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-The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz --
-Mitteilungen Band X, Heft 1-3, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
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-using this eBook.
-
-Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X,
- Heft 1-3
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
-Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Release Date: October 10, 2021 [eBook #66504]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER
-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 ***
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-
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- Anmerkungen zur Transkription
-
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- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder
- unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua
- gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so
- dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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-
- Landesverein Sächsischer
- Heimatschutz
-
- Dresden
-
- Mitteilungen
- Heft
- 1 bis 3
-
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
- Band X
-
- _Inhalt_: Der Rochlitzer Berg -- Der Einfluß der
- Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer Berges
- -- Die Vogelwelt unserer Obstalleen -- Das Tännichttal im
- Tharandter Wald -- Gauernitz -- Frühlingsboten -- Über
- das Vorkommen der Biber in Sachsen -- Frau Lina Hähnle
- zum 70. Geburtstag -- Oberlehrer Bruno Lange, Strehla †
- -- Gäste -- Heimatschutz, Heimatkunst, Heimatdichtung --
- Bücherbesprechungen -- Verschiedenes
-
- Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen
- Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und
- Büchereien M. 10.--. Mitglieder erhalten die Mitteilungen
- kostenlos, Mindestjahresbeitrag M. 10.--
-
- Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24
-
- Dresden 1921
-
-
-
-
-Heimatschutzvorträge mit Lichtbildern
-
-
-_Dresdner Vorträge_
-
-abends punkt ½8 Uhr im großen Gewerbehaussaale
-
-_Vortragsfolge_:
-
-_Mittwoch, den 20. April_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Martin
-Braeß_: »=Die volkstümlichsten Tiere der deutschen Märchen und Fabeln=«
--- _Mittwoch, den 27. April_: Professor ~Dr.~ _Martin Große_: »=Die
-Lommatzscher Pflege=« -- _Mittwoch, den 4. Mai_: Hofrat Professor _O.
-Seyffert_: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« -- _Mittwoch, den 11.
-Mai_: _Edgar Hahnewald_, Dresden: »=Wandern als Erlebnis. Bilder aus
-Dresdens Umgebung=« -- _Mittwoch, den 18. Mai_: »=Volksliederabend=«:
-Kammersänger ~Dr.~ _Waldemar Staegemann_ -- _Mittwoch, den 25. Mai_:
-Professor _Franz Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende
-Steine. Bilder aus deutscher Vergangenheit=« -- _Mittwoch, den 1.
-Juni_: Hofrat Professor ~Dr.~ _Arno Naumann_, Dresden: »=Natur- und
-Kulturdenkmäler im östlichen Erzgebirge=«
-
-Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des
-Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,--
-
-Karten-Hauptverkaufsstelle: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24
-
-
-_Leipziger Vorträge_
-
-abends punkt ½8 Uhr im großen Festsaale des Zentraltheaters
-
-Vortragsfolge:
-
-_Freitag, den 15. April_: Fabrikbesitzer _J. Ostermaier_, Dresden:
-»=Auf Blumenpfaden durch die Alpen. Schutz den Alpenpflanzen=« --
-_Freitag, den 22. April_: Schuldirektor ~Dr.~ _Zinck_, Leipzig: »=Im
-Reiche des Rochlitzer Porphyr=« -- _Freitag, den 29. April_: Hofrat
-Professor _O. Seyffert_, Dresden: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« --
-_Freitag, den 6. Mai_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Kittel_, Borna:
-»=Das Bornaer Land=« -- _Freitag, den 13. Mai_: Musikdirektor _Bernhard
-Schneider_, Dresden, unter Mitwirkung von Fräulein _Ruth_ und _Hannah
-Schneider_, sowie des Herrn _Albert Klug_, Dresden: »=Gassenhauer,
-Bänkelsang und Volkslied=« -- _Freitag, den 20. Mai_: Oberstudienrat
-Professor ~Dr.~ _Martin Braeß_, Dresden: »=Junges Volk, Bilder aus der
-Kinderstube der Tiere=« -- _Freitag, den 27. Mai_: Professor _Franz
-Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende Steine. Bilder aus
-deutscher Vergangenheit=«
-
-Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des
-Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,--
-
-Karten-Hauptverkaufsstelle Zementbau Rud. Wolle, Leipzig,
-Gottschedstraße 17
-
-
-
-
- Band X, Heft 1/3 1921
-
-[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden]
-
-Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den
-Vorstand herausgegeben
-
-Abgeschlossen am 1. Februar 1921
-
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-
-Der Rochlitzer Berg
-
-Von _W. C. Pfau_, Rochlitz
-
-Mit Abbildungen nach Aufnahmen von _Rud. Zimmermann_
-
-
-Im Rochlitzer Berg besitzt unser Sachsenland ein höchst bemerkenswertes
-Naturdenkmal, dessen Schönheit Sommer und Winter Tausende von
-schaulustigen Wandersleuten anlockt. Fruchtbare Felder und grünende
-Wiesen überziehen zum großen Teil die leichtgeneigten Abhänge; die
-waldgekrönte Kuppe hingegen ist durch mächtige Steinbrüche mit glatten,
-senkrecht aufsteigenden, im Laufe von Jahrhunderten bis über dreißig
-Meter aus dem Felsenboden mühsam herausgeschrotenen Wänden, in deren
-Nähe sich gewaltige, oft unter Holzbestand oder unter Moos- und
-Grasdecken verborgene Schutthalden auftürmen, zerrissen und zerklüftet.
-Hier an diesen einsamen Arbeitsstätten gewinnt man seit undenklichen
-Zeiten einen aus vulkanischer Asche entstandenen Porphyrtuff, dessen
-rote, von zahllosen Adern durchzogene Grundfärbung mitunter in Gelb,
-Violett, Bronzebraun ausklingt; es gewährt einen ungemein malerischen
-Anblick, wenn grelle Sonnenstrahlen bei blauem Himmel jene mit frischem
-Grün oder mit leuchtenden, weißen Schneeleisten belebten roten
-Felsgebilde feurig erglühen lassen. In seinem Farbengepräge steht der
-»Rochlitzer Sandstein« zum mindesten für ganz Mitteldeutschland einzig
-da; als ebenso eigenartig erscheint die Geschichte des zugehörigen
-Berges und seines Steinmetzentums.
-
-Wann an dieser Stelle der erste Stein gesucht und verarbeitet
-wurde, werden wir nie genau anzugeben vermögen; sicher geschah
-es zu einer Zeit, als sich dort noch Meister Petz behäbig
-herumtrollte, als das Röhren des grimmen Schelches, das Heulen
-gieriger Wolfsrudel, das Gebrüll des ungeschlachten Urs schauerlich
-durch den dichten Forst schallte, als der tückische Luchs in dem
-knorrigen Geäst vielhundertjähriger Eichen nach Raub äugte und
-der reckenhafte Ureinwohner mit Keule und Steinaxt den offenen
-Kampf mit den angestammten Herren der Jagdgründe aufnahm oder aus
-sicherem Hinterhalt auf das flüchtige Wild den todbringenden, mit
-Feuersteinspitze bewehrten Pfeil abschnellte. Nach Ausweis neuerdings
-gemachter einschlägiger Funde war der Rochlitzer Berg bereits in
-urgeschichtlicher Zeit, lange bevor die Welt etwas vom Christentum
-wußte, ein vielbesuchter Ort. Beile, Pfeilspitzen aus Stein,
-geschlagene Steinspäne und dazugehörige Kernstücke, Urnenscherben u.
-a. wurden wiederholt auf dem Berg, zumal auf den Feldern in der Nähe
-der Waldessäume nachgewiesen. In der Bronzezeit, etwa ein Jahrtausend
-vor des Erlösers Geburt, verarbeiteten unsere heidnischen Vorfahren den
-dortigen »Porphyr« bereits zu schönen Getreidemahlsteinen, die in der
-weiteren Umgebung Absatz fanden. Ein reger Verkehr wegen verschiedenen
-gesuchten Steinmaterials muß sich schon damals in diesem Muldenstrich
-entwickelt haben. Man holte auch Garbenschiefer, der ebenfalls am
-Rochlitzer Berg vorkommt, zu Steinsetzungen zu entlegeneren Gräbern,
-und der sogenannte Gnandsteiner Bandjaspis, welcher nur in der
-Kohrener Gegend ansteht, läßt sich auf prähistorischen Fundstellen
-über Rochlitz, Wechselburg hinaus bis in die Pflegen von Colditz,
-Waldheim, Ringethal als Artefakt ziemlich oft feststellen. Auch die
-Wenden trieben ihr Wesen auf dem Rochlitzer Berg; darauf deuten nicht
-nur die eigenartigen, wellenverzierten Urnenscherben, die am Wald
-gefunden werden, sondern auch überkommene, ihm anhaftende Flurnamen
-wie Mo(ko)rellenbruch, Bile, Wälsche usw. Die am Wald gelegenen Dörfer
-tragen sämtlich wendische Namen.
-
-Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, daß die Deutschen
-seit der Kolonisation den roten Stein ständig und eifrig abbauten, in
-ergiebigster Weise benutzten und schließlich immer weiter verhandelten.
-Die Wenden kannten den Kalk noch nicht, waren deshalb unfähig, im
-steineren Hochbau etwas Besonderes zu leisten. Den Rochlitzer Porphyr
-gebrauchten sie wohl vorwiegend oder ausschließlich zu Mahlsteinen;
-Beile, Hämmer und andere Gebrauchsgegenstände aus dem Material sind
-bisher noch nicht nachgewiesen worden. Der Name des am Berg gelegenen
-Dorfes Sörnzig wird von manchen Slawisten als »Ort der Steinhauer«
-gedeutet. Im Anschluß an die vorgefundene Industrie stellten die
-eingewanderten Steinmetzen nun vor allen Dingen Mühlsteine her, die
-weit ins Land versandt wurden. Ein Rochlitzer Bruch heißt von altersher
-»Mühlsteinbruch«. Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurden sechs,
-später zehn Brüche bewirtschaftet. Durch die Deutschen erlangte der
-Steinbruchbetrieb auf dem Berg bald eine außerordentliche Bedeutung,
-zumal für das Bauwesen. Von romanischer Zeit ab ist im Rochlitzer
-Porphyr eine Unmenge von Hochbauten Mittelwestsachsens und anliegender
-Gebiete entstanden, hat man ihn zu unendlich vielen Architekturteilen
-und beweglichen Gegenständen wie Kanzeln, Altartischen, Grabplatten,
-Taufsteinen, Weihwasserbecken, Postsäulen, Gemeindesteinen,
-Gartensäulen, Brunnen, Brüstungen, Stufen, Bänken, Einfassungen,
-Grenzsteinen, Wegweisern, Mordkreuzen, Erinnerungstafeln, Gewichten,
-Normalscheffeln, Geschützkugeln, Schandflaschen, Prangersäulen,
-Trögen, Krippen, Ofentüren u. v. a. m. verarbeitet. Nicht wenige
-dieser Altertümer sind tadellos auf uns gekommen; viele Kirchen und
-manche Schlösser überliefern uns romanischen oder gotischen Baubestand
-in Rochlitzer Stein in vorzüglicher Erhaltung. Der älteste Zweig
-des deutschen Steinbetriebes, die Herstellung von Mühlsteinen, ist
-seit etwa achtzig Jahren ganz eingegangen; an den Schutthalden des
-Mühlsteinbruches liegen aber heutzutage noch viele angefangene oder
-halbfertige Erzeugnisse dieser Art, die, zum Teil in das Erdreich
-eingesunken, zum Teil vom Abraum überschüttet, unter Farren und
-Gestrüpp von jenen vergangenen Zeiten, die an den Gewerbefleiß jetzt
-vergessene Anforderungen stellten, träumen.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Rochlitzer Porphyrbruch mit dem
-Friedrich-August-Turm=]
-
-Über die mittelalterlichen Meister, die ihre Werke in Rochlitzer
-Stein schufen, wissen wir äußerst wenig; wir kennen höchstens ihre
-Zeichen, die sie aufschlugen. Die ältesten Marken dieser Art, wohl
-die frühesten in ganz Sachsen, kommen im romanischen Bestand des
-Rochlitzer Schlosses und an gleichaltrigen, jüngst aufgefundenen
-Werkstücken in Geithain vor. Nach den Ergebnissen der Zeichenforschung,
-zum Teil auch nach der Ortsbezeichnung, welche die ältesten Steinmetzen
-regelmäßig ihren Namen zusetzten, ist eine große Freizügigkeit
-unter den Werkleuten früherer Jahrhunderte anzunehmen. Sie zogen
-der Baugelegenheit nach, und deshalb kamen viele Auswärtige in die
-Rochlitzer Pflege. Die Brüche bildeten ursprünglich den Besitz von
-mindergebildeten Steinhauern, Steinbrechern. Auch der vielgenannte
-Arnold von Westfalen (Westfahl, Bestveling) hat zweifellos innige
-Beziehungen zum Rochlitzer Steinmetzentum unterhalten, wenn er auch
-schwerlich die ihm für diese Gegend zugeschriebenen Werke ausgeführt
-haben kann; wahrscheinlich entstammte er der vorübergehend um 1415,
-d. h. zur Zeit, als der Chor der Kunigundenkirche geschaffen wurde,
-für Rochlitz nachweisbaren Familie Westfahl, von welcher zwei Glieder
-in Leipzig studierten. Nach seiner Anstellungsurkunde von 1471 wurde
-Arnold Westfal in kursächsische Dienste als »Baumeister«, d. h.
-Bauschreiber im Sinne des sechzehnten, siebzehnten Jahrhunderts, nicht
-aber als Werkmeister, d. h. ausführender Architekt, aufgenommen. In der
-Renaissancezeit war besonders der berühmte Leipziger Werkmeister H.
-Lotter ein warmer Freund des Rochlitzer Porphyrs, den er vor allem an
-seinen Hauptwerken, der Pleißenburg und dem Rathaus seiner Vaterstadt,
-sowie dem Bau auf dem Schellenberg, der Augustusburg, in ausgiebigster
-Weise verwendete. Damals zählten zu den Rochlitzer Steinmetzen
-verschiedene Meister, die kurz vorher in Erfurt nachweisbar sind.
-
-Die ungemein vielseitige Verwertung des »Rochlitzer Sandsteins« und
-sein Versand seit ältester deutscher Zeit wäre in romanischen Tagen
-ohne geeignete Fahrwege auf dem Rochlitzer Berg kaum denkbar gewesen,
-denn sehr oft mußten Steinstücke von zwanzig bis dreißig Zentner (z. B.
-Grabplatten) weit verschickt werden. Sicher hat sich ein guter Teil der
-dortigen Fahrstraßen, die jetzt einen so sauberen, angenehmen Anblick
-gewähren, schon in vordeutscher Zeit vorgezeichnet, wennschon von einem
-durchgreifenden Wegbau erst seit 1703 in den Akten die Rede ist; er
-wurde von den Steinmetzen ausgeführt.
-
-Was dem Rochlitzer Steinmetzentum einen besonderen Platz in der
-Geschichte der deutschen Baukunst, des Bauhüttenwesens verschafft und
-gesichert hat, ist der Umstand, daß die jetzt im Museum des Rochlitzer
-Geschichtsvereins in der Schloßkapelle verwahrte Lade der Innung die
-»Rochlitzer Hüttenordnung« rettete. Dieses Schriftstück berichtet die
-Abmachungen, welche mitteldeutsche Steinmetzen 1462 auf einem Torgauer
-Tag zugunsten ihres Handwerks für ihr Gebiet getroffen hatten. Das
-überlieferte Büchlein ist für die Zwickauer Hütte 1486 geschrieben
-und befand sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Besitz des
-bekannten kursächsischen Baumeisters Hans Stecher, der 1637 in Torgau
-starb, vermutlich aber aus einer Werkmeisterfamilie der Rochlitzer
-Pflege hervorgegangen war, wo z. B. ein Maurermeister Thomas Stecher
-bereits um 1600 nachweisbar ist. Der Sohn des Landbaumeisters H.
-Stecher, Christian, schenkte das Schriftstück fünfzehn Jahr nach
-des Vaters Tod, also 1652, einem Rochlitzer Steinmetzen, der es
-dann in die Innungslade legte, die von der Urkunde auch noch eine
-allerdings ziemlich fehlerhafte Abschrift, welche 1653 der Steinmetz
-Hans von Rhein besorgt hatte, enthält. Die Rochlitzer Hüttenordnung
-stellt jetzt die einzige schriftlich erhaltene mittelalterliche
-Hüttenordnung Deutschlands dar, wenn man darunter ein Schriftstück, das
-ausschließlich das Gewerbe der Steinmetzen, nicht aber auch dasjenige
-von Mischzünften behandelt, versteht; besonders wichtig ist sie
-durch den Umstand, daß sie allein Bestimmungen über Steinmetzzeichen
-bringt. Über die Eigenart des Schriftstückes herrschten lange ganz
-falsche, romantische Vorstellungen, die hauptsächlich durch Stieglitz
-und Heideloff, welche es -- freilich höchst nachlässig und ziemlich
-verständnislos -- herausgaben und besprachen, erzeugt worden waren; es
-sollte die Verfassung einer eigenen »Rochlitzer Hütte«, welche aber
-jedenfalls im Mittelalter überhaupt nicht bestand und bei den Bruch-
-und Bauverhältnissen, die sich erst später völlig änderten, schwerlich
-bestehen konnte, bilden.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Rochlitzer Steinbruch im Winter=
-
-(Im Hintergrund der Friedrich-August-Turm)]
-
-Heutzutage verwendet man den Rochlitzer Stein nicht nur in seiner
-Heimat; vielmehr wird er weit über die sächsischen Grenzen hinaus
-verschickt. Man trifft Werke aus ihm, besonders im Luxusbau, in
-Hamburg und Berlin ebensogut wie in Dresden oder Leipzig. Mindestens
-sechs Jahrhunderte lang hat er den Bauten Mittelwestsachsens und
-anliegender Striche seinen Stempel aufgedrückt und herrscht hier bis
-zu einem gewissen Grade noch jetzt vor, wodurch das hiesige Bauwesen
-ein ganz besonderes Gepräge erhalten hat. Wenn unsere Heimatpflege
-das gediegene Bodenständige vor dem Untergang bewahren und in seinem
-angestammten Recht schützen will, so dürfte sie sich wohl auch kaum
-der Pflicht entziehen können, auf den Wert des Rochlitzer Steins
-besonders für dessen Heimat in baulichen Dingen mit Nachdruck
-hinzuweisen. Der sächsische Verein für kirchliche Kunst schlägt
-den Stein dankenswerterweise mit für Grabdenkmäler vor. Welche
-stimmungsvolle Ruhe müssen früher die Friedhöfe der Rochlitzer Gegend
-geatmet haben, als unter den grünen Totenbäumen fast nur die einfach
-würdigen Grabplatten aus dem roten Porphyr mit ihren monumentalen
-Schriften und Bildern lagerten! Die Herstellung dieser Denkmäler spielt
-in der Innungsgeschichte der Rochlitzer Steinmetzerei eine wichtige
-Rolle. In welchen Mengen sie ehemals vorhanden waren, läßt sich schon
-an dem alten Rochlitzer Kirchhof ablesen, der nicht nur zahlreiche
-gut erhaltene Werke dieser Art noch erhält, sondern auch unendlich
-viele Bruchstücke derselben bewahrt, mit denen z. B. die langen
-Umfassungsmauern des geweihten Geländes belegt sind. Der Rochlitzer
-Grabstein bildet in nicht wenig anderen Ortschaften Sachsens ein häufig
-vorkommendes Altertum. Wie zerfahren, unruhig, jeder einheitlichen
-Stimmung bar wirken heutzutage leider so viele Friedhöfe der genannten
-Pflege, wo sich eine Unzahl erbärmlich schablonenhafter Denkmäler mit
-ihrem gleißenden, glitzernden, schreienden Wesen, in ihrem fremden,
-nicht selten unechten Material, in ihrer Protzenhaftigkeit auf der
-Ruhestätte heimgegangener Erdenpilger aufdringlich breitmachen, den
-feierlichen Frieden des Gottesackers schmählich stören, bannen und
-letzteren zu einer Art Musterlager bildhauerischer Geschmacklosigkeiten
-und Ungefühls entweihen! Welche Hoheit, welch künstlerischer Adel
-prägt sich hingegen z. B. auf dem Wechselburger in Rochlitzer Stein
-gehaltenen, aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts stammenden
-Grabdenkmal für Graf Dedo († 1190) und seine Familie aus! Wie ruhig,
-edel wirkt die früheste erhaltene Grabplatte des Rochlitzer Friedhofs,
-die aus der Zeit um 1280 herrührt und ehedem die Gebeine eines Herrn
-von Heldrungen, dessen Wappen in ungemein wirkungsvollen Formen der
-Stein vorführt, deckte!
-
-[Illustration: Abb. 3 =Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: Mühlsteine=]
-
-Nach dem kunstfeindlichen Dreißigjährigen Kriege offenbarte sich auch
-auf dem Gebiet der Rochlitzer Grabplatten ein allmählich fühlbarer
-Verfall; die Arbeiten wurden zuweilen noch weniger als handwerksmäßig,
-fast roh. 1642 gab es nur noch zwei Steinmetzen in Rochlitz; ihre
-Zahl wuchs erst langsam wieder. An Stelle der ehemaligen inneren
-Tüchtigkeit dieser Werkleute äußerte sich bald immer mehr eine Vorliebe
-für unwichtige Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten, obschon die
-Rochlitzer Steinmetzen damals manchen Versuch machten, sich über
-den gewöhnlichen Tiefstand städtischer Zünfte, auf die sie stolz
-herabblickten, zu erheben. So unterhielten sie zunächst Beziehungen
-zur Dresdner Haupthütte, welche aber von der Straßburger, die vormals
-als alleinige Herrscherin für Deutschland galt, nicht anerkannt wurde,
-weshalb sich die Rochlitzer 1725 unmittelbar unter Straßburg stellten
-und nun von dort das Haupthüttengesetz, das sogenannte Bruderbuch von
-1563, und die kaiserliche, auf Pergament geschriebene Bestätigung von
-1621 ausgefertigt erhielten. Ihre Verpflichtungen gegenüber der alten
-Reichsstadt haben sie freilich offensichtlich nie erfüllt, wenngleich
-sie überkommene Hüttenbräuche hinsichtlich des Zeichengebens,
-Ausweises, Gerichts usf. lange liebevoll weiter pflegten; seit etwa
-1680 bildeten sie für sich eine Innung, deren innere Geschichte kaum
-wesentlich von derjenigen anderer Zünfte abweicht.
-
-[Illustration: Abb. 4 =Denkmal auf der Königshöhe, Rochlitzer Berg=]
-
-Um den Rochlitzer Berg erwarben sich dessen Werkleute in neuerer Zeit
-ein ganz besonderes Verdienst dadurch, daß sie ihn dem Fremdenverkehr
-erschlossen; in dieser Beziehung hat sich vor allem ein schlichter
-Mann hervorgetan, der Steinmetz Christian Gottlob Seidel, der 1807
-als Sproß einer seit 1704 in Rochlitz nachweisbaren Steinmetzfamilie
-Meister ward. Ein eigenes Geschick wollte es, daß der für Sachsen so
-unglückliche Napoleonsche Krieg vor hundert Jahren Seidel den Anlaß zu
-seinen gemeinnützigen Bestrebungen gab. Bis zu Beginn des neunzehnten
-Jahrhunderts hört man gar nichts, daß die Schönheit des Rochlitzer
-Berges irgendwie gewürdigt worden wäre, daß sie Wandrer angezogen
-hätte. Da errichtete Seidel zur Erinnerung an die 1815 erfolgte
-Rückkehr Königs Friedrich August aus der Gefangenschaft ein schlichtes
-Denkmal auf einer Erhöhung des Rochlitzer Berges, der Königshöhe, und
-daneben eine Unterkunftshütte für Fremde, deren Eröffnung im Juni
-1817 stattfand. Der Verkehr, der sich nun auf dem Rochlitzer Berg
-entwickelte, gestaltete sich zweifellos bald als ganz bedeutend, wie
-sich aus den Einzeichnungen des Fremdenbuchs der Hütte, der sogenannten
-»Einsiedelei«, ergibt. An eine Verpflegung der Reisenden war damals
-auf dem Berg noch nicht zu denken; die einzige Erfrischung, die man
-unter günstigen Umständen erlangen konnte, bestand in kärglichem
-Butterbrot und Schnaps, welche Labung gutherzige Steinmetzen im
-Notfall von ihrem Imbiß abließen. Die Wandrer waren sehr bescheiden,
-begnügten sich mit dem, was sie suchten, prächtige Naturschönheit
-und lohnende Fernsicht, und waren des Lobes voll für Seidel, dessen
-Unterkunftshütte ihnen Schutz und Schirm gegen alle Unbill des Wetters
-gewährte. Dies sprachen sie oft genug im Fremdenbuch aus, dessen in den
-verschiedensten Sprachen bewirkte Einträge die eigenartigen Vorzüge
-des Rochlitzer Waldes nicht selten mit rührenden, mitunter geradezu in
-überschwänglichen Worten verherrlichen.
