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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X, - Heft 1-3 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: October 10, 2021 [eBook #66504] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 1 bis 3 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band X - - _Inhalt_: Der Rochlitzer Berg -- Der Einfluß der - Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer Berges - -- Die Vogelwelt unserer Obstalleen -- Das Tännichttal im - Tharandter Wald -- Gauernitz -- Frühlingsboten -- Über - das Vorkommen der Biber in Sachsen -- Frau Lina Hähnle - zum 70. Geburtstag -- Oberlehrer Bruno Lange, Strehla † - -- Gäste -- Heimatschutz, Heimatkunst, Heimatdichtung -- - Bücherbesprechungen -- Verschiedenes - - Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen - Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und - Büchereien M. 10.--. Mitglieder erhalten die Mitteilungen - kostenlos, Mindestjahresbeitrag M. 10.-- - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Dresden 1921 - - - - -Heimatschutzvorträge mit Lichtbildern - - -_Dresdner Vorträge_ - -abends punkt ½8 Uhr im großen Gewerbehaussaale - -_Vortragsfolge_: - -_Mittwoch, den 20. April_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Martin -Braeß_: »=Die volkstümlichsten Tiere der deutschen Märchen und Fabeln=« --- _Mittwoch, den 27. April_: Professor ~Dr.~ _Martin Große_: »=Die -Lommatzscher Pflege=« -- _Mittwoch, den 4. Mai_: Hofrat Professor _O. -Seyffert_: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« -- _Mittwoch, den 11. -Mai_: _Edgar Hahnewald_, Dresden: »=Wandern als Erlebnis. Bilder aus -Dresdens Umgebung=« -- _Mittwoch, den 18. Mai_: »=Volksliederabend=«: -Kammersänger ~Dr.~ _Waldemar Staegemann_ -- _Mittwoch, den 25. Mai_: -Professor _Franz Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende -Steine. Bilder aus deutscher Vergangenheit=« -- _Mittwoch, den 1. -Juni_: Hofrat Professor ~Dr.~ _Arno Naumann_, Dresden: »=Natur- und -Kulturdenkmäler im östlichen Erzgebirge=« - -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des -Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,-- - -Karten-Hauptverkaufsstelle: Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24 - - -_Leipziger Vorträge_ - -abends punkt ½8 Uhr im großen Festsaale des Zentraltheaters - -Vortragsfolge: - -_Freitag, den 15. April_: Fabrikbesitzer _J. Ostermaier_, Dresden: -»=Auf Blumenpfaden durch die Alpen. Schutz den Alpenpflanzen=« -- -_Freitag, den 22. April_: Schuldirektor ~Dr.~ _Zinck_, Leipzig: »=Im -Reiche des Rochlitzer Porphyr=« -- _Freitag, den 29. April_: Hofrat -Professor _O. Seyffert_, Dresden: »=Modeschönheiten, Modetorheiten=« -- -_Freitag, den 6. Mai_: Oberstudienrat Professor ~Dr.~ _Kittel_, Borna: -»=Das Bornaer Land=« -- _Freitag, den 13. Mai_: Musikdirektor _Bernhard -Schneider_, Dresden, unter Mitwirkung von Fräulein _Ruth_ und _Hannah -Schneider_, sowie des Herrn _Albert Klug_, Dresden: »=Gassenhauer, -Bänkelsang und Volkslied=« -- _Freitag, den 20. Mai_: Oberstudienrat -Professor ~Dr.~ _Martin Braeß_, Dresden: »=Junges Volk, Bilder aus der -Kinderstube der Tiere=« -- _Freitag, den 27. Mai_: Professor _Franz -Goerke_, Direktor der »Urania«, Berlin: »=Redende Steine. Bilder aus -deutscher Vergangenheit=« - -Karten, gültig für alle sieben Vorträge, für Mitglieder des -Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 7,-- - -Karten-Hauptverkaufsstelle Zementbau Rud. Wolle, Leipzig, -Gottschedstraße 17 - - - - - Band X, Heft 1/3 1921 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den -Vorstand herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. Februar 1921 - - - - -Der Rochlitzer Berg - -Von _W. C. Pfau_, Rochlitz - -Mit Abbildungen nach Aufnahmen von _Rud. Zimmermann_ - - -Im Rochlitzer Berg besitzt unser Sachsenland ein höchst bemerkenswertes -Naturdenkmal, dessen Schönheit Sommer und Winter Tausende von -schaulustigen Wandersleuten anlockt. Fruchtbare Felder und grünende -Wiesen überziehen zum großen Teil die leichtgeneigten Abhänge; die -waldgekrönte Kuppe hingegen ist durch mächtige Steinbrüche mit glatten, -senkrecht aufsteigenden, im Laufe von Jahrhunderten bis über dreißig -Meter aus dem Felsenboden mühsam herausgeschrotenen Wänden, in deren -Nähe sich gewaltige, oft unter Holzbestand oder unter Moos- und -Grasdecken verborgene Schutthalden auftürmen, zerrissen und zerklüftet. -Hier an diesen einsamen Arbeitsstätten gewinnt man seit undenklichen -Zeiten einen aus vulkanischer Asche entstandenen Porphyrtuff, dessen -rote, von zahllosen Adern durchzogene Grundfärbung mitunter in Gelb, -Violett, Bronzebraun ausklingt; es gewährt einen ungemein malerischen -Anblick, wenn grelle Sonnenstrahlen bei blauem Himmel jene mit frischem -Grün oder mit leuchtenden, weißen Schneeleisten belebten roten -Felsgebilde feurig erglühen lassen. In seinem Farbengepräge steht der -»Rochlitzer Sandstein« zum mindesten für ganz Mitteldeutschland einzig -da; als ebenso eigenartig erscheint die Geschichte des zugehörigen -Berges und seines Steinmetzentums. - -Wann an dieser Stelle der erste Stein gesucht und verarbeitet -wurde, werden wir nie genau anzugeben vermögen; sicher geschah -es zu einer Zeit, als sich dort noch Meister Petz behäbig -herumtrollte, als das Röhren des grimmen Schelches, das Heulen -gieriger Wolfsrudel, das Gebrüll des ungeschlachten Urs schauerlich -durch den dichten Forst schallte, als der tückische Luchs in dem -knorrigen Geäst vielhundertjähriger Eichen nach Raub äugte und -der reckenhafte Ureinwohner mit Keule und Steinaxt den offenen -Kampf mit den angestammten Herren der Jagdgründe aufnahm oder aus -sicherem Hinterhalt auf das flüchtige Wild den todbringenden, mit -Feuersteinspitze bewehrten Pfeil abschnellte. Nach Ausweis neuerdings -gemachter einschlägiger Funde war der Rochlitzer Berg bereits in -urgeschichtlicher Zeit, lange bevor die Welt etwas vom Christentum -wußte, ein vielbesuchter Ort. Beile, Pfeilspitzen aus Stein, -geschlagene Steinspäne und dazugehörige Kernstücke, Urnenscherben u. -a. wurden wiederholt auf dem Berg, zumal auf den Feldern in der Nähe -der Waldessäume nachgewiesen. In der Bronzezeit, etwa ein Jahrtausend -vor des Erlösers Geburt, verarbeiteten unsere heidnischen Vorfahren den -dortigen »Porphyr« bereits zu schönen Getreidemahlsteinen, die in der -weiteren Umgebung Absatz fanden. Ein reger Verkehr wegen verschiedenen -gesuchten Steinmaterials muß sich schon damals in diesem Muldenstrich -entwickelt haben. Man holte auch Garbenschiefer, der ebenfalls am -Rochlitzer Berg vorkommt, zu Steinsetzungen zu entlegeneren Gräbern, -und der sogenannte Gnandsteiner Bandjaspis, welcher nur in der -Kohrener Gegend ansteht, läßt sich auf prähistorischen Fundstellen -über Rochlitz, Wechselburg hinaus bis in die Pflegen von Colditz, -Waldheim, Ringethal als Artefakt ziemlich oft feststellen. Auch die -Wenden trieben ihr Wesen auf dem Rochlitzer Berg; darauf deuten nicht -nur die eigenartigen, wellenverzierten Urnenscherben, die am Wald -gefunden werden, sondern auch überkommene, ihm anhaftende Flurnamen -wie Mo(ko)rellenbruch, Bile, Wälsche usw. Die am Wald gelegenen Dörfer -tragen sämtlich wendische Namen. - -Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, daß die Deutschen -seit der Kolonisation den roten Stein ständig und eifrig abbauten, in -ergiebigster Weise benutzten und schließlich immer weiter verhandelten. -Die Wenden kannten den Kalk noch nicht, waren deshalb unfähig, im -steineren Hochbau etwas Besonderes zu leisten. Den Rochlitzer Porphyr -gebrauchten sie wohl vorwiegend oder ausschließlich zu Mahlsteinen; -Beile, Hämmer und andere Gebrauchsgegenstände aus dem Material sind -bisher noch nicht nachgewiesen worden. Der Name des am Berg gelegenen -Dorfes Sörnzig wird von manchen Slawisten als »Ort der Steinhauer« -gedeutet. Im Anschluß an die vorgefundene Industrie stellten die -eingewanderten Steinmetzen nun vor allen Dingen Mühlsteine her, die -weit ins Land versandt wurden. Ein Rochlitzer Bruch heißt von altersher -»Mühlsteinbruch«. Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurden sechs, -später zehn Brüche bewirtschaftet. Durch die Deutschen erlangte der -Steinbruchbetrieb auf dem Berg bald eine außerordentliche Bedeutung, -zumal für das Bauwesen. Von romanischer Zeit ab ist im Rochlitzer -Porphyr eine Unmenge von Hochbauten Mittelwestsachsens und anliegender -Gebiete entstanden, hat man ihn zu unendlich vielen Architekturteilen -und beweglichen Gegenständen wie Kanzeln, Altartischen, Grabplatten, -Taufsteinen, Weihwasserbecken, Postsäulen, Gemeindesteinen, -Gartensäulen, Brunnen, Brüstungen, Stufen, Bänken, Einfassungen, -Grenzsteinen, Wegweisern, Mordkreuzen, Erinnerungstafeln, Gewichten, -Normalscheffeln, Geschützkugeln, Schandflaschen, Prangersäulen, -Trögen, Krippen, Ofentüren u. v. a. m. verarbeitet. Nicht wenige -dieser Altertümer sind tadellos auf uns gekommen; viele Kirchen und -manche Schlösser überliefern uns romanischen oder gotischen Baubestand -in Rochlitzer Stein in vorzüglicher Erhaltung. Der älteste Zweig -des deutschen Steinbetriebes, die Herstellung von Mühlsteinen, ist -seit etwa achtzig Jahren ganz eingegangen; an den Schutthalden des -Mühlsteinbruches liegen aber heutzutage noch viele angefangene oder -halbfertige Erzeugnisse dieser Art, die, zum Teil in das Erdreich -eingesunken, zum Teil vom Abraum überschüttet, unter Farren und -Gestrüpp von jenen vergangenen Zeiten, die an den Gewerbefleiß jetzt -vergessene Anforderungen stellten, träumen. - -[Illustration: Abb. 1 =Rochlitzer Porphyrbruch mit dem -Friedrich-August-Turm=] - -Über die mittelalterlichen Meister, die ihre Werke in Rochlitzer -Stein schufen, wissen wir äußerst wenig; wir kennen höchstens ihre -Zeichen, die sie aufschlugen. Die ältesten Marken dieser Art, wohl -die frühesten in ganz Sachsen, kommen im romanischen Bestand des -Rochlitzer Schlosses und an gleichaltrigen, jüngst aufgefundenen -Werkstücken in Geithain vor. Nach den Ergebnissen der Zeichenforschung, -zum Teil auch nach der Ortsbezeichnung, welche die ältesten Steinmetzen -regelmäßig ihren Namen zusetzten, ist eine große Freizügigkeit -unter den Werkleuten früherer Jahrhunderte anzunehmen. Sie zogen -der Baugelegenheit nach, und deshalb kamen viele Auswärtige in die -Rochlitzer Pflege. Die Brüche bildeten ursprünglich den Besitz von -mindergebildeten Steinhauern, Steinbrechern. Auch der vielgenannte -Arnold von Westfalen (Westfahl, Bestveling) hat zweifellos innige -Beziehungen zum Rochlitzer Steinmetzentum unterhalten, wenn er auch -schwerlich die ihm für diese Gegend zugeschriebenen Werke ausgeführt -haben kann; wahrscheinlich entstammte er der vorübergehend um 1415, -d. h. zur Zeit, als der Chor der Kunigundenkirche geschaffen wurde, -für Rochlitz nachweisbaren Familie Westfahl, von welcher zwei Glieder -in Leipzig studierten. Nach seiner Anstellungsurkunde von 1471 wurde -Arnold Westfal in kursächsische Dienste als »Baumeister«, d. h. -Bauschreiber im Sinne des sechzehnten, siebzehnten Jahrhunderts, nicht -aber als Werkmeister, d. h. ausführender Architekt, aufgenommen. In der -Renaissancezeit war besonders der berühmte Leipziger Werkmeister H. -Lotter ein warmer Freund des Rochlitzer Porphyrs, den er vor allem an -seinen Hauptwerken, der Pleißenburg und dem Rathaus seiner Vaterstadt, -sowie dem Bau auf dem Schellenberg, der Augustusburg, in ausgiebigster -Weise verwendete. Damals zählten zu den Rochlitzer Steinmetzen -verschiedene Meister, die kurz vorher in Erfurt nachweisbar sind. - -Die ungemein vielseitige Verwertung des »Rochlitzer Sandsteins« und -sein Versand seit ältester deutscher Zeit wäre in romanischen Tagen -ohne geeignete Fahrwege auf dem Rochlitzer Berg kaum denkbar gewesen, -denn sehr oft mußten Steinstücke von zwanzig bis dreißig Zentner (z. B. -Grabplatten) weit verschickt werden. Sicher hat sich ein guter Teil der -dortigen Fahrstraßen, die jetzt einen so sauberen, angenehmen Anblick -gewähren, schon in vordeutscher Zeit vorgezeichnet, wennschon von einem -durchgreifenden Wegbau erst seit 1703 in den Akten die Rede ist; er -wurde von den Steinmetzen ausgeführt. - -Was dem Rochlitzer Steinmetzentum einen besonderen Platz in der -Geschichte der deutschen Baukunst, des Bauhüttenwesens verschafft und -gesichert hat, ist der Umstand, daß die jetzt im Museum des Rochlitzer -Geschichtsvereins in der Schloßkapelle verwahrte Lade der Innung die -»Rochlitzer Hüttenordnung« rettete. Dieses Schriftstück berichtet die -Abmachungen, welche mitteldeutsche Steinmetzen 1462 auf einem Torgauer -Tag zugunsten ihres Handwerks für ihr Gebiet getroffen hatten. Das -überlieferte Büchlein ist für die Zwickauer Hütte 1486 geschrieben -und befand sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Besitz des -bekannten kursächsischen Baumeisters Hans Stecher, der 1637 in Torgau -starb, vermutlich aber aus einer Werkmeisterfamilie der Rochlitzer -Pflege hervorgegangen war, wo z. B. ein Maurermeister Thomas Stecher -bereits um 1600 nachweisbar ist. Der Sohn des Landbaumeisters H. -Stecher, Christian, schenkte das Schriftstück fünfzehn Jahr nach -des Vaters Tod, also 1652, einem Rochlitzer Steinmetzen, der es -dann in die Innungslade legte, die von der Urkunde auch noch eine -allerdings ziemlich fehlerhafte Abschrift, welche 1653 der Steinmetz -Hans von Rhein besorgt hatte, enthält. Die Rochlitzer Hüttenordnung -stellt jetzt die einzige schriftlich erhaltene mittelalterliche -Hüttenordnung Deutschlands dar, wenn man darunter ein Schriftstück, das -ausschließlich das Gewerbe der Steinmetzen, nicht aber auch dasjenige -von Mischzünften behandelt, versteht; besonders wichtig ist sie -durch den Umstand, daß sie allein Bestimmungen über Steinmetzzeichen -bringt. Über die Eigenart des Schriftstückes herrschten lange ganz -falsche, romantische Vorstellungen, die hauptsächlich durch Stieglitz -und Heideloff, welche es -- freilich höchst nachlässig und ziemlich -verständnislos -- herausgaben und besprachen, erzeugt worden waren; es -sollte die Verfassung einer eigenen »Rochlitzer Hütte«, welche aber -jedenfalls im Mittelalter überhaupt nicht bestand und bei den Bruch- -und Bauverhältnissen, die sich erst später völlig änderten, schwerlich -bestehen konnte, bilden. - -[Illustration: Abb. 2 =Rochlitzer Steinbruch im Winter= - -(Im Hintergrund der Friedrich-August-Turm)] - -Heutzutage verwendet man den Rochlitzer Stein nicht nur in seiner -Heimat; vielmehr wird er weit über die sächsischen Grenzen hinaus -verschickt. Man trifft Werke aus ihm, besonders im Luxusbau, in -Hamburg und Berlin ebensogut wie in Dresden oder Leipzig. Mindestens -sechs Jahrhunderte lang hat er den Bauten Mittelwestsachsens und -anliegender Striche seinen Stempel aufgedrückt und herrscht hier bis -zu einem gewissen Grade noch jetzt vor, wodurch das hiesige Bauwesen -ein ganz besonderes Gepräge erhalten hat. Wenn unsere Heimatpflege -das gediegene Bodenständige vor dem Untergang bewahren und in seinem -angestammten Recht schützen will, so dürfte sie sich wohl auch kaum -der Pflicht entziehen können, auf den Wert des Rochlitzer Steins -besonders für dessen Heimat in baulichen Dingen mit Nachdruck -hinzuweisen. Der sächsische Verein für kirchliche Kunst schlägt -den Stein dankenswerterweise mit für Grabdenkmäler vor. Welche -stimmungsvolle Ruhe müssen früher die Friedhöfe der Rochlitzer Gegend -geatmet haben, als unter den grünen Totenbäumen fast nur die einfach -würdigen Grabplatten aus dem roten Porphyr mit ihren monumentalen -Schriften und Bildern lagerten! Die Herstellung dieser Denkmäler spielt -in der Innungsgeschichte der Rochlitzer Steinmetzerei eine wichtige -Rolle. In welchen Mengen sie ehemals vorhanden waren, läßt sich schon -an dem alten Rochlitzer Kirchhof ablesen, der nicht nur zahlreiche -gut erhaltene Werke dieser Art noch erhält, sondern auch unendlich -viele Bruchstücke derselben bewahrt, mit denen z. B. die langen -Umfassungsmauern des geweihten Geländes belegt sind. Der Rochlitzer -Grabstein bildet in nicht wenig anderen Ortschaften Sachsens ein häufig -vorkommendes Altertum. Wie zerfahren, unruhig, jeder einheitlichen -Stimmung bar wirken heutzutage leider so viele Friedhöfe der genannten -Pflege, wo sich eine Unzahl erbärmlich schablonenhafter Denkmäler mit -ihrem gleißenden, glitzernden, schreienden Wesen, in ihrem fremden, -nicht selten unechten Material, in ihrer Protzenhaftigkeit auf der -Ruhestätte heimgegangener Erdenpilger aufdringlich breitmachen, den -feierlichen Frieden des Gottesackers schmählich stören, bannen und -letzteren zu einer Art Musterlager bildhauerischer Geschmacklosigkeiten -und Ungefühls entweihen! Welche Hoheit, welch künstlerischer Adel -prägt sich hingegen z. B. auf dem Wechselburger in Rochlitzer Stein -gehaltenen, aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts stammenden -Grabdenkmal für Graf Dedo († 1190) und seine Familie aus! Wie ruhig, -edel wirkt die früheste erhaltene Grabplatte des Rochlitzer Friedhofs, -die aus der Zeit um 1280 herrührt und ehedem die Gebeine eines Herrn -von Heldrungen, dessen Wappen in ungemein wirkungsvollen Formen der -Stein vorführt, deckte! - -[Illustration: Abb. 3 =Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: Mühlsteine=] - -Nach dem kunstfeindlichen Dreißigjährigen Kriege offenbarte sich auch -auf dem Gebiet der Rochlitzer Grabplatten ein allmählich fühlbarer -Verfall; die Arbeiten wurden zuweilen noch weniger als handwerksmäßig, -fast roh. 1642 gab es nur noch zwei Steinmetzen in Rochlitz; ihre -Zahl wuchs erst langsam wieder. An Stelle der ehemaligen inneren -Tüchtigkeit dieser Werkleute äußerte sich bald immer mehr eine Vorliebe -für unwichtige Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten, obschon die -Rochlitzer Steinmetzen damals manchen Versuch machten, sich über -den gewöhnlichen Tiefstand städtischer Zünfte, auf die sie stolz -herabblickten, zu erheben. So unterhielten sie zunächst Beziehungen -zur Dresdner Haupthütte, welche aber von der Straßburger, die vormals -als alleinige Herrscherin für Deutschland galt, nicht anerkannt wurde, -weshalb sich die Rochlitzer 1725 unmittelbar unter Straßburg stellten -und nun von dort das Haupthüttengesetz, das sogenannte Bruderbuch von -1563, und die kaiserliche, auf Pergament geschriebene Bestätigung von -1621 ausgefertigt erhielten. Ihre Verpflichtungen gegenüber der alten -Reichsstadt haben sie freilich offensichtlich nie erfüllt, wenngleich -sie überkommene Hüttenbräuche hinsichtlich des Zeichengebens, -Ausweises, Gerichts usf. lange liebevoll weiter pflegten; seit etwa -1680 bildeten sie für sich eine Innung, deren innere Geschichte kaum -wesentlich von derjenigen anderer Zünfte abweicht. - -[Illustration: Abb. 4 =Denkmal auf der Königshöhe, Rochlitzer Berg=] - -Um den Rochlitzer Berg erwarben sich dessen Werkleute in neuerer Zeit -ein ganz besonderes Verdienst dadurch, daß sie ihn dem Fremdenverkehr -erschlossen; in dieser Beziehung hat sich vor allem ein schlichter -Mann hervorgetan, der Steinmetz Christian Gottlob Seidel, der 1807 -als Sproß einer seit 1704 in Rochlitz nachweisbaren Steinmetzfamilie -Meister ward. Ein eigenes Geschick wollte es, daß der für Sachsen so -unglückliche Napoleonsche Krieg vor hundert Jahren Seidel den Anlaß zu -seinen gemeinnützigen Bestrebungen gab. Bis zu Beginn des neunzehnten -Jahrhunderts hört man gar nichts, daß die Schönheit des Rochlitzer -Berges irgendwie gewürdigt worden wäre, daß sie Wandrer angezogen -hätte. Da errichtete Seidel zur Erinnerung an die 1815 erfolgte -Rückkehr Königs Friedrich August aus der Gefangenschaft ein schlichtes -Denkmal auf einer Erhöhung des Rochlitzer Berges, der Königshöhe, und -daneben eine Unterkunftshütte für Fremde, deren Eröffnung im Juni -1817 stattfand. Der Verkehr, der sich nun auf dem Rochlitzer Berg -entwickelte, gestaltete sich zweifellos bald als ganz bedeutend, wie -sich aus den Einzeichnungen des Fremdenbuchs der Hütte, der sogenannten -»Einsiedelei«, ergibt. An eine Verpflegung der Reisenden war damals -auf dem Berg noch nicht zu denken; die einzige Erfrischung, die man -unter günstigen Umständen erlangen konnte, bestand in kärglichem -Butterbrot und Schnaps, welche Labung gutherzige Steinmetzen im -Notfall von ihrem Imbiß abließen. Die Wandrer waren sehr bescheiden, -begnügten sich mit dem, was sie suchten, prächtige Naturschönheit -und lohnende Fernsicht, und waren des Lobes voll für Seidel, dessen -Unterkunftshütte ihnen Schutz und Schirm gegen alle Unbill des Wetters -gewährte. Dies sprachen sie oft genug im Fremdenbuch aus, dessen in den -verschiedensten Sprachen bewirkte Einträge die eigenartigen Vorzüge -des Rochlitzer Waldes nicht selten mit rührenden, mitunter geradezu in -überschwänglichen Worten verherrlichen. - -Das nach Ausweis einer Inschrift auf dem etwa einen halben Meter hohen -Sockel mit Hilfe von »Fünf Sammlern aus Plauen« zustande gekommene, -jetzt hundertjährige Denkmal besteht durchweg aus Porphyrtuff und ist -im antikisierenden Stil gehalten. Einen höchst anziehenden, malerischen -Anblick gewährt die in der Nähe befindliche »Einsiedelei«, die zu den -ältesten erhaltenen Schutzhütten des Landes