bekannte Literaturhistoriker Adolf Bartels schrieb in gleichem Sinn: -»Dilettantische örtliche Kunst ist sie durchaus nicht, sie wendet sich -an das ganze deutsche Volk und strebt den strengsten ästhetischen -Anforderungen Genüge zu leisten.« Wohl ist die seit Jahrzehnten -gestreute Saat prächtig gediehen und hat in weiteren Kreisen Wurzel -geschlagen, die große Stunde der Selbstbesinnung auf die Heimat für -die breite Masse aber ist noch nicht gekommen, doch liegt sie gewiß -nicht zu fern. Alle Gebiete stellen sich dieser großen Bewegung -zur Verfügung. Nicht zuletzt die Literatur. Sie stand zwar schon -lange, bevor man von einer Heimatschutzbewegung sprechen konnte, -in deren Dienst. Die letzten Jahrzehnte aber zeitigten in inniger -Liebe und Treue zur Heimat unvergängliche Heimatdichtungen, ganz in -Lienhardts und Bartelschem Geist. Wohl jeder deutsche Gau hat seine -Heimatdichtungen und -dichter mit mehr oder weniger Berufung zu der -hohen Aufgabe, Sänger der heimatlichen Schönheit und Eigenart zu sein. -Wir Sachsen haben unter anderem in unserem Gerhard Platz einen geist- -und gemütvollen Plauderer und Erzähler. Sein treffliches, mit einem -liebevollen Vorwort von Professor Paul Schumann versehenes Buch »Vom -Wandern und Weilen im Heimatland« (Dresden, Sächsischer Heimatschutz, -gebd. M. 12,--) ist echte geistige Heimat- und Volkskost, deren -Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Doch auch andere -Verleger und Dichter pflegen mit besonderer Hingabe die »Heimatkunst -als Grundlage einer sonnigen und stolzen Höhenkunst gegenüber dem -engen und stumpfen Stubenproblem« einer modernen, dekadenten und -mißmutigen Kunst. Unserem heutigen Heft liegt ein Verlagsverzeichnis -der _Lehmannschen Verlagsbuchhandlung in Dresden-N. 6_ bei, das der -besonderen Beachtung unserer geschätzten Leser gewürdigt zu werden -verdient. Unter den vielen empfehlenswerten Erscheinungen dieses -Verlages, die sich durchgängig bei niedrigem Preis durch mustergültige -Ausstattung vorteilhaft auszeichnen, erheischen einige doch besondere -Erwähnung. Bünau führt uns mit seinem köstlichen Novellenband »Der Mut -des Egidi Duldmann« in eine alte fränkische Stadt am Main. Wohl dem -deutschen Nest, das so erlebt wird, wie diese alte Bischofsstadt! Hier -zeigt sich echte Meisterkunst in unheimlicher Kraft in Schilderung, -Aufbau und Sprache. -- In das jetzt im Brennpunkt der Tagesfragen -stehende Oberschlesien versetzt uns Robert Kurpiun mit seinem Roman -»Der Mutter Blut« und seinen Novellenbänden »Ultimo« und »Bunt -Volk«. Wie keiner vor und neben ihm erschaut er feinfühlig die Seele -seines Landes und Volkes und bietet uns in allen seinen Dichtungen -eine edle herzerquickende und -stärkende Heimatkost. Jede seiner -Dichtungen erringt unser volles Interesse, gleichviel, ob er in seinen -Novellenbänden uns Leute aus dem Volke und Mittelstand menschlich -liebevoll nahebringt, oder ob er in »Der Mutter Blut« das große -deutsch-polnische Rassenproblem anschneidet. Stets bleibt er der -»Rosegger Oberschlesiens«, der Sänger seiner Heimat und schenkt uns -Dichtungen voll Erdgeruch und Heimatduft. -- In der Bücherei eines -jeden guten Deutschen verdient das Buch »Norika« seinen Platz und -wird ihr zur Zierde gereichen. Das vor fast hundert Jahren erstmalig -erschienene Buch wurde lange für eine echte Chronik aus dem 16. -Jahrhundert gehalten, so lebenswahr ist der Ton von Nürnbergs größter -Zeit getroffen. Meisterhaft sind die Schilderungen aus dem Kreise -Albrecht Dürers, Hans Sachsens, Peter Vischers, Kraffts usw. Diese -Ausgabe enthält die Hauptwerke Alt-Nürnberger Kunst in 26 Kunsttafeln. --- Für Dresden und Sachsen haben die Stübelschen Werke, die bei -Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregten, ganz besonderes Interesse: -»Chodowiecki in Dresden und Leipzig«, das Reisetagebuch des Künstlers -vom 27. Oktober bis 15. November 1773, und »Goethe, Schuster Haucke -und der Ewige Jude«. -- Besonders Bibliophile seien auf die Sammlung -»Deutsche Dichterhandschriften« aufmerksam gemacht. Hier ist der schöne -Gedanke verwirklicht: einzelne Dichtungen unserer Großen in deren -Handschrift wiederzugeben. Bei diesen Bänden spürt man deutlich: nur -des Autors Handschrift vermag den Leser in jene persönliche Beziehung -zu ihm zu bringen, die der Weg in das Wesen des Dichters ist. Man -erhält Einblick in die Eigenart seines Schaffens, in seines Geistes -Werkstatt. - -Es empfiehlt sich jedenfalls, all diesen Erscheinungen, denen sich -außer den vorstehend erwähnten noch manches nicht minder gute Werk aus -allen schönliterarischen Gebieten würdig beigesellt, das Interesse -nicht zu versagen. - - ~K. W.~ - - - - -Bücherbesprechungen - - -=Wochenabreißkalender »Unsre Heimat« 1921.= Herausgeber: _Sächsischer -Pestalozzi-Verein_. Preis M. 6,--. - -Kreuz und quer führt uns der nun schon zum vierten Male erscheinende -Bildkalender durchs deutsche Vaterland. Mit besonderer Liebe aber -verweilt er bei der sächsischen Heimat. Ist’s ein Wunder? Sind es doch -lauter sächsische, vorwiegend Dresdner Künstler, die dem Beschauer -hier zeigen, was es alles zu sehen gibt in der Nähe und in der Ferne -im armen und doch noch reichen Vaterland. Ein rechter Ansporn sind -diese künstlerisch hochwertigen Bilder besonders für unsere Jugend, -selbst einmal zum Wanderstab zu greifen und auch ihrerseits auf solch -glückselige Entdeckungsfahrt auszugehen. Gute und kernhafte Sprüche -aus dem Munde großer Deutscher heben den Wert des Kalenders. Auch die -Erläuterungen zu den Bildern sind bei aller Kürze ein guter Führer zum -Verständnis der dargestellten Landschaft. - - -»=Wegwart=«. _Jugendkalender des Sächsischen Pestalozzi-Vereins_, 2. -Jahrgang 1921. Preis M. 2,80. - -Ein rechtes und tüchtiges Büchlein voll Freundschaft und Verstehen -fürs Herz der heranwachsenden Jugend. Aufsätze aus der Feder echter -Idealisten wie Max Schmerler, Friedrich Richter, Hans Kappler, der -Malerwanderer, werden Gutes im Kinderherzen wirken. Und wem lacht -nicht das Herz, liest er das prächtige Kapitel von den Christbäumen, -die singen können? Treue, gutgemeinte Ratschläge aus der Feder -berufner Pädagogen, verständnisvolle Einführung in Naturgeschichte und -Sternenkunde, Anleitung zu Handfertigkeit und froher Geselligkeit -- -alles so gut und lobenswert. Nur bei dem Kapitel von der Sonnenfreude -fiel mir eins auf: »Ohne die Sonne«, steht da geschrieben, »ist der -Tod. Alles Bestehende ist ihr Werk.« -- -- -- Und wessen Werk ist die -Sonne? Wollen wir nicht an unserm Teil darnach trachten, daß unsre -Jugend, unser Volk, auch wieder im Geiste sich dem zuwendet, der die -Sonne gemacht? - - G. Platz. - - -_Paul Thomas_, Schuldirektor in Schlettau, »=Kriegschronik der Stadt -Schlettau im Erzgebirge=«. Eine Heimatgeschichte der Jahre 1914--1920, -zugleich eine allgemeine Geschichte des inneren Krieges. Selbstverlag -des Verfassers. Schlettau 1920. Broschiert M. 15,--. - -Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren -Krieges« von Wert über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es -geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, passend für die dunklen -Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des -versunkenen Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot -besserer Zeiten leuchtet daraus seine goldene Aufschrift. Hätten doch -alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, was des -Einzelnen Heimat in den Jahren 1914--1920 durchlebte, der Nachwelt so -festgehalten! Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser -mit ungeheurem Sammlerfleiß alles Denkwürdige zusammengetragen, Großes -und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und Drückendes, beides -innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen -dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte -mit klaren Einblicken ins ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang. -Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Abschnitte des 375 Seiten -starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast 50 -Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen -besonders anregen: Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage, -Freiwillige vor!, die Mobilmachung der Phantasie, die Mobilmachung -der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen, -Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung -(ein bedeutsames und erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche, -Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft im -Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch -weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins- -und Wirtshausleben) wird, zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir -erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution erlebte. Ein ganzer Teil -zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit -in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem -Kriegssozialismus erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege -und Vergleiche, ein anschauliches Bild. - -Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen: -»Das Heldenbuch von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon -der Anhang der Kriegschronik: »Wie unsere Schlettauer ihr Eisernes -Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch selbst -zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau, -besonders denen in der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm -empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien des Erzgebirges dürfte sie -nicht fehlen! - - Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz). - - -=Alt-Bautzen.= Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. _Hans Richter_. -Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis -M. 15,--. - -Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen -Nürnberg finden wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen -vereint. In flotter anschaulicher Weise sind sie dargestellt, -Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die -Bautzen lieben ob seiner Schönheit. - - -_Cornelius Gurlitt._ =Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler.= -Broschiert M. 14,--, Gebunden M. 19,--. - -Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem -Titel ein neues kleines Werk des genannten Verfassers erschienen. -Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher und insbesondere -sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt, -nicht Kunstgeschichte oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll -vielmehr das Buch den berufenen Hütern des Kunstbesitzes unserer -Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein Ratgeber -und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der -Gebäude sowohl, wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es -soll aber weiter auch darüber hinaus das Verständnis und die Liebe zu -diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in unserer -heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das -kleine Werk wird aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen -hinaus jedem Freunde und Sammler alter Kunstwerke gar vieles bringen, -denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso der alte -Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns. - -Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich -mit der Umgrenzung der Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt -in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit und Schönheit im Bau von -Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde wird -weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute -Worte in den folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner -Denkmalpflege ausgeführt werden. Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt -das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, daß Gurlitts -schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut -annimmt, den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die -mit dem Gute übernommene Verpflichtung nicht durchhält,« in weitestem -Maße Beherzigung finden möchten. - -Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der -heutigen Denkmalpflege in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände -zusammengestellt. Praktische Winke für Bau und Umbau von Kirchen, Wahl -des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier den -Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher -Baudenkmäler gemeinhin, von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage -und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. Im vierten Abschnitt -endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als -Denkmalpfleger heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher -Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich behandelt wird, möchte -von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen -Kunstwerke unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird -gerade hier und oft in bester Absicht gesündigt. Falsche Behandlung -ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis -dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat, -und eindringlich betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in -schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne sachverständige Beratung -zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren -Überwachung gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch -vor allem gewesen, der in den deutschen Staaten fast überall und -neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger -(Landeskonservatoren) führte. - -So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die -Bestrebungen der Denkmalpflege und des Hand in Hand mit ihr gehenden -Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint aber auch noch -in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes: -»Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«. - - ~Dr.~ _Bachmann_. - - * * * * * - -=Der Sächsische Bergsteigerbund und seine Ziele.= Der 1911 gegründete -S. B. B., der zurzeit neben zahlreichen Einzelmitgliedern mehr als -200 Berg- und Wandersport treibende Vereinigungen umfaßt, hat mit -Wiederkehr friedlicher Verhältnisse die Anstrengungen zur Erreichung -seiner Ziele verdoppelt. Zu den Aufgaben, die sich dieser Bund -gestellt hat, zählt insbesondere auch die Bekämpfung der Unsitten, die -unter einem großen Teil der Besucher der Sächsischen Schweiz und der -angrenzenden Gebiete eingerissen sind. Der in den letzten Jahrzehnten -immer mehr anwachsende Massenbesuch dieser Gegenden hat bekanntlich -recht unerfreuliche Begleiterscheinungen gezeitigt: Durch wüstes Lärmen -wird die Stille der Natur entheiligt, das Landschaftsbild wird durch -Umherwerfen von Papier, Flaschen und anderem Unrat, durch Verwüsten -von Schonungen und Lostreten des lockeren Erdreiches an Steilhängen -mit samt dem Pflanzenreich geschändet; ein Greuel für jeden Menschen -von Geschmack ist auch die Kleidung, die von einem Teil der Besucher -dieser Gegenden getragen wird, Zipfelmützen und andere Narrengewandung -wetteifern mit Salontiroleranzügen um den Preis der Geschmacklosigkeit. -Hier nun will der S. B. B. Wandel schaffen durch ein gutes Vorbild, -durch unausgesetzte Aufklärung und Belehrung in Wort und Schrift, -nötigenfalls auch mit noch wirksameren Mitteln will er die Besucher -der heimischen Berge zu einem Wohlverhalten in der Natur erziehen. -Als wichtigstes Hilfsmittel zur Durchführung dieser Bestimmungen hat -sich der Bund im Sommer 1919 eine monatlich erscheinende Zeitschrift, -die »Mitteilungen des S. B. B.« geschaffen. (Zu beziehen durch die -Geschäftsstelle des S. B. B. Dresden, Johannesstraße 21.) Dieses Blatt -will insbesondere durch Erweckung und Vertiefung der Heimatliebe -veredelnd wirken. - -Eine Wendung zum Besseren im Betrieb des Berg- und Wandersportes -in unserer Bergwelt ist in letzter Zeit schon unzweifelhaft -festzustellen gewesen; um durchgreifende Wandlung zu erzielen, dazu -bedarf es noch längerer hingebender Arbeit und der Unterstützung der -Bundesbestrebungen durch die weitesten Kreise. Zu näherer Aufklärung -ist Interessenten gegenüber stets bereit der Presseausschuß des -S. B. B., vertreten durch Herrn ~Dr.~ Pfeilschmidt, Dresden-A., -Reichenbachstraße 13. - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt; - Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, beide in Dresden. - - - - -Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch -vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen: - - Band III ungebunden M. 7.--, gebunden M. 20.-- - " IV " " 10.-- " " 25.-- - " V " " 7.-- " " 20.-- - " VI " " 7.-- " " 20.-- - " VII " " 7.-- " " 20.-- - " VIII " " 7.-- " " 20.-- - " IX " " 7.-- " " 20.-- - -=Wir gestatten gern Ratenzahlungen.= - -=Bestellkarte anbei.= - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden-A., Schießgasse 24. - - - - -Vom Wandern und Weilen im Heimatland - -Von =Gerhard Platz= - -Dresden 1920 - -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei - -Band I - -320 Seiten -- Großoktav - -_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereines Sächs. Heimatschutz -M. 12.--_ - -_Bestellkarte in diesem Hefte_ - -Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast -in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften -aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die -er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz -möchten wir wandern. So ist es verständlich, daß wir in dem ersten -Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten -Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in -wenigen Stücken vorhanden. - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24. - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Korrekturen: - - S. 33: einschlossen → eingeschlossen - abgeschlossen doch nicht {eingeschlossen} - - S. 59: Hiddensoe → Hiddensee - {Hiddensee} auf Rügen und die Mellumplatte - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X, Heft 1-3</p> -<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:0;'>Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege</p> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: October 10, 2021 [eBook #66504]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> - -<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</div> - -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 ***</div> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>. -</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="cover"> - <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt="Cover" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Landesverein Sächsischer<br /> -Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden</p> - -<h1>Mitteilungen<br /> -Heft<br /> -1 bis 3</h1> - -<p class="center">Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege</p> - -<p class="h2">Band X</p> - -<div class="blockquot"> -<p class="noind"><em class="gesperrt">Inhalt</em>: Der Rochlitzer Berg – Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf -das Naturleben des Rochlitzer Berges – Die Vogelwelt unserer Obstalleen -– Das Tännichttal im Tharandter Wald – Gauernitz – -Frühlingsboten – Über das Vorkommen der Biber in Sachsen – Frau -Lina Hähnle zum 70. Geburtstag – Oberlehrer Bruno Lange, Strehla † -– Gäste – Heimatschutz, Heimatkunst, Heimatdichtung – Bücherbesprechungen -– Verschiedenes</p> -</div> - -<p class="center">Einzelpreis dieses Heftes M. 5.–, Bezugspreis für einen Band (aus 12 Nummern -bestehend) M. 15.–, für Behörden und Büchereien M. 10.–. Mitglieder erhalten -die Mitteilungen kostenlos, Mindestjahresbeitrag M. 10.–</p> - -<p class="center">Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24</p> - -<p class="center">Dresden 1921 -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Heimatschutzvortraege_mit_Lichtbildern">Heimatschutzvorträge mit Lichtbildern</h2> -</div> - -<p class="center larger"><em class="u">Dresdner Vorträge</em></p> - -<p class="center">abends punkt ½8 Uhr im großen Gewerbehaussaale</p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Vortragsfolge</em>:</p> - -<p class="noind"><em class="gesperrt">Mittwoch, den 20. April</em>: Oberstudienrat Professor <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Martin Braeß</em>: »<b>Die -volkstümlichsten Tiere der deutschen Märchen und Fabeln</b>« – <em class="gesperrt">Mittwoch, den -27. April</em>: Professor <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Martin Große</em>: »<b>Die Lommatzscher Pflege</b>« – <em class="gesperrt">Mittwoch, -den 4. Mai</em>: Hofrat Professor <em class="gesperrt">O. Seyffert</em>: »<b>Modeschönheiten, Modetorheiten</b>« -– <em class="gesperrt">Mittwoch, den 11. Mai</em>: <em class="gesperrt">Edgar Hahnewald</em>, Dresden: -»<b>Wandern als Erlebnis. Bilder aus Dresdens Umgebung</b>« – <em class="gesperrt">Mittwoch, den -18. Mai</em>: »<b>Volksliederabend</b>«: Kammersänger <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Waldemar Staegemann</em> – -<em class="gesperrt">Mittwoch, den 25. Mai</em>: Professor <em class="gesperrt">Franz Goerke</em>, Direktor der »Urania«, -Berlin: »<b>Redende Steine. Bilder aus deutscher Vergangenheit</b>« – <em class="gesperrt">Mittwoch, -den 1. Juni</em>: Hofrat Professor <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Arno Naumann</em>, Dresden: »<b>Natur- und -Kulturdenkmäler im östlichen Erzgebirge</b>«</p> - -<p class="center"> -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,–<br /> -Karten-Hauptverkaufsstelle: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24 -</p> - -<p class="center larger p2"><em class="u">Leipziger Vorträge</em></p> - -<p class="center">abends punkt ½8 Uhr im großen Festsaale des Zentraltheaters</p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Vortragsfolge</em>:</p> - -<p class="noind"><em class="gesperrt">Freitag, den 15. April</em>: Fabrikbesitzer <em class="gesperrt">J. Ostermaier</em>, Dresden: »<b>Auf -Blumenpfaden durch die Alpen. Schutz den Alpenpflanzen</b>« – <em class="gesperrt">Freitag, den -22. April</em>: Schuldirektor <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Zinck</em>, Leipzig: »<b>Im Reiche des Rochlitzer Porphyr</b>« -– <em class="gesperrt">Freitag, den 29. April</em>: Hofrat Professor <em class="gesperrt">O. Seyffert</em>, Dresden: »<b>Modeschönheiten, -Modetorheiten</b>« – <em class="gesperrt">Freitag, den 6. Mai</em>: Oberstudienrat Professor -<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kittel</em>, Borna: »<b>Das Bornaer Land</b>« – <em class="gesperrt">Freitag, den 13. Mai</em>: Musikdirektor -<em class="gesperrt">Bernhard Schneider</em>, Dresden, unter Mitwirkung von Fräulein <em class="gesperrt">Ruth</em> -und <em class="gesperrt">Hannah Schneider</em>, sowie des Herrn <em class="gesperrt">Albert Klug</em>, Dresden: »<b>Gassenhauer, -Bänkelsang und Volkslied</b>« – <em class="gesperrt">Freitag, den 20. Mai</em>: Oberstudienrat -Professor <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Martin Braeß</em>, Dresden: »<b>Junges Volk, Bilder aus der Kinderstube -der Tiere</b>« – <em class="gesperrt">Freitag, den 27. Mai</em>: Professor <em class="gesperrt">Franz Goerke</em>, Direktor -der »Urania«, Berlin: »<b>Redende Steine. Bilder aus deutscher Vergangenheit</b>«</p> - -<p class="center"> -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,–<br /> -Karten-Hauptverkaufsstelle Zementbau Rud. Wolle, Leipzig, Gottschedstraße 17 -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[1]</span></p> - -<div class="bleft"> -Band X, Heft 1/3 -</div> -<div class="bright right">1921 -</div> - -<div class="figcenter" id="illu-003"> - <img class="w100" src="images/illu-003.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><span class="larger"><b>Landesverein Sächsischer<br /> -Heimatschutz<br /> -Dresden</b></span></div> -</div> - -<p class="center">Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den Vorstand -herausgegeben</p> - -<p class="center">Abgeschlossen am 1. Februar 1921</p> - -<h2 class="nobreak" id="Der_Rochlitzer_Berg">Der Rochlitzer Berg</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">W. C. Pfau</em>, Rochlitz</p> - -<p class="center smaller">Mit Abbildungen nach Aufnahmen von <em class="gesperrt">Rud. Zimmermann</em></p> -</div> - -<p>Im Rochlitzer Berg besitzt unser Sachsenland ein höchst bemerkenswertes -Naturdenkmal, dessen Schönheit Sommer und Winter Tausende von schaulustigen -Wandersleuten anlockt. Fruchtbare Felder und grünende Wiesen überziehen zum -großen Teil die leichtgeneigten Abhänge; die waldgekrönte Kuppe hingegen ist -durch mächtige Steinbrüche mit glatten, senkrecht aufsteigenden, im Laufe von -Jahrhunderten bis über dreißig Meter aus dem Felsenboden mühsam herausgeschrotenen -Wänden, in deren Nähe sich gewaltige, oft unter Holzbestand oder -unter Moos- und Grasdecken verborgene Schutthalden auftürmen, zerrissen und -zerklüftet. Hier an diesen einsamen Arbeitsstätten gewinnt man seit undenklichen -Zeiten einen aus vulkanischer Asche entstandenen Porphyrtuff, dessen rote, von -zahllosen Adern durchzogene Grundfärbung mitunter in Gelb, Violett, Bronzebraun -ausklingt; es gewährt einen ungemein malerischen Anblick, wenn grelle Sonnenstrahlen -bei blauem Himmel jene mit frischem Grün oder mit leuchtenden, weißen -Schneeleisten belebten roten Felsgebilde feurig erglühen lassen. In seinem Farbengepräge -steht der »Rochlitzer Sandstein« zum mindesten für ganz Mitteldeutschland -einzig da; als ebenso eigenartig erscheint die Geschichte des zugehörigen Berges und -seines Steinmetzentums.