-
-Das nach Ausweis einer Inschrift auf dem etwa einen halben Meter hohen
-Sockel mit Hilfe von »Fünf Sammlern aus Plauen« zustande gekommene,
-jetzt hundertjährige Denkmal besteht durchweg aus Porphyrtuff und ist
-im antikisierenden Stil gehalten. Einen höchst anziehenden, malerischen
-Anblick gewährt die in der Nähe befindliche »Einsiedelei«, die zu den
-ältesten erhaltenen Schutzhütten des Landes zählt, wenn sie nicht gar
-die älteste ist. Bei Errichtung derselben verband Seidel zwei von
-Tannen bestandene, abgeschrotene Felswände durch Mauerwerk, welchem
-er durch eingesetzte gotisierende Fenster, durch Gesimse, durch
-Bekrönung mit zwei einer Kirche entstammenden Figuren usw. ein etwas
-phantastisches, an eine Kapelle erinnerndes Ansehen verlieh, und schuf
-somit die noch jetzt ziemlich gut erhaltene Vorderseite des Anwesens,
-an welche er den teilweise in einen alten Schutthaufen eingebetteten,
-mit zwei Gemächern versehenen Hinterbau anlehnte. Die Wände bestanden
-in der Hauptsache aus gewachsenem Felsen, aber auch aus Mauerwerk.
-Um gesteigerten Reiseanforderungen zu genügen, legte der Meister
-schließlich der Hütte gegenüber einen Pferdeschuppen an.
-
-Jahrzehntelang genügten Seidels Baulichkeiten dem Bergverkehr, bis
-der Friedrich-August-Turm entstand, den das Sachsenvolk aus Anlaß
-des 1854 erfolgten Ablebens Königs Friedrich August II., der am 9.
-August dieses Jahres zu Brennbüchel in Tirol tödlich verunglückt
-war, auf dem Rochlitzer Berg errichtete. Der Bau, entworfen vom
-Freiberger Professor Heuchler, ward im Sommer 1855 begonnen und am 18.
-Mai 1860, dem Geburtstag des Verewigten, in Gegenwart Königs Johann
-geweiht. Durch die Errichtung des in Porphyr gehaltenen, gebietenden
-Turmes erhielt die westsächsische Heimat ein weithin sichtbares
-Wahrzeichen, von dessen Zinnen man einen prächtigen Fernblick bis
-nach den Hohburger Bergen, bis Halle, Naumburg und dem Fichtelberg,
-sowie dem übrigen Erzgebirge genießt, das ungezählte Scharen von
-Fremden anzieht, zu deren Beköstigung ein Steinmetz 1860 eine hölzerne
-»Interims-Restauration«, die das folgende Jahr in eine steinerne
-umgewandelt ward, ins Leben rief.
-
-Außer diesen beiden landesgeschichtlichen Denkmälern weist der
-Rochlitzer Berg noch verschiedene Denksteine auf, darunter ein
-Mordkreuz. Die bedeutendsten Denkmäler sind aber die sehenswerten
-Steinbrüche, die in ihrer Eigenart wohl einzig in Deutschland dastehen
-und vielleicht noch eine gesteigertere Beachtung verdienen, als sie
-bisher gefunden haben.
-
-
-
-
-Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer
-Berges
-
-Von _Rud. Zimmermann_
-
-Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers
-
-
-Nur selten wohl wird sich der Verfechter des Heimatschutzgedankens
-mit einem Steinbruchsbetrieb in einer landschaftlich schönen Gegend
-abfinden können. Denn allzu häufig nur -- ich erinnere bloß an die
-Zerstörungen des Siebengebirges durch die Steinbruchsindustrie
-und die ganz ähnlichen Erscheinungen auch in unserem schönen
-Elbsandsteingebirge -- werden durch ihn unersetzliche Schönheitswerte
-vernichtet, hervorragende Landschaftsbilder für ewige Zeiten zerstört.
-Ganz anders dagegen liegen die Verhältnisse in bezug auf die
-Gesteinsindustrie des vielbesuchten Rochlitzer Berges, die zwar auch
-stark verändernd auf dessen Bild eingewirkt und zweifellos gleichfalls
-manche Schönheitswerte zerstört, aber in noch größerem Maße solche auch
-wieder geschaffen hat. Der Besucher des Rochlitzer Berges, der auf
-schattigen Waldwegen von Rochlitz oder Wechselburg kommend und aus dem
-Waldesdunkel tretend, plötzlich vor den mächtigen, gipfelumsäumenden
-Tuffbrüchen steht, wird von dem Bild, das sich ihm darbietet, ganz
-eigen berührt sein. Und der tiefe Eindruck, den die Steinbrüche auf ihn
-machen werden und den er auch mit sich fort nehmen wird, wenn er seine
-Schritte wieder talwärts lenkt, wird ein noch größerer sein, wenn er
-gar noch von der Zinne des Friedrich-August-Turmes, durch den treue
-Sachsenliebe einst das Gedächtnis eines seiner naturliebendsten und
-naturverständigsten Fürsten ehrte, die Blicke über den weiten Bergwald,
-zu dessen wechselvoll abgetöntem Grün das helle Rot der in den Wald
-gebetteten Steinbrüche eine so eigenartige Gegenwirkung bildet, zu den
-blauumdunsteten Höhen in der Ferne schweifen läßt.
-
-[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen:
-
-Abb. 1 =Blick auf die senkrecht emporsteigenden Gesteinswände=]
-
-Die Geschlossenheit des den Rochlitzer Berg bedeckenden Waldes, dessen
-einst so schöne Misch- und alten Buchenbestände heute allerdings zum
-größten Teil nur noch der Vergangenheit angehören, hat durch den
-Steinbruchsbetrieb eine nicht wegzuleugnende Einbuße erlitten, und das
-Urteil des Forstmannes, der die Verhältnisse vielleicht nur einseitig
-vom rein forstwirtschaftlichen Standpunkt aus werten wollte, würde sich
-daher auch nicht immer mit dem unseren decken. Dem rein forstlichen
-Verlust aber steht ein ungleich höherer Gewinn in dem Wechsel entgegen,
-den die Steinbrüche in ein zwar an sich schon hervorragend schönes,
-durch diesen Wechsel aber noch wesentlich gewinnendes Landschaftsbild
-tragen. Die Steinbrüche des Rochlitzer Berges sind nicht, wie das
-so vielfach der Fall ist, an den Hängen des Berges angelegt, um
-diese zu entblößen und sie ihres belebenden Pflanzenschmuckes zu
-berauben, sondern sie gruppieren sich größtenteils wie ein Kranz um
-den Gipfel des Berges und sind von hier aus in die Tiefe getrieben.
-Die dabei entstandenen senkrechten, oft zu ganz beträchtlichen Höhen
-emporragenden Wände, deren lichtes Rot durch angesiedelte Algen von
-gelben und grauen Farbflecken übertupft erscheint und in dessen
-prächtige Farbenwirkungen oft auch noch auf schmalen Felsleisten
-angesiedelte grün-goldene Moose und andere Pflanzen weitere wechselnde
-Töne tragen, sind von einer ganz eigenen Wirkung. Wo dazu noch an
-abgebauten Stellen der Boden sich mit einer neuen Pflanzendecke
-überkleidet hat und auf raumengen Felsvorsprüngen niedrige, aber derbe
-Kiefern sich angesiedelt haben, entstehen Bilder von ganz besonderer
-Schönheit und seltenen Reizen.
-
-[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen:
-
-Abb. 2 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen
-Stelle=]
-
-Die Wiederbesiedelung der abgebauten Stellen durch die Pflanzenwelt
-erfolgt meistens ungewöhnlich rasch. Wo der kahle, rote Fels zutage
-liegt und kaum einer Pflanze die Bedingungen zu einem gedeihlichen
-Leben zu bieten scheint, entwickelt sich innerhalb weniger Jahre
-bereits wieder eine Vegetation, die zwar keine besonders artenreiche,
-dafür aber meistens eine um so interessantere ist, weil sie neben
-ihrer Ursprünglichkeit uns vielfach in hervorragendem Maße Blicke in
-den Kampf tun läßt, den auch die Pflanze um ihr Dasein führt, und
-uns die Zähigkeit zeigt, mit der sie dabei um ihr Leben ringt. Wo
-die Winde in kaum zentimetertiefen Unebenheiten des Felsens nur eine
-Spur von Erdreich angeweht haben, siedeln sich bescheidene Moose
-und Flechten an, oder es keimen aus windangewehtem Samen Gräser
-und andere Blütenpflanzen. So das in seiner Schlichtheit so schöne
-Gänseblümchen (~Bellis perennis~), Habichtskräuter u. a. m., die
-ja in der Rosettenbildung ihrer dem Boden sich eng anschmiegenden,
-dachziegelartig übereinanderliegenden Blätter eine ebenso einfache, wie
-überzeugend wirkende Einrichtung gegen jede übermäßige Wasserabgabe
-besitzen und durch sie außerdem noch der raschen Austrocknung des
-kärglichen Bodens entgegenarbeiten. Das bedürfnislose Heidekraut
-(~Calluna vulgaris~) ergreift gleichfalls Besitz vom neuentstandenen
-Boden und mit ihm stellen sich hier und da auch einige bescheidene
-Heidelbeerpflänzchen ein. Von Bäumen sind es neben Aspen und Salweiden
-die mit den dürftigsten Verhältnissen vorliebnehmenden Kiefern und
-Birken, denen das wenige lockere Erdreich schon Nahrung gibt und die
-ihre Wurzeln zunächst ganz flach, aber weit an der Oberfläche des
-Felsens entlang senden, bis sie auf Risse und Spalten im Gestein
-stoßen, in die sie sich dann tief hinabsenken und den heranwachsenden
-Baum oft fester verankern als auf tiefgründigerem Waldboden. Dort,
-wo bereits während des Abbaues sich Schutt angesammelt hat, ist das
-Pflanzenleben ein reicheres. Unter anderen Arten finden wir hier die
-würzige Walderdbeere, während Brombeere und Himbeere oft dichte, der
-Kleinvogelwelt Unterschlupf und Nistgelegenheiten bietende Hecken
-bilden. Das Weidenröschen läßt im August weithin seine Blüten leuchten
-und in ihr Rot mischen sich die gelben Farben von Habichtskräutern
-und Johanniskraut, bis dann nach einigen Jahren die im Frühjahr von
-einer reichen Insektenwelt besuchten kätzchentragenden Sträucher der
-Salweide und inzwischen höher herangewachsene Bäume -- den Kiefern
-und Birken gesellen sich hier höhere Ansprüche stellende Lärchen und
-Fichten, die Eberesche und von anderen Laubbäumen einzelne Buchen und
-Eichen zu -- die niedrigeren kraut- und strauchartigen Pflanzen mehr
-und mehr verdrängen. Auf diese Weise erhalten sich auf dem Rochlitzer
-Berge abwechselungsreiche Pflanzengemeinschaften, die in ihrer
-Ursprünglichkeit überaus anziehend wirken und vor allem auch in die
-oft größere Gleichförmigkeit des unter Kultur stehenden Forstes einen
-diesen wieder zugute kommenden Wechsel tragen.
-
-[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen
-
-Abb. 3 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen
-Stelle=]
-
-[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 4 =Siebenschläfer=]
-
-Es wird ohne weiteres auch als ganz selbstverständlich erscheinen,
-daß die Steinbrüche, die bei ihrer räumlichen Ausdehnung inmitten
-des geschlossenen Waldes eine Welt für sich bilden, in der bis zu
-einem gewissen Grade die Natur allein regiert, auch von einem nach
-Lage der Verhältnisse nur günstigem Einflusse auch auf die Tierwelt
-des Rochlitzer Berges sein müssen. Eine Menge Tiere findet in den
-Spalten und Klüften der Felswände, in den an dunklen Verstecken
-reichen Haufen beiseite gefahrenen, unverwendbaren Gesteinsmaterials
-willkommene Schlupfwinkel, andere wieder werden angezogen von der
-natürlichen, von Menschen wenig besuchten Wildnis der abgebauten
-Teile. Der Siebenschläfer, dessen Vorkommen auf dem Rochlitzer Berge
-zunächst allerdings wohl eine Folge des einstigen Reichtums an
-Laubholz mit den ausgedehnten Rotbuchenbeständen ist, findet sich
-heute doch vorzugsweise in dem Bereiche der Steinbrüche und auch auf
-den Bestand der kleineren Raubsäugetiere, von denen ich Wiesel und
-Hermelin oft in den Steinbrüchen begegnet bin, und denen sich auch
-der Iltis, der Edel- und sogar der in den geschlossenen Wald sonst
-nur seltener eindringende Hausmarder zugesellen, sind sie nicht ohne
-Wirkung geblieben. Unvergeßlich wird mir der milde Sommersonntagabend
-bleiben, an dem ich unseren Edelmarder in einem auflässigen Teile
-des Mühlsteinbruches zum ersten Male längere Zeit hindurch in seinem
-Leben und Treiben beobachten konnte. Aalgleich wandte er sich durch
-die Steinwildnis hindurch, schnüffelnd untersuchte er jeden Spalt
-im Felsen, spürte jede Höhle ab, die die reichlich umher- und
-übereinanderliegenden Gesteinstrümmer bildeten. Eine Maus, die der
-Abend aus ihrem Versteck hervorgelockt hatte, wurde seine Beute, eine
-Goldammer, die ihr: »Wie, wie hab’ ich dich so lieb!« eben abgebrochen
-und sich in einem niederen Strauch zur Ruhe niedergetan hatte, entging
-seinen räuberischen Gelüsten noch im letzten Augenblick, so daß er ihr
-verdutzt von einem vorspringenden Gesteinsblock aus nachschaute.
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 5 =Männlicher Gartenrotschwanz an der Nisthöhle an einer Hauswand=]
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 6 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle in einer Mauer=]
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 7 =Junger Hausrotschwanz an der Nisthöhle in einem Gesteinsspalt=]
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 8 =Junge Gebirgsstelze nach dem Verlassen des Nestes=]
-
-Weit mehr noch als wie auf die verborgener lebenden Säugetiere spüren
-wir den Einfluß der Steinbrüche auf die der direkten Beobachtung ja
-weit zugänglichere Vogelwelt. Einige Arten, denen wir im geschlossenen
-Walde nicht oder doch nur vereinzelt begegnen würden, sind im Gebiet
-der Steinbrüche nicht selten, andere, den Wald zwar nicht meidende,
-erreichen in ihnen eine größere Häufigkeit. Ich denke da vor allem
-an unsere beiden Rotschwanzarten, die auf dem Rochlitzer Berge ganz
-besonders häufig sind und ausschließlich oder doch fast ausschließlich
-die Steinbrüche bewohnen, in denen sie auch wieder zu der ihnen
-ureigensten Nistweise zurückgekehrt sind. Nach den übereinstimmenden
-Versicherungen alter Steinbruchsarbeiter, die sich in jeder Weise auch
-mit meinen eigenen Erfahrungen decken, hat die Zahl dieser beiden Vögel
-in den letzten Jahrzehnten auffallend zugenommen. Namentlich beim
-häufigeren Gartenrotschwanz fällt diese Zunahme recht in die Augen.
-In einem Steinbruche traf ich im Frühjahre 1914 nicht weniger als
-fünf Brutpaare desselben -- zwei davon nisteten an Arbeiterhäusern,
-drei aber in Gesteinsspalten -- neben zwei vom Hausrotschwanz an, in
-einem anderen im Jahre vorher sogar sechs Paare des ersteren, die mit
-Ausnahme eines an einem Gebäude nistenden sämtlich in Felsspalten ihre
-Nester errichtet hatten, neben zwei Paaren des ebenfalls in Felsspalten
-nistenden Hausrötels. Auch die weiße Bachstelze bewohnt in ähnlich
-großer Zahl die Steinbrüche und nistet hier bald an Arbeiterhäusern,
-bald aber auch in geschützten Hohlräumen der Felswände. In diesem
-letzteren Fall teilt sie dann die Niststätten mit ihrer gelben
-Schwester, der Gebirgsstelze, deren Zunahme auf dem Rochlitzer Berge
-eine ganz besonders in die Augen fallende ist. Ich entsinne mich heute
-noch deutlich des Tages anfangs der neunziger Jahre, an dem ich die Art
-hier überhaupt zum ersten Male sah und über die Beobachtung der mir
-damals noch neuen daheim in jugendlicher Freude erzählte. Seit jener
-ersten Begegnung wurde sie zu einem meiner erklärten Lieblingsvögel und
-jede neue Beobachtung der damals noch seltenen bildete ein heute noch
-nicht vergessenes Ereignis. Jetzt ist sie schon eine ganz gewöhnliche
-Erscheinung und brütet alljährlich in wenigstens einem, häufig aber
-auch in mehreren Paaren in fast jedem der Steinbrüche. Aber auch andere
-Höhlenbrüter finden in den Felsklüften willkommene Nistgelegenheiten.
-Von Meisen sind es besonders die Kohl-, die Tannen- und die Blaumeise,
-ausnahmsweise auch die Sumpf- und die Haubenmeise, die regelmäßig
-in Gesteinsspalten oder in den Hohlräumen der überall gegen
-hereinbrechenden Abraum aufgeführten Schutzmauern nisten und denen sich
-auch gern der Kleiber zugesellt. 1916 während eines Urlaubes konnte
-ich in solchen Schutzmauern zum ersten Male auch den Mauersegler, der
-allsommerlich über den Gipfel des Berges seine Flugkünste treibt und
-den ich -- Freund Heyder hatte ihn schon früher als Brutvogel des
-Rochlitzer Berges in Baumhöhlen des Waldes festgestellt -- seit langem
-bereits im Verdacht hatte, auch »Steinbruchsvogel« zu sein, brütend
-nachweisen.
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 9 =Kohlmeise vor der Nisthöhle in einer Gesteinswand=]
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 10 =Tannenmeise an der Nisthöhle in einer Felswand=]
-
-Daß ferner bei dem großen Reichtum der Steinbrüche an Hecken, die
-in den auflässigen Teilen oft so üppig wuchern, auch die Zahl der
-Buschbrüter eine ziemlich reiche ist, bedarf wohl kaum eines besonderen
-Hinweises. Namentlich die Grasmücken in sämtlichen vier, der Rochlitzer
-Vogelfauna angehörenden Arten: der Dorn-, der Zaun-, der Garten- und
-der Mönchsgrasmücke, sind regelmäßige Bewohner derartiger Stellen.
-
-[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 11 =Großer Buntspecht an der Nisthöhle in einem Kirschbaum=]
-
-Reich ist in den Steinbrüchen auch das seit meiner Jugendzeit sonst im
-Bereiche des Rochlitzer Berges aber stark zurückgegangene Kriechtier-
-und Lurchleben entwickelt. Die flinke Zauneidechse zunächst ist
-eine der auf dem Rochlitzer Berge abgenommenen Arten, die auch die
-Steinbrüche nicht mehr in den Mengen bevölkert, als wie ich sie
-noch als Knabe sah; der rotbäuchige Bergmolch, der einst geradezu
-in Massen die zahlreichen Steinbruchstümpel bevölkerte, ist weniger
-häufig geworden, und der in Schwarz und leuchtend Gelb gekleidete
-Feuersalamander, dessen ganze Schönheit nur der voll empfinden wird,
-der ihn einmal nach einem warmen Gewitterregen aus einem dunklen Spalt
-des von grünem Moos überkleideten roten Gesteins hat hervorkommen
-sehen, ist heute auch nicht annähernd mehr in den Mengen vorhanden,
-wie vor wenigen Jahrzehnten noch. Ein sinnloses Sammeln, bald -- wie
-beim Bergmolch -- von einer zwar naturfreudigen, aber in falschen
-Bahnen sich betätigenden Jugend, bald -- wie beim Feuersalamander --
-von gewerbsmäßigen Fängern, denen ja nichts in der Natur heilig ist,
-trägt wohl die Hauptschuld an dem bedauerlichen Rückgange. Vielleicht
-wäre es aber wohl noch schlimmer um das heutige Vorkommen dieser Arten
-bestellt, wenn nicht die Steinbrüche ihnen und noch anderen ihrer
-Sippe: der goldgekrönten Ringel- und der spärlicheren glatten Natter,
-dem lebhaften Grasfrosch und der vielgeschmähten, dabei aber doch so
-nützlichen Erdkröte Schlupfwinkel in so reichem Maße darbieten würden,
-daß immer noch ein großer Teil von ihnen sich allen Verfolgungen zu
-entziehen vermag.
-
-[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 12 =Ringelnatter vor ihrem Schlupfwinkel=]
-
-Der günstige Einfluß der Steinbrüche auf das Tierleben des Rochlitzer
-Berges, der aus den hier mitgeteilten Fällen zweifellos hervorgeht,
-würde noch augenfälliger werden, wenn wir unsere Betrachtungen
-auch auf die niedere Tierwelt ausdehnen und insbesondere die
-Insektenwelt in sie einbeziehen würden. Einer unserer größten und
-prächtigsten Tagschmetterlinge beispielsweise, der Eisvogel, verdankt
-sein Vorkommen der heute im Rochlitzer Bergwalde vorzugsweise
-auf das Steinbruchsgebiet beschränkten Aspe, und wie für ihn,
-liegen die Verhältnisse ähnlich auch noch für eine weitere Anzahl
-leichtbeschwingter Falter und andere niedere Tierarten. -- -- --
-
-[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
-
-Abb. 13 =Eine Erdkröte verläßt ihren Schlupfwinkel=]
-
-Aber es scheint auch, als ob der Steinbruchsbetrieb des Rochlitzer
-Berges neben diesen günstigen Einflüssen auf das Naturleben noch einen
-solchen entgegengesetzter Richtung ausübt.
-
-[Illustration: Aus der Tierwelt des Rochlitzer Berges:
-
-Abb. 14 =Blindschleiche beim Verlassen ihres Schlupfwinkels.=]
-
-Unter den Waldbäumen des Rochlitzer Berges nahm einst die Weißtanne
-einen breiten Raum ein. Heute hat sie aufgehört, bestandsbildender
-Waldbaum zu sein; die wenigen, hier und da noch in den Mischbeständen
-stehenden, fast immer kränkelnden Stücke sind stumme Zeugen vergangener
-Zeiten. Forstlich ist der Baum nicht mehr hoch zu bringen. Es ist
-das eine Erscheinung, die man in unserem Vaterlande nun zwar auch
-an anderen Orten beobachtet und die man meines Wissens in erster
-Linie auf die Verunreinigung der Luft durch die Rauchgase unserer
-hochentwickelten sächsischen Industrie zurückführt. Ob immer und in
-welchem Maße dies zu Recht geschieht, vermag ich nicht zu entscheiden.
-Meines Erachtens wirken an ihrem Rückgange hier und da aber auch
-noch andere als die eben angeführten Ursachen mit. Die Tanne stellt
-ziemlich hohe Anforderungen auch an den Feuchtigkeitsgehalt der Luft
-und des Bodens und ist gegen eine Abnahme desselben empfindlicher als
-andere Waldbäume. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit scheint aber
-auf dem Rochlitzer Berge stattgefunden zu haben. Darauf deuten nicht
-nur eine ganze Anzahl heute trockener Quelläufe an den Hängen des
-Berges hin, sondern sie geht auch hervor aus dem Umstand, daß heute
-noch fließende Quellen zum Teil wasserärmer geworden sind, als sie
-es in meiner auf dem Rochlitzer Berge verlebten Jugendzeit waren.
-Diese Abnahme der Bodenfeuchtigkeit aber dürfte im wesentlichen ihre
-Ursachen in dem Steinbruchsbetriebe haben. Infolge seiner räumlich
-großen Ausdehnung kommt ein beträchtlicher Teil der atmosphärischen
-Niederschläge dem Walde nicht mehr zugute; ein Teil verdunstet über den
-freien Flächen der Steinbrüche sofort, ein anderer Teil aber sammelt
-sich in ihren tiefergelegenen Stellen in Form kleinerer oder größerer
-Tümpel an und wird von hier gleichfalls, wenn auch allmählicher, der
-Verdunstung zugeführt. Aber auch nicht unbeträchtliche Mengen der
-über dem Walde selbst niedergehenden Niederschläge verbleiben nicht
-mehr in dem Waldboden, sondern strömen in Gesteinsspalten und Rissen
-jenen Wasseransammlungen in den tieferen Teilen der Steinbrüche zu und
-verdunsten hier ebenfalls wie jene direkt.