zählt, wenn sie nicht gar -die älteste ist. Bei Errichtung derselben verband Seidel zwei von -Tannen bestandene, abgeschrotene Felswände durch Mauerwerk, welchem -er durch eingesetzte gotisierende Fenster, durch Gesimse, durch -Bekrönung mit zwei einer Kirche entstammenden Figuren usw. ein etwas -phantastisches, an eine Kapelle erinnerndes Ansehen verlieh, und schuf -somit die noch jetzt ziemlich gut erhaltene Vorderseite des Anwesens, -an welche er den teilweise in einen alten Schutthaufen eingebetteten, -mit zwei Gemächern versehenen Hinterbau anlehnte. Die Wände bestanden -in der Hauptsache aus gewachsenem Felsen, aber auch aus Mauerwerk. -Um gesteigerten Reiseanforderungen zu genügen, legte der Meister -schließlich der Hütte gegenüber einen Pferdeschuppen an. - -Jahrzehntelang genügten Seidels Baulichkeiten dem Bergverkehr, bis -der Friedrich-August-Turm entstand, den das Sachsenvolk aus Anlaß -des 1854 erfolgten Ablebens Königs Friedrich August II., der am 9. -August dieses Jahres zu Brennbüchel in Tirol tödlich verunglückt -war, auf dem Rochlitzer Berg errichtete. Der Bau, entworfen vom -Freiberger Professor Heuchler, ward im Sommer 1855 begonnen und am 18. -Mai 1860, dem Geburtstag des Verewigten, in Gegenwart Königs Johann -geweiht. Durch die Errichtung des in Porphyr gehaltenen, gebietenden -Turmes erhielt die westsächsische Heimat ein weithin sichtbares -Wahrzeichen, von dessen Zinnen man einen prächtigen Fernblick bis -nach den Hohburger Bergen, bis Halle, Naumburg und dem Fichtelberg, -sowie dem übrigen Erzgebirge genießt, das ungezählte Scharen von -Fremden anzieht, zu deren Beköstigung ein Steinmetz 1860 eine hölzerne -»Interims-Restauration«, die das folgende Jahr in eine steinerne -umgewandelt ward, ins Leben rief. - -Außer diesen beiden landesgeschichtlichen Denkmälern weist der -Rochlitzer Berg noch verschiedene Denksteine auf, darunter ein -Mordkreuz. Die bedeutendsten Denkmäler sind aber die sehenswerten -Steinbrüche, die in ihrer Eigenart wohl einzig in Deutschland dastehen -und vielleicht noch eine gesteigertere Beachtung verdienen, als sie -bisher gefunden haben. - - - - -Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer -Berges - -Von _Rud. Zimmermann_ - -Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers - - -Nur selten wohl wird sich der Verfechter des Heimatschutzgedankens -mit einem Steinbruchsbetrieb in einer landschaftlich schönen Gegend -abfinden können. Denn allzu häufig nur -- ich erinnere bloß an die -Zerstörungen des Siebengebirges durch die Steinbruchsindustrie -und die ganz ähnlichen Erscheinungen auch in unserem schönen -Elbsandsteingebirge -- werden durch ihn unersetzliche Schönheitswerte -vernichtet, hervorragende Landschaftsbilder für ewige Zeiten zerstört. -Ganz anders dagegen liegen die Verhältnisse in bezug auf die -Gesteinsindustrie des vielbesuchten Rochlitzer Berges, die zwar auch -stark verändernd auf dessen Bild eingewirkt und zweifellos gleichfalls -manche Schönheitswerte zerstört, aber in noch größerem Maße solche auch -wieder geschaffen hat. Der Besucher des Rochlitzer Berges, der auf -schattigen Waldwegen von Rochlitz oder Wechselburg kommend und aus dem -Waldesdunkel tretend, plötzlich vor den mächtigen, gipfelumsäumenden -Tuffbrüchen steht, wird von dem Bild, das sich ihm darbietet, ganz -eigen berührt sein. Und der tiefe Eindruck, den die Steinbrüche auf ihn -machen werden und den er auch mit sich fort nehmen wird, wenn er seine -Schritte wieder talwärts lenkt, wird ein noch größerer sein, wenn er -gar noch von der Zinne des Friedrich-August-Turmes, durch den treue -Sachsenliebe einst das Gedächtnis eines seiner naturliebendsten und -naturverständigsten Fürsten ehrte, die Blicke über den weiten Bergwald, -zu dessen wechselvoll abgetöntem Grün das helle Rot der in den Wald -gebetteten Steinbrüche eine so eigenartige Gegenwirkung bildet, zu den -blauumdunsteten Höhen in der Ferne schweifen läßt. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: - -Abb. 1 =Blick auf die senkrecht emporsteigenden Gesteinswände=] - -Die Geschlossenheit des den Rochlitzer Berg bedeckenden Waldes, dessen -einst so schöne Misch- und alten Buchenbestände heute allerdings zum -größten Teil nur noch der Vergangenheit angehören, hat durch den -Steinbruchsbetrieb eine nicht wegzuleugnende Einbuße erlitten, und das -Urteil des Forstmannes, der die Verhältnisse vielleicht nur einseitig -vom rein forstwirtschaftlichen Standpunkt aus werten wollte, würde sich -daher auch nicht immer mit dem unseren decken. Dem rein forstlichen -Verlust aber steht ein ungleich höherer Gewinn in dem Wechsel entgegen, -den die Steinbrüche in ein zwar an sich schon hervorragend schönes, -durch diesen Wechsel aber noch wesentlich gewinnendes Landschaftsbild -tragen. Die Steinbrüche des Rochlitzer Berges sind nicht, wie das -so vielfach der Fall ist, an den Hängen des Berges angelegt, um -diese zu entblößen und sie ihres belebenden Pflanzenschmuckes zu -berauben, sondern sie gruppieren sich größtenteils wie ein Kranz um -den Gipfel des Berges und sind von hier aus in die Tiefe getrieben. -Die dabei entstandenen senkrechten, oft zu ganz beträchtlichen Höhen -emporragenden Wände, deren lichtes Rot durch angesiedelte Algen von -gelben und grauen Farbflecken übertupft erscheint und in dessen -prächtige Farbenwirkungen oft auch noch auf schmalen Felsleisten -angesiedelte grün-goldene Moose und andere Pflanzen weitere wechselnde -Töne tragen, sind von einer ganz eigenen Wirkung. Wo dazu noch an -abgebauten Stellen der Boden sich mit einer neuen Pflanzendecke -überkleidet hat und auf raumengen Felsvorsprüngen niedrige, aber derbe -Kiefern sich angesiedelt haben, entstehen Bilder von ganz besonderer -Schönheit und seltenen Reizen. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen: - -Abb. 2 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen -Stelle=] - -Die Wiederbesiedelung der abgebauten Stellen durch die Pflanzenwelt -erfolgt meistens ungewöhnlich rasch. Wo der kahle, rote Fels zutage -liegt und kaum einer Pflanze die Bedingungen zu einem gedeihlichen -Leben zu bieten scheint, entwickelt sich innerhalb weniger Jahre -bereits wieder eine Vegetation, die zwar keine besonders artenreiche, -dafür aber meistens eine um so interessantere ist, weil sie neben -ihrer Ursprünglichkeit uns vielfach in hervorragendem Maße Blicke in -den Kampf tun läßt, den auch die Pflanze um ihr Dasein führt, und -uns die Zähigkeit zeigt, mit der sie dabei um ihr Leben ringt. Wo -die Winde in kaum zentimetertiefen Unebenheiten des Felsens nur eine -Spur von Erdreich angeweht haben, siedeln sich bescheidene Moose -und Flechten an, oder es keimen aus windangewehtem Samen Gräser -und andere Blütenpflanzen. So das in seiner Schlichtheit so schöne -Gänseblümchen (~Bellis perennis~), Habichtskräuter u. a. m., die -ja in der Rosettenbildung ihrer dem Boden sich eng anschmiegenden, -dachziegelartig übereinanderliegenden Blätter eine ebenso einfache, wie -überzeugend wirkende Einrichtung gegen jede übermäßige Wasserabgabe -besitzen und durch sie außerdem noch der raschen Austrocknung des -kärglichen Bodens entgegenarbeiten. Das bedürfnislose Heidekraut -(~Calluna vulgaris~) ergreift gleichfalls Besitz vom neuentstandenen -Boden und mit ihm stellen sich hier und da auch einige bescheidene -Heidelbeerpflänzchen ein. Von Bäumen sind es neben Aspen und Salweiden -die mit den dürftigsten Verhältnissen vorliebnehmenden Kiefern und -Birken, denen das wenige lockere Erdreich schon Nahrung gibt und die -ihre Wurzeln zunächst ganz flach, aber weit an der Oberfläche des -Felsens entlang senden, bis sie auf Risse und Spalten im Gestein -stoßen, in die sie sich dann tief hinabsenken und den heranwachsenden -Baum oft fester verankern als auf tiefgründigerem Waldboden. Dort, -wo bereits während des Abbaues sich Schutt angesammelt hat, ist das -Pflanzenleben ein reicheres. Unter anderen Arten finden wir hier die -würzige Walderdbeere, während Brombeere und Himbeere oft dichte, der -Kleinvogelwelt Unterschlupf und Nistgelegenheiten bietende Hecken -bilden. Das Weidenröschen läßt im August weithin seine Blüten leuchten -und in ihr Rot mischen sich die gelben Farben von Habichtskräutern -und Johanniskraut, bis dann nach einigen Jahren die im Frühjahr von -einer reichen Insektenwelt besuchten kätzchentragenden Sträucher der -Salweide und inzwischen höher herangewachsene Bäume -- den Kiefern -und Birken gesellen sich hier höhere Ansprüche stellende Lärchen und -Fichten, die Eberesche und von anderen Laubbäumen einzelne Buchen und -Eichen zu -- die niedrigeren kraut- und strauchartigen Pflanzen mehr -und mehr verdrängen. Auf diese Weise erhalten sich auf dem Rochlitzer -Berge abwechselungsreiche Pflanzengemeinschaften, die in ihrer -Ursprünglichkeit überaus anziehend wirken und vor allem auch in die -oft größere Gleichförmigkeit des unter Kultur stehenden Forstes einen -diesen wieder zugute kommenden Wechsel tragen. - -[Illustration: Aus den Rochlitzer Steinbrüchen - -Abb. 3 =Durch Anflug entstandene Vegetation an einer auflässigen -Stelle=] - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 4 =Siebenschläfer=] - -Es wird ohne weiteres auch als ganz selbstverständlich erscheinen, -daß die Steinbrüche, die bei ihrer räumlichen Ausdehnung inmitten -des geschlossenen Waldes eine Welt für sich bilden, in der bis zu -einem gewissen Grade die Natur allein regiert, auch von einem nach -Lage der Verhältnisse nur günstigem Einflusse auch auf die Tierwelt -des Rochlitzer Berges sein müssen. Eine Menge Tiere findet in den -Spalten und Klüften der Felswände, in den an dunklen Verstecken -reichen Haufen beiseite gefahrenen, unverwendbaren Gesteinsmaterials -willkommene Schlupfwinkel, andere wieder werden angezogen von der -natürlichen, von Menschen wenig besuchten Wildnis der abgebauten -Teile. Der Siebenschläfer, dessen Vorkommen auf dem Rochlitzer Berge -zunächst allerdings wohl eine Folge des einstigen Reichtums an -Laubholz mit den ausgedehnten Rotbuchenbeständen ist, findet sich -heute doch vorzugsweise in dem Bereiche der Steinbrüche und auch auf -den Bestand der kleineren Raubsäugetiere, von denen ich Wiesel und -Hermelin oft in den Steinbrüchen begegnet bin, und denen sich auch -der Iltis, der Edel- und sogar der in den geschlossenen Wald sonst -nur seltener eindringende Hausmarder zugesellen, sind sie nicht ohne -Wirkung geblieben. Unvergeßlich wird mir der milde Sommersonntagabend -bleiben, an dem ich unseren Edelmarder in einem auflässigen Teile -des Mühlsteinbruches zum ersten Male längere Zeit hindurch in seinem -Leben und Treiben beobachten konnte. Aalgleich wandte er sich durch -die Steinwildnis hindurch, schnüffelnd untersuchte er jeden Spalt -im Felsen, spürte jede Höhle ab, die die reichlich umher- und -übereinanderliegenden Gesteinstrümmer bildeten. Eine Maus, die der -Abend aus ihrem Versteck hervorgelockt hatte, wurde seine Beute, eine -Goldammer, die ihr: »Wie, wie hab’ ich dich so lieb!« eben abgebrochen -und sich in einem niederen Strauch zur Ruhe niedergetan hatte, entging -seinen räuberischen Gelüsten noch im letzten Augenblick, so daß er ihr -verdutzt von einem vorspringenden Gesteinsblock aus nachschaute. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 5 =Männlicher Gartenrotschwanz an der Nisthöhle an einer Hauswand=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 6 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle in einer Mauer=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 7 =Junger Hausrotschwanz an der Nisthöhle in einem Gesteinsspalt=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 8 =Junge Gebirgsstelze nach dem Verlassen des Nestes=] - -Weit mehr noch als wie auf die verborgener lebenden Säugetiere spüren -wir den Einfluß der Steinbrüche auf die der direkten Beobachtung ja -weit zugänglichere Vogelwelt. Einige Arten, denen wir im geschlossenen -Walde nicht oder doch nur vereinzelt begegnen würden, sind im Gebiet -der Steinbrüche nicht selten, andere, den Wald zwar nicht meidende, -erreichen in ihnen eine größere Häufigkeit. Ich denke da vor allem -an unsere beiden Rotschwanzarten, die auf dem Rochlitzer Berge ganz -besonders häufig sind und ausschließlich oder doch fast ausschließlich -die Steinbrüche bewohnen, in denen sie auch wieder zu der ihnen -ureigensten Nistweise zurückgekehrt sind. Nach den übereinstimmenden -Versicherungen alter Steinbruchsarbeiter, die sich in jeder Weise auch -mit meinen eigenen Erfahrungen decken, hat die Zahl dieser beiden Vögel -in den letzten Jahrzehnten auffallend zugenommen. Namentlich beim -häufigeren Gartenrotschwanz fällt diese Zunahme recht in die Augen. -In einem Steinbruche traf ich im Frühjahre 1914 nicht weniger als -fünf Brutpaare desselben -- zwei davon nisteten an Arbeiterhäusern, -drei aber in Gesteinsspalten -- neben zwei vom Hausrotschwanz an, in -einem anderen im Jahre vorher sogar sechs Paare des ersteren, die mit -Ausnahme eines an einem Gebäude nistenden sämtlich in Felsspalten ihre -Nester errichtet hatten, neben zwei Paaren des ebenfalls in Felsspalten -nistenden Hausrötels. Auch die weiße Bachstelze bewohnt in ähnlich -großer Zahl die Steinbrüche und nistet hier bald an Arbeiterhäusern, -bald aber auch in geschützten Hohlräumen der Felswände. In diesem -letzteren Fall teilt sie dann die Niststätten mit ihrer gelben -Schwester, der Gebirgsstelze, deren Zunahme auf dem Rochlitzer Berge -eine ganz besonders in die Augen fallende ist. Ich entsinne mich heute -noch deutlich des Tages anfangs der neunziger Jahre, an dem ich die Art -hier überhaupt zum ersten Male sah und über die Beobachtung der mir -damals noch neuen daheim in jugendlicher Freude erzählte. Seit jener -ersten Begegnung wurde sie zu einem meiner erklärten Lieblingsvögel und -jede neue Beobachtung der damals noch seltenen bildete ein heute noch -nicht vergessenes Ereignis. Jetzt ist sie schon eine ganz gewöhnliche -Erscheinung und brütet alljährlich in wenigstens einem, häufig aber -auch in mehreren Paaren in fast jedem der Steinbrüche. Aber auch andere -Höhlenbrüter finden in den Felsklüften willkommene Nistgelegenheiten. -Von Meisen sind es besonders die Kohl-, die Tannen- und die Blaumeise, -ausnahmsweise auch die Sumpf- und die Haubenmeise, die regelmäßig -in Gesteinsspalten oder in den Hohlräumen der überall gegen -hereinbrechenden Abraum aufgeführten Schutzmauern nisten und denen sich -auch gern der Kleiber zugesellt. 1916 während eines Urlaubes konnte -ich in solchen Schutzmauern zum ersten Male auch den Mauersegler, der -allsommerlich über den Gipfel des Berges seine Flugkünste treibt und -den ich -- Freund Heyder hatte ihn schon früher als Brutvogel des -Rochlitzer Berges in Baumhöhlen des Waldes festgestellt -- seit langem -bereits im Verdacht hatte, auch »Steinbruchsvogel« zu sein, brütend -nachweisen. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 9 =Kohlmeise vor der Nisthöhle in einer Gesteinswand=] - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 10 =Tannenmeise an der Nisthöhle in einer Felswand=] - -Daß ferner bei dem großen Reichtum der Steinbrüche an Hecken, die -in den auflässigen Teilen oft so üppig wuchern, auch die Zahl der -Buschbrüter eine ziemlich reiche ist, bedarf wohl kaum eines besonderen -Hinweises. Namentlich die Grasmücken in sämtlichen vier, der Rochlitzer -Vogelfauna angehörenden Arten: der Dorn-, der Zaun-, der Garten- und -der Mönchsgrasmücke, sind regelmäßige Bewohner derartiger Stellen. - -[Illustration: Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 11 =Großer Buntspecht an der Nisthöhle in einem Kirschbaum=] - -Reich ist in den Steinbrüchen auch das seit meiner Jugendzeit sonst im -Bereiche des Rochlitzer Berges aber stark zurückgegangene Kriechtier- -und Lurchleben entwickelt. Die flinke Zauneidechse zunächst ist -eine der auf dem Rochlitzer Berge abgenommenen Arten, die auch die -Steinbrüche nicht mehr in den Mengen bevölkert, als wie ich sie -noch als Knabe sah; der rotbäuchige Bergmolch, der einst geradezu -in Massen die zahlreichen Steinbruchstümpel bevölkerte, ist weniger -häufig geworden, und der in Schwarz und leuchtend Gelb gekleidete -Feuersalamander, dessen ganze Schönheit nur der voll empfinden wird, -der ihn einmal nach einem warmen Gewitterregen aus einem dunklen Spalt -des von grünem Moos überkleideten roten Gesteins hat hervorkommen -sehen, ist heute auch nicht annähernd mehr in den Mengen vorhanden, -wie vor wenigen Jahrzehnten noch. Ein sinnloses Sammeln, bald -- wie -beim Bergmolch -- von einer zwar naturfreudigen, aber in falschen -Bahnen sich betätigenden Jugend, bald -- wie beim Feuersalamander -- -von gewerbsmäßigen Fängern, denen ja nichts in der Natur heilig ist, -trägt wohl die Hauptschuld an dem bedauerlichen Rückgange. Vielleicht -wäre es aber wohl noch schlimmer um das heutige Vorkommen dieser Arten -bestellt, wenn nicht die Steinbrüche ihnen und noch anderen ihrer -Sippe: der goldgekrönten Ringel- und der spärlicheren glatten Natter, -dem lebhaften Grasfrosch und der vielgeschmähten, dabei aber doch so -nützlichen Erdkröte Schlupfwinkel in so reichem Maße darbieten würden, -daß immer noch ein großer Teil von ihnen sich allen Verfolgungen zu -entziehen vermag. - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 12 =Ringelnatter vor ihrem Schlupfwinkel=] - -Der günstige Einfluß der Steinbrüche auf das Tierleben des Rochlitzer -Berges, der aus den hier mitgeteilten Fällen zweifellos hervorgeht, -würde noch augenfälliger werden, wenn wir unsere Betrachtungen -auch auf die niedere Tierwelt ausdehnen und insbesondere die -Insektenwelt in sie einbeziehen würden. Einer unserer größten und -prächtigsten Tagschmetterlinge beispielsweise, der Eisvogel, verdankt -sein Vorkommen der heute im Rochlitzer Bergwalde vorzugsweise -auf das Steinbruchsgebiet beschränkten Aspe, und wie für ihn, -liegen die Verhältnisse ähnlich auch noch für eine weitere Anzahl -leichtbeschwingter Falter und andere niedere Tierarten. -- -- -- - -[Illustration: Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche: - -Abb. 13 =Eine Erdkröte verläßt ihren Schlupfwinkel=] - -Aber es scheint auch, als ob der Steinbruchsbetrieb des Rochlitzer -Berges neben diesen günstigen Einflüssen auf das Naturleben noch einen -solchen entgegengesetzter Richtung ausübt. - -[Illustration: Aus der Tierwelt des Rochlitzer Berges: - -Abb. 14 =Blindschleiche beim Verlassen ihres Schlupfwinkels.=] - -Unter den Waldbäumen des Rochlitzer Berges nahm einst die Weißtanne -einen breiten Raum ein. Heute hat sie aufgehört, bestandsbildender -Waldbaum zu sein; die wenigen, hier und da noch in den Mischbeständen -stehenden, fast immer kränkelnden Stücke sind stumme Zeugen vergangener -Zeiten. Forstlich ist der Baum nicht mehr hoch zu bringen. Es ist -das eine Erscheinung, die man in unserem Vaterlande nun zwar auch -an anderen Orten beobachtet und die man meines Wissens in erster -Linie auf die Verunreinigung der Luft durch die Rauchgase unserer -hochentwickelten sächsischen Industrie zurückführt. Ob immer und in -welchem Maße dies zu Recht geschieht, vermag ich nicht zu entscheiden. -Meines Erachtens wirken an ihrem Rückgange hier und da aber auch -noch andere als die eben angeführten Ursachen mit. Die Tanne stellt -ziemlich hohe Anforderungen auch an den Feuchtigkeitsgehalt der Luft -und des Bodens und ist gegen eine Abnahme desselben empfindlicher als -andere Waldbäume. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit scheint aber -auf dem Rochlitzer Berge stattgefunden zu haben. Darauf deuten nicht -nur eine ganze Anzahl heute trockener Quelläufe an den Hängen des -Berges hin, sondern sie geht auch hervor aus dem Umstand, daß heute -noch fließende Quellen zum Teil wasserärmer geworden sind, als sie -es in meiner auf dem Rochlitzer Berge verlebten Jugendzeit waren. -Diese Abnahme der Bodenfeuchtigkeit aber dürfte im wesentlichen ihre -Ursachen in dem Steinbruchsbetriebe haben. Infolge seiner räumlich -großen Ausdehnung kommt ein beträchtlicher Teil der atmosphärischen -Niederschläge dem Walde nicht mehr zugute; ein Teil verdunstet über den -freien Flächen der Steinbrüche sofort, ein anderer Teil aber sammelt -sich in ihren tiefergelegenen Stellen in Form kleinerer oder größerer -Tümpel an und wird von hier gleichfalls, wenn auch allmählicher, der -Verdunstung zugeführt. Aber auch nicht unbeträchtliche Mengen der -über dem Walde selbst niedergehenden Niederschläge verbleiben nicht -mehr in dem Waldboden, sondern strömen in Gesteinsspalten und Rissen -jenen Wasseransammlungen in den tieferen Teilen der Steinbrüche zu und -verdunsten hier ebenfalls wie jene direkt. - -Es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß dieser Einfluß der Steinbrüche -auf die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit des Waldes, der zwar nicht für -sich allein, sondern wohl mit der schon erwähnten Verunreinigung der -Luft durch Rauchgase an dem Rückgang der Tanne auf dem Rochlitzer -Berge beteiligt sein mag, sich in seinen Wirkungen auch auf andere -feuchtigkeitsliebende Pflanzen äußert. - - - - -Die Vogelwelt unserer Obstalleen - -Von _Rud. Zimmermann_ - -Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers - - -Beobachtungen, die ich vor dem Kriege an der von Rochlitz nach dem -Rochlitzer Berge führenden, mir von meiner Kindheit an vertrauten und -von mir regelmäßig begangenen, in dem hier in Frage kommenden Teile -von Obstbäumen bestandenen Staatsstraße über die daselbst nistenden -höhlenbrütenden Kleinvögel machte und die dabei einen vorher kaum -geahnten Reichtum an solchen ergaben, wurden die Ursache, daß ich in -der Folge nicht nur noch schärfer auf die Vogelwelt der genannten -Straße achtete, sondern meine Beobachtungen auch auf andere Gegenden -ausdehnte und dabei vor allem auch Material zur Frage der Bedeutung -unserer Vogelwelt für die Obstalleen zu erlangen versuchte. Im -nachfolgenden nun soll über diese Beobachtungen, die in vielfacher -Hinsicht recht interessante sind, etwas eingehender berichtet und -dieser Bericht zunächst mit einer Schilderung der Verhältnisse an der -oben genannten Straße begonnen werden. - -Die Staatsstraße Rochlitz--Rochlitzer Berg, in Rochlitz kurzweg die -Bergstraße genannt, wird in ihrem ersten, hier nur in Frage kommenden -Teil von Feldern begrenzt, während auf eine Strecke von etwa 500 Meter -Länge an der einen Seite auch der Wald an sie herantritt, der ihr auch -sonst nicht fern bleibt und an den weitesten Stellen kaum viel über 500 -Meter von ihr weg liegt. Der regelmäßigen Beobachtung unterstanden in -den Jahren 1913 und 1914 eine Strecke von etwa 500 Meter, 1919 und 1920 -aber von gegen 1500 Meter Länge, von der ein kleiner, etwa 200 Meter -langer Teil von Kirschbäumen gesäumt, der größere aber beiderseits von -Apfelbäumen bestanden ist. - -An der kleineren, nur apfelbaumbestandenen Straßenstrecke wurden - - 1913 und 1914 - - 2 1 Paar Gartenrotschwänzchen, - 3 5 " Kohlmeisen, - 1 2 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber, - 2 1 " Feldsperlinge sowie - -- 2 " Stare - -insgesamt also 9 bzw. 12 Brutpaare einwandfrei festgestellt, von -einigen weiteren, zweifellos auch noch genisteten Meisen- und -Rotschwanzpaaren die Nisthöhlen aber nicht aufgefunden, während dann in -dem größeren Straßengebiet - - 1919 und 1920 - - 2 5 Paar Gartenrotschwänzchen, - 8 4 " Kohlmeisen, - 8 5 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber, - 4 5 " Stare sowie - 1 -- " Grünspechte - -insgesamt also 24 bzw. 20 Brutpaare sicher bestätigt und ebenfalls -wieder von einigen weiteren (Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise, -Kleiber und Baumläufer) die Höhlen nicht aufgefunden werden konnten. - -Von den 1919 und 1920 beobachteten Brutpaaren entfallen auf die -kleinere, 1913 und 1914 unter Beobachtung gestandene Straßenstrecke - - 1919 und 1920 - - -- 2 Paar Gartenrotschwänzchen, - 5 4 " Kohlmeisen, - 3 2 " Blaumeisen, - 1 1 " Kleiber und - 4 4 " Stare - -zusammen sonach 13 bzw. 13 Paare, von denen sich 1919 elf, 1920 -aber neun Paare auf eine Straßenlänge von nur etwas über 200 Meter -verteilten, so daß hier auf etwa 20 Meter Länge bereits ein Brutpaar -kam! -- Hervorgehoben soll dabei noch werden, daß in den Jahren 1913 -und 1914 noch nicht der große Wert auf die Feststellung möglichst -aller Nisthöhlen gelegt wurde und daß schließlich im letzten Jahre -eine nur noch beschränkte Zeit auf die Beobachtungen verwandt und eine -Straßenlänge von gegen 500 Meter überhaupt nicht voll begangen werden -konnte. - -Mit den von mir in früheren Jahren bereits beobachteten Arten konnten -in dem hier geschilderten Straßenbereich an höhlenbrütenden Vögeln -bisher der _Gartenrotschwanz_, die _Kohl-_ und die _Blaumeise_, -einzeln auch die _Tannen-_ und die _Sumpfmeise_, der _Kleiber_ und -der _Baumläufer_, der _Feldsperling_, der _Star_, der _große_ und -der _kleine Buntspecht_ sowie der _Grünspecht_ festgestellt werden, -zu denen als dreizehnte Art noch die _weiße Bachstelze_ kommt, die -vereinzelt in (Halb-)Höhlen der Bäume, regelmäßiger aber in den -Straßenunterführungen ihre Nester errichtet, während ich den sonst -zwar angetroffenen und an einer Straße in der Nachbarschaft auch -brütend beobachteten _Wendehals_ für unser Straßengebiet als Brutvogel -einwandfrei noch nicht bestätigen konnte. -- Der große Vogelreichtum -dieses Straßenbereichs, der mit den hier aufgezählten Arten aber -natürlich noch nicht erschöpft ist, sondern sich noch um die Freibrüter -erhöht, ist nicht immer ein derartig hoher gewesen. Die Zahl der -Höhlenbrüter war früher, als die Straßenbäume noch jünger waren und -noch nicht diese Fülle natürlicher Höhlen aufwiesen, die sie heute -besitzen, eine weit geringere; sie erhöhte sich erst, als der frühere, -alt gewordene Straßenwärter einem jüngeren Manne weichen mußte, der, -vogelfreundlich gesinnt, aus eigenem Antriebe auf den Straßenbäumen -eine größere Anzahl zum Teil selbstgefertigter Nisthöhlen aufhing und -damit sofort, in erster Linie wohl aus dem nahen Walde, zahlreiche -Höhlenbrüter nach der Straße zog. Von den ehedem aufgehängten -Nistkästen sind in den letzten Jahren allerdings viele ein Opfer ihres -Alters geworden, andere von der Straßenjugend, die in ihnen willkommene -Ziele für allerlei Wurfübungen erblickte, herabgeworfen worden. An ihre -Stelle aber sind mit dem zugenommenen Alter der Straßenbäume eine große -Anzahl natürlicher Höhlen getreten, die meistens unauffälliger sind und -schon dadurch den in ihnen nistenden Vögeln in der Regel eine meistens -weit größere Sicherheit gewähren. Der Gassenjugend wenigstens entgehen -sie viel mehr, als wie die aufgehängten künstlichen Höhlen, an denen -ich früher einige Male Buben beim Zerstören von Gelegen oder Bruten -überrascht habe. - -[Illustration: Abb. 1 =Star vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 2 =Kohlmeise vor der Nisthöhle= (der gleichen, wie -in Abb. 1)] - -Eine Anzahl der hier beobachteten natürlichen Höhlen erfüllt ihren -Zweck schon seit Jahren. So war die eine derselben (Abb. 1 und 2), -die etwas ungewöhnlicher Natur und recht wenig wettergeschützt war, -weil die Eingangsöffnung direkt von oben hineinführte, 1913--1915 von -Kohlmeisen und während der Kriegsjahre 1916--1918, in denen ich die -Beobachtungen allerdings nicht persönlich machen konnte, ebenfalls -wieder von Kohlmeisen und einmal auch von Gartenrotschwänzchen bewohnt -gewesen, bis dann 1919 und 1920 Stare sie sich als Niststätte erkoren -hatten. Eine andere, vom Buntspecht angelegte und mehrere Jahre von -diesen bewohnt gewesene Höhle hatte sich 1914 ein Kleiberpaar als -Wohnung eingerichtet, eine Art, die auch 1919 und 1920 wieder in ihr -brütend festgestellt werden konnte. In einer dritten, in der 1913 ein -Feldsperlingspaar genistet hatte, dessen Besitzrechte im folgenden -Jahre auf ein Blaumeisenpärchen überging, wurden 1919 und 1920 wiederum -Blaumeisen beobachtet. Auch eine etwas eigenartige Nisthöhle unter -einem Wegweiser, die durch die Überwallung des letzteren durch den -stärker gewordenen Stamm, an dem er befestigt, entstanden ist, hat -Jahre hindurch Nistzwecken gedient. Im Jahre 1914 stellte ich in ihr -zum ersten Male Blaumeisen fest und fand die gleiche Art -- nachdem -ich während des Krieges ja nur selten und dann immer auch nur flüchtig -während des rasch vorübergehenden Urlaubes beobachten konnte -- -dann 1919 von neuem als Bewohner der Höhle. Ebenso sollen, wie mir -nachträglich ein für unsere Vogelwelt interessierter Herr mitgeteilt -hat, auch während des Krieges Blaumeisen in ihr genistet haben, so -daß im Hinblick auf die ungewöhnliche Art der Nisthöhle vielleicht -der Schluß auf das gleiche oder Vögel des gleichen Paares nicht ganz -unwahrscheinlich erscheint. - -[Illustration: Abb. 3 =Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 4 =Männlicher Gartenrotschwanz in der Nisthöhle=] - -Eine auffallende, namentlich 1913 und 1914 sich ganz besonders -stark aufdrängende Erscheinung war die Bevorzugung der weniger -wettergeschützten Höhlen gegenüber den für Brutzwecke scheinbar -geeigneteren natürlichen oder künstlichen Höhlen. Ich habe darüber -früher schon an anderer Stelle berichtet[1] und auch neuerdings die -Frage im Zusammenhange mit meinen anderen hier gemachten Beobachtungen -nochmals angeschnitten[2]. Auf die eine dieser theoriewidrigen Höhlen -(»Der Vogel bezieht nur vor Wind und Wetter geschützte Höhlen«) habe -ich oben schon hingewiesen; es ist die in den Abbildungen 1 und 2 -wiedergegebene, die von 1913 bis 1920 alljährlich Bewohner gehabt hat, -trotzdem die ziemlich weite Eingangsöffnung direkt von oben in das -Innere führte und daher dem Regen ungehindert den Zutritt gestattete. -Einige scheinbar viel günstigere, aber unbesetzt gebliebene Höhlen -befanden sich dabei auf Bäumen in der unmittelbarsten Nachbarschaft. -Eine zweite dieser Höhlen, gleichfalls wieder mit dem Eingang von -oben, von der ich bereits eine Aufnahme im VI. Bande, Seite 69, dieser -Mitteilungen veröffentlichen konnte, diente 1913 einer dreizehnköpfigen -Blaumeisenbrut als Kinderwiege, war dann 1914 von Kohlmeisen bewohnt -und soll 1915 ebenfalls wieder Kohlmeisen als Bewohner gehabt haben. -Auch hier befanden sich wettergeschütztere Höhlen in unmittelbarster -Nachbarschaft. Eine dritte endlich -- aus der Zahl der vorhandenen -Beispiele nur noch dieses eine angeführt --, die unsere Aufnahmen 4 und -5 wiedergeben, und deren ungewöhnlich weiter Eingang nach Nordwesten -gerichtet, also der Wetterseite zugekehrt war, war 1913 von einem -Rotschwanzpaar bewohnt und wurde als Bruthöhle auch 1920 wieder von -einem Pärchen der gleichen Art benutzt, nachdem durch ein weiteres -Ausfaulen des Baumes neben der damals schon weiten Eingangsöffnung -inzwischen noch eine zweite, gleichgroße entstanden war, wodurch -die Wettersicherheit der Höhle eine noch geringere geworden war. -Scheinbar günstigere Höhlen befanden sich auch in diesem Falle wieder -in unmittelbarster Nähe. -- Die Frage, warum die Vögel gerade diese -weniger geschützten Höhlen den nach unseren Begriffen geschützteren -vorzogen, fast, als ob sie uns damit auf das nachdrücklichste das -Unzulängliche und Gezwungene aller von Menschen aufgestellten Gesetze -vor Augen führen wollten, ist schwer zu entscheiden. Ob vielleicht, -wie ich das an anderer Stelle ausführe, die Vögel einer an sich -geräumigeren Höhle, selbst wenn diese weniger geschützt ist, den -Vorzug vor einer engeren, sonst aber wettergeschützten geben? Und ob -nicht vielleicht das Innere unserer künstlichen Meisenhöhlen für eine -größere Brut -- man denke nur an die oben erwähnte dreizehnköpfige -Blaumeisenschar! -- manchesmal etwas knapp sein mag? Ich lasse diese -Fragen hier unerörtert, möchte aber wenigstens durch ihre Erwähnung -Vogelfreunde zu weiteren Beobachtungen in dieser Richtung anregen. -- - - [1] Ornithologische Monatsschrift 1916, S. 356 fl. - - [2] Ornithologische Monatsschrift 1921, S. 13 fl. - -[Illustration: Abb. 5 =Kohlmeise vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 6 =Blaumeise vor der Nisthöhle=] - -Ist der hier geschilderte, ungewöhnlich groß erscheinende Vogelreichtum -nur dem der Beobachtung unterworfen gewesenen Straßengebiet -eigen, vielleicht, weil hier ganz besonders günstige Umstände ihn -beeinflussen, oder können wir ihn ähnlich reich auch anderwärts -beobachten? Ich glaube diese Frage bejahen zu können, sobald es sich -um obstbaumbestandene Straßen handelt, die alte, höhlenbergende -Bäume aufweisen. Bereits früher konnte ich in Westsachsen in der -Frohburg-Kohrener Gegend schon bei nur flüchtiger Begehung auf oft -recht kurzen Straßenlängen höhlenbrütende Kleinvögel: neben dem -Gartenrotschwanz vor allem Kohl- und Blaumeisen und etwas vereinzelter -den Baumläufer, in Mengen feststellen, die einen Schluß auf einen -ähnlichen Reichtum, wie ich ihn an der Rochlitzer Bergstraße -beobachten konnte, durchaus begründet erscheinen lassen. Und 1919 -hatte ich dann wieder Gelegenheit, einmal in der Altenhainer Gegend -bei Wurzen, wo ich auch den schmucken Trauerfliegenfänger als einen -in Obstbäumen nistenden »Straßenvogel« feststellen konnte, und zum -anderen in der Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha den -Rochlitzern ganz ähnliche Verhältnisse festzustellen. Der Reichtum -einer obstbaumbestandenen Straße an höhlenbrütenden Kleinvögeln ist -wohl überall noch ein ähnlich großer, wenn in älteren, höhlenreichen -Straßenbäumen oder in aufgehängten Nistkästen nur die Bedingungen -zur Entfaltung eines reicheren Vogellebens gegeben sind. Am ärmsten -an einem eigenen Vogelleben bleiben nach meinen Erfahrungen die -Kirschalleen, wahrscheinlich, weil diese weniger Kostgänger aus der -Insektenwelt besitzen, als wie dies mit Apfel- und anderen Obstalleen -der Fall ist. Der Einfluß eines angrenzenden oder nahegelegenen Waldes -äußert sich, soweit ich darüber Beobachtungen anstellen konnte, nur in -einer Erhöhung der Artenzahl, indem dann einzelne, sonst waldbewohnende -Höhlenbrüter den Alleen zuziehen, scheint dagegen aber auf die -Stückzahl, die auch in waldfernen Alleen eine große sein kann, sobald -in diesen die schon erwähnten Bedingungen im Vorhandensein reicher -Nistgelegenheiten gegeben sind, von nur untergeordneter Bedeutung zu -sein. -- - -Besonderen Wert legte ich bei meinen Beobachtungen auf die Feststellung -der Nahrungsquellen der in unseren Obstalleen nistenden Höhlenbrüter -und damit auch auf die Frage ihrer Bedeutung für diese letzteren -überhaupt. Ich konnte derartige Beobachtungen vor allem an der -Rochlitzer Bergstraße in weitgehendstem Maße machen, weil ich hier -- -besonders in den Jahren 1913, 1914 und 1919 -- für photographische -Aufnahmen oft tagelang ansaß und dabei manches einzelne Brutpaar viele -Stunden hindurch, oft auch mit dazwischen liegenden mehrtägigen Pausen, -unter den Augen hatte. Ihren Nahrungsbedarf deckten die Vögel teils in -der Allee selbst, teils aber auch im näheren oder ferneren Walde, wobei -die verschiedensten Arten aber auch ein recht verschiedenes Verhalten -zeigten. In jenem Teile des Beobachtungsgebietes, in dem die Straße -von Kirschbäumen bestanden war und an dem beiderseits der Wald bis auf -Entfernungen von 50 Meter an die Straße herantrat, bevorzugten die -hier nistenden Arten als Nahrungsquelle allerdings fast ausschließlich -den Wald und nur ausnahmsweise einmal suchte ein 1919 hier genistetes -Blaumeisenpärchen einen der Alleebäume nach Insektenkost ab. Die -so große Nähe des Waldes und dessen zweifellos bedeutenderer -Nahrungsreichtum äußerten eben ihre Wirkungen, wozu dann auch noch das -schon erwähnte geringere Insektenleben auf Kirschbäumen kommen mochte. - -In den übrigen Teilen des Beobachtungsgebietes waren es zunächst die -Meisen und unter diesen wieder ganz besonders die Blaumeisen, die ihren -Nahrungsbedarf in erster Linie in der Allee selbst deckten, und nur -dort, wo der Wald in größerer Nähe war oder gar an die Straße selbst -herantrat, häufiger und wohl selbst einmal auch in überwiegendem Maße -in diesem die Nahrung suchten. Dabei ließ sich wiederholt mit aller -Deutlichkeit feststellen, daß sie zu Beginn der Jungenpflege zunächst -die Straßenbäume bevorzugten und den Wald als Nahrungsquelle erst in -Anspruch nahmen, als mit dem fortgeschritteneren Wachstum der Jungen -auch deren Nahrungsbedarf ein größerer geworden war und die bisher -fleißig abgesuchten Straßenbäume anscheinend nicht mehr in der Lage -waren, ihn restlos zu decken. In den verschiedenen Jahren traten darin -auch mehr oder weniger deutliche Abweichungen ein, die wahrscheinlich -auf einen wechselnden Insektenreichtum der Straßenbäume zurückzuführen -sind. Nur im Walde, die wenigen Fälle, in denen er auch einmal auf -Alleebäumen zu Gaste ging, ändern an dem Bilde nichts, sammelte der -Kleiber die Nahrung, wobei er freie Feldflächen von 100--500 Meter -überflog. Im Gegensatz zu ihm schien dagegen wieder der Baumläufer -den Obstbäumen an der Straße den Vorzug zu geben; bei den allerdings -etwas spärlichen Beobachtungen 1919 an der Rochlitzer Bergstraße, die -aber durch ähnliche in Westsachsen und in der Oberlausitz ergänzt -werden, sah ich unsere Art nur Alleebäume absuchen, nie aber auch -einmal das freie Feld in der Richtung des Waldes überfliegen. Ebenso -entnahm auch der Gartenrotschwanz seinen Nahrungsbedarf in erster -Linie den Straßenbäumen und verlegte die Jagdgefilde erst dann in den -Wald, als ihm die Straßenbäume nicht mehr die nötigen Nahrungsmengen -zu liefern im Stande zu sein schienen. Darauf deutet ganz besonders -die 1913 gemachte Beobachtung eines Pärchens, das zunächst auf den -der Bruthöhle am nächsten gelegenen Bäumen die Nahrung sammelte, -dann sein Jagdgebiet immer mehr auch auf die entfernteren ausdehnte -und schließlich kurz vor dem Flüggewerden der Jungen fast nur noch -im Walde die Nahrung suchte. Eine überaus große insektenvertilgende -Tätigkeit entfaltete auch der sonst so lästige Feldsperling, dessen -zur Brutzeit hier erlangte Bedeutung in der Lage ist, einen Teil -seiner sonstigen Untugenden aufzuheben. Ich sah ihn ausschließlich die -Nahrung auf den Straßenbäumen einsammeln und ihn dabei eine Tätigkeit -entfalten, die kaum der emsiger Meisen nachstand. Mehr als die anderen -Vogelarten berücksichtigte er dabei die unmittelbarste Umgebung des -Nistortes und sammelte auf deren Bäumen die Nahrung für seine Brut. -Nie sah ich ihn das freie Feld nach dem Walde zu überfliegen, und -nie auch andere, als tierische Nahrung herbeibringen. Im Gegensatz -zu ihm deckte der Star seinen Nahrungsbedarf ausschließlich im Walde --- das gelegentliche Zugastegehen auch auf einem Obstbaum ist kaum -der Erwähnung wert --, und überflog dabei das freie Feld auf meistens -recht weite Entfernungen. -- Zusammenfassend, möchte ich inbezug auf -die Insektenvertilgung in den Obstalleen durch deren höhlenbrütende -Gäste den Meisen, die ja auch die häufigsten und regelmäßigsten -Bewohner sind, die größte Bedeutung zusprechen und ihnen den meistens -ja gleichfalls häufigen Gartenrotschwanz an die Seite stellen. Auch -der Baumläufer wird überall dort, wo er sich als Brutvogel häufiger -einstellt, eine hinter den Meisen kaum zurückbleibende Tätigkeit zu -entfalten in der Lage sein. Des Feldsperlings Bedeutung endlich, die -ihm in der Zeit der Jungenpflege wenigstens ohne Zweifel zukommt, -vermag, wie schon gesagt, manche seiner sonstigen Untugenden -abzuschwächen, dürfte aber kaum genügen, alle seine vielen Schwächen -ganz auszugleichen. - -[Illustration: Abb. 7 =Haubenmeise vor der Nisthöhle=] - -Äußert sich die insektenvertilgende Tätigkeit der hier erwähnten -höhlenbrütenden Straßenvögel nun aber auch in einer praktisch ins -Gewicht fallenden Weise? Ich glaube diese Frage, die ich aber -nur ungern stelle, weil mir die Verknüpfung von Vogelschutz und -Nützlichkeitsstandpunkt im allgemeinen wenig sympathisch ist, ohne -die wir aber nicht auskommen können, wenn wir der großen Masse den -Vogelschutz begreiflich machen wollen, entschieden bejahen zu müssen. -In der von meinen Knabenjahren an bis in das späte Jünglingsalter -hinein fallenden Zeit, in der an der Rochlitzer Bergstraße die -Zahl der hier nistenden Höhlenbrüter eine nur kleine war, war -auch das Insektenleben der Bäume ein viel größeres. Wenn der -Straßenwärter die Allee mit der Baumschere durchgegangen war, lagen -die herausgeschnittenen Raupennester zu Tausenden am Boden. Dieser -Reichtum an Insekten -- es handelt sich dabei ja auch vorwiegend um -schädliche Arten, die ohne allen Zweifel den Obstertrag gemindert -hätten --, ließ aber sofort nach, als mit dem Aufhängen von Nistkästen -die Wirkungen dieser Maßregel in einer größeren Zahl der die Straße -bewohnenden Vögel sich äußerten, und die Menge der Raupennester, die -heute noch von dem Wärter der Straße entfernt werden muß, bildet nur -noch einen verschwindend kleinen Bruchteil der früher beseitigten. Es -ist das eine Erscheinung, die nicht etwa nur von mir beobachtet worden, -sondern auch anderen schon aufgefallen ist und die ganz besonders -der die Straße betreuende Wärter empfindet. Eins verdient dabei noch -Beachtung, nämlich der geringe Einfluß, den die Vogelwelt des an die -Straße angrenzenden oder doch in ihrer Nähe bleibenden Waldes auf das -Insektenleben der letzteren auszuüben scheint. Wäre er ein größerer, -so hätte er sich ja damals schon anders äußern müssen, als infolge -der geringeren Zahl der Straßenvögel der Insektenreichtum der Allee -ein noch größerer war. Es ergibt sich aus dieser Erscheinung daher -wohl auch die für den praktischen Vogelschutz recht beachtenswerte -Folgerung, daß zu einer wirksamen Bekämpfung der Schädlinge in -Obstalleen durch die Vogelwelt auch in vogelreichen Gegenden es -unbedingt der Heranziehung eines den Alleen selbst eigenen Vogellebens -bedarf. Möchten daher die Besitzer von Obstalleen -- als solche kommen -in erster Linie ja wohl der Staat und die verschiedenen Ortsgemeinden -in Frage -- diesem Umstande künftig auch Rechnung tragen und einmal -durch das Aufhängen von Nistkästen, zum anderen aber durch die Duldung -einzelner alter, höhlenreicher Bäume, die Vogelwelt dieser Alleen nach -Möglichkeit zu vermehren trachten. Die darauf verwandten Kosten werden -ja bald in einer Verminderung derjenigen für die Schädlingsbekämpfung -auf der einen, in einer Erhöhung des Obstertrages aber auf der anderen -Seite ihre Wirkungen zeigen. -- - -Meine