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_2">[2]</span></p> - -<p>Wann an dieser Stelle der erste Stein gesucht und verarbeitet wurde, werden -wir nie genau anzugeben vermögen; sicher geschah es zu einer Zeit, als sich dort -noch Meister Petz behäbig herumtrollte, als das Röhren des grimmen Schelches, -das Heulen gieriger Wolfsrudel, das Gebrüll des ungeschlachten Urs schauerlich -durch den dichten Forst schallte, als der tückische Luchs in dem knorrigen Geäst -vielhundertjähriger Eichen nach Raub äugte und der reckenhafte Ureinwohner mit -Keule und Steinaxt den offenen Kampf mit den angestammten Herren der Jagdgründe -aufnahm oder aus sicherem Hinterhalt auf das flüchtige Wild den todbringenden, -mit Feuersteinspitze bewehrten Pfeil abschnellte. Nach Ausweis neuerdings -gemachter einschlägiger Funde war der Rochlitzer Berg bereits in urgeschichtlicher -Zeit, lange bevor die Welt etwas vom Christentum wußte, ein vielbesuchter -Ort. Beile, Pfeilspitzen aus Stein, geschlagene Steinspäne und dazugehörige -Kernstücke, Urnenscherben u. a. wurden wiederholt auf dem Berg, zumal -auf den Feldern in der Nähe der Waldessäume nachgewiesen. In der Bronzezeit, -etwa ein Jahrtausend vor des Erlösers Geburt, verarbeiteten unsere heidnischen -Vorfahren den dortigen »Porphyr« bereits zu schönen Getreidemahlsteinen, die in -der weiteren Umgebung Absatz fanden. Ein reger Verkehr wegen verschiedenen -gesuchten Steinmaterials muß sich schon damals in diesem Muldenstrich entwickelt -haben. Man holte auch Garbenschiefer, der ebenfalls am Rochlitzer Berg vorkommt, -zu Steinsetzungen zu entlegeneren Gräbern, und der sogenannte Gnandsteiner -Bandjaspis, welcher nur in der Kohrener Gegend ansteht, läßt sich auf -prähistorischen Fundstellen über Rochlitz, Wechselburg hinaus bis in die Pflegen -von Colditz, Waldheim, Ringethal als Artefakt ziemlich oft feststellen. Auch die -Wenden trieben ihr Wesen auf dem Rochlitzer Berg; darauf deuten nicht nur die -eigenartigen, wellenverzierten Urnenscherben, die am Wald gefunden werden, sondern -auch überkommene, ihm anhaftende Flurnamen wie Mo(ko)rellenbruch, Bile, -Wälsche usw. Die am Wald gelegenen Dörfer tragen sämtlich wendische Namen.</p> - -<p>Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, daß die Deutschen seit der -Kolonisation den roten Stein ständig und eifrig abbauten, in ergiebigster Weise -benutzten und schließlich immer weiter verhandelten. Die Wenden kannten den -Kalk noch nicht, waren deshalb unfähig, im steineren Hochbau etwas Besonderes -zu leisten. Den Rochlitzer Porphyr gebrauchten sie wohl vorwiegend oder ausschließlich -zu Mahlsteinen; Beile, Hämmer und andere Gebrauchsgegenstände aus -dem Material sind bisher noch nicht nachgewiesen worden. Der Name des am -Berg gelegenen Dorfes Sörnzig wird von manchen Slawisten als »Ort der Steinhauer« -gedeutet. Im Anschluß an die vorgefundene Industrie stellten die eingewanderten -Steinmetzen nun vor allen Dingen Mühlsteine her, die weit ins Land -versandt wurden. Ein Rochlitzer Bruch heißt von altersher »Mühlsteinbruch«. -Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurden sechs, später zehn Brüche bewirtschaftet. -Durch die Deutschen erlangte der Steinbruchbetrieb auf dem Berg bald -eine außerordentliche Bedeutung, zumal für das Bauwesen. Von romanischer Zeit -ab ist im Rochlitzer Porphyr eine Unmenge von Hochbauten Mittelwestsachsens -und anliegender Gebiete entstanden, hat man ihn zu unendlich -vielen Architekturteilen und beweglichen Gegenständen wie Kanzeln, Altartischen,<span class="pagenum" id="Seite_3">[3]</span> -Grabplatten, Taufsteinen, Weihwasserbecken, Postsäulen, Gemeindesteinen, -Gartensäulen, Brunnen, Brüstungen, Stufen, Bänken, Einfassungen, Grenzsteinen, -Wegweisern, Mordkreuzen, Erinnerungstafeln, Gewichten, Normalscheffeln, Geschützkugeln, -Schandflaschen, Prangersäulen, Trögen, Krippen, Ofentüren u. v. a. m. -verarbeitet. Nicht wenige dieser Altertümer sind tadellos auf uns gekommen; -viele Kirchen und manche Schlösser überliefern uns romanischen oder gotischen -Baubestand in Rochlitzer Stein in vorzüglicher Erhaltung. Der älteste Zweig des -deutschen Steinbetriebes, die Herstellung von Mühlsteinen, ist seit etwa achtzig -Jahren ganz eingegangen; an den Schutthalden des Mühlsteinbruches liegen aber -heutzutage noch viele angefangene oder halbfertige Erzeugnisse dieser Art, die, zum -Teil in das Erdreich eingesunken, zum Teil vom Abraum überschüttet, unter Farren -und Gestrüpp von jenen vergangenen Zeiten, die an den Gewerbefleiß jetzt vergessene -Anforderungen stellten, träumen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-005"> - <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Rochlitzer Porphyrbruch mit dem Friedrich-August-Turm</b></div> -</div> - -<p>Über die mittelalterlichen Meister, die ihre Werke in Rochlitzer Stein schufen, -wissen wir äußerst wenig; wir kennen höchstens ihre Zeichen, die sie aufschlugen. -Die ältesten Marken dieser Art, wohl die frühesten in ganz Sachsen, kommen im<span class="pagenum" id="Seite_4">[4]</span> -romanischen Bestand des Rochlitzer Schlosses und an gleichaltrigen, jüngst aufgefundenen -Werkstücken in Geithain vor. Nach den Ergebnissen der Zeichenforschung, -zum Teil auch nach der Ortsbezeichnung, welche die ältesten Steinmetzen regelmäßig -ihren Namen zusetzten, ist eine große Freizügigkeit unter den Werkleuten -früherer Jahrhunderte anzunehmen. Sie zogen der Baugelegenheit nach, und deshalb -kamen viele Auswärtige in die Rochlitzer Pflege. Die Brüche bildeten ursprünglich -den Besitz von mindergebildeten Steinhauern, Steinbrechern. Auch der -vielgenannte Arnold von Westfalen (Westfahl, Bestveling) hat zweifellos innige -Beziehungen zum Rochlitzer Steinmetzentum unterhalten, wenn er auch schwerlich -die ihm für diese Gegend zugeschriebenen Werke ausgeführt haben kann; wahrscheinlich -entstammte er der vorübergehend um 1415, d. h. zur Zeit, als der Chor -der Kunigundenkirche geschaffen wurde, für Rochlitz nachweisbaren Familie -Westfahl, von welcher zwei Glieder in Leipzig studierten. Nach seiner Anstellungsurkunde -von 1471 wurde Arnold Westfal in kursächsische Dienste als »Baumeister«, -d. h. Bauschreiber im Sinne des sechzehnten, siebzehnten Jahrhunderts, nicht aber -als Werkmeister, d. h. ausführender Architekt, aufgenommen. In der Renaissancezeit -war besonders der berühmte Leipziger Werkmeister H. Lotter ein warmer -Freund des Rochlitzer Porphyrs, den er vor allem an seinen Hauptwerken, der -Pleißenburg und dem Rathaus seiner Vaterstadt, sowie dem Bau auf dem Schellenberg, -der Augustusburg, in ausgiebigster Weise verwendete. Damals zählten zu -den Rochlitzer Steinmetzen verschiedene Meister, die kurz vorher in Erfurt nachweisbar -sind.</p> - -<p>Die ungemein vielseitige Verwertung des »Rochlitzer Sandsteins« und sein -Versand seit ältester deutscher Zeit wäre in romanischen Tagen ohne geeignete -Fahrwege auf dem Rochlitzer Berg kaum denkbar gewesen, denn sehr oft mußten -Steinstücke von zwanzig bis dreißig Zentner (z. B. Grabplatten) weit verschickt -werden. Sicher hat sich ein guter Teil der dortigen Fahrstraßen, die jetzt einen -so sauberen, angenehmen Anblick gewähren, schon in vordeutscher Zeit vorgezeichnet, -wennschon von einem durchgreifenden Wegbau erst seit 1703 in den Akten die -Rede ist; er wurde von den Steinmetzen ausgeführt.</p> - -<p>Was dem Rochlitzer Steinmetzentum einen besonderen Platz in der Geschichte -der deutschen Baukunst, des Bauhüttenwesens verschafft und gesichert hat, ist der -Umstand, daß die jetzt im Museum des Rochlitzer Geschichtsvereins in der Schloßkapelle -verwahrte Lade der Innung die »Rochlitzer Hüttenordnung« rettete. Dieses -Schriftstück berichtet die Abmachungen, welche mitteldeutsche Steinmetzen 1462 -auf einem Torgauer Tag zugunsten ihres Handwerks für ihr Gebiet -getroffen hatten. Das überlieferte Büchlein ist für die Zwickauer Hütte 1486 -geschrieben und befand sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Besitz des -bekannten kursächsischen Baumeisters Hans Stecher, der 1637 in Torgau starb, -vermutlich aber aus einer Werkmeisterfamilie der Rochlitzer Pflege hervorgegangen -war, wo z. B. ein Maurermeister Thomas Stecher bereits um 1600 nachweisbar -ist. Der Sohn des Landbaumeisters H. Stecher, Christian, schenkte das Schriftstück -fünfzehn Jahr nach des Vaters Tod, also 1652, einem Rochlitzer Steinmetzen, der -es dann in die Innungslade legte, die von der Urkunde auch noch eine allerdings<span class="pagenum" id="Seite_5">[5]</span> -ziemlich fehlerhafte Abschrift, welche 1653 der Steinmetz Hans von Rhein besorgt -hatte, enthält. Die Rochlitzer Hüttenordnung stellt jetzt die einzige schriftlich erhaltene -mittelalterliche Hüttenordnung Deutschlands dar, wenn man darunter ein Schriftstück, -das ausschließlich das Gewerbe der Steinmetzen, nicht aber auch dasjenige -von Mischzünften behandelt, versteht; besonders wichtig ist sie durch den Umstand, -daß sie allein Bestimmungen über Steinmetzzeichen bringt. Über die Eigenart des -Schriftstückes herrschten lange ganz falsche, romantische Vorstellungen, die hauptsächlich -durch Stieglitz und Heideloff, welche es – freilich höchst nachlässig und -ziemlich verständnislos – herausgaben und besprachen, erzeugt worden waren; -es sollte die Verfassung einer eigenen »Rochlitzer Hütte«, welche aber jedenfalls im -Mittelalter überhaupt nicht bestand und bei den Bruch- und Bauverhältnissen, die -sich erst später völlig änderten, schwerlich bestehen konnte, bilden.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-007"> - <img class="w100" src="images/illu-007.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Rochlitzer Steinbruch im Winter</b><br /> -(Im Hintergrund der Friedrich-August-Turm)</div> -</div> - -<p>Heutzutage verwendet man den Rochlitzer Stein nicht nur in seiner Heimat; -vielmehr wird er weit über die sächsischen Grenzen hinaus verschickt. Man trifft -Werke aus ihm, besonders im Luxusbau, in Hamburg und Berlin ebensogut wie -in Dresden oder Leipzig. Mindestens sechs Jahrhunderte lang hat er den Bauten -Mittelwestsachsens und anliegender Striche seinen Stempel aufgedrückt und herrscht -hier bis zu einem gewissen Grade noch jetzt vor, wodurch das hiesige Bauwesen -ein ganz besonderes Gepräge erhalten hat. Wenn unsere Heimatpflege das gediegene -Bodenständige vor dem Untergang bewahren und in seinem angestammten Recht -schützen will, so dürfte sie sich wohl auch kaum der Pflicht entziehen können, auf -den Wert des Rochlitzer Steins besonders für dessen Heimat in baulichen Dingen<span class="pagenum" id="Seite_6">[6]</span> -mit Nachdruck hinzuweisen. Der sächsische Verein für kirchliche Kunst schlägt den -Stein dankenswerterweise mit für Grabdenkmäler vor. Welche stimmungsvolle -Ruhe müssen früher die Friedhöfe der Rochlitzer Gegend geatmet haben, als unter -den grünen Totenbäumen fast nur die einfach würdigen Grabplatten aus dem roten -Porphyr mit ihren monumentalen Schriften und Bildern lagerten! Die Herstellung -dieser Denkmäler spielt in der Innungsgeschichte der Rochlitzer Steinmetzerei eine -wichtige Rolle. In welchen Mengen sie ehemals vorhanden waren, läßt sich schon -an dem alten Rochlitzer Kirchhof ablesen, der nicht nur zahlreiche gut erhaltene -Werke dieser Art noch erhält, sondern auch unendlich viele Bruchstücke derselben -bewahrt, mit denen z. B. die langen Umfassungsmauern des geweihten Geländes -belegt sind. Der Rochlitzer Grabstein bildet in nicht wenig anderen Ortschaften -Sachsens ein häufig vorkommendes Altertum. Wie zerfahren, unruhig, jeder -einheitlichen Stimmung bar wirken heutzutage leider so viele Friedhöfe der genannten -Pflege, wo sich eine Unzahl erbärmlich schablonenhafter Denkmäler mit ihrem -gleißenden, glitzernden, schreienden Wesen, in ihrem fremden, nicht selten unechten -Material, in ihrer Protzenhaftigkeit auf der Ruhestätte heimgegangener Erdenpilger<span class="pagenum" id="Seite_7">[7]</span> -aufdringlich breitmachen, den feierlichen Frieden des Gottesackers schmählich stören, -bannen und letzteren zu einer Art Musterlager bildhauerischer Geschmacklosigkeiten -und Ungefühls entweihen! Welche Hoheit, welch künstlerischer Adel prägt sich -hingegen z. B. auf dem Wechselburger in Rochlitzer Stein gehaltenen, aus dem -Anfang des dreizehnten Jahrhunderts stammenden Grabdenkmal für Graf Dedo -(† 1190) und seine Familie aus! Wie ruhig, edel wirkt die früheste erhaltene -Grabplatte des Rochlitzer Friedhofs, die aus der Zeit um 1280 herrührt und ehedem -die Gebeine eines Herrn von Heldrungen, dessen Wappen in ungemein wirkungsvollen -Formen der Stein vorführt, deckte!</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-008"> - <img class="w100" src="images/illu-008.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: Mühlsteine</b></div> -</div> - -<p>Nach dem kunstfeindlichen Dreißigjährigen Kriege offenbarte sich auch auf -dem Gebiet der Rochlitzer Grabplatten ein allmählich fühlbarer Verfall; die Arbeiten -wurden zuweilen noch weniger als handwerksmäßig, fast roh. 1642 gab es nur noch -zwei Steinmetzen in Rochlitz; ihre Zahl wuchs erst langsam wieder. An Stelle der -ehemaligen inneren Tüchtigkeit dieser Werkleute äußerte sich bald immer mehr eine -Vorliebe für unwichtige Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten, obschon die Rochlitzer<span class="pagenum" id="Seite_8">[8]</span> -Steinmetzen damals manchen Versuch machten, sich über den gewöhnlichen Tiefstand -städtischer Zünfte, auf die sie stolz herabblickten, zu erheben. So unterhielten sie -zunächst Beziehungen zur Dresdner Haupthütte, welche aber von der Straßburger, -die vormals als alleinige Herrscherin für Deutschland galt, nicht anerkannt wurde, -weshalb sich die Rochlitzer 1725 unmittelbar unter Straßburg stellten und nun von -dort das Haupthüttengesetz, das sogenannte Bruderbuch von 1563, und die kaiserliche, -auf Pergament geschriebene Bestätigung von 1621 ausgefertigt erhielten. Ihre -Verpflichtungen gegenüber der alten Reichsstadt haben sie freilich offensichtlich nie -erfüllt, wenngleich sie überkommene Hüttenbräuche hinsichtlich des Zeichengebens, -Ausweises, Gerichts usf. lange liebevoll weiter pflegten; seit etwa 1680 bildeten -sie für sich eine Innung, deren innere Geschichte kaum wesentlich von derjenigen -anderer Zünfte abweicht.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-009"> - <img class="w100" src="images/illu-009.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Denkmal auf der Königshöhe, Rochlitzer Berg</b></div> -</div> - -<p>Um den Rochlitzer Berg erwarben sich dessen Werkleute in neuerer Zeit ein -ganz besonderes Verdienst dadurch, daß sie ihn dem Fremdenverkehr erschlossen; -in dieser Beziehung hat sich vor allem ein schlichter Mann hervorgetan, der Steinmetz -Christian Gottlob Seidel, der 1807 als Sproß einer seit 1704 in Rochlitz -nachweisbaren Steinmetzfamilie Meister ward. Ein eigenes Geschick wollte es, -daß der für Sachsen so unglückliche Napoleonsche Krieg vor hundert Jahren Seidel -den Anlaß zu seinen gemeinnützigen Bestrebungen gab. Bis zu Beginn des neunzehnten -Jahrhunderts hört man gar nichts, daß die Schönheit des Rochlitzer Berges -irgendwie gewürdigt worden wäre, daß sie Wandrer angezogen hätte. Da errichtete -Seidel zur Erinnerung an die 1815 erfolgte Rückkehr Königs Friedrich August -aus der Gefangenschaft ein schlichtes Denkmal auf einer Erhöhung des Rochlitzer -Berges, der Königshöhe, und daneben eine Unterkunftshütte für Fremde, deren -Eröffnung im Juni 1817 stattfand. Der Verkehr, der sich nun auf dem Rochlitzer -Berg entwickelte, gestaltete sich zweifellos bald als ganz bedeutend, wie sich aus -den Einzeichnungen des Fremdenbuchs der Hütte, der sogenannten »Einsiedelei«, -ergibt. An eine Verpflegung der Reisenden war damals auf dem Berg noch nicht -zu denken; die einzige Erfrischung, die man unter günstigen Umständen erlangen -konnte, bestand in kärglichem Butterbrot und Schnaps, welche Labung gutherzige -Steinmetzen im Notfall von ihrem Imbiß abließen. Die Wandrer waren sehr -bescheiden, begnügten sich mit dem, was sie suchten, prächtige Naturschönheit und -lohnende Fernsicht, und waren des Lobes voll für Seidel, dessen Unterkunftshütte -ihnen Schutz und Schirm gegen alle Unbill des Wetters gewährte. Dies sprachen sie -oft genug im Fremdenbuch aus, dessen in den verschiedensten Sprachen bewirkte -Einträge die eigenartigen Vorzüge des Rochlitzer Waldes nicht selten mit rührenden, -mitunter geradezu in überschwänglichen Worten verherrlichen.</p> - -<p>Das nach Ausweis einer Inschrift auf dem etwa einen halben Meter hohen Sockel -mit Hilfe von »Fünf Sammlern aus Plauen« zustande gekommene, jetzt hundertjährige -Denkmal besteht durchweg aus Porphyrtuff und ist im antikisierenden Stil -gehalten. Einen höchst anziehenden, malerischen Anblick gewährt die in der Nähe -befindliche »Einsiedelei«, die zu den ältesten erhaltenen Schutzhütten des Landes -zählt, wenn sie nicht gar die älteste ist. Bei Errichtung derselben verband Seidel -zwei von Tannen bestandene, abgeschrotene Felswände durch Mauerwerk, welchem<span class="pagenum" id="Seite_9">[9]</span> -er durch eingesetzte gotisierende Fenster, durch Gesimse, durch Bekrönung mit zwei -einer Kirche entstammenden Figuren usw. ein etwas phantastisches, an eine Kapelle -erinnerndes Ansehen verlieh, und schuf somit die noch jetzt ziemlich gut erhaltene -Vorderseite des Anwesens, an welche er den teilweise in einen alten Schutthaufen -eingebetteten, mit zwei Gemächern versehenen Hinterbau anlehnte. Die Wände -bestanden in der Hauptsache aus gewachsenem Felsen, aber auch aus Mauerwerk. -Um gesteigerten Reiseanforderungen zu genügen, legte der Meister schließlich der -Hütte gegenüber einen Pferdeschuppen an.</p> - -<p>Jahrzehntelang genügten Seidels Baulichkeiten dem Bergverkehr, bis der -Friedrich-August-Turm entstand, den das Sachsenvolk aus Anlaß des 1854 erfolgten -Ablebens Königs Friedrich August II., der am 9. August dieses Jahres zu Brennbüchel -in Tirol tödlich verunglückt war, auf dem Rochlitzer Berg errichtete. Der Bau, -entworfen vom Freiberger Professor Heuchler, ward im Sommer 1855 begonnen -und am 18. Mai 1860, dem Geburtstag des Verewigten, in Gegenwart Königs -Johann geweiht. Durch die Errichtung des in Porphyr gehaltenen, gebietenden -Turmes erhielt die westsächsische Heimat ein weithin sichtbares Wahrzeichen, von -dessen Zinnen man einen prächtigen Fernblick bis nach den Hohburger Bergen, -bis Halle, Naumburg und dem Fichtelberg, sowie dem übrigen Erzgebirge genießt, -das ungezählte Scharen von Fremden anzieht, zu deren Beköstigung ein Steinmetz 1860 -eine hölzerne »Interims-Restauration«, die das folgende Jahr in eine steinerne umgewandelt -ward, ins Leben rief.</p> - -<p>Außer diesen beiden landesgeschichtlichen Denkmälern weist der Rochlitzer Berg -noch verschiedene Denksteine auf, darunter ein Mordkreuz. Die bedeutendsten Denkmäler -sind aber die sehenswerten Steinbrüche, die in ihrer Eigenart wohl einzig -in Deutschland dastehen und vielleicht noch eine gesteigertere Beachtung verdienen, -als sie bisher gefunden haben.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Der_Einflu_der_Gesteinsindustrie_auf_das_Naturleben">Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf das Naturleben -des Rochlitzer Berges</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Rud. Zimmermann</em></p> - -<p class="center smaller">Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers</p> -</div> - -<p>Nur selten wohl wird sich der Verfechter des Heimatschutzgedankens mit einem -Steinbruchsbetrieb in einer landschaftlich schönen Gegend abfinden können. Denn -allzu häufig nur – ich erinnere bloß an die Zerstörungen des Siebengebirges -durch die Steinbruchsindustrie und die ganz ähnlichen Erscheinungen auch in unserem -schönen Elbsandsteingebirge – werden durch ihn unersetzliche Schönheitswerte vernichtet, -hervorragende Landschaftsbilder für ewige Zeiten zerstört. Ganz anders -dagegen liegen die Verhältnisse in bezug auf die Gesteinsindustrie des vielbesuchten -Rochlitzer Berges, die zwar auch stark verändernd auf dessen Bild eingewirkt und -zweifellos gleichfalls manche Schönheitswerte zerstört, aber in noch größerem Maße -solche auch wieder geschaffen hat. Der Besucher des Rochlitzer Berges, der auf<span class="pagenum" id="Seite_10">[10]</span> -schattigen Waldwegen von Rochlitz oder Wechselburg kommend und aus dem -Waldesdunkel tretend, plötzlich vor den mächtigen, gipfelumsäumenden Tuffbrüchen -steht, wird von dem Bild, das sich ihm darbietet, ganz eigen berührt sein. Und -der tiefe Eindruck, den die Steinbrüche auf ihn machen werden und den er auch -mit sich fort nehmen wird, wenn er seine Schritte wieder talwärts lenkt, wird -ein noch größerer sein, wenn er gar noch von der Zinne des Friedrich-August-Turmes, -durch den treue Sachsenliebe einst das Gedächtnis eines seiner naturliebendsten -und naturverständigsten Fürsten ehrte, die Blicke über den weiten Bergwald, -zu dessen wechselvoll abgetöntem Grün das helle Rot der in den Wald -gebetteten Steinbrüche eine so eigenartige Gegenwirkung bildet, zu den blauumdunsteten -Höhen in der Ferne schweifen läßt.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-012"> - <img class="w100" src="images/illu-012.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus den Rochlitzer Steinbrüchen:<br /> -Abb. 1 <b>Blick auf die senkrecht emporsteigenden Gesteinswände</b></div> -</div> - -<p>Die Geschlossenheit des den Rochlitzer Berg bedeckenden Waldes, dessen einst -so schöne Misch- und alten Buchenbestände heute allerdings zum größten Teil nur -noch der Vergangenheit angehören, hat durch den Steinbruchsbetrieb eine nicht -wegzuleugnende Einbuße erlitten, und das Urteil des Forstmannes, der die Verhältnisse<span class="pagenum" id="Seite_11">[11]</span> -vielleicht nur einseitig vom rein forstwirtschaftlichen Standpunkt aus werten -wollte, würde sich daher auch nicht immer mit dem unseren decken. Dem rein -forstlichen Verlust aber steht ein ungleich höherer Gewinn in dem Wechsel entgegen, -den die Steinbrüche in ein zwar an sich schon hervorragend schönes, durch diesen -Wechsel aber noch wesentlich gewinnendes Landschaftsbild tragen. Die Steinbrüche -des Rochlitzer Berges sind nicht, wie das so vielfach der Fall ist, an den Hängen -des Berges angelegt, um diese zu entblößen und sie ihres belebenden Pflanzenschmuckes -zu berauben, sondern sie gruppieren sich größtenteils wie ein Kranz um -den Gipfel des Berges und sind von hier aus in die Tiefe getrieben. Die dabei -entstandenen senkrechten, oft zu ganz beträchtlichen Höhen emporragenden Wände, -deren lichtes Rot durch angesiedelte Algen von gelben und grauen Farbflecken -übertupft erscheint und in dessen prächtige Farbenwirkungen oft auch noch auf -schmalen Felsleisten angesiedelte grün-goldene Moose und andere Pflanzen weitere -wechselnde Töne tragen, sind von einer ganz eigenen Wirkung. Wo dazu noch an -abgebauten Stellen der Boden sich mit einer neuen Pflanzendecke überkleidet hat -und auf raumengen Felsvorsprüngen niedrige, aber derbe Kiefern sich angesiedelt -haben, entstehen Bilder von ganz besonderer Schönheit und seltenen Reizen.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-013"> - <img class="w100" src="images/illu-013.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus den Rochlitzer Steinbrüchen:<br /> -Abb. 2 <b>Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen Stelle</b></div> -</div> - -<p>Die Wiederbesiedelung der abgebauten Stellen durch die Pflanzenwelt erfolgt -meistens ungewöhnlich rasch. Wo der kahle, rote Fels zutage liegt und kaum -einer Pflanze die Bedingungen zu einem gedeihlichen Leben zu bieten scheint, entwickelt -sich innerhalb weniger Jahre bereits wieder eine Vegetation, die zwar keine<span class="pagenum" id="Seite_12">[12]</span> -besonders artenreiche, dafür aber meistens eine um so interessantere ist, weil sie -neben ihrer Ursprünglichkeit uns vielfach in hervorragendem Maße Blicke in den -Kampf tun läßt, den auch die Pflanze um ihr Dasein führt, und uns die Zähigkeit -zeigt, mit der sie dabei um ihr Leben ringt. Wo die Winde in kaum zentimetertiefen -Unebenheiten des Felsens nur eine Spur von Erdreich angeweht haben, -siedeln sich bescheidene Moose und Flechten an, oder es keimen aus windangewehtem -Samen Gräser und andere Blütenpflanzen. So das in seiner Schlichtheit so -schöne Gänseblümchen (<em class="antiqua">Bellis perennis</em>), Habichtskräuter u. a. m., die ja in der -Rosettenbildung ihrer dem Boden sich eng anschmiegenden, dachziegelartig übereinanderliegenden -Blätter eine ebenso einfache, wie überzeugend wirkende Einrichtung -gegen jede übermäßige Wasserabgabe besitzen und durch sie außerdem noch der -raschen Austrocknung des kärglichen Bodens entgegenarbeiten. Das bedürfnislose -Heidekraut (<em class="antiqua">Calluna vulgaris</em>) ergreift gleichfalls Besitz vom neuentstandenen Boden -und mit ihm stellen sich hier und da auch einige bescheidene Heidelbeerpflänzchen -ein. Von Bäumen sind es neben Aspen und Salweiden die mit den dürftigsten -Verhältnissen vorliebnehmenden Kiefern und Birken, denen das wenige lockere -Erdreich schon Nahrung gibt und die ihre Wurzeln zunächst ganz flach, aber weit<span class="pagenum" id="Seite_13">[13]</span> -an der Oberfläche des Felsens entlang senden, bis sie auf Risse und Spalten im -Gestein stoßen, in die sie sich dann tief hinabsenken und den heranwachsenden -Baum oft fester verankern als auf tiefgründigerem Waldboden. Dort, wo -bereits während des Abbaues sich Schutt angesammelt hat, ist das Pflanzenleben -ein reicheres. Unter anderen Arten finden wir hier die würzige Walderdbeere, -während Brombeere und Himbeere oft dichte, der Kleinvogelwelt -Unterschlupf und Nistgelegenheiten bietende Hecken bilden. Das Weidenröschen -läßt im August weithin seine Blüten leuchten und in ihr Rot mischen sich die -gelben Farben von Habichtskräutern und Johanniskraut, bis dann nach einigen -Jahren die im Frühjahr von einer reichen Insektenwelt besuchten kätzchentragenden -Sträucher der Salweide und inzwischen höher herangewachsene Bäume – den Kiefern -und Birken gesellen sich hier höhere Ansprüche stellende Lärchen und Fichten, die -Eberesche und von anderen Laubbäumen einzelne Buchen und Eichen zu – die -niedrigeren kraut- und strauchartigen Pflanzen mehr und mehr verdrängen. Auf -diese Weise erhalten sich auf dem Rochlitzer Berge abwechselungsreiche Pflanzengemeinschaften, -die in ihrer Ursprünglichkeit überaus anziehend wirken und vor -allem auch in die oft größere Gleichförmigkeit des unter Kultur stehenden Forstes -einen diesen wieder zugute kommenden Wechsel tragen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-014"> - <img class="w100" src="images/illu-014.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus den Rochlitzer Steinbrüchen<br /> -Abb. 3 <b>Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen Stelle</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-015"> - <img class="w100" src="images/illu-015.