-
-Es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß dieser Einfluß der Steinbrüche
-auf die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit des Waldes, der zwar nicht für
-sich allein, sondern wohl mit der schon erwähnten Verunreinigung der
-Luft durch Rauchgase an dem Rückgang der Tanne auf dem Rochlitzer
-Berge beteiligt sein mag, sich in seinen Wirkungen auch auf andere
-feuchtigkeitsliebende Pflanzen äußert.
-
-
-
-
-Die Vogelwelt unserer Obstalleen
-
-Von _Rud. Zimmermann_
-
-Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers
-
-
-Beobachtungen, die ich vor dem Kriege an der von Rochlitz nach dem
-Rochlitzer Berge führenden, mir von meiner Kindheit an vertrauten und
-von mir regelmäßig begangenen, in dem hier in Frage kommenden Teile
-von Obstbäumen bestandenen Staatsstraße über die daselbst nistenden
-höhlenbrütenden Kleinvögel machte und die dabei einen vorher kaum
-geahnten Reichtum an solchen ergaben, wurden die Ursache, daß ich in
-der Folge nicht nur noch schärfer auf die Vogelwelt der genannten
-Straße achtete, sondern meine Beobachtungen auch auf andere Gegenden
-ausdehnte und dabei vor allem auch Material zur Frage der Bedeutung
-unserer Vogelwelt für die Obstalleen zu erlangen versuchte. Im
-nachfolgenden nun soll über diese Beobachtungen, die in vielfacher
-Hinsicht recht interessante sind, etwas eingehender berichtet und
-dieser Bericht zunächst mit einer Schilderung der Verhältnisse an der
-oben genannten Straße begonnen werden.
-
-Die Staatsstraße Rochlitz--Rochlitzer Berg, in Rochlitz kurzweg die
-Bergstraße genannt, wird in ihrem ersten, hier nur in Frage kommenden
-Teil von Feldern begrenzt, während auf eine Strecke von etwa 500 Meter
-Länge an der einen Seite auch der Wald an sie herantritt, der ihr auch
-sonst nicht fern bleibt und an den weitesten Stellen kaum viel über 500
-Meter von ihr weg liegt. Der regelmäßigen Beobachtung unterstanden in
-den Jahren 1913 und 1914 eine Strecke von etwa 500 Meter, 1919 und 1920
-aber von gegen 1500 Meter Länge, von der ein kleiner, etwa 200 Meter
-langer Teil von Kirschbäumen gesäumt, der größere aber beiderseits von
-Apfelbäumen bestanden ist.
-
-An der kleineren, nur apfelbaumbestandenen Straßenstrecke wurden
-
- 1913 und 1914
-
- 2 1 Paar Gartenrotschwänzchen,
- 3 5 " Kohlmeisen,
- 1 2 " Blaumeisen,
- 1 1 " Kleiber,
- 2 1 " Feldsperlinge sowie
- -- 2 " Stare
-
-insgesamt also 9 bzw. 12 Brutpaare einwandfrei festgestellt, von
-einigen weiteren, zweifellos auch noch genisteten Meisen- und
-Rotschwanzpaaren die Nisthöhlen aber nicht aufgefunden, während dann in
-dem größeren Straßengebiet
-
- 1919 und 1920
-
- 2 5 Paar Gartenrotschwänzchen,
- 8 4 " Kohlmeisen,
- 8 5 " Blaumeisen,
- 1 1 " Kleiber,
- 4 5 " Stare sowie
- 1 -- " Grünspechte
-
-insgesamt also 24 bzw. 20 Brutpaare sicher bestätigt und ebenfalls
-wieder von einigen weiteren (Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise,
-Kleiber und Baumläufer) die Höhlen nicht aufgefunden werden konnten.
-
-Von den 1919 und 1920 beobachteten Brutpaaren entfallen auf die
-kleinere, 1913 und 1914 unter Beobachtung gestandene Straßenstrecke
-
- 1919 und 1920
-
- -- 2 Paar Gartenrotschwänzchen,
- 5 4 " Kohlmeisen,
- 3 2 " Blaumeisen,
- 1 1 " Kleiber und
- 4 4 " Stare
-
-zusammen sonach 13 bzw. 13 Paare, von denen sich 1919 elf, 1920
-aber neun Paare auf eine Straßenlänge von nur etwas über 200 Meter
-verteilten, so daß hier auf etwa 20 Meter Länge bereits ein Brutpaar
-kam! -- Hervorgehoben soll dabei noch werden, daß in den Jahren 1913
-und 1914 noch nicht der große Wert auf die Feststellung möglichst
-aller Nisthöhlen gelegt wurde und daß schließlich im letzten Jahre
-eine nur noch beschränkte Zeit auf die Beobachtungen verwandt und eine
-Straßenlänge von gegen 500 Meter überhaupt nicht voll begangen werden
-konnte.
-
-Mit den von mir in früheren Jahren bereits beobachteten Arten konnten
-in dem hier geschilderten Straßenbereich an höhlenbrütenden Vögeln
-bisher der _Gartenrotschwanz_, die _Kohl-_ und die _Blaumeise_,
-einzeln auch die _Tannen-_ und die _Sumpfmeise_, der _Kleiber_ und
-der _Baumläufer_, der _Feldsperling_, der _Star_, der _große_ und
-der _kleine Buntspecht_ sowie der _Grünspecht_ festgestellt werden,
-zu denen als dreizehnte Art noch die _weiße Bachstelze_ kommt, die
-vereinzelt in (Halb-)Höhlen der Bäume, regelmäßiger aber in den
-Straßenunterführungen ihre Nester errichtet, während ich den sonst
-zwar angetroffenen und an einer Straße in der Nachbarschaft auch
-brütend beobachteten _Wendehals_ für unser Straßengebiet als Brutvogel
-einwandfrei noch nicht bestätigen konnte. -- Der große Vogelreichtum
-dieses Straßenbereichs, der mit den hier aufgezählten Arten aber
-natürlich noch nicht erschöpft ist, sondern sich noch um die Freibrüter
-erhöht, ist nicht immer ein derartig hoher gewesen. Die Zahl der
-Höhlenbrüter war früher, als die Straßenbäume noch jünger waren und
-noch nicht diese Fülle natürlicher Höhlen aufwiesen, die sie heute
-besitzen, eine weit geringere; sie erhöhte sich erst, als der frühere,
-alt gewordene Straßenwärter einem jüngeren Manne weichen mußte, der,
-vogelfreundlich gesinnt, aus eigenem Antriebe auf den Straßenbäumen
-eine größere Anzahl zum Teil selbstgefertigter Nisthöhlen aufhing und
-damit sofort, in erster Linie wohl aus dem nahen Walde, zahlreiche
-Höhlenbrüter nach der Straße zog. Von den ehedem aufgehängten
-Nistkästen sind in den letzten Jahren allerdings viele ein Opfer ihres
-Alters geworden, andere von der Straßenjugend, die in ihnen willkommene
-Ziele für allerlei Wurfübungen erblickte, herabgeworfen worden. An ihre
-Stelle aber sind mit dem zugenommenen Alter der Straßenbäume eine große
-Anzahl natürlicher Höhlen getreten, die meistens unauffälliger sind und
-schon dadurch den in ihnen nistenden Vögeln in der Regel eine meistens
-weit größere Sicherheit gewähren. Der Gassenjugend wenigstens entgehen
-sie viel mehr, als wie die aufgehängten künstlichen Höhlen, an denen
-ich früher einige Male Buben beim Zerstören von Gelegen oder Bruten
-überrascht habe.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Star vor der Nisthöhle=]
-
-[Illustration: Abb. 2 =Kohlmeise vor der Nisthöhle= (der gleichen, wie
-in Abb. 1)]
-
-Eine Anzahl der hier beobachteten natürlichen Höhlen erfüllt ihren
-Zweck schon seit Jahren. So war die eine derselben (Abb. 1 und 2),
-die etwas ungewöhnlicher Natur und recht wenig wettergeschützt war,
-weil die Eingangsöffnung direkt von oben hineinführte, 1913--1915 von
-Kohlmeisen und während der Kriegsjahre 1916--1918, in denen ich die
-Beobachtungen allerdings nicht persönlich machen konnte, ebenfalls
-wieder von Kohlmeisen und einmal auch von Gartenrotschwänzchen bewohnt
-gewesen, bis dann 1919 und 1920 Stare sie sich als Niststätte erkoren
-hatten. Eine andere, vom Buntspecht angelegte und mehrere Jahre von
-diesen bewohnt gewesene Höhle hatte sich 1914 ein Kleiberpaar als
-Wohnung eingerichtet, eine Art, die auch 1919 und 1920 wieder in ihr
-brütend festgestellt werden konnte. In einer dritten, in der 1913 ein
-Feldsperlingspaar genistet hatte, dessen Besitzrechte im folgenden
-Jahre auf ein Blaumeisenpärchen überging, wurden 1919 und 1920 wiederum
-Blaumeisen beobachtet. Auch eine etwas eigenartige Nisthöhle unter
-einem Wegweiser, die durch die Überwallung des letzteren durch den
-stärker gewordenen Stamm, an dem er befestigt, entstanden ist, hat
-Jahre hindurch Nistzwecken gedient. Im Jahre 1914 stellte ich in ihr
-zum ersten Male Blaumeisen fest und fand die gleiche Art -- nachdem
-ich während des Krieges ja nur selten und dann immer auch nur flüchtig
-während des rasch vorübergehenden Urlaubes beobachten konnte --
-dann 1919 von neuem als Bewohner der Höhle. Ebenso sollen, wie mir
-nachträglich ein für unsere Vogelwelt interessierter Herr mitgeteilt
-hat, auch während des Krieges Blaumeisen in ihr genistet haben, so
-daß im Hinblick auf die ungewöhnliche Art der Nisthöhle vielleicht
-der Schluß auf das gleiche oder Vögel des gleichen Paares nicht ganz
-unwahrscheinlich erscheint.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle=]
-
-[Illustration: Abb. 4 =Männlicher Gartenrotschwanz in der Nisthöhle=]
-
-Eine auffallende, namentlich 1913 und 1914 sich ganz besonders
-stark aufdrängende Erscheinung war die Bevorzugung der weniger
-wettergeschützten Höhlen gegenüber den für Brutzwecke scheinbar
-geeigneteren natürlichen oder künstlichen Höhlen. Ich habe darüber
-früher schon an anderer Stelle berichtet[1] und auch neuerdings die
-Frage im Zusammenhange mit meinen anderen hier gemachten Beobachtungen
-nochmals angeschnitten[2]. Auf die eine dieser theoriewidrigen Höhlen
-(»Der Vogel bezieht nur vor Wind und Wetter geschützte Höhlen«) habe
-ich oben schon hingewiesen; es ist die in den Abbildungen 1 und 2
-wiedergegebene, die von 1913 bis 1920 alljährlich Bewohner gehabt hat,
-trotzdem die ziemlich weite Eingangsöffnung direkt von oben in das
-Innere führte und daher dem Regen ungehindert den Zutritt gestattete.
-Einige scheinbar viel günstigere, aber unbesetzt gebliebene Höhlen
-befanden sich dabei auf Bäumen in der unmittelbarsten Nachbarschaft.
-Eine zweite dieser Höhlen, gleichfalls wieder mit dem Eingang von
-oben, von der ich bereits eine Aufnahme im VI. Bande, Seite 69, dieser
-Mitteilungen veröffentlichen konnte, diente 1913 einer dreizehnköpfigen
-Blaumeisenbrut als Kinderwiege, war dann 1914 von Kohlmeisen bewohnt
-und soll 1915 ebenfalls wieder Kohlmeisen als Bewohner gehabt haben.
-Auch hier befanden sich wettergeschütztere Höhlen in unmittelbarster
-Nachbarschaft. Eine dritte endlich -- aus der Zahl der vorhandenen
-Beispiele nur noch dieses eine angeführt --, die unsere Aufnahmen 4 und
-5 wiedergeben, und deren ungewöhnlich weiter Eingang nach Nordwesten
-gerichtet, also der Wetterseite zugekehrt war, war 1913 von einem
-Rotschwanzpaar bewohnt und wurde als Bruthöhle auch 1920 wieder von
-einem Pärchen der gleichen Art benutzt, nachdem durch ein weiteres
-Ausfaulen des Baumes neben der damals schon weiten Eingangsöffnung
-inzwischen noch eine zweite, gleichgroße entstanden war, wodurch
-die Wettersicherheit der Höhle eine noch geringere geworden war.
-Scheinbar günstigere Höhlen befanden sich auch in diesem Falle wieder
-in unmittelbarster Nähe. -- Die Frage, warum die Vögel gerade diese
-weniger geschützten Höhlen den nach unseren Begriffen geschützteren
-vorzogen, fast, als ob sie uns damit auf das nachdrücklichste das
-Unzulängliche und Gezwungene aller von Menschen aufgestellten Gesetze
-vor Augen führen wollten, ist schwer zu entscheiden. Ob vielleicht,
-wie ich das an anderer Stelle ausführe, die Vögel einer an sich
-geräumigeren Höhle, selbst wenn diese weniger geschützt ist, den
-Vorzug vor einer engeren, sonst aber wettergeschützten geben? Und ob
-nicht vielleicht das Innere unserer künstlichen Meisenhöhlen für eine
-größere Brut -- man denke nur an die oben erwähnte dreizehnköpfige
-Blaumeisenschar! -- manchesmal etwas knapp sein mag? Ich lasse diese
-Fragen hier unerörtert, möchte aber wenigstens durch ihre Erwähnung
-Vogelfreunde zu weiteren Beobachtungen in dieser Richtung anregen. --
-
- [1] Ornithologische Monatsschrift 1916, S. 356 fl.
-
- [2] Ornithologische Monatsschrift 1921, S. 13 fl.
-
-[Illustration: Abb. 5 =Kohlmeise vor der Nisthöhle=]
-
-[Illustration: Abb. 6 =Blaumeise vor der Nisthöhle=]
-
-Ist der hier geschilderte, ungewöhnlich groß erscheinende Vogelreichtum
-nur dem der Beobachtung unterworfen gewesenen Straßengebiet
-eigen, vielleicht, weil hier ganz besonders günstige Umstände ihn
-beeinflussen, oder können wir ihn ähnlich reich auch anderwärts
-beobachten? Ich glaube diese Frage bejahen zu können, sobald es sich
-um obstbaumbestandene Straßen handelt, die alte, höhlenbergende
-Bäume aufweisen. Bereits früher konnte ich in Westsachsen in der
-Frohburg-Kohrener Gegend schon bei nur flüchtiger Begehung auf oft
-recht kurzen Straßenlängen höhlenbrütende Kleinvögel: neben dem
-Gartenrotschwanz vor allem Kohl- und Blaumeisen und etwas vereinzelter
-den Baumläufer, in Mengen feststellen, die einen Schluß auf einen
-ähnlichen Reichtum, wie ich ihn an der Rochlitzer Bergstraße
-beobachten konnte, durchaus begründet erscheinen lassen. Und 1919
-hatte ich dann wieder Gelegenheit, einmal in der Altenhainer Gegend
-bei Wurzen, wo ich auch den schmucken Trauerfliegenfänger als einen
-in Obstbäumen nistenden »Straßenvogel« feststellen konnte, und zum
-anderen in der Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha den
-Rochlitzern ganz ähnliche Verhältnisse festzustellen. Der Reichtum
-einer obstbaumbestandenen Straße an höhlenbrütenden Kleinvögeln ist
-wohl überall noch ein ähnlich großer, wenn in älteren, höhlenreichen
-Straßenbäumen oder in aufgehängten Nistkästen nur die Bedingungen
-zur Entfaltung eines reicheren Vogellebens gegeben sind. Am ärmsten
-an einem eigenen Vogelleben bleiben nach meinen Erfahrungen die
-Kirschalleen, wahrscheinlich, weil diese weniger Kostgänger aus der
-Insektenwelt besitzen, als wie dies mit Apfel- und anderen Obstalleen
-der Fall ist. Der Einfluß eines angrenzenden oder nahegelegenen Waldes
-äußert sich, soweit ich darüber Beobachtungen anstellen konnte, nur in
-einer Erhöhung der Artenzahl, indem dann einzelne, sonst waldbewohnende
-Höhlenbrüter den Alleen zuziehen, scheint dagegen aber auf die
-Stückzahl, die auch in waldfernen Alleen eine große sein kann, sobald
-in diesen die schon erwähnten Bedingungen im Vorhandensein reicher
-Nistgelegenheiten gegeben sind, von nur untergeordneter Bedeutung zu
-sein. --
-
-Besonderen Wert legte ich bei meinen Beobachtungen auf die Feststellung
-der Nahrungsquellen der in unseren Obstalleen nistenden Höhlenbrüter
-und damit auch auf die Frage ihrer Bedeutung für diese letzteren
-überhaupt. Ich konnte derartige Beobachtungen vor allem an der
-Rochlitzer Bergstraße in weitgehendstem Maße machen, weil ich hier --
-besonders in den Jahren 1913, 1914 und 1919 -- für photographische
-Aufnahmen oft tagelang ansaß und dabei manches einzelne Brutpaar viele
-Stunden hindurch, oft auch mit dazwischen liegenden mehrtägigen Pausen,
-unter den Augen hatte. Ihren Nahrungsbedarf deckten die Vögel teils in
-der Allee selbst, teils aber auch im näheren oder ferneren Walde, wobei
-die verschiedensten Arten aber auch ein recht verschiedenes Verhalten
-zeigten. In jenem Teile des Beobachtungsgebietes, in dem die Straße
-von Kirschbäumen bestanden war und an dem beiderseits der Wald bis auf
-Entfernungen von 50 Meter an die Straße herantrat, bevorzugten die
-hier nistenden Arten als Nahrungsquelle allerdings fast ausschließlich
-den Wald und nur ausnahmsweise einmal suchte ein 1919 hier genistetes
-Blaumeisenpärchen einen der Alleebäume nach Insektenkost ab. Die
-so große Nähe des Waldes und dessen zweifellos bedeutenderer
-Nahrungsreichtum äußerten eben ihre Wirkungen, wozu dann auch noch das
-schon erwähnte geringere Insektenleben auf Kirschbäumen kommen mochte.
-
-In den übrigen Teilen des Beobachtungsgebietes waren es zunächst die
-Meisen und unter diesen wieder ganz besonders die Blaumeisen, die ihren
-Nahrungsbedarf in erster Linie in der Allee selbst deckten, und nur
-dort, wo der Wald in größerer Nähe war oder gar an die Straße selbst
-herantrat, häufiger und wohl selbst einmal auch in überwiegendem Maße
-in diesem die Nahrung suchten. Dabei ließ sich wiederholt mit aller
-Deutlichkeit feststellen, daß sie zu Beginn der Jungenpflege zunächst
-die Straßenbäume bevorzugten und den Wald als Nahrungsquelle erst in
-Anspruch nahmen, als mit dem fortgeschritteneren Wachstum der Jungen
-auch deren Nahrungsbedarf ein größerer geworden war und die bisher
-fleißig abgesuchten Straßenbäume anscheinend nicht mehr in der Lage
-waren, ihn restlos zu decken. In den verschiedenen Jahren traten darin
-auch mehr oder weniger deutliche Abweichungen ein, die wahrscheinlich
-auf einen wechselnden Insektenreichtum der Straßenbäume zurückzuführen
-sind. Nur im Walde, die wenigen Fälle, in denen er auch einmal auf
-Alleebäumen zu Gaste ging, ändern an dem Bilde nichts, sammelte der
-Kleiber die Nahrung, wobei er freie Feldflächen von 100--500 Meter
-überflog. Im Gegensatz zu ihm schien dagegen wieder der Baumläufer
-den Obstbäumen an der Straße den Vorzug zu geben; bei den allerdings
-etwas spärlichen Beobachtungen 1919 an der Rochlitzer Bergstraße, die
-aber durch ähnliche in Westsachsen und in der Oberlausitz ergänzt
-werden, sah ich unsere Art nur Alleebäume absuchen, nie aber auch
-einmal das freie Feld in der Richtung des Waldes überfliegen. Ebenso
-entnahm auch der Gartenrotschwanz seinen Nahrungsbedarf in erster
-Linie den Straßenbäumen und verlegte die Jagdgefilde erst dann in den
-Wald, als ihm die Straßenbäume nicht mehr die nötigen Nahrungsmengen
-zu liefern im Stande zu sein schienen. Darauf deutet ganz besonders
-die 1913 gemachte Beobachtung eines Pärchens, das zunächst auf den
-der Bruthöhle am nächsten gelegenen Bäumen die Nahrung sammelte,
-dann sein Jagdgebiet immer mehr auch auf die entfernteren ausdehnte
-und schließlich kurz vor dem Flüggewerden der Jungen fast nur noch
-im Walde die Nahrung suchte. Eine überaus große insektenvertilgende
-Tätigkeit entfaltete auch der sonst so lästige Feldsperling, dessen
-zur Brutzeit hier erlangte Bedeutung in der Lage ist, einen Teil
-seiner sonstigen Untugenden aufzuheben. Ich sah ihn ausschließlich die
-Nahrung auf den Straßenbäumen einsammeln und ihn dabei eine Tätigkeit
-entfalten, die kaum der emsiger Meisen nachstand. Mehr als die anderen
-Vogelarten berücksichtigte er dabei die unmittelbarste Umgebung des
-Nistortes und sammelte auf deren Bäumen die Nahrung für seine Brut.
-Nie sah ich ihn das freie Feld nach dem Walde zu überfliegen, und
-nie auch andere, als tierische Nahrung herbeibringen. Im Gegensatz
-zu ihm deckte der Star seinen Nahrungsbedarf ausschließlich im Walde
--- das gelegentliche Zugastegehen auch auf einem Obstbaum ist kaum
-der Erwähnung wert --, und überflog dabei das freie Feld auf meistens
-recht weite Entfernungen. -- Zusammenfassend, möchte ich inbezug auf
-die Insektenvertilgung in den Obstalleen durch deren höhlenbrütende
-Gäste den Meisen, die ja auch die häufigsten und regelmäßigsten
-Bewohner sind, die größte Bedeutung zusprechen und ihnen den meistens
-ja gleichfalls häufigen Gartenrotschwanz an die Seite stellen. Auch
-der Baumläufer wird überall dort, wo er sich als Brutvogel häufiger
-einstellt, eine hinter den Meisen kaum zurückbleibende Tätigkeit zu
-entfalten in der Lage sein. Des Feldsperlings Bedeutung endlich, die
-ihm in der Zeit der Jungenpflege wenigstens ohne Zweifel zukommt,
-vermag, wie schon gesagt, manche seiner sonstigen Untugenden
-abzuschwächen, dürfte aber kaum genügen, alle seine vielen Schwächen
-ganz auszugleichen.
-
-[Illustration: Abb. 7 =Haubenmeise vor der Nisthöhle=]
-
-Äußert sich die insektenvertilgende Tätigkeit der hier erwähnten
-höhlenbrütenden Straßenvögel nun aber auch in einer praktisch ins
-Gewicht fallenden Weise? Ich glaube diese Frage, die ich aber
-nur ungern stelle, weil mir die Verknüpfung von Vogelschutz und
-Nützlichkeitsstandpunkt im allgemeinen wenig sympathisch ist, ohne
-die wir aber nicht auskommen können, wenn wir der großen Masse den
-Vogelschutz begreiflich machen wollen, entschieden bejahen zu müssen.