Ausführungen beschließe ich mit einer Liste der von mir bisher -festgestellten höhlenbrütenden Alleevögel und füge dabei den einzelnen -Arten noch die Ergebnisse meiner bisherigen Feststellungen bei. - -1. _Gartenrotschwanz._ -- Verbreiteter und neben der Kohl- und der -Blaumeise vielfach auch häufigster Alleevogel, der -- den eingehenderen -Rochlitzer Beobachtungen stehen noch solche aus Westsachsen und der -Lausitz zur Seite -- zur Zeit der Jungenpflege in den von ihm bewohnten -Alleen eine überaus nützliche Tätigkeit entfaltet und selbst beim -Vorhandensein reicherer Nahrungsquellen, wie sie ihm etwa ein naher -Wald darbietet, den Nahrungsbedarf in erster Linie den Straßenbäumen -selbst entnimmt. Wenn Hennicke (Handbuch des Vogelschutzes, S. 122) -unsere Art als wirtschaftlich bedeutungslos bezeichnet, so bedarf diese -Behauptung in Fällen, wie wir sie in unseren obigen Darlegungen kennen -gelernt haben, doch zweifellos einer entsprechenden Richtigstellung. - -2. _Kohl-_ und 3. _Blaumeise_. -- Die beiden häufigsten und wohl -nirgends fehlenden Alleevögel überhaupt, die eine besonders nützliche -Tätigkeit entfalten und noch wesentlich an Bedeutung gewinnen, weil -sie in vielen, vielleicht gar in den meisten Fällen mit ihren -Bruten in dem Straßengebiet verbleiben, wenn andere hier genistete -Arten andere Tummelplätze aufgesucht haben. -- Es sei hier noch kurz -auf die Rörigschen Untersuchungen über den Nahrungsbedarf unserer -insektenfressenden Kleinvögel[3] verwiesen, nach denen beispielsweise -ein Kohlmeisenpaar mit seiner Nachkommenschaft eines Jahres jährlich -mindestens anderthalb Zentner Insekten als Nahrung verbraucht, um auch -weiteren Kreisen ganz besonders nachdrücklich den hohen Wert dieser -Vögel vor Augen zu führen. - - [3] Arbeiten a. d. Biol. Anst. f. Land- u. Forstwirtschaft, Berlin. - IV. Bd., Heft 1. - -[Illustration: Abb. 8 =Kleiber vor der Nisthöhle=] - -4. _Tannen-_, 5. _Sumpf-_ und 6. _Haubenmeise_. -- Nur in der Nähe des -Waldes und auch dann in der Regel sich nur vereinzelt einstellende -Brutvögel, die zur Brutzeit in den von ihnen bewohnten Alleen eine -zwar nicht minder große insektenvertilgende Tätigkeit wie ihre beiden -vorgenannten Verwandten entfalten, aber nach Aufzucht ihrer Jungen -wieder den Wald aufsuchen und die Alleen dann erst wieder vorübergehend -zur Strichzeit besuchen. - -7. _Kleiber._ -- Ebenfalls wohl nur in der Nähe von Wald in den -Obstalleen sich einstellender Brutvogel, der seinen Nahrungsbedarf aber -weniger in diesen selbst, sondern mehr im Walde decken dürfte, aber -eine größere Bedeutung für die Alleen im Herbst und Winter erlangt, wo -er sie öfters zum Zwecke der Nahrungssuche besucht. - -8. _Baumläufer._ -- Ein zwar verbreiteter, an Zahl aber wohl immer -hinter Kohl- und Blaumeise zurückstehender Alleevogel, dessen Tätigkeit -der der Meisen aber kaum nachstehen dürfte und der wie diese auch nach -Beendigung des Brutgeschäfts noch in den Alleen angetroffen wird. - -9. _Weiße Bachstelze._ -- Verbreiteter, hier und da in Halbhöhlen der -Bäume, häufiger aber unter Straßenunterführungen usw. nistender Vogel, -dessen Tätigkeit infolge der Art seiner Nahrungsaufnahme für die von -ihm bewohnten Straßen aber von keiner Bedeutung ist. - -[Illustration: Abb. 9 =Wendehals vor der Nisthöhle=] - -[Illustration: Abb. 10 =Großer Buntspecht vor der Nisthöhle=] - -10. _Feldsperling._ -- Ein ebenfalls häufiger Alleevogel, dessen sonst -überwiegend schädliche Tätigkeit zur Brutzeit für die von ihm bewohnten -Alleen zu einer recht nützlichen werden kann. - -11. _Star._ -- Ein zwar verbreiteter, nach meinen Erfahrungen aber -doch mehr örtlich als Alleebewohner auftretender Vogel, dessen -Bedeutung für die Alleen aber nur eine geringere sein dürfte, da er -seinen Nahrungsbedarf -- den oben wiedergegebenen Beobachtungen an der -Rochlitzer Bergstraße stehen Erfahrungen auch von anderen Orten zur -Seite -- nicht in den von ihn bewohnten Alleen, sondern an Stellen in -der Nachbarschaft deckt. - -12. _Grauer Fliegenfänger._ -- Mehr gelegentlich sich einstellender, -Halbhöhlen beziehender Alleevogel. - -13. _Trauerfliegenfänger._ -- Gleich dem vorigen wohl auch nur mehr -gelegentlicher in der Nähe von Laub- oder laubholzreichem Mischwald -sich einstellender Alleevogel. - -14. _Großer Buntspecht._ -- In der Nähe von Wald einzeln sich -einstellender Alleevogel, der für die von ihm bewohnten Alleen aber -ohne größere wirtschaftliche Bedeutung ist, durch seine Höhlen aber -für die Kleinvögel Nistgelegenheiten schafft. Neben ihm mag sich hier -und da der von mir als Alleevogel allerdings noch nicht beobachtete -_Mittlere Buntspecht_ in dieser Eigenschaft einfinden. - -15. _Kleiner Buntspecht._ -- Von größerer Bedeutung als seine beiden -eben genannten Vettern wird für die von ihm bewohnten Alleen der Kleine -Buntspecht, der meisenähnlich vor allem die Bäume in der Nachbarschaft -seiner Bruthöhle absucht und, sein Wesen auch nach der Brutzeit hier -noch treibend, besonders winters über die von Insekten angegangenen -Knospen ausklaubt. - -16. _Grünspecht._ -- In der Nähe von Wald hin und wieder sich -einstellender Alleevogel ohne größere Bedeutung für sein Wohngebiet. - -17. _Wendehals._ -- Ein zwar häufig in Obstalleen sich einstellender, -für diese aber, da er die Nahrung zu einem großen Teil am Boden -einsammelt -- bei einem Pärchen beobachtete ich ausschließlich diese -Art der Nahrungssuche -- wirtschaftlich nicht bedeutender Brutvogel. -- - -Nachdem in der vorstehenden Zusammenstellung vorwiegend die -wirtschaftliche Bedeutung unserer Alleevögel betont worden ist, -sei wenigstens am Schlusse kurz auch noch auf ihre ideellen, der -wirtschaftlichen Bedeutung durchaus nicht nachstehenden Werte -hingewiesen. Unsere Vogelwelt vor allem ist es ja, die in das mitunter -große Einerlei vieler unserer Straßen erst den belebenden Ton trägt, -und sie wird das in einer um so größeren Weise tun, je artenreicher und -mannigfaltiger sie sich hier entfalten kann. Darum wollen wir uns auch -über die Anwesenheit der Arten freuen, deren wirtschaftliche Bedeutung -hinter der der anderen zurückbleibt. - - - - -Das Tännichttal im Tharandter Wald - -Von Stadtbaurat _Rieß_, Freiberg - -Aufnahmen von _K. Reymann_, Freiberg - - -Lange hatte während des Krieges und im bösen Jahr darauf mein treues -Rad gerastet. Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen -Sommermorgens und lockt hinaus, daß ich nicht widerstehen kann. - -Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf -flüchtigem Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit -jungen Schwingen, der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt. -Die wuchtige Stadtmauer Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben -mit seinen grünen Bäumen, das alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes -gleiten an mir vorüber. Leb wohl, du alter, fester Kumpan mit deinem -spitzen Kegeldach, heute treibt’s in die Ferne mich mächtig hinaus. -Und ihr Dohlen dort oben, die ihr dort flattert und schwebt, und mit -hellem Rufe freudig im Schwarme in dem blauen Äther euch schwingt, -heute neide ich euch nicht, heute bin ich selbst ein freier, wilder -Vogel! Meine Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt und -tief das Glück eines freien Sonnentages spürt. -- Die Straße ins -Muldental hinab fliegt das Rad, daß ein Jauchzen aus der Brust wie -ein lachender, springender Brunnen emporsteigt. Halli und Hallo! Die -Sommerwelt ist mein, die rechts und links an mir vorüberstürmt, die -grünen Hänge, die saftigen Wiesen, und dort der rauschende Fluß im -tiefen Grunde, mit seinen weißen Schaumflocken auf dunklem, sprudelndem -Wasser, die Heimat ist mein, denn meine Seele ist ihr offen, sie ist -mein, denn sie gibt sich mir, weil ihrem Zauber sich meine Seele gibt. - -Jenseits geht es steil bergauf. Steinig und heiß ist der Pfad, das -Geröll rutscht unter dem Fuß und die glimmerblinkenden Gneisplatten -flimmern wie Silber. Rötlich blüht schon das Heidekraut in dichten -Polstern am Wege. Auf der Höhe schöpft die Brust tief Atem und dann -wandern die Augen hinab ins tiefe Tal und dort nach den Höhen, wo die -Halden und Bergwerke, Alt-Freibergs Wahrzeichen und Hünenmale des -Bergbaues, sich türmen, und weit in die blaue Ferne, wo die duftigen -Linien der Berge in unendlicher Zartheit sich am Horizonte dehnen. -Doch nun wieder vorwärts, dem Walde entgegen, in dessen grünem Meere -ich untertauchen will. Über breitem Höhenrücken geht die Fahrt. Die -Felder reifen der Ernte entgegen. Wie lange noch, dann klingt die -Sense und die Pracht sinkt vor dem Schnitter dahin. -- Hast du Frucht -gebracht? -- -- - -Die Vogelbeerbäume schmücken sich schon mit roten Beeren. Wie lange -noch, und die Drosseln ziehen, die Beeren fallen und liegen wie -Blutstropfen am Straßenrande, und dann schnaubt der Schnee in mächtigen -Wehen und Wirbeln gleich wilden, weißen Rossen über die Felder und -hinter ihnen der eisige Ost mit scharfen Peitschenschlägen. -- Wohl -dem, der eine Heimat hat! -- Doch heute weht ein süßer Duft wie Honig -herüber. Ein blühendes Kleefeld strömt des Sommers ganze Lieblichkeit -in Duft und Farbe in die blaue Luft. Ich steige vom Rade und lausche -dem Liede des glühenden, blühenden Klees. Millionen von Bienen und -anderen Insekten singen und summen in dem purpurnen Blütenmeer ihr -Lebenslied, und taumeln von Kelch zu Kelch. Schwer und wonnig steigt -der Duft des Feldes empor und ich trinke ihn mit tiefen Zügen, als -wäre es ein alter, köstlicher Wein. Ein purpurner Teppich aus Duft -und Licht, Farbe und Leben gewoben, auf dem nur die Sonnenstrahlen -mit leichten, schwebenden Füßen dahingleiten dürfen. Ein Teppich, wie -ein dunkler, purpurner Orgelton, den der Sommerwind leise dahinträgt, -daß die Herzen stille werden. Als ob das heilige Herz der Mutter Erde -unter ihnen schlägt, so geht geheimnisvolles Leben durch die Millionen -Blütenköpfe. -- O, du Heimatflur! -- -- - -Dort drüben grüßt das grüne Meer des Tharandter Waldes. Mein Rad -fliegt wie ein Vogel hinab ins Bobritzschtal. Sanfter sind die Hänge -hier als im Muldentale. Malerische Höfe und Häuschen klimmen auf und -ab, drängen sich am Bach und drücken sich in die Talwinkel. Naundorf -ist es, dessen Kirchturm auf der Höhe wie ein Hirte über seine Herde -wacht. Die Straße führt talaufwärts, am Bach entlang. Die Wellen -hüpfen mit Murmeln und Plaudern über die runden Steine, und flinke -Forellen schießen blitzschnell daher. Einst war dieser köstliche -Fisch so häufig hier, wie ein altes Naundorfer Kind erzählt, daß für -wenige Groschen eine ganze Schüssel voll im Fuhrmannsgasthof an der -Straße geliefert wurde. Die zahlreichen Gänse, Enten und Hühner auf -der Straße sind dem Rade nicht gewogen. Mit Flattern, Fauchen und -Geschrei entrüsten sie sich oder suchen durch ängstliches hin und her -laufen dem allzuraschen gefürchteten Feinde zu entkommen. Heil uns, -daß wir ohne unfreiwillige Tötung eines »Rassehuhnes« -- überfahrene -Hühner sind immer »Rassehühner« -- am Ausgange des Dorfes anlangen. -Dort macht die Bobritzsch eine starke Krümmung, fast im rechten Winkel. -Ein stattlicher Hof liegt im Winkel und mächtige alte Bäume beschatten -den Platz. Dort mündet der Colmnitzbach, und eine Brücke führt über -die Bobritzsch, von der aus du in das Strudeln der klaren Wasser -hinabschauen und die ganze Lieblichkeit dieses stillen Winkels mit -seinem Wasserrauschen und Vogelsang unter grünem Blätterdach empfinden -kannst. Wie Sonntag, durch den leise der Harfenton der Andacht klingt, -liegt es immer hier unter sonnenstrahlendurchflochtener Laubkuppel. -- - -Auf schmalem Wege über dem Wiesengrunde des Colmnitzbaches geht es -aufwärts. Wie ein leuchtend grüner Teppich ist der Grund zwischen die -Hänge eingespannt. Doch bald verwehren uns hohe, dichte Hecken den -Blick auf diese grüne Herrlichkeit. Zwei Höfe am Hange liegen vor uns, -die Gippenhäuser. Eine bleiche Dame sitzt am Wiesenrande, ein Kind -spielt in der Nähe. Sommerfrischler! Ja, hier könnt ihr gesunden und -wie Joseph Viktor von Scheffel, der leider Halbvergessene und doch so -echt deutsche Mann, in seinen Bergpsalmen singen und sagen: - - »Du hast eine Ruhe, ein Obdach gefunden, - Hier magst du gesunden, - Hier magst du die ehrlich empfangenen Wunden - Ausheilen in friedsamer Stille.« - -Zwischen duftendem, rauschendem Wald und saftgrüner, blumiger Wiese, -in der die Margareten mit weißen Sternen leuchten, fern vom Staub der -Straßen der Welt, den Blick auf sanft geschwungene edle Höhenlinien, -abgeschlossen doch nicht eingeschlossen, so recht ein Ort friedsamer -Stille! -- - -Nun tauchen wir ein in den herrlichen Wald, dies grüne Kleinod zwischen -Freiberg und Dresden, den Tharandter Wald. Wie viele Stunden tiefster -Freude danke ich dir, du deutscher Wald, und deinen stillen Wundern. - - »Wer einmal diesen Jungbrunn’ fand, - Der schöpft aus keinem andern! - Denn das ist deutschen Waldes Kraft, - Daß er kein Siechtum leidet, - Und alles, was gebrestenhaft, - Aus Leib und Seele scheidet. - Daß ich wieder singen und jauchzen kann, - Daß alle Lieder geraten, - Verdank ich nur dem Streifen im Tann, - Den stillen Hochwaldpfaden.« - - (Scheffel, Aventiure.) - -Solch ein stiller Hochwaldpfad, über den die knorrigen Wurzeln laufen, -führt mich in die harzduftige, grüne Tiefe, und ein Singen und Jauchzen -geht mir durch die Seele, doch es schweigen meine Lippen und leise ist -mein Gang. Nur ab und zu knistern die Nadeln oder ein Ästlein unter den -Reifen des Rades, welches ich führe. - -»Willst du dein Herz mir schenken, so fang’ es heimlich an,« das gilt -auch vom Walde, dessen Seele man nur findet, wenn leise unsre Seele -sich an seine schmiegt. Dann öffnen sich uns seine grüngoldnen Augen -und schauen uns an voll unergründlicher Tiefe, dann spricht sein Mund -im geheimnisvollen Raunen, und wir hören im stundenlangen leisen -Wipfelrauschen wie des Waldes Seele mit uns spricht und ihre Wunder -uns offenbart. Dann darfst du nur lauschen, schauen und vergessen, was -draußen ist. Was er dir zeigt und sagt, was er deiner Seele gibt, das -wird dich reich und froh machen. Der Wald ist dein geworden, weil er -dir seine tiefsten Geheimnisse gab und du seiner wundersamen Kräfte -kund wurdest. - -Eine im Sonnenschein flimmernde Blöße öffnet sich. Ein kräftiger, -warmer Harzduft steigt empor und füllt die Brust, als sollten die -Lungen besonders in Waldeskraft gebadet werden! Die Grillen zirpen ihr -heißes Sonnenlied und über den Halmen und den Spitzen der Schonung -zittert die Luft, als wäre sie durch das schwirrende, unendliche -Grillenlied zum Schwingen gebracht. Ein Blick in die Weite auf -blauferne Höhenlinien, dann ein dunkler, grüner, kurzer Waldpfad, und -plötzlich gibt es mir einen Riß durch die Seele. Wie eine ungeheure -rote, offene Wunde in der Felsenflanke des Berghanges liegt es -vor mir, von rauher, rücksichtsloser Hand geschlagen, dort eine -Schutthalde von kleingeschlagenem Porphyrgestein, das aus dem Abhange -herausgeschlagen und gesprengt ist. Hier hatte ein Steinbrecher mit -gierigen Zähnen gearbeitet. Und weiter strecken sich Schienen eines -Bahnneubaues, der sich mitten durch eine Felsengruppe voll malerischer -Wucht eine klaffende Lücke gebrochen hat. Bitterkeit steigt dir auf, -daß Schönheit und Friede nicht mehr heilig sind, sondern wehrlos der -Rücksichtslosigkeit und ehernen Notwendigkeit unterliegen müssen! -Schillers Nänie klingt schmerzvoll durch die Seele: - - »Auch das Schöne muß sterben. - Siehe, da weinen die Götter, - Es weinen die Göttinnen alle, - Daß das Schöne vergeht, - Daß das Vollkommene stirbt.« - -Doch wie zum Troste senkt sich der Blick rechts durch Stämme und über -schwankende Wipfel hinab in einen Talgrund, der noch wie ein stilles -Märchenland des Friedens und der Schönheit grün heraufleuchtet. Es -ist das Tännichttal. Das Tännichttal, um dessen Schönheit, Poesie und -ungestörten Frieden der Heimatschutz im letzten Augenblick sich mühte -und den Weg der Rettung fand. Der Bahnbau war leider unvermeidlich und -wurde mit leidlicher Schonung und Anpassung an den Waldabhang gelegt. -Daß er, wenn jetzt auch die Wunden noch bluten, mehr und mehr im Laufe -der Jahre verschwinden und in das Bild sich einordnen wird, dafür wird -der Wald selbst schon sorgen und seine Wunderkraft heilend offenbaren, -wenn Flechten und Moose, Heidekraut und Ginster, Gras und Waldkräuter, -Birken und schließlich die ragenden Stämme des Hochwaldes sich das Werk -des Ingenieurs zu eigen machen. Doch Schlimmeres als der Bahnbau -sollte dem Tännichttale geschehen. Steinbrüche sollten angelegt werden, -welche Wunde auf Wunde tiefer und tiefer geschlagen hätten und die -grünen Hänge zerstört und mit dem Rasseln und Stöhnen, dem Lärmen und -Kreischen der Maschinen die selige Waldesstille, die Vögel und das -Wild des Waldes vertrieben und diesem lieben Märchenwinkel völlige -Vernichtung gebracht hätten. Eine Schwebebahn mit hohen Bockgerüsten -sollte das Tal überqueren. Das Rollen und Rütteln der Wagen und -Schienen und das Knirschen der Steinbrecher, sowie die ganze lärmende -Industriearbeit sollten die tiefmelodischen Stimmen der wilden Tauben, -des Pirols Flötenrufe und der Finken schmetternden Schlag für immer -verstummen lassen. Die malerischen Felsklippen, die wie Türme und -Mauern aus den grünen Wipfeln des Waldes emporsteigen, sollten von dem -Moloch des Industrialismus gefressen werden! - -[Illustration: Abb. 1 =Tännichttal=] - -Nicht mehr als alles wäre dadurch dem Tale genommen worden! Doch -stolz und freudig darf der Heimatschutz seines Erfolges denken: -Diese Gefahr ist gebannt durch seine Bemühungen und die dankbar zu -rühmende verständnisvolle Förderung des Finanzministeriums, welches in -letzter Stunde die Genehmigung der Steinbruchanlage versagte. Doch wir -blicken jetzt mit frohem, innerem Glücksgefühl ins Tännichttal hinab, -wie es uns nun erhalten bleiben soll und noch viele stille Wanderer -entzücken wird. Dort unten blitzen die Wellen des Colmnitzbaches aus -dem Smaragdgrün des Wiesenbodens herauf. Er kommt weit von draußen -her, aus der waldarmen Gegend, um hier zwischen Wald und Felsen seines -Daseins schönste Strecke zu durchlaufen. Wie die andern Bäche der -Freiberger Gegend hat er sich schon draußen ein tiefes Bett gegraben -und windet sich in vielen Krümmungen durch die hügelige Landschaft. -Die begleitenden Höhenkuppen des Gneismassivs von breitgelagerter, -rundlicher Art, welche mit ihren langen, schöngeschwungenen Linien -ungeheuren Wogen gleichen, haben an der Quelle rund 500 Meter, -an der Mündung in die Bobritzsch rund 400 Meter Höhe. Draußen im -freien Lande haben sich im Colmnitzbachtal in der langgestreckten, -dem Wasserlaufe folgenden Siedelungsweise des Kolonistendorfes die -Dörfer Pretzschendorf, Ober- und Niedercolmnitz angesiedelt. Ihre -Wiesen und Felder mit ihren besonderen Reizen von Saat, Ernte und -Wiesenduft geben der ganzen weiten Gegend draußen einen ausgesprochen -landwirtschaftlichen Charakter, aber auch mit ihrer ausgesprochenen -Kahlheit, welche außer den Bäumen an den Straßen, am murmelnden Bach -und in den Gärten des Dorfes kaum einen Baum duldet, der nur der -Schönheit nicht aber besonders dem Nutzen dient. Fünf Sechstel seines -Laufes hat so der Colmnitzbach kahles Gelände durchströmt, bis er -hier im waldigen, engen, malerischen Tännichttal sich heimfindet zu -Bergeshang mit dunklen Fichten, zu Wiesengründen mit leuchtendem Grün. -Der schluchtartige Charakter dieses Tales mit seinen steilen bewaldeten -Abhängen, im Gegensatz zu den sanfteren Hügelwogen des freien Landes, -ist überraschend und gibt malerische Bilder, gleichviel ob man von -oben hineinschaut in die saftigen Gründe einer stillen, smaragdnen -Märchenwelt, oder ob man von unten zu den Höhen hinaufschaut, die mit -ihren Wänden einzelne Kessel abschließen und bei einer neuen Krümmung -neue Bilder friedsamer Stille öffnen. Der Talboden hat nur fünfzig bis -sechzig Meter Breite. Die anschließenden steilen Hänge steigen rund -hundert Meter auf, zum Teil mit hohen Felswänden, Zacken und ragenden -roten Porphyrklippen, die wie zinnengekrönte Burgmauern aufsteigen. -Dieser schluchtartige Charakter des Tales im Gegensatze zur breiten -Landschaft draußen, ist das Ergebnis urgewaltiger Kräfte aus der -Werdezeit unserer Erde, und insofern ein Naturdenkmal von besonderer -Bedeutung für die Freiberger Gegend. - -[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Felsenklippen der Diebskammer vom -Tännichttal aus=] - -Das flachgeschichtete, im Laufe der Jahrmillionen rundlich -abgeschliffene Urgebirge des Gneises der Freiberger Landschaft ist -hier mit ungeheurer vulkanischer Gewalt von Porphyr durchbrochen. -Durch dieses harte Porphyrmassiv hat sich der Bach hindurchgenagt und -die schmale Talenge hineingefressen. Dort drüben, mitten in dieser -malerischen Talenge, an ihrem schönsten Punkte, ragen die zackigen -Spitzen und Kämme der gewaltigen roten Porphyrklippen in den blauen -Himmel vom grünen Waldhange empor, die Diebskammer. Diese Felsgruppe -ist die Krönung der Schönheit des ganzen Tales, das urgewaltige, zu -Stein erstarrte Denkmal gigantischer Naturkräfte. Wir stellen das -Rad in das