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 4 <b>Siebenschläfer</b></div> -</div> - -<p>Es wird ohne weiteres auch als ganz selbstverständlich erscheinen, daß die -Steinbrüche, die bei ihrer räumlichen Ausdehnung inmitten des geschlossenen Waldes -eine Welt für sich bilden, in der bis zu einem gewissen Grade die Natur allein<span class="pagenum" id="Seite_14">[14]</span> -regiert, auch von einem -nach Lage der Verhältnisse -nur günstigem Einflusse -auch auf die Tierwelt -des Rochlitzer -Berges sein müssen. -Eine Menge Tiere findet -in den Spalten und -Klüften der Felswände, -in den an dunklen Verstecken -reichen Haufen -beiseite gefahrenen, unverwendbaren -Gesteinsmaterials -willkommene -Schlupfwinkel, andere -wieder werden angezogen -von der natürlichen, -von Menschen wenig besuchten Wildnis der abgebauten Teile. Der Siebenschläfer, -dessen Vorkommen auf dem Rochlitzer Berge zunächst allerdings wohl eine -Folge des einstigen Reichtums an Laubholz -mit den ausgedehnten Rotbuchenbeständen -ist, findet sich heute doch vorzugsweise in -dem Bereiche der Steinbrüche und auch auf -den Bestand der kleineren Raubsäugetiere, -von denen ich Wiesel und Hermelin oft -in den Steinbrüchen begegnet bin, und denen -sich auch der Iltis, der Edel- und sogar der -in den geschlossenen Wald sonst nur seltener -eindringende Hausmarder zugesellen, sind -sie nicht ohne Wirkung geblieben. Unvergeßlich -wird mir der milde Sommersonntagabend -bleiben, an dem ich unseren Edelmarder -in einem auflässigen Teile des -Mühlsteinbruches zum ersten Male längere -Zeit hindurch in seinem Leben und Treiben -beobachten konnte. Aalgleich wandte er -sich durch die Steinwildnis hindurch, -schnüffelnd untersuchte er jeden Spalt -im Felsen, spürte jede Höhle ab, die die -reichlich umher- und übereinanderliegenden -Gesteinstrümmer bildeten. Eine Maus, die -der Abend aus ihrem Versteck hervorgelockt -hatte, wurde seine Beute, eine -Goldammer, die ihr: »Wie, wie hab’ ich<span class="pagenum" id="Seite_15">[15]</span> -dich so lieb!« eben abgebrochen -und sich in -einem niederen Strauch -zur Ruhe niedergetan -hatte, entging seinen -räuberischen Gelüsten -noch im letzten Augenblick, -so daß er ihr -verdutzt von einem vorspringenden -Gesteinsblock -aus nachschaute.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-016a"> - <img class="w100" src="images/illu-016a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 5 <b>Männlicher Gartenrotschwanz an der Nisthöhle an einer Hauswand</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-016b"> - <img class="w100" src="images/illu-016b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 6 <b>Weiblicher Gartenrotschwanz -vor der Nisthöhle in einer Mauer</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-017a"> - <img class="w100" src="images/illu-017a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 7 <b>Junger Hausrotschwanz an der Nisthöhle -in einem Gesteinsspalt</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-017b"> - <img class="w100" src="images/illu-017b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 8 <b>Junge Gebirgsstelze nach dem Verlassen des Nestes</b></div> -</div> - -<p>Weit mehr noch als -wie auf die verborgener -lebenden Säugetiere -spüren wir den Einfluß -der Steinbrüche auf die -der direkten Beobachtung -ja weit zugänglichere -Vogelwelt. Einige Arten, denen wir im geschlossenen Walde nicht oder doch -nur vereinzelt begegnen würden, sind im Gebiet der Steinbrüche nicht selten, andere, -den Wald zwar nicht meidende, erreichen in ihnen eine größere Häufigkeit. Ich -denke da vor allem an unsere beiden Rotschwanzarten, die auf dem Rochlitzer -Berge ganz besonders häufig sind und ausschließlich oder doch fast ausschließlich -die Steinbrüche bewohnen, in denen sie auch wieder zu der ihnen ureigensten Nistweise -zurückgekehrt sind. Nach den übereinstimmenden Versicherungen alter Steinbruchsarbeiter, -die sich in jeder Weise auch mit meinen eigenen Erfahrungen decken, -hat die Zahl dieser beiden Vögel in den letzten Jahrzehnten auffallend zugenommen. -Namentlich beim häufigeren -Gartenrotschwanz -fällt diese Zunahme -recht in die -Augen. In einem Steinbruche -traf ich im Frühjahre -1914 nicht -weniger als fünf Brutpaare -desselben – zwei -davon nisteten an Arbeiterhäusern, -drei aber -in Gesteinsspalten – -neben zwei vom Hausrotschwanz -an, in einem -anderen im Jahre vorher -sogar sechs Paare -des ersteren, die mit<span class="pagenum" id="Seite_16">[16]</span> -Ausnahme eines an einem Gebäude nistenden sämtlich in Felsspalten ihre Nester -errichtet hatten, neben zwei Paaren des ebenfalls in Felsspalten nistenden Hausrötels. -Auch die weiße Bachstelze bewohnt in ähnlich großer Zahl die Steinbrüche -und nistet hier bald an Arbeiterhäusern, bald aber auch in geschützten Hohlräumen -der Felswände. In diesem letzteren Fall teilt sie dann die Niststätten mit ihrer gelben -Schwester, der Gebirgsstelze, deren Zunahme auf dem Rochlitzer Berge eine ganz -besonders in die Augen fallende ist. Ich entsinne mich heute noch deutlich des Tages -anfangs der neunziger Jahre, an dem ich die Art hier überhaupt zum ersten Male -sah und über die Beobachtung der mir damals noch neuen daheim in jugendlicher -Freude erzählte. Seit jener ersten Begegnung wurde sie zu einem meiner erklärten Lieblingsvögel -und jede neue Beobachtung der damals noch seltenen bildete ein heute noch -nicht vergessenes Ereignis. Jetzt ist sie schon eine ganz gewöhnliche Erscheinung -und brütet alljährlich in wenigstens einem, häufig aber auch in mehreren Paaren -in fast jedem der Steinbrüche. Aber auch andere Höhlenbrüter finden in den Felsklüften -willkommene Nistgelegenheiten. Von Meisen sind es besonders die Kohl-, -die Tannen- und die Blaumeise, ausnahmsweise auch die Sumpf- und die Haubenmeise, -die regelmäßig in Gesteinsspalten oder in den Hohlräumen der überall gegen -hereinbrechenden Abraum aufgeführten Schutzmauern nisten und denen sich auch -gern der Kleiber zugesellt. 1916 während eines Urlaubes konnte ich in solchen -Schutzmauern zum ersten Male auch den Mauersegler, der allsommerlich über den -Gipfel des Berges seine Flugkünste treibt und den ich – Freund Heyder hatte -ihn schon früher als Brutvogel des Rochlitzer Berges in Baumhöhlen des Waldes<span class="pagenum" id="Seite_17">[17]</span> -festgestellt – seit langem -bereits im Verdacht hatte, -auch »Steinbruchsvogel« -zu sein, brütend nachweisen.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-018"> - <img class="w100" src="images/illu-018.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 9 <b>Kohlmeise vor der Nisthöhle in einer Gesteinswand</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-019a"> - <img class="w100" src="images/illu-019a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 10 <b>Tannenmeise an der Nisthöhle in einer Felswand</b></div> -</div> - -<p>Daß ferner bei -dem großen Reichtum der -Steinbrüche an Hecken, -die in den auflässigen -Teilen oft so üppig -wuchern, auch die Zahl -der Buschbrüter eine -ziemlich reiche ist, bedarf -wohl kaum eines -besonderen Hinweises. -Namentlich die Grasmücken -in sämtlichen -vier, der Rochlitzer Vogelfauna angehörenden Arten: der Dorn-, der Zaun-, der -Garten- und der Mönchsgrasmücke, sind regelmäßige Bewohner derartiger Stellen.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-019b"> - <img class="w100" src="images/illu-019b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 11 <b>Großer Buntspecht an der Nisthöhle -in einem Kirschbaum</b></div> -</div> - -<p>Reich ist in den Steinbrüchen auch das seit meiner Jugendzeit sonst im -Bereiche des Rochlitzer Berges aber stark -zurückgegangene Kriechtier- und Lurchleben -entwickelt. Die flinke Zauneidechse -zunächst ist eine der auf dem Rochlitzer -Berge abgenommenen Arten, die auch die -Steinbrüche nicht mehr in den Mengen -bevölkert, als wie ich sie noch als -Knabe sah; der rotbäuchige Bergmolch, der -einst geradezu in Massen die zahlreichen -Steinbruchstümpel bevölkerte, ist weniger -häufig geworden, und der in Schwarz und -leuchtend Gelb gekleidete Feuersalamander, -dessen ganze Schönheit nur der voll empfinden -wird, der ihn einmal nach einem -warmen Gewitterregen aus einem dunklen -Spalt des von grünem Moos überkleideten -roten Gesteins hat hervorkommen -sehen, ist heute auch nicht annähernd -mehr in den Mengen vorhanden, wie vor -wenigen Jahrzehnten noch. Ein sinnloses -Sammeln, bald – wie beim Bergmolch -– von einer zwar naturfreudigen, -aber in falschen Bahnen sich betätigenden -Jugend, bald – wie beim Feuersalamander<span class="pagenum" id="Seite_18">[18]</span> -– von gewerbsmäßigen Fängern, denen ja nichts in der Natur heilig -ist, trägt wohl die Hauptschuld an dem bedauerlichen Rückgange. Vielleicht wäre -es aber wohl noch schlimmer um das heutige Vorkommen dieser Arten bestellt, -wenn nicht die Steinbrüche ihnen und noch anderen ihrer Sippe: der goldgekrönten -Ringel- und der spärlicheren -glatten Natter, -dem lebhaften Grasfrosch -und der vielgeschmähten, -dabei aber -doch so nützlichen Erdkröte -Schlupfwinkel in -so reichem Maße darbieten -würden, daß -immer noch ein großer -Teil von ihnen sich allen -Verfolgungen zu entziehen -vermag.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-020a"> - <img class="w100" src="images/illu-020a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 12 <b>Ringelnatter vor ihrem Schlupfwinkel</b></div> -</div> - -<p>Der günstige Einfluß -der Steinbrüche auf das -Tierleben des Rochlitzer -Berges, der aus den -hier mitgeteilten Fällen -zweifellos hervorgeht, -würde noch augenfälliger -werden, wenn wir unsere -Betrachtungen auch auf -die niedere Tierwelt ausdehnen -und insbesondere -die Insektenwelt in sie -einbeziehen würden. -Einer unserer größten -und prächtigsten Tagschmetterlinge -beispielsweise, -der Eisvogel, verdankt -sein Vorkommen -der heute im Rochlitzer -Bergwalde vorzugsweise -auf das Steinbruchsgebiet -beschränkten Aspe, -und wie für ihn, liegen die Verhältnisse ähnlich auch noch für eine weitere Anzahl -leichtbeschwingter Falter und andere niedere Tierarten. – – –</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-020b"> - <img class="w100" src="images/illu-020b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:<br /> -Abb. 13 <b>Eine Erdkröte verläßt ihren Schlupfwinkel</b></div> -</div> - -<p>Aber es scheint auch, als ob der Steinbruchsbetrieb des Rochlitzer Berges -neben diesen günstigen Einflüssen auf das Naturleben noch einen solchen entgegengesetzter -Richtung ausübt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_19">[19]</span></p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-021"> - <img class="w100" src="images/illu-021.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Aus der Tierwelt des Rochlitzer Berges:<br /> -Abb. 14 <b>Blindschleiche beim Verlassen ihres Schlupfwinkels.</b></div> -</div> - -<p>Unter den Waldbäumen des Rochlitzer Berges nahm einst die Weißtanne -einen breiten Raum ein. Heute hat sie aufgehört, bestandsbildender Waldbaum zu -sein; die wenigen, hier und da noch in den Mischbeständen stehenden, fast immer -kränkelnden Stücke sind stumme Zeugen vergangener Zeiten. Forstlich ist der -Baum nicht mehr hoch zu bringen. Es ist das eine Erscheinung, die man in -unserem Vaterlande nun zwar auch an anderen Orten beobachtet und die man -meines Wissens in erster Linie auf die Verunreinigung der Luft durch die Rauchgase -unserer hochentwickelten sächsischen Industrie zurückführt. Ob immer und in welchem -Maße dies zu Recht geschieht, vermag ich nicht zu entscheiden. Meines Erachtens -wirken an ihrem Rückgange hier und da aber auch noch andere als die eben angeführten -Ursachen mit. Die Tanne stellt ziemlich hohe Anforderungen auch an -den Feuchtigkeitsgehalt der Luft und des Bodens und ist gegen eine Abnahme -desselben empfindlicher als andere Waldbäume. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit -scheint aber auf dem Rochlitzer Berge stattgefunden zu haben. Darauf deuten -nicht nur eine ganze Anzahl heute trockener Quelläufe an den Hängen des Berges -hin, sondern sie geht auch hervor aus dem Umstand, daß heute noch fließende -Quellen zum Teil wasserärmer geworden sind, als sie es in meiner auf dem -Rochlitzer Berge verlebten Jugendzeit waren. Diese Abnahme der Bodenfeuchtigkeit -aber dürfte im wesentlichen ihre Ursachen in dem Steinbruchsbetriebe haben. -Infolge seiner räumlich großen Ausdehnung kommt ein beträchtlicher Teil der -atmosphärischen Niederschläge dem Walde nicht mehr zugute; ein Teil verdunstet -über den freien Flächen der Steinbrüche sofort, ein anderer Teil aber sammelt sich -in ihren tiefergelegenen Stellen in Form kleinerer oder größerer Tümpel an und -wird von hier gleichfalls, wenn auch allmählicher, der Verdunstung zugeführt. -Aber auch nicht unbeträchtliche Mengen der über dem Walde selbst niedergehenden -Niederschläge verbleiben nicht mehr in dem Waldboden, sondern strömen in Gesteinsspalten<span class="pagenum" id="Seite_20">[20]</span> -und Rissen jenen Wasseransammlungen in den tieferen Teilen der Steinbrüche -zu und verdunsten hier ebenfalls wie jene direkt.</p> - -<p>Es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß dieser Einfluß der Steinbrüche auf -die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit des Waldes, der zwar nicht für sich allein, -sondern wohl mit der schon erwähnten Verunreinigung der Luft durch Rauchgase -an dem Rückgang der Tanne auf dem Rochlitzer Berge beteiligt sein mag, sich in -seinen Wirkungen auch auf andere feuchtigkeitsliebende Pflanzen äußert.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Vogelwelt_unserer_Obstalleen">Die Vogelwelt unserer Obstalleen</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Rud. Zimmermann</em></p> - -<p class="center smaller">Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers</p> -</div> - -<p>Beobachtungen, die ich vor dem Kriege an der von Rochlitz nach dem Rochlitzer -Berge führenden, mir von meiner Kindheit an vertrauten und von mir regelmäßig -begangenen, in dem hier in Frage kommenden Teile von Obstbäumen bestandenen -Staatsstraße über die daselbst nistenden höhlenbrütenden Kleinvögel machte und die -dabei einen vorher kaum geahnten Reichtum an solchen ergaben, wurden die Ursache, -daß ich in der Folge nicht nur noch schärfer auf die Vogelwelt der genannten Straße -achtete, sondern meine Beobachtungen auch auf andere Gegenden ausdehnte und dabei -vor allem auch Material zur Frage der Bedeutung unserer Vogelwelt für die Obstalleen -zu erlangen versuchte. Im nachfolgenden nun soll über diese Beobachtungen, -die in vielfacher Hinsicht recht interessante sind, etwas eingehender berichtet und -dieser Bericht zunächst mit einer Schilderung der Verhältnisse an der oben genannten -Straße begonnen werden.</p> - -<p>Die Staatsstraße Rochlitz–Rochlitzer Berg, in Rochlitz kurzweg die Bergstraße -genannt, wird in ihrem ersten, hier nur in Frage kommenden Teil von Feldern -begrenzt, während auf eine Strecke von etwa 500 Meter Länge an der einen -Seite auch der Wald an sie herantritt, der ihr auch sonst nicht fern bleibt und an -den weitesten Stellen kaum viel über 500 Meter von ihr weg liegt. Der regelmäßigen -Beobachtung unterstanden in den Jahren 1913 und 1914 eine Strecke von -etwa 500 Meter, 1919 und 1920 aber von gegen 1500 Meter Länge, von der -ein kleiner, etwa 200 Meter langer Teil von Kirschbäumen gesäumt, der größere -aber beiderseits von Apfelbäumen bestanden ist.</p> - -<p>An der kleineren, nur apfelbaumbestandenen Straßenstrecke wurden</p> - -<table summary="Vogelzählung"> -<tr> -<td>1913</td><td>und</td><td>1914</td><td colspan="3"></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">2</td><td></td><td class="tdr">1</td><td>Paar</td><td>Gartenrotschwänzchen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">3</td><td></td><td class="tdr">5</td><td class="tdc">"</td><td>Kohlmeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1</td><td></td><td class="tdr">2</td><td class="tdc">"</td><td>Blaumeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1</td><td></td><td class="tdr">1</td><td class="tdc">"</td><td>Kleiber,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">2</td><td></td><td class="tdr">1</td><td class="tdc">"</td><td>Feldsperlinge sowie</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">–</td><td></td><td class="tdr">2</td><td class="tdc">"</td><td>Stare</td> -</tr> -</table> - -<p>insgesamt also 9 bzw. 12 Brutpaare einwandfrei festgestellt, von einigen -weiteren, zweifellos auch noch genisteten Meisen- und Rotschwanzpaaren die Nisthöhlen -aber nicht aufgefunden, während dann in dem größeren Straßengebiet</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_21">[21]</span></p> - -<table summary="Vogelzählung"> -<tr> -<td>1919</td><td>und</td><td>1920</td><td colspan="3"></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">2</td><td></td><td class="tdr">5</td><td>Paar</td><td>Gartenrotschwänzchen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">8</td><td></td><td class="tdr">4</td><td class="tdc">"</td><td>Kohlmeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">8</td><td></td><td class="tdr">5</td><td class="tdc">"</td><td>Blaumeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1</td><td></td><td class="tdr">1</td><td class="tdc">"</td><td>Kleiber,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">4</td><td></td><td class="tdr">5</td><td class="tdc">"</td><td>Stare sowie</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1</td><td></td><td class="tdr">–</td><td class="tdc">"</td><td>Grünspechte</td> -</tr> -</table> - -<p>insgesamt also 24 bzw. 20 Brutpaare sicher bestätigt und ebenfalls wieder -von einigen weiteren (Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise, Kleiber und Baumläufer) -die Höhlen nicht aufgefunden werden konnten.</p> - -<p>Von den 1919 und 1920 beobachteten Brutpaaren entfallen auf die kleinere, -1913 und 1914 unter Beobachtung gestandene Straßenstrecke</p> - -<table summary="Vogelzählung"> -<tr> -<td>1919</td><td>und</td><td>1920</td><td colspan="3"></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">–</td><td></td><td class="tdr">2</td><td>Paar</td><td>Gartenrotschwänzchen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">5</td><td></td><td class="tdr">4</td><td class="tdc">"</td><td>Kohlmeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">3</td><td></td><td class="tdr">2</td><td class="tdc">"</td><td>Blaumeisen,</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1</td><td></td><td class="tdr">1</td><td class="tdc">"</td><td>Kleiber und</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">4</td><td></td><td class="tdr">4</td><td class="tdc">"</td><td>Stare</td> -</tr> -</table> - -<p>zusammen sonach 13 bzw. 13 Paare, von denen sich 1919 elf, 1920 aber neun -Paare auf eine Straßenlänge von nur etwas über 200 Meter verteilten, so daß -hier auf etwa 20 Meter Länge bereits ein Brutpaar kam! – Hervorgehoben soll -dabei noch werden, daß in den Jahren 1913 und 1914 noch nicht der große Wert -auf die Feststellung möglichst aller Nisthöhlen gelegt wurde und daß schließlich im -letzten Jahre eine nur noch beschränkte Zeit auf die Beobachtungen verwandt und -eine Straßenlänge von gegen 500 Meter überhaupt nicht voll begangen werden konnte.</p> - -<p>Mit den von mir in früheren Jahren bereits beobachteten Arten konnten in -dem hier geschilderten Straßenbereich an höhlenbrütenden Vögeln bisher der -<em class="gesperrt">Gartenrotschwanz</em>, die <em class="gesperrt">Kohl-</em> und die <em class="gesperrt">Blaumeise</em>, einzeln auch die -<em class="gesperrt">Tannen-</em> und die <em class="gesperrt">Sumpfmeise</em>, der <em class="gesperrt">Kleiber</em> und der <em class="gesperrt">Baumläufer</em>, der -<em class="gesperrt">Feldsperling</em>, der <em class="gesperrt">Star</em>, der <em class="gesperrt">große</em> und der <em class="gesperrt">kleine Buntspecht</em> sowie der -<em class="gesperrt">Grünspecht</em> festgestellt werden, zu denen als dreizehnte Art noch die <em class="gesperrt">weiße -Bachstelze</em> kommt, die vereinzelt in (Halb-)Höhlen der Bäume, regelmäßiger aber -in den Straßenunterführungen ihre Nester errichtet, während ich den sonst zwar -angetroffenen und an einer Straße in der Nachbarschaft auch brütend beobachteten -<em class="gesperrt">Wendehals</em> für unser Straßengebiet als Brutvogel einwandfrei noch nicht bestätigen -konnte. – Der große Vogelreichtum dieses Straßenbereichs, der mit den -hier aufgezählten Arten aber natürlich noch nicht erschöpft ist, sondern sich noch -um die Freibrüter erhöht, ist nicht immer ein derartig hoher gewesen. Die Zahl -der Höhlenbrüter war früher, als die Straßenbäume noch jünger waren und noch -nicht diese Fülle natürlicher Höhlen aufwiesen, die sie heute besitzen, eine weit -geringere; sie erhöhte sich erst, als der frühere, alt gewordene Straßenwärter -einem jüngeren Manne weichen mußte, der, vogelfreundlich gesinnt, aus eigenem -Antriebe auf den Straßenbäumen eine größere Anzahl zum Teil selbstgefertigter<span class="pagenum" id="Seite_22">[22]</span> -Nisthöhlen aufhing und damit sofort, in erster Linie wohl aus dem nahen Walde, -zahlreiche Höhlenbrüter nach der Straße zog. Von den ehedem aufgehängten Nistkästen -sind in den letzten Jahren allerdings viele ein Opfer ihres Alters geworden, -andere von der Straßenjugend, die in ihnen willkommene Ziele für allerlei Wurfübungen -erblickte, herabgeworfen worden. An ihre Stelle aber sind mit dem zugenommenen -Alter der Straßenbäume eine große Anzahl natürlicher Höhlen getreten, -die meistens unauffälliger sind und schon dadurch den in ihnen nistenden Vögeln -in der Regel eine meistens weit größere Sicherheit gewähren. Der Gassenjugend -wenigstens entgehen sie viel mehr, als wie die aufgehängten künstlichen Höhlen, -an denen ich früher einige Male Buben beim Zerstören von Gelegen oder Bruten -überrascht habe.</p> - -<div class="figleft illowp45" id="illu-024a"> - <img class="w100" src="images/illu-024a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Star vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<div class="figright illowp45" id="illu-024b"> - <img class="w100" src="images/illu-024b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Kohlmeise vor der Nisthöhle</b> -(der gleichen, wie in Abb. 1)</div> -</div> - -<p class="clr">Eine Anzahl der hier beobachteten natürlichen Höhlen erfüllt ihren Zweck -schon seit Jahren. So war die eine derselben (Abb. 1 und 2), die etwas ungewöhnlicher -Natur und recht wenig wettergeschützt war, weil die Eingangsöffnung direkt -von oben hineinführte, 1913–1915 von Kohlmeisen und während der Kriegsjahre -1916–1918, in denen ich die Beobachtungen allerdings nicht persönlich machen -konnte, ebenfalls wieder von Kohlmeisen und einmal auch von Gartenrotschwänzchen -bewohnt gewesen, bis dann 1919 und 1920 Stare sie sich als Niststätte erkoren -hatten. Eine andere, vom Buntspecht angelegte und mehrere Jahre von diesen -bewohnt gewesene Höhle hatte sich 1914 ein Kleiberpaar als Wohnung eingerichtet,<span class="pagenum" id="Seite_23">[23]</span> -eine Art, die auch 1919 und 1920 wieder in ihr brütend festgestellt werden konnte. -In einer dritten, in der 1913 ein Feldsperlingspaar genistet hatte, dessen Besitzrechte -im folgenden Jahre auf ein Blaumeisenpärchen überging, wurden 1919 und 1920 -wiederum Blaumeisen beobachtet. Auch eine etwas eigenartige Nisthöhle unter -einem Wegweiser, die durch die Überwallung des letzteren durch den stärker -gewordenen Stamm, an dem er befestigt, entstanden ist, hat Jahre hindurch Nistzwecken -gedient. Im Jahre 1914 stellte ich in ihr zum ersten Male Blaumeisen -fest und fand die gleiche Art – nachdem ich während des Krieges ja nur -selten und dann immer auch nur flüchtig während des rasch vorübergehenden -Urlaubes beobachten konnte – dann 1919 von neuem als Bewohner der Höhle. -Ebenso sollen, wie mir nachträglich ein für unsere Vogelwelt interessierter Herr mitgeteilt -hat, auch während des Krieges Blaumeisen in ihr genistet haben, so daß im -Hinblick auf die ungewöhnliche Art der Nisthöhle vielleicht der Schluß auf das -gleiche oder Vögel des gleichen Paares nicht ganz unwahrscheinlich erscheint.</p> - -<div class="figleft illowp45" id="illu-025a"> - <img class="w100" src="images/illu-025a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 -<b>Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<div class="figright illowp45" id="illu-025b"> - <img class="w100" src="images/illu-025b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 -<b>Männlicher Gartenrotschwanz in der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<p class="clr">Eine auffallende, namentlich 1913 und 1914 sich ganz besonders stark aufdrängende -Erscheinung war die Bevorzugung der weniger wettergeschützten Höhlen -gegenüber den für Brutzwecke scheinbar geeigneteren natürlichen oder künstlichen -Höhlen. Ich habe darüber früher schon an anderer Stelle berichtet<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> und auch neuerdings<span class="pagenum" id="Seite_24">[24]</span> -die Frage im Zusammenhange mit meinen anderen hier gemachten Beobachtungen -nochmals angeschnitten<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>. Auf die eine dieser theoriewidrigen Höhlen (»Der Vogel -bezieht nur vor Wind und Wetter geschützte Höhlen«) habe ich oben schon hingewiesen; -es ist die in den Abbildungen 1 und 2 wiedergegebene, die von 1913 -bis 1920 alljährlich Bewohner gehabt hat, trotzdem die ziemlich weite Eingangsöffnung -direkt von oben in das Innere führte und daher dem Regen ungehindert -den Zutritt gestattete. Einige scheinbar viel günstigere, aber unbesetzt gebliebene -Höhlen befanden sich dabei auf Bäumen in der unmittelbarsten Nachbarschaft. Eine -zweite dieser Höhlen, gleichfalls wieder mit dem Eingang von oben, von der ich -bereits eine Aufnahme im VI. Bande, Seite 69, dieser Mitteilungen veröffentlichen -konnte, diente 1913 einer dreizehnköpfigen Blaumeisenbrut als Kinderwiege, war -dann 1914 von Kohlmeisen bewohnt und soll 1915 ebenfalls wieder Kohlmeisen -als Bewohner gehabt haben. Auch hier befanden sich wettergeschütztere Höhlen in -unmittelbarster Nachbarschaft. Eine dritte endlich – aus der Zahl der vorhandenen -Beispiele nur noch dieses eine angeführt –, die unsere Aufnahmen 4 und 5 wiedergeben, -und deren ungewöhnlich weiter Eingang nach Nordwesten gerichtet, also der -Wetterseite zugekehrt war, war 1913 von einem Rotschwanzpaar bewohnt und -wurde als Bruthöhle auch 1920 wieder von einem Pärchen der gleichen Art benutzt, -nachdem durch ein weiteres Ausfaulen des Baumes neben der damals schon weiten -Eingangsöffnung inzwischen noch eine zweite, gleichgroße entstanden war, wodurch -die Wettersicherheit der Höhle eine noch geringere geworden war. Scheinbar -günstigere Höhlen befanden sich auch in diesem Falle wieder in unmittelbarster -Nähe. – Die Frage, warum die Vögel gerade diese weniger geschützten Höhlen den -nach unseren Begriffen geschützteren vorzogen, fast, als ob sie uns damit auf -das nachdrücklichste das Unzulängliche und Gezwungene aller von Menschen aufgestellten -Gesetze vor Augen führen wollten, ist schwer zu entscheiden. Ob vielleicht, -wie ich das an anderer Stelle ausführe, die Vögel einer an sich geräumigeren -Höhle, selbst wenn diese weniger geschützt ist, den Vorzug vor einer engeren, sonst -aber wettergeschützten geben? Und ob nicht vielleicht das Innere unserer künstlichen -Meisenhöhlen für eine größere Brut – man denke nur an die oben erwähnte -dreizehnköpfige Blaumeisenschar! – manchesmal etwas knapp sein mag? Ich -lasse diese Fragen hier unerörtert, möchte aber wenigstens durch ihre Erwähnung -Vogelfreunde zu weiteren Beobachtungen in dieser Richtung anregen. –</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Ornithologische Monatsschrift 1916, S. 356 fl.