-In der von meinen Knabenjahren an bis in das späte Jünglingsalter
-hinein fallenden Zeit, in der an der Rochlitzer Bergstraße die
-Zahl der hier nistenden Höhlenbrüter eine nur kleine war, war
-auch das Insektenleben der Bäume ein viel größeres. Wenn der
-Straßenwärter die Allee mit der Baumschere durchgegangen war, lagen
-die herausgeschnittenen Raupennester zu Tausenden am Boden. Dieser
-Reichtum an Insekten -- es handelt sich dabei ja auch vorwiegend um
-schädliche Arten, die ohne allen Zweifel den Obstertrag gemindert
-hätten --, ließ aber sofort nach, als mit dem Aufhängen von Nistkästen
-die Wirkungen dieser Maßregel in einer größeren Zahl der die Straße
-bewohnenden Vögel sich äußerten, und die Menge der Raupennester, die
-heute noch von dem Wärter der Straße entfernt werden muß, bildet nur
-noch einen verschwindend kleinen Bruchteil der früher beseitigten. Es
-ist das eine Erscheinung, die nicht etwa nur von mir beobachtet worden,
-sondern auch anderen schon aufgefallen ist und die ganz besonders
-der die Straße betreuende Wärter empfindet. Eins verdient dabei noch
-Beachtung, nämlich der geringe Einfluß, den die Vogelwelt des an die
-Straße angrenzenden oder doch in ihrer Nähe bleibenden Waldes auf das
-Insektenleben der letzteren auszuüben scheint. Wäre er ein größerer,
-so hätte er sich ja damals schon anders äußern müssen, als infolge
-der geringeren Zahl der Straßenvögel der Insektenreichtum der Allee
-ein noch größerer war. Es ergibt sich aus dieser Erscheinung daher
-wohl auch die für den praktischen Vogelschutz recht beachtenswerte
-Folgerung, daß zu einer wirksamen Bekämpfung der Schädlinge in
-Obstalleen durch die Vogelwelt auch in vogelreichen Gegenden es
-unbedingt der Heranziehung eines den Alleen selbst eigenen Vogellebens
-bedarf. Möchten daher die Besitzer von Obstalleen -- als solche kommen
-in erster Linie ja wohl der Staat und die verschiedenen Ortsgemeinden
-in Frage -- diesem Umstande künftig auch Rechnung tragen und einmal
-durch das Aufhängen von Nistkästen, zum anderen aber durch die Duldung
-einzelner alter, höhlenreicher Bäume, die Vogelwelt dieser Alleen nach
-Möglichkeit zu vermehren trachten. Die darauf verwandten Kosten werden
-ja bald in einer Verminderung derjenigen für die Schädlingsbekämpfung
-auf der einen, in einer Erhöhung des Obstertrages aber auf der anderen
-Seite ihre Wirkungen zeigen. --
-
-Meine Ausführungen beschließe ich mit einer Liste der von mir bisher
-festgestellten höhlenbrütenden Alleevögel und füge dabei den einzelnen
-Arten noch die Ergebnisse meiner bisherigen Feststellungen bei.
-
-1. _Gartenrotschwanz._ -- Verbreiteter und neben der Kohl- und der
-Blaumeise vielfach auch häufigster Alleevogel, der -- den eingehenderen
-Rochlitzer Beobachtungen stehen noch solche aus Westsachsen und der
-Lausitz zur Seite -- zur Zeit der Jungenpflege in den von ihm bewohnten
-Alleen eine überaus nützliche Tätigkeit entfaltet und selbst beim
-Vorhandensein reicherer Nahrungsquellen, wie sie ihm etwa ein naher
-Wald darbietet, den Nahrungsbedarf in erster Linie den Straßenbäumen
-selbst entnimmt. Wenn Hennicke (Handbuch des Vogelschutzes, S. 122)
-unsere Art als wirtschaftlich bedeutungslos bezeichnet, so bedarf diese
-Behauptung in Fällen, wie wir sie in unseren obigen Darlegungen kennen
-gelernt haben, doch zweifellos einer entsprechenden Richtigstellung.
-
-2. _Kohl-_ und 3. _Blaumeise_. -- Die beiden häufigsten und wohl
-nirgends fehlenden Alleevögel überhaupt, die eine besonders nützliche
-Tätigkeit entfalten und noch wesentlich an Bedeutung gewinnen, weil
-sie in vielen, vielleicht gar in den meisten Fällen mit ihren
-Bruten in dem Straßengebiet verbleiben, wenn andere hier genistete
-Arten andere Tummelplätze aufgesucht haben. -- Es sei hier noch kurz
-auf die Rörigschen Untersuchungen über den Nahrungsbedarf unserer
-insektenfressenden Kleinvögel[3] verwiesen, nach denen beispielsweise
-ein Kohlmeisenpaar mit seiner Nachkommenschaft eines Jahres jährlich
-mindestens anderthalb Zentner Insekten als Nahrung verbraucht, um auch
-weiteren Kreisen ganz besonders nachdrücklich den hohen Wert dieser
-Vögel vor Augen zu führen.
-
- [3] Arbeiten a. d. Biol. Anst. f. Land- u. Forstwirtschaft, Berlin.
- IV. Bd., Heft 1.
-
-[Illustration: Abb. 8 =Kleiber vor der Nisthöhle=]
-
-4. _Tannen-_, 5. _Sumpf-_ und 6. _Haubenmeise_. -- Nur in der Nähe des
-Waldes und auch dann in der Regel sich nur vereinzelt einstellende
-Brutvögel, die zur Brutzeit in den von ihnen bewohnten Alleen eine
-zwar nicht minder große insektenvertilgende Tätigkeit wie ihre beiden
-vorgenannten Verwandten entfalten, aber nach Aufzucht ihrer Jungen
-wieder den Wald aufsuchen und die Alleen dann erst wieder vorübergehend
-zur Strichzeit besuchen.
-
-7. _Kleiber._ -- Ebenfalls wohl nur in der Nähe von Wald in den
-Obstalleen sich einstellender Brutvogel, der seinen Nahrungsbedarf aber
-weniger in diesen selbst, sondern mehr im Walde decken dürfte, aber
-eine größere Bedeutung für die Alleen im Herbst und Winter erlangt, wo
-er sie öfters zum Zwecke der Nahrungssuche besucht.
-
-8. _Baumläufer._ -- Ein zwar verbreiteter, an Zahl aber wohl immer
-hinter Kohl- und Blaumeise zurückstehender Alleevogel, dessen Tätigkeit
-der der Meisen aber kaum nachstehen dürfte und der wie diese auch nach
-Beendigung des Brutgeschäfts noch in den Alleen angetroffen wird.
-
-9. _Weiße Bachstelze._ -- Verbreiteter, hier und da in Halbhöhlen der
-Bäume, häufiger aber unter Straßenunterführungen usw. nistender Vogel,
-dessen Tätigkeit infolge der Art seiner Nahrungsaufnahme für die von
-ihm bewohnten Straßen aber von keiner Bedeutung ist.
-
-[Illustration: Abb. 9 =Wendehals vor der Nisthöhle=]
-
-[Illustration: Abb. 10 =Großer Buntspecht vor der Nisthöhle=]
-
-10. _Feldsperling._ -- Ein ebenfalls häufiger Alleevogel, dessen sonst
-überwiegend schädliche Tätigkeit zur Brutzeit für die von ihm bewohnten
-Alleen zu einer recht nützlichen werden kann.
-
-11. _Star._ -- Ein zwar verbreiteter, nach meinen Erfahrungen aber
-doch mehr örtlich als Alleebewohner auftretender Vogel, dessen
-Bedeutung für die Alleen aber nur eine geringere sein dürfte, da er
-seinen Nahrungsbedarf -- den oben wiedergegebenen Beobachtungen an der
-Rochlitzer Bergstraße stehen Erfahrungen auch von anderen Orten zur
-Seite -- nicht in den von ihn bewohnten Alleen, sondern an Stellen in
-der Nachbarschaft deckt.
-
-12. _Grauer Fliegenfänger._ -- Mehr gelegentlich sich einstellender,
-Halbhöhlen beziehender Alleevogel.
-
-13. _Trauerfliegenfänger._ -- Gleich dem vorigen wohl auch nur mehr
-gelegentlicher in der Nähe von Laub- oder laubholzreichem Mischwald
-sich einstellender Alleevogel.
-
-14. _Großer Buntspecht._ -- In der Nähe von Wald einzeln sich
-einstellender Alleevogel, der für die von ihm bewohnten Alleen aber
-ohne größere wirtschaftliche Bedeutung ist, durch seine Höhlen aber
-für die Kleinvögel Nistgelegenheiten schafft. Neben ihm mag sich hier
-und da der von mir als Alleevogel allerdings noch nicht beobachtete
-_Mittlere Buntspecht_ in dieser Eigenschaft einfinden.
-
-15. _Kleiner Buntspecht._ -- Von größerer Bedeutung als seine beiden
-eben genannten Vettern wird für die von ihm bewohnten Alleen der Kleine
-Buntspecht, der meisenähnlich vor allem die Bäume in der Nachbarschaft
-seiner Bruthöhle absucht und, sein Wesen auch nach der Brutzeit hier
-noch treibend, besonders winters über die von Insekten angegangenen
-Knospen ausklaubt.
-
-16. _Grünspecht._ -- In der Nähe von Wald hin und wieder sich
-einstellender Alleevogel ohne größere Bedeutung für sein Wohngebiet.
-
-17. _Wendehals._ -- Ein zwar häufig in Obstalleen sich einstellender,
-für diese aber, da er die Nahrung zu einem großen Teil am Boden
-einsammelt -- bei einem Pärchen beobachtete ich ausschließlich diese
-Art der Nahrungssuche -- wirtschaftlich nicht bedeutender Brutvogel. --
-
-Nachdem in der vorstehenden Zusammenstellung vorwiegend die
-wirtschaftliche Bedeutung unserer Alleevögel betont worden ist,
-sei wenigstens am Schlusse kurz auch noch auf ihre ideellen, der
-wirtschaftlichen Bedeutung durchaus nicht nachstehenden Werte
-hingewiesen. Unsere Vogelwelt vor allem ist es ja, die in das mitunter
-große Einerlei vieler unserer Straßen erst den belebenden Ton trägt,
-und sie wird das in einer um so größeren Weise tun, je artenreicher und
-mannigfaltiger sie sich hier entfalten kann. Darum wollen wir uns auch
-über die Anwesenheit der Arten freuen, deren wirtschaftliche Bedeutung
-hinter der der anderen zurückbleibt.
-
-
-
-
-Das Tännichttal im Tharandter Wald
-
-Von Stadtbaurat _Rieß_, Freiberg
-
-Aufnahmen von _K. Reymann_, Freiberg
-
-
-Lange hatte während des Krieges und im bösen Jahr darauf mein treues
-Rad gerastet. Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen
-Sommermorgens und lockt hinaus, daß ich nicht widerstehen kann.
-
-Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf
-flüchtigem Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit
-jungen Schwingen, der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt.
-Die wuchtige Stadtmauer Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben
-mit seinen grünen Bäumen, das alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes
-gleiten an mir vorüber. Leb wohl, du alter, fester Kumpan mit deinem
-spitzen Kegeldach, heute treibt’s in die Ferne mich mächtig hinaus.
-Und ihr Dohlen dort oben, die ihr dort flattert und schwebt, und mit
-hellem Rufe freudig im Schwarme in dem blauen Äther euch schwingt,
-heute neide ich euch nicht, heute bin ich selbst ein freier, wilder
-Vogel! Meine Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt und
-tief das Glück eines freien Sonnentages spürt. -- Die Straße ins
-Muldental hinab fliegt das Rad, daß ein Jauchzen aus der Brust wie
-ein lachender, springender Brunnen emporsteigt. Halli und Hallo! Die
-Sommerwelt ist mein, die rechts und links an mir vorüberstürmt, die
-grünen Hänge, die saftigen Wiesen, und dort der rauschende Fluß im
-tiefen Grunde, mit seinen weißen Schaumflocken auf dunklem, sprudelndem
-Wasser, die Heimat ist mein, denn meine Seele ist ihr offen, sie ist
-mein, denn sie gibt sich mir, weil ihrem Zauber sich meine Seele gibt.
-
-Jenseits geht es steil bergauf. Steinig und heiß ist der Pfad, das
-Geröll rutscht unter dem Fuß und die glimmerblinkenden Gneisplatten
-flimmern wie Silber. Rötlich blüht schon das Heidekraut in dichten
-Polstern am Wege. Auf der Höhe schöpft die Brust tief Atem und dann
-wandern die Augen hinab ins tiefe Tal und dort nach den Höhen, wo die
-Halden und Bergwerke, Alt-Freibergs Wahrzeichen und Hünenmale des
-Bergbaues, sich türmen, und weit in die blaue Ferne, wo die duftigen
-Linien der Berge in unendlicher Zartheit sich am Horizonte dehnen.
-Doch nun wieder vorwärts, dem Walde entgegen, in dessen grünem Meere
-ich untertauchen will. Über breitem Höhenrücken geht die Fahrt. Die
-Felder reifen der Ernte entgegen. Wie lange noch, dann klingt die
-Sense und die Pracht sinkt vor dem Schnitter dahin. -- Hast du Frucht
-gebracht? -- --
-
-Die Vogelbeerbäume schmücken sich schon mit roten Beeren. Wie lange
-noch, und die Drosseln ziehen, die Beeren fallen und liegen wie
-Blutstropfen am Straßenrande, und dann schnaubt der Schnee in mächtigen
-Wehen und Wirbeln gleich wilden, weißen Rossen über die Felder und
-hinter ihnen der eisige Ost mit scharfen Peitschenschlägen. -- Wohl
-dem, der eine Heimat hat! -- Doch heute weht ein süßer Duft wie Honig
-herüber. Ein blühendes Kleefeld strömt des Sommers ganze Lieblichkeit
-in Duft und Farbe in die blaue Luft. Ich steige vom Rade und lausche
-dem Liede des glühenden, blühenden Klees. Millionen von Bienen und
-anderen Insekten singen und summen in dem purpurnen Blütenmeer ihr
-Lebenslied, und taumeln von Kelch zu Kelch. Schwer und wonnig steigt
-der Duft des Feldes empor und ich trinke ihn mit tiefen Zügen, als
-wäre es ein alter, köstlicher Wein. Ein purpurner Teppich aus Duft
-und Licht, Farbe und Leben gewoben, auf dem nur die Sonnenstrahlen
-mit leichten, schwebenden Füßen dahingleiten dürfen. Ein Teppich, wie
-ein dunkler, purpurner Orgelton, den der Sommerwind leise dahinträgt,
-daß die Herzen stille werden. Als ob das heilige Herz der Mutter Erde
-unter ihnen schlägt, so geht geheimnisvolles Leben durch die Millionen
-Blütenköpfe. -- O, du Heimatflur! -- --
-
-Dort drüben grüßt das grüne Meer des Tharandter Waldes. Mein Rad
-fliegt wie ein Vogel hinab ins Bobritzschtal. Sanfter sind die Hänge
-hier als im Muldentale. Malerische Höfe und Häuschen klimmen auf und
-ab, drängen sich am Bach und drücken sich in die Talwinkel. Naundorf
-ist es, dessen Kirchturm auf der Höhe wie ein Hirte über seine Herde
-wacht. Die Straße führt talaufwärts, am Bach entlang. Die Wellen
-hüpfen mit Murmeln und Plaudern über die runden Steine, und flinke
-Forellen schießen blitzschnell daher. Einst war dieser köstliche
-Fisch so häufig hier, wie ein altes Naundorfer Kind erzählt, daß für
-wenige Groschen eine ganze Schüssel voll im Fuhrmannsgasthof an der
-Straße geliefert wurde. Die zahlreichen Gänse, Enten und Hühner auf
-der Straße sind dem Rade nicht gewogen. Mit Flattern, Fauchen und
-Geschrei entrüsten sie sich oder suchen durch ängstliches hin und her
-laufen dem allzuraschen gefürchteten Feinde zu entkommen. Heil uns,
-daß wir ohne unfreiwillige Tötung eines »Rassehuhnes« -- überfahrene
-Hühner sind immer »Rassehühner« -- am Ausgange des Dorfes anlangen.
-Dort macht die Bobritzsch eine starke Krümmung, fast im rechten Winkel.
-Ein stattlicher Hof liegt im Winkel und mächtige alte Bäume beschatten
-den Platz. Dort mündet der Colmnitzbach, und eine Brücke führt über
-die Bobritzsch, von der aus du in das Strudeln der klaren Wasser
-hinabschauen und die ganze Lieblichkeit dieses stillen Winkels mit
-seinem Wasserrauschen und Vogelsang unter grünem Blätterdach empfinden
-kannst. Wie Sonntag, durch den leise der Harfenton der Andacht klingt,
-liegt es immer hier unter sonnenstrahlendurchflochtener Laubkuppel. --
-
-Auf schmalem Wege über dem Wiesengrunde des Colmnitzbaches geht es
-aufwärts. Wie ein leuchtend grüner Teppich ist der Grund zwischen die
-Hänge eingespannt. Doch bald verwehren uns hohe, dichte Hecken den
-Blick auf diese grüne Herrlichkeit. Zwei Höfe am Hange liegen vor uns,
-die Gippenhäuser. Eine bleiche Dame sitzt am Wiesenrande, ein Kind
-spielt in der Nähe. Sommerfrischler! Ja, hier könnt ihr gesunden und
-wie Joseph Viktor von Scheffel, der leider Halbvergessene und doch so
-echt deutsche Mann, in seinen Bergpsalmen singen und sagen:
-
- »Du hast eine Ruhe, ein Obdach gefunden,
- Hier magst du gesunden,
- Hier magst du die ehrlich empfangenen Wunden
- Ausheilen in friedsamer Stille.«
-
-Zwischen duftendem, rauschendem Wald und saftgrüner, blumiger Wiese,
-in der die Margareten mit weißen Sternen leuchten, fern vom Staub der
-Straßen der Welt, den Blick auf sanft geschwungene edle Höhenlinien,
-abgeschlossen doch nicht eingeschlossen, so recht ein Ort friedsamer
-Stille! --
-
-Nun tauchen wir ein in den herrlichen Wald, dies grüne Kleinod zwischen
-Freiberg und Dresden, den Tharandter Wald. Wie viele Stunden tiefster
-Freude danke ich dir, du deutscher Wald, und deinen stillen Wundern.
-
- »Wer einmal diesen Jungbrunn’ fand,
- Der schöpft aus keinem andern!
- Denn das ist deutschen Waldes Kraft,
- Daß er kein Siechtum leidet,
- Und alles, was gebrestenhaft,
- Aus Leib und Seele scheidet.
- Daß ich wieder singen und jauchzen kann,
- Daß alle Lieder geraten,
- Verdank ich nur dem Streifen im Tann,
- Den stillen Hochwaldpfaden.«
-
- (Scheffel, Aventiure.)
-
-Solch ein stiller Hochwaldpfad, über den die knorrigen Wurzeln laufen,
-führt mich in die harzduftige, grüne Tiefe, und ein Singen und Jauchzen
-geht mir durch die Seele, doch es schweigen meine Lippen und leise ist
-mein Gang. Nur ab und zu knistern die Nadeln oder ein Ästlein unter den
-Reifen des Rades, welches ich führe.
-
-»Willst du dein Herz mir schenken, so fang’ es heimlich an,« das gilt
-auch vom Walde, dessen Seele man nur findet, wenn leise unsre Seele
-sich an seine schmiegt. Dann öffnen sich uns seine grüngoldnen Augen
-und schauen uns an voll unergründlicher Tiefe, dann spricht sein Mund
-im geheimnisvollen Raunen, und wir hören im stundenlangen leisen
-Wipfelrauschen wie des Waldes Seele mit uns spricht und ihre Wunder
-uns offenbart. Dann darfst du nur lauschen, schauen und vergessen, was
-draußen ist. Was er dir zeigt und sagt, was er deiner Seele gibt, das
-wird dich reich und froh machen. Der Wald ist dein geworden, weil er
-dir seine tiefsten Geheimnisse gab und du seiner wundersamen Kräfte
-kund wurdest.
-
-Eine im Sonnenschein flimmernde Blöße öffnet sich. Ein kräftiger,
-warmer Harzduft steigt empor und füllt die Brust, als sollten die
-Lungen besonders in Waldeskraft gebadet werden! Die Grillen zirpen ihr
-heißes Sonnenlied und über den Halmen und den Spitzen der Schonung
-zittert die Luft, als wäre sie durch das schwirrende, unendliche
-Grillenlied zum Schwingen gebracht. Ein Blick in die Weite auf
-blauferne Höhenlinien, dann ein dunkler, grüner, kurzer Waldpfad, und
-plötzlich gibt es mir einen Riß durch die Seele. Wie eine ungeheure
-rote, offene Wunde in der Felsenflanke des Berghanges liegt es
-vor mir, von rauher, rücksichtsloser Hand geschlagen, dort eine
-Schutthalde von kleingeschlagenem Porphyrgestein, das aus dem Abhange
-herausgeschlagen und gesprengt ist. Hier hatte ein Steinbrecher mit
-gierigen Zähnen gearbeitet. Und weiter strecken sich Schienen eines
-Bahnneubaues, der sich mitten durch eine Felsengruppe voll malerischer
-Wucht eine klaffende Lücke gebrochen hat. Bitterkeit steigt dir auf,
-daß Schönheit und Friede nicht mehr heilig sind, sondern wehrlos der
-Rücksichtslosigkeit und ehernen Notwendigkeit unterliegen müssen!
-Schillers Nänie klingt schmerzvoll durch die Seele:
-
- »Auch das Schöne muß sterben.
- Siehe, da weinen die Götter,
- Es weinen die Göttinnen alle,
- Daß das Schöne vergeht,
- Daß das Vollkommene stirbt.«
-
-Doch wie zum Troste senkt sich der Blick rechts durch Stämme und über
-schwankende Wipfel hinab in einen Talgrund, der noch wie ein stilles
-Märchenland des Friedens und der Schönheit grün heraufleuchtet. Es
-ist das Tännichttal. Das Tännichttal, um dessen Schönheit, Poesie und
-ungestörten Frieden der Heimatschutz im letzten Augenblick sich mühte
-und den Weg der Rettung fand. Der Bahnbau war leider unvermeidlich und
-wurde mit leidlicher Schonung und Anpassung an den Waldabhang gelegt.
-Daß er, wenn jetzt auch die Wunden noch bluten, mehr und mehr im Laufe
-der Jahre verschwinden und in das Bild sich einordnen wird, dafür wird
-der Wald selbst schon sorgen und seine Wunderkraft heilend offenbaren,
-wenn Flechten und Moose, Heidekraut und Ginster, Gras und Waldkräuter,
-Birken und schließlich die ragenden Stämme des Hochwaldes sich das Werk
-des Ingenieurs zu eigen machen. Doch Schlimmeres als der Bahnbau
-sollte dem Tännichttale geschehen. Steinbrüche sollten angelegt werden,
-welche Wunde auf Wunde tiefer und tiefer geschlagen hätten und die
-grünen Hänge zerstört und mit dem Rasseln und Stöhnen, dem Lärmen und
-Kreischen der Maschinen die selige Waldesstille, die Vögel und das
-Wild des Waldes vertrieben und diesem lieben Märchenwinkel völlige
-Vernichtung gebracht hätten. Eine Schwebebahn mit hohen Bockgerüsten
-sollte das Tal überqueren. Das Rollen und Rütteln der Wagen und
-Schienen und das Knirschen der Steinbrecher, sowie die ganze lärmende
-Industriearbeit sollten die tiefmelodischen Stimmen der wilden Tauben,
-des Pirols Flötenrufe und der Finken schmetternden Schlag für immer
-verstummen lassen. Die malerischen Felsklippen, die wie Türme und
-Mauern aus den grünen Wipfeln des Waldes emporsteigen, sollten von dem
-Moloch des Industrialismus gefressen werden!
-
-[Illustration: Abb. 1 =Tännichttal=]
-
-Nicht mehr als alles wäre dadurch dem Tale genommen worden! Doch
-stolz und freudig darf der Heimatschutz seines Erfolges denken:
-Diese Gefahr ist gebannt durch seine Bemühungen und die dankbar zu
-rühmende verständnisvolle Förderung des Finanzministeriums, welches in
-letzter Stunde die Genehmigung der Steinbruchanlage versagte. Doch wir
-blicken jetzt mit frohem, innerem Glücksgefühl ins Tännichttal hinab,
-wie es uns nun erhalten bleiben soll und noch viele stille Wanderer
-entzücken wird. Dort unten blitzen die Wellen des Colmnitzbaches aus
-dem Smaragdgrün des Wiesenbodens herauf. Er kommt weit von draußen
-her, aus der waldarmen Gegend, um hier zwischen Wald und Felsen seines
-Daseins schönste Strecke zu durchlaufen. Wie die andern Bäche der
-Freiberger Gegend hat er sich schon draußen ein tiefes Bett gegraben
-und windet sich in vielen Krümmungen durch die hügelige Landschaft.
-Die begleitenden Höhenkuppen des Gneismassivs von breitgelagerter,
-rundlicher Art, welche mit ihren langen, schöngeschwungenen Linien
-ungeheuren Wogen gleichen, haben an der Quelle rund 500 Meter,
-an der Mündung in die Bobritzsch rund 400 Meter Höhe. Draußen im
-freien Lande haben sich im Colmnitzbachtal in der langgestreckten,
-dem Wasserlaufe folgenden Siedelungsweise des Kolonistendorfes die
-Dörfer Pretzschendorf, Ober- und Niedercolmnitz angesiedelt. Ihre
-Wiesen und Felder mit ihren besonderen Reizen von Saat, Ernte und
-Wiesenduft geben der ganzen weiten Gegend draußen einen ausgesprochen
-landwirtschaftlichen Charakter, aber auch mit ihrer ausgesprochenen
-Kahlheit, welche außer den Bäumen an den Straßen, am murmelnden Bach
-und in den Gärten des Dorfes kaum einen Baum duldet, der nur der
-Schönheit nicht aber besonders dem Nutzen dient. Fünf Sechstel seines
-Laufes hat so der Colmnitzbach kahles Gelände durchströmt, bis er
-hier im waldigen, engen, malerischen Tännichttal sich heimfindet zu
-Bergeshang mit dunklen Fichten, zu Wiesengründen mit leuchtendem Grün.