Dickicht und klettern näher heran durch Fichtengezweig -und Ginstergestrüpp, die trotzigen Zacken zu betrachten. Da sehen -wir und erleben es fast an der eigenartigen Faltung und Schichtung -der Gesteinsformationen, wie einst in ungeheuren Wehen und Ringen -lebendiger Kräfte die Massen emporstiegen, sich zusammenpreßten -und neigten, sich kristallisierten und zu besonderer Lagerung und -Schichtung versteinten. - -Das Tännichttal streicht von Osten nach Westen. Die Strahlen der -Morgensonne und das rote Licht des untergehenden Tagesgestirns läßt die -roten Klippen in feuriger Glut aufleuchten, als wären sie von innerem -Feuer durchglutet und wollten zu neuem vulkanischen Leben erwachen. -Ein _Naturdenkmal_ ist dieses Tal mit seiner Felsengruppe, das im -geologischen Anschauungsunterricht für jedermann in unserer Zeit der -Volkshochschulen von der Natur selbst unübertrefflich dargeboten ist -und zu uns redet vom Werden unserer Erde, Heimat und Landschaft mit -deutlicherer Zunge als Bücher, die das Volk nicht liest, als Gelehrte, -die das Volk nicht hört, als Weisheit, die in den Hörsälen oder bei den -Spezialisten bleibt. Es ist ein Dienst an der deutschen Seele, wenn der -Heimatschutz für diese Werte der deutschen Natur und Heimat kämpft, -ein Kampf für die deutsche Seele und ihre Rechte an der Heimat, ein -Kampf für die Seele der Heimat gegen kalte, harte Seelenlosigkeit der -Ausbeutung. Das Volk hat ein Recht darauf, daß diese Naturdenkmäler, -die Eigenart und besondere Schönheit der Heimat geschützt und ihm und -der Nachwelt ungeschmälert erhalten bleiben, und nicht der Ausbeutung -einiger Kapitalisten überlassen werden. Das, was der Allgemeinheit -und der Heimat dienen kann und im höchsten Sinne zur geistigen und -seelischen Förderung dient, darf niemals Ware, darf niemals käuflich -sein, darf niemals nur dem Interesse eines Einzelnen um materiellen -Gewinnes willen ausgeliefert werden, sondern muß unbedingt als Besitz -der Allgemeinheit als ein Denkmal gehütet und gepflegt werden. - -Solches unverletzliches, der Allgemeinheit, dem Volke gehöriges -_Naturdenkmal_ wird auch diese Felsengruppe mit dem ganzen Tale sein -und bleiben, bei dessen Anblick und sinnender Betrachtung Tausenden -das Herz aufgehen muß für die Schönheit der Heimat und das Verständnis -und die Freude wachsen soll an ihrer Seele, an ihrem Leben, Sein und -Werden. Freibergs Umgebung ist nicht reich an solchen Punkten, wo -Wissenschaft und beseelte Schönheit sich in gleicher Weise vereinen, -um den Ort reizvoll zu machen, und wo als Drittes noch die Sage -hinzukommt, um mit den krausen Ranken der Phantasie und der Erinnerung -den Ort geheimnisvoll zu schmücken. Der Lips-Tullian-Felsen dort drüben -im Tale ist in unmittelbarer Nähe, der Felsen, wo der große Räuber -einst hauste. Auch die Diebskammer hier mag ihm und seinen dunklen -Zwecken gedient haben. Die echte Räuberromantik spinnt ihre bunten -Fäden um die zackigen Zinnen dieser Räuberburg, die bald wie Blut, -bald wie Gold in der Sonne leuchten, bald wie von Rauch geschwärzt -und Krähen umflogen im Schatten liegen. Lips-Tullian, den jeder -im Freiberger Bezirke kennt, denn im mittelalterlichen, grausigen -unterirdischen Gefängnisse des Freiberger Rathauses, wo auch Kunz von -Kauffungen schmachtete, mußte er 1715 sein Todesurteil erwarten. Seine -in den Felsen gehauene Zelle, Ketten und Handschellen werden heute noch -gezeigt. - -Was das Wandern im _Thüringer_ Land so unvergleichlich genußreich -und poetisch macht, ist, daß überall die Gestalten der Sage und -Geschichte, von Poesie und Märchen mit uns wandern und das, was wir -schauen, verklären. _Sachsen_ ist nicht reich an solchen Stätten, aus -denen uns Sage oder Märchen mit verträumten Augen anschaut und die -Romantik uns grüßt. Sorgfältig müssen wir die wenigen Stätten solcher -Romantik schonen, und wäre es auch nur Räuberromantik, und müssen wir -pflegen, was durch die Phantasie und die Erinnerung des Volkes sein -besonderes Gepräge, seine besondere Weihe erhielt. Das Gedenken des -Volkes schafft erst die rechten Denkmäler. Hängt sich dieses Gedenken -an eine besondere Örtlichkeit, so erhält diese die Denkmalsweihe. Wie -gesund und wie tief hat hier doch das Volk empfunden, daß es hier dem -Orte noch diese besondere geheimnisvolle, geistige Denkmalsweihe der -Phantasie gab, der durch seine landschaftliche Schönheit und seine -wissenschaftliche Bedeutung schon seine Weihe als Naturdenkmal in sich -trägt. -- Von einem ehrwürdigen Freunde des Heimatschutzes, der hier -vor sechzig und siebzig Jahren jung war, liegt ein Brief vor, aus dem -diese Romantik herausklingt wie das Rauschen von Bach und Bäumen, und -die leisen, wehmütigen Töne des Liedes: »Aus der Jugendzeit, aus der -Jugendzeit klingt ein Lied mir immerdar.« Er schreibt: - -[Illustration: Abb. 3 =Diebskammer im Tännichttal bei Naundorf, Bezirk -Freiberg=] - - »An dieses liebliche Stückchen Erde, im besonderen an die - über der »Diebskammer« sich aufbauenden Felsenpartien knüpfen - sich für mich die angenehmsten Erinnerungen aus meiner - Jugend. Als Naundorfer Pfarrerssohn habe ich dort von meiner - Tertianerzeit an bis in meine ersten akademischen Semester - (1855--1861), in welch’ letzterem Jahre nach des Vaters Tode - unsere Familie den Ort verlassen mußte, in den Ferienzeiten - zahlreiche glückliche Stunden verlebt. Mit Hilfe eines mir - befreundeten jungen, für Romantik empfänglichen Lehrers hatte - ich hier in etwa halber Höhe des Felsens ein Plätzchen für - längeren Aufenthalt hergerichtet, einen Felsblock als Tisch, - einen anderen moosbedeckten als Sessel, und in diese durch - keine Straße gestörte Weltabgeschiedenheit flüchtete ich mich - so oft wie möglich mit meinen Freunden aus dem altklassischen - Altertume, Homer, Sophokles, Horaz usw. oder mit unseren - deutschen Dichterheroen. Hier beschäftigte ich mich mit ersten - poetischen (richtiger wohl »gereimten«) Versuchen, übersetzte - ich in das Deutsche einen Teil von Ovids Metamorphosen, und - ich hatte immer die Empfindung, daß mir hier alles leichter - vonstatten ging. Auch verträumte ich manche Stunde unter dem - Rauschen der Tannen, dem Gesange der damals noch zahlreichen - Vogelwelt, unter dem Murmeln des zwischen saftig grünen Wiesen - durch den Grund fließenden, kristallhellen, von Forellen und - Krebsen dicht bevölkerten Colmnitzbaches. Der Felsen senkte - sich winkelförmig in die Erde und schien in eine Höhle zu - führen, die von Steinen verschüttet war, in deren Geheimnis ich - aber nie eingedrungen bin. Ob der berüchtigte, 1715 in Dresden - hingerichtete Lips Tullian auch hier sein Wesen getrieben - hat, weiß ich nicht, wäre aber bei der versteckten Lage der - Diebskammer nicht unmöglich. Es wurde zu meiner Zeit von - diesem Tale nur mit einer gewissen Scheu von den Dorfbewohnern - gesprochen. Ich habe seiner Zeit bei den Freiberger allgemeinen - Gymnasialspaziergängen, die gewöhnlich über Niederbobritzsch - nach Naundorf führten, nie versäumt, meine Freunde an diesen - meinen Lieblingsort zu führen, ihn auch später ab und zu - aufgesucht.« - -O Klang der Jugendromantik und deutscher Träumerei aus diesem Tal -heraus, der wie von fernen süßen Glocken noch durch das Greisenalter -tönt! -- - -Und diese Felsen, dieser Ort, die so noch klingen und Tausenden noch -klingen werden, sollten dem Steinknacker ausgeliefert werden!? Damit -einige geschickte Geschäftsleute gute Geschäfte machten, sollten die -Felsen zu Straßenschotter verarbeitet werden und allmählich der Meißel -sich hineinfressen in die Talwände, bis alles weggefressen ist, was -an Schönheit und höheren Werten Tausenden zur Freude und Erquickung -diente!? - -Wir freuen uns mit dankbarem Herzen, daß diese Gefahr gebannt ist und -schauen mit besonderer Liebe der stillen Stätte des Friedens in die -tiefen Augen und versenken uns ganz in die Stimmung der Einsamkeit, -des Alleinseins, Geborgenseins vor dem Tosen und Staub der Welt dort -draußen. - - »Selig, wer im stillen Lauschen - Einsam hier die Waldrast hält, - Wer beim flüsternd milden Rauschen - Das Getös vergißt der Welt.« - - (Scheffel.) - -Langsam steigen wir nun die Straße ins Tal hinab. Hier ist es zu schön, -um auf dem Rade vorbeizufliegen, hier möchte man weilen und träumen, -und warten, ob nicht irgend ein liebliches Wunder geschehen möchte, daß -drüben aus dem Waldesdunkel die Elfen auf die leuchtende Wiese schweben -oder daß die Elfenkönigin auf schlankem weißen Reh aus dem Dickicht -kommt, an dir vorüberstreift und aus wundersamen Märchenaugen dir tief -in die Seele schaut. - -[Illustration: Abb. 4 =Felsen im Tännichttal bei Naundorf=] - -Dort steht der Fels wie ein Wächter am Wege, dicht am Bach, wo die -Brücke in die Wiese führt. Will er hüten, daß kein Unberufener, kein -Feind hier eindringe? Ist er der Riegel, der die Welt und den Lärm -abschließt vom stillen Lande der Poesie? - - Den Wipfel hoch die Tanne hebt, - Im Winde schwankt die Birke, - Und Gottes goldne Sonne schwebt - Still über dem Bezirke. - Ein harziges Gedüfte - Durchwogt die warmen Lüfte. - - (Scheffel.) - -Wie ein silberner Steg für überirdische Füße schimmert der Bach im Grün -und windet sich durch die saftige Aue, als wollte er diese Stätte nicht -verlassen, sondern immer noch einmal umkehren und bleiben. Einzelne -Baumgruppen von herrlicher Gestalt stehen hier und da mitten in der -Wiese, und im weichen Dufte dämmern die fernen Abhänge des Tales. - -Dann fliegt unser Blick noch einmal hinauf zu den Felsschroffen, die -dort oben rot in der Sonne leuchten, aus dem Waldesdunkel schimmernd -emporsteigend. Wir schreiten weiter am Wiesengrund. Weiß glänzen die -Stämme der Birken am Wege, und die Felsen entwickeln sich zu einer -langen gewaltigen Mauer, die mit schroffen Seiten, scharfen Spitzen und -Kanten nackt und kahl, nur mit dem bunten Gewande der Farbe bekleidet, -aus dem Walde aufragt. Der Reichtum der Farben, der je nach Beleuchtung -wechselt, je nachdem die Schatten der Wolken den Wald, die Wiese oder -die ernsten Felsenstirnen streifen, gibt dem Bilde einen besonderen -überraschenden Reiz. Wie ein tiefes, tiefes, weiches buntgesticktes -Kissen ist die Wiese mit ihrem Duft und ihren Blumen, in das man -sich hineinschmiegen möchte. Es plaudert der Bach an unserer Seite, -und Birken und Erlen streuen ihren Schatten auf Weg und Wiese und -flüstern im weichen Sommerwinde von den alten Geschichten, die hier -geschehen. Denn dort drüben ragt aus dem Walde der Lips-Tullian-Felsen, -der gar vieles erzählen könnte. Er ist aber ein rauher, schweigsamer -Geselle, der seine Geheimnisse wohl hütet und das junge Volk der -Pflanzen und Bäume raunen und flüstern läßt. In seine Felsenstirne -zogen die Jahrhunderte und Jahrtausende ihre tiefen Runen. Was ist -da Menschenleid und Menschentat, was sind da die Geschlechter der -Menschen, die hier vorüberschritten, was ist da Jugend und Alter? Gras, -das zu seinen Füßen wächst, Bäume, die an ihm wurzeln und abgehauen -werden, wieder kommen und wieder vergehen in unendlicher Folge! Er -schweigt und läßt die Sagen und Geschichten, welche aus Dickicht und -Höhlen und Löchern hervorkriechen, wie Spukgestalten ihres Weges -ziehen, schweben und zerflattern in Wind und Nebel und dem Rauschen -des Waldes, daß niemand sie fassen kann, sondern nur ein unnennbares, -unbestimmbares Grausen unheimlich um den Felsen schleicht. - -Wir wandern weiter und nähern uns dem oberen Ausgange des Tales. Der -Weg steigt wieder an und löst sich vom Talgrund. Unter schönen alten -Fichten, aus dunklem Schatten hervor, blicken wir weit über die grünen -Gründe, die im Sonnenlichte flimmern, hinaus in die duftige Ferne, -wo blauende Höhenzüge sich zart vom Himmel abzeichnen. Der Bach ist -ein silberner Spiegel im Vordergrunde, in dem sich Wolken und Bäume -spiegeln. - - »Ich stehe in Waldesschatten - Wie an des Lebens Rand, - Die Länder wie dämmernde Matten, - Der Strom wie ein silbern Band.« - -Ein langer Blick dann zurück in das stille Tal Eden, das wir nun -verlassen, und es geht uns durch die Seele ein Klang der Sehnsucht: - - »Du bist Orplid, mein Land, - Das ferne leuchtet!« - -Bald treten wir aus dem Walde auf kahle Höhe mit weitem Fernblick, -und dann fliegt das Rad hinab in das Dorf Colmnitz, dessen Höfe sich -rechts und links von Bach und Straße, unter Eschen und Birken, oft -in malerischer Lage und Gruppe siedeln. Doch wir sind noch wie im -Traume. Wir achten nicht viel, nicht so wie sonst, auf jedes Haus und -jede Gruppe von Bäumen und Bauten, auf jede Eigenheit der Bauart oder -neckischer Laune. Wir sind im Leben draußen, aber unsere Seele weilt -noch dort drüben im stillen Tale, wo die Welt schweigt, sie wandert -noch auf dem silbernen Steg in den Elfenwiesen, an deren Rand die -dunklen Fichten Märchen träumen und wo um die Felsen geheimnisvoll die -Sage raunt. - -Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange -über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen -Häusern fast versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt -der Wald im blauen Dufte, dort drüben, das Tal, dort drüben -- dort -drüben -- - - * * * * * - - »Und meine Seele spannte - Weit ihre Flügel aus!« - -[Illustration: Abb. 5 =Blick über Colmnitz nach dem Walde mit dem -Tännichttal=] - - - - -Gauernitz - -Von _A. Klengel_, Meißen - - -Ein herrliches Stück Heimat zeigt sich dem Wanderer, der die neue -Hochuferstraße von Niederwartha abwärts zieht oder an sonnigem -Sommertage mit dem Elbdampfer an Gauernitz und Scharfenberg -vorüberfährt. Zwei starke Gegensätze bieten sich hier seinem Auge. -Hoch oben auf schroffem Berge liegen die Mauern der altersgrauen -Feste Scharfenberg. Unten im Tale dagegen lugen die feingegliederten -Renaissancegiebel des Schlosses Gauernitz zwischen den Baumriesen des -Parkes hervor. Jedes kriegerischen Schutzes bar liegt das anmutige -Schloß frei inmitten grüner Matten, dicht am Ufer des Elbstromes als -ein Bild des Friedens. Es zeigt in seiner architektonischen Schönheit -gar deutlich, daß es in einer späteren Zeit entstanden ist, die nichts -mehr von den kriegerischen Drangsalen alter Tage wußte, die einst den -trutzigen Nachbar auf steiler Bergeshöhe umbrausten. - -Auf uraltem Kulturland stehen Schloß und Dorf Gauernitz. In der -Umgebung aufgefundene vorgeschichtliche Überreste, so von einem in -Sachsen äußerst seltenen sorbischen Skelettgrab neben der Gauernitzer -Ziegelei, deuten darauf hin, daß die Landschaft spätestens in der -Sorbenzeit besiedelt wurde. Auch der Name der Siedlung selbst läßt -auf sorbische Gründung schließen. Er geht auf die Wurzel ~jawor~, -Ahorn, zurück und bezeichnet einen mit Ahornbäumen bestandenen Ort. -Die Gestalt des Namens ist im Laufe der Jahrhunderte manchem Wechsel -unterworfen gewesen. In Urkunden aus den Jahren 1312, 1348 und 1397 -lautet er in seinen ältesten Formen Jauernycze und Jauernyk, 1402 -Jauwirnicz, 1468 Yawirnicz, später Jevernitz und dann Gavertitz, -Gäwernitz oder Gävernitz; die letzte Form blieb bis in die Mitte des -vorigen Jahrhunderts erhalten und ist heute noch auf manchen Karten -neben dem jetzigen Namen verzeichnet. - -Alte Berichte nehmen an, daß das Schloß Gauernitz an der Stelle einer -alten Sorbenburg stehe. Diese Vermutung ist jedoch urkundlich nicht zu -belegen. Möglich ist es aber immerhin, daß nach der Rückeroberung des -Landes die Germanen an dieser Stelle einen festen Waffenplatz, einen -Vorläufer des heutigen Schlosses, angelegt haben. Diese Vermutung -gewinnt dadurch noch an Wahrscheinlichkeit, daß Gauernitz an der Grenze -der alten Gaue Nisani und Daleminza liegt, deren Grenze sich im Tale -der Wilden Sau entlang zog, eines Baches, der bei Gauernitz in die -Elbe mündet. Die älteste urkundliche Nachricht über Gauernitz stammt -aus dem Jahre 1312. 1360 war es Meißner Burggrafenlehn; als damalige -Lehensträger werden die Brüder Nikolaus Wyrand und Michael Ziegler -genannt. Bis zum Jahre 1595 blieb Gauernitz, wenn auch mit kurzen -Unterbrechungen, im Eigentum dieser Familie. - -Die Ziegler stammten aus dem Goslarer Gau im Harz. Die Kunde vom -Aufblühen des sächsischen Silberbergbaues hatte sie, gleich vielen -andern Harzer Bergleuten, in unsere Heimat gelockt. Durch glückliche -Funde im nahen Scharfenberger und im Freiberger Bergrevier zu Reichtum -gekommen, waren sie bald im Besitze ansehnlicher Güter. Hochangesehene -und fromme Männer sind aus diesem alten Geschlechte, das heute noch in -der sächsischen Lausitz blüht, hervorgegangen. Den Herren von Ziegler -verdankt die Herrschaft Gauernitz ihre Entwickelung und Größe. Sie -erwarben im 14. Jahrhundert u. a. Dorf und Vorwerk Constappel, welche -früher zum Teil in das bischöfliche Gericht Briesnitz und zum Teil in -das Dresdener Amt gehörten. Durch weitere Zukäufe vergrößerte sich -der Besitz, so daß schließlich zu dem altschriftsässigen Rittergute -erbgerichtlich die Dörfer Constappel, Pinkowitz und Kleinschönberg, -sowie Teile von Pretzsch, Leuben und Weitzschen gehörten. Wygand, ein -Sohn Wyrands von Ziegler, war zugleich Besitzer von Pillnitz. - -[Illustration: Abb. 1 =Schloß Gauernitz= - -(Aufnahme von _Otto Ehrhardt_, Coswig)] - -Im Jahre 1397 wurde zu Aller Seelen Ruhe eine Frühmesse in der dem -heiligen Nikolaus geweihten Wallfahrtskirche zu Constappel gestiftet -und von den »frumben Herren gesessen zu Gävernitz« konfirmiert. Wygand -starb 1459 zu Gauernitz, wo sein Bruder bereits 1436 verstorben war. -Beide ruhen in Constappel, wohin sie zu Ehren der Himmelskönigin viele -Stiftungen gemacht hatten. Die Pfarrgründe wurden erweitert, »da sie -gar viel auf die Pfaffen hielten«, wie der Chronist berichtet. An der -Kirche zu Constappel sind noch die Grabplatten von Gliedern des alten -Geschlechtes erhalten. Im Jahre 1517 verstarb Christoph von Ziegler, -der ein besonderer Freund Georgs des Bärtigen und dessen Amtmann zu -Meißen war. Ein Epitaphium aus Messing im Dom zu Meißen erinnert noch -an diesen Mann. Er war der letzte katholische Besitzer von Gauernitz; -seine Söhne schlossen sich der lutherischen Lehre an. Fast will es -scheinen, als ob damit das Glück aus der Familie gewichen wäre; -Christophs Enkel schon konnte das stark verschuldete Erbe nicht mehr -halten und war gezwungen, es 1595 an Kaspar von Pflugk aus dem Hause -Zabeltitz zu veräußern. - -[Illustration: Abb. 2 =Blick auf die Gauernitzer Insel= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Bis 1648 gehörte Gauernitz den neuen Besitzern; in diesem Jahre brachte -es Sophie von Zabeltitz dem Heinrich Gerhardt von Miltitz in die -Ehe. Bei der Vermählung der Enkelin Johanna Magdalene war es wieder -Heiratsgut und kam dadurch in die Familie der Grafen von Zinzendorf; -der erste Besitzer war der sächsische Generalfeldzeugmeister Otto -Christian Graf und Herr zu Zinzendorf auf Pottendorf, der 1718 starb. - -Die Zinzendorfe haben außerordentlich viel für die Verschönerung und -Verbesserung ihres prächtigen Herrensitzes Gauernitz getan. Noch ist -die Schloßkapelle vorhanden, welche ihre Gründung einer Frühmesse -derer von Ziegler zu danken hat. Sie war ursprünglich dem heiligen -Andreas geweiht, wurde mehrmals ein Raub der Flammen und enthielt zur -Zeit der Zinzendorfe einen Betsaal der Herrnhuter; wie bekannt, war -ein Glied des jetzt erloschenen Stammes der Gründer der Herrnhuter -Brüdergemeinde. Bedauerlich ist freilich, daß die Schloßkapelle heute -sehr weltlichen Zwecken dient; ihr unterer Teil enthält den Marstall, -das Obergeschoß beherbergt Speicher- und Vorratsräume. - -Der Bergbau, der den früheren Besitzern zu Reichtum verholfen -hatte, wurde auch von den Zinzendorfen eifrig gefördert, liegt doch -ein Teil der Scharfenberger Erzgänge auf Gauernitzer Land. In der -Nähe der Gauernitzer Ziegelei wurde der »Jung Zinzendorfer Stolln« -befahren. Auch der östlich davon nach der Elbe zu gelegene »Grüne -Tannebaum-Stolln« scheint von den Zinzendorfen betrieben worden zu sein. - -[Illustration: Abb. 3 =Auf der Gauernitzer Insel= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Der heute noch vorhandene sehenswerte und wohlgepflegte Schloßpark -ist um diese Zeit gegründet worden. Zu einer Berühmtheit brachten -es aber zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts die Zinzendorfschen -Obstkulturen, die Orangerie und die Lust- und Blumengärten, welche das -Schloß umgaben. Die zeitgenössischen Berichte sind des Lobes voll über -die Wunder, die es damals in Gauernitz zu sehen gab. Im Jahre 1717 -wurden 260 verschiedene Obstsorten angebaut, und 1724 gab es in dem -reichen Blumenflor allein 204 Nelkenarten. Wasserkünste, Gewächshäuser -und Wintergärten im Geschmacke damaliger Zeit schlossen den Kreis der -Gauernitzer Sehenswürdigkeiten. - -Die Zinzendorfe pflegten aber nicht nur den Schloßpark, sondern -ließen auch der idyllischen _Gauernitzer Insel_ ihre besondere Obhut -angedeihen. Sie hatte einst eine Länge von 1245 und eine Breite von 231 -Ellen; ihre heutige Fläche beträgt 6,5 Hektar. In der Nähe flußabwärts -befanden sich früher zwei heute nicht mehr vorhandene Heger von 995 -und 430 Ellen Länge. Die Insel wurde parkartig mit Laubholz bepflanzt -und mit Gartenanlagen versehen, die leider oftmals das Hochwasser -zerstörte, wie alte Nachrichten überliefern. Von