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Ornithologische Monatsschrift 1921, S. 13 fl.</p> - -</div> -</div> - -<div class="figleft illowp45" id="illu-027a"> - <img class="w100" src="images/illu-027a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Kohlmeise vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<div class="figright illowp45" id="illu-027b"> - <img class="w100" src="images/illu-027b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Blaumeise vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<p class="clr">Ist der hier geschilderte, ungewöhnlich groß erscheinende Vogelreichtum nur -dem der Beobachtung unterworfen gewesenen Straßengebiet eigen, vielleicht, weil -hier ganz besonders günstige Umstände ihn beeinflussen, oder können wir ihn -ähnlich reich auch anderwärts beobachten? Ich glaube diese Frage bejahen zu -können, sobald es sich um obstbaumbestandene Straßen handelt, die alte, höhlenbergende -Bäume aufweisen. Bereits früher konnte ich in Westsachsen in der -Frohburg-Kohrener Gegend schon bei nur flüchtiger Begehung auf oft recht kurzen -Straßenlängen höhlenbrütende Kleinvögel: neben dem Gartenrotschwanz vor allem -Kohl- und Blaumeisen und etwas vereinzelter den Baumläufer, in Mengen feststellen,<span class="pagenum" id="Seite_25">[25]</span> -die einen Schluß auf einen ähnlichen Reichtum, wie ich ihn an der -Rochlitzer Bergstraße beobachten konnte, durchaus begründet erscheinen lassen. -Und 1919 hatte ich dann wieder Gelegenheit, einmal in der Altenhainer Gegend -bei Wurzen, wo ich auch den schmucken Trauerfliegenfänger als einen in Obstbäumen -nistenden »Straßenvogel« feststellen konnte, und zum anderen in der -Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha den Rochlitzern ganz ähnliche -Verhältnisse festzustellen. Der Reichtum einer obstbaumbestandenen Straße an -höhlenbrütenden Kleinvögeln ist wohl überall noch ein ähnlich großer, wenn in -älteren, höhlenreichen Straßenbäumen oder in aufgehängten Nistkästen nur die -Bedingungen zur Entfaltung eines reicheren Vogellebens gegeben sind. Am ärmsten -an einem eigenen Vogelleben bleiben nach meinen Erfahrungen die Kirschalleen, -wahrscheinlich, weil diese weniger Kostgänger aus der Insektenwelt besitzen, als -wie dies mit Apfel- und anderen Obstalleen der Fall ist. Der Einfluß eines angrenzenden -oder nahegelegenen Waldes äußert sich, soweit ich darüber Beobachtungen -anstellen konnte, nur in einer Erhöhung der Artenzahl, indem dann einzelne, sonst -waldbewohnende Höhlenbrüter den Alleen zuziehen, scheint dagegen aber auf die -Stückzahl, die auch in waldfernen Alleen eine große sein kann, sobald in diesen -die schon erwähnten Bedingungen im Vorhandensein reicher Nistgelegenheiten -gegeben sind, von nur untergeordneter Bedeutung zu sein. –</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_26">[26]</span></p> - -<p>Besonderen Wert legte ich bei meinen Beobachtungen auf die Feststellung der -Nahrungsquellen der in unseren Obstalleen nistenden Höhlenbrüter und damit auch -auf die Frage ihrer Bedeutung für diese letzteren überhaupt. Ich konnte derartige -Beobachtungen vor allem an der Rochlitzer Bergstraße in weitgehendstem Maße -machen, weil ich hier – besonders in den Jahren 1913, 1914 und 1919 – für -photographische Aufnahmen oft tagelang ansaß und dabei manches einzelne Brutpaar -viele Stunden hindurch, oft auch mit dazwischen liegenden mehrtägigen -Pausen, unter den Augen hatte. Ihren Nahrungsbedarf deckten die Vögel teils -in der Allee selbst, teils aber auch im näheren oder ferneren Walde, wobei die -verschiedensten Arten aber auch ein recht verschiedenes Verhalten zeigten. In jenem -Teile des Beobachtungsgebietes, in dem die Straße von Kirschbäumen bestanden -war und an dem beiderseits der Wald bis auf Entfernungen von 50 Meter an die -Straße herantrat, bevorzugten die hier nistenden Arten als Nahrungsquelle allerdings -fast ausschließlich den Wald und nur ausnahmsweise einmal suchte ein 1919 -hier genistetes Blaumeisenpärchen einen der Alleebäume nach Insektenkost ab. Die -so große Nähe des Waldes und dessen zweifellos bedeutenderer Nahrungsreichtum -äußerten eben ihre Wirkungen, wozu dann auch noch das schon erwähnte geringere -Insektenleben auf Kirschbäumen kommen mochte.</p> - -<p>In den übrigen Teilen des Beobachtungsgebietes waren es zunächst die -Meisen und unter diesen wieder ganz besonders die Blaumeisen, die ihren Nahrungsbedarf -in erster Linie in der Allee selbst deckten, und nur dort, wo der Wald in -größerer Nähe war oder gar an die Straße selbst herantrat, häufiger und wohl -selbst einmal auch in überwiegendem Maße in diesem die Nahrung suchten. Dabei -ließ sich wiederholt mit aller Deutlichkeit feststellen, daß sie zu Beginn der Jungenpflege -zunächst die Straßenbäume bevorzugten und den Wald als Nahrungsquelle -erst in Anspruch nahmen, als mit dem fortgeschritteneren Wachstum der Jungen -auch deren Nahrungsbedarf ein größerer geworden war und die bisher fleißig -abgesuchten Straßenbäume anscheinend nicht mehr in der Lage waren, ihn restlos -zu decken. In den verschiedenen Jahren traten darin auch mehr oder weniger -deutliche Abweichungen ein, die wahrscheinlich auf einen wechselnden Insektenreichtum -der Straßenbäume zurückzuführen sind. Nur im Walde, die wenigen -Fälle, in denen er auch einmal auf Alleebäumen zu Gaste ging, ändern an dem -Bilde nichts, sammelte der Kleiber die Nahrung, wobei er freie Feldflächen von -100–500 Meter überflog. Im Gegensatz zu ihm schien dagegen wieder der Baumläufer -den Obstbäumen an der Straße den Vorzug zu geben; bei den allerdings -etwas spärlichen Beobachtungen 1919 an der Rochlitzer Bergstraße, die aber durch -ähnliche in Westsachsen und in der Oberlausitz ergänzt werden, sah ich unsere Art -nur Alleebäume absuchen, nie aber auch einmal das freie Feld in der Richtung -des Waldes überfliegen. Ebenso entnahm auch der Gartenrotschwanz seinen -Nahrungsbedarf in erster Linie den Straßenbäumen und verlegte die Jagdgefilde -erst dann in den Wald, als ihm die Straßenbäume nicht mehr die nötigen -Nahrungsmengen zu liefern im Stande zu sein schienen. Darauf deutet ganz -besonders die 1913 gemachte Beobachtung eines Pärchens, das zunächst auf den -der Bruthöhle am nächsten gelegenen Bäumen die Nahrung sammelte, dann sein<span class="pagenum" id="Seite_27">[27]</span> -Jagdgebiet immer mehr auch auf die entfernteren ausdehnte und schließlich kurz -vor dem Flüggewerden der Jungen fast nur noch im Walde die Nahrung suchte. -Eine überaus große insektenvertilgende Tätigkeit entfaltete auch der sonst so lästige -Feldsperling, dessen zur Brutzeit hier erlangte Bedeutung in der Lage ist, einen -Teil seiner sonstigen Untugenden aufzuheben. Ich sah ihn ausschließlich die -Nahrung auf den Straßenbäumen einsammeln und ihn dabei eine Tätigkeit entfalten, -die kaum der emsiger Meisen nachstand. Mehr als die anderen Vogelarten -berücksichtigte er dabei die unmittelbarste Umgebung des Nistortes und sammelte -auf deren Bäumen die Nahrung für seine -Brut. Nie sah ich ihn das freie Feld -nach dem Walde zu überfliegen, und nie -auch andere, als tierische Nahrung herbeibringen. -Im Gegensatz zu ihm deckte der -Star seinen Nahrungsbedarf ausschließlich -im Walde – das gelegentliche Zugastegehen -auch auf einem Obstbaum ist -kaum der Erwähnung wert –, und überflog -dabei das freie Feld auf meistens -recht weite Entfernungen. – Zusammenfassend, -möchte ich inbezug auf die -Insektenvertilgung in den Obstalleen durch -deren höhlenbrütende Gäste den Meisen, -die ja auch die häufigsten und regelmäßigsten -Bewohner sind, die größte Bedeutung -zusprechen und ihnen den meistens ja -gleichfalls häufigen Gartenrotschwanz an -die Seite stellen. Auch der Baumläufer -wird überall dort, wo er sich als Brutvogel -häufiger einstellt, eine hinter den -Meisen kaum zurückbleibende Tätigkeit -zu entfalten in der Lage sein. Des Feldsperlings -Bedeutung endlich, die ihm in -der Zeit der Jungenpflege wenigstens ohne -Zweifel zukommt, vermag, wie schon gesagt, manche seiner sonstigen Untugenden -abzuschwächen, dürfte aber kaum genügen, alle seine vielen Schwächen ganz auszugleichen.</p> - -<div class="figright illowp45" id="illu-029"> - <img class="w100" src="images/illu-029.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7 <b>Haubenmeise vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<p>Äußert sich die insektenvertilgende Tätigkeit der hier erwähnten höhlenbrütenden -Straßenvögel nun aber auch in einer praktisch ins Gewicht fallenden -Weise? Ich glaube diese Frage, die ich aber nur ungern stelle, weil mir die Verknüpfung -von Vogelschutz und Nützlichkeitsstandpunkt im allgemeinen wenig -sympathisch ist, ohne die wir aber nicht auskommen können, wenn wir der großen -Masse den Vogelschutz begreiflich machen wollen, entschieden bejahen zu müssen. -In der von meinen Knabenjahren an bis in das späte Jünglingsalter hinein -fallenden Zeit, in der an der Rochlitzer Bergstraße die Zahl der hier nistenden<span class="pagenum" id="Seite_28">[28]</span> -Höhlenbrüter eine nur kleine war, war auch das Insektenleben der Bäume ein -viel größeres. Wenn der Straßenwärter die Allee mit der Baumschere durchgegangen -war, lagen die herausgeschnittenen Raupennester zu Tausenden am Boden. -Dieser Reichtum an Insekten – es handelt sich dabei ja auch vorwiegend um -schädliche Arten, die ohne allen Zweifel den Obstertrag gemindert hätten –, -ließ aber sofort nach, als mit dem Aufhängen von Nistkästen die Wirkungen dieser -Maßregel in einer größeren Zahl der die Straße bewohnenden Vögel sich äußerten, -und die Menge der Raupennester, die heute noch von dem Wärter der Straße -entfernt werden muß, bildet nur noch einen verschwindend kleinen Bruchteil der -früher beseitigten. Es ist das eine Erscheinung, die nicht etwa nur von mir beobachtet -worden, sondern auch anderen schon aufgefallen ist und die ganz besonders -der die Straße betreuende Wärter empfindet. Eins verdient dabei noch Beachtung, -nämlich der geringe Einfluß, den die Vogelwelt des an die Straße angrenzenden -oder doch in ihrer Nähe bleibenden Waldes auf das Insektenleben der letzteren -auszuüben scheint. Wäre er ein größerer, so hätte er sich ja damals schon anders -äußern müssen, als infolge der geringeren Zahl der Straßenvögel der Insektenreichtum -der Allee ein noch größerer war. Es ergibt sich aus dieser Erscheinung -daher wohl auch die für den praktischen Vogelschutz recht beachtenswerte Folgerung, -daß zu einer wirksamen Bekämpfung der Schädlinge in Obstalleen durch die -Vogelwelt auch in vogelreichen Gegenden es unbedingt der Heranziehung eines den -Alleen selbst eigenen Vogellebens bedarf. Möchten daher die Besitzer von Obstalleen -– als solche kommen in erster Linie ja wohl der Staat und die verschiedenen -Ortsgemeinden in Frage – diesem Umstande künftig auch Rechnung tragen und einmal -durch das Aufhängen von Nistkästen, zum anderen aber durch die Duldung -einzelner alter, höhlenreicher Bäume, die Vogelwelt dieser Alleen nach Möglichkeit -zu vermehren trachten. Die darauf verwandten Kosten werden ja bald in einer -Verminderung derjenigen für die Schädlingsbekämpfung auf der einen, in einer -Erhöhung des Obstertrages aber auf der anderen Seite ihre Wirkungen zeigen. –</p> - -<p>Meine Ausführungen beschließe ich mit einer Liste der von mir bisher -festgestellten höhlenbrütenden Alleevögel und füge dabei den einzelnen Arten noch -die Ergebnisse meiner bisherigen Feststellungen bei.</p> - -<p>1. <em class="gesperrt">Gartenrotschwanz.</em> – Verbreiteter und neben der Kohl- und der -Blaumeise vielfach auch häufigster Alleevogel, der – den eingehenderen Rochlitzer -Beobachtungen stehen noch solche aus Westsachsen und der Lausitz zur Seite – zur -Zeit der Jungenpflege in den von ihm bewohnten Alleen eine überaus nützliche -Tätigkeit entfaltet und selbst beim Vorhandensein reicherer Nahrungsquellen, wie -sie ihm etwa ein naher Wald darbietet, den Nahrungsbedarf in erster Linie den -Straßenbäumen selbst entnimmt. Wenn Hennicke (Handbuch des Vogelschutzes, -S. 122) unsere Art als wirtschaftlich bedeutungslos bezeichnet, so bedarf diese -Behauptung in Fällen, wie wir sie in unseren obigen Darlegungen kennen gelernt -haben, doch zweifellos einer entsprechenden Richtigstellung.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Kohl-</em> und 3. <em class="gesperrt">Blaumeise</em>. – Die beiden häufigsten und wohl nirgends -fehlenden Alleevögel überhaupt, die eine besonders nützliche Tätigkeit entfalten und -noch wesentlich an Bedeutung gewinnen, weil sie in vielen, vielleicht gar in den<span class="pagenum" id="Seite_29">[29]</span> -meisten Fällen mit ihren Bruten in dem Straßengebiet verbleiben, wenn andere -hier genistete Arten andere Tummelplätze aufgesucht haben. – Es sei hier noch -kurz auf die Rörigschen Untersuchungen über den Nahrungsbedarf unserer insektenfressenden -Kleinvögel<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> verwiesen, nach denen beispielsweise ein Kohlmeisenpaar -mit seiner Nachkommenschaft eines Jahres jährlich mindestens anderthalb Zentner -Insekten als Nahrung verbraucht, um auch weiteren Kreisen ganz besonders nachdrücklich -den hohen Wert dieser Vögel vor Augen zu führen.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Arbeiten a. d. Biol. Anst. f. Land- u. Forstwirtschaft, Berlin. IV. Bd., Heft 1.</p> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-031"> - <img class="w100" src="images/illu-031.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8 <b>Kleiber vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<p>4. <em class="gesperrt">Tannen-</em>, 5. <em class="gesperrt">Sumpf-</em> und 6. <em class="gesperrt">Haubenmeise</em>. – Nur in der Nähe des -Waldes und auch dann in der Regel sich nur vereinzelt einstellende Brutvögel, die -zur Brutzeit in den von ihnen bewohnten Alleen eine zwar nicht minder große -insektenvertilgende Tätigkeit wie ihre beiden vorgenannten Verwandten entfalten, -aber nach Aufzucht ihrer Jungen wieder den Wald aufsuchen und die Alleen dann -erst wieder vorübergehend zur Strichzeit besuchen.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Kleiber.</em> – Ebenfalls wohl nur in der Nähe von Wald in den Obstalleen -sich einstellender Brutvogel, der seinen Nahrungsbedarf aber weniger in diesen<span class="pagenum" id="Seite_30">[30]</span> -selbst, sondern mehr im Walde decken dürfte, aber eine größere Bedeutung für -die Alleen im Herbst und Winter erlangt, wo er sie öfters zum Zwecke der -Nahrungssuche besucht.</p> - -<p>8. <em class="gesperrt">Baumläufer.</em> – Ein zwar verbreiteter, an Zahl aber wohl immer -hinter Kohl- und Blaumeise zurückstehender Alleevogel, dessen Tätigkeit der der -Meisen aber kaum nachstehen dürfte und der wie diese auch nach Beendigung des -Brutgeschäfts noch in den Alleen angetroffen wird.</p> - -<p>9. <em class="gesperrt">Weiße Bachstelze.</em> – Verbreiteter, hier und da in Halbhöhlen der -Bäume, häufiger aber unter Straßenunterführungen usw. nistender Vogel, dessen -Tätigkeit infolge der Art seiner Nahrungsaufnahme für die von ihm bewohnten -Straßen aber von keiner Bedeutung ist.</p> - -<div class="figleft illowp45" id="illu-032a"> - <img class="w100" src="images/illu-032a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 9 <b>Wendehals vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<div class="figright illowp45" id="illu-032b"> - <img class="w100" src="images/illu-032b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 10 <b>Großer Buntspecht vor der Nisthöhle</b></div> -</div> - -<p class="clr">10. <em class="gesperrt">Feldsperling.</em> – Ein ebenfalls häufiger Alleevogel, dessen sonst überwiegend -schädliche Tätigkeit zur Brutzeit für die von ihm bewohnten Alleen zu -einer recht nützlichen werden kann.</p> - -<p>11. <em class="gesperrt">Star.</em> – Ein zwar verbreiteter, nach meinen Erfahrungen aber doch -mehr örtlich als Alleebewohner auftretender Vogel, dessen Bedeutung für die Alleen -aber nur eine geringere sein dürfte, da er seinen Nahrungsbedarf – den oben -wiedergegebenen Beobachtungen an der Rochlitzer Bergstraße stehen Erfahrungen -auch von anderen Orten zur Seite – nicht in den von ihn bewohnten Alleen, -sondern an Stellen in der Nachbarschaft deckt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_31">[31]</span></p> - -<p>12. <em class="gesperrt">Grauer Fliegenfänger.</em> – Mehr gelegentlich sich einstellender, Halbhöhlen -beziehender Alleevogel.</p> - -<p>13. <em class="gesperrt">Trauerfliegenfänger.</em> – Gleich dem vorigen wohl auch nur mehr -gelegentlicher in der Nähe von Laub- oder laubholzreichem Mischwald sich einstellender -Alleevogel.</p> - -<p>14. <em class="gesperrt">Großer Buntspecht.</em> – In der Nähe von Wald einzeln sich einstellender -Alleevogel, der für die von ihm bewohnten Alleen aber ohne größere wirtschaftliche -Bedeutung ist, durch seine Höhlen aber für die Kleinvögel Nistgelegenheiten schafft. -Neben ihm mag sich hier und da der von mir als Alleevogel allerdings noch nicht -beobachtete <em class="gesperrt">Mittlere Buntspecht</em> in dieser Eigenschaft einfinden.</p> - -<p>15. <em class="gesperrt">Kleiner Buntspecht.</em> – Von größerer Bedeutung als seine beiden -eben genannten Vettern wird für die von ihm bewohnten Alleen der Kleine -Buntspecht, der meisenähnlich vor allem die Bäume in der Nachbarschaft seiner -Bruthöhle absucht und, sein Wesen auch nach der Brutzeit hier noch treibend, -besonders winters über die von Insekten angegangenen Knospen ausklaubt.</p> - -<p>16. <em class="gesperrt">Grünspecht.</em> – In der Nähe von Wald hin und wieder sich einstellender -Alleevogel ohne größere Bedeutung für sein Wohngebiet.</p> - -<p>17. <em class="gesperrt">Wendehals.</em> – Ein zwar häufig in Obstalleen sich einstellender, für -diese aber, da er die Nahrung zu einem großen Teil am Boden einsammelt – bei -einem Pärchen beobachtete ich ausschließlich diese Art der Nahrungssuche – wirtschaftlich -nicht bedeutender Brutvogel. –</p> - -<p>Nachdem in der vorstehenden Zusammenstellung vorwiegend die wirtschaftliche -Bedeutung unserer Alleevögel betont worden ist, sei wenigstens am Schlusse kurz auch -noch auf ihre ideellen, der wirtschaftlichen Bedeutung durchaus nicht nachstehenden -Werte hingewiesen. Unsere Vogelwelt vor allem ist es ja, die in das mitunter -große Einerlei vieler unserer Straßen erst den belebenden Ton trägt, und sie wird -das in einer um so größeren Weise tun, je artenreicher und mannigfaltiger sie sich -hier entfalten kann. Darum wollen wir uns auch über die Anwesenheit der -Arten freuen, deren wirtschaftliche Bedeutung hinter der der anderen zurückbleibt.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Das_Taennichttal_im_Tharandter_Wald">Das Tännichttal im Tharandter Wald</h2> - -<p class="center">Von Stadtbaurat <em class="gesperrt">Rieß</em>, Freiberg</p> - -<p class="center smaller">Aufnahmen von <em class="gesperrt">K. Reymann</em>, Freiberg</p> -</div> - -<p>Lange hatte während des Krieges und im bösen Jahr darauf mein treues -Rad gerastet. Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen Sommermorgens -und lockt hinaus, daß ich nicht widerstehen kann.</p> - -<p>Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf flüchtigem -Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit jungen Schwingen, -der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt. Die wuchtige Stadtmauer -Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben mit seinen grünen Bäumen, das -alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes gleiten an mir vorüber. Leb wohl, -du alter, fester Kumpan mit deinem spitzen Kegeldach, heute treibt’s in die Ferne<span class="pagenum" id="Seite_32">[32]</span> -mich mächtig hinaus. Und ihr Dohlen dort oben, die ihr dort flattert und schwebt, -und mit hellem Rufe freudig im Schwarme in dem blauen Äther euch schwingt, -heute neide ich euch nicht, heute bin ich selbst ein freier, wilder Vogel! Meine -Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt und tief das Glück eines freien -Sonnentages spürt. – Die Straße ins Muldental hinab fliegt das Rad, daß ein -Jauchzen aus der Brust wie ein lachender, springender Brunnen emporsteigt. -Halli und Hallo! Die Sommerwelt ist mein, die rechts und links an mir vorüberstürmt, -die grünen Hänge, die saftigen Wiesen, und dort der rauschende Fluß im -tiefen Grunde, mit seinen weißen Schaumflocken auf dunklem, sprudelndem Wasser, -die Heimat ist mein, denn meine Seele ist ihr offen, sie ist mein, denn sie gibt sich -mir, weil ihrem Zauber sich meine Seele gibt.</p> - -<p>Jenseits geht es steil bergauf. Steinig und heiß ist der Pfad, das Geröll -rutscht unter dem Fuß und die glimmerblinkenden Gneisplatten flimmern wie -Silber. Rötlich blüht schon das Heidekraut in dichten Polstern am Wege. Auf -der Höhe schöpft die Brust tief Atem und dann wandern die Augen hinab ins -tiefe Tal und dort nach den Höhen, wo die Halden und Bergwerke, Alt-Freibergs -Wahrzeichen und Hünenmale des Bergbaues, sich türmen, und weit in die blaue -Ferne, wo die duftigen Linien der Berge in unendlicher Zartheit sich am Horizonte -dehnen. Doch nun wieder vorwärts, dem Walde entgegen, in dessen grünem Meere -ich untertauchen will. Über breitem Höhenrücken geht die Fahrt. Die Felder -reifen der Ernte entgegen. Wie lange noch, dann klingt die Sense und die Pracht -sinkt vor dem Schnitter dahin. – Hast du Frucht gebracht? – –</p> - -<p>Die Vogelbeerbäume schmücken sich schon mit roten Beeren. Wie lange noch, -und die Drosseln ziehen, die Beeren fallen und liegen wie Blutstropfen am Straßenrande, -und dann schnaubt der Schnee in mächtigen Wehen und Wirbeln gleich -wilden, weißen Rossen über die Felder und hinter ihnen der eisige Ost mit scharfen -Peitschenschlägen. – Wohl dem, der eine Heimat hat! – Doch heute weht ein -süßer Duft wie Honig herüber. Ein blühendes Kleefeld strömt des Sommers ganze -Lieblichkeit in Duft und Farbe in die blaue Luft. Ich steige vom Rade und lausche -dem Liede des glühenden, blühenden Klees. Millionen von Bienen und anderen -Insekten singen und summen in dem purpurnen Blütenmeer ihr Lebenslied, und -taumeln von Kelch zu Kelch. Schwer und wonnig steigt der Duft des Feldes -empor und ich trinke ihn mit tiefen Zügen, als wäre es ein alter, köstlicher Wein. -Ein purpurner Teppich aus Duft und Licht, Farbe und Leben gewoben, auf dem nur -die Sonnenstrahlen mit leichten, schwebenden Füßen dahingleiten dürfen. Ein -Teppich, wie ein dunkler, purpurner Orgelton, den der Sommerwind leise dahinträgt, -daß die Herzen stille werden. Als ob das heilige Herz der Mutter Erde -unter ihnen schlägt, so geht geheimnisvolles Leben durch die Millionen Blütenköpfe. -– O, du Heimatflur! – –</p> - -<p>Dort drüben grüßt das grüne Meer des Tharandter Waldes. Mein Rad -fliegt wie ein Vogel hinab ins Bobritzschtal. Sanfter sind die Hänge hier als im -Muldentale. Malerische Höfe und Häuschen klimmen auf und ab, drängen sich -am Bach und drücken sich in die Talwinkel. Naundorf ist es, dessen Kirchturm -auf der Höhe wie ein Hirte über seine Herde wacht. Die Straße führt talaufwärts,<span class="pagenum" id="Seite_33">[33]</span> -am Bach entlang. Die Wellen hüpfen mit Murmeln und Plaudern über die runden -Steine, und flinke Forellen schießen blitzschnell daher. Einst war dieser köstliche -Fisch so häufig hier, wie ein altes Naundorfer Kind erzählt, daß für wenige -Groschen eine ganze Schüssel voll im Fuhrmannsgasthof an der Straße geliefert -wurde. Die zahlreichen Gänse, Enten und Hühner auf der Straße sind dem Rade -nicht gewogen. Mit Flattern, Fauchen und Geschrei entrüsten sie sich oder suchen -durch ängstliches hin und her laufen dem allzuraschen gefürchteten Feinde zu entkommen. -Heil uns, daß wir ohne unfreiwillige Tötung eines »Rassehuhnes« – -überfahrene Hühner sind immer »Rassehühner« – am Ausgange des Dorfes anlangen. -Dort macht die Bobritzsch eine starke Krümmung, fast im rechten Winkel. -Ein stattlicher Hof liegt im Winkel und mächtige alte Bäume beschatten den Platz. -Dort mündet der Colmnitzbach, und eine Brücke führt über die Bobritzsch, von der -aus du in das Strudeln der klaren Wasser hinabschauen und die ganze Lieblichkeit -dieses stillen Winkels mit seinem Wasserrauschen und Vogelsang unter grünem -Blätterdach empfinden kannst. Wie Sonntag, durch den leise der Harfenton der -Andacht klingt, liegt es immer hier unter sonnenstrahlendurchflochtener Laubkuppel. –</p> - -<p>Auf schmalem Wege über dem Wiesengrunde des Colmnitzbaches geht es aufwärts. -Wie ein leuchtend grüner Teppich ist der Grund zwischen die Hänge eingespannt. -Doch bald verwehren uns hohe, dichte Hecken den Blick auf diese grüne -Herrlichkeit. Zwei Höfe am Hange liegen vor uns, die Gippenhäuser. Eine bleiche -Dame sitzt am Wiesenrande, ein Kind spielt in der Nähe. Sommerfrischler! Ja, -hier könnt ihr gesunden und wie Joseph Viktor von Scheffel, der leider Halbvergessene -und doch so echt deutsche Mann, in seinen Bergpsalmen singen und sagen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Du hast eine Ruhe, ein Obdach gefunden,</div> - <div class="verse indent0">Hier magst du gesunden,</div> - <div class="verse indent0">Hier magst du die ehrlich empfangenen Wunden</div> - <div class="verse indent0">Ausheilen in friedsamer Stille.