-Der schluchtartige Charakter dieses Tales mit seinen steilen bewaldeten
-Abhängen, im Gegensatz zu den sanfteren Hügelwogen des freien Landes,
-ist überraschend und gibt malerische Bilder, gleichviel ob man von
-oben hineinschaut in die saftigen Gründe einer stillen, smaragdnen
-Märchenwelt, oder ob man von unten zu den Höhen hinaufschaut, die mit
-ihren Wänden einzelne Kessel abschließen und bei einer neuen Krümmung
-neue Bilder friedsamer Stille öffnen. Der Talboden hat nur fünfzig bis
-sechzig Meter Breite. Die anschließenden steilen Hänge steigen rund
-hundert Meter auf, zum Teil mit hohen Felswänden, Zacken und ragenden
-roten Porphyrklippen, die wie zinnengekrönte Burgmauern aufsteigen.
-Dieser schluchtartige Charakter des Tales im Gegensatze zur breiten
-Landschaft draußen, ist das Ergebnis urgewaltiger Kräfte aus der
-Werdezeit unserer Erde, und insofern ein Naturdenkmal von besonderer
-Bedeutung für die Freiberger Gegend.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Felsenklippen der Diebskammer vom
-Tännichttal aus=]
-
-Das flachgeschichtete, im Laufe der Jahrmillionen rundlich
-abgeschliffene Urgebirge des Gneises der Freiberger Landschaft ist
-hier mit ungeheurer vulkanischer Gewalt von Porphyr durchbrochen.
-Durch dieses harte Porphyrmassiv hat sich der Bach hindurchgenagt und
-die schmale Talenge hineingefressen. Dort drüben, mitten in dieser
-malerischen Talenge, an ihrem schönsten Punkte, ragen die zackigen
-Spitzen und Kämme der gewaltigen roten Porphyrklippen in den blauen
-Himmel vom grünen Waldhange empor, die Diebskammer. Diese Felsgruppe
-ist die Krönung der Schönheit des ganzen Tales, das urgewaltige, zu
-Stein erstarrte Denkmal gigantischer Naturkräfte. Wir stellen das
-Rad in das Dickicht und klettern näher heran durch Fichtengezweig
-und Ginstergestrüpp, die trotzigen Zacken zu betrachten. Da sehen
-wir und erleben es fast an der eigenartigen Faltung und Schichtung
-der Gesteinsformationen, wie einst in ungeheuren Wehen und Ringen
-lebendiger Kräfte die Massen emporstiegen, sich zusammenpreßten
-und neigten, sich kristallisierten und zu besonderer Lagerung und
-Schichtung versteinten.
-
-Das Tännichttal streicht von Osten nach Westen. Die Strahlen der
-Morgensonne und das rote Licht des untergehenden Tagesgestirns läßt die
-roten Klippen in feuriger Glut aufleuchten, als wären sie von innerem
-Feuer durchglutet und wollten zu neuem vulkanischen Leben erwachen.
-Ein _Naturdenkmal_ ist dieses Tal mit seiner Felsengruppe, das im
-geologischen Anschauungsunterricht für jedermann in unserer Zeit der
-Volkshochschulen von der Natur selbst unübertrefflich dargeboten ist
-und zu uns redet vom Werden unserer Erde, Heimat und Landschaft mit
-deutlicherer Zunge als Bücher, die das Volk nicht liest, als Gelehrte,
-die das Volk nicht hört, als Weisheit, die in den Hörsälen oder bei den
-Spezialisten bleibt. Es ist ein Dienst an der deutschen Seele, wenn der
-Heimatschutz für diese Werte der deutschen Natur und Heimat kämpft,
-ein Kampf für die deutsche Seele und ihre Rechte an der Heimat, ein
-Kampf für die Seele der Heimat gegen kalte, harte Seelenlosigkeit der
-Ausbeutung. Das Volk hat ein Recht darauf, daß diese Naturdenkmäler,
-die Eigenart und besondere Schönheit der Heimat geschützt und ihm und
-der Nachwelt ungeschmälert erhalten bleiben, und nicht der Ausbeutung
-einiger Kapitalisten überlassen werden. Das, was der Allgemeinheit
-und der Heimat dienen kann und im höchsten Sinne zur geistigen und
-seelischen Förderung dient, darf niemals Ware, darf niemals käuflich
-sein, darf niemals nur dem Interesse eines Einzelnen um materiellen
-Gewinnes willen ausgeliefert werden, sondern muß unbedingt als Besitz
-der Allgemeinheit als ein Denkmal gehütet und gepflegt werden.
-
-Solches unverletzliches, der Allgemeinheit, dem Volke gehöriges
-_Naturdenkmal_ wird auch diese Felsengruppe mit dem ganzen Tale sein
-und bleiben, bei dessen Anblick und sinnender Betrachtung Tausenden
-das Herz aufgehen muß für die Schönheit der Heimat und das Verständnis
-und die Freude wachsen soll an ihrer Seele, an ihrem Leben, Sein und
-Werden. Freibergs Umgebung ist nicht reich an solchen Punkten, wo
-Wissenschaft und beseelte Schönheit sich in gleicher Weise vereinen,
-um den Ort reizvoll zu machen, und wo als Drittes noch die Sage
-hinzukommt, um mit den krausen Ranken der Phantasie und der Erinnerung
-den Ort geheimnisvoll zu schmücken. Der Lips-Tullian-Felsen dort drüben
-im Tale ist in unmittelbarer Nähe, der Felsen, wo der große Räuber
-einst hauste. Auch die Diebskammer hier mag ihm und seinen dunklen
-Zwecken gedient haben. Die echte Räuberromantik spinnt ihre bunten
-Fäden um die zackigen Zinnen dieser Räuberburg, die bald wie Blut,
-bald wie Gold in der Sonne leuchten, bald wie von Rauch geschwärzt
-und Krähen umflogen im Schatten liegen. Lips-Tullian, den jeder
-im Freiberger Bezirke kennt, denn im mittelalterlichen, grausigen
-unterirdischen Gefängnisse des Freiberger Rathauses, wo auch Kunz von
-Kauffungen schmachtete, mußte er 1715 sein Todesurteil erwarten. Seine
-in den Felsen gehauene Zelle, Ketten und Handschellen werden heute noch
-gezeigt.
-
-Was das Wandern im _Thüringer_ Land so unvergleichlich genußreich
-und poetisch macht, ist, daß überall die Gestalten der Sage und
-Geschichte, von Poesie und Märchen mit uns wandern und das, was wir
-schauen, verklären. _Sachsen_ ist nicht reich an solchen Stätten, aus
-denen uns Sage oder Märchen mit verträumten Augen anschaut und die
-Romantik uns grüßt. Sorgfältig müssen wir die wenigen Stätten solcher
-Romantik schonen, und wäre es auch nur Räuberromantik, und müssen wir
-pflegen, was durch die Phantasie und die Erinnerung des Volkes sein
-besonderes Gepräge, seine besondere Weihe erhielt. Das Gedenken des
-Volkes schafft erst die rechten Denkmäler. Hängt sich dieses Gedenken
-an eine besondere Örtlichkeit, so erhält diese die Denkmalsweihe. Wie
-gesund und wie tief hat hier doch das Volk empfunden, daß es hier dem
-Orte noch diese besondere geheimnisvolle, geistige Denkmalsweihe der
-Phantasie gab, der durch seine landschaftliche Schönheit und seine
-wissenschaftliche Bedeutung schon seine Weihe als Naturdenkmal in sich
-trägt. -- Von einem ehrwürdigen Freunde des Heimatschutzes, der hier
-vor sechzig und siebzig Jahren jung war, liegt ein Brief vor, aus dem
-diese Romantik herausklingt wie das Rauschen von Bach und Bäumen, und
-die leisen, wehmütigen Töne des Liedes: »Aus der Jugendzeit, aus der
-Jugendzeit klingt ein Lied mir immerdar.« Er schreibt:
-
-[Illustration: Abb. 3 =Diebskammer im Tännichttal bei Naundorf, Bezirk
-Freiberg=]
-
- »An dieses liebliche Stückchen Erde, im besonderen an die
- über der »Diebskammer« sich aufbauenden Felsenpartien knüpfen
- sich für mich die angenehmsten Erinnerungen aus meiner
- Jugend. Als Naundorfer Pfarrerssohn habe ich dort von meiner
- Tertianerzeit an bis in meine ersten akademischen Semester
- (1855--1861), in welch’ letzterem Jahre nach des Vaters Tode
- unsere Familie den Ort verlassen mußte, in den Ferienzeiten
- zahlreiche glückliche Stunden verlebt. Mit Hilfe eines mir
- befreundeten jungen, für Romantik empfänglichen Lehrers hatte
- ich hier in etwa halber Höhe des Felsens ein Plätzchen für
- längeren Aufenthalt hergerichtet, einen Felsblock als Tisch,
- einen anderen moosbedeckten als Sessel, und in diese durch
- keine Straße gestörte Weltabgeschiedenheit flüchtete ich mich
- so oft wie möglich mit meinen Freunden aus dem altklassischen
- Altertume, Homer, Sophokles, Horaz usw. oder mit unseren
- deutschen Dichterheroen. Hier beschäftigte ich mich mit ersten
- poetischen (richtiger wohl »gereimten«) Versuchen, übersetzte
- ich in das Deutsche einen Teil von Ovids Metamorphosen, und
- ich hatte immer die Empfindung, daß mir hier alles leichter
- vonstatten ging. Auch verträumte ich manche Stunde unter dem
- Rauschen der Tannen, dem Gesange der damals noch zahlreichen
- Vogelwelt, unter dem Murmeln des zwischen saftig grünen Wiesen
- durch den Grund fließenden, kristallhellen, von Forellen und
- Krebsen dicht bevölkerten Colmnitzbaches. Der Felsen senkte
- sich winkelförmig in die Erde und schien in eine Höhle zu
- führen, die von Steinen verschüttet war, in deren Geheimnis ich
- aber nie eingedrungen bin. Ob der berüchtigte, 1715 in Dresden
- hingerichtete Lips Tullian auch hier sein Wesen getrieben
- hat, weiß ich nicht, wäre aber bei der versteckten Lage der
- Diebskammer nicht unmöglich. Es wurde zu meiner Zeit von
- diesem Tale nur mit einer gewissen Scheu von den Dorfbewohnern
- gesprochen. Ich habe seiner Zeit bei den Freiberger allgemeinen
- Gymnasialspaziergängen, die gewöhnlich über Niederbobritzsch
- nach Naundorf führten, nie versäumt, meine Freunde an diesen
- meinen Lieblingsort zu führen, ihn auch später ab und zu
- aufgesucht.«
-
-O Klang der Jugendromantik und deutscher Träumerei aus diesem Tal
-heraus, der wie von fernen süßen Glocken noch durch das Greisenalter
-tönt! --
-
-Und diese Felsen, dieser Ort, die so noch klingen und Tausenden noch
-klingen werden, sollten dem Steinknacker ausgeliefert werden!? Damit
-einige geschickte Geschäftsleute gute Geschäfte machten, sollten die
-Felsen zu Straßenschotter verarbeitet werden und allmählich der Meißel
-sich hineinfressen in die Talwände, bis alles weggefressen ist, was
-an Schönheit und höheren Werten Tausenden zur Freude und Erquickung
-diente!?
-
-Wir freuen uns mit dankbarem Herzen, daß diese Gefahr gebannt ist und
-schauen mit besonderer Liebe der stillen Stätte des Friedens in die
-tiefen Augen und versenken uns ganz in die Stimmung der Einsamkeit,
-des Alleinseins, Geborgenseins vor dem Tosen und Staub der Welt dort
-draußen.
-
- »Selig, wer im stillen Lauschen
- Einsam hier die Waldrast hält,
- Wer beim flüsternd milden Rauschen
- Das Getös vergißt der Welt.«
-
- (Scheffel.)
-
-Langsam steigen wir nun die Straße ins Tal hinab. Hier ist es zu schön,
-um auf dem Rade vorbeizufliegen, hier möchte man weilen und träumen,
-und warten, ob nicht irgend ein liebliches Wunder geschehen möchte, daß
-drüben aus dem Waldesdunkel die Elfen auf die leuchtende Wiese schweben
-oder daß die Elfenkönigin auf schlankem weißen Reh aus dem Dickicht
-kommt, an dir vorüberstreift und aus wundersamen Märchenaugen dir tief
-in die Seele schaut.
-
-[Illustration: Abb. 4 =Felsen im Tännichttal bei Naundorf=]
-
-Dort steht der Fels wie ein Wächter am Wege, dicht am Bach, wo die
-Brücke in die Wiese führt. Will er hüten, daß kein Unberufener, kein
-Feind hier eindringe? Ist er der Riegel, der die Welt und den Lärm
-abschließt vom stillen Lande der Poesie?
-
- Den Wipfel hoch die Tanne hebt,
- Im Winde schwankt die Birke,
- Und Gottes goldne Sonne schwebt
- Still über dem Bezirke.
- Ein harziges Gedüfte
- Durchwogt die warmen Lüfte.
-
- (Scheffel.)
-
-Wie ein silberner Steg für überirdische Füße schimmert der Bach im Grün
-und windet sich durch die saftige Aue, als wollte er diese Stätte nicht
-verlassen, sondern immer noch einmal umkehren und bleiben. Einzelne
-Baumgruppen von herrlicher Gestalt stehen hier und da mitten in der
-Wiese, und im weichen Dufte dämmern die fernen Abhänge des Tales.
-
-Dann fliegt unser Blick noch einmal hinauf zu den Felsschroffen, die
-dort oben rot in der Sonne leuchten, aus dem Waldesdunkel schimmernd
-emporsteigend. Wir schreiten weiter am Wiesengrund. Weiß glänzen die
-Stämme der Birken am Wege, und die Felsen entwickeln sich zu einer
-langen gewaltigen Mauer, die mit schroffen Seiten, scharfen Spitzen und
-Kanten nackt und kahl, nur mit dem bunten Gewande der Farbe bekleidet,
-aus dem Walde aufragt. Der Reichtum der Farben, der je nach Beleuchtung
-wechselt, je nachdem die Schatten der Wolken den Wald, die Wiese oder
-die ernsten Felsenstirnen streifen, gibt dem Bilde einen besonderen
-überraschenden Reiz. Wie ein tiefes, tiefes, weiches buntgesticktes
-Kissen ist die Wiese mit ihrem Duft und ihren Blumen, in das man
-sich hineinschmiegen möchte. Es plaudert der Bach an unserer Seite,
-und Birken und Erlen streuen ihren Schatten auf Weg und Wiese und
-flüstern im weichen Sommerwinde von den alten Geschichten, die hier
-geschehen. Denn dort drüben ragt aus dem Walde der Lips-Tullian-Felsen,
-der gar vieles erzählen könnte. Er ist aber ein rauher, schweigsamer
-Geselle, der seine Geheimnisse wohl hütet und das junge Volk der
-Pflanzen und Bäume raunen und flüstern läßt. In seine Felsenstirne
-zogen die Jahrhunderte und Jahrtausende ihre tiefen Runen. Was ist
-da Menschenleid und Menschentat, was sind da die Geschlechter der
-Menschen, die hier vorüberschritten, was ist da Jugend und Alter? Gras,
-das zu seinen Füßen wächst, Bäume, die an ihm wurzeln und abgehauen
-werden, wieder kommen und wieder vergehen in unendlicher Folge! Er
-schweigt und läßt die Sagen und Geschichten, welche aus Dickicht und
-Höhlen und Löchern hervorkriechen, wie Spukgestalten ihres Weges
-ziehen, schweben und zerflattern in Wind und Nebel und dem Rauschen
-des Waldes, daß niemand sie fassen kann, sondern nur ein unnennbares,
-unbestimmbares Grausen unheimlich um den Felsen schleicht.
-
-Wir wandern weiter und nähern uns dem oberen Ausgange des Tales. Der
-Weg steigt wieder an und löst sich vom Talgrund. Unter schönen alten
-Fichten, aus dunklem Schatten hervor, blicken wir weit über die grünen
-Gründe, die im Sonnenlichte flimmern, hinaus in die duftige Ferne,
-wo blauende Höhenzüge sich zart vom Himmel abzeichnen. Der Bach ist
-ein silberner Spiegel im Vordergrunde, in dem sich Wolken und Bäume
-spiegeln.
-
- »Ich stehe in Waldesschatten
- Wie an des Lebens Rand,
- Die Länder wie dämmernde Matten,
- Der Strom wie ein silbern Band.«
-
-Ein langer Blick dann zurück in das stille Tal Eden, das wir nun
-verlassen, und es geht uns durch die Seele ein Klang der Sehnsucht:
-
- »Du bist Orplid, mein Land,
- Das ferne leuchtet!«
-
-Bald treten wir aus dem Walde auf kahle Höhe mit weitem Fernblick,
-und dann fliegt das Rad hinab in das Dorf Colmnitz, dessen Höfe sich
-rechts und links von Bach und Straße, unter Eschen und Birken, oft
-in malerischer Lage und Gruppe siedeln. Doch wir sind noch wie im
-Traume. Wir achten nicht viel, nicht so wie sonst, auf jedes Haus und
-jede Gruppe von Bäumen und Bauten, auf jede Eigenheit der Bauart oder
-neckischer Laune. Wir sind im Leben draußen, aber unsere Seele weilt
-noch dort drüben im stillen Tale, wo die Welt schweigt, sie wandert
-noch auf dem silbernen Steg in den Elfenwiesen, an deren Rand die
-dunklen Fichten Märchen träumen und wo um die Felsen geheimnisvoll die
-Sage raunt.
-
-Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange
-über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen
-Häusern fast versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt
-der Wald im blauen Dufte, dort drüben, das Tal, dort drüben -- dort
-drüben --
-
- * * * * *
-
- »Und meine Seele spannte
- Weit ihre Flügel aus!«
-
-[Illustration: Abb. 5 =Blick über Colmnitz nach dem Walde mit dem
-Tännichttal=]
-
-
-
-
-Gauernitz
-
-Von _A. Klengel_, Meißen
-
-
-Ein herrliches Stück Heimat zeigt sich dem Wanderer, der die neue
-Hochuferstraße von Niederwartha abwärts zieht oder an sonnigem
-Sommertage mit dem Elbdampfer an Gauernitz und Scharfenberg
-vorüberfährt. Zwei starke Gegensätze bieten sich hier seinem Auge.
-Hoch oben auf schroffem Berge liegen die Mauern der altersgrauen
-Feste Scharfenberg. Unten im Tale dagegen lugen die feingegliederten
-Renaissancegiebel des Schlosses Gauernitz zwischen den Baumriesen des
-Parkes hervor. Jedes kriegerischen Schutzes bar liegt das anmutige
-Schloß frei inmitten grüner Matten, dicht am Ufer des Elbstromes als
-ein Bild des Friedens. Es zeigt in seiner architektonischen Schönheit
-gar deutlich, daß es in einer späteren Zeit entstanden ist, die nichts
-mehr von den kriegerischen Drangsalen alter Tage wußte, die einst den
-trutzigen Nachbar auf steiler Bergeshöhe umbrausten.
-
-Auf uraltem Kulturland stehen Schloß und Dorf Gauernitz. In der
-Umgebung aufgefundene vorgeschichtliche Überreste, so von einem in
-Sachsen äußerst seltenen sorbischen Skelettgrab neben der Gauernitzer
-Ziegelei, deuten darauf hin, daß die Landschaft spätestens in der
-Sorbenzeit besiedelt wurde. Auch der Name der Siedlung selbst läßt
-auf sorbische Gründung schließen. Er geht auf die Wurzel ~jawor~,
-Ahorn, zurück und bezeichnet einen mit Ahornbäumen bestandenen Ort.
-Die Gestalt des Namens ist im Laufe der Jahrhunderte manchem Wechsel
-unterworfen gewesen. In Urkunden aus den Jahren 1312, 1348 und 1397
-lautet er in seinen ältesten Formen Jauernycze und Jauernyk, 1402
-Jauwirnicz, 1468 Yawirnicz, später Jevernitz und dann Gavertitz,
-Gäwernitz oder Gävernitz; die letzte Form blieb bis in die Mitte des
-vorigen Jahrhunderts erhalten und ist heute noch auf manchen Karten
-neben dem jetzigen Namen verzeichnet.
-
-Alte Berichte nehmen an, daß das Schloß Gauernitz an der Stelle einer
-alten Sorbenburg stehe. Diese Vermutung ist jedoch urkundlich nicht zu
-belegen. Möglich ist es aber immerhin, daß nach der Rückeroberung des
-Landes die Germanen an dieser Stelle einen festen Waffenplatz, einen
-Vorläufer des heutigen Schlosses, angelegt haben. Diese Vermutung
-gewinnt dadurch noch an Wahrscheinlichkeit, daß Gauernitz an der Grenze
-der alten Gaue Nisani und Daleminza liegt, deren Grenze sich im Tale
-der Wilden Sau entlang zog, eines Baches, der bei Gauernitz in die
-Elbe mündet. Die älteste urkundliche Nachricht über Gauernitz stammt
-aus dem Jahre 1312. 1360 war es Meißner Burggrafenlehn; als damalige
-Lehensträger werden die Brüder Nikolaus Wyrand und Michael Ziegler
-genannt. Bis zum Jahre 1595 blieb Gauernitz, wenn auch mit kurzen
-Unterbrechungen, im Eigentum dieser Familie.
-
-Die Ziegler stammten aus dem Goslarer Gau im Harz. Die Kunde vom
-Aufblühen des sächsischen Silberbergbaues hatte sie, gleich vielen
-andern Harzer Bergleuten, in unsere Heimat gelockt. Durch glückliche
-Funde im nahen Scharfenberger und im Freiberger Bergrevier zu Reichtum
-gekommen, waren sie bald im Besitze ansehnlicher Güter. Hochangesehene
-und fromme Männer sind aus diesem alten Geschlechte, das heute noch in
-der sächsischen Lausitz blüht, hervorgegangen. Den Herren von Ziegler
-verdankt die Herrschaft Gauernitz ihre Entwickelung und Größe. Sie
-erwarben im 14. Jahrhundert u. a. Dorf und Vorwerk Constappel, welche
-früher zum Teil in das bischöfliche Gericht Briesnitz und zum Teil in
-das Dresdener Amt gehörten. Durch weitere Zukäufe vergrößerte sich
-der Besitz, so daß schließlich zu dem altschriftsässigen Rittergute
-erbgerichtlich die Dörfer Constappel, Pinkowitz und Kleinschönberg,
-sowie Teile von Pretzsch, Leuben und Weitzschen gehörten. Wygand, ein
-Sohn Wyrands von Ziegler, war zugleich Besitzer von Pillnitz.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Schloß Gauernitz=
-
-(Aufnahme von _Otto Ehrhardt_, Coswig)]
-
-Im Jahre 1397 wurde zu Aller Seelen Ruhe eine Frühmesse in der dem
-heiligen Nikolaus geweihten Wallfahrtskirche zu Constappel gestiftet
-und von den »frumben Herren gesessen zu Gävernitz« konfirmiert. Wygand
-starb 1459 zu Gauernitz, wo sein Bruder bereits 1436 verstorben war.
-Beide ruhen in Constappel, wohin sie zu Ehren der Himmelskönigin viele
-Stiftungen gemacht hatten. Die Pfarrgründe wurden erweitert, »da sie
-gar viel auf die Pfaffen hielten«, wie der Chronist berichtet. An der
-Kirche zu Constappel sind noch die Grabplatten von Gliedern des alten
-Geschlechtes erhalten. Im Jahre 1517 verstarb Christoph von Ziegler,
-der ein besonderer Freund Georgs des Bärtigen und dessen Amtmann zu
-Meißen war. Ein Epitaphium aus Messing im Dom zu Meißen erinnert noch
-an diesen Mann. Er war der letzte katholische Besitzer von Gauernitz;
-seine Söhne schlossen sich der lutherischen Lehre an. Fast will es
-scheinen, als ob damit das Glück aus der Familie gewichen wäre;
-Christophs Enkel schon konnte das stark verschuldete Erbe nicht mehr
-halten und war gezwungen, es 1595 an Kaspar von Pflugk aus dem Hause
-Zabeltitz zu veräußern.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Gauernitzer Insel=
-
-(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)]
-
-Bis 1648 gehörte Gauernitz den neuen Besitzern; in diesem Jahre brachte
-es Sophie von Zabeltitz dem Heinrich Gerhardt von Miltitz in die
-Ehe. Bei der Vermählung der Enkelin Johanna Magdalene war es wieder
-Heiratsgut und kam dadurch in die Familie der Grafen von Zinzendorf;
-der erste Besitzer war der sächsische Generalfeldzeugmeister Otto
-Christian Graf und Herr zu Zinzendorf auf Pottendorf, der 1718 starb.