der Inselmitte aus -führten strahlenförmig sieben mit Linden bepflanzte Wege nach dem -Gestade, und zwar so, daß man durch sie von der Mitte der Insel aus -einen freien Durchblick auf sechs Kirchtürme und Schlösser in der -Umgebung hatte (Schloß Gauernitz, Schloß Scharfenberg, Kirchturm von -Brockwitz, Kirchturm von Weinböhla, Turm der alten Coswiger Kirche, -Wackerbarths Ruhe). Heute sind einige Durchblicke durch Häuser verbaut, -die Lindenalleen aber zum Teil noch erhalten. In der Mitte der Insel -steht eine steinerne, mit zierlicher Bildhauerarbeit (Schlange und -Blumengewinde) geschmückte Säule, die folgende Inschrift trägt: -»Friedrich August Graf von Zinzendorf und Pottendorf seiner Gemahlin -Luise Sophie Johanne, des Grafen Otto Rubmann Friedrich von Bylanck -Tochter, geb. d. 9. Oktober 1754«. Die Säule war früher von steinernen -Bänken umgeben, die im letzten Jahre -- ein trauriges Zeichen unseres -sittlichen Tiefstandes! -- von Rohlingen zerstört und vernichtet worden -sind. - -[Illustration: Abb. 4 =Auf der Gauernitzer Insel (Säule und -Lindenallee)= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Auf der Insel wurden einst Fasanen gehegt, auch viele wilde Kaninchen -wurden angetroffen, weshalb man das »Elbeiland« um die Mitte -des vorigen Jahrhunderts auch die »Kaninchen-Insel« nannte. Die -Überflutungsgefahr scheint also doch nicht so groß gewesen zu sein, -wie die Überlieferung behauptet, da sich die Tiere sonst nicht hätten -halten können. - -[Illustration: Abb. 5 =Auf der Gauernitzer Insel (Gestade am linken -Elbarm)= - -(Aufnahme von _Gustav Zieschang_, Kaufbach bei Wilsdruff)] - -Die Glanzzeit der Insel ging in den achtziger Jahren des vorigen -Jahrhunderts zu Ende. Von einer Insel kann heute eigentlich nur noch -bei höherem Wasserstande gesprochen werden. Dadurch, daß der rechte -Elbarm durch einen bei Niedrigwasser begehbaren Steindamm verbaut ist, -wird die Insel die größte Zeit im Jahre zur Halbinsel. Der rechte -Elbarm ist eine tote Wasseransammlung geworden, die der zunehmenden -Versandung und Verlandung preisgegeben ist. Die entstandenen -Wasserlachen sind heute leider berüchtigte Mückenbrutherde. Durch -das Zusammendrängen der Wasserfluten in den linken Elbarm ist die -Überschwemmungsgefahr für die Insel außerordentlich groß geworden. -Durch diese Stromberichtigungen hat also die Insel sehr gelitten, sie -ist nicht mehr das reizende Idyll von ehedem, wo eine Landung und -ein Aufenthalt auf ihr einer kleinen Robinsonade gleichkam. Leicht -zugängig, ist sie heute gar oft ein Tummelplatz von Rohlingen und -Holzdieben. - -[Illustration: Abb. 6 =Verlandeter rechter Elbarm, von der Insel aus -gesehen= - -(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)] - -Trotz der teilweisen Zerstörung ihrer ursprünglichen landschaftlichen -Eigenart ist die Gauernitzer Elbinsel heute noch eine Perle unter -den Naturschönheiten unserer Heimat, deren dauernde Erhaltung vom -Standpunkte des Natur- und Heimatschutzes aus dringend erwünscht ist. -Wem wäre noch nicht das Herz aufgegangen vor Freude über die Schönheit -der Heimat, wenn er von einer Bergeshöhe in der Umgebung das malerische -Schattenbild der baumbestandenen Insel im Abendsonnengold oder im -Vollmondschein vom blinkenden Elbstrom sich abheben sah?! - -Auch in wissenschaftlicher Hinsicht ist die Insel heute noch wertvoll. -»Der Botaniker und Pflanzengeograph findet in ihrem Baum- und -Strauchbestand sowie in der damit verbundenen Bodenflora Reste des -ehemaligen Auenwaldes, der in der Vorzeit das ganze Elbtal bedeckte, -heute aber nur noch an ganz wenigen Stellen vorhanden ist. Ein solcher -Ort ist die Gauernitzer Insel; sie zeigt trotz aller menschlichen -Eingriffe den alten Elbauenwald in großer Ursprünglichkeit und wird -dadurch zu einem botanischen Naturdenkmal ersten Ranges.« (Prof. ~Dr.~ -Schorler.) - -Die Insel ist weiter der Wohnplatz einer reichen Vogelwelt, die in den -Frühlingstagen ihre Jubelstimmen von den hohen Baumriesen erschallen -läßt und in den alten hohlen Bäumen noch ungestört ihre Brut hegen -kann. Noch haben die Vögel eine Freistatt auf dem von Möwen umgaukelten -Elbeiland. - -Der Freund unserer schönen Heimat wird es deshalb dankbar begrüßen, -daß durch die Bemühungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz -und durch das Entgegenkommen der Vertretung des jetzigen Besitzers -der Herrschaft Gauernitz eine Vereinbarung zustande gekommen ist, -nach der die ursprüngliche Eigenart der Insel, vor allem auch ihr -landschaftliches Bild erhalten bleiben soll, trotzdem sich eine -forstliche Nutzung des Inselwaldes erforderlich macht. Es ist ein -hoher idealer Wert, der hier geschützt und geschont wird. Mögen auch -materielle Opfer damit verbunden sein, der Besitzer ehrt sich selbst -durch die Erhaltung dieses eigenartigen Naturdenkmals. Künftige -Geschlechter werden ihm dankbar dafür sein, daß er die Ideale noch -hochgehalten hat in unserer schweren Zeit, die uns so vieles raubte. - -Weit vorgegriffen haben wir der Zeit in unserem Bericht über die -Herrschaft Gauernitz. Bis 1804 blieb sie in den Händen der Zinzendorfe: -in diesem Jahre ging sie mit allem Zubehör an den Oberforstmeister -von Hopfgarten über. Nach seinem Tode geriet die Besitzung mit einer -Schätzung auf 193458 Taler 4⁵/₆ Groschen in Konkurs und wurde im -Jahre 1819 vom Fürsten Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg für -110000 Taler erworben. Damit ging ein neuer Glücksstern auf für unser -Gauernitz. Fast dreißig Jahre lang blieb freilich das Schloß noch -unbewohnt. Erst als die Revolutionäre im Jahre 1848 das Residenzschloß -in Waldenburg eingeäschert hatten, erwählte der Fürst Gauernitz zu -seinem Sommeraufenthalte. Nach dem Tode des Fürsten Otto Viktor im -Jahre 1859 kam das Besitztum als Quadrogenitur des Fürstlichen Hauses -Schönburg-Waldenburg an dessen jüngsten Sohn den Prinzen Karl Ernst, -der seinen dauernden Wohnsitz in Gauernitz nahm und das Schloß in -kunstsinniger Weise umgestaltete. Prinz Karl Ernst starb im Jahre -1915; der Besitznachfolger wurde der Enkel des Verstorbenen Prinz Karl -Leopold. - -Halten wir noch einen Umblick im Schlosse selbst und in seiner nächsten -Umgebung. Das umfangreiche Schloß gliedert sich in einen Mittelbau, der -mit zwei Flügelbauten, dem Hohen Bau und dem Regentenhaus, den an den -Park anschließenden Ehrenhof auf drei Seiten umgibt. Der Regentenflügel -trägt einen Turm, der hohe Bau zeigt einen feingegliederten -Renaissancegiebel. Der geräumige Wirtschaftshof wird durch das -Schloßgebäude, durch Torbauten mit überbauter Einfahrt und durch die -Wirtschaftsgebäude begrenzt. Unter den letzteren ist besonders die -bereits erwähnte ehemalige Schloßkapelle bemerkenswert. Der Hohe -Bau wird nach dem Park zu durch eine Säulenhalle abgeschlossen. Im -Untergeschoß dieses Schloßteils sind noch Reste der ursprünglichen -Bauanlage erhalten: zwei gotische Torbogen, die einst ins Freie -führten, heute aber in die Innenräume einbezogen sind. - -[Illustration: Abb. 7 =Neudeckmühle im Tale der Wilden Sau hinter -Gauernitz= - -(Aufnahme von _Adolf Heckmann_, Coswig)] - -Der ursprüngliche Schloßbau wurde von den Herren von Ziegler und den -Grafen von Zinzendorf angelegt. In den Jahren 1862 bis 1866 unternahm -Prinz Karl Ernst von Schönburg eine umfassende Erweiterung und -Verschönerung des Schlosses; namentlich stammt die äußere Ausgestaltung -in deutscher Renaissance aus dieser Zeit. In der Anlage und Ausstattung -der Innenräume zeigt sich der vornehme Geschmack des prinzlichen -Erbauers, der selbst ein feinsinniger Künstler war. Die prächtigen -Festsäle, die in wundervollem Einklang abgestimmten Bibliotheksräume -usw. entzücken das Auge des Besuchers. Erwähnenswert sind auch die -Ahnengalerie der Zinzendorfe, die vom Prinzen Ernst in pietätvoller -Weise angelegt wurde, sowie die Gemälde, die auf die Familie der -jetzigen Besitzer Bezug haben. - -Was aber den Schloßräumen besondere Schönheit und einen -unvergleichlichen Reiz verleiht, das sind die Ausblicke auf den -herrlichen Park, der das Schloß umgibt: ein Park deutscher Eigenart -in meisterhafter Anlage. Baumriesen der verschiedensten einheimischen -und fremden Arten, herrliche Durchblicke, trauliche Plätzchen, die -einen bezaubernden Rundblick bieten hinaus in das Land, wechseln ab -mit grünen Matten, blühenden Hecken und einem mit Reben überkleideten -Laubengang, der im heißen Sommer eine köstliche Wandelbahn bietet. - - - - -Frühlingsboten - -Von ~Dr.~ _H. Beil_, Pirna - - -[Illustration: Abb. 1 =Märzenbecher= (~Leucojum vernum~) (Phot. _J. -Ostermaier_, Blasewitz)] - -Der Frühling naht! Die wärmenden Strahlen der Februarsonne sind -zunächst das Einzige, was uns sein Kommen verkündet. Noch steht -Baum und Strauch im kahlen Winterkleide. In den Dorfgärten an der -Sonnenseite der kleinen Häuschen müssen wir seine ersten Boten, -die Schneeglöckchen, suchen, die Weiden rüsten sich und legen ihren -goldenen Frühlingsschmuck an. Aber gerade die ersten Boten des -Frühlings, die wir Menschen alle Jahre wieder mit Ungeduld erwarten, -haben wir so lange recht unfreundlich empfangen. Körbeweise wurden -sie abgerissen, um, schon halb verwelkt, auf den Markt gebracht zu -werden. Weit von der Großstadt muß man heute schon wandern, wenn man -sich an wildwachsenden Frühlingsblumen erfreuen will, so weit, daß die -echten Großstadtmenschen sich wundern, wenn man ihnen erzählt, daß -diese Blumen, die sie nur als Gartenblumen kennen, auch auf freier -Wiese wachsen, in entlegenen Gegenden, von deren Schönheit die meisten -keine Ahnung haben, und es ist recht gut so, die Schönheit wäre sonst -bald vernichtet. Mit ein paar solchen Pflanzen, die fast ausgestorben -sind, sollen sich diese Zeilen befassen. Auf Wanderungen mit meiner -geliebten Kamera habe ich sie aufgesucht und im Bild festgehalten. Das -Schneeglöckchen (~Galanthus nivalis~) ist mir in Sachsen wild wachsend -nie begegnet. Dagegen kommt der Märzbecher (~Leucojum vernum~)[4] noch -in einigen Gegenden vor, trotz der Ausrottung durch unverständige -Menschen. Da es ein Zwiebelgewächs ist, so ist das Ausgraben mit -der Wurzel doppelt schädlich. Die Aufnahme stammt aus einem kleinen -Seitental des oberen Polenztales. Während noch vor etwa 15--20 Jahren -die Wiesen übersät gewesen sind mit Märzbechern, muß man jetzt schon -suchen, um kleine Bestände zu finden. Welch prächtiges Bild die Wiesen -früher geboten haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man die vom -Besitzer einer Mühle eingezäunte Wiese sieht, auf welcher das Pflücken -untersagt ist, und die ein Naturschutzgebiet im Kleinen darstellt. - - [4] Siehe Aufsatz: »Vom Märzenbecher«, Band IV, 1915, Seite 367. - -[Illustration: Abb. 2 =Leberblümchen= (~Hepatica triloba~) - -(Phot. _H. Beil_)] - -Wenig später als der Märzbecher blüht das blaue Leberblümchen. Vor -50 Jahren hat es zu den Pflanzen der Dresdner Umgebung gehört, die -überall verbreitet waren, im Saubachtal, Schonergrund soll es in Massen -gestanden haben. Heute wird man es dort vergeblich suchen. Wirklich -häufig findet es sich auf dem Rotstein bei Sohland am Rotstein, wo -es in dankenswerter Weise von der Rittergutsverwaltung geschützt -wird. In günstigen Jahren ist der Waldboden blau von der Menge der -Leberblümchen. Kleinere Bestände sind über die ganze Lausitz verstreut. - -[Illustration: Abb. 3 =Seidelbast= (~Daphne Mezereum~) - -(Phot. _H. Beil_)] - -Zu Märzbecher und Leberblümchen gehört als dritter im Bunde der -ersten Frühlingsboten der Seidelbast, dessen stark duftende, violette -Blüten stengellos aus dem dürren Holz herauswachsen. Auch ihn findet -man vereinzelt in der Lausitz, meist in dichtem Gestrüpp, in schönen -Beständen auch auf dem Rotstein. Auch im Vorland des Erzgebirges ist er -mir schon begegnet. -- - -Wenn ich mir vorstelle, welch herrliches Frühlingsbild es geben -müßte, die Wiese übersät mit Märzbechern, am Rande des Gehölzes die -Leberblümchen und der Seidelbast, so wird mir weh ums Herz. Könnte -es nicht auch heute noch so sein? Pflanzen, die niemandem ein Leid -getan haben, die nur wachsen, um uns zu erfreuen, vernichtet bis auf -spärliche Reste, deren Standort der Naturfreund sorgfältig geheim -hält. Wenn alle Menschen zusammenhalten, wenn alle die Heimat, die sie -zu lieben so oft versichern, auch tätig schützen, dann muß es wieder -besser werden, dann muß der Verödung unseres Sachsenlandes Einhalt zu -tun sein. - - - - -Über das Vorkommen der Biber in Sachsen - -Von ~Dr.~ _Koepert_, Dresden - - -Auf der X. Jahreskonferenz für Naturdenkmalpflege in Berlin berichtete -Museumsdirektor Professor ~Dr.~ Mertens, Magdeburg, von der -erfreulichen Zunahme der letzten deutschen Biberkolonie, die zurzeit -etwa zweihundert Stück zählt. Auf Grund des Studiums alter Akten im -Dresdner Hauptstaatsarchiv bin ich in der Lage, einiges über das -frühere Vorkommen im Kurfürstentum Sachsen, zu welchem bekanntlich -der größte Teil der preußischen Provinz Sachsen zählte, zu berichten. -Der Biber kam früher häufig in der Elbe vor und der Biberschwanz galt -von jeher als Delikatesse und bildete, besonders zur Fastenzeit, ein -begehrtes Gericht an der fürstlichen Tafel. So schrieb 1450 im März -Friedrich der Sanftmütige an den Schösser zu Wittenberg: »Wir begern -mit fließe, das Du uns ußrichtest vier lebende Lachse, darzu Byberzagel -(Biberschwänze), alsuil Du der gehaben kannst und das alles uff den -guten Fritag (Karfreitag) gein Missen schickest.« Mitte des achtzehnten -Jahrhunderts waren die Biber noch ziemlich häufig in Sachsen. Es war -ein besonderer Biber- und Otterfänger angestellt, der seinen Wohnsitz -in Hintergersdorf hatte. Er war für die Ämter Dresden, Grillenburg, -Freiberg, Frauenstein, Altenberg, Dippoldiswalde, Pirna, Stolpen, -Radeberg, Lausnitz, Moritzburg, Hayn, Meißen, Nossen, Hohnstein und -Lohmen bestellt. Diese Reviere hatte er jährlich im Frühjahr und Herbst -zu begehen und die darin befindlichen Fischottern, Biber, Marder und -andere kleinere Raubtiere zu fangen und die Bälge gegen Fanglohn an -die Jagdproviantverwaltung abzuliefern. Er erhielt für einen Biber 21 -Groschen. An Besoldung erhielt dieser Biber- und Otternfänger außerdem -22 Taler 18 Groschen nebst 6 Scheffel Korn und 10 Scheffel Hafer -»vor sich und seine Hunde aus unserm Amt Grillenburg von Quartalen -zu Quartalen«. Im Jahre 1764 hatte der kurfürstliche Administrator -Prinz Xaver die Einziehung der Stellen der Biber- und Otterfänger -beschlossen. Hiergegen macht Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorff in -einem Schreiben an den Landjägermeister von Herdegen seine Bedenken -geltend: »Wasmaßen Ihro der Chur-Sachsen Administratoris Prinzen -Xaveri, Kgl. Hoh., vermittelst des unterm 14. April a. c. an mich -erlassenen höchsten Special-Resoripts, die Einziehung aller Biber- und -Fischotter-Stellen, und dagegen die Wegfangung der Biber und Fischotter -durch die Revier-Forstbediente, gegen Reichung derer geordneten -Jäger-Rechte, gnädigst resolviert und anbefohlen, solches ist Meinem -hochgeehrtesten Landjägermeister bereits bekannt. Ob ich nur zwar um -dahero, weil der Entzweck durch die Revier-Forstbediente, welche mit -deren anvertrauten Holz- und Jagdrevieren genug zu tun haben, und -diese, wenn sie an denen Wässern sich aufhalten und denen Raubtieren -nachtrachten sollen, notwendig vernachlässigen und viele dem höchsten -Interesse nachteilige Folgerungen daraus erwachsen müssen, höchsten -Orts unterthänigste Vorstellung getan und Resolution annoch erwarte; -So wolle dieselbe jedennoch, damit besonders denen Fischottern aller -möglicher Abbruch getan werde, solchen nicht nur selbst nachzutrachten, -sondern auch genante untergebene Forst-Jagdbediente dessen, und daß -sie die Biber und Fischotter auszumachen und besonders die letztere -durch Schießen und Fangen möglichst zu tilgen sich alle Mühe geben, -dargegen Einlieferung derer Bälge die gnädigst geordnete Auslösung -oder Jägerrecht an 21 gr. vor 1 Biber und 21 gr. vor 1 Fischotter aus -der Jagdkasse erhalten, hiernächst den Bibern zwar ebenfalls möglichst -nachtrachten und solche auszumachen suchen, jedoch aber diese nicht -anders als auf besondre Verordnung, maßen selbige zur Versorgung -ihrer höchsten Herrschaftstafel gehörig, schießen oder fangen, und -dahero sobald einer oder der andre einen Biber ausgemacht, solches zur -Wildmeisterei rapportieren und fernerer Verordnung erwarten solle, zu -bedeuten, übrigens aber, wenn dergleichen Biberbaue, und besonders -diejenigen, welche den Dämmen und Wassergebäuden nachteilig von den -Forstbedienten angezeiget werden, desfalls alsbald Bericht an mich -zu erstatten, daferner aber einer etwa während nächst bevorstehender -1765ster Fastenzeit ausgemacht werde, solche frisch und gut zum -Provianthause anhero einzuliefern belieben, da ich dann wegen dessen -Einlieferung zur höchsten Tafelversorgung fernerer Verfügung zu treffen -unvergessen bin; ich aber verharre als usw. Graf Wolffersdorff.« Ein -schönes Beispiel für den damaligen schwulstigen Kurialstil! - -Ein weiteres Schreiben vom Dezember 1771 des Oberhofjägermeister Grafen -Wolffersdorf beweist, daß die Schädlichkeit der Biber noch nicht -abgenommen hatte, daß im Gegenteil an den Elbdämmen von ihnen großer -Schaden angerichtet wurde. Er fordert daher zu weiterer Vertilgung auf: -»Nachdem sich bei der unlängst erfolgten Lokalbesichtigung der Elbdamm- -und Uferbaue ergeben, wie an denen Dämmen besonders durch die vielen -Einbaue der Biber großer Schaden geschieht, und dadurch zum Teil die -wichtigsten Damm-Baue dergestalt mitgenommen werden, daß hernach bei -eintretendem großen Gewässer solche dem Strom Widerstand zu leisten -außer Stande wären. Und dann Ihro Churf. Durchl. gnädigst anbefohlen, -da diesem Uebel zu steuern die Notdurft um so mehr erfordere, je -wichtigere Rücksicht auf Unterhaltung der mit so beträchtlichem Aufwand -zu errichtende Dämme und Wasser-Gebäude zu nehmen sein wolle, daß -zumalen Höchstdieselben vorgetzt wegen des Damm- und Uferbauwesens -in dero Landen eine gewisse Einrichtung zu treffen gemeinet, die -Biber überall wo solche Schaden verursachen könnten, soviel nur immer -möglich vertilget werden sollen; also wollen meine hochgeehrte Herren -in Conformität dieses Höchsten Befehlnisses an gesamte untergebene -Jagd- und Forstbediente die ernstlichste und gemessenste Verordnung zu -thun belieben, daß solche denen Bibern besten und möglichsten Fleißes -nachtrachten und soviel nur immer thunlich an Orten, wo sie besonders -Schaden thun, zu vertilgen suchen, auch wo sich solche spüren und -bemerken lassen, im Revier ein Nachbar dem andern Nachricht geben -sollen. Ich aber beharre usw. Graf Wolffersdorf.« - -Döbel in seiner »Jägerpraktika« bemerkt mit Bezug auf den Biber, -nachdem er einige Fangmethoden besprochen hat: »Dieses sei nun genug -von Fangung dieses Amphibii.« Der Umstand, daß der Biberschwanz mit -Schuppen bedeckt ist, verursachte damals die unsichere Stellung des -Bibers im zoologischen System. Der Biberschwanz wurde infolgedessen -mit Fischfleisch auf eine Stufe gestellt und konnte in der Fastenzeit -gegessen werden. Über die Zubereitung dieser Delikatesse schrieb v. -Fleming[5] folgendes: Schneide den Biberschwanz als _wie einen Karpfen_ -in Stücke, setze Wasser aufs Feuer, damit es siede, schüttet auch Salz -hinein, aber nicht soviel als wie bei einem Karpfen. Werfet auch unter -dem Sieden ein Stückchen Butter dazu, maßen dieser Biberschwanz nicht -so weich ist als andre Fische (!). Es ist auch dieser Handgriff der -wahre Vorteil alle harten Fische weich zu machen. Ist nun der Schwanz -gesotten, so seihet das Wasser rein ab, thut ihn in ein castrol, gießet -ein wenig Brühe, Wein und Essig dazu und lasset es kochen, schüttet -auch Pfeffer, Ingwer, geriebene Semmel, Citronen-Schale, Butter, Safran -und Zucker hinein, und lasset alles wohl durch einander kochen. Setzet -gedachten Biberschwanz hernach auf ein Feuer, damit er ganz allmählich -koche. - - [5] Der vollkommene teutsche Jäger. Leipzig 1719. - - - - -Frau Lina Hähnle, - - -die Begründerin und erste Vorsitzende des _Bundes für Vogelschutz_, -dessen Mitglieder über alle Gaue Deutschlands und weit über dessen -Grenzen hinaus verbreitet sind, feierte am 3. Februar ihren 70. -Geburtstag. Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir aus Anlaß -dieses Festes der verdienstvollen, in allen Naturschutzkreisen -wohlbekannten Frau ein paar Zeilen widmen. - -Frau Hähnle entstammt, wie schon der Name andeutet -- sie ist auch -eine geborene Hähnle -- einer alteingesessenen Schwabenfamilie. Der -Vater, Salinenbeamter, anfangs in Schwenningen, später in Sulz, -Rottmünster und Hall, verstand es, schon in dem Kinde die Liebe zu -der belebten Natur dieser anmutigen ländlichen Gegenden zu wecken -und ihm die gediegenen Kenntnisse zu vermitteln, auf die sich später -die Ausübung des Naturschutzes gründen konnte. Mit neunzehn Jahren -heiratete Lina Hähnle ihren Vetter Hans Hähnle, dessen rastlosem Fleiß -es gelang, seine Fabrik in Giengen a. d. Brenz aus kleinen Anfängen -zur Weltfirma zu heben. Sechs Kinder sind der Ehe entsprossen. Wie -Frau Hähnle diesen eine treusorgende Mutter war, wie sie das ganze -große Haus, in dem zahlreiche Gäste allezeit ein- und ausgingen, -tatkräftig leitete, in Küche und Keller waltete, im Viehstalle und -auf ihrem geliebten Geflügelhofe selbst Hand ans Werk legte, kann -hier nicht näher geschildert werden. Noch im Frühjahr 1918, als die -»Leutenot« am größten war, hat die 67jährige Frau mit eigener Hand -stundenlang das Gespann mit der Egge über die Saat geführt, gewiß ein -Beweis ihrer eisernen Willenskraft und unversiegbaren Arbeitsfreude. -Ohne diese Eigenschaften hätte sie ihr besonderes Werk, dem sie sich -erst zuwandte, als sie bereits auf der Höhe des Lebens stand, nicht -durchführen können. - -Sie gründete im Jahre 1899 den »Bund für Vogelschutz«. Schon wenige -Tage, nachdem ihr Aufruf erschienen war, hatten sich tausend Freunde -der Vogelwelt um sie geschart, und dieses Häuflein wuchs von Jahr -zu Jahr. In allen Kreisen fanden die Bestrebungen des Bundes Eingang -und freudige, ja begeisterte Zustimmung. Heute gehören rund 42000 -Mitglieder dem Bunde an, sie verteilen sich auf etwa 500 Ortsgruppen. -Wie wuchsen mit dieser Zahl die Arbeiten und Aufgaben! Wir erinnern -nur an die vielen Flugblätter, die von Stuttgart aus in die Welt -flatterten, an die zahlreichen Vortragsreisen, die Frau Hähnle -persönlich unternahm -- auch unser Verein durfte sie am 22. Januar 1913 -in seiner Mitte begrüßen -- an die Fabrikation und den Versand von -Nisthöhlen, Futterhäuschen und dergleichen, an die vielen Eingaben, die -dem Vogelschutz auch bei den Behörden immer mehr Geltung zu schaffen -suchten, besonders aber an die Einrichtung von ungefähr sechzig -größeren und kleineren Vogelschutzgebieten, darunter die Erwerbungen -Hiddensee auf Rügen und die Mellumplatte vor der Wesermündung, wo -mehrere sehr seltene Vogelarten, z. B. die Brandseeschwalbe, der -Steinwälzer, der Säbelschnäbler vor dem Untergange bewahrt wurden. -Auch die Gründung des »Deutschen Vogelschutztages«, die Frau Hähnle im -Verein mit Professor ~Dr.~ Guenther in Freiburg in die Wege leitete, -ist ein besonderes Verdienst der zielbewußten Frau. Wie schon ihr -Mann, Kommerzienrat Hähnle, allen diesen Bestrebungen Teilnahme und -Verständnis entgegenbrachte und sie durch Gewährung reicher Mittel in -wahrhaft großzügiger Weise unterstützte, so ist auch ihr Sohn, Herr -Ingenieur Hermann Hähnle, gewissermaßen die rechte Hand der Mutter -geworden. Hervorragend sind dessen Aufnahmen von Tieren in freier -Natur; besonders versteht er es, mittels eines von ihm erfundenen -Fernapparates Laufbilder auf den Filmstreifen zu bringen, die in -ihrer Schönheit und Naturtreue einzig sind. Wem es vergönnt war, die -Laufbilder zu sehen, die Unterzeichneter an oben genanntem Tage in -unserm Verein vorführen und erläutern durfte, der wird sich noch heute -mit Vergnügen dieser wundervollen Aufnahmen erinnern. Es ist eine -Riesensammlung von Lichtbildern, die Herr Ingenieur Hähnle teils selbst -aufgenommen, teils von hervorragenden Naturphotographen erworben hat. -Wieviel Tausende von Naturfreunden, wieviel Tausende froher Kinder -haben diese Bilder entzückt und begeistert! - -Frau Hähnle hat sich aber keineswegs darauf beschränkt, nur die -Vogelwelt zu hegen und zu pflegen und seltene Vogelarten zu erhalten. -Dem ganzen Naturschutz bringt sie das wärmste Interesse entgegen. Schon -seit längerer Zeit hat der Bund ein größeres Banngebiet am Federsee -bei Buchau in Württemberg erworben und das stattliche Gewässer nach -jeder Hinsicht durchforscht, worüber eine eingehende Abhandlung des -Bundes Aufschluß gibt. Auch Aufnahmen in fremden Ländern hat Frau -Hähnle noch während des Weltkrieges ermöglicht, so prachtvolle Bilder -von Edelreihern in der Dobrudscha und von Wisenten in den Wäldern von -Bialowics, Urkunden von unersetzlichem Wert. - -Möge die seltene Frau, deren vielseitiger Arbeitskraft man die Siebzig -nicht anmerkt, noch manches Jahr in Rüstigkeit ihr Amt verwalten, der -deutschen Vogelwelt und damit der deutschen Heimat zum Segen, uns allen -aber, die sie kennen und verehren, zur Freude! Das ist der Wunsch von -vielen Tausenden. - - Martin Braeß. - - - - -Oberlehrer Bruno Lange, Strehla a. E. † - - -Ein wertvoller Freund und eifriger Arbeiter für den Heimatschutz -ist mit Bruno Lange dahingegangen. Gerade am Weihnachtsfeiertag hat -den noch nicht Sechzigjährigen die Stadt Strehla, in der er lange -Jahrzehnte als Lehrmeister für Jung und Alt erfolgreich gewirkt hat, -unter dem schönen, vollen Geläut ihrer Glocken zur Ruhe geleiten -müssen. Der lange, feierliche Zug der Leidtragenden -- Schüler -und Lehrerschaft, Vereine, Feuerwehr und Bürger aller Kreise -- -brachte dem Städtchen wohl noch einmal zum Bewußtsein, daß es einen -allbeliebten Bürger, eine Persönlichkeit von Wert, verloren hatte. -Den Trauerkränzen, die heute Langes Grabstätte bedecken, will der -Sächsische Heimatschutz einen Strauß aus Immergrün und Heimatblumen -beilegen, wie sie der Verblichene selbst am liebsten gesucht und -gepflückt hat. - -Bruno Lange war vom alten Schlage, fleißig und zuverlässig, bieder -und schlicht, vaterlandstreu und heimatlieb. Was der Arbeiter des -Heimatschutzes vor allen Dingen braucht: ein warmes treues Herz -und ein offenes suchendes Auge, damit war Lange wohlgerüstet. So -verstand er auch die bescheidenen Werte und Schönheiten der flachen -Landschaft zu finden und zu würdigen. Es trieb ihn, seine Freude am -schlichten Schönen mitzuteilen, sie seinen Schülern in mannigfaltigem -_Unterricht_, bei _Anleitung zur Handfertigkeit_, beim Spiel und auf -_Spaziergängen_ anzuerziehen und auf die Öffentlichkeit aufklärend und -anregend zugleich einzuwirken durch _öffentliche Bildvorträge_, durch -_Veröffentlichungen im Ortsblatte_ und durch _Anregungen in Vereinen_ -und _in der Stadtvertretung_. Eine Reihe guter _Ansichtskarten_ von -Strehla, die im Geschmack den bekannten Karten des Landesvereins -nahekommen, ist auf seine Veranlassung in den Ortshandel gebracht -worden. Alle solche Unternehmungen führte er durch in uneigennütziger -Liebe zum Heimatstädtchen, ohne persönliche und geldliche Opfer zu -scheuen. - -Langes Freude am Schönen, sein Interesse war nicht engbegrenzt -und einseitig auf das Heimatliche gerichtet -- er verstand seinen -Interessen- und Erfahrungskreis weit über das Durchschnittsmaß zu -erweitern und zu vertiefen durch _große Ferienreisen_ auch außerhalb -Deutschlands: nach Skandinavien, Finnland, Rußland, dem Balkan -(Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Serbien, -Rumänien, Bulgarien, Türkei, Konstantinopel), Nordafrika, nach Italien -und nach der Schweiz. Diese Reisen hat er als schlichter Wanderer -mit bescheidener Ausrüstung, aber mit um so köstlicherem Humor -durchgeführt. Was er alles dabei gesehen und erlebt, schrieb er in -mustergültiger Kurrentschrift nieder und hat wiederholt darüber an Hand -von Lichtbildern öffentlich berichtet -- die Kriegsjahre brachten ihm -dazu manchen Anknüpfungspunkt. - -Die Kenntnisse ferner und fremder Schönheiten konnten Bruno Langes -Liebe zur engen Heimat, seine Freude am Heimatschutz, nur vertiefen. -Es mag sein, daß seine fleißigen Arbeiten im Sinne des Heimatschutzes -mehr ein örtliches als ein weitergehendes Interesse gefunden haben --- möglich auch, daß Lange dieses letztere gar nicht gesucht hat. Es -befindet sich aber in seinem Nachlaß fein säuberlich geordnet ein -Stoß von _ausgearbeiteten Aufsätzen_, die eine weitere Würdigung wohl -verdienen. Abgesehen von seinen vielen _Reiseberichten_ und von einigen -_Arbeiten volkstümlichen_ und _vaterländischen Inhaltes_ fand ich die -Entwürfe zu _drei Werbevorträgen_ für den Heimatschutz und ferner -folgende _Reihe von ortskundlichen Aufsätzen_: - - Strehla a. d. Elbe. -- Aus Strehlas Vergangenheit. -- - Schloß Strehla. - Flurnamen von Strehla und Umgegend. - Was man sich vom Nixstein erzählt. - Hochfluten der Elbe im 18. und 19. Jahrhundert. - Der niedrigste Wasserstand der Elbe 1904. - Wo und wie der erste Schuß im 1866er Kriege fiel. - Die alte Heidenschanze bei Görzig. - Auf vulkanischem Boden (im Görziger Steinbruche). - Was uns die Leckwitzer Sandgrube erzählt. - Der Käferberg bei Zaußwitz. - Der Große Steinberg bei Clanzschwitz. - Geologische Streifzüge durch unsere Heimat. - Die Schlacht bei Mühlberg 1547. - -Dazu: - - Anleitungen zu Spaziergängen an der Elbe, in die Sandgruben, - auf den Käferberg, auf den Großen Steinberg, auf die - Liebschützer Höhe und auf die Weidaer Höhe beim Ganziger - Steinbruche. - -Mag auch vielleicht der Stoff der Aufsätze mitunter etwas schulmäßig -und trocken behandelt erscheinen, es steckt doch viel darin, was mehr -wert ist, als weiter im bloßen Familienbesitz oder vielleicht einmal -in einer Schul- oder Ortsbücherei vergraben zu bleiben. Es ist zu -hoffen, daß sich noch Gelegenheit findet, den oder jenen Aufsatz oder -Bruchstücke daraus in den Mitteilungen des Heimatschutzes eingehender -zu würdigen. - -Das letzte, was Bruno Lange wohl veröffentlicht hat, ist ein Büchlein -»_Strehla im Weltkriege_«. Der Großstädter lächle nicht über das -Thema. Strehla ist ein Städtchen von nur 3400 Einwohnern und hat eine -stattliche Zahl von Söhnen ins Feld geschickt, von denen nach Langes -Feststellungen 125 Mann gefallen sind; im ganzen hat Strehla mit acht -Nachbardörfern 159 Söhne verloren. Und wenn Langes Büchlein allein -diesen 159 Mann gewidmet wäre, dann wäre es schon wert, gewürdigt zu -werden und Nachahmung zu finden. Es sind aber in dem Heftchen eine -Reihe von Einzelheiten ernster und auch humoristischer Art enthalten, -deren Aufzeichnung für die Ortsgeschichte wertvoll ist. - -Den gefallenen Kriegern zu Ehren einen _Heldenhain_ auf dem Gelände -des alten Friedhofes zu schaffen, war eine von Langes Lieblingsideen; -leider hat die dafür geleistete Vorarbeit bisher zu keinem greifbaren -Ergebnis geführt. - -Bei allen solchen Bestrebungen, die Lange doch mit der Öffentlichkeit -in Berührung brachten, blieb er stets der Schlichte, Bescheidene; all -dies Schaffen atmet Heimattreue und Heimatliebe und Dankbarkeit für -das, was die Heimat gewährt. Nun ist es an der Heimat, ihm dankbar zu -bleiben für das, was er außerhalb der Lehrtätigkeit für ihre Würdigung -und zur Pflege der Ortskunde und des Heimatschutzes gearbeitet hat. - -Für die schöne Aufgabe, Heimat- und Ortskunde und Ortsgeschichte zu -pflegen, zu überliefern und das Interesse dafür wachzuhalten, ist, -vornehmlich in ländlichen Orten, neben dem Ortsgeistlichen kein -anderer besser geeignet wie der Ortslehrer, weil er alle Fäden, die -es zu verknüpfen gilt, am ehesten zu suchen und zu erfassen vermag. -Möchte die Lehrerschaft nicht müde werden, sich diesen wertvollen und -dankbaren Aufgaben zu widmen. - - _Arndt Ludwig._ - - - - -»Gäste« - -Ein Intermezzo von _E. Finck_, Annaberg - - -In unserem Bergstädtlein Geyer, das durch seine sonnigen Bilder den -Naturfreund zu sich lud, ist es im Erzgebirgsverein seit seinem -ersten Vergnügen im Jahre 1907 zur Überlieferung geworden, daß dieses -eine Saalvergnügen im Jahre einen Höhepunkt bedeute. Im Sinne der -Bestrebungen des Heimatschutzes haben wir uns immer angelegen sein -lassen, durch die Idee des Festes, den Inhalt der Einladungen und -die Darbietungen des Abends echt heimatlich bodenständig zu bleiben. -Die Idee durfte nur erzgebirgisches Leben, einheimische Sitten und -Gebräuche zu ihrer Grundlage haben. Wir erreichten dies durch die -»Schinnelbacher Kirmes«, »Eigeschneit in der böhmschen Mühle«, -»Sommerausflug nach dem Fichtelberg«, »Wintersportfest«, »Rockenabend« -und anderes. Auf die Idee und die Absicht der Veranstalter wies immer -die »Eiloding« hin, die überhaupt den Auftakt zum Vergnügen fürs -Städtlein bedeutet. Und die Darbietungen im Einzelvortrag zur Laute -und im Chor umrahmten einen der derb-humoristischen Einakter oder -einen dem Feste entsprechenden Reigen unserer Damen. Nebenher gingen -Verlosungen und Glücksradserien, zu denen uns die »Volkskundliche -Bude« des Landesvereins wertvolle Anregungen und Jahr für Jahr die -wohlgelungenen Auswahlsendungen bot. Wir können immer nicht genug -Nieten schaffen, so begehrt sind Lose und Gewinne! - -Die Dezembertage des Vorjahres brachten uns nun die Einweihung unseres -neuen Rathauses und somit die Idee unseres ersten Vergnügens im neuen -Saale: »Alt-Geyer in neie Rathaus«. - -»Mr hobn uns nu gedacht, wos de altn Geyerschen fir Aagn machn tätn, -wenn die itze noch emol of dr Walt käme, wenn die ’s neie Rathaus un ’s -Staadtle sahe tätn, un weil mr alle ’s Maul un de Nos ewing aufsperrn -warn, denkn mr uns alle in dar Roll dr altn Geyerschen nei un feiern -unner Fast: ›_Alt-Geyer in neie Rathaus_‹« sagte die »Eiloding«. - -Und wie hatten sich alle in ihre Rollen hineingedacht. Allen Anregungen -der Veranstalter war man bereitwilligst nachgekommen. Über Empire- -und Biedermeierzeit, zur Urgroßmutter- und Großmutterzeit war so -manches Belegstück vergangener Mode ans Tageslicht gezogen worden. -Typische Handelsleute des Obererzgebirges, Bergleute, Bergherren, -Postillion und Vertreter der klassischen Zeit -- alle hatten den Ruf -vernommen, so daß die, welche die Gegenwart in nüchterner Ballkleidung -verkörperten, in der Minderheit blieben. Fast eine Stunde dauerte der -Eintritt immer neuer Typen, bis endlich auch die »Tante aus Drebach« -mit gestickter Reisetasche, Mantille und vorsintflutlichem Regenschirm -sich eingefunden hatte, und eine Sänger-Knappschaft durch frischen -»Glückauf«-Gesang und geschickt geführten Aufmarsch den ersten Teil des -Abends beendete. - -Jetzt kam die Jugend zu ihrem Rechte und tanzte nach alten schönen -längst verklungenen Weisen die Tänze unserer Väter und der eigenen -Jugend, wie schwer es manchem der heutigen Jugend auch gefallen -sein mag, um den die Mitte des Saales einnehmenden Kachelofen mit -Ofenbänken, der nun auch dieses Fest mit erleben durfte. - -Unterdessen bereitete sich im Stillen der Höhepunkt des Abends vor. Die -»Eiloding« verkündete - - »Mr kenne Eich aa verrotn, doß dr alte _Lotter_ ’s neie Rathaus - asahe will mit seiner Fraa, die doch aa e geburne Geyersche - is, vun alten Bauer -- Gott hobne salig -- de Ältste. Un dr - _Evans_ will kumme, dr Stülpner-Karl is aa in dr Näh, un de - altn Geyerschen Stadtrichter, dr _Blüher_ un dr _Blumenhöfer_, - hom aa schie zugesaht.« - -Ein paar einführende Worte des Vorstehers, darauf Lautenklang und -Gesang der Hauskapelle, und nun als Mißklang an der Saaltür laute -Stimmen, Wortwechsel eines, der ohne Festkarte Zutritt haben will, -mit dem Wächter, der doch endlich sich zu beruhigen scheint und mit -lauter Stimme und Kuhglocke den Vorstand ruft. So beginnt die feine -wohldurchdachte Arbeit unseres Führers in volkskundlichen Dingen im -Obererzgebirge, des Leiters des Erzgebirgs- und Altertumsmuseums in -Annaberg, des Herrn Oberlehrer _E. Finck_. »Gäste« nennt er sie, »ein -Intermezzo, das mitten in die Geyersche Gesellschaft hineingreift.« - -Die ob der Störung entrüsteten Bürger und Frauen weisen den lärmenden -Wächter zur Ruhe. Das ruft den Vorstand auf den Plan. Es entspinnt -sich eine regelrechte Verhandlung, in die die Frau Vorsteher, der -Kassierer und der Schriftführer, ihre Rechte wahrend, eingreifen. Das -erlösende Wort findet der Vorsteher, indem er den draußen Harrenden -hereinholen läßt und in ihm Karl Stülpner erkennt. Ihm legt nach -der Begrüßung der Verfasser Worte in den Mund, die gerade deshalb, -weil sie Stülpner spricht, so überaus ergreifend und wirkungsvoll -sich gestalten. Er geißelt die jetzige Zeit mit ihren Irrungen und -Wirrungen und leitet so über zu den Vorgängen, die sich nun auf der -Bühne abspielen. Im selben Gespräch über die Zeitläufte sind Pfarrer -Blüher, der Geschichtsschreiber Geyers, und Evan Evans, der »Vater -der sächsischen Baumwollspinnerei«, eingetreten und werden vom -Vorsteher mit dem Hinweis auf den Segen, der ihrer Tätigkeit entsproß, -eingeführt. Eine mit Bezug auf den Ortsnamen von Stülpner wegen des -teuren und schlechten Tabaks angewandte wegwerfende Redensart ruft die -darob entrüstete Frau Vorsteher und den Schriftführer auf den Plan, der -bewußt seiner Würde das »I« und »Y« im Ortsnamen nicht zu verwechseln -bittet. - -Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz -Blumenhöfer mit dem einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen, -dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber bei ernstem -Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch -der Vorsteher belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt: - - »Was hat damals durch den einen Toren - unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,« - -durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die -Namen der Exulanten verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen -Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die Hände der Kaiserlichen -fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für -den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich -beigelegt wird und zur Entschuldigung und stummen Verzeihung führt. - -Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau -Käte, einer geborenen Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum -Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, die durch abschließende, -den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte -des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch -gemeinschaftlichen Gesang des Liedes »O Täler weit, o Höhen« dem Wald -als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder zum Rathaus -ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird. - -Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter -den Festteilnehmern, nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch -den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben zu den Gefilden, von -dannen sie kamen. - -Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer -zuteil, der aus dem Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach, -da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, Volkstum und Mundart -nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte, -da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als -Hausierer und Bettler und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb, -unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige Geyer der Gegenwart, -auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft -voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß -und Mittelpunkt war. Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der -über dem ganzen lagernden Feststimmung kein Abbruch geschah. Und die -Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig seine -Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich -war, das Vergnügen aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als -etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend in des Wortes wahrster -Bedeutung. - - ~L.~ - - -=Über Orts-, Straßen- und Hausnamen= lesen wir in der »Schwäbischen -Chronik« bemerkenswerte Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: -»Zahlreiche neue Siedelungen, namentlich für Kriegsbeschädigte und -Kriegsteilnehmer, sind geplant und werden in den nächsten Jahren -entstehen. Den schon vor dem Krieg entstandenen wurden teilweise recht -inhaltlose Namen gegeben. Entweder waren es Benennungen nach den -Himmelsrichtungen (Südheim, Ostau, Westdorf, Nordheim) oder sonstige -unschöne Bezeichnungen, wie Fabrikdorf, Hafenau usw. Für die neuen -Siedelungen sollten bei der Namensgebung nur bewährte _bodenständige -Namen_ Verwendung finden. Am natürlichsten wirken stets die -Bezeichnungen, die auf die _alten Flur- und Markungsnamen_ zurückgehen, -auf deren Gebiet die Siedlung angelegt wird. Oft läßt sich der Flurname -ohne weiteres auch als Ortsname verwenden. Wo das nicht möglich ist, -helfen die alten Endungen: -hausen, -hohen, -ingen, -heim, -stetten. -Empfehlenswerter als diese Bezeichnungen sind jedoch Endungen, die auch -die Lage der neuen Siedelung auf einem Berg, an einem Hang, in der -Nähe einer Quelle, am Waldrand, im Wiesental usw. zum Ausdruck bringen. -Hier seien nur einige zur Namenzusammensetzung geeignete Wörter -aufgezählt: Berg, Eck, Horn, Halde, Bronn(en), Brunn(en), Wald, Busch, -Holz, Wiese, Tal, Au, Heide, Ort, Lust. Wo kein passender Flurname -vorhanden sein sollte, empfehlen sich Bezeichnungen nach der Lage, -wobei sich aus den vorstehend aufgezählten Wörtern sehr klangvolle -und ansprechende Namen zusammensetzen lassen: Waldlust, Bergeck, -Buschhalden u. a. Zur Namengebung sind ferner die Namen von Tieren oder -von Früchten vorzüglich geeignet, die im Siedelungsgebiet besonders -stark vertreten sind. Wie vielsagend und anheimelnd wirken Namen wie -Fuchsbau, Rehberg, Finkenwiese, Amseleck, Käferholz, Kirschhofen, -Dinkelsbühl. - -Aber nicht nur für die Siedelung selbst gilt es, schöne und mit -der Natur verbindende Namen zu prägen, sondern auch die _Straßen_ -in den neuen Siedelungen müssen derartige Namen bekommen. Wie öde -wirkt eine Friedrich-, Heinrich-, Olga-, Karl- oder Marienstraße! -Hoffentlich werden unsere neuen Siedelungen nicht nur Straßen besitzen, -sondern auch kleine einspringende Höfe, Winkel usw. und es werden -die daranliegenden Häuser auch mit entsprechenden Namen versehen, -z. B.: Im Schwarzhof, an der Waldach, im Winkelgarten, unter den -Weiden, beim Apfelnest. Wie noch jetzt auf dem Land jeder Hof seinen -besonderen Namen trägt und in den alten Stadtteilen viele Häuser ihre -eigenen Namen haben, so sollten auch die Bewohner von Eigenheimen -die alte Sitte wieder aufleben lassen und _ihr Heim mit besonderen -Namen schmücken_. Wie anders klingt es und um wieviel behaglicher und -gemütvoller ist es, im Waldeck, Eichenhof, Fichtenheim, Kirschgarten -oder Heidenest zu wohnen, als in der Langestraße Nr. 119 oder in der -Kanalgasse Nr. 111!