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Zwischen duftendem, rauschendem Wald und saftgrüner, blumiger Wiese, in der die -Margareten mit weißen Sternen leuchten, fern vom Staub der Straßen der Welt, -den Blick auf sanft geschwungene edle Höhenlinien, abgeschlossen doch nicht <span id="corr033">eingeschlossen</span>, -so recht ein Ort friedsamer Stille! –</p> - -<p>Nun tauchen wir ein in den herrlichen Wald, dies grüne Kleinod zwischen -Freiberg und Dresden, den Tharandter Wald. Wie viele Stunden tiefster Freude -danke ich dir, du deutscher Wald, und deinen stillen Wundern.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Wer einmal diesen Jungbrunn’ fand,</div> - <div class="verse indent0">Der schöpft aus keinem andern!</div> - <div class="verse indent0">Denn das ist deutschen Waldes Kraft,</div> - <div class="verse indent0">Daß er kein Siechtum leidet,</div> - <div class="verse indent0">Und alles, was gebrestenhaft,</div> - <div class="verse indent0">Aus Leib und Seele scheidet.</div> - <div class="verse indent0">Daß ich wieder singen und jauchzen kann,</div> - <div class="verse indent0">Daß alle Lieder geraten,</div> - <div class="verse indent0">Verdank ich nur dem Streifen im Tann,</div> - <div class="verse indent0">Den stillen Hochwaldpfaden.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright s90"> -(Scheffel, Aventiure.) -</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_34">[34]</span></p> - -<p class="noind">Solch ein stiller Hochwaldpfad, über den die knorrigen Wurzeln laufen, führt mich -in die harzduftige, grüne Tiefe, und ein Singen und Jauchzen geht mir durch die -Seele, doch es schweigen meine Lippen und leise ist mein Gang. Nur ab und zu -knistern die Nadeln oder ein Ästlein unter den Reifen des Rades, welches ich führe.</p> - -<p>»Willst du dein Herz mir schenken, so fang’ es heimlich an,« das gilt auch -vom Walde, dessen Seele man nur findet, wenn leise unsre Seele sich an seine -schmiegt. Dann öffnen sich uns seine grüngoldnen Augen und schauen uns an voll -unergründlicher Tiefe, dann spricht sein Mund im geheimnisvollen Raunen, und -wir hören im stundenlangen leisen Wipfelrauschen wie des Waldes Seele mit uns -spricht und ihre Wunder uns offenbart. Dann darfst du nur lauschen, schauen und -vergessen, was draußen ist. Was er dir zeigt und sagt, was er deiner Seele gibt, -das wird dich reich und froh machen. Der Wald ist dein geworden, weil er dir -seine tiefsten Geheimnisse gab und du seiner wundersamen Kräfte kund wurdest.</p> - -<p>Eine im Sonnenschein flimmernde Blöße öffnet sich. Ein kräftiger, warmer -Harzduft steigt empor und füllt die Brust, als sollten die Lungen besonders in -Waldeskraft gebadet werden! Die Grillen zirpen ihr heißes Sonnenlied und über -den Halmen und den Spitzen der Schonung zittert die Luft, als wäre sie durch das -schwirrende, unendliche Grillenlied zum Schwingen gebracht. Ein Blick in die -Weite auf blauferne Höhenlinien, dann ein dunkler, grüner, kurzer Waldpfad, und -plötzlich gibt es mir einen Riß durch die Seele. Wie eine ungeheure rote, offene -Wunde in der Felsenflanke des Berghanges liegt es vor mir, von rauher, rücksichtsloser -Hand geschlagen, dort eine Schutthalde von kleingeschlagenem Porphyrgestein, -das aus dem Abhange herausgeschlagen und gesprengt ist. Hier hatte ein -Steinbrecher mit gierigen Zähnen gearbeitet. Und weiter strecken sich Schienen -eines Bahnneubaues, der sich mitten durch eine Felsengruppe voll malerischer Wucht -eine klaffende Lücke gebrochen hat. Bitterkeit steigt dir auf, daß Schönheit und -Friede nicht mehr heilig sind, sondern wehrlos der Rücksichtslosigkeit und ehernen -Notwendigkeit unterliegen müssen! Schillers Nänie klingt schmerzvoll durch die Seele:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Auch das Schöne muß sterben.</div> - <div class="verse indent0">Siehe, da weinen die Götter,</div> - <div class="verse indent0">Es weinen die Göttinnen alle,</div> - <div class="verse indent0">Daß das Schöne vergeht,</div> - <div class="verse indent0">Daß das Vollkommene stirbt.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Doch wie zum Troste senkt sich der Blick rechts durch Stämme und über schwankende -Wipfel hinab in einen Talgrund, der noch wie ein stilles Märchenland des Friedens -und der Schönheit grün heraufleuchtet. Es ist das Tännichttal. Das Tännichttal, -um dessen Schönheit, Poesie und ungestörten Frieden der Heimatschutz im letzten -Augenblick sich mühte und den Weg der Rettung fand. Der Bahnbau war leider -unvermeidlich und wurde mit leidlicher Schonung und Anpassung an den Waldabhang -gelegt. Daß er, wenn jetzt auch die Wunden noch bluten, mehr und mehr -im Laufe der Jahre verschwinden und in das Bild sich einordnen wird, dafür -wird der Wald selbst schon sorgen und seine Wunderkraft heilend offenbaren, wenn -Flechten und Moose, Heidekraut und Ginster, Gras und Waldkräuter, Birken und -schließlich die ragenden Stämme des Hochwaldes sich das Werk des Ingenieurs<span class="pagenum" id="Seite_36">[36]</span> -zu eigen machen. Doch Schlimmeres als der Bahnbau sollte dem Tännichttale -geschehen. Steinbrüche sollten angelegt werden, welche Wunde auf Wunde tiefer -und tiefer geschlagen hätten und die grünen Hänge zerstört und mit dem Rasseln -und Stöhnen, dem Lärmen und Kreischen der Maschinen die selige Waldesstille, -die Vögel und das Wild des Waldes vertrieben und diesem lieben Märchenwinkel -völlige Vernichtung gebracht hätten. Eine Schwebebahn mit hohen Bockgerüsten -sollte das Tal überqueren. Das Rollen und Rütteln der Wagen und Schienen -und das Knirschen der Steinbrecher, sowie die ganze lärmende Industriearbeit -sollten die tiefmelodischen Stimmen der wilden Tauben, des Pirols Flötenrufe und -der Finken schmetternden Schlag für immer verstummen lassen. Die malerischen -Felsklippen, die wie Türme und Mauern aus den grünen Wipfeln des Waldes -emporsteigen, sollten von dem Moloch des Industrialismus gefressen werden!</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-037"> - <img class="w100" src="images/illu-037.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Tännichttal</b></div> -</div> - -<p>Nicht mehr als alles wäre dadurch dem Tale genommen worden! Doch stolz -und freudig darf der Heimatschutz seines Erfolges denken: Diese Gefahr ist gebannt -durch seine Bemühungen und die dankbar zu rühmende verständnisvolle Förderung -des Finanzministeriums, welches in letzter Stunde die Genehmigung der Steinbruchanlage -versagte. Doch wir blicken jetzt mit frohem, innerem Glücksgefühl ins -Tännichttal hinab, wie es uns nun erhalten bleiben soll und noch viele stille -Wanderer entzücken wird. Dort unten blitzen die Wellen des Colmnitzbaches aus -dem Smaragdgrün des Wiesenbodens herauf. Er kommt weit von draußen her, -aus der waldarmen Gegend, um hier zwischen Wald und Felsen seines Daseins -schönste Strecke zu durchlaufen. Wie die andern Bäche der Freiberger Gegend hat -er sich schon draußen ein tiefes Bett gegraben und windet sich in vielen Krümmungen -durch die hügelige Landschaft. Die begleitenden Höhenkuppen des Gneismassivs -von breitgelagerter, rundlicher Art, welche mit ihren langen, schöngeschwungenen -Linien ungeheuren Wogen gleichen, haben an der Quelle rund 500 Meter, an der -Mündung in die Bobritzsch rund 400 Meter Höhe. Draußen im freien Lande -haben sich im Colmnitzbachtal in der langgestreckten, dem Wasserlaufe folgenden -Siedelungsweise des Kolonistendorfes die Dörfer Pretzschendorf, Ober- und Niedercolmnitz -angesiedelt. Ihre Wiesen und Felder mit ihren besonderen Reizen von -Saat, Ernte und Wiesenduft geben der ganzen weiten Gegend draußen einen ausgesprochen -landwirtschaftlichen Charakter, aber auch mit ihrer ausgesprochenen -Kahlheit, welche außer den Bäumen an den Straßen, am murmelnden Bach und -in den Gärten des Dorfes kaum einen Baum duldet, der nur der Schönheit nicht aber -besonders dem Nutzen dient. Fünf Sechstel seines Laufes hat so der Colmnitzbach -kahles Gelände durchströmt, bis er hier im waldigen, engen, malerischen Tännichttal -sich heimfindet zu Bergeshang mit dunklen Fichten, zu Wiesengründen mit -leuchtendem Grün. Der schluchtartige Charakter dieses Tales mit seinen steilen -bewaldeten Abhängen, im Gegensatz zu den sanfteren Hügelwogen des freien Landes, -ist überraschend und gibt malerische Bilder, gleichviel ob man von oben hineinschaut -in die saftigen Gründe einer stillen, smaragdnen Märchenwelt, oder ob man -von unten zu den Höhen hinaufschaut, die mit ihren Wänden einzelne Kessel -abschließen und bei einer neuen Krümmung neue Bilder friedsamer Stille öffnen. -Der Talboden hat nur fünfzig bis sechzig Meter Breite. Die anschließenden steilen<span class="pagenum" id="Seite_37">[37]</span> -Hänge steigen rund hundert Meter auf, zum Teil mit hohen Felswänden, Zacken -und ragenden roten Porphyrklippen, die wie zinnengekrönte Burgmauern aufsteigen. -Dieser schluchtartige Charakter des Tales im Gegensatze zur breiten Landschaft -draußen, ist das Ergebnis urgewaltiger Kräfte aus der Werdezeit unserer Erde, -und insofern ein Naturdenkmal von besonderer Bedeutung für die Freiberger Gegend.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-039"> - <img class="w100" src="images/illu-039.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Blick auf die Felsenklippen der Diebskammer vom Tännichttal aus</b></div> -</div> - -<p>Das flachgeschichtete, im Laufe der Jahrmillionen rundlich abgeschliffene Urgebirge -des Gneises der Freiberger Landschaft ist hier mit ungeheurer vulkanischer -Gewalt von Porphyr durchbrochen. Durch dieses harte Porphyrmassiv hat sich -der Bach hindurchgenagt und die schmale Talenge hineingefressen. Dort drüben, -mitten in dieser malerischen Talenge, an ihrem schönsten Punkte, ragen die zackigen -Spitzen und Kämme der gewaltigen roten Porphyrklippen in den blauen Himmel -vom grünen Waldhange empor, die Diebskammer. Diese Felsgruppe ist die Krönung -der Schönheit des ganzen Tales, das urgewaltige, zu Stein erstarrte Denkmal -gigantischer Naturkräfte. Wir stellen das Rad in das Dickicht und klettern näher -heran durch Fichtengezweig und Ginstergestrüpp, die trotzigen Zacken zu betrachten. -Da sehen wir und erleben es fast an der eigenartigen Faltung und Schichtung der -Gesteinsformationen, wie einst in ungeheuren Wehen und Ringen lebendiger Kräfte<span class="pagenum" id="Seite_38">[38]</span> -die Massen emporstiegen, sich zusammenpreßten und neigten, sich kristallisierten und -zu besonderer Lagerung und Schichtung versteinten.</p> - -<p>Das Tännichttal streicht von Osten nach Westen. Die Strahlen der Morgensonne -und das rote Licht des untergehenden Tagesgestirns läßt die roten Klippen -in feuriger Glut aufleuchten, als wären sie von innerem Feuer durchglutet und -wollten zu neuem vulkanischen Leben erwachen. Ein <em class="gesperrt">Naturdenkmal</em> ist dieses -Tal mit seiner Felsengruppe, das im geologischen Anschauungsunterricht für jedermann -in unserer Zeit der Volkshochschulen von der Natur selbst unübertrefflich -dargeboten ist und zu uns redet vom Werden unserer Erde, Heimat und Landschaft -mit deutlicherer Zunge als Bücher, die das Volk nicht liest, als Gelehrte, die das -Volk nicht hört, als Weisheit, die in den Hörsälen oder bei den Spezialisten bleibt. -Es ist ein Dienst an der deutschen Seele, wenn der Heimatschutz für diese Werte -der deutschen Natur und Heimat kämpft, ein Kampf für die deutsche Seele und -ihre Rechte an der Heimat, ein Kampf für die Seele der Heimat gegen kalte, harte -Seelenlosigkeit der Ausbeutung. Das Volk hat ein Recht darauf, daß diese Naturdenkmäler, -die Eigenart und besondere Schönheit der Heimat geschützt und ihm -und der Nachwelt ungeschmälert erhalten bleiben, und nicht der Ausbeutung einiger -Kapitalisten überlassen werden. Das, was der Allgemeinheit und der Heimat -dienen kann und im höchsten Sinne zur geistigen und seelischen Förderung dient, -darf niemals Ware, darf niemals käuflich sein, darf niemals nur dem Interesse -eines Einzelnen um materiellen Gewinnes willen ausgeliefert werden, sondern muß -unbedingt als Besitz der Allgemeinheit als ein Denkmal gehütet und gepflegt werden.</p> - -<p>Solches unverletzliches, der Allgemeinheit, dem Volke gehöriges <em class="gesperrt">Naturdenkmal</em> -wird auch diese Felsengruppe mit dem ganzen Tale sein und bleiben, -bei dessen Anblick und sinnender Betrachtung Tausenden das Herz aufgehen muß -für die Schönheit der Heimat und das Verständnis und die Freude wachsen soll an -ihrer Seele, an ihrem Leben, Sein und Werden. Freibergs Umgebung ist nicht -reich an solchen Punkten, wo Wissenschaft und beseelte Schönheit sich in gleicher -Weise vereinen, um den Ort reizvoll zu machen, und wo als Drittes noch die Sage -hinzukommt, um mit den krausen Ranken der Phantasie und der Erinnerung den -Ort geheimnisvoll zu schmücken. Der Lips-Tullian-Felsen dort drüben im Tale ist -in unmittelbarer Nähe, der Felsen, wo der große Räuber einst hauste. Auch die -Diebskammer hier mag ihm und seinen dunklen Zwecken gedient haben. Die -echte Räuberromantik spinnt ihre bunten Fäden um die zackigen Zinnen dieser -Räuberburg, die bald wie Blut, bald wie Gold in der Sonne leuchten, bald wie -von Rauch geschwärzt und Krähen umflogen im Schatten liegen. Lips-Tullian, den -jeder im Freiberger Bezirke kennt, denn im mittelalterlichen, grausigen unterirdischen -Gefängnisse des Freiberger Rathauses, wo auch Kunz von Kauffungen -schmachtete, mußte er 1715 sein Todesurteil erwarten. Seine in den Felsen gehauene -Zelle, Ketten und Handschellen werden heute noch gezeigt.</p> - -<p>Was das Wandern im <em class="gesperrt">Thüringer</em> Land so unvergleichlich genußreich und -poetisch macht, ist, daß überall die Gestalten der Sage und Geschichte, von Poesie -und Märchen mit uns wandern und das, was wir schauen, verklären. <em class="gesperrt">Sachsen</em> -ist nicht reich an solchen Stätten, aus denen uns Sage oder Märchen mit verträumten<span class="pagenum" id="Seite_39">[39]</span> -Augen anschaut und die Romantik uns grüßt. Sorgfältig müssen wir -die wenigen Stätten solcher Romantik schonen, und wäre es auch nur Räuberromantik, -und müssen wir pflegen, was durch die Phantasie und die Erinnerung -des Volkes sein besonderes Gepräge, seine besondere Weihe erhielt. Das Gedenken -des Volkes schafft erst die rechten Denkmäler. Hängt sich dieses Gedenken an eine -besondere Örtlichkeit, so erhält diese die Denkmalsweihe. Wie gesund und wie tief -hat hier doch das Volk empfunden, daß es hier dem Orte noch diese besondere -geheimnisvolle, geistige Denkmalsweihe der Phantasie gab, der durch seine landschaftliche -Schönheit und seine wissenschaftliche Bedeutung schon seine Weihe als -Naturdenkmal in sich trägt. – Von einem ehrwürdigen Freunde des Heimatschutzes, -der hier vor sechzig und siebzig Jahren jung war, liegt ein Brief vor, aus dem -diese Romantik herausklingt wie das Rauschen von Bach und Bäumen, und die -leisen, wehmütigen Töne des Liedes: »Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit -klingt ein Lied mir immerdar.« Er schreibt:</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-041"> - <img class="w100" src="images/illu-041.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Diebskammer im Tännichttal bei Naundorf, Bezirk Freiberg</b></div> -</div> - -<div class="blockquot"> - -<p>»An dieses liebliche Stückchen Erde, im besonderen an die über der -»Diebskammer« sich aufbauenden Felsenpartien knüpfen sich für mich die angenehmsten -Erinnerungen aus meiner Jugend. Als Naundorfer Pfarrerssohn -habe ich dort von meiner Tertianerzeit an bis in meine ersten akademischen -Semester (1855–1861), in welch’ letzterem Jahre nach des Vaters Tode unsere<span class="pagenum" id="Seite_40">[40]</span> -Familie den Ort verlassen mußte, in den Ferienzeiten zahlreiche glückliche -Stunden verlebt. Mit Hilfe eines mir befreundeten jungen, für Romantik -empfänglichen Lehrers hatte ich hier in etwa halber Höhe des Felsens ein -Plätzchen für längeren Aufenthalt hergerichtet, einen Felsblock als Tisch, einen -anderen moosbedeckten als Sessel, und in diese durch keine Straße gestörte -Weltabgeschiedenheit flüchtete ich mich so oft wie möglich mit meinen Freunden -aus dem altklassischen Altertume, Homer, Sophokles, Horaz usw. oder mit -unseren deutschen Dichterheroen. Hier beschäftigte ich mich mit ersten poetischen -(richtiger wohl »gereimten«) Versuchen, übersetzte ich in das Deutsche einen -Teil von Ovids Metamorphosen, und ich hatte immer die Empfindung, daß -mir hier alles leichter vonstatten ging. Auch verträumte ich manche Stunde -unter dem Rauschen der Tannen, dem Gesange der damals noch zahlreichen -Vogelwelt, unter dem Murmeln des zwischen saftig grünen Wiesen durch den -Grund fließenden, kristallhellen, von Forellen und Krebsen dicht bevölkerten -Colmnitzbaches. Der Felsen senkte sich winkelförmig in die Erde und schien -in eine Höhle zu führen, die von Steinen verschüttet war, in deren Geheimnis -ich aber nie eingedrungen bin. Ob der berüchtigte, 1715 in Dresden hingerichtete -Lips Tullian auch hier sein Wesen getrieben hat, weiß ich nicht, -wäre aber bei der versteckten Lage der Diebskammer nicht unmöglich. Es -wurde zu meiner Zeit von diesem Tale nur mit einer gewissen Scheu von den -Dorfbewohnern gesprochen. Ich habe seiner Zeit bei den Freiberger allgemeinen -Gymnasialspaziergängen, die gewöhnlich über Niederbobritzsch nach Naundorf -führten, nie versäumt, meine Freunde an diesen meinen Lieblingsort zu führen, -ihn auch später ab und zu aufgesucht.«</p> -</div> - -<p class="noind">O Klang der Jugendromantik und deutscher Träumerei aus diesem Tal heraus, -der wie von fernen süßen Glocken noch durch das Greisenalter tönt! –</p> - -<p>Und diese Felsen, dieser Ort, die so noch klingen und Tausenden noch klingen -werden, sollten dem Steinknacker ausgeliefert werden!? Damit einige geschickte -Geschäftsleute gute Geschäfte machten, sollten die Felsen zu Straßenschotter verarbeitet -werden und allmählich der Meißel sich hineinfressen in die Talwände, bis -alles weggefressen ist, was an Schönheit und höheren Werten Tausenden zur Freude -und Erquickung diente!?</p> - -<p>Wir freuen uns mit dankbarem Herzen, daß diese Gefahr gebannt ist und -schauen mit besonderer Liebe der stillen Stätte des Friedens in die tiefen Augen -und versenken uns ganz in die Stimmung der Einsamkeit, des Alleinseins, Geborgenseins -vor dem Tosen und Staub der Welt dort draußen.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Selig, wer im stillen Lauschen</div> - <div class="verse indent0">Einsam hier die Waldrast hält,</div> - <div class="verse indent0">Wer beim flüsternd milden Rauschen</div> - <div class="verse indent0">Das Getös vergißt der Welt.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright s90"> -(Scheffel.) -</p> - -<p>Langsam steigen wir nun die Straße ins Tal hinab. Hier ist es zu schön, -um auf dem Rade vorbeizufliegen, hier möchte man weilen und träumen, und -warten, ob nicht irgend ein liebliches Wunder geschehen möchte, daß drüben aus -dem Waldesdunkel die Elfen auf die leuchtende Wiese schweben oder daß die Elfenkönigin<span class="pagenum" id="Seite_42">[42]</span> -auf schlankem weißen Reh aus dem Dickicht kommt, an dir vorüberstreift -und aus wundersamen Märchenaugen dir tief in die Seele schaut.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-043"> - <img class="w100" src="images/illu-043.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Felsen im Tännichttal bei Naundorf</b></div> -</div> - -<p>Dort steht der Fels wie ein Wächter am Wege, dicht am Bach, wo die -Brücke in die Wiese führt. Will er hüten, daß kein Unberufener, kein Feind -hier eindringe? Ist er der Riegel, der die Welt und den Lärm abschließt vom -stillen Lande der Poesie?</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Den Wipfel hoch die Tanne hebt,</div> - <div class="verse indent0">Im Winde schwankt die Birke,</div> - <div class="verse indent0">Und Gottes goldne Sonne schwebt</div> - <div class="verse indent0">Still über dem Bezirke.</div> - <div class="verse indent0">Ein harziges Gedüfte</div> - <div class="verse indent0">Durchwogt die warmen Lüfte.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright s90"> -(Scheffel.) -</p> - -<p class="noind">Wie ein silberner Steg für überirdische Füße schimmert der Bach im Grün und -windet sich durch die saftige Aue, als wollte er diese Stätte nicht verlassen, sondern -immer noch einmal umkehren und bleiben. Einzelne Baumgruppen von herrlicher -Gestalt stehen hier und da mitten in der Wiese, und im weichen Dufte dämmern -die fernen Abhänge des Tales.</p> - -<p>Dann fliegt unser Blick noch einmal hinauf zu den Felsschroffen, die dort -oben rot in der Sonne leuchten, aus dem Waldesdunkel schimmernd emporsteigend. -Wir schreiten weiter am Wiesengrund. Weiß glänzen die Stämme der Birken am -Wege, und die Felsen entwickeln sich zu einer langen gewaltigen Mauer, die mit -schroffen Seiten, scharfen Spitzen und Kanten nackt und kahl, nur mit dem bunten -Gewande der Farbe bekleidet, aus dem Walde aufragt. Der Reichtum der Farben, -der je nach Beleuchtung wechselt, je nachdem die Schatten der Wolken den Wald, -die Wiese oder die ernsten Felsenstirnen streifen, gibt dem Bilde einen besonderen -überraschenden Reiz. Wie ein tiefes, tiefes, weiches buntgesticktes Kissen ist die -Wiese mit ihrem Duft und ihren Blumen, in das man sich hineinschmiegen möchte. -Es plaudert der Bach an unserer Seite, und Birken und Erlen streuen ihren Schatten -auf Weg und Wiese und flüstern im weichen Sommerwinde von den alten Geschichten, -die hier geschehen. Denn dort drüben ragt aus dem Walde der Lips-Tullian-Felsen, -der gar vieles erzählen könnte. Er ist aber ein rauher, schweigsamer Geselle, der -seine Geheimnisse wohl hütet und das junge Volk der Pflanzen und Bäume raunen -und flüstern läßt. In seine Felsenstirne zogen die Jahrhunderte und Jahrtausende -ihre tiefen Runen. Was ist da Menschenleid und Menschentat, was sind da die -Geschlechter der Menschen, die hier vorüberschritten, was ist da Jugend und Alter? -Gras, das zu seinen Füßen wächst, Bäume, die an ihm wurzeln und abgehauen -werden, wieder kommen und wieder vergehen in unendlicher Folge! Er schweigt -und läßt die Sagen und Geschichten, welche aus Dickicht und Höhlen und Löchern -hervorkriechen, wie Spukgestalten ihres Weges ziehen, schweben und zerflattern in -Wind und Nebel und dem Rauschen des Waldes, daß niemand sie fassen kann, sondern -nur ein unnennbares, unbestimmbares Grausen unheimlich um den Felsen schleicht.</p> - -<p>Wir wandern weiter und nähern uns dem oberen Ausgange des Tales. Der -Weg steigt wieder an und löst sich vom Talgrund. Unter schönen alten Fichten, -aus dunklem Schatten hervor, blicken wir weit über die grünen Gründe, die im<span class="pagenum" id="Seite_43">[43]</span> -Sonnenlichte flimmern, hinaus in die duftige Ferne, wo blauende Höhenzüge sich -zart vom Himmel abzeichnen. Der Bach ist ein silberner Spiegel im Vordergrunde, -in dem sich Wolken und Bäume spiegeln.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Ich stehe in Waldesschatten</div> - <div class="verse indent0">Wie an des Lebens Rand,</div> - <div class="verse indent0">Die Länder wie dämmernde Matten,</div> - <div class="verse indent0">Der Strom wie ein silbern Band.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Ein langer Blick dann zurück in das stille Tal Eden, das wir nun verlassen, und -es geht uns durch die Seele ein Klang der Sehnsucht:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Du bist Orplid, mein Land,</div> - <div class="verse indent0">Das ferne leuchtet!«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Bald treten wir aus dem Walde auf kahle Höhe mit weitem Fernblick, und -dann fliegt das Rad hinab in das Dorf Colmnitz, dessen Höfe sich rechts und links -von Bach und Straße, unter Eschen und Birken, oft in malerischer Lage und -Gruppe siedeln. Doch wir sind noch wie im Traume. Wir achten nicht viel, nicht -so wie sonst, auf jedes Haus und jede Gruppe von Bäumen und Bauten, auf jede -Eigenheit der Bauart oder neckischer Laune. Wir sind im Leben draußen, aber -unsere Seele weilt noch dort drüben im stillen Tale, wo die Welt schweigt, sie -wandert noch auf dem silbernen Steg in den Elfenwiesen, an deren Rand die dunklen -Fichten Märchen träumen und wo um die Felsen geheimnisvoll die Sage raunt.</p> - -<p>Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange -über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen Häusern fast -versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt der Wald im blauen Dufte, -dort drüben, das Tal, dort drüben – dort drüben –</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Und meine Seele spannte</div> - <div class="verse indent0">Weit ihre Flügel aus!«</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-045"> - <img class="w100" src="images/illu-045.