-
-Die Zinzendorfe haben außerordentlich viel für die Verschönerung und
-Verbesserung ihres prächtigen Herrensitzes Gauernitz getan. Noch ist
-die Schloßkapelle vorhanden, welche ihre Gründung einer Frühmesse
-derer von Ziegler zu danken hat. Sie war ursprünglich dem heiligen
-Andreas geweiht, wurde mehrmals ein Raub der Flammen und enthielt zur
-Zeit der Zinzendorfe einen Betsaal der Herrnhuter; wie bekannt, war
-ein Glied des jetzt erloschenen Stammes der Gründer der Herrnhuter
-Brüdergemeinde. Bedauerlich ist freilich, daß die Schloßkapelle heute
-sehr weltlichen Zwecken dient; ihr unterer Teil enthält den Marstall,
-das Obergeschoß beherbergt Speicher- und Vorratsräume.
-
-Der Bergbau, der den früheren Besitzern zu Reichtum verholfen
-hatte, wurde auch von den Zinzendorfen eifrig gefördert, liegt doch
-ein Teil der Scharfenberger Erzgänge auf Gauernitzer Land. In der
-Nähe der Gauernitzer Ziegelei wurde der »Jung Zinzendorfer Stolln«
-befahren. Auch der östlich davon nach der Elbe zu gelegene »Grüne
-Tannebaum-Stolln« scheint von den Zinzendorfen betrieben worden zu sein.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Auf der Gauernitzer Insel=
-
-(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)]
-
-Der heute noch vorhandene sehenswerte und wohlgepflegte Schloßpark
-ist um diese Zeit gegründet worden. Zu einer Berühmtheit brachten
-es aber zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts die Zinzendorfschen
-Obstkulturen, die Orangerie und die Lust- und Blumengärten, welche das
-Schloß umgaben. Die zeitgenössischen Berichte sind des Lobes voll über
-die Wunder, die es damals in Gauernitz zu sehen gab. Im Jahre 1717
-wurden 260 verschiedene Obstsorten angebaut, und 1724 gab es in dem
-reichen Blumenflor allein 204 Nelkenarten. Wasserkünste, Gewächshäuser
-und Wintergärten im Geschmacke damaliger Zeit schlossen den Kreis der
-Gauernitzer Sehenswürdigkeiten.
-
-Die Zinzendorfe pflegten aber nicht nur den Schloßpark, sondern
-ließen auch der idyllischen _Gauernitzer Insel_ ihre besondere Obhut
-angedeihen. Sie hatte einst eine Länge von 1245 und eine Breite von 231
-Ellen; ihre heutige Fläche beträgt 6,5 Hektar. In der Nähe flußabwärts
-befanden sich früher zwei heute nicht mehr vorhandene Heger von 995
-und 430 Ellen Länge. Die Insel wurde parkartig mit Laubholz bepflanzt
-und mit Gartenanlagen versehen, die leider oftmals das Hochwasser
-zerstörte, wie alte Nachrichten überliefern. Von der Inselmitte aus
-führten strahlenförmig sieben mit Linden bepflanzte Wege nach dem
-Gestade, und zwar so, daß man durch sie von der Mitte der Insel aus
-einen freien Durchblick auf sechs Kirchtürme und Schlösser in der
-Umgebung hatte (Schloß Gauernitz, Schloß Scharfenberg, Kirchturm von
-Brockwitz, Kirchturm von Weinböhla, Turm der alten Coswiger Kirche,
-Wackerbarths Ruhe). Heute sind einige Durchblicke durch Häuser verbaut,
-die Lindenalleen aber zum Teil noch erhalten. In der Mitte der Insel
-steht eine steinerne, mit zierlicher Bildhauerarbeit (Schlange und
-Blumengewinde) geschmückte Säule, die folgende Inschrift trägt:
-»Friedrich August Graf von Zinzendorf und Pottendorf seiner Gemahlin
-Luise Sophie Johanne, des Grafen Otto Rubmann Friedrich von Bylanck
-Tochter, geb. d. 9. Oktober 1754«. Die Säule war früher von steinernen
-Bänken umgeben, die im letzten Jahre -- ein trauriges Zeichen unseres
-sittlichen Tiefstandes! -- von Rohlingen zerstört und vernichtet worden
-sind.
-
-[Illustration: Abb. 4 =Auf der Gauernitzer Insel (Säule und
-Lindenallee)=
-
-(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)]
-
-Auf der Insel wurden einst Fasanen gehegt, auch viele wilde Kaninchen
-wurden angetroffen, weshalb man das »Elbeiland« um die Mitte
-des vorigen Jahrhunderts auch die »Kaninchen-Insel« nannte. Die
-Überflutungsgefahr scheint also doch nicht so groß gewesen zu sein,
-wie die Überlieferung behauptet, da sich die Tiere sonst nicht hätten
-halten können.
-
-[Illustration: Abb. 5 =Auf der Gauernitzer Insel (Gestade am linken
-Elbarm)=
-
-(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)]
-
-Die Glanzzeit der Insel ging in den achtziger Jahren des vorigen
-Jahrhunderts zu Ende. Von einer Insel kann heute eigentlich nur noch
-bei höherem Wasserstande gesprochen werden. Dadurch, daß der rechte
-Elbarm durch einen bei Niedrigwasser begehbaren Steindamm verbaut ist,
-wird die Insel die größte Zeit im Jahre zur Halbinsel. Der rechte
-Elbarm ist eine tote Wasseransammlung geworden, die der zunehmenden
-Versandung und Verlandung preisgegeben ist. Die entstandenen
-Wasserlachen sind heute leider berüchtigte Mückenbrutherde. Durch
-das Zusammendrängen der Wasserfluten in den linken Elbarm ist die
-Überschwemmungsgefahr für die Insel außerordentlich groß geworden.
-Durch diese Stromberichtigungen hat also die Insel sehr gelitten, sie
-ist nicht mehr das reizende Idyll von ehedem, wo eine Landung und
-ein Aufenthalt auf ihr einer kleinen Robinsonade gleichkam. Leicht
-zugängig, ist sie heute gar oft ein Tummelplatz von Rohlingen und
-Holzdieben.
-
-[Illustration: Abb. 6 =Verlandeter rechter Elbarm, von der Insel aus
-gesehen=
-
-(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)]
-
-Trotz der teilweisen Zerstörung ihrer ursprünglichen landschaftlichen
-Eigenart ist die Gauernitzer Elbinsel heute noch eine Perle unter
-den Naturschönheiten unserer Heimat, deren dauernde Erhaltung vom
-Standpunkte des Natur- und Heimatschutzes aus dringend erwünscht ist.
-Wem wäre noch nicht das Herz aufgegangen vor Freude über die Schönheit
-der Heimat, wenn er von einer Bergeshöhe in der Umgebung das malerische
-Schattenbild der baumbestandenen Insel im Abendsonnengold oder im
-Vollmondschein vom blinkenden Elbstrom sich abheben sah?!
-
-Auch in wissenschaftlicher Hinsicht ist die Insel heute noch wertvoll.
-»Der Botaniker und Pflanzengeograph findet in ihrem Baum- und
-Strauchbestand sowie in der damit verbundenen Bodenflora Reste des
-ehemaligen Auenwaldes, der in der Vorzeit das ganze Elbtal bedeckte,
-heute aber nur noch an ganz wenigen Stellen vorhanden ist. Ein solcher
-Ort ist die Gauernitzer Insel; sie zeigt trotz aller menschlichen
-Eingriffe den alten Elbauenwald in großer Ursprünglichkeit und wird
-dadurch zu einem botanischen Naturdenkmal ersten Ranges.« (Prof. ~Dr.~
-Schorler.)
-
-Die Insel ist weiter der Wohnplatz einer reichen Vogelwelt, die in den
-Frühlingstagen ihre Jubelstimmen von den hohen Baumriesen erschallen
-läßt und in den alten hohlen Bäumen noch ungestört ihre Brut hegen
-kann. Noch haben die Vögel eine Freistatt auf dem von Möwen umgaukelten
-Elbeiland.
-
-Der Freund unserer schönen Heimat wird es deshalb dankbar begrüßen,
-daß durch die Bemühungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
-und durch das Entgegenkommen der Vertretung des jetzigen Besitzers
-der Herrschaft Gauernitz eine Vereinbarung zustande gekommen ist,
-nach der die ursprüngliche Eigenart der Insel, vor allem auch ihr
-landschaftliches Bild erhalten bleiben soll, trotzdem sich eine
-forstliche Nutzung des Inselwaldes erforderlich macht. Es ist ein
-hoher idealer Wert, der hier geschützt und geschont wird. Mögen auch
-materielle Opfer damit verbunden sein, der Besitzer ehrt sich selbst
-durch die Erhaltung dieses eigenartigen Naturdenkmals. Künftige
-Geschlechter werden ihm dankbar dafür sein, daß er die Ideale noch
-hochgehalten hat in unserer schweren Zeit, die uns so vieles raubte.
-
-Weit vorgegriffen haben wir der Zeit in unserem Bericht über die
-Herrschaft Gauernitz. Bis 1804 blieb sie in den Händen der Zinzendorfe:
-in diesem Jahre ging sie mit allem Zubehör an den Oberforstmeister
-von Hopfgarten über. Nach seinem Tode geriet die Besitzung mit einer
-Schätzung auf 193458 Taler 4⁵/₆ Groschen in Konkurs und wurde im
-Jahre 1819 vom Fürsten Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg für
-110000 Taler erworben. Damit ging ein neuer Glücksstern auf für unser
-Gauernitz. Fast dreißig Jahre lang blieb freilich das Schloß noch
-unbewohnt. Erst als die Revolutionäre im Jahre 1848 das Residenzschloß
-in Waldenburg eingeäschert hatten, erwählte der Fürst Gauernitz zu
-seinem Sommeraufenthalte. Nach dem Tode des Fürsten Otto Viktor im
-Jahre 1859 kam das Besitztum als Quadrogenitur des Fürstlichen Hauses
-Schönburg-Waldenburg an dessen jüngsten Sohn den Prinzen Karl Ernst,
-der seinen dauernden Wohnsitz in Gauernitz nahm und das Schloß in
-kunstsinniger Weise umgestaltete. Prinz Karl Ernst starb im Jahre
-1915; der Besitznachfolger wurde der Enkel des Verstorbenen Prinz Karl
-Leopold.
-
-Halten wir noch einen Umblick im Schlosse selbst und in seiner nächsten
-Umgebung. Das umfangreiche Schloß gliedert sich in einen Mittelbau, der
-mit zwei Flügelbauten, dem Hohen Bau und dem Regentenhaus, den an den
-Park anschließenden Ehrenhof auf drei Seiten umgibt. Der Regentenflügel
-trägt einen Turm, der hohe Bau zeigt einen feingegliederten
-Renaissancegiebel. Der geräumige Wirtschaftshof wird durch das
-Schloßgebäude, durch Torbauten mit überbauter Einfahrt und durch die
-Wirtschaftsgebäude begrenzt. Unter den letzteren ist besonders die
-bereits erwähnte ehemalige Schloßkapelle bemerkenswert. Der Hohe
-Bau wird nach dem Park zu durch eine Säulenhalle abgeschlossen. Im
-Untergeschoß dieses Schloßteils sind noch Reste der ursprünglichen
-Bauanlage erhalten: zwei gotische Torbogen, die einst ins Freie
-führten, heute aber in die Innenräume einbezogen sind.
-
-[Illustration: Abb. 7 =Neudeckmühle im Tale der Wilden Sau hinter
-Gauernitz=
-
-(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)]
-
-Der ursprüngliche Schloßbau wurde von den Herren von Ziegler und den
-Grafen von Zinzendorf angelegt. In den Jahren 1862 bis 1866 unternahm
-Prinz Karl Ernst von Schönburg eine umfassende Erweiterung und
-Verschönerung des Schlosses; namentlich stammt die äußere Ausgestaltung
-in deutscher Renaissance aus dieser Zeit. In der Anlage und Ausstattung
-der Innenräume zeigt sich der vornehme Geschmack des prinzlichen
-Erbauers, der selbst ein feinsinniger Künstler war. Die prächtigen
-Festsäle, die in wundervollem Einklang abgestimmten Bibliotheksräume
-usw. entzücken das Auge des Besuchers. Erwähnenswert sind auch die
-Ahnengalerie der Zinzendorfe, die vom Prinzen Ernst in pietätvoller
-Weise angelegt wurde, sowie die Gemälde, die auf die Familie der
-jetzigen Besitzer Bezug haben.
-
-Was aber den Schloßräumen besondere Schönheit und einen
-unvergleichlichen Reiz verleiht, das sind die Ausblicke auf den
-herrlichen Park, der das Schloß umgibt: ein Park deutscher Eigenart
-in meisterhafter Anlage. Baumriesen der verschiedensten einheimischen
-und fremden Arten, herrliche Durchblicke, trauliche Plätzchen, die
-einen bezaubernden Rundblick bieten hinaus in das Land, wechseln ab
-mit grünen Matten, blühenden Hecken und einem mit Reben überkleideten
-Laubengang, der im heißen Sommer eine köstliche Wandelbahn bietet.
-
-
-
-
-Frühlingsboten
-
-Von ~Dr.~ _H. Beil_, Pirna
-
-
-[Illustration: Abb. 1 =Märzenbecher= (~Leucojum vernum~) (Phot. _J.
-Ostermaier_, Blasewitz)]
-
-Der Frühling naht! Die wärmenden Strahlen der Februarsonne sind
-zunächst das Einzige, was uns sein Kommen verkündet. Noch steht
-Baum und Strauch im kahlen Winterkleide. In den Dorfgärten an der
-Sonnenseite der kleinen Häuschen müssen wir seine ersten Boten,
-die Schneeglöckchen, suchen, die Weiden rüsten sich und legen ihren
-goldenen Frühlingsschmuck an. Aber gerade die ersten Boten des
-Frühlings, die wir Menschen alle Jahre wieder mit Ungeduld erwarten,
-haben wir so lange recht unfreundlich empfangen. Körbeweise wurden
-sie abgerissen, um, schon halb verwelkt, auf den Markt gebracht zu
-werden. Weit von der Großstadt muß man heute schon wandern, wenn man
-sich an wildwachsenden Frühlingsblumen erfreuen will, so weit, daß die
-echten Großstadtmenschen sich wundern, wenn man ihnen erzählt, daß
-diese Blumen, die sie nur als Gartenblumen kennen, auch auf freier
-Wiese wachsen, in entlegenen Gegenden, von deren Schönheit die meisten
-keine Ahnung haben, und es ist recht gut so, die Schönheit wäre sonst
-bald vernichtet. Mit ein paar solchen Pflanzen, die fast ausgestorben
-sind, sollen sich diese Zeilen befassen. Auf Wanderungen mit meiner
-geliebten Kamera habe ich sie aufgesucht und im Bild festgehalten. Das
-Schneeglöckchen (~Galanthus nivalis~) ist mir in Sachsen wild wachsend
-nie begegnet. Dagegen kommt der Märzbecher (~Leucojum vernum~)[4] noch
-in einigen Gegenden vor, trotz der Ausrottung durch unverständige
-Menschen. Da es ein Zwiebelgewächs ist, so ist das Ausgraben mit
-der Wurzel doppelt schädlich. Die Aufnahme stammt aus einem kleinen
-Seitental des oberen Polenztales. Während noch vor etwa 15--20 Jahren
-die Wiesen übersät gewesen sind mit Märzbechern, muß man jetzt schon
-suchen, um kleine Bestände zu finden. Welch prächtiges Bild die Wiesen
-früher geboten haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man die vom
-Besitzer einer Mühle eingezäunte Wiese sieht, auf welcher das Pflücken
-untersagt ist, und die ein Naturschutzgebiet im Kleinen darstellt.
-
- [4] Siehe Aufsatz: »Vom Märzenbecher«, Band IV, 1915, Seite 367.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Leberblümchen= (~Hepatica triloba~)
-
-(Phot. _H. Beil_)]
-
-Wenig später als der Märzbecher blüht das blaue Leberblümchen. Vor
-50 Jahren hat es zu den Pflanzen der Dresdner Umgebung gehört, die
-überall verbreitet waren, im Saubachtal, Schonergrund soll es in Massen
-gestanden haben. Heute wird man es dort vergeblich suchen. Wirklich
-häufig findet es sich auf dem Rotstein bei Sohland am Rotstein, wo
-es in dankenswerter Weise von der Rittergutsverwaltung geschützt
-wird. In günstigen Jahren ist der Waldboden blau von der Menge der
-Leberblümchen. Kleinere Bestände sind über die ganze Lausitz verstreut.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Seidelbast= (~Daphne Mezereum~)
-
-(Phot. _H. Beil_)]
-
-Zu Märzbecher und Leberblümchen gehört als dritter im Bunde der
-ersten Frühlingsboten der Seidelbast, dessen stark duftende, violette
-Blüten stengellos aus dem dürren Holz herauswachsen. Auch ihn findet
-man vereinzelt in der Lausitz, meist in dichtem Gestrüpp, in schönen
-Beständen auch auf dem Rotstein. Auch im Vorland des Erzgebirges ist er
-mir schon begegnet. --
-
-Wenn ich mir vorstelle, welch herrliches Frühlingsbild es geben
-müßte, die Wiese übersät mit Märzbechern, am Rande des Gehölzes die
-Leberblümchen und der Seidelbast, so wird mir weh ums Herz. Könnte
-es nicht auch heute noch so sein? Pflanzen, die niemandem ein Leid
-getan haben, die nur wachsen, um uns zu erfreuen, vernichtet bis auf
-spärliche Reste, deren Standort der Naturfreund sorgfältig geheim
-hält. Wenn alle Menschen zusammenhalten, wenn alle die Heimat, die sie
-zu lieben so oft versichern, auch tätig schützen, dann muß es wieder
-besser werden, dann muß der Verödung unseres Sachsenlandes Einhalt zu
-tun sein.
-
-
-
-
-Über das Vorkommen der Biber in Sachsen
-
-Von ~Dr.~ _Koepert_, Dresden
-
-
-Auf der X. Jahreskonferenz für Naturdenkmalpflege in Berlin berichtete
-Museumsdirektor Professor ~Dr.~ Mertens, Magdeburg, von der
-erfreulichen Zunahme der letzten deutschen Biberkolonie, die zurzeit
-etwa zweihundert Stück zählt. Auf Grund des Studiums alter Akten im
-Dresdner Hauptstaatsarchiv bin ich in der Lage, einiges über das
-frühere Vorkommen im Kurfürstentum Sachsen, zu welchem bekanntlich
-der größte Teil der preußischen Provinz Sachsen zählte, zu berichten.
-Der Biber kam früher häufig in der Elbe vor und der Biberschwanz galt
-von jeher als Delikatesse und bildete, besonders zur Fastenzeit, ein
-begehrtes Gericht an der fürstlichen Tafel. So schrieb 1450 im März
-Friedrich der Sanftmütige an den Schösser zu Wittenberg: »Wir begern
-mit fließe, das Du uns ußrichtest vier lebende Lachse, darzu Byberzagel
-(Biberschwänze), alsuil Du der gehaben kannst und das alles uff den
-guten Fritag (Karfreitag) gein Missen schickest.« Mitte des achtzehnten
-Jahrhunderts waren die Biber noch ziemlich häufig in Sachsen. Es war
-ein besonderer Biber- und Otterfänger angestellt, der seinen Wohnsitz
-in Hintergersdorf hatte. Er war für die Ämter Dresden, Grillenburg,
-Freiberg, Frauenstein, Altenberg, Dippoldiswalde, Pirna, Stolpen,
-Radeberg, Lausnitz, Moritzburg, Hayn, Meißen, Nossen, Hohnstein und
-Lohmen bestellt. Diese Reviere hatte er jährlich im Frühjahr und Herbst
-zu begehen und die darin befindlichen Fischottern, Biber, Marder und
-andere kleinere Raubtiere zu fangen und die Bälge gegen Fanglohn an
-die Jagdproviantverwaltung abzuliefern. Er erhielt für einen Biber 21
-Groschen. An Besoldung erhielt dieser Biber- und Otternfänger außerdem
-22 Taler 18 Groschen nebst 6 Scheffel Korn und 10 Scheffel Hafer
-»vor sich und seine Hunde aus unserm Amt Grillenburg von Quartalen
-zu Quartalen«. Im Jahre 1764 hatte der kurfürstliche Administrator
-Prinz Xaver die Einziehung der Stellen der Biber- und Otterfänger
-beschlossen. Hiergegen macht Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorff in
-einem Schreiben an den Landjägermeister von Herdegen seine Bedenken
-geltend: »Wasmaßen Ihro der Chur-Sachsen Administratoris Prinzen
-Xaveri, Kgl. Hoh., vermittelst des unterm 14. April a. c. an mich
-erlassenen höchsten Special-Resoripts, die Einziehung aller Biber- und
-Fischotter-Stellen, und dagegen die Wegfangung der Biber und Fischotter
-durch die Revier-Forstbediente, gegen Reichung derer geordneten
-Jäger-Rechte, gnädigst resolviert und anbefohlen, solches ist Meinem
-hochgeehrtesten Landjägermeister bereits bekannt. Ob ich nur zwar um
-dahero, weil der Entzweck durch die Revier-Forstbediente, welche mit
-deren anvertrauten Holz- und Jagdrevieren genug zu tun haben, und
-diese, wenn sie an denen Wässern sich aufhalten und denen Raubtieren
-nachtrachten sollen, notwendig vernachlässigen und viele dem höchsten
-Interesse nachteilige Folgerungen daraus erwachsen müssen, höchsten
-Orts unterthänigste Vorstellung getan und Resolution annoch erwarte;
-So wolle dieselbe jedennoch, damit besonders denen Fischottern aller
-möglicher Abbruch getan werde, solchen nicht nur selbst nachzutrachten,
-sondern auch genante untergebene Forst-Jagdbediente dessen, und daß
-sie die Biber und Fischotter auszumachen und besonders die letztere
-durch Schießen und Fangen möglichst zu tilgen sich alle Mühe geben,
-dargegen Einlieferung derer Bälge die gnädigst geordnete Auslösung
-oder Jägerrecht an 21 gr. vor 1 Biber und 21 gr. vor 1 Fischotter aus
-der Jagdkasse erhalten, hiernächst den Bibern zwar ebenfalls möglichst
-nachtrachten und solche auszumachen suchen, jedoch aber diese nicht
-anders als auf besondre Verordnung, maßen selbige zur Versorgung
-ihrer höchsten Herrschaftstafel gehörig, schießen oder fangen, und
-dahero sobald einer oder der andre einen Biber ausgemacht, solches zur
-Wildmeisterei rapportieren und fernerer Verordnung erwarten solle, zu
-bedeuten, übrigens aber, wenn dergleichen Biberbaue, und besonders
-diejenigen, welche den Dämmen und Wassergebäuden nachteilig von den
-Forstbedienten angezeiget werden, desfalls alsbald Bericht an mich
-zu erstatten, daferner aber einer etwa während nächst bevorstehender
-1765ster Fastenzeit ausgemacht werde, solche frisch und gut zum
-Provianthause anhero einzuliefern belieben, da ich dann wegen dessen
-Einlieferung zur höchsten Tafelversorgung fernerer Verfügung zu treffen
-unvergessen bin; ich aber verharre als usw. Graf Wolffersdorff.« Ein
-schönes Beispiel für den damaligen schwulstigen Kurialstil!