« -- - - - - -Gedenkblatt zur Erinnerung an die im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen - - -[Illustration] - -Wir haben bereits in Heft 1/3, Band IX (1920), Seite 53 unserer -»Mitteilungen« auf das preisgekrönte, vom Professor Arno _Drescher_ -stammende Gedenkblatt hingewiesen. Das Blatt war 120 Zentimeter -lang, 74 Zentimeter breit und hatte somit eine Größe, die für viele -Vereine ungeeignet war, weil in ihren Vereinsräumen der Platz zur -Unterbringung fehlte. Ganz von selbst sind viele Vereine daher auf den -Gedanken gekommen, die Felder links und rechts wegzulassen und nur das -Mittelblatt, so, wie wir es hier abbilden, sich anzuschaffen. Die Namen -der Gefallenen lassen sich in dem freien Felde zugleich mit dem Namen -des Vereins unterbringen. Für das Vereinszeichen ist über dem Oval ein -Platz gelassen. - -Auf diese Weise ist es möglich, in solchen Fällen, wo wenig Mittel zur -Verfügung stehen, ein bescheidenes Denkzeichen an die zu errichten, -die im Glauben an eine glückliche Zukunft ihres Vaterlandes ihr Leben -ließen. - -Das Blatt ist zum Preise von 25 Mark durch unsere Geschäftsstelle -Dresden-A., Schießgasse 24, I zu beziehen. Eine Bestellkarte liegt bei. - -Das Blatt eignet sich zur Anschaffung für Vereine, für Schulen, für -Geschäftsräume und macht in geschmackvollem, einfachem Rahmen einen -sinnigen, dem Zweck entsprechenden würdigen Eindruck. - - - - -Heimatschutz -- Heimatkunst -- Heimatdichtung! - - -In unzertrennbarer Einheit ranken sich diese drei Kultur- und -Kunstbegriffe aneinander empor, heben und stützen sich, um in -wechselseitiger Befruchtung und Ergänzung dem einen großen Gedanken -zu dienen, die der breiten Masse verlorengegangene Liebe zur Heimat -und Scholle wiederzugewinnen, Rückkehr zur bodenständigen Kunst. -In trefflicher Weise äußerte sich bereits 1900 der Bahnbrecher und -Vorkämpfer der Heimatkunst, der bekannte Dichter Friedrich Lienhardt: -»Heimatkunst ist eine Selbstbesinnung auf heimatliche Stoffe; in -erster Linie aber ist sie Wesenserneuerung, ist sie eine Auffrischung -durch Landluft. Mit dieser Geistesauffrischung wird freilich auch -eine andere Stoffwahl, eine andere Sprache und Technik Hand in Hand -gehen. Wir wünschen nicht Flucht vor der Moderne, sondern eine -Ergänzung, eine Erweiterung und Vertiefung nach der menschlichen Seite, -wir wünschen ganze Menschen mit einer ganzen und weiten Gedanken-, -Gemüts- und Charakterwelt, mit modernster, und doch volkstümlicher -Bildung, mit national- und doch welthistorischem Sinn.« Und der -bekannte Literaturhistoriker Adolf Bartels schrieb in gleichem Sinn: -»Dilettantische örtliche Kunst ist sie durchaus nicht, sie wendet sich -an das ganze deutsche Volk und strebt den strengsten ästhetischen -Anforderungen Genüge zu leisten.« Wohl ist die seit Jahrzehnten -gestreute Saat prächtig gediehen und hat in weiteren Kreisen Wurzel -geschlagen, die große Stunde der Selbstbesinnung auf die Heimat für -die breite Masse aber ist noch nicht gekommen, doch liegt sie gewiß -nicht zu fern. Alle Gebiete stellen sich dieser großen Bewegung -zur Verfügung. Nicht zuletzt die Literatur. Sie stand zwar schon -lange, bevor man von einer Heimatschutzbewegung sprechen konnte, -in deren Dienst. Die letzten Jahrzehnte aber zeitigten in inniger -Liebe und Treue zur Heimat unvergängliche Heimatdichtungen, ganz in -Lienhardts und Bartelschem Geist. Wohl jeder deutsche Gau hat seine -Heimatdichtungen und -dichter mit mehr oder weniger Berufung zu der -hohen Aufgabe, Sänger der heimatlichen Schönheit und Eigenart zu sein. -Wir Sachsen haben unter anderem in unserem Gerhard Platz einen geist- -und gemütvollen Plauderer und Erzähler. Sein treffliches, mit einem -liebevollen Vorwort von Professor Paul Schumann versehenes Buch »Vom -Wandern und Weilen im Heimatland« (Dresden, Sächsischer Heimatschutz, -gebd. M. 12,--) ist echte geistige Heimat- und Volkskost, deren -Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Doch auch andere -Verleger und Dichter pflegen mit besonderer Hingabe die »Heimatkunst -als Grundlage einer sonnigen und stolzen Höhenkunst gegenüber dem -engen und stumpfen Stubenproblem« einer modernen, dekadenten und -mißmutigen Kunst. Unserem heutigen Heft liegt ein Verlagsverzeichnis -der _Lehmannschen Verlagsbuchhandlung in Dresden-N. 6_ bei, das der -besonderen Beachtung unserer geschätzten Leser gewürdigt zu werden -verdient. Unter den vielen empfehlenswerten Erscheinungen dieses -Verlages, die sich durchgängig bei niedrigem Preis durch mustergültige -Ausstattung vorteilhaft auszeichnen, erheischen einige doch besondere -Erwähnung. Bünau führt uns mit seinem köstlichen Novellenband »Der Mut -des Egidi Duldmann« in eine alte fränkische Stadt am Main. Wohl dem -deutschen Nest, das so erlebt wird, wie diese alte Bischofsstadt! Hier -zeigt sich echte Meisterkunst in unheimlicher Kraft in Schilderung, -Aufbau und Sprache. -- In das jetzt im Brennpunkt der Tagesfragen -stehende Oberschlesien versetzt uns Robert Kurpiun mit seinem Roman -»Der Mutter Blut« und seinen Novellenbänden »Ultimo« und »Bunt -Volk«. Wie keiner vor und neben ihm erschaut er feinfühlig die Seele -seines Landes und Volkes und bietet uns in allen seinen Dichtungen -eine edle herzerquickende und -stärkende Heimatkost. Jede seiner -Dichtungen erringt unser volles Interesse, gleichviel, ob er in seinen -Novellenbänden uns Leute aus dem Volke und Mittelstand menschlich -liebevoll nahebringt, oder ob er in »Der Mutter Blut« das große -deutsch-polnische Rassenproblem anschneidet. Stets bleibt er der -»Rosegger Oberschlesiens«, der Sänger seiner Heimat und schenkt uns -Dichtungen voll Erdgeruch und Heimatduft. -- In der Bücherei eines -jeden guten Deutschen verdient das Buch »Norika« seinen Platz und -wird ihr zur Zierde gereichen. Das vor fast hundert Jahren erstmalig -erschienene Buch wurde lange für eine echte Chronik aus dem 16. -Jahrhundert gehalten, so lebenswahr ist der Ton von Nürnbergs größter -Zeit getroffen. Meisterhaft sind die Schilderungen aus dem Kreise -Albrecht Dürers, Hans Sachsens, Peter Vischers, Kraffts usw. Diese -Ausgabe enthält die Hauptwerke Alt-Nürnberger Kunst in 26 Kunsttafeln. --- Für Dresden und Sachsen haben die Stübelschen Werke, die bei -Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregten, ganz besonderes Interesse: -»Chodowiecki in Dresden und Leipzig«, das Reisetagebuch des Künstlers -vom 27. Oktober bis 15. November 1773, und »Goethe, Schuster Haucke -und der Ewige Jude«. -- Besonders Bibliophile seien auf die Sammlung -»Deutsche Dichterhandschriften« aufmerksam gemacht. Hier ist der schöne -Gedanke verwirklicht: einzelne Dichtungen unserer Großen in deren -Handschrift wiederzugeben. Bei diesen Bänden spürt man deutlich: nur -des Autors Handschrift vermag den Leser in jene persönliche Beziehung -zu ihm zu bringen, die der Weg in das Wesen des Dichters ist. Man -erhält Einblick in die Eigenart seines Schaffens, in seines Geistes -Werkstatt. - -Es empfiehlt sich jedenfalls, all diesen Erscheinungen, denen sich -außer den vorstehend erwähnten noch manches nicht minder gute Werk aus -allen schönliterarischen Gebieten würdig beigesellt, das Interesse -nicht zu versagen. - - ~K. W.~ - - - - -Bücherbesprechungen - - -=Wochenabreißkalender »Unsre Heimat« 1921.= Herausgeber: _Sächsischer -Pestalozzi-Verein_. Preis M. 6,--. - -Kreuz und quer führt uns der nun schon zum vierten Male erscheinende -Bildkalender durchs deutsche Vaterland. Mit besonderer Liebe aber -verweilt er bei der sächsischen Heimat. Ist’s ein Wunder? Sind es doch -lauter sächsische, vorwiegend Dresdner Künstler, die dem Beschauer -hier zeigen, was es alles zu sehen gibt in der Nähe und in der Ferne -im armen und doch noch reichen Vaterland. Ein rechter Ansporn sind -diese künstlerisch hochwertigen Bilder besonders für unsere Jugend, -selbst einmal zum Wanderstab zu greifen und auch ihrerseits auf solch -glückselige Entdeckungsfahrt auszugehen. Gute und kernhafte Sprüche -aus dem Munde großer Deutscher heben den Wert des Kalenders. Auch die -Erläuterungen zu den Bildern sind bei aller Kürze ein guter Führer zum -Verständnis der dargestellten Landschaft. - - -»=Wegwart=«. _Jugendkalender des Sächsischen Pestalozzi-Vereins_, 2. -Jahrgang 1921. Preis M. 2,80. - -Ein rechtes und tüchtiges Büchlein voll Freundschaft und Verstehen -fürs Herz der heranwachsenden Jugend. Aufsätze aus der Feder echter -Idealisten wie Max Schmerler, Friedrich Richter, Hans Kappler, der -Malerwanderer, werden Gutes im Kinderherzen wirken. Und wem lacht -nicht das Herz, liest er das prächtige Kapitel von den Christbäumen, -die singen können? Treue, gutgemeinte Ratschläge aus der Feder -berufner Pädagogen, verständnisvolle Einführung in Naturgeschichte und -Sternenkunde, Anleitung zu Handfertigkeit und froher Geselligkeit -- -alles so gut und lobenswert. Nur bei dem Kapitel von der Sonnenfreude -fiel mir eins auf: »Ohne die Sonne«, steht da geschrieben, »ist der -Tod. Alles Bestehende ist ihr Werk.« -- -- -- Und wessen Werk ist die -Sonne? Wollen wir nicht an unserm Teil darnach trachten, daß unsre -Jugend, unser Volk, auch wieder im Geiste sich dem zuwendet, der die -Sonne gemacht? - - G. Platz. - - -_Paul Thomas_, Schuldirektor in Schlettau, »=Kriegschronik der Stadt -Schlettau im Erzgebirge=«. Eine Heimatgeschichte der Jahre 1914--1920, -zugleich eine allgemeine Geschichte des inneren Krieges. Selbstverlag -des Verfassers. Schlettau 1920. Broschiert M. 15,--. - -Ein Buch reichen Inhaltes, als »allgemeine Geschichte des inneren -Krieges« von Wert über die Grenzen des Städtleins hinaus, dem es -geschenkt ward. In schwarzem Band geheftet, passend für die dunklen -Tage der trostarmen Gegenwart, aber wie dunkle Abendsonne des -versunkenen Tages deutscher Größe und doch wie goldenes Morgenrot -besserer Zeiten leuchtet daraus seine goldene Aufschrift. Hätten doch -alle deutschen Orte solchen Geschichtsschreiber, der das, was des -Einzelnen Heimat in den Jahren 1914--1920 durchlebte, der Nachwelt so -festgehalten! Nach Inhalt und Anlage vorbildlich, hat der Verfasser -mit ungeheurem Sammlerfleiß alles Denkwürdige zusammengetragen, Großes -und Kleines, Ernstes und Heiteres, Erhebendes und Drückendes, beides -innerlich verbindend. Sein Werk wird in keinem Schlettauer Hause fehlen -dürfen. Aber es ist mehr als Stadtgeschichte, ein Stück Weltgeschichte -mit klaren Einblicken ins ungeheure Geschehen und seinen Zusammenhang. -Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Abschnitte des 375 Seiten -starken Buches inhaltlich zu besprechen. Wir greifen aus den fast 50 -Abschnitten nur einzelne Überschriften heraus, die die Lust zum Lesen -besonders anregen: Schlettau in der großen Zeit der Mobilmachungstage, -Freiwillige vor!, die Mobilmachung der Phantasie, die Mobilmachung -der Frauen, vaterländischer Hilfsdienst, bedenkliche Mobilmachungen, -Stimmungsbilder aus dem Stadtleben, Schlettauer Kriegsausstellung -(ein bedeutsames und erfolgreiches Unternehmen!). Rathaus, Kirche, -Schule, Post, Bahn, Industrie, Handwerk, Handel, Landwirtschaft im -Weltkriege werden, zum Teil mit reichen Zahlenangaben behandelt, auch -weniger Wichtiges, aber den Einheimischen Interessantes (Vereins- -und Wirtshausleben) wird, zum Teil mit gutem Humor, besprochen. Wir -erfahren, wie die Kleinstadt die Revolution erlebte. Ein ganzer Teil -zeichnet die Not und ihre Hilfe durch die staatliche und private Arbeit -in den verschiedensten Vereinigungen. Auch von der Teuerung und dem -Kriegssozialismus erhält man, besonders durch die vielen Zahlenbelege -und Vergleiche, ein anschauliches Bild. - -Der »Kriegschronik von Schlettau« soll bald ein zweites Buch folgen: -»Das Heldenbuch von Schlettau«. Eine Kostprobe aus ihm bietet schon -der Anhang der Kriegschronik: »Wie unsere Schlettauer ihr Eisernes -Kreuz 1. Klasse erwarben«. Darüber wird später beim Heldenbuch selbst -zu berichten sein. Für jetzt sei die Kriegschronik von Schlettau, -besonders denen in der Stadt und ihrer weiteren Umgebung, warm -empfohlen. In den Volks- und Schulbüchereien des Erzgebirges dürfte sie -nicht fehlen! - - Pfarrer Ernst Seidel, Beiersdorf (Oberlausitz). - - -=Alt-Bautzen.= Neun Federzeichnungen von Dipl.-Ing. _Hans Richter_. -Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger, Görlitz. Preis -M. 15,--. - -Die köstlichsten Stadtbilder, Bau- und Kunstdenkmäler vom sächsischen -Nürnberg finden wir in dieser Mappe in Schwarz-Weiß-Zeichnungen -vereint. In flotter anschaulicher Weise sind sie dargestellt, -Heimatbilder von dauerndem Wert, Erinnerungsblätter für alle, die -Bautzen lieben ob seiner Schönheit. - - -_Cornelius Gurlitt._ =Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler.= -Broschiert M. 14,--, Gebunden M. 19,--. - -Im A. Deichertschen Verlage (Leipzig und Erlangen) ist unter diesem -Titel ein neues kleines Werk des genannten Verfassers erschienen. -Gurlitt, der unermüdliche Vorkämpfer deutscher und insbesondere -sächsischer Denkmalpflege, beabsichtigt, wie er im Vorwort ausführt, -nicht Kunstgeschichte oder Altertumskunde hiermit zu lehren. Es soll -vielmehr das Buch den berufenen Hütern des Kunstbesitzes unserer -Kirchen, den Pfarrern und auch den Kirchenvorständen ein Ratgeber -und Führer sein in Fällen, wo eine Änderung im alten Bestand der -Gebäude sowohl, wie ihrer Ausschmückung sich als nötig erweist. Es -soll aber weiter auch darüber hinaus das Verständnis und die Liebe zu -diesen Dingen stärken und wecken, eine Mahnung, die gerade in unserer -heutigen Zeit des »Fortschrittes« besonders angebracht erscheint. Das -kleine Werk wird aber über den bescheidenen, im Titel genannten Rahmen -hinaus jedem Freunde und Sammler alter Kunstwerke gar vieles bringen, -denn nicht nur der feinsinnige Kunstkenner, sondern ebenso der alte -Praktiker der Denkmalpflege spricht hier zu uns. - -Der erste allgemeingehaltene Abschnitt des Buches beschäftigt sich -mit der Umgrenzung der Aufgaben kirchlicher Denkmalpflege und umreißt -in sicheren Linien Fragen der Zweckmäßigkeit und Schönheit im Bau von -Kirchen. Das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zur Gemeinde wird -weiter dargelegt. Von Fragen des Stils und Geschmacks finden wir gute -Worte in den folgenden Kapiteln, in denen auch die Leitsätze moderner -Denkmalpflege ausgeführt werden. Vom Werte alten Kunstbesitzes handelt -das Schlußkapitel, und wer würde da nicht wünschen, daß Gurlitts -schöne Worte: »Ein schlechter Erbe der, der zwar das hinterlassene Gut -annimmt, den Geber aber vergißt und ein Gedächtnis verfallen läßt, die -mit dem Gute übernommene Verpflichtung nicht durchhält,« in weitestem -Maße Beherzigung finden möchten. - -Im zweiten Abschnitt ist das wissenswerte über die Organisation der -heutigen Denkmalpflege in Kürze für Geistliche und Kirchenvorstände -zusammengestellt. Praktische Winke für Bau und Umbau von Kirchen, Wahl -des Architekten und dessen Verhältnis zum Bauherrn bilden hier den -Hauptinhalt. Der dritte Abschnitt handelt von der Pflege kirchlicher -Baudenkmäler gemeinhin, von Bau- und Schmuckmaterialien, von Anlage -und Schutz der Friedhöfe, der Gräber und Grüfte. Im vierten Abschnitt -endlich gibt Gurlitt aus seiner reichen, lebenslangen Erfahrung als -Denkmalpfleger heraus praktische Winke über die Pflege kirchlicher -Einrichtungsstücke. Was hier ausführlich behandelt wird, möchte -von allen denen beherzigt werden, denen die unersetzlich wertvollen -Kunstwerke unseres Kirchenbesitzes anvertraut sind. Denn wieviel wird -gerade hier und oft in bester Absicht gesündigt. Falsche Behandlung -ist aber zumeist, die neben oft schwerverständlicher Unkenntnis -dieser Dinge schon immer den schlimmsten Schaden angerichtet hat, -und eindringlich betont Gurlitt immer wieder die Notwendigkeit in -schwierigen und in Zweifelsfällen nichts ohne sachverständige Beratung -zu ändern, oder zu »verbessern«. Der Wunsch nach einer besseren -Überwachung gerade des kirchlichen Kunstbesitzes ist es ja auch -vor allem gewesen, der in den deutschen Staaten fast überall und -neuerdings auch in Sachsen zur Ausstellung besonderer Denkmalpfleger -(Landeskonservatoren) führte. - -So erfreulich die Fortschritte sind, die in den letzten Jahren die -Bestrebungen der Denkmalpflege und des Hand in Hand mit ihr gehenden -Heimatschutzes gemacht haben, so berechtigt erscheint aber auch noch -in unseren heutigen Tagen Gurlitts Mahnung im Schlußwort des Werkes: -»Erfüllt euch selbst mit der Liebe zur Heimat«. - - ~Dr.~ _Bachmann_. - - * * * * * - -=Der Sächsische Bergsteigerbund und seine Ziele.= Der 1911 gegründete -S. B. B., der zurzeit neben zahlreichen Einzelmitgliedern mehr als -200 Berg- und Wandersport treibende Vereinigungen umfaßt, hat mit -Wiederkehr friedlicher Verhältnisse die Anstrengungen zur Erreichung -seiner Ziele verdoppelt. Zu den Aufgaben, die sich dieser Bund -gestellt hat, zählt insbesondere auch die Bekämpfung der Unsitten, die -unter einem großen Teil der Besucher der Sächsischen Schweiz und der -angrenzenden Gebiete eingerissen sind. Der in den letzten Jahrzehnten -immer mehr anwachsende Massenbesuch dieser Gegenden hat bekanntlich -recht unerfreuliche Begleiterscheinungen gezeitigt: Durch wüstes Lärmen -wird die Stille der Natur entheiligt, das Landschaftsbild wird durch -Umherwerfen von Papier, Flaschen und anderem Unrat, durch Verwüsten -von Schonungen und Lostreten des lockeren Erdreiches an Steilhängen -mit samt dem Pflanzenreich geschändet; ein Greuel für jeden Menschen -von Geschmack ist auch die Kleidung, die von einem Teil der Besucher -dieser Gegenden getragen wird, Zipfelmützen und andere Narrengewandung -wetteifern mit Salontiroleranzügen um den Preis der Geschmacklosigkeit. -Hier nun will der S. B. B. Wandel schaffen durch ein gutes Vorbild, -durch unausgesetzte Aufklärung und Belehrung in Wort und Schrift, -nötigenfalls auch mit noch wirksameren Mitteln will er die Besucher -der heimischen Berge zu einem Wohlverhalten in der Natur erziehen. -Als wichtigstes Hilfsmittel zur Durchführung dieser Bestimmungen hat -sich der Bund im Sommer 1919 eine monatlich erscheinende Zeitschrift, -die »Mitteilungen des S. B. B.« geschaffen. (Zu beziehen durch die -Geschäftsstelle des S. B. B. Dresden, Johannesstraße 21.) Dieses Blatt -will insbesondere durch Erweckung und Vertiefung der Heimatliebe -veredelnd wirken. - -Eine Wendung zum Besseren im Betrieb des Berg- und Wandersportes -in unserer Bergwelt ist in letzter Zeit schon unzweifelhaft -festzustellen gewesen; um durchgreifende Wandlung zu erzielen, dazu -bedarf es noch längerer hingebender Arbeit und der Unterstützung der -Bundesbestrebungen durch die weitesten Kreise. Zu näherer Aufklärung -ist Interessenten gegenüber stets bereit der Presseausschuß des -S. B. B., vertreten durch Herrn ~Dr.~ Pfeilschmidt, Dresden-A., -Reichenbachstraße 13. - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt; - Druck: Lehmannsche Buchdruckerei, beide in Dresden. - - - - -Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch -vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen: - - Band III ungebunden M. 7.--, gebunden M. 20.-- - " IV " " 10.-- " " 25.-- - " V " " 7.-- " " 20.-- - " VI " " 7.-- " " 20.-- - " VII " " 7.-- " " 20.-- - " VIII " " 7.-- " " 20.-- - " IX " " 7.-- " " 20.-- - -=Wir gestatten gern Ratenzahlungen.= - -=Bestellkarte anbei.= - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden-A., Schießgasse 24. - - - - -Vom Wandern und Weilen im Heimatland - -Von =Gerhard Platz= - -Dresden 1920 - -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei - -Band I - -320 Seiten -- Großoktav - -_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereines Sächs. Heimatschutz -M. 12.--_ - -_Bestellkarte in diesem Hefte_ - -Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast -in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften -aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die -er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz -möchten wir wandern. So ist es verständlich, daß wir in dem ersten -Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten -Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in -wenigen Stücken vorhanden. - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24. - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Korrekturen: - - S. 33: einschlossen → eingeschlossen - abgeschlossen doch nicht {eingeschlossen} - - S. 59: Hiddensoe → Hiddensee - {Hiddensee} auf Rügen und die Mellumplatte - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 1-3 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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