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Blick über Colmnitz nach dem Walde mit dem Tännichttal</b></div> -</div> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_44">[44]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Gauernitz">Gauernitz</h2> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">A. Klengel</em>, Meißen</p> -</div> - -<p>Ein herrliches Stück Heimat zeigt sich dem Wanderer, der die neue Hochuferstraße -von Niederwartha abwärts zieht oder an sonnigem Sommertage mit dem -Elbdampfer an Gauernitz und Scharfenberg vorüberfährt. Zwei starke Gegensätze -bieten sich hier seinem Auge. Hoch oben auf schroffem Berge liegen die Mauern -der altersgrauen Feste Scharfenberg. Unten im Tale dagegen lugen die feingegliederten -Renaissancegiebel des Schlosses Gauernitz zwischen den Baumriesen des Parkes hervor. -Jedes kriegerischen Schutzes bar liegt das anmutige Schloß frei inmitten grüner -Matten, dicht am Ufer des Elbstromes als ein Bild des Friedens. Es zeigt in -seiner architektonischen Schönheit gar deutlich, daß es in einer späteren Zeit entstanden -ist, die nichts mehr von den kriegerischen Drangsalen alter Tage wußte, die einst -den trutzigen Nachbar auf steiler Bergeshöhe umbrausten.</p> - -<p>Auf uraltem Kulturland stehen Schloß und Dorf Gauernitz. In der Umgebung -aufgefundene vorgeschichtliche Überreste, so von einem in Sachsen äußerst -seltenen sorbischen Skelettgrab neben der Gauernitzer Ziegelei, deuten darauf hin, -daß die Landschaft spätestens in der Sorbenzeit besiedelt wurde. Auch der Name -der Siedlung selbst läßt auf sorbische Gründung schließen. Er geht auf die Wurzel -<em class="antiqua">jawor</em>, Ahorn, zurück und bezeichnet einen mit Ahornbäumen bestandenen Ort. -Die Gestalt des Namens ist im Laufe der Jahrhunderte manchem Wechsel unterworfen -gewesen. In Urkunden aus den Jahren 1312, 1348 und 1397 lautet er -in seinen ältesten Formen Jauernycze und Jauernyk, 1402 Jauwirnicz, 1468 Yawirnicz, -später Jevernitz und dann Gavertitz, Gäwernitz oder Gävernitz; die letzte Form blieb -bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten und ist heute noch auf manchen -Karten neben dem jetzigen Namen verzeichnet.</p> - -<p>Alte Berichte nehmen an, daß das Schloß Gauernitz an der Stelle einer alten -Sorbenburg stehe. Diese Vermutung ist jedoch urkundlich nicht zu belegen. -Möglich ist es aber immerhin, daß nach der Rückeroberung des Landes die Germanen -an dieser Stelle einen festen Waffenplatz, einen Vorläufer des heutigen Schlosses, -angelegt haben. Diese Vermutung gewinnt dadurch noch an Wahrscheinlichkeit, daß -Gauernitz an der Grenze der alten Gaue Nisani und Daleminza liegt, deren -Grenze sich im Tale der Wilden Sau entlang zog, eines Baches, der bei -Gauernitz in die Elbe mündet. Die älteste urkundliche Nachricht über Gauernitz -stammt aus dem Jahre 1312. 1360 war es Meißner Burggrafenlehn; als damalige -Lehensträger werden die Brüder Nikolaus Wyrand und Michael Ziegler genannt. -Bis zum Jahre 1595 blieb Gauernitz, wenn auch mit kurzen Unterbrechungen, -im Eigentum dieser Familie.</p> - -<p>Die Ziegler stammten aus dem Goslarer Gau im Harz. Die Kunde vom -Aufblühen des sächsischen Silberbergbaues hatte sie, gleich vielen andern Harzer -Bergleuten, in unsere Heimat gelockt. Durch glückliche Funde im nahen Scharfenberger -und im Freiberger Bergrevier zu Reichtum gekommen, waren sie bald im -Besitze ansehnlicher Güter. Hochangesehene und fromme Männer sind aus diesem -alten Geschlechte, das heute noch in der sächsischen Lausitz blüht, hervorgegangen.<span class="pagenum" id="Seite_45">[45]</span> -Den Herren von Ziegler verdankt die Herrschaft Gauernitz ihre Entwickelung und -Größe. Sie erwarben im 14. Jahrhundert u. a. Dorf und Vorwerk Constappel, -welche früher zum Teil in das bischöfliche Gericht Briesnitz und zum Teil in das -Dresdener Amt gehörten. Durch weitere Zukäufe vergrößerte sich der Besitz, so daß -schließlich zu dem altschriftsässigen Rittergute erbgerichtlich die Dörfer Constappel, -Pinkowitz und Kleinschönberg, sowie Teile von Pretzsch, Leuben und Weitzschen gehörten. -Wygand, ein Sohn Wyrands von Ziegler, war zugleich Besitzer von Pillnitz.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-047"> - <img class="w100" src="images/illu-047.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Schloß Gauernitz</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Otto Ehrhardt</em>, Coswig)</div> -</div> - -<p>Im Jahre 1397 wurde zu Aller Seelen Ruhe eine Frühmesse in der dem -heiligen Nikolaus geweihten Wallfahrtskirche zu Constappel gestiftet und von den -»frumben Herren gesessen zu Gävernitz« konfirmiert. Wygand starb 1459 zu -Gauernitz, wo sein Bruder bereits 1436 verstorben war. Beide ruhen in Constappel, -wohin sie zu Ehren der Himmelskönigin viele Stiftungen gemacht hatten. Die -Pfarrgründe wurden erweitert, »da sie gar viel auf die Pfaffen hielten«, wie der -Chronist berichtet. An der Kirche zu Constappel sind noch die Grabplatten von -Gliedern des alten Geschlechtes erhalten. Im Jahre 1517 verstarb Christoph von<span class="pagenum" id="Seite_46">[46]</span> -Ziegler, der ein besonderer Freund Georgs des Bärtigen und dessen Amtmann zu -Meißen war. Ein Epitaphium aus Messing im Dom zu Meißen erinnert noch -an diesen Mann. Er war der letzte katholische Besitzer von Gauernitz; seine Söhne -schlossen sich der lutherischen Lehre an. Fast will es scheinen, als ob damit das -Glück aus der Familie gewichen wäre; Christophs Enkel schon konnte das stark -verschuldete Erbe nicht mehr halten und war gezwungen, es 1595 an Kaspar -von Pflugk aus dem Hause Zabeltitz zu veräußern.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-048"> - <img class="w100" src="images/illu-048.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Blick auf die Gauernitzer Insel</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Gustav Zieschang</em>, Kaufbach bei Wilsdruff)</div> -</div> - -<p>Bis 1648 gehörte Gauernitz den neuen Besitzern; in diesem Jahre brachte es -Sophie von Zabeltitz dem Heinrich Gerhardt von Miltitz in die Ehe. Bei der -Vermählung der Enkelin Johanna Magdalene war es wieder Heiratsgut und kam -dadurch in die Familie der Grafen von Zinzendorf; der erste Besitzer war der -sächsische Generalfeldzeugmeister Otto Christian Graf und Herr zu Zinzendorf auf -Pottendorf, der 1718 starb.</p> - -<p>Die Zinzendorfe haben außerordentlich viel für die Verschönerung und Verbesserung -ihres prächtigen Herrensitzes Gauernitz getan. Noch ist die Schloßkapelle -vorhanden, welche ihre Gründung einer Frühmesse derer von Ziegler zu danken -hat. Sie war ursprünglich dem heiligen Andreas geweiht, wurde mehrmals ein -Raub der Flammen und enthielt zur Zeit der Zinzendorfe einen Betsaal der -Herrnhuter; wie bekannt, war ein Glied des jetzt erloschenen Stammes der Gründer -der Herrnhuter Brüdergemeinde. Bedauerlich ist freilich, daß die Schloßkapelle<span class="pagenum" id="Seite_47">[47]</span> -heute sehr weltlichen Zwecken dient; ihr unterer Teil enthält den Marstall, das -Obergeschoß beherbergt Speicher- und Vorratsräume.</p> - -<p>Der Bergbau, der den früheren Besitzern zu Reichtum verholfen hatte, wurde -auch von den Zinzendorfen eifrig gefördert, liegt doch ein Teil der Scharfenberger -Erzgänge auf Gauernitzer Land. In der Nähe der Gauernitzer Ziegelei wurde der »Jung -Zinzendorfer Stolln« befahren. Auch der östlich davon nach der Elbe zu gelegene -»Grüne Tannebaum-Stolln« scheint von den Zinzendorfen betrieben worden zu sein.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-049"> - <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Auf der Gauernitzer Insel</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Gustav Zieschang</em>, Kaufbach bei Wilsdruff)</div> -</div> - -<p>Der heute noch vorhandene sehenswerte und wohlgepflegte Schloßpark ist um -diese Zeit gegründet worden. Zu einer Berühmtheit brachten es aber zu Anfang -des achtzehnten Jahrhunderts die Zinzendorfschen Obstkulturen, die Orangerie und die -Lust- und Blumengärten, welche das Schloß umgaben. Die zeitgenössischen Berichte -sind des Lobes voll über die Wunder, die es damals in Gauernitz zu sehen gab. -Im Jahre 1717 wurden 260 verschiedene Obstsorten angebaut, und 1724 gab es -in dem reichen Blumenflor allein 204 Nelkenarten. Wasserkünste, Gewächshäuser -und Wintergärten im Geschmacke damaliger Zeit schlossen den Kreis der Gauernitzer -Sehenswürdigkeiten.</p> - -<p>Die Zinzendorfe pflegten aber nicht nur den Schloßpark, sondern ließen auch -der idyllischen <em class="gesperrt">Gauernitzer Insel</em> ihre besondere Obhut angedeihen. Sie hatte -einst eine Länge von 1245 und eine Breite von 231 Ellen; ihre heutige Fläche -beträgt 6,5 Hektar. In der Nähe flußabwärts befanden sich früher zwei heute nicht<span class="pagenum" id="Seite_48">[48]</span> -mehr vorhandene Heger von 995 und 430 Ellen Länge. Die Insel wurde parkartig -mit Laubholz bepflanzt und mit Gartenanlagen versehen, die leider oftmals -das Hochwasser zerstörte, wie alte Nachrichten überliefern. Von der Inselmitte aus -führten strahlenförmig sieben mit Linden bepflanzte Wege nach dem Gestade, und -zwar so, daß man durch sie von der Mitte der Insel aus einen freien Durchblick -auf sechs Kirchtürme und Schlösser in der Umgebung hatte (Schloß Gauernitz, Schloß -Scharfenberg, Kirchturm von Brockwitz, Kirchturm von Weinböhla, Turm der -alten Coswiger Kirche, Wackerbarths Ruhe). Heute sind einige Durchblicke durch -Häuser verbaut, die Lindenalleen aber zum Teil noch erhalten. In der Mitte der Insel -steht eine steinerne, mit zierlicher Bildhauerarbeit (Schlange und Blumengewinde) -geschmückte Säule, die folgende Inschrift trägt: »Friedrich August Graf von Zinzendorf -und Pottendorf seiner Gemahlin Luise Sophie Johanne, des Grafen Otto -Rubmann Friedrich von Bylanck Tochter, geb. d. 9. Oktober 1754«. Die Säule -war früher von steinernen Bänken umgeben, die im letzten Jahre – ein trauriges -Zeichen unseres sittlichen Tiefstandes! – von Rohlingen zerstört und vernichtet -worden sind.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-050"> - <img class="w100" src="images/illu-050.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Auf der Gauernitzer Insel (Säule und Lindenallee)</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Gustav Zieschang</em>, Kaufbach bei Wilsdruff)</div> -</div> - -<p>Auf der Insel wurden einst Fasanen gehegt, auch viele wilde Kaninchen -wurden angetroffen, weshalb man das »Elbeiland« um die Mitte des vorigen -Jahrhunderts auch die »Kaninchen-Insel« nannte. Die Überflutungsgefahr scheint<span class="pagenum" id="Seite_49">[49]</span> -also doch nicht so groß gewesen zu sein, wie die Überlieferung behauptet, da sich -die Tiere sonst nicht hätten halten können.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-051"> - <img class="w100" src="images/illu-051.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Auf der Gauernitzer Insel (Gestade am linken Elbarm)</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Gustav Zieschang</em>, Kaufbach bei Wilsdruff)</div> -</div> - -<p>Die Glanzzeit der Insel ging in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts -zu Ende. Von einer Insel kann heute eigentlich nur noch bei höherem Wasserstande -gesprochen werden. Dadurch, daß der rechte Elbarm durch einen bei Niedrigwasser -begehbaren Steindamm verbaut ist, wird die Insel die größte Zeit im Jahre zur -Halbinsel. Der rechte Elbarm ist eine tote Wasseransammlung geworden, die der -zunehmenden Versandung und Verlandung preisgegeben ist. Die entstandenen<span class="pagenum" id="Seite_50">[50]</span> -Wasserlachen sind heute leider berüchtigte Mückenbrutherde. Durch das Zusammendrängen -der Wasserfluten in den linken Elbarm ist die Überschwemmungsgefahr -für die Insel außerordentlich groß geworden. Durch diese Stromberichtigungen -hat also die Insel sehr gelitten, sie ist nicht mehr das reizende Idyll von -ehedem, wo eine Landung und ein Aufenthalt auf ihr einer kleinen Robinsonade -gleichkam. Leicht zugängig, ist sie heute gar oft ein Tummelplatz von Rohlingen -und Holzdieben.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-052"> - <img class="w100" src="images/illu-052.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Verlandeter rechter Elbarm, von der Insel aus gesehen</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Adolf Heckmann</em>, Coswig)</div> -</div> - -<p>Trotz der teilweisen Zerstörung ihrer ursprünglichen landschaftlichen Eigenart -ist die Gauernitzer Elbinsel heute noch eine Perle unter den Naturschönheiten unserer -Heimat, deren dauernde Erhaltung vom Standpunkte des Natur- und Heimatschutzes -aus dringend erwünscht ist. Wem wäre noch nicht das Herz aufgegangen vor -Freude über die Schönheit der Heimat, wenn er von einer Bergeshöhe in der -Umgebung das malerische Schattenbild der baumbestandenen Insel im Abendsonnengold -oder im Vollmondschein vom blinkenden Elbstrom sich abheben sah?!</p> - -<p>Auch in wissenschaftlicher Hinsicht ist die Insel heute noch wertvoll. -»Der Botaniker und Pflanzengeograph findet in ihrem Baum- und Strauchbestand -sowie in der damit verbundenen Bodenflora Reste des ehemaligen Auenwaldes, der -in der Vorzeit das ganze Elbtal bedeckte, heute aber nur noch an ganz wenigen -Stellen vorhanden ist. Ein solcher Ort ist die Gauernitzer Insel; sie zeigt trotz<span class="pagenum" id="Seite_51">[51]</span> -aller menschlichen Eingriffe den alten Elbauenwald in großer Ursprünglichkeit und -wird dadurch zu einem botanischen Naturdenkmal ersten Ranges.« (Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Schorler.)</p> - -<p>Die Insel ist weiter der Wohnplatz einer reichen Vogelwelt, die in den -Frühlingstagen ihre Jubelstimmen von den hohen Baumriesen erschallen läßt und -in den alten hohlen Bäumen noch ungestört ihre Brut hegen kann. Noch haben -die Vögel eine Freistatt auf dem von Möwen umgaukelten Elbeiland.</p> - -<p>Der Freund unserer schönen Heimat wird es deshalb dankbar begrüßen, -daß durch die Bemühungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und durch -das Entgegenkommen der Vertretung des jetzigen Besitzers der Herrschaft Gauernitz -eine Vereinbarung zustande gekommen ist, nach der die ursprüngliche Eigenart der -Insel, vor allem auch ihr landschaftliches Bild erhalten bleiben soll, trotzdem sich eine -forstliche Nutzung des Inselwaldes erforderlich macht. Es ist ein hoher idealer -Wert, der hier geschützt und geschont wird. Mögen auch materielle Opfer damit -verbunden sein, der Besitzer ehrt sich selbst durch die Erhaltung dieses eigenartigen -Naturdenkmals. Künftige Geschlechter werden ihm dankbar dafür sein, daß er -die Ideale noch hochgehalten hat in unserer schweren Zeit, die uns so vieles raubte.</p> - -<p>Weit vorgegriffen haben wir der Zeit in unserem Bericht über die Herrschaft -Gauernitz. Bis 1804 blieb sie in den Händen der Zinzendorfe: in diesem -Jahre ging sie mit allem Zubehör an den Oberforstmeister von Hopfgarten über. -Nach seinem Tode geriet die Besitzung mit einer Schätzung auf 193 458 Taler -4<span class="frac"><sup>5</sup>/<sub>6</sub></span> Groschen in Konkurs und wurde im Jahre 1819 vom Fürsten Otto Viktor -von Schönburg-Waldenburg für 110 000 Taler erworben. Damit ging ein neuer -Glücksstern auf für unser Gauernitz. Fast dreißig Jahre lang blieb freilich das -Schloß noch unbewohnt. Erst als die Revolutionäre im Jahre 1848 das Residenzschloß -in Waldenburg eingeäschert hatten, erwählte der Fürst Gauernitz zu seinem -Sommeraufenthalte. Nach dem Tode des Fürsten Otto Viktor im Jahre 1859 -kam das Besitztum als Quadrogenitur des Fürstlichen Hauses Schönburg-Waldenburg -an dessen jüngsten Sohn den Prinzen Karl Ernst, der seinen dauernden -Wohnsitz in Gauernitz nahm und das Schloß in kunstsinniger Weise umgestaltete. -Prinz Karl Ernst starb im Jahre 1915; der Besitznachfolger wurde der Enkel des -Verstorbenen Prinz Karl Leopold.</p> - -<p>Halten wir noch einen Umblick im Schlosse selbst und in seiner nächsten -Umgebung. Das umfangreiche Schloß gliedert sich in einen Mittelbau, der mit -zwei Flügelbauten, dem Hohen Bau und dem Regentenhaus, den an den Park -anschließenden Ehrenhof auf drei Seiten umgibt. Der Regentenflügel trägt einen -Turm, der hohe Bau zeigt einen feingegliederten Renaissancegiebel. Der geräumige -Wirtschaftshof wird durch das Schloßgebäude, durch Torbauten mit überbauter -Einfahrt und durch die Wirtschaftsgebäude begrenzt. Unter den letzteren ist besonders -die bereits erwähnte ehemalige Schloßkapelle bemerkenswert. Der Hohe Bau wird -nach dem Park zu durch eine Säulenhalle abgeschlossen. Im Untergeschoß dieses Schloßteils -sind noch Reste der ursprünglichen Bauanlage erhalten: zwei gotische Torbogen, -die einst ins Freie führten, heute aber in die Innenräume einbezogen sind.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-054"> - <img class="w100" src="images/illu-054.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7 <b>Neudeckmühle im Tale der Wilden Sau hinter Gauernitz</b><br /> -(Aufnahme von <em class="gesperrt">Adolf Heckmann</em>, Coswig)</div> -</div> - -<p>Der ursprüngliche Schloßbau wurde von den Herren von Ziegler und den -Grafen von Zinzendorf angelegt. In den Jahren 1862 bis 1866 unternahm Prinz<span class="pagenum" id="Seite_53">[53]</span> -Karl Ernst von Schönburg eine umfassende Erweiterung und Verschönerung des -Schlosses; namentlich stammt die äußere Ausgestaltung in deutscher Renaissance -aus dieser Zeit. In der Anlage und Ausstattung der Innenräume zeigt sich der -vornehme Geschmack des prinzlichen Erbauers, der selbst ein feinsinniger Künstler -war. Die prächtigen Festsäle, die in wundervollem Einklang abgestimmten Bibliotheksräume -usw. entzücken das Auge des Besuchers. Erwähnenswert sind auch die -Ahnengalerie der Zinzendorfe, die vom Prinzen Ernst in pietätvoller Weise angelegt -wurde, sowie die Gemälde, die auf die Familie der jetzigen Besitzer Bezug haben.</p> - -<p>Was aber den Schloßräumen besondere Schönheit und einen unvergleichlichen -Reiz verleiht, das sind die Ausblicke auf den herrlichen Park, der das Schloß -umgibt: ein Park deutscher Eigenart in meisterhafter Anlage. Baumriesen der verschiedensten -einheimischen und fremden Arten, herrliche Durchblicke, trauliche Plätzchen, die -einen bezaubernden Rundblick bieten hinaus in das Land, wechseln ab mit grünen -Matten, blühenden Hecken und einem mit Reben überkleideten Laubengang, der -im heißen Sommer eine köstliche Wandelbahn bietet.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Fruehlingsboten">Frühlingsboten</h2> - -<p class="center">Von <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">H. Beil</em>, Pirna</p> -</div> - -<div class="figcenter illowp80" id="illu-055"> - <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Märzenbecher</b> (<em class="antiqua">Leucojum vernum</em>) (Phot. <em class="gesperrt">J. Ostermaier</em>, Blasewitz)</div> -</div> - -<p>Der Frühling naht! Die wärmenden Strahlen der Februarsonne sind zunächst -das Einzige, was uns sein Kommen verkündet. Noch steht Baum und Strauch -im kahlen Winterkleide. In den Dorfgärten an der Sonnenseite der kleinen Häuschen<span class="pagenum" id="Seite_54">[54]</span> -müssen wir seine ersten Boten, die Schneeglöckchen, suchen, die Weiden rüsten sich -und legen ihren goldenen Frühlingsschmuck an. Aber gerade die ersten Boten des -Frühlings, die wir Menschen alle Jahre wieder mit Ungeduld erwarten, haben wir so -lange recht unfreundlich empfangen. Körbeweise wurden sie abgerissen, um, schon halb -verwelkt, auf den Markt gebracht zu werden. Weit von der Großstadt muß man -heute schon wandern, wenn man sich an wildwachsenden Frühlingsblumen erfreuen -will, so weit, daß die echten Großstadtmenschen sich wundern, wenn man ihnen -erzählt, daß diese Blumen, die sie nur als Gartenblumen kennen, auch auf freier -Wiese wachsen, in entlegenen Gegenden, von deren Schönheit die meisten keine -Ahnung haben, und es ist recht gut so, die Schönheit wäre sonst bald vernichtet. -Mit ein paar solchen Pflanzen, die fast ausgestorben sind, sollen sich diese Zeilen -befassen. Auf Wanderungen mit meiner geliebten Kamera habe ich sie aufgesucht -und im Bild festgehalten. Das Schneeglöckchen (<em class="antiqua">Galanthus nivalis</em>) ist mir in -Sachsen wild wachsend nie begegnet. Dagegen kommt der Märzbecher (<em class="antiqua">Leucojum -vernum</em>)<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a> noch in einigen Gegenden vor, trotz der Ausrottung durch unverständige -Menschen. Da es ein Zwiebelgewächs ist, so ist das Ausgraben mit der Wurzel -doppelt schädlich. Die Aufnahme stammt aus einem kleinen Seitental des oberen -Polenztales. Während noch vor etwa 15–20 Jahren die Wiesen übersät gewesen<span class="pagenum" id="Seite_55">[55]</span> -sind mit Märzbechern, muß man jetzt schon suchen, um kleine Bestände zu finden. -Welch prächtiges Bild die Wiesen früher geboten haben müssen, kann man sich -vorstellen, wenn man die vom Besitzer einer Mühle eingezäunte Wiese sieht, auf -welcher das Pflücken untersagt ist, und die ein Naturschutzgebiet im Kleinen darstellt.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Siehe Aufsatz: »Vom Märzenbecher«, Band IV, 1915, Seite 367.</p> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-056"> - <img class="w100" src="images/illu-056.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Leberblümchen</b> (<em class="antiqua">Hepatica triloba</em>)<br /> -(Phot. <em class="gesperrt">H. Beil</em>)</div> -</div> - -<p>Wenig später als der Märzbecher blüht das blaue Leberblümchen. Vor -50 Jahren hat es zu den Pflanzen der Dresdner Umgebung gehört, die überall -verbreitet waren, im Saubachtal, Schonergrund soll es in Massen gestanden haben. -Heute wird man es dort vergeblich suchen. Wirklich häufig findet es sich auf dem Rotstein -bei Sohland am Rotstein, wo es in dankenswerter Weise von der Rittergutsverwaltung -geschützt wird. In günstigen Jahren ist der Waldboden blau von der -Menge der Leberblümchen. Kleinere Bestände sind über die ganze Lausitz verstreut.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-057"> - <img class="w100" src="images/illu-057.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Seidelbast</b> (<em class="antiqua">Daphne Mezereum</em>)<br /> -(Phot. <em class="gesperrt">H. Beil</em>)</div> -</div> - -<p>Zu Märzbecher und Leberblümchen gehört als dritter im Bunde der ersten -Frühlingsboten der Seidelbast, dessen stark duftende, violette Blüten stengellos aus -dem dürren Holz herauswachsen. Auch ihn findet man vereinzelt in der Lausitz, -meist in dichtem Gestrüpp, in schönen Beständen auch auf dem Rotstein. Auch im -Vorland des Erzgebirges ist er mir schon begegnet. –</p> - -<p>Wenn ich mir vorstelle, welch herrliches Frühlingsbild es geben müßte, die -Wiese übersät mit Märzbechern, am Rande des Gehölzes die Leberblümchen und -der Seidelbast, so wird mir weh ums Herz. Könnte es nicht auch heute noch -so sein? Pflanzen, die niemandem ein Leid getan haben, die nur wachsen, um uns<span class="pagenum" id="Seite_56">[56]</span> -zu erfreuen, vernichtet bis auf spärliche Reste, deren Standort der Naturfreund sorgfältig -geheim hält. Wenn alle Menschen zusammenhalten, wenn alle die Heimat, -die sie zu lieben so oft versichern, auch tätig schützen, dann muß es wieder besser -werden, dann muß der Verödung unseres Sachsenlandes Einhalt zu tun sein.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="UEber_das_Vorkommen_der_Biber_in_Sachsen">Über das Vorkommen der Biber in Sachsen</h2> - -<p class="center">Von <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Koepert</em>, Dresden</p> -</div> - -<p>Auf der X. Jahreskonferenz für Naturdenkmalpflege in Berlin berichtete -Museumsdirektor Professor <em class="antiqua">Dr.</em> Mertens, Magdeburg, von der erfreulichen Zunahme -der letzten deutschen Biberkolonie, die zurzeit etwa zweihundert Stück zählt. Auf -Grund des Studiums alter Akten im Dresdner Hauptstaatsarchiv bin ich in der Lage, -einiges über das frühere Vorkommen im Kurfürstentum Sachsen, zu welchem bekanntlich -der größte Teil der preußischen Provinz Sachsen zählte, zu berichten. Der Biber kam -früher häufig in der Elbe vor und der Biberschwanz galt von jeher als Delikatesse -und bildete, besonders zur Fastenzeit, ein begehrtes Gericht an der fürstlichen Tafel. -So schrieb 1450 im März Friedrich der Sanftmütige an den Schösser zu Wittenberg: -»Wir begern mit fließe, das Du uns ußrichtest vier lebende Lachse, darzu Byberzagel -(Biberschwänze), alsuil Du der gehaben kannst und das alles uff den guten Fritag -(Karfreitag) gein Missen schickest.« Mitte des achtzehnten Jahrhunderts waren die -Biber noch ziemlich häufig in Sachsen. Es war ein besonderer Biber- und Otterfänger -angestellt, der seinen Wohnsitz in Hintergersdorf hatte. Er war für die -Ämter Dresden, Grillenburg, Freiberg, Frauenstein, Altenberg, Dippoldiswalde, -Pirna, Stolpen, Radeberg, Lausnitz, Moritzburg, Hayn, Meißen, Nossen, Hohnstein -und Lohmen bestellt. Diese Reviere hatte er jährlich im Frühjahr und Herbst zu -begehen und die darin befindlichen Fischottern, Biber, Marder und andere kleinere -Raubtiere zu fangen und die Bälge gegen Fanglohn an die Jagdproviantverwaltung -abzuliefern. Er erhielt für einen Biber 21 Groschen. An Besoldung erhielt dieser -Biber- und Otternfänger außerdem 22 Taler 18 Groschen nebst 6 Scheffel Korn -und 10 Scheffel Hafer »vor sich und seine Hunde aus unserm Amt Grillenburg von -Quartalen zu Quartalen«. Im Jahre 1764 hatte der kurfürstliche Administrator -Prinz Xaver die Einziehung der Stellen der Biber- und Otterfänger beschlossen. -Hiergegen macht Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorff in einem Schreiben an den -Landjägermeister von Herdegen seine Bedenken geltend: »Wasmaßen Ihro der -Chur-Sachsen Administratoris Prinzen Xaveri, Kgl. Hoh., vermittelst des unterm -14. April a. c. an mich erlassenen höchsten Special-Resoripts, die Einziehung aller -Biber- und Fischotter-Stellen, und dagegen die Wegfangung der Biber und Fischotter -durch die Revier-Forstbediente, gegen Reichung derer geordneten Jäger-Rechte, gnädigst -resolviert und anbefohlen, solches ist Meinem hochgeehrtesten Landjägermeister bereits -bekannt. Ob ich nur zwar um dahero, weil der Entzweck durch die Revier-Forstbediente, -welche mit deren anvertrauten Holz- und Jagdrevieren genug zu tun haben, -und diese, wenn sie an denen Wässern sich aufhalten und denen Raubtieren nachtrachten -sollen, notwendig vernachlässigen und viele dem höchsten Interesse nachteilige<span class="pagenum" id="Seite_57">[57]</span> -Folgerungen daraus erwachsen müssen, höchsten Orts unterthänigste Vorstellung -getan und Resolution annoch erwarte; So wolle dieselbe jedennoch, damit besonders -denen Fischottern aller möglicher Abbruch getan werde, solchen nicht nur selbst nachzutrachten, -sondern auch genante untergebene Forst-Jagdbediente dessen, und daß sie -die Biber und Fischotter auszumachen und besonders die letztere durch Schießen -und Fangen möglichst zu tilgen sich alle Mühe geben, dargegen Einlieferung derer -Bälge die gnädigst geordnete Auslösung oder Jägerrecht an 21 gr. vor 1 Biber -und 21 gr. vor 1 Fischotter aus der Jagdkasse erhalten, hiernächst den Bibern zwar -ebenfalls möglichst nachtrachten und solche auszumachen suchen, jedoch aber diese -nicht anders als auf besondre Verordnung, maßen selbige zur Versorgung ihrer -höchsten Herrschaftstafel gehörig, schießen oder fangen, und dahero sobald einer oder -der andre einen Biber ausgemacht, solches zur Wildmeisterei rapportieren und -fernerer Verordnung erwarten solle, zu bedeuten, übrigens aber, wenn dergleichen -Biberbaue, und besonders diejenigen, welche den Dämmen und Wassergebäuden -nachteilig von den Forstbedienten angezeiget werden, desfalls alsbald Bericht an -mich zu erstatten, daferner aber einer etwa während nächst bevorstehender 1765ster -Fastenzeit ausgemacht werde, solche frisch und gut zum Provianthause anhero einzuliefern -belieben, da ich dann wegen dessen Einlieferung zur höchsten Tafelversorgung -fernerer Verfügung zu treffen unvergessen bin; ich aber verharre als usw. Graf -Wolffersdorff.