-
-Ein weiteres Schreiben vom Dezember 1771 des Oberhofjägermeister Grafen
-Wolffersdorf beweist, daß die Schädlichkeit der Biber noch nicht
-abgenommen hatte, daß im Gegenteil an den Elbdämmen von ihnen großer
-Schaden angerichtet wurde. Er fordert daher zu weiterer Vertilgung auf:
-»Nachdem sich bei der unlängst erfolgten Lokalbesichtigung der Elbdamm-
-und Uferbaue ergeben, wie an denen Dämmen besonders durch die vielen
-Einbaue der Biber großer Schaden geschieht, und dadurch zum Teil die
-wichtigsten Damm-Baue dergestalt mitgenommen werden, daß hernach bei
-eintretendem großen Gewässer solche dem Strom Widerstand zu leisten
-außer Stande wären. Und dann Ihro Churf. Durchl. gnädigst anbefohlen,
-da diesem Uebel zu steuern die Notdurft um so mehr erfordere, je
-wichtigere Rücksicht auf Unterhaltung der mit so beträchtlichem Aufwand
-zu errichtende Dämme und Wasser-Gebäude zu nehmen sein wolle, daß
-zumalen Höchstdieselben vorgetzt wegen des Damm- und Uferbauwesens
-in dero Landen eine gewisse Einrichtung zu treffen gemeinet, die
-Biber überall wo solche Schaden verursachen könnten, soviel nur immer
-möglich vertilget werden sollen; also wollen meine hochgeehrte Herren
-in Conformität dieses Höchsten Befehlnisses an gesamte untergebene
-Jagd- und Forstbediente die ernstlichste und gemessenste Verordnung zu
-thun belieben, daß solche denen Bibern besten und möglichsten Fleißes
-nachtrachten und soviel nur immer thunlich an Orten, wo sie besonders
-Schaden thun, zu vertilgen suchen, auch wo sich solche spüren und
-bemerken lassen, im Revier ein Nachbar dem andern Nachricht geben
-sollen. Ich aber beharre usw. Graf Wolffersdorf.«
-
-Döbel in seiner »Jägerpraktika« bemerkt mit Bezug auf den Biber,
-nachdem er einige Fangmethoden besprochen hat: »Dieses sei nun genug
-von Fangung dieses Amphibii.« Der Umstand, daß der Biberschwanz mit
-Schuppen bedeckt ist, verursachte damals die unsichere Stellung des
-Bibers im zoologischen System. Der Biberschwanz wurde infolgedessen
-mit Fischfleisch auf eine Stufe gestellt und konnte in der Fastenzeit
-gegessen werden. Über die Zubereitung dieser Delikatesse schrieb v.
-Fleming[5] folgendes: Schneide den Biberschwanz als _wie einen Karpfen_
-in Stücke, setze Wasser aufs Feuer, damit es siede, schüttet auch Salz
-hinein, aber nicht soviel als wie bei einem Karpfen. Werfet auch unter
-dem Sieden ein Stückchen Butter dazu, maßen dieser Biberschwanz nicht
-so weich ist als andre Fische (!). Es ist auch dieser Handgriff der
-wahre Vorteil alle harten Fische weich zu machen. Ist nun der Schwanz
-gesotten, so seihet das Wasser rein ab, thut ihn in ein castrol, gießet
-ein wenig Brühe, Wein und Essig dazu und lasset es kochen, schüttet
-auch Pfeffer, Ingwer, geriebene Semmel, Citronen-Schale, Butter, Safran
-und Zucker hinein, und lasset alles wohl durch einander kochen. Setzet
-gedachten Biberschwanz hernach auf ein Feuer, damit er ganz allmählich
-koche.
-
- [5] Der vollkommene teutsche Jäger. Leipzig 1719.
-
-
-
-
-Frau Lina Hähnle,
-
-
-die Begründerin und erste Vorsitzende des _Bundes für Vogelschutz_,
-dessen Mitglieder über alle Gaue Deutschlands und weit über dessen
-Grenzen hinaus verbreitet sind, feierte am 3. Februar ihren 70.
-Geburtstag. Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir aus Anlaß
-dieses Festes der verdienstvollen, in allen Naturschutzkreisen
-wohlbekannten Frau ein paar Zeilen widmen.
-
-Frau Hähnle entstammt, wie schon der Name andeutet -- sie ist auch
-eine geborene Hähnle -- einer alteingesessenen Schwabenfamilie. Der
-Vater, Salinenbeamter, anfangs in Schwenningen, später in Sulz,
-Rottmünster und Hall, verstand es, schon in dem Kinde die Liebe zu
-der belebten Natur dieser anmutigen ländlichen Gegenden zu wecken
-und ihm die gediegenen Kenntnisse zu vermitteln, auf die sich später
-die Ausübung des Naturschutzes gründen konnte. Mit neunzehn Jahren
-heiratete Lina Hähnle ihren Vetter Hans Hähnle, dessen rastlosem Fleiß
-es gelang, seine Fabrik in Giengen a. d. Brenz aus kleinen Anfängen
-zur Weltfirma zu heben. Sechs Kinder sind der Ehe entsprossen. Wie
-Frau Hähnle diesen eine treusorgende Mutter war, wie sie das ganze
-große Haus, in dem zahlreiche Gäste allezeit ein- und ausgingen,
-tatkräftig leitete, in Küche und Keller waltete, im Viehstalle und
-auf ihrem geliebten Geflügelhofe selbst Hand ans Werk legte, kann
-hier nicht näher geschildert werden. Noch im Frühjahr 1918, als die
-»Leutenot« am größten war, hat die 67jährige Frau mit eigener Hand
-stundenlang das Gespann mit der Egge über die Saat geführt, gewiß ein
-Beweis ihrer eisernen Willenskraft und unversiegbaren Arbeitsfreude.
-Ohne diese Eigenschaften hätte sie ihr besonderes Werk, dem sie sich
-erst zuwandte, als sie bereits auf der Höhe des Lebens stand, nicht
-durchführen können.
-
-Sie gründete im Jahre 1899 den »Bund für Vogelschutz«. Schon wenige
-Tage, nachdem ihr Aufruf erschienen war, hatten sich tausend Freunde
-der Vogelwelt um sie geschart, und dieses Häuflein wuchs von Jahr
-zu Jahr. In allen Kreisen fanden die Bestrebungen des Bundes Eingang
-und freudige, ja begeisterte Zustimmung. Heute gehören rund 42000
-Mitglieder dem Bunde an, sie verteilen sich auf etwa 500 Ortsgruppen.
-Wie wuchsen mit dieser Zahl die Arbeiten und Aufgaben! Wir erinnern
-nur an die vielen Flugblätter, die von Stuttgart aus in die Welt
-flatterten, an die zahlreichen Vortragsreisen, die Frau Hähnle
-persönlich unternahm -- auch unser Verein durfte sie am 22. Januar 1913
-in seiner Mitte begrüßen -- an die Fabrikation und den Versand von
-Nisthöhlen, Futterhäuschen und dergleichen, an die vielen Eingaben, die
-dem Vogelschutz auch bei den Behörden immer mehr Geltung zu schaffen
-suchten, besonders aber an die Einrichtung von ungefähr sechzig
-größeren und kleineren Vogelschutzgebieten, darunter die Erwerbungen
-Hiddensee auf Rügen und die Mellumplatte vor der Wesermündung, wo
-mehrere sehr seltene Vogelarten, z. B. die Brandseeschwalbe, der
-Steinwälzer, der Säbelschnäbler vor dem Untergange bewahrt wurden.
-Auch die Gründung des »Deutschen Vogelschutztages«, die Frau Hähnle im
-Verein mit Professor ~Dr.~ Guenther in Freiburg in die Wege leitete,
-ist ein besonderes Verdienst der zielbewußten Frau. Wie schon ihr
-Mann, Kommerzienrat Hähnle, allen diesen Bestrebungen Teilnahme und
-Verständnis entgegenbrachte und sie durch Gewährung reicher Mittel in
-wahrhaft großzügiger Weise unterstützte, so ist auch ihr Sohn, Herr
-Ingenieur Hermann Hähnle, gewissermaßen die rechte Hand der Mutter
-geworden. Hervorragend sind dessen Aufnahmen von Tieren in freier
-Natur; besonders versteht er es, mittels eines von ihm erfundenen
-Fernapparates Laufbilder auf den Filmstreifen zu bringen, die in
-ihrer Schönheit und Naturtreue einzig sind. Wem es vergönnt war, die
-Laufbilder zu sehen, die Unterzeichneter an oben genanntem Tage in
-unserm Verein vorführen und erläutern durfte, der wird sich noch heute
-mit Vergnügen dieser wundervollen Aufnahmen erinnern. Es ist eine
-Riesensammlung von Lichtbildern, die Herr Ingenieur Hähnle teils selbst
-aufgenommen, teils von hervorragenden Naturphotographen erworben hat.
-Wieviel Tausende von Naturfreunden, wieviel Tausende froher Kinder
-haben diese Bilder entzückt und begeistert!
-
-Frau Hähnle hat sich aber keineswegs darauf beschränkt, nur die
-Vogelwelt zu hegen und zu pflegen und seltene Vogelarten zu erhalten.
-Dem ganzen Naturschutz bringt sie das wärmste Interesse entgegen. Schon
-seit längerer Zeit hat der Bund ein größeres Banngebiet am Federsee
-bei Buchau in Württemberg erworben und das stattliche Gewässer nach
-jeder Hinsicht durchforscht, worüber eine eingehende Abhandlung des
-Bundes Aufschluß gibt. Auch Aufnahmen in fremden Ländern hat Frau
-Hähnle noch während des Weltkrieges ermöglicht, so prachtvolle Bilder
-von Edelreihern in der Dobrudscha und von Wisenten in den Wäldern von
-Bialowics, Urkunden von unersetzlichem Wert.
-
-Möge die seltene Frau, deren vielseitiger Arbeitskraft man die Siebzig
-nicht anmerkt, noch manches Jahr in Rüstigkeit ihr Amt verwalten, der
-deutschen Vogelwelt und damit der deutschen Heimat zum Segen, uns allen
-aber, die sie kennen und verehren, zur Freude! Das ist der Wunsch von
-vielen Tausenden.
-
- Martin Braeß.
-
-
-
-
-Oberlehrer Bruno Lange, Strehla a. E. †
-
-
-Ein wertvoller Freund und eifriger Arbeiter für den Heimatschutz
-ist mit Bruno Lange dahingegangen. Gerade am Weihnachtsfeiertag hat
-den noch nicht Sechzigjährigen die Stadt Strehla, in der er lange
-Jahrzehnte als Lehrmeister für Jung und Alt erfolgreich gewirkt hat,
-unter dem schönen, vollen Geläut ihrer Glocken zur Ruhe geleiten
-müssen. Der lange, feierliche Zug der Leidtragenden -- Schüler
-und Lehrerschaft, Vereine, Feuerwehr und Bürger aller Kreise --
-brachte dem Städtchen wohl noch einmal zum Bewußtsein, daß es einen
-allbeliebten Bürger, eine Persönlichkeit von Wert, verloren hatte.
-Den Trauerkränzen, die heute Langes Grabstätte bedecken, will der
-Sächsische Heimatschutz einen Strauß aus Immergrün und Heimatblumen
-beilegen, wie sie der Verblichene selbst am liebsten gesucht und
-gepflückt hat.
-
-Bruno Lange war vom alten Schlage, fleißig und zuverlässig, bieder
-und schlicht, vaterlandstreu und heimatlieb. Was der Arbeiter des
-Heimatschutzes vor allen Dingen braucht: ein warmes treues Herz
-und ein offenes suchendes Auge, damit war Lange wohlgerüstet. So
-verstand er auch die bescheidenen Werte und Schönheiten der flachen
-Landschaft zu finden und zu würdigen. Es trieb ihn, seine Freude am
-schlichten Schönen mitzuteilen, sie seinen Schülern in mannigfaltigem
-_Unterricht_, bei _Anleitung zur Handfertigkeit_, beim Spiel und auf
-_Spaziergängen_ anzuerziehen und auf die Öffentlichkeit aufklärend und
-anregend zugleich einzuwirken durch _öffentliche Bildvorträge_, durch
-_Veröffentlichungen im Ortsblatte_ und durch _Anregungen in Vereinen_
-und _in der Stadtvertretung_. Eine Reihe guter _Ansichtskarten_ von
-Strehla, die im Geschmack den bekannten Karten des Landesvereins
-nahekommen, ist auf seine Veranlassung in den Ortshandel gebracht
-worden. Alle solche Unternehmungen führte er durch in uneigennütziger
-Liebe zum Heimatstädtchen, ohne persönliche und geldliche Opfer zu
-scheuen.
-
-Langes Freude am Schönen, sein Interesse war nicht engbegrenzt
-und einseitig auf das Heimatliche gerichtet -- er verstand seinen
-Interessen- und Erfahrungskreis weit über das Durchschnittsmaß zu
-erweitern und zu vertiefen durch _große Ferienreisen_ auch außerhalb
-Deutschlands: nach Skandinavien, Finnland, Rußland, dem Balkan
-(Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Serbien,
-Rumänien, Bulgarien, Türkei, Konstantinopel), Nordafrika, nach Italien
-und nach der Schweiz. Diese Reisen hat er als schlichter Wanderer
-mit bescheidener Ausrüstung, aber mit um so köstlicherem Humor
-durchgeführt. Was er alles dabei gesehen und erlebt, schrieb er in
-mustergültiger Kurrentschrift nieder und hat wiederholt darüber an Hand
-von Lichtbildern öffentlich berichtet -- die Kriegsjahre brachten ihm
-dazu manchen Anknüpfungspunkt.
-
-Die Kenntnisse ferner und fremder Schönheiten konnten Bruno Langes
-Liebe zur engen Heimat, seine Freude am Heimatschutz, nur vertiefen.
-Es mag sein, daß seine fleißigen Arbeiten im Sinne des Heimatschutzes
-mehr ein örtliches als ein weitergehendes Interesse gefunden haben
--- möglich auch, daß Lange dieses letztere gar nicht gesucht hat. Es
-befindet sich aber in seinem Nachlaß fein säuberlich geordnet ein
-Stoß von _ausgearbeiteten Aufsätzen_, die eine weitere Würdigung wohl
-verdienen. Abgesehen von seinen vielen _Reiseberichten_ und von einigen
-_Arbeiten volkstümlichen_ und _vaterländischen Inhaltes_ fand ich die
-Entwürfe zu _drei Werbevorträgen_ für den Heimatschutz und ferner
-folgende _Reihe von ortskundlichen Aufsätzen_:
-
- Strehla a. d. Elbe. -- Aus Strehlas Vergangenheit. --
- Schloß Strehla.
- Flurnamen von Strehla und Umgegend.
- Was man sich vom Nixstein erzählt.
- Hochfluten der Elbe im 18. und 19. Jahrhundert.
- Der niedrigste Wasserstand der Elbe 1904.
- Wo und wie der erste Schuß im 1866er Kriege fiel.
- Die alte Heidenschanze bei Görzig.
- Auf vulkanischem Boden (im Görziger Steinbruche).
- Was uns die Leckwitzer Sandgrube erzählt.
- Der Käferberg bei Zaußwitz.
- Der Große Steinberg bei Clanzschwitz.
- Geologische Streifzüge durch unsere Heimat.
- Die Schlacht bei Mühlberg 1547.
-
-Dazu:
-
- Anleitungen zu Spaziergängen an der Elbe, in die Sandgruben,
- auf den Käferberg, auf den Großen Steinberg, auf die
- Liebschützer Höhe und auf die Weidaer Höhe beim Ganziger
- Steinbruche.
-
-Mag auch vielleicht der Stoff der Aufsätze mitunter etwas schulmäßig
-und trocken behandelt erscheinen, es steckt doch viel darin, was mehr
-wert ist, als weiter im bloßen Familienbesitz oder vielleicht einmal
-in einer Schul- oder Ortsbücherei vergraben zu bleiben. Es ist zu
-hoffen, daß sich noch Gelegenheit findet, den oder jenen Aufsatz oder
-Bruchstücke daraus in den Mitteilungen des Heimatschutzes eingehender
-zu würdigen.
-
-Das letzte, was Bruno Lange wohl veröffentlicht hat, ist ein Büchlein
-»_Strehla im Weltkriege_«. Der Großstädter lächle nicht über das
-Thema. Strehla ist ein Städtchen von nur 3400 Einwohnern und hat eine
-stattliche Zahl von Söhnen ins Feld geschickt, von denen nach Langes
-Feststellungen 125 Mann gefallen sind; im ganzen hat Strehla mit acht
-Nachbardörfern 159 Söhne verloren. Und wenn Langes Büchlein allein
-diesen 159 Mann gewidmet wäre, dann wäre es schon wert, gewürdigt zu
-werden und Nachahmung zu finden. Es sind aber in dem Heftchen eine
-Reihe von Einzelheiten ernster und auch humoristischer Art enthalten,
-deren Aufzeichnung für die Ortsgeschichte wertvoll ist.
-
-Den gefallenen Kriegern zu Ehren einen _Heldenhain_ auf dem Gelände
-des alten Friedhofes zu schaffen, war eine von Langes Lieblingsideen;
-leider hat die dafür geleistete Vorarbeit bisher zu keinem greifbaren
-Ergebnis geführt.
-
-Bei allen solchen Bestrebungen, die Lange doch mit der Öffentlichkeit
-in Berührung brachten, blieb er stets der Schlichte, Bescheidene; all
-dies Schaffen atmet Heimattreue und Heimatliebe und Dankbarkeit für
-das, was die Heimat gewährt. Nun ist es an der Heimat, ihm dankbar zu
-bleiben für das, was er außerhalb der Lehrtätigkeit für ihre Würdigung
-und zur Pflege der Ortskunde und des Heimatschutzes gearbeitet hat.
-
-Für die schöne Aufgabe, Heimat- und Ortskunde und Ortsgeschichte zu
-pflegen, zu überliefern und das Interesse dafür wachzuhalten, ist,
-vornehmlich in ländlichen Orten, neben dem Ortsgeistlichen kein
-anderer besser geeignet wie der Ortslehrer, weil er alle Fäden, die
-es zu verknüpfen gilt, am ehesten zu suchen und zu erfassen vermag.
-Möchte die Lehrerschaft nicht müde werden, sich diesen wertvollen und
-dankbaren Aufgaben zu widmen.
-
- _Arndt Ludwig._
-
-
-
-
-»Gäste«
-
-Ein Intermezzo von _E. Finck_, Annaberg
-
-
-In unserem Bergstädtlein Geyer, das durch seine sonnigen Bilder den
-Naturfreund zu sich lud, ist es im Erzgebirgsverein seit seinem
-ersten Vergnügen im Jahre 1907 zur Überlieferung geworden, daß dieses
-eine Saalvergnügen im Jahre einen Höhepunkt bedeute. Im Sinne der
-Bestrebungen des Heimatschutzes haben wir uns immer angelegen sein
-lassen, durch die Idee des Festes, den Inhalt der Einladungen und
-die Darbietungen des Abends echt heimatlich bodenständig zu bleiben.
-Die Idee durfte nur erzgebirgisches Leben, einheimische Sitten und
-Gebräuche zu ihrer Grundlage haben. Wir erreichten dies durch die
-»Schinnelbacher Kirmes«, »Eigeschneit in der böhmschen Mühle«,
-»Sommerausflug nach dem Fichtelberg«, »Wintersportfest«, »Rockenabend«
-und anderes. Auf die Idee und die Absicht der Veranstalter wies immer
-die »Eiloding« hin, die überhaupt den Auftakt zum Vergnügen fürs
-Städtlein bedeutet. Und die Darbietungen im Einzelvortrag zur Laute
-und im Chor umrahmten einen der derb-humoristischen Einakter oder
-einen dem Feste entsprechenden Reigen unserer Damen. Nebenher gingen
-Verlosungen und Glücksradserien, zu denen uns die »Volkskundliche
-Bude« des Landesvereins wertvolle Anregungen und Jahr für Jahr die
-wohlgelungenen Auswahlsendungen bot. Wir können immer nicht genug
-Nieten schaffen, so begehrt sind Lose und Gewinne!
-
-Die Dezembertage des Vorjahres brachten uns nun die Einweihung unseres
-neuen Rathauses und somit die Idee unseres ersten Vergnügens im neuen
-Saale: »Alt-Geyer in neie Rathaus«.
-
-»Mr hobn uns nu gedacht, wos de altn Geyerschen fir Aagn machn tätn,
-wenn die itze noch emol of dr Walt käme, wenn die ’s neie Rathaus un ’s
-Staadtle sahe tätn, un weil mr alle ’s Maul un de Nos ewing aufsperrn
-warn, denkn mr uns alle in dar Roll dr altn Geyerschen nei un feiern
-unner Fast: ›_Alt-Geyer in neie Rathaus_‹« sagte die »Eiloding«.
-
-Und wie hatten sich alle in ihre Rollen hineingedacht. Allen Anregungen
-der Veranstalter war man bereitwilligst nachgekommen. Über Empire-
-und Biedermeierzeit, zur Urgroßmutter- und Großmutterzeit war so
-manches Belegstück vergangener Mode ans Tageslicht gezogen worden.
-Typische Handelsleute des Obererzgebirges, Bergleute, Bergherren,
-Postillion und Vertreter der klassischen Zeit -- alle hatten den Ruf
-vernommen, so daß die, welche die Gegenwart in nüchterner Ballkleidung
-verkörperten, in der Minderheit blieben. Fast eine Stunde dauerte der
-Eintritt immer neuer Typen, bis endlich auch die »Tante aus Drebach«
-mit gestickter Reisetasche, Mantille und vorsintflutlichem Regenschirm
-sich eingefunden hatte, und eine Sänger-Knappschaft durch frischen
-»Glückauf«-Gesang und geschickt geführten Aufmarsch den ersten Teil des
-Abends beendete.
-
-Jetzt kam die Jugend zu ihrem Rechte und tanzte nach alten schönen
-längst verklungenen Weisen die Tänze unserer Väter und der eigenen
-Jugend, wie schwer es manchem der heutigen Jugend auch gefallen
-sein mag, um den die Mitte des Saales einnehmenden Kachelofen mit
-Ofenbänken, der nun auch dieses Fest mit erleben durfte.
-
-Unterdessen bereitete sich im Stillen der Höhepunkt des Abends vor. Die
-»Eiloding« verkündete
-
- »Mr kenne Eich aa verrotn, doß dr alte _Lotter_ ’s neie Rathaus
- asahe will mit seiner Fraa, die doch aa e geburne Geyersche
- is, vun alten Bauer -- Gott hobne salig -- de Ältste. Un dr
- _Evans_ will kumme, dr Stülpner-Karl is aa in dr Näh, un de
- altn Geyerschen Stadtrichter, dr _Blüher_ un dr _Blumenhöfer_,
- hom aa schie zugesaht.«
-
-Ein paar einführende Worte des Vorstehers, darauf Lautenklang und
-Gesang der Hauskapelle, und nun als Mißklang an der Saaltür laute
-Stimmen, Wortwechsel eines, der ohne Festkarte Zutritt haben will,
-mit dem Wächter, der doch endlich sich zu beruhigen scheint und mit
-lauter Stimme und Kuhglocke den Vorstand ruft. So beginnt die feine
-wohldurchdachte Arbeit unseres Führers in volkskundlichen Dingen im
-Obererzgebirge, des Leiters des Erzgebirgs- und Altertumsmuseums in
-Annaberg, des Herrn Oberlehrer _E. Finck_. »Gäste« nennt er sie, »ein
-Intermezzo, das mitten in die Geyersche Gesellschaft hineingreift.«
-
-Die ob der Störung entrüsteten Bürger und Frauen weisen den lärmenden
-Wächter zur Ruhe. Das ruft den Vorstand auf den Plan. Es entspinnt
-sich eine regelrechte Verhandlung, in die die Frau Vorsteher, der
-Kassierer und der Schriftführer, ihre Rechte wahrend, eingreifen. Das
-erlösende Wort findet der Vorsteher, indem er den draußen Harrenden
-hereinholen läßt und in ihm Karl Stülpner erkennt. Ihm legt nach
-der Begrüßung der Verfasser Worte in den Mund, die gerade deshalb,
-weil sie Stülpner spricht, so überaus ergreifend und wirkungsvoll
-sich gestalten. Er geißelt die jetzige Zeit mit ihren Irrungen und
-Wirrungen und leitet so über zu den Vorgängen, die sich nun auf der
-Bühne abspielen. Im selben Gespräch über die Zeitläufte sind Pfarrer
-Blüher, der Geschichtsschreiber Geyers, und Evan Evans, der »Vater
-der sächsischen Baumwollspinnerei«, eingetreten und werden vom
-Vorsteher mit dem Hinweis auf den Segen, der ihrer Tätigkeit entsproß,
-eingeführt. Eine mit Bezug auf den Ortsnamen von Stülpner wegen des
-teuren und schlechten Tabaks angewandte wegwerfende Redensart ruft die
-darob entrüstete Frau Vorsteher und den Schriftführer auf den Plan, der
-bewußt seiner Würde das »I« und »Y« im Ortsnamen nicht zu verwechseln
-bittet.
-
-Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz
-Blumenhöfer mit dem einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen,
-dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber bei ernstem
-Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch
-der Vorsteher belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt:
-
- »Was hat damals durch den einen Toren
- unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,«
-
-durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die
-Namen der Exulanten verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen
-Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die Hände der Kaiserlichen
-fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für
-den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich
-beigelegt wird und zur Entschuldigung und stummen Verzeihung führt.
-
-Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau
-Käte, einer geborenen Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum
-Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, die durch abschließende,
-den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte
-des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch
-gemeinschaftlichen Gesang des Liedes »O Täler weit, o Höhen« dem Wald
-als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder zum Rathaus
-ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird.
-
-Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter
-den Festteilnehmern, nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch
-den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben zu den Gefilden, von
-dannen sie kamen.
-
-Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer
-zuteil, der aus dem Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach,
-da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, Volkstum und Mundart
-nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte,
-da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als
-Hausierer und Bettler und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb,
-unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige Geyer der Gegenwart,
-auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft
-voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß
-und Mittelpunkt war. Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der
-über dem ganzen lagernden Feststimmung kein Abbruch geschah. Und die
-Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig seine
-Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich
-war, das Vergnügen aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als
-etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend in des Wortes wahrster
-Bedeutung.
-
- ~L.~
-
-
-=Über Orts-, Straßen- und Hausnamen= lesen wir in der »Schwäbischen
-Chronik« bemerkenswerte Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen:
-»Zahlreiche neue Siedelungen, namentlich für Kriegsbeschädigte und
-Kriegsteilnehmer, sind geplant und werden in den nächsten Jahren
-entstehen. Den schon vor dem Krieg entstandenen wurden teilweise recht
-inhaltlose Namen gegeben. Entweder waren es Benennungen nach den
-Himmelsrichtungen (Südheim, Ostau, Westdorf, Nordheim) oder sonstige
-unschöne Bezeichnungen, wie Fabrikdorf, Hafenau usw. Für die neuen
-Siedelungen sollten bei der Namensgebung nur bewährte _bodenständige
-Namen_ Verwendung finden. Am natürlichsten wirken stets die
-Bezeichnungen, die auf die _alten Flur- und Markungsnamen_ zurückgehen,
-auf deren Gebiet die Siedlung angelegt wird. Oft läßt sich der Flurname
-ohne weiteres auch als Ortsname verwenden. Wo das nicht möglich ist,
-helfen die alten Endungen: -hausen, -hohen, -ingen, -heim, -stetten.
-Empfehlenswerter als diese Bezeichnungen sind jedoch Endungen, die auch
-die Lage der neuen Siedelung auf einem Berg, an einem Hang, in der
-Nähe einer Quelle, am Waldrand, im Wiesental usw. zum Ausdruck bringen.
-Hier seien nur einige zur Namenzusammensetzung geeignete Wörter
-aufgezählt: Berg, Eck, Horn, Halde, Bronn(en), Brunn(en), Wald, Busch,
-Holz, Wiese, Tal, Au, Heide, Ort, Lust. Wo kein passender Flurname
-vorhanden sein sollte, empfehlen sich Bezeichnungen nach der Lage,
-wobei sich aus den vorstehend aufgezählten Wörtern sehr klangvolle
-und ansprechende Namen zusammensetzen lassen: Waldlust, Bergeck,
-Buschhalden u. a. Zur Namengebung sind ferner die Namen von Tieren oder
-von Früchten vorzüglich geeignet, die im Siedelungsgebiet besonders
-stark vertreten sind. Wie vielsagend und anheimelnd wirken Namen wie
-Fuchsbau, Rehberg, Finkenwiese, Amseleck, Käferholz, Kirschhofen,
-Dinkelsbühl.
-
-Aber nicht nur für die Siedelung selbst gilt es, schöne und mit
-der Natur verbindende Namen zu prägen, sondern auch die _Straßen_
-in den neuen Siedelungen müssen derartige Namen bekommen. Wie öde
-wirkt eine Friedrich-, Heinrich-, Olga-, Karl- oder Marienstraße!
-Hoffentlich werden unsere neuen Siedelungen nicht nur Straßen besitzen,
-sondern auch kleine einspringende Höfe, Winkel usw. und es werden
-die daranliegenden Häuser auch mit entsprechenden Namen versehen,
-z. B.: Im Schwarzhof, an der Waldach, im Winkelgarten, unter den
-Weiden, beim Apfelnest. Wie noch jetzt auf dem Land jeder Hof seinen
-besonderen Namen trägt und in den alten Stadtteilen viele Häuser ihre
-eigenen Namen haben, so sollten auch die Bewohner von Eigenheimen
-die alte Sitte wieder aufleben lassen und _ihr Heim mit besonderen
-Namen schmücken_. Wie anders klingt es und um wieviel behaglicher und
-gemütvoller ist es, im Waldeck, Eichenhof, Fichtenheim, Kirschgarten
-oder Heidenest zu wohnen, als in der Langestraße Nr. 119 oder in der
-Kanalgasse Nr. 111!« --
-
-
-
-
-Gedenkblatt zur Erinnerung an die im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen
-
-
-[Illustration]
-
-Wir haben bereits in Heft 1/3, Band IX (1920), Seite 53 unserer
-»Mitteilungen« auf das preisgekrönte, vom Professor Arno _Drescher_
-stammende Gedenkblatt hingewiesen. Das Blatt war 120 Zentimeter
-lang, 74 Zentimeter breit und hatte somit eine Größe, die für viele
-Vereine ungeeignet war, weil in ihren Vereinsräumen der Platz zur
-Unterbringung fehlte. Ganz von selbst sind viele Vereine daher auf den
-Gedanken gekommen, die Felder links und rechts wegzulassen und nur das
-Mittelblatt, so, wie wir es hier abbilden, sich anzuschaffen. Die Namen
-der Gefallenen lassen sich in dem freien Felde zugleich mit dem Namen
-des Vereins unterbringen. Für das Vereinszeichen ist über dem Oval ein
-Platz gelassen.
-
-Auf diese Weise ist es möglich, in solchen Fällen, wo wenig Mittel zur
-Verfügung stehen, ein bescheidenes Denkzeichen an die zu errichten,
-die im Glauben an eine glückliche Zukunft ihres Vaterlandes ihr Leben
-ließen.
-
-Das Blatt ist zum Preise von 25 Mark durch unsere Geschäftsstelle
-Dresden-A., Schießgasse 24, I zu beziehen. Eine Bestellkarte liegt bei.
-
-Das Blatt eignet sich zur Anschaffung für Vereine, für Schulen, für
-Geschäftsräume und macht in geschmackvollem, einfachem Rahmen einen
-sinnigen, dem Zweck entsprechenden würdigen Eindruck.
-
-
-
-
-Heimatschutz -- Heimatkunst -- Heimatdichtung!
-
-
-In unzertrennbarer Einheit ranken sich diese drei Kultur- und
-Kunstbegriffe aneinander empor, heben und stützen sich, um in
-wechselseitiger Befruchtung und Ergänzung dem einen großen Gedanken
-zu dienen, die der breiten Masse verlorengegangene Liebe zur Heimat
-und Scholle wiederzugewinnen, Rückkehr zur bodenständigen Kunst.
-In trefflicher Weise äußerte sich bereits 1900 der Bahnbrecher und
-Vorkämpfer der Heimatkunst, der bekannte Dichter Friedrich Lienhardt:
-»Heimatkunst ist eine Selbstbesinnung auf heimatliche Stoffe; in
-erster Linie aber ist sie Wesenserneuerung, ist sie eine Auffrischung
-durch Landluft. Mit dieser Geistesauffrischung wird freilich auch
-eine andere Stoffwahl, eine andere Sprache und Technik Hand in Hand
-gehen. Wir wünschen nicht Flucht vor der Moderne, sondern eine
-Ergänzung, eine Erweiterung und Vertiefung nach der menschlichen Seite,
-wir wünschen ganze Menschen mit einer ganzen und weiten Gedanken-,
-Gemüts- und Charakterwelt, mit modernster, und doch volkstümlicher
-Bildung, mit national- und doch welthistorischem Sinn.« Und der
-bekannte Literaturhistoriker Adolf Bartels schrieb in gleichem Sinn:
-»Dilettantische örtliche Kunst ist sie durchaus nicht, sie wendet sich
-an das ganze deutsche Volk und strebt den strengsten ästhetischen
-Anforderungen Genüge zu leisten.« Wohl ist die seit Jahrzehnten
-gestreute Saat prächtig gediehen und hat in weiteren Kreisen Wurzel
-geschlagen, die große Stunde der Selbstbesinnung auf die Heimat für
-die breite Masse aber ist noch nicht gekommen, doch liegt sie gewiß
-nicht zu fern. Alle Gebiete stellen sich dieser großen Bewegung
-zur Verfügung. Nicht zuletzt die Literatur. Sie stand zwar schon
-lange, bevor man von einer Heimatschutzbewegung sprechen konnte,
-in deren Dienst. Die letzten Jahrzehnte aber zeitigten in inniger
-Liebe und Treue zur Heimat unvergängliche Heimatdichtungen, ganz in
-Lienhardts und Bartelschem Geist. Wohl jeder deutsche Gau hat seine
-Heimatdichtungen und -dichter mit mehr oder weniger Berufung zu der
-hohen Aufgabe, Sänger der heimatlichen Schönheit und Eigenart zu sein.
-Wir Sachsen haben unter anderem in unserem Gerhard Platz einen geist-
-und gemütvollen Plauderer und Erzähler. Sein treffliches, mit einem
-liebevollen Vorwort von Professor Paul Schumann versehenes Buch »Vom
-Wandern und Weilen im Heimatland« (Dresden, Sächsischer Heimatschutz,
-gebd. M. 12,--) ist echte geistige Heimat- und Volkskost, deren
-Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Doch auch andere
-Verleger und Dichter pflegen mit besonderer Hingabe die »Heimatkunst
-als Grundlage einer sonnigen und stolzen Höhenkunst gegenüber dem
-engen und stumpfen Stubenproblem« einer modernen, dekadenten und
-mißmutigen Kunst. Unserem heutigen Heft liegt ein Verlagsverzeichnis
-der _Lehmannschen Verlagsbuchhandlung in Dresden-N. 6_ bei, das der
-besonderen Beachtung unserer geschätzten Leser gewürdigt zu werden
-verdient. Unter den vielen empfehlenswerten Erscheinungen dieses
-Verlages, die sich durchgängig bei niedrigem Preis durch mustergültige
-Ausstattung vorteilhaft auszeichnen, erheischen einige doch besondere
-Erwähnung. Bünau führt uns mit seinem köstlichen Novellenband »Der Mut
-des Egidi Duldmann« in eine alte fränkische Stadt am Main. Wohl dem
-deutschen Nest, das so erlebt wird, wie diese alte Bischofsstadt! Hier
-zeigt sich echte Meisterkunst in unheimlicher Kraft in Schilderung,
-Aufbau und Sprache. -- In das jetzt im Brennpunkt der Tagesfragen
-stehende Oberschlesien versetzt uns Robert Kurpiun mit seinem Roman
-»Der Mutter Blut« und seinen Novellenbänden »Ultimo« und »Bunt
-Volk«. Wie keiner vor und neben ihm erschaut er feinfühlig die Seele
-seines Landes und Volkes und bietet uns in allen seinen Dichtungen
-eine edle herzerquickende und -stärkende Heimatkost. Jede seiner
-Dichtungen erringt unser volles Interesse, gleichviel, ob er in seinen
-Novellenbänden uns Leute aus dem Volke und Mittelstand menschlich
-liebevoll nahebringt, oder ob er in »Der Mutter Blut« das große
-deutsch-polnische Rassenproblem anschneidet. Stets bleibt er der
-»Rosegger Oberschlesiens«, der Sänger seiner Heimat und schenkt uns
-Dichtungen voll Erdgeruch und Heimatduft. -- In der Bücherei eines
-jeden guten Deutschen verdient das Buch »Norika« seinen Platz und
-wird ihr zur Zierde gereichen. Das vor fast hundert Jahren erstmalig
-erschienene Buch wurde lange für eine echte Chronik aus dem 16.
-Jahrhundert gehalten, so lebenswahr ist der Ton von Nürnbergs größter
-Zeit getroffen. Meisterhaft sind die Schilderungen aus dem Kreise
-Albrecht Dürers, Hans Sachsens, Peter Vischers, Kraffts usw. Diese
-Ausgabe enthält die Hauptwerke Alt-Nürnberger Kunst in 26 Kunsttafeln.
--- Für Dresden und Sachsen haben die Stübelschen Werke, die bei
-Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregten, ganz besonderes Interesse:
-»Chodowiecki in Dresden und Leipzig«, das Reisetagebuch des Künstlers
-vom 27. Oktober bis 15. November 1773, und »Goethe, Schuster Haucke
-und der Ewige Jude«. -- Besonders Bibliophile seien auf die Sammlung
-»Deutsche Dichterhandschriften« aufmerksam gemacht. Hier ist der schöne
-Gedanke verwirklicht: einzelne Dichtungen unserer Großen in deren
-Handschrift wiederzugeben. Bei diesen Bänden spürt man deutlich: nur
-des Autors Handschrift vermag den Leser in jene persönliche Beziehung
-zu ihm zu bringen, die der Weg in das Wesen des Dichters ist. Man
-erhält Einblick in die Eigenart seines Schaffens, in seines Geistes
-Werkstatt.
-
-Es empfiehlt sich jedenfalls, all diesen Erscheinungen, denen sich
-außer den vorstehend erwähnten noch manches nicht minder gute Werk aus
-allen schönliterarischen Gebieten würdig beigesellt, das Interesse
-nicht zu versagen.
-
- ~K. W.~
-
-
-
-
-Bücherbesprechungen
-
-
-=Wochenabreißkalender »Unsre Heimat« 1921.= Herausgeber: _Sächsischer
-Pestalozzi-Verein_. Preis M. 6,--.
-
-Kreuz und quer führt uns der nun schon zum vierten Male erscheinende
-Bildkalender durchs deutsche Vaterland. Mit besonderer Liebe aber
-verweilt er bei der sächsischen Heimat. Ist’s ein Wunder? Sind es doch
-lauter sächsische, vorwiegend Dresdner Künstler, die dem Beschauer
-hier zeigen, was es alles zu sehen gibt in der Nähe und in der Ferne
-im armen und doch noch reichen Vaterland. Ein rechter Ansporn sind
-diese künstlerisch hochwertigen Bilder besonders für unsere Jugend,
-selbst einmal zum Wanderstab zu greifen und auch ihrerseits auf solch
-glückselige Entdeckungsfahrt auszugehen. Gute und kernhafte Sprüche
-aus dem Munde großer Deutscher heben den Wert des Kalenders. Auch die
-Erläuterungen zu den Bildern sind bei aller Kürze ein guter Führer zum
-Verständnis der dargestellten Landschaft.
-
-
-»=Wegwart=«. _Jugendkalender des Sächsischen Pestalozzi-Vereins_, 2.
-Jahrgang 1921. Preis M. 2,80.
-
-Ein rechtes und tüchtiges Büchlein voll Freundschaft und Verstehen
-fürs Herz der heranwachsenden Jugend. Aufsätze aus der Feder echter
-Idealisten wie Max Schmerler, Friedrich Richter, Hans Kappler, der
-Malerwanderer, werden Gutes im Kinderherzen wirken. Und wem lacht
-nicht das Herz, liest er das prächtige Kapitel von den Christbäumen,
-die singen können? Treue, gutgemeinte Ratschläge aus der Feder
-berufner Pädagogen, verständnisvolle Einführung in Naturgeschichte und
-Sternenkunde, Anleitung zu Handfertigkeit und froher Geselligkeit --
-alles so gut und lobenswert. Nur bei dem Kapitel von der Sonnenfreude
-fiel mir eins auf: »Ohne die Sonne«, steht da geschrieben, »ist der
-Tod. Alles Bestehende ist ihr Werk.« -- -- -- Und wessen Werk ist die
-Sonne? Wollen wir nicht an unserm Teil darnach trachten, daß unsre
-Jugend, unser Volk, auch wieder im Geiste sich dem zuwendet, der die
-Sonne gemacht?
-
- G. Platz.
-
-
-_Paul Thomas_, Schuldirektor in Schlettau, »=Kriegschronik der Stadt
-Schlettau im Erzgebirge=«. Eine Heimatgeschichte der Jahre 1914--1920,
-zugleich eine allgemeine Geschichte des inneren Krieges. Selbstverlag
-des Verfassers. Schlettau 1920. Broschiert M. 15,--.
-
-Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren
-Krieges« von Wert über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es
-geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, passend für die dunklen
-Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des
-versunkenen Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot
-besserer Zeiten leuchtet daraus seine goldene Aufschrift. Hätten doch
-alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, was des
-Einzelnen Heimat in den Jahren 1914--1920 durchlebte, der Nachwelt so
-festgehalten! Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser
-mit ungeheurem Sammlerfleiß alles Denkwürdige zusammengetragen, Großes
-und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und Drückendes, beides
-innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen
-dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte
-mit klaren Einblicken ins ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang.
-Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Abschnitte des 375 Seiten
-starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast 50
-Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen
-besonders anregen: Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage,
-Freiwillige vor!, die Mobilmachung der Phantasie, die Mobilmachung
-der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen,
-Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung
-(ein bedeutsames und erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche,
-Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft im
-Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch
-weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins-
-und Wirtshausleben) wird, zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir
-erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution erlebte. Ein ganzer Teil
-zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit
-in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem
-Kriegssozialismus erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege
-und Vergleiche, ein anschauliches Bild.
-
-Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen:
-»Das Heldenbuch von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon
-der Anhang der Kriegschronik: »Wie unsere Schlettauer ihr Eisernes
-Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch selbst
-zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau,
-besonders denen in der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm
-empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien des Erzgebirges dürfte sie
-nicht fehlen!
-
- Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz).
-
-
-=Alt-Bautzen.= Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. _Hans Richter_.
-Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis
-M. 15,--.
-
-Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen
-Nürnberg finden wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen
-vereint. In flotter anschaulicher Weise sind sie dargestellt,
-Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die
-Bautzen lieben ob seiner Schönheit.
-
-
-_Cornelius Gurlitt._ =Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler.=
-Broschiert M. 14,--, Gebunden M. 19,--.
-
-Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem
-Titel ein neues kleines Werk des genannten Verfassers erschienen.
-Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher und insbesondere
-sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt,
-nicht Kunstgeschichte oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll
-vielmehr das Buch den berufenen Hütern des Kunstbesitzes unserer
-Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein Ratgeber
-und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der
-Gebäude sowohl, wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es
-soll aber weiter auch darüber hinaus das Verständnis und die Liebe zu
-diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in unserer
-heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das
-kleine Werk wird aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen
-hinaus jedem Freunde und Sammler alter Kunstwerke gar vieles bringen,
-denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso der alte
-Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns.
-
-Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich
-mit der Umgrenzung der Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt
-in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit und Schönheit im Bau von
-Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde wird
-weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute
-Worte in den folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner
-Denkmalpflege ausgeführt werden. Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt
-das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, daß Gurlitts
-schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut
-annimmt, den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die
-mit dem Gute übernommene Verpflichtung nicht durchhält,« in weitestem
-Maße Beherzigung finden möchten.
-
-Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der
-heutigen Denkmalpflege in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände
-zusammengestellt. Praktische Winke für Bau und Umbau von Kirchen, Wahl
-des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier den
-Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher
-Baudenkmäler gemeinhin, von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage
-und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. Im vierten Abschnitt
-endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als
-Denkmalpfleger heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher
-Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich behandelt wird, möchte
-von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen
-Kunstwerke unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird
-gerade hier und oft in bester Absicht gesündigt. Falsche Behandlung
-ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis
-dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat,
-und eindringlich betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in
-schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne sachverständige Beratung
-zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren
-Überwachung gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch
-vor allem gewesen, der in den deutschen Staaten fast überall und
-neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger
-(Landeskonservatoren) führte.
-
-So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die
-Bestrebungen der Denkmalpflege und des Hand in Hand mit ihr gehenden
-Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint aber auch noch
-in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes:
-»Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«.
-
- ~Dr.~ _Bachmann_.
-
- * * * * *
-
-=Der Sächsische Bergsteigerbund und seine Ziele.= Der 1911 gegründete
-S. B. B., der zurzeit neben zahlreichen Einzelmitgliedern mehr als
-200 Berg- und Wandersport treibende Vereinigungen umfaßt, hat mit
-Wiederkehr friedlicher Verhältnisse die Anstrengungen zur Erreichung
-seiner Ziele verdoppelt. Zu den Aufgaben, die sich dieser Bund
-gestellt hat, zählt insbesondere auch die Bekämpfung der Unsitten, die
-unter einem großen Teil der Besucher der Sächsischen Schweiz und der
-angrenzenden Gebiete eingerissen sind. Der in den letzten Jahrzehnten
-immer mehr anwachsende Massenbesuch dieser Gegenden hat bekanntlich
-recht unerfreuliche Begleiterscheinungen gezeitigt: Durch wüstes Lärmen
-wird die Stille der Natur entheiligt, das Landschaftsbild wird durch
-Umherwerfen von Papier, Flaschen und anderem Unrat, durch Verwüsten
-von Schonungen und Lostreten des lockeren Erdreiches an Steilhängen
-mit samt dem Pflanzenreich geschändet; ein Greuel für jeden Menschen
-von Geschmack ist auch die Kleidung, die von einem Teil der Besucher
-dieser Gegenden getragen wird, Zipfelmützen und andere Narrengewandung
-wetteifern mit Salontiroleranzügen um den Preis der Geschmacklosigkeit.
-Hier nun will der S. B. B. Wandel schaffen durch ein gutes Vorbild,
-durch unausgesetzte Aufklärung und Belehrung in Wort und Schrift,
-nötigenfalls auch mit noch wirksameren Mitteln will er die Besucher
-der heimischen Berge zu einem Wohlverhalten in der Natur erziehen.
-Als wichtigstes Hilfsmittel zur Durchführung dieser Bestimmungen hat
-sich der Bund im Sommer 1919 eine monatlich erscheinende Zeitschrift,
-die »Mitteilungen des S. B. B.« geschaffen. (Zu beziehen durch die
-Geschäftsstelle des S. B. B. Dresden, Johannesstraße 21.) Dieses Blatt
-will insbesondere durch Erweckung und Vertiefung der Heimatliebe
-veredelnd wirken.
-
-Eine Wendung zum Besseren im Betrieb des Berg- und Wandersportes
-in unserer Bergwelt ist in letzter Zeit schon unzweifelhaft
-festzustellen gewesen; um durchgreifende Wandlung zu erzielen, dazu
-bedarf es noch längerer hingebender Arbeit und der Unterstützung der
-Bundesbestrebungen durch die weitesten Kreise. Zu näherer Aufklärung
-ist Interessenten gegenüber stets bereit der Presseausschuß des
-S. B. B., vertreten durch Herrn ~Dr.~ Pfeilschmidt, Dresden-A.,
-Reichenbachstraße 13.
-
-
- Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt;
- Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, beide in Dresden.
-
-
-
-
-Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch
-vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen:
-
- Band III ungebunden M. 7.--, gebunden M. 20.--
- " IV " " 10.-- " " 25.--
- " V " " 7.-- " " 20.--
- " VI " " 7.-- " " 20.--
- " VII " " 7.-- " " 20.--
- " VIII " " 7.-- " " 20.--
- " IX " " 7.-- " " 20.--
-
-=Wir gestatten gern Ratenzahlungen.=
-
-=Bestellkarte anbei.=
-
-Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden-A., Schießgasse 24.
-
-
-
-
-Vom Wandern und Weilen im Heimatland
-
-Von =Gerhard Platz=
-
-Dresden 1920
-
-des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei
-
-Band I
-
-320 Seiten -- Großoktav
-
-_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereines Sächs. Heimatschutz
-M. 12.--_
-
-_Bestellkarte in diesem Hefte_
-
-Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast
-in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften
-aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die
-er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz
-möchten wir wandern. So ist es verständlich, daß wir in dem ersten
-Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten
-Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in
-wenigen Stücken vorhanden.
-
-Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden-A., Schießgasse 24.
-
-
-Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
- Korrekturen:
-
- S. 33: einschlossen → eingeschlossen
- abgeschlossen doch nicht {eingeschlossen}
-
- S. 59: Hiddensoe → Hiddensee
- {Hiddensee} auf Rügen und die Mellumplatte
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER
-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 ***
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the
-United States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for an eBook, except by following
-the terms of the trademark license, including paying royalties for use
-of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for
-copies of this eBook, complying with the trademark license is very
-easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation
-of derivative works, reports, performances and research. Project
-Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may
-do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected
-by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark
-license, especially commercial redistribution.
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-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
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-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
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- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
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-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
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-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
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-License terms from this work, or any files containing a part of this
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-electronic work, or any part of this electronic work, without
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-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
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-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
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-version posted on the official Project Gutenberg-tm website
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-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
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- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
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- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
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- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
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- Literary Archive Foundation."
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- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
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- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
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- works.
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- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of
-the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set
-forth in Section 3 below.
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-received the work on a physical medium, you must return the medium
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-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
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-or entity providing it to you may choose to give you a second
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-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
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-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
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-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation's website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without
-widespread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
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-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
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-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
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-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
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-This website includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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