« Ein schönes Beispiel für den damaligen schwulstigen Kurialstil!</p> - -<p>Ein weiteres Schreiben vom Dezember 1771 des Oberhofjägermeister Grafen -Wolffersdorf beweist, daß die Schädlichkeit der Biber noch nicht abgenommen hatte, -daß im Gegenteil an den Elbdämmen von ihnen großer Schaden angerichtet wurde. -Er fordert daher zu weiterer Vertilgung auf: »Nachdem sich bei der unlängst -erfolgten Lokalbesichtigung der Elbdamm- und Uferbaue ergeben, wie an denen -Dämmen besonders durch die vielen Einbaue der Biber großer Schaden geschieht, -und dadurch zum Teil die wichtigsten Damm-Baue dergestalt mitgenommen werden, -daß hernach bei eintretendem großen Gewässer solche dem Strom Widerstand zu -leisten außer Stande wären. Und dann Ihro Churf. Durchl. gnädigst anbefohlen, -da diesem Uebel zu steuern die Notdurft um so mehr erfordere, je wichtigere Rücksicht -auf Unterhaltung der mit so beträchtlichem Aufwand zu errichtende Dämme und -Wasser-Gebäude zu nehmen sein wolle, daß zumalen Höchstdieselben vorgetzt wegen -des Damm- und Uferbauwesens in dero Landen eine gewisse Einrichtung zu treffen -gemeinet, die Biber überall wo solche Schaden verursachen könnten, soviel nur -immer möglich vertilget werden sollen; also wollen meine hochgeehrte Herren in -Conformität dieses Höchsten Befehlnisses an gesamte untergebene Jagd- und Forstbediente -die ernstlichste und gemessenste Verordnung zu thun belieben, daß solche -denen Bibern besten und möglichsten Fleißes nachtrachten und soviel nur immer -thunlich an Orten, wo sie besonders Schaden thun, zu vertilgen suchen, auch wo -sich solche spüren und bemerken lassen, im Revier ein Nachbar dem andern Nachricht -geben sollen. Ich aber beharre usw. Graf Wolffersdorf.«</p> - -<p>Döbel in seiner »Jägerpraktika« bemerkt mit Bezug auf den Biber, nachdem -er einige Fangmethoden besprochen hat: »Dieses sei nun genug von Fangung dieses -Amphibii.« Der Umstand, daß der Biberschwanz mit Schuppen bedeckt ist, verursachte<span class="pagenum" id="Seite_58">[58]</span> -damals die unsichere Stellung des Bibers im zoologischen System. Der Biberschwanz -wurde infolgedessen mit Fischfleisch auf eine Stufe gestellt und konnte in -der Fastenzeit gegessen werden. Über die Zubereitung dieser Delikatesse schrieb -v. Fleming<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a> folgendes: Schneide den Biberschwanz als <em class="gesperrt">wie einen Karpfen</em> in -Stücke, setze Wasser aufs Feuer, damit es siede, schüttet auch Salz hinein, aber -nicht soviel als wie bei einem Karpfen. Werfet auch unter dem Sieden ein Stückchen -Butter dazu, maßen dieser Biberschwanz nicht so weich ist als andre Fische (!). Es -ist auch dieser Handgriff der wahre Vorteil alle harten Fische weich zu machen. -Ist nun der Schwanz gesotten, so seihet das Wasser rein ab, thut ihn in ein castrol, -gießet ein wenig Brühe, Wein und Essig dazu und lasset es kochen, schüttet auch -Pfeffer, Ingwer, geriebene Semmel, Citronen-Schale, Butter, Safran und Zucker -hinein, und lasset alles wohl durch einander kochen. Setzet gedachten Biberschwanz -hernach auf ein Feuer, damit er ganz allmählich koche.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Der vollkommene teutsche Jäger. Leipzig 1719.</p> -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Frau_Lina_Haehnle">Frau Lina Hähnle,</h2> -</div> - -<p>die Begründerin und erste Vorsitzende des <em class="gesperrt">Bundes für Vogelschutz</em>, dessen -Mitglieder über alle Gaue Deutschlands und weit über dessen Grenzen hinaus verbreitet -sind, feierte am 3. Februar ihren 70. Geburtstag. Es ist eine Pflicht der -Dankbarkeit, wenn wir aus Anlaß dieses Festes der verdienstvollen, in allen Naturschutzkreisen -wohlbekannten Frau ein paar Zeilen widmen.</p> - -<p>Frau Hähnle entstammt, wie schon der Name andeutet – sie ist auch eine -geborene Hähnle – einer alteingesessenen Schwabenfamilie. Der Vater, Salinenbeamter, -anfangs in Schwenningen, später in Sulz, Rottmünster und Hall, verstand -es, schon in dem Kinde die Liebe zu der belebten Natur dieser anmutigen ländlichen -Gegenden zu wecken und ihm die gediegenen Kenntnisse zu vermitteln, auf -die sich später die Ausübung des Naturschutzes gründen konnte. Mit neunzehn -Jahren heiratete Lina Hähnle ihren Vetter Hans Hähnle, dessen rastlosem Fleiß es -gelang, seine Fabrik in Giengen a. d. Brenz aus kleinen Anfängen zur Weltfirma -zu heben. Sechs Kinder sind der Ehe entsprossen. Wie Frau Hähnle diesen eine -treusorgende Mutter war, wie sie das ganze große Haus, in dem zahlreiche Gäste -allezeit ein- und ausgingen, tatkräftig leitete, in Küche und Keller waltete, im -Viehstalle und auf ihrem geliebten Geflügelhofe selbst Hand ans Werk legte, kann -hier nicht näher geschildert werden. Noch im Frühjahr 1918, als die »Leutenot« -am größten war, hat die 67jährige Frau mit eigener Hand stundenlang das Gespann -mit der Egge über die Saat geführt, gewiß ein Beweis ihrer eisernen Willenskraft -und unversiegbaren Arbeitsfreude. Ohne diese Eigenschaften hätte sie ihr besonderes -Werk, dem sie sich erst zuwandte, als sie bereits auf der Höhe des Lebens stand, -nicht durchführen können.</p> - -<p>Sie gründete im Jahre 1899 den »Bund für Vogelschutz«. Schon wenige -Tage, nachdem ihr Aufruf erschienen war, hatten sich tausend Freunde der Vogelwelt<span class="pagenum" id="Seite_59">[59]</span> -um sie geschart, und dieses Häuflein wuchs von Jahr zu Jahr. In allen -Kreisen fanden die Bestrebungen des Bundes Eingang und freudige, ja begeisterte -Zustimmung. Heute gehören rund 42 000 Mitglieder dem Bunde an, sie verteilen -sich auf etwa 500 Ortsgruppen. Wie wuchsen mit dieser Zahl die Arbeiten und -Aufgaben! Wir erinnern nur an die vielen Flugblätter, die von Stuttgart aus in -die Welt flatterten, an die zahlreichen Vortragsreisen, die Frau Hähnle persönlich -unternahm – auch unser Verein durfte sie am 22. Januar 1913 in seiner Mitte -begrüßen – an die Fabrikation und den Versand von Nisthöhlen, Futterhäuschen -und dergleichen, an die vielen Eingaben, die dem Vogelschutz auch bei den Behörden -immer mehr Geltung zu schaffen suchten, besonders aber an die Einrichtung von -ungefähr sechzig größeren und kleineren Vogelschutzgebieten, darunter die Erwerbungen -<span id="corr059">Hiddensee</span> auf Rügen und die Mellumplatte vor der Wesermündung, wo mehrere -sehr seltene Vogelarten, z. B. die Brandseeschwalbe, der Steinwälzer, der Säbelschnäbler -vor dem Untergange bewahrt wurden. Auch die Gründung des »Deutschen -Vogelschutztages«, die Frau Hähnle im Verein mit Professor <em class="antiqua">Dr.</em> Guenther in Freiburg -in die Wege leitete, ist ein besonderes Verdienst der zielbewußten Frau. Wie schon -ihr Mann, Kommerzienrat Hähnle, allen diesen Bestrebungen Teilnahme und Verständnis -entgegenbrachte und sie durch Gewährung reicher Mittel in wahrhaft großzügiger -Weise unterstützte, so ist auch ihr Sohn, Herr Ingenieur Hermann Hähnle, -gewissermaßen die rechte Hand der Mutter geworden. Hervorragend sind dessen -Aufnahmen von Tieren in freier Natur; besonders versteht er es, mittels eines -von ihm erfundenen Fernapparates Laufbilder auf den Filmstreifen zu bringen, die -in ihrer Schönheit und Naturtreue einzig sind. Wem es vergönnt war, die Laufbilder -zu sehen, die Unterzeichneter an oben genanntem Tage in unserm Verein -vorführen und erläutern durfte, der wird sich noch heute mit Vergnügen dieser -wundervollen Aufnahmen erinnern. Es ist eine Riesensammlung von Lichtbildern, -die Herr Ingenieur Hähnle teils selbst aufgenommen, teils von hervorragenden -Naturphotographen erworben hat. Wieviel Tausende von Naturfreunden, wieviel -Tausende froher Kinder haben diese Bilder entzückt und begeistert!</p> - -<p>Frau Hähnle hat sich aber keineswegs darauf beschränkt, nur die Vogelwelt -zu hegen und zu pflegen und seltene Vogelarten zu erhalten. Dem ganzen Naturschutz -bringt sie das wärmste Interesse entgegen. Schon seit längerer Zeit hat der -Bund ein größeres Banngebiet am Federsee bei Buchau in Württemberg erworben -und das stattliche Gewässer nach jeder Hinsicht durchforscht, worüber eine eingehende -Abhandlung des Bundes Aufschluß gibt. Auch Aufnahmen in fremden Ländern -hat Frau Hähnle noch während des Weltkrieges ermöglicht, so prachtvolle Bilder -von Edelreihern in der Dobrudscha und von Wisenten in den Wäldern von Bialowics, -Urkunden von unersetzlichem Wert.</p> - -<p>Möge die seltene Frau, deren vielseitiger Arbeitskraft man die Siebzig nicht -anmerkt, noch manches Jahr in Rüstigkeit ihr Amt verwalten, der deutschen Vogelwelt -und damit der deutschen Heimat zum Segen, uns allen aber, die sie kennen -und verehren, zur Freude! Das ist der Wunsch von vielen Tausenden.</p> - -<p class="mright"> -Martin Braeß. -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_60">[60]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Oberlehrer_Bruno_Lange_Strehla-X-a-X-E-X">Oberlehrer Bruno Lange, Strehla a. E. †</h2> -</div> - -<p>Ein wertvoller Freund und eifriger Arbeiter für den Heimatschutz ist mit Bruno Lange -dahingegangen. Gerade am Weihnachtsfeiertag hat den noch nicht Sechzigjährigen die Stadt -Strehla, in der er lange Jahrzehnte als Lehrmeister für Jung und Alt erfolgreich gewirkt hat, -unter dem schönen, vollen Geläut ihrer Glocken zur Ruhe geleiten müssen. Der lange, feierliche -Zug der Leidtragenden – Schüler und Lehrerschaft, Vereine, Feuerwehr und Bürger aller -Kreise – brachte dem Städtchen wohl noch einmal zum Bewußtsein, daß es einen allbeliebten -Bürger, eine Persönlichkeit von Wert, verloren hatte. Den Trauerkränzen, die heute Langes -Grabstätte bedecken, will der Sächsische Heimatschutz einen Strauß aus Immergrün und Heimatblumen -beilegen, wie sie der Verblichene selbst am liebsten gesucht und gepflückt hat.</p> - -<p>Bruno Lange war vom alten Schlage, fleißig und zuverlässig, bieder und schlicht, vaterlandstreu -und heimatlieb. Was der Arbeiter des Heimatschutzes vor allen Dingen braucht: ein warmes -treues Herz und ein offenes suchendes Auge, damit war Lange wohlgerüstet. So verstand er -auch die bescheidenen Werte und Schönheiten der flachen Landschaft zu finden und zu würdigen. -Es trieb ihn, seine Freude am schlichten Schönen mitzuteilen, sie seinen Schülern in mannigfaltigem -<em class="gesperrt">Unterricht</em>, bei <em class="gesperrt">Anleitung zur Handfertigkeit</em>, beim Spiel und auf -<em class="gesperrt">Spaziergängen</em> anzuerziehen und auf die Öffentlichkeit aufklärend und anregend zugleich -einzuwirken durch <em class="gesperrt">öffentliche Bildvorträge</em>, durch <em class="gesperrt">Veröffentlichungen im Ortsblatte</em> -und durch <em class="gesperrt">Anregungen in Vereinen</em> und <em class="gesperrt">in der Stadtvertretung</em>. Eine -Reihe guter <em class="gesperrt">Ansichtskarten</em> von Strehla, die im Geschmack den bekannten Karten des -Landesvereins nahekommen, ist auf seine Veranlassung in den Ortshandel gebracht worden. Alle -solche Unternehmungen führte er durch in uneigennütziger Liebe zum Heimatstädtchen, ohne -persönliche und geldliche Opfer zu scheuen.</p> - -<p>Langes Freude am Schönen, sein Interesse war nicht engbegrenzt und einseitig auf das -Heimatliche gerichtet – er verstand seinen Interessen- und Erfahrungskreis weit über das Durchschnittsmaß -zu erweitern und zu vertiefen durch <em class="gesperrt">große Ferienreisen</em> auch außerhalb Deutschlands: -nach Skandinavien, Finnland, Rußland, dem Balkan (Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien -Herzegowina, Montenegro, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Konstantinopel), Nordafrika, -nach Italien und nach der Schweiz. Diese Reisen hat er als schlichter Wanderer mit bescheidener -Ausrüstung, aber mit um so köstlicherem Humor durchgeführt. Was er alles dabei gesehen und -erlebt, schrieb er in mustergültiger Kurrentschrift nieder und hat wiederholt darüber an Hand von -Lichtbildern öffentlich berichtet – die Kriegsjahre brachten ihm dazu manchen Anknüpfungspunkt.</p> - -<p>Die Kenntnisse ferner und fremder Schönheiten konnten Bruno Langes Liebe zur engen -Heimat, seine Freude am Heimatschutz, nur vertiefen. Es mag sein, daß seine fleißigen Arbeiten -im Sinne des Heimatschutzes mehr ein örtliches als ein weitergehendes Interesse gefunden -haben – möglich auch, daß Lange dieses letztere gar nicht gesucht hat. Es befindet sich aber in -seinem Nachlaß fein säuberlich geordnet ein Stoß von <em class="gesperrt">ausgearbeiteten Aufsätzen</em>, die -eine weitere Würdigung wohl verdienen. Abgesehen von seinen vielen <em class="gesperrt">Reiseberichten</em> -und von einigen <em class="gesperrt">Arbeiten volkstümlichen</em> und <em class="gesperrt">vaterländischen Inhaltes</em> fand ich -die Entwürfe zu <em class="gesperrt">drei Werbevorträgen</em> für den Heimatschutz und ferner folgende <em class="gesperrt">Reihe -von ortskundlichen Aufsätzen</em>:</p> - -<ul class="nodeco"> -<li>Strehla a. d. Elbe. – Aus Strehlas Vergangenheit. – Schloß Strehla.</li> -<li>Flurnamen von Strehla und Umgegend.</li> -<li>Was man sich vom Nixstein erzählt.</li> -<li>Hochfluten der Elbe im 18. und 19. Jahrhundert.</li> -<li>Der niedrigste Wasserstand der Elbe 1904.</li> -<li>Wo und wie der erste Schuß im 1866er Kriege fiel.</li> -<li>Die alte Heidenschanze bei Görzig.</li> -<li>Auf vulkanischem Boden (im Görziger Steinbruche).</li> -<li>Was uns die Leckwitzer Sandgrube erzählt.</li> -<li>Der Käferberg bei Zaußwitz.<span class="pagenum" id="Seite_61">[61]</span></li> -<li>Der Große Steinberg bei Clanzschwitz.</li> -<li>Geologische Streifzüge durch unsere Heimat.</li> -<li>Die Schlacht bei Mühlberg 1547.</li> -</ul> - -<p>Dazu:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p class="noind">Anleitungen zu Spaziergängen an der Elbe, in die Sandgruben, auf den Käferberg, -auf den Großen Steinberg, auf die Liebschützer Höhe und auf die Weidaer Höhe -beim Ganziger Steinbruche.</p> -</div> - -<p>Mag auch vielleicht der Stoff der Aufsätze mitunter etwas schulmäßig und trocken behandelt -erscheinen, es steckt doch viel darin, was mehr wert ist, als weiter im bloßen Familienbesitz oder -vielleicht einmal in einer Schul- oder Ortsbücherei vergraben zu bleiben. Es ist zu hoffen, daß -sich noch Gelegenheit findet, den oder jenen Aufsatz oder Bruchstücke daraus in den Mitteilungen -des Heimatschutzes eingehender zu würdigen.</p> - -<p>Das letzte, was Bruno Lange wohl veröffentlicht hat, ist ein Büchlein »<em class="gesperrt">Strehla im -Weltkriege</em>«. Der Großstädter lächle nicht über das Thema. Strehla ist ein Städtchen von -nur 3400 Einwohnern und hat eine stattliche Zahl von Söhnen ins Feld geschickt, von denen -nach Langes Feststellungen 125 Mann gefallen sind; im ganzen hat Strehla mit acht Nachbardörfern -159 Söhne verloren. Und wenn Langes Büchlein allein diesen 159 Mann gewidmet -wäre, dann wäre es schon wert, gewürdigt zu werden und Nachahmung zu finden. Es sind aber -in dem Heftchen eine Reihe von Einzelheiten ernster und auch humoristischer Art enthalten, deren -Aufzeichnung für die Ortsgeschichte wertvoll ist.</p> - -<p>Den gefallenen Kriegern zu Ehren einen <em class="gesperrt">Heldenhain</em> auf dem Gelände des alten Friedhofes -zu schaffen, war eine von Langes Lieblingsideen; leider hat die dafür geleistete Vorarbeit -bisher zu keinem greifbaren Ergebnis geführt.</p> - -<p>Bei allen solchen Bestrebungen, die Lange doch mit der Öffentlichkeit in Berührung brachten, -blieb er stets der Schlichte, Bescheidene; all dies Schaffen atmet Heimattreue und Heimatliebe und -Dankbarkeit für das, was die Heimat gewährt. Nun ist es an der Heimat, ihm dankbar zu -bleiben für das, was er außerhalb der Lehrtätigkeit für ihre Würdigung und zur Pflege der -Ortskunde und des Heimatschutzes gearbeitet hat.</p> - -<p>Für die schöne Aufgabe, Heimat- und Ortskunde und Ortsgeschichte zu pflegen, zu überliefern -und das Interesse dafür wachzuhalten, ist, vornehmlich in ländlichen Orten, neben dem -Ortsgeistlichen kein anderer besser geeignet wie der Ortslehrer, weil er alle Fäden, die es zu -verknüpfen gilt, am ehesten zu suchen und zu erfassen vermag. Möchte die Lehrerschaft nicht -müde werden, sich diesen wertvollen und dankbaren Aufgaben zu widmen.</p> - -<p class="mright"> -<em class="gesperrt">Arndt Ludwig.</em> -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Gaeste">»Gäste«</h2> - -<p class="center">Ein Intermezzo von <em class="gesperrt">E. Finck</em>, Annaberg</p> -</div> - -<p>In unserem Bergstädtlein Geyer, das durch seine sonnigen Bilder den Naturfreund zu sich -lud, ist es im Erzgebirgsverein seit seinem ersten Vergnügen im Jahre 1907 zur Überlieferung -geworden, daß dieses eine Saalvergnügen im Jahre einen Höhepunkt bedeute. Im Sinne der -Bestrebungen des Heimatschutzes haben wir uns immer angelegen sein lassen, durch die Idee -des Festes, den Inhalt der Einladungen und die Darbietungen des Abends echt heimatlich -bodenständig zu bleiben. Die Idee durfte nur erzgebirgisches Leben, einheimische Sitten und -Gebräuche zu ihrer Grundlage haben. Wir erreichten dies durch die »Schinnelbacher Kirmes«, -»Eigeschneit in der böhmschen Mühle«, »Sommerausflug nach dem Fichtelberg«, »Wintersportfest«, -»Rockenabend« und anderes. Auf die Idee und die Absicht der Veranstalter wies immer -die »Eiloding« hin, die überhaupt den Auftakt zum Vergnügen fürs Städtlein bedeutet. Und die -Darbietungen im Einzelvortrag zur Laute und im Chor umrahmten einen der derb-humoristischen -Einakter oder einen dem Feste entsprechenden Reigen unserer Damen. Nebenher gingen Verlosungen -und Glücksradserien, zu denen uns die »Volkskundliche Bude« des Landesvereins wertvolle<span class="pagenum" id="Seite_62">[62]</span> -Anregungen und Jahr für Jahr die wohlgelungenen Auswahlsendungen bot. Wir können -immer nicht genug Nieten schaffen, so begehrt sind Lose und Gewinne!</p> - -<p>Die Dezembertage des Vorjahres brachten uns nun die Einweihung unseres neuen Rathauses -und somit die Idee unseres ersten Vergnügens im neuen Saale: »Alt-Geyer in neie Rathaus«.</p> - -<p>»Mr hobn uns nu gedacht, wos de altn Geyerschen fir Aagn machn tätn, wenn die itze -noch emol of dr Walt käme, wenn die ’s neie Rathaus un ’s Staadtle sahe tätn, un weil mr -alle ’s Maul un de Nos ewing aufsperrn warn, denkn mr uns alle in dar Roll dr altn Geyerschen -nei un feiern unner Fast: ›<em class="gesperrt">Alt-Geyer in neie Rathaus</em>‹« sagte die »Eiloding«.</p> - -<p>Und wie hatten sich alle in ihre Rollen hineingedacht. Allen Anregungen der Veranstalter -war man bereitwilligst nachgekommen. Über Empire- und Biedermeierzeit, zur Urgroßmutter- -und Großmutterzeit war so manches Belegstück vergangener Mode ans Tageslicht gezogen -worden. Typische Handelsleute des Obererzgebirges, Bergleute, Bergherren, Postillion und Vertreter -der klassischen Zeit – alle hatten den Ruf vernommen, so daß die, welche die Gegenwart -in nüchterner Ballkleidung verkörperten, in der Minderheit blieben. Fast eine Stunde dauerte -der Eintritt immer neuer Typen, bis endlich auch die »Tante aus Drebach« mit gestickter -Reisetasche, Mantille und vorsintflutlichem Regenschirm sich eingefunden hatte, und eine Sänger-Knappschaft -durch frischen »Glückauf«-Gesang und geschickt geführten Aufmarsch den ersten Teil -des Abends beendete.</p> - -<p>Jetzt kam die Jugend zu ihrem Rechte und tanzte nach alten schönen längst verklungenen -Weisen die Tänze unserer Väter und der eigenen Jugend, wie schwer es manchem der heutigen -Jugend auch gefallen sein mag, um den die Mitte des Saales einnehmenden Kachelofen mit -Ofenbänken, der nun auch dieses Fest mit erleben durfte.</p> - -<p>Unterdessen bereitete sich im Stillen der Höhepunkt des Abends vor. Die »Eiloding« verkündete</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Mr kenne Eich aa verrotn, doß dr alte <em class="gesperrt">Lotter</em> ’s neie Rathaus asahe will mit -seiner Fraa, die doch aa e geburne Geyersche is, vun alten Bauer – Gott hobne salig – -de Ältste. Un dr <em class="gesperrt">Evans</em> will kumme, dr Stülpner-Karl is aa in dr Näh, un de -altn Geyerschen Stadtrichter, dr <em class="gesperrt">Blüher</em> un dr <em class="gesperrt">Blumenhöfer</em>, hom aa schie zugesaht.«</p> -</div> - -<p>Ein paar einführende Worte des Vorstehers, darauf Lautenklang und Gesang der Hauskapelle, -und nun als Mißklang an der Saaltür laute Stimmen, Wortwechsel eines, der ohne -Festkarte Zutritt haben will, mit dem Wächter, der doch endlich sich zu beruhigen scheint und -mit lauter Stimme und Kuhglocke den Vorstand ruft. So beginnt die feine wohldurchdachte -Arbeit unseres Führers in volkskundlichen Dingen im Obererzgebirge, des Leiters des Erzgebirgs- -und Altertumsmuseums in Annaberg, des Herrn Oberlehrer <em class="gesperrt">E. Finck</em>. »Gäste« nennt er sie, -»ein Intermezzo, das mitten in die Geyersche Gesellschaft hineingreift.«</p> - -<p>Die ob der Störung entrüsteten Bürger und Frauen weisen den lärmenden Wächter zur -Ruhe. Das ruft den Vorstand auf den Plan. Es entspinnt sich eine regelrechte Verhandlung, -in die die Frau Vorsteher, der Kassierer und der Schriftführer, ihre Rechte wahrend, eingreifen. -Das erlösende Wort findet der Vorsteher, indem er den draußen Harrenden hereinholen läßt und -in ihm Karl Stülpner erkennt. Ihm legt nach der Begrüßung der Verfasser Worte in den -Mund, die gerade deshalb, weil sie Stülpner spricht, so überaus ergreifend und wirkungsvoll -sich gestalten. Er geißelt die jetzige Zeit mit ihren Irrungen und Wirrungen und leitet so über -zu den Vorgängen, die sich nun auf der Bühne abspielen. Im selben Gespräch über die Zeitläufte -sind Pfarrer Blüher, der Geschichtsschreiber Geyers, und Evan Evans, der »Vater der -sächsischen Baumwollspinnerei«, eingetreten und werden vom Vorsteher mit dem Hinweis auf den -Segen, der ihrer Tätigkeit entsproß, eingeführt. Eine mit Bezug auf den Ortsnamen von -Stülpner wegen des teuren und schlechten Tabaks angewandte wegwerfende Redensart ruft die -darob entrüstete Frau Vorsteher und den Schriftführer auf den Plan, der bewußt seiner Würde -das »I« und »Y« im Ortsnamen nicht zu verwechseln bittet.</p> - -<p>Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz Blumenhöfer mit dem -einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen, dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber<span class="pagenum" id="Seite_63">[63]</span> -bei ernstem Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch der Vorsteher -belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Was hat damals durch den einen Toren</div> - <div class="verse indent0">unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die Namen der Exulanten -verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die -Hände der Kaiserlichen fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für -den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich beigelegt wird und zur -Entschuldigung und stummen Verzeihung führt.</p> - -<p>Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau Käte, einer geborenen -Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, -die durch abschließende, den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte -des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch gemeinschaftlichen Gesang des Liedes -»O Täler weit, o Höhen« dem Wald als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder -zum Rathaus ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird.</p> - -<p>Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter den Festteilnehmern, -nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben -zu den Gefilden, von dannen sie kamen.</p> - -<p>Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer zuteil, der aus dem -Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach, da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, -Volkstum und Mundart nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte, -da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als Hausierer und Bettler -und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb, unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige -Geyer der Gegenwart, auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft -voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß und Mittelpunkt war. -Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der über dem ganzen lagernden Feststimmung -kein Abbruch geschah. Und die Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig -seine Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich war, das Vergnügen -aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend -in des Wortes wahrster Bedeutung.</p> - -<p class="mright"> -<em class="antiqua">L.</em> -</p> - -<p class="p2"><b>Über Orts-, Straßen- und Hausnamen</b> lesen wir in der »Schwäbischen Chronik« bemerkenswerte -Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: »Zahlreiche neue Siedelungen, namentlich -für Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer, sind geplant und werden in den nächsten Jahren -entstehen. Den schon vor dem Krieg entstandenen wurden teilweise recht inhaltlose Namen gegeben. -Entweder waren es Benennungen nach den Himmelsrichtungen (Südheim, Ostau, Westdorf, -Nordheim) oder sonstige unschöne Bezeichnungen, wie Fabrikdorf, Hafenau usw. Für die -neuen Siedelungen sollten bei der Namensgebung nur bewährte <em class="gesperrt">bodenständige Namen</em> -Verwendung finden. Am natürlichsten wirken stets die Bezeichnungen, die auf die <em class="gesperrt">alten Flur- -und Markungsnamen</em> zurückgehen, auf deren Gebiet die Siedlung angelegt wird. Oft läßt -sich der Flurname ohne weiteres auch als Ortsname verwenden. Wo das nicht möglich ist, -helfen die alten Endungen: -hausen, -hohen, -ingen, -heim, -stetten. Empfehlenswerter als diese -Bezeichnungen sind jedoch Endungen, die auch die Lage der neuen Siedelung auf einem Berg, -an einem Hang, in der Nähe einer Quelle, am Waldrand, im Wiesental usw. zum Ausdruck -bringen. Hier seien nur einige zur Namenzusammensetzung geeignete Wörter aufgezählt: Berg, -Eck, Horn, Halde, Bronn(en), Brunn(en), Wald, Busch, Holz, Wiese, Tal, Au, Heide, Ort, Lust. -Wo kein passender Flurname vorhanden sein sollte, empfehlen sich Bezeichnungen nach der Lage, -wobei sich aus den vorstehend aufgezählten Wörtern sehr klangvolle und ansprechende Namen -zusammensetzen lassen: Waldlust, Bergeck, Buschhalden u. a. Zur Namengebung sind ferner die -Namen von Tieren oder von Früchten vorzüglich geeignet, die im Siedelungsgebiet besonders -stark vertreten sind. Wie vielsagend und anheimelnd wirken Namen wie Fuchsbau, Rehberg, -Finkenwiese, Amseleck, Käferholz, Kirschhofen, Dinkelsbühl.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_64">[64]</span></p> - -<p>Aber nicht nur für die Siedelung selbst gilt es, schöne und mit der Natur verbindende -Namen zu prägen, sondern auch die <em class="gesperrt">Straßen</em> in den neuen Siedelungen müssen derartige -Namen bekommen. Wie öde wirkt eine Friedrich-, Heinrich-, Olga-, Karl- oder Marienstraße! -Hoffentlich werden unsere neuen Siedelungen nicht nur Straßen besitzen, sondern auch kleine einspringende -Höfe, Winkel usw. und es werden die daranliegenden Häuser auch mit entsprechenden -Namen versehen, z. B.: Im Schwarzhof, an der Waldach, im Winkelgarten, unter den Weiden, -beim Apfelnest. Wie noch jetzt auf dem Land jeder Hof seinen besonderen Namen trägt und in -den alten Stadtteilen viele Häuser ihre eigenen Namen haben, so sollten auch die Bewohner von -Eigenheimen die alte Sitte wieder aufleben lassen und <em class="gesperrt">ihr Heim mit besonderen Namen -schmücken</em>. Wie anders klingt es und um wieviel behaglicher und gemütvoller ist es, -im Waldeck, Eichenhof, Fichtenheim, Kirschgarten oder Heidenest zu wohnen, als in der Langestraße -Nr. 119 oder in der Kanalgasse Nr. 111!« –</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Gedenkblatt_zur_Erinnerung">Gedenkblatt zur Erinnerung -an die im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen</h2> -</div> - -<div class="figleft illowp40" id="illu-066"> - <img class="w100" src="images/illu-066.jpg" alt="Gedenkblatt" /> -</div> - -<p>Wir haben bereits in Heft 1/3, Band IX (1920), Seite 53 unserer »Mitteilungen« -auf das preisgekrönte, vom Professor Arno <em class="gesperrt">Drescher</em> stammende -Gedenkblatt hingewiesen. Das Blatt -war 120 Zentimeter lang, 74 Zentimeter -breit und hatte somit eine Größe, die -für viele Vereine ungeeignet war, weil -in ihren Vereinsräumen der Platz zur -Unterbringung fehlte. Ganz von selbst -sind viele Vereine daher auf den Gedanken -gekommen, die Felder links und -rechts wegzulassen und nur das Mittelblatt, -so, wie wir es hier abbilden, sich -anzuschaffen. Die Namen der Gefallenen -lassen sich in dem freien Felde zugleich -mit dem Namen des Vereins unterbringen. -Für das Vereinszeichen ist -über dem Oval ein Platz gelassen.</p> - -<p>Auf diese Weise ist es möglich, in -solchen Fällen, wo wenig Mittel zur -Verfügung stehen, ein bescheidenes Denkzeichen -an die zu errichten, die im Glauben an eine glückliche Zukunft ihres -Vaterlandes ihr Leben ließen.</p> - -<p>Das Blatt ist zum Preise von 25 Mark durch unsere Geschäftsstelle Dresden-A., -Schießgasse 24, I zu beziehen. Eine Bestellkarte liegt bei.</p> - -<p>Das Blatt eignet sich zur Anschaffung für Vereine, für Schulen, für Geschäftsräume -und macht in geschmackvollem, einfachem Rahmen einen sinnigen, dem Zweck -entsprechenden würdigen Eindruck.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_65">[65]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Heimatschutz_Heimatkunst_mdash_Heimatdichtung">Heimatschutz – Heimatkunst – Heimatdichtung!</h2> -</div> - -<p>In unzertrennbarer Einheit ranken sich -diese drei Kultur- und Kunstbegriffe aneinander empor, heben und stützen sich, um in wechselseitiger -Befruchtung und Ergänzung dem einen großen Gedanken zu dienen, die der breiten -Masse verlorengegangene Liebe zur Heimat und Scholle wiederzugewinnen, Rückkehr zur bodenständigen -Kunst. In trefflicher Weise äußerte sich bereits 1900 der Bahnbrecher und Vorkämpfer -der Heimatkunst, der bekannte Dichter Friedrich Lienhardt: »Heimatkunst ist eine Selbstbesinnung -auf heimatliche Stoffe; in erster Linie aber ist sie Wesenserneuerung, ist sie eine Auffrischung -durch Landluft. Mit dieser Geistesauffrischung wird freilich auch eine andere Stoffwahl, eine -andere Sprache und Technik Hand in Hand gehen. Wir wünschen nicht Flucht vor der Moderne, -sondern eine Ergänzung, eine Erweiterung und Vertiefung nach der menschlichen Seite, wir -wünschen ganze Menschen mit einer ganzen und weiten Gedanken-, Gemüts- und Charakterwelt, -mit modernster, und doch volkstümlicher Bildung, mit national- und doch welthistorischem Sinn.« -Und der bekannte Literaturhistoriker Adolf Bartels schrieb in gleichem Sinn: »Dilettantische -örtliche Kunst ist sie durchaus nicht, sie wendet sich an das ganze deutsche Volk und strebt den -strengsten ästhetischen Anforderungen Genüge zu leisten.« Wohl ist die seit Jahrzehnten gestreute -Saat prächtig gediehen und hat in weiteren Kreisen Wurzel geschlagen, die große Stunde der -Selbstbesinnung auf die Heimat für die breite Masse aber ist noch nicht gekommen, doch liegt sie -gewiß nicht zu fern. Alle Gebiete stellen sich dieser großen Bewegung zur Verfügung. Nicht -zuletzt die Literatur. Sie stand zwar schon lange, bevor man von einer Heimatschutzbewegung -sprechen konnte, in deren Dienst. Die letzten Jahrzehnte aber zeitigten in inniger Liebe und -Treue zur Heimat unvergängliche Heimatdichtungen, ganz in Lienhardts und Bartelschem Geist. -Wohl jeder deutsche Gau hat seine Heimatdichtungen und -dichter mit mehr oder weniger Berufung -zu der hohen Aufgabe, Sänger der heimatlichen Schönheit und Eigenart zu sein. Wir Sachsen -haben unter anderem in unserem Gerhard Platz einen geist- und gemütvollen Plauderer und -Erzähler. Sein treffliches, mit einem liebevollen Vorwort von Professor Paul Schumann versehenes -Buch »Vom Wandern und Weilen im Heimatland« (Dresden, Sächsischer Heimatschutz, -gebd. M. 12,–) ist echte geistige Heimat- und Volkskost, deren Wert nicht hoch genug eingeschätzt -werden kann. Doch auch andere Verleger und Dichter pflegen mit besonderer Hingabe die -»Heimatkunst als Grundlage einer sonnigen und stolzen Höhenkunst gegenüber dem engen und -stumpfen Stubenproblem« einer modernen, dekadenten und mißmutigen Kunst. Unserem heutigen -Heft liegt ein Verlagsverzeichnis der <em class="gesperrt">Lehmannschen Verlagsbuchhandlung in -Dresden-N. 6</em> bei, das der besonderen Beachtung unserer geschätzten Leser gewürdigt zu -werden verdient. Unter den vielen empfehlenswerten Erscheinungen dieses Verlages, die sich -durchgängig bei niedrigem Preis durch mustergültige Ausstattung vorteilhaft auszeichnen, erheischen -einige doch besondere Erwähnung. Bünau führt uns mit seinem köstlichen Novellenband -»Der Mut des Egidi Duldmann« in eine alte fränkische Stadt am Main. Wohl dem deutschen -Nest, das so erlebt wird, wie diese alte Bischofsstadt! Hier zeigt sich echte Meisterkunst in -unheimlicher Kraft in Schilderung, Aufbau und Sprache. – In das jetzt im Brennpunkt der Tagesfragen -stehende Oberschlesien versetzt uns Robert Kurpiun mit seinem Roman »Der Mutter Blut« -und seinen Novellenbänden »Ultimo« und »Bunt Volk«. Wie keiner vor und neben ihm erschaut er -feinfühlig die Seele seines Landes und Volkes und bietet uns in allen seinen Dichtungen eine edle -herzerquickende und -stärkende Heimatkost. Jede seiner Dichtungen erringt unser volles Interesse, -gleichviel, ob er in seinen Novellenbänden uns Leute aus dem Volke und Mittelstand menschlich -liebevoll nahebringt, oder ob er in »Der Mutter Blut« das große deutsch-polnische Rassenproblem -anschneidet. Stets bleibt er der »Rosegger Oberschlesiens«, der Sänger seiner Heimat und schenkt uns -Dichtungen voll Erdgeruch und Heimatduft. – In der Bücherei eines jeden guten Deutschen verdient -das Buch »Norika« seinen Platz und wird ihr zur Zierde gereichen. Das vor fast hundert Jahren -erstmalig erschienene Buch wurde lange für eine echte Chronik aus dem 16. Jahrhundert gehalten, so -lebenswahr ist der Ton von Nürnbergs größter Zeit getroffen. Meisterhaft sind die Schilderungen -aus dem Kreise Albrecht Dürers, Hans Sachsens, Peter Vischers, Kraffts usw. Diese Ausgabe -enthält die Hauptwerke Alt-Nürnberger Kunst in 26 Kunsttafeln. – Für Dresden und Sachsen -haben die Stübelschen Werke, die bei Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregten, ganz besonderes -Interesse: »Chodowiecki in Dresden und Leipzig«, das Reisetagebuch des Künstlers vom 27. Oktober<span class="pagenum" id="Seite_66">[66]</span> -bis 15. November 1773, und »Goethe, Schuster Haucke und der Ewige Jude«. – Besonders -Bibliophile seien auf die Sammlung »Deutsche Dichterhandschriften« aufmerksam gemacht. Hier -ist der schöne Gedanke verwirklicht: einzelne Dichtungen unserer Großen in deren Handschrift -wiederzugeben. Bei diesen Bänden spürt man deutlich: nur des Autors Handschrift vermag den -Leser in jene persönliche Beziehung zu ihm zu bringen, die der Weg in das Wesen des Dichters -ist. Man erhält Einblick in die Eigenart seines Schaffens, in seines Geistes Werkstatt.</p> - -<p>Es empfiehlt sich jedenfalls, all diesen Erscheinungen, denen sich außer den vorstehend erwähnten -noch manches nicht minder gute Werk aus allen schönliterarischen Gebieten würdig beigesellt, -das Interesse nicht zu versagen.</p> - -<p class="mright"> -<em class="antiqua">K. W.</em> -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Buecherbesprechungen">Bücherbesprechungen</h2> -</div> - -<p><b>Wochenabreißkalender »Unsre Heimat« 1921.</b> Herausgeber: <em class="gesperrt">Sächsischer Pestalozzi-Verein</em>. -Preis M. 6,–.</p> - -<p>Kreuz und quer führt uns der nun schon zum vierten Male erscheinende Bildkalender -durchs deutsche Vaterland. Mit besonderer Liebe aber verweilt er bei der sächsischen Heimat. -Ist’s ein Wunder? Sind es doch lauter sächsische, vorwiegend Dresdner Künstler, die dem Beschauer -hier zeigen, was es alles zu sehen gibt in der Nähe und in der Ferne im armen und doch noch -reichen Vaterland. Ein rechter Ansporn sind diese künstlerisch hochwertigen Bilder besonders für -unsere Jugend, selbst einmal zum Wanderstab zu greifen und auch ihrerseits auf solch glückselige -Entdeckungsfahrt auszugehen. Gute und kernhafte Sprüche aus dem Munde großer Deutscher -heben den Wert des Kalenders. Auch die Erläuterungen zu den Bildern sind bei aller Kürze -ein guter Führer zum Verständnis der dargestellten Landschaft.</p> - -<p class="p2">»<b>Wegwart</b>«. <em class="gesperrt">Jugendkalender des Sächsischen Pestalozzi-Vereins</em>, 2. Jahrgang -1921. Preis M. 2,80.</p> - -<p>Ein rechtes und tüchtiges Büchlein voll Freundschaft und Verstehen fürs Herz der heranwachsenden -Jugend. Aufsätze aus der Feder echter Idealisten wie Max Schmerler, Friedrich -Richter, Hans Kappler, der Malerwanderer, werden Gutes im Kinderherzen wirken. Und wem -lacht nicht das Herz, liest er das prächtige Kapitel von den Christbäumen, die singen können? -Treue, gutgemeinte Ratschläge aus der Feder berufner Pädagogen, verständnisvolle Einführung -in Naturgeschichte und Sternenkunde, Anleitung zu Handfertigkeit und froher Geselligkeit – -alles so gut und lobenswert. Nur bei dem Kapitel von der Sonnenfreude fiel mir eins auf: -»Ohne die Sonne«, steht da geschrieben, »ist der Tod. Alles Bestehende ist ihr Werk.« – – – -Und wessen Werk ist die Sonne? Wollen wir nicht an unserm Teil darnach trachten, daß unsre -Jugend, unser Volk, auch wieder im Geiste sich dem zuwendet, der die Sonne gemacht?</p> - -<p class="mright"> -G. Platz. -</p> - -<p class="p2"><em class="gesperrt">Paul Thomas</em>, Schuldirektor in Schlettau, »<b>Kriegschronik der Stadt Schlettau im Erzgebirge</b>«. -Eine Heimatgeschichte der Jahre 1914–1920, zugleich eine allgemeine Geschichte des -inneren Krieges. Selbstverlag des Verfassers. Schlettau 1920. Broschiert M. 15,–.</p> - -<p>Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren Krieges« von Wert -über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, -passend für die dunklen Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des versunkenen -Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot besserer Zeiten leuchtet daraus -seine goldene Aufschrift. Hätten doch alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, -was des Einzelnen Heimat in den Jahren 1914–1920 durchlebte, der Nachwelt so festgehalten! -Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser mit ungeheurem Sammlerfleiß alles -Denkwürdige zusammengetragen, Großes und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und -Drückendes, beides innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen -dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte mit klaren Einblicken ins -ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle -Abschnitte des 375 Seiten starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast -50 Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen besonders anregen:<span class="pagenum" id="Seite_67">[67]</span> -Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage, Freiwillige vor!, die Mobilmachung der -Phantasie, die Mobilmachung der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen, -Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung (ein bedeutsames und -erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche, Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, -Landwirtschaft im Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch -weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins- und Wirtshausleben) wird, -zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution -erlebte. Ein ganzer Teil zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit -in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem Kriegssozialismus -erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege und Vergleiche, ein anschauliches Bild.</p> - -<p>Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen: »Das Heldenbuch -von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon der Anhang der Kriegschronik: »Wie -unsere Schlettauer ihr Eisernes Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch -selbst zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau, besonders denen in -der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien -des Erzgebirges dürfte sie nicht fehlen!</p> - -<p class="mright"> -Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz). -</p> - -<p class="p2"><b>Alt-Bautzen.</b> Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. <em class="gesperrt">Hans Richter</em>. Verlagsanstalt -Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis M. 15,–.</p> - -<p>Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen Nürnberg finden -wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen vereint. In flotter anschaulicher Weise sind -sie dargestellt, Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die Bautzen lieben -ob seiner Schönheit.</p> - -<p class="p2"><em class="gesperrt">Cornelius Gurlitt.</em> <b>Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler.</b> Broschiert M. 14,–, -Gebunden M. 19,–.</p> - -<p>Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem Titel ein neues -kleines Werk des genannten Verfassers erschienen. Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher -und insbesondere sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt, nicht Kunstgeschichte -oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll vielmehr das Buch den berufenen -Hütern des Kunstbesitzes unserer Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein -Ratgeber und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der Gebäude sowohl, -wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es soll aber weiter auch darüber hinaus das -Verständnis und die Liebe zu diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in -unserer heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das kleine Werk wird -aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen hinaus jedem Freunde und Sammler -alter Kunstwerke gar vieles bringen, denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso -der alte Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns.</p> - -<p>Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich mit der Umgrenzung der -Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit -und Schönheit im Bau von Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde -wird weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute Worte in den -folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner Denkmalpflege ausgeführt werden. -Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, -daß Gurlitts schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut annimmt, -den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die mit dem Gute übernommene Verpflichtung -nicht durchhält,« in weitestem Maße Beherzigung finden möchten.</p> - -<p>Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der heutigen Denkmalpflege -in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände zusammengestellt. Praktische Winke für Bau -und Umbau von Kirchen, Wahl des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier -den Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher Baudenkmäler gemeinhin, -von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. -Im vierten Abschnitt endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als Denkmalpfleger -heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich<span class="pagenum" id="Seite_68">[68]</span> -behandelt wird, möchte von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen Kunstwerke -unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird gerade hier und oft in bester -Absicht gesündigt. Falsche Behandlung ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis -dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat, und eindringlich -betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne -sachverständige Beratung zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren Überwachung -gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch vor allem gewesen, der in den deutschen -Staaten fast überall und neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger -(Landeskonservatoren) führte.</p> - -<p>So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die Bestrebungen der Denkmalpflege -und des Hand in Hand mit ihr gehenden Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint -aber auch noch in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes: -»Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«.</p> - -<p class="mright"> -<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Bachmann</em>. -</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><b>Der Sächsische Bergsteigerbund und seine Ziele.</b> Der 1911 gegründete S. B. B., der zurzeit -neben zahlreichen Einzelmitgliedern mehr als 200 Berg- und Wandersport treibende Vereinigungen -umfaßt, hat mit Wiederkehr friedlicher Verhältnisse die Anstrengungen zur Erreichung seiner -Ziele verdoppelt. Zu den Aufgaben, die sich dieser Bund gestellt hat, zählt insbesondere auch -die Bekämpfung der Unsitten, die unter einem großen Teil der Besucher der Sächsischen Schweiz -und der angrenzenden Gebiete eingerissen sind. Der in den letzten Jahrzehnten immer mehr -anwachsende Massenbesuch dieser Gegenden hat bekanntlich recht unerfreuliche Begleiterscheinungen -gezeitigt: Durch wüstes Lärmen wird die Stille der Natur entheiligt, das Landschaftsbild wird -durch Umherwerfen von Papier, Flaschen und anderem Unrat, durch Verwüsten von Schonungen -und Lostreten des lockeren Erdreiches an Steilhängen mit samt dem Pflanzenreich geschändet; -ein Greuel für jeden Menschen von Geschmack ist auch die Kleidung, die von einem Teil der -Besucher dieser Gegenden getragen wird, Zipfelmützen und andere Narrengewandung wetteifern -mit Salontiroleranzügen um den Preis der Geschmacklosigkeit. Hier nun will der S. B. B. -Wandel schaffen durch ein gutes Vorbild, durch unausgesetzte Aufklärung und Belehrung in -Wort und Schrift, nötigenfalls auch mit noch wirksameren Mitteln will er die Besucher der -heimischen Berge zu einem Wohlverhalten in der Natur erziehen. Als wichtigstes Hilfsmittel -zur Durchführung dieser Bestimmungen hat sich der Bund im Sommer 1919 eine monatlich -erscheinende Zeitschrift, die »Mitteilungen des S. B. B.« geschaffen. (Zu beziehen durch die -Geschäftsstelle des S. B. B. Dresden, Johannesstraße 21.) Dieses Blatt will insbesondere durch -Erweckung und Vertiefung der Heimatliebe veredelnd wirken.</p> - -<p>Eine Wendung zum Besseren im Betrieb des Berg- und Wandersportes in unserer Bergwelt -ist in letzter Zeit schon unzweifelhaft festzustellen gewesen; um durchgreifende Wandlung zu -erzielen, dazu bedarf es noch längerer hingebender Arbeit und der Unterstützung der Bundesbestrebungen -durch die weitesten Kreise. Zu näherer Aufklärung ist Interessenten gegenüber -stets bereit der Presseausschuß des S. B. B., vertreten durch Herrn <em class="antiqua">Dr.</em> Pfeilschmidt, Dresden-A., -Reichenbachstraße 13.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p class="center p2"> -Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt;<br /> -Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, beide in Dresden. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p>Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern -die Anschaffung der noch vorhandenen früheren -Bände unserer Mitteilungen:</p> -</div> - -<table summary="Preisliste"> -<tr> -<td>Band</td><td class="tdr">III</td> - <td>ungebunden</td><td>M.</td><td class="tdr">7.–,</td> - <td>gebunden</td><td>M.</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">IV</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">10.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">25.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">V</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">7.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">VI</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">7.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">VII</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">7.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">VIII</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">7.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdc">"</td><td class="tdr">IX</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">7.–</td> - <td class="tdc">"</td><td class="tdc">"</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -</table> - -<p class="center"><b>Wir gestatten gern Ratenzahlungen.</b></p> - -<p class="center"><b>Bestellkarte anbei.</b></p> - -<p class="center p2">Landesverein Sächsischer Heimatschutz<br /> -Dresden-A., Schießgasse 24.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Vom Wandern und Weilen -im Heimatland</p> -</div> - -<p class="center larger">Von <b>Gerhard Platz</b></p> - -<p class="center">Dresden 1920</p> - -<p class="center larger">des Landesvereins Sächsischer -Heimatschutz Heimatbücherei</p> - -<p class="center larger">Band I</p> - -<p class="center">320 Seiten – Großoktav</p> - -<p class="center"><em class="u">Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereines Sächs. Heimatschutz M. 12.–</em></p> - -<p class="center"><em class="u">Bestellkarte in diesem Hefte</em></p> - -<p class="noind">Seit vielen Jahren ist <em class="gesperrt">Gerhard Platz</em> unser treuer Mitarbeiter. -Fast in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche -Zuschriften aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe -und Verehrung, die er sich in unserem Kreise erworben hat. -Oft hören wir: Mit Platz möchten wir wandern. So ist es verständlich, -daß wir in dem ersten Band unserer Heimatbücherei -ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten Heimatschilderungen -sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in wenigen Stücken -vorhanden.</p> - -<p class="center larger p2">Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden-A., Schießgasse 24.</p> - -<p class="center smaller p2">Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.</p> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.</p> - -<p>Korrekturen:</p> -<div class="corr"> -<p> -S. 33: einschlossen → eingeschlossen<br /> -abgeschlossen doch nicht <a href="#corr033">eingeschlossen</a></p> -<p> -S. 59: Hiddensoe → Hiddensee<br /> -<a href="#corr059">Hiddensee</a> auf Rügen und die Mellumplatte</p> -</div> -</div> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/66504-h/images/cover.jpg b/old/66504-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1ea3cd0..0000000 --- a/old/66504-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/66504-h/images/illu-003.jpg b/old/66504-h/images/illu-003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 978d55f..0000000 --- a/old/66504-h/images/illu-003.jpg 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